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Full text of "Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. Hrsg. mit Unterstützung des Bundes und der Kantone. Bearb. von Friedrich Staub und Ludwig Tobler"

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Schweizerisches  Idiotikon , 


W  örterbiicli  der  scliweizerdeutsclieu  Spraclie. 


Zweiter  Band. 


Schweizerisches  Lliolikoii. 

Wörterhucli  der  sclnveizerdcütsclieii  Spiciche. 

Gosaiiiiiu'lt   auf  Vt'raiistaltuii^' 

(1(T 

Aiitiquarisclioii  (Jesellschalt  in  Zürich 

mitcT  lioiliültc 

aus  allen  Kreisen  des  Schweizer  Volkes. 

Iloi'ausgegtilien  mit  llulcrslüiziiug  iIcs  kuk  iiiid  ilor  Kaiitiioi'. 

Zweiter  Band. 

Bearbeitet 

von 

Friedrich  Staiil),  Ijudwig  Tobler  und  iludolf  Schocli. 


'^tr' 


Prauenfeld. 
Verlag  von  J.    lliibt 


PF 


€;-  (vgl.  K- 


zweiten  B 
tia,  ge,  si,  go,  gu. 

8.   muh   die  Gruppen   (!uh,    (lach,    OaJ,    Gan  usw. 

<;a(ii)  (gO";  in  Gl;  GH.;  Sch  gü",  PP.  güj  —  Präs. 
lud.  1.  (/((.  gii.  f/ioi.  f/fdie":  gangfe'J,  3.  gut  CgädJ; 
gi'if  iget),  ri'i't :  PI.  gond,  ißnd,  -t,  spec.  1.  gä,  gäio  (1), 
gü,  (jiii;  ffd-i,  giDige",  gonge",  ge-nge",  2.  gut,  gdd,  göd, 
gä-it,  gcit,  ganget,  3.  gän.  C  o  n j.  gangiii,  <ir'ii<ii u.  (imig; 
gü(i).  Imp.  gang;  gä;  Fl.  ganged,  (juiniid.  iir-iii/ct ; 
gand,  gen(d),  gönd;  gut.  Cond.  giciig  (i, -li),  gm'ng, 
giieng,  gäng.  Ptc.  g' gange',  g'ganke  —  mit  ,seiir  — : 
gehen.  1.  von  willkürlicher,  bewusster  Bewegung. 
a)  ,GiJn:  einhin  trotten,  wandlen.'  M.iL.  RA.  Das  ist 
g'rad:  we''  gät  da  ditre  [vorbei]?  reicht  nicht  lange, 
ist  wie  ein  Tropfen  ins  Meer  Z.  ,Er  got  noh  mir, 
steht  im  Eange  mir  nach.'  Spbenh.  Emphatisch:  gä" 
chöime",  auf  schwindligen  Pfaden  zu  g.  vermrK'en.  frei 
von  Schwindel  sein  Uw;  vgl.  Gänger,  .\iirli  t  r..  s.  11%. 
Auch  vom  Tanze:  Mer  wend  no'''  i'ii  W'iilur  ijn.  der 
31a""  machet -i^  sein,"  |  schon,  freiüchj  MiLtig  GT. 
(Feurer);  ,-i"ii>t  /./;/("  f'ircu.  han.  —  b)  mit  Angabe 
der  Kichtuiii,'.  il^^  Zirl.s  und  Zweckes,  wobei  diese 
in  den  Vordergrund  treten  und  gän  mehr  und  mehr  die 
Uolle  eines  blossen  Formw.  erhält  od.  zu  bildl.  RAA. 
dient.  Döhar  gut  er!  das  Losungswort  in  der  Zofinger 
Mordnacht,  s.  Eochh.  1856.  2,  .368  u.  LTobl.  im  Z  Tasch. 
1883,  23.  Über  Etw.  g.  s.  I  56,  57.  .Da  N.  dem  N.' 
über  die  briefe  gegangen  ist  [sie  erbrochen  hat],  soll 
er  gestraft  werden.'  1568,  Absch.  Ähnlich  an  Etw.  g., 
sich  daran  vergreifen,  daran  naschen  s.  I  '_'.">■_' u.;  .iber 
(("  d'  Sträss,  a"  d'  Linth  gu  bedeutet,  sii  li  an  Ailniteii, 
welche  die  Strasse,  den  Fluss  betrcHon,  beteiligen, 
seinen  Broterwerb  dabei  suchen  Gl,  und  in  ähnlichem 
Sinne  uf  de"  Tagme",  als  Tagelöhnef,  i"  d'  Fabrik,  als 
Fabrikarbeiter,  z'  Alp,  als  Küher,  g'  Höh,  als  Holz- 
fäller, z'  Magd,  z'  Chnecht,  als  Dienstbote  Gl.  In  der 
K.\.  über  Nüt  gä,  zu  Grunde  g.  S  (Syn.  drüf,  dran 
gitn).  ist  die  Verbindung  ü.  N.  aus  der  RA.  mit  ,kom- 
men'  (s.  I  57)  entlehnt  und  ist  alle  sinnliche  An- 
schauung preisgegeben.  In  Etw.  g.,  um  es  zu  holen, 
zu  gewinnen  s.  1  287,  aufs  Zeitliche  übertragen,  bei 
Altersangaben:  i"  's  8.  (JarJ  oder  im  8.  (Jar)  gä, 
das  7.  Jahr  zurückgelegt  haben.  Auf  die  Doppel- 
sinnigkeit der  räumlichen  und  zeitlichen  Beziehung 
spekuliert  die  Vexierfrage:  wohi'  ist  de''  Heiland 
g'gange",  wo-n-er  [als  er]  lä  Jar  alt  g'si"  ist?  Mit 
der  Jarzal  gä  (laufe"),  im  J.  1800  geboren  sein  Z. 
.Ich  gieng  myns  alters  in  dz  19.  jar.'  Edlib.  ,Ajinus 
alter  ab  undecimo  ceperat  me:  ich  was  bei  den  drei- 
zehen  jaren  alt,  oder,  ich  gieng  in  das  dreizehend  jar.' 
P'ris.  ,2  jar  alt  sein  oder  in  das  ander  jar  gon.'  Mal. 
,Jetz  in  sein  jugend  oder  sterke  g. :  aetatem  juvenilem 
eapere.'  ebd.  ,Die  helvetische  Gesellschaft  gieng  erst 
in  ihr  6.  Jahr.'  JGSchulth.  18U1 ;  und  sinnlicher  Bed. 
vollends  bar:  .in  die  aberwitz  gön'  (s.  d.  W.).  ,In 
ein  gespräch  gon:  ire  in  colloquium.'  Mal.  ,In  ein 
gesellschaft  mit  einem  g.  etwas  ze  handien:  societatem 


alicujus  rei  coire  cum  aliquo.-  ebd.  ,Als  sy  jetz  mit 
andren  Eidgnossen  in  die  französisch  vereinung  syent 
gangen  [in  das  frz.  Bündniss  eingetreten].'  1521,  Aescu. 
,Die  von  Z  weitend  nit  gan  in  dise  Vereinigung;  dann 
sy  beschwartend  sich  etlicher  Artiklen.'  HBull.  1572. 
Jmdm  fj»  'n  Schade"  g.,  den  Schaden  tragen  helfen; 
vgl.  ,an  die  Hand  gehen';  anders  daran  g.  I  258  f. 
CA/;  jetzt  breiter  , auf  Etw.  aus' </.;  s.  1117  B  2.  118  o.; 
in  abstrakterem  Sinne:  auf  eine  Grundlage  abstellen 
s.  I  118,  5.  Ztie  Einer  gä",  sie  besuchen  als  Freier, 
um  sie  werben  B.  S.  noch  in  'n  Kabis,  in  's  Leid; 
ze  Helgen,  Kilt,  Liecht,  Lumpen,  Bodem,  Binder, 
Schiteren,  Stubete,  Dorf  g.  unter  den  betr.  Subst. 
Wenn  Ziel  und  Zweck  durch  einen  Inf.  ausgedrückt 
sind,  so  dient  gän  gewissermassen  nur  zur  Umschrei- 
bung des  Fut.  (genauer  Instans);  vgl.  frz.  je  cais  m. 
Inf.  D'  Chue  gelt  z'  chalbere",  wird  bald  kalben  Gk. 
Die  C'onstruction  mit  blossem  Inf.  (ohne  die  Präp.) 
ist  dem  Sprachbewusstsein  der  Volks-MA.  abhanden 
gekommen;  s.  gän.  —  d)  mit  Angabe  der  Neben- 
umstände, Art  des  Ganges,  Verhalten.  Vu"  der  Hand 
gä  s.  I  840  M.  ,[Die  Gemeinde  N.J  hat  nüt  sonders 
[Besonderes],  sonder  got  mit  anderen  grirhten.-  1 179. 
Arch.  AAWett.  ,Es  wiegelte  den  Eück.n  -m  maj.  Jü- 
tisch wie  eine  Frau,  die  in  guter  Hotinunu  ;;ihi.  I'imh 
Ratsherrin  zu  werden.'  Gotth.  ,Mit  eiueni  Kinde  ^■.■, 
guter  Hoifnung  sein,  gravidam  esse  B  (in  BHk.  vor- 
wiegend von  ausserehlicher  Schwangerschaft);  S;  Z. 
Wie  vil  Chind  hat  die  Frau?  Antw.  Si  gät  mit-dem 
dritte".  Si  gat  sc/(0"  wider  mit  ev"m.  I''  ti'siiiii-nii''' 
na'''  wol:  es  ist  g'si",  wo-n-i  [als  ieh|  iiiil  dem  Buch 
g'gange"  bin  Z.  Auch  mit  Dat.  mit  Bez.  auf  den  Vater: 
si  gät-mu  mit-me'"  Chind  BLaut.  .(Gross)  mit  dem 
kind  gon,  ferre  partum.'  Fris.;  Mal.  ,Sy  bede  sind 
innen  worden,  das  es  [das  Mädchen]  mit  dem  kind 
gange.'  Mey.,  Wint.  Chr.  Mit  Apposition  zum  Subj.: 
G'spane"  gä  mit . .  .,  sieh  zu  Jmdm  gesellen,  sich  ihm 
als  Freund  anschliessen.  's  Klarinett  chönnt  mit  der 
Flaute  G.  go.  HXfl.  1813;  vgl.  Meister  ga  unter  2  a. 
S.  ferner  u.  die  Zss.  mit  Advv.  —  e)  fort  gehen,  in 
ausgesprochenem  Gegs.  zu  .kommen'.  Me"  cha""  chö" 
und  gä",  wenn-me"  will.  Gang -mer  us  der  Heitert 
(Hein,  us-em  LiechtJ!  Einen  Dienstboten  g.  /<(",  ent- 
lassen B.  Sonst  in  abstracterem  S.  =  Einen  ruhijr. 
unbeholli-t  lassen:  -ewähren  lassen.  Nicmcl  rhoinn-' 
gälii.  dir  Sn.'lil  li;,lH-n.  ,lr,|rn„ai,n  /ii  kvilislrrrn.  Ihr 
Hucxl.,  I.,l-,i,r''  n'.ul  in,iin„r  ,i„  :  ,r  :,,■/-»,,  r,s,l,  r  miniu: 
Gl.  Da  haut  s  chunnc"  iju,  vexierender  Schlu.,^  \un 
Märchen  Z.  Dernoh  vhaust  go,  dann  magst  du  zusehen. 
wie  du  dir  selber  helfest  Bs.  Mit  Dat.  eth. :  ich  gu-mer 
iez  hei'"  Gl.  Wart,  bis  d'  gast,  scherzh.  zu  einem  Ab- 
schied nehmenden  Besuch,  indem  man  ihn  mit  der  Hand 
zurückhält  Z.  G.,  sterben  FJ.  Wa  [als]  er  g'mcrLi 
hed,  das  er  geit  [sterben  müsse];  Syn.  überene  gn  1  260; 
verreisen.  Auch  von  Tieren :  verderben  Gr.  Syn.  «m- 
stän.  G.,  das  Spiel  verloren  geben  und  darum  von 
der  Fortfuhrung  desselben  abstehn;  auch  (scheinbar) 


«a,  ge,  gl,  go.  gu 


tr.  CS  <j.  L  (wo  .es'  vidi,  alter  Gen.  ist);  Syii.  es  län. 
Mach,  dass  d'  gast  [so  wlt  de'  Himmel  blau  ist  Z,  so 
wit  a's  der  Lieberherrgott  Suppe  choclit  Bs).  Die  Frage- 
form gast  {gast  Ar;  GT.)  im  S.  des  Iir.per.,  bes.  als 
Sclieucheruf  für  Hunde  und  Katzen.  Der  Imper.  Gang 
(-mer)  eweg  (wegg)i  Aa;  S;  Z,  PI.  gangit!  BO.  als 
Formel  der  Abweisung  für  ein  Anerbieten,  ein  Gesuch, 
für  eine  angehörte  Äusserung  =  davon  ist  keine  Rede, 
das  machst  du  mir  nicht  weis,  davon  will  ich  Nichts ; 
auch  weniger  schroff  für  blosse  Verwunderung.  Mit 
dem  Rlclitmn  isch  —  gang -mer  nmnme"  tvegg  [rede 
mir  nur  Nichts  ein !],  's  isch  hütistags  noh  gäng  rso  — 
der  Verstang  und  's  Aseche"  cho".  JHofst.  Sonst  auch 
berühren  sich  die  beiden  Begriffe  g.  u.  kommen ;  s.  o. 
er  got  noh  mir;  über  Nüt  g.:  ,in  lüp  abcrwitz  g.'  — 
f)  in  Bewegung  sein,  als  Go^-.  /u  -I.Imii.  sitzen, 
liegen.  ,Wenn  dero  dheiner  [irgrinLiinM  |  i,'.'vinij  und 
gände  wäre,  der  soll  dannen  gau.-  1:J45,  IJ  .Spital  u. 
Schmieden.  ,Die  lamen  gond,  die  todten  stond  auf.' 
1-530,  Matth.  Bildlich:  ,Da  ward  nun  der  gaul  gend 
[kam  in  Lauf]  und  bewurbend  sich  die  bischöf  um 
vil  abteien.'  Vad.  Sonst  dienen  die  Begriffe  .stehn' 
und  .gehn'  einander  zur  Ergänzung,  um  alle  Formen 
des  Verhaltens  eines  lebenden  Wesens.  Ruhe  und  Be- 
wegung zu  umfassen,  besonders  um  sie  als  gleich- 
wertig darzustellen.  Es  got  im  Höh  [doppelsinnig, 
auch  =  Wald]  und  stot  im.  H.  und  chunnt  doch  niene^ 
[nirgends]  hi"  (Rätsel  von  der  hölzernen  Wanduhr). 
Wie-n-er  gät  und  stät,  von  seiner  gerade  vorhandenen 
Situation  aus,  unmittelbar,  ohne  besondere  Vorbe- 
reitung, stante  pede.  ,Wie-n-er  steit  im  geit,  sine  omni 
suppellectilis  impedimento.'  Id.  B.  Auch  von  Sachen: 
Etw.  nehmen,  icie  es  g.  u.  st.  ,Wenn  man  ihn  rief, 
Hess  er  alles  Eigne  gehen  und  stehen.'  Sch  Pilg.  1883. 
Auf  Jmdn  g.  u.  st,  unausgesetzt  auf  Angriff,  Rache 
gegen  ihn  sinnen  (s.  I  117  B  2).  ,Alles  syn  guot. 
ligents.  farents,  gends,  ständs  [usw.].'  1436.  Geschpo. 
Ges.  Oder  auch  decken  die  beiden  Anschauungen 
einander;  vgl.  o.  er  got  noh  mir;  ,in  dem  und  dem 
Altersjahre  g.';  vW  der  Hand  g.  (von  Zugtieren);  ,in 
guter  Hoffnung  (/.'  —  g)  zu  Fuss  g..  Gegs.  zu  .fahren, 
reiten'.  Der  Bür  im  Chot  erhalt't,  was  rit't  und  göt. 
Es  ist  besser  armselig  g'fare",  a's  hoffärtig  g'gange". 
Gewöhnlicher  mit  dem  Zusätze  «'  Fuess  oder  das 
Syn.  fuessen.  Wortspiel:  rltet 's  nid,  so  gat 's,  als 
spasshafter  Bescheid  auf  die  Frage  nach  dem  Be- 
finden (wie  gät  's?).  Doch  g.  auch  im  Wechsel  mit 
riten:  uf  Ei"m  umme"  g.,  sich  hämisch,  neckend  mit 
ihm  beschäftigen  Ap.  —  h)  speziell  und  prägnant 
vom  Rinde,  das  zu  seiner  Reife  gelangt  ist  GT.  — 
'2.  von  Sachen,  a)  mit  Angabe  des  Zieles,  Ausgangs- 
punktes. Wo  gätde'hi"?  Frage  über  die  Bedeutung 
eines  Seufzers  Z.  Es  ist  süttigheiss  dur'''  mi"''  uf 
g' gange'  Z.  Es  ist  ischalt  dur''''-nii'''  dur'''  g" gange?'  G. 
Die  Dinte  geit  dür  [schlägt  durch]  B.  Häufig  =  sich 
erstrecken  bis  zu  einem  Punkte,  einer  Grenze,  z.  B. 
von  einem  grossen  Menschen:  er  gat  bis  a'  d'  Tili 
[Stubendecke]  ufe",  und  umgekehrt  von  einem  kleinen 
spottend :  das  ist  en  grosse'  —  er  gät  bis  an'n  Boden 
abe  Z.  De  Baum  gat  über  's  Tach  ufe.  ,Die  Schwirren 
[Pfähle],  die  höcher  fürusen  [über  den  Wasserspiegel 
hinaus]  gehen.'  1658,  Arch.  ÄAWett.  .Einer  [meint, 
er]  trinke  wyn  und  er  gange  im  zur  stirnen  widerumb 
hinuss.'  LLav.  1569  =  .herauss  fliesse.'  1670.  .Dass 
alle  haar  zberg  gond.-  ebd.  1670.    ,Der  bannwart  soll 


all  tag  früeg  urt  stan,  so  der  tag  an  den  himmel  gat.' 
Offn.  ZDüb.  ,[Wenn  es  in  Kriminalsachen]  an  den 
Hals  [ans  Leben]  gieng.'  MEsterm.  1875.  Anders:  es 
geit  an  es  Brilele",  ein  Gebrüll  beginnt  B.  Es  gat  uf 
de"  Summer,  wir  gehen  dem  S.  entgegen  Z;  uf  die 
besser  Site,  es  geht  der  Besserung,  der  schönem  Jahres- 
hälfte entgegen  Z.  D'  Wis  got  i'  's  Heu  [wird  reif 
zum  Heuen]  am  Georgitag.  Sulger.  , Caput  facere  di- 
cuntur  folia  herbs :  in  saamen  gon  und  tölder  [Wipfel, 
Dolden]  gewünnen].'  Fris.  ,In  die  hälm  gon,  gleich 
[Gelenke]  gwünnen  oder  spillen,  wenn  der  saamen 
auf  dem  feld  sich  anfacht  in  die  hälm  gestalten,  ire  in 
articuluni.'  Mal.  Mit  us:  es  gat  vil  drus,  das  Gespinnst 
ergibt  viel  Abgang.  S.  auch  über  I  57.  58.  In  gleichem 
Sinn  uf:  ,Es  wäre  seinen  vorfaren  uf  disen  handel 
so  vil  kost""  und  arbeit  gangen.'  Vad.  Mit  in  und  uf, 
vom  Masse,  zunächst  vom  Messgeschirr,  in  welches 
der  Stoff  gefüllt  wird.  allg.  ,Es  gehen  nicht  alle  in 
dises  ort:  hie  locus  non  omnes  capit;  angustior  est 
locus  quam  pro  eo  numero.'  Hospin.  Dazu  die  Vexier- 
frage: Wie  vil  l'Wi  gönd  in  es  Viertel?  Hieher  die 
RA.  in  d'  Halme  (anders  als  oben),  in'n  Heuet,  Herbst, 
Most,  i"  d'  Fasnacht  g.,  von  ausgelassenen  Scherzen, 
welche  gleichsam  in  der  Masse  mitgerechnet,  inbe- 
griffen werden,  mitlaufen;  s.  I  287  c.  Daher  aucli 
jf.  =  passen.  D'  Schueh  gange"  B.  's  Blau  gat  mir 
nüd,  blaue  Kleidungsstücke  stehen  mir  nicht  gut  Z. 
's  Rot  gat  nüd  zum  Leid  [Trauer]  Z.  ,Zum  Wisse 
geit  Alles,  nullus  color  cum  albo  non  congruit  in 
vestibus.'  Id.  B.  Von  Ersatzwert  (,usum  alterius  rei 
praestare.'  Id.  B) :  E  tütschi  Mark  gat  für  1  Fr. 
35  C.  (s.  aber  auch  unter  d).  Sitze"  gät  für  stcr, 
formelhafte  Einladung  an  einen  Besuch,  sich  zu  setzen 
Z.  Der  Tabak  geit  dem  Soldat  fi'ir  d's  Essen.  Id.  B. 
,Ga  für  Nüt,  ad  aliquani  rem  nulluni  momentuni  ha- 
bere.' ebd.  Mit  prägnanter  Wendung:  es  gaf-drr 
wäred  dem  Esse,  du  kannst  es  während  des  E.  abtun  Z ; 
vgl.  .von  Statten  gehn'  und  gän  absol.  =  gedeihen,  ge- 
lingen. ,Erschlüeg  ein  gast  [Fremder]  ein«"  hofmann, 
da  soll  bar  gegen  bar  gan.'  1484.  Schw.  Me"  seil 
si"'  Sach  luege"  z'  üfne"  und  kei"s  Spönli  unnütz  lo" 
z'  Schande  go".  BWyss  1863;  vgl.  geschänden.  Z'  ver- 
liere" ga,  verloren  gehn,  von  Sachen  und  Personen 
ü;  W.  Der  [Sohn  in  der  Parabel]  z' v.  gegangu"  ist, 
ist  widerum  g'funnu  wordu.  Sonst  auch  mit  Ptc,  da 
es  dann  mit  Aufgebung  alles  realen  Begriffes,  nicht 
verschieden  von  , werden'  (vgl.  auch  kommen),  zur 
Darstellung  des  Passivs  dient,  für  welches  es  sich  von 
Hause  aus  eben  so  wohl  eignet  wie  die  concurrieren- 
den  Hülfsverba:  dass  doch  au'''  nid  gar  Alles  g'schändt 
geu  AARued.  (AGisi).  ,Verraton  g.'  Sch  Pilger  1885. 
Vergoldt  g.,  von  der  untergehenden  Sonne,  Umdeutung 
aus  für  Gold  (s.  bei  Gold).  Mit  Adj.  u.  (prädikat.) 
Subst.  an  der  Stelle  des  Ptc:  Der  Bach  ist  grössw 
g'ganga"  GRPr.  (Schwizerd.).  Das  gat  fertig,  kaput 
[zu  Grunde]  Z.  Fallit  g.,  bankrott  werden  Z.  ,Unnutz 
g.'  s.  verfallen  I  (1  755).  Schnider  gu,  beim  Karton- 
spiel gar  keinen  Stich  machen  Gl.  Meister  g.,  als 
Sieger  aus  dem  Kampf  hervorgehen  und  es  bleiben, 
der  Stärkere  sein  Gl;  Gr  (auch  Her  g.);  GF.  Es 
nimmt-mi"'  Wunder,  wer  am  End  M.  ganq.  Gl  Votks- 
gespr.  18.34.  Auch  mit  Dat.  der  Person  od.  der  Sache 
(Anfechtung),  über  welche  man  Herr  wird:  Hut  tcürt 
dich  dr  Herr  in  mi"  Hand  Ufere",  dass  ich-dr  M.  gäng 
und   dr  ds  HauH   abhamri  GRRhw.     LTiid   auch    das 


Ga,  ge,  gi,  go,  gn 


Subst.  wieder  mit  der  Priip.  .Dann  suiist  sölliclie 
Igerodeten  Plätze]  wider  zuo  stüdeii,  und  holz  gangen 
wärind.-  1533,  BSigr.  —  b)  mit  Angabe  von  Neben- 
um. ständen,  zu-,  ergehen.  ISs  gut  wie  Back,  Biix, 
(j'miiiffc",  d.  i.  leicht;  zrie  (f flöge",  g'hexet,  e  Ghugle 
iis-im  J\i>r,  sein-  schnell.     Wie  stat  's,  wie  gat's?  Frage 

nach  il llcliiidcii.     A])pa  [auf  die  eine  oder  andere 

Weise)  ,/((7  's  -  ist  de'-  Wlbru«  Troat  W.  Es  geit, 
nie  mu'  's  tribt  W.  Es  gät,  wie  's  mag  oder  es  gdt- 
)ihr  au"''  fso  [wenn  man  sein  Befinden  nicht  eben 
riilimen  will]  Z;  dagegen  es  g.-m.  ad  e.,  ich  bekenne 
iiiicli  zu  der  gleichen  Ansicht  Z.  Es  geit  Ei"'m  grusam 
liift.  GoTTH.  Es  gat  verschide",  bald  (hier)  so,  bald 
(doit)  anders  Z.  Cliöuf  und  Lauf  gange"  verschide, 
es  besteht  kein  einheitlicher  Preis  Bs.  Ich  iceiss  nüd, 
wie  's  dir  auch  gat,  ich  meine  fast,  es  gehe  dir  noch 
übel  Gl.  ,Das  wir,  ob  Gott  will,  niemer  tuon  wellen, 
uns  gange  darnach,  was  Gott  welle,  dann  unser  pund 
erlicii  haben  [halten].'  1444,  Absch.  In  Ei«'m  (zue)  g., 
mit  der  gleichen  Arbeit  und  Mühe.  ,Es  geit-iner  in 
i'im  (hing  =  eädem  operä  fit."  Id.  B.  Mit  Bezug  auf 
das  Verhältniss  der  Anzahl  der  Fäden  des  Zettels 
resp.  der  Zähne  im  Weberkamme  zu  einer  Masseinheit 
(viell.  zu  dem  Zoll):  ,Ein  zwilchtuoch.  das  im  zechner 
und  darunter  gat,  [bezahlt  als  Abgabe]  4  hlr,  und  was 
im  einlitf  und  zwölfer  gat,  5  hlr,  und  was  in  dryzechner 
gat,  (i  lilr.-  Z  Wint.  Stdtb.  Ellipt. :  'es  wird-der  ga, 
pffinam  dabis.'  Id.  B.  Anders:  das  geit  mier  sehen, 
ich  habe  Freude  daran  BHa.  Das  f/at  om/j.' geht  hoch 
her.  Es  gat  drum  [um  ein  Kaufsobjekt]  (wie  um  's 
Wisslirod).  —  c)  fort,  weiter  g.,  im  Gegs.  zu  .kom- 
men-. Clin"  tuend  d'  Chrankete"  g'schwind  und  gä 
grusig  laiigsam.  Schwizerd.  Es  god  loider,  wie  's  cho" 
ist,  als  Trostformel  und  auch  sonst.  Ineichen.  Von 
der  Zeit,  dem  Schnee  udgl.  mit  Bez.  auf  ihre  Ver- 
gänglichkeit. Die  Zu  ist  auh  g'gange'!  Gr (Schwizerd.). 
Ob  's  lang  geit,  binnen  Kurzem  B.  (Hei'"J  g'gange,  zu 
Grunde,  verloren  L.  Von  Farbe,  Flecken  =  ver- 
srliwinden:  giii  (i/ange'J  d' Heidelbiri?  Bs;  dafür  gew. 
ils-g.  —  d)  Fortgang  haben,  in  Hewecung  sein, 
im  Gegs.  zu  , stille  stehen;  bleÜMir.  Ks  <iitd  so  lang, 
(i's  's  mag.  Ineichen.  Was  iiud  inll  ijn.  das  löss-me" 
slo,  was  dich  nicht  brennt,  das  blase  nicht,  ebd.  Mini 
Bei'  sind  gegangw  loie  es  aspi's  Laub,  haben  gezittert 
VV.  ,Es  seien  nie  Zwei  zusammen  gekommen,  dass 
den  Leuten  die  Mäuler  nicht  von  einander  gegangen.- 
GoTTH.  Es  gat  (lauf tj-mer  im  Mul  umme',  ich  finde 
das  Wort  nicht.  .Gehender  Zug-,  Netz,  das  vorwärts 
gezogen  wird.  ,Im  Ganggrässli-Laich  soll  man  die 
genden  Zug  ungehindert  lassen.'  1544,  Absch.  ,Es 
soll  der  stehende  Zug  dem  gehenden  weichen  und 
Niemand  durch  Fach  [udgl.]  einen  Z.  vorschlagen 
[ihm  den  Weg  versperren].'  171Ü/57,  Z  Fischerordn. 
IJ'  Auge'  gönd-em,  rollen ;  d'  Auge  go  lo  s.  I  134  e. 
Es  gat,  rückt,  kommt  in  Bewegung,  gibt  nach;  Syn. 
es  ICit.  Es  gat  kein'n  Weg,  lässt  sich  weder  vor-  noch 
rückwärts  bewegen.  Es  muess  gä  oder  lä,  biegen  od. 
brechen  Th;  Z.  Bes.  von  Etwas,  das  bisher  stockte, 
verhalten  wurde:  der  Hueste'  gät,  der  Auswurf  löst 
sich  ab  GTa.  Der  Brüel  isch-mu"'  g'gange,  er  kann 
(konnte)  seine  innere  Bewegung  nicht  länger  zurück- 
halten, sondern  musste  herausplatzen  vor  Lachen  od. 
Schreien  BO.  ,Descendit  alvus:  er  gat,  hat  sein  gang.' 
Pris.  G.  von  einem  Maschinenwerk,  im  Gange  sein, 
nicht  stocken,    z.  B.  von  einer   Uhr.     Mriii  Muli  gat, 


diui  M.  Ii'slat  usw.,  Eeime  zu  einem  Fingerspiel. 
Ubertr.  auf  die  (geschwätzige)  Zunge;  den  (essenden) 
Mund;  die  Dachrinne.  D'  Tachlräufe  giind;  d'  T. 
müge'd  nüd  ^mäl  s'  gä  cho,  es  hat  nur  wenig  geregnet 
Z;  vgl.  antrlben.  Vom  Teig  im  Backtrofje:  aufi;-elin, 
gähron.  allg.  De'-  Ihh,l  (d'  ll,hhi.  )  ,\i  „',/„„-/,'  '/.. 
Der  Teig  ist  g'nucg  -/-/i«./''.-  "'""  /^"""  '""'"'  • ". 
Spreng.  Von  einem  zu  Juiiiien.  iln  -luvn  I  .i-,'  |:.ii.'t 
man:  de''  gieng  jo  bis  ga  Slni^sliiuii  idir"  Z;  \gl.  '(/-;/• 
Volksrätsel:  was  gut  und  h„i  dnrli  kei"  Bei"'!'  Auf 
den  in  den  Ofen  gescli"lMii.ii  Laib  dagegen  bezieht 
sich  das  andre:  Es  gut  im  Ofi.  sl,,l  im  O.  und  stösst 
doch  niene"  a"  Aa.  und  chuinil  dndi  imiir"  hi"  Z. 
Vom  Winde,  allg.  ,Wie  stark  der  W.  -anscn  seie.' 
1588,  Arch.  SchwE.  Von  Glocken:  lal,  scIm,,  go  B  oAa. 
Von  tönenden  Instrumenten:  ,Und  liess  niuii  die  truni- 
meten  gon.'  1576,  Z  Ant.  Mitt.  Von  Geschütz:  ,\Vir 
haftend  zwo  Faggunen,  die  liessend  wir  in  iieh  gan 
[schössen  sie  gegen  euch  ab].'  NMan.  (jf.  tun  übh. 
mit  Bez.  auf  Etwas,  mit  welchem  man  bis  dahin 
zurückgehalten  hatte,  welches  verschlossen  gewesen 
war.  So  dem  Drange  der  natürlichen  Bedürfnisse 
keinen  Widerstand  mehr  entgegen  stellen  Bsf;  B; 
ScH;  Z;  i"  d'  Hose"  gä  lä.  .Alles  go  lo.  Dickes  und 
Dünnes  von  sich  laufen  lassen,  wie  kleine  Kinder  oder 
sinnlose  Leute.'  Sprens;  jetzt  laufe  lo.  Mit  Bez.  auf 
Ungeduld.  Sehnsucht  nach  einem  Ziele:  eilig  laufen  B; 
G;  SciiSI.  ^^n.dai-iisstfllai:  slr„:n,laii.  Ifr  !  luc/nid 
doch,  inr  Ini  ,,-  ,,,..  ]),,  llH.h.  ,r:,\^^<■\rUrr\rl„r"^  :„n„ 
SchütJt  rlu,".  .I.ll;i  IL.  I>-Jl.  iMiell,.  :Ulldle  i'iiianzeii: 
sich  fallit  erklaren  Aa  ;  Gl;  /  ;  in  miMereii,  Sinne;  ,/-'■ 
will's  go  lo,  will  Etw.  ili;LUl  y-i-lien  l;is,,eii,  mir  eiillieh 
tun.'  Spreng.  Unpersr.nlieli;  ic:  lud  's  i/.»  In  t  In  iim, 
alle  Aussicht  auf  Gelingen  ist  abgescimitten,  es  ist 
Nichts  mehr  zu  hotten  Ap;  ScnSt.;  Z.  Syn.  gcfill. 
Es  hat  lo  go  mit-em,  er  ist  verloren  ZO.  Von  leblosen 
Dingen:  die  Stüd  [Pfosten]  hei"  lä  gä,  trugen  ihre 
Last  nicht  länger.  MitObj.:  De"  FaV  gä  lä.  es  zum 
Auffall  kommen  lassen  Z;  dem  entsprechend:  der 
UffaV  ist-pn  g'gange  Z.  .A.  Du  darfst  nüd  hüten 
[an  der  Steigeruii;^],  du  l.i,4  fallit.  B.  Es  hed  dir  auli 
seile"  ga,  aber  du  liest  .  li.mne"  akkordiere".'  Wolf. 
Rel.-Gespr.  ,Weniie  Jcl  [Schuldner |  wider  ze  lande 
kunnt,  so  söUent  ime  die  gericht  und  fiN-n  |.  !>  ■  !:i  ij 
nähme],   die  uf  syn  guot  gangen  sinf.     1    i   ;ii  ie 

syn.-  IStilj,  Bs  Rq.  ,Das  urteil  gon  la  -n,  jili,  min 
facere.'  Mal.  In  anderem  Sinne,  seine  Eiinvilligung 
zu  Etwas  geben,  auf  Ansprüche  verzichten.  ,Den  kauf 
nüt  gelten  [sc.  lassen]  und  nit  lassen  gan.-  UMkv. 
1530/74.  O  die  3  [ungeraden]  Santime  chönnt-mr"  wol 
la  ga  [aus  der  Rechnung  weg  lassen]  B  (Schwizerd.); 
Syn.  ablän.  G.  =  seinen  ungehemmten  Fortgang  ha- 
ben, möglich  sein,  angehen,  passen.  Das  gat  nüd. 
Mer  wend  luege",  ob  's  gärig.  Vgl.  bei  a  die  Bed. 
, passen'.  ,Und  ein  solch  Fertigung  [Güterspedition] 
gat  auch  stäts  fort,  Sommer  und  Winter.'  RCvs.  Beim 
Kaiser.spiel:  es  (oder  's  Spil)  gät  (mir,  üs,  uns),  ich 
bin  (wir  sind)  dem  Siege  so  nahe,  dass  der  nächste 
Gang  den  Entscheid  bringen  kann ;  mit  dieser  An- 
kündigung macht  man  einen  Strich  über  die  eigne 
Rechnung  Vw.  Von  Münzen,  angenommen  werden. 
Geltung  haben,  alla:. ;  vs'l.  (/äng.  ,6  pfund  pfenningo, 
die  gewonlicli  /e  Ziui.li  -;in.i.-  XIV.,  Weist.  1  7.  ,liio 
münze,  die  iiuiii  in  dem  Uiiid  schlaf  und  gat  und  lihifig 
ist.'  1  l()(t.  AaKcII.    .Mit  W  eitangabe:  fi'cr  roll,  in  ihn-ni 


Ga,  ge.  gi,  go.  gu 


Volhverte.  allg.  ,Dio  weltschen  pfennig,  so  uiizhar  für 
16  aiigstei-  gangen  sind.'  1487,  Absch.  ,Hüscr,  Mü- 
linen.  Sagen  mit  ligenrteni  [eingebautem]  und  gändeni 
[transportierbarem]  Geschirr.'  B  1432.  ,Wer  will  Wein 
schenken,  soll  durch  das  ganze  Jahr  ein  genden  Zapfen 
liaben  [Jahr  aus  Jahr  ein  zur  Bewirtung  von  Gästen 
gerüstet  sein].'  l.'iOß,  Th.  .Gohnde  Pfänder'  stellt  das 
ßSa.  Landrecht  1669  den  liegenden  gegenüber  und 
versteht  unter  jenen  das  Nämliche,  was  sonst  mit 
.fahrender'  Habe  bezeichnet  wird.  .Und  ist  der  kernen 
[je]  ein  mütt  gangen  um  5  pfd  5  p.'  UMey.  1540/73. 
Vil  (ivenig,  Nut)  iii  \  Etwas]  r/r7  lä.  zunächst  von  Ver- 
kaufsobjekten, so  iiiiil  so  vii'l  ,1a für  liirten,  anrechnen; 
übertragen  auf  ni'nalisi  he  \\  i  rtr.  auf  Angaben.  Be- 
hauptungen, Anklagen,  EiinvcnJungcn  usw.  viel  (wenig) 
geben.  ,Der  Pfarrer  liess  ihm  aus  diesem  [von  all 
dem  Vorgebrachten]  gar  Nichts  gehen.'  Gotth.  Vor 
sich  gehen,  sich  ereignen,  geschehen,  her-,  zugehen: 
Es  god  MäiH/s,  das  nid  sett  go,  aber  icns  seit  go,  das 
god  de"  nid.  Ineiohen.  Syn.  mit  .kommen'  verbunden: 
Losed  nW,  wie  's  clw  und  (f  gange"  ist.  Stutz,  hier  = 
hergegangen,  anders  als  in  der  antonymen  Verbindung 
unter  1  e  u.  '2  c.  Ks  ist  gern  g'gange"  (g'schelv),  ich 
habe  den  Dienst  gerne  geleistet,  Höflichkeitsformel. 
mit  welcher  der  Dank  von  sich  abgelehnt  wird.  Em- 
phatisch, von  lebhaftem  Treiben,  bedeutsamen  Vor- 
gängen; Syn.  laufen.  Hut  muess  Öppis  go,  Etw.  fertig 
gebracht,  tüchtig  gearbeitet  werden  Z;  auch  hoch, 
bunt  hergehen:  das  gat  (auh)!  Syn.  das  gilt  fauhj. 
Wo  er  derhl  isch,  geit  Öppis.  ,Wenn  nicht  Etwas 
gieng,  so  hatte  sie  keine  Ruhe.'  Sch  Pilger  1882.  Bes. 
mit  dem  Nbegriff  des  Ungehörigen.  Was  ist  mit  dem 
Messer  g'gange?  [es  schneidet  nicht  mehr].  Mit  dem 
Mensch  ist  Öppis  g'gange,  eine  Veränderung  geschehen. 
Es  ist  eisder  [zu  allen  Zeiten]  Öppis  g'gange,  Ent- 
scliuldigung  der  Gegenwart.  Es  ist  Öppis  g'gange", 
im  Geheimen  etwas  Unrechtes  abgemacht  worden.  Es 
gilt  Öppis,  Etwas  wird  insgeheim  vorbereitet.  Von 
Unkosten,  etwa  mit  der  die  Veranlassung  bezeichnen- 
den Präp.  .über'.  [Es  wurde  gezecht],  dass  es  par 
Gtcart  VeltUner  g'gange'  sind  Gr  (Schwizerd.).  ,Gross 
zytlich  guot.  das  darüber  gangen  war.'  G  Hdschr. 
,Was  kostens  über  die  wunden  lüte  gegangen  ist.'  ebd. 
—  e)  herkommen,  herfliessen,  aus-,  beruhen  auf — . 
D'  n€islialti"g  gut  us  der  Frau  nse',  sie  bezahlt  die 
Kosten  der  Haushaltung,  erhält  die  H. ;  es  gut  us-em. 
G'mcindsguet ,  das  G.  muss  herhalten  Z.  In  der 
Kanzleispr.,  von  Einkünften.  ,Hand  geben  [gestiftet] 
4  guldin,  gand  ab  einem  hus  [.sind  hypothekarisch  auf 
demselben  versichert]  an  der  pfistergasse.'  vor  1455, 
Gfrd.  .Mir  gät  nüt  us  den  bluemen  allen  [ich  habe 
keinen  Erlö.s,  Gewinn  davon].'  RMan. 

Mhd.  1.  P.  Präs.  yän,  später  auch  <jcn,  ahd.  ijän  nnd 
<7ä»i.  Diese  letztere,  nach  der  Analogie  von  luom,  tue,  ge- 
bildete Form  liegt  auch  unserem  gan,  gane  (im  Gegs.  zu  ga) 
zu  Grunde.  Wenn  auch  einige  Conjugationsformen  auf  den 
(viell.  altern  —  s.  Kluge,  Etym.  WB.)  Stamm  gc-  zurück- 
zugehen scheinen,  so  i.st  dies  .jedenfalls  nicht  der  Fall  beim  Ptc. 
Imperf.,  dessen  Voc.  iec  bzw.  c^  und  i>)  sich  nicht  mit  «  (c') 
vermitteln  lässt,  sondern  auf  eine  Ausweichung  der  Grund- 
form gand  deutet;  vgl.  h^ntl  für  hund,  sie  haben.  Die  Er- 
läuterung der  übrigen  Conjugationsformen,  sowie  die  Angabe 
der  geographischen  A^erteilung  müssen  der  Grammatik  über- 
lassen bleiben.  —  1  h.  Ellipt.  entweder  für  das  anderwärts 
übliche  %  Rinder  gä,  zum  Rinde  werden,  od.  =  zum  Stiere 
gehn.    —    2  c.    O'gnngf  =  neulich  ist  verstümmelt  aus  vrr-g. 


(s.  d.).  —  '2  d.  Betreffend  die  Glocken  ist  es  fraglich,  ob  der 
Ausdruck  von  der  Bewegung  ausgegangen  sei  od.  sich  an  das 
.Gehen  nach  einer  Tonweise'  anschliesse.  —  Abi.  Gang;  giiii;i. 
ab-gä":  1.  von  lebenden  Wesen  a)  in  eigtl.  S. 
,ah  Etw.'  gehen,  absteigen.  Gang  ab,  Christen,  und 
hüb  [halte]  ds  Boss.  Gotth.  —  b)  den  Wog  verlassen. 
eine  andre  Richtung  einschlagen  B.  AhgiinI,  mut- 
willig, eigentlich  von  der  Bahn  der  Sittsamkeit  ab- 
weichend, Seitensprünge  machend  GO.;  vgl.  ahhmnnen. 
,Doch  die  Melodie  gieng  ab  in  viele  Lieder  [wich 
von  dem  Richtigen  ab,  schwankte  in  andere  Lieder 
über].-  17'29,  Sch  Pilger  1885.  —  c)  aus  dem  Leben 
scheiden  B;  vgl.  o.  gän  1  e.  ,Wenn  ihm  das  Mutterli 
abgehen  sollte,  er  wüsste  niclit,  wie  es  ferner  machen.' 
Gotth.  ,Wenn  ein  schweig  [Sennhof]  ledig  wirt,  es 
sye,  das  ein  schweiger  abgieng  oder  sich  [so]  hielte, 
dass  im  ein  Herr  syn  schweig  niimen  wurd,  so  soll 
ein  Amptmann  us  dessen  küe.  so  abgestorben  oder 
sust  von  der  schweig  kommen  i.st,  [eine  Anzahl] 
nemen.'  SchwE,  Hofrodel.  ,Wa  die  kind  vor  vatter 
oder  muotter  abgiengen  und  ocli  eliche  kind  ge- 
lassen heftend.'  Scuw  Rq.  Mit  verdeutlichendem 
Zusatz:  .Denen  ire  vätter  umkommen  wärent  oder 
sunst  von  tods  wegen  abgiengen.'  1514/44.  Schw  LB. 
,Mit  tod  abgan.'  ebd.  Auch  von  Vieh  Gr.  , Wel- 
chem veech  abgieng,  der  soll  es  vergraben.-  1605, 
SchwG.  LB.  ,Wann  ein  Stuck  Vieh  sich  schedigte 
old  abgienge.'  1675,  Schw  LB.  —  d)  die  Partei  ver- 
lassen, Jmdn  im  Stiche  lassen,  resp.  ihm  nicht 
beistimmen,  anderer  Ansicht  sein,  ,0b  jemands  an- 
sprach hat  an  der  allrai  und  dorum  der  undergänger 
[Grenzbereiniger]  begert,  wenn  man  ei°ni  dann  abgilt 
an  dem,  so  er  angesprochen,  so  soll  er  den  kosten 
halben  [an  sich]  haben;  ob  aber  einer  by  dem  blybt 
[es  zu  behaupten  vermag],  so  er  angesprochen,  so  soll 
er  des  kostes  ledig  syn.'  Schw  LB.  —  e)  t  r.,  a)  Jmdn 
od.  Etwas  umgehen,  der  Begegnung  ausweichen  Z. 
,Vitare  alcujus  congressum,  conspectum.  terga  vertcre 
alicui.'  HospiN.  .Argen  anlass  abzugehen.'  GMüLi. 
1657.  .Sich  umb  so  viel  wärmer  halten,  in  räucheren 
Zeiten  den  frischen  Luft  desto  mehr  abgehen.'  Hott. 
170-2.  —  ß)  durch  Gehen  abnützen,  z.  B.  Schuhe  Gr. 
Daher  auch  refl.:  .Sich  abgehen,  eundo  se  delassare.' 
Denzl.  1677;  1716.  —  2)  von  Sachen,  a)  ,ab'  einer 
Unterlage,  Stütze  sich  lösen ;  zunächst  in  eig.  S.,  z.  B. 
ein  Rad  von  der  Achse.  Syn.  abspringen;  daher  die 
bildliche  RA.  es  ist  mir  es  B.  ahg'gange",  durch  eine 
Veränderung,  z.  B.  den  Tod  eines  Gönners,  den  Ver- 
lust einer  Stelle,  ist  mir  eine  Einnahmsquelle  versiegt 
B;  S.  Anstrich  von  Farbe  (verschieden  von  vsgfin), 
und  mit  Verwechselung  des  Subj.:  de''  Zug  got  ah, 
hält  die  Farbe  nicht,  ist  abg'gange',  abgeblasst  GRh. 
Haut;  die  umhüllende  Schale  usw.  Bei  der  Anwendung 
auf  den  Schnee  tritt  der  Gedanke  an  die  Erdoberfläche 
schon  mehr  in  den  Hintergrund  und  bleibt  mehr  nur 
die  Vorstellung  des  Verschwindens.  Schmelzens.  Hut 
ober  acht  Tag  god  der  Sehne  ab,  ond  hüt  ober  drei 
Wocha  itt  der  Boda  irocha  Ap  (Scherzreim).  .Der 
schnee  hat  nit  wellen  abgan.'  UMey.  1540/73.  Von 
Geschütz,  ursprünglich  mit  Bez.  auf  die  Kugel  im 
Rohre,  dann  losgehen  übh.,  Feuer  fangen,  auch  ohne 
dass  eine  Kugel  dabei  wäre.  allg.  .Gar  bald  er  irer 
6  erschoss  in  einem  schütz  mit  einer  schlangen;  der 
schütz  war  im  fry  glatt  abg'gangen.'  1499.  Aro.  .Ir 
gross   g.schütz    Hessen    sie   abgan,    das  tat  uns  wenig 


(ia,  ire.  </u  s'i 


in 


Basel    drü  stuck   uf  . 

er  Kliv 

ibniffff   sehebt 

und 

elbigen  lassen  absaii. 

aucli  ii 

zweien  tüniieii 

nns 

von  woitor  übertr.,  vom  (ielin},'en  übli.  .Die  jiractik 
ifieng  ihnen  ab,  und  drangen  [nötigten]  den  Bapst  in 
condition,  wie  sye  wollten.'  ECys.  ,[Sie  hatten]  ein 
verrätery  angesechen  [beschlossen],  die.  Statt  Chuin 
ynzuonemmen,  das  aber  vevwarloset  und  nit  abgangen, 
etlich  darüber  gfangen  und  gericht't.'  ebd.  Ebenso 
von  dem  Begriffe  des  Geratens,  viell.  jedoch  von  dem- 
jenigen der  räumlichen  Ablösung  (vgl.  .ausfertigen') 
ausgehend:  beschlossen  werden.  „Es  ist  vor  Rat  nb- 
g'gange",  das'...  Aa;  B;  VOrte;  S."  Id.  B.  Abf/.  Yom 
Preise  s.  I  30  u.  —  b)  alle  Beziehung  auf  einen  .Aus- 
gangspunkt aufgegeben:  a)  abnehmen  bis  zum  völ- 
ligen Aufhören  der  Existenz.  ,So  der  Mon  abgat', 
als  Gegs.  zum  ,zuonemmenden  M.'  Tiere.  1563.  Im 
abgnnde",  abgänte  Möti  (Mä,  Meine),  zwischen  Voll- 
und  Neumond;  es  ist  abgänd  (abgänder  M.),  es  ist 
diese  Zeit  B;  Gr;  S;  W;  Z«,  auch  n-er  Maiwt  W; 
abgänds  ZU  GrAv.,  S.;  Syn.  undergänd :  i nidsicjiiiiiiiil); 
fule''  Manot;  Anton,  ufgänd.  Daher  auili  ,iiii  nliiiiiute" 
Jar"  Gl.  Von  einer  Mode;  vom  Feuer  (erluschen). 
.Die  richter  cnsun  [sollen  nicht]  von  niemanne,  der 
buoze  ver.schuldt  [hat],  guot  entlehenen,  dur  das 
[damit]  im  syn  buoze  abe  gange  ald  gelihtert  werde.' 
Z  Eichtebr.  .Die  Engelbergerlüt  band  ire  müle  lassen 
abgon.'  1483,  Obw.  .Damit  die  sündrung  abgienge.' 
Ansh.  Mangeln,  fehlen:  , Die  übrigen  Obersten  bsorgt 
[ergriff  die  Besorgniss],  ihnen  [möchte]  an  Gelt  abgan 
und  unmöglich  sein,  das  Volk  zuo  erhalten.'  ECys. 
An  Wert  verlieren,  schlechter  werden  (von  Kulturen, 
Verkaufsobjekten,  Vieh);  verloren  gehen  Gr.  Auch 
von  Übeln,  ablassen,  aufhören:  .Das  feber  ist  im  ab- 
gangen =  er  ist  sy  [desselben]  abkommen,  perfunctus 
a  febri.-  Mal.  ,Ist  ihm  der  siechtag  [die  Krankheit] 
abgangen  und  gänzlich  genesen.'  ECvs.  —  Das  Ptc. 
abgänd  BO.;  Gr;  SciiSt.;  aSrnw;  U;  W.  -nt  AaF.; 
Ap;  Gl;  GfiChur;  L;  GO.;  S;  Th;  Zg;  Z  nimmt  adj. 
Bed.  und  in  Aa;  Bs;  ScnSt.:  Z  auch  die  adj.  Bildung 
abgimdig,  ahk-  an  a)  als  wertlos  wegfallend,  beseitigt; 
als  Überrest  gelassen  und  gering  geschätzt;  in  diesem 
S.  häutig  das  Ntr.  Substantiv,  verwendet,  etwa  sogar 
zum  inileklinabeln  Subst.  gemacht.  So  z.B.  die  Abfälle, 
welche  sich  beim  Zubereiten  von  Gemüse  und  Obst 
zum  Kochen,  beim  Behauen  von  Stammholz  [abgänds 
Höh]  ergeben,  die  Knochen  und  andere  zunächst  un- 
geniessbare  oder  wenig  nütze  Teile  des  Fleisches, 
daher  auch  solche  als  Zugewicht  an  der  Fleischbank, 
Syn.  Gefall  I  74.5;  Insigel ;  auch  kleinere,  beim  Zer- 
hacken des  Fleisches  abfallende  Stückchen,  dgl.  der 
Fleischer  den  bettelnden  Kindern  zuschiebt  AAKais. ; 
,Ein  Mensch,  dem  er  mehr  als  ein  Mal,  wenn  er  in 
seinem  Dorf  gemetzget,  etwas  Abgehendes  zum  Al- 
mosen gegeben.'  HPest.  Speisereste,  Überbleibsel  von 
Mahlzeiten,  etwa  den  Bettlern  verabreicht  oder  zu 
Vieh-,  bes.  Schweinefutter  verwendet;  abgänte  Chost 
Ap.  Synn.  s.  bei  Urschi  I  469;  Leibete.  Er  hätt  möge' 
sl«  Buch  a'stojjfe"  mit  dem  Abgänds,  wo  d'  Söu  g' fresse" 
händ.  DiAL.  290.  —  b)  verlegen,  verdorben,  z.B. 
von  Gemüse,  Obst  Aa.  —  c)  von  Kleidern,  abgenutzt 
und  abgelegt.  Abgänti  War  Ap.  ,Ich  gehe  in  die  Stadt, 
lasse  mich  anders  kleiden;  das  Abgende  von 
bänrschen  Kleidovn  kannst  du  dann  allrs  IkiIh'U. 


Von  Münzen,  Silberzeug  usw.:  abgegriffen  (Spreng), 
d)  im  Abgang.  Zerfall  begriffen  B;  ük.  Abgänte 
linih"\  al.iiiaL'vrn.Iri-  (ii.  Al.L-rihl^'  und  hinfaÜende 
^■iicirr.  .lir  Uli)  .Irr  /.'it  \  rril,-iiii>ii.|  MiliT  ze  grund  gond. 
res  (|ua'  r\  Ira.lii  l('iiip..i'is  Iinn1  a^Mcriores.'  Mal.  ,Die 
bürg  was  nlt  werlirli  und  nucji  nit  besetzt,  dann  sie  was 
abgände.'  Äi;Ts(  nnu.  .Hinder  dem  Tisch  wärest  gar 
frisch,  jetzunder  bist  wie  abgehnd  Fisch,'  Schimpfr. 
1651.  ,Ab  einer  alten  abgenden  Eich.'  167G,  Hotz, 
Urk.  Von  Menschen:  die  Merkmale  des  Greisenalters 
an  sich  tragend,  abschwächend  Aa;  Schw;  U.  Vgl. 
äben.  Der  Grössmtter  ist  afig  fri  artig  abgände.  Ab- 
gänti Wlber  U.  ,Abgändige  Jumpfere.  Abgändiger, 
unvermögender  Mann.'  Spreng.  .Hinfälliger  oder  ab- 
gender  mann,  der  von  alter  gar  hat  abgenommen.' 
Mal.  .Senectus  prseceps:  ein  abgend  alter,  das  yetz 
auf  der  gruoben  gat.'  Fris.  JJud  bat  1577  um  Ver- 
setzung, weil  er  ,jetz  alt  und  abgehnd'  wäre.  Vom  Vieh  : 
alternd  Z.  Fingierter  Geschlechtsn.:  der  Kiirli  Ah- 
gänt,  ein  heruntergekommener  Mann,  Mann,  der  iibirall 
zu  spät  und  zu  kurz  kommt  S.  So  en  arme'  Schli(d,ir, 
wo  [der]  in  nlh"  Shui-i"  hiiiger  drl'  lauft,  tcie  der 
K.  A.  Schilu:  Asrhrniaittel:  ,Solothurn,  der  eidge- 
nössische K.  A.-  S-Blatt  185'2.  —  e)  ausser  Ge- 
brauch kommend.  ,Dadurch  soll  das  Dreschen  mit 
den  Pflegein  abgänd  werden.'  Postheiri.  —  f)  vom 
Gedächtniss,  schwach,  vergesslich.  Syn.  abgängig. 
.Syd  aber  die  weit  abgende  ist  [und]  unversinnte 
[vergesslich],  so  soll  man  des  ampts  guote  harkommen- 
heit  schryben  und  in  geschrift  legen.'  1460.  L.  .Von 
wegen  dass  menschliche  gedächtnis  abgänd  und  ver- 
blichlich  ist.'  1491,  üwE.  Jahrzeitb.  .Ist  's  not.  was 
des  abgenden.  vergesslichen  menschen  gedächtnuss 
abgat.  durch  die  blybende,  gedächtliche  gschrift  zuo 
erstatten.'  Ansh.  —  ß)  von  Statten  gehen,  vor  sich 
gehen,  verlaufen,  allg.  .Durch  welchen  sein  vor- 
haben sich  glücket  und  alles  wol  abgangen.'  JMüll. 
1673.  ,Er  solle  die  Morgensuppe  kurz  abgehen  lassen 
ohne  grosse  Pracht  und  Kosten.'  1581,  Ansfii.  ,Der 
Rat  möge  diese  spänigen  Händel  freundlich  abgehen 
lassen.'  1585,  ebd. 

HsStockar  (z.  .1.  1.527)  setzt  ein  Mal  n.  in  Gpets.  zu 
.sterben':  ,N.  X.  hat  ilii>  C.  frow™  pTainmiiirn ;  --inil  im  -( 
frowen  gestorlicn  uii.l  iliv  ."i.  ist  im  li\  I- i..  iüI  .,  i  !.  il,- 
gaiigen   [durch  Elirs.-h.'i.luiiL'VI  ■  Zu   i    1      I',  ,i 

äich  auch  so  aalTassi-n:  ,\V.-ini  iVw  V.\\iri\,u  ilim  \-,\  l-.!u,i,l 
von  dem  streitigen  Stücke  durch  ihren  ^Unfcrgaiii!-  | Unter- 
suchung] entziehen  und  absprechen.'  Diesem  Sinn  würde 
besser  genügt  durch  die  Fassung:  ,wenn  man  oim  dann  das, 
so  er  angesprochen  hat,  oder  etwas  daran,  abgat.' 

abe"-:  hinuntergehen.  Mit  dem  Bris,  den  Preis 
niedriger  ansetzen  Z.  Mit  Beziehung  auf  den  Handels- 
artikel selbst:  wohlfeiler  werden,  abschlagen  S(mi;  Z. 
Vom  Barometer:  fallen,  sinken  Z.  Enneu  <ihc  qn 
s.  1  166. 

über-,  über-:  I.  lose  zsges.,  also  mit  dem  Haupt- 
tone auf  dem  Adv.  a)  über  den  Eand  hinaustreten 
(in  diesem  S.  wie  das  Syn.  ilherlanfen  auch  als  un- 
trennbare Zss.  behandelt  Z),  z.  B.  von  der  Flüssigkeit 
in  einem  Gefässe  (wie  Milch  über  dem  Feuer),  allg. 
Wenn  d'  Mass  volli  ist,  geit  seh'  über  W.  Von  Ge- 
wässern, austreten  Uw.  ,[Ein]  wasser,  das  war  von 
Überschwall  regnens  übergangen.'  Kessl.  .Das  von 
dem  Pileatus  aufsteigente  gewülk  hatte  uns  mit  über- 
gehcnfen  Platzregen  ^beschüttet.'    GKmni.,-  160:1.     V..n 


11 


Ga.  ge,  gl.  go.  gv 


12 


den  Augen,  tränen;  s.  I  134  M.  Auch  von  dem  mehr 
od.  weniger  flüssigen  Brotteige,  wenn  er  aufschwellend 
über  den  Backtrog  heraus  zu  wachsen  droht  Aa.  — 
b)  über  das  gesteckte  Ziel  hinaus  gehen;  von  Vieh, 
welches  auf  fremdes  Gebiet  weiden  geht.  ,Wenn  einer 
hagbrüchigs  oder  übergends  oder  wandelbares  vych 
hat,  so  soll  einer  dem  andern  [den  Schaden  ersetzen].' 
1G27,  BSi.  —  c)  aus  dem  normalen  Zustande 
heraus  treten;  ühergänt,  von  Fleisch,  das  anfängt  in 
Fäulniss  überzugehen  Z.  —  d)  Überschreiten  des 
Masses  meint  das  als  Steigerungsadv.  verwendete 
Ptc.  ScHW;  Uw;  U.  Ühergänt  e  bösi  ZU.  Übergänd 
c  Sehens  Meitli.  Auch  adj.:  e  ü-e  Miggis,  überaus 
tiefer  Strassenkot  aScHW.  —  e)  hinübergehen  im 
S.  V.  kapitulieren,  sich  ergeben,  allg.  Im  Jar,  wo 
[da]  cV  Stadt  ist  übergange'.  GJKuhs  1819.  Unpers.: 
wo  's  ist  Übergänge,  Umschreibung  der  Ereignisse  des 
J.  1798  im  Ktn  B;  vgl.  Übergang.  —  f)  vorüber- 
gehen. Buck-di''',  Joggeli  [d.  i.  Bauer],  lass  ühergan, 
das  Wetter  will  sein'n  Willen  hau.  Sprww.  1824.  ,Es 
niuess  dick  [oft]  einer  understän  und 's  weiter  lassen  ü.' 
Badenfart  1526.  .Bitten  wir  üch,  dass  ir  sölich  [euch 
angetane]  schmachwort  noch  ein  klein  [für  eine  kleine 
Weile]  lassen  ü.  [durchgehn].'  1.529,  Absch.  —  g)  über 
das  hinweg  springen,  was  an  der  Reihe  wäre,  aus- 
lassen. Übergänt  heisst  ein  Rind,  welches  ein  Jahr 
zu  spät,  eine  Kuh,  welche  erst  nach  Unterbruch  von 
einem  Jahre  wieder  brünstig  bzw.  trächtig  wird,  was 
einerseits  den  Milchertrag  verringert,  anderseits  aber 
dem  Wachstum  und  Fleischgewicht  förderlich  ist  Aa; 
B:  T.;  S;  Uw;  V :  Z.  Syn.  Überümd  1  213;  gust;  galt; 
aiit.iii.  MiiiiskKc.  Eine  Kuh  ü.  behalten:  dieselbe 
iiiclit  s.  hhiclitiMi,  obwohl  sie  der  Art  ist,  dass  sie  je 
iiichii-rc  Jalao  braucht,  bevor  sie  wieder  kalbt;  man 
tut  dies  etwa  in  Gegenden,  wo  der  Unterhalt  nicht 
so  hoch  gewertet  wird,  z.  B.  wo  man  das  Vieh  auf 
Weiden  schicken  kann,  oder  wo  man  geringes  Futter 
zur  Verfügung  hat.  Auch  von  Stieren,  welche  eine 
Zeit  lang  nicht  mehr  zur  Züchtung  verwendet  worden 
sind,  etwa  weil  man  sie  zu  Arbeit  im  Tale  zurück- 
behielt, während  die  Kühe  auf  der  Alp  waren.  .So 
soll  auch  dhein  ander  vych  üstriben  werden,  dann 
küeh  und  urnerstieren,  die  nit  über  jähr  alt  [sind], 
damit  das  vych  von  andern  und  gröberen  ttbergehnden 
.stieren  nit  beschädigt  werdind.'  BThun.  AUmentb.  1.J9G. 
,Ein  meissstier  oder  zeitstier  [l'/2 — 2 /ajähriger]  und 
gar  nit  ein  übergender,  drei-  oder  vierjähriger  stier 
[soll  als  Sentenstier  verwendet  werden].'  1680,  UwE. 
—  2)  untrennbar  zsges.  a)  einen  Punkt  in  der 
Reihe  überspringen,  auslassen,  allg.  Mit  ,sein'  W; 
der  Tod  ist-nii  [ihn]  ubergangu^,  halb  scherzhaft,  von 
einem  Greise,  den  der  T.  gleichsam  vergessen  hat. 
Vgl.  1  g.  Auch  =  übersehen,  (und  darum)  überwarten : 
,Wo  die  sächer  [Processführenden]  zil  oder  tag  [sc. 
die  vom  Gerichte  anberaumten]  übergiengend,  wurdend 
sy  die  buossen  zuo  erlegen  getrungen.'  Vad.  —  b)  Etw. 
begehen,  durchgehen,  ,perlustrare.'  Id.  B.  ,Das 
göttlich  wort  muoss  [gleichsam  wie  ein  Ackerfeld]  mit 
solchem  regen  und  ungewitter  übergangen  werden.' 
ZwiNGLi.  Prägnant:  Etw.  flüchtig  d.  Aa.  —  c)  Etw. 
übertreten.  ,Wär  aber,  dass  ieman  der  viero  gebot 
übergieng  deheines  wegs  [in  irgend  einer  Weise]  an- 
ders, denn  sie  hiessen.'  1348,  Aa  Wst.  ,Übergieng  das 
yeman  und  das  bräche.'  1442/1544,  Scnw  LB.  ,Wäre 
aber,    dass    sölichs   harübcr   yeniand   täte,    ald   über- 


gienge.'  ebd.  ,Wenn  einer  frideu  [s.  I  1277  b]  uber- 
gienge.'  1501,  Absch.  Auch  mit  Bez.  auf  natürliche 
Schranken:  ,Die  Tag  des  Menschen  sind  bestimmt; 
du  hast  ihm  ein  Ziel  [der  Lebensdauer]  gesetzt,  das 
er  nicht  übergehen  mag.'  JMüli.  1661.  —  d)  be- 
meistern.  bewältigen,  überwinden,  z.B.  eine  Leiden- 
schaft BBe. ;  und  hinwieder:  der  Zore"  iibergad-wi''' 
Ndw.  .Der  mensch  wirf  vom  schlangen  versuocht. 
lasst  sich  den  lust  übergon  und  übertritt.'  1531/48. 
I.  Mos.  ,Ein  krankheit  übergon  und  vertreiben,  im- 
pugnare  morbum.'  Mal.  Durch  Betrug:  ,Dass  nie- 
mants  übergange,  noch  ^ervorteile  seinen  bruoder  im 
handel.'  1531/48,  L  Thessal.,  dafür  1667  ,übersteige'. 
Ausschelten,  meistern:  ,Daruf  der  burgermeister  in 
mit  Worten  übergangen  und  übel  verguot  ghan,  dass 
er  zuo  seiner  haushab  etwas  fleissiger  sich  nit  schicken 
wellte.'  Vau.;  vgl.  I  57  M.  —  e)  refl.  a)  ,sich  mit 
Gehen  ermüden.'  Hosp.  1683.  —  ß)  irre  gehen,  in  tig. 
Sinne,  sich  irren  BBe.  ^  überhin  (^Äbere;-ga(n); 
1.  fallieren  ZO.  —  2.  det  [dort]  innen  übere  ga,  ster- 
ben  SCHW. 

vor(für)-über(überhin)-gä°:  auch  tr.:  Etwas 
übersehen,  vergessen.  Me'  geit's  gäng  vorubere  FMu. 
.Ich  will  dieselbige  mit  Stillschweigen  fürübergehen.' 
ClSchob.  1699. 

ü  f - :  1.  empor  steigen.  So  vom  Gestirne,  nament- 
lich der  Sonne  und  der  sie  begleiteiideii  Tinjoshelle. 
allg.  Übertr.  auf  innere  Erleuchtung-:  ir:  'lal-iii'r  es 
Liecht  üf.  Es  gat-mcr  itf  wie  dem  ClililhU  :'  Miir: 
es  ist  über  de' Bach  yo'  sufe"  ZB.  \uiii  Feuer,  bzw. 
seinen  empor  schlagenden  Flammen  B.  ,Wann  in  der 
Stadt  Für  üfgat.'  1501,  ZWint.  Stadtordn.  ,Wenii 
brunsten  ufgand.'  1549,  Sch  Ratsprot.  Von  Gelände: 
sich  bergan  ziehen.  Im  Ufy^tt,  Ufgihit,  Flurn.  '/,. 
,Als  fer  die  2  ufgende  acherli  oben  für  die  zil  und 
marchen  usgand.  sönd  [sollen]  sy  dennocht  zenden.- 
1467,  Uw  Grenzberein.  zw.  Sarn.  u.  Sachs.  ,Das  uf- 
gand acherli.'  ZDielsd.  1556/62.  ,Der  ufgend  acker' 
bei  .\ALunkh.  160'2,  L  Urbar.  ,1'/^  Jueherten  im  auf- 
gehenden Acher.'  1653,  AAWett.  Arch.  Aus  dem  Bette 
aufstehen,  sich  erheben  BS.;  Uw;  mehr  verbreitet  in 
der  Verbindung  mit  dem  anton.  nider-g.,  s.  I  115. 
Aufwallen,  von  der  über  das  Feuer  gesetzten  Milcli. 
D'  M.  ist  nanig  ufg'gange,  hat  noch  nicht  gesotten. 
Syn.  ist  n.  d'obc  Z.  ,Wie  eine  Milch,  die,  nachdem 
sie  aufgegangen,  sich  nunmehr  gesetzet  hat.'  JJUlr. 
1727.  Daher  übertragen  auf  Gemütserregungen  (bzw. 
Blutwallungen),  s.  die  folg.  Bed.  a  a  und  Bd  I  119. 
Schwellen  a)  von  Teig,  sowohl  von  dem  im  Backtroge 
gährenden,  als  von  dem  am  Feuer  im  Ofen  oder  in 
der  Pfanne  sich  entwickelnden  Ar;  Gr;  Z;  Syn.  jrri». 
Daher  auf  den  Menschen  übertr.:  a)  üfyä  wie  cn 
g'heblete''  Teig  {teie  en  Hebel,  Sauerteig),  in  Zorn  ge- 
raten, aufbrausen.  Sprww.  1869.  Syn.  verspritzen  vor 
Täubi;  es  hat  mich  fast  versprengt.  Vgl.  Sp.  0  o. 
—  ß)  an  Körperumfang  zunehmen,  körperlich  gut  ge- 
deihen, sich  entwickeln.  Üfgä  icie  es  Chüechli,  bes. 
von  Kindern  und  Frauen  G;  Sc«;  Z,  von  Letztern 
gerne  mit  versteckter  Nebenbed.  ,Pulvinatus  caly.x 
nucis,  das  einem  hauptküsse  gleich  sieht  oder  einem 
aufgegangnen  küechle.'  Fris.  —  b)  von  trocknen 
Früchten.  Im  Wasser  gönd  d'  Erbsen  uf.  ,Dem  Ge- 
schick des  Aufgehens  ist  auch  der  Roggen  [auf  feuchter 
Schütte]  unterworfen.'    1776.  Z  Staatsarch.  —  c)  von 


(Ja 


(Jcwüssfin,  aiisclnvclkMi  IJO.  .Ven  See  abgraben,  der 
da  ufgat.'  1531,  Aiiscii.  ,Die  wasser  ufgangen  und 
übergloffen.'  ECys.  —  Wachsen,  und  zwar  eig.  in 
vertikaler  Riclituiig;  so  von  der  Saat,  vom  tierischen 
Leib;  scherzh.  und  vexierend:  er  gad  üf  wie  en  Gerste- 
hehel,  d.  h.  er  wächst  nur  in  unbedeutendem  Masse  Z. 
So  sind  vielleicht  zu  verstehen  die  ,ufgande  (ufgende) 
albelen',  welche  It  Urk.  v.  1399  u.  1467  die  Fischer 
von  Rappersw.  dem  Kloster  ZEüti  zu  entrichten  hatten. 
Vom  Monde,  ufgänd,  1)  wachsend,  zunehmend  B;  S; 
Z(i;  Z.  Esistuff/rinte'- Mii«;  imufg-e"  Ma.  Pflanze", 
VI)  [welche]  ;  |iii  ileii|  Umh  wachse",  sell-me"  bim  ab- 
gi'iiite  M<m  xiUcii.  nml  l'iL.  wo  ufe  wachse",  bivi  uf- 
giiiite  Man.  Sriiii.n.  Im  iifgendu  Manot,  dies  scherzh. 
auch  bildl.  =  im  Zustande  der  Schwangerschaft  W. 
.\uch  subst. :  Hut  isch  der  letst  Tag  Ufgänd  und  die 
höchsti  Zu,  ass  ni'r  [dass  man]  d'  Hauset  [Hanfsaat] 
snit.  JoACH.  1883.  Anton,  ahgänd.  Aber  auch  in  ganz 
andern!  S.,  statt  gew.  obsichgänd,  d.  i.  die  Spitzen  der 
Sichel  aufwärts  gerichtet,  im  aufsteigenden  Knoten 
befindlich  L  (RBrandst).  —  Mit  Boz.  auf  Gewichts- 
zunahme: ,Wann  1  ß  abgat  [am  Frurlit|ii-.'i.se],  so  soll 
allwegen  2  lot  an  dem  wyssbrnt  uf;,'.-  Sni  Stdtb.  —  Im 
Preise,  im  Kurse  steigen.  So  v.  Münzen:  Zürich  rühmt 
von  den  seinigen,  dass  deren  ,nie  nüts  abgesetzt  [her- 
untergesetzt], aber  allwegen  der  merteil  ufgangen'  sei. 
Edlib.  Jetzt  dafür  ufhin-g.  Aufkommen,  zur  Mode 
werden:  .Sobald  zue  Rom  gaben  und  gastungon  uf- 
giengen.'  Ansh.  .Citeren,  so  domolen  erst  ufgiengen.' 
I'lätt.  1612.  —  2.  sich  entwickeln,  blühen,  in  bildl.  S. 
Anton,  abgän  (s.d.).  ,Das  reich  Salomons  gatauf.'  1531, 
1.  Könige.  .[Die  Probstei]  ist  sehr  aufgangen  und  reich 
worden.'  Wurstisen  15So,  und  als  Causativ  dazu  ,auf- 
bringen'.  .[Die  Eidgenossen  haben]  von  gott  sig  em- 
pfangen, dass  [s']  an  land  und  lüt  uf  sind  gangen.' 
Badenfart  1526.  ,Dise  Statt  hat  angfangen  üfgan.' 
RCys.  Gewöhnlich  aber  unpers.:  es  gät-em  uf,  er 
fängt  an,  in  ökonomischer  Bez.  vorwärts  zu  kommen, 
steigt  im  Ansehen,  er  wächst  und  gedeiht  Z.  .Gehet 
es  denen  lündern  auf,  deren  Vogt  du  bist?'  HPest. 
1787.  Auch  mit  Bez.  auf  Sachen:  gewinnen,  wert- 
voller werden.  z.B.  durch  Benützung,  Zuwarten  Sch;  Z. 
Es  gat  de"  Leitere"  Nüt  uf,  wenn-me'  's  üslent  [aus- 
leiht]. Es  gat  an'n  Trübe"  Nüt  meh  uf,  sie  gewinnen 
Nichts,  wenn  man  sie  länger  an  den  Weinstöcken 
lässt.  ,So  es  den  frommen  glücklich  gat,  so  gat  der 
statt  auf.'  1531,  Prov.,  dafür  1667:  ,so  frolocket  die 
statt.'  ,Zu  Augsburg  hat  man  zum  ersten  mit  büchsen 
gschossen  und  ist  der  kunst  bald  heftig  ufgangen.' 
HBui.L..  Tigur.  ,Cum  corporibus  vigent  et  deflorescunt 
animi,  dem  verstand  und  dem  gemüet  gat  gleich  mit 
dum  leib  auf  und  ab.'  Ekis.  .Als  d^rselb-'u  fKa|ielle] 
aufieng  ufgan  an  veniii.^n>ii.-  l.'l.'vs.     ,Es  iralit  ■•im  (le- 

schlecht   auf,    dem  aiiarr..|i  ;il.;    l.is  ziilrt4  k lend 

wir  alle  ins  Grab.'  Anf.  XVII.,  Mise.  Ti-  ,Ks  gehet 
dem  Bau  auf.  sedificium  surgit.'  Hosp.  1683.  ,Dem 
David   gieng   auf  und   er  ward  stark.'    1707,  II.  Sam. 

—  3.  sich  ereignen,  entstehen.  ,Der  vogt  ist  in 
der  nacht  von  uns  heimgeritten,  damit,  was  ufgieng, 
das  dannoch  etwar  anheirabsch  syg.'  1525,  Egli,  Act. 

-  -1.  sich  öffnen,  .sich  lösen.  Von  einer  Knospe 
oder  geschlossenen  Blume,  Blüte,  allg.  U.  wie-n-e 
Jtose,  von  Kindern,  welche  sich  erfreulich  entwickeln, 
blühen,  erstarken  (vgl.  o.  wie-n-e  Gerstehebel ;  wie  es 
Chücchli).     Und  noch  weiter   bildl.:   .Der  Kopf  gieng 


[den  Sclinlkiii<leni|  unter  .sciiirii  Händen  [b.'i  M'ineni 
Unterrichte]  auf.-  HPest.  1785.  Von  einander  gehen; 
so  von  den  verschiedenen  Abteilungen  des  Zettels, 
welche  durch  Treten  abwechselnd  emporgehoben  wer- 
den (sich  öffnen,  gleichsam  das  Tor  auftun),  um  das 
Schiffchen  durchzulassen  Z.  Das  Wupp  gät  guet  (schön) 
uf.  Von  etwas  Geknüpftem,  Geheftetem,  sich  autlösen. 
sich  trennen.  Vom  zugefrornen  Boden  oder  Gewässer 
Ap;  Gl;  Z.  De""  Bode',  de  Se  (oder  unbestimmt  es) 
gat  uf.  Es  ist  e  chll  z'  starch  ufg'gange",  i'''  cha"'  icz 
doch  nüd  g'rad  schlitte".  Holzprozess  Höngg.  Von 
etwas  Geschlossenem;  auch  bildl.  d'  Becht  sind  uf- 
g'gange", die  Schuldbetreibung  ist  wieder  eröffnet  Z; 
vgl.  zue;  stän.  ,Unsre  gericht  gänt  uf  der  Eynbrugge 
unz  uf  die  üfgänden  brugge.'  Sch  Stdtb.,  d.  i.  bis 
zu  dem  aufziehbaren  Teile  der  Brücke  (Zugbrücke). 
Prägn.  tr.,  durch  Gehen  Etwas  reissen  machen.  .Bla- 
tern  aufgehen,  ulcerare  pedes  eundo.'  Denzl.  1716. 
—  5.  sich  abnützen,  aufgebraucht  werden;  zu 
Grunde  gehen.  So  wie  der  Gletscher  üfgeit,  geit  nir'' 
ds  Heu  üf,  wenn  im  Herbst  wenig  Schnee  mein-  auf 
den  Gletschern  bleibt,  so  wird  im  Frülilim,'  aucli  w.ni^- 
Heu  mehr  vorhanden  sein  Gr(B.).  's  (hhl  ist^m. r  uf- 
g'gange' GF.  ,Es  gehet  Alles  mit  [beij  ihm  auf,  er 
hat  ausgehauset.'  Hospin.  1683.  Z'  Nute"  (z'  Lumpen) 
ü.  (cho"),  sein  Vermögen  verlieren  Aa.  Zu  Ende 
gehen,  daher  in  der  Subtraktionsrechnung,  von  glei- 
chen Werten,  die  einander  decken,  auch  weit  uf  g. 
Von  Unkosten,  eig.  dem  durch  dieselben  aufgezehrten 
Betrage;  Syn.  uflaufen.  ,Von  wegen  des  kostens,  so 
des  Sturms  Ittingen  halb  ufgangen  ist'  15'29,  Aiisrn. 
.Haben  den  costen,  so  mit  dem  wychbischof  und  wy- 
chung  der  capell  ufgangen,  bezalt'  RCys.  ,Was  über 
solche  dieser  Statt  Basel  aufgangen,  will  ich  ge- 
schweigen.'  Wurstisen  1779.  Vgl.  rjän  mit  Präp.  über, 
ebenf.  von  Unkosten.  Von  Lebensmitteln  (Getränk), 
abstehen,  umschlagen:  ,Dass  zu  reehtur  Zeit  [Wein] 
gelesen  und  dafür  gesorgt  wenb'.  daNs  A^r  alte,  auf- 
gegangene nicht  mit  dem  neuen  vermischt  werde.' 
1524,  Absch.  ,Der  wyn  gien[g]  in  den  fassen  uf  und 
ward  so  unwerd,  dass  man  1  mass  um  1  haller  gab.' 
Vad.  Von  Personen,  preis  gegeben  werden :  ,Dass 
der  pabst  den  kaiser,  wie  er  konnd,  bei  allen  fürsten 
und  stenden  verhatzt  und  aufgon  Hess.'  Vau.  .Syend 
Prediger  under  inen,  die  die  Laster  mit  Ernst  stratind, 
so  söllind  die  anderen  [Geistlichen]  sy  nit  lassen  ufgon. 
inen  [sich]  selbs  ein  Willen  [Gunst]  und  den  anderen 
ein  Unwillen  zu  machen.'  1575,  HBull.  (LLav.  1576). 

z'underüf-:  zu  Grunde  gehen;  bankrott  werden 
Uw;  Z.  —  drüf-:  ebenso,  doch  vom  Menschen  jetzt 
nur  in  grober  Rede.  allg.  Anders  in  ä.  Spr.;  zwar 
auch:  ,Der  Raub  und  das.  so  daruf  gangen,  betrage 
600  Kronen.'  1534,  Absch.,  aber  daneben:  .Der  Arni- 
iniaken  aber  seiend  mehr  dann  der  Eidgnossen  daruf 
gangen.'  KCvs.  ,In  diesem  Krieg  ist  der  grösser  Teil 
unsers  Lands  Adel  druf  gangen  und  verriben  worden.' 
JJEüeger  1606.  —  ufhin  (ufe)-:  steigen,  z.B.  vom 
Barometer;  aufschlagen,  im  Preise  steigen,  allg. 

um-:  1.  trennb.  ('").  a)  im  Kreise  herum,  umher 
gehen.  ,Man  reiniget  ire  hirn  von  irem  umgenden 
häutlin.'  VoGELB.  1557.  ,Welicher  nachts  uf  der  gass 
juchzete,  schruwe  oder  umgieng  und  ein  unrüewig 
Wesen  fuorte.-  1572,  Schw  Rq.  ,In  myn  schiff  will 
ich  ihn  nit  lahn  und  [sogar,  wenn]   sollt  er  auf  dem 


Ga.  se,  gi,  gl),  gu 


16 


griml  [Kopf]  miigiui.-  Com.  Bkaii.  Jetzt  in  engerem 
Sinn:  a)  einen  Besuch  in  der  Kunde  machen  Gr.  — 
ß)  eine  kirchliche  Procession  halten,  an  einer  solchen 
Teil  nehmen,  in  Procession  gehen.  Syn.  mit  Krüz 
und  Fanen  (jun;  vgl.  Umyany.  ,Helt  man  grosse 
jarzeit,  gat  abends  und  morgens  umb.'  1588,  Er- 
zXuLER  1855.  Sprw.  Lüten  und  u.,  zwei  Geschäfte 
neben  einander  besorgen,  eig.  vom  Messmer  Aä;  L;  S. 
Vormals  auch  von  weltlichem  Festzuge:  ,Uni  die  3 
gienge  man  um  mit  inen  [den  eidg.  Gästen].'  Edlib.  — 
Y)  Unujänd,  von  Rindvieh,  in  Folge  einer  Krankheit, 
welche  man  gewissen  im  Gehirne  sitzenden  Würmern 
zuschreibt,  beständig  im  Kreise  herum  gehend.  Syn. 
stürmig.  ,Es  soll  von  ungendem  [so!]  Vieh  der  Kopf 
hinweg  getan  und  nit  ausgewogen  werden.'  1620, 
ScuwE.  Klosterarch.  Als  Subst.,  das  Umgänt,  eben 
diese  Krankheit,  Hirnwut  Gl;  Syn.  Ringkranldieit ; 
titiinn;  Trilmmel(uind) ;  vgl.  das  Dräjen,  bei  Schafen. 
In  uneig.  S.,  von  Gerede,  von  epidemischen  Krank- 
heiten, Bräuchen  und  Missbräuchen  Bs.  ,Diser  prijst 
ist  in  der  ganzen  Grafschaft  umgangen.'  UMey.  1540/73. 
,Wiewol  seltsam  prattiken  umgiengend.'  Vad.  Von 
(vermeintlichen)  Gesichtswahrnehmungen  im  Zustande 
der  Betäubung,  Bewusstlosigkeit:  es  ist-mr-r  (mit-mer) 
Alles  umCz'ringel  um) g' gange  V;  Z;  Syn.  stürm  werden. 
Von  Personen:  mit  Etwas  u.,  sich  (äusserlich  oder 
geistig)  damit  beschäftigen,  Etwas  planieren,  allg. 
Mit  was  Eine''  iimgot,  da'  chlebt-em  a"  [darum  dreht 
sich  sein  Gespräch].  Sulu.  .[Leute,  die]  mit  kunsten 
umgähnd.'  Z  Mand.  1650.  ,Umgänd'  von  Schulden  = 
im  umgehenden,  laufenden  (d.  i.  nicht  auf  Begründung 
bleibender,  dauernder  Verhältnisse,  sondern  auf  kür- 
zern Wechsel  berechneten)  Verkehr  entstehend.  Mit 
tautologisch  gehäuftem  Ausdruck:  ,Graeine,  umgende 
handschulden.-  1508.  Bs  Rq.  —  b)  im  Kehr  herum 
gehen,  abwechseln,  von  Personen  und  Sachen,  allg. 
Es  gut  nm  wie  's  Bache'  (and  wer  kei'  Mel  hat,  über- 
hupftj,  eine  RA.,  welche  aus  Gegenden  stammt,  in 
denen  Genieindeöfen  bestanden.  Von  1815  bis  1849 
gieng  in  der  Schweiz.  Eidgenossenschaft  ,das  Vorort' 
unter  den  Kantonen  Z,  B,  L  um.  Spez.  von  den  Armen, 
vormals  auch  von  den  Schulmeistern,  Dorfhirten  u.  A. 
einer  Gemeinde  (B)  oder  einer  Sippe  (U),  welche  von 
Haus  zu  Haus  gehen,  um  je  einen  Tag  oder  längere 
Zeit  gespeist  und  verpflegt  zu  werden.  ,Vieatim  nutri- 
nientum  querere.'  Id.  B.  ,So  soll  dasselbig  [die  Be- 
rufung zu  Gesandtenstellen]  under  den  Landammigen 
unigan  dergestalt:  welcher  am  Amt  ist,  zum  Ersten, 
dannethin  welcher  der  Eltest  am  Amt,  Einer  nach 
dem  Andern.-  1570/1626,  Schw  LB.  ,Der  wäger  soll 
auch  keinem  der  gremplern  syn  anken  allein  nemmen, 
sonder  es  lassen  umgon.'  1572,  Schw  Rq.  ,Den  Land- 
ammann hätte  jedwedere  Religion  [in  Gl]  2  Jahre 
[aus  ihren  Angehörigen];  den  Pannerherrn  sollte  man 
gleiehf.  lassen  u.'  1621,  Absch.  Das  Ptc.  subst.  = 
Reihenfolge,  Ker.  Es  ist  i"  dem  Umgänd  g'sl;  wo- 
mer  g'heuet  händ.  —  c)  umkehren,  zurückgehen,  in 
umgänds,  dem  adv.  Gen.  des  Ptc.  =  bald,  ohne  Verzug 
BSi.  —  d)  umkommen,  .sterben,  interire,  cadere.' 
Mal.,  von  Menschen  und  Vieh.  ,Wann  von  dem  sel- 
bigen vych  eins  also  verdürbe  ald  umbgienge.'  ZElgg 
Herrscliaftsr.  1535.  ,Der  paurenkrieg,  in  welchem  ob 
Inii.diiii  mann  unigieng.'  Vad.  .Dass  er  leider  umgieng 
und  ertrank.-  ebd.  .Ist  nut  drus  [aus  dem  Kalbe] 
worden;  ist  umgend  worden.'  1595.  Tageb.  aus  Gr. — 


e)  umgänd  B;  Uw;  U,  -nt  L,  an-  BU. ;  L  =  abgänd  1  a. 
Der  Bettler  heischt  eppis  U-ds  z'  essen  uhl  Gwand 
BHa.  Bs  U-de,  abseits  liegendes,  weniger  sorgfältig 
bewirtschaftetes  und  darum  wertloseres  Besitztum  BRi. 
Sonst  ist  U-s,  .,ds  U-s"  oder  ds  U-e  spec.  mit  Bez. 
auf  das  Schlachten  alles  geringere  Fleisch  (Füsse, 
Maul,  Ohren,  Lunge,  Leber,  Herz)  und  Knochen,  was 
die  Metzger  zur  Vollständigkeit  des  Gewichts  dem 
bessern  Fleische  beilegen,  ,rejectamina  carnis.'  Id.  B; 
vom  Schweine  Alles,  was  nicht  Schinken  und  nicht 
Speck  ist,  also  auch  die  (allerdings  klein  herausge- 
schnittenen) Rippstucke  BBe.  ,Zu  den  2  Pfund  [Fleisch] 
gab  uns  der  Metzgel-  noch  Ungentes,  Beine  oder  Leber.' 
GoTTH.  —  2.  untrennb.  ("^),  verschweigen.  .Kann 
nicht  umbgehn,  wie  dass  wir  heut  so  seltsam  zu 
mittag  gespisen.-  GKonig  1693. 

1  e  ist  wegen  der  Vieldeutigkeit  des  Ausdruckes  besonders 
herausgehoben.  Es  gehört  zu  1  a,  wenn  man  für  ein  grösseres 
geographisches  Gebiet  vou  dem  Begriffe  des  aussen  bernni 
Befindlichen  (vgl.  Ort  a  a,  OrUcisen,  Ortheti)  zu  den  ange- 
gebenen Erweiterungen  bzw.  VerallgemeinerHugeu  gelangen 
könnte,  oder  zu  1  d  (i.  S.  v.  ,verderben-),  nur  muss  mau 
dann  die  Beziehung  auf  Güter  für  sich  allein  in  der  erst- 
genannten Weise  deuten.  Aber  die  Angaben  aus  BU.  weisen 
darauf,  dass  um-  auf  blosser  Umdeutung  und  Verderbniss  aus 
«n-  beruhe,  so  dass  das  W.  Etwas  bedeutete,  das  nicht  mehr 
gängig  ist,  keinen  guten  Absatz  findet;  vgl.  die  selbe  Ver- 
wechslung m  umgekehrter  Kichtuug  bei  1  a  y,  und  ,Um-'  aus 
, Unkosten',  ,ümgeld'  aus  ,Ungelt'. 

umhin  ^■M»ne>-gä(n):  im  Gebrauche  nicht  sehr 
verschieden  von  dem  vorhergehenden.  Es  gat-mrv  im 
Male  ume  Z.  Von  Gespenstern;  von  Epidemicen  G; 
St-H;  Z.  U.  lo'  [sc.  sich],  eilfertig  bald  dahin,  bald 
dorthin  laufen  ScnSt.  Minder  Ei'"m  u.,  ihn  hinter- 
gelien.  Eneniima  ga  s.  I  266.  , Damit  man  der  Sache 
[Streitsache],  die  nun  lang  genug  herumgegangen  [als 
Traktanduni  auf  den  Tagsatzungen  herumgeschleppt], 
endlich  los  werde.-  1521,  Absch.  ,Die  Geschwornen 
söllent  jerlich  im  Dorf  umbhin  gan,  die  Öfen,  Herd- 
statten besichtigen.-  1596,  Z.  ,In  dem  Land  Platz 
haben  und  ehrlichen  Leuten  in  den  Augen  umhin- 
gehen mögen.-  1694.  Ztschr.  f.  schwz.  R. 

an-:  1  tr.,  an  Jmdn  oder  Etwas  gehen,  a)  einen 
Berg,  Bergpass,  ihn  zu  besteigen  anfangen,  in  Angriff 
nehmen  (verschieden  von  ,bergan  g.-).  .Damit  sie  bei 
anstossendem  Tag  den  Berg  angehn  (wie  das  gemeine 
Wort  lautet)  und  vollends  mit  guter  Weil  hinüber  kom- 
men mögend.'  JLCvs.  1661.  —  b)  anfassen,  berühren 
Gr;  in  weniger  sinnl.  Bed.,  eine  Tätigkeit  beginnen, 
vornehmen:  Was  willt  iez  angä?  BHk.  I  weiss  nüd, 
wie-n-i'''  's  seil  a.  [anpacken,  anstellen]  Ar;  G;  Z.  Etw. 
g'schld  a.  Syn.  angattigen.  —  c)  Jmdn  (mit  ,sein'), 
sich  an  ihn  wenden  (mit  einem  Gesuche)  Aa;  B;  Z. 
Syn.  ankeren;  vgl.  ankommen.  --  d)  Jmdn.  sich  an  ihm 
vergreifen  i.  S.  v.  gehtjen,  futuere;  Syn.  anlaufen. 
,Wölicher  zuo  einem  redti:  du  hast  ein  kuo  oder  was 
für  vich  syn  mag,  angangen!  söllti  es  büessen.'  1427, 
Schw  Rq.  .Einer,  der  des  nüwen  gloubens  syg,  und 
einer,  der  ein  kuo  angangen,  den  schätz  er  eben  glych.' 
1529,  Strickl.  ,Unkristens  Ve  angän.'  1540.  Ndw  LB. 
,Welieher  einen  hiesse  liegen  [Lügner  schölte]  oder 
syn  muotter  oder  ein  unvernünftig  vich  angän.'  1540, 
Aa  Weist.  .Ettlich  [Reformierte]  sagen,  dass  sy  lieber 
ein  kuo  angän,  dann  hinter  eine  mess  stan  wellten.' 
HBdll.  1572.  VgL  ,wär  besser,  einer  hette  mit  einem 
ünftigen  tier  zuo  schaffen.'  ebd.   Man  bekräftigte 


.H" 


ÜL'touiiuifjL-11  mit:  .Su  liab  icli  als  gwUss  ein  Kue.  Esel 
oclor  Miircli  ;uig:in;,'fn  I  •  ScHwK.  Klosteraroh.  .We- 
licliur  an  die  uiess  gloubt,  der  hat  als  gewüss  ein  kuo 
angangen.-  1532,  Strh'kl.  Endlich  wurde  der  Aus- 
druck gedankenlos  zu  einer  Verwünschung  gestempelt : 
.K  wir  die  artikel  [der  Berner  und  Zürcher]  halten. 
c  wollt  ich,  dass  sy  all  esel  und  miirhen  angangen 
lietten.-  1.530,  Absch.  -  e)  Jnidn.  anführen  Gr.  — 
f)  Jiudu,  an  ihn  kommen,  ihn  treffen,  überfallen, 
ihm  zustossen,  von  persönlich  gedachten  Übeln,  ,1m 
tireisenalter,  welches  mich  bald  angeht.-  LKInderuitzi 
1820.  ,Man  soll  ihm  unbeholfen  syn,  was  ihn  angat 
[was  ihm  auch  zustossen  mag].-  1357,  Bs.  ,E  ich 
Wollt,  dass  du  myn  herr  wärist,  ich  wollt  e,  dass  dich 
dz  fallent  übel  angieng.-  1480,  Ztschr.  f.  Schw.  R. 
.Es  war  denn,  dass  uns  ehafte  not  oder  krieg  zuo- 
tielend  oder  angiengend.-  1500.  ebd.  .Am  sanistag 
gieng  mich  ouch  blateren  und  pül  an.'  1519,  Salat. 
.Uli  förcht.  dich  gange  etwas  Unglücks  an.'  Mal. 
.Was  ich  dir  wünsch,  das  gang  dich  anl'  8(;hertw. 
l."!?!*.  Aber  auch  von  erwünschten  Zufällen.  .Dass 
dicli  vil  glucks  und  heils  angang!'  NMan.  —  g)  Einen 
bcrüluen.  betreffen,  allg.  Es  t/uil  der  X.  ii".  in  einem 
l'aternitätsfalle  AAEhr.  In  vwdtschaftlichem  Verhält- 
nisse stehen:  es  f/ut  mich  ro"  Huf  und  Hur  Nitt  w  L; 
Z.  —  h)  refl.  a)  sich  an  das  Fussgehen  gewöhnen. 
/'''  hun-mi'''  afff/aiiye,  das  Gehen  verursacht  mir 
keine  Beschwerden  mehr  ..l'>:  S.-  A-'/'i/iunir".  uns 
Gehen  gewöhnt  B;  Z.  Neul  Sihitvh  <lnirl.'r\  I,,..  v,  c 
tidi'  u.  gl".  /<■'■  bin  no'>'  nit  n-cht  ,(.,  aueli  in  übfitr.  .S. 
=  noch  nicht  recht  im  Zuge.  —  ß)  mit  .sein',  sich 
ereifern,  zornig  werden  W;  vgl.  2.  —  2.  intr.,  heran- 
gehen; vgl.  an  II 3  (I  '25ö|.  al  an  die  Hand  gehen, 
sich  darbieten,  von  ein.i  (;.l,-,-Mbeit.  zum  Kaufe  an- 
geboten werden  Aa;  /.  S\  n.  .mhiKieii.  Es  ist.-m';r  Xüt 
ag'gange,  sagt  z.  B.  der  KIei>.h.jr.  welcher  von  einem 
vergeblichen  Gang  bei  den  Viehbesitzern  herum  zurück- 
kehrt. ,Sie  hausten  im  bescheidenen  Stüblein.  bis 
ihnen  eine  Gelegenheit  angieng  und  der  Haiisheiri  ein 
Heimwesen  kaufte.-  BRErrENsi.  1800.  —  b)  als  Hülle 
an  einen  Kern,  z.B.  Schuhe  an  den  Fuss,  Hand- 
schuhe an  die  Finger,  ein  Iteif  an  eine  Walze,  allg. 
Daher:  passen;  auch  in  ethisrlieni  S..  |.,i,siri.'ii.  ux-- 
stattet  sein.  Wenn  liult  mr''  Alh.s  „-irrh,'  ,//,("".  ./.,,„ 
(jot's  schw  use  hübschli  w  |s..  kann  man  -i^  h  -n  /nni 
lieh  behelfen]  Tu  (Schwizenl.).  As  ,/,((  dem  Clund 
neue  [meines  Bedünkens]  ril  a,  mau  lässt  ihm  Vieles 
nach  B.  .anschlagen,  gelingen,  geraten,  gedeihen  L. 
.  Wul  a.,  feliciter  cadere.'  Id.  B.  ,Man  möchte  V^atter- 
und  Mutterflüch  für  Katzenbett  [unfruchtbares  Gerede] 
halten;  aber  fürwahr,  sie  gehen  gern  an  und  erfüllen 
sich.'  FWvss  1050.  ,Als  die  latynscheu  Wörter  ihm 
[einem  Redner  vor  Rat]  gar  übel  angiengend.-  Schijii'Fr. 
1051.  ,Das  gehet  nicht  an',  ist  vergebliche  Mühe. 
Hospin.  1083.  .Welcher  List  der  Schlange  so  wohl  an- 
gegangen, dass  der  Tod  in  die  Welt  kommen.-  ClSchob. 
169.5.  , Allein  der  Schick  gehet  dem  guten  Pater  nicht 
an:  die  Leut  haben  vil  bessere  Augen,  als  er  sich 
einbildet-  JHFisi  1090.  ,Wo  Gott  vorsteht,  kein 
Streich  angeht,  Isach  dis  kann  erwahren  [beweisen].' 
JCWeissenb.  1701/2.  ,Er  habe  Viel  verdokteret,  aber 
kein  .\rznei  habe  angehen  wollen.-  Wasterk.  Process 
1701.  .Als  das  Schiessen  nicht  angehen  [verfangen] 
wollen,  taten  sie  einen  Sturm.-  Mem.  Tig.  1742.  Zu 
Geniüte  gehen,  (wohl  ..der  übell  aufgenoinmen  worden 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Aa;  B;  I..  ..Hart  a..  grosse  Sensation  li 
'*■  ('.s(  iihel  uii'i/ttii(je,  wurde  nicht  gut 
Vgl.  unkomweu.  ,Was  brauchen  andere  heute  zu 
wissen,  was  man  für  eine  Meinung  hat.  besonders 
wenn  dieselbe  übel  angeht.-  Gottu.  —  c)  vom  Feuer, 
sich  entzünden,  in  Brand  geraten,  in  schädlicher  wie 
in  erwünschter  Weise,  in  Bewegung  geraten  (anders 
üfyän)  Bs;  B;  Gr;  Sch  ;  Tn.  Syn.  ankmnmen.  Auch 
von  den  vom  Feuer  erfassten  Gegen.ständen :  .Ein 
Heustock,  der  angehen  will:  da  kann  man  Mek-hter 
um  M.  Wasser  darüber  ab  schütten  —  er  schlucket 
alles,  und  je  mehr  er  schluckt,  dest  stärker  rauehnet 
er.'  GoTTH.  Ang'gawje,  angebrannt  Gr.  .Desselben 
zinstags,  als  der  ertpidem  anfieng,  do  gieng  für  an, 
dass  ime  niemand  möchte  vor  dem  ertpidem  widerstan.' 
1350,  Bs  Ratsb.  ,Si  verbranntent  menig  dörfer,  diu 
von  in  [ihnen,  den  Engelländeru]  angicngent.'  Z  Chr. 
1330/1446.  ,Wie  sein  Werkstatt  mit  feur  angangen.- 
TiERB.  1503.  ,Da  ist  das  Cämi  angangen.'  ÜMev. 
1540/73.  .Das  angangen  feur.'  1588,  SchwE.  Kloster- 
arch.  ..Angon  wie  ein  feur.  inardescere.  Von  feur  a. 
(ankommen),  fiammam  concipere.-  Mal.;  Denzl.  Über- 
tragen auf  Krankheiten:  , [Die  Feldsiechen]  gond  eins 
von  dem  andern  an.-  Bs  XIV.  und  auf  Leidenschaften 
und  Triebe:  D"  Liehi  got  r»"  selber  u  (doppeldeutig). 
ScLGEH.  ,Wann  sie  ihrer  Altvordern  Bildnuss  ange- 
sehen, sei  in  ihnen  Trieb  zur  Tapferkeit  angangen.- 
WüRsnsEN  1765.  -  d)  vom  Wasser,  anschwellen, 
eig.  an  den  Rand  des  Ufers  ansteigen  Gr.  Vgl.  an- 
laufen. ,Dass  zuo  zyten  die  wasser  so  fast  angiengind. 
dass  man  in  zweien  schüfen  ein  ledi  [auf  der  Lint] 
nit  gefertigen  möchte.-  1532,  Abslh.  ,Und  ist  die 
Eulach  in  2  stunden  angangcn,  dass  sy  hett  die  pruck 
an  weg  gfüert.-  UMev.  1540/73.  ,Amnis  pro  torrente. 
waldwasser.  das  vom  regen  und  wulkenbrüchen  angat.- 
Fris.  .Angehen  wie  ein  waldwasser.  impetum  dare. 
vasto  impetu  irruere.'  Dexzl.  1677;  1710.  Ihiher  bibll. 
in  Aufwallung  geraten,  .sich  lei.len-.  h.iftli.  I,  -,■- 
berdcn,  unruhig  sein,  lärmen,  auch:  laut  lainniem  Git. 
TFas  ist  das  für  es  Angan':'  E  tunimif  Agu"!  Si  got 
a  wie  der  Tüfel,  tvie  a  ühatz  i"me  Chratte".  [Der 
Säugling]  lad  Gäusleni  [Freudenschreie]  ab  und  weiss 
,ild  „■;,'  /,„»  n,r  Jutcr  A.  |  Wnlilb. linden  |.  S.-nwizERl.. 
J.ns  ISnnl,.  ,/„v  Inll  l.n  <;„lh-,i.  inr  ,1  it  ,„„l(,st.  E  O' ritt 
inni  .{finn  hn.  Syn.  lirasl :  Wcsrns.  Von  Insekten: 
leblialt  scbrtärmen  und  liesoiiders  heftig  sein.  Wenn 
d'  Breme  [Bremsen]  so  agönd,  gid  's  leid  Wetter  (Tsch.). 
—  e)  zu  gehen  anfangen,  in  Lauf  geraten.  .So 
ein  löuwin  [Lawine]  im  hochgebirg  angat  und  alles 
wyt  und  breit  mit  schnee  überdeckt.-  LLav.  1569. 
.Das  urenwerk  lassen  angan.-  1576,  Z  Neuj.  Antiq. 
, Einer  aber,  der  im  Briich  hatt  lang  zu  predigen,  der 
stat  an  die  Canzel  und  las.st  synen  Mund  angahn. 
wie  der  Müller  syn  Rad.-  1038,"  JJBreit.  f)  an- 
fangen, beginnen  (in  neutr.  S.);  von  den  Produkten 
einer  Jahreszeit:  in  Schwang  kommen,  allg.  Vgl.  an, 
1  256  Anm.  Anton,  us-g.  .Die  Vormittage  [werden 
ihm  lang],  wenn  er  dieselben  mit  dem  Frühstück  des 
Morgens  um  5  Uhr  angehen  lässt.-  Gotth.  .Wann 
einer  verhütte  zuo  recht  und  einen  Undervogt  düechti. 
es  were  an  äugendem  schaden,  so  mag  er's  einem  er- 
louben  uf  recht.-  1527.  Aa  Weist.  .Früey  ops  wie 
paradysle  und  liöubirle,  die  zum  ersten  seltsam  [an- 
fangs selten]  sind  und  vil  gelten,  deren  man  nachwerts. 
so  das  ops  angät.  gar  nit  achtet.'  Fris.    .Ein  an.geliend 


fia,  se,  "i. 


ff" 


20 


[neu  gestiftetes]  Cluster  uuil  CuUegiuiii/  i;('\s.  .Weklie 
[Einkünfte]  dem  neuen  Verwalter  mit  seinem  Aufzuge 
[Antritt]  angehen  sollen.'  1771.  BSpyri  1871.  In  akt. 
Sinn.  eig.  an  die  Arbeit  gehen,  antreten,  dra"  ya": 
.Der  [Mäder]  soll  morndes  nach  StVerenen  tag  angän, 
so  man  zen  barfuossen  dz  erst  zeichen  lütet,  und  soll 
wider  abgan,  so  man  complet  lütet.'  1416,  Skg.  RG. 
Das  Ptc.  als  Adj.:  akeenti  [einbrechende  (auch  adv. 
=  bei  einbrechender)]  Nacht  ZO.  Eil  ay^ente'  Pfarer, 
ein  Studiosus  oder  Kandidat  der  Theologie  Z.  ,Der 
angende  [neu  ins  Amt  tretende]  vogt.'  1350.  Absch. 
.[Liegende  Güter,  welche  von  einem  Gläubiger  mit 
Beschlag  belegt  werden,]  sond  ligen  in  gebot  6  wuchen, 
es  wäre  denn  um  angenden  [drohenden]  schaden.' 
AALunkh.  Hofr.  ,Ze  äugender  nacht.'  Rüess.  ,Dass  sie 
by  äugendem  wald  syner  warten  solltent.'  ÄgTscuudi. 
Als  adv.  Gen.;  .Angands  tags.'  15'29,  Absch.  .Äugender 
nacht.'  VoGELii.  1557.  .Angands  mayen;  dis  jars  im 
nionat  angends  junii.'  Kessl.,  aber  bei  dem  Selben 
augenscheinlich  schon  zur  Präpos.  mit  Subst.  im  Gen. 
verknöchert:  .Angends  disers  jars'  und  noch  deutlicher 
,angens  der  nacht'  UMey.  1540/7.3;  .angends  des  früeh- 
lings.'  VooELB.  1557.  Die  lebende  MA.  zeigt  scheinbar 
Überbleibsel  der  echten  Construction:  ag<seiuls  Winters 
BSi.;  Uw.  .M-s  Jars  Gl;  Gr;  W",  anderwärts  nur  bei 
schwach  flektierendem  Subst.:  o-s  Abrelle",  ilfaie"  Aa; 
Ai';  Uw;  Z,  in  welchen  Fällen  jedoch  in  Anbetracht 
der  Scheu,  welche  die  MA.  vor  dem  Gen.  und  bün- 
diger Construction  hat,  auch  präpositionale  Verbindung 
angenommen  werden  kann,  wie  auch  ageenternacht 
(ZKn.)  vom  Volksgefühl  in  ug,£nt  der  N.  aufgelöst 
wird.  Den  Gen.  ersetzt  sonst  vorwiegend  wie  in  an- 
deren Fällen  auch  hier  der  Dat.:  angends  dem  Langst 
[Frühjahr]  Gr;  agends  Mai,  u.  der  Wiiche  Bs;  «. 
Homer  L;  er  ist  a.  de"  SibezgC  [ein  angehender  Sie- 
bcnziger]  Z;  und  so  auch  in  räumlichem  S.:  «.  dem 
Berg,  da  wo  der  Berg  sich  zu  erheben  beginnt  Ar;  Gr. 
Und  endlich  entwickelt  sich  ans  der  Präp.  das  Adv.: 
a'gänds  1)  anfänglich  B;  U;  am  Morgn"  angenscli 
W.  .Angends  by  der  langen  Stegen',  da  wo  die  lange 
Treppe  beginnt.  JosuaMaler  1593.  '2)  sofort  (indem 
die  Handlung  vom  Augenblicke  an  .angeht'),  unver- 
züglich, nächstens,  bald  Aa  (in  dieser  Bed.  spr.  "•); 
Brang.mdsJi  „VOrte;"  G;  Sch;  S;  „Z;"  .statim.'  Id.  B. 
Ich  tcill-der  de""  iez  «..'  Drohung  BSi.  Überspielend 
in  die  Bed.  , bereits':  Es  war  du  [alsdann]  ang.  fer- 
nacher  [so  weit]  g'si",  dass  a-  hätt  us-em  Hüs  müesse, 
du  zündet's  de''  Halungg  a"  B;  vgl.  anfallend  I  718. 
.Fürderlich  und  angents  zuo  wüssen  tuon.-  1500. 
Ztschr.  f.  Schwz.  B.  .Als  bald  sich  ein  ungestüem 
Wetter  erhebt,  wo  man  dann  danzete,  da  soll  man  a. 
lifhören.'  ä.  Obw  LB.  ,So  das  responsorium  gesungen 
würt  bis  uf  den  vers,  facht  der  kilcher  angends  die 
mettin  an.-  XVI.,  Erzähler  1855.  ,Ouch  soll  man 
yetz  schnell  und  a.  ein  ablass  schicken  in  tütsche 
land.'  NMan.  ,Üwer  botschaft  unverzogenlich  und  a. 
zuo  schicken.'  1525,  Absch.  ,Ir  weitend  a.  üwer  macht 
potten  hinuf  schicken  und  sölichs  a..  dann  es  nit  beit 
[Verzug]  will  haben.'  1531,  Strickl.  ,A.  nachdem  sy 
disen  brief  verlesen.'  Kessl.  .Angcns  und  on  allen 
Verzug.'  1546,  Sch  Ratsprot.  .Bald,  von  stund  an  oder 
angends  nach  dem  tod.'  LLav.  1569  =  .straks.'  1070. 
.[Cäsar]  hat  ein  Spazierreis  in  Italiam  getan  und  [ist] 
a.  wider  in  Galliam  kommen.'  ÄoTschi'di.  ,.\ngänts 
und  unverzoirenlich.'  Z  Mand.  16:Ul.    .Dieselben  sollend 


a..  dieweil  nach  Ehr  und  Guot  \ei'lianden,  bevogtiget 
werden.-  ebd.  1650.  ,0b  auch  Einer  Einem  verspricht, 
sein  Baargelt  angehends  oder  in  nächsten  8  Tagen 
zu  geben.'  L  Stadtr.  1706/65.  ,Angehents  anmelden.' 
XVIIL,  GHdschr.  —  g)  in  Fäulniss  übergehen, 
anrüchig  werden,  Anzeichen  von  Krankheit  bekommen 
(auch  V.  tierischen  Leibe)  L.  Üyn.  anziehn.  B' Herd- 
öpfel  sind  ag'gange,  schimmlig  geworden,  von  der 
Krankheit  angesteckt.  Erdbire"  gid  's  «"  mängem  Ort 
chitm  meh  de  Some,  die  mehrsten  ag'gangni.  ,Wanu 
Fetzlein  im  Eiter  erscheinen,  so  bedeutet  es,  dass  die 
Nerven  auch  angangen  sind  und  allgemachst  dem  Tod 
zueilen.'  FWürz  1634.  ,Dass  der  Spicher  solcher- 
massen  angefüllt  [sei],  dass  zu  gefahren  sei,  dass  bei 
warmem  Wetter  die  Früchten  angehen  möchten.'  1780. 
L  Stiftsprot.  In  weiterem  S..  zu  Grunde  gehen:  ,.vl. 
lä,  drauf  gehen  lassen,  verschwenden  U."  —  h)  sich 
ansammeln,  auflaufen,  in  der  Verbindung  kf  n.. 
aufschieben,  zögern  W.  Er  hat  bi  schiner  Chruvl.cf 
la  angä  und  la  angä,  bis  es  duo  z'  spat  g'sin  ist.  Vf,'l. 
anstän  u.  oben  Litt.  d. 

Es  ist  fraglich,  ob  die  Stelle  bei  Fris.  u.  Mal.:  .luiliis. 
das  ryten  oder  angou;  iuire,  angon,  auf  eiu  weiblc  steiguii, 
als  die  beugst  uf  die  feldross'  zu  der  Irans.  Anwendung  (1  d| 
gehöre,  oder  ob  eine  entsprecheude  iutr.  Auwouduug  auzu- 
iiehmen  sei.  —  Der  Gen.  angands  urspr.  nur  als  Attribut 
eines  männl.  oder  säehl.  Subst.,  mit  welchem  zs.  es  eine 
absolut-adv.  Construction  bildete;  vgl.  .während  des  Kriege»' 
aus  urspr.  .währendes  Kr.'  =  ,iu  währendem  Kriege'.  Dann 
wurde  das  Ptc.  aus  solcher  Verbindung  geläst,  selbständig  adv. 
gebraucht  (wie  .Anfangs'  udgl.)  und  mit  einem  neuen  Geu. 
verbunden.  Auch  die  mit  der  Verblassung  des  Grundbegriffes 
inid  mit  der  dadurch  geförderten  Unklarheit  über  die  Etymo- 
logie des  W.  zshangeudo  Verschiebung  des  Accents  hat  ilir 
Analogen  in  mehreren  Spielformen  von  anfallende  (I  TIS). 
Für  den  einzigen  ThPlatter  eine  besondere,  überdies  schwor 
aus  dem  Grundbegriff  abzuleitende  Bed.  .fortwährend'  anzu- 
setzen, erweist  sich,  wenn  mau  die  Stollen  unbefangen  erwägt, 
als  nicht  geboten.  S.  ausser  den  bei  Gr.  WB.  I  343  auf- 
geführten auch  noch  Platter  S.  51. 

ane-ga(n):  1.  zu  Jmdm  hin  g..  um  ihm  behülflich 
zu  sein,  sich  herbeilassen,  beistehen,  m.  Dat.  P.  Z. 
—  2.  einher  gehen  Ar.  Ana  fani)-gö  tcie  dei- Schatten 
a"  der  Wand,  d.  i.  abgemagert,  schwach. 

i(n)-:  1.  intr.  a)  hineingehen,  hn  eigentlichsten 
Sinn,  so  in  das  Haus,  unter  das  Obdach,  und  zwar 
auch  ohne  Ortsangabe:  ins  Haus  zurückkehren  B. 
.[Bruder  Claus]  gieng  selten  und  nit  vor  mittag  herus 
und  zuo  vesperzyt  wider  yn.'  Ansh.  Us  und  i  ga  (bei 
Jmdm),  Wohnung  und  Kost  daselbst  haben  oder  auch 
in  anderer  Angelegenheit  regelmässig  zukehren  GT. 
Wer  nid  üsgot,  got  o"'''  nid  i,  wer  schwer  von  Hause 
weg  zu  bewegen  ist,  lässt  auch  lange  auf  seine  Heim- 
kehr warten.  SuLGER.  Was  mit  Ere7i  {oi.  s' E.)  ilsgät, 
gät  au"''  wider  mit  Eren  (s' E.)  i  ZWl.  Spec.  von 
den  Haustieren,  namentlich  den  Hühnern,  zur  Ruhe 
gehen  Aa;  B;  S;  Syn.  z'  S'edel  gan.  I)'  Hüener  gö" 
gern  l  —  's  git  guet  Wetter.  Schild.  Davon  übertr. 
auf  die  Sonne:  untergehen  B,  ,occidere.'  Id.  B.  Si 
isch  l.  „In  böser  Absicht  und  heimlich  in  ein  Haus 
eindringen,  einbrechen  BO.  Er  geit  de  Lülen  »."  In 
die  Falle  gehen,  sich  fangen  lassen  (physisch  und 
moralisch)  Uw.  Durch  das  Tor,  in  eine  Stadt  cin- 
reiten:  ,Gat  er  [der  für  eine  Anzahl  von  Jahren 
Verbannte]  mit  dem  Herzog  yn  [kann  er  dem  der 
Stadt    einen    Besuch    abstiit'teiideii    Herz.ige    sich    an- 


22 


.scliliessciil,  il;is  Mill  im  dii'  .hir  :iljiiei,ieii  |  vonniiulurn|.- 
AaM.  .Stailtb.  Das  l'tc.  im  Gen.  als  A.lv.:  .Ist  .lass 
i'i'  ynsraniles  [beim  Eintritt  in  den  Wald]  ein  wid 
liciwet,'  /Kliint.  Offn.  1459  [od.  zu  le.sen  .yngander'V]. 
b)  mit  bildlicher  Anwendung  des  Gehens  a)  von 
l'rrsonen,  einen  Dienst  antreten  BsStdt;  Z  Don.st.- 
Xaehr.  1787.  Das  Amt  antreten:  ,Wann  die  rate  yn- 
sjand.'  ll.'J7,  Ochs.  P)  von  Sachen,  z.  ß.  durch  die 
Haut  eindringen.  Id.  B.  S.  u.  d.  W.  Schine.  Durch 
den  Mund  eingehen.  Es  gat-em  zum  Mül  i,  sagt  man 
zur  scherzhaften  Erklärung  der  Fettleibigkeit  von 
.lind  Z.  Göt  der  Wl"  starch  i,  yöt  der  Wits  starch 
fix.  RocHH.  1857.  In  den  Erdboden  einsinken,  ein- 
dringen. D'  Reder  sl"  ly'gmuje  bis  n"  d'  Sjiiche'  F. 
Der  Mut  geit  7."  hi  nassem  Wetter  Gr.  Es  gat  V, 
der  Pflug  greift  an.  Auch  mit  den  Füssen  einsinken 
P.Hk.  (In  die  Welt)  kommen.  ,Dass  der  Tod  durch 
ilio  Siind  in  die  Welt  eingangen.'  JMüll.  1061.  In 
den  Kopf,  den  Gedankenkreis  von  Jmdm  eindringen, 
ihm  deutlich  und  klar  werden,  einleuchten,  ihm  be- 
lieben, gefallen  „VOrte;"  Gl:  G;  W;  auch  von  Per- 
siinlichkeiten.  ,Vim  in  docendo  afferre,  dermass  ge- 
waltigklich  und  treüwlich  leeren,  dass  es  einem  muoss 
eingon.-  Fris.  ,Der  Anschlag  geht  mir  ein.'  PJHerm. 
1755.  Von  Einkünften  und  Guthaben.  Erlös  B;  Gl; 
G;  ScH;  ScHW;  Vw ;  Z.  Der  Inf.  subst.  das  Igö,  Ein- 
kiimmen  I-:  genetiv.  ril  It/os  und  daraus  ein  neuer 
•Xüiil.  das  Iqos.  \Vr,-  \,i.l  hiid  im  l.ihidll.  kes  Igos 
und  l.es  Äiiitli.  Häki,.  1^1:;.  Ih,  Uniu-nii.  in,  de  Here 
[GristlirlK-ll|  's  /'■,/„,.  rirnisirh/i  ,u„l  (liil->'egmt  für 
d'  Iseliiiiii-  rrriihiiiiiinli.  .lüKi.ii  1^71.  3/i.s  Igos  mag 
iiiimiiir  iiirh  ij'Iiiihi,"  |;insifirli,.|i  |.  Du  bist  hei  Herr; 
dix  Vrrdii'iistli  und  dis  Ifius  isi  iiiiiiime  chU.  Und  mit 
vollständigem  Vergessen  der  grammat.  Bildung  sogar 
der  Igos  Ü.  .Dass  das  eingon,  tribut  und  steur  aus 
seinen  landen  klein  was.'  1531/48,  I.  Macc;  dafür 
.cinkomnien.'  1667.  ,üas  järlich  eingon'  im  Wechsel 
mit  .nutzung.'  Vad.  Dazu  das  Ptc.  als  Subst.  (n.)  im 
nämlichen  S.:  Igänds  (Igönds  kx),  mit  best.  Art.  das 
Igdnd  Gl;  Uw;  Z  oder  mit  Beibehaltung  der  v^irhin 
genannten  Form  das  (Igänts)  Igäiu  Sch;  S(u\v;  l  w; 
„allg."  Abi.  Ingündig;  Ingändi.  Kei  Kapitalist  und 
kei  Zys  [Zinse  etc.  wünscht  sich  der  Landmann]  iider 
[Eetztem]  doch  Igänterwys.  Schw  Fasn.  1874.  ,Die 
gült,  so  ein  pfarrherr  järlich  yngends  hat.'  1530,  Absch. 
,150  fl.,  so  die  Kilchen  yngendts  hat.'  15(17,  Z  Ratsnian. 
.Im  Todbett  der  Kilchen  auch  etwas  yngents  ver- 
machen.' ScHiMPFR.  1651.  In  eine  Verpflichtung  sich 
einlassen;  vgl.  unten  die  trans.  Construction,  welche 
der  vorliegenden  zu  Grunde  liegt.  Wir  s'i"  so  Ig'i/ange, 
auf  diese  Bedingung  Handels  einig  geworden  BSi. 
.Wann  Einer  der  Schuld  bekanntlich  i.st  und  vorm 
Gorichtsherrn  dem  Schuldforderer  in  Pfand  yngat  [sich 
zu  solchem  verpflichtet].'  1575,  Ztschr.  f.  Schwz.  R. 
—  c)  mit  weiter  zurücktretender  und  auch  ganz 
erblassender  Vorstellung  von  einem  Zielpunkte,  so: 
in  sich  selbst  zurück  gehen,  einschrumpfen,  wie 
Tuch,  ein  Seil  udgl.  durch  Nässe  B;  VUrte;  Gl; 
Gr  (auch  vom  Menschen);  G;  Uw;  Z.  An  Versjtre- 
chi"ge'  und  w'g'net stein  Tnech  got  ril  l".  Sulger.  Von 
einem  Betrage,  einer  Zahl:  ,Sie  hätten  bei  3000  Pfd 
darauf  bezahlt,  an  dem  man  ihnen  nun  Nichts  wolle 
yngan  lassen.'  1508,  Absch.;  vgl.  .Eintrag  tun;  be- 
einträchtigen'. —  d)  eingeschneit  werden.  Wenn 
OS  aber  kumpt,  dz  die  Strassen  yngand,  dz  die  kilchcr 


I  Kircli-,  hier  =  Gemeindegenossen]  gemeinlich  zsänien 
müessent  [um  sie  mit  gemeinsamer  Arbeit  zu  i)ttnen|.' 
14'29,  Geschf.  Gks.  Vgl.  offen  (wieder  gangbar  gemacht  |. 
welcher  technische  Ausdruck  unserm  in  als  Gegs.  ge- 
rufen hat;  verschieden  vom  .Eingehen'  eines  Weges 
i.  S.  V.  e.  —  e)  aufhören  zu  bestehen,  in  .\ljgaM;; 
kommen,  z.B.  eine  Schule,  ein  Postkurs  Aa;  G;  Soh;  Z. 

—  f)  anfangen.  I)'  Predig  iseh  ig' gange.  Wenn  geit 
d'  Chilchen  i  ?  De''  Mai  ist  schön  ig' gange  B.  D'  Mes' 
gat  de'  nächst  Mäntig  i  ZW.  ,Wic  der  Neumond  ein- 
gegangen, folgt  das  Wetter  im  ganzen  [z.  B.]  Herbst.' 
Kalenderregel.  Anderswo  heisst  es  aber:  nie 's  Neu 
Ingät,  so  bliht  's  mit.  ,Wie  die  Hundstage  eingehen, 
gehen  sie  aus.'  Sprww.  1824.  ,Das  eingend  jar:  der 
anfang  ilo<  jars,  annus  exoriens,  annus  venieiis.'  Mal. 
Es  wird.rliMrii  Mrli  für  das  Ptc.  di.^  -I.i.bm  r„„- 
structi.vii.'ii  wie  lifi  dem  sjn.  angäiid .  :'  mii.' ndnu 
Maieii,  iiifictiids  Miiiiets  BRi.  Jg..ends  Honur  '\x.  Gi.: 
Z.  Igänds  der  Bredig'  Tu.  .Zystag  nach  dem  yngenden 
jar.-  1295,  Z  Antiq.  Mitt.  ,An  dem  yngenden  jar  er- 
lasch die  sunne.'  Z  Chr.  1336/1446.  .Bis  yngends  erst 
herpstmonats.'  1526,  Absch.  ,Gegen  ingendem  tag.' 
Vad.  —  2.  tr.  a)  auf  eine  Bedingung  eintreten,  allg. 

-  b)  fassen,  begreifen  ZO.  Vgl.  1  b.  -  c)  en  Has 
igfi,  .lur.li    l.antVii    mnur,.!,.  i,   7,. 


rl„  ,- 


des  Zi 
der  in 
Syn.  . 
(/r  11  sah 
ob  ihm 


iienige 


Ande 


eintreten.  Wenn's  Neu  [der  Neumond]  hell  iniie 
got,  so  regnet  's  am  dritte  Tag,  tmd  wenn  's  duulrl 
innegot,  so  git  's  schön  Wetter  S  nJ.  D'  Frnufaste  isl 
leid  inne'g'gange,  der  Anfang  der  Fronfastinziit  war 
regnerisch  Gl.  Wenn  d'  Fraufaste  mit  IIisiiiihI  ninr 
gat,  so  git  's  ehalt  Wetter  Z.  ,Am  M<jrgrn.  wann  (irr 
Dag  iner  got.'  Stockar  1519.  ,So  bald  aber  die  wernn' 
einhin  gangen,  enderet  die  nachtgall  ir  stimnu'  Vouelh. 
1557.  —  c)  Inneg.ents,  Einkünfte  von  Kapitalien  ZK'n. 
-  d)  anklagen  BHa.  It  Id.  B. 

un-jfrtOTtZ  B;  öge'nt  kv;  iigäntG;  ük^nt  Gl:  1.  wer 
(noch)  nicht  gehen  kann.  F-s  C.hind  Ar;  Gl:  G. 
2.  nicht  recht  brauclibiir.  ziemlicli  wertlos  l;,  eig.  was 
nicht  geht,  keinm  C.mrs  hat  l:.  I'iiiiäiih  .Man:,  die 
nicht  gerne  angenommen  winl.  l'iiiiänds.  wertbisc 
Gewichtszugabe  vom  Fleischer.     Syn.  ungängig. 

under-gä(n):  1.  unten  od.  nach  unten  hin  gehen, 
a)  undergänd,  unterschlächtig,  von  einem  Wasserrade, 
welches  in  seinem  untern  Teile  vom  Strome  getrotlen 
wird  Ap.  —  b)  ebenso,  vom  Monde,  a)  im  absteigen- 
den Knoten  befindlich,  was  im  Kalender  durch  ein 
Mondsbild  mit  abwärts  gekehrten  Hörnern  angedeutet 
wird  Aa;  B;  L.  üyn.  nid.tich-g.  Das  Neu  nnd  Wädel 
I  Neu-  und  Vollmond]  ist  nit  glich  [für  den  Landban  | 
und  Uf-  und  Undergehn  B  (Schwizerd.)  —  ß)  ab- 
nehmend L;  Zg.  Im  U.  soll  man  Nichts  setzen  in 
Feld  und  Garten,  sonst  geht  es  nicht  auf.  Bildlich: 
.Sie  war  jetzt  im  Aufi;rliriiden,  wie  die  Nanette  im 
Untergehenden.-    Mhiizoii.  c)  unter   einer,    unter 

eine  Last  gehen,  sir  irayrii,  erleiden.  ,So  mag  ich 
nicht   under-aii   ,I.t   l.unli.-    KSaii.kh   1  KKI.      Auch   tr.: 


(iil.    IJC' 


.Zc  uiidergoii    den    allorliitteristeii    Un\.-    Hören  l-ITl!. 

•J.  Jazwisclifii  geliii.  a)  dem  Siiomann  voran- 
gehen zwischen  dem  zu  bestreuenden  und  dem  bereits 
bestreuten  Gebiete,  um  ihn  vom  Ühersäjen  abzuhalten, 
allg.  Mit  Acc.  P.  ScnSt.  8.  auch  Undersät.  ,Am 
Liebsten  ist  es  dem  Bauer,  wenn  ihm  seine  Frau 
itiiilergftf.  Süterm.  —  b)  die  Grenzen  begehen 
1111(1  besichtigen,  in  Augenschein  nehmen  und  be- 
-tiiiiiiien.  eig.  zwischen  den  anstossenden  Grundstucken 
diiirh  schreiten  Gl.  Syn.  erijün.  .Unser  banne,  die 
wir  in  unserm  lande  verbannen  haben  mit  underganne 
lind  mit  krüzenne.'  13.58,  Schw  LB.  .Die  wähl,  die 
iiit  undergangen  [abgegrenzt]  oder  mit  marksteinen 
usgezeichnet  sint.'  AaKöU.  Eod.  1400.  .AVo  sich  stöss 
und  spän  in  güeteren  erhüeben.  da  sollen  [die]  rät 
mit  einander  undergon  und  marken.'  k\7..  l>orfr.  15.50. 
.Der  zehnden  ist  undergangen  und  eigentlich  usge- 
marchet  [worden].'  1.551,  Mev.,  Wetzik.  .In  rem  prse- 
senteni  venire:  undergon.  einen  undergang  tuon,  d.i. 
auf  die  spänigen  [streitigen]  ort  kommen,  sy  ze  be- 
sehen und  darnach  urteilen.'  Fris.  ;  Mal.  .Der  Zwing 
zuo  Egenwyl,  der  ordentlich  usszeichnet,  undergangen 
und  beschriben  ist.'  11)04,  Aa  Weist.  S.  noch  l'nder- 
(inny:  tmclernteineii,  und  Blum.  RG.  I '295.  —  c)  vom 
\'iehhüter,  an  gefährlichen  Stellen  unter-  od.  ausser- 
lialb  des  Vielies,  zwisdien  diesem  und  dem  Abgrunde 
schreiten,  um  ihm  Vertrauen  einzufiossen,  es  vom  Um- 
kehren abzuhalten  usw.  Schw.  —  d)  Streitigkeiten 
schlichten,  durch  Dazwischentreten  verhüten.  ,Et- 
lich  hettind  [den  Streit]  schaiden  mögen,  band  aber 
den  schaden  fürgOn  lassen,  den  si  wol  bettend  under- 
gon mögen.'  Vad. 

In  der  Benennuiig  Jer  Mondphasen  ist  durch  Mangel  an 
Vcrständiüss  und  Xaturbeobachtung  Verwirrung  eingetreten. 

underhin  Cimrferp;-ga(n):  zu  Bette  (unter  die 
Decke)  gehn  B;  s.  Anton,  riff/cm. 

ent-,  ei-;  wie  nhd.  Im  Besondern  1.  von  einem 
ausgleitenden  Tritte  BKi.  .Ist  gefallen  hinder  sich  an 
ruggen,  sind  im  bed  füess  entgangen.'  UMev.  1540/73. 
—  b)  sich  einer  Gewalt  entziehn,  in  der  RA.  ,sich 
selber  e.',  die  Gewalt  über  sich  verlieren.  ,So  wir 
uns  selbs  entgangen  wärind  und  in  schwere  laster 
gfallen.-  LLav.  1584.  .Wie  etwan  die  fründ  Gottes 
selbs  inen  entgond,  mit  zorn.  rachgyrigc  usw.,  wie 
David  euch.'  ebd. 

er-:  1.  neutr.  a)  ausgehen.  Der  Bisie  [Keil] 
ergäd  tvider,  gleitet  wieder  aus  der  Spalte  heraus 
Schw.  —  b)  vor  sich  gehen,  geschehen;  fällig 
werden.  .Güeter  mit  ergangenen  zinsen.-  15'20.  Bs  Rq. 
.l'rcdicanten,  so  an  orten  unergangens  meres  [ohne 
vorangegangene  Abstimmung]  predigen.'  1532,  Strickl. 
In  Verbindung  mit  .lassen':  no-n-e  Wal  e.  lö,  die 
.Milch  noch  einmal  aufwallen  lassen  Bs.  —  c)  aus-, 
zu  Ende,  d.i.  zu  Grunde  gehen,  krepieren;  in  Ver- 
fall kommen,  aufhören,  z.  B.  vom  Feuer,  von  einem 
Brauche,  einer  Ortschaft  BO.  .De  agricultura  dicitur, 
cum  intermittimus  culturam  alicujus  roi;  in  desuetu- 
dinem  venire.'  Id.  B.  .Die  Liebe  soll  dir  nicht  er- 
gehen, wenn  schon  der  Grossvater  nicht  mehr  sein 
sollte.'  GoTTH.;  doch  liegt  in  diesem  letztern  Falle 
viell.  die  I  403  erwähnte  Verwechslung  von  ent-  mit  er- 
vor.  —  2.  tr.  a)  durch  Gehen  bekommen,  sich  zuziehen, 
.(jieng  ich  gen  S.,  kam  wider  heim,  liatt  ein  krankheit 
ergangen.'  Salat.  Syn.  erholen.  —  b)  eine  Strecke  in 
ihrer   ganzen   .4usdehnung   gehend    durchmessen. 


einem  Gegenstand  ontlaiig  gehen,  mit  dem  Xbbegritfe 
der  aufmerksamen  Untersuchung.  .Die  faden  e.,  ob  sy 
fridbar  syen.'  1427,  ScHwRq.  Vgl.  iinder-g.  2  h.  —  c)  ein 
Ziel  erreichen,  Jmdn  einholen  Gr;  Uw.  Uf-e"  Titlix 
isch-es  so  streng  und  treif,  das.i  wie»  '.v  fast  nid  e.  mag. 
.Eundo  superare.'  Id.  B.  .Die  von  Zürich  fliehend 
fast  [d.  h.  eilig,  mit  Macht],  es  kann  si  niemand  er- 
rüten  noch  ergen.-  Salat.  ,Consecjui  aliquem  (eundo). 
einen  erlangen,  ergon  oder  erlaufen,  ereilen.-  Fris.; 
Mal.;  Denzl.  —  d)  (eine  Krankheit  udgl.)  über- 
stehen, aushalten  Gr.  .Welches  dann  eines  Vatters 
lind  mütterliches  Herz  kaum  crgan  mag.  sich  also 
synes  Fleischs  und  Bluts  zu  entledigen.'  Werbungs- 
BücHL.  1670.  —  e)  r  e  f  1. ,  ablaufen.  ,Der  gewege  [Ge- 
wichte sc.  am  Uhrwerk]  nimm  beder  war,  so  si  sich 
ergangen  habent.  das  sie  schiere  nüt  nie  seilen  habent, 

so    ZÜch   si   wider   uf.-   1385,   GfrU.    —    Vgl.   ergllngen. 

ÜS-:  1.  neutr.  a)  ausgehen,  in  eig.  S.  (allg.); 
vgl.  üs  I  551.  Gemeint  ist  ,aus  dem  Hause':  Für 
d'  Wiber  ist  U.  nie  so  gnet;  diheime'  bUhe"  war  besser. 
Sclger.  yii'.t  {'.  ist  vrnifj.  ich  sehe  selten  von  Hause 
weg  Z.  Daher  biMl.  lulnl  .ln,,|,elsinnig?):  Wenn  's 
Geld  üsgöt,  so  fSnill  's  »/.  -  Hn,i;;i  nnmme  [den  Heim- 
weg nicht  mehr]  G  uLdseh.  .Aus  iler  Stube"  und  zu- 
gleich abstr.  .aus  der  Zeche:  ,Wer  in  ainem  wynhus 
trinket,  gät  der  uss,  dass  er  dem  wirt  syn  ürten  nit 
git,  darunib  soll  in  der  wirt  nit  haben  [zurückhalten  [• 
SfH  Stdtb.  ,Da  einer  usgät  einem  wirt  unbereit  [ohne 
zu  bezahlen].'  ebd.  ,Aus  der  Gefangenschaft':  ,Wie  die 
gefangnen  gestraft  und  uff  urfechd  usgangen.'  1531. 
Strii-kl.  ,Aus  dem  Leibe':  ,Gewisse  Personen  können 
in  der  Nacht  ausgehen,  d.  h.  den  Leib  verlassen,  so 
dass  derselbe  im  Bette  liegt,  ihr  anderes  Teil  aber 
als  Katze  od.  dgl.  in  ein  andres  Haus  einschleiclit  uml 
sich  auf  das  Herz  schlafender  Leute  legt.'  Thellunh 
1867.  ,.\us  der  L'mzäunung';  von  Rindern  gesagt. 
welche  gewohnheitsgemäss  jene  durchbrechen  BO.  - 
b)  mit  mehr  oder  weniger  bildlicher  Anwendung 
des  Gehens.  Es  gat-em  lei"  rechts  Wort  zum  Miil 
üs  Z.  Der  Ausgangspunkt  bloss  hinzugedacht:  von 
Geschwüren,  Beulen,  aufgehen,  zu  fliessen  anfangen  '/.. 
Die  (rschicnlst  mness  ü.  ,Eiss,  der  reifet  und  ausgat.' 
.Mai.  V.iiii  Vn^clei,  wann  das  Junge  ausschlüpft  B. 
Du-  ir/7(/("  Hciiii  I nehmen.  Conj.]  d'  Vogeleier  unger 
(/s  lliiui'  r^isdiiff  [unter  den  Hintern],  Im  si  üsgange". 
B  Hink.  Bot  Isil.J.  Von  einem  Gefässe,  sich  entleeren: 
.Im  Fahl  aber,  da.ss  ein  ald  ander  Fass  nit  volln- 
kommenlich  usgahn,  sonder  bestahn  [sich  ver.stopfen  | 
wurde.-  Z  Umgeldsordn.  1643.  Von  Flecken  u.  Farbe, 
verschwinden,  sich  entfernen  lassen,  allg.  Mit  Wechsel 
des  Subjektes,  vom  Zeuge,  die  Farbe  verlieren,  nicht 
halten  G;  Syn.  i'islän;  schiessen;  absterben.  Von  etw. 
Befestigtem,  sich  lösen,  auseinandergehen,  z.  B.  vom 
Faden,  der  aus  dem  Nadelöhr  oder  aus  der  Naht 
schlüpft;  vom  Knopfe,  der  aus  dem  Knopüoche  geht 
(vgl.  iiss).  Von  Druckschriften,  erscheinen:  .Wenn  die 
gschrift  der  disputation  usgat,  werdend  ir  wol  s6hen, 
welcher  teil  in  gottes  wort  gegründet  ist.-  Zwinuli. 
,.Ioh.  Fries  hat  ein  kostlich  gross  Dictionarium  lassen 
ausgehen.'  HEEsciier  169'2.  —  c)  mit  Bez.  auf  den 
Ertrag  einer  Kapitalanlage:  .Wer  usgend  zins  uss 
einem  guot  hat.  dem  soll  man  richten  nach  syner  brief 
inhalt.'  G  OBüren  1481.  ,Da  man  schulden  oder  zins 
zuesuecht,  da  soll  man  zuerst  usrichten  schnitterlohn, 
rindniiet.  darnach  ob  jemand  usgend  guot  darus  gienge.- 


da,  ije.  -1,  -. 


GBui-iiu   117-J.         ,1|   ins   (_;c-r,-.l(.'    k„iiuiK-n:    vj^l.  ».  | 
=  iliirch  doli   Druck  verbreitet  weraeii.     ,N.  N.  liisst 
.MUolricheu  voa  wegen  der  lueisterlosikeit  syner  kiiid 
US  .<;on.'  1528,  Egli,  Act.,  d.i.  bringt  ihn  ins  Geschrei.  I 
—  e)  sich  ausbreiten,  sich  entfalten,  aufbrechen.  | 
von  Blütenknospen   A.\;   B;  S.    's  Bäbi  hei   die  ehr-  [ 
iriiriliiji   Jerichm-ose   in   es    Glas   mit   M\\sser   ifsteUt  [ 
i/'hti"  fiir:'  iiief/e",  tcie-si-si"''  rerti'iei,  uiuj  dir  Awescnde''  ! 
hei"  mit  Freude-  g'seh-,  ms  S  ller,h.,,tcls,h„ssli  und  's  I 
Chiinischossli  |2  besonders  o-L'iir II t et r  /.w.iulein  der  J.| 
ümiiiel    (juet    usgange'  si".    BW  n^~   \^i<:\.     (bertr.  von 
einem  Gerüchte:  JEs  grit  es  G's(ig.  le  iciie.'<ti  (rschicht)  i 
ris  ron-em  Z;    von  Krankheiten     bei  vielen  Personen 
auftreten;    von   einem  Geschleclite,    sich   verzweigen: 
.Eins  guten  und  wyt  us^ehenden  Geschlechts.'  Pl.itt.  i 
1612.  —  f)  sich    ereignen.    Statt   finden,    ergehen,  j 
Dr  ühöf  [Kauf]  ist  iisgunge  BNeuen.     ,Was  [immer]  t 
usgan  sollte,  das*  man  hy  den  toren  wäre.'  Anf.  XVI..  j 
Z  Anz.  —  g)  ein  Ende  nehmen,  aufgebraucht  wer-  j 
den  Gr;  G:  Uw;  W;  Z.     ,S("''  Freud  (de''  Bruch:  die  \ 
Brütscheft,   das  Verhc'iltniss:   's  Für;   's  Liecht :    der 
Ate"':   's  Geld)  ist  (wider)   üsg'gange".     Ebensu    v.hm 
Faden,    in    anderm   S.   als   o.     Die  Manne'   |ili.'  An- 
tiquare von  Zürich]  säge'd,  ine"  heig  [hahej  grössi  '/.d. 
wenn-me"   no"''  e  guets  Teili  vo"  dene"   Würtere'  tvell  i 
übercho',  wil  s'  rso  iwtnoh  [nach  und  nach]  usganged  \ 
hi  der  junge'   Welt.  Senn  1864.     Einen  Acker  ü.  ht", 
liegen    lassen,    nicht   nielir   bepflanzen   Obw;  Z;    vgl. 
Nülere;  Nägehüenes.     Dazu  das  Ptc.  und  dessen  adj. 
Weiterbildung  imßndig  i.  S.  v.  usendig  (1  319)  in  der 
Verbindung   de'  ganz   u.  Tag.    Sprenr.     ,Wa   dehein 
person  Uganda   guetere  7  jare,   angende  und  usgende 
[von  Anfang  bis  zu  Ende],   ruovvig  besessen  hat   un- 
angefochten.' 1404,  Ztschk.  f.  Schwz.  K.     .Seines  an- 
und  ausgehenden  [zeitweiligen]  Amtes.'    1-542,  Absch.  ! 
.Erlangtend  usgönds  bestands  [Waffenstillstands]  Ver- 
längerung.' Ansh.    Jetzt  iin,-li  Iw.s.  üblicli  Vom  Alihmfi- 
einer  Zeitfrist:  z' iis,in„.l.  w  M,,,,.   W.  i,,:.     I\.,,n„l. 
Friieli'gs.    Stutz.      'i\,i„,„I~    \ln,hrs    r«.     /•..,/.„„/> 
Joes  B.    ,Ze  üssgandeni  redemanode.-   lodd,  Z  Staats- 
arch.     ,Ze    ussgenter   pfingstwoche.'    1318,  ebd.     .Bis  1 
zno  ussgenter  osterwuchen.'  Scaw  Eq.    ,Zuo  nssgendem  i 
liornung.'   HBi'll.  1572.     Am  Üblichsten  usgänds  als 
l'rapos.    (allg.);    vgl.  o.  Ingänd.     U.  das  (dem,    rom) 
Jar:  O.Maie';  ü.  Surner.    ,Usgänds,  si.d  ünem.'  Id.  B. 
So  schon  früh:  ,Järlich  4  gl.  bis  zuo  üssgenz  der  be- 
zalig.'    1568,  Gprd.     Selten  auch  räumlich :     Wu  mer 
[wir]  vsgänds  's  Dorf  chömwet  Z.     Das  selbe  Ptc.  als 
Sub.st.  aufgefasst:  ,Bis  zuo  ussgand  der  5  jaren.-  1510. 
Z  Anz.  —  h)  ausweichen,  sich  einer  Unannehmlich- 
keit,  bes.  einer  Verpflichtung  entziehen.     Er   ist- ein 
(oder  es)    üsg'gange,  auch  i.  S.  v.    .er   hat   es  ausge- 
läugnet  Z.     /"■''  &!"  nie  iisg'gangod  e  Word  ran  outvem 
B'scheck    [Befehl].'    Schott  1842.     ,Und    soll    nieman 
gen  dem  andern  dirre  [dieser]    buntniss  ab-  noch  us- 
gan mit  Worten  noch  mit  werken.-  1.351.  Absch.    .Gien- 
gent  die  üweren  des  satzes  [des  Schiedsgerichtes  und 
seines  Entscheides]  us.  so  söllent  sie  40  gl.  verfallen 
syn.'  1417,  ebd.     .Das'  die  von  Swyz  den  eidgnossen 
der  gemeinschaft  nit  üs.sgangen  wärind.'  Fkcnd  1447. 
.Dass  sich  y^mans  die  zehenden  ze  geben  weder  mit 
gott  noch  mit  recht  entsagen   und  iisgan  möge.'  1525, 
Hotz.  Urk.    ,Sind  also  den  iiüiitm   und   manungen  us- 
gangen.'    1531.  Strickl.    —    i)  le.  r   au>uehen.    als 
Gegs.  ZM  .darin,  dabei  bleiben-.    .Sollend  die  verwanten 


von  vattermag  die  von  der  niuolterniag.  >o  im  erb 
üssg:ind.  nach  billigkeit  mit  einem  Selgrebt  [frei- 
willigen Vermächtniss]  betrachten.-  1629,  Schaub.  I!(]. 
—  k)  frei  ausgehen,  freigesprochen  werden.  ,Wer 
die  buosso  verlüret,  von  dem  soll  man  si  nemen,  er 
mug  sin  denne  mit  sinem  aide  usgän  [seine  Schuld- 
losigkeit erhärten].'  1372,  See  Stdtb.  ,So  einer  fänk- 
lich  von  eins  friden  [Friedensbruches]  wggen  ange- 
nommen würt,  so  er  dann  des  fridbruchs  ü.sgat.  das' 
er  ine  nlit  gebrochen  hat.'  Ar  LB.  1409.  Frei  gegeben, 
vom  Weid-  und  Trattrecht  entledigt  und  zu  Privat- 
eigentum gemacht  werden:  ,Dem  N.  ist  ein  hofstatt 
und  ein  garten  ussgangen  und  von  mynen  herren  er- 
loubt  ein  hus  daruf  zuo  buwen.'  1504,  Schw  LB.  .Die 
im  oudi  von  myner  herren  befelhens  wegen  ussgangen 
und  nssgezeichnet  ist.'  ebd.  Vgl.  üslän.  -  1)  ührr 
Einen  äs  gän  s.  I  552  o.  —  2.  tr.  a)  bis  ans  Ende 
von  Etwas  gehen.  D'  Schriind,  die  Gletscherspalten 
umgehen  BLaut.;  vgl.  1  h.  Mit  dem  Nbbegritf  des 
Durchforschens.  der  Untersuchung:  Mareie  iroit  gn 
inimlle"  [auf  die  Wanderschaft  gehen],  wott  alH  Land 
,n,s,,rhi,.  irnll  s„cheii  ihren  Sohn.  ToBL.,  Volksl.  .Dis 
-int  die  zil.  als  man  der  liürger  allmende  üs  soll  gan.- 
V.iüi),  Sei.es.s.  1;G.  .Man  soll  fünf  erkiesen,  die  usgon 
sond  steg  und  weg  und  sond  auch  markstein  setzen.- 
XV.,  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  .Steg  und  weg  üsszegau 
nach  der  bessern  kuntschaft.'  Z.\ltst.  1429.  ,Die  so 
<ir'j:  und  weg  geschworen  hand  üsszegand,  dieselben 
ues.liworueii  [sollen]  unverzogenlich  die  .stosse  | Lo- 
kalitaten, über  welche  Streit  herrscht]  besuchen. - 
Edlib.  l>as  Ende  von  Etwas  erreichen,  Etwas  los 
werden:  Er  gat  der  Jamer  nie  üs,  wird  immer  vom 
Unglück  verfolgt  Gl.  —  b)  ein  durch  Nässe  zsgezogenes 
und  kraus  gewordenes  Seil  wieder  strecken,  indem 
man  es  um  einen  starken  Stab  schlingt  und  mit  dir-,ni 
2  od.  4  Mann  stark  die  ganze  Länge  des  Seiles  hinaus 


/,.     Ji 


.W. 


marschiert  Z.  —  c)  ausfindii;  lua 
iniii  [wollen]  wol  Ejijiis  :'  (rtrlm  ,i 
ihr  (iuts  aus  miteinander.-"  i:ru->lor 
.[Den  Mörder  ihres  Vaters]  hatt.'nd  di.-  lun-rn  X.  ii... 
gangen.-  15.34,  Salat.  ,Botz  bhioM :  ,h.ri  -.irlibh 
schon  den  einen;  ich  könnd  in  li\.r  j -e.-rlii,ktev|  nit 
u.'  HRMax.  1548.  ,Man  verornet  ainen  buwmaister. 
ainen  laira  [Lehm]  visszegon,  uss  dem  man  guot  wer- 
schaft  [solide  Waare]  machen  möchte.'  Vad.  .Gang 
ein  g'.steud  und  dick  ort  aus.  darin  du  dich  wol  ver- 
bergen mögist.'  Vogelb.  1557.  .Locum  oculis  capere. 
ein  ort  ausserlesen  oder  aussgon.  Explorare  diem 
aliquani,  einen  tag  au.,  erwellen  und  ansehen.  Occa- 
sioncm  captare.  ein  gelegne  zeit  au.'  Fris.;  Mal.; 
s.  auch  füren.  ..^u.,  ersuochen,  als  so  ein  jägor  das 
gwild  aussgat.  wo  es  sein  läger  habe,  vestigare.'  Mal. 
.Der  hatt  ussgangen,  das'  Zwingli  an  eim  ort  z'  gast 
äs";  do  wollt  er  uf  in  warten.'  Platt.  157'2.  ,Dic  wil 
mier  myn  l.  tochter  gestorben  was,  [habe  ich]  gedacht, 
wo  ich  mynem  sun  ein  frowen  üssgienge.'  ebd.  .[Als 
Sennbueb]  syge  er  etvvan  geheissen  worden,  die  rech 
ü.  und  stöuben.'  1578,  Z  Staatsarch.  .So  dem  widf 
einer  nachgienge  und  ihn  üsgangen  hette.  1  ooT.  /,  ismu. 
t  Schwz.  R.  ,Ein  prediger  ist  von  etlii  h.n  .lu-i^auL^vn 
worden,  die  wollend  losen  [hören],  was  ,s  tiu  -[u  hhl: 
abgeben  wurde.'  Schimi-pr.  1651.  ..\ussgehen,  auss- 
spehen  ein  gewild,  ferani  vestigare,  insidiari  fcrie. 
Ein  ort  au.,  locum  capere.  explorare.     Etwas  au.,  ge- 


(ia.  ,<je.  gl 


—  (1)  .Inwill  liiiitiT.s;i;lioii.  .Die  liölzor  .-^oll  der 
weibel  ila.s  ganze  jar  verhücten.  und  damit  er  der  zeit 
des  mittagessens  halber  nit  könnte  aussgaiigen  werden, 
soll  er  diser  zeit  halben  abwechslen  und  mithinzu 
[zuweilen]  in  der  zeit,  da  andere  zu  mittag  essend, 
in  dem  holz  vorbleiben.'  KiVl,  Hotz,  Urk. 

ushinj'Mse^-gaCn):  hinaus  gehen.  Vgl.  i/.s-»/.  1.  über 
die  Schranken  der  Sitte  und  des  Anstandes  hinaus,  Ex- 
tesse  begehen  (Dkr).  —  2.  enden,  schliessen.  Wie 
iV  Hundstag  ie  </mid,  gönd  s'  me  AAEhr.  —  3.  ver- 
kauft werden.  z.B.  tcolfel  «.  g.,  bei  einer  Stei- 
gerung, ilaraus  hervorgehen  Ax;  L.  I"  3  Eüefen  u.  g., 
beim    dritten  Ausgebote   an    Mann   gebracht   werden. 

—  furuse-:  vor.stehen,  hervorragen  ScuSt. 

ver-:  1.  dem  Weg  (Dat.  für  Gen.?)  i:,  fehlgehen  U. 

—  2.  zergehen,  verschwinden,  sich  autiösen.  allg. 
's  Chopßveh  ist-mer  vergange".  V.  tcie  der  Anke  a"  der 
Sunne  (wie  de''  Sehne  im  Merze").  Es  ist  sum  V.  [vor 
Hitze].  Fast  c.  vor  CUh  [Ärger].  D'  Auge"  rergond 
Ei"m,  wenn  man  sie  zu  lange  anstrengt  Tu,  d.  i.  sie 
versagen  den  Dienst,  lis  (de''  G'htst,  's  Lache'  usw.) 
rergät  Eiiii  cor-em  selber,  wenn  . . .  ,Vergangene  Städt- 
ehen', verschwundene,  untergegangene.  FrXBronner. 
Das  Ptc.  sonst  mit  Bez.  auf  die  Zeit  als  Adv.  =  letzt- 
hin, jüngst,  allg..  und  in  diesem  S.  auch  in  verstüm- 
melter Form  g'gange  A.\V.  Syn.  renvichen.  Vergangen 
,-nial.  Verstärkt  nu"  r.  BO.  Von  Personen,  dahin 
welken,  sieh  auflösen,  sterhen:  Ei'smals  Jim'  die  Chind 
«'fall'  Serbe"  und  sl"  vergange"  kie-n-es  Liecht  BE. 
(Schwizerd.).  .Das  hüs  ist  von  alter  vergangen  und 
abgeschlissen.'  1555,  Hotz,  Urk.  ,Als  die  Kirch  von 
Alter  und  Buwlose  halb  anfieng  zu  v.  und  widerumb 
ernüwert  worden.'  RCys.  .Wann  der  Ehelüten  eins 
des  Tods  vergangen  ist'  1617,  Ztschr.  f.  Schwz.  K. 
.Haben  vor  altem  einen  Burgstahl  gehabt,  welches 
aber  vergangen.'  HEEsiher  1692.  .An  der  Pest  ver- 
gienge  dis  Jahr  in  der  Statt  Bern  ein  Knah.'  JJScheuohz. 
1707/46.  S.  noch  rerschinen;  verstän.  —  3.  vor  sich 
gehen,  sich  ereignen,  geschehen  BO.  ,Tm  1531.  jar 
sind  dise  ding  vergangen.'  Schlacht  b.  Kappel.  ,Die 
Schandtat,  welche  unter  ihnen  vergangen  war.'  FWvss 
1072.  —  4.  tr.  a)  .durch  häufiges  Spazierengehen  ein 
leibliches  Übel  vertreiben.'  Id.  B.  —  b)  durch  Gehen 
verbrauchen.  ,Welliche  kundschafter  [Zeugen]  ussert- 
halb  gesSssen  sind  und  dadurch  ein  ganzen  tag  v.  und 
uss  syn  müessten.'  1557,  Schaub.  Rq.;  und  danach  zu 
verstehen:  ,Es  wäre  dann,  dass  er  uss  dem  Dorf  gan 
müesse;  darnach  er  dann  [Zeit]  vergat,  darnach  soll 
man  im  Ionen.'  G  OBüren  1481.  Da  die  Angelegenheit 
der  G  Gotteshausleute  von  den  Sehutzorten  neuerding.s 
vertagt  werden  will,  bitten  die  Boten  um  endliche 
Erledigung,  da  ,si  das  ire[ihr  Geld]  fast  vergangen 
haben  [durch  wiederholte  Gesandtschaften].'  1529. 
Absch.  —  5.  refl.  a)  fehl,  irre  gehen,  im  eig.  und 
im  moralischen  S.,  im  erstem  Falle  tw.  mit  ,sein' 
(nach  Analogie  der  Conj.  des  syn.  .vorirren'),  allg. 
Mer  |man]  cha''"-si<^'^  rergo',  i«*  cha'"-mi'''  überzelH 
ha'  L  (Schwizerd.).  I'''  hin-mi'''  blas  e  chli"  rergange 
und  han-em  es  Möckeli  Sah  is  Eajf'e  tu"  a"statt  Zucker. 
DKyd.  Von  einer  Ziege,  welche  den  Sprung  auf  ein 
niederes  Grasband  wagt,  aber  nicht  mehr  hinaufkommt, 
wenn  ihr  der  Mensch  nicht  zu  Hülfe  eilt  Gl.  ,Decli- 
nare  se  extra  viam,  sich  v.  und  ab  dem  weg  kommen.' 
Fris.:  Mal.     .Sy  irrend  wie  einer,  der  sich  in  einem 


grossen  wald  vergangen  hat.'  LLav.  1509.  .Ob  wir  uns 
gleich  vergiengen  in  das  Tal  des  tödtlichen  Schattens.- 
JJBrf.it.  1616.  In  der  a.  Kechtssprache:  sich  dem  ge- 
nossenschaftlichen Verbände  entfremden.  .Wenn  sich 
ir  güeter  hinus  vergänd  in  kofswys  und  sie  ein  un- 
genosser  koft  hat,  so  mag  ein  innrer  dem  ussern  den 
kof  abziehen.'  ZAlt.  1439.  .Ob  ir  deheiner  ein  tochter 
hinüs  beriete  [verheiratete]  zuo  der  e.  oder  wie  sich 
ein  frow  hinüs  vergienge  zuo  elichem  leben  und  die 
ein'""  genossen  [Gemeindebürger]  nimmt.-  ebd.  — 
b)  ablaufen,  verfliessen.  .Verginge  sich  der  selb 
frid.'  1394,  Absch..  im  Gegs.  zu:  ,die  wil  der  f.  wäret.' 
ebd.  .Wenn  es  des  gottshus«»  güeter  antrifft,  so  söllti 
ein  landsrichtcr  denn  des  gottshus  richter  den  stab 
in  .syn  band  geben,  der  söllti  denn  richten,  unz 
dz  sich  die  selben  sachen  umb  gottshus  güeter  ver- 
gänd [abwickeln,  abgeurteilt  werden].'  1449,  Schw  Eq. 
.Wann  sich  dann  die  zil  vergand  und  die  gest  [Frem- 
den] ihr  [für  eine  Zeit  lang  kreditiertes]  geld  yn- 
züchen  wollend.'  Z  Zollordn.  16.34/17.57.  —  c)  sich 
ergehen,  spazieren  .L;  Zg"  (St.»").  —  d)  angehen, 
,passieren'.  .Sic  satis,  also  gnuog,  leidenlich  gnuog, 
es  vergat  sich,  zimlich  wol.'  Fris.  —  e)  geschehen, 
sich  begeben,  sich  ereignen.  ,Als  ir  vordem  mit  ein- 
andern  in  Zweiungen  gewesen  sind  und  sich  darinnc 
mängerlei  verlaufen  und  vergangen  hat.'  1474.  Absch. 
vor-,  mit  ,sein':  1.  vorangehen,  a)  zunächst  in 
eig.  S..  einem  Reconvalescenten  (rücklings)  voran- 
schreiten, indem  man  ihn  bei  den  Händen  liält.  um 
ihm  Sicherheit  und  Unterstützung  bei  seinen  Geh- 
versuchen zu  gewähren.  Nur  noch  belegbar  in  der 
abgel.  Bed.  ,ein="  kranken  pflegen.-  Mal.;  vgl.  vor  sin 
I  929,  5  Schluss.  Jetzt,  mit  Dat.  P.  od.  absol.,  1)  in 
dem  engern  S.  .eine  Wöchnerin  und  das  Neugeborne 
verpflegen;  dieses  Geschäft  als  Beruf  betreiben'  '/,. 
Vgl.  Vorgängerin.  ,Der  frowen  halb,  so  den  lüten  v. 
und  der  kranken  ze  pflegen  habend.-  1.525,  Egli.  Act. 
,1  pfd  19  schul,  wacherlon  der  Källerin  und  HHüglis 
frow;  die  sind  vorgangen  WKellers  kinden  und  der 
alten  Lemannin.-  1532,  ebd.  —  2)  Jmdn  mit  Sorgfalt 
pflegen,  sich  nach  seinen  Launen  richten,  ihm  freund- 
lich tun  BO.  ,Curamgerere  alicujus;  officiis  se  com- 
mendarc  apud  alqm.'  Id.B.  —  3)  Jmdm  od.  einer  Sache 
vorarbeiten  Aa.  —  b)  mit  Bez.  auf  die  Zeit,  vorgdnt 
(Gl)  und  adj.  weitergebildet  -gentig  (GTa.).  comparat. 
-gcenter  (L),  -g^nder  (ScHyt ;  Uw)  und  -geenderig  {XJyt), 
nächst  vorhergehend ;  dazu  als  Adv.  -gänds  Ap.  Mit-ere 
Welt  ersetzt,  so  schön,  a's  die  vorg^nder.  Heng.  1836. 
,In  vergangnem  jar.'  Zwingli.  ,Vorgents  merzens'  = 
im  vorhergegangenen  M.  Vad.  .Und  war  2'/-i  monat 
vorgents  fast  warm  g'syn.'  ebd.  ,Das  vorgendig  jar.' 
UMey.  1540/73.  ,Das  8.  bad  ist  auch  in  vorgehender 
grosse',  d.  i.  in  derjenigen  des  7.  HPantal.  1578.  .Was 
ist  vorgangen  der  Zerstörung  von  Jerusalem?-  JMüll. 
1665.  —  c)  mit  Bez.  auf  Reihenfolge,  den  Vorrang 
haben;  bes.  gebräuchlich  in  der  Rechtsspr..  da  Schuld- 
briefe einander  nach  dem  Datum  der  Ausstellung 
vor-,  bezw.  nachgehen,  d.  h.  besseres  oder  geringeres 
Anrecht  auf  das  Unterpfand  haben.  .Die  pünd  be- 
rüerend  den  glouben  nüt,  der  gloub  gang  vor  und 
sye  fryg.'  15'29,  Absch.,  womit  zu  vergleichen:  .Diewyl 
der  gloub  alle  zytliche  Verpflichtung  fürtrifft.'  .Die 
leienbrüeder,  dero  vorgender  [Vorsteher]  der  mcister 
genennt  worden.'  Vad.  —  2.  einem  Dinge  vorbeugen, 
sich  davor  hüten  ZO.    Me"  cha"  nüd  Allem  r.    Vgl. 


n,r  II  -^  II.  /■'(/■  //  :'  iM.  Hl.  -  :;.  übrig  l,leilM_.|i. 
vorsrhii'sscii:  vi;l.  mr  11  i.  Viirgäut  (Ar),  mit  adj. 
Kiidiiiij,'-  -<i(indi<i  (ISrHSt.),  -{/('(iiti;/  (Ap;  ti;  Z),  Übrig. 
viin-iiti;;-.  entbelirliili.  z.B.  von  dein,  was  von  der  Tafel 
wiediT  abfretr;ii;en  winl.  Voir/äiiti  War,  Waare  zur 
V'orfiigunt:.  Vtirmiiiiuir  ('li<immer,  überflüssiger  Kum- 
iiifi-  .\i'.  Viiinäiiti'n  ScIiKi'h  mache',  auf  Lager,  ebd. 
.[Der  Klo-steruiüHiMl  si.ll  mit  vil  vorgendem  und  altem 
>Iel  sich  rüsten,  damit  mau  nit  an  der  frönide  müesse 
malen.-  XVII.,  A.^Muri.  Vonjeenäs,  Überschuss.  Ge- 
winnst Z;  Anton.  Hindergänds. 

für-:  1.  voran,  voraus  gehen,  s.  für  II  2  (1958). 
.Soll  der  schulthess  keinen  [Gläubiger]  lassen  am  ge- 
botti'  [seinen  Mitgläubigern]  f.  noch  [ihn]  ussrit-hten, 
denne  den  ersten  am  gebotte.  so  der  sieche  [sc.  der 
l>tdjitor]  abgestorben  ist  [ausser  denjenigen  Gläubiger, 
welcher  sich  nach  dem  Tode  des  Schuldners  zuerst  an- 
meldet].' 1406,  Bs  K(i.  Auch  bildl..  mit  gutem  Beispiel 
Gl.  —  2.  hervor  gehen.  Spec,  zum  Kommunions- 
tische hingehen,  an  dem  h.  Nachtmalo  Teil  nehmen 
BsBirs.;  S  nJ.  Wartet,  i'"''  will -eck  die  Mki/i/c'  rcr- 
trihe",  's  got-mer  to"  eich  's  neehst  Mol  Keine  fir,  hin  er 
c  ffherigi  Buess  g' macht  het!  Vor  Gericht  erscheinen: 
.Wer  einem  fürbutet  under  ougen  und  im  der  nit 
fürgät.  so  ist  er  verfallen  3  Schilling.'  1495,  Aa  Weist. 
.Als  etlicli  einandern  am  rechten  lang  umbher  schlei- 
kend  [ziehen],  vil  ufschlägen  [Verschiebungen]  nem- 
mend  und  einandren  nüt  fürgand,  wellend  U.  G.  H.: 
So  eii\er  dem  andern  fürkündt  [usw.].'  ZRegenst.  1603. 
—  3.  hervor  ragen,  s.  für  II 5.  ,Auf  den  fürgänden 
zänen  [der  Elephanten].-  Tierb.  1563.  —  4.  v er- 
geh n,  verfahren  Scu.  —  5.  vor  sich  gehen.  ,Und 
wäre  diser  anschlag  schon  fürgangen,  wenn  's  N.  und 
X.'  nicht  gewendt  hätten.'  Xxsh.  .Des  Herren  rat- 
schlag der  gat  für.'  1531/60.  Prov.,  dafür  , bestehet.' 
1707.  .Allerlei  Üppigkeit  f.  lassen.'  B  Mand.  1563. 
.Darinnen  [in  welchen  Kriegen]  unsäglicher  Jammer 
ist  fürgangen.'  1576,  Mise.  Tig.  .Der  bossen,  so  [in 
dem  Bad]  fürgangen.'  Pantal.  1578.  -  6.  vorbei, 
vorüber,  wieder  weiter  g.,  räumlich  und  zeitlich,  s. 
für  II  o.  ,Dass  sy  den  fürgänden  (-gonden)  zuohin 
rüefe.'  1531/60,  Prov.  .Die  fürgenden.-  1531/60,  Psalm. 
,Die  hanen,  ob  sy  schon  von  den  grausamen  tieren 
geförchtet  werdend,  förchtend  sy  dennocht  die  für- 
gönden  menschen.'  Vogelb.  1557.  Spec.  eine  Zoll- 
grenze überschreiten  als  Durchgangsgut:  ,Von  einem 
Rinde,  so  es  fürgeht.  2  Kr.-  XIV.,  Bs.  Daher  .für-  j 
gehender  Zoll.-  Ochs  2,  1,  412,  oder  .Pürgandzoll.' 
ebd.  5,  99  =  Transitzoll,  Ant.  ,Pfundzoll'.  ,Im  F.-  = 
en  passant,  bloss  beiläufig.  .Allein  zuo  zyten  und  als 
an  einem  f.  (.obiter'),  lass  ich  söliche  kurzwyl  nach.' 
ZwixciLi.  ,Dann  er  nit  zuo  Genf  dann  allein  fürgande 
gewesen.'  1530,  Absch.  , Welches  ich  in  einem  f.  mel- 
den muess.'  LLav.  1569/78.  Trans.,  übergehen;  über 
Etwas  hinweggehen.  ,Dass  niemant  fürgangen,  über- 
sechen  noch  verschonet  [werd].'  Z  Mand.  1519.  ,I)ise 
ding  alle  mag  das  gemüet,  so  vor  gewarnet  [worden  i 
ist],  glych  als  Ulysses  unverletzt  f.  {,prseterire')  und  ; 
überspringen.'  Zwinuli  1526.  ,Dass  sy  die  pündt  für-  ! 
gangen  syn  und  nit  gehalten  haben.-  1531,  Absch.  i 
.Die  Matthäus  fürgangen  oder  nur  ein  klein  angerüert  j 
hat.-  1560,  Bib.  ,Dass  ir  üch  nit  ferinnerend,  sonder  ! 
mit  stillschwygen  fürgand,  dass  solches  ouch  under 
üch  beschicht-  1586.  Absi». 


(krepieren)  Z. 

hei"--:  bildl..  .-sterben  Aa;  Gk.  Syii.  n-rn-lsni: 
abfaren  udgl.;  ühcrditrchhiti,  ühcrene  ga. 

hi"-  Aa;  Z,  dehi"-  S:  zu  Grunde  gehen,  von 
Sachen  und  lebenden  Wesen  (sterben).  Es  ist  cltalt 
zum  H. 

hinder-:  1.  t  r.  a)  von  allen  Seiten  (indem  man 
sich  auch  hinter  den  betr.  Gegenstand  stellt)  unter- 
suchen. ,So  man  s'  [ihre  Worte]  wol  hindorgat,  so 
sind  sy  nun  blendstreich  [nur  Blendwerk].'  Zwingli. 
1527.  —  b)  betrügen,  täuschen,  allg.  —  c)  unpers.. 
ärgern,  verdriessen  GlK.  Vgl.  hindergänglich.  - 
2.  neutr.  a)  hinter  den  Horizont  hinunter  steigen, 
untergehen.  ,Die  sonn  wolt  h."  Bossh.-Goldscum.  — 
b)  Hindergänds,  Gegs.  zu  Vorgänds,  also  Rückschlag. 
Verlust,  Einbusse  bei  einem  Handel  Z.  H.  an  Öp- 
pisem  ha". 

Im  zuletzt  erwälmt<;u  Falle  lasst  sich  Analogiebilduug 
(nach  Vary.)  annehmeu;  sonst  aber  ist  die  neutrale  Ver- 
wendung des  Yb.  auffalleuil,  da  für  das  .\dv.  nicht  himla; 
sondern  .hinderbiii',  liiiuhrt.  ?ilt:  vjl.  übrigens  undtr  aueb 
als  Adv. 

her-:  1.  herbei  kommen.  ,H.  g.  lassen-  =  (zu 
Pferde)  anstürmen.  ,[Die  Reisigen]  lond  mit  ver- 
hängtem zouni  und  yngeleiten  glenen  gegen  uns  har- 
gon.'  1521,  Strickl.  Von  der  Sonne  und  dem  Tages- 
lichte: aufstehen,  anbrechen.  .Fruo,  dö  erst  der  tag 
her  gieng.'  Z  Chr.  1336/1446.  —  2.  (wie  nhd.)  sich 
zutragen.  Syn.  mit  zue-g.  und  mit  diesem  anipliti- 
cierend  verbunden.    Es  wird  icalicr  zue-  u.  hergä  Gr. 

müessig-:  1.  absol.,  sich  des  Arbeitens  enthalten. 
Dazu  das  Ptc.  als  Adj.  -gänd  Z.  .Mit  was  ranken  gat 
der  gmein  müessiggend  mann  urab,  dass  er  guot  und 
gelt  zuosammen  lege?'  LLav.  1569.  —  2.  mit  Obj.. 
sich  eines  Dinges  enthalten,  es  meiden.  Syn.  m.  stan. 
D'  Wirtshuiser  bin-i  eisder  viiessig  g'gange  U.  Mit 
Bez.  auf  eine  Person,  sie  ruhig  lassen,  sie  nicht  be- 
helligen Gr.  Früher  mit  Gen.:  , Am  besten  aber  ist's, 
aller  Fürsten  und  Herren  m.  ze  gon.  One  die  F.  und 
wider  die  F.  ist  die  Eidsgnossschaft  ufgericht;  one  sy 
wird  sy  erhalten  werden.-  1548,  HBull. 

nach-,  noch-,  nah-,  nah-:  1.  hinterher  g..  folgen, 
später  kommen,  mit  Bez.  auf  Zeit  od.  Rang.  So  in  dei- 
Rechtsspr.:  mit  seinen  Ansprüchen  auf  ein  Unterpfand 
hinter  anderen  Gläubigern  folgen  B;  vgl.  mr-g.  3  c: 
Nachgang.  Ptc.  -gänd  BO.  ,Wo  ein  mann  bi  der  vordren 
[ersten]  frowen  kind  hat  und  darnach  bi  der  nagenden 
ouch.'  1507.  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  .Tugend  und  laster 
und  deren  vorgönd  und  nachgöud  [früheren  und  spä- 
teren] exempel  in  geschrift  zuo  verftvssen.'  Ansh.  .Das 
nachgent  mag  das  vorgent  nit  abtuen.'  15'28,  Absch. 
,Der  selb  hat  g'redt  nachgende  wort.'  Rief  1550. 
.Posterus.  nachgend.  folgend.'  Fris.;  Mal.  ,ln  10  den 
nächst  nachgenden  tagen.'  1575.  Ztshr.  f.  Schwz.  R. 
,In  nachgehenden  zyten.'  L  Ansechenb.  ^  im  Verlaufe 
der  Zeit.  Im  gleichen  Sinn  der  Comp.  B  oO.  IJ's 
nahg^nder  Mal.  Der  N.,  der  jüngere  Sohn;  .'Vnton. 
der  Erder.  D's  n.  Wib,  die  zweite  Ehefrau.  D's 
Göttis  der  N.  sin,  zu  spät  kommen  BRi.  ,Dic  ersten 
[aus   erster   Ehe]    und   auch    die    nachgendren    kind.- 


Ga.  ge.  gi,  g<\  g\i 


A2 


aufgestanden  und  hat  regiert.-  1531,  IV.  Ksra.  =  ,nach- 
gcnde.'  1548;  , nachgehende.'  1G67.  .Posterius,  das 
nachgender  oder  das  letst.'  Fkis.  ,Zur  Prüeh-  ald 
nadigehnderen  Predig.'  Z  Mand.  1686/50.  Vollends 
zum  Adj.  umgestaltet  -ijünduj.  ,Umb  Martini  fleng 
man  zuo  Bas.  seltsame  frömbde  vögel;  verschwanden 
nochgendigen  sommer.'  Dieb.Etpf.  ,I)as  erstund  [das] 
nadigändig  Mandat.'  HBdll.  1572.  Als  Adv.  näch- 
(Gr.  nah  üw,  noh  Ap;  L)  -gätuls  =  nachher.  ,Wie 
der  Fisch  anfangs  das  allerkleinste  Tier  seie  uud 
n.  zum  allergrössten  werden  könne.'  Schimppr.  1651. 
.Wir  erfahren  etwan  erst  n..  wie  gut  es  Gott  gemeint.' 
FWyss  1650.  Das  Adj.  kann  etwa  auch  mit  dem  Be- 
griffe .überlebend-  zsfallen:  .|Wenn  von  kinderlosen 
Kli,.-atteiil  .^ins  stirbt,  da  soll  das  lebende  ir  beider 
unni  rilnii  und  nach  syncm  tode  so  soll  das  selbe 
uH"!.  1.1-  sj  /oiiial  hatten,  do  das  erre  abgieng.  nach 
des  iiagcndcii  tode  fallen  das  halb  teil  des  niannes 
lidmage  und  das  ander  h.  t.  des  wybes  1.'  1418,  Ztschr. 
f.  Schwz.  K.  .Ist  dass  das  wybe  stirbet,  wäre  dass 
dieselb  nachgende  lebendig  person  zuo  einer  andern 
c  griffe,  wenn  denn  dieselbe  nagende  p.  von  tode  ab- 
gat,  so  soll  syn  nachgende  lebendig  geniächid  [Gemahl] 
den  halben  teil  besitzen.'  ebd.  —  2.  mit  Dat.,  hinter 
Jnidm  od.  Etwas  her  g..  ihm  folgen,  a)  vom  Winde, 
von  liintcn  kommen.  .Gieng  uns  der  wind  nach  und 
zerschluog  die  schiff  alle  von  einandern.'  HsSi-nüRPF 
1497;  vgl.  ,Nachwind-.  —  b)  häufige  Begegnung  mit 
Jmdm  suchen,  mit  dem  Nebenbegriff  des  Bemühens 
lim  seine  Gunst,  bes.  mit  Beziehung  auf  eine  Frauens- 
|i'Ts"n.  um  sie  werben  Seu;  Z.  —  c)  nachforschen. 
.|/."<i  l.'iiN-liider]  soUent  n.  denen  müetren,  so  irc 
kiii.l  \rikii|i|ib.-iit.'  1519,  Egli,  Act.  ,Meister  N.  und 
Mstr  N.'  sollen  n..  wer  hier  von  Zürich  Mstr  Zwing- 
lin  gegen  unseren  Eidsgenossen  verseif  [verläumdet] 
habe.'  15'23.  Z  Ratserk.    .So  man  dem  wahren  verstand 


Bildlich,  von  den  Nachwehen  eines  Übels,  eines  Er- 
eignisses Aa;  Ap;  Bs;  B;  Sl'h ;  U;  W;  Z.  JSs  fjod-m'r 
noli  lany  noh,  dns'-i'''  chrank  y'sV'  bin.  T'.'.s  riäij-ein 
mich,  das'  er  cw  chlT  Of  le  [keine]  Miiclrr  iflm  hiid : 
Syn.  en  Beste  devon  han.  Zur  Gewohnlioit  werden 
Aa;  ßs;  B;  S;  U.  Es  (jtit-em  siner  Lebti;/  ii.  Zu 
Herzen,  nahe  gehen,  von  Vorstellungen,  die  man  nicht 
los  wird  Ap;  B;  Sch.  .Tiedio  esse.'  Id.  B.  Syn.  es 
tuet  and:  unecht  «der  lauft  nachhin.  Auch  persönl. : 
si  [eig.  de  r  Alisilii.d  von  ihr]  ist-em  nach(j' f/ani/e  Ap. 
—  e),  eiiH'i-  \  ■ir^izii.hiieten  Linie  entlang  g..  einem 
Gebote  iiiiclilelieii.  .Wie  das  verlassen  [hinterlassen] 
syg.  dem  gangend  gestracks  nach.-  1436.  Geschp.  Ges. 
,Was  grosser  ungrechtikeit  wäre  das  gsyn,  wenn  er 
synem  schwuor  wäre  nachgangen  [ihn  erfüllt  hätte].' 
LLav.  1.584.  .Damit  inen  dester  stattlicher  glebt  und 
nachgangen  wurde."  1572,  Schw  Rq. 

lu  der  hildl.  Anwi-ndung  '2  d  schimmert  viell.  der  Glaube 
IUI  uiiieii  d.ii  MiiiM-lnii  Ili^  mii  mIm  Lebensende  verfolgende« 
Däinoii,  ihi-  in-riil'ilil  'ir~  Sr|] 1 1 tzrii jels.  durch. 
.  naclihiii  iKicIii  I iiiihi.  niilni.  iiä-ej- ga,{n):  1.  neutr. 
al  sich  luichiiiathüii,  sieli  erliolen.  gedeihen,  fetter 
werden  Ap;  Gl;  (i;  Syn.  zeirc'fi  bimnien.  Luei/et  auh, 
wie  iiiniijiet  dei  jnnij  Wefiij  [ein  Rind]  dermi",  er  ist 
der  yrüeliii  doch   iifiiiiei'  iiachcffi/niiiii'.  (ii.  ^'olksg.  - 


b)  folgen,  erfolgen:  .Wann  .sich  ,1er  bnioder  noch  einist 
striche  [geisselte].  bis  im  das  bluot  nahin  gienge.- 
LLav.  1569;  dafür:  .bis  auf  das  Blut  geissele.'  1670. 
,Wie  die  zalungen  so  gar  unlingsam  [lässig]  nacher 
giengend.'  Vad.,  dafür  an  andrer  Stelle:  ,zaltend  si  so 
langsam  u.  schwarlich-.  —  2.  m.  Dat.  a)  =  nuch-y.  2  li 
Ap;  G;  Z.  —  b)  eine  Person  bei  ihrer  Arbeit  be- 
suchen, um  sie  zu  beaufsichtigen ;  einer  Angelegenheit 
sich  hingeben,  sich  die  für  das  Gelingen  notwendigen 
Schritte  nicht  verdriessen  lassen  Gl;  Gr;  Sch;  Z;  um 
Etwas  n.  g..  .sich  darum  bewerben  und  bemühen  F. 
Auch  mit  Weglassung  des  Dat. :  Er  iiia;/  nümme  noha 
(jan  Gr.  —  c)  =  nach-;/.  2  a  7,. 

fürnachhin-  an  ein  Ende  kommen,  in  Erfüllung 
gehen  B.  Vil  tusiif  Pfund  usstehe'di  Zeise"  heige"  si 
u  hellsehe"  Niemere  kene,  bis  es  well  fürnache  ga  [bis 
der    Schuldner   dem  Konkurse   nahe   gekonmien    sei]. 

GOTTH. 

nider-:  1.  untergehen,  von  Gestirnen.  .Cadens  sol. 
die  nidergend  sonn.'  Fris.;  Mal.  —  "2.  zu  Bette  g. 
B;  L;  Sch;  S;  Uw;  W.  3Iit  de«  Hüenere  n.  ;/.,  bei 
Zeiten  schlafen  gehen.  S.  auch  nider.  ,In  duoclit. 
es  were  zyt.  nyder  zuo  gon.'  Zielv  15'24.  ,Sy  bettend, 
so  sy  ulstniid  "und  liider  gond.'  HBull.  1-561.  .Tlia- 
lamis  sc  r.uiiiH.ih  T.'.  M.li  ins  bett  legen  oder  nidergon.- 
Fris.  -  :;.  Suhrquiit .  die  Periode  des  abnehmen- 
den Mondes  .S.  Vgl.  ab-,  iif-,  under-gänd.  K^  gud 
kei  Vf-  und  Nidergänt,  es  währt  nicht  zwei  Mond- 
phasen lang.  Heng.  18.36. 

be-:  1.  fr.  a)  für  Jmdn  sorgen,  spez.  iliii  er- 
halten, ernähren.  .Ich  gewinne  gar  schiere  [fast  sc. 
so  viel].  Das*  ich  begieng  unser  viere."  Siuac  iizahkl. 
,Sy  wöllind  nit  für  mich'arli.-it  hau  und  mich  für  ein 
junkherren  b.',  klagt  ein  l.andlarci  uIhi-  ilie  veränderte 
Gesinnung  der  Bauern.  X.M.\n.  i">_'L'.  Einen  Todten: 
ihn  zur  Erde  bestatten.  .Der  lierzog  Hess  usgon  ein 
bot,  dass  man  die  toten  vergraben  sollt;  [ze]  Nawerren 
in  [der]  statt  muosst  man  s'  irlich  b."  1513,  Tobl., 
VL.  1,36.  —  b)  wie  nhd.,  tun.  vollführen,  in  gutem 
und  schlimmem  Sinn.  .Wederer  [welcher]  teil  den 
anlass  begangen  [den  Anfang  zum  Streite  gemacht] 
hat.'  Schw  Rq.  .Die  statt  Loupem.  daselbs  vor  jaren 
Erlach  das  best  begieng."  CTiJRSx  1489.  .Einen  tag 
b.  mit  guotem  wein  trinken,  diem  mero  celebrare. 
Empsig  b..  celebrare.  (xrebnuss  b.  noch  kriegischcin 
Sitten  oder  lirau.li.-  :Mal.  .Wer  Uneinigkeit  b.  wurde.' 
BEngist..  Uad.irdn.  i:.s-J.  —  '2.  refl.  a)  Etwas  als 
sein  Gewerlie  treiben,  sieh  mit  Etwas  abgeben,  seinen 
Lebensunterhalt  damit  verdienen  ,B0."  V>;1.  1  a.  Er 
bigat-si'''  mit  Wurze'grabe".  .Jeder  mag  diejenig  zunit 
fürnemen  [ergreifen],  mit  der  er  sich  allerbest  b.  mag.' 
1430.  Z  Stadtb.  =  .betragen.'  ebd.  .Arm  lüt,  die  sich 
in  disen  bösen  herten  löufen  iren  arbeit  nüt  könnend 
oder  mögend  b."  Edlib.  .Alt  vätter  und  müetter.  die 
durch  den  tod  ir  sün  sich  alters  halb  nüt  wol  b. 
niogtend."  ebd.  .Mit  fischen  hab  ich  mich  begangen". 
sagt  SPetrus  bei  NMan.  1522.  .Acht  haben^  uf  die 
miessiggänger.  die  sich  des  begond,  und  [dass  sie] 
biderben  lüten  ire  kind  ufwiglend.'  Ansh.  .Gott  heisst. 
sich  mit  werken  [arbeiten]  bgan,  als  unser  vordren 
auch  band  gtan."  Bauenfart  1526.  .Die  alten  mönch 
habend  irs  dings'nützit  um  gelt  geben  noch  sich  ir 
geistlichkeit  begangen  [einen  Erwerb  daraus  gemacht].- 
Vau.     .Facile  quierere    victuin.   sich  leichtlich  b.  und 


(in.  ,!,'o 


itzt 


A\ü'  dem  stiml  begat. 
sein  narung  gcwünnt/ 
spedire,  sein  narung  mit  dem 
it   schiessen    b.'    Fris.  ;   Mal. 


oiiieeien.  8ellul;uiiis 
iler  zuü  seinem  werk 
Fkis.  ,Alimenta  arcu 
bogen  suochen,  sich 
.Andere  aber  begand  sich  dos  Fischcns.'  RC'ys.  — 
b)  mit  Jmdm,  ihn  oft  besuchen,  mit  ihm  umgehen, 
sich  mit  ihm  vertragen.  /■''  hm  ijanz  hiyange  [ver- 
traut] init-em.  Schi  sind  mächtig  hcijangni,  in  sehr 
gutem  Einvernehmen  Gk.  Ebda  hegange'  in  verall- 
gemeinertem S.  =  zufrieden,  vergnügt.  ,Sie  begehen 
sich  wol  mit  einandern,  conveniunt  inter  se.  coiivenit 
inter  illos.'  Dex/.l.  ItiTT;  1710.  -  c)  an  Etwas,  sich 
erinnern  W. 

vorb'i-:  1.  neutr,  a)  wie  nhd.  -  b)  sich  ereignen 
W.  ,Und  nichts  ungrades  vorbei  gehe.-  XVIIl.,  G 
Hdschr.  —  2.  trans.  Etw.  übergehen,  daran  vorbei  g. 
.Befehle  dem  Würgengel,  dass  er  das  Haus  meiner 
Seele  fürbeigehe.'  AKlingl.  1691. 

z'rugg-:  zurückgehen;  spec,  vom  geschlossenen 
Handel  zurück  treten,  .reukäulig-  werden  Z.  Mit  Dat. 
(statt  älterem  Gen.):  nlne"  Wiirte"  .:.  g.,  sein  Ver- 
sprechen nicht  halten  Z. 

o b  -  s i '  '■  - :  aufwärts  g..  steigen.  Da  gal  's  streng  o. 
L>azu  das  Ptc.  ubsigänd  Bs;  BO.  ('-l.endj;  Gk  (e); 
iKi.  r.ej;  Th;  Z  tw.,  -gänt  Aa;  Gl  (ij;  Tu;  Z  (tw.  j); 
im  ij-e'  f3Iä"J  oder  als  iSubst.  (meist  ii.  und  auch  mit 
verknöcherter  Flexion  das  O-gänts  Üva)  =  aufsteigend 
d.  i.  diejenige  Periode  des  Mondes,  da  dieser  nördlich 
sich  am  Meisten  vom  Hinnnelsäquator  entfernt  hat, 
in  seiner  nördlichen  Wende  oder  am  Höchsten  über 
uusenn  mittäglichen  Horizonte  steht,  was  im  Kalender 
durch  das  Zeichen  Q  angegeben  wird;  s.  Moos  177-1, 
227;  Scuweizerb.-Kal.  1832  Mai;  HSchinz  1842,  26 
(wo  aber  die  ,Erilferne'  mit  der  ,nördl.  Wende'  zsge- 
worfen  ist);  u.  vgl.  ufgänd.  Vielfach  (wohl  erst  in 
neuerer  Zeit)  niissverstanden  und  mit  der  Phase  des 
wachsenden  Mondes  identificiert.  Volksglauben. 
Bohnen  setzt  man  gern  im  0.  oder  bindet  sie  wenigstens 
dann,  weil  sie  dann  eher  aufranken,  allg.  Eeben 
soll  man  im  0.  schneiden,  damit  sie  eher  wachsen 
ZAndelf.  Wenn  man  dagegen  die  Butter  im  0.  siedet, 
so  läuft  sie  leicht  ins  Feuer  über  Gu.  S.  auch  niäsich-g. 

für-si"''-:  vorwärts  g.,  ,progredi.'  Id.  B.;  auch 
bildl..  vor  sich  gehen.  Statt  finden,  von  Statten  gehen, 
gelingen  B;  Sch;  Zg;  Z.  ,Der  tore  sol' f.  s.  g.  [weiter 
gehen,  sich  trollen].-  Boner.  ,Und  sollend  die  Erbe 
allweg  f.  s.  gan  [immer  an  Nachkommen,  nicht  an  Vor- 
fahren fallen].'  1387,  Gl  Landsatz.  ,Wilt  du  nit  hin 
und  für  dich  [deines  Weges]  gon,-  Kuef  1550.  ,Meinst 
du,  dass  Gott  unser  ratschleg  lass  für  sich  gonV"  ebd. 
.Allen  rauotwill  für  sich  gat.'  ebd.  ,So  man  erkennt 
liat,  dass  es  ein  redliche  sach  ist,  so  geht  die  manung 
|an  die  Bundesgenossen  um  Hülfe]  f.  s.'  Jos.Siml.  1.577; 
1722,  d.  h.  man  lässt  ihr  den  Lauf.  ,Der  alt  Krebs 
wollt  den  jungen  lehren  f.  s.  gehen.'  Schimpfk.  1651. 

hinder-si"''-:  rückwärts  g.  (allg.).  ,Man  muss 
etwa  wie  der  Seiler  für  sich  sehen  und  hinter  sich 
gehen.'  Sprww.  1824.  Mit  Bez.  auf  die  Ökonomie: 
Wenn  d'  eisig  meinst,  's  sett  für-si  gö,  s<-  göt  's  nw 
himlersi.  Stutz.  .Hintertsi  gä,  in  pejus  ruere.'  Id.  B. 
Us  geit  mir  Alls  des  hindertsi.  Schalmei  1882.  .Morbus 
consistit,  die  krankheit  gat  weder  für  sich  noch  h.- 
Fris.     Mit  Gen.  S.  =  davon    zurückkoninieii.    wiiler- 


ruten.  nicht  dazu  stehen.  ,Uu  darNt.  kein  kundschaft 
[Zeugen]  darum  z'bstelleu;  wir  sind  nitsömlich  heillos 
gsellen,  dass  wir  syn  wöUind  h.  g.'  HsRMan.  1548. 
,Dass  ich  des  sollt  h.  g.,  das  ich  gredt  han.'  ebd.  ,Non 
demutabo,  ich  wird  nit  anders  reden,  ich  wird  sy"  nit 
h.  gon  [nicht  davon  abgehen].'  ebd.;  Syn.  mlne"  Worte 
s'riigg  g.  Mit  Bez.  auf  die  Zahl  =  rückwärts  ge- 
rechnet werden.  ,Do  etwan  in  vichsterbenden  grosse 
spän  erwachsen,  besonder  von  wegen  des  hindersich- 
gäns,  do  bisher  das  rindvech  6  und  das  rossvech  3- 
monat  hindersich  gangen  [d.  i.  betr.  die  vom  Verkäufer 
zu  leistende  Bürgschaft  für  die  Gesundheit  des  Viehes 
beim  Verkauf].'  1597,  Ztsohr.  f.  Schwz.  Pi.  Volks- 
glaube. ,Man  führt  (fährt,  trägt)  dem  Teufel  Holz 
und  Wasser  in  die  Hölle  (i»  d'  Chuchi.  Sulger),  wenn 
man  rückwärts  geht.'  Rotenbach.  .Ein  Kind  soll  nicht 
rückwärts  gehen.'  ebd.  Wenn-me"  h.  göt,  se  laiift-me" 
i"  d'  Hell  ahe  ZO.  ,Wenn  man  Käse  in  einem  Ge- 
mach aufbewahren  will,  so  muss  man  mit  dem  ersten 
rücklings  hinein  gehen,  so  bleiben  alle  vor  den  Mäusen 
gesichert'  Rotenbach. 

nebe"d-si"''-:  auf  die  Seite  g.  Bs;  L;  Sch;  Zg. 
Euphera.:  gehen  um  die  Notdurft  zu  verrichten  L. 

nid-si'-''-,  mit  dem  Ptc.  resp.  Adj.,  Subst.  -gänd 
erklären  sich  aus  dem  Anton,  obsich-.  Geld  's  nid- 
schifchj,  bzw.  obschi?  Grussformel  bei  Begegnung  im 
Freien  Gr  (Tsch.).  .Zur  Hölle  zu  kommen  ist  leicht, 
da  gehet  es  niedsich;  aber  in  Hinnnel  schwer,  da  gehet 
es  Berg  an  und  obsich.'  JJUlh.  1783.  Darauf  bezieht 
sich  unter  Anlehnung  an  den  Namen  einer  Mondphase 
die  scherzhafte  RA.  im  Nidsigänt  sterbe',  in  die  Hölle 
statt  in  den  Himmel  konmien  (Sprww.  1869).  Sonst 
vgl.  betr.  die  Mondphase,  welche  im  Kalender  mit  ^ 
bezeichnet  wird,  was  bei  obsichgänd  gesagt  ist.  Die 
Verwirrung  und  Vermengung  schon  bei  Fris.,  welcher 
jNidsichgender  mon'  das  eine  Mal  richtig  mit  ,decli- 
natio  lun«',  das  andre  mit  ,luna  decresceiis,  schweinen- 
der  mon,  das  wedel',  erklärt.  Nüd  cergehen  isch  's 
Nidsik^nt!  oder  du  bist,  mein-i''',  im  N.  uf  d'  Welt 
eho,  oder  bi  dir  isch  's  Mit  N.  sagt  man  scherzend  zu 
Jmdm,  der  zu  Boden  fällt  oder  Etwas  fallen  lässt. 
Vexierspiel:  man  inaclit  si,li  anlhischig,  bei  14  Tagen 
auf  oder  ab  die  Zeit  in  .•nat.n,  da  Einer  sterben 
müsse;  die  Losuiiu-  luntrt :  Ki"tin:<l<r  im  N.  od.  im  0.  Z. 
Volksglauben:  Diejenigen  l'Haiizen,  welche  (wie 
z.  B.  die  Zwiebel.  Hübe)  sich  nach  unten  entwickeln, 
oder  (wie  der  Salat,  die  Kriechbohne)  niedrig  bleiben, 
keine  Stengel  treiben  sollen,  müssen  im  N.  gesäet 
werden.  Obsi'''gänt  und  Xidsi'''g('iHt  —  Es  gut  nid 
Alls,  wie  d'  Wdier  ivend  [wollen],  sagt  dagegen  der 
verständige  Gärtner,  welcher  sich  nicht  von  den  Ka- 
lenderzeichen bestimmen  lässt  (Tu  Ztg).  Das  ist  auch 
die  günstige  Zeit,  um  Wein  abzuziehen,  zu  purgieren, 
zur  Ader  zu  lassen,  zu  schröpfen,  zu  Schwitzkuren 
(damit  die  Rheumatismen  sich  nicht  in  den  Kopf 
werfen),  Öfen  zu  bauen  (damit  die  Wände  keine  Risse 
bekommen  Gk).  Wenn  dagegen  ein  Schornstein  im 
N.  gefegt  wird,  so  will  nachher  der  Rauch  nicht  mehr 
steigen.  HScuixz  1842.  Wenn  die  Pocken  im  0.  ab- 
tallen, so  gibt's  Flecken  im  Gesicht,  wenn  im  N., 
keine  ZWl.  Eine  Steigerung  des  Begriffes  und  der 
Wirksamkeit  findet  das  Volk  im  Krebs-N.,  d.  i.  wenn 
die  südliche  Wende  des  Mondes  in  die  Zeit  des  Stern- 
hildrs  dos   Kr.   fällt  (iit.     lUldl..    vom   l.'uckgangc  der 


35 


Ca,  ge,  gi,  go.  gu 


persöii liehen  oder  ökonuiiiisclieii  Klüfte:  ,Xidsiij  (ja, 
ad  ruiiiam  vergeie.'  Id.  B. 

zesammen  (^«ÖJ)ie;-ga(ii) :  einander  besuchen, 
allg.  .Ssepius  se  convenire.'  Id.  B.  Daher  1)  be- 
freundet sein  Z.  2)  Braut  und  Bräutigam  sein  Z. 
Übertr.,  einschrumpfen,  abmagern  Ar;  Gr;  SciiSt. 

dar-:  zur  Sitzung  gehen,  Sitzung  halten.  ,Und 
soll  der  rat,  der  zem  zwölften  tage  dargat  [mit  dem 
12.  Tage  des  neuen  Jahres  beginnt],  funfe  nemen  von 
dem  antwerke.'  Z  Kichtebr.  1304. 

durch  ('dio--,  dürj-:  1.  hindurch  g.  a)  räumlich 
und  zwar  zunächst  im  eig.  S.,  dur'^gänd,  von  Weide- 
vieh, das  die  Sucht  hat,  die  Umzäunung  zu  durch- 
brechen (welche  in  der  ApI.  Ordn.  1700  als  sog.  Währ- 
schaftsmangel  taxiert  wird)  Scbw.  Übertr.  auf  leblose 
Gegenstände:  En  durgccnte  Gerter,  Holzanteil,  iler 
sich  durch  alle  Holzsorten  des  Genossenschaftswaldcs 
erstreckt  ZZoll.  En  duryände  {-gäntige  TuTäg.)  Gang, 
ein  das  ganze  Haus  durchschneidender,  von  Haustürc 
zu  Haustüre  laufender  Bs;  B;  Z;  en  d-e  Stal,  ein  der 
vollen  Breite  des  Wohnhauses  entsprechender  Stall 
Aa.  Auch  ein  solches  Gebäude  selbst  heisst,  mit  Ver- 
tauschung des  Subjektverhältnisses,  durgänd  {-gönf 
ZSteinm.)  Aa;  B;  L;  Z,  was  bes.  bei  Doppelhäusern 
mit  durchbrochener  Scheidewand  vorkommt.  Zimmer 
sind  d-d  1)  wenn  man  unmittelbar  aus  dem  einen  in 
das  andre  gelangen  kann  aaOO.  2)  wenn  Luftzug  in 
denselben  herrscht  Aa.  Unpers.,  es  iscJi  d-t  i"  dem 
Hüs  L.  E  durgändi  Meini'g,  eine  einstimmige  Gu. 
Mit  letzterer  Bed.  als  Adv.  dtirgändig  Bs,  -gäntig  Tu, 
-yänts  B;  L;  ScH;  Uw  =  durchweg.  7" 's  Durgtente 
trinke",  auf  gemeinsame  Kosten  S.  D'r  Ätti  het  s'letst 
no'''-n-e  Mass  i"  's  Diiiyäiifr  h  ufstelle.  BAVvss  1863. 
, Abt  Heinrich  unttriiaiii  sirh  mit  den  vonAi'  ein  luteres 
nnd  durgents  zuu  inadirii  [riiion  klaren  und  alle  Ver- 
hältnisse umfassenden  ileclitszustand  zu  schatten].' 
Vad.  ,2  durchgende  küssi.'  1557,  in  einem  Z  Invent. 
neben  ,4  huuptküssi'  aufgezählt,  muss  das  die  ganze 
Breite  des  Bettes  einnehmende  Kissen  (jetzt  Pftdwen) 
bedeuten,  auf  welchem  je  2  Kopfkissen  (oreillers) 
liegen.  .Durchgehend  Küssziechen  von  Kölsch.'  1659. 
SrinvE.  Khisterarch.  ,Kein  ander  eingweid  dann  einen 
laiii;iii.  Weiten,  stracksdurchgendendarm.' Vogelb.  1557. 
.tir.inuria  ai|iiilonibus  inspirentur,  damit  der  beisswind 
dnn-li  niii.ne  wäyen  und  die  kornschüttinen  durchgenden 
luft  habind.'  Fris.  ,Man  kann  nit  wol  ein  durch- 
gends  [durchschnittliches  Verfahren]  machen,  diewyl 
die  personen  unglych  sind.'  Z  Mand.  1598.  ,Der  weibel 
halt  ein  ganze  durchgeende  umfrag.'  G  Mand.  1600. 
,Ein  durchgehnde  unverenderliche  regel.'  FWvss  1650. 
,Ein  Haus  durchgehnd  von  Winden,  perflabilis  undique 
ventis.'  JLCvs.  1661.  ,Von  anderen  durchgehenden 
Sünden.'  JJMüll.  1673.  ,Es  ist  gemein,  durchgehnd,  ita 
est  pervulgatura,  ut  in  proverbium  abierit.'  Hosp.  1683. 
,Der  Zwang  durchgehnd  es  Allen  auf  ein  Ducaten 
g'stellt  [hat].'  ToGGENB.  Biderm.  1710.  —  b)  zeitlich. 
Es  durgänds  ha  U,  Dürgendi  (eig.  d-i  Nacht)  mache' 
GrD.,  die  ganze  Nacht  aufbleiben,  namentlich  sie  mit 
Kilten  od.  Zechen  durchscb wärmen;  vgl.  dur"'' machen; 
Durclispinnnacht.  Vom  Monde:  Durgänd  m.,  Voll- 
mond, da  der  Mond  die  ganze  Nacht  hindurch  leuchtet 
Uw;  Üyn.  Bur'''schin.  Das  Ptc.  als  Präp. :  ,Von  mol- 
ehen,  fleisch,  obs  hat  man  [in  StGallen]  alle  notturft 
und  durchgents  jars  [das  ganze  Jahr  hindurch].'  Vap. 


—  2.  zu  Grunde  g.,  entsprechend  lat.  ,perire'.  ,Z\vo 
gar  schöne  Tatzen,  die  noch  vorhanden,  die  ander 
aber  durchgangen.'  1588,  SchwE.  Klosterarch.  Das 
Vb.  auch  trans.:  ,Dise  erbsünd  ist  das  ganz  mensch- 
lich gschlecht  durchgangen  und  hat  "s  vergiftet.'  1536, 
Absch. 

durchbin  fdure-,  dürej-:  1.  hinübergehen,  allg. 
Spec.  als  techn.  Ausdruck  v.  Weidevieh  =  durch-g.  1  a 
und  übertr.  auf  ehebrecherische  Personen  Ap;  vgl. 
.durchgehen'  =  durchbrennen,  ausreissen.  —  '2.  ohne 
Strafe,  Rüge  bleiben.  Es  gat-em  dure.  Etwas  d.  g. 
lä',  ungestraft  lassen  Bs;  Z.  ,Die,  welchen  etwan  all 
ihre  böse  stuck  durchhingehen,  darum  dass  der  richter 
nicht  richten  will,  wo  er  soll.'  JJMüll.  1666.  —  3.  z  u 
Grunde,  in  den  Zustand  der  Verderbniss  überg.,  von 
Sachen  (z.B.  Pflanzen,  Werkzeugen)  u.  Tieren  Ap;  Gl; 
S;  Uw;  Z.  ,Do  wurdend  [1444  zu  Greifensee]  72  mann 
enthouptet;  welcher  [deren]  houptmann  euch  durchin 
gieng.'  Vad.  ,Er  seie  zu  Rodis  gestorben  oder  in 
einem  schiifstrcit  wider  die  Türken  hindurchgangen.' 
JohLJud  1574.  —  obe"-dure-:  grosstun,  auf  grossem 
Fusse  leben;  unde  d.  g.,  das  Gegenteil  GStdt.  — 
d'ra"-dure-:  unpers.,  es  ist-em  (hart)  dra  dure 
g'gange,  er  schwebte  in  der  grössten  Gefahr  Z. 

wider-:  1.  entgegen  treten,  zuwider  handeln. 
,Syd  das*  vil  widergangen  würt  iren  bösen  meinungen.' 
ZwiNGLL  Widerg^nd,  widerhaarig  Gl.  —  2.  das  Ptc. 
elliptisch  und  selber  zum  Subst.  gestempelt  Wider- 
gände  Gr;  G,  -gändi  GrD.,  -gänte  Ap  (m.);  GW.;  Tu 
1)  Spannung,  Muskelkrampf  in  den  Gliedern  nach 
starker  Anstrengung,  z.B.  in  den  Beinen  nach  dem 
Laufen  Ap;  Th.  2)  Anschwellung  der  Lymphdrüsen 
in  der  Hals-  und  Nackengegend,  Achselgrube,  Leiste 
Gr;  GO.,  Rh.  Geschwulst  der  Knöchel  Gr;  Wider- 
gäntli,  Drüsen  am  Unterkiefer  GnMai.  ,Ein  grosse 
Schwinten  [s.  d.  W.]  oder  Widergänteren  under  der 
üochs.'  Mal.  Biogr. 

Das  Siibst.  wird  fast  von  alleu  Seiten  als  f.  angegeben, 
alleiu  es  scheint  vorzugsweise  im  PI.  angewendet  zu  werden, 
so  dass  wir  viell.  doch  einen  mann),  od.  sächl.  Sg.  nach  Art 
anderer  Namen  von  Übeln  annehmen  dürfen.  Ob  nnd  in  wie 
weit  die  Bedentungsangaben  .wiederkehrende  Knollen  unter  der 
Hanf  GrD.,  ,dnrch  Druck  bewegliche  Drüsen'  GrMai. ;  GSa., 
.kommende  und  wieder  vergehende  Anschwellungen  der  Haut' 
G  unter  etymologisierendem  Einflüsse  entstanden  seien,  wissen 
wir  nicht;  in  der  erstem  Bed.  liegt  der  Begriff  von  Gegen- 
geschwulst (,gegen'  =  .wider'). 

wild-:  an  rauhen,  schwindlichten  Ortern,  steilen 
und  unwegsamen  Abhängen  gehen.  F''  cha""  nid  (juct 
w.  BHk.     Vgl.   Wildi;   Wildheit. 

win-:  der  entsprechende  subst.  Inf.  zu  dem  Aus- 
drucke ,zum  W.  gan'  =  das  Wirtshaus  besuchen.  .Dass 
an  Samstagen  das  W.  und  alle  Zecheten  abgestrickt 
syn.'  Z  Mand.  1650. 

zue-:  1.  von  Personen,  a)  Jmdn  im  Vorübergehn 
besuchen,  bei  ihm  vorsprechen,  einkehren  Aa.  — 
b)  zum  Tische  des  Herrn  g.,  zugelassen  werden, 
(zum  ersten  Male)  am  h.  Nachtmale  Teil  nehmen  Gl; 
L;  ScH;  St'HW;  S;  Zg.  Wenn  i'''  de"  zueg' gange  hi", 
sobald  ich  das  kommunionsfähige  Alter  erreicht  habe. 
Vgl.  Zuegang;  zuelän,  -fiteren.  ,Es  soll  auch  kein 
leyisch  mensch  zuo  dem  hochwürdigen  sacramcnt  des 
altars  on  vorgehende  bicht  und  absolution  nach  form 
der  kirchen  nit  zuogon.'  15'25,  Segess.  RG.  —  c)  mit 
Dat.  P.:    ,.\ls    [ebenso]   behend   gon   als   er,    lequare 


ia.  j;aii.  ge.  gl.  gl-  gn 


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gradus  alicujus.  Eiiieiii.  iler  ein«"  füeit.  zuogoii,  tluceiii 
vadeiiteni  icquare/  Mal.  Sjn.  .:iiekonimen.  —  2.  von 
Sachen,  a)  sich  schliessen,  z.B.  von  einer  Türe, 
einem  Deckel,  einer  Wunde,  allg.  -  b)  zusammen 
jia.ssen  (wie  Deckel  und  Öffnung),  l)ildl.  .Dass  die 
von  Z  den  Eidgnossen  tuon,  was  sy  inen  ze  tuonde 
]iHiihtig  wcrdent.  also  dass  die  Eidgnossen  inen  des 
gt'lychcn  ouch  tüegent  und  ein  recht  mit  dem  andern 
zuegange  und  beschlossen  werde.'  1444,  Absch.  — 
c)  sich  schliessen,  mit  einer  Eisdecke,  zufrieren 
SriiSt.;  Z.  Vgl.  zue.  —  d)  in  den  Boden  eindringen, 
von  Dünger  GuD.ßyn.  mgün.  —  e)  von  Gestirnen, 
untergehen  ürV.  Übertr.  vom  Schliessen  der  Blumen; 
Anton,  üf-g.  —  f)  zukommen,  an  Einen  gelangen. 
.Ob  sy  [die  Zürcher]  us  der  herrschaft  Österrych  koufes 
[Lebensmittel  usw.]  bedürftend.  soliche  köuf  soll  man 
inen  unverdinget  lassen  z.'  1442,  Absch.  —  g)  wie  nhd.. 
vor  sich  gehen,  geschehen.  In  I'ji"m  s.  =  ,eädem 
Opera  fieri.'  (Id.  B.).  allg.  ,[Z  u.  Österreich  verbünden 
sich]  mit  allen  notturftigen  artiklen.  wie  das  am 
glychosten  z.  mag  allen  [beiden]  partyen.'  1442,  Absch., 
in  welch  letzterer  Stelle  aber  auch  die  Bed.  .zusagen, 
ingän'  oder  die  Bed.  von  a  liegen  könnte. 

zuehin  (ziieche)-:  hinzugehen.  1.  von  Personen. 
a)  im  eig.  S.,  auf  ein  ausgesprochenes  specielles  Ziel 
hin.  .Die  priester  söUind  an  das  ort  gan,  da  sich  der 
geist  erzeigt,  und  7  psalmen  beten  im  zuohingon.' 
LLav.  1.5C9  =  ,unterwegs.'  1670.  —  b)  auf  ein  bloss 
hinzuzudenkendes  Ziel  hin,  in  stehenden  Aus- 
drücken, a)  =  ztie-g.  1  a  B;  Uw.  ß)  =  ziie-g.  1  h  Uw ; 
vgl.  Zucchega-Gof.  y)  zur  Richtstätte,  zum  Märtyrer- 
tode. ,AVie  er  nun  sach,  dass  er  z.  sollt,  leid  er's  ge- 
dultig.'  1.5.31/07,  II.  Macc.  —  2.  von  Sachen,  a)  ein- 
dringen, zu  Herzen  gehen,  Eindruck  machen,  bildl. 
Wenn  Öppia  t"  der  Zitig  uteit,  das  öppen  e  chlei" 
zueche  geh,  wil  Salz  drin  üt  «  Chiimmi.  HNvoecger 
1878.  Vgl.  eue-g.  :>  d:  Syn.  wurmen.  —  b)  =  ztie-y. 
a  e  BHa. 

zcr-:  brechen,  zu  tirunde  gehen  BÜ.;  GnRh.;  W. 
Sonst  nur  in  der  Schriftspr.  a)  zunächst  im  eig.  S., 
aus  einander  g.,  sich  zerstreuen.  .Sie  liessend  die 
iren  schandlich  z.'  1408,  Tobl.,  Volksl.  .Si  hieltend 
ein  landsgmeind  . . .  Wie  nun  die  gmeind  zergangen 
was  . . .'  Vad.  ,Die  zergangen  [flüssig  gewordene,  ge- 
liVste]  materi  werde  durch  ein  tuch  geseiget.-  JRLan- 
iiEXB.  1008.  ,Wann  das  Gericht  zergat.'  Wurstisen 
1779.  —  b)  in  dem  abstr.  S.  v.  rer-g.  3,  zu  Ende,  zu 
Grunde,  auch  bloss  vorüber  g.,  verlaufen,  aufhören. 
,So  der  krüzcgange  [die  Bittfahrt]  zergienge.'  Bs  XIV. 
.Won  [da]  aller  zerganklichen  dingen  vergessen  wirt 
unil  der  louf  dirr  [dieser]  weit  zergat,  so  geben  wir 
ein  gezügsami  mit  schrift.'  1408,  Absch.,  übliche  Formel. 
.Huob  der  von  Gryers  ein  stürm  an;  zergieng  on 
merklichen  schaden.'  Ansh.  .Dadurch  gedachter  wald 
fast  z.  will  und  übel  verwüest't  wirt.'  1525,  Absch. 
,Es  brann  in  's  N.'s  schür  und  zergieng  wol,  Gott 
syg  globt!'  1527.  HsStockar.  ,Sy  »""sorgtend.  diss 
Gschlecht  wurd  nit  z.'  RCvs.  .Das  Schloss  zergienge 
endlich  durch  Baufälligkeit.'  Mem.  Tig.  1742. 

Vgl.  zergangen.  —  Man  kann  im  einzelnen  Falle  im  Zweifel 
sfin,  ob  ,z.'  im  eig.  od.  in  abgeleitetem  S.  zu  verstehen  sei; 
z.B.:  ,So  die  hochz.vt  zergat.'  l.'>4:3.  ZMnr.  Offn.  =  sobald 
die  Gäste  aus  einander  gehen,  od.  sobald  das  Fest  beendigt  ist. 

Hei"-rrf(-r)-  m.:  Kehraus,  nach  welchem  man 
.heim  gelif  Seil«. 


ga  -"  s.  yan,  gen.         gä-en  s.  güchen. 

gä  gii  s.  gOfnJ:  gäch;  gdchen;  gehen.  gä  gä,  gc 
.s.  geben;  geh;  gelt.        gä(e)n  gäen  s.  gficlien. 

gä  (mit  einem  eigentümlichen,  hinten  im  Gaumen 
gebildeten,  schmatzenden  Tone):  T,ockruf  für  Ziegen 
BRi. 

gäi  s.  giicli :  geben. 

(Jan,  ^.GaW  m.:  Mundvoll  W.  I  hn"  niinimu  [nur] 
an  Gate  bercho'  [bekommen].  Da.'<  git  Jediredrtnn  nur 
an  G.    Vgl.  Mump  fei. 

Das  W.,  der  8.  Spr.  nnbekannt,  gehört  ohne  Zw.  zu 
gmcen,  d«n  Mund  aufsperren,  zu  welchem  es  in  richtigem 
Ablautsverhftitnisse  steht. 

Gauel  m.:  Mensch,  der  die  Zeit  mit  unnützen 
Dingen  zubringt  BBe. 

Setzen  wir  ein  neues  Vb.  (gauen),  schwacher  Flexion, 
als  Abi.  von  obigem  Gau  resp.  vom  Prät.-Steimni  von  güwen 
voraus,  so  ist  Gmid  (eig.  der  Gaifer)  eine  den  Subst.  .luf 
-er  parallele  Bildnng  daraus,  mit  schärferer  Betonung  der 
Verächtlichkeit  als  dies  in  der  Bildung  mit  -■)•  liegt.  Vgl. 
Güircf :  doch   s.  auch    Gol;  gauJig. 

Gaue",  auch  i-  Gr,  kauwe  BSi.  --  f.:  1.  Schweif. 
Schwanz  des  Rindviehs  BSa.;  ,.F.-  Syn.  Stil.  - 
2.  nasser  Saum  des  weiblichen  Kleides  Git.  Syn. 
Flingge";  Begeh.  E  G.  rcrfiiere".  mit  einem  Solclicn 
umhergehen. 

Aus  lat.  «i«do,  mit  au^i;r^fn^s,■Il.■lll  ./■  »i.  |ii -i  •  "  fi /. 
ijueue.  Die  Beibehaltuiisr  ih-  ""  in  nii~.iii  i  i  :  ,  1'  :  ■  n. 
ans  denen  das  W.    in  ilic  ilnit^rlini    -r^h  ■,!,_.  n      •  n    i  ,,.-,. 

entspricht  der  Regel,  diiss   lat.  ,(«   iiu  l'r.nni,    mr!  L'.il n. 

bleibt;  daher  neben  frz.  queue  in  den  (pruvenz.j  l'atiiis  d<T 
Westschweiz  cau(v)a  (cm,  eava).  Dagegen  fallt  im  Rätorom. 
allerdings  rf  sonst  nicht  aus  oder  ab. 

Tschigg-:  Name  einiger  einander  ähnelnder 
Doldengewächse,  nämlich  gemeiner  Kerbel,  Anthriscus 
sylv.,  und  Biberneil,  Pimpinella  magna  und  saxifraga 
Gr  (B.). 

Umdeutung  aus  rätorom.  tKchikan,  tessin.  nlrulnria.  welche 
It  Durh.  für  anthriscus  gebraucht  werden  und  auf  lat.  clcuta, 
Schierling  (ebenf.  ein  Doldengew.^ehs)  zurückgehen.  An  Gavr 
i.  S.  V.  Wedel  aber  konnte  bei  Dolden  schon  ged.acht  werden. 

Gän  n.:  Gebiet.  1.  ein  bestimmtes  politisch-geo- 
graphisches. S.  die  folgenden  Zssen.  Auch  den  Eigenn. 
,G.'  schlechtweg  tragen  einige  Gebiete  im  Gegs.  zu 
anderen,  in  ungleicher  Zeit  erworbenen  Teilen  des 
selben  Kantons;  so  ein  Teil  von  S;  so  das  Flachland 
von  L.  Uf  d' G.  Schw;  Th;  Zu,  ,Peter  von  Ar- 
berg uss  dem  Göw  [Aargau].'  1.584,  Cvs.  Vgl.  .3  a. 
—  2.  Land  im  Gegs.  zu  Stadt  oder  Flachland  im 
Gegs.  zu  Gebirge.  ,Auf  dem  G.  wohnen,  rusticari.' 
Si'LGER.  ,Über  Gau  gehen.'  Schulze.  ,Die  Engel  uf 
dem  Göw  bei  Betlehem.'  Zwingli,  ,Rus:  ufs  land 
oder  gäw.'  Dasvp.  1537,  ,Vil  lieber  blyb  ich  hindern 
müren,  dann  in  den  dörfern  uf  dem  göw.'  Ri'ef  1550. 
,So  man  sich  in  den  stetten  stattlicher,  bas  erneren 
kann,  dann  wo  man  rauoss  im  göw  hüshan.'  ebd.  1538. 
,Damit  wir  nit  im  göu  schlechtlich  iissend,  übel  loben.' 
ebd.  ,Rus:  feld,  ackerland.  göw.'  Dexzl.  1G77;  1716. 
„Ins  G.  gehen,  von  Fleischern,  die  auf  dem  Lande 
Vieh  einkaufen"  Bs;  ebso  ufs  G.  B;  in  dieser  Ver- 
bindung auch  fem.  ,Ich  gieng  auf  die  Geu  für  Kälber 
und  Heu.'  Schw  Fasn.  1860,  ,Auf  dem  Gau',  auf  der 
Rundreise.  LMeister.  .Als  er  zuo  Gäw  gehen  und 
Vych  einkaufen  wollen.'  RGwerb  1046.  ,Dic  Metzger- 
moister,    so   auf  Gäu    gehen,    sollen    einen    Hund    zu 


ha.  sau,  ije.  Kl.  S'^-  fJ" 


halten  befügt  sein.-  Z  Mand.  1774.  ,Wie  oft  wird  Gäu- 
gelien  auf  den  Sonntag  ver.spart.'  ATi^LiNfiL.  1702.  In 
letzterer  Stelle  und  überh.  viell.  bereits  in  allg.  (abstr.) 
S.:  in  der  Umgegend  Etw.  in  das  Geschäft  Einschla- 
gendes suchen  Th;  ZLunn.;  daher  auch:  auf  eine  Frau 
ausgehen  ZTurb..  den  Mädchen  naehstreichen  ZO. 
{Üyn.  s' Kih,  z' Liecht,  z' Dorf  gm);  ferner  .Etwas 
»/■  (?er  (?.  [auswärts,  ausgeliehen]  haben'  .\AZein.,  mit 
dem  Nbbegriff  .lange  auf  die  RUckerstattnn2:  warten 
müssen,  es  auf.«  Spiel  gesetzt  halieir.  Du  imii'xt  dem 
Nöchber  nit  g' vil  läie  [leiben]:  ihi  hiilli^t  huld  dl" 
ganze  Hüsrot  uf  der  (t.  :'..  in  si.li  abgegrenzte 
Gegend  überh.  £.v  gnelsd..  f'm  tVm-btbares  Stück 
Land  Ap.  —  4.  bildl.  .nli  ich  mirli  schon  vergienge 
in  das  gniiw   des  tlMltlidicn    sdiattciis.-    i:.?.l.  I'sai.m. 

I!c.,   ;,l,cr  ,l;i.   einem    l.cli, Ici   (Ic^cvIh.    zn    seiner 

IlctivilMin-  i.^iti-c  Uli. I  m  -cui,, cm  Sinne  icdilnnissig 
cicvnc  (.cl.ici,  riicrgchcinl  in  den  llcyiiir  von:  gün- 
stige (Iclc-cnheit  (zu  Einkauf  und'"  Absatz)  und: 
re,litiii;i^si-e,  Kigentum.  Daher  die  EAA.:  Hie''  ist 
„iid  S  C.in,  jnielit  der  rechte  Ort]  defür  Gl.  E»  im 
(t.  ha",  eine  vorteilhafte  Stellung  haben.  Ei"m  i  's 
recht  G.  chn',  zur  rechten  Zeit,  gelegen;  auch  iron.: 
eben  recht  kommen,  z.  B.  um  gefangen  oder  gestraft 
zu  werden  Z;  in  den  Bereich  der  Bache.  Si-rww.  1824. 
Eim  i  's  G.  chn"  {farc  Bs  Spreng),  Einem  hindernd 
in  den  Weg  treten,  in  sein  Eechtsgebiet  übergreifen 
Bs;  Gl;  ÜWa.;  S;  Z.  Ch„mw-wrr^„iid  i  S  fi"  d')  G. 
Syn.  gany-mer  «/<  iln- C^i^s!  ('liKiinii-iiirr  mul  -.'nach 
[nahe]  uf  d'  Hrdic".  i  's  C'hoi.  Xauientlicli  von  er- 
wachsenen Burschen  in  der  Werbung  um  Mädchen. 
Uf  's  Gr.  gä",  auf  Abenteuer  aus  ZO. 

Mhil.  tjüiiiii-):  alul.  iimcl,  geici,  yowi.  Gegend,  Landscli.aft. 
Der  Wechsel  des  Geiuis  beruht  ohne  Zweifel  auf  der  Um- 
ileutung  auf  ein  aus  dem  zu  <I<ni  vermuteten  Vb.  giiwoi  ge- 
bildetes (wenn  auch  sonst  nicht  nachweisliches)  Snbst.  fem. 
i.  S.  T.  Ausschau,  Suche,  Begehren,  Erwartung,  oder  das 
Fem.  ist  dem  idudich  klingenden  «/  d'  Gschäu  gnn  abgeborgt. 
—  Uass  in  der  Anwendung  der  RA.  auf  die  Metzger  gerade 
die  altern  Belege  den  Art.  nicht  haben,  ist  bemerkenswert 
inid  kann  zur  Erklärung  der  Unideutung  auf  ein  Fem.  bei- 
tragen, weil  «/  Gtiu  auch  aus  «/  d'  G.  entstehen  konnte  (in 
diesem  Falle  uf  l-äv  gesprochen),  findet  aber  Parallelen  wie: 
iilier  Land  f/Sii,  z  Ädier  fiimi  udgl.  —  Die  bildliche  An- 
wendung entwickelt  sich  entw.  aus  dem  Begriffe  von  .Gebiet 
(Domäne)'  oder  entsprang  aus  dem  konkreten  Falle  der  das 
Land  absuchenden  Fleischer. 

All-Gau:  t.  die  Gegend  im  Südw.  v.  Baiern  gegen 
den  üedcnscc  liin.  .Wer  ein  eigenes  Hernerwägelein 
nnd  guten  Aluiuicr  (lanl  dazu  liat.'  AUkxm..  1«17.  - 
2.  All-  Gebiet  in  den  llHk.  Alpen,  aus  .Alpagawi.'  IX. 
(Dim.)  ÄUgäuli  n.:  Name  einer  der  6  Alpen  des 
Ällgäu,  hart  am  Fusse  des  Hohgant.  der  Ort,  wo  nach 
der  Sage  vor  Zeiten  eine  Stadt  gestanden  haben  soll. 
Alggau  und  Alggi,  Hochalpen  in  Uw. 

Betr.  den  Umlaut  s.  Ai-Guu:  betr.  die  Verstümmelung 
des  2.   Teils  s.   Kleilgüu. 

Eis-:  das  Oberamt  Paj\s  d'Ajoie  (Pruntrut).  bis 
Ende  XVIII.  so  genannt  von  der  ,Alsa',  einem  Zufluss 
des  Doubs.  --  Insel-  .s.  Insle  I  346. 

Ar-,  Är-gäu  Aa;  B,  spottend  Jir(/t.  Unter  diesem 
Namen  wird  im  BO.  das  BM.,  in  Bern  selbst  und  in 
der  übrigen  Schweiz  dagegen  zunächst  der  heutige 
Ktn  Aa,  und  weiter  auch  noch  das  sog.  Oberaargäu 
(das  BAargelände  von  Wangen  bis  hinauf  gen  Her- 
zogenbuchsee)  verstanden.     In  einer  Urk.  v.  76.3  sind 


auch  Spiez    und  Seherzligen  (smnit  auch  Tliunt    zum 
A.  gezählt. 

Schon  iu  den  älteren  Scliritt.ii  ihuc  luve-  .Ar-.  Krir''iiW. 
auch  etwa  ,Ärgou'.  Der  Uuilaiit  kennte  liis  nnl  ilcn  ersten 
Teil  der  Zss.  zurückwirken  (wie  nlnl.  Lei  .M.leitmi^'en  .-lur  die 
Stammsilbe,  z. B.  .Schüfer,  Gärtiiei  ;  iiilid.  w./.iiye.,,,  ;/.i,(. /iure.  |. 
bes.  da  der  zweite  Teil  fast  nur  noch  als  Ableitung  gefühlt 
wurde. 

Argäuer  (älter  und  richtiger  als  .-gauer'):  Be- 
wohner des  Aa. 

ärgauere":  Klöster  aufheben  (wie  es  im  Ktn  Aa 
im  J.  1841  geschah).  —  Nur  temporäres  und  individuelles 
Witzwort. 

Klett-Gau,/ieWi,  früher  auch  ge.schrieben  ,Kleg- 
gau':  der  südw.  Teil  des  Kts  Sch  mit  dem  angrenzen- 
ilen  Gebiet  des  (ircissh.  Baden. 

lieiiiiiic   Cieiizen    iHnl  KtyiM.degie  s.  liirl.  Aleiii.   1.  IT:)tf. 

Hie  Vc-rstüiMinelnug  des  •_'.  Teiles  der  Zss.  rührt  davon 
her.  dass  er  (wie  iu  .1%/.  Ttinjl)  zu  blosser  Ableitungssilbe 
ilcgradiert  wurde. 

Priitti-  {Prätt'^g--  Gr):  Talschaft  in  Gr.  Lache" 
icie  eil  Brettigaiicr  =  unbändig  1.  17.52.  JJBodmf.r  an 
Zellw.  —  Teil-:  beabsichtigte  Benennung  der  einen 
der  S  Ecpubliken.  in  welche  das  frz.  Direktorium  die 
Schweiz  spalten  wollte. 

Tur-  C-giJ:  jetzt  das  Gebiet  des  Kts  Th,   früher 
in  viel  weiterem  S.  das  ganze  Flussgebiet  der  Thnr. 
fast  die  ganze  O.stschweiz.   also  auch  G  und  Z   inbe- 
griffen, bis  an  die  untere  Limmat,  da  wo  der  heutige 
Ortsn.  Turgi  bei  Baden   an   die   alte  Grenze   gegen 
den  Aargau  erinnert.    Auf  Letztern  bezieht  sich:  ,Die 
t  Güeter,  genannt  das  Thurgeuw  [bei  Gebi.storf].'  1653. 
1  AAWett.  Arch.     .Das  Turgi-Zelgli.'  ebd.     Als  Zuname 
i  eines  Mannes:    .Alexius  .Tannhuser.  genannt  Thurgi.' 
l.-,T:;    el„l,     MiiPier,  darf  i"''  (nit)  i 's  Turgi?  Kinder- 
s|iie|   in  SeiiSi..  s.  Sprww.  1824.  bezüglich  auf  frühere 
pnliti,-eli-s(rcitiue  Verhältnisse,  denen  zufolge  das  Be- 
treten Th  Gebietes  für  Bewohner  von  Stein  verboten 
oder  gefährlich  war  [V]. 

Turgäuer:  1.  Bewohner  de.^  Kts  Tn.  Si-rww.  Es 
brücht  swe'  Zürcher  zum  eii  Turgäuer  hschxssc"  Z. 
En  T.  si"  ist  rkei  Sniid,  aber  e  Schand  Z.  -  2.  ein 
Birnbaum,  der  längliche,  rauhhäutige,  spät  reifende, 
zum  Kellern  geeignete  Früchte  trägt  Ap;  vgl.  Titrgi- 
Bir.  —  3.  der  Westwind  Tiiünm. 

Zu  '2.  Der  Tli  ist  .Inreli  ^eill.^  Ol.stkultur  berühmt, 
welche  ihm  übrigens  deu  Kocknamen  .Mostindien'  (mit  gleich- 
zeltiger  .\nspielung  auf  seine  iistliche  Lage)  eingetragen  hat. 
Turgäueri":  1.  eine  Frucht  des  vorhin  genannten 
Baumes.  —  2.  (auch  nur:  Gilueri)  kleinere,  magere 
Kuh  von  beller  Farbe,  gleich  denen  im  Th.  resp.  von 
dort  importiert  Ap. 

Wal(che)-Gau:  die  Gegend  vom  Bodensee  bei 
Bregenz  am  rechten  Ufer  des  Rheins  aufwärts  bis  an 
die  Grenzen  von  Tirol,  so  genannt,  weil  früher  von 
,Walchen'.  welsch  (d.  h.  rätoromanisch)  redenden  Leu- 
ten bewohnt.  —  Wall  assimiliert  aus  Walch.  wie  In  Wall- 
iniss.  Walleiisee' :   «W/e,  welcher  usw. 

Gäuer  ni.:  1.  Bewohner  eines  Gäu's  i.  S.  v.  3  a. 
z.  B.  dem  von  I-.  Der  isst  esirie  ne  G.  (d.  h.  so  viel) 
Ndw.  .Kinder  zu  haben,  wo  [von  denen]  keins  eine 
Nase  habe  wie  das  andere  und  eins  dem  andern  gleiche, 
wie  ein  G.  einem  Weltscb.'  Gottu.  —  2)  =  Tur- 
gäuerin  2  Ap.  —  Zu  '2.  in  der  uiiinnliehen  Wnitfnrui  liegt 
etwiis  Wegwerfendes. 


»an.  gf,  .?!.  .sjn.  SU 


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ijii  Heilen :  1.  reden  wie  ein  Gäuer.  2.  tanzen 
wie  ein  Gäuer  (d.  h.  zunächst  ein  Bewohner  von  LG.) 
VOrte.  Der  früher  bei  der  Landbevölkerung  wohl 
allgemein  übliche,  jetzt  selten  gewordene  Tanz  (auch 
Ländler  genannt),  gewöhnlich  nur  von  einem  Paar 
aufgeführt,  war  ein  langsamer  Walzer,  begleitet  von 
allerlei  Goberden  beider  Personen,  auch  von  Schnal- 
zen, Jauchzen  und  Stampfen  des  Tänzers,  der  sich 
bald  um  die  von  ihm  getrennte  Tänzerin  herum  be- 
wegte, bald  dieselbe  wieder  umfasste  oder  unter  den 
verschlungenen  Armen  hindurch  schritt,  immerhin  so. 
dass  die  Kreisbewegung  mit  Fortschritt  verbunden  war. 

Rochh.  AK.  erklärt  den  Tanz  (schwerlich  richtig)  als 
einen  allgemeinen  Reigen,  dgl.  nur  in  der  romanischen  West- 
schweiz bis  auf  neuere  Zeit  nachgewiesen  sind,  unter  den 
Namen  Ronde  oder  Coraiila   F.     \>1.   noch  S.lhnmUr  I  30«; 


gäuen  s.  gilu-en. 

ge  s.  geh;  geben;  gelt.        ge  s.  gihi. 

ge-:  untrennb.  Präf.  L  Lautgestalt.  Vor  anlau- 
tendem b,  f  und  d  zuweilen  gi-,  z.  B.  gihoi-e".  (iidnnlr, 
Gidult,  in  Gr  u,  W  in  allen  Stellungen  ni'  ht  <•  Itiii  vk- 
(in  ä,  Urkunden  selten  und  nur  ausnalim-«.  i..  ,/„-  -c- 
schrieben),  sonst  immer  mit  Ausstossunj;-  dos  \<u-., 
wovon  Verhärtung  resp.  Verdopplung  des  g  zu  /■  (ggj 
die  Folge  ist;  vor  Cons.,  die  dessen  fähig  sind,  auch 
\'crhärtung  dieser  Anlaute  mit  Assimilation  des  g  an 
dieselben,  in  der  es  selbst  aufgeht,  z.  B.  kesse",  ge- 
gessen; l-mein;  (.schwind;  l^sell,  Gesell;  l-aije',  gegangen; 
j>ö*e",  geboten ;  tjenef,  gedient ;  tanzet,  getanzt;  zanket, 
gezankt.  Mit  anlautendem  cli  des  Stammw.  verbindet 
sich  das  g  des  Präf.  zu  1c  (k/J,  z.B.  kramet,  gekramt: 
küre,  gehören  (neben  k'Mre).  In  kenne"  (aus  g'cMnne') 
\sige-  festgewachsen,  in  cho',  gekommen,  ist  es  gar  nicht 
vorgetreten.  In  Folge  jener  Assimilation  scheint  das 
Präf.  nicht  angetreten  od.  abgefallen,  es  ist  aber  ver- 
steckt enthalten  auch  in  Formen  wie  Tafel,  Getäfel; 
Truck  n.,  Gedränge,  während  in  dem  Masc.  Tritck  = 
I>ruck;  in  topplet,  doppelt;  pugglet  (gebuckelt),  gebückt. 
bucklig,  der  Anlaut  schon  im  einfachen  W.  verhärtet, 
resp.  fortgeschoben  ist;  ebenso  viell.  auch  in  tige",  ge- 
diegen; toge',  geduckt;  trang,  gedrang.  eng.  Bemer- 
kenswei-t  ist  die  Verkürzung  von  g'wünne'  (gewinnen) 
in  günne"  mit  Ausstossung  des  w  resp.  Verschmelzung 
desselben  mit  dem  folgenden  ü.  Über  das  ge-  vor  dem 
Ptc.  in.sbes.  s.  noch  Fromm.  2,  210.  Wo  das  Präf.  seit 
alter  Zeit  festgewachsen  ist,  also  stamrahaft  scheint, 
liat  die  Ausstossung  des  e  keine  Verhärtung  des  g  resp. 
des  Anlautes  zur  Folge,  daher  z.  B.  Gäder  tw.  (I  88) ; 
grad;  Gleich,  Ge\enk;  glür e',  ghtzen;  Glüre,  unreiner 
Bodensatz;  Grüt;  vor  Allem  in  denjenigen  WW.,  welche 
auch  im  Nhd.  als  einfache  empfunden  werden,  z.  B. 
Glaube;  glich;  Glid;  Glimpf;  so  auch  in  einigen  sub- 
stantivisch verwendeten  Ptcc,  in  Betretf  deren  das 
Bewusstsein  des  ursprünglichen  Verhältnisses  (wie 
auch  der  Wechsel  des  Genus  bezeugt)  erloschen  ist, 
z.  B.  Bratis,  Braten ;  Bränz,  Branntwein ;  Bachis,  Back- 
werk —  sämmtlich  masc.  aus  *pratens,  prennts.  Ge- 
branntes, *pachens,  mit  Anlehnung  an  den  Präsens- 
stamm (b-J.  G'leitig  u.  Heitig  unterscheiden  sich  viell. 
nach  den  Bedd.  .schnell'  und  .lenksam'.  In  der  ä.  Lit. 
werden  diese  Lautunterschiede  natürlich  nicht  con- 
.sequent  bezeichnet;  neben  Schreibungen  wie  .gbracht. 
gdenkt'  findet  sich  z.  B.  bei  Euef  1550  .boren-  für  ge- 
boren ;   .broclieir  (gebrofhen) ;  .geben'  (gogoben).  und 


vollends  .tröst'  (getröstet),  .troffen-  (getroffen),  ohne 
dass  an  wirkliche  Weglassung  des  Präf.  zu  denken 
wäre  (übrigens  vgl.  noch  (jr.  WB.  IV.  1,  1,  1G2()). 
Kbenso  bei  Subst.  ,purt',  Geburt  (Bib.  1531);  bei  Kessl. 
auch  .widerburt,  boren,  beren'.  .Ticht',  Gedicht  (Salat); 
.dächtnuss',  Gedächtnis«  (Aal;  LJid);  ,dult',  Geduld 
(Hey.,  1.540/7.3);  ,schlecht-,  Geschlecht  (Cvs.).  Da- 
gegen könnten  in  ,bett'.  Gebet  (Rüef);  , schenk',  Ge- 
schenk (Kessl.);  .dank'.  Gedanke  (Ruef),  vielleicht 
ältere  einfache  Formen  ohne  Präf.  erhalten  sein. 
Zweifelhafte  Fälle  dieser  Art  zeigt  noch  die  heutige 
Volksspr. :  Pict,  Gebiet,  besonders  in  Zssen  =  Gau, 
z.  B.  Ziiri.''''piet,  ist  ohne  Zweifel  aus  .Gebiet'  assi- 
miliert (obwohl  es  auch  mit  blossem  /;  geschrieben 
wird),  ebenso  Pntt,  An-  oder  Aufgebot,  aus  .Ge-bot'; 
dagegen  bleibt  fraglich,  ob  auch  das  m.  Fott,  Bote. 
aus  dem  seltenen  mhd.  geböte  verkürzt,  nicht  viell. 
nur  nach  Analogie  des  n.  mit  hartem  Anlaut  gespro- 
chen werde,  obwohl  in  Bs  und  G  Eechtsq.  auch  .Ge- 
büttel'  =  Büttel  (.Gerichtsbote)  vorkommt.  Weniger 
zweifelhaft  ist  Pfir,  Bauer,  aus  mhd.  gebäre.  Unter 
solchen  Umständen  erstehen  im  einzelnen  Falle  der 
Etymologie  besondere  Schwierigkeiten,  da  es  sich  bei 
einer  Anzahl  von  WW.  fragen  und  oft  nicht  leicht 
entscheiden  lässt,  ob  überh.  ein  Präf.  ge-,  das  mit 
dem  Stamm  früh  und  fest  verwachsen  sein  müsste. 
oder  vielmehr  ein  stammhafter  Anlaut  g  anzunehmen 
sei,  der  nur  zufällig  den  Schein  des  Präf.  annimmt. 
Gmiterlen  (zänkeln,  plagen)  gehört  wahrsch.  zu  an- 
teren:  glähig  (flink)  aus  .gelenkig-,  gleitig  (schnell)  aus 
ge-leitig  (lenksam).  An-gränzen  (rauh  anfahren)  kann 
aus  dem  Ptc.  von  ranzen  (knurren,  keifen)  mit  An- 
lehnung an  grännen  (den  Mund  verziehen)  gebildet 
sein.  In  Güsel  (Kehricht.  Abfall),  Gräbel  (Verwirrung) 
ist  Zss.  mit  dem  Präf.  zweifelh..  schon  weil  das  an- 
lautende g  nicht  verhärtet  ist.  In  Grümpel  (altes 
Gerät)  Mliuaiiki  dio  Aussprache  und  ist  Anlehnung 
an  rumi'hi!  (|Hiltrnii  möglich,  während  in  grämplen 
(Kleinliiui.lrl  1 1  .iljoii) /y  zum  Stamm  gehört.  In  Gneist 
(Funke,  iiilid.  gnnenft)  steckt  jedenfalls  nicht  das  Präf.; 
in  einigen  andern  Anlauten  steht  der  seit  alter  Zeit 
seltene  und  zweifelhafte  Anlaut  gn  für  (stammhaftes) 
/.«,  z.  B.  gnippai.  <inir1iru.  gnlsten.  Dagegen  ist  es 
in  gnagoi  (ab-  n,l.  Ih.'.iia^.'n  i.  gneigen  (refl.,  sich  ver- 
neigen), grai/cii  istrit  wimMoii.  starren,  ragen),  Gleich 
(Gelenk).  Glimpf  (Sclniiimadel),  Kiitt  (Gesindel  aus 
ge-chütt,  ahd.  chtiti,  Herde),  kälen  (gerinnen,  aus  ge- 
clinlen,  erkalten)  u.  a.  unzweifelhaft  enthalten,  obwohl 
es  nicht  mein-  empfunden  wird.  z.  T.  weil  das  Stammw. 
ausgost^rlM'ii  i^t.  TiNgek.  ist  in  iesc/t(  (Glasur)  neben 
glest  ml.isirit  I  -taiiiiiihaftes  g  durch  Missdeutung  ab- 
gestreift, /u.ilolliaft  bleibt  Gf/e/y;  (heitere  Stelle  am 
bewölkten  Himmel);  zu gläffeii,  glotzen,  von  Läff,  Maul, 
oder  zu  .klaffen'  (vgl.  glnchet  vom  Himmel  in  ders. 
Bed.).  Über  den  AnL  gsch-  resp.  g».  s.  gleich  im  Folg. 
—  IL  Bedeutung.  A.  vor  Subst.  1.  oft  ohne  spür- 
bare Bed.,  rein  lautlich  verstärkend  und  meistens  mit 
Formen  ohne  ge-  wechselnd,  a)  vor  Sachnamen. 
concreten  und  abstracten,  aller  drei  Gcsdihnliter.  i.  H. 
G'sjHiss,  Gspa'ßrli,  Spanferkel;  G.^pnlt :  i,uiiii<l,r. 
Neugier;  Gstäd,  Staat  i.  S.  v.  Hoftart ;  Gsrliid,}  \\.^.  v. 
Ursache;  persönl.  adj.  mit  .sein');  (ixi-linft.  Silnitt- 
stück;  Gspur;  Gstell,  Stelle;  Gsclms^.  rtiopiivi. ; 
Gn-upp,  Webstück;  Gsedel,  Nachtsitz  cI.t  \ •".:>']■.  (i/i-l. 
Fest;  Gnltli.  Name  des  classi^ehen   Ortes  am  \'wS,..'. 


Ga.  j^e.  gi.  go.  gu 


44 


In  der  Füimel  Gschiff  und  Gschirr  ist  das  Präf.  des 
LM-sten  W.  nur  zum  Zweck  yon  AUitt.  dem  des  zweiten 
nachgeLilclct.  In  Gstich  si"  (gleich  stehn.  bei  einem 
Wettspiel),  kann  das  Präf.  auch  aus  dem  sociativen 
P.egrilf  desselben  (zusammen,  mit  einander)  erklärt 
werden.  Gspil  (Spiel)  ist  vielleicht  dem  persönlichen 
Gspile  (Gespiele),  wo  der  vorhin  genannte  Begrift  gilt, 
nachgebildet,  wie  Gsjmss,  Spass,  auch  die  persönliche 
Bcd.  .Geselle'  hat.  In  Gsjmlr  (Spreu).  Gscliröt  (Schrot) 
mag  die  collective  Bed.  des  Präf.  vor  Neutren  mit- 
wirken, und  so  vielleicht  auch  in  dem  Fem.  Gschär, 
Schaar.  Doch  erscheint  zuweilen  rein  lautlich  gsch 
statt  seh:  Gschoche,  Heu  häufe:  ^r.^c/üfjj/«;,  Haarschopf: 
Gschuderhär,  struppiges  H..  und  ist  in  gewissen  MAA. 
überh.  ein  beliebter  Anlaut  geworden:  so  viell.  auch 
in  mehrern  der  obigen  Fälle  von  anlautendem  seh. 
Zuweilen  sind  Formen  mit  qe-  auch  in  Geschlecht  und 
Lautfonu  von  den  einfachen  WW.  versch..  z.B.  Gsaf 
n.,  Saft:  C^rhiift.  (Flinten-)  Schaft;  (Gfüeter,  Futter 
für  Schweine  i;  (rf.trht.  .Mass  (zu  Facht);  Gfriist,  Frost; 
Gspor,  n.,  Spui-  im  Scjinee.  neben  Gspitr  f.,  im  allg. 
S.;  Gliir,  schlechtes  Getränk,  neben  Lüre.  Mit  Präpos. 
verbunden :  A'gstalt,  I'gricht,  Ein-  oder  Vorrichtung. 
Die  ä.  Spr.  hat  bedeutungsloses  ge-  noch  selten :  ,Ge- 
zeugnuss.'  Cvs.;  Wurstisen.  .Handgschrift'  U  Mky. 
1540/73.  .Gezwang.'  1529.  Absch.  ,Gctrang.'  Edlib. 
.Gespann'  neben  .Spann-  (Zwietracht).  1483,  Schai'b. 
Bq.  1,  88,  5.  ,Gschlacht.'  Kessl.  .Gutgedunken.'  CSchob. 
Verbunden  mit  andern  Formverschiedenheiten:  .Miss- 
gewächs' (Misswachs).  XVII..  B.  .Der  Früeling  oder 
das  Glenz.'  Fris..  nicht  unmittelbar  =  der  Lenz, 
sondern  eben  sächlich  das  Anbrechen,  Eintreten  des 
Lenzes,  also  vom  Vb.  lenzen  (langizen),  lang  werden, 
(der  Tage).  —  b)  vor  persönlichen  Begriffen,  sel- 
tener, z.B.  Gsehlufi,  elender  Kerl,  wohl  wie  in  GschöH, 
=  Tschöli  (Tropf),  rein  lautlich.  Gmeistev,  Gher  werden 
i.  S.  V.  obsiegen  kann  aus:  ,Meister  g'werden  [mögen]' 
umgestellt  sein.  In  Gspons,  Bräutigam,  kann  g  aus 
dem  sociativen  ge-  ('2)  erklärt  werden.  Tiernamen : 
Gninl,  Gmol,  Molch,  neben  Güge-mÖli  (Unke),  Giciggli, 
Eule,  neben  Wiggle.  In  der  ä.  Spr.  ,Gezeug',  Zeuge. 
TiERB.  —  2.  mit  merklicher  Bed.  a)  persönlich, 
wie  nhd.,  mit  dem  Begriff  der  Zsgehörigkeit,  Gemein- 
schaft, Gesellschaft,  Vwdtsch..  Gegenseitigkeit.  ,Ge- 
crbe'.  Miterbe,  auch  .Ge-ei-bt-,  wie  neben  ,Ge-teile', 
Anteilhaber,  auch  .Geteilt'.  .Gehüse'  (Hausgenosse), 
Mieter;  ,Gebvire'  (Mitwohner),  Nachbar;  ,Genam',  Na- 
mensgenosse (mhd.  genanne.  dah.  ,Gnan'  im  Simpli- 
cissimus  als  Schweiz.  Benennung  des  Vaters);  Gnomme, 
Genoss.  Gesellschafter,  eig.  Mitnehmer,  ahd.  ginomo: 
Gspan,  Gespiele  (eig.  Milchbruder,  v.spanen,  säugen); 
Gspass,  Geselle,  auch:  Gatte;  Gschläpf,  SchlatTvamerad ; 
,Getratte',  Weid-  oder  Allmendgenosse  (von  Tratt, 
Weide.  Trift);  Gschwi,  Schwägerin,  Schwiegermutter, 
-tochter.  In  dem  Scheltn.  Gfrorlig  bezeichnet  das 
Präf.  allzu  leichte  Geneigtheit  zum  Frieren,  krank- 
hafte Empfindlichkeit  für  Frost.  —  b)  sachlich  und 
darum  auch  mit  sächl.  Geschlecht  des  W.  1 1  Abstrakta, 
meistens  von  Verben  gebildet,  bezeichnend  a)  Wieder- 
holung und  z.  T.  Steigerung  der  Tätigkeit,  nach  Art 
von  nhd.  .Geächz.  Geschrei,  Getön'  usw..  oft  mit  dem 
Nbbegrift'  der  Lästigkeit.  Sehr  beliebte  Bildung.  — 
ß)  ein  Mittel  oder  Produkt  der  Tätigkeit,  z.B. 
Gfergg,  Fuhrwerk;  Gfäsch,  Wickelzeug;  Gliger,  Lager; 
Greis,    Ordnung;    Gier.    Unordnung:    Gxntz.    Ahasit/.. 


Grundsatz;  Gsäss,  Anbau.  Wohnsitz.  Von  Subst. : 
Gmünd,  Handbreite  (vom  alten  mimt.  Hand);  Gf'rdss 
(in  einigen  Bedd.,  während  die  andern  zu  2)  gehören). 
Einige  WW.  dieser  Gruppe  finden  auch  .\nwendung  auf 
Personen,  aber  nur  in  ungünstigem,  tadelndem  S..  z.  B. 
Ghürsch.  nachlässig  gekleidetes  Weib  (eig.  gleich.sam 
personifizirte  Unordnung);  Gnist,  unruhiger  Men.sch 
(yg\.  Fegnest);  Gragel,  hageres  Weib  (eig.  aufragende 
Gestalt);  Griclit,  Schwätzerin  (von  ,richten'  i.  S.  v. 
absprechen  oder  durchhecheln'?).  Hieher  mag  auch 
Getwergi,  Zwerg  (W),  gehören,  sächlich  aufgefasst 
wegen  der  Missgestalt  (vgl.  nhd.  , Wicht,  Ding'  auch 
von  kleinen  Personen),  schon  mhd.  getwerc  in  jener 
Bed..  doch  viell.  urspr.  coli,  und  dann  auf  einzelne 
Wesen  eingeschränkt  nach  Art  von  nhd.  .Frauen- 
zimmer, Bursch.  Kamerad',  frz.  recrue,  Rekrut.  — 
X)  die  Tätigkeit  selbst,  ohne  Nebenbegriff:  .Ge- 
hügde',  Gedanke,  Gedächtniss ;  .Gefechd',  Fehde ;  Ghirt, 
Fütterung  des  Viehs;  Gritt,  Erdschlipf  (eig.  wohl 
wiederholtes  Rutschen  und  dann  eher  zu  a,  wie  diese 
3  Unterabteilungen  übh.  leicht  in  einander  übergehen). 
—  2)  Collectiva  mit  dem  Begriff  eines  aus  vielen 
Teilen  (oft  unordentlich)  bestehenden  Naturgegen- 
standes od.  Machwerkes.  Grigen,  Regenwetter;  Gvihel, 
Nebel;  Ghilb,  feines  Dunstgewölk;  Gfider,  Federvieh 
(vgl.  nhd.  ,Geflügel') ;  Gfisel  (s.d.  W..  von  dessen  9  Bedd. 
übrigens  einige  zu  1)  a  und  ß  gehören);  Ghüder,  Keh- 
richt; Gjät,  Unkraut;  Gfilg,  die  Gesammtheit  der 
Felgen  an  den  Rädern;  Gstüedfl,  Gestell,  bes.  Web- 
stuhl; s.  auch  noch  G/Ietz  und  Gßätsch.  —  B.  vor 
Adj.  und  adj.  Participien.  1.  vor  reinen  Adj., 
meist  pleonastisch,  ohne  Bed.  (wenn  das  Adj.  nicht 
von  einem  Subst.  oder  Vb.  abgeleitet  ist,  dem  das 
Präf.  bereits  wesentlich  zugehört).  Wenn  das  Präf. 
irgend  eine  Bed.  hat,  so  kann  es  höchstens  in  ein- 
zelnen Fällen  etwa  besondere  Geneigtheit  gewisser 
Personen  oder  Dinge  zu  der  betr.  Eigenschaft,  vor- 
wiegendes Behaftetsein  mit  derselben  oder  Annäherung 
an  dieselbe  (i.  S.  der  Bildungen  auf  -icht.  -artig)  an- 
deuten. Doch  sind  zu  unterscheiden:  a)  Adj..  welche 
auch  ohne  das  Präf.  vorkommen,  also  nur  gelegent- 
lieh und  lose  mit  demselben  verbunden  werden  : 
(g)ässig;  (g)ergelig:  (g)fölgig;  (g)fötzeKg;  (g)foslig; 
CgymUig;  (gßeitsam;  (g)flingg ;  (g)frönd,  fremd;  (g)söd, 
leicht  siedend  u.  v.  a.,  meist  auf  -ig.  -r-  b)  .\dj..  welche 
nur  mit  ge-  vorkommen  (meist  ohne  dass  dem  Präf. 
eine  besondere  Bed.  zukommt).  Beisp.  ghass,  verhas.st. 
feindlich  gesinnt;  dagegen  (gjlmssig,  übellaunisch; 
gräz  (scharf,  bissig,  erpicht,  verschieden  von  gräzt, 
gährend,  und  räss);  ghand,  bequem,  gelegen  (eig.  zur 
Hand;  vgl.  nhd.  ,behend') ;  ghwrsch,  herrisch;  ghiiss, 
keck,  frisch,  stolz  (mhd.  nur  hiuze);  gfürchig,  furcht- 
sam, -bar;  ghe-üg,  ghedig,  dunstig,  dämmerig;  ghiifig, 
voll;  gschämig,  beschämend;  gsehmig,  bunt,  grell  u.  a. 
Die  ä.  Spr.  macht  von  dem  Präf.  nicht  so  häufigen 
Gebrauch  resp.  Missbrauch.  Bemerkenswert  ist  .ge- 
recht' i.  S.  V.  ,recht'.  dexter  (öfter  im  XVI.);  .ge- 
saftig.' BiB.  1530  (vgL  0.  G'saf,  Saft);  ,gewillig.'  ebd. 
1531/48;  .gedenkwürdig.' Wurstisen ;  .rechtgeschafien.' 
BiB.  1530  u.  LLav.  1.584.  richtig  participial  gebildet, 
aber  darum  eig.  zu  2  gehörig  (übrigens  vgl.  Gr.  WB. 
IV,  1,  1,  1621);  .gschriftlich'.  abgeleitet  von  .Gschriff 
(s.  o.),  wie  umgekehrt  mit  scheinbar  fehlendem  Präf. 
.duldig'  von  ,dult'.  Adj.  Formen  mit  ge-  ohne  die 
Ableitungssilbe  -ig   sind   heute  seltener  geworden  als 


45 


4G 


sie  Irnlicr  wurm.  'An  iloii  obigen  Beisinelou  (uiitei-  h) 
koiiiiiieii  iiiiili  (/'"'''-,  lierzliaft,  beherzt;  gsiyrädi.  Die 
ä.  Spr.  bildete  solehe  Formen  bes.  zur  Bezeichnung 
leiblicher  beseliaffenheit,  z.  13.  .gebär',  haarig,  behaart ; 
.gelib',  beleibt;  ,gehöcl',  mit  Heilen  versehen,  unver- 
sc-hnitten) ;  .gehürn',  gehörnt  (neben  .gehiirnacht-,  horn- 
ithnlich,  und  ,gehürnig',  hörnen);  .gelaub',  belaubt. 
Vgl.  auch  en(j((j)ächs  Sp.  75.  Diese  Bildungen  be- 
rühren sich  nahe  und  mischen  sich  i.  T.  mit  den  nach- 
folgenden participialen,  z.  B.  .gehudel-  (lumpig,  zottig) 
neben  .gehudlet',  ,gefeder(t)'.  —  2.  vor  adj.  Parti- 
cipien  oder  participialen  Adj.-Formen.  a)  mit  der 
Form  des  Ptc.  Perf.  Solche  Bildungen  können  von 
Subst.  oder  Verben  abgeleitet  werden ;  im  erstem  Fall 
sind  sie  natürlich  nur  der  Form  nach  participial,  wie 
nhd.  .gehörnt,  geschwänzt'  u.  a.  Es  gibt  Fälle,  wo 
die  Abi.  von  der  einen  oder  andern  Wortart  zweifel- 
haft ist.  Die  substantivischen  haben  immer,  die  ver- 
balen (weil  von  selbst  schon  abgeleiteten  Verben) 
meistens  schwache  Form;  (jchinsen  (voll),  vollgestopft 
oder  -gepfropft,  ist  Entstellung  von  (/ebisset ,  nicht 
von  hissen,  sondern  von  Bisse',  Keil.  Beispiele:  von 
Subst.:  ghaslet,  gesprenkelt  wie  Haselrinde;  gfröschet; 
t/l'uchset  s.  d.  WW.;  g'yeistet,  lebhaft;  g' gleichet,  mit 
(ielenken  versehen  (s.  o.) ;  g'ghiclt,  doppelt,  von  Früch- 
ten, eig.  mit  Glück  begabt  (das  verbale  Ptc.  lautet 
g' glücket).  Von  Verben:  gchlipitcret.  klebrig;  fichrün- 
gelet,  knapp ;  gchrttsen,  kraus  ( m-l"'n  iicjinisirt ) ;  ,il,,lsrhcf. 
nachlässig  gekleidet;  giiMugghl.  JiiMor.  \nin  lliiinin'l; 
gmiigget,  schweigsam,  mürrisrli ;  iilnsi-lirt.  phisivl,  auf- 
gedunsen ;  gschmogen,  kaum,  küuimerlicli ;  gstagoi,  steif; 
gsimnnen,  bereit;  gstepijet,  blatternarbig.  Aktive 
Bed.  haben:  yvirrtelet,  auf  Vorteil  bedacht;  gmeistcret, 
herrschsüchtig;  gschnögget,  naschhaft;  gf'reut,  erfreu- 
lich; trugen,  trügerisch.  Von  Zahlwörtern:  gfün- 
feret,  zickzackförmig  (doch  zunächst  wohl  vom  Subst. 
Fünfer).  ,Der  gedritte  Bund',  der  dreifache,  die  ver- 
einigten 3  Bünde,  d.  i.  Graubünden,  wo  aber  ge-  coli. 
Bed.  haben  kann,  wie  in  gefründ  neben  gefriindt. 
befreundet.  Nicht  selten  entspricht  das  participiale 
Sufti.x  -et  dem  rein  adjeet.  -ig,  z.  B.  gchindelet,  kindisch 
=  gchindelig;  gspriggelet,  gesprenkelt  =  gspriggelig ; 
g'eiiiäiiget  =  einäugig;  g' cierefigcf  —  nere'iiriii.  Tni^-ek. 
grippUg,  felsig,  v.  Boden  =  yiv'yi/i/fV  .  nrU.lKj  iinlJii. 
feinkörnig,  geronnen,  von  Jlibli;  iirniidiiinjs  11,;,.  li 
=  grauchnets,  geräuchertes;  gfusiiii,  zah,  iiebfii  gfuscn. 
Begrifflich  bemerkenswert  sind  die  unter  II  A  2  an- 
geführten ge-erbt.  erbberechtigt;  geteilt,  theilhaft.  — 
b)  mit  der  Form  des  Ptc.  Lnperf.  -et  (aus  -end),  wo 
diese  nicht  zu  -ig  geworden  ist  (s.  vorhin).  Diese 
Form  trifft  dann  freilich  mit  der  des  Ptc.  Perf.  eines 
Teils  der  schwachen  Verba  zusammen,  aber  eben 
daraus,  verbunden  mit  dem  bei  Ptc.  Perf.  vorkommen- 
den Übergang  von  passiver  in  aktive  Bed.  (s.  o.)  wird 
die  Vorsetzung  des  ge-  vor  solche  Pti\  (auch  von 
Vben,  die  sonst  kein  ge-  annehmen)  eiiizii:-  zu  ri  klaren 
sein.  t.  a.  gstechet,  stössig;  traget,  tmrlitiy;  ijhiiiict. 
schneidig  (von  Waffen);  gstinket,  auch  KiistiiiLur.  cii 
gfarete  [fahrender]  Schueler;  gstönds  Hotz,  stehendes. 
—  c)  vor  den  Adverbialbildungen  a,wi -lingen,  welche 
begrifflich  zunächst  an  Ptc.  Imperf.  grenzen;  z.B.: 
gstäiullige".  stellend:  iisll^jigc:  ghöcklige,  liockriid; 
gligglige;  Wifsi rhlnir.  liliiidlings.  Zu  dem  '/<  ilir^i 
Bildungen  und  d.T  wirkli.lien  Ptc.  Imperf.  kann  man 
halten  den  iilid.  syntakl.  (ieljraneh  dos  Ptc.  l'ei  I.   m.m 


Verben  der  Bewegung  bei  .koinni.'ir.  z.  K,  ,er  kniniiit 
gesprungen',  was  zwar  mit  ..siiringeml-  nicht  gleicli- 
bedoutend,  aber  nahe  vwdt  ist.  —  C.  vor  Verben. 
Auch  hier  ist  das  Präf.  im  Ganzen  noch  häufiger  als 
in  der  Schriftspr.  und  auch  hier  ist  zu  unterscheiden 
zwischen  ständiger,  fester  und  bloss  gelegentlicher, 
loser  Vorsetzung,  welch  letztere  in  der  Schriftspr. 
kaum  noch  vorkommt,  also  für  die  Volksspr.  charak- 
teristisch ist.  Das  feste  ge-  ist  aber  zugleich  für  die 
materielle  Bed.  des  Vbs  wesentlich,  während  das  lose 
(bes.  in  der  ä.  Spr.)  z.  T.  nur  formellen,  syntaktischen 
Zwecken  dient.  1.  Verba  mit  losem  ge.  (g)näggelen, 
kleine,  spielende  Arbeit  machen :  (gl  wirsen,  beschä- 
digen; (gjchlenken,  läuten;  (g)resen,  Kleinhandel  trei- 
ben; (g)lütterlcv.  viel  trinken;  fgj lästeren,  lauschen; 
fgjliselen,  Hüstrni;  nplnnii ,  blinzeln;  gschüderen, 
schaudern;  (ijj  ra.i'u ,  sdiaif  schmecken;  (g)heissen, 
genannt  werden,  lauten  (dagegen  i.  S.  v.  ,befehlen'  nur 
mit  g');  (g) stillen,  still  werden,  machen;  (g)stabun, 
(er)starren;  (g)rueben,  ruhen;  (gjhirmen,  dass.;  (g)äben, 
abnehmen;  fgjärbeten,  reH.,  sich  bemühen;  gclienneu 
neben  ch-  (Letzteres  auf  beschränktem  Gebiete) ; 
,gspüren'  schon  Bib.  1.530;  .gefühlen.'  Klingl.  108S 
(jetzt  nicht  mehr);  .gsegnen'  schon  Bm.  153(1;  ,ge- 
dunken-.  dünken.  1706,  L.  (Dagegen  gebraucht  die 
ä.  Spr.  und  tw.  noch  die  lebende  MA.  ,be-'  und  .ver- 
gnüegen'  auch  ohne  ge-;  ebenso  .niessen'  und  .loben', 
i.  S.  V.  geloben);  .gereichen',  sich  er.strecken.  ge- 
langen. AKlinül.  1ü88.  NMan.  hat:  ,gelieben',  lieb 
werden;  .gemeinen',  beabsichtigen  (vgl.  ,wie  gut  wir 
es  gegen  euch  gemeinen.'  1531,  Strickl.).  In  ,bige- 
stän'  (beistehen)  könnte  ge-  wohl  auch  fehlen,  während 
es  in  ,gefolgen,  gelangen',  beide  i.  S.  v.  ,zu  Teil  wer- 
den', wesentlich  scheint.  Oft  ist  es  schwer  zu  ent- 
scheiden, ob  ge-  materielle  oder  nur  formelle  Bed. 
hat,  resp.  nur  beim  Inftn.  abhängig  von  Hülfszeitww. 
vorkommt  (s.  u.  5).  ,Übergwältigen'  ist  richtig  von 
,Gewalt'  abgeleitet.  Mit  einem  andern  Präf.  ver- 
bunden: (gjverirren.  Zuweilen  unterscheiden  sich  die 
M.\A.  so,  dass  eine  ein  Verbum  nur  ohne,  oder  mit 
und  ohne,  eine  andere  dasselbe  nur  mit  ,f/c  gebraucht; 
z.  B.  g'nüssen,  niesen  Scn.  anderwärts  nur  ohne; 
vnmoi.  irewölmen  Ac.  in  Z  nur  mit;  si''''  icere",  sich 
\  ..itciiliuiii.  aiistreni,'-en  '/,.  si''' gweren,  sich  helfen  Bs; 
^pnirhlni.  |.lau(lern  /,  in  11s  auch  mit  ge-.  Oder  in 
der  selben  .MA.  unterscheidet  sich  z.  B.  schmücken,  das 
Geruchsorgan  in  Tätigkeit  setzen  oder  Geruch  ver- 
breiten: g'schm.,  Geruch  wahrnehmen;  dem  Gaumen 
wohl  schmecken,  munden;  wüschen,  waschen:  gic, 
durch  einander  mischen.  --  '2.  Verba  mit  festem  ge-, 
vor  .Allem  die  Verba  der  sinnlichen  Wahrnehmung: 
gsehn,  ghören  (schon  in  der  ä.  Z  Chron.  und  bei  Kuef; 
wol  nur  in  Bs  und  G  auch  ohne  ge-;  einfaches  hören 
in  Z  =  aufhören,  in  GrD.  auch  =  sich  gehören,  ge- 
bühren); gschmöcken,  mit  dem  Gerüche  wahrnehmen; 
gspilren.  Aber  auch  peten,  bitten  (dagegen  lieten, 
beten);  gchennen  (fast  durchgehend);  gneigen,  sich 
verbeugen;  gschweHgen,  beschwichtigen;  gscltre-ien, 
schreien  machen;  verklagen;  gschwinden  (unpers.). 
ohnmächtig  werden;  gruenen,  ruhen;  gchalen,  ge- 
rinnen; gheilen,  intr. ;  gjächen.  Iteif  ansetzen;  gstcllen, 
stillen,  anhalten ;  gstagen,  erstarren ; gtcagglen,  wackeln ; 
'iiniiipen,  gnäpfcn,  dass.;  gnipfen,  hinken;  gnieten, 
sattigen;  g'han.  refl.,  sich  geberden  (vgl.  nhil.  .sich 
i;rliaben'  =  befinden);    gltnu/gcii.    bangen,    sclninkeln 


(lassen);  f/hijen,  fallen;  ijhinken,  weifen,  fallen;  ffhir- 
iiieii,  ausiulicii ;  (jschändeii,  verletzen ;  yreichen,  s. aus- 
strecken (dag.  reichen,  holen);  yfechien,  zu  Stande 
bringen.  In  der  ä.  Spr.  noch  manche  andere,  z.  B. 
.geleben-,  mit  Gen.  u.  Dat..  sich  gefallen  lassen,  nach- 
leben; ,gefallen-,  s.  d.  In  ,sich  geraaren,  gemerben'. 
zum  Bauerngewerb  vereinigen,  kann  ye-  coli.  Bed. 
haben.  Nicht  hieher  gehören  Verba,  welche  von  be- 
reits mit  (/e-  zsges.  Nomina  abgeleitet  sind,  wie  (jhaben, 
wasserdicht  werden,  von  i/hab;  ywunderen  von  G-wun- 
der  u.  a.,  von  denen  sich  als  Abll.  von  einfachem 
Grundwort  abheben:  fjhilten  und  (jhären,  Haut  und 
Haare  bekommen;  gicahen.  davon  kommen  (von  Wabe 
in  einer  bildl.  Beziehung  V).  —  3.  einen  Übergang  von 
materieller  Bed.  des  <je-  zu  bloss  formeller  machen 
Fälle,  wo  das  Präf.  lose  oder  fest  mit  einem  Vb.  ver- 
bunden, eine  temporale  Modifikation  der  Bed.  des- 
selben mit  sich  führt,  aber  nicht  eine  grammatische, 
sondern  eine  lexikalische,  also  noch  halb  materielle 
Begriifsbestimmung.  Das  Bräf.  kann  nämlich  das  Ein- 
treten oder  das  Andauern  eines  Zustandes  be- 
zeichnen und  in  dieser  Eigenschaft  durch  Hülfsverba 
umschrieben  oder  durch  wirkliche  Priipp.  übersetzt 
werden,  z.  B. :  gstän,  stehen  bleiben,  still  stehen, 
stocken,  auch:  Stand  halten,  gegenüber  treten,  sich 
entgegen  stellen;  .das  getön  der  trumeten  vernenmiend 
die  reisigen  pferd,  also  dass  sy  zuo  zeiten  nit  geston 
mögend.'  Tikkb.  1563;  fihucken,  sich  setzen  oder  sitzen 
bleiben,  sich  still  halten  =  sic/t  yhücken,  z.B.  (/hock! 
=  (jhück  dich!  Zuruf  an  unruhige  Kinder;  ylig(yjeii. 
zu  liegen  kommen,  liegen  bleiben,  unterliegen.  z.B.: 
,ich  bin  den  töufcrn  nie  hold  gsyn;  ich  wellti  gern 
hellen,  dass  si  gelägend.'  1528,  Egli,  Act.;  (j'hittmen, 
wieder  zu  Atem  kommen;  yneren,  anfangen  zu  heilen 
(genesen);  ynucken,  einschlafen  (ent-);  yriselen,  ge- 
rinnen ;  yschwinden,  ohnmächtig  werden ;  yschuindleii. 
Schwindel  bekommen;  ystossen,  zsstossen.  in  Streit 
geraten.  Hieher  gehören  auch  einzelne  Fälle  wie: 
De''  nächst  am  Ofe'  ytväniit  si''',  kommt  dazu,  sich 
zu  w.  Sdlger.  —  4.  vor  gewissen  Verben  bezeichnet 
ye-  das  Vermögen  zur  Vollbringung  der  betr. 
Tätigkeit,  worin  also  auch  ein  temporales  Moment 
enthalten  ist.  So:  ychm,  zu  rechter  Zeit  ankommen, 
mit  Etwas  zu  Stande  konnnen,  z.  B. :  me"  ychäm  noch 
hinecht  [diese  Nacht]  kand  [leicht]  Gl;  me"  tiiemti. 
es  war  nüd  miiyli''',  dass  en  Mensch  da  dure  [hin- 
durch] ycfiäm.  ebd.;  ymache',  zu  machen  vermögen. 
z.B.:  V'' ymache 's  um  [ohne]  di"''  Gl;  ghähe',  zu 
halten  vermögen,  ebd. ;  y fasse",  fassen,  z.  B. :  das  Glas 
!l fasset  en  ScJwppe"  Gl;  prinyen.  Etwas  ausrichten 
(i.  S.  V.  einbringen)  W;  glängen,  auslangen,  -reichen; 
üsystün,  etwas  stärker  als  einfaches  üsstän.  Gotth., 
inmier  mit  Negation.  z.B.:  iebiy  ystieng  [stünde]  er 's  nit 
länyer  us:  .gössen-,  zu  verzehren  vermögen.  .Wann  er 
dasgisst  und  trinkt  den  wyn.  So  gat  er  nienen  nüechter 
hin.-  BiRK.  1.535.  S.  auch  noch  Bd  1  525.  —  5.  hieran 
schliesst  sich  der  schon  in  der  a.  Spr.  reichlich  be- 
zeugte Gebrauch,  dass  einem  von  den  Hülfszeitwörtern 
der  Modalität  abhängigen  Infinitiv  ye-  vorgesetzt 
wird,  um  die  Erfüllung,  Verwirklichung  der  Tätigkeit 
noch  deutlicher  zu  bezeichnen.  Vgl.  (Jr.  WB.  IV, 
1.  1.  Itjl-f.  a)  bei  mögen,  am  Häutigsten  z.  T.  bei 
den  selben  Vbn,  welche  laut  1  auch  ohne  das  Hülfs- 
zeitw.  die  selbe  Bed.  annehmen  können,  z.  B.  ylange' 
w.,  ansreii-licn ;  ylirJie"  m..  festzuhalten  vorningon.    JJer 


Bueb  ist  lustig,  der  Vater  mag  's  [darüber]  aber  nit  gla- 
chen.  Si'RENG.  Se  eil,  a's  s'  mönd  zum  Mül  fis  ylü  [lassen]. 
Stütz.  Er  mag  grite,  tcas  's  Boss  mag  glaufc,  er  küm- 
mert sich  Nichts  ums  Pferd,  wenn  er  nur  leicht  ins 
Weite  kommt.  Ineichen.  Es  het  nüd  m.  gicerde".  Er 
mag  's  gmache,  bringt  sich  durch.  Nüd  gwarte  m.  G. 
Es  mag  Niit  pringe'  (i.  S.  v.  einbringen),  zu  einem 
Erfolg  beitragen  Z.  Er  mag  das  niit  g'esse",  aus-, 
aufessen  (hingegen:  er  mag  nüd  esse,  hat  keinen  Ap- 
petit). Er  mag  no"''  gclw",  rechtzeitig  ankommen. 
Es  mag  's  nüd  g'ye'  [ergeben],  es  will  nicht  gelingen 
oder  es  reicht  nicht  aus.  Me"  may  das  Stack  Holz 
chiim  yferyye'  [von  der  Stelle  bcweii^ii  |.  in  Bs- auch 
bei  Verben,  die  mit  einem  bereite  diu  >c11ji-  Bed.  ent- 
haltemlen  er-  zsges.  sind;  z.B.  eryliampfle"  [mit  der 
Hand  umfassen]  möye";  eryhebe".  festhalten;  erylaufe", 
laufend  erreichen;  erglüpfe',  vom  Boden  erheben;  e»-- 
gmeistere",  bemeistern;  sogar  ergslu,  sicli  aufrecht 
halten.  Der  Inf.  ninuut  aber  in  allen  diesen  Ver- 
bindungen nur  dann  ge-  an.  wenn  mögen. ein  persön- 
liches (leibliches  oder  geistiges)  Vermögen  zu  einer 
Leistung,  nicht  aber  wenn  es  subjektive  Geneigtheit 
zu  einem  Tun  oder  objektive  Möglichkeit  eines  Ge- 
schehens bedeutet.  Daher  die  PiA.  Hden  mögen  = 
gern  sehen,  dagegen  nicht  gliden  m.  i.  S.  v.  ertragen, 
weil  reines  Leiden  nicht  als  akt.  Leistung  gilt.  /''' 
mag  nüd  schrlbe'  heisst:  ich  habe  keine  Lust  dazu. 
/  »(.  n.  gschribe",  keine  Kraft,  vermag  die  Feder 
nicht  zu  führen.  F''  mag-en  nüd  a'luege',  ich  wür- 
dige ihn  keines  Blickes,  a'gluege",  ich  vermag  seinen 
Anblick  (wenn  er  mir  aufgedrungen  wird)  nicht  zu 
ertragen.  (Scheinbare  Ausnahmen  sind:  (fsin  m.,  von 
Personen:  ökonomisch  bestehen,  sich  durchbringen. 
wo  sin  nicht  abstraktes  Dasein,  sondern  prägnantes 
und  concretes  Existieren  bedeutet;  von  Sachen:  zu 
Stande  kommen,  sjn.  ywei-de"  m.,  wobei  der  Sache 
fast  persönliches  Vermögen,  sich  selbst  verwirklichen 
zu  helfen,  zugeschrieben  wird.  Bei  gicerde"  m.  mit 
Dat.  P.  i.  S.  V.  zu  Teil  werden  wie  in  .gewerden 
lassen.-  LLav.  1644  gehört  ye-  materiell  zu  .werden', 
und  mögen  bedeutet  Schicksalsbestimmung.)  .Ilir  try- 
bend  die  fröwd  gar  schalklich,  daz  wirdig  lierren  ut 
ir  Stuben  nit  getanzen,  noch  kein  ruowe  vor  üch 
gehaben  mögent.-  Bs  XIV.  .Swele  [welche]  der  buosse 
nit  geleisten  mag.  der  soll  man  die  statt  verbieten, 
unz  si's  gerichte.-  1314,  Lauf.,  Beitr.  .Der  [Götze] 
Bei  euch  mag  gehclfen  nüt.'  Birk  1535.  .Qui  heri 
poteratV  wie  mocht  das  gesyn  oder  zuogon.'  Fris. 
,So  feisste  milch,  dass  man  kein  käswasser  davon  ge- 
haben mag.'  TiERB.  1563.  ,Mer  fassen,  dann  er  ge- 
füeren  mag.-  Gualth.  15Ö4.  Auch  in  der  Stelle  bei 
RüEGER  (1606) :  ,Des  aber  das  arme  landvolk  nit  glaclien 
möcht-,  lässt  sich  die  oben  vorausgesetzte  Bed.  des 
Hülfszeitw.  behaupten.  —  b)  können  (z.  T.  i.  S.  v. 
, vermögen').  Nüd  chann-i'''  weniger  iisgstä'.  MUsterj. 
Er  hat  's  niimme  [nicht  mehr]  chö^nne"  ergmangle" 
[entbehren]  Bs.  Er  cha""  's  gmache,  er  kann  ökono- 
misch existieren  (dag.  er  cha  's  »«.,  er  versteht  es  zu 
machen).  Er  cha'"  gsl'.  ebso.  Si  misset  s'  gsi  und 
chihinet  gsi.  Stütz.  [Einen  Schmerz]  gleggen  [be- 
schwichtigen] chönne".  ,Dass  er  anderen  köuTie  für- 
gesetzen  [vorstrecken].-  BossH.-GoLnscHM.  .Einen  See. 
welchen  man  erschiften,  erschwümmen  und  beinachem 
gewatten  könnte.'  164it,  JJBreit.  .Wo  kann  mir  bass 
|zu  Mute]  geseiir^    H  Insclir.  —  r)  lUirfen  (i.  8.  v. 


50 


.wageir,  veraltet  türren).  Me"  tarf's  nüd  gsäge"  Z. 
Sider  hed  's  keine''  me  dürfe"  gwaye',  d's  Bäbi  s'  erlöse". 
FDKyd  1860.  Wie  hast  au"'  das  töre'  gsäge"?  Ap. 
Si  liend-is  no'''  so  vil  gheusche'  dürfe'.  Madleni  1712. 
,Wer  nit  welle  oder  getörre  geschweren.'  1457/1544. 
ScHW  LB.,  neben :  ,Getörften  sweren.'  1424,  L.  — 
d)  sollen.  ,Die  einung  soll  man  den  herren  ge- 
bessren.'  1348,  Aa  Wst.  ,Man  soll  von  ir  kainen  aid 
iiiemer  me  genemen.'  ca  1400.  TeDicssenh.  Stadtr. 
,l>ie  söllent,  dahin  sj  bishar  gedient,  auch  fürer  ge- 
dienen' (nachher:  ,ze  dienen  schuldig  syn').  1525. 
Absoh.  —  e)  lassen.  ,Das  vih  zween  tag  one  trinken 
und  essen  gestehn  lassen.'  14'24,  Gem.  Aa.  ,Dass  man 
sy  in  disen  gefaren  nit  wollte  gestecken  lassen.'  HBrtL. 
1572.  Für  die  gesprochene  MA.  schwach  bezeugt. 
GUbe"  lä";  aber  gl.  ist  auch  an  und  für  sich  Nbf.  zu 
dem  einfachen  Verb.  In  der  scherzhaften  Anekdote. 
welche  einem  Lehrling  seinem  (deutschen)  Herrn  gegen- 
über die  Worte  in  den  Mund  legt:  ,Ich  lasse  mich 
nicht  mehr  gedauzen,  ich  bin  behört  [konfirmiert]', 
ist  Verhochdeutschung  beabsichtigt.  —  f)  wollen. 
,8ie  müssten  zur  Sache  sehen,  wenn  sie  g'fahren  woll- 
ten' (s.  I  892).  GoTTH.  ,0b  er  under  diser  decke  nit 
geligen  will.'  Gyrenr.  1523.  (Wenn  .geligen'  hier  be- 
deutet , still  1.',  so  gehört  es  zu  3.)  —  g)  müssen 
(auch  i.  S.  V.  , sollen').  ,Der  jud  der  muoss  des  nit 
gelachen.'  Birk  1535.  VgL  o.  ,gelachen  mögen'.  — 
h)  Syn.  mit  den  einfachen  Hülfszeitww.  sind  einige 
Umschreibungen  mit  ,zu'.  So  , haben  zu'  =  ver- 
mögen, können;  z'  yVebe  ha",  Lebensunterhalt  haben, 
existieren  können  B;  vgl.  o.  es  gmache'  müye',  gsi" 
chönne';  , kommen  zu',  mit  Etw.  zu  Stande  kommen, 
vermögen  es  auszurichten,  z.  B.  's  Bluet  s'  gstella 
[stillen]  c/tow  GrD.;  .luegen  zu',  versuchen,  z.B. 
l.  z'  yreise",  einzurichten  suchen;  ,wissen  zu',  z.B. 
si'''  z'  gwere"  wüsse",  sich  zu  helfen  wissen  Bs  (wo 
aber  gwere  auch  allein  vorzukommen  scheint;  s.o.  1). 
—  6.  rein  formal,  syntaktisch  und  zwar  temporal 
im  gewöhnlichen  grammatischen  Sinn  (im  Unterschied 
von  3  u.  4)  steht  ge-  in  der  ä.  Spr.  zur  Bezeichnung 
oder  deutlichem  Unterscheidung  einzelner  Zeitstufen. 
VgL  Gr.  Wß.  IV  1,  1,  1613;  Schmell.  V,  857  8.  a)  vor 
dem  Präsens  1)  wenn  dasselbe  in  das  Futurum 
(resp.  fut.  exact.)  oder  Perf.  hinüberspielt;  bes.  in 
Nebensätzen,  welche  mit  .wenn',  .so'  i.  S.  v.  ,so  oft. 
so  bald  (als)',  .bis,  ehe'  eingeleitet  sind,  also  das  Ein- 
treten eines  Momentes  in  der  Zukunft  resp.  zukünf- 
tigen Vergangenheit  zum  Inhalt  haben.  , Welche  nit 
da  sint,  so  der  richter  gesitzet  [sich  gesetzt  hat]  und 
daz  gerichte  gebannet  [eröifnet  haben  wird],  dz  soll 
ieklicher  bessren  mit  dry  Schillingen.'  1322.  Aa  Wst. 
,Wenn  der  tanz  ein  end  genimpt.'  1462,  Z  Rat-  und 
Richtb.  ,Wenn  nun  euwer  glaub  in  euch  gewachst.' 
1531/48,  IL  Cor.  ,Wie  [so]  bald  Gott  usgschlaaft  und 
erwacht,  wirt  yedermann  wol  sehen  das.'  Küop  1550. 
.So  die  hennen  zum  ersten  gelegend,  wollend  sy  an- 
fahen  zuo  bruoten.'  Vogelb.  1557.  ,Eim  die  äugen 
zuutrucken,  wenn  er  gstirbt.'  Fris.  ,Man  soll  nit  in 
die  zeig  faren  mit  schafen,  unz  das  man  abgeschnydt.' 
1486.  MEsterm.  1875.  .Wenn  einer  die  [Schafe]  ge- 
metzget  u.  geetzt'.  d.i.  wirklieh  m.  (vorher:  .metzgen 
u.  etzen').  ebd.  ,I)iene  mir,  bis  ich  giss  und  trink.' 
1531/48,  Luc.  =  ,geessen  und  getrunken  habe.'  1667. 
.Ich  will  deinen  kameelen  auch  schöpfen,  bis  sie  genuog 
getrinkend.'  ebd.  ,I>er  Bäcker  soll  nicht  feuern,  vor 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


man  das  glüggli  gelütct.-  1400,  TiiDiess.  Stdtr.  ,Ee 
und  sy  sich  g'sammlind  und  gerüstind.'  HBull.  1532. 
,Ee  .sy  sich  gweschend.  gferbend,  gsalbend',  d.  h.  mit 
Waschen  usw.  fertig  geworden  sind.  Aal.  —  2)  in 
Sätzen  mit  ,dass,  damit',  wo  die  zukünftige  Erreichung 
einer  Absicht  bedeutet  werden  soU.  .Luog  ouch  ernst- 
lich, dass  du  dyn  zorn  gemeisterist.'  HBull.  1558. 
,Damit  er  die  gall  geteinme.'  Vogelb.  1557.  —  3)  in 
Relativsätzen,  welche  das  Erforderniss  einer  be- 
stimmten Eigenschaft  enthalten;  besonders  wenn  .all' 
od.  .kein-  vorausgeht.  .Das"  ellü  unfuoge,  die  pfatfen 
getuont,  geriht't  werden.'  Z  Richtebr.  ,Die  fälle 
[Bussen],  die  in  der  kilchhöre  gefallent,  die  soll 
man  wtjren  in  den  hof  ze  tottikon.'  1351,  Aa  Wst. 
.Dann  under  euch  ist  sicherlich  keiner,  der  mcr  nutz 
gschaff  als  ich.'  Com.  Beati.  —  b)  vor  Ind.  od.  Con- 
dition.  in  Haupt-  und  Nebensätzen,  welche  die  allg. 
Zeitbestimmungen  .je'  oder  ,nie'  enthalten  (vgl.  a  3 
und  Gr.  WB.  IV  1,  1,  1622).  ,Geschaiden  uns  niemer 
von  synem  glouben.'  Z  Chron.  13.36/1446.  ,Dass  es 
ainen  tropfen  nie  geregnöte.'  ebd.  ,Gefüegte  sich 
yemer.'  1521/44,  Schw  LB.  =  sollte  je  der  Fall  ein- 
treten. ,Wäre  ouch,  ob  [wenn]  der  burger  mit  dem 
ungelter  gestiesse  [streitig  würde].'  1342.  Lauf.,  Beitr. 
—  c)  vor  dem  Prät,  welches  dadurch  den  Sinn  des 
Plusquamperf.  erhält,  nach  ,wenn,  nachdem,  da,  bis, 
ehe.'  (vgl.  a  a).  ,Eb  der  siech  ge.starbe.'  1406,  Bs  Rq. 
,Bis  sy  alle  ding  usgemachten.'  HsSchürpf  1497.  ,Wenn 
aber  der  richter  gestarb,  so  wandtend  sy  sich.'  1531/48, 
JüDic.  ,Do  sie  ein  loch  gemachtend.'  1531,  Marc. 
^  .gemachet  haftend.'  1548.  ,Do  sy  im  den  esel  gsatt- 
letend,  reit  er  darauf.'  1531.  I.  Kön.  .Wie  er  in 
gschneid,  do  sach  er.'  1569,  UMey.,  Wint.  Chr.  — 
7.  Verbindung  von  ge-  mit  andern  Präf.  ist  selten, 
z.B.  ef-g-ehimen,  sich  erholen  (viell.  für  ert-,  er-ent-?); 
gver-irren  s.  o. ;  ver-grumpfet.  Vgl.  nhd.  ,ver-g-nügen', 
welchem  in  der  MA.  vernüege  gegenübersteht.  —  8.  da- 
gegen steht  ge-  nicht  selten  gleichbedeutend  mit 
andern  Präf.  oder  mit  Präpos.  Mit  be-:  ghalfen; 
gschauen;  gviüejen;  gchennen;  gsegnen  (refl.);  gschläs- 
seii;  gschiessen,  klecken;  gheben;  ghangen,  hangen 
bleiben;  ghandeti,  behändigen;  ,geschehe'  mit  ,be-' im 
gleichen  Satze  wechselnd  Z  Richtebr.  Gherst;  grü- 
schet,  berauscht;  gsuffen,  besoffen;  gfründt;  gstanden, 
ausgewachsen,  vom  Alter;  gchäm,  bequem;  gschib  = 
bschib,  geschickt;  gsehämiy,  beschämend;  gehand,  be- 
hend. Gschaller  =  Bschaller,  Vordergestell  am  Pflug; 
Gstand;  ,Gezirk;'  ,Geding',  Bedingung.  Vgl.  Gr.  WB. 
IV  1,  1,  1623,  b.  Mit  ent-:  geraten,  entbehren; 
gnucken,  einschlafen;  yschlipfen,  ausgleiten.  Mit 
er-:  ywarten;  gstarren;  gstahlen.  Mit  ver-:  ,Ge- 
heiss',  Verheissung;  gfallen.  Mit  us-:  grueben,  aus- 
ruhen; gschlahen.  Mit  an-:  gschwellen;  ,sich  ge- 
stellen',  sich  an-stellen.  Mit  zu-:  .gefallen',  zu 
Teil  werden.  Mit  vor-:  .gefallen'.  Mit  uf-:  gwär- 
men.  —  IV.  Selten  fehlt  der  MA.  das  Präf.,  wo 
die  Schriftspr.  es  hat:  lingen;  brüclien;  ring  i.  S.  v. 
.leicht';  Bis,  Gebiss;  Leuse,  Geleise;  Lid,  Glied; 
Sims,  Gesimse;  Hirni,  Gehirn;  Birg;  Buggenrät, 
Rückengrat.  Es  mag  hier  aus  der  Grammatik  er- 
innert werden  an  die  Bildung  des  Ptc.  Perf.  ohne 
Präf.  in  funden  und  chon,  und  dieser  gegenüber  an 
die  Anwendung  des  Präf.  in  den  Fremdww.,  z.  B. 
Iregiert,  kstudiert,  kinspiziert;  ,geabsolviert.'  Schür hf 
1497. 


Ga,  ge,  gi,  g«.  gn 


Zu  I  ist  zu  bemerken,  dass  uiit  Ausnahme  einiger  alter- 
tümlichen Gebirgs-MAA.  die  synk.  Form  des  Präf.  (gelegent- 
lich mit  Assimilation)  die  einzig  volkstümliche  ist  und  die 
WW.  mit  gi-  neueren  Datums  und  aus  der  Bücherspr.  ent- 
lehnt sind ;  so  z.  B.  yibore'  für  volkstümliches  worde'.  Übrigens 
vgl.  das  parallele  bi-,  he-.  Die  Verhärtung  des  Anl.  bei  Syn- 
kope erklärt  sich  daraus,  dass  der  cons.  Verschluss  während 
der  ganzen  Zeitdauer,  welche  die  volle  Silbe  in  Anspruch 
nähme,  ausgehalten  wird.  Beiläufig  gesagt,  erklärt  sich 
manche  scheinbare  Lautverschiebung,  d.  h.  manches  (oder 
jedes,  wenn  man  Analogiebildung  annimmt)  anlautende  p-, 
t-,  h-;  kx-  für  h-,  d-,  </-;  c7i-  aus  dem  eben  berührten  Laut- 
vorgang. —  Zu  II  B  1  b.  Dass  die  Adjj.  auf  -ig  fast  ohne 
Ausnahme  mit  dem  Präf.  versehen  werden,  hat  seinen  Grund 
viell.  in  der  engen  Berührung  mit  der  Participialendung 
(s.  ebda  2  a).  Wahrsch.  sind  die  beiden  Endungen  auch 
lautlich  im  Grunde  dieselbe  oder  wenigstens  in  einander  über- 
gegangen, da  aus  -et,  -ed  überh.   oft  -ig  wird. 

geie"  I  s.  (jächen. 

geie°  II:  schreien,  rufen'?  D' Maitli  träged  Sehäp- 
peli,  (V  Buebe"  tr.  Maie",  de''  Guggi  [Kuckuck]  will  bald 
gaie'  AAKais. 

(ieienliofen :  badisches  Dorf  am  untern  Bodensee, 
das  Schiida  der  dortigen  Gegend,  von  welchem  Kunde 
bis  nach  Zürich  drang  (wohl  von  der  schutzverwandten 
Stadt  Stein  aus).  So  in  der  KA. :  Etwas  von  Hand 
nehmen  —  ivie  der  Geyehofer  de'  Bappe  (vgl.  Hallauer). 
Kinder  sucht  man  von  Ungezogenheit  bei  Tische  ab- 
zubringen, indem  man  ihnen  vorstellt:  D'  Brut  vo' 
G.  häd  d'  Bei«  uf  de"  Tisch  fuf-em  Tisch  obe'J   Z  f. 

Georg  1)  ,Geörg'  XVH.  ff.,  Giörg  Th,  Gjörg  ZW., 
,Geori.'  1329,  Absch.;  1393,  L?  S?;  XVI.,  Zürichberg. 

2)  Jörg  F;  VOrte;  GRLdq.,  Jörgel  SchwE.,  Jörg  Ui., 
JerkY;  ,U",  Jörtsch  GaKh.,  Jerig  W;  Jw  „Gl;"  ZF., 
Jörri,  Jöri  „B;  L;"  Gr;  GSa.;  Z  f,  Jeri  L;  U.  Jori  Gr. 

3)  Prg,  Erg  Sch;  TnSteckb.,  lerg  Sch,  leri  L,  lerli 
Sch:  Taufn.  Über  den  Heiligen  als  Drachentödter 
s.  FVetter,  Stein  a/Rh.  34.  Als  Beschützer  der  Vieh- 
herden gegen  Untiere  (wie  der  Drache  eines  war)  wird 
er  im  Abendruf  auf  den  Sarganser  Alpen  angerufen : 
B'hüet-s'  Gott  und  der  heb  heilig  St  Jörg,  der  wol 
hierüf  wacht  (oder  hie  wol  üfwachi)  und  höri.  Der 
Tag  des  Heiligen,  23.  April,  gilt  als  Termin  im  Ge- 
schäftsleben, entsprechend  dem  Martini  (11.  Winterm.) 
Sch.  Er  ist  auch  Termin  und  Schicksalstag  für  die 
Landwirtschaft.  Wenn  si  um  Georgi  en  Gicagger 
[Rabe]  im  Bogge  verberge"  cha'",  so  zeiget  's  en  guete 
Jorgang  a".  Sulger.  Weht  die  Bise  am  G.-Tag,  so 
weht  sie  6  Wochen  lang  S.  Jörg  (Alhrecht)  und  Marx 
[23.,  24.,  25.  April]  dräue"  vil  Args.  Philipp  und 
Jakobi  sind  aW''  zwei  Grobi.  —  Der  Umlaut  (ö)  ist  wohl 
auf  die  lat.   Form  ,Georgius'  zurückzuführen. 

geuen  s.  giXwen. 

gi  I:  Interj.  1.  ki  se,  se:  Lockruf  für  Ziegen  Schw. 
—  2.  gl,  gi,  Ausruf  schadenfrohen  Spottes,  begleitet 
von  einer  geigenden  Bewegung  des  Zeigefingers  am 
Nasenflügel  Ar;  GT.;  SchwE.     Syn.  gix. 

Zu  1  vgl.  Gibe,  Ziege.  —  2  könnte  auf  ähnlichem  Wege 
aus  Gige  verstümmelt  sein,  da  mau  eine  gleichbedeutende 
Geberde  mit  dem  Kübchenschaben  udgl.  vergleicht.  Es  könnte 
aber  auch  eins  sein  mit  1,  da  die  Geberde  sich  auch  auf 
die  Ziege  (bezw.  ihre  Hörner)  deuten  lässt;  vgl.  die  eben- 
falls spottende  Geberde  des   Gäbeli. 

gi  II  s.  gan. 

.,  gie:  allezeit,  ohne  Aufhören  F."  —  Aus  le  mit 
vorgeschlagenem  g  für  j;  vgl.   ,je'. 


go,  gu  s.  gän.         gü.  göi  s.  gri(i,J. 

Gö  m.:  eingewundener  Haarzopf  der  Männer  und 
Knaben,  in  den  ersten  Dezennien  dieses  Jhdts  zur 
städtischen  Tracht  gehörend  L;  Schw;  Zg.  Syn.  Här- 
Stil.    —   Aus  frz.  9«CMe. 

Goi  m. :  Gregorius  Gr.   —  Zunächst  aus  (Gre-J'juri. 

Gn  m. :  Geschmack,  in  obj.  und  subj.  Sinn,  allg., 
neben  den  deutschen  Synn.  Kust;  Mang;  Geschmack. 
Das  Brod  hed  ekei"  Gu,  schmeckt  nach  Nichts.  E  Fass 
mit  Wi  het  drei  Gü,  schmeckt  oben,  unten  und  in 
der  Mitte  ungleich.  Sulger.  Es  gid  allerlei  für  Gü, 
die  Leute  haben  ungleichen  Geschmack.  B'  Gü  sind 
gar  ungllch.  Ei'"m  de"  Gu  nüd  ha",  ihm  nicht  ge- 
wogen sein.  Ei"'!)!  de"  Gu  [das  Interesse,  die  Sym- 
pathie] für  das  und  das  ne".  —  Ab-:  1.  ungehöriger, 
widerlicher  Beigeschmack  Schw;  Uw;  ZKn.  Syn.  Akte; 
Hie.  —  2.  Widerwillen,  Abscheu  Gl;  S.  Si  het  en 
A.  gege  de"  Burst  [Burschen].  Joach.  Er  hat  e  puren 
A.  vor-''em  Werche".  —  Un-  (Ö-gü)  =  Abgü  1  Ap. 
—  Erd-:  eigentümlicher  scharfer  Beigeschmack  des 
Weines,  welcher  der  Bodenbeschaffenheit  zugeschrieben 
wird  Aa;  Bs;  Z.  Er  [der  in  der  Mundart  Aufgewach- 
sene] hat  's  wie  's  guete''  Wi"  muess  ha":  en  E.  blibt-em 
eisder.  Sutermstr.  —  Mer-i  Beigeschmack  vom  Meer- 
wasser, der  dem  Kaffee  etwa  anhaftet  Sch;  Z.  Vgl. 
mer-räuelen.  —  Nach  fiVö-e^-;  Nachgeschmack  Z.  — 
Bruch-,  Brüchli-:  Geschmack  des  Weines,  welcher 
im  Begriffe  ist  zu  brechen,  d.  i.  abzustehen  Z.  Vgl. 
Bruch,  brüchfejlen.  —  Brät-:  der  Geschmack,  wel- 
chen gekochte  Milch  bekqmnit,  wenn  sie  lange  an  zu 
grosser  Wärme  hingestellt  geblieben. 
Gu  II  s.  Gon.        Gü  s.  Gewinn. 


Gab,  geh,  gib,  gob,  gub. 

Gab  bzw.  Göb  Ap  f.:  freiwilliges  Geschenk,  spec. 
a)  an  Brautleute  zur  Hochzeit  Bs;  Sch;  Z;  s.  Hoch- 
zlt-G.  ,Es  ensoU  einheiner  brut  nieman  geben  wann 
1  gab.'  Z  Richtebr.  Auch  Dim.,  z.  T.  nur  Ausdruck  von 
Bescheidenheit:  Nach  eingebrochener  Nacht  des  Hoch- 
zeittages kommt  aus  jeder  Haushaltung  des  Dorfes 
Jmd  mit  einer  Gabe  (Gerät  oder  Geld)  zur  Braut  und 
reicht  ihr  dieselbe  möglichst  verstohlen  unter  dem 
Tisch  mit  den  Worten:  do  han-i'''  aw''  e  Göbli  ZSth. 
—  b)  an  die  Veranstalter  von  Lotterien,  Schiessen, 
Kegelschieben;  aber  auch  der  bei  diesen  Spielen  zu 
Teil  werdende  Gewinn,  allg.;  s.  auch  Gr.  WB.  IV 
1,  1,  1112.  Syn.  Abentür.  ,Auf  die  Gaben  kommen": 
denjenigen  Schuss  getan  haben,  der  den  gewinnenden 
Schüssen  am  Nächsten  kommt,  also  den  besten  unter 
den  nicht  gewinnenden  [,auf'  i.  S.  v.  unmittelbarer 
Nachfolge].  —  c)  zur  Bestechung  von  Staatsbeam- 
ten ;  vgl.  Eät-G.  ,Miet  und  Gaben'  stehende  Formel, 
bes.  von  Richtern  (auch  Mitgliedern  der  Regierung, 
welche  von  Mächten  Geschenke  annahmen,  um  dafür 
die  Werbung  von  Söldnern  zuzulassen).  ,Dass  die 
Boten  auf  den  ennetbirgischen  Vogteien  vor  dem  An- 
fang der  Verhandlungen  schwören  sollen,  von  Urteilen 
und  Gerichtshändeln  keine  Miet,  Gaben  noch  Schen- 
kungen anzunehmen,  sondern  dem  Armen  wie  dem 
Reichen  das  Recht  werden  zu  lassen.'  1557,  Absch. 
.Die  Landvögte,  Amtsleute,  Gesandten  und  Mitrichter 
dies-   und  jenseits   des  Gebirgs   sollen   von  Urteilen. 


Gab,  geh,  gib,  gob,  gub 


54 


Bestätigungen.  Liberationen  usw.  weder  M.  noch  G., 
sondern  nur  ihr  ordentliches  Gerichtsgeld  nehmen.' 
158(5,  ebd.  —  d)  überh.  Geschenk  an  oder  von 
Herren.  .Grosse  herrlichkait,  vererung,  schenken, 
gaben  und  Sicherheit.'  Kessl.  ,Der  Tod  allein  urteilt 
ohn  gunst  und  gab.'  RüdMey.  1650.  —  2.  Gabe  des 
Geistes,  vom  Schöpfer  verliehene  Naturanlage,  auch 
von  zweifelhaftem  Wert  Ar;  Sch;  Z.  's  Schwige"  ist 
e  schöni  G.  Si  häd  d'  G.  nüd  z'  schwige'.  Er  hed 
dere  [dgl.]  Göbli.  ,Dem  Gott  so  vil  gaben  geben  hab.' 
ZwiNULi.  —  3.  rechtliche  Gebühr,  nämlich  jähr- 
licher Anteil  der  Bürger  am  Ertrag  der  Gemeinde- 
waldung Aä;  Sch.  Syn.  Burgernutzen.  Wo 's  Freude- 
/■«)•  ro"  mls  Vaters  G.  ufgflacl-et  ist.  APletscher. 

Ab-  s.  verlieren. 

.\bend-:  das  Geschenk,  welches  der  Mann  nach 
der  Brautnacht  der  geheirateten  Wittwe  gibt.  ,Des 
gelich  soll  einer  wittwen  ir  a.  folgen  und  belyben, 
als  vorstat.-  ZMünchalt.  Hofr.  1439. 

Der  Ausdruck  ist  offenbar  als  absichtlicher  Gegensatz  zu 
,Morgen-G.'  gebildet  nnd  bezeichnet  treffend  den  Abstand 
des  Wittwenstandcs  vom  Jungfrauenstand,  resp.  der  beiden 
Altersstufen. 

Über-:  1.  Übergabe  eines  Amtes  an  einen  Nach- 
folger und  die  damit  verbundene  Mahlzeit.  De"-  Herr 
Obervogt  het  d'  Ü.  Sülger.  Und  zieht  denn  d'  Sunn 
alsgmach  durah  [abwärts],  se  rutscht  de''  Mündig  [Mon- 
tag] mit,  imd  git  dem  Zistig  [Dien.stag]  d'  Ü.  JKMey. 
1844.  —  2.  geschichtliche  Überlieferung.  ,Nach 
der  verzellung  einer  bis  auf  heut  noch  unvergessnen 
ü.'  HPant.  1578.  —  Acht-:  Achtgeben,  Obacht.  .Acht- 
gabe und  Anzeige',  elliptische  Formel  am  Schlüsse 
von  Polizeierlassen,  in  welchen  von  einem  Diebstahle 
Anzeige  gemacht  wird  Schw.  Syn.  Achtbestelli''g.  — 
U  f-:  prägnant  =  schwere  Aufgabe  od.  Arbeit.  Bas  ist 
en  U.!  das  will  Etwas  heissen  Z.  —  Gült-U. :  Agio, 
das  man  beim  Ankaufe  einer  ,Gült'.  d.  i.  eines  unauf- 
kündbaren  Kapitalbriefes,  wegen  der  eingetretenen 
Verringerung  des  Geldwertes  über  den  nominellen 
Wert  des  Briefes  hinaus  bezahlt,  gegenwärtig  etwa 
20  %  betragend  Z. 

Umhin  (Urne)-:  Gegengeschenk  der  Eltern  an  die 
Paten  für  den  ,Einbund'  der  letztern  Z.  —  Zu  umliin- 
(/then.  zurückgeben,  vergelten. 

Ere"-:  Ehrengeschenk,  bes.  zu  Freischiessen,  von 
Behörden.  Vereinen  od.  Privaten.  Vgl.  Gaben-Schiessen. 
—  Armen-  GÖbli:  (kleine)  Gabe  zur  Unterstützung 
von  Armen  Ap. 

Gottes-Gab:  1.  Geschenk,  Vermächtniss  an  Kir- 
chen-, Schul-  und  Armengüter  Ap;  W;  Z(t).  „Frei- 
willige Gaben,  die  in  der  Kirche  im  Klingelbeutel 
eingesammelt  und  dann  sogleich  unter  die  Armen 
verteilt  werden  Z;-  Syn.  Säckligeld.  Gottsgaben  an 
Speise  und  Trank  oder  an  Geld,  wöchentliche  und 
auf  gewisse  Tage  geleistete,  erscheinen  unter  den 
regelmässigen  Ausgaben  des  Z  Spitales  noch  im  Anf. 
XIX.  ,Ist  dis  selgrät  [fromme  Vermächtniss]  und 
järlich  gottsgab  gesetzt  ab  den  obgen.  güetern.'  Gfrd. 
26,  283.  ,Weun  ein  mensch  im  todbett  ligt,  mag  er 
ein  bescheiden  selgrät  setzen  oder  ein  bescheiden 
gottsgab,  doch  mit  der  erben  willen.'  XV.,  Ztschr.  f. 
Schwz.  E.  ,Als  G.  sollen  alle  diejenigen  Gülten  be- 
trachtet werden,  welche  auf  den  heutigen  Tag  an  die 
Kirche  zu  Zug,  ihre  Frühmesse,  ihren  Spital  und  ihre 


Spend  gehören  und  sollen  steuerfrei  sein.'  1448,  Absch. 
,So  ein  mensch  in  sym  totbett  etwas  [ver-]  machte  an 
kilchen,  spenden,  spital  und  ander  gottsgaben,  damit 
er  gedünkt  syner  seel  heil  zuo  schaffen.'  XVI.,  Ztschr. 
f.  Schwz.  R.  ,Reben,  teils  erkauft,  teils  in  gottsgabs 
wys  geschenkt  erhalten.'  152.3,  Absch.  ,Das  haus  Al- 
tishofen  sei  nit  ein  g.,  sondern  ein  erkauft  ding,  habe 
also  wieder  verkauft  werden  dürfen.'  1571,  Seg.,  Pfytt". 
,Gottsgaben,  als  an  die  Kirchen.  Schulen,  in  gemeinen 
Armen  Leuten  Seckel,  mag  Einer,  nachdem  ihn  Gott 
ermahnet,  vergaben.'  Ap  LB.  1747.  S.  JJBlumer  1859. 
'236  f.  Concret:  geistliches  Stift.  —  2.  Gnade.  .Wann 
einer  frid  bricht  und  ehr  und  gwehr  wider  will  er- 
langen, so  soll  einer  die  20  pfd  erleggen,  dass  man 
ihm  nit  daran  [soll]  abgon  Ion,  sondern  so  er  ein  g. 
begehrte,  so  möchte  einer  nach  angänds  wieder  kom- 
men gen  bitten.'  Ap  LB.  158.5/1828. 

Mhd.  got(e)s<jalie,  Pfründe,  geistliches  Beneficium.  .Gottes-' 
causaler  Gen.:  Gabe  um  Gottes  Willen,  oder  zu  frommen 
Zwecken. 

Ker-:  eine  überschüssige  Tanne,  Eiche  udgl., 
welche  neben  den  regelmässigen  und  allgemeinen  Aus- 
teilungen (Gaben)  aus  dem  Gemeindewald  etwa  der 
einzelne  Bürger  der  Reihe  der  Hausnummer  nach, 
dem  eher  nah,  erhielt  ScaSchl.  f 

Morgen-:  1.  die  Gabe,  welche  nach  altgermani- 
scher Sitte  der  Mann  der  neuvermählten  Frau  am 
Morgen  nach  der  Hochzeit  als  Gegenleistung  für  ihre 
ihm  dargebrachte  Jungfräulichkeit  schenkte.  Nach 
ehemaligen  Gesetzen  hatte  die  Ehefrau  vom  ersten 
Morgen  ihrer  Ehe  an  für  den  Fall  des  Absterbens 
ihres  Mannes  Anspruch  auf  100  Kronen  (200  Gl.)  Ndw. 
,In  donationem  propter  nuptias,  quod  dicitur  morgen- 
gaba.'  1285,  Gfrd.  ,Die  morgentgab  mag  sie  gSn. 
wem  sie  will;  lust't  es  si,  raag-s'  eim  hund  an  den 
swanz  binden.'  1342/80.  LGreppen  Hofr.  .Ist  daz  ein 
mann  synem  ewyb,  ist  si  ein  tochter,  ein  m.  git,  das 
mag  der  mann  wol  tuon  der  ersten  nacht,  so  er  von 
ir  ufstät,  und  mag  si  die  wysen  mit  zweien  bider- 
mannen,  so  soll  es  guot  kraft  han,  wie  vil  joch  der 
sunmi  ist.  Möcht  si  aber  die  zwen  bidcrmann  nit 
gehaben,  so  mag  si  von  mund  ir  m.  crzellen,  und 
wollt  man  ir  das  nit  glouben,  so  mag  si  nemen  die 
rechten  brüst  in  die  linggen  band  und  Iren  zopf  und 
mit  der  rechten  band  sweren  lyplich  zuo  gott,  und 
waz  si  da  behebt,  das  soll  guot  kraft  han.'  ZMünch. 
Hofr.  1439.  Und  soll  och  der  mann  synem  wyp  die 
m.  geben  des  ersten  tags,  so  er  früey  als  ein  brütgom 
von  ir  ufgestanden  ist,  und  nit  danach  in  dhein  wyse.' 
1457,  Bs  Rq.  ,Eine  frauw  mag  geben  [vertestieren] 
ire  früehmorgengab,  ire  haupttüecher  und  ir  haupt- 
lochet gewand.'  1535,  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  ,1549  hat 
Junker  N.  von  Ulm  mit  Junkfrouw  B.  von  Hinwyl 
hochzyt  ghalten,  hett  Iren  ze  m.  gmacht  300  guldin, 
ein  guldini  kettinen  und  das  best  trinkgschier  under 
allem  synen  silbergschier.  me  die  finger  all  voll 
ringen  gsteckt.'  1549,  UMey.,  Wint.  Chr.  ,Sidtmalen 
ain  m.  anstatt  des  bluomens  einer  tochter  fry  eigen 
guot  des  ersten  morgens,  so  der  byschlaf  beschicht, 
heisst  und  ist.'  1576,  Z  Ratserk.  ,Wann  einer  siner 
efrowen  ein  m.  oder  kram  verheisst.'  1579,  Ztschr.  f. 
Schwz.  R.  —  2.  Geschenk,  Vermächtniss,  welches 
ein  Ehegatte  dem  andern  macht  (also  auch  die  Frau 
dem  Mann).    .Eelüt  mögend  einander  ein  zimliche  m. 


55 


(ial).  geb,'gib,  gob,  gub 


56 


vor  und  in  der  usach  machen;  aber  nachdem  die  e 
gemachet  wird,  soll  sich  dann  kein  m.  me  machen, 
und  send  [sollen]  bider  lüt  derby  han.'  1553,  Schw  Eq. 
,Wann  ein  Eheniensch  dem  anderen  Etw.  zu  M.  yer- 
sprochen.'  Z  Ordn.  1699. 

Die  genaue  Ausprägung  der  Form,  in  welcher  eine  Frau 
ihre  M.  selbst  soll  bezeugen  können  (im  Hofr.  Mönchaltorf), 
ist  eigentümlich;  im  L  Stadtrecht  heisst  es  nur,  eine  Frau 
könne  ihre  M.  ,mit  ihr  eigen  band  behalten',  d.  i.  durch 
Eid  behaupten.  Eigen  ist  dem  alam.  Recht  die  Erweiterung 
des  Begriffs  (Bed.  2),  wonach  auch  ein  Mann  M.  empfangen 
konnte.  Eine  Erweiterung  od.  Abschwächung  lag  auch  in  der 
Z  Satzung:  ,So  einer  ein  tochter  oder  junkfrowen  schwechte, 
dass  er  iren  [ihr]  ein  m.  geben  und  si  zur  ee  haben  soll.' 
Weil  diese  Bestimmung  von  Dirnen  missbraucht  wurde, 
wurde  sie  anno  1533  auf  den  Fall  eingeschränkt,  dass  ein 
Eheversprechen  vorausgegangen  war.  Im  LB.  Davos  ist  aus- 
gesprochen, wenn  ein  Wittwer  eine  Jungfrau  heirate,  müsse 
die  M.  doppelt  so  gross  sein.  Ein  Wittwer,  der  sich  wieder 
verehlichte,  konnte  keine  M.  bekommen  (sowie  die  Wittwe 
nur  eine  Abendgabe),  wohl  aber  ein  .Junggeselle,  der  eine 
W^ittwe  heiratete. 

Wiber-Morgen-Gab:  Name  eines  Felskegels 
in  UwE. 

Der  Zusatz  Wiher-  bestätigt,  dass  U.  (2)  auch  mit  Bez. 
auf  Männer  gebraucht  wurde.  Die  Benennung,  zu  der  wol, 
wenn  nicht  eine  Sage,  so  doch  eine  schalkhafte  Anekdote 
bestanden  liat,  ist  im  letztern  Falle  eine  scherzhafte  und 
gesellt  sich  zu  andern  Neckereien  gegen  das  weibl.  Geschlecht. 

Eät-:  Geschenk,  zur  Erlangung  einer  Stelle  im 
Rat  an  Mitglieder  desselben,  welche  dazu  halfen  Apf. 

—  Wiegen-:  Ehrengeschenk  zur  Geburt  eines  Prin- 
zen. ,Die  Generalstaaten  haben  zur  W.  des  Erb- 
prinzen von  Brandenburg  400  Beichstaler  verehrt' 
1672,  Absch.  —  Würfel-:  Abgabe,  Hergeben  von 
Würfeln  (s.  u.  letzterm  W.).  ,Ich  dinge  mir  den  mann, 
den  ich  gefangen  hab;  kein  ausflucht  hilfet  dich  und 
keine  w.,  ja  gar  der  geltsack  nicht',  spricht  der  Tod 
zum  Juden.  KudMey.  1650.  —  Zue-:  1.  (wie  nhd.) 
Beifügung  zu  einem  Geschenk  od.  einem  Verkaufe  Z. 
,I)ie  Zugäblein  des  Lebens,  Gold  und  Silber,  Ehre, 
Wollust.'  JJUlk.  1733.  —  2.  ,Consuetudo,  gwonheit' 
Pris.    —   3.  Zugeständniss    (auch   dim.)    Z    (Spillm.). 

—  Hochzit-:  \.  =  Gab  1  a.  Prüher  von  den  Eid- 
genossen auch  an  Fürsten  befreundeter  Staaten,  wie 
,Wiegen-G.',  verehrt.  ,Jede  Stadt  hat  für  die  zur 
pfälzischen  H.  angeschafften  2  goldenen  Schaalen  360 
Beichstaler  zu  entrichten.'  1672,  Absch.  —  2.  Ehren- 
geschenk, das  ein  sich  verheiratender  Mann  an  das 
Schulgut  oder  an  Vereine  seiner  Gemeinde  in  der 
Regel  entrichtet,  moderner  Ersatz  für  den  Haus 
(s.d.)  Z. 

gäbe"I,  göhe:  ein  Geschenk  machon.  1.  besonders 
Brautleuten  zur  Hochzeit  Aa;  GStdt;  Sch;  Z.  Vgl. 
i"  d'  Ürte  trägen.  Si  händ-mer  schön  g'gabet.  Es  häd 
en  Bettler  Hochsig  g'ha",  Es  liäd-em  Niemert  g'gabet  Z. 
,Wer  nicht  ist  geladen  ein,  der  lässt  auch  das  G.  sein; 
das  ist  am  allerbesten;  es  gibt  so  keine  Kosten.' 
SüLGER.  In  SchKI.  werden  am  Abend  des  Hochzeit- 
tages auf  ein  mit  Böllerschüssen  gegebenes  Zeichen 
dem  Paar  aus  allen  Häusern  Geschenke  an  Lebens- 
mitteln, Hausgeräten,  Kleidungsstücken  gebracht;  der 
Wert  derselben  ist  je  nach  dem  Grade  der  Verwandt- 
schaft durch  die  Sitte  vorgeschrieben.  Ebenso  all- 
gemein ist  das  G.  in  ZKn.  u.  Sth.,  wo  auch  Geld  (je 
1  oder  2  Fr.)  geschenkt  wird  und  die  Geber  (Güber) 


Wein,  Wurst  und  Brod  erhalten.  ,Wie  man  der  brut 
g.  soll.'  Z  Eichtebr.  ,Sy  wellind  [die  Petenten]  nit 
angäbet  [ungegabet]  lan.'  UMev.  Chr.  1549/73.  ,Das 
g.  an  den  hochzeiten  soll  abgestellt  sein.  Wann  ein 
Isreutigam  g.  Hesse,  so  soll  er  alles,  was  ihm  gegäbet 
worden  und  noch  10  pf.  zu  straf  geben.'  G  Mand.  1611. 
,Die  hochzyteren.  deren  man  rychlich  gebet.'  FPlatt. 
,Wann  einer  ein  gäbet  Hochzyt  haben  wellte,  so  soll 
er  das  in  synem  eignen  Hus   halten.'    Z  Mand.  1616. 

—  2.  im  allg.  S.  .Bracht  der  bot  kein  geld;  denn 
der  küng  desse  bäss  bedorft  nunmal  den  fridslüten, 
wann  den  kriegslüten  usszegeben  und  ze  gaben.'  Ansh. 
Trans,  mit  Acc.  P.  =  begaben.  ,Von  wögen  der  Weis- 
heit sein,  mit  welcher  ich  auch  gäbet  ihn.'  Com.  Beati. 

—  3.  vergaben,  ein  grösseres  Gut  an  ein  Stift, 
formelhaft  verbunden  mit  .geben'.  ,Dass  HSevogel 
und  syn  eliche  frowe  alles  ir  guot  gegeben  hant  und 
gobent  der  frowen  von  SantClaren  des  klosters.'  1324, 
Bs.  .Welcher  an  die  kirchen  etwas  geben  und  gaben 
wollte  bei  den  Alemänner,  der  muosst  die  gäbe  in  ein 
pergameni  karten  oder  brief  stellen  lassen.'  Vad. 

ver-abgabe°  (-?new  BHa.):  versteuern,  von  einem 
Gegenstand  eine  Steuer  entrichten,  allg. 

ver-gäbe":  eine  testamentarische  Schenkung  an 
die  Gemeinde  oder  gemeinnützige  Anstalten  machen 
Ap;  Th;  Z.  Subst.  Vergabi'g:  Früher  auch  an  Per- 
sonen: ,Wenn  iemand  dem  andern  unzit  [ützit]  ver- 
gäbet vor  gericht,  das  sich  über  10  pfd  wert  guets 
trifft,  davon  soll  5  ß  pfennig  genommen  werden,  die 
person.  die  vergäbet  wird,  in  gwalt  und  gwere  zuo 
setzen.'  1457,  Bs  Eq.  —  fri-:  frei  schenken.  .Dann 
Niemer  unglöubig  will  syn  und  doch  Niemand  dann 
den  Userwählten  der  recht  Gloub  allein  von  Gott 
durch's  Wort  frygabet  wird.'  Ansh.'    Vgl.  , freigebig'. 

vermorgengäben:  zur  Morgengabe  geben,  mit 
Bezug  auf  Kinder  erster  Ehe,  für  dieselben  eine  sog. 
Einkindschaft  begründen.  ,Die  kind  sollen  nit  ohne 
der  abgestorbnen  pcrsonen  fründschaft  wüssen  und 
willen  vermorgengabet  werden.'  AAMölinb.  Landr. 

be-gäben:  beschenken.  ,In  der  widergeburt,  dero 
uns  Christus  begäbet.'  Zwingli.  ,Von  keiseren  und 
künigen  hochloblich  begabt  und  gefrygt.'  1529,  Absch. 
.Die  Schüler  am  Examen  mit  einer  neugebachnen  Mut- 
schälle begäbet.'  XVL,  UErnst  1879.  ,B.,  reichlich 
ausgeben,  donare.  dotarc.  Mit  einem  ampt  und  cercn 
b..  exornarc  aliquem  magistratu.'  Mal. 

Gäber:  Geber.  , Begierig  von  dem  seltsamen  g. 
[dem  Sultan]  seltsame  gab  ze  haben.'  Ansh. 

Gäberin  Gäbere':  Überbringerin  von  Hochzeit- 
geschenken (s.  gäben  a)  ZKn.  Dem  Ere"g'sell  [Braut- 
führer] muss  die  Braut  eine  weisse  Schürze  schenken, 
damit  er  bedienen  kann,  wenn  die  Gäbere'  kommen 
ZUhw. 

Gäbete  f.:  die  Beschenkung  des  Hochzeitspaares, 
in  abstr.  u.  concr.  S.;  ehemals  in  Hausrat  bestehend, 
mit  welchem  der  neue  Haushalt  sich  eröffnete  Aa; 
Sch;  Z.  I"  d' G.  schicke'  ZDän.;  sowohl  die  Ge- 
sammtheit  der  Hochzeitgeschenke  ScnSchl. ,  für  Braut 
und  Bräutigam  gemeinsam  von  Hochzeitgästen  und 
Andern  ZGlattf.,  als  auch  ein  einzelnes  Hochzeit- 
geschenk AAEhr. 

Gabelle  t:  eine  gewisse  Art  von  Zoll,  wahrsch. 
Salzzoll.  .Aller  dazien.  gabcllen,  zollen,  fuossgglt,  so 
von    des    Herzogen    von    Mailand    wiegen    in    passen. 


Gab,  geh.  gib.  gob.  gub 


58 


Strassen  und  statten  yngenonnnen  werjent.-  1426, 
Absch.  ,l)er  fryheit  Zolls,  gabellen  und  anderer  be- 
schwerden  halb.'  1515.  ebd.  .Sollend  denen  von  Bellez 
vorbehalten  syn  all  ir  sunder  frj-heiten,  so  sy  von 
Zöllen,  salzkouf.  gabellen  und  ander  Sachen  bishar 
gebept  haben.-  Rvff,  Bs  Chr.  1585.  -  Aus  dem  It«l. 
gäbe"  n  s.  ge-ahen.  I  34. 

Gable",  -eh  BHa.;  U  -  Dim.  Gabeli  -  f.:  1.  Gabel 
als  Tisch-  od.  Küchengerät  (2-  od.  3zinkig).  B'  Gable" 
i'  dr  Tischtrucke  [auch  das  kleinste  Stück  Hausrat] 
sind-em  'pfändt  Z.  Öppis  a'  d'  G.  {ne  S),  etwas  zu 
essen  B;  GG.;  Z.  Mit  der  G.  isch  [ist  es]  en  Er,  mit 
dem  Löffel  iiberchtmnt-me'  me''  L.  Es  git  Öppis  (Nüt) 
n"  d'  G.,  auch  bildlich:  zu  gewinnen.  /"''  hä'  lang 
gnueg  scho'  'trösehet  nu"  am  leere'  Strau:  rvenn  's  Nüt 
a  d'  G.  git,  so  Ion -i 's  Hiiröte  st'.  Stütz,  's  Vaters 
G.  Ap,  die  feufzinggig  G.  Z,  scherzh.  für:  Hand.  ,In 
der  Kuchi  1  ysen  Gäbeli.'  1571.  Z  Invent.  —  2.  G.  als 
Gerät  im  Stall  und  auf  dem  Felde,  allg.  Hölzern, 
dreizinkig,  in  kleinerer  Gestalt  zum  Auseinanderwerfen 
des  gemähten  Heu's  (vgl.  Heu-G.),  in  grösserer  zum 
.\ufladen  auf  den  Wagen  (vgl.  Lad-G.)  Gr;  Z;  eisern 
zum  Heuen  GrD.;  zum  Bearbeiten  des  Düngers  in 
und  ausser  dem  Stalle  GRVal.  (vgl.  Mist-G.).  Vgl. 
Fitrl-e,  I  1012.  —  3.  RA.  mit  bildl.  Anwendung  von 
1  oder  2.  Einem  Etwas  (Alles)  am  Gäbeli  äne  ge" 
(strecke"),  höflich,  sorgfältig,  bequem  darreichen,  wie 
es  Einer  verlangt,  der  an  die  Gefälligkeit  Anderer 
hohe  Ansprüche  macht  und  durch  rücksichtsvolle  Be- 
handlung in  jener  Art  bereits  verwöhnt  ist  L.  Einen 
uf  d'  G.  ne",  auf's  Korn  Ar;  zum  Gegenstand  des 
Spottes  machen  BHk. ;  bedrängen,  plagen,  z.  B.  mit 
Schuldforderungen.  Schild.  In  der  Schlacht  bei  Sem- 
pach  hat  Winkelried  bei  hundert  Feinden  uf  d'  G. 
(fnö  [auf  sich  genommen  oder  es  mit  ihnen  aufgen.]. 
vAh.  Mit  Sach-Obj.  Vil  uf  ä'r  G.  [Schufte]  ha', 
viel  Geschäfte  übernommen,  viel  zu  tun  haben  GnChur; 
L;  Z  (auch  a"  dr  G.);  vgl.  Kunkle.  Jmdn  a"  dr  G. 
(am  Gäbeli)  [gleichsam  angespiesst]  ha',  ein  Liebes- 
verhältniss  angeknüpft  haben  BBurgd.  Es  Gäbeli  sV 
für  Jmdn  =  ihm  zuwider,  Etwas  sein,  woran  man 
sich  ärgert  (,sticht')  Gr.  B'  U'ordnig  ist  für  Bietege 
es  rechts  G.  Schwizerd.  Wortspiel:  Stich-e  [ihn,  den 
Gegner],  Michel,  oder  gib  mir  's  Gäbeli  [lass  mich 
stechen],  beim  Kartenspiel  L.  —  4.  übertr.  auf  ver- 
schiedene gabelähnliche  Geräte  und  Geberden,  a)  Ga- 
bele BHa.,  Gabila,  Gabola  W,  Dim.  Gabeli  BE.,  Hk.; 
ScHw :  hölzernes  Gestell,  schmales  Brett  mit  2  Armen, 
in  Gestalt  einer  doppelten  Gabel  aus  natürlichen  Ästen, 
in  einigen  Gegenden  mit  einer  Kückwand  wie  das  (in 
neuerer  Zeit  vorherrschend  gewordene)  Räf,  aber 
unten  spitzer  zulaufend,  auf  den  Rücken  geschnallt 
zum  Tragen  kleinerer  Lasten,  bes.  von  Holz  (daher 
auch  Träg-G.,  s.  d.)  Bü.;  VOrte;  PP.;  W.  S.  noch 
Gafele.  —  b)  Gestell  für  die  schweren  Musketen 
der  ä.  Zeit.  ,Wann  einer  anfacht  schiessen,  so  soll 
er  die  G.  nit  in  Herd  [Erde]  stecken,  noch  an  das 
Wehr  hänken.'  Z  Mand.  1619.  ,Die  G.  soll  so  hoch 
syn,  dass  der  Stecken  sampt  dem  Stäfzgen  [eisernen 
Spitze]  dem  Mann  under  die  Uochs  gange.'  ebd.  1643. 
—  c)  Vorrichtung  zum  Verschluss  eines  Weges  L; 
Syn.  Krüzstock;  Triille.  —  d)  drei  kreuzweis  verbun- 
dene Stäbe  oder  eine  gabelförmig  gewachsene,  mit 
einem  zweiten  Stabe  zum  Dreieck  gescblo.ssene  Gerte. 


Ziegoll  11.  Seliatiii  um  den  Hals  gelegt,  damit  sie  auf  der 
Weide  nicht  durch  Hecken  u.  Zäune  scblüidV-ii  kr.nnen 
L.  i<yn.Grigele;  Kamill  :  Srinl.l:  /V»,,,/,  r.i:,,!,,],: 
kleine  hölzerne  KlaniuHM-  /m-  llrlrMi-iinL:  .ini-.-li,iii-tiT 
Wäsche  BBe.  Syn.  KUiiinNtrli ;  Kl,q,j,h.  S.  ir,,,-,/,,  ,-(•;. 
u.  gäbelen.  —  f)  Gerät  zum  Stricken  ZZoll.;  s.  gähclen. 
—  g)  Deichsel  eines  einspännigen  Wagens.  Gotth. 
Syn.  Lande.  —  h)  durch  die  aus  einander  gestreckten 
Schenkel  (L),  ein  Fingerpaar  oder  gabelförmig 
gekreuzte  Zeigefinger  gebildete  Gabel  als  Geberde  des 
Hohnes,  Spottes  gegen  Jmdn,  in  der  RA.  Ei"m  fs) 
Gäbeli  (Gibeli  Gäbeli  B)  mache'  Aa;  B;  L;  Uw.  ,Die 
Andern  würden  sagen,  du  seiest  zum  Narren  gehalten 
worden,  und  machten  dir  Gäbeli.'  Gotth.  G.  icetse'  Th. 
(von  einer  schabenden  Bewegung  begleitet,  vgl.  Syn. 
Rilebli  schaben).  Syn.  gäbelen;  Giren-G.  Kinder  be- 
gleiten die  Geberde  mit  dem  Rufe:  (gix)  Gäbeli  gix! 
i.  S.  V.  schäme  dich!  Th;  dah.  das  Comp.  Gi.r.-G.  Gibeli, 
Gäbeli,  Bechesa  [Zinke  eines  Rechens],  's  Wlb  ist  Her 
[Meister]  ond  nöd  der  Ma"  Ap.  Von  einem  allzu 
empfindlichen  Menschen  sagt  man,  er  möge  kein  Gä- 
beli verlide  [ertragen]  AAEhr.  Bern  Herrgott  's  G. 
mache,  die  Beine  gen  Himmel  strecken,  einen  Purzel- 
baum schlagen;  Syn.  d'  Gige  (ds  Güggeli,  's  Häfeli) 
stützen  fwelben);  über-böcklen,  -bürzlen.  —  5.  a)  gabel- 
förmige Ranke  an  Weinreben  Aa;  Ap;  Bs;  Gr; 
GRh.;  Z,  auch  Gäbeli  Aa.  Syn.  Krangel;  s.  Eeb-G. 
und  gäbelen.  's  ist  Nilnt  [nicht  gut],  wo  d'  Triibe' 
Gäbeli  hend;  si  ritet  druf  fürt.  Sdlger  ;  vgl.  das  Reiten 
der  Hexen  auf  Gabeln.  .Gabele  an  den  reben:  ca- 
pruolus  in  vite.'  KdGessn.  1542.  .Capreoli  Vitium, 
gablen  an  Weinreben,  das  sind  die  kleinen  zwicklin. 
darmit  sich  die  Weinreben  heft't  und  anhenkt.'  Fris.  ; 
Mal.  ,Saft  von  den  Gäbelen  an  den  Reben.'  JJNüsen. 
1608.  .Capreoli  qui  serpendo  capiunt  locum  aliisque 
se  involvunt,  vocantur  et  viticulse,  clavicula;,  annuli 
(Gablen).'  Oenol.  1712.  —  b)  Gabelbein.  .Die  Schlüs- 
sel- oder  halsbeine,  gäbelein  an  vögeln,  clavicuhie  seu 
furculiE.'  Vestib.  1692.  —  c)  Gabele  Aa,  gabelförmig  ge- 
teilter Stamm,  Ast,  Zweig  eines  Baumes,  Strauches, 
dgl.  etwa  als  Stützen  für  Zaun-  und  Geländerstangen. 
Waschseile  udgl.  verwendet  werden,  allg.  Syn.  Grig- 
gele.  —  d)  Gäbeli,  gem.  Bärlapp,  lycopodium  cla- 
vatum  GWe.;  Zg;  ZO.  —  6.  „Gabele,  Hirschkäfer. 
Feuerschröter,  lucanus  cervus  W."  Syn.  Horn-G.  — 
7.  Gable  Gr  tw.,  Gäbeli  Ap;  GrD.,  Name  von  Kühen 
mit  gabelförmigen  Hörnern  Ap ;  Gr.  —  A  li  1.  frähi-l  .- 
(TÜbi  usw. 

In  der  RA.  ,auf  die  G.  nehmen'  ist  doch  wuhl  nur  dii> 
Uabel  des  Esslnstigen  oder  die  Heugabel  und  der  häufig 
damit  getriebene  Sclierz  gemeint.  —  In  der  Verbindung 
GibeU-Uäbeli  ist  das  erste  W.  ohne  eigene  Bed.,  nur  Ablaut- 
formel; Gix  ist  Interj.  des  Spottes.  In  ,des  Vaters  G.'  = 
Hand  bezeichnet  wohl  G.  nicht  die  zum  Schwur  aufgereckten 
Finger  (vgl.  Grimm  4,  1,  1,  1120  und  ytibden  =  schwüren), 
sondern  nur  die  Finger  als  Zinken.  —  5  d  so  benannt,  weil 
die  einzelnen  Stiele  meist  in  je  2  Ähren  auslaufen,  ß  n.ii-li 
der  Gestalt  seiner  vordem  Extremitäten. 

Ofe"-:  G.  mit  der  man  Holz  in  den  Ofen  stösst 
oder  das  Feuer  schürt  Aa;  Z.  Eine  Frau  droht  etwa 
mit  der  0.  als  Watte.  ,Mit  der  0.  kitzeln  =  grob, 
ehrenrührig  scherzen.-  Spreng.  Bei  Rüef  schwört  ein 
Teufel:  ,Botz  0.!'  und  auch  im  Kinderspiel  komiiit 
der  Tüfel  mit  der  O.  vor,  wesshalb  er  auch  Gäbelima"" 
heisst.  .Die  c.  ofenkrucken.  -sti?cken.  rutabiiluni.- 
.Mal.    -^    Ise"-.     liioid  irle  c»   /..  scherzhaft  ZU.  — 


Gab,  geh,  gib,  gob,  gub 


Fass-Gable":  G.  zum  Passen  und  Aufladen  des 
Heus;  mit  3  langen  eisernen  Zinken,  unterschieden 
von  Zett-G.  Schw.  —  Pueter-:  G.  zum  Einstossen 
des  Putters  in  die  Krippe  Aa;  Z.  De  Heuel  hület 
mängsmol  no"';  me'  sfft  scho"  i'  der  Schüre  sto'  und 
dei  [dort]  e  F.  ««"  und  sine'  Stiere'  ine  ge".  Es  werden 
als  solche  etwa  abgenutzte  Heugabeln  verwendet. 

•Pröschen-Gäbelein:  apocynon,  so  zur  buhl- 
schaft gebraucht  wird.'  Denzl.  1077;  1716.  Wahrsch. 
Schwalbenwurz,  cynanchum  vincetoxicum.  die  auch 
Hundswürger  und  bei  den  älteren  Botanikern  apo- 
cynura  heisst. 

Der  Name  Fr.  bezieht  sich  wie  ,3chw.'  auf  das  Bild, 
welches  die  im  Keifezustand  aufspringenden  Schötchen  d.ar- 
bieten. 

Gire"-Gäbeli  =  ffa&Ze47i,  mitden  kreuzwois  über 
einander  gelegten  Zeigefingern  gebildete  Figur  Aa. 

Mit  dem   Gir  (Geier)    ist  der  Hiihnerdieb,    welcher   von 
der  Form  seines  Schwanzes  anch  Gabel-Weih  heisst,  gemeint. 
Gix-:    ebso.  L;  Th;  Uw. 

Heu-Gable":  G.  zum  Ausbreiten  des  Heus.  Bildl. 
im  S.  eines  groben  Werkzeuges,  z.B.:  Dini  Sache' 
g'sehnd  üs,  wie  wenn-me"  mit-ere  H.  drin  iime  gfare 
war  [so  unordentlich]  Z.  —  Holz -Gabila:  Traggestell 
für  Holz  W.  —  ,Horn-Gabele«  =  Gable  6.  — 
Korn-Gabel:  G.  zum  Auseinanderlegen  und  Wieder- 
zusammenfassen gemähten  Getreides,  ,merga.'  Mal.  — 
Ches-ffa&»7o:  Traggestell  für  Käse  W.  —  Chestone- 
Gäbeli:  gabelförmige  Haselgertr,  mit  (Irr  man  beim 
Einsammeln  der  Kastanien  die  stachligen  Hülsen  an- 
greift L.  —  Lad-Gable:  G.  zum  Laden  von  Heu 
U.A.  Aa;Th;Uw.  Syn.  Furkle.  —  Anlegg-:  G.  zum 
Au.sbreiten  von  Mist  GRPr.  —  Mist-  (Bü-  BsLd): 
s.  Gabel  2.  Vgl.  Schorr-G.  Früher  etwa  Waffe  des 
Landsturms;  daher  z.B.:  B'hüet-is  Gott  vw  M.;  die 
mache' d  drü  Löcher !  Sulger.  —Bart-:  Barthaar,  das 
sich  spaltet,  wie  an  den  Warzenbärtcn  (vgl.  Gable  5). 
Spreng.  —  Pflaster-:  Werkzeug,  mit  ileiii,  wie  mit 
einer  Kelle,  die  Maurer  den  mit  Stroh  gemiscliten  Kalk 
zwischen  die  Latten  von  Riegelwänden  legten  Z.  — 
Rijb-:  s.  Gable  5.  ,Rebgäbelein,  capreolus.'  Red.  1662. 
Reit-.  ,10  guot  eisin  R-n  mit  2  Zinken.'  1550, 
ScHwE.  Klo.sterarch.  —  Zu  Reit,  Scheunenraum  für  die 
Streue? 

„Schorr-:  Mistgabel  mit  2  eisernen  Zinken,  allg." 
—    Ynn  schon-im,  auskehren. 

Schür-Gäbeli" :  1.  eisernes  Gäbelchen  zum 
Schüren  des  Feuers.  —  2.  zweiteiliges  Rebschoss  Z 
(Dkr).  —  Schoss(^)-  Aa;  B;  L;  S;  Uw;  Zg;  ZKn., 
Schuss-  Spreng,  Schutz-  AaF.:  1.  G.  mit  2  bis  3 
eisernen  Zinken  und  langem  Stiel,  mit  der  man  Heu 
oder  Garben  auf  den  Wagen  lädt  (gleichsam  ,schiesst', 
d.  h.  zuwirft)  und  auch  wieder  auf  die  Heubühne  oder 
den  Tennboden  ablädt  AaF.;  Bs  (Spreng);  B(Gotth.); 
LG.;  S;  Zg;  ZKn.  Gegs.  ScUter-,  Zett-G.  Grosse 
eiserne  Gabel  zum  Zusammenstossen  der  halb-  oder 
ganz  dürren  Mahden  UwE.  Im  Volksrätsel :  E  hölsigi 
Mueter,  3  Isigi  Brüedere  Aa.  ,A1s  der  Bannwart  ihnen 
zusprechen  wollte,  wollten  sie  mit  der  Schutzg.  ihn 
angreifen.-  AHedsl.  1854.  —  2.  unüberlegt  handelnder 
Mensch  LM.     Vgl.  Schutzgatter. 

Schiter-:   G.  zum  Wenden  des  Heus  LG.;  S. 
So  genannt,    weil    diese  G.  zwischen    den  in  der  Länge- 
riohtnng  laufenden  Zinl(en  noch  einige  Querhölzer  hat,  oder 


weil  ihre  Zinkeu  liberh.  im  Gegs.  zu  denjenigen  der  Schoss-, 
Lad-G.  von   Holz  sind. 

,Schütt-.'  1659,  ScHwE.  Klosterarch.,  vielL  = 
Warb-,  Zett-G.  od.  Tenn-G.,  mit  welcher  das  Futter 
gerüstet  oder  das  Stroh  nach  dem  Dreschen  aufge- 
worfen wird.  —  Spreng-:  Instrument,  mit  welchem 
die  Schlosser  am  Schraubstock  ein  geschweisstes  Stück 
biegen  und  formen  Z.  Syn.  Sprengschlüssel.  —  Stech- 
=  Schoss-G.  Aa.  —  Uf-stell-:  Werkzeug,  womit  in 
der  Glashütte  das  gestreckte  Glas  aufgestellt  wird  S. 
—  Dach-,  nebst  .Purkeln-  und  eigentlichen  Waffen 
zur  Wolfsjagd  mitgenommen.  1641,  ApI.  Arch.  — 
Trag-  =  Gable  4  a  Schw.  —  Worb-:  G.  mit  3  langen 
hölzernen  Zinken,  zum  Warben,  d.  i.  Zerstreuen  des 
gemähten  Grases  LRigi;  aScHW;  Uw.  W.-Gäbeli, 
leichte  G.  mit  eisenbeschlagenen  Spitzen  SThierst.  — 
Wösch(er)-ffä6eZi  s.  Gable  4 e  B;  Z.  —  Zett-Gable 
GrD.;  aScHW;  U.  -Gäbeli  STh.:  G.  zum  ,Zetten'  des 
Heus.  .Zettgablen.'  1659,  SohwE.  Klosterarch.  — 
Zwickgabel  heissen  im  Schwarzwald  mehrere  Ört- 
lichkeiten, wo  ein  Tal  gleichsam  in  2  Zinken  sich 
spaltet. 

gable(n)  {gabeleLG.):  1.  mit  der  G.  arbeiten,  bes. 
das^Heu  umwenden  AaF.,  Fri.;  Ap;  Bs;  F;  ZDättl.; 
mit  dem  Nebenbegriff  der  Eilfertigkeit  (s.  2).  ,Im 
Futtertenn  gabelte  sie  herum  wie  besessen.'  Stütz. 
D'  Heuerinne"  gabled  im  Heu.  KdMey.  1844.  Im  Ustag 
[Frülijahr]  g.  wird  im  W  auf  Arbeit  mit  Mist  bezogen. 
Mit  der  Tischgabel  hantieren,  essen.  Gotth.  Mit  einer 
Gabel  fechten  B  (Zyro).  Mit  den  Hörnern  stossen 
wollen,  von  Hornvieh  ScnNk.;  vgl.  gäbelen.  BildL: 
Etwas  zu  erlangen  suchen.  .Man  sticht  Geschäfte 
auf,  gabelt  nach  Clienten.-  Gotth.  —  2.  eilfertig 
arbeiten;  zunächst  in  gutem  S.:  sich  emsig  rühren, 
und  mit  bes.  Bez.  auf  Bed.  1,  in  dem  alten,  auch  in 
Deutschland  ähnlich  lautenden  Spruch:  Wer  im  Heuet 
(Üstig)  nüd  gablet  und  i'  dr  Em  (im  Summer)  nüd 
zahlet  und  im  Herbst  nüd  früeh  üfstät,  der  luegi  (cha" 
luege  Aa,  g'seh  BSi.,  soll  schaue  ScHNk.)  wie  's  (em 
[ihm])  im  Winter  gät.  allg.  Etwas  anders  bei  Kirchh.  : 
.Wer  nicht  gabelt,  so  die  Brem  [Bremse]  zabelt,  Der 
lauft  im  Winter  mit  einem  Seil  und  fragt:  hat  Jemand 
Heu  feil'?'  Im  schlimmem  S. :  übereilt,  hastig,  ohne 
Geschick  und  Überlegung  arbeiten;  sich  stark  be- 
wegen, ohne  viel  auszurichten ;  pfuschen ;  unbesonnen 
handeln  Ap;  B;  L;  Z.  Syn.  angsten;  iifudlen;  pfurren; 
g'räblig  tuen;  stroden;  strüelen;  strütten;  wismen.  — 
3.  mit  den  Armen  oder  Beinen,  absichtlich  oder  un- 
willkürlich, lebhafte,  lächerliche  oder  ungeschickte 
Bewegungen  machen,  solche  Stellungen  annehmen; 
gaukeln  BSi.;  LG.;  Z;  gestikulieren,  vom  Prediger, 
in  dem  Volksrätsel :  's  ist  Öppis  zwüsche  vier  Wände, 
's  gabelet  mit  bede"  Hände',  's  darf-em  's  Niemer  übel 
ne",  's  darf-em  Niemer  Antwort  ge'.  Beim  Rudern 
oder  Schwimmen  unregelmässige  oder  nicht  zweck- 
mässige Bewegungen  machen  Z.  Bes.  von  ungeschick- 
ter od.  unschicklicher  Bewegung  der  Beine.  ,Indecenti 
gestu  pedes  motitare.'  Id.  B.  , Während  die  Füsse  gen 
Himmel  gabeln.'  Gotth.  Die  Beine  in  die  Höhe 
strecken,  von  kleinen  Kindern  SThierst.  Mit  ge- 
spreizton Beinen  einhergehen;  Sprünge  machen  B; 
gehen  mit  Bewegung  des  ganzen  Körpers,  von  langen, 
schlanken  Leuten  B.  Urne  g.,  sich  an  einem  fort  be- 
wegen, hin  und  her  laufen  L;  Z.  Von  einem  Bolzen,  der 
im  Fluge  kleine  Bogen  oder  Zickzacklinien  beschreibt. 


iah,  geh,  gib,  gob,  gut 


SuLiiEK.  —  4.  viel  oder  einfältig  iihuuleiii  GlH.;  OT. 
.Horch,  wie  sie  Alles  durch  einander  gabeln.'  UBräguer 
1780. 

Für  nlul.  .gabeln'  i.  S.  v.  gaukeln  nimmt  Gr.  ein  anderes 
W.  an.  vwdt  mit  unserm  gappen,  gaupeti,  göpen,  aber  diese 
Annahme  ist  für  unser  Gebiet  schwerlich  richtig  und  auch 
nicht  nötig,  da  bei  gablen  in  jener  Bed.  zunächst  wirklich 
gabelähnliche,  d.  h.  gespreizte,  zackige  Bewegungsformen  ge- 
meint seiu  können. 

ab-:  Etw.  von  Jmdm  erobern  Uw.  —  üf-:  1.  mit 
der  (J.  auffangen,  -heben,  -laden  Bs;  BSi.;  G;  bes. 
Heu.  Vgl.  Heu  uhi  (iifhin)  g.,  auf  den  Heustock 
hinauf  werfen  BSi.  Bildl. :  Einem  eine  Last  aufladen, 
z.  B.  ein  Amt,  die  Besorgung  eines  Waisonkin(ks  W ; 
in  diesem  S.  wohl  zu  Gable  4  a.  —  2.  durch  Unvor- 
sichtigkeit sich  Etw.  zuziehen,  z.B.  eine  Krank- 
heit Bs,  ein  uneheliches  Kind  BSi.  .,Das  Meitli  het 
Ei's  uf<f gablet;'  Syn.  üflesen.  —  3.  mit  Mühe  (Nach- 
frage, Suchen)  oder  durch  Zufall  ausfindig  machen, 
aufbringen,  -treiben;  erhaschen,  antreffen,  finden  Aa; 
Ap;  Bs;  B;  Gr;  G;  Sch;  Schw;  Z;  meist  scherzh.  und 
mit  etwas  verächtlichem  Nebenbegriff;  z.  B.  eine  Per- 
son zur  Hülfe;  eine  Person  des  andern  Geschlechtes 
(Eini,  Eine')  zu  Liebschaft  oder  Ehe,  eine  Neuigkeit, 
ein  Wundertier.  Syn.  üflesen;  ufstipitzen;  D'  An- 
tiquare' z'  Züri"''  händ  scho'  alle"  Giigger  [Allerlei] 
erlickt  [entdeckt]  und  ufg'gablet.  JSenn  1864.  .Auf- 
gabeln, colligere;  comparare.'  Denzl.  1677;  1716. 
Böses  ufg.:  böse  Absicht  finden  (herauslesen),  wo  sie 
nicht  zu  Grunde  lag  ZBauma.  Im  S.  v.  gewinnen. 
Er  häd  Nüd  ufg'gablet  GG.  Syn.  üfstecken.  —  an-: 
(Jmdn)  anfassen,  mit  freundlicher  Rede  auf  dem  Wege 
zum  Stehen  bringen  B.  —  er-gabele:  durch  Nach- 
suchen mit  Mühe  finden,  bekommen  LG.  —  üs-gable: 

1.  verenden,  zunächst  vom  Tiere,  das  in  diesem  Falle 
alle  Viere  von  sich  streckt  Z.  —  2.  einen  Schwing- 
kanipf  beendigen;  vgl.  tis-schwingen. 

ver-:  1.  (trans.)  übereilt  abtun  Aa;  durch  Eil- 
fertigkeit, Leichtsinn  verderben,  verscherzen  Ap;  BSi.; 
Sch.  —  2.  (intr.)  vor  Ungeduld,  Verzweiflung  ver- 
gehen B.  Syn.  vergiblen;  verzählen  (vergitzlen).  — 
•2.  Eig.   vor  übermässiger  Bewegung  zu   Grunde  gehen. 

ze Samen  (zäme)-:  gierig  verzehren  Bs. 

Gablete"  f.:  1.  so  viel  auf  eine  Gabel  geht  Aa; 
B.  .Man  ass  ein  paar  G-n  G'köch  [Gemüse].'  Gotth. 
,Eine  Trage  voll,  z.B.  e  G.  Strau  BO.;  VÜrte;  W." 

—  2.  zweckloses  Herumfahren  oder  -rühren  Ap. 

Bei  1  fragt  es  sich,  ob  mau  ,Gabel'  im  gewöhnl.  S.  od. 
i.  S.  V.  4  a  zu  nehmen  hat. 

Gabli  I,  Gabeli  (Ineichen);  „auch  Gabler-. 
Gabli"g  Ap:  1.  schlanker  Mensch,  grosser  Kerl  mit 
langen  Beinen  B;  F;  SThierst.  Auch  von  Pflanzen- 
individuen, welche  zur  Beeinträchtigung  ihres  Nutzens 
zu  sehr  in  die  Höhe  wachsen  BStdt.    Syn.  Beigel.  — 

2.  Mensch,  der  possierliche  Bewegungen  und 
Stellungen  annimmt  BSi.  , Gaukler."  Mensch  von 
hastigem,  unruhigem  Wesen,  „der  eilfertig  arbeitet. 
übereilt  handelt;"  der  eine  Arbeit  verpfuscht;  unvor- 
sichtiger, flüchtiger  junger  Mensch;  Springinsfeld  Ap; 
L;  G;  Z;  Syn.  Gispel;  Haspli.  Mensch  mit  unbe- 
holfenen Bewegungen  BSchw.;  Züättl.   \ gl.  gablen  3. 

—  3.  Schwätzer  GlH.;  s.  gablen  4. 

gabiig:  1.  zackig,  mit  2  Hörnern,  z.B.  ein  Berg, 
Stock  GrL.  -    2.  ungeschickt  in  den  Bewegungen 


B;  G;  ZDättl.  —  :l.  eilfertig.  UMbe.sonnen  Aa; 
GoT.;  ZDättl.;  flüchtig,  oberflächlich,  zerstreut  G; 
allzu  beweglich,  flatterhaft,  jung  und  g.  Ap;  „gaukel- 
haft".  —  4.  gabelig,  von  einem  Fuhrwerk  mit  Gabel- 
deichsel Bs. 

Gaber,   Gaberjel,  Gabi,   Gabli  II    s.  Gabriel. 

Uabi  II:   Gabriele  Gr. 

liabriauggel  m.:  Hanswurst.  Spassraacher,  der 
seine  Spässe  mit  Geberden  verbindet  AAFri. 

Appellativ  gedeutete  Weiterbildung  des  Namens  .Gabriel' 
oder  eher  eine  Verquicknng  von  Gabriole  oder  Guhriol  etwa 
mit  dem  Namen  Joggel,  welcher  appellativ  einen  Toren  be- 
zeichnet (vgl.  Hanäuggel,  Hans  Jakob)  oder  mit  Gmiggd, 
Hanswurst. 

(iäbrlel  Gaberjel  GlH.,  Güber  Aa,  „Gäberli  (dini.) 
G".  Gabütz  (scherzh.)  B,  Gabi  Gl,  Gabi  (dira.  Ga- 
beli) Aa;  B;  Gl;  L;  S,  (verächtl.)  Gäbsch,  ijräbst  Gl, 
Gäbli  Gl.  Gabel  LHerg..  Gel  LG.  —  Über  einen  sagen- 
haften kühnen  Gemsjäger  .Gabi'  s.  GStuder,  Panor.  v. 
B  35.  .Ich  schreib  sy  [die  Bauern]  vor  zyten  in  myn 
bruoderschaft  und  überredt  sy,  es  hette  fast  guot 
kraft,  und  bestrich  sy  mit  eim  rossknüw  herumb 
und  sprach,  es  war  sant  Gabriels  heltumb.'  NMan. 
Appellativ  als  Schelte  gebraucht:  ,Du  Schlingel,  du 
Gabriel,  du  U-söd!"  Z  Neuj.  W.  1884  (ein  Schulmeister 
zum  Schüler). 

(iabriol  m.-.  mutwilliger  Springinsfeld,  Luftspringer 
TuTäg.   —   Aus  dem  folg.  Fem.  rekonstruiert. 

Gabriole  (ff a6er;'o?e  Aa)  f.,  fast  immer  im  PI.  (in 
diesem  Fall  auch  -öle  Z):  lustige,  närrische  Sprünge 
od.  Geberden,  allg.  —  gabriole":  1.  närrisch  tun  Z. 
—  2.  schwärmen  SchwE.  —  Gabrioli  m.  =  Gabriul 
Th.    —    Aus  frz.   capride,  Luftsprung. 

Gabiise.  -Äse  B,  Gäbüse,  -üseB;W  (auch -juse)  f.: 
1.  moschusduftende  Schafgarbe,  achillea  raosch.  Bü.; 
W.  —  2.  fschwarzij  G.,  Genippkraut,  geschwärzte 
Schafgarbe,  achillea  atrata  B;  W.  —  3.  einige  Arten 
von  Beifuss,  Genippkraut,  artemisia:  art.  spicata 
BO..  art.  mutellina  od.  rupestris.  Alpenbeifuss  BO.;  W, 
art.  glacialis  BO.  Gedörrte  Kränze  von  Alpenbeifuss 
finden  sich  in  den  Alphütten  als  Hausmittel  für  Wun- 
den und  Seitenstechen. 

Einige  .ibnlichkeit  zw.  achillea  und  artem.  (und  der 
ebenf.  officinellen  .scabiosa',  deren  Namen  viell.  uuserm  W. 
zu  Grunde  liegt)  lässt  sich  in  dem  schlanken,  mit  fieder- 
spaltigen  Blättern  besetzten  Stengel  erkennen.  —  An  Ent- 
stehung und  Verderbniss  des  W.  aus  mhd.  biboz  (Beifuss) 
zu  denken,  verbietet  die  Acceutuieruug. 

Gabutz  s.  Gabriel. 

gab  (ig),  gebig:  1.  passiv:  was  gegeben  werden 
darf  und  gern  angenommen  wird,  geschätzt,  wertvoll, 
allgemein  gültig,  a)  in  allitt.  Formel  verbunden  mit 
gäng  (gangbar)  und  andern  Synn.:  gäng  (gang)  und  g., 
allgemein  üblich,  gebräuchlich,  gewöhnlich,  geläufig 
Bs;  Uw;  Z;  auch:  allgemein  bekannt  UwE.  Sub- 
stantivisch: Pietist  GWa..  Syn.  Eine.  Urspr.  wohl 
wie  noch  jetzt  von  Münzen,  Edelmetallen  und  Ge- 
treidemassen: ,19  pfnnt  Pfennig  guoter  und  geber 
Züricher  müns.'  1353.  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  .5  pfund 
Pfennigen  zuo  Schwyz  genger  und  geber.'  1358/1544, 
SoHw  LB.  .Ein  viertel  habern  guots  und  gäbs  Co- 
stenzer  mess.'  1364.  Pup.  18.30.  ,Munz.  so  in  unser 
statt  geng    und   geh    ist.'    1409.  Ztschu.  f.  Schwz.   K. 


63 


Gab,  geb,  gib,  gob,  gub 


64 


,4  iiiütt  guotes  gäbes  wolbereites  ewiges  kernengeltes 
und  diirzu  10  seh.  hall,  ewiges  pfenning  geltes.'  1438, 
JRüEG.  1606.  ,130  guldin  guoter,  genger  und  gebar.' 
1494,  Gfrd.  ,0b  sölliche  prob  [Meisterstück]  geb  und 
gerecht  syge.'  1548,  Z  Ratserk.  .Münz,  die  landlöfig, 
g.  und  gnäm  were.'  Vad.  ,Pfruonden  mit  gar  guoten, 
gnämen  und  gäben  zinsen.'  ebd.  , Silber,  das  im  Kauf 
gengbar  und  gebig  war.'  1707,  I.  Mos.  Vgl.  noch  yihig. 
—  b)  brauchbar,  angenehm,  bequem.  Gegs.  übel-, 
un-g.  Syn.  fri(n).  Von  Personen:  (gab)  wert,  ge- 
sehätzt, bes.  von  Mädchen  BRi.;  (gäbig)  dienstfertig; 
umgänglich.  En  gäbige  Nächpür,  mit  dem  man  gut 
auskommt  B  öO.;  PJ.  Von  Tieren:  lenksam,  ebd. 
Von  Sachen:  zweckmässig,  angemessen,  z.  B.  von 
Wohnung  und  Hausgerät  BÜ.,  öO.,  Si.;  S;  W;  Klei- 
dung (kleidsam)  BSi.;  Obvi  {Syn.  ordlich).  „Das  Kleid 
kommt  [steht,  sitzt]  g.";  Werkzeug  (leicht  zu  hand- 
liaben,  handlich;  vgl.  hand-g.)  BSi.;  Syn.  gattlich; 
kamndich.  E  g-s  Fueriverch  B.  Von  einem  Weg, 
der  leicht  zu  gehen  ist  B  (St.*").  Es  ist  nit  g.  im 
Dreck  z'  laufen  BSa.  ,Gäbige  [geeignete]  Ablasstage.' 
BSigr.  Jahrzeitb.  (HagoTib.).  Von  einem  Wort:  sach- 
und  zeitgemäss  B,  erwünscht,  gelegen  BHa.;  vom 
Wetter:  gut,  freundlich,  fruchtbar  BSa.;  PMu.  Es 
g-s  Jör.  Schild.  Gäbigs  Land  BSi.  Vom  Zufall: 
Ei"m  gäbig  dum,  hequem  fallen  B  50.  —  '2.  aktiv 
(auch  gebig):  wer  gern  gibt,  freigebig  B;  „L;"  Sch; 
SBuchsg. ;  Uw;  Syn.  er-,  frl-,  rlch-g.  Gegs.  übel-, 
un-g.  Auch :  wer  dem  Arbeiter  verdienten  Lohn  gönnt 
GWa.;  Syn.  gtmnig.  ,Dass  ich  milt  und  geb  sye.' 
Zytglöggl.  1512. 

Mhd.  ijaehe,  yaehec,  annehmbar,  bes.  auch  von  Münzen; 
(jaehe  auch:  erwünscht,  lieb;  liass  unser  (freilich  fast  aus- 
gestorbenes) (ßh  das  mhd.  tjaebe  ist,  unterliegt  keinem  Zweifel ; 
dagegen  entspricht  ij-ig  nicht  ohne  weiters  dem  mhd.  gaebec, 
denn  es  wird  (wenigstens  in  Bed.  1  in  B  durchgängig)  mit 
kurzem  Voc.  gesprochen  (für  2  sind  die  Angaben  der  Quant, 
unsicher)  und  scheint  eine  Mittelform  zwischen  gäbiy  und 
(dem  vom  Präs.  abgeleiteten,  z.  T.  synonymen)  giliy,  d.  h. 
zunächst  Erweiterung  von  yaebe  mit  dem  beliebten  -ig,  aber 
dann  im  Voc.  verkürzt  mit  Anlehnung  an  gibig,  resp.  den 
kurzvocalischen  Präs.-Stamm  geh,  gib.  —  Das  Schwanken  der 
Form  gilt  auch  für  die  Zssen. 

übel-gäbig:  unbequem,  z.B.  von  einem  Ort,  wo 
nicht  gut  sein  ist  BHa. 

u(u)-gäb:  1.  mürrisch,  unfreundlich  GF.;  der 
sich  nicht  ergeben,  belehrrii  lassen  will,  schwer  zu 
behandeln,  auch  von  Tirr.n  ili, ;  (a\'c.  —  2.  -ig,  un- 
passend BSi.  —  3.  ugdh.  iii/ihiii.  ^yizig  GG.  ,Ungebe' 
bei  Kd.v.Ammenh.  von  einem  Knecht,  der  den  Pferden 
ihren  Haber  nicht  gab. 

Mhd.  ungaehe,  unannehmbar,  nichts  wert,  schlecht;  un- 
geziemend. Vgl.  ,ungeblich',  unannehmbar,  von  Bedingungen. 
,Des  französischen  Ambasciatoren  entbietende  [angebotene] 
Vermittlung  ungäblich,  unangenehm  und  verdächtig.'  Zur 
Gilg.   1656. 

et -gäbig  ZBül.,  Windl.,  -gebig  Aa;  BBe.;  G;  Vw, 
-gcnd  UwE.,  -gändldük.,  Si. :  1.  ehrgeizig,  ruhmredig, 
eitel,  stolz  BSi.;  UwE.;  ZBül.,  Windl.  —  2.  wer  seine 
Sachen  sauber  und  exakt  haben  will  BBe.  Syn. 
eigenlieh.  Leckerliaft.  walibrisch,  aus  Stolz  oder  An- 
massung;  wenn  ■/..  H.  Imh't  von  gewissen  Gerichten 
deswegen  nicht  kostet,  weil  man  ihm  nicht  genug 
Ehre  angetan  hat  BHk.  Syn.  er-los;  spröde  mit  Bez. 
auf  Annahme  von  Gefälligkeiten  BSi.  —  3.  freigebig, 
wohltätig,  hilfbereit  AaF.,  Z.;  G;  Vw;  ZBül.    Er  ist 


nüd  so  gar  e.  mit  sine"  Gschwüsterte".  ,Perliberalis: 
fast  ergab  und  kost-,  gastfrei.  Liberalis:  freigäbig, 
e.,  erlich  mit  ausgeben  und  nemmen,  trüw,  kostfrei.' 
Pris.  ;  Mal.  ,Da  die  gytigen  solltend  eergeb  syn  gegen 
menigklichem.'  LLav.  1584.  ,Wie  frei  und  ehrgäb  sy 
joch  gsyn  syge,  so  erscheinte  sich  dennocht  in  der 
hushaltung  nie  einiger  mangel.'  XVII.  Anf.,  Mise.  Tig. 
Die  sämmtlichen  BeJd.  gehen  wohl  auf  den  Grundbegriff 
zurück:  wer  auf  Ehre  hält;  es  wird  also  bei  3  eine  Frei- 
gebigkeit oder  Wohlthätigkeit  gemeint  sein,  die  sich  mehr 
von  jener  Rücksicht  als  von  reiner  Gutmütigkeit  leiten  lässt. 

fri-gäb:  freigebig;  vgl.  rich-g.  ,Er  [ein  gewisser 
Adler]  ist  gar  unerschrocken,  mächtig,  freigab  und  gar 
nit  verbünstig  [missgünstig].'  Vogelb.  1557.  ,Prünt- 
lich,  güetig  und  frygäb  nach  synem  vermögen.'  HBull. 
1561.  ,Gegen  den  Armen  war  er  frygeb.'  JRüeg.  1606. 
,Dass  sy  guottätig,  freigab  und  gmeinsam  seiind.'  Z  Lit. 
1644/96.  ,Darum  ist  Zacheus  so  liberal  und  freigeb 
auch  bis  an  den  halben  teil  seines  guts.'  AKlingl. 
1688.  —  Fri-gäbi  f.:  Freigebigkeit.  ,Liberalitas,  die 
freigeb(n)e.'  Fris.  .Freigäbe  der  natur,  natura;  beni- 
gnitas.'  Mal.  , Welche  freigäbe  (,Freigebigkeit.'  1693) 
vil  reiche  leut  bewegt  hat,  dass  sy  von  irer  hab  an 
die  selbigen  Stiftungen  geordnet  haben.'  SHochh.  1591. 

fr  und-:  so  wie  man  Etwas  Freunden  gibt,  d.h. 
gut  beschaffen  und  voll  gemessen;  vollwertig.  VgL 
die  RA.  ,unter  Freunden  so  viel  wert'.  ,4  mütt  kernen 
fründgebs  guots.'  1433,  GRapp.  ,Pünfthalben  mütt 
kernen  fründgäbs  und  guotes  Züricher  mijss.'  1440, 
ebd.  ,600  albelen  früntgäber  fischen.'  1467,  Z  Staats- 
arch.  ,1  viertel  gnems,  b'reits,  frundgebigs  kernen.' 
1503,  Z  Ratserk.  ,Ein  viertel  allweg  gueten,  erbers, 
fründgebs,  wolgeschmacks  und  wol  gesottens  ankens.' 
1518,  Z  Staatsarch.  —  Mhd.  vriunt-gaebe,  unter  Freunden 
annehmbar,  brauchbar,  gut. 

„gast-gäbig:  gastfrei  VO."  —  band-:  handlich 
bequem  in  der  Hand  BBe.  —  nüt-:  unbequem  B.  — 
rich-gäb:  freigebig.  ,Abt  Konrad  was  rychgäb  und 
gegen  die  synen  gsellig.'  Vad.  ,Das  reichtumb  und  die 
miltikeit  der  fürsten,  die  nur  zuo  reichgeb  warend.'  ebd. 
—  simel-:  feines  Mehl  (Semmel)  gebend.  Vgl.  gab  1. 
,Guots  Sehers  und  similgebs  kernen.'  G  Stiftsarch. 

wunder- Bs,  -gäbig  Z:  neugierig.  Syn.  w.-fitzig. 
Objektiv:  die  Neugierde  reizend  oder  aus  Neugierde 
fliessend.  ,0  du  wundergebe,  aufrüerische,  muot- 
willige  statt!'  1531,  Jesa.i.  ,Wer  wundergeb  ist.  fraget 
vil.'  RüEF  1538.  ,Die  jünger  fragend  wundergäbe 
ding.'  1548,  Marc.  ,Vir  facilis  mirari  nova,  w-gäbig, 
der  sich  leichtlich  ab  neuwen  dingen  verwundert.' 
Fris.;  Mal.  ,Doch  solle  man  kein  unnötige  und  über- 
flussige, w-gäbe  (,w-gäbige.'  JMüll.  1666)  frag  an 
in  tuen.'  LLav.  1569  =  , fürwitzige.'  1670.  ,Diesen 
seltsamen'  und  w -geben  Arzneien  gib  ich  kleinen 
Glauben.'  JBLandenb.  1608.  .Wo  etliche  der  unseren 
so  unbedacht  und  w-geb  werend,  dass  sy  an  hcimbliche 
predigen  giengend.'  Z  Mand.  1612.  ,Wir  Menschen 
sind  fürwitzig  und  w-gebig,  wollen  mehr  wüssen,  denn 
uns  guot  ist'  GwERB  1646.  ,Musca,  w-gebiger  mensch. 
der  alles  wissen  will.'  Denzl.  1677;  1716.  , Wir  men- 
schen sind  fürwitzig  und  w-gebig.'  Zauberei  1704.  — 
Wundcr-gäbi,  -gäbigkeit  f.:  Neugier,  Fürwitz 
Bs ;  Z.  Adam  zum  Affen :  .Von  dyner  w-geb  und  zierd 
wirst  hässig  syn  und  allweg  gfierd.'  Rüef  1550.  .Sie 
verraten   ire  w-gebigkeit   und  fürwitz.'    FWyss  1655, 


(iiil».  gell.  gih. 


gub 


66 


.Aus  w-gebe    zu    hipi-en.    was   ilcr  Prediger   tiir  arbeit 
maclie.'  JMüll.  1065. 

Der  von  Gr.  WB.  i  1  a  lö-lO  u.  vorsuchtuu  Ableitung  von 
dem  (auch  Schweiz.)  ,gäuen',  mit  offenem  Muude  da  stehn, 
weiche  einen  vortrefflichen  Sinn  ergäbe,  steht  die  Schwierig- 
keit entgegen,  b  durch  Vergröberung  aus  m  zu  erklären,  da 
dieses,  nachdem  der  Iliphthoug  eingetreten,  iu  Letzterem 
untergegangen  ist. 

gäbige(n):  bequemer  werden,  z.  B.  von  einem  re- 
l)arierten  Haus:  ICs  hat  vü  g'gäbiyet  BSi.   —   Zu  yähig  J. 
Gabel  I   s.  Gabriel. 

(iiibel  n  ra. :  Name  eines  Rindes  mit  gegen  ein- 
ander stehenden  Hornspitzen  oder  aufwärts  gehenden 
Hörnern  AaF.;  BO.     Vgl.  Hirz. 

g;"ibele(n):  1.  mit  der  Gabel  nach  Speise  langen, 
aber  nur  wenig  oder  langsam  essen  Bs.  —  2.  „mit 
einer  Gabel  in  Etwas  viele  kurze  Stiche  machen 
L;  ScH."  Ein  Spiel,  wobei  man  mit  einer  Gabel  17 
Stiche  möglichst  schnell  und  nahe  an  einander  zu 
machen  sucht  Ap.  „Kinderspiel,  wobei  man  aus  ge- 
wisser Entfernung  mit  Gäbelchen  nach  einem  Ziel 
wirft,  so  dass  sie  im  Boden  stecken  bleiben  Z.'  — 
3.  beim  Heuen  das  Gras  mit  der  Gabel  umschütteln, 
damit  alles  gleichmässig  trockne  Ap.  —  4.  „Etwas  zu 
erhaschen  suchen,  's  ist  Nut  s' g.  L;  Sch."  —  5.  das 
sog.  Gabelt  gegen  Jmdn  machen  B;  Ndw;  UwE.; 
s.  Gable  3.  —  6.  das  Wasch  seil  mit  Klammern  ver- 
sehen B;  s.  Gable  4  e.  —  7.  mit  dem  sog.  Gabelt  eine 
Schnur  stricken  ZZolL;  s.  Gable  4  c.  —  8.  einen 
E  i  d  schwören  (3  Finger  gabelförmig  aufstreeken)  B. 
I'''  tcill  dir  g.,  es  isch  so!  Beteurung.  Süterm.  — 
9.  von  Kühen:  mit  den  Hörnern  stossen  S.  Vgl. 
gablen  1;  Gabel  IL  Dr  böse'  Bämichueh  wüll  i  's 
scho"  zeige",  wer  Meister  isch !  Seil  wider  chu"  g.  gege 
mir  ine!  Joachim.  —  10.  Eanken  treiben,  von  den 
Reben  zur  Zeit  der  Samenbildung  bei  rauher  Wit- 
terung.   Vgl.  Gable  5  a. 

Gäbe  1er:  verächtlich  statt  ,Gabriel'.  —  Wahrsch. 
mit  Anspielung  auf  appell.  Bei.   i.   S.   v.  yähelen. 

Gäbli  m.:  E»  G.  e'  Schwäbli  Gl.  Wohl  =  Gabli 
3  od.  5.  -  Sfhm.  von  echiceUen  i.  S.  v.  ,blauen  Dunst  vor- 
nuicheu',  von  Schteebd  =  Schwefel. 

(iäber  4-  m.:   Gänserich  FKerz. 
Möglicherweise  Koseform    für  ,Gabriel'  und    wie   andere 
Personenn.  auf  das  Haustier  übertragen. 

(iäbi  I  n.  =  Gabel  IL   —   Eigentl.  Dem.  zu  Gabh. 
Gabi  11  m.  s.  Gabriel. 

gäbi:  Interj.  des  Hohnes,  etwa  mit  Dat.  P.,  be- 
gleitet von  der  Geberde  des  Rubchenschabens  B. 

Ursprünglich  wohl  von  der  unter  ffaW«  4  h  beschriebenen 
Geberde. 

gibisch:  verkehrt,  linkisch. 

Von  H.  für  Aa,  sonst  von  keiner  Seite  bezeugt,  daher 
wohl  nur  als  zufällige  Verpflanzung  aus  Baieru  od.  Schwaben, 
wo  das  W.  zu  Hause  ist,  zu  betrachten. 

ge'I)  Aa,  geh  I  B;  SLeb.,  göb  BU.,  gob  SGrench.: 
Conj.,  ehe,  bevor  Aa;  B;  S.  Lösche',  gab 's  brönnt. 
GoTTU.  ,Da  habe  ich  ihn  drei  Mal  geschlagen,  gab 
er  mich  einist.'  ebd.  il/e"  seil  dr  Öpfel  nit  vom 
Baum   schüttle'',   gab    er  rlf  isch.    Schilp.     Zuweilen 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


mit  pleonastisch  nachfolgendem  e.  Nat.-Kal.  1884,  29. 
Zuweilen  mit  vorangehendem  ploonastischem  ,zuerst'. 
Mc  muess  z'erst  Fecka  ha',  geb-nie'  fliiga"  cha""  B. 
Me'  sett  z.  alt  werde;  gab  jung.  Schild.  Er  wird 
ehnder  rüdig  gab  rieh.  ebd.  Bei  vorangehendem 
,eher'  nimmt  g.  die  Bed.  eines  vergleichenden  ,als' 
an:  Ehnder  schlüfi  es  Kamel  dur'''  es  Nadelöhr,  gab 
e  Btche  i  's  Himmelrich.  B  Landw.  Wochenbl.  1847. 
Me"  Schlot  ehnder  zwe  Düflen  [Teufel]  inne,  gab  einen 
itse  (Warnung  vor  körperlicher  Züchtigung  von  Kin- 
dern). Schild.  D'  Lüt  gönnen  Eim  ehnder  's  Böse 
gab  's  Guete.  ebd.  Allein  stehend  i.  S.  v.  ,(eher)  als 
dass':  ,Gäb  sie  so  dabei  sein  [das  ertragen]  möchte, 
wollte  sie  lieber  [usw.].'  Gottu.  Gab  i-ne  [ich  ihn] 
nämi  [zum  Mann],  wett  i  lieber  vo  Heimet  [die  Heimat 
verlassen].  Ott. 

Gleich  eb,  Ob  (aus  e  ob,  s.  Bd  I  10/11,  53/4),  mit  vorn 
zugesetztem  g  durch  Einwirkung  zunächst  von  geh  II  (s.  d.), 
mittelbar  von  geb  III,  dessen  Voc.  (ö  an  die  Stelle  von  e' 
oder  «  getreten  ist.  Zwischen  ,ehe'  und  ,ob'  besteht  auch 
kein  begrifflicher  Übergang,  aber  ein  äusserer  Zshang  war 
vermittelt  durch  die  Verbindung  e  ob,  in  welcher  ob  nur 
allgemein  relative  Bed.  haben  konnte,  wie  ,und'  und  ,dass' 
in  der  ä.  Sprache  öfter.  Die  syntaktische  Verbindung  ender: 
gtb  entspricht  der  von   ender  :  e;  s.  d. 

geh  n,  göb  B,  gob  Bße.  (neben  göb):  Conj.,  ob. 
1.  an  der  Spitze  eines  einfachen  abhängigen  Frage- 
satzes. Hri-s,  [sie  liaben  Mcli]  velle"  Überzüge',  gab 
di  Lüt  a'hl  liii'ii"  luni"  V:  /(rsfi\l  [zuerst]  het's-mu 
no'''  ^viii'l  Iwai-  rr  iiMcli  z\vrilclliaft|,  gäb-er-mu  derfti 
trilwe  [sich  getrauen  dürfte]  BSi.  (Schwizerd.).  Er 
sinnet,  gab ' s  öiqmi  Bikannti  si'.  Schild.  Mit  unter- 
drücktem Hauptsatz  einen  scheinbar  selbständigen 
Fragesatz  einleitend  und  zuweilen  noch  durch  nach- 
folgendes ob  verstärkt;  i.  S.  v.  ,ob  wohl,  ob  vielleicht'. 
Gib  Hansli  scho"  dinne«  sig?  BM.  Geb  ob  er  cho" 
sig?  GrD.,  Val.  Göb  ig  0  wett,  oh  ich  auch  wollte 
[sc.  ist  dabei  die  Frage;  ich  denke  nämlich  nicht  daran, 
das  zu  tun]  B.  stehende  RA.  —  2.  in  einer  Doppel- 
frage, mit  correlativem  ,oder'.  Vgl.  gottgeb  3.  I  will- 
der  morn  b'richte',  göb  (ZStdt  auch  söb,  se'b)  i  's 
will  oder  nüd.  's  chimnt  nüt  driif  a',  geb  ei"s  meh 
oder  minder  sig.  Gottu.  's  isch  ei-  Düfel  [einerlei], 
gab  beulen  oder  Brod  heusche".  Schild.  Etwas  anders 
gewendet,  so  dass  g.  i.  S.  v.  ,gleichviel'  voransteht  und 
das  erste  Glied  der  Doppelfrage  im  blossen  Conjunctiv 
(Optativ,  Potentialis)  steht;  vgl.  geb  IIL  ,Es  hätte 
sich  der  Sache  doch  nicht  zu  schämen,  und  einmal 
müsse  es  sein,  gab  es  geschehe  einen  Tag  früher  oder 
später.'  GoTTH.  G.  i  stg  da  oder  nit.  ebd.  G.  loell-i'''' 
oder  nit,  unwillkürlich  Bs.  So  einmal  auch  schon  in 
der  ä.  Spr. :  ,Dise  habend  allhie  das  Far  ing'han,  geb 
si  habind  hernach  mit  einanderen  duschet  oder  nit.' 
JRüEG.  1606.  Mit  freier  Anfügung  der  Doppelfrage, 
ohne  Verb  um:  ,G.  jetzt  oder  g.  später.'  Gotth.,  und 
auch  mit  zweitem  geb  statt  oder:  G.  gern,  g.  nit,  gern 
oder  ungern.  B  Kai.  1826.  Und  ohne  beigefügten  ma- 
teriellen Begriff  doppeltes  geb,  aber  durch  icie  ver- 
bunden und  das  zweite  mit  Subjekt  (es),  also  verbal 
(s.  g.  III,  Anm.).  Aber  g.  wie  's  g.  [wie  dem  sei, 
immerhin,  jedenfalls],  er  mein  's  ufrichtig  Bs. 

Dieses  geb  ist  eine  formell  seltsame,  aber  begrifflich 
leicht  zu  erklärende  Verquickung  von  ob  (resp.  eb,  ob  s.  1  53) 
mit  dem  ursprünglich  rein  verbalen,  dann  conjunctional  ge- 
auch    den    zugesetzten  An- 


chten 


pfange 


von   dem 
nd  dann   a 


/  fortgepflanzt  hat.     Der 


Gab.  gel»,  gib,  gob,  gub 


Gebrauch  2  liesse  sich  auch  geradezu  auf  y.  III  alleiu  (vgl. 
ijolUjeh  S)  zurückfUhreu  und  1  könnte  aus  2  entstanden  sein. 
Für  jene  Auffassung  spriclit  auch  der  Voc,  der  vorherrschend 
i:  ue>  ist;  aber  die  Nhf.  mit  ö  deutet  doch  auf  Einmischung 
dfs  Ijugiilflicli  nahe  liegenden  oh  und  auch  das  </  ist  nicht 
entscheidLud ;  denn  neben  (jch  findet  sich  in  der  Bed.  ,ob'  auch 
Bch  und  Ich,  in  der  Bed.  ,ehe'  auch  deh,  Formen,  welche  auf 
einen  rein  lautliehen  Zusatz  («  und  d  viell.  aus  dem  Auslaut 
des  vorangehenden  W.)  zu  deuten  scheinen. 

geb  m,  geg  B;  h\,  g^  L;  S;  ZZoll.f,  Je-  ZEls., 
fast  nur  in  Verbindung  mit  folgendem  (zuweilen  durch 
eine  Präp.  von  demselben  getrennten)  Fragepronomen, 
resp.  pronom.  Adv.:  1.  im  Sinn  der  Verallgemeinerung: 
-auch,  -immer  AALenzb.;  Bs;  BU.;  S.  Geb  wer:  i/r 
weiss  nit,  ''ass  im  Stiirmg'lüt  siir  gliche  ZU  für  15 
Grenvher  's  Tüi}te<ihi,inli  rhlingt.  gib  wer  's  [wen  es] 
im  Dorf  au'''  tirffr"  iikv.  Si  iiild.  .Fraget  ihr  ihm 
nichts  nach,  geb  von  wem  die  kirch  euers  gottes  ge- 
schirmet oder  widerfochten  werde.'  HBull.  1597.  ,Ks 
wäre  reich  oder  arm,  jung  oder  alt  und  geb  wer  sich 
mit  einem  frömbden  Weib  veroelichen  wurde.'  156'2, 
Ztschk.  f.  Schwz.  R.  ,Was  fragent  wir  umb  nach  den 
armen':"  Geb  wem  sy  werdent  ze  erbarmen.'  Aal. 
,Will  's  von  mir  werfen,  gab  wer  's  find.'  Com.  Beati. 
Geb  welch:  Gab  i'  tvelem  Egge  er  si  v'rsum  [sich 
aufhalte].  Gotth.  G.  was:  G.  w.  men  im  seit,  gab 
wie  men  im  's  vorgstellt  het,  es  het  Alls  mit  y'nätzt  BE. 
G.  w.  no  us-vier  will  werde'.  Hebei.  ,Geb.  w.  sunst.' 
Kessl.  ,Man  wolle  sie  nicht  passieren  lassen,  g.  w. 
guter  Worten  man  inen  geben  habe.'  1632,  Absch. 
.Werft  aus,  g.  w.  es  gebe:  ejicite,  quidquid  ingre- 
diatur.'  Red.  1656.  ,G.  w.  wir  tüegen,  wann  wir  es 
nicht  aus  glauben  tun,  so  ist  es  sünd.'  JMüll.  1673. 
,G.  in  was  Zeit  seine  Hirtensorg  gesetzt  wirt.'  Wurstis. 
G.  wo:  TJn"  Eine,  —  's  iseli  doch  gruselig !  —  g.  wo 
sl  armi  Sei  iez  slg!  Un''  Eine  springt  i"  d'  Are. 
Alpenr.  1811.  Halt-di'''  wohl,  g.  tco-de  bisch.  Hebel. 
,[Wir  wollten]  fort  ziehn,  g.  wo  wir  hin  kämind.' 
Platt.  1612.  ,Quacunque;  g.  wo  anen  [anhin].'  Collin. 
G.  wann:  ,Wie  vil,  gab  w.  und  von  wem.'  1659,  B 
(Ztsclir.  f.  Schwz. IJ.).  Bes.  häufig  g.  wie,  a)  wie  auch, 
wie  sein-  aucli  lis ;  KU.;  L;  Uw;  Z.  „Ich  lasse  dir 's 
nicht,  giib  wie  du  schreie.st."  G.  w.  's  chömm,  wie 
es  auch  kommen  mag.  Er  ist  en  schlechte''  Kerli,  g. 
lu.  's-em  gong  [es  iiim  gehen  mag].  Nes  Meitschi  hed 
halt,  churz  und  guet,  gäg  wie-men  an-em  g'grestet  [ge- 
trieben] hed,  nid  g'spunne".  JBHXfl.  1813.  !''•  will 
mi'"  in  Alls  schicke",  g.  w.  's  chömm!  UwE.  , Während 
Uli  anspannte,  drückte  sie  des  Vetters  Kindern  neues 
Geld  in  die  Hände,  g.  w.  die  sich  wehrten.'  Gotth. 
Erdberistüdeli  und  Ereprls  ~  hett  ich  es  Mandeli 
[Mann],  g.  w.  nes  chU's!  B.  Gä  w.  die  zweu  Meidschi 
der  ganz  Vormittag  dure  g'äuglet  hei',  kei  Spur  hei 
si  vonne'  entdecke'  chönne'.  JHofst.  1865.  I  ha' 
g'hürotet  und  ha'  g'meint,  gab  wie-n-i  Vögeli  g' fange' 
heig.  Schild.  Gä  w.-n-ere  g'luegt  tcorden  isch  [zu  ihr 
geschaut  wurde],  i"  4  Tage'  scho"  isch  sie  ne  Lieh 
g'sl'.'  JoAOH.  1881.  ,Bis  [sei]  sorgenfrei,  Geb  wie  im 
sei!'  Aal.  ,Von  jeder  Sach,  g.  w.  vil  der  Partygen 
sygend,  4  Batzen.'  1596,  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  ,Hiemit 
[demnach]  rauss  Einer  sterben,  g.  w.  alt  Einer  ist.'  1627, 
TaSommri,  Pfarrb.  ,I)arumb  sind  die  Bruch  besser  zu 
erkennen,  g.  w.  steif  sie  standen,  weder  [als]  die  Spalt 
[bei  Röhrenbrüchen].'  Würtz  1634.  ,Man  machet  sie 
[die  Fussängel]  mit  4  spitzen,  drei  ligen  auf  dem  boden 


und  stehet  allzeit  einer  in  die  hölie,  geb  wie  man  sie 
wirft.'  Kriegsb.  1644.  ,G.  w.  man  wässeret  und  pflanzet, 
so  ist  es  alles  umbsonst,  wann  Gott  nit  das  wachsen 
gibt'  JMüll.  1665.  ,G.  w.  schwer  und  gross  sein 
Verbrechen.'  JMet.  1694.  .Die  Wort,  g.  w.  heilig  sie 
sind,  haben  an  ihnen  selber  keine  natürliche  Kraft.' 
JJGessn.  1702.  ,Der  Schulmeister  soll  nicht  Gewalt 
haben,  eine  oder  die  andere  Letzgen  nachzulassen,  g. 
w.  vil  Kinder  in  der  Schul  seiind.'  1684/1719,  Z  Land- 
schulordn.  ,G.  w.  scheusslich.'  Goliath  1741.  Etwas 
abweichend  ist  der  Gebrauch  von  doppeltem  geb:  ,G. 
w.  fromm,  g.  w.  gottlos  die  leut  seien.'  JMüll.  1666, 
welches  hier  nicht  sowohl  die  Bed.  ,wie  sehr  auch' 
hat,  sondern  ,gleich  viel  ob',  also  ähnlich  geb  II  am 
Schluss.  —  b)  nicht  i.  S.  eines  hohen  Grades,  sondern 
der  Ungewissheit,  Unbestimmtheit,  meistens  aber 
ironisch  i.  S.  v.  ,schlecht'  oder  ,gar  nicht'  Aa;  Bs;  B; 
S;  Z.  a)  ohne  folgendes  Adj.  ,[Von  drei  badenden 
Schwestern  wurde  eine  geraubt;  die  beiden  anderen] 
g.  w.  nach  Hause  kamen.'  Hüber  1787.  Er  häd  's 
g'macht,  aber  ge  tcie?  ZZoll.  Es  wirt  o"''  gä',  göb 
wie  B.  Es  geit  Alls  vorübere,  göb  wie  B.  Gab  wie- 
n-er  öppe  umme  chtmnt,  wie  mag  er  wohl  zurück  kom- 
men? BE.  Dieser  Gebrauch  kommt  dem  von  geb  ob 
(geb  II)  nahe.  —  ß)  mit  folgendem  Adj.  resp.  Adv. 
Er  macht  de'  Gross,  geb  wie  lang  [aber  man  weiss 
nicht  wie  lange,  wohl  nicht  lange]  Aa.  Hieran  schliesst 
sich  die  Formel  g.  iv.  Hecht  i.  S.  v.  ,man  weiss  nicht 
wie  leicht  =  sehr  leicht'  B.  G.  w.  l.  git  's  Öppis  [gibt 
es  Etwas],  isch  er  taube  [wird  er  zornig].  Aber  <lie 
selbe  Formel  in  anderm  S.,  wie  es  scheint  in  con- 
cessivera,  ähnlich  dem  gewöhnlichen  von  ,geb  wie'  a: 
,Ja,  wir  sind  auch  arme  Sünder,  aber  öppe  öppis 
Schlechts.  g.  w.  1.  [so  leicht  es  auch  ist],  haben  wir 

nicht  1,'eiiuielit.-  GoTTH wenn  's  de"  Eine  au''' 

g.  IC.  1.  |;uuli  nur  einigerraassen?]  chli  mache'  cha"', 
so  macht  'r  Chüechli.  Schild.  Vollends  übergehend 
in  reine  Zeitbestimmung:  ,so  bald  (als)'.  G.  w.  l, 
men  am  Sunndig  der  Löffel  abg'leit  g'ha'  het  [das 
Essen  beendigt],  isch  Alls  ''em  Wirtshüs  zue.  Schild. 
—  2.  nur  verstärkend  g.  was  etwa  i.  S.  v.  ,was 
wohl'  (vgl.  geb  ob  unter  geb  II).  Jo  seile  [lass  sehen, 
ich  bin  begierig  zu  hören],  g.  w.  er  iez  auh  sägi 
ApWalz.  D'  Erde  macht  wüsse',  g.  w.  der  Mon^  enne- 
nohe  [auf  der  ihr  abgewendeten  Seite]  het,  g.  e  Buggel 
oder  en  angere  Breste  [einen  Höcker  oder  ein  anderes 
Gebrechen].  Schild,  wo  das  g.  an  erster  Stelle  aus 
der  folgenden  Doppelfrage  entsprungen  sein  könnte. 
Ähnlich  scheint  auch,  aber  nicht  in  abhängigem  Frage- 
satz, sondern  in  Form  eines  selbständigen  Satzes :  G. 
tu.  git  's  z'  Mittag  GRVal.  =  irgend  Etw.  gibt  es  wohl 
zu  M.V  —  3.  ein  Mal  erscheint  alleinstehendes  ,geb', 
aber  wohl  verk.  aus  ,geb  wie',  etwa  i.  S.  v.  ,irgend- 
wie' :  ,Wäre  aber  der  eint  oder  andere  Geistliche,  der 
sich  auf  eine  unerlaubte  Weis  nach  der  Welt  Moden 
lustig  machte,  . . .  geb,  so  wird  Solches  Niemand  bil- 
lichen.'  JKHofmstr  1744.  Doch  lässt  sich  g.  hier  eben 
so  gut  im  Sinne  der  Einräumung  der  Wirklichkeit 
eines  solchen  Falles  auffassen,  also  =  nun,  es  mag 
ja  sein,  .zugegeben'. 

Dieses  geb  ist  in  seiner  urspr.  Bed.,  die  dann  freilich 
sich  sehr  verflüchtigt  hat,  viel  leichter  zu  erklären  als  die 
beiden  ersten,  die  z.  T.  von  demselben  beeinflusst  sind.  Es 
ist  die  3.  P.  Sg.  Oonj.  des  Vbs  ,geben'  mit  Ergänzung  des 
Snbjectes  ,Gott',  also  verkürzt  aus  Gott-geh  (s.  d.).    Ob  die 


Gab,  geb.  gili,  gob,  gub 


70 


Veik.  nur  aus  Bequemlichkeit  eintrat,  oder  aucli  aus  Scheu 
vor  Missbrauch  des  Namens  Gottes  in  einer  längst  ganz 
gleichgültig  und  gemein  gewordenen  Formel  (ähnlich  wie  in 
,behUte!  bewahre!  grüsse!'),  mag  unentschieden  bleiben. 
Über  die  Entwicklung  dos  Gebrauches  s.  Gr.  WB.  4,  1,  1, 
1708  —  1711.  Fromm.  3,  347.  Derselbe  scheint  vorherr- 
schend alemannisch  gewesen  zu  sein.  —  Schwieriger  ist  die 
Erklärung  der  lautlichen  Nbff.  und  der  Nebenbedeutungen, 
die  sich  immer  weiter  von  der  nrspr.  entfernt  haben.  Am 
'  leichtesten  erklärt  sieh  die  Verk.  von  geh  in  ge,  teils  aus 
der  Unbetontheit  des  Vbs  neben  dem  urspr.  davor  stehenden 
hochbetonten  Gotl,  teils  aus  dem  immer  auf  das  b  folgenden  w, 
mit  dem  der  erstere  Laut  zus.  fliessen  konnte.  G  statt  h 
wird  teils  aus  der  organischen  Vwdtsch.  und  Vertauschungs- 
ßhigkeit  der  Medien  unter  einander  zu  erklären  sein  (da  ja 
im  Auslaut  g  auch  für  d  eintritt),  teils  aus  der  besondern 
nähern  Vwdtsch.  von  g  mit  w  (vgl.  das  roman.  gu  im  Anl. 
für  german.  w).  Die  noch  weitere  Verk.  in  ge-tnie  erklärt 
sich  ans  der  Enklisis  auf  das  emphatisch  betonte  folgende 
wie;  in  Verbindung  mit  Gott  findet  sie  sich  auch  in  den 
MAA.  Deutschlands  (s.  Gr.  VfB.  4,  1,  1,  1711  o.).  In  dem 
im  Eidgn.  Toggenb.  1712  überlieferten  ,geb  je'  (,G.  je  mit 
was  für  Worten  da  ward  geprotestiert.')  liegt  anscheinend 
der  umgekehrte  Fall,  d.  i.  die  Verstümmelung  des  zweiten 
Teiles  vor;  allein  als  wirkliche  Ausspr.  hat  man  sich  zu 
denken  'gnhk  und  in  b  lässt  sich  die  selbe  Vergröberung 
des  w  erkennen  wie  in  seUe  =  [lass]  sehen  wie!  In  dem 
vereinzelten  g'ge-  liegt  die  Deutung  auf  das  Ptc.  (gegeben) 
vor,  welche  wohl  veranlasst  wurde  durch  andere  Formeln 
mit  absol.  Ptc,  z.  B.  g'selzt  de"  Fal'.  UiJb  (ebf.  nur  bei  ,geb 
nie'  b)  wird  auf  Vermischung  mit  geh  II  (resp.  ob)  beruhen. 
—  In:  ,geb  was  es  gebe'  (bei  Red.)  ist  das  ,geb'  viell.  noch 
als  der  wirkliche  Conj.  gedacht  i.  S.  v.  ,es  gebe,  was  es 
gebe  =  was  es  will';  dann  würde  die  Stelle  eig.  nicht 
hieher  gehören;  es  scheint  aber  eine  Art  Wortspiel  beab- 
sichtigt; vgl.  geb  icte '»  geb  {geb  II  am  Schluss).  Dass  unter 
,geben'  schon  in  der  vollen  Formel  ,Gott  geb'  meistens  nicht 
göttliche  Gaben  im  eig.  S.,  sondern  göttliche  Fügungen 
Ubh.  und  dann  Schicksale  und  Umstände  aller  Art,  auch 
bereits  vorliegende  tatsächliche  Verhältnisse  gedacht  wurden, 
ergibt  sich  aus  den  meisten  Belegstellen.  Wo  nicht  gerade 
das  wirksame  Eingreifen  der  göttlichen  Allmacht  angerufen 
oder  in  Aussicht  genommen  Werden  konnte,  mochte  man  sich 
mit  der  Allwissenheit  begnügen,  in  der  Alles  irgendwie, 
wenn  auch  dem  Menschen  unbekannt,  vorausbestimmt  ist, 
und  so  konnte  geb  wie  zu  der  Bed.  b  gelangen;  vgl.  Gr.  WB. 
aaO.  1710,  f.  Von  dem  damit  gesetzten  Begriff  ,vielleicht' 
scheint  verschieden  der  Sinn  der  Formel ;  geb  wie  liecht  = 
sehr  leicht.  -  Die  im  Text  zuletzt  angeführten  Fälle  ent- 
ziehen sich  einer  genauen  Rechenschaft;  die  Sprache  scheint 
die  Formel  selbst  nicht  mehr  zu  verstehen  und  nur  spielend 
zu  gebrauchen.  Für  das  ganz  allein  stehende  ,geb'  bietet 
Gr.  (aaO.,  g)  nichts  Entsprechendes.     Vgl.  noch  geg. 

gott-:  \.  =  geh  III  1,  vor  Fragepron.  und  Adv. 
und  zwar  a)  so,  dass  diese  WW.  unmittelbar  auf  r/eb 
folgen,  ,Gott  gab  wer,  quisquis,  quicunque.'  Mal. 
,Eips  raps  in  meinen  Sack,  G.  g.  was  mein  Nächster 
hat'.'  Sprww.  1824.  ,Nun  bin  ich  darumb  kummcn 
her,  dass  ich  Frau  Venus  auch  besech,  G.  g.  was  mir 
darumb  beschech.'  PGengenb.  , Wollend  recht  haben, 
gottgeb  was  yedermann  darzuo  sage.'  Lav.  1569. 
,D'  sach  will  ich  richten  us,  G.  g.  joch,  was  mir  folge 
drus.'  RuEF  1550.  ,G.  gijbe  wie  Gott  syn  urteil  habe 
gen,  so  gryft  er  [der  Papst]  dryn,  wie  es  im  gefallt.' 
NMan.  ,Ein  jetlicher  soll  bezalen,  gott  gab  wie  die 
brief  wysin.'  1545,  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  ,G.  g.,  wie 
ich  d'  weit  [bejtracht  und  b'schow,  so  ist  's  schandtlich 
verruecht  und  row.'  Rüef  1550.  ,[Dies  Mittel]  heilt 
die  zerrissnen  eingeweid,  g.  g.  wie  schädlich  der  bruch 
seie.'  TiERB.  1563.   ,Dass  einer  wolmöge  heuw,  .strcuwe 


und  weiden  koufen,  g.  g.  wie  vil  vechs  einer  heige.' 
15613,  Ndw  LB.  , Cujus  niodicunque  sit:  sy  seie  wie 
sy  wöll,  G.  g.  wie  sy  sei.'  Fris.  ,G.  g.  wie  teür, 
quanticunque.'  Mal.  ,Ich  stan  kum  ab  von  diser  sach, 
G.  g.  wie  man 's  z'letst  mit  mir  mach.'  Com.  Beati. 
,Ich  blyb  darby,  diewyl  ich  leb,  G.  g.  wo  das  Evan- 
gelium Weh.'  NMan.  ,Er  soll  die  pfand  üshin  geben, 
G.  g.  wo  er's  neme.'  1527,  Aa  Wst.  —  b)  so,  dass  das 
Fragew.  durch  ein  dazwischen  tretendes  W.  (Vb. 
im  Conj.)  von  geh  getrennt  ist  und  der  Begriff  der 
Gleichgültigkeit  durch  Verbindung  des  Fragew.  mit 
.wollen'  nochmals  ausgedrückt  wird.  ,G.  g.  sy  bietend, 
was  sy  wend.'  NMan.  ,G.  g.  man  tage  [verhandle], 
was  man  well.'  Ruef  1538.  ,G.  g.  es  were  wetter, 
wie  es  wollt'  ^  bei  jeglichem  (noch  so  schlechtem) 
Wetter.  XVI.,  B  Anz.  —  2.  G.  g.  -  oder  —  i.  S.  v. 
,gleichviel  ob,  oder  dass'.  Vgl.  geb  II  2.  ,G.  g.  er 
werde  gelöst  oder  nit.'  NMan.  ,Da  soll  nieman  wy- 
chen.  g.  g.  man  ärgere  sich  oder  nit.'  Zwingli.  , Wel- 
cher den  glouben  uss  den  Worten  schöpft,  der  gloubt 
also:  gottgeb  Christus  kriech  ins  brot  oder  kelch  oder 
waryn  er  well.'  ebd.  1527.  ,Gab  einer  nüt  mc  dann 
1  '/2  guldin,  g.  g.  der  schützen  kem  vil  oder  wenig.' 
Edlib.  ,G.  g.  ihr  heigent's  gern  old  nit.'  Com.  Beati. 
.G.  g.  der  Hag  syg  gedeilt  oder  nit.'    1622,  Schw  Rq. 

—  3.  G.  g.  wie  mit  doppelter  Ellipse,  i.  S.  v.  ,Gott 
mag  fügen,  wie  er  will'  oder  , wissen,  wie  es  kommt'. 
Vgl.  geh  tvie  b.  „Es  mag  nun  kommen.  G.  g.  wie." 
Mit  Umstellung;  Das  tcüit  [wird]  sclw  gä",  [aber] 
G.  g.  wie  BSi.  —  4.  G.  g.  vorangestellt  i.  S.  eines 
Fragesatzes  mit  ,wohl'.  Vgl.  geb  III  2.  ,G.  g.,  was 
der  N.  noch  erleben  muss',  was  wird  er  wohl  n.  e.? 
ScH  Pilger  1881.  Umgestellt:  .Heutzutag  sieht 's  unter 
den  Jungen  bös  aus,  g.  G.  was  das  noch  will  werden.' 
ebd.  1884.  —  5.  bei  einer  Beteurung  etwa  i.  S.  v.: 
, will 's  Gott'  od.  ,in  Gottes  Namen'.  ,Kurz  ab,  es  muess 
gebuwen  syn,  g.  g.  gott  griess  [grüsse]  ich  will  's  nit 
lassen  wider  zuo  schytren  gon.'  ThMurn.  (Absch.) 

Über  die  urspr.  und  die  spätere  Bed.  der  Formel  s.  Anm. 
zu  geb  III ;  hier  mag  für  den  Zusatz  Gott-  noch  das  ital. 
amxgna  dio,  komme  was  da  wolle  (ebf.  in  einräumendem  S.) 
und  eziandin  als  Parallele  angeführt  werden;  vgl.  Diez,  WB. 
369.  In  einzelnen  Fällen  tritt  der  urspr.  verbale  Sinn  von 
geb  so  deutlich  hervor,  dass  man  sie  füglich  unter  das  volle 
Vb.  geben  stellen  könnte,  wohin  streng  genommen  der  ganze 
."Vrt.  gehört.  Dies  gilt  noch  mehr  von  dem  offenbar  ver- 
schiedenen  (Sott   geb    in  Einschaltungen    wie:    ,nach    seinem 

—  Gott  geb  seligen   —   Absterben'   udgl. 

Ver-  m.,  nur  in  Verbindung  mit  .gross',  der  gross 
V.  oder  zsges.:  „Gross-r.",  das  Frohnleichnamsfest, 
resp.  der  Tag  desselben  W.   Syn.  Unsers  Herrgotts  Tag. 

So  genannt,  weil  der  Opfertod  Christi  den  Gläubigen 
Vergebung  der  Sünden  verschafft,  wesshalb  auch  dieser  Tag 
als  grosser  Ablasstag  gilt.  Zu  ergänzen  ist  wahrsch.  das 
Grundwort:  ,Tag'  und  Geb  ist  der  reine  Verbalstamm,  wie 
er  als  erstes  Glied  vieler  zsges.  Subst.  erscheint,  z.  B.  Ver- 
kündnunntig,  der  Sonntag,  an  welchem  eine  Ehe  von  der 
Kanzel  verkündet  wird. 

Gast-:  Gastgeber,  Gastwirt,  unter  Umständen 
auch  ein  Private,  der  ein  einzelnes  Mal  Gäste  ein- 
geladen hat  und  bewirtet  ,Der  Wackerbold  soll  nie- 
nier  [z']  Zürich  ein  g-e  werden.'  Z  Kichtebr.  ,In  offnen 
g-on  wirtshüsern.'  1518/44,  Schw  LB.  ,Wirt  und  G. 
der  Herberg  zum  Löwen  zu  Mellingen.'  1636,  Arch. 
AAWett.  ,Zum  g.  .sprach  er  [der  Eingeladene]:  Ihr  gä- 
bend  ein  guter  würt,  ihr  wurdond  wol  tractieren  und 


71 


Uab,  gel),  gib,  gob,  gub 


72 


luiechend  wolfeil  ürteii.'  Schimpfr.  1651.  .Eigen- 
nütziges gsind,  das  der  kilbonen  [Kirch weihen]  merk- 
lichen gnuss  hatte,  under  denen  die  vordersten  warend 
schenkhäuser  und  g-en.'  JJBreit.  1639.  ,0  des  herr- 
lichen gasts,  0  des  reichen  g-en.'  AKungl.  1688. 

Mhd.  gastgebe.  Die  Endung  e  niusste  nach  allg.  Gesetz 
abfallen.     Vgl.  jBec/c,  Fürsprech  ii.  das  folg.  u.  a. 

Rät-geb:  Ratgeber.  .Pridrichs  rätgeben.'  Z  Chr. 
1336/1446.  ,Consules  d.  i.  r-en.'  Vad.  .Weliche  wie 
unsinnige  Ratgeb  den  Menschen  verführen.'  Hopmstr 
1645.  ,Die  ratgebe  und  helfer.'  JMüll.  1673.  ,Die 
Weisheit  ist  Gottes  R.,  die  Alhnacht  seine  Leibwacht.' 
JJUlr.  1727.  ,Uer  erste  R.  und  Anfänger  zu  solcher 
Bibliothek.'    Mem.  Tig.  1742.     Auch  Geschlechtsn.  Z. 

Mhd.  ratgebe;  s.  d.  Anm.  zum  Vorigen.  Der  Plur.  ,R-e' 
nach  starker  Flexion,  als  ob  ,Ratgeb'  unverkürzte  Stamm- 
form wäre. 

geben  g^be  P  uSs.,  sonst  allg.  ge(n),  t.  ^  t.  " 
(ge'  Z,  gV  Gl;  Sch)  —  Präs.  Ind.  Sg.  1.  gibe"  (glbu, 
gib,  giiij.  2.  giH  (gisch).  3.  glt  (gid,  gipt).  P 1.  g'end 
{gem-mer,  geben  wir;  gebet  mir),  spec.  1.  gübefn), 
ye(n),  gew.  2.  gebed,  get.  3.  gebe(nd),  geben,  g'end, 
gent.  —  Imp.  gib  (gip).  —  Gonj.  gebe,  geb(i).  —  Cond. 
ge^bfi),  resp.  g^U,  ge^bti.  —  Ptc.  gege(nj,  g'ge  (kV): 
I.  mit  iiersi.nl.  Subj.  1.  mit  Bez.  auf  concr.  Gegen- 
stamlr,  a)  uliiie  aussi'.lriukt.s  Sachobj.  Wer  will  gi", 
viiii'ss  .-.'i'r.-it  hü"  /.  A'x  ist  Kiite''  en  Schölm,  wenn  er 
me  her  gif,  als  er  luit.  ebd.  Besser  g'rotie"  [gereut] 
und  g'ge"  als  g'roue*  und  g'ha"  [behalten]  L;  Z.  G'ge" 
ist  g'ge',  Formel,  mit  welcher  man  die  Rückgabe  eines 
Geschenkes  verweigert  Z.  Mit  (Personen-)  Obj.  im 
Dativ.  De"  Sehwine'  [sc.  Futter]  ge  Gr,  einer  kran- 
ken Kuh  Arznei  Ap.  Ei"m  ge,  sc.  Schläge  G;  Z. 
I'''  han-em  g'ge,  er  mir  au''',  und  «>o  [da] -«-i'c/t  g'lia" 
ha",  bin-i'''  g'gange.  Z  Prozessakten.  Beim  Anblick 
sich  Balgender  ruft  etwa  ein  schadenfroher  Zuschauer: 
Gend  enand!  oder:  Chline'',  wer-di''',  Grosse'',  gib-em ! 
Audi :  mit  Worten  züchtigen  B.  Uf  d'  Nase  (GA.), 
uf  d'  Nisse'  (Gr)  ge,  schlagende  Antworten  geben. 
.Er  |der  firmelnde  Priester]  gab  mir  mit  der  band  an 
bao-i;vn/  Platt.  1572.  Ei-'m  drtif  ge,  Angeld,  Haft- 
gcM,  Anzahlung  B.  —  1))  mit  Sachobj.  (im  Accus.) 
das  Spiel,  die  Karten  g.  =  au.steilen.  auch  mit  blossem 
,es',  z.B.  du  gisch-es!  dir  I.'cIIm'  ist  an  dir  Z.  Das 
Hurnussspiel  wird  eingeb.it. ■!.  imlfm  die  schlagende 
Partei  dem  Gegner  zurutt:  W'cit-d'i-  uc  [seid  ihr  be- 
reit, den  Sparren  zu  empfangen]?  worauf  die  Ant- 
wort ertönt:  G'et  umme  [gebet  ihn  nur]!  B.  In  der 
Schützenspr.  bedeutet  es  ge  (de"  Schutz  abgej  eliönne', 
gerade  in  dem  Augenblicke,  wo  man  das  Ziel  klar  sieht, 
abdrücken  Z.  .Welcher  an  die  kirchen  etwas  geben 
und  gaben  wollt.'  Vad.  ,Kalts  und  warms  g. :  aquam 
fert  altera  manu.'  Mscr.  E.  XVn.  Wa'  tcitt  [willst 
du]  g'e?  du  kannst  das  nicht  ändern  GTa.  Nüt  ge  um 
(oder  für)...,  gering  schätzen,  sich  nicht  kehren 
an  — ,  kümmern  um  —  B;  Si;h;  Z;  vgl.  ,ich  gäbe  das 
wohlfeil',  ich  setze  keinen  Wert  darauf  oder  wäre  es 
gern  los.  Für  Niemen  Nüd  gen,  keines  Menschen 
Freund  sein  BRi.  Nünt  um  d'  Mueter  ge,  der  Mutter 
nicht  gehorchen;  N.  mn  d'  Wort  g'e,  auf  keine  Er- 
mahnungen hören.  Sulgbr.  ,Der  Herzog  von  Burgund 
hat  verstän  geben  [sich  den  Anschein  gegeben],  er 
wolle  uf  brechen;  aber  als  er  gesehen  hat,  dass  der 
Kaiser  nit  hat  wellen  daruf  g.  [usw.].'  1473,  Absoh. 
,Si  [die  tapferen  Eidgenossen]  gäbend  umb  den  tüfel 


nüt',  fragten  dem  T.  Nichts  nach.  Dornacherlied  1499. 
.Bis  unerschrocken,  ob  sy  denn  wettind  mit  dir  bo- 
chen,  besträlen  dich,  umb  dich  nüt  g.'  Ruef  1550. 
,Man  steckt  hanfbutzen  uf,  die  vögel  us  den  hanf- 
landen zuo  vertryben,  aber  nach  langem  [auf  die 
Länge]  gebend  sy  nichts  drum,  sehend  auch,  dass  es 
nichts  ist,  das  inen  schaden  möge.'  LLav.  1569.  ,Wann 
die  Kind  aber  nienerumb  nichts  g.,  so  stat  der  Vater 
mit  einer  guten  ruten  über  sie.'  JJBreit.  1629.  ,Dise  ' 
li.'-i  hw  iiKt.'  -ibet  nichts  darumb,  man  schmiere,  salbe, 
ba.b-  "d.T  l.ahf  oder  tue  was  man  wolle.'  FWürz  1634. 
G.  und  uüuion,  formelhaft  und  reimhaft  (g'e:ne) 
verbunden  i.  S.  v.  handeln  und  wandeln;  vgl.  gab 
(und  g'näm)  und  vgl.  auch  unten  II  1.  ,Z'  ge  und 
z'  ne  s'f,  aequum  pretium  habere.'  Id.  B.  Zii  dem  Bris 
chann-me  's  ge  und  ne,  dieser  Preis  ist  ein  billiger 
für  beide  Teile  Z.  Es  ist  Nünt  z'  g'end  ond  z'  nend, 
man  würde  es  weder  mit  Vorteil  kaufen  noch  ver- 
kaufen Ar.  .Anken,  der  wol  geschmackt  seie,  der 
auch  zuo  g.  und  zuo  n.  seie.'  1383,  SchwE.  Kloster- 
arch.  ,10  niütt  wolbereits  korns,  das  zuo  g.  und  zuo 
nement  ist.'  1468,  Lehenbrief  Hofstätten.  In  anderem 
S. :  ,ünd  soll  sunst  kein  frefel  [Busse]  nit  genommen 
noch  g.  werden,  dann  nach  erkenntnus  des  rechten.' 
TnWig.  Offn.  1403.  ,Dass  Gott  den  sig  mög  nen  und 
gen.'  ToBL.,  VolksL  Als  Gegs.:  Es  ist  besser  z'  ge 
weder  z'  ne,  Geben  ist  seliger  als  Nehmen.  Id.  B. 
Hurtig  zum  Ne,  langsam  zum  Ge  Z.  (Nichts)  g.  und 
wünschen,  ebf.  formelhaft,  auch  mit  zugesetztem 
Dat.  P.  Jlfjr  gend-i'''  Nüt  und  weusched-i'''  Nüt,  wir 
wollen  Nichts  mit  Euch  zu  tun  haben;  lasset  uns 
in  Frieden  Z.  Ich  gibe  Nüd  und  iceusche  Nüd,  ich 
ha"  Recht,  brüllt  Einer,  der  seinen  Prozess  verspielt 
hat.  Woi.F.  Banerngespr.  G.  und  haben  in  der  weit 
vrrbr.it.t.'ii.  überall  gleichbedeutenden,  aber  nicht 
ganz  uLirlilautunden  und  ihrem  Ursprung  nach  schwer 
zu  eikläreiulfii  Frageformel:  was  gist  was  hast  i.  S.  v. 
in  grosser  Eile,  aus  Leibeskiviften,  bes.  in  Verbindung 
mit  laufen,  springen.  Was  gist  was  käst  Gl;  S  (gisch— 
heschj;  U;  Z,  w.  g.  und  iv.  h.  BsLd,  w.  g.  w.  d'h.  L; 
GG.;  Ndw;  W;  ZLunn.,  w.  d' g.  w.  d'h.  Ap;  GRSchiers,' 
tv.  g.  das  h.  W,  ib.  g.  sj  h.  ZG.,  g.  Nüt,  se  h.  Nüt 
ZO.,  stall.,  g.  nid  wa  h.  nid  Sch.  tv.  git  's  w.  hat  's 
GG.  Er  isch  drüf  ztte,  was  gisch  und  was  hesch 
isch  er  g'loffe.  Breitenst.  1864.  , Machte  im  Sturm- 
schritt die  Runde,  darnach  sogleich  wieder  —  gist 
Nüt,  se  hast  Nüt  —  auf  und  zurück.'  Stütz.  ,Es 
[das  Meislein]  singt  allzeit  —  was  gibst?  was  hast?  — 
sein""  alten  Zizeberg.'  Vogelgesang  1737,  hier  mehr 
i.  S.  V.  emsig,  unverdrossen,  unbekümmert.  —  c)  mit 
beigefügtem  Dat.  P.  Ei''m.  Ei"s  ge,  einen  Streich, 
Schlag  versetzen  L;  Z;  auch:  Eis  a" 's  Bei'  udgl. 
Eim  d'  Nase  z'rugg  g'e,  den  Hochmut  heim  zahlen  B. 
Eim  g'nueg  ge,  ihn  todt  schlagen.  ,Hat  uf  in  g'hauwen, 
dass  er  g'meint  hett,  er  heb  im  g.  g.'  UMet.  1540/73. 
—  2.  mit  Bez.  auf  geistige  Objekte,  a)  mit  blossem 
Sach-Obj.  Get  [macht]  Vorschlag,  es  het  es  ledes  d's 
Recht  drzue.  Gotth.  Si  Meini'g  ge,  seine  M.  aus- 
sprechen Ndw.  Hieher  wahrsch.  auch  die  ä.  RA. 
,dafür  g.'  =  halten,  eig.  Meinung  abgeben,  stimmen. 
,Was  da  fuuden  wirt,  mögen  wir  nit  wüssen,  wir  gend 
aber  darfür  [usw.].'  1521,  Strickl.  B'scheid  ge,  B.  tun. 
beim  Zutrinken  AaF.  En  Eid  ge,  vorsprechen  Gl. 
Der  Landseid  isch-es,  wo-n-er  git.  Zwirnv  1856.  Früher 
auch  =  einen  E.  Ici.sten.     ,Und  wenn  ich  drumb  ein 


Gab,  geb,  gib,  g-ob,  gub 


t'iJ  solt  gen,  ich  weiss  liüiii  bessern  friinJ  uf  erd.' 
KMan.  =  es  gibt  bei  meiner  Treu  keinen  b.  Fr.  ,Sein 
alter  und  zeit  auf  jagen  g.',  verwenden.  Mal.  ,An- 
schläge,  die  offenbar  und  frücr  an  tag  geben  worden, 
denn  sy  verhofft  haben.'  1.585,  Absch.  Gib  's  von  dir! 
sprich!  Gr;  Z.  ,Die  Flucht  g.',  ergreifen.  XVII.,  Hist. 
Lied.  ,Gaben  sie  die  fl.'  Wurstisen.  Ebenso:  ,die  Weite 
g.'  XVI.,  Lied  v.  WTell.  ,Forcht  er  im  [fürchtete  sich) 
übel  und  gedacht  synen  nit  zu  warten,  sonder  ein 
wyten  zu  geben.'  HBüll.,  Tig.  .Wann  die  Prediger 
[vor  der  Pe.st]  ein  weiten  g.'  JJBreit.  1G'29.  ,Nicht 
Kühe  geben,  bis  man  den  Zweck  erreicht  hat'  Ba 
(wahrsch.  eine  Verquickung  von  .Ruhe  haben'  und 
.nachgeben").  Mit  ,es'  (das  aber  auch  wegbleiben  kann) 
und  appositionellem  Adj.  oder  mit  Adv.  Er  cha""  's 
rso  guet  hare  ge  [hergeben,  darstellen,  erzählen],  dass 
's  e  Freud  ist  zuez'lose  Zg;  Z.  De""  Hen-  Pfarrer 
het  's  guet  g'ge  [den  Text  seiner  Predigt  behandelt] 
ScuSt.  ,Es  half  Nichts,  sie  mussten  es  endlich  ver- 
loren geben.'  Gotth.  ,Sie  wollten  noch  nicht  verspielt 
geben.-  HPest.  1783.  ,Gwünnis  [gewonnen]  g.'  Mal. 
Es  gross  (vorriem,  gschteulle'J  ge,  grossen  Aufwand 
machen,  vornehm  tun  Z.  Mit  Acc.  (resp.  Nomin.)  des 
l'riidikats  =  .werden';  vgl.  11,  4.  Was  wottst  [willst] 
du  ge?  (Berufswahl)  Bs;  Gr;  L;  Uw;  Z.  Er  git  no''- 
[am  Ende  noch]  e  Nar  Bs.  —  b)  mit  beigefügtem 
Dat.  P.  (üuete'J  Tag  geh  i  [euch]  Gott!  Grussformel 
am  Vormittag  W;  Z.  Enandere  guet  Nacht  ge  [wün- 
schen] W.  Guet  Nacht  geb-i  Gott!  F;  GrS.;  W;  ZO. 
Gist-vinr  Hochzlt?  =  lädst  mi'''  a»  's  Hochzit?  fragt 
man  seinen  Hintermann,  doi  F.iinii  getreten  hat  GrS. 
/■■''  chann  im  jetz  nuniiin  ifsrhu-nu}  der  Name  nit  ge', 
BsL.;  Z.  Si  hat  si  g'ldiKjl.  i  ijrh-.rc  ken  Name  [dass 
ich  sie  nicht  mit  ihrem  Namen  oder  Titel  grüsse  B. 
Ei'm  d'  Weli  [Wahl]  ge,  gleichgültig  gegen  Einen 
sein,  sich  nicht  kümmern,  ob  man  die  Sache  so  oder 
anders  mache  BBe.  Einem  's  Wart  ge,  Bescheid  geben. 
Lenggenh.  1830.  Syn.  's  W.  gunnen.  , Einem  den  Eid 
g.'.  Einen  schwören  lassen.  ,Also  gabend  die  eidgnossen 
im  den  eid;  den  schwor  er  zu  halten.'  Edlib.  ,Dor 
den  Ehegaumern  gegebene  Eid.'  Hess,  Samml.  Da- 
gegen: , Einem  Etw.  in  den  Eid  g.',  ihn  eidlich  dazu 
verpflichten:  ,Dass  die  von  Murten  ihren  Schreibern  in 
d.  E.  geben,  keine  Briefe  aufzurichten.'  1542,  Absch. 
Recht  g.,  wortspielend  mit  recht  geben  i.  S.  v.  tüchtig 
Schläge  geben.  Er  hat  R. :  me"  sott  [sollte]  em  r.  g. 
SuTERM.  Du  hast  B.;  me  sett-der  aber  au'''  r.  ge  [mit- 
eme  Stecke  ZWl.)  Aa;  Gl;  Z.  Wenn  Eine"-  B.  het, 
so  mues-men-em  r.  ge  Aa.  .Einen  für  recht  bieten 
oder  tag  g.:  vor  Gericht  fordern.  Nit  tag  g.  oder  für 
lassen,  das  recht  abschlachen,  Judicium  non  reddero.' 
Fris.  ;  Mal.  ,Dem  N.  sye  tag  bar  gen',  er  sei  hieher 
vor  Gericht  geladen  worden.  1541),  Absch.  ,Dass  si 
nit  lychtlich  dem  hochmüetigen  Gfeller  wöllind  Ohren 
geben  [Gehör  schenken].'  Frikart  1470.  .Wiewol 
wir  dem  gar  kleinen  glouben  g.'  1532,  Strickl. 
[Dat.  S.].  .\nders:  das  git-mer  [macht  mich]  Niemet 
[Niemand]  z'  glaube  GSa.  Eim  kei"  guets  Äug  ge, 
keinen  freundlichen  Blick  gönnen  Z.  Von  Schätzung 
des  Lebensalters,  i.  S.  v.  zuteilen,  zutrauen.  !''•  hett-i 
[euch]  nüd  Sibezgi  g'ge  Z  (nach  dem  frz.  donner 
in  solcher  Anwendung).  Passiv  mit  ,es'  als  Schein- 
subjekt i.  S.  V.  göttlicher  Gabe  oder  Naturanlage, 
Fähigkeit  zu  Etw.  Es  ist-em  g'ge,  er  hat  von  Natur 
die  Gabe  L;  ScnSt.;  S:  Z.     Öfter  negativ:  Es  ist-em 


nüd  g'ge,  z.  B.  recht  z'  tue,  eil  z'  rede.  Mir  tcär 
das  mit  g'ge,  icli  brächte  das  nicht  übers  Herz.  — 
3.  mit  Acc.  P.  a)  in  der  gewöhnlichen  Bed.  (über- 
geben). Gem-mr  's!  ruft  man  hinter  dem  Kinde  her. 
das  man  spielend  verfolgt  Aa  ;  Z.  ,In  Empfel  g.',  zur 
Obhut  anbefehlen,  s.  I  798.  .Diris  agere  aliquem. 
einen  verfluochen  oder  dem  tüfel  g.'  Fris.  —  b)  in 
eigentüml.  Bed.  =  tun,  bringen,  mit  Raumbe.stira- 
mungen.  ,Die  will  ich  rasch  von  dannen  g.,  dass 
Keiner  mehr  das  Kloster  zu  sehen  begehrt.'  Gotth. 
,Die  Donstige  [Tausendskerle]  wolle  er  runter  g.  [unter 
kriegen].'  ebd.  .Die  will  ich  aus  einander  g.'  ebd. 
Eine'  uf  d'  Bei'  (in  d'  Sprung)  ge,  ihn  beschäftigen, 
zum  Hin-  und  Herlaufen  veranlassen  B.  —  c)  wählen, 
z.B.  „einen  Pfarrer  g.  VOrte".  Mit  Appos.  ,zu':  Einen 
zumene  Pfarrer,  zumene  Gemeindrat  ge  Gl;  GA.  — 
d)  schuld  g..  als  schuldig  ausgeben  (vgl.  4  c),  be- 
schuldigen (vgl.  ,gerecht  g.-  =  rechtfertigen  11  3,  od. 
durch  Verwechslung  resp.  Mischung  mit:  Schuld  geben 
c.  Dat.  P.).  ,Dass  kein  Mensch  sie  schuld  gebe.'  Gotth. 
.Er  gab  im  Gegenteil  die  Gemeinde  schuld  an  seinem 
Unglück.'  ebd.  —  4.  refl.  a)  sich  einer  Sache,  Tätig- 
keit ergeben,  hingeben,  widmen  B,  z.B.  i"  ds  Stün- 
deliicese'  [die  Pietisterei],  i'  d'  Förnemitet.  ,Seit  ihr 
[einer  vermeintlichen  Hexe]  die  Vorgesetzten  ihren 
Knaben  weggenommen,  habe  sie  erst  reclit  in  ihre 
heimlichen  Prattiken  gegeben.'  B  Hink.  B.  1863.  .Im- 
pensa  setas  labori,  auf  die  arbeit  [ge]  geben,  zur  arbeit 
geneigt.  Hoc  age.  das  tuo,  darauf  gib  dich.'  Fris. 
Darauf  gib  ich  mich,  id  operam  do.  Sich  g.  ze  kurz- 
weilen; sich  in  ein  gesellschaft  g.  [einlassen].'  Mal. 
—  b)  sich  begeben,  auf  den  Weg.  ,Auf  Gottes 
Wort  und  G'heiss  muss  Abraham  verlassen  Sein' 
Freund'  und  Vaterland,  s.  g.  auf  die  Strassen.'  Gr. 
Ofen-Inschrift.  ,Gaben  wir  uns  auf  den  Weg.'  Heut. 
1658.  —  c)  ,Sich  eines  lasters  schuldig  g.,  astringere 
se  sceleri.'  Mal.  =  sich  seh.  machen.  —  d)  sich  in 
Etw.  finden,  sich  darauf  besinnen  W.  Dara' chenn 
[könne]  er  schich  [sich]  eimal  gar  nid  gen.  W  Sag. 
Ebenso  positiv:  Dara"  chann  i'''  mi"''  scho'  ge.  ebd.; 
vgl.  begeben  2  b.  —  IL  mit  sächlichem  (z.  T.  per- 
sönlich gediichtem)  Subj.  1.  in  der  gewöhnlichen 
Bed.  mit  Dat.- u.  Acc.-Obj.:  , Unser  Kasjiar  ist  gewiss 
todt!  Der  Sonderbund  hat  ihm  gnug  g'g'i.'  Stutz  1850; 
vgl.  I  1  c.  Es  hät-mir  g'mieg  g'ge,  ich  habe  da.s 
Ding  satt  bekommen  Z;  versch.  von  g'nueg  g.  I  1,  e. 
G.  und  nemen.  ,Der  Wintermonat  nimmt  Schnee 
und  gibt.'  Brägger  1782.  Ntit  ge  und  N.  ne,  Nichts 
zu  bedeuten  haben,  weder  nützen  noch  schaden,  gleich- 
gültig sein.  Syn.  Nüt  derzue  und  N.  dervo"  tue". 
De  Merze  soll  N.  ge  und  N.  ne  [am  Stand  der  Feld- 
kultur durch  seine  Witterung  Nichts  ändern]  ZWang. 
Es  git-em  (oder  der  Sach)  Nüt  usw.  Z.  Doch  auch  mit 
persönl.  Dativ.  Sdlger;  Z.  .Es  gibt  der  sach  nichts 
und  nimmt  derselben  nichts.'  Hospin.  —  2.  wirken, 
mit  adverb.  Obj. -Bestimmung.  ,1' d' Auge' ge,  oculos 
fascinare.'  Id.  B;  vgl.  , stechen'  und  frz.  ,donner'.  De 
wiss  Wi'  git  uf  d'  Nerve  B.  Ebenso  uf  's  Dach  [auf 
den  Kopf]  ge,  aber  auch  mit  persönh  Subj.:  prügeln 
(auf  den  Schädel);  zum  Schweigen  bringen  Z;  vgl.  1 1  a. 
Anders :  ,1"  ds  Mes  ge,  mensuram  implere.  de  fasciculis 
frumentariis;  proflcere.  juvare.'  Id.  B.  —  .3.  gerecht 
g.,  rechtfertigen ;  vgl.  schuldig  ge  1 3  d  und  Becht  ge 
I  2  b.  ,Samm  [als  ob]  die  stuck  [fröhlicher  Mut  im 
Tod  usw.]  die  leer  [ihre  Irrlehre]  g.  gebind.'  HBill. 


75 


Gab,  geb,  gib,  gob,  gub 


76 


1531.  —  4.  i.  S.  T.  ergeben,  erzeugen,  ein  Pro- 
dukt, a)  mit  bestimmtem  Subj.  1)  ohne  ausgedrückten 
Obj.-Acc,  Frucht  tragen,  von  Bäumen,  vom  Boden  Z; 
w6l  g.,  gut  ausgeben,  z.  B.  die  Garbe'  gend  vol  ZKn. 
—  2)  mit  Acc.  Z'  vil  welche'  gU  Bluet.  Sülger.  .Das 
rot  Öl  gab  minder  dann  das  weissfarb.'  JRLandenb. 
1608.  Ich  und  du  und  's  Here  Sü  und  's  Müllers 
Stier  gend  (sind)  eusere  vier  L.  Säg  Öppis,  's  gid  eis 
Won 's  ander,  fang  ein  Gespräch  an.  ebd.  Aber:  Eis 
git  's  Ander,  auch  von  Entstehung  eines  Streites 
durch  beiderseitiges  Zutun  Z.  D'  Federe  git  's  nit 
guet,  tut  ihren  Dienst  nicht  recht  ScuSt.  D'  Ufrichti 
hät-mer  's  g'ge,  ich  habe  ihn  an  der  Gestalt  erkannt 
PMu.  D'  Sunn  git  warm.  allg.  's  Liecht  git  heiter. 
allg.  Wenn  Bettlerdreck  zu  Pßffer  iciird,  gid  er  rezer 
[hat  er  schärferen  Geschmack]  a's  andre'  GrD.  Schein- 
bar intrans.  i.  S.  v.  werden;  mit  Appos.  od.  Prädlk. 
im  Nomin.;  Syn.  ah-g.  G;  Z;  vgl.  1  1  2  a  am  Schluss. 
Das  git  e"  rechte'  Pfarer  Gl.  Was  mues  [soll]  das 
ge?  G;  Z.  .Es  gibt  ein  langer  Winter.'  Sprww.  1824. 
Suppe,  wenn  d'  feie'  witt,  gib  es  Mues,  Wunsch  eines 
Liebhabers  von  dickem  Brei.  Winteler.  —  b)  mit 
unbestimmtem  Subj.  ,es'.  Es  git  obana''her  [regnet], 
dass  ma"  kei"  Hund  üsjaga'  törfti  Gr  (Schwizerd.). 
Hat  's  brav  [z.  B.  Chriesi]  g'ge?  Z.  Es  git  nüd  so  guet 
det  hinne,  von  der  Fruchtbarkeit  des  Bodens  ZStadel. 
Es  mag  Nüt  g'ge,  es  trägt  nichts  Merkliches  bei  Z. 
Mir  gab  's  e  Ghummer,  wenn  %''•  Öppis  [in  Frankreich] 
chaufe'  milesst,  i  verstän  elces  Wort  wälsch  B  (Schwz. 
Dorfkai.).  Mit  .aus'.  Es  git  Nüt  us  im  B;  G.  Us 
de'  Tschüpe'  [Büschen]  git  's  Tanne',  us  de'  Buebe' 
git  's  Manne"  Gl.  Es  wird  Nüt  drüs  ge.  Id.  B.  Was 
git  's?  du  wirst  sehen,  frz.  va!  GlH.  Wenn  's  Öppis 
mit-mer  milesst  ge,  wenn  ich  sterben  sollte  (euphem.)  Z. 
Vorkommen,  vorhanden  sein  =  frz.  il  y  a.  .Da  git  's 
ein  zwisel  [eine  Abzweigung]  über  den  weg  inhin.' 
1470,  Zellw..  Urk.  Auch  mit  unbest.  Obj.  ,es-.  Es 
git 's,  es  kommt  vor,  kann  geschehen  Aa;  Bs;  Gl;  Z. 
Es  git  's  aw'',  dass  sie  [die  Elstern]  jungi  Vögel  ver- 
zausle".  EMev.  183.S.  Hand  iez  bald  zicänzg  Johr  im 
Fride  mit-enand  g'lebt.  —  Jo,  's  het  's  au'''  bed  Weg 
g'ge  [wir  hatten  zuweilen  auch  Streit].  EFeurer. 
Wenn  d'  nüd  's  Miil  zuehäst,  bim  Eid  git  's -es  nüd 
guet,  euphem.  =  werde  ich  dich  züchtigen.  Stütz. 
Mach-mi'''  nüd  taub,  suit  git's-es  nüd  guet!  Androhung 
von  Strafe  ZF.  Nilt  für  unguet,  Fraueli,  dass  i 
Afangs  e  chli  g'stürmte  [rasch]  g'si  bi',  es  git  mer  's 
gern  [leicht],  wenn  i  so  vo  d'r  Heiteri  i  d'  Feisteri 
dumme  BM.  —  5.  treffen,  a)  mit  Acc.  P.  i.  S.  v. 
schädigen.  1)  mit  bestimmtem  Subj.  Er  ist  neue 
[freilich]  nid  so  guete  z'ne,  doch  hat  er  glich  sclw 
Mänge"  g'ge,  Volksurteil  über  den  Wein  von  Oberried 
bei  FMu.  So  sprützt  e  Gätzi  [Schöpfeimer]  voll  Wasser 
zum  Loch  üs  dem  St.  in  's  G'sicht  und  git  aw''  die 
Andre'.  Breitenst.  1864.  D'  Geisle  hett  's  jo  chönne" 
ge.  KdMev.  1844.  -  2)  mit  unbest.  Subj.  (es).  Es 
git  in,  er  wird  getroffen  od.  betroffen  (von  Schaden. 
Unglück),  verletzt,  gefangen,  getäuscht,  beschämt,  in 
Folge  von  Unvorsichtigkeit  oder  Verwegenheit  Bs; 
Gl;  L;  G;  Sch:  Z.  ,Es  hät-ne  [ihn]  g'ge,  captus. 
deceptus  est.'  Id.  B ;  etwa  scherzhaft  mit  dem  das  Mass 
des  Schadens  bezeichnenden  Zusätze  um  en  SchilU'g  Z. 
Potz  tüsige  Tu  fei!  wie  hät's-mi  au  g'ge!  I'''  muess 
schier  fluechen  iind  lache'  drab:  Es  ist  nu''  's  Löters 
Annebab  [statt  der  erwarteten  vornehmen  Frau].  Stütz. 


Es  gid-e.  ruft  man  etwa,  wenn  der  Baum,  den  man 
fällen  will,  nachgibt  Uw;  Z.  letz  het 's -e'  halt  doch 
einisch  g'ge,  er  hat  endlich  einmal  Unglück  gehabt  in 
seinem  Beginnen,  Wagen  U.  Es  häd  3  Vögel  g'ge',  im 
Vogelschlag  .ergeben-.  Hat  's  die  Müs  emäl  g'ge?  ist  sie 
endlich  geftmgen,  erwischt  worden?  Es  häd-ene'  am 
Bei'  g'ge,  er  hat  sich  das  Bein  verletzt.  Es  gid  de'  Spitz- 
bueb  scho'  na'''  emäl,  er  wird  ertappt  werden.  Wenn  du 
nit  besser  afasch  huse',  sj  git  's-dt'"*  giciss  eiswegs  [gehst 
du  bald  zu  Grunde]  U.  ,Je  weiter  die  Kegel  stehen, 
je  weniger  es  Kegel  gibt.'  JKLav.,  Kriegsb.  1644.  - 

b)  mit  Acc.  ,es':  Esgit's.  1)  es  gelingt,  allg.  Es 
wott  's  nüd  ge.  Mit  Dat.  P.  Es  git-ne  's,  es  gelingt, 
gerät  ihnen,  sie  kommen  ökonomisch  vorwärts,  allg. 
letz  miesse-mer  da  dirhi  [hindurch],  denn  git  's-es  äen- 
andrenah  [sind  wir  sofort  am  Ziele]  B  (Schwizerd.).  Es 
gid-mer  's  (beim  Spiel),  gerät,  trifft  zu  Z.  Albigs  [ehe- 
mals] hat  's  es  eso  Eim  nüd  g'ge  Schw,  z.  B.  ein  so 
verschwenderischer  oder  ungeschickter  Mensch  konnte 
früher  nicht  aufkommen  oder  bestehen.  ,Es  gab  es 
mir  nicht  anders',  ich  konnte  nicht  umhin  B.  Ich 
meine,  es  geb-mer  's  nimme,  ich  verzweifle  an  meinem 
Aufkommen  U.  —  2)  es  reicht  aus,  genügt,  meist 
in  Verbindung  mit  ,mögen':  Es  mag's  (nüd)  ge  B; 
ScH;  Z;  bes.  auch  von  ökonomischen  Verhältnissen, 
wo  man  sich  z.  B.  eine  Ausgabe  erlauben  darf  oder 
nicht.  ,Er  antwortete:  es  mag  Gott  Lob  jetzt  Alles 
g.,  und  liess  sich  's  nicht  ausreden,  zu  halten,  was  er 
versprochen.'  HPest.  1790.  Es  git  's  eimel  iW'',  ich 
kann  noch  existieren,  es  geht  noch  BHa.  's  mag's  g'ge, 
drei  Ell  e  Pär  Händsche,  wenn  de''  Schnlder  kein 
Schelm  ist.  Sulger.  Es  git  im  's  frl,  es  ist  für  ihn 
lange  gut  genug  BSi.  —  6.  refh  a)  sich  zutragen, 
begeben,  fügen.  Vgl.  4  am  Schluss.  ,Es  hat  sich  gen, 
dass — .'  XVI.,  Lied,  —  b)  „sich  schicken,  passen, 
bequem  sein,  z.  B. :  de  Rock  git-mer-si'''  wol.  Es  git- 
mer-si'''  hüt  nit,  ist  nicht  gelegen."  Es  git-mer-si''' 
übel,  unbequem  BHa.  We"  's-mer-si'''  nie  wurser 
[schlimmer]  gab!  sc.  so  wollte  ich  zufrieden  sein  BK. 
Es  git-mu-si'''  Alls  wol  i  d'  Hand,  er  greift  Alles  ge- 
schickt an  BHk.  Es  git-mei'-si  wol  i  dem  Bett,  ich 
liege  bequem,  ebd.  Sich  günstig,  friedlich  gestalten 
(auch  nhd.).  Es  git-si"''  vo"  selber.  Es  wird-si'''  Alles 
wider  ge  Bs;  Z.  Es  git-si''',  gelingt  Ap;  vgl.  5  b  1 
und  .es  gibt  sich,  fit'  Mal.  =  es  git  's,  unter  4.  nhd. 
.es  begibt  sich'.  Es  mag-si"''  g'ge!  iron.  =  es  ist  der 
Mühe  (nicht)  wert.  z.  B.  so  viel  Aufhebens  von  einer 
Sache  zu  machen    Z;   Syn.  es  mag-si  aW''  erllde"!  — 

c)  gelingen  Ap.  Es  hät-si  nüd  möge  g'ge  mit  dem 
Springe,  der  Sprung  gelang  nicht,  konnte  sein  Ziel 
nicht  erreichen  (Schwizerd.). 

Die  Zsziehung  in  gen  schon  mhd.,  Jocli  uuv  in  alem. 
Quellen,  während  die  Formen  yist,  git  weitere  Geltung  hatten 
und  bei  uns  nur  noch  Yerk.  des  Voc.  erlitten  (,gitt'  auch 
ä.nhd.).  ,Gend'  in  Urk.  neben  ,gebent',  ebenso  ,ggben',  ge- 
geben, neben  , gen'.  Assimilationen  wie  9im-m<?r  (f.  , gib  mir' 1 
kommen  schon  früh  vor,  z.  B.  , Vetter  Gimmer'  als  appell. 
Eigenn.,  Gegs.  zu  .Gebhart',  Name  eines  Kargen.  —  Die 
meisten  Bedd.  unsers  W.  finden  sich  auch  im  ä.Nhd.,  die 
Erklärung  einzelner  bleibt  aber  fraglich,  z.  B.  ,die  Flucht  g.', 
ob  aus:  ,sich  in  die  Fl.  g.',  oder  nur  aus  .\nalogie  zu  dem 
syn.  ,die  Fl.  nehmen',  weil  ,geben'  und  ,nehmen'  .■»uch 
sonst  Wechselbegriffe  sind;  vgl.  Gr.  WB.  4,  1,  1,  1670. 
1672,  e.  1716,  wo  aber  die  Möglichkeit,  dass  das  syn,  lat, 
,terga  dare'  eingewirkt  haben  könnte,  nicht  erwähnt  ist, 
,Die  Weite  g.'   ist  jedenfalls  erst  nach  ,F1,  geben'  gebildet; 


Gab,  geb.  gilj.  S"b,  !,'ub 


vgl.  ,ilas  Wuite  suchen'.  —  Eiuwirkung  des  frz.  ,douner', 
zunächst  auf  den  Sprachgebrauch  der  deutschen  Westschweiz, 
ist  ühue  Zweifel  anzunehmen  bei  ,geben'  i.  S.  v.  mutmass- 
licher Schätzung  des  Lebensalters  und  i.  S.  v.  ,wirken'  auf 
die  Nerven  (II  2),  obwohl  die  letztere  Anwendung  auch  aus 
IIa  erklärt  werden  kann;  auch  ,in  das  Mass  g.'  scheint 
gewissen  Verbindungen  des  frz.  ,donner'  zu  entsprechen,  z.  B. 
,donner  au  but',  das  Ziel  treffen,  ,donner  dans  le  sens  de  qu.', 
beistimmen,  wenn  man  dies  nicht  lieber  zu  II  5  (treffen) 
ziehen  will.  Vgl.  noch  dnn  g.,  neben  ushin  y.  Die  eigentüm- 
liche Bed.  I  3  b  (vgl.  auch  uf-g.  1;  an-g.  2;  umhin-ij.  5; 
uthin-g.  10;  fürhin-g.  S;  weg-,  zuehin-,  zesammen-g.)  mag  aus 
Fällen  erklärt  werden,  wo  ä.nhd.  ,g.'  fast  den  S.  von  ,tun' 
zeigt;  s.  Gr.  WB.  aaO.  1672,  und  ,sich  von  einander  g.'  ebd. 
1724/5;  vgl.  auch  lat.  ,-dere'  in  Compp.,  welche  (urspr.) 
nicht  zu  ,dare'  (Wzl  da),  sondern  zu  Wzl  dha  gehören.  Die 
bei  Gr.  WB.  nicht  bezeugte  Bed.  ,wählen'  rührt  vielleicht 
aus  der  Zeit,  wo  Beamte  nicht  von  der  Gemeinde  gewählt, 
sondern  von  einer  Herrschaft  (Patron)  ,gegeben'  wurden. 
Zu  der  Formel  im«  girt  was  hast  s.  Gr.  WB.  1725;  nach 
TTobler  soll  sie  schon  in  einer  Urkunde  des  XV.  vor- 
koiumen  (?).     Abi.   s.   u.  gib-. 

ab -gäben:  1.  trans.  a)  wie  nhd.  i.  S.  v.  .über- 
geben-. —  b)  ab-  oder  losdrücken,  einen  Schuss  (auf 
ein  Ziel)  Z.  —  e)  aufgeben,  z.B.  eine  Braut  Z. 
Ein  Bündniss:  .Alle  Verbuntnüss  abzegend  und  uf- 
zehörend.-  1420,  Absch.  De"  Vortel,  den  Vorteil  aus 
der  Hand  geben,  fahren  lassen  Z ;  s.  noch  .3  b ;  Syn. 
über-g.  —  d)  als  Folge  ergeben  =  geben  II 4.  1)  mit 
Öachsubj.  Schilli'''  [schrecklich]  schirar^et's  (im  l.iiiirr 
C-berg),  das  git  e  suberi  Wasch  [Regen,  Ge\vitt.i|  ,</,.' 
KdMey.  1860.  ,Es  wird  nichts  a.,  nihil  indo  liuri 
sperandum.'  HosriN.  ,Dass  (es)  innert  lÜU  Jahren  von 
einem  ansehnlichen  Synodo  der  Predikanten  nicht  so 
viel  Fehlbare  abgegeben  (hat).-  ClSchob.  1699.  — 
2)  mit  persönl.  Subj.  und  mit  Obj.-Acc.  =  Prädik.- 
Nomin.  i.  S.  v.  .werden-  B;  G;  Zg;  Z.  Steife'  hätt 
chönne'  e*  Ma"  a.  Gotth.  Wenn  mm  Vetter  en  Herr 
abgit.  ,Er  wurde  nach  und  nach  so  hineingezogen, 
dass  er  den  unglücklichsten  Säufer  abgab.-  Baurenfr. 
1768.  —  2.  refl.,  wie  nhd.,  sich  mit  Etw.  od.  Jmdm 
beschäftigen.  —  3.  intr.  a)  mit  Dat.  P.,  sich  durch 
Zurede  oder  Drohung  bewegen  lassen.  Er  hät-vier 
abg'e,  hat  auf  meine  Vorstellungen  geschwiegen,  ist 
von  Diesem  oder  Jenem  gegen  mich  abgestanden  BHk. 
—  b)  absolut.  1)  an  körperlichen  oder  geistigen 
Kräften,  an  Schönheit  abnehmen,  altern,  gebrechlich 
werden  Aa;  „VOrte";  Z;  Vermögen  verlieren  Z.  — 
2)  nachlassen,  von  Schmerzen  und  Leidenschaften 
Bs,  im  Fleiss,  Wetteifer  B;  Z,  im  Widerstand,  resp. 
in  der  Festigkeit  einer  Behauptung:  davon  abstehen, 
.nachgeben',  sieh  als  besiegt  .ergeben'  GF.,  G. ;  UwE.; 
Zu;  Z;  Syn.  lugg  ge;  übh.  von  Etwas  abstehen,  auf- 
hören Ap;  GrD.;  L;  ZO.  Er  will  mit  Müede"  [lästig 
bitten]  nüd  a.  Me'  mices  nw  nüd  grad  a.  Wer  abgit, 
hat  versj)ilt  GW.  —  3)  ein  Amt,  eine  Stelle,  einen 
Beruf  niederlegen  Ap;  Bs;  B;  VOrte;  G;  Z;  sein 
Vermögen  abtreten  Aa;  Bs;  vgl.  1  c.  Dr  Vater  häd 
"bg'ge,  den  Söhnen  die  Wirtschaft  übergeben,  sich  zur 
Piuhe  gesetzt.  —  c)  =^.  II 4.  .Wie  es  die  Zeit  hero 
so  viel  Fäl  der  Selbstmörderei  abgegeben.'  AKlingl. 
1691.  —  d)  erbrechen  Gr;  Syn.  (sich)  er-g.;  use-, 
über-,  wider-,  ufhin-,  zeruch-,  dar-g.;  orgelen;  uf werfen 
und  Bd  I  184  Anm.    zu   Uelerich.   —    abhin  (übe")-: 

1.  heruntergeben.  Das  Klappern  der  Mühle,  auch  der 
Birnmühle,   wird  übersetzt  mit:   gib  abe,  gib  abe!  — 

2.  (d'  Milch)  «.,   die  Milch  aus  dem  Euter  entlassen, 


anstatt  sie  in  den  Leib  zurückzuziehen,  was  die  Kühe 
einem  ungeeigneten  Melker  gegenüber  etwa  tun  Aa; 
Bs;  Z.  Bildlich,  von  Menschen:  a)  vom  Zorn  ab- 
lassen, zahm  werden  Bs;  Z.  b)  von  der  Forderung 
eines  höheren  Preises  beim  Ankauf  abstehen,  ebd. 
c)  übh.  nachgeben,  bescheidener,  anspruchloser,  will- 
fähriger werden,  d)  altern,  nicht  mehr  frisch,  strotzend, 
schön  sein  Z;  vgl.  ab-g.  —  über-:  1.  trans.  a)  wie 
nhd.  ein  Geschäft;  einen  festen  Platz,  ein  Trupi>en- 
korps  dem  Feinde;  das  Gewerbe  an  die  Söhne  abtreten. 
Syn.  ab-g.  Einen  säumigen  Schuldner  dem  Keclits- 
trieb  ü.  Bs;  B.  Auch  ohne  ausgedrücktes  Übj.  (vgl.  3). 
.Übergib  mich  nicht  in  einen  verkehrten  sinn!-  JMüll. 
1673  =  lass  mich  nicht  darein  verfallen.  —  b)  auf- 
geben. 1)  mit  Sachobj.  De"  Vortel  ü.,  aus  der  Hand 
(resp.  dem  Feinde  in  die  Hand)  g.  Z.  .Als  üwer  gnad 
uns  ermant.  unsern  vorteil  nit  ze  ü.,  ist  nit  minder, 
unser  fygend  sind  gegen  uns  gezogen,  der  meinung, 
uns  uss  unserm  vorteil  ze  locken.'  1524,  Strickl. 
.Also  das'  der  hindrest  teil  der  Helvetern  des  keisers 
vordren  teil  nit  mer  dann  6000  schritt  wyt  von  ein- 
andren waren,  also  das"  kein  teil  dem  andren  den 
stryt  oder  synen  v.  ü.  wollt.'  FrJvAinwyl  1527.  ,Di- 
mittere  occasionem.  seinen  v.  ü.,  den  anlass  oder  ge- 
legenheit,  etwas  ze  tuen,  von  banden  lassen.'  Fris.  ; 
Mal.  Der  Abt  niusste  den  Mönchen  schwören,  .dass 
er  dem  gottshus  nünts  wellte  ü.  [Nichts  vergeben, 
iinfijeben  von  den  Rechten  des  Klosters].'  Vad.  .Sein 
llrciit  u.:  darvon  abston  oder  etwas  nachlassen,  de- 
cedere de  suo  jure.'  Fris.;  Mal.  .Seinen  [geistlichen] 
Stand  zu  ü.  [aufzugeben]  und  sich  zu  verehelichen.' 
RCys.  —  2)  mit  Personen-Obj.,  preis  geben,  ver- 
lassen, im  Stich  lassen,  verraten  (übergehen).  ,Alt 
fründ  soll  man  nit  ü.'  1531/1667,  Sir.  .Dann  sie  ein- 
anderen in  der  bricht  dermassen  ü.  hatten,  dass  sie 
einmal  kein  trost  an  einanderen  wüssten.'  ValTscuudi 
1533.  .Dass  wir  understanden  habind.  ander  recht- 
sprecher  zu  suochen,  und  hierait  sie  ü.,  wiewol  sie  die 
rechten  natürlichen  herren  und  oberen  sygind.'  UMev. 
1540/7:X  .Vater  und  muoter  ü.  [verlassen].'  Euef  1550. 
Beeiiitiarliti-.ii,  siluidigen.  verletzen,  geringschätzen. 
bescbiuiiitVii  (wio  nihd.).  ,Keins  soll  das  ander  ü.' 
früntlich  und  lieblich  sond  ir  leben.'  Ruef  1550. 
.Da  er  nit  willens  wer,  einen  vertruwten  fründ  von 
guots  oder  gelts  wegen  zuo  ü.  [vor  den  Richter  zu 
stellen  oder  übh.  preiszugeben].'  Vad.  .Übergabend 
einanderen  nit  als  fyend,  sonder  handletend  und  wand- 
letend  gegen  andern  in  der  liebe.'  HBull.  1571.  ,Lu- 
tum  manibus,  farinam  pedibus  tractare,  prov.  =  die 
würdigen  der  belohnung  [Genit]  ü.,  die  unwürdigen 
belohnen.'  Denzl.  1716.  —  c)  erbrechen.  .Welcher 
sich  überfüllt,  dass  er  solches  wider  ü.  muoss.'  AAKad. 
Brauchb.  1671.  —  '2.  refl.  a)  sich  als  besiegt  er- 
geben. —  b)  sich  irren,  verrechnen,  täuschen.  z.B. 
beim  Zählen  von  Geld,  aber  auch  in  der  Sch-ätzung 
von  Menschen.  z.B.:  An  dem  han-i'''-mi'''  überge;  i''' 
han  nüd  g'meint,  dass  der  so  e  falsche  sig  B  öO.  — 
c)  mit  Dat.':"  sich  an  Etwas  hingeben,  sich  darauf  ver- 
lassen V  oder  mit  Gen.'i?  durch  zu  viel  geben  sich  er- 
schöpfen? oder  sich  zu  sehr  rühmen  (vgl.  dän.  over- 
givenhed,  Übermut)?  ,Es  soll  sich  nieman  ü.  [später 
geändert  .überheben']  syner  mannheit  und  [1.  us'r'l 
übermuot'  Granson-Lied.  —  d)  sich  erbrechen  Bs; 
B;  L;  GoT..  W.;  Zg;  Z.  Vgl.  1  c  u.  3  b.  ,Vomere, 
kotzen,   sich   ü.-    Denzl.  1677;  1716.     -  3.  intrans. 


Gab,  gel),  gih.  goh.  gub 


80 


resji.  absolut,  a)  verziditoii  auf  weitere  Bestrebungen 
Z.  Vgl.  auch  1  a.  Syn.  ah-g.  3  6.3.  —  b)  sieh  er- 
brechen GRChur;  GoT.,  Stdt;  Z.  Syn.  s.  ab-g.  3  d. 
.Kotzen,  koren,  karen.  erbrechen,  ü.'  Red.  1662.  — 
übe rhinf'wbej-ej- geben:  unpers.,  Schaden  zufügen  U. 
Es  het  im  u.  g'ge,  er  hat  Seh.  davon  getragen. 

u  f- :  1.  von  unten  hinauf  reichen.  Spec.  beim 
Ernten  mit  der  Gabel  das  Heu.  die  Garbe  vom  Boden 
auf  den  Wagen,  dem  Ladenden  in  die  Hände  reichen  B. 
Jradni  Etwas  [eine  Last]  auf  Rucken,  Schulter  oder 
Kopf  zu  tragen  auflegen  G;  UwE.  Einen  Auftrag 
geben:  Hesch  [hast  du]  -mer  Nüt  ufz'gi?  G.  Eine 
Aufgabe  geben,  z.  B.  in  der  Schule,  allg.  Hand  uf., 
s.  Bd  I  121.  Beim  Ballspiel:  den  Ball  dem  Schläger 
vorwerfen;  Syn.  Inschenken.  .Wann  ihr  lieber  wollet 
aufgeben,  so  schenk  ein:  si  mavultis  dare.  adjice  pilam 
reticulo.  Wollt  ihr  mit  der  schaufei  oder  mit  dem 
garnböglein  aufgebens  spilen?  Paläne  an  reticulo  da- 
tatim  ludetisV"  Red.  1G62.  Mit  Acc.  P.:  auftreiben, 
aufschrecken.  Das  het  enanderen  [s.  Bd  I  304]  üfg'ge, 
wo  's  Färhm-n  'tönt  het  =  das  jagte  Einen  (mich)  aus 
dem  Bette  B;  vgl.  geben  I  3  h.  —  2.  bei  Kauf  oder 
Tausch  zum  Preis  Etw.  hinzufügen  Gl;  G;  ScuSt., 
z.B.:  J'*  gib-der  ml'  Schöf  a"  dl'  Geiss;  tcas  gisch 
[gibst  du]  -vier  üf?  G.  Drüf  ge,  Aufgeld  geben  AxBa.; 
Syn,  z'  best  g.  Vgl.  geben  IIa  (am  Ende).  —  3.  ab- 
geben, verzichten,  z.B.  auf  eine  Stelle  G;  Z  (wie 
nhd.).  Ufge  ist  scho'  verspilt  L.  Mit  Aec.  P. :  Si  händ 
en  ganz  üfg'ge,  die  Hoffnung  auf  seine  Besserung  Z. 
—  4.  übergeben  a)  Personen,  resp.  sich  selbst,  als 
gefangen,  dem  siegreichen  Feinde.  ,Sie  wellent  sich 
u.  uf  Gnad  oder  uf  Ungnad."  1444,  Gfo.  .Als  die 
unsern  söliche  not  empfunden,  gaben  sie  sich  uf  und 
wurden  fänklichen  in  die  statt  gefüert.-  1515,  Absch. 
,Dorum  so  erforderent  wir  an  üch,  dass  ir  üch  an  uns 
ufgeben  und  ergeben,  uns  hulden  und  schweren.'  1531, 
Absch.  Auch  ohne  Pron.,  viell.  mit  Ergänzung  von 
,Widerstand'  od.  i.  S.  v.  3.  ,Also  musstend  sy  ufgen.' 
BossH.-GoLDScHM.  —  b)  Sachen,  z.  B.  feste  Plätze  an 
den  Belagerer.  ,Er  bekam  [das  Schloss]  durch  Auf- 
gebung.' WuRSTis.  1765.  Preis  geben,  als  Preis  aus- 
setzen: ,Das  wir  dis  nachgeschriben  kleinot  fry  uf- 
geben und  die  armbrostschützen  darumb  schiessen 
lassen  wöllent.'  1465,  S  Wochenbl.  Auf  einen  Besitz 
verzichten :  ,0b  ein  kirchherre  die  kirchen  understünde 
ze  verwechslen  oder  in  ander  weg  ufzegeben,-  1488, 
Bs  Rq.  Auch  nur  bedingt  und  für  beschränkte  Zeit 
übergeben,  anvertrauen,  leihen:  ,Dass  niemand  der 
unseren  dheinem  ussmann  noch  unsern  yngesessnen 
körn,  haber,  wyn,  tuoch  [usw.]  uf  borg  in  wuochers 
wyse  ufg.  noch  borgen  soll.-  1417,  Bs  Bq.  .Wer  de- 
heinem  jungen,  der  unter  20  jaren  alt  ist,  ützit  ufgyt 
uf  vatter  oder  muoter  tode,  oder  wider  vatter  und 
muoter  willen  und  wissen,  das  man  denen  ufgebern 
ganz  nützit  schuldig  syn  soll  ze  tuonde  [leisten].- 
1450.  ebd.  .Und  sy  beid  teil  uns  diss  sach  mit  mund 
und  band  ufgeben  und  vertruwet.-  1530,  AaMcII.  ,Uf- 
geben[s]  und  vertruwts  gelds  halb.'  1580,  Schacbg.  Rq. 
Bes.  aber  techn.  Ausdruck  der  Rechtsspr.  =  üflä(n), 
d.  i.  Eigentum  oder  Lehen  einem  Andern  abtreten, 
was  (entsprechend  der  notarialischen  Fertigung  un- 
serer Zeit)  in  der  Form  eines  gerichtlichen  Processes 
zu  geschehen  hatte,  indem  das  Gut  unter  Zeugenschaft 
aller  Anwesenden  zunäch.st  in  die  Hand  des  Gerichts- 


vorsitzenden oder  des  Lehenherrn  übergeben  wurde, 
von  dem  erst  der  neue  Besitzer  es  empfleng.  .Ist 
dass  keinü  [irgendwelche]  güeter  verkouft  werdent, 
die  jeman  hett  von  erbes  reht  von  der  kilchen  von  Z., 
und  e  dass  du  selben  güeter  uf  werden  geben  in  eines 
probstes  haut  von  dern  verkoufer  [etc.].'  1388,  Offu. 
ZHungg.  ,Es  soll  der  meiger  ufg,  den  meigerhof  in 
des  probstes  band.'  ebd.  ,N.  u.  N,'  erscheinen  vor 
Vügtgericht  und  offenbaren,  dass  sie  der  Probstei  Z 
mehrere  Güter,  die  z.  T.  vogtbar  eigen,  z.  T.  lediges 
Eigen  seien,  verkauft  haben;  ,sy  haben  die  güeter  alle, 
die  frygen  für  fry,  die  vogtberen  für  vogtbar  mit  niyner 
band  ledig  und  los  ufgeben  und  sich  des  entzigen.' 
1420.  Z  Urk.  ,Wa  euch  yemand  dem  andern  ligende 
güeter,  die  er  [als  Pächter]  gebuwen  het,  umh  einen 
jerlichen  zins  ufg.  will,  die  er  und  syne  kind  nit  ge- 
buwen mogent.  solliche  güeter  sy  mit  ergangen  Zinsen 
vor  dem  schultheissen  in  gericht  in  guotem  buw  ufg. 
sollent,  und  sollent  euch  sweren,  daz  sy  die  noch 
ander  güeter  nit  gebuwen  mogent;  erfunde  sich  aber 
darnach,  daz  ein  solicher  ander  ligende  güeter  buwte, 
derselb  soll  die  güeter,  so  er  vormals  ufgeben  bette, 
widerumb  buwen,  ob  der  lyher  im  die  lassen  will.' 
1520,  Bs  Rq.  ,Soliche  losungen  sollen  mengliche  zuo 
gestatten  schuldig  syn,  es  were  dann  sach,  dass  yemants 
ligende  güeter  umb  ein  järlichen  zins  also  hingeliehen, 
dass  der  zinsmann  nit  gwalt  haben  sollte,  die  em- 
pfangnen  güeter  weder  ze  verendren,  ze  versetzen 
noch  ze  verkoufen;  sonder  so  der  zinsmann  das  guot 
nit  mer  behalten  wollte,  dass  er  dann  das  selbig  dem 
zinsherrn  wider  ufg.  sollte.'  1539,  ebd.  So  auch  ein 
ideelles  Recht:  ,Wenn  zwei  eheleute  streitig  sind,  so 
sollen  sie  sich  zu  beiden  selten  irer  vogtei  gegen  ein- 
andern  verzeicben  [verziehten],  die  dem  richter  ufg. 
und  darauf  die  frau  sich  anderwert  widerumb  ver- 
vogten.'  1533,  Bs  Rq.  Auch  Verg-abungen  mussten  auf 
diesem  Wege  ihre  Gültigkeit  suchen.  So  geschah  z.  B. 
1327  die  Schenkung  von  Eigenen  an  die  Kirche  ,in 
dem  gottshus  vor  fronaltar,  uf  denselben  altar  ich 
dieselben  opfert  und  ufgab.'  --  Mhd.  vfifihm,  übergeben, 
verleihen ;  verzichten. 

ufhin  (ufe,  ue-e)-:  1.  =  uf-g.  1,  z.B.  Garben 
durch  Hinaufbieten  auf  den  Wagen  laden  helfen  B; 
S;  Z.  Ber  Ätti  git  dem  Heiri  u-e.  KdMey.  1S44.  — 
2.  erbrechen  Gr.     Syn.  s.  ab-g. 

umhin  fMOTjfte^-:  1.  herumbieten,  circulieren  lassen 
Uw;  Z.  —  2.  zurückgeben  a)  Geliehenes,  auch  Ge- 
stohlenes, allg. ;  Syn.  umme  tue.  —  b)  beim  Wechseln 
eines  grössern  Geldstückes  kleine  Münze;  den  Mehr- 
betrag eines  bezahlten  Kaufpreises  L ;  Z.  Syn.  ushin-g. 
, Selbiger  soll  diesem,  des  der  boum  ist,  den  halben  teil 
umhin  gen.'  1556,  LKriens  Amtsr.  —  c)  ein  Gegen- 
geschenk machen  G;  Z.  Wenn  er  für  eso  e  Wenig- 
keit [eine  solche  Kleinigkeit]  de  Weg  [in  solchem 
Masse]  umegit,  was  tcurd  er  erst  für  e  Hamme  [Schin- 
ken] ge?  Stutz.  —  d)  übh.  vergelten  BBe.;  Gl;  S. 
Syn.  umme  tue.  Mühe  lohnen :  Wenn  's  scho"  me" 
z'  tüön  git,  wenn-mw  d'  Sach  ordeli'''  macht,  su  mag 
's  es  doch  gäng  [immer]  umha  g'gen  BR.  Wenn  es 
grad  pressiert  hätt,  su  macht  's-em  's  iez  umha  g'gen. 
ebd.  Böses  mit  Bösem  v. ,  Beleiiügungen  rächen : 
Umme  ge  ist  Gott  lieb  üwE.,  ist  niid  Sund  Z  (Wort- 
spiel). ,Ime  auch  ein  Biss  wider  umhin  gebe.'  1537, 
Abscb.    Vorwürfe  erwidern;  treffende  Antwort  geben; 


Sl 


Gab.  geb,  gib,  gob,  gub 


widersprechen  Ar;  Bs;  B;  ül;  L;  Schw;  UwE.;  Z; 
Syn.  tcideräferen ;  ushin-g.  —  3.  Nebes  otmna  gc" 
chönne',  einen  Gewährsmann  für  Etwas  haben  Ar. 
Syn.  ummettten.  —  4.  mit  Acc.  P.,  zurücktreiben, 
zur  Umkehr  nötigen,  von  Jmdm,  der  in  vollem  Lauf 
anstösst.  Das  het  vii'''  schön  umme  g'g'e!  B.  —  5.  es 
git  M"m  umme,  nimmt  Einen  hart  mit  ScHwIberg. 

Zu  2  d.  , Einen  Biss  u.'  erinnert  an  das  mhd.  .einen 
biz  gelten'  im  Eingang  des  Parzival  ('2,  21).  —  3  kann  ans  1 
iider  aus  2  d  erklärt  werden.  Zu  4  vgl.  gehen  lab  und 
die  Aum.  dazu.  5  viell.  aus  .Einem  um  die  Ohren  geben', 
sc.  Schläge  au  den  Kopf,  oder  aus  2  d. 

a(n)-:  1.  concr.  a)  die  Spielkarten  zum  ersten 
Gange  einer  Partie  austeilen  (ge)  7i ;  vgl.  Bd  I  256  Anm. 
—  b)  Anstoss  zur  Bewegung  geben,  auf  der  Schlitt- 
bahn  oder  Schaukel  Z.  Gib-mer  e  chli"  a"!  hilf  mir 
ein  wenig  an  oder  nach!  Trs.  u.  ntr.  Den  Spielpflock 
(die  Griggele)  mit  der  hölzernen  Spielschaufel  von 
seiner  Unterlage  fort  schleudern  ZO.  's  (dem)  Zit  [die 
Pendeluhr]  a.,  in  Bewegung  setzen  Z.  Auch  geistig: 
Anstoss  zu  Etwas  geben  (V)  ZDän.  —  c)  Laute  aus- 
stossen,  stossweise  schreien  oder  heulen  B.  Wemn 
d'  Orechuze  uf  de'  Raub  fare"  u'"'  derzue  so  grusig 
a"g'e'  u"'  hüle'.  Von  Hunden:  durch  Gebell  ein  Ge- 
räusch anzeigen  B.  Auch  von  Menschen:  laut  weinen 
B;  Syn.  s.  flännen.  —  d)  Feder,  Bleistift  .geben  nicht 
au',  wenn  sie  trotz  ausgeübtem  Drucke  auf  dem  Papier 
keine  Zeichen  ergeben,  keine  Züge  machen,  keine  Spur 
hinterlassen  G;  Z.  Auch  unpers.:  's  git  nüd  a".  — 
•2.  abstr.  a)  (in  die  Feder)  diktieren  Ap;  Bs;  B; 
Sch;  Uw;  Z.  Erhät-mer  a'g'gii,  was  i'*  mües  schribe"  Z. 
.Angeben  aufzeschreiben.  dictare.'  Hospin.  Einen  Eid 
a.  =  vorlesen, -sprechen.  Salat;  Yg\.  geben;  antworten. 

b)  Anweisung  geben;  bestellen.  Er  hat  a'g'gii, 
wie-n-i  's  mües  mache"  ZO.  Me'  mues  d'  Fürsprütze 
a.,  e  d'  Broust  [Feuersbrunst]  ist  Z.  (Einer  Weibs- 
person) Ei's  a.,  ein  uneheliches  Kind  erzeugen  Z; 
Syn.  anmessen.  .Ein  Bauw  a.,  architectari.'  Mal.  ,Gott, 
der  mir  ein  Arch  angeben  hat  zue  machen.'  Rüep  1550. 
Metari  sdificium.'  Hospin.  En  guete''  A'geber  ist  besser 
weder  en  fule'  Werchme  [Arbeiter].  —  c)  belehren; 
raten.  3le"  mues  de  Chinde"  recht  a.  Gr.  Er  lät-em 
[lässt  sich]  Nüt  a.  Z.  Swst  war  's  denn  efange' 
bös  [schwer]  age,  wenn  's  allewil  regneti  BBe.  ,Auf 
dein  A.,  te  auctore.'  Hospin.  —  d)  benennen,  auf- 
zählen. Zügen  a.  Z,  vorschlagen  AAHold.  ,Eechnung 
a.',  ablegen  Ap.  Alle  Johr  werd  Eechnig  a'g'ge.  Merz 
1836.  —  e)  anzeigen;  verzeigen,  verraten  Gr;  Z. 
(Einen  Schuldner)  zu  rechtlicher  Betreibung  über- 
geben Z.  (Einen)  als  Vater  eines  unehelichen  Kindes 
nennen  B;  Z.  Von  einem  Todesfall  beim  Pfarrer  An- 
zeige machen  B:  Du  miiest  ga  age  W''  liiege",  we""- 
me'  's  vergrabe'  [begraben]  chönnt.  Gotth.  Ebenso 
vom  Vorhaben  einer  Eheschliessung  B.  Du  wirst 
dijch  nid  witers  welle',  dass  dr  Huet  iiff  hest,  oder 
wottist  öppe  zum  Pfarrer  gan  a"ge'?  Slhwizerd.  Färb 
a.  fbikenne'J,  beim  Kartenspiel  Z.  —  f)  darstellen, 
erzählen  Gl.  Es  git  a'  de"  Chinde"  vil  Liebi  zu  de 
Verwandte,  wenn  er  [der  Grossvater]  -ne'  so  vW  si's 
Vaters  ureltisten  Eiteren  agitt.  Anderl.  1852.  In  vor- 
teilhaftem Lichte  darstellen,  einleuchtend,  plausibel 
machen,  empfehlen  Zg;  Z.  Er  cha"'  's  Eim  eso  a. 
SuLGER.  ,Jetz  aber  sind  sy  so  heftig  dran  [an  dem 
französischen  Bündniss],  gebend's  guet  an  und  sind 
so  guet  französisch.'  1596,  Zellw.,  Urk.  —  g)  etwas 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


Falsches  vorgeben,  wei.s  machen.  Jiiidii  zum  Narren 
halten  „VOrte;"  G;  Z.  —  h)  refl..  sieh  kund  g. 
,Wenn  sich  das  Kind  nur  mit  einem  Füsslcin  angebe, 
so  soll  die  Hebamme  das  andre  Bein  auch  suchen  zu 
gewinnen.'  JMuralt.  1697.  —  anhin  (anne,  ännej-: 
1.  reichen,  herbeibringen.  Gib  vier  de"  Hegel  [Sack- 
messer]  a.  Uw.  —  2.  hin-,  weg-geben,  zum  Ver- 
kauf. Er  hat  's  Hüs  uf  der  Gant  [Steigerung]  anne- 
g'ge,  er  gab  es  um  das  höchste  Angebot  hin  B.  ,Get 
ane!  so  ist  man  dem  Geläuf  und  Gerede  ab.'  Gotth. 
—  3.  darstellen  (leicht,  gefällig).  Ygl.  an-g.  6.  Er 
cha"'  's  ^so  nett  a.,   weiss   sich   so  gut  auszudrücken. 

1  cha  's  nit  so  a.  wie-n-i  möcht!  —  4.  mit  Dat.  P.. 
derb  antworten  Uw;  U.  Dem  u'verschante'  Kerli 
han-i'''  due  doch  einisch  anneg'ge!  ihn  tüchtig  zurecht- 
gewiesen, widerlegt.  Er  hed-mer  cheibig  [trotzig]  anne 
g'ge,  's  gang-mi'''  Noid  [Nichts]  a'  UwE.  Syn.  umme-, 
use-g.  —  vor  anhin-:  zum  Voraus  g.  Id.  B. 

i(n)-:  1.  Arznei  zu  trinken  g.,  einflössen;  Men- 
schen und  Tieren  (mit  und  ohne  Angabe  des  Obj.) 
Bs;  B;  Uw,   Z.     Vgl.  in-nemen.     ,Gib   dem  Patienten 

2  Löffel  voll  ein.'  FWiJrz  1634.  Auch  von  geistigen 
Einflüssen,  Einem  Etwas  beibringen:  Du  channsch's 
Eim  so  i.,  •'ass-me'  's  gar  orteli'''  verstot  Bs.  De'  Ver- 
stand im  Stei'fass  i.,  mit  dem  Nürnberger  Trichter. 
Vgl.  ,mit  Löffeln'.  .Wenn  sie  ihm  nur  den  Zehnten 
[zehnten  Teil  dessen]  eingeben  könnte,  was  Vreneli 
sei,  so  wollte  sie  glücklich  sein.'  Gotth.  —  2.  ein- 
reichen, eine  Bittschrift  an  eine  Behörde,  Schuld- 
forderung vor  Gericht,  Anmeldung  für  eine  Stelle, 
fertige  Examenarbeit  B.  Sini  Grund  i.,  meist  aber 
absol.  =  sich  um  eine  Pfarrstelle  bewerben,  was  durch 
eine  die  Begründung  der  Bewerbung  enthaltende  Bitt- 
schrift an  die  Regierung  zu  geschehen  hatte  B  t-  — 

3.  anzeigen,  verklagen;  vor  einer  Behörde;  auch  Eim 
chlagswis  i.  Ap;  ,denuntiare.'  Id.  B.     Vgl.  an-g.  5.  — 

4.  in  Besitz  geben,  überliefern,  mit  Dat.  P.  Acc.  S. 
.Habitationem  assignare  [anweisen].'  Id.  B.  ,Ze  rech- 
tem redlichem  pfände  und  in  pfandswys  yngeben  und 
yngsetzt.'  1395,  Zellw.  Urk.  ,Wie  Waldmann  die  statt 
Zürich  dem  römschen  küng  wellt  yngen  und  verraten.' 
Edlib.  .Gedenke  er  aus  der  Grafschaft  Burgund  ein 
Königreich  zu  machen  und  [es]  eines  Königs  Sohn 
yngeben.'  1547,  Absch.  , Anderen  der  Statt  Ambts- 
leuten  zu  besitzen  yng.  und  verliehen.'  KCys.  — 
Mhd.  ingebai,  übergeben,  -weisen. 

dri(n)-:  1.  trans.  Etw.  in  einen  Kauf  gratis  oben- 
drein geben.  En  g'spässigC  Chauf  isch  's  [ist  es]  um 
d'  Liebi:  da  verschenkt -me'  's  Herz  und  de'  Chopf 
git-me'  dri".  Schwizerd.  —  2.  intr.,  in  Etwas  hinein- 
geraten oder  sich  einlassen  B.  ,Dadrl'  ge',  se  im- 
miscere  negotio;  capi.'  Id.  B.  Vgl.  frz.  donner  dans 
un  parti,  un  vice  u.  Anm.  zu  geben  II 3  a.  —  inhin- 
(inne)-:  1.  dem  Vieh  Futter  in  die  Raufe  oder  Krippe 
stossen  (trans.  u.  neutr.)  Bs;  L;  S;  Z.  Er  hed  Freud 
am  Inege  wie  's  Speichelheiris  Boss  Z.  —  2.  Geld, 
z.  B.  seinen  persönlichen  Lohn  zur  Bestreitung  der 
Haushaltung  hergeben  Aa;  Z.  Füfzeh'  Johr  lang 
ha-n-i"''  Alls,  icas  i'''  verdient  ha",  im  Ätti  miiessc" 
ine  ge.  Joach.  1881.  ,Wann  ein  Eheweib  ihr  Hab  und 
Guet  zu  ihrem  Mann  auf  den  Hof  und  Gwerb  in  die 
Haushaltung  gebracht  und  inhingeben,  soll  sye  ihre 
zuegebrachtes  Guet  uf  selbigen  Hof  oder  Gwerb  uf- 
schlagen  lassen.'  1637,  ÄAWett.  Klosterarch.  —  3.  intr., 


Gab.  geb.  gib,  gob.  gub 


84 


auf  Etwas  eingehen,  sich  einlassen,  einwilligen;  vgl. 
drin-g.  1.  ,Es  dünkt  mich,  wenn  du  ein  wenig  nach- 
gibiger wärest,  ich  will  nit  säge",  i  d'  Sach  Ine  ge, 
numme  nit  so  d'rwider  si°,  es  würd  dir  Nut  schade".' 

GOTTH. 

under-geben:  1.  trans.,  unterwerfen.  ,Under- 
gebend  euwere  hals  under  das  joch  des  künigs.' 
1531/1667,  Jerem.;  vgl.  ,das  volk.  das  seinen  hals 
under  das  j.  d.  k.  ergibt.'  ebd.  —  2.  refl.,  „sich  be- 
siegt geben,  nachgeben",  sich  unterwerfen,  ergeben. 
,Und  so  wir  einandern  erkennent,  so  lat  sy  iren  segel 
fallen  und  gab  sich  under.'  HsSchürpf  1497.  ,Dem 
Commissär  N.,  der  sich  ganz  undergeben  und  alle 
Billigkeit  erboten  hat,  wollen  Schwyz  und  Unterwaiden 
das  Beste  tun.'  1546,  Absch.  .Allerlei  Züchtigung, 
deren  sy  sich  undergebend  mit  gedult.'  HBull.  1568. 
,Wir  müssen  uns  dem  Scepter  seiner  Majestät  u.' 
AKlingl.  1688.  Mit  Gen.  S.:  .Als  man  ihnen  [zu]- 
mutet,  sich  des  Entscheids  zu  u.'  Wukstisen. 

ent-  Cenke):  (refl.  mit  an)  sich  an  Etwas  erinnern 
W;  Syn.  sich  he-g.;  sich  g.  I  3  c. 

er-:  1.  einen  Gewinn,  Ertrag  ergeben,  ergibig  sein. 
mit  und  ohne  Ohj.  od.  Adv.  B;  Gr;  G;  Z.  Syn.  iis-g.; 
geben  II 4.  De'  Baum  ergitt  guet  (eil,  icenig).  Es  hat 
wol  erge,  die  Ernte  hat  einen  schönen  Ertrag  geliefert. 
Nüt  e.,  nicht  ergibig  sein.  Das  mag  Nüt  e.,  z.  B.  ein 
geringer  Taglohn  für  den  Unterhalt  einer  Familie.  Es 
ist  guet,  dass  d'  Heustöck  guet  ergend.  Heit-er  [habt 
ihr]  hür  vil  Herdöpfel?  Nei",  es  isch  nid  der  Wert 
[der  Rede  oder  der  Mühe  wert],  was  's  ergit.  I'''  mag 
tferche,  tcie-n-i'''  will,  es  ergitt  nit,  die  Arbeit  rückt 
nichtvor,  zeigt  keinen  Erfolg.  Schäffleisch  hat  nie  erge; 
wo-me'-a'schnidt,  chunnt-men  uf  Bei".  Nahrhaft  sein, 
von  Speisen  Gl.  Syn.  fueren.  ,Dass  ich  ihm  auch 
zwischen  den  Schulzeiten  im  Hause  und  im  Stalle 
helfe,  was  es  e.  möge.'  Gotth.  —  2.  Anstrengung 
und  Mühe  kosten,  viel  zu  tun  geben.  Die  Arhet 
ergitt,  geht  nicht  leicht  von  Statten,  rückt  nicht  schnell 
vor,  erfordert  viel  Aufwand  von  Kraft  und  Zeit  Gl. 
Es  ergitt-em,  er  hat  viel  zu  tun  GW.  Von  einem 
Weg:  Es  ergid  grad  guet,  es  ist  ein  anstrengender 
oder  weiter  Weg  aScHW.  ,Der  Weg  von  0.  gen  C. 
ergibt  fast  wol,  ist  nit  durchuss  kurzwylig.'  JosMaler 
1593.  Von  einem  Buch:  Das  Buech  ergitt  mit  Lese", 
weil  es  kleinen  Druck  hat  oder  schwer  zu  verstehen 
ist  Z.  —  3.  ausreichen  Bs;  B;  GSa.  Vgl.  geben 
II  5  h  2.  .Sufficienti  copiä  adesse.'  Id.  B.  Mit  ,es' 
als  Obj.:  Es  mag's  nid  e.,  der  Stoff,  Vorrat  reicht 
dazu  nicht  B.  Das  mag  's  de"  ring  [leicht,  reichlich]  e. 
ebd.  Mit  best.  Obj.:  Es  tverd  denk  wol  no''''  e  Kaffi 
mögen  erge  und  Chüechli  derzue.  Breitenst.  1864.  — 
4.  Frühgeburt  werfen.  Wenn 's  im  Herbst  früeh 
über  d'  Berge  schneit,  so  seit  me" :  de'  Winter  het  erge 
[hat  das  Junge  zu  früh  geworfen],  man  hat  einen 
milden  Winter  zu  erwarten.  Schild.  —  5.  (Schuld) 
eingestehen  oder  als  schuldig  erkannt  werden.  Vgl. 
7  a  2.  3.  ,Wer  syn  schulde  zem  ersten  male  ergit, 
bezalt  der  nüt  in  den  nächsten  14  tagen,  der  soll  die 
drie  Schilling  ze  bessrung  geben,  und  wer  syn  seh. 
zem  andern  m.  ergit.  bezalt  er  die  nüt  in  7  nechten. 
der  soll  die  6  seh.  ze  b.  g.-  XIV.,  Bs  Rq.  —  6.  über- 
geben. ,lst  aber  deren  [der  mir  zur  Last  gelegten 
Dinge]  keins,  so  mag  mich  inen  [meinen  Widersachern] 


niemants  e.'  1531,  Apostelg.;  dafür  ,schenken.'  1667. 
Vgl.  7  b.  —  7.  refl.  a)  Widerstand  aufgeben.  1)  nach- 
geben B.  (Nüd  nahlä  und)  si'''  nüd  e.  zwingt  Alls 
BR.  Ergib  di"'' !  .Der  vicarius  hett  sich  zuo  vil 
ergeben.'  Bs  Cartäus.  ,Von  einer  vorgcfassten  Mei- 
nung, Leidenschaft  usw.  abstehen,  allg.",  nachlassen, 
allmälig  aufhören  U.  Syn.  satten.  —  2)  sich  schuldig 
bekennen.  ,N.  hat  sich  ergcn  unfein  bluotruns  gegen 
syn  fründ.'  MEsterm.,  Rick.  ,In  dem  ergab  er  sich 
des,  er  hette  das  gepredget.'  Zwingli.  —  3)  sich  an- 
heischig machen.  ,Da  sich  diser  Hr  ergibet,  die  Zinsen 
zu  dem  4  und  '/s  pr.  Cent  zu  bezahlen.'  1757,  F.  — 
4)  schwächlich,  kraftlos  werden,  altern,  abnehmen. 
Er  lebt  nümvie  [nicht  mehr]  lang,  er  het  si  grüsli 
[schrecklich]  erge  L.  —  5)  unter  leiblichen  Beschwer- 
den die  Widerstandskraft  verlieren,  sich  zu  Bette 
legen  GrD.  ;  sich  zur  Ruhe  begeben  U.  Si'*  z'ruehen  e., 
ruhig  werden  Ap.  's  CJiindli  hät-si  erge,  ist  ruhig 
geworden,  eingeschlafen,  hat  aufgehört  zu  weinen  Z. 

—  6)  sich  erbrechen  Bs;  GW.;  UwE.;  Z.    Vgl.  ab-g. 

—  7)  von  Früchten:  endlich  zu  reifen  anfangen  ÄAEhr.; 
ZWäd.  Nw  sid  S  Tage'  häd-si'''  d'  Gerste  g'waltig 
erge.  —  8)  von  Wunden :  sich  bessern,  heilen.  .Wann 
nun  die  Wunden  sich  e.  will,  so  soUtu  mit  diesen 
Arzneien  nicht  fortfahren.'  FWürz  1634.  —  9)  von 
Erdreich:  locker  werden,  abwärts  rutschen.  ,Dass 
diese  alp  sich  angefangen  nach  und  nacli  zu  e.  und 
ze  rucken  von  iren  gränzen  dannen  nid  sich  gegen 
tal,  als  ob  sie  flühe  und  dahin  sinken  wollte.'  RCts. 

—  b)  sich  hingeben.  .Sich  unter  die  roten  Kreuze 
e.'.  die  Abzeichen  des  päbstlichen  Dienstes  tragen. 
1522,  Absch.  Ein  ergebener  Mensch,  der  sich  geist- 
lichem Leben  ergeben  hat,  in  ein  Kloster  getreten  ist 
und  sich  damit  seiner  bürgerlichen  Rechte  ,begeben' 
hat.  ,Wer  güeter  hat,  wenn  der  abgat  von  todes  wegen 
oder  ob  er  ein  ergeben  mensch  wurd,  der  soll  dem 
gottshus  einen  fall  gen.'  ZKn.  Offn.  .War  ob  je  keiner 
kind  hat,  es  wären  töchteren  oder  knaben,  die  ergeben 
geistlich  lüt  werden,  pfaffen.  münch  oder  nunnen.  so 
sollt  sy  kein  herr  erben.'  üffn.  Engwyl. 

Mhd.  wieder  geben,  aufgeben,  fahren  lassen;  übergeben, 
Gewinn  eintragen;  (refl.)  sich  ergeben;  kraftlos  niedersinken; 
ins  Kloster  gehen;  ».  ichuldig  e.,  bekennen.  —  Die  Stelle 
der  Bs  Rq.  (1385):  ,Dass  die  nnzüchter  nüt  me  richten 
söllent  dem  vogt  von  der  lüten  wegen,  die  fridbrecht  kündet 
werdent,  es  war  dann,  dass  si  im  ützit  ergeben  hettent  oder 
im  vor  gericht  erteilt  war',  lässt  sich  zu  5  od.  zu  6  ziehen, 
je  nachdem  das  Pron.  ,si'  auf  die  ,im'  (dem  betr.  UnzOchter) 
ihre  Schuld  bekennenden  Friedbrecher  oder  auf  die  ,ini' 
(dem  Vogte)  einen  Ersatz  bezahlenden  Unzüchter  (Bussen- 
richter) gedeutet  wird. 

ÜS-:  1.  im  (5egs.  zu  %n-nen>en.  allg.  Subst.  als 
Überschrift  für  die  gebuchten  Ausgaben  (ä.Kanzleispr.). 
übertr.  auf  Schläge  oder  spitze  Worte,  austeilen  (und 
empfangen,  ertragen)  Aä;  Sch;  Z.  Wer  usgit,  muess 
au'''  ehönnen  i'neh.  Sulger.  Er  häd  vil  üs-g'ge,  aber 
au'''  vil  i'g'no  (bei  einer  Schlägerei).    Vgl.  ushin-g.  7. 

—  '2.  die  erste  Karte  ausspielen  AAEhr.;  L;  Uw;  Z. 

—  3.  eine  Wirtschaft  betreiben  GGoms  (wohl  im 
S.  v.  ausschenken).  —  4.  Wäsche  od.  andere  Arbeit 
auswärts  (auf  der  Stör),  statt  im  Hause  verrichten 
lassen  Z.  Syn.  ushin-g.  —  5.  (ein  Kind)  verheiraten. 
.Wa  ein  gottshüsman  oder  frow  iro  kind  eines  üss- 
gebent  und  dem  syn  heimstür  von  farendem  guot  ver- 
heissent  ze  gebent.'  1401.  Zellw.  Urk.  —  6.  a)  Holz 
aus  der  Geuieindewaldung  im  Anfang  des  Winters  zum 


85 


Gab,  geh,  gib,  gob,  gut 


86 


Füllen  (resp.  zur  Verteilniig  an  die  Berechtigten)  be- 
zeichnen ZZoll.  ,4  Männer  sammt  dem  Förster  sollen 
um  Weihnachten  den  Hau  bestimmen  (.ausgeben').' 
U'JO,  Hof  Kriess.  ,Ho1z,  so  usgeben  und  gezeichnet, 
US  dem  forst  füeren.-  1539,  B.  .Zuo  der  Zyt,  wann 
die  4  Geschwornen  die  Winterhow  uszegeben  gsinnet 
sind.'  1567,  Ztscbr.  f.  Schwz.  R.  ,Man  soll  die  Holz- 
häuw  14  tag  vor  oder  nach  Martini  üsg.'  1592.  ZDüb. 
Üffn.  ,Die  geschworenen  Dorfmeier  söllent  die  Hauw 
jerlich  bi  iren  Eiden  üsg.'  1596,  ZWeiach.  .Den  Ham- 
mer üsg.',  oft  in  Schweiz.  Offn.,  die  Erlaubniss  zum 
Holzfällen  geben,  weil  an  die  zu  fällenden  Bäume  mit 
dem  Hammer  (Beile)  ein  Zeichen  eingeschlagen  wurde. 
Auch  anderes  Gemeindegut  (Feld)  zu  zeitweiser  Privat- 
nutzung überlassen.  .Wann  ein  gmeind  im  gmein- 
werch  etwas  zc  buwen  ussgibt,  soll  es,  nachdem  die 
frucht  abgeschnitten  werdent.  wider  ussliggen  [zur 
Weide  offen  liegen].'  1549,  ZOpflk.  Holzordn.  —  b)  ein 
Abenteuer  u.sg.:  freie  Bewerbung  um  einen  Preis 
für  gymnastische  Leistungen  bei  einem  Volksfeste  aus- 
schreiben, einen  Preis  aussetzen.  .Auf  denselben  tag 
wollen  unsere  schiessgesellen  von  Zürich  nachbeschrie- 
benes abenteuer  ausg.'  1465;  s.  Abetitür;  üf-g.  4  b.  — 
7.  „Etw.  vorgeben,  etwas  Unbegründetes  behaupten, 
allg." ;  ein  Gerücht  verbreiten  GG.;  Z.  ,Des  [derhalben] 
Wirt  von  den  Hönggeren  scherzwys  ausg.,  sy  seigind  die 
witzigisten  Leut.'  Schimppr.  1651.  —  8.  „eines  Andern 
Sprache  od.  Geberden  siii.tti.Mli  iKi.lunachen  VOrte." 

—  9.  unpers.,  mit  bestiniiiitrm  Sai  ll-.'^ubj.  od.  mit  .es', 
ergiebig  sein,  a)  reii  hliclie  Flüchte  bringen,  von 
Obstbäumen  und  Feldern  Bs;  B;  L;  G;  Scu;  Uw;  Z. 
Vgl.  geben  II  4;  er-g.  Git  's  ivol  üs?  fragt  man  die 
mit  Einheimsen  Beschäftigten  zum  Grusse  Z.  .Heut 
schon  wümmet  Alles;  gibt  wol  aus.'  ZZoU.  Herbstrodel 
1728.  Auch  übertr.  auf  guten  Erfolg  anderer  Arbeit. 
F''  verstw  [verstehe]  ds  Mischgh  [das  Mischen  von 
Wein]  nid,  wie  ivol  's  aw''  an  andernen  Orten  iisgitt 
GRMai.  (Schwizerd.).  Ironisch:  Es  wird  wol  usge! 
er  wird  gute  Geschäfte  machen!  Es  mues  wol  u.  (wenn 
das  sich  so  und  so  verhalten,  wenn  das  geschehen 
soll),    Formel  des  Zweifels   U;    Syn.   es  mues  tvellen. 

—  b)  gut  von  Statten  gehen,  vorrücken,  von  der 
Arbeit,  oft  mit  Dat.  P.  Git  's  wol  f<s  mit  Schribe"? 
Gl.  Es  git-em  wol  us  (im  Schaffe'),  er  arbeitet  leicht 
Bs;  Gl;  gg.;  Z;  Syn.  es  lingt-em. 

Mhd.  ausstatten,  verheiraten  (ein  Kind);  aufgeben,  vor- 
liegen (eine  Frage);  aussagen,  behaupten. 

ushin  (use)-:  1.  Arbeit  =  us-g.  4  Bs.  —  2.  Geld  . 
auf  Kredit  geben,  ausleihen  Z.  —  3.  erwachsenen 
Kindern  einen  Teil  des  Vermögens  (künftigen  Erb- 
teils) bei  Lebzeiten  zum  Voraus  herausgeben  B;  GG. ; 
ScH;  Z.  Syn.  von  sich  geben.  .Partem  bonorum  dis- 
pertire  liberis.'  Id.  B.  ,Ist  N.  schuldig,  den  Erbanteil 
ausbin  zu  geben'?'  Z  Beitr.  1842.  —  4.  Portionen 
Speise  aus  der  Schüssel  den  Tischgenossen  (Kindern 
oder  Dienstleuten)  in  die  Teller  schöpfen  oder  auf 
dieselben  legen  B;  Z.  ,Cibum  dividere  inter  con- 
vivas.'  Id.  B.  —  5.  erbrechen  Sch;  Uw;  Z  (oben-use- 
Wettschw.).  Syn.  s.  ab-g.  Von  kleinen  Kindern  oft 
auch  nur:  die  eingegebene  Speise  nicht  ganz  schlucken, 
sondern  einen  Teil  davon  wieder  aus  dem  Munde  fallen 
lassen  Z.  —  6.  von  einem  grössern  Stück  Geld,  das 
man  als  Bezahlung  empfangen  hat,  an  kleinerer  Münze 
zurückgeben,  was  man  zu  viel  empfangen  hat  G;  Sch; 
Uw;    Z.     ühast   nf-enen   Feufliber   use  gi?   hast   du 


kleine  Münze,  um  5  Fr.  voll  zu  machen?  .Ptcddere 
de  nimio  solutionis  pretio.'  Id.  B.  ,Dass  keine  Angster 
mehr  anzutreffen,  den  Leuten  ausbin  zu  geben.'  1670, 
Z  Ratserkenntniss.  ,Aussengeben,  reliquum  reddere.' 
Denzl.  1677;  1716.  Auch  von  Überschuss  an  Pfand- 
wert:  .Wenn  das  selbe  [Pfand]  umb  etwas  höchers 
geschetzt  wird,  als  sein  Ansprach  ist,  so  solle  der 
Ansprecher  den  Überschutz  an  barem  Geld  aussen 
geben,  ehe  er  das  Pfand  ab  Platz  treibt'  1751,  Schw 
Rq.  Und  von  Zulage  zu  einem  Kaufpreis :  ,  Usengeben 
[herauszugebendes]  Geld,  Summe,  welche  der  Käufer 
eines  Grundstückes  über  die  auf  demselben  haftenden 
Schulden  hinaus,  die  er  auf  sich  nimmt,  dem  Ver- 
käufer noch  zu  bezahlen  verheisst.'  ZKn.  It  Dekan 
Fäsi.  Vgl.  nach-g.  —  7.  derb  antworten,  wider- 
sprechen, trotzen,  Tadel  od.  Spott  erwidern,  das  letzte 
Wort  haben  wollen  Ap  (schon  1607,  Katsprot.);  Bs; 
Gr;  G;  Uw;  Z.  Syn.  's  fül  Mül  a'henken;  ivider- 
äferen,  -bäffzgen,  -bellen;  umme-,use-g.  Anton,  schwigen. 
.Ein  bös  Wyb,  die  ihm  mächtig  ausbin  gab.'  Schimppr. 
1652.  .Einen  Pocher  oder  Spötter  wohl  bezahlen  und 
abfertigen.  Er  nimmt  wol  i",  aber  er  gitt  a«'*  redli''' 
use.  Spreng.  Vgl.  us-g.  1.  —  8.  si's  (Ei"m  ds)  Wwt 
u.,  einen  Bescheid,  bes.  bejahenden,  geben  U.  — 
9.  ausliefern,  übergeben.  Kanzleispr.  ,Extradere.' 
Id.  B.  —  10.  mit  Acc.  P.,  hinausschaffen.  Pack-di''' 
jetz,  sust  gibe  ih  di  usufer  [grob,  derb]  use.  Gotth. 
Vgl.  geben  I  3  b  u.  Anm.  —  11.  nach  auswärts  ver- 
heiraten. .Sprechend  die  hoflüt,  dass  sy  genossen 
syent  der  7  gottshüsern,  ir  kind  usshin  ze  gen  und 
[Töchter  aus  andern  Dorfschaften  der  genannten  Herr- 
schaften] ynhin  ze  nemen.'  ZMur  Offn.  1543.  Syn.  üs-g. 
,Nebe-use  ge,  temeraria  ratione  uti;  moribus  de- 
pravari',  durch  Übermut,  Leichtsinn  auf  (moralische) 
Abwege  geraten.  Id.  B. 

Vgl.  drin  g.  und  Anm.  zu  gehen.  Vgl.  auch  .schlagen', 
iutr.  1.  S.  V.  ausschlagen,  eine  Richtung  einschlagen  usw. 

ver-  I:  1.  hingeben,  schenken,  a)  „übergeben, 
anvertrauen,  Jmdm  ein  Amt.  allg."  —  b)  vermachen, 
vergaben,  testamentarisch.  ,Wele  personen  in  ir  tod- 
bette komment,  was  si  denne  guotes  vormals  oder  uf 
die  zyte  iemanden  ützit  v.,  geordenot  oder  beschicket 
haben,  das  soll  nochdenne  daselbes  bolyben,  bis  dass 
die  rechten  erben  in  gewalt  des  erbes  gesetzet  wer- 
dent.' 1402.  Bs  Rq.  —  c)  bei  einer  Auktion  dem 
Meistbietenden  oder  Mindestfordernden  zuschlagen  Gl. 
—  d)  verzeihen  (die  Strafe  , schenken').  ,Um  Ver- 
gebung z'  frage",  wie  sagt  man  dem  Ort?'  Gotth., 
höfliche  Einleitung  einer  Frage.  Ver-gem-mer's!  [ver- 
gebt mir's]  Ausruf  der  Verwunderung  (BGt.),  auch 
des  Mitleids  BO.  (Zyro);  Syn.  ml"  Trost!  Mi'  Gott! 
(eig.  =  , vergebt  mir,  wenn  (dass)  ich  den  Ausbruch 
meines  Gefühls  nicht  zurückhalten  kann?  Vgl.  Gott 
verzih-mer !).  Nachgeben,  ertragen,  ,0b  wir  glychwol 
überflussig  und  meer  denn  zuo  vil  umb  christenlichen 
glirapfs  willen  in  hoffnung  der  besserung  bisshar  v.' 
1531,  Absch.;  vgl.  voi--g.  ,Also  ward  [in  Glarus  nach 
der  Schlacht  bei  Kappel]  zuo  mehr,  wir  sollten  [weder 
der  einen  noch  der  andern  Partei  zu  Hülfe  ziehen, 
sondern]  zuo  unsern  landen  sehn,  [die  katholischen 
und  die  reformierten  Landsleute]  einander  verggehn 
[es  wettauf  gehen  lassen]  und  zuosammen  setzen  lyb 
und  guot.'  ValTschudi  1533.  —  2.  aufgeben,  z.H. 
d' Muetersirrach  G.'l.  Aufhören  zu  blühen:  d' ]iosc" 
tiiirid  V.    SuLiiER.   —  3.  unrichtig,    nachteilig  geben 


87 


Gab,  geb,  gib,  gob,  gub 


a)  die  Spielkarten  nicht  richtig  austeilen  Sch;  Uw;  Z. 
/""''  ha  's  [das  Spiel]  i'.  Eefl.,  eine  unrichtige  Karte 
ausgeben  Uw;  vgl.  ,sich  irren'.  —  b)  riskieren  oder 
verlieren.  Me"  tviird  Küt  v.,  icenn  me"  dr  ander  Weg 
gieng  GT.  „Durch  Nachlässigkeit  sich  um  ein  Amt 
bringen  Sch."  Mit  Dat.  des  Pron.  refl.  und  meist  mit 
Acc.  ,Nichts':  sich  eine  Blosse  geben  G;  Z.  JSr  hät-etn 
Nüt  V.,  er  hat  sein  Wort  nicht  so  verpfändet,  dass 
durch  Zurücknehmen  desselben  seine  Ehre  litte.  — 
c)  mit  Dat.  P.,  Gift  od.  anderes  Schädliche  in  Speisen 
geben,  durch  Verzauberung  Schaden  zufügen  BE.; 
vergiften,  allg.  (in  G  tw.  mit  Acc.V).  Mit  derigem 
[solchem]  Wl'  cliönnt-men  Eim  v. !  Z.  Min  Töchter- 
ma'"  will  iväger  aw''  g'rad  erhe'  und  will  üs  do  verge'; 
Frau,  iss-mer  Nüt!  Schwizerd.  I'''  tcett-em  möge  v.! 
Ausdruck  grossen  Hasses  Z.  Er  füert  Rede",  me' 
cJiönnt  Ei'"m  v.  dermit.  Sprww.  1869.  Das  isch  zum 
V.!  verzweifelt  unangenehm.  Schild.;  ähnlieh:  ,zum 
Davonlaufen'  (Chotzen,  Verrecken  udgl.)  ,1347  ist 
kaiser  L.  mit  gift  v.  worden,  welches,  als  er  gespürt 
und  beinebens  aber  kein  vomition  oder  übergeben  des 
magens  könnte  haben,  ist  er  alsbald  auf  das  jagen 
gezogen,  damit  er  den  leib  erhitzigen  und  das  gift 
von  sieh  treiben  möchte.'  XV.,  G  Mitteil.  ,Abt  Ulrich, 
nun  hüet  dich  wol,  wo  man  trinken  und  essen  soll, 
dass  dir  nit  werd  v.'  Zellw.  Urk.  ,Dass  sy  mir  wot 
vergeu  hann  mit  gift.'  Ziely  1521.  ,Hat  er  im  selbs 
vergeben  und  ist  gstorben.'  1531,  11.  Macc.  ,Wenn 
einer  vorhin  hirsbrot  geessen  hat,  so  mag  dem  selbigen 
nit  mit  gift  v.  werden.'  Vogelb.  1557.  .V.,  mit  gift 
umbbringen,  necare  veneno.'  Mal.  .[Busse]  um  v.  zuo 
holdschaft  [Liebestrank]  oder  schaden  der  gfar  lebens: 
20  krönen.'  1588,  Aesch.  —  4.  unpers.,  Ertrag  liefern. 
Syn.  er-g.  1.  's  Heue"  {d'  Sup2Je  usw.)  hat  guet  v. 
ScHwMa.  Auch  i.  S.  v.  ergeben  2.  Die  Sträss  vergitt 
da  durüf,  diese  Steigung  erfordert  mehr  Zeit  als  man 
erwartete,  ebd.  —  Mhd.  hingeben,  schenken;  aufgeben, 
unterlassen;  verzeihen;  vergiften. 

ver-gebe(n)  II,  auch  v-s,  v-lich:  Adj.  und 
Adv.,  eig.  Ptc.  Perf.  von  v.  I  i.  S.  v.  1  und  3  b. 
1.  (auch  vergebi's  U;  Z;  um  vergebes  GfiPr.,  nach  Ana- 
logie des  syn.  umr^sus,  umsonst;  vergerbe  LM.)  ohne 
Kosten,  Mühe,  Lohn,  unentgeltlich,  gratis  Ap;  BSi.; 
GsPr.;  GA.;  Sch;  Uw;  U;  W;  Z.  !'>•  möcht  das  nüd 
r.!  [auch  wenn  ich  es  geschenkt  bekäme]  Ausdruck 
der  Geringschätzung.  Z'  vergebisse  mache",  spielen 
ohne  Gewinnst,  Gegs.  s'  günnis  Z.  Es  gut  wie  v., 
leicht  von  Statten  Z.  Vergeben  ist  uneben  W  Sprw. 
E  Rebe  git  Nüt  v.  Bs.  Chlosterfrauen  und  Rebe"  gend 
Nüt  V.  D'  Dökter  si"  nüd  v.  ,Scherer'  BBe.,  d.  i.  sie 
scheren  auch  noch  den  Geldbeutel.  ,Das  enhein  unser 
burger  enhein  lantmann  behalten  soll,  noch  hüsen, 
noch  hofen,  noch  Kssen,  noch  trinken  [geben],  weder 
umb  kouf  noch  vergübene,  der  verbannen  ist.'  1304, 
Z  EBr.  ,Wann  einer  eim  ein  zwing  verkündt  um  kund- 
schaft  sagen,  so  soll  derselb  die  ersten  fart  fürgebens 
gon  [für  weitere  Gänge  soll  er  10  Pfennig  bekommen].' 
Ap  LB.  1409.  ,Wer  dem  andern  syne  ross  lyhet,  es 
sy  vergeben  oder  umb  Ion,  und  die  gewüest't  werden!' 
1436,  L  Eatb.  ,Es  muondt  [müssen]  uns  die  puren 
all  jähr  einmahl  vergeben  fronen.'  1479,  AAWett. 
Klosterarch.  ,Die  kranken  machend  gsund,  die  sunder- 
siechen  reinigend,  die  todten  erkickend,  vergeben  ha- 
bend   ir  's  empfangen,    vergeben   gebend  's.'    Zwingli. 


,Meinst  du.  dass  man  d'gnad  gottes  vergeben  gebV 
NMan.  ,So  wollt  ich  mit  dir  [dem  Wirt]  spilen  drum 
[um  die  Zeche],  ob  ich  vergebens  kumm  [ohne  Be- 
zahlung davon  komme].'  RMan.  .Diewyl  der  merteil 
richten!  in  der  eidgenossen  landschaften  v-s  und  ohn 
besoldung  zuo  gericht  gon  müessend.'  1530,  Absch. 
,Man  gab  wyn  und  brod  gnuog,  und  jedermann  ge- 
schenkt und  vergebens.'  Kessl.  ,Und  band  all  burger 
vergebis  zischet.'  UMey.  1540/73;  vgl.  Vergebis- Trunk. 
,In  Zürich  hat  man  wyn  vergebens  hinwgg  geben  [in 
dem  reichen  Herbste  1539].'  ebd.  ,Wcr  wollt  des 
heiigen  grabs  vergeben  hüeten?'  Aal  1549.  ,Der  triel 
benimmt  die  gelsucht,  wenn  er  nun  [nur]  vom  kranken 
gesehen  wirt;  darum  welche  disen  vogel  verkaufend, 
verbergend  sy  den,  damit  der  krank  in  nit  gesehe,  ee 
dann  sy  im  den  zuo  kaufen  geben  habind,  und  also 
v-s  widerumb  gesund  werde.'  Vogelb.  1557.  ,V-s  und 
on  seinen  kosten.'  Fris.  ,Wo  man  vergeben  isst  und 
trinkt.'  Schertw.  ca  1579.  ,Das»  etliche  ir  geld  hin- 
weg leichen  v-lich.'  1590,  Bs  Rq.  ,So  kann  er  v-s 
studieren  und  kommt  den  Eltern  ab  der  Decke.'  Simml. 
Urk.  1760.  —  '2.  ohne  Grund  G;  Uw;  W;  Z.  V.  ist 
er  nid  rlche"',  von  einem  Geizhals.  Nüd  v.!  Ausruf 
i.  S.  V.:  nun  begreife  ich.  dass...  oder  warum...; 
nun  wundert's  mich  nicht  mehr  Gr;  Z.  Schulkinder 
begrüssen  einander  scherzhaft:  So?  bist  au'''  scho" 
clio"?  nüd  V.  stinkt  's  fso!  Z.  Nüd  v.  rünnt  die  Chante 
[Kanne]:  si  list  es  Loch.  N.  v.  springt  der  BettUr 
fso:  der  Landjäger  chunnd  um 's  Eck.  ,Uif  den  hü- 
tigen tag,  wie  wol  nyeman  töden  soll,  ist  doch  das 
Schwert  nit  v.  in  der  band  des  araptmanns.'  Zwingli. 
.Zuodem  er  treit  gen  mir  ein  nyd  on  ursach  und  nun 
gar  V.'  RüEF  1550.  ,Nit  v.  Perlen  gleichet  man  dem 
früehen  Morgentau."  JCWeissenb.  1678.  .Erkenne, 
Gott  habe  dich  nicht  v.  in  dise  Band  kommen  lassen.' 
JMey.  1694.  , Welle  Gott,  dass  ich  v.  Sorg  hab!' 
Zwingli.  —  3.  ohne  Erfolg,  Nutzen,  frustra,  ver- 
gebens, vergeblich  Aa;  B;  Schw;  S;  Z.  Eshaglet  iez  v., 
nachdem  der  Hagel  bereits  Alles  zerstört  hat  BSi.  Er 
häd  g'wartet  und  g'toartet,  doch  alles  vergebis!  MUsteri. 
Am  Bächli  will  's  lebe  —  's  ist  ns  u.  v. !  [so  ausge- 
macht, dass  alle  Einrede  vergeblich  ist].  JOchsn.  Als 
attributives  Adj.  (aaO.).  Die  vergebene"  Chöste".  Schild. 
.Wir  haben  in  der  Limmat  ein  vergebenes  Wasser- 
recht,  das  nicht  benutzt  wird.'  Z  Intell.-Bl.  1864.  ,0n 
herz  v.  man  für  mich  [Gott]  kert  [tritt  uro  zu  beten].' 
NMan.  , Sonst  [wenn  der  Pabst  nicht  die  höchste 
Gewalt  hätte]  war  der  glaub  v.'  Anf.  XVI.,  Bircher. 
,Als  aber  Bachides  sach,  das  sein  anschlag  v.,  ward 
er  erzürnt.'  1531,  I.  Macc.  , Andere  meinen,  dass  dieses 
öl  unnutz  und  v.  seie.'  JELandenb.  1608.  ,Dass  sye 
mit  schaden  und  v-s  [von  der  Bestürmung]  abtreten 
müssen.'  RCys.  ,Vergebnen  Kosten,  Müh  und  Arbeit 
anwenden.'  Ehagor.  1639.  ,Damit  das  Wasser  durch 
den  Graben  in  alle  Wisen  genuegsam  lauf  haben  und 
nit  umsonsten  und  v-s  in  die  Limmat  laufe.'  1678, 
.\AWett.  Klosterarch.  .Das  ist  nicht  allein  v.,  sonder 
noch  falsch  und  unwarhaft'  JHFXsi  1696. 

Mhd.  vergeben,  Adj.,  vergeblich,  unnütz;  vergebene,  -es, 
Adv.,  schenkweise,  unentgeltlich,  umsonst,  unnütz,  vergeblich. 
—  Bed.  2  scheint  in  der  ä.  Spr.  nicht  vorzukommen  und 
sich  anch  erst  aus  3  entwickelt  zu  haben,  aus  dem  Wechsel- 
verh&Itniss  zw.  Grund  und  Folge,  gemäss  welchem  eben  so 
gut  von  der  letztern  auf  den  erstem  rlickwärts,  wie  umgek. 
vorwärts,  geschlossen  werden  kann.   —   Die  Form  vergebme 


Gab,  geh,  gib,  gob.  gub 


90 


ist  aus  iiayehiii  ciwcittit,  ähnlich  wie  uhJ.  ,Jesscu'  aus  ,dc's', 
und  unser  einesm  aus  ein«»  (s.  ein),  unter  Mitwirkung  der 
Ad?,  auf  -lige'  neben  den  nhd.  auf  .-lings'. 

vor-:  1.  freundlich  entgegenkommen;  nachgeben; 
schmeicheln  ZRafz;  die  Ehre  lassen,  primas  dare. 
Solger.  ,Je  me  man  vorgit  und  nachlat,  je  böser  es 
ist.'  1525,  Egli,  Act.  , [Jedermann  muss  bekennen], 
dass  wir  ee  ze  vil  vorgeben,  weder  ze  früe  uns  zur 
räch  geschickt  habind.'  1529,  Absch.  ,Dass  si  alles 
fridens  erbotten  habend  und  doch  kein  v.  nützit  be- 
schossen hat.'  HBuLL.  1532.  ,Biss  ein  oberkeit  ver- 
meint, genuegsam  des  schwachen  verschonet  und  den 
stolzen  hartneckigen  v.'  Kessl.  ,Küng  Ludwig  besann 
sich,  dem  alten  vater  vorzegeben.'  Väd.  ,Dass  er 
[Herzog  Karl]  sich  schambt,  einen  einmal  überwun- 
denen fürsten  vorzegöben  und  abzestän.'  Ansh.  ,Der 
zyt  hielt  sich  ein  Stadt  Bern  still,  gab  vor,  bis 
Albrecbt  Kaiser  worden.'  ebd.  ,Dass  ein  jetlicher 
synem  nächsten  willfare  und  vorgebe.'  EGoalth.  1553. 
,Uxorius:  der  sich  vom  weib  gar  lasst  meisteren  und 
iren  zevil  vorgibt.'  Fris.  ,Wenn  wir  vorgebend,  so 
lassend  ouch  die  nach,  die  sonst  heftig  und  zänkisch 
sind.'  LLav.  1584.  ,Man  muess  der  natur  v.'  Iü40, 
JBreit.  ,Sie  seint  höflich,  vertreuwlich,  wann  einer 
ein  wenig  ihnen  weiss  vorzugeben.'  GKön.  1G95.  Oft 
verbunden  mit  dem  syn.  nach  (na-ej-g.,  s.  Bd  I  930,  8. 
Syn.  heben  und  län.  ,Das  beste  Mittel  ist,  wenn  Vater 
und  Mutter  einander  vor-  und  nachgeben.'  LKInder- 
BiTzi  1826.  ,A11  unser  v.-  u.  n.-g.,  ouch  kein  billigkeit 
will  helfen.'  1529,  .\bsch.  ,Die  Mönche  gaben  dem 
Bischof  V.  u.  n.'  Vad.  ,Und  sind  die  herzen  der  gstalt 
erhertet,  das"  keines  dem  anderen  v.  oder  noch  gen 
will.'  XVU.,  Dien.  1863.  —  2.  den  Vorzug,  Vorrang 
zugestehen;  negativ:  ,Nichts  v.',  in  Nichts  nach- 
stehen. Im  Spiel  einen  Vorsprung  gewähren  Aa;  Bs 
(Spreng);  B;  Z  (auch  nhd.)  s.  Bd  I  959.  Im  Büeze' 
[nähen,  flicken]  gib  i'''  Niemertem  [Niemandem]  Nüt 
vor  ZRafz.  ,Der  strauss  lauft  so  schnell,  dz  er  darin 
auch  einem  fliegenden  vogel  nichts  vorgibt.'  Vogelb. 
1557.  ,Der  lepparden  sind  etliche  kleiner,  welche  mit 
Sterke  den  grossen  nicht  vorgebend.'  Tiere.  1563. 
,Aemulari,  eim  an  fleiss  wenig  v.  Nihil  cedere  alicui, 
nüt  minders  sein  dann  ein  anderer,  eim  nützid  v.' 
Fris.;  Mal.  Gleichbed.  in  der  ä.  Spr.  ,bevor-g.'  ,Der 
Rotfornen  ist  gut  dürre,  gibt  den  dignen  [getrockneten] 
Stockfischen  nichts  b.'  JLCys.  1661.  Syn.  rcrr-,  nach- 
hin-,  zue-tuen.  —  3.  äussern,  sagen,  vorhalten  S. 
Dass  ig  vo'  dem  Allem  Nüt  weiss,  was  dir  [ihr]  mir  do 
vorget.  HoFSTixiER.  —  4.  ver3uchen[?].  Ineichen.  — 
für-:  1.  dem  Vieh,  Futter  in  die  Raufe  oder  Krippe 
stecken  SceSt.;  Z  (mit  und  ohne  Dat.).  Stäst,  Bur, 
bim  Veh  i"  diner  Schür  und  gist  de'  schöne'  Stiere"  f. 
Z  Kai.  1811.  .Boves  curare,  rinder  fuoteren,  den  rin- 
deren f.'  Fris.;  Mal.  ,Pabuluni  prsebere  pecori.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  2.  Schülern  eine  Aufgabe  geben  B; 
in  Z  früher  bes.  von  den  Aufgaben  für  den  Jugend- 
gottesdienst. Entsprechend  fürnemen,  (die  Aufgabe) 
empfangen.  ,Der  Schulmeister  soll  nach  dem  Mittag- 
essen in  der  Schule  erscheinen  und  mit  f.,  erklären  und 
lutren  [erläutern]  der  letzgen  tun  wie  obstat.'  XVI., 
Brugg.  ,Ein  letzgen  [Lektion]  f.'  Hospin.  1683;  Denzl. 
1677;  1716.  Übertragen  auf  Gott:  ,Gott  hat  gmacht 
d'  erd  uss  sym  fürgebnen  rat  [nach  einem  von  Ewig- 
keit her  festgesetzten  Plane].'  Ruef  1550.  ,Was  Gott 
dir    fürgibet,    dem    trachte    nach.'    1707,    Sirach.    - 


:!.   einen    Vor  seh  uss    machen,    Geld    vcrstrecken    B. 

—  4.  zu  viel  geben;  vgl.  Bd  I  960.  .So  viel  g., 
dass  [dem  Empfänger]  Etw.  übrig  bleibt.'  Bs  (Spreng); 
,plus  dare  quam  necesse  est.'  Id.  B. ;  ,plus  aequo  dare.' 
Denzl.  1716.  Hieher  viell.  auch:  ,[Dass  die  Priester] 
der  hiebt  nichts  fürgebend  noch  füerend,  dann  nach 
göttlicher  empfelch.'    1529,  Strickl.;   vgl.  für-nemeti. 

—  5.  =  vorgeben  3  B.  Den  Lon  für  ira  fürgeben 
Wüsclie  [geäussertes  Wünschen].  W  Sagen.  ,Daru:nb 
uns  von  nöten  ze  syn  bedunkt,  dass  ihr  üwer  panner 
usstacktend  [aufstecktet]  und  fürgebind,  alle  stund  uf 
[zum  Aufbruch  bereit]  ze  syn.'  1531,  Strickl.  Vor- 
1}  ringen,  aussagen.  , Einem  seine  sach  gut  f.',  em- 
pfehlen. Hospin.  1683.  Fälschlich  angeben,  vorgeben, 
weis  machen  Bs  (Spreng).  ,Demnach  sye  üch  f.  [wor- 
den], wie  wir  ein  uneerlichen  abzug  getan;  das  wirt 
sich  mit  keiner  warheit  erfinden.'  1531,  Strickl.  — 
ti.  =  vor-g.  2  (B).  —  fürhin-,  fürher  (7jtre>;  1.  Ver- 
stecktes oder  Verschlossenes  hervorlangen;  Alles,  was 
man  weiss,  ans  Licht  bringen  B.  ,Es  könne  Eine 
[Weibsperson]  nicht  kindbetten  [gebären],  bis  sie 
den  Rechten  [den  Namen  des  Vaters]  fürher  g'ge 
heig.'  GoTTH.  ,Im  das  amtsbuoch  fürhergen.'  1556, 
LKriens  Amtsr.  Auch  absol.:  sich  äussern,  mit  der 
Sprache  herausrucken.  E  ganze  Kerli  isch  er,  wenn 
er  einist  füre  git.  Gotth.  Beim  Karten-  (Kaiser-)  Spiel, 
die  Karten  ofl"en  vorlegen,  da  man  das  Spiel  sicher 
gewonnen  hat  L.  Er  sticht,  was  er  mag,  und  gid-ne  's 
gwüss  füre  und  leid  ne  's  [legt  es  ihnen,  den  Mitspie- 
lenden] a»  Tag.  HIfl.  1813.  Bildlich:  d'  Charte'  f., 
den  wahren  Sachverhalt  aufdecken.  .Die  werde  de"° 
aber  lose",  wenn  es  endlich  d'  Karte  füre  geh ! '  Gotth. 

—  2.  erbrechen  B;  S;  s.  ab-g.  Was  ig  issa,  mues-i 
bim  Bitz  alls  em  [wieder]  firhi'  ge'  BO.  Wenn  d'  Chatz 
Müs  frisst,  so  muess  si-se  f.  =  wenn  man  Jindm  grollt, 
muss  man  sich  durch  Vorwürfe  Luft  machen.  Schild. 

—  3.  mit  Acc.  P.,  hervorholen,  -treiben.  Vgl. 
geben  I  3  b  u.  Anm.  I'''  u'ill  's  ga'  füre  ge,  de  ful 
Blätter!  [das  zimperliche  Mädchen  zur  Arbeit  herbei- 
holen]. N.  B  Kai.  1843.  —  fürt-:  weggeben,  ver- 
schenken B;  S.     Syn.  eweg-g. 

gast-,  nur  im  Ptc.  , Offner  gastgebner  würt',  alter 
Titel  der  Gastwirte.  Gem.  Z.     Syn.  , Täferwirt'. 

Die  Form  ist  offenbar  eine  nur  scheinbar  participiale 
Missbildung  oder   Missdeutung  des  Subst.    Oastyeb  (s.  d.). 

guet-:  gutheissen,  bestätigen.  Vgl.  ,gerecht  g., 
schuld(ig)  g.'  unter  geben  1 3  d.  ,Und  fragt  der  canzler 
alles  Volk,  ob  sie  die  wal  des  N.  N.  g.  wellend.'  Vad. 
Auch  ,fur  g.g.':  .Weil  es  im  gesatz  nit  verboten  und 
es  die  keiser  darauf  f.  g.  g.  haftend.'  ebd. 

Die  Analogie  von  .geriicht  g."  =  rechtfertigen  spricht 
dafür,  dass  ,guet  g.'  nicht  aus  Weglassung  von  ,für'  erklärt 
zu  werden  braucht;  doch  vgl.  venjuet  (d.  h.  für  gut)  nimen, 
gut  aufnehmen. 

hei"-:  1.  zurückgeben,  vom  Hirten,  der  die  zur 
Hut  auf  der  Weide  von  den  Dorfbewohnern  empfan- 
genen Tiere  (am  Abend)  den  Eigentümern  zurückstellt 
Gr.  —  2.  anheimgeben,  als  Eigentum  übergeben, 
etwas  Ersteigertes  zuschlagen  ZO.  —  hin-:  gestatten 
oder  mit  sich  bringen ;  an  die  Hand  geben.  Wenn  ds 
Wetter  's  hingit  B  öO.  Syn.  dar-g.  —  band-  (nur  im 
Ptc):  mit  der  Hand  gegeben,  durch  Handschlag  ver- 
bürgt. ,Der  so  zuo  einem  ein  handgebnen  friden  hat 
und  aber  denselben  unbesinnter  wys  bräche.'  1579. 
Ztschk.    für   Schwz.  R.     ,Verhiessen    sie    ihm    durch 


Gab,  gel»,  gib,  gob,  gub 


handgegebne  Tieuw  ihr  bests  zuo  tuuii.'  Wi'kstisen. 
—  her-geben:  erbrochen  G;  ZO.  (auch  hare-).  St. 
Sjn.  s.  u.  ab-ge. 

lugg-:  nacligeben,  -lassen,  bes.  in  raoral.  S.  Bs; 
B;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  Th;  Z.  Syn.  /.  hin;  l.  setzen. 
Du  ehast-di'''  were'  so  vü  d'  wit'f,  »'■''  gibe  nüd  l  Z. 
Nid  l.  g'ge'  hend-sch'  [haben  sie]  mit  Bitte'  und 
Bette'.  ScHwizERD.  ,Die  Mutter  gab  1.  und  die  Kinder 
liefen,  wohin  sie  wollten.-  Gotth.  ,Und  wolle  von  der 
christlichen  Wahrheit  auch  nur  um  ein  wörtchen  ab- 
weichen und  1.  gen.-  1532,  Strickl.  —  Lu;i!j.  locker. 

nach  (nä,  nöj-:  1.  dem  Willen  eines  Andern  sich 
anbequemen  oder  unterwerfen;  schonende  Bücksicht 
tragen.  Stier,  gib  nah,  ich  gibu  nit  nah  W;  vgl.  dr 
G'schider  git  nahe :  Munni  gib  du  nahe  B.  Vor-  und 
nach-g.  s.  unter  voi--g.  ,Ach  gib  raym  alter  etwas  noh.' 
HBuLL.  ir.:)3.  —  2.  von  eigenem  Tun  ablassen,  damit 
aufhören  (mit  Acc.S.);  es  aufgeben,  unterlassen  Gl; 
Gr;  GWeisst.  Wenn  d'  das  Lumpespile  [das  heillose 
Sp.]  nüd  nahg^bist,  su  gang  er  di"''  gu  verchlage.  Gl 
Volksgespr.  1834.  Nöd  nohgea  g'weant  a  Stadt  GBern. 
Auch  vom  schlechten  Wetter,  z.B.  Regen  Z;  Syn. 
Schemen.  —  3.  herausgeben  oder  zurückerstatten, 
z.  B.  den  Fonds  einer  Stiftung,  bes.  Vorenthaltenes 
nachliefern.  ,Er  versprach  dann  wieder  nachzugeben.' 
N.  B  Kai.  1842.  ,Er  schränzte  alle  Tage  eine  Mass 
Milch  seiner  Haushaltung  ab  und  versprach  dann, 
wenn  die  Kühe  ins  frische  [junge]  Gras  kämen,  wieder 
nachzugeben.'  B  Hink.  B.  1842.  ,Da  soll  er  die  pfand 
verkaufen;  löst  er  nie,  so  soll  er's  im  [dem  Schuldner] 
ushin  gen;  löst  er  minder,  so  soll  er  im  [der  Schuldner 
dem  Gläubiger]  n.'  1510,  Offn.  ZErlenb.  ,Begeren  wir. 
[dass]  wie  dann  unser  vordem  jarzyt  gestiff-'  band, 
uns  söliche  nachgeben  werden,  [um  sie]  armen  lüteu 
ze  geben.'  1525,  Absoh.  —  4.  locker  sein,  unter  den 
Füssen  weichen,  vom  Erdboden  Z,  auch  nhd. 

In  Bed.  1  u.  2  gilt  sonst  meist  mO'e  (nach-hin)  (s.  das 
folg.)  und  nä  ist  viell.  aus  jenem  gek. 

nachhin  (nache,  nä-e,  nö-ej-:  1.  vom  (zuerst  ge- 
forderten) Preis  einer  Waare  Etwas  nachlassen  B. 
Syn.  ab-län.  —  2.  bei  einem  Tausch  Aufgeld  geben. 
De"  wette'-mer  [wollten  wir]  wider  a"  de"  ander  tusche' 
und  no''' schm  nah  ge.  Gotth.  —  3.  Nachträge  zur 
Bewirtung  liefern  (an  Hochzeiten).  ,Wie  mancher 
junger  Mann  durch  die  wytläufigcn  Hochzyt  und  das 
beschwerliche  nachhingeben  uf  die  Tisch  und  Personen 
in  Wirtshüseren  zu  merklichen  Kosten  kommen.-  Z 
Mand.  1650. 

be-:  1.  trans.  a)  in  einen  Zustand  versetzen. 
Vgl.  das  refl.  3  und  nhd.  ,sieh  wohin  b.'  ,Dass  sy 
die  arbeit  der  dieneren  der  kilchen  sechend,  in  welche 
sy  die  iren  nit  b.  wollend.'  HBull.  1540.  ,Unnatür- 
lich  und  unerbar  ist's,  kind  in  die  e  b.,  die  ire  gebür- 
liche  jar  noch  nit  habend.'  ebd.  —  b)  aufgeben, 
unterlassen,  aufhören  mit  Etw.  (es  zu  tun]  Gr,  z.B. 
die  Gewohnheit  des  Rauchens:  iez  chönnt-i's  nümme 
bege.  Die  hochdütsch  Sprach  «'  rede  b.  ,Bünde  [Bünd- 
nisse] b.'  Bündn.  Hanengeschrei  1621.  —  2.  refl. 
a)  sich  zu  Etw.  entschliessen,  verstehen,  herbeilassen, 
verpflichten;  meist  mit  Gen.  od.  Präp.  ,Wo  zwei  men- 
schen zuosammen  kommend  zuo  der  e  und  sy  sich 
des  begebend,  dass  sy  by  einandren  ligen  wollend.' 
ScHwMa.  Landr.  1427.  ,Sy  sönd  ouch  nieman  leren 
nawen  machen,  si  begeben  sich  denn  vor,  dis  ordnung 


ze  halten.'    1469,  L  Katsver.     ,Dass  die  Zürcher  sich 
b.   sölltend,    iren    geschwornen    bünde   nachzuogand.' 
Edlib.    ,[Die  von  Zürich  haben]  sich  gheiner  [der  als 
Ort  des    zu  veranstaltenden  Eeligionsgespräches   vor- 
geschlagenen] stetten  nit  begeben'  =  ,.sy  habend  sich 
gheines  ortes  ufgeton    weder   [ausser]   irer   [eigenen] 
statt.'  ZwiNGLi.     .Pharao  sieht  der  zeichen  vil,  dass  er 
sich  begibt  das  volk  ze  lassen.'    1531,  II.  Mos.     ,We- 
liche  2  artikel,  so  ir  üch  dero  begebend  [darauf  ein- 
gehet],  wollend  sy  dann  [im  Übrigen]   artikel  geben 
zuo  ufnung  frides  und  fründschaft,  die  sollend  erlich 
[ehrenhaft  für  euch]  syn.'  1531,  Absch.    ,Von  ir  ercn 
und  pflicht  wegen   begaben   si   sich,   begerte   hilf  ze 
geben.'    Ansh.     .ünfahls   han   ich   mich   b'geben,   den 
Gott   wol    brechen    mag.'    ValTschddi    1533,  =  mich 
darein    ergeben;    vgl.    ,mein    elend   ich   auch    trösten 
muess,  darzue  mein  unfahl  [ver]schwygen.'  ebd.    , Einer 
der  sich  begeben  hat,  bürgen  oder  Versicherung  umb 
ein  ding  ze  nemnien,  reus  satis  accipiendi.'  Mal.    ,Wir 
hattend  uns  auch  aller  dingen   zum   sterben   und   er- 
trinken begeben.'    ebd.     ,Da  sy  um  M.  Ulrichen  war- 
bent.  das»  er  sich  dessen  begäbe,  ir  pfarrer  ze  werden.' 
HBull.  1572.     .Haben    sye    doch    sich   nit  dessen   b. 
wollen,  sonder  uss  list  sich  also  hinderzogen.'   RCvs. 
.Sich  zu  Gehorsame  b.'  Z  Mand.  1650.    Auch  absolut: 
sich  gefangen   geben;    sich   fügen,   unterwerfen;   sich 
ruhig  verhalten.     .[Die  Bauern]  haben  sich  die  nacht 
gewert,  doch  vor  tag  sich  begeben.'  1525,  Absch.    ,Dass 
ain  statt  Zürich  sampt  iren  eidgenossen  sich  b.  söll- 
tend und  des  yngon  [dass  sie  sich  einem  Schiedsgericht 
unterzögen].'    Väd.     ,Uf   sölichs    meister    Ulrichs    b.' 
ZwiNGLi,  und  dieser  Stelle  entsprechend :    ,Us  sölichs 
myn  erbieten.'    Sich  unter  Vormundschaft  stellen:  Er 
häd-si  2  Jar  bige"  Z.  —  b)  sich  entschlagen,  ver- 
zichten.    ,Wir  haben   uns   aller   listen   und   gefärden 
gegen  einander  verzigen    und   begeben.'    1530,  Absch. 
—  c)  sich  zu  Etwas  bekennen,  gestehen.    ,So  man 
im  die  wort,   dero  er  sich  selbs  begibt  g'redt  haben, 
nit  zuo  argem  gemessen  hat.'  Gvrenr.  1523.    .Als  [da] 
ouch  der  dichter  sich  vorab  begibt,  dass  er  Verstands 
nit  hab.'  Salat  1537.     Daher  dann  auch:  sich  an  Etw. 
erinnern  W;    Syn.  sich  ent-ge;    vgl.  sich  geben  an 
Etw.  I  4  c.  —  d)  sich   einem   Beruf  ergeben,    einer 
Leidenschaft  hingeben,    mit  Dat.  oder  Präp.     .Auf 
dass  ir  euch   nit  aber   begebind   den   vorigen   lüsten 
und  anfechtungen.'  1531,  I.Petri.    ,Ye  rae  aber  Zwingli 
sich  in  theologia  üebt.  ye  me  er  sich  begab  zuo  dem 
priesterlichen    ampt.'    HBüll.    1572.      ,Sich    auf    die 
schwarzen   künst  b.,   ad  magicas  artes  accingi.     Sich 
in  trauren  h.,  sich  an  eins  trauren  lassen,  ad  mcestitiam 
se  revocare.     Sich  b.  und  fleissen,    ein    fürsprech    zu 
sein,   adire  ad   causas   orandas.'    Mal.     Sich   abgeben 
mit  Etwas:   Was  [eig.  ,wes']  begit-se-si'''?  womit  gibt 
sie  sich  ab?  BAmsold.;  vgl.  begän  Sp.  32. 

Mhd.  (trans.)  hingeben,  unterlassen;  (refl.,  mit  Gen.) 
anfgebeu ;  (absol.)  in  ein  Kloster  gehen.  —  2a  und  b  (Ver- 
pflichtung gegen  Andere  und  Verzicht  auf  Eigenes)  sind 
Wechselbegriffe;  vgl.  mhd.  sich  lewägen  =  ,sich  entschliesseu' 
und  .sich  entschlagen'. 

recht-  (nur  als  Ptc.  adj.):  rechtmässig,  d.h.  mit 
Recht  oder  vom  Gericht  gesetzt.  Vgl.  gast-,  hand-g. 
und  nhd.  ,rechtschaffen'.  ,lro  erkornen  rechtgiibnen 
Vogts.'  15'29,  HBdll.  ,Wa3  ein  frouw  ohne  vorwüssen 
und  verwilligung  ihres  rechtgebnen  vogts  tut,  soll 
kraftlos  syn.'  1607,  Ztschr.  f.  Schwz.  E.  --  ze-ruck 


riali.  ^el),  g\\>.  gob,  gub 


(zriigg)-:  1.  vergelten,  riichcn  Gr.  —  2.  erbreelieii  \V ; 
Syn.  ab-g.  —  rast-  s.  Rast. 

zesammen  (zäme)-:  ehelich  verbinden,  einsegnen, 
c-opulieren,  vom  Geistlichen  Ap;  Bs;  B  (Id.  B);  Gl;  S; 
üw;  U;  W;  Z.  ,Ein  Ehvölkli  z.'  Spreng.  /»  der 
Chile  [Kirche]  ist  en  Tritt  [Stufe  am  Taufstein],  iro- 
me'  d'  Liebi  (die  Liehe")  zsämegitt  Z.  ,Morn  wend 
wir 's  euch  zaiutnen  g.'  Ruef  1550.  .Geschah  die  ver- 
niechlung  und  zsamniengebung  zu  Griessenberg.'  Edlib. 

dar-:  1.  eine  Sache  nicht  länger  für  sich  be- 
halten, sondern  zum  Genuss  Anderer  hingeben  B. 
.Tradere.'  Id.  B.  --  2.  darstellen,  ausdrücken,  aus 
einander  setzen,  klar  machen,  ebd.  J"''  miesst  vager 
es  pär  Äbesitze  d'rzue  nen,  wenn-ig-üeh  das  Alls  eso 
stif  dargen  tvellti.  ,Wir  können  uns  nicht  [als]  ganz 
rein  d.'  JMüll.  1665.  Mit  Sachsubj.,  vom  Inhalt 
und  Wortlaut  von  Urkunden,  Gesetzen;  vgl.  zue-g. 
,Sie  wollen  diesen  Vertrag,  wie  der  Buchstabe  laute 
(,das  dargit-)  halten.'  1529,  Absch.  --  3.  anklagen. 
,üass  er  uns  für  kctzer  soll  schelten  und  d.'  1524, 
Strickl.  ,Syg  er  gegen  dem  landvogt  dargeben  [wor- 
den], dass  er  gered't  haben  sollt . . .'  1532,  Absch.  ,0b 
es  ein  Seelsorger  offenbaren  müsse,  wann  ein  Male- 
fikant  einen  anderen  dargibet,  der  schon  für  mehreren 
Jahren  mit  ihnie  gesündiget  und  aber  bis  dahin  ein 
bussfertiges  Leben  führet.'  JMev.  1694.  —  4.  vor- 
schlagen, bestellen,  zu  einem  Amte.  , Er  ward  ihhIi 
in  plüender  Jugend  zuo  eim  landsammann  vcii  .l.  r 
gmeind  dargeben.'  Salat.  .Dass  man  in  jedem  viertel 
im  land  zwen  mann  d.  soll  [um  die  jährlichen  Rech- 
nungen abzunehmen].'  1519/44,  Schw  LB.  —  5.  er- 
brechen AaZei. ;  Syn.  ah-g. 

wider-:  1.  zurückgeben,  -werfen,  von  Licht  und 
Schall  Ap;  Schw.  Und  jüchset  halt  se  lüt,  dass  's 
recht  icidergit  am  Wald.  .An  eine  Maur,  da  die  Sonne 
brav  widergibt.'  JCSulz.  1772.  —  2.  erbrechen. 
Syn.  ab-g.  ,5  pfd  gab  N.  N.,  als  er  sich  übertrunken 
und  es  widergeben  hat.'  1542,  ZGrün.  Arntsrechn.  .Wo 
einer  sich  trinkens  vergän,  wirt  er  syn  straf  darumb 
zuo  empfahen  haben;  wurde  es  aber  einer  w.,  den  soll 
man  über  nacht  in  turn  leggen.'  Z  Mand.  1580;  1650. 
,Dass  sie  mit  Reverenz  zu  melden  w.  musste  und 
kotzeti.'  ApI.  LB.  158.5/1828. 

(e)weg-:  1.  verkaufen  oder  verschenken  G;  Z. 
Sprw. :  ,Was  man  nicht  weggibt,  das  hat  man  noch.' 
HPest.  1790.  —  2.  's  Mer  w.,  an  der  Landsgemeinde 
bei  einer  Abstimmung  einer  Partei  die  Mehrheit  zu- 
erkennen oder  übh.  das  Ergebniss  einer  Abstimmung 
verkünden  Gl.  I'*  zeig-ech  a",  ''as'-i'''  d's  Mer  nüd 
eweg  gi  cha"'.  ,Vom  Mehr- Weggeben.  Wenn  der 
Amtsniann  an  der  Land.sgemeinde  das  Mehr  weggibt, 
soll  es  dabei  bleiben.'  Gl  LB.  1835.  —  3.  mit  Acc.  P. 
a)  einen  Schuldner  dem  Gemeindsbeamten  zur  Be- 
treibung übergeben  (vgl.  an-g.  5)  oder  die  Schuld- 
eintreibung (mit  Rabatt)  einem  andern  Privaten  ab- 
treten Uw.  —  b)  fort  treiben.  .Mach  du  dich  vom 
Hause,  sonst  gebe  ich  dich  unsauber  weg.'  Gotth. 
S.  auch  gehen  I  3  b  vi.  Anni.;  zuehin  g. 

Ob  die  RA.  ,den  Eid  w.'  (,N.  N.  wird  aus  Nachsicht  für 
seine  Jugend  bloss  an  den  Pranger  gestellt  und  d.  E.  weg- 
geben.' 1590,  Aar.  Ratsman.  It  Ölhafen)  nur  gleichbedeutend 
sei  mit  dem  einfachen  ,d.  E.  geben'  (den  Betr.  schwören 
lassen,  dass  er  sich  nicht  rächen,  oder  dass  er  d.as  Land 
meiden   wolle)    oder  [irägnaiit  zu   fassen   sei  =r  ihm  den  Eid 


auferlegen,   dass  er  aus  dem  Lande  wegziehen   wnlle,   künnen 
wir  nicht  entscheiden. 

zue-:  1.  hinzufügen,  zulegen.  ,Wcnn  die  Erben 
nicht  zum  Nachlasse  stehen  wollen,  so  wird  das  zu- 
gebrachte Gut  der  Frau  vorweg  geschätzt;  dem  wird 
dann  so  viel  zugeben,  dass  die  Gläubiger  nicht  be- 
zahlt werden  können.'  1545,  Absch.  Bei  einem  Kaufe 
Etwas  zum  Preis.  ,Anctarium,  zuogab  oder  das  zuo- 
geben,  das  man  eim  in  einem  kauf  zuogibt,  fürzug.' 
Fris.  Bildlich:  ,Darumb  er  [ein  gewisser  Wein]  die 
Trunkenheit,  so  man  ihm  zu  vil  zugibt,  verursacht.' 
RCys.;  vgl.  .zusprechen'.  ,lndem  er  nicht  mehr  recht 
essen  konnte,  gab  er  dem  Trinken  zu  [trank  er  um 
so  mehr].'  Z  Nachr.  1755.  —  2.  zuschlagen,  käuflich 
zu  eigen  geben,  z.  B.  ein  Heimwesen  Z.  —  3.  zu- 
schreiben, a)  einen  Wert,  zugestehen,  einräumen, 
gewähren.  ,Die  [Friedens-]  artikel,  die  uns  vorteil 
zuogebend.'  1529,  Absch.  ,I)esshalb  man  uns  unbillich 
zuolegt,  dass  wir  den  hohen  warzeichen  [Sakramenten] 
wenig  zuoggbend.'  1536,  ebd.  ,Den  globen  hat  er  also 
gelert,  das'  keiner  unser"'  gerechtigkeit  minder  zuo- 
geben  hab.'  Kessl.  ,Nun  habend  sy  ein  bildnuss  ge- 
hept,  wie  Christus  an  dem  crüz  hanget;  ist  einer 
zuogegeu  gestanden,  der  dem  selbigen  bild  vil  zuogab. 
Üo  es  zuo  eschen  ward,  sprach  er:  Nun  sich  ich  wol, 
das'  ich  nichts  mer  daruf  halten  soll.'  ebd.  ,Der 
bischof,  der  dem  stuol  zuo  Rom  gar  vil  zuogeben  und 
sonders  wol  gwellen  [hat].'  Vad.  ,Uie  Krankheit  hat 
ihn  so  angriffen,  dass  im  die  Arzet  wenig  Lebens  zuo- 
i,'i-b'.Mul.'  JosMal.  1593.  ,Dass  die  Apoteker  fälschlich 
diesem  Öl  z..  dass  es  die  anmäler  vertreibe.'  JRLandenb. 
1608.  .Doch  sollen  wir  wüsson,  dass  die  Arznei  kein 
kraft  hat,  wenn  Gott  nit  will;  sollen  derhalben  der 
Arznei  nicht  ze  viel  z.'  JJBreit.  16'29.  —  b)  Ursache, 
z.  B.  Etwas  der  Jugend,  dem  Unverstand  zurechnen 
Gl;  Z.  Vgl.  4.  ,lch  gebe  solches  zu  dem  wütigen 
Landsturm  Attilae.'  Wurstisen.  —  c)  als  Eigentum. 
,l)ass  er  unverschampt  lügt,  oft  im  [sich]  selbs  zuogibt, 
das  ander  geredt  band.'  Gyrenr.  —  4.  Rechnung 
tragen,  sich  wonach  richten,  Rücksicht  nehmen,  nach- 
sehen, zu  gut  halten  Aa;  Gl;  Sch;  Z;  vgl.  3  b.  Me' 
muess  der  Längi  Öppis  z.,  z.  B.  bei  der  Verarbeitung 
eines  Tuches;  auch  in  moralischer  Hinsicht,  me  muess 
silier  Juged  Öppis  z.  Sulger.  Dir  müent  im  [ihr 
sollet  dem]  Uverstand  z.  AAFrL,  Formel  der  Ent- 
schuldigung. ,Der  Fuhrmann  soll  ihm  anzeigen,  wie 
vil  er  wasser  under  den  wyn  getan  habe,  damit  er 
ihm  könn  z.  [sich  darnach  zu  richten  wisse,  welche 
Beimengung  von  Wasser  der  Wein  noch  ertrage].' 
ScHiMPFR.  1651.  ,[Die  Hofleute  sollen  nicht]  Wälder 
und  Feldgebüsche  ausreuten  ohne  Vorwüssen  und  ge- 
nommenen Augenschein  des  Forstmeisters,  welcher 
befindenden  Dingen  nach  Mass  und  (»rdiiuiig  zue[-ze-]g. 
wüssen  wird.'  1723,  Arg.  IV  l-M,  ./üriili  und  Bern 
meinen,  den  Klagen  z.  zu  sollen.'  1V:!9,  Absch.  — 
5.  (zu  viel)  zutrauen,  zumuten,  „sich  auf  Etwas, 
z.  B.  seinen  Stand,  Reichtum,  zu  viel  verlassen,  darauf 
pochen,  damit  gross  tun,  sich  mehr  erlauben,  als  recht 
ist  B;  VOrte;"  Z.  Si  schaffed  Nilt,  si  yeiid  nu''  irem 
Kichtiim  zue.  Von  Einem,  der  Vermögen  geerbt  hat 
und  nun  mehr  braucht  als  vorher,  sagt  man :  De  Ma"" 
git  dem  e  chli'  zue;  ebenso  mit  unbest.  ,es':  Er  git-em 
zue,  tut  zu  viel  des  Guten,  braucht  zu  viel  Aa;  Z. 
„Seinem  Gedächtniss  zugeben  =  zu  viel  darauf  ver- 
trauen, wenn  man  z.  B.  etwas  Notwendiges  vergessen 


Gab,  geb.  gib,  gob,  gub 


hat  oder  in  einer  Rede  stecken  geblieben  ist  B;  VOrte; 
Z;"  Aa.  Dir  g^bet  mir  e  grosse  Zug  zue,  ihr  mutet 
mir  viel  zu  trinken  zu  B.  —  G.  eine  (gesetzliche) 
Bestimmung  enthalten,  mit  sich  bringen,  an  die 
Hand  geben.  Vgl.  dar-g.,  .vermögen'.  ,Wie  der  buoch- 
stab  das  zuogibt.'  1523,  Absch.  ,Da  vermeint  ich, 
Spruch  und  vertrag  gebend  so  vil  zuo,  dass  myn  herren 
von  Zürich  euch  söttend  sjn  in  eim  sömlichen  handel.' 
1529,  ebd.  .Weliche  Gedächtnuss,  vfie  der  Kinder- 
bericht [Jugendunterweisung]  zugibt,  uns  dahin  dienen 
soll,  dass  [etc.].'  Fäsn.-Pred.  lÖOl.  , Demnach  des 
gottshus  fryheiten  vermögent  und  zugebent.  dass  ein 
prelat  des  tals  rechter  oberherr  sye.'  Iö99,  Ztschr.  f. 
Schwz.  R.  —  7.  Jmdn  zur  Beaufsichtigung  oder  zur 
Unterstützung  eines  Andern  verordnen.  , Auf  dieses 
habe  man  im  [dem  verdächtig  gewordenen  Priester] 
4  mann  zuogen  [ihn  im  Pfarrhofe  durch  4  Mann  be- 
obachten lassen].'  1548,  Absch.  Ein  , Zugegebener': 
einem  Amte  als  Gehülfe  Beigegebener.  ,Von  einem 
E.  Rat  den  Fuerlüten  Zuogebner.'  JosMal.  1593.  ,Z. 
des  Kornamts  in  St  Gallen.'  Z  Nachr.  1755.  Schutz- 
verwandter, Diener,  adlatus:  ,Ward  sampt  seinen  zu- 
gebnen ze  Ritter  geschlagen.'  Grasser  1625. 

Bed.  3  1)  imd  4  mögen  in  einzelnen  Fällen  schwer  zu 
unterscheiden  sein.  Ebenso  bleibt  fraglich,  ob  Bed.  5  auf 
der  Vorstellung  ,Etwas  zum  richtigen  Mass  hinzu  tun'  oder 
auf  .nachgeben,  erlauben'  beruhe. 

zuehin  (zueche,  «Mefte^-gehen  :  1.  (mit  Acc.  S.) 
herbeischaffen,  nahe  rücken,  z.  B.  einen  Stuhl  BM. 
Übertr.:  Einem  Etwas  ans  Herz  legen,  einschärfen; 
klar,  deutlich  machen  BHk.;  Syn.  z.-leggen.  —  2.  (mit 
Acc.  P.)  herbeitreiben,  -locken.  Es  geh  d'  Lüt  am 
Beste  zueche  [zum  Mahle].  Gotth. 

Letztere  Stelle  könnte  auch  auf  etwas  prägnanten  Gebrauch 
von  gehen  II  4  b  oder   5  a  2  oder  6  zurückgefülirt  werden. 

Eige(n)-Geber :  eine  Art  Friedensrichter  in 
Eigentums-  und  Baustreitigkeiten  ZWint.  bis  E.  XVIIl. 
—  An-  s.  angehen.  —  Geld-Usgeber:  Werboffizier, 
Werber.  ,Ufwigleren  und  geltusgeberen  halb.'  Satzg 
wider  das  Reislaufen  1542.  .Frömbde  Officiers,  Auf- 
wigler  und  Geltausgeber,  welche  unser  Volk  in  frömbde 
Kriegsdienste  dingen.'  ZMand.  1701.  —  Gant-Geber: 
Feiltrager,  der  Ganten  über  eigene  oder  ihm  von  Dritt- 
personen übergebene  Waaren  veranstaltet  G. 

Holz-:  TJnterförster,  der  hauptsächlich  zum  .Aus- 
geben' (s.  d.)  des  Holzes  mitgewirkt  zu  haben  scheint. 
Schon  134(3  werden  für  den  Eschenberger  Wald  der 
Stadtgemeinde  ZWint.  2  H.  genannt.  ,Es  soll  der 
forster  niemant  kein  holz  nit  geben,  denn  dass  es  die 
zwen  mann  vom  rat,  die  h.,  heissent.'  1463,  ZWint. 
,Der  forster  soll  sein  holz  an  den  orten,  da  es  ihm 
von  h-n  zeigt  und  geben  wird,  machen.'  ebd.  ,Un- 
angesechen  an  welichen  enden  inen  von  den  geordneten 
h-n  das  holz  zu  hauwen  und  ufzeraachen  verzeigt  wer- 
den.' 1584,  Hotz,  Urk.  \g\.  Holzamtmann.  —  Satz-: 
beim  Kegelschieben  derjenige,  z.  B.  Wirt,  welcher  das 
zu  Preisen  bestimmte  Geld  gibt  und  dafür  die  Ein- 
lagen der  Mitspielenden  einstreicht  Schw. 

Parbenufgeberlis:  ein  Kinderspiel,  bei  wel- 
chem die  Kinder  Farbennamen  unter  sich  verteilen 
und  von  Engel  und  Teufel  erraten  lassen  Bs;  Z.  Vgl. 
RocHH.  AK.  S.  423. 

Eig.  sollte  das  Spiel  nur  F.-u/gibi's  heissen;  die  Form 
mit  -fr  scheint  nach  Analogie  anderer  Spielnamen,  z.  B.  Räu- 
heris  udgl.  gebildet.     Die  Endung  ist  die  von  Fähia  (s.  d.). 


Us-Gebet  m. :  das  Ausgeben  von  Geld.  En  chiirze'' 
Pracht,  aber  en  lange''  Ü.  =  kurze  Freude  und  viele 
Kosten,  z.  B.  mit  Bez.  auf  eine  Taufe  ZSth. 

Nach  Analogie  derjenigen  Masc.  auf  -et  gebildet,  welche 
eine  zu  bestimmter  Zeit  eintretende,  z.  B.  landwirtschaftliche, 
Tätigkeit  bezeichnen. 

Gebigs  GG.,  Gebike-  Z,  Gebi°ge°  Bs;  Gl, 
Gebis  GRChur;GW.;Uw,  Gebistorf  Aa,  Gibenach 
Bs;  Gibike"  Z,  ,Gibinge'".  Sprww.  1824:  fingierter 
Ortsn.,  in  der  Formel  fnitj  vo"  G.  sl,  (nicht)  mitteilsam, 
mildtätig,  freigebig  sein.  Nit  vo"  G.,  aber  vo  Nemis 
(Nemioge',  Nimmike"),  nicht  zum  Geben,  aber  zum 
Nehmen  bereit  Bs;  Uw;  Sprww.  1824. 

T.  Wortspiele  mit  wirklichen  Ortsn.,  t.  nach  der  Anal, 
der  zahlreichen  Ortsnu.  auf  ,-is,  -ikon,  -ingen'  erfunden.  Vgl. 
noch  Nlmsingen    u.   Wackeru.   Kl.   Sehr.   III    1'24,    1'26. 

Angebi"g  f.:  Anweisung,  Überlieferung.  Vgl. 
angeben.  ,Die  taten,  brüch,  angäbungon  und  man- 
cherlei wys  und  Ordnungen,  mit  denen  Gott  das  mensch- 
liche geschleoht  in  warem  gottesdienst  angewiesen.' 
BiB.  1560  ,Das  ist  die  heilig  angebung  der  vätter.' 
HBoLL.  1597. 

Jär-:  Volljährigkeitserklärung,  durch  Behörden,  in 
Notfällen  B.  —  Eig.  die  Zuerteilung  der  zur  Ausübung  ge- 
wisser Rechte  erforderlichen  Zahl  von  fehlenden  Lebensjahren. 

Gebi  "ge"  s.  Gebigs. 

Gebis:  1.  Günnis  und  G.  (Gewinnens  und  Gebens) 
spielen,  d.  h.  so,  dass  der  Gewinnende  den  Preis  wirk- 
lich ausgeliefert  erhält  AAZof. ;  antonym  vergebis.  — 
2.  fingierter  Ortsn.,  s.  o.  Gebigs. 

Das  -i«  von  1  (für  Gebens,  daher  mit  «*  gesprochen)  ist 
der  für  Spielnamen  übliche  Gen.  des  Inf. 

Gebistorf  s.  Gebigs.       Zuegebner  s.  zue-geben. 

Ubergebniss  f.:  1.  Übergabe  von  Eigentum. 
,Die  Mehrzahl  der  Ordenspersonen  habe  freiwillig  das 
Ihre  den  Herren  [der  weltlichen  Obrigkeit]  übergeben ; 
es  habe  euch  das  Stift  die  erste  Ü.  getan.'  1529,  Absch. 
.Wellend  auch  denselbigen  brief  und  übergebnuss  der 
caplany  hiemit  bestätiget  haben.'  1532,  Strickl.  — 
2.  Verzicht  auf  Rechtsansprüche.  .Keine  Partei  darf 
eidlich  zu  einer  ü.  [in  Folge  von  schiedsrichterlichem 
Spruche]  verpflichtet  werden.'  1551,  Abscu. 

Gebuse,  -juse  s.  Gabuse  Sp.  62. 

Gebolet:  Becher.  , Ein  ubergüldt  trinkgeschirr,  ge- 
nannt ein  g.'  Bisch.  Johannes  v.  Bs  1469/70.  —  Wohl 
verschrieben  für  frz.  gabelet. 

Gibenach  s.  Gebigs. 

Gibi  f.:  eine  Portion  (Heu),  die  dem  Vieh  auf  ein 
Mal  vorgelegt  wird;  gewöhnlich  so  viel,  als  man  in 
beide  Arme  zu  fassen  vermag  =  Arvel  Ndw.  Von 
geben;  vgl.  Ledi,  Ladung,  von  laden  u.a. 

gibig:  1.  gern  gebend  Ndw.  —  2.  von  Sachen, 
a)  von  Schulden,  auf  deren  Bezahlung  gerechnet  wer- 
den darf.  ,Wie  vil  deren  [Schulden  und  Ge^enschulden 
des  Klosters]  flüssig,  gichtig  und  g.  sygend.'  1529, 
Strickl.  —  b)  von  Münzen  =  gab,  gangbar.  .Dann 
das  gelt  hie  gängig  und  g.  ist.'  1618,  Absch. 

Gibikon,  Gibingen  s.  Gebigs. 

Gibinix  =  Ämdfresser  Bd  I  1324  LE. 

Gihisnüt  m.:  (gib  uns  Nichts)  1.  Knauser  Z.  - 
2.  Name  unfruchtbarer,  öder  Grundstücke  Z.  Ab-em 
G.  si,  ein  Geizhals  sein  Z.  —  Vgl.  Pnimcr,  Flurn.  bei 
WSiders. 


^nib 


erjjribli'i'.  -lii;:  1.  ergiebig  BO.:  (ii.;  stärker, 
klüger  usw.,  als  es  scliieii  BSi.  Auch  von  einer  Last 
(in.  Da  chann-mii"  e.  berge;  hier  ist  genug  Gelegen- 
heit zu  Bergtouren  BAdelb.  —  2.  widerspenstig,  un- 
oniiitindlich  BB.  —  Bed.  2  aus  a-yehcn  i.  S.  v.  ushin-ij., 
Vurwürfe  eiwidern,  widersprechen. 

Cibel  m. :  1.  Gipfel,  oberster  Teil  eines  Hügels  L ; 
der  Hügel  selbst  Schw;  spitziger  Hügel  BE.  Syn. 
G-uhel,  Gühel;  Gutsch,Gütscli ;  Rubel.  Name  bestimmter 
Örtlichkeiten :  einer  Berghöhe  im  BO. ;  eines  Rebberges 
bei  ZNer.;  ,im  Gibel'  ZOttenb.;  ,in  der  Gible',  Name 
einer  runden  flachen  Anhöhe  bei  ZDietl.;  .Gibelrain' 
ZBonst.;  ,Gibelwies'  ZKied.  ,Uf  den  giblen  der  bergen, 
in  jugeribus.-  1480,  Geschfo.  Gs.  ,Die  adler  setzend  sich 
auf  die  hohen  und  sichtbaren  g.  der  bergen.'  Vouelb. 
15.57.  .UfdemG.desselbigen  Bergs.' R  Cts.  ,Uf  einem  G. 
oder  Felsen.-  ebd.  .Aufhoben  ungepflanzten  Giblen  der 
Gebürgen.'  Tschddy,  Gallia  1758.  ,Im  Kopf  oder  Gibel 
des  Gottharts  fallet  der  Tes  [(Tessin)  ete.].'  ebd.  ,Auf 
dass  des  Bergs  G.  nimmer  gewalzt  werden.'  Wurstisen 
1705.  Häufig  als  Fluni.  Aa;  Ar;  B;  L;  G;  Schw; 
Zg;  Z.  —  2.  der  über  das  Geviert  eines  Gebäudes 
hinauf  bis  unter  die  First  fortgeführte,  spitz  zulau- 
fende Teil  der  Mauer  der  Schmalseite,  allg.  Figürl.: 
's  Hüs  hat  cn  G.,  die  Sache  ist  fertig.  SrL(iEK.  — 
3.  winkelförmiger  Einschnitt.  z.B.  das  nicht  aus- 
gebaute, offen  gelassene  (iieliclsUicK  ;ui  ein. 'in  Heu- 
schober, der  zum  Eintra-m  ,1,-  lim,.,  l,eniil/i  wiiM 
BR.;  WVisp  (Syn.  ].u~:rln.  llin-rlnnil  in  .■iii,.  W,,..e, 
Überall  hed  er  [der  ]<•.:■  \;,,  hliai  |  Chi,"  „<■ "  .fuimi, 
beim  Mähen  herausi;v„hiiitteii  o,|.  r  rin-eTlm.  l;|;. 
Auch  der  gezackte  f;i, ;iii'l,tc/  l.'.uhl  \mii  riLui/.eii- 
blättern.  ebd.  —  4.  GirbcL  aucli  Laayirbd,  -<jirlnU, 
der  hintere  Teil  des  Scheitels,  wo  das  Haupthaar  von 
einem  Punkt  aus  schneckenförmig  sich  ausbreitet 
S<nNnk.  Kopf  eines  Tieres.  ,Der  g.  [eines  Reihers] 
was  schwarz.'  Vogelb.  1557.  —  5.  oberster  Teil  einer 
Pflanze.  ,By  den  stüdelen  uf  den  gibein  und  esten 
nester  zuosamm  geweben  warend.'  G  Hdschr.  ,Das 
gibele,  kleins  hörnlin  der  bluom,  apiculus.'  Mal.  ,Den 
G.  [des  Ästleins]  sammt  den  bleichen  Äuglein  ab- 
schneiden.' JCStTLz.  1772.  —  6.  Gebäck,  Brötchen 
von  der  Form  eines  Doppelhorns  Z  (selten,  sonst  <?ip/eZ). 
—  7.=  Gable  4  a,  Vorrichtung  zum  Tragen  von 
Holz  GrV. 

Mhd.  <jihel;  ahd.  yehul,  Schädel.  —  Zu  der  Nbf.  mit  -;•- 
liir  Bed.  ;3  hat  das  Syn.  Wirbel  mitgewirkt.  —  7  ist  ein 
(l'aar)  nach  unten  gekehrter  Giebel.     Vgl.   Gubel. 

Staffel-:  Gicbelmauer  mit  treppenartigen  Abstu- 
fungen, Windbergen  ti'cH. 

Gible"  f.:  Name  von  kuppeiförmigen  Anhöhen  Z. 
,Giblenfluo.'  XIV.,  L  Propsteirodel. 

gible"  I:  ein  Haus  mit  einem  Giebel  versehen. 
,Hüser  ze  g.:  Wellicher  sich  in  der  statt  Thun  mit 
muren  an  synem  hus  ynbeschlüsset  und  sicher  tuot, 
dem  soll  die  statt  den  halben  teil  des  Ziegeldachs 
geben  und  bezallen.'  1539,  BThun.  Stadtsatz.  —  in-: 
mit  einem  Giebel  einfassen.  ,Die  hüser  yng.  und  mit 
zieglen  decken.'  1539,  Ztschr.  f.  Schwz.  R. 

(jilbe"  f.,  Dim.  GM,  Gibeli:  1.  Ziege,  traulicher 
als  Geiss  und  daher  bes.  als  Lockruf  B;  „F;"  L. 
Gijbe  se  se,  chumm  se  se!  [nimm!]  Gotth.  Die  dim. 
Formen  (vgl.  Gitsi  zu  Geiss)  t.  zur  Bezeichnung  einer 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


kleinen  oder  jungen  Ziege  {Gibi  A.\:  S  tw..  Gibeli  L), 
t.,  bes.  in  Kindermund,  der  Ziege  übh..  auch  im  Lock- 
rufe und  tw.  nur  in  diesem  B;  ,F;-  L;  S;  ,aueh 
Schmeichelwort  für  junge  Hirsche  im  Stadtgraben  B; 
F;  L."  —  2.  grösserer  oder  kleinerer  Pferde-  oder 
Handschlitten,  zum  Transport  von  Holz  u.a.,  auch 
als  Sehneepflug  gebraucht  (B),  oder  Schlitten  der 
Jugend  zum  Vergnügen  des  Schlittenfahrens,  in  Bern 
im  Unter^rhicl  /n  den  kleinen  der  jüngeren  Kinder 
ein  gr.i^-erer  Im  inolirere  Personen  zugleich,  daher 
der  Wanirul:  llfil  Sorg  [gebt  Acht]!  d' G.  chunnt! 
(s.  Alpenr.  1868,  19).  —  3.  Mädchen,  das  sich  gern 
übermässig  belustigt  BE.     Vgl.  Geiss;  Zlbe. 

Die  Übertragung  auf  den  Begriff  '2  bezieht  sich  darauf, 
dass  die  Kufen  dieser  Schütten  vorn  hornartig  aufragen ; 
vgh   das  syn.    Ueiss.    —   S.   noch    (lüeoniler. 

Gibel  m.i  Vergröberungsform  von  Gibi  (s.  Gibel) 
Aa;  LG. 

Gibeoniter  ,Gibi-'  m.:  scherzhafte  Bezeichnung 
eines  Schneiders  (B  Hist.  Kai.  1815),  des  von  ihm  be- 
nutzten Reittieres,  Pferdes  (ebd.  1823). 

Wahrsch.  das  aus  der  Bibel  bekannte  W.  scherzhaft  als 
Abi.   von    Gtbe  gedeutet,  also    Gibeoniter  =  Ziegeureiter. 

gibeonitere(n) :    (tr.)    Jmdn    beraeistern,    über- 
winden  B   (selten).   —   Reminiscenz  au  Jos.   9,  '21.  22. 
>ribinii're(n):    verdriessen,  ärgern  BS.    Syn.  gu- 

\iiliiliirs  l.ehiiw.,  viell.  aus  bi,jgmiere  (f.  .piqnieren', 
li/.  /.M,.f.,  I.  vidi,  mit  Anlehnung  an  gibeonitcren,  jedenf.  mit 
ilrr  liui  Lehuww.  eintretenden  Konsonantcnerweichuug. 

Gibiz  s.  Cririz. 

giWeil  H:  1.  (auch  rer-g.  ,B;  F;  L;'  S)  die  Beine 
aufwärts  oder  aus  einander  strecken;  verrecken,  ver- 
enden, gewöhnlich  also  nur  von  Tieren,  bes.  Ziegen, 
von  Menschen  grob  und  verächtlich  Aa;  B;  S  (auch 
uf-g.);  TuErm.  D' Ous.<  isl  ,f,,,1,let.  Gester  ist  im 
d' Chats  g'giblet,  der  Juiial  |  Kater]  ist  dervu'  cho". 
Nit  eil  besser  a's  e  g'gihlcti  Geiss  drl"  g'seh'.  Gotth.  — 
2.  (cer-g.  B)  ausser  sich  geraten,  den  Verstand 
verlieren  TuTäg.,  vor  Angst,  Sorge,  Ungeduld  ver- 
gehn  B.  Vgl.  gibelifitzig  Bd  I  1154.  —  3.  (auch  üs-g.) 
welken,  absterben,  von  Pflanzen.  Vgl.  giblig.  Syn. 
us-serben. 

Das  Syii.  ccnjitzlm  (s.  J.)  legt  diu  Abi.  von  Gibc  nahe; 
allein  ilir-e  Alil.  «ünlr  uns  n.lli-rii.  eiie  srlime  und  nur 
etwa  .Im,  li  laK.le  A.iI..|n,iiliL-  .  iklmlele  \.  ik.  des  Voc. 
anznn..|iiH.ii.  lo  ^.L.ii.l  natiu  li.  Ii.  i ,  ;,  ,.1,.,....  Kildung  im 
Ablautsvcrhuitniss  zu  ;iiiblen  aulziilusscu;  vjrl.  tiibcli-GäbeU 
Sp.   58   Anm.   u.   vgl.  tirol.    Gitjel,   Flisse. 

giblig:  welk,  von  Pflanzen  TuErm. 

gob,  göb  s.  geb  Sp.  65  und  geb  II  Sp.  6C. 

(iubel  —  PI.  -ü-  (ü  auch  etwa  schon  im  Sg.  SchwE.) 
ni.:  1.  (6r!«6eZScHW;  Uw;  U;  Zg;  Z,  CrHfcer  BSchwarz. ; 
LE.;  als  Flurn.  auch  GRapp.)  Hügel  BO.;  Vürte; 
Syn.  s.  Gibel;  auch:  Felsabhang  ZO.  i>  ist  scho'  über 
all  Gabel,  weit  fort  Zu.  Es  wird  aw''  Bebe"  ha"  bi 
ew''?  „A,  bis  au"''  g'schld,  ivo  's  Niit  as  Gühel  hat 
und  Felse"."  Stütz.  Als  Flurn.  (auch  Dim.  G=M/)e?i)  G; 
Zg;  Z.  .Gublen'  (Dat.  PI.)  ZBauma  (,in  villa  gubelon.' 
Urk.  1261).  ,Eichgubel'  ZMur.  ,Wissguber.'  LE. 
.Der  Guberwald.'  1648,  Ndw.  ,Ein  Markstein  unden 
uf  dem  G.  uf  einem  Abrain.'  1660,  AAWctt.  Ardi. 
Dalier   die    den  Wohnort  andeutenden  Geschlechtsnn. 


Gab— gilb.    Gabt— gubt.    (iacli— Glich 


100 


Gubler,  Gubelma'"  Z  uiiJ  wahrsch.  auch  Guhel:  ,Hans 
Gubelmanu  und  Henslin  Gubeli."  1495,  Z.  —  2.  Giebel, 
bes.  runder  Ndw. 

Das  nihd.  WB.  hat  nur  das  Comp,  yubdnaijel,  Hufnagel, 
wonach  die  Grnndbed.  des  ersten  W.  .rundliche  Anschwel- 
lung, Erhöhung'  sein  könnte.  Unzweifelhaft  ist  es  auch 
lautlich  Twdt  mit  dem  z.  T.  syn.  (f'ibd,  und  mit  p/  ent- 
sprechen , Gipfel'  und  Gup/.  Doch  scheinen  die  Formen  mit  i 
mehr  eine  spitzige,  die  mit  m  eine  rundliche  Erhöhung  zu 
bezeichnen.  Vgl.  Ou/el,  Gugd.  —  (iuher  Nbf.  mit  dem  in 
Suff,  nicht  seltenen  Wechsel  von  r  und  l. 

Eiter-Gubel:    Geschwulst  F.     Syn.  Güge. 

Guble(n)  f.  =  Guhel  G;  Z. 

Gublete  f.:  hüglige  Gestalt  der  Erdoberfläche. 
Das  ist  au"''  e  Wiscte,  c  Feldrete,  e  Waldete,  e  Gublete 
wit  und  breit.  Stütz. 

Guber  s.  Gubel. 

Gübi  s.  Biihi,  Bibi. 


Gab  seh  i  s.  Gabri 


Für  Gabs  usw.,   Gabsch  usw.  s.  Gap.^,   Gapsch. 


(libt  f.:  Ge.schenk,  Vergabung.  , Und  wellt  das  der 
herr  nit  globen,  dass  die  g.  also  beschehen  were,  mu- 
gent  sy  dann  zwen  erber  unversprochen  mann  haben, 
die  das  gesehen  und  gehört  band,  dass  die  g.  also 
beschehen  ist.'  ZDürnten  Offn.;  Binzikon  Otfn. 

Gleichbed.  mit  ,Gift'  i.  S.  v.  Gsibe,  aber  nicht  lautlich 
aus  jenem  entstellt,  sondern  mit  urspr.  d  (nicht  ()  gebildet 
nach  .\nal.  von  (ireU  (ijrahirla,  ijidcde),  Begräbuiss,  Khijl, 
Klage  u.  a. 


Gacli,  gech,  gich,  goch,  gucli. 

gäch  UwB..  gäch  Aa;  Ap  (geieh  Kurz.);  BsStdt; 
Vürte;  Gl;  GRHe.;  G;  S;  Th;  Z.  gech  BsLd;  BBrisl.; 
GSa.,  gd,  flekt.  gäje  B  (gäj,  Si.  g'ej;  ntr.  gäis);  GlK. ; 
Gr  (ge-e,  ge-i,  gesj;  Sclger;  W:  jäh.  1.  sich  mit 
ungestümer  Schnelligkeit  bewegend,  rasch  oder  plötz- 
lich eintretend  Bs;  B;  L;  G;  rasch  haii.b-hi,!.  eilfertig, 
hastig,  übereilt  Bs;  Uw.  G.  vai-li^r".  in  uii,i,'ewohnt 
kurzer  Zeit  gross  werden  L.  JJcr  .Sclihtle"  f/eit  gäj 
über  de'  Hain  abe  B.  Du  hest-mer  's  z'  gäis  g'macht, 
hast  mich  überstürzt  BO.  Muess-es  g'rad  gäi  si"? 
ist  kein  Aufschub  gestattet,  ebd.  En  gäja  Überfall. 
ebd.  ,Ein  gächer  stürm  [Auflauf].'  1524,  .\bscb.  ,Das 
inen  kein  angrifl'geches  [adv.  Gen.]  üflufl".'  Gl  Bundbr. 
1352.  's  g.  Bluet  Uw;  Z,  ds  Gäh  Gr.  das  oder  die 
Gäja  GrS.,  eine  Blutkrankheit  des  Rindviehs,  Blut- 
schlag, auch  der  in  seinen  Erscheinungsformen  ähnliche, 
ebenfalls  mit  raschem  Tod  endigende  Milzbrandrotlauf, 
wofür  auch  die  Namen  Lendenblut,  fliegender  (schwar- 
zer) Brand,  Herzkröte,  Viag,  das  Böse,  das  .schiessend, 
das  heimlich  Bluet;  Angriff;  Karfunkel;  Rot;  Büsüch; 
Viertel;  Bluetanstossen;  (jrrippi;  Überritt;  Mord  be- 
gegnen. .Erbsuchten  [der  Kühe  |,  so  die  pauren  nen- 
nend das  sterben,  das  gäch,  der  schelm.-  Tierb.  156.3. 
,An  orten,   da  der  gach  tod   under  dem  vech  ruerte.' 


XVI.,  Ztschr.  f.  Schwz.  E.  ,Wann  ein  Haupt  Vieh 
das  wüetig  Bluet  oder  gäch  Bluet  oder  Bresten  oder 
Milzsucht  hat.'  Arzneib.  ZZoll.  fföcA.(ScHW;  U)  oder 
ds  gecha'  Tods  (GSa.),  z'  gächem  Tod  (GWe.)  g'storbe" 
=  es  het-ne'  gäj  g'no'  B,  es  het-mu's  [es  ihm]  gäi 
g'macht  BO.  De'  g.  Tod  bes.  vom  Schlagfluss  L.  Zum 
Feinde:  i"*  tveusch  [wünsche]  dir  ke'  gäche"  T.,  aber 
ke°  Sunntig  meh.  ebd.  ,Gäher  Sterbend.'  ZWthurer 
Mand.  1580.  .Dieweil  Niemand  vor  dem  gähen  oder 
schnellen  Tod  sicher  ist'  JMüll.  1065.  G.  werden 
ein  plötzlich  hoch  aufloderndes  Feuer,  eine  plötzliche 
Hitze  genannt,  bes.  mit  Bez.  auf  die  Kochkunst  Z. 
Am  oder  ob-em  gäche  JfYtr;  a"  der  gäche"  Sunn;  vgl. 
übergächen.  ,[Dcn  Speckkuchen]  soll  man  gäch  [an 
solcher  Hitze]  bachen.'  Bs  Kochb.  1592.  ,Feur  von 
solchen  Sachen  kann  ein  gehe  Flammen  machen.' 
JCWeissenb.  1678.  's  g.  Glück,  ein  unerwartetes, 
plötzliches  L ;  Z.  Scherzh. :  Men  ist  nie  sicher  cor-em 
gäche'  Gl.  Z.  Iron.,  von  einer  Torheit:  Das  ist  guet 
für 's  g.  Gl.  (und  de"  schnell  Richtum)  L;  SciiSt.;  Z. 
Viell.  identisch  mit  letzterm  Zusätze  ist  die  gäche 
Rlchstage  Z.  Die  g.  R.  gönd  iez  denn  a".  Für  die 
g.  R.  spare',  für  lachende  Erben  sp.  Me'  seil  nie 
z'  g.  i'  Haberbri  bisse'  S.  Ist  das  Manier  ?  Hilfst 
Fronde"  g.  [gegen  Fremde  bist  du  dienstbereit].  In- 
eichen 1859.  .Sind  nit  zuo  gäch;  nianend  üwre  Lüt 
haim.'  1437,  Z  Ratsman.  ,Die  von  Schwyz  begerent 
gächer  hilf  von  uns.'  1444,  B.  ,Die  am  Zugerberg 
werden  in  dieser  Teurung  wohl  nicht  so  gäch  sein, 
um  Mannschaft  auszuheben.'  1524,  Absch.  ,In  dem 
gähen  ansehen  [Beschluss],  so  one  myne  herren  von 
Zürich  beschehen.'  1.526,  Zwingli.  ,Dass  wir  nit  zuo 
gäch  noch  anfänger  [des  Streites]  syn  wellind.'  1530, 
ebd.  ,Er  rüeft  Gott  g.  und  ängstlich  an.'  1531/48, 
Psalm.  ,So  er  schnell  und  g.  überfallt,  wer  will  ihm 
weeren?'  Bib.  1531/60.  ,Die  anschläg  des  fruotigen 
bringend  nichts  dann  vorrät,  wer  aber  (zuo)  g.  ist, 
der  überkommt  nichts  dann  mangel.'  1531/1707,  Prov. 
.Den  gehen  fluss  in  äugen  zuo  stellen.'  Vogelb.  1557. 
,Repens;  prseceps:  g.,  schnell,  bhend,  das  gächlingen 
und  unversehenUch  daher  kummt;  strüttig,  unbesinnt, 
freven.'  Fris.;  Mal.  ,Bescheiden,  behuotsam,  nit  zuo 
g.:  verecundus.'  Mal.  .Gesunde  oder  [dagegen]  gäbe 
ratschlage.'  Wurstisen  1580.  .Kam  ein  Regenwetter, 
dass  alle  Wasser  g.  ufgiengen.'  RCys.  1600.  .Als  guot 
so  gäch  ich  [so  gut  als  ich  es  in  der  Eile]  konnte.' 
Bs  Promot.-Grat.  16'24.  Im  J.  1634  wird  vor  der  Tag- 
satzung geklagt,  dass  die  Prädikanten  im  Bheintale 
die  ,gähe  oder  Weibertaufe',  d.  i.  die  Nottaufe,  ein- 
geführt hätten.  ,(Tach  ist  ellig,  schnell.'  Erklärung 
dunkler  Wörter  Z  1701.  ,So  einer  aus  Eifer  allzu 
gäbe  und  jastig  gewesen.'  JJÜlr.  1727.  ,In  peinlichen 
Sachen  soll  man  nicht  zu  g.  fahren,  dann  ein  gächer 
und  nicht  wohl  besinnter  Rat  ist  ein  zweifacher  Fehler.' 
Lindinner  1733.  ,Von  einem  gächen  und  strengen 
Urteil.'  ebd.  .Ein  Hirt  [vor  Betlehem]  zue  seinen 
Gesellen  sprach:  Freunde,  seid  doch  nit  so  gach,  ich 
muess  euch  noch  Eins  sagen.'  Altes  Lied  bei  BWvss 
1863,  8.  Begierig  nach  Etw.  strebend,  erpicht:  ,Wo 
er  guot  und  gelt  wisst,  was  er  gach  daruf.'  Vad.  In 
diesem  S.  bes.  mit  unpers.  Wendung  und  durchweg  in 
der  richtigen  Adv.-Form  gach  i.  S.  v.  grosses  Verlangen 
nach  Etw.,  einen  ungestümen  Drang,  Trieb  zu  Etw. 
haben,  heftig  gelüsten  ZKn.f  .Der  liebe  ist  nach  gelt 
nit  gach.'  Eckst.  1525.     ,Ze  fliehen  was  inen  gache.' 


Gacll,  gech.  gich,  gocli,  guch 


m 


Si-HLAi-HT  b.  Eagatz.  ,l)en  von  Zürich  was  gar  gach 
nach  vileii  landschaften.-  Vad.  ,I)a  ist  etlichen  Lu- 
tlierischen  so  gaach  über  die  Zwinglischen  gewesen, 
(las  vor  und  ehe  sy  etwas  habind  mit  den  Papisten 
wellen  handien,  wolltend  sy  die  Zwinglischen  ver- 
dammen.- LLav.  157ti.  ,Zum  Prass  h"  jedem  ist  sehr 
g.-  Emblem.  1622.  .Nach  's  Herren  Leib  war  ihnen 
[den  Grabbesucherinnen]  g.'  altes  Osterued.  Syn. 
valz.  Leicht  aufbrausend,  jähzornig  Aa;  Ap;  BO.; 
(iR;  L;  GF.;  U;  ZO.  G.  werde".  Er  icird  gar  grüsli"'  g. 
jViC  nit  so  g.!  En  gähe  Ma'"  soll  eselrite'.  Sulger. 
8yn.  gächschützig ;  gefürig;  ergrinnen;  Für  im  Dach. 
Gäis  Bulver  han  BRi.  Es  gdhs  Fir  [Feuer]  fassu" 
W  (vgl.  0.).  ,Gäch  und  zornmüetig."  HBpll.  1527/1722. 
.Sie  seien  gegen  ihre  Angehörigen  so  geschnitzt  und 
gäch,  dass  sie  gegen  dieselben  etwas  Ungebührliches 
vornehmen  könnten.'  1529,  Absch.  ,Wann  er  [der 
Herr]  fürbricht,  ist  er  gar  gäch.'  Salat  1537.  ,In 
einem  gächen  Zorn.'  B  Gsatz  1615.  .Gech.'  1528,  F, 
,Gächuf'  mit  PI.  ,die  Gächufen.'  1483,  Tu  als  Ge- 
schleehtsn.;  so  wahrsch.  auch  Gäch  und  Gächli,  wie 
aus  den  Orts-  und  Flurnn.  .Gahenmad.'  1523,  G,  Gach- 
nang,  viell.  =  *des  Gachen  Wang  Th,  ,Gachnouw.'  1600. 
Z,  Gächliwil  S,  Gächlingen  Sch  zu  schliessen.  — 
2.  (Adv.)  früh  BO.  —  3.  Begriffssteigerung.  De-' 
g.  Hunger  bieget -ein  zu 'n  Augen  üs  Z;  Syn.  gellig. 
En  g-e''  Lappi,  ein  völliger  Tor.  Suterm.  —  4.  steil 
abfallend  oder  ansteigend  Aa;  Bs;  B;  Gl;  Gr;  G; 
U;  Z.  Syn.  stotzig  (ahhaldig).  Holperig  göt's  hergab 
lind  gech  mitunter.  Breitenst.  .Gottes  Hand,  gähe 
Wand'  =  es  ist  schnell  ein  Unglück  (zunächst  durch 
Sturz)  geschehen.  Scbw  Zeitung.  ,Was  in™  not  wirt 
[so  viel  Holz  als  sie  bedürfen],  gahs  [jähe  Stellen  der 
Alpweide]  zue  zünen.'  1527,  Zellw.  Urk.  ,Der  ein- 
gang  ist  eng  und  gäch.-  1531,  Esra.  ,Ein  hohe  und 
gehe  sträss.'  Kessl.  ,Die  Brustwehr,  so  sich  gegen 
dem  Feld  abdachet  oder  gäch  ablauft'  Kriegsb.  1644. 
,Geh,  gäh.  gech.  jäh,  stickel,  steil:  prseceps,  prseruptus.' 
Red.  1662. 

Ahd.  als  Adj.  gahi  (nihd.  gaehe,  aber  auch  ySc/i,  ija),  als 
Adv.  fjäJio  (mhd.  jäci),  schnell,  ungestüm.  Gäj  wie  fnlej 
uJgl.  —  Ricliataye  durch  falsche  Anlehnung  für  nicht  mehr 
verstandenes  Sichtag  (vgl.  Siechtarj  =  Krankheit  u.  a.);  man 
mag  an  das  mit  einer  Katastrophe  anbrechende  ,Tausend- 
.jährige  Reich'  gedacht  haben,  wo  man  kein  Geld  mehr  braucht. 
-   S.  noch   Gäch-uf  Bd   I   121. 

eng-gäch  s.  eng-ächs  Bd  I  75.  —  stotz-:  sehr 
steil,  beinahe  senkrecht,  „allg."  —  dach-,  fach-: 
sehr  steil  Bs;  Z.  —  stotzwand-:  ebso,  eig.  steil  wie 
eine  Siotsuand,  die  hohe,  glatte  Giebelseite  einer 
Scheune  ZO. 

gächen,  gächen:  1.  {gä-e  BG.;  „F"-  —  Imper. 
gach  BG.  —  mit  .haben-)  eilen.  ,Ilen  und  gachen.' 
JLenz.  ,Myn  Herren  warend  die,  die  in  der  sach 
[Aufruhr  der  Landleute]  nüt  glych  gachtend,  und 
schicktend  ettliche  Ire  ratsfründ  und  [diese]  redtend 
früntlichen  mit  inen.'  Edlib.  .So  pitten  wir  üwer 
gnad,  dieselbe  welle  nit  mit  dem  doctor  also  g.,  sonder 
ine  zuo  antwurt  kommen  lassen.'  1516.  DHess  1818. 
,Gnädige  liebe  Herren  Eidgenossen,  ich  bitte  euch 
um  Gottes  willen,  gachet  nit  mit  mynen  Herren  von 
Zürich.'  1524,  Mise.  Tig.  ,Wie  ir  uns  ermant,  wir 
wellend  in  der  sach  nüt  gächen,  sonder  alls  mit  wol 
erwegnem  rat  fürnemen  und  handien.'  1531,  Strti-kl. 
.Wellen    wir    nit    mit    im-n    Idrnjonigon    Untertani>n. 


welche  .noch  schwach  sind'  in  der  neuen  Lehre]  ga- 
chen, sonders  mitlyden  mit  inen  haben.'  B  Mand.  1528. 
.Bitten  wir  üch,  [dass]  ir  mit  den  zweien,  so  von  be- 
meldten handeis  wegen  gefangen  [sind],  nitg.  wellend.' 
1532.  Strickl.  (es  drohte  denselben  die  Folter).  ,Dass 
sy  der  sach  einen  ufschub  geben  wellind  und  mit  dem 
rechten  [dem  Process]  nit  g.'  1532,  Absch.  ,Gacht  nit 
an  uns.  Her  Küng!'  Birk  1535.  ,Nun  will  ich  gaben 
nit  an  dir:  die  grechtigkeit  gilt  mer  bei  mir.'  ebd. 
.Mit  solcher  sach  ist  nit  zuo  gaben.'  Aal.  1549.  , Siehst 
du  ein  rech  [Reh],  schnell  gach.  still  gang  im  nach!' 
RuEF  1550.  .Sy  wellend  doch  nit  mit  im  gechen. 
sunder  sy  [sich]  wol  besinnen.'  Kessl.  .Wir  ver- 
nSmend,  wie  die  üweren  angryfen  wöllind;  da  ver- 
manend  wir  üch  nit  ze  gaben.-  HBull.  1572.  .Noch 
hatten  die  Vätter  nicht  mit  ihm  gaben,  sonder  durch 
langwirige  Betrüebnuss  des  Kerkers  ihn  bekeren 
wollen.'  Wurstisen.  ,PriBcipitem  ferri  ad  alqd:  gachen 
mit  etwas.'  Denzl.  1677;  1716.  .Ijiächen:  pra;cipitare. 
priBcipitem  ferri  ad  pisnam.'  ebd.  , [Einer]  der  gächet: 
pra?properum  ac  fervidum  ingenium.'  ebd.  —  2.  {gä-e 
BG..  gechen  PGr.'  ge'-e  T,  ge'ije  PPo.,  geien  PAl.) 
nehmen;  holen.  Nid  lan»  dernöa  ged  d'r  jongst 
Buab  Alls  z'seame  on''  gcid  fort  ober  's  Law',  oder 
(nach  Schott)  heggecht  [hat  genommen]  Alls  un''  is 
wlt  g'ganged,  wofür  andere  P  Übersetzer  der  Parabel 
.zusammen  lesen,  zs.  legen,  zusamnieln,  zs.  machon- 
gebrauchen.  Ehe  neinwc  \\r\\  liin  nirlit  \n,-hr\  irrnlii/. 
dass  ier  mech  fir  ous  Cliiiin  [liir  ^in'i-  Kiiiil|  niniirhnl. 
ahergeched-mechfiroiiiif"  Chiwclil.  oh  er-niv''  iiiil-niii 
[mit  ihm,  sich]  ge-et?  Ein  fremder  Geselle  in  PPo. 
beklagte  sich  über  seine  Meistersleute :  kaum  habe  er 
sich  alleraal  zu  Tische  gesetzt,  so  habe  es  geheissen 
,ged  uis!'  (er  verstand  es  als  ,gehet',  was  dort  genget 
heisst). 

Mhd.  (jachen,  yaehen,  eilen.  —  Für  die  allerdings  sonder- 
bare Bed.  '2  kann  .(eilig)  zusammenraffen'  als  Mittelbegriff 
dienen. 

über-gäche",  -gähe":  1.  tr.  (Brod  udgl.)  zu 
schnell,  in  zu  starker  Hitze  backen,  wodurch  das 
Gebäck  aussen  braun,  inwendig  aber  schliefig  wird 
GRÜhur,  He.  —  '2.  refl.,  sich  übereilen,  indem  man 
in  den  erhitzten  Leib  hinein  trinkt  GRChur.  —  ver- 
gächen:  (refl.)  sich  durch  Übereilung  vergreifen. 
Bitte  an  den  Rat  zu  R.,  damit  man  nicht  auf  ,fliegende 
Reden  [Gerüchte,  Verdächtigungen]-  hin  sich  an  dem 
vorher   ehrlichen  Manne  ,vergache'.    1527,  Egli,  Act. 

Gäch  m.:  jähes,  unaufhaltsames,  rettungsloses 
Stürzen.  In-ne'  Gäj  cho'.  Der  Gäj  het-ne"  uberno" 
BHa.  (Zyro). 

Vgl.  änhd.  .die  Gach'.  Eile;  Jähzorn.  Viell.  sind  auch 
da«  llahj  das,  die  Gltja  (s.  gäch  i)  als  Substantivbildungen 
aufzufassen.  —  Die  concr.  Bed.  (steile  Halde)  erhalten  in 
Gitzigäh,  Name  eines  Grundstückes  (Sulger).  gleichsam  an 
dem  herum  zu   klettern  den  Ziegen  zukommt. 

(iächi   GLtw.;   Z,    Gä-i,   Ge-i  BHk.;  GlK.;   Gr 

f.:  .lälilioit.  I.Eile.  Geschwindigkeit.  Etw.  nur  i" 
der  Gä-i  machen  BHk.  .[Wir  haben  unseren  Unter- 
suchungsrichtern befohlen,  die  Schuldigen  alsbald  ge- 
fangen zu  nehmen.]  So  sy  aber  ein  soliche  anzal  funden. 
dass  also  in  einer  gächi  nit  mit  inen  ze  ylen  gewissen 
[wäre].'  1532.  Strickl.  —  2.  frühe  Zeit  {\g\.  gäch  :>) 
Es  ist  kei  G.  me,  es  ist  nicht  mehr  zu  früh.  z.  B. 
eine  Schuld  zu  bezahlen  Gl.  —  3.  Steilheit;  comr. : 
steiler,  abschüssiger  Ort  Gr.     .Üljcr  die  hohinen  mi.l 


m 


Gacli,  ganch,  ^ech,  gicli,  goch,  gucli 


gehinen.'  Kessl.  ,[Ist]  gäbe  halb  [schwierig  zu  er- 
steigen].' WüiisTisEN  1580.  ,Daruf  würt  das  gebirg  syner 
gäbe  halb  ruber.'  JJRüeöek  1606.  ,Das  Gebäude  ist  auf 
dem  äussersten  Rand  einer  abhängenden  Gäbe  oder 
Preciplce  aufgeführt.'  JJBreit.  1773,  ,Die  Gäben  hin- 
unter.' ÜBrXgg.  179'2.  —  4.  Übereilung.  Jähzorn. 
,Es  soll  niemann  in  einer  gäbe  tuen,  das  in  nach  dero 
gerüwen  niög.'  Zwingli.  ,Der  wyn  machet  den  jungen 
lyb,  der  von  im  selbs  zuo  gäbi  geneiget  ist,  wüetend.' 
ebd.  ,Ihm  was  der  Eidgenossen  Gäche  und  Unbeharr- 
lichkeit  wohl  bekannt'  Ansh.  ,Dass  ir  mit  guotem 
zytlichem  Vorrat  [Vorbedacht]  in  dheiner  gäche,  son- 
ders mit  werlichem  vorteil  handlint.'  1531,  Strickl. 
,B;tte  sie  dringlich,  von  irer  gächi  abzulassen  und 
nicht  aufzubrechen.'  1540,  Absoh.  ,Gähe  und  häftige 
des  geniüets:  impetus  animi,  incogitantia.'  Mal.  , Keiner 
ihrer  Amtleute  sollt  kein  Studenten  on  Erlaubniss 
des  Rektors  fahen.  und  wenn  schon  einer  in  gäbe  ge- 
fangen, sollt  er  ihm  zur  stund  überantwortet  werden.' 
WuRSTisEN  1580.  ,Weil  die  Römer  gar  nit  pflegen, 
sich  mit  Gäcbbeit  zu  belegen  [vorschnell  zu  handeln].' 
JCWeissenb.  1679. 

„Gächli»g  m.:  zum  Jähzorn  geneigter  Men.seh." 
Syn.  Gächuf. 

gäcbli"g  Z,  gälig  GT.:  1.  plötzlich;  rasch,  über- 
eilt, a)  adj.  I'''  weusch-der  hei'  gächlige  Tod,  aber 
wenn 's -di"''  nW  au'''  ndm  bis  morn  z'  Abig.  Wolf, 
Rel.-Gespr. ;  vgl.  (/äc7^  Gächlige"  Tods  sterbe"  ^.  ,Ein 
gächliger  üfbruch.'  1531,  Strickl.  ,Wer  sich  Gott 
entgegenstellt,  syn  gächling  urteil  uf  in  fallt.'  Rüef 
1550.  ,Aus  kriege  entstehen  gehlinge  teurung.'  HBüll. 
1597.  ,Ein  gehlinge  enderung.'  1621,  JJBreit.  ,Ein 
gehelinger  Platzregen.'  1763,  Zo.  Von  Gemütsregung: 
,Ein  gehlinge  freud  hat  den  Sophoclem  ersteckt.' 
AKlingl.  1688.  —  b)  adv.  Z,  mit  besonderer  adv. 
Form:  gächlinge"  Sch,  gächlige  L;  S  (tw.  ge-);  Z. 
gälige  BG.  (gäi-);  SL.;  U,  gäliche  Gr,  gächligs  GG.. 
z.  B.  sterben.  Es  ist-m'r  g.  i'Uj'falle'.  G.  chöiiime' 
drei  Räuber  us-em  Holz  tise  z' schiesse  [gestürzt]. 
ScHWizERn.  Ds  Wetter  hed  g.  umg'kert.  ebd.  , Ge- 
lingen.' Lenz  1500.  ,Gecblingon  grosse  fröd  entpfän.' 
Zielt  15'24.  ,Ach  Gott,  muoss  ich  so  gächling  schei- 
den'?' NMan.  ,Gäcblich  schiessend  sy  in.'  1548,  Psalm; 
dafür  ,sie  scheussen  ihn  plötzlich.'  1667.  .Wurde 
gachlig  krank.'  Vad.  ,Gechlingen  hinfallen.'  Tierb. 
1563.  ,Comprimere  habenas  cursus:  im  lauf  gäch- 
lingen  gston.'  Fris.  ,Etwann  gat  ein  für  hoch  uf  und 
erlöscht  gächligen  wider.'  LLav.  1569;  dafür  1670: 
,augenblicklich.-  ,Starb  geblingen.'  JRüeger  1606. 
,Obnversehens  und  gähling.'  JRHokmstr  1645.  ,Was 
überfallt  gächliger  als  der  strick  den  vogeli"  FWyss 
1655.  ,Nox  pr«cipitat,  die  nacht  fallt  gächling  ein.' 
üenzl.  1677;  1716.  Syn.  wnverdächt;  stützlingen.  — 
2.  steil  GT. 

„Giich,  Gak  m. :  Baumwanze,  oiinex  baccaruni  BO.'' 
—    Vgl.    Gauch ;   0\u- ;   O'iiji. 

,gaclllen,  gichlen.  kichlcn:  kitteren,  unzüchtig 
lachen,  cachinnari.'  Fris.;  Mal. 

Ndl.  gachelcn,  also  wolil  entlehnt,  da  die  lebende  MA. 
nnr  die  Form  tfigclen  kennt.  Über  weitere  Formen  oder 
Vwdtschaften  und  ihre  Hcrleitung  aus  Natiirlanten  s.  Gr. 
WB.   5,  CGO  ff. 

Gancll  (bczw.  Gü'ch,  Gnich.  Goch  PI.  Gänch). 
in  GRVal.  Gouche"  —  m.:    1.  Tor,  Narr  B;  FS.;  W; 


ZscHOKKE  1797.  En  kindlicher  [kindischer]  6?.;  Syn. 
Gäuggel;  LÖl;  Torebueb;  Lappi.  Zuweilen  auch  nur 
als  freundliche  Schelte  Aa;  S;  Syn.  Närrsch;  vgl. 
Imbiss-G.  Riem  [rühme]  dr  G.,  so  [danach]  tuet  er 
oich  W.  E"  G.  i"  si"  SacJc  si',  sich  dumm  stellen, 
um  Etw.  zu  erlangen,  sich  trotz  scheinbarer  Dumm- 
heit auf  seinen  Vorteil  verstehn  B.  Vr  G.  het-ne 
[ihn]  g'stoche",  er  bat  unbedacht  gebandelt,  ebd.;  vgl. 
Mugg;  Gugger;  Giiegi.  ,Es  mues  Eine  z'  Gouche" 
werde",  wenn-me-n-e'  g'hört  [vor  Lachen  über  seine 
Spässe].'  Id.  B.  ,fSich]  zu-mene  G.  lache"  (luege'J, 
sich  krank  oder  todt  lachen;  über  einen  Anblick  halb 
närrisch  werden.'  ebd.  ,1  ivett  e  Gouch  si,  nondum  ita 
mente  captus  sum  [es  fällt  mir  nicht  ein].'  ebd.  ,Suech 
en  andere  G.,  der-der  das  tuet,  stultorum  plena  sunt 
omnia,  quoruin  auxilium  implorare  possis.'  ebd.;  vgl. 
bliin.  Bis  doch  ke  G.  u  g'häb-dt'''  [sei  doch  nicht 
so  töricht  zu  jammern]:  's  git  ja  der  Meitli  me .' 
GAKüHN  1819.  Spec.  der  Geisteskranke  F  (Syn.  Narr), 
Kretin  W;  vgl.  Chropf-G.;  Gaticher.  , Rucher  gouch.' 
Ar  Krieg  1405  =  rauber  Gesell.  ,I)er  einfaltig  Gauch.' 
ca  1510,  SiMML.  Urk.  ,Es  tuot  uns  göuchen  gar  wol, 
wenn  unsere  nainen  uf  dem  buocbkrom  ligend,  glych 
als  nesslen  under  den  wolriechenden  krütercn  on 
zwyfel  auch  des  [desto]  stolzer  sind.'  Zwingli.  ,Weil 
der  Angeklagte  ein  G.  und  nicht  bei  Sinnen  ist.'  1527, 
Absch.  ,Ein  rechter  nar  und  g.'  Ruef  1538.  Anstatt 
der  Edelleute,  die  der  Kaiser  gefangen  zu  haben  be- 
haupte, möge  er  etwa  einen  ,G.'  gefangen  haben,  der 
seines  vermeinten  Vorteils  wegen  mit  Etwas  prahle.' 
1544,  Absch.  ,Gauch  oder  narr,  guli,  blennus,  fatuus. 
Heb  dich  du  g.  oder  unwüssender.'  Mal.  ,Du  g.,  fach 
du  fry  z'erst  an  bocbon!'  Com.  SBeati.  , Diese  an- 
decbtige  Gäuche  [die  Flagellanten]  zu  sehen.'  Wurst- 
isEN.  In  Fluchforineln  des  XVI..  XVII.:  ,Das  dich 
der  ritt  alls  gouchen  schüft!'  Verlorn.  Sohn  1.537. 
,Der  ritt,  alls  gouchs!  du  bist  voll  wyn.'  Joben-Spiel 
1585.  Als  Geschlechtsn. :  , Jacob  G.  von  Freiburg.' 
1532,  Strickl.  Name  eines  Hauses  in  Zürich  XV., 
XVL;  s.  noch  Gutz-G.  und  Gugger.  Vgl.  noch  ,die 
gouchmatt',  Titel  eines  Fastnachtspiels  von  Gengcn- 
bach  1516,  welches  die  Diener  der  Venus  als  Narren 
darstellt,  und  Murner's  .gouchmatt  [Dichtung]  zuo 
straf  allen  wybschen  mannen.'  1519.  —  2.  die  Haar- 
bekleidung junger  Vögel,  Flaum  AABb.;  TnTäg.; 
ZLunn. ;  das  erste  Haar  amKinn,  Anflug  von  Bart 
Sch  (Kirchh.);  Z.  Vgl.  Gauchhär,  -hart;  Müs-bart. 
,Das  haar  wachst  nit  lenger  dann  g.'  Vogelb.  1557. 
,Incipiens  barba,  der  erst  hart  oder  der  g.  Lanugine 
fuscante  malas,  wenn  einem  anfacht  der  hart  wachsen 
oder  der  g.  fürhin  stechen.'  Fris.;  Mal.  ,Du  hast 
viel  g.  und  wenig  hart.'  1576,  Antiq.  Z  Mitt.  ,Flos, 
Gauch.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Der  (erst)  gauch,  das 
haar  an  der  schäm,  so  den  knaben  bei  den  14  jarcn 
alt,  den  meitlinen  bei  den  12  jaren  wachst,  pubes.' 
Mal.  Von  vegetabilischen  Gebilden  (oder  =  etwas 
Teufels,  Guggers)'i:  , Etliche  sagend,  er  [der  Meer- 
schaum] werde  aus  dem  wuost,  so  im  schäum  wachset, 
etliche,  aus  lätt  oder  etwas  gauchs,  so  im  meer  wachst.' 
Vogelb.  1557.  —  3.  Beeren-,  Blattwanze,  cimex 
baccarum  ABBb.;  Bs;  SNA.  Syn.  Ghriesi-G.;  Gäch; 
Gärjri:  Gai ;  Gax:  Sfivl-;iitcgc.  Gegen  dieselbe  gilt 
(In-  S|iriirli:  (Iniii^li.  Gninli.'  Ti'/fcl  lauf!  Chunnst-mer 
inilif.  I'iifil  niiiiiii-,"  liliiij:  Aa.  —  4.  .Der  Gauch. 
yaiulikiilrr.  ist  um  yiüiiLT.  stinkender  käfer  mit  lang- 


Oacli,  "ancli.  ffCfl 


^och,  glich 


j^atus,  der  schmutzig-iuetallgrün  ist. 

Mild,  govch,  Kuckuck:  Bastard;  Tor,  Narr.  Die  erstere 
Bed.  (z.B.  noch  bei  Ebinger  1438)  lebt  nur  noch  in  der 
Zss.  Gwj<j-,  Gutz-G.,  sonst  ist  sie  auf  Gu<j<i<i-  «bergegangen. 
Übrigens  ist  die  Ursprünglichkeif  diisir  Hid.  ui.lil  nuirMii 
und  lautliche  Zsgehörigkeit  von  ,GaiHli-  mit  .Ku.I.ih  I,-  ((,;../.,../ 
erst  durch  zsgesetzte  Formen  wir  '.h;//«.//,  i,  »,,;yiir //,,  /n 
vermitteln,  da  Gauch  durch  seinen  Liiiilithon;;'  von  Nu'li- 
ahniung  des  Naturlautes  (s.  Gvgyu)  abweiclit.  Eher  i.st  mit 
Annahme  von  Wechsel  zwischen  ch  und  /  an  mhd.  gief,  Tor, 
Narr  (vgl.  gnß,  lautes  Rufen  und  Wesen,  Übermut  usw.) 
oder  an  das  gleichbed.  giege  und  an  gougel  (auch  Goukcl, 
Gmchel,  Gr.  WB.  4,  1,  1,  1554),  närrisches  Treiben,  Schweiz. 
Gugel-fuer  usw.  zu  denken.  Die  Bed.  .Kuckuck'  kann  sich 
aus  der  von  ,Narr'  eben  so  gut  entwickelt  haben,  wie  um- 
gekehrt, da  das  seltsame  Wesen  des  Vogels,  welcher  nach 
dem  Volksglauben  die  Menschen  neckt  und  betört,  in  beiden 
Richtungen  als  Mittelbegriff  dienen  konnte.  Ans  Bed.  1 
konnte  2  entspringen  durch  die  im  Mhd.  lierrschende  Ver- 
bindung der  Vorstellungen  ,dunim'  (d.  h.  unerfahren)  und 
,,iung',  wobei  freilich  noch  hinzugedacht  werden  niuss,  dass 
der  persönliche  Begriff  in  den  sachlichen  umgesetzt  wurde, 
indem  für  ,Jugeud'  ein  leibliches  Merkmal  derselben,  Flaum, 
erster  Bart  usw.,  eintrat:  oder  G.  meint  hier  das  Neckische 
oder  Unbedeutende;  oder  erinnert  an  den  Wechsel  dunkler 
und  heller  Stellen  auf  dem  Gefieder  des  Vogels.  Bed.  3  beruht 
d:irauf,  (lass  der  Kuckuck  als  der  Vater  elbischen  Gewürms  galt, 
und  dass  Insekten  aus  dem  .Kuckucksspeichel'  hervorgehen. 

llilliiss-  l„„s  (An,  X,,i,is-  ((iTu.l  -daurli.  Cim- 
liiis-oich  (!:  \-swrhr..h,;A  fiir  iicu-irri-  zudriii-- 
lich  fragciulc  Kiudcr;  z.U.:  Was  ist  das.'  Eni.  Xv: 
Z.,  biss-der  [dir]  d' Nasen  ah!  GTa.  Gimm.  und  'brätiii 
Nudle  ü.  Vgl.  Immi-  (Immis-,  HimmiJ -gäugg ;  -gös: 
-'jrügg. 

An  der  Identität  des  ersten  W.  in  sämmtlichen  Gestaltcu 
ist  kaum  zu  zweifeln,  ob  es  aber  mit  dem  Bd  I  23ß/8  be- 
handelten W.  identisch  sei,  kann  gefragt  werden,  da  der 
Sinn  des  Comp,  nicht  klar  ist.  Bezöge  sich  das  nengierige 
Fragen  ursprünglich  auf  das  Mittagessen,  wie  bei  andern 
Abfertigungsformeln,  so  könnte  Goneh  in  Bed.  3  gemeint 
sein,  so  dass  das  Leckermaul  durch  Hinweis  auf  etwas  Ekel- 
haftes abgespeist  würde  (vgl.  Immignigg  und  s.  u.  Kidah« 
Bd  I  94),  und  dann  würde  sich  auch  der  sonst  auffallende 
Umlaut  (als  Plur.)  erklären.  Sonst  niüsste  (?.  eben  als  Schelte 
i.   S.   V.   1   genommen   werden. 

Gugg-(Gutz-  Name  eines  Hauses  in  Zürich  XVII.) 
Gauch  GuggcVch  ZSth.,  Guggüch  Ücn  (tw.  Gugüch?); 
ZUhw.,  Gmjgoeli  Tu  (/-'),  Guggicli  AAEhr.,  Kling.; 
ZRafz,  W.,  Guggech  Name  einer  Häusergruppe  bei 
Zürich  (vgl.  Guggechrüti,  Flurn.  ZPfung.):  Kuckuck. 
1.  der  Vogel  selbst.  De--  G.  riieft  sni  rhjuf  X.niicn 
«s.  SiiLGER.  ,Der  Guggauch.-  l"':'.l  1-^.  II.  M"-.,  'I.ilür 
,Kukuk.'  16(j7.  ,üer  gugüuch  mit  .svm  ^  hu  m  murlit 
frölich  jedermann.'  B  Lieder.  Adam  zum  Kuckuck: 
,üyn  gsang  ist  nit  so  herrlich  hoch,  darum  sollt 
heissen  guggouch.'  Euep  1550.  ,Cuculus,  coccyx,  ein 
gugger  (gucker)  oder  guggauch  (guckauch).'  Fkis.  ; 
M.1L.;  Denzl.  1677;  1716  (auch  .Guckgauch').  .Gug- 
gauch.' HEEsoHER  1692.  ,Dardurch  man  dann  viel- 
malen dem  Guckgauch  zuspricht,  was  der  Nachtigalen 
zugehört.'  Hebt.  1658.  -  2.  i.  S.  v.  Teufel  (s.  u 
Gugger). 

Eig.  Guijg-giiiirh,  dn  .,i/./;/f  /i  den  Knf  des  Voirels  bezeichnet. 
Über  das  efyni"!.  V.'iii;iltni^^  /n  A.  n,  -jvu.Oinli.-licn  Nauiei 
desselben,  6'«;;.;"  iihl,,ii  ',,.-,.,.,1.  -,  ^M..  a..  .mrli  das  Sach' 
liehe    des  V..il<s-hMil.rii.    hrti-,    .Im    Nn-rl    /-ltsI..!».    ist.    - 


ziiiiäihst  aus  .guckzen',  wie  ,blitzen'  aus  ,blickzen'.  Betr. 
das  Lautliche  sind  die  fortschreitenden  Abschwächnngen  od. 
Verdünnungen  des  Voc.  der  zweiten  Silbe  bemerkenswert. 
Zu    Guggich  wird  auch    Guggübcrg  B  gehören. 

Guggauche  Guggöche  f.:  Anemone,  als  Frühlings- 
bhiiiir  ::leichzeitigniitdem  Kuf  des  Kuckucks  TaSteckb. 
Syu,  (liiiiijHhluem.    S.  auch  Guggüche  unter  Gugg-. 

Kirsi  Chriesi-Gaiteh  Ap;  Th;  Z,  -Gueh  GWe.  = 
Gauch  S,  so  genannt,  weil  das  Insekt  bes.  auf  Kirsch- 
bäumen vorkommt.  Syn.  Chrmi-gagger ;  Gaclilinger- 
Stinker.  Als  Schimpfwort:  ,Du  (ihriesigancli.-  Com. 
Beati.  —  Kropf-:  der  mit  Kropf  bclud'tetc  Tor. 
Kretin  W. 

Spi-Güch:  scherzh.  Sohelto  auf  ein  kleines  ma- 
geres Bürschchen   ScnStdt. 

Wenn  im  ersten  W.  ,speien'  (spien)  steckt,  mit  Ver- 
kürzung des  Voc,  resp.  mit  dem  kurzen  Voc.  des  mhd.  Prät. 
PI.  und  Ptc,  so  wäre  das  Ganze  ein  Ausdruck  des  Ekels 
oder  der  Verächtlichkeit  =  der  An-  oder  der  Ausgespieeue 
(vgl.  Kuckucksspeichel  und  das  mit  obigem  W.  ungetiihr 
syn.  S2KU7:).  Lautlich  möglich  wäre  auch  die  Erklärung  von 
Sp%-  aus  Spinn-;  unser  Comp,  könnte  wie  Spinnmuijg  die  Spinne 
bed.  und  diese  gilt  als  Bild  der  Magerkeit  (vgl.  Hpinncnd'ann, 
-dürr,    -mager).       Vgl.    noch    Spägi. 

gauch  (loch  BBc:  1.  _gcckisch  Z",  albcni.  ein- 
fältig Gr;  U.  G.lnsl-dr!  l'.O.  i<yu.  ,i,ni,ln,rhl l,/.  ;,,,„- 
chhch,  r/aucldirli.  ]hi  hisl  </.  ifiiiini.  das  :'  luv"  1! 
ikaiiu  lUU'I,  Siibst.  srin.  wir  Xan-'s  ,j',inr,,).  Tnvcr- 
>(aii.li-  -irli  hnirlimrinl.  mil  r.itlni.  Wriiini  B.  ,8i 
u:liv,„l    «rrlirh    iwallllirll]    u-orh.-      Al'    Krire-    M0.^.    -    - 

■J.  Harris. li  \riliel,t  und  drm-.aiiass  sich  kindisch 
-rlHTdnal  l'a).:  W.  /;/(  ,/„/„■/„■  I.uppi  „BO.;"  GiiV. 
(i.nl,  II,, I  ,11,.  liruiidlirli.  /aiilirh  IllJo.  „Syn.  gaucli- 
lisch  B.-  —  M.  kurius,  komisch,  drollig  BMcir.; 
GRPr.  Es  g-s  Mannli.  —  4.  starr  vor  Kälte  F. 
Vgl.  ergauchen. 

Der  adj.  Gebranch,  der  auch  im  ä.Nhd.  vorkommt,  kann 
auf  dem  in  der  Anm.  zu  Gaueh  angegebenen  Wege  erklärt 
werden;  es  gibt  aber  schon  mhd.  WW.,  welche  Subst.  und 
Adj.  zugleich  sind,  z.  B.  glmiz;  vgl.  nhd.  .schmuck'  u.  a.  - 
Bed.  1  u.  3  sind  durch  den  Begriff  ,seltsam'  zu  vermitteln: 
vgl.  arig,  artig.  —  Bed.  4  muss  mit  1  etwa  durch  den  Be- 
griff ,stumpfsinnig'  vermittelt  werden. 

gauchachtig:  1.  tijricht  BSi.  --  2.  .Lanuginnsus 
(flaumig).'  Mal.     Zu  Gauch  3. 

Gäuchel  m.:  Verkleinerung  und  zuglcicli  Ver- 
gröberung von  Gauch  ].  Du  G.  du!  Gorrn.  —  Vgl. 
Gauchh,    OäueJdi»,/. 

Gauche(n)  f.:  nur  noch  als  Ortsn.  G  uT.   -  Vgl. 

Guggauche. 

gauche(n),  gäuche(n):  1.  intr.  a)  ,.'/'("-.  im- 
gereimte  Dinge  sagen  oder  tun  Z."  —  b)  gäu-,  go-. 
gaukeln  Ap;  Gl;  GRh.  Zaubern.  Sulger  fgau-J.  Syn. 
gäuglen(?).  —  2.  trans.  „(gau-J  betören,  überli.stcn. 
bes.  in  Liebesangelegenheiten  W."  Vgl.  gmiken.  Zum 
Besten  halten,  z.  B.  durch  Auferlegung  einer  unnötigen 
Arbeit  Id.  B.  ,Die  sich  die  wyb  stets  göuchcn  hin.' 
Genoenb.  gm.  —  3.  refl.  (gäu-;  nur  in  ZBenk.  aucli 
gau-).  a)  sich  närrisch  lustig  geberden.  V  Narre" 
gäuched-si'''.  Sulger.  Losed,  wie  si'''  d'  N.  g-d!  ZVVI., 
Wyla.  ,Es  gibt  gut  {andei-  ZBenk.)  Wetter:  die  Narren 
gäuchen  sich.'  Sprww.  1824.  Wenn  si"''  d'  N.  g..  gil  '■-■ 
schön  W.  ZWl.  ,Stultitiam  fingere,  ineptire,  tuon  wie 
ein  narr,  sich  torlich  anlassen  und  lätz  stellen,  sieb 
a-öuchen.'    Fris.  ;    Mal.     .Fatuari,    närrisch    tun.    sieh 


107 


Gach.  ganch.  gech,  gich,  gncli.  gnch 


108 


gauchen.'  Denzl.  1677;  1716.  Syn.  sich  foppen.  — 
h)  sich  über  Jmd  lustig  machen,  spotten.  ,Here,  facis 
delicias,  du  göuchst  dich,  du  spottest  meinen.'  Fris.; 
Mal.  —  c)  sich  sträuben,  zieren.  .Delicias  facere. 
sich  etwar  mit  göuchen,  ze  tu  hoflich  und  ze  ver- 
zwunzen  wollen  sein,  sich  eines  dings  wcren  und  lassen 
bitten,  das  er  aber  gern  wollt.'  Fris.;  Mal.  —  d)  sich 
selbst  täuschen.  ,Zwinglin  hätte  sich  auch  [da-]mit 
gäucht.'  15'26.  Beitr.  1741.  —  e)  sich  an  einer  Arbeit 
erlustigen,  aber  auch  ersättigen  ZWl.  —  f)  sich 
erkühnen  ScuSchl.  —  g)  sich  packen,  scheren  Ap. 
— i' h)  unpersönl.,  gelüsten.  Loss-di'^'  nüd  g.!  Ap. 
Mhd.  gouchen,  narren,  äffen.  —  Bed.  1  b  spricht  für 
Vwdtschaft  (oder  teilweise  Yermischung?)  mit  ,gaukeln'  im 
S.  V.  närrische  Geberdeu  machen,  was  auch  auf  Zauberei 
passt,  wenn  man  an  dieselbe  nicht  glaubt.  3  c  meint  wohl 
wieder  närrische  Geberden,  welche  zu  jenem  Zwecke  gemacht 
werden.  .3  e  könnte  zu  a  gezogen  werden,  wenn  nicht  der 
Begriff  der  Sättigung  hinzuträte;  Tgl.  sich  (ge)nieten,  sich 
hefleissen,  erfreuen,  ersättigen;  überdrüssig  aufgeben,  f  ist 
Tiell.  nur  ein  hoher  Grad  von  a  (übermütige  Lust),  h  wird 
auf  der  Yorstellung  beruhen,  dass  Lust  und  Gelüsten  den 
Sinn  leicht  betört,  g  wird  von  Gr.  WB.  4,  1,  1,  1533  als 
ein  anderes  W.  angesetzt,  nämlich  jauchen',  fortjagen,  was 
sonst  bei  uns  Jäukeu  lautet;  doch  lässt  es  sich  auch  aus  d 
oder  e  erklären,  wenn  man  annimmt,  dass  die  Entfernung  aus 
Überdruss  od.  beschämender  Enttäuschung  erfolge,  ch  könnte 
für  k  stehen  wie  umgek.  i-  für  ch  in  bern.  yäuken  (s.  2); 
aber  g  und  /  im  Anlaut,  wenigstens  vor  vollen  A'ocalen, 
wechseln  sonst  in  unserer  Sprache  nicht. 

er-gauchen:  1.  intr.  a)  „steif,  starr  werden. 
z.  B.  vor  Kälte.  Die  Finger  sind  mir  ergauchet  B." 
Syn.  den  Narr  in  den  Fingeren  haben.  Vgl.  gauch  4. 
—  b)  verrückt  (zum  Narren)  werden.  Er  ist  an 
im  ganz  ergaucht  (in  ihn  vernarrt).  —  2.  refl.  a)  den 
Narren  treiben  Bs  (Spreng,  gau-);  sich  recht  lustig 
machen,  in  Gesellschaft  ZZoll.;  mit  (an)  Jmdm  oder 
Etwas  Spass  treiben  ZW.,  Wang.  Syn.  Gugelfuer 
triben.  ,Ludos  facere,  fatuari,  den  narren  treiben, 
sieh  mit  eim  ergöuchen  und  kurzweilen,  fatzen,  ver- 
spotten.' Fris.;  Mal.  —  b)  „sich  überessen,  einen 
Ekel  essen  Ap;  Gl;  GEh."-  „S.  ergöchen,  überdrüssig 
werden  GRSax.;"  St."  Vgl.  gäuchen  3  c  und  rer- 
gaucht  3. 

Mhd.  ergöuchen,  närrisch  werden;  zum  Toren  machen, 
betören.  So  bei  Boner:  ,Ere  guot  sitten  wandlen  kau;  si 
ergouchet  frouwen  unde  man.' 

ergäuchlich:    .eifceminate,  verzagt,'   Fris.;  Mal. 

Der  Begriff  ,verzärtelt,  verweichlicht'  ist  mit  dem  von 
,närrisch  verliebt'   und  ,ekel  im  Essen'  zu  vermitteln. 

ver-gauchen:  1,  „verrückt  werden.  Ich  bin 
schier  vergaucht  GRDoml."  —  2.  den  Mutwillen  aus- 
toben. Händ-er  [habt  ihr]  bald  vergauchet?  ZBauma. 
—  Abi.  vergäuken. 

vergaucht  („auch -ä«"):  1.  lustig,  rautwillig  bis 
zum  Übermut,  , üppig',  von  Kindern  GlH.  —  2.  när- 
risch, spasshaft.  sclialkhaft  Gl.  Syn.  gauchlig;  Gäuch- 
ling.  —  3.  wählerisch  im  Essen,  leckerhaft  Gl.  Syn. 
seltsen;  chiig;  Gäuchling.  Vergauchte''  Lecker  kann 
auch  einen  Pfiffikus  bezeichnen;  vgl.  Leckersbueb. 

Bed.  3  wird  auf  den  zu  gituchen  S  e,  g  gemachten  Be- 
merkungen beruhen. 

„Gaucher,  Gauchi  m.:  halb  verrückter  Mensch 
GRDoml."    —   Vgl.   Gauch,  Geisteskranker. 

„Gaucheri  f.:  Geckerei  Z."  St.'  ,Geuchery'  = 
Torheit.  Gengenb.  Gauchm.    .Derglychen  gijucheryen.' 


Zwingli  1527.  ,Es  [die  Messe  und  andere  Ceremonien] 
ist  gouehery.'  1532,  Absch.  ,Man  wellt  uns  gern  etwa."; 
nüws  uf-en  hals  pflanzen,  aber  gond  syn  müessig,  es 
ist  g.'  ebd.  .Schöne  Litteratur.  wenn  man  mit  Gau- 
cherei und  Narrenwerk  umgeht!'  1555,  HBi'll.  — 
Mhd.  göucherie,   Narrheit. 

„gaucherisch:   närrisch  Z."  St." 

Gauchhafti  f.:  Torheit,  läppischer  Mutwille. 
Der  Buob  (die  Maidja)  tiwt  r»r  G.  recht  bockulii'  W. 

Gauchheit  f.:  Torheit,  kindisch  spielendes  We- 
sen B.     Als  Ortsn.  in  BG..  Köniz  (Gauheit). 

Gäuchi  f.:  Torheit  B.  —  Hunds-:  Brunst. 
Scherzh.  übertr.,  Periode,  wo  man  durchaus  heiraten 
möchte  U  Gesch.  Alp.     Vgl.  Gauchlichi. 

„gauchisch",  gäuchisch:  1.  ^  gauch  1."  ,Diss 
göuchisch  gschlecht  [der  Menschen].'  Gengenb.  Gauchra. 
,0b  sie  noch  an  die  gäuchische  Mess  und  andere  Cere- 
monien glaubten.'  1529,  Beitr.  1742.  ,Ineptus,  unge- 
schickt, lätz,  göuchisch,  läppisch.'  Fris.;  Mal. 

Gauchle,  Gäuchle,  „-ö- W"  —  {.:  Närrin  B;  W. 
Die  hoffartig  G.,  ausgelassenes,  mutwilliges  Mädchen 
B.  D'  Liebi,  die  Gäuchle,  füert  Eine",  wo  sie  will. 
B  Hink.  B.  1820  (angeblich  aus  einem  Liede). 

gäuchlich:  töricht,  von  Personen  und  Sachen  W. 
.Si  stalltend  sich  gar  gouchlich ,  erbrachend  sich 
Quahlten]  gar  hoch  und  fast'  ÄgTschudi.  —  Gauch- 
lichi f.:  Torheit,  Mannstollheit  W.  lez  heint  d's 
Mannuvolch  guet  Sach  z'  wlbW;  denn  d's  Wtbuvolch 
cha'*  die  Goichlichi  nit  verlribW;  d's  Wlbuvolchsch  G. 
ist  nit  z'  ermessu",  Susi  täti  d'  Wittwe'  d'  Männer 
nit  so  schnell  vergessw.  Narrenspruch. 

Gäuchling  m.:  1.  mutwilliger  Mensch,  über- 
mütiger Bursche;  Spassvogel,  Schalk  Gl.  —  2.  Einer, 
der  im  Essen  wählerisch  ist  Gl.     Syn.  vergaucht. 

gauch  lisch  =  gauch  1. 

Gimrais-Geich  s.  Imbiss-Gaiich. 

gichle(ll):  lachen.  .Garrire,  schwätzen,  plodercn. 
guderschen.  klapperen,  gychlen.  Cachinnum  tollere, 
überlaut  lachen,  anheben  laut  gichlen.-  Fris.;  Mal. 
.Gichlen  oder  gachlen,  ein  unzüchtigs  glächter,  ca- 
chinnus.'  Mal.  ,Gichlen,  cachinnari.'  Denzl.  1G77; 
1716.  ,Wann,  indem  Gott  andere  Völker  zur  straf  har- 
genommen,  wir  underdessen  nur  gichlet  und  glachet.' 
JMiiLL.  1665. 

G  i  c  h  1  e  r  m. :  Lacher.  ,Petulans,  ein  grosser  lacher 
oder  g.,  der  über  alle  mäss  lachet.'  Fris.  .Cachinno. 
G.,  Lachnarr.'   Denzl.  1677;  1716. 

Nahe  an  mhd.  gickeln,  vor  Affekt  zittern,  zucken ;  auch : 
hohnlachen.  Vgl.  die  syn.  Lautnachahmungen  gachlen,  gigehn, 
gitjemi  und  nhd.  .kichern',  welches  aber,  trotz  seines  härtern 
Anlautes  und  der  Bildung  mit  r  statt  /,  zwar  ein  heftiges, 
doch  leiseres  Lachen  bedeutet. 

Goch  I:  verhüllende  Form  für  ,Gott'  in  den  Be- 
teurungen  bi  G.!  wärli'''  Goch(li)!  ScnwE.,  Ma. 

Goch  n  s.  Gauch,  gauch.  göchen,  Gilchle 
s.  gauchen,  Gauchle. 

Guelie»  f.:   Blashorn  GrD..  Pr. 

Sachlich  am  Nächsten  steht  Güge,  aber  ih  kann  nidit 
aus  g  erklärt  werden  und  weist  zunächst  auf  Vwdtschaft  mit 
Guchle',  für  welches  freilich  in   ApI.   Güge  gilt. 

güchlen:  ins  Hörn  stossen  Ap.     Jägerspr. 


109 


-guch. 


Siichs.    (iaclit— glicht 


110 


Guchle"  f.:  1.  kloiiie  Kahre.  welche  statt  des 
Spundes  ins  Fass  gotiicheii  wird,  damit  der  ijährende 
Wein  nicht  Schaden  verursache  Ar;  Tu  (]Viii-(r.). 
Sy\].  Spiicle.  —  2.  viereckige  hölzerne  Kinne,  diircli 
welche  Obst  in  den  Trichter  der  Mülile  geschüttet 
wird;  auch  eine  ebenso  geformte  Rinne  in  Abtritten. 
Dim.  Gilcheli  ApK.  Vgl.  Gächt,  Güchtk';  Gwje; 
Gäwjgeli.  ,Das  Abwasser  aus  dem  Brunnen  mittelst 
der  im  Brunnenbett  bestehenden  sog.  G.  in  Teucheln 
abführen.'  1860,  G.  —  Das  W.  scheint,  wie  Gnchc,  Nach- 
uhnuiug  des  Gurgelus. 

Gncliel  It  HScniNz  1842  =  Kotdrossel.  Syn.  Jich- 
cugd. 


geuchse(n)  s.  (jünnen. 
Heu-tiöchsli  n.:    Eidechse  AaZc 
Guchs,  guchsen  s.  Gux. 


(Jacht  f.:  Name  von  Bergschluchteu  Ai-;  GT.  Eine 
Stei'-G.  in  ApI.  —  Scheint  zu  (ßck,  steil,  zu  gehören, 
vgl.   Auni.   zu    Giht. 

Gicht  I  f.:  Bekenntniss,  Geständniss.  .Begert  da- 
von g.  oder  lougnung.'  1438,  L.   —   Mhd.  yihi. 

Ur-  (n.  beiBrägg.):  dass.,  bes.  Aussage  eines  .An- 
geklagten. .Werde  nächstens  Etw.  vom  U.  hersetzen.' 
UBrägg.  1788.  Dass  Dieses  oder  Jenes  nicht  im  U. 
stehe,  ebd.  ,Tu  rechnung  und  urg.  von  deiner  Wandel- 
fahrt.' RMev.  1050. 

Ver-  (auch  -Jicht):  1.  , Bekenntniss,  vorzüglich 
eines  Gefangenen,  der  inquiriert  wird ;  auch  das  Ver- 
hiir,  welches  zum  Geständniss  führen  soll  B;  Gl;  Z." 
Vgl.  gieh,t(ig)en.  ,Nun  beger  ich  ein  v.  von  im,  dass 
er  selb  Sprech  mit  eigner  stimm  ja  oder  nein.'  NMan. 
.Man  wott  in  henken,  do  leugnet  er  synen  v.  an  der 
leiter.'  Salat.  ,Bycht,  confessio,  vergycht  (-gicht). 
Zuo  der  v.  und  marter  mit  gewalt  treiben,  ad  quse- 
stionem  abripere,  vel  in  cruciatum.'  Mal.  ,Jetz  will 
ich  nun  an  syn  v.  [Verhör]  kurz  melden,  was  er  hat 
verriebt  mit  synen  fulem  schryben.'  1576,  Z  Neuj.  A. 
,Der  lang  Peter,  welcher  nit  lang  darnach  zu  Bern 
geredert  worden  und  under  andren  vorjichten  auch 
bekannt  [usw.].'  FPlatt.  1612.  ,Aus  wichtigen  Ur- 
sachen, so  die  verjüchten  mitbringen.'  1653.  AHedsl. 
1854.  .Dieweil  man  mehr  auf  das  gehe,  ob  sie  sich 
dem  bösen  Geist  ergeben  haben,  als  auf  andere  ihre 
Vergicht.'  Hf,it.  1658.  .Klag,  Antwort,  Beweisung. 
V.,  Urteil  und  den  ganzen  Process.'  Wurstisen.  Übh. 
förmliche  Aussage,  Zusage,  Ver-,  Zusicherung.  ,Ein 
ganz  luter  sün  [aufrichtige  SühneJ  und  veriecht  [Ver- 
zicht].' 1353,  Ar«.  ,Uns  und  unseren  nachkommen  zuo 
einer  v.  der  vorgeschribenen  dingen.'  1370,  Pfaffenbr. 
.Der  Herr  bestätiget  sein  gestrige  v.'  FWyss  1650. 
—  '2.  „Schuldbrief  W."  Schriftliclie  Erklärung  und 
Anerkennung  eines  Schuldverhältnisses,  versichert  auf 
Grundstücken. 

Mhd.  vergiht  f..  Aussage,  Bekenntniss.  Von  vei-ßhen. 
Hie  Form  mit  /  seltener  und  weniger  gut  als  die  mit  <j. 
,Verjikht'  entstellt  oder  verschrieben. 

ver-gichten:  bekennen.  .Ich  N.  N.  vergichte. 
dass  . . .'  1428,  Gfo. 


gichte(n)  (früher  aiicli)  .jiehten;  ..yie-  LE.- 
eine  Person  ausforschen,  iliirdi  eimliingliches  Fragen 
zu  einem  (iestiindniss  zu  bringen  suclien  oder  nötigen 
!!(•.  (Ilk.i;  l.lv:  inslics.  gerichtlich,  peinlich  verhören, 
mit  .Anwi'mluiig  der  Folter,  foltern.  Syn.  gichtigen. 
Abi.  Gichter;  Gichtimg.  ,Ein  Ammann  und  die  Sechzig 
söllent  vollen  gwalt  han,  wen  sy  argwenig  [im  Ver- 
dacht] haben,  zuo  fragen,  zu  gychten  oder  zu  fachen.' 
1416,1544,  ScHW  LB.  .Wenn  wir  ein  schedlichen  mann 
in  gefengnisse  haben  und  wir  zwen  der  reten  zue  im 
schicken  in  ze  gichten,  was  euch  die  von  im  hören, 
das  er  vergichtig  ist,  das  sont  die  zwen  reden  by  ir 
eide.'  1419.  L  Ratsb.  ,Wann  man  die  armen  lüt 
gichtet,  soUent  die  knechte  den  herren  nützit  daryn 
reden.'  1510,  S  Wochonbl.  ,Der  Graf  mag  mutwillige 
Leute  gefangen  legen.  Wenn  sich  aber  der  Handel 
als  maletizisch  herausstellt,  soll  er  dieselben  weder  g. 
noch  martern,  sondern  den  Amtleuten  von  Bern  über- 
antworten.' 1539,  Absoh.  ,7  fl.  der  na''''richter,  diewyl 
man  N.  N.  jichtet'  1539,  ZGrün.  Amtsrechn.  ,Equu- 
leus,  ein  instrument,  das  man  die  leut  ze  g.  braucht. 
Quaistionem  adhibere,  einen  ans  folterseil  schlahen, 
oder  g.  und  folteren.'  Fris.;  Mal.  ,G.,  folteren,  pei- 
nigen, torquere,  excruciare.'  Red.  1662. 

Mhd.  gihteii,  bekennen;  zum  Bekenntniss  bringen.  Die 
Ausspr.  von  LE.  zeigt  die  Möglichkeit  der  Entstehung  von 
te  aus   »  wie  bei    Gicht  IV,   V  und  bei   ijichtiy  (s.  dd.). 

, Gichter  m. :  folterer,  scherg,  scliolderer,  henker, 
tortor.'  Fris.;  Mal. 

gichtig,  j-:  1.  activ.  von  Personen;  a)  .geständig, 
von  einem  Verbrecher  Z."  .Mit  den  rechten  g.  ma- 
chen', durch  Process  zur  Anerkennung  bringen.  1432, 
Z«.  .Das  er  nit  jechtig  will  syn.'  1514,  Gfo.  ,Es  ist 
ihm  auch  fürgehalten,  ob  er  sollicher  red  geständig 
sye;  sagt  er  nein,  er  sye  dess  nit  g.'  1526,  JvMüll. 
,Üb  sy  vermein,  etwas  rechts  [Rechtsansprüche]  an 
in  ze  haben,  solle  sy  in  lut  der  ])ünden  [kraft  der  in 
den  Bünden  enthaltenen  Verpflichtungen]  g.  machen.' 
1532,  Strickl.  .Die  schulden  bekennen  und  deren  g. 
sein,  protiteri  as  alienum.'  Mal.  , [Beide  Weibel  wur- 
den zu  dem  Knaben  geschickt,  ihn  zu  fragen:]  ob  er 
das  Agtli  g.  war  oder  nit.  Da  war  der  Kn.  g..  dass 
er's  gnommen  hätt  und  ein  bschlagen  gürtel  uf  die  e 
gen  [als  Pfand].'  1558,  MEsterm.  Rick.  .Einanderen 
g.  syn',  bekennen,  dass  das  Gerede  der  Leute  be- 
gründet sei,  dass  man  einander  zu  ehelichen  begehre. 
XVI.,  Z  Ordn.  .Wenn  es  sich  begebe,  dass  zwei  per- 
sonen  mit  einanderen  von  der  ehe  geredt  habent  und 
der  werten  nit  g.  oder  kanntlich  sein  wollten.'  16'22, 
GrAv.  Landr.  .Dass  Jörg  Abegg  den  Hans  Job  um 
die  ansprach,  so  er  dem  KBüeler  an  Job  verzeigt  [auf 
J.  als  Schuldner  angewiesen  habe],  richtig,  g.  und 
bekanntlich  machen,  ime  Büeler  aber  andere  mittel 
verzeigen  und  geben  solle.'  1648.  Schw  Ratsb.  .Es 
soll  Abegg  dem  Benouwer  den  bewüssten  Pauren 
innerthalb  27  Tagen  g.  und  richtig  an  die  Hand  geben, 
wo  nit  er.  Abegg.  sein  [des  Ben.]  Zaler  sein  solle.' 
ebd.  .Er  Hess  einen  jeden  Hausvater  antworten,  ob 
er  in  Allem  mit  Jedermann  r.  und  g..  dass  er  mit 
Niemand  gefahre  in  Streit  zu  kommen.'  HPest.  1787. 
.G.  sein'  auch  bloss  =  sich  bei  einer  Aussage  behaften 
lassen,  dazu  stehn.  eine  Aussage  verbürgen:  .Sie 
schätzten,  sie  hätten  erschlagen  wol  4000.  doch  woll- 
ten sie  über  1000   nit   g.  sein.'    VALTsenrni  1533.  - 


111 


üaclit.  geeilt,  giclif.  goclit,  gncht 


b)  einverstanden,  zugeständig.  .Und  sind  dannc 
die  Fürsprechen  der  Urteilden  enandern  niclit  g.'  1348. 
Z  Ratserk.  ,Dass  der  Apt  kiesen  möge  einen  richtcr 
umb  die  hochen  gericht  und  über  das  bluot  ze  richten, 
als  im  des  die  tallüte  g.  sint;  de.sglych  von  der  kleinen 
gerichten  wegen  einen,  talmann  und  nit  einen  frömden, 
sidcr  er  des  ouch  g.  ist.  setzen  mag.'  1444.  Gfr.  33,  92. 
.Wäre  man  um  Lidlohn  streitig  und  nit  g.'  L  Stadtr. 
1706/65.  —  '-'.passiv,  von  Sachen:  eingestanden,  zu- 
gegeben, nicht  bestritten,  anerkannt.  G.  Schuld  =  eine 
solche,  deren  Einforderung  der  Schuldner  täglich  ge- 
wärtig sein  muss,  ohne  Abzahlungstermine,  z.  B.  von 
Handschriften,  welche  auf  die  erste  Betreibung  zahlbar 
sind,  laufende  Schulden  an  Handwerker  usf.  BHk.f 
Gegs.  un-g.  .Dass  niemand  kein  zins  oder  laufende 
schuld  verkaufen  solle,  änderst  dann  sein  eigne  oder 
g-e  gwalt  habende  selbstgemachte  schuld.'  Ap  LB. 
1585/1828.  ,So  jemand  ein  g-e  schuld,  so  im  güetlich 
nit  bsalt  würd,  nach  zwingsrecht  beziehen  will,  so 
soll  der  undervogt  den  Schuldner  pfänden.-  1562.  LEick. 
Twingsr.  ,Wo  einer  einem  ein  j  -  e  redliche  schuld 
schuldig  were  und  nit  zu  bezalen  hette.'  1607,  Ztschr. 
f.  Schwz.  R.  .Dass  des  Herrn  Jörgen  antwurt  uf  die 
g-en  artikel  beschuhen.-  1522,  Simml.  Urk.  .üb  die 
VOrte  schuldig  seien,  den  neugläubigen  Glarnern  über 
eine  g-e  Sache  des  Rechten  zu  sein.'  1561,  Absch. 
,Giechtig  Zins  mag  einer  dem  andern  an  dem  Abend 
verkünden.'  AWild  1883. 

Mhd.  yihtu;  in  Bed.  l  a  und  '2.  —  1  b  kiiuu  auch  auf  a 
zurückgeführt  werden.  In  der  Reimforme!  ,g.  und  richtig' 
ist  das  letztere  W.  vom  sachlichen  Gebiet  auf  das  persön- 
liche übertragen.  Über  ie  s.  Auni.  zu  ykhteii.  ,Jechtig'  ist 
direkt  vun  jehm  gebildet. 

an-gichtig  =  (/.  .Desselben  [Versprechens]  wäre 
er  inen  noch  a.'  1465.  Gpr.  22.  305.  —  un-:  1.  von 
einer  Schuld,  bei  welcher  mehrere  Zahlungstermine 
einbedungen  sind,  oder  einer  solchen,  die  bei  richtiger 
Verzinsung  nicht  eingefordert  werden  kann,  z.B.  Pfand- 
briefe BHk.f  .Wegen  u-er  (streitiger)  Schulden.'  15'28. 
Absch.  .Unbekanntlich  oder  u-e  Schulden,  um  welche 
der  Schuldner  das  Recht  dargeschlagen.'  1670.  Ztschr. 
f.  Schwz.  R.  —  2.  von  einer  Ehe.  welche  nicht  von 
beiden  Teilen  als  gelobt  oder  vollzogen  anerkannt 
wird.  Vgl.  , einander  der  Ehe  gichtig  sein.'  .Der  den 
andern  einer  u-en  ehe  anspricht.'  ZeHün.  Ges.  — 
ver-:  1.  =  gichtig  1  a.  ,Diser  artiklen  sind  beid  teil 
einanderen  in  ofinem  gricht  v.  gewesen  und  band 
versprochen,  daby  zu  bliben.'  1423/1503,  Aa  Weist. 
,Si  wnl-dent  v.  der  unmenschlichen  ketzeri  und  als 
ketzer  all  an  eini  füwre  verbrennt.-  Schilling.  — 
2.  =  gichtig  2.  .Der  Schuldner  mag  umb  v.  geltschuld 
dem  gelten  ein  pfand  geben.'  1404,  Ztschr,  f,  Schwz.  K. 

—  ge-  =  gichtig  ä.  .Niemand  soll  den  andern  ver- 
haften dann  allein   umb   g.  geltschuld.-    1406,  Absch. 

—  miss-:  1.  Gegs.  zu  gichtig  1  a.  ,Aber  der  andern 
dryer  viertlen  was  sy  m.  und  abred.-  1434,  L  Urk, 
, Wurde  aber  die  person  beklagt  von  sachen  wggen. 
deren  sy  nit  in,  oder  der  sy  uberzugt  wurde,'  1457/1520, 
BsRq.  —  2.  =  ungichtig,  Gegs.  7.u  gichtig  2.  .Welcher 
umb  m.  Sachen  und  schulde  pfand  nirarnet,  der  soll 
das  pfand  wider  keren  und  darzuo  das  buossen,-  1404, 
Ztschr.  f.  Schwz.  R. 

gichtigen  =  gichten.  .Den  Geschworncn  ist  ge- 
stattet, Gefangene  zu  yechtigen  oder  g,,  d.  i..  bevor 
sie  solche  auf  Luzern    senden,    über   ihr  Verbrechen, 


jedoch  nur  schlechthin  und  gar  nicht  peinlich,  anzu- 
fragen, da  dann  ein  solches  Examen  zugleich  in  die 
Stadt  geschickt  wird.-  JXSchnyd.  1782.  .Dass  die 
Weibel  die  Gefangenen,  bis  sie  malefizisch  bekennen, 
foltern  oder  g.  sollen.'  1578.  Absch.  .N.  N.  soll  mit 
dem  seil  gegichtiget  werden  wegen  grossen  argwohiis.- 
1529,  Strickl.  .Und  mögent  ouch  sölich  personen 
bifangen.  turnen,  pynlichen  fragen  und  g.'  1532.  ebd. 
.Die  zwen,  so  gefangen,  sollen  nach  notturft  gegichtigt 
werden,  bis  der  grund  und  die  warheit  von  inen  kompt.- 
1536,  ScH  Raisprot,  .Quffistione  accipere  servos,  ze  g. 
oder  ze  folteren  annemmen,'  Fris,  ,Da  hat  man  einen 
in  der  gefangenschaft  gehabt  und  gejichtiget  oder,  wie 
man  spricht,  gefoltert.'  1580,  SchwE,  Klosterarch, 
,Ein  nachrichter,  so  den  gefangnen  armen  menschen 
gichtige,'  XVL,  MEsterm.  1875.' 

Mhd.  gültigen.  Nicht  abgel.  von  'juhtitj,  sondern  vuu 
tjichten.     In  GrD.   LB.  auch  .ichtigeu', 

er-:  durch  Zeugenaussage  feststellen  lassen,  ,Da- 
her  möchten  sie  semHche  güeter  und  anstöss  [Marken] 
widerumb  ernüweren   und   e.-    GBuchs  Jahrztb.  1540. 

Giehtung.  -igung  f.:  1.  Zusicherung.  .Es  sye 
ir  beger.  dass  si  [die  Luzerner]  inen  [den  Bernern 
und  Zürchern]  g.  geben,  ob  si  gedachten  Murner  uf 
disen  tag  stellen  wöllent  oder  nit.-  1529,  Abscu.  — 
•2,  peinliche  Untersuchung,  ,Ime  ersatzung  und 
ergetzung  syner  gefangenschaft,  pynlicher  g.,  ouch 
verlursts  ze  tuend.-  1531,  Abscb.  .Gichtigung.'  1534, 
ebd,  ,Tormentum,  qusestio,  g.,  folterung,  richtliche 
verhörung  und  nachfrag  eines  maleflcischen  handeis.' 
Fris.;  Mal.  —  Un-:  Nichtanerkennung,  Bestreitung. 
,So  der  Schuldner  nit  gichtig  syn  will,  soll  er  dem 
ratschryber  ein""  haller  geben  der  u,'  Z  Gerichtsb,  1553, 

Gicht  II:    ,G,.  raden,   schabab.  melanthium.-   Mal. 

.Molanthium",  jetzt  nigella,  Schwarzkümmel,  und  lychnis 
githago,  Licht-,  Kornnelke,  haben  Veruienguug  erlitten ;  s.  Bd  I 
313  0,  —  Unser  W.  viell.  umgedeutet  aus  dem  alten  botanischen 
Namen  ,gith  =  StKatharinenrädlein',  s.  Taberuseraoutaniis 
1664,  183  u.  678.  Oder,  worauf  das  Syn.  ,Schabab'  deutet, 
aus   (licht  III  =  Weggang  zu  erklären. 

Gicht  in  f.:  Gang.  Nur  in:  Sunn-:  Sonnen- 
wende, aber  häufig  in  chronologischen  Angaben,  mei- 
stens formelhaft  verbunden  mit  ,St  Johannes  Tag'. 
.StJohannes  abend  zuo  s.'  1292,  Urk.  ,Morndess  nach 
StJoh.  dult  [Fest]  zuo  s-en.-  1326,  Urk,  ,Solstitiuin, 
sonngichten  oder  sonnwende,  d.  i.  der  kürzest  und  der 
lengst  tag  des  jars,-  Fris,;  Mal. 

Mhd.  Sunm-,  Smigiht.  Der  Plur.  wohl  nach  Analogie 
der  zu  Zeitbestimmungen  gebrauchten  christlichen  Festuairiun 
in  (wirklicher  oder  scheinbarer)  Plur.-Form  ,Wihuachten. 
Ostern,  Pfingsten', 

Gicht  IV,  Giecht  n.:  gefrorner  Nebel,  der  sicli 
an  Körper,  besonders  Bäume,  angesetzt  hat,  Rauhreif 
AAReinach;  BO.;  F.  Syn.  Duft  \i.  s.  Anm.  —  Nebel-: 
dass.  BHk.  —  Bise"-:  dass.  B6.:  Uw  (mit  Bezug  auf 
den  die  Erscheinung  begleitenden  kalten  Wind,  Bise). 

Das  W.  gehört  offenbar  mit  seinem  Syn.  Bicht  auch 
etymol.  zusammen,  gerade  wie  die  andern  Synn.  Kid,-  und 
Pick  einander  entsprechen.  Da  die  letztem  WW.  sieb  als 
blosse  Verderbnisse  aus  G'hick  und  B'hick  erweisen  und  da 
ein  anderes  Syn.,  Jäch,  neben  dieser  einfachen  Form  auch 
als  G'Jävh  auftritt,  so  stehen  wir  nicht  an,  auch  6'tt7i(  und 
Bicht  als  urspr.  mit  den  PräfF.  </c  und  be  gebildet  zu  er- 
klären, wobei  allerdings  zugestanden  werden  muss,  dass  diese 
Etymologie  eigentlich  die  Ausspr.  kiirht  und  piccht  verlangt. 


Hie  die  Torliegeniieii  Synn.  betreffeuJeu  Laiitschwankiingeu 
uud  Verderbnisse  aber  sind  keineswegs  vereinzelt  (mehr  Bei- 
spiele unter  G-,  K-  und  Ji-,  /'-)  und  lassen  sich  (wie  die 
Ausweichungen  (Hecht,  Blecht,  Bick  und  Kitt)  in  Fällen  von 
so  sehr  verdunkelter  Etymologie  leicht  begreifen.  Übrigens 
hangen,  angenommen,  dass  bei  (!Uht  und  Biiht  die  Nbf.  mit 
ii:  eine  blosse  durch  ch  erzeugte  Lautvariante,  und  dass  ( 
wie  in  unzähligen  Fällen  (vgl.  Halich-t  usw.)  bloss  zufällig 
angefügt  sei  (wozu  die  homonymen  Oicht  I—IIJ,  V  mit 
ihrem  echten  (  mögen  mitgewirkt  liaben),  oder  dass  mit  ( 
eine  CoUectivbilduug  (mhd.  -wie)  beabsichtigt  war,  alle  hier 
erwähnten  Synn.  möglicherweise  unter  einander  zusammen. 
Der  Abstand  des  auslautenden  ck  von  >/i  kann  wie  in  zahl- 
reichen anderen  Fällen  durch  Ableitungselemente  bewirkt 
sein.  Ernstliche  Schwierigkeit  macht  also  bloss  die  Ver- 
schiedenheit des  Anlautes  (G'jäch;  (rieht;  G'hiek);  doch 
lassen  sich  j  und  t  leicht  vermitteln;  auch  h  wechselt,  wie- 
wohl selten,  mity  (johlen':  hvle)  oder  tritt  häufig  unorganisch 
vor  [Hihtche,  Hißleudg].).  Erhellt  somit  die  Möglichkeit,  dass 
der  ursprüngliche  Anlautj  resp.  i  sei,  so  gewinnen  wir  An- 
knüpfung unserer  sonst  ganz  vereinzelten  WW.  an  ags.  ijU--el, 
Eiszapfen,  aita.  jäk-ull,  Gletscher  (i'ö  zunächst  «-Umlaut  von 
in.  dieses  aus  i  oder  e  gebrochen). 

(iicht  V.  Giccht  Bs;  B-,  F;  S  n.:  1.  Entzüii- 
duiii,'.  entzündeter,  eiternder  Zustand  einer  Wunde 
Bs;  B;  „LE.;"  W.  Es  ist  eil  G.  i»  der  Wunde.  Das 
Salb  [diese  Salbe]  vertrlbt  's  G.  BSi.  Bs  Giccht 
chunnt  dfi".  Gotth.  Auch  bildl. :  Erbitterung,  Hass, 
Zorn,  Feindschaft  (vgl.  ,Gift').  .Es  war  G.  in  der 
Wechselrede.'  Gotth.  ,Wenn  so  etwas  schriftlich  werde, 
so  werde  das  G.  immer  grosser.'  ebd.  S.  noch  giechtig. 
—  2.  „fliegendes  Übel;"  Gliedersucht  Bs;  B;  Gl. 
.Gieeht :  Gicht.'  Si-reng.  Es  het-mer  's  G.  i"  d'  Scheihi 
[Sehenkel]  'bracht.  Schwizerd.  —  3.  a)  schwach  con- 
vulsiver  Zustand  mit  Bewusstlosigkeit;  Epilepsie 
.\i';  GT.  Er  hed  e  Gicht  an-em  [ihm,  sich],  ist  der 
Epilepsie  unterworfen.  In  es  G.  falle,  einen  epilep- 
tischen .\nfall  bekommen.  Es  irürgt  und  tvelzt-e" 
[ihn]  tvie  im  G.  JJRütl.  18'23.  -  b)  Flur.  G-er  Aa; 
Ap;  Bs  (auch  dem.  G-li)  Gl;  G;  S;  Uw;  W;  Z,  G-i 
A.\;  BSi.;  F;  S.  Giichteui  (PI.  des  Demin.)  BG.,  Gich- 
tene'  (PI.  ei!l^^  h'^^iu.  ■(iidili)  Gl,  Krämpfe,  Zuckungen, 
bes.  kleiner  Kiinlrv.  ilirh  muh  schwacher  Erwachsener. 
Syn.  Chindenui  :  J-'nishili.  Freissavi.  '■Die  innere", 
innerlige'  oder  stille"  (.\p).  trucke'de',  trttckete'  (B; 
•  i;  Z)  G.,  ohne  äussere  Zuckungen.  Eklampsie;  Gegs. 
die  üsserlige'  G.,  Schüttelkrämpfe  Ap  ;  die  schreie"de', 
mit  Schreien  verbundene  Ap;  GTa.;  Z.  Die  hölzene" 
<j.  1)  spöttische  Bezeichnung  grundloser  Aufregung, 
von  Erwachsenen,  z,  B.  er  chäm  i'  die  h.  G.,  wetin  er 
das  (fhörti!  Gl.  '2)  erectio  membri.  Syn.  's  gstänglet 
Büchweh  Z.  Abergl.  Wenn  man  die  leere  Wiege 
bewegt,  so  bekommt  das  Kind  die  G.  Ap.  .Die  geicht 
liatten  angestossen  [das  Kind  ergriffen].'  Pl.\tt.  1.'>72. 

Mhd.  giht  n.,  f.,  Zuckungen,  Krämpfe.  Bed.  1  scheint 
von  2  und  3  medizinisch  ziemlich  verschieden,  wird  aber 
doch  dasselbe  Vf.  sein,  da  auch  das  Eitern  mit  gewissen 
luur  nicht  äusserlichen)  Zuckungen  verbunden  ist  (s.  zocken). 
Über  mögliche  Identität  dieses  W.  mit  Gicht  III  s.  die  Anm. 
zu  diesem.  Ist  diese  Identität  anzunehmen,  so  ist  auch  / 
als  der  ursprüngliche  Laut  und  ie  als  bloss  lautliche  Aus- 
weichung wie  in   G.  IV  (s.   d,   Anm.  das.)  zu  erklären. 

Gegicht:  bei  NMan.  unter  einer  Menge  von 
Krankheiten  erwähnt,  ,G,  in  den  oberen  dermen. 
ileos,  iliaca  passio,  chordapson,  morbus  tenuioris  in- 
testini.'  Mal.;  vgl.  Darni-G.  —  Geiss-Gicht:  un- 
gefähr das  Selbe,  was  die  höhenc  Gichtcr  Bs.  D'  <1. 
Schweiz.  Idiotlkuu.  II. 


iiilo»,  .scilicr  in  Ohnmacht  fallen.  Itarni-:  1.  ein 
Übel,  von  dem  Säuglinge  befallen  wenien  B;  S.  Zeh" 
Wnche"  het  's  Chind  d'  Dnrmgiechtcr  g'lia.  .Ioai  ii. 
1881.  —  2.  Grimmen,  Kolik.  ,Für  die  rotruor  und 
das  darmgicht  dienstlich.-  Vogelb.  1557.  .Uas  bauch- 
krimmen  und  darmgegicht.'  ebd.  .Sy  rüefend  an 
wider  das  darmgycht  by  StErasmus.'  RGbalth.  1584. 
,Colicus  dolor,  das  bauchgrimmen  oder  dänngegicht. 
das  etliche  die  muoter  nennend,  aber  nit  recht,  dann 
die  ni,  oder  bärmuoter  hört  allein  den  frauwen  zuo.- 
Fris,;  Mal.  .Dermgegieht,  bei  ihnen  das  warwund 
genannt.'  RCys, 

gichtig,  resp.  -ie-:  1.  entzündet  oder  entzündlich, 
schwer  heilend,  bösartig,  gefährlich,  von  Wunden  kk; 
BO. ;  FMu. ;  Z,  z.B.  von  einer  Pustel,  in  die  man  ge- 
klaubt hat;  von  einem  Insektenstich.  Gegs.  (jüetig. 
Von  Menschen:  ungesundes  Blut  habend  .,B;  LE." 
Er  ist  g.,  seine  Wunden  heilen  nicht  leicht  FMu.  — 
2.  leicht  zum  Zorn  reizbar,  jähzornig  B;  FMu.;  hitzig. 
Do  göt 's  g.  zue  BoAa. ;  bissig  BSi.;  giftig:  's  chunnt 
geng  g-er  bi-n-is  z'  Bern,  geng  e  sürere  Luft.  Postheiri 
1875.  .Wenn  irgendwo  noch  ein  guter  Witz  vor- 
kommt, so  ist  er  gewöhnlieh  so  g..  dass  er  mehr  Täube 
als  Lachen  erweckt'  B  Hink.  Bote  1881. 

Zu  (jicht  V  I,  nur  dass  beim  Adj.  der  Diphthong  noch 
stärker  bezeugt  ist  und  fast  allein  herrschend  scheint.  — 
Bed.  '2  einfache  Übertragung  vom  Physischen  auf  das  Psy- 
chische und  Moralische  wie  beim  Subst. 

tlöchtle"  f.:  Öffnung  in  Wasserbehältern;  zum 
Abzapfen  oder  Zurückhalten  in  der  Wandung  einer 
Wasserröhre  (Ueuchel)  angebrachte  Vorrichtung   Ap. 

Sachliche  A'wdtschaft  mit  Üuchle  scheint  unabweisbar; 
dann  nniss  aber  in  Ap  6  für  u  stehen. 


Gad,  ged,  gid,  god,  gud. 


gad  s.  ge-rad. 

„ga(l(e)le".  (/adoZen;  1.  glucken  W,  —  '2.  schwatzen, 
ausschwatzen,  verklagen  W.- 

Wahrsch.  ein  den  Naturlaut  der  Henue  nachaliuiendes 
W.,  dann  übertragen  auf  widrige  Laute  resp.  Missbrauch  der 
menschlichen  Rede.  Vgl.  das  jedenfalls  nahe  vwdte  ijädcnn, 
aber  auch  gaglen. 

„Gad(e)le  f.:  1.  Glucke  W.-  -  '2.  Person,  dir 
ausschwatzt,  verklagt  W. 

Gädeni  Giiden  BO.  u.  Gr  tw.,  sonst  Gtide  resp. 
Gäde  —  PI.  Gade  F;  GRtw.;  ZO.,  Gadon  PGress,. 
Gadme  als  Eigenn.  BO.;  GrD.,  Gädefn)  Gl;  Gntw.; 
GA.,  Rh.;  ScHW;  Uw;  ZS.,  (xwde)' ApSchön. ;  GnSchiers. 
Gädem  Gntw..  Gädme  GrA.,  D.,  Gäbmer  BO,;  GT.;  Uw 
-  Dem.  Gädeli  Ap;  BSi.  (PI.  Gädlini);  GA.;  Z,  Gä- 
demji  Gr,  Gädi  B  (Zyro)  —  ii.  Aa  (H,);  Ap;  BE.,  G., 
R.,  Si.;  F;  Gl;  Gr;  L;  GT.:  S;  ZO.,  m.  AaF.;  BHa,; 
Gl;  Gr;  LE.;  P;  ScHW;  S  (Schild);  Th;  Uw;  U;  W; 
ZS.:  1.  geringeres,  bes.  der  Ökonomie  dienendes  Ge- 
bäude, Nebengebäude,  im  Ggs.  zum  Hüs,  Viehstalt. 
Scheune  Ap;  BHa.;  F:  Gl:  Gk  ;  LE.;  GA.,  G.,  Rh.,  T.; 

ScHW;   Uw;   U;  W;    Z...    h.  s Li.    auf  Bergen    und 

Weiden  W;  auch  bl"v-,  ,  Um,-,  l,,.l»-r  F;  Gr;  GT.: 
Obw.  Syn.  Stadel;  (inim.h.  \-l  d.-Baum:  -Ri'iteU; 
-Geirrif.  Sennhütte  Ap  (  KImIi;  i;  uKh.:  virl.  G.-Mei.'^ler. 


115 


(iail.  ^'c(l.  gid.  jjo 


GelegBiitlicU  auch  geringeres,  nur  aus  einem  Stock- 
werk hestehendes  Häuschen  BHa. ;  Wohnung  und  Stall 
nehen  einander  unter  einem  Dach  P.  Vgl.  Gaden-Hiis. 
Salpeterhütte.  UBräuu.  .Baue  zuerst  den  G.,  bevor 
du  dir  eine  Kuh  anschaffst.-  ScHwMa.  Es  t/eid  zur 
Trelw  und  tricht  nid  [geht  zur  Tränke  und  trinkt 
nicht]  und  chunnt  in  de'  G.  und  frisst  nid,  aber  es 
singt  glich  albig  [d.  i.  die  Kuhschelle]  Gr  (Schwzrd.). 
Es  sind  a  SchtqiiM  [ein  Haufe]  roti  Küa  in-ama  [einem] 
G.  und  a  schwarzi  Kua  tribt  die  rata"  alli  usa'  [die 
glühenden  Kohlen  im  Ofen  und  der  Ofenwisch],  ebd. 
Ha'^  tropfnass  mängi  Burdi  'träge"  i"s  G.-n-ie  [hinein]. 
s^b  chw'-der  säge".  JJRütl.  1824.  In  (die'  Gädere' 
schlafe",  d.  i.  ohne  ordentliche  Nachtherberge,  nur  den 
Heuhütten  nachgehend  Ap.  Schlag  der  ober  Gade- 
Ladenagel  i"  's  under  Gade-Ladenagelloch  und  lass 
der  undei-  Gade-Ladenagel  lampe'  [bezieht  sich  auf 
die  Lücke  im  Viehgaden,  deren  Laden  durch  zwei 
Pflöcke  oben  und  unten  geöffnet  und  verschlossen 
wird]  G  oT.  (Sprechspiel).  .Hüser  oder  andere  ge- 
macher und  gädmer.'  1470,  Gl.  .Buwlose  [baufällige] 
oder  tachlose  gezimber.  syent  hüser  oder  gädmer 
(gäden).-  1525/ 17C9,  Scuw  LB.  u.  Rq.  ,Der  weg  von 
des  Bürglers  stapfen  under  dem  g.-  1525/44.  Schw  LB. 
,Da  der  sun  dem  vich  syn  gewonlichen  rat  [Besorgung] 
antat  in  der  schür  oder  gaden.-  S.il.\t.  .Zog  und  truog 
an  im  [dem  verletzten  Vater]  bis  in  syn  gad  zuo  eim 
für.'  ebd.  ,Es  soll  niemand  dem  andern  kein  heize 
für  syn  g.  noch  durch  syne  güeter  schleipfen.'  1572. 
Schw  Rq.  ,Dieweil  aber  der  Summer  sich  genähert, 
hat  man  [nämlich  die  durch  eine  Feuersbrunst  ob- 
dachlos Gewordenen]  sich  in  Scheuren.  Kühe-  udgl. 
Gädmen  mögen  behelfen.-  1.588.  SruwE.  Klosterarch. 
,Ist  es  verboten,  dass  man  salpeterherd  [S.-Erde]  nit 
wüschen  soll,  und  so  der  g.  gschendet  wäri.  so  mag 
der  [Geschädigte]  um  den  schaden  suechen.'  XVI., 
ZrscHR.  f.  Schw.  R.  .Scheur  und  Gäden.-  JLCvs.  1061. 
•Bis  die  letzte  Burdi  desselbigen  Jahrsblunien  [Jahres- 
ertrages] auf  dem  G.  liegen  wird.-  17ti9.  Schw  Rq. 
,üer  Ängsten  ist  also  [nass],  dann  nach  Bartlime  ist 
noch  vil  Heu  stänt  [stehend]  und  ligend,  ja  gar  lere 
Gädmer  anzutreffen.-  1785,  Schumi.  —  2.  Gemach  von 
untergeordneter  Bed..  im  Ggs.  zur  Wohnstube  und 
Küche.  .Das  Gaden,  Gemach,  Laden,  officina.  camera. 
cubile.-  Red.  1Ö62.  .Die  Häuser  bestehen  inwendig 
aus  mehrern  oder  wenigem  Kammern  oder  Gaden 
(Zimmern)  obenher.-  JXSchnyd.  1782.  Spec.  a)  Neben- 
zimmer, kleinere  Stube  B;  GT.  .Sei's  in  der  Stube, 
sei  's  im  G.'  B  Bot  1855.  —  b)  Raum  in  den  obern 
Stockwerken,  der  gelegentlich  zur  Aufbewahrung  von 
allerlei  Vorräten  dient,  bes.  Schlafkammer  übh.  und 
spec.  für  die  jungem  Familienglieder  und  die  Dienst- 
boten Aa;  B;  FJ.;  L;  S;  Obw;  ZO.  Unheizbares  Zimmer 
über  der  Stube,  durch  ein  Loch  (Gaden-Loch),  durch 
welclies  man  hinaufsteigen  kann,  mit  derselben  ver- 
bunden BoSi..  Roggw.;  S;  ZO.  Dachzimmer,  Estrich  S. 
Abgesclilossenes  Gemach  als  Schlafraum  für  Senn  und 
Frau  in  der  Hütte  LE.  ,Hans  im  obere»  G.  (Ober- 
gaden)-.  Mensch,  der  oben  hinaus  will,  sei's  aus  über- 
mütiger Lust  oder  aus  Hochmut  GBh.  .Es  wurden 
so  viele  Wäien  gebacken,  als  die  Stiege  ins  G.  Tritte 
hatte.-  BWvss  1865.  .Er  fuhr  wie  ein  Eichhorn  durch's 
Loch  über  dem  Ofen  in's  G.  hinauf.'  Gotth.  Brächtest- 
mer  's  Kafi  i  's  Gädeli  ue'^  Stutz.  Vo'  der  Hüener- 
chräse"  [H.-Stall]  bis  liehen  [hinauf]  in  oberst  G.  nieders 


[jedes]  Eggli  dürschnause  [durchstöbern].  Schild.  .l»ie 
frouw  ist  in  das  g.  [wo  der  Mann  im  Bett  lag]  kum- 
men.'  UMey.  1-540/73.  .Ein  hus  zue  bauen  mit  stuben 
und  nebenstuben.  mit  zweien  obren  gädmen.'  1556. 
MEsTERM.  Rick.  ,Die  Landleute  müssen  den  luftigsten 
G.  oder  Gemach  den  Kranken  überlassen.-  JHLav. 
1668.  Schlafzimmer  der  Tochter  des  Hauses,  bes. 
eine  Rolle  spielend  im  Leben  der  jungen  Bursche; 
vgl.  g.-stigen,  G.-Stubete.  Wenn-i  's  Bure  Chätzeli 
war,  so  tvett -  i'''  lere'  müse',  ivett  z'  Ohe"'  spät  i  's 
Gädeli  gö,  am  Marge  wider  üse.  Kühreih.  1826.  ,0  das 
sind  goldene  Zeiten,  wenn  Dutzende  von  Augen  ilim 
zuflüstern:  du,  du.!  tveisst  du,  u-u  mein  G.  ist?  Üse 
Ringgi  [unser  Hund]  hellet  nit.'  Gotth.  Fast  alle 
Nächte  auf  den  Gassen  umme  z'  gheien  [mich  herum- 
zutreiben] und  in  den  Gaden  [der  Mädchen]  um  z'trölen. 
ebd.  Der  Pfarrer  meint,  mu"  sölli  nit  die  Meitli  z' gere 
[gern]  ha',  nit  sue-ne  [ihnen]  «/  en  Ofetritt  u  gar  i' 
ds  G.  ga"  F  (Schwzrd.).  Im  alten  Schiffsbau  die  auf 
dem  Verdeck  sich  erhebende  Kapitäns- Kajüte.  .Stega. 
Hüttlein  im  Schiff,  Tach,  G.,  Tille.-  Denzl.  1677;  1716. 

—  c)  Raum  zur  Aufbewahrung  von  Vorräten, 
bes.  von  Milch,  Käse  usf.,  Speisen  Ap;  BG.,  Ha.  (in 
Sennhütten);  F;  GT.;  ZO.,  auch  von  Gespinnst  B  uO.. 
von  Kleidern  BHk..  Vorrats-,  Speisekammer  neben  der 
Küche  S  (Schild) ;  altes  Hinterzimmer,  das  als  Plunder- 
kammer dient  AaF.;  ZKn.,  0.    Kornboden.  1338.  ürk. 

—  d)  Kramladen.  Bude,  Werkstatt,  oft  im  Erdge- 
schoss  der  städtischen  Häuser  gelegen ;  vgl.  die  Compp. 
,Swer  dehein  für  oder  glüet  in  deheim  g.  liat,  der  git 
III  ß  äne  alle  gnade.'  L  ä.  Stadtb.  ,Allc  die  kruter 
[Krauthändler]  suln  die  [Hausbesitzer]  vor  ir.  gedc- 
mern  unbekümbert  lassen.-  1331.  Lauf.,  Beitr.  ,Zu 
ebener  Erde  waren  in  den  Strassen  vorspringende  Ga- 
den oder  Gedemer,  welche  durch  2  nach  oben  und 
unten  sich  öffnende  Läden  verschlossen  werden  konn- 
ten.- Bs  XIV.  .Gedemer.  in  welchen  allerlei  Waare 
verkauft  wurde,  befanden  sich  unter  dem  Rheintore.- 
ebd.  .Zins  von  den  Gedemern.'  Einnahmeposten  in 
den  Bs  Jahresrechnungen  XIV.,  Ochs.  Das  Zunfthaus 
der  Adelichen  im  alten  Luzern  bestand  a.  1430  aus 
einem  im  Erdgeschoss  gelegenen  G.,  über  welchem 
sich  nur  eine  Stube  mit  Küche  und  Kammer  erhob. 
.Das  uswägen  des  garns  in  den  husern,  gädinen,  brot- 
louben  oder  amlerschwo.'  1524.  Egli,  Act.  ,An  jähr- 
lichen Zinsen  von  den  gädmeren.-  1533,  ebd.  Die 
Zurzacher  beklagen  sich,  dass  die  Chorherren  ihre 
,gedmer.  so  uf  den  kilchhof  gangent'.  an  den  Märkten 
offen  halten  und  in  denselben  und  unter  ihren  Häu- 
sern feilen  Markt  treiben  lassen.  1541,  Absch.,  hier 
wie  oft  im  Ggs.  zu  dem  städtischen  Kaufhause.  .Dass 
gmeine  statt  mit  vil  frömbden  lüten  beladen,  die  hüser 
und  gäden  gesteigert  werdent.'  1556,  Z  Burgerbuch. 
.Tabernarius,  krämer,  so  in  hütten,  laden  oder  gäden 
feil  hat.  Macellaria  taberna,  laden  oder  g.,  darinn 
man  allerlei  speis  verkauft.  Aurificina,  der  gold- 
schmiden  Werkstatt,  ein  goldschmidgaden.'  Fris.  ,Zur 
gschauw  auf  den  g.  fürhin  leggen.-  Z  Bäckerordn.  1599. 
.Es  sollen  weder  Krämer  noch  einiche  Handwerkslüt 
an  den  Sonntagen  ihre  Gäden  uftun.'  Z  Mand.  1627. 
, Taberna,  Werkstatt,  Krämerladen,  Gade,'  Denzl.  1677; 
1716.  , Sollen  die  Metzger  kein  Fleisch  in  G.  behalten, 
sondern  das  alles  zum  Bank  fürhin  henken.'  Z  Metzger- 
ordn.  1770.  .Die  sogenannten  Gäden  und  Kästen  [in 
den  Schlachthäusern]  sollen  reinlich  gehalten  werden.- 


«ad,  ^pd.  gid.  K" 


S^Ull 


118 


Z  Polizeiorriii.  1779.  ,Metzg,  Gäden  und  Schlachthaus.' 
Z  iMemor.  18(il.  .Ze  g.  stän',  einen  Kramladen  halten. 
.Dass  jedermann,  der  .semlich  guot  feil  hat,  ze  gadme 
stan  soll.'  1311,  Lauf.,  Beitr.  .Wer  der  ist,  der  (ze) 
Zürich  des  ersten  ze  g.  stan  und  salz  feil  haben  und 
usse  messen  will.'  I.S.jS,  ebd.  .Mit  dem  Mann  zu  (Bank 
und)  G.  stän',  von  einer  Ehefrau,  die  an  dem  Gewerb 
ihres  Ehemannes  (als  Krämer,  Wirt,  Bäcker.  Metzger) 
im  Kaufen  und  Verkaufen,  Geld  einnehmen  und  aus- 
geben, mithilft  und  Teil  nimmt,  und  deren  Gut  dann 
auch  im  Konkurs  des  Mannes  die  Schulden  desselben 
bezahlen  helfen  rauss.  .Hat  der  burger  ein  ehefrauwen, 
die  mit  im  zu  b.  und  g.  im  gwünn  und  gwerb  ge- 
standen ist,  so  soll  syner  ehfrau  guot  umb  irs  manns 
schulden  behaft  und  verfangen  syn.'  1512.  Z.  .Die 
eewyberc,  ob  sy  nit  mit  iren  eemannen  zuo  b.  und  g. 
gestanden,  sind  unib  ir  zuobracht  guot  uszerichten.' 
1568.  Z  .Staatsarch.  .Eine  Frau,  die  mit  ihrem  Mann 
weder  zu  B.  noch  G.  gestanden,  soll  ihr  anforderndes 
Weibergut  beweisen.'  Z  Mand.  1669.  Vgl.:  .So  ein 
frauw  mit  ihrem  mann  zuo  b.  und  laden  gestanden.' 
1531,  ZWthur.  Webekeller  Th.  De--  Weber  und  sin 
arme  ChnecM  müend  dert  im  füechfe'  G.  si'.  Z  Kai. 
1811.  ,Dass  er  daselbst  gädmer  unter  der  Erde  baue 
und  nit  darob.'  1.335,  Stein.  —  c)  Klosterzelle,  im 
Ggs.  zum  Refectorium.  .Es  soll  ouch  hr.  Johanns  von 
Nünkilch  beliben  bei  dem  g.,  da  er  inne  ist,  das  herr 
Martis  was.-  1331,  Sch  Allerheil.  —  f)  Gerichts- 
kamnier,  resp.  Kammergericht,  kaiserlicher  Gerichts- 
hof Vgl.  Gadengericht.  .Der  bischof  hatt  wol  zuo- 
gericht,  dass  dise  ufruor  war  geschlicht  on  urteil  des 
kaisers  g.'  .ILenz  1500.  S.  auch  Liliencron  '2,  425  a. 
—  3.  Stockwerk  als  Höhenmass:  Im  J.  1315  wird 
ein  Haus  zu  Zürich  einem  Bäcker  verliehen  mit  der 
Bedingung.  ,dass  er  die  hofstatt  für  füre  [feuersicher] 
buwen  und  muren  soll  dryer  gedmer  hoch.'  1315,  Z 
Urk.  ,Swa  zwo  hofstettc  an  einander  stOssent,  will 
der  eine  muron,  der  mag  es  tuon.  also  dass  er  niure 
drier  schuohe  dick  und  eins  gadmes  hob.'  Z  Richtebr. 
.Dass  dieselbe  geselleschaft  undenan  muren  soll  eines 
gadoms  hoch.'  1349,  Lauff.  ,Machet  den  türm  zweiger 
gädmer  höher  dann  er  e  was.'  G  Urk. 

Ahd.  ißidiini.  ~nm.  mild.  :inif:-m  11.  (PI.  gadem  und  ijedeiiier, 
Undmer),  Haus  vnn  nur  Kiiniii  i  liiiimli :  Geniacli,  Kammer; 
hochgelegner  A'tT-Mhlui:;  Stinkwci  k.  I'ii-  Form  ,gad'  zunächst 
aus  .7«(fe,  dessi-n  Auslaut  ua'li  .Milall  dos  n  nicht  mehr  ge- 
deckt war.  Ilor  .i.  Auslaut  w  ist  liei  uns  meist  in  n  ab- 
geschwächt, ausser  wo  er  zum  Inlaut  geworden  ist,  wie  im 
PI.  und  den  Abll.  yädmen;  Gädmer,  Oademhr  (XV.,  Ap), 
Geschleclitsnn.  —  Benennung  eines  selbständigen  (iebäudes 
(wozu  sich  Stiickli  vergleichen  lässt)  ist  es  in  manchen  Ge- 
genden nur  noch  als  Eigenn.,  z.  B.  .Gaden'  Gr.  (s.  B.  3,  S.  SG), 
,ini  Bachg.',  ,im  grosse  G.'  ZWäd.,  ,G.-statt'  GrI)..  ,bi  den 
Gadmcn'  GrD.,  verk.  in  ,Gadmen'  BHa.;  W;  .Gadmenfluoh'. 
Stadtr.  ThDiess. :  ,uf  den  Gädmern.'  GUrk.  --  In  dem  heu- 
tigen Sprachgebrauch  ist  die  Anwendung  des  W.  auf  Räume 
von   relativer  Kleinheit  beschränkt. 

Ober-Gaden  n.  Ap;  B,  m.  Zg:  1.  weiter  oben 
gelegenes  Gebäude,  als  Flurn..  z.  B.  Oberyadme",  der 
äusserste  bewohnte  Ort  im  Riemen.stalden,  an  der 
Grenze  zwischen  Schw  und  ü.     Obeniade  Ap;  Zg.  — 

2.  (O.-Güdme")  Heudiele,  im  Ggs.  zu  .Undergädmen' 
,SrHw-;    U;    Zg.     Hcuschober    USil.     Syn.  Boni.   — 

3.  Kammer  im  obern  Stock  (ZKn.),  über  der  Neben- 
kammer Ai";  „Gl;  LE.-.  über  der  Wohn- oder  Schlaf- 
stube der  Meisterleute  li  (auch  Plur.).  t.  Schlafgeinach 


der  Kinder  und  Dienstboten  (aaOO.),  t.  Behälter  für 
Hauskäse,  Gespinnst  udgl.    Hatis  im  0.  s.  Gaden  3  b. 

-  4.  bildl.  Kopf.  Syn.  OherstilbU  u.a.  .Es  sei  nicht 
ganz  richtig  in  seinem  0.'  Gotth.  —  ii.-Onilnu"  scheint 
erstarrter  Dat.  PI.  zu  sein. 

.Obs-,  üpsspycher,  pomarium.'  Fris. ;  Mal.  — 
Under-:  1.  der  Stall  im  Ggs.  zur  Heudiele  (Oher-G.) 
„ScHw":  U;  Zg.  —  2.  Behälter  im  untern  Teil  des 
Bauernhauses;  Vorratskammer  neben  der  Küche,  auch 
etwa  für  Hühner  im  Winter  AaF.;  LG.;  ZB.,  0.  Bildl. 
scherzhaft :  Und  mit  Eiistig  sind  s'  hilade",  wie  ns  's 
Tüfels  U.  NXgeli  1842.  ,Er' klagt  sich  auch  des  kellers 
oder  undergadens,  der  seige  ful  von  holz.'  1555.  Hotz 
Urk.  —  Vech^Fe;-.-  Viehstall,  Unterstall  GrD.  Vgl. 
Heu-G.  —  Feil-:  Kramladen,  .Trödelbude-  BO.  Syn. 
Feilträgi,  Krämerstand. 

Für-:    Behälter    für  Speisereste  und  Vorräte    FJ. 

-  Vgl.  für  Bd  I.  959. 

First  {Fürst  Obw)-  n.  BSi..  m.  Uw:  1.  Kammer 
unter  dem  Dach,  wo  Käse  (BS.)  oder  Obst  (grünes  und 
dürres,  auch  Nüsse  Uw)  anlbi'walirt  w.Tdi-n,  in  ii.'UiTur 
Zeit  in  Uw  &.(/  -v„aiiiit.   K.trirh   HHa.    N-l.  J;,i,'ss,l,li. 

-  2.  Dachgiebel  i  )i.\v.  S>  ii.  J-'irsl.  -  ( ;  .■  i  s  s  -  (rcissr"-(r.. 
auch  -Giideli:  Ziegenstall.  Name  einer  Alp  in  der  Ge- 
markung von  GLNäf.;  auch  Ortsn.  ScBwTugg.  ,N.  N. 
will  by  dem  hus  uf  der  allmend  noch  ein  geisg. 
buwen.'  1548.  Obw  (Ztschr.  i.  Schwz.  R.).  —  Heu 
{Hei  Ndw)-:  Heuboden  über  dem  Viehstall.  Ober.stall 
GrD.;  aScHW;  Ndw;  Zg.  Heuscheune,  -hütte  BHa.; 
Obw.  Syn.  Boni:  Heusclmrli.  .In  einem  stadel  oder  h.' 
HBbll.  1572.  Die  Bettelvögte  des  Klosters  Einsiedebi 
sollen  sehen,  dass  die  .Brüder'  in  ,Hewgedmern-  nicht 
spielen.  1550,  SchwE.  Klosterarch.  —  .Holz-,  ciuti- 
licia  taberna.'  Denzl.  1716.  —  Hinder  {Himder  Ar)-: 
Gemach  über  der  Nebenstube  Aa;  Ai-  (Syn.  Olier-G.). 
gegenüber  der  Stirnseite  des  Hauses  Av.  Schlafzimmer 
der  Kinder:  Säg  au  im  H.  noh  b'hüet-di-Gotl  zu'» 
Chinde".  Stutz.  .Das  H..  welche  Dachseite  ganz  ver- 
wittert war',  als  Heuboden  für  die  Ziegen  benützt. 
ebd.  —  Hüs-:  (»konomiegebäude.  welches  mit  dem 
Hause  in  der  nämlichen  Wiese  steht  Scinv;  Zu. 
KuefChüe,  (liiej-:  Kuhstall  BHa.;  Gl:  aSoiiw:  UwK. 
.Nicht  weit  von  der  Sennhütte  ist  dei-  Vieli-  ...li-r 
Kühg..  allwo  der  Ordnung  nach  stellen  die  Stieren. 
Kühe  und  Geissen,  jede  nach  ihrem  Rang.-  .I.ISi-iii.;irii/.. 
170C.  —  Ku Chi-:  Speisekammer  S;  ZA.  —  Keller-: 
ZA.  Vgl.  Under-G.  —  Kol-:  Kohlenbehälter,  in  einer 
Schmiede.  UMev.  1540/73.  ,Der  von  dem  Magistrate 
von  Rapperswyl  zu  Kempraten  erbaute  Kohlg.  kann 
stehen  bleiben  und  zu  einer  Art  Sust  [Waarenniedcr- 
lage]  ferner  gebraucht  werden.'  1742,  Absch.  —  K;is-: 
1.  , Käsehaus  B;  Gl;  Vw".  als  alleiiist..li.'ii.l.s  Ce- 
bäudeU;  eine  Abteilung  der  Alphütte  (iA.  ,l>ir  l\a^er 
gieng,  als  er  den  ersten  Käs  in  den  Spalier  ".lei  Ja- 
K.  trug,  rückwärts.  Nur  heim  ersten  gehe  es  so.  s;igte 
er.  dann  kämen  keine  Mäuse  in  den  Spicher  und  die 
Käse  seien  vor  ihnen  sicher.-  Gotth.  .Holz  zue  iren 
Käsgaden  und  was  inen  not  wirdet.  irene  Käsgadner 
zue  besseren.-  1491,  Zellw.  Urk.  ,Ein  K.  bawen.- 
1621.  ScHwE.  Klosterarch.  Name  einer  Alp  GLBettschw. 
(Steinm.).  —  2.  Gefängniss.  Syn.  Speckkämmerli;  Tiig- 
gis  u.  a.  ,Abusive  etiam  pro  carcere  .sumitur.  Man 
hat  in  in'n  k.  gehalten,  in  carcerem  conjectus  e.st.- 
Mal.      -    Kram-:     Kautbude.      .In.stita.    crangaden.. 


119 


(iad,  prt'ii.  siil.  S"il-  S'iil 


120 


Ebinger  1438.  ,Dass  die  von  StGallen  die  niailcen 
syaes  gottshus  überfaren  hättend,  nämlich  mit  den 
kronigädmern,  garnmarkt  [usw.].'  Väd.  ,Cadurcuni,  ein 
krämerg.  oder  -hütten.'  Fris.  ,9  Kramgädcn  in  Bigel- 
gspan  gemauret."  1.578,  SchwE.  Klosterarch.  —  Len-: 
Mietwohnung.  ,lch  hatte  Zinimerlüt.  um  mein  Lehng. 
nach  meiner  Bequemlichkeit  [weil  die  Haushaltung 
angewachsen  war]  einzurieliten.-  TBRÄfiG.  1787.  — 
Melch-  U.  Milch-  B,  ,Mulchen--Gaden:  luftiges, 
kühles,  meist  von  Quellwasser  bespültes,  neben  der 
Küche  etwas  tiefer  gelegenes  Gemach  mit  Bretter- 
gerü.sten.  auf  welchen  die  Milch  in  Gefässen  bis  zum 
Kiisri,  aiini.'Hnliit  wird.  \u  Sennhütten  B;  Vw.  Syn. 
jMili-ldiHs.  .Imii  ;iiii  külilstiMi  Orte  angebrachter  M.' 
,1\S(  iiNwi.  17^_'.  .liiT  iiiiderr  'i'eil  der  Sennhütten  ist 
der  AI.,  .Mil.likrlln-.'  .I.IS.iiki,  uz.  17(i(i.  .Die  Hütten. 
Spirlicr  iiihl  Mr>lrhi;';i(liiicr  iii  I lach  und  Gemach  er- 
halte.■  ITnli.  /isriiK.  r.  Srinvz.  It.  Xebe(n)- BB.. 
Ni%ed-  Ae:  Zinnner  neben  der  Stube.  .Die  Häuser 
bestehen  inwendig  aus  einer  Stube  und  N.  auf  dem 
ersten  Stockwerke.'  JXSchnyd.  1782.  —  Buch-:  Ge- 
bäude zum  jBüchen'  [Eeinigung  mit  Aschenlauge]  der 
Leinwand  vor  dem  Bleichen  an  der  Sonne  G.  — 
.Buech-  oder  ein  buechladen,  da  man  büecher  inn  feil 
hat,  libraria  taberna.'  Fris.  .Bibliothecam  conflcere, 
ein  liberei  oder  buochgaden  aufrichten.'    Fris.;   Mal. 

I"bind-Gade":  Stall  auf  der  Alp  für  das  Gross- 
vieh  LVizn. 

So  genannt,  weil  der  Stall  so  eingerichtet  ist,  dass  die 
Kühe  darin  angebunden  (nicht  nur  vorübergehend,  wie  das 
Kleinvieh,  untergebracht)   werden  kHnnen. 

,Pfistor-:  Bäckerladen.'  Fris.  —  Gerumpel-: 
Raum  zur  Aufbewahrung  von  altem  Gerät,  Rumpel- 
kammer FJ.  Nes  Gr.,  ma"  könnt  d'  Haui  u"'  Karst 
dri-  tue'  B  Nachtspruch.  —  Ross-:  Pferdestall  Gl; 
aScHw.  —  Ruess-:  Estrich  in  Häusern,  wo  keine 
Schornsteine  sind;  Speise-,  bes.  Käsekammer  BHk. 
Syn.  Buess-TiU.  Kaminkamnier  BE.  .Droben  im  Ga- 
den  hatten  die  beiden  Nebenbuhlerinnen  ihre  Lager- 
stätte gesucht.  Lisi  war  voll  Schinipfens  über  das 
kleine  Haus  und  schlechte  Gaden.  llir  1!.  [daheim] 
sei  eine  Herrenstube  gegen  diese.-;,  und  ihre  Gaden, 
wo  es  und  die  Schwester  lägen,  seien  G'mächer  vo" 
de"  schönste".'  Gotth.  —  Salz-:  Salzladen, -Magazin. 
1571,  Z  Invent. 

Schalt-:  Obdach  für  das  Vieh  Schw.  —  Von  schaHm 

Schi'v-  I:  1.  Barbienstube.  Ygl.  Schräpf-G.  ,Hs 
Üv.  Eck  ein  Messer  nahm,  als  säss  er  im  Seh.'  Eckst. 
Badenf.  ,Er  sye  in  den  seh.  zum  Kindli  kommen  und 
hab  wellen  scheren.'  1526,  Egli.  Act.  ,Man  soll  sy 
uf  den  gassen,  würtshüsern,  stuben.  seh.  und  an  andern 
orten  wychen  und  ungeirrt  lassen.'  löDO,  Soh  Ratsprot. 
,üer  schergad(en)  oder  scherstuben.-  Fris.;  Mal.  ,A1s 
man  ihn  in  den  seh.  gebracht  zu  verbinden,  ist  er  auf 
ein  bett  zu  den  fensteren  gelegt  worden,  dessen  der 
von  Mosaxcn  gwahr  genommen,  hat  den  armen  ver- 
wundten  durch  die  fenster  hinein  erstochen,  dann  das 
stüblin  des  sch-s  gar  nider  auf  der  erden  stunde.' 
1588,  ScHwE.  Klosterarch.  ,Sch.,  barbierstube,  ton- 
strina,  officina  chirurgi.'  Red.  1662. 

Scherm-  (Scher-  II):  Zufluchtsstätte,  grosser  Stall' 
für  das  Vieh  in  den  Aljien  bei  schlechter  Witterung 
Gr.     A'  de'  leide'  Tage"  h'it-me'-ncli   [sie.  die  Kühe] 


'in  Schei-f/ädem  (Tsch.).  Syn.  Schntt-G..  -Hütte.  — 
.\hs  Sclieim  =  Schirm,  Schutz. 

Schaft-  =  Scherm-,  doch  auch  als  Schutz  gegen 
die  Sonnenhitze  Obw.  Da  sind  d'  Sehattgäde  aw*  gar 
gitet  derzue,  dass-men  e  söttig  [solche]  Ghüe,  die  'hUeJ 
hend  [wie  toll  herumgerannt  sind],  hi  Zite'  chann  n» 
chiiele"  Schatte'  tue  Erzähler  1855. 

Bemerkenswert,  dass  sich  in  diesem  Comp,  (wie  nocii  in 
andern)  die  alte  starke  Form  des  ersten  W.  (ohne  n)  er- 
halten  hat.  vgl.   Schalt-Huet,  -Sltan, 

Schlaf-:  Kammer  neben  der  Stube,  Nebenstube, 
oft  zum  Schlafen  benutzt  Gl.  —  Schräpf-:  Schröpf- 
stube. Vt;l.  Srhfr-G.  1.  .Die  oberkeitliche  Sorgfalt 
tut  sich  auch  in  .liiii  herfür,  dass  dieselbe  alle  6  Jahr 
um  einen  üalliiorr  aus  der  Statt  bestellet,  demselben 
eine  eigene  Behan.suni:-.  zum  Sehr,  genannt,  bestimmet.' 
SHoTT.  1702.  —  S,liwin-:  Schweinestall  Gl;  GfiPr., 
U im.  -Gädi  W.  S\n.  ,S< Im: iii- Krumen;  Figler.  Nach 
Schachzabelb.  unter  dem  Pferdestall  gelegen.  —  Spis-: 
Speisekammer  (iT.  ,Die  Häuser  bestehen  inwendig 
aus  Speisegaden  [usw.].'  JXSchnyd.  1782.  .Er  soll 
ouch  ein  sjiysg.  binden  an  die  nebenstuben.  so  gross 
als  die  n.  ist,  buwen.'  1556.  MEsterm.,  Rickenb. 
,(Promptuaria)  cella,  cellarium,  keller.  speis-g.,  -kam- 
mer.  -gehalter,  -kensterli,  allerlei,  darein  man  die 
speis  gehaltet'  Fris.;  Mal.  ,Der  Beschliesser  soll  in 
Abwesenheit  des  Hofkellers  den  Sp.  und  Keller  ver- 
sehen.' XVIL,  AAMuri  Klosterordn.  ,Et  im  Speis-Gada 
praBgrandes  accipe  Napfos.'  XVIII.,  Uw  Älplergedicht. 
—  Stuben-:  1.  Haus,  das  nur  aus  einem  Raum  oder 
aus  einem  Stockwerk  bestand  L  f  (Ineich.).  Als  Plurn, 
ScH.  —  2.  Kammer  über  oder  neben  der  Stube  ZO. 
,Pfisters  Hus  bedörft  die  Stuben  und  St-g.  neuw  ze 
machen.'  1555,  Hotz  Urk.  ,Das  st.,  ein  warme  kam- 
mer  by  der  stuben,  propnigneon.'  Mal.  —  Stein-: 
steinernes  Gebäude  (vgl.  Steinhüs).  Flurn.  L.  Auch 
als  Pei'soncnn.  erhalten.  XVL  B.  —  Stiere"-:  Stier- 
stall. ,Wer  dise  Fabel  nicht  glauben  will,  dem 
zeigen  die  Älpler  den  sogenannten  St.  in  der  Alp 
Waldnacht  [wo  der  Stier  grossgezogen  wurde,  der 
das  Gespenst  besiegte].'  JScheüchz.  1700.  —  Teig-. 
,Si  sulln  ouch  enhein  stuben  noch  t.  heizen  nach 
vesperzyt.'  L  alt.  Stadtb.  —  Web-,  Weber-:  Werk- 
stätte des  Leinwebers  Sch  ;  Th  ;  Z ,  meist  unter- 
irdisch, mit  einem  Fenster  dicht  über  dem  äussern 
Boden;  doch  auch:  „Verschlag  in  der  Stube  zum 
Weben  Z.-*  ,Webg.,  webergemach,  textrina,  officina 
textoris.'  Reu.  1662.  .Textrina,  Weberg.'  Denzl.  1677; 
1716.  —  Wechsel-,  Wechsler-:  Wechslerbude.  , Ein- 
nahme von  ,Wechslergedemern'.  XIV.,  Bs.  , Ausgeben 
an  der  Engelwoihe  aus  dem  Wechselg.  um  Fisch. 
Krebs,  Vögel.  Biren.-  1586,  SohwE.  Klosterarch.  .In 
rechten  W.  ist  verordnet  der  Wechsler.'  ebd.  Ge- 
legentlich auch  als  Kramladen  verwendet:  .In  W.,  da 
man  das  Wachs  verkauft,  ist  verordnet  Herr  N.  N.' 
1586,  ScHwE.  Klosterarch.  —  Gewand-:  Kleider- 
laden. ,Da  sint  die  appoteggen  und  gwandgädmer  und 
mengerlei  krämery.'  HsSchürpf  1497.  —  ,Werk-g.  od. 
-statt,  -laden,  officina.'  Fris.;  Mal.  —  Würz-:  Ma- 
gazin von  Spezereien.  ,Hiskia  zeiget  inen  den  ganzen 
w.,  specerei  [usw.].'  1531,  IL  Kön.  =  ,die  gemach  seines 
Vorrats.'  1548,  ebd.  —  Zue-:  Nebenstall  Gl;  GePt.: 
Ndw.  Stallanbau  für  Galt-  und  Schmalvieh  Gl.  Dim. 
-Gädeli,  Stall  für  das  Kleinvieh  LVizn.;  ..Seitenstall 
für  ein  Pferd  oder  eine   Kuh  ScHwMa."     .Alle  Kälber 


(iail.  f;ed.  ^ii\. 


ill.    -U'l 


weiden  im  Tal  in  den  sogen.  Z.  getan.-  Steinm.  1802. 
..Alle  Weg  mit  sambt  allen  Tränkinen,  Zugäden,  Schö- 
|iten.  Tachen  und  Gemachen  ordenlich  gemacht  und 
Überantwort.'  Iöl7,  SchwE.  Klosterarch.  —  Neben- 
zimmer-: wol  nur  pleonastisch  statt  jVWenjjrarfe»  oder 
Nehenzimmei:  Gem.  Ap  183."). 

gadme(n):  1.  einen  Stall  aufrichten.  Dabei  kom- 
men Nachbarn  zu  Hülfe  und  es  heis.st  mer  ißnt  [wir 
gehen]  z'  g.  Gr  ObS.  —  2.  „das  Vieh  in  den  Stall  tun 
Xv;  Gl,  es  im  Stall  behalten  Gl  (yädme",  i''-g.). 

Gädmer=  Gaden.  —  Ober-:  der  obere  luftige 
Teil  des  Viehstalls,  Heubehälter.  Heuboden  LVizn.; 
ScHw.  —  Und  er-:  Viehstall  LVizn. 

ilädmer  ist  entweder  die  PI. -Form  als  Sg.  gesetzt  (wovon 
es  ja  viele  Beispiele  gibt.  bes.  Fem.  Sg.  aus  M:isc.  PI.;  um- 
gekehrt das  -er  des  Ntr.),  oder  es  ist  dir.  vom  Vb.  jädmen 
mit  dem  persönl.  Suffix  -er  gebildet,  wie  .Behälter'  u.  a. 

Gadenette"  f.,  dim.-ettli:  Zopf,  wie  ihn  die  ,Gnä- 
digen  Herren'  von  B  im  vorigen  Jhdt  trugen,  in  den 
Grundstein  der  Nydeckbrücke  ward  ein  prächtiges 
Kistchen  gelegt,  angefüllt  mit  allen  G-n,  die  man  auf- 
treiben konnte  in  der  Stadt  Bern,  und  die  waren  ge- 
wickelt in  die  Reden,  die  über  den  Dotationshandel 
gehalten  worden,  und  um  die  längste  G.  war  die  kür- 
zeste Rede  gewickelt.'  N.  B  Kai.  1843.  Der  N.  N.  het 
geng  no''''  si"  's  GadenettU  treit.  Wenn  üser  Here  die 
Gadenette  nilnime  am  Schopf  trage",  ko  trage' -si  der 
Zopf  doch  geng  no'':  Dr.  BXrt  188-"i.  —  Fi/,  .whutttt. 
Z"iif,   von   lat.   i-atena,   Kette. 

(iadenz,  Dim.  -ji:  Personenn..  Gaudenz  GrD. 

gailerelli":  karriert.  von  Geweben.  E"  gadi-rellene 
Blick  GlH.    —    Aus  frz.   iiumhiU;,   dass. 

fiad(e)ret  n.:    Teller  W. 

Vgl.  it.  iiuadrello  (frz.  ' iiuudrrt),  Feld  im  Schachbrett, 
Kachel.  Stalders  Angabe  (Midr-rr  (s'  St.',  f-  St.')  wird  von 
keiner  andern  Seite  bestätigt. 

gadere(n)  Ap,  „gTrä-Uw:  1.  rauh  und  hastig  .spre- 
chen oder  singen  wie  eine  Elster  l'w.  -  2.  heftig 
zanken  (mit  Eim  g.i  Uw;-  plaudern,  labbern  Ai>.  — 
.Gäderi  m.:  Zänker  Uw.-  —  „Gädero"  f.:  Elster 
BO.;  Uw.- 

Naturlaut  wie  ijmUcu    und   vgl.   besonil.  r-   ihhIi   ,1,i-   ~.\ii. 

rälKckeH,    Hanf  brechen,    welches  auch   v I.  i    stimni.    rlcr 

Elster  (Ratsche)  gebraucht  wird  und  dann  .iiili  .iihin.li  in. 
klatschen'  bed.     S.  auch  ijuderm,  fjugeren,  f>linl'i;ii,  ,jinl<  ,><rh*u. 

Gadit  s.  Kadis.        Gäder.  gäderig  s.  Ge-äder. 

(iaadel  I  m. :  wellenförmige  Bewegung  einer  Flüssig- 
keit in  einem  Geschirr  BO.  Häb  Sorg,  der  G.  chiinnt 
der  drl'!  ,Syn.  Gautsch,  Gautschel  L;-  Ohmtsch. 
X g\.  Godel  M.  godlen.  —  gaudle"  BHk. .(/««- (resp.  ri-) 
BO.:  1.  aufwallen,  überlaufen  wollen,  schwabbeln, 
von  Flüssigkeiten  in  einem  Gefäss.  Häb  Sorg!  sust 
gaudlet  's  drüber  iis!  BO.  —  2.  in  Flüssigkeit  rühren, 
mit  Wasser  spielen,  z.  B.  von  Kindern  BSi.  Syn. 
Hihitschen  u.  s.  bei  fladeren.     Vgl.  auch  gausen. 

(iaudel  n  m.:  Spassmacher  SchwE.  Dim.  Gaudeli, 
kindisch  lustiger  Mensch,  der  alle  andern  ergötzen 
kann  TnTäg. 

Gaudi  I:  1.  ni.  .Geck  B;  L;  Uw;"-  Narr,  Spass- 
macher; der  sich  einfältig  freut.  Einfältiger  Vy/.  Syn. 
Gaiidel  IL  —  2.  n.  (auch  Gaudium  Z)  a)  laute  Freude. 
Lu.st,  Ergötzlichkeit  VOrte.  auch  Dim.  GaKdeli.  ein- 
fältige Freude  Xmw.    .S/".«  G((iidium  im   Ö/-/"'n  /'""  Z. 


Eim  's  (r.  singe,  eiuiMi  KreHdeniri\sang  (eig.  einen 
kirchliclieM)  S.  .\Is  Intcrj.  in  der  Formel:  Simeli 
simcli  iimiili'.  iiiiinrr /'»'/  lustig!  S.  s.  g.  es  ist  hur 
na  |nn,li|  „,,■  fviv  (voriges  Jahr];  B'  Meitli  und 
d'Buch,  Im  Uli  niiiiiil  (ßre  [gern]  aScnw.  —  b)  Freuden- 
mädchen LG. 

2  aus  lat.  gaudium,  aber  dann  bei  1  mit  deutscher  En- 
dung, persönlich  gedacht,  nach  Analogie  vieler  aus  Verben 
gebildeter  noniina  agentis  auf  -t  .v  doch  lässt  sich  fragen,  oh 
Omtdi  l  sanimt  (Juudel  11  nicht  als  blosse  Nbfornien  zu 
Oaugel  (s.    Gaui/ijel)   von   Gaudi  ?  zu   trennen  seien. 

gaudiere":  1.  tr.,  erfreuen  Bs;  Z.  —  2.  refl.. 
sich  ergötzen  UwE.  —  Aus  lat.  ijaudae.  zunächst  in  dir- 
Studenten-  und  Gelehrtensprache  gedrungen. 

Gauder  I  m.,  nur  in  der  RA.  hVm  G.  m,  beim 
Hals,  Kragen,  Schopf  fassen  GnChur,  Pr.  Syn.  Grips; 
Tschüpe. 

Zu  mhd.  r/oife-  (auch  noch  bei  Red.  166'2),  Gurgel,  Schlund, 
Halshaut.  Ohne  Zweifel  vwdt  mit  lat.  •iiittur,  Kehle :  s.  (Iwter 
und   (juderen,   gurgeln. 

Gauder  11  s.  ^«rfer  Bd  1.  Ol.  Dazu:  vergäudere": 
vor  Elend  und  Kränklichkeit  abnehmen  BLenk;  Xnw. 
S.  noch  Guderen  II,  rer-g. 

Gaadi  11;   Personenn.,  (iaudenz  GKl'r. 

„Gedi:  Personenn.,  Gedeon  Zi;.- 

gi  d   s.  gi'ben. 

Gidel.  Gidi:  Personenn..  Ägilius  LG.  S.  Bd  1.  ir.l. 

..gide(n):   kitzeln  BO." 

gidere":  kichern,  lachen  GFlaw. 

Vgl.  tj'ujeren  oder,  da  Wechsel  von  ij  und  /■  einerseits  und 
./  i[nd  i(t)  anderseits  sich  im  .\n-  und  Inlaut  belegen  lässt. 
auch    kittei-cn. 

Güdel  m.  (n.  St.-):  1.  geräumiges,  aber  kunstlos 
gebautes,  altes,  halb  verfallenes  Gebäude  Aa;  B.  ,VVo 
noch  1718  ein  wüster  G.  und  eine  alte  Badstube  ge- 
wesen.' Messm.  1831.  —  2.  altes,  lotteriges  Haus- 
gerät, bes.  Bettgestell  .URued.;  BS.  Übh.  etwas 
schlecht  Verfertigtes  oder  in  Verfall  Geratenes ;  auch 
Godel-rustig,  -züg  BR.  —  .3.  schlechtes  Fuhrwerk 
(Ross  u.  Wagen  gleich  schlecht)  FMu.  —  4.  schlechtes 
Messer  Aa.  Syn.  Gudel.  —  •").  Schwanken.  Zittern. 
Schütteln  GrD.,  Seh.  Auch  von  Menschen,  z.  B.  er 
hed  de'  G.  in  de"  Hände'  GrD.     Syn.  Eodel. 

4  ist  schwerlich  auf  das  frz.  t/ttudrclh,  schlechtes  Messer, 
zurückzuführen.  , 

godere(n  ):  1.  =  godlen  1  u.  .V,  auch  vom  gurgeln- 
den Tone  unsichtbarer  Quellen  AaZcI.  -  2.  mit  den 
Händen  in  einer  Flüssigkeit  herumfahren  FSs.  — 
Schallnachahmung  wie  die  Nbff.  (joilhn   und  i/udfreii. 

in-;  einschütten,  vom  Vieh.  z.B.  euere  Chue  es 
Trank  i"-g.  FSs. 

godle"  „gödle"  Ap;  W" :  1.  schwanken,  bes.  von 
Flüssigkeit  in  einem  bewegten  Gefäss  GrD..  Pr..  Scli; 
,Ap;  W"  und  mit  Bez.  auf  den  dabei  erzeugten  Ton 
GrL.;  sich  im  Wasser  hastig  bewegen,  z.B.  bei  un- 
geschicktem Versuch  zu  schwimmen  oder  zu  rudern 
BG.,  R.  Mu"  hat  im  StiiJI  .-»t/  Seh  irisch  epf  Im  Troii 
g'seh  und  g'hert  im  (r'ln/j'  |Tr;nik.|  ,/nitlii  \\  Sa^di. 
—  2.  mit  den  Händen  /itteni  ih;!',  ::.  |ini|..r-.) 
kollern,  von  den  im  Magen  und  den  Gedärnieii  >toss- 
weise  sich  bewegenden  halbflüssigen  Säften  und  ver- 
haltenen Winden  W'.  Vgl.  gnderen  1.  —  Sch.illnach- 
I    ibniunsr   wi-  die  Nhf.   ,,„dle,i.   s.  il. 


123 


Gad,  gcä.  giil,  s;ni.  gnil 


124 


Godlcr  111.:  ilor  mit  (l(_'ii  Händen  zittert,  nichts 
ohne  Zittern  fe.sthalteii  kann  Gr1>. 

Kode"  I  „f.":  Made.  z.B.  in  faulendemKii.se.  dah. 
ChfiKgnde  BO.:  iifter  im  Fleisch  BSi. 

„finde"  H  n.:    8chwein;    verscluiittener  Eber   F.'- 

tiodi  I  m.:  1.  =  Gode'  II  F.  —  2.  schmutziger 
Mensch;  auch  Übern,  für  ein  schmutziges  Kind  F. 
Vgl.  Giidel. 

«odi  II  B.  Gödel  BThun.  Güdi:  Koseform  des 
Namen.s  Gottlieb  ÄASt.;  Id.  B.  oder  Gottfried  BS. 

Eolle"-(jodi  (III)  n.:  schlechtes,  kleines  Messer 
mit  hölzernem  Heft  Aä.  Sjn.  Rollen- Hegel  Vgl. 
Godel,  resp.  Gudel  4. 

üöder  .s.  Ge-Äder  Bd  I  88.        gödlen  s.  godlen. 

(lud :  nur  in  der  IIA. :  Es  ist  G.  um  Gätseh,  Eines 
was  das  Andere,  gleichviel,  und  zwar  i.  S.  v.  Beides 
gleich  schlecht  ZStdtf. 

Viell.  zu  verstehen  wie  die  Synu.  Oül  nn  (lune,  e  Hwr 
an  e  Ifex  |sc.  tauschen!.  Viell.  aber  =  nihd.  hat.  Tausch, 
also   6'.   um   (!.,    Tanscl)    um    etwas  Niihtiges.     Tgl.  güdlen. 

Gndel  m.:  1.  Das  Schaukeln  einer  Flüssigkeit  in 
einem  getragenen  Gefässe,  in  der  RA.  de*'  G.  im  Wasser 
ha"  BBc.  Syn.  Godel  ö.  —  2.  Durchfall  GrD.  Sjn. 
Gudle",  -kr.  —  3.  zerlumpter  Mensch  FJ.  Vgl.  GodiI2. 

—  4.=  Godel  4  Aa.  -  5.  Unkraut  ZFehr.;  kurzer 
Hanf,  der  ausgerissen  wird  ZDättl..  St. 

Aus  GrD.  wird  fl  angegeben.  Betr.  die  BegriffsUbergänge 
Tgl.  Lotler :  Liitter,  welche  ebenf.  in  dem  Begriffe  des  .Un- 
festen' ihre  Vermittlnng  finden,  und  spec.  zu  .5  Fluder  1  : 
flnderm,  wobei  das  weniger  Solide  und  daher  weniger  Wert- 
volle bezeichnet  zn   werden  scheint. 

gudere(n).  in  Ap  tw.  -o-,  Dim.  güderlf  (-<>-): 
1.  „Flüs.sigkeiten  schütteln  oder  unreinlich  behandeln 
Gl;  VOrte;  Z",  im  Wasser  herumfahren,  es  in  Un- 
ruhe bringen,  darin  spielen,  plätschern,  sudeln  Bs; 
LStdt;  S.  Syn.  gudlen  1.  Durch  Schütteln  einer 
Flüssigkeit  Blasen  auf  derselben  verursachen  UwE.. 
R.Gtiderel.  üyn.  güderen.  —  2.  gurgeln,  d.h.  Mund 
und  Rachen   ausspülen  Ap;  GF..  Sev.;  Schw;  Tu;  Z. 

—  S.  =  godlen  3  Aa;  Ap;  Bs;  VOrte;  Gl;  Sch;  Th;  Z. 
.Intestina  mihi  crepant.  der  bauch  rumpelt,  gudret 
mir.'  Denzl.  1677;  1716.  .Eine  Frau  hatte  so  grosse 
Muttergicht  und  Schmerzen,  dass  es  in  ihrem  Bauch 
raurrete  und  guderte.-  Müralt  1697.  —  4.  Durchfall 
haben  Gr  ObS.  Vgl.  ergudlen.  —  5.  von  gurgelndem 
Geräusch.'  welches  entsteht,  wenn  Luftblasen  in  einer 
Flüssigkeit  sich  frei  zu  machen  suchen,  z.  B.  wenn 
diese,  bes.  ihr  Rest,  durch  eine  enge  Öffnung  stoss- 
weise  ausströmt,  wenn  man  Öl  in  einer  mangelhaft 
gefüllten  sog.  Uhrlampe  aufpumpt,  über  sumpfigen 
Boden  geht  oder  mit  einem  Röhrchen  in  Wasser  bläst 
Aa;  Ap;  Bs;  Gl;  Schw;  Th;  üw;  Z.  Syn.  giidlen.  — 
6.  von  Tönen  gewisser  Vögel:  schnattern  Zg;  girren. 
Vgl.  gudersclien.  .Kranich  und  Taub  können  nur  bloss 
mit  der  Kelen  g.-  JJBreit..  VU.  1628.  —  7.  undeutlich 
sprechen  AaF.  —  S.  in  der  RA. :  F''  will  's  g.  hi,  der 
Sache  unbekümmert  ihren  Lauf  lassen  Gl.  Syn.  fla- 
deren,  fläderen  (s.  d.),  trnlen  län. 

In  den  Bedd.  1  —  7  ist  das  W.  eine  offenbare  und  treffende 
Nachahmung  gurgelnder  Naturlaute:  vgl.  godlen,  nihd.  jrorf«-, 
Kehle,  Schlund,  und  lat.  fivttiit: 

er-:  1.  schütteln,  erschüttern,  z.  B.  einen  Baum  etc. 
's  [das  Unwetter]  hat  di  G'mcicher  und  di  Gäder  nr- 


gudarat.  Schwzrd.  Einen  Mann  (,beim  Schopf  nehmen" 
vgl.  Gauder)  Gr;  GWe.  D'  Chlöpfe«  e.  a)  Die  Kuh- 
schelle heftig  bewegen.  —  h)  bildlich  scherzh.:  viel 
schwatzen  Gr.  Unpers.:  vor  Ekel.  Frcst,  Schreck 
durchschauern.  Es  luit  mi''''  grad  iif  ei"  Mal  erguderet 
GRC'liur.  Refl..  auch  von  Pferden,  sich  schütteln  vor 
Frost  Gr.    Syn.  flüderen.  —  2.  -(tr.)  erforschen  W.'- 

Zu  '2  (eig.  ,durch  Schütteln  herausbringen")  vgl.  frz. 
troumr,  wenn  es  von  lat.  lurbnre  kommt  und  eig.  ,SHchen' 
bedeutet. 

ver-  1:  durch  Ausschütten  einer  Flüssigkeit  ver- 
unreinigen, z.  B.  einen  Tisch  BS. 

Gudere"  I  f.  (nur  PL),  Dim,  Güderli:  Hlasen  auf 
einer  ausgegossenen  Flüssigkeit  UwE. 

Guderi  m. :  Mensch,  der  schnell  und  unverständ- 
lich spricht  Zg,  verworren,  einfältig  i.st  ZH.  Syn. 
Güderi,  Gaggeläri,  Loli. 

gudersche(n):  von  der  Stimme  der  Krähen.  Vgl. 
guderen  6  und  gäderen  1.  .Cornicari,  garrire,  fabulari. 
schwätzen,  guderschen.  einhinbladeren,  wie  ein  kräy 
klapperen.'  Fris.  ;  Mal.  ,Vögel,  die  guderschend  oder 
ratschend,  garrula  aves.'  Mal. 

Gudle»  GRChur,  -ü-  f.:  1.  .durch  Schütteln  trübe 
gewordene  Flüssigkeit  Gr."  —  2.  flüssiger  Tierkot 
GrD.,  Jauche  GaPr.  Vgl.  Giidel  II.  —  S.  stehendes, 
stinkendes  Wasser  auf  der  Strasse;  Pfütze,  Lache  Gr. 
Syn.  Butz,  -le.  —  4.  Durchfall,  bes.  beim  Vieh  GrL.. 
Pr.     Syn.  Gudel,  Gudler. 

gudle(n)  -tt-  Gr;  GSa.:  1.  Flüssigkeiten  auf- 
rühren, rütteln,  verschütten;  darin  sudeln,  plätschern, 
spielen  GRFläsch;  G.  Timme-,  die  Speisen  im  Magen 
herumschütteln  GrHc.  Synn.  s.  bei  flutschen.  —  2.  ver- 
schwenderisch haushalten  GLNäf.  ~  3.  unpers.  a)  ,von 
krampfliaften  Blähungen  mit  begleitenden  dumpfen 
Lauten  L;  Z<;."  —  b)  .von  dem  Geräusch  einer  aus 
enger  Öffnung  ausströmenden  Flüssigkeit."  —  4.  star- 
ken Durchfall  haben,  haupts.  vom  Vieh  GrD.,  V.  — 
5.  kurzen  Hanf  ausreissen  ZSt.  VgL  Gudel  Ci.  --  Für 
die   Etymologie    vgl.  die  Synn.  godleti,    tfuderen    und    f/ulsli-ii. 

er-:  \.  =  gudlen  3  a  GrD.  —  2.  nicht  ausreichen 
(mit  einem  Vorrat),  nicht  zu  Stande  konmien  (mit 
einer  Arbeit),  auch:  weniger  bekommen,  als  mau 
meinte  BO.  /■•''  hin  am  Mist  ergtidlet.  Mer  kein 
[haben]  g'meint,  mer  seile  's  [sollten  es]  mögen  ah- 
g'miijen,  aber  mer  sin  schön  dran  e-t.  F''  hnn  g'meind, 
der  Acher  geh  einmel  iif  d's  Wenigste  ^'0  Huttede 
Herdöpfel,  aber  mer  sin  d'r-no'''  [darauf]  dran  ergudJet. 
Syn.  S.  erweren.  —  Vicll.  ist  Zshan!;  mit  i/iulm  ll,  Unudrr 
anzunehmen. 

,Gudlene  f.:  Mistpfütze  Gr."  —  Wulnscli.  eig.  = 
iludlmi,   PI.   des   Dim.   von    (/«dln. 

Gudler  (-Ü-J  m. :    Durchfall  Gr. 

.gudlig:  unreinlich,  unsauber,  zun;i<hst  von 
Flüssigkeiten  Or.- 

(jiide"  f.:  Hitzblatter,  kleines  Geschwür  BO..  z.B. 
Eiter-G.,  Dim.  Mudeli',  Gfidel(l)i,  z.B.  Chrnlr-G.  BR. 
Viell.  blosse  Nbf.  zu  dem  Syn.  Güge". 


(iiiderm.:  Truthahn, 
roth  wie  ein  G.'  HSülz.. 
Knter,  kalkutischer  Hahn. 


-röter.  .Sie  wurde 


'1.  aed,  <;l 


id.  siiil 


GuJere"  II:  in  der  IIA.:  z'  fliidere  ti.  z' (i.  ijän, 
=  i'  Gauder  y.  [s.  li.).  zu  Gruiulo  gehen  FwE. 

Der  siibst.  Charakter  des  W.  ist  zweifelhaft,  es  könnte 
auch  Inf.  sein,  viell.  i.  S.  v.  wnjuderm  (s.  ä.  F.)  oder  von 
ijuderen,  in  Blasen  aufgehen. 

ver-gudcre(n)  II:  in  Verfall  geraten,  zu  Grunde 
gehen  .K\ ;  BHk.,  M. ;  Ndw. 

Vgl.  verijäudere',  aber  auch  betr.  den  möglichen  Begriffs- 
Uborgaug  von  yuderm  (resp.  Der-  /)  zu  venjudercn  II  das 
Aualogou:  lotteren,  wackeln,  schwanken,  und  «/•-.-  zu  Grunde 
gehen. 

Gudere"  OV  ^  i'--  Wickeltuch  für  kleine  Kinder 
(j  iiT.  Syn.  Brüechli.  -  Kaum  zu  mhd.  Indter.  das  bei 
Buner   in    der   Kurm  ijüirr  vorkommt,  sondern  zu  ifttderen. 

gii(lle(n)  1:  Tauschhandel  treiben,  von  Kindern. 
Syn.  (jriitzeti  SciiwE.;  kleine  Geschäfte  mit  Kaufen 
und  Verkaufen  machen,  schachern  Ndw;  Schw.  Er 
ll-t  öppis  itmme,  treibt  Kleinhandel  Schw.  De''  g-t 
iiüiiime  [nicht  mehr]  lang!  Schw.  —  ver-:  ver- 
kaufen, z.  B.  er  lied  sl"  Uir  [Uhr]  v-t  Ndw.  —  Vgl.  das 
nach  Sinn  uud  Form   vwdte  .kauderu'  und  die  Anm.  zu  tlvid. 

GSdel  I  (-«-  L,  -&-  Uw)  m.:  1.  Magen,  Bauch 
(verächtlich):  fetter  Bauch.  Wanst  AAWohl.  (f);  L; 
UwE.;  „Schw:  Zu-  (St.M.  Ih"  (r.  fülle"  AAWohl. 
Eud  Cime  gid  \idl<:  F.  (jiiir.i:  i'lnilii-l  roll;  Am  Marge 
chunnd  der  Schnnli  r  FinI  frisst  der  G.  roll.  S.  noch 
Äscher  Bd  I  508.  —  2.  Kropf  L.  —  ,Gtidel'  bei  den 
Auatomen  des  XVI.  =  Netz,  Omentum;  vgl.   das  Syn.  Jiiidel. 

(iüdel  II  -ö- Ar  m.:  Jauche  GRPr.;  unreine  Flüssig- 
keit Ap.  Vgl.  G.-tvasser.  —  Zu  yüdkn,  spulen,  sudeln, 
mischen.     Vgl.  auch   IJudte  l,  i. 

Hüs-  Ap;  GRh.  .0-8  Fuder  Hausgüdcl  sind  zu 
verkaufen.'  G  Rh.  Anz.  187(3. 

güdelen  s.  güdlen. 

.ver-güdele(n):    heinilicli   verscliwenden  BHk." 

gäde(Il)  -(t--GA.:  in  einer  Sache  zu  viel  brauchen, 
nicht  sorgsam  damit  umgehen;  auch  mit  Esswaaren; 
prassen,  schwelgen,  allg.  Er  gtidet  im  Geld  GA. 
Z'  güden  und  z' hetzge  ha,  vollauf  haben  Z.  Negat. : 
tveder  s'  g.  no'''  z'  h.  ha,  Mangel  haben  ZLangn.  MH 
Vilem  güdet  me",  mit  Wenir/  sjKtrt  me".  Strw.  .Die. 
so  sich  des  Evangeliums  güdcnd  |  riiliiiirii.  damit  gross 
tun.  sieh  immer  auf  dasselbe  IhtuI'.'!,  ]  •    l.-,:iu.  Absch. 

Hülz-Güde"  f.:  Frau,  die  im  Haushalt  zu  viel 
Holz  braucht  B. 

Güder,  Ver-G.  ni. :  Verschwender;  Prasser. 
Schlemmer.  De''  Sparer  (Hiiser)  »iites  cii  G.  ha"  Gi. 
(von  Vater  undS.din);  L;  G;  Z.  iiiiirht  ru  G.  Gnrrn.. 
iiherchuiint  [bekommt |  ot  G.  [eiiirn  verscliwriideri- 
schen  Sohn]  Gl.  Umgek. :  De''  G.  mues  eii  Sparer 
hau,  den  Verschwender  lehrt  die  Not  später  sparen 
BR.  .Vertuer  und  Gider.-  1627,  Bs  Rq.  —  „Güderi": 
Haushälterin,  die  nicht  zu  sparen  weiss.  allg.~ 

Hieher  gehört  wohl  auch  der  Familienn.  Gi'uler  B;  Z 
(WO  .lUerdings  U  kurz  ist),  welcher  schon  im  XVI.  urkundlich 
häufig  belegt  ist;  vgl.  daneben  die  Namen:  .KOuder.'  1530, 
Kgli,  Act.;  ,der  güdi.'  1396,  Gschfo.  Ges.;  ,HGUdi.'  l.'J24, 
Egli,  Act. 

güdig,  güdisch:  verschwenderisch  B.  ,0  güdige 
frässheit  [Frcsssu(  ht].-  Sihachz.  ,Der  g.  sun-,  der 
.verlorne'  S(diii  im  Kvaiigelium.  Salat.  .Mit  dem  gü- 
dischen,  vertu is. du  n  uiol  ungehorsamen  [verlornen] 
Sohn.'  ir)2I.  StStiih.    .Ein  weiser  mann  ist  nit  geudig 


in  Worten,  sunder  redt,  das  not  ist.-  Z  Bib.  l.^(JO.  .So- 
lutus, güdig  oder  vertüyig.-  Fitis.  .(J..  güder.  un- 
nütz, prodigus.  sumptuosus.-  Mal.  .Babylo.  ein  frei- 
gebiger und  geudiger  mensch.'  Denzl.  1716.  , König 
Reiehart    [Richard]     vertet     das    Geld     zu     geudig.' 

WüRSTISEN. 

er-:  verschwenderisch  in  Ehrenausgaben.  Ge- 
schenken. Vgl.  er-gäh(ig).  .Hain  ich  ain  grossen  un- 
kostan  gehan  und  bin  zu  vil  ergüdig  gesin  mit  scheii- 
kan,  mit  drinkgelt  gen.'  1527.  Stock. 

(lüder  I:  1.  schlechtes  Getränk  Z.  ,Aber,  könnet 
ihr  denn  solchen  G.  [verwässerten  Most]  auch  trinken  V- 
Stutz.  Das  ist  kei  Fitsehvär,  so  G.,  wie  d'  Bränz- 
träger  händ.  ebd.  —  2.  Einer,  der  mischt,  z.  B.  ein 
Kufer  Z  (.Tucker).   —   Zu  niidcrm  I.     '2  wahrsch.  verkürzt 

aus    Hiideiir. 

güderr(n)  1.  -H-AAZein.:  1.  ein  gurgelndes  Ge- 
räusch vei  ius;[i  hell,  wie  z.  B..  wenn  Kinder  Wasser 
in  den  Mund  indiiiien  und  es  wieder  herausfliessen 
lassen  odn  wruii  sie  ins  Wasser  blasen,  in  Flüssig- 
keiten plätschern  AaF.:  H:  E:  Sch:  Th:  Z:  auch  von 
Scliweinen,  die  im  Frrss.Mi  wülib'ii  I,:  Srn«.  Syn. 
gudlen,  guderen.  Güdcrk".  kl.in.'  Dl.isrn  w.if.'n.  xgl. 
Gudere'I.  —  2.  Flüssigkeiten  in  klein,  rn  (Jniintit.itm 
unbedachtsam  oder  unnütz  ausgiesseii.  damit  ^udrln 
Aa;  B;  E;  S;  Sch;  ScHW  ;  Th;  Z.  Svn.  ,,,„llni.  ,ii„llr„. 
gotschc».  srhhfdrrev.    .Platsrhe,,.  finfsrhm.  -^.■lu-.mkm. 

ktdten    lUh.id.'nllndi   mis,di.-n.   \n-._    ■. Wilaliivn   d.T 

Wirte  Hill  Wrin;  s.lilrrhlen  W.  unter  guten  Aa;  '/.. 
Der  117)7  ,i-t   im  niiilj   \V.   '/..  1.  überflüssig  trin- 

ken, liin.dn  Mdiütten  H;  1.:  Z'i;  St.''  —  5.  plappern, 
schwatzen,    pralilen     Z.  Vl-I.    A)nii.    m    ,,mkrcn.     llie 

Form   mit  -((-  scheiut  siili   an    i,„ii.r."   MMznl.luirii. 

in-:  durch  eine  eng.'  (itinnng  .  in^.diiitten ;  Einem 
Etwas  einflössen.  z.T..    \r/,in'i   UM.  (G..ttli.i   -     ver-: 

1.  =  >lü,h'rn,  '.'  AAZ.'in..  i;M..S.;  „Ae;  VOkte:  (illh.: 
Sch;  Z.  ■:.  .lureli  Mi^.  Iiuug  verderl.eu.  z.  1!.  Wein 
Aa  (Ku..  St.).     Vgl.  ,j,„lrra,  :i. 

Güderer  m.:  Wiedertäufer.  ,Su  üch  üwere  g. 
teufend,  ^vormit  tnufend  syüeh'.-'  Antw.:  Mit  wasser.' 
HBuLL.   15:!1. 

Güderete  f.:  I.Lache  von  verschütteter  Flüssig- 
keit Aa;  Z.  —  2.  schlechtes,  zsgesehüttetes  Getränk 
Aa;  Z. 

Güderi  ni.:  1.  Weinmischcn-  Z.  -  2.  Selnvätzer. 
Prahler  Z.  —  3.  Taugenichts,  dummer  Kerl  Z 
(Schimpfw.). 

gü,lle",  .el.i":  1 .  ^  r/»,//f /(  /  A  1' ;  H(  1, ;  Gk  ;  ( ii!  h. ; 
TnSterkl..:  ZSt.;  v^^^.  W  .Miig.'s  was.dirn  lloSi.;  s|.ül.'n 
G  IIW.  —  2.  allerlei  Klüssigkeiten  durch  einimder 
mischen  GRPani.  -  :i.  viel  trinken,  zwar  keine  gei- 
stigen Getränke,  aber  Allerlei  durch  einander  Uw. 
Syn.  lurggen.  —  4.  (unpers.)  =  gudlen  .5  a  ..L;  Zu". 

—  ver-:  auf  eine  verschwenderische  Art  verschütten 
Ap.    Syn.  vergüderen,  vergötschlen. 

Güdlete"    f.:    1.    , verschüttete    Flüssigkeit." 

2.  „unreinliche  Flüssigkeit  L;  Zo;"  vgl.  Güdel-Wasxer. 

—  3.  „fades  Getränk,  das  oft  Blähungen  verursacht 
VÜrte;"  wässerige,  fade  Speise,  bes.  Getränk  \v. 

4.  das  Schwenken,  Spülen  Ar. 

Güder  II,  güderen  11  s.  Gr-hmhr. 
Guodise   s.    Wuotia-Ilrr. 


«af,  gcf,  gif,  gof,  guf, 


re.sp. 


iraff  U8W. 


l'v/(i/?'  .s(» ;  Meli 
ailt-r  Welt  aus- 


An-(iaff  111..  nur  in  ilci-  l: 
ist  do  alle"  Lüte"  im  A.,  diin 
gesetzt  ScnSt.  (Sulger). 

gaffe":  1.  klaffen,  sich  öffnen  Ap;  Diin.  gäjfde", 
■L.  B.  von  einer  halbvernarbten  Wunde  Tb  (Pupik.). 
Syn.  gifen,  rjinen.  —  2.  wie  nhd.  Wie  me  das'  i'''  g., 
wie  minder  das'  i'''  schaffe".  Ineichen.  Abi.  Gäff'.  — 
über-:  übersehen,  aus  den  Augen  lassen.  ,T)ass  wir 
unsern  nutz  nit  ü.-  NMan.  —  uf-;  aufklaffen,  z.B. 
am  Holze  Ap,  sich  weit  r.itii-ii,  ,!i  tasc-hen  sollen  in 
[den  Appenzellem]  u.  [zur  ll./,ililiiim  .'Iner  Entschädi- 
gung an  den  Abt  von  Stiialb  n|.-  X\'..  Lied.  -  er-: 
ersiKilin,.  i<.  .h,i,(,fni,i  l'„l  1  1'_'17.  ver-:  rr«..  sicli 
in,  Stann.'i,  vrrlirreii.  all-.  .Narraiitis  ruiijuiix  priidet 
ab  nie  viii.  vrruaffet  sich  an  ireii  mann,  last  [iiorcht] 
im  flyssigklich  zuc  Fris.  Gaffend  Etwas  übersehen, 
allg.,  sonst  wie  nhd. 

tiaffi  in.:  Gaffer,  allg.;  als  Schimpfvv.  bes.  unter 
Kindern  W. 


f. :     ba 


Henkelkorb 


(iäfel    111..    G 

PAgcr;  TB. 

fiaffiir  aus  it.  rin-iiijmi,  waadtl.  cuvaijm;  grosser  Korb, 
Tragkorb:  vgl.  aucli  «och  coinask.  ijuvel,  krummes  Stück 
Werkholz. 

Gafelc  f.:  Holztraggestell  BSa. 

Syn.  Gallie)!«,  aus  welchem  es  durch  Auswcichuug,  da 
/  Hud  h  auch  sonst  wechseln,  eutstanden  sciu  kanu. 

vergafle»:  (tr.)  beim  Ausmcsscn  durch  Schütteln 
des  Messgeschirrs  wieder  einen  Tfil  der  Flüssigkeit 
aus  demselben  herausschleudern,  so  dass  der  Ab- 
nehmer in  Schaden  kommt  BG.  —  Viell.  identisch  mit 
venjaUcn;  vgl.  aber  auch  t/ejl'kn. 

Gäff  m.:  einfältiger  Mensch  B.  Wenn 's  Ernst 
gilt,  stat  d'r  [ihr]  da  wie  d'  Gäffe'.  B  Hink.  Bot  1S19. 
Zu  gaff'en.     Syn.  Göff'(elJ. 

«anf  I  BsL.  (tw.)  „m.-.  „Gaufc  f.-:  1.  hohle  Hand 
BsL.  ,Gleicli  einer  gauifen  und  handhöle.-  Tierb.  1563. 
.Die  g.  seiner  [des  Bären]  datzen  sind  fleischecht.'  ebd. 
,Zimmet  ein  g.  voll.-  ebd.  .l'er  nauff,  raitthöle  der 
band  oder  dos  fuoss,  vola.'  .Mal.  .IMc  i;auff,  holehand, 
gäise,  vola,  cava  pars  manus.'  l!i:ii.  lijvi'i.  .Davon  ich 
deine  und  meine  kliker  alle  zuijb'irh  aus  der  g.  darein 

r.db-  (111  das  -nilileinl.   iiele  e^■n  tiiM.  i sipir  -lobulos 

uiiiii,.,  ^iiiiill  de  \"la  in  iUuiii  .„iijiri".-  el.,!.  ,Vola, 
Hole  dcrllaiid.  Handteller,  Gauffc.'  Denzl.  1G77;  1716. 
S.  noch  fachten  Bd  1  662.  —  2.  =  Gaufei  2  „L-. 

Mhd.  iinufe.  f.,  hohle  Hand.  Fris.  braucht  erst  in  der 
.Vusgabe  von   15(58  das  W.  als  Masc. 

Gaufei  III.  .,Aa:  B;  VOrte;  S;'  ZO.,  Gaufeie 
Aa  (H.);  BS..  Si.  (kufele);  Ltw.;  S;  ZBenk.,  Gaufle 
AaEIu-.;  Bs;  BBrisl.;  Gl;  LG.;  ScH;  Ndw:  ThHw.;  Z 
(-/■'-  Kn.),  Gaupfle,  Gö-  TuSteckb.  —  f.,  Diin.  Gäu- 
fell:  \.  =  Gauf  II.  .Aus  der  Gaufei  trinken.'  Spreng. 
.Nimm  eines  jetlicheii  [Krautes]  anderthalb  gaufei 
voll.'  .JRLandenb.  1608.  .Vola,  die  Handhöle,  Gaufle.' 
Vestib.  1692.  —  2.  die  einfache  oder  doppelte  Hand 
voll.  ,Pugillus,  Fäustlein,  Gauflen.  was  zwischen 
3  Finger  genommen  wird.'  Denzi..  11177:  dalür  1716: 
.Gaufflein.'  Spec.  a)  was  in  der  Hehle  der  i;-.-.-,tfneten 
Hand  (resp.  Hände) Platz  hat;  vcrscliied.'ii  vm,  Ihuiipjle, 


der  geschlossenen  Hand.  allg.  E  ganzi  G.  Salz  der 
Chueh  inne  ge".  D'  Hochsiglüt  händ  ganz  G.  Rappe' 
zur  Gütsche"  usg'rüert  [geworfen]  Z.  .Geld  bei  Gau- 
fein auswerfen.'  Spreng.  —  b)  was  eine  oder  beide 
Hände  mit  gespreizten  Fingern  büschelweise  zu  fassen 
und  halten  vcrniügen.  Wisch.  Büschel,  allg.  I'''  hä 
i}'  ( 'lirii'si  :'  diiK/liir'is  iilizrii  und  ieg'schoppet  [gepflückt 
uii.l  111  dri,  .Mund  uv>rli.,l„Mi|.  JSenn  1864.  Ganzi 
Gaa/lc  Bliiauli  '/..  J/c"  [maii|  rauft-ene  ganz  G.  Hör 
zu'n  Chüpfen-us.  Stutz.  E  G.  Schlier  Z.  .Ein  Wisch 
Hanf,  den  man  zum  ,Reiten'  [Brechen]  zwischen  die 
Finger  nimmt  und  zwar  so,  dass  die  ,Hauptete'  ein- 
wärts in  dir  le.lib'  Hand  ZU  liegen  kommt.  Geschickte 
Ail"iieriiiieii  leL;vii  über  jeden  der  5  Finger  einen 
'l'eil  Aa/(1ii.  Svn.  ]\'iisch.  Auch:  was  man  mit  Hän- 
den und  Armen  "umfassen  kann,  Armvoll  BsTerw.;  L; 
'l'nHw.;  ZF.  Syn.  Arfel  Wiiilelricd  iimfussef  e  Gauf- 
fi'le  Spiess.  L  \'aterl.  1877.  E  Gaiijlc  roll,  eine  Menge 
übh.  ZKn.  —  3.  Gaiff'le.  ein  etwas  plattes  Schöpfge- 
schirr mit  Handhabe  Ndw. 

Das  W.,  in  welchem  wohl  j"^  der  ursprüngliche  Laut  ist, 
der  aber  in  SchNnk,  und  ZKn,  zu  /'  geschwächt  erscheint, 
ist  Weiterbildung  von  IJauf  I.  wie  auch  bair.,  kämt,  und 
Schwab,  (/au^eii,  Guuffel  und  ahd.  mnfana,  aus  welchem  schau 
auf  lautlichem  Wege  unser  W.  direkt  eutstanden  sein  könnte. 
Weniger  einleuchtend  ist  die  Annahme,  es  liege  Huuf-voll 
(vgl,  Arfel  aus  Arm-voll)  zu  Grunde,  —  Zu  'i.  Das  fragliche 
Schöpfgefäss  (auch  tir.  und  bair.  so  benannt)  ist  ein  der 
hohleu  Hand,  dem  iirimitivstcn  Schöpf-  und  Trinkapparat, 
ähnliches,  O'opfle  (vgl.  auch  Gaupßete)  lehnt  sich  lautlich 
viell,  an   Hampße  an. 

gaufe(n),  gaufle(n),  Dim.  gäufelefn):  1.  mit 
vollen  Händen  schöpfen,  fassen,  allg.  Vergessed-mrr 
nüd,  Heu  ander  de"  Chle  z' gaufle"  ZWettschw.  :\lit 
liohlen  Händen  häufen,  z.  B.  ein  Mass  (auch  «/'-).  — 
2.  gaiffle",  mit  der  Gaiff'le"  (s.  o.  Guufel  .i')  schöpfen 
Ndw.  —  ,er-:  mit  beiden  hohlen  Händen  erlassen." 

—  Gaufete,  Gauflete,  in  GrD.  auch  Gaupfitn  f.: 
=  Gaufei  3  a  u.  h  Aa;  Gr;  Z:  ,B;  VOrte;  S."  — 
gaufete(n).  nur  als  Inf.:  beide  Hände  voll  nehmen 
GnPani.  —  „gaufig,  gauflig,  Dim.  gäufelig:  ge- 
häuft voll  Aa;  B;  VOrte;  S;-  Z.  ..Als  Adv.  gauf- 
lige(n).  Dim.  gäufelige(n):  mit  beiden  liohlen 
Händen." 

(ianf  II:  Schelte  für  Kinder  G  1799.  -  Vgl.  östr. 
(i'auj)',  alberuer   Mensch,  sowie  unser   Oof. 

vergaiiferen :  verspotten.  .Also  hat  er  in  ver- 
goufret.'  ZiELY  1521. 

Ebenso    iu    einer    alten    wUrtembergischou   Kireheiiurdu. 

—  Wenn  an  beiden  Stellen  verschrieben  fUr  -on-.  so  wäre 
das  W.   identisch  mit  ver-i/elfcren. 

„(lef  f.:  Zucht,  Ordnung,  disciplina;  nur  mit  nc", 
ha*,  in  der  BA. :  !•"''  han-en  i"  der  Gef,  ich  treibe, 
ängstige  ihn  von  allen  Seiten  LE."  Syn.  in  der  Egi 
hau  Bd  I  143. 

gefele(ii):  nicht  fest  schliesseii.  lese  gefügt  sein. 
wie  Türen  und  Fenster,  die  bei  dem  geringsten  Aii- 
stoss  klappern  Uw,  —  Wahrsch.  Dim. -Form  zu  mhd.  ,j,triii, 

Nbf.    zu    giinen   (vgl.    fß/cn). 

G(e)gefel  n.:  1.  das  Klaijpern  Uw.  -  '_>.  der 
klappernde  Gegenstand,  ebd. 

Gcfele"  f.:  Klappermaul,  vorlauter  Mund,  weniger 
veräehtl,  als  Gosche  LG,;  Uw.  Auch  für  das  ganze 
Gesicht,   Ei"-m  Ei"s  über  d'  G.  haue"  L.  Syn.  Gefräss. 


gef.  gif,  g«!'.  t,ni 


(ieffelin  n.:  Wurfspieß  (?).  .Hat  d.Mi  huet,  das 
barett  und  g.  bracht.-  1476.  L  Beutevodel. 

Das  sonst  unbekannte  Wort  scheint  Syn.  und  vielleicht 
identisch  zu  sein  mit  Sdiuffdin,  Schaf-  (s.  d.)  und  eine 
Mittelforni  zwischen  afrz.  (jimlut  und  nfrz.  juveUnc,  Wurf- 
speer, zu   repräsentieren. 

tieffern :  wahrsch.  ein  8toff.  .P'ilz,  Geffeni.  lynin 
Költscli.-  1571,  Z  Inv. 

Es  kauu  an  frz.  damm-mfurd,  Halb-Üaniast,  und  mlin-c, 
Halb-Atlas,  erinnert  werden;  vgl.  kafßn. 

geffle"  GoT.,  fjö-  GO.:  1.  unnötiger  Wei.se  in  einer 
Flü.ssigkeit  lierunirüliren  G  oT.  Syn.  flätschen,  güfflen. 
—  2.  unordentlitdi  aus  einer  Schüssel  essen  GO.  Syn. 
sch)nati(jen.  —  Gefllete  f.:  Mischmasch  als  Überrest, 
so  z.  B.  eines  Getränks  G  oT. 

Der  Übergang  von  e  in  ö  vor/  ist  lautlich  leicht  möglich, 
OS  kann  aber  auch  Anlehnung  au  Oöffel,  ungeschickter  Mensch, 
Statt  gefunden  haben. 

Gelffe"  f.:  Kegel  (im  geometrischen  Sinn);  Fach- 
ausdruck der  Spengler. 

geiffig:  konisch  ausgeschnitten.  —  Zu  huh.  yuiffin, 
1.  aus  einander  stehen.     2.  ausschneiden. 

(ieifer,  in  Gr  tw.  f,  in  Z  Gäufer,  ikeifer  GkD., 
Obs.  —  m. :  1.  wie  nhd.  allg.  .Der  Fluss  oder  Geifer 
von  den  Franzosen.'  FWürz  1634.  —  2.  GeiferfUj, 
schwaclier  Schneefall  (von  1 — 2"),  dünne  Schneedecke, 
„die  den  Boden  nicht  zu  bedecken  vermag"  GRHe.; 
GRli.  Es  hat  nw  no'''  e  GeiferU  [Schnee].  Syn.  Glfer, 
Glfle,  Blser.  —  Zu  2  (etwa  so  viel  als  .Geiferanftug')  vgl. 
das  Syn.  Spumete,  Speichel;  schwaches  Schneegestöber. 

geifere",  gäu-,  ikei-:  1.  geifern,  Speichel  aus- 
fliessen  lassen,  bes.  wie  kleine  Kinder,  wenn  sie  die 
Zahne  erhalten,  allg.  Vgl.  Geifer- Ueli.  .Dass  solche 
Wunden  kein  rechtes  Excrement  von  sich  gaben,  sonder 
nur  geiferten  und  wässerten.'  FWürz  1634.  —  '2.  „(gei- 
ferlenj  ganz  schwach  schneien  Gr."  —  3.  schwatzen 
(verächtlich),  viell.  in  diesem  S.  die  RA.  vom  Vogt, 
s.  Bd  I  704.  —  vcr-:  durch  Geifer  verunreinigen, 
allg.  —  Geiferi  m.:  Schwätzer;  Spottn.  übh.,  eig. 
ein  Junge,  der  die  Unart  zu  .geifern'  noch  nicht  ab- 
gelegt hat  SL.;  Z.  —  Geiferli"g  m.:  Speichelaus- 
wurf,   z.  B.  auf  dem  Boden   aScnw.     Syn.  ühöderling. 

({eifetsch  m.:  kalter  Nebel,  Frostnebel  W.  Vgl. 
glf'ren. 

gife(ll),  giffe(n),  gif(f)ele(n):  1.  ..bersten,  von 
einander  klaffen,  zunächst  von  hölzernen  Geschirren 
B;  L."  ,Gifele,  Ware.'  Id.  B.  Sich  spalten,  z.  B.  von 
Nusshülsen  BS.  Gife",  aufgehen,  aufkleckeu  BsL. 
(Spreng.).  .Si  tratt'end  dz  tor.  dass  es  an  allen  orten 
ufgiffet  und  zurspielt  [zerspaltete].'  Edlib.  .Zerspalten, 
sich  auftuon,  gyffen,  aufklecki'ii.  il.'hi-r.i,..  discedere, 
terra  dicitur.'  Fhis.;  Mal.  'J.  Kjif'ih'i  felilerhafte 
Falten  werfen  (vom  Kleide)  S.  —  :l.  \  erlangen  tragen 
(nach),  begehrlich  sein.  .Der  faul  uncl  trag  geilfet, 
er  hat  aber  armuot.'  1531,  Prov.  =  .die  seel  des  faulen 
begert.'  1548.  ,Der  auf  geit  gyft'et,  der  machet  sein 
liaus  unrüewig.'  ebd.  1548/60;  =  ,wer  dem  Geiz  nach- 
hängt.' 1683.  ,Diss  ist  der  brauch  deren,  dieaufguot 
gyflend.'  ebd.  1548;  =  ,dem  g.  nachhängen.'  1667. 

.\us  mhd.  giwen,   das  Maul   ; -  i-in     .mI u.     S.   noch 

yiiirni.     Die  einigen  MAA.  eigem    \ i     ■       Irs  /"  mag  auf 

Anlehnung  an  das  in  Bed.  1  syii.  '  m      Her  Zshang 

der  Bedd.  1  u.  3  erhellt  aus  "f.jIt'LiiJ.ai  IJcltg.  „Sie  geiffeten 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


f  bodun  auf  einen  spatregon.'  Bib. 
sperrten  ihren  Mund  auf.'  Zu  2. 
im  Tir.  auch  die  Bed.:    nicht  gut 


Bair.  yalfeni  klaffen,  hat  ii 
anliegen,  Falten  werfen. 

Gif(f)e"  f.  (meist  Dem.):  Spalte.  M'r  wend-nen 
Gifeli  off'  lo",  die  Türe  etwas  offen  lassen,  nicht  in"s 
Schloss  legen  Lf- 

Gifer  GrL.,  -fert  GrRIi.,  mfer  GflPr.  m. :  =  Geifer ;?. 
Es  hat  nur  eso  as  Glfer  g'schnit  GrL. 

Yiell.  im  Ablantsverhältniss  zu  Geifer  stehend,  viell.  aber 
auch  gemeinsamen  Ursprungs  mit  dem  frz.  givre  m.,  Rauh- 
frost, Rauhreif.  Das  Ntr.  aus  GrL.  ist  wohl  als  Coli,  zu 
verstehen. 

gifre(n):  langsam,  zart  durch  den  Nebel  schneien 
W.     Syn.  geiferten,  glflen.     Vgl.  Geifetsch. 

ergifern  s.  ergüfern. 

(ilflz,  ,Gibiz',  ,-fix',  -wix  ZS.,  Gewitz  (in  Flurnn.) 
Bodensee  —  m.,  in  Z  f.;  1.  Kibitz,  vanellus  cristatus. 
.Albertus  u.  A.  nennend  diesen  vanellum,  zu  Teutscli 
Gyfttz,  Gywitt,  Gybitz,  Kywitz  oder  Zweiel.'  Vogelb. 
1557.  ,Der  leidig  spatz,  der  trybt  vil  geschwatz,  dem 
gyfutz  tuot  er  [darin]  glychen.'  Vorelgesans  1560.  — 
2.  Möve,  bes.  Seeschwalbe,  sterna  hirundo  (,deren  es 
eine  grosse  Menge  in  der  Lützelau.'  HEEscher  1692) 
und  Lachmöve,  larus  ridibundus  ZS.  ,Ein  weisser 
wasservogel,  capra  vel  capella.'  Mal.  .Givitz,  Gyfl.x, 
capra,  larus,  gravia  (1.  gavia).'  1»f\zi..  1716. 

Mhd.  </i7)»k-,  ißtoitz,  nach  dem  lii.lu.i  ■]' ~  Vn^'els:  ,ki- 
witf.  tf  1/12  noch  bei  Mal. ;  Cys,  li.i.l;  l.'il  liii.J;  HKEsch. 
1692;  HUWeber  1695.  Für  B.j.l.  -J  IkiI  «.ihisdi.  der  ge- 
meinsamen schreienden  Stimme  wegen  Verwechslung  mit  (üriz 
Statt  gefunden,  welches  auch  in  Bed.    1   vorkommt. 

Glfle"  f..  Dem.  Gif,ßti:  =  Geifer  3  GrD..  V.  — 
Nbforni  zu   (h/er. 

gifle(n):  eine  dünne  Schneedecke  werfen.  Es 
hat  g'giflet  GrV. 

Gieffe  s.  Guefe. 

Göf  I,  Gnof  ZTurb.,  PI.  (?d/ GrD..  Pr.;  Sc»«  tw.; 
Nnwtw,,  scinst  r;o/e».  Dem.  tfö/yi  GrL.  -  in.  „uAa;"  Ar; 
Gl;  (ii;;  'IG.  Sa..  oT..  W..  f.  ThHw.;  ZA.,  n.  VOrte; 
GA..  <i..  f.  (Sl.'i.  m.  für  einen  Knaben  und  f.  für  ein 
Mädchen  7a:,:  Z  tw.:  Kind,  weniger  edel  als  dieses  W. 
und  von  ilim  verdrängt,  in  einigen  Gegenden  jetzt 
schon  auf  den  PI.  beschränkt  oder  nur  in  scherzendem 
oder  geringschätzendem  Tone  gebraucht  Aa;  Ap;  B; 
VOrte;  Gl;  Gr;  G;  Z,  Syn.  Gösch.  Iron.:  du  guets 
Göfli  ScHW.  Me"  muess  d'  Gofe  vergmnpe"  lo'  G  (Sprw.). 
Wenn  's  Müeti  hi  de'  G.  sitzt  und  Tag  und  Nacht 
um 's  llrnill,  sclurit^t  Uw  (Schwzrd.).  Wer  uns,,  bis 
über  ,rs  .I.ihr  \  ikhIi  der  Hochzeit],  es  hiun„1  ihr  rs  ihjjli 

am  l;n,l.-_  AmuiiLINI'H  1S5'2.  D'G.  „mrliJnnl  .rhW. 
aber  ,1,  Ali.:  \V:U-n>]  ,n„.l  imrh  „i,l  (iu  ( Seh«  zv,l.  I. 
Wcini  ,ln,  (I.  lunii  I,.  „„■  '  »,„/  sni  (r..  s„  rhinnit  mui 
G.  11,1,1  inl  ,h,n  (i.  (Srlil„,i,i,  iUiss  dni  (i.  Wim  U. 
nümme  seit  (t.  G  (Spreclispiel).  An  einigen  Orten  mit 
Ausschluss  des  Säuglingsalters,  in  GRÜhur  Göfli  da- 
gegen Kosew.  für  einen  Säugling.  Beschränkt  auf  das 
Alter  bis  zur  Communion  od.  Confirmation  Ae;  GRh.; 
Uw;  vgl.  Zuehin-gän-Göf;  in  GA.,  oT.  dagegen  im 
Verhältniss  der  Kinder  zu  ihren  Eltern  ohne  jede 
Altersgrenze  gebraucht.  In  uAa;  Ae;  G  oT.;  ScnwMa. ; 
ThHw.  als  Sg.  ausschliesslich  oder  vorwiegend  = 
Mädchen,  als  PI.  dagegen  unterschiedslos  Kinder  übh. 
Der  Choli  [eine  Kuh]  ist  jetz  exakt  so  alt,  a's  de'l  de' 


Gaf,  gef,  gif,  gof.  gnf 


Guf  [die  erwachsene  Tochter];  er  ist  e  Chalb  g'sl", 
iro  de'-  G.  im  s^be"  Sturm  uf  d'  Welt  cho'  dst.  Feuker. 
Als  Schimpfwort:  .Maulaff  L;"  faule,  nichtsnutzige 
Weibsperson  ZA. 

Im  Bregeuzerwald  Hub,  bair.-östr.  Gög;  betr.  den  Laut- 
wandel vgl.  die  Synn.  .Kobel',  , Kofel'  und  ,Kogel',  sowie 
t;ubel.  Gu/el.  Giigel.  Das  W.  verhält  sich  viell.  zu  Gau/  II 
wie  Goch  :  Gauch ;  s.  Weiuh.,  AI.  Gr.  §  42.  Betr.  den"  Be- 
griffsübergang wäre  daran  zu  erinnern,  dass  nach  mittelalter- 
licher Anschauung  die  ,Dummheit'  als  Charakteristikum  der 
•lugend  galt:  doch  vgl.  auch  Anm.  zu  Gsf  II.  Das  gram- 
matische Geschlecht  richtet  sich  entweder  nach  dem  natür- 
lichen oder  nach  demjenigen  des  W.  Kind.  Der  Gebrauch 
des  W.  ausschliesslich  für  Mädchen  findet  seine  Analogie  in 
dem  ganz  parallel  gehenden  Z  Gebrauch  von  Kind. 

Zuechegä"-Göf:  zur  ersten  hl.  Gommunion  zu- 
gelassenes Kind  UwE.  S.  zuehin-gä".  —  Bettel-: 
Bettelkind  Ar;  GT.  —  Schnei-:  Schulkind  Ndw.  - 
Sehn u der-:  verächtlich  von  einem  Backfisch,  er  sei 
HO'''  gad  en  Seh.  Ap.     Vgl.  Schnuder-Bueb. 

göfele":  elie  Art  der  Kinder  an  sich  haben,  tän- 
deln, kindisch  reden  und  handeln  Ar;  G;  Schw;  Uw. 

Göfelete.  Göferei  f.:  Kinderei  Ar;  GA.  — 
göfelig:    kindisch,  läppisch  Ai-. 

(iöf  II  f.:  1.  kleines  Gebund  rohen  Wergs  oder 
Flachses,  ehe  er  gebrochen  wird  BoHa.;  W.  —  2.  (PI. 
Göfe')  Garben  W. 

Es  liegt  iiubf,  au  <linif  I  x'  zu  denken,  allein  der  betr. 
Voailwecb>rI  i-i  l.  n  j- -i  MAA.  tr.ijid.  Dagegen  Hesse  sieh 
für  die  Z>.'  ii  -!  ::  n  'i  /  //  und  Gnf  I  als  Beispiel 
einer  aiiainj  i  I:  ->  i'  '  ,<  i  I, lunu'  Tuckcle  anführen,  das 
Puppe,  dauu  ;uil1i  liu  iiuiiJ  Wuig  bedeutet.  Dafür,  dass 
umgekehrt  6'u/  /  aus  Guf  II  abzuleiten  wäre,  Hesse  sich 
Biindel,  scherzw.  auch  =  Kind,  vergleichen. 

GSferc"  (Gu-)  I  f.:  =  Oflate  2  Bd  I  115  ßs;  S. 
.\n  einer  Mahlzeit  des  Magistrates  von  Sch  erschienen 
im  3.  Gang  oder  zum  Schlaftrunk  .Gofferen-.  Für 
.•_>8  Dotzet  G.  1  fl.  39  kr.-  1709,  ebd. 

Frz.  yaufre  f.,  Waffel,  daher  als  Fremdw.  mit  schwan- 
kender Lautform  f  und  f°.  Vgl.  noch  Bs  Kochb.  (Stupanus), 
S.   öS   u.   Zwinger   1696. 

Göffere»  II  AaSI  Cf'J;  Gl;  Gr;  UwE.;  Z  tw..  Giifere 
Bs;  BE.,  S.;  S;  Uw;  Z,  Göfere  Xf  —  f.:  ReisekoiFer. 
iillg.  .Cista:  ein  käst  oder  trog,  ein  coffre,  reiskasten.' 
Fris.  .Die  Goffer,  Eeiskiste,  riscus,  loculus.'  Red. 
11J62.  .Das  güiferly.'  1663,  Ap  Volksbl.  ,.\rca  canie- 
rata,  Koferen,  Reiskisten.'  Denzl.  1716.  ,Ein  Reise- 
kufFer.'  S  Wochenbl.  1817. 

Frz.  coffre  m.  Das  Genus  unsers  W.  viell.  durch  die 
Kndung,  viel!,  durch  das  Syn.   Kiste  bestimmt. 


Ms 


ith-: 
rofferie 


einfacher  Holzkoffer  f.  Dienstmädchen  Z. 
ren  (-u-):  beim  Plätten  von  Zeugen  die 


Spitzen  fälteln,  ihnen  eine  wellige  Form  geben  Bs;  Z. 

—  Frz.   rjaufrei;   modeln. 

Geifert  in  der  Verbindung  bi  oder  bim  G. :  eine  der 
vielen  euphem.  Verdeckungen  des  Namens  Gottes  Sch. 

—  Viell.  nach   Analogie  der  Personenn.  auf  -ert  gebildet. 
Goffet:  s.  Büffet. 

g(e)goffef:    von  Rindvieh,   bes.  Kühen,    wenn   ihr 
Schwanzansatz  hoch,   der  After  aber  tief  liegt  GaPr. 

—  Von  ahd.  ^o^?'«  (bair.    Goße),  Hinterbacke. 
Goffig  s.  Kavig. 

,Göff»,  Göffel  (i--  BSi.)  -  m.:    1.  Einfaltspinsel, 
Tölpel  .,B;  L;'-  S;  Z.     Syn.  Gätf,  Göl,  Löffel,    Toffel. 


,Dass  sich  die  jungen  götfel  und  oltuialen  auch  die 
alten  narren  uf  erbguet  und  gewnnnes  guet  verlassend.' 
HBuLL.  1527.  ,Ich  tuen  nit  wieder  eilend  g.'  Aal  1549. 
—  2.  ein  etwas  missratener  Junge  BSi.  -  Mhd.  i/efel, 
yöffel,   Gaffer;  zu  gaffen. 

göff(e)le(n):  1.  klaffend  aus  einander  gehen  ZB.;. 
von  Kleidungsstücken:  zu  weit  sein,  nicht  anliegen, 
lose  werden,  in  der  RA.  y\ßfflet  sl"  B;  ..LE."  Vgl. 
göfflig,  gaffen,  gloggen.  —  2.  „tölpelig  sein,  gleichsam 
mit  offenem  Munde  hin  und  her  gaft'en,  zunächst  von 
Kindern;"  Maulaffen  feil  halten,  sich  einfältig  (wie 
ein  Göffel)  benehmen  B;  L;  S;  Z.  Umme  </.,  gaö'end 
umher  schlendern  ZStall.  Ei"'ni  wo"''-,  ihm  einfältig 
nachschauen  S.  Er  het  g'se,  ''ass  im  d'  Liit  :ii  de" 
Fenstere  üs  nögöffle,  wie  icenn  er  Hörtier  liätt.  BWvss 
1863.  —  Mhd.  geff'eh,  Dem.  von  f/«/«i,  2  kann  auch  direkt 
von   Gbffel  abgeleitet  werden. 

„göfflig:  1.  klaffend.'-  — 'L  ..einfältig,  tölpelhaft. ' 

ergöfere(n)  s.  ergüferen. 

Göffl:  Personenn..  Gottfried  ZS. 

Guf,  gufe(n)  s.  Gluf  usf. 

Gllfel  m.,  PI.  -«-;  naturliche  Huhluni,'  in  ein.  in 
Felsen,  wo  etwa  Herden  Schutz  suchen  (tl:  GÜ.  Syn. 
Balm.  Vielfach  erhalten  in  Flurn.  Gufeli,  Guflcn, 
Arzet-,  Geiss-Gufel,  G.-Bach,  -liüti,  -Stalden,  -Stud.-. 
Walen'guflen. 

Viell.  steht  das  W.  (wie  Gußr,  Gii/el,  s.  dd.)  im  Ab- 
lautsverh.  zu  Gauf  I,  indem  sowohl  die  Aus-  als  Einbieguug 
des  Felsens  verstanden  werden  kann;  vgl.  GubcJ.  bair.  A'r./W, 
Kufel  und  tir.   Köfel,  einzelner  Stein. 

Gufer  (-f(-  St.-,  i-  BR.)  Gü-  GRMal.,  in.  BO.;  Gu 
Chur,  Pr.;  „U;  W",  n.  BR.;  GrL.;  UwSax.;  WGräch.: 
1.  kleinerer  Felsblock  (Ggs.  Tosse)  UwSax. ;  einzelner, 
kleinerer  Kieselstein  W.  —  2.  Geröll  (feineres.  Ggs. 
Goll  B  oHa.,  It  St.  aber  ,grobes'),  Schutt  aus  Kies.  Erde 
und  Steinen,  als  Produkt  von  Überschwemmungen. 
Verwitterung.  Felsstürzen,  bes.  an  wilden  Bergabhän- 
gen die  schwer  passierbaren  Bisetefn)  bildend  BO.; 
Gr;  iiW.;  „U:  W.~  Unter  der  schwarza  Wand  in 
dem  G.  lian  i'''  nen  gfunda'  GrD.  (Schwzrd.).  .Seine 
Weiden  vom  G.  räumen.'  B  Landw.  Wochenbl.  1847. 
.Die  Kirch  hat  's  angefüllet  mit  Guffer,  Lett  und  Sand.- 
LiED  1762.  .Weiche  Morasterde  zwischen  den  rauhen, 
ohne  Ordnung  liegenden  Felssteinen.'  ScHErcHz.  Spec. 
Schutthaufe,  welcher  über  den  Gletscher  hinunter, 
bes.  in  der  Mitte  oder  an  den  beiden  Seiten  den  Tal- 
rändern parallel  (als  sog.  Guferlinie)  sich  zieht,  ver- 
schieden von  den  liuorlaufenden  Moränen  (s.  Gandeck) 
BO.;  Gr;  U;  W.  Schutthügel  GW.;  „Erhöhung,  Hügel 
GRPr."  Steingefilde,  mit  vielen  kleinen  Steinen  ge- 
mischter Boden  BE.;GRPr.;  WGräch.  Steinschlucht  Gr. 

Vgl.  Anm.  zu  Gu/el.  Das  W.  lebt  auch  iu  Flurnu.: 
A-B-C-,  Fux-G.  W,  Guffer-Honi  Gr.  Der  Zürcher  Rolirdorf 
1828  braucht  G.  als  f.;  es  ist  in  der  Form  mit  /  —  wie 
schon  Lusser  1828  schrieb  —  in  die  Wissenschaft  aufge- 
nommen worden. 

gufere(n)  I,  guffre":  1.  Steine  werfen.  —  2.  (fr.) 
Jmdn  mit  St.  bewerfen  W.  -  Vgl.  tir.  iö/A.  in  Bed.  I. 

ergüfre"  (resp.  -Ö-),  „ergöferliche":  1.  den 
Boden  durch  Reinigung  von  Geröll  verbessern  BK. 
Übtr. :  „Etwas  in  Aufnahme  bringen,  z.B.  sein  Ver- 
mögen BO."  —  2.  ökonomisch  od.  physisch  sicli  wieder 
erholen,  wieder  autieben  BO.     .\iich  refi. 


i:w 


Gaf— gnf.    Gaft— gutt 


Bed.  2  ist  viell.  insprUnglich  Eins  mit  dem  Syn.  rH-üfirn; 
das  W.  hätte  sich  dann  aber  au  Gttfer  angelehnt;  denn  wie 
der  Gletscher  nach  dem  Volksglauben  alles  Fremde  ansstösst, 
so  gesundet  der  Kranke  durch  Ausschwitzung  des  Krankheits- 
stoffes. 

.ver-:  mit  Schutt  bedecken." 

Guferete  f.:  Endmoräne  od.  Halde  mit  urössern 
Steinblöcken  BGadm. 

guferig:  steinisr;  g'g-e  Bode"  BR. 

Über-6nfer:  Fedevdecke  GRSch. 

Gehört  wohl  als  Fremdw.  zu  rätorom.  rurrir:  vgl.  i-iirrin, 
Pf.'ko:   in  B  cmnrl,   Bettdecke. 

..Stein-  (iliiferli :  Ka))uzinerkvesso  .  troiia'ohim 
niajus  B." 

Wahrsch.  liegt  Gue/e  in  entstellter  Form  zu  Grunde; 
denn  die  Pflanze  wird  etwa  auf  Randsteinen  der  Gartenbeete 
gezogen  und  hat  Blüten  von  der  Form  eines  Helms  oder 
einer  Haube  mit  Zipfel. 

gufere(n)  II  s.  ghifere". 

Gnvionli  AaZ.,  -f-  AAHolderb.,  Günhmli  A.iFri.. 
GtifenönH  AABb.;^p;  ,F.;~  Z.,  Goffhmile  AaZ..  Giife- 
hünli  Aa  (Mühlb.),  GufenöK  Tu,  K/ovinönli  AAKlingn. 
n.:  wolilriechendes  Veilchen,  viola  odorata.  Scherz- 
reim :  Guviönli,  Geisse  mache  Bönli,  D'  Schnulere  lese' 
s'  üf  Und  mache"  gueie  Kaff'e  drüs  AAZein.  Wild  's 
G.,  viola  silvestris  Aa  (Mühlb.). 

Die  Formen  gehen  hervor  aus  Viönli  mit  einer  Vorschlags- 
silbe wie  AfßOnli  und  Bavenonli  fs.  dd.  und  auch  Viole.  II, 
Bd  I  10.5  u."6.'53);  darauf  trat  tw.  Anlehnung  an  Guf,  Steck- 
nadel (s.  Gluf)  ein,  so  dass  das  W.  als  ein  Comp,  betrachtet 
wurde:   s.  auch  Jo/e-Hüenli. 

gnfle(ll):  schlagen  S.  —  Vgl.  i.  gl.  S.  mhd.  u.  bair.  goffcn 
V..M    (loj)\  Hinterbacke,    und  .Kuffen',   Schläge  hei  Gr.  WB. 

(lüfel  fl;-J  m.:  stumpf  zugeschnittener  Bergkegel, 
Gipfel  BSi.' 

Viell.  vwdt  mit  Ouhel;  vgl.  aber  auch  duin',  zu  welchem 
unser  W.  sich  verhält  wie  Kopf:  bair.  Knfel.  S.  noch  Uufel, 
iJufrr,    Gügel  und  Anni.  zu    Gnf  1. 

Güfi  I  (resp.  -i-\.  ,Güffi~  n.:  1.  zur  Aufrüstung 
des  Wagens  (resp.  Schlittens)  dienende  Vorrichtung, 
Wagenkorb,  a)  Sitz-Gestell,  -Kasten,  für  1-?.  Per- 
sonen, auf  dem  .Berner-.  Spreng-,  oder  Reit- Wagen', 
welcher  den  Bauern  die  .Chaise'  versieht,  aufgeschnallt 
Bs;  B;  L;  S;  in  neuerer  Zeit  bes.  auf  dem  Müller- 
und Metzgerwägelchen  Bs.  P''  herzhaft  snegfahre, 
immer  teiifer  i  's  Wasser,  his  's  m'r  o/V-  /"  '.■.  (iiifi  iinie 
g'hiKfei!  isch.  BWvss  1863.  letz  eismoU  ,,nt  ,w  llV„/,7( 
der  rorder  Aclixungel  üs;  's  G.  het  ahfiinnhi :  's  J>oss 
ist  viit  im  Viinniiifli  's  Dorf  itf,  's  G.  mit  mir  and 
mit-eiii  Mihi  's  J)nrf  ah.  ebd.  Er  nimmt  sis  Berner- 
spreiii/iriifiili  :iim  Wageschopf  US,  iro-n-er  schön  griien 
het  lo  asfri/che-n-Kud  netti,  geh  and  rofi  Sterne-n  uff 
's  G.  het  lo'  mole.  Schild.  —  b)  auf  das  Unter- 
gestell errichteter  Wagenkasten,  sei  es  aus  Brettern 
(Syn.  Hurd,  Banne)  S.  Leitern  oder  Flechtwerk,  zum 
Waarentransport  BsL.;  S;  Uw;  .B."  —  c)  Schrot- 
leiter aus  2  durch  Querleisten  verbundenen  Balken 
(Rundholz),  den  sog.  Gifi-  (Tifi-)  Bäumen  (s.  d.),  zum 
Transport  von  Fässern,  bes.  des  Jauchofasses  AAFri. ; 
,B.-  --  d)  Kasten  am  (zweirädrigen)  Milchkarren, 
in  welchen  die  Milchtansen  gestellt  werden  L.  -- 
2.  =  Güfi-Wagen  BsL.;  S.  —  3.  Holzgestell  zum 
Tragen  von  Lasten  auf  dem  Rücken  Aa.  Syn.  Gable', 
Gafele'.  —  4.  Grimasse,  verzogenes  Gesicht  AAWohl. 


I-at.  cäphimi«,  grosser  Korb,  Tragkorb,  woraus  frz.  coffn 
(d'un  carrosse),  Wagen-,  Sitzkasten,  und  co/fin,  Körbchen.  Anch 
das  Syn.  Hurd  bedeutet  eig.  Flechtwerk.  Zu  erwägen  ist 
viell.  auch  das  latinisierte  covinnus  (cmnnitn) :  1.  keltischer 
Sichelwagen.  2.  von  3  Seiten  verschlossener  Reisewagen. 
Vgl.  noch  ,Kober',  von  Spänen  geflochtener  Korb  (Frisch), 
,Kobel',  Kutschkasten  bei  Gr.  WB.  4.  eig.  eine  scherzh. 
Vergleichung    mit   der    eckigen  Gestalt  eines  Wagenkastens. 

Mist-:  Wagenkasten  zum  Tran.sport  von  festem 
Dünger,  dasselbe,  was  in  einem  Inserat  .Dunggüfi' 
genannt  wurde  L.     Syn.  Misthänne. 

Güfi  II  ni.:    Schlaukopf  (iron.)  ZKn. 

Vgl.  Güfi  14.  sowie  bei  Gr.  WB.  ,köffeln',  betrügen. 
Hieher  viell.  der  1529  in  den  Absch.  genannte  ,Gnfi'  von 
AaDött. 

giiffle":  eine  Flüssigkeit  beim  Trinken,  Waschen  usf. 
vergeuden,  damit  unordentlich  umgehen  GLichten.st. 
S.  das  Syn.  geff'len. 

Güfflete:  Unordnung  von  verschütteter  Flüssig- 
keit. —  Hülsche"-:  Schweinetränke,  mit  Kartoffel- 
häuten (Hülsen)  und  andern  Abfällen  im  Spül-  und 
Abwaschwasser.  Do  het  er  [der  verlorne  Sohn]  gern 
sin  Buch  a'gfölU  mit  Hidsche-G.,  wo  d'  Schwi'  fresse' 
G  oT.,  It  Dial. 

Gueffe",  ..Guffe  1.;  Z.^'  -  f.  Dim.  „Güefi%  Gueß: 
eine  Art  Kopfbcilrrkuiii;  I.;  Zg;  eine  hohe  Weiber- 
haube Ndw.  ..ILiubcheii  mit  '2  steifen,  zu  beiden 
Seiten  empor  gerichteten  Flügeln  aus  Spitzen,  ähnlich 
einem  Paar  aufgerichteter  Schmetterlingsflügel  ,,L'-. 
an  Pesttagen  getragener  Kopfschmuck.  Syn.  Hübe, 
Öre(n)-H.  Im  engern  S.  das  zwischen  den  beiden  Flü- 
geln befindliche,  schiffähnliche,  papierene,  mit  schiin 
gestickter,  kostbar  verzierter  Seide  überzogene  Käpp- 
chen,  das  die  zsgedrehten  Haare  (s.  Bunggeli)  bedeckte 
und  mit  einer  silbernen  Spange  an  Stirn  und  Hinter- 
kopf befestigt  war;  oft  im  Werte  bis  zu  150  Fr.; 
reichere  Frauen  befestigten  an  diesem  Käppchen,  bes. 
an  Kirchenfesten,  noch  ein  Kränzli  (s.  Eosenhiibe). 
In  der  Trauer  waren  Käppchen  und  Verzierungen  von 
schwarzer  Seide  üblich.  ,Auf  die  Hochzeit  kaufte  sie 
nur  für  eine  Dublone  Hauben  und  Gufli  und  .sagte; 
.letzt  habe  ich  für  mein  Lebtag  genug.'  LKInderbitzi 
1824.  -  Aus  frz.  mlffe.  Haube;  wenn  die  Form  Giißr  richtig 
angegeben   ist.  so  stände  it.   cuflia  näher. 


Gift:  1.  (f.)  Schenkung,  Gabe,  neben  diesem  W. 
häufig  in  d.  ä.Spr. ;  s.  die  Compp.  —  2.  (n.,  [f.],  in  Ar  m.) 
wie  nhd.,  eig.  u.  bildl.  ,Der  raortlich  liumd  von  den 
Juden  was,«  dass  .si  alliu  wasser  vergift  hätint.  Diu 
selbe  gift  des  ersten  von  den  roten  Juden  kam  und 
was  vernieret  mit  unken  und  was  als  unrain,  [dass| 
sweliches  mensche  mit  der  gift  verserct  ward,  das  lept 
nit  länger  denne  an  den  dritten  tag.'  1.336/40,  Z  Chr. 
.Zuge  der  Stein  die  Gift  [Pestgift]  und  den  Schaden 
aus  dem  Lyb.'  JLCvs.  1661.  (Vgl.  Erbgift).  RAA. 
's  G.  schlod-ena  [ihnen]  iise,  eig. ;  der  Krankheitsstnff. 
die  Unreinigkeit  erscheint  als  Pustel.  Hitzblatter. 
Finne  auf  dem  Gesicht;  bildl.;  die  Bosheit  schaut 
ihnen  [in  diesen  Geschwüren]  aus  der  Haut  Ar;  (ti,;  Z. 
Er  het  im  's  Gift  [die  Kraft]  g'nu.  Si'i.fiER.  Haue" 
wie  G.,  von  scharf  schneidenden  Instrumenten,  //a.wc" 
ivie  G.  allg.  Zur  Beteuerung;  Es  ist  eso,  du  chasi 
G.  drufne".  Formelhaft  eine  Verneinung  verstärkend: 
fleh  tue  'nj  se  [so]  lüf-el  a's  G.,  um  keinen  Preis  GS:i.. 


135 


Gaft.  i^eft  gift,  gott.  gult 


GHeid. 
il  zwar 


beiden 
I    .Gift 


W.;  wie  Cr.  nit  (auch:  u:  G.  ii.  Töden  mit  GrPi-.). 
unter  keinen  Umständen,  gar  nicht  Gr,  eig.  .so  wenig, 
als  ich  mich  zu  G.  verstünde.'  Er  hätte  mer  nid  wie 
G.  [von  der  Medizin]  i'g'nun.  Aber  auch  ohneNeg.: 
schaffe'  wie  G.,  gar  Nichts  arbeiten  GrD.  Han  dar 
etta  weh  gatäfi  ?  Antw.:  Wia  G.  Hieher  gehört  viell. 
auch  die  Angabe:  ^Wie  G.,  leicht,  ohne  Zweifel  Gr", 
wenn  man  sie  ironisch  verstehen  darf.  Syn.  s.  bei 
Flauche.  Wenn  d'  G.  schisse"  witt,  schiss  as  grad 
zetitnertvis,  wenn  du  boshaft  sein  willst,  so  sei  es  niclit 
nur  verdeckt  GrD.  S.  Giftschisser.  Groll,  Hass,  in 
der  RA.:  Es  (en  Ap)  G.  uf  Ei"'n  ha".  Persönlich: 
boshafter  Stichler,  Giftler  ZO.  --  3.  Eiter,  der  aus 
einer  Wunde  fliesst  GrS. 

Mhd.  (jiß  f.,  Gabe,  Geschenk;  Gift.  Als 
1732;  AvHaller;  Finalpr.  1776  u.  Hl'.-r. 
i.  S.  T.  2.  In  der  Bed.  .Groll'  ist  G.  nu  ii  :ii 
wahrsch.  unter  Einfluss  dieses  W.  .Vlul.  -m 
(neben  luppi),  so  dass  die  Bedeutiiugs,  m«  i,k 
den  umgekehrten  Weg  gemacht  hat.  liir 
nehmen',  rührt  von  dem  alten  Glauben  .m  i.  tt.  -l-i  i  h  ht.^  her, 
indem  man  zur  Erhärtung  seiner  Aus-a^r  >ii  li  aiilieischig 
machte,  Gift  zu  nehmen,  indem  dieses  nur  dem  Lügner  schadete. 

Uf-Gift:  Verzichtleistung,  Aufgabe,  resignatio. 
,Enzien  mich  [verzichte]  der  uszügen  [Einwände],  da 
mit  diese  ufg.  old  verzienung  und  die  brief  möchtin 
kreincht  [geschwächt]  werden.'  1305,  B  Staatsareh. 

Erb-:  Ansteckuugsgift,  bes.  in  Pestzeiten.  ,Brot 
wird  abgeschaffet,  das  vom  becker  warm  in  laden  ge- 
legt oder  durch  eine  [von  der  Pest]  inflcierte  Strasse 
getragen  worden,  weil  es  das  e.  an  sich  ziehet  und 
den  menschen  vergiftet.'  JHLav.  1668.  ,Die  badstuben, 
darinn  es  allerlei  leute  gibt,  soll  man  [in  Pestzeiten] 
auch  beschliessen,  weil  einer  dem  anderen  das  e.  durch 
die  geöifneten  schweisslöcher  Icichtlich  beibringen 
kann.'  ebd.  —  A'er-  f.:  Vergiftung,  krankhafter  Zu- 
stand. .Und  in  kurz  nach  dyner  zyt.  so  kommt  der 
gestift  in  v.  und  wird  im  durch  die  vogty  entrannt 
lütundland.'  XV.,  Lied.  —  Hin-:  Ding-.  Hand-Geld. 
1540,  B.  —  Hand-:  Schenkung.  Verleihung  von  ,H. 
zu  H.'  ,Dise  hantgift  und  gedinge.'  Arg.  .Dass  ich 
dis  hantgift  stete  habe,  und  dawider  nüt  komme, 
des  bind  ich  mich  an  disem  gegenwürtigem  briefe.' 
1303,  Gfri>.  .Was  och  h.  umb  des  gottshus  guot  ge- 
sehichet  an  eines  Propstes  oder  eines  kelners  hant, 
die  hant  kein  kraft  von  alter  und  von  recht  her.' 
XIV.,  Ofpn.  Malters.  ,H.  odor  f^rtisrung.'  Hofr.  Emmen. 
Vgl.  , Handänderung.'  —  Kiii-:  lliim-.'l,  Flachsseide, 
cuscuta  europsa  und  e]iilliMiiuiii  S( n :  wird  von  dem 
Vieh  als  schädlich  gemii-iloii,  -  K  o  ni -:  Acker-Stein- 
same, lithospermum  arv.  (Durh.),  ein  lästiges  Unkraut 
auf  Äckern.  —  Lieb-.  .[Durch]  die  L.  oder  Liebtrank, 
von  etlichen  aus  seiner  gesuchten,  aber  selten  gefun- 
denen Würkung  Gangmiruach  genennet,  suchen  sie 
die  Geliebten  zur  Gegenliebe  zu  bewegen.-  Anhorn 
1674,    wo  auch  die  Art  der  Bereitung  angegeben  ist. 

vergift  Gl;  G;  Sch;  Z,  -gnft  W:  1. giftig.  E ver- 
gifti  Schlang.  Rüer  's  tut  a",  es  ist  v.  V.  ehalt  (vom 
Wetter)  Gl.  ,Es  ist  ganz  v-er  luft  da.  das  die  bilgery 
fast  krank  werdent.'  1497,  HsSchürpf.  ,Mit  [des]  fri- 
dens  Vergiftesten  gift,  nämlich  mit  gelt.'  Ansh.  ,V-e 
tier.'  EiiEF  1550;  JLCys.  1661.  ,Die  übrigen  teil  sind 
im  V.  und  schädlich.'  Vogelb.  1557.  ,Der  biss  der 
fledermaus  seie  V.'  ebd.  ,Ein  v-en  atem.'  Tierb.  1563; 
Weisii.  1707.     .Venenata  genera.    vergifte  gattungen.' 


Vestib.  1092.  ,Uisen  vergiften  Alchymistoii-Kauch.' 
ClSchob.  1699.  ,Ein  v-e  Arznei.'  Lindinnkr  1733. 
S.  noch  rerguet,  Krott,  Peterli.  —  2.  (von  Menschen 
und  Tieren)  boshaft,  versehlagen,  heimtückisch, 
gottlos,  eigensinnig.  Der  Mensch  ist  as  v-s  Tier,  eigen- 
sinnig wie  ein  Tier  W.  Syn.  gichtig,  giftig,  verwicht. 
,Wir  sind  so  v.  über  guet  [darauf  erpicht].'  XVL,  Lied. 

Der  Form  nach  alt«s  Ptc.  Perf.  zu  vergiften,  was  Ffr. 
Fäsi  (It  Mey.,  Wetz.)  in  seiner  Verhochdeutschung:  ,1611 
ficng  ein  allgemeiner  Sterbend,  die  vergiftete  Krankheit  oder 
die  Pestilenz,  zu  regieren  an',  noch  gefühlt  haben  mag.  Da 
i  und  tt  leicht  wechseln,  so  ist  die  W  Form  als  der  in  dor- 
tiger MA.  übliche  Rückunilaut  anzusehen. 

giftelig;  wie  Gift  riechend,  aussehend,  von  einer 
Arznei  B. 

gifte(n),  Dom.  gif tfeße",  gifterle"  Uh:  l.  (giftele') 
in  Geruch  und  Aussehen  einer  Giftpflanze  ähneln  B. 
—  2.  boshaft,  spöttisch  reden,  böswillige,  bissige 
Worte  in  die  Rede  einfliessen  lassen,  sticheln,  spötteln, 
necken,  allg..  zornig  sein  S.  Gift-em  nüd  alla  Wil, 
füge  ihm  nicht  immer  Leid  zu  Ap.  —  Giftlig,  Plage- 
teufel Ap.     Syn.  Gift-Rund,  -Schisser. 

ver-:  sich  durch  das  Gift  der  Sünde  beflecken, 
versündigen.  ,Der  stark  Gott  der  Herr  weisst,  so 
weisst  Israel  auch:  Ist  das  abtreten  oder  v.  an  dem 
Herrn,  so  helfe  er  uns  heut  nit.'  1531.  Jos.  22,  22 
[dafür  1.530;  1548/1828  an  dieser  Stelle:  ,vergreifen' 
(wie  auch  1531  an  der  parallelen  Stelle  Jos.  22,  16); 
1860:  ,versündigen']. 

Gifter  m.:  Vergifter,  Verbreiter  des  Pestgiftes. 
,Der  g.  und  pestelenzmacher  sind  vil  zu  Jenf  und  do 
um.  werden  ouch  iro  vil  tödt.'  Salat.  ,Sie  haben  aus- 
gesandt vil  G..  welche  die  Brunnen  vergiften  sollen.' 
Lind.,  Wint.  Chr.  Vgl.  Erb-Gift.  -  2.  (Gifti,  Gifterli 
Ap)  Necker,  Spöttler,  Plagegeist,  allg.  Syn.  Giftschisser. 

Wi(n)-Gifteri(n):  Birnensorte,  die  viel  Most 
liefert  Th.  Syn.  Wasser-,  Turgi-Bir.  —  Wohl  die  .Wein- 
geberin'   (-Spenderin);  vgl.    Win-Bir. 

Giftete  f.:   Neckerei,  Spöttelei. 

giftig:  wie  nhd.,  doch  mehr  im  uneig.  S.;  vgl. 
rer-g.  allg.  Nachteilig,  schädlich  (wie  Gift).  Frisch- 
gefallener Schnee,  die  Nähe  von  Frauenspersonen  in 
den  Katamenien,  das  Verweilen  in  der  Kirche  beim 
Gottesdienst  ist  den  Kranken,  bes.  solchen  mit  offenen 
Wunden,  Geschwulsten  oder  Geschwüren,  g.  GrD. 
G-s  Blued  ist  verdorbenes,  unreines,  auf  das  man 
beim  Erscheinen  nmiiiie  q-i:  C'svhirer,  einem  bösartigen 
und  hartnäckigen  ii.-rln\iu.  sohliesst  Ap;  Z.  Von 
Reden,  Ausdrucken:  l.i>>m.  vri letzend,  allg.  Von  Per- 
sonen: neckisch,  zornig,  grämlich  AaZ.  1815;  Ap;  Gl; 
VOrte;  Z.     Auch    als  Adv.  zur  Verstärkung:    g.  bös. 

ver-:  giftig,  vorwiegend  im  eig.  S.,  von  Pflanzen, 
Tieren  etc.  allg.  Er  schätzt  mi'''  nüt,  und  hat  ta", 
als  ob  ich  räudig  war  oder  gar  v.  Gotth.  ,Die  giftigen 
krotten  sollend  ein  weissen  saft  von  inen  aus  giessen. 
seer  vergiftig.'  Tierb.  1563.  ,Ein  v.  tier.'  Mal.; 
JRLandenb.  1608.  ,Mit  v-en  Pfeilen.'  1586,  DZwinger. 
.Diese  v-e  Pflanze.'  1768,  Z  Ges.  ,In  den  warmen 
Ländern  sind  [Drachen]  weit  v-er.  als  in  kalten  Län- 
dern.' JJScHEÜCHZ.   1746. 

vergiftige(n):  vergiften.  .Darmit  man  die  pfeil 
vergiftiget.'  KdGessn.  154'2. 

verguft  s.  vergift. 


Ga^.  gef:.  gig.  gi'g.  giig' 


Gag,  geg.  gig,  gog,  gug. 

Vgl.  auch  die  Gruppe  üay(j  iisw. 

(iiigel  111.:  gross  gewachsener,  schlanker  Mensch 
AaMoW.     Zu  gägen,  wie  das  Folg. 

Gägele"  f.:  iinruhige.  unvorsichtige,  kindische 
Person,  grösser  als  klug  Bs;  „Mädchen,  das  nicht 
.«tili  sitzen  kann  L.~  "x  isih  im-''  iVn-  ,iH,1ii  Ginjlr  irii 
rorher,  a'ss  tcenn's  (jur  im  m  y,  kiIuiUI  ij'-^i"  irnr  r.^ 
(RKelterhorn).  's  si,in,  ,ni  mUh  ^..  ..,  /,w  ,„  //, , 
iisait,  wo-n-er  ro'  Witeiii  sc  n'si/  lu-li  ihn-"  </'  Mailr" 
gumpe'  und  springe'.  Breitenst.  .1  |i|i-'  -  \\  .  ili-l.ilil. 
das  sich  unanständig  geberdet,  langes,  ^rhlink.'-  \\  -ili. 
das  lottericht  geht  und  schlendert  und  mit  ilcii  l'u.sseii 
spielt.'  Spreng.  En  alti  G.,  alte  Person,  die  sich  kin- 
disch benimmt  ßsStdt.  Langi  (i.,  übenniissig  schlanker 
Mensch  ZStdt.     Syii.  Stägele.     Vgl.  Lang-Gdggi. 

gägele":  1.  in  schwankender,  unruhiger  Bewegung 
sein,  z.  B.  von  Personen,  die  sich  in  den  Hüften  wie- 
gen od'T  schlenkern  Aa:  Bs:  /Ti..  Wil  v'' halt  rn-hts 
ab  (hr  Cil.Ir'  :,-,■..,  I,„  :n,.l  <  r  l,i,,i'h.  x',  hi-  i-.u,-" 
alliinl  ,ui^ri,-.nnn  .„„iht.  \  rr.larkt  :  ,iw„n-  ,n„l  ü,ii,r  ,/. 
Bes.  auf  üinuiii  .-Stuhle  sicli  schaukeln,  iiuleiii  mau  ilin 
auf  1  oder  2  Füsse  stellt  und  so  balancirt.  ebd.  Kicht 
fest  stehen,  wackeln,  z.  B.  wie  ein  Stuhl  ,1."  Syn. 
gägen,  gageren,  gälen,  gampen,  gempfen,  ganggen.  — 
2.  sich  kindisch  benehmen  Bs. 

Gägeli,  Dim.  Gägeli  m.:  unruhiger,  kindischer 
Mensch  Bs;  „L."     Syn.  Gögel. 

gäg(e)lig:  1.  schwankend,  unruhig,  unsicher 
gehend,  stehend  oder  sitzend  Bs.  —  2.  tändelnd,  kin- 
disch, einfältig  Bs.  I'''  hätt  die  au'''  gar  mit  g'w)' 
[zur  Ehe],  si  sin  mer  z'  g.  g'si'. 

gäge(n)  I:  =  gägelen  1  Aa;  Bs;  B;  VOrte;  Gl;  G; 
t^cH;  Th;  Z.  Syn.  gäggen.  Hädhim  G.'s  Glichg'idcht 
verlöre",  üsteri.  Hin  und  her  schwanken  wie  ein  Be- 
trunkener GA.  Mit  den  Beinen  unanständige  Be- 
wegungen machen,  sich  üppig  geberden  Bs  (Spreng). 
Übh.  unruhig,  ziellos  sich  bewegen  GlH.  An  Öppis 
finnme)  g.,  daran  rütteln.  Wenn  du  eister  [stetsfort] 
iu)i  Tisch   umme  gagist,   so  cliann  i'''  nüd  schribe'  Z. 

Mhd.  j'igen,  Jass.  Kürze  des  Voeals  hat  sich  nur  iu  der 
Abi.  gaijeien  erhalten.  Da  die  MA.  durch  die  synn.  Doppel- 
fnrmen  auf  ;/  und  gg  oft,  wenn  auch  nur  leise  nüancirte 
Abweichungen  in  der  Bed.  ausdrücken  will,  so  scheint  es 
:i:u  Platze,  dieselben  aus  einander  zu  halten. 

umme-:  verstärktes  gägen.  —  ver-:  durch  Rütteln 
und  Balanciren  zu  Grunde  richten,  z.  B.  einen  Stuhl  Z. 

gi-  I,  gu-  L:  1.  durch  Eeduplicationssilbe  ver- 
stärktes gägen  I  Aa;  Gl;  L;  Z.  Spec:  1.  knarrend 
hin  und  her  wackeln,  z.  B.  von  Brettern  einer  Brücke, 
die  nicht  fest  aufliegen  ,L"  (wofür  in  St."  gigäggen).  — 
2.  wiegend  an  Etwas  rütteln,  z.  B.  an  einem  Brotlaib, 
an  welchem  man  ein  Stück  abbrechen  will  ZStall. 

Für  Bed.  1,  welche  die  schwankende  Bewegung  und  den 
liegleitenden,  dadurch  Terursacht«n  Ton  bezeichnet,  bieten 
sich  reiche  Analogien;  vgl.  gahleii,  gäggen,  giiren,  ginggen. 
iriiggcn,   zwitzern   und   lat.   titubare. 

gagere(n),  ä  B,  sonst  -ä-  (wofür  meist  ö  U). 
auch  umme-:  ungeschickte,  regellose  Stellungen,  Be- 
wegungen oder  Lagen  annehmen  oder  haben,  von  Per- 
sonen. Tieren  und  Sachen,  z.  B.  wenn  Kinder  unsicher 
stehen  und  umzufallen  drohen,  über  einen  Tisch  her 


kriechen,  auf  Stühlen  und  Bänken  schaukeln  oder 
darüber  weg  klettern.  Ufe  und  abe  g.,  auf  Bänken, 
Bäunirii  Av.  liiiiaiif  und  hinunter  steigen  B;  L;  U;  Uw. 
Von  hiil.iis.luirtli.hcn.  krampfhaften  Zuckungen  wei- 
nender l\iihlri'  Tu  (Pup.).  Bes.  von  liegend  ausge- 
führten, aiistüssigen  Bewegungen  mit  den  Füssen  BE.. 
sich  unanständig  entblössen  L  (Syn.  yeiglen).  Von 
Schwachen  oder  Betrunkenen,  die  schwanken,  von 
solchen,  die  über  Trüinmerstellen  weggehen  oder  sich 
in  d-ii  Iliirtcii  wiegen  Aa;  B.  Vom  Vieh  im  Stalle. 
A'.\<  si.li  iiii.irdentlich  übereinanderlegt  L.  Von  un- 
urJcutlieh  übereinander  geworfenem  Holz  ..L;  GRh.- 
Vgl.  giyeren,  go-.  Von  Gartenzaunlatten,  welche,  weil 
lose,  unregelmässig  aus  einander  ragen  L. 

Schon  nihd.  belegte  Iterativ-Bildung  zu  gägen  I.  Nbf. 
gogercn.  Zur  letzten  Bed.  vgl.:  ,Sie  gaglen  die  Finger  von 
einander',  bei  Geiler  v.  Keisersberg. 

üf-:  sich  mühsam  aufrichten  BE.  —  vor-:  1.  hin 
und  her  schwanken  Aa.  —  2.  durch  Gagern  Schaden 
nehmen,  zu  Grunde  gehen.  Im  L  Volksrätsel  vom 
Kunkelstock  lioisst  es:  K  länge,  hagere,  magere,  er 
mues  schier  gar  v.  Vor  l,a.  h.'u  und  W.Jii.'n  fast  er- 
sticken  Ap.     D'  Gei.^x    1^1  (Inili  ,-,r<l,niinl      11;  VÜRTE." 

Syn.  Gägg  machen,  t-er-iinhlm.  -ijiIiIih.  -nit.Irn,  -recken, 
-zablen.  —  3.  (tr.)  =  rcrgayen  Aa. 

-für-hin-  (fire-J:  sich  hervordrängen,  aufbauschen, 
wie  z.  B.  von  Falten  am  geknitterten  Kleide  oder  wenn 
die  stark  gefüllte  Tasche  dasselbe  auftreibt  Ndw.  — 
Vgl.  bei  Gr.  WB.   ,kacken,  kaken',  vorragen. 

Gagerte  f.:    ein  Hinunterpurzelu  BM. 

Gageri  I  m.:  1.  unruhiger,  auf  einem  Sessel  hin 
und  her  schaukelnder  Mensch  L;  Zg;  .,  wer  allenthalben 
herumsteigt,  -klettert  ß.  —  2.  Men.seh  von  unpropor- 
tioniert schlankem,  hohem  Wuchs,  mit  lauu.ii  Annen 
und  Beinen  L.  Syn.  Gragel.  Auch  vnin  St.ir.ho:  i/r" 
lang  G.  Mohr  1880  und  im  Rätsel  vutn  Kunkel>lnrk: 
Was  mues  das  für  ne  G.  .?».  Vgl.  vergageren.  \'on  der 
Gans  B.  —  3.  Person  mit  körperlichen  und  geistigen 
Gebrechen  BO.  —  4.  sperriges  Ding  B.  Syn.  Griggele, 
vgl.  für-hin-gageren.  —  Bed.  S  Hesse  sich  auch  mit  ga- 
yrren  II  zsbringen,  wenn  der  Voc.  lang  ist. 

gagcrig  (-Ü-):  1.  „zum  Klettern,  Steigen  und 
Schaukeln  geneigt,  bes.  von  Kindern."  —  2.  (g'gä-J 
vorstehend,  sperrig,  i.  S.  v.  fürhin-gageren,  z.  B.  von  zu 
stark  abstehenden  Blumen  am  Hute  Z.   Vgl.  gangglig. 

Gägi  m.:  1.  Person,  die  gern  mit  dem  Kopfe,  dem 
ganzen  Körper,  auf  oder  an  einem  Stuhle  schaukelt 
Aa;  Gl;  Scuw;  Z.  Mensch,  der  sich  nicht  ruhig  ver- 
halten kann  Schw.  —  '2.  schlanker,  hoch  aufgeschos- 
sener Mensch  B;  Ebel.  Vgl.  rän.  Syn.  Gagel.  — 
3.  (auch  n.)  wankelmütiger,  unsteter,  gleichgültiger, 
unzuverlässiger  Mensch  Aa  ;  Scbw.  ,Der  Schutzgeist, 
welchem  wir  sie  [die  Kinder]  anempfehlen,  sorgt  besser 
für  sie  als  ein  junges  G..  welches  selbst  eine  Leiterin 
nötig  hätte.  Eben  von  solchen  zerstreuten,  .jungen 
Kindermädchen  giebts  presthafte  Menschen.'  Inderbitzi 
1826.     En  .junge  G.     Syn.  en  j.  Sclmüfer. 

Gigägi.  Gu-  L  m.  =  Gägi  1:  dumm  redender 
und  handelnder  Mensch  L.     Vgl.  am-h  gifingeii   II. 

Gagel  1,  Gagel  m. :  Mensch,  der  ühernuissio- 
lacht  Aa. 

gagele"  I:  1.  laut,  in  abgebrochenen,  hellen  Tönen 
lachen  Aa;  Sch;  Ndw.  M^g»,,  ,„gn  „„.•  >..  ]\[,,i  gege-m 
rerzücht,  grad  fangt    er  a'  gagele".     Syn.  gigelen. 


(Jag.  gej;.  gig-.  gag.  gng 


2.  schwatzen  SchScIiI.  ;  in  abgebrocheneu  Tönen  reden 
Ndw.     -  3.  gackern  Ndw.     Syn.  gagg(e)len. 

Gagel  II  B;  P;  Gl  (auch  -gg-);  Gr;  GSa.;  S;  U; 
Uw;  W;  .Aa;  B;  L'-  111.,  PI.  Gagh,  Gegel  Dem.  Gageli 
(PI.  Gageli,  neben  Gagelem  GfiPr.).  Gägi  (Kdspr.) 
B;  GSa.,'  Gagle  f.  BSi.  il'l.  („„,11);  GRChur.  Gegel  At.; 
Gl;  GA..  G.;  U(-.-I:  Iw,  .<.,>--el  Obw"  m.:  1.  festes, 
trockenes,  kugeltTiniii;;.'.  Exriement  ron  Ziegen,  Scha- 
fen, Hunden,  Hasen.  Kaninchen.  Mäusen,  Vögeln  BSi.; 
F;  Gl;  Gr;  G;  Uw;  W;  „Aa;  L;''  von  Menschen 
GRChur;  GSa.;  „Aa;  B;  L."  Ken  Gegel  [Sichts]  wert 
GA.  Synn.  Bön,  Drecl.  —  2.  kleine,  verkümmerte,  in 
der  Entwicklung  zurückgebliebene  Frucht,  bes.  kleine 
Kartotfeln  S;  U;  Uw.  —  3.  verächtlich:  Kind,  nicht 
gehörig  ausgewachsener  Mensch,  Zwerg  Uw.  Verall- 
gemeinert: Du  bist  en  erfrorne  G.,  Schwächling,  der 
keine  Kälte  ertragen  kann  GRPr.     Syn.  Kegel. 

Vgl.  tir.  .Gagel',  cinibr,  ,KniH:i'  iiii^l  allonfalls  kelt.  kn^l 
Schafniist,  Kot.  Gegd  scheint  .i  h  ;mi  .lii-  Syn.  AV/<?  .inzii- 
lehnen.  Daneben  gehen  Fornirn  mit  ,,;;  -,  '-'';/;/.  ''''%;'i.  zu 
welchen  und  nhd.  .kacken'  si.li  lautlub  iinsf-r  W.  verhält 
wie  z.  B.  GiKjel :  cucuUus.  Mlid.  begegnet  nur  gagel  (auch  iu 
Compp.)  als  Bezeichnung  gewisser  Früchte  von  Beerenforni 
(.Gagelbeer.'),  worin  wir  viell.  aber  erst  eine  iibertr.  Bed. 
vorfinden;   vgl.   Schlryd-Gaggel. 

Emmentaler-:    grobes    Scheltw..    Knirjis    B. 
Gems-  (GemschH-):  Gemskot  GSi. 

Geiss-(ffi-VBSi.),  Gitz(i)- GrD.,  Pr.;  1.  Ziegen- 
kot. —  2.  höhnischer  Zuruf  als  Abweisung  GrD.;  Syn. 
(Htz-gägägä.   —   Mhd.  geizegagel  nur  Name  einer  Pflanze. 

Hunds-:  Hundekot.  Moll  [wohl]  e  H-s-  (auch 
Chatze'-)  Gegel,  ganz  und  gar  nicht;  warum  nicht 
gar!  GA. 

Müs-:  1.  Mäusekot.  —  2.  (Muse» -  Gageli)  ver- 
zuckerter Anis  oder  Fenchel  B  (Kdspr.).  —  3.  eine 
Art  Zwickel  am  Strumpfe  B.  —  2  n.  3  nach  der  äussern 
Ähnlichkeit. 

Eoss-:  Pferdekot  Gl;  S  (in  einem  Anzählspruch 
bei  Schild);  Gükk.  1844.    Synn.  s.  bei  Boss-Epfel. 

Schaf-:  Schafkot  BSi.  -  Mhd.  nur  .als  Name  einer 
Pflanze. 

G(e)gagel.  -gägcl  ao  n.,  Gaglete  f.:  1.  Kot. 
D'.«  Schaf  hat  a  grimmigi  Gaglete  rerfüert,  viel  Kot  von 
sich  gegeben  GkPr.  --  2.  kleine  Kartoffeln  GrD.,  Pr. 

gag(e)le(n)  II.  gegle".  Dem.  gägele":  1.  Excre- 
mente  von  sich  geben,  von  Ziegen,  Schafen  usf.  B; 
Gr  ;  GSa. ;  UwE. ;  AV.  Wenn  ein'  Geis  d'n  Stil  [Schwanz] 
ufhed,  SU  gaglcd  die  andri,  als  Spott  auf  einfältige 
Nachäfferoi  BR.  Auch  von  Menschen  GrD.  —  2.  un- 
regelmässig herauskollern,  wie  Nüsse.  Kartoffeln  usf. 
BM.;  GfiPr.  F''  muess  ffne",-  as  sg  m'r  Alls  [der 
ganze  Feuerzeug]  mid  rnuindeir-n  u.iserg'gaglet  [aus 
der  Tasche  gefallen].  KroM  (Srhw/Vi].].  Einzeln  fallen, 
wie  z.B.  Äpfel  BBurgd.     S\n.  iimnilni.  leglen. 

ver-:  durch  Kot  verunrciiiigLii.  J)i  Geiss  hed  m'r 
d's  Silber  Tenn  vergaglet  GRPr. 

gilge(n)  II:  schreien,  schnattern,  wie  die  Gans. 
allg.  Wctiii  ri"  Oavs  gäget,  so  g.  die  ander  au"' 
(Sprw.).  T>if  C  11,1,1,1  ,hräet,  es  gäget  e  Geiss  [entstellt 
aus  dem  l'l.  (i,iiis.  (;;ni.-e].  .Denn  die  töufischen  gense 
gagend  lün  und  wider  und  wüssend  nit.  war  sy  fliegen 
sollend.-  Zwingli.  .Die  Gens  könnend  nüt  dann  gagen.' 
VoGELRESANG  1500.  ,G.  wic  ein  gans.'  Fbis.;  Mal.; 
Deszl.    ,Wann  ein  Gans  im  Bach  anfahet  g..  so  fahren 


die  anderen  hernach.'  Ehag.  1639.  ,Die  Gänse  g.  dar- 
von,  lippis  notum  atque  tonsoribus.'  Mey.,  Hort.  1(592. 
.Wann  eine  Gans  trinket,  so  trinken  sie  alle,  wann 
eine  gaget.  so  g.  sie  alle.'  ebd.  .Wenn  ein  Gans  gaget, 
die  andern  auch  gaga  schreien.'  ClSchoe.  1(399.  So 
bei  EüEP;  HBull.  1.572;  Anborn  1674.  Auch  von  der 
mehr  singenden  Stimme  der  Hühner,  oder  sogar  vom 
Gackern  (wofür  sonst  gäggen  und  gäggen)  ZO.  Vgl. 
gägeren  IL  —  Mbd.  gagen,  eig.  yä  rufen,  von  der  Gans, 
die  darum  im  Sprw.    Gaga,  neben   Gagak,  heisst. 

ga-:  schnattern.  .Die  gens  gagagaten,  als  sprä- 
chen sy  iren  [einer  Gans]  zue.'  Platt.  1572. 

gi-  II:  1.  verstärktes  gägen  II,  It  St.°  auch 
,gackern'.  —  2.  „stottern,  unzusammenhängend  reden, 
sich  nicht  verständlich  machen  können,  unnützes  Zeug 
schwatzen,  allg."  Mit  unsicherer  Stimme,  bald  hoch, 
bald  tief  sprechen  Zo.  —  3.  „schreien  wie  ein  Esel 
Aa;  B;  VOrte;  S."  So  bei  Mal.;  Eed.  1662;  Denzl. 
1677;  1716;  JCWeissenb.  1678.  ,Der  Esel  stellte  sein 
Kunstred  auf  mit  seinem  G.'  1690,  Al.  ,Das  Eselein 
gigaket.'  Vest.  1692.     Syn.  ,hanen',  rüchlen. 

Vgl.  mhd.  gigä,  Naturlaut  der  Gans.  St."  kennt  für  die 
Bedd.   2   und  3  nur  noch  die  Form  giyäggen. 

„Gugäge"  (St.^-«-)  n.:  Schimpfw.  für  läppisches 
Geschwätz  B."  —  Eig.  Inf.  eines  durch  Reduplicationssilbo 
verstärkten  Verbs,  vgl.    Gugägg. 

gägere(n):  1.  schnattern.  Me'  mues  d' Lüt  hi" 
rede"  (zelle'J  und  d' Gans  lo"  g.  Sprw.  —  2.  gackern, 
in  kurzen,  raschen  Tönen,  wie  Hühner,  wenn  sie  bet- 
teln oder  in  guter  Stimmung  sind  GEh.  Dem.  gägerle", 
singen  wie  die  Hühner  GWe.  —  .3.  plaudernd  herum- 
stehen, Maulatt'en  feil  halten,  tändeln  Bs;  S. 

Schon  mbd.  als  Iterativ-Bildung  zu  gagen  II.  Hed.  :'. 
Hesse  sich  aueli    aus  gägern.  entwickeln;   vgl.  urigni. 

Gägere"  f.:  vorwitzige  Person  S. 

Gägerich  m.:  Gän.'ierich  SB.  -  Gebildet  na.-b  ,Kn- 
terich,  Gänserich'. 

gägerig:  stockend  im  Eeden  S. 

Gageri  II  m.:  Branntwein  B  (scherzh.). 

Viell.  zu  gageren,  schwanken,  oder  wie  Bunit-Giiger,  -rVi./o-, 
G:.c  eine  Übertragung  von  der  unangenehmen  Gehörempfindung 
bei  knarrenden ,  knirschenden  Tönen  auf  die  Geschmacks- 
empfindung beim  Genuss  eines  scharfen  (ietränks,  vgl.  Krätzer. 

Gägler,  Gegler  ..l-nl-  Gr"  m.:  1.  Bergfink,  frin- 
gilla  montifringill:i  .\iK.  ;  „F.;  (!r;'-  L;  SchwE.;  HSchinz 
1842;  TscHUDi,  Tieil  \ -1.  Mi^lfhik.  —  '2.  Neckname 
eines  alten  Vogell^m-vrs  >rn\\l':. 

Vgl.  das  Svii,  .liiMklrr  liei  (Jr.  \VB.,  welchen  Namen  er 
von  seinem  IJulr  i|ii,i:il,  .i  halten  hat;  doch  vgl.  auch  gilg- 
gelig,  binits.lh  rkiL-  «t-  :iiii  den  bunten  Vogel  auch  passte; 
lautlich  scliriiit  tw.  Anl.liniing  an  Gngd,  resp.  Gegel,  Kot, 
stattgefunden  zu  babeii,  wofür  das  Syn.  .Mistfink'  spricht. 
Vgl.    Geigler  II. 

Gngege"  f.:  wackelnder  Mensch  ZW.  Vgl.  (jagen  I, 
resp.  gl-,  u.  s.  noch  Gegge". 

gege(n)  (e*  resp.  ««),  gege'd  Gl;  GRmPr.  (-t);  L; 
GSa.;  W,  neben  den  vollen  Formen  auch  geg,  bes.  in 
Verbindung  mit  enklitischem  Pro«,  od.  Art. :  gegg-m'r, 
gegg-d'r,  geg-em,  -ere,  -es,  -is,  -ech,  -ene,  (gegg-ne),  geg 
Ei"m,  neben  gege'-m'r,  gege'-d'r;  ä.  Lit.  ,gen,  gein': 
1.  Präp.  a)  die  Richtung,  das  Ziel  bezeichnend.  1)  mit 
dem  Acc.  D'  Buebe"  rucke"  ne  Wetigeli  [ein  wenig] 
nächer  gegen-e  Vafter.    Allem.  1843.     G.  den  Mann 


bag,  geg.  gig.  gog,  giig 


sin,  faren,  d.  i.  links,  iiideiu  der  Kulinnaiin  links  vom 
Zuge  geht  Z.  Ggs.  rom  Mann  Bd  1  84U.  Meist  in 
Verbindung  mit  einem  die  Kichtung  bezeichnenden 
Ürtsadv.,  z.B.:  G.'s  Husu-e,-ahe,  -i-e,  -use,  -äne,  -here, 
-hindere,  -fiire,  -Site  Aa;  G;  U;  Z.  ,Zwei  matten,  die 
ein  stosst  nit  sich  gegen  den  see.'  1522,  LCt.,  Lepr. 
■1)  mit  dem  Dat.  und  einem  Ortsadv.,  im  gleichen  S. 
wie  unter  1).  ,G.  der  Walchen  über.'  1.S83,  Arg.;  aber 
auch  nur  zur  Bezeichnung  der  Annäherung,  Umgebung: 
Gege-m  Hiis  ue,  in  dessen  Nähe  Aa.  —  3)  mit  blossem 
Dat.  Wie  er  so  friXndli"'  g'lachet  het  yeg  sire  Frau. 
Stütz.  G.  Bim  gä"  fcho'J:  a.)  ihm  entgegen  gehen, 
um  ihn  abzuholen.  Schon  bei  LLav.  1569;  dafür  KiTÜ: 
,G.  ihnen  wandeln.'  —  ß)  Einem  entgegen  gehen,  kom- 
men, zur  gütlichen  Verständigung  in  einem  Prozesse, 
auch  geg-enand  ga".  —  Der  Dativ  häufig  in  der  ä.Lit. 
.Yenseit  Eden,  g.  dem  morgen.-  1530.  I.  Mos.;  dafür 
1670:  ,g.  M.'  ,Do  gedacht  ich  gegend  dem  schwitzer- 
land  zu  ziechen.'  ThPlatt.  1572.  ,Setze  die  ö  vor  die  5 
g.  der  linken  Hand.'  VFrieder.  1619.  ,Man  ziehe  ihm 
die  Auglieder  auf,  aber  nicht  g.  dem  Liccht,  sondern 
in  der  Finstere.'  FWürz  1634.  ,Den  Rucken  g.  dem 
Baren.'  Sluimpfr.  1651.  , Aschen,  die  sie  über  sich 
g.  dem  Himmel  sprengton.'  JMüll.  1665.  .Sünden  so 
schwer,  dass  einem  alle  haar  gen  berg  steigen,  wann 
er  nur  daran  gedenkt.'  ebd.  1666.  [Vgl.  unser  ent- 
stelltes :  Es  stund  mer  alli  Här  de  Berg.]  .David  luft'e 
g.  der  Ordnung  auf  den  Philister  zu.'  17(l7.  I.  S.ui. 
,So  ruckte  er  gegen  dem  Hocliburgund.'  .TKGrimm  1786. 
—  b)  bei  Zahlangaben  das  Ungefähre  bezeielnieiid. 
allg.  G.,  toisig  Ma""  UwE.  —  c)  bei  Zeitangaben, 
Annäherung.  Geged  de'  Achte',  g.  8  Uhr.  Wenime' 
I  wenn  man]  afe  geg  den  Achzge"  rucJct.  Stutz.  Er  ist 
gege"  de"  Sibezge"  Z.  G.  d'r  Uff'ert,  vor  der  Himmel- 
fahrt. , [Samstag  StMartin]  g.  tag.'  1531,  Strickl. 
.Bleibe  bei  uns  (ö  Herr),  dann  es  ist  g.  abend  und 
der  tag  hat  sich  geneiget.-  .TMüll.  1665.  .Also  sagen 
dise  Stellen  alle  vom  Abfahl  g.  den  letsten  Zeiten. - 
JHFäsi  1696.  ,Auch  erst  g.  dem  End  kommen.'  1719, 
Z  Landschulordn.  —  d)  zur  Bezeichnung  des  (freund- 
lichen und  feindlichen)  Verhältnisses  zwischen  Per- 
sonen oder  Sachen.  Du  bist  guet  [freundlich]  g'si' 
geg'mer  L.  Guet  geg  den  Arme"  si",  barmherziir.  mild- 
tätig L;  Z.  Er  ist  su  grusam  [ers.ln -,  klirli  ]  /rid 
[unfreundlich]  geg  mir.  Stütz,  der  eiiiii;^  '/.•■\\r]\  «riter 
mit  dem  Aec.  sa^-t:  f'hitid,  vetm  er  iiml  mlil   isl  iiriir 

dich.  Mnni  Mol  ,srh  rr  .,,r''  hu-  ,i,v'  hnslulfl  q.  \U 
LH  Id.Mi  l.nit^.nj  ,/■.-, \  Ali.im.  1-|:;.  Will  \  im.l  „11 
Gmeiiidsiuistiltcr  mit  cm  l'/arrcr  luuid  und  grif  ai 
sind.  Stütz.  ,Darumb  sprachent's  ouch,  dass  das  alles 
sament  ains  g.  dem  andern  ab  [quitt]  syn  sollt.-  1385, 
Vetter.  .Pauli  Erinnerung  sige  gewesen,  dass  Tinio- 
theus  g.  den  Eiteren  ehrerbietig,  g.  den  Jüngeren 
aber  fründtlich,  g.  beiden  aber  bescheiden  syn  solle.' 
1613,  Breit.  .G.  dem  Find  brauchen.'  VFrieder.  1619. 
.Ist  Gott  wahrhaftig  gewesen  g.  andern  Völkern.' 
.TMüll.  1661.  ,Pflicht  g.  seiner  anvertrauten  Genieind 
und  der  Gemeind  g.  ihrem  Seelsorger.'  ebd.  Hieran 
schliessen  sich  Fälle,  in  denen  ,g.'  sich  durch  einen 
einfachen  Casus  oder  eine  andere  Präp.  über-,  resp. 
ersetzen  lässt.  Statt  blossem  Dat.:  , Gräfe  Heinrich 
hilfet  gen  der  Herrschaft  [Österreich]  wider  den  Her- 
zogen.' Anf.  XV.,  Briefe  der  Veste  Baden.  ,Das'  ein 
stift  inen  100  guldi  g.  dem  Clingler  [die  -sie  ihm  als 
dem  Gläubiger  schulden]  und   1  Ib.  gelt  g.  der  capellen 


zu  Schwamendingen  abnemmind.-  1565,  ebd.;  vgl.  da- 
mit ebd.:  ,Sambt  einem  Ib.  gelts  jerliches  zinses  g. 
der  cappel  zu  Schw.'  .Verehrungen  [Geschenke]  g. 
unseren  Amptlüten.'  16.50.  Z  Mand.  Statt  an.  .N.  N.' 
hat  sich  entzigen  gar  und  genzlich  aller  rechtung. 
vordrung  und  ansprach  gen  dem  egenannten  N.N.'  oder 
gen  sinen  erben.'  1369,  Urk.  ZZoll.  .Sy  [das  Stift 
als  Oberherr]  wellind  us  gnaden  etwas  gegen  inen 
tuen.'  1564,  Hotz,  Urk.  .Solche,  die  g.  uns  so  un- 
schuldig [sich  an  uns  so  wenig  versündigt  haben],  als 
unsere  glaubensgenossen  g.  ihren  verfolgeren  waren.' 
JMijLL.  1665.  ,Die  strafen  g.  den  übertretteren.'  Z 
Mand.  1636.  Statt  mit.  ,Dass  die  Rbeinthaler,  die 
Gotteshausleute  und  das  Thurgau  sich  g.  einander 
verbinden.'  1525,  Absch.  ,Das  hast  du  durch  dyn  büe- 
bery  alls  z'wegen  bracht  und  glychsnery,  gem  vatter 
hast  mir  unfrid  g'macht.'  Ruef  1550.  Statt  vor.  .Er 
hat  ouch  geredt,  kam  Jesus  dahar  und  gieng  für  mich 
anhin  [an  mir  vorbei],  so  well  ich  myn  paret  g.  im 
nit  abzüchen.'  1532,  Absch.  ,Die  Verordneten  ver- 
meinen, das  Holz  in  Seerüti  g.  [zum  Schutz  vor]  den 
Landleuten,  so  das  Eisenwerk  führen,  auszubannen.' 
1571,  Steinm.  1802.  Statt  zu.  ,Wess  sy  sich  gen  dir 
versechen  und  getrösten  sollend.'  1529,  Strickl.,  Act. 
(Vgl.  ebd.:  ,dess  mögend  sy  sich  zuo  uns  vertrösten.') 
.Aus  Liebe  g.  der  Tugendt'  JMüll.  1661.  —  e)  zum 
Ausdruck  der  Vergleichung  (.verglichen  mit'),  mit  Dat. 
und  A.T.  (;<;i  w,„i  Frunli  srlu,  ist  s,r  „■„■-„■ru  Ki„ift. 
Stutz.  A.V  /^.7/  .V»/  r/.  /,/  ]  vriMli«  in.l.Mi.l  kl-m  im 
Verirleirh  mit  ihm[.  Vi.  s,,ii  Vnttrr  ,.-t  vr  ni  Ziicnj. 
Das  ist  ■itir''  heilig  [sehr  gut]  g.  dem  Lebe"  (Lerme"J, 
ivo  bi-n-eits  ist  Z.  .Das  war  Kleinigkeit  g.  dem,  wie 
es  iezt  wettert.'  Hebel.  ,Das  5.  wesen  [quinta  essentia] 
ist  begäbet  mit  einer  unzerstörlichen  natur  g.  den 
anderen  arzneien  zu  rechnen.'  JRLandenb.  1608.  .Das 
destilliergefess,  so  die  Latiner  nennen  cucurbitam. 
ein  kürpsen,  von  wegen  der  gleichförmige,  so  dieses 
g.  einer  kürpsen  hat'  ebd.  ,Nun  ist  dis  leben  wie 
der  winter  g.  dem  zukünftigen  zu  rechnen.'  JJBreit. 
1629.  ,Dein  Geist  ist  dürr  und  mager  und  g.  deinem 
Wanst  ein  armer  Wasserträger.-  RüdMey.  1650.  .Chri- 
stus stellt  die  von  Chor,  und  Beths.  g.  denen  von 
Tyrus  und  Sidoii.-  JMI'li,.  1665.  ,Er  ist  nichts  g.  ihm, 
nullus  est  ad  illnm.-  Hcmin.  1683.  ,Die  Zahl  deren, 
die  da  nicht  ghnilH'ii  und  nicht  tun,  was  die  römische 
Kirch  lehrt  und  betilcht,  sei  weit  grösser  g.  denen, 
die  da  glauben  und  tun,  was  sie  lehrt  und  befilcht.' 
i'i, Schob.  1695.  ,Das  Mass  des  Mostes  ist  in  diesen 
ij elenden,  g.  demjenigen,  so  man  im  Thurgäu  macht, 
äusserst  gering.'  Steinm.  1804.  Vgl.  noch  gegen.  Conj. 
—  f)  zur  Angabe  eines  Entgeltes  oder  Ersatzes. 
,G.  baarer  Bezahlung  Mehl  käuflich  zu  nehmen.'  1693, 
Z  Ges.  ,G.  einem  anständigen  Trinkgeld.'  Z  Nachr. 
1787.  —  n.  aus  präp.  Geltung  in  conjunct.  übergehend. 
1.  in  verkürzten  Vergleichungssätzen.  Vgl.  I  e.  Ich 
han  es  guet  g.  du  (in  Z  auch  geg  dir,  s.  o.).  l'iid 
numme  gabelet  hett-er,  g.  mie-n-er  au'''  siist  ohln' 
g'spunne"  hett  und  g'esse"  trotz  imme  [einem]  Vrösfhi-r 
Bs  (Breitenst.  1863).  Gell,  wie  schön  isch  's  do  usse". 
g.  im  Söreberg  hinde'  L.  Vo'  dem  mues  me'  wenig  ne' 
g.  vom  Andere"  Z.  —  2.  hingegen  ScHwWä. 

Mhd.  geyen,  contr.  gein  (,gein  mir.'  1461,  Gfo.  Ges.), 
gen,  gen,  hervorgegangen  aus  dem  Subst.  gegene  (s.  Gegiii], 
weswegen  die  älteste  Form  ,in  gegni'  (s.  en  (ent)-gegen)  lauten 
iniisste;  vgl.  .neben'  aus  ,in  chcn'.   S.  noch  zui,  Gcgiii.  Doniioi-h 


bag.  geg.  gig,  gog.  gug 


ist  der  Dat.  auch  neben  Ueni  aus  früherer  Zeit  noch  boleg- 
baren  Gen.  der  gebräuchlichere  Casus.  In  den  Formen  auf  d(t) 
liat  sich  dieses  aus  n  entwickelt  wie  in  den  Ortsadverbien 
itübend,  zwüncliend  und  in  .Gegend'.  Einsilbigkeit  des  W.  in 
einigen  MAA.  nach  Analogie  der  andern  Präpp.;  vgl.  auch 
■/..  B.  zicüsch  für  zirmchen.  —  Zu  II.  In  einigen  Fällen  lässt 
sich  der  unter  gel  III  angeführte  Gebrauch  auch  ans  geg 
erklären,  worauf  viell.  auch  die  lautliche  Mischung  zurück- 
zuführen ist.  Vgl.  Anm.  zu  gel  111.  Der  Sat«:  D' Schicyzer 
sind,  gSg  wie  '»  dri  g'seh,  no'''  g'fellig  Lüt  (Ineichen  1859), 
kann  allerdings  erklärt  werden:  wie  immer  sie  aussehen; 
aber  auch:  im  Gegensatze  (damit),  wie. . .  oder  als  Respectiv- 
Satz:  wenn  man  in  Betracht  zieht,  zsgehalten  damit,  wie  sie 
aussehen. 

en-gege{n)  UrHc.;  U;  WLeuk,  Visp.,  in-  GrD., 
Rh.,  S.,  Val.,  ent-  GrPi-.,  Splug.,  enk-  GKChur, 
Sculms,  Tschiertsch.,  ek-  BR. ;  Z,  angegunt  WRaron  (It 
Stalder,  Dial.) :  1.  entgegen,  i.  S.  v.  gegen  1 1  u  a.  [Der 
verlorne  Sohn]  ist  noch  neher  imu  angegunt  g'laufu 
WRaron.  —  2.  gegen,  wider,  in  der  Verbindung  mit 
hän,  heben,  a)  sich  stemmen,  sperren,  gegen  Etwas, 
es  aufhalten,  ihm  Widerstand  leisten,  die  Stirne  bieten, 
Stand  halten,  von  Pers.  und  Sachen,  auch  im  bildl.  S., 
z.B.  im  Streite  B;  Uw.  Er  hed  dem  [Stossenden, 
Tadelnden]  scho"  e.,  kann  ihm  leicht  Stand  halten. 
D'r  Mutter  etgcgcha"  rhöini  mc  nit,  we""  's  guet  ga' 
soll.  GoTTH.  I''>hiui  iiiiii:  liiilisrJili  e.  g'häben,  das  m'r 
bei  dem  Wetter  um!  iif  il'  Ittin  gangen.  Vom  blossen 
Wunsch,  dass  Etwas  iiiclit  geschehe:  I'''  han  scho' 
lang  e.  g'häben,  dass  's  nüd  z'  friloj  a'f'äji  regne"  BR. 
D's  Mul  einander  e.  lieben,  einander  mit  Worten  be- 
schimpfen W.  Abs.:  Widerhalt  bieten,  z.B.  beim  Ver- 
nieten eines  Nagels.  —  b)  anhalten,  ergiebig  sein, 
z.B.  von  Vorräten.  Nachhaltig  wirken,  wie  z.B. 
Speisen  im  Magcu  B;  Gr;  Uw.  Zum  Marschieren 
het-m'r  der  Kaffee  am  längste'  e.  Syn.  in  Bed.  a  u.  b 
an-hin-,  dar-g-,  wider-han.  —  3.  zuwider.  .Entgegen 
oder  zuwider  sein;  das  ist  einander  ganz  entg..  id 
ego  contra  puto;  ich  lasse  mir  das  nicht  e.  sein,  non 
rejicio,  non  repudio  hsec  Hospin.  1683.  -  4.  hin- 
widerum,  eine  Gegenleistung  hervorhebend.  ,Ir  sollen 
in  nit  beleidigen,  so  wirt  er  hinfür  euch  e.  auch  nit  be- 
küniberen.'  Tierb.  1563.  —  5.  Conj.  u.  Adv:  dagegen, 
hingegen.  .Ettliche  wellend  einen  abt,  entgegen  andere 
keinen  haben.'  1539,  Kessl.  u.  ö.  bei  ihm.  ,Üb  sie 
gleichwohl  vi!  mehr  Kosten  hetten,  da  sich  e.  das 
Einkommen  mindere.'  Heüt.  1658.  —  Mhd.  enyegen. 

hären-,  -in- Aa(H.);  ZF., -m(-, -mi-UwE.,  her-in- 
GW..  -ent-,  -et-,  -ed-  Aa;  Ap;  GA.;  Sch;  Z:  Conj.  u. 
Adv.  hingegen,  hinwiderum,  Verstärkung  des  Vorigen 
Syn.  ha/r-hin-g.  ,Der  nutzen  im  feld  solle  beim  capital 
geschirmt  sein,  herentgegen  der  nutz  im  gadeu  soll 
zum  Unterpfand  g'höreu.'  1.585/18'28,  ApI.  LB.  ,Also 
h.  [soll]  ein  iewesender  Herr  Caplan  für  seinen  Col- 
latoren  uns  den  Schultheissen  und  Rath  der  Statt 
Lucern  allein  erkennen.'  1678.  Gfrd.  ,Dieses  göttliche 
Wort,  gleichwie  es  ist  voller  Wahrheit,  also  ist  es 
auch  h.  voller  Geheimnussen.'  Gespr.  Zg  1747.  — 
wor-ent-:  wogegen,  im  Z  Kanzleistil  des  XVUI.  — 
er-  Bs;  S,  neben  ert-  ferk-J:  entgegen  (Adv.).  (BJass 
d'  Welt  ''em  jüngste  Tag  er-g.  göt.  Schild.  —  Vgl.  die 
Anm.   zu  er-ent-  Bd   I   353. 

hie-:  zugegen.  ,Dass  der  bischof  und  nienklich 
hieg.  einen  grossen  schrecken  und  schmerzen  darab 
gewann.'    Ansh.   —  Vgl.  Gr.  WB.  ,hiergegen:  hiezugegen'. 

hin-,  h.-geged:   hingegen  GRVal. 


her-hin-:  dagegen  Z.  —  llügliubcrweise  erst  cuu- 
struiert  aus  htr-in-g. 

har-,  her-:  hingegen  B(Zyro);  Gl;  Z.  —  da-her-: 
dagegen  Z ;  bei  JJScheuchz.  1721  u.  in  der  Z  Kanzleispr. 
des  XVn.  u.  XVIII.  neben  ,da-g.'  —  dar-  d>;r-,  de-: 
1.  gegen,  bes.  mit  Adv.  u.  Vben  zsgs.  Der-g.-abe,  -i-e, 
-filre,  -use  usf.  ,Das  3.  u.  4.  [Bad]  sind  d.  über  gelegen.' 
1578,  HPastal.  Der-g.  hän:  a)  (act.)  Etwas  halten, 
dass  es  nicht  fällt  Uw.  Etwas  einwenden;  wider- 
sprechen, allg.  —  b)  (neutr.)  a)  fest  an  Etwas  halten, 
sich  an  Etwas  halten  Uw.  —  ß)  dauern,  anhalten  Schw. 
Wenn  Einer  sein  Haus  repariert,  so  het  's  em  nu  mängs 
Jor  d.  Wemme  so  ^j.  Stund  lauft  in  einer  Richtig 
fürt,  so  ist  me'  nu  chumli  zu  dr  Stadt  us,  das  hat 
halt  drgege.  Syn.  ergeben,  engegen  han.  —  2.  zum 
.Ausdruck  der  Vergleichung,  i.  S.  v.  gegen  1  e.  De'' 
Vieredrissger  [Wein]  ist  nur  e  Narr  d'rgeget.  Prophkt 
1855.  —  3.  bildl.  zum  Ausdruck  einer  Annäherung  in 
der  Verbindung  mit  gfejsehen  B.  Wegem  Hilrate  han 
i"''  nit  grad  gtcüsst,  was  i'''  d'r  säge'  will.  I'''  säge 
nit,  dass  i"''  d's  trüestest  Alles  mache'  wett,  wenn  d'  Sach 
öppe"  d'rg.  g'sächt  [wenn  sich  Aussicht  böte,  dass  die 
projektierte  Heirat  ihren  Zweck,  beide  glücklich  zu 
machen,  annähernd  erfüllen  würde].  Gotth.  —  4.  Conj., 
in  der  ä.  Spr.  =  nhd.  , dagegen'. 

wor-:   wogegen  ZS.  t 

ZUO-.  ze-:  I.  Präp.  1.  im  Ggs.  zu,  verglichen  mit. 
,l)einuetig,  mild,  trüw  [Regenten],  die  da  zugegen 
den  regenten  des  zorns  gmein  ehr  und  nutz  fördrent.' 
Ansh.  —  2.  (mit  folg.  .über')  entsprechend,  als 
Gegenleistung.  ,üie  euch  zuegegenüber  iren  guettateii 
den  päpsten  etlich  monat  bewilliget  haben.'  Vad.  — 
n.  Adv.  1.  entgegen,  zuwider.  .Dass  es  der  leere 
Christi  und  seiner  kirche  mit  hend  und  füessen  zue- 
gegen  was.'  Vad.  —  2.  hinzu,  dazu.  ,Wo  das  de- 
heiner  verneine  oder  zeg.  [zu  einem  Streite]  kerne.' 
XV.,  Offn.  Wied.  —  3.  gegenwärtig,  zur  Hand, 
dabei;  nhd.  , zugegen  (sein)'.  ,Ein  ross,  das  zuogegen 
stand.'  LLav.  1578.  —  4.  dafür.  ,Dann  man  einen 
amptmann  z.  und  in  vergeltungsweis  von  wegen  der 
vogtei  järlicher  rent  zu  erlegen  pflichtig  was.'  Vad. 
—  ni.  Conj.  dagegen  (wogegen).  ,[Der  Kaiser  suchte 
die  Rechte]  im  und  seinen  nachkommen  zue  behalten, 
z.  sich  [Papst]  Paschalis  heiter  merken  Hess,  dass  er 
das  ansechen  seiner  vorfaren   nit  faren  lassen.'    Vad. 

Mhd.  ze-gegen,  gegenüber,  gegen,  entgegen,  gegenwärtig. 
Zu  II  i  oder  zu  III  kann  man  stellen  den  Beleg  aus  Vad. : 
.Zuegegenüber  was  diser  papst  dem  kUng  verholfen,  dass  im 
Leyon  underworfen  ward.' 

wü-zue-,  wo-z'-,  tco-zer-:  an  welcher  Stelle,  wo 
ungefähr  Bs;  Z.  —  Die  letzte  Form  erklärt  sich  aus: 
wo-ze-der   Gegni,  in  welcher  Gegend;   vgl.   das  F. 

I  Gegni  Aa;  Ap  (-«-,  PL  Gegin-,);  Bs;  B;  Gl 
Gr;  „L;"  G;  S;  Uw;  Z;  ä.  Lit.  (PL  ,geg(n)inen'). 
n  Gege°d  Aa  (-t);  Bs  (-e'-);  B  tw.;  GfiRb.;  S  (BWyss); 
U  (-«);  UwE.;  Z  {-e'-),  m  Gegned  Bs;  um  Kaiserst.; 
1488,  G  Gebete  (als  n.),  IV  Gegnig  Bs  (-e-);  Btw.; 
ScHw;  S  (PI.  Gegnige);  Ndw  —  f.:  1.  Gegend,  Gebiet, 
Landschaft,  Nachbarschaft,  a)  ohne  best.  Abgrenzung, 
allg.  Z' rings  i' der  Gegni.  Usteri.  P'' wött  nod.  das  is 
zele  [zu  zählen]  het,  die  fule"  Tage",  wo  's  all  get,  es  gab 
e  ganze  Geget  roll.  Lf.nggenh.  1830.  Schöni  G.,  iron.: 
saubere  Geschichte  Bs;  Z.  Drum  chunnt  denn  hüt  die 
Moritat  vom  David  und  vom  Goliath  —  's  isch  au"''  e 


Gag.  geg,  gig,  gog.  gug 


146 


.icheeni  (?.  Schwzrd.  ,Strich,  g'lend,  gegnc,  gelegenheit, 
ström,  landschaft.'  Fris.  ;  Mal.  ,Plaga,  g.  und  gelegen- 
heit des  himniels  und  der  erden.'  ebd.  ,Auf  der  G.  des 
Herzens.'  DKönig  1721.  ,Eine  G.  von  vil  100  Stunden.' 
Carolina  1734.  Mit  zuo,  ze,  in  adverbialer  Verbin- 
dung: 1)  entgegen.  £r  ist  mir  z' Gegni  chö',  ich  habe 
ihn  von  ungefähr   erblickt,    er  ist  mir  begegnet   BO. 

2)  =  ziiegegen  II  3.  ,Dass  man  dem  nit  richtet, 
der  ze  gegeni  [herbei]  nit  kommt,  so  man  ein  nüwen 
rat  nemen  will.'  1304,  Z  Richtebr.  ,Dass  der  vogt  und 
die  burger,  die  gewerf  [Steuer]  niht  gebeut,  ze  gegeni 
nit  sun  [sollen]  sj'n,  da  man  es  uf  leit.-  ebd.  ,Dü 
nieman  zuo  gegni  was.'  1.334/1446,  Z  Chr.  ,So  wir 
da  ze  Zernetz  all  ze  gegni  warent.'  13ö7,  Foffa.  — 
b)  mit  best.  Abgrenzung:  der  zu  einem  Ort  politisch 
od.  rechtlich  gehörige  Bezirk.  Gemeinde.  Das  Wörter- 
buch der  1523  in  Bs  gedruckten  Luther-Bibel  erklärt 
.Grenz'  mit  .gegny,  unibkreis',  ,gegent'  selbst  aber  mit 
.landschaft'.  ,Dass  in  ainer  jeden  und  allen  geginen 
und  gerichten  wittwen  und  waisen  mit  gueten  lüten 
bevogtet  werden.'  1525,  Ztschr.  f.  schwz.  R.  ,Des 
Gottshus  gegni,  was  in  das  amt  gen  Wyl  dient.'  1525, 
Absch.  ,Die  7  gegni,  die  an  die  pfallenz  in  das  hof- 
gcricht  gehörent.'  ebd.  ,Von  allen  gegninen  und  ge- 
mainden.'  ebd.  .Die  4  geginen  oder  gerichte  im  Nieder- 
amt.' 1539,  ebd.  .Die  verderbung  Sodome  und  irer 
gegne.'  1560,  Bib.  ,Wie  sich  aber  füegen  würde,  dass 
einich  Gegny  besetzen  wollte,  derselben  ihrer  Gegnin 
Sachen,  mit  Efatten  usszegan,  Märchen  zesetzen'  usf. 
Informatio  1713.  .Die  von  Thal  in  Misshelligkeit  mit 
Rhcineg^  und  der  Gegni.'  1726,  Absch.  —  2.  Richtung. 
Dil  miiest  ging  [stetig]  d'  G.  b'halte",  süst  verlufist 
du  dich  [gingest  du  irre]  BSi.  ,Das  ich  gewyset  werd 
uft'  das  gegnet,  das  ich  im  nachspür.-  1488,  G  Gebete. 
,Und  ist  gnuog,  dass  ein  yeder  [Gänsestall]  in  alle 
gegne  drei  schuoh  weit  seie.'  Vogelb.  1557. 

I  aus  inhd.  yegene,  urspr.  gegini.  II  aus  mhd.  ijei/enöte, 
ijcijemle,  doch  Tgl.  aiich  die  Anm.  zu  gegen,  resp.  geged. 
III  viell.  auch  aus  gegenüte,  viell.  aber  unter  Einlluss  von 
(jegni  mit  eingeschobenem  m  aus  Geget  erst  durch  die  M.\. 
gebildet.  Aus  III  entstand  IV,  aber  durch  Vertauschung 
der  Endung.  Vgl.  Anm.  zu  Abend  Bd  I  :?5.  Während  die 
ä.  Lit.  für  das  volksmässige  .Gegni'  vom  XV.  — XVIII.  reich- 
liche Belege  bietet,  ändert  es  LLar.  IßTO  in  .Gegend'  (gegen- 
über der  Ausgabe  von  1569),  ebenso  Wurstisen  1765.  1707, 
.losua  II  liest  ,in  den  Gegenen';  I707/I860,  Josua  13  aber 
ist  .alle  Gegne  Medba'  von  a.  15:30  ersetzt  durch:  .das  ganze 
ebene  Felde  M.'  .Bemerkenswert  sind  noch  die  Nom.-Pl. : 
.Gegninen.'  XV.,  Knnst.  Chr. ;  Tierb.  15fi;5;  .Geginen.'  Vad.; 
1531,  Strickl.,  Act.;  Kessl.;  Bull.  1572;  ,die  umliegenden 
Lands-Gegnen.'  Mem.  Tig.  1742,  und  der  Dat.-Pl.  ,au  (in) 
gegninen.'  Zwingli;  Kessi.:  Z  Mand.  1627;  1650.  Uas  ver- 
einzelte Neutr.  vermutl.  nach  Anal,  anderer  Neutra  auf -öf. 

gegen  lieh,  in  der  adv.  Verbindung:  .ze  gegen- 
licher  wys'  eine  Übersetzung  des  lat.  simiHter.  Auf. 
XIV..  B  Handv. 

geget  s.  gegen. 

gegne(n):  1.  =  uhd.  begegnen  „LE."  .Gang,  be- 
stell den  Wächter,  das  er  sage,  was  im  gegne.'  1531/48, 
Jes.;  dafür  1707/1860:  ,was  er  sehen  werde.'  Vgl. 
z'  Gegni  chö'  1.  Auch  i.  S.  v.  .widerfahren-.  .Was 
inen  von  denen  von  Bern  gegnet  oder  noch  gegnen 
wurt,  ist  on  not  hie  alls  zue  beschryben.-  1522/32,  Bs 
Carthäus.  .Und  werdend  dir  dise  beide  [Missgeschicke] 
eins  tags  gegnen.'  1531/48,  .Tesa.t.;  dafür  1707/1860: 
,be-g.'  —  2.  ,sich  als  Gegner  gegen  Jmdn  stellen  oder 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


erscheinen,  zunächst  von  der  Gegenpartei.  Er  itt  mir 
vor-em  Richter  nüd  g'gegnet  B.-  Übh.  Widerstand 
leisten,  zuvorkommen.  Syn.  begegnen  A  3  b.  , Es  ist 
vil  Wäger,  man  gegne  dem  presten  by  zyt.'  Zwinoh. 

—  Mhd.  gegemii,  entgegenkommen,  -treten. 

be-:  A.  niitpers.  Subj.  1.  entgegenkommen. -gehen 
(in  freundlichem  S.).  a)  mit  pers.  übj.  1)  im  eig.  S. 
Einem  absichtlich  entgegen  gehen,  um  ihn  abzuholen. 
J'-''  will  d'r  cito"  bigegne".  Chumm-m'r  de"  z'  Hand 
[am  Abend]  cho"  b.  BO.  Im  S.  des  nhd.  .begegnen' 
auch  trs.  BM.  —  2)  im  übertr.  S.  Einem  zur  Hülfe- 
oder Dienstleistung  Entgegenkommen  zeigen,  ihm  bei- 
stehen, seinem  Wunsche  oder  Gesuche  entsprechen, 
nachkommen,  ihm  , dienen-,  a)  ohne  Angabe  eines 
Mittels.  ,Sie  glaubten  nicht,  dass  er  diesen  Augen- 
blick ihnen  b.  könne,  denn  viel  Geld  hätten  sie  nie 
an  ihm  bemerkt.'  Gotth.  ,So  aber  der  Herzog  üch  nit 
anders  ist  begegnet  [bei  den  Friedensverhandlungen] 
und  nit  wyter  gan  will  uf  die  5000  gl.'  1521.  Absch. 

—  ß)  mit  Angabe  eines  Mittels.  .Womit  kann  ich 
Ihnen  b.  [dienen]?'  (Höflichkeitsformel)  B.  ,I)ass  si 
sich  bedenken  und  niynen  herren  mit  fürderlicher 
antwort  wellen  b.  [ihnen  eine  solche  geben  w.].-  1523, 
Absch.  .Damit  Gott  mit  einer  allgemeinen  besserung 
begegnet  werde.'  Z  Mand.  1627/'28.  , Einem  mit  Rat 
und  Tat  b.'  Hospin.  1683.  .Mit  Verehrungen  b.'  s.  Bd  I 
1127;  vgl.  .V.  gegen  unsern  Ambtlüten',  unter  gegen. 
,Dass  sich  jedormenniglich,  so  schuldig,  beflysse,  mit 
bahrer  Bezahlung  zuo  b.'  B  Ref.-Satz.  16'28.  —  b)  mit 
Sach-Obj.,  einer  Forderung  oder  Pflicht  nachkommen. 
„Seinen  Schulden  b..  sich  so  einrichten,  dass  man 
sie  bezahlen,  seine  Gläubiger  befriedigen  kann  B." 
,Dass  er  dem  rechten  genucg  tue  oder  sich  dem  be- 
gegne.' 1421.  Absch.  —  2.  entgegen-treten  oder 
-wirken  (im  feindlichen  S.).  a)  mit  pers.  Obj.  .Damit 
das  Land  von  dem  Bettel  gereinigt  und  den  nütz- 
widrigen [-wirdigen]  Armen  desto  bass  begegnet  wer- 
den könnte.-  1635,  BSpyri.  Im  rechtlichen  S.,  einer 
Gegenpartei  in  einem  Prozesse.  ,Eim  im  rechten  b., 
respondere  alicui.'  Mal.  Vgl.  gegnen  2.  —  b)  mit 
Sach-Übj.  Einem  Übel  b.,  ihm  zuvorkommen,  ab- 
helfen, vorbeugen  Z,  wie  nhd.  ,Dem  Allem  möchte 
doch  wohl  noch  begegnet  werden.'  1534,  Hess,  Samml. 

—  B.  mit  Sach-Subj.;  von  einem  Bericht:  zu  Ohren, 
zu-komraen.  kund  werden.  1.  mit  Angabe  einer  Person. 
.Das,  so  üch  von  unserm  herren  uf  üwer  anbringen 
begegnet  ist.'  1523,  Absch.  ,Das,  so  uns  von  üch  in 
antwurts  wys  begegnet.'  ebd.  —  2.  abs.  ,Nu  begegnet 
uns  [als]  gewiss,  dass  der  herzog  sich  widerumb  zuo 
rieht'''.'  1476,  Z  Anz.  1881.  .Mynen  herren  [von  Bern] 
begegne,  dass  allerlei  red  by  inen  [den  Obej-ländern] 
gebrucht  werde.'  1523.  Strickl..  Act.  ,Dass  uns  in 
landmärs  wys  begegnet,  wie  üch  nit  gemeint  sye,  über 
in  zuo  richten.'  1523,  Absch.  ,Da  Zürich  in  diesen 
schwierigen  Zeiten  nirgendshin  berufen  werde  und 
ihm  Allerlei  begegne.'  1524,  ebd.  .Wollten  wir  üch 
des,  .so  uns  begegnet,  euch  unsers  anschlags  berichten.' 
ebd.  —  Mhd.  begegenen,  entgegen  kommen,  Widerstand  leisten. 

B  e  g  e  g  n  e  r  1  i  s  =  Wegli'-Fahens  BsStdt.  S.  Bd  1 723. 
Gegni(g)  s.  Gegend.        geigen  s.  geiglen. 

gegere(n):  im  Fallen  die  Füssc  in  die  Höhe 
.strecken,  bes.  von  Frauensper.sonen  L.  Vgl.  die  Synn. 
gageren  und  geiglen. 


147 


Gag,  seg;,  geig,  gig,  sog. 


Gcgere"  f.:  grosse,  hagere  Frauensperson  I..  Vgl. 
ilas  !Syn.  Giir/cgc  und  Gageri  1. 

Geigeli  n. :  zolllanges  Holz  an  der  Kurbel  des 
Spinnrades  BsTerw.     Viell.  zum  Folg. 

Geigle",  Gre-igk'  ÄAFri.,  Geiggele  SchwMuo.  f.: 
1.  Doppelast  an  einem  Baume,  der  in  beliebigem 
Winkel  aus  einander  geht  SchwMuo.  Syn.  Griggele. 
—  2.  „(PI.)"  (die  entblössten)  Schenkel,  doch  nur  in 
einigen  KAA.  Die  G.  stütze',  z'  G.  xvelpe",  a)  die 
Beine  beim  Fallen  in  die  Höhe  strecken,  einen  Purzel- 
baum schlagen,  kopfüber  stürzen  BO.  Syn.  Glge, 
Räfell,  Schüssel  stützen  (velhen).  E  Greigle  mache-, 
die  nackten  Beine  spreizen.  Schäm- di"'',  declc-di''', 
mach  nit  so  ne  Gr.  XaVü.  Syn.  Giegle.  —  b)  ..den 
Faulen  spielen,  die  Beine  aus-  oder  hin-  und  her- 
streckend liegen."  Syn.  gageren.  —  8.  grosser  Mensch 
L.    Syn.  Gägi,  Gäggi,  Beigel. 

Obsuhun  :S  aus  Oreigle  entstanden  oder  beeinHusst  sein 
kann,  so  lässt  es  sich  doch  aus  1  ableiten,  indem  der  hagere 
Mensch  seine  langen  Glieder  weit  spreizen  kann.    Vgl.  (jeUjUn. 

geigle(n)  Aa  (gr-  ÄAFri.);  Gl;  L;  GA.;  Schw, 
geigglen  AAFri.;  ZO.,  geigen  W:  1.  üppig  ranken  und 
schwanken,  sich  räkeln  Aa.  Syn.  reiglen.  —  2.  in 
steter  Bewegung  sein  SiuwE.,  bes.  von  kleinen  Kin- 
dern, die  mit  ihren  freien  Armchen  in  der  Wiege 
spielen  W.  Vgl.  dagegen  gelten  (von  den  Füssen).  — 
8.  auf  dem  fr'eile  schaukeln  WGoms.  Syn.  gelten.  — 
!.  nii.m  s  f  undiu'  :iiii  li"ili-Mi  siih  wälzen,  bis  die  Klei- 
der l.iM'  w.-id.'ii.  ,,n  ,l;i-s  aif  riitblössten  Beine  spielen 
k('niieii;  Im.'s.  di.'s.llM.n  t-iiipur  strecken  und  die  pu- 
denJa  zciurii.  wie  Kinder,  wenn  sie  fallen  Aa;  Gl; 
L;  GA.;  S('iiw\  S\n.  i/ieglen.  —  5.  puraeln,  drollig 
umfallen;  j;ihliiii;s.  kopfüber  stürzen  (bes.  so,  dass  die 
FUsse  dabei  weit  ausgestreckt  werden)  BR.;  Gl;  L; 
Schw;  Z.  Der  ist  recht  a"  Bode'  iise'  g'geiglet.  , So- 
gleich geiggle  der  Lustigmacher  in  das  Erdgeschoss 
des  Hofes  hinunter.  Der  Nöck  lachte:  der  Geigglete 
wolle  er  einmal  zusehen.'  Stutz.  —  (J.  „faulenzen, 
träge  herumliegen  Uw."  —  7.  (von  Sachen)  unordent- 
lich, durch  einander,  herum  liegen,  wie  z.  B.  die 
Scheiter  eines  gestürzten  Holzstosses.  Syn.  gageren. 
Geig- ist  ohne  Zweifel  Steigerung  von  tflrj- in  gUjen,  welches 
urspr.  übh.  hin  und  her  bewegen  bedeutet.  Diese  Grundbcd. 
erscheint  auch  in  tir.  u.  kämt.  <jaiij(g)ern,  zweifeln,  schwanken. 
Betr.  den  Bedeutungsübergang  vgl.  auch  tjiujern.  Lautlich 
eingewirkt  haben  dann  finiijiln,  wauken,  ranken,  sowie  ander- 
seits ijäwjydn,  s.  d.,  vnn  .hni  aus  man,  was  die  Bed.  anbe- 
trifft,   leicht    zu    Ulis.  IUI    \V.    k"iiiiiR'n    könnte.    (, Gaukelnde 


abe-,  appe-:  herabfallen  Aa  (.infolge  von  schwan- 
kender Bewegung  h.'  H.);  L;  SciiwMuo.;  Z. 

über-:  überpurzeln,  sich  im  Fallen  überschlagen 
L;  ScHW;  „Gl;  Z.-' 

um-:  umfallen,  bes.  von  Kindern  AASt. ;  L;  Z. 

umme-:  sich  (mutwillig)  herum  wälzen;  auf  träge 
Weise  herum  lagern  GA. 

ver-:  1.  umfallen,  wie  Pflanzen,  die  allzu  üppig 
ranken  Aa.  —  2.  durch  Herumwälzen  in  Unordnung 
bringen  Gl  (Schuler). 

„Geig(g)ler  Im.:  1.  Mensch  ohne  ernstliche  Be- 
schäftigung. —  2.  Taugenichts  Uw.- 

„geiglig:  (von  Kindern)  beim  Kutschen  oder  Um- 
fallen seine  Blosse  zeigend  L." 


gig-  aus  redui)lizierendcm  gl-  vor  folgendem  g 
s.  die  einfachen  WW.  -gagen,  -gampfen,  -gangglen, 
-ganxen,  -gatschen,  -ya.ven,  -geigen. 

Geigler  11  m. :  Schneefink,  fringilla  nivalis  Gl 
(It  Alpenp.). 

Wahrsch.  dasselbe  W.  wie  tjägkr,  a.  d.,  .jedoch  mit  An- 
lehnung an  geiyliM,  weil  der  Vogel  lebhaft  und  drollig  umher 
hüpft.      Vgl.   noch   Anm.  zu  yär/gen  und   Gäggi. 

Gigel  m.:   penis  B.    Syn.  Giger(li). 

gig(e)le(n)  (l),  -eme'GRD.:  1.  kichern,  in  kurzen 
Tönen,  unterdrückt,  mutwillig,  einfältig,  ohne  Ursache 
lachen,  bes.  wie  Kinder,  allg.  Syn.  gagelen,  gigeren, 
kicklen.  Wer  gigelet  oder  lacht  und  die  wisse  Zänli 
füre  lat  [zeigt],  mues  Pfand  ge'  Z  [bei  einem  Spiel]. 
,Wie  kannst  du  noch  g.  und  lachen?'  JJUlr.  1727. 
—  2.  schreien  wie  der  Specht  Aa.  —  3.  zum  ,Gigeln' 
bringen,  kitzeln.  Wemme  d'  Chind  cü  gigelet,  so  lerned 
's  stammle"  GA.    S.  noch  giggelen. 

US-:  auslachen  Th;  Z. 

ver-:  sich  zu  Tode  lachen,  vor  Lachen  vergelien 
Z  (scherzh.).     Syn.  vergitzlen  u.a. 

Gigeier,  -li:  wer  über  jede  Kleinigkeit  lacht, 
allg.  , Paulus  war  allezeit  frölich,  doch  kein  fleisch- 
licher Gigeier.'  JJUlr.  1727. 

gigelig:  1.  „zum  Lachen  geneigt"  ZS.  —  2.  La- 
chen erregend  Zu. 

gigere(n)  I,  in  Gl;  GKli.  gigg-:  =  gigeleti  1  Ar; 
Gl;  GfiPr.;  G.  —  ver-:  =  rergigelen.  —  Gigeri  m.: 
=  Gigeier. 

gigerle(n):  vor  Kälte  od.  Angst  zittern.  Fast  ver-g., 
vor  Zittern  fast  vergehen  ScuNnk.    Syn.  verzigeren. 

gig(e)le(ll) :  tändelnd  auf  der  Violine  spielen,  allg. 
D'  obe  im-  Tanzsaal  het  's  afö  [angefangen]  glgle'  und 
musiziere'.  Hofst.  Auf  der  Geige  elend  spielen  L; 
Zg  (St.'>).  —  2.  auslachen,  mit  der  Geberde  des  Geigen- 
spiels (Kübchenschabens)  S;  Z,  auch  üs-  (St.*"). 

üf-gigle°:  (mitDat.P.)  Einem  zu  Diensten  stehen, 
ihm  Alles  zu  Liebe  tun  SchwMuo.    Vgl.  gägelen  4. 

Gigeier,  -li  Sch  m.:  Geigenspieler  (scherzh.). 
Mueter,  i'''  mag  nid  spinne',  d'  Finger  tüe-mer  wc ; 
d'  Gigeier  spanne'  d'  Saite",  tanze"  chann-i'''  e  LH.  — 
Gigelete  f.:  Violinspiel. 

Gige"  f.:  1.  das  bekannte  Musikinstrument,  wel- 
ches zur  Erntezeit  im  ZB.  auf  die  Felder  mitgenommen 
und  von  einem  Geiger  hinter  der  Schnittersehaar  unter 
Absingung  des  Liedes  vom  Zipfcli  (s.  d.)  zur  An- 
feuerung  der  Zurückbleibenden  gespielt  wurde  oder 
den  Takt  zu  dem  Tanze  angab,  den  Einer  aus  dem 
,Geschnitt'  auf  dem  Rücken  eines  zu  früh  Ermatteten 
abhielt.  KAA.  Das  ist  wie  e  Heller  in  e  G.,  unzu- 
reichend, unbedeutend,  wie  die  beim  Tanz  in  die  Bass- 
geige gesteckte  kleine  Münze  im  Verhältniss  zum 
weiten  Raum  des  Instrumentes  Gl;  Gr.  De''  hat  ies 
der  G.  en  Stoss  ge",  sein  Anschlag  ist  ihm  miss- 
lungen  Z.  Vgl.  's  Glück  verschütte',  de''  Chübel  um- 
g'heie'.  Süess  und  sür  uf  einer  G.,  freundlich  und 
mürrisch  zugleich.  Du  verdammti  G.  (formelh.  Ver- 
wünschung) Bs.  ,Zue  syner  G.  tönen'  [in  seinem  Sinne 
reden].'  ThFrickart.  ,Das  sind  alles  guot  griff  nf  der 
gigen  [einträgliche  Kniffe].'  NMan.  1522.  1531  schrieb 
der  Abt  von  Pfäfers  an  Zürich,  er  dürfe  es  wegen  der 
Bauersame,  die  noch  ,auf  der  alten  G.  verharren  wollte', 
nicht    wagen,    alle    Zeremonien    und   Bilder   aus   der 


lasr.  ffoir,  giR,  gi>K,  gng' 


Kirche  zu  entfernen.  .Meinst  du  dann,  das  wir  dyner 
gygen  zuolosen  müessend  und  dir  schwygen  [zu  He- 
noch,  der  Kains  Stamm  eine  Strafpredigt  hält].'  Rüef 
1550.  , Oberrare  eadem  chorda.  Yemmerdar  auf  der 
alten  gygen  ligen,  das  ist,  allweg  auf  einer  niateri 
bleiben,  oder  ein  ding  treiben.'  Fris.;  Mal.  Vgl.  noch 
,tanten'.  .Das  heisst  lang  an  einer  Geigen  gestimmet 
und  doch  kein  Dänzlein  aufgemacht.'  Heut.  1658.  — 
2.  Mundharmonika  OrHc.  Die  M.-  und  Ziehh.  ist 
It  Ai,?ENW."als  modern-stes  Musikinstrument  nach  den 
höchsten  Hohen  gedrungen,  wo  es  an  langen  Abenden 
gespielt  und  kurzweg  als  G.  bezeichnet  wird.  Vgl. 
Mulg'ige  u.  gigen  2.  —  3.  Gegenstände  von  der  Form 
einer  G.  a)  Bretzel,  ungefähr  von  der  Form  einer 
Leier,  zur  Weihnachtszeit  aus  Weissraehl  gebacken 
Th;  ZSth.  Bes.  Nationalgebäck  zu  ScnSt.,  deswegen 
auch  Steiner-G.  genannt  und  als  Neckname  für  die 
dortige  Bevölkerung  gebraucht.  Syn.  Simmel-Bing.  — 
b)  missratener,  verkrümmter  oder  gebrochener  Bogen 
aus  dem  längsten  vorjährigen  Schosse  am  Rebstock 
ZRickenb.  S.  Bogen.  —  c)  eisernes  Instrument,  mit 
welchem  man  beim  Sinnen  3 — 4  Punkte  in  die  Ge- 
fässe  brennt.  Vgl.  Tüpfli- Giger,  Gige'-Tüpßer.  — 
d)  genitalia  mul.,  bes.  die  Scheide  GRh.;  Z.  Daher 
verächtlich  auch  für  ,Frau'.  Mit  Wortspiel:  Er  liet 
d'  G.  Ulli  Wll  am  Arm  ScnSt.  Spottn.  für  eine  un- 
verständige, unüberlegte,  gutmütige  Frauensperson  Gl; 
vgl.  Schiit  z-G.  —  e)  Straf  Instrument,  früher  bes. 
bei  geringern  Vergehen  angewendet,  bestehend  aus 
einem  schweren  Halsring  aus  Holz,  mit  2  Löchern, 
um- die  Arme  durchzustecken;  der  Delinquent  wurde 
entweder  damit  an  den  Pranger  gestellt  oder  musste, 
wie  in  G  bis  ins  XVIII.,  dasselbe  ein  oder  mehrere 
Mal  den  Markt  auf-  und  abtragen  L;  ScnSt.;  G;  TnTäg. 
Lass  es  sl"  [liegen],  oder  du  dmnnst  i"  d'  G-  TiiTäg. 
,Der  Schulmeister  raufte  mich  am  Haar  und  brüllte : 
Bekenn,  du  Lausbub!  Mir  wurde  die  G.  angelegt, 
d.  h.  ein  In.strument  mit  3  Löchern,  in  der  Mitte  aus 
einander  gehend.  Sodann  flog  die  Rute  auf  meinem 
Rücken.'  L.  VgL  Schuel-G.  Einspannung  in  die  G. 
droht  das  G  Sitten-Mand.  von  1657  den  Unzüchtigen 
an.  ,In  nideren  gerichtsfälen  die  übertretere  mit  der 
g.  zue  büessen.'  1670,  Ar«.  ,Mit  dem  turn,  trüUen 
oder  g.  strafen.'  1671,  ebd.  So  auch  bei  Lev  1727. 
Denzl.  1716:  ,Geigen,  darin  die  Huren  gelien,  nianic* 
lignese',  meint  wohl  dasselbe.  Pranger  ScnSt.  (Sulger). 
—  f)  die  gekrümmten  Beine  eines  auf  dem  Bücken 
Liegenden,  der  dieselben  in  die  Höhe  streckt,  nur  in  der 
RA.  (d'J  G.  stütze",  n-elpe",  einen  Purzelbaum  schlagen 
GRPr.,  V.;  „W";  infolge  eines  solchen  oder  auch  zur 
Belustigung  obige  Lage  annehmen  GrD.  Syn.  d'  Lam- 
per-G.,  d'  Geigle,  Giegle,  Häfeli,  Schüssel  st.,  's  Gäbeli 
mache".  —  4.  Schaukelvorrichtung  für  Kinder  Th. 
Syn.  Gigampfi.  —  p.  grosse  Waldsäge  Aa  (Rochh.). 

UM.ffige,  i.  S.  T.  1.  Zu  3  a  vgl.  Änken-G.,  Schnitte  Butter- 
brot (Schwaizwald).  4  von  der  Bewegung  oder  dem  dabei 
entstehenden  Ton,  vgl.  <iig<m;  5  ebenso,  wenn  iibli.  richtig 
bezeugt.  Lt  Rochh.  ruft  der  Buchfink  den  Bauern  zu:  Giye- 
hkl,  Gi;jel!el  (elg.  Tom  Ton  der  Säge),  und  die  am  Waldsauni 
liegenden,  ausgestockten  Äcker  hätten  von  der  Waldsäge  den 
Namen  Gigen-Büel,  -Äcker  bekommen.  Richtiger  aber  werden 
(J. -Acker  (schon  1386,  L  als  Beiname  eines  östreichischen 
Ritters)  sowie  G.-Hag,  -Mülli,  -Buch,  -Betti  von  einer  ge- 
wissen Hügelform,  resp.  von  der  benachbarten  Lage  eines 
solchen  Hügels  her  benannt  sein.  Christ  18fi9  vermutet, 
dass  der   Name  ,Gigo'  eines  Moorgrundes  in  UwSarnen  vom 


Tönen  des  Schilfes  entnonnnen  sei;  er  wird  aber,  ähnlich  wie 
viell.  auch  derjenige  eines  Wildheuplätzehens  in  GlBetschw. 
und  eines  Hofes  in  L,  eher  der  langgestreckten  Gestalt  zu 
verdanken  sein. 

Am  1er-,  in  der  RA.:  Jir  hänkt  's  Mul  wie-en 
alti  A.  Sprww.  1869.     Vgl.  Lamper-G. 

Violin-:  tautol.  scherzh.  Verhochd.  für  Violine 
AARuedertal;  Z.  —  Viell.  auch  zum  Unterschied  v.  Gige  2. 

Hunds-:  1.  Hund  (verächtlich)  Bs.  Vgl.  Hunds- 
Fud.  —  2.  Schimpfw.,  bes.  für  Mädchen  Bs  (Spreng), 
lt  ebd.  von  Müttern  auch  scherzw.  ihren  Töchtern 
beigelegt.     Syn.  Hueren-Fosli.     Vgl.  Glgc  3  d. 

Mül-:  Maultrommel,  Mundharmonika  Gr  ObS.,  V.; 
ZF.  (scherzh.).     Synn.  s.  bei  Miil-Orgele. 

Bass-:  wie  nhd.,  in  der  RA.  von  einfältigen  Leuten: 
Was  weisst  e  Chue  von-ere  Musgetnuss  und  en  Esel 
von-ere  B.?  Z.  Es  Stuck  Brot  wie-n-e  B.,  ungewöhn- 
lich gross  ZS. 

Sau-:  Lärminstrument  beim  Trosseln,  bestehend 
aus  einem  über  einen  Kasten  oder  eine  Mulde  bis 
zum  Zerreissen  straff  gespannten  Seile,  über  welches 
von  2  Männern  ein  schwerer  Gegenstand,  z.  ß.  selbst 
wieder  eine  Mulde,  wie  eine  Säge  an  beiden  Enden 
liin  und  her  gezogen  wird,  um  möglichst  widrige  und 
weithin  schallende  Töne  zu  erzeugen  BM.;  S.  Vgl. 
Möre-gigen. 

Schuel-:  in  der  Schuh'  !iii^;rwciidetes  Strafinstru- 
ment, lt  Abbildung  im  (Iikk.  isi:'.  bestehend  aus 
einem  Ring  um  den  Jlal.s  mit  _'  für  die  Hände  be- 
stimmten Schliessen.     S.  Gige  :j  e. 

Schlitz-:  Frauenzimmer  (Schiinpfn.).  oig.  den 
hinten  mit  einem  Schiit,:  |  Einschnitt!  versehenen 
Frauenrock  bezeichnend  S. 

Steiner-:  =  Gige"  3  a. 

gige(n),  Vtc.  g' gige'  Z:  1.  auf  der  Geige  spielen, 
allg.,  in  Volksliedern  und  z.  T.  bildl.  KAA.  /•:-  ,/'>/«' 
en  Giger,  es  tanzet  en  Schwab,  hei  uniun-.  irnmi  iiiiniie. 
du  tusigs  U'flät  Z.  Wideli,  vndeli.  himln-rm  Si.uleli 
hed  der  Bettelma""  Hiichsig:  es  ijiijr!  rs  Ch,rl:sli.  rs 
tanzet  es  Chr.  L.  J'''  iiinf-n  ,i,ii-,,„s  Shirl.h  liiml, 
)''"''  g.  nüd  vergebet,  iiml  imiii  <li-  W'uilrr  iihcri-ii-ist, 
so  gan  i'''  vidcr  /"  (/'  Hih,"  ZS.  |l,ir,l 
geigers].  (?h/'".  '/  """' .  '/'  >"/7"'-"-'-' 
Wenn  i''''  clniinil  iini'".  ^"  'imi  '''  -\ 
hildetps  Imprvi;  Cniii.].  Kl  miirs  „H„ 
im  dir  Aii,lrrr"  ,/.  S.  J )r-  (n.i.i  h„l  ir 
,sl  iflninl.  u.\rr:  US  isl  »V,  /„„/  ,/,'  (;.  ,. 
uchclliyv.,.li;,ll,.t    lu.l,  A 


..•uialir.s- 
»  nsf.  G. 
rzh.  ge- 


'  yy^' 


h,u\ 


Sprw.,  z.B.:  i')/.//r"  l,hU\  mul 
.\ls  Abfertigung:  Du  l'isl  ri,  .V„,y  ,iu,l  ,'l,,i"-si  „,„/,;. 
Me*  wird  d'r 's  g.,  iiurli  Siki:n(i  Eiiirni.  il.'v  Alles 
besser  wissen  will,  zugerufen  Bs.  Me"  wird-cm  g., 
sich  über  ihn  und  seine  hoch  gestellten  Anforderungen 
lustig  machen  Bs;  ihn  zurecht  weisen.  ,Die  Frau 
würd  ihm  geigen.'  HSulz.,  Schulm.  Ähnlich:  h'i'"iii 
heim  g.,  eig.  ihn  unter  Sang  und  Klang  heimhegh-itiu. 
I"''  u-ctt  üd  g.,  ich  gäbe  nichts  darum.  Syn.  tinii. 
pfifen,  dreheil.  Das  giged  „id.  yrht  so  nicht;  es  dw" 
nid.  g.,  kann  nidit  aii;;-.'licii,  ITus  mllsl  liiiiii  eigclig 
mache",  rrciiii  's  In  umu  Jiiireinsr"  umiersrh  ct.  [zu- 
gehen]   srir^    SnuM..       As    ,n,ll     u„l     :'s,n,„„e  ,i..    ^i,•h 


l|    w, 


151 


Gag,  geg.  glg,  gog.  gug 


152 


g.  (Sprw.);  vgl.  die  KA.  unter  Äff  Bd  I  99,  G.  Er 
giget  hinder-em  Türli,  hat  es  hinter  den  Ohren.  I''' 
packc-us,  das  hingerm  Türli  g.  via^  i'''  nit.  Gotth.  (vgl. 
Türligiger).  Trüebsal  blase'  und  Elend  y.  Z.  ,lch 
sehe  anders  nicht,  als  dass  sie  [die  Wundärzte]  stets 
auf  einer  Seiten  [Saite]  geigen,  bleiben  bei  ihrem 
alten  Lied  und  brauchen  stets  einerlei  Salben,  es 
stehe  wol  oder  übel  mit  der  Wunden.-  Würz  1634. 
,Wer  die  warheit  gi'igft,  Acm  schlahet  man  vilraahlen 
die  geigen  an  il'ii  k.i|if.-  .IKHofmstr  1645.  ,Wann 
aber  die  W.  in  uiim  i.i  Stuti  nicht  will  gegeiget  sein, 
wann  man  dem  Kind  il.-u  N:imen  nicht  geben,  noch 
ein  Ding  nennen  darf,  wie  es  an  sich  selbsten  ist.' 
DToMANN  1708.  ,Es  ist  dem  Herrn  nüd  Leids  g'scheha, 
weder  grad  dass  wir  üch  ei"  klei"  bitz  die  W.  giget 
händ.'  GöLDi  1712.  —  2.  spielen  auf  Musikinstru- 
menten übh.  Er  giget  uf  d'r  Orgele  nid  so  guet  a's 
uf  der  Pfife«  FJ.  —  3.  reden.  .Doch  muesstent 's 
darzue  schwygen  und  torstend  nit  vil  g.'  1405,  Ap 
Krieg.  ,Darus  will  ich  nit  me  g.,  ich  will  anders 
sagen  me.-  ebd.  —  4.  von  hin  und  her  fahrender  Be- 
wegung, mit  mehr  oder  weniger  Rücksicht  auf  die 
dabei  entstehenden  Töne.  Vom  Sturm,  der  am  Lotter- 
fenster giget  Bs.  Türli-g.,  sich  an  eine  Türe  hängend 
hin  und  her  schaukelnd  knarrende  Töne  hervorbringen 
GrD.  Vgl.  den  Namen  der  Wiege  im  Kinderrätsel 
Gige"-gage  GrD.  Wenn  im  Homer  [Februar]  d'  Mugge" 
g.,  müesse'  si  im  Merze"  schwige"  S.  .N.  N.  wird  be- 
schuldigt, gegenüber  dem  Landvogt  sich  trutzenlich 
gestellt  und  an  der  Nase  giget  zu  haben.'  164'2,  Absch. 
—  5.  von  scharfen,  durchdringenden  Tönen.  Spez. 
a)  vom  Geräusch  des  stumpfen  Messers,  z.  B.  beim 
Brodschneiden  Sch.  —  b)  kirren,  knirschen,  wie  ein 
ungeschmierter  Wagen,  ein  Fenster,  eine  Türe  in  den 
Angeln,  die  Tritte  auf  hart  gefrornem  Schnee  GO.,  Rh.; 
„B;  L."  , Kirren,  gyren,  geigen  wie  ein  zäche  wyd, 
pfyfen,  als  wenn  man  ein  glüyend  eisen  in  löschtrog 
stosst,  stridere.'  Fris.  Syn.  gtxen.  Bildl. :  Es  giget-em 
afange,  es  wird  ihm  schwer  um's  Herz,  er  ist  be- 
klommen Gl.    Vgl.  i(f-g. 

uf-gige(n):  1.  in  der  RA.:   Ei"m  Öppis  fEi"s) 

uf-g.,  ihm  in  Worten  derb  zusetzen  Aa;  Bs.  —  '2.  von 

schmerzlicher  Eiterung.  Es  giget-mer  tüchtig  uf  SchwE. 

Auch  pßfen    wird    von    schmerzlicher    Empfindung    und 

Schmerzensrufen  gebraucht.     Vgl.   Oigey  S. 

um-:  herumziehen  unter  musikalischer  Begleitung. 
1615  verbietet  der  Rat  von  Aarau  den  Missbraueh  des 
Umgeigens  an  Hochzeiten. 

US-,  in  der  RA.:  de''  hat  usgiget,  ist  zahlungs- 
unfähig oder  gestorben  Z. 

nach-,  mit  Dat.  F..  Acc.  S.:  nachmachen  (ver- 
•ächtlich)  W. 

möre-:  den  iintiT  A>-\n  S)n.  Inisschi  zu  schildern- 
den Brauch  üben,  ein',  niil  .lii  SniKiiije  (s.  d.)  Lärm 
machen  BS.  Syn.  MiuHi'  kral:.ni.  il:,re.  Mutterschwein. 
Giger  m. :  I.Geigenspieler,  allg.  Wenn  i"'' en  G. 
bi'  and  du  en  Tanzer,  so  bin-i"''  en  halbe  Narr  ond 
du  en  ganze  Av;  Z.  Zwei  ff.  tauged  nid  in  ei'  Würts- 
hus.  Sdlger.  Da  heisst  's :  ff.  mach  uf  [spiele  auf], 
z.  B.  wenn  ein  Reicher  nur  lachende  Erben  hinter- 
lässt  Z.  Der  ff.  ha",  Tanz  veranstalten,  wie  die  Wirte 
Gl,  daher  zum  (a'O  ff.  gä',  zum  Tanz  gehen  Gl;  Obw; 
am  ff.  si',  auf  dem  Tanzboden  sein.  Derfür  [für 
einen  gespendeten  Strauss]   gun-i'''  mit  em  Babeli  a" 


der  Chilbi  z.  G.  Gl  Volksgespr.  An  der  Chilbi  ist 
albig  der  ff.  und  Tanz  GrAv.  Zur  Tanzete  g'hört 
en  ff.,  heisst  es  von  einer  Familie,  die  zu  einem  Kna- 
ben und  einem  Mädchen  noch  einen  zweiten  Knaben 
erhält  Bs;  Gl;  Z.  De"  ff.  selber  zale"  müesse,  die 
angerichtete  Suppe  selber  ausessen  müssen  Z.  Die 
Mandate  nennen  neben  andern  Vaganten  seit  dem  XVI. 
meist  auch  ,die  G.'  (1641/ 1702,  Z  Mand.).  s.  L'iren-Frau; 
so  erklären  sich  auch  der  heute  noch  vorkommende, 
urkundlich  seit  dem  XIIl.  belegte  Familienn.  G..  auch 
.Butzegeiger'  G,  sowie  die  Ortsnn.  ,Gigerhof'  Gl;  L, 
,G.-Hubel'  L,  ,G.-Hus'  Xv;  L;  TnBisch.;  ZStdt,  ,G.-Gas8' 
ZStdt.  ,Gigers-Buel'  Ap,  ,-Berg'  S  und  viell.  auch: 
,Giger.'  1370,  Zellw.,  Urk.;  ZS.,  ,Gigeri'  Zg  und  ,uf 
der  Gigern'  Ap;  Z,  ,Gigernwald'  aSi.-HW.  —  2.  Zahn- 
weh Ap;  gg.  Syn.  Musik.  —  3.  Durchfall  Ndw.  Syn. 
l'fifer.  —  4.  de"  ff.  in  SchueHie  ha",  von  neuen,  beim 
Gehen  knirschenden  Schuhen  BHk.  —  5.  Käfer,  welche 
summende,  knarrende  oder  knipsende  Töne  hervor- 
bringen und  von  Kindern  etwa  darum  ans  Ohr  ge- 
halten werden,  bes.  a)  verschiedene  Elateriden  oder 
Schnellkäfer  GRigis;  Syn.  Klepfer.  —  b)  (auch  -ü-) 
„Bockkäfer,  cerambyx  alpinus  B.'-  S.  auch  Herrgotts- 
Güegi,  -Tierli.  —  C.  penis  puerorum  Bs  (Becker).  Vgl. 
Gige  3  d. 

Zu  2  Tgl.  u/i/igen.  Über  die  Organisation  der  Ijiijer  und 
I'ß/er  in  früherer  Zeit  vgl.  Königlich.  In  5  könnte  tw.  blosse 
Entstellung  aus   (lueg,    Güeiji  vorliegen. 

Füst-:  G..  der  nicht  nach  geschriebenen  Noten 
spielt  LE. 

Häl-:  glatter  Schmeichler  Gl.  Syn.  Häl-Streichler. 
-    Mhd.  hatU,  glatt. 

Krotte"-:  Schimpfn.  ZWettschw.  —  Krou,  KrBtc, 
vvahrsch.  als  Ausdruck  der  Geringschätzung. 

Neujahr-:  G.,  der  um  Neujahr  singend  und  bet- 
telnd durch's  Land  zog  Zf. 

Dürr-Bire"-:    Scheltn.  ZWettschw. 

Wahrsch.  ein  Hohn  auf  die  einem  solchen  Fahrendeu  ge- 
reichten, oft  höchst  bescheidenen  Gaben  und  damit  auf  den 
Empfänger.      Vgl.  Bratia-G. 

Purrli-:  ganz  saurer,  geringer  Wein  AaKu.,  L. 
Z,   auch  schlechter  Liqueur  Z.     Syn.  Burrli-Fuchser. 

(*DYa,tei\ii-)  Brätis-:  herumziehender,  schlechter 
Fiedler,  der  an  Gelagen,  bes.  Hochzeiten,  spielte,  wenn 
der  Braten  aufgetragen  wurde  (über-''e  Brotis  gige"), 
und  den  man  mit  Speise,  oft  wohl  mit  einem  Bratis- 
Bein  [-Knochen]  vom  Tische  entschädigte  Aa;  „BO.  ; 
L;"  schlechter  Musikant  übh.  Ap;  Bs;  Gl;  SouSt.;  Z; 
vgl.  Spis-,  Kirchwxh-G.  D'  Chilbi  [Kirchweih]  chunnd, 
e  B.  spiü-em  [dem  Bauern]  Freud  i'  Herz  und  Füess. 
Häfl.  1813.  Unbedeutender  Mensch  übh.  (Spottn.) 
Aa;  B;  Z. 

In  der  Com.  Beati  ermahnt  ein  Spielmann  den  andern: 
.Es  ist  g'stimmbt  iez,  wann  wir  ga"  wend,  wir  komnient 
sunst,  wann  's  Bratis  geud.'  Über  ernen  ähnlichen  Brauch 
in  Schwaben  vgl.  Birl.  Volkst.  -2,  367/8.  Über  die  Form 
liralia  s.   ye-  Bd    II    41. 

Sele"-:  Geistlicher  Ap;  Z  (spött.). 

Arme"-Sele°-  Ostschw.,  Liebe"-Sele°-  ScuwE.: 
=  Spis-G.  Dri"  g'seh"  n-ie-en  Arme'-Sele"-G.,  elend, 
abgelebt  aussehen.  —  Viell.  darum,  weil  das  Lied  von 
der  armen  Seele   oft   von   den  Spielleuten   gesungen   wurde. 

Schilli"^-:  Spottn.  auf  einen  schlechten  Musi- 
kanten, eig.  ,der  um  einen  Schilling  geigt.'  Vgl. 
JKToBL.  1867.  S.  171. 


153 


(Sag,  geg.  glg,  gog, 


Spis-:  schlechter  Geiger,  der  zum  Tanz  siiielt  VV. 

Tüpfli-:  1.  Brenneisen  (vgl.  (rige  3  c}.  mit  wel- 
chem eine  Figur  Ton  3  Punkten  als  Eichzeichen  auf 
hölzerne  Gefässe  aufgebrannt  wird  ScnSt.  —  2.  (als 
Spottu.)  Blatternarbiger,  ebd.     Syn.  Glge-Tüpfler. 

Türli-:  1.  herumziehender,  armseliger  Musikant, 
der  vor  allen  Türen  (vgl.  hinderm  Türli  gigen)  spielt 
Aa;  S.  —  2.  abgemergelter,  einfältiger,  herunter  ge- 
kommener Mensch,  Pinsel  Aa;  Bs;  Gr;  S;  Z.  .Blosse 
A-B-C-Schützen  und  T.  gegen  die  [im  Vergleich  mit 
den]  alten.'  Dennl.  1817.  —  3.  Plaudertasche  Aa. 
—  4.  wer  an  der  Türe  hängend  mit  derselben  knarrt 
(vgl.  gigen  4)  GrI).,  bes.  scherzw,  auf  kleine  Kinder 
angewandt,  die  dieselbe  noch  nicht  schliessen  können 
BsStdt.  —  5.  schlechter  Wein  Aa;  B;  „L;"  Z.  Syn, 
Kuttlc-Rügger,  Purrligiger.  —  6.  Durchfall  (Oig&-  3) 
VOrte;  S;  Balz  1781. 

Kilbi-:  auf  lürchweihen  ziehender  (schlechter) 
Musikant,  allg. 

Geisse-Gigeli:  Gänseblümchen,  bellis  perennis  Aa. 
Syn.  -GiseU,  -Gismeli. 

Gigeligö,  uf-em  G.  rite',  Huckepack  reiten  GrD. 
(Kdspr.).     Vgl.  Gögel,  Rücken. 

gigere(ll)  II  (uf-):  1.  nachlässig  aufschichten.  Die 
Schiter  heintsch  [haben  sie]  nummu  ufgigrot  W.  Syn. 
yögeren.  —  2.  sich  von.  einem  Falle  aufrichten  BO. 
Syn.  ufgageren. 

Giger-ne,  -te  f,:  lose  aufgetürmter  Holzhaufen 
VV.     Syn.  Go-,  resp.  Gö-,  Güegerfe. 

.,gigle(n)  1  (auch  uf-):  eine  schwache  Mauer 
ohne  Mörtel  aufrichten.  Steine  übel  passend  auf  ein- 
ander türmen  oder  häufen  W.-     Vgl.  Gogermür. 

GTge(r)tsclli  n.:  Samengehäuse  im  Obst  BoAa.,E.;S. 
Syn.  Güegi;  andere  s.  bei  Flieg  5.  —  Zyro  gibt  für  B  »  an. 

Gigüx  s.  Eidechs. 

giege(n):  wiegend  hin  und  her  neigen  SchwE.  — 
Wahrsch.  nur  Nbf.  zu  gigen  in  ders.   Bed. 

Giegi  m.:  1.  der  hin  und  her  neigend  sich  bewegt 
ScHwE.  —  2.  Tölpel,  ebd.     Syn.  Gageri  I. 

Der  Tölpel  scheint  von  seinem  schwankenden  Gange  benannt 
zu   sein,   wie  noch  in  synn.  WW. ;   übrigens  vgl.   mhd.  ijicge. 

giegle(n):  hin  und  her  schwanken,  sich  wälzen, 
z.  B.  am  Boden  iimme-,  von  einem  Betrunkenen  GO. 
S.  Peter  hat  nach  e  Wili  umme  g'gieglet  uf  der  herte 
Diu  und  schlaft  aw''  i".  Von  Kindern,  die  in  der 
Sonne  sitzend  sich  die  nackten  Glieder  bescheinen 
lassen.  Syn.  geiglen,  e  Gieggle  machen.  —  Giegli  m,: 
Schemel,  welcher  nicht  feststeht  GaHe. 

Gögel  m. :  ein  sonderbarer,  komischer  Mensch. 
Wenn  man  z.  B.  Jnid  etwas  Gutes  anbietet  und  er  es 
nicht  annehmen  will,  so  sagt  man:  Bis  nid  so  n' en 
G.  und  nimm  's  ScHSt.  •-  Nahe  vwdt  mit  Gnur/gtt,  s.  d., 
und  zunächst  zu  t/oglm. 

Strüss-:    Blumenfreund,   -Narr   Z.     Auch  -Gögel. 

gögle(n):  spielen,  schäkern  ZGrün.,  Horg.  Narren- 
possen treiben  Z.  —  Mhd.  tjogehn,   mit  vwdter  Bed.  liat  B. 

Gogeli  n.:    Ei  (Kdspr.)  Bs.    Nbf.  zu  Syn.  Gaggeli. 

göge(n)  [-gg-  GF.):  1.  „ruhen  (verächtlich)  W;- 
faul,  unschicklich  sich  hinlegen  oder  hinsetzen,  sich 
gähnend  strecken,  faulenzen,  herumlungern  Ap;  G; 
TuTäg.     Auch  umme-.    Im  Bette  g.,  unnötiger  Weise 


darin  liegen  Ai-Id.  bei '1.  —  2.  sich  langweilen  GRPr. 
-  Wahrsch.  blosse  Nbforui  zu  gagtn  I,  da  die  Bedd.  ,sich 
wiegen*   und  , ruhen*   sich   leicht  vermitteln  lassen. 

gogere(n):     \.  ^=  gägere"  B  (n);   L;  U;  Ndw. 
2.  scherzen,  wie  kleine  Kinder,  tändeln    B;  S.     Syn. 
göglen,  gögelen.    —   3.  ,G.,   inordinate   superstructum 
esse.'  Id.  ß.    So  noch  Bß.    Auch  =  gablen  3  B.  —  Im 
Ganzen  Nbf.  zn  gilgeren.      Zu  2    vgl.   Anm.  zu  göglen. 

Gogerli  (öj  n.:  scherzw.  Schelte  unzufriedener 
Kinder  BBurgd.  —  Wahrsch.  zu  gügeren  i.  S.  v.  unruhig 
sich   herum  treiben,  steigen. 

,Gogerte  f.:  incongesta  molos.*  Id.  B. 

gögere(n),  Dim.  „gögerlen"- :  1.  locker,  lose  auf 
einander  häufen  ,B0.;  Gr;"  W.  —  2.  schwankend 
gehen  BO. 

uf-gögerle(n):  auflockern  BHk. 

gögerlig:  1.  „locker,  nicht  fest,  von  Sachen,  die 
herunter  zu  fallen  drohen  BO,;  Gr;**  etwas  ,g.'  aus- 
breiten, damit  es  von  der  Sonne  besser  beschienen 
und  getrocknet  werde  BHk.  —  2.  „ökonomisch  in 
schlechten  Umständen  stehen  BO.'  —  3.  „heirats- 
lustig sein,  bes.  von  Wittwen  und  Wittwern  BBönig." 

Gögerte  f.,  „Güegerte":  etwas  auf  einander 
Gestelltes,  das  baldigen  Einsturz  droht  BO.  Syn.  Gi- 
gerte  und  Gogerte;  s.  gageren. 

Gögel  m.:  1.  a)  Lustigmacher,  Possenreisser,  Hans- 
wurst Z.  —  b)  Geck,  Narr,  dunmier  Kerl  Aa;  Bs;  Gr; 
ScH;  Th;  Z.  Wer  an  Etwas  eine  närrische  Freude 
zeigt;  vgl.  Gögel.  Syn.  Gäuggel,  Göggel,  GÖl,  Gölgg.  — 
c)  langer,  schmächtiger  Mensch  AAZein.  —  d) , Schlech- 
ter Kerl.*  .JCUlr.  1768.  ^  e)  Übern.  ,Han.s  Frig,  gen. 
G.'  1431,  Z.  ,Henslin  G..  syn  Ij'blicher  sun.*  ebd. 
.Gögeli;  Gögel*  1715/83.  ZZoll.  Taufb.  .Gögeldick', 
Familienn.  ScHwSeewen.  Vgl.  auch  den  Übern.  Gögi 
in  ZTöss.  —  2.  verdickter  Nasenschleim  Scii.  Syn. 
Gölgge,  GÖggel,  Bfrjogg,  ButzenmÖggel. 

Von  Ooggrl  ist  ijögel  in  Laut  und  Bedeutung  nicht  wesent- 
lich verschieden.  1  c  erklärt  sich  daraus,  dass  Leute  von 
jener  Statur  in  ihren  Bewegungen  leicht  etwas  Linkisches 
und  insofern  Lächerliches  haben,  vgl.  Gtiyeri,  Uagi,  Gäggi. 
Ulrich,  der  das  W.  aus  dem  hebr.  OaJ,  Heiden,  herleiten  will, 
hat  sich  entweder  durch  seine  Etymologie  bestimmen  lassen, 
oder  nimmt  .schlecht'  i.  S.  v.  .gering'.  Zu  2  vgl.  Bögg,  das 
die  Bedd.   Maske  und  Nasenschleim  ebenf.   vereinigt. 

Butze"-:   Popanz  Sch  (auch  -gg,  s.d.);  Th. 

gögelig,  güglig:   geckenhaft  ScHSt.;  Z. 

gög(e)le":  1.  Mutwillen  treiben,  närrisch  tun, 
sich  lustig  machen  ZStdt,  Zoll.  —  2.  (gogele'J  dumm 
handeln  Sch.  ver-:  1.  „Etwas  aus  plumper  Un- 
besonnenheit verlieren,  verlegen  oder  für  Kleinig- 
keiten weggeben  Sch;  Z."  —  2.  verwöhnen,  -zärteln, 
-hätscheln  GrL.  Part,  rergoglet.  Syn.  verhätschlet, 
erwärt.  —  Bed.  2  lässt  sich  durch  .vernarrt'  =  verliebt  und 
Xärrli  als  kosende  Bezeichnung  eines  kleinen  Kindes  erklären. 

um-:  umstürzen,  von  Menschen  ZO.  Syn.  um- 
geiglen,  -gäugglen. 

Gogel,  Gügel  (GRPr.)  m.,  Dim.  Gögelti  GrD.: 
kleiner  (alter,  schlechter)  Keitschlitten  für  Kinder, 
kurzer  Handschlitten,  mit  Holzstäben  „GL'-(t);  GrD.. 
He.,  Pr.  .Jmdn  auf  den  G.  nehmen*,  auf  den  Kücken 
GrD.     Syn.  Güggi  II,  Krücke. 

'  Zur  letztern  Bed.  vgl.  Uigeligü,  sowie  vnrarlli.  giigm,  auf 
dem  Rücken  tragen,  wozu  wieder  unser  ijiig'ii  I  (eig.  mit  «1 
zu   vergleichen  ist. 


155 


Tag.  geg,  gig,  gog,  gug 


Giig  111..  Diin.  Giiyli:  Ton,  Laut,  Kuf.  Beim  Vei- 
steckenspielen  ,Guggelibergen'  antworten  die  Ver- 
steckten auf  das  Verlangen  des  Suchenden :  Los  [lass] 
en  Gmjüg!  (s.  d.)  mit  einem  Gug  kiSh.  ,Er  lasset 
noch  ein  kleines  Güglein  von  der  Ohren-Beicht.' 
Klosterguggü  1687. 

Wahrsch.  zu  Owje,  Blashorn;  <jngen  U,  f[üfit/fn.  Hörn 
blasen;  Tgl.  auch  güggen,  pfeifen,  von  Vögeln. 

Gugel  I  m..  Dim.  Gilgeli,  Gügerli:  Haushalin  Ar;  (i. 
Syn.  Güggel,  Guli,  Giigelhan.  Er  wird  vor  Hochmiief 
tcie-n-en  G.  g'schwolk"  Ap;  vgl.  nhd.;  der  Kamm 
schwillt  ihm.  Pote,  ist  der  G.  «»"*  envacht!  JJKütl. 
,Es  soll  ein  wirt  nit  mer  haben,  dann  ein  hängst  am 
baren,  ein  katzen  und  ein  g.  und  soll  der  wirt  uf  der 
first  stan  und  sol  ein  .sichlen  in  der  linggen  band 
nemen  und  so  fer  er  die  sichlen  werfen  mag,  also  wyt 
soll  syn  gugel  recht  haben  zu  weid  gan.'  Offn.  ZDielsd. 

uf-gugle°:  auifahren  wie  ein  Hahn,  sich  zur 
Wehr  setzen  Ap.     Vgl.  gügelen,  gügerlen,  güggelen. 

Gugel  n  m.,  Dim.  Giigeli,  Gügerli  (Ap):  1.  a)  Röhre 
oder  Spitze  eines  konischen  Hutes  BG.,  Si.;  Ndw.  Syn. 
Gnpf.  —  b)  , spitzige  Mütze.  Kappe  L."  Der  Spitz- 
hut der  Beamten  beider  Stände  in  BsStdt  (Spreng). 
Vgl.  G-hiiet,  -kapi)e.  —  c)  turbanförmige  Wintermütze 
der  Frauen,  von  Pelz  oder  Wolle,  früher  bes.  im 
XVn./XVm.  in  G  u.  ZWint.  getragen,  jetzt  noch  in 
Montafun.  ,Von  Stauchen  und  Guglen  wird  Nichts 
mehr  vernommen.'  GZdst.  1860.  —  d)  eine  Art  Kappe 
oder  Kapuze.  ,Dass  ein  jeglich  fröwelin  [Dirne]  tra- 
gen soll  ein  rotes  keppeli  über  twerch  uf  dem  houpte ; 
kummt  si  in  ein  kilchen,  will  si  das  kugellin  abe- 
ziehen,  so  soll  si  's  uf  ir  achsel  legen.'  1313,  Z  Ratserk. 
.Ein  Chorkappen  mit  einer  Listen  und  mit  einer  Kugel 
von  Perlen  [zu  einem  Messgewand  gehörig].-  1357. 
Arg.  ,Si  [leichtfertige  Mönche]  schluogend  mit  dem 
g.  die  mensur  [den  Takt  zu  ihren  Gesängen].'  UEckst. 
1526.  ,Und  hat  sich  der  gottlos  erengeit  [Ehrgeiz  der 
Mönche]  gar  gern  soeben  und  zu  etwas  Zwietracht 
bringen  lassen;  er  schlouft  sich  aber  widerum  under 
die  g.'  Vad.  ,Cappa  autem.  capitis  tegmen  a  tunica 
separatum.  cucullus,  Gugel,  capello  Italis.  Geimanis 
Kappen,  Alamannis  Schlappen.'  Goldast.  ,Wie  man 
etwan  in  den  klöstreii  den  sauhirten  kutten  und  guglen 
an.stosset.  (hiinit  sie  eingedenk  syn  mögend,  dass  sie 
zu  dem  onlen  gehörend.'  ebd.  ,Im  anfang  des  spils 
verbunden  ihm  die  meister  d'  äugen  mit  sydener  bin- 
den und  zugent  synen  gugel  darüber.'  Ansh.  .Bar- 
diacus,  ein  kleid  on  ein  g.'  Fris.;  Denzl.  1ij77;  1716. 
.Cucullus,  ein  g.,  den  die  frauwen  tragend,  wenn  es 
regnet,  item  ein  halskapp  oder  kappenzipfel.'  Fris.; 
Mal.  .Der  G..  hohe  Kapp.' Red.  166'2.  S.  noch  .Spanier- 
kappe.' —  p)  sehr  znaespitzte  Garnspule  ApH.  —  f)  (nur 
als  Dim.,  (hiiirli.  (hiqirli)  eine  Art  Sattel  in  der  Fabrik, 
beweglielii-  i'vliieliT  niederzudrücken  Ap.  —  '2.  Hügel 
AAZein.;  auf  eiuem  Berge  hervorragend  L;  runder 
Gipfel  Ndw.  ,Die  offnung  ze  Wurchonloss  gat  unz 
oben  uff  den  g.'  Noch  vielfach  erhalten  in  Flurnn.: 
Innerer  oder  vorderer,  hinterer  oder  äusserer  ,G.' 
(letzterer  auch  ,Burghorn'  genannt),  2  Bergköpfe  auf 
der  Lägern.  ,Weiss-G.'.  Bergn.  LE.  ,In  der  Gugel- 
ment'  ZAndelf.  [-ment  verk.  aus  ,Allment'],  ,Guglen- 
berg'  FTaf.  Reben  im  ,Gugelweg'  ZUrd.  .Uf  Gugefei.' 
XIV.,  L  Propsteir.  ,Ein  Acker  genannt  Gugelpünton.' 
1659,  Arch.  Wett.     Vgl.  auch  noch  Ghügel  :i. 


Mhd.  yuyi'k,  giujd,  Lityrt  f.  Kapuze,  aus  nilat.  iiueuitu, 
lat.  cucullus.  Für  den  Zshang  der  Bedd.  1  und  2  vgl.  das 
Verhältniss  von  Kappe  zu  Kuppe  und  auch  Gupf  und  Qugd- 
hopf,  Name  eines  Gebäckes  von  ähnlicher  Form.  Als  Ge- 
schlechtsn.  erscheint  einfaches  Gugel  nur  selten.  ,Ruodi 
Gugelly.'  1484,  SchwWoll.,  öfter  als  erstes  Glied  von  Zss.: 
Ougelhehn;  G-mann  B  oAa.  ,G-berg.'  1400/1523,  Z;  1449 
bis  1531,  Schw.  ,Guglenberg.'  1526,  F.  Die  beiden  letztern 
natürlich  zunächst  von  den  gleichlautenden  Ortsnn.  entnommen. 
Mit  nachgesetzten  Vornn.  halb  appellat. :  ,Du  armer  Gugel- 
fritz.'  Lind..  Wint.  Chr.  ,G-Franz.'  Gcngb.,  Gauchni.  ,G-lutz 
(I.udwigl.'  1Ö31,  Zg.  ,Ruotsch  [Rudolf]  Gugellotz.'  1531, 
ZErl.,  zsgz.  ,Gugolz.'  1593,  ebd.,  und  als  Übername:  ,Heinrich 
Müller,  genannt  Gugellorin.'  1681,  AaB.  Zu  unserm  W. 
wild  auch  der  Flurn. :  ,in  der  Guglen.'  ZUster  u.  Zoll.,  ge 
hören,  der  sich  zu  demselben  verhielte  wie:  ,in  der  Giblen' 
zu   Gihel.   —   Tgl.  noch  Anm.  zu    Gnf  I. 

Gngeluch:  =  Guggüs,  beim  Verbergenspielen  mit 
Kindern  ScnStdt. 

Gugel-üs:  dass.  ebd.  ,Macht  auch  ein  Kind, 
wann  es  etwann  2ii  Jahr  alt  i.st,  Gugelaus'r"  Herzbr. 
Pred.  1759. 

Gugelum  (ChuMum%K)  m.:  Früchte  des  cocculus 
suberosus  (Indiens),  Kockel-,  Fischkörner,  als  betäu- 
bendes Mittel  beim  Fischfang  gebraucht  GRh.,  Rorsch. ; 
SB.:  ZS.     Vgl.  GuggeU-Fang.  -  Aus  co.mln>. 

grige(ll)  I:  hin  und  her  bewegen,  wiegen  Bs,  auch 
als  Dim.  gügele".  Het  men-e  aber  g'heisse :  Gang  wagten 
e  wengeK  dinne!  het  er  blöselig  giiget,  un''  's  China 
het  g'schratie,  u'ie  vorher.  All.  1843.  Auch:  sich  hin 
und  her  bewegen.    D*  öhilchtüre  g-t.  Hebel. 

Schwab,  gügeln,  wiegen,  wackeln.  Der  Voc.  scheint  aber 
erst  später  verlängert  worden  zu  sein,  wie  in  gOgen,  schau- 
keln; mhd.  r/nr/en,  gugeii.  haben  kurzen.  Vgl.  noch  Anm.  zu 
gigageii. 

Guge"  f.,  Dim.  Giigeli:  1.  a)  „(Gueg)  Widerrist, 
[Nacken  des  Pferdes]  L."  Hals.  Nacken  (des  Menschen) 
Bs  (Spreng).  So  in  den  bildl.  RAA. :  M"'m  uf  dr  G. 
si",  sitze",  ihn  belästigen  durch  allzu  grosse  Nähe  Bs. 
Er  hockt  mer  uf  d'r  G.,  dass  i'''  nit  schnüfe  ka". 
Spreng.  JEi""«!  uf  d'  G.  cho",  zu  nahe  kommen.  Gang 
mer  ah  dr  G.!  bleib  mir  vom  Leibe,  lass  mich  in 
Ruhe.  P*  kam  hält  grad  mit  gueter  Baslerlauge  und 
saiti:  Gehn  Sie  mir  doch  ah  der  Gange!  RKelterb. 
1874.  Syn.  ab  de"  Socke",  Hippe".  ,Sy  sind  uns  uf 
die  Achslen  gesessen  oder  wie  man  gmeinlich  spricht, 
sy  sind  uns  gar  auf  gugen  gehocket.  In  capite  atque 
in  cervicibus  nostris  restiterunt.'  Mal.  Dafür  Fris.: 
,Sy  habend  uns  auf  den  hals  treeten.'  Einem  under  die 
Gügen  kommen  dürfen  [mit  Hineinspielen  der  betr. 
RA.  von  den  Augen]  ZG.  —  b)  (PI.  Gilge')  die  weibl. 
Brüste  Z,  auch  Dim.  Gügeli.  Syn.  Süge.  ~  c)  Blase 
(von  wässerigem  oder  eiterigem  Inhalt),  Schwiele, 
Geschwür  Aa;  L.  Syn.  GügCeJle,  Gügere.  Wer  de' 
Treschflegel  a'grlft,  muess  d'  G.  vergesse".  Du  hesch 
rüdigi  Finger  und  Gilgeli  drä"  S  (Volksliedch.).  , Später 
zogen  dann  die  Herren  [Offiziere]  auf,  so  gelassen,  als 
ob  so  etwas  sich  von  selbst  verstünde,  und  Pauken 
und  Trompeten  eben  nichts  anders  wären,  als  vor- 
nehme Gügerlein,  also  etwas  ganz  Ordinäres.'  Gotth. 
—  2.  a)  Blashorn  des  Kuh-  oder  Ziegenhirten,  auch 
des  Nachtwächters,  oder  der  Knaben,  als  Spielzeug, 
aus  Rohr,  Holz,  Rinde,  Papier  oder  hohlen  Pflanzen- 
stengeln, wie  derjenigen  des  Kälberkropfes  Ap  oder 
bes.    der    Wald-Angelica    verfertigt    Ar;    Gr;    GEh. 


Gag.  geg.  gig.  KOfr.  s»? 


Güycli,  Kiiuleitroiiipetcheii  GRh.  Syii.  Gugi,  Güggen, 
Blöseli,  Pfife.  -  b)  Wald-Angelica,  angelica  silv.  GG.. 
Eh.,  S.,  Sa.  Syn.  Bilchel,  Rörhuggle,  Pfiff,  Beribläse, 
Lüsrör,  Bach-,  Blas-,  Sinckrör,  WaldrÖre.  S.  auch 
Spick-G.  —  3.  Röhre  zum  Trinken  (aus  einer  Bütte, 
bes.  in  der  Kelter)  GSa.     Vgl.  gügelen  und  gügeii  II. 

—  1.  (m.  und  f.)  Berg  mit  haubenförmigem  Gipfel  im 
Jura.  Vgl.  Giigel.  ,Eiiie  der  höchsten  Spitzen  [des 
Bergzugs]  ist  die  Guge  bei  Stusslingeu.'  Gem.  S  1836. 
.Von  dannen  in  das  höchste  uf  Gugen.-  1351,  Aa  Weist. 
Noch  als  Fluni.:  ,in  der  G.-  GT.  —  5.  ,=  Gueg  1  d, 
im  bildl.  S.  B;  L;  U." 

Von  yüijen,  blasen,  woraus  sich  Beil.  1  und  2  von  selbst 
erklären,  wenn  bei  1  a,  b  der  Grundbegriff  ,Anscliwollnng, 
hervorragender  rundlicher  Teil  des  Leibes',  angenommen 
werden  darf.  Zu  1  c  vgl.  ,Fistel',  röhrenartiges  Geschwür, 
lat.  ßatula,  Röhre,  Rohrpfeife,  und  ,Blase:  blasen'.  Bed.  i 
(wo  das  m.  aus  dem  mitgedachteu  Begriff  .Berg'  zu  erklären 
sein  wird)  schliesst  sich  an  1  mit  dem  gms.  Begriff  rund- 
licher Erhöhung.  Zu  1  a  scheint  auch  trotz  der  auffälligen 
Form  (ue  für  «,  resp.  fi-  statt  u')  St-s  Angabe  aus  L  zu 
gehören;  umgekehrt  giebt  er  u  für  ue  au  iu  ffii./tn  für 
Gueg  ö.      Ö.   noch   (iaugke  bei   Schin.-Fr. 

Eiter-Gügeli:  kleine  Eiterpustel  AASt. 

S  p  i  c  k  -  g  ü  g  e  "  GSa.  =  Guge  2  h.   Syn.  GugC-Krut. 

—  Spicke»,   Kügelchen  durch  ein  Rohr  blasen. 

güge°  II:  1.  auf  einem  Hörn  blasen,  von  Feld- 
hütern, Jägern.  Wächtern,  Hirten,  Schiffern  Gr;  GRh.; 
SfHW;  Ndw;  Z.  In  ZZell  bes.  vom  Bäcker,  der  durch 
Blasen  die  Leute  zum  Besuch  der  Schwitzstube  ein- 
ladet. Syn.  j"  's  Bädli  blase".  Auch  gügen,  gugelen, 
güggen,  güggen,  s.  dd.  —  2.  jo'.leln.  trillern  SchwMuo. 
S.  noch  gugelen.  -  3.  heftig,  laut  weineu  GrV.; 
GEh.;  schreien,  heulen  von  einem  Gespenst;  s.  Bogeten- 
Gugi.  Von  Tieren:  schreien  wie  ein  Kukuk  BsLd; 
von  der  Stimme  des  Salamanders,  der  darum  Güge"- 
möli  und  entstellt  -mörchli,  -manHi,  Gügge-mimli, 
Gügge-möfußi,  Güllegugger  lieisst.  D'  Frosch  gügen 
uf  ein  Tüchel  Schw.  Auch  güggen,  güggen,  s.  dd.  — 
4.  verächtlich  von  der  menschlichen  Stimme,  in  der 
RA.:  Er  kann  nit  g.  und  nit  gage",  keinen  Laut  von 
sich  geben,  =  er  weiss  weder  Gux  no"''  Ga.c  BsLd. 
Vgl.  güggen  4.  —  5.  schlurfen  Th.  It  Schwzrd.  '20.  36. 
Dim.  güg(e)len,  s.  d.,  und  gügglen  u.  vgl.  Guge'  3. 

Der  ä.Spr.  ist  das  W.  fremd;  es  scheint  Lautnachahmung 
zu  sein.  Die  syn.  Formen  mit  it  und  ß,  y  und  ijij  bestehen 
z.  T.  neben  einander  und  fliessen  iu  eiuauder  über,  viell.  mir 
mit  dem  Unterschied,  dass  die  Formen  mit  yy  einen  etwas 
stärkern,  die  mit  ü  einen  etwas  höhern  Ton  nachahmen. 
Doch  scheint  es  ratsam,  dieselben  zunächst  getrennt  zu  halten, 
weil  sie  nicht  alle  Bedd.  gemein  haben.  Im  S.  v.  I  scheint 
es  auch  enthalten  in  den  Compp.  Guyen-Ma",  -Wib,  zur  Be- 
zeichnung von  Eheleuten,  die  getrennt  leben,  halb  geschieden 
und  darum  ,verrufen'  oder  Gegenstand  des  Spottes  sind. 
Vgl.   tisgiiyen. 

US-,  auch  ver-:  öffentlich  als  fallit  erklären,  ver- 
rufen L,  schon  It  Schweizerb.  1818;  in  Zo  mehr  scherz- 
haft ;   ernsthaft  üs-rüefen.    S.  üs-,  vergüglen,  -güggen. 

Gügete  f.:  Getön;  Geschrei  GRSchiers.  As  hohls 
Gadü'  old  a  G.  vom  wilde  Geissler  [einem  (iespenst]. 
Schwzrd. 

Gügi  m.:  1.  Einer,  der  jodelt  SchwMuu.  Zu  gü- 
gen 11  ä.  S.  noch  Gügeler.  —  '2.  n.  a)  Blashorn  L: 
Zg;  St.''  Auch  Gügi,  Güggi.  b)  weibliche  Schreck- 
gestalt, Kindergespenst  Gi.;  L  (Güggi).  .Gefürchteter 
als  diese  Schreckgestalten  war  das  Bogetengugi.  denn 


dieses  hörte  man  von  Zeit  z«  Zeit  in  seinem  Walde 
gugen,  und  es  hockte  ungehorsamen  und  umherschwei- 
fenden Kindern  auf,  so  dass  sie  das  Ungetüm  unter 
Angst  und  Schrecken  eine  Zeit  lang  tragen  müssen.- 
MEsTERM..  Rick.  Zu  gügen  II H.  —  ßoyete,  FUirn.,  Wald 
bei   LMüuster.     Vgl.   Lüt.   Sag.  S.  12G. 

Guge»  (-!(-)  f.:  =  Guchle,  Röhre  und  Rinne  an  der 
Obstmülile  ApI.     Vgl.  Güge"  3. 

¥iäi- dngtT  =  -gügger  Bd  I  loTs  L.  mit  An- 
lehnung an  gügen. 

Kratz-:  verächtliche  Bezeichnung  eines  krätzigen 
Menschen  BE..     Zu  Guge'  1  c.    Vgl  auch  das  Folg. 

«ngere  (-«-  BS.)  f.:  Eiterblatter  Bs;  B.  Dim.  CHi- 
gerli,  bes.  Hitzblätterchen  oder  -bläschen  im  Gesicht, 
Ausschlag,  verursacht  durch  Genuss  von  scharfgesal- 
zenem Käse  oder  Schweinefleisch  B.  Syn.  Güge,  Gügle, 
Bibeli,  Borple,  Sure'.  Schiitzeli.  wie  bist  du  dach  so 
rüdig,  und  r'' bi  alle''  Hn'i'i'i  i'"U :  lliisl  h,,''  .jmnHt, 
i"'  Süll  d'r  chratze.  Xn :  's  ti(,i  „nr  s,Ah, ,-  in,l :  7,\k(i. 
Eusere  Gugerehans  hat  ginbcl.  hat  's  Bibtii -  Xaiini 
g'nö" :  chann  eigetli  nid  bigrife,  ivie  die  st"  zämmechu .'  B. 
, Keine  Rose  ohne  Dornen,  sagte  eine  Tochter,  die  Gu- 
gern  im  Gesichte  hatte.'  Gukk.  1843.    Syn.  Güge'  1  c. 

vergügeret:  voll  von  Gugeren  B. 

tingle,  -ÖM-  UwE.,  Gügele  (-»-  AAWohl.)  f.  (meist 
als  PI.  =  Gouigle  Ulsent.),  Dim.  Gügeii:  Blase  am 
menschlichen  oder  tierischen  Körper,  Pustel.  Ge- 
schwulst AaF.;  L;  S;  UwE.;  U;  Zg.  Syn.  Eissc, 
Güge,  -re,  Gügi,  Gide.  Im  PL  auch:  Finnen.  Mitesser 
S;  Ulsent. 

Gngeral:  ein  Stoff.  .Eine  niange  ze  linwat  und 
ze  g.'  1335,  Z  Ratserk.  Hieher  wcihl  auch:  .Ein  stück 
gugrars.'  1376,  Z.  Vgl.  aucii  Guyler.  -  Ursprunglich 
viell.  ,Stoff  zu  Gugeln'. 

gngilliere(n) :  necken,  plagen  L".  —  Vgl.  afiz.  </o</nc, 
Scherz  und   Vwdtc   und  yüyemirlen. 

gugle",  -ele"  (-H-):  1.  hellauf-,  aus  vollem  Halse. 
stossweise,  herzlich,  mit  lebhaften  Körperbewegungen, 
unanständig,  ausgelassen  lachen  B;  FM.;  „VOkte;- 
SG. ;  Ndw;  Syn.  gagglen,  chachlen,  schüblen.  Lauten 
Spass  treiben  Bs;  BM.,  U.  ,Er  sah  Änneli  süsslächt 
g.  mit  ihnen.'  Gotth.  Heimlich,  versteckt  lachen  1!. 
—  2.  (gugele'J  Töne  nach  Art  der  Turteltauben  und 
Birkhühner  von  sich  geben  Ndw.  Auch  von  der  Eier 
legenden  Henne  Z  (It  Wack.  1869). 

In  den  Gaumenlauten  und  dem  dunkeln  Vucal  liegt  offenbar 
Nachahmung  des  Schalles,  für  1  etwas  stärker  mul  voller 
als  bei  yiylcn.      Vgl.  auch  yüyelen,   Guyelfuer. 

(tugler  1  ni.:  ein  Kleiderstoff,  viell.  dass.  was 
Gugeral.  ,Die  Gewandschneider  sollen  kein  G.  feil 
haben.'   1526,  Ochs.   -  Vgl.  auch  Schm.-Fr.   1,  881. 

Gagler  11  m.:  (PL  mit  Art.)  die  englisch-französi- 
schen Soldtruppen,  welche  a.  1375  die  Schweiz  über- 
fielen und  geschlagen  wurden;  so  genannt  nach  ihrer 
Kopfbedeckung,  s.  Gugel  II 1.  ,Die  gugeler.  die  Brit- 
ten,  die  Engeischen,  die  ritten.'  Liliencr.  .Die  G.  oder 
Engländer.'  Tschudi.  Dagegen  Gugler  uml  Gugelniann 
als  Geschlechtsn.  eher  zu  Gugcl  II  l'. 

Gagnnieli:  Türkenbund.  Liliuni  martagon  Uw 
Seelisb.  (Durh.). 

Viell..  wenn   richtig  angegeben.  Iipruu'll  ein.-  Viiquickuug 


Gag,  geg.  gig.  gog.  gng 


160 


Zwiebel  des  Türkenbunds,  auch  CnhI-Ep/d,  -BliUe  ponannt, 
mit  jenen  einige  Ahnlichlteit  hat. 

Gugüs  s.  Guggüs. 

Gügel  111. :  Haufe,  z.  B.  von  Klee  auf  einem  Wagen, 
bes.  i.  S.  V.  unvollständiger,  nicht  kunstgerechter  La- 
dung, wenn  dieselbe  unten  zu  schmal  angelegt  ist 
ZWyl.  —  Wahrsch.  halbes  Dim.  zu  Gage  i.  S.  t.  rundlicher 
Erhöhung;  s.  Anm.  zu  diesem  W.;  doch  vgl.  auch  fl'yejerh 
und   gigeren. 

Gttgel  m.:  1.  s.  Gögel.  —  2.  Name  eines  Berges 
bei  Matzendorf  S.  ,Uf  Gügele.'  Flurn.  XIV.,  L.  ,Der 
Kempfen-Hof  gat  . . .  unz  obnpii  uff  den  G.'  Offn. 
Würenlos.     S.  Gugel  II  ä. 

gttgele",  gügle°:  1.  ein  Hörn  blasen  G;  Tu;  ZO. 
Feuerlärm  machen  GRLandq.;  SchwE.    S.  gügen  II 1. 

—  2.  fein  jodeln  Schw.  —  3.  Wein  durch  ein  GiigeU 
[Rohr]  aus  der  Bütte  trinken,  wie  in  Keltern  geschieht. 
wenn  man  sieh  zum  neuen  Wein  einladet  GEh..  Sa. 
Schlürfen,  langsam,  aber  häufig  und  anhaltend  trinken, 
den  Trunk  lieben  AaZ.;  L;  Tu.  Syn.  gügen  II  5, 
gilgghn,  glügglen.  —  4.  mit  Dat.  P.  (resp.  S.)  hätscheln, 
bes.  Kinder.  Dem  Für  g-ele(n),  das  Feuer  sorgfältig 
pflegen,  wenn  es  nicht  brennen  will  ZW.  Syn.  nf- 
giglen. 

Hieher  (zu  1)  gehören  wohl  auch  die  Peisonenn.  ,GügIi- 
gUg.'  ca  1320,  ZStifts-Urb.  u.  ,Hans  Gügler.'  1531,  Egli,  Act. 

üs-  (auch  ver-)  gügele":  als  fallit  ausrufen  L. 
S.  üsgügen  und  -güggen,  -güggen. 

Gugeler:  Einer,  der  fein  jodelt  Schw.  Z\x  gügele" 2. 

gügele(ll)  (-«-):  1.  lachen  Sch;  Syn.  güxlen;  s.  gu- 
g(e)len.  —  2.  vor  Zorn  zittern,  's  het  Alls  in  im  g'g-t 
Sch.     Vgl.  gügerlen. 

üf-  =  üfgitgelen  Sch;  s.  Gugel  I.  Wo  de"  Gross 
da'  g'hört  hat,  ist  alles  in  im  ufgügelet  und  er  hat 
g'chlbet  und  g'schecht  [scheel  gesehen]  und  hat  nid 
weHe"  i'  d'  Stuben  inne.  JMey.  1866. 

GBgeler:  Hahn  Ap.    Sonst  Gugel. 

giigelig:  fröhlich,  freudig  Bs  (Spreng). 

Tiell.  aus  dem  Syn.  (ge)hmielieh.  s.  hiigelig,  das  aulantende 
g  also  für  g'h.;  doch  vgl.  auch  duget  in  Gugel/uer.  giigelen 
und  die  Synn.  gigelig,  güggeUg. 

guge° :  1.  ins  Hörn  blasen,  durch  ein  Hörn  rufen 
AABremg. ;  S ;  s.  gügen,  güggen,  güggen.  Des  Morgens 
durfte  in  G  im  XIV./XV.  nicht  eher  gefeuert  werden. 
,won  [als]  von  der  zit,  so  man  den  tag  kündet  oder 
rüeft  oder  —  im  Winterhalbjahr  —  so  man  darzuo  gü- 
got.'  G  Eatssatz.  —  2.  „brüllen  GRObS.'-  =  güggen  3. 

—  3.  das  Gügispiel  machen,  .s.  Gügi  5. 
geiss-güge",    -gügene":    das  Knabenspiel,   das 

sonst  auch  liornigleti,  hornüssen,  Möi'e'  schlän  heisst 
Schw.  Man  macht  so  viele  Löcher  in  die  Erde  als 
Spielende  sind  und  in  der  Mitte  eines  für  die  Kugel. 
Dann  nimmt  Jeder  einen  Stock  und  sucht  die  Kugel 
mit  demselben  in  eines  der  äussern  Löcher  zu  bringen, 
was  dessen  Inhaber  mit  dem  Stock  zu  verhindern 
sucht.  Verspielt  hat  der.  in  dessen  Loch  die  Kugel 
zuletzt  bleibt.  Auch  etwa  in  einfacherer  Weise,  indem 
Steine  nach  einem  als  Ziel  aufgestellten  grössern  Stein 
geworfen  werden ;  der  nächiste  am  Ziel  ist  Sieger,  ebd. 
So  genannt,  weil  mit  dem  sog.  ,Hirtgeissen'  tw.  identisch, 
wo  ein  ,Geisshirf  vorkommt,  dem  als  solchem  auch  ein  Blas- 
horn  (s,  (lüge  ?  <i)  zugeschrieben  werden  konnte.  S.  Gelnngugi. 


Gügene  f.:  Beiname  des  Löwenzahns,  weil  Kinder 
den  Stengel  dieser  Pflanze  als  Blasinstrument  ge- 
brauchen. EocHH.  1857.  S.  174.  Vgl.  Güge  3  c.  -  Wohl 
nur  Verlängerung  von    Güge,  vgl.  GeiMgugenen  neben  -gügen. 


Güger  ni.:  1.  a)  =  ,.Giger  5  b  B.'  —  b)  Ge- 
schlechtsn.  1488.  ZKlot.  Wohl  zu  gügen  1.  —  2.  Kalb, 
das  mehr  mit  Gras  und  Heu,  statt  mit  Milch  gemästet 
wird  und  zum  Schlachten  bestimmt  ist  L.  Syn.  Gras- 
gügger.  —  Zu  1  b  vgl.  auch  die  Gescblechtsnn.  .Gügler'  Zg. 
,Gügis'   (l.iSl,  Strickl..  Act.),  sowie   Pfiffr.    Wawr. 

gügeiiade(li) :   foppen,  höhnen  UMad. 

Vgl.  frz.  goguenarder,  spöttisch  scherzen:  s.  auch  Anm. 
zu   dem   Syn.  guginieren- 

gfigerle(n):  aufschwellen.  .Da  fleug  im  an  das 
Herz  g..  ward  stolz  und  gedacht,  wie  er  gar  uf  den 
küngklichen  Stuel  möchte  sitzen.'  IJEüerer  1606. 
Vgl.  gügelen  2. 

Gügi  n.:  1.  Blashörnchen  AABremg.;  Schw.  — 
2.  kleine  Eiterbeule  SchwMuo.  Syn.  Gugle.  —  3.  ,das 
vorn  am  Halse  hervorragende  Ende  des  Schildknorpels 
Schw-  Zg."  Auch  Güegi,  s.d.  —  4.  Kranz  der  Haare 
hinten  am  Kopf  der  Mädchen,  aufgerollte  Haarzöpfe 
GlH.  Vgl.  Buri.  —  5.  das  bei  dem  Spiel  Parlaufen  in 
der  Mitte  liegende  Ziel,  wo  die  2  Gügespieler  stehen, 
welche  die  von  den  2  äussern  Zielen  auslaufenden 
Spieler  zu  fangen  suchen;  s.  Eochh.  1857,  S.  414. 

Für  Bed.  3  ist  viell.  Güegi  die  richtige  Form ;  doch  kann 
.jene  Bed.  auch  aus  der  von  Güge,  ,HerTorragung.  Anschwel- 
lung', erklärt  werden;  vgl.  dieses.  Ohne  Zweifel  gilt  dies 
für  Bed.  4.  Bed.  5  kann  aus  Gcimgiigen  (s.  Anm.  zu  diesem) 
erklärt  werden,  weil  man  von  jenem  Spiel  ausgehend  auch 
den  Mittel-  od.  Zielpunkt  anderer  Spiele  Gügi  nennen  mochte 

Geiss-  n.:  Knabe,  der  in  dem  Spiel  Geiss-giigen 
(s.  d.).  wobei  nach  einem  Ziel  von  aufgeschichteten 
Ziegelsteinen  geworfen  wird,  dasselbe  zu  hüten  hat  Zr,. 

Dass  das  n.  für  eine  Person  gilt,  ist  gerade  bei  Musik- 
instrumenten nicht  auffallend.  Vgl.  frz.  tamhour,  Trommel 
und  Schläger  derselben.  Auch  im  Orchester  nennt  der  Diri- 
gent die  Instrumente  statt  der  Spieler. 

Us-Güglete  f.:  Schlusstrunk  L.  .Die  für  den 
Fritschivater  ziemlich  kostspielige  sog.  U.  am  Altmarkt 
(wird  dies  Jahr  wegen  des  allgemeinen  Notstandes 
unterlassen).'  1879,  L  Vaterl.     Zu  gngfeßen  3. 

Gneg,  -e"  Gueg  m.  Aa;  BO.;  L;  S;  Zo.  Guege 
(Guogo  F ;  W)  m.  BSi.  (-«-) ;  F ;  Gr  tw. ;  W,  f.  AAAarb. ; 
BsLd  (Spreng);  GRChur.  Val.;  Schw;  Uw;  ,Gr;  L;  U", 
PL  -e»,  Dim.  Güegi  Aa;  B;  LG.;  S;  W,  Giiegli  BsLd 
(Spreng);  B;  FMu.;  L;  UwE.:  1.  Wurm  BHa..Si.;  W. 
Graswurm  BFrut. ;  St.""  Vgl.  Gras-G.,  Raupe  BSi. 
Syn.  Paluse.  Langer,  fleischrother  Wurm  F.  Coli.  Ge- 
würm W.  Giiegli,  kleine  Würmer  in  Esswaaren,  z.  B. 
Erbsen  B;  FMu.  .Dass  das  vorrätige,  durch  das  Un- 
geziefer der  Guegen  angegriffene  Getreide  sich  nicht 
wohl  halten  lasse.'  1639,  Fetsch.  .Dass  der  Zehenten- 
Speicher  voller  Iinziffer  und  Güggi  sein,  folgsam  un- 
brauchbar.' 1783,  L.  .Von  dem  U.  nnd  Güggen  ge- 
säubert.' ebd.  ,Mit  den  Güggen,  mit  denen  der  Spj'cher 
solle  angesteckt  sein,  könnte  die  Frucht  [Getreide] 
infectiert  werden.'  1780,  L  Stiftsprot.  Guegen  im  Grind 
haben  zuweilen  die  Ziegen,  was  sie  sehr  unruhig 
macht;  d.h.  es  bohrt  sich  eine  engerlingartige  Made 
durch  das  Innere  der  Hörner  hinauf.  Um  die  Ziege  von 
dieser  Qual  zu  befreien,  müssen  die  Hörner  abgesägt 
werden  BH.     „(PI.  Guege')  Eankkorn,  Krankheit  der 


l(il 


laff,  geg,  gig,  gog,  gug 


Scliweine,  wobei  sich  unter  iler  Zunge  Blasen  bilden  F." 
—  b)  versteinerte  Muschel  SchwMuo.  —  c)  Schlange, 
■L.  B.  a  leida  G.  W.  Molch  GRChur;  SchwE.  Regen- 
molch BFrut.;  St."  Vgl.  Wetter-G.  -  d)  Insekt  BR.; 
schwarzgeflügeltes  F.  Käfer  BsLd  (Spreng);  B;  FMu. 
Gr;  L;  UwE.;  W;  Zg;  „kleiner  K.,  z.B.  die  Cocci- 
nellen  B;  Gr ;  Senw  =  Güegi  L;"  Laufkäfer  S;  Mist- 
käfer Gr;  Schwabenkäfer;  auch  die  kleinen  schwarzen 
Käferchen  in  Mehlsäcken,  Brodladen  L.  I'''  nimm-di"'' 
bin  Ore,  bis  d'  fürig  Güeg  [s.  Johannis-G-]  g'sehst  vom 
Himmel  färe  BBurgd.  ,Ein  grosser  käfer  oder  guoge.' 
VoiiELii.  i.j57.  .Crustata  animalia,  tier,  die  ein  herten, 
ruchen  Überzug  habend,  als  käfer,  guogen,  krebs.' 
Fris.  .Cantharus,  ein  guogen  oder  käfer.'  Fhis.;  Mal. 
.l>er  Käfer,  Raup,  Gaugo.  bruchus.  searabieus,  eruca.' 
Red.  Ui62,  =  Ö(7«c/i  Aa;  BH.:  IU.  /(rinyi i:  S.  Fliege 
(grössere  UwE.),  Mücke.  Jln^l  i.^  (iimji  im.  Aitg? 
Ks  Güegi  hat  mi'-''  gstoche"  AiAail..  I'.iKll.  {„Güegi, 
Gugen  B;  L;  U'-):  Grille.  Er  hat  a  Guugo  im  Chopf 
W.  Das  Güegi,  bes.  i.  S.  v.  Reiz  zu  Zorn.  Ds  G. 
im  Chopf  ha',  zum  Zorn  gereizt  oder  geneigt  sein  B. 
's  G.  sligt  em,  er  wird  zornig  S.  Bern  ist  icieder  es 
G.  a'-clio',  ein  plötzliches  Aufflammen  von  Zorn  [viell. 
vom  Aufleuchten  eines  Glühwürmchens]  BBurgd.  Er 
het  's  G.  im  Chopf,  's  G.  chunnt  im  grad  i"  Ch., 
pronus  est  ad  iracundiam.'  Id.  B.  Auch  von  andern 
Antrieben,  Einfällen.  Afl'ekt^,  z.  B.  des  Ehrgeizes, 
von  momentanem  Feuereifer  zur  Arbeit  B.  Es  chunnt 
mi''''  es  G.  a'  B.  's  G.  ist  em  g'stige,  er  hat  einen 
seltsamen  Einfall  bekommen,  ebd.  ,Das  Güegi,  das 
auf  einmal  in  die  Bauern  gefahren  [Eifer  für  Schul- 
unterricht der  Kinder].'  Gotth.  ,Er  wollte  wissen, 
dass  das  G.  d's  Mädi  nicht  erst  jetzt  angekommen.' 
ebd.  D'r  GottsuiUe  do  si'  ha-n-i"'  niimme  möge': 
so  jung  Bürste  hei  aw'-  ihres  G.  Joach.  1881.  Vgl. 
Beis-G.  —  '2.  (Güegi)  Kerngehäuse  des  Apfels  BsLd. 
Vgl.  Flieg  Bd  I  1178  und  Spitzgiiegi.  —  3.  (Güegi) 
Gurgel,  Adamsapfel  S.  Mit  aller  Chraft  nimmt  er  ihn 
bim  G.  und  wird  em  Meister.  BWyss  1863.  —  4.  übertr. 
(Guege  f.)  ein  auf  etwas  erpichter,  gieriger  Mensch 
Ndw.  Syn.  Fress-,  Git-,  Hunger-G.  ,Fir  ys  und  die 
Tallyt-Giegi  [Hochzeitsgäste]  schärmants  Zuckerzyg 
zur  G'niegi.'  Balz  1781.  Gueg,  dummer  Schwätzer, 
Güegi  (n.),  vorwitzige  Weibsperson  S.  In  Verbindung 
mit  ,arm'  =  Tropf,  von  Menschen  u.  Tieren ;  dagegen 
en  Malefiz-G.,  ein  , Wetters  Kerl',  an  Derbheit,  Zähig- 
keit GRPr.  Schimpfn.  Gr  uVatz.  —  5.  Teufel  L,  bes. 
auch  in  den  Hexenprozessakten  (L  Turmb.). 

Das  W.  ist  dem  Mlid.  fremd.  Schm.  1=,  881  hat:  6'««/ 
l.jvmf)  =  Gachel,  Gackel,  Baumwauze,  also  =  uuserm  (Jauuh, 
s.  d.'  Grimm  Myth.  l",  1027  führt  aus  einem  Hexruhammer 
au:  ,Vermes  noeivi  qui  alemannieo  nomine  jnger  imueuiiautur', 
und  vermutet  Identität  mit  Uuci/;  die  Beschreibung  p;»5St 
jedoch  genau  auf  ,EngerUug'  und  es  ist  daher  imjcr  zu  lesen. 
Schm.  aaO.  vergleicht  span.  cuc«,  Wurm,  Raupe,  was  auch 
auf  bösartige  Menschen  angewandt  wird  (,mala  cuca').  Der 
Begriff  unsers  W.  ist  offenbar  naturwissenschaftlich  nicht 
genau  zu  bestimmen;  es  bezeichnet  eben  allerlei  kleines, 
widriges  und  z.  T.  auch  schädliches  Getier,  Ungeziefer.  Vgl. 
die  Compp.  u.  Käfer.  Für  die  bildliche  Anwendung  i.  S.  v. 
.Grille'  ist  dieses  W.  selbst  nebst  .Mücke'  (Mui/g)  die  beste 
Parallele.  Im  Übrigen  ist  zu  erinnern,  dass  der  Glaube  der 
ä.  Zeit  allerlei  krankhafte  Affektionen  des  Leibes  und  der 
Seele  als  Wirkung  böser  Geister  in  Gestalt  von  Insekten 
und  Würmern  auffasste.  Daraus  erklärt  sich  auch  Bed.  5, 
da  gerade  der  Teufel  unter  Anderm  in  Gestalt  einer  Fliege 
erscheint.  Vgl.  noch  (/«;/  in  dieser  Bed.  bei  Meyer,  l,  Hauskai. 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


1870,  und  bei  Lüt.,  Sag.  S.  223,  und  s.  Do,mcr-(J.  Für 
Bed.  2  u.  3  vgl.  das  Syn.  Bätzgi,  das  auch  den  Schildknorpel 
des  Halses  bedeutet.  Für  4  scheint  als  Mittelbegriff  das  zu- 
dringliche Wesen  von  Fliegen  und  Mücken  und  das  gierig 
gehässige  von  Käfern  angenommen  werden  zu  dürfen.  Vgl. 
dazu  noch  nhd.  ,Wurm'  und  unser  Knif,  in  verächtlich- 
mitleidigem S.  auch  von  Menschen.  S.  noch  Anm.  zu  (luyai, 
sowie    Güegeli. 

Äpfel-Guege°:  Apfelwurni  W.  -  Erd-  (Herd- 
güegli):    kleiner  Käfer  (vidi.  Er.lflol,.  lialti.;,)    P,. 

Flander-:  C.ll.vtivii.  für  ,anniillirl„.-  Inov/iH.T. 
das  sich  am  K..rp.M-  n.lrr  in  .Im  \V„l,iiniii;vn  .\r.  .Mi- 
schen vorfindet,  nicht  Bezeichnung  einer  einzelnen 
Spezies  BR.   —  Flandern,  herumschweifen,  Bd  1  1200. 

Fress-:  ein  auf  Essen  recht  erpichter,  gieriger 
Mensch  Ndw.  —  Unser-licbeii-Fra  iirn-Güegli: 
Marienkäfer,  coccinella,  bes.  sr|ii(iii-]iiiih  t.ita  Sciiw. 
Syn.  Gold-,  Herr-Gotts-,  Himm,!-.  i  l,r,sil;„.,Ut-.  Mncta- 
gottes-G.,  Herrgotts-Geissi,  -Kadi,  -Tierli.  -—  Gold- 
Guege  Ndw;  Zg,  -güeg(l)i  B,  -Guony  GlMoII. :  Gold- 
käfer, cetonia  aurata.  Syn.  Herrgotts  -  Küeli,  Lieb- 
Gottskäferli.  Vgl.  Gllss-G.  —  Git-:  geizige  Person 
GRChur.  —  Herrgotts-Güegi  B  (Zyro),  -Güegli  Gr: 
=  Unser-L.-Frarien-G.  —  Mueter-Gottes-Güegli: 
=  Umer-L.-Frauen-G.  S;  Ndw. 

Gliss-Guege"  f.:  l.  =  (;oW-ff.  Ndw.  \g\.Schln-G. 
—  2.  spanische  Fliege.  ,Denen,  die  cantharides  (gleiss- 
güegle)  trunken  habend.'  Tierb.  1563.  , Käfer,  ein  kraut, 
gar  grün,  unden  gel,  welches  etlich  gleissgügle  nen- 
nend, cantharis,  canthara.'  Mal.  —  3.  bildl.  von  Pers., 
i.  S.  V.  Gleissner  und  umgedeutet  aus  diesem  W. 
.Ermessend,  was  Christus  und  Paulus  von  glychsneren 
und  sömlichen  glyssguogen  erlitten  habind.'  HBull. 
1531.  ,Es  wäre  guot,  das  volk  Hesse  sich  nit  einen 
yeden  zänsler  und  glyssguogen  verwirren.'  ebd. 

Mal.  hat  in  seinem  Beleg  cantharis  =  fumaria,  Erdrauch, 
und  cantharis,  die  Käferart,  zsfliessen  lassen. 

Gras-Gueg  m.:  Raupe  BLautbr.  —  Heu-Güegi 
n.:  Härchen,  Spreustückchen.  Spelzchen,  das  mit  dem 
Staub  herumfliegt  AASchinzn.  —  Holz-Gueg  m.: 
Wurm  im  Holz  BR.  —  Himmel(s)-Güegi,  -(e)li 
=  Unser-L.-Frauen-G.  BE.  H.-Gilegli,  ßig  »f,  füg 
uf,  frag  Vater  und  Mueter,  ob  's  morn  reell  schön  si" 
BBurgd.  Es  duecht  Eim  mängist,  us  de'  schönste' 
Himmelsgueglene  sötts  die  tmsteste  Donnerguege  ge'. 
Gotth.  —  Hunger-Guege:  Person,  die  Alles  essen 
möchte  S.  -  Hirz-Gur-:  rTir.,l,l.;if,.r.  Vmrr^rhrlArr. 
lucanus  cervus  B.  Syn.  Khimii-.  Kniiniif-.  I )iiiiiH'r-(i., 
Hirs-Kcifer.  —  .loh'aiuu.-d  ii.--, :  l,,Mirl,i  »  un.irlir,,, 
lampyris  L.  Vgl.  Schm-,  Zünd-(T.,  -Käfer.  -  -  Kcller- 
Gueg  m.  BHk.,  -Guege  f.  BE.;  Ndw:  Kellerassel, 
oft  unter  morschem  Holze.  Syn.  Keller-Esel.  Bett- 
seiker,  Holzwäntele.  ,Uie  Kellerguege,  die  um  un''  um 
Schiebe  [Beine]  het.'  Gotth.  —  „Christkindli-Gueg 
m.:=  Unser-Lieben-Frauen-G.  W."  —  Korn-Guege. 
-Güegi:  brauner  Kornwurm,  calandra  (curculio)  gra- 
naria  L.  —  Chirsi-,  Chriesi-Guege  f.,  Schw;  Ndw, 
-Guogo  m.  W,  -Güegi  L:  Baumwanze  (auf  Kirsch- 
bäumen), cimex  baccarum.   Syn.  Chriesi-Gauch,  -Gagg. 

Klemm- (Chlemmguege)  t:  =  Hirz-G.  -  KIcmmai. 
kneipen. 

Krampf-Gueg  m.,  Guege  f.:  =  Hirz-G.  ,B0.:" 
Gr;    „Schw;"    Ndw.     Syn.  Hirz-G.,    Krampf-(K('ifer). 
—   Von  kramp/en,  kneipen. 
I        Lach-:  Mensch,  der  viel  lacht  B. 


iag-gug.    «asg— gugg 


164 


Mn"^-   Mügueg:    Hausgrille    S.     Syii.  Muchheitn. 

—  Miir-:  Mauerkäfer  BLangnau.  —  Mos-:  ver- 
zärtelte Person  von  beiden  Geschlechtern  B.  Vgl. 
Zinipfer-.  Me''  wüsse  a's  menge  Mösgueg  us  d'r 
Stadt.  Vgl.  Mös-Kalb.  Du  M.,  du  Zyberligränni! 
GoTTH.  —  Mist-Guege  f.:  wahrseh.  geotrupes  ster- 
corarius,  Mist-  oder  Rosskäfer  GRÜbS.,  Spl.;  Uw.  — 
Reis-Güegi:  Reiselust  f's  ü.  fta-y  FMu.  Zxx  Gueg  1  c 
bildl.  —  Schi"-GuegZG,  -Gue^e  BS.  (-»(-);  S;  UwE., 
-GüegOß  BM.,  Stdt;  „L;"  Ndw:  1.  =  Juhannis-G.  — 
2.  {ScMn-Guege  f.)  =  Gold-G.  USil.;  UwE.  Glänzender 
Käfer  UwE.  Vgl.  Gliss-G.  —  Schwabe°-Gueg  f.: 
1.  Schwabenkäfer,  Schabe,  blatta  oricntalis  und  ger- 
manica Ndw.  —  2.  Hausgrille,  gryllus  domesticus  Ndw. 

—  Spitz-Güegi:  eine  Art  Birnen  STh.    Vgl.  Gueg  2. 

—  Stink-Gueg  BTh.;  SG.,  Stich-GiMgo  W :  1.  Ross- 
käfer, wohl  scarabajus  stercorarius  BTh.  —  2.  Baura- 
wanze,  ciniex  baccaruin  SG.  Syn.  Gauch.  —  3.  Wurm, 
stinkendes  Gewürm  W.  Syn.  GajL  —  4.  Mensch,  der 
durch  Bauchwinde  Gestank  verbreitet  B.  Vgl.  Stink- 
gütterli. 

Dunner-  Donnergueg  B;  Zg,  -güeg  L  (Ineichen), 
-guegi  L  (Lüt.),  -guege  B;  FMu.;  S,  Dmider-  LVitzn.: 

1.  =  Hirz-G.  Syn.  Dunner-Käfer  B;  FMu.;  L;  S;  Zu. 
Soll  nach  dem  Volksglauben  im  Stande  sein,  Hagel- 
wetter zu  erzeugen  L  oder  übh.  schlechtes  Wetter  zu 
bewirken  FMu.  Zuweilen  verbunden  mit  Tüfel.  ,Im 
Namen  des  Teufels  und  des  Donnerguegs.'  Gotth.  Der 
Tüfel  und  der  Donnergueg  Hei  mit  enandere  g'schisse"; 
Der  T.  hat  dem  D.  E"  Bitz  vom  Fiidle  b'bisse»  B.  — 

2.  =  Gold-G.  Wenn  er  getödtet  wird,  erfolgt  ein 
Donnerschlag  B.  —  3.  verwünschter  Mensch.  lez  chöm- 
mer  no'''  ne  Donnerguege  U"'  gränn  vier  d'  Wijber  a" 
[Drohung  gegen  Frauenverächter]!  GJKuhn  1806.  ,Die 
rechten  Donnerguegen'  werden  Freudenmädchen  ge- 
nannt bei  Salat  1537. 

Der  Grund  der  mythol.  Beziehung  des  Hirschkäfers  auf 
den  Donnergott,  an  dessen  Stelle  später  der  Teufel  tritt,  ist 
viell.  der  Aufenthalt  des  Käfers  auf  Eichen.  Bed.  2  durch 
Übertragung.  Als  Verwünschung  kommt  auch  Tunncrs  Guetj 
vor,  z.  B.  in  einer  .\nekdote  von  einem  BOberländer,  der 
eine  am  Boden  liegende  Uhr  für  einen  Käfer  gehalten  und 
mit  jener  Schelte  angeredet  haben  soll ;  dann  hat  aber  Tlonnn-s- 
(mit  »)  allg.  verwünschende  Bed. 

Walser-Guege  f.:  :=  Schwaben-G.  Nuw. 

Wie  Walser  in  U  als  Bez.  einer  Bremsenart,  vom  Yolks- 
namen  der  Walser  (Walliser). 

Wetter-  f.:  Salamander,  Molch  Gr,  bes.  der 
Alpen-S.,  salamandra  atra  GrD.,  V.,  nach  St.  auch  der 
Maiwurni,  nieloe  pniscarabiBUs.  Wenn  d'  Wettergüege 
nidschi  |al.wäits|  innid,  so  tvetteret  's  d'r  ganz  Tag 
GRValz.  W'i'HH  !■  ritiic  e  W.  infrässi,  se  müesti  seh 
[sie]  zersjiri}i(ir.  r\u\.  Eine  lebende  W.  im  Lauf  eines 
Schiessgewehrs  verbrannt  macht  dasselbe  trefffähiger  B. 

—  Zimpfer-,  auch  Zimper-Giiegli:   1.  Herzkäfer  L. 

—  2.  überfeine  Weibsperson  L.  Vgl.  Z.-Güggli.  — 
Zünd-Güegeli:  =  Johannis-G.  B.  Syn.  Zünd-Käfer, 
Schi'-,  Zündehvürmli. 

guege(n):  Käfer  fangen,  sammeln  Ndw. 

Guegox  s.  Eidechs. 

Gegüeg  G'güg  (-Ü--J:   Gewürm  BSi. 

güegele(n):  läppisch  tun  Gl.  —  g'güegelet: 
läppisch,  ebd.  —  Güegeli  m. :  läppischer  Mensch, 
der  sich  mit  kindischen  Spielereien  abgibt,  ebd. 


Scheint  zu  Oaugel,  Qäuijijd  usw.  zu  gehören,  da  Über- 
gänge zwischen  ou  und  uu  schon  in  der  ä.Spr.  vorkommen; 
weiterhin  dann  auch  zu  mhd.  ijietje,  Narr. 

Güegerte  f.:  =  Gögerte  GRPr. 

Gägsch,  Gägst  s.  Here'-Gägg. 

Gugsch  m.:    Handlanger.  Gehilfe  GrD.  (B.) 

Scheint  Lehnw. ;  vgl.  frz.  ijoiiyr,  eig.  Magd,  und  :i<>uj<il. 
Trossbube,  Handlanger.  Gr.  M.'  393  giebt  als  Schweiz,  an: 
.Gugsch,  ungebetener  Nebenbuhler  bei  der  Liebsten',  stellt 
das  W.  aber  zu  Kuckuck  (als  dem  Vater  der  Hahnreie). 

Gügscher  ra. :  1.  Hülfsperson  beim  Alpdienste 
GrPt.  (B.)  —  2.  Aschenbrödel,  dem  die  harten  Ar- 
beiten aufgebürdet  werden,  ebd. 

Gäegsch  m.:  dummer  Kerl  GlH.  —  Dass.  was  das 
Syn.  Güer/cli,  mit  vergröbernder  Endung;    vgl.  auch    i''H''jiji. 


Gagg,  gegg,  gigg,  gogg,  gugg. 

Vgl.  auch  die  Gruppe   (Jaij  usw. 

(iagg  1  BM.,  0.,  Gägo  W,  Gägger  1  BO.;  F, 
„Gugägger  B"  m.,  Gägge  (ka-),  PI.  Gäggi  BSi., 
Gäggere,  -ri  B  (auch  ri);  Sch  f.:  1.  verschiedene 
vwdte,  oft  verwechselte  und  zsgeworfcne  Vögel  aus 
dem  Rabengeschlechte.  Spec.  a)  „Rabe,  corvus  corax 
W."  —  b)  „Saatkrähe,  c.  frugilegus  B".  auch  Korn- 
Gägger.  —  c)  Rabenkrähe,  c.  corone  B.  —  d)  Dohle, 
c.  nionedula  B.  .Gacke.  dohle.  ein  vogel,  monedula.' 
Fris.;  Mal.  —  En  G.  mechti  eimel  nit  so  gleitig  ahi' 
fliegen.  Er  ist  wie  ne  G.,  so  mager  F.  —  2.  „oft  wei- 
nendes Kind  Sch",  mürrischer,  unzufriedener,  streit- 
süchtiger Mensch,   bes.  von  Frauen   Sch;  Z  (Gägge). 

Nach  dem  Schrei  des  A'ogels  (gägg)  benannt,  mit  welchem 
er  etwa  spottend  gerufen  wird.  Nebenher  gehen  Synn.  mit 
Anlaut  Cr-  und  Gw-.  St.  hält  Formen  mit  a  und  d  nicht 
aus  einander    und    stellt   auch  den  Häher  (s.    Oägg)  hieher. 

Gag-gäggn.:  Gans  (Kdspr.)  Bs.  Syn. G^äfjrä  (Sulg.). 

gagerageragägg,  han  e' Eilt  g'lät  [gelegt],  ruft 
die  Henne  Sch. 

Gu(g)-gägg  ra.:  1.  unbesonnener  Schwätzer.  , dum- 
mer Junge-  Bs;  BM.  Syn.  Gäggi.  ,So  hat's  mancher 
Gugag,  wenn  er  in  ein  Amt  kömmt,  er  meint,  wenn 
er  einen  Gagg  lasse,  so  müsse,  was  er  gegagget,  da 
stehen  fix  und  fertig.-  N.  B  Kai.  1845.  .Jeder  G.  sei 
gut  genug  in  jedem  Rat.-  Gotth.  —  2.  =  Gägg  2. 
Gotth.  Syn.  Branzi.  —  3.  Mensch  mit  Glotzaugen 
BM.  (AvRütte).  —  Reduplicierte  Form  des  vorigen,  in  3 
mit  Anlehnung  an  gutjijen,  schauen.      Vgl.   iju<H(i)aygen. 

gägge (n)  I:  1.  von  Vögeln,  a)  mit  rauher  Stimme 
schreien,  krächzen,  wie  z.  B.  Raben,  Elstern,  Dohlen 
Aa;  B  (ausser  Ha.  u.U.);  F;  L;  G  1799;  SNA.;  „W." 
D'  Lüt  lan  reden,  d'  Hund  lan  waulen,  d'  Vögel  lan 
gäggen  und  geng  grad  usi  de  recht  Weg  gan.  Srnww. 
1869.  —  b)  gackern,  wie  die  Hühner  Bs;  It  St."" 
auch  Ap;  Gl;  Gr;  Zg.  Syn.  gäggen,  gägglen.  Vom 
Krähen  der  Hühner  Ndw.  —  c)  schreien,  wie  die 
Gans  G;  .Sch;  Z;"  HPest.  1785;  Sprww,  18'24.  Syn. 
gägen.  —  2.  von  Menschen:  a)  stammeln,  stottern, 
eines  organischen  Fehlers  wegen  (wofür  sonst  gäggen), 
oder  bes.  aus  Angst,  Verlegenheit,  z.  B.  beim  Her- 
sagen eines  Liedes  Bs;  B;  L;  G;  Sch;  UwE.,  It  St." 
Ap;  Gl;  Gr;  Zg.  Wenn  i''' 's  gägge"  chönnt,  RA., 
wenn  man  ein  W.  mühsam  oder  unrichtig  hervorbringt 
L.    Er  isch  e  so  voll  g'si",  wie  'ne  Sack,  er  hett  nüt 


105 


Gagg,  gegg,  gigg,  gogg.  gügg 


iu6 


me  chänue  g.  Bs.  Syn.  gäxen,  stäggele'.  Töricht  reden 
Aa;  B;  L;  Sch;  Schw;S.  .Einer  gaagget  dem  Andern 
oin  Vorurteil  nach  dem  andern  nach  und  Niemand 
nininit  [sich]  die  Mühe,  darüber  nachzudenken.'  Gotth. 
.Es  sei  hier  nicht  wie  in  einer  Kirche,  wo  Einer  das 
Recht  habe,  vorzusingen  und  Jeder  dem  Andern  nachg. 
müsse.-  ebd.  .Wenn  Einem  etwas  Neues  in  Sinn  komme. 
so  meinten  die  Andern,  sie  müssten  auch  nache  gagge. 
sie  seien  sonst  die  Leidern.  und  so  entstehe  ein  Ge- 
brüll, dass  Einem  die  Ohren  surreten.'  ebd.  Er  hat  's 
(jMjget,  ausgeplaudert  SchwMuo.  —  b)  mit  widriger, 
weinerlicher  Stimme  sich  über  Etwas  beklagen ;  mür- 
risch sein,  weinen  Sch  ;  Z.  Wenn  's  [das  Kind]  nw 
en  Finger  a'schlöt,  so  gägget  's  grad.  Syn.  gäygen, 
ginggen,  trinstn.  —  3.  „knarren,  z.  B.  von  einem 
Stuhle,  dessen  Beine  lose  sind  Tu." 

SchallDachahmung  wie  gägen,  welchem  gegenüber  es  aber 
zur  Bezeichnung  der  rauhern.  widrigem  Laute  dient;  vgl. 
noch  tjäggtii, 

gl-  (resj).  gl-)  I:  1.  =  gfiggen  1  h.  —  2.  u.  3.  =  gi- 
gngeti  2  u.  3.     Syn.  gigäxeti. 

Alle  3  Bedd.  giebt  St.'  sowohl  für  gi'jägen  wie  für  gi- 
gagijen,  in  (')  kennt  er  nur  noch  letztere  Form. 

gäggere(n):  1.  schreien,  wie  Krähen,  Elstern  B 
(neben  gäggen).  —  2.  stottern.  Er  hat  g'g-et,  will  's 
en  Lug  ist,  weis  er  g'seit  hat  ^Tö. 

Gäggi  I  m. :  1.  Stammler.  Stotterer,  aus  Angst  od. 
Verlegenheit  Bs;  L;  S;  UwE.  Syn.  Gäxi.  Schwätzer, 
dummer  Mensch  Aa;  Bs;  S.  Du  bisch  en  G.,  treibst 
Spass  mit  mir  S.  Vgl.  noch  Guggi,  Narr.  —  2.  (auch  n.) 
Krähe  L  (Kdspr.). 

Giggi-:  gutmütiger  und  dabei  unbeholfener,  lang- 
weiliger   Mensch.     Auch    (wie   Gitzi-Gäggi)   Eigenn. 
eines  Wildmännchens  Gr.  —  Vgl.  GiggU-üiujgiH. 
Gu(g) gäggi  m.:  =  Gu(g)gägg  L. 
gäggle(n):     gackern    (von    Hühnern)    F,T.     Syn. 
gägglen. 

Gagg  U  BU.;  GRpr.;  ZoWalchw..  Güggn  BM., 
Gägger  II  B.  Gägg  I  Gl.  doch  meist  als  Comp. 
Kriesi-,  Kirs(i)-G.  —  m. :  1.  Beerenwanze,  cimex  bac- 
carum  B;  Gl;  Gr;  „Aa;  VOrte;  S."  Syn.  (Kriesi-) 
Gaueh.  —  2.  Kohlwanze,  c.  oleraceus  B. 

Viell.  Entstellung  aus  Gauch  (s.  d.),  indem  des  üblen 
Geruchs  des  Insekts  wegen  Anlehnung  an  Gagg,  resp.  GUijg, 
Küt,  statt  gefunden  hat.  St.  gibt  als  Syn.  noch  Gak  an, 
das  wohl  auf  einer  ungenauen  Angabe  beruht;  vgl.  Gaclt. 
Gägg  I  Gr  tw.  (/.-),  -ä-  Kk,  Gagga  (-«-)  Aa  (Dim. 
Gaggäli);  Gr  (auch  i-);  W.  Gaggi  (-«-)  I  Gl;  Gr  (/,-); 
LG.;  ScHW;  S;  Zg,  auch  -ä-  AaZ.;  B;  L  tw.  —  m.: 
Kot.  bes.  von  Menschen;  auch  als  Interjektion  des 
Abscheus  (Kdspr.).  Liebe  Zuluirer,  d'  Sund  isch  es 
wiiesch's,  ivüesch's  Ätschi,  es  wüesch's  Fidigäggi,  soll 
vor  Jahren  ein  alter  B  Stadtpfarrer  gepredigt  haben. 
Gäggi  mache',  cacare.  Hellflüssiges  Excrement  von 
Hühnern  B.  Schmutzfleck  auf  Kleidern.  z.B.  von 
einem  halbrohen  Ei.  Heidelbeersaft  B.  Unreinigkeit 
übh.  Gr.  Das  sind  Alls  nW  Gaggi-Sach^,.  Ä  Pfiidi, 
a  u-iestn  G.-Bueb  bist  du!  Wiesti  G.-Fingar<;  hest 
g'machiit  Gr. 

Synn.   Agga  (s.   Bd  I    155),    Gägg;    vgl.   lat.   eticare   und 

dessen    rom.  Sprossformen,    bes.   rätorom.  cacc,    cacca,    Kot. 

Die  2  letztgenannten  Formen  sind  auch,  wie  zu  erwarten,  n. 

Gaggel,  Gäggel  I.  meist  als  PI.  Ge-ggel,  Gaggle', 

Gilggle'  m.:   1.  =  Gagel  II  1  Gl;  Gr  ObS.  (ö);  GRh.; 


,LE.;  W.'-  —  2.  =  Gagel  113  GO.  Wie-n-i''' e  sou-n-e 
Blieb  g'si"  bi",  ist  Eim  nit  alle''  d'r  Tmlfl  z'  Sing 
[Sinn]  ehw,  wie  dene"  jetzige  Hexe  Gäggle.  Prophet 
18.55.    —   Vgl.  it.  caecale  (PI.),  Kot,  und  Anm.  zu  'Gagtl. 

Hase"-Gaggle"  (PL):  Sorte  kugelrunder  Erbsen 
GRh. 

gagge"  I.  auch  -ene"  GRPr..  Dim.  -ele"  (-ö-  ZRafz, 
k-  Gr):  cacare  Gr;  L;  GRh.;  Sch;  ZRafz.  Syn.  gaglen, 
gäggen. 

Gaggis  {-ä-  B)  m.:  Kot,  i.  S.  v.  Gägg  I  B;  nur 
von  Vögeln  Aa;  Z.  -  Betr.  die  Endung  vgl.  HraUa  cte. 
unter  yc-   Bd  II   41. 

Giggis  Gaggis  I:  =  Gägg  I,  bes.  in  der  RA.:  das 
ist  G.  G.,  Nichts  wert  W.  Auch  Ablehnungsformel. 
Vgl.  Giggis  Gaggis. 

gaggle",  abhi"-:  herunterkollern,  wie  das  Ei 
vom  Huhn,  der  Mist  vom  Pferde  B  (Zyro);  GrHc. 
Vgl.  gäglen. 

Gagglete"  f.:  1.  trockne,  runde  Excremente  GW. 
—  2.  kleine  Kartoffeln,  ebd.  Synn.  in  Bed.  1  u.  2  Ge- 
gagel,  Gaglete,  alle  in  coli.  S. 

gäggele":  sich  gähnend  strecken.  Er  g-t  wider 
umme',  er  ist  z'  ful  zum  Schaffe'  TuTäg.    Syn.  gögen. 

gägge(n)  II:  \.  =  gägen  I  Aa;  Th.  Klettern  an 
Wänden  und  Bäumen  Nnw.  Syn.  gräggen.  Hin  und  her 
rutschen  ScawNuoL  —  2.  aus  einander  klaffen  G.  — 
3.  ummc-g.,  läppisch  grossartige  Bewegungen  machen, 
die  doch  Nichts  nützen,  z.  B.  bei  der  Arbeit  G  oT.  — 
G  äggi  m.:  langer  Kerl,  der  sich  läppisch  benimmt,  ebd. 

Zu  2  vgl.  gdgeim,  aus  einander  stehen.  Schon  hier  ist  auf 
einen  nasalierten  Stamm  ganyg-  mit  vwdteu  Bedd.  zu  verweisen. 

gi-  II,  auch  gü-:  1.  =  gigägen  I  Aa;  „L".  — 
2.  Versteckens  spielen,  auch  Guggäggis  (—  GuggüsJ 
mache". 

ver-gu-:  aus  Unverstand  oder  durch  Leichtsinn 
verderben,  vergeuden  AAFri.;  Bs.  De''  chönnt 's  no^'' 
lang  giiet  ha"  [behaglich  leben],  loenn  er  si  Sach  [Ver- 
mögen] nit  so  dummer  Wls  ver-g-gget  hat.  ,Wenn 
seine  Frau  recht  gewesen  wäre  und  nicht  alles  ver- 
guggaget  hätte,  so  wäre  es  nicht  so  weit  gekommen.' 
Breitenst. 

Vgl.  vergägen,  .durch  Schwanken  zu  Grunde  richten'  und 
die  Synn.  vergugijeren,  vergänggckn,   sowie  auch    Gugagg  I. 

Güggäggerei  f.:  Menge  lose,  (,schwankend')  und 
nachlässig  auf  einander  geschichteter  Gegenstände 
AAFri.     Syn.  Gagerte. 

Gägg  II  m.  GRObS.,  Gaggeli  I  (ra..  n.).  -le  (f.) 
GrV..  Gaggeier  GRÜbS.:  dummer,  ungeschickter 
Mensch  Gr;  G  1790  (.Gakeli').  Vgl.  gäggen  II  und 
Gäggel  II. 

gaggar  s.  gar. 

Gäggel  II  (-i),  Gaggi  II,  gewöhnlich  als  Comp. 
Schelle"-G.,  auch  Sch.-Goggeli,  -Goggel  m.:  Schellen- 
bube in  den  sog.  deutschen  Spielkarten,  das  Bild  eines 
Narren,  mit  einer  Schelle  in  der  Hand,  darstellend, 
also  eig.  .Schellennarr'  Th;  Z.  Auch  die  betr.  Karte 
selbst,  ebd.     Synn.  Schelle"- Under,  -Biieb,  -Bär. 

Schlegel-Gaggel:  Mohnkopf  mit  den  Samen  SB. 
Syn.  Kölbli. 

Viell.  nach  der  rundlichen  Form,  vgl.  Gaggel  I,  u.  Anm. 
zu  Gagel,  viell.  aber  auch  an  den  nach  mittelalterlicher  Sitte 
mit  dem  Kolben  (.Schlegel')  versehenen  Narren  erinnernd; 
s.   noch    GCiggi  III. 


Gagg,  gesrg.  gigg,  gogg,  gugg 


Gaggt'läli,  -läri  i. -Lali,  res\). -Lari. 

g"gäggelig:  buntscheckig,  grell,  von  auffallenden 
Farben,-  grobem,  rohem  Dessin  an  Kleidern  Z.  Syn. 
gaggelürig,  fgjschlnig.  —  Mit  Bezielumg  auf  Naneiiklei- 
duug:  vgl.  Schwab.   ,gakkelig'  in  derselben  Bed. 

Gäggeli  II  Aä;  Bs;  B;  ScHwMa..  ,Gaggi  III. 
Gäggi  P  n.:  Ei  (Kdspr.).  Vgl.  die  Synn.  Gagg-Ei, 
Bd  I  17,  und  Gageli;  It  St.  auch  Gägi. 

gagge{n)  II:  1.  gackern  wie  die  Hühner,  be.s. 
nach  dem  Eierlegen  „Aa;"  Gl;  VOrte;  Z.  .Gracillare, 
gagken.-  Denzl.  1677;  1716.  —  2.  scherz-  oder  spott- 
weise von  der  menschlichen  Stimme;  vgl.  gäggen.  Si 
gagget  na  [noch],  aber  leit  nümme"  [von  einer  be- 
jahrtem Frau]  ZS.  Wenn  i""  's  rhu'"  </.,  wenn  ich'.s 
herausbringen,  aussprechen  kann.  /.  l;.  'in  -rhwieriges 
Fremdwort  Z.  .Weder  gigg  nndi  t;ai;-Lrcii  kiinnen', 
s,  frisch.  Vgl.  weder  Gix  noch  Gax  chönne".  Stottern, 
unzusammenhängend,  unverständlich,  sinnlos,  zur  Un- 
zeit reden.  Etwas  ausschwatzen,  „allg."  ,WelIiche 
dero  [der  armen  Leute]  spotten  und  uf  sie  gaggen,' 
1510,  S  Wochenbl.     Abi,  Gäggi. 

Vgl.  zu  letzterer  Stelle  girrn,  spotten,  mit  der  Geberde 
des  Rübchenschabens;  viell.  urspr.  ein  Verspotten  unter 
Nachäffung  der  Stimme. 

gaggere(n):  gackern  GScv. 

gagg(e)le(n):  1.  gackern,  von  Hühnern,  wenn  sie 
ein  Ei  gelegt  haben  B;  F;  GoT.;  SB.;  Obw,  it  St." 
auch  Ap;  Gl;  Gr;  L;  Zg.  Vgl.  gaxen.  ,Sie  sagte, 
die  Hühner  werden  heute  manch  Ei  gelegt  haben, 
sie  hätten  den  ganzen  Morgen  gegaggelt.'  Gotth.  — 
2.  (auch  gaggelen)  stottern,  unbedachtsam,  dumm, 
hastig,  ohne  rechten  Zusammenhang  reden  AaEtI.; 
SB.,  It  St."  auch  Ap;  Gl;  Gr;  L;  Z«.  Denk  z'erst, 
ob  d'  vo-n-ere  Sach  Öpjiis  seisch  und  chunnsch  clio' 
g.  dervo".  Syn.  gäggen.  —  3.  „hadern,  zanken  F;" 
vgl.  gäggen.  —  4.  hellauf,  stossweise.  in  hellen  Tönen 
lachen  B.  Syn.  gagelen.  ,In  cachinnum  erumpere.- 
Id.  B.  —  Gaggli  m. :  wer  laut  und  auffällig  lacht. 

Gaggermäng,  bim  G.:  euph.  verdeckter  Schwur  für 
.Sacrament.-  Balz  1781.     Vgl.  Hackerment. 

Gäggi  III  n.:  Mohnkapsel  BS. 

Vgl.  das  Syn.  Schlegel -Gmigel:  dass  im  BS.  trot«  der 
frz.  Nachbarschaft  frz.  vonue.  Schale  der  Eier  und  gewisser 
Früchte,  mitgespielt  habe,  ist  nicht  aazunehmen. 

giggis  gaggis  II  (gäggis)  in  dem  Spielvers:  G.  g. 
Eiermues,  malt  viell.  den  wackelnden  Gang  der  Gänse 
oder  ist  identisch  mit  Giggis  Gaggis  I. 

Gägg  II  GT.;  S,  Gäggel  I  L  (-««-).  Gägger  B; 
S  (-rf-  SStdt)  m.,  Gäggi  I  (m.,  n.)  .Aa;  Gr;  L;  GT.; 
S;  Zg;  Z,  Gäggle  f.  L:  1.  {Gäggi  n.)  Holz  mit  einem 
eingespannten  Grashalm,  das  unangenehm  tönt  Gr. 
Syn.  Bäggi.  —  2.  (m.)  wer  langsam,  undeutlich,  un- 
schön und  töricht  schwatzt  Aa;  B;  S;  Zg;  Z.  Syn. 
Gäggi.  —  3.  verschiedene  Vögel,  a)  Häher,  bes.  Holz- 
od.  Eichelhäher,  garrulus  (corvus)  glandarius,  weniger 
der  Tannen-  od.  Nuss-H.,  der  als  Strichvogel  nur  etwa 
im  Herbst  aus  dem  Norden  zu  uns  kommt  AAWohlen; 
L;GT.;S.  Syn.  Greggern.  -  b)  ß:rähe  AAWohlen. — 
c)  Reiher  GT.  (Wyl).  —  St.'s  g  für  «;/  beruht  wohl  nur 
auf  ungenauer  Angabe. 


Here"-Gäggel,  -gger,  -ggi,  -ggis  (L),  Herre'-  B; 
L:  =  Gägg  3  a  B;  L;  S;  Th  (Pup.).  Synn.  s.  bei 
Heren-  Vogel. 

Chriesi-Gägget,  -Gäg^t,  -Gägi:  =  Gägg  .?  n  Gl. 

—  Er  frisst  gerne  Kirschen. 
Nuss-Gägger:   Nusshäher  S. 

Schnäderi-Gägg  f.:  Schwätzerin  Bs.  —  Tautolog.. 
da  Kchnäilereit  auch   ,schwatzen'   bedeutet.    Syn.   Sehnädeic 

Gägg  III  in  der  E.-\.:  G.  mache',  schreien,  wie 
ein  geschossener  Hase,  der  verendet  AAFri.,  daher 
auch  übh. :  verenden.  z.B.  auch  von  Hühnern,  ebd. 
Vgl.  gäggen  I  :i  b. 

gägge(n)  I  Aa;  „B;"  Gr;  „VOrte;  L;  S",  gäggle" 
GfiPr,  (k-):  unangenehm  tönen,  eine  widerliche  Stimme 
hören  lassen,  a)  von  Menschen.  1)  von  Erwachsenen, 
mit  einer  kreischenden,  durchdringenden,  gedehnten 
Stimme  singen  oder  reden,  z.  B.  wie  ein  vor  Zorn  Er- 
regter ,B;  Vürte."  (gäggle"J  spötteln,  kritisieren 
GRPr.  Er  hed  über  Das  und  Anders  albig  nw  z"  g.  g'ha". 

—  2)  von  Kindern,  weinerlich,  einfältig  sprechen  Aä; 
,B;  S."  —  b)  von  Tieren,  hell  und  widerlich  schreien, 
z.  B.  wie  ein  Kalb,  ein  Häher,  wie  Hühner,  Raben 
Aa;  Scbw.  F'' wett  lieber  lose",  wie  d' Hüender  gäggi d, 
tceder  di'''  g'Mre"  verzelle".  Vom  Schreien  des  ver- 
endenden Hasen  AAFri.  Vgl.  Gägg  mache'.  —  c)  vom 
Ton  des  Gäggi,  s.  Gägg  II  1  Gr. 

Lautmalend  wie  gägen  II  i,  gräggen  u.  räggen.  Gäggen  i*  h 
wie  mäggen  von  der  Stimme  der  Ziege;  ähnlich  gügen  und 
güggen. 

US-:  auslachen,  verspotten  Aa;  GRPr.;  Z.  -  Viell. 
zu  gägg-n«. 

ushin  (usej-:  mit  verstellter,  kreischender  Stimme 
zum  Zweikampfe  herausfordern,  wie  junge  Bursche 
beim  Kiltgang  gegenüber  glücklichern  Nebenbuhlern 
tun,  welche  schon  bei  den  Mädchen  in  der  Stube 
weilen  S  (Schild  1885). 

gägg-üs,  emph.  -üss:  Interjektion  zur  Beschä- 
mung eines  nackten  Kindes  AABb.     Vgl.  Gägg. 

Gägg  IV  Aa;  SchwE.,  Gäggel  II  Z,  Gäggeli 
GW.,  Gäggi  II  Aa;  Ap;  Gr;  G  {Gägi  GoT.);  Siii; 
ScHW  (rf);  Th;  Z,  Gäggis  ScH  m.:  1,  en  lange"  G. 
(Lang-Gägyi),  hoch  aufgeschossener,  hagerer  Mensch 
mit   wiegendem  Gang   Ap;  G,     Vgl.  Gagel,   Ganggele. 

—  2,  langsamer,  allzu  bedächtiger  Mensch,  Tändler 
G;  Schw;  Z.  Syn.  Gräggi.  Bos.  verächtlich  von  alten 
Leuten  GrV.  —  3.  zaghafter,  ratloser,  unentschiedener 
Mensch,  Feigling,  Memme  Aa;  GW.;  Scu;  Schw;  Th;  Z. 

—  4.  Narr,  Geck  SchwE.  (GäggJ;  ZO.  Und  n-enii  er 
das  niid  täti,  so  tcär  er  jo  en  Gäggi.  (Viell.  aber 
zu  3).    Stütz,     Syn.  Gäuggel,  Gäuggis. 

Zu  gäggen  II.  Diese  und  die  ganze  folgende  Gruppe 
enthalten  lautmalende  WW..  welche  d.is  Geringe,  Verächt- 
liche bezeichnen  wollen,  ähnlich  wie  die  nebenher  gehenden 
Synn.  auf  H,  e  (ei).  St.  giebt  für  dieses  W.  (Bed.  3)  und 
dessen  Abll.  auch  viell.  unzuverlässige  Formen  auf  g  statt  77 
(,LE.;   Z"),  doch  vgl.  auch  geglen. 

Gäggel  lU  («)  m.:  Zustand  der  Schwäche,  Kraft- 
losigkeit, Unbehaglichkeit  L.  Er  het  de"  G.,  er  ist 
krank  ohne  Aussicht  auf  Besserung. 

Viell.  =  Gäggel  II,  pers.  gedacht  ähnlich  wie  Tuileiiih, 
Zitier;  daher  werden  die  Abll.  von  diesem  W.  vnn  uns  im 
Folg.  nicht  mehr  geschieden. 


fiagg,  gegg.  gigsr,  gogg. 


170 


gäggelig,  „gäggelhaft",  gäggig:  1.  tändelnd. 
Von  Sachen:  leicht  auszuführen  AaSI  —  2.  furcht- 
sam Z.  —  ö.  {.gäglig")  unbehaglich,  schwächlich,  in 
der  RA.:  Es  ist  mir  gägglig,  nicht  wohl  L. 

gägge(n)  II,  Dini.  -elc:  1.  sieh  auf  dem  Stuhle 
wiegen  Ap,  verstärkt  auch  guggäggle'  Ap.  Syn.  gägen, 
gftggen.  —  2.  ohne  Ernst  und  Fleiss  arbeiten,  sieh 
nicht  rühren,  nicht  fertig  werden,  tändeln,  über  Kleinig- 
keiten die  Hauptsache  vergessen  Aa;  G;  Z.  ^yn.  gäg- 
gelen,  geggelen,  nnggeJen,  tdggen,  teggelen,  tihen.  — 
4.  keinen  Mut  haben,  sich  scheuen  Z.  —  Vgl.  Gr.  WB. 
,a;,iken,  gäken',  gaffen. 

üs-gäggle";  in  der  RA.:  er  chönnt  mf''  us-g., 
sterben  L. 

ver-gäggele(n):  1.  (trs.)  verzärteln,  verwöhnen 
(Kinder)  AAÖt;  Ap;  Z.  Syn.  vergöggelen,  -geggelen, 
-teggelen.  —  2.  vor  Übelkeit  vergehen.  I"*  mues  zum 
Zug  US,  siist  rergäggl-i'''  no'''  [werde  krank]  L. 

(iägg  (resp.  n)  Z.  Gäggi  I  Aa  (tw.  d);  Ap  (neben 
Gd-,gägga);  BHk.;  Gl;  L;GEh.;  ScHW;  U;  Uw;  Zg; 
Z,  bim.  Gäggeli  1,  Gäggis  Bs;  Th  m.  (resp.  n.): 
=  Gägg  I,  als  Subst.  und  Interjektion.  Lach  's  [lass] 
si'  [rühre  es  nicht  an],  's  ist  G.  's  Engeli  seit :  Gugg, 
g.,  wärist  hrävner  g'si".  JKMev.  1844.  Ver.stärkt: 
ä  gägga  kv;  GEh.  Allgeraeiner  für  Nichtiges,  Unbe- 
deutendes. Bas  ist  G.,  dumm'es  Zeug  Gl.  Du  bist 
en  Ma'"  wie  Gäggi,  etwa  mit  dem  an  sich  sinnlosen, 
die  Beleidigung  verdecken  sollenden  Zusatz:  Und  ene' 
lief  de"  Finger   verhroche"   GRh.     Vgl.  Giggis  Gäggis. 

Vgl.  Anm.  zu  (läyy  I,  sowie  Jie  Synn.  .Aijg,  A<jyi,  Äk, 
welche  ein  ähnliches  Schwanken  des  Voc.  zeigen,  je  nach 
dem  mehr  oder  weniger  emphatischen  Ausdrnck.    S.  (jCiijg-üit. 

gägge(n).  Uim.  gäggele(n)  I:  \.  ^ güggen  I  kv. 
~  2.  nach  Kot  riechen  Ndw.  —  3.  „wie  Kinder  mit 
nassem  Kot  .spielen  Gl.;*-  mit  Unsauberm  zu  tun  haben 
Ndw.     Syn.  kötlen,  dreckelen. 

(Jäggel  B  (Göggel  It  Bs  Hink.  Bot  1877)  ra.: 
Narr  B.  B's  Gäggels  werde'  (sl"),  gutgelaunt,  über 
Gewohnheit  aufgeräumt,  närrisch  übermütig  werden 
(sein).  Sehr  häufig  bei  Gotth.  u.  Addr.  1877.  ,l)ie 
Weiber  wurden  [über  dem  Essen  und  Trinken]  z'  [d's] 
G-s  und  brichteten  sich  alle  Lumpengeschichten,  die 
sie  in  ihrem  Gedächtniss  hatten.'  Gotth.  —  Vgl.  autiyyel 
und  den  analogen  Gebrauch  von  Jfarr. 

gäggele(n)  II:  =  gdgijen  II 3  Aa;  B;  S;  ZRafz. 
De  Adolf  het  Gn  [Lust]  gha  für  Mechaniker  z'  werde", 
er  het  geng  Öppis  gOggelet  it"''  g'macht.  Dr.  Bari  188.3. 
Ohne  Dauer  zureclit  machen  L;  Uw.  Bes.  von  Kindern, 
welche  spielen  oder  das  Tun  der  Erwachsenen  nach- 
ahmen B.  Syn.  gäugglen,  gänggelen;  g'vatteren.  Eine 
Arbeit  sehr  langsam  ausführen,  um  sie  schön  zu 
machen  BE.  —  Mit  Mühe  Etwas  abhauen  AaZ.  Syn. 
gigtigen  I,  gäxlen,  näggelen. 

St.  giebt  dieselben  Bedd.  für  gägrjihn  und  gänggelen, 
sowie  auch  für  gäggehn,  indem  er  die  Formen  nicht  aus  ein- 
ander hält.  Für  Bs  u.  LE.  gibt  er  auch  g  an,  wahrsch.  nur 
mit  ungenauer  Schreibung. 

Gäggeler,  -li  m..  Gäggele  f.:  1.  Tändler.  Pe- 
dant. ,der  in  kleinen,  niedlichen  Dingen  und  deren 
Aufputz  sich  gefällt"  BÜ.  Schlechter  Arbeiter.  Pfu- 
scher B;  „L;  Obw."  Gäggi,  Gäggeli  (n),  spielejides, 
etwas  kindisches  Mädchen  B,  schwächliche  Person. 
—  2.  Geizhals,  sein  Interesse  kleinlich  verfolgender 
Mensch  BBc. 


gäggelig:  =  gäggelig  B. 
Gäggi  II  m.:  =  Gäggeler  1  BO. 

Burrli-GSgger  m.:  1.  schlecliter  Tabak  AaF., 
Z.  181.")  (.-Gäger').  —  2.  VV'ein  von  geringster  Qua- 
lität  Z.    —   Vgl.   das  Syn.  Burrli-Gtger  und  die  Anm.   dazu. 

Gäggi  UI  (d  Gr  tw.),  -is  BHk.,  Gäggle.  Zschokke 
1797:  Kerngehäuse  des  Obstes  B;  Obw.  in  BE.  nur 
der  Birne;  auch  nur  der  Butzen  des  Obstes.  Weder 
Stil  no'''  G.  hä",  der  erforderlichen,  wesentlichsten 
Merkmale  entbehren,  nicht  sein,  wie  es  sollte,  wie 
Obst,  das  weder  Butzen  noch  Stiel  hat  BÜ.;  keinen 
Sinn  haben  BHk.  Synn.  s.  bei  Flieg,  Gigertschi,  Güegi. 

Viell.  zu  (•'Aggi,  Kot  i.  S.  v.  ,wertloser  Abfall';  doch  ist 
auch  an  Gayyi  III  zu  erinnern,  wenn  die  gms.  Bed.  Frucht- 
kapsel wäre. 

Giggis  Gäggis:  verdeckte  Schelte  in  der  Formel: 
Ihr  sind  e  G.  G.,  's  ist  Philipp  und  Jäggis  L.  Er- 
fundener Personenn.  bei  NMan. 

Soll  offenbar  wie  Giggis  Ouggii  Geringschätzigkeit  aus- 
drücken ;  das  VV.  verhält  sich  viell.  zu  Gägg  III  wie  Giyyi» 
Gäggis  I  zu    Gägg;  vgl.   auch    Gägg  IV. 

Ganggel  I  n.(V):  I.  Gaukelspiel,  Blendwerk.  ,Noch 
so  narrest  du  die  einfältigen  mit  solchem  gouggel.' 
Zwini;li.  ,So  forchtend  si  des  bap.sts  gougel  [d.  i.  den 
Bann].'  Vad.  —  2.  Dim.  Gauggeli,  Purzelbaum.  Ds 
Güggeli  welpe  oder  ,stützen':  1)  Purzelbaum  machen. 
2)  Bankrott  machen,  fallieren  B  oSi.  Synn.  s.  bei 
Geiggle'. 

Mhd.  gougel,  goukel  n.,  närrisches  Treiben,  Possen,  Zau- 
berei, Blendwerk;  das  Stammw.  von  gäugglen  usw.,  daher 
Bed.  '2  i.  S.  v.  yaugglen  —  umschlagen,  körperlich  und  iiko- 
nomisch.     Gauggelhusen,   Flurn.   LE. 

Gangge"  m.:  vorderer,  keilförmiger  Teil  eines 
Holzgeschirres,  aus  welchem  man  den  jungen  Kalbern 
zu  saugen  gibt  GrV.  ,Goggenschnabel.'  a.Geschlechtsn. 
Z.    Syn.  Gögel,  Gäuggel  3,  Gonggen,  Götsch,  Zaugge". 

Wie  die  Synn.  Zaugge'  und  Zolgge"  neben  einander  vor- 
kommen, so  scheint  auch  das  vorliegende  W.  nur  Nbf.  zu 
dem  Syn.    Golgge"  zu   sein. 

ganggerle(ii) :  sich  hin  und  her  bewegen,  von 
Bändern,  Troddeln  udgl.  Gl.  —  Frequentativ  zu  ynuggkn 
in  derselben  Bed. 

gauggle(n)  gaugl-  BBrisl..  kü^ggle'  B  oSi.:  1.  leb- 
hafte, meist  scherzhafte,  Bewegungen  machen,  z.  B. 
purzeln,  culbuter  B  oSi.  Vgl.  Gauggel.  ,Ich  mein,  ich 
wöll  dich  gauglen  lehren,  dass  du  muost  d'  fiess  gen 
himmel  keren.'  Com.  Beati.  Syn.  geigglen.  Bildlich: 
Bankrott  machen  (.umstürzen')  B  oSi.  Insbes.  a)  vom 
Zeiger  bei  Schiessübungen,  der,  wenn  ein  sehr  guter 
Schuss  gefallen  war,  vor  der  Scheibe,  auf  der  er  den- 
selben .zeigte',  entweder  eine  Puppe  g.  liess  oder  es 
selbst  tat  B;  L;  Schw;  Zo;  Z.  S.  Gauggler  3,  4.  I" 
dem  Takt,  wo  d'  Musik  macht,  wird  das  Pröggemensch 
erschaugglet,  dass  's  für  all  die  Nare  gaugglet.  Nägeli 
1842.  —  b)  spielen,  Spass  treiben,  sich  mit  einander 
belustigen.  Von  Kindern  GlH.  (weniger  roh  als  feien, 
Bd  I  63'2/3);  Gr.  Höred  uf  g.!  zu  Kindern,  die  sich 
um  frische  Kuchen  zanken.  Joach.  1881.  Syn.  gäugglen, 
gölen,  göpen.  ,Sy  gougleten  in  dem  bett  unibhar.  als 
dann  kinder  tuon.-  Zielv.  ,Dänzle,  springe  und  gaukle 
nicht  mit  den  Kindern,  wie  die  Katze  mit  der  Maus.- 
FWüRz  1634.  Von  Tieren,  bes.  jungen  Hunden  und 
Katzen  .UWohl.;  Bs;  PMu.;  L.    D' Chue  g-t  mit  dem 


Gagg,  gangg,  gegg,  gigg,  gogg,  gug 


172 


Bind.  Häpl.  Mit  jungen  Hunden  und  Katzen  Spass 
treiben  Gr,  mit  dem  Vieh  seine  Kurzweil  haben  W. 
Von  Erwachsenen:  sich  vor  Freude  ausgelassen  und 
fast  närrisch  lustig  geberden,  den  Narren  machen  L; 
U;  Zg  (mit  enand  g.);  bes.  von  Liebenden:  tändeln, 
schäkern,  kosen  L.  Im  , Kuhreihen'  der  Emmentaler 
singt  die  Sennerin:  Wenn  V''  de""  soU  ga"  melche,  so 
steit  wer  d's  Chueli  nit  recht :  Da  stelle-n-i'''  d's  Chübeli 
nebed  si  u"'  gauggle  mit  dem  Chnecht.  Kühreib.  1826. 
,Dass  der  Ehstand  nüd  zum  Naare  und  Gauggle  g'ordnet 
ist.'  PHeng.  1836.  —Vom  Feuer:  Wenn's  Für  flackret 
und  gaugglet  L  (Schwzd.).  —  2.  lässig,  faul  in  der 
Arbeit  sein,  von  Menschen  und  Vieh  Gr  ObS.,  V.  Vgl. 
gäggelen.  —  8.  trs.,  auch  üf-gaugglen,  eine  liegende 
Tanne  an  einem  Ende  durch  ein  oben  auf  dieselbe 
gelegtes  und  mit  Kette  daran  befestigtes  Querholz 
(den  Gauggel,  der  als  Hebel  dient)  aufwinden,  so  dass 
der  Baumstannn  in  die  Schwebe  kommt  und  der  Wagen 
zum  Aufladen  darunter  geschoben  werden  kann  ZZoll. 
S.  Gäuggelß.  —  4.  zaubern,  d.  h.  seltsame  Geberden 
machen.  F''  weit  em  's  nüd  besser  g.,  er  hat's  lange 
gut  genug  GlK.  —  5.  betrügerisches  Spiel  treiben. 
,Lueg  yetz,  wer  mit  der  g'schrift  gougle  [leichtsinnig 
umspringe].'  Zwingli.  ,Das  Mess-Gauglen',  das  Gaukel- 
spiel der  Messe.  ClSchob.  1699.  1879  hausierte  in  Z 
ein  Ap-Knabe  mit  Lebkuchen.  Er  hatte  im  Porte- 
monnaie Brosamen,  angeblich,  weil  dadurch  verhindert 
werde,  dass  das  Geld  gauggle  [Gaukelspiel  treibe,  d.  i. 
wegkomme,  gestohlen  werde]. 

Mhd.  gaukeln  uud  ijuutjeln,  Possen,  Zauberei  treiben.  Die 
Kehllaute  schwanken  seit  alter  Zeit;  bei  uns  überwiegt  im 
Auslaut  der  Stammsilbe  entschieden  gg  (k).  fc  in  B  oSi.  ist 
ein  Beispiel  der  in  Gebirgs-MAA.  nicht  seltenen  Verhärtung 
im  Anl.,  vgl.  z.  B.  Gifer,  Ovyger,  Gül.  Mit  gUugglen  fällt 
gauggkn  in  Bed.  1  b  zusammen,  aber  in  den  andern  keines- 
wegs ;  auch  ist  güugglen  von  Gäuggd,  gaugglen  von  Gaug(g)el 
gebildet.  Bed.  4  schliesst  sich  au  1  an,  insofern  das  Gauggle' 
des  Zeigers  auch  einen  Gliickszufall  (nur  einen  bereits  ein- 
getreteneu) bedeutet. 

u  f -  s.  gaugglen  3. 

ver-:  zum  Gespött  machen,  als  nichtig  darstellen. 
,So  mag  er  das  alles  in  zwyfel  bringen  und  ver- 
gougglen,  dass  der  einfalt  nit  weisst,  woran  er  ist.' 
HBüLL.  1563. 

Hechel-Gauggle  f.:  Fasnachtsraaske,  verklei- 
detes Weib  mit  einem  Spinnrocken  Bs.  Syn.  Hutzgür, 
s.  d.  ,Solle  das  Masquieren  gänzlichen  vermieden  und 
vornemlich  die  sog.  Hechelgaugelen  von  den  Wacht- 
knechten  ab  den  Strassen  weg  und  in  Turn  geführt 
werden.'  Bs  Ref.-Ordn.  1758. 

Die  (jetzt  aussterbende)  Maskenfigur  stellte  wahrsch.  die 
sog.  ^alte  Fasnacht',  mittelbar  den  absterbenden  Winter  vor, 
und  war  das  Gegenstück  zu  der  vor  Weihnacht  in  ähnlicher 
Gestalt  umziehenden  Chlungeri  (Frau  Berchta,  Holda),  welche 
das  Gespinnst  der  Frauen  überwachte. 

Gaug(g)ler,  Gäug-,  Goig-  W  ni.:  1.  Spassmacher 
GfiObS.;  bes.  im  W  eine  vermummte  Person,  auch 
,Spielnarr'  oder  ,Narr  im  Spiel'  genannt,  welche  das 
Volk  mit  dem  Vortrag  von  Spässen,  ,Goigler-  oder 
Narrensprüchen',  belustigt,  t.  in  den  dort  von  Alters 
her  üblichen  volkstümlichen  Schauspielen  den  Prolog 
sprechend,  oder  Zwischenscenen  ausfüllend,  t.  selb- 
ständig auftretend,  so  bes.  als  Hauptperson  bei  der 
sog.  ,Fänderhesatzung'  (Neuwahl  des  Bezirksvorstehers, 
eig.  Fahnenträgers,   s.  Bd  1   831/2)    ein    vermummter 


Bursche,  der  mit  einem  Stäubsack  versehen,  von  einem 
Trupp  Knaben  und  der  '.Gauglerin'  (s.  d.)  begleitet, 
unter  den  jungen  Leuten  herumspringt,  dabei  ge- 
legentlich hoffärtige  Mädchen  mit  Staub  bewirft  und 
übh.  allerlei  Schabernack  treibt.  ,Diss  schowspiel  sye 
glycli  sam  die  gogler  hinter  einem  umbhang  bossen 
trybend.'  Kessl.  .Praistigiator,  ein  gaugier  oder  Zau- 
berer.' Fris.  .Petaurum,  allerlei  gauglerzeug  oder 
gaugelspil;  petaurista,  gaugier,  der  luftsprüng  treibt.' 
ebd.  ,(jaukler,  so  allerlei  possen,  weis  und  berd  an- 
masst'  Mal.  ,Der  gauklerzeug,  gaukelspil,  allerlei 
gattung  mit  ringen,  leibsubungen  und  lüftsprüngen.' 
ebd.  .Von  gouggleren  und  derglychen  g'sind.  Mit 
der  gauggleren,  vermumbten  personen,  kunzenjageren, 
springeren,  seilgängeren  und  derglychen  lüten  lycht- 
fertigkeit.'  Z  Mand.  1627/28.  ,üm  des  während  des 
Krieges  vermehrten  Gesindels  von  allerlei  (iäuglern, 
Strolchen,  ausgerissenen  Soldaten  usw.  loszuwerden.' 
1673,  Absch.  ,Die  gaugier  bringend  auch  vil  durch 
ire  geschwinde  zwegen.'  LLav.  1670.  ,Der  Pfaff  steht 
vor  dem  Altar  vermummet,  macht  allerlei  Fechter-, 
Gaugier-  und  Kunzenbossen.'  ClSchob.  1699.  S.  auch 
afentüren  Bd  I  164  und  Gogler.  —  2.  Narr,  i.  S.  v. 
junger,  unverständiger,  übermütiger  Mensch.  Er  hat 
d' Goiglerschuo''  no'''nit  üsgizogen  W.  —  3.  der  Zeiger, 
der  einem  Schützen,  welcher  genug  Nummern  ge- 
schossen hat,  um  einen  Becher  zu  beziehen,  beim  Zug 
vom  Schützenstand  nach  dem  Gabentempel  und  der 
Festhütte  vortanzt.  Früher  auch  die  einen  Hanswurst 
vorstellende,  aus  Papier  vcrlertigte,  bewegliche  Puppe, 
welche  nach  einem  besonders  guten  Schusse  über  der 
Scheibe  aufstieg  L.  —  4.  guter  Schuss  in  der  vor- 
nehmsten Scheibe,  weil  auf  einen  solchen  hin  der 
Zeiger  mit  dem  roten  Fähnchen  oder  mit  seinen  Glie- 
dern allerlei  Bewegungen  macht,  ,gaugglet'  L;  Z; 
s.  gaugglen  1  a.  —  5.  (Flurn.)  im  Gaugier  ZTrutt., 
Gaugieren  F.     Gäugetspil  S. 

Mhd.  gtiuk-,  goug-elaere,  Zauberer,  Taschenspieler.  Ahd. 
,Maleficos,  caucalara.'  Rheinauer  Gloss. 

Mül-:  Maulheld,  Spötter,  Witzbold.  ,Der  Floren- 
tinische  Maulgaukler  Poggius.'  Wurstisen. 

Gaug(g)leri"  f.:  bei  der  ,Fänderbesatzung'  (s. 
GaugCgJler  1)  als  Weib  verkleideter  Junge,  der  eine 
grosse  Puppe  herumträgt  W. 

gaug(g)lerisch:  trügerisch.  ,Und  ist  [das  Trei- 
ben der  Pfaifen]  ein  gouglerisch  wesen.'  NMan. 

Gaugglete"  f :  heftiges  Lachen,  lustiges  Treiben. 
Gester  isch  e  recht  i  Gougglede  g'si",  's  Schüli  [Julie] 
und  d'  Mägd  hai  zämme  g'lacht,  ''ass  me"  's  im  Hüs 
g'höi-t  het;  's  isch  e  rechti  Gugelfuer  g'si'  Bs  (S.). 

gaugglig:  zu  Spiel  und  Scherz  geneigt  Ndw, 
flatterhaft  S. 

Gäuggel,  Gauggel  II,  Gäugel  (au  und  äu  Aa 
Wohlen;  Bs;  B;  S,  ai  und  äi  Ndw,  äu  vorherrschend 
oder  ausschliesslich  AAZof.;  GWe.;  ScHSt.;-ScHw;  Z, 
au  AAFri.,  Zein.;  ZKn.,  ei  Sti'tz).  Gäugel  BBrisl.; 
ScH  m.,  Dim.  Gäuggeli  u.  Gauggeli:  1.  Possenreisser, 
Hanswurst,  Spassvogel,  meist  nur  gelegentlich  im  ge- 
selligen Privatverkehr  AiFri.,  Zein.;  L  (,den  G.  ma- 
chen'); Ndw;  Sch;  SchwMuo.;  Z.  Doch  auch:  ver- 
mummte Person  zur  Belustigung  des  Volkes  bei  Festen 
AAZof ;  L.  Syn.  Bögg.  .Ein  Bär  tanzt  wie  ein  G.' 
PHeng.  1836.  ,Den  Bülimann  muss  bisweilen  der 
Geuggel,    's  Bauggi   vertreten.'    Uw,    It  Lüt.,  Sag.  — 


biiK,!,'.  RilllSÄ.  «'•'S-K-  SiffS-  gogg.  gugg 


■_'.  a)  einfältiger  Mensch  Aa;  Scu,  Geck  B;  L,  fader 
Kerl  Bs,  auch  Göyel,  Gäuggel;  der  Alles  mit  sich  ma- 
chen lässt  S.  Öyn.  Tschöli.  „Person,  die  gerne  tändelt 
und  dahlt;  bes.  kindisches  Mädchen  Aa;  B;  S;  Vw; 
Z."  Ähnlich  wie  Narr  halb  ernst-,  halb  scherzh.  als 
Schelte  L.  In  dieser  Bed.  oft  das  Dim.  B;  G,  schäker- 
suchtiges  Mädchen  L.  E'"  verliebts  G-i  B.  Vgl. 
Gäuggeli-Ärbät  Bd  I  423.  Auch  von  schlecht  ge- 
zogenen Hunden  und  Katzen  AAWohl.  Syn.  Göggel. 
Vgl.  gauggkn  1  h.  —  b)  leichtsinniger,  eitler, 
junger  Mensch  Sch,  der  nur  der  Lustbarkeit  nachgeht 
L;  Z,  verblendeter,  kurzsichtiger  B  (v.  Rütte);  halb- 
erwachsener, der  sich  schon  gross  macht  Z,  Person 
ohne  sittlichen  Ernst  und  geistigen  Gehalt,  die  sich 
gern  putzt  und  herumschwänzelt,  bes.  vom  weibl.  Ge- 
schlecht, z.'B.  Mode"-G.  B;SB.,  hochmütige  Frauens- 
person GWe.  's  nimmt  mi'''  Wunder,  dass  d'  so  en 
G.  hiröte  magst  Sch.  Freti-di''',  Wlb  und  Chind,  de'' 
Vatter  (ÄttiJ  ist  en  G.!  ZHed.  (a.Spruch).  E  so  en 
junge  G.  müesst  mer  g'cogtet  si".  Stütz.  ,Die  jungen 
Geiggel  heutzutage,  wo  gerade  so  viel  von  Führung 
eines  geregelten  Hauswesens  verstehen,  als  eine  Kuh 
vom  Tanzen.'  ebd.  ,Bci  rechten  Gäugle  b'schüsst  das 
Alter  nicht  viel.'  Gotth.  ,Der  Vater  ist  oft  Gäugels 
genug  [und  lässt  die  Kinder  Staat  treiben].-  ebd.  (vgl. 
Gäggel).  Wider  emol  de"  G.  abla",  recht  lustig  sein. 
Gäuggel  werden  die  schwäbischen  Uferanwohner  des 
Bodensees  von  den  schweizerischen  genannt,  diese  von 
jenen  Sebueben  TnTäg.  Früher  auch  Geschlechtsn. 
.Heinr.  Goügel.'  1444,  Z.  ,Jos  Geugel'  (neben  .Göugel'). 
150(5,  JJRüEGER.  —  3.  (Gäuggeli)  schnabelförmige 
oder  dreieckige  Mündung  von  Gefässen,  z.  B.  Milch- 
töpfen Ar  (Dim.);  Gr;  GTa.,  auch  die  Röhre,  durch 
welche  die  Flüssigkeit  aus  einer  Kanne  gegossen  wird 
GRh.  (au).  Syn.  Güggel  6,  Zäuggel,  andere  s.  bei 
Gaugge".  —  4.  „('Gäit^/f/eZO  Schnörkel,  überflüssige, 
geschmacklose  Verzierung  GRÜbS.;"  s.  Schnarr-G.  — 
5.  ßu)  Seil  zum  Fällen  von  Waldbäumen,  nachdem 
sie  an  der  Wurzel  gelöst  sind  Z.  —  6.  fauj  Vor- 
richtung zur  Hebung  einer  Last,  bestehend  aus  zwei 
vertikal  stehenden  Brettern  oder  Pfosten,  in  denen 
sich  einander  gegenüber  je  2  Reihen  Löcher  befinden, 
in  welche  eiserne  Bolzen  gestossen  werden,  auf  denen 
der  Hebel  mit  der  daran  befestigten  Last  aufliegt  und 
successiv  aus  einem  Loch  in  ein  höheres  gebracht 
wird.     Syn.  Heblad.     S.  noch  gattgglen  3. 

Der  Uutei'schied  der  Lautformen  mit  au  und  äu  ist 
lliessend,  wenigstens  für  1  und  '2,  ebenso  der  der  Bedd.  2  a,  b. 
Bedd.  ö  und  6  schliessen  sich  am  nächsten  an  den  Grund- 
begriff: auf  und  ab,  hin  und  her  bewegen,  an.  Betr.  Bed.  3 
vgl.   Anm.  zu    Gaugge^. 

Fasnacht-:  Verkleideter  an  der  F.  AAZof.  - 
Guggis-:  Neujahrsgebäck  aus  Mehl,  Eiern,  Zucker  und 
Gewürzen,  von  rundlicher  Form  ZO.    Syn.  Gugellwpf. 

Hübsch-:  komische  Figur,  die  zu  Neujahr  als 
Begleitung  der  Kirchensänger,  welche  Weihnachts- 
lieder sangen,  im  Dorfe  LGross-Dietwyl  (und  viell. 
auch  anderwärts)  herumzog.  Sie  war  in  Rot  und  Grün 
gekleidet,  d.  h.  es  waren  an  ihren  Kleidern  grüne  und 
rote  Zotteln  angenäht.  Kleine  Schellen  hiengen  um 
den  Leib  des  H.-G-s  und  er  trug  eine  rot  bemalte 
Holzmaske  mit  grosser  Nase,  zugespitzten  Ohren  und 
Hörnchen.  Zwei  geradeaus  stehende  Kräheuflügel  zu 
beiden  Seiten  des  Kopfes  waren  für  ihn  charakteri- 
stisch.    Er   knallte  mit  einer  Peitsche   in   der  Hand, 


tanzte  nach  dem  Takte  der  Musik,  machte  Kapriolen 
oder  hielt  Begegnende  an,  um  sie  nur  gegen  ein  kleines 
Lösegeld  wieder  frei  zu  geben.  Gemeinsam  mit  den 
Sängern  und  dem  zierlichem  H.-G.  zog  das  Zerrbild 
desselben  herum:  der  ungeberdige,  eine  abscheuliche 
Teufelsniaske  mit  Fledermausohren  und  aufrecht  ste- 
henden, grossen  Hörnern  tragende  Wüest-Gäuggel,  der 
schwarze,  rote  und  grüne  angenähte  Zotteln  trug. 
Dieser  raunte  wild  herum,  erschreckte  und  fasste  die 
Leute  an  und  forderte  ebf.  Lösegeld.  Er  hielt  sich 
länger  als  der  längst  vergessene  H.-G.  und  hiess  ge- 
meinhin Glünggel  (Mitteilung  von  JBucher). 

Beide  Figuren  sind  wohl  tj-pische  Gestalten  der  in  Luzern 
so  beliebten  Osterspiele  gewesen  und  wirklich  kommt  der 
Name  des  H.-G.  im  Texte  der  Osterspiele  vor.  Er  scheint 
die  Rolle  Lucifers,  des  gefalleneu  Engels,  gehabt  zu  haben, 
während  sein  Gegenbild  den  Beelzebub  vorstellte. 

Bä-:  närrischer,  leichtsinniger  Mensch  Z.  —  Bä- 
wahrsch.  entstellt  aus  bar-  in  bun/äugi/w-li,  s.  d.  Vgl.  Syn. 
Bamuggd. 

Schnarr-:  1.  Schnörkel;  gewundene,  geschlungene 
Zierrat  Schw;  Zg;  ZF.;  auch  Schnörkel  zur  Unter- 
schrift U.  —  2.  gaukelhafter  Mensch  LG. 

Bei  2  ist  wohl  an  schnarrende  Stimme  zu  denken ;  bei  1 
an  engl,  tnare,  Schlinge,  Strick,  wozu  , Schnur'  den  Ablaut  gibt. 

Spar-:  Geck  ScnSt.     Syn.  Spargäuggis. 

,S;)«r-  viell.  zu  .sperren',  von  absichtlich  verschränkter 
oder  unbeholfener  Stellung  der  Beine;  vgl.  ,Sparren',  Sperr- 
balken, aber  auch  lurgänggiach,  wo  »  abgefallen  sein  kann. 
Oder  zu  Spar-  (ahd.  npm-u,  Sperling),  eig.  also  ,Vogelscheuche' ; 
vgl.   Hanf-LüU. 

gäuggel-haft,  -ig,  -locht,  -massig:  närrisch 
ausgelassen,  possenhaft  oder  zu  Possen  geneigt.  G. 
tue",  Possen  machen  Uw.  ,Weil  Annelisi  zuweilen 
etwas  gäugelhaft  war,  so  trieben  sie  oft  ihr  Gespött 
mit  ihm.'  Gotth. 

„gäugge(n):  1.  geckisch  tändeln,  mit  Etw."  Syn. 
göggen.  —  2.  zum  Narren  halten.  Gäugg  mi'''  nit! 
zu  einem  Lügner.  Sprww.  1869.   Syn.  gäuchen,  gäuken. 

Gäuggis  m.:  I.Geck  ScuSt.  (auch  mit  einfachem  (/). 
—  2.  „penis  Z."  —  3.  Ge.schleehtsn.:  ,Heini  Göuggis.' 
15'27.  TuEschenz. 

Betr.  die  Endung  -i»,  die  sonst  meist  coli.  Begriff  mit 
sich  führt,  vgl.    Gäggis  s.   v.    G&gg  IV. 

Fidi-,  Fisi-  s.  Fisigäuggis  Bd  I  1078. 

Schnäug-  Sclmaiggaiggis  m. :  Brodschnitten  in 
Eiern  und  Butter  gekocht,  oder  fein  zerschnittene 
Zwiebeln,  Pfeffer  und  Salz,  Essig  und  Öl,  als  Tunke 
zu  .geschwellten'  Kartoffeln  Bs. 

Von  schnäuggen,  schnüffeln.  Die  End.  -i«  oft  an  Namen 
von  Speisen.  Die  Bed.  von  G-t  in  dieser  Zss.  ist  unklar, 
viell.  die  eines  bunten  Durcheinander;  auch  ruht  der  Ton 
auf  dem  zweiten  W.,  was  auf  Entstellung  aus  einem  Fremdw. 
deuten  könnte. 

Spar-:  Geck,  Hasenfuss  ScuSt.,  s.  Spargäuggel. 

bargäuggisch  (auch  p-):  sonderbar,  lächerlich, 
auffallend,  übertrieben  hoffärtig.  bes.  von  Kleidung 
Aa;  B;  Z  (St.').     Syn.  barjäggisch. 

Bar-  viell.  aus  spar-,  s.  d.  Anm.  zu  SjKirgüuggd.  Vgl. 
aber  auch  bar-  in  barhämmUch,  steif,  unleuksam,  eigensinnig. 

gäuggle(n),  gäuggele(n),  -6i- Ndw.  -oi-BoHa.; 
Obw.  -gl-  W,  -gel-  Sch,  -ggel-  B;  L;  UwE.:  1.  wesent- 
lich =  gaugglen  1  b:  Possen  machen  U;  UwE.,  den 
Narren.  Hanswurst  und  Geck  machen  Aa;  Ndw,  spielen. 


175 


Uagg,  gaiigg,  gegg.  gigg,  gugg.  gugg 


176 


von  Kindern  BErL,  possierlich  wie  junge  Katzen  Aa 
Zein. ;  UwE. ;  von  Erwachsenen:  tändeln,  kindisch 
sich  geberden  und  belustigen  Id.  B  (.puerilia  tractare') ; 
S;  W;  Z.  Du  bist  doch  afig  schier  z'  gross,  eister  eso 
z'  g.  ScHwMuo.;  von  Verliebten  Bs;  B.  Maideli,  wenn 
du  gäuggele"  witt,  Gäuggele  mit  viir!  Bi"  ja  ehe  recht 
lang  und  diel;,  Wie-se-si"''  zum  Gäuggele  schielet  L. 
Scherzen  B  oHa.  „  Umenander  g.,  wie  ein  Geck  herum- 
laufen." —  2.  fallen  Z.     Syn.  geigfgßen. 

Die-Form  auf  -elen,  mehr  dim.  aufgefasst,  wird  bes.  von 
Kindern  gebraucht.  Gäugglen  in  der  Bed.  ,fallen'  ist  Ver- 
mischung  mit  r/eiglen  (s.   d.). 

ver-gäuggle(n):  1.  vertändeln,  die  Zeit  W;  ver- 
scherzen, durch  Nachlässigkeit,  Leichtfertigkeit  ver- 
lieren Sch;  Z.  Syn.  vergütterlen,  vertörlen.  —  2.  „auf- 
hören, sich  närrisch  zubenehmen,  gescheider  werden." 

Gäuggeler,  Giini;\^'r:  =  Gauggler,  s.d.  .Göug- 
geler,  puerilia  traetans.'  Id.  B. 

gäuggerle(n) :  tändeln.  —  ver-:  vertändeln 
ÄAWohl. 

geggele",  geggle"  L,  neben  geg-:  kindische 
Spiele  treiben,  tändeln  Ap;  GTa.;  TbHw.;  Zu.  Syn. 
gäggen,  gänggelen,  teggelen.  -  ver-:  verzärteln,  ver- 
wöhnen AaSL;  Ap.  Syn.  vergäggelen.  —  Geggeler, 
-li  m.:  Tändler  Ap.  —  geggelet:  kindisch;  affek- 
tiert Ap. 

gegge(n):  hochmütig  absprechen  BLenk. 

Gegge"  Th,  Gege°GL  f..  Gegli  n.:  1.  gutmütig- 
dummes, eitles  Mädchen;  Schwätzerin  Gl.  —  2.  furcht- 
same Person  Tu.     Vgl.  Gugege. 

Geggi,  Geggcs  GfiPr.,  Geiggi  AaZ.  1815;  F 
(neben  Geggi)  m.:  Schwächling,  furchtsamer  Mensch 
AaZ.  1815;  F;  GKPr.  Syn.  Gdgyi.  -  Betr.  die  Form 
Oeiggi  vgl.   (jeigglen  unter   t/'i'jl'-'n   Öl>-    ü'i . 

Gugegge"  f.:  unsicherer,  leicht  ins  Schwanken 
geratender  Aufbau,  z.  B.  ein  schief  geladenes  Fuder 
Heu  Z.  —  Verhält  sich  zu  gl-  (gu-)  gäggen  wie  Gugege  (s.  d.) 
zu  gi-  (gu-)  gägen. 

Geggschösserdi  f.:  Kleinigkeit  ZWl.  Als  PI.: 
Krimskram;  dummes  Zeug  Z  (auch  Gelgg-). 

Aus  frz.  quelqtie  chose  (in  vulg.  Ausspr.)  mit  deutschen 
Bildungssilben.  Ein  merkwürdiges  Beispiel  von  Aufnahme 
und  Behandlung  fremden  Sprachgutes! 

geggschösig:  nur  in  der  Verbind.:  02J2ns  g-s, 
etwas  Eigentümliches,  Ungewöhnliches  L  f. 

Gebildet  wie  das  vorige,  nur  einfacher  und  mit  geringerer 
Lautentstellung,  da  im  Anlaut  tw.  k  und  »  weich  gesprochen 
wird. 

geiggele(ll) :  Possen  reissen,  sich  närrisch  geberden 
zwangen.  —  Verquicknng  von  geiglen  Sp.  147  und  dem 
Syn.  gäugglen.      Davon   Geigg-Aff  Bd   I    100. 

Geiggi  s.  Gi.ggi. 

gTggele(li),  ,giggerle",  gl-  Z":  1.  die  Notdurft  ver- 
richten; meist  nur  von  kleinen  Kindern  Gl  (Schuler); 
Z.  —  2.  sich  mit  Kleinigkeiten  befassen  AAFri.  Abi. 
Gtggeli,  Mensch,  der  bei  der  Arbeit  Nichts  aus- 
richtet, ebd. 

Zu  1  vgl.  gögkeln  (Schm.-Fr.  I,  882)  und  unser  gfiggeii, 
gäggden.  Bed.  2  lehnt  sidi  viell.  an  1  an  wie  das  Syn. 
gäggelen   II   tw.    an   ghggden    1. 

giggelig:   winzig  AAFri. 

Zum  vorhergehenden  Vb.,  i.  S.  v.  ,sich  mit  Kleinigkeiten 
abgeben',   vgl.  ganggelig  :  gänggelen. 


glgge(ll)  1:  pfeifen,  von  Mäusen  BS.  Syn.  wiggen, 
einen  hohen  Ton  von  sich  geben,  kirren  AAÄugst;  F; 
kurze,  schrille  Töne  geben  B;  striderc.  Id.  B.  Syn. 
gibsclien,  glgen.  .Pipilare,  gypen,  gycken  oder  schreien 
wie  die  jungen  vögel  (sparen).'  Fris.;  Mal. 

Die  aus  Kaiseräugst  gemachte  Angabe  gieggen  beruht  wohl 
auf  ungenauer  Wiedergabe  des  i,  da  sie  von  anderer  Seite 
in  Abrede  gestellt  wird,  doch  könnte  sich  giggcn  :  gieggen 
verhalten   wie  gigen  :  giet/en. 

Gigger  I  m.:  Grille,  Heimchen.  Er  hei  mit  Schi' 
nid  emal  G.  g'fresse',  ist  brandmager  FMu.  —  So 
benannt  von  den  Tönen,  die  das  Insekt  hören  lässt. 

Gäbeli-:  Ohrwurm  ZWasterk.  Syn.  Örenmüggeler, 
-niggeler.  —  Viell.  aber  zum  Folg. ;  Guleli-,  von  der  Zange 
am  Hinterleib  des  Insekts. 

gigge(ii)  II:  ein  kleines  Kind  scherzend  mit  dem 
Finger  auf  den  Leib  stechen,  wobei  man  glgg!  sagt 
ZA.     Syn.  higgen;  vgl.  auch  Glx. 

Vgl.  gigken.  stechen,  namentlich  mit  der  Spitze  des  Zeig- 
fingers, Schm.-Fr.  I  883,  und  ,kiken'  bei  Gr.  WB.,  dass. 
Der   hohe  spitze  Voc.  stimmt  zu  der  Bed.  .stechen". 

gigge(n):  zucken,  zittern?  Nur  in  formelhafter 
Verbindung  mit  dem  Subst.  ,Gigge',  in  der  Stelle: 
,Ich  han  üch  eins  Hunds  giggenden  Gigken  gesworn', 
sagte  1367  ein  Basler  zum  Oberstzunftmeister  und 
wurde  dafür  10  Jahre  verbannt.  —  Gigken.  beben,  zucken, 
z.B.   vor  Kitzel.  Schm.-Fr.  I  883;  s.  gigerkn,  zittern. 

Gigge"  m,  nur  in  der  unter  giggen  angeführten 
Stelle,  wo  G.  die  Geschlechtsteile  eines  geilen  Hundes 
zu  bezeichnen  und  das  Ganze  als  roher  Schimpf  oder 
Finch  gebraucht  zu  sein  seheint,  ähnlich  wie  Hunds- 
fott, WL'lrln's  sirli  auf  das  weibliche  Tier  bezieht. 

Vgl.  (/;.//,./  III..  Zinkin;  ,gygel,  t.entigo,  pars  quse  in  Vulva 
apparet;  uuch   fmltfifgil.'   Schm.-Fr.  I»  884.     Vgl.  GUggerli. 

giggerc(n):  in  kurzen  Tönen  lachen  GSev.,  un- 
anständig 1.  GW. ;  kichern  Gl.  Syn.  gigeren  u.  gigelen. 
Abi.  Giggeri,  Einer,  der  lacht,  ebd. 

(iigger  II  m.:  magerer  Käse  F. 

(iiggei'li:  ein  altvaterisches  Kartenspiel,  frz.  qui 
gagne,  perd.  E  G.  mache'  Bs,  auch  giggerlen.  ,Er 
muss  uns  doch  nicht  gar  das  Ansehen  geben,  dass 
nicht  auch  etwas  Aufklärung  neben  Staatssachen  und 
dem  ehrbaren  Gikerli  unsrer  sei.  Väter  in  unsern  So- 
cietäten  Platz  gefunden  hätte.'  Hüber  1787.  —  Vgl. 
gaigkeUn,  ein  Kartenspiel.  Schm.-Fr.   I   882. 

(ügKCi'uill'^  "'■■  '■'-''"''".i;  \'öu  altem  Gerät,  Gegen- 
.stainlr    i.liiir   Wi'it.    IMiiiiilfr    Bs.     Dr   G.,   wo   i'   dr 
Estrig  Blatz.     [In  des 
('(•  fi'störhcii  isch,   no"'' 


Mannes 
Alles  in 


"/- 


Dnsr 


ml  .Mixture, 

VoStrosshiir.i  Isainmpl.l.  ,i!li  Miinr.  rrrsdiiiniL'e  Glas 
VO  Glaris,  G.;  dt"  Fniide  scheitktn  und  Bikaimte  loill 
i''''s.  K Keltere.  G.  und  Chrebslebere  [nigl.],  auswei- 
chende oder  abwehrende  Antwort  auf  die  neugierige 
Frage:  Was  haben  wir  zu  Mittag?  Sprww.  1869.  — 
V?ohl  zu   Guggemdl  i.  S.  v.  Pluuderkammer. 

Giggesli  n.:  schwächliches  Kind,  eine  in  der  Ent- 
wicklung zurückgebliebene,  schmächtige  Person.  Es 
ist  nW  es  arms,  nüdnutzigs  G.,  das  würd  nie  Icei' 
Ma"  Gr. 

Eig.  Eidechse  (s.  Iggesli  Bd  I  94,  aus  dessen  ;  sich  der 
conson.  Vorschlag  entwickelte  wie  in  Gilge  Bd  I  17(1)  und 
mit  Bez.  auf  Naturell,  Gestalt  und  Zartheit  iibertr.  wie  in 
dem  syn.    Gucg,    Güegl  (eig.   Käfer). 


GagiT,  gct;«,  gigg,  g(igg.   gugg 


178 


(iieggle"  f.:  Blö-sse  am  Leib.  E  G.  mache,  un- 
anständig mit  gespreizten  Beinen  sitzen ;  auch  giegglen, 
welches  sonst:  hin  und  her  schwanken,  sich  wälzen, 
bedeutet.  Pfiä,  me  g'sieht-der  d'  G. !  zu  einem  Kinde, 
wenn  es  die  Schamteile  nicht  bedeckt  hält.  St  macht 
a  G.,  schürzt  den  Kock  zu  hoch  GW.  —  S.  gieylen. 
VwJt  ist  auch  tjeirjlen,  die  Beiue  aufstrecken,  kopfüber  fallen. 

Gögg:  Jakob  ZO.,  auch  Göggeli,  Göggi  u.  GÖggel. 
s.  dd. 

(jogg  I  m.:  hohe  Frisur,  in  die  Höhe  gestrichenes 
Haupthaar,  ehemals  beliebt  bei  Stutzern  BsStdt.  Er 
ti-cit  e  Goch  und  het  en  Uhr,  doch  ro"  Verstand  isch 
gar  kei  Gspur.  Hinderm.  's  Büebli  raucht  und  stricht 
si"  G.  ebd.  Vgl.  Goggele.  —  Wahrsch.  aus  frz.  coj,  Hahn, 
iuiluni  die  Frisur  mit  einem  Hahuenkamni  verglichen  wurde. 

«ögg  II  m.:    Cocus(-baum,  -holz)  Uw.    S.  Goggis. 
goggi":   aus  Cocusholz.  z.B.  e' guggi's  Bcttli,  ein 


ikranz  aus  Körnern  der  C 
Erzähler  1856. 


Uw.    Goggeni 


Ciöggel  m.:  einfältiger  Mensch.  Sprww.  18(39. 
Syn.  Jofjijel,  und   wie  dieses  aus  ,Jakob',    verächtlich  in 
appellativer  Bed. 

Goggele"  f. :  1.  (spött.)  grosse  geschmacklose  Haube 
Bs.  —  2.  eitle,  hochmütige  Person  Th.  —  Zu  Go.jy  I. 
Bed.   -2   vieil.   f.   zu    GSyriet. 

Nacht-:  Nachthaube  Bs.  Auch  Xachtgiiggere.  - 
liad-:  Badhaube  Bs. 

(iöggöggeli:  Übern,  eines  Knaben  Namens  Jakub. 
ZZoll.  ca  1820,  i.  S.  v.  dummer  .Tunge.  G.-icis,  Flurn. 
in  ZWied.     Zu  Goggel. 

Fäschi-Goggeli  n.:  Wickelkind  GSa. 

(jSijgeli  hier  wohl  nur  aus  der  Kdspr.  und  <j  viel),  für 
</,   I,  zu   Tvche,  Puppe,  doch  vgl.  auch   BüppeU,  Wickelkind. 

Goggeligö:  rote  Farbe  Z  (Kdspr.),  scherzh.  wie 
gäggeli-gel,  munggeli-brun  u.  a.  —  Frz.  corpidiroi,  Feld- 
mohn, Klatschrose,  couleur  de  c,  Feuerfarbe. 

GoggelttschV  m.:  1.  Keuchhusten  AAZof.;  BBurgd. 
—  2.  Croup,  Stickhusten  GStdt.  (-(5-  statt  -H-).  -  Fi-z, 
cutjuihivhe  f.,   Keuchhusten. 

Gogge"  (/.-)  ni. :  Klumpen  einer  dickflüssigen  Ma- 
terie, z.  B.  Nasenschleim  BR.    Syn.  Goggel,  Golgge. 

Westerwäld.  KocUe  ni.,  Heuhaufe;  ebenso  engl,  cuek,  nor- 
wog.  kuk,  Haufe  übh.,  Klumpen,  schwed.  W,«,  Erdscholle, 
altn.  kiiU-i  Gr.  \VB.  V,  1.56.5;  viell.  .aber  nur  Nbf.  zu  dem 
Syn.    (-lulyyi: 

Goggi  I:    Jakob  ZO.;  s.  Gögg. 
Göggi  n  n.:    Eierkuchen  GRÜbS.   -   Vgl.  rätuioni. 
cocc«,   Kuchen,  zu   lat.   coquere. 

Goggis,  nur  in  der  RA.:  Du  bist  en  Ma"  wie  G., 
taugst  Nichts  ThHw.    Vgl.  Gäggi  s.  v.  Gägg  u.  Gägg. 

Go'ggis  m. :  der  zierliche,  kostbare  Handknopf  am 
Spazierstock,  auch  der  bes.  bei  feierlichen  Anlässen 
getragene  Stock  selbst  Th.  —  Aus  .Cocus',  da  solche 
Knöpfe  auch  aus  der  Sehale  der  Cocusnüssu  gemacht  werden. 

Goggöli  s.  Göli. 

Goggwergi  s.  Ge-twergi. 

^»SSi'i-)  ra-:  Kuchen,  etwa  mit  'k\i1e\-  (Öpfel-G.) 
"der  Kirschen-Zusatz  (Chriesi-G.)  Gr  vPr.  Syn.  Goggi, 
und  desselben  Ursprungs. 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


Goggel  m.:  1.  dummer  Kerl  GlH.  ;  Narr,  Possen- 
macher L;  Z;  unbeholfener,  schwachköpfiger,  willen- 
loser Menscli  Sch.  Syn.  Gögel,  Goggi,  Goggöli,  GÖl; 
BÖgg.  —  2.  vertrockneter  Nasenschleim  Sch;  s.  Gögel. 
Syn.  Gölgg,  BÖgg. 

Appe"-:  dumme  Person,  Verstärkung  von  Appelc 
Sch.  —  Butze"-:  Popanz  ScnSt.  Syn.  Bögg.  Auch 
-gögel,  s.  d. 

göggle(n)  =  göglen.  , Gaukien,  gauchein,  geken. 
gokeln,  gesticulari,  motionem  agere."  Red.  1662. 

vergöggele{n)  =  vergnglen  3.  Sulger. 

Goggel:  1.  Spottn.  für  Jakob  ZTö.  Schon  1-186: 
,Göggel  Ruder. T.-  (iKricss.  -  2.  appellativ:  dummer 
Kerl  Sch;  ZT,..     Vgl.  (l<,ggi. 

gÖgge(ll)  I:  1.  sich  erbrechen  AAZof.;  B;  Gr; 
rülpsen  Gr.  Unpers. :  ekeln,  so  dass  man  sich  er- 
brechen könnte.  Es  het  mer  gögget,  i"*  hätt  möge . . . 
BE.  —  2.  unschön  tönen  B  (Zyro). 

Nhd.  kukeii  und  kiiclcen;  engl,  tu  keck,  Brechreiz  empfinden. 
Die  Kehllaute  und  auch  der  trübe  Voc,  kurz  oder  lang, 
bezeichnen  trefflich  die  Sache  selbst.  2  bedeutet  wahrsch. 
Töne  ähnlich  den  beim  Erbrechen  vorkommenden,  z.  B.  wider- 
lich reden.     St.  giebt  auch  g  statt  ji/. 

gögge(ll)  U:  „sich  wie  ein  Laft'e  betragen  L;" 
dummes  Zeug  schwatzen  B  (Zyro). 

Mit  .</o</;/en  I  vereinbar,  da  weite  Öffnung  des  Mundes, 
wie  sie  beim  Erbrechen  stattfindet,  auch  als  Zeichen  von 
Uummheit  gilt,  viell.  aber  nur  Nbf.  zn  gäuijijen. 

,üs-:  aufhören  sich  wie  ein  Latfe  zu  betragen  L." 
Vgl.  vergauchen. 

„ver-:  durch  läppisches  Benehmen  verscherzen, 
verlieren  L." 

„Göggi  (ö)  m.:  Laife  L." 

Uehört  zu  den  unter  GSgr/el  angeführten  zahlreichen  Synn. ; 
ist  aber  zunächst  von  ißgijm  II  abgeleitet.  Im  Gb^ggi  ZHerrl.. 
Flurn.,  eig.  N.  des  Besitzers.  .GUgger',  ausgestorbenes  Geschl. 
in  Z. 

„Göggig-keit:  Betragen  eines  Laffen  L."  — 
..göggisch:  läppisch  L." 

Goggi:  Zun.  eines  Mannes,  resp.  seiner  Familie 
f  .•?  Göggi's)  ZO.  —  Spott.  Koseform  von  Jakob.   Vgl.  (imjgcl. 

(rugg-,  Gügg-  vor  folgendem«/  s.  nach  Abwerfung 
des  reduplicierenden  gug-  die  einfachen  WW. 

Gögg  I  m.:  1.  Blick.  De-  letzt  <?.  tue"  GRPr. 
E  Güggli  tue",  einen  kurzen  Blick,  ebd.  —  2.  (Dim. 
Guggeli)  Guck-.  Schiebfenstcrchen.  dgl.  z.  B.  früher 
ilic  Metzger  in  ihren  Laden  hatten  B.  Syn.  Gugger- 
nelli.  —  3.  kleiner  Erker,  Winkel,  Versteck.  Loch  in 
einer  Wand,  um  etwas  Kleines  hineinzustellen,  bes. 
Ofenloch  in  einem  sog.  Kunstofen  zum  Warmhalten, 
resp.  Zubereiten  von  Speisen  B;  GO.  VgL  Ofen-G.  ~>. 
Syn.  Guggernelli.  ,Dann  war  ein  viereckigt  Guggeli 
in  dem  Nachttischli,  wo  das  bekannte  Geschirr  Raum 
fand.'  GoTTH.  ,Es  dokterte  beständig,  in  irgend  einem 
Guggeli  war  fast  immer  ein  Hafen  für  ihns  z'weg, 
bald  mit  derlei  Trank,  bald  mit  anderlei.'  ebd.  — 
4.  ein  Gebäck,  Brod  mit  wenig  Birnen  oder  Äpfeln, 
s.  d.  Compp.  Ofen-,  Biren-.  Die  süessen  Öpfelschnitz 
sind  giiet  zum  Giigg  GSa.  (Hilarius  1881). 

Es  ist  die  Frage,  ob  die  Bedd.  einem  W.  angehören, 
obwohl  sich  ihre  Zsgehörigkeit  denken  lässt,  zunächst  die 
von  3  mit  '2,  da  ans  dem  Begriff  ,Guckfenster'  der  eines 
Loches  und  engen  Behälters  entspringen  konnte:  ddcli  auch 
Bed.  4,    obgleich    ihr    viell.    eine    Abi.    von    lat.   cor; «.ir    zu 


Gagg,  gegg,  gigg,  gogg.  gllgg 


180 


Grunde  liegeu  möchte  (vgl.  l/oijyi  II),  kaun  ähnlich  wie  0/en- 
Gutjij  und  das  schwarzwäldische  Ougy-in-Ofin  =  Gugelhojtf 
als  eine  Speise  erklärt  werden,  nach  welcher,  wenn  sie  nicht 
missraten  soll,  eifrig  geschaut  werden  muss.  Zu  1  gehört 
viell.  auch  Rappenguck  als  Name  eines  Ortes  oberhalb  GrZizers, 
wo  früher  ein  Galgen  stund  (Kapp,  Rabe;  vgl.  ,Rabenstein', 
Bichtstätte). 

Ofe"-gugg:  1.  Ofenloch;  Wärmekasten  B.  Syn. 
Ofenrohr.  Auch  Dim.  -guggeli.  .Mädeli  zog  aus  dem 
0.  ein  sorgsam  zugedecktes  Kacheli  [Schälchen,  Täss- 
chen]  mit  Kaffee.'  Gotth.  , Selten  vevgieng  ein  Tag. 
wo  er  nicht  im  0.  einen  Hafen  mit  Trank  stehen 
hatte.-  ebd.  -^  2.  Ofenkuchen  GoT.,  We.;  SchwE., 
Gericht  aus  g^ehackten  oder  gestampfton  Kartoffeln. 
Birnen  oder  Äpfeln,  mit  altem  Käse,  etwas  Mehl  und 
Salz  in  oinfii  Bri^i  '.'evülirt.  in  pjnf  mit  frischer  Butter 

l„.,,|irrl|n-f,.    I:Ml|,r,llinr    nv-n^,,.|,,     "1 1  r  1  Kl  U  f   IT  ir],  ]  ich  nÜt 

Si,...k„url,.In  UV..,,,,. kl  uiM  in,  nw»  ,-.l.r;,t..„  GW.; 
.Scinv.  Auch  Ufcn-yii.jgis.  byii.  U.-Giu:,  -Tatsch.  - 
Vgl.  Anm.  zum  Vor. 

Bir°e"-:  Türken-  od.  Maisbrot  mit  einem  kleinen 
Zusatz  von  Birnen  gebacken  GSa. 

Schill-  m. :  Schielendef,  vormals  des  bösen  Blickes, 
der  Hexerei  verdächtig  Gr  (Schwzd.  29,  02).  Scheltw. 
z.  B.  für  einen  ungeratenen  Sohn  GuSchiers.  —  Giujrj 
hier  also  persönlich,    wie   sonst  G'iujgcr.     Vgl.  Si:hili-yii<j;ier. 

Gug-gugg  m. :  1.  in  der  Formel:  Los  en  Gm/gug 
oder  i'''  lo  di'''  verfule'  [lasse  dich  im  Versteck  sitzen, 
bis  du  verfaulst]  AABb.  —  2.  G.  mache",  Versteckens 
spielen  S. 

Vgl.  Gürj  II  Sp.  155  und  Güx,  yuyguliemi.  Eig.  Re- 
duplikation des  Rufes:  Gmjij,  sieh  da;  Einfaches;/  inr  Aus- 
laut in  AaBb.,  wo  zwar  auch  die  Nbf.  Guguii  (s.  Guy  II 
aaO.)  vorkommt,  ist  nicht  wesentlich. 

Dach-Guggeli,  PI.  -güggleni:  Dachfensterchen  B. 
Syn.  Guggere,  Guggehürli. 

Gugg  II:  Imp.  des  Vbs  guggen,  in  folgenden  Zss. 
substantivisch. 

Gugg-ins-Land  m.:  Spottn.  für  einen  gedanken- 
los vor  sich  aus  schauenden  Menschen  Sch  (Kirchh.). 

Gugg-in-das-Nest:  Name  eines  Turmes.  BsXIV. 

Wohl  ein  nach  der  Stadt  hin  statt  nach  aussen  offen 
stehender  Turm,  als  Ggs.  zu   Lueg-ins-Land. 

Gugg-dur''''s-Glas:  Gelehrter,  der  die  Brille 
oder  andere  geschliffene  Gläser  gebraucht.  Der  Un- 
sfiidiert  gseht  Hecht  von  blossen  Auge  bas,  als  mänge 
glehrte  Guggdürsglas.  B  Gedicht  1831.  —  Imperativische 
Namensbildung  in   Form  eines  Satzes. 

Gugg-üs:  1.  Versteckensspiel,  besonders  einer  er- 
wachsenen Person  mit  einem  Kinde,  wobei  die  erstere 
sich  einen  Augenblick  verbirgt,  dann  plötzlich  sich 
zeigt.  Mit  ihrem  Ruf:  G.!  will  sie  das  Kind  über- 
raschen, i.  S.  V.:  ,Da  bin  ich!'  oder  zum  Suchen  reizen, 
i.  S.  V.:  , Schau,  wo  ich  bin!'  worauf  dann  die  Ant- 
wort: Da,  da!  erfolgt  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L;  S  [ss);  Z. 
Guggus  Gl;  Z  (auch  Gug-),  Gugguseli  SchwE.  {-ss-);  Z, 
-machen,  bald  da,  bald  dort  sich  blicken  lassen,  wobei 
man  sagt:  Guggugg!  AaP.  Auch  Versteckens  spielen 
übh.  ZO.  Syn.  Verbergis  mache'.  Auch  etwa,  indem 
man  den  Leib  des  Kindes  scherzw.  mit  dem  Finger 
berührt,  auch  ohne  sich  zu  verbergen,  nur  zur  Über- 
raschung desselben  ZA.  Geigeli-G.'.  als  Zuruf  an  das 
Kind,  damit  es  suche  od.  sich  selbst  verberge  ZMünch. 
[geigelen,  purzeln,  s.  d.].    De  Botz  G.  od.  G.  de  Hotz! 


ruft  das  Kind,  wenn  es  sich  verbirgt  Bs.  Vgl.  aucli 
Guggü  3  und  Guggeisis,  Gugel-nch,  -üs.  Wohl  nur  ein 
Wortspiel  hat  HPest.  1785  an  folg.  Stelle  beabsichtigt: 
,Gewisse  Kinder,  die  zu  glauben  geschienen,  ich  habe 
ihnen  meine  ersten  Buchstaben  bloss  zum  Gugg-aus 
und  Gngg-ein  damit  zu  machen  dargeworfen.'  — 
2.  Fenster,  im  Volksrätsel.  Eochh.  AK.  255/0.  Vgl. 
Gugg-herüs,  das  Haus,  im  Kinderspruch  vom  Haushalt 
L  (Tobl.  VL.  I,  152).  —  8.  (GiiggüseU)  penis  (,etwas 
halb  versteckt  Hervorblickendes-)  L.  Syn.  Güggerli. 
—  guggüse(n)  =  G.  machen  ZO..  IT.,  dessen  Imp. 
auch  an  einen  Erwachsenen  gerichtet  werden  mag: 
,Wenn  ich  dich  nicht  mehr  seh,  so  guckus!'  W,  It 
NnwVolksbl.  187'2.  —  Guggüscrli:  Guckloch,  Öff- 
nung GaLandq.     Vgl.  Guggi. 

Gugg-üs  eig.  Imp.  zu  us-guggen.  Doch  lässt  sich  Beziehung 
des  Versteckenspielens  auf  den  scheuen  Kukuk,  welcher 
sich  in  den  Kronen  der  dicht  belaubten  Bäume  verbirgt  und 
seinen  neckischen  Ruf  dann  unerwartet  aus  einer  andern 
Richtung  vernehmen  lässt,  schon  früh  nachweisen.  So  sagt 
Aldrovandus:  .Ludunt  Germani,  priecipue  Helvetii,  ludura, 
quem  cuculum  dicunt,  hoc  modo:  unus  occlusis  oculis  manet 
in  loco,  quem  solium  vel  trilnmal  appellant;  Interim  ab  unitate 
Clara  voce  et  interstltio  iiuijuraiis,  dum  alii  diffugientes  passim 
se  occultant.  occultatis  uniuilius  uuus  cuculi  voce  clamat.  tum 
ille  a  solio  discedit  et  passim  iuquirit,  si  quem  ahditum  de- 
prehendat.  deprehenso  aliquo  tribunal  celerrinie  conscendit, 
ne  cursu  a  deprehenso  aliove  prseveniatur,  ultimus  enim  iu- 
quisitoris  laboreni  sumit.'     Ygl.    Gugger  II  B  (guggii). 

Gnggacher:  Apfelsorte  Th.  —  Vgl.  A,-her  Bd  I  os. 

Guggehöntlli:  Frauenschuh,  cypriped.  calc.  ZDättl. 

Der  1.  Teil  des  W.  scheint  eine  Beziehung  auf  den 
Kukuk  zu  enthalten,  dem  zu  Ehren  der  Frauenschuh  im 
Vorarlbergischou  auch  G ugger-Schuch  heisst;  betr.  den  2.  Teil 
vgl.    Vihöndli  Bd   I   633. 

Guggehü  s.  Guggehür. 

Güggeie"  f.:  Sitzen  mit  aufgehobenen  Knieen  und 
angestemmten  Fersen  XvH. ;  sonst  Guggere".  Syn. 
hären,  kauern. 

Dass  das  W.  aus  Guggere  selbst  (s.  Gugg-gerc')  entstanden 
sei,  indem  nach  Ap  MA.  vor  r  ei  aus  e  entstehen  konnte 
und  dann  i-  ausgefallen  wäre,  ist  nicht  wahrsch.,  obgleich 
sich  dafür  Gafeie  aus  Ka/eire  anführen  Hesse.  Aber  dass 
es  jenem  Syn.  irgendwie,  viell.  mit  Anlehnung  an  die  Hal- 
tung der  Eier  legenden  Hühner,  nachgebildet  sei,  scheint 
ziemlich  sicher;  denn  auch  das  mit  Guggere  in  dessen  ge- 
wöhnlicher Bed.  ,Dachfenster'  syn.  GuygehMi  bezeichnet  in 
h  zugleich  jene  Art  des  Sitzens,  und  an  das  abermals  ,Dach- 
fenster'  bedeutende  Guggehür  (sonst  meist  Dim.  Guggehürli) 
schliesstsich  Gvggehüre  macheu,  kauern  Z.  Allerdings  scheinen 
auch  Guggehür  (li)  und  Guggehüdi  selbst  schon  entstellende 
Umdeutungen  von  Guggere  (resp.  Güggerli);  aber  dass  dieses 
selbst  (in  Ap)  auch  jene  Art  des  Sitzens  bedeutet,  muss  doch 
seinen  Grund  darin  haben,  dass  ein  Dachfenster  von  der  betr. 
Art  auf  dem  Hauptdach  des  Hauses  in  ähnlicher  Weise  ge- 
duckt aufsitzt,  wie  ein  Kauernder  auf  dem  Boden,  oder  dass 
man  in  demselben  nur  in  geduckter  Haltung  ausblicken  kann. 
S.  Gugg-gere,  Guyge-hür,  -hiinU ;  auch  Guggernell,  aus  Gugij- 
grenell.  Uf  der  Goijg-  (resp.  Gugg-)  eien  kommt  5  Mal  iu  Ap 
und  G  und  «  der  Goggei  1  Mal  in  L  als  Name  von  Berg- 
und  Alpenhöhen  vor. 

Guggeisis  »i((c/te":  Versteckens  spielen;  während 
ein  Kind  in  der  Ecke  steht,  verbergen  sich  die  andern, 
worauf  sie  gugg!  rufen  und  vom  erstem  gesucht  wer- 
den GWe.     Syn.  Gugg-üs  m. 

Vgl.  Guggeie",  aus  welchem  es  unter  Einschub  eines 
euphonischen  «  entstanden  sein  mag  und  das  als  Vb.  nach 
einer  Angabe  auch  , Versteckens  spielen'  bedeuten  soll. 


m 


Gagg,  gegg,  gigg.  gogg,  gngg 


182 


liiiggele"  f.:  (las  ausgehöhlte,  entleerte  Ei.  Solche 
Eier  wurden  l'rülier  zur  Verzierung  der  Palmen  ver- 
wendet ÄAZein.  —  Wahrsch.  zu  frz.  coque  n.  coquille,  Eicr- 
scliale.    Vgl.  mhd.  kocke,  schalenförmiges,  rundliches  Schiff. 

Gngge"  (PI.) :  Kinder  LHorw.  Syn.  Gnf  I.  —  Vgl. 
Vorarlberg,   (ir,,/.  liass. 

grigge(n)  -ni-  Ndw.  -v><-  UwE.,  Bim.  güu(j(jehn. 
ehd.:  1.  auf  einem  Hörn  blasen  AABb.;  L;  Nnw;  UwE. 
=  güiieii  II,  (jugen,  gilggen.  Für  g.,  Peuerlärm  ma- 
chen L.  .Auch:  auf  einer  Schalmei  blasen,  von  Hirten, 
Geissbubon  UwE.  Oft  auch  scherzh.:  auf  einem  In- 
strument schlecht  blasen  „Aa;  Vw;  Z.''  Demuet  g., 
.Trübsal  blasen',  klagen  AAWohl.  Vgl.  glgen.  Ehe- 
dem (noch  in  den  40er  Jahren)  wurde  der  Konkursit 
zu  L  am  Wochenmarkttage  dem  Publikum  auf  der 
Altane  der  Werchlaube,  später  des  Wirtshauses  zur 
Linde,  vorgeführt,  wozu  ein  Polizeidiener  mit  einem 
Hörne  durch  Güggen  die  öffentliche  Aufmerksamkeit 
anzog.  S.  usgügen  und  die  dortigen  Synn.  Bildlich 
als  Au.sdruck  von  Abweisung.  Vgl.  Güggis.  !"•  gügg- 
dr''  roll  AASt.  I  ivill-dr  g.  Suterm.  (Drohung).  Du 
cliannst  mr  (lang)  g.,  bemühst  dich  umsonst  AaS..  Zof. 
CJo)  gügge'!  warum  nicht  gar!  AaK.,  L.,  auch  gilgge! 
s.d.  Syn.  güggen  I,  blasen,  pfifen.  —  2.  schreien 
Ndw,  s.  gügenllS.  Vom  Kuki;k:  de  Gügger  gügget, 
der  K.  ruft  AAWind.  F''  lose  gern,  fallt  er  [der 
Kukuk]  si«s  Güggen  a".  Usteki.  Auch  von  andern 
'l'ierlauten  ZWint.  Vgl.  ffii^fjrer,  Dompfaff.  GüggemöK, 
Molch.  „Brüllen,  zunächst  von  Eindvieh  GKÜbS.;" 
auch  gügen.     Vgl.  Grasgügger. 

ÜS-:  1.  als  bankrott  und  ehrlos  erklären  L;  Ndw 
=  üsgügen,  vergüggen.  —  2.  mg' gügget  ha",  fallit 
sein  L.  S.  güggen  1.  —  ushin-  use-:  zum  Heraus- 
gehen aus  dem  Stalle  blasen,  z.  B.  den  Schweinen, 
Morgens  früh.  De  [du]  chunnst  immer  hei",  wenn  der 
Hirt  de*  Sänne  vsegügget,  sagt  die  Frau  zu  dem  erst 
gegen  Morgen  aus  dem  Wirtshaus  heimkehrenden 
Manne  L.  —  ver-:  durch  Trompetenstösse  als  fallit 
ausrufen  L.     Auch  vergügglen. 

Gügge  f.,  \)im.  Güggli :  Briefsack.  Düte.  konischer 
Papiersack  BsStdt;  Ostsohwz. 

Scheint  zu  i/üggen  zu  gehören,  aber  importiert  zn  sein,  da 
altbaslerisch  dafür  Sii'c/ gehraiicht  wurde;  vgl.  ,Düte  :  tuten'. 

Gügger:  1.  Kukuk  AAtw.;  Z  tw.  —  2.  ,Die  Peuer- 
kröte,  G.,  Guggenmönli,  bubo  bombina.'  HSchinz  1842. 

Zu  2.  Sonst  Gurjijer  (s.  a.  3),  O'üllmgiigger  und  O'Tujc"- 
miili,    von  dem  langgezogenen  Ton,    den   das  Tier  aiisstüsst. 

Güggete  (-ÖM-)  f.:  schlechte  Blasmusik  UwE. 

Güggi  (-öi(-  UwE.)  n.:  1.  Hörn,  Trompete  (im 
scherzh.  S.)  AAWohl.;  L.  Kindertrompetchen  UwE.; 
.s.  Gügi.  --  2.  Fluni.,  hochgelegener  Ort,  wahrsch. 
urspr.  Hochwacht,  mit  Feuerhorn  versehen  .Aa.  — 
?>.  Frauenspers.  (Schimpfn.);  scherzh.  für  Mädchen 
iibh.,  weswegen  der  Volkswitz  das  .Mädchenbad-  bei 
LSchong.  G.-Bad  getauft  hat  Aa;  L. 

Bogetcn-  s.  Gügi  3  h. 

Gi'iggis  I:  Ausruf  der  Abfertigung  AASt.;  s. 
güggen  1. 

güggle":  blasen,  mit  einem  Home  L. 

(jüggler  m.:  (als  PI.)  Mu.siker,  welche,  meist  4 
an  der  Zahl,  dem  Orchester  ,im  Hof  angehörig,  am 
Abend  des  Neujahrstages  in  der  Stadt  von  Hans  zu 
Haus   zogen    und    auf  ihren   Blechinstrumenten    gegen 


ein  Geschenk  Haushaltungen  oder  Einzelnen  ein  Stück 
spielten,  nachdem  sie  angekündigt  hatten:  das  gilt 
jetzt  dem  Herrn  N.,  oder  der  ehrsamen  Jungfer  N.  Lf. 
Vgl.  Feierabend  1843,  95:  ,In  der  Ke.sidcnz  bringen 
die  altehrwürdigen  Guggler  um  ein  paar  Batzen  ihre 
kläglichen  Serenaden  und  ihre  begeisterten  Lebehoch.' 

gngge(ll)  I:  schreien,  rufen  vom  Kukuk  Ap;  Bs; 
VOrte;  G;  Z.  Syn.  giiggcrru  1.  güggen.  Wenn  de' 
Gnggieh  g'nueg  scliinirn  Clirnsi  nhirrliiiiiinl.  so  luirl 
er  iif  g.  ZW.  Eätsrl:  11,.  /,w  ,/,,■  (nsl )  Giiggtr 
fz'erstj  g'gugget?  Antw.:  (ts  'cm  d^icr  |;ius  dem  Ei], 
oder:  Wieeros'em  Ali  [Eichen]  gsclüofj'en  ist  [Wort- 
spiel mit  güggen,  schauen]  Ap.  ,G.,  schreien  wie  der 
gügger  oder  guggauch,  cuculare.'  Mal.  Auch  von 
Menschen:  rufen.  Los !  er gtiggel-is !  [uns]  Bs.  Bildl. : 
!''•  u-ill-dr  [dir]  g. !  (Drohung).  Du  channsch  m'r  [mir] 
gugge" !  [lange  warten].  I"''  gugg  dr  drüf  (drl'J!  F'' 
giigg  di'''  roll!  Abweisung  Bs.  Synn.  s.  unter  güggen, 
pfifen,  blasen,  schissen. 

Mhd.  ijucken,  von  guggai  II  [schauen,  s.  d.  |  verschieden 
und  direkt  von  dem  Ruf  des  Vogels  abgeleitet,  der  aus  Ijii'j;/ii. 
resp.  aus  der  reduplizierten  Form  Gtu/gui/  (s.  dd.)  in  '■'a.'/;/ 
(vgl.  Lexer  I,  1110  ob.)  verkürzt  werden  konnte.  Vgl.  'hnj,/- 
rjauch;  vwdt  ist  auch  güggen,  blasen,  wo  der  lange  Yocal 
langgezogene  Tone  bezeichnet.  Von  güggen  ist  dann  (Jugger  II, 
der  gewöhnliche  Name  des  Vogels,  gebildet  (s.  d.).  —  Wie 
das  Vb.  im  bildl.  S.  eig.  zu  verstehen  sei,  ist  nicht  ganz 
klar  und  kann  verschieden  gedeutet  werden;  wahrsch.  wird 
der  Ruf  des  Vogels  als  neckisch  oder  trügerisch,  spöttisch 
anfgefasst. 

gugge(il)  II  (-'.-  BSi..  -M-  Aa  jüdisch),  Dim.  güg- 
geh":  1.  von  Menschen.  1)  sehen,  aber  meist  ohne 
bbj.,  also  nicht:  unwillkürlich  Etwas  erblicken,  son- 
dern mit  absichtlicher  Aufmerksamkeit  schauen  Ap; 
BSi.;  Ndw;  G;  Sch;  S;  TnTäg.;  USiL  Gugg!  sieh! 
BHk.;  GG.  Syn.  luegen,  statt  dessen  in  BO.  aus- 
schliesslich güggen  üblich  ist.  Er  g.  sr''  d' Äugen  üs  L. 
Eich  z'  werde  clmnnt  nid  ru  Gugge  her.  Sülger.  ,1c1i 
gugken  fa.st  und  sich  umb  mich,  nüt  kann  warlichen 
sehen  ich.'  Eüef  1550.  .Ulf  in  der  mass  tuo  also 
gugken  [blicke  dermassen  (scharf)  auf  ihn].'  ebd. 
.Tueri,  videre.  luogen,  schauwen,  sehen,-  güggen.' 
Fris.;  Mal.  S.  noch  Hnfrn.  Insbes.  a)  neugierig 
schauen  B;  na.  li  .t\Mi.  I'n-ewohntem,  Merkwürdigem, 
meist  in  schcivli.  Sinn  A\Z.  .Die  Kraut  und  Gräslin 
vorwitzig  guggcn  au.s  zaiacn  Erderich.'  J<'\VfisskM!. 
1G78.  —  b)  heimlich,  verbotener  W.'isr.  liint.  r  .inmi 
Versteck  hervor  UwE.;  Z,  Nachts  durch-  i'rnin  AvI'.. 
durch  eine  kleine  (Mfunng.  z.  B.  ein  Srlilu,s,l|,„!i 
UwE.;  Z.  3Ii»  mnrhli  <irinl  :ii-inr  Chnnfiti  ircrdc" 
und  gern  GüiiLh  |  S,liiial>,-1 1  „<.,;■  ,111'M'n'  [scherzh. 
Ausdruck  von  rngc.lnhl.  Kntni.tnny]  iluKlost.  In 
diesem  S.  die  Compp.  l-e  [hinein]-,  «.se  [heraus]-,  dure- 
[hindurch]-!/.  AaF.  Trs.:  D' Stund  g.  uf-ner  dur''- 
schmige  Zittafele  [Uhr],  nach  der  Zeit  sehen  BGr. 
Wie  gern  macht  i'''  umme  g.  [wiedersehen],  d'  Muoter 
u»-'  der  Att  [den  Vater]  BGu.  (Schwzd.).  S.  noch 
sterne-g.  —  2)  zugleich  mit  dem  geistigen  Auge, 
a)  sich  vorsehen,  in  Acht  nehmen.  Hättsch  g'güggt! 
sagt,  der  Jude  zu  dem  von  ihm  Betrogenen  AAZein.;  L. 
—  b)  abwarten,  sich  bedenken,  überlegen.  Mcr  wci 
derno'''  g.,  wir  wollen  dann  sehen  Bs.  Auch  zu  2)  ist 
syn.  luegen.  —  2.  von  Sachen:  „sichtbar  werden, 
zum  Vorschein  kommen,  hervorschauen,  z.B.:  Ds 
I  Fiitzcnetli   g-t    vs  Vw  Feelcen    use   |das  Nastuch    aus 


183 


Gagg,  gegg,  gigg.  gogg,  gagg 


184 


der  Rocktasche].  Von  Pflanzen :  hervorspriessen. 
D'  Erbse",  d'  Herdöpfel  fi-d  G ;  Z.    Syn.  für-hin  luegen. 

Mhd.  (jucken,  yucken,  neugierig  schauen;  viel).  Intensiv- 
bildnng  von  einem  verlornen  starken  Vb.  mhd.  giechen,  zu 
dem  Gauch  (mit  der  Grundbed.  ,Tor',  nicht  .Kukuk')  sich 
ablautend  verhielte  und  dessen  Bed.  etwa  .den  Kopf  vor- 
strecken' gewesen  sein  könnte.  Vgl.  Weigand  I.  1123.  Oder 
es  könnte  mit  gleicher  Begriffsentwicklung  zu  mhd.  giegr, 
Tor,  Narr,  gehören.  Vwdtschaft  mit  ,Geck'  liegt  lautlich 
ferner.  —  Unser  Vb.  auch  in  dem  häufigen  Flurn.  Guggen- 
Büel  (auch  als  Geschlechtsn.) ;  vgl.  auch  Guggen-Fluoh  (schon 
1277  bezeugt).  .Guggen',  .Guggental',  .Guggenmüli',  ,Guggen- 
loch'  scheinen  dagegen  gerade  tiefliegende  Orte  zu  bezeichnen. 

ab-gugge(n):  1.  (mit  blossem  Dat.  P.)  zusehen. 
,Uli  konnte  mit  Vreneli  reden,  ohne  dass  er  immer 
ringsum  blicken  musste,  ob  nicht  Elisi  hinter  irgend 
einem  Baum  ihnen  abgugge.'  Gotth.  —  2.  (mit  bei- 
gefügtem Sachobj.  im  Acc.  oder  mit  ('oiij.)  ansehen. 
.Sie  habe  es  ihm  wohl  abgegugget.'  Gotth.  .Aus 
einer  Flasche  trinke  er  nicht;  da  könne  einem  ja  jeder 
Narr  abg.,  wie  viel  man  trinke.'  ebd.  —  3.  Einem 
Etw.  absehen,  um  es  nachzuahmen,  durch  Zusehen 
ablernen  UwE.  (wie  nhd.). 

über-:  übersehen.  ,Ir  mögint  der  sach  nachfragen 
und  darunder  handien,  damit  nützit  überguggt,  sunder 
durch  guot  sorg  und  ufsechen  grösserer  schad  ver- 
hüetet  werd.-  1530.  Strkkl..  Act.  ,Mit  flüchtigen 
Augen  ü.'  Goliath  1741. 

under  (hin)-  (undergugge(n)  B  oSi..  sowst  undere-g.) 
mit  Dat.  P.:  zärtlich  ansehen.  Alles  zu  lieb  tun,  sorg- 
fältigpflegen; durch  solches  Tun  sich  einschmeicheln 
B;  „VOrte."  Syn.  chüechlen,  chüenzlen.  ,Marei  gug- 
gete  dem  Alten  untere  so  zärtlich.'  Gotth.  .Dann 
wusste  es  [das  Mädchen]  mit  seinen  saftigen,  blauen 
Augen  mir  so  anzüglich  untere  zu  guggen  [mir  so 
verliebt  in  die  Augen  zu  sehen].'  ebd.  ,Wie  viele  der 
Mädchen  auch  waren,  wie  lockend  sie  nach  mir  sahen, 
wie  nahe  sie  an  mir  vorbeistrichen.  wie  holdselig  sie 
mir  untere  guckten  und  liebliche  Beden  führten.'  ebd. 

Grundbed.  scheint:  von  unten,  also  in  dienstfertiger  Hal- 
tung, ansehen  und  aus  den  Augen  des  Andern  seinen  Willen 
absehen. 

ÜS-:  1.  ausspähen,  -spionieren  BM.;  UwE.  („allg.") 

—  2.  „aufhören  zu  g.  allg.''  —  ver-  (refl.):  1.  sich 
versehen,  täuschen  UwE.  —  2.  sich  in  Jmdn  verlieben, 
ebd.  —  sterne(n)-:  ein  Vexierspiel,  bes.  im  , Herbst'. 
Man  lässt  Jemand  durch  einen  Ärmel  aufwärts  blicken 
und  schüttet  ihm  dann  durch  denselben  Wasser  oder 
Anderes  auf  das  Gesicht  hinunter  Aa  Jens.  Kais.;  W; 
Z.     Vgl.  Stern-Gugger. 

Gugger  I  m.,  Dim.  Guggerli,  -ü-  Z  Kn.,  Stdt: 
1.  Wahrsager  aus  dem  Glas  BO.;  „LE."  —  2.  (Dim.) 
Auge,  im  Rätsel  Gr  ObS.  Auch  Gugiiggerli  (s.  d.).  — 
3.  {Gugger  GSa.;  ThHw.;  ZO.,  sonst  oder  daneben 
auch  Dim.)  kleines  Guckfenster.  Flügel  an  kleinschei- 
bigen  Fenstern  alter  Häuser  AaF.;  ThHw.;  ZKn.,  0. 
Syn.  Läufterli.  „Kleine  Öffnung  oder  Lücke,  z.  B.  an 
einer  Wand  B;  auch  Giiggi."  Guckloch  an  einem 
alten  Turm.  Dim.  Guggerli:  Dachfenster  Z.  Syn. 
Guggere,  Guggernell.  —  4.  kleines  Perspektiv  „BO.; 
L;"    GStdt;    TiiTäg.     Lorgnette   ScuSt.,   auch  Guggi. 

—  .5.  früher  Vorrichtung  zum  Visieren  hinten  auf  dem 
Schaft  alter  Stutzer  Ap;  Z,  an  Stelle  des  .Absehens' 
und   nur    im    .Stand'    erlaubt,    im    ,Felde'    nicht.    — 

—  6.  kleines  Vergrösserungsglas.  um  die  Zettelfäden 


und  Einschlagschüsse  genau  zählen  zu  können  Z. 
Syn.  Faden-,  Schutzzeller.  —  7.  kleiner,  viereckiger 
Flicklappen  auf  einem  Kleidungsstück  Z.  Syn.  Fen- 
sterli.  Vgl.  auch  Fäll-laden.  —  8.  (Guggerli)  Reiber 
am  Hahn  des  Fasses  ZBüL.Rüml..  sonst  Güggel  (s.  d.  6). 

Ofen-:  1.  Beamter  der  Feuerpolizei,  der  die  Öfen 
zu  untersuchen  hat  U.  Syn.  Filrg'schauer.  —  2.  Ofen- 
sitzer.  Stubenhocker  SchwE.     Syn.  Ofe'-Briieter. 

Fidi-,  Fisi-  s.  Fisigäiiggis. 

Gu-gugger:  \.  =  Gugger,  Kukuk  (s.d.).  —  2.(Gu- 
guggerli  und  Gugg-)  scherzh.  für  Auge  in  dem  Rätsel 
über  die  Kuh  kk.     Vgl.  Gugger  2. 

Himmel-:  1.  Sternseher.  —  2.  ein  Fisch,  urano- 
scopus.  .Ein  himmelgugger.  ein  sternenseher.  Diser 
fisch  hat  seinen  namen  von  den  äugen,  welche  allezeit 
gegen  den  himmel  luogend.'  Fischu.  1.563. 

Kabis-:  Ingenieur  (scherzh.).  Der  Chahisgugger 
wil  (hm  Sji'ktirirör  [Perspektiv]  und  hnche  Huet  chdiii 
iirh  :iiii,  Sfinssiic"  guet.  SfBW  Fastn.  1883.  -  Der  Mess- 
ti^-.li   vnL.'li'li,ii   mit  der  , Kabishechel'. 

Sterne"-:  I.Astronom  S  (Schild);  Z.  ,Stern- 
gucker.'  Tiere.  1503.  ,Küniglicher  Mathematikus  und 
Sternengugger.-  Mal.  1593.  —  2.  Hochmutsnarr  Bs. 
—  3.  wer  zuerst  nach  dem  Schnee  durchs  Fenster 
guckt,  heisst  St.  Aa  (Rochh.  1853.  —  4.  Rohrdommel, 
ardea  stellaris,  weil  sie,  verfolgt,  den  Kopf  gegen  den 
Himmel  streckt  Z. 

Zue-Guggeri°:  Weinrebe,  die  keine  Frucht  trägt 
(also  gleichsam  nur  raüssig  zusieht,  was  die  andern 
leisten)  Scii  (Kirchh.).     Syn.  Zue-luegeri". 

Gugger  U  {k  BSi.;  Gr,  ü  AaF.;  ZWindl.).  allg.. 
Gugugger  ÄAHold.,  St.;  SThier.st.,  Guggug(g)  Aa; 
Gl;  GrD.,  Guggü  GRRhw.,  Val.;  L;  Z,  Guggus  Gr 
(Tsch.),  Guggüser  BR.;  Gl;  Gr  (auch  Güg-  It  A ni- 
stein). .Gug(Güg)-güser  GRÖbS."  (neben«),  Gu- 
gücher  ScwNnk.  m.:  A.  1.  der  Vogel  Kukuk,  nach 
seinen  natürlichen  oder  vom  Volksglauben  ihm  zu- 
geschriebenen Eigenschaften,  a)  mit  seinem  Schreien 
den  Frühling  verkündend.  Am  drttta  (cider  alta] 
Aharella  mos  [rauss]  der  G.  grüeiie  Hnlier  xrlnieUa  Xw 
Im  alta  Ä.  seit  [sollte]  der  G.  im  Lauh  cliöiina  .ii-hnella 
(a.Baucrn-Sprichw.).  Der  Guckus  chunnt  den  ni'mte 
A})ril,  si  der  Früeli''g  wo  er  trill  GRCast.  Im  Merze 
seit  de  Guggu  clw  und  wenn  er  i'  Häntsche  m,üesst 
clw  ZStall.  Dei-  Gugger  mues  me'  ror-'em  9.  April 
g'liöre  und  war  em  's  Minder  verfrore  L  (Ineichen). 
De""  Gugger  muess  spätstes  am  9.  Abrelle  schreie"  und 
sött-em  's  Füdli  verheie'  L.  Am  Trihudiag  [14.  April] 
soll  der  G.  schreie"  oder  's  Mul  cerheii-'.  Sihild.  De'' 
Gugger  mues  im  Märze  schreie  u.  sott'x-em  "s  Fiidli  rer- 
heie  ZWettschw.  Drei  Tag  no'''  mues  er  im  M.  schreie" 
und  sött-em  an'''  der  Buch  r.  Bs.  .Dises  jars  winter 
was  gar  lidig  und  wann  und  hört  man  im  Rintal  den 
gugger  im  hornung.'  Vad.  Von  einem  Menschen,  der 
den  nächsten  Frühling  kaum  mehr  erleben  wird,  sagt 
man.  er  höre  den  G.  nicht  mehr  schreien  .^AEhr.;  Ap; 
L;  S;  W;  Z,  oder  er  habe  ihn  zum  letzten  Mal  ge- 
hört G.\.  Ebd.  von  einein  Kranken,  der  noch  lange 
leben  kann:  De  ghört  de"  G.  nu  [noch]  mängs  Mal. 
Auch  das  Aufhören  des  Kukuksrufes  hat  seine  be- 
stimmte Zeit:  So  glaubt  man,  dass  er  nach  dem  Jo- 
hannistag nicht  mehr  gehört  werde  (und  sich  dann  in 
den    ihm  ähnlichen  Sperber,    s.  u.,   verwandle);    oder 


185 


Ga^fi.  gegg,  <figg.  gogg.  gngg 


18C 


es  heisst  anderswo:  Wenn  der  Gugger  lang  nach 
Johanni  schreit,  so  prophezeit  er  iure  ZU.  (Vgl.  Vogelb. 
1557:  .Wenn  man  sy  nahin  [nach  Johanni]  weiter  hört, 
verhofft  man  dasselbig  jar  einen  sauren  Zürich-Wein.') 
In  Ap  herrscht  der  Glaube,  er  könne  nicht  rufen,  bis 
er  ein  Ei  gefressen  habe  und  er  höre  auf.  wenn  er 
drei  Mal  genug  Kirschen  gefressen  habe,  so  auch  in 
L  und  Z  (nur  im  letztern  Gebiet  ohne  den  Zusatz: 
:'.  Mal).  Anders  in  FMu. :  De  Gugger  hart  uf  schreie, 
wenn  's  ein  a"  's  Lebe  geit.  An  die  Eigenschaft  des 
K.  als  Frühlingsboten  knüpft  sich  der  Glaube,  dass 
er,  gleich  dem  Osterhasen  oder  statt  desselben,  den 
Kindern  bunte  Eier  in  ein  Nest  lege,  das  sie  ihm  aus 
den  ersten  Blumen  und  Gräsern  bereitet  haben  BE.; 
LSemp.  ü"''  s'  Ostre',  vor  'ein  erste  G'lüt,  wenn  aUs 
no'''  in  de  Fedre  lit,  so  fingst  du  still  zu  jedem  Hus 
und  chramist  schüni  Eier  us.  GJKi'hn.  Die  Mutter 
geht  mit  dem  Kinde  etwa  an  den  Waldrand  hinaus 
und  tut,  als  ob  sie  den  K.  herbeiriefe,  dem  G.  pfifen, 
welche  RA.  dann  auch  sprichw.  bildl.  den  Sinn  von 
.sich  um  Etwas  bewerben'  angenommen  hat,  ■/..  B. :  Er 
hed  lang  dem  G.  'pfiffe",  aber  er  hed  nid  welle"  cho'  L. 
Aus  dem  Glauben  an  den  Eier  bescherenden  K.  erklärt 
sich  auch  die  RA.:  De'  G.  hed-em  g'leit,  einem  jungen 
Ehemann,  dem  ein  Kind  geboren  wordep  ist  L.  Hieher 
gehört  viell.  auch  der  einem  Yerlobten  Pärchen  zu- 
geschriebene Reimspruch:  Guggii!  lein  liebere  Vogel 
weder  [als]  du!  L.  Von  dem  Kinderglauben  selbst 
gilt  freilich  der  Spruch:  Der  Samiklaits  und  der 
Gayger  Mnd  bedsame  eis  Dutter.  Der  Volkswitz  meint 
damit:  der  Glaube  an  die  Gaben  des  hl.  Nikolaus  oder 
an  die  des  Kukuks,  der  im  Frühling  den  Kindern  be- 
malte Eier  legt,  beruhen  auf  gleicher  Täuschung  L 
(Ineichen).  —  b)  menschliche  Schicksale,  Glück 
oder  Unglück  verkündend.  Auch  bei  uns  gilt  der  allg. 
deutsche  Glaube:  Wenn  man  beim  ersten  Ruf  des  K. 
Geld  oder  Brot  im  Sack  hat,  so  hat  man  das  ganze 
.Tahr,  und  umgek.  Ap;  Bs;  F;  S.  Wenn  man  dann 
nüchtern  ist,  so  hungert  man  das  ganze  Jahr  Ap; 
ZHörnli.  Die  Kinder  in  Ap  u.  Z  fragen:  G.,  wie  lang 
leh  r*  Mo'*.^  und  nehmen  die  Zahl  seiner  Rufe  für  die 
ihrer  Lebensjahre.  Gugger  uf-em  breite  Lo''  [Busch, 
Wald],  röt  [rate],  wie  mängs  Jör  leb  i  no''<?  Wenn 
der  Vogel  schweigt,  so  wird  ihm  statt:  Güg-mer  i  's 
Lö''  [ruf  mir  ins  Holz]  zugerufen:  Gugg-mer  i's  Loch! 
RocHH.  AK.  79.  Der  G.  rha'»  dir  prophizeie,  wie  gli''- 
[U\ä]dHstirbsch.  Ghn,h  ,1,,..  »■,,■»„„/ „sw.  H(Schwzd.). 
—  c)  vermischte  and'i  !■  \  "i  4.11iiHi;i'ii  nml  I!AA.  vom 
K.  Er  singt  immer  d's  glnli  Liiil  wie  der  Gugger  Gl 
(Sprw.).  Rätsel:  Wo  ist  de''  (?.,  wenn  er  nid  dinn 
und  nid  duss  ist?  Under-em  Loch  Z.  Zu  Einem,  der 
müssig  und  lauernd  umher  steht:  Was  stallst  under- 
Loch  wie  de"'  Gugger?  Bei  seiner  Ankunft  soll  der 
Vogel  sich  im  Laub  verstecken  können,  sonst  gibt 
eine  Teurung  und  es  heisst  (nach  Vonbun  186'2): 
Kunnt  der  Gugger  uf  en  dürre"  Ast,  so  gilt  d's  Schmalz 
en  ganze"  Last,  oder :  Der  G.  uf-em  dürre"  Ast,  wenn 
es  regnet,  wird  er  nass,  oder :  bettlet  d's  Brot  und  git  's 
dem  Gast  [Fremden],  wofür  bei  Rochh.  AK.  77:  Er 
bettlet  Broil  und  wird  nit  nass.  Der  G.  uff-em  dürre-n- 
Ast  macht  allerlei  Figure.  Schild  [er  schaukelt  sich 
gern  auf  dem  Ast.  was  als  Gaukeln  gedeutet  wird]. 
Der  Gugger  ist  vor  Alters  es  gizigs  Wib  g'sl"  [eine 
Bäckerin,  die  einem  Knaben  ein  Brödchen  um  allzu 
liühen  Preis  verkaufen   wollte,    wurde  dafür  von   ihm 


verwünscht].  Mit  Umkehrung  der  Verhältnisse  erzählt 
LüT.,  Sag.  355:  Ein  Knabe  wollte  einer  Frau  ein 
Brödchen  abkaufen,  aber  nicht  um  den  vorgeschlagenen 
Preis.  Da  sagte  sie:  So  fläg  uf  und  mach  guggu! 
worauf  der  Knabe  als  Kukuk  davon  flog.  Manche 
sagen,  der  G.  sei  der  einjährige  Habicht  K  (Zyro). 
Der  G.  verwandelt  sich  im  Winter  in  einen  Hühner- 
habicht (Hennaglr)  GrD.  Vgl. :  ,Die  teutschen  nennen 
einen  gar  räudigen  menschen:  als  räudig  als  ein  gug- 
ger, darunib  dass  diser  im  winter,  so  er  seine  federen 
endert,  einen  räudig  bedunkt.'  Tierb.,  und  so  sagt,  auch 
.\dam  zum  Fälklein:  .Darum,  fälklein,  sollt  heissen 
ouch  dem  rüdigen  vogelglych:  guggouch,'  Rüef  1550. 
Hieher  gehört  viell.  auch  die  an  ein  Kind  gerichtete 
Warnung:  Bim  Gugger!  das  tue  nümme  mf,  sWst 
nimmt  -  di'''  de''  Stossvogel  [Hühnerweih].  Undere! 
[ducke  dich]  Gugger,  's  chunnd  e  Rege!  L.  Viell.  ist 
Gugger,  wie  von  anderer  Seite  angegeben  wird,  rich- 
tiger; doch  könnte  auch  noch  eine  Beziehung  des 
Vogels  auf  das  Wetter  darin  versteckt  liegen,  wie  in 
der  Stelle  aus  dem  Vogelb.  1557:  .So  er  nach  zuo 
einer  statt  oder  vil  mer,  so  er  gar  darein  kumpt.  ver- 
kündet er  einen  regen  oder  ungewitter.'  Bei  der 
Sennenkirchweih  auf  UwEm.  wird  von  dem  Gugger- 
vogt  (Bd  I  705)  auf  einer  Stange  ein  Kukuk  getragen, 
der  schreit,  dass  er  die  Alpen  überwacht  habe  und 
verraten  könne,  was  er  dort  während  des  Jahres  ge- 
sehen. LüT..  Sag.  -355.  Nach  anderer  Angabe  soll  der 
Vogel  sich  darauf  beziehen,  dass  die  Sennen  zuweilen 
.Vorbruch'  machen,  d.  h.  die  Milch  zu  sauer  käsen  und 
dadurch  den  Käse  verderben;  s.  Gugger  III.  Guggers 
Käs  und  Brod  (Sauerklee),  s.  Gugger  II 6.  ,Das  alen- 
fanzet  Struss  so  frevenlich  mit  so  offner  schmach  der 
warheit,  dass  mich  schier  dünken  will,  es  .sye  nit 
ein  Struss,  sunder  ein  gugger.'  Zwingli  c.  Struss.  ,lst 
essen  und  trinken  opfren  oder  heisst  opferen  essen 
und  trinken,  so  gesach  ich  den  gugger  nie.'  Gvrenr. 
.Manche  achten  einen  kuckenden  Kuckuck  höher,  als 
das  ernstliche  Zusprechen  getrewer  Dieneren  Gottes.' 
.\nhorn  1674.  .Nieraal  hab  ich  hören  sagen,  dass  der 
süessen  Nachtigal  auch  der  Gugger  nachgeschlagen.' 
JCWeissenb.  1678.  (Vgl.  Gr.  WB.  5,  2524.)  Lt  Gr 
Kai.  1884  soll  man  durch  eine  Handvoll  Erde,  die  man 
bei  seinem  ersten  Rufe  sammelt.  Flöhe  vertreiben 
können.  Vgl.  Vogelb.  1557:  .Ein  wunder  wirt  von 
disem  vogel  gesagt,  dass  niunlich,  an  welchem  ort  einer 
disen  vogel  /niii  .rsti'H  mal  höre  und  daselbst  seinen 
rechten  fuoss  iiiiil,z..i,.liii,.  und  denselbigen  herd  aus- 
grabe, keine  timli  an  .Icr  statt  wachsen  werdind,  wohin 
der  ausgegraben  herd  gesprengt  werde,  wie  Plinius 
schreibt.'  Ebf.  lt  Gr  Kai.  1884  soll  nach  dem  Volks- 
glauben der  Kukuk  mit  dem  Schwänze  singen. 

2.  der  K.  als  dämonisches  Wesen,  geradezu  = 
Teufel.  1)  der  T.  als  der  wirkliche  böse  Geist: 
concr.  und  pers.  gedacht.  Wer  z'  Nacht  in  Spiegel 
luegt,  der  g'sie''t  der  G.  [Volksglaube,  s.  Spiegel;  hier 
Wortspiel  mit  Gugger  von  guggen  II].  Mi'''  het  der 
G.  g'hudlet  B  [zu  einem  Schelmenstreich  gereizt]. 
,Mädi  hatte  diese  Herzensergiessungen  mit  wahrer 
Wohllust  eingesogen  und  mäuschenstill  dazu  sich  ge- 
halten; endlich  stach  es  doch  der  Gugger.'  Gotth. 
,Eisi  wollte  für  d's  Guggers  Gewalt,  dass  man  den 
Wert  bestimmen  solle.'  ebd.  ,Geb  wie  es  Wolken 
gibt,  will  für  G-s  Gewalt  kein  Regen  fallen.'  ebd. 
.Mit  des  Guckucks  Gewalt.'  IL-rer  1787.     Es  i'.s-c/)  Ei" 


187 


Gagg,  gegg,  gigg.  gogg,  gngg 


188 


Guijger,  der  d'Lüt  holt  GiiChur.  Zum  G.  si",  von  Pers., 
gestorben,  v.  Sachen,  hin,  verdorben  sein.  ,Müssiggang 
ist  des  Guggers  Ruhbank.'  Ktrchh.  ,Der  Welt  Dank, 
des  Gukcrs  Lohn.'  Mey.  Hort.  1C)9'2.  ,Wenn  zwüschen 
den  Teutsehen  und  denen  Franzosen  der  Friden  wird 
g.sehlossen,  da  helfe  der  Gugu  besagten  zwei  Ständen 
[Zürich  und  Bern].'  Kalthics  1714.  , Wollte  denken 
und  könnt  's  nicht,  nichts  als  Teufels  Gugereien.' 
UERÄiiR.  178'2.  Daher  bereits  abstrakter,  in  Formeln 
der  Verwünschung  (s.  2d):  Gang  ztiw  G.!  Bs;  L;  L'w. 
Lauf  zum  Giiggu!  ZHörnli.  Far  dem  Guggüner  zue! 
Gl.  Das  hei  dr  Gugger  (Guggü  ZF.)  g's'e''!  Bs  [das 
ist  fatal].  I'''  wött  [wollte],  das  hett  dr  Gugger  g'se''. 
GT.  De'-  G.  soll's  hole!  Bs.  Wenn 's  au,"'  dr  G. 
holti !  Hol  's  d.  G. .'  Dies  aber  zuweilen  auch  nur  als 
Beteurung  eingeschaltet:  Öjjpis  Possierlicheres  git  's, 
hol  's  der  Gugger,  nid  g'rad  B  (Bari  1885).  [Statt: 
hol-mi"''  d.  Gr.,  sc,  wenn  es  nicht  wahr  ist.]  Vgl.  nem 
mi'''  dr  G.  =  ireiss  der  Tüggeler  Aa.  I"''  weit,  dass 
di"'  dr  G.  holti  fnämj!  De  G.  soll  di''''  hole!  Hol 
di"''  dr  G.!  Ndw  (zuweilen  nur  scherzhaft);  G.  Nem 
di"''  d.  G. !  L.  Nem  's  mlnetwege  bald  de''  G.,  i'''  wott 
nüt  nieh  devo  tcüsse!  Stutz.  Dass  di'^''  d.  G.!  B  (Kuhn); 
ScH  (Sulger);  Gr  Samml.  1780.  ,Das  ist  der  Gugger, 
ila.vs  liiaii  s(.  iift  nicht  weiss,  was  das  erste,  was  das 
zHritr  i.t.  (Jim™.  Das  jtw  *-e..'  GrCIiut.  De'- G. 
,ht,il  ,iu'  ,l„s:  li.  Das  G-s  Werch!  B,  Zug!  Ai-;  Bs; 
Z.  Die  (r-(s)  Reis!  B.  En  G-s  Bueh,  Kerli  GF.,  G. 
Öpjns  G-s  Z.  Was  G-s'!'  Bs.  Hieher  gehört  auch  Futter- 
[frz.  foudre]- Gugger,  als  Fluch  GW.  Ein"  schier 's 
G-s  mache",  fast  rasend,  z.  B.  von  plagendem  Unge- 
ziefer Bs.  Das  sind  G-s  Sache"  (auch  Ausdruck  der 
Verwunderung).  —  2)  abstr.  a)  zum  Ausdruck  des 
Erstaunens.  En  tüsigeG.!  Ai'.  Fotz  G!  (bei  Gotth. 
auch  einmal :  Bugger).    Ä  dr  G. !  Z.    He  z'  G.  Bs.  — 

b)  hohen  Grad  anzeigend.  G'schtcind  wie  de  G.  U. 
Er  lauft  vie  df  G.  '/..  Gufign-xfrö.  s.^hr  frdh  B. 
'.s  „niiml  ,i,r''  's  C-s  ]V,n„ln-  l!s.  /)'  llanni  Uinnl 
liiil  kris  (rnrhls  1,1,'  :  yrhi  ii.iiiil  ,nc  ilif  h,ir,i  iiinjsUni,, 
Gugyara  Git,Scliicis  (ScIiw/aI.)  [-obcrdcn  sich  touili.sch 
wild,    weil   sie   aus    dem  Stalle    heraus   müchten].  — 

c)  beteuernd:   Das  han-i"''  bim  G.  nid  g'imi-sst   L.  — 

d)  nach  unbest.  Adj.  od.  Pron.,  meist  mit  dem  Neben- 
sinn des  Verwünschten,  vgl.  2,  1.  a)  Ö^j/jis  Guggers, 
all,  alle  Gugger,  alles  Mögliche  Bs;  L;  Z.  Seit  si  do 
nüd  ?'ow  allem  G.?  Vo"  Wi",  vom  Tische".  UFarner 
1882.  's  ist  nüd  miigli''',  uf  der  Welt  nu'-  au"'  emol 
S  Tag  ganz  ruehig  oni  öppis  Guggers  [einen  ver- 
wünschten Ärger]  z'lebe".  ebd.  —  ß)  bei  kein.  Kein 
GiK/ffK  l'iih'ischied  ist  me  bim  Landvogt  und  de" 
Cliiiicliliii.  17IIS,  Lied,  's  weist  kei  G.  Nüd  dervo". 
'i'iiVNKK  IMn,  e)  die  Neg.  vertretend  n.  verstärkend 
(weil  der  Teufel  auch  nichtig  ist).  Do  mücht  de'- 
Guggu  Vikar  si".  üstf.ri.  [Ähnlich  bei  Breitenst., 
euph.  verdeckend,  nicht  volkstümlich:  Der  Guggi  und 
Gaggi  möcht  im'''  Dokter  si"  hi  der  Ndtimi.']  Der 
Gugger  weiss  nid  was  Aa.  Es  iniiii/  k'.v  der  G. 
ScHwMuo.  I"' frage"  en  G.  dernw''  |daniacli|  GF.,  G. 
Du  weist  en  G.  G.  ,[Wenn  es]  hätte  viel  Schätze, 
viel  Schmuck  und  viel  Ehr,  So  war  es  nicht  schöner 
und  liebte  nicht  mehr;  Da  hätt'  ich  den  Gukuk  von 
Schätzen  und  Ehr.'  Huber  1787. 

3.  von  2  übertr.  auf  Menschen,  a)  en  arme  G., 
Schlucker  Gh.  —  b)  leide  G.!  Schelte  GiiL.  —  c)  en^ 
tüsiga  G.,   ein    au.sgemachtfr  Pfiffikus   Ai>.         d)  Be- 


zeichnung für  weibliche  Pers.  von  auftallender  gei- 
stiger oder  leiblicher  Eigenschaft  GWa.  —  e)  Guggerli, 
leichte  Schelte  für  kleine  Kinder  und  andere  kleine 
Geschöpfe,  z. B. :  Du  tüsigs  G. !  GStdt.  Gilggerli,  liebes 
kleines  Kind  .\p.  —  f)  Spitzn.  auf  Personen  ZHörnli. 
Insbes.  tragen  die  Bewohner  einzelner  Ortschaften, 
denen  irgend  ein  lächerlicher  Streich  nachgesagt  wird, 
bei  ihren  Nachbarn  den  Spottn.  Guggu.  So  in  L  die 
von  Meggen,  in  Z  die  von  Albisrieden  und  Hegnau. 
Den  letztern  wird  (ganz  wie  den  Bewohnern  von 
Gotham  bei  Nottingham)  nachgesagt,  sie  haben  einmal 
den  Kukuk  einzäunen  wollen.  Die  Bürgerschaft  Albis- 
rieden besitzt  ein  blechernes  Trinkgeschirr  in  der  Form 
eines  Kukuks,  das  beim  jährlichen  Bürgertrunk  (bis 
in  die  neueste  Zeit)  gebraucht  wurde.  Dann  pflegte 
allemal  der  Witz  sich  zu  wiederholen,  man  wolle  auch 
den  ältesten  Bürger  von  A.  leben  lassen.  Das  war 
eben  der  Kukuk.  Gugger  ist  auch  Geschlechtsn.  B 
|Zmm|;  1, ",_'■_»,  S;  u.  schon  1464,  SciiwRich.  —  4.  eine 
An  I '"i'iullilasbiilg,  welcher  beim  Drücken  einen  die 
Kiiiil.i  ri;;,,tzoiiden,  dem  Euf  des  Kukuks  ähnlichen 
Laut  gibt  Ap.  —  5.  Hahn,  sonst  Güggcl  (hd.  Gockel). 
,Er  stellt  sieh  wie  der  Gugger  auf  dem  Mist.'  Sprww. 
18'24.  Daher  dann  wohl  auch  Guggerli,  Beiher  am 
Hahn  des  Fasses  ZBuL,  Eüml.  '  Syn.  Güggeli.  — 
(3.  Name  von  Pflanzen :  a)  Sauerklee,  oxalis  acetosclla, 
auch  Sür-G.  Syn.  Gugger  (resp.  Guggüser)-Klee,  -Krüt, 
-Käs,  -Kost,  -Brod,  -Sp%s,  dicke  Milch.  —  b)  Ampfer- 
Arten,  a)  Sauerampfer,  rumex  acetosa.  ß)  sog.  wilder 
Sauerampfer,  r.  scutatus  VOrte.  —  c)  Buschwindrös- 
chen, anemone  nemorosa  Aa.  Syn.  Guggu-Bluem.  — 
d)  Guggug  im  Maie,  Kukukslichtnelke,  lychnis  flos 
cuculi  Aa.     Syn.  Gugger-Maie". 

B.  Interj.  guggu  1.  als  Nachahmung  des  Kukuks- 
rnfes.  allg.  Die  Kinder  antworten  dem  K.,  wenn  sie 
ihn  rufen  hören:  Guggu,  en  Nnr  bist  du!  oder:  Guggu, 
srliiss  du.  hin  , HC"  (hl.  nie  du !  Kukuke,  welche  nicht 
mir  l.ii-l,,'  soii.lcni  I.  i<-i.ii-l.i(!  rufen,  nennt  das  Volk 
l'npiirhiuujiiii  n,l,i-  loppkic  (r.  ZBül.  Auch  vom  Ton 
einer  l'leife:  ,Uiid  dir  will  ich  die  pfiffen  ge",  guggu, 
guggu.  so  machet  sy.'  Com.  Beati.  —  2.  beim  Vcr- 
steekenspielen  der  Kinder  der  Ruf  der  Verborgenen; 
auch  der  mit  dem  Kinde  .spielenden  Mutter,  wenn  das 
Versteck  aufgehoben  wird,  z.B.  G.!  /'''  ha  di"'  übercho! 
Ar.     Syn.  guggugg,  guggüs,  gü.i: 

Die  gewöhnliclie  Form  Gugger  ist  z.  T.  mir  für  Bed.  2 
bezeugt,  gilt  aber  au  ilcn  betr.  Orten  iirspr.  auch  für  1. 
Unigek.  kommt  die  Form  Guggu,  welche  zunächst  nur  der 
Bed.  1  angemessen  ist,  auch  für  9  vor,  ebenso  Guggüscr  in 
Gl.  Diese  Form  scheint  in  ihrem  zweiten  Teil  auf  guggen  II 
Ischauen],  resp.  ns-g.,  herausschauen  [ans  dem  Versteck],  an- 
zuspielen. S.  Gugg-üs  und  Gugger  B  (luterj.).  Formen  mit  « 
bezeichnen  sonst  den  Hahn  (s.  Güggel,  Giiggehü),  der  aber 
auch  Gugger  heisst;  s.  5,  anderseits  heisst  der  Kukuk  auch 
Gugger.  Die  übrigen  Formen  erklären  sich  als  Keduplikationeu 
des  Natiirlautes,  wie  das  nhd.  ,Kukuk',  welches  schon  in  der 
Bibel  1667  vorkommt,  während  die  von  1531:  ,Gugug'  hat. 
Guggech  s.  u.  Gugg-gaucli.  An  letzteres  schliesst  sich  die 
Form  Guggucher.  k  ist  im  Anl.  in  Gebirgs-MAA.  für  g. 
nicht  selten.  —  Ob  die  weitverbreitete  Sage  von  der  Ver- 
wandlung eines  Bäckers  oder  einer  Bäckerin  in  einen  Kukuk 
(s.  Sp.  185  u.)  auf  der  (nicht  sehr  einleuchtenden)  Ähnlichkeit 
des  Gefieders  des  Vogels  mit  Mehlstaub  beruht,  haben  wir  nicht 
zu  entscliii'liii ;  rlin  m.,,  htr  an  eine  mythologische  Beziehung 
des  Vogils  Uli  Willi  iiihI  Fruchtbarkeit  zu  denken  sein, 
oder,  du  IIa' k' i  ihimI  Mullnl  als  betrügerisch  verrufen  sind, 
au  dns  Iriis.  i  i- h.    W.mji  .l..ssf1\.pn.     Wl.   »bor  den  Kukuk 


liapfg.  t^egjx.  S'igg.  g-"Sg:.  gugg 


im  Volksghuibcii  das  i.ied  v„ii  UJKuliu;  der  Kiikuk,  suwic 
dauii  deu  Aiifsiitz  von  Mauiiliardt  iu  der  Ztschr.  1'.  d.  Mytlui- 
lügie,  BJ  3.  —  Zu  (>.  Ou<j<jci-ts)  (auch  GuijijU)  Chiu  (und 
Biod)  bedeutet  Sauerklee  Ap:  GIH.,  -Ä'ö»  die  Blüten,  -Brod 
die  Blätter  GA.,  wahrscli.  weil  man  glaubt,  der  Kukuk  fresse 
dies  Gewächs,  wie  die  Kinder  deu  Sauerklee  aussaugen. 
Ähnlich  scheint  es  sich  mit  b  zu  verhalten,  c  und  d  be- 
zeichnen Pflanzen,  deren  Blüten  mit  dem  Erscheinen  des 
Frühlingsboten  sich  zeigen.  Vgl.  noch  G uijguijija-li,  Guijtjucht. 
Aus  andern  Gründen  ist  die  Guyijer-MUdi.  Wolfsmilch  (s.  d.) 
benannt.  —  Zu  B.  Bei  2  liegt  zunächst  die  Tatsache  zu 
Grunde,  dass  der  Vogel  sehr  scheu  ist  und  sich  bei  seinem 
Kufen  versteckt  hält  (vgl.  Guy/jus);  es  spielt  aber  wohl  auch 
itiiijije.n  II,  schauen,  mit.  Betr.  Anwendung  auf  den  Tun  der 
l'feife  vgl.   Güije,  Blasrohr,  Hörn;  ijügen,  blasen. 

Un-Gugger  (ö-):  ein  ungemein  grosses  Ding  oder 
Tier  Ap. 

Un-  hier  offenbar  in  verstärkender  Bed.,  s.  Bd  1  -i!)»; 
ebenso  Gugger  wahrsch.  =  Guggm-ll  i.  S.  v.  2,  2),  mir  dass 
es  hier  selbst  zum  Grundw.,  statt  zum  Bestimmungsw.,  ge- 
macht ist.      Vgl.    Un-T,ifd. 

Kirsi-  (Chriesiyo-gger)  =  Chnesigauch  Ai-. 

Mues-:  1.  der  frühzeitige  Kukuk.  welcher  wohl 
Mites  [Brei]  isst,  aber  keine  Eier  legt  Ap  (T.).  — 
■-'.  Leute,  die  den  Ruf  des  K.  nachahmen,  ehe  er  seihst 
ilm  hören  lässt  Ap. 

Gugger  III:  1.  „die  butterige  Masse,  die  sich 
beim  Kochen  ungekäseter  Milch  [besser  viell.  beim 
aweiten  Kochen  von  Käsmilch,  Sirte]  oben  ansetzt ;■ 
Zigerteilchen  auf  gerinnender  Milch;  auch  Vorbruch 
BO.  (Ha.).  Syn.  Vogel  8,  Gans,  Wigger.  Wenn  die 
Milch  zum  Käsen  nicht  in  hohem  Grade  sauer  ist,  so 
sagt  man:  Es  hed  der  G.  g'ge"  Ouw.  Vgl.  guggeren. 
De''  G.  ha'',  wenn  die  Milch  so  sauer  ist,  dass  sie 
Ijeim  Erwärmen  gerinnt  GrV.;  U.  Schier  all  Ahet 
hem-mer  d'r  G.  dri'"  [ist  die  Milch  sauer]  U.  letz 
iiei-mer  is  ziin  G.  setzen,  ier  nerdid  wohl  auch 
hungrig  sin  BBr.  (Schwzd.).  ,Das  heisst  g'wüss  Gugger 
essen  [etwas  Unbesonnenes.  Voreiliges,  Verkehrtes 
tunV],  wo  man  ufricht  ewig  Messen.'  Lied  aus  der 
Keformationszeit.  —  2.  „das  Gelbe  im  Ei  GT."  Syn. 
Tutter. 

Der  Grund  dieser  Bezeichnung  resp.  die  Identität  des 
W.  mit  Gugger  II  ist  nicht  ganz  sicher;  es  müssten  denn  die 
auf  der  Masse  schwimmenden  Zigerteilchen  mit  den  weissen 
Punkten  am  Vorderleib  und  Schweif  des  Kukuks  verglichen 
werden,  wofür  als  Belege  angeführt  werden  können ;  Ja,  ja, 
'l'r  Gitggin-  irä>ir7it-i^  esie  einUch  dr  Schwanz  drin  (U),  und; 
.Bei  dieser  Wahl  schlug  der  Parteigeist  seinen  Schwanz  in 
die  Milch  Id.  b.  spielte  mit].'  Ndw  Kai.  1886.  Vgl.  auch 
uhd.  .Kukukspreckleiu',  bair.-östr.  Guggemchcggcn,  Sommer- 
sprossen. Leicht  kann  aber  auch  [wie  in  den  Beispielen  sich 
zeigt]  das  Dämonische  im  Wesen  des  Kukuks  [s.  Gugger  ^\ 
mit  hinein  spielen.  In  2  wäre  der  Dotter  mit  einem  kugel- 
förmigen Zigerklümpchen  verglichen.  Eigentümlich  ist  auch 
die  durch  das  Syn.  dick!  Milch  für  Gugger  e  i.  S.  v.  Sauer- 
klee gestützte  Berührung  mit  diesem  Ptlanzenn.  Vgl.  auch 
noch  die  Angabe  aus  Enimeten  am  Schlüsse  von  Gugger  II I. 
sowie   Gigger,   weicher  Käse  (F),  verguggeren   und  Kitzi. 

Gugger  IV;  Ortsn.  Gugger,  Hügel  Gl;  Berggut. 
ebd.  Reben  ,im  Gugger.'  XIV.,  AAKlingn.;  XV.,  ZZoU.. 
.Gugger-Loch',  waldige  Kluft  bei  Ap,  .G-Matt.-  157ö. 
Aa  (Arch.  Wett.),  ,G-TaI'  Zg.  Einige  dieser  Lokalitäten 
sind  z.  T.  als  gespenstisch  verrufen.  In  ScHwIberg 
hält  sich  ,in  der  Guggeren-  der  .Guggehu'  auf,  ein  ur- 
alter, unveränderlicher  Vogel,  den  man  nicht  schiessen, 
auch  nur  bei  Nacht  sehen  kann.  Er  gruchst  wie  ein 
kranker  Mensch.  Lüt.,  Sag.  354/55. 


Kann  sowohl  von  guggen,  schauen  (vgl.  GuggcnhüeJ),  als 
von  Gugger.  Kukuk,  hergeleitet  werden ;  zu  letütcrm  vgl.  den 
Ortsn.  Chante-coucoH  hei  Nyon,  ,Amsleu'  Z  und  die  häufigen 
.Vogelsang',  zu  ersterem  dagegen  noch  .Gugger-Huhel',  Aus- 
sichtspunkt WLeuk. 

guggere(n):  1.  rufen,  vom  Kukuk  B  (Zyro)  = 
guggen.  —  2.  refl..  gerinnen,  sauer  werden,  von  der 
Milch.  D'  Milch  will  si"-  g.  B  oH.  (Zyro).  Syn.  scheiden. 

—  3.  (unpers.)  a)  es  g-t,  wenn  der  Ziger  im  Käse- 
kessel nicht  in  eine  Masse  zusammengerinnt,  weil  die 
Milch  zu  wenig  gesäuert  ist  „BO.;"  Obw.  Es  hed 
si"''  g'guggeret  Obw.  —  b)  bildl.,  „fehlschlagen,  miss- 
lingen  Scnw;  Zg."  Syn.  fdlen.  —  c)  fein  hageln,  wie 
es  zuweilen  im  Frühling  vorkommt.  Im  Mäje  [Mai] 
g-t  's  dick  [oft]  F.     Syn.  rislen. 

1  von  Gugger  II  1.  2  und  3  von  Gugger  III  und  zwar 
3  b  Ubertr.  von  a,  von  der  Käsebereitung  auf  anderes  Tun, 
c  von  der  .Khnlichkeit  der  kleinen  Hagelkörner  mit  Ziger- 
teilchen. 

über-:  unerwartet,  plötzlich  überscliäunien.  über- 
laufen GnPr.     Syn.  übertunderen,  -tiillen. 

uf-  und  ab-,  auch  us-  und  in-,  umhin  fumhaj-, 
umher  ('«(»mei-;-;  unruhig,  hastig  nach  allen  Rich- 
tungen schweifen,  sich  bewegen.  F''  hau  lang  timma- 
guggera"  [mühsam  streifen]  müesa,  bis  i'''  za  Imperri 
[Himbeeren]  cho  bin  GaPr.  —  Von  Gugger  II  l,  weil  der 
unruhige  Vogel  seinen  Ort  oft  verändert. 

ver-:  verderben,  zerstören,  zu  Grunde  richten, 
z.  B.  sein  Vermögen  Gr.  Syn.  verchutllen,  oerhaglen, 
vertüflen. 

Vgl.  '»  Guyyers  machm  unter  Gugger  II S  1)  (Sp.  187),  auch 
Güggis.  Nach  dem  Syn.  verliaglen  wäre  guggeren  H,  nach 
vertäßen   Gugger  II  2  als   Grundlage  anzuuehmeu. 

„guggerig:  körnicht,  z.B.  von  der  Milch,  wenn  sich 
Zigerteilchen  darauf  befinden  BO."    Zu  Gugger  III  :i. 
Guggere  s.  Gugg-Gere". 

Nacht-Guggere  f.;  Nachtkappe.  -  Wahrsch.  ent- 
stellt aus  -Goggele,   s.  d. 

Gnggernell  BSi.;  L.  -ncilU  n.  B;  S.  -nälle  f.  B: 
1.  Dachfenster,  kleines  Fenster  auf  dem  Estrich  B;  S. 

—  2.  Dachstübchen,  kleines  Gemach,  verborgener 
Winkel  B,  „Erker  B." 

Eig.  Gugg-grciull.  Seh-TAicke,  ans  frz.  rr/url.  rosp.  .reiirrn,. 

Zinne,     Schiess>rli,,i  ir.     Au.,',;hl u-,      nn.I     ui.        «;,l,i-.l,      :M.^ 

,Krinne',-  Ein-'ln,;n        \u,,    ,,!,,,[,.  I,    ,..|..,/.  i     •  r      :   .:    .l,i, 

syn.    Guggen     I.ü.-     ''-w  '....  l     '!"■!     .!i.       - •     ...     '/••■'■. 

-Hiidi,  nur  d:l^-  III  dp. -Ml  \V\V.  ilii  /IM  II.  1.  il  .I.Mi  .  ii  isl. 
Zyro  gibt  auch  Gungy,:,„alli  an  mit  der  lied.;  kleiner  Uiium 
zum  Versteck. 

tinggesli,  -asli,  auch  Peter  Guggnsli:  Früblings- 
Safran,  crocus  vernus  GRh. 

Wahrsch.  auf  den  Kukuk  als  Frühlingsboten  gedeutet, 
lautlich  nur  Nbf.  von  dem  Syn.  Krakkedi,  Diiu.   von  er.»..». 

Gfiggi:  1.  (in.)  a)  dummer  Mensch  I!s.  Syn.  du- 
gägg,  Gaggi.  —  b)  Wahrsager  aus  eiiiem  (ilas  l'.Hk. 
=  Gugger  VI  1.  —  2.  (n.)  a)  Prauenzinmier  von  zwei- 
deutigem Ruf  Z.  —  b)  Fernrohr  B;  L  (f.  Ineichen); 
UwE.,  Lorgnette  ScnSt.,  auch  Guggerli.  —  c)  Guck- 
kasten Ndw;  Scuw.  ^  d)  (auch  Guggerli  B,  Güggi. 
Ggüggli,  Ggüggi  G)  Loch.  Guckloch.  „Öffnung  odei- 
Lücke  in  einer  Wand  B;"  Gr;  S.  Syn.  Heiter-Loch. 
Dachfenster,    Lokal    mit    Guckfensterchon    (Ju.     Syn. 


191 


Oragg,  gegg,  gigg.  gogg,  gugg 


102 


Gugg-Gere".  —  e)  Name  aussichtsreicher  Anhöhen 
AaF.,  z.B.  Guggi-Bad,  -Tal;  im  Guggi  L  (4  Mal); 
Guggi-Berg,  -Schwand,  ebd. 

Aus  i/ui/fien  1  u  i.  S.  T.  üuuinier  Neugier  oJ.  Untätigkeit. 
■2  a  aus  der  Vorstellung  leichter  Zugäuglichkeit  oder  frechen 
Blickes.  Das  f.  bei  2  b  ist,  wenn  die  Angabe  richtig,  aus 
dem  hinzugedachten  Begriff  von  Vorrichtung  Izum  Sehen) 
zu  erklären. 

Gnggis:  z'  G.  od.  i'n  G.  gö",  fallieren,  ökonomisch 
und  moralisch  herunter  kommen  ßs.    Auch  z'  Tüggis. 

Wohl  zu  Giirjyer  II  3  i.  S.  V.  Teufel,  wie  Tügtjis  wohl 
euph.   Entstellung  von   Tü/el  ist. 

Gnggis:  in  dem  Kinderspiel  G.  solle'  [zählen],  eine 
Art  Verstcckenspiel.  weil  eines  der  Kinder  mit  ver- 
haltenen Augen  bis  auf  40  oder  50  zählen  muss,  bevor 
es  gehen  darf,  die  versteckten  andern  zu  suchen  GA. 
Gguggis  mache"  Gr.  dass.     Syn.  Gugg-üs. 

Aus  Gugrjau,  dem  Gen.  des  Inf.  (wie  Fahi»  u.  a.  Spiel- 
namen) von  yugijen,  weil  der  Betreffende  nicht  sehen,  höch- 
stens blinzeln  darf,  bevor  er  gezählt  hat:   vgl.   inluegen. 

In-:  wesentlich  dass.  Spiel,  wie  Gnggis,  nur  ohne 
die  Bedingung  des  Zählens,  so  genannt,  weil  das  betr. 
Kind  nicht  nach  aussen,  sondern  gleichsam  einwärts 
blicken  soll,  bevor  es  suchen  geht  AaL. 

Gnggüche"  (Guggücherli  ZUhw.)  f.:  1.  Wind- 
röschen, bes.  anemone  nemorosa  und  pulsatilla  (Durh.; 
ZUhw.).  —  2.  Löwenzahn,  leontodon  taraxacum  SchKI. 

Das  ch  dieser  Formen  schliesst  sich  an  das  von  Oaui-h, 
Guyyuch  usw.,  das  ü  an  das  von  Gutjgü.  Vgl.  Gufft/ütjgerli. 
Alle  diese  Namen  haben  Beziehuug  auf  den  Kukuk  als  Früh- 
lingsboten, der  auch  Gugyüdier  heisst.  Vgl.  Ginjijer  JI  6 
nnd    Guggu-bluem. 

Guggttli  n.:    Ei  (Kdspr.)  L. 

Kaum  fremden  Ursprungs  wie  Guggele  (s.  o.),  sondern 
vom  Namen  des  Kukuks  benannt,  der  ja  die  Stelle  des  Oster- 
hasen einnimmt.      Vgl.    Gugger  II  Sp.  185. 

guggnliere(n):  Verstecken  spielen  kv.  Vgl.  Giifigilx. 
giif/gü  (unter  Giigger). 

Gaggumniere"  (auch  Gug-  BsStdt;  G)  Dini.  -imwerli 
AASt.;  Nnw.  -HWHifW/ AABb.;  Bs;  Z  —  f.:  1.  Gurke, 
cucumis  sativus;  auch  c.  colocynthus  AABb.,  F.;  Bs; 
B;  aScBW;  S;  Z.  .Gross  Melunan  und  Gogumeren.- 
HsStockar  1519.  ,Gartencucumren ;  c.  sat.'  KdGessn. 
1542.  , Würzen  des  satcucumers.'  Tierb.  1563.  ,Cu- 
cumer,  ein  frucht  wie  kleine  kürbsle,  cucumren.'  Fris.; 
Mal.  —  2.  dicke  Person  AAAarb..  en  alti  G.  Z.  — 
3.  Übern,  der  welschen  Frauen  S.  E  velschi  G., 
Frauensperson  aus  der  französischen  Schweiz  oder 
Frankreich  ZStdt  (scherzh.).  E  falschi  G.,  Person,  die 
aus  Geschwätzigkeit  es  mit  der  Wahrheit  nicht  genau 
nhnmt  GRChur. 

It.  cocomero  m.,  aus  lat.  cucumiti.  Zu  2  vgl.  Lmidjximerunze 
als  spöttische  Bezeichnung  halbstädtischer  Landmädchen.  Der 
fremde  Ursprung  der  Frucht  verrät  sich  ausser  durch  das 
Fremdw.  auch  noch   in  der  Bed.   -i. 

Guggüser  s.  Guyger  II  und  Gugg-iis. 

Güggl(5-)  m.:  Falte.  Bausch  am  Frauenkleid  Aa. 
Vgl.  Gügge"  .3. 

Gttgg  11  m.:  Ruf  gewisser  Vögel,  vgl.  ntiggen  x'. 
Und  d'  Vögeli  schüttle"  PerüggK,  me"  g'hdrt  eiei'.s  Pfifli, 
Jceis  Güggli.  Schweizerb.  1827. 

Fisi-Gügg  s.  Fisigäuggis. 


Güggehn  I  Gii-ggehü  (die  letzte  Silbe  höher  als  die 
erste):  1.  Euf  des  Haushahns,  lautlich  nachgeahmt 
Aa;  Z.  G.V  am  Morgen  am  Drü!  Erweitert  mit  Re- 
duplikation: Güggehiihü!  L;  Zg;  St.*"  G.!  a.  M.  a. 
D.,  üf  go  lache!  Schild.  CHiggegüggehü !  Z.  Gilgge- 
hüggü!  Th.  Güggeregü!  Morgen  am  Drü  usw.  (An- 
zählreim), Crüggerüggü!  Ap;  B;  Z.  Giiggerihü!  Sch; 
ZBauma.  —  2.  der  Hahn  selbst  B;  Sch;  S;  Z  (Kdspr.). 
Giiggerüggü  Bs.  —  3.  (Güggerüggü)  gem.  Lerchen- 
sporn, corydalis  cava  GWe. 

Euf  und  Name  des  Vogels  zstreffend,  der  letztere  natür- 
lich dem  erstem  entnommen,  wie  bei  Guggu;  ähnlich  verhält 
sich  dann  auch  Güggel,  die  gewöhnliche  Form  des  Namens, 
beide  vom  reinen  Naturlaut  in  die  normale  Wortbildung  mit 
Endungen  übergehend.  Güggerüggü  entspricht  dem  nhd.  ,Ki- 
keriki',  wofür  Schild  Giggerigigi  gibt.  Zu  3.  Den  Namen 
verdankt  die  Pflanze  dem  Sporn  an  der  Blüte,  wesswegen 
sie  auch  Spore",  anderwärts  Hahuenfuss,  ,rote  und  weisse 
Hahnen',  genannt  wird.     Vgl.  auch  Syn.   GuU. 

Güggehü  n  s.  G-ugge"-hür. 

Gttggel  Aa;  Bs;  BSchw.;  Gl;  L;  GSa.;  Sch;  S; 
U;  Z,  Göggel  Th.  Dim.  Güggeli  m.:  1.  Haushahn. 
, Ein  güggel  oder  han,  hausgüggel.-  Fris.;  Mal.  ,Der 
giikel,  gugel.  gule,  han,  gallus.'  Red.  1662.  ,Gallus, 
Han,  Güggel.'  Dexzl.  1677,  dafür  1716:  ,Guggel.' 
a)  der  Hahn  in  seinen  natürlichen  Eigenschaften, 
z.  T.  mit  bildlicher  Nebenbed.  De  G.  brüelet  ZNer. 
Ctiräie'  u-ie  der  G.  uf-em  Mist  L  (Ineichen).  Wer 
am  Sylvester  zuerst  die  Stube  betrat,  durfte  als  G. 
den  letzten  Tag  des  Jahres  verkünden  ZSth.  Wenn  's 
bis  StKathrl  (25.  Nov.)  g'frürt,  dass  's  en  G.  treid,  se 
ist  die  grösst  Chelti  verbi  AAEhr.  Ein  Eilfertiger  sagt: 
/•■*  ha"  ZU,  wie  df  Giggel  db-em  Mist!  ebd.  Güggeli 
uf  der  Stege,  Hüenli  uf-em  Mist,  cha""  vier  Niemert 
säge,  ICO  mi"'s  Schätzeli  ist?  ZObf.  E  guete  G.  ist 
(oder  tcird)  nid  feiss  Aa;  Bs;  Z.  Zwei  G.  uf  eim 
Mist  tnled  [dulden]  enand  nid.  Sulger.  Und  wenn 
die  Hüener  g'storhe"  sind,  so  git  de''  G.  en  Wittlig  Z 
(Kdspr.).  De''  G.  ztt-n  Hüenere"  sue  setze  [Gefahr. 
Schaden  herbeiführen]  Z.  Das  Güggeli  und  das  Hen- 
neli  gönd  mit  enand  uf  's  Tenneli  (Var.  sind  zwei  gueti 
G'späneli)  Tii;  Z  (Kinderreim).  Ander  Lüt  solle" 
d' Hüener  l"  diie",  mir  lün  [wir  lassen]  der  G.  laufe" 
[Warnung  vor  einem  Mädchenjäger]  Bs.  Vgl.  Meitschi. 
Katerl,  tue  d'  Hilendli  l"  und  lä  der  G.  laufe,  mer 
wend-em  hüt  nc''  z' fresse"  ge"  und  wend-ne  morn 
cerchaufe  (Kinderreim).  Rätsel:  Was  tued  dC  G., 
wenn  er  uf  eim  Bei"  stät  '■!  Antw. :  Et  hed  's  ander  uf. 
Güggeli  fange"  od.  Güggel  schwänze",  ein  Spiel,  wobei 
die  Kinder  Hühnchen  oder  Hähnchen  vorstellen,  die 
von  einem  Dieb  gefangen  werden.  De  Hücndlidieh 
seit:  Guete  Tag,  Herr  Güggel!  i  hält  gern  es  Hüenli 
usw.  im  Zwiegespräch.  Zuletzt  sucht  der  Dieb  eines 
zu  fangen,  während  die  Hühner,  den  G.  an  der  Spitze, 
hin  und  her  weichend  sich  ihr  zu  entziehen  suchen 
Z.  Ähnlich  in  Bs  der  Wächter  im  Spiel  Ellenmesserlis, 
der  den  Tafel  am  Abfangen  der  Kinder  hindert.  Vgl. 
Hüenli  hüeten,  H.-Brüe.  .Lautere  eier,  das  sind  un- 
nütze ze  schlöufen  oder  ze  hüenlen,  welche  die  henn 
allein  gemacht  hat  one  das  fügelen  des  gückels.'  Mal. 
Vgl.  gevogel  ßd  I  698.  Hähne  und  Hühner  waren 
früher  beliebte  Abgaben.  Vgl.  ,Zechend-G.'  .N.  N. 
gibt  järlich  ein  Hnen.  ein  Gügel.'  1653,  Arch.  Wett. 
.Wird  man  auch  kein  Güggel  schlachten,  soll  es  alle- 
I  zeit  noch  nachten;   dann  das  wachbar  Hannengschrei 


Gags,  gegg. 


bringet  keine  Stund  herbei.  JCWeissenb.  1678.  ,Vom 
U.  zum  Esel  springen',  d.  h.  aus  einem  Unheil  ins 
andere  geraten,  s.  Bd  I  514,  frz.  coq  ä  l'äne,  unge- 
reimte Rede.  —  b)  bildl.  Anwendung.  1)  Eim  de 
rot  oder  en  röte'  G.  uf  's  Tach  oder  Hus  (u-e)  tue", 
mache;  setze',  stelle',  das  Haus  in  Brand  stecken,  bes. 
in  drohender  Rede  Aa;  Sch;  Z.  Syn.  en  röte  Chamhe 
[Kamm].  —  2)  Vergleichung  mit  iVIenschen.    Er  häd 

Wade'  n'ie-n-en  G.  ZS.  De--  Vorsinger  singt  bis  in 
G.  ufe",  in  so  lauten  und  hohen  Tönen  wie  der  Hahn 
THBerg.  ,Er  hatte  eine  Stimme  wie  ein  englischer 
G.-  Breitenst.  Er  cha"  's  ussicendig  wie  ne  G.  Bs. 
Er  cha"  d'  Auge'  verträe'  wie  en  G.  ZO.  Springen 
können  wie  ein  G.,  d.  i.  flink  ZLimmatt.  Vgl.  Spring-G. 
Er  het  e  Chopf  wie-n  e  G.,  blutrot  vor  Aufregung 
Bs;  S.  Vgl.  güggelrot  (vor  Zorn)  B.  Er  spreizt-si''< 
wie-n  e  3-chrüzerige  G.  oder  wie  dr  G.  uff-em  Mist 
[ist  stolz]  S.    Eb.so:  Er  stellt  de"  Chopf  wie  en  G.  Z. 

Vfgumpe"  wie-'n  en  G.  AABb.  .Er  springt  auf  wie 
ein  G.,  ist  jähzornig.'  ScnSt.  ,Er  springt  gleich  auf 
wie  ein  G.;  iracundus.'  Mey.  Hort.  1692.  ,Er  juckt 
auf  wie  ein  G.'  ebd.  ,Er  springt  auf  wie  ein  g.,  Hadriä 
e.st  iracundior.'  Denzl.  1716.  Vgl.  Hitz-,  Spits-G.; 
güggelhaft  1;  güggelen.  ,Gegen  seine  Oberen  den  G. 
machen  [sich  auflehnen].'  Gotth.  Vgl.  güggligen.  Ich 
als  junge  G.  törf  das  nüd  g'icage,"  Z.  Auch  geradezu 
=  hochmütiger  Mensch  AAZein.,  jähjorniger  Bs.  Vgl. 
Hochfarts-,  Stolz-G.  und  den  Bs  Übern.  Giiggel-Durs 
(Breitenst).  .So  im  das  nüt  sollte  gelten,  so  stund 
er  eben  wie  ein  anderer  G.'  Zwingli.  Der  Prior  zu 
den  Augustinern  sagt  [auf  der  Disputation],  ,er  wüsste 
nüt  darwider,  er  stüende  da  wie  ein  anderer  G.'  HBull. 
1.572  [,ander'  in  diesen  2  Stellen  nach  Bd  I  303,  3  a. 
aufzufassen].  —  3)  böser  Geist  =  Gugger  2.  So  in 
dem  Ausruf:  Fotz  Heidegüggel!  do  het's-m'r  'taget! 
JoACH.  1881  =  Potz  Heie-G.  Bs,  und  in  den  Formeln 
der  Verwünschung:  Buss  di'''  de'  G.  hicl^ni)  oder  sust 
e  r/rösses  Huen!  Bs;  1. ;  /.  ,\\  riin  ilirli  nur  d'v  d.'i-— 
T— G.  pickte.'   SoHPil-rr  ls>l.     Jin-  (i.  snll-iur''  i.irh-e' 

—  verzieh-m'r's  Gott:  n-i/im-iurr  die  Mntsrli,  nit 
zeh'mal  lieher  wäre"  als  dir'.  Joach.  1883.  (Die  Formel 
als  Beteurung  auch  Aa;  Bs;  Z.)  De''  G.  soll-mer 's 
Westli  verbicke"!  Sprww.  1869.  —  '2.  Wetterhahn.  ,Für 
Zurechtmachen  des  alten  Giggels  [auf  dem  Kirch- 
turm].' 1778/79,  LRScHMinLiN.  —  3.  der  Embryo  in 
der  Eimasse,  der  am  Eigelb  oder  Dotter  haftet  Z.  — 
4.  (Giggeli)  .Bierschnecke'  Bs  (It  Becker,  wohl  Stu- 
dentenspr.).  Syn.  Huen.  —  5.  Gurgel,  Halszäpfchen. 
,Rumen,  das  gurgele  am  hals  od.  güggele.'  Fris.;  Mai.. 

—  6.  penis  (meist  Dim.)  Z  (Kdspr.l.  ?>ii.  GuiiijiirJ. 
(Vgl.  nhd.  , Hahn'.)  —  7.  der  bewegliiln'  T' il  ü^ili-i, 
am  Fasshahn,  meist  Dim.  Z.  Auch  Gniiijii'li,  ^i;l. 
Häni.  —  8.  Tannzapfen  AAÜegerf.  Dira. :  Zapfen  der 
Kiefer  oder  Föhre  AASt.  Vgl.  Erlen-,  Forch-,  Lärch-, 
Scharen-,  Tann-G.  —  9.  einer  der  vielen  mit  bes. 
Vorstellungen  und  Bräuchen  verbundenen  Namen  für 
die  letzte  Garbe  (wenn  sie  sehr  klein  ausgefallen  ist 
Bs).  Synn.  s.  bei  Fuchs  5.  In  der  Strohflechterei. 
beim  sog.  Lüchen,  die  Handvoll  Halme  geringerer 
Qualität,  die  übrig  bleiben,  nachdem  die  langen  heraus- 
gezogen sind  ZBafz.  —  10.  Flurn.  B;  L;  Sch;  S. 
Name  eines  Hauses :  ,Zum  G.'  AaMbII.  Vgl.  das  Haus : 
.Zur  Henne'  in  Z.  Sprmg-G.,  Name  eines  Berges  S. 
.Güggelstein' :  erratischer  Block  ZGlattf.  Die  Schenke 
,beim  G.'    1820.  S.     ,Güggelischloss'    LWohlhusen  (It 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Leu).  .Güggelhof-  S  [viell.  einer,  auf  dem  .lie  Abgabe 
eines  .Güggels'  lastete]. 

Das  W.  fehlt  mhd.,  vgl.  nhd.  .Gückelhahu'.  Unserer  Spr. 
ist  es  wesentlich,  da  sie  ,Hahn'  meist  nur  von  Dingen  und  in 
Zss.  und  Abll.  kennt.  Ohne  Zweifel  ist  es  mit  frz.  cor/  Laut- 
nachahniung  der  Stimme  (vgl.  ilüyyehü);  daher  der  wieder- 
holte Kehllaut.  Vwdt  mMGugtjer,  Guijgu  und  mit  gagyeren, 
gackern;  mit  yuggen  //viell.,  wenn  dieses  urspr.  Vorstrecken 
oder  Aufrecken  des  Halses  bedeutet,  was  ja  auch  mit  dem 
Schreien  des  Hahns  verbanden  ist.  Mit  Gugger  berührt  sich 
e.  z.  T.  auch  in  der  Bed.  1  b  3  und  zeigt  ähnliche  Begriffs- 
entwicklung, resp.  Übertragung  vom  Vogel  auf  leblose  Dinge. 
Vgl.  Güygel  S  - 10  mit  Gugya-  III  u.  IV.  Bed.  5  beruht 
wohl  auf  der  Vorstellung  von  etwas  Hervorragendem  oder 
-guckendem  (wie  der  Kamm  oder  Hals  des  Hahns),  die  auch 
bei  6  —  8  zu  Grunde  zu  liegen  scheint.  9  hängt  viell.  mit 
Kräh-hane  und  den  entsprechenden  Bräuchen  zusammen,  ausser 
es  sei  (nach  Mannhardt)  der  Name  eines  ,Korndämous'.  Bsi 
G.  als  Name  eines  Berges  (10)  ist  viell.  a.n  guggen  II  zu  denken, 
wie  bei  den  ähnlichen  Ortsnn.  mit  Guggen-,  Giiggi-;  denn 
die  Vorstellung  des  Hervorragens  hängt  mit  der  von  Aussicht 
nahe  zusammen.  Bei  LLav.  1670  ist  ,Güggel'  der  Ausgabe 
von  1569  durch  ,Han'  ersetzt.  Vgl.  noch  Syn.  Gugd  II. 
Sp.  155  und  betr.  die  mythologischen  Beziehungen  vgl.  Gr. 
WB.   s.   V.   ,Hahn'. 

Erle"-:   die  Fruchtstände  der  Erle  Aa. 

Fenster-  Feister-:  wer  am  Sylvester -Morgen 
zuerst  aus  dem  Fenster  schaut  Z. 

Ähnliche  Namen  für  Personen,  die  au  jenem  Morgen 
andere  Teile  des  Hauses  zuerst  besuchen. 

Forch-  Forr-  AABb.;  ZSth.,  Forre'-  AADegerf.. 
oEnd.,  Kais.,  Dim.  Forgilggeli  AABb.;  ZRafz,  Rüml.: 
Zapfen  der  Föhre.  Syn.  For- Bibel,  -Biekel,  -Igel, 
-Biigeli.  —  Hochfarts-  Hoff'erts-:  putzsüchtige  Per- 
son ScnSt.     Syn.  Hochfarts- Schwanz. 

Holz-:  Schwarzspecht,  picus  martius  Z.  De''  H. 
hat  Chrämpf  i'  de'  Beine",  es  git  rüch  Wetter  Z. 

So  genannt  wegen  seines  dem  Krähen  des  Hahns  ähn- 
lichen Geschrei's;  gleichsam  , wilder'  Hahn,  im  Ggs.  zum 
Haushahn.  Vgl.  Wald-G.  Auch  von  HEEsch.  1692  aufgeführt. 

HÜS-.  ,Du  bist  ein  rechter  H.!  sagt  ein  Narr  zu 
dem  andern,  der  sich  gerühmt  hat:  ich  han  ein  langen 
Nüttel  [penis?].'  Rdef  1538.  .Hausgüggel.  niaritus.' 
Mal.  —  Hitz-:  jähzorniger  Mensch  Bs.  —  Lärch e°-: 
Zapfen  der  Lärche  AABb.  —  Mode°-:  eitler  Mensch, 
Modenarr  SouSt. ;  Z.  Yg\.  Hochfarts-G.  u.  in.  coquet 
von  coq.  -  Mist-:  unsäuberliche  Person  ScH;  Z.  Vgl. 
Schmutz-,  Schmier-G.  Syn.  Mistfink.  —  Meitschi-: 
der  gern  den  Mädchen  nachzieht  L. 

Borz-:  1.  Hahn  ohne  Schwanzfedern  ZW.  — 
•-'.  S]iottn.  auf  Einen,  der  sich  in  gezierter  Weise  die 
Ha, UV  am  liiut.Tk.ipf  nach  dem  Rande  eines  Napfes 
-ihih  i.lii  lasst,  SU  dass  die  ohern  Haare  verhältniss- 
niässij^'  laii^-  bleiben  ZW.  —  Harzen,  hervorragen,  bes. 
mit  dem   Hinterteil,  daher  nhd.  purzeln. 

Schere"-:  Tannzapfen  AABrugg.  Vgl.  Schor- 
Niggeli,  unreife  Kirsche;  auch  -Näggel. 

Sch  mir"-:  schmutziger  Mensch  S.  —  Nhd.  ,schmie- 
ren'  aus  .schniirwen'. 

Schmutz-:  unreinliclnT  Mensch  Aa;  Hs;  li;  8; 
Z;Id.  B.  üyn.  Dreck-(!..  Srhmiil^Kiiilrl  na.  /•;  ,v»rc 
Holzäpfel,  e  länge  Stil  ilm".  <•  i^dr  Schiiiiii-.iiunqrl  nill 
e  Frauhä'ü.  .Madam  Silniiutzgügirlin.-  LKInmiikiizi 
1824.  .Frau  Schmutzgüggel.-  ebd.  Bes.  Schimpfn. 
einer  Sudelköchin  B;  ,VOrte".  Syn.  Schmutz- Ursel, 
-Bubi,  -Pastete,  -Turte  u.  a.  Dim.-  Giiggeli,  bes.  von 
U! 


Gagg.  gcgg,  gigg,  gogg,  gugg 


196 


Kindern    B;    Obw;    auch    bei   Uotth.     Abi.   Schmutz- 


fjiiggelel 

zürnt  Bs 


'  Spitz-Güggel:  der  sich  leicht  er- 
if^-.  —  S]irrn  jj-i  Xanie  eines  Hauses 
-»//(/'/  /".  S|iii  iii;-:  .,Mensch,  der 
1 -il'riiii^t  li;  L;  /.,  lustiger  Bursche, 
llläufer  ZLunn. 
Tann-:    Tann- 


der  nirgend;,  Kulie  lindet  ZO.  S, 
—  Stolz-:  stolze  Person  ZWint 
zapfen  Aa;  Bs;  ZRafz,  Sth. 

Wald-:  ,Waldguggel.  Schwarzspecht,  Bergspecht, 
Tannroller,  Waldhahn,  picus  martius.'  Meisner  k  Schinz 
1815.  —  Vgl.  Holz-G.,  aus  dem  es  viell.  verhochdeutscht  ist. 

Zechend-:  als  Abgabe.  Vgl.  Gücjgel  .Alle  die- 
jenigen, so  in  den  zehntfreien  Matten  Garben  machen, 
sind  schuldig,  nicht  allein  die  Garten-,  sondern  auch 
die  Zehntg.  abzufertigen.'  1672.  Ztschr.  f.  sehwz.  E. 

güggelhaft:  1.  anspringend  wie  ein  Hahn,  auf- 
brausend. —  2.  ausgelassen,  überlustig  BM. 

>>H'iggele{n)  I:  vor  Zorn  auffahren,  -jucken,  nach 
Art  eines  Hahns,  's  hed  Alls  an-em  g'güggelet,  er 
war  in  heftigster  .\ufregung  Aa;  B;  VOrte;  S;  Sch." 
„üf-:  auffahren."     Vgl.  uf-guglen  und  -gügelen. 

Güggeler  I  (auch  Giig-  kv):  1.  Hahn  Ap;  GKh., 
Stdt.  Cliräie  tvie-n-en  G.  Th.  —  2.  Wollüstling  Ap. 
Vgl.  Schwab.  Goggder. 

güggle(n)  I:    krähen  wie  der  Hahn  B  (Zyro). 

g(e)gügglet:  vom  Hahn  befruchtet,  von  Eiern, 
die  man  ausbrüten  lassen  kann  Zg;  Z.  Syn.  geJianet ; 
s.  Giilieier.     Ant.  lüteri  Eier. 

gügglige",  -ligs:  (Adv.)  herausfordernd  wie  ein 
Hahn,  z.  B.  sich  g.  vor  Einen  hinstellen  Z. 

gtigg(e)le(ll)  II  (-M-  UUrs.),  Dim.  zu  giiggen  II: 
1.  durch  eine  kleine  Ölfnung  sehen,  ein  wenig  hervor- 
schauen Aa;  Gl;  S;  UwE.;  Z  (wohl  allg.).  Compp. 
an-,  US-,  er-;  inhin-,  ushin-,  fürhin-,  tinderhin-g.  Syn. 
güxlen.  Verstohlen,  neugierig  blicken,  auch  von  der 
aufgehenden  Sonne  Bs.  Lueg,  inc\  Mii^li  :iiiii  l.nrhli 
üs  g-t.  Güggele  numme'' [mix^  hii:i:'  fun",  dr  nnnsrli 
[du  musst]  halt  zur  Ströf  doch  /'-.''  >-  ,-Iila"  <Uhititr 
hltbe".  Bim  Furtgö'  het  der  Schnei meister  im  Gang 
tisse"  vw-em  Loch  g'lüsteret  [gelauscht]  und  ine"  g'g-t. 
Schild.  Er  g-t  und  glüslet  stlf  [genau]  B  (Schwzd.). 
No'''  nie  hen  menschligi  Auge  g.  dürfe  und  seh",  wie 
schön  ml  Meiteli  do  Ut.  Hebel.  Es  schlieft  in  d'  Hürst 
[Gebüsch],  —  iez  suech  mer  's  Ei's  —  dort  g-t's  use". 
1.  -sprossen  =  guggen  II  2. 
ilv'iuirnden  Samen  im  Garten 
(iirvhtmn  g-t's  [das  Sanien- 
iFi.n,.     V,i,i   Frü.-htrii    ZKii. 


ebd.   —   2.  hervuiVri 

Syn.  Stupfen.    A'om  In 

UUrs.    Garheimrini  . 

körn]    zum    I!,i,l,„'  „ 

Drü   Tn<hl,    ,/-,!  fiirr    s,h,r.     „ml    ha-Ji    in,,    r''   iiiV'' 

uf's  Ilci-hsir"  ■/..     Allel,  N„ii  /„ilnin,:  V  /(„/'/  „,„l  ^cclisl 

[ZähndUj  a-einU- gmjgk"  cho.  NAiiULi  1,S42.  -    :l.  (bildl.) 

hindeuten,  zielen  auf.    Er  ist  no"''  hei  Lump,  aber  es 

g-t  drüf.  (Sprw.) 

ÜS-:    ausspähen  Bs;  B;  S;  s.  Güggeler. 

ushin-,  fürhin-:  heraus-,  hervorgucken. 

us-fisi-  s.  fisigügglen. 

Güggeler  II:  der  scharf  blickt,  spioniert;  der 
Alles  us-g-t  BBe.;  S.  D'  Jude  si"'  verßuckti  G.,  die 
gseih  [sehen]  Alls  dur-e-dur.  .Joach. 

,(jügge"  {ü  S)  f.:  1.  Blashorn  der  Knaben,  aus  Strei- 
fen von  Weidenrinde  spiralförmig  aufgewunden,  mit 
Dornen  zsgeheftet;  als  Mundstück  dient  eine  .Furze' 


AABb.  Syn.  Güge  3  a,  Güggi,  Gägi,  Gügeli.  Schlechtes 
Blasinstrument  AaF.  —  2.  der  Hintere,  z.  B. :  Streck 
dl'  G.  II if  so  hC,1i  »/'.'  AaF.  —  3.  Röhre,  Röhren- 
falte an  Kl.nliini,'sstiirkon  AAWohl.  Syn.  Gügg  I.  - 
4.  Wassers,  liitiliiiy  S  Thierst.,  Bach-G.,  Rohrpflanze  S. 

Bed.  'J    \ i  Bhiseii   wie  das  gleichbed.  lat.  änm  aus  h«-iiii« 

von  der  Wz.  ns,  atmen,  blasen.  Bed.  3  erklärt  sich  ans  dem 
Begriff  Röhre  von  selbst,  nnr  dass  hier  die  Form,  niclit  der 
Ton  in  Betracht  kommt,  ähnlich  wie  bei  Güye  die  Bedd.  2  b 
nnd  3  im  Verhältniss  zu  2  a.  Vgl.  auch  Giiyyi  ä  h.  Bed.  4 
wie  Guge  2  l,  c,  weil  der  Stengel  der  Pflanze  als  Rühre  zum 
Blasen  dient. 

Dorf-Gügge:  Plauderweib  S.  —  Von  Üfiji/e"  i.  S. 
V.    I :  die  Alles  austrompetet. 

gügge(n)  (-01- UwE.):  1.  tuten,  in  langgezogenen 
Tönen  blasen  Aa  ;  Bs ;  „  Vw ;  Z "  (wesentlich  =  güggen  1). 
Vom  Nachtwächter  AABb..  ein  Zeichen  zum  Essen,  auf 
Höfen  mit  weit  entlegenen  Gütern  BsLd,  auch  durch 
die  hohle  Hand  statt  des  Hernes,  ebd.  Als  Ruf  beim 
Versteckenspiel:  Gügg  <-mol!  AABb.  Schlecht  blasen 
Bs;  „Aa;  Vw;  Z".  Bildl.  als  Ausdruck  der  Gering- 
schätzung, Abweisung.  I'''  gügg-dr  druf  Aa.  J'* 
tvett-dr  mit  g.  defilr  AAZein.  (auch:  dn««  Aa;  BHk.). 
Syn.  güggen,  güggen.  —  2.  pfeifen,  von  Vögeln; 
s.  Gügger  und  Gügg  II.  —  3.  , brüllen,  vom  Kind- 
vieh Gr  Obs."  (auch  gügen).  Vgl.  (Gras-)Gügger.  — 
4.  heulen  (von  Menschen),  widerlich  weinen  AaSI; 
Bs  (stossweise) ;  „LG."  Syn.  gügen  II  3.  Vgl.  auch 
güggen  3.  Schreien,  lärmen  AABb.  —  5.  leise  spre- 
chen. Vgl.  gügen  II 4  und  Anm.  dazu.  .Mutire,  nü- 
selen,  leis  reden,  güggen.'  Fris.;  Mal. 

ÜS-:  öffentlich  ausrufen,  indem  ein  Ausrufer  in 
ein  grosses  Hörn  stösst,  um  die  Leute  auf  eine  Be- 
kanntmachung aufmerksam  zu  machen.  D'r  Wächter 
hat  Chüefleisch  usg'gügget  AASt. 

Gügger  (-«-)  {-l-  Ndw.  -oi-  UwE..  l.-  BSi.)  m. : 
1.  schlechter  Trompeter  AaF.;  Bs.  —  2.  Dompfaff, 
(üiMiiel,  Hliittiiik.  Inxia  pyrrhula  B;  VOrte;  ScnSt..; 
Iii:  r«i:  ;  Z.  1  i.'H.. Inilich  i?öS-ff.  Syn.  Gilggi,  Goll, 
r,iiUeiihi,-l:i:r.  .lier  lüiiiiiel.  Gügger,  Rotgügger,  Dom- 
ptaff".  Sein  Locktni,  ist  ,,».  „„.'•  HSchinz  1842.  .Gucker, 
Kicker,  Kucki:  rntln  ii<tii^n  Kernbeisser,  Gimpel,  Dom- 
pfaff, Blutfink,  loxia  pvirliula.-  Meisner  &  Schinz  1815. 
,Güger  heisst  [der  Bluttink]  von  seines  gesangs  wegen.' 
VoGELB.  1557;  dafür  an  andern  Stellen  , Gügger'.  ,Me- 
lancoryphus,  ein  schwarzkopf,  grasmugg  mit  einem 
schwarzen  köpfte,  wiewol  etlich  ein  gügger,  goU  oder 
giiiipel  dartür  halten.'  Fris.  .Gerade  wie  man  G.  ab- 
richtet, zu  [ileifen,  was  sie  nicht  begreifen.'  Gottu. 
Die  Krähe  ruft:  G-rag,  grag,  der  G.  chunnt,  er  nimmt 
di'''  in  es  Ghrättli.  [nach  Rochh.  der  Kukuk].  — 
3.  Feuerkröte,  Unke,  bombinator  igneus,  in  Mist- 
pfützen sich  aufhaltend  und  gü!  schreiend  ZA.;  s. 
Giille-G.  und  vgl.  Gügger.  Syn.  Gülle'-Grügger.  lin- 
dere, Gügger,  's  chunnt  e  Hege!  L.  [Nach  anderer 
Angabe  Gügger  11].  Vgl.  ,Regenmolch.'  ,Wasser- 
kröttle,  in  unseren  landen  gügger,  von  irer  stimm  her.' 
TiERB.  1563.  .Die  kleinen  wasserkrotten  oder  g.'  ebd. 
—  4.  1 — l'/ajähriges  Rind,  Mittelstufe  zwischen  Kalb 
und  Järli'g  od.  Gusti  L.  S.  Gras-G.  —  5.  Öllicht 
auf  einem  Stock  von  Zinn  oder  gedrechseltem  Holz, 
altes  Öllämpchen  SchwMuo.  —  6.  „rote  Pustel  auf 
der  Haut  aussätziger  Leute  Th;"  Eiterbeule  ThHw.; 
kleines  Geschwür  GF.  Syn.  Eiss.  —  1.  Rausch  L 
(Ineichen).     „Fehlstreich   oder  Narrheit,   die   sich   in 


197 


Gagg— gugg.    Öaggsch-snsgscli 


198 


sonderbaren  Ideen  äussert  L.*-  Güggerli,  Schlaftrunk, 
Nachtzeche  Lf.  Nach  St.''  auch :  Brechmittel.  -  8.  (Güg- 
fierli)  penis  Bs  t  (jetzt  Pflß);  Th.    Syn.  CHiggel  6.  ' 

Das  W.  ist  der  ä.Spr.  und  dem  Nhd.  fremd.  In  Bed.  2  —  4 
ist  ts  Nachahmung  des  Lautes,  den  jene  Tiere  von  sich 
geben.  Vgl.  gtiggen  S,  'jüggen  ä.  Die  Beziehung  auf  den 
Kuliuk  (auch  bei  Röt-)  ist  unsicher,  ßüggers-froh  =  sein 
froh  (BOtt)  ist  wohl  nur  euph.  statt  Tu/eh-.  Vgl.  üugger  S,  i  u. 
Der  Zuruf  bei  3  bezieht  sich,  wenn  er  wirklich  dorthin  und 
nicht  zu  2  gehört,  wohl  darauf,  dass  der  Ruf  der  Unken  als 
Kegen  verkündend  gilt.  Zu  6  vgl.  Güge,  Oügi,  Geschwür. 
7  könnte  von  5  abgeleitet  werden  im  S.  des  syn.  ,Brand' ; 
die  Bt'd.  ,Trunk'  oder  ,Trank'  weist  aber  eher  auf  gtiggkn, 
gfigl'-n  3,   gern  und  oft  trinken.     Vgl.  Schnajjjis-G .  u.  fiiiggis. 

Gülle"-:  =  GüggerS  Z.  -  Weil  in  Mistlachen  lebend. 

Gras-  „(-Güger,  -GüggerJ:  altes  Kalb,  zum  Schlach- 
ten bestimmt,  mehr  mit  Gras  und  Heu  als  mit  Milch  ge- 
mästet L"  (St.'491,  nicht  in'').  -  Chriesi-:  =  CAriw/- 
Gauch,  -Guege  Zg. 

Blüemd- (Plüemggügger) :  Alpen-Flühlerche, inota- 
cilla  alpina  Gl  (W.).  Svn.  s.  bei  Blüemd- Vogel.  — 
Bluem,!,   Abfall  von  Heu. 

Röt-:  1.  Dompfaff  =  Gügger  2  AABb.;  L;  S;  Tb; 
UwE.;  Z.  Dieser  Vogel  scheint  zuweilen  mit  dem 
Kukuk  verwechselt  zu  werden,  dem  in  einem  Kinder- 
sprueh  zugerufen  wird:  Eötgügger,  sibe"  Chrüzer,  acht 
Rappe':  git  e  gueti  Belzchappe.  'Oder:  B.,  für  sibe' 
Ghrützer  und  en  Grosche  bist  scho'  lang  dem  Tüfel 
verspräche'.  (Eocuh.  AK.,  68).  —  2.  Rotkehlchen  .\aH. 
Syn.  Bot-Hüserli.  Wem-me'  Rotgitggerli  iisnimmt, 
cMmmed  Ei"'m  d'  Chile  roti  Milch  über  Z.  —  3.  Mensch 
mit  rotem  Gesicht  oder  Haar  Z. 

Die  Verwechslung  mit  dem  Kukuk  kann  nur  auf  der 
Ähnlichkeit  des  Namens  mit  Gugger  beruhen,  die  mit  dem 
Rotkehlchen  auf  der  Gemeinschaft  des  die  Farbe  bezeichnen- 
den  ersten   Teils  der   Zss. 

Sehnapps-:  Schimpfn.  für  einen  Säufer  L.  — 
Geliört  zunächst  zu    (niggtf  7   und  güggcn,   trinken. 

Spiri-:  =  Tisigäuggis  s.  d. 

Scheint  im  zweiten  Teil  nur  eine  Nbf.  wie  die  andern 
unter  FUigätiggls  angeführten,  angelehnt  an  Gügger  als  Vogel 
Ivgl.  Vugd  Bd  I  692,  6).  Der  erste  Teil  scheint  dass.  W.  wie 
im   Schwab.  .Spirigvdükes  (Fromm.  VI.   68),  spiren  =  spüren. 

Spitz-:  magerer  Mensch  AaH. ;  S;  Z.  —  .•^piiz, 
mager;   Ggs.   rund,   voll,  beleibt. 

Güggerei  f.:  schlechte  Musik  AaF.    7,Vl  güggen  1. 

Guggi  (m):  1.  ni.  a)  Schreihals.  Lärmer  Bs.  — 
b)  schlechter  Trompeter,  ebd.  —  c)  Dompfaff  Gr; 
s.  Gügger  3.  —  2.  n.  a)  Blasinstrument,  Hörn,  Trom- 
pete AAWohL;  L.  Hörnchen  aus  Rinde  oder  Rohr 
Nnw.  Vgl.  Güggi  1.  —  b)  Röhrchen.  Ader  im  Koch- 
fleisch L.  —  c)  Anschwellung  auf  dem  Gesicht  oder 
Arm  B. 

Zu  2  b  vgl.  Gxigge  S.  Zu  2  c  vgl.  Güge  1  und  Gilgi. 
Zu  1  a  gehört  wohl  auch  der  G  Geschlechtsn.  ,Güggi'  bei 
Vad.  und  heute  noch  in  S;  vgl.  auch  ,Fridr.  Schumacher, 
gen.  G.'   1522,   Th.  (Pnpik.). 

Güggis  (ü)  m.:  Gläschen  Liqueur  L.  Syn.  Gux. 
—  Gehört  zu  Schna]yi>sgügger,  Gügger  7,  güg(e)len  8,  gügglen  S, 
Vs-gilglete. 

güggle(n):  1.  Hörn  blasen  L  =  gügen  III, 
güggen  1,  g&ggen  1.  —  2.  trinken,  gern  und  öfter, 
berauschende  Getränke,  scherzh.  od.  euph.  für:  zechen 
L;  auch  güglen,  s.  d.  Vgl.  Schnapps-Gilgger,  Güggis, 
JJsgüglete,  vergügglen  2.  —  3.  =  geissgtlgglen  und  dies 
=  geissgügen  (s.  d.)  L. 


11S-:  1.  einen  Falliten  auf  die  Rathauslaube 
(s.  Läiibli)  führen  und  unter  Trompetenstössen  an- 
zeigen, dass  er  zahlungsunfähig  und  ehrlos  (bei  Män- 
nern auch  wehrlos)  sei  Lf  (früher  gesetzlich  geordnet). 
Syn.  üs-gügen,  -gügen,  -güggen.  —  2.  den  am  sog. 
.scliniutzigfMi  Donnerstag'  stattfindenden  Maskenzug 
(.Fritsrlii-l'nizug-)  durch  eine  Anzahl  masquierter  Be- 
rittener unter  Hörn-  und  Trompetenstössen  auskünden, 
was  am  Dienstag  vorher  geschieht  (de  Fritschi  usg.J. 
Der  Zug  selbst  heisst   Usgügglete. 

ver-:  1.  =  üs-g.  1.  ,Der  nach  seinem  Tode  noch 
als  Concursit  vergügglet  [verrufen]  wurde.'  ,Die  Fal- 
liten wurden  bei  der  Lasterbank  auf  dem  Fischmarkt 
[der  auch  Gerichtsstätte  war]  vergügglet.-  Liebenau 
1881.  En  Vcrgfiqrjletc.  ein  Concursit.  —  2.  vertrinken. 
durch  Trinken  \.  rsrliw, nden  L;  'J'h.  Er  vergügglet 
Alles,  was  er  ii/-  mnl  n-hriiuit  [erwirbt]. 

fisi-  s.  fiffigugglei,  lid  I  1079. 

Zimper-Güggli  n.:  =  Zimper-Güegi  L  (Ineichen). 

(iilgger  m. :  1.  =  Güggel  Ö  (auch  Dim.)  S.  —  2.  der 
Hintere.  De"  Gigger  i"  d'  Luft  siil:cii.  ein.-n  Purzel- 
baum schlagen  W.  —  3.  Ziel.  .Im. In  iif  nhe  G.  ue". 
ihm  aufsätzig  sein  S.  Syn.  Miii/ii.  .siikIi,  Zug.  - 
2  ähnlich  zu  erklären  wie  Güggel  .;.  -     :;  viell.  =  Gugger  ]  .;. 

Pfann-:  Pfannkuchen  S.  S.  Gugg  3  und  Ofeii- 
Gugg,  -Güa\ 

ver-gnggerle(ll):  vor  Zittern,  Frcst  fast  vergehen 
AAZein.  —  zesamraen-,  zäme-:  zsschauern  BsLd. 

Ver-g.  viell.  von  Gugger  III  1;  Vgl.  das  Syn.  verzigeren. 
Doch  vgl.  auch  das  Syn.  vergatterltn,  zu  dem  es  bloss  laut- 
liche Nbf.   sein   könnte;   ferner  gigerlen. 

fifiggi  I  n.:  Hähnchen  GrD.  —  Verkürztes  Dim.  zu 
Güggel  wie  bern.   Häni  (Geschln.   lliinni)  zu   ,Hahu'. 

GUggi  11  n.:  1.  erhöhter  Ort  zum  Sehen,  Gestalt, 
die  entsteht,  wenn  eine  Person  auf  den  Schultern 
einer  andern  sitzt.  Uf  's  G.  ne",  auf  die  Schulter  Gr. 
Auch  Güggibutz.  —  2.  Dachfenster  GrD.  —  3.  Ge- 
fängniss  GO.;  Schulgefängniss  GRLandq.;  Vogelkäfig 
GRMal.    —    Eig.  =  Guggi  £  d,   Guckloch.      Zu    1    vgl.  Göijrl. 

Schili-  m.:  Schieläugiger  Gr;  s.  Schili-gugg. 

Stüde"-  ra. :  ehemaliger  Name  eines  mit  einem 
Kreuze  gezierten  aussichtsreichen  Hügels  bei  SGallen. 
jetzt  in  , Freudenberg'  umgetauft.     S.  Guggi  2  e. 

Züri''''-(iuggler:   geringerer  Zürcher- Wein  Gl. 

Trotz  der  verschiedenen  Quantität  des  Voc.  (das  W.  scheint 
sich  aus  unbekannten  Gründen  an  güggen  angelehnt  zu  haben) 
könnte  urspr.  gügglen  S  zu  Grunde  liegen ;  vgl.  6'fia-,  Schnaps. 

Giieggi  m.:  unpraktischer,  unbeholfener  Mensch, 
bes.  verächtliche  Bezeichnung  alter  Leute  GrD..  He., 
Pr.  Es  ist  doch  en  arme  Güeki!  Onist  [ohne]  dass 
ma'  tmd  wie  d's  Wetter,  bringt  ma  de"  Güek-i  nid  ab 
Statt  [vom  Platz].  Vgl.  Giiegi  (s.  v.  Giie'g  4J  und 
Güegeli,  s.  v.  güegelen. 


Gaggs— guggs  s.  6'a.c  usw. 
Guggsclli  n.:  leere  Eischale.    Die  Haut  eines  Mäd- 
chens wird  an  Weisse  etwa  mit  einem  G.  verglichen 
GrAv.   —    Aus  rätorom.  il  cocc,  Ei  (Kdspr.);  vgl.  frz.  <■«(,«.■, 
F.ierschale. 


GüggSCll  ni.:    Gläsche 
(s.  d.)  und  Gu.r. 


liL.     Syn.   Ciiqgi: 


Gah  -?uh.     (iaj — siij.    (iak    ,2;nii.     (jal — gul 


(iali,  geh,  gih,  goli,  guh. 

(ieliiisi,  in  der  an  einen  unerwarteten  Ankömmling 
gerichteten  Trage:  Woher,  G.?  Z.  Auch  Übern.  ZGlattf. 
—   Beruht  auf  II.  Kön.  5,  25. 

Markt-Vor-Gelier  ra.:  vormals  Markt-Vorsteher 
in  SGallen;  ein  von  den  Kaufleuten  gewähltes  Col- 
legium  mit  2  Obmännern  und  6  Beisitzern  zur  Wah- 
rung der  Interessen  des  Kaufmannstandes,  ferner  zur 
Begutachtung  der  vom  Rat  an  sie  gewiesenen  Streit- 
händel und  mit  andern  Competenzen;  s.  Simmler-Lbu 
1722. 

Stelze»-  schilt  der  Tod  die  Quacksalber.  Run. 
Meyer  1050. 


^i^i,  gej,  gij,  §•«.),  g«i- 

Vgl.   ilit   Grupiicn    dtuli   usw. 
gajele":  gehen  (Kdspr.)  Ndw.  —   Dim.  zu  i/nn. 

Gaja  f.,  Gäji  n.:  Baumwanze,  cime.x  baccarum. 
Auch  Käfer,  Wurm  W. 

(laß  lässt  sich  aus  'Gäch-li,  Dim.  zu  <!ävh  Bd  II  103  er- 
klären :  vgl.  gäj  für  gü,'h,  Oaja  wäre  dann  erst  ^us  der 
geläufigem  Dim. -Form  abstrahiert.    Syn.  in  allen  Bedd.  Guey. 

gäjig:  mürbe,  von  zarterm  Gebäck  BSa.;  für  dies 
Tal  charakteristische  Wform  und  daher  als  Neckw. 
gebraucht.   -   Zu  .70«  i.  .S.  v.  2  d  (s.  Bd  II  6  0.). 

gäj,  gäjen  s.  gäeh  usw.        gäuje"  s.  t/uwen. 

Gujong.  gujonieren  s.  Kujon  usw. 


Gak,  gek.  gik,  gok,  guk,  resp.  gack  usw. 


gättke":  =  gäuggen  2  „BO."  ,Laborom  injungere 
alicui,  unde  ridiculus  fit,  qui  illum  perfert'  Id.  B.  — 
Vgl.   Syn.  yauchen  Bd   II    106  f.   und  die   Anm.  dazu. 

vcr-,  -geikhu:  hintergehen.  Der  ist  nit  giiete 
Lleicht]  z'  V.  W. 

Geck  m.:  1.  Narr.  Fallt  der  erst  Sehne  in'n  Dreck, 
ist  de''  Winter  m  G.  [ist  er  genarrt,  ist  auf  einen 
ernsten  Winter  nicht  zu  rechnen]  oTh  (Wetterregel). 
—  2.  junger,  nichtsnutziger  Mensch  GrD. 

Das  W.  ist  unsevn  MAA.  sonst  fremd;  ihm  entsprechen 
Oägi/,  Oägij.  Kine  Umdeutung  hatten  die  Armagnaken  als 
,arme  Gecken'  erfahren;  vgl.  Gr.  WB.  und  unser  ,Jäck'.  In 
der  Bed.  ,Narr'  findet  sich  Geck  in  unserer  Lit.  des  XVIII. 
und  in  der  Form  ,Jeck.'  Discourse   1721. 

Gecker  m.:  eingedrückter  Hut  BBiel;  S.  —  ver- 
geckeret:  zerdrückt,  ebd.  —  Viell.  von  der  Art,  wie 
ein  Geck  den  Hut  trägt. 

Gick  m.:  kleiner  Einschnitt  mit  einem  schneiden- 
den Instrumente  BSi.     Syn.  Bick. 

Verhält  sich  viell.  zu  dem  Syn.  Bick  wie  (,'/.;,(  IV 
(Bd  II  112  f)  zu  liiclii  (vgl.  die  Anm.  zu  (;;.■;,(  /li;  denn 
iiu.'h    UM  T,cclp,iti.t   .!..,«. 


„(iöke   f.:  Brustverstecklatz  F." 
(lockermeilt,   als    Schwur:    Bi  G..    euph. 

Gott!  AaF.    —   Vermischt  und  combinicrt  mit  ,f 

(s.  d.)  :   auch   Hahr-. 


(xal,  gel,  gil,  gol,  gul,  resp.  gall  usw. 

Gall  I,  Gallus,  Galli  I  (Dim.  GälMi)  6,  Gälli 
(etw.geringschätzig)L;G:  Personenn.  ,Gall3'.' 1555,  Z, 
,Gallis.'  1522,  SchwE.;  1525,  ZHinw.  Insbes.  der  Name 
des  heilig  gesprochenen  Missionärs  der  Ostschweiz  und 
Stifters  des  nach  ihm  benannten  Klosters  SGallen. 
Sein  Namens-  und  Festtag  (16.  Okt.)  erscheint  im 
Bauernkalender  als  ein  wichtiger  Termin  für  Jahres- 
zeit und  Landwirtschaft;  es  sollen  auf  denselben  die 
letzten  Feldfrüchte  eingebracht  und  das  Vieh  von  der 
Herbstweide  in  den  Stall  geführt  werden.  Galli  uf-em 
Stei",  tvas  ditsse"  ist,  tue  hei'"  Aa.  (D'r)  G.  hocket 
(sitrf)  iif-cn,  Sfci'.  Bin:  tue  d'  Bähe"  (Rüebli)  hei"  Z. 
l)r  G.  |n>\s.|  „,i.\  hfürl  sni,  HM.r  hn"'  ZWeinl.  Der 
hchij  dnll  s,l:l  ,if-nii  Sfa  inni  rnrfl :  Ir  Bure',  tuend 
d'  Bäbe"  hei"".  Usisciiw.  .Der  alt  Gally  sitzt  auffem 
Stei:  Baur.  was  dausen  hast,  tue  hei!'  ZNiedergl.  1791. 
Auf  SGallen  Tag  ,muss  jeder  Apfel  in  seinen  Sack.'  S. 
Von  diesem  Tag  an  ist  das  nicht  eingeheimste  Obst 
vügelfrei  für  die  Buben  SchKI.  Betr.  den  Beginn  der 
Weinlese  heisst  es  am  Zürichsee:  Mieheli  [29.  Sept.]. 
n-ottst?  —  Galli  [16.  Okt.].  du  muest!  Vgl.  Ursde 
Bd  I  468  und  Galli-  Win.  ,Auf  SGall  bleibt  's  Vieh 
im  Stall.  SGallen  tut  's  Vieh  stallen.'  alte  Baüern- 
spRüiHE.  Der  Gall  tuet  ds  Veh  i"  Stall,  der  Martini 
tuet  -s  r„lli,,  udii-  BHk.  SGall  stellt  's  Veh  vor  "e-  St., 
Murhill  iiiri  's  gar  ini.  Schild.  iT  SGalle  tuet-me" 
il'n  \'.  xiiille" :  mag's  de""  nit  sl",  so  bringt's  der 
Marti  V  BMerzl.  Galli  stellt  d'  Stiere"  für  •*«"  Stall, 
Martini  tuet-se-n-in^  und  d'  Kathri  steckt  der  Rigel 
dri"  AAÄugst.  Zur  Zeit  des  allg.  Weiderechtes  durfte 
man  nämlich  das  Vieh  nur  bis  G.-Tag  auf  die  AUmend 
treiben;  von  dann  bis  Martini  trieb  man  es  auf  eigene 
Wiesen  (Einschläge).  ,Im  StGallenwädel'  [zur  Zeit 
des  Vollmondes  um  16.  Okt.)  sollen  Fassreife  gehauen 
werden.  XVIL,  Gesindeokün.  Muri.  Wenn  's  an  SGallen- 
tag  regnet  oder  schneit,  so  deutet  es  auf  einen  nassen 
Frühling.  S.  noch  eine  Wetterregel  unter  Verena 
Bd  I  915.  Auch  für  das  bürgerliche  Leben  ist  G.-Tag 
ein  Termin:  für  Ein-  und  Austritt  von  Dienstboten 
Si'HW,  für  Hausniiete  L.  Der  Reimspruch :  Galli,  Gall, 
*"*  rupf  dr  Vogel  z'  oberst  uf  em  Dolder  [Wipfel]  obe"; 
gim-mer  au"''  ne  Federe,  chann  i'''  zue-dr  chledere'  Aa 
Zein.  bezieht  sich  darauf,  dass  G.  der  Patron  der 
Hähne  ist.  Zu:  Firabig,  Gallabig,  schlag  d'  Chuchitür 
zue,  wie  tanzed  die  Wiber,  icie  chlöpfed  die  Schueh 
G;  Th,  vgl.  Sing- Abend  (Bd  I  38).  Nicht  ganz  klar 
ist  die  Beziehung  in  der  sprw.  RA.:  ,Handeln  wie 
Galli  in  dürren  Bir(n)en  [betrügen].-  Kirchh.  Etwas 
00"  Hand  ne",  trie  d'r  G.  [de  Bär,  Baier,  Hallauer] 
de"  Bappe  [Brei]  L.  Ein  Acker  ,im  Galliberger'  ZNeft. 
,Galli-,  Galle-leh,  Galleh',  von  Lehen,  welche  auf 
16.  Okt.  aus-  und  angiengen  L;  Sch. 

Die  Nameusform  , Galli'  kann  aus  dem  lat.  Gen.  erklärt 
werden,  wie  ,Gallen'  in  ,G.-Tag'  und  im  Namen  der  Stadt 
und  des  Kantons  als  Gen.  einer  nach  schwacher  Flexion  ge- 
bildeten Namcnsform:    walirsch.   hat    sie   aber  vielmehr  das 


(ial.  ge\.  fjil,  gnl.  <,'ul 


202 


lieliobtc  -1  persöulicher  Appellativa,  welches  bes.  aucli  in 
Koseformen  von  Taiifn.  erscheint.  Pie  Form  ,Gallis'  ist 
.\bschwächung  aus  .Gallus'  (v^l.  h.nf,>  Bd  I  1093;  ./f«/«; 
<■„„•,  udgl.). 

Galle"  1:  abgek.  Form  de.s  Namens  der  Stadt 
Sankt  Gallen  vom  Standpunkt  der  alten  Landschaft. 
Insbes.  aber  verblümte  Bezeichnung  des  in  der  Haupt- 
stadt befindlichen  Zuchthauses.  Er  ist  au"''  z'  G.  g'si' 
GA.  —  S.  .\nni.  zu  (.'alhu.  Vgl.  noch  Zssen  wie  ,Gallen- 
Kappel,  -Kirch". 

Gallcr:  1.  Bürger  der  Stadt  oder  des  Kantons  G. 
Ap;  G.  —  2.  ,eine  Art  Bretzel.  stark  aufgegangenes, 
leichtes  Brot  Ap."  —  3.  Sant-G.,  eine  Art  saurer 
Äpfel.  JKettiger  1857. 

•2  ohne  Zweifel  ein  Gebäck  des  benachbarten  SG.,  welches 
auch  .sonst  für  feines,  luftiges  Weissbrod  berühmt  ist.  Auf 
.SGallerart'  stricken  besteht  darin,  dass  das  Garn  in  der 
rechten  Hand  gehalten  wird.  Eine  frühere  Münze  waren  die 
.SGaller-Piessli'. 

gällerle":  reden  und  tun  wie  ein  SGaller  (etwas 
verächtlich)  Ar.     Vgl.  gäuerle". 

Gall  n  in  Zss.:  Nacht(i)gall.  Dieser  Vogel  ist 
bei  uns  wenigstens  jetzt  ziemlich  selten.  Singe'  icie-ne 
N.,  d.  h.  fröhlich,  hellauf  Z.  UBrägger  1782  erwähnt 
Nachtigallen  im  Toggenburg.  Sonst  sind  sie  wohl  nur 
etwa  aus  alten  gemeindeutschen  Volksliedern  bekannt; 
daher  dann  etwa  ein  Scherz  wie:  Der  het  doch  e  Stimm 
uie-ne  N.,  wo  [welche]  de"  Bure  d'  Schaf  frisst !  [also 
ein  Wolf]  L.  Bemerkenswert  ist  die  ä.  Schreibung 
ohne  Bindevoc:  .Nachtgall.'  Vogelb.  1557;  Fris.;  Mal. 

Da  andere  Zssen  mit  .Nacht-'  keinen  Bindevoc.  haben, 
so  scheint  er  hier  ausgestossen  worden  zu  sein  und  ist  später 
viell.  erst  aus  der  Bücherspr.  wieder  aufgenommen  worden, 
lihd.   nahte-,  -i-gal,   Tom  alten  galan,  singen.     Vgl.   ijixhttren. 

Gala  (m.  Z),  Galle"  II  f.:  Staatskleid.  I'  der 
{im  Z)  G.  iifzieh:  Si  ist  se  [so]  schön,  wem  wett  's 
niid  g" falle',  tcenn  er  si  g'seHi  [sähe]  voller  G.  Schw. 
—  Das  Masc.  nach  den  volkstümlichem  Synn.  G'rust,   (l'stat. 

Galacll  m.:  1.  Geistlicher  (Gaunerspr.).  ,Galch, 
galle,  pfaff.-  Gengenb.  —  2.  Schimpfw.  Du  Ttmgs- 
Wetter  Galleeh!  ZFlaach. 

Aus  hebr.  galuih,  glatt  geschoren,  mit  Bez.  auf  die  Tonsur, 
oder  (vgl.  .Mönch')  statt  ,Wallach'  mit  Bez.  auf  das  Cölibat. 

Galan  m.:    Liebhaber,  Buhle  ScnSt.     S.  galant. 

galanesiere":  den  Galan  spielen.  ,Als  ich  drauf 
kam  vor  den  Platz  zu  g..  tätest  mich,  mein  1.  Schatz, 
aus  Not  charessieren.'  1712.  Lied. 

Galander  I  m.:  Haubenlerche,  alauda  ealandra,  in 
der  ä.  Poesie  als  treiflicher  Singvogel  oft  genannt; 
später  ist  dieser  Name  ausgestorben.  ,Calandris,  ein 
Kalander  oder  G.  genennt,  erfröuwet  mit  seiner  wunder- 
baren stimm  die  zuoloser.'  Vogelb.  1557. 

Mhd.  galander,  aus  frz.  mianilre,  it.  ealandra,  urspr.  aus 
dem  Griech.  In  der  ersten  Silbe  fühlte  man  viell.  denselben 
Stamm  wie  im  zweiten  Teil  von  .Nachtigall'. 

Galander  11  m. :  Walze  zum  Glätten  [Appretieren] 
des  Tuches,  welches  zwischen  zwei  solchen  Geräten 
durchgezogen  (.galanderef)  wird  Xv.  —  Frz.  ealandn:  f., 
Mange,   Rolle. 

galand(e)riere(n)  (-nt-.\A):  plätten,  insbes.  die 
gewaschenen  und  gestärkten  Schürzen  der  Bauern- 
frauen mit  abgeplatteten  Glaskugeln  bewalzen.  wo- 
durch   sie  Glanz   und  Festigkeit   bekommen    B.     .Ein 


calanderlertes  Fürtuch.'  Gotth.    Dazu  bei  Gotth.  .Ga- 
landeriere',  Frauenspers.  mit  diesem  Berufe. 

Frz.  ealandrer.  Vgl.  calandrinr.  Glättstein.  Viell.  wird 
bei  dem  W.  Zshang  mit  dem  Adj.  gulani  in  der  Bed.  .hübsch' 
angenommen  oder  gefühlt. 

galiingge(n)  (gil-  GO.):  nachlässig  gehen,  schlen- 
dern, schleichen  Z.  Syn.  glanggen.  Wankend  gehen, 
faulenzen,  langsam  arbeiten  GO. 

Das  Syn.  tjlangr/en,  hangen  (lassen),  und  der  Wechsel  des 
Voc.  in  der  ersten  Silbe,  der  beim  Subst.  auch  als  e  und  o 
erscheint,  zeigt,  dass  dieser  übh.  nicht  wesentlich,  sondern 
wahrsch.  nur  als  lautliche  Verstärkung  aus  dem  folgenden  I 
entwickelt  ist,  also  eig.  keine  betonte  Stammsilbe  g-l  zu 
Grnnde  liegt. 

Galangger  ÄAWohL.  Galanggi  (*""'  ZWyt.), 
Gil-i  GO.,  kol-i  (Dan.).  Gel-i  (e  u.  e)  Z.  Geländer 
Z  (Spillm.)  ni. :  langer,  träger,  schlafler  Mensch,  der 
schleppend  geht  und  dabei  die  Hände  hangen  lässt, 
Schlendrian  (in  der  urspr.  pers.  Bed.). 

Accent  und  Form  (bes.  Oil-)  widerstreiten  z.  T.  der  in 
der  Anm.  zum  Vb.  gegebenen  Erklärung,  mögen  aber  nur 
auf  Emphase  beruhen.  Doch  könnte  auch  das  Fremdw.  Ca- 
langger,  Hausierer,  das  seinen  Accent  zurückziehen  konnte, 
mit  hinein  gespielt  haben.  Gelander  umgestempelt  zu  einer 
Abi.  von  einem  fingierten  Ortsu.,  dessen  Bewohner  Zielscheibe 
des  Spottes  waren. 

Galangger e"  f.:  penis  Aa  (selten).  —  Das  W.  be- 
zeichnet zunächst  etw.  Herunterhängendes ;  s.  auch  Glanggere". 

galant:  L  Adj.  1.  artig,  hübsch,  stattlich,  wohl 
gestaltet,  angenehm,  von  Menschen,  Tieren  und  Sachen 
Gl;  Gr;  G;  Zg.  G.  und  fi"  Töchtere".  E  g-s  Wibe'- 
volch.  Proph.  1855.  En  g-e  Stier  B  oHa.  Von  Pferden. 
1712,  Lied.  Von  einer  Predigt,  von  Wein  (wohl 
schmeckend)  ScnSt.  —  2.  gutgeartet  und  gesittet,  brav, 
ordentlich,  tüchtig  Gl;  Gr.  Ggs.  ungeherd.  Dienst- 
fertig Gr  ObS.,  V.  —  3.  passend  (von  Sachen)  GO. ; 
Schw.  E  Cheschnerinq  [Kastanienring]  war  nit  z'  ver- 
werfe", die  sind  g.  zum  Neue'  [sc.  Wein].  G  O.-Anz. 
1868.  Ein  Lied  in  Schw  MA.  über  die  Ereignisse  von 
1830/1  sagt  von  sich  selbst:  Für  d'  Sache",  wie  sie 
stand  [stehen],  ist  's  passend  und  g.  Gut.  günstig. 
,Die  Kranke  hat  eine  g-e  Nacht  gehabt.'  B  oHa.  — 
n.  Adv.  1.  hübsch,  tüchtig.  Gang  schön  und  g.  Es 
gät  g.  vorwärts  Gl.  ,Er  schlagt  d'  Trumme  recht  g.' 
XVIIL,  L  Spiel.  —  2.  pleonastisch  oder  verstärkend. 
G.  schü  [schön]  GG.     G.  e  schöns  Wlbervolch  Zg. 

Frz.  i/alunl,  artig,  fein,  geschmackvoll,  gefällig;  brav, 
rechtlich.    —    Lessing   braucht  g.  auch    von    einem   Zimmer. 

Galänteli  n.:  ironische  Bezeichnung  eines  Men- 
schen, der  galant  sein  will  ScbwE.;  eitel  geputzter 
Mensch  Ndw.     Syn.  Scharmänteli. 

Galätsche  f.:  Kalesche,  leichter,  offener  Wagen. 
,Dahin  dürfte  man  weder  mitG-n  fahren  noch  Gutschen.' 
AKliNGL.  1688.    —    Aus  frz.   ealiehe. 

Galätscheri  f.  (resp.  -tschi  m.),  in  der  E.\.  über 
Klatschsüchtige:  Tätscheri  (resp.  Tätschi).  G.,  gut 
Alles  goge"  tatsche'  [ausschwatzen,  verzeigen]  Z. 

Gale  Gale-e  SchwE.,  Galeje  Ndw.  Galeie  Z«,  Galene 
ZKn..  AU  AaF.,  Fri.;  ZZoll.  f.  (n.  Bs):  1.  Galeere 
Ndw;  SchwE.  I'''  wett  lieher  uf  d'  Galeie!  Uf's  G. 
cho"  Bs.  Er  ist  G  Jör  uf  dr  Ale  g'sl"  AaF.,  Fri.  .Sie 
sassent  in  die  galeien'  [zur  Fahrt  nach  Palästina]. 
Strattl.  Chr.  .[Die  Münze]  mit  der  galcnen  und  dem 
uchsen  hat    I  ß  1  hl.-   147(1.  L  Katsb.    .Liessen  wir  uns 


Gal,  gel,  gil,  gol.  gul 


in  das  verding  uf  die  gale.'  HsSchürpf  l-lyT.  .Das 
sind  die  gale,  so  den  grössten  schaden  tüent.  darin 
sind  allweg  gerüst  lüt  und  farent  etliche  suptile  g. 
wol  mit  200  rienien  [Eudern].'  ebd.  ,3  schiff,  ain 
grossen  navem  und  2  galleyani.-  Stockar  1519.  .Ver- 
.schickiintr  dir  laiultsti-ycher  uf  die  galeen,  wie  man 
dann  darzu..  «nl  -,.|,.H',..nheit  hat.'  Anf.  XVI..  Z  Mand. 
Der  Toil  -|irirlit  /iim  Kaufmann:  .Hettst  du  uf  dem 
meer  hundert  yalee.  noch  [dennoch]  muesst  sterben 
mit  ach  und  wee!'  NMan.  Lt  Lied  von  1556  gab  es 
auch  eine  mit  Geschütz  versehene  G.  auf  dem  Genfersee. 
,Esel  [dienen]  den  bettlern,  die  in  Schwaben  auf  den 
Alpen  ir  kinder  darauf  umher  fiieren,  das  dann  im 
schimpf  ein  schwäbisch  galeen  genannt  ist.'  Tierb. 
1563.  , Levis  biremis;  longa  navis,  ein  galeen.'  Fris.; 
Mal.  (Dieser  Nom.  auch  bei  Kessl.)  .Raubschitfle, 
kleine  galeen,  paro,  lembus.'  Mal.  ,Es  hat  ouch  der 
unseren  einer  2  fendli,  wie  man  gewonet  im  galeen 
zue  gebruchen.  erobert,  so  in's  türken  obersten  galeen 
g'syn.'  1572,  Lüt.  1859.  ,Nacher  Venedig  auf  die 
Galleen  verschafft  werden.'  Z  Mand.  1651.  .Sie  [die 
Kriegsschiffe  auf  dem  Zürichsee]  sein  in  Form  einer 
Galleen.'  HEEscher  1692.  ,Was  ist  aber  eine  Galeere 
gegen  der  HölleV  JJUlr.  1733/34.     S.  noch  ferggen. 

—  2.  etwas  Weites  übh.,  z.  B.  ein  weites,  grosses  Ge- 
bäude Ndw;  SchwE.,  altes  Haus  ZKn.  —  3.  unver- 
hältnissmässig  grosses  Weib,  Pferd  Zg.  —  4.  Allee  Zg. 

—  5.  als  Ausruf,  Schwur,  Fluch.  Heiden  Galee!  Hebel. 
Potz  Mord  Galee!  Allem.  1843. 

Mhd.  guU,  gahc  (welche  Fonii  noch  1688,  Tobl.,  YL.), 
ijaltne,  Galeere,  aus  it.  yalea,  afrz.  galee  usw.  Das  n.  (auch 
in  einem  der  &.  Belege)  erklärt  sich  viell.  aus  dem  Oberbegr. 
,Schiff .  4  erklärt  sich  nur  aus  dem  Gleichklang,  verbunden 
mit  Auffassung  des  g  als  ablösbaren  Präf.  Bei  Heiden-  kann 
an  Türken  gedacht  werden,  welche  auf  Galeeren  Seeraub 
trieben;  es  kann  aber  das  W.  auch,  wie  in  andern  Ver- 
bindungen und  wie  ,Mord',  nur  in  allg.  S.  als  Fluch  ge- 
nommen werden. 

Galeieli  s.  Gläieli. 

Gale"  m.,  f.:  beraster  Bergrücken  zwischen  zwei 
Taleinschnitten  oberhalb  der  Waldregion;  darauf  lie- 
gende .\lpen  W.  Daher  die  Bergnn.  Gallen  BWimmis 
und  ,Galenstock.'  Vgl.  das  Syn.  Galni.  —  Wohl  kel- 
tischen Ursprungs. 

galle(n)  BBe.,  ä  Aa;  Bs;  BM.:  1.  spielen,  auch 
von  Hunden  BBe.  Syn.  gauyylen,  gölen,  galfen,  gal^jen, 
gö2)en.  —  2.  sich  müssig  herumtreiben  Bs.  ume-g., 
müssig,  neugierig  umherschauen,  gaffen  Aa.  Syn.  gal-, 
gin-,  glar-affen  (BJ  I  100).  —  3.  sitzend  schaukeln 
=  gägen  AaF. 

Galli  II  BO.,  GälikAFrl;  Bs;  Btw.  -  m.:  un- 
bedachter, gutmütig  schwachköpfiger  Mensch,  dabei 
oft  gross  von  Gestalt  und  ungelenk ;  Gaffer,  Einfalts- 
pinseL  Tölpel;  gelindere  Schelte  als  GÖl  Bs;  B.  .Fa- 
tuus,  horao  Simplex.'  Id.  B.  Du  grosse  G..'  Ir  Galine! 
Anrede  eines  Lehrers  an  unwissende  Schüler  B.  Zu- 
weilen mehr  Schmeichelw.  als  Schelte  B.  So  jungi 
Purst  si"  mängisch  no'''  grüsUchi  Gali!  Gükk.  1843. 
En  lächerige  Galli,  ein  spasshafter,  komischer  Mensch, 
Tor  (Sulger).  Dummer  Grosshans  AAFri.  —  Auch 
von  jungen,  spielenden  Hunden  Bs;  BO.  Synn.  Galaff, 
Galöli,  -löri,  GÖl,  Challi,  LalH,  Lot,  Lasch  i,  3{ö/f, 
Schminggel,  Tschalpeler,  Tschanggel. 

Dumm-:  dummer  Junge  BS. 


Da  (j(di  starker  bezeugt  ist  als  galten,  m  ist  die  Frage, 
üb  dies  Mal  nicht  das  Vb.  vom  Subst.  abgeleitet  ist,  statt 
umgekehrt.  Die  Quantitätsverhältnisse  des  Voc.  wechseln 
wie  zwischen  Goll  \ind  Gol;  viell.  soll  die  Dehnung  die  mit 
Dummheit  verbundene  Langsamkeit  oder  Schwerfälligkeit  der 
Bewegung  noch  deutlicher  bezeichnen.  Galli  könnte  sich  zu 
dem  Syn.   Challi  vorhalten  wie   Gitzi  zu   Chiizi. 

gallig:  geckenhaft,  jung  BBe. 

Galle- II  Gall  GlK.;  Z,  GälGT.  f.,  in  GT.  n.:  1.  wie 
nhd.  allg.  Bitter  wie-n-e  G.  Vgl.  galle" -bitter.  Bildl. 
D'  G.  ist  ilberhlt.  B'  G.  ist-em  usecho'  Ap;  GT.  D'  G. 
ist-em  überloffe'  od.  i"  Chopf  od.  i  's  Bluet  g'schosse', 
er  ist  zornig  geworden;  vgl.  GallC-Hegel,  -Bläterli, 
-SeckU.  Chlini  Tierli  händ  au'''  e  G.  Sülger.  Si  sind 
wie  Gift  und  G.,  Todfeinde  GlM.;  Z.  Er  häd  e  G. 
gege"  mi'''  ZStdt.  Er  ist,  tmrd  e  ßrürigi,  ebigij  G. 
Gl.  Geradezu  =  Zorn  W.  Pers.:  zorniger  Mensch 
(Ebel).  Vgl.  Gift,  G.-Galle'.  Abi.  gallig,  über-g.,  er- 
gälligen,  vergellen.  —  2.  eine  Viehkrankheit,  bei  der 
man  annimmt,  die  G.  habe  ins  Blut  geschlagen  Gr  ObS. 

—  3.  Geschwür  im  Maul  der  Pferde.  ,So  ein  pferd 
geschwulst  oder  die  gallen  in  dem  maul  hat,  so  soll 
im  das  maul  oder  g.  geriben  werden  mit  wein.'  Tierb. 
1563.  ,So  die  gallen  heraus  oder  aufgeschnitten  sind.' 
ebd.  Vgl.  Floss-G.  Auch  am  menschlichen  Leibe. 
Bei  Rdef  1538  wird  der  Krankheitszustand  eines  alten 
Schlemmers  und  Wollüstlings  bezeichnet:  ,Voll  blater, 
löcher.  krebs  und  gallen.'  Vgl.  noch  Magen-,  Wund-G. 

—  4.  a)  Niere  im  Mineralreiche,  eine  in  einen  Felsen 
eingesprengte,  fremde,  harte  Steinart  „BO.'';  Gl;  Z; 
Syn.  Nest;  eine  weichere  Masse  in  den  Fugen  des  Ge- 
steins L  (Ineichen).  Molasse,  die  durch  Spalten,  welche 
Wasser  durchsickern  lassen,  in  einzelnen  Quadern  sich 
ablöst  Aa(H.).  Syn.  Stein- Dniese'.  —  b)  „Stelle,  wo 
der  Sandstein  härter  ist  als  rings  umher  B;"  vgl. 
Sand-G.  und  gallig  5.  —  5.  (d'  Galle"  ha")  vom  Laub- 
holz, wenn  es  stellenweise  rot  und  wassersüchtig  und 
desshalb  härter  als  das  gesunde  Holz  ist  UwE.  Vgl. 
gallig. 

Mhd.  galle  f.;  auch:  Bitteres  übh.  und  bildl.:  Falschheit: 
pers.:  böser  Mensch;  Geschwulst.  Bedd.  3  —  5  gehören  viell. 
urspr.  zu  einem  verschiedenen  W.  (vgl.  lat.  galla,  Gallapfel, 
it.  galla,  dass.  und:  Blase,  Geschwür  am  Pferdefusse,  frz. 
gak,  Krätze,  Räude,  engl,  gall,  wundgeriebene  Stelle,  Wolf, 
is\.  galli,  Vitium;  bair.  , Gallen',  hervorquellende  Flüssigkeit, 
bes.  an  einer  Stelle,  wo  man  sie  fehlerhaft  findet),  sind  aber 
mit  1  zsgefasst,  weil  das  Volk  wahrsch.  Zshaug  annimmt 
uud  die  G.  übh.,  bes.  wenn  im  Übertluss  vorhanden,  als 
etwas  Bösartiges,  Krankhaftes  auch  in  der  Natur  betrachtet. 
Zu  2.  Wahrsch.  ist  darunter  das  nach  Wirth,  ,der  Rind- 
vieharzt', auch  ,Gallicht,  Blattern',  genannte  Rotlaufficber, 
welches  in  fehlerhafter  Gallen-Bildung  und  -Absonderung 
seinen  Grund  hat,  zu  verstehen,  vgl.  Übergälli.  Zu  4  vgl. 
auch  den  Term.  techn.  , Tongallen'  für  linsenförmige,  ver- 
schieden gefärbte  Tonnester  im  Sandstein  und  Mergel.  Dahin 
gehört  auch  der  Flurn.  Bach-Galle'  für  einige  schwer  zu 
bearbeitende  Acker  GHorn. 

Erd-:  gem.  Tausendguldenkraut.  ,Centauria  major, 
erdegalle.'  Ebinger  1438.  ,Ertgal,  centorea.'  XV., 
ScHW  Arzn.  -  Einfach  Übersetzung  des  schon  bei  Plinius 
vorkommenden  ,fel  terrae' ;    von    der  Bitterkeit   der  Pflanze. 

Floss-:  eine  Krankheit  (Geschwulst)  der  Pferde. 
,lst  ein  ross  flossgellig,  so  truck  im  ein  glüend  ysen 
in  die  flos-sgallen.'  XV.,  L.   —   Auch  schon  mhd. 

Gift-:  zornsüchtiger  Mensch  Bs  (Spreng).  Dini. 
G-gälleli,    ein    solches   Kind.    ebd.  —   gift -gallig: 


fial.  gel.  gil.  s» 


in] 


•206 


1.  zonisüclitig  Bs  (Spreng).  2.  voll  Gift  und  (ialle. 
,Ein  so  zornmütiges  und  git'tgälliges  buech.-  HBüll. 
1S32.  —  Gift-Giilligi  f.:  ,Oiie  iiyd  und  giftgällige 
oder  schalkhafte.'  HBull.  1572. 

Glas-:  flüssiger  Schaum,  der  sich  beim  Glas- 
schmelzen bildet  (techn.  Ausdruck).  .Weisse  Gl.,  dann 
man  auch  schwarze  Gl.  hat,  welche  etliche  nennen 
die  Feisste  des  Glases.'  JRLandenb.  1608. 

Magen-.  .Das  Enisöl  treibt  aus  die  zähen  M.' 
JJXÜSCHELER  1608. 

,Sand-:  Stelle  an  einem  Sandstein,  wo  er  härter 
ist  als  die  übrigen  Teile  B.-     Vgl.  Galle  4  h. 

Stein-:  1.  ,Die  gel  feuchte  uss  den  steinen.'  Mal. 
.Etwann  wird  auch  eine  Art  Steinkohlen  herausge- 
graben aus  der  Mitte  der  Bruchsteinen,  welche  die 
Steinsprenger  und  Graber  bei  uns  nennen  St.,  weilen 
sie  aussehen  wie  eine  gedörrte  Galle.'  JJScheüchz. 
1707;  1746.  —  2.  eine  Art  Hühneraugen  in  den  Hufen 
der  Pferde,  schmerzhaft  und  darum  beim  Beschlagen 
mit  Speckschwarte  belegt  AABb.;  vgl.  Galle  3  und 
Floss-G. 

Wund-.  .Die  W.,  welche  von  etlichen  für  eine 
sclilechte  [schlechthin  f.  e.]  Pestilenz  gehalten  wird.' 
FWuRz  1634.  ,Die  ander  Art  dei-  Wundsucht  wird 
genennet  der  Schauder  oder  W.:  die  kommet  auch  mit 
Frost,  darauf  doch  kein  Hitze,  sonder  grosser  Wehe- 
tagen in  der  Wunden  folget.  Man  siehet  auch  gemein- 
lieh ein  kleines  Bläterlein,  entweders  in  der  Wunden, 
welches  hell  und  klar,  oder  ausserhalb  bei  der  Wun- 
den,   welches  braun    ist   und  voll  Blut  stecket.'    ebd. 

Winter-:  Herbstzeitlose,  Colchicum  autumnale 
SoHwSehüb. 

Viell.  uiufach  des  scharfen,  bitteru  Geschmacks  (vgl.  iu 
LiithtTs  Bibelübersetzung  , Galle'  für  ,Unkraiit'  und  ,Giftkraut' 
in  der  zürchftrischeu),  viel],  auch  der  Form  der  Fruchthülleu 
oder  der  Zwiebelkuollen  wegen;  doch  vgl.  auch  das  Syn. 
Ij allen- Bluem,  aus  welchem  es  verkürzt  sein  könnte  wie 
"ugger   für    Gugrifi-Biuem. 

ver-gälle",  -gelle"  (e'  Ak;  Z):  verbittern,  ver- 
derben, verleiden,  z.  B.  eine  Freude. 


iaile 


itl. 


.Ampfe 


Uber-Gälli  f.:  1.  Uberflu.ss 
Wasser  vertrybt  die  gilwe  |(iell> 
menschen    ist    von    übergalli.'     XV.,    Scnw  Arzn. 

2.  Magenverstopfung  beim  Vieli.  .Vk'  ii.  Vet.  l^'J". 

3.  .Rinderpest,  Ubergälle,  Gallenruln-  I,/'^'iiluirf. 
Hornviehseuche.'  Römer  u.  Schinz  l>ii'.';  S,  hin/  1^12. 
Gilt  als  Währschaftsraangel.     Auch   l'lirr-(nHliiii. 

'2  und  3  gehen  auf  1  zurück;  vgl.  .\uiii.  zu  {i'allt;  II. 
■2  ist  wahrsch.  nur  eine  ungenaue  Angabe  für  3,  insofern 
sich  die  unter  3  genannte  Krankheit  u.  A.  in  unterdrückter 
Verdauung  mit  Aufblähung  des  Leibes  äussert.- 

Gift-:  gehässige,  neidische  Gesinnung.  ,Kyb,  nyd. 
hass  und  giftgälle.'  HBull.  1531.  Vgl.  Gift-Gälligi 
s.  v.  Gift-Galle. 

gallig,  gallig  -a-  BSi.;  Odw;  W.  -ii-  Af;  Gl;  G: 
1.  an  der  Galle  leidend.  .Einem  galligen  Jüngling,  so 
stets  das  feber  gehebt.'  Vocelb.  1557.  -  -  2.  jähzornig 
.\i';  BSi.;  Gl;  G;  ÜBw.  Yg\.  chölicj.  .Rabiosus,  wüetig. 
taub,  rüssig,  gallig,  voll  Zorns.'  Fris.  -  3.  gehässig. 
.Oratio  plena  veneni,  ein  giftige  und  gallige  red.'  Fris. 

—  4.  von  einem  Tier,  das  die  Galle  (2)  hat  Gr  ObS. 

—  5.  (gallig)  vom  Erdreich,  fest,  lehmig,  so  dass  es 
schwierig  zu  bearbeiten  ist  Ai'K. ;  GHorn ;  vgl.  Galle  i  h. 


■-  6.  vom  Laubhiilz  mit  .l.-r  unter  (lalle:,  geschilderten 
Eigenschaft  UwE. 

„über-gallig"    («  GlH.):    jähzornig.  Fber- 

Gälligi  f.:  =   Ühergälle  3  Gl. 

er  (auch  ver)-gällige(n):  zornig  machen,  werden 
(auch  refl.)  Gl;  ergälliget,  erzürnt,  ebd. 

Galene  s.  Gale.        Galeppe  s.  Gleppe. 

Gallern  m.  AAFri.;  Bs,  Gallere  f.  BsStdt.  sonst 
Gallerech,  -irich  (m.):  1.  Gallerte,  Sulz,  Gelee;  als 
Speise  (geronnene  Fleischbrühe  mit  einzelnen  Stücken 
Fleisch  darin)  AaF.,  Fri.;  Bs;  B;  L;  U;  Uw.  Syn. 
Suh.  Die  Glättere'  hei  deiie"  Hiiitfraue"  scho'  ivüsse 
der  Verstand  z'  mache',  dass  es  htm  Firabe"'  iw'''  es 
Glas  Wi"  u'"'  e  chli  Hamme  u"'  Gallerich  'ge'  het.  Dr. 
BiRi  1885.  Am  Neujahrstage,  wo  Bürger  und  Hand- 
werker auf  ihren  Trinkstuben  zusammenkamen  und 
Geschenke  in  Geld  und  Galrei  brachten.'  Bs  XIV. 
,A.  1500  wurde  verboten,  am  Neujahrstage  Galren 
auf  den  Zünften  zu  machen,  sie  sollen  sich  mit  Ge- 
sottenem oder  Gebratenem  begnügen.'  Ochs.  ,Was  den 
götzen  [Heiligenbildern]  bishar  zue  zeichen  ir  gött- 
lichen kraft  fürgehenket  und  geopferet  ist,  als  kinds- 
wiegen,  krucken  und  wächsin  arm.  Schenkel  und  ander 
figuren,  soll  alles  zu  einer  gallren  oder  sulz  gemachet 
werden.'  NMan.  .Von  dem  schwein  werdend  bereitet 
die  sülzen  oder  galre.'  Tiere.  ,Um  fisch  zum  gallern 
2  pfd  2  p  8  d.  Um  spezerei  zum  gallern  und  zu  an- 
derem zug  z'  bruchen  2  pfd  5  ß.  2  mass  wyn  zum 
gallern  5  ß  4  d.'  1576,  B  Küchenrechn.  .Gelatina.  Sulz. 
Gallern.'  Denzl.  1716.  ,E  glonze  [glänzend,  durch- 
sichtig] Gallerech.'  Balz  1781.  —  2.  etwas  Bitteres 
wie  Galle:  Bitter  icie  ne  G.  Ndw. 

Mhd.  galreide,  -rede,  galhert,  galrei,  aus  mlat.  geladriu. 
Die  daraus  verk.  Form  Galkr  mit  -eck,  -ieh  welter  gebildet 
nach  Art  der  Coli,  auf  -ech,  ich(t),  aus  ahd.  -alii.  Bei  '2 
seheint  das  W.  als  Nbf.  von   Galle  missverstandeu. 

Galette  Galeta  Gr  (Sf)  f.:  Flockseide;  häufig  in 
ZZoll.-  u.  a.  Ordn.  des  XVU./XVHI.  unter  ,Floretwaar' 
genannt.  ,Galleti'  (PI.).  1639  u.  1692,  Z,  sonst  ,Gal- 
iet(t)en.'  Auch  Galet-Side«.  -  Frz.  «oie  galette,  schlechte 
Flockseide;  vgl.   it.  galette  da  sete,   Cocons. 

Galfl)otti  n.:  der  unterste,  farblose,  aus  Sehnen 
(hI.t  Ditniien  verfertigte  Teil  der  Angelschnur,  an 
wel.-hiM-  die  Angel  selbst  befestigt  wird  GrD. 

Wiilusi-h.  aus  dem  vorhergehenden  gebildet,  indem  früher 
ridie  Seide  zu  diesem  Zweck   verwendet  worden    sein    wird. 

Galli  111,  -is  n.:  grober  Baumwollenstoff,  dünn  ge- 
schlichtet, bis  in  die  40er  Jahre  um  geringen  Lohn 
gewoben  ZO.  Ei-  hat  frili"'  nüd  ril  z'  schabe'  g'ha 
und  st  nüd  vil  dure  s'bittze';  's  händ  Bedi  nw  müese 
Galli  wehe"   und   das  isch  y'nueg  g'säit!   JSenn  1864. 

Verk.  aus  frz.  calicot,  leinwandähnliches  Baumwolleuzeug, 
Kattun,  aus  Calicut.  Die  Form  auf  -in  nach  Analogie  von 
Stoff-Adjj.  wie  iM»".,  Sidi'8. 

Galie  s.  GaU. 

Ualiot  m.:  Galeerensträfiinfj-.  Srliafje"  irir  cii  G-, 
hart  arbeiten  GrD.  Fn  Gajute"-Cheib,  Schimpfn.  Lf. 
—    Span,  galeote,  frz.  galiot,   it.  galeutto. 

Galiote  f.  ,Galiot,  Lustschiff,  phaselus.'  Denzl. 
1677.    —    Span,  galeota,  frz.  galiote,  it.  galeulta. 

Galise  u.  Dim.  -Ii:  Hahnen fus.sblünichen,  ranun- 
culus   aeris   GO.   —  Aus  dem  syn.   Uha»e   wie  Galik  aus 


SUl 


■208 


Galöggi  (''")  lu.:  grosser,  linkischer  Mensch  AAFri. 

—  Viell.  Verqnickung  aus  den  Synn.  Galöri  und  Lopi,  resp. 

galöle(n).  Galöli  s.  Gall-Löli. 
Galopp  m.:  1.  wie  nhd.     Wer  im  G.  [in  Saus  nnd 
Braus]   lebt,   fahrt  im  Trapp  em  Tüfel  zue.    Sulger. 

—  2.  ein  Tanz:  Galoppade. 

gal6ppäde(n):  Galoppade  tanzen.  Min  Bueb  ist 
uf  em  Tanzplats  und  walzeret  und  galoppädet  GEbn. 
(Feurer). 

Galoppader  in.:  der  sonst  Galoppade  genannte 
Tanz  SThierst.  —  Umgebildet  nach  den  männlichen  Tauz- 
namen:  Walzer,  Hopser,  Ländler  usw. 

galoppe(n):  eilig  laufen.  Er  ist  z'  röss  [zu  stark] 
g'sprunga,  dass  er  bald  nümme  hat  möge'  g.  GRMaienf. 
(Schwzd.). 

Galopper  m.:  saurer,  schlechter  Wein,  den  die 
Bauern  selbst  trinken  GRh. 

Wahrsch.  so  benannt,  weil  man  ihm  die  Eigenschaft  zu- 
schreibt, heftige  Diarrhöe  zu  bewirken. 

galoppiere(n) :  im  Galopp  fahren  oder  reiten, 
auch  schnell  gehen,  laufen,  rennen,  allg.  Bildl.  sich 
über  alle  Schwierigkeiten  weg  setzen,  flüchtig  ver- 
fahren Uw.  —  ver-:  refl.  1.  sich  verlaufen,  verirren. 

—  2.  bildl.  im  Sprechen  oder  Handeln  aus  Eilfertig- 
keit und  Unüberlegtheit  sich  irren;  auf  Abwege  ge- 
raten, über  die  Schnur  hauen,  sich  verrechnen,  ver- 
steigen, seine  Kräfte  überschätzen,  allg. 

,(ialörilf.:  Strengcl,  Krankheit  der  Pferde  BSa." 
Galöri  11  (galören)  s.  L&ri. 
Oalotte  (i-)  f.:  Uhr  älterer  Construction  GwEr.  — 
Aus  frz.  caloHe  oder  it.  caloUa,   Käppchen,  Deckel  an  der  Uhr. 

Galrei  s.  Gallerech. 

(ilalliln  ra. :  Borte,  Tresse.  .Den  Mantel  mit  einem 
Galaun  einfassen.'  G  Mand.  1611.  ,Vermüglichen  Bur- 
geren allein  zugelassen,  ganz  güldene  und  silberne 
Gallunen  und  derglychen  kleine  Schnürlin  eins  oder 
zwei  uf  den  Wamisten  allein  den  Näten  nach  und  uf 
den  Hosen  vier  oder  fünf  nebent  den  Secken,  oder  an 
statt  derselben  ein  zilige  [bescheidene]  Breite  gebro- 
dierte  güldene  oder  silberne  Schnür,  die  aber  nit 
breiter  als  fünf  G.'  B  Mand.  1628.  ,Zu  den  Schuhen 
und  Pantoflen  weder  Spitz  noch  Schnür  und  keine 
andern  Galaunen,  als  was  zum  Verbändlen  der  tuchinen 
Schuhen  erfordert  wird.'  ebd.  1686.  —  Aus  it.  ijiMmie  m. 

Gallus  s.  Gall  I. 

Gallwiler:  Apfelsorte,  s.  Bd  I  368. 

gäl  s.  gel". 

Gällere  s.  Kellerin. 

Gälli  ni. :  kleiner  Schlitten,  auf  welchen  man  beim 
sog.  ,Heubergen'  das  vordere  der  beiden  gleichzeitig 
mit  einander  ins  Tal  zu  schaffenden  Heubündel  ladet 
BSi.     Syn.   Vor-,  Bock-Schlitten. 

gäling  s.  gächling. 

Gaul  s.  Gül. 

gaille(n)  1  Uauwle  BSi.:  spielen,  aber  nicht  einsam 
und  ruhig,  sondern  etwas  wild,  im  Scherz  mit  einander 
raufen,  sich  auf  dem  Boden  herumwälzen,  bes.  wie 
junge  Tiere  (Hunde,  Katzen)  und  Kinder  tun  Bs;  B|; 
„F."     Und  wie  's  [das  Murmeltier]   rfo  lustig  g.  tuet, 


und  's  Männli  maclit  im  Übermuet.  Hikderm.  ilfe* 
gaulet,  herdelet,  tanzet  chli",  ein  klein  wenig.  Schweiz 
186'2.  Hüpfen,  von  Lämmern  BSi.  Tändeln,  von  Ver- 
liebten Bs.  Die  Zeit  mit  unnützen  Dingen  zubringen 
BBe.     Syn.  yalpen,  narren,  ranzen,  riltzen. 

Lautlich  nächstvwdt  mit  gokn  und  wahrsch.  das  selbe  W. ; 
schwerlich  zsgez.  aus  gaugUn,  gaugghn.  w  in  der  BSi.  Form 
erst  aus  u  entwickelt. 

Gauli  n.:  Spielkatze,  Katze,  die  gerne  spielt  und 
mit  sich  spielen  lässt  BsStdt. 

gaulig  I:  zum  ,Gaulen'  geneigt,  z.B.  von  Hunden 
und  Katzen  BGu.    Syn.  überstellig,  närrisch.  —  S.  uuch 

gütig. 

Gel:  Personenn.  L.  nach  Häfliger  (.Bruder  Geel') 
Agidius,  nach  .andern  Gabriel. 

Gell  m.:  durchdringender  Schrei  BSi.  (i-);  „L;" 
GW.  „Er  hat  einen  grüslichen  G.  ausgelassen."  Syn. 
Geiles. 

Gelle"  I,  rf".  resp.  e-  AAZein.;  B;  Gr  (tw.  i-), 
e'  Aa;  Bs;  Gl;  Gr  tw.;  G;  U;  Ndw;  Z,  Gele  GA.  — °f.: 
gellende  Stimme  Aa  ;  Bs;  B;  Gl;  Gr;  L;  GW.,  U.;  Z. 
Hüö!  schreit  ei'  mit  siner  gruslige  G.  BsLd.  De  hätt 
e  G.:  er  hätt  en  guete  Pfarer  g'ge",  dass  men-en  im 
hinderste  Winkel  g'hört  hätt  AAZein.  E  G.  tcie  c» 
Nachttcächter  Gr.  D'  Hund  störid  Ei"'m  sl  Bue''  mit 
irer  G.  HXfl.  ,Vox  sonora.'  Id.  B.  ,Mangelt  ihm  doch 
nicht  die  Gelle.'  Fröhl.  ,Schruwend  [schrieen]  mit 
grusamer  gell.'  Salat.  Syn.  Kelle,  Lüte.  Früher  auch 
vom  Ton  von  Blasinstrumenten :  ,Acuti  litui,  die  hell 
und  hoch  lautend,  die  hoch  in  die  gell  gond.'  Fris. 
Pers.  (vgl.  Galle)  laute  Klatscherin  und  Lachcrin; 
Lästermaul  GW.  E  G.  sl',  eine  stark  schallende 
Stimme  haben  ZO.;  bes.  spottw.  von  Weibern  Bs. 

Schnuder-:  Mund,  in  den  aus  der  Nase  Schleim 
herabhängt;  auch  solcher  Schleim  selbst  und  Mensch, 
der  ihn  hat  Gr;  U. 

gelle(n).  rf-,  resp.  e-°B;  GrV.;  GW.;  Sch,  «'Ndw; 
Z,  i-  BSi.;  GrL. :  1.  durchdringend  tönen,  rufen, 
schreien  AaF.;  Bs;  BSi.;  GrD.;  Sch;  GW.;  S;  Uw, 
auch:  laut  weinen  Gr.  Von  Hunden  und  Füchsen: 
kläffen,  bellen  AaF.;  GrL.;  Obw.  Syn.  gleien;  hauren. 
Mulen  und  g.  Proph.  185.5.  Me'  sieht,  wie  si  gellt 
[schmält]  und  Gift  und  Galle'  sprüet.  JMiHLv.  ,Er 
sang  in  seinem  Übermut  ein  geiles  Lied;  er  gällete 
und  wieherte  laut  wie  ein  junges  Boss  auf  voller 
Weide.'  HPest.  1783.  ,Des  fuchs  rechte  stimm  ist 
gellen  oder  beifzen.'  Tierb.  1.563.  ,Vocem  modulari, 
die  stimm  recht  füeren,  temmen.  massigen,  nit  über- 
schreien oder  g.'  Fris.  .Gellen,  greinen  wie  die  weiber.' 
Mal.  ,So  ein  Kind  einschlief  mit  Angst,  als  man  kann 
spüren  am  rochlen,  achzgen  und  schnupfen,  wie  auch 
erschrecken  und  gällen  [schreiend  auffahren].'  FWürz 
1634.  —  2.  prallen,  aufschlagend  abprallen,  göllern, 
wie  die  sog.  Prell-  oder  Ricochet-Schüsse.  Syn.  gelten. 
, Welcher  schütz  aber  gölt  oder  brölt  und  nit  fry 
durchgat,  in  irre  dann  span.  nagel  oder  öst,  der  gilt  nit.' 
1485,  G  Schiessplan.  ,Wo  eine  Kugel  zu  kurz  gehet, 
würket  sie  oft  im  Gellen  das  Meiste.'    Kriegsb.  1644. 

Der  Grundlaut  des  starken  Vbs  gellen  ist  ?,  er  hat  sich 
aber,  wie  bei  andern  Vben  dieser  Klasse  (und  wie  bei  dem 
Subst.  Gelh),  z.  T.  mit  dem  Umlaut  e  des  schwachen  Vbs 
gemischt.  Bei  2  tritt  die  den  Schall  begleitende  oder  ver- 
ursachende Bewegung  hervor.  Vgl.  mhd.  sehet,  laut  tönend; 
springend. 


Gal,  gel,  gil,  gol.  gul 


210 


ab-:  abgleiten,  plötzlich  ausglitschen,  abprallen, 
abspringen  U. 

über-:   beim  Reden  Andere  übertönen,  -schreien. 

an-:  hart  anfahren  B. 

er-:  1.  stark  widerhallen  Gk.  .Vor  Freude  e.  die 
Berge.'  17o7,  Jes.  .Mancherlei  Getöne  und  Widerhall 
e.  [erschallen].'  1707,  Weish.  Auch  refl.  ,Die  Himmel- 
fahrt ist  ein  Triumph,  darüber  die  Erden  jauchzen 
und  der  Himmel  sich  ergellen  mögen.'  FWvss  1650. 
—  '2.  schreiend  auffahren,  aufschreien.  ,Es  hält  aber 
der  Krampf  stark  an,  strecket  und  beugt  ihre  Glieder 
mit  grossen  Schmerzen,  nach  diesem  ergällen  die 
Kinder.'  FWürz  16.34.   -  Mhd.  erytUen. 

er-ge'lle":  erschüttern.  ,A.  1356  erhübe  sich 
zu  Basel  ein  solche  ungeheure  Erdschüttung,  dass 
hiedurch  sonderbare  und  gemeine  Gebeuw  nicht  nur 
ergellet,  sonder  auch  zu  grösserem  Teil  in  ein  Haufen 
gefället  wurden.'  Wurstisen. 

Mhd.  eryelkn,  (durch  Schall)  erschüttern;  vgl.  mhd.  «- 
ichcHen,  mit  Geräusch  zerbrechen,  gegenüber  erschethn,  er- 
schallen, ertönen. 

gellend:  klar  hervortretend,  offenbar,  a.)  yälland, 
gällunds  Isch,  Glatteis  GrD.,  L.,  Y.;  W.  —  b)  jäh. 
schroff,  nackt.  E  gäUundi  Fliioh  CrPt.;  W.  Syn. 
schnidend.  ,Ein  hoehen  berg,  der  so  sorglich,  dass 
an  vil  orten  an  einem  gellenden  felsen  der  weg  bloss 
zweier  finger  breit  gewesen.'  1.531,  Strickl.,  Act. 
,.\n  einem  aufrecht  gellenden  felsen.'  ARyff  1600.  — 
c)  e  g-i  Biedere,  Eiterblase  GRPr.  —  d)  bildl.  ,An 
dem  ort  nützit  dann  die  gällende  armuot  ist  und 
überall  nützit  vorhanden.'  1531,  Strickl.,  Act. 

Das  Ptc.  Prs.  von  gdllen,  adj.  gebraucht  wie  das  syu. 
'jfUiij.  Gellen  scheint  zunächst  vom  Schall  auf  das  Licht 
übertragen  (vgl.  .grell,  hell,  schreiend'  von  Tönen  und  Far- 
ben, dann  auch  von  Gegensätzen  und  Widersprüchen)  und 
auf  dem  Gebiete  der  Gesichtswahrnehmung  angewandt  auf 
verschiedene  Erscheinungen,  welche  den  Begriff  des  Offen- 
baren, klar  und  nackt  Hervortretenden,  also  auch  hohen 
Grades  einer  Eigenschaft  gemein  haben. 

gellig.  gälig,  „gäll-  und  gäl-  Gl;  Gr;  Vw;  Z;" 
gälliCgJ  Ap;  Gl;  Sch  (e*);  UwE.,  gäl-  SchwE.,  e'  Z, 
ge'll-  Aa;  BHk.;  Gr;  „L;"  GRh.;  Sch;  Z:  1.  vom 
Hunger,  überaus  gross  „Aa;  B;  L;  Vw;"  Sch;  Z. 
Syn.  heilig,  köllig.  De"^  gelligst  H.,  der  erste,  grim- 
migste, schreiendste,  der  zunächst  Befriedigung  ver- 
langt Z.  Der  macht  Auge",  a's  icenn-er  d'r  gälig  Hunger 
hett;  auch  subst. :  D'r  G.  luegt-em  zue  den  Augen  üs 
ScBwE.  .Esuriens  insane,  der  den  galligen  hunger 
hat,  der  von  hunger  ertaubet.'  Fris.  .Rabies  improba 
ventris,  edendi  rabies,  der  gross  oder  g.  h.'  Fris.;  Mal. 
S.  noch  nissig.  , Grosse  armuot,  gälige  hungersnot.' 
XVII.,  Ztschr.  f.  schwz.  R.  ,Gelling,  gellinger  Hunger, 
faines  dira  ac  dura,  ssva.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Eine 
feurige  Begierd,  einen  gelligen  Hunger  und  Durst 
nach  Christo.'  JJUlr.  1733/34.  Auch  als  Adv.  .Nach 
Jesu  und  seiner  Gerechtigkeit  gelliglich  hungeren  und 
dürsten.'  JJÜlr.  1727/31.  Von  Pers.:  heisshungrig 
(Ebel);  erpicht  auf  Essen  auf  Kosten  von  Andern 
üwE.;  s.  gellen  II.  S.  noch  küllig.  —  2.  von  Kälte, 
grimmig;  g.  ehalt,  auch  einfach  gellig,  eiskalt  ScnSt. 
(Sulger).  —  3.  von  Eis,  glatt,  spiegelhell  Gl;  Gr. 
Vgl.  gellend  a)  und  hell.  —  4.  vom  Feuer,  hell  auf- 
flackernd L.  —  5.  von  Felsen,  hart.  Vgl.  gellend  b, 
aber  auch  Galle  4  b.  ,So  lauft'  das  Gewässer  durch 
einen  harten,  gelligen  Felsen.'  JJRüeger  1606.     ,Der 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Wasser  [hat]  bringen  können  aus  g.  f.,  hat  selbs  durst 
gelitten.'  FWyss  1650.  ,Es  muss  ein  grosser  g'walt 
sein,  eh  [er]  die  g.  f.  zum  aufspalten  ergwünnen  mag.' 
ebd.  ,So  hart  als  die  gelligsten  Felsen.'  JJUlr.  1727/31. 
—  6.  von  einem  Felsen  oder  .\bhang,  jäh,  steil,  auch 
kahl  Ai-;  Gl;  GRh.  Es  göd  [geht]  völli«  gällin  u-i 
hinauf  [hinauf]  ApK.  Syn.  stotzig.  —  7.  baar,  wirk- 
lich, z.  B.  „vom  hervordringenden  Blute"  ScnSt.  Syn. 
lotig,  urehen,  hell.  D'r  g.  Fü",  der  wirkliche  Föhn, 
nicht  nur  ein  vorübergehender  Luftzug  Gl. 

Die  Bedd.  erklären  sich  alle  aus  dem  in  der  Anin.  zu 
tjMend  (mit  welchem  geilig  in  unserer  Spr.  auch  lautlich 
identisch  sein  kann,  da  das  -end  des  Ptc.  Prs.  meist  in  -ig 
übergeht)  angenommenen  Grundbegriff  und  zeigen  auch  mehr- 
fache Übergänge  zwischen  einander,  so  3  und  5.  Die  An- 
nahme des  Gr.  WB.,  dass  sich  in  diesem  W.  mehrere  ge- 
mischt haben,  ist  also  unnötig. 

Geladi:  Personenn.  1599/1701,  Taufb.  ZRüinl., 
viell.  .Gelasius';  vgl.  aber  auch  Gladi. 

Gelander,  -langgi  s.  Galangger. 

Geläreteli  n.:  Taschenuhr  Gl  (scherzw.)  —  Aus 
der  frz.   Frage  quelle  heure  est-il?  mit  Dim.-Suffix. 

Gelle"  H  f.:  Buhlerin.  ,Rivalis,  gelle  vel  zuowip.' 
Edinger  1438.  —  Mhd.  ydU,  Nebenbuhlerin,  Kebsweib,  aus 
ahd.  gelhi,  gi-ellu. 

Wind-:  Name  eines  hohen  Berges  in  Uri  (früher 
.Kalk.stock'),  auch  eines  Berges  bei  BSa.  Bildl.:  Öuseri 
Zinne'  ist  wie-n-e  W.,  hoch  und  frei  gelegen  Z  (Dan.). 

Mau  denkt  wohl  zunächst  an  das  Heulen  und  Sausen 
(gellen,  s.  d.)  des  Windes  um  die  Bergspitzeu  und  diese  Deu- 
tung führt  auch  nicht  weit  von  der  Wahrheit  ab,  nur  müsste 
das  Comp,  dann  ,Wind',  nicht  ,Berg'  bezeichnen.  Das  Comp. 
, Windsbraut,  das  auch  im  Volke  noch  lebt,  führt  auf  die 
richtige  Spur,  dass  Windgelle  einen  (weiblich  gedachten, 
resp.  mythologisch  personifizierten)  Bei-g  bezeichnet,  mit  dem 
der  Wind  ,buhlt',  d.  h.  um  den  er  spielt  oder  streicht.  Vgl. 
Haupt,  Ztschr.  VI  290,  und  NAlpenp.  V  181.  Hieber  ge- 
hören viell.  auch  die  Bergnn. :  ,Hund-G.'  1.5.")6,  LSemp.  und 
,Schin-G.'   1454,  AaSins. 

gelle(n),  gälle(n)  II:  viel  und  gierig  essen,  auf 
Kosten  Anderer,  z.  B.  von  Dienstboten,  Tagelöhnern 
UwE.  —  Abgeleitet  od.  abstrahiert  von  dem  Adj.  gellig  (1) 
i.  S.  V.  heisshungrig. 

gelle(ll)  III  {e') :  spähen,  gaffen,  z.  B.  von  der  Strasse 
in  eine  Stube  ZZoll.  f  —  Gruudbed.  wahrsch.  =  mit 
offenem   Munde  blicken,  abgeleitet  vom  Subst.    (relle  I. 

gelle(n)  IV:  Ja  sagen,  beistimmen,  gutheissen. 
Recht  geben  B.  Er  gällt  im  Alles,  tanzt  nach  seiner 
Geige.  ,So  ein  Weib  ist  gewohnt,  dass  ihm  Alles 
[Jedermann]  gället'  Gotth. 

Gebildet  von  gell  ^  gelt  (von  gi'hen)  i.  S.  v.  nicht  wahry 
welches  auch  als  Zustimmungsform    gebraucht   wird    (s.  d.). 

geil  {gel  F):  1.  von  Menschen,  munter,  gesund 
GS.  ,Wol  uf  mit  ryehem  schalle  und  sind  all  frisch 
und  g.'  XV.,  Lied.  Übermütig,  mutwillig,  närrisch  F. 
,Guet  [,besser']  ist  hoffen  in  gott  dann  [als]  in  men- 
schen und  in  die  fürsten,  herren  geil.'  JLenz  ca  150ii. 
.Sie  [die  gsellen]  sind  jung,  fröhlich  all  und  geil  und 
zugind  gern  an  Venus  seil.'  HRMan.  ,Der  Bär  [Bern] 
ward  frevel,  frisch  und  gail.'  Salat.  , Ein  junger  knab 
hat  über  friden  geredt:  du  giler  keib.'  1541,  .\mts- 
rechn.  ZGrün.  ,Diewyl  du  aber  bist  so  geil,  will  ich 
dir  eins  versprechen,  dass  du  wöllst  fürhin  [fürderj 
ruowig  syn.'    1576,  Erwiderung  auf  ein  Spottgedicht. 


211 


Gal,  gel,  geil,  gil,  gol,  gul 


Subst. :  Narr.  0  du  dumme''  Geil,  bist  mer  lang  scho' 
feil  usw.  KocHH.  1857.  —  2.  von  Vieh,  lustig  GRÜVatz; 
GSa.  —  3.  von  Pflanzen,  üppig  aufschiessend  und  aus- 
wachsend GSa.  Syn.  frueiig.  —  4.  von  Feuer:  stark 
aufflackernd.  ,Im  anfang  sollt  du  das  fewr  nit  allzu 
g.  und  hitzig  machen,  sonder  allein  lind  brünnen 
lassen.'  JJNdsoheler  1608.  —  .5.  von  Wunden.  ,G.  oder 
faul  fleisch  wirt  hinweg  geetzt,  so  man  vitriol  darauf 
sprengt.'  Tierb.  ,C'arneni  supercrescentem  coercere. 
dem  geilen  fleisch  weren,  verhüeten,  dass  es  nit  wachse.' 
Fris.  ,Gegen  das  geil  oder  überig  Fleisch'  [an  Wun- 
den] wird  Alaun  empfohlen  von  Würz  1634. 

Mhd.  geil,  mutwillig,  üppig,  lustig;  auch  vom  Fleisch. 
Das  ein  Mal  vorkommende  i  für  ei  beruht  viell.  auf  der  im 
XVI.  nicht  seltenen  Verwechslung  des  alten  i,  welches  damals 
ei  wurde,  mit  dem  alten  Diphthong;  doch  s.  auch  g'du>.  Betr. 
den  Übergang  der  Bedd.   vgl.   Anni.   zu  freeh  und  fruetiij. 

Biber-geil  f.  u.  n.:  Biberhode.  ,Von  der  b.  und 
irem  nutz.  Weil  sy  der  bibergeilin  ein  bösen  geruch 
zuogebend.'  Tierb.  1563.  ,Das  b.,  castoreum,  biber- 
hoden.'  Mal. 

Mhd.  (/t>7  n.,  Lustigkeit,  Instiges  Wachstum ;  Hodeneben 
gleichbed.  geiU  f.  und  wahrsch.  erst  aus  diesem  verkürzt. 
S.  d.  folg. 

Geili  f.:  1.  Übermut.  ,Deferbuit  adolescentia.  die 
hitz  oder  geile  der  Jugend  ist  vergangen  oder  erlegen.' 
Fris.  —  2.  Hode,  ,Niere'.  ,I)ie  bibergeile  ist  an  ge- 
ruch der  rechten  geilin  ungleich.'  Tierb.  1563.  ,Dass 
man  etwan  seine  [des  Bibers]  nieren,  die  gross,  für 
sein  geilin,  die  klein,  ausgebe.'  ebd. 

geile":  1.  von  Menschen,  a)  Freude.  Mutwillen, 
Übermut  empfinden  und  äussern.  Synn.  gauggelen, 
gauleu,  gämelen.  ,Des  [über  eine  gute  Nachricht]  wur- 
den s"  frolich,  geilten  mit  guetem  muet'  JLenz,  ca 
1500.  ,Ich  wonen  nit  under  den  verspotteren,  das'  ich 
geile  oder  muotwille.'  1531,  Jerem.  —  b)  gelüsten, 
jucken  GRTschapp.  Syn.  nasseren.  —  2.  von  Vieh: 
herumspringen  GO.  Von  Fischen:  spielen.  ,So  die 
delphin  in  dem  meer  spilend  und  geilend.'  Fische. 
1563.  —  3.  von  Pflanzen,  stark  aufschiessen  und  aus- 
wachsen,  z.  B.  bei  zu  grosser  Wärme  im  Zimmer  Z. 
Auch  ver-,  s.  d.  Vgl.  geil  3  und  geilig.  —  Mhd.  geilen, 
übermütig  sein;  sich  freuen;   wachsen  und  wuchern. 

er-:  (refl.)  sich  erfreuen,  sich  lustig  machen,  Mut- 
willen treiben.  ,Also  hat  sich  abt  Uolrich  mit  den 
Appenzellem  abermals  ergeilt  und  inen  nit  wenig  an- 
b'halten  [abgewonnen].'  Vad. 

ver-:  1.  (refl.)  üppig  auswachsen,  krankhaft  lange 
Schosse  treiben  Bs;  Z.  Der  Blumenstock  hat  sich  im 
Winter  in  der  warmen  Stube  vergeilt  Bs.  ,Ein  reben, 
die  sich  vergeilt:  vitis,  qu«  nimium  luxuriat  et  abun- 
dat.'  KdGessn.  1542.  —  2.  (Ptc.)  von  Menschen.  .Ja, 
wo  man  mit  dem  geldsack  lüt"^',  da  laufend  s'  all  dem- 
selben nach,  vergeilt  man  ist  [von  leidenschaftlicher 
Begierde  erfüllt,  betört].'  Euef  1538.  -  Mhd.  refl.  über- 
mütig sein,  sich  erlustigen. 

geilig:  von  aufgeschossenen  Pflanzen.  Syn.  ge- 
reiglig. 

erst-:  zum  ersten  Mal  sich  vermehrend,  z.B.  von 
Tauben  Bs. 

Geiligkeit:  1.  Lebhaftigkeit.  .Yedoch  soll  mer 
die  schöne  gestalt,  muetigkeit.  j.'cilkeit  und  storke  der 
pferden  betrachtet  werden,  dann  'lic  färb.'  Tikhb.  1563. 
,So  es  [das  Füllen]  den  anderen  mit  geilkeit  vorlauft' 


ebd.  —  2.  von  Wunden,  i.  S.  v.  geil  5.  ,Und  wert  der 
geilikeit  der  wunden.'  XV.,  Schw  Arzn. 

Gll  m. ;  Bettel.  ,Den  pfaffen  ursach  geben,  den 
gyl  und  gutzel  wie  vormals  wider  ufzerichten.'  1526, 
Egli,  Act.   -   Mhd.  gtl  m.,  Bettel. 

gile(n)  I:  betteln.  Syn.  guenen  und  gutzlen,  mit 
welch  letzterm  es  oft  verbunden  wird.  ,.^m  Neujahrs- 
tage, wo  sich  auf  den  Trinkstuben  Spielleute  und 
Pfeifer  einstellten  und  um  Geld  gilten.'  Bs  XIV.  Ein 
Landfahrer  sagt:  ,Ich  hab  mich  lang  darmit  ernert 
und  keinerlei  arbeit  gelert  [gelernt],  dann  bettlen,  g., 
scharpf  schwätzen  und  gan  in  bösen  hudlen  und  fetzen, 
als  ob  ich  die  lüt  erbarmen  soll,  ab  man  mir  dess  me 
geben  well.'  NMan.  ,[Die  Vögte  in  den  Vogteien] 
rupfend,  verschlahend,  füerend  hin,  gutzlend  und  gy- 
lend.'  1531,  .\bsch.  ,Mit  onträglichem  g.  und  termi- 
nieren [der  Bettelmönche].'  Vad.  ,Wenn  glych  die 
fründschaft  [zweier  Nachbarn]  nit  so  vil  bringen 
möchte,  so  wurde  er  [der  eine  Nachbar]  sich  doch 
durch  syn  [des  andern]  ungestücm  und  beharrlich  g. 
oder  höuschen  bewegen  lassen  [ihm  bei  der  Bewirtung 
unerwarteter  Gäste  auszuhelfen].'  Gialth.  1559.  ,Pro- 
care,  umb  etwas  werben,  höuschen,  g.,  gutzlen,  an- 
strengen, begeren.'  Fris.;  Mal.  ,Ist  gar  nit  göttlich, 
das",  so  ein  pfarr  ledig  worden,  ein  yeder  loufe,  bettle, 
gyle,  gaben  verheisse  und  gebe,  die  undertonen  an- 
fechte, parten  [Parteien]  an  sich  hänke,  ganz  schaaren 
fürbitter  mit  im  füere.'  XVI./XVII..  Z  Mand.  ,r)amit 
die  burgerschaft  mit  dem  unverschampten,  ungstüm- 
inen  überloufen,  gutzlen  und  g.  der  bettleren  vor  den 
hüseren  nit  mer  also  geblaget  werde.'  JJRüeger  1606. 
.Unverschambtes  nachgläuf,  g.  und  gutzlen  gegen 
Personen,  die  ut  ämter  befürderet  werden.'  Z  Mand. 
1650/1731.  ,Die  Profosen  sollen  Achtung  haben  auf 
das  beschwerliche  und  unanständige  Gutzlen  und  G. 
der  Kindern  bei  den  Gattern  in  den  Flecken  und  Dör- 
fern gegen  ehrlichen  durchreisenden  Personen.'  1662, 
Z  Ges.  In  edlem  S.,  sehnlich  verlangen.  ,Der  Herr 
weinet,  geilet,  sehnet  und  seufzet  nach  unseren  Seelen.' 
AKlingl.  1688. 

Mhd.  gilen,  betteln.  In  der  Bs  Katsverordn.  von  14'22 
ist  ,der  gylen  und  lamen'   viell.  nur  verlesen  für  ,gyler'. 

ab-:  abbetteln.  ,So  müesstind  die  pfaffen  zuo 
Hierusalem  nit  allein  mit  irer  glychsnery  den  witwen 
ire  hüser  abg'gylet  haben.'  Zwingli  1527.  .Expalpare, 
abgylen,  abzenzlen,  abschmeichlen,  mit  glatten  Worten 
ablaussen.'  Fris.;  Mal. 

er-:  erbetteln.  ,Si  sprechen,  si  wollen  von  den 
Sünden  kehren  und  wollen  Buss  und  Gottsferte  für 
ir  Sünde  tun  und  ergüent  dann  etwie  vil  Guets  da- 
mite.'.1422,  Bs  Katsverordn.  (Bruckn.). 

glle(ll)  II :  ein  Fangspiel,  auch  Zickijugen  genannt. 
Es  wird  abgezählt,  wer  das  ZicH  oder  Güi  sein  soll, 
dann  springen  die  übrigen  aus  einander.  Wen  Jener 
erwischt,  oder  wer  den  Spielraum  zur  Unzeit  verlässt, 
muss  selber  die  Rolle  des  Fangens  übernehmen.  Kochh. 
1857,  404/5.  —  Viell.  dasselbe  V?.  mit  gilen  I,  da»  auch 
urspr.  bedeutet:  (Etw.)  zu  erhaschen  suchen:  doch  s.  yjmi. 

Giler  m.:  Bettler,  bes.  der  den  Bettel  gewerbs- 
mässig, unter  Verkleidung,  absichtlicher  Entstellung 
des  Leibes  und  falschen  Vorgebungen  betreibt,  also 
dann  =  Betrüger,  Schwindler,  Gauner.  ,Dass  alle 
Stirnstössel,  G.  und  Gützier,  welche  mit  ihren  Worten 


218 


Gal,  gel,  gil,  gol,  gul 


2U 


den  Leuten  das  Ihre  aberliegen  und  triegend,  sollen 
schweren,  dass  keiner  mehr  auf  den  Gutz-  nach  [noch] 
Bettel  in  die  hiesigen  Land  kommen  soll.'  1416  und 
1 129,  Z  Ratsverordn.  ,So  hat  ouch  der  vogt  macht, 
dass  er  (in  denen  zytcn,  so  der  offen  bettel  meng- 
lichem nachgelossen  ist),  giller,  blinden  und  lammen, 
die  es  an  in  forderent,  mag  gönnen  drye  tagende  hie 
zc  blybende  ze  bettelnde.'  1465,  Bs  Kq.  ,Stryten  wider 
der  nüwen  sammleren  oder  gylern,  der  bettelmünchen, 
gutzel.'  HBüLL.  1561.  ,Flagitator,  ein  gutzier,  g.,  ein 
überlegner  bitter,  müehseliger  höuscher.'  FRrs.;  Mal. 
Mhd.  (jilaere,  Bettler.  Nur  noch  als  Geschln.  Geiler  Th. 
Über  Ursprung  uud  Treiben  des  bes.  in  Basel  handwerlis- 
mässig  betriebenen  und  fast  zunftnmssig  organisierten  Geiler- 
wesens s.   Gr.  WB.  IV  1,  2,  2602  ff. 

Gill  Gl,  Gilgl  Gl;  Schw,  ,Jilg.'  G  1513:  männl. 
Vorname,  Ägidius  aaOO.;  ZHombr.  E.  XVI.  (,Gilg'); 
,StGilgen',  Schlosskapelle  der  Manegg  bei  Zürich. 
.Gylie  von  Schwyz.'  1378,  Absch.  ,Egidi,  dem  man 
spricht  Gili,  von  Schwyz.'  1384,  ebd.  ,Gilly.'  1747, 
LNeud.  Gilg  auch  als  Geschln.  Th;  Bs  1559;  G  1515 
(neben  ,Jilg');  S  1532,  Uli  Z;  1747,  LNeud.  (neben 
,Gilli'). 

Beruht  zunächst  auf  einer  vorauszusctüenden  Nbf.  'ÄyUiua 
(vgl.  lat.  Ovidiua  für  Uvilius).  Im  Übrigen  s.  betr.  die  Laut- 
foimen  die  Anui.  zu  Ilie  Bd  I    179.    ' 

Uilangi  gilaygl  m.:  Spiel,  darin  bestehend,  dass 
Jmd  etwas  Verstecktes  suchen  muss.  Auch  in  Gesell- 
schaften Erwachsener,  wo  dem  Suchenden  durch  .an- 
schlagen einer  Saite  des  Klaviers  Andeutung  gegeben 
wird  FMu. 

Gillian,  Gilgian  1,  Gilgen,  Gilg  II  BFrutt: 
männl.  Vorname,  Julian.  ,Gilgiau.'  1486  B;  15'21  W 
(auch  ,Gillian',  ,Gilg'  und  ,Ilgio');  1068  B.  ,Sant  Gil- 
gian', Verdeutschung  des  Genfer  Dorfnamens  StJuUen. 
15'26,  Absch.   —   Betr.  das  Lautliche  vgl.   (IUI. 

Gillappi  (gillappen)  s.  Gil-Lappi. 

6iel  m. :  1.  Maul,  Schlund.  ,Was  taten  die  von 
Hochentvviel,  den  [denen]  allweg  offen  stand  der  g., 
als  wollten  s'  iedermann  fressen.'  JLenz  ca  1500.  ,Der 
mund,  maul,  giel,  gosch,  gefress.'  Red.  166'<i.  —  '-'.  Be- 
gierde, Gelüst,  in  verächtlichem  S.  W.  —  3.  Geschln. 
1400,  G;  1472,  Okfn.  Burgau;  1523,  Z.  —  4.  (PI. 
Giele')  Buben,  Jargon  der  B  Jugend. 

Mhd.  (jiel  in  Bed.  1.  Vwdt  mit  Oil,  Bettel,  ,Begehr- 
lichkeit';  vgl.  Bed.  2.  Der  Geschlechtsn.  dürfte  erst  als 
Nomen  agentis  vom  folg.  Vb.  abgeleitet  sein.  Ob  4  hieher 
gehört,  ist  nicht  sicher. 

giele(n):  1.  „gelüsten  W."  Insbes.  mit  Dat.  P. 
prägnant:  Jmd  todt  wünschen,  gierig  darauf  warten, 
dass  er  sterbe.  Wenn  seh  [sie,  eine  Frau]  mu  [dem 
Manne]  nit  so  g.  täti,  so  sturb  er  ender.  —  2.  gierig 
zusehen  beim  Essen  Anderer  Gr  ÜbS.,  Rhw.  Syn. 
guenen. 

Gol,  Göl  I,  (?o?/ Gl;  GrL.,  ßö^  Aä;  Ap;  B;  Gl;  G; 
SCH;  ScHwMa.;  S;  Th;  Uw;  W;  Zg;  Z,  Göll  GrPy.  {k). 
Göl  Aa;  Bs;  B  (i-  BD.,  Si.J;  Gr;  L;  G;  SchwE.;  S; 
Uw;  Z  m. :  1.  a)  mutwilliger,  närrischer  Mensch, 
Possentreiber.  Bes.  von  erwachsenen  Personen,  die 
sich  bewusst  od.  uubewusst  närrisch  geberden  ;  Tauge- 
nichts. „Gol,  ein  schnellzüngig  Alles  durch  einander 
werfender  Plauderer."  Auch:  ein  toller  Lärmer,  mut- 
williger  Geräuschmacher    TnTäg.     De"    Göl   mache', 


sich  wie  ein  Hanswurst  benehmen.  Si  händ  de"  G. 
mit-ere  g'viacht,  die  jungen  Bursche  haben  mit  ihr 
geschäkert  L;  Z.  Öppis  Gols,  etwas  Sonderbares  Ap, 
vgl.  öppis  Narrs  Z.  Zu  der  RA.:  Gol  um  Gätsch 
mache'  =  wettauf  machen,  par  pari  referre,  vgl.  Güd. 
Du  bist  doch  efa'  en  rechte  Cr.,  no'''  [.schon  so  gross] 
so  dumm  ge  tue',  sagt  die  Mutter  zu  ihrem  Jungen 
ZU.  ,Den  stockigen  Buben,  den  Gölen  und  Schlänggen, 
die  immer  dn-in  Iu.'uth  wie  Eselsköpfe.'  Stütz.  In 
BWimmis  s'''i'i'l''''ii  ■  Kimln",  Bursch  in  verächtlicher 
Bed.  Syn.  Gaiiil.  (Inicincl.  Gali,  Gätschi.  —  b)  Narr, 
Einfaltspinsel,  Diuiinikupi.  Gimpel.  !''•  bi' Göls  g'nue" 
g'si"  u  ha  en  abselut  welle"  [heiraten].  Gotth.  ,Er 
sei  ein  G.,  dass  er  sich  so  plagen  möge.'  ebd.  ,Dio 
Theatergöle  [leidenschaftlichen  Theaterliebhaber]  sind 
in  Berlin  und  Paris  ungefähr  gleich.'  ebd.  .Neben 
diesen  [3  Taubstummen  und  1  Blödsinnigen]  gibt  es 
im  Dorf  keinen  einzigen  Göl  oder  Totsch.'  Glur  1835. 
Syn.  Löl,  Lappi,  Galaff,  Torebueb,  Tschöli.  Als  Ge- 
schlechtsn.: .Heini  GoL'  1370,  Sch.  ,Eberli  Göl,  Adel- 
heit  Gölin.'  ebd.  1437.  ,GolL'  15.32,  GFlums;  1541, 
BAarb.  u.  noch  jetzt  in  Aa;  Z.  —  2.  (Goll  Bs,  It  St.*'; 
Bus.  1865,  Gol,  -er  Tu,  It  Pup.,  Goller  AaZcIu.;  BsL;  S) 
Blutfink,  fringilla  i^yrrhula.  ,Ein  gügger,  goll  oder 
gimpel.'  Fris.;  Mal.;  Denzl.  1716.  Syn.  ('Rot-jGügger. 
-  3.  (Gol)  s.  Gül. 

UM.  Göl  und  Gol  verhalten  sich  lautlich  zu  einander 
wie  Bdl,  Bül  und  Hol,  so  dass  dann  Goll  die  älteste  Form 
wäre.  Vgl.  Gölli.  Vor  l  ist  Dehnung  des  Voc.  gewöhnlich, 
auch  der  Umlaut  nicht  selten;  vgl.  gölen  (bezw.  gollen]  und 
gölen;  lollen,  holen  und  Kien,  Subst.  Bolle  und  Bolle;  Troll, 
Tröl  und  Trol,  bes.  aber  LSI,  das  wohl  auch  von  Seite  der 
Bed.  auf  unser  W.  eingewirkt  hat,  aber  den  stillen,  nicht 
wie  Gol  den  lärmenden  Narren  bezeichnet,  und  Noll,  Nöl, 
Nöli,   Noli.     Auch  nhd.  .liniip.!-    »nrini^-t  Bed.  1  u.  2.     Der 

Vogel  ist  auffällig  t.  dui.li luiHilliKes  Hüpfen,  t.  durch 

sein    beständiges  Rufen    I    ll-ilm    ivifl.    Gügger),    sodann, 

weil  er  sich  leicht  faugtu  lii.>.st,  duirli  seine  Dummheit.  Es 
lifgt  somit  nahe,  Goll  und  golen  I  zu  mhd.  gellen,  Ptc.  ge- 
gollen,  die  Stimme  laut  hören  lassen,  zu  stellen ;  die  Grund- 
vorstellung wäre:  Äusserung  der  Lustigkeit  durch  die  Stimme. 
Weniger  wahrsch.  ist  die  Annahme  einer  Mischung  mit  einem 
aus  gogcl  contrahierten  Stamm. 

Gagri-Göl:    Übern.  LStdt;  s.  Gageri. 

Glöggli-:  läppischer  Mensch,  Narr  Aa;  B;  F. 
Auch  zu  Kindern  scherzh.:  Du  Gl.  B. 

Bezeichnet  eig.  wie  Schellegaggel,  Rölldi-Bbgg,  Rolle"-Butz 
den  (Fasnachts-)  Narren  mit  seinen  Schellen. 

Han-:  Schelte  eines  gleichgültigen,  dummen  Bur- 
schen, Laffen.  Du  cha"'st  de'  [diesen]  H.  nicne  hi' 
schicke',  es  ist  Nut  üsg'richt  mit-em  [ihm]  ZPfäff.  — 
Vgl.  das  Syn.  Hanögg,   wo  Han  =  Hans. 

Marr-:  Narr;  marrgöle",  närrisch  tun  L.  —  Vgl. 
'»  Märi  ablä',  sich  ausgelassen  geberden  L. 

Tanz-:    leidenschaftlicher  Tänzer.  Gotth. 

Trälli-:  plumper,  dummer  Mensch  BBe.  —  TriUli, 
dicke,  fette  Person. 

gole(n),  gölefnj  (gölle"  Gr  tw.,  gölenefn)  UwE., 
neben  göle'):  1.  wild  jauchzen,  laut  mutwillig  sein 
AAWohl.;  „Ap;  Sch;  W;  Z."  Syn.  j ölen;  schäkernd 
lachen  GTa.  —  2.  schäkern,  Narrheiten  treiben,  im 
Gegs.  zum  ernsten  Benohmen,  allg.  a)  bes.  von  Kin- 
dern, sieh  mutwillig  lachend  unter  einander  oder  mit 
Erwachsenen  herumbalgen,  scherzen.  Auch  nur:  spic- 
'  len  Gr.  Üyn. göglen,  andere  s.  hei gecatteren.    Me  [man] 


215 


Gal,  gel,  gi\,  gol,  gul 


golet  nid  alliwll,  Mahnung  der  Mutter  zum  Ernst  Z. 
Das  ist  mer  au'''  e  g'golets  Tue  Gl.  Dann  Tom  Spielen 
und  Gaukeln  junger  Tiere,  bes.  von  Katzen  und  Hun- 
den, miteinander  BM.;  Schw;  Th;  Ndw;  W;  Z.  Hin- 
gegen in  ZRafz :  cV  Mensche'  göled  mit  enand,  d'  Chatze' 
göpled.  Syn.  gätschen;  vgl.  auch  fällen  II  (Bd  I  767). 
—  b)  von  Erwachsenen:  mutwilligen  Scherz  treiben 
statt  zu  arbeiten,  sich  zum  Spass  herumbalgen.  In 
Obw  auch  vom  Tanzen.  Gelt,  mir  Bfd  hei"'^  qiing  guot 
zsämmen  chünnen,  mir  lutn  miiiuiist  :iiiiimeii  tj'göled, 
Cg'gölen)  BUi.  Si  häd  (flurlui  innl  ,r,l,i.  Imi-ki.  Bes. 
von  Liebenden,  kosen,  tiiiul.-lii.  l>e  llaus  mu}  's  Mädi 
händ  nW  g'gölet  mit  enand,  statt  z'  schaffe"  Z.  Wo 
si  'n  [ihn]  sieht,  so  golet  si  mit-em.  Si  wird  halt  nid 
noHo'  [nachlassen],  his  si  im  Unglück  ist  Scb.  — 
3.  (vorwiegend  mit  -ö-)  sich  einfältig,  dumm  benehmen, 
gedankenlos  herum  gehen  und  stehen  B;  Ndw;  „gaffen 
mit  offenem  Munde  B;  L;  Z."  Syn.  gälen,  glaren, 
lalen,  lolen.  .David  verstalt  [verstellte]  sein  geberd 
vor  inen,  und  golet  under  iren  henden.'  1531,  I.  Sam. 
=  ,und  tet,  als  war  er  ein  narr  under  iren  henden.' 
ebd.  1548. 

Vgl.  die  Anin.  zu  Hol.  Bed.  1  würde  sich  zu  Gol  S 
stellen,  Bedd.  2  ii.  3  entsprechen  denjenigen  von  Ginl  1  a  u.  b. 
A'gl.  auch  gaulen. 

„an-göle(n)  (6):  angaffen  B;  Z." 
üs-göle(n):  seinen  Mutwillen  sättigen  Sch;  Z. 
ver-göle(n):  (refl.)  sich  vergaffen,  durch  Gaffen 
und  Tändeln  die  Zeit  verlieren  B.  —  umhin-,  -her-, 
umha-,  iwime-,  iimmer-g.:  mit  Kinderspiel  die  Zeit 
vertreiben  UwE.;  sich  herumbalgen,  aus  Mutwillen 
oder  Verliebtheit  BR. ;  gedankenlos  herum  stehen  oder 
gehen  B. 

gole^ie"  f''0:  Mutwillen  treiben;  sich  unartig  be- 
nehmen; müssig  und  zerstreut  herumgaffen.  Goleii  m., 
Maulatfe  G  oT. 

GOler  m.,  GOleri"  f.:  der  oder  die  gerne  golet 
Sch;  Z.  —  2.  Goller  =  Gol  2. 

GOlete"  f.:  „wildes  Gejauchze,  ungebundene  Fröh- 
lichkeit Ap;  Sch;  W;  Z",  possenhafte  Unterhaltung 
UwE.  (-Ö-). 

Göli  Göli  {GÖlli  Aa):  1.  m.  PI.  -ene".  a)  Spass- 
treiber.  E  Mueter  soll  fkei"  Goli  Mibe'  wie-n-es  Hiiener- 
meitschi  Zg  Kai.  1881.  (Vorwiegend  -o-)  Erwachsener, 
der  sich  kindisch  dumm  benimmt,  Narr.  Ei'"m  de 
Göli  mache",  für  Einen  arbeiten,  der  selber  zu  trag 
ist;  ihm  die  Kastanien  aus  dem  Feuer  holen  UwE. 
Gelinder  Schimpfn.  eines  einfältigen,  plumpen  Kerls  S ; 
ZO.  Syn.  Löli.  —  b)  (-ö-,  -u'-)  1)  Knabenkraut,  orchis 
mascula,  o.  morio,  o.  maculata  GSa.  —  2)  Lerchen- 
sporn, corydalis  cava.  ebd.  Syn.  Güleli.  —  c)  ,(-Ö-  m.) 
Eülps,  bes.  wegen  einer  fetten  Speise  Gl."  —  2.  (n.) 
Spielzeug,  auch  Chindc-G. 

1  ist  Subst.  agentis  zum  Vb.  golen,  gähn.  2  gehört  eben- 
dahin zu  Bed.  2  a.  Ygl.  das  Gogi,  Blashorn  und  das  Gägi, 
Blashörnchen,  von  gvgtn.  1  b  trifft  zs.  mit  der  lat.  Be- 
zeichnung morio,  frz.  bouffim,  WOZU  man  noch  Tgl.  Samnut- 
hogg  für  die  ähnliche  ophrys  nracltnitee.  Die  orchis  mac.  heisst 
von  den  gefleckten  Blütenblättern  auch  .Harlekin',  von  den 
Bulben  ,Narrenhoden',  engl,  /ool-slonea ;  die  orchis  morio  spez. 
hüll,  ebenfalls  hnrieki/n,  deutsch  auch  ,Pickelhäring',  weil 
man  ihre  Blüten  einer  bunten  Narrenkappe  ähnlich  fand. 
Immerhin  lässt  die  Uusicherheit  der  erhältlichen  Angaben 
über  die  Ausspr.  die  Möglichkeit  eines  ganz  andern  etymo- 
logischen Zshangs  offen;  s.   das  Syn.  GuUi  4.     1  c  wol  auch 


aus  1  a  abgel.,  indem  der  Rülpser  als  Tölpel  aufgefasst  wurde, 
Tgl.  de''  Bäcki,  Husten,  und  ähnliche  personif.  Bezeichnungen 
von  körperlichen  Übeln;  doch  vgl.  auch  ,gollen',  mmere  bei 
Schni.-Fr.,   und  unser  jolen'  in  der  selben  Bed. 

Gog-Göli:  guter,  etwas  närrischer  Kerl  Gl;  GO. 
Synn.  Gaggeläli,  -Läri,  Göggel,  Gol  u.  a. 

Entw.  reduplicierende  Verstärkung  von  Göli  oder  Ver- 
quickung von   Goggicl),  Jakob,  und   Goli. 

golig,  in  LG.  gollig,  Ap  tw.  goli,  tw.  (wie  auch 
GStdt;  ZHörnli)  gaulig  II,  anderwärts  gölig:  1.  un- 
gebunden fröhlich,  mutwillig  Ap;  GStdt;  Scb;  W;  Z. 

—  2.  einfältig,  dumm  B;  L;  GF.;  Ndw;  Z.  —  3.  selt- 
sam, sonderbar,  eigentümlich  Ap;  G.  E  gölis  Säge" 
[Gerede]  Ap.  ÄnC  Bueb  hät-mi'''  all  [immer]  e  chli" 
[ein  wenig]  en  gölege  dunkt  G.  —  4.  widrig,  unan- 
genehm, übel  AAAarb.;  Ap;  G;  ZHörnli.  Es  ist  mir 
ganz  gölig,  ich  habe  Hunger,  oder  auch:  mir  ist  un- 
wohl Ap;  G,  ,Hättst  du  ein  so  gauliches  Dürrwälder- 
g'sicht  [lieben]  mögen  ?'  UBragg.  1780.    Syn.  gaulig  I. 

—  Göligi,  -ö-,  -äu-,  f.:  Seltsamkeit,  Widrigkeit  Ap. 
Für  die  Begriffsentwickelung  bietet  das  Syn.  g'gjiOssig  (von 

Spass)  die  beste  Analogie.  Auch  dieses  bedeutet  .sonderbar, 
seltsam',  wird  aber  ebenfalls  Ton  leiblichem  Übelbefinden  ge- 
braucht, indem  der  Begriff  .widrig,  unangenehm'  aus  dem 
TOn  .seltsam'  herTorgieng.  au  hier  aus  ö,  während  das 
westschw.  gaulen  und  gaulig  (s.  Sp.  208)  zunächst  Ton  gülen 
zu  trennen  ist. 

\in -  (ogatdigj :  unangemessen,  unzweckmässig,  un- 
geschickt, meist  mit  Neg.  Ap.  —  mm-  hier  pleonast.  oder 
Terstärkend  (s.  Bd  I   298). 

gamper-gölig:  dumm  ausgelassen,  pudelnärrisch 
B.    —    Syn.  gümperiavh.    Von  gnmpen.   schaukeln,  gaukeln. 

Gigeliman-Gölis  mache":  lauten  Spass  treiben, 
schäkern  ZO.  Syn.  G.-Göpis.  —  -i«  aus  -nis.  Gen.  des 
Inf.   Ton  gr,h„   wie  in  Fahia. 

Göl  II:  Kropf  B  (Zyro.  der  als  Syn.  auch  Gufer 
bringt). 

Göl  in,  Goli:  grober  Steinschutt  im  Unterschied 
von  Gufer,  feinerem  B  oHa.    G'göl  n.,  Steingeröll  BRi. 

„GOleten  f.:  1.  Haufe  unförmlich  über  einander 
liegender  Steine,  z.  B.  von  Felstrümmern  BO.  — 
'2.  steile,  gepflasterte  Strasse  B  (nur  in  St.')." 

Zur  Y,  i-]>  irliiiii-'  I,  iHimen  die  Flurnn.  Gohmng,  mit  Ge- 
schiebnia-  .     i        lialdu   am  Pilatus;    die   Gollach.    ahd. 

Goli   (amli  X.l.enfluss   der   Tauber;    die   Göl(en), 

wilder  F..  i;'!':!'!)  )ii  Ulmgu.;  Gulaihen,  Weiler  in  SOIt. ;  das 
GoltschenrieJ  ViUitüKhen  (vgl.  in  der  BoltHchm  Zg  von  BoU, 
Hügel,  mit  Dim.-Suff.  -tsch-,  eig.  z);  in  der  GilitHchen.  Alp 
über  steilem  Abhang  in  BFrutt.;  Goläten  od.  Gnliten  I  (.Gu- 
lada.'  a.  990  BKerz.  =  .Golatun.'  1276);  ,auf  (in)  der  G.' 
5  B  Ortsnn. 

Gö'lägg.  Gulägg  (d)  m.:  Krähe  (scherzh.),  auch 
übertr.,  dummer  Mensch  Aa.  Wo  flüget  die  zwölf- 
jährige Gulagge"  anne"?    Antw.  I"s  driizehe"t. 

Die  Stimme  des  Vogels  nachahmend.  A'gl.  gr.  nöpag  und 
die  Synn.   Gägg,   Grägg  und   Gwägg. 

Golanggi  s.  Galanggi. 

Gol  IV  s.  Gön. 

GoUate"  GdllHe"  II  f. :  mehrfach  vorkommende  Be- 
zeichnung von  gewissen  Stadtteilen  oder  Gassen.  ,ln 
der  Golleten'  in  Biel  1596.  der  Teil  zwischen  der  Alt- 
stadt und  der  äussern  Befestigung,  daher  noch  heute 
die  .Gollatastege'.  Die  .Gollattenmattgasse".'  Aarad;  B. 
,Von  der  Gollata.'  Geschln.  1294,  B.     In  Burgdorf  lag 


217 


Gal,  gel,  gil,  gol,  gul 


218 


It  alten  Urkunden  die  .Collata'  zwischen  dem  1.  und 
2.  Tor. 

Aus  nilat.  lUlaiit,  Abgabe.  In  der  .Oollaton',  meist  zw. 
der  innern  und  äussern  Ringmauer,  sassen  die  Leibeigeneu 
fremder  Herren,  welche  für  dieselben  die  ,OQllata',  das  Kopf- 
geld. zszHlegen  hatten.  Lautliche  und  (da  die  Gallalen  durch- 
weg faktisch  an  mehr  oder  weniger  steilen  Abhängen  sich 
befinden!  auch  sachliche  Berührung  mit  Goleten  wird  nicht 
für  alle  Fälle  abzuweisen  sein. 

golle(n):  undeutlich,  .unter  der  Stimme' reden  Gr. 

er-gollje(ii)  (auch  -»-):  heftig  erschütteln,  hin- 
und  herzerren  W.   —   Vgl.  das  Syn.  ergeVen. 

Golli,  Gölli:  nur  in  der  den  Namen  Gottes  ver- 
hüllenden Beteuerungsformel  bi  G.  Bs;  Sch.  .Pol., 
adv.  jurandi,  bei  göli.'  Dasyp.  1539.  .Mediu.s  fidius, 
bei  meiner  Treu,  bei  Gölle.'  Denzl.  1077.   —  Vgl.  frz. 

jxtrhleu    für  J"""    I>ieu    udgl. 

bi-gollig  Bs;  L  (auch  Um  G.);  S,  bi-göllig 
Ap;  L;  G;  Sch :  bei  Gott;  sicherlich.  Es  ist  b.wahr! 
BsL.  Göllig  gern,  sehr  g.  L.  ,Jos  göllig,  er  hed  [ja 
freilich  hat  er] . . .'  Zeitvertr.  Z  1700. 

Weiterbildung  aus  Golli,  Gülli  durch  die  beliebte  Endung 
-iji  (vgl.  die  Mittelformen  hiijottlig,  bigopplig)  oder  Umstem- 
pelung  zu  einem  Adv.  nach  Analogie  der  svu.  gebrauchten 
,,v,g.    heilig   udgl. 

wills-göllig  Ap;  G  (in  Ta.  auch  tcülsgoch,  in 
G.  willsgochlig);  Th:  will's  Gott!  (aus  dem  es  cnt- 
.stcllt)  hoffentlich;  wahrhaftig;  ganz  gewiss.  Si  zwü 
[zwei]  sige'd  gueti  Fründ  w.!  G.  Se'6  ist  w.  nüd  wör 
Th.  Dass-evj  [dem  Hunde]  v:  d'  Drirm  nse'keit  [ge- 
fallen] sind.  ebd. 

geliehen  s.  gold-Ucheii. 

(ioUlse"  Aa  (j-AaL.),  Tollise"  Aa;  L;  Z  n.  (in 
ZW.  auch  f.):  unterirdische  Wasserleitung  aus  Steinen, 
überbrückte  Stelle  einer  Strasse.  .Die  Strassen  mit 
gemauerten  Abzügen,  Coulissen  und  Brücken  ver- 
sehen.' Z  Strassenverordn.  1791. 

Aus  frz.  Patois  cnlima  (=  frz.  cotilinw),  tranchee  pour 
li-coulement  des  eaux,  mit  Anlehnung  an  he',  welches  das 
s;cihl.  Geschl.  hervorrief,  wie  in  Fclliaen,  Reminni,  Vemlieli 
(;uis  mlint,  remim;  devise).  In  TolUsen  ist  der  erste  Teil  das 
Syn.  Tollen  (nhd.  ,Dole'),  welche  Unidentschung  durch  den 
urspr.  harten  Anlaut  erleichtert  wurde.  Vgl.  die  ähnliche 
Zwitterbildung  Sigiierne'  aus  ,Cisterne'.  Die  weniger  volks- 
tümlichen Formen  Coliase'  und  Ciifisse"  f.  laufen  nebenbei, 
doch  ist  dabei  u  aus  o  zu  erklären,  weil  das  schriftfrz.  '■•ju- 
ÜHte  nicht  die  Bed.   von  coliim  hat. 

golisieren,  gu-:  lärmen.  Unfug  treiben.  Eine  B 
Verordn.  von  1.571  verbietet  den  Zuschauern  auf  der 
Richtstätte  ,alles  Drängen,  Schreien.  Gulisieren  und 
andere  Ungestümlichkeiten'.  .Die  Ratsknechte  sollen 
sich  des  unzüchtigen  [unordentlichen]  scharaperen  We- 
sens und  Golisierens  vor  der  Ratstuben,  desglichen  uf 
den  Gassen  müessigen.'  1581,  L  Ratsprot.  —  Scheint  zi 
grJen  zu  gehören,  reit  rom.  Abi.;   vgl.  golleien  a.  earinieren 

Göller  allg.,  -o-  in  ä.  Spr.,  L-  Gr  ObS.,  Gallert  Bs 
B;  W  tw.,  Gölder  GRh..  oT.,  We.  —  n.,  in  AAZein.; 
ScnSt.  m.:  Halsbekleidung,  -kragen.  1.  a)  ein  Stück 
der  weiblichen  Landestracht,  vormals  allg.  der  Stolz 
und  die  Zierde  der  Frauen  und  Jungfrauen,  bestehend 
(in  Aa;  B;  S  u.a.)  aus  einem  handbreiten,  viereckigen 
Stück  schwarzen  Sammet  oder  Seide  (In  L ;  Z  Lein- 
wand und  zwar  an  letztem!  Orte  schwarz,  in  besonderm 
Putze  weiss  für  Jungfrauen,  farbig  für  Verheiratete, 


welches  ringsum  den  obersten  Teil  der  Brust  und  des 
Rumpfes  bis  zum  Anschluss  von  Hemd  und  Mieder 
(Brusttitech,  G'stalt,  Tschöpli)  bedeckt;  bei  Vermög- 
ichern  gewöhnlich  vorn  mit  Glaskorallen  und  Silber 
gestickt;  an  den  4  Enden  befestigt  hangen  unter 
den  .\rmen  durchgehende  Silberketten  (GöUerchetteli , 
-schlenggen)  mit  Rosetten  (Göllerrösli),  Birnen,  Gold- 
blättchen und  andern  Zieraten  (Spitzen,  Bändchen), 
je  nach  der  Landesgegend  variierend  Aa  (ref.);  B;  L; 
S;  Sch;  U;  Uw;  W;  ZW\  Sjn.  LMi,  Halskrägli- 
bändel,  Brüechli.  So  bleicht  Bagge'  wie  mi"s  G.  do. 
Stutz.  .Elise  plärete,  bis  es  keinen  Atem  hatte  und 
die  Mutter  in  aller  Eile  das  Göllert  auftuen  musste.' 
GoTTH.  ,Der  Busen  der  [sagenhaften]  Spinnerin  ist 
mit  Geliert  und  Vorpletz  altmodisch  eingeschnürt.' 
W  Sagen.  ,Es  verschwinden  bei  den  Mädchen  die 
sog.  G.  am  Halse  und  ein  rotes  oder  gelbes  Tüchlein 
vertritt  die  Stelle.'  JRWvss  1816.  .Anstatt  des  nied- 
lichen, die  Gesichtsfarbe  hebenden  G.  haben  sich  bei 
den  Reichern  farbige  Seidentücher  eingeschlichen.' 
Gem.  Aa  1844.  ,Von  einem  schlechten  frowenmantel 
mit  einem  goller  2  ß;  von  einem  zw^ifelten  [Männer-J 
mantel  mit  einem  g.  18  ß.'  1409,  Sch  Ratsb.  .Goller, 
halstuch,  collarium.'  XV.,  G.  ,Uss  messgewändern  den 
huoren  göllerlin  machen.'  1527,  Absch.  ,Uss  m.  den 
h.  gölderlin  und  Nabelbindli,  euch  .seckeli  machen.' 
Wthur.  Chron.  c.  1570.  ,Halsband  und  Goller.-  Bin. 
1531/48;  .Göller.'  ebd.  16G7.  ,Die  schweisstüeclile 
oder  göller.'  ebd.  1531/1667.  ,Das  Koller.  Goller, 
Kragen,  colobium,  collare,  mammillare;  HaLstuch, 
Goller,  Müder,  focale,  mammillare.'  Red.  1662.  ,Die 
Mägd  sollend  keine  üssgescbnittnen,  gestrickten,  mit 
Mödelinen  oder  anderer  Arbeit  genäjeten  Göller,  noch 
einiche  Spitz  an  Hüben  haben.'  Z  Mand.  1650.  ,Dass 
die  Weiber  mit  rings  um  den  Hals  beschlossenen 
G-eren  in  die  Kirchen  und  mit  geschlossenen  anstän- 
digen Halstüchern  auf  den  Strassen  umher  gehind.' 
ebd.  1735.  ,Die  Weibspersonen  sollen  sich  enthalten 
des  Tragens  der  weiten  Gölleren.'  ebd.  1744.  ,Wir 
erlauben  den  Weibspersonen  glatte  Mousseline  zu  G. 
und  zu  Riemen  an  die  Hemder  zu  setzen.'  ebd.  1766. 
—  b)  an  der  Männerkleidung:  Hals-,  Hemdkragen  Ap; 
G;  Gr.  Syn.  Brisli.  Auch  der  kragenartig  geschnit- 
tene Teil  des  Männer-  (und  Frauen-)  Hemdes  (Comp. 
Göllerhemd)  über  Nacken  und  Schultern  Ap;  Bs;  Z. 
Nümm  nur  chlei  Schluck  [vom  Enzianliqueur].  mach 
ds  G.  US,  der  chützlet  Eis  [Einen]  bis  in  all  Zeche' 
ÜRPr.  (Schwzd.).  ,Unserm  Sönlin  macht  man  das 
Henibd  aussgeschnitten  wie  die  alte  schweizerische 
Goller  [hier  wohl  Jacke].'  Fischart.  Vgl.:  ,Capitium 
ad  OS  tunic»  Collum  circum  amicit  humeris  injectura, 
veteribus  Alaniannis  Goller,  quasi  collare;  nostrates 
Alamanni  pro  eo  dicunt  Hal.smantel.'  Goldast.  .Wel- 
cher Predikanten  und  G'lehrten  Söhn  und  Tochter- 
männer ufzüchind  gut  alamodisch  mit  Edelmanns 
Stecklinen,  mit  Gölleren  und  langen  Falten.'  1636. 
JJBreit.  —  c)  übertr.,  der  häutige  Kragen  auf  dem 
Nacken  einer  Kuh  Ap  (Hirtenspr.).  —  2.  a)  Brust- 
panzer aus  Leder.  ,Uf  dem  nüwen  Turne  sind  be- 
halten 27  Slappen  [Art  Helme]  und  Cöller.'  1314, 
Lauf.,  Beitr.  ,6  Blechharnisch,  4  Göller.'  1380.  Z 
Staatsarch.  ,Ein  Goller.'  1476,  Sch  Staatsarch.  ,Lorica. 
lederin  göller,  krebs,  brustharnist.'  Fris.;  Mal.  .Ein 
burger  ward  mit  einer  handbüchs  in  den  kragen  ge- 
schossen  und  bleib  der  stein    ijn  goller,    dass    er  nit 


219 


Gal,  gel,  gil,  gol,  gnl 


220 


durchgieng.'  Vad.  ,Es  sind  Etliche  [Eidgenossen],  die 
anstatt  der  Harnischen  Göller  aus  Elends-  oder  sonet 
Ochsenhäuten  gemacht  brauchen.'  JosSimml.  1576.  — 
b)  Göller,  Name  der  ehemaligen  fürstäbtischen  Reiter- 
kompagnien in  G  [um  1790],  von  ihrem  dichten,  gelb- 
ledernen Koller. 

Ahd.  kollicr,  gdlier,  frz.  cMier  aus  lat.  collarium,  wie 
,Saller'  ans  aolarium.  Der  Uml.  aus  dem  PI.  in  den  Sg.  ein- 
gedrungen, wie  die  historischen  Belege  zeigen,  im  PI.  selbst 
daraus  zu  erklären,  dass  man  das  -er  dem  der  Neutrapi.  auf 
-er  (mhd.  -ir)  gleichsetzte;  -(  angeschossen  wie  in  yealert, 
Puffert  u.  a.;  -!d-  aus  H  entwickelt  wie  in  Ckolder  aus  ,Koller'. 

Hals-:  1.=  Göller  1  a.  ,Uss  dem  messgewand 
wurdent  den  frowen  vil  halsgelleren  gemacht.'  Edlib. 
1526.  ,Ein  zal  halsgöller.'  Aal  1549.  ,Focale,  ein  h. 
für  Irost  und  kälte.  Mamillare,  ein  bru.sttuech,  h.' 
Fris.;  Mal.  —  2.  Stück  der  Männerkleidung,  vgl. 
Göller  Ib  u.  2.  ,Der  Bilger  soll  han  ein  lidernen 
halsgoler.'  Stockar  1519.  —  Hemd-:  Hemdkragen 
bei  Männern  und  Knaben  GKh.  —  Lib-:  ,Sein  [des 
Elenns]  haut  gibt  gar  guote  leibgöller,  das  stich  und 
schwertschläg  aufhebt.'  Tierb.  1563.  S.  Gijller  2.  — 
,Ledergoller,  lorica.'  Mal.  =  Göller  2. 

Göller  n  s.  Gol  2. 

Gnl  I  m.:  Gaul,  Pferd  Aa;  Gr;  L;  GRh.;  S.  Der 
Cr.,  de"  de'  Haber  verdienet,  frisst  e"  [ihn]  nid  L. 
Wenn  er  am  erste'  Lug  es  Boss  cj'ge  [gegeben]  hätt', 
er  war'  en  alte  G.  ebd.  Gross  und  fül  git  (ist)  au'''  en 
G.  Gr;  GRh.;  Sch;  Z,  gemünzt  auf  grosse  aber  träge 
Personen.  1.  grosses,  starkes  Pferd,  Arbeitspferd. 
Striglen  und  bürsten  a'  dene"  Gülen  um.  .Ioachim.  — 
2.  geringes  Pferd  Gr.  Auch  übcrtr.:  e'  grosse"  G., 
verächtlich,  ein  grosser  Mann  Gk;  GWe.;  daher:  Er 
hät-eni  [ihm]  alli  Schand  und  Gaul  g'seit.  Süterm. 
—  3.  Reit-,  Streitpferd.  , Bering,  schneller  Gaul, 
der  daher  lauft,  als  ob  er  fliege,  ales  equus.'  Mal. 
,Keiser  Adolf  ward  von  sinem  gul  [herunter]  ge- 
stochen.' RüEGER  1606.  Bildl.:  De'  best  Gaul  stolperet 
öppen  e'-mol.  Suluer.  Vom  G.  uf  der  Esel  cho  [kom- 
men], ebd.  A'  's  Meine'  und  Glaube'  bindt  me  [man] 
kein  G.  fest.  ebd.  .Jeder  seinem  G.  schau  zum  Maul.' 
1706,  Gl.  In  ä.  Spr.  bes.  die  RA.  vom  [zum  Angriff] 
gehenden  Pferde :  ,Da  liess  er  [der  Priester]  den  Gul 
inher  gän  [geriet  in  Harnisch,  eig.  spornte  das  Pferd 
zum  Angriff],  ze  strafen,  dass  wir  die  fürbitt  der  hei- 
ligen verwurfend.'  1529,  Strickl.  ,üu  bist  im  z' jung 
und  z'  glatt  um  's  mul,  wärist  erst  elter,  so  gieng  der 
g.  [so  hätte  deine  Behauptung  Wirkung  und  Erfolg].' 
NMan.  1526.  Ähnlich  Salat  1537:  ,den  g.  Ion  gan.' 
, Mittler  zit  ward  vil  zwüschet  den  partien  an  die  band 
genommen,  si  gänzlich  ze  verrichten  [versöhnen].  So 
wollt  der  gul  doch  nit  gon  [die  Sache  geriet  ins  Stocken] 
und  truog  der  tüfel  alwenzuo  [stets]  etwas  in  die  sach, 
dass  nünt  [Nichts]  daruss  ward.'  Vab.  ,Die  narren  lasst 
man  toben  und  treiben  iren  g.'  ValTscbüdi  1533.  ,Kouft 
er  ir  's  nit,  so  henkt  s}-  's  mul  und  blitzget  wie  ein 
böser  g.-  Aal  1Ö49.  .Meisterwurz  hilft  dem  erstor- 
benen [impotenten]  mann  wider  auf  den  gaul.'  Bock 
1577.  —  4.  Hengst.  , Wegen  dem  Gul  und  ganzen 
Hoodstiereii.  Damit  die  Erjüngerung  des  Vychs  desto 
besser  befördert  werde,  mag  ein  G.,  so  man  uf  die 
Alp  ordnet,  frei  laufen.'  Alprecht  BHa.  1749.  Bes.  in 
alliterierender  Formel  mit  Gurren  [Stute]  verbunden 
i.  S.  V.:    Eins    wie    das   .\ndere,    in   gleichem  Werte, 


vgl.  Heiri  was  Hans  -u.  ä.  ,Und  ward  die  sach  bericht 
[geschlichtet],  schad  gegen  schad  und  gul  an  gurren.' 
Jdstingeb  c.  1420.  ,Man  sach,  dass  gurre  glich  was 
wie  g.'  Eckst.  1526.  ,Ir  sind  zuo  beiden  syten  [beide 
Parteien]  ful  und  ist  warlich  fast  gurr  als  g.'  NMan. 
1530.  ,Es  ist  eben  Gurr  als  Gaul.'  Met.  Hort.  1692. 
Vgl.  noch  Güd  (Göl)  um  Gätsch.  —  5.  Geschln.,  in 
Z  schon  vor  1500  (Leu).  , Adelheid  Gul  von  Basser- 
storf.' 1504,  Edlib.  Der  jetzige  Geschln.  Gull  in  Tb; 
ZVolketschw.  könnte  Verdumpfung  aus  Goll  sein;  doch 
vgl.:  ,Uoli  Gul  von  Hegnau.'  1531,  Bull.  Auch  Bergn. 
Gr  und  davon  viell.  der  dortige  Geschln.  Guler.  — 
Zu  dem  Bergn.  vgl.  £«e/,  Hemjst. 

Acher-:  Pflugpferd  S.  —  Post-.  , So  mager,  wie 
ein  alter  Postgaul.'  Bs  (Breitenst).  —  Schind-: 
Pferd,  reif  für  den  Schindanger.  D'  Boss  si"'  worde' 
wie  alt  Schindgül  S.     Vgl.  ,Schindmähre'. 

Guless  m.:  mageres  Zugpferd  SRech. 

Mit  der  nicht  seltenen,  meist  einen  verächtlichen  Neben- 
liegriif  mit  sich  führenden  Endung  f-e»«)  -w«  weitergebildet. 
Vgl.    (!äy</is  (Sp.    168),    GäuggiH  (Sp.    174). 

Gul  II  m.:  Hahn.  Ausser  in  der  ä.  Spr.  nur  bei 
Hebel:  Der  G.  uff-em  Chilcheturn.  Für  Aa  u.  Z  gibt 
St.°  Göl  q.  V.  ,Eicr,  huener,  güU.'  Met.,  Wint:  Chr. 
c.  1550.  .Das  Werfen  nach  lebendigen  Hähnen  als 
Spiel  und  Volksbelustigung  im  XVI.:  ,[Der  Urheber 
des  Schiessfestes]  hat  auch  ein  obentür  ussgeben;  die 
ist  g'syn :  Ein  güggelnest  hett  er  an  ein  pfal  gebunden 
und  hett  3  bengel  von  erlinem  holz  trayen  [drechseln 
lassen]  und  welcher  mit  disen  bengeln  zun  güU  hett 
wellen  werfen,  hett  sollen  ein  costenzerpfennig  ggben 
von  einem  wurf  und  welcher  aller  merest  g.  ze  tod 
wurf,  der  soll  die  abentür  g'wunnen  haben.  Der  wurf 
ist  in  der  wyti  g'syn  14  schritt.'  ebd.  ,Gallus  galli- 
naceus,  von  den  Teutschen  Han,  Gul  und  Güggel  ge- 
nennt.' VoGELB.  1557.  .Hanen  oder  Gulen  (PI.).'  HBüll. 
15.57.     Syn.  Gulli,  Gülli.     S.  noch  Gulligü. 

Wahrsch.  identisch  mit  Gal  I,  welches  im  Ahd.  auch 
Eber  oder  männliches  Tier  übh.  bedeutet.  Zu  der  Form 
Göl  Tgl.  noch  ,Gollstein'  bei  Simrock,  Mythol.  387  =  unserm 
GüggelHleln.  Hieher  viell.  auch  der  Personn.  Gülenieser  c.  1500, 
Arch.  SchwE.,  i.  S.  v.   Feinschmecker,  Schlemmer. 

Gnl  III  f.:  das  Ungewisse,  Geratewohl.  Nur  in 
der  RA.:  uf  G.  g'e  [geben],  auf  Risiko  geben,  auf  Treu 
und  Glauben  borgen  AAZein.  —  Das  Geschl.  ist  wohl 
zweifelhaft. 

Hundert-,  nur  formelhaft  in  einer  Art  Spiel,  bes. 
zur  Herbstzeit.  Es  hält  Jrad  vor  einer  Kinderschar 
einen  Gegenstand,  bes.  Nüsse,  Äpfel,  Birnen,  empor 
und  mit  dem  Rufe:  (Uf)  H.!  Wer 's  ufhebe'  will,  sei 
nit  z'  ful!  wirft  er  die  Sache  weit  weg,  worauf  ein 
Jedes  sich  beeilt,  dieselbe  zu  erhaschen  AAZein. 

gflle" :  in  grossen  Flocken  schneien  GW.  S.  auch 
Fazenetli.  —  Viell.  zu  Gül  II,  da  das  Schneien  in  kleinen 
Flocken  mit  dem  Bienenschwarm  verglichen  wird  (s.  lijelen). 

Grile°  f.,  Dim.  Güleli:  Beule,  Blatter,  bes.  von  den 
Pocken,  der  Räude  Aa  ;  Bs.  GiUeli,  Eiterhläschen  Bs, 
Hitzbläschen,  bes.  an  den  Lippen  AaFtI.    Syn.  Gügen. 

Gülen  kann  aus  Gaißen  zsgez.  sein.  Vgl.  auch  mhd.  gilll, 
scrophula  und  EltergüU  Schm.-Fr.  Da  aber  das  Syn.  Bibeli 
sowohl  ,Hühuchen'  als  ,Eiterbläschen'  bedeutet,  kfinnte  Galen 
auch  zu  GüU  Hahn,  gehören  und  nach  dem  weiblichen  Syn. 
Gugra,   Blaieren  udgl.  gebildet  sein. 

Hitz-Güleli:    Hitzblättercheu  AAFri. 


1.  SnI 


tinlli  Ap;  VOrte;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  ZRichtersw., 
Giilli  LHabsb.;  aScuw;  UwK.  (neben  -«-),  PI.  -lene' 
m.:  I.Hahn,  a)  Haushahn,  auch  Hahn  auf  dem  Kirch- 
turm, allg.  Neben  Güggel  tw.  mehr  mit  scherzhafter 
Färbung  und  in  der  Kinderspr.  Der  G.  schlät  i" 
(V  Trumme',  d's  Hüendii  tanzet  uinme'  Gl.  Salomi 
tuet  d'  Hüender  i",  lät  der  G.  laufe';  es  chunnt  e 
fründe"  Bettelma"'  und  wott  der  G.  chaiife'.  ebd.  Mir 
[wir  Schweizer]  sind  iez  nur  ei"  Fdiiiilll.  hrürlit  's 
denn  aw''  e  frönde  Giilli,  wenn  sust  li  Ilnriicr  luiit/ 
sind?  HXfl.  1803.  ,Ein  adler  im  [ihm]  den  !,nili  iiain'.- 
Inschr.  bei  Lachen  Scuw.  ,Es  durfte  Keiner  mehr  als 
t'i  Hühner  sammt  einem  Giilli  halten.'  Dettling  18G0. 
.Der  Han,  Gukel,  Gule.'  Red.  1662.   Syn.  Gür/gel,  Gül  II. 

—  b)  Truthahn,  meleagris  gallopavo  GuMaienf.;  üwE.; 
auch  mit  dem  Zusatz  , welsch'  L.  Er  hat  en  Chopf 
trie-n-en  G-,  rot  wie  ein  welscher  Hahn  Sch.  Syn. 
Gulligü,  Gurri,  Gurriröter.  —  2.  Guli !  G. !  Z  u  r  u  f  an 
die  Hühner  Gr.  —  3.  übertr.,  ein  lustiger  Bursche 
Ni)w,  ein  unbesonnener  Plauderer  L,  Prahler  ZO. 
(GülliJ.  .Schwyg  du,  Gulü'  sagt  ein  Vater  von  Zg 
zu  seinem  vorlauten  Sohne.  1523,  Abscu.  ,Du  g.,  wenn 
willt  witzig  werden,  wenn  d'  hüener  fürsich  [vorwärts] 
kratzend  d'  erden  V  Aal  1549.  ,Uu  wüester  g.,  grober 
filz!'  ebd.  ,Dass  dich  der  ritt  [Fieber]  als  gulis  schütt! 
Wenn  hast  guueg  g'schwätzt  und  g'klappret  hüttV 
KuEF  1550.    ,Narr,  g.,  blennus,  fatuus.'  Mal.  S.  Gauch. 

—  4.  Pflanzenn.  a)  Guli,  die  rote  Varietät  des  Lerchen- 
sporns, corydalis  cava,  während  die  weisse  Henne' 
heisst  GWe.  Syn.  Gügerügii;  Goli  1  b;  Hane'.  — 
b)  Güli  und  üim.  Güleli,  Orchisarten,  bes.  o.  masc, 
morio  und  maculata.  ebd.  Vgl.  , roter  Gukuk',  orchis 
latif.  —  5.  Eigenn.  a)  G.  und  Guller,  Geschln.  in  Zf. 
b)  Hundename:  ,ein  Vogelhund,  genannt  Guli.'  Z  1504. 
e)  Name  eines  Hofes  LUdlig. 

Gebildet  wie  ein  nomeo  ageutis,  wiewohl  kein  Vb.  gullen 
vorhanden  ist.  Ähnlich  das  Syn.  GuUei-  bei  Feiner  1803; 
vgl.  ,die  huhuer  und  gülerlin'  in  einer  Miilhauser  Urk.  4  von 
dorn  hahnenkauimartigen  roten  Blütenstrauss  beider  Pflanzen; 
vgl.  noch  (nii/yellMinbcn.  Zu  4  a  vgl.  östr.  ,Giggerehaner', 
bair.  ,Gackelhanblueni'  und  die  gemeindeutschen  Namen; 
.Hahnenkamm,  Hahaensporn'.  Doch  scheint  Mischung  mit 
f!öU  1  h  (s.   d.)  Statt  gefunden  zu  haben. 

Wild-:  Weibchen  des  Auerhahns,  tetrao  urogallus 
GA.  (Alpina  1827).  Syn.  Ur-,  Gugel-,  Wild-Huen.  — 
Wahrsch.   n. 

Zit-;  ein  Hahn,  der  nur  zur  bestimmten  Zeit 
kräht  ScHwE. 

Gnllign  Ap;  L;  Sch,  „Güligü  VOrte"  m.:  1.  Trut- 
hahn Ap;  L;  Sch.  Syn.  Gulli  1  b;  Gurri.  Welsch 
welsch  Hüne",  träg-mi'''  i'-der  Zäne'  [Zeinen,  Korb]; 
bi"  grösser  weder  du,  Guli  Guli-gü!  Sch  (Kinderreim). 
--  2.  „Haushahn  VOrte."    Syn.  Güggel,  Güggehü! 

Für  die  Etymologie  des  Namens  dieses  irrtümlich  aus  Ost- 
indien statt  aus  Amerika  hergeleiteten  Vogels  liegen  zwei  Mög- 
lichkeiten vor;  entw.  Entstehung  aus  Calhut  (vgl.  ,Gallopavus' 
ein  indianisch,  kalekuttisch  oder  wälsch  huen.'  Vngelb.  1557) 
durch  Anlehnung  an  Gulli,  wie  frz.  dintle,  dindon  aus  (poule, 
ruq)  d'Inde,  oder  dann  aus  Gidli-gü(l),  einer  Zss.  wie  Omjijei- 
hun  und  Gugelhan,  welch  letzteres  auch  den  Auerhahn  be- 
zeichnet. Zulässig  ist  aber  auch  die  Annahme,  ff.  sei  eig. 
blosser  Lockruf  des  viel  geneckten  Vogels,  reduplicieread 
gebildet;  vgl.  JSibi,  Bobouas,  llujipenho,  Schlumjximp  u.a.,  mit 
Zugrundelegung  von  Gulli  und  Nachahmung  der  Stimme  des 
Puters;   vgl.   Gügciehü. 


-Oulilger,  Gulungger  m. :  ein  verächtliches, 
schlechtes  Ding  in  seiner  Art,  lebendig  od.  leblos  LG." 

Wahrsch.  durch  Vocaleinschub  aus  Glugger  und  Glungger, 
wie  Galangger  aus  Glangger,  und  daher  wohl  Giduggcr  an- 
zusetzen. 

Gül  m. :  kleiner  Holzpflock  mit  einem  Einschnitt, 
einer  Nase  (oder  auch  kurzes,  an  beiden  Enden  zu- 
gespitztes Aststück),  beim  Spiel  gülen  gebraucht  GS., 
T.;  ZReg.  Syn.  Niggel;  Bolz;  TötzU.  -  Aus  dem  folg. 
Vb.  abgel. 

gülefn)  (-»-):  i^in  Spiel  der  Knaben.  Der  Gül  wird 
von  riih'in  -rliirr,i,|i(ii,l<'ii  1 '  fahle  (resp.  das  am  Boden 
liegcii^l.-  A-iMihk  .lui.h  S.hlagen  auf  die  Endspitzen) 
mit  einer  hulzcrncii  S^cliaufcl  oder  einem  Prügel  (Ell) 
weit  weg  geschleudert.  Die  Gegenpartei  sucht  ihn 
aufzufangen.  Gelingt  dies  nicht,  so  wird  die  Distanz 
mit  dem  Schlag.stab  abgemessen.  Die  Partei,  welche 
mehr  , Ellen'  (GT.)  oder  .Güle"'  (ZReg.,  wo  9  Ellen 
einen  G.  geben)  hat,  bleibt  Siegerin.  Syn.  niggelen, 
güflj-nigglen,  hornigglen;  bölzlen,  tötzlen. 

Wohl  von  Gal  II.  Das  Spiel  ist  übrigens  weit  verbreitet: 
,Gill  schlajen'  Elsass,  ,möckelen'  Schwaben,  rätorom.  dar  h 
gcrla.    frz.   guine. 

Gülle-  {l-  BSi.)  f.:  1.  Wasserlache.  Tümpel,  bes. 
vom  Regen  gebildet,  gleichviel  ob  klar  oder  trüb; 
dann  Kotlache,  Sumpf;  Ansammlung  von  Jauche  Aa; 
Ap;  Bs;  B;  VOrte;  Gr;  G;  S;  W.  Und  lauft  uir- 
nö  [nach],  sc  sinkt  me'  in  e  G.  Hebel.  Er  haltet 
tapfer  de"  liegen  uf  mit-eni  Filzhuet  und  p fallet 
[watet]  wacker  dur'''  d'  G.  uf  der  Ströss.  Breitenst. 
1864.  ,Wenn  Zeberg  [der  Schuldige]  Obgesagtes  wird 
erfüllen,  wird  er  austrocknen  seiner  Sünden  G.'  Schwz. 
ErzXhler  1856.  ,Ein  weg  über  das  ägkerli  zuo  der 
g.  der  zeig.'  1433,  ScnRüedl.  .Gott  hat  in  [Luther] 
die  statt  Rom  soeben  lassen  als  den  cistern  und  g.,  uss 
welichen  verfüeruni,'-  uf((iiellet.'  Kessl.  1539.  ,Palus, 
ein  pfütz  oder  iMoskulirn,  i;.-  Fris.  .Volutabrum,  mist- 
lach, katlach.  i,'-.  dariii  ,sirli  die  seüw  walend.'  Fris.; 
Mal.  .Lassest  dem  Pferd  sein  Muet  und  Willen, 
wirft's  dich  vom  Sattel  in  die  G.'  Barzäus  c.  1050. 
,G.,  pfui,  lache,  lacuna,  palus;  coenosa  aqua.'  Red. 
1662,  neben  .gul,  lacuna.'  1656.  , Palus,  pfützen.  la- 
chen, g.'  Denzl.  1677;  1716.  Vertreten  in  zahlreichen 
Flurnn.,  auch  in  Gegenden,  wo  der  appellative  Ge- 
brauch aufgehört  hat.  , Streuland  in  der  G.'  ZPfäff. ; 
,in  der  blauen  G.'  ZUst.;  ,in  der  Wi'g.\  Reben  in 
ZHott.,  schon  1727;  ,in  der  Katzeng.'  TnDän.;  .der 
G-acher.'  Arch.  Weit.  1653;  ,der  G-graben',  Graben 
mit  stagnierendem  Wasser.  Glur  1835.  Gülle'  in 
GBalg.  Name  der  Aach  bei  ihrer  Mündung,  weil 
sie  da  von  Lehmerde  gefärbt  ist,  was  auf  Bed.  2 
Weist.  In  den  G.,  Wildsaulachen  im  Walde  AAVillig. 
In  WLeuk  ,eine  Roos-,  eine  Heil-  und  eine  Kotz-G.', 
das  angesammelte  Wasser  der  Badequellen  bezeichnend. 
Hieher  gehijrt  auch  der  Geschln.  Güller,  Anwohner 
einer  G.:  ,Jak.  G.'  ScnwPfäff.  14'27;  ,Hänsi  G.  von 
ZDällikon.'  1529.  Scherzhaft  übertragen  vom  Tümpel 
oder  Teiche  auf  Seen,  ja  das  Meer  in  folgender  An- 
wendung: Er  ist  über  d'  G.  use",  er  ist  über  den  (Vier- 
waldst.-)See  gereist  UwE.;  d' G-,  uo  d' Schwiz  m» 
TütschhiKl  srhrhll  [der  Bodensee].'  HXfl.  1813;  «/" 
der  Cr,,  aiil  drill  Weltmeer  GRh.;  über  d'  G.  fare", 
nach  .\iiierik;i  i^elicn  ScuwE.  ,Die  gross  G.',  der  Ocean. 
B  Hink,  Bote   lS-_'2;    vgl.  waadtl.    .la    iimn  gollha,    hx 


(ial— gnl.     Galb—gulb.     GaU— guUl 


224 


mer,  et  aussi  le  lac  Leman.'  (Bridel).  Ins  Kleine,  ge- 
wendet dagegen  ist  die  Anwendung,  wenn  G.  in  GrL. 
zerschmolzene  Butter  oder  Gilleli  in  Ndw  gar  nur  einen 
Tropfen  Flüssigkeit  auf  dem  Tisch  bezeichnen  kann. 
Syn.  Gumpen;  Gunten;  Glunggen.  —  2.  Jauche  zum 
Düngen  Aa;  Ap;  Bs;  B;  Gr;  L;  G;  S;  Schw  tw.;  Th; 
Uw;  Z;  Zg.  In  der  ebneren  Schweiz,  zumal  seit  Ein- 
führung der  Stallfütterung,  neben  dem  .Mist'  das 
Hauptdüngmittel,  übrigens  in  2  Spezies  zerfallend,  je 
nachdem  dazu  die  Exkremente  vom  Vieh  (Vieh-, 
Küe-G.)  oder  vom  Menschen  (Hüali-G.J  vermengt  mit 
Wasser  verwendet  werden.  Im  Herbst  de''  Mist,  im 
Früelig  d'  G.  tuet  dem  Bür  die  Schüre'  fülle'.  Sprw. 
Chlär  tvie  G.,  sarkastisch  von  einem  unklaren  Ar- 
gument Z.     Syn.  Lachen;  Mistbrüe;  Beschütti. 

Mhd.  gUlle,  Lache,  Pfütze.  Ein  echt  alem.  W.,  das  in 
der  Schweiz  seine  eigentliche  Heimat  und  seine  reichste  Ent- 
faltung hat,  wie  sein  Eindringen  zu  den  romanischen  Nach- 
barn (frz.  la  gMhn,  gottie,  gouille,  rätoroni.  la  tjüla),  sowie 
der  Umstand  beweist,  dass  dasselbe  erster  Bestandteil  von 
über  40  Zssen  ist,  deren  Mehrzahl  zu  Bed.  2  gehört,  ein 
Zeugniss  zugleich  für  die  landwirtschaftliche  Betriebsamkeit. 

—  Nach  Bed.  2  liegt  Vwdtsch.  mit  , Galle'  nahe;  doch  zu 
Bed.  1  stimmt  merkwürdig  finn.  l-ulju,  auch  nd.  kute  und 
koH;  während  die  Laute  sich  nicht  dazu  fügen;  eher  engl. 
ijill,  Vertiefung,  Wassergraben,  und  noch  mehr  mnd.  yole, 
goel,  m.  u.  f.,  Sumpf,  feuchte  Niederung.  —  Der  Mittelbegriff 
zw.  I  und  2  ist  Mistlache,  d.  h.  das  in  der  Mistgrube  vor 
dem  Stall,  wohin  die  gebrauchte  Streue  geworfen  wurde,  sich 
sammelnde  schmutzige  Wasser.  Vgl. :  ,Es  soll  niemand  im 
dorf  kein  g.  in  der  gemeindstrassen  streuen  |d.  h.  die  Mist- 
lache bis  ins  Strassengebiet  ausdehnen],  bau  [Dünger]  zu 
machen,  damit  nienkli'hs  iintrthindert  faren  und  wandlen 
möge.'  1591,  GrHr.  (Ztsclir.  f.  schwz.  R.).  0.  daher  in  ge- 
wissen Gegenden,  z.  B.  Bs.  .S|iitzname  der  Bauern  von  Seite 
der  Handwerker  odfi  Städter,  iilinl.  OüUi-'-Hünd  und  -Wünn. 

Aprille"-Gülle":  die  Regengüsse  und  das  Sudel- 
wetter im  April.  Nur  im  Bauernsprichw. :  Ahrelle'-G. 
tuet  de"  Pure'  d'  Chäste'  {Schüre'  und  Ch.  S)  fülle'. 
allg.  Merze'stauh  und  A.  tue'  de"  P.  d'  Spicher  f. 
FMa.  Merzeschne  wie  Gift,  A.  wie  Mist  AaL.  Vgl. 
das  gemeindeutsche:  .Trockner  April  ist  nicht  der 
Bauern  Will.' 

Der  fruchtbare  Aprilregen  ist  in  der  Wirkung  gleich- 
gesetzt derjenigen  von  Güllen  2;  da  aber  der  April  zugleich 
die  Zeit  des  Düngens  ist,  mag  das  W.  vom  eigentlichen 
Düngen  mit  Jauche  ausgegangen  sein. 

Ve"^""-,  Chüe-:  die  von  dem  Auswurf  des  Rind- 
viehes gewonnene  Jauche  Z.  Syn.  Mist-G.;  Küeh- 
graben.  —  Frosch-:  Tümpel,  Sumpfstelle,  wo  Frösche 
sich  aufhalten  Aa;  Z.  —  Hüsli-:  Abtrittjauche  Aa;  Z. 
Syn.  Schi^s-G. 

Maie"-:  Merzestaub,  Abrellelaub,  31.  tuet  de"  Pure' 
d'  Chäste"  fälle"  UwE.  -  Die  Höhe  der  Lage  m.<icht  hier 
Mai  statt  April  begreiflich. 

Mist-:  1.  Mistpfutze  B;  L.  ,Wie  in  einer  Misti-g., 
wo  alles  voll  Gugenmöne  [Unken]  rufen.'  Inderbitzi 
1826.  ,Es  [das  Fuhrwerk]  gieng  einer  M.  zu  und 
Anna  Bäbi  meinte,  es  gehe  ihm  wie  dem  Pharao  im 
roten  Meer.'  Gotth.  .Stercorata  coUuvies  cortis,  mistg., 
mistlachen.'  Fris.  ;  Mal.  ,Ist  die  Todesgefahr  vorüber, 
so  laufen  sie  den  M-n  ihrer  Wollüsten  wieder  so  be- 
gierig zu  als  zuvor.'  JJUlr.  17-33.  —  2.  Mistjauche 
B;  L;  üw.  .Die  M.  [um  den  Düngerhaufen]  lief  hin, 
wohin  es  ihr  beliebte.'  Gotth.    „Syn.  Mistgüllenwasser. " 

—  Schioder-:  die  nach  dem  Eintunken  und  Rühren 


des    Stallmistes    im    , Kühgraben'    gewonnene   Jauche 
ZKn.     Syn.  Flotsch-G.  —  SiMode,-,  dünner  Brei. 

Schnee-:  Pfütze  von  Schneewasser  Obw.  — 
Stall-:  ==  Küe-G.  Z.  —  , Wasser-:  Wasserpfütze, 
allg." 

güllele":  nach  Jauche  riechen,  allg. 

güUe"  (jTM?/««"  GWe.):  Jauche  austragen,  -fuhren; 
mit  J.  begiessen,  düngen  Aa;  Ap;  S;  Z. 

gülleriere":  =  gülle'  Bs. 

güll-ig,  -achtig:  „pfützig,  einer  Pfütze  ähnlich; 
Mistjauche  enthaltend,  allg."  .Paludosus,  mosachtig, 
güllachtig,  voll  pfützen.'  Fkis. 


gelb  s.  gehe. 


gilb-  s.  gilw- 


„Gildi:    w.  Taufn.,  Hermengild  ü." 

bi-Gold  s.  Gott. 

er-goldere"  (-Ö- GSev.):  1.  (intr.)  vor  Frost  oder 
Schmerzen  zittern  GRh.  —  2.  trs.  schütteln,  z.  B. 
einen  Baum.  ebd.  Vgl.  erguderen,  ergolljen  und  er- 
bolderen. 

Gold  er  s.  Göller. 

Golil,  veraltet  Guld  n.:  Wi"  wie  G.,  goldgelb  Z. 
Gold  (als  Metall)  in  vielen  RAA.  En  Tag  wie  G. 
[so  schön]  ZS.  En  Ma""  (treu)  wie  G.,  von  gold- 
lauterm  Charakter  Z.  Weisse'  [Weizen]  so  gel''  wie  's 
G.  im  Lade'  Z.  Ei"m  's  letzt  Tröpfli  G.  ge;  das 
letzte  Goldstück  Z.  Er  [der  Kranke]  ist  gel  worde" 
wie-n-es  Göldli,  sogar  's  Wüs  ro"  de"  Auge'  Z.  Wenn 
man  auf  das  Weinen  eines  Kindes  aufmerksam  gemacht 
wird,  so  sagt  man  in  beruhigendem  Ton:  Es  schreit 
ke'  Gold!  [sein  Schreien  hat  Nichts  zu  sagen]  Z. 
Wenn  man  Etw.  entlehnt,  das  der  Eigentümer  nicht 
gern  hergibt:  Es  tiird-em  wol  rkei"  G.  abgä"  [es  wird 
von  seinem  Werte  beim  Gebrauche  Nichts  abgehen, 
gleichsam  abgerieben  werden]  Z.  Glattfelder,  Höngger, 
Hettlinger,  Sternenberger,  Tössegger  G.,  so  viel  als 
.Katzengold';  auch  etwa  Höngger  G.,  's  Pfund  um-enen 
Schilli'g  [z.  T.  entlegnere  ZOrte,  an  die  sich  der  Volks- 
witz heftet].  .Dass  Gott  mit  solcher  ruoten  oder  Züch- 
tigung (wie  man  von  den  kinderen  g'meinlich  sagt) 
inen  das  g.  in  buosen  lege.'  RGualth.  1584.  ,[Der 
Abt]  soll  ohne  silber  und  gold  [ohne  dafür  Entschä- 
digung fordern  zu  dürfen]  und  wann  es  die  notturft 
erforderet  glycli  zue  14  tagen  umb  g'richt  und  recht 
halten.'  ItJlo".  Okf.\.  oUtzw.  Z'  (Aa;  Gl;  GrHc.,  Pr.; 
GA.),  irr-  (BO.;  ä.  Lit.  .für')  Gold  gä;  vergold(eJt  gä", 
vergolde"  Gr:  untergehen,  von  der  Sonne  Aa;  BO. ; 
Gl;  Gr;  GA.  D' Sunnn  ist  am  Vergoldgä'  g'si"  OrPt. 
(Schwzd.).  D'  S.  will  vergold  BHa.  Auch  vom  Monde 
GrD.  Vergold  sl',  untergegangen  Gr.  ,Am  dritten 
tag,  so  die  sonn  für  gold  gät,  so  so"°nd  die  pfand  us- 
gerüeft  syn.'  1466,  GGebhardsw.  Oifn.  und  ähnlich  in 
den  gleichzeitigen  Offn.  von  GBurgau,  Sulgen,  oBüren. 
,Also  gieng  die  richtung  an  uf  tatem  [Datum]  des- 
selben tags  und  wert  bis  uf  Santjörgen  tag,  so  die 
sunne  virgelt  zue  gnaden  gieng.'  Edlib.   ,Es  soll  yeder 


Galil,  g.'KI,  güd,  ffoM,  Riild 


zue  fiueyer  uiesszyf  an  die  arbeit  stau  und  nit  wyclicn, 
bis  die  sonn  vergolt  ist.'  1491,  Gr  (Ztschr.  f.  schw.  R.). 
.Occasus  solis,  nidergang  oder  das  vergoldgon  der 
sonnen.  Sole  occiduo,  wie  die  sonn  für  gold  was. 
Condere  dieni  in  collibus,  da  sein,  bis  die  sonn  für 
gold  gat,  bis  die  sonn  hinder  den  Berg  gat.  So  die 
sonn  nidergat  oder  fürgold  gat.  Die  sonn  ist  nider- 
gangen, ist  vergold.'  Fris.  ,Die  sonn  will  fürgold, 
die  nacht  ist  vorhanden,  sol  ruit.'  Mal.  , Gleich  der 
Sonne,  wann  sie  des  Abends,  wie  wir  zu  reden  pflegen, 
zu  Golde  gehet'  JJÜlr.  1733.  .Am  Abend,  weil  eben 
die  Sonne  zu  Golde  gieng.'  Tobl.  VL.  S.  noch  Vesper. 
i^bertr.  auf  andere  Gegenstände:  dem  Anblick  ent- 
zogen werden,  z.  B.  von  einem  Manne,  der  um  eine 
Ecke  biegt  BO.;  Gr.  „Er  ist  mir  vergold  gegangen, 
ich  habe  ihn  erst  vorbeigehen  sehen,  habe  ihn  erst 
aus  dem  Gesicht  verloren.  Er  ist  lustig  vergoldet, 
schnell  verschwunden,  unsichtbar  geworden  GRAnt." 
l)'  March  heind-sch'  [haben  sie]  nid  finda'  chönna", 
(ib'ir  schi  ist  au"''  rila  [beinahe]  O;rgoh  im  Bode'  und 
itbarwasmat  [mit  Rasen  bewachsen]  (fsl'  GrD.  Von 
einem  im  Wasser  udgl.  versinkenden  Gegenstand  Gr. 
Amol  [einmal]  is(  .j  Kua  ihi"  [in  den  See]  g'fallo"  und 
dri"  ersoff'a';  si  ist  (j'rad  c'rgold  g'gangw  (Schwizerd.). 
Es  hed  im  Mied  teufi  Atalöcher  [Luftlöcher],  i'  dena' 
die  grösst  Lama  vergoldati.  Zur  Neige  (von  Lebens- 
mitteln), zu  Gruudc.  verloren  gehen,  abhanden  konmien 
BBe.;  Gl;  Gh.  De  [du]  gast  no'''  z'  G.,  zu  einem 
schwächlichen  Kinde,  das  in  seiner  Entwicklung  mehr 
rückwärts  als  vorwärts  geht  GlK. 

.\mhd.  (johl.  Das  W.  lebt  auch  ia  Fhinin.  ,Iiii  Gold', 
Wiesen  in  ZZull.  u.  Wyt.,  gegen  SouDeuuntergang  geneigt; 
vgl.  ,Goldsiten',  Höfe  iu  LEntl.  n.  Komoos;  die  ,Gold-acli', 
Fl.  iu  Ap  u.  G,  die  .Gold-a',  Bath  in  BE.;  ,in  der  Goldey', 
Landstrich  zw.  dem  Härder  und  der  Aare  [=  Goldau  SchwJ, 
,G-Acker'  Seh,  ,G-Halden'  Z,  ,G-Bach'  B;  L;  Z,  ,Gcjldeuberg' 
ZWthiir,  Zoll,  (im  adhenij),  ,Goldberg'  GSchmer.,  ,Güld- 
bnmnen'  LRain,  ,G-Rain'  Seh,  ,Goldi-  und  Golds- Wyl'  BO. 
Im  ,G-Loch',  einem  Schacht  am  Schnebelhorn,  sollen  ,Vene- 
diger-Männli'  nach  Gold  gegraben  haben.  In  ,Golen-  oder 
Goldcngrund',  wo  Goldwäscherei  betrieben  wird,  hat  Um- 
deiitung  ans  Goll  IV  stattgefunden  (die  Gegend  wird  von  der 
verheerenden  ,Gol'  durchströmt),  mit  welchem  unser  W.  in 
mehreren  Flurnn.  coucurrieren  dürfte.  Vgl.  guldin.  Hieher 
auch  der  Z  Familienn.  ,Göldli-  (um  das  J.  900  ,Coldilln'), 
die,  wie  gesagt  wird,  den  Namen  von  ihrem  Keichtum  er- 
halten haben  sollen,  und  der  in  dem  G  Ortsn.  , Goldingen' 
steckende  Personenn.  ,Goldo'.  Urspr.  mythologische  Beziehung 
lebt  vielleicht  noch  fort  in  der  EA.  vom  Gold  weinenden 
Kinde;  vgl.  die  goldenen  Tränen  der  Freyia  und  .Morgen- 
stunde hat  G.  im  Munde.'  Simr. ,  Myth.  *  283.  —  Zc  ti. 
gä",  auch  mnd.  lo  ijol(k  gun.  Vgl.  (das  nicht  ganz  sichere) 
ags.  «Mime  goedh  Iu  gläde  [zu  Glänze.  Gr.,  Myth.  702.  3]  und 
.VVann  die  Sonn  in  ihrem  Undergang  nicht  nur,  wie  wir 
reden,  zu  G.  wird,  sonder  etwan  gar  blutrot  erscheint.' 
IMüller  1666.  Die  Sonne  wird  dem  G.  verglichen  (»i  gät 
■r//e"  leie  nea  G.  Z)  oder  geradezu  als  golden  gedacht;  so  in 
.Uni  Zuruf  des  (ieizigen:  Ach,  chönnt  i'''  d^r  au'''  di"s  Cidd 
■•hHvhahe'!  Stutz  (ähnlich  bei  Rochh.,  AK.  192,  als  Zuruf  an 
.iie  Abendsonne).  S.  Germania  19,  -1:30  ff.  n.  vgl.  noch  den 
lUauben  an  die  goldenen  Regenbogenschüsselchen.  Betr.  vcr-: 
n„-  vgl.  Bd  I  912,  Aum.  .Virgelt'  bei  Edlib.  ist  ein  Bei- 
spiel mehr  von  seiner  Ungeschicklichkeit  in  Handhabung  der 
Feder  oder,  worauf  die  tautologische  Beifügung  von  ,zuo 
liuadeu'  deutet,  ein  Beweis,  dass  dem  Schreiber  jene  alter- 
tümliche RA.  nicht  mehr  klar  war.  Betr.  die  Verwendung 
von  gan  mit  Ptc.  fast  i.  S.  v.  .werden"  vgl.  die  analoge  von 
Jvin.  Vergolden  aus  dem  adverbial  gebrauchten,  versteinerten 
vfrgold.  wie  ,vergueten',  gestatten,  aus  verguet.  —  Abi.  gohlcn. 
Schweiz.  Idiotikou  II. 


Unz-:  gemünztes  G.;  aufgenäht  oder  röhrenförmig 
aufgerollt  und  an  Schnüre  gesteckt,  auch  als  Schmuck 
getragen.  ,Gold,  silber,  berlen,  u.,  sammat,  tamast' 
wird  an  Kleidern  verboten.-  ir)'29,  Egli,  Act. 

Kette"-:  Werkgold  von  geringerm  Feingehalt  als 
das  Dukatengold,  wie  es  die  Goldarbeiter  bes.  zu 
Ketten  verwendeten.  In  einer  an  die  Eidgenossen 
gemachten  Zahlung  erscheinen  .1  Mark  l'/a  Unzen  an 
K.-G.'  1476,  Absch. 

Katze"-:  unechtes  G.,  Mineral  mit  (joldglanz 
(z.  B.  Glimmer),  auch  scherzw.  Messing  S. 

Pietrus-:  fremde  Geldsorte  zur  Zeit  der  Bur- 
gunderkriege G  Stiftsarch.  Wahrsch.  aus  den  Nieder- 
landen und  den  Eidgenossen  als  Beuteanteil  zugefallen. 
Schätter-:  Flittergold,  in  dem  Spruch:  I'*  hin 
imene  Göuermaiteli  hold,  es  dräit  [trägt]  es  churzes 
Jüppli,  am  Chopf  e  Ghränzli  vo'  Seh.  AAZein.  — 
Schauer,  wertlose  Waare. 

Ziginen-:  Zechinen-,  Dukaten-,  also  feineres  G. 
,1  Büchlein  Zigeineng.'  Altes  Mittelbucu. 

Zein-:  Stangengold.  ,Auruni  factum,  z..  das  nuiii 
yetz  verwerket  oder  sunst  zuo  nutz  braucht.'  Fkis. 
,Das  yetz  gemünzet  oder  ins  werk  bracht  ist.'  Mal. 
S.  noch  Plantschen.  —  Mhd.  sein,  Stab;  vgl.  unser  ,Zein- 
Isen'. 

Gold-acher,  -ecker  s.  Epfel  Bd  I  3(38. 
golde(n):  Gold  waschen.    ,N.  N..  dem  ir  die  weid 
in  der  Aren  ze  g.  verlihen  habent.'  1157,  S  Wochenbl. 
.Weilen    sie    ihr    Stück    Brot    durcli    G.    verdienen.' 
JJSOHEÜCHZ.   1746. 

über-gülde(n):  mit  Gold  überziehen,  vergolden. 
,Die  Leute  seien  heut  zu  Tage  Nichts  mehr  wert. 
Wenn  man  sie  schon  ü.  wollte,  so  finde  man  sie 
nicht,  wie  man  sie  suche.'  Gotth.  ,In  feur  Übergült. 
Auratus,  vergült  oder  Übergült,  aurarc,  vergülden,  ü.' 
Fkis.;  Mal.  , Zwei  Übergülte,  silberne  Trinkgeschirr.' 
JJRüEUER  1606.  ,Wann  einer  in  ein  königlich  Schloss 
gienge  und  man  führt  ihn  in  die  Stuben  der  Knechten, 
ja  in  den  Rossstall  selbst  und  funde  daselbsten  Alles 
Übergült,  wurde  er  nit  die  Rechnung  macheu,  dass 
die  Wohnung  des  Königs  noch  viel  tausend  Mahlen 
herrlicher  sein  werde'?'  StGabriel  1627.  —  ver-: 
1.  wie  nhd.  Silber  und  vergült,  silbern  und  vergoldet. 
Einen  schier  v.,  übertrieben  lieb  haben  und  hocli 
halten  Z.  Er  tät-en  v.,  wenn  er  chönnt.  Scherzh.: 
Eine"  mit  Dreck  v.  Z.  ,Mit  gold  vergölt.'  Edlib.  ,Ver- 
gülter  becher;  vergült  trinkgeschirr.'  Mal.  , Hiesige 
Krämer  mögen  allerhand  möschine  Zeichen  und  Creuz- 
liu,  jedoch  nit  vergült  oder  versilbert,  feil  haben.' 
1631,  ScHwE.  Klosterarch.  ,ln  den  vergülten  Kugeln.- 
JZiEiiL.  1647.  Goldgelb  färben:  ,Den  Teig  auf  das 
Röstewcissmodel  legen,  sanft  zudrücken  und  backen, 
um  das  Trölhölzli  winden  und  rautenweis  vergulden.- 
B  Kochb.  1756.  —  2.  s.  (ze)  Gold  (gan). 

.Golder,  Göldner  nennet  man  die  aurilegulos. 
Goldfischer,  welche  mit  dem  Gold  suchen  und  waschen 
umgehen.'  JJScheuchz.  1707;  1746.  Hieher  viell.  der 
alte  L  Geschln.  ,Golder',  da  in  der  Emnio  Gold  ge- 
waschen wurde. 

Goldere"  f.:  1.  Türkenbund,  liliuni  martagon 
„B;"    Gr.     Syn.  Gold-nölle",   -Würz.  '2.  Ort,    wo 


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Gald,  geld,  gild.  gold,  gilltl 


man  nach  Uuld  sucht.  Erhalten  in  dem  (.Irtan.  ,in 
der  (i.'  B  oH.     Analog:  Koleren. 

Die  goldgelbe  Zwiebel  der  Pflanze  wurde,  viell.  gerade 
ilirer  färbe  wegen,  von  Goldmachern  beuutzt  und  lieisst 
daher  auch  Alchyniisten-Zwiebel. 

Goldi  (resp.  -Ö-)  m.:  1.  Name  eines  Rindes  S.  — 
2.  (ü)  Gold-  oder  Ringfinger  Schw;  Zg. 

^MiMi".  -dig:  1.  golden,  eig.  u.  bildl.  allg.  3Iit 
(jHhUiu"  CliiHijife".  JKMey.  Ei"!)!  giildi  Bery  ver- 
[spirrh,"  S^  II -t.  Z'  Bade"  stöt  e  guldifg/  Hits  [Kinder- 
licd,  an  die  g.ddcnen  Wohnungen  der  Götter  erinnernd]. 
Wenn  es  gelingt,  die  unterste  Wurzel  der  Ackerwinde 
(eines  eben  so  schädlichen  als  schwer  ausrottbaren 
Unkrautes)  herauszuziehen,  so  findet  sich  ein  ,guldener 
Kiin|.t-  daran,  sauten  dir  Alten  /Zoll.  Hölzigi  Chelch 
iiinl  i/iililhn  l'nrstcr  linl  :lir  n.lt  ('hil'''("  g'hd" ;  und 
jet:lY  L  (liieiihcn).  Die  ijnldnii  Xnclit,  Brautnacht 
Aa;  B;  L.  's  Mücli  wHl  der  Wüle"  nit  drl"  ge";  es 
seid,  es  lueg-di"'  nid  a";  und  die  guldig  N.  über- 
chömmid-mrf  nümme,  nirr  hei'-si  scfw  g'ha".  Die 
guldi  Wache',  Flitterwoche  W.  ,Silbern  vel  güldin.' 
Ebinger  14.38.  ,Wir  bittend  üch  yngedenk  ze  syn, 
was  glückseliger  und  guldiner  jaren  (wie  man  's  nem- 
nien  möclit)  gewesen  by  unser  vätter  zytcn,  da  unser 
catholisch  gloub  noch  ganz  und  einhellig  war.'  1586, 
Absch.  , Münzen,  gulde,  silbere  und  erze.'  JJRüeueb 
1606.  , Keine  guldine  Zeiten  zu  erwarten.'  JMüi-lek 
1665.  l>as  ,christliche  Bündnis'  oder  die  , christliche 
Bruderschaft'  der  7  katholischen  Orte  vom  J.  1586 
■wurde  später  von  den  TiM^oldcten  Initialen  di'r  Ur- 
kunde .goldener' Bund  (aurh  .liiin-.iiii;ii.' li-i'i  uriiaiint, 
S.  auch  frmi  Bd  I  1'26;'.;  /V..,.,/,.  //„/.,  .  AV/:.  j;n.i : 
Schaf;   Wasser.  —  2.  (guldigj  -iiMrimnn-  Nnw. 

Mhd.  ijulilui  iu  Bed.  1.  Das  \V.  ."n  li  m  m-I.  ii  Fluruu. 
^1"  der  yuUUtf  Wand  wächst  der  (/.,/r/„  <.,,/;, ,     (in  ^nter  Wein 

AaBb.,    wie  ähnlich    in   ZZoll.    a,>  ■! '       '    //'''•.     ,Im 

guldigen  Hubel'    soll    ein   goldener    Wi-- -vu    sein, 

dessen  Deichsel  zu  Weihnachten  h' i  :  i   '    '\  i"  iip.  VII, 

5G1).  Die  Gegend  von  BSträttl.hiess.  :-•  i:  i  ilirlerung: 
,zum  goldenen  Lust';  das  Schloss  zu  iiya^i  ,Jci  gulduue  Hof.' 
JRWyss  1816.  ,In  der  Guldistüd.'  ZDüruten;  der  ,Goldi- 
bach'  ApTeuf. ;  ,im  Guldiherg'  ZWein. ;  ,im  Guldiland'  ZWI. ; 
,das  goldene  Tor',  Quelle  in  der  Nähe  von  röm.  Gemäuer 
ZKloten.  ,Die  güldene  Huch.'  XV.,  Offn.  Eggen.  ,Im  gul- 
dinen  Acker.'   1450,  Schw  (Gfrd.). 

Guldi"  m.:  wie  nhd.  RAA.  De"  Eappe"  spare' 
und  de"  G.  fare"  la'  Z.  Besser  e"  G.,  de"  men  erwirbt, 
als  zeche",  die  men  erbt.  Inkiciien.  De»  G.  iif  15  Schillig 
[statt  40]  bringe",  ökonomisch  zurück  kommen  Z. 
,Die  guldiu  stür,  das  ist  ein  Schätzung  der  Juden  in 
des  keisers  landschaften  [die  Juden,  als  .kaiserliche 
Kammerknechte',  zahlten  jährlich  1  fl.  Schutzsteuer].' 
BossH.,  Wthur.  Chron.  S.  Halter;  Batzen;  Erützer; 
ewig  Bd  I  609;  guet;  Guldin-Gelt. 

Mhd.  fjuldm,  eig.  adj.  ijuldin  pAeHiiinc  (vgl.  den  röm. 
.aureus'  sc.  ,nummus').  Während  in  der  ursprünglichen 
Silberwährung  das  Pfund  Grundlage  des  deutschen  Münz- 
wesens war  und  als  gesetzliche  Kechnungsmünze  auch  sjjäter 
noch  fortbestand,  erscheint  1387  in  einem  MUnzvertrag  zum 
ersten  Mal  der  Gulden :  ,Söl]ent  slahen  ein  pfund  für  einen 
giildin  [rheinisch].'  Der  Münzvertrag  von  1425  und  nach 
ihm  alle  folgenden  basieren  das  ganze  Münzsystem  auf  den 
fl.  rh.,  von  dem  a.  1428  68  Stück  auf  die  kölnische  rauhe 
Mark  giengen,  so  d,iss  er  ungefähr  auf  4  Zürcher  fi.  (ä  2  Fr. 
33  Cts.)  zu  stehen  kam.  Der  Münzvertrag  von  1387  hatte 
den  fl.  zu   20  ß,  der  von  1425  zu  30  ß  gewertet,  aber  schon 


1449  galt  er  in  Luzern  40  ß  und  im  Vertrag  von  1487 
wird  dieser  Ansatz  verbindlich  gemacht  und  der  fl.  rh.  (als 
blosse  ideale  Uechnungsraünze,  denn  im  Currentverkebr  galt 
er  schon  It  Coucordat  von  1490  45  Luzerner  ß)  zu  2  Pf.  hir 
=  40  ß  gerechnet.  Zürich  fleug  seit  1500  an,  16  Batzen  auf 
1  fl.  zu  prägen,  während  Bern,  Solothurn  und  Freiburg  ihn 
zu  15  Btzu  rechneten;  Luzern  aber  prägte  auf  den  fl.  40  ß 
geringerer  Qualität,  so  dass  I2'/3  I^fl-  =  10  Zfl.  =  iC/s  Bfl. 
waren.  Mit  der  Einführung  der  Batzenmünze  entfernten  sich 
also  die  3  Schweiz.  Hauptwährungen  von  einander  sowie  von 
der  Keichswährung,  die  fortwährend  auf  dem  rh.  fl.,  nun 
auch  Eeichsfl.  genannt,  basierte.  Mit  der  Einführung  der 
(auch  aus  Silber)  gemünzten  fl.  unterschied  man  den  alten 
,Goldgulden',  auf  welchen  Fuss,  als  die  gesetzliche  Keichs- 
währung, die  altern  Capitalschuldea  meist  contrahiert  waren. 
,Wa  einer  ein  guldin  an  gold  soll,  soll  einer  drU  pfund  für 
ein  g.  gen.'  1490,  Ztschr.  f.  schwz.  K.  [derselbe  fiel,  !t  Absch. 
vom  16.  Oct.  1558,  nicht  mit  dem  rh.  fl.  zusammen,  da  auch 
dieser  verschlechtert  wurde).  In  Basel  erschienen  im  XIII. 
die  Floren  (s.  Bd  I  1206),  E.  XIV.  der  rh.  fl.,  der  zwischoB 
10  bis  30  ß  schwankte,  um  1403  20  ß  =  1  ib.  betrug,  seit 
1428  zu  23  und  1500/70  zu  25  ß  =  15  bis  16  Batzen  ge- 
rechnet wurde.  Bes.  durch  das  Söldnerwesen  kamen  alsdann 
eine  Menge  fremder  Geldsorten  ins  Land.  Der  StAndreas-G. 
mit  dem  Kreuz  wurde  wie  der  rh.  fl.  zu  32  Plappart  go- 
wertet.  1479,  Absch.  ,Ein  ungerschen  guldin  soll  man  nemen 
umb  31  ß  2  den.'  1416,  Absch.  1487  galt  ein  guter  u.  fl. 
53  ß  4  hlr.  Ein  Araguner-G.  sollte  für  2  fl.  genommen 
werden.  1479,  Absch.  ,Ein  gueten  uterschen  guldin  für 
dryssig  plapphart.'  1480/1504,  Absch.  (a.  1477  31  Plapph., 
a.  1487  37ß,  a.  1504  35ß).  Ein  cölnischerG.  galt  1487/1504 
38  ß.  1482  erscheinen  iu  einer  Zahlung  55  Stück  ,Katzen-G.' 
[vgl.  ,Katzen-Gold'y].  1  StMichels-G.  wird  für  l'/a  fl-  ge- 
rn.inniun.  1479,  Absch, :  1  Wilhelmer  G.  für  24  Plapp.  ebd. 
Zur  /.ril  il.  I   l'.uix'iiiMltrkriege  werden  auch  die  berüchtigten 

I'm  hilil-i;.   Li  II. I-      ,l>is  Guldin  sind  zu  Basel  noch  gäng 

I   _',li:   ili  I     I  I  liiiiirir^leu  G.;  die  kölnischen,  die  Frank- 

liiilci,  Xiinubuiyci,  Liaudenburger,  pfalzgräflschen,  Nörd- 
liuger  G.,  des  Margrafen  von  Niderbaden  G.,  die  Bunner  G., 
Erzherzog  Sigmunds  sei.  G.,  die  Menzer,  Trierer,  Berner, 
Metzer  G.'  1503,  Absch.  S.  noch  Floremer  Bd  I  1207  (wo 
auch  ,Kammer-G,'),  Salucicr.  .Schilt-Frtmktn  Bd  I  1309,  Ge- 
iioN-er,  Hehcm^ch.  ,Umb  guldin  (PL).'  1336/1446,  Z  Chron. 
,Guldi.'  XVII.,  AaWett.  Klosterarch.  ,15  Guldi.'  1609, 
Diener,  OGlatt.,  ,guldinen  (Gen.,  resp.  D.  PI.).'  1604,  L 
Escholzmatt,   1650,  Z  Mand. 

Appellation«-:  Appellationsgebühr.  .Solle  solche 
Appellation  in  Zeit  '24  Stunden  der  Widerpart  in  der 
Canzlei  angekündet,  der  A-Guldi  der  Canzlei  erlegt 
werden.'  1756,  Schw  Rq.  Auch  in  L  betrug  die  Ap- 
pellationsgebühr von  jeder  Partei  1  fl.  1561,  L  Eats- 
verordn.  —  Ere°-:  Ehrengeschenk  im  ungefähren 
Betrag  eines  Guldens.  Der  Stubengeselle,  welcher  in 
den  Kleinen  Rat  oder  auf  eine  Vogtei  gewählt  wurde, 
,soll  der  Stuben  ein  E.  verfallen  syn'.  B  Taschenb. 
1865.  —  Erb-:  Erbschaftsgebühr  an  die  Obrigkeit. 
Die  übervügte,  Meier  usw.  sollen  darauf  sehen,  wo 
,man  5,  mehr  oder  weniger,  fürs  100  oder  allein  den 
Erb-  und  Schirmbgulden  abzerichten  oder  zu  bezahlen 
pflegt.'  1627,  Bs  Rq.     Vgl.  (Erh-)Fall. 

Kerze"-:  Beitrag  an  den  Unterhalt  einer  h.  Kerze. 
,0b  aber  ein  [Neuburger]  die  gesellschaft  [Zunft],  des 
antwerch  oder  gewerb  er  trybt,  nit  koufte.  so  soll  er 
doch  derselben  gesellschaft  den  kerzenguldin  ze  geben 
schuldig  syn.'  1480,  Ztschr.  f.  schw.  K. 

Die  Zunftgesellschaften  dienten  neben  gewerblichen  und 
politischen  auch  religiösen  Zwecken ;  so  unterhielten  sie  vor 
den  Altären  ihrer  Schutzheiligen  oder  in  Kirchen  überh. 
brennende  Kerzen  (ewige  Lichter).  A.  1467  wurde  in  L 
beschlossen,   dass  wenn  ein  fremder  Schneider  oder  Weber 


(ial. 


-gnitl.    «alf-Kiilf.    (ialg    gulg 


~u\\  iu  der  Stadt  niederlasse,  er  an  die  Kiij^^ellierze  vor  dem 
h.  Kreuzaltar    1    tl.   zu   spcudeu  habe. 

Kötzer-:  Busse  von  1  fl.,  welche  im  Nov.  1531 
jede  evangelische  Maunsperson  zu  Stadt  und  Land  in 
Rajiperswyl  erlegen  musste,  als  dort  der  katholische 
Glaube  wieder  eingeführt  wurde. 

Krone"-:  als  Ehepfand  gegebenes  Geschenk  des 
Bräutigams  an  die  Braut  bei  der  Verlobung  GlH. 
Syn.  E-Pfemiing. 

Vgl.  .Kronengold',  welches  im  Unterschied  vom  feinen 
Itiikatengülde  zu  Kronen  (als  Münze)  und  Goldgulden  ge- 
braucht wurde.    Odcr  =  Münze  mit  einer  Krone  als  GeprägeV 

Land-:  ira  Ggs.  zum  rh.  fl.  (zu  0—6,50  Fr.)  der 
mit  dem  Churer  (bischöflichen)  Landgulden  gleich- 
wertige fl.  Montiner  Währung  (des  Gr  Oberlandes)  zu 
16  Plapp.,  im  Metallwert  von  4  Fr.  80  Ct.  oder  in 
heutigem  Geldwert  von  24  Fr.  Häufig  im  XV.  genannt 
in  den  Eechtsq.  des  Obern  od.  Grauen  Bundes. 

Münz-:  G.  in  (kleiner)  Münze  statt  des  Rechnungs- 
guldens oder  statt  in  Gold;  leichter,  ringwertiger.  als 
Ggs.  zum  .guten  G.'  Der  Jahrlohn  eines  Weibels  be- 
trägt 6  M-G.  1552,  aLB.  Ndw.  .Jeder  Einzüger  hat 
inskünftig  50  M.  zu  bezahlen.'  1708,  Aa  Weist. 

A'gl.  unser  Münz  und:  ,Sein  hof  verliidien  järlich  umb 
10  fl.  münz  Zins.'  Cys.  Mit  der  zunehmenden  Münzver- 
schlechterung wich  der  Current-G.  oder  Münz-G.  von  dem 
.guten  G.',  der  eine  Rechnungsmünze  war,  immer  mehr  ab, 
so  dass  Gülten  aus  dem  Freiamt,  die  nach  MUnz-G.  verzinst 
wurden,  im  Curs  gering  geachtet  wurden. 

Bad-:  Gebühr  für  die  Benutzung  des  (Armen-) 
Bads  Spanweid  (bei  Zürich).  .Die  Verordnete  sollen 
für  die  Einziehung  des  B-s  von  Allen,  die  keine 
Scheine,  dass  sie  Almosensgenössige  seien,  aufzuweisen 
haben,  besorget  sein.'  1769,  Z  Ges.  —  Schirm-:  an 
die  Obrigkeit  für  ihren  Schutz  von  den  Schirmver- 
wandten und  Untertanen  zu  entrichtende  Gebühr. 
16'27.  Bs  Rq.  (s.  bei  Erb-G.).  Vgl.  Schirmijeld.  - 
Schwabe"-:  ein  in  Xvl.  bis  1872  aus  der  Landes- 
kasse entrichtetes  Reisegeld  an  die  ins  .Schwabenland' 
ziehenden  , Verdingkinder'.  —  Tu  send-  s.  T.-G.-Krut. 
--  Wacht-:  eine  in  der  Stadt  Zürich  bis  Ende  des 
XVIII.  von  allen  erwachsenen  Bürgern  und  denjenigen 
Wittfrauen  und  ledigen  Töchtern,  so  eine  eigne  Haus- 
haltung führen,  jährlich  auf  das  Neujahr  entrichtete 
Abgabe  zur  Unterhaltung  der  Turm-  u.  Nachtwäcliter. 
Vgl.  W.-Gelt.  —  Hochzits-:  Abgabe  von  1  fl..  den 
in  BEoggw.  jeder  Bräutigam  vor  seiner  Copulation 
anfänglich  der  Kirche  zu  Äufnung  des  Kirchenguts, 
von  1782  an  dem  Seckelmeister  der  Gemeinde  ent- 
richten musste.     Vgl.  Hochzits-Gab. 

Guldner  m.:  ,Stipendiarius  pro  causa  injusta.' 
XV.,  L.  —  Wuehe"-:  Stipendiat,  der  vom  Stift  zum 
Grossen  Münster  wöchentlich  einen  G.  bezog.  1637 
gab  es  It  JJBreit.'s  Verzeichniss  einen  W.,  neben 
zwei  40-Guldnern,  mehreru  20-Guldnern  usf. 

Goldbächler:  Birnensorte  Tb.  —  Naeh  einem  Orte 
.lidldbach'  benannt. 

Güldcrling  ni.:  Apfelsorte  Tu. 

Gold-:  saurer  Usterapfel  ZThalw.  -  Wie  Uold- 
E/,/,-!,    Golil,i,:lirr  nach  der  gelben   Farbe. 


Galfe"  f.:  ein  Trockenmass,  bes.  für  Salz.  ,l)er 
vordrist  salzknecht  soll  das  salz,  so  gemeinen  burgern 
yngät,  es  syge  in  galfen  ald  schyben,   eigentlich  von 


stuck  zu  stuck  ufschryben.'  Z  Ordn.  1542.  In  einer 
Verordnung  von  1492  wird  unterschieden  .Rörli-,  schy- 
ben- und  galfen-salz'.  .GalfenzoU'  noch  1610.  —  Mhd. 
ijalcei  n. 

Kröttli-:  in  Körbchen  gefasste  oder  gepackte  G. 
Xu!  der  Tag.satzung  in  Luzern  1521  zieht  der  Ge- 
sandte von  Zürich  des  Salzes  halb  an,  wie  die  Kr. 
und  andere  Masse  nicht  mehr  wie  bisher  in  die  Eid- 
genossenschaft kommen  [aus  Baiern]. 

Kröttli  für  Krettli,  KrattU  (Dini.  von  Kralle',  Korb), 
beruht  auf  bair.  Schreibgebrauch,  wie  der  ganze  Ausdruck 
übh.   uns  mit  der  Sache  aus  Baiern  zukam. 

galfe":  mit  einander  spielend  und  schäkernd  rau- 
fen, zunächst  von  jungen  Hunden  Z  rS.f    Syn.  galpen. 

Von  mhd.  i/alf  (cjalp),  Gekläff,  also  eig.  mit  Bez.  auf  das 
solches  Spiel  begleitende  Gebell,  und  nur  durch  den  Maugi-I 
des   Umlauts  von  gelßn  geschieden. 

Galfrues    s.  Kalfrues  Bd  I  1331.  Gälverne 

s.  Gehvere. 

Gelf:  Wolfe.  .Als  wir  vor  zyten  teil  |l'arteien| 
hatten  unter  uns  von  Giblingen  und  von  (iclfcn  iin.l 
von  andern  teilen.'  1403,  Absch. 

gelfen:  rufen,  schreien.  .Hilf,  Herr  Gott,  hill!  zu.i 
dir  ich  gilf.'  Zwingli  im  Pestjahr  und  ähnlich  Gi  alth. 
1542.  Mit  unrichtig  gebildetem  Inf:  ,Ja,  auch  die 
wilden  ticr  werdend  zuo  dir  gilfen.'  1531/48,  Joel, 
=  ,schreien.'  1667.    -  Mhd.  gyl/en,  (jel,,jh,. 

Gulfe  s.  Glufe. 


Galgane"  f.:  Ingwer  BSi.;  auch  G.-Würz. 

Mhd.  yulyun  m.,  Galgantwurzel,  welche  Bed.  auch  für 
unsere  Gegend  in  der  I,it.  des  XV./XVIII.  reichlieh  zu  be- 
legen ist. 

Galge"  m.:  Vorrichtung  zum  Aufhängen  w\>-r  Auf- 
ziehen. 1.  a)  zur  Vollziehung  der  Todesstrafe  durcli 
Hängen.  Syn.  Wlzübawn.  .In  gewissen  Anligen  solle 
man  den  einten  von  seinen  Hosenbändlen  an  den  G. 
binden  und  ein  Spänlein  von  demselbigen  hauen  und 
bei  sich  tragen.'  Anhorn  1674.  ,Du  hast  gewiss  mehr 
als  einen  gesehen,  der  um  des  Diebstahls  willen  um 
den  Kopf  kürzer  gemacht  worden  oder  den  G.  hat 
ziehen  müssen.'  JMev.  1694.  .Handwerker,  die'  den 
G.  reparirt  hatten,  wurden  im  Namen  Meiner  Herren 
wiederum  redlich  gemacht.'  1706,  Ölhafen.  Zur  Be- 
zeichnung einer  grossen  Menge  in  verächtl.  S. :  ,Es 
syge  ein  ganze  G.  voll  dere"  Bandite"  uss  de"  Ländere" 
use"  dinne"  [in  Eapperschw.]  gsy".'  Gesi-r.  1712.  .Wie 
vil  Schwyzer  siuds  gsy°y  Vil;  e"  ganze  G.  voll,  wol 
meh''  dass  2000.'  ebd.  , Stock  und  G.'  als  Bezeichnung 
der  höchsten  Gerichtsbarkeit.  ,Wo  das  andre  und  alt 
umbgefallen  hochgericht  oder  st.  u.  g.  vor  disem  ge- 
standen.' 1616,  FoFFA.  Das  Bild  eines  G.  .Dann  etlicli 
in  lender  hattend  inen  stempf  [Münzstempel  |  lassen 
zuorichten,  und  wann  inen  ain  Zürcher  batz""  ward, 
so  stampftend  si  iren  stampf  euch  daruf,  das  was  ain 
galg  [wodurch  die  Zürcher  für  ihre  Klosterplünderung 
als  an  den  G.  gehörig  bezeichnet  werden  sollten  j.- 
Sicher  1531.  Mit  einem  G.  wurden  Verbrecher  go- 
brandmarkt,  daher  die  RA.  de"  G.  uf-em  Ruggc"  hii", 
welche  noch  1839  in  Zürich  auftauchte.  Sonst  bricht 
die  Erinnerung  au  den  G.  nur  noch  iu  RA.\.  usw. 
durch,  z.B.  in  der  scherzh.  Droliung:  JDu  chuniisch 
[kommst]  a"  G.t  S.    Die  Pflasterer  stampfen  die  Steine 


(Jalg— gulg.    Galgg-gulgg 


nach  dem  Takte  des  Eeiraspruclis  fest:  Zum  G.,  zum 
G.,  mer  wend-e'  [ihn]  go  salbe'!  Z.  Nachbarlicher 
Neckspruch:  D' Langehmier  Näre'  ziencl  de'  leere' 
Chäre'  bis  g^,  Bade',  bis  gr.  Töss,  bis  de  Charre'  de" 
G.  löst  ZZell.  Da  hange'  wie  de^  Schelm  am  G.,  d.  h. 
steif  Z.  ,Äb  dem  G.  gefallen  sein-,  dem  verdienten 
Tode  entgangen  sein.  ,Er  sei  ein  unglücklicher  Mann: 
Wenn  einer,  der  ab  dem  G.  gefallen  [also  ein  ganz 
gemeiner,  nichtswürdiger  Mensch],  etwas  über  ihn 
sage,  so  glaube  man's  ihm.-  HPest.  1783.  Vgl.  ,dera 
Henker  oder  Teufel  vom  Karren  gefallen'.  Er  het 
unger  'em  G.  nümme  recht,  ungerecht  verurteilt  kann 
er  nicht  mehr  zu  seinem  Rechte  gelangen.  Schild. 
Er  ist  de"-  G.  nid  wert.  Sulger.  Wärid  keini  Dieb, 
sj  gab  's  keini  G.  's  git  meh'-  Dieb  als  G.  's  hilft 
kein  Panzer  für  de"  G.  Wer  zum  G.  giboren  ist, 
versüft  nid.  D'  G.  hät-men  abg'schaffet,  d'  Schelme" 
sind  'Mibe',  ebd.  Er  het  en  goldene"  G.,  eine  reiche, 
aber  böse  Frau,  die  ihm  seine  Armut  vorwirft  Bs. 
Verbunden  mit  Rad.  Bi  G.  u.  E.  verbäte".  Ab-em 
(vom)  G.  uf  's  B.  chu"  {g'hije"  BHk.),  vom  Schlimmen 
in  noch  Schlimmeres  fallen;  vgl.  ,Sequitur  varam 
vibia,  ein  Übel  aufs  andere.'  Red.  166'2.  Dagegen 
beide  Begriffe  als  gleichwertig  gefasst:  ,.\lle  Wochen 
musste  ich  denken:  der  Weibel  schätzt  mir  Pfand 
[pfändet  mich],  doch  konnte  ich  immer  vom  G.  aufs 
R.  fallen  [das  drohende  Übel  an  ein  anderes  ver- 
tauschen; vgl.  von  ei°'m  Nagel  an  andere'  hänke"]  F 
(Schweizerb.  1820).  Als  Beteurung:  Potz  B.  u.  G. 
.Etliche  stossen  anstatt  der  Lumpen  grobe  Meissel 
oder  Zapfen  zwischen  die  Haft  mit  Gewalt  in  die 
Wunden  bis  auf  den  Grund  und  geben  also  (wie  man 
spricht)  für  den  G.  das  R.'  RWürz  1634.  ,An  G.'  früher 
als  Verwünschung  i.  S.  v.  nhd.:  Zum  Henker!  ,Maluni. 
interjectio  irascentis.  wett  als  unglück,  an  g.'  Fris.; 
Mal.  Abstr.:  zur  Bezeichnung  schlechter  Qualität 
oder  verst.  Verwünschung,  als  erstes  W.  von  Zss.. 
z.  B.  e  G.-Ornig,  arge  Unordnung.  G.-Lün,  geringer. 
G.-Vogel,  -Hund,  -Bueb,  -Strick,  -War;  -Wetter, 
-Lärmen  u.  a.  Auch  vor  Adjj.,  z.  B.  galge'-ueh.  Syn. 
galgisch,  galgenmä^sig.  Vgl.  ,ein  G.  voll'.  In  Flurn. 
Erinnerung  daran,  dass  an  den  betr.  Orten  oder  in 
der  Nähe  derselben  früher  eine  Richtstätte  sich  be- 
fand. Eine  solche  Stelle  in  der  Nähe  von  AAWett. 
hiess  geradezu  ,G.'  (,Stosst  an  G.',  Grenzbestimmung. 
1572,  AAWett.  Arch.)  Sonst  als  erstes  W.  in  Zss., 
z.B.  in  den  häufigen  ,G.-Buck,  -Buel';  ,G.-Acher'  ZSt. 
,G.-Rain',  bei  S.  ,G.-Zelg.'  ebd.  .Der  G.-acher,  daruf 
der  G.  steht'  Aa  1674.  —  b)  Kreuz.  ,Ich  [Pilatus] 
giben  Jesum  an  den  gallen  [sie !]  des  krüz.'  HsStockar 
1519.  —  2.  Hosenträger  AaoF.;  ,GG.;  VOrte;  Z;" 
S.  Han  i'*  nit  gar  ordligi  Höseli  a'  und  oif*  gar 
ordligi  Gälgeli  dra"?  L  (Schwzd.).  Den  Mannsper- 
sonen ist  das  Tragen  ,deren  mit  allerhand  gefärbten 
Seiden  gestebete  [gesteppte]  und  geblüemte  Galgen' 
verboten.  1(375,  G  Mand.  Syn.  Hosen-G.  Vgl.  engl.- 
gallou-s.  —  3.  verschiedene  Geräte,  a)  an  der  Decke 
des  Wehkellers  befestigte  Vorrichtung  von  Holz, 
woran  die  Weblade  und  andere  Geräte  aufgehängt 
sind  Ap.  Auch  Gälgeli.  —  b)  hölzernes  Gestell,  an 
welchem  die  Schuster  ihre  Lampen  und  Glaskugeln 
aufhängen.  —  c)  eine  galgenförmige  Vorrichtung  mit 
Flaschenzug,  bei  Errichtung  hoher  Gebäude  Holz. 
Steine  usw.  in  die  Höhe  zu  ziehen,  Krahn  Nuw.  — 
d)  der  Querbalken,  welcher  oben  von  einem  den  langen 


Zinimerhaum  des  Dachstuhls  tragenden  Balken  zum 
andern  hinübergeht,  damit  die  Heuleiter  daran  gelehnt 
und  befestigt  werden  kann  Ar.  —  e)  der  obere  Quer- 
balken der  Schleuse  SNA.  —  f)  das  aus  2  Pfosten 
(,Vorderstüden',  auch  .G'schwüsterte'  genannt)  be- 
stehende Gestell  des  .Trottbaums'  in  der  Kelter. 

Mhd.  ijalge,  auch  i.  S.  unsers  Brunnen-O.  Bemerkeuswert 
ist  die  Abstossung  der  End.  bei  Sicher  und  in  tJaly-ftrunuen. 
Bed.    1   b  entspricht  got.  (/alga,   Kreuz. 

Ofe"-Galge":  Aufhänggerüst  über  dem  (Jfen  Z. 
Syn.  Ofen-Stang.  —  Flöh-.  De"  F.  mache',  die  Arme 
sü  legen,  wie  man  es  zum  Schlafen  tut,  sich  zskauern 
FMu.  —  Fleisch-:  eine  7'  lange,  an  den  Stichbalken 
des  alten  Bauernhauses  sitzende  Stange,  an  welcher 
horizontale  Äste  mit  Hakenenden  emporlaufen,  an  die 
man  den  Fleischvorrat  hängt,  den  man  beim  Mangel 
eines  Rauchfanges  im  Dachrauche  trocknet.  Rochh.  Gl. 
Vgl.  Metzg-G.  —  Hunds-:  Flurn.,  zwischen  ZRobenh. 
und  Uster.  —  Hose"-  =  Galgen  2  AaF.;  SL.;  Z; 
, VOrte."  —  „Korn-:  Dörrgerüst  für  Getreide,  ähn- 
lich den  .Heinzen'  für  Heu  Gr."  —  Metzg-:  rechen- 
ähnliches Gestell,  an  dem  man  die  geschlachteten 
Tiere  aufhängt  Z.  —  Brunne»-:  ,Gabelstud,  brunnen- 
galge,  vara  cum  vibia.'  Red.  16ö2.  —  Schnabel-: 
1.  galgenförmige  Vorrichtung  mit  Rolle,  um  klein- 
gespaltenes Holz  u.  A.  in  einem  Korb  oder  einer  Kufe 
auf  den  Estrich  zu  ziehen  ZS.  Syn.  Winde,  Ufzug. 
Vgl.  Galgen  3  c.—  2.  eine  Art  G.,  ein  einzelner  Pfahl 
mit  Arm.  ,N.  N.  sucht  nach,  man  möchte  den  in  einer 
seiner  Matten  befindlichen  Seh.,  welcher  verfault  am 
Boden  liege,  anderswo,  wo  das  Hochgericht  ehemals 
gestanden  haben  soll,  aufrichten.'  1721,  Absch.  ,Zur 
Verhütung  von  Todtschlägen  soll  auf  dem  offenen 
Platz  zu  Lauis  eine  Sehand.säule  oder  ein  Seh.  er- 
richtet und  Name  und  Tat  der  Übeltäter  mit  schwarzen 
Buchstaben  auf  einer  blechernen  Tafel  angeheftet 
werden.'  1745.  ebd.  —  Wolf-:  urspr.  eine  Art  Falle 
für  Wölfe,  jetzt  nur  noch  Flurn.  1.-.72.  AAWett.  Arch.; 
EsTERM.,  Rick.;  Sch;  Z. 

galgisch:  verwünscht,  arg  .\aF.;  VOrte.  En 
g-e  Lärme  UwE.  Oft  nur  abstr.  verstärkend  =  sehr. 
G.  ivüest,  vil.  In  Ausrufen,  z.  B. :  E,  g. !  iiiie  ehummt 
du!  ei,  wie  seltsam  siehst  du  aus  L  (Ineichen). 

Gilg  I  u.  II,  Gilgen,  Gilgian  I,  s.  Gill  u.  GlUian. 

Gilg  ni  f.:  Lilie  s.  Die  Bd  I  179.  ,Einen  lalm 
und  daruf  ein  hirzhorn,  darin  sind  drei  französisch 
gilgen.'  RüEGER  1606.  ,Ein  Diadem  mit  einer  guldinen 
G.'  1616,  L  0.sterspiel. 

gilgecht,  gilgisch:  lilienhaft.  französisch.  ,Wer 
gilgisch  [d.  i.  französisch  gesinnt]  i.st,  der  ist  feiss  und 
truegt  [gedeiht]  wol.'  15'2.3,  Er.Li,  Act.  Der  Glanz  der 
französischen  Sonnenkronen  mit  der  Lilie  heisst:  ,Der 
gilgechte  sunnenglanz.'  Ansh. 

Gilgian  II  m.:  französischer  Parteigänger.  ä.Lit. 

Bezieht  sich  auf  die  Lilien  im  buuibonischen  Wappen, 
ist  aber  .au  den  gleichlautenden   Taufn.  angeleimt. 


galgge":    ausspucken.     Er  g-t  Alles   voll    ZRafz. 
—    Wahrsch.  zu    Gvlt/ij,   Nasenschleim,  Speichelauswurf. 

Gelggscliosereie°  =  Gegg-  Sp.  175. 
gelggeschosig  =  gegg-.  ebd.     Öppis  G-s,   eine 
Zwischenmahlzeit  Bs. 


•233 


(Jahn     <;"l'ii.    (Jalp — giilp.    (Jalsf  —  jjulst 


234 


(Jolgge"  1  GrHc;  U.  Gölgg  Aa;  „B;  F  (Giilg);" 
Z,  üölgge"  Aa;  Bs;  Z  m. :  1.  Sehnaljel.  Ausguss- 
röhre eines  Gefässes,  z.B.  Kruges  i'.v.:  (ilMi.  Syii. 
s.  bei  Gaitggen  n.  Gäuggel;  ferner  Kumnl:  /.iiiiiitjin; 
Znlgye;  Zuenyye;  Zauten.  Mn' mvditi  :niii'i  Chniri/Ii 
L  werde"  und  um  (G)gölggli  üsse(r)lun(jn" !  GRSchiers. 
[  Röhre  am  Saugkübel  für  Kälber  GRHe.  —  2.  abge- 
brannter,  verkohlter  Docht  eines  Talglichtes  AiBb.; 
Bs.  2>'  Cherze'  ist  ahe  'brennt  und  Gölgge'  hange" 
(IUI  Däche'  Bs  (Breitenst.).  Ein  herabhängendes  Stück 
eines  solchen  kündigt  Besuch  von  der  betr.  Seite  an 
AABb.  Syn.  GnJj.n-:  Knll,,,,  ■  Thöachen.  —  3.  Nasen- 
*  schleim,  Rot/  \\r.li.,  I'-:  i:>;  J'.;  /Xer.;  auch  Sc7m«- 
'  der-G.  Auch  >i.'i.  lirhiii-xMirr  l;-.  i^yn.  Gögel ;  Gogge' ; 
Kännel;  Bugg:  ,'<diiiiulti-Ziilggen:  vgl.  Schnuder-G. 
.Der  Schnudeiberg,  do  die  böse  kind  mit  den  golggen 
iif  den  ermlen  sind,  rüert  obenhar  an  unsre  houptstatt.' 
HvRüTE  1532.  Daher  Schnuder-GöJggi  m.:  Schimpfw. 
ZW.  —  4.  „ungezogener  Laffe  F;'-  läppischer  Junge; 
Schimpfw.  für  Buben  AABb.,  Z.  Ungezogener,  un- 
säuberlicher Mensch  AaZ. 

Da  üas  W.  soust  nirgends  (aussor  a.  1577:  .StUnzeB  mit 
folgen.'  Inventar  Pfullendorf)  bezeugt  ist  und  Sjnn.  z.  T. 
lautlich  nahe  stehen  (bes.  bei  1  u.  2),  so  mag  es  aus  einem 
l  solchen  umgebildet  oder  entstellt  sein.  Übrigens  scheint 
I  Gruudbed.  das  Hervorragende  zu  sein;  die  Vermittlung  zw. 
I  1  u.  3  bildet  Kännel,  diejenige  zw.  2  u.  3  lat.  wiiiciw  mit 
f  it.  Hmuciulare  und  nhd.  ,das  Licht  sr.hneuzen'.  Für  die  Über- 
r  tragung  auf  Menschen  (4)  sind  bes.  die  Synn.  GSyel,  IJSgr/ 
uud   Tächte  (Letzteres  i.  S.  v.   Dummkopf)  zu  bemerken. 

gegolgget  kolket:  gross  gemodelt,  von  einem 
Dessin  mit  grossen  Figuren  von  einer  Farbe  GO. 

Golgge"  II  m.:  Tintenklecks  GO.;  ZRafzerf.  -  Syn. 
'Toly<jen,  zu  welchem  es  wohl  blosse  Nbf.  ist,  attrahiert  durch 
Golgijcn    I. 

gnlgge(ii):  löten,  z.B.  Pfannen  ZStadel. 
Wahrsch.  mit  richtigem,    altem   Umlaut  ii  (nicht  0)   von 
Gdgge'  I  1   i.  S.   des  schnabelförmigen   Lötkolbens. 

(Jalni  m.:  Gipfel,  Rücken  eines  Berges  W,  bes. 
sanft  zulaufender  BSi.,  übrigens  hier  selten,  gewöhn- 
lich Gupf  oder  Hörn. 

Vgl.  Galen  Sp.  203  uud  bes.  Guhn,  zu  welchem  es  im 
.^blautsverh.  steht.  Hieher  wnhl  auch  der  schon  l.")32  ge- 
nannte Wald  dieses  Namens  bei  FMu. 

„galniig:  von  Saugkälbern,  wenn  die  Knochen 
steif,  wassersüchtig  und  schmerzhaft  sind  B;  S."  — 
„Galmigi  f.:   der  betr.  krankhafte  Zustand." 

Wahrsch.  von  Gulm,  Duust,  Wind,  Qualm,  Betäubung. 
(Ir.  WB.  IV,  I,  1,  1199/1200,  viell.  aus  der  Vorstellung, 
ilass  Menschen  und  Tiere  erkranken,  bes.  an  Geschwulsten, 
ttiun  sie  in  einen  sog.  ,bösen  Wind'  gekommen  sind,  odei 
i-iitstellt  aus  dem  Syn.  ijammUj. 

Gtlmele  s.  Gerwere. 

(iolme  f.:  Blutflnk  GnObS.  -  Wohl  zu  c.J. 

Galni,  in  Gl  G-e',  Kulm,  an  derRigi  Ä-c"  —  f.  (m.): 
oberste  Bergkuppe,  bes.  von  kegelförmiger  od.  runder 
Gestalt  VOrte;  Gl."  ,Auf  der  Culm  [des  Rigi].'  JLCvs. 
l(i()l.  Gidm,  Name  eines  Waldes  bei  ZHausen  a/A., 
»/■(?.,  Ort  oberh.  ZoÄg.,  Gulm-Holz  ZWäd.  Vgl.  Galm. 

Lat.  culmen  mit  der  regelmässigen  Erweichung  von  lat.- 
rcim.  <•  zu  y.  Vgl.  churw.  eulm,  Vorberg.  Die  Form  A'- 
scheint  der  Ausspr.  (k/)  nach  zu  schliessen  erst  aus  dem 
Bücherdeutsch  eingedrungen  zu  sein ;  ebso  das  niänul.  Gcschl. 


gal|ie(n)  I:  tändeln,  spielen,  ringen,  .von  jungen 
Katzen  B;-  von  jungen  Hunden  8;  von  Kälbern,  die 
zum  ersten  Mal  aus  dem  Stall  kommen  und  dann 
Sprünge  machen  BSi.;  „von  Knaben  B;"  von  Ver- 
liebten (schäkern)  B.  Heisst-mr"  Meif.scheni  chn-,  sii 
wird  Mit  verrichtet;  die  hei"  niiiiiii'"  \\\n\\  :' r/.  und 
d'r  Narre  z' trihe:  N.  B  Kai.  l>ln.  Syn.  /-/-,/.  /./,/,j/,- 
gäugglen;  gaulen,  gölen;  galf'en  :  iiiikiiii-Ii-ii  :  iiaiiijilni- 
gappen,  göpen;  gürten,  narren ;  rülzen.  —  Galpi  n\.: 
wer  kindisch  spielt.  —  galpisch,  spielend  B.  — 
Ver(iuickung  von   (jalfen  mit  gopenJ    Doch  s.  auch   r/ulpeii. 

galpe"  II:  pumpen  TnTäg.   —   Neben  yamjnu. 

gilperig:   sinnlich  begehrlich,  geil  S. 

Von  einem  Vb.  'gitpen  10,  das  sich  zu  galpen  und  </ii///./i 
ablautend  verhielte  und  mit  diesen  die  Bed.  ausgelassen 
spielender  Bewegung  gemein  haben  möchte;  vgl.  auch  Gid/j; 
gülpen.  Doch  könnte  es  auch  verhärtete  Ausspr.  für  gilherig 
(s.  gihverig)  sein. 

Golp  m. :  schwingende  Bewegung  des  Wassers  in 
einem  Geschirr  Ndw. 

golpe(n):  1.  vom  Schall  einer  in  einem  nicht 
ganz  gefüllten  Gefäss  sich  hin  und  her  bewegenden 
Flüssigkeit.  Das  Fass  g-t,  ist  nicht  ganz  voll:  :uu-h 
vom  Plätschern  der  Wellen  im  See  Nnw  .  Syn.  iiiiugii- 
len,  glunggen,  gluntschen.  —  2.  schwaiikni.   stol|nTii. 

—  Golpi  m. :    ein  Mensch  mit  solchem  (iaii^i-    Xnw. 

—  Gruudbed.  hin  und  her  schwanken,  schwabbeln.    S.  .\uni. 
zu  gilperig. 

gülpe(n):  von  Tieren:  beim  Springen  abwechselnd 
Vorder-  und  Hinterleib  auf  werfen,  eine  Art  Galoppieren 
BSigr.  —  umhin  (ummej-:  herumspringen  BBe.  — 
S.  die  Aumm.  zu  den  vorhergehenden  WW.     Vgl.  Iiüljjen. 


galstere(n),  ge'lstere{n):  1.  (galst-  res^.  gaust-J 
verzaubern,  verwirren,  erschrecken,  ausser  sich  brin- 
gen L.  ,Galsteren,  zaubern,  blenden.'  Rkü.  1662.  - 
2.(gelst-resi).gäi(,stre''Jlä.rmru  '/.<..  khilV.n,  von  kleinen 
Hunden  BE.  Syn.  gältschen,  kai'i-i  In  n.  i^ij  iqni,  hauzeii. 

Gruudbed.  ist:  Sehall  erzeu^r,  >,-  i  n  .li  l.nite  H.r- 
sagen  von  Zaubersprüclien  und  ^\ii  :  Wi  ,"  n  !'  Z;ni- 
bers,    wie    auf   andere  Arten    \  n    l    i  i  '  ilin 

konnte.     Stammw.   ist  das  &\\<-  -  . i  '»-i. 

Bezauberung  (bei  KdvAmmenh.  an  li  ■iinuil  i;.iinj  -,  Hr. 
WB.)  von  gnlan,  singen.  Für  2  küuutc  auch  das  luür.-.isti-. 
, Galst',  Schall,  angenommen  werden.  Übrigens  vereinigt  aucli 
norweg.  giildni  beide  Bedd. 

cr-y;d,stere(n)  AABb.;  F.;  VOrte,  -gelstere(n) 
AaImI..  S.,  St.;  l!s  (-«-);  B;  Gl;  LE.;  S;  Th:  1.  (tr.) 
a)  crsclircckcn,  oft  nur  zum  Scherz  ÄABb.,  F.;  Bs; 
durch  Schreien  S.  Syn.  z'  fürchftje"  mache".  Ergal- 
steret,  erschrocken,  vom  Vieh  ÄAEhr.  Syn.  erklüpfen. 
—  b)  ausser  Fassung  bringen,  verblütFen  VOrte;  in 
Aufregung  und  Erstaunen  versetzen  Aa.  —  c)  an- 
strengen, hart  mitnehmen;  erschöpfen,  entkräften, 
plagen,  ermüden  B;  L.  De-'  Wueste'  [Husten]  hed- 
mi'''  ergelsteret.  D'  Flö''  erg.  Ein".  Von  Kindern 
gegenüber  der  Mutter  BSi.  Durch  übertriebenes  Zu- 
reden unwillig  machen  (St.'');  Tiere,  z.  B.  Hühner, 
herumjagen  BHk.;  durchprügeln  BHk.;  Th.  Syn.  er- 
gatteren, -haheren.  —  2.  (refl.)  sich  anstrengen,  er- 
eifern, erhitzen  B;  „LE.";  sich  abmühen  AAKlingn.. 
z.  B.   beim    Umziehen    in    eine    andere    Wohnung    B. 


235 


tialst-gulst.    (Jalt-gult 


Von  Kindern,  die  sich  beim  Spiel  aufregen  B;  FMu. 
Syn.  erjauzen.  —  3.  (intr.)  erschrecken  AAFri.V  — 
Ergelsteri"g:    Aufregung  Aa.     Syn.  Gehäber. 

ver-galstere(n)  Aa;  Bs;  Gl;  Gr(;-);  L;  G;  Sch. 
-e-  Aa;  Bs;  S;  UwE.;  Z  {e'),  -ä-  Bs;  Gl;  Gr;  Zg; 
„Aa;  B;  LE.;  S"  :  1.  (trs.)  a)  bezaubern,  verhexen 
Bs;  GRPr.;  Th.  „Er  ist  wie  v-t  BO.;  VOrte;  Z." 
Spec.  von  dem  der  Wirkung  des  Irrkrautes  zugeschrie- 
benen Zustande  eines  z.  B.  im  Walde  Verirrten  GEh. 
Er  habe  biderben  Leuten  die  Kühe  ,vergalsteret'. 
1526,  E(,Li,  Act.  [Dasselbe  mit  andern  Worten  ibid.; 
er  könne  den  Kühen  die  Milch  nehmen.]  Weil  ihm 
ein  Stück  Vieh  zu  Grunde  gegangen,  hat  er  vermutet, 
sie  [eine  alte,  der  Hexerei  verdächtige  Frau]  habe 
ihm  dasselbe  .vergalsteret'.  1540,  Absch.  .Hilft  dem 
vergalsterten  menschen,  dem  sein  mannheit  genommen.' 
VoGELE.  1557.  ,I)ie  tauben  legend  für  Zauberei  und 
vergalstrung  zart  lorbaumschützling  in  ir  nest.'  ebd. 
jFascinare,  verzauberen,  vergalsteren.'  Fris.;  Mal. 
,So  ist  oft'enbar,  dass  man  einem  syn  gsicht  wunder- 
barlich  vergalsteren  kann,  dass  er  nit  änderst  ver- 
meint, dann  der  verschlinde  ein  schwert  und  speuze 
gelt,  messer  oder  anders,  einer  esse  brot  und  speuze 
mel,  einer  trinke  wyn  und  er  gange  im  zur  stirnen 
vviderumb  hinuss,  einer  schlache  dem  anderen  den 
köpf  ab  und  setze  im  denselben  widerum  an,  ein 
güggel  zühe  ein  trottbaum.  Demnach  kann  man  auch 
durch  natürliche  ding,  als  röuch  und  anders,  zwegen 
bringen,  dass  einer  schwüere,  alle,  so  by  einem  tisch 
sitzend,  sähind,  als  ob  s'  tod  wärind  oder  sy  hettind 
keine  höupter  oder  eselsköpf,  oder  ein  wynreb  er- 
.strackte  sich  durch  das  ganz  gemach.'  LLav.  1569. 
,Ein  Zauberer,  der  andere  vergalsteret  und  verblendet, 
als  ein  unhold,  hex  oder  hexenmeister.'  RGwerb  1646. 
,Excantare,  verzauberen,  vergalsteren.'  Denzl.  1677; 
1716.  Oft  auch  nur  bildl.:  durch  geistige  Mittel  auf 
den  Geist  (nicht  die  Sinne)  wirken,  verblenden,  be- 
rücken; auch  von  Wirkungen  des  Aberglaubens  und 
des  Teufels.  ,Dass  die  o"gen  nit  verblendt  ald  ver- 
galstert  [werden]  an  dem  roten  gold.'  Kessl.  ,Sogar 
was  die  weit  mit  l.liinilp-it  MTgalstert.'  Vad.  ,So  hette 
er  doch  betrutj'li'lirr  »  \  <  dir  äugen  der  menschen  ver- 
galsteret oder  otlich  aiiyvrirlitet,  die  derglychen  geton. 
als  ob  sy  gestorben.'  LLav.  1569  =  ,verblendet.'  1670. 
,Der  Aberglaube  konnte  ihn  bis  zum  Selbstmord  ver- 
galstern.  Vergalsterte  Sternseher,  die  sich  entleibten, 
um  gewiss  die  Stunde  ihres  Endes  vorhergesagt  zu 
haben.'  AKlingl.  1691.  ,Da  denn  diser  arglistige  Feind 
den  abergläubigen  und  vergalsterten  Leuten  dise  Sa- 
chen so  gut  vorgibt.'  Zauberei  1704.  —  b)  =  er-g.  1  a 
Aa;  Bs;  L.  —  c)  =  er-g.  1  b  Bs;  L;  G;  Sch;  Z. 
Ergeisteret,  verstimmt  ZKn.  Auch:  Tiere  (Pferde  und 
Rindvieh)  scheu  oder  durch  rohe  Behandlung  störrisch 
machen  Sch;  Zg.  —  d)  erbittern  und  verbittern  Gl; 
Sch.  —  e)  =  er-g.  1  c  UwE.  —  f)  verderben  Bs;  Gr; 
LE.;  Sch;  auch  eine  Freude  Z.  Verunreinigen,  z.B. 
den  Fussboden  oder  untern  Teil  der  Wand  mit  den 
Schuhen  Bs;  L.  In  Unordnung  bringen,  z.  B.  das  Bett 
durch  Hiiioiiilies'eii  hei  Taf^o  SV  /sf  vo'''  ganz  v-t  gsi", 
unordi-iiili- h  .iii-.vm-vii.  mii  :\1mii;-.'ii  Jj.  Durch  Unbe- 
.sonnenhrit,  I  L-ivilmm  \  ndn  l,..,,  l;.;  Z.  —  2.  (intr.)? 
a)  verwirrt,  yelahiat,  ver-^teiiicrt  werden  TuTäg.  Syn. 
vergatteren,  rerstünen,  vertatteren.  —  b)  erschrecken 
AAFri.:  Bs.  Vgl.  i  6.  —  c)  zornig  werden  SchKI. 
Vgl.  1  d. 


Galsteri  f:  1.  Zauberei.  , Mit  gilt  und  galsterei 
vom  leben  zum  tod  bringen.'  Vad.  —  2.  Betrug,  Täu- 
schung. ,Dass  du,  einfältiger  Leser,  seine  [Fabers] 
G.  mit  seinem  prächtigen  Allegieren  kennen  lernest.' 
1532,  HBrLL. 

galst(e)rig:  1.  „ausser  sich  gebracht,  seiner  selbst 
nicht  mehr  mächtig.  Es  ist  mei-  rso  g.  P*  U"  recht 
g.  worde",  vor  Ärger,  Zorn  BO. ;  LE."  Ausgelassen, 
mutwillig,  übermütig  lustig  BSi.;  W,  von  Mädchen. 
Syn.  gainplig.  „Über  die  Massen  verbuhlt,  von  Mädchen 
B-^a.''     .Boshaft,  unbändig."     „Scheu,  v.  Pferden  SL." 


galt:  1.  keine  Milch  gebend,  wegen  Jugend,  hoher 
Trächtigkeit,  Krankheit  oder  Bestimmung  zu  anderm 
Zweck  (Mast),  a)  von  Kühen  oder  Ziegen  Ap;  BSi.; 
FJ.;  VOrte;  Gl;  Gr ;  G;  W ;  Z.  Syn.  gast;  Gegs. 
melcli.  G.  gä"  (vgl.  .schwanger  gehn')  Ap;  Ndw;  Z; 
Syn.  g.  stä",  alti  Milch  gehen,  er-gdlten;  Gegs.  leeren. 
In  GRh.  g.  gä'  auch  vom  Vieh,  das  noch  nicht  tragend 
ist  und  es  nicht  mehr  werden  kann.  —  b)  von  Kälbern 
und  Rindern,  welche  galts  Veh  (BR.,  Si.)  od.  Galtveh 
(Gk;  G;  FwK.i.  rjalli  War  (BR.;  F J. ;  GSev.)  heissen, 
gewöhiilirli  /um  .Matten  bestimmt  sind  (G)  und  z.T. 
in  besnii.lmi  Sclhuiirii,  wo  nur  mageres  Futter  ein- 
gelegt i.st.  iidor  auf  geringern  Weiden  gehalten  werden 
BSi.  Auch  von  Ochsen  UwE.  —  Subst.  Galts,  junges 
Vieh,  bes.  Kälber  und  Rinder,  doch  auch  Ziegen  BO. 
,Well'"''er  den  andern  pfeuden  will,  der  soll  des  ersten 
pfenden  ross  oder  galts  vö  [Vieh],  demnach  ander 
farend  guet.'  1480,  Ztsohr.  f.  schwz.  E.  ,üass  inen 
[den  Messpriestern]  die  best  melchkue,  das  fegfür,  nüt 
galt  gange.'  Zwingli.  ,Es  sollen  auch  die  Metzger 
kein  Geissvich  vor  StJakobs  Tag  nietzgen  änderst 
Gitzi  und  jährige  gälte  Geissen.'  1634,  SchwE.  Kloster- 
arch.  .Brach,  unträchtig,  galp  [i*],  1er,  sterilis,  viduus, 
vacuus.'  Red.  1(i6'2.  -  '2.  „unfruchtbar,  nicht  trächtig, 
von  Kühen  Ap;  Gk."  Von  Frauen  UUrs.  —  3.  un- 
angebaut,  brach,  von  Äckern  W.  Vgl.  Galtimattli, 
Name  eines  magern  Grundstückes  UwE.  —  4.  von 
Brunnen  und  Quellen:  nicht  mehr  fliessend,  ver- 
trocknet BR.;  GA.  —  5.  Mangel  an  Etwas,  z.  B.  an 
Geld,  habend  BR. 

In  andern  MAA.  ydt  und  gelde;  ags.  gehk,  siocus,  altn. 
(jdd,  castratus,  sterilis  (von  Ochsen ;  vgl.  engl,  gelding,  Wal- 
lach); von  weibl.  Tieren:  ohne  Milch,  z.B.  von  Schafen  und 
Kilhen.  Bed.  2  ist  wohl  die  urspr.,  aber  schwächer  bezeugt. 
Die  Übertragung  vom  Tierreich  auf  den  Erdboden  bei  3  hat 
viele  Parallelen,  auch  in  umgekehrter  Kichtung,  z.  B.  der 
Mutterschoss  mit  einem  Acker  verglichen;  vgl.  Zeitschr.  f. 
Völkerps.   XIV,  86;   Tobl.  Volksl.  I,  208.     S.   noch  ergalten. 

Summer-:  den  Sommer  hindurch  keine  Milch 
gebend  Gr.  ,Eine  Kuh,  welche  nicht  gemolken  wird, 
um  im  Herbst  als  fettes  Schlachtvieh  verkauft  zu 
werden.'  Ebel.  ,Sommergalte  Kühe  sind  im  Winter 
desto  leichter  zu  mästen.'  Gr  Samml.  1779. 

strupf-:  wenig  Milch  gebend,  im  Übergang  zum 
völligen  Galtsein.  G'mulche"  han-i''-  hir  gli  [bald], 
i"''  ha  s"  [die  Kühe]  schier  all  Str.  U.  —  Strupfen,  mühsam 
melken. 

Galt  m.:  1.  die  Zeit,  in  welcher  eine  Kuh  oder 
Ziege  keine  Milch  liat  Gr.  D'  Cime  liet  der  G.  g'nn 
[genommen],   hat  aufgehört,    Milch    zu   geben   GaPr. 


•237 


(Salt.  gell.  gilt.  goU.  gult 


D'  Ohne  het  e"  länge"  G.  GrL.  Gegs.  Melch.  —  2.  an- 
steckende Krankheit,  welche  Kühen  und  Ziegen  die 
Milch  entzieht  GrD.  (B.) 

Galteli  Ar,  üaltli.  Galtji,  Galtschi  Gr. 
Galti  Gr;  W  —  n.:  gälte  Kuh,  Ziege  W.  Kind  von 
1  ■-'  Jahren,  das  in  der  Regel  noch  keine  Milch  gibt 
i.K.  üyn.  Galtlmr/,  Gitsti,  Küetschi.  Kalb  im  zweiten 
Halbjahr  GkD.  (B.)  Etwas  jünger  und  kleiner  als  der 
(TcütUmj  Ai-.  Ghelber  und  Gälti  GRMai.  ,Die  Galtje 
und  junge  Ross.'  GsKlost.  Alpbrief.  Als  Schelte,  doch 
nicht  unfreundlich.  Du  dumms  Galti!  Gr.  —  Dim.- 
Bililung  aus  dem  Adj. 

Gälte"  f.:   gälte  Kuh  od.  Ziege  Gk. 

galte(n):  1.  im  Milchgeben  abnehmen,  die  Milch 
verlieren,  fast  keine  M.  mehr  geben,  von  Kühen  und 
Ziegen  BR.;  6A.;  W.  Syn.  gasten.  Auch  von  säu- 
genden Frauen  BR.  —  2.  wenig  oder  kein  Wasser 
mehr  geben,  von  Brunnen  GA.  —  3.  (übertr.)  an  einer 
Sache  keinen  Überfiuss  mehr  haben  BR.  —  ent-,  et-. 
E  Cime  e.  lä",  aufhören,  dieselbe  zu  melken,  weil  sie 
schon  seit  längerer  Zeit  trächtig  ist  Z.  —  er-:  1.  die 
Milch  verlieren,  keine  Milch  mehr  geben,  allg.  hi 
der  Sucht  [während  der  Seuche]  ist-is  [uns]  d's  Veh 
völlig  e-t  ScuwMuo.  D'  Cliüe  e.,  vier  müese  fürer, 
weiter  [ziehen],  auf  eine  andere  Alp  BSi.  jE.  län,  zu 
melken  aufhören  B.  Vgl.  er-gelten.  ,Wann  ein  Kue 
an  eim  Strich  keine  Milch  gibt,  so  soll  mau  sy  im 
Wassermann  lassen  e.,  so  wird  sy  wider  an  die  Milch 
kommen."  Arzneib.  ZZoll.  c.  1750.  , Untragend  oder 
sonst  halb  ergaltete  Kühe.'  1776,  Obw.  ,Alle  Pflanzen 
von  sonderbar  kalter  Eigenschaft  können  das  Vieh 
nach  und  nach  e.  machen.'  Gr  Samml.  1784.  Syn.  ab- 
fallen, ergusten,  von  der  Milch  kommen,  abnemen,  er-, 
cer-melchen;  Gegs.  die  Milch  behalten,  er-melchen. 
Auch  von  Frauen  BAdelb.;  „scherzw.  von  einer  Frau, 
die  lang  ohne  Mann  und  Kinder  lebt  Gr."  —  '2.  von 
der  Milch  selbst:  abnehmen,  ausgehen.  D'  Milch 
muess  z'erst  e.,  '"vor  me"  biemste"  cha'"  Aa  [eine  An- 
nehmlichkeit muss  durch  vorausgehende  Entbehrung 
erkauft  werden].  —  3.  (übertr.)  a)  von  Hühnern:  auf- 
hören Eier  zu  legen  GrD.  —  b)  von  Brunnen.  Quellen, 
versiegen,  abstehen.  —  c)  von  Menschen  in  Bez.  auf 
den  guten  Ruf.  Er  ist  e-t,  sein  ,Lob'  ist  nicht  mehr 
gross  W.  —  ver-,  bezw.  zer-  =  er-g.:  von  Kühen. 
Ziegen  und  Brunnen  GA.;  im  W  vom  Ackerfeld: 
.Wenn  d'  liebu  Sunn  mit  ihrem  Schein  so  hoch  nit 
war  gesetzet  ein,'  würd  man  gewiss  den  Schein  ab- 
halten, den  Meisten  machen  ds  Guot  z.  [unfruchtbar 
machen],  kein  Gras,  kein  Frucht  würd  mehr  aufgehn, 
wenn  's  in  der  Menschen  Gwalt  tat  stehn.'  Aus  einem 
W  Volksspiel.     Ptc.  vergalt't  GSev. 

Gälte ro"  f.:  Rind,  das  noch  nie  gekalbt  hat  GSev. 
Syn.  Galtli'g,  Kne-Vech(U). 

.Galti:  Kuh  von  2 — 3  Jahren,  die  noch  nicht 
.trägt'  Ar;  Gr."  S.  Bock.  —  Bock-  f.:  Kuh  ohne 
Milch  GnSav.,  Sculni.s.  —  Eig.  weibl.  Adj.,  aber  in  vcr- 
stoiuerter  Form. 

Galtli"g,  .auch  Galtig",  in  G  oT.  tw.  Gald-;  in 
GlH.  Galt-,  Geltlig—  m.:  1.  Rind  von  1  — '2  Jahren 
od.  Ziege,  welche  noch  nie  geworfen  haben  Ar;  GlH.; 
L;  G;  Z.  Syn.  Gusti.  , Welcher  für  ain  kuo  gsitz 
hieryn  [in  die  Weide]  tuet,  soll  syn  drü  kalbli  older 
zwen  galtig   older   ain  gras-kalb.'    154t!.  Zellw.  Urk. 


.Vacca  sterilis,  ein  zeitkuo,  die  nit  tregt.  galtling  oder 
wiutermelch.'  Fris.;  M.4l.  —  2.  Mädchen  in  den  Ent- 
wicklungsjahren Ap  (niedrig);  kräftige,  junge  Weibs- 
person G.  —  3.  Neckn.  der  Rechtobler  kr.  Schirapfn.: 
abeg'hite'-  G.!  G. 

Gälti,  Gelti  (auch  Wind-  GfiSchud.)  f.:  1.  der 
Zustand  oder  die  Zeit  der  Milchlosigkeit  von  Kühen 
und  Ziegen  UwE.,  insbes.  von  Kühen  vor  dem  Kalben 
B  oHa.  Ruhe  vom  Melken.  Es  ist  en  Howptsach, 
dass-mu'  dem  Veh  ord^llrchi  G.  läi  [lasse]  BRi.  — 
1.  Krankheit  der  Kühe  und  Ziegen,  die  sich  durch 
Anschwellung  des  Euters,  Abnahme  und  Verschlech- 
terung der  Milch,  indem  sie  etwa  mit  Blut  und  Eiter 
sich  mischt,  Steifheit  des  Körpers,  Trübung  der  Augen 
usw.  kund  gibt,  .Milchtröckne'  „Ai-;  BRi.;  Gl;  Gr; 
LE.;  GRh.;  Z."  ,Die  Gelti  oder  Sucht'  Steinm.  18o-2. 
,Uie  Gelti  oder  der  Milchpresten  besteht  in  Niercn- 
und  Blasenentzündung.'  Römer  u.  Schinz  1800.  .Wann 
die  in  das  Lehn  empfangene  Kuo  an  einer  oder  zwo 
Strichen  ein  Gelte  bekäme.'  175ö,  Schw  Rq.  Die 
Krankheit  wird  zuweilen  der  Wirkung  eines  bösen 
Geistes  zugeschrieben. 

gältig,  geltig:  mit  der  Krankheit  der  Gälti  be- 
haftet BRi. 

er-gelte(n):  ergalten  lassen,  aufhören  zu  mclkoii. 
D'  Chue  ist  ergaltet:  wir  müesse"-scha  [sie]  e.  W.   — 

Faktit.   zu   ergalten. 

Gelt,  Geld  I  n.:  1.  Geldschuld.  „In  Gelten  stecke" 
80."  Er  ist  starch  in  Gelt(n)en,  hat  viele  Schulden 
BHk. ;  vgl.  Gelt  IL  ,Der  scultheisse  richtet  unibc 
scult  unde  umbe  gelt  unde  unreht.'  1200,  Wack.,  DR. 
,Wenu  ein  Bürger  kein  G.  [irgend  eine  Schuldver- 
pflichtung] in  keinem  Weg  machet,  debitor  alicujus 
quocumque  modo  fuerit  factus.'  Anf.  XIV.,  B  Handf., 
.in  deheinem  weg  jemans  bürge  wirdet'  (nach  späterer 
Übers^'tzniiu'-l  .T>ass  keiner  den  andern  mit  gerichte 
behalt. 11  ."llr.  ,,  seie  denn  rechte  gelte  oder  bürg 
[BürgM  liali  j.  l:'.-.'s,  Ochs.  Umgekehrt  vom  Stand- 
punkt des  Gläubigers:  die  Schuldforderung,  das  Gut- 
haben, Gült  und  diesem  analog  weibl.  aufgefasst.  Er 
het  vil  G-en  BSi.  ,Unz  dass  wir  si  [unsere  Creditoren] 
gerichten  [ausrichten,  bezahlen]  und  geweren  ir  g-es.' 
1328,  UwE.  —  2.  Zins,  jährliche  Rente.  Nach  der 
mittelalterlichen  Auffassung,  wonach  man  nicht  sowohl 
ein  Capital  auslieh,  sondern  um  dasselbe  eine  Rente 
kaufte,  sagte  Einer,  der  einem  Andern  100  fl.  ä  5  °/o 
geliehen:  ,Ich  habe  5  fl.  Geltes  um  100  fl.  Guet  ge- 
kauft.' Daher  Angaben  wie:  ,So  hant  wir  Geld  ab- 
kauft 4  Pfd  3  ß  Geltes  um  42  Pfd  15  x.'  XIV.,  Ochs. 
S.  Gtildin-,  Pfiinder-G.  Auch  von  Naturalzinsen. 
,ö  mütt  kernen  geltes  järlicher  gült  Zürich  messe«.' 
1334,  ZZoll.  S.  Stuck,  .(Kernen-)  Zins'.  —  3.  Preis, 
Wert,  Geltung.  Das  Silber  habe  damals  ,in  so  hocheni 
g.'  gestanden.'  Vad.  ,ßonen,  erbiss  und  allerlei  ge- 
mües,  so  in  rechtem  g.  gekauft  mag  werden.'  Tierb. 
1563.  .Dass  si  [Wirte,  Bäcker,  Krämer]  die  weit 
[Kunden]  nicht  zu  teur,  sonder  in  einem  g.,  das  recht 
ist,  halten  und  sich  einen  zimlichen  [massigen]  ge- 
winns  benüegen  lassen.'  1586,  ScnwE.  ,Das  Brot  i.st 
in  einem  hochen  Gelt.'  JMüll.  1665.  -  4.  {Gelt  Gl; 
ZO.)  =  nhd.  (pecunia).  '*■  G.  ist -ix  (bi  eus)  's  We- 
nigist, scherzh.  doppeldeutig:  ,das  Wenigste,  was  wir 
haben  (d.  h.  wir  haben  keines)'  oder  ,wir  halten  nicht 
viel  darauf.'     Ani  [Eine]    mit  G.,    eine   reiche  Braut 


Galt.  gelt,  gilt,  golt,  gult 


GTa.  Dem  ehunnt  's  G.  zum  Tach  ine",  er  hat  grosse 
Einnahmen  Gl;  Z.  Es  lit  im  [i»(»ie,  in  einem]  G. 
inne",  beläuft  sich  auf  eine  hohe  Summe,  erfordert 
viel  Cai)ital.  z.  B.  der  Betrieb  eines  Geschäfts  Z.  Das 
ist  da  no'''  G.  g'si',  galt  als  eine  grosse  Summe  Z. 
Halt,  Hagel,  ztre  Batze"  sind  au'''  G.!  Z  [vgl.  Zive- 
batzen-Biieb].  Vo"  dort  a"  lian  i'''  derno'''  40  Chrone" 
übercho',  es  schöns  Geldli,  we"'  vie"  Alls  hält  chönne" 
uf  d'  Site'  legge".  BWyss  1863.  E  Geltli  z'sämme" 
tue',  eine  Summe  Geldes  zsbringen  Ap.^  .Kundschaft 
in  unser  kosten  ze  machen  und  uns  ein  geltli  daran 
nit  beduren  ze  lassen.'  1529.  Absih.  .Auf  der  Land- 
schaft sollten  die  Untertanen  alle  Sonntag  ein  Geldlin 
zsschiessen  [für  die  Armen].'  1(503,  Bs  Arnienordn. 
Von  den  Habsüchtigen  sagt  man:  Sie  wend  eisder 
Teller  und  G.,  oder:  Sie  tvend  de'  Schilli'g  und  s" 
Beckeli  ZWangen  [vom  Sammeln,  indem  ein  Teller 
die  Bunde  macht].  G.  a"  d'  Wand  henke",  indem 
man  kostspielige  Wandbilder  anschafft  Z.  ,Mit  dem 
Gelde  wachen  und  nicht  mit  dem  Leibe',  auf  der 
Wache  nicht  persönlich  erscheinen,  sondern  seinen 
Ersatzmann  stellen.  XIV.,  Ociis.  Edlib.,  dessen  Aus- 
trittserklärung vom  Rate  nicht  angenommen  worden 
war,  sag^:  ,Und  gebend  mir  die  wal,  man  butte  [böte] 
bim  gelt  oder  bim  eid,  so  es  mir  nüt  füegklich  war. 
daryn  zue  gan,  dass  es  mir  unschädlich  syn  sollt  am 
gelt  und  eren,  ich  gienge  oder  nüt.'  Sprww.  Geld  ist 
[d']  Losi"g  [Baarzahlung  erst  macht  den  Gewinn  aus]. 
SuLGER.  Wer  G.  het,  isch  rieh,  und  wer  rieh  isch, 
isch  g'schld,  isch  's  gäng  und  gab  Sprilchwort.  Schild. 
G.  ist  d'  Welt.  Sulser  (vgl.  dagegen :  's  G.  g'härt  der 
Welt.  Ineichen).  G.  ist  de''  Ma".  ebd.  Gott  regiert 
im  Himmel  und  's  G.  uf  Erde".  Ineu'hen.  Wenn  's 
G.  redt,  muess  en  Andre''  schwige'.  ebd.  G.  im  Seckel 
duzt  de"  Würt  [den  Wirt].  Sulger.  Für  G.  tanzt 
sogar  der  Tifol  W.  Alles  um  's  (lieb)  G.  Ineichen; 
SuLGER.  Bär  G.  lachet.  Me"  muess  's  Gelds  Narr  si'. 
Ineichen.  Hest  G.,  so  bist  lieb,  seigist  e'  Schelm  oder 
e'  Dieb.  ebd.  Hest  du  G.,  so  setz-di'''  nider,  hest 
ekei"s,  SU  scher- di'''  wider,  ebd.  ,Wo  wenig  G.  ist, 
ist  wenig  Gunst.'  ÜBräggkr  1780;  vgl.  ,Nümma  [nicht 
mehr]  g.,  nümnia  g'sell.'  NMan.  ,Nümmen  g.,  n.  lieb.' 
HBuLL.  1540.  G.  füert  de'  Chrieg.  Sulger.  's  G.  macht 
de"  Markt,  nid  d'  Lüt.  ebd.  Wer  kei"  G.  hat,  muess 
nid  z'  Markt  gö".  ebd.  Chüpferi''  G.,  chüpferni  Si'l- 
mess.  ebd.  Wie  's  G.,  so  d'  War.  ebd.  G.  ist  c  gueti 
War,  si  göt  Summer  und  Winter,  ebd.  Dem  G.  isch  's 
glich  [einerlei],  jcer  's  heig.  Ineichen.  G.  und  3Iist 
nütze'  nid  am  Hufe',  ebd.  3Ie"  schmückt  's  am  G. 
nid  a",  wie-me  's  verdient  hat.  Sulger.  Me'  muess  's 
G.  von  Liite'  ne",  me'  cha'"  's  nid  vo'  de'  Bäume" 
schüttle".  Ineichen.  Der  Eini  hed  's  G.,  der  Ander 
hed  's  g'ha",  der  Dritt  hätt  's  gern.  ebd.  G.  ist  e  rari 
War.  ebd.  G.  ist  gern  bim  G.  ebd.  Me"  cha"'  dem 
G.  ke  grösseri  Ehr  a'tue',  als  dass  me'  's  zält.  ebd. 
G.  macht  nid  selig,  ebd.  (t.  macht  Srhclme".  ebd. 
's  G.g'no",  um  d'  Freihiit  rli,,"  ].]]<■  I'ri'ilüit  M.'rloren]. 
Sulger.  Wer  um 's  G.  luirntrf.  ,,  r</,,(/(//  >,'  Freiheit. 
ebd.  G.  lehne"  macht  Frand,  uiuHiaß  Find.  Ineichen. 
Cha""st  's  Geld  brfiche",  so  bist  sin  Herr;  wo  nid,  sin 
Chnecht.  Sulger.  Vil  G.,  vil  Sorge".  Ineichen.  Wer 
kei'  G.  hat,  verlürt  kei  Mi'inz.  Sulger.  Er  und  ander 
Lüt  häud  vil  G.  [Spott  auf  Einen,  der  sich  für  reich 
ausgibt]  Z.  Vgl.  noch  usgän;  gelt;  guct;  Futzerli; 
Frau;  Heu;  Kdt ;  Stuck;  Stein;  Ti'ifel. 


Mhd.  iji'li,  n.  und  m.,  Zahlung  und  Scbuldfoiderung; 
rentierendes  Eigentum,  Einliommen,  Zins;  Preis,  Wert.  Zah- 
lungsmittel, geprägtes  Geld.  Ein  f.  gelte  ist  im  Mhd.  nicht 
bezeugt,  scheint  aber  aus  1328  vorzuliegen,  viell.  erst  später 
gebildet  nach  Analogie  der  sinnvwdten  WW.  G'ült,  ,SchHld' 
und  mhd.  b'urge,  Bürgschaft.  Dann  Hessen  sich  noch  andere 
Stellen  der  ä.  Lit,  die  jetzt  unter  Geh  II  1  stehen,  hieher 
ziehen.  Die  RA.  in  Oh-ii  Hti  grenzt  allerdings  nahe  an  die 
Uw  RA.  i7t  (d')  G-en  ohu',  in  Konkurs  geraten,  wo  tf-en 
urspr.  .Gläubiger'  zu  bedeuten,  also  zu  Gelt  II  gehört  zu 
haben  scheint  (den  Gläubigern  anheimfallen),  aber  sich  dann 
mit  dem  sächlichen  Begriff  vermischt  haben  mag.  Die  in 
der  heutigen  Spr.  fast  allein  herrschende  nhd.  Bed.  niusste 
sich  aus  2  und  3  entwickeln,  nachdem  Münze  als  Zahlungs- 
mittel und  Wertmass  üblich  geworden  war. 

Dri-Gelt:  dreifache  Strafe.  ,Ein  gemachte  Wun- 
den im  Angesicht  wird  mit  einem  Dreigelt  oder  drei- 
facher Straf  belegt,  weilen  sie  mit  dem  Kleid  nit  be- 
deckt ist'  Hafner  1666,  der  in  entsprechender  Bed. 
auch  ,ein  Sechsgclt'  und  ,das  Neung.'  verwendet. 

Erklärt  sich  ans  der  Bed.  von  Gelt  =  Vergeltung,  Ersatz, 
wie  in  dem  alten  ,\VergeIt'. 

E-:  Geschenk,  welches  der  Braut  von  dem  Bräu- 
tigam bei  ihrer  Verlobung  gemacht  wird.  DWyss  1796. 
Syn.  Kronen-Gulden,  E-Pfenning.  —  Ehaft-:  Ab- 
gabe von  den  Ehehaften  (s.  Ehaft  Bd  I  8).  ,Die  Ehe- 
haftgelder  von  Badstuben,  Pfistereien,  Metzgen  und 
Schmidten  werden  von  nun  an  gänzlich  aufgehoben.' 
1797,  G.  —  Eier-:  Äquivalent  f.  Zins  an  Eiern.  1845. 
Z  OGl.  —  Achram-,  Acheret:  Abgabe,  Zins  für 
die  Nutzung  der  Eicheln  und  Buchnüsse  in  den  herr- 
schaftlichen Wäldern.  Dem  Vogt  von  Grandson  wird 
vorgeworfen,  kein  A.-G.  verrechnet  zu  haben.  1533, 
Absi'h.  Noch  1844  bezog  der  Pfarrer  von  SBib.  jähr- 
lich 12  Fr.  als  ,Holz-  und  Aeheret-G.'  Das  W.  mehr- 
fach in  den  eidg.  Absch.  für  die  Westschweiz  belegt. 
Vgl.  Aclieren  Bd  I  70,  Holz-G.,  Achram- Haber.  — 
Audienz-:  Gebühr  für  eine  (gerichtliche)  Audienz, 
ein  Verhör.  Der  Landvogt  von  Baden  soll  ,von  der 
Urtlen  wegen  mit  dem  A-Gelt  bei  gewohntem  Tax 
bleiben.'  1653,  Abscil  —  Uf-:  Aufwechsel,  Agio  t- 
—  Druf-:  1.  Anzahlung  an  die  Kaufssumme  bei 
Käufen  um  Fahrendes  (vgl.  Wln-Kauf  für  Liegen- 
des); Hand-,  Auf- Geld.  —  2.  „kleine  Münze,  mit 
welcher  man  eine  Zahlung  in  groben  Sorten  oder  in 
Papier  vervollständigt."  Syn.  Beleg-G.  —  Allmend- 
(auch  Fi''*)-:  1.  nach  , Kuhessen'  berechnete  Auflage 
für  die  Benutzung  der  Allmend  zum  Auftrieb  von 
Vieh.  Wird  a.  1647  für  Schw  bereits  als  .hergebracht' 
bezeichnet.  —  2.  unter  die  Berechtigton  verteilte 
jährliche  Allmendnutzung.  .Es  solle  aber  von  denen 
aufgetriebnen  Kühnen  denen  Teilern,  so  nicht  auf- 
getriben  [haben],  das  gewohnte  A.  bezahlt  werden.' 
1826,  Kernser  .\lmendordn.  —  Alp-:  1.  Gebühr  für 
die  Benutzung  der  als  ,Sallaiid'  von  der  Herrschaft 
reservierten  Alpen,  Alpzins.  Im  XV.  werden  die  Appen- 
zeller verpflichtet,  dem  Abt  von  StGallen  für  das  bisher 
entrichtete  A.  eine  jährliche  Pauschalsumme  als  Geld- 
entschädigung zu  entrichten.  —  2.  ähnlich  wie  All- 
mend-G.  2.  A.  1681  ,ist  von  wegen  des  Alpgelts  [be- 
schlossen worden]:  wann  ledige  Knaben  oder  Töchter 
wären,  die  Vater  und  Muoter  haben,  die  sollen  von 
der  Gnossami  Nichts  zuo  nutzen  haben.'  Ztschr.  f. 
schwz.  E.  S.  Ürti-,  AUmend-G.  —  Eimer-:  Geld- 
entschädigung, ursprünglich  für  Anschalfung  eines 
Feuereinicrs  bei  Aufnahme  in  eine  Corporation  B.  — 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


242 


Ininii-:  =  Immi  o  Bd  1  223.  —  Um  nie"-:  kleines 
Geld,  das  man  beim  Bezahlen  einer  Summe  von  der- 
selben als  Trinkgeld  wieder  zurück  ftimme'J  erhält. 
Früher  bes.  bei  Zinszahlungen  statt  der  jetzt  üblichen 
Verabreichung  von  Erfrischungen  gebräuchlich.  Vgl. 
Zins-,  Brud-SchiUing.  —  Verein igungs-:  Bundes- 
subsidien  bes.  von  Frankreich,  Spanien  und  Savoyen. 
Statt  Pensionen  sollen  künftig  die  Jahrgelder  [von 
Frankreich]  , Fried-,  Bund-  oder  V.-Gelder'  betitelt 
werden.  1731,  Abscii.  —  Erb-Einungs-:  der  It  der 
.Erbeinung'  von  1511  mit  Ostreich  vereinbarte  Betrag, 
den  dieses  jährlich  an  die  ,Orte-  auszahlte.  Ähnlich 
entrichtete  auch  Burgund  ein  E.-G.  S.  ,Erbeinung' 
Bd  I  282  u.  vgl.  Absch.  IV  2,  80.  95.  120. 

Un-.  resp.  Um-:  1.  Steuer,  Gebühr,  Abgabe. 
•  Unde  soll  man  inkein  ungelt  noch  einunge  setzen 
ane  [des  Bischofs]  willen  [der  die  Steuerauflage  als 
Hoheitsrecht  allein  beansprucht].'  1200,  Wack.,  DE. 
.Swer  syn  pfant  setzet  den  burgern  über  8  tage 
[hinaus],  es  werd  verkoufet  ald  versetzet,  dem  git 
man  enhain  antwürt  darunib  von  den  burgern,  es  sy 
denne,  so  man  ungelt  nimmt,  so  git  man  niemande 
enhain  antwürt  für  ersten  tag  umb  dehain  pfant.' 
c.  1100.  TuDiess.,  Stadtr.  [die  Obrigkeit  hat  also  ra- 
scheres Verfügungsrecht  über  die  Pfänder  als  der 
Private].  .Die  dörfer  mögen  söliche  wegsanie  wol 
bruchen,  also  dass  si  darumb  kein  umbgelt  schuldig 
syn  sollen.'  15'2J.  Absch.;  vgl.  ,'Weg-G.'  Die  Leistungen 
der  einzelnen  Schützen  an  die  Gesellschaft  bestanden 
in  einem  jälirliohen  Beitrage  an  Geld,  ,Umgeld'  ge- 
nannt, welches  im  J.  1623  durch  die  Regierung  auf 
t)  Pfd  jährlich  festgesetzt  wurde.  Erinn.  1878.  Spec. 
a)  Verbrauchs-  und  Umsatzsteuer,  im  Marktverkehr 
und  an  den  Grenzen  (Stadttoren)  z.  T.  neben  dem  Zoll 
erhoben,  den  man  aber  bes.  an  Brücken  und  Strassen 
bezog.  Accise.  .Die  hofjünger  sprechind,  sy  habind 
das  recht,  dass  die  äptischin  sy  soll  schirmen  vor  dem 
immi  [s.  Bd  I  2'24]  und  vor  dem  ungelt,  sy  koufent 
oder  verkoufent.'  Offn.  ZFäll.  ,Wann  die  zue  Solo- 
thurn  von  kriegen  wegen  in  geldschuld  gekommen 
sind,  so  haben  wir  [der  Kaiser]  erlaubt,  dass  sie  auf 
sich  und  ihre  stadt  ein  zimlichcs  umgelt  setzen  und 
das  von  allerlei  kaufmannschaft  nemen  mögen,  doch 
dass  [sie]  solches  gelt  in  irer  stadt  nutzen  wenden 
sollen.'  1376.  S  Wochenbl.  Lt  Bs  Ratsbeschluss  von 
1376  zahlte  man  in  Bs  von  allen  Waaren.  die  man 
kaufte  oder  verkaufte,  4  den.  vom  Pfuml  [also  aucli 
eine  Art  Einkommensteuer].  A\'\r  habrn  den  Bürgern 
[von  Lucern]  erloubet,  dass  si  in  irer  statt  ein  ungelt 
von  newes  ufsetzen  und  mit  namen  von  iglicher  kouf- 
mannschaft  und  habe,  die  ein  gast  in  ir  statt  bringen 
und  do  verkoufen  wirt,  von  iglichem  pfunt  pfennings- 
wert,  das  do  verkouft  wirdet,  4  pfenn.  fordern.'  1418. 
Seh.  RG.  [vgl.  .Pfundzoll'].  Die  Schwyzer  klagend, 
.dass  die  von  Zürich  uns  körn  und  wyn,  so  wir  ussert- 
halb  iren  landen  kouftend,  nit  durch  ir  land  füeren 
lassen  wollten,  wiewol  wir  inen  davon  gern  geben 
betten  zoll  und  ungelt,  wie  das  von  alter  harkoramen 
was.'  Fründ.  Später  nahm  das  U.  geradezu  den  Cha- 
rakter eines  Tor-  (Ein-  und  Ausgangs-)  Zolls  an.  ,Das 
kleine  Umgeld  begriff  den  Einzug  unter  den  Toren 
von  ein-  und  ausgehenden  Waaren,  darunter  sowohl 
die  eigenen  Fabriken,  d.  h.  Seidentücher,  Leder,  Land- 
wein etc.,  als  die  fremden  Tücher  von  Mecheln  [usw.] 
verstanden  waren.'  Z  Meni.  1801.  Spec.  war  das  ,U.' 
Schweiz.  Idiotikuu  II. 


gelegt  a)  auf  geistige  Getränke,  zunächst  auf  Wein, 
dann  auch  auf  Branntwein  und  Most;  laut  der  Bundes- 
verfassung von  1874  soll  das  noch  in  mehreren  Kan- 
tonen als  Eingangssteuer  erhobene  .Ohmgeld'  mit  IS'M) 
eingehen.  Im  Unterschied  vom  Angster-G.,  Hüswyn- 
Umg.  (1394,  Bs)  und  Böspfenning  war  es  vormals  eine 
Auflage  für  das  Schenk-  und  Tavernenrecht,  also  eine 
(Gewerbs-)  Steuer  auf  die  Wirte,  nicht  auf  Private, 
und  urspr.  eine  bloss  städtische  Verbrauchssteuer,  die 
dann  aber  auch  auf  das  Land  ausgedehnt  wurde.  So 
führten  die  .Länder'  lt  Blvmer  RG.  das  Ohnigeld  erst 
im  XVII./XVIIL  ein.  .Ouch  ist  der  rat  übereinkommen, 
swer  der  ist,  der  in  der  stadt  wyn  schenkt  oder  salz 
feil  hat  und  noch  nit  gesworn  hat,  das  umgelt  ze 
gebenne.  der  git  1  pfd  ane  gnade.'  1300/15,  L  äStdtb. 
,Der  das  ungelt  verseit  ald  nit  git,  so  es  geforderet 
wird  von  dien,  die  es  pflegent,  so  soll  er  es  zwyfalt 
geben.'  1304,  Z  RBr.  ,Wer  wyn  schenket  ze  Brattelen, 
da  ist  der  4.  pfennig  des  ungeltes  unsern  herrn.' 
BsPratt.  ,Es  soll  ouch  ein  ietlich  schultheiss  und 
undervogt  ir  ungelt  geben  als  ander  burger,  wenn 
sie  offenlich  wyn  schenkend,  und  sond  si  die  ämpter 
davor  nit  schirmen.'  1384,  AaB.  Stadtr.  ,Die  wirt 
suUent  sweren,  alle  wuchen  ir  ungelt  den  ungeltern 
ze  werende  oder  mit  ir  willen  fürer  behan.'  1411,  L 
Ratsb.  1444  wurde  verordnet:  ,Es  sollen  die  Wirt, 
die  schenkend  oder  Gastung  empfahend,  zu  Umbgelt 
bezahlen  von  jedem  Saum  4  Mass.  Was  Weins  aber 
von  der  Statt  hinaus  verkauft  wird,  es  sei  ab  Land 
oder  ausser  den  Kellern,  da  soll  man  von  jedem  Saum 
der  Statt  5  ß  zu  U.  entrichten  und  ist  das  der  Seckel- 
meistern  Ampt,  das  alles  einzunemmen.'  [lt.  Hafn. 
1666).  ,Wann  ein  Abt  das  Wirtshaus  am  Far  ver- 
liehet, so  nimbt  er  dort  vom  Wein,  der  verwirtet  wirt, 
das  umgelt.'  1479,  Arch.  Wett.  Im  Waldmann'schen 
Spruch  (1489)  wird  entschieden :  .Ob  aber  einer  ussert- 
halb  den  gepieten  [der  Stadt  Zürich]  wyn  koufte,  von 
demselben  soll  er  das  u.  geben,  nämlich  von  iegklichem 
eimer  achtendhalben  ß  hlr.'  ,Was  der  wirten  nit  an 
den  landstrassen  gesessen,  deren  soll  jeder  für  das 
ungelt  1  pfd  stebler  geben.'  1525,  Absch.  , Welcher  zuo 
Tietwil  wirtet,  der  soll  das  umbgelt  geben  5  plaphart 
von  eim  soum  wyns  unseren  herren.'  1530,  Aa  Weist. 
.Welicher  unbezalt  des  umbgelts  wyn  von  der  stat 
Thun  füeren  [wurde],  soll  das  abieggen  der  stadt 
mit  5  pfunden  zu  buess.'  Stadts.  Thun  1535.  .Die 
[StGaller]  welltind  in  [den  Abt]  nit  schenken  lassen, 
er  zalte  inen  dann  das  umgelt  als  wol  als  ain  anderer 
burger.'  Vad.  ,Das  bisher  in  den  5  Ämtern  [von 
Basel]  bezogene  Ohmgeld  auf  Ausschenkwein,  4  Plapp. 
vom  Saum,  ist  auch  ferner  zu  entrichten.'  1591,  Absch. 
,Item  seilen  die  wirt  ie  ze  Fronfasten  umb  uns  an- 
zeigen, wie  vil  ein  jeder  wein  verwirtet  habe,  seilen 
si  ebenmässig  so  woll  schuldig  sein,  den  wein,  so  si 
bei  dem  lagel  verkauft,  da  fürhin  solcher  in  das  fass 
aufgefasset,  anzuzeigen  und  das  umbgelt  gleich  wie 
von  deme,  so  bei  der  mass  ausgeschenket  wurde,  zue 
jeder  fronfasten,  da  sie  berueft  werden,  mit  barem 
geld  [abzustatten].'  1625,  Gfrd.  (U.)  ,Der  Schultheiss 
soll  auf  das  fallende  Wcinumbgelt  Achtung  geben, 
damit  dasselbige  vermög  der  Ordnung  entrichtet  werde.' 
1654,  Bs  Rq.  ,Die  am  Umgelt  stehende  Wein.'  Z  Mand. 
1700.  —  ß)  auf  Korn,  sog.  ,Mehl-'  od.  ,Müli-U.'  Ochs. 
1357  wurde  in  Bs  beschlossen,  wer  sein  Mehlumgeld 
nicht   zahle,    solle  von  seinem  Bürgerrecht   sein    und 


243 


Galt,  gelt,  gilt,  golt.  gitlt 


nicht  wieder  Bürger  werden.  ,Al.s  wir  von  unser 
stette  grossen  notturft  wegen  das  müliungelt  von  jeder 
viernzel  korns,  die  man  malet,  6  nüwe  pfenn.  zu  geben 
ufgesetzt  haben  uf  5  jar  mit  gunst  des  bischofs.'  1369. 
Bs  Staatsarch.  ,So  einer  körn  zuo  eigenem  bruch  in 
syn  hus  malen  lat,  [soll  er]  von  jeder  viernzel  nit 
me  dann  6  pfenn.  zuo  ungelt  geben.'  1525.  Aesch. 
,Dass  die  Müller  fürbass  schuldig  sein,  das  ünibgelt 
alle  Sambstag  ordentlich  auf  das  Rathaus,  mit  Naiumen 
von  jedem  Mütt  Kernen,  wie  auch  einem  Malter  ohne 
allen  Unterscheid,  wem  sie  das  malend,  0  hlr.  zu 
überantworten,  und  dann  selbiges  von  den  Kunden 
widerumb  ynzezeuhen.'  1629,  Z  Vcrordn.  .Den  Lohn 
des  Müllers  betreffend,  so  ist  demselben  ein  Vierling 
vom  Mütt  zu  nehmen  bewilliget,  daraus  er  dann  das 
Mülle-Umgeld  abzuführen  verbunden  sein  solle.'  1770. 
Z  Ges.  —  y)  auf  Salz.  ,Die  salzlüt  sullent  sweren: 
Was  salz  si  in  dem  koufhus  koufen,  da  sullent  si 
das  ungelt  daselbs  im  koufhus  lassen.  Was  salz  si 
aber  ze  Zürich  koufent,  ist  dass  si  denne  ein  mess 
salz  ganz  verkoufent.  so  soll  ietweder,  der  kouft  und 
der  verkouft,  gen  1  den.  Und  soll  der,  der  da  ver- 
kouft.  den  selben  pfenn.  einnemmen  und  soll  den 
pfenn.  und  den  synen  weren  by  dem  eid  an  unser 
ungelt  [an  die  Umgeld- Kasse].-  1411,  L  Eatsverordn. 
—  d)  auf  Vieh.  ,Unib  das  vichungelt,  da  von  unsern 
usburgern  vil  unlust  und  klegt  ist  gewesen,  ist  er- 
kennt, dass  wir  alle  unser  usburger,  unser  umsessen 
und  die,  so  mit  uns  stiurent  und  dienent,  des  ungelts 
nu  ze  mal  erlassen  haben.'  1413,  Z  Ratserkenntn.  — 
e)  auf  Fleisch.  ,Das  Fleisch-  oder  Metzger-U.'  wurde 
in  Bs  a.  1452  eingeführt  und  betrug  per  Ztr.  4  ß  2  den. 
,Von  dem  Vieh,  das  auf  Verkauf  geschlachtet  wird, 
sind  die  Metzger  schuldig,  das  Fleischohmgeld  zu  ent- 
richten nach  Massgabe  des  Mandats,  wie  die  Metzger 
in  der  Stadt  [Baeel]  das  Ohmgeld  auch  bezahlen.  Das 
Fleisch,  das  für  den  Hausgebrauch  eingeschlachtet 
wird,  ist  von  diesem  0.  frei.'  1591,  Absch.  —  b)  Ab- 
gabe, welche  Krämer  auf  Jahrmärkten  entrichten 
müssen,  .Standgeld'  (s.  d.)  ScuSt.  (Sulger).  —  c)  Ver- 
mögenssteuer. Eine  solche  wurde  1376  (1394  , neues, 
grosses  U.'  genannt  im  Gegs.  zu  dem  schon  bestehen- 
den, auf  Waareuumsatz  erhobenen  U.)  in  Basel  ein- 
geführt. Wer  1000  M.  besass,  gab  wöchentlich  10  ß 
(s.  o.).  1674  wurde  in  Glarns  (It  Ebel)  von  den  Re- 
formierten beschlossen,  zur  Bildung  eines  Schatzes  ein 
U.  oder  eine  Hab-  und  Gutsteuer,  auf  100  fl.  1  ß, 
zu  erheben.  —  2.  die  Umgeld kasse  und  deren 
Verwaltung.  S.  oben  1  y.  1490  wird  in  Luzern 
verordnet,  der  Kornhausmeister  solle  alle  Wochen 
an  das  U.  Rechnung  geben  und  das  Geld  den  Um- 
geldnern  abliefern.  Vgl.  Umgelter.  —  umgelten, 
ver-ungeltc(n):  (trs.)  vom  ausgeschenkten  Wein  das 
Ohmgeld  entrichten  L ;  Zg.  ,Dass  man  eilenden  [aus- 
ländischen] wyn  V.  soll,  als  er  ufgetan  wirt.  Swer 
ze  Zürich  dehein  eilenden  wyn  zem  zapfen  schenket 
und  verkoufet,  der  soll  in  v.,  unz  der  wyn  uskummt 
[ausgeht].'  Z  RBr.  1304.  .Ain  ieglich  schenk  soll  sinü 
fass  V.'  c.  14011.  TiiDiess.  Stadtr.  ,Wir  haben  geordnet, 
dass  hinnanthin  allo  dir  wirt.  so  in  unser  statt  Wirt- 
schaft oder  gastniiir  lialtriit,  allen  den  wyn.  den  sy 
schenkent  oder  den  j,'e.->tLn  gebent.  es  sye  über  tisch 
ze  den  rechten  malen  oder  zwüschent  den  malen,  ver- 
ungelten  und  dasselbe  ungelt  alle  fronfasten  den  un- 
geltern  antwürten  sullent'  1422,  Z  Eatsverordn.  , Jeder 


Bürger,  der  Wein  schenkt,  ist  verpflichtet,  ihn  zu 
verumg.'  Stadtb.  Wthur.  Die  Thurgauer  beschweren 
sich,  dass  ,ain  biderb  mann  den  wyn  oder  most,  so 
im  uf  dem  synen  erwachsen,  nit  usschenken  darf,  und 
ob  er  schon  dörfte,  so  muoss  er  selbigen  tür  umb- 
gelten.'  1525,  Absch.  Auch  von  anderen  Objekten: 
,Doch  wirt  allein  der  wein,  den  man  vom  zapfen  und 
bei  der  mass  verschenkt  und  verkouft,  verumgeltet, 
sampt  dem  körn,  so  die  beeken  auf  den  kouf  bachen 
oder  so  an  die  frömbde  hinweg  gefüert  wirt,  sonst 
was  wein  und  körn  die  burger  in  iren  häusern  brau- 
chen, darvon  geben  sy  weder  zoll  noch  umgelt.'  Simml. 
1577.  —  Um-Gelter  m.:  Steuer-,  Umgeld-Einzieher 
L;  ScnSt;  Zg.  ,So  ein  burger  oder  ein  gast  eilenden 
wyn  [gen]  Zürich  füeret,  den  er  den  burgern  uf  ge- 
winn schenken  welle,  den  soll  niemand  entladen  noch 
ze  kellre  ziehen,  die  ungelter  alle  drye  ald  der  mere 
teil  versuochen  in  danne.'  Z  RBr.  1304.  ,Swer  wyn 
verkouffet  us  einem  fasse,  der  soll  das  fass  den  on- 
geltern  von  ersten  öigen  und  danach  verongelten.' 
1341.  Z  Ratsb.  .Coactor,  ein  umbgelter,  oder  der 
verloren  schulden  an  sich  zeucht  oder  bringt.'  Fris.; 
Mal.  Den  Ladenherren  in  Basel  ,sind  bei  uns  nicht 
ungleich  die  umgelter,  die  alle  Wochen  durch  ire  diener 
das  uragelt  [daher  auch  etwa  Wochen-Umgelt  genannt] 
von  wein  und  körn  einzeuhen.'  Simml.  1577.  ,Die  ver- 
ordneten Herren  Umbgelteren  uf  dem  Rathus.'  1643, 
Z  Umgeldsordn.  ,Die  Herren  Umbgelter  fragend  [die 
Wirtin],  warum  sie  kein  Umbgelt  bring.'  Schimpfr. 
1651.  Lt  Brückner  hatten  die  VVeinsticher  oder  , Um- 
gelter die  Fass  und  Geschirr  zu  sinnen'.  ,Der  Herren 
MüUi-Umgeltneren  sind  zwei,  von  und  aus  den  Kleinen 
Räten  erwehlt.'  Z  Merkw.  des  XVUl.  In  ScHSt.  der 
Einziehcr  des  , Standgelds-  (s.  Unyelt  b).  In  L  Ver- 
walter des  Umgeldseckels.  .Was  nun  [in  L]  die  min- 
dern Ausgaben  belanget,  was  unter  einem  Taler  ist, 
darzu  wird  alle  halbe  Jahr  einer  aus  dem  kleinen  Rat 
erwehlet,  welchen  man  den  Umg.  nennet,  dessen  Amt 
ist,  alle  Samstag  auf  dem  Rathaus  alle  Unkosten,  was 
die  vergangne  Wochen  über  die  Stadt  ergangen  und 
unter  einem  Taler  ist.  zu  bezahlen,  darzu  er  auch 
besondere  Einkönften  hat,  das  des  Seckelmeisters  [der 
die  grössern  Posten  zu  verwalten  hat]  Rechnung  nicht 
antrifft.'  SuiML.-Leu  1722. 

Mhd.  umjill,  Zehr-,  Verbrauchsteuer,  Abjaljc  von  Eiufuhr 
und  A'erkauf  der  Lebensmittel,  insofern  eine  mit  Un- recht 
geforderte  Abgabe,  als  keine  Gegenleistung  (wie  beim  Königs- 
zoll) entspracii  und  sie  auf  keinen  Kechtsgrund  sich  stützte. 
,Golt'  (i.  S.  V.  .schuldige  Leistung')  verhält  sich  zu  lat.  de- 
hitum,  wir  "»./ r7(  /n  (l,.>iii  lat.  hiefür  angewendeten  indebilum 

oder  zu   'Imi    1-111.   /.(   lollu.     Vgl.:  ,Angaria,  pecunia  ex- 

torsa,  iniL-  11/  M"ih.  Aiiz.  1839,  '256,  und  das  Syn.  ,Uu- 
pfenuiug-  li.  i  Unit. ms:  iiihd.  unpßlhl ;  die  verwandte  Abgabe 
des  Böspfeuuigs  uud  uhd.  .Unkosten'.  Die  Bedeutung  des 
zu  Gemeindezwecken  verwendeten  U-s  im  Verhältniss  zu  den 
Reichssteuern  kennzeichnet  das  Z  Memorial  vou  1801:  ,Die 
Einnahmstitul  [Kornmarktsgcfälle,  Lehenzinse  von  den  Met«g- 
bänken  udgl..  Kaufhausgefalle)  wurden  wohlbedächtlich  Um- 
gelder  genannt,  uud  dadurch  als  lokal  charakterisiert,  um 
nicht  mit  der  Reicliskastvogtei  in  Cunflict  zu  kommen,  welche 
die  eigentlichen  Dominialeinkönfte  zu  Händen  des  kaiserlichen 
Fiscus  bezog.-  Das  verhasste  U.  war  u.  A.  Mitursache  des 
Waldmann'schen  Aufstandes  und  des  Bauernkrieges.  Da  dei 
Bezug  des  U.  nur  der  Hoheit  zustand,  galt  es  als  ein  bes 
Vorrecht,  wenn  Untertanenstädte,  wie  ZReg.,  ein  Umgcldsrecht 
hatten.  Über  die  mit  dem  Bischof  von  Bs  von  dieser  Stadt, 
welche  ein  Besteurnngsrecht   auch    für   sich,    nicht  nur  für 


Galt,  gelt,  silt,  j?olt.  gult 


246 


ilen  Oherhenii.  behauptete,  s.  Heiisl.,  Vfgesch.  der  Stadt  Bs, 
S.  164  ff.  H.  vgl.  übli.  Blunier.  RG.  2,  289  f.  u.  Seg.  RG. 
2,  300/304.  3,  2,  42/43.  Betr.  das  .ÜDgelt',  welches  in  Bs 
in  den  Jahren  1429  und  1446  als  Personal-  und  Vermögens- 
steuer neben  dem  gewöhnlichen  Wein-  und  Mühle-Umgeld  als 
ausserordentliche  Steuern  bezogen  wurde,  vgl.  Schönberg, 
Bs  Finanzverhältnisse  S.  167  f.,  207  f.  u.  s.  auch  S.  270  dessen 
Correctnr  betr.  das  .Fleisch-Umgeld'.  —  In  manchen  über- 
lieferten Stellen  bleibt  natürlich  die  specielle  Natur  des  U. 
unbestimmt:  ,5  viertel  fuoterhaber  dem  meister  Pur,  als  er 
uf-em  umgelt  reit  [das  U.  auf  dem  Umritt  iu  Empfang  nahm].' 
1536,  ZGrün.  Anitsrechn,  ,'Wir  sind  die  amptlüt  unserer 
Herren,  die  zoll  und  g'leit,  stür  und  umbgelt  ynziehcn  tuciml 
von  aller  weit.'  Aal  1549.  .Vectigal,  census,  zoll,  st.ui. 
umbgelt,  fuorlon,  Zins.'  Fris.;  Mal.  .Steuer,  Zoll,  S.liul/nnu. 
Umgelter  abstatten.'  AKlingl.  1702.  —  Aus  ,Un-'  .nt^t.ui.l 
durch  Verderbniss  ,Ura-',  sei  es,  weil  man  entweder  an  eiiu; 
auf  den  Waaren- U  m  satz  gelegte  Steuer  dachte  oder  dann 
~  wie  einige  Belege  zeigen  —  an  eine  Verlegung  der  Steuer 
auf  die  Pflichtigen  (vgl.  .Umlage',  Abgabe).  ,Ohra-G.'  endlich 
ist  eine  Umdeutung  auf  ein  Weinmass  (s.  Am  Bd  1  211), 
welche  um  so  näher  lag,  da  das  Wein-U.  vielleicht  die  älteste 
und  auch  wieder  die  Gegenwart  überdauernde  Form  der  .\b- 
gabe  ist. 

Angstcr-Gelt:  1.  von  Privaten  bezogenes  .Ohm- 
geld'; vgl.  Ungelt  laa.u.  Schw  Staatsverm.  S.  51.  .Wer 
Wein  und  Most  trinkt,  der  ihm  selbst  wächst,  soll 
für  jede  Mass  einen  Angster  Auflag  an  die  be.stellten 
Faktoren  bezahlen.'  1697.  Schw.  1715  wurde  ebd.  be- 
schlossen, von  jeder  Mass  Wein,  Most,  Branntwein  und 
Kirschwasser  1  A.  zu  erheben  und  an  den  gemeinen 
Nutzen  zu  verwenden.  1798  betrug  der  Angstcrgelds- 
fond  l(i'218  fl.  Syn.  Hüswyn-Umgclt  ^  2.=Haiipt- 
AmiMei-  Bd  I  339. 

Walirsih.  eine  auf  den  Kopf  verlegte  Kriegssteuer  ist 
auili  das  14 S9  neben  dem  Fronfasten-,  Büchsen-  u.  Plapphart- 
lield  unter  den  abgeschafften  Steuern  in  den  Waldmann'schen 
Spruchbriefen  genannte  A. 

Antoni-  und  Barbara-:  B  Stiftung  des  Anton 
und  der  Barbara  v.  Grafenried  zu  Gunsten  der  in 
den  Burgerspital  Aufgenommenen.  Vgl.  Mesm.  1831, 
S.  137/8.  —  Ent-  s.  u.  ent-gclten.  -  Appellation«-: 
Appellationsgebühr  vor  Gericht.     Vgl.  A.-GiiMhi. 

Opfer-:  in  die  Kirchenbüchse  eingelegtes  Geld 
ScuSchl.  Vgl.  opferen.  Früher  das  in  den  Opferstock 
gelegte  Geld.  Die  Schulser  wollen  die  Scharler  zwin- 
gen, dem  Pfarrer  ,selpraid  und  o.'  zu  bezahlen.  1570, 
Gk  Sammler.  —  Das  0.  machte  einen  Teil  der  sog.  Stol- 
gcbühren  und  damit  des  Einkommens  der  Geistlichen  aus. 
Verer-:  Ehrengeschenk.  In  ApI.  wurde  es  1764 
bei  Leib  und  Leben  verboten,  von  fremden  Fürsten 
heimlieh  ,Verehrgelder'  anzunehmen.  Absch.  Ein  V.-G. 
wurde  auch  als  .Pension'  von  Savoyen  bezahlt. 

S.  m-eren  Bd  I  398.  Einer  der  zahlreichen,  verdeckenden 
Namen,  unter  welchen  die  Pensionen  in  die  Schweiz  wan- 
derten.    Vgl.  .Gnaden-,  Stuben-,  Sitz-G.'   u.  a. 

Erb(s)-:  Erbportion.  ,Erb  [1719:  ,Erbs']-G..  wann 
der  Schuldner  von  wegen  eines  ihme  in  gemeiner 
vätterlicher  oder  anderer  Erbschaft  zugeteilten  Guts 
seinen  Miterben  eine  Summa  Gelts  zu  gewisser  Zeit 
zu  bezahlen  .schuldig  geworden  ist.'  1694,  Bs  Rq. 
Mehrfach  in  den  Bs  Bq.  neben  den  .Schatzungsgeldern' 
als  in  Concursfällen  privilegierte  Forderung  genannt. 
—  Arme"-G6ltli  (n.):  den  Armen  verabfolgte  Unter- 
stützung Ap.  Syn.  A.-Gab.  —  Ürti-Geld:  das  unter 
den  Gliedern  einer  Corporation  aus  dem  Ertrag  des 
•  'orporationsgutes  verteilte  Geld  Ndw.    S.  Ürten  Bd  I 


492.  —  Use"-:  was  nach  einer  .\brechnung  bei  wechsel- 
seitigem Kaufe  oder  Tausche  Einer  dem  Andern  noch 
schuldig  bleibt  und  nachbezahlen  muss.  Passiv-Saldo 
B;  Gl;  Z.  Was  man  bei  einer  Zahlung  in  grober 
Münze  als  überschüssig  in  Kleingeld  wieder  zurück- 
erhält, allg.  Vgl.  ushin-geben.  —  Üscl  (Rüsel)-:  Geld 
an  Münzen  von  geringem  Wert,  bes.  Kupfer-G.  G. 
S.  Üsel  Bd  I  564.  —  Oster-:  zu  Ostern  (s.  d.  Bd  I  .582) 
unter  die  Schulkinder  verteilte  kleine  Gabe.  ,Es  soll 
das  Osteren-G..  um  denen  Kindern  desto  grösseren 
Lust  und  Eifer  zum  Schreiben  zu  erwecken,  auf  fol- 
S'ende  Weis  ausgeteilt  werden.'  Wochenbl.  ApTrog. 
Vyl.  noch  (Isfcr-Batzen.  —  Atz-,  Etz-:  I.Vergütung 
für  die  Unterhaltungskosten  eines  Gefangenen,  Zehr- 
geld. ,Es  sollend  alle  gefangen  uf  baid  tail  bis  den 
genannten  friden  üss  zil  und  tag  haben  und  soll  ain  be- 
schaiden  a.  von  inen  genommen  werden.'  1460,  Absch. 
.Zürich  muosst  für  ihre  16  burger  [die  Geiseln  waren] 
ätzg.  bezalen  1700  pfd.'  HBiri,i,.,  Tig.  Vgl.  Atzung 
Bd  1624/25.  —  ,2.  Kostgeld  AaF."  —  Fach-,  bezw. 
Föch-:  Fanggeld  für  Einbringung  Gefangener,  bes. 
auch  bei  der  Schuldhaft.  .Wer  hinnanthin  gefangen 
wird,  hat  der  so  vil,  dass  er  atz,  turnlösung  und  f. 
geben  mag.  von  dem  soll  oueh  solich  gelt  genommen 
werden.'  1417.  Bs  Bq.  ,So  über  zwen  oder  drei  tagen 
[nach  dem  .Warnungsbott']  kein  zalung  erfolgt,  mag 
am  andern  oder  3.  tag  das  f.  usgöben  [also  der  Schuldner 
verhaftet]  werden.'  XVL,  ZGrün.  Auffallsordn.  .Des- 
glychen  [sollen]  .sy  [die  zur  Mahnung  des  Schuldners 
verwendeten  Weibel]  sich  des  einfachen  f-s.  wie  es 
bestimmbt  ist,  vernüegen,  es  seie  dann  sach,  dass  der 
ein  und  ander  [Schuldner]  so  wyt  entlegen  und  einem 
undervogt  oder  weibel  dcnselbigen  unib  das  daselbst 
bisdahin  gebrüchige  f.  also  alleinio-  2;hnr>;am  ze  machen 
nit  müglich  wäre,  dass  uf  sijli.li.ii  i.ihl  ]e,lri  ,,l,.n,,et 
befelch  haben  [soll],  ihnen  <lie  liili^lnin.l  /e  l.iei,Mi  und 
zuc  dem  gewohnlichen  f.  noch  ein  geburliche  be.^se- 
rung  ze  sprechen.  Hieby  aber  sollend  auch  uiidervligt 
und  weibel  pflichtig  syn,  so  oft  ihnen  von  dem  rat- 
schryber  ein  oder  mehr  f-er  überschickt  werdend,  uf 
allernächst  daruf  folgendem  frytag  zue  ihme  ze  gahnd 
und  deniselbigen.  damit  er  demjenigen,  so  das  f.  us- 
geben  hat  (dem  Gläubiger],  gewüssen  berieht  und 
was  je  1er  tiir  lies.li.'id  lieben  habe,  tuen  könne.'  Z 
Brieiuidn,   U;:'.!.     \  ui.  Krmi.  —  Vieh-  s.  Alhiicnd-G. 

-  Fall-:  =  /((//    na   1   7.!.-,.    Z  Neuj.  W.   1878.   2:>. 

—  Fülli-:  in  eine  Celdaliiial.e  verwandelter  Jung- 
oder Blutzehnte.  17Ü7  It  iliereinkunft  mit  den  G 
Gotte-shausleuten  neben  dem  .Kallili-Geld'  unter  den 
kleineren  Aliy-.ilien  e-enaiint.  «elehe  gegen  Erlegung 
des  .l..p|,elten  Kai.ital.  auslrislieli  sein  sollten.'  S.  Fülli 
Bd  1  Tii.-..  Feld-:  der  seil  isol  jährlich  an  die 
Bürger  verteilte  Ertrag  der  verpachteten  [statt  zur 
Bebauung  angewiesenen]  Stadtfelder  [urspr.  AUmend- 
gut]  in  Bern.  .Machten  nicht  die  Aargauer  den  Scliult- 
heiss  von  Bern  zu  ihrem  Burger!  Der  wird  sich  be- 
danken! Müsste  ja  abtreten  [während  der  Ratsverhand- 
lungen ausstehen]  in  allen  Angelegenheiten  zwischen 
Bern  und  Aargau,  würde  vielleicht  gar  gehalten  wie 
einer  mit  fremden  Titeln  und  Pensionen,  besonders 
wenn  die  Aargauer  auch  F.  haben  oder  das  Recht  zu 
einem  Kühfuss  auf  einem  Berge'. ■  N.  B  Kai.  1844.  — 
Fane"-:  Ehrengabe  an  glüekliehe  Seliül/eii.  .Diewyl 
die  büchsen-  und  armbrustsehiilzeii  nl  dem  seliiessen 
zno  Strassburg  vil  kosteus  gehept,  wellent  myn  lierren 


247 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


•248 


inen  uf  alle  fanen,  so  zue  Strassburg  und  Basel  g'wun- 
nen  worden,  das  fanengelt  ggben.'  1576,  Z  Neuj.  Ant. 

—  Vor-Gelt:  zum  Voraus  entrichtete  Gebühr.  Als 
1401  in  Bs  unter  dem  Najnen  ,Ungelt-  eine  Vermögens- 
steuer eingeführt  wurde,  musste  man  gleich  Anfangs 
ein  ,V.'  entrichten,  nämlich  so  viel  Gulden,  als  man 
wöchentlich  Angstcr  .Ungelt'  bezahlte.  (Heusl.  1860, 
237).  —  Für-:  Abgabe  für  Benutzung  der  Waldung 
zu  Feuerungszwecken.  1776  weigert  sich  ein  tessini- 
scher  Untertan,  das  Feuergeld  zu  bezahlen,  weil  er 
über  ein  halbes  Jahr  mit  dem  grössern  Teil  seiner 
Familie  mit  Feuer  und  Licht  ununterbrochen  in  einer 
fremden  Gemeinde  gewohnt  habe.  Absch.,  wo  die  Ab- 
gabe häufig  Foccage  genannt  wird  (eig.  Feuerstatt- 
zins). —  Puer-:  Geldleistung  statt  der  frühern  Fron- 
fuhren; s.  Frön  Bd  I  971.  Verschiedene  Gemeinden 
werden  a.  1802  u»  A.  wegen  F.  belangt,  welches  sie 
vor  der  Eevolution  an  das  Schloss  Eglisau  bezahlt 
hatten  (Wild  1883,  340).  —  Abfuer-:  I.Gebühr  für 
(polizeiliches)  Geleit.  Lt  Armenrechnungen  von  BSigr. 
musste  die  Gemeinde  wiederholt  .grosse'  Bettler  weg- 
führen lassen  und  dann  jedesmal  3  Btzn  A.  bezahlen. 

—  2.  Ausgangszoll  auf  Vieh.  ,Im  XVI.  war  im  BO. 
die  Viehausfuhr  bes.  nach  Italien  so  stark,  dass  die 
übrigkeit  den  Käufern  etwas  , Tratten-  oder  Abfuer- 
gelts'  auferlegte.  , Jeder  Käufer  soll  von  jedem  Stück 
Vieh  bei  einer  Kaufsumme  bis  auf  20  Pfd  von  je  10  ß 
1  ß,  bei  höhern  Kaufsummen  den  halben  Zehnten 
als  A.-  oder  Trattengcld  bezahlen.'  1.569,  Absch.  — 
Ferggungs-:  Gebühr  an  den  Grundherrn  (oder  dessen 
Stellvertreter)  für  die  gerichtliche  Fertigung  eines 
Kaufes.  .Wer  güeter  [zu  Schwamendingen]  kauft,  der 
soll  den  pflegeren  [vor  denen  die  Fertigung  zu  ge- 
schehen hat],  ihr  gewonlich  f.  bezalen.'  1533,  Offn. 
ZSchwam.  S.  ferggen  Bd  I  1006.  —  Puess-:  von 
Passanten  erhobenes  Weggeld.  .Die  da  farend  oder 
gand  durch  den  pass  und  weg  ze  Bellenz  [sollen]  fry 
und  ledig  syn  zollens  und  tax,  es  sy  fuesszolle  oder 
andere  Schätzung  an  ir  lyb  und  ir  eignen  koufmann- 
schaft'  1426,  Friedensvertr.  (Absch.),  wofür  in  dem 
einige  Monate  später  abgefassten  lat.  Instrument  ,pe- 
dagiura',  in  dem  deutschen  aber  ,fuessgelt'  (s.  Gahelle) 
gesetzt  ist.  —  Fisch-:  Geldentschädigung  an  die  am 
Müsegg-Umgang  Teil  nehnrenden  Priester  als  Ersatz 
für  die  ihnen  einst  zum  Mahle  vom  Bäte  der  Stadt 
gespendeten    Fische.    Gem.  L  1858,  322.     Vgl.  Fisch. 

—  Fronfaste°-:  eine  nach  Terminen  des  Kirchen- 
jahrs (s.  Fronfasten  Bd  I  1114)  zu  machende  quartal- 
weise Zahlung,  's  Fr.  sale',  als  Vater  eines  unehe- 
lichen Kindes  zu  dessen  Unterhalt  beisteuern  müssen 
[vgl.:  a.  1701  entscheidet  das  Z  Ehegericht,  N.  N. 
solle  zur  Erhaltung  eines  ausserehlichen  Kindes  fron- 
fastenlich  5  Pfd  beitragen].  ,Von  dem  Fr.-G.  Ein  jeder 
haushäblicher  Mensch  soll  alle  Fronfasten  2  ß  und  ein 
jedes  Hausgesind,  wie  auch  die  Kinder,  die  opferbar,  alle 
Fr.  1  ß  geben.'  147.'),  Orns.  Das  im  Waldmann'schen 
Spruchbriefe  nachgelassene  Fr.-  und  Büchsengeld  ist 
eine  in  die  , Reiskassen'  abzuliefernde,  z.  T.  in  viertel- 
jährlichen Katen  ä  6  Pfenn.  zu  zahlende  Kriegssteuer. 
,Myn  herren  haben  alle  diener,  so  fr.-g.  von  der  statt 
haben,  uf  das  rathus  beschickt.'  1.530,  Strickl.  A.  1644 
betrug  zu  L  das  an  die  3  Trompeter,  8  Turmwächter 
und  14  rufenden  Wächter  von  dem  Umgeldner  zu  be- 
zahlende Fr.-G.  81  fl.  .Die  Hebammen  sollen  auch 
ihren  rechten  Lohn  von  Weibern  nemmen  und  darzu 


ihr  Fr.  von  der  Stadt.'  JMuralt  1697.  .Fronfasten- 
gelt,  salarium  angariale.'  ThSpieser  1716  [der  , Fron- 
fasten' auch  mit  angaria  wiedergibt].  1727  wollte  Seg- 
lingen,  dass  Eglisau  ihm  einen  Beitrag  an  seinen  Nacht- 
wächter gebe,  indem  es  das  .Fraufastengeld'  [wahrsch. 
ein  Beitrag  an  die  Bewachung  der  Stadt]  erlasse. 
1  fl.  Fr.-G.  als  Schulgeldrate.  1824.  Z.  Vgl.  Heiz-G.; 
Quartal-Zapfen.  —  Frecht-:  =  Frecht  Bd  1  1272. 
Der  StMichaelspfründe  in  Frauenfeld  werden  a.  1385 
6''/4  Mütt  Haber  als  Fr.  zugewiesen.  —  Frid-:  l.hiess 
die  Summe,  welche  Frankreich  gemäss  dem  ewigen 
Frieden  von  1516  an  die  XIII  Orte  der  Eidgenossen 
und  an  Wallis  alljährlich  zu  zahlen  sich  verpflichtete. 
,N.  N.  ist  gen  Lyon,  das  fridgelt  zu  holen,  verordnet.' 
1551,  ScH  Ratsprot.  .Bisher  sind  den  Ständen  gewisse 
Gelder  unter  dem  Namen  Friedgelder,  Pensionen, 
Bundesgelder,  Stipendien  usw.  von  der  Krone  Prank- 
reich zugeflossen.'  1776,  Absch.   S.  auch  ,Vereinungs-G.' 

—  2.  Kriegskosten,  welche  die  V  Orte  lt  Landfrieden 
von  15'29  den  6  evangelischen  Städten  zahlen  sollten. 
1530,  Absoh.  —  Fron-:  in  Geld  zu  leistender  Er.satz 
bei  Nichterfüllung  der  Fronpflicht.  1.556,  Bs  Rq. 
(s.  Frön  Bd  I  1300).  Noch  1757,  Bs  Landesordn.  — 
Fr  und-:  Fond  für  Ausrichtung  von  Ehrengeschen- 
ken (?).  ,Den  Ehrengesandten  aus  dem  F.  10  Pistolen 
geben.'  1643,  W  Monatsschr.  --  Frett-:  „jährlicher 
Zins."  S.  Frett  Bd  I  1338.  —  Gab-:  Geschenke, 
welche  dem  Ehepaar  bei  der  Hochzeit  gemacht  werden, 
in  der  Regel  der  bedeutendste  Teil  des  sog.  .Ehe- 
rechts'. ,Des  G.-G-s  halber  ist  dise  Erlüterung  ge- 
macht, dass,  was  nöuwen  Ehlüten  von  den  Hochzyt- 
gesten  verehrt  und  gegabet  worden,  selbiges  beiden 
Ehementschen  gebühren  solle.'  1658,  ZFlaach,  Erbr. 
Auch  im  Z  Erbr.  von  1716  aufgezählt. 

Guide°-:  Geleit-Geld.  Die  von  Lauis  [Lugano] 
werden  aufgefordert,  den  Säumern  [über  den  Gott- 
hard]  allen  Vorschub  zu  leisten  und  ihnen  kein  G.-G. 
abzufordern.  1580,  Absoh.  —  It.  <juida  f.,  Wegweiser, 
Führer. 

Güggel-:  in  eine  Geldabgabe  von  8  ß  verwandelte 
Entrichtung  eines  Zehnten-Hahns.  S.  Zehent-Güggel. 
XVIL/XVIIL,  ZWetz.;  auch  ,Stück-G.  genannt. 

Vgl.  ,0b  eiu  Prädikant  Strauw  niangela  würde,  so  soll 
man  die  Giiggel  zu  Geld  schlahen  und  ihme  das  Straiiw 
darfür  werden  lassen.'  c.   1615,  ZWetz.,  Zehntcn-Urb. 

Weidgang-:  Gebühr  an  die  Allmendgenossen  für 
ein  auf  der  AUmend  oder  Brachzeig  ,eingeschlagenes', 
weil  angepflanztes  Stück  Land,  das  damit  dem  Weid- 
gang entzogen  wurde;  es  bezahlten  es  bes.  ausser  der 
Dorfgemeinde  wohnende  Besitzer.  In  ZWetz.  wurde 
sie  erst  1858  abgelöst.  —  Gant-:  die  in  Terminen 
zahlbare  Summe  für  ein  an  einer  Gant  [öifentlichen 
Versteigerung]  gekauftes  Grundstuck  u.  a.  Bs.  Ihre 
Stellung  im  Concurs  mehrfach  in  den  Bs  Rq.  erwähnt. 
Ebd.  mehrfach  i.  S.  v.  Ganterlös  übh.,  ,Gantschilling'. 

—  Gasse"-:  die  Abgabe,  welche  der  von  auswärts 
kommende  Freier  den  ledigen  Burschen  des  Dorfes  zu 
entrichten  hat.  Es  geschieht  oder  geschah  dies  einige 
Tage  vor  der  kirchlichen  Verkündung  der  Trauung, 
und  freigebige  Freier  Hessen  sich  3  Louisdor  nicht 
zu  viel  sein  Gl.  Vgl.  G.-recht,  -haus;  Anstand;  Haus; 
Heise!;  Instand;  Passieru-in.  —  Glück-:  1.  kleines 
Geldgeschenk,  welches  der  Taufpate  seinem  Taufkinde 
in  den  Sack  der  ersten  Höschen,  die  Patin  in  den- 
jenigen des  ersten  Kleides  der  jungen  .Gotte'  steckte. 


249 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  g\\]t 


,Staaf  zu  zeigen  ZBiir.,  Pfiitf,  —  •-'.  in  ZErl.  u.  Zull. 
bis  c.  1840  ein  Geschenk  von  meist  4  ß,  welches  der 
Bauer  dem  Händler  oder  seinem  Knechte  gab,  wenn 
dieser  im  Frühjahr  ihm  die  jungen,  gekauften  Mast- 
schweine brachte;  man  hoffte,  die  Schweine  würden 
alsdann   gut  ausfallen.     Vgl.  Glücks- Hampfle,  -Nuss. 

—  Gnad-:  =  Verer-G.  ,Es  soll  nieman  in  unsrem 
land  von  keinem  fürsten,  stetten,  kommunen  noch 
Personen  kein  dienstgelt,  gn.,  miet  noch  gaben  nit 
nemen.-  1481,  Ztschk.  f.  schwz.  R. 

Grab-:  dem  Kloster  Einsiedeln  entrichtete  Ge- 
bühr für  dort  abgehaltene  Begräbnisse.  .Die  Messnier 
sollen  das  Gelt,  so  sie  auf  Altären,  Beichtstühlen  etc. 
finden  nuichten.  aufnemmen  und  selbiges  sammt  dem 
Hochzeitgeld.  Gr.  etc.  dem  Decano  überantworten.' 
ScHwE.  Klo.sterarch.  Abgabe  der  Zunftgenossen  an 
die  Zunftkasse  bei  Beerdigung  von  Angehörigen.  B 
Tasehenb.  1862.     Auch  Uch(t)-,  ,Leichen'-G. 

Iii  Bs  entspricht  in  solchem  Falle  eiuo  Abgabe  ,an  die 
bor-  [Leichenbahre],  eig.  für  das  Geleite  [,die  folge']  von 
Seiten  der  Zunftgenossen.  Sie  gieng  nach  der  Beerdigung 
iu  einem   Leichenschmause  auf.     Vgl.   Lu-heiitm-ch-O. 

Gred-:  Lagergebühr  für  die  in  der  .Gred'  (Lager- 
haus am  Landungsplatz  der  Schiffe]  niedergelegten 
Waaren.  ,Der  zu  Lindau  erhobene  Zoll  sei  kein 
neuer,  sondern  nur  ein  G.-G.'  1585,  Absch.  Spruch- 
brief. ,den  Zoll,  Gröd-  und  Umbgelt  zu  Steckborn  be- 
treffend' (a.  1662).  THÜottl.,  Erm.,  üiessenh.  u.  Steck- 
born bezogen  noch  1838  ein  zur  Unterhaltung  der 
.Schifflände'  verwendetes  G.-G.  Syn.  Hof-,  Hüs-, 
tSiist-G.  —  Heu-:  in  eine  Geldabgabe  umgewandelter 
Heuzehnte.  .Darab  gänd  jährlichen  5  ß  und  0  hlr. 
Hangelt.'  17'26.  ZGrün.,  wo  es  erst  nach  der  Mitte 
unsers  Jhdts  gänzlich  abgelost  wurde.  .Beschreibung 
des  Heuzehendes  und  auf  jedes  Stuck,  dessen  Grösse 
und  Güte  gelegten  H.  zu  Bachs.'  1750,  Z  Staatsarch. 
Davon  .verhöugelten'.  das  H.  entrichten.  Urb.  LMünst. 

—  Haber-:  1.  Geldäquivalent  für  an  den  Vogt  zu 
entrichtenden  .Fueterhaber'.  1797  in  G  unter  den 
kleinern  Abgaben  genannt.  —  2.  in  Hafer  entrichtete 
Rente;  vgl.  H.-GüU.  ,8  malter  Habergelts.'  G  Stifts- 
arch.  —  3.  .Teloneum  avena  apud  Brukkam  quod  vul- 
gariter  H.  dicitur.'  1307,  Kopp,  Urk.   Vgl.  Brurjy-Hahcr. 

—  Hueb-:  Zins  von  einer  Hube  (Erblehengut).  15(iO. 
Absch. 

Heide"-,  in  der  RA. :  es  H.  chosfe',  si',  verdiene", 
sehr  viel  kosten,  ausmachen  usw.  allg.  —  Halden-  iu 
abstr.   verstärkendem  S. 

Spar-Hafe°-:  Geld  in  der  Sparbüchse,  allg.  .Sel- 
tenes Gold-  oder  Silbergeld,  das  man  aufbewahrt." 

Hof-:  Lagergeld.  ,Da  von  einem  Salzfäs.sli  nit 
mehr  zugehet  als  7'/^  frs.  für  Zohl,  H.  und  Leggelt.' 
10.54,  ScH.   —   Hof,  Waarenhaus-,  Niederlage. 

Haft-:  Handgeld  bei  persönlichen  Mietverträgen, 
das  bei  Nichterfüllung  derselben  verloren  geht,  bes. 
beim  Dingen  von  Dienstboten  Bs;  BSi. ;  „VÜrte;"  S. 
Aufgeld  übh,  .Auf  lOnO  Tachziegel  H.  [gejgeben  2  fl. 
10  Btzn.-  S.iii.oss  Rued  1734.  Vgl.  verhaften  und 
Ihuf-G.     Syn.  lI.-l'fciDiiiuj. 

Hilf-:  Beisteuer.  Abgabe  in  ausserordentlichen 
Fällen,  ,Subsidie'.  Die  Schaffhauser  klagen  1521  gegen 
den  Bischof  von  Constanz,  dass  er  ,den  armen  lüten 
vim   Halldw    unvermöglich  Schätzungen,    stür  und  h.. 


Kaiser  beim  Rünierzug  Zuzug  zu   leisten.  .Absch. 

Diese  Steuer  beruhte  nicht,  wie  das  Keis-G.,  auf  einer 
Verbindlichkeit,  sondern  war  urspr.  eine  freiwillige  Auflage. 

Hels-:  Patengeschenk  an  Geld  ZO.   Vgl.  Helselen. 

—  Halfter-:  an  Knechte  bei  Vichkäufen  bezahltes 
Trinkgeld,  , Strickgeld'.  ,Drü  ross  zue  Wien  erkouft. 
den  knechten  und  h.'  1481/82,  Bs  Rechn. 

Holz-:  1.  Geldäquivalent  für  Holzfuhren,  Holz- 
lieferungen. .Dass  Nieniands  keinem  Vogt  Höw.  noch 
H.-Gelt.  Vogtkorn,  Fueter-Haber  nie'  solle  geben.' 
HBii.i,.  1572.  Vgl.  noch  H.-Pfenning,  -Haber,  behohen. 

—  2.  der  jährliehe  Geldbeitrag  jedes  nicht  almosen- 
genössigen  Pfarrgenossen  zu  Händen  des  Pfarrers, 
damit  dieser  das  nötige  Holz  herbeischaffen  könne  Ai'f. 
In  Z  OGlatt  war  Jeder,  der  einen  eigenen  Karren 
hatte,  schuldig,  dem  Pfarrer  eine  , Fahrt'  Holz  oder 
dann  einen  Ersatz  in  Geld  zu  liefern.  1802  übernahm 
die  Gemeinde  die  Last,  1804  aber  strich  sie  äas  nach- 
her von  der  Regierung  wieder  eingesetzte  ,Holz- 
ersatz-G.'  —  •'•.  f'mr  iiliiiliche  Abgabe  an  die  Lehrer 
zur  Beheizuiiu  .hi  S,  ImMulie  (oft  der  Vfohnstube  des 
Lehrers),  wenn  nirlii  jrilos  Kind  seine  Scheiter  in 
natura  zu  bringen  hatte,  wie  in  vielen  Orten  bis  in 
die    50er    Jahre    geschah    Z  f-     Vgl.  Hols-Batsen.  — 

4.  Erlös  von  verkauftem  Holz.  allg.  1619  schicken 
die  zürch.  Sihlherren  H.  an  den  Seckelmeister  von 
ScHW  für  Holz,  das  Z  in  Scnw  Ib.  gekauft  hatte. 

Zu  3.  Noch  jetzt  bildet  die  Baarentschädigung  für  jähr 
lieh  "2  Klafter  Holz  einen  Posten  in  den  Besoldungsansätzen 
der  Z  Lehrer. 

Hau  en-  =  Güyyel-G.  Erscheint  noch  1844  als  Teil 
des  Pfarreinkommens  von  SBib.,  wo  es  an  Stelle  der 
früher  zu  entrichtenden  ,Gartenhahnen'  getreten  war. 

Hüener-.  Unter  diesem  Titel  wird  1371  im  Seil 
Stdtb.  die  Abgabe  von  Herbst-  und  Fasnaohthühnern 
zsgefasst.  1719,  ABsen  ist  wohl  schon  unter  dem  H. 
ein  Geldäquivalent  zu  verstehen,  wie  auch  für  vormals 
geliefert.'  FasTiachthühner.  1797,  Z  ÜGl. 

li:i  II.  i:.  i~l  ri^-.  eine  vogteiliche  Abgabe,  die  in  spä- 
ten!   /ri!   L'rU"liiilirh  auf  die  einzelnen  Feuerstätten  fixiert 

Hand-:  wie  nhd.  Nur  in  der  RA.  H.  ne",  sich 
für  fremden  Kriegsdienst  anwerben  lassen,  allg.  Du 
hesch  leider  H.  g'no',  sagt  man  scherzh.  zu  dem  von 
schwerer  Krankheit  Genesenen  S.  Vgl.  dingen.  — 
Hans-,   Hansel-,   Hauss-,  Häusel-  s.  Hans  usw. 

—  Haujjf-  =  Hauptguet  (s.  d.).  XV.,  Bs;  1623.  Bs  Rq. 

—  H"^.".:  von  der  Obrigkeit  in  Geld  statt  der  ur- 
spriiiiulicli  ;ils  Preis  ausgesetzten  Hosen  gespendete 
Scluitzeiiyvibc.  ls.-,4,  U  Landratsbeschl.  —  Herre"- 
Hose"-:  Schiessgabe  für  die  sog.  ,Umscheibe'  Srnw-f. 

5.  Hosen.  —  Hüs-:  Lagergeld  für  untergebrachte 
Waaren,  auch  ,Lagerhus-G.'  In  ä.  Quellen  häufig  neben 
dem  Zoll  genannt.  ,A.  1423  ward  erkennt,  als  vor 
zyten  von  der  statt  notdurft  wegen  ain  h.  ufgesetzt 
worden  ist.  dass  ain  jeklicher  gast,  der  gewand  her 
in  uns.T  stHtt  Ijiingt,  von  jedem  tuech  4  den.  pttichtig 
sy  v.v  u.l''  iit.-  (1  iv'ats-Satz.  In  den  Bs  Rechnungen 
erschrini  im  \\.  ff.  als  ständiger  Einnahmeposten: 
.Vom  stock  [Zollkasten]  genannt  husgelt  . . .  pfd.'  .\n- 
wälte  der  Kaufleute,  welche  Salz  in  die  Eidgenossen- 
schaft liefern,  bitten  um  die  Bewilligung,  eine  Sust 
oder  ein  Salzhaus  zu  Coblenz   bauen    zu  dürfen;    sie 


251 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


wollen  dann  gern  von  jedem  Fass  einen  kr.  H.  be- 
zahlen. 1.509.  Absch.  Für  je  2  Mütt  die  im  Kornhaus 
eingestellt  werden,  soll  der  Hausmeister  das  ihm  über- 
gebene  ,Immi-Mes'  voll  für  das  H.  nehmen.  1725, 
Wild,  Egl.  .Das  H.-  oder  Niederlag-G.  hat  der  Sust- 
meister  zu  beziehen.'  Z  Sustordn.  1777.  Synn.  bei 
Gred-G.  u.  s.  noch  Underkauf,  Pfundzoll.  —  Husier- 
Gelt:  eine  von  den  Krämern  (It  Gl  Landsgemeinde- 
beschluss  von  1736)  zu  entrichtende  Abgabe  von 
'/.  Btzn  auf  jeden  im  Lande  gelösten  Gulden;  wurde 
nur  von  Nichtschweizern  erhoben.  Auch  .Pfundzoll' 
genannt.  —  Hütte"-:  von  den  Milehlieferanten  für 
.Milrh  aus  ilrr  Kiiserei  (, Hütte')  zu  beziehende  Geld- 
sinnm.-,  alli;-.  Hie  Milchbauern  hocken  in's  Wirtshus 
Kiiil  i-Kfiiie",  irie  i-iel  H.  [sie]  mc  ah  Koste"  [hätten]. 
N.  ß  Kai,  1840. 

Schinn-Huet-:  Taggeld,  welches  die  an  der 
Maien-Landsgemeinde  in  Schw  teilnehmenden  Land- 
leute vom  Statthalter  und  Landanimann,  die  alsdann 
neu  gewählt  wurden,  für  ihr  Ehrenamt  erhielten. 
1680  wurde  verordnet,  dass  es  den  ausserhalb  des 
Landes  wohnenden  Landleuten  nicht  zu  Teil  werden 
sollte.     Vgl.  Sitz-G. 

Es  scheint,  dass  die  Beträge  von  5  resji.  10  ß  urspr. 
dazu  verwendet  wurden  und  l-  r:iil.'  liinriirhten,  um  an  dem 
auf  die  Landsgemeinde  folg.B.l.  u  Sri,»  Maimarkt  einen  Stroh- 
hut, die  gewöhnliche  Koiinifd.  ■  kmiL'  '1. a  männlichen  Schw 
Bevölkerung  im  Sommer,  au/usLliarti.ii. 

Heiz-:  nach  Fronfastenterminen  bezahlter  Bei- 
trag der  Gesellschafts-  und  Zunftmitglieder  zur  Be- 
streitung der  Heizungskosten  der  .Stuben-  Bs.  Auch 
.Fronfastongeld';  vgl.  StubenhU:.  .W'rWchrv  ,li.-  sel- 
zunft  koufen  [der  Bruderschaft  aim-.lirnan  j  will,  der 
soll  geben  jährlich  das  h.,  ob  er  mit  uns  dii-iict  oder 
uüt.'  ca  1450,  Bs.  Seit  1487  besitzt  z.  B.  die  Basler 
Safran-Zunft  eigene  .Heizgeldbücher'.  —  Juchart-: 
auf  die  Juchart  berechneter  Zehntenbetrag  in  Geld 
für  den  urspr.  zu  leistenden  Heu-Z.,  welche  Umwand- 
lung der  Abt  von  StGallen  1795  gestattete.  Vgl. 
Heu-G.;  s.  auch  Mäder-G.  —  Hof-Jünger-:  jähr- 
lich unter  die  Berechtigten  verteilter  Ertrag  des  an 
Zins  gelegten  Hofjungergutes  (s.  d.)  GWattw.  —  Jär-: 
1.  wie  nhd..  bes.  aber  die  von  auswärtigen  Fürsten 
an  die  Eidgenossen  bezahlten  .Pensionen'.  1586  ver- 
antworten sich  die  katholischen  ürte  auf  die  Klagen 
der  reformierten  Städte,  ,dass  [Bündnisse  mit  fremden 
Fürst,  II  iiiia  die  Annahme  von  ,Miet  und  Gaben']  nüt 
niiu-,  -.Mihlii  von  uraltem  har  gebrucht  worden  [sei]. 
liaiiu  zuus,!iLai  derglychen  pension  und  j-ern  von 
fürsten.  mit  denen  man  erliche  pündtnussen  hat,  ist 
ein  underscheid  ze  n6men  gegen  andern  mieten  und 
gaben,  so  heimlicher  wys  geben  und  genommen  wer- 
den.' 1586,  Absi'h.  —  2.  in  Jahresterminen  bezahlte 
Steuer,  bes.  die  von  Hintersassen  in  ScHwMa.  u.  Nnv, 
(hier  auch  , Einzugs-Gulden'  genannt)  jährlich  im  Be- 
trag von  1  fl.  zu  bezahlende  Gebühr,  weswegen  die 
Hintersassen  auch  .Jahrgeltler'  hiessen.  .Den  Bei- 
sassen und  J-n  sei  das  Holzhauen  in  den  Landes- 
waldungen ganz  verboten.'  1756,  ScnwMa.  —  3.  jähr- 
licher Steuerertrag  im  Gegs.  zu  ,Wuchen-G.'.  auch 
.Jahrsteuer'  genannt;  so  z.  B.  1529,  Absch.  IV  1  b,  312. 
—  Guet- Jär-:  vormals  in  BsStdt  Beisteuer  der  Zunft- 
geuossen  an  die  am  Neujahr  auf  der  Zunftstube  ver- 
zehrte ,Galrei-Pastcte.  —  Käfen-:  Geldabgabe  für 
einen    ursprünglich    in   Erbsen    entrichteten  Zehnten. 


.Üwer  anbringen,  üch  [die  Leute  von  Wvtikon]  los- 
zelassen  des  kleinen  zendens,  des  rüebenzendens  und 
k.  für  den  zenden.'  Anf.  XVI.,  Egli,  Act, 

Kegel-:  Platzgeld  an  den  Jägermeister  an  Markt- 
tagen und  Kirchweihen  von  den  zum  Kegelschieben 
bestimmten  Plätzen.  1671.  Brauchb.  AAKadelb. 

Viell.,  wie  die  Argnvia  4,  4'i3  annimmt,  darum  dem 
.lägermeister  zufallend,  weil  die  Spiel-  und  Kegelplätze  ur- 
sprünglich im  Bannwalde  gelegen  waren. 

Kälbli-:  Juug-Zehnte,  ähnlich  yiie  FüUi-G.  durch 
ein  Geldäquivalent  entrichtet.  1795,  G.  Syn.  Kalber- 
Zecliend.  —  Kil(ch)e"-:  in  der  Kirche  als  Almosen 
an  Sonn-  und  Festtagen  zsgelegte  Liebessteuer.  In 
der  kath.  Schweiz  auch  die  Einkünfte  der  Pfarrkirchen 
für  Jahrzeiten,  Messen  usw.  Der  Kirche  gehörendes 
Gold.  Busse  wird  angedroht  dem,  wer  .umb  kilcheng., 
laiengelt  ald  umb  lehen'  [willen,  die  er  empfangen] 
gegen  die  Stadt  conspiriert.  1377,  G  Rats-Satz. 

Komissen-:  Lehenzins.  .6  vierteil  jerlichs  k-gelts 
hofmes  uf  den  güetern  ze  Nonwyl,  den"°  man  spricht 
die  eigen  hofstettc.'  1348,  Klosterarch.  UwE.  —  Lat. 
commitlere  (commimum),  fibergeben. 

Willkumni-:  Einstandsgeld  eines  Schülers  (Stu- 
denten). .Isagogicum  quod  pro  rudimento  donat  disci- 
pulus,  das  w-gelt  gijben  und  bezalen,  den  introitum 
geben.'  Fris.  —  Compagnie-:  Abgabe,  welche  von 
den  in  auswärtigen  Diensten  stehenden  Compagnien 
(rosp.  von  deren  Hauptleuten)  an  ihre  Obrigkeit  zu 
entrichten  war.  So  hatte  1678  Hauptmann  Beding 
60  Kronen  nach  Schwyz  zu  senden.  .\uch  .Protektions-' 
oder  .Konzessions-Gelder' genannt.  —  Urkund-:  Ge- 
bühr für  Aufsetzung  einer  Urkunde,  spociell  eines 
.Gantrodols'.  1683,  Bs  Eq.  Vgl.  VHeil-,  Sü/el-G.  ■- 
Kundschaft-:  Zeugengebühr.  .Denen  Kundschaften, 
so  auf  die  Stöss  [auf  das  Streitobjekt]  boruefen  wer- 
den, solle  nach  Befinden  eines  Gerichts  ein  billiches 
K.  taxiert  werden  mögen.'  1756.  LB.  ScHwMa.  Syn. 
K.-SchilUng.  —  Kappen-:  Geld,  das  der  neu  ein- 
tretende Chorherr  statt  des  Pluviale  oder  Chormantels 
leisten  musste.  15.33  (Egli,  Act.)  neben  dem  ,Stouf-G.' 
genannt.  —  Kapitel-  und  Synoden-:  vormals  die 
von  den  evangelischen  Gemeinden  in  GT.  an  ihre 
Geistliehen  für  den  Besuch  der  .Kapitel'  [Kreisver- 
sammlungen] und  Synoden  bezahlte  Entschädigung, 
gegenwärtig  durch  Taggeld  und  Eeiseentschädigung 
aus  der  kantonalen,  evangelischen  Centralkasse  ersetzt. 
—  Kapiziner-,  in  der  RA.:  mit  K.-G.  zale',  mit 
blossem  Dank,  da  die  Kapuziner  kein  Geld  haben 
durften  Z.     Vgl.  K.-Batzen. 

Kernen-:  Getreidezins  an  Weizen  oder  an  ge- 
rolltem Dinkel.  Gegs.  Pfenning -G.  Syn.  K.-Zhis. 
.Welicher  dem  andern  gelegen  guot  oder  ewig  k.  fer- 
tiget' 1495.  Wkist.  1.  212.  .Wenn  eins  k.  zue  dem 
anderen  [in  die  Ehe]  brächte  und  darnach  mit  tod 
abgiengo  und  lyberben  bette,  mag  es  das  ander  erben, 
unz  es  sich  verenderet'  1538,  Herrschaftsr.  ZReg. 
Es  durfte  It  Übereinkommen  mit  dem  Abt  von  G  wie 
die  übrigen  Lasten  von  1795  an  abgelöst  werden.  Vgl. 
Kernen-Giilt,  Stuck.  -  Über  Kemcn  vgl.  Ft«en  Bd  I  1069. 
Korn-:  1.  Getreidezins.  .1  Malter  ewiges  K.-Gelts, 
halb  Dinkeln,  halb  Habern.'  Vgl.:  .20  stucke  geltes 
an  körne,  der  16  mütte  kernen  [Dinkel]  svn  sülln  und 
4  malter  habern.'  1331,  Z  Urk.    Vgl.  Guet.  -  2.  Geld 


•253 


;,'cll,  gilt,  gnlt,  guli 


iurIi  ilom  eiiilifiiiiischen  Müiiüfusso  Zg.  S.  Korn- 
Batzen.  —  2  zu  Koni  =  Feingebalt  von  Münzen;  also  eig. 
,ilas  echte,  uuverfalschte  Geld'. 

Kerze"-:  1.  Entschädigung  für  Beleuchtung,  so 
beim  Gericht  Ndw;  im  XVIII.  in  ZWetz.  au.s  dem 
Kirchengut  an  den  Lehrer  für  die  Nachtschule.  — 
—  2.  von  den  Zunftgenossen  an  h.  Kerzen  gespendeter 
Beitrag.  Vgl.  Kerzen-Gulden.  .Wir  sollend  auch  ein 
kerzennieister  erwehlen,  der  insonders  das  k.  ynzühen 
und  das  in  kein  ander  weg  dienen  soll  dann  zu  kerzen.- 
1508,  ZWthur,  Rebleutenordn.  Vgl.  K.-Batzen.  —  :?.  in 
ZWetz.  nach  Abschaffung  der  Nachtschule  (a.  1773) 
scherzw.  das  dem  Lehrer  für  die  Führung  <ier  Sunn- 
tagsschule  bezahlte  ,Wart-G.'     Vgl.  Liechter-G. 

Zu  2.  In  GSax  hatte  der  Pfarrer,  in  GFrümsen  der 
Lehrer  ,das  Uuschlitt  für  die  Nachtschul'  anzuschaffen  und 
wurde  dafür  vom  Schulvogt  entschädigt. 

Käs-:  1.  Äquivalent  in  Geld  für  früher  in  natura 
abgelieferte  Käse.  1405  neben  dem  ,Alp-G.'  unter  den 
dem  Abt  von  G  schuldigen  Gebühren  genannt.  Syn. 
Käs-Zins.  —  2.  dem  Dachdecker  als  Entschädigung 
statt  des  beim  Trünke  üblichen  Käses  gereicht  Z.  — 
Kaste"-:  im  Kasten  verwahrter  Sparpfeuning.  im 
Gegs.  zu  dem  Brfich-G.,  der  laufenden  Kasse  Z.  Syn. 
Spar- Hafen.  —  Kost-:  vom  Kostgänger  dem  Kost- 
geber bezahlte  Entschädigung.  Wenn  Ei's  [ein  Kind] 
b'hört  [konfirmiert]  ist,  sott  's  chönne"  sl's  Chostyeltli 
cerdiene'.  Auch  etwa  von  erwachsenen  Kindern  ihren 
Eltern,  von  Schwestern  dem  Bruder  entrichtet,  's  üh. 
schreit  vor  aller  Welt,  wird  zuerst  bezahlt.  Recutssi-kw. 
Davon:  i'me"  cerchostgelte",  ihn  gegen  Bezahlung  von 
K.  unterbringen,   allg.     Chost-Gelter,   Kostgänger  Ar. 

Küster-:  Gebühr,  welche  ein  Küster  zu  beziehen 
hat.  ,Welich  schueler  tütsch  lernen,  soll  jeder  10  p 
schuellon  und  zween  angster  k.  dem  schuelmeister 
[als  Küster]  geben.'  1579,  U  Schulordn.  —  Klafter-: 
nach  dem  Klafter  Strassenlänge  berechnete,  aus  dem 
Krtrag  des  Ohmgelds  und  der  Zölle  an  die  (iemeinden 
bezahlte  Entschädigung  für  den  Unterhalt  der  Strassen. 
welcher  ihnen  als  Anstössern  oblag  Gl.  ,Das  gemeine 
Land  übernimmt  den  Unterhalt  derjenigen  Landstras- 
scn.  für  welche  bisher  die  resp.  Tagwen  das  sog.  K.- 
oder  Weggeld  bezogen.'  1835.  Gl.  Auch  .Strassen-G.' 
genannt.  —  Klasse"-:  aus  der  Armenanstalt  ('Ä'/o.ss; 
erhaltene  Unterstützung  Nuw.  —  Kriegs-:  ein  in 
ScH  von  jedem  Fass  Salz  im  Betrage  von  9  Batzen 
zur  Deckung  von  Kriegskosten  erhobener  Zoll.  1653, 
B.\LTU.,  Helv.  6,  51.  Vgl.  ,Aes  militare,  kriegsgelt.'  Mal. 

Krone"-:  von  Töchtern  oder  Wittwen,  die  sich 
ausserhalb  der  Gemeinde  zu  verheiraten  gedachten, 
ursprünglich  von  der  Burschenschaft  des  Ortes  zum 
Trunk  abgeholte  Gebühr,  die  1710  It  , Kronenbrief' 
1  fl.  21  ß  betrug,  von  da  an  vom  Seckelraei.stor  zu 
Händen  des  Gemeindegutes  bezogen  wurde  ZWetz.  f 
.Das  hin  und  wider  den  Wittfrauen  und  Töchtern,  die 
sich  ausser  ihrer  Gemeinde  verheuraten.  abgeforderte 
sog.  Kroncngeld  ist  für  die  Zukunft  abgeschafft.'  Z 
Ges.  1806.   Syn.  Becher-G.;  vgl.  Hans  u.  Hochzlt-Gah. 

Da  die  Krone  (das  Symbol  der  Jungfrauscbaft  bei  Bräuten) 
bei  uns  sonst  Schajtjxl  heisst,  so  scheint  wirklich  zunächst 
nur  an  die  Krone  als  Münze  fs.  (Leizi-)Kron)  gedacht  werden 
zu  dürfen,  obschon  die  ältere  Auffassung  aus  der  TJnideutung 
viell.  noch  durchschimmern  mag. 

Kränk-:  wahrscheinlich  Gebühr  an  Zollstätten 
und  in  Lagerhäusern  für  Heben  von  Waaren  mit  dem 


Hebezug  (Kranich).  1740,  Absuu.  Vgl.  den  Einnahme- 
posten: ,Von  dem  kraniche  im  koufhus.'  1451/52,  Bs 
Rcchn. 

Kränzli-:  1.  , Strafgeld,  welches  Mannspersonen 
für  das  .Entblümen'  einer  Jungfrau,  die  sie  nicht  hei- 
raten wollen,  an  einigen  Orten  dem  Mädchen  selbst, 
an  andern  dem  Fiscus  zu  bezahlen  haben,  welcher 
diese  Busse  auch  für  Kinder  fordert,  die  von  Huren 
und  Wittwen  geboren  werden  VOrte;  S."  —  2.  Gabe. 
welche  beim  .Kranzsingen'  vor  den  Häusern  gereicht 
wurde.  —  1  bezieht  sich  auf  den  Kranz  als  Symbol  der 
Jungfrauschaft. 

Krotte"-:  zur  Zeit  des  Bauernkrieges  f.  Abfiier-G. 

Spottw.  im  Munde  der  am  meisten  dadurcli  betroffenen 
Bauern  entstellt  aus  Tiatlen-G.  Kmtl  bezeichnet  in  vielen 
Compp.  das  Verächtliche.     Vgl.  auch   Ilatten-0'. 

Krüt-:  =  Krüt-Fond  Bd  I  850.  1715  sollte  das 
,Krut-G.'  neben  Gemeinde-  und  Kirchengütern  zur 
Anschaffung  der  nötigen  Gewehre  verwendet  werden. 
Z  Mscr. 

Krüz-:  1.  Abgabe  an  den  Messmer,  der  zum 
Weihwasserspritzen  das  Kreuz  mitnahm.  ,Dem  Sigrist 
das  K.  oder  Brod.'    1772,  LNeuenk.     Vgl.  Krüzgawj. 

—  2.  Abgabe  an  eine  Kirche.  Die  von  BLaufen  be- 
gehren, ,dass  sy  des  krüzgelts,  so  mau  järlich  gan 
Basel  uf  dem  stift  pfligt  zue  geben,  nämlich  von  jeder 
erherrn  [1.  ern.  Ernte]  ein  pfenn.,  inen  nachgelassen  und 
abgetan  werde.'  1525,  Strickl.,  Act.  Absch.  IV  1  a  658. 

Viell.,  wie  der  Krüz-Haber,  eine  Abgabe  der  Getreide 
pflanzeudeu  Kirchgenossen  dafür,  dass  ihnen  die  Geistlichkeit 
das  Getreide  gegen  Ungewitter  zu  segneu  hatte. 

Laie"-  s.  Kilchen-G.  —  Liechter-:  =  Kerzen- K. 
Die  äbtischen  Lande  müssen  nach  dem  171'2er-Krieg 
der  Garnison  der  2  Städte  Z  u.  B  zu  Rorschach  das 
L.  bezahlen.  1715,  Absch.  —  Ab-Lader-  musste  It 
Übereinkunft  von  1732  in  Zürich  vom  Ausladen  der 
Kornsäcke  aus  den  Schiffen  bezahlt  werden.  Absch.  — 
Lneäer-  s.  Lueder.  —  Lauf-:  Werbegeld.  .Auctora- 
mentum;  Verpflichtung,  1-gelt,  das  man  einem  knecht 
auf  d'hand  gib[t].'  Fris.  1568.  ,Wyters  ward  für  die 
geworbenen  des  1-gelts  halben  vermeint,  eine  halbe 
krönen  genuegsam  wäre.'  1646,  Z  Staatsarch.  —  Land- 
lüten-Uflag-  s.  Uflag.  —  Leg-:  Gebühr  für  Salz- 
fässer, die  im  ,Hof'  (s.  Hof-Geld)  gelagert  werden. 
1654,  ScH.  —  B(e)leg-  =  Druf-G.  BBi.     S.  belegen. 

—  In-Lässer-,  auch  ,Mesüre-G.':  Laderlohn,  Ent- 
schädigung an  die  ,Inlässer',  welche  den  Wein  aus 
den  Kellern  auf  den  Wagen  der  Fuhrleute  luden  und 
eine  gewisse  Controle  übten;  von  B  am  Gcnfersce  ein- 
geführt. 1642,  Absch.  S.  in-län.  —  Lös-:  1.  unter 
alle  Landleute  verteilte  Abgabe  der  durch  das  Leos 
zu  einem  einträglichen  Amte  Berufenen.  1638,  Gl. 
S.  noch  verkilbfeßen;  vgl.  Schinn-Huet-G.  und  s. 
Blumer,  RG.  1,  2,  126  ff.  —  2.  Geldentschädigung  für 
die  von  den  Berechtigten  nicht  bezogenen  Loosanteile 
aus  dem  Gemeindewald  oder  G.-Land  Z.  —  3.  Gebühr 
für  Bezug  des  Holznutzens.  Bluntschli,  RG.  —  Für- 
Leit-  s.  Fürleiti.  —  Ge-Leit-  s.  Geleit.  —  Hose"- 
Latz-:  spottw.  für  die  wegen  zu  frühzeitigem  Bei- 
schlaf Verlobter  zu  bezahlende  Busse  ZHinw.f  Vgl. 
Fron-Fasten-G.,  HoseHatz-Zins  u.  s.  Kranz,  Schappel. 

—  Letz-:  Abschiedsgeschenk;  Trinkgeld.  ,3  gülden 
verzert  und  1.  [gejgen,  als  man  mir  schankt  [mich 
von  übrigkeits  wegen  bewirtete].  Stockar  1526.  150. 
.1(1  ß  Jen  weiblen  1.  an  der  vorrcchniing.'  1535,  ZGrün. 


255 


Galt,  gelt,  gilt,  golt.  gult 


256 


Aratsr.  Auch  unter  Jen  Ausgaben  des  Z  Grossmünster- 
stifts  neben  ,Kost-  und  Mal-G.'  genannt.  1532,  Egli, 
Act.     Syn.  L.-Pfenning. 

Lisi-macb-Geld:  lysimachia  nummularia  G. 

Wie  das  dem  lat.  nummularia  eotsprechende  Syu.  P/ennm;/- 
Krtii  der  runden  Form  der  Blätter  zu  verdanken.  —  Das 
lat.  W.  ru  einem  iiiiperat.  Satze  umgedeutet.     XiVi,  Elisa. 

Mäder-:  1795  als  ablösbar  erklärte  Abgabe  der 
Gotteshausleute  an  das  Stift  StGallen,  entweder,  wenn 
auf  GRh.  allein  bezüglich,  von  den  Mädern  [,Eoss- 
heuwiesen'],  die  dem  Kloster  gehörten,  oder  auch, 
wenn  Mäd  als  Syn.  mit  .Juchart'  gefasst  wird,  zu 
erklären  wie  J.-ff.  (s.o.).  —  Mal-  I:  Entschädigung 
für  Zecheauslagen.  ,Den  puren  für  coste  und  nialgelt. 
als  sy  nachtes  wachen  muessten.'  1446,  Bs  Rechn. 
1532,  EuLi,  Act.  neben  dem  ,Kost-  und  Letz-G.'  auf- 
geführt und  schon  bei  Fris.  neben  dem  Syn.  ürten. 
—  Mal-  11:  Gebühr  für  die  obrigkeitlich  an  Tüchern 
vorgenommene  Zeichnung,  um  deren  Herkunft  anzu- 
geben (Ursprungsmarke).  ,Unser  eidgenossen  von  G 
sollen  von  einem  stuck  lynwant  nit  mer  nemen  denn 
3  pfenn.  m.'  1480,  Absch.  .Ob  ein  gottshusmann  ein 
lynwattuech  uf  deren  von  StGallen  schowmal  und 
zeichen  koufen  wurde,  dass  dann  der,  des  das  tuech 
gewesen,  dry  pfenn.  m.  ze  ggben  schuldig  syn  solle.' 
1579,  Zellw.,  Urk.  Vgl.  malen.  —  Milch-:  1.  Ein- 
nahme für  die  den  Kunden  oder  dem  Käser  gelieferte 
Milch,  allg.  —  2.  Alimentationsgebühr  für  ein  uneh- 
liches Kind  Seil  (gemein).  Syn.  Fmn-fasten-G.  ~ 
Am'-Mann-:  dem  Ammann  bei  gerichtlichen  Hand- 
lungen (Fertigungen  usw.)  schuldige  Gebühr.  ,Die  A.- 
und  Weibelgelter  werden  wie  bis  a.  1700  gebräuchlich 
gewest  inskünftig  abgeführt.'  1731.  GT.  ^  Monat-: 
dem  Lehrer  in  monatlichen  Katen  zu  zahlendes  Schul- 
geld. 1824,  ZStdt.  —  Mantel-:  Entschädigung  für 
die  den  staatlichen  Angestellten  vorgeschriebene  An- 
schaffung eines  Mantels  mit  den  Landesfarben.  Z  bis 
1798.  .Pro  M.  werden  1754  den  beiden  Ammännern, 
dem  Portner,  dem  Müller  und  Beck  im  Kloster  Piüti 
jedem  36  Pfd,  wie  alle  6  J.  gebräuchlich,  geordnet.' 
Z  Staatsarch.  —  Montierungs  (Mundievigs)- :  Mi- 
litärsteuer Bs.  —  Gemein-Märk-:  für  das  aus  der 
geraeinen  Mark  zugeteilte,  eingeschlagene  Stück  Land 
zu  entrichtende  .\bgabe.  1G08,  Schw  LB.  —  Markt 
(Märt)-:  wie  nhd.  Spec.  das  Geschenk,  das  man 
früher  den  Dienstmädchen  zum  Besuch  des  ,Schliss- 
niarktes'  schenkte  ZStdt  f.  —  Mass-,  resp.  Mess-: 
Abgabe  für  das  Messen,  neben  und  mit  dem  Miili- 
Ungeld  entrichtete  Abgabe  der  Müller  und  Bäcker  in 
Bs.  .Wen  ein  Brodbeck  malet,  der  gibt  zu  den  4  ß 
Unigeld  1  Pfenn.  Mass-6.  Für  3  Viernzel  ist  aber 
das  Mess-G.  nur  2  Pfenn.  Von  dem  Korn  und  Roggen, 
das  hier  genialen  und  dann  hinausgeführt  wird,  ist 
das  Mass-G.  1  ß.'  1460,  Ouhs.  —  Müs-:  in  den  L  üm- 
geldsbüchern  von  1520/'24  in  der  Form  ,Muss-'  oder 
,Musen-G.'  für  das  vor-  und  nachher  gebräuchliche 
,Wachtgeld'  für  die  Bewachung  der  Türme  bes.  auf 
der  ,Müsegg'  (s.  Bd  I  157).    S.  Liebexav  1881,  '282. 

Meister-.  .Arzetlon,  sostrum  quod  niedico  datur 
pro  curatione,  m.'  Fris.  —  Der  .\rzt  als  Gelehrter  führte 
den  Titel   .Meister'. 

Muster-:  Musterungs-,  Aushebungsgeld,  den  Reis- 
läufern bei  der  ersten  Musterung  vor  dem  Dienstantritt 
bezahlt.    \.  1500  von  den  3  Bünden  neben  dem  Jahr-, 


Dienst-G.  usw.  abzuschaffen  beschlossen.  S.  musteren. 
—  Mucter-Geltli :  mütterliches  Erbteil.  XVH., 
RoHNER.  —  Mütsche°-Geld:  Stiftungsfond  zu  Gun- 
sten armer  Greise  und  Krüppel,  aus  welchem  der  Ver- 
walter die  mit  ihrem  Fang  vom  Bielersee  her  nach 
Bern  wandernden  Fischer  im  Kloster  Frienisberg,  von 
dem  die  Stiftung  ausgegangen,  mit  Mütschli  [Brödchen] 
zu  speisen  verpflichtet  war.  Auch  Spend-G.  —  Nach-: 
Nachzahlung  bei  Tauschhändeln,  um  die  gegenseitigen 
Ansprüche  nuitt  zu  machen.  ,Ich  tieng  an  zu  händclen 
mit  der  Uhr,  bekam  eine  schlechtere  um  die  andere 
und  das  N.,  das  ich  allemal  legen  niusste,  hätte  fast 
zu  einer  goldenen  hingereicht.-  Gütth.  ,\Venn  ein 
guet  umb  das  ander  vertuschet  und  ein  n.  [ge]  geben 
wäri  und  denn  desselben  fründ,  so  das  n.  ynnimmt, 
den  zug  zu  haben  vermeinen  wurde.'  1598,  BSa. 

Nudel-:  Angeld  als  Bürgschaft;  Pfand  L.  Syn. 
Brüf-G.    ~   Entstellt  aus   UeiM-G.;  s.    Uedel  Bd  I   98. 

An-näms-,  -nemungs-:  Aufnahmegebühr  neuer 
Stubengesellen  in  eine  Zunft  od.  Gesellschaft.  XVI.  ff., 
B.  1731,  Abscii.  VU  1.  1258  ist  für  FMu.  ,Anrccli- 
nungs-G.'  für  Annemungs-G.  verschrieben.  Aufnahme- 
gebühr neuer  , Burger'.  Die  Burgerschaft  du  Bourg 
zu  Tscherliz  beschwert  sich,  dass  es  ihr  1729  verboten 
worden  sei,  ohne  Einwilligung  des  Amtmanns  Burger 
anzunehmen  und  das  Annehmungs-G.  zu  verteilen. 
1731.  Absch.  VII  1,  1'200.  -  Nördlinger-:  Geld- 
spende zu  üwStans  aus  dem  dortigen  Spitalgute  als 
Äiiuivalcnt  für  das  früher  an  Dürftige  verteilte  ,Nörd- 
I  linger-Tuch';  s.  Nördlinger  u.  vgl.  Hosen-G.  —  Bü-: 
1.  Beitrag  neu  aufgenommener  Zunft-  und  Gesell- 
schaftsmitglieder an  den  Bau  und  die  Unterhaltung 
städtischer  Zunft-  und  Gesellschaftshäuser;  so  XV., 
Bs;  B;  ScH.  Vgl.  .Jeder  Stubengesell  soll  an  buw  zum 
.Narren'  1  fl.  geben.*  1475,  B  Taschenb.  —  2.  Äqui- 
valent in  Geld  für  die  den  Viehzüchtern  in  Rorschach 
obliegende  Lieferung  von  .Bau'  [Dünger]  ans  Kloster 
StGallen. 

Becher-:  Einheiratungsgebühr  fremder  Bräute 
(daher  auch  Brut-  und  B.-G.)  als  Geldäquivalent  für 
vormals  geschenkte  Becher.  ,In  könftigen  Rechnungen 
soll  ein  eigener  Titel:  Eingenommen  von  B.-Gelt.  von 
Weiber- Einzügen  usw.  [eingeführt  werden].'  1697. 
ZSth.  (Z  Staatsarch.).  Der  unglückliche  Pfarrer  Waser 
zum  Kreuz  wurde  u.  A.  der  Beschuldigung  wegen  pro- 
cessiert,  in  der  Gemeinde  Riesbach  seien  4  B.-Gulden 
unterschlagen  worden.  1773  wurde  für  Scu  das  B. 
auf  100  fl.  zu  Händen  des  Spitals  festgesetzt  und  dabei 
bestimmt,  dass,  wer  hierin  das  Gebot  umgehen  würde, 
sowohl  für  sich  als  für  seine  Kinder  ,vor  je  und  alle 
Zeit  des  Bürgerrechts  verlustig  sein  solle'.  ,Eine 
Kantonsbürgerin,  die  sich  mit  einem  Kantonsbürger 
aus  einer  andern  Gemeinde  verheiratet,  hat  in  das 
Kirchen-,  Armen-  und  Schulgut  zusammen  eine  Eiu- 
zugsgebühr,  Braut-  und  ßechergeld  von  8  Fr.  zu  be- 
zahlen. Für  eine  Schweizerbürgerin  beträgt  das  B. 
40  Fr.,  für  eine  Landesfremde  80  Fr.  Die  Bezahlung 
geschieht  an  den  Gemeindrat.'  1833,  Z  Ges.  Sehr 
häufig  fiel  das  Brut-  u.  B.-G.  dem  Kirchen-  und  Armen- 
gute zu  und  wurde  oft  als  kirchlicher  Einkauf  be- 
trachtet ScH;  Z;  vgl.  dagegen  die  Erwägungen  in 
einem  Urteile  des  Z  Obergerichtes:  .Der  Bezug  des 
B-es  dürfe  niclit  lediglich  auf  die  Kirchgemeinde 
bezogen  werden,   sondern   müsse  vielmehr  als  wahre 


Galt,  gelt,  gilt,  Rolt,  gult 


Eiiizugsgebiihr    bezogen    wenlen.'    1807,   Z  KeelitspH. 
9,  362/370. 

Vgl.:  .Weilen  bis  ilahiu  eine  fröuibde  Weibsperson,  die 
einen  Stanimheiiner  geheuratet,  einen  silbernen  Becher  zu 
einer  bestimmt-  und  gesetzten  Verehrung  in  die  Genieindlad 
ggben  müssen,  disere  Gemeinde  aniezo  aber  mit  dergleichen 
wohl  versehen,  ward  gut  befunden,  dass  konftighin  eine  solche 
anstatt  eines  silbernen  Bechers  10  fl.  baren  Gelts  zu  Händen 
des  Gemeindguts  gleich  nach  ihrer  Ankunft  [a.  169-1:  ,ehe 
und  bevor  sie  in  das  Dorf  gelassen  wird.'J  erlegen  solle.' 
1736,  ZSth.   (Staatsarch.).      S.  Imtand-Becher. 

Buechen-:  an  die  Vogtei  entrichtete  Abgabe  in 
Buchenholz;  wurde  in  LMalt.  a.  1532  It  ,Urkund  we- 
gen des  Togten  buochengeld'  losgekauft.  Vgl.  Holz-G. 
lu.3.  —  Büchsen-:  von  den  Untertanen  der  ZLand- 
schaft  für  Kriegszwecke  in  die  ,Eeisbuchsen'  zsge- 
legte  Abgabe;  von  jedem  Hausvater  jährlich  1  ß, 
von  einer  ,Wittfrau'  6  hlr;  durch  den  ,Waldmann- 
schen  Spruch'  1489  nachgelassen.  S.  Fronfasten-G. 
Syn.Beis-G.  —  Bechteli-:  jährlich  am Berchtoldstag 
('2.  Jan.)  unter  die  Glieder  der  Allmendgenossenschaft 
ZHorgen  verteilter  Ertrag  der  Allinend.  —  Bicht-: 
Beichtpfenning.  ,Von  dem  Schulmeister  auf  Burg 
empfangen  1  Pfd  B.'  XIV.,  Ochs. 

Bad-:  1.  den  Badern  zu  entrichtende  BadegebUhr. 
Dem  Bader  von  ZWthur  wird  a.  1.517  eingeschärft, 
.die  Welt  mit  dem  B.  nit  [zu]  steigen  [steigern],  sonder 
[beim  Bisherigen]  belyben  [zu]  lassen.'  Troll.  ,Die 
Handwerksgesellen,  die  kumen  das  B.  band,  solch 
Hosen  [,Flodder-H.']  tragen  wollen.'  156'2,  Lied.  — 
'2.  Trinkgeld,  Benefice.  ,Den  dryen,  sibnern,  schry- 
bern,  knechten  usw.  rechnunggelt  und  b-gelt.'  c.  1455, 
Bs  Kechn.  ,Man  mag  gedenken,  dass  der  Küng  aus 
Engelland  das  büechlin  wider  den  Luther  nicht  ge- 
macht hat,  sunder  ein  andrer  Sophist;  so  er  aber  das 
büechlin  in  synem  namen  hat  lassen  usgön,  so  wirf 
im  euch  das  b.  g'schenket  [hiefür  der  Gewinn  zu- 
fallen] und  bedunkt  mich,  dass  der  Künig  ab  allen 
Sophisten  in  der  weit  nit  so  vil  lösen  möcht,  als  im 
dafür  ze  ggben  wäre.'  Gtrenr.  1523. 

Bed.  2  erklärt  sich  aus  dem  Brauch,  Arbeitern  und  An- 
gestellten am  Samstag  früher  Feierabend  und  ein  Geschenk 
zum  Besuche  des  Bades  zu  geben.  (Anders  Kirchh.,  Sprww. 
53/+,  und  ihm  nach  Wander). 

Boden-:  Abgabe  an  die  Weinsticher.  1572/77,  Bs. 
Die  Zunft  zu  Weinleuten  in  Bs  beschwert  sich  beim 
Rate,  welcher  zur  Zeit  der  Teuerung  anfieng  Wein 
auszuschenken  und  begehrte  das  B.;  der  Bat  ant- 
wortete, auch  der  Bischof  habe  früher,  wenn  er  Bann- 
wein gemacht,  kein  solches  bezahlt  (Ocus). 

Urspr.  eine  Abgabe  vom  Wein,  der  fassweise  (,zwischen 
'2   Böden')   verkauft  wurde;   s.   Boden. 

Becki"-:  Abgabe  der  Soldaten  an  den  Feldscher 
(Militärarzt).  1698  beklagen  sich  die  in  frz.  Diensten 
stehenden  Soldaten,  dass  sie  mit  dem  Denier  (Kopf- 
steuer, 1  Denier  per  Kopf),  EoU-  und  Becken-G.  belegt 
werden.  Absch.;  s.  auch  Kriegsr.  1704;  1778,  Aarau. 
—   Big.  nach  dem  Becken  der  Bader  und  Barbierer. 

Pulver-:  an  Schützen  vereine  von  der  Obrigkeit 
(Behörde)  statt  des  sonst  verabfolgten  Pulvers  ge- 
reicht. .An  jedem  gewöhnlichen  Schiesstage  wird  eine 
Krone  oder  Stadtgemeinde-Gabe  nebst  1  Pfd  P.  in  der 
Stichscheibe    verschossen.'    ZWthur.  I'euersch.   1842. 

Bümpeli-:    Sackgeld    zu  kleinen  Ausgaben  B;  Z 
(Kdspr.).   —  Bumbel,    Buiiqjel,    Sack   in   Rock   oder  Hosen, 
bes.  eines  Kinderkleides. 
Schweiz.  Idiotikon.  U. 


Bän-:  1.  früher  an  die  An.stösser  der  Gottliard- 
strasse  bezahlte  Entschädigung  von  27  kr.  per  Pferd 
dafür,  dass  sie  den  Weg  stets  often  hielten.  Vgl. 
Alpina  I  162.  Syn.  Bruch-,  Butten- G.  —  2.  Ent- 
schädigung für  die  Benutzung  der  Eisbahn  ZNer. 
Syn.  Bän-Lön.  —  Bann-:  Busse,  mittelst  welcher 
man  sich  aus  dem  Banne  löst.  1525,  Absch.  IV  1  a,  GOO. 
S.  Bann-Schatz. 

In-bind-:  von  Seite  der  beiden  Paten  dem  Tauf- 
kinde gemachte  Geschenke,  bestehend  in  2  ausge- 
suchten, glänzenden  Geldstücken,  und,  in  die  beiden 
Taufz.Mldcl  riiiLTewickelt,  von  der  Patin,  nachdem  ihr 
derl'al'  n,[.  h  riiirm  feierlichen  Händedruck  am  Altar 
das  .sciiiiu^  uliniricht  hatte,  von  ihr  links  und  rechts 
vom  Tiintting  in  die  Kissen  oder  das  Taufkleid  ge- 
steckt; in  neuerer  Zeit  von  den  beiden  Paten  im 
,Taufzeddel'  auch  erst  zu  Hause  überreicht;  Paten- 
geld Z.  Mutter  zum  Sohn,  der  Pate  stehen  muss: 
Was  hän  i'''  nüd  au"''  müese"  tue*,  bis  i'''  drr  's  I. 
hä"  chönne"  s'sämme''  bringe"  und  das,  wo  d'  mimst  i' 
d'  Chindbett  ge".  Stutz.  Syn.  I.-Pfenning,  -Sack,  In- 
bindete, Inbund.    —    Von  inbinden,  einwickeln,  s.  d. 

Bundes-:  einer  der  Titel  der  von  den  Eidgenossen 
infolge  ihrer  Bündnisse  mit  auswärtigen  Fürsten  be- 
zogenen Subsidien;  s.  Frid-G.  —  Bank-:  Abgabe 
von  Metzg-  u.  a.  Verkaufsbänken,  ,0b  ein  gottshus- 
raann  ein  lynwattuech  uf  dem  bank  koufen  wurde, 
dass  dann  der,  des  das  tuech  gewesen,  ein  pfenn.  b. 
ze  geben  schuldig  syn  [solle].'  1579,  Zellw.,  Urk. 
Die  Gesandten  sollen  die  Anordniin^x  treffen,  dass  zu 
Bellenz  nur  eine  Metzg  sei  iin.l  aa:^-  ri,,  nr.lentliches 
B.  erhoben  und  der  Coramuiiila  inlr  r  il.iiii'iiigen,  der 
die  Metzg  baut,  zu  deren  Erliiiltuay  ubcit,'cben  werde. 
1624,  Absch.  Vgl.  Stand-G.  —  Bar-:  1.  in  baarem 
Gelde  zu  erlegende  Anzahlung  bei  einem  Kaufe  ZNer. 

—  2.   fällige   Schuld,    ebd.     Vil  B.  ha'.    Zu  Gelt  1. 

—  Burren-:  Stammlöse;  von  jedem  gefällten,  ent- 
ästeten Baum  (Burre")  dem  Grundherrn  oder  dessen 
Vertreter  zu  entrichtende  Abgabe.  1725,  Absch.  (für 
die  italienischen  Vogteien).  Syn.  Stumpen-Lösi.  — 
Burger-  s.  Bat-G. 

Pass-:  , Weggeld',  Ausfuhrgebühr.  , Alle  Inwohner 
mögen  zu  allen  Zeiten  ohne  Bezahlung  einigen  Zolls 
oder  P.-Gelts  (,di  alcun  datio  b  gabella')  eine  solche 
Viele  Weins  wegführen,  als  sie  zu  ihrem  Brauch  von 
Nöten  haben  werden.'  1622,  Absch.  —  Pum  wird  mit 
Wa;  häufig  amplifizierend  verbunden. 

Passier-:  Geldgeschenk,  welches  ein  aus  einem 
andern  Dorfe  kommender  Bursche  der  einheimischen 
Knabenschaft,  die  es  dann  im  Wein  aufgehen  lässt 
(vgl.  Passieriüin),  machen  muss,  damit  er  dem  um- 
worbenen Mädchen  ungehindert  seine  Besuche  machen, 
,passieren'  darf  Zlllnau.     Vgl.  An-,  In-Stand;  Hans. 

Bet-:  „freiwillige  Gabe,  die  in  einer  Kirche  zum 
Besten  derselben  eingesammelt  wird  L."  1660,  L  neben 
dem  ,Stock-G.'  genannt.  '/«  oder  '/s  desselben  gehörte 
dem  Pfarrer.  Syn.  B.-Pfenniny.  —  Beten,  bitten,  also 
,Bitt-G.' ;  doch  vgl.  auch  Gehen  u.  mhd.  hme,  Abgabe,  Beitr.ig. 

Für-biet-:  Gebühr  an  den  Weibel  für  die  Vor- 
ladung vor  Gericht.  ,Ist  ouch  [ein]  weibel  [gesetzt] 
und  git  im  ein  inmann  ein  pfenn.  zuo  fürpietgelt  und 
ein  usmann  zwen  pfenn.'  1441,  Offn.  Wengi.  Syn. 
(Für-)Bott-,  Weibel-G.,  Fürbieterlön.  -  Fürbieten,  vor- 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


260 


Bott-resp.Ge-Bott-Geld:  Gebühr  an  die  Weibel, 
Gerichtsknechte  und  Amtleute  für  das  Entbieten  vor 
Gerieht,  Citationsgebühr.  ,Es  solle  der  Bott-Gelteren 
halb  bei  eines  iedwederen  Gerichts  Brauch  verbleiben, 
ausser  dass  bei  dem  Gericht  zu  Gelterkinden  einem 
Burger  von  Basel  hinfüro  mehr  nicht  als  1  ß  abge- 
forderet  werden  solle.'  1757,  Bs  Rq.  Auch  F  ür-Bott-. 
,Der  Vogt  soll  F.  udgl.,  so  zue  dem  Vogt-  und  Richter- 
ampt  gehörig,  fleissig  einziehen.'  1671,  Arg.  Eben 
solche  für  das  Entbieten  in  eine  Zunftversamralung 
CBottJ.  ,Der  Bottmeister  soll  schuldig  syn,  alle  Fron- 
fasten durch  den  jüngsten  Meister  ein  Bott  zu  samm- 
len,  daruf  jeder  Meister  Bottgelt  zu  erleggen  schuldig 
syn  soll.'  1637,  ZWthur  Hafnerordn.  ,Soll  jeder,  der 
wetcen  Streitsachen  von  Meister.  Gesellen  und  Lehr- 
knal.eii  1  Kxtia-Gebott  verlangt,  2  Frkn  Bottgeld  er- 
h-.'ii-  l>n:,.  Z  Küferordn.  Wer  vor  Zunftgericht  we- 
i;..!!  Mi^sueiks  schuldig  gesprochen  wurde,  hatte  5  ß 
B.  als  .Besserung'  und  Prozessgebühr  zu  entrichten. 
1364,  Geering.    Syn.  B. -Schilling. 

Bätz-:  Honorar  für  Privatunterricht  Bs.  —  nutzen, 
Privatunterricht  erteilen. 

Pfaffen-:  von  den  (sonst  steuerfreien)  Geistlichen 
gezahlte  Steuer.  Eine  solche  bezahlte  die  Basler  [.Ein 
sack  mit  pf-gelt.'  1446,  Bs)  und  1487/89  die  Z  Geist- 
lichkeit, letztere  an  den  Ausbau  der  Grossmünster- 
türme. —  Pfeffer-:  Geldäquivalent  für  ursprüng- 
lichen, der  Herrschaft  schuldigen  Pfeiferzins.  Das 
Pf.  zu  ScnEeiat  bestand  a.  1700  aus  einer  Abgabe 
von  1  Pfd  hlr  von  jedem  Wasserwerke,  jeder  Ziegel- 
hütte usw. 

Pfenning-:  in  Geld  statt  in  Getreide  entrichteter 
Zins;  Gegs.  Kernen-G.  ,Wir  hant  gegebin  ze  kouflnde 
ein  phunt  phcnniggeltis  umbe  zehin  phunt  phenninge.' 
1316,  Bs  Urk.  ,Der  Schaffner  zu  StPeter  frönt  ein  hus 
wegen  versessener  Zinsen,  nämlich  6  pfd  als  syne 
herren  järlich  daruf  hatten  81  ß  pfenninggelts,  dessen 
eigenschaft  dem  rate  gehörte.'  1455,  Bs.    S.  Pf. -Gült. 

Ein  loses  Comp.,  ähnlich  wie  Uuldin-G.;  vgl.:  ,Dass  ich 
geben  soll  ze  einem  ewigen  zinse  ein  pfunt  Pfenningen  geltes.' 
1343,  Gfrd. 

Pfänder-:  Entgelt  für  Freigabe  eines  auf  unbe- 
rechtigter Weide  getroffenen  und  daher  als  Pfand 
zurückbehaltenen  Stückes  Vieh  GRObS.  Syn.  Forst  II; 
s.  noch  Batzger,  Saatner.  —  Pflueg-:  Geldersatz  für 
früher  geleistete  Frohndienste  mit  dem  Pfluge;  1798 
f.  SohKI.  bezeugt.  Vgl.  Pflueg- Tagivan.  —  Pflaster-: 
Transitzoll,  erhoben  zur  Unterhaltung  des  Strassen- 
pflasters.  ZEglisau  bezog  seit  der  Strassenreparatur 
ein  Radschuh-  oder  Pfl.-G.,  das  1836  vom  Staate  durch 
Loskauf  abgelöst  wurde.  Der  Kleine  Rat  des  Kantons 
Th  erstattet  1838  Bericht  über  die  im  Kanton  be- 
stehenden Pfl.-G-er  und  andere  in  die  Gemeindekassen 
fallenden  Zölle.  Vgl.  Weg-G.  —  Pfruend-:  die  mit 
einem  geistlichen  Amt  verbundene  Besoldung  Ar;  Gl. 
Syn.  Pfruend.  —  lili-<ieltli:  Bleimünzen,  wie  sie 
im  ,Bläppert-Spiel-  vakomuien  Bs.  -  Plättli-Gelt: 
in  Kirchen  an  Sonn-  und  Festtagen  gesammelte  Liebes- 
steuer, welche  in  eine  Schüssel  ("Platten)  oder  einen 
Beutel  (s.  Säckli-G.)  geworfen  wird.  1787  wird  in 
G  aStJohann  angeordnet,  ,das  Blättlin-G.  an  ein  Ca- 
pital zu  legen'.  —  Bluet-:  1.  wie  nhd.,  Lohn  für 
eine  Bluttat.  —  2.  beim  Volke  zur  Reformationszeit  die 
Werbe-  und  Dienstgelder   in  verächtlichem  S.   (1532, 


Absch.)  —  Platz-:  Abgabe  für  Vieh  und  Waaren  an 
Vieh-  u.  Jahrmärkten.  1832,  ZEglisau.    Syn.  Stand-G. 

—  Bruch-:  1.  Geld  zur  Bestreitung  der  laufenden 
Ausgaben  Z;  Gegs.  Kasten-G.  Unter  der  Baarschaft 
des  Klosters  UwE.  werden  bei  der  1558er  Jahrrech- 
nung 4  hlr.  ,Br.-G.'  aufgeführt.  , Tisch-  und  Br.-G. 
ist  von  den  Eltern  des  Knaben  redlich  erlegt  worden.' 
JosMäl.  1593.  —  2.  =  Bruch,  Steuer,  spec.  ausser- 
ordentliche Steuer  in  Kriegszeiten.  ,Die  anwält  der 
gemeind  brachten  für,  wie  [der]  äbtissin  in  irer  ge- 
naht zwing  und  bann  güeter  ligend,  uf  dieselben  si 
des  vergangnen  kriegs  halb  br.  nach  anzal  [mit  Ver- 
teilung nach  Verhältniss]   gelegt  habe.'    1504,  Absch. 

—  Bruch-:  „Zoll,  Abgabe,  womit  die  Leute  bezahlt 
werden,  welche  den  Winter  über  den  Schneebruch 
besorgen,  d.  i.  die  Bahn  durch  den  Schnee  frei  halten 
U."  Syn.  Rutten-G.  —  Bruggen-:  Brückengeld,  von 
Personen;  von  jedem  Stück  Vieh,  von  Fuhrwerken; 
häufig  in  ii.Quellen;  ebenso  Br.-Zull.  Vgl.  Pflaster-, 
Weg-G. 

Brett-:  seit  1646  wöchentlicher  Ausgabeposten  in 
den  L  Umgeldrechnungen  für  die  Beköstigung  der 
Stadt-  und  Turmwächter. 

Brett,  eig.  das  eingefasste,  zum  Geldzählen  bestimmte 
Brett:  vgl.  vom  Br.  allen,  aus  dem  öffentlichen  Seckel  ent- 
richten. 

Brut-:  Geldgeschenk  des  ausserhalb  der  Gemeinde 
wohnenden  Bräutigams  an  die  Knabenschaft  des  Ortes 
bei  Gelegenheit  des  Brüt-Vertrinkens ;  das  Empfangene 
wird  von  ihnen  an  einem  Ball  oder  Tanzsonntag  ver- 
trunken ZWeiningen.  Auch  wie  das  Becher-G.  an  das 
Pfarramt  zu  Händen  der  Gemeinde  entrichtet  Z  f. 
Vgl.  Kronen-G.  —  Reb-:  Geldäquivalent  für  Fron- 
dienste in  herrschaftlichen  Reben.  1529  wird  nach- 
gelassen, dass  bischöfl.  Bs  Herrschaftsleute  ,des  r.-gelts, 
holz-g-s,  wyn-  und  holzfuer  fürohin  ledig  syn'  sollen. 

Rauch-:  Hofstattzins,  von  jeder  Feuerstatt  an 
den  Grundherrn  zu  entrichten.  Egiisau  und  Rafzer- 
feld  weigerten  sich  a.  1802,  dieselbe  mit  andern  Peudal- 
lasten  an  das  Schlnss  Egiisau  zu  bezahlen. 

Als  Hnivt  ittziii^  iiiii^stfa  an  den  Vogt  urspr.  insbesondere 
Hühner  .-iiti  i>  lit.t  w.iM.ii,  vgl.  Famacht-,  Raueh-Huen  und 
s.  noch  U.,pujn-(: .,   n„„,h-Sth: 

Rechen-:  bei  Abrechnungen  gezahltes  Honorar. 
1423  ist  erkennt,  ,dass  man  den  sibenen  [der  Bs  Finanz- 
kommission] ieglichem  1  fl.  geben  solle  für  die  rechen- 
mole  (s.  d.)  zue  deme,  das  inen  sust  zuegehört,  näm- 
lich dem  rechengelt,  so  man  inen  vormals  [auf  die 
fronfastenlichen  Rechnungstermine]  g'geben  hat.'  1423, 
Bs  (Schi'nlHTü-  :!:;i.  S.  noch  Bad-G.  ,Den  sibernern 
in  der  rei  Imiiiiil;-  1  li.  i/  1  1-".',  ebd.  Honorar  des  Bs 
Stadtschreibers  b^-i  Aufstrllung  von  Berechnungen  bei 
Erbteilungou.  1683,  Bs  Rq.  H,  213;  der  Amtsgerichte 
bei  Frönungen.  ,Von  flüchtiger  Leuten  Hab  und  Guet 
gebührt  den  Ämtern  für  R.  wegen  der  CoUocation  von 
100  Pfd  15  ß.'  1719,  ebd.  (I,  920).  —  Burg-Recht-: 
Gebühr,  die  Verburgrechtete  von  ihren  Gütern  zu 
zahlen  hatten.  Zürich  habe  kein  Recht,  die  Güter 
der  Äbte  von  SchwE.  u.  AAWett,  die  in  Z  Bürger 
seien  und  von  ihren  Gütern  ein  B.  entrichten,  an  sich 
zu  ziehen.  1534,  Abscu.     Vgl.  Schirm-G.;  Uedel. 

Gericht-:  Gerichtstaxe,  welche  den  streitenden 
Parteien  auferlegt  wird,  Gerichtskosten  Ndw,  schon 
1565,  a.  LB.  Ndw.     Uri    verantwortet   sich    über   die 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


262 


Anschuldigung,  als  beziehe  es  ein  zu  hohes  G.  für 
Abhörung  von  Parteien;  es  habe  zwar  wohl  ein  ange- 
messenes G.  festgesetzt,  jedoch  nur,  um  der  Prozesssucht 
vorzubeugen  und  um  die  etwas  weit  entfernten  Räte 
für  ihre  Mühe  einigermassen  zu  entschädigen.  1581, 
AiisrH.  ,Wie  die  Grichtgelter  sollind  erlegt  und  zer- 
teilt werden.  Wann  Ordinari-Gricht  wird  gehalten, 
so  soll  von  einer  Partei,  so  es  einfache  Sachen  be- 
trift't,  wie  von  Altem  har  nit  mehr  als  8  ß  zu  G.  gelegt 
werden;  gehört  davon  dem  Landschryber  2  ß  die  Urtlen 
ynzuzeiehnen,  das  Überig  habend  die  Richter  under 
sich   zu    teilen.'    1668,  Herrschaftsr.  ZGrün.     Lt  LB. 

fScHwMa.  1756  neben  dem  Kundschaft-G.  zu  erlegen. 
—  Vgl.  ,z'gericht  gült  legen'  im  gl.  S.  1565,  aLB.  Ndw. 
'  Red-:    Gerichtstaxe    bei    Prozessen.    1693;    1719, 

Bs  Rq.  Vgl.  ,Die  amtleute  sollent  der  lüten  rede  tuen 
slechtlichen  und  erberlichen  [schlicht  und  wahr]  one 
alle  urabwort  und  davon  6  den.  zue  lön  nemmen.' 
c.  1520,  Bs  Eq.  -  Med,  der  Klagevortrag  der  hiefiir  be- 
stellten  Gerichtsperson. 

Ruef-:  Gantgebühr.  ,Der  Gantmeister  soll  die 
ganze  Losung  [das  ,Gant-G.']  umb  das  halbe  Rüef-G. 
einzuziehen  verbunden  sein.'  1611,  Bs  Rq.  , Ein  jeder, 
so  an  einer  Gant  etwas  kaufet,  soll  die  bishero  ge- 
wohnten 4  Pfenn.  vom  Pfund  für  R.  bezahlen.'  1757, 
ebd.  —  lUicf,  öffentl.  Steigerung,  vgl.  ,Feil-,  Schuldcn-Ruef. 

Rekruten  fiJejfj-wfej-:  Werbungsgeld,  um  welches 
1798/99  die  Schweiz  lt  Vertrag  mit  Frankreich  die 
für  die  Franzosen  zu  stellende  Mannschaft  (auf  100 
Bürger  1  Mann)  sich  zu  verschaffen  suchen  sollte.  — 
Roll-:  eine  von  den  in  frz.  Kriegsdiensten  stehenden 
Soldaten  erhobene  Gebühr,  wahrsch.  eine  Entschädi- 
gung für  die  Führung  der  Musterrollen.  1698,  Absuh. 
S.  Beckin-G. 

Ramen-:  Abgabe  der  HolzHösser  auf  der  Birs  an 
die  Obrigkeit  von  Bs,  im  Betrage  von  2  Btzn  [jer 
Klafter.  Wurstisen  1779.  —  liamcn,  Gestell,  um  Holz  zu 
fassen  und  aufzuschichten,  zu   messen. 

Rappen-:  Rappensteuer.  1525,  Absch.  IV  1  a,  658. 
Vgl.  Angster-,  Plapphart-G. 

Reis-:  zu  Kriegszwecken  zsgesteuertes  Geld, 
Kriegs-steuer;  so  1428,  B.  In  Z  wurde  es  in  die  Reis- 
büchsen  auf  den  Schlössern  der  betr.  Herrschaften 
zsgelegt,  zur  Verköstigung  der  Truppen  und  zu  Be- 
festigung-sarbeiten  verwendet.  Lt  Bürgereinkaufsbrief 
von  1614  für  BSigr.  gelobt  der  Statthalter  dem  Neu- 
bürger, dass  er  an  allen  Rechtsamen,  so  auch  am  R. 
[als  Sold]  Teil  haben  solle.  ,Ein  iedwedere  Gemeind 
soll  ihr  R.  an  Barschaft  zusammen  legen  und  selbiges 
verputschirt  ihren  Obervögten  gewahrsamblich  hinder- 
legen, damit  ein  jede  Gemeind  je  und  allwegen  in  dem 
fürbrechenden  Notfall  das  Gelt  bei  Händen  habe.' 
1637,  ScH  Ratsprot.  ,20  Pfd  Buess,  darvon  der  Halb- 
teil den  Herren  und  Oberen,  der  ander  den  Landlüten 
in  ihr  R.-Gelt  [in  die  Reisgeld-Kasse  fallen  soll].' 
1645,  BSi.  ,Das  von  Teils  Empteren  bezahlte  R.,  so 
[von  der  aufrührerischen  LLandschaft]  wider  hinus 
[zurück]  gefordert,  betreffend,  diewyl  ein  lobl.  Statt 
Luzern  vor  6  Jahren  in  das  Turgeuw  usgezogen,  ein 
grossen  Kosten  gehabt,  so  lassend  wir  es  darby  be- 
wenden.' 1653,  SoHiEDSPR.  (Absch.).  Vgl.  Angster-, 
Fronfasten-,  Blappliart-G.  In  den  Städten  B  u.  Z  das 
Geld,  welches  die  Zunftgescllschaften  zur  Besoldung 
ihrer  Auszüger  in  Kriegszeiten  zszulegen  und  vorrätig 


zu  halten  hatten;  sie  forderten  daher  schon  beim  Ein- 
tritt neuer  Stubengesellen  in  B  von  denselben  neben 
andern  Gebühren  unter  diesem  Titel  eine  bestimmte 
Summe.  Für  die  Gesellschaft  der  B  Kaufleute  schon 
vor  Mitte  des  XIV.  bezeugt.  Lt  Beisgeldbuch  von  1665 
hatte  die  B  Schiffleutenzunft  z.  B.  321  Sonnenkronen 
als  R.  bereit  zu  halten.  Als  1822  die  Vorsteher  der 
Zunft  zur  Waag  ihre  Laden  durchforschten,  da  fimden 
sie  cv  tiirhtlrir  SarJ:  Jt.:  f/ds  Wm-t  i.-it  :iiiuiili-'-  rrr- 
fhih/orl  <ln,r,r.hn„lr\  MTmh:!  l^'M.    Sni.  ll.  r-- K.,<tn,. 


In US     Je 


und 


Selbstverküstiguug  beruhte,  s.  Seg.  KG.  '2,  315/32.J.   3,  84/7. 

Ris-:  Einsatz  beim  Kegeln.  1734  wird  den  Orts- 
behörden vom  ZGrün.  Landvogt  eingeschärft,  die  R. 
zu  besehen  und  zu  zählen,  damit  man  wissen  möge, 
wie  hoch  gespielt  worden.  —  Ki«,  Einsatz  im  Spiele,  die 
Kegelbahn,  die  9  Kegel,  auch:  das  Kartenspiel.  "Vgl.  Ker/d-G. 

Ross-:  Entschädigung  des  Pfarrers  von  GHenau- 
NGlatt  für  die  sonntägliche  Pferderaiete,  da  er  den 
Weg  zwischen  beiden  Kirchen  zu  Pferde  zurücklegte. f 

Rat-:  Taggeld  der  Mitglieder  des  Kleinen,  resp.. 
als  Rat-  und  Burger-G.,  der  Glieder  des  Grossen 
Z  Rates;  1.546  aus  den  Gütern  des  Obmannamtes  im 
Betrage  von  5  ß  dekretiert.  ,Das  grosse  Almosen, 
welches  gestrigen  Morgens  gefallen,  da  es  nicht  genug 
gewesen  mit  5,  mit  20,  sonder  auch  gar  25  Pistolen, 
die  Armen  zu  beschenken,  ja  die  völligen  Rät-  und 
Burgergeiter,  die  man  das  ganze  Jahr  durch  empfan- 
gen, herein  zu  legen.'  AKlinhl.  1688. 

Die  Ausgaben  hiefür,  sowie  noch  gewisse  Naturalleistungen 
oder  deren  Geld-.itiuivalent  (Sihlholz,  Kernen,  Wein)  betrugen 
a.    1700  ca  5200  Pfd. 

Ratte"-:  zur  Zeit  des  Bauernkrieges  (1653)  spottw. 
entstellt  aus  Tj-nitew-ff.  Ygh  Krotten-G.  —  Retour-: 
von  auswärtigen  Fürsten  an  Schweiz.  Offiziere  bei 
ihrem  Dienstaustritt  bezahlte  Entschädigung.  1755, 
Absch. 

Reit-:  der  zur  bestimmten  Zeit  an  Bergheamte 
und  Bergleute  auszubezahlende  Lohn.  1590  klagt  der 
Bergrichter  in  Grü.,  dass  ihm  ,die  gewerk  das  r.' 
schuldig  geblieben  seien.  —  Unten,  rechnen,  also  eig. 
,Abrechnungsgcld'. 

Schiff-Reiti-:  jährliche,  per  Schiff  oder  Floss, 
das  die  Aare  passierte,  berechnete  Abgabe  der  Meister 
des  B  Schitfhandwerks  an  die  Zunft  der  B  Schiffleute. 
B  Taschcnb.  1874.   —  Schiff-lieiti,  Schiffswerfto. 

Rit-:  Reit-,  Eoss-Lohn,  Reitersold.  ,Den  rytenden 
burgern,  so  um  zyt  [als  gerade  Krieg  herrschte]  umb 
r.  ritten.'  1446,  Bs  Rechn.  ,Das  usgeben  des  r-es  an 
den  alten  Grossweibel.'  1491,  S  Wochenbl.  ,Es  solle 
dem  Stadtschreiber  [bei  Auskündungen  und  Schuld- 
verweisungen] wegen  der  Collocation  für  R.,  Rechen- 
gelt  ein  Quart  pro  cento  neben  Futter  und  'SUM 
bezahlt  werden.'  1683,  Bs  Eq.  II,  215.  ,Anbetretfend 
die  Kosten  bei  der  Anwesenheit  des  Landshaubtmanns 
lassen  es  unsere  Herren  und  Oberen  bei  dem  gewohn- 
lichen R.  der  zwei  Dublonen  verbleiben.'  175G,  SonwMa. 
—  Riet-:  1.  für  den  Weidgang  auf  den  zum  Allmend- 
gut  gerechneten  Riedern  zu  entrichtende  Abgabe.  .In 
der  Riedatzung  sollen  die  Beisäss  fürderhin  vor  den 
Frembden  und  mit  billichem  Riet-Gelt  betrachtet  [be- 
rücksichtigt] werden.'  1698,  Ztscur.  f.  Schwz.  R.  10, 146. 
Vgl.  Albnend-G.  u.  a.    —   2.  der  Schützengesellschaft 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


264 


aus  der  Schwyzer  Bezirkskasse  verabreichte  Gabe  von 
300  fl.  als  Ersatz  für  das  ihnen  früher  geschenkte, 
dann  wieder  entzogene  .Schützenried'  Schw. 

Eutten-Geld:  =  Bruch-G.  (s.  d.).  ,Zu  dem  Ende 
disere  Dörfer  des  Schadens  [die  Bergstrassen  zu  unter- 
halten] cinkonimen,  ist  angesehen  worden  ein  Weg- 
geld, welches  sie  auch  E.  nennen,  a  rumpendo,  von 
Brechung  des  Schnees,  und  von  denen  Reisenden  an- 
statt eines  Zolls  fordern  können.  Bei  Einneraraung 
dises  K-s  müssen  sie  sich  verpflichten,  die  Wege  oifen 
zu  behalten,  alles  Schadhafte  zu  verbessern,  ja  auch 
den  von  ihrer  Versaumnuss  her  entstandenen  Schaden 
zu  ersetzen.'  JJSchedchz.  170G. 

Tgl.  it.  ruHura,  von  jedem  Pferd  der  Gemeinde  Airolo 
für  den  Schneebruoh  auf  der  Südseite  der  Gottliardstrasse 
bezalilte  Abgabe. 

Eüt-:  taxraässig  nach  , Kuhessen'  bestimmter  Bei- 
trag der  Alpgenossen  an  das  ,Reuten'  auf  den  Alpen. 
1576  im  LB.  von  U  neben  aoin  Syii.  ,Scb\vend-G.'  — 
Se-:  im  XVI.  in  L  für  KlMi^s,,,-\Vrin.  ,lrr  ulier  den 
Vw-See  ausgeführt  wurde,  au  Jrn  ( ibur.sDiuer  bezahlte 
Abgabe  (Weinzoll),  die  dieser  dann  an  den  ümgeld- 
seckel  ablieferte.     S.  Seg.  RG.  3,  2,  39/41. 

Sei-:  für  Benutzung  eines  Kührecbts  auf  der  All- 
mende der  Stadt  Bern  von  den  , Kühern'  bezahlte  Ein- 
schreibegebühr. S.  Messmer  1880,  40.  -  Sei,  Allniend- 
recht. 

Sau-  u.  Stiere"-:  1.  hiessen  bei  den  Pflichtigen 
der  Herrschaft  ZGrün.  im  XIX.  die  Vogtsteuer  und 
das  Vogtrecht,  weil  sie  die  Entrichtung  dieser  Ab- 
gaben als  eine  Gegenleistung  ihrerseits  für  die  dem 
Vogt  obliegende  Haltung  eines  Zuchtstiers  und  Zucht- 
ebers ansahen.  —  2.  wie  Heiden-G.,  in  abstr.  ver- 
stärkendem S.  Z  (auch  Sau-).  —  Sigel-:  ehemals 
Gebühr  für  das  Siegeln  von  Urkunden.  Im  Bauern- 
krieg war  die  Ermässigung  des  S-es  ein  Begehren  der 
anfständiseben  Bs  Fnrnburger.  —  Säckli-:  in  den 
Kir.li.'iib.ut.l    -vl.-t.'s  Almo.sen    Z.     ,Das    Seckligelt 

S..11    ,1,11    llau.ar ii    .licnen.'    1684,    ZEglisau.     Vgl. 

aucli  DWvss  IT'.'Ü,  .Ji-L  396.  S.  noch  Plättli-G.  und 
Säekli-Guet.  —  Soldaten-:  Er.satzsteuer  für  Wacht- 
und  Kriegsdienst,  vormals  in  Bs  zur  Besoldung  und 
Beköstigung  der  Bürger,  die  mit  dem  ,Leibe  dienten', 
.„l,T  v,,n  S,,l,biorn  verwendet.  Im  XVII.  u.  XVUI. 
war  'la^  ,,li,i!,n  mit  dem  Gelde'  so  allgemein  geworden, 
duNS  ,!!,■  Ms  /inifte  das  S.-G.  mit  dem  „Heiz-  und 
\\a,Ii^-i  i.  |,,i  i,Hlisi-li  iMn/,,u','n  und  in  eigenen  , S.-G. - 
l.',,,l,'lir  l,n,ht,ii.  hi,'  s,it  ItlL'T  auch  vom  Landvolk 
zuiiachst  zum  liiti'rlialt  ihr, t  in  die  Stadt  geschickten 
„Zusätzer"  geforderte  Steuer  bildete  einen  Hauptbe- 
schwerdepunkt im  Bauernkriege  von  1653  und  wurde 
dann  abgeschafi't,  in  der  Stadt  von  den  Bürgern  aber 
noch  ferner  bezogen.  Vgl.  J?m-ff.  —  Sünden-:  wie 
Heiden-G.  in  abstr.  verstärkendem  S.  Z,  eig.  ein  Geld, 
wofür  es  Sund  und  Schad  ist.  —  Gesang-:  aus  der 
Schulkasse  an  die  Lehrer  gezahlte  Entschädigung  für 
die   Erteilung   der   sonntäglichen  Gesangstunden   Ap. 

Sortie-  ^  Abfuer-G.  ,Fremde  und  einheimische 
Pferdehändler  bezahlen  von  jedem  zu  Bern  gekauften 
Pferde,  welches  sie  ausser  Landes  führen,  das  Tratten- 
oder Sortie-G.'  1744,  AbSCIC.  —  Frz.  mrlie,  Ausfulir,  Export. 

An-,  In-,  Hinder-Sässe"-:  Xied-'rlassungs-, 
Hintersässengebühr  Aa;  G;  Z.  ,W,,r,Mii  .in,'  li,  iiieinde 
kein  Einzug- oder  Hintersässgebl  luzii^hrii  w,,llte,  sieht 


das  Stift  ein  solches  ebenfalls  nach.'  1795,  G.  ,Alle 
in  Volksschulen  Angestellte  sind  von  dem  Ansässen- 
geldo,  Prohn-  und  Wachdienst  frei.'  183'2,  Z  Ges.  Syn. 
An-,  Hindersäss;  vgl.  Schirm-G.  —  Sessel-:  Be- 
soldung eines  Beisitzers  beim  Gerichte,  Sitzgeld.  1767, 
Absch.  VII  2.  961.  Von  den  Amtleuten  in  den  B-P- 
Vogteien  bei  Ablegung  der  Amtsrechnungen  an  die 
Delegierten  der  Obrigkeit  zu  zahlende  Gebühr.  1749, 
Absch.  VII  2,  1074. 

Sust-:  Lagerhausgebühr  für  durchgehende  Waaren 
,B;  Vw;  Soh;  Z."  Auch  häufig  in  den  ä.  Ab.sch.  Syn. 
Gred-,  Hof-,  Hus-G.  u.  a.   —  Susi,  Lager-,  Waarenhaus. 

Sattel-:  Gebühr  an  reitende  Boten,  cig.  Entschä- 
digung für  Instandhaltung  des  Sattels.  ,Ein  ratsbott 
soll  nit  wyter  nemen  dann  syn  zerung  und  s.-gelt  und 
dem  knecht  syn  ryt^  und  rosslon.'  1522,  Eoli,  Act. 
S.  noch  Beschlächt. 

Satz-:  1.  Sitzungsgeld,  Komuüssionskosten  Ar. 
In  der  ä.  Lit.  =  Sessel-G.  und  mit  diesem  Ausdruck 
wechselnd.  Das  Gericht  des  Gotteshauses  Pfäffers  zu 
GSa.  habe  das  bis  dahin  gebräuchliche  S.  moderiert. 
1670,  Absch.  VI  1.  1273.  ,S.,  old  wie  sie  's  heissen, 
manchem  ist  kommen  teur,  so  man  tat  erpressen,  un- 
g'stüra  und  ungeheur.'  1710,  Toggenb.  Biderm.  Syn. 
Sitz-G.  —  2.  It  Einzugsbriefen  aus  dem  Ende  XVII. 
in  TnWeinf.  von  Hintersassen  alljährlich  zu  entrich- 
tende Gebühr.     Syn.  Hindersäss-,  Hindersitz-G. 

1  zu  &((2,  Beisitzer,  „Zusätzer"  bes.  bei  Schiedsgerichten. 
Zu  2  vgl.  das  heute  in  ThWeinf.  veraltete  .Einsatztaxe', 
Njederlassungsgebühr,   und   Hlnderealz  (s.  d.). 

Übersatz-:  iia,li  ,li:-i'  Zahl  ilor  unberechtigt  auf- 
getriebenen  Kühe    h,a,',l tr.    ludjen   der   Busse    zu 

erlegende  Strafgebuhr  tur  ilas  .('hersetzen'  oder  ,Über- 
stossen'  von  Alpen.  1749.  Alpr.  BEngstlen.  —  Sitz-: 
1.  =  Sessel-G.;  Sitzungsgebühr.  ,Niclit  ein  geringer  Ab- 
bruch geschieht  dem  Fischen  [dem  Predigtamt],  wann 
jemand  in  der  Geraeind  muss  beschickt,  fürgestellt  und 
abgemahnet  werden  und  dasselbe  nicht  geschieht  in 
gebührender  Form:  Wann  ein  Pfarrer  solchen  Per- 
sonen auch  abnimmt  S.  [für  die  Sittenrichter].'  1624, 
J.IBiiEiT.  ,Es  soll  anbei  jeder  Teil  [Prozesspartei] 
4  Pfd  S.  und  2  Pfd  auf  [d']  Stuben  zahlen.'  1778, 
ZMcil.  Prozess.  ,In  einer  Verordnung  (z.  T.  auch  durch 
alte  Übung)  ist  auf  einem  sehr  massigen  Fuss  bestimmt, 
was  die  Ober-  und  Landvögte  bei  Entscheidung  von 
Prozessen  den  Parteien  unter  dem  Namen  des  S-es 
zur  Bezahlung  der  i  l,i  iihtsk,isten  auferlegen.'  DWvss 
1796,  71.  S.  noch  Slnhni-d.  Spec.  Taggeld  jedes  an 
der  Landsgemeindc  erselüeueuen  Bürgers,  zunächst 
von  den  daselbst  gewählten  Landesbeamten  zu  ent- 
richten Gl;  Sohw;  Ndw  bes.  im  XVH.  u.  XVHL;  vgl. 
Blumek,  EG.  n,  126.  1763  musste  Frau  Generalin 
Reding  jedem  Landmann  It  Urteil  1  Thal.  S.  bezahlen; 
aber  auch,  wer  eine  Begünstigung  von  der  Landsge- 
meinde nachsuchte,  musste  oft  zum  Voraus  S-er  ver- 
sprechen; auch  der  Landrat  konnte  sie  dekretieren. 
Vgl.  Schinnhuet-G.  —  2.  =  Satz-G.  2.  XVH.,  GSev. 
Auch  Hinder-Sitz-G.  1694,  Z  Staatsarch.;  Sulger. 
—  .3.  Haus-,  Mietzins.  1630,  L  Stiftsarch.  —  Schau-: 
an  die  den  Marktverkehr  beaufsichtigenden,  die  Realität 
der  Waaren  prüfenden  , Schauherren'  zu  entrichtende 
Gebühr.  ,Von  welliches  koufs  wegen  die  verordneten 
der  schow,  über  die  gewönlichen  zöU  und  schowgelt 
10  kr.  zue  zoll  yngezogen  betten.'  1579,  Zellw.,  Urk. 


265 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


Ein  .Schweing'schau-G.'  für  ZEglis.  im  XIX.  unter 
Jen  früher  in  die  Genieindekasse  fallenden  Einnahmen 
genannt.  —  Sc  ha  üb-:  Ausgabe  für  Schaub,  Stroh 
zum  Binden  der  Reben  an  den  Pfahl.  1533,  Aiisen. 
IV  1  c,  220  unter  den  Kosten  genannt,  welche  das 
Kloster  TnFeldb.  für  Bestellung  der  Rebgüter   habe. 

—  Schaf-:  Geldäquivalent  für  an  Grundherren  in 
Schafen  zu  leistende  Abgabe.  1281/1300,  Gpiid.  5,  14. 
\g\.  Schaf,  Weid-Sch.  -  Schaff-,  resp.  Schaft- = 
Schaft  (s.  d.).  —  Schiffi"g-:  in  die  Kasse  der  in 
SciiwBrunnen  vormals  bestehenden  Gesellschaft  der 
Schiffleute  abgelieferte  Einnahme  f.    S.  ScMfßng,  Teil. 

—  Schueh-:  Entschädigung  an  die  Auslagen  für 
Schuhwerk;  als  Besoldungsposten  des  ZWthurer  Holz- 
amtraanns   seit  1752  in   den  Rechnungen   aufgeführt. 

—  Rad-Schueh-  s.  Pflaster-G.  —  Schalen-:  Ab- 
gabe der  neu  gewählten  Sechser  an  die  Bs  Safranzunft, 
woraus  diese  dann  eine  Schale,  resp.  einen  Becher, 
herstellen  Hess.  1481,  Geering.  Vgl.  Becher-G.  - 
Schilling-:  nach  dem  Schillingfuss  contrahierte 
Schuld,  so  dass  auf  1  Pfd  ß  jährlich  1  ß  als  Zins  zu 
entrichten  war;  so  bis  1629.  ,Um  [baar]  gelt  und  nit 
um  sch.-g.  lösen.'  1585,  Ap  LB.  .Wann  ein  hindersäss 
in  unserm  land  seh.  erkaufte  oder  ererbte,  die  kernen- 
oder  schnialzzins  meldeten  [auf  solche  lauteten],  und 
aus  dem  land  züge,  soll  man  ihme  ander  seh.  darumb 
erzeigen.'  ebd.  ,[Der  Gläubiger,]  so  die  letzten  brief 
oder  zeddel  hat,  mag  die  anderen  mit  guetschillinggelt 
dännen  lösen.'  ebd.    S.  JCSchäfer  1810,  S.  195;  197. 

—  Kaufschilling-Gelder:  die  Quoten  des  bei  Käu- 
fen ausbedungenen  Kaufpreises.  1753,  Bs  Rq.  II,  292. 

-  Schanzen-Geld:  im  XVII./XVUI.  Beitrag,  Steuer 
an  die  Befestigung  der  Städte.  —  Scher-:  an  den 
Scherer  auf  der  Scherstube  bezahlte  Gebühr.  ,Du 
musst  nicht  Junker-Schergelt  geben,  bist  kein  Junker.' 
1553,  HBrLL.  Vgl.  Bekin-G.  —  Schürlitz-:  Geld- 
gabe, von  der  B  Regierung  seit  1016  im  BO.  den 
Schützen  statt  des  üblichen  Schürlitztuches  gespendet. 
Vgl.  Hosen-G. 

Schirm-:  Schutzgeld;  bes.  1.  von  den  Schirm- 
verwandten zu  entrichtende  Schirm vogteigebühr.  ,Nun 
hat  ein  abt  [von  ScHAllerheiligen]  einen  bischof  von 
Constanz  zuo  schirmherrn  über  Hallow  angenommen, 
darum  ein  bischof  bishar  syn  seh.  von  des  gottshus 
armen  lüten  und  güetern  yngenommen.'  1521,  Absch. 
IV  1  a,  132.  Burgermeister  und  Rat  der  Stadt  Bs 
haben  sich  erboten,  ,den  abt  von  StBlasien  bj  synem 
dinkgericht  zu  Riehen  von  oberkeit  wegen  [zu]  schir- 
men und  aber  von  solichen  schirmbs  wegen  das  gotts- 
hus mit  keinem  nüwen  seh. -gelt  [zu]  beschweren.' 
1548,  Bs  Bq.  11,  51.  Der  Schultheiss  zu  Rheinau  habe 
daselbst  im  Namen  de,s  Abts  von  G  zu  richten;  von 
den  Bussen  gehören  2  Teile  dem  Abt,  der  dritte  dem 
Landvogt  als  Seh.  1563,  Absch.  IV  2, 1026.  Der  Prälat 
von  Wettingen  sei  erbötig,  [bei  den  Rechnungsab- 
nahmen] das  gewöhnlicheRechnungsgeld  zu  entrichten, 
das  man  Seh.  oder  auch  anderswie  nennen  möge.  1618, 
Absch.  V  2,  1684.  —  2.  Abgabe,  die  ein  Fremder  für 
die  Erteilung  des  Landrechts  oder  ein  Einsasse  für 
das  Recht,  im  Lande  zu  wohnen,  an  die  Obrigkeit  zu 
entrichten  hatte  Z;  daher  in  Einzugbriefen  als  ,Schutz- 
und  Schirm-G.'  in  der  gleichen  Höhe  wie  das  den 
Gemeinden  zu  entrichtende  ,Ansässen-G.'  angegeben. 
.Der  hindersässen  halb:  wcUer  fürohin  in  unserm  land 
Wonnen  will,   der   soll  erlegen  20  fl.  zue  eim  ynzug- 


oder  sch.-gelt.'  1572,  Obw.  ,Die  sich  beständig  hier 
aufhalten  wollen,  sollen  ihr  Seh.  jährlichen  abstatten.' 
1648,  Bs  Rq.  I,  601.  ,Die  so  usserthalb  niyner  Herren 
Oberkeit  Gerichten  erboren,  [sollen],  so  bald  sy  von  den 
Gemeinden  angenommen,  der  Oberkeit  cinich  Schutz- 
oder Schirm-G.  geben.'  1675,  Kyb.  Grafschaftsr.  Um 
geduldet  zu  werden,  bezahlten  die  Kessler  ein  Sch.-G. 
an  den  Landvogt.  1698,  AaB.  (Absch.  VI  2,  '2003).  ~- 
3.  Concessionsgebühr  für  die  Ausübung  gewisser  Ge- 
werbe. .Seh.  von  der  bad.stuben  zu  ZGrün.'  1554,  Z 
Staatsarch.  ,Ingenommen  an  seh.  5  ß  gab  N.  N.  von 
syner  wirtscha-ft  (tafernen).'  1580,  ebd.  , Taferen-  od. 
Sch.-G.'  1668,  ZGrün.  Amtsr. 

Betr.  den  Charakter  eines  a.  1471  von  der  Priesterschaft 
der  Stadt  LSurs.  per  Kopf  zu  entrichtenden  Sch-es  vgl.  nncli 
bes.   Seg.,  RG.    2,    7:37.      S.   noch   Schirm-Gnlden. 

Fabrik-Schirm-:  kaufmännische  Abgabe  von 
der  inländischen  Fabrikation  von  Garnen,  Baumwolle-. 
Seide-  und  Wollenstoffen.  ,Gibt  ein  Bürger  Baum- 
wollen aus  und  lasst  daraus  um  den  Lohn  Garn 
spinnen,  so  soll  er  nach  altem  Herkommen  keinen 
Pfundzoll  davon  schuldig  sein;  von  dem  von  hiesigen 
Landleuten  erkaufenden  baumwollenen  Garn  aber  von 
jedem  fl.  2  hlr  Fabrik-Sch.-G.  bezahlen.'  1725,  Z  Zoll- 
ordn.  —  Ürti-Inschuss-:  Abgabe  beim  Eintritt  in 
eine  Corporation  (Ürti)  für  Mitbenutzung  der  Cor- 
porationsgüter.  1833,  Ztschr.  f.  Schwz.  R.  10, 126  neben 
Lueder  (-Taler)  als  Syn.  zur  Erklärung  gebraucht. 

Schatz-,  Schätz-:  1.  Lösegeld  Gefangener.  .Von 
etlichen  gefangenen  seh.,  atz,  turnlöse  [eingenoinnien|.' 
1475/6,  Bs  Rechn.  ,Dass  all  brantschatzung  und  schetz- 
gelt  der  gefangnen  hin  und  ab  syn  und  die  gefangnen 
uf  ein  zimlich  urfech  und  bescheiden  zergelt  ledig  er- 
zeilt [gesprochen]  werden  sollend.'  EnuB.  Sehr  häufig 
in  den  Absch.  —  2.  (-a-  Ndw,  sonst  ä,  resp.  e')  Taxe 
für  die  Schätzer  „B;  L;  Sch;  G;  Z";  bes.  bei  gericht- 
licher Schätzung  von  Pfändern.  Wenn  Jmd  eine  For- 
derung an  einen  Andern  hat,  so  mag  er  dieselbe  am 
bestimmten  Tag  einfordern;  kann  er  die  Bezahlung 
nicht  erlangen,  so  mag  er  den  Schuldner  pfänden; 
die  Srliatzci-  .-..11.11  dann  das  Pfand  bei  ihren  Eiden 
schütz. 11.  .1.1"  .l.r  .\nsprecher  seine  Forderung  sammt 
dem  S.liat/-( ;.  daraus  lösen  kann.  1.586,  Absch.  IV  '2.  940. 
, Welcher  zuerst  das  Schetzgelt  legt  auf  das  Under- 
pfand,  solle  das  erste  Recht  [auf  dasselbe]  haben.' 
1693,  Schw  LB.  112.  ,Vom  Schatzgoldlegen,  Verkün- 
den und  baar  Geld.'  1807,  Gi.  1,1!.  S  1 ::.-..  Vgl.  Schatz- 
Batzen, -Schilling.  —  S.fSchal.-.'drliln  liiihs.lies  Silber- 
stück als  Patengeschenk  Scn;  Geld  in  dir  .''^|>arkasse  Ar. 

—  1    u.   2   von  schätzen,   resp.  schätzen^   'i   von   Schatz. 
Schatzungs-:  =  Erb-G.,    soweit    es    von    den 

Schätzern  festgestellt  werden  musste.  ,Dass  alle  Erbs- 
oder Sch.-Gelter  in  den  [festgesetzten]  Terminen  von 
denen,  welche  dergleichen  Gelter  zu  fordern  haben, 
eingezogen  werden  sollen.'  1753,  Bs  Rq.  II  293;  vgl. 
noch  ebd.  II  187.  377.  —  Schützen-:  von  der  Obrig- 
keit verabreichte  Schützengabe.  1541  wird  in  ZGrün. 
Einer  gebusst,  als  er  ,vom  sch.-gelt  genommen.'  Die 
Schützen  des  Amtes  Muri,  die  bis  dahin  kein  Sch. 
bekommen,  suchen  bei  der  Tagsatzung  um  ein  solches 
nach.    1733,  Absch.  VII  1,  964.     Syn.  Hnsen-G.  u.  a. 

—  Entschlach-,  auch  Entschlag-:  Gebühr  für 
die  Aufhebung  eines  Arrestes.  ,Wäre  sach,  dass  der, 
so  also  verbotten  war,  des  gerichts  nit  erwarten 
möchte,    und   mit  dem  kläger  überkäme,   git  er  dann 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


das  entslach-t  in  den  stock,  die  mag  der  amtmann  von 
im  nemmen  und  im  das  verbott  entslachen.'  c.  1520. 
Bs  Eq.  II,  475/6.  —  Schlag-Gelt  =  Schlag-Schatg. 
1604,  Absch.  V  1,  1922.  —  Inschlag(-ings)-:  Gebühr 
für  die  Erlaiihniss.  ein  Stück  AUmend  oder  zehnt- 
pflichtitres  T.aii^l  .'■iii7iisfhlagcn'  (zu  umhegen).  .Wegen 
dem  Eins' liliiL;  I  i.  viiiden  die  Herren  Deputierte  auf 
die  Zeliii'l'  ii\  ■  !  li'  iiuMu  mit  dem  Pfarrer  reden,  dass  er 
von  denen  liiii^clilancren,  die  ihre  gemachte  Einschlag 
nit  angeblürat,  das  Geld  einzühen  mochte.'  1780,  L 
Stiftsprot.  —  Beschlag-  s.  Beschlächt. 

Schliss-:  von  den  Eltern  bei  der  Erbteilung 
ausbedungene  lebenslängliche  Nutzniessung.  Die  hei- 
ratenden Söhne  und  Töchter  abtretender  Eltern  müssen 
sich  verpflichten,  denselben  ,fall  und  rat  zo  tuen  an 
spys  und  trank',  sowie  ein  jährliches  Sch.-G.  zu  be- 
zahlen. 1565,  Hagenb.,  Sigr.  55/6.  S.  ScMissguet.  -- 
SMus-,   zu  schlissen,   verzehren,  aufhrniichen. 

Schliess-:  dem  , Schlips-, ,,•■  v.in  den  Gefangenen 
zu  bezahlende  Gebühr.  .|i''i  Ti^il-i-s  .soll,  so  sich 
einer  versäumt,  das  Gewehr  iMiisrhliessen  und  das 
Schliessgelt,  so  ihm  bestimmt,  vom  Wuchengelt  ze 
fordern  haben.'  JHLav.  1659. 

Schlitz-:  Taschengeld  GSev.  -  SchUH,  Sack  (in 
Kleidern). 

Schmuel-:  Schweigegeld,  das  ein  bei  einem  un- 
redlichen Kaufe  anwesender  Dritter  erhält  Sch. 

Jüdisch-deutsch:  v-l.  mi- r  s.h„nv,  Betrug,  nhd.  .Schnui', 
Gewinn,  ,Schninf'l\   ll:iii'l.  I.   mhl   s.limiis-G. 

Schmerze"-:  ycriihtli.h  gesprochene,  gesetzliche 
Entschädigung  bei  Körperverletzungen ,  neben  den 
spec.  noch  zu  berechnenden  Arztkosten,  allg. 

G«schmürz-:  schlechte  Scheidemünze  S.  Bettler 
zum  Almosenspender:  Dan!:  Ji,-i,irf  |ilir],  aber  lueget, 
das  ist  G.,  so  'ne  fnlsclir  W.ilhsh,!! :,:■',  h'heit  e  [he- 
h&ltet  ihn]  litber  selber.  8i  iiili..  (..../»müi-j,  dass.,  .auch 
zsgelesene  Reste,  Abfalle. 

Schmüs(s),  Schmaus-:  Trinkgeld,  das  ein  Unter- 
händler und  Vermittler  bei  einem  Kaufe  als  Lohn 
seiner  Überredungskünste  von  den  Contrahenten  er- 
hält B;  Tu.  B'  Avekate'  mached  om  e  Schmausgeld 
mit  irem  guete"  Redhüs  us  schwarz  iciss  Tu  (Schwzd.). 

Zu  jüdisch-deutsch  ,Schmus',  Gerede  eines  Unterhändlers; 
hebr.  schmüäth  (gespr.  schmuoss),  PI.  zu  echmüäh,  Erzählung: 
vgl.   Schmvd-G. 

Schnitz-:  auf  die  Bürger  verlegte  Gemeindesteuer. 
XVII.,  GSev.  —  Schnitz,  Steuer,  zu  schnitzen,  schneiden,  zu- 
teilen. 

Schwin-:  Geldäquivalent  für  als  Grundzins  ge- 
lieferte Schweine.  1281/1300,  Gfrd.  1533,  Euli,  Act. 
1509,  Hotz,  ürk.  Vgl.  Hueb-Schicin;  Schwin- Pfenning ; 
Schaf-Geld. 

Schwend-:  =  Rüt-G.  Vürte.  ,Von  einer  Kue- 
schweri  3  ß  Sch.,  welche  man  sammt  dem  Alpzins  dem 
Alpvogt  bezahlen  soll  und  soll  der  .Alpvogt  solches 
Sch.  in  den  Küealpen  lassen  verwerchen.'  1616,  Obw 
Allmendordn.  ,Denen  Frembden  ist  zuegelassen  wor- 
den, die  ererbte  Alp  zu  besetzen,  doch  dass  sie  jähr- 
lich hierumb  aukchren,  ihr  Sch.  und  andere  Kosten 
abtragen  und  ablegen.'  c.  1670,  Talb.  UwE.  Syn. 
Schivend-Batzen.   —    S.   Kue''-Esscn   Bd  I   52G,   Lueder. 

Schwirren-:  Gebühr  auf  Viehmärkten  für  das 
Anbinden  des  Viehs  an  Pfählen.  1559  bescliwert  sich 
die    Landschaft   Bollenz,    dass    die    von   Beilenz   von 


ihnen,  wenn  sie  auf  den  Markt  kommen,  von  jedem 
Boss  1  Btzn  Schw.  fordern,  auch  wenn  Einer  das  Ross 
nicht  anbinde.  Absch.  IV  2,  1'299.   —  Schwirren,  Pfahl. 

Schwer-:  auf  verbotene  Flüche  und  Schwüre  ge- 
setzte Busse.  ,Vom  swergelt . . .  pfd.'  1361/2,  Bs  Jahr- 
rechn.  -  Spech-:  Lohn  für  Späher-  und  Fahndungs- 
dienste. 1599,  Absch.  V  1,  1612.  —  Spil-:  Einsatz, 
Gewinn  oder  Verlust  im  Spiele;  spec.  Spielschuld. 
1531  erklären  Ammann  und  Rat,  dass  keine  fahrende 
Habe  länger  als  1  Jahr  auf  Borg  gegeben  werden 
möge,  ,dann  ein  Rat  will  nüt  darrait  zue  schaffln  han, 
als  wenig  als  mit  spilgelt  [Spielschulden  waren  nicht 
durch's  Recht  geschützt].'  1409,  Ap  LB.  97.  -  Spend-: 
Geld  aus  dem  Spendgute  (s.  d.).  Spec.  =  Mütschen-G. 
(s.  d.).  —  Spis-:  Geldentschädigung  für  Verköstigung. 
an  Hirten.  ,Sy  sölltend  ouch  nach  anzal  [im  Verhält- 
niss  zu  der  Zahl  des  aufgetriebenen  Viehs]  das  sp. 
gen.'  1538,  GRJcnatz.  Vgl.:  ,Wie  die  umsessen  enhalb 
der  Fürna  vor  etlicher  zyt  [vormals]  spys  und  Ion  den 
hirten  in  das  dorf  Jenatz  geben  bettend  und  darnach 
etlich  zyt  das  gelt  für  die  spysung.'  ebd.  —  Für- 
sprechen-: Gerichtsgebühr.  Wer  in  einem  Streit- 
handel als  Beteiligter  erschien,  musste  einen  ,Behemsch 
F.'  bezahlen.  1544,  Z  Proz. -Akten.  S.  noch  Fürsprech. 
—  Spritz-  (-M-):  dem  Messmer  von  L Willisau  für 
seine  Verpflichtung,  in  den  Häusern  der  Gemeinde 
Weihwasser  zu  spritzen,  seit  1645  von  jeder  Haus- 
haltung zukommende  Entschädigung  von  1—5  ß,  die 
1879  abgelöst  wurde.  Vgl.  noch  Spritz-Brot.  — 
Stuben-:  1.  vormals  Beitrag  der  Zunft-  und  Stuben- 
gesellen in  die  Zunftkasse,  eig.  für  die  Benutzung  der 
,Stube'  Bs;  B.  Syn.  St.-Zins.  Vgl.  Stubenhitz.  — 
2.  =  Sitz-G.  für  die  Mitglieder  des  Rates  oder  einer 
andern  Behörde.  Savoyen  bezahlte  im  XVII.  ein 
.Ehren-,  Sitz-  oder  St.-Geld'  infolge  seines  Bündnisses 
mit  den  6  katholischen  Orten.  Vgl.  Seg.,  RG.  3,  78/9. 
Wer  sich  in  L  um  das  Bürgerrecht  bewarb,  entrichtete 
ein  Sitz-  oder  St.-Geld  von  1  Thlr  bis  1  Duk.  auf 
jeden  Rat  und  Hundert,  ebd.,  113.  Die  während  der 
Sitzungen  der  Syndikatskammer  zu  Frauenfeld  und 
Baden  fallenden  Sessel-  und  St.-Gelder  wurden  tw. 
auch  an  die  Gerichtsdiener  und  Überreiter,  welche  die 
Standesfarbe  trugen,  verteilt.  Vgl.  Absch.  VII  2,  562. 
756.  808.  811/2.  S.  noch  Stube  i.  S.  v.  Rats-.  Ge- 
richtsstube. 

Stauf-:  vormals  Spende  eines  neu  eintretenden 
Chorherren  an  die  übrigen,  damit  sie  sich  täglich  auf 
das  Zeichen  der  Spendglocke  (je  nach  ihrem  Rang) 
7= — 2  Becher  Wein  geben  lassen  konnten.  1532  wird 
vom  Z  Chorherrenstift  geklagt,  dass  kein  St.  mehr 
,gfalle'.  Egli,  Act.  888. 

Vgl.:  ,Statutuni'st,  ut  quicumque  in  ante,i  de  novo  acci- 
pitur  in  canonicum  ecclesie  nostre  per  servizio  nünistret  nobis 
prasposito  et  canonicis  urnam  vini  optimi  quo[d]  Thuregi 
vendltur  prteter  viuum  terre.'  1259,  Z  Staatsarch.  S.  noch 
Stau/-Win. 

Stock-:  in  den  .Stock'  fallendes  Geld,  so  in  den 
üpferstock  als  Almosen.  1660,  L  Kirchenrechn.;  oder 
in  den  Stock  der  Tuchschau  oder  den  Zollstock.  ,St. 
und  andere  des  g'werbs  nutzungen.'  Vad.  III,  432.  — 
Stuck-:  =  Güggel-G.,  weil  dieses  nach  den  Portionen 
(.Stucken')  des  Kirchenzehntens  berechnet  wurde.  Vgl. 
Mei.,  Wetz.  401.  403.  In  Rücksicht  auf  die  bedrängten 
Zeitumstände  fallen  das  Zehndenstroh,  Zehndenehr- 
schatz  und  das  Stuckegeld  ganz  weg.  Z  Verordn.  1799. 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


,1t  Pfd  Stück-G.'  als  Teil  des  Zehntens  auch  bei 
Diener,  OGl.  337.  —  Stall-:  Abgabe  für  Benutzung 
eines  Stalls.  Die  Gastwirte  zu  ZEglis.  dürfen  den 
Salzfulirleuten  kein  St.  abfordern,  wenn  sie  Wein  und 
Brod  geniessen.  1695,  Wild,  I  208.  —  Instell-: 
Lagerhausgebühr.  177.5,  Absoh.  VII  2,  421.  Spec.  eine 
zur  Besoldung  der  Kornhausbeamten  verwendete  Ma- 
gazingebühr, welche  diejenigen  bezahlten,  die  ihre 
nicht  verkauften  Früchte  auf  einen  künftigen  Markt- 
tag hin  im  Z  Kornhaus  unterbrachten.  Z  Mem.  1801,  31. 
Auch  Unter stell-G.,  für  Waaren,  die  im  Schloss 
Grynau  untergebracht  wurden.  1800,  Schw  Staatsverm. 
91.  97.  Vgl.  Uüs-G.  —  Stuel-:  wohl  eine  Gerichts- 
gebühr. Vom  Bischof  von  Bs  abgeschafft.  1525,  Absch. 
IV  1  a,  660.  Vgl.  Sessel-G.,  Stuelsässe.  —  Stumpe"-: 
=  Hoslatz-G.  Z.  —  Stand-:  1.  Platzgeld,  bes.  Ab- 
gabe für  die  Marktbude  während  der  Markt-  und  Mess- 
zeit; Bohlen-,  Buden-Geld.  Die  Rorschacher  bitten, 
dass  ihnen  der  Abt  das  ,Zölli  und  Standgeldli'  [von 
ihrem  Markt]  vergönne.  1529,  Absch.  IV  1  b,  458. 
Eine  ,Lista  des  St-s  od.  Ladenzinses'  s.  1550,  SchwE. 
Klosterarch.  1  B,  18.  ,Man  mag  die  brüginen  [Zu- 
schauerbühnen] etlichen  bürgeren  um  ein  zimlich  st. 
übergeben.'  1597,  L  Buhnenrodel.  In  AAKadelb.  wurde 
es  vom  Jägermeister  bezogen.  1671,  Bbaüchb.  (Arg.  4, 
127.  139).  S.  noch  Kegel-G.  u.  Absch.  IV  2,  1095.  1112. 
Für  Vieh  auf  Viehmärkten  Z;  vgl.  Z  ßechtspfl.  6,  381. 

—  2.  Abgabe  vom  Viehauftrieb  auf  die  Alp.  ,Der 
Auflag,  fct,  Schwendgebühr  sind  zu  bezahlen,  bevor 
abgetrieben  wird.'  1883,  Scuw.  ,I)er  Viehauflag  ist 
auf  Fr.  15  per  Kühesset  festgesetzt,  ohne  St.  und 
Schwenttagwerk.'  ebd.  Vgl.  Allmend-,  Vich-G.  — 
3.  Gerichtsgebühr;  neben  dem  Bott-  und  Urteilgeld. 
1693,  Bs  Rq.  I,  634.    Vgl.  Bl-,  Vor-Stand  (vor  Gericht). 

—  Standgelter  m.:  obrigkeitliche  Person,  welche 
das  Standgeld  (1)  bezog  ScuSt.  —  Anstand-:  =  An- 
stand. Stutz  1850,  S.  51.  —  Instand(s)-:  1.  Auf- 
nahmegebühr beim  Eintritt  in  eine  Genossenschaft. 
SuLGER.  S.  Instand.  —  2.  =  Instell-G.  1732,  Absch. 
Vn  1,  401.  —  ,Stündigungs-,  (das)  ist  ein  Opfer, 
das  man  bringt  neben  Kapital  und  Zins,  damit  man 
Einem  mit  Kapital  oder  Zins  noch  länger  warte.'  Gotth. 

—  Stiere»-:  1.  s.  Sau-G.  ~  2.  auf  das  Stück  Vieh 
berechneter  Beitrag  der  Viehzüchter  einer  Genossen- 
schaft an  die  Haltung  eines  Zuchtstieres  B  OAa. ; 
GKapp.;  Z.  —  Stür-:  Steuer.  Als  Grundzins  von 
einer  Hube  in  ZSchwam.  1509,  Hotz,  Urk.  S.  noch 
Hilf-G.  —  Staats-:  Pension  für  einzelne  einfluss- 
reiche Staatsmänner,  pension  particuliere  oder  p.  par 
etat;  im  XVI.  auch  einfach  , Staat'.  Schw  u.  U  be- 
klagen sich  über  die  Übelstände,  welche  die  Verteilung 
der  ,Staad-Gelder'  durch  die  vom  Ambassador  von 
Frankreich  bestellten  Distributeurs  mit  sich  bringe. 
1764,  Absch.  —  Hofstatt-:  Hofstattzins;  Abgabe  für 
die  auf  unfreiem  Boden  erstellten  WohngebäuJe.  ,Es 
sind  unser  hüser  und  hofstatten  mit  Zinsen  und  h-gelt 
beladen.'  1525,  Absch.  ,Die  seit  dem  J.  1750  neu  auf- 
erlegten H-er,  wofern  diese  Hofstatten  nicht  auf  des 
Gottshauses  Grund  und  Boden  stehen,  sollen  erlassen 
sein.'  1797,  G.  Syn.  H.-Pfenning,  Bauch-Geld.  S.  auch 
Wild  1883,  I  264,  und  Zimmer-Stür. 

Statuten-:  1.  durch  die  Statuten  festgesetzte 
Eintrittsgebühr  eines  Chorherren.  1532,  Egli,  Act. 
S.  Kappen-,  Stauf-G.  —  2.  von  den  Mitgliedern  geist- 


licher Capitel  für  die  Verabfolgung  der  gedruckten 
Statuten  zu  entrichtende  Gebühr  L. 

Zu  1  vgl. :  .PriBterea  receptus  ia  caDouicuin  inlra  mensem 
dare  (lobet  marcam  argenti  ad  festiim  corporis  Christi.'  1346, 
Z  Stiftsstiituteu. 

Stätte-:  Platzgeld.  ,»Stettgeld:  Wir  haben  gesetzt, 
dass  hinfür  alle,  die  des  richs  Strasse  brüchend,  si 
standen  in  den  gassen  ald  vor  den  hüsern  oder  haben 
feil  uf  den  laden,  usgenommen  in  den  gädmern,  die 
sollen  das  geld  von  den  stetten  der  stadt  geben.'  1441, 
ScH  Stdtb.  Vgl.  Stand-G.  —  Strau-:  Geldäquivalent 
für  ursprüngli«!!  (in  Z  OGl.  bis  1784)  in  natura  ab- 
gelift.i  ir>  stinli.  Die  GHaagcr  müssen  in  das  Schloss 
Sax  Im  .Iru  /,,  iiiitcM  12  ß  Str.  entrichten.  CTomann 
1741.  .:.  nu  .'<tr.  [als  Zehnt].'  1817,  Diener,  OGL 
Vgl. :  ,Zu  GFrümsen  gehört  der  Zehenden  dem  Pfahrer, 
jedoch  muss  er  das  ausgetröschte  Strau  dem  jeweiligen 
Landvogt  überlassen.'  CTomänn  1741.    S.  noch  Heu-G. 

—  Bestrich-:  Trinkgeld  für  das  Bestreichen  von 
Bettzeug  mit  einer  Wachslösung.  .Gleicherweise  ist 
eine  nüwe  gewonheit  [um  Geld  zu  erbetteln]  hie  uf- 
gestanden  von  dienstmägden,  jungen  und  alten,  wenn 
die  bestrichent,  so  fallen  sie  erber  lüte  an  und  fordern 
an  die  [dieselben]  b-gelt.'  Bs  im  XIV. 

„Täub-.  Täup-:  V.-rlinri;vbühr,  Gebühr  an  eine 
Comniissiuii  tili-  die  Uiitrrsiiehuiin'  fines  Rechtshandels 
vor  der  endi^ültigen,  richterlii-lien  Entscheidung  LE." 

—  Mhd.  luulmi,  töuhai,  dämpfen,  Ijeschwichtigen  (einen  Streit). 
Lichentuech-:  Geschenk  an  den  Stuben wirt  und 

dessen  Magd,  welche  das  bei  Leichenbegängnissen  der 
Zunftgenossen  der  Kaufleute  und  deren  Angeliiirit,'!'!! 
gebräuchliche,  über  den  Sarg  geschlagene  Balirtiich 
in  Verwahrung  hatten;  so  bis  1838.  B  Taschenb.  — 
Auch  iu  Bs  waren  Bahrtücher  Zunfteigentuni. 

Brüttafel-Gelder:  Hochzeitsgeschenke,  welche 
die  jungen  Eheleute  von  ihren  Verwandten  und  Be- 
kannten erhielten.  ZWtlniv  It  Tkoi,!,  IVM.'io.  -  Ta- 
fernen-Geld:  Abgabe  .I.t  Srhrnknirtr  für  das  Recht, 
ein  Wirtshausschild  (,'l'alenn-i  zu  fuhren  und  Wein 
zu  schenken  (.Tafernen-Keclit).  .Se  i^elu'iit  die  5  hüser 
zue  den  kleinen  bedren  alle  jar  .".  fi  tatiTeii^r,.lt/  1490 
Urb.  AABaden.  1525  wünschen  die  Ziirüiiinger,  .kein 
umgelt  mc  von  dem  wyn  noch  täfergelt  zue  geben.- 
,Was  einem  jeden  für  wyn  an  synen  reben  wachst, 
den  solle  ein  jeder  ono  einich  täferg.  bim  zapfen  zu 
verschenken  macht  haben.'  1.577,  Z  Mand.  Der  Wirt 
beim  Weissen  Kreuz  in  AABaden  soll  kein  Umgeld, 
wohl  aber  das  jährlich  ihm  auferlegte  T.  von  6  Pfd 
den  Obrigkeiten  zu  geben  haben.  1642,  Absch.  Die 
4  Gastwirte  von  ZEglis.  sollen  in  ihren  Tavernen  ge- 
schützt werden  und  dafür  jährlich  4  Pfd  Tafären-G. 
ins  Schloss  zahlen.  1695,  Wild.  Da  die  vom  Ohmgeld 
Befreiten  sich  auch  vom  T.  befreit  glauben,  so  wird 
der  Landvogt  beauftragt,  das  T.  nach  dem  Project 
von  1738  zu  beziehen.  1740,  AaB.  (Absch.).  S.  noch 
Zapfen-G.  —  Tag-:  wie  nhd.  ,Bei  Werbungen  soll 
jedes  reufällige  Landeskind  das  Hand-  und  T.-Geld 
zurückzahlen  und  dann  frei  sein.'  1797,  G.  —  Teil-: 
das  in  Folge  von  Bündnissen  oder  Capitulationen  mit 
auswärtigen  Fürsten  den  Orten  zufliessende  und  von 
diesen  unter  die  einzelnen  Landleute  , verteilte'  Geld. 
1567,  aLB.  Ndw.  ,Des  T.  halber  ist  geornet,  dass 
weder  Landaramann  noch  Statthalter  bei  ihren  Eiden 
einlebe   Umbfrag   halten   noch    scheiden   sollen,    dass 


271 


Galt,  gelt,  gilt.  golt.  gult 


272 


man  solches  austeilen  solle.'  1625,  Gfrd.  S.  noch 
Teil-Krone.  —  Urteil-Geld:  Gerichtsgebühr  für  die 
Fällung  und  schriftliche  Ausfertigung  eines  Urteils. 
1538,  Absch.  ,Urtel-Gelt  an  den  Ordinari-Gerichten. 
In  der  mindern  Stadt  wird  das  ganze  U.  zwischen 
dem  Schultheissen,  den  anwesenden  Kichteren  und 
dem  Stadtschreiber  zu  gleichen  Teilen  verteilt.'  1722, 
Kq.  —  Denier-:  eine  zu  3  Pfenn.  per  Pfd  ihrer 


in  franz.  Diensten 
II  Invalidenfond  zu 

-  Ding-:  Angeld 
lem  neuen  Meister 

Th;  Z.     Verhüch- 


Löhnung  berechnete  Abgabe  der 
stehenden  Söldner,  um  daraus  ein 
gründen.  (Absch.).  S.  Beckin-G. 
der  Dienstboten,  wenn  sie  bei  e 
in  Dienst  getreten  sind  ,Ai';  G; 
deutscht:  ,Aufding-G.'  Eohnkr  1867.  Syn.  Haft-G., 
Dinfi-Pfenninff.  —  Verding-:  Bezahlung  für  die  bei 
frnihlrn  l,riit.>ii  untergebrachten  Waisen  (sog.  Ver- 
diim-KiiMln  1,  .Pas  järlich  usleggend  [auszulegende] 
v-yrlt-  iiiM.liir  .alles  zusammen  geschüttet'  hinreichen, 
die  Waisen  zu  versorgen.  1635,  Spyri,  Waisenh.  — 
Dienst-:  1.  Sold  für  Kriegsdienste;  sehr  häufig  in 
den  ä.  Absch.  S.  Gnad-G.  u.  a.  —  2.  bei  Geldanleihen 
an  den  Darleiher  bezahlte  Provision.  ,Dass  etliche 
ihr  Gelt  hinweg  leihen  vergebenlich  [ohne  Zins],  aber 
dargegen  mues  der  Entlehner  ihnen  etwan  ein  grosse 
Waar  und  ganz  in  einem  geringen  Wert  zuestellen 
oder  ein  merklich  D.  darzue  geben,  darinn  sie  ihre 
Hauptsummen  und  ein  grossen  Geniess  wol  doppelt 
und  mehr  haben.'  1590;  1637,  Bs  Eq.  —  Doppel-: 
Einsatzgeld  für  Schüsse  in  Gewinnscheiben  Uw;  s. 
Doppel.  —  Dar-:  Darlehen.  Der  Bericht  über  den 
Befund  des  Reiskastens  der  B  Pfisternzunft  von  1555 
bemerkt  zu  2  Posten:  , Wider  ist  in  einem  dargelt 
5  pfd  8  ß  8  d.'  —  Tor-:  Gebühr,  welche  vormals 
dem  Torwart  an  den  Stadttoren  nach  Torschluss  zu 
entrichten  war.  Vgl.  Si'hild  1885,  S.  43.  Syn.  T.-Batzen. 

Tisch-:  1.  =  Kost-G.  allg.  In  Kechtsq.  häufig 
unter  den  Anspraclien  o-.'iiaiint.  welche  in  Concursen 
den  gemeinen  Funlmiimvii  \  ..rtjehen.  ,T.  von  tisch- 
gängern,  die  eiinji  Ihi  llini,-  zue  tisch  hätte.'  1588, 
L  Stadtr.  Eine  Tucliler  geht  in  ein  Kloster  und  wird 
mit  2500  fl.  ausgesteuert,  von  welchen  500  fl.  für  T. 
und  andere  Kosten.  1723,  Absch.  S.  noch  Briich-G. 
—  2.  ,Tischli-G.',  der  B  Gesellschaft  der  Kaufleute  von 
der  Obrigkeit  je  am  Ostermontag  für  Tafelfreuden  seit 
1607  gespendete  Gabe.  B  Tasch.  186'2,  115.  —  tisch- 
gelte": ausserhalb  des  elterlichen  Hauses  Kost  neh- 
men. Schweizerb.  1824,  338.  —  ver-tischgelte"  = 
verkostgelten,  allg. 

Toten-:  =  Haupt-,  resp.  Gewand-Fall.  XVIU., 
JCPäsv,  Th. 

Traktaments-:  =Annahm-G.  B  Taschenb.  186'2. 
89.  —  Tmktument,  Gasteroi,  Schmaus,  hier  spec.  bei  der  Auf- 
nahme eines  Zunftgenossen. 

Trüll-:  eine  von  fremden  Fürsten  verabfolgte 
Geldleistung,  um  für  den  Militärdienst  taugliche  Leute 
einexercieren  zu  lassen.  1647  wird  beschlossen,  der 
Pensionen  und  des  T-s  müssig  zu  gehen.  Schw  Staats- 
verm.  —  Trank-:  Trinkgeld.  ,Die  Wärter  sollen 
von  Niemandem  weder  wenig  noch  viel  als  Tr.-Geld 
fordern.'  1793,  Unsichtb.  Auch  1758,  KLSchuster,  26, 
und   in   den  Rechnungen   des  Z  Spit.  noch  Anf.  XIX. 

Trink-,  bezw.  Trlch-,  Trech-,  in  ZO.f  Trinke"-: 
wie  nhd.  In  einem  Kaufbriefe  behält  sich  die  Ver- 
käuferin über  den  bedungenen  Kaufpreis  hinaus  ,4  stäb 


von  guetem  Ionischem  [lündisch]  tuech  umb  myn  tr.' 
vor.  1533,  BLaupen.  Ähnlich  werden  in  einem  Kauf 
um  eine  Mühle  10  Pfd  ,ze  drinkgeld'  festgesetzt.  1566, 
H.\genb.,  Sigr.  Werkführer:  ,Es  scheint  mir,  jener 
Pfahl  stehe  nicht  aufrecht.'  Arbeiter:  Es  ist  wahr, 
er  haldet  bireits  geg-em  Tr.  Z.  Wenn  man  dem  Boten, 
der  ein  Kätzlein  zum  Geschenk  überbringt,  kein  Tr. 
gibt,  stirbt  das  Tierlein  Z.  Verächtlich:  Es  ist  (nif)  es 
Tr.,  eine  geringe  Summe  Z.    Syn.  Trink-l'fenning. 

Eig.  ,Geliigabe  zum  Vertrinken',  statt  des  früher  z.  B.  den 
Zinsleuten  gebotenen  Mahles  oder  Trunkes  gereicht.  Vgl. ; 
,Eiu  jeder  hab  dann  vor  [zuvor]  den  weibeln  geben  5  ß  ze 
vertiiuken.'  1493,  S  Ratsman.  Der  Vogt  von  Grandson  wird 
IjeschuUligt,  er  habe  sich  ungewöhnlich  viel  ,fUr  den  wyn' 
zugehalten.    1533,   Absch.      Vgl.  noch    Wm-Kanf. 

Hochsig-:  Gabe  der  Hochzeitsgäste  nach  dem 
Mahle.  1824,  Z. 

Tratten-:  =  ^6/'Mer-(?.  „Tratte-G.,  Auflage  auf  die 
Ausfuhr  B;  S."  ,Was  das  Tr.-Geld  betrifft,  war  solches 
das,  was  man  anderswo  droit  de  sortie  [s.  Sortie-G.] 
oder  Ausfuhrrecht  betitelt,  da  die  Fremden,  wenn  sie 
in  dem  Bern-Gebiet  sonderlich  Pferde,  Hörn-  und  an- 
ders Vieh  gekauft,  einen  gewissen  Pfenning  wegen 
des  Abzugs  erlegen  müssen.'  JLauff.,  Schwz.-Gesch. 
Luzern  zeigt  an.  dass  es,  ähnlich  wie  B,  ein  Tr.  auf 
das  fürkaufsweise  aus  der  Eidgenossenschaft  gehende 
Vieh  gelegt  habe.  1618,  Abscb.  Uri  beklagt  sich,  dass 
seinen  Landleuten,  welche  im  Gebiete  von  B  Vieh 
kaufen,  ein  neuer  Zoll  oder  ein  Trattgeld  abgefordert 
werde.  Die  Gesandtschaft  Berns  behauptet  aber,  dass 
derselbe  schon  bei  80  Jahren  bestehe.  1620,  ebd. 

It.  iratta,  Abgabe.  Vgl.:  , Getreide  und  Salz  sollten  ohne 
Tratta,  Gabella,  Verehrungen  nnd  andere  Bezahlungen  die 
freie  Durchfuhr  haben.'  1552,  Vertrag  mit  Mailand.  Vgl. 
noch   frz.   traitc 

Trett-:  Abgabe  eines  Unberechtigten  für  die  Be- 
nutzung der  Geraeindetriften;  daher  in  Einzugsbriefen 
als  ein  Teil  der  Einzugsgebühren  aufgeführt.  XVII., 
TnWeinf. 

Trett,  gew.  Tmtt,  Genieindetrift;  Kecht,  sie  zu  nutzen. 
Vgl.  der  fremde  Einzügling  .soll  von  jedem  Haubt  Viech,  so 
er  auf  der  Gemeind  Träft  laufen  lasst,  jährlich  2  fl.  ze  geben 
pflichtig  syn.'   1693,  Z  Staatsarch. 

Traverse-:  Durchgangszoll.  Die  Gesandten  Berns 
wollen  dahin  wirken,  dass  jedem  Freiburger  gestattet 
sei,  des  Jahrs  6  Fass  fremden  Weins  ohne  Tr.  durch- 
zuführen.  1642,  Absch.  —  Zu  frz.  travfi-scr,  hindurchgehen. 

Weibel-:  Weibelgebühr;  vgl.  Bott-G.  1797,  G, 
neben  den  , Ammann-Geldern'  (s.d.)  genannt.  —  Wach- 
s.  Wacht-G.  —  Wuchen-:  in  Wochenraten  bezahlte 
Steuer  oder  Löhnung.  Gegs.  Jär-G.  Spec.  wöchent- 
licher Sold  der  im  Felde  stehenden  , Knechte'.  1633, 
Gfkd.;  1668,  eidg.  Defensionale.  Wöchentliche  Besol- 
dung des  Lehrers.  1733,  Schulordn.  Ai'Heid.  Wochen- 
betrag einer  Steuer,  z.  B.  des  Umgelds  (s.  d.).  — 
Wachs-:  fron  fastenlich  entrichtete  Bruderschaftsge- 
bühr, woraus  die  Kerzenmeister  die  h.  Kerzen  be- 
schaffen mussten.  S.  Geering  S.  96  ff.  Vgl.  Kerzen- 
Guldin,  -Geld;  Wachs-Groschen.  Geldäquivalent  für 
Wachszinse  der  G  Gotteshausleute.  1797  als  ablösbar 
erklärt.  —  Wechsel-:  Wechsel-Forderung,  -Schuld. 
Die  Zunft  der  Tuchleute  zu  Lauis  beansprucht  das 
Recht,  zu  entscheiden  ,in  allen  stössen  und  spänen, 
es  syge  im  ansprechen  und  versprechen  von  wegen 
lidlons,   kostens,    Schadens,    zinses,   bürgschaften  und 


273 


Galt,  gelt,  gilt.  golt.  gult 


weehselgelts.'  1505.  Ansiii.  —  Wacht-,  Wach-:  von 
den  Zunftgenosseu,  welche  nicht  persönlich  die  Mauer- 
und  Torhut  versahen,  zu  entrichtende  Abgabe.  In  die 
Schneiderzunft  aufgenommene  Frauen  sollten  einen 
Basler  Plapphart  als  Wach-G.  entrichten.  1466,  Ocus. 
Im  Z  betrug  von  1575 — 1714  das  von  jedem  Bürger 
als  Äquivalent  für  4  Wachen  zu  leistende  Wacht-ü. 
2  fl.,  von  1714—98  nur  noch  1  fl.  Vgl.  Soldaten-, 
Keis-G.  u.  s.  noch  Wild  1883,  120.  —  Weid-:  Weid- 
ganggebühr. 1539  erhalten  die  von  Oberriet  durch 
Urteil  das  Weidrecht  ,an  der  Eisi'  gegen  3  Kr.  W. 
Wild  1883,  118.  Vgl.  Trett-G.  —  Wag-:  Gebühr  für 
die  Benutzung  einer  städtischen  oder  obrigkeitlichen 
Wage.  Leim  und  Lumpen  sollen  in  das  Kaufhaus 
gebracht  und  gewogen  und  davon  Pfundzoll,  Hausgeld 
und  W.  bezahlt  worden.  1489,  üchs.  ,Dass  wellicher 
sein  Frucht  und  Mehl  gewägen  haben  will,  derselb 
den  bestimmten  Schilling  Umb-  und  W.-Gelt  voll- 
koiumenlich  bezahlen;  wellicher  aber  die  Waag  nit  ge- 
brauchte, mehr  nit  dann  den  Sechser  Umg.  schuldig 
sein  [solle].'  1629.  Z  Verordn.  —  Wagen-:  Abgabe 
des  Verkäufers  ,für  die  beim  Abladen  ihm  angedeihende 
Hülfsleistung  und  für  den  Gebrauch  des  zum  Kornhaus 
gehörigen  Geschirrs.  Von  einem  Wagen  voll  Frucht 
von  5  ä  10  Säcken  beträgt  es  2  Btzn.-  Z  Mein.  1801,  31. 
.Dem  Sjianner  gebührt  das  gewöhnliche  Wägeligeld, 
wenn  die  abgeladenen  Waaren  durch  die  Spanner  ins 
Kaufhaus  geführt  werden.'  S  Kaufhausordn.  1834.  Vgl. 
Abhider-G. 

Weg-:  Abgabe  für  Benutzung  von  Strassen  mit 
Pferden  und  Wagen,  Weggebühr.  Die  Fürleiti  oder 
das  W.  vom  Kaufinaiinsgut  sei  nicht  eine  Neuerung, 
sondern  von  Alters  herkommen.  1491,  Absch.  ,Sovil 
das  W.-Gelt  belang,  habend  sy  mit  machen  und  uf- 
haltung  [Unterhalt]  der  Strassen  gi-ossen  schaden,  es 
gebe  ouch  sonst  mengklicher  söllichs  mit  dank  von 
wegen  der  gueten  strass  und  sygend  sy  gefrygt  und 
befüegt,  das  ufzesetzen  und  ynzengmen.'  1570,  ebd. 
Vgl.  Bltmer,  kg.  2,  '289.  —  Erst  durch  die  Bundesver- 
fassiiug  von  1848   mit  den  übrigen  Zollgebühren  aufgehoben. 

Wecker-:  vormals  an  die  Schaar-  und  Nacht- 
wächter in  ZWthur  bezahlte  Erkenntlichkeit  Solcher, 
wek-IiL'  .<irh  Villi  ihnen  wecken  Hessen.  —  Wald-: 
unter  Axr  eiii/rliirii  Berechtigten  verteilter  Ertrag  des 
GeiiKiin\.ililr-.  Wenn  su  ml  Tanne  (fsi'  sind,  da  hat 
dvcli  d'  übendliimj  [die  Oberallmendgenossenschaft] 
recht  (/schwind  welle"  W.  usteile".  Schw  Fasnacht  1869. 
—  Wolf-:  Schussgeld  für  die  Erlegung  von  Wölfen. 
XVin,  Gßh,  Kechn.  Syn.  W-Kösting.  —  Anwalt-: 
an  den  bevollmächtigten  Vertreter  in  Prozessachcn 
bezahlte  Gebühr.  1719,  Bs  Rq'. 

Gewalt-:  für  die  Gewährung  und  Eintragung  eines 
Bevollmächtigten  an  das  Gericht  zu  bezahlende  Pro- 
zessgebühr.  1719,  Bs  Eq.    -    Gewalt,  Vollmacht. 

Tagwan-  resp.  Tauen-:  Geldäquivalent  für  schul- 
dige Frohntagewerke.  Brückner.  —  Win-:  l.  =  Iieb-G. 
1530,  Bs  Rq.  —  2.  an  die  Chorherren  von  LMünst. 
statt  des  Weins  aus  den  Rebbergen  des  Stifts  nach 
deren  Verkauf  verteilte  Geldspende.  XVI.,  MEstebm. 
1876.  —  Weri-:  Steuer  zu  Erstellung  und  Unterhalt 
von  Schutzwehren  an  Flüssen.  Mehrfach  1619,  Absou. 
(für  die  it.  Vogteien);  vgl.  V  2,  1832  ff.  —  Werch-: 
Beitrag  der  Alpgenossen  an  die  Auslagen  für  die  Ver- 
besserung der  Alpen.     ,I)ass  jährlich   ein  jeder,   der 

Schweiz.  Idiotikon  11. 


daselbsten  Vych  sommert,  von  einer  jeden  Kuh,  so 
er  besetzt,  zween  Kr.  W.  geben  solle.'  1749,  Alpb. 
BEngstlen.  ,Das  Werk-G.  soll  sich  für  Arbeiten  auf 
der  Alp  verwenden.'  1854,  ebd.  S.  B&t-,  Schwend-G. 
—  Warnung-:  Gebühr  für  die  3  Warnungen  vor  der 
Pfändung  in  Concursfällen ;  It  Z  Stadt-  u.  Landr.  1715 
von  dem  Kläger  an  den  Gerichtsweibel  (beim  Stadt- 
gericht) zu  bezahlen,  mit  späterm  Regress  auf  den 
Schuldner;  auch  Warner-Lohn.  —  Wart-:  1.  jähr- 
liches Einkoumien  eines  Wartners  oder  Exspektanten 
(auf  eine  Pfründe,  eine  Stelle).  ,G'macht  han  ich  den 
verstand  [Übereinkommen]  mit  dem  herzogen  von  Mei- 
land,  dass  er  mir  järlich  w-t  git,  tusig  gueter  dicken 
Pfenning.'  Eüef  1538.  Von  einem  akademischen  Lehrer 
in  Bs.  1641,  Abscb.  —  2.  jährliche,  fixe  Besoldung  ge- 
wisser Angestellter  im  Gegs.  zu  den  ihnen  im  gegebenen 
Fall  zufliessenden  Sportein,  so  der  Ärzte,  Hebammen, 
Trommler  u.a.  VOrte;  Z;  „Gl;  Gr."  Von  Soldaten, 
die  gegen  Versprechung  eines  W-es  geworben  wurden 
und  darum  W. -Gelter  hiessen.  1653,  Heusler.  Vom 
Scharfrichter.  1736,  Absch.  u.  ö.  im  XVIII.  Als  Wort- 
spiel mit  der  gewöhnl.  Bed.  von  , warten'  in  der  RA. : 
/''■  hä"  kei"  W.,  habe  keine  Lust  zu  w.  ZWetz.  — 
Wase"-:  an  den  Scharfrichter  als  Wasenmeister  von 
den  Gemeinden  für  das  Verscharren  gefallener  Tiere 
bezahlte  Gebühr  Zef.  —  Wasser-:  Wasserzoll,  beim 
Schloss  ScHwGrynau  für  die  Instandhaltung  des  Linth- 
Fahrwassers  ehemals  entrichtet;  vgl.  Schw  Staatsver- 
inögen  S.  95  ff. 

W  isi-:  Abgabe  an  den  Grundherrn  bei  der  visitatio 
seiner  Güter.  1533,  Egli,  Act.  (ZHöngg).  S.  Wisat, 
W.-Haher,  -Kernen,  -Käs  u.  a. ;  Wlsunt/.  —  Mhd.  ics«e», 
nach  Etwas  sehen,  besuchen.    S.  noch    tfist. 

Verwisungs-Gelder:  die  aus  der  Versteigerung 
der  .\ktiven  in  C'oncursen  oder  Erbfällen  herrühren- 
den, in  It  Gantrodel  bestimmten  Terminen  fälligen 
Summen,  welche  den  Gläubigern  resp.  Erben  für  ihre 
Forderungen  angewiesen  wurden.  Häutig  in  den  Bs 
Rq.  unter  den  privilegierten  Forderungen  genannt. 
YgLErbs-,  Gant-G.  u.  s.  verwlsen.  —  Zuber-:  neben 
dem  ,Wag-  und  Kranch-G.'  für  Konstanz  genannte 
Abgabe  von  flüssigen  Dingen,  die  mit  dem  Zuber  ge- 
messen wurden.  1740.  Auscii.  Vgl.  Mass-,  Mess-G.  — 
DriziM  liiiii -:  Al.-alM-,  wrlche  die  Gemeinde  ZHorg. 
jährli.  h  .1-11  l::  i;-j,\  M-tcn  für  die  Bewachung  des 
Albih'iKluutr^  .Uli!  ,\,-r  ll'^i;-  bezahlen  musste.  —  In- 
zng-  =  iitztiij  s.  d.  —  Zal-:  Abgabe  nach  der  An- 
zahl, statt  nach  dem  Mass  oder  dem  Gewichte,  von 
Kaulmannswaaren.  ,Damit  dem  Immi,  Zahl-  und  Haus- 
gelt, wie  auch  dem  Zohl  und  andern  Gefällen  Nichts 
zustossen  füge.'  1700,  Z  Mand.  —  Zunft-:  Beitrag 
der  Zunftgenossen  an  die  Zunftkasse;  in  Bs  neben 
dem  , Stuben-'  und  ,Bü-G.'  genannt  (Geering). 

Zapfen-:  Abgabe  vom  Wein,  der  vom  , Zapfen' 
geschenkt  wird.  ,Es  sollen  die  bisherigen  Tafern- 
und  Z-er  jährlich  richtig  bezahlt  werden.'  1797,  G.  - 
Xiijifen,  auch  =  geringere  Schenke. 

Hochzit-:  als  Einnahmeposten  in  den  Besoldungs- 
ansätzen der  Ratsschreiber  aufgeführt.  XIV.,  Ochs  2, 
432.  —  Vgl.  die  Hochzeitgebühreu,  welche  heiratende  Zuuft- 
genossen  an  die  Zunftkasse  zu  zahlen  hatten. 

Zwing-:  Einzugs-,  Niederlassungsgebühr.  ,We- 
licher  in  disen  zwing  uf  des  gottshus  lechen  ziehen 
will,  derselbig  soll  zuo  rechtem  ynzug  oder  zw.-gelt 
erlegen  10  fl.'  1568,  Oft'n.  ÄABünzen. 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


üs-gelte":  an  Haarschaft  auskommen  BO.;  Nnw. 
Syn.  ernüechteren. 

Ubergelderet:  reichlich  mit  Baargeld  versehen 
ZMönch. 

Göltll,  Gelte"  m.:  1.  „(PI.)  Gläubiger.  ,Sein  Ver- 
mögen den  gemeinen  G-en  darschlän'  B",  sich  insolvent 
erklären.  Sl"  Sach  de"  G-'  darschlän,  omnibus  bonis 
cedere.'  Id.  B.  Me'  vmes'  Alze  [Alles]  de"  G-e"  ge" 
[für  Zinse];  d'  G-e"  fresse"  im  [ihm]  Alze  treg,  die 
Zinsen  (Gläubiger)  verzehren  den  ganzen  Ertrag  seines 
Gutes  BSi.  Ein  Vater,  welcher  Butter  zum  Verkauf 
machte,  soll  seinen  Kindern,  die  Kahm  lecken  wollten, 
zugerufen  haben:  Hörid  lecke",  sustnemmen-is  d' G-e" 
ds  Hus.  BEi.  Er  ist  i"  de"  G-e",  ist  i"  d'  G-e"  cho", 
den  Creditoren  anheimgefallen  Ndw.  I"  G-e"  cho", 
ins  Falliment  UwE.;  vgl.  Gelt  I  1.  (B')  G-e"  ange" 
[angeben] :  aus  Furcht  und  Schrecken  plötzlich  Alles 
bekennen  BHk.;  laut  zu  schreien  und  zu  klagen  an- 
fangen BHk.,  Ei.,  8i.;  schreien,  aufreden  (wenn  es 
recht  ,gelten'  soll?)  BHa.;  lebhaftes  Verlangen  und 
Freude  laut  kund  geben,  auch  von  Haustieren,  z.  B. 
wenn  der  lang  ausgeblielH'iic  Hiiti>  den  Stall  betritt 
BEi.  ,Wirt  ein  burger  lirkla-t  umlie  gelt  und  im 
denne  du  stat  verbotten  wirt  vt.ii  .les  rates  buosse 
und  umb  des  klegers  gelt,  der  selbe  gelte  mag  in 
darumbe  fahen,  also  dass  er  in  nit  letze  an  dem 
lybe.'  Z  Eßr.  1304.  ,Unser  burger  sollen  vor  allen 
frömbden  g-en  bezahlt  werden  [bei  einem  Concurs].' 
1480,  L.  ,So  jeman  fürbrächte,  dass  er  umb  syn  schuld 
pfand  hätte,  der  soll  vor  allen  g-en  gan  und  bezalt 
werden.'  ebd.  .\\  "  liii  uilt  einem  Schuldner  uf  die 
pfand,  die  er  im  irr.irllt  l,:iite,  butte.'  1489,  L.  ,0b 
ein  iiffal  uf  eins  umun^  ,-u..l  Ix/schicht,  dass  dann  syn 
cfn'inv.  ol,  sy  das  begert,  vor  allen  g-en  umb  ir  zuo- 
lji:[rlit  i;uni,  iiiiirgcngab  und  erecht  ussgericht  werden 
soll-  ]  l'.is.  7.  Iv'atsver.  ,Es  soll  der  rechte  gelt  das 
geld  von  synem  Schuldner  ziechen.'  1527,  Aa  Wst. 
,Wenn  ein  mensch  ligt  im  todbett,  der  mag  gen  10  pfd, 
wem  er  will,  doch  synen  g-en  on  schaden.'  ebd.  ,Es 
soll  niemand  khein  gemächt  tuon  noch  machen  von 
kheinem  synem  guot,  dann  synen  rechten  g-en  das 
unschädlich  sye.'  1539,  BThun.  .Die  gemeinen  Gelten 
oder  Ansprecher.'  1706/65,  L  Stadtr.  —  2.  „Schuldner 
B."  Das  Mandeli  [Winnchen]  was  grusam  gitigs,  und 
tcenn  's  hat  eine"  von  sinen  G-en  chönnen  chlämpnen 
[klemmen],  so  hät's-mu  [ihm]  nüt  'borget  [geschont] 
BSa.  (Scbwzd.).  —  3.  Bürge  und  Selbstzahler.  ,Es 
soll  nieman  den  andern  pfenden,  er  sy  danne  g.  oder 
bürge.'  1315,  Absch.  ,Gelt  lychen  uf  g-en,  bürgen 
und  uf  brief  und  gyselschaft.'  1400,  Z.  ,Niemand  soll 
den  andern  pfänden  oder  verbieten  ausser  den  rechten 
g-en  und  den  unlougenhaften  bürgen.'  1543,  Absch. 
.Welcher  einem  Anderen  einfaltig  Bürg  und  Nachwähr 
wirt.  da  soll  von  erstem  der  rechte  Hauptschuldner 
angriffen  werden.  Aber  welcher  Bürg  und  Gelt  wirt, 
so  mag  der,  dem  die  Schuld  gehört,  einen  solchen 
Bürg  und  Gelt  vor,  mit  oder  nach  dem  Hauptschuldner 
angreifen  wie  er  will'  1659,  B.  ,Die  Unterpfänder  samt 
den  Mitbürgen  und  Gölten  darstellen.'  ebd.  , Gegen 
Jemanden  Gelt  oder  Bürg   werden.'  L  Stadtr.  1765. 

Mhd.  gälte  in.,  Zahler,  Bürge;  Gläubiger.  Die  Bedd. 
.Schuldner'  und  ,Gläubiger'  verhalten  sich  wie  Gelt:  ,Schnld' 
und  ,Einkommen'.  gemäss  der  Wechselseitigkeit  aller  solcher 
Rechtsverhältnisse;  vgl.  mhd.  rehi  auch:  Pflicht.  Die  Bcd. 
.Gläubiger'  ist  in  den  vorangestellten  B  RAA.  noch  deutlich 


erhalten;  bei  den  Uw  muss  man  wol  m  i.  S.  v.  ,in  der  (die) 
Hand,  Gewalt  (der  Gläubiger)'  auffassen.  Die  merkwürdige 
BO.  RA.  (die)  G.  a'ye"  bedeutet  wol  «rspr.  die  verzweifelte 
ökonomische  Lage  eines  Mannes,  der  sieh  nicht  mehr  anders 
zu  helfen  weiss  als  mit  offener  Angabo  aller  seiner  Gläu- 
biger resp.  Schulden  (was  in  Ap  Gülte"  a'iß"  heisst,  s.  GüU), 
Hod  der  ein  solches  Bekenutniss  natürlich  mit  Jammer  und 
Wehklage  begleitet.  In  der  erweiterten  Bed.  ,Iaut  schreien' 
übh.  und  dann  sogar  .Freude  laut  kund  geben'  muss  jene 
Gruudbed.  ganz  erloschen  sein.  —  In  einigen  Stelleu  der 
ä.  Rechtsquellen,  wo  die  Verbindung  ,vor  allen  Gelten'  oder 
,deu  rechten  Gelten  unschädlich'  vorkommt,  könnte  G.  auch 
den  sächlichen  Begriff  von  Zahlungs-  od.  Schuldverpflichtung 
(Geh  1  1)  haben,  aber  soust  ganz  ähnliche  andere  Stellen 
verlangen  deutlich  die  persönliche  Aufi'assung.  Immerhin 
mögen  später  die  beiden  WW.  sich  teilweise  vermischt  haben 
und  mag  daraus  ein  fem.  Gelte  (Schuld)  entsprungen  sein. 
S.   Anm.  zu    Gelt  1. 

gelt  BSi.;VORTE;  Gl;  Gr;  G,  gell  Aa;  ApK..  M.; 
Bs;  BU.;  F;  ScH;  S;  Z.  gij,  auch  ge  gell  ZO.,  gelta, 
göHta,  gella  ApH.,  in  der  Anrede  an  eine  Mehrzahl: 
g-et  (-ed,  -it,  -id,  -end,  -e"J,  selten  gend  (Spillm.) : 
1.  Fragew.  mit  Erwartung  oder  Voraussetzung  zustim- 
mender Antwort  i.  S.  v.  nicht  wahr?  G.  Vater,  g. 
Miieta;  schäm  Meiteli  bin  i'':  Ap  Volkslied.  Gelten, 
i  mach-ich  hütt  warm  [sagt  die  Sonne].  Allem.  1843. 
,Gelt,  gelt,  ich  hab's  fry  eben  troffen!  gelten,  ich  bin 
bald  wider  kon?'  HsRMan.  .Gelt,  du  bist  gsyn  so 
vermessen.'  Euef  1550.  ,Geltend?'  Lied  1669.  ,Gället?' 
HPest.  1785.  Hieher  gehört  auch  das  alte  und  weiter 
verbreitete  Wortspiel:  Er  sät  au"":  Gelt  du  bist-mer 
lab?  Met  er  denn  's  Geld  g'mänt  oder  's  Wyb,  wäss-i 
nüd.  Merz.  ,Er  sagt  auch:  Geld,  du  bist  mir  lieb; 
und  dann  soll  Eine  verstehen  :  Gell,  du  bist  mir  lieb!' 
GoTTH.  Geldß)  dich  hän  ich  lieb?  U.  .Gelt,  du  bist 
mir  Heb.  (Wer  Gut  hat,  hat  Freund).'  Sylloge  1676. 
—  2.  mehr  Ausruf  wort,  oft  als  .Ausdruck  des  Eecht- 
habens  in  Bez.  auf  eine  Voraus.sagung,  die  sich  be- 
stätigt hat,  zuweilen  nicht  ohne  einige  Schadenfreude. 
Geltid,  i'*  han-ech 's  voröusg'seit!  UwE.  Gell,  er  hät- 
der's  g'seit!  dir  den  Text  gelesen  G;  Z.  Daher  dann 
Zuruf  des  Spottes:  Ge,  ge,  i''"  ha"  di-''  möge"  [dich 
überwältigt]!  ZO.  —  3.  der  Sinn  von  1  und  2  wird 
verstärkt  oder  nuanciert  durch  vor-  oder  nachgesetzte 
Partikeln,  welche  jedoch  (ausg.  hä!)  schwächer  betont 
sind,  a)  vorgesetzt:  aber  g..'  (Verwunderung)  Z. 
während  umgekehrt  g.  aber?  oft  nur  lebhaftere  Frage 
resp.  erwartete  Zustimmung  bedeutet  ZSth.  Ja  g. 
Gl;  L;  Z.  —  b)  nachgesetzt.  G.  echt?  ist  das  denn 
möglich?  AASeeng.  Syn.  g'wüss  au"''!  G.  au"''!  Ver- 
wunderung Aa;  Gl;  Gr;  L;  Sohw;  Th  ;  Z.  G.  aw'',  der 
Franz!  [wenn  man  eine  erstaunliche  Neuigkeit  über 
Fr.  in  Erfahrung  gebracht  hat].  G.  iez!  i.  S.  v.  Eecht 
haben  (s.  o.)  G;  Z;  ebenso  g.  hä?  Gl;  Z,  z.B.  wenn 
man  durch  eine  eigene  Leistung  die  Erwartung  des 
Andern  übertrotfen  zu  haben  meint.  .G.  ja?  nonne?' 
Id.  B.     G.  nei"?  B;  vgl.  gell-du  nüd  [nicht]?  ZO. 

Gelt  ist  die  (in  unserer  MA.  regelrecht)  verk.  3.  P.  Sg. 
Conj.  des  Vbs  gelten  i.  S.  v.  ,es  mag,  soll  gelten',  fragend: 
,mag,  soll  es  g.V'  Wie  sich  von  hier  aus  der  Gebrauch  und 
Sinn  weiter  entwickelt  resp.  verflüchtigt  hat,  s.  bei  Gr.  WB. 
IV  1,  2,  3053  fi'..  welchem  wir  folgende  Belege  über  die  Ver- 
bindung g.  wo,  mit  und  ohne  Negation,  beifügen.  .Gieif  ihn 
an.  gelt  wo  er  dich  nicht  schelten  werde!'  =  was  gilt's,  er 
wird  usw.  Z  Bibel  1560.  ,Nüt  haben  ist  ein  rühwige  Sach; 
gäll  wo  ich  also  umben  laufen  müess'  (Schimpfr.  1651),  sagt 
spöttisch  der  den  Bauersleuten  müssig  zuschauende  Bettler, 
etwa  1.  S.  V.  .wahrlich,  wenn  ich  .  .  .  sollte,    so  würde  ich 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


278 


lieh    bedanke 


,j.lH 


1.  Vgl.  auch  uoch  gdlKii.  In  der  Ap  Form 
Yoc.  ein  späteres  Anhängsel  sein,  wo  nicht 
Rest  des  mhd.  inteiject.  -u  an  Imperativen,  viell.  nur  zu 
dem  Zwecli,  dem  W.  uielir  Fülle  und  Klang  zu  geben.  Assi- 
milation von  ausl.  -Ii  in  U  ist  zwar  in  unsern  MAA.  nicht 
Kegel,  konnte  aber  in  diesem  Fall  eintreten,  wenn  der  urspr. 
Sinn  der  Form  erloschen  war.  Dass  endlich  ein  zur  Partikel 
gewordenes  Vb.  doch  wieder  verbal  aufgefasst  werden  und 
eine  2.  P.  PI.  bilden  konnte,  findet  tw.  Parallelen  am  got. 
Iiirjith  (kommt)  hieher;  von  hiri,  her,  und  an  dem  genau  ent- 
sprechenden gr.  Seüxe!  von  Seüpo;  näher  allerdings  an  unserm 
send!  nehmet  hin!  (frz.   («i«.')  vom  Sg.  se!  nimm. 

gelte"  -  Cond.  gOltCiJ,  gult(i),  in  LM.  golt;  Ptc. 
lulte':  A.  intr.  1.  gültig  sein,  Geltung  haben,  einer 
Bestimmung  entsprechen;  im  Ganzen  wie  nhd.  und 
allg.  a)  absol.  z.  B.  von  Spielregeln.  Bas  gilt  (nüd). 
Gelegentlich  auch  von  Regeln  der  Sitte,  Formen  des 
geselligen  Verkehrs.  ,N.  habe  N'  auf  das  Fenster- 
gesims hinuntergedrückt;  hierauf  habe  N'  geäussert, 
ob  es  so  gelte,  das  sei  niederträchtig  und  schlecht' 
Z  Eechtspfl.  Selten  einmal  refl.  Bas  gilt-si"''  nüd  B 
(wahrsch.  nach  Analogie  von:  ,es  fragt  sich,  versteht 
sich').  Bes.  bei  Abreden  und  Wetten.  Er  sclilöt  uf 
der  Stell  i'  und  sät  [sagt]:  es  soll  g.!  Er  nimmt 
d'  Wett  sofort  a',  chlöpft  l'  und  sät:  's  hat  scho" 
g'golte"!  Th  (Schwzd.).  ,Es  soll  gegulten  haben:  ratum 
hoc,  fixum,  firmum  sit.'  Hosp.  1683.  Es  soll  es  Wett  g. 
BRi.  (S.  u.  2).  Es  seil  g.  (beim  Zutrinken  Duzens 
machen  udgl.)  Aa;  Z.  Wo  gilt's?  wohin  müssen  wir 
gehen '?  Es  hat  g'gulte"  go"  holze",  man  war  zu  Arbeit 
im  Walde  aufgeboten  oder  bestellt  Z.  Übertr.  auf  die 
ernstliche  Betreibung  eines  Geschäftes.  lez  gilt  's 
(-^ne'J  emäl,  lassen  sie  sich's  angelegen  sein,  z.  B.  bei 
der  Heuernte,  wenn  Gewitter  droht.  Potz  Tüsigl  es 
gilt-em,  er  zeigt  grossen  Eifer,  macht  sich  energisch 
daran;  auch,  er  strengt  sich  an,  zur  Geltung  zu  kom- 
men, Effekt  zumachen,  z.B.  durch  gesuchte  Toilette  Z. 
Uf  G.  Gr;  GWa.;  geltis  Ap;  z'  Giltis,  z'  Geltem  B,  im 
Ernst,  auf  die  Dauer,  z.B.  , Etwas  auf  G.  geschenkt 
haben  [zum  Behalten]  Gr;'-  GWa.  Syn.  geltigs;  ye- 
u-ünnens;  u.  s.  gilltig.  Einticeders  chunnd  Tobias  uss 
Amerika  z'ritck,  laber  [oder  dann]  se  lad  er  schich  dert 
uf  G.  nider.  (Tsch.)  Bu  hiist-mi"''  uf  G.  g'seh",  ein 
für  alle  Mal,  zum  letzten  Mal.  Uf  Büte"  und  G.  ver- 
löre" gä",  gänzlich,  unrettbar,  sicherlich  Gr  (Schwzd.). 
Uf  Cr.  spile',  um  einen  gewissen  Einsatz,  um  Geld. 
G.  lä",  1)  von  Personen,  unangefochten,  ungehindert 
lassen,  Raum  gewähren,  z.  B.  d'  Sü  IM  Ein"  nid  g., 
tvemme'  wott  de'  Stal  usemiste'  AiKais.  Achtung 
zollen.  Lass  du  d'  Börfler  la'  g.,  es  het  au"''  hravi 
Manndli  drunder  Schw.  Bo  stöt  emöl  en  Galler  dö, 
me'  het-e'  Nübis  [Etwas]  g:  lö.  Merz.  ,Will  man, 
dass  der  Kaiser  kein  Stecher  sei,  so  sagt  man  bloss, 
man  lasse  ihn  Wurf  g.,  d.  h.  er  sei  die  Zehn  seiner 
Farbe.'  L  Kaiserspiel.  —  2)  von  Sachen,  a)  z.  B.  eine 
Behauptung,  zugeben  (wie  nhd.).  allg.  —  ß)  bleiben 
lassen,  ein  Tun,  i.  S.  v.  unterlassen  oder  davon  ab- 
lassen Aa;  Gl;  Uw;  Z.  Z.B.  zu  Streitenden  wird 
gesagt:  Lönd  's  [lasst  es]  iez  g.!  oder  zu  Einem,  der 
Complimente  macht:  Lass  das  g.!  lass  gut  sein.  F'' 
vrill  's  Flueche"  la"  g.  UwE.  Oft  mit  pleonastisch 
wiederholtem  lä".  Er  lät  's  Arbeite"  la'  g.,  hat  damit 
aufgehört  UwE.  Lass 's  iez  lo  g.!  Aä;  Z.  —  b)  mit 
zugesetztem  Dat.  P.,  für  welche  Etwas  g.  soll.  Bas 
Glich  söll-mer  aif*  g'gulte"  ha',  das  Selbe  ist  auch 
meine   Meinung,    das    Selbe    wollte   auch   ich    gesagt 


haben  Gl.  Bes.  beim  Zutrinken:  Es  gilt-der  (gilt-echj 
(Ei's)!  propino  tibi  hunc  cyathum.  Id.  B.  Wenn  man 
(sitzend)  einem  Andern  (der  kommt)  das  Glas  reicht, 
nachdem  man  selbst  daraus  getrunken  Bs;  B.  Syn. 
(z')  G'sundheit !  Es  gilt-d'r,  chumm  u  tue  Eis  B' scheid! 
GoTTH.  Seh,  Benz,  hock,  es  gilt-d'r,  es  gilt-d'r!  Sonn- 
tagspost, 's  gilt  im  Her  [dem  Pfarrer],  i  gimmer  [gebe 
mir]  d'  Er.  Breitenst.  —  '2.  wert  sein,  einen  Wert 
haben,  als  Preis  auf  dem  Spiele  stehen,  mit  Acc.  der 
Wertbestimmung.  So  bes.  von  Wetten,  eig.  und  bildl.. 
vgl.  1  a.  Was  gilt's?  auch:  icas  giltsed?  Gl;  heraus- 
fordernd od.  droliend :  quos  ego !  GA.  Gilt  's  10  Taler, 
du  cha"'st  das  nüd?  Id.  B.  Es  soll  e  Mass  (Wi'J  g.! 
,Es  gelte  jetzt  nicht  mehr  ein  riemen,  sunder  die  ganze 
hüt.'  1531,  Striokl.,  Act.  ,Was  gilt's!  jez  sei  ich  vor 
dir  gnesen!'  sagt  Kain  nach  dem  Totschlag.  Ruep  1550. 
,Was  gelt's,  gotts  gricht  werd  jetz  erfüllt.'  ebd.  Abge- 
schwächt zur  Formel  der  Verwunderung  i.  S.  v.  geltet 
(s.  0.  gelt):  Was  geltsid  aw"*,  wie  ist  das  en  Kerli! 
GSa.  (Albrecht).  Auf  dem  Markt  einen  Preis  haben, 
z.  B.  der  Eimer  Wein  gilt  (so  und  so  viel),  allg.  Auch 
von  Menschen  in  der  Gesellschaft:  geachtet,  geschätzt 
sein;  vgl.  gelten  lan.  E'  lede  gilt  so  vil,  a's  er  weis' 
(a's  er  hed,  a's  er  cha"),  sobald  's  d'  Lüt  merke"  L.  — 
3.  (unpers.)  laut,  lebhaft,  lärmend  hergehen  VOrte;  Z. 
Bas  gilt!  Bas  gilt  aw''!  's  häd  hinecht  wider  emäl  schön 
g'gulte'  bim  Wirtshüs.  Bim  Abschidhet  's  Eis  g'gulte', 
Tränen  gekostet  Z.  Es  gilt  um  Öppis,  es  herrscht 
starke  Nachfrage  darnach,  es  werden  hohe  Preise  ge- 
boten Z;  Syn.  (/äw.  —  B.  trs.  1.  eintragen  (Gewinn). 
,Si  spann,  verkouft  das  garn,  das  galt  iren  [ihr]  vil.' 
Platt.  1572.  ,Es  galt  iren  wenig  z'  Ion.'  ebd.  ,Da3 
guet  gilt  jerlich  1  mltr.  [Zins].'  Jahrzeitb.  LHitzk. 
—  2.  bezahlen  (Schulden,  schuldigen  Zins);  auch; 
ersetzen,  vergüten;  vergelten.  ,Dass  er  [der  fort- 
ziehen will]  von  der  Stadt  nicht  kere,  er  habe  danne 
vor  [vorher]  allen  burgern  vergulten,  den""  er  g.  soll.' 
Z  RBr.  1304.  ,Und  swas  schaden  dem  kleger  ist  be- 
schehen,  den  soll  man  im  allen  g.'  ebd.  ,Soll  ich  im 
ütsüt,  das  gilt  ich.'  Boner.  ,Der  mit  übel  giltet  guot, 
das  man  im  dur'^''  triwe  tuet;  der  mit  der  gallen  bitter- 
keit  gilt  des  honges  süessekeit.'  ebd.  .Wollte  [die 
Frau]  den  dritten  pfenn.  nit  gelten  der  schuld,  so  ir 
mann  schuldig  ist.'  1435,  Offn.  ZBinz.  ,Man  gebeut 
zuo  g.  in  8  Tagen;  wer  nicht  innert  8  T.  wert,  der 
soll  Pfänder  geben.'  Offn.  AAFahr  XV.,  bezw.  1749. 
Eine  Frau  soll  beim  Tod  oder  Concurs  ihres  Mannes 
ihre  Morgengabe  und  Aussteuer  vorausnehmen,  mit 
dem  Übrigen  aber  einstehen.  ,Wär  aber  ir  heischstür 
[Aussteuer]  uf  des  manns  guet  geschlagen,  so  soll  si 
den  dritten  pfenn.  von  aller  farenden  hab  niimen  und 
damit  ungulten  usgän  [aller  Zahlungspflicht  ledig  sein].' 
1490,  Urb.  AaB.  .Alsdann  mag  die  frow  nit  gezwungen 
werden,  ir  guot  für  den  mann  ze  geben  noch  ze  g.' 
c.  1520,  Bs  Rq.  II  487.  ,Wer  dem  andern  g.  soll,  es 
sye  zins  oder  andre  schuld,  so  einer  nüt  den  andren 
bezalte,  soll  einer  zue  eim  sagen:  Bis  pfent  [sei  ge- 
pfändet]!' 1538,  SoHW.  ,Wir  band  bishar  gelebt  im 
süs,  so  wir  aber  sollend  g.,  hebt  sich  ein  lestren  und 
schelten.'  HsRMan.  .Er  soll  vil  g.,  er  ist  in  grossen 
schulden.'  Mal.  ,Beitrag,  den  jeder  neuerwählte  Pfarrer 
bei  seiner  Aufnahme  in  die  Classe  zu  g.  schuldig  ist.' 
ZKyb.  Capitels-Gesetze,  erneuert  i.  J.  1809. 

Mhd.  gelten,  zurückerstatten,  entschädigen,  eintragen,  be- 
zahlen; Preis,  Wert  haben,  kosten;  engl,   lu  ijiihl.    Die  trs. 


Galt,  gelt,  gilt,  g.ilt.  gult 


Bed.  (B)  ist  die  ältere.  B  1  und  2  Terhalten  sich  wie  die 
entsprechenden  Bedd.  des  Subst.  Gilt:  Einkommen  nnd  Sclinld. 
A  3  beruht  auf  AI;  die  vermittelnde  Vorstellung  scheint 
die  der  Entscheidung,  des  ernstlichen  Kampfes  um  dieselbe, 
welche  mit  Anstrengung  aller  Kraft«  und  Wettstreit  ver- 
bunden ist,  wobei  allerdings  auch  der  Begriff  des  Wertvollen 
(A  2  b)  mitspielt.  Srlt^nm   ist  die  Erweiterung  von  gilfs 

in  giltsed;  sie  mxvj  •■\,u-  A.  ii|i,i'  kiing  der  Formel  was  gilt's: 
mit  dem  Sp.  276  l.rliuhl,  li,  n  ,,;(,/.■  sein.  Was  yeJt's  ist  die 
ältere  und  richtignr  r,i,i|„i„tiv-Forni,  i.  S.  v. :  was  soll  es 
gelten?  Vgl.  Anm,  zu  yili.  (IiIHk  i^i,ih_"i  ist  dfr  Gen.  des 
Inf.  wie  Fahh  usw.  Z'  Geltem  (Zyrnl  ,iiir  s.  IKame  Ver- 
quickung nach  Anal,  der  in  B  MAA.  iMlitlitrii  A'lv.-Furmeln 
aus  ze  mit  Dat.  Ntr.  eines  Adj.,  z.B.  zrjm:hu:m,  in  ge- 
rechter Weise. 

an -gelten:  ,als  rechtsgiltig  errichten.'  (Götz.). 
,Darnm  man  sölicher  gaben  halb  Charten  a.  und  stellen 
lassen.'  Vad.  I  122. 

ent  (et,  ekj-  Gl;  Gr;  Z,  er-  Aa;  Ap;  LG.;  7,Bauma. 
Ner.,  ert-  Ndw:  1.  üble  (soltoii:  q-nte1  Fnlfren  >-\s:urn 
oder  fremden  Tuns  erfaluvn,  S.lml.l  ••d.v  Xarhtril 
tragen  Gl.  Mit  Gen.  .mI.t  Arr.  s.  :  /),,■  r'.,l,„l,li.i 
hätt's  müessen  e.  Me  muc^s^«  li,  n  \^ih.  Jcs.seiiJ  uft  eil 
e.,  von  dem  mc  sclii  [si(li|  »<;,/,/  nrmiKj  [wofür  man 
wenig  kann,  woran  man  w.ni-  Srhuld  ist]  GRPr. 
(Schwzd.).  ,Der  recht  f;-rtaii  li'-tt,  .lor  geniesse  syn; 
der  unrecht  g.  h.,  der  engelte  syn  [büsse  dafür].' 
1444,  Absch.  ,Dess  er  aber  schwerlich  möcht  cntg. 
[Nutzen  haben].'  1523,  Strickl.  ,Wie  können  si  [die 
Kinder]  in  muoterlyb  Sünden  oder  der  sünd  irer  eiteren 
erg.  und  teilhaftig  werden?'  155.3,  G  Stiftsarch.  ,Es 
soll  kein  kind  synes  vaters  oder  syner  nmoter  tod 
entg.-  [au.'h  wniii  .11. sr  .in.,  zu  .it."  Kli..  -vsclilossen 
undKin.l.'V  nns.l. TS.  Ih. Ml  .'!■/. 'u-l  ]i;ili.ii|.  l.'.'.'l.  Landr. 
AAMölinl..  .M.'iishns.Mi  Init  .l.^s  Kii._',i;s  ul...'!  .Mitgolten. 
dann  es  v.il.r.Mint  ist  worden.'  JJRüeger  1606.  ,Sy 
au.;li  .l.'ss.  11  in  allweg  mehr  zu  geniessen  [Vorteil 
bali.'iil,  wo.l.T  [als]  zu  c.  haben.'  Z  Täuferber.  1639. 
Kefi. :  l)e  [du]  muest-dv''  desse'  Nid  erty.  Ndw.  Er 
magst'''  nid  etg.,   ist  nicht  Schuld   daran   Ap;  ScnSt. 

—  2.  (refl.)  vergelten.  Es  mag-si'''  nid  etg.,  es  lohnt 
sich  nicht  der  Mühe  Ar;  SiuiSt.  (Sulger).    Syn.  erliden. 

—  3.  jUnentgolten' :  ungestraft  oder  ohne  Nachteil. 
,Es  sönd  [sollen]  die  lüt  von  denen  von  Zürich  un- 
gefecht,  unersuocht  und  ganz  unentgulten  belyben.' 
Fründ.  ,0b  einer  einem  landvogt  in  geheim  anzeigte, 
dass  einer  bös  gehandelt  hett,  sollte  er  syns  anzöigens 
nn.'nt;;:..lt(Mi  lilybiMi.'  1530,  Abscii.  ,Die  selben  rechte 
l;i>s,  11.1  -.  s,  ln\  iisl.  i^il..  kind  in  die  e  unentg.  z'sammen 

Jllid.  ,  iiiihi.Ji.ii,  Ijizahlen,  Strafe  wofür  leiden,  büss.Mi: 
durch  Etw.  zu  Schaden  kommen;  unentgolten,  unb.'zalilt,  ..Im.' 
Zahlung,  Busse  zu  leisten;  ohne  in  Kosten  oder  S.lnul.ii  zu 
kommen.     Betr.  den  Wechsel  der  Präf.  ent-  und  .;■-  s.  Bd  1. 

—  In  einzelneu  Fällen  ist  zweifelhaft,  ob  si  aus  sidi  oder 
sin  verk.  ist,  und  wahrsch.  ist  das  erstere  aus  dem  letztem 
entstanden;  doch  kann  auch  das  z.  T.  syn.  sich  verliden  ein- 
gewirkt haben.  Das  Ptc.  mit  «n-  kann  von  2  i.  S.  v.  ,be- 
strafen'  abgel.  werden,  doch  eher  von  1,  da  das  adj.  Ptc. 
von  Vben,  die  mit  ,haben'  verbunden  werden,  auch  in  act.  S. 
gebraucht  wird ;  vgl.   ungegessen,  ungeschlafen,   ungebetel. 

Entgelt  n.:  Entschädigung.  ,Die  Geissbauern 
hatten  das  Entgeld  oder  Luoder  für  das  geschenkte 
Lattenholz  erhöht.'  1874,  Ndw  Volksbl.  ,One  einiges 
Entgelt.'  Z  Stadtger.  1715.  —  un-cntgelt-lich,  auch 
un-er-g.  Z :  1.  ohne  Entschädigung,  Lohn  Z.  —  2.  ohne 
Schaden.     .Inen   bi  400  mannen  unibbrächt   uns    un.' 


1499.  Zellw.,  ürk.  —  Entgeltniss,  -nuss  f.  (auch 
n.?):  1.  Busse  Gl.  Schaden,  Nachteil.  ,Si  machtend 
unruow,  die  wol  hättend  on  entgeltnuss  bi  ruowcn 
blyben  mögen.'  Vad.  I  316.  ,Ward  aber  bald  darnach 
on  entg.  widerum  ledig  g'lassen.'  ebd.  ,So  die  knaben 
zu  .studieren  nit  geschickt,  so  mögen  si  on  alle  e.  ab- 
stän  und  das  empfangene  gelt  nit  erlegen.'  1553,  Sch 
Ratsprot.  ,Ohne  sorg  ciniches  ungunsts  oder  e.'  Z 
Täuferber.  1639.  ,Dass  Spys  und  Trank  ohne  E.  des 
allgemeinen  Kostens  und  Landseckeis  allein  von  den 
Gästen  solle  bezalt  werden.'  1667,  Schw  LB.  —  2.  Ent- 
schädigung. ,Im  sollen  U.  H.  die  ersten  frücht  gen 
Costenz  one  syn  eng.  abzurichten  schuldig  syn.'  1512, 
Hi'BER,  Klingn. 

ver-gelten:  1.  wie  nbd.  Tergclt 's  Oott!  Dank- 
formel. Es  seit-cm  .Xii'iiirr  V.  dirfiir.  Niemand  weiss 
ihm  Dank.  I)'r  hrh  (,,,11  „-,11  's  /,.r,;.'//r",'  Gotth.  — 
2.  bezahlen;  mit  A..  ,  (s,  li.ii  \y.,i.]  1'.  (.'inen  Gläubiger 
befriedigen)  und  A. . .  .'^.  (.'in.'  S.luild  abtragen).  ,Der 
zins  dien  herren  jailich  .nie  alLjn  ufzog  soll  vergolten 
werden.'  1305,  li  Stuatsar.li.  .l.st  ouch  dass  jeman  als 
notig  wirt,  dass  er  den  lüten  nit  v.  mag  [zahlungs- 
unfähig wird].'  1313,  Z  Katserk.  Zur  Tilgung  rück- 
ständiger Zinse  solle  der  Schuldner  an  den  Gläubiger 
monatlich  1  Mütt  Kernen  entrichten,  ,unz  er  im  gänz- 
lich vergulte.'  1344,  Z  Urk.  ,Und  soll  man  da  eim  ze 
koufen  geben  ein  stein  anken  oder  ein  halben  oder  ein 
vierling  ungefarlich,  so  vil  er  v.  mag.'  1427,  ScnwMa. 
LB.  Von  Einem,  der  andern  ,lüten  schuldig  ist,  mag 
man  nützit  erben,  unz  syne  Schuldner  vergolten  sind.' 
1541,  Z.  ,Das  sy  den  armen  ire  käs  und  mulchen 
unvergulten  usstruogend.'  Kessl.  ,Der  Schlangenstein 
sye  nit  wol  zu  v.  von  syner  Tugend  wegen.'  RCys. 
Verabgabcn:  , Einer  von  des  abts  amptlüten  rauoss 
die  lynwat  verzollen  und  v.  als  ain  gast  [wie  ein 
Fremder].'  Vad.  —  3.  eintragen,  betragen.  ,Als  vil 
als  die  3  mütt  v.  mugent'  c.  1426,  Z  Urk.;  dafür  1387: 
,Die  übrigen  3  m.,  da  soll  der  Convent  davon  getröstet 
werden,  als  fer  es  mag  gelangen.'  —  Mhd.  bezahlen; 
eintragen. 

Vergeltung:  Entschädigung.  Der  abgesetzte  Abt 
behielt  sich  eine  jährliche  ,V.'  [Jahrgehalt,  Leibding] 
vor.  Vad. 

vor -gelten:  in  amplific.  Verbindung  mit  ,nach- 
ziehn'  =  vor-  und  nachhin  gilben  (s.  Bd  1  930).  ,Aus 
rachgirigem  eifer  und  dass  niemand  den  andern  ützit 
V.  noch  nachziechen  wollt.-   Xai,.  I    l'JS. 


'  i  d  e  r 


:  1.  =  V 

iiTz  1847 


Hins 


rkei 


■.!.•  einem  jeden  nach  seinen 
■n  l.arnilierzigen  ist  wider- 
:;-ulten.'  .l.ll'.niii.  l(l'_!!t.  .Wer  hat  Gott  vorhin  gegeben, 
dass  es  ihm  soll  widergolten  werden?'.  JMCll.  1665. 
—  2.  bezahlen,  ersetzen.  ,Wir  süllen  es  aber  ime  w.: 
aut  reddi  faciam  aut  persolvam.'  XIV.,  B  Handf.  .,Fru- 
mentum  pecunia  remetiamur,  lassend  uns  w.  oder  gelt 
für  körn  geben.'  Fris.;  Mal.  —  Mhd.  ebenso. 

Widergelt  m.  (od.  n.?):  Vergeltung;  Gegendienst, 
Ersatz.  ,Die  haben  all  gross  wolgefallen  daran  [am 
Zuzu^]  und  sich  zum  w.  geoifnet  [anerboten].'  1476, 
Bs  Chr.  ,Er  prophetiert  den  künigen  den  w.'  1531, 
SiRACH.  ,I)es  rechts  erwarten  um  w.  seines  gehabten 
Schadens.'  1541,  B.  ,Was  ein  Eidgnossschaft  von  den 
fromden  Herren  gelts  und  w-s  empfangen  und  geben 


•281 


Galt.  gelt.  gilt.  golt.  galt 


282 


liab.-  AxsH.  .Zu  ('rsiitzun)?  und  w.  des  grossen  Scha- 
dens.- Cys. 

Widergeltung:  1.  Vorgeltung.  ,Dass  wir  der 
guotat  unser  eitern  gleiche  w.  tuen.'  HBull.  1597.  ~ 
2.  Bezahlung,  Gegenleistung,  Entschädigung.  ,Bcrn 
übergab  synen  teil  widerum.  doch  nit  on  ein  statt- 
liche w.'  Euerer  1G06. 

Gelter  m.:  1.  .Schuldner  oder  gälter.-  Fris.;  Mal. 
—  2.  Gläubiger.  ,Wenn  einer  abstürbe  und  die  gelter 
bezalt  wölltind  syn.'  Z  Gerichtsb.  1-553.  —  Mlul.  ebso. 
Syn.   Geh  II. 

gelthaft:  mit  Schulden  behaftet.  ,Wir  habent 
gesechen.  dass  lüte,  so  sy  g.  werdent,  ir  guot  von 
inen  gabent  und  damit  ir""  gelten  ir  schuld  vor  hat- 
tend  und  sich  da  mit  schirment,  dass  sy  nit  gultind.' 
c.  1420,  B.  ,Wann  solche  Menschen,  es  seie  Bürg- 
schaften oder  Glühten  halb,  g.  nnd'Biderlüten  schuldig 
sind.'  1659.  B. 

geltig  (Ap  auch  -ö--):  wirklich,  ernstlich.  JS« 
(j-e  [ausgemachter]  När,  Spitzhueh  udgl.  Ap.  Syn. 
gültig.  Adv.:  Er  cha^'^'-mi'''  recht  g.  reue'  Ap.  G-s 
spile',  um  Gewinn  Ap.  Syn.  s.  u.  gelten  A  1.  Anton. 
z'  ungültige'' ;  vergebis.  Uf  g.,  für  immer,  definitiv  GW. 
Syn.   uf  Gelten.    —    (Heilig  zu  giillig,   wie    Odt  zu    Gült. 

glich-  B;  GRPr.;  LE.;  UwE.,  glt-  GG.,  Seebez.: 
gleichgültig,  nachlässig,  unachtsam,  sorglos.  —  Dazu 
das  abstr.  Subst.  Glich-geltigi  f.  B.  —  verglich- 
geltigen  B,  -gll-  GG.,  Seebez.,  W.,  „-gült-  Obw": 
vernachlässigen,  aus  Nachlässigkeit  verderben  lassen ; 
„versäumen-.  Syn.  rergugäggen  (Sp.  KiO),  -gütterlen, 
-lAämperlcn  u.  a. 

(ab-)ge'lte"  11:  abprallen  „Vürte",  auch:  um- 
kippen L, 

Zu  dem  gleichbed.  ydlen  I  2.  Vgl.  das  mit  (  weiter  ge- 
bildete ,Gellt',  Prall  (neben  ,Gellsebuss')  Gr.  WB.  IV  1,  -1. 
3040  u.,  wovon  geltm  unmittelbar  abgel.  sein  könnte. 

Ge4te°,  in  Ap  auch  -ö-,  f.:  1.  Zuber  Aa;  Bs;  Gl; 
Gr;  G;  Schw;  Z;  „hölzern,  dreieckig,  zur  Aufbewah- 
rung von  Schotte  und  Ziger  für  Hau.sgebrauch  LE.; 
SiHW;  Zg."  Mulde  GRMal.  Syn.  Gehse,  Zuber;  vgl. 
Staude.  Zulier.  Kübel,  Eimer.  Die  Zunft  ,zu  den 
Weiiil'utcii-  in  11s  heisst  auch  ,zur  G.'  von  ihrem 
Wapiirii.  Chili, f  iric  G.  (so  gross)  ScH.  Als  G.  mit 
eim  (hl  bot  liii  Kiibelverkäufer  seine  Waare  in  einem 
Dorfe  feil,  dessen  Bewohner  den  Spottn.  .Kübel'  trugen. 
,Lasst  euer  Brot  uns  in  die  G.  brocken'  [vorher  , Zuber']. 
Alpenros.  1837,  160  (von  der  Kappeier  Milchsuppe). 
RAA.:  Es  lärt,  schüttet  wie  mit  (us)  G.,  regnet  in 
Strömen  6r;  Th;  Z.  Und  tcenn  es  regnet  und  giesst, 
a's  ivie  mit  Küblen  und  Gelte".  Scuwzd.  Daher:  De' 
Ttrertrind  häd  e  G.  am  Füdli,  der  Westwind  hat  Begcn 
im  Gefolge  ZS.;  vgl.  Wasser-G.  Mit  G-n  i^'schcnke", 
im  Übermasse  B.  Sprw.:  Hat  d'  Kueli  de"  Chiibel 
u mg' schlage",  so  g'hei  (schlug)  si  d'  G-n  aw^''  no'''  grad 
um!  Z.  Chübel  und  G-n  umschliV,  seinem  Zorn  durch 
Toben  Luft  machen  ZTurb.  Wenn  Eine''  bim  Chiibel 
uid  rieh  wird,  so  wird  er  tri  der  G.  nid  rieh.  Spuww. 
1869.  ,Darzuo  mag  ein  jeclich  binder  wol  g-n,  stan- 
den. Zubern  und  ander  semlich  geschirre  machen,  von 
derselben  zunfte  unbekümmert.-  1341,  Z  Eatserk.  ,Es 
soll  nieman  kein  gelti  noch  geschir  mit  fischen  [aul 
dem  Markt]  zwischen  dien  henken  uf  den  herd  [Erd- 
boden] nider  setzen.'  1359,  ebd.    ,Die  metzger  sullen 


deliein  fleisch  nit  mer  waschen,  denne  so  der  buch 
und  das  yngeweid  herus  kummt.  und  das  druf  furo 
nit  in  die  kübel  noch  gelten  stossen.'  Stadtr.  Diessenh. 
um  1400.  , Weitend  si  [die  Eigentümer  von  gepfän- 
detem Vieh,  das  nicht  auf  die  Allmend  gehörte]  das 
vich  nit  lösen,  so  soll  man  im  stein  in  einer  g-n  für- 
setzen und  Wasser  in  einer  zeinen  und  süllend  darob 
leben,  als  lang  si  mögend.'  Otfn.  GBenken,  ,Es  sollen 
auch  in  jeglich  gassen  insonder  g-n  gemacht  und  einer 
person  in  ir  keller  geleit  werden,  wann  für  üfgät,  dass 
solich  g-n  herfüi-  getan  [werden].'  1501.  Troll  1843; 
vgl.  Fiir-Kiibel.  ,Es  kamend  ouch  unser  lieben  nach- 
buren  von  Breragarten  vil  zuo  ross  gan  Zürich  mit  g-n 
und  melchtren  und  wollten  ouch  gelöscht  haben.'  Edliu. 
Weil  es  sich  nicht  schickt,  dass  beide  Confessionen  in 
dem  Taufstein  taufen,  so  sollen  die  Neugläubigen  eine 
G.  oder  ein  Becken  darauf  stellen  und  aus  diesem 
taufen.  1533,  Absch.  ,Es  ensoll  auch  kein  hausvolk 
ohn  ein  g.  mit  wasser  über  nacht  nicht  sein.'  1538, 
Ztschr.  f.  schwz.  E.  .Oenophorum:  allerlei  weingschirr, 
als  ein  kant.  sester  oder  gelt.  Labellum:  ein  gattung 
kleins  gschirrs,  als  ständle,  büttle,  g-n,  kübel.'  Fkis.; 
Mal.  ,Die  diener  zeigend  [an  der  Hochzeit  von  Cana] 
die  leren  gschirr  oder  g-n,  dütend,  dass  nüt  da  sye.' 
ItilO,  L  Spieh  Im  XVII.  hatte  der  neu  aufgenommene 
Stubengeselle  u.  A.  für  einen  Feuereimer  und  G.  10  Pfd 
zu  bezahlen.  B  Tasch.  1865,  177.  ,In  einer  hülzinen 
G-n.'  JJNiJscH.  1608.  ,Mit  einem  Holmesser  wie  die 
Kibler  ihre  Gölten  und  Kibel  inwendig  auszuziehen 
pflegen.'  Würz  1634.  ,Cratera,  ein  brunneneimer. 
zuber,  gelte.'  Denzl.  1677;  1716.  .Die  Diener  brach- 
ten in  hölzernen  Zubern  oder  G-n  das  Essen,'  Würst- 
ISEN,  —  2.  Kübel  mit  nur  einem  Ohre  oder  mit  Henkel. 
Handhabe.  ;i)  mit  ^^■d^.■  versehener  zum  Säugen  der 
Kälber,  aucli  /um  i:iii-.  liiitten  von  Arznei  Bf.  Syn. 
Kalber-G.;  Stiiiifiiiijj/.  1 1«  in  Dummkopf  muss  man's 
mit  der  G.  i'schiitte".  —  b)  länglicher  und  mit  Schnabel 
versehener,  um  Wein  in  kleinere  Gefässc  zu  giessen 
(Id.  B)  oder  ein  Fass  nachzufüllen  BU.  Syn.  Kübel. 
—  3.  bestimmtes  Mass  Wein  ,B;  Gr.  Syn.  Geltere." 
In  Z  vormals  =  8  Mass;  noch  in  Z  Ges.  1808  als  ge- 
eichtes Gefäss  aufgezählt.  In  B  begegnet  im  XV. 
häufig  die  Bestimmung,  dass  bi>i  der  \iifii;ihnie  in  die 
Zunft  oder  bei  der  Verheiratung:  rim  .  M  jii^li.j.les  ,eine 
viermässige  g-n',  gefüllt  ,niit  I  iii:i-<  -niirii  wyns,  ge- 
meinen Stubengesellen  zu  vertiuikcu-  ye-cben  werden 
musste.  Auch  von  andern  Stoffen:  , Anken  1  G.:  8  ß 
[Zoll].'  1779,  Z.  —  4.  m.,  Name  eines  Bergpasses,  der 
von  BLauenen  nach  W  führt,  über  die  Muttenalp.  — 
5,  Füllw,,  tummi  G.,  einfältige  Person  Z, 

Mhd,  (jdte,  yellete,  Gefäss  für  Flüssigkeiten.  Alul.  <iclliiw. 
-ida,  aus  lat.  gallida,  mlat.  auch  galiUi,  woraus  rätor.  yuleida. 
Vgl.  Gr.  WB.  IV  1,  2,  3065.  Betr.  Bed.  2  vgl.  die  Angabe 
von  Moor  (bei  B.  II  69),  wonach  ein  der  mittelalterlichen 
ijtdeda  ähnliches  Geschirr  auch  in  Gr  zum  selben  Zweck  ge- 
braucht wird  unter  dem  Namen  ühalherchübd.  Ober  roman. 
galleUii  als  Weinmass  s.  B.  II  69.  IV  101.  Bei  4  ist  das 
m,  wohl  nur  aus  hinzugedachtem  ,Berg'  oder  ,Pass'  zu  er- 
klären. Dass  der  Name  zn  diesem  W.  gehöre,  scheint  das 
syn.  .Muttenalp'  zu  beweisen,  da  Mittle  =  Geptc  und  dieses 
=  Gdtc  gilt.  Entw.  ist  wohl  die  betr.  Alpe  von  muldeu- 
ähnlicher  Gestalt  oder  nach  dem  Becken,  welches  sich  das 
herabstürzende  Wasser  (vgl.  Bütten,  Name  der  Fälle  des  Bier- 
baclies  im  Schwarzw.)  gebildet  hat,  benannt.  GdtenbUd  Fluni, 
in  Znnttl..  viell.  nach  der  Gestalt  eines  umgestürzten  Zubers; 
vgl.    die  Iliigelnanien   Kcssi-,    Zidwrbüd.    —    Zu   5   vgl.   Saga 


Galt,  gelt,  gilt,  golt,  gult 


„Öl-Geltli"  n.:  länglich  rundes  Gefässchen  von 
einer  Viertel-  oder  halben  Mass  mit  einem  Deckel  und 
Röhrchen,  zur  Aufbewahrung  des  Öles  zum  täglichen 
Gebrauch  Aa."     Syn.  Öl-Stizen. 

H  er  döp  fei -Gelte:  kleinerer  Zuber  mit  durch- 
löchertem Boden,  um  von  den  gesottenen  Erdäpfeln 
das  Wasser  abfliessen  zu  lassen  ZO.  Vgl.  Slg-G.  — 
Äsche"-:  eiserner  Zuber,  in  welchem  die  aus  dem 
Ofen  gezogene  Asche  weggetragen  wird  Z.  —  Fels-:^ 
Becken  in  einem  Felsen,  in  welches  Wasser  herabfällt 
Z  (Spillm.).  Vgl.  Bach-G.  —  Gang-:  1.  auf  dem 
Hausgang  oder  der  , Laube'  des  Bauernhauses  auf- 
gestelltes Gefäss  zur  Verrichtung  der  Notdurft  für 
sämmtliche Hausbewohner;  Nachtgeschirr;  früherauch 
etwa  in  Schulhäusern  statt  des  Abtritts  für  kleine 
Kinder  Z  f.  Vgl. :  ,Ihre  Kellen  hangen  ob  einem 
Kübel,  der  ihnen  Allen  das  heimlich  Gmach  ist.' 
UBrägg.  1780.    Syn.  HüsH-,  Klopf-,  Nacht-,  Bracli-G. 

—  2.  hinten  im  Gang  des  Bauernhauses  stehendes 
Gefäss  zur  Sammlung  von  Speiseabfällen,  die  zur 
Fütterung  der  Schweine  bestimmt  sind.  —  3.  (bildl.) 
Sammelsurium  von  schmutzigem  Gerede  ZSth. ;  auch 
personl.,  Mensch  mit  unsauberem  Maul.  —  Haupt-: 
auf  dem  Kopf  zu  tragender  Zuber?  ,4  houpgelten.' 
1469,  in  einem  Invent.  ZWthur  zwischen  ,Rätschen' 
und  ,Wasscr-G.'  genannt. 

B'hör-:  Cylinderhut  Z. 

Von  lehören,  confirniieren,  admitti.i.ii,  wtil  .lio  mäiin- 
liclien  Confirmanden  zur  ersten  Allrl|llllKllll^l.■H  r  riui-h  zum 
ersten  Mal  einen  Cylinderhut  trugen.     \r''-  '/'""--.  Il;rhzii-(i. 

Hüsli-  =  Gang-G.  1.  AABb.   -   HuxU,  Abtritt. 

Choch-:  Küchenzuber.  Sprichw.  RA. :  Si  schicke' 
sich  z'säme'  wie  en  Mensch  und  e  Ch.   Sprww.  1869. 

—  Cheller-:  zu  Weinbehandlung,  Küfergeschäften 
dienender  Zuber  Z.  —  Chüel-:  Gefäss  zum  Abkühlen 
gebrannter  resp.  gebrauter  Getränke.  ,Ein  alte  ge- 
büezte   [geflickte]   K.    auf  3  Füssen.'    1627,  TuBürgl. 

—  Chalber-  =  G.  2.  BSigr.  —  Kalch-:  Zuber  als 
Mass  für  Kalk.  .Wie  die  k-n  soll  syn,  da  man  kalch 
bi  [damit]  misset,  dass  man  die  k.  also  fechten  [soll], 
dass  [man]  ein  fesenviertel  nemen  und  das  mit  sprüw- 
ren  gestrichen  messen  soll,  das  vierteil  zwei  und  ein 
vierling  ouch  gestrichen  gemessen  sollen  syn  ein  gelt 
und  der  gelten  18  ein  fueder.'  XIV.,  Sch  Stadtb.  — 
Chupfcr-:  küpferner  Z.  (höher  und  enger  als  der 
hölzerne),  gebraucht  um  das  Wasser  für  den  Küchen- 
bedari  zu  holen  und  aufzubewahren,  ein  Prunkstück 
der  Küche  Z.  Solche  in  einem  Z  Invent.  von  1599 
erwähnt.  Syn.  Wasser-G.  Sprwörtlich  zur  Bezeich- 
nung ungewöhnlicher  Grösse:  e  Chürbs,  es  Uter  wie-ne 
Ch.  Z.  —  Chäs-:  niedriger  Zuber  mit  Deckel  zur 
Aufbewahrung  eines  Käses  für  wirtschaftlichen  Ver- 
brauch Z. 

Chlöpf-:  1.  =  Gang-G.  1  Kk;  l.  Syn.  Schiss- 
Ziiber.  —  2.  eine  Pflanze,  a)  gemeiner  Taubenkropf, 
cucubalus  Beben  (silene  inflata).  Syn.  Klöpfere.  — 
b)  Windröschen,  anemone  nemorosa,  weil  die  nicht 
ganz  geöft'nete  Blume  einer  G.  ähnlich  sein  soll  ZZell. 

—  c)  Wiesen-Schaumkraut,  cardaraine  prat.  Z.  Syn. 
ScMss-G. 

Klopfen,  klatschen.  Bed.  1  von  den  beim  Gebrauch  des 
Gefässes  Torkommendcn  Tönen.  2  a  ebenfalls  von  Tönen, 
welche  beim  Schlagen  des  zsgekueiften  Kelches  der  Blume 
auf  den  Rücken  der  Hand  erzeugt  werden,  b  und  c  wegen 
Ähnlichkeit  der  Blüteu  mit  derjenigen  von  a. 


Melch-  Aa,  Milch-  Bs;  Gl:  Zuber  mit  trichter- 
förmigem Deckel,  in  welchen  der  Inhalt  der  Milch- 
eimer gesammelt  wird.  —  Nidel-Geltli:  zierlicher, 
aus  Dauben  zusammengefügter  Napf  vom  Umfange 
einer  Kafteesehale,  in  welchem  die  Bäuerinnen  ge- 
schlagene Sahne  oder  Zieger  auf  den  Markt  brachten. 
Der  Boden  war  zum  Nachteile  der  Käufer  in  halber 
Höhe  angebracht  Z  f.  —  Bach-Gelte:  1.  kleine 
Backmulde  Z.  —  2.  Name  einer  Runse  Gr.  Vgl. 
Fels-G.  u.  G.  4.  —  Buch-:  Waschzuber  Gr.  Vgl. 
Stock-,  Wasch-G.  -  Bad-:  Badzuber.  Er  häd  ase-n-es 
Ding  an-eme  sülederne  Halsli'g  [Strick]  über  d'  Lendi 
Ihe  a'g'ha"  wie-ne  B. :  es  nennt-si  viedi  [nur]  e  Drumme- 
kübel  [Trommel].  Madleni  1712.  —  Bode"-.  Butz-: 
Zuber,  welcher  das  zum  Aufwaschen  der  Dielen  ge- 
brauchte Wasser  enthält  Z.     Vgl.  Butz-Kühel. 

Brach-  =  Gang-G.  AAEhr.  —  So  genannt,  weil  man 
den  Inhalt  nicht  gern  auf  Anpflanzungen  schüttet. 

Hiräts-:  Cylinderhut,  den  man  zu  Hochzeiten 
trägt.  Syn.  HochzU-G.;  auch  schlechthin  Kiibel.  Vgl. 
Behdr-G.  —  Secht-:  Zuber,  in  welchem  die  Wäsche 
gelaugt  wird  Z.  Siü-:  kiipfornes  oder  blechernes 
Gefäss  mit  duiThl'"h.'H,.in  l'.dden,  in  welchem  man 
das  gekochte  Gemüsr  abtii^iifen  lässt  ZTurb.  Syn. 
Krüt-Sienen.  Vgl.  Herdöpfel-G.  —  Sinn-:  Gefäss, 
das  zum  Messen  (Sinnen)  des  Gehaltes  von  Wein- 
fässern dient.  ,15  ß  gab  ich  von  einem  fuerfass,  sinn- 
zuber,  sinngelten  und  umb  trachter  von  Z  hinüs  ze 
füeren.'  1541,  Amtsrechn.  ZGrün.  —  Söu-:  Gefäss, 
in  welchem  das  für  die  Schweine  bestimmte  Futter 
gesammelt  und  den  Tieren  vorgeschüttet  wird  Z.  Syn. 
S.-Kilbel,  -Stande;  Gang-G.  2.  —  Seipfe»-:  Wasch- 
zuber G.  —  Schueh-:  Zuber,  in  welchem  der  Schu- 
ster Leder  und  hart  gewordene  Schuhe  in  Wasser 
erweicht  Z.  —  Schenk-.  ,So  bliben  da  tod  [bei  einem 
Brande]  N.  N.  und  des  wirts  knecht,  zwo  sch-en  mit 
wyn  ze  löschen  [hin-]  uftragende.-  Ansh.    Vgl.  Gelten  3. 

—  Schöpf-:  Schöpfgefäss  mit  langem  Stiel,  zur  Be- 
sprengung  des  Bodens  mit  Jauche  Ap.  Syn.  Harn- 
schöpfer; Gön;  Schüefi.  —  Geschirr-:  Gefäss  zur 
Reinigung  von  Essgeschirr  Z.  Erwähnt  in  einem 
Baderodel  1730.  Vgl.  Spüel-,  Tassen-,  Abwäsch-G.  — 
Schlss-:  1.  =  Klöpf-G.  1.  So  noch  in  dem  Spott- 
reime :  Du  alti  Bunggunggle,  hast  d'  Bäben  a'brennt, 
bist  mit  der  Sch.  dur''  d'  Stege'  ab  g'rennt   ZWthur. 

—  2.  =  Klöpf-G.  2  c  ZBaur.  —  Schwi»-  =  Söu-G. 
Gl.  —  Spüel-Geltli:  kleinerer  Zuber,  in  welchem 
das  aus  der  Abwäschgelte  kommende  Tischgeschirr  rein 
gespült  wird  Z. 

Stock-Gelte:  1.  grösserer  Waschzuber  Z.  — 
2.  Wasserkessel  G. 

Nach  dem  Stock-,  Holzblock,  welcher  diesen  Gelassen  vor- 
mals statt  des  jetzt  gebräuchlichen  Fussgestelles  zur  Untei-- 
lage  diente,  benannt.     ,Hülzine  St-n.'   1627,  Invent.  ThBürgl. 

Stöss-:  grösserer,  im  Weinberge  selbst  aufge- 
stellter Zuber,  in  welchen  der  Inhalt  der  Bütten 
zsgeschüttet  wird,  um  vorläufig  zerstossen  zu  werden 
ZUhw.  Syn.  St.- Zuber;  vgl.  Wümmer-Standen.  — 
TassC-Geltli:  Gefäss  zur  Spülung  der  Tassen  Z. 
Vgl.  Geschirr-G.  —  Tisch-:  das  selbe.  —  Trag- 
Gelte:  Zuber  zum  Tragen  von  Wein.  ,Und  muosst 
man  den  wyn  in  den  büttinen,  träggelten  und  anderen 
geschieren  zuogetecket  ston  lassen.'  Kessl.  —  U  s  - 
trag-:  Zuber  zum  Austragen  von  Jauche  AABb.;  Ap. 


85 


Galt,  gelt,  gilt.  golt.  gult 


-  Wümnier-:  leichterer  und  meist  kleinerer  Zuber, 
in  welchen  die  Trauben  gelesen  werden.  Er  wird  auf 
den  Ruf  läre"!  oder  löse*.'  vom  Träger  abgeholt  und 
zunächst  in  die  Tanten  entleert  Z.  —  Wasser-  = 
Kupfer-G.  Gl;  Gk;  GT.;  Scu;  Z.  Die  neuw  W.  mit 
dem  Gatzi  [Schöpfkelle],  als  Bestandteil  einer  Spusen- 
fuer  GRSch.  (Schwzd.).  Der  Loft  hed  e  W.  an-em 
[sieh],  der  Wind  bringt  Regen  Ar;  vgl.  Gelten  1. 
.Ein  w-n.'  1469,  Invent.  ZWthur.  ,Situlus,  w-n.'  Fris.; 
Mal.  ,Ein  küpferen  W-n  in  der  Kuchi.'  c.  1600,  Invent. 
ZStdt.  —  Wasch-:  Zuber,  in  welchem  gewaschen 
wird.  ,Grosse  w.'  1380,  Z.  -  Abwasch-  =  Ge- 
schirr-G.  Z.  Vgl.  Spüel-G.  —  W  ose  her-:  Zuber  zum 
Gebrauch  der  Wäscherinnen  Z.  Vgl.  Buch-,  Stock-G.; 
W.-Standen,  -Zuber.  —  Hochzit-  =  Hlrats-G.  Z. 
„Geltere  f.:  ein  gewisses  Ma.ss  Wein  F."  Vgl. 
Gelte  3. 

recht-giltig:  echt,  probehaltig,  besonders  von 
Münzen  GRh. 

Golter,  Gult  s.  d.  folg. 

Onlter  (-o'-  Ap)  m.:  dickes,  gestepptes  Stück  Zeug, 
Decke  Ap;  ScuSt.  1.  bes.  Bettdecke.  Gult  n.  gesteppte 
Bettdecke  ApI.  (Hirtenspr.).  ,1  gulter  m.  H.  [des 
Abtes]  ist  mit  füchsin  gefüllit  und  zersnitten  g.'  1332, 
Urb.  ScBwE.  ,2  lynlachen,  ein  gülter  und  ein  küssi.' 
13.:)9,  ZWthur.  Weberbr.  Der  Floh  erzählt:  ,Si  [die 
Frau]  wart  gowar,  dass  ich  was  kommen  uss  der  g. 
(guter,  kuter,  kultern)  an  den  lip.'  Boner.  ,ües  an- 
deren tags  aber  nam  er  den  golter  und  tunket  in  ins 
Wasser.'  1531,  U.  Kön.  =  ,die  Decke.'  1667.  ,Als  er 
lynlachen,  tischlachen  und  gülter  zusammengeknüpft 
hat  [um  sich  aus  dem  Gefängniss  zu  retten].'  Vad. 
.Si  laitend  den  körper  [Leichnam]  uf  ainen  golter  und 
zHchend  in  also  die  stegen  ab.'  ebd.  ,Lodix,  ein  gul- 
teren  oder  bettdecke.  Culcitra,  ein  bett  oder  pfulwen 
mit  federen  oder  wullen  gefüllt,  ein  gulteren,  under- 
bett,  polster.  Teges,  ein  gattung  einer  decken  aus 
masskraut  oder  binz  udgl.  gemacht,  gleich  wie  ein 
gnlter(en).'  Fris.;  Mal.  ,Gulter,  golter,  decke,  culcitra, 
stragulum.'  Eed.  1662.  —  2.  Altardecke,  Teppich  und 
Ähnliches.  ,Diu  sydintuoch  und  gulter  und  decke- 
lachen und  tischlachen,  die  ze  der  kirchen  werdent 
geopfert.'  1318,  Arg.  Mit  ,Gaulter,  golter,  sergen', 
übersetzt  15'23  Petri  seinen  Baslern  das  W.  , Teppich' 
d-er  Luther.  Bibel.  —  3.  Wickelhülle  für  kleine  Kinder 
Th.  Syn.  Umtuech.  Langes  Tuch,  in  welches  man 
solche  hüllt,  wenn  man  sie  zur  Taufe  oder  sonst  aus- 
trägt ScnSt.  Kinderröcklein  ohne  Ärmel  ScnSt.  Lum- 
pen zur  Aufnahme  von  menschlichen  Unreinigkeiten, 
z.  B.  Katamenien  Ar. 

Mhd.  kuüa;  kalter,  göltet-  m.,  n.,  kultt,  kälte  f.,  gefütterte 
Steppdecke  über  das  Bett.  Aus  afrz.  coultre,  lat.  culcitra. 
Aus  der  f.  Form  scheint  das  Gult  der  Ap  Hirten  noch  weiter 
verk. ;   s.   auch  Kühe. 

(inlt  1,  PI.  -c"  (Id.  B  Gülti,  PI.  Gülteni)  f.  (n.  W 
u.  in  den  ApLBB.):  1.  Grundzins  Gl;  W,  jährliche 
Leistung,  Rente,  was  ,ab'  gewissen  Liegenschaften 
Demjenigen,  der  sich  die  Rente  (mit  20  für  1)  erkauft 
hat.  oder  dem  sie  als  .Seigerät'  gestiftet  worden,  ,ge- 
golten  [entrichtet]'  werden  muss  und  an  der  Liegen- 
schaft, nicht  wie  beim  Schuldbrief  an  der  Person  des 
Schuldners  haftet.  Gelöst  werden  konnte  das  Gülten- 
verhältniss  nur  durch  Rückkauf  (20  für  1)  durch  den 


Schuldner,  nicht  auch  wie  beim  schuldbrieflichen  Ver- 
hältnisse von  Seiten  des  Gläubigers.  Erst  später  er- 
richtete man  auch  G-en  auf  Ablösung,  zu  denen  dann 
die  ,ewigen'  (s.  Bd  I  609  f.)  oder  ,gesatzten  (s.  setzen) 
G-en'  in  Gegs.  standen;  damit  war  der  Übergang  oder 
die  Vermengung  mit  dem  persönlichen  Gelddarleihen 
angebahnt.  S.  auch  Ingänds  Sp.  21  b  ß  und  die  fol- 
genden Zssen  und  G.-Korn.  ,I)ass  wir  ein  mass  Öls 
järlicher  gulte  oder  so  vil  geltes,  damit  man  mag 
koufen  ein  mass  öls  ungefarlich,  geschlagen  haben 
uf  unser  bunten  und  garten,'  1441,  LNotwyl.  ,Unser 
seckelmeister  sollen  ouch  alle  unser  gilt,  die  in  ir 
ampt  gekercn  [einsehlagen],  beziechen,'  1462,  S  Wo- 
chen-Bl,  1846.  ,A11  die  nütz  und  g.,  so  einem  vogt 
[ze]  Z  von  des  Rychs  wegen  zuogehören  süllent, 
Süllen  hinnanhin  gemeiner  stadt  Z.  folgen  und  be- 
lyben.'  1465,  Z.  ,Do  gab  er  im  ross  und  hämisch, 
rent  und  g.'  Ziely.  ,Die  rych  [sind]  und  irer  gülten 
g'lebind.'  HBull.  1540.  ,A11  ander  zins  und  g.,  dorum 
jemand  brief  oder  gedinge  hat.'  Scnw  LB.  .Vectigal 
et  portorium,  das  järlich  einkonunen,  rent  und  g. 
Pradia  opima,  wol  ergebliche  güeter,  darvon  man 
grosse  gült  nimpt  oder  gross  einkommen  hat.'  Fris.; 
Mal.  ,Des  gottshüses  zins,  rent,  g-en,  zechenden, 
ynkommen  und  zuogehörden.'  AAMuri  Invent.  1596. 
—  2.  Schuldverschreibung  auf  Grundstücke,  Hypothek- 
schein, Wertschrift  auf  Unterpfand  von  Haus  und 
Land,  die  sich  verzinst;  Schuld-,  Gült-,  Pfandbrief 
BO,;  L;  Ndw;  Z.  ,Die  Verschreibung  eines  Zinses 
heissen  wir  G-en,  die  V.  einer  Hauptsumme  [eines 
Kapitals]  aber  Schuldbrief.'  JHSchinz  1763, 138.  ,Wer 
Gelt  umb  Zins  uslychen  wurd  und  im  selbs  vorbehält 
das  Houptguet  yuzezüchen,  es  sye  über  kurz  oder 
lang,  soll  söllichs  ein  G.  heissen.'  1566,  Zg  Stadt-  u. 
Aintb,  's  het  's  Niemer  so  schlecht  a's  ne  Bur  one 
Gilte'  und  Geld  U  (Schwzd.).  Inäme'  han  i  keini 
'brilcht  ,lf:yrhnhr':  mir  vinl  .Uh  haar'ralf:  d>i  hrittsch 

das  rhi.unr  w.rl.r.  ,t,lss  rHs.nin  l.,in  G-nr  hrf.  I'.W^SS 
186:;.      >/    /'./   (rnltu,,.    l-t    ivirll    1!,      r,nl    Insrh    ,nt   nck 

an  G-c"  und  bisch  iiul  i.  au  Guld:  cn  dtrlt  G'ninet 
isch  über  Geld.  Hebel.  Und  bist  au"''  richer  iceder 
[als]  ich,  gell,  's  Anneli  hat  doch  me  uf  mich  als  dich 
und  d'  G-e"  g'ha"!  Z  (Schwzd.).  In  New  werden 
solche  nach  ,Pfunden'  (ä  3  oder  5  alte  Batzen)  ge- 
rechnet; sie  sind  nur  mit  sichern  andern  G-en  ablös- 
bar, ausgenommen  Baargeldg.,  welche  auch  mit  Geld 
ablösbar  sind  Ndw.  Man  unterscheidet:  Die  vordrist 
G.,  das  erste  und  beste  Unterpfand;  die  hindrist  G., 
das  letzte  und  schlechteste,  das  bei  Falliment  verloren 
gehen  kann.  Gueti  G-e,  deren  Wert  vollauf  bezahlt 
wird,  z.  B.  pro  Pfd  mit  5  alten  Batzen ;  schlechti  G., 
deren  wirklicher  Wert  unter  dem  Nennwert  steht 
UwE.  S.  noch  ein-,  zwei-rücMg.  G-e'  mache",  Schuld- 
verschreibungen auf  Grundstücke  ausstellen,  d.  h.  ein 
Grundstück  ganz  oder  tw.  als  Unterpfand  für  eine 
Schuld  einsetzen,  ebd.  Syn.  brieflen.  Es  Gi'dtli  be- 
kenne", einen  Schuldtitel  auf  Grundeigentum  als  Unter- 
pfand einer  Schuld  errichten  Ndw.  i'  G.  ablöse",  ein 
solches  Unterpfand  mit  baarem  Geld  einlösen,  ebd. 
EG.  üfchünde',  bildl.:  Nw  zue!  Du  chündst  mir  ke 
G.  üf,  zu  Einem,  der  mich  mit  Drohung  einschüchtern, 
mich  seine  Übermacht  will  fühlen  lassen  L.  .Welche 
an  gottshüser  geben,  es  syen  jarzyt  old  seigerät,  das 
soll  kraft  haben,  doch  dass  die  erben  sömlich  gült 
oder  gelt  ablösen  mögend.'  1489,  LE.  Landr.    , Sparen 


Galt,  gelt,  gilt,  gult,  giilt 


ist  ein  lyche  g.'  HBüll.  1540.  ,Die  von  Otelfingen 
haben  eine  kleine  G.;  diese  wollen  sie  gerne  steuren 
[Jaran  geben],  damit  ein  Prädikant  bei  ihnen  bleiben 
möge.'  Hess,  Sammlung.  ,So  der  er.storben  Mensch 
hinder  im  verlasset  ze  erben  järlich  G.,  es  sy  Kern-G. 
oder  Korn-G.  oder  Haber-G.  oder  Guldin  Gelts  oder 
Pfünder  Gelts,  oder  wie  die  G.  geheissen,  die  abzelösen 
stat,  so  soll  des  abgestorbnen  elich  Gernachel  ganz 
dehein  Recht  haben,  als  von  des  dritteils  des  Eerechts 
wegen.'  156G,  Ztschr.  f.  schwz.  R.  ,Was  soll  ich  erst 
von  Güten  sägen,  Acher  und  Matten,  Alls  wol  g'legen?- 
klagt  Beatus  (Comcedia),  sein  Besitztum,  das  er  auf- 
geben soll,  überschauend.  ,Von  synem  Schuldner  g. 
ald  Schuldbrief  nemen.'  1587,  Z.  ,Wann  Einer  mit 
Tod  abgehet  und  verlasst  hinder  ihm  Gült  und  Gut, 
und  befindet  sich,  dass  nicht  genugsam  vorhanden, 
die  Gülten,  zu  bezahlen,  so  soll  deniselbigen  Gült  und 
Gut  ein  Vogt  gegeben  werden.'  1747,  ApA.  LB.  ,Dass 
die  vor  a.  16U1  errichteten  Schuldbriefe  (die  sog.  G-en) 
für  den  Creditor  unaufkündbar  seien.'  1838,  Z  Rechtspfl. 
—  3.  Abgabe,  Steuer.  ,Amtlüte  [einer  Stadt],  die  zolle 
und  ander  g-n  nijment  yn.'  Schächzab.  1066.  .Subsidia, 
g..  so  man  der  oberkeit  gibt.'  Fris.  —  4.  Schuld, 
Geldsumme,  die  man  einem  Andern  zu  zahlen  schuldig 
ist.  „G-n  abtragen  Ap;  GRh."  Er  het-si^''  in  Gölta 
inH''g'lö"  [eingelassen]  Ap.  Mösa  [müssen]  d'  Gölta 
a'ge",  auf  amtliche  Aufforderung  vom  Stand  seines  Ver- 
mögens (resp.  seiner  Passiva)  Kenntniss  geben  Ap;  vgl. 
(d'J  Gelte'  a'ge'  unter  Gelt  II 1.  ,  Kommen  in  gross  g.' 
Ap  Krieg  1405.  Der  Sg.  gewissermassen  koll.:  .Wann 
eiu  mann  on  lyberben  abgät,  so  soll  das  farend  guot 
das  g.  gar  zalen.'  Ap  LB.  1409  =  ,die  g-en.'  ebd.  1747. 
,Wer  mehr  als  4  zins  [zu  fordern]  hat,  soll  um  den 
übrigen  zins  zum  g'meinen  g.  stehen.'  1633,  Ap  LB. 
1585/18'28.  ,So  ein  falament  otfenbar  wird,  soll  das 
gemeine  g.  1  nionat  mögen  hinder  sich  greifen.'  1662. 
ebd.  , Gelehntes  Geld  solle  gleich  den  Zinsen  gehalten 
werden  und  mit  dem  fahrenden  G.  [den  unversicherten 
Forderungen]  anstehen.'  1741.  ebd.  —  5.  Gültigkeit. 
,Es  sollen  die  Heurats-Brief  allein  in  der  Stadtcanzlei 
ausgefertiget  werden  und  alle  andern  Brief  und  Schrif- 
ten kein  Gült  noch  Kiaft  haben.'  Erbr.  GStdt  17-21: 
Mhd.  gälte,  Schuld,  Zahlung,  Eiukonimen,  Reute,  Zins. 
Das  n.  in  den  Ap  LBB.  erklärt  sich  durch  die  koll.  Bed., 
sonst  durch  Vermischung  mit  dem  nahe  vwdten  (ielt;  eine 
ähnliche  erscheint  iu  der  KA.  d'  Giilien  ant/e'  (in  welcher, 
beiläufig  bemerkt,  unausg-eniai-lit  Kleilit.  «b  G.  nicht  eher  in 
persönlichem  S.  [s.  Gült  ll\  .nil/nli".  ii  ^i.il  verglichen  mit 
Gelten  1.  Ygl.  Gült  II  m.  =  '.v/i  //  „i,  i,  S.  v.  Gläubiger.  Die 
nahe  Twdtschaft  der  beiden  ^i.  hl,,  hm  H-Kritfe  Gelt  und  Gült 

III   F"riiir]ii    Hl.      .liiii  CuMrii  i,<lts  jährlicher  Üült.'  —   Von 

d;it,  \Ki  (itlt  1  11.  //  ^,,s^llulalin■,  lesp.  ,Biirge',  und  , Gläu- 
biger', ebenso  Gült  11)  Bemerkte.  (Betr.  die  lautliche  Doppel- 
form Tgl.  die  Anni.  zu  gellirj.)  Bed.  5  ist  wohl  aus  rjultig 
und  GültüjkeU  mit  Anlehnung  an  das  in  Bed.  1—4  geläufige 
einsilbige  W.  zu  erklären.  —  Über  das  Sachliche  vgl.  Arnold, 
Gesch.  des  Eigentums;  Blumer  KG.  I  +52  ff.:  II  79  ff.; 
Bhmtschli  RG.  lM'29  f.  501;  ders.,  Comment.  II  §  772/75; 
Segesser  RG.  IV  75  ff.;  Ztschr.  f.  Schwz.  R,,  Bd  9. 

Haber-Gült:  in  Hafer  bestehende  Abgabe,  Hafer- 
zins; s.  Crült  1.  ,Von  der  h.  wögen,  so  si  järlich  dem 
gottshüs  vornachca'  mit  gelt  erstattet.'  Vad.  Auch 
1450,  Zg.  —  Hueb-:  Einkoromen.  Zins  von  einer 
Hube  (Hufe)  Grundbesitz.  ,Es  soll  jeklich  person  ire 
güeter,.  es  syen  hüser,  hofstetten,  huobgült,  zehenden. 


acker,  wisen,  holz  und  feit,  haben  und  messen.'  1389, 
Absch.  —  Herren-:  Abgabe  an  den  Grundherrn,  resp. 
Einkünfte  desselben  von  einem  Gute ,  Herrenzins. 
,Drü  swyn,  der  ieglichs  5  ß  gelten  soll  nach  herren 
gülte  [so  dass  keine  Abgabe  ihr  vorgeht].'  1331,  Z  Urk. 
,Die  schuopessen  söUent  dem  gottshüs  järlich  geben 
8  swyn,  gilt  iekliches  3  ß  2  den.  h.'  1351,  Aa  Weist. 
—  Kernen-:  gekaufte  Rente,  bestehend  in  jährlicher 
Lieferung  von  Getreide-  statt  Geldzins;  urspr.  auf  dem 
Grundstück  haftend  und  unablösbar  (.ewig'),  seit  dem 
XVI.  meist  beschränkt  oder  aufgehoben,  resp.  in  ab- 
lösbare  Geldgült  (,Pfenninggült')  umgewandelt,  weil 
das  Schwanken  der  Getreidepreise  auch  den  Zinsfuss 
ins  Schwanken  brachte,  in  Fehljahren  viel  Getreide 
dem  öffentlichen  Markt  entzogen  wurde  und  Gegen- 
stand des  Wuchers  werden  konnte  usw.  ,Understanden 
die  von  A.  ainer  jeden  pfruend  zwen  pfleger  zueze- 
ordnen,  die  der  pfruenden  rent  und  gült  verwalten; 
dardurch  werden  aber  etwa  die  kernengült  zue  pfen- 
ninggült  verwandelt.'  c.  1520,  Zellw.,  Urk.  Der  Abt 
von  Muri  bittet  um  Erlaubniss,  die  abgelösten  Kernen- 
gülten wieder  als  Kernenzinse  anlegen  zu  dürfen,  weil 
er  zu  sehr  von  Armen  angesprochen  werde.'  1566, 
Absch.  Syn.  Kernen-Gelt  (s.  d.).  —  Korn-:  jährliche 
Abgabe  von  Korn  an  geistliche  u.  herrsch.  Stiftungen 
Wf.  Syn.  K.-Gelt.  ,Gab  an  ein  Jahrzeit  etlich  K.' 
RCys.  ,Dass  jene  Korn-  und  Kernen-  oder  Getreid- 
G-en,  die  um  baar  Gelt  erhandlet  und  aufgericht  und 
nit  rechte  alte  Boden-  und  Erblchenzins  wärent,  [im 
Concurs]  nit  mit  den  Bodenzinsen,  sondern  in  dem 
rechten  gehen  sollent,  wie  andere  Zinsgülten.'  L  Mu- 
nicip.  1706/65.  —  Boden-:  Grundzins.  ,Herrschaft- 
rechte  und  B-en  oder  Bodengerechtigkeiten  [verjähren 
nicht].'  1623,  Aa.  —  Pätschli-:  Schuldbrief,  an 
welchem  ein  altes  Siegel  (Pätschli)  hängt  New.  — 
Pfeffer-:  Zins  in  Gestalt  von  Pfeffer.  Keine  Familie 
des  alten  Luzern  besass  so  viele  P-en  wie  die  Frey; 
1433  bezogen  sie  1,  '/=,  '/«  PW  Pfeffer  von  verschie- 
denen Häusern  der  Stadt.  (Lieuenait).  —  Pfennig-: 
baares  Einkommen,  z.B.  von  einer  Pfründe;  Gegs.  zu 
Kernen-G.  .Was  pf.,  so  ze  seigerät  von  inen  [den 
Burgern]  unserm  gottshüs  geslagen  [zugeteilt]  ist  und 
stät  iu  ir  statt  uf  hüsern,  des  mögent  die  burgern 
abkoufen  1  pfil  iileniiing  mit  20  pfunden.'  1420,  L  Urk. 
.Einige  Pf-en  uinl  Ilauptgüter  rühren  von  erspartem 
Gelde  der  Coiivciitshcrren  her;  man  soll  daher-diesen 
das  Geld  verabfolgen  lassen.'  1538,  Absch.  —  Salz-: 
Salzzins.  Der  Abt  bittet,  ihn  bei  seinem  Zehnten, 
welchen  B  und  F  [als  Schirmherren]  auf  der  Salz- 
pfanne besitzen,  bleiben  zu  lassen ;  es  wird  darauf  au 
ihn  geschrieben,  dass  bez.  der  G..  welche  beide  Klöster 
auf  der  Salzpfanne  haben  usw.  1556,  Absch.  IV  2, 
1382,  482.  Da  einige  Berner,  welche  S-en  auf  der 
Salzpfanne  zu  Sälis  haben,  das  jährliche  Salz  nicht 
einbringen  können,  wird  Burgund  ersucht,  dafür  zu 
sorgen,  dass  jene  jährlichen  Salzzinse  verabfolgt  wer- 
den. 1568,  ebd.  S.  390  ff.  —  Schmalz-:  Abgfebe, 
Einkünfte  in  Gestalt  von  Schmalz  (Butter).  ,1474 
kouft  abt  Uolrich  die  höf  uf  Stain,  daby  ouch  etlich 
gülte,  besonder  guot  seh.'  Vad.  —  Win-:  Abgabe 
oder  Zins  in  Gestalt  von  Wein.  ,Die  kernen-,  haber-, 
roggen-,  weissen-  und  wyn-gült  und  -zins,  so  umb  gelt 
erkouft  und  verbrieft  sind,  verbietend  wir,  dass  fürt- 
hin dieselben  frücht  nit  mer.  sondern  allein  gelt  darfür 
geben   und  genommen  werden  solle.'    1529,  Z.     .Wie 


•289 


Galt,  golt,  gilt,  golt,  gult 


290 


man  dhein  frucht-  noch  wyu-g-en,  sonders  allein  geld- 
zins  machen  soll.'  1545,  Z.  .Der  Wyngültenen  und 
Lybdingen  halb.'  B  Gerichtss.  1615.  —  Weizen-: 
Abgabe  in  Gestalt  von  Weizen.  ,Das  Korn-,  Weiss- 
Gild,  welches  man  den  Kirchen,  Pfründen  jährlich  als 
Zins  entrichten  iimsste.'  W  f.  —  Zins-  =  Pfennig- 
zin)<,  -güU. 

Gült  II  111.:  1.  Gläubiger  Ar.  Um  sich  bescheiden 
als  Schuldner  zu  bekennen,  sagt  man:  £6-  kirrd  mir 
[das  Gut  gehört  mir]  ond  de'  Gölta".  ,Wann  ein  frow 
ungeerbt  ü.sgat,  nimmt  si  ir  morgengab;  so  si  aber 
deheinen  g-en  verheissen  hat,  den°"  muoss  si  helfen 
bezalen.'  AABirm.  Erbr.  ,Meinte  aber  der  Schuldner, 
der  g.  hätte  pfänden  genuog  für  syn  schuld.'  1480,  L. 
,So  mag  der  g.  dem  Schuldner  das  syn  zuo  recht  ver- 
heften.'  G  Hennob.  Landr.  1565.  ,[Die  Erben]  dürfen 
nit  teilen,  eh  die  g-en  bezahlt  und  vergnüegt  seind.' 
1578.  Ar  LB.  1585/18'28.  ,üoch  ist  der  G.  der  nächste 
Erb.'  GStdt  Erbr.  17'21.  —  2.  =  Gelte  113,  Bürge.  ,Und 
soll  der  rat  das  yngewinnen  [einziehen],  ob  [wenn] 
der  gälte  pfandber  [-bar]  ist.'  Z  Richtebr.  I.'i04.  ,Des 
sind  gült  und  bürg  der  Mayer  von  A.  und  Heini  W.' 
1509,  Arg.  ,6.  und  bürg  sein,  sich  zum  Schuldner 
verbinden  und  mit  im  geloben  und  verheissen,  expro- 
mittere.'  Mal.  .Hie  wäre  nun  hoch  zu  wünschen,  dass 
unser  land  kein  grewel  were,  so  hätten  wir  gleichsam 
g.  und  bürgen  darfür,  dass  es  nimmermehr  wurde  ein 
Verwüstung  werden.'  FWvss  1655.  ,Er  hat  uns  zu 
rechten  Bürgen,  G-en,  Trösteren  und  Selbstschulderen 
gegeben  N.  N.'  1617,  Arch.  SchwE. 

Mhd.  gülte  m.  =  (jelte,  Schuldner;  Gläubiger.  Über  das 
Lautliche  und  Begriffliche  s.  Anm.  zu  Gült  I.  Die  Bed.  ,Bürgo' 
beruht  natürlich  auf  der  von  ,Schuldner'  od.  der  noch  altern 
von  .Zahler',  da  der  Bürge  unter  Umständen  als  Schuldner 
und  Zahler  einzutreten  hat.    S.  Ztschr.  f.  schwz.  K.  9,  68  —  88. 

An-:  Bürge,  Geisel.  ,Ist  dass  dehein  burger  den 
schirmet,  den  syn  gelten  [Creditoren]  fahen  wenn 
[wollen],  der  soll  dien  [denen],  die  in  da  wollten  fahen, 
des  guotes  a.  syn.'  Z  Richtebr.  ,Es  sollend  ouch  die 
von  Glarus  umb  das  vorgeschriben  gnot  ze  a-en  und 
ze  giseln  geben  '28  mann,  die  zuo  den  Heiligen  schwe- 
rind  hie  ze  Zürich  ze  leisten  umb  jegkliche  werschaft 
ungemant.'  1390,  Z.  .Selbstschuldner,  a-en  und  bür- 
gen.' 1395,  Zellw.,  Urk.  .Haben  wir  zuo  rechten,  un- 
verscheidenlichen  [untrennbar,  ohne  Unterschied]  ge- 
schwornen  a-n  gesetzt  die  Edlen  N.N.'  ebd.,  wo  neben 
den  2  A-en  4  , Bürgen'  genannt  sind.  ,Welicher  bürg 
gemant  würde  und  der  manung  nit  gnuog  tet,  der  soll 
syn  rechter  a.  und  mögen  in  MHH.  anlangen  mit  geist- 
lichen oder  weltlichen  gerichteu.'  AAWett.  Otfn. 

All-  muss  wohl  ursyr.  eine  nähere  Bestimmung  des  Be- 
griffs enthalten  haben:  erster  Bürge  oder  Anzahler'i'  Viell. 
gleich  dem  folg. 

Haupt-  und  ,Mit-G-en'  für  eine  auf  Grundstücke 
aufgenommene  Geldsumme  als  Mithafter  unterschieden. 
1551.  Z  Staatsarch.  —  Mit-:  mithaftender  Bürge,  Riick- 
bürg.  .Und  ward  der  zinsbrief  ufgericht,  darin  man  zuo 
merer  Sicherheit  mitgulten  und  bürgen  stellen  muosst' 
1459,  Vad.  ,Ich  versprich  den  N.  N.  von  diser  m-schaft 
und  allem  kosten  und  schaden  ze  ledigen.'  1466,  Z. 
.N.  N.  hat  zu  kofen  geben  dem  N.  N.'  10  rh.  ti.  jer- 
lichs  zins  ab  dry  teilen  des  zechenden  zu  Stadel  und 
umb  dass  er  solicher  gült  dest  sicher  syge,  hat  er  im 
zuo  rechten  m-en  geben  N.  N.*'  1500,  Z.  ,M.,  expro- 
missor,  mitbürg.'  Mai,. 
Schweiz.  Idiotüou  II. 


gülte":  1.  Schuldbriefe  auf  sein  Gut  machen  lassen 
Ndw.  Syn.  brieflen.  —  2.  bezahlen.  ,Wir  haben  denn  vor 
bezahlt  die  erbern  lüt,  denen  wir  g.  sollen.'  1445,  B. 

—  3.  schulden.  ,Dagegen  wolle  man  Jedem,  der  ver- 
fallene Zinsen,  Gülten  und  Schulden  bei  ihnen  habe, 
Pfändung,  Vergantung  und  Remissiven  auf  der  Gül- 
tenden Güter  gestatten.'  1.547,  Absch.  —  über-:  ein 
Grundstück  über  seinen  Wert  verpfänden,  z.  B.  es  über- 
güliets  Heime'  Uw.  .Wohar  kummt's,  dass  etliche 
hüser  Übergült  den  Schuldnern  fürgeschlagen  [über- 
lassen] sind?'  Ansh.  —  ver-:  1.  (ein  Haus,  ein  Land- 
gut) verschreiben  als  ein  Unterpfand  einer  schuldigen 
Geldsumme;  mit  Gülten  beschweren  „VOrte."  Bas 
Hus  ist  vergültet  bis  obenüs  L.  Nach  Obw  Recht 
können  Güter  nicht  über  den  Schatzungswert  .ver- 
gältet' werden.  UwGem.  1836.  .Dass  keiner  mehr  ver- 
setzen soll  dann  sein  eigen  vergült  guot.'  Arl.  LB. 
1585/1828.  —  2.  Pte.  adj.  in  persönlicher  Bed.:  mit 
Schulden  belastet.  ,Wie  ein  frouw,  die  rych  und  hab- 
lich, so  sy  ein  vergülten  mann  näme  und  derselbig 
sturb,  für  die  gülten  ynston  und  bezalen  solle.'  1576, 
Gl.  —  zwi-:  zweifach  vergelten,  bezahlen.  .Swel 
[welcher]  hurger  den  andern  hurger  brennet,  roubet, 
da  soll  man  dem  synen  schaden  zw.'  Z  Richtebr.  1304. 

gültig:  wirklich,  ausgemacht,  wahrhaft.  1.  Adj. 
Er  ist  e  recht  giltege  Chrämer.  De  bist  e  recht  gilteger 
Esel  Ndw.  Syn.  geltig.  .Recht  reife  und  g-e  Melonen 
sollen  diese  Eigenschaften  haben.'  JCSülz.  1772.  — 
2.  Adv.  Es  geit  g.,  man  spielt  um  Gewinnst  BO. 
Für  g.  a)  für  die  Dauer,  für  immer,  definitiv  geltend 
Aa;  BSi.  Auch  (für)  z'  g-em  BBe.  Syn.  s.  b.  gelten; 
Ernst.  —  b)  tüchtig,  stark  Aa.  Syn.  geltig.  —  un-: 
z'  u'gültige'  spilc,  nicht  um  Geld  Gl. 

glich-:  1.  Adj..  gleichwertig,  von  gleich  hohem 
Wert.  .Erstlich  rühmet  die  römische  Kirch  sich  des 
Tituls  Catholisch;  mit  gleichgültigem  stolzieren  die 
Juden  und  Muhamedaner.'  JHHott.  1666.  .Dass  es 
dem  Augustino  gleichgültige,  hochgeachtete  Zeugen 
seien,  ist  mir  sehr  argwöhnisch  [zweifelhaft].'  ClSchob. 
1695.  Ein  gemeinnütziger  Bürger  anerbietet  unent- 
geltlich ,Platz  zum  Kirchhof,  so  es  nötig  ist.  statt 
dessen  gleichgültiges.'  1701,  Hey.,  Wetz.  , Welch  ein 
Unterscheid  ist  zwüschen  dem  Zürich-Wein  und  dem 
süssen  italiänischen  und  gleichgültigen'?'  Goliath  1741. 

—  2.  Adv.,  ebenso  wohl,  mit  gleichem  Rechte.  Die 
Deputierten  Genfs  erklären,  dass  die  von  den  sar- 
dinischen Ministern  den  Traktaten  gegebene  .^.uslegung 
auf  alte  Rechte  gl.  ausgedehnt  werden  könnte.  1735, 
Absch. 

nach-:  gering,  schlecht.  ,Dass  ir  mit  sophi- 
stischen, spitzfündigen  oder  n-en  reden  komment.' 
ZwiNGH.  ,Was  kostliches  [von  Messgewändern]  was, 
ward  uf  dem  koufhüs  verkouft,  das  n.  luoderwerch 
undrem  helmhüs.'  Edlib.  ,Sy  wird  die  allern-est  sein 
under  den  Völkern,  wüest.  öd  und  dürr.'  1531.  Jerem. 
=  , allergeringste.'  1667;  .das  letzte.'  1860.  .Der  n-est 
ist  der  ßisem  Salmindi.'  Tierb.  1563.  .Parcus  iesti- 
mator  alicujus  rei.  der  ein  ding  zuo  n.  achtet.  Fri- 
vola,  klein  zerbrüchlich  hausgeschirr  und  gerümpel, 
das  nit  vil  wert  ist,  nütsöUige,  n-e  geschirr  und 
schlechter  hausrat.  Cibus  aridus,  vilis,  schmale, 
schlechte,  n-e  oder  wolfeile  speis.  Modicus  cultu,  ein- 
faltigklich  und  unkostlich  oder  n.  mit  der  kleidung. 
zimlich  und  mässigklich  beklcidt.     Silber  ist   minder 


Galt— giilt.     Galtsch— gultseh.     Galw— gulv 


292 


wert,  n-er,  dann  gold.'  Fkis.;  Mal.  ,Die  Mannsper- 
sonen sollen  die  Hosen  einer  einfaltigen,  erbaren,  n-en 
gattung,  auch  urab  etwas  länger  und  anständiger  ma- 
chen lassen.'  B  Mand.  1628.  ,In  n-er  Behausung.' 
WüRSTisEN.  1765.  Man  habe  den  Kaiser  in  verschie- 
dener Weise  aufgenommen,  hier  ,n-lich',  dort  ,prach- 
tisch'.  ebd.  —  Nachgültigi  f.  ,Aritudo,  parsimonia: 
kündigkeit,  kargheit,  nachgültige.'  Fris. 

nöt-gültig:  schlecht  und  recht  Aa  (H.).  —  Im 
S.  V.  notdürftig,  für  den  Notfall  gültig,  genügend. 

Gülti°g  f.:  Geltung.  AUi  Fründ  und  alte  Wi' 
werde'  stets  bi  G.  st'  ÄALenzb. 

Gültschaft:  Bürgschaft.  .Si  mit  bürgschaft  oder 
mit  g.  nach  notturft  versichern.'  Vad.   —   Zu  Gvlt  II  s. 


giltsen  s.  ißUen  A  2. 


geltschelig:  gelblich  Bs.  —  Abgel.  von  .gelb'  mit 
dimin.  /,   wie   rStsthetig,   rötlich,  von   ,rot'. 

Geltsche°,  Göltsche  f.:  gelbliche  Kuh  GrV. 
Syn.  Gelbsche,  Gelbe. 

t  durch  Assimilation  statt  p,  b,  zunächst  verk.  und  sub- 
stantiviert aus  dem  Adj.  'gelbisch  (s.  yilw). 

geltsche":  anhaltend,  lästig  bellen  B;  S3'n.  s.  b. 
geisteren. 

Ahd.  gekön,  mhd.  er-glhen,  aufschreien,  altn.  gelta,  latrare, 
baubari;  also  (»cä  vergröbert  aus  (»,  wie  in  manchen  ähn- 
lichen Bildungen. 

Geltscher:  Kläffer,  Tadler.  ,So  ich  mein  bauw 
vollendet  han,  heust  [heisst]  mir  g.  iederman.'  Keller- 
inschr.  zu  LRotenb. 

Var.  des  in  vielen  Hausinschriften  ausgesprochenen  Ge- 
dankens, dass  der  Erbauer  sich  leichtfertige  Kritik  verbitte 
oder  sich  Nichts  daraus  mache.  Vgl.  Suterm.,  schwz.  Hausspr. 
S.  20  ff.;  deutsche  Inschriften  an  Haus  und  Gerät,  1875, 
S.   27  ff. 


gelw  BSa.;  Ndw;  PPo.;  U  (vorherrschend);  UwE. 
(neben  -6),  c/selmv  GrD.  (B.),  gelb  FJ.;  Gl;  Gr;  S; 
UGesch.;  UwE.,  gM  (resp.  e^)  Ap;  Bs;  Gr  (Chur.  D., 
Schud.);  LM.;  GT.,  Ta.;  S  (Buchsgau);  ScnSt;  Utw.; 
Uwtw.;  Zg;  Z:  gelb.  1.  eig.  Von  Messing,  syn. möschi', 
z.  B.  die  g.  Pfanne  Z.  G-i  Bappe',  Brei  aus  feinem 
Mehl  und  Milch,  mit  eingerührtem  Zucker  und  Safran. 
Spreng;  Syn.  Brütmues.  ,Ein  gels  müesli  von  milch 
oder  wyss  von  einem  göttiprot  gemacht'  G  Küchen- 
ordn.  1495.  G-i  Suppe',  Fleischsuppe  mit  Safran, 
gewöhnlich  nur  bei  Kindstaufen  AASt.;  vgl.  ,g-i  Brüe' 
bei  UEcKST.  's  Gel  vom  Ei,  Dotter;  Gegs.  's  Wlss. 
Kätsel:  Es  ist  as  wlsses  Hüs  und  as  gälatcs  Herli 
drl  GrD.  Am  Bach  isch  's  wlss  und  hei,  wenn  's  abe- 
fdllt,  isch  's  gäl  [Schnee  am  Strohdach]  Aa.  G-e-  Chle, 
gelber  Schotenklee,  lotus  arvensis  AaVüI.  G-i  Bändli, 
Dotterweide,  salix  vitellina  ZWettschw.  Gelacher, 
Name  eines  Ackers,  auf  welchem  Hahnenfuss  wuchert 
AAObEhr.  G-i  Vögel,  Goldstücke;  vgl.  Gelw-Fuchs. 
,Aber  des  fürschlags  güldene  flammen  [der  burgun- 
dische  Einfluss]  warent  so  schwach,  und  der  gelen 
gilgen  [das  französische  Gold]  geschmack  so  .stark.' 
Aksb.     Geli  Chind,  schöni  Chind!  sagt  die  Hebamme. 


wenn  das  Neugeborne  (weil  nicht  reif  genug)  noch 
leder-gelb  ist;  es  werde  ein  desto  weisseres  Kind  Z. 
Er  g'sicht  üs  tcie  das  gelb  End  [der  blasse  Tod]. 
Spreng.  ,Bei  den  gelben  Webern  gewesen  sein',  gelb 
und  blass  aussehen.  Kirchh.  's  g.  Wasser,  Krankheit 
der  Kälber,  bei  der  sich  in  den  Gelenken  Wasser 
sammelt,  so  dass  die  Tiere  lahm  werden;  angeblich 
in  Folge  von  salpeterhaltigem  Boden  des  Stalles  Z. 
S.  noch  Knopf.  ,Der  gelwe  Berg.-  1461/1536,  Schw, 
,Zum  gelen  Schat'^  Name  eines  Hauses.  1538,  Z.  Her- 
berge ,zum  gelen  Krüz'  in  Wthur.  Mal.  1593.  ,Gel, 
bleich,  flavus,  croceus,  fulvus.'  Fris.;  Mal.  Subst. 
die  Gel,  Name  einer  gelben  Kuh  Ap;  vgl.  Gelbsche, 
Gelbi.  Gelbe,  Erdäpfelbranntwein  F ;  Syn.  Fisler,  Lide. 
's  Gel,  was  sich  im  und  am  Hause  von  Messing  vorfindet, 
als  Geschirr,  Zieraten  udgl.  —  2.  uneig.,  bildl.  Er  ist 
gel,  berauscht.  Suterm.  De  Gel  und  de  Schel,  Personif. 
des  blassen  Neides  [?].  Sulger.  ,Er  ist  noch  gelb  um 
den  Schnabel,  narrechtig.'  Mey.  Hort.  1692.  Vgl.  nhd. 
.Gelbsehnabel'.  De'  g.  Abscheid,  einer  mit  Schimpf 
und  Schaden ;  angeblich  von  dem  Abschied  auf  gelbem 
Papier,  den  Söldner  bekamen,  die  sich  der  Päderastie 
schuldig  gemacht  hatten  Z.  Hesch-mrr-f'  niene"  g'seh 
uf  de"  gele"  Riebe'  rite'?  Bs.  , Wärint  die  usslüt  [die 
[Zürcher.  Landleute]  nit  g'syn,  so  welltind  wir  die 
gelben  keiben  [die  Stadt-Zürcher]  bald  heim  in  die 
statt  gejagt  haben  [im  1.  Kappelerkrieg  15'29].'  1531, 
Absch,,  wahrsch.  i.  S.  v.  ,verhasst'  (Gr.  WB.  IV  1,  2, 
■2882)  oder  ,mit  den  wyssen  antliten'  Bd  I  350.  Die 
gel  Frau  oder  die  Gel  s.  Bd  I  1242;  dazu  nachträglich 
Folgendes.  Dass  die  g.  F.  meistens  die  Patin  oder 
eine  nahe  Vwdte  der  Braut  ist  (auch  in  AaF.;  L), 
stimmt  mit  der  Angabe,  dass  sie  bei  der  Hochzeit  die 
Stelle  der  Mutter  vertritt  (AaF.;  Spreng)  und  dass 
sie  auch  wieder  Patin  des  ersten  Kindes  wird  (AaF.;  L). 
Weil  sie  bei  der  ganzen  Anordnung  und  Vollziehung 
der  Bräuche  sehr  viel  zu  tun  hat.  heisst  sie  auch 
Frau  G'schäftigi.  Sie  gibt  Brautleuten  und  Gästen 
die  nötigen  Anweisungen  für  ihr  Verhalten;  schon  auf 
dem  Zuge  zur  Kirche:  Drum  sim-mer  hüt  se  stätli''' 
z'  Chille  'zage',  d'  Hochzlteri  vorüs,  und  ire  hed  d'  Gel- 
fraic  kes  Aug  verzage'  [von  ihr  abgewendet] ,  *'!  teilt 
Cotisynen  [Anweisungen]  üs.  Häfl.  Die  g.  F.  nimmt 
auch  das  während  der  Hochzeitmesse  von  den  Gästen 
auf  den  Altar  gelegte  Opfer  und  händigt  es  der  Braut 
ein  L  (Ineichen).  Sie  gibt  ihr  auch  bei  Tische  An- 
weisungen, daher  der  Scherz:  Die  Gelb  hed  g'nianet 
scho"  ml  Gret:  Am  Mol  gib  Acht  c  chlei',  wenn-d's 
Fleisch  hest  vo'  de'  Beine'  'zert,  leist  nebe'  d'  Teller 
d'  Bei'.  Ineichen.  Laut  Stald.  1797  trug  die  g.  F.  in 
ihrem  Körbchen  Nastücher  und  Blumensträusse  für 
die  Gäste,  womit  stimmt,  dass  sie  im  Aa  nach  Kochh. 
Gl.  jedem  Gast  einen  Rosmarinzweig  gibt.  Nach  In- 
eichen L  setzt  sie  Braut  und  Bräutigam  die  Kränzlein 
auf  und  gibt  dem  Letztern  beim  Abnehmen  des  sei- 
nigen einen  Backenstreich.  Wenn  es  den  Gästen  ge- 
lingt, die  Braut  zu  entführen,  z.  B.  in  ein  anderes 
Wirtshaus,  so  muss  die  g.  F.  sie  dort  holen  und  die 
,Ürte'  bezahlen  L  (Ineichen).  In  AAWohl.  löste  sie, 
oder  wenn  es  keine  g.  F.  gab,  eine  der  eingeladenen 
Frauen  def  Braut,  sobald  sie  vom  Altare  zu  ihrem 
Stuhle  zurückkam,  den  Kranz  aus  den  Haaren  und 
übergab  ihn  dem  Paar  zur  Aufbewahrung.  G.  F. 
heisst  auch  das  aaü.  Bd  1  951  unter  dem  Namen  die 
fürigi  F.   beschriebene    Kinderspiel.     „Der   g.  Götti, 


Galw.  gehv,  gilw,  golw.  gnlv 


die  g.  Gotte  heissen  die  für  die  abwesenden  wirklichen 
Paten  eintretenden  Uw";  vgl.  Schlotter-Götti.  —  Gelbes 
Haar  (,coma  aurea/  Mal.)  gilt  als  besonders  schön, 
daher  die  Ermahnung  an  junge  Mädchen:  JEssed  Älte- 
n-dchs,  so  chömmed-er  gel  Zupfen  über!  Z. 

Mhd.  gd(wj.  Sehr  altertümlich  ist  die  aus  GrD.  ange- 
gebene Form  gelmo  mit  dem  eingeschobenen  Voc.  In  der 
ä.  Litt,  findet  sich  ,gälw'  in  der  Bibel  1531/60,  aber  schon 
1525  auch  ,gäl',  ebenso  im  Vogelb.  und  bei  Ansh.  Natür- 
liche Folge  der  Äbstossung  des  w  (h)  war  Verlängerung  des 
Voc.  Eine  Übergangsform  ist  das  ein  Mal  bezeugte  gdl 
(II  assimiliert  aus  iw).  Die  Schreibung  ,Geltfrau'  bei  Mal. 
ist  nicht,  wie  Bd  I  aaO.  als  möglich  vermutet  wurde,  die 
ursprüngliche,  sondern  eine  umdeutende  Entstellung;  der 
Grund  der  Benennung  .gelbe  F.'  bleibt  aber  dunkel;  in  Aa 
Wohlen  zwar  kleidete  sie  sich  in  auffallend  viel  Gelb  (Gold). 
Im  Namen  des  Kinderspieles  ist  ,gelb'  ohne  Zweifel  =/firi<; 
zu  erklären  und  erst  später  statt  des  Letztern  eingetreten, 
durch  Übertragung  von  dem  Hochzeitgebrauch.  Die  Anwen- 
dung auf  die  Stellvertreter  der  Paten  wird  daraus  zu  er- 
klären sein,  dass  die  ,g.  F.'  Stellvertreterin  der  Mutter  und 
meist  auch  Patin  der  Braut  ist.  Der  Backenstreich  wird 
.jetzt  als  eine  Art  Rache  des  weiblichen  Geschlechtes  für  die 
geopferte  Jungfräulichkeit  gedeutet;  der  ursprüngliche  Sinn 
war  aber  vielleicht  derjenige  der  Erweckung  von  Fruchtbar- 
keit; s.  Mannh.  Baunik.  S.  299;  vgl.  aber  auch  s.  v.  firmen. 

Abend-  n.:  gelbe  Färbung  des  Abendhimniels. 
Morgerot  und  Äbiggcl  giH  e  nasses  Haseßl  ZUhw. 
Ahiggel  —  Morgerege'  oni  Fei  [unfehlbar]  Th.  Vgl. 
regen-g.  und  A.-Höni. 

äggeli-:  Ton  der  Farbe  der  Eiereniente  kleiner 
Kinder  Z.  Vgl.  dreck-g.  —  S.  .%/  Bd  I  155  uud  vgl. 
yüijgdi-g. 

Ocher-.  auger-.  .Ochra.  augergel.  berggel  oder 
ochragel.  Sil  atticuui,  aug..  kunipt  über  meer  her.' 
Fhis.;  Mal. 

Mhd.  oj/er  n.  dass.,  aus  lat.-griech.  ochra.  Unsere  Lexiko- 
graphen scheinen  das  ö  des  Fremdw.  nach  andern  WW.  ge- 
deutet zu  haben,  deren  ö  sie  (wie  oft  im  Franz.)  ans  au 
entstanden  wussten,  welchen  Laut  sie  dann  herstellen  zu 
müssen  glaubten.  Betr.  das  Sachliche  vgl.  Quenstedt,  Minera- 
logie, S.   659. 

gol^-erde"-,  verstärktes  .goldgelb'  Zßauma. 
Erde   nur  abstr.  verstärkend    beigesetzt,    wie   schon    die 
Betonung  zeigt;  s.  Bd  I  4-37. 

gibeli-i  krankhaft-,  fahl-gelb  wie  bei  vergilben- 
den Pflanzen;  nur  spottweise  als  Verstärkung  von 
,gelb'  BM.,  U.    -    S.   ver-yiblen  und    Gibe. 

gäggeli-:  1.  =  äggeli-g.,  doch  auch  i.  S.  v.  eigelb- 
farbig Z;  im  letztern  S.  auch  gaggeli-g.  G.  In  der 
Kinderspr.  oft  verbunden  mit  mimggeVhrün.  —  2.  röt- 
lich- hell-,  feurig  gelb  Sch. 

Bei  2  ist  wohl  Vermischung  mit  GoggeUgo  Sp.  17  7  an- 
zunehmen, da  in   Z  auch  goggeli-g.  vorkommt. 

züud-gold-,  Verstärkung  von  ,goldgelb'  U;  Uw. 
—    Vgl.  gold-erde-g.      Xünd-  gehöl't  also  nicht  zu  gold-. 

für-zünd-gold-:  hochgelb  Gl.  Yg\.  färzündigrot. 

goldliche-,  goldlichi-  Z,  goliche-  ZDüb.,  gulUx^e- 
GT.:  goldgelb,  auch  von  gelb  gewordenen  Spitzen, 
die  weiss  sein  sollten  Z. 

Das  2.  W.  ist  verk.  aus  dem  alten  hchum,  welches  mit 
Bez.  auf  den  Leichnam  Christi  oft  beteuernd  und  allg.  ver- 
stärkend (wie  Erde  u.  a.)  vor  beliebigen  Adjj.  gebraucht 
wurde,  im  XVI.  auch  in  der  Schweiz;  s.  Gr.   WB.  7,  628. 

hoch-:   hochgelb;  als  Subst.  Kuhname  B. 


baue"-:  strohgelb.  Bezeichnung  gewisser  Stoffe 
für  Frauenkleider  ZZoll.f   -   Aus  frz.  pr,;He.  Stroh. 

Berg-  n.:  ein  Mineral.  Nüscheler  1608,  34.  Vgl. 
Auger-g.  —  blf-:  bleigelb.  XV.,  G  Stiftsarch.  — 
brü(n)-:  braungelb,  z.  B.  von  gebackencn  Kuchen 
Gr;  Z.  —  rege"-:  vom  Himmel,  wenn  die  Sonne  bei 
ihrem  Auf-  oder  Niedergang  den  Horizont  mit  einem 
hochgelben  Glänze  vergoldet,  was  ein  sichrer  Vorbote 
von  Regen  ist  ScuSt.;  Th;  Z.     Vgl.  Abend-g. 

Boss-,  Eüsch-  n.:  Rauschgelb,  geschwefelter 
Arsenik,  von  rotgelber  Farbe.  ,Gib  im  [dem  Adler] 
in  der  speis  rüschgel  oder  rot  operment  zuo  essen.' 
VoGELB.  1557.  ,Reuschgel  oder  rossgel,  bergrot,  san- 
daracha  vera.'  Mal.  ,Reuschelgelb',  als  Mineral.  Nü- 
SCHELER  1608,  .34. 

Urspr.  ,Ross-,  Euss-g.',  von  it.  roeso,  rot  (weil  das  Mineral 
r.  gelo  lieisst),  mit  Umdeutung  auf  lautähnliche  deutsche  WW. 

saffran-,  saffret-  S.  ,Die  Safrangelben',  Spitzn., 
den  man  den  Juden  beilegte,  indem  sie  im  Mittel- 
alter genötigt  waren,  ein  gelbes  Abzeichen  zu  tragen. 
, Augen  saffergel.'  Vogelb.  1557.  —  gold-schmilbe»-: 
ganz  goldgelb  Ap.  —  schwöbel-:  schwefelgelb.  Am 
'29.  Juli  1548  sah  man  die  Sonne  von  einem  Ring  um- 
geben, ,mit  farwen  wie  ein  regenbogen,  grüen.  blauw 
und  schwebelgel.'  Mey.,  Wthur.  Chr. 

tuble-  CtoblaJ-i  goldgelb  Ap.  —  Tui.lr,  Dublone. 
Goldmünze. 

töni-  B,  deni-  W:  hell-,  quitten-gelb ;  von'  der 
Farbe  des  Eidotters,  Honigs,  frischer  Grasbutter,  aber 
auch  von  der  Gesichtsfarbe  Kranker  und  Sterbender. 
User  Lebtig  het  de^  Bueb  kes  Galle fieber  g'ha';  da 
wird -nie'  ja  tönigelb    und   er  ist  nie  gelbe''  worde". 

GOTTH. 

Eig.  gelb  wie  eine  Toni.  Trollblume,  trollius  europ., 
wegen  ihrer  hochgelben  Blumen  auch  Anke'hätti,  frz.  houh 
d'or,  genannt. 

dreck-:  1.  ganz  gelb  ScuNnk.  —  2.  =  äggeli-g.  7^. 

—  1  also  nicht  vergleichend  wie  2,  sondern  nur  verstärkend, 
zünd-wachs-  UwE.,   zünd-  Gl;  L;  G;  S;  Ndw, 

gold-zünd-  Gr:  .brennend'  gelb.  Prallet  Äpirra 
mit  (/-er  Gratta,  geröstete  Kartoffeln  mit  g.  Bodensatz 
Gr  (MKuoni). 

Gelbacher  Th,  Gelbecker  Gr:  eine  Art  Äpfel. 
Syn.  Gelb-Öjifel.     Vgl.  Ächer  Bd  I  65. 

ggl^'-acht,  -acht  Z,  -ocht  Uw:  gelblich.  ,Die 
färb  der  federen  ist  geteilt  aus  schwarzlächtem,  gäl- 
ächtem,  weissem.'  Vogelb.  1557.  ,Sufflavus,  gellecht 
und  rauchfarb.'  Fris.  ;  Mal.  ,Die  citeronenfärbigen,  gel- 
ächtigen  [Pestgeschwüre]  sind  am  allersorglichisten.' 
Arzneibuch  ZZoll.  1710.     Vgl.  gilbig  und  gel-lecht. 

Gel"ele"  s.  Gerweren. 

gelbhaft:    gelblich  GrD. 

gelwe°,  gelbe",  gele":  gelb  werden,  z.B.  vom 
reifenden  Korn,  vom  absterbenden  Gras  und  Laub  im 
Herbst.  Es  Pergament,  vu  ÄUi  hat  's  mächtig  g'gelbet 
g'ha".  Akderl.  1852.  .Flavere,  gelwen,  gel  werden.' 
Fris.;  Mal.  —  er-:  ebso  Gl;  Gr.  Der  Wald  ist  e-t. 

—  ver-:  vergilben  Ap.  Zu  gelb  werden,  von  über- 
reifen Pflanzen  Ndw. 

gel^^ere":    gelber  werden  Ap:  ..Scn'. 
Gel''''er(n)e"  s.  Genceren. 


Galw— guhv.    Galz— gulz 


Gelwetsch  m.:  der  (gelbgraue)  Holzhäher,  gar- 
rulns  glandarius  W.  Syn.  Zapfenräggi.  —  Betr.  die 
Bildung  vgl.  Fideritsch,   Gei/etsch,    Gübertsch. 

Gel"!  f.:  gelbe  Farbe.  Das  oder  der  ist  e  Gelbi! 
sieht  gelb  aus!  Gl;  Gr  (z.B.  vom  Aussehen  eines 
Gelbsüchtigen).  Auch  Gelbsucht  als  Krankheit  der 
Weinreben,  deren  Laub  in  nassen  Jahren  gelb  wird  Z. 
,Ein  tröwents  angsicht  es  stets  treit  [das  den  Neid 
darstellende  Tier],  geli,  on  färb.'  Salat. 

gel"-lecht  s.  gel'°acht. 

Gelbling  (,Gilbl.'  Vogelb.  1557;  Mal.):  Pirol,  auch 
Ammer  spec.  .Icterus,  ein  vogcl.'  Mal.;  Denzl.  ,Es 
wird  von  einem  Vogel,  Galgulus  oder  Eupica  genannt, 
auf  teutsch  Gelbling  oder  Hämmcrling,  vorgegeben 
[dass  er,  einem  gelbsüchtigen  Menschen  aufgebunden, 
die  Krankheit  abnehme].'  Wmz  ITtiO.  , Weltscher 
gilbl.,  hirundo  hortulana  [Gartenammer,  Ortolan].'  Mal. 
S.  auch  GilwerCichJ  u.  Emmeritz  Bd  I  218. 

Gel  WS  che  Gelbsche  f.:  gelbe  Kuh  GnSpl.  Syn. 
Gehven,  Geltsclien. 

gilw  gilb:  bleichgelb,  von  Wolken,  als  Anzeichen 
nahen  Sturms  oder  Unwetters  SchwE.  .Gilb,  luteus.' 
Denzl.  1677;  1716.  —  i-Forni  zu  «/Ar,  zunächst  viel!,  vou 
GUwi  und  güwen  gebildet. 

gilwe",  gilbe':  1.  tr.  gelb  färben,  z.  B.  den  Grund 
von  grün  zu  färbenden  Stoffen  Bs.  Früher  auch  in 
der  Kochkunst.  ,Geuss  ein  wenig  guoten  wein  daran, 
gilbs,  tuo  darzuo  gewürz.'  Vogelb.  1557.  ,Rutilare. 
gleissend  oder  scheinend  machen,  gilben  wie  gold.' 
Fris.  —  2.  (auch  ver-)  intr.,  gelb  werden  Gr;  GG.; 
ScHwE.;  Z,  z.  B.  von  den  Wolken  (s.  giliv);  fahl,  welk 
werden,  absterben,  z.  B.  von  Gras  und  Blumen.  — 
er-:  (refl.)  sich  verschlimmern,  von  körperlichem  Zu- 
stand PMu.    —    Mhd.  gilwcn  in   Bed.    1,   refl.  =  2. 

Gilwere  s.  Gerwere. 

Gilwer(ich)  Gilber  „B" ;  SStarrk.,  GilberichftJ  B, 
neben  -ig,  -isch  B  (Zyro),  „Gilbrätsch-  m.  —  Dim. 
Gilbertschi  BGu.:  1.  Goldammer  (Gelbfink),  emberiza 
citrinella.  ,Doppelter  G.,  Grauammer,  Gerstenammer, 
grosser  Ammer,  emberiza  miliaria.'  Meisxer  k  Schinz 
1815.     .Gilbling,  Gilberschen,  emb.  fl.'   Vogelb.  1557. 

—  2.  (Güberig)   gelb,    übel    aussehender    Mensch    B. 

—  3.  Gilbertsch,  Wollüstling  Bße. 

3  kann  aus  2  als  spec.  Fall  hervorgegangen  sein,  viell. 
aber  schliesst  es  sich  enger  an  mhd.  gilwerinne,  die  (mit 
gelbem  Abzeichen  versehene)  Hure.     S.  noch  gilherig. 

„Eör-Gilber,  -Gilbrig:  Wiesen-,  Rohr-Ammer, 
emberiza  pratensis  B;  S."  —  ,Zün-gilberig:  Zaun-, 
Zirl-,  Hecken-,  Pfeif-:  Frühlingsammer,  emberiza  cir- 
lus.'  Meisner  k  Schinz  1815. 

gilberig:  brünstig,  von  der  Kuh.  Übertr.  auf 
Mädchen:  mannstoll,  geil,  üppig  S. 

Kaum  zu  trennen  von  GUhertsch,  obwohl  eine  Bez.  auf 
gelbe  Farbe  bei  dem  .\dj.  nicht  ersichtlich  ist.  Zu  einer 
überzeugenden  Etymologie  zu  gelangen  verhindert  überdies 
die   Nbf.   güi^rig   (s.    0.). 

Gilwi  f.:  gelbe  Farbe,  gelber  Anstrich,  a)  ein 
dünner,  flüssiger  Teig  ans  Mehl,  Milch  oder  Wasser 
und  einer  starken  Portion  Honig  gemacht,  um  einen 
Fladen  damit  zu  bestreichen  ScnwMa.  —  b)  Gelbsucht 
als  Krankheit.  ,Es  sind  etlich  [Bettler],  die  heissent 
die  Schweiger,   die  nemmend  Pferdmist  und  mengent 


den  mit  Wasser  und  bestryehcnt  Bein,  Arm  und  Hände 
damit,  so  werden  sie  geschaffen,  als  ob  sie  die  Gilwe 
oder  andere  grosse  Siechtagen  hettent.'  1422,  Bs  Rats- 
verordn.  S.  noch  Übergälle  Sp.  205.  Auch  von  Pflan- 
zen: ,Ich  wird  euch  schlahen  mit  dem  brenner  und 
der  g.'  1531.  Amos  (1667:  ,dürrc  und  brand-;  jetzt: 
.Getreidebrand  und  Vergilben-). 

Mhd.  gihn;  gelbe  Farbe;  Gelbsucht;  nhd.  .Gilbe'  auch 
eine  gelbe  Erdart;  vgl.  das  Folg. 

Berg-  =  Berggelw.  Die  gelben  Strohhalme  in  ge- 
wissen Kristallen  scheinen  ihren  Ursprung  zu  haben 
in  jener  .flüssigen  Berggilbe,  welche  den  Stein  nicht 
hat  mögen  durch  und  durch  färben.'  JJScheuchz.  1708. 

gilb  ig:  gelblich.  , Etliche  Pestilenzgeschwär  sind 
rot,  etliche  g.,  etliche  schwarz.'  Arzneib.  ZZoll.  1710. 

Gilbli  m.:  Übername  eines  mürrischen,  verweint 
aussehenden  Menschen  ApK.     Vgl.  Gilberig  3. 

Gilbling  s.  Gelbling. 


Galz:  verschnittenes  Schwein.  1.  (in.)  männliches 
E;  S.  Syn.  Barch.  Vgl.  Lauer.  —  2.  (f.)  in  BE. 
Gahle',  weibliches  Bs;  B;  L;  S.  In  Bs  fand  im  XIV. 
in  der  .finnigen  Scholen'  der  Verkauf  der  .Moren'  und 
Eber,  der  nicht  rein  erfundenen  Schweine  und  der 
.Galzen'  statt. 

Mhd.  gahe  f.  in  Bed.  2.  Altn.  gültr,  schwed.-dän.  galt, 
verschnittener  Eber.  Gr.  WB.  IV  1,  2,  3120  nimmt  das  W. 
ais  wesentlich  identisch  mit  dem  Adj.  galt,  nur  mit  teil- 
weiser Laut-  und  Begriffsverschiebung.  Das  Gemeinsame  wäre 
der  Begriff  der  Unfruchtbarkeit,  positiv  bei  beiden  Tiergat- 
tuugen  die  Eigenschaft,  dass  sie  zur  Mast,  nicht  zur  Zucht 
dienen.  Der  Lautabstand  niuss  wohl  durch  die  von  Gr.  III 
1303  für  , falzen'  im  Yerhältniss  zu  , falten'  und  für  ähnliche 
Erscheinungen  angenommene  fortgesetzte  Lautverschiebung 
erklärt  werden  oder  durch  Annahme  ursprünglichen  Neben- 
einanderbestehens beider  Lautstufen.  Betr.  den  Voc.  vgl. 
noch   Gik,   Götz. 

galze°  (jrak/p"  BO.,  ,gelzen.' Spreng:  verschneiden, 
castrieren,  bes.  Schweine.  , Galzen,  aushawen,  ver- 
schneiden; heilen;  lübben,  castrare,  evirare.'  Red.  1602. 
S.  noch  golzen;  gauzlen.    Syn.  Nimnen  machen. 

Galzer,  auch  Ga^^t  (Spreng),  ffa?2?er  B;  L,  ,Galz- 
ner.'  1588,  L,  auch  Sü-,  Söu-:  m.  Schwein verschneider. 
Als  Zuname:  .Krügel  der  galtzer.'  1398,  L.  ,Cuonrat 
der  geizer.'  1308,  Sch.  In  letzterer  Form  Geschln. 
ScH.  Wegen  der  G.  wird  1416  entschieden,  es  sollen 
die  N.  N.  ,hier  diesseits  der  Reuss  die  Weid  niessen, 
allein  nicht  über  die  Reuss  galzen.'  Absch. 

galzin:  Adj.,  vom  Fleisch  verschnittener  Schweine. 
Das  schön  g.  Fleisch  sollen  die  Metzger  so  entfernt 
von  den  grossen  Bänken  auflegen,  dass  man  dazwischen 
hindurchgehen  könne.  TnFr.  Stadtordn.  1331.  ,Dass 
man  enhein  finnig  Fleisch,  mörins  noch  gelzins,  in  der 
Schale  feil  soll  han.'  1365,  Bs.  ,Jeklich  Meyer  soll 
den  knechten  landwyn  und  rindfleisch  und  schön  bärgis, 
und  nit  galzis  geben.'  1453,  Arch.  AAWett.  —  heil-: 
pleonastische  Verstärkung  oder  Erklärung  des  vorigen. 
.[Die  Fleischschauer]  sond  alls  schwynifleisch  ge- 
schouwen  und  suudren,  das  finnig  und  süwin  und  heil- 
gelzin  sunderbar  feil  haben.'  AaB.  Stadtb.  —  Von  hcilm, 
castrieren. 

Gälzc  f.  =  Galz  2.  ,Die  gälze,  geize,  noune.  ver- 
schnittene saw,  castrata  sus.'  Red.  1662. 


207 


Galz— cfulz.    Gam— gura 


(iilz  111..  Gilzg  f.,  Gilsge"  m.:  der  Gipfel  Jos 
Bauiiios  Z.  I''s&ih(ili  tcfe"  chledere".  Syn.  Grotzen; 
Tiilder.  Auch  etwa  übertr.  auf  die  Spitze  eines  Brot- 
laibes ZBass. 

IIa  Gr.  WB.  aaO.  für  Gah  ein  ablautendes  Vb.  als  Grund- 
lage sucht  und  auch  Formen  mit  i  in  der  Bed.  von  ,Galz' 
nachweist,  sowie  in  Guh  den  Ablaut  des  Ptc.  findet,  so  könnte 
auch  das  hier  vorliegende,  sonst  verwaiste  und  rätselhafte 
W.  auf  ein  Vb.  'gihen,  schneiden,  zurückgeführt  werden,  nur 
niüsste  angenommen  werden,  dass  der  Wipfel  urspr.  als  ab- 
geschnittener bezeichnet  wäre.  —  In  GUzg  ist  <j  angehängt 
wie  in  Plaiz<j  u.  a.  nach  falscher  Analogie  von  Blitzt/,  welches 
.aus  Umstellung  von  ,Blick-z'  (Intensivbildung  von  ,Blick')  zu 


rklär 


ist. 


Golz  111.  =  Gah  3  Aa;  BsL.,  =  Galz  1  LG.  — 
golzen  =  gaben  BBrisl.  .Das"  diu  von  S  unsern 
golzler  in  unsern  grichten  nit  wollen  lassen  golzlen.' 
147.x  B  an  S. 

Golzeren  f.:  Fluni.  1G07,  II. 

Viell.  urspr.  Name  eines  Ortes,  wo  Wald  umgehauen  <Rler 
gestutzt  wurde;  s.   Anm.  zu   GHz. 


Gani,  geiu,  gim,  goin,  giiiii,  resp.  ganim  usw. 

Ciamaliii.  Garn  eh  ü  m.,  f.:  1.  geschnittener  Edel- 
stein, Camee.  ,Ein  urich  guldin  krüz  mit  einer  ga- 
inahü  und  mit  edelm  gestein'  im  Schatz  des  Klosters 
Kijnigsf.  1357.  ,Ein  pacem  [Priedenstäfelchen]  mit 
eiin  berlimuoter  Ölberg  mit  eim  ganiahu,  wigt  an  gold 
12  lot.'  Burgunderbeute  1476,  Absch.  ,Dem  gainachin 
und  dem  edeln  Gestein.'  1483,  ebd.  .Gemnue,  quas 
Germani  vulgo  a  leni  mollitie  Speckstein  appellant  et 
Gammenhü.'  KdGessn.  1565.  ,Die  Gamahij  sind  ein 
Gattung  Fingerring  mit  gwüssen  Bildnussen,  Zeichen 
und  Buchstaben  gestochen  und  übersetzt.'  RGwerb 
1646.  ,Ein  Kleinot,  an  welchem  in  der  Mitte  ein 
Garamahü.'  Kirchenschatz  Hof  L  1766.  ,Ein  goldner 
Gürtel,  in  dessen  Mitte  ein  goldne  Rosen  mit  einem 
G.,  wigt  27  Sonnenkronen.'  ebd.  1790.  Syn.  Uniehel 
ScH.  —  2.  Gamehii  ra.,  grosses,  nach  Körper  und  Cha- 
rakter ungeschlachtes  Weibsbild  S. 

Mhd.  ffämahiu  m.,  f.,  afrz.  camageu,  mlat.  camctcus  ahu^, 
ramahotus,  -hütus,  die  Camee.  Das  barocke  Fremdwort  zu 
Bed.  '2  verwendet,  nicht  ohne  Anlehnung  an  hü!  oder  Hü"' 
und  an   Gamme",   Lärm. 

Gamander,  auch  dini.  -erli,  -änderli  Aa;  B,  Ku- 
mnnderli  Aa  in.:  Pflanzenn.  1.  wie  nhd„  teucrium, 
bes.  t.  chamsdrys,  auch  botrys  und  scorodonia.  Syn. 
Kalendern,  fürscor. :  inhll  Stilhim".  Schon  bei  Hadl.: 
,Garaandre  des  sumers  ;:i~.llr.  ,\lit  -.hafkraut  [pseudo- 
chaniadri],  gamenderli.-  Tikhi;.  1",';:;.  .Chamaedrys,  ga- 
manderle,  doch  nit  das  gemein  mit  blauwen  bluomen, 
edle  der  kleinen  Betonien.'  Fris.  ,Das  gamanderle, 
ein  kiaut  mit  blauwen  blüemlinen,  trissago,  cha- 
insdrys,  chaniserops.  Das  edel  gamanderle,  serrata.' 
Mal.  ,Gamanderlein ,  vergissraeinnicht,  chamsedrys, 
trissago.'  Red.  1662.  , Chamsedrys,  Gamänderlin,  Ver- 
gissmeinnicht.  Quercula,  Krottenkraut,  Gamänderlin.' 
Denzl.  1716.  ,Klee,  Gamanderlein,  Bockbart  [etc.].' 
JCNiGELi  1738.  —  2.  Ehrenpreis,  veronica  chamanlr.  ß. 
Syn.  wilds  Vergissmeinnicht;  Hennenäugli.  -  Berg-, 
-änderli:  t.  chamadrys  BO. 

Mhd.  gamandre  f.,  frz.  ijenmndree;  aus  chamaedri/a,  Zworg- 
eiche,  mit  welcher  das  Kraut  verglichen  wurde. 


Gamasehli  n.:  Überstrümpfe  U.    Syn.  Fink,   llher- 

f'uess,    Stifel.    —     Frz.    //»murhr: 

„Gammast  m.:  Haufe  'l'annzapfen  mit  Erde  ver- 
mischt BSi.' 

Ob  frz.  umriR,  Haufe,  mit  coli.  Ge-  und  angesetztem  tr 
Doch  wahrsch.  von  Stalder  verlesen  für  Tummast  (s.  Tann-iV.). 

Gammel  m.:  1.  Lust,  Kitzel,  Mutwille.  Bes.  in 
den  RAA.:  de^  G.  ist-em  vergange';  Ei"m  de'  G.  rer- 
tribe",  ne"BO.;ScH;Z.  Auch:  Zuneigung.  N.  Mt  mir 
de"  G.  g'nö",  hat  meine  Z.  verscherzt,  so  dass  ich 
ihn  nicht  mehr  mag  ZSth.  ,Das  macht  uns  demütig, 
schlägt  uns  den  muotwillen  und  g.  nider.'  Zwisgli. 
,Dem  arbeiter  vergät  der  g.  wol  am  karst.'  ebd.  .Vom 
brassen,  schlemmen,  unküscheit  wird  üch  der  g.  bald 
geleit.'  Seb.Brandt.  —  2.  lärmende  Freude,  fröhlicher 
Lärm,  Jubel,  wie  an  einer  Hochzeit,  einem  Volksfest 
ScH;  Z.  Dim.  Gämmeli,  Lustbarkeit,  kleines  Mahl  Z. 
Auch:  unruhiges  Treiben,  Spektakel.  —  3.  a)  hochauf- 
geschossener junger  Mensch  GO.,  W.,  We.  —  b)  Tauge- 
nichts ZW.  Syn.  Gamöl,  Beigel.  —  c)  grosser,  aber 
unbrauchbarer  Kohlsetzling  GWe.    Syn.  Narr;  Beigel. 

Mhd.  gamel  n.  und  yamen  m.,  n.,  Lust,  Spass,  Spiel;  engl. 
■Jim,,-.  Zu  3  vgl.  Gammel  bei  Gr.  WB.  IV  1,  1212  ebenf.  in 
pers.  Bed.  nach  Analogie  der  zahlreichen  pers.  Subst.  auf  -el 
mit  abschätzigem  Begriff;   doch  viell.   ein  anderes  W. 

gammle":  sich  lustig  machen,  schäkerhaft  ein- 
ander herumbalgen,  bes.  vom  mutwilligen  Treiben 
zwischen  beiden  Geschlechtern  ScH;  Z.  Syn.  gölen. 
Abi.  Gammler,  -erin.  —  Mhd.  rmmcin,  schäkern. 


lassen  fröhlich. 


gammlig  Sch,  g'gammlig  Z: 
jugendlich  mutwillig. 

gammele":  1.  gaukeln,  Kurzweil  treiben  Bs.  Syn. 
gritnele".  —  2.  bei  geringen  Schmerzen  empfindlich 
sein  Gl.  Abi.  Gämmeler,  Gämmeli,  ungeduldiger,  wei- 
bischer, zum  Klagen  geneigter  Mensch.  —  1  =  ynmmlni. 
2  zum  Ädj.  gämmelich  4  h. 

gämmelich,  -i(g)  (auch  „gimmeligF"):  1.  scherz- 
haft, mutwillig,  üppig,  heiratslustig  F;  W.  ,Gämnie- 
lich,  muotwillig,  als  ein  Jungs  pferd,  lascivus.'  Mal. 
,Dass  alles  das  dem  fleisch  zu  entziehen  seie,  dannen 
es  gämmelicher  und  geiler  wird.'  Helv.  Conf.  1566; 
1644.  ,Gamelig,  geltfressig,  geudig',  unter  den  Fehlern 
einer  Frau  aufgezählt  in  Schimppr.  1651.  ,Kril,  gäil, 
gämelig,  lascivus,  salax.'  Red.  1662.  ,Ferox  equus, 
das  freche  (gammelige)  ross.'  Vest.  1692.  ,Wie  man 
ein  gämraeUges  Ross,  einen  geilen  Hengst  zähmer  und 
bändiger  macht.'  JJUlr.  1727.  —  2.  schnell,  eilig, 
hastig,  in  Bewegungen  sowohl  als  im  Charakter  W.  — 
3.  auffahrend,  jähzornig,  reizbar  Gl;  W.  —  4.  a)  selt- 
sam, wunderlich  Gl.  —  b)  verzärtelt,  sich  über  jede 
Kleinigkeit  beklagend,  weibisch  Gl;  Syn.  leelldig. 

Mhd.  gemeUtch,  ahd.  gamanlih,  lustig,  spasshaft.  Ähnliche 
Bedeutungsentwickelungen  zeigen  arig,  gOlig,  gspämg.  Ge- 
meinsam ist  allen  Bedd.   der  Begriff  des  Unruhigen. 

gamme":  gelüsten  BBe.  (Dkr). 

Gammer,  lämer  BRi.  — m.:  sinnliches  Gelüsten 
BBe.,  Ha.,  Ri.  —  Wohl  statt  Gammel;  doch  vgl.  auch  kämt. 
gämen,  lüstern  sein;  eig.  gähnen  nach  Etwas;  s.  gucneyt. 

gammerig,  kämerig  BRi.:  1.  lüstern  nach  Etw. 
BO.  —  2.  gammerig,  frohsinnig,  leichten  Gemütes  F. 
Syn.  gammelig  1. 


gern,  gim,  goni,  gum 


Giiniöl  IB.:  närrischer,  läppischer  Kerl  ZO.  Syn. 
GaUori.  —  Stamm  Gum-  wie  in  Gammel  mit  Ausgang  -öl 
nach  Analogie  von   6SI,    LSI. 

gäm(in)ere°:  nach  Etw.  lüstern  sein;  doch  nicht 
gerade  mit  Beziehung  auf  Nahrung  U.    Syn.  guenen. 

Gamilie"  m..  f.:  1.  Gabelung,  a)  eines  Baumes, 
Nebenstamm,  -ast  GSa.  (m.;  Dim.  ßinimU);  GRPr.  (f.). 
Syn.  Griggelen.  —  b)  die  Gabel  am  Pflug,  Pflugsterz 
GRUVatz.  Syn.  Geizen.  —  2.  „(m.)  Stück  Land,  das 
durch  ,Zusammeneren'  und  ,Gräten'  [in  der  Mitte] 
erhöht  worden  ist  B."  —  3.  (f)  m.  t.  t.  der  Schwinger. 
Der  Hakenschwung  (Beinunterstellung),  wobei  man 
dem  Gegner  die  rechte  rer.se  hakenförmig  ums  linke 
Bein  .schlägt,  ihn  gleichzeitig  rückwärts  stösst  und 
überdreht  BO.;  LE. 

Zu  it.  gamba  (auch  com/w),  churw.  comha,  vhamma,  Bein. 
Zu  1  vgl.  it.  ijumbo,  Pflanzenstengel  (eig.  Bein  einer  Pflanze). 
In  2  liegt  ebenfalls  die  Anschauung  des  Dach-  oder  First- 
formigen,  also  Gegabelten.  Hieher  viell.  auch  die  B  Ortsn. 
Gammen  und  Gammeten.  Mit  3  Tgl.  die  gleichbed.  it.  dar  il 
gamltetto,  churw.  dar  comha  und  frz.  donner  U  croc-€n-jamhe. 
Vgl.   noch  Kamen. 

Bü-,  Pflueg-  f.:  das  in  natürlichem  Wuchs  ge- 
schweifte Pflugholz,  an  dessen  hinterm  Ende  die  Pflug- 
sterz; der  Pflugbaum  GrPr.  Syn.  Grindel.  --  Vgl.  harn, 
den  Acker  bestellen. 

üs-gamme°:  sich  gabeln.  De'  Baum  gammet  vs, 
wenn  sich  2  oder  mehrere  Stämme  aus  einem  Stocke 
bilden  GnPr. 

gammig:  ungeschickt  zum  Gehen,  hinkend;  von 
den  Kälbern,  wenn  sie  bald  nach  der  Geburt  Wasser 
(gehv  W.J  in  den  Gelenken  bekommen  BM. ;  von  den 
Ziegen,  die  im  ersten  Frühling,  des  Gehens  entwöhnt, 
bald  müde  und  momentan  lahm  werden  BSi.  Syn. 
barhäinmig. 

gammele":  Jmdm  (beim  Schwingen)  ein  Bein 
stellen  und  ihn  so  zu  Fall  bringen  LE.  Syn.  de' 
Sägge'  schlä",  beinle".   —   Ahgel.  von   Gammen  S. 

zwei-gämmlig:  zweigipflig,  von  Bäumen  GSa. 
—    Zu    Gammen   1  a. 

Gämmeli  (Af  auch  -erli)  n.:  kleine  Scheune  oder 
Hütte  auf  den  Weiden  der  Niederungen,  worin  etwas 
Stroh  und  das  Vieh  untergebracht  wird  Ar.  Vorstall 
bei  den  Alphütten  BO. 

Zu  churw.  camonna,  -iinna  f.,  c«Mio«n  m.,  tessin.  caman, 
oberit.  camana  (alt  cavana  =  capanna,  frz.  cabane),  Alphütte; 
Verschlag  im  Stall  für  Kleinvieh.    Vgl.  Gr.  WB.  4,  1,  1212. 

In-Ganm,  -gom  m.:  Einsasse;  Hofgenosse;  Miets- 
mann. ,An  sneles  burgers  hüs  für  üfgat  und  er's  oder 
syn  ingomen  innan  werdent.'  TuFr.  Stadtordn.  1331 ; 
ähnlich  1495,  GRickenb.  ,Item  die  ingomen  söUent 
och  einem  heren  einen  weibel  geben  und  söllent  bitten, 
dass  er  im  das  ampt  lyche.'  OS'q.  TnThund.  1463. 
,Umb  Ingoumen.  Wer  mit  eins  ingounien  kind  oder 
vogtkind  ütz  märktoti  an  ir  vatter  oder  vögten  wüssen 
und  willen,  ist  10  pfd  verfallen.-  1464.  Scaw.  ,Da  soll 
ein  stuelsäss  oder  ein  ingöm  frid  gebieten.'  Offn.  Th 
Sulgen  1472. 

Die  Stämme  gomo.  Mann,  und  gaumen  {Nbf.  gomen).  Wache 
halten,  haben  sich  schon  im  Mhd.  bisweilen  vermengt;  vgl. 
,der  gotes  goume  [vir  Dei]  lac  ruowen  in  deme  troume'.  Dies 
scheint  auch  hier  der  Fall  zu  sein.  ,In-gom'  wäre  ganz  = 
dem  Syn.  ,In-mann';   ,In-gauni',   Einer,  der  aufs  Haus  ange- 


wiesen ist,  das  Haus  hütet,  im  Gegs.  zum  .Burger',  dem 
freien  Haus-  und . Grundbesitzer.  Die  Form /njnum  ist  aber 
eher  besser  bezeugt;  denn  auch  in  dem  Beleg  von  1463 
könnte  wohl  .ingumen'  gelesen  werden,  wie  in  einer  gleich- 
zeitigen Quelle  aus  gleicher  Gegend  ,böm'  =  Baum ;  ü  in  den 
Drucken  oft  statt  ,ö'.  Schon  ahd.  findet  sich  bei  Notk. :  ,sie 
werdent  ingoumen  hiusero,  in  lares  domorum  vertuntur." 

gaume"  (^ömeApId.  1788;  GRPr.  u.a.;  GRh.,  W., 
gomme  Ap;  (iTa.;  Sch;  Th;  ZSth.):  wohl  eig.  mit  ge- 
öffnetem Munde  spähen.  1.  (gaume")  sich  hungrig 
hinstellen  und  ohne  Worte  betteln  SchKI.  Syn.  guene" 
neben  gueme";  gäw^e",  gä'-e".  —  2.  Wache  halten. 
Acht  haben,  hüten,  a)  mit  Präp.  bi-me-ne  Chind,  bime 
Chrankne  g.,  bei  einem  K.,  einem  Kr.  bleiben  und  sie 
hüten  Z  u.  a.  —  b)  mit  Dat.  (in  ä.  Spr.  Gen.).  i'mf 
Chrankne",  de  Chinde"  g.  De'  Herrgott  häd-em  g'gau- 
met,  G.  hat  ihn  bewahrt  ZDättl.  ,Ein  bannwart,  der 
der  wäld  un  1  hölzer  warte  und  der  [derselben]  goume 
mit  trüwe.'  Oä"n.  AaKöII.  1400.  ,Vögte  [Baunwarte], 
die  des  holzes  gaumind.'  Urk.  ZHorg.  c.  1460.  ,Paulus 
spricht  zu  den  bischöfen  uss  Epheso:  goumen  üwer 
und  der  ganzen  schar.'  Zwingli.  .Des  Huses  goumen 
müssen  [d.  H.  hüten  m.].'  Cts.  c.  1600.  ,Man  kann 
der  Ehr  nicht  genug  g.'  Mey.  Hort.  1692.  Auch  tr.: 
mit  Bez.  auf  Vieh  VOrte;  Gl;  Gr.  Uf  User  Alp  muess- 
me"  d's  Veh  nie  g.  [überwachen].  Wer  gaumet-d^r 
[dir]  hiU  dl  War  [dein  Vieh]?  Zwicky  1856.  Di 
Trübe"  göme,  vor  Diebstahl  hüten  Gr.  's  Geld  g.,  in 
guter  Verwahrung  halten,  das  eigene,  wie  ein  Geizhals 
B;  Gl;  U,  oder  fremdes,  an  vertrautes,  das  man  zu 
verantworten  hat  B.  Am  Verkündsonntag  wird  die 
Braut  von  2  Simsegaumerne  [Brautliüterinnen]  g'gaumet 
GrD.  Einen  Kranken,  einen  Sterbenden  ,g.'  B;  F;  Gl. 
Euse  [unser]  Herrgott  well-is  [uns]  g.  (oder  ver-g.), 
Gott  wolle  uns  behüten  ZAuss.  Chind  g.,  kleine 
Kinder  bewachen,  besorgen,  pflegen  Gl;  G;  U,  spe- 
cieller:  sie  auf  den  Armen  herumtragen,  wiegen,  ihnen 
die  Zeit  vertreiben  B;  Gr;  W.  Es  [mein  Weib]  gü'mt 
d'r  Büebel  [den  Buben]  BSi.  Es  muess  allzit  d's  Chind 
goumu,  sie  muss  stets  das  K.  auf  dem  Arm  schau- 
keln W.  ,Mir  ist's  wohl  zu  Hause,  meine  kleinen 
Jungen  zu  g.'  UBrägg.  1784.  ,Ich  war  noch  nie  Kinder- 
meitschi  gewesen  und  also  gar  nicht  gewöhnt,  kleine 
Kinder  zu  g.'  Gotth.;  vgl.  Gaiimsehuel,  Kleinkinder- 
schule. ,Die  gefangenen  g.'  1552,  Ndw  LB.  ,Das  land 
g.  und  verwaren.'  ÄgTschüdi.  —  c)  abs.  a)  in  allg.  S. 
Wenn  de''  Herrgott  nüd  gaumeti,  gab  's  na'''  [noch]  vil 
me''  Unglück  Z.  „Gott  gaumet  wunderbar  SchwMuo." 
Auch:  sich  in  Acht  nehmen:  gaum-da,  flieh  von  jener 
Stelle  weg!  W.  ,Und  lag  jedermann  an  syner  gwar- 
sami  und  gompt  und  huot='"  zum  besten.'  Fründ  1446. 
In  allen  Quartieren  der  Stadt  L  mussten  während  des 
Gottesdienstes  2  Männer  ,g.',  d.  i.  bes.  auf  die  Hand- 
habung der  Feuerpolizei  achten,  c.  1470,  Liebenaü  1881, 
s.  Gaumeten  u.  Gaumer.  , [Durch  Aufnahme  von  In- 
sassen in  die  Gemeinde]  wird  des  grichtsherrn  sorg 
und  gaummüe  gemeret.'  AAWett.  Arch.  1479.  ,Bald  so 
[sobald]  Struss  des  Eggen  namen  nit  nemmen  [nennen] 
will,  fürbüt  er  stark  und  bedarf  doch  des  goumens 
nit  [ist  sehr  vorsichtig  und  hat  doch  nicht  nötig,  sich 
in  Acht  zu  nehmen].'  Zwingli.  ,Wir  ermahnen,  Hund, 
die  zum  G.  unnütz,  abzuschaffen.'  Z  Mand.  1714.  , Ge- 
denke, dass  dir  Übels  begegnen  könnte,  wann  Gott 
nicht  gaumete.'  Ky-bitrz  1753.  —  ß)  mit  Bez.  auf  kleine 
Kinder  BO.;  Gr;  Sch;  aScHW;  Ndw.    , Curare  parvulos.' 


(ia 


gaiiiii, 


goiii,  gum 


302 


1.1.  H.  Du  rhaiist  rcnmidt  toll  ff.,  weisst  sehr  gut  mit 
ileii  K.  umzugelien  BO.  8U  ir  am  G.?  freundliche 
Frage  des  an  einer  Mutter  Vorbeigehenden,  ebd.  Z'  (j. 
liherchon,  ein  Kind  bekommen;  z'  g.  wellen,  schwanger 
sein.  Si  häd  z'  y.  im  G'reis,  ist  wieder  in  gesegneten 
Umständen,  ebd.  Z' g.  han,  1)  ein  Kind  haben.  2)  auch: 
einen  kranken  Finger  haben,  der  eingewickelt,  ver- 
bunden, übh.  besorgt  werden  muss  und  etwa  mit  dem 
gesunden  Arme  wie  ein  kleines  Kind  gehalten  wird 
BKi.  Das  Vieh  füttern,  pflegen  F  (Kuenlin).  ,Ver- 
dingkinder  werden  zum  ü.  oder  Geisshüten  angehalten.' 
Landw.  Wochenbl.  B  1847.  —  f)  das  Haus  hüten  in 
Abwesenheit  der  andern  Hausgenossen  .Aa;  Ar;  B; 
VOrte;  Gl;  G;  S;  t^cH;  Tu;  Z.  P>'  cha"'  nid  z'  Chllle" 
[Kirche],  i'''  inuess  ff.  allg.  B'hüet-i  |euch]  Gott! 
Gaumed  wol!  Abschiedsgruss  beim  F"rt;;i.'hrii  ;ni  den 
oder  die  zu  Hause  Bleibenden  Ar;  GA..  1.;  S.  ii;  S.  hw; 
Th;  Z.  So  durel's,  bis 's  [das  Mäd.-ln-nJ  am  Miirkt 
diheim  eleige"  ffommet.  Schwzd.  ,Sedere  domi,  dem 
haus  hueten,  daheimeng.'  Fris.;  Mal.  , An  sonn- und 
fyrtagen,  so  man  züo  kilcheu  gät,  soll  in  jedem  hus 
ein  mensch  g.,.  das  nit  minder  denn  14  jar  alt  syge.' 
Olfn.  AABöttst.  1585.  Händ-er  g'gaumet?  Gruss  bei 
der  Rückkunft.  Gott  grüez-i  mit  cnaitdtre" !  Händ-er 
ff'ffaumt?  SiUTZ.  G'rad  hüt  /»>  ''  nnicli-t'''  mis  Jliiiulrli 
z'iceg  und  säge  mit  Freude" :  Omi  lilnhi-i  lanl  iiinimct! 
ebd.  Der  Vorübergehende  grii>>l :  .^n-n- um  (r..-'  L;  S. 
yaumed-er?  Sca;  Z.  Auch:  ,in  Abwesenlieit  einer 
Fauulie  ihr  Haus  bewohnen  und  ein  Aufsehen  darüber 
halten"  B.  In  Sch  schliesslich  geradezu  =  ruhen, 
nicht  arbeiten.  —  d)  refl.,  sich  hüten  (vor)  Ar;  L;  Zg. 
l'i'  muess-mi'''  gomme",  sagt  der  Kranke  Ar.  ,Und  ob 
ein  hofmann  einen  gast  lyblos  tiiti,  der  soll  sich  g. 
vor  des  erschlaguen  fründen.'  Offn.  öchwWoU.  148i. 
,Es  möchte  im  von  den  unsern  lychtlich  etwas  be- 
gegnen, darum  habint  wir  in  gewarnet,  dass  er  sich 
goume.'  15'25,  Absch.  ,Etliehs  ist  geschriben,  dass  wir 
uns  darvor  goumiud.'  Bibel  1531.  ,Er  [der  Pfarrer] 
soll  sich  vor  dem  Wein  g.'  1534,  Z  Synod.  Act.  .^ich 
vor  laster  hüeten  und  g.,  declinare  vitia.-  Mal.  ,\Veil 
ich  Gott  furcht,  so  gom  ich  mich  und  sich  mich  um.' 
Vad.  ,So  er  sich  nit  g.  wolle,  werde  man  ine  ver- 
schicken [fort  schicken].'  1597.  L.  ,Sind  die  Aus- 
erwählten so  behutsam,  dass  sie  vor  Verführung  sich 
g.  können?'  FWvss  1055.  ,Gaura-di'''  vor  dim  nie" 
[neuen]  Schuelmeister.'  Balz.  1781. 

Mhd.  goumeii  und  yöumen,  ahd.  guumian,  goumön,  got. 
gaumjan,  beobachten,  hüten.  Bed.  1  (welche  sich  auch  im 
JBair.  .findet)  steht  wohl  der  Grundbtd.  und  dem  Grundw., 
welches    bei   uns  duruli    '''""    (Sil    :'o  i    iiml   .fnu;  „    xrihrtuu 

ist  uud   den  Begrilf  .Ir-  IJ  iI1-h~   iI"/«,    nii    "tl-i \liiiiile, 

mit  offenen  Augen  dii^irh.m  ni-'l  i  ih  L  i .  luh.  i  ,  ■!  i-  imi  I  ^yii. 
i/iit«,™,  üblicher  </««u,.,  iflU  m>  li  ih,/ii,  »i.  dir  amlM.  Xl.fen 
gnmm  und  gueme  sich  ZU  eiuauder  verlialteu.  —  Wie  tief 
das  W.  dem  Schwz.  Alemannen  in  Fleisch  und  Blut  steckt, 
beweist  u.  a.  der  Umstand,  dass  ÄgTschudi  den  Namen  des 
Schlosses  Güminen  ,zii  Latin  custodiam,  ze  TUtsch  Goumiuen' 
von  demselben  ableitet  (s.  dagegen  bei  tf«mw).  -  Vgl.  tppoupsu) 
in  ähulichei-  BegrittsentwickUnig.  —  Ob  der  BSa.  Flura. 
(Imimbtrg  eine  Alpe  bedeute,  auf  welcher  ausnahmsweise  das 
Vieh  beaufsichtigt  werden  muss,  oder  Alpe  bei  einem  Bann- 
walde, oder  was  sonst,  ist  nicht  leicht  zu  ergründen. 

ab-:  hüten,  schützen.  .Gebannte  Wälder  (auf 
Alpen)  a.'  N.  Gl  Zeitg  1872.  —  üs-:  einen  Kranken 
bis  an  sein  Lebensende  pflegen  ,,B0. :  F.;  Gl."  B'r 
Nachbiir  häd  d's   Wxb  icto  üsqoumd,    hat  seine  Frau 


nach  langer  Pflege  nunmehr  durch  den  Tod  verloren 
BRi.  Mt;r  kein  hüt  den  Alten  üsgüumt,  der  Vater  ist 
uns  heute  gestorben  BGt.  Mer  hei'  üsg'gäumt,  unser 
Kranke  ist  gestorben  BHa.  Helfen  üsg..  einen  Ster- 
benden noch  auspflegen  BBe.  (s.  Bd  I  554). 

ver-:  1.  bewachen,  beaufsichtigen;  verwahren, 
bewahren.  B's  Obs  verg.  [vor  Dieben]  Schw.  „Der 
Wald  muss  vor  dem  Vieh  vergaumt  sein,  d.  h.  einge- 
friedigt." Me  [man]  cha""  d'  Chind  nüd  eisdig  v.  Gl. 
Vergamn-is  Gott,  G.  behüte  uns!  Z.  „Wir  sind  Gott 
Lob  vergaumet  geblieben,  d.  h.  bewahrt,  geschützt." 
.Das  Volk,  so  im  befolchen  ist,  nach  synem  vermögen 
zuo  verhüeten  und  zuo  v.  und  darzuo  syn  bests  .zuo 
tuon.'  Ar  LB.  1409.  ,Die  eidgnossen  verteilten  die  ge- 
fangnen in  die  örter  [nach  Kantonen]  ze  vergomen 
[sie  zu  verwahren].'  FrUnh.  ,Ein  hoptmann  mit  synem 
Volk  vergonipt[e]  und  behüct[ete]  das  tor.'  Edlib.  ,So 
hat  Gott  die  gesundheit  niynes  lybs  also  vergaumt 
und  verhüetet.'  HBull.  1527.  ,Vergoum  dein  herz  mit 
allem  fleiss.'  1531/48,  Prov.,  jetzt  ,behüte'.  ,Womit 
mag  doch  ein  jungmann  seinen  weg  bass  v.  und  säu- 
beren?' 1531/48,  Psalm.  .Ir  predikanten  sind  schuldig, 
euwere  schäflin  vor  den  Wolfen  zue  v.'  1532,  LeüJud. 
,Gott  hat  die  synen  vergaumpt.'  UMey.  1540/73.  ,Dass 
man  si  [Huss  und  Hieron.]  sollte  als  ketzer  v.'  Vad. 
Gott  spricht  zu  Adam :  ,Der  krüter  sollt  du  gwalt  han,  si 
vergoumen  [im  Reim  auf  ,somen',  Samen].'  Ruef  1550. 
Kain  zu  Gott:  ,Sich  z'  hüeten  hat  er  eignen  gwalt; 
muess  ich  in,  Herr,  allweg  v.  ? '  =  bin  ich  denn  meines 
Bruders  Hüter?  ebd.  , Einen  in  seinem  haus  v.,  asser- 
vare  aliquem  domi  suse.'  Mal.  ,Hoedos  pascentes  ser- 
vare,  verhüeten,  v.'  Fris.  ,Alle  hüeter,  die  in  ver- 
gaumtend.'  c.  1570,  AaTscHUDi.  ,Das  schloss  v.  und 
verwaren  helfen.'  1576,  Z.  ,Der  Margstaller  soll  die 
Füllin  und  Feldross  v.  und  versehen.'  XVIL,  Gesinde- 
ORDN.    Muri.     ,Dem    Kelnhofer    die    Vergaumung    des 


-iott 


Waldes  auferlegen.'  Iii3!^,  Hott. 
vor  kriegen  v.'  Z  Litur.i;-.  liill.  .iM^itn  imiii|icmo  la- 
bellum,  vergaum  dein  maul.'  1>in/i,.  lilTT;  ITlii.  .Ihre 
Häuser  vor  den  Lauwinen  v.'  JJicuEicuz.  ITutJ;  dafür 
1746:  , verhüten.'  ,Die  Strassen  sollen  vor  Schaden 
vergaumt  werden.'  Z  Ges.  1791.  ,Ein  Stern  vergaumte 
ihn  vor  Schiffbruch.'  Fdssreise  1798.  .Anordnungen 
bestimmen  zur  Vergaumung  der  Archiven.'  Z  Feuer- 
ordn.  1809.  Auch  mit  Dat.:  Me'  muess  de'  Chinde" 
eissdig  v.,  immer  bei  ihnen  sein ;  i'''  han->;ne'  de"  ganz 
Voi-mittag  vergaumet  Gl.  —  2.  verhüten,  a)  mit  Obj. 
Wenn  ja,  Gott  vergauvi's,  Für  üsbräch  Z.  „Gott  ver- 
gaum's,  wende  es  gütig  ab  Z."  , Krieg  zu  v.'  15'24,  Z. 
,Ergernuss  der  schwachen  zu  v.'  1526,  G.  ,Wir  ha- 
bend mit  unserer  leer  unruen  vergaumt.'  1532,  LeoJfd. 
,Wann  si  schand  und  laster  an  iren  kindern  v.  und 
fürkommen  wolltend.'  Kessl.  ,Diss  alles  ist  uns  zur 
Warnung,  grössers  Schadens  ze  v.'  UMkv.  1540/73. 
,Dass  er  si,  allerlei  unrats  zu  v.,  bevogten  wellte.' 
V.iD.  ,Prohibere,  verhüeten,  v.,  verhinderen.'  Fris.; 
Mal.  Damit  ein  unversehener  Überfall  ,vergaumbt' 
werde.  1634,  Absch.  .Durch  mutwillige  Verhärtung 
(ach  Herr,  vergaum  es!)  gar  zu  einem  Zornspiegel 
werden.'  JCMey.  1657.  ,Zu  allen  anderen  Füllen  (die 
Gott  gn.  vergaume).'  Z  Ratserk.  17'26.  .Alle  Sorgfalt 
zu  Vergaumung  des  s.  v.  Ungeziefer.'  1770,  Si-vki. 
Wais.  —  b)  mit  folg.  ,dass':  verhüten,  dass  (nicht). 
,Rat  und  predikanten  ze  Zürich  habend  ernstlich  ver- 
goumt,  dass  ir  volk  nit  ist  ufrüerig  worden.'  Zwixcu.i. 


303 


Gain,  ganm.  gein,  gim,  goui,  gum 


304 


,Veigauiii,  vergauui,  meine  Liebe,  dass  du  uit  allweg 
im  kummer  hinlebest.'  HBdll.  1527.  ,Gottes  gnad  yer- 
wart,  verhüet,  vergouiut,  dass  [das  schwache  Fleisch 
nicht  der  Sünde  verfällt].'  Rdef  1550.  ,Gott  vergaume, 
dass  wir  nicht  verstockt  bleiben.'  JMüll.  1673;  dazu 
der  positive  Ausdruck:  ,G.  wolle  und  verschaffe,  dass 
wir  in  einen  Reuen  geraten.'  ,Ein  studiosus  philo- 
sophiffi  soll  V.,  allzuvil  auf  die  eine  Seiten  sich  zu 
henken.'  JJHott.  1666.  ,Weil  der  gnädige  Gott  ver- 
gaumet,  dass  keine  Malefiztaten  begangen  worden.' 
JCEscHER  1723.  ,Vergaumen,  dass  nicht .. .'  Genieindc- 
verw.  Z  1801.  —  3.  (refl.).  ,Vergoumend  üch,  dass  ir 
nit...'  ZwiNGLi  1527.  .Niemand  soll  den  andern  an 
lyb  oder  guot  antasten,  sonders  sich  jedermann  des  v.' 
1531,  Absch.  ,Wie  die  armen  sich  vor  den  reichen 
hüeten  sollend  und  vor  den  gwaltigen  sich  v.'  1531/48, 
Sir.  ,Jeder  Christ  soll  sich  vor  Schwören  und  üppigen 
Worten  vergäumen.'  XVn.,  Gesindeordn.  Muri.  ,Wie 
sich  ein  Mensch  vor  der  Pest  v.  [möge].'  JJBreit. 
1629.  Auch  ohne  Eefl.-Pron.  und  mit  Äcc.-Obj.:  .Wir 
wellend  von  dem  predigampt  schryben,  damit  menklich 
die  hochmüetigen  klapprer  v.  könne:  dann  wo  man 
sich  vor  inen  nit  verhüet,  so  kumpt  alle  tag  ein  nuwe 
Irrtum.'  Zwingli  1525  (geleitet  von  der  lat.  Construction 
cavere  ahpn  neben  c.  ab  aliquo).  ,Sich  zu  hüten  und 
vor  allen  heidnischen  Greulen  sich  zu  v.'  1667,  Levit. 
,Vergaume  dich,  nicht  zu  hurtig  einzusaufen.'  GHeid. 
173'2.  ,Dass  Jedermann  sich  vor  Schaden  und  Straf 
sorgfältig  zu  hüten  und  zu  v.  wüsse.'  Z  Nachr.  1756. 
,Wornach  sich  jedermann  zu  richten  und  vor  allfälligem 
Schaden  zu  v.  weisst.'  L  Intelligenzbl.  1810.  —  „Ver- 
gaumer:  Bewahrer,  in  phys.  und  moral.  S.,  z.B.  ein 
V.  der  Rechte  des  Volkes  Z." 

be-gaume".  ,[üie  Äbtissin]  mag  einen  ieklichen 
hueber  twingen,  dass  er  des  forstes  ein  jar  b.  und 
behüeten  muess.'  XV.,  Z.  ,Die  sollen  dem  Zwingherreu 
ein  vich  b.  mit  anderem  irem  vich.'  Offn.  AAFreienw. 

Gaumer,  Gäumer  {Gomer  GnSchud.,  Gömmer 
GRPani),  in  ZWl.  auch  Gaumler,  Gäumler  m.: 
Hüter,  Aufseher.  ,Gott  ein  g.  ist  und  hüeter.'  Ruef 
1550.  Spec.  1.  Einer,  der  in  Abwesenheit  der  Andern 
das  Haus  hütet  Ap;  VOrte;  Gr;  G;  Z.  So  heissen  G. 
die  Knechte,  welche  den  Winter  über  die  Bergkur- 
häuser (wie  das  auf  dem  Pilatus)  bewachen.  .Mache 
einen  Brief  an  den  P.  Guardian,  er  solle  mir  [dem 
Pfarrer]  einen  G.  [Invigilanten]  schicken  auf  Montag.' 
XHerzog  1862.  —  2.  Kinderhüter  BD.;  Gr;  Ndw;  W; 
vgl.  Gaumerin.  —  3.  Viehhüter.  ,Ein  Kühbub  oder 
Junger,  der  die  Herde  hütet,  heisst  auch  ein  G.' 
Steinm.  1802.  —  4.  a)  Waldhüter,  Unterförster  Gr; 
Z  IS.  —  b)  Plurwächter,  um  das  bürgerliche  Gemüse- 
land zu  bewachen.  Es  gab  dem  Range  nach  erste  und 
zweite  G.  und  alle  Bürger  wurden  zu  diesem  Dienste 
verwendet.  ZWthur  c.  1830.  Von  Gemeinde  wegen 
bestellter  Hüter  für  Obstgärten  und  Weinberge  ZWl.f 

—  5.  Sitten-,  Polizeiaufseher.  , Während  des  Gottes- 
dienstes mussten  G.  auf  den  Strassen  herumgehen, 
damit  kein  Lärm  gemacht,  kein  Wasser  geholt  werde 
etc.'  ZWthur  f.  ,In  allen  Quartieren  mussten  während 
des  Gottesdienstes  2  Gäumer  Wache  halten,  auch  auf 
die  Handhabung  der  Feuerpolizei  achten.'  L  1340  u. 
später    (Liebenau).     S.  noch  Gäum-Fänli  u.  Gaumet. 

—  6.  Gomer,  Gefängnisswärter  GuRr.  In  Gr  ehemals 
die  Polizeiwache  zur  Beschützung  ausserordentlicher 


Strafgerichte  über  politische  Verbrecher.  ,Dann  die 
Bündner  nicht  nur  mit  dem  Strafgericht  und  Gäumeren 
fortgefahren,  sondren  auch  etUehe  enthaubten  lassen.' 
WüRSTiSEN  1779.  ,6  bewaffnete  Gömer  mit  ihren  Har- 
nischen, Unter-  und  Übergewehr  begleiten  die  ver- 
strickte Person  vom  Rathaus  in  den  Ring.'  GrD. 
(Osenbr.). 

E-  [iH-Gomm,  V\. -Gümmer  ArK.):  bis  zur  Neuzeit 
Name  des  kirchlich -bürgerlichen  Sittengerichtes  in 
den  Landgemeinden  B  tw. ;  Z  f-  In  ApA.  der  Orts- 
pfarrer und  die  beiden  ,Hauptleute'.  als  Hüter  der 
Sitten  übh.  und  bes.  als  erste  Instanz  für  Beurteilung 
von  Ehehändeln;  so  bis  c.  1860.  Dasjenige  Mitglied 
des  Gemeinderates,  das  über  Zucht  und  Sitte  in  der 
Gemeinde  zu  wachen  hatte  Senf.  Einrichtung  und 
Wort  eine  Schöpfung  Zwingli's,  daher  Letzteres  sich 
nur  so  weit  Boden  verschaffte,  als  der  kirchliche  Ein- 
fluss  Zürichs  reichte;  übrigens  i.st  es  auch  in  Z  fast 
ganz  verdrängt  durch  die  Ausdrücke  ,Stillstäuder'  und 
.Kirchenpfleger',  hat  sich  aber  vielorts  festgesetzt  als 
Zuname  von  Familien,  die  einst  Träger  dieser  Würde 
waren.  Vgl.  noch  Chor-Richter.  ,In  unser  statt  [sind 
zur  Handhabung  der  Kirchenzucht  geordnet]  unsere 
eerichter  und  uf  dem  land  der  predikant  zusampt  dem 
undervogt,  den  eegoumeren  und  zweien  erbaren  mannen 
von  den  eiteren.'  Z  Mand.  1530;  1580.  .Vile  Pfarrer 
klagen,  sie  haben  keine  E.,  und  etliche  Gemeinden 
wollen  sie  ungern  geben.'  1533,  Z  Syn.  Act.  ,Von  den 
Eerichteren  ald  Eegoumeren  gewarnet  werden.'  Z  Mand. 
1539.  .Von  den  Eerichteren  ald  Zuchtmeisteron.'  ebd. 
,Censor,  zuchtgaumer,  hie  bei  uns  nennt  man  sy  auch 
egaumer.'  Fris.;  Mal.  ,Der  kirchendiener  und  ver- 
ordnete aus  der  gmeind,  sy  seiend  kirchraeier,  e.,  ge- 
schworne  oder  andere  erliche  leut,  sollen  die  namen 
der  armen  aufschreiben.'  Hochh.  1591  /  1693.  ,Ein 
Pfarrer  mag  eine  fehlbare  Person  beschicken  und  zu 
sich  nehmen  die  E.,  Ältesten,  Geschwornen.'  1613, 
JJBreit.  ,Allen  unsern  Ober-  und  Underamtlüten, 
als  Sehultheissen,  Landvögten,  Gubernatoren,  Vögten, 
Tschachtlanen,  Statthalteren,  Undervögten,  Freiweib- 
len,  Ammann,  Weiblen.  Ehgöumern,  Grichtsässen  und 
verordneten  Ufsehereu  unsern  Gruess.'  B  Mand.  1628. 
,Von  den  Kilchengüeteren  soll  durch  die  Kilchenpfleger 
dem  Ober-  und  Undervogt  sampt  dem  Pfarrer  und  den 
Ehegäumeren  jährlich  Rechnung  gegeben  werden.'  Z 
Mand.  1650.  ,Der  Ehegaumer  Eid-  der  Grafsch.  Ky- 
burg  1675  verlangt,  .zum  Vordersten  die  Ehr  und  Lehr 
Gottes  zu  schirmen,  also  dass  wo  Einer  ald  Eine  ver- 
ächtlicher weis  sich  äusserten  [wegblieben]  der  Kir- 
chen, auch  wo  man  die  Jugend  nit  zur  Kinderpredig 
und  Gottesfurcht  zöge..;  demnach  wo  zwei  Menschen 
einen  ärgerlichen  wandel  zusammen  führtend,  dasselbig 
anzezeigen,  auch  verhelfen,  dass  unser  Satzungen  wider 
das  Schweren,  Füllerei,  Spilen,  Tanzen.  Wuecher  usw. 
gehandhabet  werdint.'  .Ehegoumer,  welche  auf  Zucht 
und  Ehrbarkeit  zu  gewahren  ihren  Eid  haben.'  Z 
Landschulordn.  1684/1719.  ,E.,  censor  morum.'  Denzl. 
1716.  , Unsere  Beamtete:  Untervögte,  Weibel,  Richter, 
E.,  Stillständer  und  Geschworne,  sollen  auf  alle  im 
Mandat  enthaltene  und  verbotene  Sachen  fleissig  Ach- 
tung geben.'  Z  Mand.  1718.  In  ZBirmensd.  gab  es 
1736:  ,1  Ammann,  1  Untervogt,  1  Seckelmstr,  5  Richter, 
1  Weibel,  2  Dorfmeier,  3  E.,  1  Schulmeister,  1  Trüb 
[TrüllV]-  und  2  Wachtmeister'.    ,Aber  der  E.,  der  den 


gaiiiii,  gem.  giin.  t,'oiii. 


Christen  und  die  andern  Lumpen  zwischen  der  Predigt 
ins  Wirtshaus  gehn  sah,  ärgerte  sich  in  seinem  Herzen 
und  gedachte  an  seinen  Eid,  den  er  geschworen  hatte, 
Acht  zu  geben  auf  allen  Unfug  und  auf  alles  gottlose 
Wesen  und  solches  dem  Pfarrer  anzuzeigen.'  HPest. 
17SI.  , Chorrichter,  ^ine  Art  von  Ältesten,  auch  E. 
genannt.'  Gotth.  —  Eig.  Hüter  des  Oesetzes,  s.  JE  Bd  I  6, 
und  vgl.  amhd.  ewart,  Priester. 

Ofen-:  1.  Ofenhocker;  Einer,  der  sich  nicht  in 
die  Welt  hinauswagt.  Süloer.  —  2.  ,Pornacarius,  0., 
Ofenheizer.'  Denzl.  1677;  1716. 

Holz-:  Forstwächter.  ,Ein  jeder  H.  soll  allwegen 
zu  des  Gottshaus  Höheren  gaumen  und  sehen,  dass 
darin  nüt  geschädiget  werde.'  XVII.,  Gesindeordn.  Muri. 
.Was  das  Zäunholz  betrifft,  so  sollen  die  Viertleute 
und  der  H.  den  Bürgern  solches  nach  Bedürfniss  geben.' 
Offn.  AiAlik.  1676. 

Küe-:  Viehhüter  U.  Folgt  als  Dritter  in  der 
Rangordnung,  nach  dem  ,Senn'  und  dem  ,Zuesenn' 
oder  ,Handknab'.  Seine  Aufgabe  ist,  bei  jeglichem 
Wetter  das  Weidevieh  zu  überwachen;  s.  Gem.  U  56. 
.Imbellem  gregem  sequitur  Kühegaumer  und  Hand- 
knab.'  XVIII.,  Uw  Älplerged.     Syn.  Küejer. 

Köl-  und  Eüeben-:  Aufseher  über  die  zur  Privat- 
nutzung übcrlassenen  (meist  zu  Gemüsebau  benützten) 
Stücke  der  Allmende.  U  1701/21.  Vgl.  Blumer  KG.  II 
1,  36.3. 

Lade"-:  Ladenhüter;  Waare,  die  schon  lange  im 
Laden  liegt,  weil  sie  keinen  Absatz  fand  Aa;  Z.  In 
eine  Verbalcoiistruc-tion  setzte  MMsteri  das  Wort  um: 
Sind  (V  Sjiil:  und  Umid  dirl;  und  schön  und  artig 
blüendii.  Sil  nimmt  |k,iiilt]  si 's.  iiniimted-si  denn  au<-'' 
sciw  Sit  AdiiHis  Ziii-  dl"  l.iidi". 

,  8  i  1 1  e  n  -  G  ä  u  m  e  r ,  iuspecteurs  des  mceurs.'  F  Bez. 
Mu.  18114  It  Küenlin  183'2.     Syn.  .ß-ff. 

SiJÜsli"g-:  Bräutigamführer  GflGlar.  Syn.  Spüsen- 
Fiierer.     S.  Spüsen-Gäumerin. 

Dirnen-Gaumer:  161"2  wird  iu  LStdt  geklagt, 
,dass  die  versoldeten  D.  ihren  Dienst  schlechtlich 
versehen'. 

Weid-Gäumer:  Alpenaufseher,  Alpvogt  Gr.  Syn. 
Pfanä^;r. 

Wald-:  Aufseher  im  Walde  Gr.    Syn.  Holz-G. 

Zucht-Gaumer.  Antrag  der  TuLandsgemeinde, 
die  8  Z.  der  grossen  Kosten  wegen  abzuschaffen. 
1.531,  Absch.  ,Z.,  schetzer  der  sitten  des  volks  und 
auch  des  ganzen  regiments,  censores.'  Mal.  Syn.  ß.-G. 

Gaumeri  f.:  Überwachung;  spoc.  Pflege  eines 
Kindes,  Kranken  od.  Sterbenden  BHk.    Syn.  Gaumeten. 

Gaumeri",  resp.  Gau-,  Go-,  Garniere"  BRi.  f.: 
Aufseherin.  E  G.  ha",  eine  weibliehe  Person  halten, 
welche  in  unserer  Abwesenheit  das  Haus  hütet  Ap. 
Spec.  Kinderwärterin  B;  „Vw;"  Gr;  GT.  Syn.  Gaiimer- 
meitschi.  —  Spusen-Gäumerne"  (T'l.):  '-  vmi  der 
Braut  aus  der  Zahl  der  Vwdten  udri-  l'r.iiihljinieii 
erkorene  Jungfrauen,  von  welchen  si,'  am  \r)kiiiul- 
sonntage  scharf  gehütet  und  auch  am  Cupulatiuustage 
in  der  Kirche  in  die  Mitte  genommen,  im  Übrigen 
auch  zur  Hochzeit  gerüstet  und  geschmückt  wird  GrD.; 
s.  Bd  I  379  f.  und  vgl.  Sp.-Mueternen  u.  Vorgängerin. 
Syn.  Sp.-Füererin  (Gehri). 

Gaumet  m.,  Gaumeten  i.:  Überwachung,  Aufsicht. 
1.  -ete":   Bewachung.  Wartung  der  Kinder  Uw.     ,Die 


so  furohin  den  Gaumen  [wohl  verschr.  für  ,-et']  band, 
sollend  sich  morgens  vor  der  Hofzyt  zuo  Mess  ver- 
füegen  und  dann  daheimb  zu  Haus  verbleiben.'  L  An- 
sehenb.  —  2.  a)  Wachgenossenschaft,  dann:  Wach- 
bezirk, Quartier.  „So  wird  meine  Vaterstadt  L  in 
7  Gaumot  oder  Bezirke  abgeteilt."  ,Vor  Zeiten  hat 
man  zu  L  nach  den  Gesellschaften  die  Söldner  aus- 
genommen [ausgehoben],  jezund  aber  nimmt  man  nach 
den  7  Gaumeten  aus,  in  welche  die  Stadt  abgeteilt 
ist.  Diese  G.  müssen  alle  Sonn-  oder  Festtag  zwischen 
der  Predig  in  d^r  Stadt  gaumen  oder  wachen  von 
wegen  der  grossen  Feuersbrunsten,  so  die  Stadt  vor 
Zeiten  erlitten.  Sie  müssen  auch  zu  bestimmten  Zeiten 
im  Jahr  von  Haus  zu  Haus  die  Öfen  und  Feurstätte 
besichtigen,  dessgleichen  wie  die  Bürger  mit  Harnisch 
und  Gewehr  versehen  seien.'  Simml.-Led  1576/1722. 
Ir  wissid,  dass  i'''  Pfarrer  bl';  im  Udligeschwyler 
Gäumetli  [Dörfchen  bei  L].  dert  ist  miHHerd.  Ineichen 
185!».  Syn.  Wiirlil.  \-l.  ihinmir  .'-.  —  b)  das  betr. 
Aufsi.'hi -|i,T,nii;il  ^rll,.-i,  u  h'  /.  T.  sclion  unter  a.  Am 
Sniuiliij  fnii'li  ihrdiuniiil  i-liiinnd,  macht  flissig  ditr''' 
alli  Gasse'  d'  Hund  mit  Fräcke",  Mäntle"  und  Mutzit- 
schüpe"  [gestutzten  Jacken] ;  biivahrt-is  vor  Diebe"  und 
Fürsnöte"  Zg  (Schwzd.).  —  Vgl.  gr.  ypoupä,  1)  Vurschau, 
'2)   Garuisoii. 

„E-Gauniete°  f.:  Versammlung  der  Mitglieder 
des  Sittengerichts  Ap;  Z."  —  E-Gaumi  f.:  Sitten- 
gericht ApA.,  so  bis  in  die  neueste  Zeit.  ,Es  sollen 
alle  Unzuchtsfälle  von  dergesammteu  Ehegaume  unter- 
sucht werden  Ar  Verf.  1854.  ,In  Hundwyl  habe  eine 
Hebamme  ein  Kind  getauft;  sie  soll  vor  E.'  1631,  Ar 
Syn.-Act. 

gaumig:  der  Obhut,  Pflege  bedürftig,  schwer  zu 
pflegen,  anspruchsvoll;  weinerlich.  Nur  von  kleinen 
Kindern.  User  Ching  sl"  allisame  grüseli  g.,  wollen 
stets  gehätschelt  sein  BAarb.     Zu  gaumen  2  b. 

gäumele"  gei-  Bs;  U;  Uw,  gömele"  GRh.,  gömle" 
GStdt:  Dim.  zu  gaumen.  1.  dem  Traubenkeltern  ab- 
warten GStdt;  s.  Gäumler.  —  2.  (Kinder)  zärtlich 
warten  und  pflegen.  !''•  han-e  [ihn]  eso  g'gäumelet  uf 
der  Schöss  B.  —  3.  spielen,  tändeln  wie  Kinder  Uw. 
Ein  einzelnes  Kind  für  sich  allein  g'vätterlet,  mehrere 
zusammen  aber  gömeled  und  zwiir  mit  Spielzeug,  wel- 
ches daher  Gömeliwär  heisst  lil.'li.  Kinzweil,  Mut- 
willen treiben,  schäkern,  von  juiiLjeii  'i'ii'ieii  u.  Leuten 
BsL.;  ScHwMuo.;  U;  Uw.  Syn.  golen;  göpen.  Tän- 
delnd, ohne  Ernst  arbeiten  Uw;  Syn.  g'vätterlen. 

Gäumler:  Aufseher  der  obrigkeitlichen  Keltern 
in  GRh.  .Antoni  Locher,  Obergöramler,  Joh.  Kästeier, 
Torggelmeister,  Marx  Werder,  Gömmler.'  1741,  Inschr. 
eines  Kelterbaumes  G  StMarg.  Eine  ,G.-Ordnung'  vom 
J.  1802.  ,So  wenig  Wein  gab  es,  dass  der  Spital  in 
G  nicht  einmal  G.  in  seine  Törkcl  [Keltern]  schickte.' 
Pfau  1863.    Syn.  Trottmeister.    S.  noch  G.-Bilechli. 

gemmer:    1)  gebt  mir.    2)  geben  wirV    S.  geben. 

Gemmeren  s.  Gerweren. 

Ge'mmi  (PI.  Gemmeni)  f.:  Spielplatz;  der  zur  Vor- 
nahme gewisser  Jugendspiele  genau  begrenzte  Bezirk, 
welcher  von  den  Spielenden  nicht  überschritten  werden 
darf  BBi.  Viell.  bedeutet  auch  der  Bergpass  gleichen 
Namens  die  Landesgrenze.  —  Ob  zu  mhd.  gamen,  Spiel':' 

film  BSi.  (v.Eütte),  Gime"  I  BK.,  O.,  Gimme» 
BRi.;  Zyro,  Gimmen  BSi.  (lOb.)  m.  —  ,Dim.  Gime« 


307 


gern,  gim,  gom,  gaiii 


B;  VOrte",  Gimmli  BSi.:  1.  Spalte,  Ritze;  bes.  die  ab- 
sichtlich belassenen  Spaltöifnungen  zwischen  den  Bal- 
ken an  Milchgaden,  Heuschuppen  usw.,  um  dem  Wind 
Durchgang  zu  verschaffen.  G'höret  ir-'s  dur'''  d'  Gy- 
me°  pfiffe"?  GJKuhn.  Im  Gim,  von  Türe,  Fenster, 
Deckel  =  nicht  vollständig  ins  Schloss  gefallen,  so 
dass  noch  etwas  Luft  durchspielt  BSi.;  vgl.  achar 
(unter  Karr).  Syn.  Glffen,  Kitten,  Klatk.  —  2.  Gtmeli 
(dim.),  ganz  kleine  Dosis,  so  viel  man  zwischen  Dau- 
men und  Zeigefinger  fassen  kann;  Syn.  Priseli,  Töpli; 
dann  übh.  kleines  Bruchstück,  bes.  von  Esswaaren 
BStdt;  Syn.  Brösmeli.  Fig.,  es  het  es  G.  g'felt,  nur 
wenig  fehlte,  ebd. 

Gebildet  von  der  Wz.  g%-  in  gfeii,  gf-n-en  usw.,  hiare.  — 
2  eig.  =  die  von  den  beiden  Fingern  zusammen  gebildete  Spalte. 

„gime°,  bes.  dim.  gimele»,  gimle",  gimmle°: 
klaffen,   gähnen  B;  L;  Schw."     Syn.  glffelen,  ginnen. 

S.  Anm.  zu  glnen.  Vgl.  mhd.  achim  Nbf.  zu  schm ;  ahd. 
ktnan  neben  mhd.  i-tnien. 

Gime"  II:  Zorn.  Ja,  ja,  e  Glme  stechet  [steckt]  im- 
mer [in  mir]  Gr  (MKuoni).  —  Vgl.  Kmen,  doch  anch  G.  1 2. 

Oimmechsöl  und  tige'  Bocksfüess  und  Spillmugge'- 
hirni:  scherzhafte  Speisenamen  G.  —  Gehört  zu  den 
Entstellungen  bei  Imbiasgauch  Sp.  105. 

Cimmel  m.:  Gimpel  GW.,  wohl  i.  S.  v.  Einfalts- 
pinsel. ,Wuecherer  Fleckenstein  und  g.  Hertenstein 
und  etlich  im  Bat.'  Salat  1539. 

Vgl.  ijimmtUij  =  gämmelitj  und  Gummel  bei  Schm. -Fromm. 
Zu  t/immlen,  gähueu,  gestellt,  würde  es  ,Ma«laffe'  bedeuten. 

,gimmelig  :=  gammelig,  frohsinnig,  heiratslustig 
AaF." 

gimnier:  gib  mir.  8.  Anm.  zu  gäben  Sp.  76.  Hieher 
viell.  der  Wiesen-  (resp.  Acker-)  name  ,G.'  ZVelth.,  der 
viel  Dünger  verlangt;  vgl.  die  RA.  der  Bauern:  Eb 
me"  cha"  ne",  muess-me"  ge',  u.  das  folg. 

Gimmer-me"':  Name  von  5  verschiedenen  Höfen 
in  L.  Daher  die  KA. :  Er  ist  nid  vo'  Schenke'  [Dorf 
iu  L],  aber  üs-em  G.  i.  S.  v.:  er  ist  unersättlich,  ein 
Geizhals.  Vgl.  Gebigs  Sp.  96  und  den  Hofnamen 
Gibisnüt  (Gib-uns-Nichts)  Z. 

gommer  s.  Gott  (mir). 

Gonimer  m.:  1.  Einer  aus  dem  Zenten  Goms  im  W. 
Wenn  der  Schlaf  über  Einen  kommt,  so  sagt  er:  die 
Gommer  chommund  vier  (z'  MengartJ,  welche  RA.  eine 
Anspielung  darauf  sein  soll,  dass  die  G.  einst,  zu  einer 
Schlacht  zu  Hülfe  gerufen,  zu  spät  gekommen  seien, 
indem  sie  sich  verschliefen.  —  2.  ein  besonderer  Vieh- 
schlag, klein,  braun  W. 

„Gum  n.  [It  St.'],  Gumm  I  m.  [It  St.=]  —  PI.  Gü- 
mene":  Gebäude  zum  Aufbehalten  gewisser  Waaren 
BO.  —  Käs-:  Käsespeicher,  ebd." 

Von  St.°  zsgestellt  mit  Gumm  II.  Von  Niemandem  weder 
in  der  einen  noch  der  andern  Form  bestätigt.  Wenn  die 
ursprüngliche  Angabe  die  richtige  und  der  Voc.  «^  ist  (resp. 
war),  so  wäre   ,Gaum'  anzusetzen. 

Gumm  n  s.  K-. 

Gnnimel,  in  AaFtI.  Gummer  —  PI.  Gü-  und  Gu- 
—  m.:  bes.  in  dim.  Form:  1.  Kartoffel  Schw;  seltener 
AAFri.;  Gl;  S;  U;  Zg.  !'>'  hau  aw''  nu  [noch]  e'" 
grosse'  Garte',  darinn  wachst  Eisten  und  Barte",  Gum- 
mel  und  Bone"  und  anders  mehr.  Schw  Kiltspruch. 
I'''  bi'  sust  e'  g'schlagnC  Bur;  ha"  d's  ganz  Jar  nu''  G. 


z'  fresse",  mag  der  Zis  nit  use"  presse'.  Tryner.  184U. 
Harüs  und  Gummeli  g'nueg!  Herausforderungsformel 
der  Nachtbuben  Schw.  Daher  Gummeli,  G.-Schwyzer, 
geradezu  Neckn.  der  Schwyzer.  —  2.  (auch  Hasel- 
Gummeli)  Knolle  vom  Schweinsbrot,  cyclamen  europ. 
ScHwMorsch.;    ÜSeel.     Syn.  R.-Würze;    Gätzi-Epfel. 

Angeblich  so  benannt,  weil  die  ersten  Kartoffeln,  im  Jahre 
1727  von  einem  Söldner  aus  Frankreich  gebracht,  in  Schw 
zuerst  auf  dem  Hofe  Gummi  bei  Goldau  (Gmde  Arth)  ge- 
pflanzt wurden,  mit  der  seltsamen  Angabe,  in  Arth  selbst 
heissen  die  Kartoffeln  Berdbire",  sonst  iu  allen  Gemeinden 
des  Bez.  Schwyz  Gummeli.  Vgl.  auch  die  Allmend  Gummen 
bei  Schwyz.  Diese  Herleituug  hat  jedoch  in  sprach!.  Bez. 
starke  Bedenken.  Erwägt  man  dagegen,  dass  das  W.  in  den 
Zss.  die  allgemeine  Bed.  ,Knolle,  Kugel'  hat  und  dass  spec. 
Bach-Gummekn  das  Selbe  ist,  was  anderswo  B.-Bum(b)ele", 
so  ergibt  sich  ein  Grundw.  "  Gummel  in  der  Bed.  Knolle,  Rolle, 
ähnlich  wie  Bumhd,  kugelförmiger  Wulst.  Vgl.  die  Nbf. 
Gumintr  mit  Gegummei;  Gepolter,  eig.  wohl  das  Rollen  hohler 
Gegenstände  von  einem  Vb.  'gummen,  Schallw.  wie  das  Syu. 
bummen  in  der  Bed.  rollen,  poltern;  vgl.  Hummel  von  hummen. 
Der  urspr.  Ausgangspunkt  dürfte  aber  das  aus  frz.  pomme  de 
ten-e  entstandene  Bummeliterr  gewesen  sein,  welches  durch 
französische  Söldner  mag  nach  Hause  gebracht  worden  sein. 

SÜ-:  eine  geringere  Art  grosser,  weisser,  länglicher 
Erdäpfel  aScHW. 

Bach-Gummele°  (in  ScHwArth  B.-Gummere)  f.: 
Pflanzenn.  1.  Sumpfdotterblume,  caltha  pal.  LW.; 
ScnwKüsn.;  U;  Zg.  Syn.  B.-Biimbelen,  Ankeballen. 
—  2.  Alpenhahnenfuss,  ran.  alp.  LW.  —  3.  Bach- 
bungen-Ehrenpreis, ver.  becc.  ScnwKüsn.  Syn.  Bach- 
bum(b)elen. 

S.  Bachbummelen  und  die  Anm.  zu  Gummel.  Der  Name 
haftet  ursprünglich  und  volkstümlich  eig.  nur  an  1,  auf  2 
übertr.  wegen  Ähulichkeit  der  kngligen,  gelben  Blüten;  von 
den  Gelehrten  wurde  dann  die  Form  , Bachbunge'  (mhd.  bunge, 
Knolle  und  Trommel)  abusive  auf  3  angewandt,  denn  hier 
passt  die  Blutenform  durchaus  nicht  mehr,  sondern  einzig 
noch  der  Standort  in  Bächen.  Die  Nbf.  Gummcren  viell. 
angelehnt  an  gummcren. 

gummele"  Schw,  gummle"  L;  ScuwE.:  Kar- 
toffeln aushacken,  einsammeln.  Gummele  du  brav,  g. 
d.  b.!  Anfang  eines  Liedes  Schw.  Obse",  gummle', 
Streiii  reelle'  muess-i'''  schier  der  ganze"  Tag.  Tryner 
1840.  Syn.  herdöpflen.  —  Gummeler:  Kartoffelaus- 
hacker Schw.  —  Gummelet  m.:  Kartoffelernte,  ebd. 

Gnnimelast  Schw,  Gummilasch  Z :  Gummi  elasti- 
cum.    Syn.  Flasch. 

GUme"  m. :  Gaumen  Ar.  ,Wo  einem  am  g.  etwas 
gepresten  [würde],  nemme  er  [usw.].'  Tierb.  1563. 

Das  W.  nicht  volkstümlich ;  doch  wo  es,  aus  der  Schrift- 
sprache genommen,  mit  ou  gesprochen  wird,  wie  in  ZG., 
schimmert  das  alte  u  noch  durch.  Über  das  Verhältniss  zu 
den  amhd.    Formen  goume,  gueme  s.  Gr.  WB.  IV  1  a  1576  f. 

Gnmme°  I:  Bärentraube,  arctostaphylos  off.  (ar- 
butus  uva  nrsi)  U.  Syn.  Buchsberi.  —  Wohl  zu  Gummd, 
von  der  kugeligen  Form. 

an-gumme":   mit  Gummi  befestigen  Bs. 

Gummer  I  s.  Gummel. 

Gammer  n,  dim.  „Gummerli:  kleines,  hölzernes, 
ovales  Milchgeschirr  Schw;  LW."  —  Auch  österr.  — 
S.   die  Anm.   zu   Gummel  u.  vgl.   Gr.  Wß.  V  2588. 


G(e)-gnmmer   Gi-gumn 
Rumor  W. 


Gepolter,    Getöse, 


Garn— guni.    Ganib— gninb.    fiamhs— gumbs.    Gaiiif~-f,'"iiit'-    Oamp- gmiip 


310 


Urspr.  das  Geräusch  vom  Rollen  eines  riindcn,  hohlen 
Gelasses,  s.  Gummel  u.  Tgl.  das  deutsche  .rollen'  vom  Donner, 
sowie  frz.   roulcr,  roulement. 

gumm(e)re(n)  W,  gümmere"  (^iüwmre;  GrL., 
Mal.,  UVatz:  stark  tönen,  poltern,  rollen,  z.  B.  Tom 
Donner,  von  Holzblöcken,  die  den  Berg  hinunter  rollen, 
vom  Klopfen  an  einer  hohlen  Wand.  Man  hörte  in 
einem  Hause,  in  dem  es  spukte,  die  ganze  Nacht  kni- 
.stern  und  ,gummern',  als  wenn  viele  alte  Schriften  und 
Pergamente  aufgerollt,  gelesen  und  urahergeschmissen 
würden  W  Sag.  i'  stettigi  Gurre  läd-schi'''  güetekli''' 
ringer  ixische",  as  wemma'  über-sche-n-l"  gümmeret  und 
sche-n-albig  zersehmütze"  tued,  eine  starrköpfige  Mähre 
lässt  sich  mit  Güte  leichter  leiten,  als  wenn  man . . . 
und  sie  immer  peitscht.  MKuoni. 

Schallnachahniend  wie  die  Synn.  bumm(er)en,  gi.  ßo|J.ßEU), 
tonnen,  lat.  tonare  (f)  u.  a. :  übrigens  abgeleitet  von  'gummen 
(s.  Oummd,   Anm.) 

umme"-gümniere":  mit  Gepolter  und  Geräusch 
herumgehen,   herumstürmen  Gr.     S.  auch  gümmenen. 

Bach-Gummeren  s.  B.-Gummelen. 

Gamiui  I  m.:  1.  der  bekannte  Klebstoff,  gummi 
arabicum,  allg.  ,3  lod  gumy  darinn.'  Arzneib.  1556. 
,4  lodt  gumych.'  ebd.  Abi.  angummen.  —  2.  gummi 
elasticum.     Syn.  Gummelast. 

Gninini  11  —  PI.  Gummene'  —  m.:  Commis,  Ge- 
schäftsdiener; bes.  der  Handlungsreisende,  commis 
voyageur.  allg.  Eine  vom  Volke  nicht  gerade  hoch 
taxierte  moderne  Charakterfigur.  De  G.  mache",  vor- 
witzig dienstfertig  sein  Z.  's  Omnibus  füere'  werd' 
gäng  und  gab,  b'sungers  wege'  dene'  vile'  Gummene", 
wo  jetz  chömme".  Schild.  ,Spöttische  Blicke  schössen 
sie  mir  zu:  Es  isch  e  Gummi,  e  Gummi,  e  Müsterler 
oder  e  Schntder!  hörte  ich  schon  von  Weitem.'  Gotth. 
,Das  Geld  wird  rarer,  wo  viele  Wirte  sind  und  Gum- 
mene Büntel  um  Büntel  ins  Welschland  führen.'  ebd. 
Syn.  Müsterlirüter.     Abi.  Gümmeler. 

G.  aus  .Commis'  wie  Gummode"  aus  ,Commode'.  Das 
lautliche  Zstreffen  mit  0. 1  gibt  auch  dem  Begriffe  eine  mehr 
oder  weniger  gefühlte  komische  Färbung. 

Wi"-:  Geschäftsreisender  einer  Weinhandlung. 
.Naturgeschichte  des  Weingummis.  Er  gehört  unter 
die  Zug-  oder  Wandervögel.'  B  Hink.  Bot  1884. 

Gummi  in  s.  Kumm. 

gnmniifö:    wie   sich's  gehört,   gehörig.     Be''  Bock 
ist  g.  g'macht  Bs.   —   Frz.  comme  U  /mit. 
Gummilasch  =  Gummelast. 
Gumniss  s.  ge-wunnens. 
Gümmeler  m.:  Handelsbeflissener,  Commis  voyageur 


B.    —    Von  einem  von  Gummi  II 
dini.  Vb  'qihnmchii. 


chtlichem  S.  abgel. 


gnmmene°:  1.  poltern  BRi.  -  2.  „herum-g..  herum- 
schwärmen, ohne  Zweck  hin-  und  hergehen,  z.B.  im 
Hause,  ohne  zu  wissen,  was  man  eigentlich  tun  will 
BO."  Syn.  gummeren.  —  S.  Anm.  zu  Ge-gummer  und  zu 
Gummel  u.  vgl.   das  deutsche  ,herum-rumpeln'  in  ähnl.  Bed. 

Gummi  m. :  die  geronnene  Milch,  Säure  im  Magen 
der  Kälber  BM.  .Des  Bibers  g.  oder  rennin  stillet 
die  fallend  sucht.'  Tierb.  15(i.3.     Syn.  Lupp,  Benncn. 


gambe(ll):  laufen,  rennen.  In  der  «iir.  der  .Wild- 
mannli'  Gr.   —   lt.  gambn,  Bein. 

Gamber  m. :  ein  sonderbarer  Kauz ,  komi.scher 
Mensch;  auch  Querkopf,  Halbnarr,  der  Alles  verkehrt 
macht  AAWohl.    —    Viell.  aus  dem  it.  gamhem,   eig.  Krel)s. 

G  u  m  b  i  s  t  s.  Gumpist. 


Gambs:  Alp.stafel  in  GlS.;  Dorf  in  GWe.  (,Cam- 
pesias.'  835) ;  Dojrf  in  W.  —  A'on  rnm.  cam^w,  lat.  camput, 
Feld.     S.  auch   GumjKl  III. 


Gamfer  m. :  der  Kampher.  allg.  ,Gampher.'  Mal. 
,Gampfer.'  JELandenh.  1608. 

gämferle"  {ga-  Bs.):  1.  nach  Kampher  riechen 
(oder  schmecken),  allg.  —  2.  Genferart  haben.  — 
'2  von   ,Genr,  gespr.   Gämf. 


Gamp  n.:  Ausdruck  beim  Ballspiel  der  Knaben. 
,Es  geht  um's  tamp,  es  handelt  sich  um  die  Bestim- 
mung des  Standortes  der  beiden  Parteien  im  Spiel- 
revier Aa  (Rochh.  1857,  399).  Es  ist  G.!  Ausruf, 
wenn  beim  Ballschlagen  der  Ball  seitwärts,  ausser  die 
gesteckten  Grenzen  fiel  ZStdtf-  —  Es  ist  wohl  das  frz. 
cnynp  i.  S.  V.  Turnierschrankeu,  Kampfplatz;  ähnlich  it.  campo. 

Gampel  I  ra.:  das  Übergewicht  und  das  Über- 
schlagen eines  geneigten  Gegenstandes  TiiTäg.  Syn. 
Gampf,  Gnepfi. 

„Gampele"  f.:  lange  Weibsperson  mit  wackeln- 
dem  Gang  SCHW;   Zg."    —    Zur  Bildung  vgl.   Stagden. 

üs-gampe!e":  auspumpen,  z.B.  einen  Ziehbrun- 
nen, bis  er  leer  ist  GT. 

gampe":  1.  intr.,  sich  auf-  und  abwärts  (auch 
hin  und  her)  bewegen,  nicht  fest  stehen,  schaukeln, 
schwanken  Bs;  G;  Siii;  Tii;  7.,  /.  V..  rin  Tisch  gampct, 
daher  ein  solcher  oi  (iiiiiijn  .jr.rlh,|i,ii  l;,;  Scii.  An 
Etwas  (z.B.  einer  l'nuiiir.  1  r  ibi -|,rit,  .■.  rinem  Zieh- 
brunnen) die  Bewegung  auf  und  ab  machen;  Syn. 
gumpen;  cmken.  Er  cha"  au'''  säge' :  Tischli  rüst-di''' 
und  Esili  gamp!  =  Mül,  was  witt  [willst]?  Sulher. 
,Gampen,  gnappen,  jactare  pedes.'  Red.  1662.  Syn. 
gägen,  gägelen,  gampfen,  ganggen,  gnappen,  gnepfcn. 
Spez.:  das  Schaukelpferd  fGampi-BossJ  reiten  GF.; 
Th;    Syn.  gampi-rUen,   -reitsen,  gigampfen.  —  2.  tr. 

a)  „einen  Stuhl  udgl.  schwanken  machen  Sch;  Z."     - 

b)  Wasser,  Jauche  udgl.  pumpen  Sch;  Th.    ^yn.  gum- 
pen, galpen.    Vgl.  Gampbrunnen.    S.  auch  Gampel  II. 

—  Mhd.  gampeti,  hüpfen,  stampfen. 

Gampe r  m. :  1.  (bezw.  -eri'  f.)  Person,  die  gern 
hin  und  her  schwankt,  schaukelt  Sch.  In  Aa  auch 
Geschln.,  schon  c.  1600.   —    2.    a)  Pumpe  AaZ.;    Tu. 

—  b)  Pumphebel  ScnNnk.  —  c)  ein  an  einem  Wage- 
balken hängendes  Fischernetz  TnTäg. 

Gampessli  n. :   kleines  Kind  aScuw. 

Mit  der  Bildungssilbe  -ess,  wohl  von  gumpen.  eig.  ein 
Kiud,  das  man  schaukelt,  wiegt. 

Gampete"  f.:  Schaukel;  ein  in  der  Mitte  auf- 
liegendes langes  Brett  oder  Balken,  auf  dessen  Enden 
je  ein  Kind  sitzt  Sch.     Syn.  Gtgampfi. 


311 


Gamp,  gemp,  gimp.  gomp,  guiiip 


312 


gample°  =  gampen,  .schwanken,  z.  B.  von  Balken, 
Dielen  8chwE. 

gigainple":  ein  Kinderspiel  G  oRh.  —  Wahrscli. 
=  gigamp/en. 

ver-gämperle":  durch  Ungeschicklichkeit  oder 
Unachtsamkeit  verlieren  GG.;  leichtsinnig  verschwen- 
den AAFri.     Syn.  vergänggerlen. 

Wohl  eig.  diiich  Schaukeln,  Wackeln  verderben.  Gebildet 
wie  oeqilämjjerhn  von  jilampen.  Vgl.  vergägcn;  vergümplen. 
Viell.   MischuBg  mit  vergrämphn. 

Gampel  II:.  das  Gaukeln  junger  Tiere  (Kälher, 
Hunde,  Katzen)  B.  —  Zu  gampen,  doch  so,  dass  auch 
Gammel  eingewirkt  hat. 

gamplig:  munter,  fröhlich,  von  Menschen  und 
Tieren  (z.  B.  von  Kälbern,  die  vor  Lust  Sprünge  ma- 
chen)  W.    —   Vgl.  gammlig  und  gammelig. 

gamperisch:  1.  „leichten,  frohen  Gemüts,  nur 
aufs  Springen  und  Tanzen  bedacht  BSi.  —  2.  gecken- 
haft, bes.  in  der  Kleidertracht  B."  ,Ad  juvenilem 
ostentationem  compositus,  de  vestihus  utplurimuni  di- 
citur.'  Id.  B.     Syn.  gampergöliy;'  vgl.  gammelig. 

gämple":  gaukeln,  spielen  (von  jungen  Tieren)  B. 
Syn.  feien,  galpen,  gammlen,  gämmelen. 

„Gampe"  f.:  Gewiichs  in  der  Grösse  eines  Apfels, 
das  sich  bei  Kindern  hinter  den  Ohren  bildet  F." 

Gämpli,  -eli  n.:  kleiner,  weisser  (in  S  schwarz- 
sanimtener)  Halskragen  aus  feinem  Linnen,  meist  in 
eine  Krause  endend,  für  Frauenzimmer  (auch  Kinder) 
Aä;  B;  Bs;  S.     Syn.  GolerettU,  Schmisettli. 

Aus  frz.  guim/K  f.,  Busenschleier,  dünner  Schleier  vor 
der  Stirn;  Spitzen  auf  Kleidern. 

Gimp  m.  —  PI.  -e";  spitzenartiges,  schmales  Band 
als  Garnitur  auf  Frauenkleidern  Z. 

Ebcnf.  aus  guimpe,  aber  mit  deutscher  Ausser,  des  Voc. 
und  selbständiger  Bildung  des  Geschl. 

Gimpel  1  =  Gimp  L.  ,Die  Kinder  durften  nicht 
[gekleidet]  kommen  wie  sie  wollten,  sondern  der  Götti 
gab  schön  Acht  auf  Schneider  und  Naherinnen,  und 
was  er  nur  an  Gimplcn,  unnötigen  Bändern  Jahr  für 
Jahr  erhauscte  [ersparte],  würde  sich  auf  ein  ordent- 
liches Geld  belaufen.'  XHekzog  1862.  —  Aus  afrz.  guimjie 
=  guivipe,  die  beide  auf  deutschem  ,Wirepel'  beruhen. 

Gimpel  II  m. :  langbeiniger,  magerer  Mensch,  auch: 
mageres,  schwächliches  Kind  Aa;  Tölpel  BSi.  —  Aus 
der  Schriftspr.  entlehnt;  vgl.   unser   Gümpcl. 

gimple°:  etwas  einfältig  tun  New. 

ver-gimple°  s.  vcr-gümplen. 

,gimpe°  (mit  .haben'):  rogeln  [wackeln],  schwan- 
ken G."     S.  gimpfen. 

u^-g'giraperet:  geckisch  GO.  —  im- mit  verstärk.  S. 

Gnmp,  PI.  Gü-,  m.:  Sprung.  En  G.  ne",  einen 
Sprung  tun.  allg.  ,Wo  [bei  der  Umschreibung  des 
Katechismus]  kein  Zcitw.  aus  dem  Hauptw.  zu  machen 
war,  da  nahm  man  einen  G.  über  das  Wort.'  Gotth. 
,Que  votre  Majeste  prenne  ici  ne'  G.!'  warnte  jener 
Berner  Herr  ein  gekröntes  Haupt,  dem  er  als  Cicerone 
in  seiner  Vaterstadt  diente.     Syn.  Juck,  Satz. 

Von  einem  ablautenden  Vb.  'gimpen,  wie  ,Sprung'  von 
.springen';  engl,  a  Jump. 

Flöh-.  Er  misst  en  Fl,  ist  ein  Knauser,  eng- 
herzig. Sprww.  1809.  Syn.  Kilmmi  simUen,  Hanf- 
samen bigen. 


gurape"  (i- BSi.):  1.  hüpfen,  springen,  allg.  's  Herz 
(im  LlbJ  giimpet  mir  vor  Freude"  [schon  bei  Mal.). 
Lite",  wie  die  Flöh  umme  gumpe".  Gotth.  jy  Freud 
schiesst  dt'  Wisplige'  in  d'  Bei",  si  gumpe'  wie-ne 
Frosch  im  Mai.  Hinderm.  Und  's  ist  e  Springen  und 
Gumpen  und  Stampfen  und  Jüchzge"  g'si'  Bs  (Schwzd.). 
's  G.  wird-em  [ihm]  scho'  na  [noch]  vergä',  der  jugend- 
liche Mutwille  wird  dem  Lebensern.st  schon  noch  Platz 
machen  Z;  vgl.  ver-g.  Die  Kinder  singen:  Es  glget 
en  Giger,  es  tanzet  en  Schuöb;  gump  umme,  gump 
umme,  du  wiieste"  Uflöt  ZO.  S.  auch  Kaminfeger 
Bd  I  687.  Jokebli,  gump!  [var.  bump]  pflegte  zum 
Blinden  sein  halb  blödsinniger  Führer  zu  sagen, 
wenn  .sie  zu  einem  Bache  kamen ;  der  Hallunke  sagte 
es  aber  einmal,  als  sie  vor  einem  Baume  stunden. 
Wer  si'''  z'  starch  uf  d'  Äst  use"  lad,  muess  g.,  wenn 
man's  zum  Äussersten  kommen  lässt,  muss  man  sich 
durch  verzweifelte  Mittel  retten.  Ineichen.  Es  [das 
Bächlein]  tschodert  und  tschädert  und  gumpet  und 
rislet  im  gleitige  Sprung  dur'''  Hasle'  und  Erle"  Ndw 
(Schwzd.);  vgl.  Gümpel  1.  S.  noch  bei  nachhin-gan 
Sp.  31.  ,Es  half  nüt  ir  g.,  das  sy  gen  dem  tobel 
taten.'  Ap  Krieg  1405.  ,Do  fieng  das  ross  an  zo  g.' 
ZiELY  ir)21.  ,Sy  gumpend  vor  freuden.'  1531,  Habak. 
,Der  fisch  gumpet  und  schnatteret  vor  im.'  1531,  Tob.; 
dafür  1667:  ,zapplete  vor  seinen  füessen.'  ,Nach  dem 
nachtessen  [der  Hochzeit]  muess  es  aber  uf  ein  nüws 
gegumpet  und  gehoppet  syn.'  HBull.  1540.  ,üie  esel 
haben  sich  so  voller  wein  gesotfen,  dass  sy  gumpt 
[haben].'  Tierb.  156.3.  ,Quatere  terram  alterno  pede, 
tanzen  und  g.'  Fris.  ;  Mal.  , Lassend  uns  nit  springen 
und  g.  und  allen  mutwillen  treiben,  wie  in  den  fass- 
nachten  geschieht.'  Pred.  1601.  ,G.,  hüpfen,  springen, 
saltare,  exsilirc  Red.  166'2.  ,lm  Schlaf  gurapete  sie 
mit  den  Füssen,  als  wann  sie  danzte.'  Anhorn  1674. 
,Tripudiare,  tanzen,  hupfen,  g.'  Denzl.  1677;  1716. 
,Pccudcs  exhilaratffi  lasciviunt,  das  vieh,  wann  es 
lustig  ist,  gumpet.-  ebd.  .Dein  gumpende  Stimm,  dein 
irdischer  Klang,  gesellt  sich  gar  übel  zum  himmlischen 
G'sang.'  Gesi'R.  zw.  Himmel  u.  Erden  1693.  ,0  Teil! 
wie  wurdest  g.,  wann  du  noch  wärest  hier.'  Eidgn. 
ToGRENB.  1712.  ,Beim  Tanz  gumpt's  wie  ein  Rössgen.' 
WHuBER  1787.  ,Die  Bettler,  die  auf  dem  Brüel  g., 
auf  einander  umtroUeu  [sich  wälzen].'  SchwE.  ßettlcr- 
ordn.  1807.  Scherzh.  für  , laufen,  gehen':  ,Man  habe 
nicht  Zeit,  desumme  [umher]  z'  g.'  Gotth.  Die  Cf  stu- 
dierte" [Ärzte]  hei'  vf begehrt  [darüber,  dass  man 
einen  Quacksalber  gewähren  Hess],  aber  die  Dolders 
Gütterlimanne'  [die  verdammten  Ärzte]  het-me"  la  g. 
[ihre  Wege  gehen,  herumlaufen,  wo  sie  mochten]  und 
het-si'''  ihrere  Nüt  g'achtet.  ebd.  Er  chunnt  z'  g.  Z. 
Scheinbar  trs. :  en  Klass  g.,  in  der  Schule  eine  Klasse 
überspringen  B.  Als  t.  t.  a)  beim  Kinderspiel,  mit 
beiden  Beinen  statt  mit  Einem  (welch  letzteres  hoppen 
heisst)  in  die  sog.  Hölle  hüpfen.  —  b)  in  den  Brett- 
spielen die  Steine  (Bohnen)  des  Gegners  überspringen; 
im  Mühlespiel  ein  Verfahren,  das  nur  dem  bis  auf 
3  Steine  heruntergekommenen  Spieler  erlaubt  und  der 
letzte  Akt  der  Notwehr  ist;  Syn.  jucken.  —  2.  lahm 
gehen  W.  —  3.  =  pumpen,  z.  B.  Wasser  etc.,  eig.  am 
Ziehbrunnen  Aa;  GrL.;  G;  Sch;  Th;  Ndw.  Syn.  anken, 
gampen,  buderen.  S.  Gumper  4;  Gumpbrunnen.  — 
4.  /•-,  klopfen  GrL. 

Mhd.  gumpen,  hüpfen,  engl,  lo  jumji.  Bed.  2  lässt  sich 
mit   1   vereinigen,    insofern    auch  das  Hinken  eine  hüpfende 


Gaiiip,  gcinp,  gimi.1.  gonip.  gninp 


314 


Gaugart  ist.  3  bezeichnet  wie  ijamjien  die  auf-  und  abgehende, 
luipfende  Bewegung.  4  drückt  den  mit  dem  G.  verbundenen 
Schall  aus;  indess  Tgl.  auch  die  Anni.  zu   Gummd. 

ab  hin-:  hinabspiingen.  z.B.  von  einer  Bank.  aWg. 
/'■*  bin  ahe(fgumpet,  meine  Hochzeit  ist  von  der  Kanzel 
verkündet  worden,  eig.  ich  (mein  Name)  bin  von  der 
Kanzel  gesprungen  ZW.  Trs.  's  Esse"  a.,  durch  Sprin- 
gen, Hüpfen  nach  dem  Essen  die  Verdauung  beför- 
dern Z.  —  üf-:  aufspringen.  Davon  der  Gumpüf,  der 
Springinsfeld  ÄAZein.  Im  Rätsel:  Weller  G.  im  Gade' 
wird  nie  schlöfrig?  Der  Floh  Aa.  —  a"-:  (tr.)  1.  an 
Jmdn  hüpfen,  springen,  wie  Flohe,  Heiisclncikrii.  iillo\ 

—  2.  zudringlich  sein  ge^'eii  Jrnd  L.    S.  LntdiniiiinjnT. 

—  i"-:  hineinspringen.  Auch  tr.,  mit  .liiÜH'ir:  Wie 
d's  Ziiissi  [Susannchen]  d's  Vatersch  Gäscherne"  [Stube] 
Ingumpot  hat  [in  die  St.  hineingesprungen  ist].  W  Sag. 
Übertr.:  ,Mädi  war  so  in  die  Hausübung  eingunipet 
[eingeschossen],  dass,  wenn  ihm  Etwas  fehlte,  es  keine 
Umstände  machte.'  Gotth.  1843;  dafür  in  der  Berl. 
Ausg.  einge-urhet.  —  ver-:  1.  sich  ausspringen,  an 
Sprüngen  ersättigen.    Me"  muess  d'  Chind  v.  lä'.  allg. 

—  2.  die  Lust  des  Hüpfens,  die  jugendliche  Lebhaftig- 
keit verlieren,  's  Boss  hat  vergumpet.  Er  hat  v.,  lange 
genug  ein  lustiges  Leben  geführt.  Auch  von  Früchten, 
deren  Zeit  vorbei  ist:  d'  Chriesi  sind  r.,  man  kann 
keine  Kirschen  mehr  bekommen  ZB.  —  3.  (trs.)  Geld, 
Zeit  udgl.  mit  jugendlichem  Mutwillen  verscherzen, 
vergeuden  L.  —  4.  (leH.)  .^iuli  verrennen,  irren,  übel 
anlaufen.  Auch  sich  zu  frühzeitig  verlieben  B;  vgl. 
cer-galoppieren.  —  geiss-:  t^piel  der  Knaben,  bei 
welchem  sie  über  eine  Pieihe  an  einem  Abhänge  auf- 
gepflanzter .Geissen'  (Paare  von  Gabelhölzern,  über 
welchen  je  ein  Stab  quer  liegt)  zu  hüpfen  haben,  ohne 
sie  zu  berühren  Aa.  Syn.  Stecklispringen.  —  bock-: 
bockspringen,  ein  Knabenspiel,  daher  Bockgumperlis 
Bs;  Z.  —  sack-:  eine  Belustigung,  bei  welcher  ein 
Knabe  bis  an  den  Hals  in  einen  Sack  gebunden  über 
ein  vorgehaltenes  Seil  oder  Brettchen  setzen  muss  Aa. 
Auch  Wettspiel  der  Erwachsenen  B;  S<'hw;  S.  ,Die 
Heiterkeit  des  Älplerfestes  in  Schwyz  erreicht  ihren 
Höhepunkt,  wenn  das  S.  beginnt.'  HHerzog  1884.  S. 
S.-Gumpet  u.  Osenbr.  1864,  30.  —  seil-:  seilspringen. 
Zwei  Mädchen  schwingen  gemeinsam  ein  Seil  auf  und 
ab  und  ein  drittes  muss  wiederholt  darüber  springen, 
ohne  es  zu  berühren,  wobei  (in  Aa)  der  Taktspruch 
gesungen  wird:  SfHiiijurli.  Gihiijirrli.  T!iiiiihi.<}m»ih, 
chumm,  mer  |«ir]  Imnl  in  SiiIhihiiiii  I  An.'h  mit  der 
dim.  Form  veii  .Seil-:  snl,,iiii„iir„  Aa;  V.^-.  Z.  — 
stigeli-:  ein  Kinderspiel,  W'etthuil  über  Hindernisse, 
bestehend  aus  Querstäben,  die  in  Pflöcken,  Stigele", 
ruhen  S.     Vgl.  geiss-g. 

Gumper  I  (Gii-  AAHalhv.)  m.:  1.  Kupfer,  Springer, 
allg.  Spec.  (im  Kätsel):  De'  G.  im  Sprnrhelt,  der  Floh 
Aa.  —  2.  GUmperU,  Stei"-G.,  kh/ine  St.iiikiigol  zum 
Spielen  Aa.  Syn.  Bollei  (Bd  I  17);  M.r-.  l'„ln-imi^-, 
Spick-Knglen;  Kluckeren;  Klür;  M.nhrl:  Slmssa; 
Schütser;  Schtieller;  Doli.  —  3.  ein  liiiuei nt.inz.  Audi 
nur:  Freudensprung  Bs  (Spreng).  —  4.  das  Pumpwerk 
z.  B.  eines  Ziehbrunnens  G.  Syn.  Gamper,  Buiiipir. 
Ygl.  engl,  jumyyer.  Bed.  2  von  dem  Hüpfen  der  beim  .\uf- 
fnllcu  elastisch  abprallenden  Kugeln.  3  gebildet  wie  /fojiwr, 
Waher.      4   ZU  gumpen  4.' 

Lüt-a"-:  gleichs.  Leuteanspringer.  1.  Mensch,  der 
sich   Jedermann    aufdrängt,    sieh    lästig   macht    L. 


2.  Mädchenjäger  S.  —  Vor-:  Gehülfe  eines  Vieh- 
händlers, besonders  des  jüdischen,  welcher  auf  dem 
Markte  die  dienlichen  Stücke  vorläufig  auszuspähen 
und  mit  dem  Besitzer  anzubinden  hat,  wobei  er  die 
Waare  weidlich  herunterwürdigt  und  damit  dem  eigent- 
lichen Käufer  den  Weg  ebnet  B.  ,Der  Meister,  ein 
alter  Fuchs,  den  die  V.  (so  nennt  man  die  Treibauf 
der  Küh-   und  Bosshändler)    nicht  täuschen.'    Gotth. 

—  Gülle"-:  Jauchepumpe  ZRafz.  Syn.  G.-Bumper. 
S.  Gumper  i.  —  Gras-  AAKais.,  Heu-  (Gü-  AAtw.; 
B)  Aa;  Bs;  B;.'S:  Heuschrecke.  Syn.  Matten-G.; 
H.-Gümpel,  -Giipfer,  -Hoxber,  -Jucker ;  -Ströjfel ;  Heini- 
Ströffel.  Vgl.  engl.  Grasshopper.  F''  bi'  doch  sellcts- 
mol  no'''-n-e  rechte  H.  g'sl',  noch  ein  junger  Spring- 
insfeld Bs.  Auch  übertr.:  langbeinige  Person  S.  - 
Lade"-:  (scherzh.)  Ladendiener  Scn;  eig.  der  immer 
im  Laden  herumspringen  muss.  —  Matte"-:  Heu- 
schrecke Bs;  S.  —  Bändeli-:  spöttische  Bezeichnung 
der  Aufseher  über  die  Seidenbandwebstühle,  weil  die- 
selben den  Webstühlen  auf  dem  Land  nachzugehen 
und  die  Arbeit  zu  kontrolieren  haben  Bs.  Syn.  B.-, 
Stuel-Läufer.  —  Rechts-:    Rechtsverdreher.    Gotth. 

Steckli-:  einer  der  Titel,  welche  die  Landleute 
den  Städtern  geben  Z.  , Kanzlei-  und  Büreauangestellte 
wurden  nichtsnutziges  Federvieh  und  gewichste  St. 
gescholten.'  Z  (Girsb.).  Syn.  St.-Springer.  —  Steckli  = 
Spazierstock. 

Gumpere"  f.:  1.  elastischer  Ball,  der  auf  den 
Boden  geworfen  gumpet.  —  2.  Schnellkäfer,  elater, 
der,  auf  den  Rücken  gelegt,  wieder  auf  die  Füsse 
springt  Zg;  vgl.  Gumper  I. 

gumper  ig,     vorwiegend    gü-     {hümperisch    Gr)  : 

1.  hüpf-,  tanzlustig,  munter,  mutwillig  Bs;  Gr.  's  ist- 
m^r  nit  g.,   ich   habe   keine  Lust  zu  .springen   Bs.  — 

2.  brünstig,  von  Hunden  Bs  (Spreng). 

Gumpet  m.,  Gumpt-tK  f.:  1.  Gehüpfe,  bes.  scherzh. 
der  kunstlose  Tanz,  Bauerntanz,  Tanzbelustigung  B. 
Syn.  Tanzete(n).  —  2.  =  Sack-G.  ,Wenn  es  einen 
lustigen  Tag  gab,  einen  Schiesset,  Kegelt,  G.  oder 
sonst  eine  ganz  ordinäre  Hudelte.'  Gotth.  —  Sack- 
Gumpet  m.  {-ete"  f.):  das  unter  sackgumpen  beschrie- 
bene Vülksspiel  B;  Sinw;  S.  In  ß  auch  von  speku- 
lativen Werten  veranstaltet,  um  Leute  anzulocken; 
vgl.  Gotth.  X1\  >■"■.  Syn.  s, irklaufet.  Vgl.  Gränneten, 
Wegglifressel,  Sh iiisiiissil .  —  Stengel-Gumpete"  f.: 
Lustbarkeit  am  Schlüsse  des  Hanfbrechens,  wobei  die 
jungen  Leute  über  einen  Haufen  gebrochener  und  bis- 
weilen angezündeter  Hanfstengel  zu  hüpfen  pflegten. 
Eine  solche  wurde  etwa  auch  zum  Schlüsse  des  land- 
wirtschaftlichen Jahres  übh.  veranstaltet  und  der  fest- 
liche Nachmittag  damit  eingeleitet,  dass  eine  Zeit  lang 
Hanf  ,gereitet'  wurde,  was  unter  allerlei  Scherzen  und 
Plaudereien  geschah;  nachher  dienten  die  auf  dem 
Boden  ausgebreiteten  Stengel  als  Unterlage,  auf  wel- 
cher die  Bursche  und  Mädchen  herumhüpften  L. 
Scherzw.  jetzt  noch  die  letzte  Sitzung  einer  Behörde 
in  einer  Amtsperiode  L. 

Gumpi  I  m.:  =  Gumper  I.  Dere  junge  GumpinC 
(Springinsfeld),  wie-me'-se  jetz  hat.  Gotth. 

Gumpi  II  f.:  1.  Schaukelpferd  Gr.    Syn.  G.-lios^. 

—  2.  Gesellschaft  junger  Leute,  die  hie  und  da  einen 
Tanz  veranstalten.  Auch  ein  solcher  Vergnügungs- 
abend selbst  L.  —  Seil-  f.:  das  Spring.seil  der  Mäd- 
chen ;  auch  G.-Seil  BsStdt. 


Gamp.  gemp,  gimp.  goniji.  gnmp 


316 


Gurapi  HI  s.  Sp.  317. 

gumpig  Ap;  B;  Z,  gümpisch  SchwE.:  hüpfend, 
unruhig,  springlustig,  wohlgemut,  munter.  Von  Ziegen, 
Kindern  usw.  E  gompige  Wettfrau,  rüstige  Wittvve 
Ap.  Dim.  gümpeUg.  ,Die  .sect  wa.s  uss  der  müssen 
kutzlig,  gumpig,  kurz  bunden  und  spitzig.'  Salat. 
,Lasciyus,  geil,  gumpig,  muotwillig.'  Fris.  ;  Mal.  Vgl. 
gumperig. 

Gumpis  I:  kleines  Kind  Th.  —  Mit  der  Ableitungs- 
silbe -188  von   tjumpen.     Vgl.  (Jamj>€nnti. 

Gümpel  ni.:  Springer,  Hüpfer.  1.  von  Menschen: 
, Einen  lustigen  G.  und  Bockspringer.'  UBrägg.  1782. 
Übertr.  von  einem  Bache:  ,Den  lustigen  G.  da  sehe 
über  die  Felsschroffen  herab  sprudeln.'  ebd.  Vgl. 
gumpen.  —  2.  Gimpel,  Blutfink;  doch  nicht  volkstüm- 
lich (s.  unten  CGessner).  Syn.  Gügger.  ,Gümpel,  Gim- 
pel, Blutfink.'  VoGELGES.  1737,  dafür  ,Gi-'  in  den  andern 
Ausgaben.  ,Pyrrhula,  Güger,  apud  nos  per  onomato- 
poeiam;  alibi  Guotfink,  Bluotfink,  Brommeiss,  Bollen- 
bysser,  Rotvogel,  Hail,  Goll,  Bollebick,  in  Austria 
Gimpel.'  CGessn. 

Pas  Festhalten  des  -ii-  gegenüber  dem  schriftd.  i  beweist, 
dass  der  Zshang  mit  gumpen  dem  Bewusstsein  nicht  ent- 
schwunden war. 

Heu-  =  Oras-Gumper  Aa. 

gümp(e)le°  I  Ap;  L;  Th;  \5w  (gu-),  gümperle" 
Aa;  Bs;  B:  leicht,  zierlich  hüpfen,  tänzeln;  zappeln, 
allg.  Wiegenlied:  Gümpele  nw,  g.  nu' (cMi''s  MeiteJi, 
holleho  Aa),  's  G.  wird-der  ncho'  vergö";  's  G.  ist-mer 
au'''  {ist-drr  sclio'  od.  wol  Aa  ;  Th)  rergange",  d'  Hötteli 
(d'  Windle''  L)  liangid  a'-der  Stange"  Ap,  —  tvenn 
d'  W.  a'  d.  St.  hanged  Th  (Pupik.)  —  b'hanget  d'  W. 
a"  d.  St.  Aa,  Letzteres  wohl  Warnung  an  mutwillige, 
hoffärtig  trippelnde  Mädchen.  .Nun  fröwt  sich  alls 
g'blüot  in  mynem  lyb,  myn  herz  das  focht  jetz  an  zu 
gumplen,  erst  tuet  die  lieb  recht  in  mir  runiplen.' 
Gengenb.  Ein  Bauer  fragt,  wie  es  denen  in  der  Stadt 
.wurde  gefallen,  wenn  si  ushin  müesstint,  den  karst 
in  die  händ  zuo  nemen,  die  räben  zuo  werchen.  und 
gümploti  darmit  [hüpfte  dazu].'  1522,  Egli,  Act.  — 
Davon  ein  fingierter  Name :  ,Der  Herr  Gümperli  war 
ein  eigener  und  lustiger  Mann,  nicht  nur  weil  er  so 
hübsch  und  fein  ,g.'  konnte,  wovon  er  seinen  Namen 
hatte,  sondern  auch  weil  er  so  viel  wusste  und  überall 
bekannt  war.'  Breitenst.  18ö0. 

Gnmpe-  f.  AAFri.;  Bs;  Gr  tw.  (tw.  h-);  S  tw.;  Uw, 
sonst  ni.,  Glumpe"  in.  Aa;  L,  f.  B;  L  -  PI.  -«-; 
l.  von  fliessendem  Gewässer  ausgehöhlte  kesselartigo 
Vertiefung  im  Bette,  tiefer  und  weniger  stagnierend 
als  die  Gülle»  aaO.  u.  Ap;  Gl;  G;  Sch;  Schw;  Th;  Z. 
Chumm,  mer  wend  go  bade';  niei",  i'''  tveiss  en  schöne" 
G.  Z.  Ivie"  G.  ertninke".  ebd.  Si  häd  Wiseblueme" 
i"s  Wasser  g'worfen  und  g'lueget,  wie  sie  im  Clireis 
ume  tanzid,  bis  es  d'  Strömig  mit  si"''  fürt  füert  und 
imen  andere"  G.  de  Tarn  und  das  Spil  u-ider  a'gät. 
Usteri.  ,Dyn  gerechtigkeit  ist  wie  ein  starker  berg 
und  dyn  billigkeit  wie  ein  tiefer  gump.'  1531,  Ps., 
dafür  1667:  ,eine  tiefe',  jetzt  ,eine  Flut'.  ,Die  gmeind 
ist  gestraft  worden  darumb,  dass  sy  in  der  Wueten 
die  giessen  und  g.  onerlopt  gefischet  haben.'  1549, 
ScH  Ratsprot.  , Turbo,  ein  wirbel  im  wasser,  da  gross 
gumpen  sind.  Gurges,  ein  wassergunte  oder  gumpen, 
waag  oder  grosse  tiefe  eines  flusses.'  Fris.  ;  Mal.  ,Ein 
schneller    würbel,   so  ringswy.s  herum  louft  in  einem 


g.  oder  grossen  tiefe.'  Rüeger  1606.  ,ln  gemeinen 
Wassern  ist  das  Fischen  erlaubt,  doch  soll  Niemand 
dabei  darin  Schwellen  anlegen  oder  Glumpen  aus- 
schöpfen.' B  Jägerordn.  1649.  ,Der  gump,  gomp,  golp, 
dümpfel,  kolk,  gurges,  vorago,  vortex.-  Red.  1662. 
,Es  ist  verboten,  die  Bachforellen  mit  den  Garnen, 
Händen  und  Ausschöpfen  der  G.  zu  fangen.'  HEEscher 
1692.  ,Gurapo,  gurges.'  Denzl.  1716.  ,Die  Töss  in 
ihrem  Lauf  gehemmt,  so  dass  die  Kinder  konnten  viel 
Fisch  ab  den  Steinen  und  aus  den  Gumpen  zusammen 
sammeln.'  Z  Nachr.  1756.  ,Sie  hatte  den  Kopf  in  ein 
Gümpchen  gesteckt  [um  sich  zu  ertränken].'  UBrägg. 
1784.  ,Ich  setzte  mich  an  den  Bach;  o  bis  zu  Tränen 
rührten  mich  die  G.,  die  dort  mein  lustiges  Bad  ge- 
wesen.' ebd.  —  2.  jede  Ansammlung  von  Wasser  (oder 
anderer  Flüssigkeit);  kleiner  Teich,  Lache,  Tümpel, 
Pfütze,  immerhin  von  grösserer  Tiefe  als  Gülle"  1 
Aa;  Ap;  B;  VOrte;  Gr;  G;  Sch;  Th;  Z.  Bald  ist  er 
leider  terstünet  [in  Staunen  versunken]  und  ist  uf-em 
Waldstrdssli  pnäl  nng'sinnet  in  es  Gämpli  ine"  trette". 
ScHwzD.  Mit  Syn.  zu  einer  Klimax  geordnet:  Mnist 
isch  's  in  di  Gurle"  g'hit,  in  anderist  in  Süke",  ol  gär 
au"''  in  Gumpe",  wie  schi  dergliche"  zer  Gnüegi  trifft 
uf  de  ruhe"  Älpwege"  GRPr.  (MKuoni).  Z'  Brunne" 
und  z'  Sebe"  hend-er's  mit  de"  Krümpe"  [Biegungen] 
doch  aw^''  prächtig  use'brunge",  d'  Strasse"  gönd  i  de 
Gümpe".  Schw  Fasnachtsp.  1883  (Wortspiel  mit  Gump). 
En  G.  Bluet,  eine  Blutlache.  10  Chile  gend  en  schöne 
G.Milch,  ein  bedeutendes  Quantum.  Ähnlich:  80  Eimer 
sind  en  schöne  G.  Wi".  's  inrd  wider  es  schöns  Gümpli 
[Wein]  'trunke",  bis  die  neue"  G'meindröt  verschwellt 
sind.  Hertenst.  Me"  sott  e  Gümpli  Schmalz  uf's 
Öpfehnues  tue",  aber  nit  nw  e  Pfüpfli  GSa.  Wenn 
der  Anke"  e  Chivipli  hat  [wenn  im  Buttertopf  ein 
Grübchen  mit  flüssiger  Butter  sich  bildet],  so  git  's 
ander  Wetter  Aa;  Z.  ,Die  iren  Ij'b  geziert  habend 
zuo  der  Üppigkeit,  ligend  in  der  hell  in  einem  fulen 
stinkenden  g.  voll  der  schlangen  und  krotten.'  .\lemann. 
Incünabel,  s.  Herrig's  Arch.  43,  234.  Die  gross  G.  = 
die  gr.  Güllen,  der  Ocean  Gr.  —  3.  übertr.  a)  GlimpH, 
kleiner  Rausch  Uw  [?].  —  b)  tiefe  Schüssel  voll  heissen 
Wassers,  in  welche  die  Theekanne  ge.'itellt  wird  Bs; 
auch  The-G. 

Die  Synn.  G(l)unggen,  Gflhmten,  Glun(t)schen.  Glutten 
(neben  Gurhn,  Gieaaen,  Luemen,  Lortschen,  Putzt,  Silken,  Wäg) 
viell.  etymol.  vwdt  mit  unserm  W.  und  blosse  Nbformen  zu 
diesem  oder  dieses  zu  einem  von  jenen ;  aber  schon  das  mhd. 
WB.  kennt  gumpe  (swm.,  tiefe  Stelle  im  Gewässer).  Wäre 
die  auf  einer  einzelnen  Stelle  bei  Notk.  beruhende  Angabe 
,gumpito'  =  stagnum,  gesichert,  so  Hessen  sich  viell.  die 
sämmtlichen  genannten  Formen  auf  dieses  zurück  führen. 
Einschiebung  (wie  .^usstossung)  von  l  tritt  nach  anlautendem 
Guttural  so  häufig  ein,  dass  eine  Trennung  in  dieser  Bez. 
nicht  am  Platze  ist.  Glum/  auch  cimbr.  Gumpe  ist  spec.  obd. 
Vgl.  die  im  deutschen  WB.  aufgeführten,  aus  dem  Ndr-  u. 
Md.  stammenden  WVF.  ,Kumme,  Kump(e),  Kumpel;  Kumpf, 
welche  allerdings  nur  ein  Geföss  bedeuten.  Ans  diesen  ist 
3  b,  wenn  auch  mit  Anlehnung  an  das  alemann.  VI.,  wahr- 
scheinlich entlehnt.  Vgl.  auch  it.  combo,  gekrümmt,  frz. 
combe,  Einsenkung,  udgl.,  und  Späel-Kumpen.  Im  Volksbe- 
wusstsein  wird  das  Vf.  an  das  Vb.  gumpeti  angelehnt;  vgl. 
Fälle  wie  «6er  en'"  G.  ine"  g.  Gumpen  als  Flurn.  ZUster. ; 
Gumpenbüel  ZStäfa;  hieher  viell.  auch  ,ze  gumpelfar  an  der 
wasserschöpfen.'   1454,   AaSins. 

Gülle"-:  Jauchetümpel  G;  Z. 

Wasser-:  =  Gumpen  1.  allg.  ,Da  die  Birs  zwü- 
schen  dem  Gebirg  heraus  fleusst,  ligt  ob  einem  tiefen 


:517 


iiiniii     P>H"|'-     ('Hllipf-  f 


W.-Gump  das  Schloss  Angenstein.'  Wurstisen  1580. 
.Daselbst  [an  jener  Stelle  des  Baches]  war  ein  W.- 
Guinpe.'  LLav.  1670.  ,Gurges,  Strudel,  W.'  Denzl. 
1077;  1716.  .Tiefe  W.  in  Bächen,  in  denen  sich  Fo- 
rellen aufhalten.'  Steinm.  1804. 

Gumpi  Ul  f. :  =  Gimpen  Bs.  Wer  nimml  e" 
Gump  über  die  G.?  Breitenst.  ürtsn.  ZHirz.  —  Fe- 
liiiuiubilduug  zu    Gnmjien. 

Gumper  II:  Militärbezirk  in  W.  ,Dcr  Centen  Brig 
ist  militärisch  in  8  Gumper  eingeteilt,  welche  die 
Natur  durch  Vertiefungen   bezeichnet.'    SFurr.  1850. 

—    Vgl.    frz.    coiiibe. 

„gunipere":  poltern  Gr."  Syn. piniiperen.  -  Schalhv. 
Syn.   ijummerm.      S.   Aniii.   zu    Gummel. 

Gumpemante:  scherzh.  für  Gouvernante  B.  So 
unverschant,  meinte  sie,  sei  sie  doch  nie  gewesen, 
wenn  sie  schon  nie  im  Weltschland  gewesen  und  Gum- 
pernantlis  gelernt  habe.'  Gotth. 

Gnmpisperger:  Apfelsorte;  s.  Epfel  Bd  1  'i^ii.  — 

Viiu   einem   Orte   Gumpithertj  (vgl.    GiimiiUbüd  B). 

Günipist,  -isch,  -is  II,  i-  BSi.  ni.:  Eingemachtes. 
1.  bes.  eingemachter  Kohl,  Sauerkraut  Aa;  Bs;  B; 
Gr  und  wie  die  Comp.  G.-Epfel,  -Fass,  -Kirsi,  -Krüt, 
-Bir,  -Ständli,  -Zuber,  sowie  Bed.  2  und  die  histor. 
Belege  zeigen,  früher  allg.  ,Swer  dehein  gumpost  oder 
krut  südet  uf  deheiner  tili  oder  nachtes,  der  git  10  ß.- 
c.  1300,  Stadtb.  L.  Der  Meier  soll.  ,so  er  einen  g. 
machet,  wenn  im  ein  jung  kint  wird,  howen  ein  fuoder 
hohes.'  Otfn.  ZHöngg  1338.  ,Jeglicher  keller  hat  das 
recht  [zu  beziehen]  2  fuoder  usser  demselben  holz, 
dass  er  synen  g.  gesüdet.'  Offn.  ZOss.  [Der  Kohl  wurde 
also  vor  dem  Einmachen  gesotten,  was  jetzt  nicht 
mehr  geschieht;  vgl.  Sohm.  I"  905.]  ,Derselbig  wyn 
oder  [viel-]  mehr  gumpest  [.saure  Brühe]  was  so  arg, 
dass  MHH.  verboten,  den  ze  verkoufen.'  1574,  Bs 
Chron.  ,Ein  frischer  corabi-st  vom  bapst  und  den  seinen 
über  Teutschland  eingesalzen.  Es  ist  ein  gumbist  ob 
dem  für,  da  wirt  manchem  die  brüe  zu  tür.  Gar  orden- 
lich ist  er  bereit,  wol  gesalzen  und  gcleit,  wer  weiss, 
wer  in  ausessen  will.'  Gengenb.  ,Des  Pabstes  recht 
ist  ein  vermengt  mues  und  gar  ein  wilder  gumpisch, 
darinnen  mancherlei  kraut  und  wurzel,  saure  und 
süsse,  durch  einandren  sind.'  15'24,  Bs  (Püssli,  Beitr.). 
.Die  von  Meilen  haben  ihrem  Pfarrer  Anken,  Ziger, 
Käse  abgössen  und  genommen;  1  Napf  zu  Stücken 
geworfen,  der  gumpist  Lst  gar  zerworfen  und  zergängt.' 
1523,  Egli,  Act.  ,Es  ist  zyt,  dass  man  im  sag,  dass 
er  krut  gumpist  lasse  sin  [die  Wahrheit  nicht  ver- 
drehe].' 1.5'29,  AAZof.  .Doch  denkend  wir  oft  an  thverii 
gueten  gumpest,  kabeskraut  und  most  — •  schrieb  1561 
der  aus  seiner  Heimat  vertriebene  ABlarer  nach  Hause. 
.Spissamentum.  ein  buschleten,  die  zesammengetruckt 
ist.  von  fenchelkraut  oder  anderem,  welche  man  legt 
in  die  gumpist,  darein  man  oliven  oder  ander  ding 
einmacht.'  Fris.  .Nach  dem  Herbst  habe  sie  Käben  zu 
Gompist  gesotten.'  Wasterk.  Proz.  1701.  —  2.  anderes 
Eingemachtes,  bes.  Obst,  Früchte,  a)  in  Sauerkraut 
(G.  1)  über  den  Winter  eingelegte  Äpfel  und  Birnen 
Aa;  Sch;  Schw;  s.  G.-Epfel  Bd  1  382.  Es  eignen  sich 
hiezu  nur  gewisse  Obstsorten,  wodurch  sich  z.  B.  der 
Flurn.  .Wiesen  im  Gumpisbirben  [-Birnbaum].'  ZFehr. 
erklärt.  Vgl.  o.  die  Stelle  aus  Fris.  —  b)  für  sich 
Eingemachtes,   wie  Kirschen,   Zwetschgen  Sch.     Wer 


sl  Frau  lobt  und  sin  Gumpist,  war  's  gern  los.  Sllg. 

—  .3.  übh.  ein  dem  Eingemachten  verglichener  Stoft", 
Masse,  a)  Eiweiss  und  Dntlrr.  im  llat^cl:  Es  ist  efs) 
Ständen  (FässliJ  oni  Bninl  fj:,n„l/,.  I.'np  m,|..,  I„„I 
tceder  R.  noch  Bänddt  mul  dind i  ..irrtiiin  (iiiiK/iis 
(Vumpis)  drinn  (dri*)  Gr;  L;  Z,  last 's  falle",  so  ist's 
hi"  Gr.  —  b)  „Eiter  in  einer  Wunde  AALengn.  It  2, 
BLangn.  It  1."  —  c)  Masse,  Haufe.  En  Gumpisch 
Sache"  Sch;  „en  G.  Geld,  überaus  viel  B;  L."  — 
d)  Gemengsei,  Durcheinander,  Wirrwarr,  von  kleinen 
Sachen;  auch  Ausschuss  Aa;  Bs;  B;  Scii;  Z.  „'s  ist 
e"  rechte'  G."  Er  g'hört  zum  Gumpist,  zum  G'schlüech. 
Sprww.  1869.  ,Der  Hehler  und  der  Stehler  sind  ein 
Gumpisch.-  Sprww.  1824.  .Man  wurd  ein  seltsamen 
gumpist  und  blander  erfaren.'  1530,  Striokl.  (B.)  ,Dass 
schier   ein  wilde  gompost  war  worden.'   Sicher  1531. 

Von  lat.  compos(i)tum,  it.  camposto,  das  Eingemachte;  dazu 
it.  composta,  frz.  compdte  f.,  Confiturc.  Vgl.  Gr.  WB.  s.  v. 
Komjiost.  Scheint  in  der  abgel.  Bed.  von  .Sicher  als  f.  be- 
handelt zu  sein.  —  ,Gumpost'  auch  Geschlu.  14'28,  Z,  und 
,Gumpistloh',  Hof  GT. 

Chirsi-,  Chriesi-:  gedörrte  Kirschen  mit  Wein, 
Zucker  und  Zimmet  gekocht  (oder  auch  nur  darin 
erweicht)  und  kalt  aufgetragen,  bes.  beliebt  im  Som- 
mer als  Erfrischung  beim  Heuen  und  Ernten  Sch;  Z; 
eingemachte  Kirschen  auf  Butterbrod  gegessen  Ap;GT. 
Kirschsuppe  Gl,  Brei  von  (i,'(..lr,rrten)  Kirschen  8; 
Syn.  K.-Brägel.  Ygl  Kiisi-K,„ln-.  Eiiiisrhhim  Milhni- 
esse",  just  bim  Chirseguiiijnsili^  ."^riiiM.  l-iilil.  Ch..  ,liirn 
l''g'kiti  Bire'  für  uf'c  Tisdi  inni  nf's  Erhl.  r\,.l.  1 -<•■.. 

—  Rabe"-:  zu  Sauerkraut  eingcuiaclite  weisse  Kuben. 
,Sie  habe  aus  dem  Kessel  gesottenen  Keben-Gompist 
gegeben.'  Wasterk. Proz.  1701.  —  Schieb-:  ein  .sclile- 
gumpest'  mit  Spezereien  angemacht,  unter  den  frommen 
Gaben  ans  Kloster.  1518,  Bs  Chron.  —  Zwetschge"-: 
dürre  Zwetschgen,  bereitet  wie  die  Kirschen  des 
Kirsi-G.  SoH. 

„gümple"  11"  gi-:  , trödeln  Bs."  —  ver-:  ver- 
trödeln, auf  leichtsinnige  Art  und  unter  dem  Preis 
verkaufen,  wie  Verschwender  tun  Bs.  Er  hat  's  bim 
Grempler  vergimplet  und  's  Geld  vertrunke'.  Breitenst. 
1863.  —  Vgl.  vergämpa-hn.  Das  W.  in  seiner  Bs  Ausspr. 
mag  sich  im  Volksbewnsstsein  an   ,Gimpel'  anlehnen. 

„Gümpler  m..  -eri"  f.:  Trödler. -erin  Bs."  Syn. 
Grämxder. 

Scheint  elsäss.  zu  sein;  s.  bei  Üasypud.,  Dicif.,  Gloss. 
genn.  und  Frisch.  Ob  von  G'r'ümpel,  mit  Ausstossung  des  r? 
Die  Frankf.  Ausgabe  des  Dasyp.  von  1653  ersetzt  das  alte 
Gumjjler  geradezu   durch   ,Gr-'. 


Gampf  m.:  1.  Zustand,  Moment  des  Übergewichts, 
Überkippens  eines  Körpers.  I"  im  G.,  in  einem  Hub. 
Ruck  (nach  den  Gesetzen  des  Hebels)  Ap.  Uneig.,  (" 
im  G.  Nebes  tue',  nicht  zweimal  daran  machen,  ebd. 
Ein  Glas  in  einem  G.  austrinken  Th.  —  2.  Neige, 
kritischer  Moment,  Ausschlag  zum  Fall.  Of-em  G. 
sij'  Ap.  De'  G.  ge",  den  Ausschlag  geben,  ebd.;  G. 
Von  der  letzten  veranlassenden  Ursache  zum  Falli- 
ment, Geisteskrankheit  usw.     Vgl.  Gämpfi  u.  Gimpf. 

Gigampf  in.:  1.  Schaukel  GlK.  —  '.'.  wieovnartige 
Bewegung  Gr.  Im  Kinderspiel,  in  «elcli.'iii  Zw  ei, 
Rücken  an  Rücken,  einander  ^vech^elwei-,■  li.-l,rii 
(s.  RocHii.  1857,  453).  Anfang  einer  WechseUcae:  A.  O..' 


Gampf,  gomiit.  giiiipf.  frmnpr,  giinipf 


320 


B.  Haber  (Gerste',  Wasser) -stampf.  A.  Wo  ist  de'' 
Ma""?  B.  Im  Höh  [usw.],  mit  dem  das  Niederducken 
Beider  begleitenden  Schlüsse :  hock  nider  (sitz  abe)  und 
sing!  Th;  Z,  od.  ligg  nider  derzue!  ZO.,  wo  die  Stampf- 
mühle wegen  der  abwechselnden  Hebung  der  Stämpfel 
oder  des  Wasserhebels  ein  Gigampf  genannt  ist.  In 
B,  wenn  man  das  Kind  auf  seinen  Knien  reiten  lässt: 
G. !  Eösslistampf!  Guldige  Bing,  Chlapf  [Schlag]  zum 
Gring  [Kopf]!  B.   —  S.  noch  gitjampfen. 

gampie",  „Diva,  gampfle"' :  =  gampen,  schwan- 
ken, wiegen,  schaukeln;  auf  und  ab  bewegen  Aa;  Ap; 
Vükte;  Gl;  G.  Syn.  gigampf en,  gämpfen,  gimpfen. 
,Es  zittret  und  gampfet  die  Welt.'  Kütl.:  Der  Sturm- 
wind. ,Die  Grundwellen  giengen,  dass  das  Schiff  nur 
hinten  und  vornen  auf  und  nieder  gampfete.'  UMev., 
Pilgerr.  Bildl. :  Es  gampfet  mit-mer,  ich  weiss  nicht, 
soll  ich  oder  soll  ich  nicht,  ich  bin  unschlüssig  Aa 
Wohl.     Syn.  es  macht  ufe'  und  abe"  mit-m^r. 

gl-  Aa;  Bs;  B;  L;  Z,  gile-,  giri-  Ap,  glri- 
ZWl.:  verstärktes  gampfen.  1.  schaukeln,  wackeln 
übh.,  taktmässig  sich  auf  und  ab  (hin  und  her)  be- 
wegen. Si  rutsche"  de'  Tisch  hin  und  her,  bis  er  uf 
dem  Iwlperige  Bude'  endlich  grad  stöt,  öni  z'  g.  Bs 
(Schwzd.).  ,Die  genagelten  Schuhe  der  Tanzenden 
schlugen  den  gigampfcnden  {anf-  und  niedergehenden) 
Boden  [des  Tanzsaales].'  Gotth.  Auf  einem  Stuhle  g., 
sich  darauf  schaukeln.  Wenn  der  Pfarrer  Simlch  seit 
i'  der  Predig,  vil  100  Mol  glgampfet  mit-''em  Chopf, 
uie-n-e  alts  Boss.  Stutz.  Kinder,  auf  schwimmenden 
Hölzern,  Baumstämmen  sich  auf  und  ab  wiegend,  rufen: 
G.,  Wasser  stampfe",  kk;  Z.  Ähnlich  in  Aa;  Ap;  Gr; 
Z  bei  dem  unter  Gigampf  erwähnten  Spiele,  wobei 
Reime  wie  folgender  rcsi.on  dorisch  das  Heben  und 
Senken  begleiten:  G.,  ]\'n.s,  r  ,i;n<t,-i  stampfe",  rote 
Bock,  Nägelistock,  mit  ih  m  llni,!.,-,-  aheg'hockt!  oder: 
G.,  Bäbe'  stampfe".  Wo  <>(  il>„  An,:'  [usw.]  mit  dem 
Schlüsse:  En  brave,  brace  Abenitz  (Niderhock),  oder: 
Sitz  nider  und  sing!  Syn.  Gersten stössen.  —  2.  schau- 
keln im  spec.  S.  von  .wippen';  Belustigung  der  Kinder 
auf  der  wagbalkenarti^cen  Schaukel  (Glgampfi).  allg.; 
in  Gr  auch:  sich  auf  dem  Schaukelpferd  (Gigampfross) 
wiegen.  Zu  der  taktartigen  Bewegung  werden  zwischen 
beiden  Spielenden  Reime  wie  die  o.  angeführten  ge- 
wechselt. G'gigampfet  hend  si  in  alle"  Wirtshüsere 
und  'trablet  [getanzt]  und  'brüelet  L.  ,Geigampfen,  ja, 
das  hass  ich  auch,  's  ist  ein  abominabler  Brauch.' 
Kelterb.  ,Änneli  träumte,  es  gigampfe  mit  einem 
schönen  Engel.'  Gotth.  ,Die  aussen  vor  den  Toren 
gegigampft  und  gespielt.'  1567,  Müller,  Lenzb.  Syn. 
gigeizen,  gireizen;  rülzlen.  —  3.  übertr.  a)  , ächzen, 
sich  unruhig  und  klagend  hin  und  her  bewegen  B 
Lauterbr."  Vgl.  geigen  I  mit  g.  IL  —  b)  auf  den 
menschlichen  Geist:  hin  und  her  schwanken,  zu  keinem 
Entscheide  kommen  B.     Syn.  gampfen. 

Mit  dem  Kediiplicationspräf.  yi-  (dessen  i  aber  viell.  in 
Anlehnung  an  yigen  verlängert  ist)  von  gamji/cn  gebildet,  wo- 
durch die  alternierende  Bewegung  gemalt  wird,  wie  in  .Zick- 
zack', Bimbam,  hihäheJen,  gigagen,  gigarschen  Bd  I  467,  Fi- 
falter  Bd  I  820  udgl.  Girc-  fGile-)  hinwieder  aus  der  einfachen 
Redujil.   erweitert,  wie  in    Glrigitz,  giriginggetcn,  Biribitz. 

Gampfi  f.  GA.;  Uw;  Zg;  ZAuss.,  Gi-  f.  Aa;  Ap; 
BsLd;  Gl;  Gr;  L;  G;  Scb;  Uw;  Zg;  Z,  n.  BsStdt; 
ScHW,  Giri-  Z Fisch.:  1.  aus  einem  Wagbalken  be- 
stehende Schaukel,  Wippe.  aaO.     Strickschaukel  Uw. 


Syn.  Gireizi,  Bülzel.  —  2.  Gig.,  Schaukelpferd  AAAarb.; 
BsStdt;  ScHW;  Zg.  —  3.  i"  der  Gampfi,  in  schwan- 
kender Lage,  in  der  Schwebe  Zg;  Syn.  Wäg.  —  Das 
sächl.   Geschl.  erklärt  sich  aus  der  Zss.  G.-Ros». 

gämpfe":  1.  (tr.)  auf  die  Ecke  oder  Kante  heben, 
auf-,  umkippen  Ap;  ein  Gefäss  so  neigen,  dass  der 
Inhalt  herausfällt  Aa.  —  2.  (intr.)  a)  =  gampfen, 
wackeln,  schwanken,  wie  ein  Tisch  mit  ungleich  lan- 
gen Füssen,  wie  unfeste  Bretter  einer  Brücke  B; 
VOrte.  —  b)  wippen,  schaukeln,  z.B.  auf  einem 
Stuhle  Gl;  G;  Uw.  Syn.  gägelen.  —  c)  übh.  sich 
auf-  und  abwärts  bewegen  ZO.  ,Ich  schaute  zu,  wie 
der  Stampfbalken  der  Gerstenstampfe  auf  und  nieder 
gämpfte.'  Stutz.  Eine  nickende  Bewegung  machen, 
einschlafend  nicken  Aa.  —  d)  das  Übergewicht  be- 
kommen, kippen  Aa;  Ap;  L;  GWe.;  Th;  ZO.  Gang 
nid  so  hoch  üfe';  wie  Hecht  chönntst  aw''  g.  Th.  Es 
gämpft,  es  will  umfallen,  ebd.  Auch  über-g.  Syn. 
gnepfen,  überhljen.  Bildl.:  es  gämpft  mit-em  =  es 
gampfet  AAWohl.  —  e)  hüpfen  Ndw. 

Urspr.  wohl  das  Faktit.  zu  gamp/ea.  —  2  e  meint  wohl 
nur  die  anf-  und  abhüpfende  Art  des  Gehens.    Vgl.  gimpfen. 

um-:  1.  tr.,  umschwänken  ApM.,  U.  (T.).  —  2.  intr., 
umschlagen  oTh,  z.  B.  's  Schiffli  chunnt  in  en  Wirbel, 
fangt  a"  schtvangge"  und  gämpft  um.  —  um-hi°-: 
hin  und  her  schwanken  (beim  Rausche  etc.)  GTa. 

Gampfi:  1.  f.  Gleichgewicht,  Schwebe,  Kippe.  Es 
ist  i"  der  G.,  es  zieht  auf  beiden  Seiten  (der  Wage) 
gleich  Zg.  üf  der  G.,  auf  der  Wage,  im  Punkt  der 
Entscheidung  Gl.  Er  ist  uf  der  G.,  es  geht  mit  ihm 
zur  Neige  Aa.  Syn.  Gnepfi.  —  2.  „n.  Etw.,  das  wie  in 
einem  Gleichgewicht  hängt  VOrte."  —  3.  (f.?)  Strick- 
schaukel ScHwE.    Syn.  Eeiti,  BUseili.  —  Vgl.  Gampfi. 

(Jampfer  m.:   Seckelmeister  TB.  1645,  Urk. 

Versuch  einer  Andeutschung  des  mlat.  aineparius,  it.  cano- 
vuiu,  Verwalter  der  Vorratskammer  (cauvi-a),  vom  mlat.  ca- 
nejKi,   canem,   cella  penaria. 

Gimpf  m.:  der  Ausschlag,  die  Entscheidung  in 
einer  Sache  Ap;  G  (1790).  Das  git-em  de'  G.  Ap. 
,r>as  gibt  der  Sache  den  G.'  1788,  Ap  Id.    Vgl.  Gampf. 

gimpf e°,  swv. :  =  gampfen  2d  kv\  GRh.  (bisw. 
gimpen).     Der  Stuel  gimpft. 

Es  wird  d.is  i  als  degeneriertes  ä  in  der  MA.  von  Ap.  u. 
GRh.  zu  fassen  sein,  oder  dann  ist  es  aus  gimjxn  eutnonimen. 

über-:  =  über-gämpfen  ApL,  M.,  H.;  G.  —  um-: 
tr.  u.  intr.,  umkippen  ApL,  ii,,  K. 

Gimpfi  f.:  die  Kippe,  Zustand,  da  ein  Körper  zu 
kippen  droht  Ar  =  Gampfi  (s.  d.).     Syn.  Gimpf 

I"-Giimpf  m. :  plötzliche  Vertiefung  GO. 

Das  In  wie  in  in-hd,  konkav.  Da  Gupf,  zumal  boini  Ei, 
den  Gegensatz  zur  Spitze  ausdrückt,  könnte  es  aus  diesem 
erweitert  sein,  wie  das  syn.  Iniumpf  aus  Intupf.  Vgl.  das 
folg.  W. 

Gigeli-  s.  G.-Gupf 

tiumpfl  f.:  wohl  =  Gampfi  und  daher  viell.  nur 
Druckfehler.  Dert  isch  's  nit  kauscher  [geheuer]; 
mängC  Ma""  het  dert  scho'  oft  sis  Fahrt  g'ha.  Und 
b'sunders  mit  so  vilem  Geld,  da  ist-me'  chli"  uf  d'  G. 

g' stellt.  B  It  Dorfkai.  1879,  38. 


321 


(iaiiis— giiius.    (ianist 


Gams  Gl;  GR(n.).  GamschGT.,  Gemscli,  Gem- 
sche»  BSi.;  GrOLS.;  FJ.  -  f.,  Gamschi  BO  tw., 
Gemschi  BO.;  Gr;  L;  üw;  U;  W,  Gemsi  Gi,  —  n.: 
1.  Gerase.  , Keiner  der  nit  landmann  ist,  soll  zu  keinem 
gemsehen  mit  der  büchs  schiessen.'  1490,  Ndw  LB. 
,Als  dann  allenthalben  in  unserra  land  das  gewild  und 
iusunders  die  gemsen  durch  schiessen  [usw.]  us  unsern 
bergen  vertriben  waren,  band  wir  gebannen  den  berg 
genampt  Höwberg.'  1524,  Schw  LB.  ,Zwen  Wild- 
schützen, deren  der  eine  350,  der  ander  aber  1150 
Gerabs  geschossen.'  JLCys.  1661.  .Gembsch.'  1670, 
Absoh.  .Verstigen  Gambsch.'  JCWeissenb.  1678.  , We- 
der Gämbschi,  Huenli  noch  ander  Gewild.'  1689,  UwE. 
.Die  Gams  und  Rehe.'  Wildk.  1786.  Hingegen  schon 
bei  JXSchn™.  178'2  die  verhochd.  Form:  ,I)ie  Entli- 
bucher  Jäger  begehen  den  Fehler,  die  Gemsen  mit 
den  Hunden  zu  hetzen.'  Vielfach  in  Flurn.  des  Hoch- 
gebirges, z.B.:  ,Uf  Gemsch-medlen  [1.  -mettlen]',  Alp 
bei  Alpnach,  1498;  ,Gamschilucken.'  BO.  —  2.  übertr. 
a)  Name  von  Ziegen  und  bes.  Kühen  Ar;  BO.;  Gl, 
gegeben  nach  der  Farbe  oder  nach  den  krummen, 
gemsartig  geformten  Hörnern.  —  b)  Gemsch,  Knaben- 
schlitten, aus  Kuten  und  Stäbchen  gefertigt  BHk. 
Syn.  s.  bei  Geiss  3  a. 

Mhd.  tjam»,  ahd.  t/amima  (u.  nach  dem  Mhd.  zu  schliessen 
•<l<wiuts).  An  die  zu  Grunde  liegende  roni.  Form  (vgl.  it 
camozza,  churw.  camuotsch)  schliesst  sich  der  Bergu.  ,Gamussi 
hörn'  PMac.  und  Ekkehard  (um  d.  J.  lOöO):  ,Pernix  cam- 
bissa  hona  sit  elixa  vel  assa  [gesotten  oder  gebraten].'  Zu 
der  Yergröberung  des  s  (in  GamscJi  usw.)  vgl.  .Hirsch',  mhd. 
hirz,  ahd.  Iiiruz.  —  Das  sächl.  Geschl.,  welches  in  der  ä.  Lit. 
das  ausschliessliche  zu  sein  scheint  (s.  o.  und  ,das  Gems', 
PI.  ,G-e'  bei  JScheuchz.  1706;  Leu  172'2;  AvHall.;  Langhans 
175:3;    LMeister    178a)    scheint   durch    das    Syn.    (Gams)lkr 


^helc 


:h  Gc 


sen 


:hen  Nin 


(iemseli  n.:    Meerzwiebel,  Scilla  bifolia  Z. 

Stammte  die  (übrigens  vereinzelte)  Angabe  aus  dem  Hoch- 
gebirge, so  würde  das  Aussehen  des  Ptlänzchens  mit  seinen 
zwei  wie  Hörnchen  zu  beiden  Seiten  der  Blüte  emporragenden 
Blättern  die  A'ereinignng  dos  W.  mit  dem  vorhergehenden 
nahe  genug  legen.     Vgl.   churw.   camutacJias,   Herbstzeitlosen. 

gimsle":  sich  leicht  hin  u.  her  bewegen?  's  Kmiigs 
Düchterli  dänzlet  im''  gümplet  un''  hopplet  un''  wisplet 
im''  zimpfer  gimslet  umme".  Zeitvertr.  1700. 

(iiims  (Giimser?).  ,Das  luter,  suber  und  bloss 
lieiscli.  daran  weder  gümbser  noch  anders  hange  und 
klebe,  wie  es  dann  etlich  uf  den  bänken  umbher  sud- 
lend.'  L  Ansehenb. 

Gnmsle"  f.:  Scherz-  oder  Schinipfn.  für  eine  Weibs- 
Ijerson,  bes.  in  der  Verbindung  alti  G.,  behäbige  alte, 
auch  falsche  oder  unruhig  umherziehende  Person  Bs; 
BBrisl. 


1  s  c  h ,  Gemse  h  s.  Ga  ms 


Gäiustler  (Gämsler):  kleine,  grüne,  eifürmige 
Birnenart.  roh  ungeniessbar,  nur  zu  Most  ZEgg.  — 
Vii-11.   von  dem   Ortsn.   iii  der   Uiimstt"   ZHombr. 


Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Gau,  gen,  gin,  gon,  gun,  bezw.  gauii  u.s\v. 

S.  auch  die  lieihe   Ga  usw. 

gan  BEi.,  gpi  Gr  tw.,  </«  B;  GRtw.;  Ztw.,  gö 
bzw.  gu  Aa;  Bs;  Gl;  GRtw.;  G;  ScH  tw. ;  Tutw.; 
Z  tw.,  ge  bezw.  gi  Aa  tw. ;  Ap  ;  Tu  tw. ;  Z  tw. :  I.  Präp. 
1.  bei  Vbn  der  Bew^egung  (gehen,  kommen,  schicken) 
die  Richtung,  das  Ziel  derselben  angebend  =  nach. 
Syn.  uf  (Bd  I  117  B  1).  a)  meist  vor  Eigenn.  bezw. 
AdvT.  des  Ortes.  Gand-er  o  gi  Zi-Galle"?  gehet  ihr 
auch  nach  StGallen?  Th.  Ko'  wie  Daniel  gi  Buecha, 
zu  spät  komrae'ii  Ap  (lokale  RA.).  In  Gr  MA.  vor 
folgendem  Voc.  noch  weiter  verk. :  Wo-n-i'''  g'  Usser- 
Säge  cho"  bin  (MKuoni).  Selten  begnügt  sich  die 
Volksspr.  mit  dieser  allgemeinen  Angabe  der  Rich- 
tung, sondern  präcisiert  dieselbe  noch  durch  ein  dem 
Ortsn.  nachgesetztes  Adv.,  eine  entsprechende  Zss. 
mit  ,-hin',  z.  B.  ab-,  uf-,  über-,  an-,  dur'''-,  in-,  us-hin. 
In  B  mit  pleonastisch  vorgesetztem  ,für':  's  Anneli 
muess  's  Böttli  mache"  [kleine  Botendienste  verrichten] 
für  ga  Brienz;  vgl.  frz.  pour.  Hinwieder  erscheint 
(jan  selber  pleonastisch  vor  Advv.  der  Richtung,  z.  B. 
m-r  wend  ga  da  füre',  wir  wollen  da  nach  vorn 
(gehen)  Tb.  -Bis  ga  wo  schneit  's?  (ZKn.)  Vexierfrage, 
welche  sich  auf  mundartliche  Lautunterschiede  be- 
zieht, denn  die  zutreffende  Antwort  lautet:  Bis  ga 
Baar  [Dorf  des  Kantons  Zg],  den  schnit  's.  .Sind  ge- 
ritten gan  Einsidlen.'  HsSchürf  1497.  ,Si  waren  bis  go 
Thun  kommen.  Etlich  kamen  gon  Liechtstal.'  JLenz 
ca  150U.  ,Gienge  gan  Kusnach.'  Edlib.  .Derselbigen 
zyt  rait  M.  Sittich  genab  [hinab]  gen  Buochorn.'  Sicher 
1531.  , Schickt  er  synen  vettren  zuo  mir  gan  Visp.' 
TuPlatt.  1572.  ,Diss  ist  gan  Weggiss  geschriben 
worden.'  1602,  L  Ansehenb.  ,Sie  karaend  gon  Zürich.' 
RüEGER  1606.  ,Diewyl  ich  bin  belehnet  worden  zu 
einem  Pfarrer,  gehen  Altnauw  oder  gegen  Ricken.' 
1627,  JHaberl.  1870.  ,Da  die  Störkin  gen  Baden  kom- 
men.' JLGys.  1661.  ,Gehn  Rom.'  Wurstisen.  Vgl.  Gk. 
WB.  IV  1,  2,  2195/96.  2211.  —  b)  selten  vor  Appel- 
lativen und  in  manchen  Fällen  auch  aus  IIa  oder 
aus  II  erklärbar,  üb  er  au"'  mit-na"  [ihnen]  ga  Holz 
[um  Holz  zu  hauen,  oder  in  den  Wald]  chämmi  GkV. 
,Wann  einer  seine  kelber  gen  alp  [jetzt  z'  AI})]  oder 
andere  enden  hin  tuen  will.'  1538,  Ztschr.  f.  Schwz.  R. 
,Domum  ire  pergam,  ich  will  mich  gon  heim  machen.' 
Fris.     Welcher    gen    alp    oder    von    alp   faren    will.' 


1500.    Zi 

Bürlir..i. 

alli  Jim- 
üf  /..  .. 
Bero--i,^l 
Zui^eh-ii 
kirchlich 
,Tribsch. 


tiir  Schwz.  R.     Wahrscheinlich    durch 

li.fiuflusst  sagt  Stutz:    i'.s  stönd  Eim 

I ni.    denn   volkstümlich   ist  de"  B.,  sc. 

IV II  Angedenken  Einem  alle  Haare  gen 

n  i.K.  1727.  —  2.  in  Bez.  auf  rechtliche 

Die   HiXser  g'hiired  go  Horge",    sind 

bürgerlich  der  Gemeinde  H.  zugeteilt. 

auch  gan  Horw  [ge-]hört.'  RCvs.    Er- 


klärt sich  aus  1,  resp.  daraus,  dass  solche  Zugehörig- 
keit sich  in  Entrichtung  von  Abgaben  an  den  Ort 
einer  Herrschaft  darstellte:  ,lhr  undertaneii,  so  gan 
StUrban  zinsend.'  RCvs.  —  IL  Partikel  vor  In- 
finitiven, oft  in  redupl.  Form  oder  eig.  mit  pleonast. 
vorgesetztem  Inf.  gä"  (gägan  GfiTschapp.,  göge"  (bzw. 
güge"),  gäye")  und  chö"  (chöge'J:  (um)  zu,  nach  Vbn 
der  Bewegung  (gehen,  kommen,  schicken),  oder  nach 
den  den  Begriff  solcher  in  m.Ii  srlilii^s^.Miden  Vbn 
der  Modalität  (wollen,  sollen,  um,- ii.  ihm^vm.  können, 
dürfen),  auch  nach  ,sein'  als  llill'-,/..'it\v.  .Ics  Perf.  mit 


Gau,  gen,  gin,  gon,  guü 


Auslassung  des  Ptc.  .gegangen',  allg.  1.  nach  Vbn 
der  Bewegung.  Chumm  ga  (choge")  esse"!  !''•  ivill-dr 
choge  's  Bücheli  ne",  scherzh.  Bedrohung  eines  kleinen 
Kindes  Ap;  Z.  Go  luege'  cho'  (nicht:  cho'  g.)  G 
(Peurer).  Es  ehimnt  go  (auch,  mit  Angleichung  an 
das  regierende  Vb.,  cho)  regne";  vgl.  frz.  il  va  pleuvoir. 
Wenn  er  niimme"  [nur]  hüt  chäm,  gon  is  d'  ZU  e  icenig 
vertribe'.  Etwas  verschieden  ist  der  Sinn  der  Ver- 
bindung: er  ist  cho  ga  laufe,  er  liam  gelaufen  B  (Zyro): 
„er  ist  cho  ge  hriegge,"  kam  weinend.  .Er  ist  nit  kon 
gen  klagen.'  1549,  Gr  Rq.  ,Wo  etwer  für  ein""  kam 
gen  bitten.'  1552,  ApI.  LB.  ,üas.s  sie  nit  mehr  in 
unser  Land  kommen  gehn  aufspielen.'  1685,  Gfrd. 
,Komm  doch  gen  essen.'  HPest.  1790.  J"*  han-en 
g'schickt  g.  Brod  hole".  , Schickt  er  sie  gen  bychten.' 
ScHiMPFR.  1651.  ,Die  Kinder  gen  dienen  schicken.' 
JCEscHER  1723.  ,Sessum  deducere,  gen  sitzen  fueren.' 
Pris.  Gang  g.  luege" !  geh  nachzusehen !  Er  ist 
g'gange"  gon-en  grileze,  ihn  (zu)  grüssen.  M^r  günd 
g.  e  Halbi  ha".  Si  tcird-si'''  nüd  g'gange"  sl"  gogen 
ersäufe",  halb  scherzh.  Beruhigung  beim  Weggang 
einer  erbosten  Person.  ,Wenn  in  Folge  von  Trocken- 
heit das  übst  fällt,  sagen  die  Alten:  d'  Chirsi  [udgl.] 
gangen  übe"  gan  ernte".'  B  Volksz.  Wenn  i'''  en  ägni 
G'inänd  [Gemeinde]  hett,  so  gieng-i'''  not  ga  bettle"  Ar. 
,Dass  sy  in  den  graben  giengind  gen  werken  [zu 
arbeiten].'  G  Hdschr.  ,Zum  babst  louft  er  gon  klagen.' 
1460,  Lied.  ,Wir  giengent  in  das  kloster  gan  essen.' 
HsScHüRPF  1497.  ,Gon  will  ich  ga  fragen.'  Euef  1545. 
,So  der  ein"  gan  dienen  gang.'  1557,  Z  Ratsver.  ,So 
du  gen  schlafen  gon  willt.'  Voofir.  1557.  .Gang  alle 
tag  mit  im  gen  beizen.'  ebd.  ,S"  im:iii  iliin  für  zuo- 
luff  gähn  löschen.'  ÄgTschudi.  .tl;inu  ucn  -pazieren.' 
ebd.  ,So  hoch  das  Viech  gähn  weiden  gulit.-  HsRRebm. 
1620.  ,Der  Mensch  in  grossen  Sorgen  staht,  voraus, 
wann  er  gen  schlafen  gabt.'  ,Ich  gehe  jetzt  gen 
schlafen  in:  der  lieh  Gott  woll  min  Hüter  sin.'  In- 
schriften Z.  Das  regierende  Vb.,  wenn  im  Inf.,  auch 
nachgesetzt:  gä  tue  gä,  an  die  Arbeit  gehn  GRPr. 
Vor-em  Ga-ligge-gu,  vor  dem  Schlafengehn  GSa.  ,Er 
wolle  gen  fischen  gehen.'  FWyss  1650.  Das  Ptc.  .ge- 
gangen' wird  meistens  unterdrückt:  Er  ist  gon-en 
grüeze,  ist  g.  luege"  usw.  ,Wir  warend  dahin  gen 
sehen,  wie  es  dort  stat.'  1486,  Geschfo.  Ges.  Aber 
auch  gän  als  Inf.  kann  verschwiegen  werden:  Es  ist 
schlecht,  d'Lütg.  a"(z'Jlüge"  (hinzugehn  und)  die  Leute 
anzulügen.  —  2.  nach  Vben  der  Modalität.  I'''  will 
gen  (goge'J  esse".  I"''  will  go  spaziere",  nicht  =  nhd. 
spazieren  gehn,  sondern  ausgehen,  um  zu  sp.  's  Bettel- 
fräuli  wott  go  bettle"  gö"  (Anfang  eines  Liedes).  Warmn 
magsch  [magst  du]  nit  go  luege?  Hebel.  I'''  sott  [sollte] 
ge  schlafe".  lez  nmes-mer  [man]  ge  gü,  sich  auf  den 
Wegmachen,  scherzli.  Verstärkung  des  einfachen  gü  G. 
Ähnlich  prägnant:  Ihi  rli,i^i  ie-  gu  gü!  machen,  was 
du  willst,  es  iiül/,1  Xi.lit-  melir  Gl;  vgl.  ,Alde,  ich 
muoss  ga  gän.'  X\'.,  L  Fa.-,tii. -Spiel.  Ist  das  regierende 
Vb.  durch  einen  Ausdruck  umschrieben,  welcher  die 
Präp.  ,zu'  verlangt,  so  tritt  Umstellung  dieser  mit  un- 
serer Part,  ein,  z.  B.  i'''  tenke  (han  im  Sinn)  g.  z'  luege". 
,Wo  i.st  nun  der' pfafFe,  dem  sy  gen  bichten  sond  [b. 
gehn  sollen].'  Rdss,  Semp.  Lied.  , Wollten  all  mit 
einander  gan  luogen.'  1500,  Zellw.,  Urk.  .Kommen 
gen  losen.'  1509,  ebd.  ,Muosst  alle  weit  gen  löschen.' 
Salat.  ,Ich  will's  gen  bringen  in  schneller  yl.'  Birk 
1535.     .Herr  koch,  wir  dörfend  nit  lang  dichten,  den 


gesten  lond  uns  an  gon  richten.-  Ruef  1550.  ,Ich 
will  gehn  luogen.'  1579,  Bigandus.  ,Dass  hinfüro 
keiner  mehr  [solle]  gähn  bettlen  oder  dem  almosen 
nachgange.'  Z  Mand.  ,Der  arm  tuot  doch  die  fryheit 
han,  dass  man  ihn  lasst  gen  bettlen  gan.'  Com.  SBeati. 

—  3.  beides  combiniert,  wenn  nachdrücklich  das  Gehen 
als  solches,  als  besondere  Tätigkeit  und  Bemühung, 
nicht  nur  das  Streben  nach  einem  Ziele  ausgedrückt 
werden  soll.  M^r  wend  gä"  gogc  luege"  udgl.  Wir 
müesse"  bim  Pater  zuehe  [sc.  gä",  vorsprechen,  ein- 
kehren], gun-em  go  danke".  Schild  1885.  Combiniert 
mit  .kommen'  etwas  pleonastisch  gehäuft:  Hans,  gang 
gogen  im  [dem]  Joggi  säge",  er  seil  cho"  chogen  esse". 

—  4.  besondere  Modifikationen  oder  Unregelmässig- 
keiten des  Gebrauches,  a)  die  bereits  i.  S.  v.  ,zu' 
stehende  Part,  wird  zuweilen  noch  durch  ausdrück- 
lichen Zusatz  von  .zu'  verstärkt.  Er  het-e"  g'schickt 
Öppis  g.  z'  hole".  „Mer  wend  ttf  de  Mär''t  gö",  Öppis 
goge  z'  chaufe"."  ,Jetz  geht  der  Landweibel  sich  gen 
zu  verdanken.'  Ap  LB.  1585.  Da  ,zu'  auch  durch  vor- 
gesetztes ,für'  verstärkt  werden  kann,  i.  S.  v.  ,um  zu' 
(Bd  I  956/7),  so  kann  hinwieder  auch  in  dieser  Ver- 
bindung ,zu'  durch  unsere  Part,  ersetzt  werden;  daher 
z.  B.  Zuckertcasser  für  den  Durst  go  lösche:   Spreng. 

—  b)  nach  der  Part,  kann  der  Inf.  eines  Vb.  weg- 
gelassen werden.  Er  ist  ga  Chris,  gegangen,  Reisig 
zu  suchen  GrV.  Gang  ge  Wasser,  Gebse"  [Milchge- 
fässe]  sc.  holen!  GRÜbs.  —  c)  sehr  eigentümlich  ist 
die  ebd.  übliche  Formel  ga  dernäh  (gehen  darnach) 
i.  S.  V.  .holen',  welche  auch  wieder  mit  Vb.  fin.  gän 
verbunden  wird:  !"•  icill  fs)  gä  dernah.  Gang  gä 
dernah,  geh  es  holen.  lez  we-wer  [wollen  wir]  Gebse" 
ga  dernah.  —  d)  noch  abstrakter,  aus  verbalem  Cha- 
rakter ganz  in  adv.  übergegangen,  erscheint  in  Soh 
und  Tu  ein  kurz  abgestossenes  ga,  go  i.  S.  v.  ,bald, 
fast,  eben,  schon,  gerade',  auch  mit  dem  letztgenannten 
Adv.  (in  der  Form  grad,  gad)  zuweilen  verbunden, 
aber  eben  darum  schwerlich  aus  diesem,  sondern  aus 
dem  Inf.  gön  (gehen)  verkürzt  und  verflüchtigt.  !"• 
chumme  ga,  komme  bald.  Es  ist  go  bald  drü,  drei 
Uhr.  's  isch  NÜni  go  Th.  (Vgl.  es  ,geht'  auf  9  Uhr.) 
!''•  mues  ga  gä,  muss  sogleich  gehen,  ebd.  1  ha  ga 
chüm  g'nueg  ZU  zu  vilner  Facht,  ebd.  E  Süli  packt 
de''  Chüz  go  l".  JohMey.  1866.  Er  chunnd  iez  go  grad 
Th.  Er  wird  iez  denn  go  gad  cho".  ebd.  Aus  TnTäg. 
wird  noch  ausdrücklich  angegeben,  dass  der  Zusatz 
von  ga  vor  gad  die  Eile  einschränke. 

Zu  I.  Die  urspr.  Identität  dieses  gen  mit  ,gegcu'  ist 
offenbar;  vgl.  Gr.  WB.  IV  1,  2,  2211;  Schm.-Fr.  1,  917-18. 
Allerdings  hat  sich  dieses  gen  mit  dem  urspr.  ganz  verschie- 
denen, doch  lautlich  und  begrifflich  nahe  stehenden  gen  II 
mehrfach  berührt  und  vermengt.  Die  ä.  Schreibung  und  heute 
vorwiegende  Ausspr.  ga",  go"  lässt  sich  nur  aus  Berührung 
der  Präp.  mit  dem  Yb.  erklären;  auch  die  ä.  Schreibung 
,gehn'  ist  doppeldeutig;  vgl.  Gr.  aaO.  2195  —  6.  Einzelne 
Wendungen  der  ä.  und  heutigen  Spr.  lassen  sogar  schwer 
eutsc.heiden,  ob  man  das  eine  oder  das  andere  W.  oder  eben 
eine  nicht  mehr  lösbare  Mischung  vor  sich  hat;  z.  B.  »ho- 
leend  ga  dafure".  ,Als  sie  gan  heim  schlafen  wolltend.'  Fris. 
(wo  ,gan'  auch  mit  ,schlafen'  verbunden  werden  kann).  Noch 
stärker  und  offenbar  ist  die  Vermischung,  wenn  statt  gen  I 
die  sonst  nur  dem  //  zustehende  redupl.  Form  gogen  vor 
Ortsnn.  erscheint,  z.  B.  goge"  Apjieiell  G,  goge  ScMffhüsc  gö" 
Seh.  Auch  die  unter  II  gestellten  elliptischen  Ausdrucks- 
formen ga  Chrin,  ge  Wasser  streifen  an  I  (fast  =  ins  Holz, 
zum  Brunnen) ;  vgl.  dort  1  a  ga  Holz,  das  eben  so  wohl  zu  II 
gezogen   würde.    ,6en  Baden  faren'  von  GPict.  1560  i.  S.  v. 


flan,  gen,  gin,  gon,  gun 


,in  eiu  Bad  gehen'  gebraucht,  könute  in  anderni  Zshang  ebenso 
gut  bedeuten:  nach  Baden  reisen.  —  Zu  Tl.  Diese  in  ihrer 
Bed.  mit  dem  lat.  Supinuni  aiil'  -«..  i.  i  .1  i  lil^aie  Part,  ist 
nrspr.   der  in  Ton   und  \'oc.  alL.  in      l.'S  Vbs  i/än, 

ijöii,  der  dem  von  ihm  abhän},'!-.  :   I    i    .iiios  zweiten 

Vbs  vorgesetzt  war.  Indem  sir  ;ini  M.  i  i.  n  mit  diesem  selbst 
verbunden  wird,  bildet  sie  einen  uiibewussten  Pleonasmus, 
der  in  den  redupl.  Formen  </o-f/c  usw.  gesteigert  erscheint, 
immerhin  so,  dass  der  zweite  Bestandteil  nur  in  der  abge- 
schwächten Gestalt  (ijrK  der  erste  nur  in  der  volleren  (ga-, 
ijo-,  yu-)  auftritt.  Die  Construction  von  ,gehen'  mit  blossem 
Inf,,  im  heutigen  Nhd.  selten  geworden  und  unserer  Spr. 
beim  Vb.  fin.  ganz  verloren  gegangen  (s.  Sp.  2),  war  früher 
häufig,  s.  Gr.  WB.  IV  1,  2,  2415  —  18,  wo  auch  der  all- 
mählige  Übergang  des  Inf.  ,gehen'  in  abstr.  Anwendung  und 
fast  präpos.  Geltung  (=  zu)  nachgewiesen  ist.  Nur  ist  dort 
nicht  genügend  erklärt,  wie  der  pleonastiRi-lir  nrlinii^'b  eines 
Vb.   fin.    ,gehen'    mit  Inf.    des  selben   W.    ml-lrlhn    k.iniitc. 

Da  vom  letztern  dann  erst  wieder  der  Inl    •■ -  üimIi  mi  Vl.s 

abhängt,  so  ist  Yergleichung  mit  homerisili. m  fjv,  ii-jyj.  iid','1. 
nicht  statthaft.  Der  Gebrauch  scheint  von  den  in  unserer 
Darstellung  als  2  angesetzten  Fällen  ausgegangen  zu  sein, 
wo  der  Inf.  ,gehen'  von  Vben  der  Mod.  abhängig  w.ar.  wie 
im  Englischen  z.B.  Jet  iis  go  ß<ßt.  Erst  n.ifhdim  in  srdchen 
Verbindungen  der  Inf.  .gehen'  eine  abgesclmi  dit,  mid  ("iiiul- 
hafto  Bed.  als  fast  prflp.  Exponent  eines  iic.  li  I  d-md.  n  Inf. 
erlangt  hatte,  wird  er  dann  auch  mit  seimm  . dir,  n, n  Vli.  tin. 
verbunden  worden  sein,  wie  im  Flämischen:  ,he  gink  gen 
ploegen'  udgl.  Beigetragen  .haben  werden  auch  die  bereits 
stehend  gewesenen  Verbindungen  ,spazieren  gehen,  betteln  g.', 
in  denen  das  von  .gehen'  abhängige  Vb.  nicht  den  Zweck 
des  erstem,  sondern  eine  Art  desselben  ausdrückt,  so  dass 
sie  ohne  Pleonasmus  mit  nochmaligem  ,gehen'  verbunden 
werden  konnten.  Vgl.  zu  ,bett.elu  gehen'  noch:  (/an  hudlen, 
Lumpen  sammeln  BRi.,  wo  ebenfalls  blosser  Inf.  vorzuliegen 
scheint.  Dass  dieser  früher  auch  bei  uns  noch  vorkam,  zeigt 
z.B.  eine  Stelle  bei  ThPlatter  1572:  .Wir  giengen  in  der 
statt,  etlich  singen,  ich  aber  gan  heischen  [betteln]',  wo 
blosser  Inf.  und  Inf.  mit  vorgesetztem  ,gan'  beide  abhängig 
von  ,giengen',  neben  einander  im  gleichen  Satae  vorkommen. 
Bemerkenswert  ist  bei  dem  Selben  neben  einander:  ,Der 
Cardinal  gieng  gan  firmen',  nachdem  vorher  gesagt  war:  ,der 
C.  ist  durch  das  Land  gefaren  zu  visitieren  und  zu  firmen.' 
Zu  präp.  Geltung  des  Inf.  konnte  auch  das  lautlich  und  be- 
grifflich nahe  stehende  ijni  1  beitragen,  sowie  dieses  umgek. 
Einwirkung  von  jenem  erfahren  hat:  s.  Anm.  zu  I.  Daher 
finden  wir  auch  bei  Beiden  fast  das  selbe  Schwanken  des 
Voc.  Übrigens  ist  bei  allen  Farben  desselben  der  Abstand 
des  verkürzten  und  unbetonten  vor  dem  Inf.  gegenüber  dem 
langen  und  betonten  des  Vb.  fin.  (wenigstens  im  Präs.  Ind. 
Sg.  der  meisten  MAA.)  zu  bemerken:  !''•  yä  gü  -,  ,;■  yöt 
yti  ^,  ebenso  in:  yU  yü.  Dass  trotz  der  eingetretenen  Ab- 
straktion des  Gebrauches  der  Ursprung  desselben  nie  ganz 
vergessen  wurde,  zeigen  Schreibungen  wie:  ,ich  will  gehn 
lugen'  [wo  übrigens  noch  die  volle  verbale  Bed.  mit  blossem 
Inf.  angenommen  werden  kann]:  ,gahn  weiden  gabt;  kommt 
gehn  aufspielen.'  Zweifelhaft  ist,  ob  wir  verkürztes  ge  für 
yen  schon  in  einem  Liede  aus  dem  J.  1500  annehmen  dürfen: 
,Wend  ir  die  beren  ge  jagen,  als  man  von  üch  tuet  sagen, 
ir  habend  sölchs  vor  band  [im  Sinn],  darzuo  den  stier  von 
Uri,  die  all  ertöten  gar:  es  muess  üch  werden  sure.'  Lil.  2, 
372,  15.  Die  Handschr.  hat:  ,Wenn  ir  beren  all  gejagen', 
und  das  Lied  hat  allerdings  ,-en'  als  Endung  der  2.  P.  PI. 
statt  ,-et' :  aber  der  Zshang  spricht  für  die  im  Text  stehende 
Lesart,  und  nach  ,wollen'  ist  das  Präf.  ,ge-'  vor  Inf.  (s.  Sp.  49) 
selten.  Dagegen  ist  allerdings  ,ge'  statt  ,gen'  für  jene  Zeit 
auffallend,  neben  dem  wahrsch.  gleichzeitigen  ,gen  bychten' 
im  Sempacherlied,  und  Str.  25  beginnt  ganz  ähnlich:  ,wenn 
ir  die  Schwyzer  kriegen  [bekriegt]',  wo  ,wenn'  nicht  in  ,wend' 
geändert  ist.  Was  endlich  die  in  der  Jüngern  Zeit  gegen- 
über der  einfachen  Form  überhand  nehmende  redupl.  Form 
ya-ge,  yo-ye  sogar  nach  bereits  vorangehendem  Vb.  fin.  yan 
betrifft,  so  findet  sie  Parallelen  au  den  Verdopplungsformeln 


chu"  cho,  kommen  zu  (neben  t/io"  go),  Ui  ga"  lan,  gehen 
lassen  (s.  dd.)  und  fa  a'^fan  Bd  1  715  (nur  hier  ohne  Ver- 
kürzung des  Voc).  Sie  erscheint  auch  schon  in  ä.  Zeit:  ,Ich 
will  ein  wenig  go  gehn  schrien.'  JCWeissenb.  1702,  wo 
allerdings  die  Schreibung  des  zweiten  Inf.  (neben  .go  gen.' 
1701)  eiue  andere  Auffassiiug  desselben  verrät.  ,Die  nit 
wollten  kommen,  durch  lied.ilii  likrM  willen,  ko  gen  helfen.' 
GrAv.  Strassenordn.  1(;.'>.;.  /,\\.  il,  lli:iti  sind  folgende  Stellen, 
in  welchen  der  erste  Inf.  li/n.  \\>.  lin.  als  betont  und  dann 
nur  einfache  Setzung  der  Part,  angerionimen  werden  kann: 
.Er  wellte  gan  gen  z' abint  essen.'  1523,  Egli,  Act.  ,Ich 
gan  weder  gan  bredigen,  noch  gan  gan  teufen.'  1525,  ebd. 
(Briefeines  Bauers)'.  ,Doch  sollend  die  armen  für  kein  tür 
gon  gen  bettleu.'  Kessl.  ,Ich  will  denn  ga  gen  ornig  schaffen.' 
Com.  SBeati.  Ahnlich,  wo  der  zweite  Inf.  vom  ersten  ge- 
trennt steht:  ,Dass  du  so  sehr  gan  weinen  musst  gan.' 
XVII.,  Lied.  Der  fast  noch  abstraktere,  doch  weniger  pleo- 
nastische  Gebrauch  4  d  findet  (wie  schon  der  unter  1,  2 
behandelte)  Parallelen  in  andern  oberd.  MAA.  Den  bei  Gr. 
WB.  2418  gegebenen  Citaten  ist  noch  beizufügen  Fromm. 
4,   245,   90.    7,  419;   Sohm.   Gramm.  §  977. 

giillig   (JÖ-:    im   Schwange   gehend   Ap.   —   Zu  ga". 

Gann  I,  -er  m.:  1.  ,Gann:  der  gesprenkelte  Taucher, 
rotlsohliger  Seetaucher,  colymbus  stellatus  (septen- 
trionalis,  rufogularis).'  Hartm.  1808.  —  2.  Ganner 
a)  „grcsser  Sägetaucher,  Tauchente,  niergu.s  mergan- 
.ser,  auch  mittlerer  Sägetaucher,  m.  Senator,  am  Boden- 
.sec,  Rhein,  bisweilen  auch  an  der  Sitter. "  —  b)  .Der 
Imber,  Ei.s-.  Seetniieher,  colymbu.s  glacialis.'  Hartm. 
1808.  —  c)  .Il.iiiliiiii.iih  lirr.  podiceps  (colymbus)  cri- 
status,  in  ganz  ,iii-l:.\\,i.  Ii-.'iiem  Zustand.'  Hartm.  1808. 
Syn.   s.  rSr-iFh„l,r  ilU   [    1174). 

Gr,  WH.  IV  I,  I.  IJ....  \rniiutet,  ,Gann(e)' bezeichne  das 
Weibili.ii  und  .ii:iiiiii  1"  >•'!  :iiis  ,Gander'  assimiliert;  Beides 
schweilieli  rielili^'.  Ins.  das  letztere,  da  die  ebd.  angeführten 
Formen  nd.  ganr,-.  ags.  gunm  darauf  weisen,  dass  d  einge- 
schoben sei  wie  in  Fämhkk  aus  mhd.  vmre  (s.  Bd  I,  832) 
und  in  vielen  andern  Fällen.  Vwdtschaft  und  Berührung 
mit  ,Gander,  Ganser'  usw.  kann  nicht  abgewiesen  werden, 
aber  zunächst  gehört  das  W.  zu  gannen  =  ginmn,   s.  gäntun. 

Gannele,  Gann^la,  ^Gannale' ;  Qenilla  f.:    Ziramt 

W.    —    lt.   cannella,  frz.   ennn^lle. 

Ganne"  I  f.,  in  der  RA.  Ei"m  <V  O.  srhhm  \V  = 
Gamme'  3  (Sp.  299)  und  aus  diesem  verderbt  durcli 
Anlehnung  an  Ganne  IL 

(janno"  11,  er-gannen  s.  Kanne". 

an- ganne"  (-gäne):   nach  Etwas  gelüsten   Gr.  — 

Gani  ni. :  alberner  Kerl,  Gähner  Bs  (Spreng).  — 
Eig.  der  das  Maul  aufsperrt.    Vgl.  Gin-Aff,  -Öffel  Bd  I  100. 

ganizen  — Ftc.  giganizot :  zanken  W.  —  Intensiv- 
Bildung  zu  yannen,  eig.  =  den   Mund   weit  offnen. 

Ganille  s.  Kamille. 

„Gannusclile"  f.:   Schinken  W." 

Wahrsch.  aus  einem  ronian.  W.  ('cannucciaf),  gebildet  aus 
lat.  mnna  i.  S.  v.  Beinröhre,  Knochen,  wie  ahd.  scineo  nrspr. 
das  Selbe  bedeutet. 

Um-gSne"  f.:  magerer  Heubezirk  am  Talabhango 
W.    Syn.  Biedmäd,  Halde.  —  Wahrsch.  zu  umgänd  Sp.  IG. 

gänne":  1.  den  Mund  aufsperren.  ,Die  sön  und 
töchterli  um  ire  vätter  sitzend,  irer  reden  ufmerkende, 
genende  und  verwundernde.'  Kessl.  ,Sam  die  armen 
Seelen  under  der  erden  standen  und  das  durehtliessende 
wassor  in  ire  oiTne  genende  raund  zuo  einer  eriinieknng 
empfachend.'    ebd.  ~    2.  heftig  begehren  UwK.     Vgl. 


327 


Gan,  gen,  gin.  gon.  gun 


an-gannen  und  gäiinen,  guenen.  —  3.  durchsichtige 
Stellen  haben,  die  leicht  reissen,  yon  Webstoffen  Th. 
Sonst  ginnen.     Syn.  zäunen.  —  Zu  ginnen,  liiare. 

Gänni  m.:  der  heftig  begehrt,  von  Menschen  und 
Tieren  UwE.  Vgl.  Gauner.  ~  gännig:  gierig,  lüstern, 
erpicht  auf  Etw.,  gleichsam  darnach  schnappend  „LE." ; 
z.  B.  von  einer  Ziege,  die  fremdes  Gras  nascht  UwE. 

gänne":  um  Speise  betteln,  meist  von  Hunden 
ThHw.  Syn.  guenen  (gönert),  güiren  Cgäuen).  —  Gmm- 
verhält  sich  zu  f/uen-  wie  nhd.  , Gaumen'  zu  mhd.  ijuome. 

Gauner  m.:  Hund,  der  gierig  blickt  ThHw.  Syn. 
Guener. 

Genauer,  Genuese r  m.:  eine  Guldensorte,  erwähnt 
in  dem  Münzvertrage  von  1425  u.  1435,  L.  S.  Bd  1 1207. 
.Wyngelt:  6  .Tenueser  =  16  fl.'  1084,  ZZoll.,  Herbst- 
rodel. —  Nach  Genua  benannt,  welcher  Name  im  XVI.  zu 
,Gen-ouw'  unigedentet  war. 

Genner  s.  Jänner. 

Ge'nere'  B;  F;  Z,  Ge'neri  Aa  in  der  Verbindung 
in  (ZStdt)  oder  i"  's  G. :  insgesammt,  allgemein,  durch- 
gehends,  im  Durchschnitt.  D'  Begierv'g  häd  i.  G.  ab- 
'danket.  Am  Z  Gymnasium  war  es  vormals  üblich, 
dass  am  Schlüsse  der  Schulzeit  die  Klasse  i.  G.  sich 
zu  den  Lehrern  in  die  Wohnung  begab,  um  Abschied 
zu  nehmen.  D'  Herdöpfel  sind  i.  G.  guet  g'rate".  Ds 
Stück  chostet  i.  G.  5  Tiible".  Es  git  i.  G.  Fege',  wenn 
d'  Sunn  en  Hof  hat.  I.  G.  zale",  auf  geineinsame 
Rechnung. 

Ans  lat.  j'n  (jeture,  mit  tw.  Übertragung  in  die  Acc- 
Construction  in  Anlehnung  an  das  syn.  ,ins  Gesammte'. 

Gencstcr  Durh.,  Jeist  SchwK.:  Besenginstcr,  spar- 
tium  scoparium. 

Ahd.  genestc.  Jcüt  aus  ,Gonsf  (s.  Gr.  Wl!.)  mit  Kr- 
weichung  des  g  wie  in  Jvmf  für  ,Genf  ndgl.  Ül>er  n'  aus 
en  s.   Froraui.   7,  37  ff. 

Ge'ni:  1.  in.,  Eugen  Aa;  Uw  (mit  der  Vi-iii-ri.lK'ning 
Griifl).  —  2.  n.  (Dim.)  Eugenie  Uw. 

Ge'ni:  Geist,  Verstand.  Ke'"  G.  ha".  Me"  miies' 
aw''  e  chli"  G.  ha",  den  Verstand  brauchen  ZZoll.  f 
—    Ans  lat.  ingenlMin.      Vgl.   ScJiaii,  aus  frz.  gtnic. 

Gein  m.:  der  einzelne  Akt  des  Gähnens  Z.  Wenn 
d'  en  tvackere"  G.  tuest  imd-di"''  streckst  Z  (Corrodi). 
Dagegen:  G'gein  n.:  das  fortwährende,  wiederholte 
Gähnen,  ebd. 

geine»  bzw.  gä-,  gV-:  gähnen,  fast  allg.;  doch 
s.  die  Synn.  ginen,  ginnen,  gienen.  Es  git  drlerlei 
Geinu":  's  Ffüetschu-G.  [aus  Faulheit],  's  Hunger-G. 
und  's  Gibet-G.  W.  G.  bis  a"  d'  Ore"  hindere",  stark 
g.  Z.  We*"  Ei's  geinnf,  sn  grinunt  AUi  W.  ,Wenn 
Einer  .n-abnct.  -^.  i,'Liliiirt  der  Andn.'  hu.1i.-  Si'Kww. 
1824.  i'''  iinuhl  „ul  ihr  ,i,n,r:  ,h,  <i,n,,sl  nie  ich, 
ich  fühle  iiueli  .lir  -eiMe-Aeiu.. 11,11.  -leirli-vstimmt 
oder -gesinnt  .Sch.  Die  ganze  Frcduj  üs  [walirend  der 
g.  P.]  g.  SpRENC.  Sprichw.  RAA.  I"''  wett  nid  drum 
(drl)  g.,  es  ist  mir  gleichgültig  Z.  .Ich  möchte  nicht 
darum  gähnen.'  Sch  (Kirchh.);  Syn.  gügen,  pfifen, 
schissen  u.  a.  .Gänen,  gäinen,  gaffen,  oscitare,  hiare.' 
Red.  1662.  ,Als  i.  J.  590  eine  Pest  vil  Menschen  hin- 
geris.sen,  indem,  wann  ein  Mensch  niessen  oder  g. 
müssen,  er  alsobald  dahingefallen,  danahen  die  Gei- 
nende" im  Papsttum  sich  mit  dem  Kreuz  bezeichnen.' 
JJMüLL.  1673.    Von  dem,  welcher  des  Morgens  gähnt. 


sagt  man,  er  habe  der  G'schar,  der  Herd,  nicht  nach- 
zukommen vermocht  ZW.  Sprw.  Meine' göd  über  g., 
eine  Meinung  aussprechen  (und  wenn  es  auch  eine 
unrichtige  wäre)  ist  immer  noch  besser  als  gähnen, 
zu  faul  zum  Denken  sein  L.  ,DissutK  mal«,  die  kifel 
fast  offen,  als  wenn  einer  geinet.  Hiare,  geinen,  auf- 
ginen.'  Frls.;  Mal. 

Spät  mhd.  geincn  neben  ginen,  auch  ginnen;  genen,  gienen; 
ahd.  geinOn  neben  ginen,  ginön.  ,Kenetist,  hisceres.'  IX., 
G  Glosse.  Aus  der  Grundbed.  des  Muudaufsperrons  cnt^ 
wickelte  sich  auch  die  des  Sehnens,  Gelüstens  (vgl.  gännen, 
guenen  und  ,1echzen'  aus  liehen),  welche  wir  aber  nur  aus 
ä.Lit.  und  nur  ein  Mal  zu  belegen  vermögen.  ,Gott  ver- 
schliesset  die  tür  des  himmels,  auf  dass  du  desto  heftiger 
anklopfest,  halte  darum  an,  geine  eines  (s.  Bd  I  271)  geinens; 
es  ist  doch  Gott  angenehm,  er  will  deinen  Willen  nicht  tun, 
bis  du   ihn  gleichsam  zwingest.'  AKlingl.    1688. 

ÜS-.  nur  in  der  RA.  de'  Chifel  u.,  durch  Gähnen 
die  Kinnlade  verrenken  Z.  —  Ebenso  muginen  bei  Schm.- 
Fr.   I,  919. 

nach  (nohej-:  nachäffen.  Spreng.  —  Gtinen  hier  im 
S.  v.   .gaifen'.     Vgl.   IJin-Aff,  -Offel. 

Geini  m.:  Gähner;  auch:  „langweiliger,  schläfriger 
Mensch." 

geinig:  1.  was  gähnen  macht,  z.B.  das  Wetter 
Uw.  —  2.  leicht,  viel  gähnend  Ndw. 

Gina  f.,  Dim.  Gini,  Gineli:  weibl.  Taufn.,  Regina  W. 

Ginanzerm. :  eine  Art  Zieger,  welcher  auf  Ginanz- 
Alp  verfertigt  wird  und  vormals  sehr  gesucht  war  W. 

gine":  1.  „bersten,  klaffen";  in  Scicw  auch  „uf-g." 
-  2.  „das  Maul  aufsperren  B;  Vw;  Z."  —  3.  gähnen 
Aa;  Bs;  S.     Auch  geinen,  ginnen,  gienen. 

Kin  altes  ginen  wird  wohl  auch  auf  hochd.  Gebiete  be- 
standen haben  wie  im  Ags.  (lo-ginun,  bersten)  und  im  Altn. 
{gtna,  schnappen),  aber  wie  die  Ablaute  in  geinen  und  ginnen 
zeigen,  als  starkes  Vb.,  wilhrentl  unser  obiges  W.  schwach 
ist,  und  iii;iii  l,:iiiii  si.li  iil"  I  'lii  .l\iii  Slrlhing  desselben 
um  so   W(iiiL.'.r    mii    l'.r^i .    ,      Ihm,    als  die  An- 

gaben /wisrlM,,  ,,l,t,i-  „ipI  ,,i  i',,  1  ,,,.,  a.-s  Voc.  fl' u.  i-'J 
seliwankeii  mel  miC  St.V  .'^rli  i  -  il-nirj  a  .  m^;  lü^wicht  zu  legen 
ist.  Da  auch  das  ,y'  unserer  ii.  Schriften  nicht  durchaus 
Lange  bedeutet,  so  schieben  wir  die  betr.  Belege  bei  gi7inen  ein. 

ginne":  1.  =  ginen  1,  z.B.  von  einer  offenen 
Wunde,  einer  gespaltenen  Mauer  Gl;  G;  Sch;  Schw;  Z. 
Er  häd-em  [sich]  i  's  Bei"  gehaue',  dass  es  ganz  g' ginnet 
häd  Z.  De  se'b  [Fenster-]  Lade'  ginet  vmest  [arg]  us 
enand  Aa.  ,Dehiscere,  hiare,  g.,  aufklecken,  zer- 
lechen.'  Fris.;  Mal.  ,Ginend  klimsen,  hiantes  rimae.' 
Mal.  , Lasse  es  aber  auch  nicht  von  einanderen  g. 
oder  sich  weit  auftun.'  WOrz  1634  [von  einer  Wunde]. 
, Gaffen,  bersten,  ginnen,  hiscere,  fatiscere.'  Red.  1662. 
, Gehen  von  einandern.  ginnen,  hiare,  divaricare.'  Denzl. 
1677;  1716.  ,Ein  .-iimeiider  Ri,.-.-  XVIIL,  Merkw. 
Von  Kleidungsstüekeii.  ,lie  nieht  --ut  >elili,.ss.Mi  (an- 
passen), weil  sie  nii  lit  uiil  :;e,seliiiitteii  .^illd.  ihI.t  Hafte, 
Knöpfe  nicht  ihren  Liiensl  tun.  Ein  Selaili  ginnet, 
wenn  eine  Nat  sich  gelöst  hat;  Syn.  tuet  *.<  Mül  üf ; 
häd  es  Läff;  häd  Hunger.  Vom  Erdboden  bei  an- 
haltender Trockne:  De''  Bode'  ginnet  von  enand.  ,.Ar- 
dore  terra  dehiscit,  das  erdrych  kleckt  oder  spaltet 
von  hitz  oder  ginet.'  Fris.  Von  Pflanzen:  Als  Zeichen 
der  Reife  der  Nüsse  gilt,  dass  die  äussere  Schale 
.ginne'  Z.  ,Hiascere,  ginen,  eigentlich  von  den  nussen 
wirf  es  gcredt.'  Fris.;  Mal.  .Oscitant  folia  ad  solem, 
zertuond    sich,   ginend   auf  gegen  der  sonnen.'    Fris. 


329 


Gan,  se 


Syn.  s.  (ßffeUn  Sp.  V-Vl.  —  2.  =  (ßnen  2.  Syii. 
f/äggen.  ,Mit  ginendem  mund,  ore  hianti.'  KSailer 
14t)0.  ,Möchtentl  wir  iro  [der  kranken  Messe]  ein 
ut'entltalt  [Fristung  ihres  Lebens]  geben,  so  war  unser 
suw  feist,  es  wurd  uns  dem  g.  Ionen.'  NMan.  ,Wenn 
die  rappen  gegen  der  sonnen  ginend,  bedeutend  sy  ein 
wann  weiter.'  Vogelb.  1557.  .Channus  vel  Channa, 
ein  ginflseb,  ein  (meer-)ginner,  ein  ginmaul;  hat  seinen 
nanien  aus  dem,  dass  er  alle  zeit  mit  offnem  maul 
ginnet.'  Fische.  1563.  .[Nach  dem  Genuss  des  giftigen 
Krauts]  tuot  der  mensch  nicht  dann  günen  und  gäten 
[1.  gänen'?].'  Tierb.  1563.  ,Appetere  mammam.  nach 
dem  pupple  langen,  darnach  g.'  Fris.;  Mal.  Insbes. 
als  Geberde  der  Verwunderung  oder  mussigen  Gafi'ens. 
,T)o  flengend  die  lut  erst  an  zuo  g.  und  losen  flyssig, 
was  ich  seit.'  NMan.  ,Was  stand  ir  all  hie  z'ginen?' 
Aal.  , Gaffen,  gänen,  ginnen,  hiare,  oscitare.'  Eed. 
166'2.  —  b)  Geberde  der  Gier:  gierig  zusehen,  wie 
Andere  essen  Gl;  Syn.  guenen.  Gierig  essen  LM.  ,Er 
[der  Hund]  sprach:  ich  hsete  wol  genuog,  möcht  ich 
das  stück  zuo  disem  han.  Vil  schiere  er  ginen  began.' 
Boner.  ,Capessere  cibum  hiatu  oris  et  dentibus  ipsis, 
nach  der  speis  ginen  oder  essen.'  Fris.;  Mal.  Von 
Habgier:  ,lnhiare,  einbrünstig  etwarauf  g.  und  begir- 
lich  darnach  stellen.  Imminenti  avaritia  esse,  ganz 
und  gar  dem  geit  ergeben  und  geeignet  sein,  auf  den 
geit  yemerdar  ginen.'  Fris.;  Mal.  —  S.  =i  ginen  3  u. 
geinen  AAFri.,  St.,  Zof.;  BAarb.,  E.  ,Hiscere,  ginen, 
als  Yom  schlaf  oder  sun.st  von  unmuot.'  Fris.  - 
■1.  wackeln,  sich  hin  und  her  bewegen  (wahrscheinlich 
identisch  mit  1)  AaWoU. 

Mhd.  ginen,  t/eiitn,  (jiunen,  (/ünfn,  das  Maul  aufsperren, 
gähnen.  Vgl.  altn.  yinming,  Kluft,  ijiHiiiinijr,  Narr  (der  den 
Mund  aufsperrt). 

über-:  „überschnappen,  in  phys.  und  moral.  S. 
LE.*-  Bes.  in  der  Verbindung:  Alles  ü.  (wollen),  über- 
tönen, -schreien,  -maulen;  für  sich  lioanspriichen  S; 
ZSee.  Syn.  er-g.;  üher-kläfteren,  -srhlr,,,.  -^rlnn„,,,ni. 
Der  Lechema"",  der  Alls  mächt  ü.  uml  </i  unii  miiii-r- 
einisch  [auf  ein  Mal]  rieh  trerde".  Hotii.  l^ü.j.  .Ein 
grosse  wyte  [Gebiet]  übcrgyneten  die  münch  so,  dass 
die  regenten  ein  gesatzt  machtend,  dass  sy  nüt  nie 
kaufen  söUtend.'  HBcll.  1572.  ,Gott  spricht:  die  ding 
sind  alle  myn,  die  ir  tuond  überginen,  das  irdisch 
nuioss  verschwynen.'  Lied  über  Esaj.  —  überginnig: 
gefrässig  aus  Neid,  z.  B.  von  einem  Kind,  das  mehr 
als  genug  isst,  Alles  vorwegnimmt,  nur  um  einem  An- 
dern Nichts  zu  gönnen  L.     Syn.  übertveidig. 


ufsper 


Vastius   didu 
r  weit  aufgyr 


-gimm 


AABb.  - 


Mhd.  überginen.  über  Etwas  das  Ma\ 
im  Aufsperren  des  M.  übertreffen. 

üf-.  ,Hiare,  geinen,  aufginen. 
verba,  das  maul  weit  auftuon  odi 
Fris.;  Mal. 

an-  „B;  L;-  W,  -k-innen  BSi., 
Ptc.  a'g'gunne"  7.:  „anschneiden,  z.  B.  Brod,  Kä 
Bes.  Käse  BSi.  (wo  der  anzuschneidende  Käse  zunächst 
halbiert  wird,  was  bei  altern  Käsen  ziemlich  schwer 
sein  soll);  W.  Syn.  an-,  ent-gämen,  anhauen.  Übh. 
den  Anfang  machen  mit  Essen  und  Trinken  von  Auf- 
getragenem, einen  Vorrat  anbrauchen,  auch  von  vollen 
Fässern  (an.stechen),  Flaschen.  Milchbecken,  ebenso 
von  einer  ganzen  Traube,  einem  grössern  Geldstücke 
AABb.;  BSi.;  Z;  Syn.  a'zeren. 

Dieses  Comp.,  iu  welchem  sich,  sowie  in  dem  syu.  ent-y., 
ohne  Zweifel  die  urspriinglirhe,   in  nlid.  .beginnen'  erlosclicnn 


Bfd.  von  .ginnen'  (,spalten',  wozu  yinm  und  ginnen  i.  S.  v. 
.bersten,  klaffen'  das  entsprechende  Intr.)  f-rhalton  hat  (vgl. 
Gr.  WB.  .beginnen'),  ist  sonst  nh.-.nl-  i,  ,.  i:/; «.  i-,  n.  hi 
der  Lautform  günn-  ers*-liiiirt  ><  -i  iit  -  .\i,    i.    -  .  w/wi, 

gewinnen,   und  in  vickii  .MAA.  ijIü.i     i         i    ,  st. 

gibt  daher  eine  Form  <iji<j':ru,„.  ,f.    .,«./»,.„, r,<  h    im    iliu 

Bed.  ,anschneiden',  wie  sich  auch  i/wunncn  statt  gunnen, 
gönnen,  findet  (s.  d.).  In:  en  a"g' gunnenc''  Baum,  dessen 
Früchte  man  zu  pflücken  (günnen)  angefangen  hat  (Z),  liegt 
auch  begriffliche  Vermischung  von  anginnen  und  angUnmn  vor. 
—  ,An-'  nach  Analogie  von  ,an-hauen'  udgl. ;  vgl.  Bd  I  25(), 
Anm.    1. 

e"t Ptc.  'e(n)t-gunne(n) :  =  an-g.  BBe.,  Sa.,  Si.; 

W.  Bildl.  entjungfern  W.  Ekunne  si"  (am  liilgg), 
den  Rücken  wund  gelegen  haben  BLangn.  —  Mlul. 
en-ginnen,  alid.  inginnan,  aufschneiden,  spalten,  öffnen. 

er-:  erschnappen,  verschlingen.  iV  «-(7/  Alls  e., 
isst  für  Zwei  S.  Vgl.  über-g.,  er-gienen.  —  Mhd.  irginm 
(selten),  das  Maul  aufreissen. 

Ginöff-t- Aa;  üw,  Ginöffel  Aa;  L;  Uw;  Z  m.: 
Schimpfw.,  Maulafte,  Laffe,  Tölpel  Aa;  L;  Z.  M-l 
feil  ha,  Maulaffen  f.  halten  B;  VO."  ,So  Paulus  Hus- 
g'sind  tauft  hat  und  Kinder  sind  under  dem  Husg'sind, 
so  luogend,  ir  Ginöffel,  bas  druf,  ob  die  .\postel  Kinder 
tauft  habend  oder  nit.'  1524,  HBdll.  ,Diewyl  der 
ginöffel  küng  Ferdinand  syn  banketen  und  jagen  vol- 
bracht.'  Vad.  —  ginöffle°:  gedankenlos  gaffen,  Maul- 
affen feil  haben  AALeer.,  Wohl.;  LG.  —  ver-:  (reff.) 
über  einer  Sache  eine  andere  übersehen  Aa(H.).  Syn. 
vergaffen. 

Ergänzung  zn  Bd  I  100.  Möglicherweise  ist  Oin-Aff  die 
spätere  Form  und  Umdeutung  etwa  aus  mhd.  ginolf,  der  Narr 
mit  offenem  Munde,  mit  Unterdrückung  des  l  wie  in  ,Ruef 
aus  ,Rudolf .  Oder  falls  die  urspr.  Bed.  die  des  schläfrigen 
Menschen  wäre,  aus  ginnen  i.  S.  v.  ,gähnen'  und  —  nach  Ana- 
logie des  syn.  Sehla/öp/d  —  Üp/el  (vgl.  .Affolter',  Apfelbaum) 
zsges.  Jedenf.  werden  die  Syn.  Gijß'el,  Liiffel.  TiJffel  mitge- 
wirkt haben.   —  St.  gibt  i. 

giene":  1.  gähnen  BsLd;  BM.,  O.  Syu.  geinen, 
ginen,  ginnen.  —  2.  klaffen,  bersten  L.  ,Dehiscere, 
hiare,  von  einanderen  .spalten,  g.,  ginnen,  (v)erlechen.' 
Denzl.  1677;  1716.  —  3.  mit  offenem  Munde  müssig 
stehen  L.  Vgl.  ginen  2,  ginnen  2,  günen,  gitenen.  — 
Schm.-Fr.    1,  919   hat  gienen,   schreien. 

,auf-,  hiare.'  Denzl.  1677;  1716. 

er-:  erhaschen  S.  Vgl.  ergliiiien.  Eig.  mit  auf- 
gesperrtem Maul  erlangen. 

Gön  Aa;  BsLd;  B;  VOrte;  F;  Gk;  SNA.;  Uw; 
TnBisch.;  Z  rS.,  Gö  BSi.;  GfiRbw.,  V.;  Z  rS.,  Eicht, 
Gü  GRChur,  Gönn,  Göne  GrD.;  T;  W,  Göl  ZErl.  f. 
Laimb.,  Stäfa,  Talw.,  Gorn  AAMenz.,  Zein.;  BsLd; 
L;  SsJ.;  ZIS.  (öj,  Gurn  LG.,  Giirm  BsLd,  Güner 
(wo'?),  Gonni  GrD.,  Pr.  -  m.  -^  PL  Gon  BBi.;  L; 
Scnw;  Z  —  Dim.  Göni  BRi.  (PI.  -eni),  „Gunni  I 
Gr",  Göni  bzw.  Geni  BAarb.,  E.;  GrPi-.;  „Sihw;" 
Uw,  GÖn(dJlH}ii;  Uw;  „UUrs."  neben  GÖneli,  Gendili 
und  Gönd(i)li,  Güni  Gl:  rundes  Schöpfgefäss.  ,Mit 
dem  Gon  schöpfen',  heisst  bei  den  Landleuten  was 
sonst:  mit  dem  grossen  Löffel  schöpfen,  d.  i.  gar  zu 
plump  in  das  Geld  greifen.'  Spreng.  ,Wele''  smit  de- 
heim  rosse  [zu  Ader]  lät,  der  soll  das  bhiot  enpfalicn 
in  ein  kübel  oder  in  ein  gon.'  1300,  L  Stadtb.  ,Capula. 
ein  schöpfgatzen  oder  gon  oder  kellen.'  Fris.;  Mal. 
,Die  gaze,  gäze,  boU,  schäpfe,  goon.'  Reh.  1662.  Die 
(iescllschaft  d.><  törichten  Lebens  (XVII.)  wandte  sich 


Gan,  gen,  gin,  gon.  gn 


332 


an  den  Stadtrat,  welcher  gegen  die  3  grossen  Becher 
saniiiit  dem  Gönilli  [Kännchen?],  die  in  den  Schatz 
eingeliefert  wurden,  700  fl.  vorstreckte.  (SPlattn.). 
Insbes.  a)  hölzernes  Schöpfgefäss  für  Milch  BSi. ;  Gr; 
L;  ScHwK.;  Uw;  U;  „Gunni  n.,  grosser  Alplöffel,  etwa 
l'/ü  Schoppen  haltend  Gr."  Guni  n.,  grosse  Kelle  mit 
Hakenstiel  Gl.  „Genli,  grosser,  tiefer  Alplöffel  Uürs." 
Zum  Abnehmen  des  Rahms  Gl  (GüniJ;  Gk;  Ndw; 
vgl.  Nidel-,  Schüm-G.  Syn.  Rom -Kelle",  Schussle: 
Auch  zum  Anrichten  Gl  (das  Güni);  Schw  (Göni); 
vgl.  Hafen-G.,  Suppen-,  Ess-Löffel  GrD.,  Pr.  (Ess- 
GöniJ,  oder  Trinken  UwE.  Dieses  vornehmlich  in 
den  Sennhütten  gebrauchte  Gofäss  hat  an  den  einen 
Orten  die  Gestalt  eines  tiefen  Napfes,  an  andern 
die  einer  Wanne,  und  hält  1—3  Mass,  ,'/i  Becher' 
BEi.;  U.  y gl  Gtmsch.  Scherzh.  übertr.  auf  geistige 
Getränke:  M^r  wend  mich  es  Güni  tie,  noch  eine 
Flasche  trinken  Gl.  ,Ein  keiner  von  Malters  soll 
weren  ein  ziiber  und  ein  gaun  an  der  herren  dienst.' 
XIV.,  L  rrnpstfirndol.  ,Von  der  Sirpe  [Molke]  nimmt 
der  Senn  mit  .leiii  Stielnapf,  Hakennapf,  Gon,  etliche 
Mass  hinweg  und  schüttet  sie  in  ein  anderes  Geschirr.' 
JScHEDCHz.  1706.  ,Denjenigen  grossen  hölzernen  Löffel, 
der  hin  und  wider  heisset  Gon,  Haggennapf,  nennen 
auch  die  Tavetscher  Gont,  andere  Püntner  Cazzetta 
und  Scarmsera.'  ebd.  1708.  —  b)  für  Wasser  und  für 
Jauche,  hölzern,  in  Gestalt  eines  Kübels  mit  4—8' 
langem  Stiel  Aa;  BsLd;  B;  F;  GRRhw..  V.;  L;  S; 
Th;  W;  Z;  Syn.  Schöpf  gelte' ;  Schii/'f,".  D'  Cime  süß 
Wasser  wie  mit-eme  G.  L  {Scinvza.i.  Mill-im  Gorn 
voll  süttigi  Lauge.  Brkitf.nst.  .Man  soll  .las  Wasser 
mit  einem  kleinen  (i.Milrii,  nn.lrr  .\w  Illatt^T  -lessni.- 
RhäGOR.  1639.  Mr\\  nu\r.jyu  an  Cnn/  W  Knlria.nln. 
1691.  Mit  kurzem  Stiel  liir  enn^  Hand,  in  .1er  Küehe 
gebraucht,  meist  von  Kupfer  oder  Blech  Bs;  W.  Syn. 
Gatze'. 

Wenn  das  sonst  nirgends  vorkommende,  d,agegen  bei  nus 
aus  allen  Kantonen,  ausgenommen  Ap  und  6,  bezeugte  W. 
übh.  deutsch  und  seine  urspr.  Gestalt  Gsn  ist,  so  kann  es 
zu  einem  starken  Vb.  't/tunau  gehören,  das  auch  für  gienen 
vorauszusetzen  ist  und,  nahe  vwdt  mit  ginen,  ginnai,  die  Bed. 
,sich  öffnen,  in  sich  fassen'  gehabt  haben  möchte,  wovon 
die  Bezeichnung  eines  mehr  oder  weniger  weiten  Gefasses 
abgel.  werden  konnte.  Vgl.  guciicn  S,  den  Mund  aufsperren. 
Die  Form  Guni  (Güni)  würde  den  Ablaut  des  PI.  darstellen. 
Einschub  von  r  nach  langem  Voc.  (bes.  ö  und  ö)  ist  nicht 
selten,  .jedenfalls  häufiger  als  Ausstossung.  Ourm  konnte  aus 
Gurn  entstehen  (obwohl  sonst  häufiger  auslautendes  n  aus  m) ; 
ähnlich  l  aus  n  in  Gel.  Gö  ist  zu  erklären  wie  schö  u.  ä. 
in  einzelnen  MAA.  aus  ,schön'  usw.;  für  die  vollere  Form 
aber  muss  angenommen  werden,  dass  das  n  urspr.  durch 
einen  folgenden  Voc.  gedeckt  war,  wie  die  zweisilbigen  For- 
men von  GrD.,  Pr. ;  T  und  W  ausweisen.  Dagegen  zeigt  der 
Endungsvoc.  der  Neutra  Guni,  Güni  eine  Diminutivbildung 
an  und  sind  die  gleichlautenden  Masculina  nach  Analogie  der 
Nomina  agentis  gebildet.  —  Übrigens  ist  das  W.,  wie  sehr 
viele  Ausdrücke  der  Haus-  und  Alpwirthschaft,  wahrschein- 
licher rom.  oder  keltisdien  Ursprungs;  vgl.  waadtländ.  goumo 
mit  der  Bed.  2  unseres  W.;  churw.  caum,  Mass  für  Milch, 
Butter  und  Käse;  it.  rogno,  altes  Weinmass;  Schöpfgeföss, 
aus  lat.  cmigiutt. 

Alpen-Gon:  grosser,  2  Liter  und  mehr  haltender 
hölzerner  Löffel,  mit  welchem  der  Senn  die  Milch 
schöpft  W.  —  Ess-(?om'  m.:  hölzerner  Esslötfel  GrD. 
—  Gülle°-Gon:  Kufe  zum  Schöpfen  und  Ausschüt- 
ten von  Jauche  L.  Syn.  Güllen-Schüefi.  —  Hafe"- 
Gone":    grosser   hölzerner  Löffel,   bes.  um  die  Suppe 


und  andere  Speisen  aus  dem  Hafen,  in  welchem  sie 
gekocht  worden,  horauszuschiipfen  Gr.  Vgl.  die  (me- 
tallene) Hafen-Kelle.  —  ,Milch-Gon  mit  Handhabe 
zum  Schöpfen,  in  Sennhütten.'  Wvss  1817  (BO.).  — 
Nidel-:  grosser  hölzerner,  wannenförmiger  Löffel, 
um  den  Rahm  von  der  Milch  abzuschöpfen  GrAv., 
Rhw.,  Saf.,  Val.  —  ,Süfi-Gönelein:  ein  Löffel,  daraus 
gemeinlich  die  Sennen  ihren  Gästen  zu  trinken  geben, 
[auf  bündnerisch]  la  scudella.'  JJScheuchz.  1708.  — 
Schüm-ffejiK  n.:  kleiner  hölzerner  Löffel,  mit  wel- 
chem man  den  Schaum  von  der  Milch  schöpft  Gr  ObS. 
—  Schotte°-Gonni:  breiter,  hölzerner  Schöpflöffel 
für  Molken  GRPr.  —  B'schütti-Gon  =  Güllen-G.  BS. 

Schweib-:  kleiner  Napf  mit  gekrümmter  Hand- 
habe BO.   —   Mhd.  sv}eihen,  schwenken, 

„göne"  I:  mit  einem  hölzernen,  langstieligen  Ge- 
fäss  schöpfen  L." 

gönen  II,  Göni  s.  gue-. 

Gön  s.  Geimlnn. 

gonele":    zimperlich  gehen  ZF.  —  Dim. -Bildung  zu 

ga'   (gö").      Vgl.   gajden  Sp.    199. 

Gön  ig  s.  Gott. 

günen,  Güni  s.  guenen.        Güner  s.  Gon. 

Gunn(e")  m.:  Gun.st  Z.  Syn.  Wille".  Eim  de"  G. 
ha',  gewogen  sein.  Eim  G.  ge".  Er  chiimit  liei  G. 
[keinen  Beifall]  über  bi-n-em.     Uf  G. 

Erst  später  aus  dem  Vb.  gebildet;  die  zweisilbige  Form 
in  G.  überchö  und  ?«/  G.  könnte  auch  nur  der  subst.  ge- 
brauchte Inf.  sein,  aber  in  den  beiden  andern  Fällen  scheint 
wirkliche  Subst.-Bildung  nach  Analogie  von  , Wille"'  und  ähn- 
lichen vorzuliegen.  Übrigens  scheint  das  Ptc.  g'gunnen  (s.  ge- 
loünnen)   hereinzuspielen. 

gunne"  AAFri.;  Bs;  Gl;  Gr;  G;  Th;  Z,  go-  Aa  tw.; 
Ar;  GTa.,  gö-  (resp.  e)  B;  L;  Schw;  S;  Uw,  gwunne  I 
GA.,  G.;  ScHwE.;  USchäch.  —  Ptc.  g'gminet  Z,  g'gönnt 
B;  L,  g' gönne'  Aa(H.):  1.  gönnen.  Er  gunnet-si''''  keis 
Müeli,  nicht  die  geringste  Ruhe  Gl;  Z.  's  händ  All 
enand  öppen-es  Vorteil  g'gönnt.  Häfl.  1813.  Junge' 
J.iilr".  die  firi/c  [den]  Zitgeist  rönne  [rennen],  isch  gueti 
y)'e^^e;■(./  :  ^iiiinie  [zM  wüuschen].  Schild.  Üsereins 
niiuhl  opj,,'  iitl  vil  Compliment  [mit  Aufwarten],  aber 
's  isch-d'r  g'gönnt  [ich  gebe  dir  das  Wenige  von 
Herzen].  MWalden  1879.  Nes  Freudeli  gönne'.  Hopst. 
1865.  Si  gönne  de"  Liite»  d'  Sach,  gebe  ihren  Dienst- 
boten udgl.  reichlich,  was  ihnen  gebühre.  BWvss  1863. 
Eim 's  Wort  {'$  Mal  Z;  s.  u.  diesem  W.)  nit  g.,  un- 
freundlich behandeln  B;  Syn.  's  W.  ge".  ,Es  war  ihm 
zuwider,  die  Grosseltern  zu  fragen,  sie  gönnten  ihm 
auch  das  W.  nicht.'  Gotth.  Syn.  d'  Er  antuen,  sc. 
Jmd  anzureden.  S.  noch  u.  Hund.  Oft  verbunden 
mit  ,mögen',  wobei  dem  Inf.  ge-  vorgesetzt  wird  (vgl. 
Sp.  48),  er  mag-m^r  Mit  g'gunne".  ,Wie  wol  man 
eim  der  kriesen  [Kirschen]  gunnet.'  1530,  Schw  LB. 
,Nun  hottend  MHH.  inen  iren  guoten  muot  wol  ge- 
gonnen.'  Kessl.  ,Male  cogitare  de  aliquo,  einem  übel 
wollen  und  böses  gunnen.'  Fris.  ,Dass  ich  die  schwer 
Stell  Anderen  herzlich  gegunnet  hatte.'  JMCll.  1673. 
,So  hast  du  demselben  nicht  gönnen  mögen,  was  ihm 
Gott  gegonnen  hat.'  JMey.  1694.  ,Wann  einem  Glied 
in  allem  Baden  seine  gebührende  Ruh  zu  gunnen  ist, 
seind  es  die  Augen.'  SHott.  1702.  —  2.  vergönnen,  be- 
willigen, verleihen,  schenken.  ,Und  demselben  gonn- 
den  [wir]  das  guot  gänzlich  ze  niessende  und  entzigen 


Gau 


334 


sich  unsers  gottshuses  rechtes.'  1325,  L  Leibdingsbr. 
.Die  bett  und  das  gunnen  das  soll  denen  von  J.  an 
Iren  reeliten  an  schaden  syn.'  1394,  GRJen.  Arch. 
.Batend,  dass  si  inen  verhengen  und  gunnen  weltind.' 
M()4,  Absch.  ,Gönnend  uns,  dass  wir  erlich  by  üch 
leben  mögind.'  Zwingli.  ,Wenn  yoman  in  unserm 
land  etwerm  so  guots  gann,  dass  er  im  von  synem 
eignen  guot  etwas  gönnd  und  gen  will.'  1537/44,  Schw 
LB.,  dafür  im  offiz.  LB.:  .etwan  eim  so  guots  gönnt.' 
Diewyl  man  by  inen  so  vil  gunst  und  gonnes  fand." 
Vad.  (Der  Inf.,  in  genet.  Form,  allitterierend  mit 
seinem  entsprechenden  Subst.  verbunden.)  .Keinem 
menschen  wird  es  gönnt,  dass  er  mit  Gott  zuo  gericht 
gange.'  Z  Bib.  1560.  ,Ein  solchen  gwalt  hast  du  be- 
kommen, welcher  den  englen  nit  ist  gunnen.'  Com. 
SBeati.  ,üns  hast  du  gegonncn  einen  besonderen  und 
in  allweg  einen  gefreiten  Stand.'  Z  Lit.  1644.  ,Die 
Wyn,  wie  sy  Gott  und  die  Reh  den  Menschen  gunnen. 
auch  blyben  lassen.'  1649,  Z  Mand.  (vgl.  noch  u.  Eeh). 
.Die  Ehr,  die  ihnen  Gott  selbs  gunnen  und  gegeben.' 
JHoTT.  1666.  ,Eine  audienz  gunnen.'  ebd.  ,Doch  ist 
ihnen  gegonnen  und  erlaubt . . .'  Z  Metzgordn.  17T0. 
Ein  Mal  abs.  =  einwilligen:  ,So  doch  gott  darzuo 
günnet.'  Zwingm. 

Mh(i.  gunnen,  tfunnen,  (ver)gönuen.  Die  beiden  Bedd. 
grenzen  in  einzelnen  Fällen  nahe  an  einander.  —  Die  uvspr. 
Natur  des  Yb.  als  Prät.  Präs.  ist  längst  vergessen.  Bei  Hadl. 
lautet  das  Präs.  noch  ,gan';  bei  Aal  1549  aber:  ,Der  mir 
kein  fröud  nie  gan'  (im  Reime  auf  .mann')  bedeutet  sie  das 
Prät.  nach  Analogie  des  ganz  unvwdten  .begann',  welchem 
umgok.  mhd.  auch  ein  Prät.  .begunde'  zur  Seite  steht.  Neben 
dem  schwachen  Ptc,  welches  in  der  lebfudrii  S|ii ,  vm  lui  i  s.-ht, 
begegnet  in  der  altern  (bes.  noch  im  XVII  i  im  lii  rli,  n  das 
starke  .gegunnen  (-o-)',  welches  auch  mlil.  x-i  L' nniit.  wii 
von  andern  Vbn  dieser  Klasse  ebenfalls  ziiutiltu  i-tiukt  l'.uti- 
cipieu  gebildet  werden.  Übrigens  bedient  sich  ein  und  der 
selbe  Schreiber  etwa  beider  Formen,  so  JHott-.  1666  ,ge- 
gonnet,  neben  .[ge-] gunnen'.  Der  Unterschied  zwischen  ii  u.  o 
hat  so  wenig  zu  bedeuten,  wie  im  Präs.  der  von  u,  o  und  ii; 
der  letztere  Laut  (statt  ii)  mag  durch  die  Schriftsiir.  be- 
günstigt sein,  mit  Bücksicht  auf  (Vermeidung  von  Gleieli- 
laut  mit)  jüiinen  i.  S.  v.  .gewinnen'.  Aus  dem  letztciu  Ein- 
fluss  erklärt  sich  auch  die  Form  gxounne;  s.  Anm.  zu  an(jimwn. 

er-  =  gunnen  1.  Si  mö  [mögen]  mir 's  nit  er- 
gönnen. B  Lied  V.   1715.    —   Er-  hier  wie  jetzt  r/e-. 

ver-  (Ptc.  -gimnfejt,  selten  -qunne":  1.  missgönnen 
Aa;  Ap;  BO.;  Gl;  GrD.  ;  L;  G';  SchwE.;  Th;  Zg;  Z. 
.Wer  wollte  doch  so  hartherzig  sein  und  den  armen 
Leuten  das  Gras  vergönnen,  das  unbenutzt  zu  Grunde 
geht!'  Kasth.  18'29.  .Die  Linth  hat  zu  wenig  Wasser, 
weil  es  Einer  dem  Andern  vergönnt.'  N.  Z.  Ztg  1864. 
.Wenn  die  Städter  ihren  Carneval  haben,  warum  dem 
Vollie  seine  Freude  v.?'  Hopst.  1865.  Den  Ärbeitere' 
d's  Esse"  vergimmne  GA.  Von  einem  Geizhalse :  er  ver- 
gunnt-em  [sich  selber]  's  Esse'  Z.  Me"  hed-ne  [ihnen] 
null  [weder]  's  Webe'  noh  's  LÖndli  vergönnt.  Häfl.  1813. 
.Den  ich  ihm  missgünstig  vergönnte.'  Gotth.  Sprww. 
und  RAA.  Ei"m  d's  Wisse-n-in  den  Auge"  v.,  den 
Neid  auf  die  Spitze  treiben  GRPr.  Sim  Nebe"dmensche 
d'  Simn  V.,  sagt  man  von  einem  Geizigen;  vgl.  u.  Sunn. 
E  /-c/ss!  Soi,.  r  /V/ss/  Chile  innl  r  /V/,«,'  Frau,  häd  Nie- 

mer    iiihmisI     ii„,I    isI     ,V„  ,,„ , :'  ,■,,■.////(/((•"    Aa;    Z. 

Weiiii'.-<  Kiiim  |Kiiir„i|  ,i„ri  ,,,„1.  ..,  rngonnt-ma's 
Emm,  und  wenn  '.b'  Eiiiiii  iiiid  giict  ijijd,  >iu  gunnt-ma's 
Emm  Ap  u.  aw.  Die  beste"  Summer  sind,  tcenn  mrn 
enand  de"  Rege"  vergunnt.  Sulger.  Volksglaube:  Wenn 
Einen  die  Speise  würgt  (oder  wenn  man  beim  Essen 


den  Schluchzer  bekommt),  so  wird  ihm  das  Essen  von 
Jmdem  vergunnt  Z.  ,Da  die  Lut  einandern  vergunnent 
zu  kriesen,  und  das  von  wegen  dass  nieraands  des  an- 
dern schonet.'  1530.  Schw  LB.  .Vergunnen.  verbünstig 
und  nydig  syn,  invidere.'  Fris.  (.-günncn');  Mal.  .Dass 
du  alle  die  zu  schänden  machest,  die  dir  dyn  glück 
vorgonnent.'  FPlatt.  1612.  .Daher  sei  [die  Teufel] 
dem  menschlischen  gsind  gar  über  d'  mässen  neidig 
sind,  vergönen  ihm  das  ewig  leben.'  Com.  SBeati. 
Auch  abs..  mit  Dat.  P.  =  Jmdn  beneiden.  .Hassest  du 
für  mich  und  vergönnst  mir?'  1531,  IV.  Mos.  .Man 
flndt  wol  lüt.  die  uns  vergönnend.'  NMan.  .Ich  hotfe. 
es  solle  mir  noch  so  gut  werden,  dass  man  mir  zu 
vergunnen  haben  werde.'  JHott.  1666.  .His  «mulamur. 
wir  vergönnen  denen.'  Denzl.  1677;  1716  (.vergönnen'). 

—  2.  ^  gunnen  2.  .Die  [Weg-]  recht  hat  nit  N's  mad 
dann  mit  vergunden  [ausser  mit  besonderer  Bewilli- 
gung].' 1472.  ZOWthur.  Offn.  .Erbarmend  üch  über 
uns;  vergunnend  uns  dasselb.'  Zwingli.  .Artaxerses 
vergönnt,  dass  der  Tempel  widerum  gebauwen  werde.' 
Z  Bib.  1551.  ,Tuon  wir  ihnen  die  Gnad  und  vergunnen 
ihnen  alle  und  jede  unserer  Hölzer.'  1530  (1569). 
Steinm.  1802.  .Ich  will  ein  Liedlein  heben  an,  wend 
ir  mir  das  vergunnen.'  LGlett.  1560.  .Fecerunt  po- 
testatem.  habend  mir  vergönnen  oder  gewalt  geben. 
Impertire.  vergunnen,  erlauben.  Tibi  permissurus  sum. 
ich  will's  dir  nachlassen  und  v.'  Fris.;  Mal.  .Was 
gäbest  du  darfür.  dass  es  wurde  vergönnen  dir,  dass 
sie  noch  möchtest  legen   an  ein  Mal!'    Com.  SBeati. 

—  3.  vergunnt  verstärkendes  Adv..  z.  B.  v.  nütnutzig 
BE.  Syn.  verdammt  u.  ä.  —  Mhd.  v-iyuniKn  in  beiden 
Bedd.   —   Bei  JJBreit..    Kilbe    .vergönnt'    neben   ,gegonnen'. 

Gunner  m.:  1.  der  Einem  Etw.  (auch  Schlimmes) 
gönnt.  .Wenn  Unsereinen  ein  Unfall  trifft  und  es  in's 
Publikum  kömmt,  so  hat  man  immer  Gönner.'  Privat- 
BRiEF.  —  2.  Gönner.  Freund.  .Er  klagt's  ouch  dem 
Stouffacher,  dann  si  ^m.tr  wi.lliel^annlr  niiiiner  warend.' 
ÄgTschudi.  .Iiri-  -minri,  i;iniu|-.-  \lu,.  ,N.  N.,  unser 
getreuer  Gi'niii.r/   IM'is.  r  n  - :  .\.i,ln.   Feind,    ,0b 

mich  glych  myiie  uiigunner  einen  kelzer  scheltend.' 
Zwingli. 

Ver  gunner  m.:  Neider  Z.  Es  ist  besser,  me' heb 
en  V.,  als  en  Verbarmer  [Einen,  der  uns  bemitleidet]. 

Gunni  U  f.:  Gunst  Z.  Nur  in  der  RA.:  Ei"'m 
(d'J  O.  ge,  recht  geben  wie  z.  B.  schwache  Eltern  dem 
verzogenen  Kinde.  Eim  hei  G.  ha,  nicht  gewogen 
sein.  D'  G.  bi-n  Eim  verlüre'.  Ein  Vater  sagt  zum 
Lehrer:  Gend  er  mine'  Chinde"  nw  Tatsch  [Schläge]. 
wenn  si  nüd  wend  folge"  [gehorchen] ;  »>''  gib  ene"  Icei 
G.,  wenn  si  chönnd  [kommen]  cho"  chlage"  ZO.  Vgl. 
Gunn. 

gunnig:  wer  Andern  das  Verdiente  gönnt,  ihnen 
genug  gibt;  freigebig  GW. ;  S.  Syn.  gebig.  Vil  z' guet- 
herzig,  vil  z'  gönnig.  Joach.  1883. 

Gunni  L  Günni  s.  Gon. 

Gunagel.  gunäglen  s.  Kue- Nagel,  guniere", 
Gunierer  s.  kujonieren.        Gunnis  s.  gewinnen. 

grine"  I  i-:  1.  heulen  FS.;  GaBh.,  sich  laut  be- 
klagen, sich  beschweren  F.  D'  Miillei-  gyüne'd  g'nueg 
[sehr].  —  2.  streiten,  zanken  GrV. 

Dürfte  sich  auf  einen  Siiniin  -,»    i-    -, /nriickführen 

lassen,  vidi,   mit  Auiiah 1.  i    I  ui.::il   , u     l       ,>u.  Iiiiuen, 

und  eig.  bedeuten  ,deii  Mihi  i.!-  ii  i  \  '  imt-h  ijincn; 
yiencH,   ijiinen  II,   mit  weleh  l.,i.l..iM;i  .-  d     li   .lell,  eins  ist. 


335 


Gau— giiii.     GaiiLli-Guiich.     (Jaml     Kuml 


336 


ganig:  schmackhaft  Aa;  Th;  ZWl.  Es  ist-im  nid 
g.,  schmeckt  ihm  nicht.  —  Mit  euphonisch  eingeschobenem 
n  von  Gu  (Sp.  52)  abgel.,  wie  das  syn.  g'iutig  von  Ciw(. 
Vgl.  a«si,j. 

günnen  s.  ge-icinnen.  Güniggel,  güniggleii: 
1.  s.  Kue-Nagel.     2.  Gül-Niggel. 

gaene"  Aa;  B;  VOrte;  GT.;  S;  ZS.,  gucme  BsLd. 
güne  Ap;  Gl;  G;  THtw.;  ZWL,  güne"  II  -«-  Gl; 
ScuwE.,  göne  P;  Gl;  G;  Th;  Z  (ausgen.  S),  göne  -ö- 
Th  —  Dim.  gönele  Z:  1.  sich  mit  gierigem  Blicke  und 
bettelnder  Miene  hinstellen,  besonders  wo  gegessen 
wird.  aaO.;  Syn.  gäunen,  gienen  3,  glslen,  sänen;  an- 
hin-,  zuestä".  Der  Sigrist  gitenet  albe"  g'nue^,  wenn 
der  Pfarrherr  am  Charf ritig  Wi"  t"  d'  Heiliggrab- 
ehugele  ine'  tuet,  und  darf  nit  etnöl  es  SchlücMi  dervo" 
MC».  BWtss  1863.  De"  Müller  het  albe'  mitUne'  i' 
der  Pinie  es  Glas  Wl"  trunke';  denn  si'  die  arme" 
Mannli  us-em  ganze  Örtli  derher  cho"  z'  trampe'  und 
hei  guenet  S  (Schwzd.).  Das  Spätzli  guent  im  Summer 
nit,  es  findet  selber  's  Brod.  Hagröschen.  Und  der 
z'  spat  [zum  Essen]  kunnd,  ka"  de"  guene'  und  geine'. 
Balz  1781.  Der  Bettler  gönt  im  Darf  limine'  P.  Die 
soll-mp-  tcider  cho  guene",  i'''  gang-t^e"  nümme'  go' 
chtlechle".  Breitenst.  1863.  —  2.  mit  gespannter  Auf- 
merksamkeit horchen  oder  spähen.  Etwas  zu  erfahren 
suchen  S.  Er  guenet  's  Dorf  uf  und  ab  und  lüstret, 
um  z'  erfare',  wer  ihn  a'g' schwärzt  heb.  BWvss  1863; 
glotzen  Gl;  zusehen,  gaffen  B;  das  Maul  aufsperren 
L  (Ineichen);  mit  Verlangen  auf  Etw.  warten,  müssig 
wartend  herumstehen  Gl;  Z.  I"''  wott  da  [den  Ar- 
beiter] nümme'  zum  Schaffe',  er  stät  nw  da  go  göne". 
Du  läsl-isja  gohne  wie  d'  Esel.  MUsteri.  M^-  wend-is 
[wir  wollen  uns]  a»"*  als  bravi  Bürger  wehre',  nild 
g.  a'  der  Wand!  Lied  auf  das  Helv.  Bundesfest  1798. 
,Lorcn,  gönen,  warten,  morari,  exspectare.'  Ked.  1662. 

Ouencn,  ijuneii,  ijörnn  und  gäunen  verhalten  sich  ähnlich 
wie  gienen,  ginen,  gHnen,  mit  denen  sie  auch  die  Grnndbed. 
,den  Mund  aufsperren'  gemein  haben.  fJuenen  (ndrd.  günnen) 
weist  auf  ein  starkes  'gmien  (vgl.  X'^'-^"^  ^us  'xavjo)  und 
,Gan-s',  eig.  die  den  Schnabel  aufsperrende),  gönen,  guncn, 
günen,  gäunen  auf  ein  altes  'giunan  (vgl.  Anm.  zu  Gön),  wenn 
man  nicht  blosse  Verderbniss  aus  guenen  annehmen  will.  Es 
gibt  übrigens  Parallelen  zu  diesen  Voc.-Terhältnissen,  z.  B. 
mhd.  büenen,  schwz.  bünen,  nhd.  bohnen.  Guemcn  (mit  welchem 
guumcn  Sp.  300  f.  zu  vergleichen)  ist  wahrscheinlich  bloss 
lautliche  Entstellung  und  berechtigt  kaum  dazu,  es  (und  damit 
die  ganze  Sippe)  an  mhd.  guume,  Gaumen,   anzuknüpfen.    — 


Abi. 


üf-gnne":  gierig  nach  Speisen  aufschauen;  vom 
Hunde:  sich  auf  die  Hinterbeine  stellen,  Männchen 
machen  Ar.  —  a"-guene":  ansehen  (vielleicht  nur 
scherzh.).  's  chunnt  druf  a",  wie  me"  's  aguent.  B  It 
Posth.  1868.  —  ver-:  vor  unbefriedigtem  Verlangen 
(fast)  vergehen  Z  oGlatt. 

Gueni,  Goni  m.:  zudringlicher  Mensch,  Schma- 
rotzer, oft  als  Scheltn.  Aa;  Bs;  G;  Schw;  Uw;  Z.  Da, 
ff.,  hast  Öppis!  In  ZKn.  scheint  es  Titel  für  Einen 
gewesen  zu  sein,  welcher  der  Hebamme  Botendienste 
leistete  und  hungrig  nach  Gelegenheiten  dazu  aus- 
spähte. Wolf  lässt  in  seinen  Baurengesprächen  zu 
einem  guten  Läufer  sagen :  Wenn  i'''  Meister  war,  so 
müsstisch-niff  du  de  Nächst  geh  [abgeben,  werden] 
na'''  der  Hebamni;  weist,  wie-me'  S&bem  said?  Guhni! 
Dj  must  denn  der  H.  säge",  die  oder  disi  [Jene]  well 


Chindbetteri'  werde"  [niederkommen];  da  brficht'sen 
guete'  Läufer. 

Schlaps-:  zudringlicher,  gemeiner  Schmarotzer 
L  t.  Du  müessist  Schlabsgueni  werde',  sobald  das 
Ämtli  lidig  fall.  Stald.  1798.  —  Zu  ,schlappen,  schlabern', 
lecken. 


Gencli:    Queckweizen,  trit.  repens  B  (Durh.). 
Etwa  aus  lat.  genieulum,  Halmknoten  (woraus  auch  waadtl. 
genollet.    convall.   ,polygonatum'),    wie  Fenchel  aus  J'enieulum. 


Gand— gund. 


Gand  n.  BO.;  Gl;  W,  m.  BHa.;  UUrs.,  f.  Gl;  Gr 
(auch  Gande);  Ndw;  PP.  (-();  SchwMuo.;  U  (-<);  W 
—  PI.  Gänder  Gl;  W:  1.  Schuttfeld.  Geröllhalde, 
Masse  von  Felsstücken  und  Steinen  im  Hochgebirge, 
bes.  von  Gletschern  vorgeschoben ;  dem  Steinschlag, 
Bergstürzen  ausgesetzte,  von  Steinen  oder  Felstrüm- 
mern bedeckte  Gegend  BO.;  Gl;  Gr;  P;  Uw;  U;  W. 
Syn.  Püfi,  Misi.  Haufe  zusammengeworfener  Steine 
aus  Äckern  und  Wiesen  GlH.  (n.),  auch  Stein-G.  Stei- 
niger oder  sandiger  Boden  BO.  Sanft  ansteigendes 
Sand-  oder  Steinufer  LV.  Grien  oder  Geschiebe  eines 
Flusses,  Kiesgrund.  Flussbett  B  (Zyro);  Z  (Sihl),  Kies, 
Sand  ScHwMuo.  ,I)er  frische  Schnee  reistete  uns  bis 
in  ein  Gand  hinunter.'  WSenn  1871.  Wie  ne  Gemscha 
d'  Jäger  re'ht  zem  Xarr  ha'  und  springen  und  lustigi 
Si"  und  über  alli  Gänder  faren.  Vf  Sagen.  ,Ort«,  wo 
die  Dammerde  nur  dünne  auf  dem  Grien  oder  dem  Ge- 
schiebe aufliegt,  welches  in  frühern  Zeiten  durch  die 
Sihl  mag  hingeschwemmt  worden  sein;  man  nennt 
solche  Stellen  Ganten.'  HSoiiisz  1842.  ,Si  [die  Glarner] 
wichen  1  in  ein  gand  [am  Rautiberg].'  Lieb  1388.  ,Vor 
der  Stjadt  lag  ein  hoher,  weisser  Büchel,  der  gleichet 
sich  geschüttem  Gandt.'  1460,  B.  ,Agaunum  hat  seinen 
Ursprung  vom  Wort  „am  Gand"  und  nicht  nur  von 
einem  Stein;  denn  G.  heisst  in  teutsch  ein  Ort,  das 
voll  grosser  Flühen  und  Felsen  ist.'  AgTschudi,  Gallia. 
,Uen  Communen  Giubiasco  und  Morobbio  wird  be- 
willigt, etwas  Gandt  zu  verkaufen.'  1563,  Abscu.  .Dass 
ein  Gottshaus  aus  der  Weid  Sand  und  Gand  auf  den 
Waldweg  möge  führen.'  1583,  ScuwE.,  Klosterarch. 
,Sand  und  Gand  graben  und  hinweg  führen  lassen.' 
ebd.  ,Die  Gant,  Ägert.  glabretuni,  calvitium  agri.' 
Red.  1662.  —  2.  (f.)  Jagdzeit.  Die  Gant  geit  offen, 
geht  auf  GrL.;  Mastr. 

Wahrsch.  rom.,  rcsp.  nilat.,  und  viell.  nrspr.  kelt.  oder 
rätisch;  daher  in  den  an  unser  Gebiet  grenzenden  rom.  MAA. 
von  Gr,  Tirol,  Oberitalien:  ganda,  gonda,  ganna,  Schuttniasse, 
Steiugeröll,  Moräne;  vgl.  Gr.  WB.  IV  1,  1,  1215.  Eben  weil 
die  genannten  rom.  Dialekte  das  W.  nicht  mit  c  oder  tsch 
darbieten,  schwerlich  vwdt  mit  it.,  span.,  port.  canto,  Kand, 
Ecke,  Eckstein.  Für  unsere  Spr.  wäre  allerdings  Vertretung 
des  anl.  rom.  c  durch  g  regelmässig,  die  Erweichung  des 
ausl.  t  nach  n  zu  d  ebenfalls  sehr  häufig.  Die  zweisilbige 
weibliche  Form  scheint  vorzugsweise  zur  Bezeichnung  einer 
mit  Steinschutt  bedeckten  Gegend  (daher  wohl  auch  das  f.) 
gebildet,  während  die  kürzere  Form  mehr  die  StofFmasse  als 
solche  bezeichnet,  das  n.  viell.  nach  Analogie  von  Ku,  Grien, 
Sand,  ,Geröll',  das  m.  nach  ,Schutt',  Gu/er  udgl.  Der  PI. 
scheint  selten,  da  der  Begriff  wesentlich  coli.;  neben  Gänder 
findet  sich  auch:  ,in  den  Ganden  der  Berge.'  Gr  Samml.  1782. 
Bed.  2    meint  wohl   eig.  das  bes.  auf  Gnnd  liegende  Gebiet 


der  Jajd  (auf  Gemsen),  (ümd  erscheint  noch,  mehr  oder 
weniger  appell.,  als  Ortsn.  und  in  zsges.  Ortsnn.  (imu,  Ort 
in  Gr  Pradn.  und  Schuders,  auf  einer  ,Eck'  [Erhöhungl  ge- 
legen. Oandu,  Name  von  Orten,  wo  Bergstürze  stattfanden  Gr. 
Ein  Gasthof  zur  Ganda  an  der  Klus  GrPr.  Die  Gand,  der 
freie  Platz  zwischen  dem  Kloster  und  dem  Dorfo  UwE.  Du» 
Gundli,  Heimwesen,  ebd.  ,üass  ihm  [einem  Angeklagten] 
offen  tag  [Gericht]  geben  wart  an  die  Gand  zu  Betzlingen 
[Ort  der  ü  Landsgemeinde].'  U04,  Absch.  Hü''-Gani,  Berg 
an  der  Grenze  von  BE.  und  LE.,  seiner  zerbröckelten  Gestalt 
wegen  so  genannt.  ,An  der  Frowen  Segant,  der  ouch  by 
dem  [Lowertz-]  Sew  ligt.'  1524  ff.,  Schw  LB.  Eine  Gamln-k 
(vgl.  Bd  I  157)  am  Lötschcnjiass  erwähnt  Justinger.  G.-Flmh 
s.  Bd  I  1185,  G.-F„rrf  Bd  I  938.  G.-Lau,r,-,wi,,  ein  Ort 
im  BDiemt.  U.-Siuck,  Teil  des  Freibergs  Gl.  S.  noch  Leu 
VIII   212  f.;   217. 

Stein-:  Steingeröll  oder  Kies  an  einem  Berg- 
abhang Gl;  Gr^;  U.  ,Unweit  Attinghausen  kann  man 
in  einer  St.,  dem  .sog.  Tiergarten,  das  Treiben  der 
dort  gehegten  Marmotten  beobachten.'  Gem.  U  1834. 
Mij"s  Buabsch  [Sohnes]  Älpli  soll  e  ruhi  Steiganda 
uerda !  flucht  die  von  ihrem  Sohn  missachtete  Mutter 
in  der  Sage  Gr  (Schwzd.).  Auch  Name  einer  mit  zer- 
klüfteten Felsstücken  überschütteten  Strecke  auf  dem 
Wege  über  den  Schilt  nach  dem  Mürtschen.  Steinm. 
1802.  S.  noch  G.  1  Gl.  —  Wurm-:  Ort,  wohin  durch 
einen  pfeifenden  Fremdling  (vgl.  den  Rattenfänger  von 
Hameln)  allerlei  Ungeziefer  gebannt  wurde,  das  in  der 
Gegend  im  G'wüest  gehaust  hatte.  U  Sage. 

uber-gandc":  durch  Steingeröll  verheeren  Ndw. 
Syn.  ver-g.,  -sären,  in-sanden.  —  ver-,  „-ganten": 
mit  Felsenschutt  überdecken  BSi.;  Ndw.  Auch  intr.: 
bedeckt  werden  Ndw. 

Gandere  f.;  Stück  Land  voll  Geschiebe  od.  Stein- 
trüQimer  BO.;  „Gl;  Gr;  U;  W."  Von  einem  steinichten 
Grundstück:  Es  ist  e  volligi  G.  BHk. 

Naeht-Gander:  wer  Nachts  sieh  auf  der  Strasse 
betreffen  lässt.  .Die  Scharwache  fasste  die  N.-Gander 
ab.'   Bs  XIV.  —  Von  yänd,  Ptc.  zu  30".    Vgl.  Gassen-Gänyer. 

ab-gandig  =  abgänd  Sp.  9.  ,Die  Verbesserung 
des  Trülls,  so  etlichermassen  a.  und  unbschlüssig  ist 
[nicht  gut  verschliesst].'  1565,  Absch.  IV  2,  1393. 

gänd  s.  gä". 

Widergände  s.  Sp.  35. 

Gänder  I  m.:  Kanal,  Einne  zu  einem  Mühlwerk. 
1402,  Hof  Kkies.  Sp.  17. 

Wohl  nur  Nbf.  zu  Channel,  Chändel,  C/mnner,  obwohl  y 
für  e*  (1-)  im  Anl.   nicht  oft  vorkommt. 

Gänder  II  i-,  in  der  liA.  im  Ggänder  um'' erlaufe", 
Nichts  tun  GrD. 

Wahrsch.  als  Coli. -Bildung  Ge-tjiinder  (vgl.  Candm)  zu 
verstehen  (zu  Gand)  und  eig.  ^  der  Jagd  nachgehn;  vgl. 
Gand  2. 

er-gend  s.  er-gäbig  Sp.  03. 

Gnnde  Sch,  Gundel  1  Schw  f..  Gundi  n.  L;  Uw: 
Taufn.,  Kunigunde. 

Flarze-'-Gunde  =  narze'  3  (Bd  I  1'208)  Gü.  — 
Der  Eigenn.  appell.  gewendet. 

Gundel  II,  III  s.  Gungel;  Gunten  I. 


Schweiz.  Idiotikon  II. 


Gang     gung. 


gang,  gange" 


gangi  s.  gw  (fep.  1). 


Gang  gay  m.:  im  Allg.  wie  nhd.  1.  abstr..  das 
Gehen,  zunächst  von  Menschen  und  Tieren;  übertr., 
von  leblosen  Sachen,  a)  von  fortlaufender  Bewegung. 
Me"  muess  de'  Lüte'  de"  Wille"  lä"  und  dem  Wasser 
de"  G.  SüLG.,  oder:  me"  vi.  de"  Litte"  (der  SachJ  de" 
Lauf  lä"  u.  d.  .TF.  d.  G.  ,Descendit  alvus,  er  gat, 
hat  sein«"  g.'  Fris.  Wenig  G.  ha",  von  einer  Lawine, 
welche  sich  verhältnissmässig  langsam  bewegt  Ap. 
I"  G.  cho",  ,geläuflg',  gebräuchlich  werden  G;  Z. 
(Wider)  z'  G.  cho",  eig.  (wieder)  zum  Gehen,  in  Lauf, 
Umlauf  konnneii.  .liii  licst's  nun  triben  eben  lang  und 
ist  dyn  geltli  kun  zun  i^/  (sagt  der  Wirt  zu  seinem 
Gast).  Sal.vi  IM'.T;  jetzt  in  mehr  abgeblasster  Bed., 
zurinht  k"iiiiinii,  rine  Aufgabe  gehörig  anpacken;  auch: 
ökoii.iiiiisrli  -.■Irihcn,  bestehen  können  Ap;  Gl;  G; 
Z;  Syn.  ;'  Srldii,/,  z'  Streich,  z'  Weg.  „Wol  mit  ein- 
ander zu  G.  k.  =  in  Eintracht  leben  L;  Soh."  Daher 
auch  z'  G.  bringe",  zuwege  br.  Z.  ,Recht  und  [die 
richterlichen]  sprüch  zuo  g.  pringen  [in  Kraft  setzen, 
handhaben].'  G  Hdsehr.  —  b)  von  einmaligem,  be- 
grenztem Gehen,  a)  der  einzelne  Besuch  des  Arztes, 
welcher  so  und  so  viel  für  den  G.  berechnet.  Ähnlich, 
aber  zusammenfassend,  stellt  der  Advokat  Rechnung 
für  Stand  und  Gang  [Zeitverlust  und  Mühe]  aus  Ar. 
In  Aa;  B  lautet  die  Formel  tautologisch  Lauf  und 
Güi,;,.  wir.lrrliolt,-  IriMicl,,.  B./iii ülLUiiu-ru  iu  eiucr  An- 
gele-.'nlirit  (^^l.  ul„.|i  /,.  ,ii,.U,M.  .Im. In  i-  d' Gang 
bri)„i,\  iliHi  M.;l.;  Mull...  uu.l  S..!-,',  nani..ntl.  und  eig. 
viel  Lauieus  verursachen,  seine  Kühe  .sturen  B;  Syn. 
s.  Gusel;  Unmuess.  ,Das  zu  anfang  mit  kleiner  arbeit 
gehandelt  wäre,  wird  nun  zu  hertern  gangen  kommen.' 
1476,  OcHSENB.  —  ß)  das  Durchlaufen  einer  bestimmten 
Strecke  von  Seiten  des  zu  Rutenhieben  Verurteilten. 
Der  Ap  Strafcodex  unterscheidet  den  .langen'  und  den 
, kurzen  G.'  Syn.  Um-G.  1  a  e.  —  y)  Waffengang. 
,Tue  ein  gänglin  mit  mynem  herrn.'  1531,  Jesa.j.  ,So 
fechtend  wir  us  fryera  muet  ein  gengli  zwei,  dry 
mit  dem  schwert.'  Aal  1549.  ,Inter  se  componi,  mit 
einanderen  fechten,  ein  gänglin  tuen.  Certamen  ex- 
periri,  ein  gängle  versuochen,  ein  kämpf  wagen.' 
Fris.  Von  der  Volkssprache  auf  das  Schwingen  und 
Ringen  angewandt.  S.  auch  Vor-G.  2.  —  6)  in  (den) 
Gänge",  im  Gange.  B'  Suppen  ist  in'n  G.,  unter- 
wegs Z.  Wie  ^mal  Alls  [was  zum  Rauchen  gehört] 
in  G.  [in  Bereitschaft,  in  Ordnung]  g'sin  ist  .  .  .  Gr 
(MKuoni).  De  Fö"  ist  in'n  G.  Ap.  Von  der  am  Hori- 
zonte auftauchenden  Cholera.  JMerz  1836.  —  e)  eigene" 
G-s,  express,  geradezu  S.  Z'  Öhe  chunnt  er  ei.  G-s 
zum  Pfarrer.  BWvss  1863.  Oni  lang  a'z'halte  bij-me 
Zicüsche"fueter  fart  der  Chnecht  mit-rm  ei.  G-s  uf 
Bern.  Schild.  —  Q  Einisch  e  G.,  eine  Zeit  lang  U. 
,Sinen  G.',  die  zugemessene  Zeit.  ,Un\vetter  hat  syn 
g.  gerychsnet  [regiert]  uf  der  beide.'  1443,  Tobl.. 
Volksl.  —  7j)  in  ei"'m  G.,  mit  der  nämlichen  Mühe, 
ohne  besondere  Veranstaltung  B;  VOrte;  Z.  .Es  geit- 
iHjc  in  Hm  G.,  eadem  opera  fit.'  Id.  B;  Syn.  es  gät 
in  Eim  zue,  in  eim  Tue".  Ei»'s  G-s  Bs;  L;  Uw;  W 
(Gangsch),  d's  G-s  B  öO.,  gangi  W,  geradewegs,  sofort. 
Syn.  ei"s  Wegs;  vgl.  auch  oben  e.  —  3-)  Mal.  (FürJ 
de   G.,   dies   Mal,    dermalen    Ap;    Zg;    Z;    Syn.  Pari 


Gang,  geng,  ging,  gong,  gung 


340 


Bd  I  1027;  Gebot.  De''  Kaiser  braucht  de  G.  kei  dere" 
Eychsfürsten.  Madleni  1712.  ,Der  Pfarherr  verwaret 
21  Menschen  eines  G-s  [auf  ein  Mal].'  KCvs.  Wel"'e'' 
G.,  in  welchem  Male;  wann  Z.  All  Gang,  alle  Male  Z. 
A.  G.  ist  er  dfbl  g'st".  !''•  will  zur  Bäsi;  si  git-mrr 
a.  G.  Öppis.  Stutz.  En  G.,  einmal,  einst  Z ;  vgl.  2. 
I)a  chiimit  's  de"  jünger  a',  dass  er  en  G.  zum  Ätti 
sait . . .  Lucas  15,  12.  ,Ich  muess  ein  g.  hinuss  für 
d'  tür.'  HBuLL.  1533.  —  2.  concr.  a)  was  in  ein- 
maligem Gange  herauskommt,  a)  bei  Tische,  so  viel 
auf  einmal  aufgetragen  wird.  allg.  —  ß)  so  viel  Ge- 
tränke, als  man  auf  ein  Mal  holt.  En  G.  Wasser. 
Spec.  2  Mass  AaZ.  1815;  „F."  ,Hie  und  da  wurde 
Wein  ausgeteilt,  so  1731,  und  zwar  an  einen  Bauer 
2  Gänse,  an  finen  Bürger  1  G.,  an  eine  Wittwe  1  Mass.' 
.l.Miii,.  l^iiT.  —  y)  ei"e  Strecke  Ackerland  in  der- 
jriiiurii  r.ic'iir.  welche  ein  Säeraann  auf  einmaligem 
Gaiiyr  bowii  It  [V].  ,l)ie  [austretende]  Linth  hat  2  Gang 
Saaten  genommen.'  1762,  GtSchw.  Tagwenb.  —  8)  am 
Strickstrumpf  die  einzelne  Tour  um  den  Umfang  herum, 
die  abgestrickte  Reihe,  der  4.  Teil  eines  Nätli  Z. 
Syn.  Umgang;  es  Mal  ümme'.  „Gängli,  so  viel  Garn, 
als  gesponnen  werden  muss,  um  die  Spule  mit  einer 
Tour  zu  bedecken."  In  der  Weberei  diejenige  Anzahl 
Fäden  (theoretisch  genommen  40,  in  Wirklichkeit  aber 
auch  bis  auf  64),  welche  die  Zettlerin  in  einem  Male 
(Gang)  an  den  Rahmen  legt  und  welche,  wenn  die 
Kette  aufgespannt  wird,  durrli  >,niis.ieir  Zwisclionräume 
Gruppen  bilden;  irz.  jtartK  :  m:\.  Umi'h  'fnninii.  Abi. 
gängicht.  —  b)  etwas  G«.'lirihli>.  ai  in  d.'i  Muiiledas 
Getriebe,  das  von  je  einem  Wasserrade  in  Bewegung 
gesetzt  wird,  Mahlhaufen,  Mahlgang  Aa;  Z.  .Machten 
einen  Lärm,  ärger  als  3  Gänge  in  einer  Mühle.'  Brei- 
TKNsi.  isr.d.  ß)  Abteilung  einer  Körperschaft,  so 
vi.l,-  ,Mitulira.;r  umfassend,  als  der  Reihe  nach  ,mit 
cinaii'lri  /M  nfhen  haben'.  In  ApI.  eine  der  3  den 
jeweiligen  .Wochenrat'  bildenden  .Abteilungen  des 
.Kleinen  Rates'  (Regierungsrates).  —  i)  Ort  des  Ge- 
hens, a)  Hausflur  Bs;  B;  Gr;  S;  V :  /..  .Introitus, 
das  ort,  dardurch  man  hineingat,  der  g.'  Fris.  In 
ZO.  so  nur  in  Bez.  auf  das  obere  Stockwerk;  vgL  Em 
Bd  1  461  f.  —  ß)  im  Stalle  der  freie  Raum  hinter  dem 
Vieh  durch  Aa;  Z.  ,Zu  neuer  einrichtung  seines  stal's 
holz  erloubt  zu  belegung  des  g-s.'  IT:!!',  Hotz,  .-^chwam. 
—  y)  Gängli,  Abtritt  BsStdt.  Syn.  ImkI'U:  Häsli, 
Sin-ächhüs,  Privet,  Sekret.  —  ä)  <;asse  zwischen  Ge- 
bäuden Bs;  Gl.  Am  Gängli,  Hausn.  GStdt.  —  s)  Durch- 
gang in  unwegsamer  Umgebung.  ,Im  obern  G.',  am 
B  Wetterhorn,  Stelle,  an  welcher  Gemsen  angehalten 
werden.  .Gängli'.  Wald  bei  GiRüti.  ,ln  alpe  Coranoor 
vicina  prafecturse  Saxensi  loco  dicto  im  Wellerschen 
G.'  JJWagn.  1680.  —  g  Finrichtung.  durch  welche 
die  Fische  .gehen'  sollen,  s.  IM  1  <.i\s  ,,..  wnlil  zienilirli 
syn.  mit  Fach  (s.  Bd  1  C,:>t.  \< )  H.iliii  der  Sehlitten; 
in  dieser  Bed.  erhalten  im  Srliliitmi  lll^■ :  ns  de"  Giiinjc" ! 
GaHe.  —  vj)  Mastdarm.  ,Het  ein  ross  das  getwang, 
so  stöss  met  und  stöss  es  dem  ross  in  synen  g.'  XV., 
L  Hdschr. 

Zu  1  b  3-  vgl.  nord.  ganrj  in  der  selben  Bed. ;  dazu  Ztschr.  f. 
Volk.  Psych.  1864,  306.  —  Mit  2  c  a  deckt  sich  churw.  aniUi. 

Ab-Gang:  1.  abstr.,  das  Abgehen;  s.  ab-gän 
Sp.  8/10.  a)  Niedergang,  zunächst  im  räumlichen 
Sinne.  .Von  einem  end  der  weit  zuo  dem  anderen, 
d.  i.  als  vil  als  von  der  sunnen  ufgang  unz  zuo  d.  s. 
ab  (under)-g.'  1497.  Herkommen  d.  Schwyz.    Nicht  den 


Tages-,  sondern  den  Jahres-Lauf  hat  Gualth.  1559  im 
Auge:  .Der  sommer  [und]  der  winter  wechslend  sich 
nach  der  sonnen  zuo-  und  abg.  gegen  einanderen  ab', 
und  der  Z  Kai.  v.  1555  setzt  ,Ab-  und  üfgang  des  mons' 
i.  S.  V.  Nidsich-  und  Obsichgend  (s.  Sp.  33.  34).  - 
b)  Abschied  aus  dem  Leben.  .Das»  er  nit  vernommen 
hette  von  derselben  mönschen  tod  und  a.-  1451/1544, 
ScHw  LB.  —  c)  Verfall,  Verderben,  .Abnahme'.  Id.  B. 
Zunächst  von  Pflanzen:  .N.  N.  habe  eichen  an  der 
rinden  abgehouwen,  das"  villi(lit  der>.dben  a.  zu  er- 
warten [sei].'  1649.  Hotz.  Seinvani.  Iiann  in  verall- 
gemeinertem Sinn.  Im  A.  ^i",  abnelnuen  ScaSt.  In 
A.  cho",  aufhören  gebraucht  zu  werden,  von  Waaren: 
aus  der  Mode  kommen;  vom  Krämer:  seine  Kunden 
verlieren  L ;  Z.  .Dass  er  alle  jar  10,000  guldin  one  allen 
a.  aller  hoptgüeter  [Kapitalien]  verbruchen  möcht.' 
1529,  Absch.  .Das  kloster  mit  münchheit  und  herr- 
lichkeit  in  ein  a.  ze  richten,  dass  weder  bsitzung  noch 
Verwaltung  nie  in  der  münch  bänden  syge.'  ebd.  ,Dass 
man  uns  nit  a.  anmuote.'  ebd..  wechselnd  mit  .nach- 
stand'; gemeint  ist  das  Zurücktreten  im  Range  hinter 
einen  andern  Bundesgenossen.  .Solches  dienet  zuo  a. 
und  undertruckung  unseres  burgrechten.'  1530.  ebd. 
.Sy  sind  fürtreö'lich  in  allen  lästeren,  damit  [wodurch] 
sy  sich  in  a.  und  in  die  höchste  Verachtung  und  hass 
aller  menschen  richtend.'  1540.  HBüll.  .Bapst  Jo- 
hannes verwilliget  dem  Gottshus  von  wegen  des  Ab- 
gangs der  Kriegen  halb  [gewisse  Vorteile].'  RCys.  — 
d)  das  Abschweifen  ,ab'  dem  richtigen  Pfade,  das  Aus- 
weichen, Umgehen  einer  Verpflichtung.  ,So  lang  die 
tallüt  diser  obgeschribnen  ordnig  an  a.  g'lebend  und 
nachgand.'  1514,  übw  (Ztschr.  f  schwz.  R.).  ,Der  soll 
den  zins  ane  alle  fürwort  [Ausreden],  mindrung  und  a. 
bezalen.'  SchwE.  Hofr.  (vgl.  aber  auch  1  c).  ,.\.,  ab- 
weg,  deflexus.'  Denzl.  1677;  1716  (vgl.  aber  auch  2  c). 

-  2.  in  concr.  S.  a)  =  Abgänds  a  (Sp.  9).  , Ertrag 
einer  Flachsanpflanzung:  für  A.  und  Aglen  50  Kr.' 
Alp.  1821.  .An  Unkraut,  Blätter  und  durch  das  Ein- 
trocknen zeigte  sich  A.  100  Pf  ebd.  Die  Excremente 
des  Viehes  Z.  —  b)  etwas  Abgelöstes  =  Fluss  4  c 
(Bdl  1216).  —  c)  Weg.  welcher  abseits  führt  (vgl.  1  d). 
,Es  hat  in  dem  Berg  hin  und  wider  Klüften  und  Holen, 
dann  darin  vil  Abgang  und  Xebentsehlüpf '  JLCys.  1661. 

Side°-:  Abfälle  bei  der  Verarbeitung  der  Seide. 
Syn.  Stumpen-Siden.  --  Winder-:  solche  beim  Win- 
den der  Seide.  Strazze.  —  S.  noch  abijämj,  -iy,  -lieh. 

Über-:  1.  Übergabe  an  den  Feind,  spec.  die  Ca- 
pitulation  der  Stadt  Bern  am  5./6.  März  1798  an  die 
Fian/.nsen.  durch  welche  der  Untergang  der  alten  Eid- 
j^-iMiMSMii-rhart  besiegelt  war  B.  .Alle  Leute  sollten 
ruliiii.n.  « ie  d.is  ein  Kind  sei,  wie  wenigstens  seit  dem 
Ü.  keins  mehr  erschienen  sei  vor  ihren  Augen.'  Gotth. 

—  2.  „etw.  Vorübergehendes,  z.B.  von  Regen".  Verlauf 
,Man  meint:  wärend  s'  bliben  und  bettend  dem  wetter 
einen  ü.  gestattnet,  so  war  die  mess  noch  nüt  abgeton.' 
Sicher  1531.  —  3.  ein  vom  Wechsel  der  Witterung, 
der  Jahreszeit  bedingtes,  oft  epidemisches  Unwohlsein, 
z.B.  Katarrh.  Schnupfen;  unbestimmtes  Missbehagen, 
allg.  Er  häd  o"''-  den  [en  G)  V.  Es  regiert  aber  en 
Ü.  undr  'en  Lüten  BRi.  En  allg' meinen  Ü.  's  ist 
nu-n-en  Ü.,  hat  de"-  Fuchs  g'seit,  wo  [als]  men-^m  de' 
Balg  über  d'  Oren  abe"  'zöge'  hat.  Sülger.  .Menschen, 
die  ihre  Sünden  für  Bagatellen,  für  geschwinde  Über- 
gänglein  eines  generösen  Gemüts  achten.'  JJUlr.  1727 


Gang,  ijeng,  ging,  gong,  gung 


342 


(vgl.  aber  auch  2).    Syn.  Inier;  vgl.  auch  Strücheten. 
„Auch  von  Anwandlungen  übler  Laune." 

Beii.  3  wird  vom  heutigen  Sprachgefühl  vorwiegend  auf 
die  kurze  Dauer  des  Unwohlseins  bezogen  (vgl.  es  i»t  nu''  es 
l'h&ryängli);  allein  dass  eigentlich  die  Veränderung  des  Wetters 
(iu  seiner  Wirkung  auf  den  Menschen)  gemeint  ist,  verrät 
sich  11.  A.  in  der  Anwendung  des  best.  Art.  —  S.  ühergängig. 
Uf-:  1.  das  sich  Öifnen,  Lösen  von  etwas  Ge- 
schlossenem, Gebundenem.'  ,Der  Aufgang  der  Fisch- 
eier.'  N.  Z.  Ztg  1877.  ,Wann  der  Bruch  geöffnet  ist, 
so  entschwillt  das  Glied  von  dem  Aufgang  und  wird 
die  Binden  luck  [lose].'  FWürz  1634.  —  2.  das  Empor- 
gehen. Im  U.  s'i",  wachsen,  zunehmen  ScmSt.  In  U. 
cho'j  Mode  werden  Z.  ,Unserm  vatterland  zuo  eren 
und  ü.'  1529,  Absch.  ,Der  unseren  wolstand  und  u.- 
Z  Mand.  1586.  ,Das  Gottshaus,  welches  in  seinem 
ersten  u.  nit  ein  so  gross  ansechcn  gehabt.'  RCys. 
,Die  statt  ihren  u.  [Aufschwung]  genommen.'  ebd. 
,Der  rechte  Aufgang  der  Weisheit  istBegird  der  Zucht' 
Weish.  —  3.  Sonnenaufgang,  Osten.  ,Der  erst  fluss 
[des  Paradieses]  soll  gan  us  dem  garten  und  dem  ü. 
warten  [nach  Osten  fliessen].'  Rdef  1550.  —  4.  An- 
fang der  Schwangerschaft  Ap.  Mi"  Wib  ist  im  Tl.; 
M'on'si  [würdest] -»»gr  du  nüd  z' G'vatter  stö'?  1825, 
BCrser-  u.  Baurenfreünd. 

Um-:  1.  abstr.  a)  von  Personen,  a)  das  Herum- 
gehen bestellter  Personen  von  Haus  zu  Haus  zur 
Sammlung  von  Beiträgen  oder  um  die  Meinung  der 
Burger  zu  vernehmen  Ai".  —  ß)  ebenso  eines  Orts- 
vorstehers (s.  E-Gaumer)  während  der  Predigt  auf 
den  Strassen,  um  über  die  Beobachtung  der  Sonntags- 
gesetze zu  wachen  TH(evang.);  Z.  —  y)  Umzug,  z.B. 
ein  solcher  der  Landsknechte  im  alten  Luzern  (s.  Lie- 
BENAü  1881,  240);  besonders  aber  kirchliche  Procession 
AAEhr.;  Gr;  S;  Uw;  W.  U.  ha',  eine  Procession  ab- 
halten. Im  J.  1534  beklagt  sich  der  G  Abt:  ,beim  U. 
geschehe  allerlei  ihm  zu  Spott.'  Absch.  S.  Musegg-  U. 
Daher  die  RA.:  Nüd  im  U.  [nicht  mit  dabei]  si«  S. 
—  3)  Procession  spee.  ura.die  Gemarkung  der  Gemeinde 
LBerom.;  s.  Um-Eilt;  vgl.  auch  Under-G.  und  Gr.,  Kl. 
Sehr.  II  61/S.  --  £)  =  Gang  i  b  ß.  ,Der  grosse'  bezw. 
.kleine  U.-  in  L  s.  Liebenao  aaO.  173.  —  Q  Wechsel, 
Reihe,  Kehrordnung;  Syn.  Ker.  Spec.  die  Verpflegung 
der  Armen  der  Reihe  nach  in  versi'lii.'dciirii  lliiiiN.Tii 
der  Gemeinde  B  (bis  1872).  Vgl.  »»(/„<„-./:-,/.  .\\:i- 
ihr  nicht  sagt!  Klaus  einst  der  Bauer  hier  und  jetzt  im 
U.?'  GoTTH.  ,Es  wäre  doch  grausam  für  die  Kindlein, 
wenn  die  so  von  Haus  und  Hof  sollten,  vielleicht  in 
U.'  ebd.  Jmdn  im  U.  ha",  Jmdn  in  U.  erchenne",  ver- 
ordnen, dass  er  auf  dem  genannten  Wege  von  Gemeinde 
wegen  erhalten  werde.  In  Gl  diese  Art  von  Natural- 
verpflegung  für  Kuh-  und  Ziegenhirten.  —  i\)  abortus 
Ap;  Syn.  Umkeri.  —  ^)  Umweg  mit  betrügerischer 
Absicht.  Syn.  Hinder-G.  ,Warheit  braucht  nicht  viel 
Umbgäng.'  Sylloge  B.  1676.  .Durch  grade  Weg  und 
ohne  schlimme  Umbgäng  aus  den  Sachen  helfen.'  1711, 
B  Mand.  —  b)  von  Sachen,  a)  Verlauf  der  Zeit.  ,I)es 
Intens  halb  um  vieri  [Vm.]  ein  mal  und  zu  u.  des 
tages  das  Ave  Maria  zu  mittem  tag  und  zu  nacht  das 
Ave  M.'  15-28,  Aar.  Ratsver.  (Ölhafen).  —  ß)  der  ebig 
U.  s.  Bdl  609  m.  —  y)  „Epidemie  Schw;  Zg."  Vgl 
Über-G.  —  8)  das  Herumgehen  von  Person  zu  Person. 
Etw.  in  U.  ge",  herumgehen  lassen,  z.  B.  eine  Dose  Z. 
Beim  Kartenspiel  das  Au.sgeben  der  Karten  durch 
jeden  Mitspielenden    in    einmaliger   Reihenfolge    Uw. 


M^r  wind  nu'''  e  U.  spile".  Bei  Beratungen  die  Stimm- 
abgabe Aller  der  Reihe  nach  Z.  Bei  Versteigerungen 
das  einmalige  Ausbieten  und  Bieten,  wo  solches  mehr- 
mals wiederholt  wird,  was  etwa  geschieht,  um  die 
Kauflust  zu  erhöhen  Z.  ,Die  Meistbieter  und  Nacii- 
bieter  von  der  Gant  vom  9.  werden  zur  Vornahme 
des  letzten  Umganges  auf  den  20.  eingeladen.  Die 
Gantbeamtung.'  1871.  Der  Wechsel  von  Verpflich- 
tungen oder  Befugnissen  unter  den  betreffenden  Per- 
sonen. ,Das«  der  statt  tor  uf  alle  sonn-  und  fyrtag, 
wann  man  prediget,  durch  die  burgerschaft  im  u.  ver- 
wachet werden '  sollen  und  das"  alle  stubenknecht 
[Diener  auf  den  Zunfthäusern]  an  den  .samstagen  die 
wachten  denselben  personen,  so  wachen  sollend,  um- 
sagend.' 1562,  Z  Ratserk.  ,Wann  der  U.  und  Kere 
der  Bevogtigung  [das  Recht,  den  Landvogt  aus  den 
Ihrigen  zu  setzen]  an  dem  Ort  Glarus  syn  wirf  1627, 
Absch.  ,Vogtyen,  die  sye  in  u.  der  Jahren  [zu  Jahren 
um,  abwechselnd]  durch  ihre  Landvögt  beherrschend.' 
RCys.  ,Ein  Landvogt  mag  die  buesswürdigen  Sachen 
von  underschidlichen  Orten  zusammen  an  ein  Ort 
züchen,  allein  dass  der  Orten  halben  ein  U.  gemacht 
werde.'  um  1650,  Absch.  .Disere  Ordnung  soll  einen 
ganzen  Umgang,  bis  jedes  regierenden  Orts  Landvögt 
nachgegangen,  gehalten  werden.'  ebd.  —  2.  concr. 
a)  =  Gang  5  a  a  Z.  —  b)  =  Gang  .3 o  8  am  Strickstrumpf 
B;  am  Garnstrange,  bezw.  Haspel,  der  1000.  Teil  eines 
Schnellcrs  Ap;  Z.  —  c)  Garnitur,  welche  rings  um  ein 
Kleid  gellt  „L~;  Z.  Vgl.  Beleg.  Sammetbesatz,  mit 
welcheiii  der  untere  Saum  des  Prauenkleides  der 
Bauerntracht  versehen  i.st  ÄABb.  f  —  d)  Kreuzgang 
eines  Klosters.  ,An  Sant  Regien  abende  süllent  die 
husgenossen  [von  Fluntern]  jeglicher  mit  einer  bürde 
gras  in  den  umbegang  kommen  und  den  fürwen  [fegen] 
und  wüschen  [kehren].'  1459,  ZFlunt.  Offn.  Rings 
um  ein  Gebäude  (einen  Turm)  führender  Gang  in  der 
Höhe;  Syn.  Letzi-G.  .Einer  [der  Belagerer]  huob  an: 
So  lass  uns  brennen  die  festi!  Des  Schürpfen  sun  tat 
ein  anfang;  er  luif  uf  den  u.;  das  hus  brann  je  anstatt 
[sofort].'  Ap  Krieg  1405.  ,Da  wichend,  die  im  sloss 
warend,  in  einen  sinwallen  [runden]  turn;  also  ka- 
mend  zwen  von  eignossen  ze  obrist  uf  den  turn;  die 
wurfend  herab  mit  steinen  uf  die  Burgunschen,  die 
.1:11111  in  i-iiiem  u.  des  turns  warend.'  Edlib.  ,Wenn 
.hl  .111  n.'ü  haus  bailwest,  so  mach  ein  u.  umb  dein 
ta.li.'    ir.:;l,  Deuter.;    dafür  später  ,länen'.  --  S.   Vm- 

Gross-Umgang:  Proces.sion  am  Fronleichnams- 
fest. Wenn  de  Midier  uf  Chappel  z'  Gr.  cho"  isch. 
BWyss  1863. 

G'schwüsterkind-:  in  geregelter  Reihenfolge 
umgehende  Zusammenkunft  der  Verwandten  bis  zum 
zweiten  Grade  zu  geselliger  Unterhaltung  ZStdt. 

Musegg  (er)-:  die  vormals  ,Um-'  oder  ,Romfart' 
genannte,  aus  weitem  Umkreis  besuchte  ausserordent- 
lich festliche  Procession,  mit  welcher  alljährlich  die 
Stadt  Luzern  umwandelt,  und  bei  welcher  auf  dem 
höchsten  Punkte  der  Stadtbefestigung,  der  Musegg. 
Halt  gemacht  und  die  Bulle  über  den  auch  am  Vor- 
und  am  Nachtage  gültigen  Ablass  verlesen  wird,  ehe- 
mals auch  eine  Predigt  lateinisch  und  deutsch  gehalten 
wurde  (vgl.  Bd  I  1082.  1036);  der  Kern  u.  Glanzpunkt 
des  drei  Tage  dauernden  Frühlingsfe.stes  der  Stadt 
Luzern,  an  welches  sich  besondere  Volksbelustigungen 


343 


Gang,  geng,  ging,  gong,  gung 


344 


(LehküeMi  aheschlö',  s.  L.-K.;  Bingli  iimmebisse", 
s.  Bing;  Fuesshall)  und  Freiheiten  knüpfen. 

Einlässlichcres  s.  Gfrd  1,  384.  Simml.  1722,  541.  Bii- 
singer,  J.,  1811,  132.  AFeierab.  1843,  119.  Liebenau  1882, 
285.  HHerzog  1884,  161.  —  Für  das  hohe  Alter  des  ge- 
nannten Festes  spricht  die  Ratserkenntniss  von  1252  und 
wohl  auch  die  bis  in  die  nene  Zeit  festgehaltene  Uebung, 
dass  die  Geistlichkeit  von  der  Mutterkirche  ,im  Hofe'  aus 
im  Schiffe  ans  andere  Ufer  setzt  und  am  untern  Ende  der 
Stadt  gegen  die  Mus,-?  biTüt.er  eiue  Brü.-ke  i-ijeii'!  zu  diesem 
Zwecke  geschlagen  «iril.  In  s.in,  n  .T-t.n  Ant'uiL-.n  i^ilit 
es  sich  wohl  an  dir  li.  l,:innt.  n  irli-iM,,.n  ];. -.  Imn-.  ii  .1.  i 
Gemarkung  im  Friililin--.:[nfani;>'  zur  Ki  lan.LLuni:  'lis  hinini- 
lischen  Segens  und  Schutzes  au  (vgl.  Um-HUt);  die  Pflicht 
und  Segnung  der  aus  einem  Gelübde  hervorgegangenen  .Rom- 
fahrt' mag  auf  die  althergebrachte  Übung  übertragen  worden 
sein  und  ihr  neuen  Glanz  und  vermehrtes  Gewicht  gebracht 
haben. 

Bann-Umgang:  Begehung  des  Gemeindebannes 
am  Auffahrtstage  BsLd. 

G^spilen-:  die  gesellige  Zskunft  eines  geschlos- 
senen Kreises  von  Jugendfreundinnen  in  festgesetzter 
Keihenfolge  abwechselnd  im  Hause  eines  Mitgliedes 
ZStdt. 

Düsseli-:  nächtliche  Feier  der  unbefleckten  Em- 
pfängniss  (8.  Christra.)  mit  grossartiger  Illumination 
in  der  ehemaligen  Jesuitenkirche  in  Luzern. 

Der  Name  bezieht  sich  auf  die  zur  Zeit  der  Jesuiten 
innerhalb  der  Kirche  abgehaltene  Procession,  bei  welcher 
man  wegen  der  grossen  Yolksmasse  nur  ausseien,  d.  i.  sich 
schleichend  fortbewegen    konnte.     S.  AFeierab.    1843,   160. 

A"-Gang:  1.  Anfang.  ,Das  buoch  der  anegenge 
der  hofstatt  ze  den  Einsidelen',  Titel  einer  im  XIV. 
herausgegebenen  Legende  des  h.  Meinrad.  ,Der  erst 
a.  des  kriegs.'  GWyl.  Copial-B.  .Abgang  [Tod]  Herzog 
Philiberts  undAng.  [Eegierungsantritt  |  llei/"y  Carlis.' 
Ansh.  , Anfang  oder  ang.  der  s.;li,Mi,|,ilrii.  Mal.  Im 
Gen.  adv.  ,A-s  hette  er  gern  iVi^liii  i;-.'iii,ii  lit.  Vad. 
—  2.  bedeutsame  erste  Begegnung  auf  einem  Gange, 
Missgeschick  ist  z.  B.  zu  gewärtigen,  wenn  man  beim 
Ausgange  (namentlich  zu  Neujahr  und  an  anderen 
wichtigen  Tagen)  zuerst  einer  (altrn)  l'iauriisperson 
begegnet,  während  ein  (alter)  Mann  4a-  I'ni-nkehrte 
bedeutet.  S.  u.  Llcli-G.;  Guyijcr:  II.k:  Uu.r:  3Ifis; 
Schlang;  (Krüz-J  Spinn ;  Wolf.  Eine  gewisse  Brücke 
im  Ktn  B,  welche  zum  ersten  Male  von  einem  mit 
Branntwein  beladenen  Wagen  befahren  wurde,  behielt 
davon  im  Volksmunde  den  Namen  Schnapshrügye.  Vgl. 
GRj  Myth. » 1072/86. 

1°-:  das  Eingehen,  a)  Zutritt,  Eintritt.  ,Er  hat 
kein  mittel  noch  eing.  zuo  lob  und  ören,  non  est  ei 
aditus  ad  honores.'  Mal.  , Weiher  mönsch  in  dis 
jarzyt  [einzutreten]  begert,  der  soll  geben  für  den 
yng.  und  ynzeschryben  5  ß.'  ca  150Ü,  BBrandst.  1886. 
.Eingang  machen  zu  einer  sach,  aperire  viam  rei,  no- 
vam  rem  inducere.'  Hospin.  1683.  —  b)  Einstands- 
gebühr, Antrittgehl,  das  zur  Einleitung  eines  Miet- 
verhältnisses  bezahlt  wird,  Übersetzung  des  frz.  en- 
trage.  ,Gegen  einen  angemessenen  Ing.  und  Zins  ver- 
leihen.' 1570,  Absch.  (s.  Register  zu  Absch.  IV  2).  — 
c)  Urkunde  über  eingegangene  Vereinbarungen.  Die 
Stadt  StGallen  erklärte,  dass  sie  für  ihre  vom  Kloster 
erworbenen  Rechte  ,besigelte  anlass  und  eingeng'  be- 
sitze. Vad.  I,  260.  —  d)  Einleituiiir.  Aiifan-  .Beim 
Jahreswechsel  wünscht  man  einanilni-  nin.'ii  uliicklichen 
In-  und  Usgang   Z.     ,Die  Kindci'iirc. listen  sollen  nit 


lang  Ingäng  oder  ab  der  Kanzel  viel  Uslegens  haben, 
sondern  es  soll  der  Pfarrer  eilen  zu  der  Sach  selbst.' 
JJBreit.  1634.  ,Der  äugst  [August]  hat  ein  guten  L' 
RCts.  —  e)  Beispiel,  das  man  Anderen  gibt,  Präce- 
dens,  Anstoss.  Der  Abt  v.  G  erklärt,  er  wolle  .keinen 
yngang  machen'  zu  der  Ablösung  ewiger  Zinse.  152.5, 
Absch.  ,üb  wir  für  die  Eidgnossen  zum  rechten  [vor 
Gericht]  kummen,  so  wurde  dadurch  inen  ein  y.  wer- 
den, dass  wir  sy  widerum  in  unser  statt  ynkummen 
la-^-rii  si.lltnii/  l-">:!'i,  Absch.  ,Da  es  dem  Herkommen 
z.nwiil.  1  lanln  nml  .in  solcher  yng.  später  zu  grösseren 
Xaclitcilnn  iTilireii  k..nnte.'  1530,  Absch.  ,Ein  junger 
Priester  griff  zum  ersten  zu  der  h.  Eh;  darauf  ver- 
ehelichet sich  ein  anderer  Priester  H.  Seh.;  als  dieser 
Eing.  gemachet,  hat  Leo  Hochzeit  mit  C.  G.'  1574/17'24, 
Mise.  Tig.  ,Das  ist  ein  böser  eing.,  pessimi  exempli 
res  est.'  Hospin.  1683. 

Zu  c.  J.  clg.  das  Eintreten  in  eiuen  gemachten  Vorschlag, 
rechtsverbindliche  Zustimmung  zu  einer  Verpflichtung. 

Sunnen-Ingang:  Sonnenuntergang  B.  In  einer 
B/F  Marchbereinigung  von  1720  ist  ,der  Eggen  Sonnen- 
eingangs halb'  dem  , Eggen  Sonnenaufgangs  halb'  gegen- 
übergestellt. Absch.  VII  1,  1252.  —  Viell.  zu  vgl.  Gr., 
Kl.  Sehr.  II  51/3. 

Under-Gang:  1.  Niedergang,  Verderben  (wie 
nhd.).  —  2.  überbrückter  Durchbruch,  z.B.  durch 
einen  Strassen-  od.  Eisenbahndamm  ZObf.  —  3.  Grenz- 
umgang, Gr.-Besichtigung,  -Festsetzung,  -Bereinigung, 
in  ScHNnk.  nach  einer  Angabe  feierlieh  begangen. 
S.  Umgang.  „Ein  von  beeideten  Personen  angestellter 
Gang,  um  Grundstücke  zu  l"-irliti-vii  (ii,;  oder  nach- 
zusehen, z.B.  auf  einer  (i- nnimloH.-nlc,  ob  gefrevelt 
worden  sei  Zg."  Bes.  bei  Maiksticitigkeiten  durch 
das  zuständige  Gericht  (s.  Underyänger,  Gescheid), 
früher  auch  durch  ein  ad  hoc  bestelltes  Schiedsgericht 
angeordnete  oder  vorgenommene  Lokalbesichtigung, 
oft  verbunden  mit  Marchsteinsetzung  Ap;  Gl;  Sch 
(Sulger) ;  ScHW;  Z.  Syn.  Augenschin.  ,Wär  ouch, 
dass  jenian  mit  dem  andern  stössig  wurde,  der  güeter 
ze  B.  hette,  es  wäre  umb  u-gäng,  umb  wasserrüns, 
umb  weg,  umb  steg  oder  umb  marchen,  so  süllent 
beid  teil  kommen  für  die  dorfmeier  und  die  söllent 
dann  darzuo  gan  und  sy  entscheiden.'  XIV.,  Offn. 
ZBasserst.  ,Um  den  u.  der  2  herrschaften,  nämlich 
Grüeningen  und  Utznang,  sollend  die  von  Z.  ze  tagen 
kommen;  erfindet  sich  denn  vor  den  vieren  und  dem 
fünften  [den  Schiedsrichtern  und  dem  Obmann],  dass 
der  hof  gan  Gr.  gehört,  denn  so  seilend  die  von  Z. 
bin  ir  straf  blyben.'  Edlib.  ,Ouch  band  die  vierer 
gewalt  undergäng  ze  tuen,  wo  .sy  beid  teil  darum 
bittend.'  Offn.  ZAltst.  .Semlich  und  ander  u-gäng  als 
zwüschen  eigen  und  allmy  soll  man  verschaffen  getan 
werden  von  zechen  jähren  zu  10  jähren  und  darzue 
einen  landschryber  beruefen,  der  mitgange  und  uf- 
schrybe,  wie  der  u.  bescheche.'  1516,  Schw  LB.  ,Wer 
allhie  in  der  herrschaft  mit  synen  anstossenden  nach- 
puren in  gelegnen  güetern  spänig  ist,  der  soll  zue  des 
herren  vogt  gan  und  in  umb  ein  u.  anrüefen,  daruf 
im  der  vogt  den  u.  vergunnen  und  den  partyen  ein 
tag  ansetzen  soll,  und  daby  befelhen,  dass  sy  zue 
beiden  teilen  lüt  und  brief  uf  den  span  bringind;  das 
welle  er  sampt  den  4  raten,  die  allwegen  sampt  des 
herren  vogt  mit  inen  die  u-gäng  tuend,  uf  dem  span 
verhören  und  daruf  den  u.  voll.strecken.'  1535,  ZElgg 


345 


Gang,  gong,  ging. 


31  (i 


Henschaftsr.  .Nun  seien  die  von  Überried  in  letzten 
Jaliren  von  iliren  Nachbarn  in  H<ilz  und  Feld  ange- 
sprochen worden  und  haben  mit  Schiedsgerichten  und 
Untergängen  für  das  Aufrichten  von  Märchen  grosse 
Kosten  erlitten.'  1545,  Absch,  ,Und  hierut'  so  sind 
dise  partyen  kommen  uf  uns  fünf  mann  zue  einem 
rechtliehen  sprach  und  undergang,'  154C,  Arch.  Gr 
Jenatz.  .Pangere  terminos,  marchen  setzen  oder  einen 
u.  haben.'  Fris.;  Mal.  ,Man  soll  ein  U.  tun  wegen 
dem  Zäunen,  wann  es  von  Nöten  ist,  damit  die  Zäun 
nit  verloren  werden.'  1649,  ALroRDN.  .Den  verhassten 
Namen  des  U-s  in  der  Meinung  aufzuheben,  dass  die 
ausstehenden  Schulden  eingezogen  und  dann  daraus 
die  Untergangsschulden  [von  der  Verteilung  des  All- 
mendgutes  her]  und  ergehende  Unkosten  bezahlt  wer- 
den.' 1770,  GRh.  Auch  das  Gericht  selbst,  s.  ünder- 
Gänger.  S.  noch  under-gän  Sp.  23.  —  4.  Untersuchung, 
Prüfung  übh.  ,Wir  haben  mit  unermüdetem  U.  der 
Sachen  Beschaffenheit  die  Satz-  und  Ordnungen  zu- 
sammen tragen  lassen.'  1706/65,  L  Stadtr.  —  5.  ver- 
mittelnde Uazwischenkunft,  schiedsrichterlicher  Ver- 
gleich. ,In  gund  [begann]  darab  schuhen  [vor  dem 
Kriege]  und  wollten  han  tan  ein  u.'    1405,  Ap  Krieg. 

—  Mhd.  in  Bed.   1,  3   und  5. 

Irr-:  1.  =  Mül-Vich  (Bd  I  649  f.).  ,Wär,  dass  ein 
i.  ze  R.  gieng,  denselben  i.  soll  man  6  wuchen  und 
3  tag  gon  lassen  und  in  ze  E.  in  der  kilchen  6  sonntag 
einandern  nach  verkünden.  Kumpt  dann  ieman,  des 
er  ist,  in  der  zyt,  dem  soll  man  den  i.  lassen,  doch 
soll  der,  des  der  i.  ist,  den  kosten  und  schaden,  so 
der  i.  'kostet  hat,  usrichten;  kumpt  aber  in  der  zyt 
nieman,  so  ist  der  i.  myner  herren  von  Zürich.'  Offn. 
ZRüml.  Im  adv.  Gen.:  ,üie  schwyn,  die  in  den  wälden 
uf  uns  irrgangs  gand,  die  sond  wir  ustryben  unwüest- 
lich.'  Hofr.  AALunkh.  ,Von  irrgängigem  vech.  Wo 
ouch  im  Ampt  einicherlei  verlorens  vechs  i-s  gät.' 
1538,  Herrschattsr.  ZRegensb.  Abi.  irr(sj-gängig.  — 
'2.  Hausn.  1345,  Z.   -   Mhd.  irreijunc  in  Bed.   1. 

Ur-:  1.  Gang.  ,Hupsch  urgäng  ad  colloquia  und 
usgäng  zu  spazieren.'  G  Hdschr.  —  2.  Kloake.  1583, 
HowALD  1872  für  B  als  Syn.  mit  ^-Graben  genannt. 

Mhd.  uri/nnr,  Giing,  Ausgang;  vgl.  nlid.  ,sich  ergehen', 
spazieren,  wozu   ,Ur'-gaug  die  richtige  Suhst.-Bildung. 

Us-:  1.  Ausgang,  Austritt.  ,Das  ausfallen  oder 
der  ausgang  der  bärmuoter,  vulva;  procidentia.'  Mal. 
,l>er  u.  (uslouf)  des  sees.'  ECys.  .Nachdem  etliche 
ihrer  Landlüten  von  Sicherheit  ires  Glaubens  us-  und 
in  andern  Ort  gegangen,  von  inen  aber  glych  nach 
ihrem  U.  als  meineidige  Lüt  verrüeft  worden.'  1655, 
Absch.  Von  austretenden,  aufbrechenden  Geschwüren: 
, Condyloma,  herte,  runde  knoUen  wie  feigwarzen  umb 
den  hinderen;  die  franzosen  nennents  SFiakers  krank- 
heit,  etliche  teutschen  ausgang  dos  leibs.'  Fris.;  Mal. 

—  2.  Ende.  Der  U.  xcird  's  lehre'  (Sprw.).  Lt  Z  Um- 
geldsordn.  1643  soll  ,das  Fass  bis  zum  Ausgang  [Leer- 
werden] versiglet  verblyben.'    (Vgl.  üs-gän  Sp.  24  f.) 

—  Ablass  r^fc/ts^-U.:  der  8.  Tag  vor  Schluss  der 
Feierlichkeit  während  der  Fronleichnanis-Üktav  UwE. 

—  Zelgen-U.:  Ende  der  Bepflanzung  einer  Frucht- 
zeig. ,Wenn  brach  ist  oder  z.,  so  mag  iedermann  syn 
vech  wol  län  loufen.'  Offn.  Z  OMettm.  Vgl.  Sp.  25: 
i'n  Äclier  lä'  üsgä". 

Volch-:  =  Nacht -Vnlch  Bd  I  804.  S.  W  Sagen 
S.  58.  -   Von-:    Gang  (Weg)  von  Etwas  weg.     ,üie 


fischenze,  mit  steg  und  weg,  mit  zuogang  und  v.  über 
unsers  gottshus  eigen.'  1342,  Hotz.  Urk.  .Mit  flyss 
zue  bewaren,  dass  kein  zue-  noch  v.  einigs  menschen 
gemeltem  Gottesdiener  [dem  Bruder  Claus]  beschech.' 
Salat.  —  Vor-:  1.  Vortritt,  Vorrang.  .Ehrerbietig 
Hessen  gerne  die  Jungen  eine  Zeit  lang  den  Alten 
das  Recht  des  Vorganges  und  hörten  andächtig  zu.' 
Breitenst.  ,Da  kein  verzagter  Burendusch  der  V 
wollte  haben.'  Rappersw.  Belager.  1655.  —  2.  vor- 
läufiger Waffengang;  s.  Ganglay.  ,Vorfechten,  ein 
Vorgefecht,  vorgängle  oder  versuochsspil  tuon.'  Mal. 
—  3.  was  den  Vorrang  hat;  spec. :  Summe  oder  Ka- 
pital, das  ein  erstes  (früheres)  ünterpfandsreeht  auf 
ein  Grundstück  hat  BHk.  Vorgangsfreie  Schuldbriefe 
=  vorstaudsfreie  B(Zyro).  Auch  von  Servituten,  welche 
auf  verschriebenen  Liegenschaften  haften.  1785  wurde 
in  ApHeiden  beschlossen,  denen  von  Wolfhalden  an- 
zusagen, dass  sie  ihre  auf  Heiden  liegenden  Gemeind- 
teilstöck  [ihrer  Brunnenleitung]  unter  Siegel  legen 
[durch  Brief  und  Siegel  sichern]  sollen,  widrigenfalls 
dahier  die  etwa  zu  errichtenden  Zedel  ledig  und  los 
ausgefertigt  würden,  d.  h.  ohne  in  denselben  die  Ge- 
meindteilstöck  als  V.  anzudeuten.'  Monatsbl.  Heiden 
1837.  —  4.  =  Fürgang  4  BHli. 

Für-:  1.  das  Weitergehen.  ,Noch  bass  wend  wir 
den  f.  nen;  luog  nier,  ob  künndest  etwas  gsehn.'  Ruef 
1550.  —  2.  Fortgang;  Erfolg.  Gelingen.  .Wo  diser 
zug  fürgeng  genommen  hett'  Edlib.  ,Dyn  will  soll 
gegen  mir  ein  f.  han'  [von  mir  erfüllt  werden].'  Zielv 
1521.  ,Etlich  priester  jiredigent  den  klosterfrowen, 
weliches  ein  anfang  [ist],  der  in  andern  frowenklöstern 
ouch  angenommen  worden  und  dis  also  ein  f.  über- 
kommen möchte.'  1523,  Absch.  ,Wo  aber  üch  daran 
jemant  irren  [hindern]  und  das  nit  in  f.  also  blyben 
lassen  wollte.'  15'24,  Strickl.  ,Wann  sölicher  ufbruch 
zuo  f.  [zur  Ausführung]  kommen  wurde.'  1525,  ebd. 
, Bettend  für  uns,  dass  das  w.  des  Herren  ein  f.  habe.' 
1531/48,  IL  Thess.;  dafür:  ,laufe.'  1667;  ,sich  schnell 
verbreite.'  1860.  ,Und  der  Ascany  krank  von  wegen, 
dass  im  syn  fürschlag  nit  ein  f.  hatt  ghan.'  L  Missiv. 
1556.  ,Und  dise  Urteil  hatte  einen  F.  [wurde  voll- 
streckt].' GStaheli  1559.  ,Die  gern  sähind,  dass  Gottes 
er  und  1er  ein  f.  hette.'  LLav.  1569;  dafür:  ,Die  sich 
bearbeiten,  dass  sie  Gottes  Ehre  befördern  mögen.' 
ebd.  1670.  ,So  ein  lange  zyt  im  wesen  und  f.  gsyn 
[Bestand  und  Fortgang  gehabt  hat].'  1586/1626,  Schw 
LB.  —  3.  das  Vorbeigehen,  der  Vorbeiweg;  ,im  F.', 
obiter,  en  passant,  verwendet  wie  ,im  fürgän'  Sp.  29. 
,Näm  ein  frömder  raa""  an  einem  furgang  trübel,  den 
söllent  die  bannwart  nüt  pfänden,  denn  in  heissen 
fürbas  gan.'  1426,  Rebenweist.  BTwann.  ,Was  alles 
in  einer  so  wytberüempten  stadt  also  in  yl  und  für- 
gangswys  kann  besehen  werden.'  JosMal.  1.59.3.  ,Von 
welcher  sachen  urhab  [Anfang]  und  Ursachen  wir  hie 
nützit  schrybcn,  sonder  allein  dis  also  obenher  im  f. 
angerüert  haben  wollen.'  RCvs.  .Aber  es  soll  Nie- 
niands  erwarten  ein  vollkommen[en]  Bericht,  dieweil 
wir  allein  Wenig  gleich  als  in  einem  F.  hie  wollen 
setzen.'  JRLandenb.  1608.  ,Unnotwendiger  Weis  im 
F.  an  den  Häusern  klopfen',  wird  1636  als  Unsitte 
der  B  Schuljugend  gerügt.  ,Hicr  ist  im  F.  nicht  zu 
vergessen.'  Mise.  Tig.  1723.  —  4.  Saum,  Streifen  von 
anderm  (soliderm),  auch  andersfarbigem  Stoffe  am 
Frauenkleide  (in  AAEhr.  am  Unterkleide,  so  dass  der 
Streifen  unter  dem  Oberkloide  noch  hervorschaut)  B; 


347 


Gang,  geng,  ging,  gong,  gung 


L;  ZW.  ,An  der  Jtippen  ist  gar  wenig  Tuech,  der 
F.  göt  fast  ans  Brusttuecli.'  Lied  von  Kleiderpracht. 
In  der  vormaligen  Tracht  der  Frauen  in  OAa  reichte 
der  Rock  bis  an  die  Waden  und  hatte  unten  einen 
'/«  Elle  breiten  F.'  Glür  1835.  Syn.  (Stoss-J  B'legi. 
Ansatz  an  einem  zu  kurzen  Frauenkleide  ZNer.  Der 
faltige,  wollene  Teil  des  Frauenkleides,  so  weit  es 
nicht  von  der  Schürze  bedeckt  ist  LG. 

In  der  Stelle  bei  Aal  1549:  ,Das  merer  muess  das  besser 
syn,  das  mer  soll  hie  den  f.  hau',  kann  ,Mer'  i.  S.  v.  Mehr- 
heitsbeschluss  genommen  und  F.  zu  2  gestellt  werden,  wenn 
auch  die  Bed.   .Vorzug'    einen    eben    so   guten  Sinn    ergäbe. 

,Fergg-Gang:  =  Feniurte  i'  P,  „.-  S.  Bd  I  1012. 
—  Fuess-:  Gang  zu  Fu-s.  .IMlt  -icss  tütsch  myl, 
tuet  by  dryssig  stunden  ziinli.  1l,  1-s.-  ÄhTschudi  1538. 
,0b  es  schon  nur  eine  halbe  Stund  F-s  ob  N.  gelegen.' 
WüRSTisEN.  —  Fueter-:  zum  Aufschütten  und  Zu- 
rüsten  des  täglichen  Futterbedarfes  für  das  Vieh  be- 
stimmter, zwischen  Tenne  und  St;ill  hinlaufender  Gang 
Bs;  B;  Sch;  TuKreuzl.;  ZSth.  Syn.  ;■■/(- /<r-7V),(i.  ,Er 
hatte  sich  manchmal  im  F.  oder  im  S.iim;iiii;li  ver- 
steckt, wenn  er  den  Pfarrer  gegen  Jas  Hnus  zukommen 
sah.'  GoTTH.  —  Holz-.  ,Der  H.  für  dürres  Holz  auf- 
zulesen mag  erlaubt  sein  jeden  Donnstag.'  1806,  Aa 
Lenzb.  Forstordn. 

Ler-hei"--  (Suterm.),  resp.  Dr6»-h-  (ZO.),  Dra"- 
hci-Gängeli  n.:  im  Vexierbescheid  auf  die  Frage 
der  Kinder  nach  dem  ,Marktkram',  den  sie  von  Ab- 
wesenden bei  der  Rückkehr  erwarten  Z. 

Eig.  ein  .Nichts';  entstanden  aus  der  Satzconstruction : 
leer,  resp.  ohne  (Etw.)  heim  gehen;  vgl.  dar-äne  Bd  I  263, 
aber  mit  tw.  Umd.  auf  d(a)r-an,  also:  woran  man  heim  geht 
(Stock).      Vgl.  noch  Nüteli,  NUc'-TrückU,   Nient'-WUgdL 

Hinder-Gang:  I.Arglist,  Betrug; Ränke,  Schleich- 
wege. ,Mit  solchem  hochmuet,  untrüw  und  h.'  Zwingli. 
,Das  laster  des  untrüwen  gabennemens  und  h-s  der  ge- 
meinen regimenten  fast  an  allen  höfen  und  landen.' 
ebd.  ,Geit,  h.  und  alafanz.'  Vad.  ,Wir  empfiengend 
etwas  misstruwens,  sam  ein  trungenlieher  [1.  ,trug-'] 
h.  in  der  sach  syn  wellt.'  ebd.  -  2.  Abstellung  und 
Berufung  auf  Schiedsrichter.  ,H.  uf  einen  tuen.'  G 
Arch.  ,Dass  sy  uns  des  h-s  und  der  gelübd.  so  wir 
hinder  sy  und  ir  machtbotten  getan  haben,  ledig  sei- 
lend.' 1424,  Zellw.,  Urk.  -  Zu  2  vgl.  mhd.  7,;«^.,- W„c„ 
gän,  auf  ihn  abstellen,  sich  berufen. 

Herti-:  Weg,  welcher  die  Pflanzgärten  auf  dem 
,Herti'  genannten  Allmendland  von  einander  trennt 
aScHW.  —  'R.\is-:  =  Gang  3  c  Ap;  Z.  Syn.  Hiis-Ern 
Bdl  462.  —  Hexe":  eine  nach  Art  der  , Hexenstiche' 
ausgeführte  Tour  (s.  Gang  3  a  5J  an  den  gestrickten 
oder  gehäkelten  Spitzen  von  Leintüchern  Z.  —  Jar-: 
Jahr,  Jahreslauf,  Jahresfrist.  Vu"  wel'''ein  J.  bist  du 
od.  tcas  liest  du  für  en  J.?  wann  bist  du  geboren?  Z. 
Die  Altersgenossen,  die  dem  selben  , Jahrgänger-Verein' 
angehören,  nennen  einander  daher  scherz  w.  Brueder 
J.  G.  ,Ein  rat  mag  das  fleisch  beschetzen  und  heissen 
geben  nach  dem,  als  es  [das  Vieh]  an  dem  kouf  [beim 
Kaufe]  jargang  hat.'  1384,  Stdtb.  AaB.  ,Wir  sitzen 
izt  da  bei  einander,  wie  im  nassen  J.  Es  hatte  näm- 
lich a.  1759  in  der  Erntezeit  4  Wochen  nach  einander 
geregnet.  Da  kamen  dann  die  Bauern  oft  zs.  und  alle 
Augenblicke  fragte  einer  den  andern:  Wann  wird 
dieses  Wetter  doch  einmal  aufhören  V  HPest.  1788. 
,Landwein,  wie  ihn  Gott  und  der  J.  geben.'  ADennler 
1817. 


Kilch(e'')-:  1.  Gang  zur  Kirche;  Kirchweg,  Kir- 
chenbesuch. ,Was  personen  sich  haben  lassen  schei- 
den, dass  dieselben  weder  [in]  MH.  stadt  noch  land- 
schafte  einleben  kilchgange  noch  hindersitze  sollen 
haben.'  1538,  SWochenbl.  ,N.  N.  sei  vor  das  Land- 
gericht gestellt,  ihm  der  Wein  und  die  ,statt  mit 
markten  [Marktbesuch]  und  k.  bruchen'  verboten.  1543, 
Absch.  , Einen  beschwerlichen  und  weit  abgelegenen 
K.  haben.'  1651,  ApHeid.  Monatsbl.  k\>\.  Kilch-Gänger. 
Spec.  a)  Gang  zur  kirchlichen  Trauung;  auch  die  erst 
seit  der  Reformation  allgemein  geforderte  und  üblich 
werdende  kirchliche  Einsegnung  selbst;  Hochzeits- 
geleite  BsL.;  „B;  G."  E  grosse  (chllne')  Ch.  mache". 
,Daby  sind  euch  etlich,  die  nach  bezogner  ee  lange 
zyt  on  k.  by  einandern  sitzend.  Sölichs  zuo  fürkom- 
men, will  ich  zum  ernstlichesten  geboten  haben,  dass 
all  und  jede  personen,  so  sich  also  mit  einandern  ver- 
elichend,  sölich  ir  bezogne  e  mit  offnem  k.  vor  der 
kilchen,  in  bysyn  der  nachpurschaft  unverzogenlichen 
bestäten,  euch  sölichen  k.  zum  mindsten  zwürend  durch 
ire  pfarrer  an  der  kanzel  verkünden  lassen;  sunst  soll 
der  pfarrer  zuosampt  der  gmeind  disen  k.  on  vorgenJe 
ruof  zuozelassen  und  die  verelicheten  by  einandern 
wonen  zc  lassen  nit  gedulden.'  1530,  Absch.  ,Und 
demnach  alles  gespött  und  narrenwerke,  so  by  sol- 
lichen k-en  [d.  i.  wo  2  Personen  sich  ,mit  elichem 
k-e  wollen  bezügen']  gebrucht,  abgestellt  heissen 
und  syn.'  1538,  S  Wochenbl.  ,Der  k.  und  hochzyt 
ward  gehalten  zu  Birmenstorf'  HBdll.  Diejenigen, 
welche  den  K.  unterlassen,  sollen  als  ,huoren  und 
buoben  mit  dem  eid  unserer  landen  verwisen  werden; 
darzuo  ire  kind,  so  sy  unerbracht  des  k-s  überkommen 
bettend,  wollen  wir  unelich  halten.'  1567,  B  Mand. 
,So  band  MGnH.  inen  der  [den]  ehstand  lassen  folgen 
und  si  der  k.  lassen  tuen.'  1614.  L  Sondersiechenordn. 
S.  noch  Gefräss.  —  b)  =  iic/j-G.  „B;"  Z.  En  grosse 
Ch.-G.  ha",  ein  zahlreiches  Leichengeleite.  Es  ist 
wie-n-en  Ch.,  ivemmer  z'säme"  chömmed,  so  still  ist  es 
jetzt  Z.  ,Feralis  pompa,  ein  kilchgang  und  nachfolgung 
einer  leich.'  Fris.;  Mal.  ,Die  haltung  kirchgangen 
oder  process  in  einer  leich,  funeraria  actio.'  Mal.  ,A1so 
starb  er  z'nacht  und  morndrigs  um  4  was  der  k. ;  was 
ein  mächtige  vile  volks  von  mann  und  wyb  der  ganzen 
Stadt-  Mise.  Tig.  1723.  —  c)  Cerste)  Chilche-G.,  erster 
Kirchenbesuch  der  Wöchnerin  nach  dem  Wochenbett 
B.  ,Meyeli,  das  unter  der  Küchentüre  stand  und 
nicht  vor's  Dachtrauf  hinausdurfte,  weil  es  den  K. 
noch  nicht  getan  hatte.'  Gotth.  ,So  weit  sei  es  noch 
nicht,  dass  ihre  Sohnsfrau  wie  eine  arme  Frau  in  den 
ersten  8  Tagen  Iren  K.  tun  müsse.'  ebd.  —  2.  Kirch- 
genössigkeit,  in  der  Verbindung:  Chilch-G.  und  Trüll- 
zwang,  K.  und  Militärpflichtigkeit  BBe.  —  3.  Kirch- 
spiel, Kirchgemeinde  L;  Schw;  Obw,  It  St.-  „allg." 
Wenn  die  ganz  gross  Chilemusig  ummegange"  ist  und 
g'sunge  hed  im  ganze"  Ch.  umme"  vor  alle"  Husere"  L. 
,Der  Kirchgang  SchwMuo.,  in  einer  Strecke  von  5  Stun- 
den das  ganze  Tal  von  den  Glarnermarken  bis  zur 
Pfarrei  Schwyz  umfassend,  wird,  mit  Schwyz  und 
Steina,  zu  den  drei  ältesten  Kirchgängen  des  Landes 
gerechnet.'  Gfrd.  Eine  ,botschaft  aus  dem  k.  von 
Cham.'  1529,  Striokl.  ,Dass  ein  yeder  pur,  so  im  k. 
gesessen,  dem  sigristen  ein  halb  viertel  kornes  [für 
das  Wetterläuten]  geben  solle.'  1589,  Gprd.  .Habend 
der  K.  Ottenbach  den  Bescheid  geben.'  1646,  Z  Staats- 
arch.   ,Ist  zuo  Schwyz  usgekündet  und  in  die  Kirchgang 


(..ans.  geiig'-  u:' 


"iig.  S"ng 


35(1 


ustrcschribeii  wonlen.'  1739,  Souw  ],B.  In  Obw  ver- 
walten die  ,Kilchgänge-,  da  sie  mit  den  politisclien 
Gemeinden  wie  anderwärts  zsfallen,  auch  Polizei-  und 
andere  Angelegenheiten.  ,In  Obw  verschwindet  der 
Name  Ürte,  der  auch  hier  urspr.  vorkommt,  und  an 
dessen  Stelle  sind  .Kirchgänge'  getreten.'  Ztscur.  f. 
schwz.  R.  ,Obw  besteht  aus  6  K-n.'  ebd.  Syn.  Kirch- 
Höri. 

Mhd.  kirvligain;  Gaug,  Weg  in  die  Kirche,  Kirelienbesuch, 
Gang  zur  Trauung.  Zu  1  b  vgl.  mit  Ei'^m  z'  ChiUc  ga",  an 
dessen  Leicheugeleite  Teil  nehmen.  1  c  Nachklang  des  Aus- 
scgneus  der  Wöchnerinnen  der  katholischen  Kirche. 

Uss-K.-G.:  Kirchgemeinde  ausser  derjenigen  des 
Hauptortes  Schw.  ,Du  hörst  den  Ruf  und  das  Drän- 
gen von  hier  und  von  den  U-en.'  Schw  Fasnachtsp. 
1863.  —  Kilt-Gang:  Gang  zur  ,Kilt'  (s.  d.).  — 
Ker-Gängli  n.:  Treppenlauf,  Wendeplatz,  Boden 
zwischen  den  beiden  Teilen  einer  gebrochenen  Treppe 
GnHe.  Syn.  Absatz.  —  Ketteli-:  ,Gang' i.  S.  v.  2  a  8 
aus  Ketten-stichen  (beim  Nähen,  Sticken)  Z.  -  Krebs-: 
wie  nhd.  (allg.)  De'  Clir.  ha'  AABb.  .Den  kr.  g'wün- 
nen.'  Mscr.  Ende  XVII.  —  Krüz-:  1.  gemeindeweise 
ausgeführte  Bittfahrt  mit  .Kreuz'  und  Fahnen,  so  z.  B. 
die  von  14  aScnw  Gemeinden  nach  Einsiedeln  je  am 
l'Hngstmontage.  Syn.  Krüz-Fart  (Bd  I  902).  Vgl.  mit 
Chrüs  gä',  krüzen.  Dabei  ist  üblich,  dass  von  der 
mit  dem  Besuche  bedachten  Kirche  aus  die  Gäste 
ebenfalls  mit  Kreuz  und  Fahnen  abgeholt  (Inh'kitet) 
und  dass  bei  der  Begegnung  zum  Zeichen  nachbar- 
licher Liebe  und  Treue  die  Bilder  an  Kreuz  und 
Fahnen  einander  mit  grüssender  Bewegung  genähert 
werden  (kath.  Schwz  allg.).  ,Als  die  von  [L]  Hochdorf 
an  der  Uffart  zuo  im  [dem  Wirte]  kommen  sygent. 
sy  ze  herbergen,  so  heissent  sy  in  kochen  uf  18  mann, 
sy  iren  nun  [nur]  8  kommen,  syg  er  hön  [zornig] 
worden  und  zuo  inen  gesprochen,  er  schyss  inen  in 
ir  kr.  Ouch  sygent  sy  zuo  nacht  ins  ft-owenhus  gan- 
gen, heig  er  gesprochen:  wir  [von  Zürich]  sind  ouch 
mit  krüz  gangen,  aber  unser  herren  [Geistlichen]  hctti"t 
das  uns  nit  verdreit  [geduldet].'  1524,  Strickl.  .Wenn 
die  krüzwuchen  ist,  desglychen  wenn  gesatzt  krüzgäng 
sind,  soll  man  kein  gricht  han.'  15'26,  Ndw.  ,Vün 
Alter  har  wurdent  [ze]  Zürich  allerlei  Prozessionen 
und  Crüzgäng  gehalten.'  HBull.  1572.  ,Krüzgang  gen 
Einsidlen:  Uf  Pfingstmontag  muesst  us  einem  jeden 
hus  der  stadt  Zürich  ein  mensch  mit  krüz  gen  Ein- 
sidlen gan.'  ehd.  ,Supplicationem  decernere,  ein  ge- 
mein bett  oder  kreuzgeng  (ein  gmeine  process)  an- 
sehen.' Fris.;  Mal.  ,Es  sollend  die  tallüt  [von  Engelb.] 
in  dem  jar  4  krüzgäng  tuon,  dass  sy  in  den  bach 
sollend  gan  und  darus  stein  werfen  nach  des  gotts- 
hus  nutz.'  1580,  Obw.  ,Die  Länder  [inneren  Kantone] 
feiren  die  Tag,  an  welchen  ihre  Vordem  grosse  Sieg 
erlanget  haben,  und  halten  da  ihre  Kreuzgäng.'  Simml.- 
Leu  1722.  Feierlicher  Umgang  innerhalb  der  Kirche, 
an  hohen  Festtagen,  wobei  ein  Priester  das  hochwür- 
digste Gut  und  die  Kreuzgangtöchter  das  Bild  der 
Jungfrau  Maria  herum  tragen  FO.  —  2.  Gang  eines 
Einzelnen  mit  einem  Kreuze,  nämlich  des  Mesmers, 
welcher  im  Kirchspiele  herumgeht,  um  jedes  Haus  mit 
Weihwasser  zu  besprengen  (Glück  i'  's  Hiis,  's  Un- 
glück drüst)  und  bei  dieser  Gelegenheit  seine  Be- 
soldung einzuziehen.  Er  nimmt  zu  diesem  Gange  auch 
ein  Kreuz  aus  der  Kirche  und  zwar  vorzugsweise  und 
beharrlich  das  altertümlichste  mit  sich  L.    .Ouch  hat 


ein  sigrist  3  krüzgeng  und  gat  im  kilchspiel  umb  von 
hus  ze  hus.'  1488,  Gfrd.  ,Es  hat  ouch  ein  s.  ein  kr. 
oder  Umgang  von  hus  zuo  hus  syn  recht  ze  sammeln, 
da  soll  er  das  wychwasser  mit  im  tragen.'  1584,  ebd.; 
vgl.  Krüz-Gdd.  —  3.  eine  ins  Viereck  gebaute  be- 
deckte Halle  bei  den  Klosterkirchen,  auch  bei  älteren 
Munstern,  in  welcher  die  kirchlichen  Processionen  an 
hohen  Festen  mit  Fahnen  und  Kreuz  geschützt  gegen 
Sonnenhitze  und  Regen  gehalten  werden  konnten. 
Daher  die  RA.:  , Einen  durch  den  kr.  jagen,  acerbis- 
sime  cruciare,  affligere  aliquem.'  Denzl.  1710,  welche 
auf  einer  Disziplinarstrafe  des  Klerus  beruht,  nach 
welcher  der  Betreffende  z.  B.  in  LBerom.  von  9  Uhr 
Vm.  bis  3  Uhr  Nm.  mit  dem  Chorgewande  angetan 
und  den  Augen  des  Publikums  preisgegeben  im  Kreuz- 
gange auf  und  ab  gehen  musste.  —  4.  einander  kreuz- 
weis schneidende  Wege  in  einem  Garten  BsLd.  Eben 
solche  Gänge  in  einer  Kirche,  übh.  diejenigen  Teile 
des  Schiffes,  die  nicht  mit  Stühlen  besetzt  sind  AABb. 
—  Lich(t)-,  in  AABrugg  Liehen-:  Leichenbegäng- 
niss,  auch  concr.  der  Leichenzug  Aa;  Ap;  Z;  Syn. 
Kilch-Gang ;  Gräbt;  Lieh;  vgl.  mit  Ei"'in  z'  KU  ehe 
gär'.  Zu  demselben  wird  durch  Boten  (s.  Lich-Lader) 
von  Haus  zu  Haus  geladen,  in  besonderer  Weise  bei 
der  Vwdtschaft  (Fnmdschaft),  welche  mit  den  näch- 
sten Angehörigen  das  Leid  bilden  sollen,  und  für  die 
Letzteren  auch  über  die  Kirchgemeinde  hinaus.  In 
B  beschränkt  man  sich  etwa  auf  eine  Auswahl,  wenn 
man  beabsichtigt,  alle  und  jede  Geladenen  zu  bewirten. 
In  den  zur  Reformation  übergetretenen  Städten  wurde 
die  Leichenbestattung  Obliegenheit  der  betr.  Hand- 
werksinnung, welche  somit  an  die  Stelle  der  Bruder- 
schaften des  Katholicismus  getreten  sein  mag,  und 
noch  lange  blieb  die  abgeschwächte  Verpflichtung  für 
die  sämmtlichen  Zunftgenossen,  an  dem  Leichenbe- 
gängnisse persönlich  Teil  zu  nehmen,  die  Bahre  zu 
liefern  und  die  Leiche  zu  Grabe  zu  tragen.  Auf  be- 
sonderes Gepränge  von  dieser  Seite  deutet  noch  1647 
das  Einschreiten  des  Rates  Scn  gegen  den  bis  dahin 
geübten  Unfug,  dass  ,bei  Leichenbegangnussen  sowohl 
ohnfern  von  Gesellschafts-  und  Zunftgebäuden  als 
sonsten  Junge  und  Alte  haufenweis  zusammengestan- 
den.' Doch  schon  vor  der  Reformation  verordnete  der 
selbe  Rat  (1475),  ,dass  man  niemans  zu  keinem  Leid 
in  seiner  Zunft  noch  davor  schenken  soll;  aber  wem 
ein  Kind  wirt,  dem  mag  man  wol  schenken.'  Bis  zur 
franz.  Umwälzung  war  es  Brauch,  dass  zu  der  Be- 
stattung eines  städtischen  Gutsbesitzers  oder  Vogtei- 
inhabers  auch  die  betreffenden  Landleute,  etwa  unter 
Anführung  ihres  Pfarrers,  in  die  Stadt  kamen.  Die 
Teilnehmer  am  Leichenzuge  kleiden  sich,  wo. möglich, 
schwarz,  wozu  das  B  Kleidermand.  v.  1747  förmlich  die 
Erlaubniss  erteilt;  oder  man  schlägt,  wie  in  Ap;  Zf,  den 
schwarzen  Kirchenmantel  um  die  Werktagsklcidung. 
Im  deutschen  Teile  von  F  ,tragen  viele  Bauern  weiber 
über  den  schwarzen  Röcken  weisse  Schleier,  welche 
das  Gesicht  bis  über  die  Mitte  verhüllen,  so  dass  man 
nur  die  Augen  und  einen  Teil  der  Stirne  sieht.'  Kdenli.v. 
Im  Bernbiet  binden  die  Frauen  die  Zöpfe  um  den 
Kopf  fest.  Der  Sarg  ist  noch  meist  unverhüllt  und 
dann,  wo  nicht  Armut  es  verbietet,  schwarz,  in  einigen 
Gegenden  auch  mit  weissen  Verzierungen  und  Em- 
blemen bemalt;  in  Ap  die  Leiche  mit  einem  weissen 
Tuche  bedeckt  (Schweizerb.  1825,  283).  In  Z  werden 
die  Särge  der  Ledigen  bekränzt;  betreffend  diejenigen 


351 


Gang,  geng,  ging,  gong,  gung 


352 


kleinei\Kinder  s.  Bd  I  15.  Im  J.  1647  sah  sich  der 
ScH  Bat  veranlasst,  die  HofFart,  welche  bei  Schmückung 
der  Särge  Lediger  getrieben  wurde,  dahin  zu  be- 
schränken, dass  einer  ledigen  Tochter  nur  ein  Schäp- 
pelin  [Krone]  und  zwar  ,gemeiner  und  schlechter 
Gattung'  aufgelegt  werden  möge.  Auch  ein  Bs  Mand. 
1667  tadelt  ,die  verbottene,  aber  bei  etwas  Zeit  wider- 
umben  eingeführte  Anheftung  der  Kränzen  und  Mayen 
bei  Bestattung  ohnverheurater  Personen'.  Früher, 
z.  B.  1555  It  Z  Mand.,  1569  It  Z  Syn.-Act.,  musste  um- 
gekehrt verboten  werden.  Tote  auf  einem  blossen 
Brette  oder  ganz  und  gar  ohne  Sarg  zu  Grabe  zu 
tragen.  Im  Trauerhause,  in  und  an  welchem  in  der 
Stadt  Zürich  alle  Bäume,  wo  die  Leidtragenden  hin- 
durch zu  gehen  haben,  mit  schwarzen  Tüchern  be- 
hangen sind,  vormals  auch  die  Tische  mit  solchen 
bedeckt  wurden  und  zwar  vom  Schneider,  werden  die 
Leidlüt,  nachdem  sie  einander  mit  feststehender  For- 
mel ihr  Beileid  bezeugt,  etwa  mit  einem  Trünke  be- 
wirtet. Sobald  die  Zeit  des  Aufbrechens  gekommen 
ist,  dankt  einer  der  nächsten  Anverwandten  für  die 
dem  lieben  Verstorbenen  erwiesene  Ehre;  danach  stellt 
sieh  das  männliche  Leid  (die  Leidtragenden)  nach  einer 
minutiös  beobachteten,  durch  den  Vwdtschaftsgrad  be- 
dingten Bangfolge  (s.  auch  Götti)  vor  dem  Hause  in 
einer  Beihe  mit  entblössten  Häuptern  auf  und  wird 
nun  von  sämmtlichen  Männern,  in  der  Stadt  Zürich 
im  vorigen  Jhdt  und  an  einigen  Orten  noch  jetzt  auch 
von  den  (verheirateten)  Frauen  der  Beihe  nach  be- 
grüsst  (s.  ergetzen,  klagen),  welche  Ceremonie  sich 
unter  dem  weiblichen  Gosohleolite  wiederholt,  sobald 
die  Männer  abgezogen  .siinl.  alüi  inihThalb  der  Stube, 
wo  die  leidtragenden  Frau.n  i  ill-^^ll(  runi  sitzen.  An 
einigen  Orten  nimmt  auch  daa  nuiiuiliche  Geschlecht 
diese  Ceremonie  im  Hause,  aber  immerhin  stehend, 
entgegen.  In  ZStdt  stellte  das  weibliche  Geschlecht 
seit  der  Zeit  der  französischen  Eevolution,  veranlasst 
durch  Ungezogenheiten  der  französischen  Einquar- 
tierung, seine  persönliche  Beteiligung  an  den  Leichen- 
geleiten ein.  In  Gr  war  es  zur  Zeit  von  HLLehmann 
(1799)  Brauch,  dass  ganze  Durfschaften.  auch  Weiber 
und  Kinder,  vor  dem  Trauorliause  sich  einfanden,  wo 
das  gemeine  Volk  stehend  einen  Trunk  erhielt,  während 
die  Vornehmen  sich  im  Hause  reichlicher  bewirten 
Hessen.  Auf  der  Landschaft  wird  in  gewissen  Gegen- 
den, besonders  wo  die  Entfernung  von  der  Kirche 
gross  ist,  bevor  der  Leichenzug  aufbricht,  in  oder  vor 
dem  Hause  von  dem  Schullehrer  ein  Leichengebet 
(s.  beten)  gehalten,  in  den  B  Städten  eine  Leichenrede 
in  der  Wohnung  durch  den  Geistlichen.  Die  Beerdi- 
gungen finden  auf  der  Z  Landschaft  um  10  U.  Vni., 
in  der  Stadt  um  4  U.  Nm.,  im  Spital  aber  um  Mittag 
statt.  Auf  dem  Lande  wird  durch  die  Kirchenglocken 
an  das  Leichenbegängniss  erinnert  und  zwar  mit  der 
einen  oder  andern  Glocke  oder  sonst  in  einer  Weise, 
welche  erkennen  lässt,  ob  die  Leiche  eine  männliche 
oder  eine  weibliche  oder  ein  Kind  sei.  Nach  einem 
stillen  Gebete  setzt  sich  der  Zug  vom  Hause  weg  in 
Bewegung,  meist  paarweise,  in  GStdt  löblicher  Weise 
Jedes  einzeln,  vormals  die  Männer  mit  entblösstem 
Haupte.  Der  Sarg  wird  in  der  Begel  von  den  Nach- 
barn des  Verstorbenen  oder  von  bes.  angestellten 
Männern  getragen;  Kinderleichen  werden  an  einigen 
Orten  vom  Todtengräber  abgeholt,  an  anderen  von  der 
Patin,  ungetaufte  von  der  Hebamme  (auf  dem  Kopfe) 


getragen.  Bei  grossen  Entfernungen  nimmt  man  Wa- 
gen zu  Hülfe.  In  einigen  Gegenden  verlangt  die  Sitte, 
dass  die  Frau  ihren  Mann,  die  Mutter  ihr  Kind  nicht 
persönlich  zum  Grabe  begleite,  wie  an  anderen,  dass 
die  Vwdtschaft  der  Leichpredigt  nicht  beiwohne,  oder 
dass  die  Nächsten  dem  Gottesdienste  ferne  bleiben, 
wann  ihres  Trauerfalles  oder  der  Verstorbenen  des 
betr.  Jahres  übh.  gedacht  wird.  Wer  sich  dem  Leichen- 
begängniss erst  unterwegs  anschliessen  will,  wiederholt 
die  Ceremonie  des  Leidbezeugens,  wodurch  der  ganze 
Zug  zum  Stehen  gebracht  wird.  Bei  der  Annäherung  des 
Letztern  an  Kirche  und  Kirchhof  wird  er  mit  Glocken- 
geläute empfangen.  In  ScaStdt  war  es  bis  1669  üb- 
lich, dass  am  offenen  Grabe  ein  Bekannter  eine  Rede 
hielt,  worauf  man  ohne  Weiteres  aus  einander  gieng. 
Auch  in  ZStdt  pflegte  bis  zu  dem  Seuchenjahr  1611 
der  betr.  Zunftmeister  die  Abdankung  am  Grabe  zu 
halten,  doch  verfügte  sich  danach  der  Zug  noch  in  die 
Kirche  zu  einem  stillen  Gebete.  Jetzt  herrscht  im 
Ganzen  der  Gebrauch  vor,  der  Bestattung  die  religiöse 
Weihe  in  der  Kirche  durch  den  Geistlichen  geben  zu 
lassen.  Im  vorigen  Jhdt  verfügten  sich  die  Vwdten 
nochmals  (noch  immer  paarweise  schreitend)  in  das 
Trauerhaus,  um  einander  wiederholt  das  Beileid  aus- 
zusprechen. —  Volksgl. :  Begegnet  der  Leichenzug 
zuerst  einer  alten  Frau,  so  betrifft  der  nächste  Todes- 
fall des  Ortes  eine  weibliche,  wenn  einem  alten  Manne, 
eine  männliche  Person  B.  Wenn  nach  Beendigung  des 
Geläutes  die  Glocke  nochmals  anschlägt  (Z),  oder  wenn 
während  des  Läutens  übh.  die  Stunde  schlägt  (S;  Z), 
so  wird  es  bald  (wieder)  eine  Leiche  im  Orte  (aus  der 
Vwdtschaft)  geben.  Ebenso,  wenn  das  Todtengeleite 
zerstreut  einherzieht  Z,  oder  wenn  das  Grab  bald 
einsinkt.  Schild;  vgl.  Sunntag.  Wo  nach  zwei  ver- 
schiedenen Kirchen  hin  die  Leichenwege  sich  kreuzen, 
ist  , Kreuzstrasse'.  Eine  solche  Stelle  ist  verzaubert. 
S.  LüT.  558,  584.  S.  noch  Lichen-Mal.  Vgl.  Toten- 
Volch  Bd  1  805;  T.-Procession.  —  Löchli-Gang:  am 
Strickstrumpf  eine  Tour  mit  Luftmaschen.  —  Läufer-: 
Botengang.  .Läufer  (Laufer) -gäng,  Bottenlöhn  und 
Briefporto'  als  Ausgabeposten.  1774,  SWochenbl.  — 
Ab-,  bezw.  An-lätsch-:  der  erste  (letzte)  G.  am 
Strickstrumpf  Z.  —  Letzi-,  Litzi-  =  Umgang  2  d. 
(IvAri.)  —  Melch-:  ganz  od.  teilweise  offener  Baum 
vor  dem  Eingange  der  Sennhütte,  dem  der  vorsprin- 
gende Teil  des  obern  Stockwerkes  als  Dach  dient,  bei 
ungünstiger  Witterung  als  Melkstätte  benutzt  BO.  — 
Mär(k)t-:  Gang  auf  den  Markt.  , Einen  Kreuzer  zu 
verdienen,  damit  Alle  sich  halb  satt  essen  und  es  alle 
Wochen  noch  einen  Märit-G.  erleiden  möge  [wobei 
man  ins  Wirtshaus  geht].'  Gotth.  De"  Märt-G.  tribe", 
Gemüse  für  den  Markt  pflanzen  Z.  —  Muse"-:  unter- 
irdischer Gang,  welchen  Mäuse  im  Felde  bohren  L. 
ly  Hummel  brueten  i'  Müsegängen. 

Metzger  (Z)-,  Metzg(Bs)-:    vergeblicher  G. 

Solchen  macht  der  Fleischer  etwa,  wenn  er  über  Feld 
geht,  um  "Vieh  zu  kaufen.     Die  Bs  Zss.  ist  Verderbniss. 

Nach-:  das  Nachgehen  einer  Schuldforderung  be- 
züglich Sicherheit  der  Deckung;  spätere,  nachherige 
Hypothek,  im  Gegs.  zum  Vorgang  Aa;  B.  , Endlich  fand 
er  Geld  [ein  Anleihen],  aber  die  Frau  musste  mit  dem 
Weibergut  den  N.  erklären  [mit  ihren  Ansprüchen  auf 
ihr  in  die  Ehe  gebrachtes  Vermögen  der  aufgenom- 
menen Hypothek  weichen,  indem  sie  nach  B  Gesetz 
dies  durch  einen  gerichtlichen  Verzicht  auf  ihr  Vorrecht 


Gang,  gong,  ging,  gong,  gung 


bescheinigte].-  Auth  das  .nachgehende'  Capital  selbst; 
Gegs.  Vorgang  1.  —  2.  gerichtliche  Untersuchung, 
Verhör;  besonders  die  darüber  abgefassten  Verhör- 
atten.  die  z.  B.  im  Z  Staatsarcb.  eigene  Rubrik  und 
Abteilung  haben.  .Aber  wir  schickent  üch  synthalb 
hier  innverschlossen  ein  n.,  wes  er  selbs  ist  bekennt- 
lich gewesen.'  15'21,  Zellw.,  Urk.  —  3.  das  Unter- 
suchungsgericht der  .Nachgänger',  die  Verhörrichter 
mit  ihrem  Geleite  und  dem  ,Nachgang-Schriber'  Z  f. 
Vgl.  Nach-Gänger.  —  Nider-:  Untergang  (der  Sonne); 
Gegend,  wo  die  Sonne  unterzugehen  scheint,  Westen. 
,I)er  Comet  in  seinem  Lauf  vom  Aufgang  gegen  den 
N.,  von  Morgen  gegen  dem  Aljend.'  JMüll.  1665.  ,I)as 
Gsang  war  vor  alten  Zeiten  gebräuchlich  in  den  Kir- 
chen des  Aufgangs,  doch  spat  angenommen  in  den 
Kirchen  des  N-s.'  JJBreit.  (Mörik.).  ,Occidens,  N. 
der  Sonnen.  Occidentalis.  gegen  N.  oder  Abend  ge- 
legen.' Dexzl.  1716.  —  Nar'e»-  =  Metzger-G.  Z.  — 
Puren-:  Bauernsehritt  [?]  als  Längenmass.  .Die  Woh- 
nungen 1,  l'/a  bis  2  hundert  Bauerngänge  aus  ein- 
ander.' Dennl.  1817.  —  Berg-:  (festlicher)  Zug  mit 
dem  Vieh  auf  die  .Berge',  Alpen  B.  —  Passe li-, 
Bäseli-  s.Passel(i)tang.  —  Brut-:  der  mittlere  grosse 
Gang  vom  Haupteingange  der  Kirche  zum  Taufstein, 
davon  benannt,  dass  durch  denselben  der  Hochzeitszug 
sich  bewegt  GStdt.  —  Eöd-  =  Umgang  la^  Gr.  — 
Söu-Gängli  n.:  Gang,  der  an  den  Schweinställen 
vorbei  führt  B;  S.  ^.  Fueter-G.  —  Gesellen-Gang: 
=  Gang  1  b  y,  Zweikampf.  ,So  vil.  dass  man  [von 
Seite  der  belagerten  SGaller]  usshin  luf  gegen  SFiden 
wärts  und  si  [die  Belagerer]  erfordert  zuo  gsellen- 
gängen  und  kriegsrechten.'  Vad.  —  Schorr-:  die 
mitten  durch  den  Viehstall  gehende  Vertiefung,  in  die 
alle  Jauche  sich  sammelt  und  die  von  Zeit  zu  Zeit  ge- 
reinigt (g^schorret)  werden  muss  BHk.  Syn.  Sch.-Grahe'. 

—  Spatze"-:  scherzh.  Verderbniss  aus  ,Spazier-G.' 
BsStdt;  Z;  vgl.  spazifizottien;  Passeli-G.  —  Stal'-: 
der  Gang  im  Stalle  hinter  dem  Vieh  durch  B;  S. 

Stuel-:  wie  nhd.  Der  letst  St.,  Vexierbescheid 
auf  die  Frage,  was  man  von  Jmdm  geerbt  habe  Bs. 
,Hiltprand  St.'  bei  NMan.   als  Personenn.    verwendet. 

—  überstuelg'gängelet:  beschmutzt  GnPr.  —  Vgl. 
ilas  syn.   beschissen. 

Stängli-:  bei  der  Häkelarbeit,  Gang  mit  Doppel- 
maschen Z. 

starre°gangs  Aa;  L;  Schw;  S;  Zü;  Z  tw.,  -gans 
AaF.;  zw.,  Wl.,  -ganz  AaF.;  ZO.:  adv.  Gen.,  so- 
gleich, stracks,  spornstreichs,  geradezu.  Syn.  stante- 
beni.  Er  geit  deheim  st.  [sobald  er  heim  gekommen] 
's  Gadeloch  uf  [in  seine  Schlafkammer].  Schild.  I''' 
chmnnie  st.  vo'  Born.  ACorrodi.  G'rad  starre  ganz 
lauf  ich  zu  ml"re  Mueter.  Stütz. 

.Starr'  etwa  i.  S.  v.  ,sti-amm' ;  doch  St.  und  seine  Laiids- 
leute  fassen  es,  gestützt  auf  ihre  MA.,  als  ,stark',  imd  so 
schon  FWyss  1655:  .Wolltest  du  so  frefen  sein  und  starken 
gangs  grad  also  für  Gott  kommen?'  Viel),  gibt  Letzterer 
•■»her  die  wirkliche  Aussprache  seiner  Zeit;  vgl.  dazu:  .Woher 
so  stark  [eilig]?'  Madleni  1712.  Freilich  ist  »tarre  als  bloss 
lautl.  Spielart  für  atarche  ausser  Vw  nur  für  Z  nachgewiesen ; 
aber  die  beiden  (etyniol.  und  begrifflich  vwdten)  Adjj.  spielen 
in  unseren  MAA.  vielfach  in  einander  über;  s.  sturr  u.  starch. 

Welt-:  Weltalter.  , Gülten,  welche  nit  in  gegen- 
wirtigem  Seculo  oder  hundertjährigem  W.  datiert, 
sonder  vor  a"  1601  aufgericht  worden.'  1666,  Z  Ratsver. 

—  Wasser-Gang:  Wasserlauf, -leitung.    ,Die  vierer 

Schweiz.  IcUotikon  II. 


sollen  alles  das.  so  den  dörfern  ang'lügen.  es  seie  mit 
feur  und  w.-gängen,  mit  unfridbar  vech  und  rossen, 
dazue  sollen  sy  ufsechen  haben.'  Olfn.  GSchwarzenb. 
,üie  Streitigkeit  betreffe  gleich  Häg,  Weg,  Strassen, 
Äcker,  Wiesen,  in  Wasser  oder  Wässergängen,  Rosen, 
Marcheu.'  1747,  ApA.  ^B.  —  Weid-:  \.  =  Feldfart 
(Bd  I  1032),  Weidfart  (Bd  I  1037),  die  Benützung 
eines  gewissen  Bezirkes  zur  Weide;  das  Recht  dazu. 
Wo  de  W.  no'''  g'sl'  ist,  als  ungefähre  chronologische 
Bestimmung,  die  Zeit  vor  den  Dreissigerjahren  Z. 
,Dass  der  W.  daselb.st  [in  einem  ausgereuteten  ehe- 
maligen Hochwald]  allen  Landleuten  verboten  sei.' 
1558,  Absch.  ,Gemeiner  Feldfahrt  und  W-s  halben.' 
1680,  B  Schiedspruch.  ,Wie  weit  die  Reutrechte  und 
der  W.  der  Alpen  den  Wäldern  gegenüber  geht.'  Gl 
LB.  —  2.  Weide,  Bezirk,  welcher  zur  Weide  dient, 
im  Gegs.  zu  Matte  und  zu  Wald  GT.  , Weiher  metzger 
syne  schäf  in  die  obgemeldoten  weidgäng  tribe  und 
darin  ze  weid  Hesse  gan.'  1456,  AATättw.  ,W.,  weid, 
allerlei  ort,  da  sich  das  vych  weidet.'  Mal.  ,So  schaf 
und  geissen  einem  schaden  tuent  oder  sunst  eim  durch 
syne  güeter  faren  und  weidgäng  machen  wellten,  da 
sunst  kein  weg  zu  faren  ist.'  1562,  Obw.  Begreif- 
licherweise auch  zum  Flurn.  geworden,  so  z.  B.  in 
Z  NWen.  Es  werden  auch  spec.  ,Kalberweidgänge' 
herausgehoben.  1680,  Mei..  Wetz.  —  Zue-:  1.  abstr., 
das  Hinzugehen.  ,Vil  stett  in  einem  z.  einnemmen, 
urbes  permultas  uno  aditu  atque  adventu  capere.'  Mal. 
Spec.  a)  zum  Tische  des  Herrn,  Teilnahme  an  der 
Communion  BHa.  So  in  einem  hdschr.  Gebetbuche 
der  Franzisk.-Bibl.  in  Luzern  XV.  —  b)  Zutritt,  An- 
recht. ,Z.  für  den  küng  [zu  dem  K.].'  Aal  1549. 
.Ihren  Z.  zum  Kirchengut  habind.'  1672,  Mei.,  Wetz. 
,Dis  gemächt  [Vennächtniss]  sollte  kein  kraft  han  und 
die  natürlichen  erben  ires  z-s  nit  berouben  mögen.' 
Vad.  —  c)  das  jährliche  Näherkommen  der  Sonnen- 
bahn an  unsere  Region,  s.  Ab-G.  1  a.  —  d)  Besucli. 
, Diese  Sägmühle  hat  viel  Z.'  Gem.  Aa  1844.  ,Der 
klo.sterschaffuer  soll  keinen  z.,  nachhinlaufen  noch  an- 
hang  haben,  als  oft  von  fründen  und  kinden  beschicht.' 
1531,  Absch.     Syn.  Zuelauf.  —  2.  concr.,  wie  nhd. 

gangbar:  1.  stark  begangen,  von  Wegen,  Wirt- 
schaften Z.  ,An  einer  g-en  Strass.'  Z  Donn.-Bl.  1787. 
—  2.  seinen  ungehemmten  Gang  habend,  Syn.  gäng, 
gab;  im  Gange  befindlich.  ,Dass  die  Einkommen  noch 
nicht  g.  und  flüssig,  sondern  weit  grösseren  Teils  in 
[im]  Stecken  verbleiben.'  1653,  AHeusl.  1854.  S.  gäbig 
Sp.  68  0. 

be-,  ver-gangen  s.  be-,  ver-gä". 

Begange°hei't:    Verumständung,    Ercigniss    Aa. 

,Begange''schaft:  1.  ,Gewerb,  weg  und  weis  ze- 
gewünnen,  quiestus.'  Mal.  So  noch  L;  Sch.  Er  ist 
slner  B.  e'  Bür.  Vgl.  sich  begä'  mit .  .  Sp.  32.  ,Die 
handwurcht  wollt  er  nit  tryben;  er  suocht  ein  ander  b.' 
1487,  ToBL.  Volksl.  ,Es  ist  zuo  einem  gwerb  und  b. 
worden,  dass  sich  einer  von  einem  herren  lasst  dingen 
und  im  die  lüt  hilft  z'  tod  schlahen.'  LLav,  1584. 
,[Ihr  Bettler]  spilent  mit  Würflen  und  mit  Karten,  das 
ist  üwer  B.'  Com.  SBeati.  ,Ihr  [der  Glarner]  griisster 
gewirb  und  b.  ist  mit  vych  und  molchen.'  RCvs.  .Die 
sich  studierens,  b.  und  handwerken  halb  an  der  frömde 
befinden.'  FWvss  1650.  ,Damit  der  junge  Vetter  nicht 
etwann  vom  Studieren    zu   einer  anderen  B.  gezogen 


355 


Gang,  geng,  ging,  gong,  gung 


356 


wurde.'  Mise.  Tig.  1722.  ,Der  Einwohnern  des  Sieben- 
tals B.  und  fast  tägliche  Berufsarbeit.-  SLutz  1732. 
,Auf  den  Zünften  kommen  Leute  zusammen  von  einer 
B.,  welche  durch  ihr  gemeines  Interesse  zusammen 
verbunden  werden.'  vMoos  1775.  —  2.  Kundsame,  Be- 
such von  Kunden  Gl;  Sch;  Z  (Gangeschaft) ;  übh. 
Leute,  mit  welchen  man  zu  schatfen  hat.  Er  hat  e 
grössi  B.,  ein  weitläufiges  Geschäft  Gl.  ,üie  Wirt 
nach  ihrer  ungleich  starken  Gastung  und  B.'  Z  Mand. 
1765.  —  3.  Vergehen.  .Die  von  N.  beschweren  sich, 
dass  fehlbare  Parteien  in  das  Amtshaus  nach  Eheineck 
citiert  werden  und  dass  daselbst  ohne  Beisein  der 
Beamten  von  N.  um  ihre  B.  abgemacht  werde.'  1741, 
Absch. 

Begangnuss:  1.  =  Begangenschaft  1.  .Der  röuber 
Bhetierlands  b.  ist  g'syn,  harz,  bech  udgl.  zuo  ver- 
koufen.'  ÄgTschudi  1538/60.  —  2.  Totenamt,  Exequien, 
kirchliche  Leichenfeier.  .Ward  auch  sonderbaren  Gotts- 
dieust  und  Begengknuss  LLli.n.li^'.n  und  Abgestorbnen 
zu  Trost  und  Heil  georJii.-t.-  l;i\-.  .\uch  ,Toten- 
begengnuss.'  ebd.  —  3.  Lichciibvgdiiyniss  f.,  Beerdi- 
gung, Leichenzug  Gr.  Si  hei  g'sehn  en  ganzi  L.  dem 
Fridhof  zwe  gan.  Schwzd.  ,Die  Leich-begängniss.'  Z 
Nachr.  1756.    S.  Lieh-Gang. 

gäng:  I.  Adj.  1.  a)  im  Gange,  in  Bewegung  be- 
findlich, gehend.  Das  Z  Gerichtsb.  1587  unterscheidet: 
,genge  und  farende  pfand.'  (Syn.  gänd  Sp.  3).  ,Mola 
molendinaria,  ein  malende  oder  g-e  müle.'  Fris.  ,Wie 
sich  aber  diser  handel  verzech,  damit  er  g.  wurde  [in 
G.,  Fluss  käme],  sant(e)  der  h.  vater  by  [durch]  synen 
curtisanen  die  bull.'  Ansh.  —  b)  unter  den  Leuten 
umgehend:  gangbar,  üblich,  gebräuchlich,  verbreitet, 
gemein,  häufig,  im  Schwang,  kursfähig,  guten  Absatz 
findend ;  in  lebender  MA.  nur  in  der  allitt.  Verbindung 
g.  und  gab  (gang  und  g.  GG.),  s.  Sp.  62;  auch  mit 
Bez.  auf  Ansichten,  Überzeugungen:  's  ist  g.und  g. 
[allbekannt],  dass  d'  Engelberger  es  witzigs  Völchli  sind 
Uw.  .Welicher  brauch  nach  disem  keiser  mit  etwas 
g-em  brauch  angangen.'  Vad.  ,Der  abt  sollt  schuldig 
sein,  wein  oder  körn  nach  g-en  löufen  [an  Zahlungs- 
statt] ze  nemen.'  ebd.  ,Damit  beder  küngen  gelt  nach 
fürwitz  der  geltsüchtigen  gestreckt,  länger  und  ganger 
wurde.'  Ansh.  ,G-e  äferung  der  Worten,  frequenta- 
menta  vocis.'  Mal.  , Christo  selbs  war  in  seinem  h. 
Mund  schier  nichts  Gängers  als  eben  das,  dass  Gott 
ihn  gesendet.'  FWyss  1650.  ,Gemem,  üblich,  g.'  Red. 
1662.  S.  auch  Uelig  Bd  I  602;  gän  (von  Münzen) 
Sp.  6  und  läufig.  —  c)  mit  guter  Gang-Einrichtung, 
-Werkzeug  versehen,  zum  Gehen  geeignet  und  ge- 
schickt oder  aufgelegt;  (leicht)  beweglich,  schnell, 
a)  mit  Beziehung  auf  Menschen:  rüstig  Gr;  Syn. 
gängsch.  Gegs.  un-gäng,  z.B.  von  Kindern  Ap;  tm- 
gänd  Sp.  22;  gestablig.  Vom  Munde:  geschwätzig,  ge- 
sprächig Ap;  GrD.,  Pr.  E  g-s  Mül;  vgl.  st"s  M.  lauft 
loie-ne  Mülli,  es  Bad  usw.  ,Oculi  lubrici,  g-e  und 
unstäte  äugen,  die  sich  lychtlich  hin  und  her  be- 
wegend. Citum  agmen,  ein  schneller,  genger.'  Fris.; 
Mal.  ,Ich  habe  ihm  das  Bein  gekrümbt,  gestrecket 
und  beweget,  dass  es  ihm  g.  bleibe.'  FWOrz  1634. 
—  ß)  von  Tieren  (Rindvieh,  Pferden  usw.):  unermüd- 
lich, rasch,  beim  Ziehen,  Rennen  usw.  Ap;  GrD.,  Pr. 
E  g-i  Chue,  die  auf  der  Weide  den  andern  immer 
voran  ist  GfiPr.  ,.\rabier  uf  schönen,  g-en  pferden.' 
1460,  Bs.    VgL  läufig.  —  y)  von  Sachen,  z.B.  einem 


Wagen,  Bad,  Schlüssel;  einer  leicht  zu  ziehenden 
Glocke,  der  Türe  (in  den  Angeln)  Ap.  ,Ein  g-er  MüUi- 
Karren.'  Schimpfr.  1651.  —  6)  vom  Stuhlgange.  ,Fer- 
tur  alvus,  er  ist  g.,  oder  wenn  man  für  und  für  laufen 
muss.  Cita  a.,  der  durchlauf  oder  ein  g-er  stuolgang.' 
Fris.  ;  Mal.  Vgl.  schnelle  Katri.  S.  noch  fertig  Bd  I 
918  f.  —  2.  leicht  gangbar  oder  fahrbar,  von  Wegen, 
Strassen  Bs;  Schw.  Je  chälter,  je  ganger  [ist  die 
Schlittbahn]  Schw.  Viel  besucht,  gut  frequentiert; 
auch  von  Verkaufslokalen  mit  grossem  Verkehr.  ,Wenn 
sy  den  weg  und  strass  wider  g.  und  guet  gemachent, 
dass  man  mit  wägen  darüber  gefaren  mag.'  1387,  Gr. 
,Der  yngang  ist  an  dei;  gängisten  strass,  so  in  der 
Stadt  ist.'  15'26,  Egli,  Act.  ,Ein  g-e  strass  aus  Egypten 
in  Assyrien.'  1531/48,  Jesa.i.;  dafür:  ,gebahnte'  in  den 
spätem  Ausgaben.  , Einen  fuossweg,  der  ungeng  und 
ungebauwet  ist.'  1531/48,  Jerem.  ,[Die  Fuhrleute] 
sollen  gan  die  rechte,  g-e  strass  und  also  [das  Salz] 
füeren  synen  rechten  wege.'  1533,  Absch.  ,Ein  schöne 
und  g-e  metzg.'  Vad.  ,Frequentem  locum,  ein  g.  ort, 
da  man  fast  hin  gat  und  vU  leut  sind.  Inaccessus, 
ungeng  ort,  da  man  nit  mag  hinzuo  kommen.  In- 
frequens,  ungeng,  unbewandlet.  Frequentia  compita, 
die  g.  sind  oder  voll  volks.  Iter  terere,  ein  weg  g. 
machen,  ein  strass  vil  brauchen.  Invius,  ungeweget, 
ungeng.'  Fris.;  Mal.  ,üie  Katzensteig,  ein  gar  g-e 
und  brüchige  landstrass.'  JJRüeger  1606.  S.  noch  ge- 
triben,  getcirbig.  —  II.  Adv.  (in  F  It  Schwzd.  ge). 
1.  in  Einem  fort,  immer,  fortwährend,  stets,  alle  Zeit 
Aa;  BsL.;  B;  F;  LE.;  S;  W.  Er  het  ge  g'gugget  und 
ge  g'gugget,  wn  si  oppa  hin  gangi.  2"'''  &/"  ge  dur"'' 
d'  Holt  hindert  u"'  ge  dur'''  d'  Höll  hinderi  F  (Schwzd.). 
Numme  nid  gsprengt,  aber  g.  hü  B  (Schwzd.).  Er  het 
g.  g'lumpet  Tag  und  Nacht  LE.  B''  glaube  g.,  du 
hast  Becht  S.  Es  got  g.,  wie  's  mag  Aa.  La  numme 
g.  [jeweilen,  wenn  du  issest]  es  Bestli  [vom  Käse], 
sust  het  di'  Herrlichkeit  grad  flugs  es  End,  mahnt 
der  Zwerg  den  Alpenjäger  BHk.  ,Wer  g.  krachet, 
bricht  nit,  wer  g.  berstet  [ächzt],  stirbt  nit.'  Sprww. 
1824.  .Damit  das  Plätzli  z'weg  sei,  wenn  ich  komme 
für  g.'  GoTTU.  Tautol. :  g.  in  Eim,  g.  an-enandere", 
in  Einem  (immer)  fort,  ohne  Unterlass  B.  Gueten 
Abend  geb  dir  Gott,  was  lebst  g.  ?  wie  geit  's  d'r  g.  ? 
Antw. :  Ho,  es  geit  rmmel  g.'  Gotth.  G.  wieg.  1)  wie 
immer,  bes.  als  Antwortformel  auf  die  obige  Frage 
nach  dem  Befinden  B ;  S.  Es  ist  Nüt  g.  wie  g.,  Nichts 
bleibt  immer  beim  Alten,  die  Verhältnisse,  die  Zeiten 
ändern  sich.  —  2)  es  gehe,  wie  es  gehe  GRPr.  Vor- 
steher, die  Alls  la'  hottere'  g'lu'  hend,  g.  wie  g.  MKüoni. 
De*"  hat  nüt  Anders  welle"  mache',  als  g.  was  g.  Gotth. 
D'r  Chamme  isch-em  g.  wie  me  g' wachse.  JHopst.  1865 
(vgl.  bei  BWtss  1863:  eisster  wie  me).  Pleonastisch 
einmal  bei  Gotth.:  [Einer]  wo  öppe  d' Sach  nit  elleini 
v'rsta  wird  u"'  de'*  no'''  lang  g.  nit  [der  noch  lange, 
d.  i.  bei  Weitem  nicht  der  Einzige  sein  wird,  der 
Etwas  von  der  Sache  versteht].  Man  wolle  ,g.'  nur 
Blut  vergiessen.  1531,  Absch.  ,Assidue,  stätigklich, 
g.,  on  underlass,  oft  und  dick.'  Fris.;  Mal.  ,G.,  immer, 
allezeit,  semper,  continuo.'  Red.  1662.  Synn.  s.  bei 
eisster  Bd  I  53'2/4.  —  2.  immerhin,  wenigstens  B.  Es 
ist  doch  g.  sövel  (das),  Etwas  ist  doch  wenigstens  er- 
reicht, vorhanden.  —  3.  oft.  ,Sy  suochend  die  Strassen 
und  ort,  so  g.  durchwandlet  werdend,  aus  forcht  der 
anderen  wilden  tieren.'  Tierb.  1563.  ,Frequentare,  g. 
und  vil  an  einem  ort  sein.'  Fris.;  Mal. 


357 


Gang,  geng,  ging,  gong,  gung 


Mhd.  (jemjr,  rüstig,  bereit,  verbreitet,  gewöliiilicb.  Über- 
gang, resp.  Combination  der  Bed.  1  c  und  der  temporalen 
des  Adv.  zeigt  die  Stelle:  ,Die  nennung  dos  allerheiligsten 
sei  nit  g.  in  deinem  mund.'  1531/48,  Sir.,  wofür  in  den 
spätem  Ausg.:  ,oft\  während  an  der  ähnlichen  Stelle:  ,l)ie 
lügenen  sind  aber  g.  in  des  unweisen  mund.'  ebd.  ,gemein' 
in  den  Ausg.  erhalten  geblieben  ist.  Vgl.  auch  in  Hm  (Jung; 
nilirrij  und  it.  tuUavia,  immer.  Die  GrPr.  Bed.  von  y.  mit  g. 
zeigt  eine  Mischung  der  verbalen  Formel  mit  der  adverbialen, 
nie  aus  BLangn.  angegebene  und  vom  B  Kai.  1778  unter- 
stützte Schreibung  geing  scheint  ein  furtives  i  vor  n  ent- 
wickelt zu  haben.     Ge  ist  ähnl.  verk.  wie  ge  aus  geb  und  gUy". 

um-:  in  Spiralen  (.Umgängen')  verlaufend,  spiral- 
faserig,  vom  Holz  GrD.  (Försterspr.).  Vgl.  iim-läufig. 
—  a°-:  =  angänds  2  GT.  (Feurer).  —  in-:  eingehend, 
von  Zahlungen;  Syn.  m-gänd  Sp.  21.  Auch  von  den 
Aktiven  übh.  ,Das  lebendig  Ehemensch  erbt  den  halb 
Teil  der  Verlassenschaft  in  allem,  sowol  in-  also  aus- 
gengen  Mittlen.'  1675,  B.  —  müessig-:  müssig,  nicht 
arbeitend.  ,Von  wegen  der  falschen,  müesiggengen 
Christen.'  Kessl.  —  g'rad-:  gerad-,  verticalfaserig, 
vom  Holz  GRPr.  (B.).  —  sunne"-:  auf  die  Sonne 
gehend,  von  rechts  nach  links  spiralfaserig,  wenn  man 
die  rechte  Hand  an  den  Stamm  legt;  vom  Holz  GRPr. 
(B.).  —  wind-:  von  links  nach  rechts  spiralfaserig 
und  deshalb  nicht  gut  spaltend  GfiPr.  (B.  H  11.3). 
Syn.  letz-gängig;  sclielh. 

gängele"  I:  1.  (Kinder)  gehen  lehren  Bs;  Ndw. 
Syn.  gängerlen,  läufelen.  —  2.  einen  Korb  oder  Zuber 
an  beiden  Handhaben  wiegend  tragen,  ohne  gerade 
zu  schlenkern  Bs.  Syn.  hängelen.  —  3.  Stoff  mit  ab- 
stehenden Haften  rändern,  die  beim  Nähen  als  Ansatz- 
punkte für  einen  durchbrochenen  ,Gang'  dienen  Z ; 
vgl.  ricklen. 

1  Dim.-Form  zu  mhd.  gmgen,  gehen  machen,  dem  Fact. 
zu  gän.  Vgl.  nhd.  .Gängelband'.  2  wenn  auch  vicll.  ein 
anderes  W.  (vgl.  gangelen,  ganggehn),  jedenfalls  dem  vor- 
liegenden angelehnt,  im  Gedanken  an  die  schwankenden  Be- 
wegungen des  an  oder  unter  den  beiden  Armchen  geführten 
Kindes. 

„nä'=''-:  schmecken  wie  der  Wein  des  zur  Neige 
gehenden  Fasses,  durch  den  Nachgeschmack  verraten, 
dass  das  Fass  bald  leer  ist,  ,ausgeht'  BO."  Vgl.  nach- 
gängig. 

gänge°:  1.  tr.  a)  schmelzen,  flüssigmachen,  z.B. 
Schnee,  Butter  usw.  Gl.    Syn.  er-,  ver-,  zer-g.,  üslän. 

—  b)  aufgehen   lassen,    z.  B.  Backwerk  im  Ofen    Gl. 

—  2.  intr.  a)  leichter  zu  gehen,  zu  gleiten  anfangen 
Ap.  —  b)  aufgehen,  vom  Backwerk  Gl.  Syn.  gän, 
s.  Sp.  6  0. 

er-BO.,  ver-Ap;  Btw.;  Gl;  GRtw.;  S,  zer-Gn 
tw..  in  BO.  u.  Gr  tw.  ->jk-:  1.  tr.  a)  =  gangen  1  a  B; 
Gl;  Gr;  S.  Du  muesch  das  im  Mul  v.,  nid  grad  ahe"- 
schlucke'  B.  D'  Nidle'  v.,  den  ßahm  in  die  zum  Käsen 
über  das  Feuer  gesetzte  Milch  mischen  BSi.  —  b)  ab- 
gehen lassen;  niederreissen,  bzw.  umändern,  z.B.  einen 
Pferdestall,  den  man  in  einen  Kuhstall  umwandelt  Ap. 

—  c)  ausrotten,  z.B.  Unkraut,  Ungeziefer  BD.; 
tilgen,  verheeren,  verwüsten.  ,Alle  die,  die  da 
gengent  dise  kilchen  und  andere  pfrüenden,  die  lebent 
nit  lange  jar.'  ca  1464,  StrIttl.  Chron.  ,Was  in  den 
rauren  zergängt  und  zerbrochen  ist.'  1489,  G  Urk.  ,Es 
soll  keiner  holz  in  hegen  abhowen  us  muotwillen, 
dardurch  die  heg  zergengt  möchtind  werden.'  1489,  L. 
Speise  finde  man  wenig,  weil  die  Spanier  Alles  , er- 
gengt'  haben.    1522,   Strickl.,  Act.     ,Si   zergangtend 


und  verwuest[et]end  mir  vil.'  1526,  JStookar.  ,Zer- 
genggung  und  Zerstörung  gemeiner  Eidgnosschaft.' 
1529,  Strickl.,  Act.  ,Der  pur  zergängt  für  und  für 
mit  endeckung  [Abdecken]  des  [kilchen-]tachs.'  Sicher 
1531.  ,Terga  defossi  verbere,  der  rugk  i.st  inen  von 
streichen  übel  zergengt  und  zerhacket.  Infecta  facere, 
das  gemacht  ist,  widerumb  z.  und  zenüte  machen. 
Equi  sine  calceatu  fatiscunt,  .sy  zergengend  die  füess 
übel.  Artus  digerere,  auflösen,  verzeren,  z.'  Fris.; 
Mal.  ,Chor-  und  Gesangbüecher  mchrteils  zerrissen 
und  vergängt,  als  unnutz.'  HBull.  ,Helvetierland 
ward  übel  zergengt  und  verderbt  mit  Nam,  Brand  und 
Todschlag.'  JJEtiEGER  1606.  ,0b  die  Weid  unzergengt, 
die  Wasser  luter  und  unbetrüebt  den  Schafen  gelassen 
werdind?'  1617,  JJBreit.  ,2  Häuser  sind  übel  ver- 
gengt  und  erschüft  worden.'  1630,  Bossh.-Goldschm. 
.Reformieren  heisst  ein  abganges,  vergengtes  und  ver- 
wüestets  Wesen  verbesseren.'  JJBreit.  1640.  .Dem  An- 
dern Trauben  abhauen  und  das  Seinige  z.,  g'schänden 
ald  verwüsten.'  Z  Mand.  1676.  .Unterhalb  hat  es  alle 
Wuhr  vergängt,  die  Strass  weggerissen.'  1762,  Tagwenb. 
GLSchwand.  S.  noch  zer-schleizen,  -strielen  u.  Fuerung 
Bd  I  976.  —  2.  intr.  =  gangen  3  B;  „LE." 

Mhd.  ergengen,  Z.B.  das  Feuer;  ver-g.,  zum  Vergehen 
bringen  (s.  unter  vergän) ;  zerg.  =  zer-gän  machen,  zerstören. 
.Zergantent'  Bd  I  392  s.  v.  Unir  wird  wie:  ,Zergent  (ab- 
gaugen  und  bawlos).'  1649,  Hotz,  Urk.,  auf  Flüchtigkeit  oder 
Missverständniss  beruhen. 

Gänger  m.:  1.  Gänger  (wie  nhd.),  bes.  in  Compp. 
Fuess.Cr.  usw.  Prägnant  i.  S.  v.  gän  1  a  (Sp.  1):  wer 
schwierige  Wege  leicht  begehen  kann  UwE.;  vgl. 
Läufer.  —  2.  ,Ein  G.,  cheval  de  pas.'  DeLacoür  1736. 
Vgl.  nhd.  .Passgänger'.  —  3.  =  Vorgänger  1.  Kinder, 
die  den  Hochzeitreihen  führen  Th  (Pup.).  —  4.  (Gän- 
gerlij  Fuss,  in  einem  Rätsel  von  der  Kuh  Gr  ObS.  (B.). 
—  5.  Parteigänger.  .Töufisch  G.  und  Anhänger.'  XVI., 
Z  Mand.  —  6.  Landfahrer,  Hausierer,  Vagant.  ,Es 
kommt  dein  armuet  wie  ein  g.'  1560,  Prov.  ;  dafür 
1531:  ..strassenröuber';  1667:  ,Reisender'.  ,So  sind  in 
eueriu  Land  Quacksalber.  Schmierer,  G.  (die  man  Hau- 
sierer nennt)  des  Ungemachs  Anfänger.'  RGwerb  1646. 
Vgl.  Gängler.  -  7.  =  Wiss- Fisch  (Bd  1  1105)  bei 
JLCys.  1661,  neben  den  Synn.  Gänger,  ,Gang-'Hasel. 
Vgl.  noch  ,Gang-'Fisch. 

Über-:  starker  Mann,  bes.  ein  siegreicher  Schwin- 
ger BO.    —    Zu    üher-gan  S  d,   Sp.    12. 

Uf-:  ein  aus  Mehl,  Milch  und  Eiern  im  Ofen  gc- 
backoner  Kuchen  Ap.  üyn.  Ofen-Küechli.  —  Zu  uf-gnnla: 
vgl.   Jyuiz-,  Juck-nf  und    V/Juek. 

Um-:  1.  Patrouille  Th.  —  2.  „Magistratsperson, 
die  den  Umaang  (s.  d.  1  ß)  zu  machen  hat  Th."  .Ein- 
mal wurde  der  Zuchtvater  N.  N.  auch  constituiert  [vor 
Rat  beschieden],  weil  die  Herren  U.  des  Sonntags 
Morgens  während  der  Predigt  ein  unruhig  und  stür- 
misch Wesen  in  der  Zuchtstube  bemerkt  haben.'  Z 
Wthur.  Neujahrsbl.  1871.  —  3.  Armer,  der  i.  S.  v. 
Umgang  1  aZ,  von  Haus  zu  Haus  Verpflegung  und  Her- 
berge erhält  B;  L.  ,U.,  pauper,  quem  vicani  alter- 
natim  nutriunt.'  Id.  B.  ,Ein  armes  Umgänger-Mensch.' 
B  bist.  Kai.  1775.  ,Was  doch  Eisi  für  einen  Zorn 
verwerchete  über  die  Kudermannleni  [Bauern],  die 
ihns  behandelten  wie  eine  U-in.'  Gotth.    Syn.  Keri-G. 

Ein-:  Wildeber,  der  allein,  nicht  im  Rudel  lebt, 
.Einsiedler'   S   (Jagdausdruck).  —   Vgl.  frz.  mngller  aus 


359 


gong,  ging,  gong,  gung 


300 


Under-Gänger:  wer  bei  einem  Undergang  mitzn- 
■wirken  hat,  Flurrichter.  Syn.  Gescheid- Herr.  ,Da  lüt 
irrig  werden  von  undergängen  wegen,  soll  man  in  yedem 
viertel  die  verordneten  u.  darzue  wyson  und  sy  heissen 
undergan,  wo  da  span  ist.'  1516,  Schw  LB.  Einige 
Güter  seien  mit  den  U-n  rechtlich  von  dem  Hof  Krie- 
sern  gekommen  [von  demselben  durch  Rechtsspruch 
der  U.  abgetrennt  worden].  1545.  Absch.  ,Obwohlen 
die  Meinung  vorgefallen,  wann  ein  Sach  [vom  Neuner- 
oder Fünfer-Gericht]  zum  Undergang  erkennt,  dass 
die  U.  nit  mehr  von  den  Parteien,  wie  bishar,  sondern 
von  MGHH.  erwcUt  werden  sollen.'  1649,  Gl  Satzung. 
Obmänner  waren  in  Ap  (bei  ursprünglich  4  Eecht- 
sprechern)  und  Gl  der  Landammann  oder  sein  Stell- 
vertreter (der  Landweibel).  1711  ernannte  evangelisch 
Gl  für  sich  ein  besonderes  Gericht  (s.  Augenscheins- 
Gericht,  -Richter),  während  bei  .katholischen  und  ge- 
mischten Undergängen'  die  alte  Übung  bis  1798  fort- 
bestand. 

Vor-:  wer  voran  geht.  ,Diser  herr  Christus  ist 
unser  v.,  fuerer  und  houpt.'  1536,  Absch.  ,Ein  keln- 
hofer  [soll]  lut  synes  amts  und  eids  ein  gmeiner  uf- 
seher  und  v.  aller  huoberen  und  ein  flyssiger  schirmer 
aller  des  stifts  gerechtigkeiten  syn.'  1564,  Hotz,  Urk. 
,Ein  guter  V.  macht  einen  guten  Nachgänger.-  AKlingl. 
1688.  Spec.  wer  bei  Hochzeiten  und  Leichenbegäng- 
nissen dem  Zuge  vorangeht;  im  ersten  Falle  die  kleinen 
Geschwister  (V-li)  des  Brautpaares  Th.  Nach  der  Gl 
Ehegerichtsordn.  von  1638  mussten  geschwängerte 
Bräute  ,in  aller  Einfältigkeit,  ohne  V.  und  einige 
Pracht'  zur  Kirche  gehen.  .Bei  den  Brautleuten  mag 
eine  Braut  nicht  mehr  als  8  Paar  V.  und  lauter  ehr- 
bare Frauen  haben.'  1683,  ApA.  Verordn.  —  Vor- 
Gängeri":  1.  entsprechend  dem  männl.  .Vorgänger' 
bei  Hochzeiten.  ,Bei  andern  Hochzeiten  werden  be- 
sondere Brautführer  und  V-nen,  die  nur  Jungfern  sein 
dürfen,  eingeladen.'  GLHartm.  1817.  —  2.  Pflegerin 
der  Wöchnerin  und  des  Neugebornen.  oft  zugleich  die 
Amme  Aä;  Bs;  B  (Zyro);  L;  Z.  ,Ir  v.,  die  hinket 
Margret.'  ARypf  1597  [wo  von  einem  3  Monate  alten 
Kind  die  Rede  ist].  .Allen  Hebammen.  Vorgängerinnen 
usw.  notwendig  zu  wissen.'  FWürz  1634.  .Wie  sich 
die  Wehemüttern  und  Vorgängerinnen  gegen  schwan- 
gern Weibern  in  der  Geburt,  gegen  den  jungen  Kindern 
aber  nach  der  Geburt  zu  verhalten  haben.'  JMuralt 
1697  (Titelbl.).  .Hebamm,  Pflegerin  und  V.'  JJUlr. 
1727.  Syn.  mit  .Wickelfrau.'  L  Hebamnienordn.  18U9. 
S.  vorgän  Sp.  28. 

Gasse"-:  1.  Müssiggänger  U.  —  2.  (auch  Gass-) 
Sommerrock  Ap. 

2  eig.  Umd.  aus  frz.  casaquin,  kurzer  Sommerrock,  das 
viell.  zunächst  in  der  schwäb.  Form  Gassgäng  Eiugang  fand; 
viell.  diente  als  Vermittlung:  gaesatum  gan,  spazieren  gehen. 

Here"-.  Äerre'-Gänger.  -Gäner,  bezw.  -i": 
Knaben  und  Mädchen,  die  den  Konfirmationsunterricht 
besuchen,  zum  Here  [Geistlichen]  gönd  Ap;  GT.  — 
Jär-:  Altersgenosse  vom  gleichen  Geburtsjahre;  s.  Jär- 
Gang  u.  Järgänger-  Verein  Bd  I  276.  Was  sind  Ihr  für 
en  J.,  wann  seid  Ihr  geboren?  Z.  Vgl.  gän  Sp.  1.  — 
K e r i -  =  Um-Gänger  3  AaHoIA.  -  Kirch  CChilchfeJ-, 
Chille")-:  Kirchgänger,  allg.,  doch  s.  Kilcher.  Prägn.: 
ein  fleissiger  Kirchenbesucher  Z.  —  Kost-:  wie  nhd. 
allg.  De^  Herrgott  hat  doch  allerlei  für  Ch.,  wunder- 
liche Heilige  Z  (RA.,  um  verkehrtes  Tun  zu  kenn- 
zeichnen). 8yn.Tisch-G.  Scherzh.:  Eingeweidewurm  Aa. 


—  Verlaub-:  Beauftragter,  der  die  Erlaubniss  (.Ver- 
laub') hat,  im  Lande  herum  Werbungstruppen  zu  ge- 
winnen. .Im  Fall  ein  Hauptmann  seinen  V-n  den 
Auttrag  machen  würde,  ihrae  einen  oder  mehrere  Mann 
zuzuführen  oder  anzuwerben,  soll  er  jeder  solcher 
Person  ein[en]  Schein,  in  welchem  er  sich  auf  das 
oberkeitliche  Patent  bezieht,  zustellen.'  1772,  Z  Wer- 
bungs-Mand.  —  Liehe"-:  Teilnehmer  an  einem  Lei- 
chenzuge AaWoW. 

Müessig-:  1.  wie  nhd.  —  2.  im  Mittelalter  in 
den  Städten  diejenigen  Reichen,  welche,  um  leben  zu 
können,  nicht  nötig  hatten,  um  der  Ausübung  eines 
Gewerbes  willen  in  eine  Zunft  sich  aufnehmen  zu 
lassen.  Gegs. :  die  icerbende  Hand.  Um  anderer  Vor- 
teile willen  traten  in  Bs  manche  ,M.'  doch  in  die  vor- 
nehmem Zünfte  ein,  aber  nach  freier  Wahl;  denn 
.wer  keine  Hantierung  treibt,  darf  dienen,  wo  er  will.' 
(Ochs.)  —  müessiggängere":  zur  Unzeit  müssig 
gehen  B. 

Nebe(n)t-  (bezw.-i»):  Brautführer  (-in)  BBe..  Hk. 
.Das  Hochzeitspaar  schreitet  in  den  Talgrund  zur 
Kirche,  die  Braut  zwischen  2  N-innen,  der  Bräutigam 
zwischen  2  N-n.'  JRWvss  1817. 

Nä(ch)-:  1.  Angestellter  bei  einem  Seidenfabri- 
kanten, der  den  Seidenweberinnen  von  Haus  zu  Haus 
nachzugehen  hat.  um  ihre  -\rbeit  zu  controlieren  Z. 
Syn.  Tuech-Geschauer ;  Anrüster.  —  2.  Freier  B  (It 
Id.  B).  —  .3.  im  XVIII.  die  Söhne  der  Offiziere  bei  der 
GStdt-Miliz.  da  sie  bei  den  Musterungen  hinter  ihrem 
Vater  her  paradierten.  .Die  Offiziere  schritten  einher 
in  rothen  Hosen  mit  grossem  Speer,  und  junge  Söhne 
noch  hintendrein;  man  nannte  sie  nur  Nachgänger- 
lein.' 6  Zustände  1860.  —  4.  halbjährlich  zur  Unter- 
suchung von  Verbrechen  bestellte  Richter  (meist  die 
jüngsten  Ratsglieder),  Verhörrichter  Z  f.  .Wenn  ein 
todschlag  geschieht,  sollend  allhie  in  der  statt  die  ie 
zun  zyten  zwen  geordneten  n.  alle  die  personen,  so 
darby  gewesen,  bim  eid  in  kundschaftswyse  verhören 
und  derselben  sagen  in  gschrift  verfassen  lassen.' 
1578,  Z  Gerichtsb.  (s.  .Nach-Gang').  .UGnH.  habent 
sonderbar  N.  verordnet,  welliche  den  Spileren  nach- 
fragen und  die  Buossen  abnemmen  werdent.'  1616, 
Z  Mand.  .Zue  Ufsecheren  und  N-en  verordnet.'  ebd. 
,Jeweilen  hat  ein  Maleficant  selb.st  zu  einem  Seel- 
sorger ein  bessers  Vertrauen  als  zu  den  oberkeitlichen 
N-cn.'  JMey.  1694.  ,Zu  N-en  oder  Criminal-Examina- 
toren  verordnet.'  Simler-Lcu  1722.  ,Die  Hartschiere 
haben  die  Aufträge  zu  verrichten,  welche  ihnen  von 
den  N-n  erteilt  werden.'  1787,  Z  Ges.  —  5.  N-in  = 
Vorgängerin  2  L.  ,Es  musste.  nachdem  die  N-in  nicht 
mehr  kam.  eine  Kindsmagd  zu.'  —  Zu  5  vgl.:  .Gleich 
wie  ein  Magd  oder  N.  nachgefolget.'  Luth.  Katzenkrieg. 

Seil-:  Seiltänzer.  Im  XVII.  in  Z  Mand.  neben 
allerlei  Gauklern  häufig  genannt,  indem  die  Wirte 
ihnen   keine  Herberge   gewähren    sollten.  —  Vgl.  lat. 

fitnamhuhm. 

Schlaf-:  wer  bei  fremden  Leuten  gegen  Entgelt 
ein  Schlafzimmer  mietet  Z.  —  Schwabe"-:  Knaben, 
welche  sich  nach  Oberschwaben  verdingen  Gr.  — 
Stadt-:  ärmere  Leute,  welche  vom  Lande  her  täglich 
regelmässig  in  die  Stadt  dem  Bettel  nachgiengen. 
1785.  Z.  -  Tisch-:  =  Kost-G.  .Diewyl  ich  denn  stets 
vil  t.  hatt.'  ThPlatt.  1572.  ,Dise  Rechnung  ist  sonder- 
lich kommlich   denen,   die  T.  setzen    oder   zu  Ti.sche 


S61 


Gang,  geng.  giiiK.  S'J'ig.  gung 


302 


gehen.' JBEscH.  1685.  —  „Wild-:  geübter, gewandter 
Berg.steiger,  der  schwindelfrei  in  der  ,Wildi'  geht  BO." 

gängerle":  1.  =  gängelen  2  Bs.  —  2.  einen  un- 
gchor-samen  Bürger  ins  Gefängniss  führen  Bs  (Spreng). 

g'gänget  =  (7ä«gij>  6  Z. 

gängig:  \.  :=  gäng  1  a.  ',G-e  pfand,  d.i.  ross, 
vech,  schaf,  geissen.'  LE.  Landr.  ,Säge,  welche  wegen 
Mangel  an  Wasser  nicht  g.  ist.'  1565,  Absch.  — 
2.=  gäng  1  b  Aa;  Bs;  B;  L;  W.  ,Was  bringt  ihr 
Neus?  ist  wohl  die  erste  grosse  Weltfrage  [an  neue 
Gäste],  wird  g.  sein  zwischen  dem  Kaukasus  und  den 
Pyrenäen  allüberall.'  Gotth.  .Sitten  und  fragen,  so 
bei  den  Juden  g.  sind.'  1560,  Apostelgesch.  ,Ven- 
dibilis,  usualis,  g.,  verkäufig,  bräuchig.'  Denzl.  1677; 
1716.  S.  noch  gihig  Sp.  96.  —  3.  =  gäng  1  c  a— y 
Aa;  Bs;  B;  L;  S;  Uw;  Z.  E  g-C  Purst,  ein  flinker, 
rteissiger  Bursche  AaF.  E  g-s  Chalb,  das  sich  leicht 
führen  lässt  BSi.  Daher  u"-g.,  mit  schlechtem  Gang- 
werk versehen  Aa.  E  ti'g-e''  Wage",  ein  schwer  gehen- 
der Uw.  —  4.  das  Gehen  erleichternd;  von  Schuhen, 
in  denen  man  leicht  geht  ß;  en  g-e''  Wind,  ein  sol- 
cher, bei  dem  sich's  auf  dem  See  leicht  segeln  lässt, 
M"f/-c  ir.,  Gegenwind,  der  das  Schiff  aufhält  ZS. 
(Spillm.).  —  5.  =  gäng  2  B;  Uw;  U;  Z.  ,G-er  Weg, 
via  frequens.'  Denzl.  1G77;  1716.  —  6.  Spuren  der 
,Gänge'  zeigend  (s.  Gang  2  d);  ein  durch  das  Xn- 
winden  verschuldeter  Fehler  des  Seidengewebes,  wenn 
die  G.  nicht  sorgfältig  auf  den  Baum  geleitet  werden  Z. 
Syn.  g'gänget.   —  Mhd.  gengec  =  gengc. 

ab-:  abgehend.  1.  vom  Schauplatz  abtretend,  aus 
dem  Leben  geschieden.  , Erledigte  Stellen  wurden  erst 
dann  besetzt,  wenn  sich  die  Zahl  der  A-en  bis  auf  8 
vermehrt  hatte.'  Gem.  Aa  1844.  ,Diewyl  der  mensch 
a.  ist  und  unblyblich  in  disem  zergengklichen  wesen.' 
1491,  UwE.  Jahrz.  —  2.  unbrauchbar  geworden  Uw; 
in  Abgang,  aus  der  Mode  gekommen  L;  Sch;  Uw. 
Im  S.  V.  abgän  1  c:  ,A.  gewordenes  Vieh  (ein  Keib) 
ist  von  Stund  an  zu  verlochen.'  1662,  AAWeist.  An 
Wert  und  Geltung  abnehmend  Th;  Syn.  ahgänd(ig) 
Sp.  10.  —  3.  verkäuflich.  Sulgeb.  ,A.,  das  einen  ab- 
gang  oder  kauf  hat,  vendibilis.'  Denzl.  1677;  1716. 
—  über-:  von  einem  Übergang  i.  S.  v.  3  befallen  W. 
Syn.  zufig.  —  an-:  ansteckend  (von  Krankheiten)  W. 
Vgl.  angän  1  f.  —  irrs-  s.  Irr-Gang.  —  „feld-:  eben, 
flach,  von  einem  Stück  Land  B."  —  letz-:  nicht  regel- 
recht verlaufend,  von  den  Jahrringen  am  Holze  Uw 
Sax.;  vgl.  wind-gäng;  Gags,  gesehlacht.  —  müessig- 
=  müessig-gäng.  ,Hierumb  redend  wir  nit  von  gleichs- 
neten  glauben,  der  1er,  m.  und  tod  ist.'  IL  helv.  Conf. 
1566/1644.  ,M.  Vieh'  im  Gegs.  zu  ,Bruchvieh'  (s.  d.). 
1671,  Offn.  AAKadelb.  —  ,nä<^''-  (resp.  gängelig):  vom 
Wein,  s.  näch-gängelenBO.''  -  weid-:  1.  dem  Weid- 
gang (s.  d.)  geöffnet.  ,W.  machen',  (ein  Stück  Land) 
dem  Weidgang  öffnen.  1772,  Mei.,  Wetz.  —  2.  auf 
dem  W.  begriffen,  das  Recht  zum  W.  habend,  vom  Vieh. 
,Vieh,  das  der  4  Gebresten  einen  hat,  soll  man  über 
keine  Weide  treiben,  wo  anderes  w.  ist.'  1662,  Aa  Weist. 

Gängler  m.:  l.  =  Gänger  6.  ,(Recht  der  Fremden.) 
Man  soll  gegen  keinem  g.  um  an  keinen  einung  kom- 
men.' ca  1500,  Obw.  ,Man  soll  keinem  bettlcr,  als  die 
g.,  die  da  mit  buessen  und  briefen  gand  [Beisteuern 
an  Bussengelder  oder  an  Brandbeschädigung  suchen; 
s.  .Brandbrief'],  nüt  vom  land  geben.'  ebd.  In  der  Lit. 
des  XVI.  f.  unter  den  .Landfarern'   sehr  oft  genannt. 


bes.  in  den  Z  Bettel-Mand.  und  den  Absch.  (v^l.  z.  B. 
IV  1  c,  r280;  V  1,  136;  V  2,  '281).  —  '2.  der  Leit-  od. 
Endfaden  in  einer  Garnsträhne,  der  einmal  gefunden 
(am  Under-Bund,  wo  er  befestigt  ist)  möglich  macht, 
ohne  Verwirrung  des  Garnes  bis  zu  Ende  zu  haspeln 
oder  zu  winden;  das  Fadenende  auf  einer  Garnspule 
Bs.  Den  G.  findet  das  Lehrmädchen,  wenn  es  im  ver- 
worrenen Strickgarn  sich  wieder  zurecht  findet.  Spreng. 
Syn.  den  Faden,  Gängling,  dag  Trumm  finden.  Bildl. : 
in  einem  misslichen  Geschäfte  Auskunft  erlangen,  den 
Ausweg  finden.  Im  G.  si",  im  Gange  sein,  seinen 
Fortgang  haben,  mit  einer  Arbeit  fortkommen.  Wo 
si  [die  Tabakspfeife]  tvider  ist  in  G.  [in  gehörigen 
Gang  und  Stand]  fco".  Met.-Mer.  1860.  Nöchen  isch 
Alles  in  's  G'leis,  in  G.,  'ko"  Bs  (Schwzd.). 

Gänglete"  f.:  (coli.)  Gewirr  von  Gängen  (s. 
Gang  3).     Das  ist  e"  G.  i"  dem  Hus  umme'  Z. 

gänglich;  fortdauernd,  ununterbrochen.  , Und  der 
zuoldul'  i;.n(klirh  der  Eidgnossen  was.'  Edlib.  Als 
Adv.:  in  Kiii.'in  fnit.  .Also  Hess  der  herzog  nüt  ab, 
er  scluiss  gcncKchen,  an  underlass,  in  die  statt.'  ebd. 
,Und  kam  auch  g.  MHH.  vil  lüten  vom  see  zue.'  ebd. 
Syn.  gäng.  —  W\i.  gmclich,  vergänglich;  g.  tcerdm,  Fort- 
gang haben. 

un-ab-gänglich:  keinen  , .Abgang'  zulassend,  von 
beständiger  Dauer.  ,Dem  [Bündniss]  zuo  unabgängk- 
lichem  fundament.'  1480,  Absch.  —  um-:  gesellig, 
leutselig  (im  ,Umgang')  Bs;  Z.  ,Dass  die  Wirtsleute 
reputierlich,  u.  seien,  dass  sie  ihm  ablosen,  bis  er  all 
seines  Herzens  Freude  oder  Schmerz  ausgesprochen 
hat.'  Breitenst.  1860. 

ver-:  leicht  in  die  Irre  führend,  von  Wegen  Schw. 

—  S.   vergäll    1   Sp.    27. 

hinder-:  ärgerlich,  verdriesslich  Gl.   —  .S.  kiiukr- 

gän  1  c    Sp.  30. 

zer-:  vergänglich,  eitel,  nichtig.  Häufig  im  XVI. 
bis  XVUL,  neben  ver-g. 

Gängling  m.:  1.  =^  Gängler  2  AAFri.;  Bs.  ,Aber 
wenn  die  Seide  böse  ist,  wenn  sie  durch  einander  ge- 
werchet  ist  wie  die  Dornen  einer  Laubhecke,  wenn 
man  mit  allem  Lieb  und  Leid  keinen  G.  zu  finden 
vermag.'  Breitenst.  1860.  De''  recht  G.  finde",  den 
Faden  zu  einem  Gespräch  f.,  dasselbe  in  Fluss  bringen 
Bs.  iiider  sHbmol,  wo  si  mit  enander  z'  Gvatter  g' stände" 
si',  het  die  Bekanntschaft  erst  de"  recht  G.  übercho" 
BsL.  (Hausfr.  1886).  —  2.  Gang,  Gewohnheit  des  Ge- 
hens, z.  B.  in  Beziehung  auf  den  Kiltgang  Bs.  Wo 
hett-er  der  G.  anne?    Antw.:  Zu's  Heiri's  Bösi. 

Syn.  Leich,  Strich.  Auf  die  Bildung  und  Form  dos  \V. 
mag  Nüdling  eingewirkt  haben. 

Gade-Gang,  Dim.  Gade-,  Gäde-Gängli :  am  Hinter- 
haupt mit  einer  Schnur  zsgefasstes  Haar  (ohne  Beutel), 
männliche  Frisur  im  XVIII.    ZStdt  f.   —  Frz.  c'dogan. 

Gangel  I  Gay,^  GlS.,  Gä-IL;  Schw;  Zg,  Gäng  Gl 

—  m.:    Taufn.,  Wolfgang.    Gengel  auch  Geschln.  Gr. 
Gangel  U  ScuNk.,  Gängel  II  Aa  —  m.:  grosser 

arbeitsscheuer  Mensch  AASeet.  Ein  leichter  Schimpfn. 
Sch.  —  Wahrsch.  der  mit  I  bezeichnete  Personenn.  .ippellativ 
verwendet;  doch  vgl.  auch  Gänger  6,  (längler  1  und  Oangycl, 
Gänggel. 

gängelen  s.  ganggelcn  2. 

Gangeli:  Maschinengewebe  7A).  —  Vii-ll.  aus  ^/i«./"",'/ 


Gang— giing.    Gangg— ginigg 


gäng  in  der  Zsstellung  schnäderi-g.-g. :  Nachahmung 
des  Trompetentones  Z.  Als  Subst:  unausstehlicher 
Schwätzer  Aa. 

gängele"  II:  mit  einer  kleinern  Glocke  vorläufig 
auf  den  bevorstehenden  Gottesdienst  aufmerksam  ma- 
chen ZFlaachtal.     Syn.  klenkm.     Vgl.  ginggelen  2. 

Gingang  m.:  kleingewürfeltes  Baumwollgcwebe ; 
Indienne  Aa;  Ndw;  Z;  auch  Bezeichnung  von  leichtem 
Gewebe.  Einst  feiner  Stoff  zu  Damensomraerkleidern 
ZStdtt-  Syn.  Guntellne;  Gehüslets.  Dazu  das  Adj. 
gingangig,  -gängig. 

Frz.  guingamp,  im  Garn  gefärbtes  Zeug  (nach  der  Stadt 
Guingamp  benannt). 

Gingeligang:  1.  das  Hin-  und  Her-Schwanken,  Bau- 
meln. Mit  Jmdm  G.  mache",  ihn  hängen  Sch.  Wenn 
ihr  de'  Lüte'  e  Ding  diiend  ne':  Es  könnt  Gingi- 
gangeli  ge  [so  könntet  ihr  an  den  Galgen  kommen]! 
Eliata  1762.  —  2.  Giyeligägeli,  leerer  Klingklang  ZB. 

Iterativbildung  mit  Ablaut,  das  Hin-und-Her  (und  an  kein 
Ziel  kommen)  malend. 

Gungang  m.:  1.  Perpendikel  ZEfz  (Kdrspr.).  — 
2.  (dim.)  Gungängeli  n.,  kleine  Quaste?  Nur  in  dem 
Kinderliedchen:  D'  Mueter  hed  es  Chindli  g'funde', 
's  ist  mit  Silber  und  Gold  umwunde',  's  hed  es  goldi's 
ScheUeli  a'  und  es  rots  Gungängeli  d'ra'.  —  Vgl.  die 
vorhergehende  Anm. 

Güngcr  m.:  =  Gänger  7  „Ap;  G;  Zg".  mit  wel- 
chem es  im  Ablautsverh.  stehen  könnte;  vgl.  mhd. 
gung  als  unregelmässiges  Prset.  von  gän. 

Gueng  =  Gvieg  GlMoII.  —  Mit  uuorgauisoh  aufge- 
stiegenem Nasal. 


Gangg  (d. 

S.  auch   di( 


Reihe   Ganf)  usw. 


Ganggel  Aa  tw.;  B  (Si.i-);  FMu.;  LE.;  S,  Gänggel 
AAtw.;  Bs;  L;  GG.;  Uw;  W,  nach  vereinzelten  An- 
gaben aus  B  und  S  auch  -yg  —  m.:  1.  kindischer, 
närrischer,  tändelnder,  gedankenloser  Mensch,  Mensch 
ohne  Mut,  Kraft,  Geschicklichkeit,  Ernst;  schwer- 
fällige Weibsperson  B;  L;  GG.;  S;  „Z".  Syn.  GäggfelJ 
(Sp.  168) ;  Gäuggel;  Ginggel;  Hauderihau.  F''  bi"  selb 
Mal  e"  junge  G.  g'sl".  MWalden.  De""  guet  G.  [Tropf] ! 
Bis  hei  G.,  sei  kein  Tor!  Auch  auf  spiellustige  Tiere 
angewendet  B.  Dim.  Ganggeli,  Gä-,  leichte  Schelte 
oder  Schmeiehelname  für  junge  Personen  aaO.,  „noch 
kindisches,  spielendes  grösseres  Mädchen  Vw;  Zs;  Z." 

—  2.  Gänggel,  Flurn.  ScnEüdl. 

Von  gimggen,  s.  d.  1  bezeichnet  demnach  zunächst  einen 
Menschen  mit  unsicherem  Gang,  mit  energielos  baumelnden 
Gliedern;  ygl.Gamj^Ie:  gampc7i;  Schlamp :  schlampen ;  Schlangg: 
Schlanggen.      2   viell.   nach   einem  Besitzer  benannt. 

ganggele"  B,  ganggle"  Aa;  Bs;  B;  F;  Gr;  Sch; 
S  (gängle);  W,  gatjde  ZEfz:  1.  unsichern  Ganges  mit 
hängenden  Gliedern  hin  und  her  schwanken,  schlaff 
einher  schlendern  Aa;  L;  Sch;  ZEfz.  Syn.  schlampen. 
Es  la'  g.,  gleichgültig  Alles  gehen  lassen,  wie  es 
mag  L.    En  Gangili,  Mensch  mit  solchem  Gang  ZEfz. 

—  2.  närrisch,  dumm  tun  od.  reden,  kindisch  spielen, 
sich   im   Scherze    raufen;    schäkern;    seine    Zeit  mit 


unnützen  Dingen  zubringen;  müssig  herumstehn  B; 
FMu,;  S;  W.  Syn.  gaugglen;  gallen.  Er  macht  Nüt 
i"  der  Schuel  als  g.  Cha'"st  du  Grösse''  na  [noch] 
jso  g.?  Sich  unanständig  geberden  S.  —  ver-:  ver- 
tändeln, verscherzen  B.  ,Sie  v.  ihre  Seligkeit  mit 
Taten  und  mit  Worten  gleichgültig  und  leichtsinnig.' 
GoTTH.  Auch  refl.  B.  a)  sich  leichtsinnig  mit  Gaffen 
und  Schwatzen  versäumen.  ,Wenn  es  ein  Manne"bein 
antreffe,  wäre  es  im  Stande,  sich  einen  ganzen  Tag 
zu  V.'   GoTTH.,  XXI,  235.  —  b)  sich  verlieben. 

Ganggeier  m.:  läppischer  Mensch  B. 

gangg(e)lig:  1.  läppisch,  einfältig  Aa;  BU.;  S. 
—  2.  wacklig  Z  (g'gangglig). 

GänggeTöri  Th,  Ganggelüri  B  m.:  Narr,  Pos- 
senreisser  ThHw.  Einfältiges  Mädchen  oder  Kind  B; 
Syn.  Fandudeli. 

Die  erstere  Form  lässt  an  Zss.  mit  einer  Abi.  von  ,Ohr' 
denken  (vgl.  die  Zssen  Bd  I  415  ff.)  und  sich  auf  die  alte 
Narrentracht  mit  den  langen,  wackelnden  Eselsohren  beziehen. 
Vgl.  auch  das  Syn.  Galöri  II,  das  wir  (doch  nicht  mit  Ent- 
schiedenheit) in  Gall-löri  getrennt  haben ;   ferner  Gagge-Lari. 

gangge",  g'g-:  schwanken,  z.B.  von  einem  Tische 
auf  unebenem  Boden  Th.     Syn.  gampen. 

Könnt«  Nbf.  zu  glanygen  sein;  s.  Gr.  WB.  V  952  d.  e; 
s.  auch  ginggen.  Doch  wahrscheinlicher  ist  es  eine  Intensiv- 
bilduug  aus  ,gang',  d.  i.  ,gehen'.  Auch  gäggen  Bd  I  166 
ist  zu  erwägen. 

ganggele",  seltener  gänggle":  1.  tändeln,  ar- 
beiten ohne  Eifer  und  Erfolg,  langsam  tun,  sich  mit 
unnützen  Dingen  abgeben,  spielen  wie  die  Kinder  Aa; 
Bs;  L;  Sch;  S;  Tb;  Uw;  Z.  ,Parva  tractare.'  Id.  B. 
An  Öppisem  umme'  g.  Er  hat  sin  Bueb  g'rad  so 
erzöge',  uie-n-er  ist :  er  hät-e'  nu""  lo'  g.,  lo'  tue'  und 
mache",  was  er  gern  hat  wolle'.  Stütz.  —  2.  Geld  für 
unnütze  Dinge  ausgeben  B;  FMu.  ,G.  statt  das  Nötige 
sich  anzuschaffen.'  Gotth.  —  3.  naschen,  leckere  Sa- 
chen schmausen,  statt  mit  der  gemeinen  und  gesunden 
Kost  vorlieb  zu  nehmen  FMu.  —  4.  „im  Gehen  zappeln, 
kurze  schnelle  Schritte  machen  L;  Z."  Wackelnde 
Bewegungen  machen,  wie  z.  B.  das  Gewichtsteinchen 
einer  Weckeruhr  beim  Ablaufen  Z.  Tun,  als  ob  man 
schreiten  wolle,  ohne  doch  vorwärts  zu  kommen  GEh. 

Zu  der  Begriffsentwicklung  aus  der  Grundbed.  von  gangglen 
dürfte  der  Anklang  an  ,Qnincaillerie'  (s.  Gänggeliwär)  mit- 
gewirkt haben.  Doch  s.  auch  das  syn.  gäggden  II  (Sp.  169). 
4,  das  sich  allerdings  aus  1  entwickeln  lässt,  könnte  auch 
als  eine  Abi.  von  .Gang'  erklärt  und  als  bes.  W.  angesetzt 
werden.      S.   auch  ginggelen. 

ver-:  vertändeln;  verscherzen,  sein  Geld  unnütz 
ausgeben  Bs;  B;  Gr;  Sch;  Uw;  W;  Z.  , Minutiis  per- 
dere.'  Id.  B.  Syn.  ver  -  guggäggen  Sp.  166,  -görglen, 
-lalen,  -bamperlen,  -plämperen,  -blöterlen. 

Ganggele"  f.:  lange,  hagere  Weibsperson  GWe. 
Syn.  Gampele,  Gägele.  —  In  dem  W.  liegt  der  schlaffe, 
wacklige  Gang  ausgedrückt. 

Gänggeier,  Ganggeli  m.:  Tändler;  schlechter 
.Arbeiter  Sch;  Uw.  Schleicher,  Umständemacher  GEh. 
Syn.  Gäggeler  Sp.  169.  Einer,  der  zum  Gelde  nicht 
Sorge  trägt  FMu. 

gänggelig  Bad. Wies.,  gängglig  Z,  gänggilich 
Sch,  gänggerlig  AAEhr.:  1.  tändelhaft,  langsam, 
läppisch  Sch;  Z.  --  2.  vertändelt,  wertlos,  unbedeu- 
tend, klein  ScuSt.  —  3.  blöde  im  Magen  mit  Eeiz 
zum  Erbrechen    Aa;   Bad. Wies.     Es  ist  mir  g.     Syn. 


3t)5 


(iangg,  frengK,  giiigg.  gmigg.  g"ngg 


elend;  (ferijaelig;  (jäggelig.  —  3  ist  wohl  nur  (.■inu  Nl.r, 
zii   ijäijr,eUci. 

gänggerle":  1.  tändeln  Bs.  —  2.  tröilcln,  um 
kleine  Betläge  schachern  (von  Kindern)  Gl.  —  ver-: 

1.  =  vergänggelen  Aa;  Gl;  L;  U;  Z.  Um  zu  geringen 
Preis  hergehen  Bs.  Der  ledig  Stand  war  BaUeli  wert, 
uemme"-ne'  nit  v.  tat.  —  2.  verschachern,  um  Geld 
weggehen  Gl.  —  3.  vereiteln  GWe. 

Gingg  111.:  hüpfende  Bewegung  mit  einem  Fusse 
.\AWohl.  ISchhig,  Stoss  mit  dem  Fusse  von  Menschen 
und  Vieh;  Fusstritt  Aa;  Bs  (auch  mit  dem  Knie);  Z. 
Syn.  Kelling;  Stirz.  .Bekam  einen  G.  mit  dem  Schuh 
an  den  Bauch;  seine  Blase  platzte  und  er  musste 
sterhen.'  Z  Processakten.  Daher  übertr.:  eine  un- 
angenehme Lektion.  Ei"'m  en  G.  a'henTce"  Z;  vgl. 
ginggen  3;  Schlötterling.  , Dieser  G.  oder  Interpellation.' 
1869,  ZBül.  Volksfrd.     Schwung  heim  Turnen  Bs. 

Ginggel  I  —  PI.  Ginggle"  —  m.:  1.  etw.  Herab- 
hängendes und  Schaukelndes,  a)  beweglicher  Teil 
am  Ohrgehänge  Uw.  —  b)  penis,  von  Menschen  und 
Tieren  Bs;  L;  Schw.  —  c)  Kropf,  als  schwaiipelnder 
L.  —  d)  dira.,  Qitjgeli,  kleinere  Kirchenglocke,  mit 
welcher  die  Dorfbewohner  auf  das  folgende  Einläuten 
zum  Gottesdienst  vorbereitet  werden  ZHettl.,  Bill.  — 

2.  =  Ganggel  1.  Bes.  von  jungen  Leuten,  welche  sich 
zu  ernster  Beschäftigung  nicht  gewöhnen  wollen; 
junger  Mensch  mit  oberflächlichem  Sinn,  tändelndem 
Wesen;  Geck  Aa;  VOrte;  S;  einfältiger  Mensch  Aa; 
EU.;  ScBw;  e  narchtege  G.  —  3.  Sache,  die  mehr 
scheint,  als  ihr  innerer  Wert  ist,  etwas  Glänzendes 
für  Kinder  BGu.;  „Vw";  spec.  a)  meist  dim.,  Bildchen 
für  Kinder   BG.     Syn.  Taflen   und  s.  Ili   (Bd  I  179). 

-  b)  „schales  Geti-änke  L;  Uw"  It  St.  1.  A.  Syn. 
Gunggel.  —  Bei  3  a  scheint  Jas  frz.  quinmillerie,  Kurzwaare, 
mitzuspielen. 

Giri-:  reduplicierte  Nbf.  des  vorigen  W.,  nur  in 
dem  Spielreiiiie:  Girigiriginggeli,  schlüf  hie  WinlceU; 
GirigirigeiggcU.  va  u-itt,  das  i  hei  [was  willst,  be- 
hauptest du,  dass  ich  habe]?  Th  (Pupik.).  —  giri- 
gingg(e)le»  BHk.;  ,Vw;"  Zg,  „giringgle»  Vw", 
tschiriginggele°  Schw,  biribinggele»,  Biri- 
binggis  mache"  Aa:  Blindekuh  spielen.  Syn.  giri- 
gitzelen.  -  Mit  erweiterter  Red.  (vgl.  Giri-Gitz,  Bin-Bitz) 
aus  dem  Grundw.  gebildet. 

Schill-:  hämische  Benennung  eines  Schielenden  L. 
Vgl.  Sch.-Bingg. 

Heugade°-:  arge  Schelte  Uw.  Big.  Einer,  der 
sich  allenthalben  (in  allen  Heuscheunen)  auf  Unzucht 
herum  treibt.     Vgl  ginggelen  3.  4. 

gingg(e)le'':  1.  baumeln  Uw.    Syn.  gungglen.  — 

2.  (tw.  giygele)  kurze  Zeit  und  mit  einer  kleineren 
Glocke  läuten,  ,bingeln'  BE. ;  ZHettl.;  s.  Ginggel  1  d 
und  gängelen;  Syn.  klenken.  Klingend  sich  bewegen, 
von  Spielzeug   kleiner  Kinder;    Lärm   machen    B.  — 

3.  tändeln  Schw.  Das  ist  nur  g'ginggelet  =  gevätterlet. 
Syn.  giggelen.  Ver-,  liederlicher  Weise  verlieren,  ver- 
geuden, verpassen.  —  4.  umnie-,  sich  müssig  herum- 
treiben Schw;  Uw.  —  Ginggelei  (""")  f.:  unsolides, 
wenig   dauerhaftes   Zeug,   blosses   Spielding   ÜRChur. 

—  S.   noch  gtntj(jen  3. 

Ginggel-,  Gunggel-ore,  -ori(s),  „Gunge- 
role"  (Durh.):  Küchenschelle,  anemone  puls.  Scii. 
Syn.  Guggüche. 


lu  dem  ersten  Teile  des  W.  drückt  sich  wohl  die  Ver- 
;Ieichung  mit  einer  (herabhängenden)  Schelle  aus;  der  zweite 
Teil  lässt  wegen  der  Gestalt  der  Kelchblätter  eine  Deutung 
auf  .Ohren'  zu;  vgl.    Gamjgdori. 

gingge":  1.  beim  Sitzen  mit  den  Beinen  schlen- 
kern AAWohl.  Syn.  lüten.  —  2.  (auch  Hs-g.)  mit  dem 
Fusse  ausschlagen,  von  Rindern,  Pferden  und  Menschen 
Aa;  BsStdt;  ScH;  Z;  seitwärts  (versch.  von  schlän) 
AAEhr.;  nur  von  Rindern  ZElgg.  Syn.  kellen;  stirzen; 
stujifen.  Sf  bald  a's  s' ie-e  [sie,  die  Herren,  herein, 
in  den  Saal]  clio"  .sind,  händ-s'  d'  Hüet  ah'tö"  [vom 
Kopfe  genommen]  und  mit  de'  Beine"  g'gingget,  halt 
(irezis  wie  eusri  Lobe  [Kuh],  wenn  's  vil  Brem'e"  hat. 
Stütz.  Si  [die  Schiffe]  händ  prezls  g'ha"  wie  zwei 
Bei'  und  händ  denn  alliwU  so  g'gingget  mit.  ebd. 
Mit  den  Beinen  strappeln  ZO.  ,Der  eine  Hosenstoss 
[Hosenbein]  ist  so  verdreht,  dass  er  [der  Eigentümer] 
trotz  allem  Zappeln  und  G.  den  Durchpass  nicht  zu 
finden  vermag.'  Stutz.  Mit  allen  Gliedern  tätig  sein, 
zappeln,  eilig  tun  TuTäg.  ,Wer  auch  so  zappeln  und 
g.  möchte?  Man  werde  noch  fertig  mit  andren  Leuten.' 
Stutz  1853.  „Alle  Vier  ausstrecken,  eig.  mit  denselben 
zucken  (vom  Schlachtvieh  nach  erhaltenem  Streiche) 
Schw."  Eilig  laufen  SchwE.  Scherzh.:  , Ja  nun,  hun- 
dert Jahre  werd  ich  auch  nicht  mehr  g.'  Stutz  1854. 
Auch  tr..  Einen  mit  Fus.stritten  traktieren.  ABC 
Zingge,  de''  Lirer  het-mi'''  wolle'  g.,  het-mi"''  nit  'tröffe', 
denn  i"*  bin-em  vertloffe"  AARheinf.  Bildl.  u.  unpers. : 
Es  hät-en  g'gingget,  er  hat  einen  empfindlichen  Schlag 
erlitten  AAFri.  —  3.  hinken  Ar;  schwankend  gehen, 
baumeln  /,.  lüldl:  Es  ,/./,  liaprit;  es  hil  ,fij-t. 
schlu-  Irlil;  fs  nnin'f'l  iml-ni,.  -vlit  l.ci-ab  mit  ihm 
G;  Z.  S,  lunhl.  dr  lla,„hl  rhuni,  i/.  .IMI'mfui.  Syn. 
schlinggen.  —  4.  quengeln,  murrend  klagen,  (lialbliuit) 
weinen  Sch  u.  angrenzend  Z.  Syn.  gäggen;  trinaoi.. 
Vom  Sperling:  einzelne,  abgebrochene  Töne  von  sicli 
gehen,  wie  namentlich,  wenn  Regenwetter  droht  ZStdt. 
Syn.  binggen. 

Im  Ablaut  zu  ganggen  und  guiujglen  gebildet.  —  Zu  4 
vgl.  ginggelen  3  und  die  Anni.  zu  gigägen  Sp.  137.   Abi.  ginxen. 

Über-:    (refl.)    sich    überanstrengen    Z.    —    tis-: 

1.  intr.  a)  =  ginggen  3.  —  b)  aufhören  zu  g.,  die 
letzten  .ginggenden'  Bewegungen  machen,  z.  B.  von 
verendenden  Tieren,  Syn.  üsgablen;  vom  Perpendikel 
einer  Uhr,  d'  Ur  ist  am  U.  Übertr.,  übh.  zu  Ende 
gehen,  z.  B.  vom  Wein  im  Fasse.  —  2.  durch  ,Ginggen' 
ausschütten,  wie  etwa  Kühe  beim  Melken  es  mit  der 
Milch  im  Kübel  tun  Z.  —  ver-:  sich  durch  Zappeln, 
zappelnde  Arbeit  erschöpfen  Z;  vgl.  vergablen  Sp.  61. 
Lueg,  wie 's  au'''  göt  mit  Werche'  do!  Fürwor,  die 
Lüt  vergingget  fast.  Stutz. 

ginggerle",  ver-  =  ginggelen  3,  fver-J gängger- 
len  1  AAWohl.     Syn.  giggelen  Sp.  175. 

Ginggi  n.:  Medaillon,  grosse  silberne  Kapsel  mit 
dem  Agnusdei,  bei  kirchlichen  Festlichkeiten  von  den 
Frauen,  namentlich  den  .Kreuzgangtöchtern',  auf  der 
Brust  getragen  PJ.  Syn.  s.  Agnusdei  Bd  I  1'28.  — 
Vgl.    Ginggcl  1  a;  S  u. 

Harli-  s.  unter  H. 

Ginggis  m.:    1.  Knirps  AAFri.    Syn.  Binggis.  — 

2.  Kern,  Hauptsache.  Erst  duo  ist  er  zum  rechte'  G. 
cho"  Schw.  —  Zu  1  vgl.  Ginggel  S,  doch  auch  Giggia  Sp.  176 
am  Fusse;  zu  2  vgl.   Ginggel  3,  etwa  i.  S.  v.   Kleinod. 


Gaiigg,  geiigg,  gingg,  goiigg,  giingg 


Zimpei-Ginggis  (ZBuch),  Zipper-  (ZBenken) 
m. :  wohlriechende  Gartenpflanze  mit  lanzettförmigen, 
hellgrünen  Blättchen,  dem  Majoran  ähnlich. 

Ginggel  11,  Ginggels  k-  m.:   Kaninchen  Gr  ObS. 

—  Aus  dem  churw.  cunigl  usw.  (lat.  cuniculus);  vgl.  ChUngeli. 

Gangg  f.:  träges,  unhaushälterisches  Weib  GKh. 
„Als  kosende  Schelte  für  ein  kleines  Mädchen.  Du 
ffili  Guilk!  Aa."  —  Aus  ffiing/jJen  abstrahierte  Wortbildung. 
Grundbed.   wäre  demnach   die  selbe  wie  bei  gänygf^len. 

„Gunggel",  Guggel,   Günggel,   Güngel  —  m.: 

1.  etw.  Baumelndes,  a)  Güngeli  (Dim.),  kleine  Quaste, 
Syn.  Zötteli;  Glöcklein  Aa  (Kdrspr.).  —  b)  Giinggel, 
Ofenwisch ;  so  wenigstens  im  Volksrätsel  (s.  Bd  I 
394,  20)  mit  Anspielung  an  Bed.  e.  —  c)  Gungel,  bau- 
chiges Gefäss  (von  Blech  oder  Ton)  mit  einem  Henkel, 
an  dem  es  baumelt,  z.  B.  der  grün  glasierte  Krug,  in 
welchem  die  Schnitter  Wasser  aufs  Feld  mit  sich 
nehmen  Aa.  Vgl.  Schenkfass  Bd  I  1053.  —  d)  Güngel, 
Anwuchs,  Kropf  oder  Wanst  L.    Syn.  Cfüdel  Sp.  125. 

—  e)  Giiygel  Aa  tw. ;  Th  ;  Z  tw.,  Güngel  Z  tw.,  Günggel 
AAtw.;    VÜkte;   Sch;    Th;    Z  vorwiegend,    penis.  — 

2.  Guijgel  (in  ZFehr.  Gundel),  schwacher,  nur  ein  Mal 
gebrannter  Fusel  Z.  „Güngel,  schales  Getränk  L"; 
Syn.  Ginggel  I;  vgl.   Vor-Läss. 

2,  dir.  vom  Tb.  gungglen  abgel.,  bedeutet  darum  die  durch 
einander  geschüttelte,  gepantschte  und  darum  verhältniss- 
mässig  wertlos  gewordene  Flüssigkeit  übh.  Vgl.  Gudle  Sp.  124. 

Zuber- Güngel:  Mensch,  der  sich  widerstandslos 
Alles  gefallen  lässt  AAFri. 

Eig.  wohl  Henkel  eines  Zubers  (od.  (?.  hier  =  Gunggen, 
AusgussröhreV  vgl.  oben  Bed.  1  c).  Dienen  die  Namen  von 
häufig  in  die  Hände  genommenen,  gleichsam  für  fremden 
Zweck  leidenden  Geräten  (vgl.  Tiipfi  udgl.)  zur  Bezeichnung 
willen-  und  gedankenloser  Menschen,  so  kommt  beim  Henkel- 
geföss  noch  das  besondere  Moment  des  Schwankens  dazu. 

Gunggele"  L,  Gurgele"  Aa;  Z,  Gunggle"  Bs, 
Gungle"  Aa;  L;  „Z"  —  f.:  1.  etwas  Baumelndes, 
a)  halbgrosse,  eiserne  ViehschcUe  von  geringem  Werte 
L;  Syn.  Trinkien;  Klepfen.  Gegs.  Schellen;  Glogg; 
Plumpen.  Wenn  i"'  ^niol  es  Schätzen  (en  Alti  GlJ 
ha',  i''' tvill-em  ordli'''  (so  weiss  i"'',  was  i"''  Qh)  tue": 
i'''  legg-em  (-ere'J  de"'  es  Gungeli  (e  Schelle  Gl;  a"  und 
verchauf-es  (hä'-si  Gl;  für  e  Chue  L.  —  b)  die  Hoden 
Bs.    —    2.   die    Kuh    mit   hängendem    Euter    Aa.    — 

3.  Weibsperson  a)  ältere,  stark  beleibte  L.  —  b)  träge, 
nachlässig  und  schmutzig  gekleidete  L;  Z,  dumme  L. 
Syn.  Schlamp.  —  c)  liederliche  L;  „Z."  —  d)  Spottn. 
auf  eine  sich  städtisch  kleidende,  städtische  Art  nach- 
ahmende Frau  vom  Lande  Z. 

Zu  1  vgl.  das  syn.  tirol.  Olunggel.  —  2  beruht  auf  Über- 
traguug  von  ilcui  Gegenstande  auf  den  Träger  desselben  und 
bildet  den  Übergang  zu  3.  Zu  I.etzterm  vgl.  Gonkel,  nach- 
lassig gekleideter  Mensch  (Fr.,  Ztschr.  Yll  280),  u.  Ganggel. 

Gurr-Gungele":  Spottn.  auf  ein  altes  Weib 
LEigi.  —  Durch  Umstellung  und  Anlehnung  au  Gune  ent- 
standene Nbf.  zu   Runggunggh. 

C'hüe-:  grosse  Kuhschelle  L.  —  Kaffi-Gungle: 
Kaffeetopf  Bs.  Vgl.  Gunggel  1  c.  —  Mär^t-Gungele: 
Marktweib  Bs. 

Nacht-:  Nachthaube  Bs.  —  Wohl  entstellt  aus  GoggeU, 
um  sie  als  die  lose,  nicht  anliegende  zu  bezeichnen. 

Kungg-Gungg(e)le,  RuDguyg(e)le' :  1.  Weibs- 
person, a)  alte,  runzlichte,  dicke  Aa;  B;  „Gl;"  Gr; 
L;  G;  S;  Z.  ,Eine  alte  Kunkunkel.'  Schweizerb.  1819 
(F).     Du  alti  B.,   du  g'hörige'-  Bär!    Wer  hätt-di''' 


g'hürotet,  wenn  ich  nid  g'sl"  war?  L.  Du  alti  B., 
(bist  sibezg  Jär  alt),  hast  d'  Bäben  a'''brmnt,  bist  mit 
der  Chochchelle  (Schtssgelle)  dur'''  d'  Stegen  ab  (um  's 
Hüs  umme  —  zum  Chämi"  usj  g'rennt  Aa;  L;  Z.  Alti 
E.,  wie  luegsch  [schaust]  ^so  sür  (fül),  wie  tropfet-drr 
d'  Nase,  wie  lampet-d^r  [hängt  dir  herunter]  's  Mül! 
—  b)  liederliche,  anrüchige  L;  ZO.  —  2.  runzlige 
Rübe  od.  Zwiebel,  im  Aa  Kinderrätsel:  Runggunggele, 
Dickbumpele  und  a"  der  B.  e'  Bart. 

Obwohl  die  erste  Silbe  in  jetziger  Ausspr.  der  meisten 
Orte  nicht  Trägerin  des  Haupttones  ist,  so  ist  das  W.  doch 
ans  Zss.  (mit  mhd.  runke,  Runzel)  entstanden;  vgl.  die  syn. 
Rumpumpele  und  Gurrgungek.  —  In  den  aus  BSi.  mitgeteilten 
Spottversen:  Du  alte  Bunggunggd,  du  kleine  Nunds/utt,  du 
muest-dkh  bekere',  sümt  jagt^mu"  dich  fürt  —  scheint  das  W. 
masc.  gewendet;  doch  dürfte  das  ganze  Liedchen  aus  Deutsch- 
land importiert  sein,  wo  B-el  richtige  Femininforni  ist. 

Se-Gung(e)le:  1.  von  den  Städtern  gebrauchter 
Spottn.  auf  Frauen  vom  See,  wenn  sie  in  die  Stadt 
kamen  Zf.  —  2.  Se-,  bzw.  Stadt-G.,  weibl..  flatterhaft 
gekleidete  Person,  welche  aus  den  städtischen  Verhält- 
nissen der  genannten  Kantonsgegenden  etwa  durch  Ver- 
heiratung oder  aus  längerem  Dienste  in  eigentliches 
Landleben  (zurück)  versetzt  wird  und  sich  ungeschickt 
zu  demselben  anlässt  ZAuss. ;  vgl.  Ziiri-Munggele. 

1  entspricht  dem  Se-Bueb.  —  G.  bezieht  sich  auf  die 
plumpere  Gestalt,  Haltung  und  Kleidung  (vgl.  das  syn.  Land- 
Pumeranz,  gleichsam  die  kuglichte)  oder  auf  das  , Bummeln'; 
vgl.  SeheUe,  die  ohne  eigentliches  Geschäft  sich  vom  Hause 
entfernende  Person. 

Gungge"   I   f.:    Flasche    Bs   (Ochs;    Spreng).  — 

Vgl.    Gunggel   1   b.    Gnngge  11,   III   und    (?«>»;»  Sp.    316. 

Gunggis:  1.  Gericht,  bestehend  in  Äpfeln  und 
Erdäpfeln  durch  einander  gemengt  Bs.  Syn.  Miggis; 
Binggis;  vgl.  Stunggis.  —  2.  Scheltwort  G  1799.  — 
S.   das  folg.   und  Anm.  zu   Gunggel. 

gunggle",  ieMener  gunggele,  giing(e)le,  „güngle'' : 

1.  intr.  a)  mit  .haben',  baumeln,  schaukeln,  wackeln, 
z.  B.  von  einem  Stuhle,  der  dann  Gunggli  (m.)  ge- 
scholten wird  (Th);  von  schwebenden  Gegenständen 
AAFri.;  „Z";  bes.  auch  von  Flüssigkeiten  in  einem 
Gefässe  Aa;  L;  Sch;  Th;  Z.  Die  Guttere  [Flasche] 
ist  nid  Ur;  es  gungglet,  wenn-me'-si  schodlet.  In  Folge 
solches  Schaukeins  aus  dem  Gefässe  heraus  treten  (mit 
,sein').    's  Wasser  ist-m'r  zur  Gelten  üs  g'gungglet  Z. 

—  b)  pantschen,  klatschen,  von  dem  Schall,  den  das 
Schaukeln  einer  Flüssigkeit  in  einem  nicht  ganz  voUea 
Gefässe  oder  das  Drängen  einer  solchen  durch  eine 
enge  Öffnung  verursacht  L;  Z.  Syn.  guderen.  —  c)  mit 
,sein',  liederlich  umher  schlendern  VOrte;  „Sch."   — 

2.  tr.,   Flüssigkeit   durch  einander   schütteln   TnTäg. 

—  ver-:  1.  Flüssigkeit  verschütten  ScnSt.  — ^  2.  Ge- 
tränke durch  Schütteln  trübe  machen  und  verderben 
Th.  —  Vwdt  mit  gangglen ;  '  \g].  aber  auch  glunggen.  Für 
1   b  liegt  indessen  auch  Abi.  aus  gluggen  nahe. 

günggcle°,  güngele":  1.  müssig  herumschlen- 
dern S.  —  2.  mit  einer  Schelle  läuten  AAFri.  —  ver-: 
vergeuden  S.  —  Günggeli  I  n.:    Glöckchen   AAFri. 

Günggeli  s.  Bas. 

„güngelig:  schal,  abgeschmackt  (von  Getränk) 
L."     Vgl.  Gunggel  2. 

Günggerli,  Günggi  n.:  Kosew.  für  Kinder  BU. 

üs-günggerle°:  Bankrott  machen  L.  —  ver- 
günggerle  L,  -güng-  Bs:  unnütz  vergeuden. 


Gangg— giillgg.     (iaiigscll 


iigst— gungst.    (Jans 


(ilunggeler,  (iuiigeler  iii. :  weithin  sichtbarer 
WaUIbaum,  der  mit  .Stroh  iiiul  Keisig  umgeben,  wel- 
thos  in  Brand  gesteckt  wurde,  zur  Alarmierung  des 
Landsturmes  diente;  so  i.  J.  1798  S.  Auch  G.-Eich, 
■Tann.  Der  Name  ist  einigen  Örtlichkeiten  bis  heute 
verblieben. 

Villi  •  Gunijr/de  =  Kunkde?  Die  inännl.  Bildung  nach 
AiKil.i^'ki  anderer  Baumnanien.  Die  Vcrgleichung  mit  dem 
llmlisumwundcucu  Rocken  läge  zum  Wenigsten  eben  so  nahe 
wie  diejenige  mit  einem  zerzausten  Schöpfe  bei  dem  syn. 
( Wacht-)Küz.  Aber  die  Verdünnung  der  beiden  k  ist  bei 
diesem  W.   schweizerisch  sonst  nicht  nachweisbar. 

Gunggelori  s.  G-ingg. 

Giingge  II  Gonka  m.:  =  Gauggen  (Sp.  170)  Gr.  Er 
hcd  d'r  Gongga  mid  dem  üfg'stützta'  Falleli  [Klappe] 
über  ds  Glas  l'g'hebt.  MKüoni.  —  Chalber-J-o«I-a: 
Au.sgussröhre  an  dem  Kübel,  aus  welchem  Kälber  ge- 
säugt werden,  ebd.   —  Spielform  zu   fJolygcn  Sp.  233. 

Gungge"  ni  s.  Glunggen. 

Fisi-Gunggi  s.  F.-Gäuggis  Bd  I  1078. 

Gnenggi  m. :  schlaffer,  gleichgültiger  Mensch;  Feig- 
ling Gl.  —  unune-guengge":  ohne  Beschäftigung 
umher  schlendern,  ebd.  —  Zu  Gunt/gd,  Glungyi  mit  Diph- 
thong-Entwiekelung  des  Voc.     Vgl.  auch   Güei/gi  Sp.  198. 

Giienggli  (t)  =  G^teg-M  1  (Sp.  160)  GlK. 

Mit  Stammerweiterung  aus  Letzterem  wie  in  der  selben 
MA.    Grienygi   für    Griggi. 


gängsch:  1.  (von  Personen)  gelenkig,  beweglich 
(iTa.  —  2.  (von  Sachen)  das  Gehen  leicht  machend, 
z.B.  von  beijuemcr  Fussbekleidung;  leicht  von  Statten 
gehend,  ebd.  -  u"-:  was  nicht  leicht  geht  Ar;  schlecht 
zum  Begehen  oder  Befaliren  GT.  -  Aus  •gün,ji«,h  mit 
beliebter  Sync. 


(Jüngste,",    in   der   1!A.:    Ki 
Korn  nelimen  FS. 


Gans— guns. 


(Jans  a)  Gas  Ar  (PI.  G'ese);  BSi.  (a  nasal.);  G 
(z.  T.  mit  nasal,  a  —  PI.  Gis).  Gaus  Aa  (PI.  GeHs, 
-e",  auch  oBs);  F  (PI.  Gaus);  ,LG.",  Gauss  S  nJ.  (PI. 
GeHss).  b)  Gans  AABb.  (PI.  unver.);  Sohw  (PI.  -.); 
U  (-J,  PI.  unver.);  ZFehr.  (PI.  unver.),  <?e%  SonSchl. 
(Vx'Ge'is,  Dim.  Ge'isli).  c)  Gas  (PI.  Gi's)  GW.  — 
PI.  Gänse",  Gänse''  L  tw.  —  f.:  1.  Gans,  jetzt  bei 
uns  ein  seltenes,  im  Gebirge  natürlich  unbekanntes 
Haustier;  dass  es  aber  vordem  unter  andern  Verhält- 
nissen der  Landwirtschaft  auch  hier  wohl  bekannt 
gewesen,  beweisen  ausser  vielen  Sprww.,  Spielen  und 
den  übertragenen  Bedeutungen  auch  manche  direkte 
Zeugnisse,  sowie  Flurnn.  (Gans-ägert,  -matte,  Gäns- 
acher,  -brunnen,  Gänse'-hürnli,  -mos  {Geisse'mäs  LE.), 
-mätteli,  -riet,  Gänse' -hach  {'i' Geisbach  BAd.),  -rain, 
Gansere",  Gänseier,  Acker  am  Bach  SBib.,  von  denen 
allerdings  der  eine  und  andre  auf  die  wilde  Gans, 
Schneegans,  sich  beziehen  mag)  und  Pflanzenn.  wie 
Ganse"krüt  ua.  In  ZO.  nicht  bekannt.  Drum  schildert 
das  Storchenegg- Anneli  nach  seinem  ersten  Besuch  in 
der  Stadt  den  rätselhaften  Vogel  zu  Hause  folgcnder- 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


massen:   En  grosse',  wisse'  Vogel;   er  hät-e'  lange' 
Hals,  en  breite',  gele'  Schnabel  g'ha'  und  dann  aw'' 

asc  nithirlitif/.  so  hfcil.  hreit  Füess  und  hat  e  Mordio's 
G'scJiiii  q'liii"  Kjiil  ,i'ri(rfi  schier  w-ie-n-en  Heeremgel 
und  Iiiit  ihm II  :iiiii  Kuh  ii  ander  d'  Feckete  verto'  und 
d'  Auijc  hall  i/rasaiiiihlirh  rcrrlicrt  und  äisig  obsi"'' 
g'lueget  und  si"''  rj'sfrirl.t.  (Smi/.)  Gänse  in  Z  er- 
wähnt Bonstetten  11^1.  .an.n.  |,t  pullos)'  das  Urbar 
Beromünster.  Die  Utlii.  A-vWiacnlos  bekennt:  ,Dem 
Spitalhof  von  Z  soll  werden  das  zechend  (Jensli;  das 
soll  er  einem  abnemen,  wenn  es  Gras  abrupfet  und 
nit  an  den  Ars  fallt.'  , Welcher  uf  der  bröch  ynzünt, 
der  soll  den  zun  machen  für  die  gäns,  dann  sy  uf  der 
bröch  gan  sollend;  ob  aber  sy  hinüberflugind,  sosoll 
man  sy  b'schroten,  und  ob  das  ouch  nit  b'schäch,  so 
mag  man  .sy  in  den  zun  .stecken  und  hinüber  werfen 
[ihnen  also  den  Hals  brechen,  nach  dem  Rechtsgrund- 
satz:  Eine  Gans  hat  keinen  Frieden].'  Üffn.  ZWetz. 
, Welcher  im  zwing  zuo  Tietwyl  gäns  hat,  die  habend 
kein  weidgang,  dann  uf  der  brach.'  1530,  Aa  Weist. 
1610  wird  Einer  von  AAHendsch.  vor  Chorgericht  ge- 
straft, weil  er  in  der  ,Wynfülle'  Gäns  vom  P'eld  gejagt 
und  eine  derselben  erschlagen.  JMüll.  1867.  Natur- 
anschauung spiegelt  sich  in  folgenden  EAA.  E  Hals 
wie  ne  Gaus,  ein  langer  S  nJ.  (vgl.  , Schwanenhals'). 
Jung  Gäns  händ  grossi  Müler.  Sulger.  Hindcr  enand 
go"  wie  d'  Gäns.  ebd.  Derher  g'waggle'  wie  ne  G. 
ebd.  Derzwäris  [quer]  dri'  luege",  wie  ne  G.  uf  e 
Bitsgi.  ebd.  (Etwas  angucken)  wie  ne  G.  (e  Chats, 
e  Geiss)  en  alt  Schürtor.  ebd.  Schnädere'  [schnattern] 
wie  ne  G.  Aa.  Sonst  heisst  ihr  Geschrei  prieschen, 
gägen  usw.  Schnäderet  (gäget,  gägget)  e  G.,  so  schnä- 
dere"d  all  G;  Sch;  Th.  S.  gagen  II  {S\>.  130),  gageren 
(Sp.  140).  Mit  Bez.  eben  auf  das  Gekreische  heisst 
es :  Drei  Fraue',  drei  Frösche'  und  drei  Gänse"  machen 
e  Jörmärt.  Ineichen.  Vgl.  gagen  II  (Sp.  139).  Die  G. 
ist  gefrässig  und  zudringlich;  daher  kann  Einem  wohl 
beifallen :  , Wött  eh,  dass  d'  Gäns  mich  hätten  g'fressen !' 
Myricäus  1630.  Die  Gänse  halten  sich  gerne  im  Wasser 
auf.  ,So  würd  hindennach  ein  Baden  [von  Seiten  der 
Wiedertäufer]  wie  Gäns  im  Rhyn.'  1525,  Siml.,  Uik. 
Vgl.  noch  pfnaderen.  Wasser  uf  e  G.  [giessen]  be- 
zeichnet darum  eine  verlorne  Mühe  Sch.  De  het  au"'' 
Gänse'  im.  Bach,  braucht  Andere  nicht  zu  verspotten, 
da  die  gleichen  Fehler  ihm  auch  ankleben  LAatal.; 
vormals  muss  diese  letztere  RA.  Obliegenheiten,  in 
welche  man  verwickelt  ist,  bedeutet  haben  (vgl.  Werk 
an  der  Kunklen):  ,Grosse  Herren,  deren  Huld  doch 
Aprellenwetter  ist  und  die  jederzeit  so  viele  Gänse  im 
Bach  haben,  dass  sie  ihre  Versprechungen  selten  halten 
können.'  JJUlr.  1733.  Die  Gans  wird  über  jener 
Gewohnheit  zur  Trägerin  einer  Wetterregel:  Göd 
d'  Gäns  z'  Martini  uf'sis,  se  got  si  z'  Wiehnecht  im 
Chod  Aa.  Wasser  i.st  auch  ihr  Getränk:  Mit  de'  Gänse' 
trinke',  mit  Wasser  vorlieb  nehmen.  Sulueu  (vgl.  den 
Ürtsn.  ,Gänsbrunnen'  und  ,der  gensen  wyn  [d.i.  Wasser] 
trinken.'  Aal  1549);  ,zwen  tag  brucht  ich  den  wasser- 
krueg,  han  mit  den  gänsen  trunken  g'nueg!'  JMukek 
1575;  daher  der  Trostspruch  bei  geringem  Ertrag  der 
Weinlese:  Me'  cha"  mit  de"  Gänse"  trinke',  aber 
nid  mit-ene"  esse".  Si'lger.  Von  einem  unbärtigen 
Jüngling  sagt  man:  er  ist  no'''  mit  de'  Gänsen  im 
Strit  (ebd.),  als  ob  diese  streitfertigen  Tiere  ihm  den 
Flaum  ausgerissen  hätten  (vgl.  brem.  ,niit  den  Giisen 
im  Prozess  liegen'),  oder  Strit  i.  S.  v.  Wettstreit  (mit 
'31 


371 


Gans,  gens 


gms,  gons,  guns 


jungen  Giinsen ;  vgl.  engl,  gosling  auch  von  den  flau- 
migen Pflanzenkätzchen).  Sonst  ist  es  an  der  G., 
gerupft  zu  werden :  Me"  rupft  die  G.,  wo  [welche]  i^^- 
dere"  het  Aa.  Daher  bildl. :  ,Dass  es  uns  träge  doppel 
g'winn,  uns  ouch  werd  von  der  g.  ein  feder.'  Aal  1549. 
,Dass  man  bei  der  schwere  [in  Hülle  und  Fülle] 
hinzuo  truoge  und  inen  auch  ein  f.  v.  d.  g.  wurde.' 
SHocuHOLz.  1591.  ,So  hat  er  ouch  ein  federen  von 
diser  g.  haben  wellen.'  Rüeger  1606.  ,Und  wird  ein 
Jeder  ein  P.  von  diser  G.  rupfen  wollen.'  Kittkelst. 
1655  (T.).  .Das  gänsli  rupfen'  erscheint  auch  als  Spiel 
in  einem  Verbote  des  Sch  Kates  1538,  in  welchem  es 
ein  .ungewönliches'  genannt  wird.  Vom  Gans-abe"- 
hawe"  als  einer  veralteten  Belustigung  in  LG.  redet 
JStaifelb.  188'2,  13  f.  (vgl.  GansUpfet,  -Tödete).  Die 
G.  ist  einer  der  vielen  Ihm  .In  Ti.Mwelt  gesuchten 
Typen  der  Dummheit,  ziiii:irli-i  im-  .las  weibliche  Ge- 
sohlecht; vgl.  ganseren,  giin^ilni  .■  Omisilreck.  Es  meint, 
es  slg  die  G'scheitsti  rw''  und  isch  e  G.  in  Folio. 
HiNDERM.  1866.  Aber  auch  ohne  Beschränkung  auf 
ein  bestimmtes  Geschlecht:  ,(Ein)  G.  über  Meer, 
(ein)  G.  wider  umen  (heim).'  JJHin  i  ir.hi;;  ATIküport 
1669.  ,.  . .  und  gaga  wider  heim.-  Ili.-i  i\.  1.;-:;.  Vgl. 
gaga,  gagele".  Damit  hängt  die  w.  ^w .  1 1.  ii.l.'  lit-Iiand- 
lung,  welche  der  G.  in  gewissen  KAA.  zu  1  eil  wird, 
zusammen.  Es  isch  nid  um  der  Gäiise  wille',  nicht 
umsonst  BsStdt.  ,Nun  kann  man's  kum  den  gänsen 
klagen.'  Gletting  1557.  ,Müssiggänger  sagen,  der 
Spital  [als  Altersasyl]  seie  nit  den  Gänsen  gebauet, 
sonder  den  Menschen.'  JJBreit.  1616,  und  ähnlich  bei 
SHocHHOLZ.  1591;  RüEGER  1606.  Klugheit  bildet  die 
Ausnahme:  E  g'schldi  G.  hat  aW''  scho"  es  Ei  la' 
falle"  Z.  , Einer  witzigen  G.  kann  auch  ein  Ei  ent- 
fallen.' Hospin.  1683.  ,Eiii  misw.^isy  G..  od.  die  gleich 
.spürt,  sagax  anser.'  Mm,;  II..,i'i\.  Er  hat  Gang 
z' Vielehe",  It  Sprww.  l>i:''  1'.. /.i.  Imnng  heimlicher 
Schlauheit;  anders  erklärt  Sikin..:  .liauf^e  melken,  ins 
Wasser  reiten,  von  einem  Kerl,  der  Nichts  zu  tun  hat 
und  daher  etwas  Verkehrtes  tun  könnte.  StMarkus, 
bzw.  der  25.  April  scheint  eine  bes.  Beziehung  zur 
Gänsezucht  zu  haben  (vgl.  StMartin):  ,Wenn  S.Marx 
Einem  eine  G.  schenkt,  muss  man  ihn  darüber  zu  Gast 
laden,  so  schenkt  er  übers  Jahr  wider.'  Mey.  Hort. 
1692.  —  Im  Kinderhaushalt  heisst  die  G.  ,Eappel- 
schwanz,  Langhals'.  S.  noch  Schitli.  —  Geschlechtsn. : 
,Gänsli,  priester.'  XIV.,  TflTän.  Jahrzeitb.  —  2.  (Gäsli) 
kleiner  Säger,  rnergus  albellus.  Bodens.  -  -  3.  Ganseli 
(Dim.),  halbentblösst,  im  Hemde  dastehendes  Kind  Z 
(Dr.  Jucker).  Vgl.  naekigi  Geiss.  —  4.  Krug  mit 
Ausgussschnabel.  ,Das  gänsli,  ein  krüseli,  anserulus.' 
Mal.  —  5.  ,Membruni  virile.'  Mal.  —  6.  eine  Art 
Sch  if f.  ,Gans,  -li,  Gau(n)sli.'  L  Schiffmstrb.  Anf.  XVL 
,Wenn  Einer  mit  Rossen  an  diese  Schiffländen  [zu 
ScnwBrunnen]  kommt  und  diese  in  einer  Gaus  möchte 
geführt  haben.'  1627,  Absch.  Auch  als  Eigenn. :  ,Gans, 
ein  gar  grosses,  spitziges,  eichenes  Schiff,  so  derer  von 
Uri  war.'  MRoss  Anf.  XIV.  Etwas  später  heisst  das 
Adrairalschiff  der  Luzerner  so;  ebenso  das  Hauptschifl' 
der  Schwyzer  im  alten  Zürichkriege;  vgl.  Ent  (Bd  I 
354);  Fuchs;  Bär.  Abi.  Gänsler.  —  7.  Geflecht  aus 
Binsen  (Entenrueten)  wie  eine  Ente  oder  G.  gestaltet, 
ein  von  Knaben  verfertigtes  Spielzeug,  welches  sie 
auf  das  Wasser  setzten  Z  f.  Vgl.  ,Floz  aus  binz  ge- 
macht oder  [aus]  knospen  [Blättern  des  Sumpfkolbens]. 
darauf  die  knaben  lernend   schwümmon,  mit  einem 


Schnabel  als  ein  g.,  scirpea  ratis.'  Mal.;  Syn.  Wudli 
(eig.  Ente).  —  8.  Geissli  (Dim.),  Frostblätterchen ; 
Gänsehaut  Tu;  vgl.  g'gänslet.  —  9.  Gaus,  Ziger-G., 
in  BHa.  auch  Gugger-G.,  auch  Dim.  Gü'ssli  BHk.. 
Guggergausi  BGadm.  —  Fl.  Gauss  —  f.  BHa.;  Uw, 
son.st  in.  (auch  in  Uw),  ein  aus  den  zweiten  Milcli- 
niederschlägen  (Ziger)  bei  der  Käsebereitung  gewim- 
nener  Ballen,  welcher  erstellt  wird,  mdem  man  den 
gesanmielten  Quark,  fetten  in  einem  Gasentuche,  ma- 
gern in  einer  Einfassung  von  Tannenrinde,  an  die 
Luft  hängt  und  das  Käsewasser  abtropfen  lässt;  vgl. 
Gugger  III  (Sp.  189);  Gitzi.  Dieses  Gericht  diente 
ehemals  für  sich  allein  zum  Abendbrote,  bis  Kartoffel 
und  Kaifee  sich  ihm  beigesellten  B;  Vw;  vgl.  Gaus- 
ziger.  Mer  händ  [wir  haben]  erst  nacht  e  schöni  grössi 
Zigergauss  und  Holdermuoss  darzue  z'  Nacht  g'häbe" 
—  berichtet  die  Hausmutter  ihrem  Manne  ins  Feld- 
lager. JCWeissenb.  17111.  Heilige''  Bisclwf  Samichlaus! 
schleik-mer  [bringe  mir]  aw''  e  Zigergauss,  nid  e  chllne' 
und  nid  e  grosse',  ''ass-ne'  g'rad  mag  i's  Mal  ine" 
g'stosse'!  war  ehemals  die  bescheidene  Bitte  der  är- 
meren Kinder,  welche  sie  den  Rosenkranzgebeten  an- 
fügten, die  die  Jugend,  wenn  das  StNiklausfest  heran- 
rückt, jeden  Abend  bei  offenem  Fenster  hersagt  aScinv. 
Su'ffi,  Schotte  und  Zigergaus,  das  teird  dernah  st" 
Ise'  [unser]  Schmaus.  Balz  1781.     S.  auch  Bauch-G. 

Die  Lautformou  des  W.,  welches  wie  kaum  ein  zweites  fast 
iu  allen  Dialekten  uud  MAA.  Vocalisierung  des  n  erfahren 
hat,  beruhen  auf  den  bei  Fromm.  Ztschr.  VII  33.  35.  333 
erörterten  Gesetzen  (,In  unserer  sprach :  Gauss,  Gauss.'  Vogelb. 
1557;  Plur.  ,Geins.'  ZRatsb.  129'2/1371),  wobei  äu  unmittel- 
bar aus  au  umgelautet  ist,  ei  aber  auf  an  zurückgeht,  die 
Form  mit  aufgelöstem  n  sich  für  gewisse  Bedd.  ausschliesslich 
festgesetzt  hat,  weil  das  Bewusstsein  des  Zshanges  mit  der 
Grundbed.  sich  verloren  und  Vermengung  mit  dem  homonymen 
W.  Ociss  (welches  wie  die  hier  folgenden  Zssen  nai;hzasehen 
ist)  Platz  gegriffen  hat.  .\us  letztcrm  Grunde  ist  die  Deutuug 
mancher  mit  (?ei'«<  /•>-.-.  rilin, .  n-  uud  Flurnn.  unsicher.  In 
dem  verbreiteteu  K.,.  i  r-|  .  u  )[.  :  'riggi'i  yayyif  Eü^nnuesI 
d'  Geis»  gät  (d'  'i'..-  '-  ,  ,  .'.  i«n-fuees,  passt  die  Ziege, 
deren  Klauen  ja  s..iivi  ..N  s.liiilii  aufgefasst  werden,  keines- 
wegs, während  die  Gesellschaft  v.jn  Henne  und  Güggel,  der 
Stall  hinter  dem  Stubenofen  und  bes.  die  Einleitung,  welche  das 
Geschrei  eines  eierlegenden  Vogels  nachahmt,  entschieden  auf 
die  Gans  deuten,  welcher  denn  auch  in  anderen  Fassungen 
des  Spruches  (neben  den  Var.  d'  Hennen,  d'  Hüener)  der  recht- 
mässige Platz  gewahrt  ist;  so  bei  Rochh.  Nr.  247  frf'  Gäu» 
ySnt);  SO  in  B;  Gr;  G;  S;  bei  Simrock,  Wander  u.  A.  Es 
ist  leicht  ersichtlich,  wie  ein  rein  lautlicher  Vorgang  eine 
Vermengung  mit  dem  W.  Geim  anbahnte,  die  dann  in  dem 
bei  Rochh.  Nr.  226  aufgezeichneten  Spruche  auf  die  völlige 
Vertauschung  an  den  Begriff  .Ziege'  auslief.  Der  nämliche 
Vorgang  wiederholt  sich  bei  Geiss(e')-  und  Gämebluem,  -giicK. 
Der  Bs  Flurn.  Geiapel  wird  als  .Gänsespiel'  i.  S.  v.  Gänse- 
weide erklärt.  Unsicher  sind  dagegen  die  folgenden  Fälle: 
Geiasgicht,  welcher  Ausdruck  sich  auf  die  Vorstellung  ,Gänse- 
haut'  oder  auf  diejenige  der  ,Ziege'  (s.  ver-gib!en)  beziehen 
kann;  Herrgaiieyeis,  Marieukäferchen,  das  auch  H.-Küeli  be- 
titelt wird;  naekigi  Geisse  nackigs  Gauseli ;  Haber-,  Himmeh- 
geim,  ein  geheimnissvoller,  nächtlicher  Vogel  mit  mäckernder 
Stimme.  Vgl.  noch  Grennel  usw.  Das  verschärfte  »,  welches 
bei  der  Vocalisierung  des  n  die  Eegel  bildet,  tritt  teilweise 
in  denjenigen  MAA.,  welche  dasselbe  als  Auslaut  erweichen, 
wieder  ein,  sobald  das  W.  zweisilbig  wird:  Gäsdi  Ap,  Gmae- 
Uüemli  GO.  An  einigen  Orten  werden  die  VVortformen  für 
Gaus  und  Ziege  dissimiliert:  in  Bs  Geime'l  =  Gänse,  Geitm" 
=  Ziegen;  in  G  Gas  (mit  nasal,  s)  verschieden  von  Gast. 
—  Der  Umlaut  (ä)  im  Sg.  erscheint  schon  im  sp.  Mhd.  zu- 
weilen, ebenso  in  manchen  MAA.  Deutschlands.    ,Gens',  Name 


Gans,  gens,  gins,  gons,  guns 


374 


eines  Hauses  in  Bs  (Platter  1612).  Nicht  im  selben  Range 
mit  obigem  (dem  PI.  oder  dem  Namen  für  das  Männchen, 
genz,  entlehntem)  ä  steht  dasjenige  der  GWe.  Form,  wie  die 
davon  abweichende  Pl.-Form  zeigt;  vgl.  vielmehr  die  jener 
(legend  eigentümliche  hohe  Aiisspr.  des  a  in  Gras,  yär  usw. 
—  In  Zss.  tritt  das  W.  (wohl  aus  rhythmischen  Gründen) 
gerne  zweisilbig  auf,  z.  B.  Gansehirni  B.  —  Bed.  3  erinnert 
an  das   federnlos   aus   dem  Ei   geschlüpfte    Gänschen,    viell. 


auch  au  die  ,Gänsehant'. 
druck   der  Volksspr.   a 
lies  lat.  sei)  wohl  wege 
uiul    wohl    nach    ähnl 
Viell.  bezieht  sich  der 


st  mit  .Giiggais'  der 
lie  g.  g'sotten'  =  nun 
wie  das  ähnliche  icz 


i.  (vorausgesetzt,  dass  der  Aus- 
■    iMi'i    iii.lit  blosse  Übersetzung 
,  !  :  -    inleii  Ausgussschuabels, 
^1  M-    auch    5;    ebenso   6. 

I  —  mg.  führte  Name  ,Gänsfar' 
auf  diese  letztere  Bed.  —  Zu  9  vgl.  das  nahezu  syn.  Vocjel  8 
(Bd  I  692).  In  Schweden  bezeichnet  G.  ein  Stück  Butter 
vou  gewisser  Form.  Auch  mit  andern  Tiernamen  werden 
Gerichte  bezeichnet,  z.B.  Gutjijer;  Km-Happech  [Habicht]; 
(litzi;  Henijst;  Ankenbock.  Es  ist  nicht  notwendig,  mytho- 
logische Bezüge  für  diese  Bedeutungsübertraguug  zu  suchen, 
da  Form  und  Farbe  des  Ziegerballens  genug  Anhalt  darbieten. 
Dass  das  Genus  sich  nicht  durchweg  zu  der  Vorstellung  ,Gans' 
fügen  will,  ist  durch  Anlehnung  an  andere  Benennungen, 
zumal  bei  einem  Ausdrucke,  dessen  ursprüngliche  Bed.  dem 
Sprachbewusstsein  des  Volkes  abhanden  gekommen,  wohl  er- 
klärlich: ebenso  dass  die  Grundform  des  W.  durch  die  sekun- 
däre ganz  verdrängt  ist.  —  S.  noch  Gmjit  (Sp.  HO  o.);  Gagerith. 

Gugel-Gans:  dummer  Mensch.  ,Also  lachen  ich 
iler  G.,    und  wänt   ieder,    er  sye  Gross-Hans.'    NMan. 

Da  die  WW.  an  einen  Doctor  gerichtet  sind,  so  bezieht 
sich  der  erste  Teil  der  Zss.  auf  die  Amtstracht;  s.  Gugel  II 
(0.  Sp.    155). 

Gugger-(?a«s('0  s.  Gans  0. 

Guggei-  =  Zieger,  Quark.  Viell 
Ap  Reimchron.  S.  138.  146  (,Do  wa 
war  der  Schaden  am  Tage,  wohl  iro 
liiinrl  «■  ni  Chäg,  die  Bescheemng)  nichts  Anderes  als  das 
obige  W.,  was  bei  der  nachlässigen  Art,  mit  welcher  der 
Verfasser  jener  Chronik  die  Sprache  behandelt,  wohl  an- 
nehmbar ist. 

Gänse- (LE.;Uw),6ause-(AAltEochh.),Geis«e- 
{\k;  L),  Gise-,  Gisi-  (Aa;  LPfatfn.),  Giri-  (AAHottw.; 
ZVelth.),  -Gänse  gespr.  GeHsse  AäKöII.,  als  Sg.  meist 
dini.  -Ge'iseli  Aa;  L,  -Gäuseli  Aa  It  Rochh.,  auch 
■Geissei  Z,  -Giseli  AaL.,  Rupp.,  „-Gisseli  Kk,"  -Güseli 
AASchinzn.,  -Gisserli  LE.  (Durh.),  -Gismeli  AaZoT.; 
l'w,  -Gissnieli  LE.:  Masslieb,  bellis  per.,  inAASchinzn. 
auch:  Wucherblume,  chrjs.  leuc.  Syn.  Geisse-Gigeli, 
-Bluemli. 

Scheint  eine  redupl.  Zss.  von  ,Gans'  unter  Übergang  und 
Anlehnung  an  ,Geiss'  zu  sein;  das  Vorherrschen  des  J-Voc. 
(vgl.  auch  das  syn.  Gisse-Bliicmli)  weist  auf  Anlehnen  an 
einen  andern  Stamm  (vgl.  etwa  Glisserli).  Das  Pflänzchen  ist 
ein  Lieblingsfutter  der  Gänse,  von  deren  Düngung  es  auch 
bes.  gern  wächst;  die  obigen  Namen  konnten  aber  auch  Bezug 
haben  auf  die  Farben  des  Vogels,  welche  sie  vollständiger 
malen  als  die  Synn.  Müller-,  Milch-Blüemli.  Giri  Ist  bloss 
euphon.  Ausweichung  oder  zu  erklären  wie  in  Giri-Gitz. 
Dass  eine  Zss.  mit  ,Gans'  zu  Grunde  liegt,  beweisen  ausser 
dem  altern  und  weiter  verbreiteten  Syn.  , Gänseblümchen' 
das  weiche  «  und  die  von  H.  fixierte  Ansspr.  des  Diphth.  (iu>. 
Zu  der  Vertauschnng  mit  ,Geiss'  vgl.  die  Zssen  mit -li«;./, 
-Glöggli,  -Maien,  -Bluem.  Der  Verlust  des  etymol.  Verstärnl- 
nisses  verrät  sich  auch  durch  die  sinnlose  Ausweichung  GIuk- 
Hlüemli.  Die  redupl.  Zss.  scheint  das  massenhafte  Beisammen- 
sein der  Blümchen  zu  symbolisieren. 

Huppeli-Gans:  G.  bzw.  Ente  mit  einem  auf- 
gerichteten Federbusch  (HuppeliJ  auf  dem  Kopfe  L 
(Mohr). 

Rauch-:  der  unter  G.  9  beschriebene  Ziegcrballou. 
sofern  er  im  Hauche  aufgehängt  wird  BHa. 


Eot-:  eine  Mowenart  des  Süsswasscrs.  ,Gavia, 
Mewe,  R.,  Alenbock.'  Denzl.  1677;  1716.  —  So  benannt, 
weil  Schnabel   und  Füsse  rot  sind. 

Se-Geiss:  1.  Tauchergans,  Gänsesäger,  mcrgus 
merganser.  Bodensee.  Syn.  Finder,  Ganner,  Se-Katz. 
—  2.  Se-Gänsli  n.,  weisser  Sägetauchcr,  mergus  al- 
bellus.  ebd. 

Sehne- {Gans  A&Bh.,  -Gaus,  PI.  -Ge^is  Aa  It  H., 
-Geiss  Aa  It  H.;  Z  (neben  -Geisse'):  1.  wilde  Gans, 
Graugans,  anser  cinereus.  Sic  zieht  im  Herbste  bei 
uns  durch.  Los;' los  [höre]!  was  schreit  so  i"  der 
Luft?  Was  chunnt,  was  chunnt  diithar?  Schnegeisse 
sind  's  —  nei'  lueg,  nei"  lueg!  —  e  grössi,  langi 
Gschar.  Weusch  [ich  wünsche]  Glück  zu  eure''  wtte' 
Reis;  si  mach-i  [euch]  tuenig  Mileh!  und  ziehnd  cso 
im  Chettefiug  recht  hübsch  go  Mailand  ie  [hinein]! 
Stütz  1850.  Si  [Weiber,  welche  in  der  Reihe  hinter 
einander  gehen]  chömme''d  wie  d'  Schnegäms  Z.  letz 
gent,  wo-n-er  h'erlo"  sind,  ir  Schnegäns!  Bs  (Schwzd.). 
,Die  unseren  haltend  die  wild  g.  für  ein  tier,  so  gar 
lang  leben  mög,  also  das»,  wenn  sy  von  einem  gar 
alten  reden  wollend,  sagend  sy:  Er  ist  als  alt  als  ein 
sehn.'  VoGELB.  1557;  vgl.  WWäckerk.  1874,  180.  Das 
ist  viell.  aucli  gemeint  mit  dem  Personenn.  .Hans 
Marquart,  den  man  nemmt  Sehn.'  1568,  AAWett.  Arch. ; 
doch  vgl.  auch  den  Eigenn.  ,Schnevogel'.  —  2.  Schnee- 
huhn, tetrao  lagopus  GG.  (Alpina). 

Die  Anlehnung  an  den  Namen  der  Ziege  mag  wie  bei 
Häher-  und  bei  Himmelgeiss  durch  die  Stimme  des  Nachts 
(also  ungesehen)  hoch  in  den  Lüften  mit  grossem  Geschrei 
durchziehenden  Vogels  gefördert  worden  sein.  —  2  beruht 
auf  der  Vermengung  zweier  gleich  seltenen  Gäste. 

Schnäder-Ga»is,  -Geiss:  Schwätzer,  Plauder- 
maul Z. 

Win-:  Säuferin.  ,Der  war  ein  schöner  aber  lieder- 
licher Mann  und  sie  ein  vertrunkenes  Weingänsli.' 
1568,  HBuLL. 

Das  Bild  beruht  schwerlich  auf  Gans  4,  sondern  vieluu;hr 
auf  einem   Gegensatz  zu  dem   Vogel,  der  viel  Wasser  trinkt. 

7Ager-Gaus  s.  (?o«s  .9. 

Ganser  m.:  1.  Gänserich  Bs;  „li;  L;-  Mal.  .Wel- 
cher den  hof  innhat,  der  muess  haben  dem  dorf  den 
g.  zue  den  gensen.'  AAWürenlos  Offn.  —  2.  „dummer 
Mensch  B."  {St.'')  —  3.  Handziehschlitten,  kleiner  Lei- 
terschlitten B  It  St.''  u.  Zschokke  1797  (-lij.  —  4.  eine 
Hustenseuche.  ,Zu  Basel  wie  auch  in  andern  Landen 
gieng  ein  starker  Fluss  und  Hu.sten  um,  welcher  vil 
Leut  hingenommen;  ward  genannt  der  G.  od.  Bürzel.' 
Gross,  BsChr. 

3  bezeichnet  wohl  das  schnabelartig  auslaufende  Geräte: 
vgl.  Gansei;  Garn  6;  auch  Gein«.  —  4  viell.  nach  dem  dabei 
erzeugten  Tone. 

gansere":  gedanken-  und  zwecklos  herumschlen- 
dern;   Etwas   ohne  Fleiss   und  Ernst  verrichten   BU. 

Gansinge":  fingierter  (Mtsn.  ,'iV  ist  rit"  G..  d.  i. 
dumm.  Sprww.  1869. 

Gänsel  —  PL  Gänsle'  —  m.:  Kiiidcrsclilitten.  im 
Gegs.  zum  Murri  aus  Stäben  verfertigt  BRi.   —  Syn. 

Gemseh,    Geim.      Vgl.    Ganser  .1. 

gänsele(n):  1.  „nach  Gans  riechen  od.  schmecken." 

—  2.  „dumm  aussehen." 

(jänserich  {Gäiserech  Aa)  m.:    1.  GänscMuli  Aa. 

—  2.  (länsefingerkrant,  poteMtilla  anserina  1!. 


Gans — gnns.    Gansg — guiisg.    Gansch — gnnsch 


2  angeblich,  weil  von  den  Gänsen  mit  Vorliebe  gesucht, 
anf  Ganseweiden  häufig  wachsend,  viell.,  wie  der  frz.  Name 
hec  d'oie  andeutet,  eher  wegen  der  Gestalt  der  Pflanze ;  vgl. 
noch  die   Formen    Grünsd,   ahd.  ynmftmc,  neben  genvinr. 

gäiiserig,gänslig:  starke Prostempflndung  durch 
die  sog.  Gänsehaut  zu  erkennen  gebend.  Oänserig 
loerden;  gänslig  dri'g'seh".  Spreng. 

gänsi»:  aus  Gänsefleisch  bestehend.  Subst.  Gän- 
sis  ScH. 

gänsle(n):  (unpers.)  es  gänslet-nü"',  schaudert 
mich.     G'gänslet,  von  Gänsehaut  überlaufen  Scn. 

Gans  1er  Gäusler  m. :  ehemals  eine  gewisse  Klasse 
von  Schiffern,  welche  nur  Personen  beförderten  Schw 
Brun.;  s.  Ge-fert  Bd  1 1038/9;  Gegs.  die  gross  Schiffi'g. 
S.  Gans  6. 

gänslig  s.  gänser  ig.  starr  e"-gans  s.  st.-gangs 
(Sp.  353). 

Gansaner  m.:  eine  Art  Baurawollengewebe.  ,Alle 
Burger,  so  Gwerb  trybent  mit  Waaren,  als  Gansauger 
(Gansüuwer).  Bettbarchet.  Trilch.  Tuech  udgl.'  Z  Zoll- 
"i.ln.  K;:;;'  1711.  .Der  Tii,vl,l,.|„.|i  halber  sollen  alle 
.lhjriii-,.ii  r.rii-vr,  .„  iiu-  sirli  ^.•lbst,  Tüechlein, 
\\  i.-ii,T.  kli'iii  uiiil  L;-i"^sr  Sclili'icr.  G.,  Mousellinen. 
Jlattelotteii,  weiss  und  gefärbte  Iiidienen,  gedruckte 
Mouchoirs  garnis,  und  von  Allem  so  aus  Baumwollen 
geweben  wird,  selber  machen  oder  durch  Landleute 
rauh  machen  lassen,  Fabric-Schirmgelt  zu  bezahlen 
schuldig  sein.'  ebd.  1725/57.  —  Gewiss  nach  einem  Orte 
benannt;  etwa  nach  ,GansaH'  in  Böhmen? 

Günsel  ni.:  das  it.  ,console',  ehemals  Titel  des 
Gemeindevorstehers  im  Tessin.  ,Dem  Seckelmeister, 
Dolmetsch,  Weibel  und  Gunssel  und  den  Amtsleuten 
soll  Nichts  ausser  einer  ziemlichen  Zehning  gegeben 
worden.'  1547,  Absch. 

„gunsle(n):  schmeicheln;  ab-,  er-,  Etwas  mit 
Schöntun  erhaschen  ü."  —  Wahrsch.  ungenaue  Schreibung 
für  guc-  und  dann  Nbf.  zu  guenzlen  (s.   d.). 

Güns  Güss  resp.  (?iss  VOrte;  GRÖSax. ;  Schwarzw., 
Göiss  Aa;  BU.;  UwE.  foij;  Z  —  m.:  durchdringender 
Schrei  als  Ausdruck  sowohl  der  Freude,  des  Wohlseins, 
als  des  Schmerzes  oder  des  Schreckens;  von  Menschen 
und  Tieren.  Es  hät-m'r  en  Stich  g'ge';  i'*  hä'  do 
emmel  au"''  en  G.  dbg'lö".  Stutz.  Si  lat  en  G.,  denn  en 
wverschants  Ästli  ist-eren  i"  d'  Frisur  cho".  Schwzd. 
In  den  westl.  Kantonen  auch  von  leblosen  Dingen : 
Die  Orgele  lät  numme  es  Paar  verflüemeret  Geuss  iis 
u"'  es  Paar  Gi.ve.  Dr.Bäri  1883.  —  Ge-güns  hlss, 
l-öiss  n.:   Gekreisehe. 

günsen  güsse  (gisse)  BO.;  VOrte;  GRRhw.;  GA.; 
W,  göisse  Aa;  Bs;  BSi.  (Hl'-J,  U.;  LG.;  G  (tw.  -s'-); 
Seil;  S;  UwE.  f-oi-J;  Zotw.;  Z,  geuchse  ApSchön.: 
1.  (von  der  Stimme)  einen  schrillen,  durchdringenden 
Schrei  ausstossen,  gellen  Aa;  B;  VOrte;  Gr;  GA.;  Z; 
stoss weise  Aa;  Mordio  g.,  um  Hülfe  rufen  ScHwMa.; 
kreischend  singen  Z;  in  hohem  Tone  rufen,  mit 
schreiender  Stimme  sprechen  AaF.;  LHorvv;  bes.  vor 
Schmerz  oder  Schrecken  aufschreien  Aa;  BU.;  Gr; 
L;  S;  Uw;  W;  Zg;  Z,  von  Menschen  und  Tieren 
(Hunden) :  Und  bissest  au"''  am  härte"  Brod  e  Zand  us, 
darfst  nit  güsse".  L  pol.  Lied  188'2.  .Wenn  Einer  einen 
Bengel  unter  die  Hund  wirft,  geusset  der,  wo  [den] 
es  trifft.'  Sprww.  18'24.  In  AAZein.  nur  von  Tieren 
(vgl.  Winsen);  und  nur  uneigentlich  etwa  übertr.  auch 


von  leblosen  Gegenständen,  z.B.  der  Lokomotive;  im 
S.  V.  Winsen  (s.  d.)  vom  Pferde  GRRhw.,  (uneigentlich) 
bei  Stutz  vom  lauten  Niesen :  Du  göust  ivie  's  grdst 
Boss;  vom  Schweine  BSi.;  Schw;  W;  er  hei  g'göusset 
wie  iie  taube  Munistier.  Gesprach  1712;  kläglich  beulen 
BStdt  (wo  die  Beziehung  auf  Menschen  statt  brüelen 
für  trivial  gilt);  L;  .ejulare  canino  more.'  Id.  B;  stoss- 
weise  weinen,  um  Etwas  zu  erzwingen  AAHold.;  Bs, 
in  AABb.  nur  uneigentlich  vom  Weinen.  Seltener : 
Ausdruck  unbändiger  Lustigkeit  Z;  bei  MUsteri  von 
einem  Hunde,  welcher  in  dem  vorerst  zornig  An- 
gebellten einen  lieben  Bekannten  erkannt  hat.  — 
2.  übertr.  a)  vom  Klingen  des  Ohres  W.  —  b)  hell 
knarren  S;  Syn.  karren.  Do  oder  dort  chlapperet  no''' 
ne  Stalltüre  und  geusst  ne  Wasserpunipi.  BWvss  1863. 
—  Günserling  Gilsserli'g  m.:  der  einzelne  Schrei; 
e  G.  ablö"  GA. 

Mhd.  gunndn,  plattd.  günse(l)n,  wehklagen ;  Schwab,  geinsen, 
gemun,  knarren.  ,Ginisen,  seufzen,  steenen,  gemere,  gemiscere.' 
Red.  1662.  Möglicherweise  gehört  hieher  auch:  ,Mussitare, 
runeu,  güsseln.'  Ebinger  1431/38;  nur  ist  die  Ausstossung 
des  n  in  so  früher  Zeit  selten.  —  Betr.  die  Ausstossung  des  n 
s.  Fromm.  Ztschr.  YII  25  f.;  200  ff.  —  In  geurhsn  ist  wie 
in  dem  syn.  ivichsen  (aus  wtmen  d.  i.  winaen)  di  müssig  oder 
begriffverstärkend  eingeschoben,  wie  umgekehrt  organisches 
cÄ  vor  «  nicht  selten  verschwunden  ist.  Vgl.  noch  die  Synn. 
gäuxen,  gäUTxn,  ferner  gimgen.  —  Fernere  Synn.  gipsen,  gepsn, 
f fixen;  hünzgen;  Jüzen. 

Günsel,  auch  Guide»-,  Wise"-  (Durh.):  wie  nhd., 
ajuga  reptans  Aa.  ,Gunsol:  sana  munda.'  XV.,  Lie- 
benau's  Arzneib.  ,Von  guldin  Günsel,  Walwurz  und 
Sanikel.  Die  Pletter  und  die  Wurzel  habend  sondere 
Kraft,  die  Wunden  zu  heilen;  dahar  pflegt  man  zu 
sagen:  Wer  Günsel  und  Sanikel  hat,  piet  Trutz  dem 
Wundarzt  mit  eim  Platt.'  Arzneib.  ZoUikon  1710.  — 
Aus  lat.   conmlidn   (vgl.   frz.   consnui]<). 


ginsge(n):  stöhnen  BBe. 
Lässt   sicOi    nach    der   dortigen  MA. 
lärt  sich   dann  als  Weiterbibluns;  v., 


Gansch     gunsch. 

an -gen  seh  s.  -gend. 

„Ginschet",  Gintscbet  „m.",  n.:  Türklinke  W. 

„Gansch  m.:  Geschirr,  mit  welchem  man  die  Kälber 
säugt    Gr."    —    It.   coiu/io    (lat.   mtigiim),    s.   Anm.   zu    Oiiii. 

Gnnsclier  GRScuolras,  lii-  GrD.  —  m.:  Geschwulst, 
Bausch,  Beule. 

Ge-Ganscher  n.:  Geschnatter,  Kauderwelsch.  Die 
Wältsche'  hei"  e  apparti  Mugge  [Zorn]  g'ha"  uf  das 
Pfauegunscher  [das  Patois  des  Dorfes  Pfauen].  Gotth. 

gunschere(n) :  1.  schnattern,  schreien  a)  von 
Gänsen  und  Enten;  b)  von  Birkhähnen  Aa.  —  2.  von 
Menschen,  lebhaft  durch  einander  oder  sonst  unver- 
ständlich schwatzen  Aa;  B,  z.  B.  von  der  Sprache  der 
Juden,  vom  Lallen,  Plaudern  des  Wiegenkindes,  in 
letzterm  S.  auch  -erle'  BS.     Syn.  guschlen. 

„gnnschle(n),  gü-",  guntschle":  schwappelii 
von  dem  flüssigen  Inhalte  eines  Gefässes  LRigi.  Syii. 
giinggen,  guntlen,  gautsehlen. 


Ganscli  -  gniiscli.    Ganst— gimsf.    (iiint— guiit 


378 


Uünscll  111..  PI.  -e",  „Güntsch":  Winter-  und 
Haiisscliulio  ans  „Ziegenhaaren",  Tiiohenden  gefloch- 
U-n  ScnwE.  Syn.  J'V(d-/r(Bd  I  8G8  f.);  Guntxch-Schueh. 


Gatvst     gunst. 

(iiinst,  Gfiit  Gr  tw.,  Goiiit  Ax;  Bs;  Z  —  m. 
(mcMlern  f.):  1.  Gcstattung,  Gewährung,  Erlaubniss. 
.Unsorn  g.,  willen  und  erlouben  darzuo  geben.'  1482, 
ZOGlatt.  .Ana  g.  und  wüssen  einer  gemeind.'  1524, 
AiiscH.  ,Mit  un.serm  g.'  ebd.  ,Ire  g'müet  zuo  eren 
und  i'lichem  g.  biegen.'  HBi'll.  1540.  ,Mit  g.,  wüssen 
und  willen  syner  erben.'  15.37/44,  Schw  LB.  ,Die  ich 
(mit  eunn  g.)  gezeichnet  hab  hieher.'  JHAmm.  1657. 
3IÜ  G.,  Höflichkeitsformel,  mit  welcher  man  um  Ent- 
schuldigung bittet;  Syn.  mit  Verlaub.  I'''  ha"  denn 
HO'''  Nüt  ff'ha',  m.  G. !  sagt  der  Tischgenosse,  welcher 
selbst  zugreift  Z.  Bes.  wenn  man  etwas  Unangenehmes 
sagen  oder  einen  uiuipiietitlichen  Gegenstand  erwähnen 
will,  salva  venia.  Mit  G.  z' rede'!  'i.  ,Uer  bös  fyend 
hat  nit  gewalt,  m.  g.  z'  melden,  über  ein  stinkende 
suw.'  LLav.  1569.  .Dann  er  m.  G.  z' melden  am  Harn 
Nut  gelitten.'  1576,  Mise.  T.  ,Er  wolle  die  von  N. 
lehren  ihme  stelen,  oder,  m.  g.  ze  m.,  der  Tüfel  trage 
sy  dann.'  1587,  Hagenb..  Sigr.  ,M.  G.  zue  schryben, 
Schweine,  Hennen  oder  Gans.'  1610,  G  OUtzw.  — 
'2.  Gewogenheit,  Wohlwollen;  Gefallen.  .Rauch  ist 
viler  Menschen  Goust'  Stutz.  Es  Mesli  [der  16.  Teil 
des  Viertels]  Goust  ist  besser  weder  es  Viertel  Recht  Z. 
G.  (jöd  ülier  Chunst.  Ineichen.  Jindm  s'  Goiiste'  spre- 
che" [vom  Gerichte]  Z.  ,Was  gunsts  und  willens  oder 
fründschaft.'  lö'2ö,  Absch.  ,Den  g.  hat  er  von  yeder- 
man.'  Aal.  .Frigus,  ein  böser  g.,  als  wenn  einer  sich 
fleisst,  den  g.  des  gemeinen  manns  ze  überkommen 
und  er  denn  aber  grob  feit.'  Fris.  .Ich  beger  deines 
g-s,  volo  tuam  gratiam.'  Mal.  ,Hat  mir  den  G.  getan.' 
JHAmm.  1659.  ,0,  dass  ich  nicht  dem  Bauch,  dem 
Weltgunst  diene!'  AKlingl.  1688.  ,Uer  G.  ist  ver- 
schütft'  Mev.,  Hort.  1692.  ,G.  geht  für  Gespunst' 
ebd.  ,G'rechtigkeit  verbleibet  nicht,  wo  der  G.  das 
Urtel  spricht.'  JCWeissenb.  1701.  .Nach  dem  G.,  den 
du  gegen  deinem  Volke  hast.'  1707,  Ps.;  dafür:  .Gnade.' 
1860.  —  3.  persönl.,  in  höflicher  Anrede.  ,Üwer  lieb 
und  g.'  HBuLL.  157*2.  -  Betr.  die  Formen  ohne  v  s.  Fromm. 
Ztschr.  VII  25.   200  und  noch  bes.   202. 

Un-:  das  Gegenteil  von  G.  2.  ,Grosser  U.  ist  ent- 
standen.' 1524,  Absch.  ,Invidia,  die  schmach  und  der 
u.'  Fris.  .Welchen  U.  Niemand  gern  ihm  selbs  auf- 
ladet'  WURSTISEN   1765. 

Ver-  GüHAr(-ö-);  BO.;  Gl;  GWe.;  Th(-ö-);W, 
-Gouit  Aa;  Z  —  m.  (f.  Gr):  1.  Missgunst,  Neid  Aa; 
B;  Gl;  Gr;  GWe.;  Sch;  Th;  Z.  Der  Brief  habe  .den 
grossen  v.,  Unwillen  und  versagung  des  rates  merken 
lassen.'  1523,  Egli,  Act.  —  2.  Gunst,  Erlaubniss.  Mit 
V.!  Aa  (H.).  —  vergunsten:  1.  intr.,  einwilligen, 
zustimmen.  .Ich  vergunste  es  nit  uft"  ze  nemen.'  KSailek 
1460.  Mit  Dat.  S.  .Also  vergunstet  er  dem  rat  des 
kunges,  persuasioni  consensit.'  ebd.  .Iren  taten  ver- 
gunstende.  actibus  consentiendo.'  ebd.  —  2.  tr.,  gut- 
heissen,  vergönnen,  bewilligen.  .Bat  uns,  den  kouf 
also  ze  geruochen  und  ze  v.'  14'29.  Z  Urk.  .Das  soll 
inen  ein  Herr  v.'  1433,  ebd.  ,So  mag  er  vergun.sten, 
das  farend  guot  ze  geben,  wem  er  will.'  1139,  ZMttnch. 


Ortn.  .Das  im  ouch  mit  recht  vergunstet  ward:'  1449. 
SiHw  l;i|.  .Baten  uns.  söllich  ablösen  [eines  Zinses] 
zu  v.'  1495.  Zellw.  .Das  vergunsten  ze  tuon.'  1479. 
Mev..  Wetz.  —  vergünstig  -««f- Aa;  GWe..  -günstig 
GrD..  -Üit-  Ap  (-Ö-);  BLaut.  (-7-);  Gl;  GT.;  Tu.  -öi- 
L;  Z:  1.  neidisch.  miss;,aiiistiir  .\a;  Ai-;  Gl;  Gr;  L; 
G;  Th;  Z.  V.  sl'  m.  Ar,'.  iCn  )  S.  De''  hed 's  aber 
ml  (j'merkt,  wi'-n-em  de  T<nu/  Allrs  p.  ist.  RBrandst. 
1884.  .Der  Herbst  hat  heuer  seine  Gaben  ausser- 
ordentlich ungleichartig  ausgeteilt,  indem  Manche  sehr 
viel  und  Andere  äusserst  wenig  einheimsen  durften; 
unsere  Leute  sagen  deshalb,  der  heurige  Herbst  sei 
ein  vergünstiger  gewesen.'  Sch  (Allg.  Schweiz.-Ztg). 
.Einer  eidgnoschaft  weder  trüw  nach  hold,  sunder  alles 
unsers  glucks  und  wolfarung  vergünstig.'  Kessl.  — 
•2.  unfreundlich,  mürrisch  BLaut.  —  vergünstigen 
=  vergunsten  2.  ,Wenn  es  vergünstigt  wird.-  1607. 
Ztschr.  f.  Sehwz.  R.  .Pharao  vergünstiget  ihnen  das 
Land  Gosen  zu  bewohnen.'  1667.  Gen.  —  Vergün- 
sti"g  f.:  Missgunst,  Neid  Aa.  I)o  hend  si  alli  heidi 
enand  liherments  Nüt  mP  esse"  lö"  und  sind  z'leit  alli 
beidi  a"  der  Venjöiistifi  ifstorbe'.  Schwzd.  —  Ver- 
günstli"g  -ijd^iriiiji  111.:  Neider  Ai'.  —  Vergunst- 
nuss  f.:  Gunst.  .Mit  willen  u.  v.  des  Junkherrn.' 
154'2.  Foffa.  Münst.  -  S.  au.h  V,r-Il„n«i  usw.  und  .;,,- 
gunnen. 

M  e n  s c  h  c  n  -.  M.  und  Vocjehj'sang,  das  chld't  [tönt  | 
und  uiirt  nid  lang  ZWl.  —  Rätsherren-:  besonderes 
Wohlwollen.  .Er  kaufte  mir  das  Häuschen  um  einen 
Preis,  dass  er  nebst  obigem  Vorteil  noch  R.  von  dessen 
Verkäufer  zu  erwarten  hatte.'  Schweizerb.  1820. 

ab-günstig:  abgeneigt.  ,böswillig.  übelwollend, 
malevolus.'  Fris.;  Mal.  .Der  adel  was  im  a.'  Riieger 
1606.  —  günstlich:  gewogen ;  günstig.  .Unsern  g-cn 
willen  und  gruoss  zuovor.'  1529.  Z  Mand.  .Der  handel 
[der  Kreuzzug]  was  wol  g.;  der  ausgang  aber  bezeuget, 
das.s  dis  hitzig  fürnemen  nit  guot  gewesen.'  Vad. 

Ab-gunstling.  .Unsere  A-e',  die  uns  nicht  ge- 
wogen sind.  GHeui.  1732.  —  Vgl.  ,myiie  ungiinstiuen.' 
Zwiiigli. 


Gant     gunt. 


ch   di, 


(iaiit  f.,  in  Ap  auch  Gamt  und  in  ApI.,  M.  auch  ii. 
—  PI. -c":  1.  öffentliche  Versteigerung,  Auction.  allg. 
Güeter-G.,  eine  solche  über  Liegenschaften.  Farhab-G., 
Farniss-G.,  über  Mobilien.  Uf  d'  G.  chö',  versteigert 
werden  Z.  0/  offetlige  G.  g(e)stelle'  oder  räefe",  öffent- 
lich versteigern  Ap.  S.  anhin-geben.  .Daheim  stellte 
er  ein  Gäntlein  an,  wie  wol  er  nicht  viel  zu  verganten 
hatte.'  Breitenst.  .Welcher  auf  der  g.  kauft,  der  soll 
das  bei  derselben  tagzyt  bezalen.  Wo  er  das  nit  tuet, 
so  ist  er  den  3.  pfenn..  wie  er  dann  das  an  der  g. 
kauft- hat,  verfallen.'  XV.,  Th.  .Manceps,  ein  köufer. 
der  etwas  an  der  g.  kouft.  Auctio,  ein  g.  mit  dem 
ausrüefen:  Will  niemants  iner  geben'?'  Fris.  ,.^uf  g. 
schlahen  [auf  die  G.  bringen].'  Mal.;  ebenso  aber  im 
S.  einer  Submission:  Der  Landvogt  wird  beauftragt, 
das  am  Tessin  zu  erbauende  Wuhr  .auf  die  G.  zu 
schlagen'.  1619,  Absch.  Es  wird  für  unpassend  ge- 
halten,  dass  die  Landvögte  , wegen   Wildbanns  in  die 


379 


fiailt,  g'eiit,  gint,  gont, 


380 


G.  bieten  [mit  anderen  .Tagdiiebhabern  concurrieren] 
sollen-.  1645,  ebd.  (V  2,  1942).  Im  Bes.:  Versteigerung 
der  vom  GläubigiM-  zu  Pfand  frenommenen  Sachen  des 
Schuldners  durcli  ^li-  \:rrU.ty,r\,.\.r],.:n\r.  .\uv\Utuf 
der  G.,  wenn  ihm  ri;iin|.'r  i:vn„i„i,i,.|,  «,,i,lri,  sind  B. 
In  Gr  geradezu  ^^  (;.iii,iir,\  ,-i  l.iln.'H  ;  ::if  iirtmie  G., 
geschlossener  Eechtstrii'l),  l.''' lit^-till-t;iihl  liKl'r.;  vgl. 
(ver-Jganten  nni  Ganter.  Syn.  Wr^i/hrmi^i-^-G.  .Wenn 
man  das  pfand  uf  offner  g.  voikouft  uimI  u.-iin'lt:  ainost. 
änderst  und  zum  dritten  mal!  so  ist  es  nach  dem  rech- 
ten beschehen.'  1471.  G.  ,Das  hus  ist  dem  Baschian 
uf  der  g.  g'standen  [wäre  ihm  beinahe  zwangsweise 
verkauft  worden].'  1.540/73,  UMey.  .Einsi  armüetli 
und  hab  auf  die  g.  geben  zc  verkaufen,  oft'entlich  feil 
ausrüefen  lassen.'  Mal.  ,Gant  [scheinbar  Adj.].  ver- 
gantet werden,  venire  sub  hasta.-  ebd.  (s.  Gr.  \VB. 
IV  1  a,  1284).  p:in  Unterpfand  ,aii  die  G.  sclilaf,'en 
lassen'.  XVIII.,  Kanzleispr.  ,Von  b'schlu.ssner  G.  Unib 
Geltschulden  solle  von  eingehendem  Brachmonat  bis 
auf  Micheli  Gricht  und  Kecht  eingestellt  sein.'  1713, 
Gr.  —  2.  Gantlokal.  .Auctionaria  atria,  ort,  daran 
man  vergantet,  die  g.  oder  das  ganthaus.-  Fris.  Hieher 
viell.  auch  die  Bestimmung  des  AaB.  Stadtbuches  von 
a.  1384:  ,[Der  Creditor]  mag  die  pfand  uf  unser  statt 
g-  legen.' 

Frz.  encnn,  afrz.  encant,  it.  incanto,  beruhend  auf  lat.  in 
tjunntum,  auf  wie  viel':'  [sc.  bietet  man],  was  iirspr.  Frage 
des  Gantausrufers  gewesen  wäre. 

E-Gant:  G.  unter  Leitung  einer  Behörde,  rechts- 
gültige G.  1579,  Absch.  IV  2.  1400.  S.  E  I  6.  — 
—  Obs-:  Ver.steigerung  di'^  Obstes,  spec.  an  den 
Bäumen  der  AUmend.  In  Y.Y.'M.  ;iiii  Kircbweihmontag 
(Mitte  August)  für  die  Onm  iiiJ.'lini-rr  t\v.  jetzt  noch 
mit  einer  gewissen  Feierlichkeit ;  Lauten  der  grossen 
Glocke,  früher  Eröffnung  durch  den  Untervogt  (später 
Gemeindspräsidenten)  mit  einem  laut  gesprochenen 
Vaterunser,  wobei  alle  Anwesenden  das  Haupt  ent- 
blössten.  Zwei  Bäume  mit  frühreifen  Birnen  wurden 
hierauf  sofort  nach  altem  Herkommen,  der  eine  von 
den  .Knaben',  der  andere  von  den  ,Jungfern'  des 
Dorfes,  durch  Besteigung  in  Beschlag  genommen.  — 
Örtli-:  Versteigerung  der  Kirchenplätze  ('Örto-^,  wie 
sie  in  prot.  Kirchen  üblich  ist  GT.  —  Hage"-:  Ver- 
gebung des  Zuchtochsen  an  den  Meistbietenden  einer 
Viehkorporation  Z.  Syn.  Muni-G.  —  Us-künd-:  = 
Gant  2.  ,Von  Auskündungs-  und  Fallimentsganten. 
Wann  Einer  ganten  solle,  aber  keine  Bürgen  für  die 
Versatzungen  aufzubringen  weisst,  so  muss  er  die  Aus- 
kündung  (s.  d.)  ergehen  lassen  usw.'  1757,  Bs  Eq. 
,Wann  ein  Gantmeister  für  sich  selbsten  bietet,  soll 
er  solches  sagen  und  ehender  nicht  abfahren,  bis  er 
an  einer  freiwilligen  G.  von  dem  Verganter,  an  einer 
Auskünd-G.  aber  von  den  Ämteren  die  Erlaubnuss 
darzu  erhalten  hat.'  ebd.  —  Not-:  Versteigerung  von 
Pfändern,  welche  im  Z  Gesetze  1832  einem  Schuldner 
gestattet  wurde,  wenn  er  damit  seinem  Concurse  vor- 
beugen konnte. 

Versilberi"gs-:  Versteigerung  der  beweglichen 
Pfandobjecte  eines  Schuldners  zur  Deckung  einer  lau- 
fenden Forderung,  während  die  Concurs-G.  auch  den 
Grundbesitz  des  Schuldners  beschlägt  Z.  —  Von  wr- 
silheni,  ZU   Geld  machen. 

gante(n):  1.  eine  Ver.steigerung,  Gant  abhalten, 
allg.     Es   wird-em    (/gantet,    sein   Eigentum    kommt 


Schulden  halber  unter  den  Hammer  Z.  ,.\lso.  dass 
ein  Mann  ein  Teufel  leibhaft  sah  in  eines  grossen 
Mannes  Gestalt,  auch  an  der  Gemeind  helfen  g.  und 
mehren  [.stimmen].'  Salat.  .Platz,  da  die  Burger  zu- 
sammen kommen,  da  man  gantet,  allerlei  feil  hat, 
kauft  und  verkaufet.'  Wurstisen.  —  2.  mit  Bitten  und 
Begehren  anhalten,  beharrlich  um  Etwas  bitten;  er- 
müdend lange  um  eine  Sache  hin  und  her  reden, 
streiten  BO. ;  L;  Schw;  Obw.  G.  und  drängle''  BO. 
D'  Gofe"  gante'd-mer  eisterBrod  SchwMuo.  Syn.  gresten. 

Der  bei  Auctionen  au  den  Tag  tretende  Lärm  und  die 
Begehrlichkeit  der  einander  Überbietenden  hat  Veranlassung 
zu   der  allg.   Bed.  von  2  gegeben. 

in-:  auf  der  Gant  erwerben.  ,Ich  hab  auch  etlich 
Stück  eingantet.'  UBragg.  1783.  —  er-:  er.steigern 
fii,;  (i.  US-:  1.  M.'rsteigern  Ap.  —  2.  bis  zu  Ende 
,nh  li.iiiirrrii,  ,lnl.  —  veT-:  1.  durch  Auction  ver- 
kaiilrii,  (ill.'iitUili  \  ei steigern  übh.,  mit  Sach-Obj.  allg. 
,\Venn  einem  Verstorbeneu  die  Fahrhabe  vergantet 
wird,  so  werden  bei  Anfang  der  Gant  für  ihn  drei 
Vaterunser  gebetet'  L  (Ineichen).  Me  sött-di"''  v., 
scherzh.,  du  bist  nicht  mehr  wert,  behalten  zu  werden; 
oft  mit  dem  Zusatz:  Aber  es  wiird  niemer  Nüd  büte"  Z. 
,0b  die  Pfänder  [z.  B.  Vieh]  ützit  verzärtln,  so  mag 
der  wirt  die  nach  8  tagen  umb  sin  zergelt  v.'  1472, 
LReiden.  .Die  güeter  versetzen,  verkoufen  ald  v.' 
1530,  .\bsch.  —  2.  (von  Gant  2)  einen  Zahlungsun- 
fähigen zur  öffentlichen  Versteigerung  seiner  Güter 
treiben  B;  L;  Gr;  GRh.;  Z;  Zg  (St."»).  Syn.  vergelts- 
tagen.  ,So  zwei  Ehemenschen  dermassen  Hus  hielten, 
dass  sie  in  Geltschulden  kommen  und  verrueft  oder 
vergantet  wurdend.'  1541,  Z.  ,Die  Hälfte  der  Graf- 
schaftsangehörigen  [AaB.]  sei  [durch  die  Juden]  schon 
v-t'  1773,  Absch.  ,Viel  Bauern  sind  v-t  worden,  die 
10  Mal  mehr  besessen  als  die,  so  ihre  Güter  erstanden.' 
HPest.  1785. 

Ganter:  Gantmeister.  ,Durch  den  geschwornen 
Weibel  oder  G.  soll  die  Gant  zu  drygen  Eüefen  oifen- 
lich  u.sgerüeft  werden.'  1575,  Ztschr.  f.  Schwz.  K.  — 
0.  auch  Geschln. ;  vgl.:  ,Ueli  Gantner,  Ammann  von  Sargans.' 
1579. 

Ver-:  der  Eigentümer  der  Gantobjecte.  1757,  Bs 
Kq.;  s.   Uskünd-Gant  und  G.-Geber  Sp.  9.5. 

ver-gantiere(n):  =  verganten  1.  Werden  Herr- 
schaften verkauft,  ,vergantiert'  oder  vertauscht.  Itil9, 
Absch.  ,Wann  Güter  sollten  per  incant  vergantiert 
werden,  soll  der  Meistbietende  solche  beziehen  mögen.' 
1739,  U. 

gänt(e)len:  dim.  zu  ganten.  ,Als  es  nicht  mehr 
gehen  wollte,  gab  er  das  Omnibusführen  auf  und  fieng 
an  zu  g.;  alle  Augenblicke  las  man  wieder  im  Amts- 
blatt, dass  er  Dies  und  Jenes  versteigern  werde.' 
Breitbnst. 

Gantere"  s.  Kantrum. 

gänt  s.  gäfnj. 

Günter  m.:  1.  (Ganter)  Gitter  vor  einer  grossen 
Öffnung  AaZ.  ,Genter'  (PI.)  mit  ,Gätter'  wechselnd 
in  Oppn.  Je-stetten  c.  1515:  ,Die  strass  soll  offen  syn 
und  haben  zwen  g.'  ,Häg  und  genter,  so  das  körn 
schirment'  1549,  JHuber,  Klingn.  ,1m  Genter',  Fluni. 
SciiHa.;  ZBül.  —  2.  Verschluss,  Verschlag;  Gefäng- 
niss.  kenter,  enger,  dunkler  Behälter,  finstere  Seiten- 
kammer für  allerlei  Dinge  BSi.;  (G-)  Gang  vom  Stall 
bis  zur  Tenne  G  oT.f;  i-H,  kleine  Kammer  BSi.    ,In 


381 


(iant,  Reut. 


ut.  sunt 


382 


(l.Mii  j;eiitrr  .>,1.T  keikev.-  ZRliein.,  nacli  1330.  ,Gantei" 
mit  ,kanmiei-  syii.  in  der  Spitalordn.  Const.  1374. 
.Iieiii  .Steinmetz  verdinget  die  camin.  steinine  genterlin, 
samt  den  brunnen  im  höflin.'  1571,  L.  In  TnErmat. 
wird  1651  Einer  ,in  den  Genter'  eingesperrt.  L  ötaats- 
arcli.  --  3.  Gänterli.  Mitritt  lilla.;  .latrina.'  Id.  B. 
Syn.  Hilsli.  —  4.  Gihilcrli.  Srlnaiik,  Kasten,  a)  auf- 
recht stehender,  mei.st  eintüri^'.'r  Kasten  für  Kleider 
(im  Unterschied  zum  liegenden  Troy)  Aa;  L;  G;  Sciiw; 
ü\v;  Zg.  Früher  war  es  Brauch,  auf  der  Aussenseite 
oder  der  Türe  dieses  meist  blau  oder  rot  angestrichenen 
Möbels  einen  Blumenstrauss  oder -topf  mit  dem  Namen 
des  Eigentümers  (und  seiner  Frau)  und  der  Jahrzahl 
der  Anschati'ung  oder  der  Verehelichung  zu  malen, 
z.  B.  ,A.  M.  Meyer  g'hört  diser  Schrank,  Gott  sey 
Lob  und  Dank.'  1786,  L.  ,Was  von  Seiden  oder  köst- 
lichen Sachen,  soll  der  Schneidermeister  in  die  Kästen 
und  Genterli  verschliessen.*  ca  1650,  Gesindeordn. 
Muri.  —  b)  Küchenschrank,  Speisebehälter,  olt  mit 
gegitterter  Türe  AAEhr.,  F.;  TnGachn.;  s.  KuuU-G. 
Syn.  Almare,  Schaffreiti.  ,Ein  genterli  by  dem  für.' 
14'2'2,  L  Inv.  —  c)  Kästchen,  kleiner  Schrank  im  Wohn- 
zimmer, entweder  als  Wandschrank  in  der  Wand  oder 
Mauer  eingelassen  oder  nur  KopfiMide  di's  .BnrtVts', 
zur  Aufbewahrung  kleinerer  (icunn-tinnlr,  ]ir<.  Wert- 
sachen, dienend  und  ohne  ScliiiMiuhn  mit  .Miimi  n,lor, 
wenn  aus  mehreren  Fächern  lirstrlinul,  mit  mcliirreu 
Türchen  v.tm  lilirs^l,;iv  A\;  Ar;  Bs;  B  (,rcceptaculum.- 
M.  ]t);  Gl,  (aii.li  l;,,M|k',MrlH.n);  G;  ScHW;  S;  ÜW;  W; 
/li;  Z(».t  ''^.vii.  K'-i'/liiish,  Kämtcrli,  Büffet,  Schaft. 
.Einen  liervcis|ii  iiii,'ciidi'ii  .Schrank,  der  bis  an  die 
Decke  der  Stiiln^  iciilil.  nennt  man  das  G.  und  er  ist 
in  den  meisten  Stulicn  "der  doch  fast  in  allen  Neben- 
stübchen  zu  finden.  Dieses  G.  ist  ein  gar  bedeutsamer 
Behälter,  er  ist  die  Schatzkammer  des  Hauses,  birgt 
Kleinodien,  Schriften  und  Baarschaft.'  Gotth.  .Das 
(!eld  war  im  G.  in  einem  Körbchen  nnd  Vater  und 
Jlutter  nahmen  daraus,  wann  sie  es  nötig  hatten.'  ebd. 
.[Für  den  Kirchweihschmaus]  wird  das  Küchengeschirr 
von  seinem  Behälter,  Schaft  oder  Genterli  genannt, 
lieruntergeholt'  Hofst.  1865.  RAA.:  Dem  Here  über 
'n  G.  i)ö',  fluchen,  .sakramentieren'  L  (Ineichen);  i''s 
G.  lü"  liiege",  von  Solchen,  die  gerne  Staat^amter 
hätten  Bs.  's  ist  Öppis  im  G.  und  schml  :i,,tf.-/,iiini,,iii 
[Kind  in  der  Wiegel  AaF.  Zwei  Hii„ir/,.  .»,/  ,s/-„/- 
fiell.  es  G.,  cn  Sjiiess  fl.ichtscheere].  ,h:,n  -anle,-|i 
in  iler  Sacristei,  darin  ila-  lieiltnm  -tal/  <■.  l-^nii.  /,,, 
,Der  priester  habe  ein  li/i^lin  mM  g-enleilin  nlneian. 
die  zierd  darus  zue  neninieii.'  l-"iUl!,  Stkic;ki,.  .Lad 
sölich  register  soll  behalten  werden  in  dem  sacrastin 
in  einem  g.'  1567,  Gfrd.  .Die  alten  Kasten  und  G., 
welche  in  der  Kirche  [zu  Beilenz]  herumstehen,  sollen 
weggeschafft  werden.'  1784,  Absch. 

Zu  ürunde  liegt  tat.  canterius,  Sparrwerk,  Jochgoländer, 
woraus  ital.  eaniiere,  lomb.  cantir,  Dachsparren,  Zimmerplatz, 
frz.  chanlier,  Fasslager,  Schuppen,  bair.  Ganter,  O'anlmr, 
Unterlage  von  Balken  für  Zimmerbolz,  Fässer.  In  der  Baar 
bedeutet  Ganter  eine  mit  Brettern  oder  Balken  abgesonderte 
Stelle  im  Keller  für  Obst,  Kartoffeln.  Diese  Grundbed.  ist 
in  1  —  3  noch  leicht  erkennbar,  der  Übergang  zu  Bed.  4  war 
nicht  schwer:  Gehäuse,  urspr.  zum  Teil  aus  Gitterwerk  zu 
verschiedenem  Zwecke.  Das  schriftd.  ,Schrank-  vorglichen 
mit  Sihrmd-e  hat  dieselbe  Bed.-Entwickelung  durchgemacht. 
Zu   Bed.  3   vgl.   it.  eanlaru,   Abtrittgrube.     S.   noch  Kanirnm. 

Hüener-Gänter:  gitterartiger  Verschlag  für 
Hühner    .AAZein.     Syn.   Hüener- Gatter.    —    Kuchi- 


Gänterli:  Küchenschrank  AArAare;  G;  Schw;  S; 
Uw.  Er  treit  's  Ch.  iif-cm  liugrje'  nö^'',  hat  einen 
Höcker  LG.  ,Etwas  Apartes  im  K.,  ein  Stückli  Flei.sch 
oder  Küchle.'  Gotth.  ,Umb  1  Kuchegenterli  6  Gl. 
•20  ß.'  1611,  L.  Syn.  Kuchl-Käsjfll;  vgl  Gänterli  4  b. 
—  Mileli-:  .Milehkästehen  AArAare.  ,ln  der  Wohn- 
.stuheii  iH'lindend  ^i^ll :  das  Kniifli  usü.  das  M.  und  das 
Zyt.'  Itiuj.  Aa.  Ilmt-:  Kastclien  zur  Aufbewahrung 
des  Brotes  Nnw.  —  Seliatz-.  .Di.ss  Sigel  band  MHH. 
widerumb  ernüweren  lassen,  dann  das  alt  gar  zu  fast 
ussgeschlissen,  um!  das  alt  in  das  Schatzgenterlin  im 
Wasserturn  behalten  lassen.'  c.  1600,  RCvs.  —  Spis-: 
kleiner  Schrank  zum  Aufbewahren  der  Spls,  d.  1.  Käse 
und  Brot  Uw.  —  Stube"-:  Wandschrank  in  der  Stube 
GA.;  einzelne  Abteilung  im  Büffet  Nnw.  —  Tor- 
Gänte  I  :  (Üfteii-Tniei  AaZ.  (i  (ei  wand-Gänterli: 
kleiner  Klenleika>len  I'h;  V-  Zu.  .Das  Büffet  und  G. 
in  Sal  l-sGl.-  UiU.  L.  —  Zit-;  Uhrgehäu.se  für  eine 
Wanduhr  LV.     Syn.  ZithilsU. 

gänterle":  1.  das  Gänterli  häutig  auf-  nnd  zn- 
schliessen  Ndw.  Syn.  türlen.  —  2.  einschliessen; 
bildl. :  Einem  seine  Freiheit  nehmen  B  (Zyro).  - 
3.  riechen  oder  schmecken  wie  Etwas,  das  lang  im 
Schrank  verschlossen  war."  —  4.  a)  bis  zum  Ekel 
von  Etwas  reden,  bes.  um  es  zu  erhalten;  Jmdm  durch 
Bitten  und  Forderungen  beschwerlich  fallen  „Sch" 
[wo  /,-|:  Uw.  Er  hat  scho"  lanfi  a"  -  mer  [an  mir] 
iiiiivii"  idrn-  tniniii')  ifii<'iiilrr}rl  Xow.  Syn.  umme"- 
liirrlni.  h)  .zankeln,  keinen  otVenen  Streit,  aber 
in 'r   Hispute   haben...      Syn.   killni. 

Für    I    Ir^'l    sieli   ..»(.1. »    ;'.    IM  I  :!l,   nahe;   doch   spricht 

das    <'br.    in    l'iv    vorkmi lele   Svii.    (»/./.«    für  Zshaug    mit 

Güiiliiil,! :  viell.  ei-.  iil„r'^  C.  ;/ii",  wiederholte  Versuche 
machen,    VAw.   m    liialen;    v;;!.   re/fei. 

i"-:  einsejiliessen.  einsperren,  einschränken,  eig. 
u.  bilill. ;  einpassen,  z.  B.  ein  Gläschen  ins  Fernrohr  B. 
,Dass  man  dem  Burschen  keine  Freude  lasse,  ihn  ein- 
gänterle,  wie  einen  gefangenen  Vogel.'  Gotth.  ,Man 
werde  es  [das  Mädchen]  jetzt  nicht  mehr  so  wollen 
eingänterle;  es  werde  jetzt  ungeniert  gehen  können 
über  Gold  und  Wein.'  ebd.  Aber  i'-g.  lai  [lasse]  es 
si  notti  [denn  doch]  nid  u"'  z'  Märit  u"'  z'  Masterig, 
deich  [denke]  es.  verd  's  chimne'  ga  wi  bisdahi".  Lieber 
in"ll  es  strrlir".  ir,,lir  s.)  i^ff schranket  si'  wi  di  meiste." 
Il'/Zier.  Uli  iiinii"  In"  diirfe".  ebd.  Syn.  in-hilslcn, 
'hini.  umme"-:    in   verborgenen  Winkeln  heruni- 

sjilrn^leni   l'w  (St.'').  —  ÜS-:  tr.,  schelten  UwE. 

l;  e  n  I    s,  (/«".  Widergent(er)e"  s.  wider-gän 

Sp,    Mk 

(lenlcl  11,:  tienftal,  langgestrecktes  Tal  in  Holla., 
daher  die   l;,\.:    Imig  tele 's  G.,  sehr  lang  B. 

G  uutel  s.  GiiHlen. 

Gi'mtellne"  ("""")  f.:  eine  Art  klein  karrierter 
Baumwollstoff  Aa;  Z.  Syn.  Gingang;  Gehiislet's;  Ga- 
derelli'S,   —   Wohl  frz.   Ursprungs. 

Gunte'^  I  PI.  -ü-  u.  -u-,  dim.  Guntll  u.  Gü-  \k\ 
Gl;  L;  G;  Schw;  Z;  Zg,  Guntel  BÜ.  (PI.  -</c»,  dim. 
-teli)\(i-R  {Gundel  Av.,  Nuf.);  GWe.;  Uw;  W  —  m.: 
eiserner,  pflockartiger  Keil,  durch  dessen  dickes  Ende 
ein  eiserner  Ring  geht,  an  welchem  eine  Kette  oder 
Seil  befestigt  wird,  um  eefVinte  Üaumstämmc  wegzu- 
schleifen,  in  deren  Kepien.le  ei  getrieben  ist.  .\uch 
etwa  eine  als  Ersatz  diiinn.le  ei-erne  Klammer  (Bund- 
Haggen)  G.    In  die   Kripiie  .■inee.^ehlagen  dient  er  in 


(ianfs— gunts.     Gantsch— gunts 


384 


Gl  uiul  Gk  auch  zum  Anbinden  des  Viehs  vermittelst 
der  GtmteJ-Chetti.  , Ketten  und  Günten  zu  verstei- 
gern.' L.  Wie  am  G.  g'männt,  durchnässt  und  voll 
Kot,  wie  das  am  G.  ziehende  und  darum  der  Be- 
spritzung mit  Kot  viel  mehr  als  ain  Wagen  ausgesetzte 
Vieh  SoHW.  Am  G.  ha",  an  sein  Interesse  geknüpft 
halten  L;  Syn.  am  Bändel.  .Achsen,  gunten.'  1379, 
ScHwE.  Arch.  ,Von  einer  neuen  g.  18  ß.'  1561,  ebd. 
,So  Einer  mannte  [führte]  am  G.  oder  uf  dem  Schlitten.' 
1622,  ScHwHö.  ,So  Einer  am  Herbst  Holz,  so  er  uf- 
gemachet  hat,  z'weg  männete.  so  mag  dann  Einer  wol 
Etwas  am  G.,  dass  er  nit  müess  leer  heimbfahren. 
[wegführen].'  16'2'2,  ebd.  , Wegrecht  für  Handschlitten 
mit  Anhänki,  für  solche  Stücke  Holz,  die  ein  Mann 
mit  einem  G.  hinabziehen  mag.'  1709,  ZHorg.  .Zwo 
Bundkettenen,  zwo  Günten,  ein  Eisenschlegel.'  17'2.5, 
ZMeil.    Syn.  Süfzi;  Gimtel- Weggen. 

Weder  direkt  von  lat.  cuneun  (churw.  cuegno),  Keil,  noch 
von  dem  in  keiner  der  roni.  Sprachen  fortgepflanzten  lat. 
coittm,  Spiess,  Stachel,  sondern  wahrscheinlich  von  mlat. 
cunmla  (von  <■««<•«»),  Axt  (frz.  coijnte,  churw.  cuynuda);  vgl.: 
,Unaqna'qin'  vilh  Ivilif  nt  sccnres,  id  est  cuniadas.'  Capit.  de 
villis.  li:i-  "<  Ml.  lii  -'  lil.  ist  uiir  noch  sporadisch  vertreten 
und  villi,  iliiirli  ili,  ,\.'-  syn.  Weggen  und  des  ähnlich  klin- 
genden lliiiii.n  vriilraiigt  worden;  die  Endung  -el  nach  Ana- 
logie von  , Schlegel'  u.  a.  Die  2  ältesten  histor.  Belege 
könnten  noch  die  ursprünglichere  Bed.  ,Beil'  hahen;  vgl. 
Gunt-Ax  Bd   I   619. 

Haggen-Gunte":  G.  mit  blossem  Haken  statt 
eines  Ringes;  neben  .ganz  G.'  erwähnt  1659  in  ScnwE. 
Klosterinv. 

Scherr-:  Eisenkeil  mit  einem  drehbaren  Zapfen, 
der  wiederum  lose  im  Ringe  steckt  Zg;  Zichschwinge 
oder  Zugscheit  mit  einem  G.  aScnw.  ,5  Gertel,  14 
Scher-G.,  6  Züg-G.,  eisin.'  1550,  SchwE.  (Klost.-Inv.). 
,Von  einem  Scheer-G.  [dem  Schmid]  20  ß.'  1593,  ebd. 

Das  Zugschoit  sammt  G.  wird  einer  Schere  verglichen, 
wie  sonst  einer  Wage;  vgl.   An-img. 

Schrüben-:  .Schrauben-  und  andere  G.'  L. 

Zug-  s.  ScMrr-G. 

gunte"  Gl;  „L",  guntle"  1  „B;"  Gl;  L;  Uw: 
einen  ,Gunten'  einschlagen,  z.  B.  in  eine  Krippe  Gl; 
L;  Holzstämme  oder  -Blöcke  vermittelst  des  ,Guntels' 
(zumeist  aus  dem  Walde  bis  zum  Fahrwege)  schleifen 
„B;"  Gl;  L;  üw.  ,So1  nieman  enkeins  buechis  brönn- 
holz  im  berg  nit  houwen,  wann  das  einer  entweders 
wol  guntlen  mag  old  aber  durschlahen.'  1433,  Offn. 
üwBuochs.  , Welcher  in  den  wälden  holzen  will,  der 
soll  die  hölzer  nüt  lassen  walen  [wälzen],  sondern  das 
gonten  oder  aber  das  schleipfen  [auf  dem  Schlitten].' 
1493,  GKrin.  Gifn.  ,Wie  bringend  ir  das  holz  dahinV 
si  haben  geantwortet:  si  guntens  her  über  Dangstall 
und  lassens  hernach  in  die  wcid.'  1532,  Hof  Kriess. 
G'guntlet,  nass  und  mit  Kot  bespritzt.  Du  chunnst 
[kommst]  fi"  g.  hei"'  BHk.;  Syn.  s.  Gunten.  —  umha- 
guntle":  herumpoltern  BRi.  —  a"- gunte»  Gl, 
-guntne»  Gl;  Gr  UVatz,  -guntle"  Gr;  W:  tr..  ein 
Stück  Holz  an  den  G.  befestigen.  Auch  m.  Dat.: 
einem  Pferde  ein  Zimmerholz  a.  W.  ,Es  muoss  das 
tier  und  gschirr  mit  einandren  an  die  bürde  gefüert 
werden  und  angüntet.'  Zwingli  1527.  —  i"-gunte": 
einen  G.  entw.  in  einen  Baumstamm  einschlagen,  um 
ihn  fortschleppen  zu  lassen,  oder  in  die  Krippe,  um 
das  Vieh  mit  einer  Kette  daran  zu  binden  Gl;  L; 
auch  das  Vieh  auf  letztere  Weise  festbinden  Gl. 


er-gunte"  Gl,  -guntle"  UwE.:  1.  stark  schütteln 
Uw.  D'r  Htteste  häd-mi'''  sdwili'''  erguntled.  Syn. 
ergeuschlen,  -gesten,  -girgelen.  —  2.  durchprügeln  Gl. 
.\bl.  erguntschen. 

1.  Das  Bild  ist  entlehnt  von  dem  am  Gunten  geschleiften 
und  durch  die  Unebenheiten  dps  Bodens  umhergeworfenen 
Stamme.    —    2.   Auch  frz.   cogner  hat  diese  Bed. 

üs-gunte"  Gl:  1.  sich  von  der  Kette  an  der 
Krippe  losmachen.  D'  Chue  hat  üs-guntet.  Syn.  abkön, 
üsrisgen.  —  2.  (tr.)  durchprügeln  =  er-g.  —  3.  iis- 
guntlen,  hart  verfahren  mit  Einem  BBe. 

Gunte"  II  (PI.  Gu-  n.  Gm-,  dim.  GüntU)  AAWohL; 
Gr;  ZIS.;  m.  Gl;  G;  Th;  f.  Ap;  Gl;  Schw;  U;  „Z"; 
m.  u.  f.  „Gl;  U;"  Zg,  Glunte"  m.  u.  f.  BG.,  0., 
Ghtnde"  und  -t-  BSi.  (PI.  Ghmten,  tw.  -ü-,  in  BRi. 
Ghinti  —  dim.  Glündeli  BSi.):  =  Gumpen  In.  2  (s.  d.). 
Z"  der  Gonte'  isch  's  frei  [bequem]  z'  bade'  Ap.  ,In 
einem  Seeli  oder  Wassergunten  versenkt.'  ÄgTschodi. 
.Gurges,  ein  wassergunte  oder  gumpen.'  Fris.  ,Es  soll 
in  der  Rüss  noch  in  allen  andern  giessen  und  gunten 
im  land  niemand  fachen  by  verlierung  des  fischerzügs.' 
1607,  U.  Als  Ortsn.:  Gunten,  Gonten,  Dorf  am  Thuner- 
see;  Gonten  Ap;  im  Gunte'  Weiler  ZHombr.;  im  Gunti 
ZOssing. 

Ader-Gunte".  ,Tori  venaruni.  a.,  wenn  die  bluet- 
aderen  an  etlichen  orten  aufgeblasen  voll  werdend, 
wie  krampfaderen.'  Fris.;  Mal. 

Ross-:  tiefe  Stelle  eines  Baches  in  ApWolfh.  — 
Eig.   wohl  Pferdeschwemme. 

Gunter  m.:  mit  Wasser  bedeckte  grössere  oder 
kleinere  Fläche  ZSth.  —  Dazu  vgl.  den  Flurnn.  ,iu  der 
Günteren'  SchwMuo.,  ebenf.   Abi.  von   Gunten  II  in  coli.  S. 

guntle"  H:  1.  (act.)  eine  Flüssigkeit  in  einem  Ge- 
fässfe  schütteln,  so  dass  sie  schwappelt  und  plätschert. 
D'  Mi.vture  mues-me'  mängist  brac  g.  Kdw.  —  2.  (intr.) 
plätschern,  wie  Wasser  usw..  das  in  einem  Gefäss  ge- 
rüttelt  wird.   ebd.    -    Vgl.  umll.n   und  gnng.jh,,. 

Gunten  III  s.  Punten.       Gunten  IV  s.  Cunten. 

Gnntle":  Adelgunde. 

Günte"  Ginte  im  Kopf  haben,  seltsam,  wunderlich 
sein  W.  —  gün tisch:  launisch.  Ds  Wetter  ist  luni- 
sches  old  gintisches  wie  ds  Wibuvolch  W. 

Etwa  von  Gunten  I  (obwohl  hiefür  im  W  die  Form 
fftiiKcO?  vgl.  S]>amn  im  Kt,,,/.  Oder  von  Gxmt,n  II-  vgl. 
Tropf;  Guctachlag,  Beides  eig.  Blutaustritt  im  (uhiiu:  vgl. 
Adercn-G.      Oder  von  conto,   Rechnung;  vgl.   Kuhiulvr. 

Guentig  s.  Gttew  Tag. 


In-Gäntsen:  eingehende  Gerichtsgebühren.  ,G( 
fäll  und  Eingenzen.'  1670,  Aa.  -  Ein  vom  ueutnilen  l't 
intjändi  (s.  Sp.   '21)  neu  gebildetes  Fem. 


G  int  seh  et  s.  Ginschd. 

GÜlltsch  „m..  n.%  It  T.  f.  Ap:  1.  Kinderpuppe  (bes. 
zerzauste).  —  '2  verächtlich:  junges  Mädchen;  unver- 
schämtes, ungezogenes  Kind.  —  3.  Dirne;  Syn.  Gösch. 

Vgl.  G'un(t)isch,  Winterschuh  aus  Haaren,  ,Fink',  welches 
ähnlich  wie  Häntsvh  (Handschuh)  in  verächtlichem  Sinn  auch 
auf  Menschen  und  Tiere  übertragen  wird. 

Büre"-Göntschl  n.:  Bauerndirne  Ap  (Merz  1836). 


(iailz— !J 


■11     S.     IJI(ll>yCJtk)i. 


(Seliuler).  «yii. 


i  11 1  sc  li  s.  (rünsch 


si-ganxe":  an  Etw.  hcrumuiachen,  bis  es  geht  BBe. 

Ktwa  VHii  ciiieni  zu  .Gang'  gehöicndeu  Vb.  'ijuni/mn  vediipl. 
lüdet  wie  iji-;iiimji/fii,  -ijaijen  I  oder  auch  nur  aus  Letzterem 
fcitcrt. 

Ginx  111.:  eig.  =  G-ingg,  aber  in  dem  engern,  präg- 
iiten  S.  des  entscheidenden  Stosses,  des  Todesstosses, 
(1  nur  bildlicli.   Das  hät-em  na  [noch]  de"  G.  g'ge"  Z. 

i"is-ginxe":  ausschlagen,  bes.  von  Pferden  G. 
11.  iis-(jinij(jcn. 

ver-ginxle":  verzaiipelii  B  nHa.   i>yn.  cer-gitslen. 


^aiiz,  Ciiiiiii.  ganzer,  Sup.  „gmiziiexf".  A.  AJj.: 
1.  wie  nlid.,  unzerbrochen,  unversehrt.  Aiit.  ah  ein- 
iiHd(cr),  lerhlt.  allg.  So  wird  auf  den  nieisten  8ar- 
!,'aiiser-Alpen  ,das  Vieh  jeden  Tag  für  ein  paar  Stunden 
zu  g-eni  Gras  [wo  noch  kein  Vieh  geweidet]  geführt.' 
FkTschudi.  ,lch  weiss  wol.  dass  ich  selten  ganz  zehen 
gebebt  hau.-  TuPlatt.  Vom  ganzen  Leib:  Du  bist 
emd-aw"  na'''  g.,  naiver  Trost  zu  Einem,  der  einen 
Fall  getan  Z.  „Er  ist  ganze- n-ussem  Chrieg  chö', 
unversehrt."  ,Man  sötte  für  den  fall  geben  ein  ge- 
spaltenen fuess.  das  ist  rindervech  und  nit  ein  ganzer 
lUL'ss.  il.  i.  ein  mss.-  l.^'2tifVK  Ofru.  Sin  [des  geizigen 
Üanersl  Clairrhf  .^,,1/  /„ /s-,  Fr.,,,..  ,,i,,l,r  iler  Nase  g. 
(d.  i.  uluic  .Mnip||  „i,,J  l„i,rl„:„i  S,l,,hr  scMsse"  Z. 
G.  Hmlöpfcl,  nicht  zei-^tuckclte.  1j1u.,s  -■cM..ttene,  zum 
Unterschied  von  den  gekochten  Kartotfeln  Z.  Syn. 
gesell iccllt,  gesotten.  Im  nioral.  Sinne:  ganzi  Hose' 
anhä',  von  einem  sittenreinen  Manne  W.  S.  noch  ge- 
schlagen. —  2.  von  Tieren:  unverschnitten.  En  ganze 
Stier,  Zuchtstier  Ndw;  Z.  .Ein  einjähriges  verschnit- 
tenes oder  ganzes  Stierkalb  nennt  man  einen  Kalb- 
stier  (Gl).'  Steinm.  180'2.  En  ganzfnje  Hengst,  Zucht- 
liengst  Ap;  Gr.  Auch  substantivisch:  de;-  G.,  en  G-e 
GKEhw.;  vgl.  roll  Bd  I  880,  Voller  Bd  I  784.  ,Du 
hast  Tvohl  [beim  Mähen]  drein  geschlagen  wie  ein 
G-er.-  JSenn.  ,Ein  Laufschwein  (ganze  Loos).'  1883, 
Scuw  (Bote  der  Ursehweiz).  ,Der  keller  soll  han  ein 
g.  rind,  ein  g.  swyn  und  ein  g.  schäfe.'  1385,  ScuSt. 
—  3.  von  Getränken:  g-e  Milch,  wie  die  Kuh  sie  gibt, 
unabgerahmte,  im  Gegs.  zur  abgerahmten  (,abgenom- 
menen')  und  zur  ,halben'  {halbabgerahmten),  oder  zur 
.Käsmilch.'  allg.  ,I)ie  alte  Wittwe,  die,  so  lang  ihr 
Mann  lebte,  nie  ins  Wirtshaus  gieng,  nie  g-e  Milch 
brauchte  [denn  der  Genuss  von  g-er  Milch  gilt  als 
unhaushälterisch].'  Gotth.  , Daheim  hatten  die  Geissen 
Milch  gegeben  und  wenn  sie  abbrachen  [weniger  Milch 
gaben],  fand  man  bei  der  oder  jener  Bauersfrau  ein 
williges  Herz,  dass  sie  Einem  für  einen  Halbbatzen 
g-e  oder  doch  abgenommene  Milch  gab.'  Breitenst. 
.Viuuni  merum,  lauter  oder  g-er  wein.  G-er  unge- 
niengter  wein,  darin  kein  wasser  ist.'  Fkis.;  Mal.  — 
I.  Gegs.  zu  zerteilt,  halb.  En  ganze  Schüblig,  eine 
Doppelwurst  (ein  .Pärchen').  Ganzi  Stitd  =  Hochstiid, 
so  benannt  im  Gegs.  zu  Pfeilern,  welche  nur  von 
Stockwerk  zu  Stockwerk  reichen  AAMeerensch.  Von 
einem  Begleiter,  der  nicht  gut  marschiert,  sagt  man: 
Schweiz.  Idlotiliou  H. 


Mit  dem  käme  man  in  einem  g-en  Tage  so  weit  als 
in  einem  halben,  's  ist  weder  Halbs  na'''  Ganzes,  un- 
zufriedene Bemerkung  zu  einer  Arbeit,  die  Einer  an- 
gefangen, aber  wieder  liegen  gelassen  hat  Z.  Fast 
(schier)  ist  ken  ganze  (nur  en  halbe)  Gast  (Stier),  un- 
mutige Zurückweisung  eines  fast  oder  schier  Z.  Nach 
der  Meinung  des  Volkes  gibt  es  nur  wenige  ganze 
Apotheken,  d.  h.  solche,  wo  man  alle  Medikamente 
haben  kann  '/..  S.  Glger  Sp.  151,  Galgen  Sp.  231). 
E  (/(iii:,  l.iuvu'iiiarlite]  Wäret  (in  beteuerndem  Tone) 
Z.  l>i,  ;/(-'  ,1,1"  '  ,1,  ijanze  Näi"',  ein  völliger  Z.  S.  noch 
Schulder.  Substantivisch:  Ganzes,  grössere  Geldmünze, 
im  Gegs.  zur  Scheidemünze.  D'  Lüt  händ  z'  wenig 
Münz  [Kleingeld]  und  kei"  G.  Z.  ,Ganze  Wochen 
[ohne  Festtage,  volle  Arbeitswochen].'  1515,  Ochs. 
,Uf  den  helgen  karfrytag  [an  welchem  keine  eig.  Messe, 
nur  die  missa  prasanctificata,  gefeiert  wird]  zwang  der 
lantvogt  einen  priester,  dass  er  im  g-e  mess  halten 
müesst.  das  doch  wider  Ordnung  gemeiner,  kristeu- 
licheu  kilchen  was.'  Edlib.  .Es  sagend  unsere  fischer 
solches  für  ein  g-e  warheit.'  Fischb.  15ü3.  ,Erzellung. 
das  lesen,  wenn  man  mit  g-cr  [voller]  stimm  list, 
recitatio.  Mit  g-er  und  heller  stimm  aussprechen, 
voce  summa  pronunciare  versus.'  Mal.  Ganzer  Land- 
tag hiess  die  Versammlung  des  Landgerichtes,  wenn 
ein  Todesurteil  gefällt  wurde,  in  Folge  dessen  man 
auf  die  Eichtstätte  sich  verfügte,  halber  Landtag  ein 
solcher  für  andere  Kriminalfälle.  EuKiniiKK  Hauskal. 
1841.  -  5.  (übertr.)  a)  ungeteilt,  vullk-n.ni.n.  lu.  hti- 
„En  g-e  Fründ."  ,Sie  hätten  ganze  Krrli.^-r  [Knls]. 
die  Ivätten  es  dem  Schulmeister  gereiset  [ilnn  den 
Meister  gezeigt].'  Gotth.  ,In  ganzen,  gueten  trüwen.- 
1424,  Aä.  ,Er  habe  allezeit  ehe  zwei,  als  nur  ein 
Gewehr  bei  sich,  seie  ein  g-er  Kerle.'  Z  Monatl. 
Nachr.  1754.  —  h)  ungelenk,  unbeholfen.  Er  tuet  wie 
g.,  benimmt  sich  .steif  bei  der  Arbeit,  eig.  wie  wenn 
er  (resp.  seine  Glieder)  keine  Gelenke  hätte  Zu.  Er 
ist  neume-n-e  Ganze,  weiss  sich  nicht  zu  benehmen, 
ist  grob  Zg.  Im  letztern  Falle  könnte  es  auch  zu 
Ganzer  m.  (sc.  Stier)  gehören.  —  c)  (unpers.)  g.  werde", 
vor  den  Augen  schwimmen,  etwa  Vorbote  einer  Ohn- 
macht Bs;  B;  Syn.  schicinde".  Es  wird -vier  g.,  eig. 
wohl:  die  Details,  Einzelumrisse  werden  zu  einem  ver- 
schwommenen Ganzen.  Wenn  i«*  ummemache  [flicken] 
soll,  so  wird  mer  Alles  ganz  vor  den  Auge",  klagt  eine 
Näherin.  —  B.  Adv. :  1.  wie  nhd.,  positiv  verstärkend, 
sehr,  z.B.  g.  tür  BL. ;  g.  vil  Bs;  Z.  Ganz  und  gar 
erlöge"  Z.  ,Gar  und  g.  erschrocken.'  LLav.  1509. 
,Perquam  flebiliter,  ganz  kläglich.'  Fris.;  Mal.  Auf 
der  Grenze  zwischen  Adj.  u.  Adv.:  ,Er  ist  ganz  unser 
mann,  totus  noster.'  Mal.  —  2.  eine  Neg.  verstärkend. 
G.  nit,  gar  nicht,  g.  Nüt,  gar  Nichts  Bs;  B;  PP.;  GSa. 
Mer  wohne  g.  nit  wit,  nur  da  obe"  i"  der  Vorstadt. 
ScHwzD.  ,Es  hatte  g.  keine  Art.'  Gotth.  ,Wir  truwteiid 
inen  g.  nüt'  HsSchürpf  1497.  ,G.  keins  nit.-  Ehmh. 
,G.  nüt',  gar  Nichts.  Gengenb.  .G.  nüts.'  1524.  Abscm. 
,Wider  Gott  hilft  g.  kein  list.'  Birk  1535.  .G.  keinerlei.- 
ZMand.  1545.  ,G.  nüt  verboten,  sonder  mer  [vioImohr| 
gepoten.'  XVI..  G.  ,G.  nicht  bewilligen.'  1557.  Aiis.ii. 
,G.  Niemant.'  RCys.  c.  1600;  XVII.,  Ges.-Ordn.  Muri. 
,Des  Handels  ires  Heils  g.  nicht  berichtet.-  I(i35,  Si-viti 
Wais.  ,Beweget  sich  g.  nimmer  mehr.'  .111  \m\u\n  li;57. 
Auch  wir  habeu  den  Unterschied,  wri.  li,  !,  -  !i  Ir.  I. 
9'27  beiiicrklich  macht,  je  nach  der  Bet(iMuM_  //.,." 

(der  noch  nicht  angegriffen  ist),  en  rjnnz,  //m  .  '  (^  m  i   Mulh  liov 


(laiiz— gunz.    (iap 


Haufe).  Unbetnut  auch,  weuu  das  Adj.  den  adv.  Ansdimk: 
im  Gauzen  —  vertritt.  Si  händ-evi  eti  ganze"  Batze"  ifstnrrf 
I beigesteuert;  d.  h.  nur  (sage)  einen  B.]. 

un-ganz:  von  der  Seide,  wenn  einzelne  Fiidclien 
de.s  Fadens  abgebrochen  sind  ßs. 

ct1,,^-o-|.>i.  :  verstärktes  jiawr,  wie  eine  Glocke  uline 
l;i-^,  /.  r..  ^oll  .inrin  Topfe  Ar;  Gl;  Gr;  G;  Z.  E« 
;il'i,i/ir,i,t,i:i^  r.ir^sli  | ( icUistück]  Ap.  Ell  dtizigi  glogcjc- 
i/aiui  :SpiHdlc  ist-iHfi-  )ui''''  hlibe  vo-me  Totzet  GRSchiers 
(Schwzd.).  Hingegen :  Be''  gl.  Tag  Gl  ^  de''  g.  g' schlage 
Tag  Gl.     Der  g.  Gloggetag  GW.;    vgl.  Glogge'stund. 

fglogge"-)  ]){ennig- :  vollkommen  unversehrt,  von 
Kleidern  usw.  Aa;  Gl;  GfiPr.;  Sch;  Z. 

Eiuo  ueu  geprägte  Münze  dient  wie  die  frisch  gegossene 
Glucke  als  Typus  der  Ganzheit  nnd  Unversehrtheit. 

ganzen:  ganz  machen,  wiederherstellen,  ,0b  die 
gescheidne  ehe  widerumb  gegenzt  werden  möcht'  1532, 
Bs  Rq.    —    Mhd.  (Jemen. 

an-:  1.  ein  Ganzes  anbrechen  (anzapfen,  ein  Fass; 
anschneiden,  einen  Laib,  Käse  usw.)  Gr.  Nu  tcege- 
n-ere  Portion  kami-i'''  de'  Tschunke"  [Schinken]  nit  a. 
Syn.  an-icenten.  S.  an-ginnen.  —  2.  angreifen,  an- 
fassen, berühren.  Der  verderbt  Alls,  was  er  angenzt  GrL. 

Mhd.  en-ijenzen,  bair.  «i«-,  un-gänzen  haben  ähnliche  Bed. 
wie  1.  Das  überh.  den  Anfang  bezeichnende  Präf.  an  hat 
sich  daher  wohl  aus  den  Synn.  un-haucn,  -schntden,  -zapfen, 
-zeren  eingedrängt.  Bed.  2  ans  1  verallgemeinert,  wie  auch 
frz.  entamer,  anfangen,  bedeuten  kann ;   vgl.  auch  lat.  inripere. 

er-:  wie  nhd.  ,Zu  Ergänzung  des  Schadens.' 
ECvS.  C.  1600.    —    Auch  crgänsen  gesprochen;   vgl.  Franms. 

zer-:  brechen,  auflösen,  zerstören.  ,Von  des  heil- 
tuonib  [Heiligenbilder]  wegen,  das  zergenzt  und  g'bro- 
chen  ist.'  Vad.  ,A1s  das  closter  von  denselben  von  C. 
etwas  zergentz  [!]  und  verbrennt  was.'  ebd.  ,Darunib 
von  allen  dreien  [Feinden]  grosse  rüstung  wider  den 
künig  fürgenommen  ward,  welche  er  mit  mannheit 
zuerugg  legt  und  zergenzt.'  ebd.  —  Mhd.  zergenzen,  zer- 
stückeln.    Syn.  zer-gängen. 

gänzlich.  In  der  Teilung  sei  die  Grafschaft 
unverteilt  (.gänzlich')  dem  Herzog  geblieben.  1.544, 
Absch.  .Gar  und  genzlich'.  ganz  und  gar.  1369,  Urk. 
ZZoll. 

Gänzli"g  m.:  ausgewach.sene  Schnecke  Uw.  — 
Von  ganz,  wie  HätUing  von  halb.  Vgl.  tir.  GmisUng,  unzer- 
schnittene  kleine  Rübe. 

Ganz  ni. :  Enterich  GSev.  -  Mhd.  ganze,  ganzer,  Gän- 
serich; unser  W.  viell.  aber  blosse  Übertragung  von  ganz  A2. 

Genze(ne")  s.  Jenze. 

ginze":  zwinkern  mit  den  Augen  AiZein. 

er-ginze":  schaudern,  schaudernd  erschrecken,  auf- 
fahren; frösteln,  gruseln  Gr.  „Das  Wasser  ist  so 
kalt,  dass  man  drab  erginzt."  Es  erginzt  mi''',  beim 
ersten  Eintauchen  ins  Wasser.  Auch  etwa  vom  Ein- 
druck plötzlicher  Freude:  i'''  hin  erginzt  GRPani. 

gonzle":  =  gönen  I  Sp.  332  GRBh.,  V.  Syn.  guenzen. 
—  Mit  dem  ableitenden  z  von   Gun. 

„Gnnze"  f.  =  Gunten  II  LG." 

Günz:  Koseform  von  Günther  Bs.  Nbf.  Güntschli. 
Einer  von  BsEpt.  heisst  1368  als  Edelknabe  ,Günz- 
mann',  9  Jahre  später  aber  als  Ritter  ,Günther'. 

Günzen-hüser:  Apfelsorte  im  Th.  —  Aus  dem 
zum  vorangehenden  W.  gehörigen  Ortsnamen. 


..giienze"  =  gdnzlen." 

giu'iizle",  ah-g.:  betteln,  durch  Schnieic 
List  Jradm  Etw.  ablocken  L  (Feierab.). 

Abgel.  von  guawit,  viell.  unter  Einwirkung 
gntzlen   und  kiunlzlen;  vgl.   noch  gnentilen. 


ß«P»  gep>  giP)  g"P>  g"P)  l'pzw.  gapp  usw. 

gappe":  spielen,  gaukeln  (mit  den  Händen,  resp. 
Vorderpfoten,  vun  jimiivii   Tirren  und  Menschen)  Aa; 

L;  SEech.  —  Zu  'Irii  S\iiii,  .,,.//,.  ,i,  göpen,  gämpten  vgl.  die 
unter  sich  syn.    K.ilir:    i,,/,/,,,,,    t,,lj,tu,   ispen,   tampeu. 

umme°-:  tappend  umhergreifen  L  (Ineichen).  Syn. 
umme-täpen. 

Gappi  m.:  Gaukler,  Tändlcr  L.  —  gappig,  -isc  li: 
gaukelhaft,  mutwillig  L. 

bi-gapper  s.  Gott. 

Gappe",  Gäppe"  f.:  Name  für  eine  Kuli  mit  ;i1j- 
wärts  gebogenen  Hörnern  Gr. 

Gäppi:  Kaspar  W.    Syn.  Chäpiii. 

ganpe"  Ai'K.,  gauple"  ScnNuk.;  TuTäg.:  schäkern, 
sich  possenhaft  geberden.  ,Die  esel  goupen  und  geilen 
mit  einander.'  Tierb.  1563;  wofür  ebd.  gewöhnlicher: 
,gopen'.   —   Zu    dem  Wechsel    mit  gojnn    vgl.  gaidig  :  golig. 

gäupisch  =  göpisch  Ai"K. 

Geppi:  Gebhard. 

Gippe"  I  f.:   Föhre  Gu  ÜbS. 

Gippe"  II  s.  Jüppen. 

Giper  s.  Gipser  und  Gl.rer. 

glple"  =  giblen  S.  —  Vor  Liquida  ist  iu  gewissen 
M.\A.   Verhärtung  der  Media  zur  Tenuis  nicht  selten. 

göpe":  1.  spielen,  schäkern,  sich  im  Scherz  herum- 
balgen (von  Menschen  und  Tieren,  bes.  jungen  Katzen, 
Hunden,  Ziegen)  Aa;  Ap;  B  (St.");  Gl;  Gr  (i>);  L; 
ScH;  ScHW;  Th;  U;  Z.  Von  gölen  so  unterschieden, 
dass  das  äusserliche  Spiel,  Bewegung  der  Hände  (resp. 
Pfoten)  in  den  Vordergrund  tritt,  'v  Cliiilrli  (ifijiet  mit 
dem  Hündli,  mit  der  3Iiis,  mit  ihr  ('hruiinih:  |  Faden- 
knäuel]. Wenn  er  öppen  rmul  mit-vnic  Si:liiit:eli  göpe 
chönnt  Th  (Schwzd.).  ,Ich°[der  Bär]  wollt  erst  mit  dir 
g.,  so  willtu  mir  nit  b'stän,  förchst  du  ein  jungen 
dapen  [Tatze],  den  alten  sollt  ruewig  län!'  1536,  B 
Lied.  ,So  dise  tier  mit  einander  spilend  oder  gopend.' 
Tierb.  1563.  ,So  schimpfig  ist  die  katz,  dass  sy  auch 
mit  ihrem  schwänz  gopet.'  ebd.  .Pen  hasen  betriegt 
[der  Fuchs]  mit  s.liinipf,  iiiil  im  ze  s;-.-  ebd.  ,Collu- 
dere,  mit  anderen  -rliimplm.  >|.il.'ii.  l»iirzweilcn  und  g.' 
Fris.;  Mal.  ,G"lrii.  -mimh.  i;ai>rhlLii,  scherzen,  collu- 
dere,  jocari.'  Reu.  liio'i.  6y\m..jiisteii,  haiislen,  andere 
s.  bei  galpen.  ~  2.  sich  dumm,  unbeholfen  bewegen 
GSa.  Es  goupet  e  Chrott  über  d'  Strouss,  es  chimnt 
ge'  regne". 

umme"-:  sich  mutwillig  herumbalgen,  bes.  vom 
Gaukelspiel  zweier  Hunde  Schw. 

Göper:  Einer,  der  gern  den  Narren  treibt  Tu. 

Göperi":  1.  Katze,  die  lieber  spielt  als  Mäuse 
fängt  Z.  —  2.  dim.  Göperli,  kleine  Forelle  TnErmat. 


nso 


Gap    guii.    (iapf    gupf 


(iöpete"  f.:  1.  scherzhafte  Balgerei  G;  Z.  - 
•J.  ai  (iewirrc,  ungeordnetes  Durcheinander,  z.B.  beim 
Striikstrumpf  ZStdt.  —  b)  verworrene.s  Geschwätz 
Sichrerer  ZStdt. 

Gc'ipi  m.:  1.  Einer,  der  gern  kindisch  spielt,  tän- 
delt Z.  —  2.  unbeholfener,  dummer  Mensch.  E"  rechte 
il'stiihetc  [steifer]  Goupi  GSa. 

gopig,  „göpiseh":  spielsüchtig,  geneigt  zum 
Schäkern,  Herumkollern  usw. 

Gigeliman-Güpis   machen  s.  G.-Göha    Sp.  '21(1. 

gup(e)le"  =  fidpe"    AAWohl.;    GRChur  (/.-);    G; 
Seil;  Tu;  ZGlatt  I'..  Kuiiil.,  Kafz.     U'a"  lu'isl  de'"  viit-em. 
Mein,   .fiiinrhf:'     !'•■  h,  ,1,1'-  m,l-nn  ,,',i„,,M.  Aä  (Lied). 
-  »i^.plcr  (-i"),  ,1,'üplit;-  =   G,jj,ei-(i"i  usw. 

gople"  Z,  göpcle"  AaBB. :  Dim.  zu  (/öpen  und 
flöjilen,  mit  den  Abll.  „Giipler  und  göplig". 

gopisch  Ap;  Schw,  ge'psch  ü:  1.  gern  schäkern4r, 
närrisch  Kv;  ScHW;  U.  Närrisch  und  göppisch  trie-n-es 
Gitzi  Heng.  1836.  —  2.  hotfärtig,  anmassend.  E  gep- 
scha  Meidli  U.  Aber  de"-  [der  ältere  Sohn  im  Gleich- 
niss]  seit  göpsch:  Lue//  Ätti  usw.  Isis.  Z  Kilchb. 
(nach  Dial.). 

bi-gopp(lig)  s.  Gott. 

Bi-göpp,  Ph -göpp  (m.?):  Lärmwerkzeug,  in  der 
('harwoche  gebraucht  und  bestehend  in  einem  höl- 
zernen Hammer,  der  sich  am  Stil  halb  um  die  Achse 
dreht  und  durch  das  Aufschlagen  am  Untersatze  einen 
klopfenden  Lärm  hervorbringt  GTüb.  Vgl.  FahiUa 
Bd  I  635;  Klapfe. 

Ein  Schallwort,  welches  das  kurz  abgebrochene  Klopfen 
ii.aiOiahmt.  Vgl.  Bopjicr.  Das  (Jdpp  entspricht  dem  starken 
Anschlag  an  den  Untersatz,  das  Jli-  dem  schwächern,  feinen 
d(!S  Rilckfalls  in  die  natürliche  Lage. 

Goppel  m.,  Dim.  Goppeli:  kleine,  hölzerne  (ahor- 
none)  Schüssel;  Kachel  Gr.    Auch  Himda-G.,  Hunde- 

selnV  rl;  MiI.J,-G.  GrÜ.;  Syn.  M.-Brucken. 

Ii  II    iijj'ixi),    Trinkgefäss,    chiirw.  i-<,jjeht    f., 

Sciiii    .  :,'         ,.//;is,   wovon  das  deutsche  A'iiW,  aus  lat. 

'1'/"-    K.i.  ,    \j1.    Ii.'.   (jnbelet,   Becher. 

goppel  s.  Gottf-wellJ. 

(inppe":  eine  der  4  Farben  im  Tarokspiel  W.  Syn. 
Kiijife.  —  It.  co)ijxt  (eig.  Becher),  Farbe  im  Tarokspiel,  na(;h 
der   Zeirlinung  benannt. 

(Nase"-)  Gnpe"  f.:  vertrockneter  Nasenschleim  L. 

Vicll.  blosse  Nbf.  zu  den  Synn.  J'iliid  oder  ß"Y;,'/;  aiulere 
Sjrin.   s.   bei    Goli/tje  S[).   233. 

Gupp  m.:  hölzerne  Schüssel  Gr  ObS.  —  Churw. 
••"/'/'  "Im  dass. ;  s.   die  Anm.  zu    Goppel  und   Gupf. 

(Jiippel  (tw.  /,-)  —  PI.  Gupple"  m.:  Wölbung. 
1.  gewölbte  Stirne  kleiner  Kinder  Gr.  Syn.  Gupfen. 
—  2.  Buckel,  Erhöhung  an  Sachen  Gr.  —  3.  (ge- 
wölbter) Rücken.  De  G.  voll  Schlag  GrD.,  L.  — 
4.  Höcker,  ebd.  —  Eher  aus  it.  cüpla  (woraus  .Kuppel'), 
als  durch   Umstellung  aus  Bugijel. 

guppel:  Adj.  (nur  präd.).  kuppenfönnig,  rundlich 
erhaben  GRPr. 

Guppe"  (tw.  i- und  fc-)  f.:  Hutkuppe, -Kopf.  Auch 
Huet-G.    Syn.  GupffenJ. 

Von  churw.  cup]},  coppa,  Napf;  erhalteu  auch  in  der  Gl 
Gujijßenidp;  Tgl.  Gujqi.  Zur  Bed.  vgl.  Bergnamen  wie;  Xitpf. 
Xiihr,-,   KeHsibüd;  Piz  Padella,  Pfunnenstock  u.   ii. 

„gnppe",  Guppete"  f.:  =  gu.ven  usw.  BO." 


Gapf  s.  Ka2)f.       Gaupfle"  (Göpikv  s.  Gaiifleii. 

Gepfi  s.  Gnepfi. 

Gipl"  (m.):  1.  Spitze  (des  Eies  usw.)  ApH.  Wenn 
ein  Gast  so  weit  hinuntertrinkt,  dass  der  Halhmässig 
1%  Mass  haltendes  Trink-lai]  nieht  leer  wird,  sondern 
Yom  Halhmi'is-.,,// :i. -■  '  ^^/.///  .  rrheint,  pflegt  man 
zu  sagen,  da--  ii     in.    \l:i       lie/.ililen  müsse  Ar  (T.). 

—  2.  (f.)  in  der   i;A.:    Wä,,,,':'     Antw.:   Das  weiss  Jce 
Biir  i  der  G.!  Sprww.  1869. 

Gleichsam  Grundw.  zu  Gipfel  und  zu  einem  vorauszusetzen- 
den starken  Vb.  i/epfen  gehörig.  Vgl.  Zipf:  Zipfel,  Zwidr  : 
Zirickel.  2  bezieht  sich  viell.  auf  den  Aa  Weiler  gleichen 
Namens. 

Gipfel  m.:  1.  (wie  nhd.)  oherster  Teil  von  Pflan- 
zen Ap;  Gl.  D'  Geisse'  tuend  a"  de'  Stude"  und 
Bäumlene'  d'  G.  abspigge'  Gl.  ,Ein  rottann  mit  zweien 
kipfeln  [als  Grenzmarke].'  1537,  Zeij-w.,  Urk.  E' 
Gipfeli,  ein  Wenig  [eig.  eine  Spitze]  Ap.  Syn.  Zöpfen; 
andere  s.  bei  Gih.  —  2.  halhmondförmige  Semmel  Bs; 
Gr  (k-);  LG.;  ScuSt;  Z.  Syn.  Gibel  6.  Übertr.:  e  neu- 
backene G.,  neu  eingetretener  Schüler  Bs. 

Zu  2.  Urspr.  wohl  bes.  zur  Fastenzeit  iu  Klöstern  ge- 
gessen; vgl.:  ,Panis  lunatus  (in  lune  moduiu  factus).'  c.  10(10 
(Eckehard).  Bair.  Kipf,  das  Kipfl,  tir.  Gipfl  und  bis  nach 
Italien  gedrungen:  ;ihiffah.  In  Deutschland  auch  .Martins- 
hörner' genannt.     S.  noch  Gr.  WB.  V,  781. 

Gipfen  s.  Kipfen. 

Gupf  I  Aa;  Ap;  Bs;  B;  Gr;  G;  S;  Ndw;  ZDättl., 
k-  BSi.;  GRRh.  111.,  in  L;  Z  f..  üüpf  Aa;  Ndw  iii., 
in  AaF.  f.,  Gupfe»  AAPri.;  Ap;  Bs;  Gl;  Gr;  G; 
Th;  Z  f.,   Güpfe"  L  in.  —  PI.  Gupfe'  Z,   Giqjf  Ar 

—  Dim.  Güpfi  Aa;  Bs;  LE.;  S;  Ndw;  W,  Gupfi 
GRSpl.,  sonst  Güpfli:  oberster,  rundlicher  Teil  eines 
Gegenstandes.  ,Tote,  tütel,  spitz,  gupfe.  apex.  conus. 
cornu.'  Red.  1662.  Spec.  1.  Berg-Gipfel,  -Kuppe  Aa; 
Ap;  Bs;  B;  L;  G;  Z.  Syn.  Güfrl  GiihcJ.  G,igH.  Gül^^ch. 
E  Berg,  vo  si  (i„,.f,  ',rri,ii;,l  ,„  II'»/.-/,,-.  llimirNsi. 
,Vom  Fuess  hi<  znm  (i.  stel,t  inaelilej-  iiiel  -.li-ii  le'' 
Bergris.'  ebd.  .Kliiej.'.  Iluliel,  Duln 
Güpf,  clivu,-.  eiilli,.  III. Ulli, ■nlii-.-  i;i 
als  Fluni.  Ca-tlun,-  ./Ulli  iHllil'  . 
Gupf(en)'  Ar;  Z  (mehrta.  Ii  i.  .(iii|.lea 
,Ofen-Gupfen'.  kelt.  i  ;i,il,lni.j..l  /liiiUt..ii;  .ii.-  nieu- 
güpf,  Hügel,  auf  a..iii  .la-  S.hl..-,  SelL-iiLuivn  -.- 
standen  Z.  ,ln  der  gypiiliun.-  IJTs.  I'vk.  =  .uupiilnin.' 
1280  =  .In  der  Gitpf-  ZBirmensd.  Der  ,GUpfhof- 
AAWohl.  It  Urk.  V.  1304;  vgl:  ,Der  hof  in  der  gupfen 
gelegen  ze  Wolen.'  1430,  Urk.  ,Scopoza  in  guphen.' 
Änf.  XIV..  Urb.  ZBhein.  ,An  der  Güpfgmeind.'  165:'., 
Arch.  ÄAWett.  —  2.  Dachgiebel  Gr;  G.  —  3.  Baum- 
wipfel Aa;  Bs;  Syn.  Gipfel  (s.  d.).  -  4.  Beule  Bs;  S. 
•s  het  Prügel  'ge,  's  het  'ge  im  G'sicht  e  blaue  Gupf. 
Hagröschen.  —  5.  der  obere  Teil  des  Hvites  (für 
Männer  und  Frauen),  Hutkuppe,  -Kopf,  allg.;  aueh 
Huet-G.  Syn.  Gicppe'.  E"  Hiot.  „■"  :,ils,li,- „-<-m 
Schirm  und  em  Gupf  e  ijaii.,  M,ii,  ,i'si,rlJ  i«!,  I'.s. 
Obei  Dreiegg  [Dreispitz]  het  ,  r  i/e-»  .m  ,ff„i-l„i  .V'(.^e- 
lumpe  i"  G.  drückt.  Bari  18.^3.  Du  citast  cii  Jluet 
voll  [Wasser]  use  ne  und  alle"  dine'  Lüte'  ge;  und 
isch'  nöd  gnueg,  so  holt  me'  toll  grad  h«'*  c  rechti 
Gupfe  roH  Tu  (Schwzal.l.  .Sein  [des  Hanern]  Hut 
hatte  keinen  hohen  Guiif.  .lest.,  lu.'iler  «ar  .1er  Schirm.' 
Gönn.  Öppen  Ein,  |Sel,lat|  (s/  es  ri,a,irl,  ,l„r'i' e  lluct- 
qupf  d,<re    [hindureh]   '^-/'V/^'-    l!\V^s.   1^<'X      D' S„„n 


.:.   llugel. 

.     Häutig 

In    ,der 

.;ssl.    Die 


3Ö1 


Gapf.  gepf,  gipf,  gopf, 


sticht,  ■me"  chönnt  Eier  siede"  im-ene  H.  inn!  Joach. 
1883.  .Die  Kreinotter.'an  den  Stirnen  und  die  gar 
köstlichen  Güpflein  mit  Perlen  und  Edelgestein  ver- 
setzt, sollen  an  5  pfd  verbotten  sein.-  G  Mand.  1611. 
,Ein  breiter  Hut,  wit  Banden  bedeckt,  ein  Gupfeli, 
das  am  Kopf  nicht  hed  [fest  hält],  der  Maien  höher 
als  die  Güpf.'  Lied  von  Kleiderpracht.  .Ein  nur  auf 
einer  Seite  aufgestürzter,  um  den  Güpfen  herum  weiss- 
bordirter,  nicht  weiter  Hut  [der  Miliz].-  XSchnyder 
1782.  Vgl.  Gugel.  Vulgär  und  im  wegwerfenden  S. 
für  den  Hut  selber  BM.;  Gl.  —  G.  oberer  Teil  dos 
aufgesetzten  Brotes  ZStdt.  Syn.  Kopf.  —  7.  ein  Eier- 
auflauf AASt.  ^'gl.  Gugel-Hupf.  —  8.  ein  auf  den 
Stubenofen  gebauter,  meist  zugerundeter,  hutartiger 
Aufsatz  Ap;  Gl;  Gr;  S;  Th;  Z.  D'r  Ffannechnecht 
channst  hinder  d'  Ofe"gtq>fe"  tue"  Gn  (Öchwzd.).  ,Ar- 
tisten  [Destillateure],  die  in  der  Stuben  wohnen,  lassen 
ihnen  in  denselbigen  niderträchtige  [niedrige]  Ofen  be- 
reiten und  zu  Oberst  auf  der  Gupfen  mauren  sie  zwen 
gläsin  Kolben.'  JRLakdenb.  1608.  .Einer  tut  mit  einem 
Anderen  ein  Gewett,  wo  er  dörfte  umb  d'  Ofengupfen 
umben  gähn  und  ihm  nit  lörchten;  der  nun  steigt  uf 
den  Ofen  und  gat  ganz  gebückt  umb  die  Gupfen  umben; 
der  ander  fragt  ihn,  warumb  er  nit  ufrecht  gange? 
Er  antwort:  Ich  förcht,  ich  stoss  den  Kopf  oben  an 
der  Tille  an.'  Schimpfr.  1651.  ,Nimm  den  Staub  ab 
der  Ofengupfen.'  XVH..  B  Arzneib.  —  9.  das  stumpfe 
Ende  des  Eies,  auch  der  Baumnuss  Aa;  Ap;  Th;  Z. 
Syn.  Füdli.  Spitz  oder  Gupf?  fragt  ein  Kind  das 
andere,  indem  es  ihm  die  eine  Nuss  bergende  Faust 
entgegen  hält;  errät  das  letztere,  welcher  Teil  der 
Nuss  nach  oben  gerichtet  sei,  so  hat  es  dieselbe  ge- 
wonnen Z  oTöss.  Die  selbe  Frage  ist  mit  Bez.  auf 
die  Ostereier  üblich,  welche  man  im  Glücksspiel  auf 
einander  schlägt.  Antwortet  der  Gefragte:  Sp.!  so 
werden  die  Spitzen,  sagt  er:  Cr..'  so  werden  die  stum- 
pfen Enden  auf  einander  geschlagen.  Vgl.  churw.  /Vir 
pizz  a  eupp  für  eben  dieses  Spiel.  Gupf  und  Platz ! 
ruft  der,  welcher  nur  noch  die  G.  zur  Verfügung 
hat  und  von  Einem,  der  nur  noch  den  S2Htz  ganz 
hat,  verlangt,  dass  er  ihm  seitwärts  von  der  Spitze 
Platz  zum  Draufschlagen  gestatte  Z.  S.  Oster-Ei 
Bd  1  16.  Bildl.  (It  T.).  Sintz  ond  G.  übencerfe"  und 
der  Sach  de"  G.  ge";  Syn.  s.  Gampf.  Eine  rasche 
Entscheidung  fordern  (, spitz  oder  gupf  mit  uns  ma- 
chen'). 153'2,  Strickl.  —  10.  das  sackförmige  Ende 
eines  grossen  Fischernetzes  TnErm.  Syn.  Sach.  ,Alle 
gerwer  [1.  gerner  =  Garne]  sollen  gupfen  haben.'  1544, 
FiscHERORDN.  Bodenses  (Absch.).  Vgl.  Gupfen -Ris. 
Schon  mhd.  Gupf  verhält  sich  zu  Gipfel,  wie  Zopf  (Zupfi 
zu  Zipfel,  sowohl  nach  Form  als  Bed.  Für  das  Ablautsver- 
hältniss  ist  ein  wie  ,treffeu'  flektierendes  ahd.  Vb.  keffan, 
ißpfan  anzunehmen  iu  der  Bed.  ,hervorragen' ;  Tgl.  güpfen, 
(hervor)  springen.  S.  noch  Gupf  II,  mit  welchem  es  ohne 
Zweifel  eig.  Eins  ist;  vgl.  Ä'lo««  (Stutz),  welches  ebf.  , .An- 
höhe' bedeuten  kann.  Dass  aber  rem.  eupjxi  sich  mit  dem 
gut  deutschen  W.  gemengt  habe,  ersieht  man  deutlich  aus 
dem  Gr  Guppen.  Vgl.  auch  Kapf  und  Kopf  Zu  Bed.  5  vgl. 
das  ahd.  chuppha,  mhd.  lupf,  Kn]ifbcdccknng,  wovon  auch  it. 
cnffia,  frz.  coife  h.  i.-I-il-t  >>  ■  iL  n  -.  ilr.  WB.  s.  v.  .Kuiipe'. 
Zu  Bed.  2  vgl".  u.mIi       i,       !  :..    :i   i;u|,fcn  |des  Rat- 

hauses).'   1604,    ],.       Ii  -  i.  ,;.|.l,  d.'.s  MiiustLTS.' 

LTschudi  1606uihl  [.,         y  um        .        in  .I.t  Kcd.  Kuiiiiel. 

Ofe"-  s.   Gupf  S. 
Huft-  s.  Gupf  r,. 


Leder-Gupf:  Lederkäp)Khen  ZO.  ,Ich  füllte 
meinen  Ledergupf  mit  Wasser.'  Stftz  18.")3.  ,Die 
Buben  warfen  ihre  Ledergüpfli  hoch.-  ebd.  1851. 

Mittags-Güpfe"  m.,  -Güpfi  n.:  einer  der  Gipfel 
des  Pilatus.  —  Vgl.  Mittag(s)-Horn  (BO.);  Bergspitzen 
dienen  den  Hirten  als  Stundenzeiger. 

Nase"-Gupf,  meist  Dim.  -Göpfli:  die  Nasen- 
spitze Ap.  Synn.  N.-Köpfli,  -Zöpfli.  Vgl.  N.-Tupf. 
—  Stirne"-Güpfli:  Wölbung  der  Stirne  GT.;  in 
dem  Kinderspruch :  Chünneli  [Kinnchen] ,  Münneli 
[Mündchen],  Nase-Tierli  (-Tüpfli,  -Tünneli  Z),  Gräb- 
Äugli  [Grauäuglein]  {Gliir-,  Ftlr-  Z,  Schwarz-,  Wasser- 
ÄitgU),  Stirne" -G.  (Sterne"  -  Tüpfli  GlK.;  Z),  Här- 
riipfli!  GlK.;  Z,  wobei  man  mit  der  Fingerspitze 
nach  einander  die  genannten  Gesichtsteile  des  Kindes 
berührt,  um  schliesslich  dasselbe  etwas  am  Haar  zu 
zupfen. 

Tasse»-Gupf:  Obertasse  Ap.  Synn.  T.-Glöggli, 
-Köpfli,  -Beckeli.  —  Auch  hier  hat  das  rom.  cuppa  hinein- 
gespielt; vgl.  frz.  soucoupe,  churw.  suttacuppxi,  Untertasse. 

Güpfel:  Hut  (Gaunerspr.). 

Zu  Gupf  .3.  Übrigens  kommt  auch  schon  im  XV.  die 
Form  Güpfel  neben  Gipfel  vor.  Vgl.  Güpfel-Stein,  hoch  emimr- 
ragender  Markstein. 

Gnpf  II  m.:  Sprung  in  die  Höhe  Z.  Syn.  Hupf: 
Gump.   —   Zu  yi'qifeii,  emporschnellen. 

Gigeli-:  ein  Tanzsprung  zur  Geige.  Nur  in  Taiiz- 
sprüchen  wie:  Gigeli-G.  (-Gump  .kk,  -Gumpf  Z,  -Fa.v 
Sch)  und  Brätisbei",  d'  Chnabe"  fmred  d'  Jumpfere" 
(Meitli,  Meitschi)  hei",  si  füered  's  uf  de"  Schütze"- 
(Chegel-  Z,  Chöpfer-  Sch)  Platz  und  säged:  Guet 
Nacht,  min  liebe  Schatz!  fsi  setzed  s'  an  es  Tischli 
und  gend-ene  bratni  Fischli  und  oi  alte"  Schoppe" 
Wl"  und  dann  chönned  s'  z'fride  sl";  oder:  gend  en 
alte"  Schoppe"  Wi",  das'  Alli  chünned  lustig  (z'fride") 
M",  u,li-i-:  nnul-ene  vil  süesse"  Wi"  und  na  [noch]  e 
siii.<.^rrs  /iirhrli  dri";  oder  parodierend:  Füered'shis 
.-.Ulli  ^jiittul  iiinl  gend-ene  mit-eme  Chnittel)  Aa;  Sch;  Z. 
Nach  dem  Tanze  führen  die  Bursche  die  Mädchen  zu 
Tische.  Vgl.  Brätis-Giger.  Etwas  plumper  lauten: 
G.  und  Schwabegötz,  ir  alti  Wiher  und  Ente",  70  Chile 
und  SO  Chalber  git  e  grossi  Sennte".  Sowie:  G.  ist 
au"''  en  Tanz,  d'  Chatz  hat  Här  am  Schwanz  Z. 

Nider-:  das  plötzliche  Niedersitzen,  -Kauern  ZKn. 
Syn.  Abe"-,  Nieder-Hock.     S.  glgampfen. 

Heu-Güpf(er)  m.:  Heuschrecke  Z  oT.  Synn.  s. 
bei  Gras-Gumper  Sp.  314. 

güpfe"  B  (neben  gupfen);  Z:  1.  sich  plötzlich 
auf  den  Fussspitzen,  Zehen  erheben,  z.  B.  um  besser 
zu  sehen  oder  um  höher  zu  erscheinen,  wenn  Zwei 
Rücken  an  Rücken  ihre  Körperlänge  messen;  vom 
Kauern  emporfahren  (wie  die  Kinder),  aufjucken  B; 
GRh.;  ZStdt,  W.  ,Güpfen,  in  altuni  se  extendere.' 
Id.  B.  So  oft  si-ne  g'seh  häd,  ist  si  zum  Feister  use 
güpft,  so  wit,  dass  d'  Mueter  si  mängist  bin  Beine" 
rfna"  und  fest  g'ha"  häd,  damit  si  nüd  öppe  i"  d'  Gass 
fall.  UsTERi.  Syn.  bäiimelen.  Auch:  vor  Erstaunen 
auffahren.  ,Die  Leute  horchten  hoch  auf  und  gupften 
sehr  und  fanden  lächerlich,  dass..'  Gotth.  —  '2.  einen 
hüpfenden  Gang  haben,  auch  etwa  für  hüpfen  übh.  Z ; 
Syn.  gunqien.  ,Hupfen,  hopen,  güpfen,  saltare,  tri- 
pudiare.'  Red.  1662.  —  Mhd.  <jupfen,  stossen.  S.  Anm. 
zu   Gupf  I. 


(Japf— gii  |if.     Gaps  — gups 


394 


Hl'-:    1.   stossweise    aufjucken,    aufhüpfen    Z.     - 

..aufstossen.  wie  Maulwürfe  auf  einer  Wiese  LE." 
yn.  stössen.  —  füre"-:  hervorjuckeii.  d.  i.  sich  er- 
L'bcn,  um  zu  schauen  Z. 

iTÜpflc":  l)im.  zu  (lüpfen  Tu. 

üf-  L:  dass. 


bi-Geps  s.  hi  Gott. 

(jc.'ps  m.:  heller,  kurzer  Schrei,  bes.  von  weiblicher 
Stimme  Z.     i^n  G.  ablä". 

Sür-:  saures  Aufstossen  ZLunn.  —  Ans  S.-di.q,^ 
entstellt  durcti  Anlehnnnj  ans  vorige   W. 

gepse":  hell,  durchdringend,  in  abgebrochenen 
Lauten  schreien,  kreischen  Z;  auch  wüst  schreien, 
lärmen,  wie  kleine  Kinder,  Fasnachtsnarren  usw. 
ScHwE.;  Z.  , Elisa  vox,  ein  unvollkommne  stimm,  wie 
das  göpsen  der  jungen  hüenlinen.'  Kris.  , Gellen,  gal- 
men,  gepsen,  schreien,  vociferari,  clamare.'  Red.  1602. 
Syn.  gipsen,  gixen,  gellen,  gunsen,  gäutsclien,  jäzen, 
wichsen,  Winsen,  hünzgen;  hepen. 

Ein  schallnachahmendes  W. ;  wohl  urspr.  von  dem  krei- 
schenden Ton,  den  junge  Vögel  unter  auffälligem  Aufsperren 
dos  Schnabels  auszustossen  pflegen. 

Gepse"  Aa;  Bs;  B;  FJ.;  Gl;  Gr:  .LE.;"  PPo.: 
G;  S;  TB.;  Th  (-«'-);  W;  ZHombr.,  Gäps  GG.,  Rh., 
Göpse"  Ap;  S,  Gerpse"  AaB.;  ZLimmatt,  Gäp- 
sche»—  f.,  Gäpsch  m.  UwSax.,  Gepsi  FS.;  WGoms, 
Giipsi  FO.,  Gäpsch i  BMeir.  n.  —  Dim.  Gepselti  Gr; 
W,  sonst  Gepsli:  1.  a)  kreisrunder,  sehr  (gew.  c.  2' 
im  Durchmesser)  weiter,  aber  nur  wenig  (c.  5")  tiefer, 
hiilzerner,  aus  Dauben  und  2  Reifen  gebauter  Zuber 
ohne  Öhren  oder  Handhaben,  zur  Aufbewahrung  der 
.Milch,  bes.  im  Milchkeller  der  Sennhütten  vom  Abend 
auf  den  Morgen,  da  sie  alsdann  zum  .Käsen-  verwendet 
wird.  allg.  .Gepse,  vas  latum  ligneum  profunJitate 
i/arens,  in  quo  lac  asservatur.  donec  cremor  tolli  possit.' 
Id.  B.  Synn.  Gelte,  Mutte,  Xa/'f.  Bmite.  [Der  starke 
Senn]  hei  dri  gross  G-"  coli  Mih-h  uf  ,  itimal  us-em 
Cheller  g'fergget,  i-ren  iedcrt  Itfiml  ,i,i  G-" . . .  Gr 
(Sclnvzd.).  I  g'seh  die  brüne  lIuiLi ,  d'  .Sch'dcrblge,  Um 
('hiUerhals  w>''*  d'  G-"  a«  dr  Wand  B  oE.  (Schwzd.). 
Du  gebist  d'  Schleckhafti  üf  u"'  gangist  nit  gan  die  siefti 
fidlen  [süssen  Rahm]  ab  den  Gepsen  schnaren.  hinder- 
riicks,  wie-n-en  Glir  [Siebenschläfer |  r.S;i.  iS.  liwzd,). 
,4  stürzene  und  8  hölzerne  Gepsen.-  V».  .<  ;al.-.\  i  iifte. 
Asch,  Brente,  gabara  [1.  gabata],  siiiu^.-  i;i:ii.  Iil(i2. 
S.  F(jllen  Bd  I  786.  RA.  D'  G.  tvelpe",  einen  Furzel- 
baum schlagen  GrD.  Synn.  s.  beiffi(/e3/';  yg\.  FässU 
trOle".  Der  lieb  Gott  tued  G.  tröle',  es  donnert  stark 
GrS.  ;  Syn.  s.  bei  Gott.  —  b)  „kleines  hölzernes  Milch- 
geschirr mit  einem  Schlagdeckel.-  Syn.  Jansen.  — 
c)  (bes.  Dim.)  a)  Napf,  in  welchem  Milch  oder  Suppe 
aufgetragen  wird  Gr;  W.  Syn.  Ess-Gepsen.  Rupft 
<is  Gebsidi  ab  d<f  Lattu  und  gaid  z'  Cheller,  niimmt 
dort  gröninti  [abgerahmte]  Milch  its  ronn  Binner  und 
stellt  d's  G'schläpp  d'r  Mamma  für  GRÖchiers  (Schwzd.) 
[vgl  dazu  auch  JRWyss  1815,  I  U2].  —  ß)  Katzen- 
schüssel, aus  Holz  gedrechselt  BM.  —  2.  Zuber  zum 
Wasclien  des  Essgeschirres  B;  PPo.;  T.  Syn.  Aliin'isih- 
Geltli,  Brentli.  ,Das  Geschirr  und  das  Was^  r  in  :|.i 
G.  kalten  lassen.'  Gotth.  —  3.  Käszuber  S.  S\  n.  y^r(^ 
Gelte.   —    4.  grosser,    runder,    hölzerner    Scli"|illiilli'l 


bes.  für  Molken  AAZein.;  Gl;  S;  UwSax.  Syn.  Gön, 
Schueffe'. 

Ahd.  fjrhizti,  älter  gebilu,  aus  lat.  giihula,  Essgeschirr  (vgl. 
it.  .lunita,  frz.  jaite).  Wenu  bereits  das  Original,  auf  welchem 
dii;  Abschrift  des  LUrbars  im  Hof  von  1314  beruht,  wirklich 
,geipte'  und  nicht  ,gepce'  aufwies  (,De  scoposa  scutellas  quc 
dicuntur  gepte'),  so  könnte  (  wohl  nur  als  altertümelude 
Schreibung  aufgefasst  werden.  Gemeint  sind  hier  eine  Art 
Schusseln,  vgl.  ebd.:  ,Ein  keiner  soll  ierlich  wi'ren  60  hof- 
schüsseln.  ein  züber  und  ein  gaun  [Gon].'  Was  die  jetzige 
Aussprache  anbetrifft,  so  wechseln  e'  (z.B.  in  PPo.;  T)  mit 
ungehürigem  l  (z.  B.' in  Aa;  Gl;  GA.,  G.)  und  e*  (so  in  BSi.). 
Die   Form   mit  r  wie  in  Florz  =  FIosh. 

Ess-:  =  Gepsen  i  c  Gl;  Gr.  ,ln  der  Sennhütte 
finden  wir  den  ganzen  Tag  ein  Fressmütteli  oder  Ess- 
gepsli,  welches  mit  Sufi  oder  Schotte  gefüllt  ist.'  Gl 
Gem.  1846.  ,Die  Essgepsli  sind  2—3  Mal  kleiner  als 
die  Milchgepsen  '  Steinm.  1802.  —  Käs-:  =  Gepsen  3. 
Geringschätzig  von  einem  alten  Weib:  Der  alte  K. 
hätt'  es  tvelle  d'r  Marsch  [Vorwürfe]  machen.  Gotth. 
Vgl.  Gelten  5.  '—  Milch-:  =  Gepsen  1  a  Ap;  Gl; 
Gr;  W;  Z.  ,29  grössere  und  kleinere  Milchgerpsen, 
46  Kässargen.'  ZLimmatt.  ,Auf  2  unter  dem  Dach 
[der  Sennhütte]  verlaufenden  Stangen  liegen  die  M.' 
Gl  Gem.  1846.  ,Die  M.  der  Veltliner  sind  küpferne 
Schalen.'  Gr  Sammler  1779.  ,Wenn  's  hagelt,  so  nimmt 
der  Kühbube  eine  M.  über  den  Kopf.'  Steinm.  1802. 
—  Schotte"-(re2JsfJ:  kleine  ,Gepse',  in  welcher  die 
.Schotte'  [Molken],  das  einzige  Getränk  der  Hirten, 
nach  dem  Essen  auf  den  Tisch  gebracht  wird  GA.  — 
Wasch-Gepse":  =  ffe/»sem  2  B.  ,Draussen  polterte 
Mädi  mit  der  W.'  Gotth.  ,A1s  die  Mutter  in  der 
Küche  die  Hände  nicht  aus  der  W.  nahm,  sie  nicht 
abtrocknete,  um  meine  zu  ergreifen.'  ebd.  Syn.  Ge- 
schirr-Gelten. 

ab-gepse":  die  (in  der  , Gepse'  befindliche)  Milch 
abrahmen  F.  ,Die  schlechten  Milchmänner,  welche 
Wasser  darunter  giessen,  oder  sie  a.,  um  Niedien  zu 
haben.'  Schweizerb.  1818. 

Gepscte"  GrL.,  „Göpsete""  f.:  eine  ,Gepse' 
voll  (Milch). 

Gepsler:    Verfertiger   von  ,Gepsen-,    Kühler   BO. 

(Jeips  ScHw,  Gäups  SchwMuo.  —  m.:  Schrei.  Er 
ist  e-so  erchlüpft  [erschrocken],  dass  er  e'  G.  abglä" 
häd.     Syn.  Geps.   —   S.  das  folg.  und  auch  yeipschi-'. 

Gips  Ar;  Gl;  UwE.;  ZAuss.,  Gips  G.^.C-i-J,  Gipsch 
L  —  m,:  1.  a)  feiner,  gellender  Laut,  wie  z.B.  die 
Stimme  der  Maus,  der  Küchlein,  das  Kirren  neuer 
Schuhe  Ap;  L;  G;  Uw;  ZAuss.  —  b)  als  Stoff  oder 
Ursache  des  Kirrens  gedacht,  wenn  Kinder  oder  Mäd- 
chen den  Schuster  ersuchen,  er  solle  ihnen  für  einen 
Batzen  G.  in  die  Schuhe  tun,  bezw.  nähen  L;  Uw; 
Syn.  Giri.  —  2.  feiner,  gellender  Laut  der  mensch- 
lichen Stimme  (en  G.  ablä");  weniger  stark  als  Göuss 
oder  Wichs,  Wins  Ar;  Gl.  Gipst  rufen  die  Kinder 
beim  Versteckensspielen  ZAuss.     Syn.  Gü.k. 

Offenbar  schallnachahmend  wie  Gips,  nur  den  Jiöheru, 
feinern  Ton  ausdrückend  als  dieses.  In  Gipach  ist  ach  aus  » 
vergröbert.     Die  Verkürzung  des  Voc.   unorganisch. 

gipse"  Aa;Ap;  B;  Gl;  L;GRh.,oT.,  gipse"  ^-i-; 
G.\.,  W.,  girpse"  ÄAFrL,  Bb.,  gipsche"  L;  Sciiw; 
Xr.w;  V.  ?irpsche"  Ndw  tw.;  Zr.:  1.  in  hohem, 
Irin. 111  Tniic  |it.ilen,  pipsen,  von  Küchlein,  Mäusen, 
klein. 11  \  n-vlii  Aa;  Ap;  ß;  G;  Syn.  giggen,  gi.ren, 
jupcn:    vul.   Gipsi-Tierli.     tlbertr.:    mit  feiner,  zarter 


395 


Gaps— gnps.    Gapscli— gupsch.    Gapz— gupz.     (iar- 


396 


Stimme  sprechen.  Si  hed  gar  sanftmüetiglich  ehönne' 
lächele"  und  süesslächtig  gipse'  mit-em  Midi  L  (JBEgli 
1871).  Was  nützt  's,  wenn  e  Frau  cha"'  französisch 
g.,  aber  Nüd  will  tue"  a's  Pantöffeli  brndiere'?  L. 
Vgl.:  ,Mutio,  ich  red  heimlich  oder  ich  gipze.'  Dasyp. 
Auch:  „Sich  unberufen  in  ein  Gespräch  mischen  LE." 
Vgl.  drt'  bieken.  —  2.  in  hohem,  feinem  Tone  auf- 
.schreien,  stossweise  kreischen,  wie  Mädchen,  schrill 
jauchzen  Aa;  Ap;  Gl;  G.  —  3.  kirren,  knirschen, 
knarren,  hes.  von  neuen  Schuhen,  ungeschmierten 
Wagen,  Türen,  hartgefrorenem  Schnee  Aa;  VO.;  Gl: 
G;  Syn.  glren,  glxen;  kirpsclien.  —  Abi.  G'gips. 

Gipser  I  m.:  =  Gips.  ,Es  ijrüssti'ii  mich  die 
Meitschi,  machten  aber  kein  HiUinergescharr  und  G., 
aus  dem  Komplimentierbuch  gelernt.-  LG.  —  Gebildet 
wie  Schluchzer  u.  ä. 

Gipser  11  m.,  meist  Dim.  Glpserli:  Zipplerchc, 
Wasser-  und  Bergpieper,  anthus  aquat.  et  mont., 
„alauda  prat."  BHa.;  L;  G;  Syn.  ffi.rer,  Winsler; 
Steinlerch;  Herd-,  Schnee- Vögeli.  —  S.  gtpien  i. 

Gipsi  f.:  =  Gips  1  b  Aa;  GA.;  U.  Vgl.  Glri- 
Schueh  und  Giger  Sp.  152.  —  Gebildet  von  ys^y».«,  wie 
Schmkri  von  »chmitren. 

gipsig:   kirrend;  ge'ipschige  Schüeh  UwE. 

„gipsle":  girren,  kreischen;  auch  von  ,Nacht- 
buben',  die  ihre  Stimme  [in  hohen  Fisteltönen]  ver- 
stellen LE."     Vgl.  geipschen. 

gipsiol:  Ruf  beim  Versteckensspielen,  indem  man 
sich  verbirgt,  während  man  mit  dododo  aus  dem  Vcr- 
.stecke  hervortritt  GTa.;  Syn.  Gugg-üs,  Gmx. 

Vgl.  O'ljK  II  und  iö  Bd  I  20;  l  au  den  Ruf  (lijmfi! 
viell.  nur  angeschossen  in  Anlehnung  an  jBlen. 

Gipse"  f. :  Wasserassel,  asellus  aquat.  .Tinea  aquat., 
ein  gyzen,  gypsen,  stabysen,  mäschen,  wasserschaben.' 
PiSCHB.  1563.  —  Viell.  blosse  Nbf.  zu  Gizen,  mit  Anlehnung 
au  obige  W.-Fainilic. 

Gips,  gipsen  s.  Jips. 

bi-gops  s.  Gott. 

(iiipsi    I:     Bauernhütte    (Pupik.).      -    .\lul.  -V/../"«''. 


II,  Giipschi,  GApsH 


Gürp: 


gäupsclie"  (-ei):  mit  dem  Kopf  schaukeln,  ihn 
/iegen  Bs.    —    Nbf.   zu  (/äutschm. 

geipsehe":  kreischen,  lärmen  LBerom.  Syn.gipslen. 
-   Nbf.  zu  ge.itachen;  vgl.  Geipfi;  seh  also  vergvubert  aus  ». 

Gipsch,  gipschen  .s.  Gips  usw. 

bi-göpsch  s.  Gott. 


(iepz:    Gebliard.     ,nas   guot   in  Gepzenbio.-    VM^>, 
/Leinib.    —    VkI.   Kiiem  aus   Kuenrat,    f.imr.  aus   I.icnhard. 


Gar,  ger,  gir,  gor,  gur,  bezw.  garr  usw. 

gar  {gär  Ar;  GRHe.,  Pr.;  LE.;  GSa.,  Eh.,  T.;  Sch; 
Th):  1.  ganz,  gänzlich,  völlig  Bs;  B;  F;  Gr;  G;  Sch. 
G.  fertig  mache'  Bs.    Es  ist  (du  hestj  g.  Hecht    Z  f. 


,Man  kann  sich  bei  solchen  Verhältnissen  meinen 
Vater  g.  vorstellen.'  Gotth.  Din  Ma"  chönim  iez 
nn'-''  mir}  //rir  [gleich]  hei'"  GEbnat  (Feurer).  Mir 
cliiDiiii  ir:  IUI'-''  nild  gär  esse',  die  Mahlzeit  ist  noch 
nicht  iH-icit  (i'l',  /'■'■  mue"  der  Mueter  mf''  gär  helfe 
's  U'o.schscil  fi.-isjianne" .  JMever  1860.  ,Damit  dir  kouf 
old  dir  brief  möchtin  mit  werten  old  mit  werchen  kein 
weg  kreucht  werden,  garwe  [im  Ganzen]  old  an  kein 
teile.'  1305,  B  Kaufbr.  .Was  böumen  uf  undermarchen 
stand,  da  hört  jetwederm  das  anris,  wa.s  uf  das  .syn 
fallt;  wo  aber  böume  uf  eins  eigentumb  g.  stand,  was 
anrises  dann  einem  andern  uf  das  syn  fallt,  das  soll 
halbs  demselbigen  und  halbs  dem,  so  der  boum  hört, 
zuegehören.'  Städtr.  Wesen.  ,Da  dies  alles  gar  be- 
schah.'  4344,  Aa  Aarauer  Urk.  ,Git  g.  zenden  [wofür 
auch  einmal  .ganz';  Gegs.  .halben'].'  (?)  1515,  Gfrd. 
.[Das  Gesuch]  ist  ihnen  g.  abgeschlagen.'  1531,  Absch.  . 
.Wenn  dyn  usgeben  und  ynnemen  glych  sind,  so  mag 
dich  ein  [ge]ringer  unfal  gar  umbkeren.'  HBiill.  1540. 
,Wie  das  herzogtum,  das  er  jetzt  yngenommen  hätte, 
einen  teil  oder  gar  umb  ein  summ  gelts  ze  lassen.' 
Ansh.  ,Die  milch  kompt  von  überflüssigem  bluet,  doch 
nit  g.  [einzig  und  allein].'  Ruef  1554.  Einem  Zu- 
trinkenden, der  sagt:  ,Ich  bring  dir  eins  us  diseni 
krueg',  antwortet  der  Andere :  ,Ich  halt  's,  far  har, 
sei  halb  ald  gar.'  JMurer  1559.  ,Ich  tuen  nit  b'scheid, 
er  sei  denn  g.-  ebd.  ,Der  niemer  vor  krankheit  aus 
dem  bett  kompt,  der  g.  ans  bett  gehaft  ist.'  Mal. 
,I)ie  eidsform,  die  er  hie  brucht,  ist  nit  g.  [aus-]gsetzt.' 
LLav.  1584.  ,lch  komme  bald  gär  um  den  Appetit.' 
Bantli  1712.  Im  S.  der  Verstärkung  allit.  mit  ganz, 
,gänzlich' in  Wechselnderstellung  verbunden  Z.  ,Gänz- 
lich  und  gerwe.'  1328,  L  Urk.;  dafür:  , Ganzlich  und 
gar.'  Anf.  XIV.,  Cop.-Buch  Königsf.  ,Der  [Geldsumme] 
si  von  im  g.  und  gänzlich  bericht  und  gewert  ist.' 
1369,  ZZolL  Urk.  ,[Das  Ungewitter]  zerschlueg  mit- 
tenandern  alle  fen.iter  g.  und  ganz.'  G  Hdschr.  ,Ganz- 
lich  und  g.'  XIV.,  G  Urk.;  1433,  Z  Urk.  Ähnlich  ,g. 
und  süber'  (s.  d.).  Mit  vorgesetztem  ,gerade'  (gad- 
(go-fl-)  garj  Gl;  Gr;  G.  !''•  bi'  no"''  nüd  gaggär  fertig 
Gl.  Er  meint  ait"'  gad-gar,  er  ellei  hei  Mecht.  ebd. 
Hinwieder  wird  gar  selber  zum  gleichen  Zwecke  an- 
dern Advv.  vor-  oder  nachgesetzt  (bezw.  copulativ  mit 
ihnen  verbunden).  Gvüss  gar,  ganz  gewiss,  allerdings 
BBe.  Zum  Ausdruck  blosser  Annäherung  dienen  fol- 
gende Verbindungen,  deren  unbetontes  erstes  W.  z.  T. 
starke  Verkürzung  erleidet  und  mit  dem  folgenden 
gar  fast  untrennbar  (wie  in  gaggar)  zswächst,  während 
,fast'  und  .schier'  auch  durch  ,und'  von  demselben 
getrennt  vorkommen,  js  [als]  gar  s.  Bd  I  198.  I"'' 
han  es-gar  möge  zueche  [ich  vermochte  beinahe  an  Ort 
und  Stelle  zu  gelangen],  ob  's  g'regnet  hed  SchwMuo. 
Noch  weiter  verstärkt:  es-gar  egigärigs  (s.  garig). 
Fila  [ril  im,  sehr  nahe]  gär.  As  ist  d'r  f.  g.  wia  minr 
und  nid  ril  besser  GRHe.  (Schwzd.).  Er  hat  villa  gär 
ei'  Natih;  y'hu"  wie  min  Ätti.  Bantli  1712.  Verstärkt: 
ßa  Gott(s)  gär  Gr  (auch  i.  S.  v.  .vielleicht');  GSa. 
's  hed  g'haglet,  d'  Steine  sind  f.  so  gross  g'si'  a's  Eier 
GnPr.  Fast  g.  B;  Z,  aber  auch  f  und  g.  Bs;  Z; 
auch  f.  (i(iid)  garigs  (s.  d.);  schier-,  schir-  Aa  (H.), 
schie-  AAKued. ;  L;  G;  ScHW,  SChi-  L;  Schw;  UwE.. 
schr-gar  L,  schie-gärete,  schier  und  gar  Gr;  Z,  scho-g. 
Ndw.  Si  het  grad  sch.-g.  nit  vermöge"  selbe''  z'  Uechte" 
[eigenes  Licht  zu  lialten]  B  oSi.  F''  wä'-  grad  sch. 
Übels  [ohnmäclitig]  worden,  ebd.    Sch.  ist  nimme  halb 


Gar,  gt- 


gor.  gur 


luid  luilh  ,st  \iil  A^St.  S.  u.»;li  »(,rc/(  (.gar  iiacli.  luirli 
iukI  i/ar]  1111.1  f/iiKil  fiiiid  ii(ir).  --  ■-'.  v.illeiiil.s,  zumal. 
l.K'soii(ici'.s.  A's  isch  und  scIm".  (/lir  ira-ii-er  iceins,  ((fyms 
mir  arm  sind  G'l'a.  i\"iii  r.vnrlniifii  eines,  Reichen). 
Wenn-em  iez  das  lur"  hnirfimii.  inird  er  na''' g.  ver- 
rückt Z.  G.  wenn  's,  zumal  w.  GuPr.  So,  so,  </.  no'* 
laiich  das  noch]!  Bas  chemti  no"''  yuet!  GiiPr. 
(Sihwzd.).  Ja,  na"''  gar!  Ausruf  der  Verwunderung 
mler  Verwerfung  Z.  Ironisch:  Warum  nüd  g.!  GTa,.; 
'A:  und  (so  fast)  g.!  ganz  und  gar  nicht  Gl;  Z.  — 
;!.  .sogar  F;  Z.  ,So  müesst  es  der  Tufel  ger  [am  Ende 
gar]  ".syn.-  Vau.  .W..1  ist  .li-ii  BiissfVrti-^.i  in  ihrem 
K'rou/.  und  Leiden  g.'  .IMiiiii;  \iW::,.  .•<.  (imlni.  .So- 
gar- wird  zu  srgar  ali^Tsrli«  arht  (;S;i..  ihI.t  ihirrh 
vorgesetztes  ßn  (Bd  1  .s:JiJ)  \  LT.-,tarkt :  IVtc  in«  Sonntig 
i"  d's  Wirtshus  gät  oder  na'''  fi"- sogar  hlaua  Mentig 
macht  V.  —  4.  sehr,  resp.  gar,  so,  zu  sehr.  Lauf  nit 
gär.'  gar  si]  (zu)  schnell  LE.  Si  leui-ech  [lasse  euch] 
g.  griiessc  B.  Aw^''  g.,  doch  gar  zu  sehr,  arg  L;  Z 
(s.  auch  Bd  I  71).  's  ist  ä  g.,  wie  si  en  [übertriebenen] 
,S'((i(  macht  Z.  .Gär  vil.'  Bantli  1056.  Noch  verstärkt 
durch  eingeschaltetes  grad,  gerade.  Ks  ist  (aw'')  gag- 
gar, z.B.  ehalt!  GlMoII.  Gar  ebig  (s.  Bd  I  Uli)  glV', 
gar  so  bald,  zu  bald.  JKMeier  1844;  g.  grosser,  viel 
grösser  PP.  Wenn  das  mit  g.  verbundene  Adj.  von 
einem  Subst.  mit  unbost.  Art.  begleitet  ist,  so  kann 
(/.  dem  letztern  vorangestellt  werden,  z.  B. :  ,Sie  war 
gar  eine  ruhige  (Frau).'  B.s  (Me\  .•r.M.Tiaii).  I'"  tritt 
im  [dem]  Herr  wf 's  Füessü.  \r,,n,iii  '  W'il  /'■''  17.  e  bös 
Ticrli  bi"  Bs.  , Gar  einen  gcscliirktni  Sdin.-  Schimpkr. 
10.51.  Es  kann  aber  bei  dieser  Stellung  das  Adj.  auch 
ausgelassen  und  durch  gar  selbst  i.  S.  v.  ,gar  (so,  zu) 
gross'  vertreten  werden:  .Machen  g.  einen  Wind  [einen 
stjirken].'  EFhühlich.  /<^''  ha  g.  e  Freud  B.  Küsse' 
hl  [lassen]  isch  g.  e  Schund  Bs.  In  diesen  Verbin- 
dungen kann  das  Adv.  eine  conjunctionale  und  zwar 
causale  Nebenbed.  annehmen,  indem  der  betr.  Satz 
einen  andern  begründet,  der  im  Zshang  der  Rede  ent- 
halten od.  leicht  zu  ergänzen  ist;  dabei  ist  beachtens- 
wert, dass  in  diesem  Falle  gär  gesprochen  wird,  auch 
in  den  MAA.,  welche  sonst  dehnen;  vgl.  z.B.  es  ist 
gar  ehalt,  es  ist  eben  sehr  kalt;  dagegen  es  ist  faii'''J 
gar  ehalt,  es  ist  doch  sehr  kalt!  Er  ist  gär  gli  chö", 
i'''  ha  nümme  möge'  e"frünne'  Z.  Das  Chind  häd  röti 
Auge':  es  häd  g.  g'schroue",  hat  es  ja  gar  so  sehr 
geweint  Z.  Er  ist  hinderst^''  chw :  er  häd 's  g.  gross 
g'ge'  [ist  rückwärts  gekomiii'-u.  bat  rv  .lueli  auf  gar 
zu  hohem  Fusse  gelebt].  Dt'  Jlrirf  ,x/  innst  [schlecht] 
g'schribe",  %''•  ha  g.  müese"  fci-hfe'  [iiiirli  dabei  beeilen 
müssen]  Z.  In  dieser  Bed.  erscheint  zuweilen  die 
Form  gar-nu  [nur],  garu,  garo.  Er  ist  garo  ängstli"''. 
Es  ist  garo  bald  es  Unglück  g'sche'',  ein  U.  geschieht 
leicht  Z.  Endlich  mit  vorgesetzter  und  betonter  Ne- 
gation und  in  diesem  Falle  häufig  wieder  mit  Ellipse 
des  Adv.  Nit  g.,  nicht  sehr,  eben,  besonders  (sc.  gut). 
Es  cha-'  nid  gar  choche'  BBe.  Wie  geit  's-tm':'  Nüd  g. 
ebd.  '.s  ist  nummc  gär!  es  steht  nicht  mehr  glänzend 
GTa.  In  ironischer  Anwendung,  als  Antwort  auf  die 
Behau]itung  eines  Andern  kann  nit  g.  (ähnlich  wie 
iiäd  ganz)  auch  den  Sinn  des  umgek.  .gar  nicht', 
keineswegs,  im  Gegenteil,  annehmen  Gl;  GiiHe.  Üoch 
kann  dieser  Gebrauch  auch  direkt  zu  1  i.  S.  v.  .nicht 
ganz'  gezogen  werden. 

Mhd.    (jartir).    bereit    (daher    nhil.    .ic.ir'    von    gekochten 
Speisen),  vollständig,  ganz;  daneben  aiicli  ijurwe,  gerwe  (vgl. 


iiliil.  .Kerben'.  Lcder  znberoiten).  Der  Umlaut  konoto  oig. 
nur  dem  Ad.j.  und  auch  diesem  erst  später  zukommen ;  doch 
liudet  er  sich  auf  das  Adv.  Ilbertragen  bei  einem  si-hweiz. 
Dichter  schou  gegen  Ende  des  XIII.  und  dann  bei  Vadiau. 
Bemerkenswert  ist  jedoch,  dass  er  Jinf  den  Nordosten  ein- 
geschränkt ist,  wo  übrigens  auch  andere  a  durch  U  vertreten 
sind,  ein  Lautwechsel,  welcher  violl.  in  der  dortigen  hohen 
Aussprache  des  a  seine  Erklärung  findet.  Der  adj.  Gebrauch 
ist  der  lebenden  MA.  abhanden  gekommen;  desto  auffallender 
ist  folgender  von  Kirchh.  1824,  S.  267/8  aus  Ap  unter  dem 
Titel:  ,Es  ist  Alles  gar—'  angeführte  Beleg:  ,Das  i.st  Alles 
gar,  richtig  und  g'sichtig,  klar  und  wahr',  worauf  eine  Kette 
von  adj.  Wortpaaren  folgt,  welche  t.  den  Begriff  der  Gauzheit 
und  Zsgehörigkeit  ausdrücken,  t.  syn.  sind.  ~  Unzweifelhaft 
beruht  t/aru  auf  nachlässiger  Ausspr.  für  <jamu  =  ,gar  nur' 
(,nur'  in  afliriu.  S.  wie  häufig  in  der  Volksspr.).  Mit  (/an, 
scheint  Anlehnung  an  das  interj.  Anhängsel  0  (s.  Bd  I  22) 
versucht  zu  sein,  in  dem  eine  Interj.  zu  dem  deiktischeu 
Charakter,  welcher  der  Bed.  4  innewohnt,  sich  wohl  fügen 
würde.  Dass  zwischen  fast  gar,  srhier  gar  ein  und  gesetzt 
werden  kann,  während  doch  nicht  wirkliche  Erreichung  der 
Totalität  damit  ausgesagt  werden  soll,  erklärt  sich  wohl  nur 
aus  der  Häufigkeit  der  Verbindung  mit  und  bei  andern  zwei- 
gliedrigen Formeln,  z.  B.  7>r;,r  mul  iim:  In  Hi:hier  gärete 
scheint  der  Schlussvociil  dir  in  1;  M,\,  iMÜrlite  Adverbialendung 
zu  sein;  (  aber  ist  viell.  irld  \m,  m  hundert  anderen  Fälleu 
niüssigcs  Anhängsel,  hiir  ^illn  nhilibrnl.  wcdil  nach  Analogie 
des  gleichlautenden  gerct  für  .gern',  ri/.,-.;"  '"^  ' : ''-o;-./,. 
vgl.  .nahezu"  und  .beinahe';  gotu-gär  frl,l.iit  in  d  >  in.- 
der  zahlreichen  mit  elliptischem  (lull«-  ■_'.  iiil.  1,  n  \,i  i.u- 
kungen.  —  Der  conjunctionale  Gebrauch  ylinlit  dmi  von 
drum  Bd  I  231.  Für  4  ist  eine  Abschwächuug  von  1  an- 
zunehmen, wie  umgek.  in  lebhafter  Rede  .viel'  leicht  zu  .all', 
hoher  Grad  zum  höchsten,  gesteigert  wird. 

garig:  1.  Adj.,  fast  nur  in  Verbindung  mit  der 
Neg. :  Nüd  en  garege  oder  ennig-garige,  ein  niittel- 
mässiger  (z.  B.  Mensch,  Wein),  von  zweifelhafter  Be- 
schaffenheit, nicht  gar  brav,  nicht  vorzüglich  B.  Nüt 
garigs.  nichts  Besonderes,  Etw.  von  geringem  Wert. 
Erst  mittelbar  dann  auch  positiv:  Es  isch  icol  absits 
hie:  tvas  öppis  Garigs  [etw.  Rechtes]  isch,  sieht  si 
meiste's  geg  de"  Dörfere"  zue  BM.  Syn.  nüd  gar  Eine'. 
—  2.  Adv.  Fast  {fast  und  -schier-  Scnw;  Zg;  Z)  garigs, 
fa.st  gar.  —  Mit  der  auch  für  Adv.  beliebten  Bildung  auf  -ig. 
welche  durch  adverbiales  -s  noch  verstärkt  ist. 

egi-garigs,  nur  in  Verbindung  mit  ps-gar,  dieses 
verstärkend:  !''•  han-eii  [ihn]  es-gar  egi-garigs  möge' 
b'sieh  |, beziehen',  einholen]  ScHwMuo.  (Kdspr.). 

O'itr  '-;//;/.  enthält  eine  redupl.  Bildung  durch  abgek.  ,und' 
(s.   Bd   1    '!'20)  mit  dem  einfachen  g.  verbunden. 

(iarällt:  Bürge.  Als  präd.  Adj.  gefühlt  in  der  RA.: 
/■■''  bi'-der  G.  dcrfür,  ich  versichere  dich  Z. 

Garailti  (t),  nui'  i"  der  RA.:  de"  G.  gä,  eilig  Ge- 
schäften nachgehen,  auf  die  Suche  gehn  GuPr. 

Das  syn.  manclmiite'  deutet  auf  die  Geschäftigkeit  eines 
Handlungsreisenden  [frz.  marclmnd\,  das  W.  selbst  aber  auf 
Entstellung  ans  frz.  qmrant  [suchend]  in  der  KA.  alhr  7. 
unter  Einfluss  von    Garant,  Bürge. 

(iaraune  f.,  Dim.  Garauni:  improvisiertes  Gestell 
für  Gerätschaften,  Esswaaren  u.  A.,  aus  einem  dünnen 
Brett  bestehend,  in  der  Ecke  eines  ,Bergauns'  [Heu- 
schoppens] ÜrLuz.   -     Das  W.  ist.  wie  ßergmm,  rätorom. 

Garebüse  f.,  in  der  RA.:  in  e  schüni  G.  cho',  in 
eine  arge  Verlegenheit  Gl.  —  Wahr.sch.  frz.  grahugr, 
Gezanke.  ■ 

Gä'rele"  f.:  langvs  Brut  aus  Wcis.Miiclil.  Butler  und 
Eiern  in  Form  einer  Haarllcclitf.  auf  .Vcujalir  und  zu 


andern  festlichen  Anlässen  gebacken  B  oSi.  Syn.  Zupfe. 
Dim.  Gäreli,  dreizinkiges  Backwerk  Bs-'a.  —  Die  letzte 
Angabe  deutet  auf  Ableitung  vom  folg.  Vb.  garren  in  Bed.  2. 

garre",  bezw.  -ar-:  1.  knarren  (stärker  und  tiefer 
als  giren,  girren),  von  Türen,  Wagen,  Schuhen,  Wetter- 
fahnen Bs;  Gr;  L;  GT.;  Sch;  ZÜ.  Loset  toie  der  Gül 
uf-em  Chilcheturm  gahret !  Hebel.  JEs  gäret  und  glret, 
vom  Sturmwind  vor  einem  Gewitter  im  Walde  Z 
(ACorrodi).  Vom  Blasbalg:  Der  Blöshnlg  gahrt  im 
hohle  Schnüf  AaB.  (Minnich).  —  2.  , klaffen,  aus  den 
Fugen  gerissen  sein;  auch:  weit  hinausstehn,  von  den 
Beinen  eines  Stuhles  BO. ;-  von  den  Rändern  einer 
Wunde  BEL  Empor-,  hervor-ragen  (auch  iif-).  Nid 
wit  und  linggs  vom  Of'ipdss  garrend  zwei  allmächtig 
gross  Felszaggn-n  in  d'  Luft  GsPr.  (Schwzd.). 

Mhd.  und  iihd.  ijarrcn,  bair.  (jarrezen,  nur  iu  Bed.  1. 
Betr.  den  Begriifsübergang  zwischen  1  und  2  Tgl.  Annj.  zu 
t/it/ägen  II  Sp.    137   und  ijaijyen  II  Sp.    166. 

ushin-  (ujDS'igarrt;):  unordentlich  hervorstehen, 
z.B.  von  Haaren  GW.  —  vor-,  fürhcr-  (fürha- 
taritj:  hervorstehen  Gk. 

Ga rette  s.   C'-. 


Gari  m. :  Lcodegar  L. 

Garibaldi:  Blouse,  urspr.  rot,  dann  ;uuli  bla 


und 


andern  Farben  BBe.;  ZStdt. 
So  benannt,    weil    der  it.   Freischaarenfübrer    und   seine 
Leute  ein  solches  Kleidungsstück  trugen,  das  dann  auch  beim 
weibl.   Geschlecht  Aufnahme  fand. 

Garien.  ,G.  sagen  die  Bauern  für  Gregorius.-  Si'reng. 

S.    noch    Gorjes.    —    Ahd.    Oeurje,    Gorju. 

Garillioil  (läuten):  eine  eigentümliche  Art  des  Kir- 
chcngeläutes,  wobei  die  Glockenschwengel  an  Stricke 
gebunden  sind,  die  über  ein  Kad  gehen;  nur  an  Fest- 
tagen üblich  WGams,   —  Frz.  mriUon,  Glockenspiel. 

Garodeli  s.  gar-ordenlich  Bd  I  439. 

Garodt  m.:  Überstrumpf,  Gamasche  FS.  Synn.  s. 
bei  fink,  Gamasche.  —  Aus  dem  benachbarten  frz.  Patois 
(garoda). 

Garojn  m.,  (iaronje  f.:  Schimpfw..  ersteres  für 
einen  Mann  GnChurw.,  letzteres  für  ein  Weib  GrV. 
—    It.   nirogna,   frz.   carmjnc,  Aas;   vgl.   Keib. 

garoliert:  mit  Vierecken  besetzt,  von  Zeugen 
BStdt.     Syu.  ge-huset,  ge-chöltschet,  ge-gätteret. 

Die  echt  frz.  Form  des  zu  Grunde  liegenden  Vbs  wäre 
carreler;  es  ist  aber  der  o-Laut  der  Subst.-End.  (frz.  carrmu) 
herübergezogen  oder  beibehalten. 

Garotsche  {-atsche  Zg)  —  f.:  1.  alte  Kutsche  A.^Z.; 
BGu.;  ScHwE.  —  2.  alte  baufällige  Hütte,  schlechtes 
altes  Bauernhaus  AaZ.;  Schw;  Zg.  —  3.  altes  Haus- 
gerät. Mls  ZU  [Uhr]  ist  afig  en  alti  G.  Scuw.  — 
4.  Schimpfn.  eines  alten  Weibes  AaZ. 

Mhd.  karräucht,  kurronche.  karrotsche,  aus  frz.  curostsc,  it. 
rairocnu,  Wagen.  Syn.  in  Bed.  1  —  3  Gudd  Sp.  122;  vgl. 
auch   Oale  Sp.  203. 

Gäre  s.  Gerrisch. 

gärre":  1.  =  gurren  1.  Mer  [wir]  g'höre'  's  Gätterli 
[Gittertürchen]  gäre"  BsLd  (Volksl.).  —  2.  Es  uill 
nicht  gärre",  vorwärts  rucken,  bes.  von  einem  Fuhr- 
werk AaZ.;  „f." 

Bed.  2  wahrsch.  aus  1,  da  ,garren'  auch  von  den  Rädern 
eines  Wagens  gebraucht  wird.    Der  bildl.  Gebrauch  ,Torwärts 


gehen  übli.'  au.li  v..n  S,i.  hen.  liiscIiiUlcn.  AihciU-n,  «iü  bei 
, hotten',  vom  FiihiniaDiiM  iil  .luittl'  liir  Vue.  ttäie  der  viui 
mhd.  kä-nn. 

Ganre  f.  =  Geiss  im  Knabenspiel,  welches  sonst 
geiss-gügen  (Sp.  159)  genannt  wird  (s.  B.  IV,  50/1) 
GnObS.   —   Churw.  c«.(i«  (aus  lat.  atpra),  Ziege. 

Ger,  Geril:  Personenn.,  Gerhard  Z.  -  Hievon 
die  patronymische  Abi.   (lerirnj  als  Geschln.   L:   Z. 

Ger(e°)  m.  (f.):  1.  (Fisch-)  Gire  in.  Aa;  L;  Uw; 
Zg;  Z,  f,  B;  Gl;  ,L.-  a)  gabelförmiges  Instrument 
mit  3-  6  widerhakigen  Zinken  an  einem  langen  Stiel, 
zum  Stechen  von  Fischen,  bes.  Lachsen.  Dim.  Gerli, 
Gerili  Ndw.  ,I)Ie  Lachse  werden  teils  bei  Tag  ab 
beiden  Brücken  in  der  Stadt  Zürich,  teils  zu  Nacht 
bei  Anzündung  der  Fackeln  mit  Geeren  gestochen.' 
EKöxiG  170G.  ,Ouch  ensoll  keiner  kein  fisch  mit  der 
geeren  stechen,'  ä.LBatsb.  1300/15.  ,üer  biber  wird 
mit  langen  gären  gestochen.'  Tierb.  1563.  .Fuscina, 
ein  gäbelin  mit  dreien  zinken,  ein  fischergere  oder 
Stachel.'  Fris.  ;  Mal.  .Geren,  fischergabel,  fuscina, 
tridens.'  Eed.  1662.  —  b)  von  JMuralt  1715  übertr. 
auf  Pflanzenteile,  nämlich  die  von  einem  gemeinsamen 
Ästlein  ausgehenden,  mit  den  einzelnen  Zacken  des 
Fischergerätes  vergleichbaren  Nebeiis(lio-<^(>  od.  Blatt- 
lappen. ,Es  sprosset  aus  der  Wid/.'i  1^1-  \ -•■{<]  virl 
Schösslein  oder  Geerlein  auf.-  [lilutrn  .|r^  li.  i^vMatis, 
lonicera] ,  die  wegen  gererweisc  ZLilciltLii  S:iuiiien 
und  artigen  Züngleinen  gar  schön  anzuschauen  sind.' 
,[l)ie  Blätter  von  centaurea  benedicta]  sind  lang,  jedoch 
in  Geeren  gespalten  und  ringsher  zerkcrfet.'  —  c)  Vor- 
richtung an  einem  Wehr,  welche  dazu  dient,  Gegen- 
stände, die  daher  treiben,  zurückzuhalten  und  zu 
sammeln  Z;  gewöhnlicher  Sechen,  beides  wegen  der 
parallel  laufenden,  oben  durch  ein  Querholz  befestig- 
ten Stäbe.  —  2.  {Gere  f.  Gl;  L;  Ndw,  iil.  Aa;  Z) 
Winkel,  a)  in  der  Verbindung  i"  d'  (z'  B;  Gl;  Z) 
G.  schnide'  (schrote"  Aa)  B;  Gr;  6;  Schw,  einen  keil- 
förmigen, schräg  od.  spitz  zulaufenden  Schnitt  führen, 
z.B.  vom  Zuschnitt  von  Hemden  und  Kleidern  Aa; 
B;  Gl;  Gr;  G;  Schw;  Z;  ein  z'  G.  geschnittenes  Kleid 
hat  auf  beiden  Seiten  ein  langes  Dreieck  eingenäht 
ScHwE.,  und  wirft  keine  Falten,  sondern  steht  nach 
unten  gleichförmig  heraus  Z.  Bei  Holz-  und  Papp- 
arbeiten spec.  in  einen  Winkel  von  45  °  abschrägen 
(vgl.  Germess),  so  dass  zwei  Stücke  zsgefügt  (vgl. 
vergeren)  einen  rechten  bilden;  s,  GerifgJ.  Syn.  geren, 
in  Winkel  scliniden,  engl.  ,to  cut  in  gores' ,  nhd. 
,göhrig  schneiden'.  —  b)  Gere  (meistens  m.)  schräg 
geschnittenes  htück  selbst.  1)  der  auf  beiden  Seiten 
des  .Stockes'  eingesetzte  Zwickel  am  Frauenhemd  Bs. 
—  2)  der  durch  eingesetzte  keilförmige  Zeugstreifen 
(vgl.  ,Spatt,  Spickel')  gebildete  Teil  der  Kleidung, 
auch:  Flügel,  Zipfel  des  Kleides.  .Der  Geren,  Schoss, 
Tiefung,  die  man  mit  den  Vorderflügeln  des  Kleides 
macht,  um  Etwas  aufzufangen,  greniium,  sinus  vestis.' 
Si'RENG  (Bs).  E  Chind  allewil  uf  der  G.  ha",  immer 
auf  dem  Arm  herumtragen.  Sülger.  Ein'"  bi'm  G. 
ne"  [ergreifen,  packen]  Z.  Syn.  Cbim)  F'ecken,  Frack. 
,Wär  sach,  dass  der  wuecherstier  jemand  kein  [irgend 
einen]  schaden  täte,  der  soll  in  usjagen  mit  dem  geren, 
und  nit  mit  Irefler  hand.'  AAWett.  Offn.  ,Dor  stier 
und  das  wuocherschwyn  hand  ouch  das  recht,  wo  sy  uf 
schaden  gond,  das«  da  einer  inen  soll  mit  dem  geren 
weren  und  tryben  unz  uf  das  näch.st  guot.'  1483,  Offn. 


R'ii- 


W2 


Zlluli.  ,\Vo  (las  brreiid  [tiäclitig]  riiul  liingat,  soll  im 
nieniaii  oiikein  leid  tuen,  woii  [sondern]  es  mit  synem 
rechten  gern  ustryben  an  orten  landstrasse.'  1538  (resp. 
1350).  /.  .Niemants  soll  aufdecken  seines  vatters 
geren.'  1548,  V.Mos.;  dafür:  ,decke.'  1531;  ,rtügel.' 
UiU7.  ,Do  spannet  ich  meinen  geren  über  dich,  dir 
dein  schaiu  ze  bedecken.'  1531/48.  Ezech.;  löüT  mit 
Kandglosse:  ,Wird  hie  für  Schutz  und  Schirm  genom- 
men.' ,Zuo  derselben  zeit  werdend  zehen  männer  aus 
allen  sprächen  der  Heiden  einen  Juden  bei  dem  g. 
orwütschen.'  1531/48,  Zach.  , Welcher  glüet  im  geren 
treit  und  schlangen  in  syn  buesen  leit,  der  will  mit 
gwalt  gross  unrue  han.'  HBull.  1533.  .Kleider-geren, 
sinus  vestium,  lacinise.  Sinus,  die  geren  der  kleideren.' 
Dasvp.  1537.  ,Gar  bös  ist  schlangen  in  der  schoss 
iisbrueten  und  dieselben  neren;  denn  sy  ei'm  's  gift 
land  im  geren.'  Aal  1549.  ,Extremura  tuniciß,  das 
bort  oder  der  säum  des  rocks,  der  geren  am  rock. 
Lacinia.  ein  g.  oder  falt  eines  kleids.  Laciniä  togie 
alqm  retinere,  bei  dem  g.  erwüschen.  Calcare  laciniam 
tog».  auf  den  g.  treten.  Ein  g.  des  rocks  under  dem 
arm  durchbin  oder  über  die  achslen  geschlagen,  einen 
ze  decken,  cinctus  gabinus.'  Fris.  ;  Mal.  .Der  Geren, 
Schoss.  Falt,  Buesen.  lacinia,  greniium,  sinus.'  Rep. 
l(iü'2.  S.  noch  Fecken  2Bäl  7'29.  —  3)  a)  („f.")  drei- 
eckige Dachfläche,  welche  bei  der  sog.  Ständerbauart 
durch  Verkürzung  des  Firstbaumes  auf  den  beiden 
Schmalseiten  des  Gebäudes  sich  ergibt;  abgewalmter 
Dachteil  B ;  L ;  Z ;  Syn.  Gerschild,  Walmen.  —  ß)  (m.) 
dreieckiges  Giebelfeld  L;  Z;  Syn.  Gerschild.  —  4)  (m.) 
die  zwei  äussersten,  halbmondförmigen  Dauben  zu 
beiden  Seiten  eines  Fas.sbodens  Z.  —  5)  (f.)  Vorderteil 
eines  Nachens,  insofern  er  mehr  oder  weniger  spitz 
zuläuft  BO.  —  6)  (m.)  spitzer  Streifen  Landes,  drei- 
winkliger Acker,  z.B.  zwischen  zwei  längern  Äckern 
(iL;  Z.  .Ein  achtüdc  teil  des  geren  einer  wise.'  1328, 
Z  Urk.  Hieher  gehören  zahlreiche  Namen  von  Örtlich- 
keiten, bes.  Grundstücken,  in  welchen  das  W.  alle  drei 
Geschlechter  zeigt:  (der)  .Geren',  Wald  von  länglicher 
Gestalt  mit  schiefen  Winkeln  Aa;  Wiese  SKappel; 
1330,  L;  Berg  BO.;  .im  G-n'  ZUster.  Wäd.,  Erl.  (wo 
der  Gerenlirieg  Statt  fand),  Düb.  Hochfläche  zwischen 
Reuss  und  Limmat.  Itn  (am)  Ger  AAFri.;  ZTurb.; 
.Jenny  ze  Geron.'  13'21/70,  Gfrd;  .ab  dem  Geren.' 
XIV.,  ebd.;  ,vom  guote  am  Gern.'  Jahrzeitb.  UwE. 
.Die  zwei  güoter,  die  man  nempt  die  zween  gerne.' 
1391,  GWal.  ,Gere'  f.  UwE.;  ZF.,  Mönch.  ,Das  holz, 
genannt  die  geren.'  1493.  Offn.  GKrin.  ,Das  Ger' 
GOberh.  (=  die  , Geralp-);  Soh.  Dazu  die  Compp.:  Ger- 
iicher  Gh;  ,Gerenacker.'  1.580.  SBib.;  Gerenau  ZWäd.; 
Gerenegg  Gl;  .Gerensteg.'  1511,  L;  Gerensteghof  Z; 
Gerental  W  (geschlossen,  ohne  Gebirgsübergang). 
Gerete  f.  S  (viell.  in  c"ll.  S.).  —  c)  (Gere  f.)  Winkel- 
mass  der  Schreiner.  E.juerre  BS.  —  d)  (Gere  m.)  drei- 
beiniges Gestell  für  eine  Tanse,  in  welche  Jauche 
geschöpft  wird  Tu  (Spillm.);  Syn.  Giillen-Stuel. 

Mh(i.  yer(e)  Dl.,  Wurfspiess;  keilförmiges  Stück,  Schoss, 
Saiim.  —  Der  Bed.  i  c  liegt  viell.  das  aus  dem  benachbarten 
Frz.    herübergenummene    ei/iierre    zu    Grunde.     —    S.    auch 

Gugg-Gere",  Giiggere'  auch  -öre  \vK.:  ZDättl., 
-erle  GStdt.  f.:  1.  kleiner,  mit  Giebel  und  meist  mit 
Fenster  versehener  oder  mit  Laden  verschliessbarer 
Vorbau  auf  dem  Dach  eines  Hauses  AaF.;  Sch;  Th;  Z, 
Ausblick    und   dem  Estrich  Licht   gewährend,    häufig 

Snl.weiz.  Mi.itik.m  11. 


einem  besondern  Gemache  dienend  L;  GW.;  THSteckb.; 
Z.  das  auch  etwa  als  Werkstatt  benutzt  wird  L,  daher 
Güggerler,  Übername  eines  Menschen,  der  lange  Zeit 
in  einer  Dachkammer  gewohnt  hatte  SuiiwE.,  Ma. ; 
s.  Werch-Hus.  Mansarde  L;  Th;  Z.  Aber  auch  nur: 
kleine  Dachlucke,  offen  oder  verschliessbar,  Gaupe, 
Licht-,  Rauch-,  Katzenloch  auf  Strohdächern,  auf 
Ziegeldächern  von  Blech,  kleiner  als  Guggenhürlifg), 
durch  .\usbreclicn  und  Erhöhen  des  Daches  ange- 
bracht Aa;  (u.  ;  (i;  ScH ;  Ndw;  U;  Zg;  Z.  's  hindrist 
G'halt  |(njiiiacli|  (li(r'''näuse"  bis  uf  d'  höchst  G.  [unter 
dem  l>achgiebelj  Schw  (Bruhin).  ,Auf  dem  obern  Bo- 
den ein  Zimmer  ohne  Erhöherung  des  Dachstuhls  und 
nur  mit  Beisetzung  einiger  oder  mehrerer  Guggerlen 
angerichtet.'  1728,  G  Ratsprot.  Syn.  Giigger  13,  Dach- 
Guggeli;  s.  auch  Guggernell  und  Gugge-Hür,  -Hüs. 
Auch  Name  eines  Hauses  in  ZBenk.  —  2.  =  Guggeie 
s.  Sp.  180. 

Für  die  Erklärung  aus  (luijij-Uerc'  spricht  die  .\nschaHHng 
der  Sache,  indem  die  bei  der  tw.  Erhöhung  des  Ziegeldaches 
(welche  urspr.  ohne  eigene  First  bewerkstelligt  wurde)  ent- 
stehenden Seitenwäade  Dreiecke  bilden  oder  die  halbkreis- 
förmige Erhöhung  auf  dem  Strohdache  nach  hinten  keilförmig 
sich  verjüngt.  Die  Form  -öre,  -ärli  scheint  nur  lautliche 
Ausweichung,  welche  aber  auf  ,Ohr'  gedeutet  werden  konnte, 
weil  dieses  an  der  Seite  des  Kopfes  ähnlich  hervor-  oder 
eiuporsteht  wie  der  Vorbau  am  Dache.  Jedenfalls  liegt  im  ersten 
Teil  des  W.  das  wesentliche  Merkmal,  d.'iss  ein  Dachzimmer- 
chen  oder  -Feusterchen  einige  Aussicht  (s.  (juijijtn)  gewährt. 

Chel-Gerli  s.  Kel-Gerten. 

Madel-,  Model-Ger:  Enzian,  spec.  g.  cruciata, 
mit  kreuzweise  durchstochener  Wurzel  GT.;  Durh.,  It 
Sulzer  =  g.  minor.  ,Mo.,  so  etlich  kreuzwurz  nennend.' 
TiERB.  1563.  .Senecio,  (H)erigerün,  creuzwurz,  docli 
wirt  mo.  auch  also  genannt.'  Fris.;  Mal.  .Cruciata, 
Creuzwurz,  Mo.'  Denül.  It377;  1716.  ,Mo.,  so  einige 
Kreuzwurz  nennend,  wird  dem  Vieh  eingeschnitten, 
so  auch  zu  den  Wurmen  und  Pestilenz  gerühmet  wird.' 
Churer  Schreib-KaL  1712. 

Mhd.  modal-,  modd-;jei;  basilia,  cruciata  (bei  Dieffenbacli 
auch:  ,Spereustich'  glossiert);  ahd.  auch  häufiger  Fersouenn. 
Ober  die  wahrsch.  mythische  Beziehung  der  Pflanze  s.  Gr. 
Myth.  ',  S.  1160.  und  vgl.  Perger,  Pflanzensagen,  S.  ITU, 
und  Schm.-Fr.   1568. 

Nabel-Gerli"  n.:  Nabelbinde;  auch  der  weiche 
Lappen,  den  man  dem  Neugebornen  auf  den  Nabel 
legte  und  mit  der  Nabelbinde  festband,  Nabeltuch  ZG. 
So  bis  in  die  30er  Jahre.  —  2.  Nabelschnur.  .Kitzi 
I  Zicklein],  das  das  nabelgerlin  noch  hab.'  XVI.,  (i 
Katsatz.  —  3.  =  Madel-G.  ZG.,  aus  diesem  umgedeutet. 

'2  möglicherweise  verschrieben  für  das  in  med.-anatouii- 
schen   Werken  sonst  hiefür  vorkommende:   ,Nabcl-Gorlo'. 

gerächt:  .Sinuosus,  winkelechtig,  krumme,  gehr- 
cchtig.'  Dasvp. 

gere'':  1.  a)  „schräg  od.  schief  schneiden  GT.",  bes. 
in  intr.  Bed.  von  einem  Dache  i.  S.  v.  Ger  3  b  3J  a.  L. 
Syn.  z'  G-e  schniden.  —  b)  „Zwerchfugen  machen, 
z.  B.  an  Brettern,  von  denen  das  eine  perpendikular. 
das  andere  horizontal  zu  stehen  kommt  L;  Z."  Zwei 
Gegenstände  nach  dem  Winkel  von  45°  zsfügen  BHk. 

—  2.  stechen.  Vgl.  Ger  1  a.  .Da  gereten  die  feinde 
ihnen  10  oder'  12  nider.'  Edlib.  —  i°-:  in  einem 
Fussboden  zwei  Friese  kreuzweis'in  einander  fügen  Z. 

—  ver-:  =  geren  1  b  in  tr.  Anwendung  L;  Z.  — 
Vergeri^g  f.:  in  eoncr.  S.  die  Rinne,  welche  entsteht, 
wo  zwei  Dachflächen  (jucr  a\if  einander  stossen  L:  Z. 


403 


Ciar.  ger,  gh.  gor, 


404 


(iori  II  f.:  der  halbe  rechte  Winkel;  i"  d'  G. 
schinde"  Z;  s.  Ger  2  a. 

Geri  III  n.:  =  Ger  2  b  S  a.  BAarh. 

Eig.  Dim.-Biliiung  zu  ff«-,  den  kleinen  SchiW  im  Gegs. 
zu   Ehi,  dem  Haiiptschild,  bezeichnend. 

Geri"g:  1.  f.  a)  =  Geri  IIB;  L;  Ndw;  Z.  Etw. 
i'  d'r  G-g  zerschnlde",  in  der  Diagonale  entzwei  schnei- 
den BK.  —  b)  die  Fuge  und  Ecke,  welche  durch  Zu- 
sammenfügen schräg  geschnittener  Gegenstände  (z.  B. 
Bretter,  Gartens)  entsteht  Bs;  Z.  —  2.  m.  das  Winkel- 
mass,  welches  den  halben  rechten  Winkel  angibt  B. 
Syn.  Germess.  -     8.  n.  =  Geri  III  B. 

Das  Geschlecht  bei  2  wahrsch.  übertragen  von  ,'Winkel': 
bei  3  wohl  von  Geri  III,  viel],  aber  eig.  adj.  d«  gerig  Schildli. 

Dach-  f.:  das  Verhältniss,  der  Winkel,  unter 
welchem  die  beiden  Hälften  eines  Daches  sich  zu 
einander  neigen.     Vgl.  Ger  2  h  3)  «.. 

gerig:    spitz-  oder  stumpfwinklig  LHitzk. 

gerle":  eine  Querstellung  annehmen,  schief  stehen, 
sich  in  die  Quere  neigen ;  umnie-g.,  beim  Gehen  sich 
hin  und  her  neigen,  schwanken,  müssig  herumschlen- 
dern GG.     Zu  Ger  2. 

ger  s.  gern. 

Ger  f.:  Begehren.  Nur  in  der  ä.  Spr.,  bes.  in  der 
Formel:  ,(Uf)  syn  bitt  und  ger'  häufig,  und  in  Gerezi. 
—    Mhd.  gei;  auch  bei  Hadl.;  noch    11521.    Urk.  BBurgd. 

gere"  I,  Via.  (fgeret  K\;  GTa.:  begehren  A.\:  Ar; 
Bs;  G;  Z  f.  I'''  gere  nüd  iise  [mag  nicht  ins  Freie] 
AABb.  He  ,jo,  wol  frili"''  wd-mer  's  das,  das  hei-mer 
'gert.  Breitenst.  Singsch  derzue  und  gersch  kei  Dank. 
Hebei-.  !'•''  gibe  Nüt  und  gere"  Nüt  ZB.  F''  gere  's 
nüd  G.  G'geret,  begehrt,  von  einer  Waare,  nach  der 
starke  Nachfrage  im  Handel  stattfindet  GTa.  .Von 
weme  man  euch  den  zoll  kann  gern,  den[en]  soll  man 
schirm  und  fride  bern  [gewähren].'  Schachzabelb.  ,Ich 
han  üwer  bitt  wol  verstanden,  der  ir  gerend.'  148'2, 
Gfri).  ,[Es]  kamend  unsre  eidgnossen  für  gross  und 
klein  rät  und  gertend  an  sy  . . .'  Edlib.  ,Bet  und  ge- 
ruug  [Bitte  u.  Begehren].'  ebd.  ,Zuo  G.  lyt  fast  [viel] 
des  volchs,  so  lieher  unfrid  geren.'  15'29,  Strickl.  Si 
weuschid  Nüd  meh  z'  günne'  und  gärid  Nüd  meh 
z' günne.  Gespräch  171'2. 

er-gijrend:  ,Ehre  begehrend',  verehrungswürdig. 
, Vorab  Gott  dem  Allmächtigen,  auch  der  ergerenden 
Jungfrauen  Maria.'  Cysat. 

ver-nü"-geren  s.  -gernen. 

be-gere":  wie  nhd.  Er  hat  nie  Öppis  higerc" 
z'  tue",  hat  nie  Lust  zur  Arbeit  gezeigt  Z.  ,Ich  bin 
hier,  ohne  dass  er  mir  oder  dem  Kinde  je  Etw.  be- 
gehrt hätte  zu  zahlen.'  1870,  Z  Proz.-Akten.  Bigert 
si",  gesucht,  zunächst  von  Waaren,  dann  auch  von 
Menschen:  beliebt,  willkommen  GW.;  Z. 

Sieben-geschlechts-Begeren:  eine  der  UVer- 
fassung  eigene  Form  der  Volks-Initiative,  indem  die 
der  Landsgemeinde  vorzulegenden  luitiativbegehren 
von  7  Männern,  die  7  verschiedenen  Geschlechtern 
angehören,  gestellt  werden  müssen. 

üf-begüre":  1.  ursp.  von  Untergebenen:  gegen- 
über Vorgesetzten  sich  auflehnen,  empören,  zunächst 
gegen  ungerechte  Zumutungen,  dann  auch  gegen  ge- 
rechte; Recht  haben-.  Nichts  an  sich  kommen  lassen 
wollen,   widersprechen,   trotzen,  pochen  Bs;  Gl;  G; 


ScnSt;  Z.  , Wer  aufbegehren  wolle,  solle  zuerst  seine 
Schulden  bezahlen.'  1582,  Seg.,  Pfyffer.  —  2.  zunächst 
von  Vorgesetzten  gegenüber  Untergebenen :  Unzu- 
friedenheit äussern,  Vorwürfe  machen,  hart  anfahren, 
schelten,  zanken;  dann  übh.  aufbrausen,  poltern  Aa; 
Bs;  B;  S;  Z.  Im  Wortspiel  mit  vfbegere",  aufstehen 
wollen:  B'  Mueter  hat  ttf bigert  mtt-em,  dass  es  am 
Morgen  nie  uf  bigeri.  Er  bigert  gern  uf,  nw  nüd  ame 
Marge  früeh.  U.  mit  Bs;  Z,  gege"  Gl  Ei"»!.  S.  noch 
Nachtwächter,  Burspatz,  Häftlimacher.  Syn.  balgen. 
Zu  1  und  2:  üf -kellen,  üs-bröten,  -keren,  -kramen, 
-binden,  losfaren,  den  Kragen  leren,  von  Leder  ziehen 
u.  A.  Vgl.  üfB6.  -  üfbegerig  Bs,  -isch  BO.;  Gl; 
S;  Z:  von  trotziger  Gemütsart,  zu  Widerspruch  und 
Schelten  geneigt,  leicht  aufbrausend,  jähzornig. 

Gerezi:  nur  in  der  Verbindung:  Mit  G.,  mit  Ab- 
sicht GlK.;  GoT.    Hesch's  mit  G.  tue?    Syn.  gerigs. 

Versteinert  aus  6er  und  &'"»  [Begehr  und  Bewusstsein, 
Willen  und  Wissen]  und  jetzt  als  eiuf.   Subst.  gefühlt. 

gerigs:  mit  Absicht  G  oT.     Syn.  mit  Gerezi. 

Eig.  wohl  nur  das  Ptc.  Präs.  von  gfren,  mit  Übergan;,'  vnn 
-e(n)d  in  -ig,  im  Gen.  adv.  gebraucht,  nach  Analogie  der 
Advv.  auf  4igs  aus  -liin)gs. 

ggre"  11:  sich  beeilen,  sich  anstrengen  mit  einer 
Sache  bald  fertig  zu  werden,  geschwind  machen,  auch 
refl.  G  oT.  Wo-mer  g'seh  händ,  dass  kei  G.  Nüt  nützt, 
händ  US  Müedigkeit  wir  üs  in  Schatte'  g'leit.  Feurer. 

Der  rofl.  Gebrauch  wahrsch.  erst  ans  dem  syn.  und  an- 
klingenden ,sich  weren'  und  das  W.  wahrsch.  nur  eine  be- 
sondere (absolute)  Anwendung  von  geren  I  i.  S.  v.  begierig, 
eifrig  sein. 

Gsret:  Personenn.  1.  Gerold,  daher  Geretswyl  Z 
aus  ,Geroldeswilare'.  -  2.  Gerhard.  Neuj.  ZW.  1884. 
Vgl.  Eret  =  Erhard.        3.  s.  Ger. 

Geri  IV:  Personenn.  1.  Gerold  AASt.  —  '2.  Ger- 
trud. 1452,  Urk.  Z  OGl.;  Cysat. 

Güri-Geri  s.  Hutz-Gür. 

Gerig:  Personenn.  1.  „Gerold  U.»  —  2.  Georg. 
,Sant  Gerigen  Tag.'  1375,  Z  Urk.  neben:  ,Nach  sant 
Gerien  tage.'  1411,  Bs;  vgl.  ,ze  sant  Georien  tag.' 
1339,  ebd.  und  Jih-g. 

Gerrisch,  Gerrist  BÜ.,  Si.,  Gerst  BSa.:  Meister- 
wurz,  d.  h.  die  Wurzel  von  imperatoria  ostruthium 
(auch  G.-Würz,  Wiss-Gerrist);  ebenso  die  beissend 
scharfe  W.  anderer  Doldengewächse,  wie  von  lego- 
podium  pod.  Aa;  B(Girsch),  angelica,  laserpitium  U.A. 
Schwarze''  G.,  astrantia  major  BO.,  wofür  auch  Gäre 
BSa.  Sachliches  s.  bei  Astrenze  und  Meisterwurz. 
S.  noch  Gerste. 

Ahd.  gere^,  gcrs  für  imp.  nstr.,  seseli  uiaer,d.  und  ;i*g<i- 
podium  podagraria;  vgl.  Grassmaun  S.   100. 

Gerolf:  Goldamsel,  Pirol,  oriolus  galbula  bei  Fitis. ; 
Mal.    —    (ier-(ir),ilf  ahd.   PN.   vgl.    iLuhhjrr. 

Gertrud  Trud,  Brut  „VÜ.",  Trüth;  SciiwE.,  „Träte 
Gr",  Dim.  Trut(e)li.  „allg.",  Trüdi  kh^t.;  Bs,  Trudel, 
Trutsch  GRPr.  Die  h.  G.  soll  die  Tochter  Pipins  von 
Landen  gewesen,  a.  658  als  Äbtissin  gestorben  und 
schon  im  VIU.  in  den  oberdeutschen  Gegenden  verehrt 
worden  sein.  Es  scheint  aber,  dass  der  Name  {Gerdrüt: 
Speerkraft)  urspr.  einer  kriegerischen  Göttin  (entspre- 
chend der  nordischen  Freyja)  od.  Halbgöttin  (Walküre) 
zukam,  der  dann,  wie  der  Walburg  (,Walpurgis')  und 
andern  angeblichen  Heiligen  auch  Wirkungen  auf  das 


Gar, 


ger,  gir,  gor,  gur 


Naturleben  zugeschrieben  wurden.  Der  ihr  im  Kalender 
zugeteilte  Tag  (17.  März)  gilt  als  Terrain  der  Früh- 
lingsarbeiten im  Garten  und  ist  noch  mit  altem  Glau- 
ben verbunden.  Gertrud  säit  (bringt  S,  sä  Bollen  Z) 
Zihekn  [Zwiebeln]  und  Chrüd  L.  I"  der  G.  wachst 
(lern  Mangolt  und  ChnV.  BBe.  Am  G.-Tag  soll  man 
wacker  Wasser  trinken,  so  schade  das  Wasser  Einem 
das  ganze  Jahr  nicht.  An  diesem  Tage  reinigen  .'iich 
die  Wa.ssertiere  Gr. 

Laut  Kopp,  ürk.  IV,  2,  247,  4  soll  gleiclibeaentend  mit 
li.  (liir  Name  Guta  (,GH0ta.'  1.320,  Urk.)  vorkommen;  daher 
viell.  die  in  der  Sage  von  der  Mordnacht  in  Bregenz  vor- 
kommende ,Ehr-gutta'  s.  Lüt,  Sag.  S.  43.5,  Rochh.,  Gl.  u. 
Br.   2,  300).     S.   noch   Trat. 

Gir  I  m.,  Giri  n.  (Dim.)  W:  1.  Geier,  spec.  (auch: 
,Gold-,  Joch-,  Bart-,  Stein-,  Schaf-G.')  Lämmergeier, 
gypaijtu.s  barbatus;  meist  aber  jeder  grosse  Raubvogel, 
bes.  Adler  (Stein-A.),  welches  W.  (s.  Bd  I  90)  auch 
unigek.  den  Lämmergeier  bezeichnet.  ,Geyren  oder 
Geyradler.'  Cysät.  Gir-Anneli  hiess  eine  Frau  aus 
BHk.,  welche  als  Sjähriges  Kind  von  einem  G.  weg- 
getragen, dann  aber  fallen  gelassen  worden  war.  Der 
li.  gilt  als  räuberisch,  wird  aber  in  einem  Kinder- 
spruch durch  den  Hunger  entschuldigt,  der  alle  Ge- 
schöpfe treibt:  's  Büebli  springt  de"  Berg  üf,  'em  Gijer 
iKi  [nach].  „Was  springsch-mer  nö?''  Was  gisch-mer 
Nüti'  „Ha  selber  no  Nüt  z'  Obig  g'nö."  Eocmi.  1853. 
Liiege'  es-mie  'ne  G.,  mit  gierigen  Blicken  Ndw.  ,Der 
gir  [eig.  da.s  Wappentier  Karls  des  Kühnen]  treit 
grossen  übermuot,  der  bär  und  stier  gar  wol  behuot 
wend  mannlich  mit  im  kretzen.'  Granson-Lieu.  ,Der 
g.  ist  u.^geüogen  dem  hären  in  ,syn  land.'  Murten-Lied. 
.Von  einem  Gycr  4  Pfd  [Schussgeld].'  1582,  UwF. 
Talb.  ,Gire>i  werfen,  zum  Raub  auswerfen,  wie  die 
Grielgelder,  missilia.'  Spreng.  ,Es  i.st,  wie  wenn  man 
den  Gyren  rupfte.  Das  Gyrenrupfen  ist  ein  altes 
Pfänderspiel,  bei  dem  sich  Alle  gegen  Einen  ver- 
einigen, um  ihn  zu  plagen;  wahrsch.  von  den  Raben 
und  andern  Vögeln  hergenommen,  welche,  wenn  sie 
i'inen  (i.  sehen,  denselben  verfolgen.  Wie  alt  jenes 
Spiel  ist,  beweist  der  Titel  einer  polemischen  Schrift, 
.das  Gyrenrupfen',  welche  vor  300  Jahren  einige  Bür- 
giT  von  Zürich  gegen  den  bischöflichen  Vicar  Joh. 
Faber  herausgaben.'  Kirchh.  ,Sy  band  an  mir  nüt 
überhupft  und  mir  den  gyren  g'nau  berupft.'  NMan. 
,Sehend  zuo,  wie  wir  mit  Hansen  Schniid  [Joh.  Faber] 
so  hiipschlich  wellend  den  gyren  rupfen.'  Gyrenrupfen 
15'23.  Der  Landvogt  von  Grüningen  beklagt  sich,  wie 
er  von  allen  Seiten  verleumdet  werde.  ,Und  ist  ein 
wyl  um  mich  g'syn,  wie  man  den  gyren  rupft,  und 
ist  wild  über  mich  'gangen.'  1528,  Eglt,  Act.  Häufig 
in  Flurnn.:  Giregg  Th,  Girsberg  Tu;  Z,  Gyrenhad  Z, 
Girenflue  U  (vgl.  ,Vogelflue'  Bd  1  1185),  Girhalde 
ScnSchl.;  ZDiet.  (schon  1653,  Arch.  Wett),  Glrenspitz, 
ein  Gipfel  des  Säntis;  auch  Name  dreier  Berggipfel 
Gr.  N.  N.  in  Z  urkundet  1538  wegen  der  umgehauenen 
Gerichtsmarke  ,Gyreich'  (vgl.  Gir-Tann  in  dem  Ge- 
schlechtsn.  Girtanner).  Auch  zum  Geschlechtsn.  ge- 
worden  ScHW;  Z.     ,Peter    zem   Gyrn.'    1335,  Bs  Urk. 

Mhd.  giy.  In  ,Glren  werfen'  scheint  G.  Dat.  PI.:  (den) 
Geiern  hinwerfen.     S.  noch  Ropp. 

Furkeli-:  Gabelweihe,  roter  Milan,  falco  milvus. 
Syn.  Fiirkelin  Bd  I  1013  und  GäbeU-Vogel.  —  Gold-: 
liämmergeier.  ,Es  wird  in  Schweizeralpen  ein  Gyr 
gefunden,  welchen  sy  von  der  roten  Brust  wegen  ein 


Goldgyren  nennend.'  Vogelb.  1557.  ,Goldgeir,  vultur 
alpinus.'  Mal.  ,Harpe,  ein  Golgeir.'  Denzl.  1677;  1716. 
—  Henne"-,  Hüener-,  Tube"-:  1.  Habicht,  falco 
palumbarius  Gr;  Syn.  Vogel  2;  ferner  Tube'-Pad; 
-Sperber.  —  2.  =  Furggeli-G.  .Die  Gabelweihe,  Moos- 
weihe, Gabelschwanz,  Hühnligeier,  Hühnlidieb,  falco 
milvus.'  HSchinz  1842.  —  3.  ,Der  Bussard,  Mäuse- 
bussard, Moosweihe,  Hühnergeier,  Hühnerdieb,  falco 
buteo.'  ebd.  Syn.  Hennen-Vogel.  —  Vgl.  roni.  «iV/«^ 
pkailo,   Sperber,  im   Gegs.  zu  ayid  grande,   Lämmergeier. 

Hasen-:  =  Gold-G.  ,Darumb  man  [den  Goldgyr] 
ein  Assgyr,  Keibgyr  und  von  Rossen  ein  Eossgyr,  von 
Hasen  ein  Hasengyr  nennet:  darumb  dass  er  dise  tier 
alle  angreift  oder  frisset.'  Vogelb.  1557.  ,Hasengeir, 
vultur.'  Mal. 

Keib-:    Aasgeier   Bs;  Vogei.b.  1557.   —  K.;i,.  .\as. 

Berg-:  Adler  Gr  ObS. 

Stein-:  1.  Steinadler  GrD.  AU  wie  en  St..  sehr 
alt  GrD.  —  2.  Lämmergeier  Gr  (It  Alpina  1,  169). 

Dem  Adler  (wie  einigen  andern  Vögeln  und  vierfiissigen 
Tieren)  wird  nach  altem  Glauben  hohes  Alter  zugeschrieben 
(dazu  dann  anch  noch  Fähigkeit  der  Ver.)üngHng,  vgl.  Phönix). 
S.  Wackernagel,  die  Lebensalter,  S.  23.  36.  ,Alt  wie  ein 
St.'  erinnert  auch  an  ,steiualt'. 

Gir  II:  Ursache  oder  Stoff  des  Girens  (Kirrens) 
in  den  Schuhen  Z.     Syn.  Gips,  Glri. 

gire"  I  Ap  (It  T.);  Bs;  B;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  Th:  Z. 
girre"  AABb.,  Zein.;  Ap;  ScnSchl.:  kirren,  knirren. 
knarren,  knirschen,  bes.  hohe,  .schneidende  Töne  her- 
vorbringen od.  von  sich  geben,  wie  z.  B.  Räder,  Türen 
in  den  Angeln,  Baumäste  im  Sturme,  Türschlösser, 
Windfahnen,  Schuhe,  trockene,  harte,  an  einander  ge- 
riebene Stoffe  Aa;  Bs;  B;  VOrtf;  Ol:  Cr.;  Sru;  S; 
TH(-i-);  Z.  Syn.  yarr.,:,  ,,,y,.,7„„.  In,,,.  I:,r-<,,K  As 
hat  [bei  einem  Concert.'|  mr  <i^,'  ,f,iiiil  ni^inJir.  /.(«-/s 
wie  's  Kätters  Bliebe  KiichilHi\  Sn  i/,  l^tMi^llr|n.^■^'•- 
Anneli).  3ter  g'höre  de'  Br,„lrti„rl.  </.  IM.ailolil.. 
VL.  U237).  A'Tessin  abe  [vn,„  (n,ttli;ii.l  li.r|  ,jnrd 
d'  [Fracht-]  Güeter  Schw  (Schwzd.).  Wenn  neue  .'Scluilie 
(/.,  so  sagt  man,  sie  seien  noch  nicht  bezahlt  oder  man 
habe  dem  Schuster  kein  Trinkgeld  gegeben  Z;  vgl. 
Gips.  Von  hartgefrornem  Schnee  unter  Tritten  oder 
Wagen  Ap;  Bs;  B;  Z.  Mit  dr»  /,h,<"  </.  Ar:  S.  iiSt.; 
Tnläg.  C-irr-J.  I'''  gibe-n-im  [S.l,l;,;....|.  I.,<^i„i  ,r  l!,,,j,r" 
g.  Bs.  So  dirösed's  und  ißml  's  in  WiiiKtm  imic" 
Sch  (JMey.  1866).  ,Er  [der  Wiiidlials]  kirschet  oder 
geiret  mit  seiner  stimm.'  Vogelb.  1557.  ,Porium  cre- 
pitus,  das  goiren  oder  geräusch  der  türen.  Tacitur- 
nissimum  ostium,  fast  still,  ein  tür,  die  nit  gern  gyret. 
Infrendere,  mit  den  zänen  kirren,  grissgranmien,  goiren. 
Gemunt  gubernacula  nautis,  gyrend  od.  gygend.  Sonns 
remorum,  das  geiren  der  ruederen.'  Fris.  ;  Mal.  .Die 
Kaiserischen  tribend  die  sach  ernstlich,  ja  schmirwtcn 
den  karren  der  massen,  dass  er,  wie  er  joch  [auch] 
girret,  gan  muest.'  HBdll.  1572.  ,Wenn  in  dem 
hohen  Saal  des  Vogelhimmels  geiret  [:  feiret]  des 
Schwalben  Mnttcrstimm.'  RGwerb  1646.  .Von  gyrcnden 
Gliedern,  so  sich  begeben  tuend,  wann  Einer  sicli 
understeht,  einen  grossen  La.st  aufzuheben,  oder  so 
streng  und  stark  werket,  dass  ihm  die  vordere  Hand 
krachet,  als  wenn  sie  gebrochen  wäre.'  FWinz  1631. 
,Ein  ganger  Müllikarren  gegen  einer  alten  gyrenden 
und  kirrenden  Bannen.'  Schimpfr.  1651.  ,Gyren,  girren, 
kirven.  crepare.  stridere.'  Reh.  1662.    .Rixantnr  herb:e 


407 


Gar,  ger.  gir,  gor.  gur 


4f^l 


aridae,  die  dürren  kräuter  krosen,  gyrren.  Stridere, 
kirren,  geiren.  pfeifen.-  Denzl.  1677;  1716. 

Das  W.  scheiut  in  zwei  versch.  Ablautsstufen  (i :  J)  vor- 
zukommen oder  dann  ist  aus  onomatopoetischer  Rücksicht 
Dehnung  vollzogen;  vgl.  Gir,  Oirilz,  Spir,  lat.  hirundo,  Namen 
von  Yögcin,  welche  sich  durch  den  scharfen  Ton  ihrer  Stimme 
auszeichnen.  Letzti-n-  AiiITms-iuil'  wirO  s-istützt  durch  Ver- 
schiedenheit der  Hiil.l.  il.r  l:iiiu'.  ii  uihI  der  kurzen  Form 
(i  für  langgezogfTK-.  (  liir  kuiv  :ilii.-.^t..v^,.iif.  Töne);  vgl.  na- 
mentlich die  Angal-Mj  au»  Tli.  ijirrrn  entspricht  dem  mhd. 
llrien  (nehen  girren),  kirrcu;  wobei  sich  die  Anlaute  </  und  k 
verhalten  wie  in  den  Doppelformen  ffii/en  und  kripfen,  gaffen 
und  kap/en   u.    A. 

Giri:  =  Gir  IL  Glitzerig  Saline^  und  G.  drin. 
Sti'tz.     Vgl.  Glri-Schue''. 

girig  (girr-  U):  1.  grimmig  kalt  (wenn  der  Schnee 
gir  et).  Je  giriger  de''  Winter,  desto  tropfiger  (nasser) 
de  Summer  Ar;  U.  —  2.  knirrend,  knirschend.  Glrigi 
Sehne''  Z. 

girle"  GrV.,  girrle"  GW.:  1.  =  giren  I,  z.B. 
von  Fensterladen  GrV.  —  2.  durch  Reiben  zweier 
harter  Gegenstände,  z.  B.  eines  Messers  an  den  Zähnen, 
einen  unangenehmen  Ton  erzeugen  GW.f 

glre"  II:  .spähen  (wie  ein  Raubvogel  nach  Beute), 
bes.  beim  Ballspiel:  sich  umsehen  und  wenden,  um 
den  Ball  zu  erhaschen  Z.  —  Wahrsch.  von  Gir.  da  syn. 
auch   nperljeren  gesagt  wird. 

Gire"  ßj  m.:  Gier,  Begehren.  Gelüsten.  En  G. 
na''''  Öppis  ha"  ZRafz. 

Mhd.  nur  gir  f.  D,as  m.  wahrsch.  nach  dem  syn.  GIiisi, 
Gelüsten;  für  die  schw.   Form  vgl.   Gtuinf  Sp.  332. 

er-giret:  von  heftiger  Gier  oder  von  Eifer  erfüllt, 
beseelt,  leidenschaftlich  auf  Etw.  erpicht  ZZoll. 

girig:  begehrend,  sich  sohnend.  geneigt,  willig. 
,Guotwillig  und  g.  zue  stcrli.n.-   K'i  s»i,. 

nü"'-:  1.  Öppis  Neugt  11  q^.  fXw .  N^mios  Aa.  —  2.  wie 
nhd.  ,Den  Menschen  ist  Xiclit-  in.ln.rs  von  Natur 
anerboren  als  die  Neusbegirigkeit.    AKiiml.  I(i88. 

1  eigentümliche  Übertragung  auf  ^Ih  Sm  h.-.  i|;i~  Objekt, 
durch  welche  die  Neugier  gereizt  o.l,  r  g.vtillt  wird.  Für  ! 
in   der  lebenden   Spr.   wunder-gUh,   -filzig,  g' ici'itidrrig. 

wunder-:  neugierig  Ap;  G  (1790). 

begirlich:  1.  begehrenswert,  erwünscht.  .Ich  soll 
ouch  beroupt  werden  der  be-en  anschauung  des  an- 
gesichts Jesu  Christi.'  Ap  LB.  1409,  ,Eren  mit  b-en 
gaben,'  Anf.  XV.,  G  Hdschr,  ,Dass  es  mir  allwegen  b. 
und  frölich  was.'  KSailer  1460,  ,Wess  wirt  sein  alles, 
was  lieplich  und  b.  ist  in  Israel?'  1531/48,  I.  Sam.; 
dafür  1860:  , Alles  Wünschenswerte'.  —  2.  begierig, 
eifrig,  ,Wenn  dem  vogel  von  girligkeit  zu  essen  etwas 
im  hals  bestecket.'  Vogelb.  1557.  .Herzlich  und  b. 
befelchen,  commendare  de  meliore  nota.  B.  und  herz- 
lich gebett,  preces  ambitiosse,'  Mal.  ,Welchen  ich 
ganz  begirrlich  nachgestellet  hab.'  1619,  Mise.  Tig. 
—   Mhd.  hegirlicli,  begehrlich. 

Giretsche  s.  Gürgetsch. 

(iiriz,  Gi-  B;  ZS.,  Gl-  Aa;  L;  Sch;  ZSth.,  W„ 
Griz  B;  L,  Graz  LM,,  —  PI.  -e"  —  m.,  Girizi  B  n.: 
1.  Seesehwalbe.  sterna  hirundo  L;  ZS.;  Syn.  Hol- 
Brueder.  Lachmöve,  larus  ridibundus  äa;  ZW.  Tue' 
wie-n-en  G.,  lännend,  unruhig  sich  herumtreiben  Z. 
,Holbrod,  Pfaff,  Gyritz,  Alienbeck ,  die  Lachmeve, 
schwarzköptige  Meve,  gemeine  graue  Mevo,  Fisch- 
meve,'  MErsNER  u,  Schinz  1815.    HSdlzer  1830  f.  nennt 


alte  Jungfern  ,magere  Gyritzen'.  —  2.  Kibitz,  vanellus 
cristatus  B;  L;  ScuSt,;  Ndw;  ZKn.,  Sth.  ,Der  Kifiz, 
Geiriz,  vanellus.'  Red.  166'2.  ,üie  Mädchen  machen 
lange  Hälse  [in  der  Kirche],  länger  als  die  Giritzen, 
um  zu  sehen,  was  die  Gotte  anhabe.'  Gotth.  —  ."?.  Dim. 
Gritzeli,  Krikente,  anas  crecca  L,  —  4.  übertr.:  kleine 
Person,  die  sich  allenthalben  leicht  zu  helfen  weiss 
ScH;  böses  Kind,  ebd.;  vorwitziger  Mensch,  ebd. 

Der  Name  des  Vogels  scheint  seinem  kreischenden  Ge- 
schrei (s.  giren)  entnommen  und  mit  der  bei  Vogelnn.  nicht 
seltenen  Endung  -Uz  (Emmeritz,  .Stieglitz')  gebildet  zu  sein; 
nicht  unmöglich  wäre  aber  auch,  dass  er  eine  blosse  Spiel- 
form zu  Gißtz,  s.  Sp.  130,  und  r  nur  ein  anderes  Mittel 
wäre,  um  den  Hiatus  zwischen  den  beiden  spitzen  Voc.  zu 
tilgen;  vgl.  mhd.^a-»-«,  nu-i-ö  (Gr.  Gr.  3,  296).  Die  Über- 
tragung auf  menschliche  Charaktere  lässt  sich  aus  den  Eigen- 
tümlichkeiten der  einen  und  der  andern  Vogelart  leicht  be- 
gründen. Über  den  Volksglauben,  welcher  die  Seelen  von 
alten  Jungfrauen  in  der  einen  oder  andern  der  gen.  A'ogel- 
arten  sich  verkörpern  lässt,  s.  Girizen-Mös.  Welche  Vogelart 
den  Flurnn.:  G.- Acker  S,  G-en-Ried  Z,  -Mos  S  und  Giriz 
SchwE.  den  Namen  gegeben  habe,  können  wir  nicht  bestimmen. 

Girlande  f.,  Dim.  Girländli:  kleine,  schief  auf- 
gesetzte Kränzchen,  von  den  weiblichen  Hochzeits- 
gästen getragen  ZFlurl. 

Verglichen  mit  Blumenguirlanden  als  Verzierungen  von 
Festräumlichkeiten.     (Die  Braut  trägt  ein  SrhäpiieU.) 

giere":  aus  einander  gehen  oder  stehen,  von  Teilen 
von  Bauton  oder  Geräten.  Es  gieret  vonenand  L.  Syn. 
ginnen;  gritten.  —  Vgl.  garren,  kleren,  ginn  und  .sfäreii', 
aus  einander  klaffen.   Bergmann,  Walser  S.  !)'2. 

Goräsch  s.  Guraschi. 

göre"  I,  gorr-  BR.,  oSi.,  gor-  BO.;  W:  grübeln, 
stören,  wühlen,  in  Sand,  weichem,  halbfcuchtem  Stoff, 
von  Kindern,  welche  spielend  Erde  ,häufeln'  BoSi, ; 
in  Feuer  BR.;  „in  der  Nase;"  „mit  den  Fingern  oder 
mit  Gerät  BO.;  W;"  Syn.  noderen,  storren.  Den  Boden 
oberflächlich  bearbeiten  BR.;  wühlen,  von  Schweinen 
W;  Syn.  niielen.  —  Etwa  von  ahd.  gor,  fimus,  waadtj.  /.  ./r„, 
Pfütze,  also  eig.  in  einer  Pf.  herumrühren  ?  s.  Gur. 

üf-:  auflockern  BHk.  —  umnie-:  herumrühren, 
-wühlen,  bes.  in  Flüssigkeit,  Suppe,  von  Kindern  und 
Schweinen  B, 

gorre"  II:  hervorgucken,  -ragen  GrD.  Di' Hern p- 
zipfel  gorret  us  de'  Hose.  D's  alt  MUllimutr  gorret 
hür  us-em  Wasser  [wegen  tiefem  Wasserstand],  — 
Nbf.  von  gnrnn  in  Bed.   3. 

Gori:  Personenn.  1.  Georg;  als  Übern,  einer  Fa- 
milie (Gori'sJ  F.  ,Und  weller  dorfmann  wintervich 
hat,  der  mag  es  wol  in  die  ouw  tryben  unzet  ze  sant 
Görien  tag.'  1433,  Gfrd.  —  2.  Gregor  UwE.  Auch 
Goris  GT.  (neben  Göris);  JCWeissenb.  1701,  Chiris 
Gi-Netst,  Gorius  Z;  u.  schon  XVI./XVIII.,  Gorjes  Gr. 
—  Appellativ  gewendet:  Göri.  Knolle"-Gorjcs: 
Spottn.  eines  grossen,  dicken,  runden  und  darum 
drollig  aussehenden,  unpraktischen  Burschen  oder  Töl- 
pels. Syn.  K.-Fink  (s.  Bd  I  848).  —  Lappi-:  Tölpel 
Gr.     Vgl.  noch  Göri. 

gorri:    gross  und  ungeschickt  AaZ.  1815. 

Wahrsch.  aus  dem  appell.  Gebrauch  von  .Gregorius'  weiter 
entwickelt;  s.  noch   Göri. 

Göri  m.:  langer,  hochgewachsener,  aber  unge- 
schickter, läppischer  Mensch  GO.,  Stdt,  Ta.    Bursche, 

Kerl    ZWäd.    —    Vgl.    gmn',    Laiifi-GmjeH    und    Gnlüri. 


40f> 


(iar.  ger,  jfir.  gor,  gur 


4111 


tiöre  (*■-  Gr)  f.:  schlechtes,  kaltes,  unwohnliches 
Gemach  oder  Haus;  kalte  Stube  Gr.  Ji  if.  tvie-n-e 
Kinhn,  verstärkt  Hunds-G.  Elende,  alte  Wohnung 
Ai'K.   —   Das   W.  scheint  riltorom.   Ursprungs. 

„(Jür  m.:  frischer  Kot  des  Rindviehs,  Dünger  L." 
Aliil.  ;/or,  Mist,  Dünger,  von  jemn,  gähmn;  vgl.  iirrivinziell 
,ilur',  Gährnng.     «  also  ans  o  luiil  iirspr.   kurz.     Vgl.  auili 
waadtl.   Patois:  gor,   Pfütze. 

(inrä'g  m.:  Rabe  AAKlingn. 

Entweder  m  nur  als  Nebenvnc.  entwickelt  aus  dem  folg.  r, 
:>lso  =  Gräg :  od.  r  eingeschoben,  rcsp.  statt  w,  =  (lifäiilij). 
Vgl.    Giriz  :  Giwiz.      Syn.    Gnlagij. 

Gnrä'schi  («'  u.  «*)  Ap;  (auch  Guraischi)  Bs;  GnPr. ; 
LM.;  Th;  Z,  -rf-  Aa;  Ar;  Bs ;  L;  GA.;  S;  Uw;  Z, 
Goräschi  ApI.;  Z,  Gürasche  Ap  (Merz),  Guri  Aa; 
Ai',  Gurre"  I  LE.  —  n.:  1.  Mut.  Wer  nur  e  chll 
Guräschi  hed.  de'  fürchted  G'spänster  nid.  Häfl.  1801. 
Chumm  nw,  icenn  's  Guräschi  hast,  gewöhnliche 
Herausforderung,  ebso:  Hest  Gurre'?  LE.  Wie  so-en 
arme  Schlucker  dar  [darf]  's  Guräschi  ha,  um  so  ne 
richi  Töchter  d*z'halte  Th  (Schwzd.).  letz  hän-i''''  G., 
ietz  will  i"''  »li"*  wehre.  Stütz.  De"  Schnaps  git  G. 
Eim'sG.  ahchaufe",  ihn  entmutigen;  auch  geradezu: 
Er  hed-mer's  G.  abg'chauft,  meine  Gunst  verloren  Ap. 
—  2.  (Guräsch,  in  der  Gaunerspr.  Guris)  Branntwein 
LM.;  Ndw.  Syn.  G.- Wasser.  —  3.  (Gur-,  Goräsch, 
Dim.  GornschliJ  Hundename  Z. 

Frz.  i-mirage;  ä  aus  «  umgelautet  durch  das  folg.  -i,  eine 
Neutralbildung,  viell.  nach  ,Herz'.  Guri  ist  abgek.  aus  Gu- 
riiaihi,   viell.   aber  auch   noch   angelehnt  an    Gvrri,   s.   d. 

guraschiert  UwE.;  Z  (auch  seh-),  -ä-  AAFri.,  St.; 
Scnw;  Nnw,  guräschig  Gr:   mutig,  beherzt. 

(Jarre"  II  resp.  Gorre»  B  (Zyro);  G,  Gurr  St." 
(neben  G-e);  SchwE.  —  f.,  Dim.  Gurreli  Gl,  Gürrli 
Soh;  Z:  1.  Stute  Gl;  Gr;  G.  Am  Seil  hebe  n-und 
d'  G.  la"  laufe',  nutzlose  Anstrengungen  machen  GrPr. 
Fs  ere  Mugg  e  G.  mache",  übertreiben  GRMal.  ,Pen 
riitern  mit  iren  gurren  und  mit  iren  hengsten.'  Fri'nd. 
.IIa  Hessen  wir  d' gurren  im  haber  gan.'  14G8,  Liei> 
(Tobl.,  VL.  II  47).  ,Ritterlich,  lieben  Herren,  wir 
wollen  üch  schon  wider  uf  die  Gurren  helfen.'  1474, 
JMüLL.  Schw.-G.  ,Die  schruwend,  man  sollt  in  [einen 
Reiter]  über  die  gurren  abstechen.'  Kessl.  ,Den  er 
hat  g'setzt  zum  schaifner  yn,  der  doch  allein  nun  [nur] 
suecht  das  syn,  deshalb  wird  er,  wie  man  dann  spricht, 
der  g.  luegen  zue  der  g'sicht,  damit  er  muess  kein 
armuet  han.'  JMurer  1560  (s.  Äug  Bd  I  1.34).  ,Bene 
gerere  suum  negotium,  sein  dingle  wol  machen,  der 
g.  (wie  man  spricht)  wol  zum  aug  luogen,  sein  sach 
schaffen  können.'  Fris.;  Mal,  .Blinde,  hinfällige  gur- 
ren.' SHocHHOLz  1591,  mit  dem  Gegs.:  ,Guete  ross'. 
,Mar,  märre,  märch,  gurre,  .stut,  mannus,  equus,  cqua.' 
Red.  1662.  ,Wem  Rinder  oder  Gurren  in  unser  Nider- 
holz  entrinnen,  soll  es  heraustun.'  1662,  Aa  Weist. 
Beispiele  der  Betonung  des  Geschlechts  in  der  ä.  Spr. 
s.  u.  Gül  Sp.  219/20;  sonst  Pferd  übh.  und  zwar  ge- 
meines, sowohl  zum  Reiten  als  zum  Ziehen.  In  der 
heutigen  Spr.  meist  wieder  spezieller:  altes,  schlechte;; 
Pferd,  resp.  Stute  B;  Gr;  G;  Th.  ,Equa  macilenta  et 
vilis  pretii.'  Id.  B.  Schimpfn.  einer  alten  störrischen 
Kuh  ScuNnk.,  auch  anderer  Tiere  BAarb.  —  2.  Weibs- 
person, meist  in  ungünstigem  S.  und  als  Schimpfw. 
a)  grosse,  breitschultrige,  plumpe,  so  z.  B.  ein  Markt- 
weib Gr;   GRh.;   ScHwE.     Syn.  Bonen-Boss;    s.  noch 


StändU-G.  —  b)  schlechtes,  liederliches  Weibsbild, 
Dirne,  Hure,  Vagantin  Aa;  Bs;  B;  VOrte;  Gl;  G; 
Soh;  S;  Th;  Z.  Hest,  Chind,  d>-  muesst  mld  allivil 
nur  mit  de"  Buche"  go",  deweg  git-me"  e  G.  /'■''  cha"" 
gar  nit  higrife",  we-n-er  so  e  Gürli  hirote  mag  Sen. 
,Du  bist  ein  recht  Gürli  von  Vaz.'  Kfrchh.  1824.  ,Wie 
haben  es  die  liederlichen  Weibsbilder?  Gehen  als 
Guren  zu  Bett  und  .stehen  als  Magdalenen  auf,  was 
ungefähr  heissen  will:  Eine  junge  Hure,  eine  alte 
Betschwester.'  Postbeiri  1856.  Verächtlich  nennt  Bru- 
hin  (Schwzd.)  die  ar.  1798  von  den  Franzosen  gebrachte 
.Freiheit'  Gurre.  ,Dass  dich  gott  plag,  aller  gurren! 
[Fluch,  s.  all  Bd  I  168].'  1549,  Z  Spiel  von  Joseph. 
„Gurrli,  Mädchen,  das  den  ersten  Liebschaften  nach- 
zieht VOrte;  Sch;  Z."  Eim's  G.  figge",  ihn  unge- 
bührlich misshandeln  BHerz.  —  c)  abgeschwächt  zur 
schimpflichen  Bezeichnung  von  Frauen  mit  unange- 
nehmen Eigenschaften  (Alter,  Hässlichkeit,  Schwatz- 
haftigkeit,  Um  rr,rl,;i„ithrit.  Verschmitztheit  usw.),  oft 
mit  entsprecli^ihl.iii  i:|iiili.'t()n  (bösi,  wüesti  usw.  G.). 
Nei",  los  au-'',  die  CJiet :,■,■.■<  G.  g'schmöckt  [riecht]  's. 
Stutz.  Sogar  in  kosender  Weise,  dann  meist  in  dim. 
Form:  hübsches,  schalkhaftes,  lebhaftes  Mädchen  Aa; 
Gl.  Die  lieb  G.!  Proph.  1855.  —  3.  „eisernes  Plätt- 
chen, welches  von  spielenden  Knaben  nach  einem  Ziel 
geworfen  wird  Aa;"  s.  gurrlen  4.  Nach  Rochh.  .\K. 
S.  465  f.  Gurrli  die  Platte  (der  flache  Stein)  zum 
,Bämmelen',  ,Brutli  machen,  Vater  und  Mueter  schla- 
gen' usw. 

Mhd.  guri-e  f.,  schlechte  Stute,  schlechtes  Pferd.  Die 
Übertragung  vom  Tier  auf  Weib  im  schlechten  Sinn  wie  bei 
lat.  hipa,  mhd.  zolii-,  Hündin,  schwz.  Fautuch  und  iö«. 
Wenn  die  Angabe  von  Rochh.  richtig  ist,  so  liegt  jener  Be- 
nennung des  Spieles  wie  mehreren  von  den  syn.  Vergleichung 
des  Steinwerfens  mit  dem  CoYtus  zu  Grunde;  vgl.  anch  hriHlcn. 
Betr.  die  RA.  Eim  's  Gurrli  figgen  könnte  sich's  fragen,  ob 
nicht  eine  neue  auf  Übertragung  von  2  a  beruhende  Bod.: 
pndendum  muliebre,  anzusetzen   wäre.     S.  noch   Gurri. 

Fülli-:  Mutterpferd  mit  einem  Füllen  GrD.;  (iWc 
Syn.  F.-mW're". 

Schind-:  1.  Schindmähre  Aa  ;  „VOrte;"  Z.  — 
2.  „pöbelhafte  Benennung  einer  Weib.sperson;'-  gei- 
ziges Weib  AaZ.;  vgl.  Schindhund. 

Ständli-:  Krämerin  in  den  Marktbuden  auf  dem 
Platze  vor  der  Kirche  in  ScHwE. 

,,(umme°)-gurre"  I:  der  Wollust  nachgehen  VO.; 
ScH;   Z."    —    Vgl.   mhd.  ergurren,  zur   Dirne  werden. 

ver-:  durch  Wollust  vergeuden.  ,Da  werde  das 
Geld  verfressen,  versoffen  und  vergurret.'  Stutz. 

Vergurt,  schlau,  schalkhaft,  verschlagen,  könnte  wohl  im 
S.  V.  ,verbuhlt'  hieher  gezogen  werden,  ist  aber  wahrsch. 
altes    Ptc.    von    vergärten,    S.    d. 

„Gurretsche":  alte,  abgenutzte  Hure  VO.;  Seil; 
Z."  —  Ohne  Zweifel  von  Cnrn-  mit  vfrgröbcnulHv  Ab- 
leitungssilbe. 

werfen  Aa." 

gurre"  II:  1.  girren,  „bes.  von  den  Tauben  L;  Seu; 
auch  vom  kalekutischen  Hahn,  der  davon  Gurri  heisst 
Z."  -  2.  „murrend,  schnurrend  reden;  (Jmdn)  a» -(/.,; 
spec.  einen  bes.  Lockton  hören  lassen,  wie  alte  Buh- 
lerinnen „VO.;  Seil;  Z."  —  3.  (unpers.)  kollern,  in  den 
Gedärmen.  Syn.  guderen.  ~  Mhd.  gurren  vom  Schreien 
des    Ksels. 


411 


Gar— gur.    Oarb — gurb 


412 


gurrle"  11:  1.  lallen,  auch  von  den  ersten  Tönen 
junger  Vögel  Aa;  Bs;  VO.;  Sch;  Z.  Das  Chind  fangt 
scho'  «"  g.  Vom  Kollern  des  Puters  Bs  (Spreng). 
Syn.  giirmen.  —  2.  unverständlich,  in  einer  fremden 
Sprache  oder  MA.  reden  Bs  (Spreng).  MU  Maidli 
eha"'  scho'  brav  g.  für  die  2  oder  3  Järli,  die  's  im 
Welschland  g'si"  ist.  Spreng.  Syn.  küderwelschen.  — 
3.  =  gurren  II  3  Schw.  Abi.  Gurli,  kollerndes  Ge- 
räusch in  den  Gedärmen  ScuwE. 

Gurri  I:  1.  m.  a)  Puter,  Truthahn  Z.  Er  wird 
wegen  seines  grossen,  roten  Kamins  und  wegen  seiner 
Empfindliohkoit  für  rote  Farbe  von  den  Kindern  ge- 
reizt, mit  iliTii  S|Hittreim:  Gitri,  Guri,  i'''  bi'  ruter 
weder  [a]s|  iln!  iiiid  dann  auch  selbst  Guri-ruler  ge- 
nannt. Sil  IiikIi  |/,"riiig]  wie  en  G.  Ustert.  Er  ist 
ror  Täuh,  ininli"  mr  en  G.  Z.  im  Chopf,  es  G' sieht 
ha",  macJn".  im:  in  G.,  im  Gesicht  rot  sein  vor  Zorn 
oder  Erhitzung  Z.  i^yn.  GiiUi.  —  b)  Hahn  Z  (Jucker). 

—  c)  jähzorniger  Mensch  Z.  —  2.  (m.  G.,  n.  ZBauraa) 
üble  Laune.  De»  ('sj  G.  ha'  G.  Het  diele  [etwa]  e 
Frau  zur  Selteheit  e  Bitzeli  de  G.,  so  wett-i,  was-me 
will,  si  seit,  der  Ma'"  sig  d'  Schuld,  der  Surri.  G  Kai. 
1868.  —  3.  (n.)  „'s  G.  abla',  laut  und  ungebunden 
lustig  sein  L." 

Zu  dem  N.  des  Vogels  vgl.  noch  <juri!  Bei  Bed.  2  ist, 
bes.  wegen  des  z.  T.  sächl.  Geschl.,  wohl  mehr  au  ijurrea  IIS 
zu  denken.  3  liegt  wohl  das  syn.  de'  Hund  aUa'  (cig.  von 
der  Kette)  zu  Grnndc,  wobei  nicht  notwendig  etwa  an  ein 
Diin.  i.  S.  v.  Füllen  zu  denken  Ist,  sondern  die  RA.  die 
heitere  Laune,  gleichsam  den  Revers  zu   2,  meint. 

guri!    (/.  </..';    Lockruf  für  Enten  und  Giinsc   SL. 

—  Schallnachahmend  wie  das  syn.   wud. 

Gurri  II  m.:  eine  am  Silvester  den  , Klaus'  be- 
gleitende, verkleidete  Schreckgestalt,  einen  Pferdekopf 
mit  beweglicher,  schnappender  und  zuklappender  Kinn- 
lade tragend.  De^  G.  nimmt  di'''!  Drohung  für  un- 
artige Kinder  ZF. 

Masc.  zu  üiim,  da  das  niännl.  Geschl.  eig.  den  dir  Tiei- 
niaske  tragenden  Knaben  od.  Mann  bezeichnen  kann;  s.  ii.mIi 
iV/  Bd   I  516. 

Han-:  Lärmmacher,  Latte  ZWyla.  Hyn.  Hdiieiiggel. 

—  Wahrsch.  zsgesetzt  mit  IJtins  wie  Hidi-diil. 
Guri  in,  Guris  s.  Guräschi. 

(ilnrrle"  f.:  Strassenkot  GRMal.,  Pr.  —  Aus  r,„,- 
wrltei-  gebildet  oder  ans  einem   rätorom.   W. V 

(iiuTigge"  f.:  eine  Art  Kröte.  I'''  han  e  G.  im 
Blich,   klagte   eine  Frau   dem  Arzt    Z  (Dr.  Fahrner). 

ydiwach  bezeugt  nnd  wahrsch.  entstellt,  da  es  sich  ja 
auch  nur  um  einen  Gegenstand  phantastischen  Aberglaubens 
handelt;  viell.  eines  der  Tiere  (Insekten  oder  Würmer),  aus 
deren  Aufenthalt  im  Leibe  des  Menschen  man  die  meisten 
Krankheiten  erklärte.  Vgl.  Guijyer  ;'  Sji.  181  und  Gfuji/er, 
resp.    Grügger. 

Hutz-,  Ghutz-Gür(i)  BsLd,  Hotz-  A.\Wittn., 
HutzeBsStat  -Giri,  Gutz-Guri  Ndw,  Gotz-Güri 
LE.,  Hunds-Gürige  oBsBb.  m.,  n.:  etw.  gespenstig 
Aussehendes.  1.  (weibliche)  Fasnachtsmaske,  so  in 
AAWittn. ;  üBsLd,  ein  mit  hoher,  spitzer  Zipfelmütze 
von  Pappe  ausgestatteter,  einen  Strick  mit  Glocken 
um  den  Leib  tragender  od.  in  Erbsenstroh  gewickelter 
Knabe  (durch  seine  Grösse  hervorragend),  welcher  in 
Begleit  von  andern,  mit  Körben  und  Säcken  zum  Ein- 
sammeln von  Gaben  versehenen,  lärmenden  Knaben 
(von  denen  einer  etwa  mit  einem  Stock  versehen  war) 


herumzog,  wobei  sie  ein  Bettellied  sangen :  Hutz-güri- 
geri,  Stockfisch  und  Eri  usw.  (s.  Tobl.,  VL.  II  236); 
oder  Hunfdjs-Gürige,  Stock  voll  Sehne,  (gend-is)  Eier 
und  Brot,  lueget,  icie  's  Hmi(d)s-Gürige  dö  stöt.  Im 
Aa  lautet  der  Spruch:  Hotzgiri  Gäri,  Stockfisch  und 
Färi,  hiiiihini  Uns  Hill}  rill-  um  Uns.  stechen  enander 
d'  Augen  ii-<.  Uhu.  dun  Hin",  luinln-m  Ofe"  füre". 
Wend  cr-is  XhI  imt  ij.  ■ .  ./,„  -»y,r-,r/(  il'  Chats  i''s  Für 
schlö' ;  gend-is  Anke",  due-mer  eck-  danke",  gend-is 
Brot  und  Mel,  d'r  H.  frisst  alli  Chüechli  gern.  D'r 
H.  het  e»  Meie";  gend-is  au">  Eier;  d'r  H.  hat  «• 
höche'  Burst  [Borste],  gSnd-is  o«"''  e  Leberwurst.  Nach 
einer  altern  Angabe  war  es  eine  Puppe,  welche  unter 
Absingung  eines  mit  Giri-Geri  beginnenden  Liedes 
herumgetragen  wurde.  ,Hutzi-Gyer:  bei  den  Bauern 
ein  Fasnacht-ßutz,  der  sich  in  einen  wilden  Vogel, 
als  in  einen  Greifen,  Raben  udgl.  verkleidet  und  in 
dieser  Gestalt  Esswaaren  erschnappt.'  Spreng.  S.  auch 
Herzog  1884,  S.  22'2.  —  2.  etwas  Unförmliches,  bes. 
giebelartig  Aufragendes,  von  Menschen  und  Dingen, 
z.  B.  Felsen,  Hüte,  auch  für  eine  (wahrsch.  schwer- 
fällige, unförmliche)  Emporkirchc  LE.  E  rechte  G.! 
grosser  Laffe  Ndw. 

Als  Syn.  zu  1  kommt  Ung'hiir  vor  (s.  d.)  und  auch  den 
obigen  Formen  scheinen  wirklich  Zssetzungen  mit  ,Gehür' 
(i.  S.  V.  Ungeheuer)  zu  Grunde  zu  liegen;  dabei  wäre  zur 
Erleichterung  der  Ausspr.  h  in  der  2.  Silbe  aufgegeben,  wie 
wahrsch.  tw.  auch  in  der  1.  (Guiz  für  Gelniiz).  Güri-Gfrl 
und  Gürige  sind  durch  Rhythnnis  und  Reim  bedingte  Weiter- 
bildungen. Sprengs  Unideutung  auf  Gir,  Geier,  ist  viel). 
veranlasst  durch  die  in  BsStdt  übliche  Ausspr.  ii  =  i  nnd 
durch  das  in  der  Stadt  wohlbekannte  Wappentier  des  Greifen, 
in  welches  sich  zu  Zeiten  ein  Mann  verkleidet.  Zur  Er- 
klärung des  ersten  W.  bietet  sich  hulzcn,  hüpfen,  aufspringen, 
was  der  H.  hauptsächlich  tut.  Sonst  könnte  auch  an  hutzen, 
in  der  Bed.  ruppig  aussehen,  gedacht  werden,  mit  Beziehung 
auf  das  Ganze  der  Figur.  Götz-  {, Gottes')  und  Hunds-  sind 
leere  Umdeutungen.  —  Zu  2.  Bei  der  Anwendung  auf  die 
Euiporkirchf  ist   vidi.    Giu/iji'hiir   mit    im   Sidcle. 

Giirctscli   s.  Günietsch. 


Garb     gurb. 


(iai'b  I,  PI.  -c",  f.:  Garbe,  allg.  5  Schnitt  es 
Hämpfeli,  3  H.  c  Hampfle,  3  H.  es  Hüfeli  und  3  H. 
e  G.  'L  (WSenn  1870).  E  rechti  G.  sett  [sollte]  en 
Vieiiig  i'^jt  Viertel  sc.  Weizen]  ge'  'L.  's  ist  Eine 
kei'  Pur,  tvenn  er  nid  cha'"  säjc  und  G-e'  binde'. 
SuLGER.  ,Von  9  Juchart  Neugrüt  die  5.  G.'  als  Pfarr- 
bcsoldung.  ScuMer.  XVIII.  Bildl. :  ,Die  tagleistungen 
brachtend  vil  gelts  und  ergabend  wol  uss  der  g.  [wie 
die  G.  beim  Dreschen].  Vad.  —  2.  es  G-li,  ein  Bündel 
Reisig  F.  Syn.  Heiziwelle.  Es  Hundert  G-lini  für 
20  Fr.  De'"  färt-ech  d'  Chrugle  [Kanonenkugel], 
glaub,  i'  Mä";  die  wird  im  [eig.  dem  Mann  im  Mond] 
d'  Garbe'  streue"  [striegeln].    JRWvss.  —  Ahd.  ;;«,/»., 

mhd.  gitrhe. 

Ern(d)-:  die  zur  Erntezeit  als  .\bgabe  zu  lie- 
fernde Garbe.  ,Hüener,  Futterhaber,  Ernengarben 
sammlen.'  1461/1749,  Aa.  ,Sie  wollend  irae  [dem 
Weibel]  die  Erndgarb  nit  mehr  geben.'  1672,  Hotz, 
Urk.  Vgl.  ebd.:  ,ücr  Kellhofer  gibt  ihm  [dem  W.] 
auf  die  Ernd  24  Korn-  und  12  Haber-G.'  —  Ficht-: 
G.  als  Abgabe  für  das  Fechten,  d.  i.  Eichen  der  Masse 


113 


(iarl),  g.' 


ib,  KU.- 


^14 


(iiiid  Gewichte).  .Die  Geiiieimlc  weigert  sich,  dem 
( (bervogt  die  Vogts-,  Ficht-  und  Gewichtgarbe  zu 
geben.'  1747,  Absch. 

Vogel-:  grosser  Wegerich,  plantago  major  B 
(Durh.).     Syn.   Vögeli-Krut,  Vogel-Samen,  -Tnib. 

Die  kolbenförmigen  Fruchtstände,  an  welchen  die  Vögel 
ihr  Futter  suchen,  sind  mit  .aufgerichteten  Garben  verglichen. 

Vogt-:  G.  an  den  Vogt  für  die  Vogtei.  .Einem 
Vogt  keine  tagwen,  v-en,  vogthaber,  vogtschochen  nach 
[noch]  fasnachthiiener  schuldig  syn.-  1.581,  Schaue.  R(j. 
In  ZEglis.  gaben  die  eignen  Leute,  die  mit  einem 
Zuge  bauten,  dem  Untervogt  jährlich  eine  G.  Wild 
1883.  .Die  V.  wurde  von  jeder  nicht  ganz  armen  Haus- 
haltung in  BsGelt.  dem  Untervogt  gegeben.'  Brüokn. 
1748.  —  Förster-:  im  XVI.  eine  an  den  Förster  für 
die  Feldhut  entrichtete  Abgabe  (von  7  Juch.  je  2  G.). 
Mii.LER,  Lenzb. —  Fasen-:  Speltgarbe.  , Ein  jetliche 
huob  soll  eim  forster  2  f-en  geben  und  2  habergarben.' 
1495.  GEick.  —  Glücks-:  die  letzte  auf  dem  Feld 
geschnittene  G.,  welche  zu  oberst  auf  dem  Wagen 
trout.  bisweilen  verziert  mit  Goldflitter  und,  dem  Vieh 
in  die  Krippe  gelegt,  diesem  Gedeihen  sichert  A.\;  Z  f. 
Sjiin.  s.  bei  Ratsch- Vogel. 

Land-:  1.  Abgabe  an  die  Grundherrschaft,  ge- 
wöhnlich bestehend  in  der  7.  (5.,  6.)  Fruchtgarbe, 
welche  nach  Ablieferung  des  Zehntens  verabfolgt 
werden  mnsstc.  .Wenn  das  körn  gesaniinlet  wird  uf 
den  aclier.-n.  s.,  sollt  die  frow  [als  Erbin  drs  Mannes] 
vun  der  eii^'ciiscliaft  die  1.  nömen  vnnl  in  ^l.n  w  iscn, 
dir  erbuwen  wärind,  die  halben  frucht.-  lli:7,  yciiwMa. 
aLB.  ,Als  dann  im  Farnsperger  amt  bisliar  miinger 
an  2  "der  :i  ort  1-en  |g']  gijben,  sollend  sy  dieselben  1. 
liinfür  nit  nie  dann  an  1  ort  geben.'  Iiy2b,  Absch.  ,In 
allen  herrschaften  sei  der  bruch,  wo  kein  järlicher 
allmendzins  der  vogtei  der  herrschaft  bezalt  werde, 
ilass  der  herrschaft  die  1.  gehöre  [von  5  G.  je  1].' 
1.548,  B  (Geschfo.  Ges.).  ,Dass  alle  die,  so  in  des 
Gottshüs  Twingen  gesessen,  die  L-en  von  neuwen  Uf- 
brüchen  und  Rütinen  geben  sollen.'  Cvs.  —  2.  =  Über-, 
An-Fall  BO.  ,I)er  L-en  halben  ist  Einer  dem  Andern 
schuldig,  was  nit  sein  Obs  wäre,  was  auf  des  Anderen 
Gut  fallt,  den  4.  Teil.  Steinobs  gibt  kein  L-en.'  16'27, 
BSi.  .Wann  das  Obs,  wann  man  es  schüttelt,  auf 
eines  Andern  Gut  fallt,  demselben  soll  jederzeit  der 
3.  Korb  voll  als  die  L-en  folgen.'  167.5,  BEschi.  — 
Mhd.   lantyaihc,   Ziusgarbe. 

Les-:  eine  bald  vcrbindliclie.  balil  freiwillige 
Leistung  aller  Kirchgenossen,  welche  Korn  bauten, 
an  den  Pfarrer  für  das  Gebet,  welches  derselbe  über 
das  Wetter  zu  halten  (zu  , lesen')  schuldig  war,  wofür 
sliäter  der  ,Le.s-Pfennig'  eintrat.  ,Uer  ku.ster  lät  wer- 
<len  dem  sigristen  in  dem  Hofe  [Chorherrenstift]  die 
l-en,  die  ein  jeglicher  ussniann  und  burger  zue  Lu- 
ceren,  der  guet  in  dem  Mose  hat,  von  alter  gewonheit 
gen  soll.'  1324.  Gfrd.  ,Dis  1-in  soll  man  gen,  so  man 
snydet,  von  allen  gueteren,  die  in  der  parrochie  ligend.' 
ebd.  .Die  Lese-  od.  Wetterg-en  ertrugen  1764  in  LNeuk. 
l'/j  Malter  Korn.'  Gkkd.  ,Zu  entrichten  dem  Pfarrherr 
[zu  LEmmen]  1  L.'  1782,  Schuldbr.  —  Lüt-,  Lüter-: 
Abgabe  an  den  Küster,  welcher  bei  Ungewittern  das 
Wetterläuten  zu  besorgen  hatte;  s.  liiten.  ,Wer  Korn 
"der  Haber  bauet,  der  soll  dem  Küster  unter  harter 
Straf  Lüterg-en  geben;  hingegen  soll  er  bei  Zeiten 
über  das   Wetter   läuten,   wie   recht   und  gewonlich 


ist.'  14'29,  Gkku.  ,Der  Leuti>riester  hat  die  Kirche 
mit  einem  Messmer  zu  versehen,  der  von  den  Unter- 
tanen keine  Läuterg-en  fordern  darf.'  1.50(),  ScwBuchb. 
,Der  ev.  Messmer  soll  die  Läutg-en  von  den  ev.  Kircli- 
genossen.  der  katholische  die  von  den  katholisclien 
beziehen.'  1639,  Absch.  (TuSirn.).  .Zürch.  Angehörige 
sollen  im  Uznachischen  mit  Abführung  der  sog.  Läu- 
terg, nicht  beschwert  werden.'  1762,  ebd.  S.  noch 
Sp.  348u.  —  Messner-:  =I,M<er-(?.  .Der  katholische 
Messner  bezieht  die  M.  der  katholischen,  der  refor- 
mierte die  seiner  ßeligionsverwandten.'  1728,  Absch. 
(Th).  —  Burg-:  eine  von  dem  Amt  AAMöhl.  an  die 
.Burg'  Rheinfelden  entrichtete  Abgabe.  .Wer  mit  zug 
buwet,  derselbig  git  ein  erntgarben,  die  b-en  genannt, 
und  wer  nit  mit  dem  zug  zue  bauwen  vermag,  der  git 
järlich  1  ß,  der  burgschilling  genannt'  1594,  Argovia. 

Priniiz-:  G.  von  den  Erstlingsfrüchten  (primitia;) 
als  geistliche  Abgabe  bis  zur  franz.  Revolution  S. 
Der  Beginesins,  d'  l'r..  'n-inJi  lliislidJluj  ■'nn  Pfarrer 
's  Huen.  Schild,  ,1'r-i'n.  Kmn-  ".Icr  .lungzehnten.- 
1642,  Absch.  ,Deni  PfarriT  die  siliiildigcn  l'flugtagwen 
und  Pr-en  leisten.'  1654,  ebd.  (F.).  ,Dcr  B  Spital 
heische  nach  dem  Urbar,  dass  von  Jedem,  der  da  baue, 
die  Pr-en  gegeben  werden.'  1720,  ebd. 

Die  Fr.  ist  auf  dem  Gebiete  des  Getreides  das,  was  der 
.Jungzehuten'  beim  Yieh. 

Sigrist-:  =  Messner-G.  ,[Das  Stift  Z  habe  die 
AlbisriederJ  der  fällen,  s-en  und  anderen  dingen,  die 
sy  vorhar  allweg  geben  raüessen,  entladen.'  1562, 
Hotz,  Urk.  -  Summer-.  .Die  Untertanen  von  B  u. 
F  haben  Priniizrn,  S-cii  und  Ainlercs,  s"  sie  vormals 
den  Kirehendicni'in  sriiuMii,'-  i,'c\v('scn,  /u  bezahlen.' 
1584.  .\bscii.  .Den  .luni,'Z(lintcii  und  dir  S-en  zahlen.' 
1642,  ebd.  (B;  F).  -  Stude"-:  Bündel  ,..u  Ä-teben. 
Reiswelle  U.  —  Stock-:  Abgabe  IVn  d.,.  I|..i/ii;,n- 
recht  [das  .Stocken']  ganzer  Tannen  1'.  uMnliiein.  - 
Stro"-:  Bund  Stroh.  Syn.  Strau-Wulh.  i:,,^s.  \\rl. 
Garb  2.  —  Weibel-:  Abgabe  an  den  \V,il,el  ,iN  (ie- 
richtsbeamten.  ,Das  Kloster  Wageiilm-rn  -lU  .inen 
eignen  Weibel  zu  synen  Grichten  haben,  dem  man  die 
W.  von  den  Höfen  ze  geben  schuldig  syn  soll.'  1531, 
ScH  (Rüeger).  ,Die  hueben  zue  ZSchwam.  sind  dem 
weibel  in  der  Ein  sync  w-en  und  in  dem  höwet  syn 
wcibelhöuw  schuldig.'  1573,  Hotz,  Urk.  .Dem  Weibel 
zu  ZBass.  die  gewonlichen  W-en  ggben.'  1619,  Spruchbr. 
,Der  Weibel  hatte  von  jedem  Bauern,  der  einen  ganzen 
Pflug  führte,  1  Garbe  und  von  den  übrigen  von  je 
drei-  oder  vieren  1  G.    zu   beziehen.'   Esterm.,  Neud. 

—  Wetter-:  Abgabe  an  den  Pfarrherrn  (L)  oder  an 
den  Messmer  (L  u.  G)  für  das  Beten,  resj).  Läuten 
gegen  das  Gewitter.  Vgl.  lAd-  und  Les-G.  ,Dem 
Pfarrer  und  Sigerist   jedem   ein  W.'    1806,  LNeuenk. 

—  Zoll-:  G.  als  Bezahlung  für  Zollfreiheit.  .Die 
Einwohner  der  Herrschaft  ZEglisau  durften  zollfrei 
über  die  Brücke  gehen  und  fahren,  mussten  jedoch 
dafür  dem  Zoller  die  Z-en  entrichten,  was  ihm  jähr- 
lich 400  Garben  einbrachte.'  Wild  1883. 

garbe"  (refl.):  Garbenergeben.  De  Haber  garbet- 
.s'i'''  hür  guet,  gibt  heuer  viele  G-en  Z.  i's  häd-si'''' 
schlecht  gUjarbet,  das  Korn  liess  sich  nicht  zu  schönen 
Garben  binden  L. 

(Jarb  II  Aa;  Z,  Schaf-G.  Aa;  B;  Schw;  U;  Z: 
Schafgarbe,  achillea  millef.  ,G.,  millefolium.'  KdGkssn. 
1542.    , Millef..  herba.  g.  oder  schafripp.'  Fris.;  Mal. 


415 


Garl)    giirli. 


-gm- 


Gard- 


Garf— guif.     (iarg— gurg 


ebso  HJNvscHEi-ER  ItiOS.  8yn.  Garben-Krut,  -Würz, 
Lämmli-Zunge.  —  2.  sclitvarzi  G.,  achillea  atr.  BO. 
—    Ahd.  ijurtoa,   nihil,  garm;   engl,  yarioir.      Abi.    Gerhel. 

B isain- Schaf -Garb:  Mo-schus-Schafgarbe,  achil- 
lea liiosch.  (Durh.).   —   Benannt  nach  dem  Geruch. 

Wil(i-G.:  knollige  Spierstaude,  spiriea  filipendula 
(Durh.).  .Wilde  G-e.'  Z  Anleitg  177«.  —  Von  der  Ähn- 
lichkeit der  Blätter  mit  denen  der  Achillea. 

Gärb  s.  Järb. 

Gerb.  Gerb-,  gerb-  s.  Gene  usw. 

(ierbel  1  ni.:  schwächlicher,  abzehrender  Mensch 
Zu;  Syn.  Serbcl. 

Gerbel  II  m.?:  Schafgarbe.  ,Millefoliura,  gerwel, 
herba  quiedani.'  Ebinöer  1438.  ,Gerbel.'  XV.,  Schw 
Arzneib.  ,Garbenkraut,  gerwel,  schäfripp,  achillea 
lierba.'    KdGessn.    1542;    Fris.     .Garb    oder   gerwel.' 

Mai..    -    Zu    IJwh   11.      Vgl.    Gennji. 

Gerhele",  Gerber(n)e"  s.  Germekti. 

.\nid-(ierbele"  f.:  Bärenklau,  heracleuiu  sphoud. 
ScHwIb. 

Vgl.  die  ganz  ähnliche  Pflanze  anthrisctis  silv.  (chieru- 
phjlhim),  Amdutenyel,  Chiebele,  C%iibel;  auch  unser  W.  ist 
wohl  eine  Umdeutschung  von  chxroph.  mit  Anlehnung  au  eine 
der  NbflF.   von   Oermelen. 

Käs-Girb  s.  Järb.        Girbel  s.  Gibel. 

Würbe",  bezw.  Garbe»  in.  BO.;  F;  PP.;  Z,  f.  BM.; 
GlK.;  Vw;  Zc;  ZS.,  Dim.  Gürbi  BE.;  S;  W,  Gürb- 
neli¥,  GürbeliS;  Z:  Krummholz.  1.  Schift'srippe,  be- 
stehend aus  Bauraästen,  an  welchen  die  in  die  Länge 
laufenden  Bretter  des  Bodens  und  der  Seiteuwände 
befestigt  werden,  im  Gegs.  zu  den  Nadeln  (Latten  über 
den  Boden  hin)  Vw-,  Wallen-,  Zg-,  ZSee.  ,Eine  Partie 
Schiffsgörben.'  Z  Amtsbl.  .Cost«  navium,  gürben, 
krumbe  hölzer,  so  die  seitenladen  der  schiffen  zuo- 
samraenhabend.'  Fris.;  Mal.  ,Die  Schiff,  die  mau  aus 
Kipp-  und  Görben  macht'  Z  Constafl.  1722.  ,Dem 
Gürben  des  Schiffs  gleich.-  Z  Mand.  17'26;  173ti.  ,Die 
Holzschiffleute  sollen  unten  an  dem  Mess  eine  ganze 
Doppellatten  haben,  damit  es  den  G.  des  Schiffes  gleich 
stehe.'  Z  Holzmand.  1762.  —  2.  (Dim.)  Krummholz, 
Griff  an  der  Sense  für  die  rechte  Hand  BE.;  S;  W; 
Syn.  Hauch.  Hamme",  Schinbelen,  Wirbel(en).  — 
8."  Spinnrad  BO.,  M. ;  F.  De"  G.  füre"  ne',  wieder  zu 
spinnen  anfangen ;  d.  G.  dänne'  tue',  zu  sp.  aufhören. 
Wenn  i''''  slirbe",  se  überchunnst  du  d'r  G.  BG.,  Si. 
,Es  Gürbi,  rota  tilo  ducendo  accommodata.'  Id.  B 
(BHa.).  —  4.  Gürbeli,  ein  Eöhrchen  an  der  Spindel 
des  Spinnrades,  durch  welches  der  Faden  von  der 
Kunkel  geht,  um  auf  den  ,Krebs'  überzugehen  S 
(Schild).  So  groben  Faden  spinnen,  dass  er  fast  nicht 
zum  G.  i'  ma».  —  5.  a)  Kurbel  am  Bad,  das  eine 
Wassersäge  treibt  W.  —  b)  Rad  an  einer  Kirchen- 
glocke befestigt,  zum  Läuten  PP.  —  6.  übertr.  a)  ge- 
hörnte Ziege  BG.;  Gegs.  Mutte'.  En  g'schabne  G. 
mit  geschabten  Hörnern.  —  b)  alte,  magere  Kuh  F. 
Syn.  Händsch. 

Mhd.  knrbe,  ahd.  curbu,  Brunnenwinde,  aus  mit.  tm-r«. 
frz.  Lowrbi;  Krummholz,  span.  cuiva,  Schiffsrippe.  Vgl.  hd. 
,Kurbe,  Kurbel'  Gr.  WB.  V,  2795,  wo  die  Herkunft  aus  dem 
Romauischen  zu  wenig  urgiert  ist.  Der  Flussn.  Giiihe"  BSeft. 
viell.  auch  hieher  zur  Bezeichnung  des  krummen  Laufes.  Ob 
in   df-nt    fnlsrf^ndoT)   filtoston    Belege  Wasserpnmjien    oder    zum 


Erweichen  ins  Wasser  gelegte  Schiffsrippen  gemeint  siud, 
bleibt  dahingestellt.  ,Swer  deheiu  statt  bckünibert  bi  dem 
Wasser  mit  g.  oder  mit  andern  dinge,  das  soll  er  lidigen 
iurent  7  nachten.'  c.  1300,  ä.  L  Stadtb.  Vgl.  auch  den  I, 
Geschln.    Gürber   1514,    Günter   Ua'J. 


(Jirche."  t:  Wirbel,  Strudel  in  einem  Bache  "de 
Flusse  GrV.     Syn.  Klinge',  Gungge";  Triillen. 

Ob  frtr  Giinht'  aus  mlat.  yurga  =  fjv lyi:« ;'  Vgl.  auch  nihil 
ijirißntu,   Drehwalze,  Haspel. 

(ioreh  (Durh.),  .Gorchen.'  Denzl.  171(i:  Gurke,  cu 
cuniis  (sat.).     Syn.  Guggummer. 


Schaden-gard:  Name  eines  Turmes  in  Bs.  ,1'ic 
Türme  erhielten  jeder  seinen  Namen;  da  gab  es  einen 
.Wogdenhals,  einen  Stichdengesellen,  einen  Schaden- 
gard, einen  Luginsland,  Guckindasnest'  Bs  XIV. 

Wenn  der  •>.  Teil  zu  frz.  yunh  gehört,  so  wäre  die  Bed. 
=  Schadenverhüter. 

Garderobe  .W-,  Gardrube  F  —  f.:  Schrank.  Klei- 
derschrank.   —    Modernes  frz.   Lehuwort. 

Gardi  I    m.:    Name    für  Haus-  und  HotlnuHle  L. 

-  Frz.  .janic.  Wächter.     Vgl.   ,Phylax'. 

Gardi  U  (n.):  dim.  Form.  verk.  aus  Hildc-ard  S. 

Gardi  Hl  s.  Gwardi. 

gardi!:  Kuf  keim  Spiel,  wobei  Einer  (IJ)  erraten 
soll,  wie  viel  Bohnen  der  Andere  (A)  in  der  vorge- 
streckten geschlossenen  Hand  hat  Z.  A.  G.!  B.  Las- 
mi''-  {di'''  ZrS.)!     A.  Wie  dl  soll  i''-  ha'?    B.  Wink. 

—  Viell.   aus  frz.   ni/urdez! 

Be-gerde"  n.:  das  Begeliren  Aa  (H.).  —  e  statt  i 
wohl  aus  dem   Vb.   herüber  genommen. 

Begird  f.:  das  Begehren.  ,Nachfolgend  die  b. 
und  den  willen  unsers  h.  vaters.'  1534,  Xhscu.  ,Er 
wolle  ihnen  auf  ihr  Begehren  willfaren,  gleich  wie 
sy  seiner  B.  gewilfaret  heften.'  Simler,  Eeg.  157Ö. 

In  einem  Hansspruch  bei  Suterm.  erscheint  das  W.  auch 
als  Masc,  etwa  in   Analogie  mit  Gchutt,    Wilhn,    Wunadi. 


Garvender:  .Tausendguldikraut,  garvenderle,  wild 
bagrosen  [usw.].'  Tierb.  1563. 

Es  scheint  der  Gaiimndti-  (s.  d.)  gemeint  zu  sein,  ans 
dem  es  sogar  nur  verschrieben  sein  könnte,  doch  vgl.  auch 
das   fiz.   ytnmindree. 

Gorfel  n.,  ,«!.":  ,Das  G.  im  Munde  [der  Säuglinge] 
oder  die  von  dem  zu  starken  Saugen  im  Munde  ent- 
standene wässrichte  Entzündung.'  Gr  Sammler  1783. 
Syn.   Urfüli. 

Wenn  »  als  trübes  u  genommen  werden  darf,  so  ist  '/. 
=  Gc-ui-ßl  und  l'i-/el  für  Cr-J'ül  zum  Vb.  n-Jiilcu,  wie  fV(./ 
zu  er-teUen  (vgl.    Orhai  aus  ,Urbar'). 


Gargel  m.  B(Zyro);  ScuSt.,  Gargle"  Aa;  H,  Gär- 
gele" BSi.,  Argle"  ZrS.  —  f.,  Dim.  Gärgili  Scii: 
die  Krinne  am  Ende  der  Dauben  von  Fässern,  Kufen. 
Kübeln  usw.,  in  welche  der  Boden  eingefügt  ist  und 


Garg    gnrs. 


(iarni — gurm 


ilurcli  welchen  der  Kopf  oder  die  Frosch  (s.  Bd  1 
1833  \  b)  der  Daube  entsteht;  Kimme,  Zarge.  .Gargel, 
gärgel,  fassrand,  margo  dol[ior]um,  crena  secamenti.' 
Red.  1662. 

Eig.  .Gurgel',  Kehle,  was  zum  , Kopfe'  gut  passt;  nilat. 
r/urgula,  fvz.  gargauille,  Span,  tiargola.  S.  Gr.  WB.  IV  1  a, 
Sp.  1357.  und  Die?..  WB.  s.  v.  gargalla.  Arglen  durch  Aphä- 
resis,  die  bei  g  zwar  selten  ist. 

gärgele":  ,(ein  Fass)  kimmeii  BÜ.- 

gerg(e)le",  gergelig  s. ge-erggelennsvt.  Bd  1  449. 

(iirgel:  1.  Zuckerraerk.  Zuckerwurzel,  sium  si- 
saruiii.  Früher  auch  bei  uns  gepflegtes,  rübenartiges 
Gartengewächs.  .Pastinaca,  girgel,  seil,  herba  radix.' 
Ebinger  1438.  ,Geirlin  oder  girgelin,  sisaron,  et  .siser 
herba,  cuius  radix  ut  pastinaca  estur;  chervy.'  KdGessn. 
1.j4'2.  , Siser,  girgele,  geirlin.'  Fris.  ;  Mal.  ,Von  Gir- 
gelen  oder  Geirlein.  die  man  in  Teutschland  Gritzel- 
mörlein,  Gierlein  oder  Gerlein  nennet,  ist  das  ander 
Geschlecht  Siser  oder  auch  zahme  Kapunzel;  frz. 
Chervis  und  Giroles  von  dem  teutschen  Girgelen.' 
Rhaüok.  163fi.  .Sisaruni.  gelbe  Rüblein,  Girgele.' 
l>EX/i,.  ItiTT;  ITlii.  .(iivijidein  oder  Zuckerwürzen.' 
B  Kochli.  IT'.ii.  .(iiru-ol'in-Küechlein.'  ebd.  ,Girgelen, 
Zuckerwürzen. ■  .K'Sri,/..  1112.  —  2.  (übertr.)  ein  lang- 
gewachsener,  hagerer  Mensch;  auch  von  Tieren  B  uSi. 
Syn.  Reigel,  Spillen. 

Ahd.  girgila,  el)So;  daneben  </ei-i;7t(,  Pastinak;  zu  erwägen 
auch  inlat.  girgUhi',  Garnspule,  Spindel.  Über  die  ganze 
Sippe  vgl.  Grassni.  Pflanzenn.  *?  260.  —  Bod.  2  von  der 
spindelförmigen  Gestalt  der  Pflanzenwnrzel. 

er-girgele":  hart  mitnehmen,  angreifen,  z.  B.  vom 
Hu.sten  üwE.;  Syn.  er-guntlen. 

Yiell.  zu  irgi-Ien  =  erggelen,  iiggen  11  Bd  I  449  udel  dauu 
rr-gürgfln  (s.  durglin);  Tgl.  kurhess.  gUiijeln,  würgen,  plagen. 

girgele"  s.  irggelig  Bd  I  45U. 

Görgel  m.:  1.  einfältiger,  meist  körperlich  langer 
oder  plumper  Mensch,  Tölpel  L;  „Schw",  anmassender 
Kerl,  Grobian  Aa  oF.  ;  L.  Das  chann  iede''  G.  vs- 
rechnc  L.  Die  ehline"  Lüt  hat  Gott  erschaffe',  die 
grosse'  Görgle"  sind  selber  g'tcachse",  Sprw.  im  Munde 
kloingewachsener  Leute  L.  Syn.  Gögel.  —  2.  Georg 
(grob)  L.     Syn.  Jörgel. 

Nichts  Anderes  als  Giigel  mit  eingeschobenem  i;  welcher 
Vorgang  fiell.  durch  Anlehnung  an  .Georg'  erleichtert  wurde. 

görgle"  I:  dumme  Streiche  machen  L.  sich  grob 
betragen  AaF.  B.  göglen  Sp.  154.  —  umme"-:  zweck- 
los herumschlendern  L.  —  ver-:  durch  Dummheit 
oder  tölpelhaftes  Wesen  verderben,  vernachlässigen 
AaF.;  L;  ,SchW;  Syn.  ver-göglen  1. 

-görglig':  tölpelhaft;  vgl.  göglig. 

Görgel,  görgelen  s.  Orgel  usw.  Bd  1   117  f. 

„Gnrge"  m.:  gefährliche  Tiefe  in  einem  Gewässer 
ScHW.'    —    It.  gorgo,   Strudel. 

Oürgitsch,  -etsch,  -ütsch,  Gürigütsch,  Gurgitsch  Gr, 
Güretsch,  -itsch  ßSa.;  Gn  OSa.,  Rhw.,  V.;  GO.;  W, 
Gürtsch  BoSL,  GüHsch  BGugg.  —  PI.  -e»  —  m.: 
1.  gemeine  Eberesche,  Vogelbeerbaum,  sorbus  aucu- 
paria;  auch  (als  Frucht)  Vogelbeere;  aaOü.  Syn. 
Giirmsch.  ,Quitschen,  bei  uns  Gurgitsch.'  Gr  Samml. 
1779.  —  2.  wilde  Akazie  GRÜhurw..  Luz. 

Das  Charakteristische  dieser  Pflanze  sind  die  roten  Beeren, 
welche  sich  durch  ihren  herben,  zsziehenden  Geschmack  aus- 
zeichnen ;   es  ist  demnach  die  .Würgbeere'   von  it.  gorgheggio, 
das  Sprechen  durch  die  Gurgel. 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Gurg(e)le"  f..  bes.  liim.  Gürgeli:  Gurgel.  Mucss. 
di''''  Um  G.  ne"?  Syn.  him  Grips.  D'  Süfer  chönnid 
d'  Gurgele''  wider  wasche'  [wenn  der  Wein  gut  geraten 
i.st]  Z.  G.  geradezu:  Säufer,  eig.  durstige  G.  SL. 
,Jugulus.  das  gurgele  oder  trossel  am  hals.'  Fris.: 
Mal.     Syn.  Güggeli  Sp.  193. 

Kriegs-:  roher  Söldner,  Einer,  der  des  Krieges 
nicht  satt  werden  kann  Z.  Dc  Näpi  ist  e  Chr.  (fsV. 
,Kr-en,  die  sich  Eidgenossen  nennen,  nach  lands- 
knechtischer Weise  umherziehen  und  sich  des  Betteins 
nicht  schämen.'  1560,  Absch.  ,Wir  juckend  uf  die 
kanzlen  wie  ein  rauwe  kr.-  1.589,  Zellw.,  Urk.  — 
Süf-:  Säufer  Z. 

gurgele"  (görgle"  II  Aa):  1.  (wie  nhd.)  unter 
Gurgeltönen  eine  Flüssigkeit  im  Halse  herumbewegen 
Aa;  B;  G;  Z.  —  2.  (unedel)  trinken  B;  daher  ahe'-, 
dure'-,  ter-g.,  mit  Saufen  durchbringen  BO.  -  3.  vom 
Würgen  und  dem  damit  verbundenen  Laut  beim  Er- 
brechen oder  beim  Reize  dazu  L;  „Schw";  sich  er- 
brechen S  (görgele);  Syn.  körblen.     Vgl.  gor.ten. 

Gaffi-Görgeler:  Kaffeetrinker  F. 


gerggelig  s.  ge-erggelig  Bd  1  44 


girle":   spielen  GW.    -    Von  dem  churw.  Kinderspiele 
dar  bi  gerla ;   s.   giilen   Sp.    222.  ' 

gurlen,  Gurli  s.  bei  Reihe  Garr-,  gurr-. 
Gürligg:  eine  nicht  volle  Tragbutte  im  Herbst  Bs 
(Becker). 


Gar  Uli  He"  s.   Kaiinllei). 

Germa:  Frauenn.  ,I>er  Germen  elicher  mann. 
144-2,  Aa. 

Vgl.  den  ahd.  Mannsn.  tiermo  und  die  Frauenn.  Oeniicn- 
la-ga,   -ildis,  -trada  bei  Förstem.,   woselbst  auch  Germana. 

Germ  an  Germe  Z,  Jerine  B;  F;  S,  gröber  Germi 
Z:  männl.  Personenn.  Am  Jermelistag  Wallfahrt  nach 
SLoramisw..  wo  der  h.  Germann  Kirchenpatron  ist  und 
als  Viehheiliger  verehrt  wird.  Schild  1  -M.  85/86. 
Auch  Geschlechtsn.  Th;  Z.  ,Dan.  Germann.'  1669, 
BFrutt.  Vgl.  die  Germen-Schuepis  GJon.  S.  noch  Mani. 

GerBiere"  BO.;  FJ.;  Schw;  Uw;  ü,  Gemmere  U, 
.Germele  B;  LE",  Girmel  ZO.,  Gerwere  BHk.;  Uw; 
U;  W.  Gerbere  Gl;  Gr;  GG.;  ScuwMa.;  U,  Gerberne 
GrO..  ObS..  Gerwele  U,  Gerbele  GSa.;  Schw;  Uw;  U; 
Zc,  Görbele  Schw,  Gelbere  Gr  ÜbS.,  -erne  GrV.  (auch 
Gelferne).  Gilberne  GlK.,  Gelbele  GSa.,  Gelmele  GWe. 
—  f.:  1.  a)  weisse  Nieswurz,  veratr.  alb.  aaOO.  Syn. 
Ger-Mäder-,  -Magen,  Gerb-  Würz.  .Gemere,  Germere. 
ver.  alb..  elobrum  alb.,  wysswurz.-  Ebinger.  ,Helleb. 
a.,  weisse  N.,  Gerraeren.'  JJWagn.  1680.  —  b)  schwarze 
N.,  helleborus  nig.  BHa. ;  Uw.  —  2.  Herbstzeitlose, 
colch.  aut.  Gr  ÜbS.  (aber  auch  veratr.  a.). 

Obwohl  sonst  m  und  b  sich  (als  Vergröberungen)  aus  »■ 
entwickeln,  scheint  hier  die  Form  mit  m  die  echtere  zu  sein. 
Alle  durch  die  obige  Benennung  zsgefassten  Pflanzen  sind 
giftig,  von  stechendem  Geschmacko  und  werden  vom  Vieh 
gemieden  oder  ziehen  ihm  Erbrechen  und  Durchlauf  z«:  ein 
Absud  derselben,  mit  betäubendem  Geruch,  wird  gegen  Kälbcr- 
läuso  gebraucht  (daher  auch  der  Name  Lilskmt)  und  iUinlicl\ 


419 


Garin— giirm.    Garms— gnrms.    Ganuscli— guriiiscli.    Garn— guin 


420 


verhält  sich  allium  ursin.,  Kam-sen,  ags.  hmm-sc.  Dieses 
letztere  führt  (nach  Grassm.)  auf  eine  gmsame  W.'hmm,  welche 
in  skr.  ri-am,  geqiiÄlt,  altn.  hramm,  (stechende)  Kralle,  ags. 
hremman,  quälen,  n.  a.  zur  Erscheinung  kommt.  Die  Formen 
mit  w  scheinen  auf  nahe  liegender  Anlehnung  an  gerwen  zu 
beruhen. 

germele"  1:  Nieswurz  sammeln  Ndw.  —  er-  1: 
abführen  L.  —  Doch  s.  auch  ci-;/.  II. 

Germji:    Schafgarbe,   achillea   mill.   GRMonst.  — 

Nbf.   zu    Geneel,    Oerbel. 

germelen  U  s.  gencelen.      Gurni  s.  Gun  Sp.  330. 

Gurmiss  m. :  Durcheinander,  unordentlicher  Haufe 
L;  Uw.  —  Syn.  Guri-Muech,  das  viell.  blosse  Nbf.  ist. 
Unser  W.   viell.   für  •ßnonmi'»«  (s.   rp-ummlen). 

gül'iue":  1.  'I'i'iii'  li'T\  niluinoen  wie  die  kleinen  Kin- 
der beim  Erwailim  ,^111«.  S\\i.  grüggen.  Xhl.  gürmsen. 
—  2.  gurgelnd  t"iioii,  wie  beim  Heraufdringen  der 
Speisen  aus  dem  Magen  in  den  Mund  der  Wieder- 
käuer; auch  bei  Menschen,  die  zu  viel  gegessen  haben 
GWe.  y^.  gurren,  gurrlen.  —  gürmele":  leise  sin- 
gen, tönen  Schw.  W'i"'-me"  d'  Ohre"  dert  drüf  ligge' 
heig  [auf  einen  gewissen  Stein  lege],  s»  Vhör-me"-s' 
[die  Erdmännchen]  g.  e  chli'. 


(iorms:  Hieronymus.  1591,  Bs.  Syn.  Hoiii,  3Ius. 
—  Setzt  eine  Form  •Jironhim«.  Jorimm  voraus;  vgl.  frz. 
Jermne. 

gurmse"  Sch;  Uw;  Z  (neben  gü-),  dini.  gurmsle" 
Sch:  klagende,  weinerliche  Töne  von  sich  geben,  von 
Kindern  und  unzufriedenen  Erwachsenen;  murren, 
klagen;  durch  halblautes  Klagen  sein  Missvergnügen 
oder  Verlangen  nach  Etwas  kundgeben;  auf  solche 
Weise  mit  Bitten  anliegen,  .(iünn.sen,  gonsen,  su- 
surrare,  impetuose  postulare.-  Keh.  1062.  Syn.  gürmen 
(aus  dem  unser  W.  weiter  gebildet  ist);  grumsen; 
grochsen;  gresten;  gramausen.  —  Gurmsi,  Gürmsi 
m.:  wer  nur  halblaut  spricht,  ein  Stammelnder;  wer 
mit  der  Sprache  nicht  recht  heraus  will;  ein  Unzu- 
friedener Z. 


Gürmsch  (^Gurmsch-)  m.-.  Vogelbeerbaum  BO.; 
LE.  Synn.  s.  bei  Gürgetsch.  ,Unz  an  den  gürmsch, 
der  am  hag  stat.'  1472,  Spruchbr.  .Von  dem  krüz- 
stein  den  berg  an  ein  gürmschen,  darin  ein  krüz  ge- 
macht ist.'  ebd.  ,Die  Alpenhasen  leben  von  G.-  und 
andern  Baumrinden.'  Bonst.  1793.  ,G.-Stöcke'  legen 
die  ,Nachtbuben'  in  die  Dachtraufe,  um  sie  recht 
.zügig'  zum  Dreinschlagen  zu  machen  BSi.  Auch 
Flurn. :  ,im  G.',  Hof  BSumisw.;  LE. 

Das  frz.  corme,  Vogelbeere,  dürfte  im  erstem,  das  deutsche 
.Esche'  im  zweiten  Bestandteile  des  W.  stecken. 


(laril.  Gare"  n.:  1.  gesponnener  Faden,  bes.  von 
Hanf  oder  Flachs  (ristis  G.J.  allg.  Früher  und  tw. 
jetzt  noch  als  selbstgesponnenes  zum  Vorrat  jedes 
soliden  Hauses  gehörend.  B'  Wiber  sind  nüd  z'fride', 
wenn  s'  nüd  im  Winter  vil  z'  spinne"  händ  und  Buschle' 
G.  uf  der  Schiitti  obe',  dass  si  de'  Weber  sitig  chünnid 
b'stelle"  ZKn.  RAA.  D'  Welt  spinnt  luter  grobs  Garu 
W.     /"''  ivill  z'erst  luege',   was   er  für  G.  spinni   Z. 


Si  spinne"d  kei*  guet  G.  mit  enand,  harmonieren  nicht 
zusammen.  Sülger.  ,Es  ist  doch  alles  z'  letzem  g., 
was  man  mit  euch  will  heben  an  [schilt  die  Mutter 
ihre  widerhaarigen  Kinder].'  Com.  SBeati.  ,P.  Cap- 
puzin  und  alle  mit  ihme  im  letzen  Garen  Verstrickte 
sollen  wüssen  . . .'  Ant.Tschüdi  1696.  Dim.  es  Gäreli, 
die  vollgesponnene  Spule ;  so  viel  Garn,  als  eine  kleine 
Spindel  fasst  BHa.;  Gl.  Syn.  Abrich  Bd  I  42.  — 
■2.  Netz,  a)  Pangnetz  für  Fische  Bs;  VOrte;  Th; 
W;  Z,  vom  , Netz'  dadurch  unterschieden,  dass  dieses 
sich  auf  der  einen  Seite  verjüngt  und  dass  das  G.  .ge- 
zogen', das  N.  aber  .gesetzt'  wird  Boden-,  Vw-,  Z-See. 
,Garn  [PL]  stricken  oder  bretten.  texere  retia.'  Mal. 
.Sollt  man  pfaffenhueren  allen  g.  [PI.]  fürspannen,  die 
in  der  statt  sint,  so  bedörft  man  aller  der  g-en,  so  am 
see  sint.'  1423.  L  Eatsb.  RAA.  Im  Gare'  ha",  Etw. 
im  Gange,  Aussicht  auf  Erfolg  haben  BHk.  Nüd  im 
Gr.  ha",  bei  einem  Handel  keinen  Gewinn  haben;  -  mit 
Eim,  sich  auf  Jmdn  nicht  verlassen  können  BKi. 
,üas  G.  aufnehmen',  Feierabend  machen.  Sprww.  1824. 
,Dass  man  am  Hühnermahl  bis  um  9  Uhr  zu  Abend 
sitzen  und  dann  das  G.  aufheben  soll.'  1660,  ZWthur 
(Troll).  ,Das  G.  aufnehmen,  proripere  se,  coepto  de- 
sistere  (HosriN.  1683),  Feierabend  machen,  von  seinem 
Fürhaben  abstehen,  sich  fortmachen.'  Mey.  Hort.  1692. 
.Wann  aber  Schwachheiten  zu  befahren  wären,  als- 
dann ist  das  Ratsamste,  das  G.  bei  Zeiten  aufzunemincn 
und  das  fernere  Baden  einzustellen.'  SHott.  170'2. 
.Mich  erfüllte  diese  Rencontre  mit  einem  solchen 
Ärger,  dass  ich  augenblicklich  das  G.  aufnahm  und 
mich  wieder  aus  dem  Staube  machte.'  Schwz.  Amazone. 
S.  die  Zssen  und  diejenigen  von  Netz  und  Beren. 
Früher  auch  zum  Vogelfang.  ,Vögel,  so  mit  dem  G. 
gefangen.'  1781,  ZWipk.  S.  Vogel  Bd  1  690;  Vogel- 
Hütte.  Auch  für  wilde  Tiere;  s.  Bären-,  Wolf-G. 
,Nemt  ihr  die  Buchs,  den  Feuerzeug,  's  Hörn  und  's 
G.  für  d'  Fuchs.'  Myricäus  1630.  —  b)  Netz  aus  star- 
ken Schnüren  oder  dünnen  Stricken  zum  Fassen  und 
Transportieren  von  Heu,  Laub,  Obst  usw.  Bs;  Schw; 
Uw  (auch  dim.  Gareli).  .1  G.  oder  Bünteli  Heu.'  Schw. 
Syn.  Beren.  —  c)  Gärnli,  feines,  sackförmiges  Netz, 
Flor  zum  Schnietterlingsfang  Bs;  Uw;  Z.  Syn.  Kescher; 
vgl.  Feimer.  —  d)  dim..  Kopf-,  Haarnetz  der  Mädchen 
Bs;  Z.     Syn.  Bcrli. 

Endi-:  =  Endi  2  Bd  I  316.  .Es  soll  euch  en 
jeglich  Kambe  sin  rechte  Breite  haben  nach  der  Zal 
der  Fädemen  ane  das  Zugezettelote  und  ane  das  Ende- 
garn.' 1336,  Z  Ratserk.  (Laufer).  —  Iser-:  G.  zum 
Fange  des  tsers;  s.  Bd  I  547.  ,Die  Fischer  sollen  die 
Eiser-G.  über  den  Model,  so  jedem  von  der  Oberkeit 
gegeben,  stricken.'  1652,  Rheinfischerordn.  —  Vogel-. 
,Zwo  wand  V.  sammt  zuegehöriger  rüstung  und  kefi 
auf  den  vogelherd.-  1588,  G  Inv.  —  Fisch-:  Fischer- 
garn. ,Das  fisch-g.  zerhowen.'  1489/90,  Zellw.,  Urk. 
—  ¥isc\ii-:  =  Fischü  Bd  I  1109.  ,Die  [ertrunkene] 
Braut  hatt'  bei  ihr  ein  Fischigarn.  10  Kronen  lagen 
darin.'  Aa  Volksl.  —  Fliege»-,  Fleuge'-,  Flüge"-: 
Netz,  welches  den  Pferden  zur  Sommerszeit  zum 
Schutz  gegen  Insekten  übergeworfen  wird  L;  Z;  spött. 
=  Schleier  L.  --  Gnepfi-:  =  Gnepfen.  Verboten 
.mit  dem  Blüemli-G.',  erlaubt  ,mit  Angel  und  Gn.-G.  in 
der  Limmat  zu  fischen.'  1700.  Z  Urk.  -  Hägling-: 
Netz  zum  Fang  der  Häglinge.  .Für  ein  H.-G.  3  Pfd.' 
Z  Fischerordn.  1710.     S.   noch   u.  Garner.    —   Här- 


m 


Garn,  gern,  gim,  gorn.  guril 


422 


Gärnli:  Kopfnetz  der  Mädchen  UwE.  —  Hard-Garn: 
G.  aus  der  Spinnerei  im  Hard  bei  ZWülfl.  ,Das  mei- 
nige [Garn]  ist  ganz  süperb,  weit  mehr  fast  als  das 
H.  wert.'  HSiLZER  18.30.  —  Hirze"-:  Baumwollgarn 
mit  einem  Hirsch  als  Marke  ZO.  —  Haspel-:  Hand- 
jfspinnst  im  Gegs.  zu  den  (glatten)  Masthinengarnen; 
in  der  RA.:  verleidet  tvie  H.  Sulger.  —  Heu-  Hev"- 
Oare:  =  ff.  .2  6  Uw;  U.     Vgl.  Heu-Biren. 

Hc.\e°-:  Flachsseide,  cuscuta  europa-a  Sch.  Syn. 
Kiufiel,  Bingel,  Gewind. 

Vinll.  ist  dieses  arge  Unkraut  wegen  seiner  den  Land- 
niauii  zur  Verzweiflung  bringenden  Schädlichkeit  und  Un- 
tilgbarkeit libh.  als  dämonische  Saat  bezeichnet,  oder  der 
Name  bezieht  sich  wegen  der  Verworrenheit  der  Fäden  dieser 
Wucherpflanze  spec.  auf  die  bes.  Tätigkeit  der  Hexen.  Vgl. 
uoch   H.-Bmen,  Kle-Tü/el. 

C huder-:  aus  .Chudor',  geringem  Werg,  gespon- 
nenes Garn  Tb;  Z;  auch  verächtlich  für  unebenes 
Maschinengarn  Z.  —  Kämbli-:  G.  aus  gekämmter 
Baumwolle  Z  f.  ,Als  der  Ururahne  K.  spann,  6  p 
Lohn  vom  Schneller  hatte.'  Stutz  1851.  S.  noch 
Kämbli.  —  Chopf-:  den  Pferden  und  anderm  Zug- 
vieh zum  Schutz  gegen  Mücken  und  Bremsen  über  den 
Kopf  gelegtes  Netz  aus  Schnüren  Z ;    vgl.  Fliegen-G. 

—  Cher-:  grosses,  im  Gegs.  zum  Land-G.  auf  ottenem 
See  gebrauchtes  und  am  Anker  befestigtes  Netz  ZS. 
Syn.  Blalig-G.  —  Kerze°-:  G.  zu  Kerzendochten. 
,Niema'"'s  solle  faden  noch  k.  uf  fürkouf  koufen.'  1.519, 
Egli,  Act.  Auch  in  einem  Z  Inv.  1.571.  —  Kleb-: 
Fischernetz,  welches  man  senkrecht  wie  eine  Wand 
ins  Wasser  setzt  und  an  der  selben  Stelle  ruhig  lässt 
Bs;  GT.;  Gegs.  Streif-G.  ,Es  ist  'klagt  worden,  dass 
die  Fi.scher  die  ßüss  dem  See  nach  mit  Netzen,  Kleb- 
und  Zuggarn  versetzend.'  1607,  U.  —  Chlepper-: 
Netz  mit  2  Wänden  und  ganz  engen  Maschen,  24 — .30' 
lang  und  8 — 10'  hoch  und  am  Ende  trichterförmig 
gebaut;  dient  bes.  zum  Fang  von  kleinern  Fischen. 
So  genannt,  weil  es  mit  eisernen  Blechen  behängt  ist, 
durch  deren  Geklapper  die  Fische  unter  den  Steinen 
hervorgescheucht   werden    TnBodens.;    Syn.  Streif-G. 

Chi  US-:  Netz  mit  2  Wänden  und  einem  Sack, 
zum  Fclchenfang  dienend,  dessen  P/a'  weite  Maschen 
sich  beim  Zug  aus  schwebendem  Schilf  schliessen 
TnBodens.  ,Zum  Schutz  des  Hürlinglaichs  sollen  die 
l,omb-  und  Schwebseginen,  auch  die  Klusgärner  8  Tag 
vor  StGeorg  bis  Ende  Mai  5  Klafter  hinter  die  Hal- 
den  gezogen   werden.'    1.544,  Absch.     Syn.  Schweb-G. 

—  Klün,  Verschluss. 

Chleiter-:  ein  aus  einer  einzigen  60  Ellen  langen 
Wand  bestehendes,  2  E.  hohes  Fischergarn,  das  gegen 
Karpfen  und  Brachsmen  zur  Laichzeit  auf  die  Fläche 
gesetzt  wird  TnBodensee. 

Es  scheint  sich  iu  diesem  W.  ausnahmsweise  ahd.  Anl. 
erhalten  zu  haben  uad  ihm  ahd.  hkitara  zu  Grunde  zu  liegen, 
indem  dieses  aussergewöhnlich  lange  Netz  mit  einer  Leiter 
verglichen  wäre ;   vgl.   Chris,  Reis. 

ChnöUe"-:  Faden  mit  Knollen,  Anschwellungen 
ZO.  Mached  nw  öppe  Chn.!  iron.,  als  Warnung  an 
Spinnerinnen.  Stütz. 

Chretz-:  auf  dem  wenig  tiefen  Z  Obersee  ge- 
braucht, indem  es  auf  den  Grund  gelegt  wird,  um 
damit  Alles  zszuraffen  und  heraufzuholen.  ,Ferner 
sollen  die  Staubbäron,  item  das  Kr.,  die  Teufelstracht 
und  andere  schädliche  Neuerungen  abkennt  sein.'  15.37, 
Z  Fischerordn.    .Wir  verbieten  die  Teutelstracht,  das 


gross  Kr.  oder  Täglen.'  1757,  Z  Ges.    Syn.  Schind-G. 

—  Von  krelzen,   (den   Boden)  kratzen. 

Laub-:  grosses  Netz  zum  Tragen  von  Laub,  Heu 
usw.    Ndw.     Syn.   Laub-Beren.  —  Lödli-    s.  Lötli-. 

—  Laufer-:  ein  der  ,Segi'  und  der  , Tracht'  ähnliches 
Garn  mit  engen  Maschen,  das  in  der  Tiefe  gebraucht 
wird  TnBodensee.     Syn.  Läufer. 

Lora-:  enggestelltes  Netz,  das  im  Rheine  gebraucht 
wird  Th.  Sonst  ähnlich  dem  Sack-Garn;  Syn.  Lom- 
Segi.  —  Zu  ISm  =  IxKin,  locker,  weil  das  Netz  zum  Fange 
nicht  straft  angezogeo,  sondern  schlaff  gelassen  wird. 

Land-:  grosses  Fisehernetz  auf  dem  ZSce,  wo  im 
Ganzen  von  jeher  nur  3  existiert  haben  sollen,  so 
benannt,  weil  es  an  der  ,Halde',  also  am  Lande,  an 
einer  Stange  befestigt  und  ausgelegt  wird.  ,Ein  L.. 
das  weder  so  hoch  noch  so  lang  ist  als  das  Schweb- 
garn, und  welches  gesetzt  und  sogleich  wieder  gezogen 
wird.'  Alp.  1827.  ,Die  garn,  mit  welchen  man  die 
egle  von  Martini  bis  auf  Christraonat  facht,  nennend 
sy  landgarn  und  andere  kleinere  troglen.'  Fischb.  1563. 
Die  ,Triechten  und  Landgarne'  der  Fischer  am  Hall- 
wylersee.  1639,  Absch.  .Wir  erlauben  die  L.  bis  auf 
Gallitag.'  Z  Ges.  1757.  ,Das  L.  soll  bis  Mitten  August 
nach  dem  obrigkeitlichen  Brittli  und  ohne  Säcke  ge- 
braucht werden.  Patontgebühr  jährlich  ,für  ein 
Tracbtgarn  5  Pfd,  für  ein  L.  8  Pfd.'  ebd.  1779/1809. 

—  Lötli-,  Lödli-:  mit  der  Spindel  gesponnenes,  in 
Strähnen  von  1000  Haspelumgängen  gehaspeltes  und 
beim  Lot  (statt  beim  Pfd,  s.  ,Pfund-G.')  an  die  Mous- 
seline-Weber  verkauftes,  feines  Baumwollgarn.  XVD. 
u.  XVni.,  GT.;  Z.  Der  Ausdruck  wich  im  Verlaufe 
des  XVIII.  allmählig  dem  von  ,Schneller-G.';  Gegs. 
Rädli-G.  ,Das  Lötligarn  darf  nur  in  der  Stadt,  das 
Radgarn  dagegen  an  jedermann  verkauft  werden.'  1693. 
Z  Ges.  .Von  dem  Lödligarn :  von  1  Lot  aus  kurzer 
Baumwolle  1  Batzen  [Lohn],  von  1  Lot  aus  langer 
Baumwolle  3  ß;  von  den  feinern  Gattungen  4 — 12  ß.' 
Z  Fabrikordn.  1717.  Näheres  s.  bei  AdBürkli  1SS4,  :!4. 
,Die  feinen  Tuechli,  so  aus  nasser  Ge.spunst  oder  ileiii 
sog.  Lödli-G.  gemacht  werden.'    Z  Ges.  1757  u.  1772. 

—  Läuwi-.  ,Dass  [sie]  mit  Fischgarnen,  es  syge 
Spreit-,  Läwi-G.,  mit  der  Watten,  Streifbären  und 
Blüemligarnen  den  Fasel  und  Leich  gar  und  ganz 
erÖsen  [ausrotten,  vertilgen].'  1568,  AAWett.  Kloster- 
arch.  .Leuwengarn  oder  Leuwenen'  den  Fischern  im 
Rhein  verboten.'  1652,  Fischerordn.  AaZ.  Vgl.  X«- 
iDelen-Beren. 

Maien-:  eine  Art  Pischergarn.  ,Damit  die  Fische 
geschirmt  und  der  Same  nicht  verwüstet  werde,  dürfen 
die  M.  bis  nach  Meyenried  und  von  da  nach  Nidau 
mitsammt  dem  Mäscher  nur  16  Klafter  lang  sein.' 
1.546,  B  Fischerordn.  (Absch.).  —  Viell.  nach  der  Zeit, 
viell.   nach  der  Örtlichkeit  des  Gebrauches  benanut. 

Spinn-  Ap,  Spill-  Sch  Mugge'-:  Spinngewebe.  Er 
lot-si"''  kei'  Sp.  vnr-em  Mul  spinne',  er  wehrt  sich 
bald.  SuLGER.  Vgl.  Sp.-Wupp.  —  Nacht-:  Netz, 
welches  bei  Nacht  gestellt  wird.  .Nacht-  oder  Weit- 
garn [für  Fische].'  1659,  ScHwPfäff.  ,Das  Fangen  der 
R(?bhüner  in  den  Schnee-  und  N-en  ist  verboten.'  Z 
Jägerordn.  1714.  —  Nuss-Gärnli:  kleines  Netz  zum 
Aufbewahren  von  Nüssen,  dgl.  meist  von  Knaben  vor 
ein  Fenster  gehängt  werden  Z.  Syn.  N.-Beren.  — 
Bären-Garn:  Netz  für  den  Fang  von  Bären.  1534 
bitten  die  von  BSchwarzenb.  um  eine  Beisteuer  ,7.ue 


423 


(iarn.  gern,  girn,  gon 


424 


den  B-eii.-  Abscu.  Vgl.  Wolf-G.  —  Pfund -Garn: 
gröberes,  beim  Pfund  verkauftes  Baumwollengarn;  s. 
Lötli-G.  XVII. /XVm.,  Z.  ,Das  sog.  Schnellergarn 
[s.  d.]  wird  vorzüglich  vor  dem  Pf.  gekauft  und  ge- 
braucht.' Z  Ges.  1779.    Syn.  Rädli-G. 

Blälig-:  =  Ker-G.  Z.  —  Haiiptsächlicli  zum  Fange 
iliT  .Blülinge',  Blaufelchen,  dienend. 

Blüemli»-:  eine  Art  Fischernetz.  .Dieweil  sich 
nit  gebüron  will,  dass  die,  so  keine  Fischenzen  [haben], 
andern  zuf  Nachteil  und  Sclia.len  Ziech-  und  Bl.-G., 
Stör-  und  Soh(>iifbaren  \inil  andere  dergleichen  ysin 
oder  gestrickt  Fischerzüg  und  Instrumenten  bei  sich 
behalten  . . .'  1630,  AAWett.  Klosterarchiv.  .Waten-, 
Streipf-,  Zipfel-  oder  Bl.-G.  und  Bären,  desgleichen 
die  Schöpfwaten  oder  Wurfgarn  verboten,  hergegen 
die  Spreitgarn  zuegelassen.'  Eheinfischerordn.  1652, 
AaZ.     Ähnl.  1729,  Absch.     Vgl.  Bl.-Beren. 

Brief-.  ,Br.  zu  Musolin  (9—10  Kr.  der  Schneller).' 
UBRiGG.  1781.  —  Eig.  =  G.,  das  in  Umschlag  [s.  Brief] 
verpackt  in  den  Handel  kam. 

Brust-:  netzartiges  und  mit  Fransen  versehenes 
Garn,  über  die  Brust  der  Pferde  und  bisweilen  auch 
des  Rindviehes  befestigt  Z.  Vgl.  Fliegen-,  Kopf-G. 
—  Rad-,  Rädli-:  mit  dem  Spinnrad,  nicht  mit  der 
Handspindel  gesponnenes,  beimPfund  verkauftes,  daher 
auch  oft  Pfund-G.  geheissenes,  gröberes  Garn  der  altern 
Baumwollfabrikation.  ,Die  Tüechler,  so  ihre  Tüecher 
aus  Eädli-G.  und  trockener  Gespun.st  fabricieren.'  Z 
Ges.  1772.  ,Rad-G.  7—8  Kr.  der  Schneller.'  UBrägg. 
1781.  —  Ruef-:  Decknetz  (Tyras)  zum  Wachtelfang, 
welches  über  den  Acker  gebreitet  wird,  während  man 
die  Vögel  mit  ihrem  Ruf  lockt.  ,Das  Wachtlenfangen 
mit  den  Ruf-  und  Spreitgarnen  in  dem  Brut'  verboten. 
Z  Jägerordn.  1714/1757.  S.  noch  Spreit-G.  —  Rupp-: 
G.  aus  dem  Abfall  (RuppJ  beim  Hecheln  des  Hanfes, 
gewoben  zu  grobem  Sacktuch  GRh.  nach  Steinmüll. 
1804.  —  Rost-:  rostfarbenes,  selbstge-sponnenes  Lin- 
nengarn, bes.  zu  Bettanzügen  usw.  verwendet,  um 
rotgelbe  Streifen  hineinzuweben  Z  f.  .Schürze  von 
R.'  ÜBRiGG.  1788. 

Rütcli-.  ,Man  pflegt  die  groppen  zuo  faheu  mit 
den  bänden,  mit  groppenysen,  mit  den  garnen,  so  man 
r.  [nennt].'  Fischb.  1563.  —  MStdi,  Rotforelle. 

See-  =  Zug-G.  2  L.  —  Segene"-:  =  Segi.  Ver- 
boten sind  .Segigarn,  auch  Haselseginen  genannt, 
Blüemligarn,  Wurfgarn.'  Rhein-Fischerordn.  von  1527 
bis  1683.  —  Sack-:  ein  sich  verjüngendes  Netz,  das 
in  einen  Sack  ausläuft,  aus  dem  sich  die  Fische  durch 
eine  Öffnung  herausnehmen  lassen  ZS.  Syn.  Sacknetz, 
Sack.  Ähnlich:  S^negel-Netz  oi. -Garn.  ,Die  Fischer 
von  Neuenburg  bedienen  sich  der  Sackgarne.'  1538, 
Absch.  —  Seil-  =  Heu"-Garn.  —  Salme"-:  Netz 
mit  2  grossen  .Spiegeln',  d.  h.  Seitennetzen,  zum  Sal- 
menfang  Bs.  S.  anch  Spreit-Garn.  —  Summer-.  ,Es 
soind  alle  lieehe  Garn  auf  dem  Z-Seo  verboten,  doch 
also,  dass  man  .".nii  Maschen  werfe  in  einem  Anfang 
des  Gestells  und  dntthalb  hundert  Maschen  soll  man 
werfen  in  ein  Wändlein,  und  soll  das  21  Ellen  haben 
und  in  einem  Spaltung  soll  haben  18  Klafter  an  der 
Länge,  also  dass  die  Wand  an  dem  S.  nit  länger  sein 
soll  dann  25  Klafter  und  soll  man  oben  auf  das  Garn 
nit  mehr  binden  dann  ein  köpfige  Lägelen  [2  Mass 
haltendes  Fässchen]  oder  zwo  halbköpflge  ohngefährt 
und   nit  anders    und   an   .SO  Maschen    einen  Riemen.' 


1512,  ScHwE.Klosterarch.  —  Z  werch-setz-:  Fischer- 
netz, welches  quer  über  den  ganzen  Bach  ,gesetzt' 
wird  B  (Zyro).  —  „Schell-:  Fischernetz  mit  einem 
eisernen  Ring  und  einem  c.  20'  langen  Seil  versehen  B. 
Syn.  Gnepfen."-   —  Schind-:  =  Kretzgarn  Z  oS. 

Schappel-,  Schäppeli-:  schlechtes  Garn.  Dann 
übertr.  etwas  Wertloses,  eine  Kleinigkeit.  Für  e" 
Schappelg.,  zu  einem  Spottpreis.  Sulger.  Es  ist-em 
erleidet  wie  Seh.  Kirchh.  ,Gabend  die  Ross  um  Scha- 
belg.  und  ein  Spott.'  JStockar  1520.  ,Es  ist  Schäpp- 
lein-  (Schäppeli-)  g.,  mininii  pretii,  nil  sacri.'  Mey., 
Hort.  1692  (Denzl.  1716).  ,So  viele  unnütze  Papeir 
zu  lesen,  welche  von  nichtswertigen  Sachen  und  gleich- 
sam von  Schäppeleingarn  handeln.'  JZimmermann-Haug 
1731.  —  Schapjxl,  Kr.anz.  Zu  solchem  wurde  eine  geringe 
Sorte  von  Bindfaden  verwendet. 

Scherli-:  G.  aus  den  abgeschnittenen  losen  Fäden 
der  Rückseite  von  Zeugen,  in  welchen  Blumen  ein- 
gewoben waren;  zu  geringerem  Gewebe  verwendet  Z  f. 
Erwähnt  auch  in  den  Rechnungen  der  Fabrik  des  Z 
Spitals  Ende  XVLH.     Vgl.  Sch.-Barchet. 

Schneller-  =  Lütli-G.  (s.  d.).    S.  auch  Pfund-G. 

—  Schndter,    1000   Haspeluttigänge. 

Sehne-.  ,Rebhühner  mit  Schn-en  fangen.'  L  An- 
sehenb.  ,Das  Fähen  der  R-en  mit  den  Schnee-  und 
Nacht-G-en  und  Träten'  wird  verboten.  Z  Mand.  1649 
(1757).  —  Schweb-:  Fischergarn  mit  zwei  Wänden 
und  einem  Sack,  das  auf  dem  offenen  See  [im  , Schweb'] 
vornehmlich  gegen  Felchen,  aber  auch  gegen  Hechte 
und  Forellen,  mit  verengten  Maschen  auch  gegen 
kleine  Fische  gesetzt  wird.  GLHartm.  1808.  ,Ein 
Schw.,  das  meistens  im  Schweb  (hoch  im  Wasser 
schwebend)  und  nicht  dem  Boden  nach  gezogen  wird 
und  das  man  alljährlich  durch  Einsetzung  eines 
neuen    Stücks   verbessert'    Alp.  1827.     Syn.  Klüs-G. 

—  Schwi"-:  Netz  über  die  Schweinchen  auf  dem 
Wagen  des  Schweinehändlers  L. 

Wuppe"  -  spunne"- :  Spinngewebe'  W.  —  Vgl. 
Siiinn-Mu(j(ji>.n-G.,   welches  aus  Spinn-Wwppe.n  entstanden. 

Spreit-:  Fischernetz  zum  Auswerfen  Bs.  ,Den 
Fischern  von  Baden  verboten,  die  Spr.  zu  brauchen.' 

1532,  Absch.  ,In  Aare,  Reuss  und  Limniat  ist  durch 
das  Fischen  mit  Spr.  das  Gebrüet  aufgefangen  worden.' 

1533,  Absch.  ,Die  Spreit-  oder  Wurfgarne,  welche  in 
höchstem  Grade  schädlich  sind.'  1546,  Absch.  (B).  ,Dic 
salmen  facht  man  mit  dem  salmen-,  spreit-,  auch  mit 
sonderen  garnen,  so  man  waag  nennet;  solche  hat  man 
vil  zwüschend  Basel  und  Laufenberg.'  Fischb.  1563. 
,Das  Wachtlenfahen  mit  den  Spr-en  und  dem  Ruf  im 
Brüet'  wird  verboten.  Z  Mand.  1649/1757.  ,Wurfgarn 
verboten,  hergegen  die  Spr.  zuegelassen.'   1652,  AaZ. 

—  Steck-:  Fischergarn  mit  3  Wänden,  welche  hinter 
einander  nach  Art  der  Netze  meistens  in  fliessendem 
Wasser  und  nur  für  grosse  Fische  gesetzt  werden 
TnBodens.  —  Stange»-.  ,Die  Fischer  in  der  Limmat 
sollen  sich  aller  Garnen  müessigen,  ausgenommen  das 
St.-  und  Lachsgarn.'  Z  Fischerordn.  1757  u.  1776.  — 
Streif-:  die  kleinste  Art  von  Fischernetz  auf  dem 
Bodensee,  für  Grundein,  Groppen  usw.;  Netz,  welches 
im  Gegs.  zum  ,Kleb-G.'  hin-  und  hergezogen  wird  GT. 
Syn.  Klepper-G.  Verboten  1409  Ap  LB.  ,Es  bescheche 
iren  fischern  vil  yntrags  nämlich  mit  den  bolanglen, 
ouch  den  zuckanglen  by  den  färinen  in  allen  gestüden, 
auch  mit  den  str-en,  streif beren  und  storberen.'  1500, 


1-25 


(iarii.  gern,  gi 


(•2i; 


AiWett.  Klosterarch.  ,Die  Grafschaftsleute  (in  ÜT.) 
dürfen  fischen,  doch  nur  mit  Beren,  Rüschen  und  der 
Schnur,  aber  nicht  mit  dem  Str.'  1.527.  Absch.  ,Dass 
in  unseren  landen  mit  den  sträfg-en  oder  tötschen, 
iuu-h  mit  dem  romijelbrett  niemand  fischen  soll."  1544, 
Ai'  LB.  77.  ,ln  Aare  und  Rhein  wird  viel  Schaden 
;uifjerichtet  durch  Spreit-  und  Str-e.'  15C1,  Absch. 
.Waten-,  Streipf-  und  Zipfelgarn  verboten.'  A.tZ.  165'2. 
.Das  Fischen  in  Bächen,  Brünnen  und  Giessen  mit 
Waden,  Str-en,  Setzschnüren  ist  verboten.^  XVIII., 
Gl  Verordn.  Vgl.  Str.-Berm.  —  Tüechli-.  ,Myn 
Anni  kauft  flax,  dann  si  könnt  wol  tiechligaren  spin- 
nen.' ThPlatter  1572.  —  Türgge°-:  türkischrot  ge- 
färbtes Garn,  Uf  d's  T.  si'''  verstä',  sich  auf  Etvv. 
übh.  verstehen  BR.  ,Er  stiehlt  dem,  der  ihm  eine 
Kappe  zu  weben  gibt,  allemal  das  halbe  Türkeng.' 
HPest.  1790.  —  Tribinen-:  Treibnetz.  , Welcher 
Weidmann  auch  den  See  fürter  brauchen  will,  der 
soll  im  Tr.  dehein  Netz  für  die  ander  setzen,  auch 
überall  mit  Steinen  nit  werfen,  noch  mit  Rudern  den 
Fisch  verwilden  und  mit  Namen  allein  an  Halden  und 
nit  über  Fach  ausbin  tribinen.'  1537,  Z  Fischer-Einung. 

—  Trübe"-:  im  Herbst  zum  Schutz  gegen  Vögel  über 
Spalierreben  gezogenes  Netz  Z.  —  Tracht-  s.  Tracht. 

—  Trichter-:  Netz,  welches  im  .Triechter',  d.i.  wo 
der  See  am  tiefsten  ist.  gebraucht  wurde  [?];  trichter- 
förmiges N.  [V].  3  ß  Abgabe  ,von  einem  kleinen  Tr., 
wenn  es  zum  er.stenmal  in  den  See  geht',  wird  unter 
dem  Zehnten  aufgeführt.  LWäggis  1446,  Seg.  RG.  — 
Drat-:  Schusterzwirn  zu  Pechdrat.  allg.  D' Agnes 
hat  tjntie"  z'  tue«  g'hw  der  ganz  Tag  für  i  de"  Schue''- 
machere"  Drötg.  z'  sjnnne'.  BWyss  1863.  ,Rysten,  Tr.' 
Z  ZoUordn.  1639/40.  ,Hätt'  ich  ein  Haus  im  Toggen- 
burg,  dass   ich  könnt  Drötgarn  spinnen.'    Lied  1712. 

—  TroUi-:  grobes  Garn  Ndw;  Syn.  Trolli.  —  Wäg-: 
Netz  zum  Fange  der  Salmen  in  einem  ,Salmenwäg', 
d,  i.  Strömung,  Strudel,  wo  die  Salmen  im  Rhein  sich 
aufhalten  Bs.  —  Wolfs-:  starkes,  grosses  Netz  zum 
Fang  der  Wölfe,  gewöhnlich  Eigentum  der  Gemeinde. 
Bis  gegen  die  Mitte  unsers  Jhdts  sah  man  W-e  aufbe- 
wahrt, z.  B.  in  AARuppersw.;  ZAndelf.,  Rathaus  ZBül. 
11.  THWeinf..  auf  dem  Boden  der  Kirche  ZWetzw.  u. 
bes.  auch  in  GrD.  RA.  ,Ein  Gewissen  haben  [so  weit] 
wie  ein  W.'  Sprww.  IS'24  und  schon  bei  JIey.,  Hort. 
1692.  ,Welicher  bürde  [.Nachburschaft']  das  wolf- 
garen geschlagen  werde,  soll  das  garen  abnemnien 
und  versorgen,  so  das  gejagt  ein  end  hat'  XVI,  Gr 
(Ztschr.  f.  Schwz.  K.).  ,Denen  zu  BSchw.  gibt  man  an 
die  W.  2  fl.;  fangen  sie  einen  Bären,  so  erhalten  sie 
'/j  fl.'  1534,  Absch.;  s.  Bären-G.  , Jedes  Quartier  soll 
ein  W.  anschaffen,  und  wenn  ein  Wolf  sich  zeigt,  mit 
oder  ohne  die  Gerichtsherren  auf  denselben  Jagd  ma- 
chen.- 164'2,  PupiK.,  Th.  —  Wurf-.  , Keine  Schöpf- 
waten oder  W.  gebrauchen.'  1652,  Fischerordn.  AaZ. 
S.  noch  Segenen-G.  —  Wasser-:  fabrikmässig  und 
dick  gesponnenes  Baumwollgarn  Ap.  —  Waten-  s. 
Watte.  —  Ziger-Gärnli:  luftig  gewobenes  Tuch, 
in  welchem  der  ,Ziger'  zum  Vertropfen  aufgehängt 
wird  Uw.  —  Zug-,  Ziech-:  1.  an  einem  Seil  oder 
einer  Stange  an  den  Ufern  (der  Linth,  It  Steinm.  1804) 
hin  und  her  gezogenes  Netz.  ,Zugg.,  wie  es  die  fischer 
brauchend,  everriculum,  funda,  verriculum,  sagena.' 
Mal.  S.  Feimer.  .Wird  die  Kirch  Gottes  im  Evan- 
gelio  recht  vergleichet  einem  Zuggarn,  welches  allerlei 
Fischen,  gut  und  bös,  fasset.'  Helv.  Conf.  1566/1644. 


,Das*  keiner  weder  mit  Ziechgarn,  Streipf-  od.  Schöpf- 
beren,  Gehren  und  andern  Instrumenten  fischen  nit 
solle.'  1607,  AAWett.  Klosterarch.  —  2.  grosses  Netz 
mit  2  Wänden  von  72 — 75  Ellen  Länge,  mit  einem 
Sack  L.  Syn.  iSe-G.  —  Zuck-.  ,Pantheron,  z.,  ist  ein 
Vogelgarn,  das  man  zuezücht.'  Fris.;  Mal.  ,Verri- 
culum,  sagena,  ein  z.  oder  fischergarn.'  Fris.  ,l)ie 
Vögel  werdend  mit  dem  z.  bedeckt'  Vooelb.  1557. 
,Die  wilden  enten  werden  in  den  z-en,  so  zu.sammen 
fallend,  gefangen.'  ebd.  —  Zipfel-:  Art  Fischernetz. 
, Streipf-,  Z.-  oder  ßlüemligavn'  sind  verboten.  1652, 
AaZ.  Fischerordn. 

Garner:  Fischer,  der  mit  einem  Garne  arbeitet. 
,So  vil  der  Häginern  Weiden  [Fischbezirke]  anlangt, 
da  sie  vermeinen,  dass  die  G.  gar  nit  darein  fahren 
sollten,  ist  erkennt,  dass  die  G.  allein  mit  dem  Heg- 
ling-Garn  nit  darin  fahren  sollen.'  1537,  SchwE.  Klo- 
sterarch. ,Die  G.  und  Weidleut  [Fischer],  so  das  Garn 
brauchen.'  ebd.  u.  1757;  1776,  Z  Fischerordn. 

(ver-)garnen  s.  ge-arnen.  er-garnen  s.  er- 
gannen  s.  v.  Kanne. 

Garnille"  s.  Kamille'. 

Garnisönler:  Soldat  der  ehemaligen  Bs  Standes- 
truppen; Stadtsoldat,  Stadtpolizist  Bsf;  s.  Schilter-Gnst. 
„under-gärne":  verunmöglichen  BMeir.- 
Eig.   wohl  mit  dem  Fanggarn  dazwischen    kunimen    oder 
mit  Garu  unterbinden. 

gärni(n):   aus  (Linnen-)  Garn,  allg.;   z.B.  iiiirnia 
Zug,  Leinwand.     S.  Endi  3  Bd  1  317. 
„Garnute°  s.  Karnute'. 

gern,  bezw.  gere",  auch  etwa  ger,  gen  —  Comp. 
gerner  B;  ScHSt;  „Vw";  Sup.  am  gernste".  ebd.;  L: 
1.  vom  menschlichen  Willen,  a)  mit  Lust  Z'  Tod  g., 
für's  Leben  g.  Gl.  Tuesch-es  öppe  nüd  g.?  Uä  nei', 
ies  g'rad  so  tcege'  der  Gerni!  aber  i"''  wiU-d'r's  iez 
doch  z'  G' falle'  tue"  ZF.  Hättisch  g.t  sagt  man  spot- 
tend oder  .scherzend,  wenn  man  Einem  Etw.  vorent- 
hält; vgl.  Hätteli-gern.  Du  muest  na  g.  welle',  Formel 
in  vorwurfsvollem  Tone  zu  Einem,  der  sich  sperrt 
oder  ziert,  ein  Anerbieten  anzunehmen  Z.  !''•  n-^'t  g.! 
ellipt.,  iron.  1)  dass  du  das  tätest  (im  S.  eines  Ver- 
botes). 2)  dass  das  geschehen  wäre  (als  Verwahrung) 
Z.  's  ist  g.  g' schell'  (g' gange")!  Höflichkeitsformel,  mit 
der  man  den  Dank  für  eine  erwiesene  Gefälligkeit 
ablehnt  Z.  I'''  icill  ('s)  g.  g'seh',  bin  gespannt  darauf 
Bs;  Gl;  Z.  I  weit  g.  säge'...,  Formel,  wenn  man 
sich  nicht  getraut,  Etwas  bestimmt  in  Aussicht  zu 
stellen  oder  zu  behaupten  Schw;  Z.  Lieber  als  g., 
nur  zu  g.,  gar  zu  g.  Gr.  I  ha'  miiese"  fast  lieber 
als  g.  z.  B.  drüf  warte',  g.  oder  ungern,  wohl  oder 
übel  GRHe.  G.  ha',  lieben,  von  Sachen  u.  Personen; 
g.  g'seh',  mit  persönl.  Obj.,  verliebt  sein  in  .  . .  ,lch 
g'sich's  von  Herzen  gär.'  Com.  SBeati.  —  b)  absicht- 
lich Aa  ;  BHk. ;  Syn.  mit  Fliss.  I  han  das  [eine  Schä- 
digung, Beleidigung]  nit  gere  g'macht,  Entschuldi- 
gungsforinel.  —  2.  leicht,  oft,  gewöhnlich.  Auch  von 
vernunftlosen  Wesen.  Feiss  Lät  chummed  g.  d'Wasser- 
sucht  über.  De"  Stier  stosst  g.,  ist  stössig.  Die  Chue 
git  g.  Milch,  ist  eine  ertragreiche  Milchkuh.  De 
Baum  treit  g.,  ist  fruchtbar.  De''  Wage'  gät  g.,  mit 
Leichtigkeit,  's  Glas  lät  g.,  ist  leicht  zerbrechlich. 
Nasses  Holz  brünnt  nit  g.  Er  lügt  g.  kann  auch 
hcissen:    er    ist    ein  Gewohnheitslügner,    gerät   leicht 


42? 


Garn — gnrii.    (Jarps— gurpti 


ins  Lügon.  Er  chunnt  g.  z'  spot  [aus  übler  Gewohn- 
heit]. Auch  vom  zufälligen  od.  natürlichen  Geschehen. 
Er  hat  g.  guet  Charte',  hat  Glück  im  Spiel,  's  git  's  g. 
[geschieht  (durch  eine  Art  Verhängniss)  leicht,  oft], 
z.  B.  dass  en  Githals  en  u'hüsUche"  Sw  häd.  Wenn- 
me"  a'  Vltstag  d'  Feister  nffe"  häd,  so  git  's  g.  Flüge'. 
Wenn  's  »'"  '.5  1er  Holz  dunneret,  so  git  's  iw''  g.  e 
Rächi,  pflegt  noch  rauhes  Wetter  zu  folgen.  ,Wenn 
die  Achelen  [Eicheln]  wul  g'rät,  so  kommt  g.  darnach 
ein  grosser  Tod.'  1520/29,  Stockar.  ,Derwegen  die 
grossen  trinker  das  pärlyss  [Paralysis]  so  gern  über- 
kommen.' TiERB.  1563.  ,So  man  die  Bluemen  also 
grüen  in  den  Wein  leget,  so  wirt  derselbig  g.  zu  Essig.' 
JRLandenb.  1608.  .Weilen  dort  alle  4  Windg.  herr.schen.' 
GKöNiG  169.3.  —  3.  (vor  Zahlww.  und  andern  Quan- 
titätsbestiramungen)  wohl,  zum  Wenigsten,  mindestens; 
Synn.  gehand,  sanft.  G.  so  vil,  g.  so  gross,  g.  e  mal 
nie''  u.  ä.  Aa;  Gl;  Gr;  G;  Z.  Die  Sou  ist  g.  3  Zentner, 
wiegt  wenigstens  3  Z.  Die  Ttltsche'  händ  g.  so  vil 
Lüt  verlöre'  wie  d'  Franzose',  ganz  eben  so  viel.  Vo' 
Zürv''  ge'  Basel  ist -es  g.  18  Stund.  Me'  müesst  g. 
100  Auge"  ha",  wenn  Eiw  Alls  wött  g'seh".  Stütz. 
,üer  säum  wyn  galt  g.  12  fl.'  Mal.  1593.  ,Ja  etwan 
2  fl.  g.  Unterscheids.'  1663,  Z  Pfister. 

,Gär'  bei  JosMurer  mehrfach  (neben  ,gärn')  im  Reime 
auf  ,wär".  ,Ich  will  dir  helfen  gären ;  du  möchtest  mynen 
nit  entbären.'  ebd.  1567.  —  Die  direkten  Steigerungsformen 
auch  in  ä.  Spr.:  ,Dest  g-er.'  1343,  Seh  Ratsver.;  1537,  Z. 
.Niement  g-er.'  XIV.,  Sarner  Pred.  .Noch  g-er  glauben.' 
Zschokke  1797.  ,Wem  ers  allerg-est  gebu.'  Anf  XIV., 
LMalt.  ,Wo  die  eidgnossen  sy  allerg-ist  h,ättind,  dahin  wären 
sy  willig  zc  ziehen.'  Friind.  —  Bed.  2  entwickelt  sich  aus  1, 
indem  das,  was  man  gern  tut,  auch  leicht  geht.  .Leicht' 
liegt  auch  der  Bed.   3  zu   Grunde. 

über-gern:  überaus  gern.  .Nun  wollt  ich  dich 
Übergeren  in  dym  vatterland  behalten.'  1554,  ThPlatt. 

un-,  u'-gere'  Gr;  UwE.,  u-gern  ScnStdt,  u>jg(rt' 
AaZ.;  zw.,  utjgij-  Z,  ungpjig  AaZ.,  ür/ge-n  SciiSchl.; 
Z  tw.  —  Comp.  ütjgiTfr,  Sup.  am  ÜDg^-ste"  Z :  1.  mit 
Widerwillen.  F.  ?»a",  nicht  lieben;  übel  nehmen.  Heb 
's  uygen  (unger)  oder  gern!  ScaSchl.;  ZO.  (Stutz). 
Händ  's  nüd  u.,  nehmt  es  nicht  übel.  Verstärkt: 
hunds-u.  Z.  ,Nicht  ungerner  hören  als  Andere.'  Gotth. 
,Weil  ich  nichts  Ungerners  gehabt.'  Ende  XVII.,  Mscr. 
—  2.  mit  Mühe,  nicht  leicht.  Das  Messer  haut  sehiüi''' 
lt.,  schneidet  sehr  schlecht,  ist  stumpf,  's  gät  u.,  die 
Fahrbahn  ist  schlecht.  ,Das  fleisch  lasst  sich  seiner 
feisstin  halb  ungern  derren.'  Tierb.  1563.  ,Dass  der 
Kiefel  etwas  ungerner  heilet  als  aber  die  Backen.' 
WtRZ  1634. 

In  «mjfr  ist  das  Stammw.  zum  blossen  Suffi.x  herabge- 
sunken, daher  dann  auch  der  Uml.  in  den  Steigerungsformen. 

Hätteli-  GBern.;  Th,  Hätti-gerneli  GW.;  ZO., 
Hätt-gernetli  Z Waltal.,  Hätt-si-gere'  Gl  -  n.:  etwas 
Hübsches,  das  man  gerne  hätte  (Vexierw.,  Kdspr.). 
Gewöhnlich  den  Kindern  als  .Marktkram'  versprochen: 
Es  Niiteli  und  es  Drahei'"gängeli,  es  Nieneicägeli  und 
es  H.  Z.  Es  Hätteligern,  es  Wärtelilang  und  es  goldigs 
Nüteli  druf.  Sprww.  1869.  's  git  uf  der  Welt  nit 
luter  H.  ebd.     Vgl.  Ler-hei"-Gängeli  Sp.  347. 

mords-:  Verstärkung  von  ,gern'  ZO..  S. 

nü-,  wunder-:  neugierig  Ap. 

Mhd.  niugern,  dass.;  auch  subst.  Schachzabel b.  Unser 
W.  wahrsch.  nur  präd.  wie  ahd.  gcmi,  got.  gairns,  als  letzter 
Teil  von  zsges.  Adjj. 


ver-nü-gernen :  1.  überdrüssig,  satt  werden. 
,Und  do  sy  an  inen  [ihren  Buhlern]  verneugernet 
hatt.  ist  ir  huorei  entdeckt  worden.-  1530/48,  Ezech. 
(dafür  1667:  ,müed  geworden';  jetzt:  ,hat  sich  ihre 
Seele  von  ihnen  abgewendet).'  ,Es  blaib  och  mer  dann 
7ä  jar  in  der  feder,  dass  ie  mengklichs  vernüwgerneta, 
dass  eben  wenig  daruf  ward  gehalten.'  Sicher  1.531. 
.Exuere  gratiam  novitatis,  verneugernet  werden.'  Fris.; 
Mal.  .Deferbuit  adole.scentia,  die  hitz  oder  geile  der 
Jugend  ist  vergangen  oder  erlegen,  hat  schon  verneu- 
ggret  oder  verzählet.'  Fris.  1556;  1574.  .Verneugernd 
werden,  bald  erleiden,  cito  alqd  fastidiie.'  Denzl.  1677. 
•Man  verneugerndet  bald,  cito  satiatur  cupiditas.'  ebd. 
1716.  —  2.  ,verneugernden,  anfahen  alten.'  Denzl. 
1716.    —    Mhd.  vcrniugemen,  die  Lust  an   Ktw.   verlieren. 

bluet(s)  -  gern :  äusserst  gern  Nnw;  Z.  Syn. 
mnrds-g.  —  wunder-  s.  nü-g. 

gern-lächtig:   gern  ZWäd. 

Gorn,  Gurn  s.  Gön  Sp.  3.30. 

gurnäglen  s.  gur-näglen.  Gurnaueli  s.  Gur- 
Naueli. 

gurniere"  (auch  gorn-):  plagen,  wehe  tun;  ty- 
rannisieren L.  ,Die  Herren  in  der  Stadt  gournieren, 
ihnen  nehmen  Geld  und  Gut.'  1844,  W  bist.  Lied.  — 

Für  ciyonicrcn. 


Gärps,  gärpsen  s.  Gnrps. 
Gerpsen  s.  G'epsen. 
girps(ch)en  s.  gipsen. 

Gorps  (PI.  -Ö-)  AaKu.;  Ar;  BsL.;  BU.;  GrPi-.; 
GStdt;  S,  ,£■-  BD.;  Gr",  Görps  kk;  ApWalz.;  VO.; 
Gl;  Gr;  G;  Th;  Z,  Gei-ps  AABb.;  GO.;  Sch;  THTäg.; 
ZW.,  (?Mr2)sAASee.;GW.;  ZS.,  Glorps'QiL.,  Gröps 
BSa.,  Si.  —  m.:  Eülp.s.  En  G.  (abjlä",  rülTpsen.  De' 
G.  ha',  an  Aufstossen  leiden.  De  stinlce'd  G.,  übel- 
riechendes Aufstossen  Ap;  GSa.  ,Euctus,  ein  gürps 
oder  kopp.  Irructare,  görpsen,  einen  görpsen  oder 
koppen  lassen.'  Fris.;  Mal.  ,Gute  Zeichen  bei  der 
roten  Ruhr  sind  Görbse  und  Bläst  nach  dem  Stuhl- 
gang, weil  das  ein  Gemerk  der  Däuung  i.st.'  Z  Bericht 
1690.  —  Sür-  {-Gürpisi  n..  ÄASt):  .saures  Aufstossen 
der  Speisen.  Siir-gürbsler  nennt  unbeholfen  bei  Stütz 
das  Landmädchen  die  ,Sukkürsler'  [Soldaten  des  ,Suk- 
kurses'],  mit  der  Motivierung:  si  wei-ded  mängstml 
au"''  de"  Surgürbs  übercho".  Vgl.:  .Die  üfstygenden 
dämpf  und  görpsen  sind  sur.'  Euep  1554;  ,Acor,  saurer 
Görpsen  von  verderbtem  magen.'   Denzl.  1677;  1716. 

gorpse",  görpse",  gürpse',  gärpse",  glorpse", 
gropse°:  rülpsen.  Syn.  hoppen,  ropsen.  Dur'''  de' 
Sträl  g.,  sich  erbrechen  AASeet.  Einen  a'g.,  aurülpsen. 
,So  sy  aber  von  fruchten  und  wein  görpsetend,  wichend 
■sy  von  mir  ab.'  1531,  Hosea.  ,Üch  buren  ist  wie  den 
fröschen  im  früeling;  dann  kommend  sy  zuesammen, 
schriend  und  gerbsend:  gwagk,  gwagk.'  Kessl.  ,Der 
magen  wird  verdrüssig  und  unwillend  [Brechreiz 
empfindend]  mit  görpsen  und  ufstossen.-  Etef  1554. 
,So  ein  vych  nit  döuwet,  oft  gürpset,  der  bauch  im 
rauget.'  Tierb.  1563.  ,Diese  Öl  machen  aufstossen  und 
gorbsen.'  JELandenb.  1608.  ,Kopen,  görpsen,  gürpsen, 
grolzen,  geken,  rülpsen,  rülzen,  ructare,  exhalare,  eru- 
gere,  screare.'  Eed.  1662.    ,Euetus,  ein  von  Völle  der 


üaips— gurps.    (Jars- 


arscli 


Garst- 


430 


Speisen  übei-güriisender  Magen.'  JJÜlr.  1727.  .Die 
Gorbsbrünnen  oder  G.-Bäche',  d.  h.  die  periodisch  auf- 
sprudelnden Quellen    bei   GVättis.    JJScheüchz.  1707. 

Orujiaen  scheint  die  älteste  Form  zu  sein;  Tgl.  bair. 
t/ro/tpezen,  nihil,  kropfizen.  In  (flovpsen  ist  l  eingeschoben  wie 
nicht  selten  nach  Gutturalen,  St. 's  k  viell.  als  k  zu  deuten, 
welcher  Laut  eben  in  BO.  und  Gr  häufig  für  anlautendes  </ 
eintritt,.      S.  noch    Gorx. 

Gorpser,  bezw.  -ö-,  -ü-,  -ä-,  Grosser  usw.  —  m. : 
1.  Einer  der  rülpst,  allg.  —  2.  das  Rülpsen.  De"  G. 
ha',  mit  dem  R.  behaftet  sein  GA.  —  Gorpsi,  bezw. 
-ö-  usw.:  1.  lu.  =  Gorpser  1.  allg.  —  2.  „Görpui  n., 
das  Rülpsen  L;  Zo."     Vgl.  Hitzgi. 

Gürpsi,  Gürpschi  s.  Grüpschi. 

görpsle"  gi-:  kopfüber  stürzen,  purzeln,  bes.  in 
den  Compp.  um-,  abe'-g.,  um-,  herabfallen.  Bes.  yon 
Kindern  und  Sachen.  Es  häd  e  Girpslete"  g'ge',  es 
gab  ein  Gepurzel  Obw.  —  Ob  aus  dem  Syn.  hUrzUn  unter 
Anlehnung  an  fjürptien' 


Garsäne",  nur  in  dem  Abzahlsprucli:  Aue,  Gr., 
6'  Türgge",  i  Pfungge",  10  G^gge",  himille,  Inhitpp 
Sciiw;  Zg. 

Gersami  s.  Ge-er-sami  Bd  I  .397. 

(iersau:  (eigentlich  Au  des  Ger)  einstige  kleine  Re- 
publik am  VwSee.  seit  alter  Zeit  ,das  Krähwinkel"  der 
innern  Schweiz,  daher  Gersaiterstücldi,  Schildbürger- 
streiche. Von  den  1482  durch  den  Ritter  von  Hohen- 
burg  geprellten  Zürchern  schreibt  Dieb.  Schilling:  ,Do 
wurdent  sy  erzürnt  und  nit  unbillich,  wann  sy  warend 
wirdig  gewissen,  in  der  von  Gersow  buech  ze  schry- 
ben;'  vgl.  das  .Laienbuch'.  S.  noch  Osenbb.,  N.  kult. 
Bilder,  82  ff.     Vgl.  auch  Hegnau,  Merlingen  u.  a. 

(iürse  Aa;  B.  Gorsche  B,  Gurse  Schw;  SL., 
Gor-,  Garsettli  Z  —  n.:  Corset,  Brustlatz,  Brust- 
tuch der  alten  Frauenkleidung;  modern:  Schnürleib. 
,Ein  Gorsche  mit  Guldkrallen  und  silberig  Kittelhäft.' 
GoTTH.  ,Es  werde  von  seiner  Mutter  schönen  Kitteln 
und  Kappen,  Göllern  und  Gorsen  Nichts  erhalten.' 
N.  B.  Kai.  1843.  Ge't,  wie  g'wendt-er  die  Garbe",  icie 
schlöt-er  s',  a's  wäre"d-si  Sünder;  GasetÜi  leit-er-ne' 
a",  [sie]  müend  selber  no  d'  Mode  mitmache''.  JKdMey. 
1844.     Es  Gorse  wie-n-es  Brett.  Rochh.  18.57,  813. 

Gorse",  Gurse  m. :  Ammer.  ,Emberiza  flava.' 
VoGELB.  1557.  ,In  desse  [der  Emmeritze]  nest  wird 
otwan  auch  der  guggauch  gefunden,  dannenher  das 
sprüchw.  von  einem  undankbaren  menschen:  du  loiiest 
mir  wie  der  guggauch  dem  gorse.'  ebd. 

Gel'^'-Gorst  =  Gorse.  ,Emberiza  flava,  ein  Em- 
merling,  Gilbling,  Gilberschen,  Kornvogel  oder  Gel- 
gorst.' VoGELB.  ,G.,  der  Emraeritz,  passer  spermo- 
logus.'  Mal.     Syn.  GilwerfichJ  Sp.  295. 

Vgl.  die  frz.  Vogelnamen  yot-ge-Jauiw,  fuuyt-ijuryr :  auch 
ijonje  allein  als  Name  einer  Taubenart. 


(iarschine":  weisser  Halmenfuss,  ran.  aconitifolius 
GrL. 

Dieses  als  milchig  gerühmte  Alpenkraut  hat  der  Kresse 
ähnliche  Blätter  und  der  Name  ist  daher  wohl  aus  churw. 
earschün,   Kresse,  herzuleiten. 


Gerschner   s.  Geschner.  Girsch    s.  Gerisch. 

girsche":    mit    den    Zähnen    knirschen    AAWohl. 
S.  das  Syn.  kirse'. 

Gorsch,  görschien  s.  Gösch,  göschlen. 


Garst,  Garstli^g  m.:  Abscheulicher.  Du  wiieste'' 
Garst!  Du,  Garstlig!  z.B.  zu  einem  Kinde,  das  sich 
arg  beschmutzt  hat.  Z.  Syn.  Grüsel.  —  Viell.  bloss  Nbf. 
von   Gast.     Doch  s.   das  Folg. 

Garster  m.:  wüster  Geselle  =  Garst  ZO. 

Viell.  Abi.  aus  dem  vorhergehenden  (vgl.:  Unflui :  Un- 
ßäter)  oder  dann  aus  mhd.  gant,  Unrat,  das  freilich  in  schwz. 
MAA.  nicht  nachweisbar  ist,  es  wäre  denn  obiges  OurHt 
dieses  W. 

Gerste"  f.  allg.,  Girst  1  m.  GRPr.:  1.  wie  nhd. 
Die  erste  Körnerfrucht  des  Jahres.  Uralt  germanisch, 
wohl  einst  auch  bei  uns  zur  Bierbereitung  gebraucht, 
bis  Obst-  und  Weinbau  sich  verbreitet  hatten.  Im 
Flachland  zu  Brot  weniger,  wohl  aber  zu  Suppe  und 
kühlendem  Absud  für  Mensch  und  Vieh  benutzt.  In 
TnBisch.  pflegte  früher  an  einem  bestimmten  Tage 
(Gersten-Tag)  bei  Anfang  der  Ernte  allen  Armen  ohne 
Unterschied  des  Herkommens  und  der  Heimatgemeinde 
ein  kleines  Mass  Gerste  als  Almosen  an  der  Kirchtüre 
zugeteilt  zu  werden  (Pupik.).  Nach  B  Landesbrauch 
musste  die  Mutter  dem  Täufling  3  Gerstenkörner  in 
die  Windeln  binden  (Rochh.).  ,Die  Foggenzer  sollent 
gerecht  guet  Brot  bachen  von  guoteni  kernen  [Dinkel], 
als  dass  si  darunder  weder  roggen  noch  g.  mischen.' 
1417  u.  1448,  Z  Püsterordn.  ,Ngmmend  einen  hafen 
vollen  gersten,  giessend  den  harn  desselbigen  menschen 
darüber;  so  dieselbig  am  10.  tag  uswachset  oder  kymet, 
so  ist  die  person  fruchtbar.'  Ruef  1554.  G.  u.  Roggen 
als  Rivalen.  Roggen:  0  du  tusigi  (rhlinij  G.,  wie 
chunnst  aw''  z'  blärste'  [keuchen] !  Gerste :  0  du  tusigs 
(grosses)  Stagelebei",  i"''  chumme"  doch  na  [noch]  vor 
dir  hei"'  Z.  S.  Gehür  u.  vgl.  Schild  3,  54.  RAA. 
Wei-  G.  säe'  will,  muess  de'  Hüenere"  Nüt  säge"  L. 
Er  trachst  wie-ne  rlfi  G.  [bleibt  stehen  im  Wachstum], 
ebd.  Rwhi  Meitschi  und  arme  Lüte'  G.  sind  glv'' 
[bald]  rif  S.  Also  (item)  sei  's  G.,  worum  hat  si  Hör! 
also  sei  es!  wir  wollen  uns  nicht  länger  dabei  [bei 
einem  streitigen  Wort  oder  Gegenstand]  aufhalten, 
sondern  weiter  gehen  Aa;  Z.  £»""(».  i"  d'  G.  gä' 
(hocke'),  Einem  ins  Gehäge  gehen,  bei  der  Bewerbung 
oder  beim  Kiltgang  Jmdes  Rival  sein  Ar;  GRh.;  ZSth. 
Syn.  i"  d'  Spine'  hocken;  vgl.  Gäu.  .Er  ligt  niemanden 
in  der  G.,  innocuus  jacet.'  Mev.,  Hort.  1692.  ,Ist  die 
Gerst  getröschen?'  ist  schon  Alles  gewonnen,  der  Er- 
folg sicher':'  1444,  Lied.  , Möchtest  auch  etwas  sin, 
so  wäre  die  G.  getröschen.'  Gyrenrüpf.  15'23.  .Wenn 
wir  einanderen  nit  mit  trüweren  gemüeten  gemeinen 
[gesinnt  sein]  wellent,  dann  der  buochstab  [des  Ver- 
trages] begryfen  mag,  so  ist  unser  gerst  bald  dröschen.' 
1529,  Strickl.  G.  stössen,  stampfen,  s.  Sp.  318/9; 
dafür  in  Aa  It  Kurz,  Beitr.  126:  ,G.  rollen':  .A.  Ich 
roll,  ich  roll  ein  G.  B.  Für  wen?  [usw.]';  in  W: 
A.  We"  chunnt  die  G.?  B.  I'  der  Nacht  bim  Mane 
[Mond].  A.  Was  hat  der  da?  K  E  Sack  über  d' A.vle'. 
A.  Was  ist  i'  dem  S.?  B.  E 's  Fischi  G.  A.  Was 
ist  i"  der  G.?  B.  E  's  POr  Schue''.  A.  Was  i.it  i" 
dem  P.  Seh.?    B.  E's  Chhmt.'<cM  Garu  [Knäuel  Garn]. 


Jarst — guist.     Gart— gm- 


432 


A.  11  as  ist  i'  dem  CM.  G.?  B.  E  Nadle".  A.  Wcu 
ist  i"  der  N.?  B.  E'  Gufe'  [Stecknadel].  A.  Was 
ist  i"  der  G.?    B.  E  Flöh.     A.   Was  ist  i"  der  Flöh? 

B.  E  Lüs.  A.  Was  ist  i"  der  Lüs?  B.  E'  Niss. 
Dann  rufen  plötzlich  Beide:  Setz  di'''  nider  und  friss! 

—  2.  Gerstli,  kleines  Vermögen  Bs;  Z.  Bes.  in  der 
Verbindung:  ml"  's  ganz  G.,  meine  g-e  Baarschaft. 
's  Vreneli  hat  a««*  e  nett  G.  i"  sim  FirdiechU  [Schürze] 
fha;  eine  hübsche  Mitgift  Bs  (Breitenst.).  Wenn  i''' 
nvr  mi  's  G.  wider  hätt,   mein   ausgelegtes  Geld   Z. 

—  3.  wildi,  schwärzt  G.  =  Gerisch  Sp.  40-t.  Meister- 
wurz  B. 

Bed.  2  eine  humoristische  Bezeichnung  des  Vermägens, 
da  die  G.  manchenorts  das  einzige  Getreide  des  armen  Mannes 
ist;  vgl.  Chümmi,  Kümmel.     3  durch  lautliche  Anlehnung  an  1. 

Fächer-,  Himmel-,  Jerusalems-,  Cholbe"-, 
Pfaue"-Gerste:  die  Reis-  oder  Bartgerste,  hordeum 
zeocriton  (Durh.). 

Die  viel  längern,  feinen  Grannen  geben  dieser  Art  ein 
stattliches  Aussehen,  daher  einige  der  obigen  Namen.  Zu 
Fächer-   vgl.   frz.   orge  eventail. 

Vogel-:  Fuchsschwanz,  alopecurns  agr.  AABr., 
ein  Unkraut,  welches,  wie  die  Gerste,  zu  den  Gräsern 
gehört. 

Fueter-  (Durh.).  Cherne»-  (B:  L).  Chi.stli- 
(Dnrh.):  zweizeilige  G..  hordeum  di.stichuni.  -  Grün 
als  Viehfutter  verwendet. 

Chost-:  gewöhnliche  G..  welche  von  den  Bauern 
vermittelst  der  .Gersten-Stampti'  enthülst  und  dann 
mit  der  Chost  (Erbssuppe)  als  Graupe  gesotten  und 
geessen  wird  Z.  Syn.  Stampf-G.  —  Chnopf-:  sechs- 
zeilige  G.,  hordeum  hexastichon  (Hegetschw.).  Syn. 
Roll-G.  (s.  auch  Brettli-G.)  und  wahrsch.  Summer-G., 
weil  sie  erst  im  Frühling  gesäet  wird  und  im  Spät- 
sommer reift,  während  die  Winter-G.  im  Herbste  ge- 
säet wird  (also  überwintert)  und  im  Frühsommer  reift. 
„Mutti- AaF.;  L,  Mütsch-G:  G.  ohne  Grannen." 
Vgl.  Mutti-Korn.  —  Der  1.  Bestandteil  des  W.  bezeichnet 
das  Stumpfe. 

Püre°-:  gewöhnliche,  von  den  Bauern  gepflanzte 
G..  im  Unterschied  zur  Ulmergerste  Z. 

„Brettli-:  zweizeilige  G.,  hord.  distich.  B."  Syn. 
Fueter-G.  —  Wie  nhd.  .Plattgerste',  frz.  orge  plate,  von  den 
flachen  Ähren  so  benannt,  im  Gegs.  zur  Knopfgerste. 

Roll-:  sechszeilige  G.  L.  -  Deutet  wie  das  Syn. 
Knopf-G.  auf  die  dicken,  kurzen  Ähren  dieser  Species. 

Summer-:  hordeum  vulg.  U;  Z.  —  S.  auch  noch 
Knopf-G. 

„Stock-:  mehr  als  zweizeilige,  nämlich  vier-  oder 
sechszeilige  G.,  eig.  kegelförmige  [stockige]  G.  im 
Gegs.  zur  Zil-G.  LE."   -   S.  die  Anm.  zu  RoU-G. 

Stampf-:  =  Äbs«-G.  L;  Z.  -  S.  auch  Gerste'-Stampfi. 
Tob-:    Lolch,    lolium    temulentum.    Dürh.     Syn. 
Trümmel,  Schwindel-Haber,  -Weisse". 

■Vgl.  nhd.  ,T8berich'  und  .Taubkorn'.  Die  Benennung 
nach  verschiedenen  Getreidearten  viell.  je  nach  dem  Standort 
dieser  giftigen  Grasart  in  einer  derselben. 

Zil-:  zweizeilige  G.  im  Gegs.  zur  Stock-G.  L. 
gerste":  1.  Gerste  .säen  Sch.  —  2.  Etw.  in  klein- 
licher Weise  ausspionieren  Z,  auch  er-  (Z).  üs-  (ScnSt.). 

—    Zu   2   vgl.   er-hernk", 

„Gerstere"  f.:  mit  Gerste  bepflanztes  Land." 


Girst  II  111. :  niililc  Bezeii'linuiig  eine.s  Geizhalse.s 
GrL.  —  Kaum  zu  Girni  I.  aber  viel),  zu  inhd.  gimclirn, 
gierig  sein  nach  Etwas. 

girsti":  aus  Gerste.  z.B.  r/irstis  Brot  Gr.  .Nützit 
anders,  dan  girste  brot'  Vad. 


Gart  I  —  PI.  Gärt  —  m.:  1.  lange  (Hasel)rute,  vorn 
mit  Eisenstift  od.  sonst  zugespitzt,  womit  man  früher 
die  Ochsen  antrieb  GRUVatz;  „LG.;"  ZU.  (noch  vor 
c.  20  Jahren).  En  G.,  e  Geissle  nebet  dra',  und  färed 
mit  uf  d'  Brach.  Stütz.  ,Das  (fronwisen  höw)  soll 
Ötenbachs  guot  mennen,  wenn  es  im  geladen  wirt, 
und  soll  man  im  den  g.  dar  stützen  und  gent  aber 
gemeinlich  den  wagen.'  c.  1350,  Z  Stifts-Urb.  ,Duo 
sluog  er  mit  dem  g.  dar  und  sluog  des  herren  knecht 
ein  finger  enzwci.'  Weisses  Buch.  .Stimulus,  ein  gart, 
.Stachel,  stupfruet,  ein  gart  <lamit  man  die  ochsen  im 
pfluog  niennt.  Contumaces  boves,  stcttig  oder  wider- 
spennig  ochsen,  die  nützid  umb  den  g.  gebend.  In- 
citamentum,  anreizung,  trib,  stupf,  g.'  Fris.;  Mal. 
.Arnold  von  Melchtal  nam  sineu  Stecken  oder  Gard, 
damit  er  die  Ochsen  treib.'  JJRüeijer  1(506.  ,Dasselb 
Rind  und  das  Schwyn  band  die  Freiheit,  wo  sy  Einer 
findet  an  synem  Schaden,  der  soll  syn  G.  in  syn  Hand 
nenien  und  soll  es  damit  bescheidenlich  uss  dem  Synen 
tryben.'  1609.  ZKloten,  Offn.  S.  noch  ScJiorr-Isen 
Bd  1  544.  In  der  alten  Schule  (etwa  mit  Stift,  Stüpfer, 
versehene)  Zuchtrute  ZO.  —  2.  ehemals  auch  der  lange 
Stab,  den  die  ,E-Gaumer'  in  der  Kirche  gebrauchten, 
um  Störungen  des  Gottesdienstes  zu  ahnden  ZWald. 
—  Mhd.  gari,  Stachel,  Treibstecken;  vwdt  mit  ,Gerte'. 
0  c  h  s  e  n  -  =  Gart  1  GRMalans. 
Isen-:  =  Is-Vogel  Bd  I  693.  ,Der  eisvogel,  so 
auch  eisengart  genannt'  Vogelb.  1557. 

Wenn  das  W.  übh.  hieher  gehört,  deutet  es  wohl  auf 
den  spitzen  und  harten  Schnabel  des  Vogels. 

Beb-.  .Tradux,  ein  r.  von  einem  bäum  auf  den 
anderen  darnebend  gezüchtet,  möcht  man  wol  nennen 
einen  Überschützling.'  Fris.  —  .Stupf-gard,  inci- 
tabuluni,  Stimulus.'  Mal.  —  Stier-:  =  Ochsen-G. 
.Wegen  Schweren  durch  die  Wächter  mit  einem  Stier- 
gard  gestrichen  worden.'  1709,  Ap  LB. 

„er-gartere:  tüchtig  abprügeln.  mit  Schärfe  be- 
handeln ScHwTugg."  —  Frequentativbildung  wahrsch.  mit 
Anlehnung  an   das  syn.   er-galteren.      Vgl.   ab-gerllen. 

Gart  11  f.:  das  Herumziehen  dienstloser  Lands- 
knechte. ,Die  Landsknecht,  wann  man  si  bsöldete 
und  bezalte.  wie  man  sollt,  wurdend  vil  dester  minder 
rouben  und  stelen  und  uf  der  Gart  umbher  zühen.' 
JJBvEGER  1606.  -  Nach  Gr.  WB.  IV  1,  1,  1:382  ff.  von 
frz.  giirde;  doch  s.  auch   Schm.-Fr.   !I40. 

an-gartle"   (an-):    fechten   ThFt.   -   Von  dem  frz. 
Fechterrufe  en  garde! 
Gart  m  s.  Garten. 

Gartel  n.:  Anteil  eines  Bürgers  am  Wald  der  Ge- 
meinde ZMdf.  Syn.  Gerechtigkeit.  ,Ein  halb  G.  Holz 
im  Gemeindholz.'"  1818,  Z  (Kanzleispr.).  S.  Gerter  III. 
Garte",  in  Gr  ObS.  -aw  -  m.:  1.  wie  nhd.  allg. 
RAA.  Vil  Hag  und  wenig  G.  Z.  3Iiisli  (Bibeli),  was 
tuest-mer  im   G.  (GäHli)?    Name    und  Anfang   eines 


433 


(iart,  s^urt.  trii-t.  pi 


434 


Spiels,  bei  welchem  ein  Kind  das  Mäuschen  (Hühn- 
chen), ein  anderes  den  Gärtner  vorstellt,  die  übrigen 
einen  Kreis  bilden,  in  welchem  das  Erstere  kauert; 
es  antwortet:  !''•  büse'  dem  Herre'  e  chlv  Chrut  ab 
(e  Bitzeli,  B.  Chrut  abbicke'J;  darauf  der  Gärtner:  Wcts 
seist,  icenn  rfe"'  GartCma"  (Salzma'"J  chunnt?  Ant- 
wort: Chömm-er,  de'  Lumpenhund!  worauf  Jenes  vom 
Gärtner  verfolgt,  von  dem  Kreise  aber  möglichst  ge- 
schützt wird.  Syn.  Biber-GärtU.  Ei"m  im  G.  wachse', 
vom  Schicksal  zu  Teil  werden,  immer  von  unange- 
nehmen Erfahrungen,  Leid,  Sehaden,  Reue,  oft  von 
verdienter  Strafe,  aber  ohne  subst.  Subj.  Was  mer 
med  gern  häd,  das  wachst  Eim  im  G.  ÄABb.  ,Und 
das  Zahlen  werde  ihm  im  Gärtlein  wachsen,  sagen 
die,  welche  die  Verhältnisse  kennen.'  Sch  Pilger  1883. 
,Sag  Pilato,  was  z'  erwarten,  was  ihm  wachsen  werd' 
im  G.,  wann  er  dises  schlage  aus.'  JCWeissenb.  1679. 
.Mein  Sohn,  der  wollt  sich  widersetzen,  tat  totlich 
seinen  Knecht  verletzen,  ist  jetz  flüchtig,  ich  rauss 
erwarten,  was  mir  daraus  auch  wachs  im  G.'  ebd. 
17(il/'2.  Dann  auch  mit  Acc.  i'w.  Es  wachst  Chindren 
Niit  so  i  'n  G.  wie  das,  wie  si  si'''  gegen  den  Eltren 
nffüeren  BPi.  Ei"m  en  Stei"  (es  Steinli  Gr)  i'n  G. 
werfe"  {rüere"  Aa;  L):  1)  Einem  ein  Leid  antun, 
Schaden  zufügen,  sich  rächen  Aa;  BHk.  —  2)  im 
freundlichen  S.,  ironisch  scherzend:  Einem  eine  Ge- 
fälligkeit erweisen,  ein  Geschenk  machen,  bes.  als 
Gegendienst  Aa;  Gr;  L;  G;  Sulger;  Z.  Syn.  en  Has 
i"  d'  Chitchi  schidce".  —  2.  mit  Zaun,  Hag,  Weiden- 
geflecht  eingefangener  Platz,  auch  im  offenen  Felde, 
worin  man  Flachs,  Hanf,  Kartoffeln  zieht,  wodurch  er 
sich  von  Ackerland  unterscheidet,  Pflanzland  Uw;  U; 
W.  Das  in  unmittelbarer  Nähe  der  Wüh)iungen  ge- 
legene, eingezäunte  und  besser  gedüngte  (Wies-)  Land 
TiiKom.  Syn.  Pünt;  Gegs.  Feld.  NcbeH  dem  G.  grase", 
einen  zweiten  Liebhaber  haben  SciiwMa.  Von  Wein- 
reben: ,Wein  aus  dem  eignen  g.'  G  Hdschr.  Vgl. 
Win-G.  Einem  Privaten  ausnahmsweise  eingeräumtes 
Pfianzland  auf  der  Allmend  (daher  auch  ,Allmend- 
gärten.'  1837,  Übw);  s.  d.  Bd  I  190.  ,I)ass  einer 
mag  machen  uf  der  allmend  einen  g.  sibend  klafter 
wyt . . .  und  er  und  syn  kind  das  mugend  han  (so  lang 
sie  wollen;  nachher  soll  der  g.  den  kilchgenossen 
wider  kert  werden).'  1436,  ScnwGers.  (Blumer,  EG. 
II  '  1,  362).  Von  Gärten  ausserhalb  der  Stadt,  mit 
Wirtschaft:  ,Noch  auch  anderstwohin  für  die  Statt 
in  die  Gärten  oder  andere  Hüser  zum  Wyn  gähn.'  Z 
jMand.  1650.  Als  Flurn.:  G.,  ein  Hof  ZZell,  wo  auch 
das  Garten-Tobel,  im  Gart  ZWald.  GärtU  Z  NHasli, 
G.,  Alp  in  Ar,  auch  Gross-G.  Dazu  die  Zssen:  Adler- 
USchadd. ;  Irr-,  eig.  Übersetzung  von  , Labyrinth'. 
Name  eines  Hauses  in  Z;  Fenk  [Fenchel]-  ZWied.; 
Vrenelis-Gärtli  s.  Bd  I  917;  Gugel-G.  SciiMer.; 
Hirs-  ZGossau;  Hirse"-  1291,  Sch  Urk.;  Hase"- 
SciiTras.  (vgl.  if.-Weid);  Cheib-.  Wiese,  wo  früher 
Aas  verscharrt  wurde  SThierst.;  Chalber-  ScnBegg.; 
Chünneli  [Kaninchen]-,  Hausn.  Z;  Le  (Hügel '?  Le- 
hen'-']- c.  lüOO.ScHwTugg.;  Mörder-Gärtli  ScnBegg., 
Beerdigungsplatz  für  Selbstmörder,  vgl.  M.-Grueb; 
Bü-  ZHombr. ;  in  der  Stadt  früher  Lokal  einer  Gesell- 
schaft; Bäs-  ScnBegg.;  Brueder-  ZWetz.,  ein  Acker, 
jetzt  mitten  in  Wald,  wo  früher  ein  Waldbruderhaus 
gestanden  haben  soll  (vgl.  Schtcestern-Bungert) ;  z  e  n 
Raf-  WSaas;  Stuben-  ZRheinau;  Stier-Gärtli 
ScHMeri.sh.;  Tauf-G.  ScuNnk.;  Dill-Gärtli  ZLeimb. 


[von  einer  in  Gärten  gezogenen  Pflanze];  Dcsch-G. 
1589,  TnArbon;  Widen-  SciiBcgg.;  Wald- Sciiwlb.; 
Wolf-  GWa.    —    Mhd.  <iurU\  selten  ijurt. 

Allmend-  s.  Garten  2.  —  Ämel-:  mit  Sauer- 
kirschbäumen besetzter  Baumgarten  (s.  Bd  I  214)? 
, Einen  ämel-  und  boumgarten  vor  der  brugg  zu  [Schloss  | 
Griessenberg.'  1474,  Z  Urk.  —  Frön-:  einem  Herrn, 
bes.  einer  geistlichen  Herrschaft  gehörender  G.  11()4. 
ZRheinau;  ebd.  auch  .Fronwyngarten',  der  dortigen 
Abtei  gehörig.  ,A.  1418  was  der  gart  (zu  StGallen), 
den  man  nennt  froTigart,  ein  ussligend  guot  wie  ein 
gemein  merk  [Allmend],  in  welchem  etlich  burger 
kleine  krutbettle  ufgeworfen  hattend.'  Vad. 

Heim-  Heingart  GrAv..  HeHgi-jtBW\.\  Gn(-yg-); 
G;  W,  Henggert(k)  ZUhw.,  Bn,n',f,nrtrr'i  Sei.;  ZWyl. 
Hogarte"  Th  —  m.,  „auch  llnininir,  Ihmgerte  B; 
Sch;  W,  Hängete  Z  —  f.":  1.  (n's.'l|,,li;Ltt.  Zusammen- 
kunft Gr;  PGr.;  W.  a)  von  Nachbarn  und  Freunden 
ausserhalb  des  eigenen  Hauses,  im  Sommer  auf  Bän- 
ken vor  demselben  oder  auf  öff^entlichem  Platz  unter 
Bäumen,  an  Feiertagen  oder  am  Feierabend,  zu  blosser 
geselliger  Unterhaltung  mit  Gespräch  oder  auch  zur 
Arbeit;  Syn.  Abendsitz.  Im  H.  si"  Sch.  ,ln  den  Han- 
garten sitzen,  z'  H.  sin.'  Sulger.  ,Nachbarn,  welche 
im  Hangarten  sassen  und  die  Zeitung  lasen.'  ZWthur 
1833.  ,Diese  Versammlungen  der  Frauen  auf  der 
Hausbank  erhielten  den  Namen  Hängeten,  welches  W. 
sich  bis  zur  Stunde  in  unserer  Spracln'  i'ilhilt.'ii  hat.' 
ZWthur  (Troll).  P"  gan  nit  gern  diir'-  ,/'  r,i,l,ysl,u}t 
wege"  dene"  vilc"  Hangärte'  Scn.  Die  Mvilli  gimd 
SU  's  Xorlihfrs  :''  II.  Sch.  Am  Abed  [des  Neujahrs- 
tages |  /((///(/  ili/'  (r'irachsne'  en  Hengert  GfiPeist.  In 
d'  Wni-lsihliKsiliir  und  z' Hengert  ist  sus  nie  mi  Sach 
(/'slM  GrD.  (Schwzd.).  Geselliges  Gespräch  übh.  Händ- 
er e"  H.  z'sämme?  GnChur;  W.  Sid-er  im  H.?  Gruss 
an  beisammen  Stehende  oder  Sitzende  W.  Syn.  Dorf. 
Besuch  Gr;  bei  Tage  Sch;  W;  z'  H.  gä"  fchO"),  Abends 
nach  vollbrachtem  Tagewerk  W;  auf  Besuch  zum 
Plaudern  Gr;  Sch;  W;  ZWyl.  Syn.  Stubete.  Ehmols 
sind  liebi  Vetterlüt  z'  Hangarte  mit  de"  Chinde  cho', 
me'  hat  erzält  us  alter  Zit,  g'spasset,  g'sunge"  Sch. 
S.  noch  Gommer  Sp.  314.  ,Wo  der  weibel  den  hessfal 
ninipt,  so  soll  er  nüntz  [Nichts]  nemmen,  dann  das 
gewer  und  die  gürtelgewand,  als  er  [der  Verstorbene] 
ze  hochzytlichen  [festlichen]  tagen  zue  kilchen  und 
hangarten  gat.'  Oifn.  THS\ilgpii.  ,Gat  aber  ein  fron 
ab,  von  der  wirt  eiiirm  Ihn,'  ji  liest  gewand,  als  sy 
am  sunntag  zer  kirchm  nihl  vr  li:;ingarten  gat..'  1521, 
Ottn.  TirGottl.  —  bl  .\ln.n,lun's..|l„liiift  junger  Leute 
beider  llr.rlib.rhtcr.    ;;»-/„"  „h.I  Mr,Hi  .ir.r",!  ;'  //„»- 

und  Tiiiikon,  wnzu  beidr  T.ür  bcitnig.'ii  (ii.-.  .Ilm- 
gert,  Herr!  bedeutet  Reigen,  Ball  und  Sprung  und 
Fussgezappel  in  der  Sprache  der  Grisonen.'  CFMey. 
1882.  Und  wenn  »ij"  sehen  [man  dessen,  eines  Liebes- 
verhältnisses mit  eini'iM  .\la.lrlirii|  sa  ril  ciilc/ilti')/ 
muoss,  will  i'''  z' liehst  |ain  li.h.t.'ii  |  l,;li<i  sm.  iiiil 
andren  Maidjen  Hen gart  lum.  lum  frisrhcu  und  rjinrlnt 
Win  GrL.  .Ledig  sein  und  ledig  bleiben,  z' Hungert 
gehn  und  doch  nit  weihen.'  Si'rww.  18'24.  Verbotene 
nächtliche  Zskunft  zu  Spiel  und  Tanz  BSi.  Syn. 
Wald-Stubeten.  ,Pfyfen  und  tanzen  und  ze  heinigarten 
gan.'  XIV./XV.,  Maro.v.Lind.  ,Gebott  und  verbott  uf 
hanngarten,  tenzen  und  andern  Versammlungen.'  11. "^3. 
Zei.lw.,  Urk.  —  c)  nächtlicher  Besuch  eines  Burschen 


435 


Gart  gert,  girt.  gort,  gurt 


436 


bei  einem  Mädcheu  Gr;  W.  /'*  luin  welle"  zu  Sand- 
loris  Stini  z'  Hengert  GrPv.  Liebesverhältniss  und 
-Verkehr  dieser  Art.  Er  het  e"  H.  mit-ere  [einer] 
Fremde"  Gr.  Syn.  Kilt  (s.  d.).  —  2.  Ort  der  Zskunft. 
a)  i.  S.  V.  1  a:  Platz  unter  Linden  od.  andern  Bäumen, 
wo  die  Bekannten  am  Sonntag  auf  Bänken  zssassen 
TuAmrisw.  Belustigungsplatz  G  uT.,  We.  Wenn  d'r 
Pfarer  uf-em  Hingert  am  Obnt  bi  üser-eim  stö  blibt 
[so  nehmen  seine  Amtsbrüder  ein  Ärgerniss  daran] 
GRMaienf.  ,Compitum  est  locus  ubi  rustici  diebus 
festivis  eonveniunt  adjocandum,  vulgariter,  heingarte.' 
Reichenau.  Gloss.  ,Die  hofreiti  umb  das  hus  [des 
Bads  .zuo  der  heiigen  buochen']  soll  fry  syn  als  ein 
fryer  hängart,  dass  menklich  da  soll  und  mag  springen, 
loufen,  stein  stossen,  schiessen  und  ander  bescheiden 
muetwillen  tryben,  als  dann  landläufig  ist'  1465,  G 
üUtzw.  —  b)  i.  S.  V.  1  b  u.  c.  üf  de'  HenggeH  gä', 
auf  den  Sammelplatz  der  jungen  Bursche,  von  wo  sie 
ihre  nächtlichen  Besuche  bei  Mädchen  unternehmen 
ZUhw.  —  c)  ein  solcher  Dorfplatz  als  Gerichtsstätte. 
.Urteil  zühen  gon  Hedingen  zue  dem  heingarten.'  Üifn. 
ZBorsikon.  —  d)  Orts-  und  Flurn.:  Hengert  GBuchs; 
Hangarten  ScuHa.;  Hengerten  Z Hütten;  im  Hang- 
garten, Teil  von  ZSth.;  in  Hängerten  ZWein.  ,Kuedi 
am  Heingarten'  heisst  auch  ,Heingarter.'  1437,  Obw. 
,M.  Schible,  gen.  Heinigarter.'  1(353.  AAWett.  Kloster- 
arch. ;  vgl.  die  jetzigen  Familienn.:  Hangartner  Z, 
Hängärtner  B.  —  Dazu  das  Vb.  hävirte"  W;  ZSth., 
hagere'  Gr.  Und  hievon  weiter  das  Subst.  Hay- 
gartner,  Besucher  Scii.  —  Kefen-:  Gesellschaft 
zur  gemeinschaftlii  In  11  Kiitbülsung  der  Bohnen  GkD. 
—  Liecht-:  Al.ni.l-,  „lUrhaft  bei  Licht,  als  Gegs. 
zu  einer  bei  'l'airf  ^nitilnnlonden  Gr;  Syn.  Liecht- 
Stubete.  Dazu  d;is  VI).  I.-Inttjere"  GrD.  —  Nacht-: 
Nachtbesuch  bei  einem  Mädchen  oder  bei  einer  Mäd- 
chengesellschaft GnPr.;  Kiltgang,  wegen  der  dabei 
oft  vorkommenden  Schlägereien  mit  Nebenbuhlern 
polizeilich  verboten  GrD.  —  Blätz-:  gesellige  Zu- 
sammenkunft (jetzt  Ball),  bei  welcher  die  jungen 
Bursche  von  den  Mädchen  den  ,Schlitt-Bletz',  d.  i.  ein 
meist  in  einem  Kleidungsstück  bestehendes  Gegen- 
geschenk für  die  Bewirtung  der  Mädchen  bei  einer 
vorausgegangenen  Schlittenfahrt  in  Empfang  nehmen 
GrD.  —  Schleiz-:  Abend,  an  dem  in  Gesellschaft 
und  mit  Hülfe  von  freunden  und  Nachbarn  unter 
allerlei  Kurzweil  Hanf  abgezogen  (,geschleizt')  wird 
GRFurn,  He.  —  Spinn-:  gesellschaftlicher  Spinn- 
abend, Spinustube  Gr. 

Die  m-sprüiigliche  Form  nur  in  ä.  Ortsii.-Furuien;  n  aus 
»1  schon  früh  und  später  allg.  (vgl.  Heinrich);  der  Übergang 
von  et  in  e  bezw.  «  (.haugarten'  auch  iirkundl.  1483)  richtet 
sich  nach  örtlichen  Lautgesetzen.  Das  2.  W.  nun  meist  zum 
blossen  Abl.-Suff.  (-%rl)  lieruntergesunken  und  dann  z.  T.  mit 
der  Endung  -i(>.'  verwechselt.  —  Die  Griindbed.  war  wohl: 
,abgegräuzter  Raum  innerhalb  mehrerer  Heimstätten'.  Für 
den  Übergang  dieser  örtlichen  Grundbed.  in  die  später  vor- 
herrschende abstractere  von  1  ist  bes.  Dorf  zu  vgl.,  dessen 
Bed.  sich  viell.  in  umgek.  Richtung  entwickelte. 

Henne"-Garte'':  Hühnerhof  G  OUtzw.  —  Hanf- 
Hauf-:  s.  Garten  3.  Syn.  Hanf-Land,  -Bunt.  ,Es 
•sollen  keine  Hanfgarten  mehr  auf  der  Albuent  ausser 
den  gemachten  4  Einfängen  weggegeben  noch  aus- 
gezeichnet werden.'  17'24,  U.  Auch  Flur-  und  Ortsn. 
B;  L;  Tu;  ÜBW;  Z.  .Küesch  [Rudolf]  Hanfgarter.' 
153'2,  ZGrün. 


Har-:  Flachsfeld  Ai>K.;  auch  Flurn.  Arl.;  Har- 
gartenzelg  in  ZWein.   —   Mhd.  /m/,  Flachs. 

Herren -Gärtli:  ehemals  Gesellschaftslokal  der 
ScH  Geistlichkeit  (Heren).  .Heren -Garten.'  Flurn. 
ScHuHa.  —  Hüs-G.:  G.  in  unmittelbarer  Nähe  des 
Hauses.  ,Kein  hindersäss  soll  mehr  eigner  güeter 
kaufen,  dann  ein  hus  und  einen  h.,  wie  von  alter  har.' 
1607.  U.  —  Chabis-:  Kohl-G.  We"  's  d'r  Geiss 
z' wol  ist,  so  springt  si  us-em  Ch.-G.  BoSi.  —  Köl-: 
Kohl-G.  ,Was  jedermann  in  dein  fridhag  hat,  soll 
einem  als  wol  behuet  [behütet  sein],  als  hätt  er's  in 
synem  k.'  1469,  TnAad.  ,Es  soll  auch  ein  Weingarten 
ihm  selbs  frid  geben  und  ein  k.'  LWellh.  Offn. 
.Egyptenland,  da  du  deinen  somen  säjest  und  wässerest 
es,  wie  einen  k.'  1531/1667,  5.  Mos.  —  Kilche»-: 
Friedhof  Z Wangen  (Amts.spr.).  Vgl.  Bosen-G.  — 
Kürbs-:  Kürbis-G.  .Cucumarius,  kürbsgart.'  Ebing. 
1438.  —  Chrut-:  Gemüse-G.  Tu  (-«-);  Z;  auch  klei- 
nere, z.  T.  mit  Bäumen  besetzte  Wiese  beim  Hause, 
aus  welcher  Grünfutter  geholt  wird  Tu.  Nach  Gr. 
VfB.  IV  1,  1.  1.395  galt  auch  in  der  Schweiz  im  Auf. 
XIV.  die  Einteilung  des  Gartenlandes  in  Kraut-,  Banm- 
und  Weingarten,  ,0b  sich  in  0.  kein  geeigneter  Platz 
zu  einem  Kr.  befinde,  der  dem  Prädikanten  könnte 
angewiesen  werden.'  1573,  Abscu.  ,Deni  N.  ist  erlaubt, 
ein  krutgärtli  in  der  Wetti  ufzebrechen,  und  nach 
synem  tod  soll  es  wider  allmend  syn  wie  vor.'  1599, 
Obw.  ,Der  Winterweg  darf  gebraucht  werden,  es  seie 
durch  Kraut-G.,  durch  zween  oder  dreifachen  Hag.' 
16-20,  SenwE.  Klosterarch.  S.  noch  befriden  Bd  I  1284. 
Auch  Name  eines  Grundstückes  im  Schanzengebiet  der 
Stadt  Z,  seit  der  Pestzeit  1611,  mit  Beibehaltung  des 
Namens,  Begräbnissstättc.  —  Chrüz-:  Gartenanlage 
inmitten  eines  Kreuzganges,  im  Laufe  der  Zeit  etwa 
zu  einer  Begräbnissstätte  umgewandelt;  so  beim  Gross- 
und (-Gärtli)  beim  Frauraünster  Z.  —  Zue-lueg-: 
volkstümlich  scherzh.  Umdeutung  von  , zoologischer 
G.'  Bs.  —  Maie»-:  Blumen-G.  allg.  —  ,Mues-:  Ge- 
müse-G. L."  —  Biber-Gärtli.  B.-gärtle'  heisst  in 
Ap  das  unter  G.  1  beschriebene  Spiel.  A  fragt:  Was 
tuest  im  B.?  B  antwortet:  Biberli  [Pfetferkuchen] 
esse".  A :  Wenn  aber  die  bös  Chatz  chonnt  ond  nennt- 
d'r-sch  [nimmt  dir  sie]V  B:  Si  mos  [soll]  ebe"  cho'. 
S.  noch  T.  50  b. 

Baum-  SNA.;  ZS.,  Baug.-(r)t 'LO..  .Bäugert  Gr^, 
Bumgart  ÄAWohl.,  Bommgarle  ZStli.  (auch  Born-), 
Bongart  GRLandq.;  GBuchs,  We.,  -gp-t  Gr;  GWa., 
Buygart  AaL.,  Bungarte  Wolf,  Gespr.,  Bangert  Aa; 
Scu  (auch  P-);  Z  (-art  Kn.),  Bung^/rHe  TuHw.;  ZA., 
Bangert  BS.,  Bängrrte  BsL..  Bummert  AaZ.;  ArK. ; 
GT.;  Z.  BommertAv;  GO.,Rh.;  ZWatt^P-;.  Baukx-;(r)t 
ZBauma  —  P 1.  Bommgärte"  ZSth.,  Büngert  AABb., 
Bongert,  Bengert  GnVal.  —  ni.:  eine  hauptsächlich 
zum  Obstbau  benutzte  Wiese,  welche  meist  in  der 
Nähe  des  Hauses  sich  befindet.  Syn.  Bauin-Schuel, 
Hof- Statt,  Hüs-Wisen.  I"  de'  Büngerte'  's  Laub 
z'sämme"  reche'  AABb.  Kindische  Frage  und  Keim: 
Hast  Hunger?  s;  schlüf  in  e  Bungert!  Gr  (Tsch.). 
,Dü  hofstatt  und  der  boungarten.'  1315,  ZZoU.  ,Des 
bischofes  hofe  mit  den  bonngarten,  rebgarten,  hüseren.' 
1401,  Bs  Urk.  ,Die  bomgarten.  ackern  und  wisen.' 
1423,  Th  (Pupik.).  ,Ort  mit  fruchtbaren  bounien  ge- 
pflanzet, ein  baumgart  (-en).  arboretum.'  Mal.  In  S 
war   der    B.   des   Barfüsserklosters   der   Ort,    wo   die 


437 


Gart,  s^i'it.  tcirt,  gort,  gurt 


Bürgerschaft  sich  zur  Wahl  ihrer  Vorsteher 
Hielte;  daher  B.  fast  identisch  mit  Bürgerversanim- 
luiig:  .Welicher  burger  werden  will,  der  soll  geben 
10  fl.  und  in  5  jaren  nit  in  b.  gon.'  1513,  SWochenbl. 
is-ir,,  167;  vgl.  noch  obd.  170. 

Die  liisf  iliii  i  hu.  In  II  i.  \lisi;hwäcliung  des  «  im  2.  W. 
(das  sogar  zu    .,  i,.    :   ii   wird)   wie  bei  /Mm-,   Win-G.; 

in  allen  :'.  \.i.  .  n  i  Auslaut  des  1.  W.  mit  dem 
folgenden  y  zu  f,.  iM^  tl'i.  List  durchgehende  Reductinn  des 
IMphthongs  im  1.  VV.  erklärt  sich  z.  T.  aus  entsprechender 
Ausspr.  auch  des  einfachen  W.  in  den  betr.  Localdialecten 
(vgl.  den  Ortsn.  Bonstettcn,  gespr.  bau-,  aus  Baum-;  übr. 
Iionyart  schon  ahd.);  doch  gilt  dies  nicht  von  a,  welches  in 
diesem  Fall  aus  o  erhellt  sein  muss,  viell.  mit  Anlehnung 
an  ,Bann'  i.  S.  v.  verbotener,  gehegter  Bezirk  (Bangert  auch 
hess.).  Der  Übergang  von  ausl.  m  in  n  ist  schon  in  der 
ä.  Spr.  häufig;  auffallend  ist  dagegen  die  Assimilation  von 
iig  zu  mm,  uoch  auffallender  Bauk/ert,  wo  der  Änl.  des  2.  W. 
verhärtet  worden  sein  und  dann  das  m  unterdrückt  haben 
muss.  Freilich  konnte  m  übh.  schwinden,  nachdem  es  vorerst 
zu  II  geworden  war.  Die  Schreibung  ,Buntgarte',  1790, 
AaKirchd.,  ist  wohl  nur  eine  Entstellung  oder  falsche  Aus- 
deutung. —  Das  W.  auch  als  Orts-  u.  Flurn. :  Baum-Gartt'', 
Alp  Gl;  i"  de'  Bunijerlt"  ZTurb.;  Bangerte'  (,villa  Bongarten.' 
1263;  ,Boum-'  1279;  ,Ban-'  1352)  BMessen;  Schwoata- 
Bumjert,  Wiese  ZSchwam.,  wo  früher  ein  Haus  von  Fran- 
ziskanerinnen stand.  Davon  der  Geschln.  ,Baumgartner'  B; 
(!1:  G,  ,PBaumgarter.'  1486,  B,  ,Bangerter'  S  (verschieden 
von  dem  modernen  Appell.   ,B.-Gärtner'). 

Band-:  Pflanzung  von  Bandstöcken,  d.  i.  Sal- 
weiden. ,Kriit-,  bom-  ald  b.-g.'  G  Hdschr.  .Die  b.-g. 
hacken  und  düngen  als  die  reben.'  ebd.  .Mit  torggel 
[Kelter]  und  ban-g.'  ebd.  ,Eine  hofstatt  zue  Gossau 
mit  dien  egerdeji,  mit  bändergarten,  mit  steg,  mit  weg.' 
V'<.>'.K  Z  Staatsarch. 

Eine  Zssetzung  von  unsicherer  Deutung,  da  auch  die 
Formen  variieren;  sonst  bedeuten  .Bänder'  Weidenruten,  die 
II.  A.  zum  Anbinden  von  Weinreben  und  jungen  Bäumen  an 
ihre  Stützstähe  dienen;  vgl.    Wi<kn-G.:  Flurn.  SchBegg. 

Blachte"-;  Anpflanzung  von  Ampfer  zur  Schweine- 
mast GrSpI.;  vgl.  Schwm-Bluckten. 

Brenn-:  nur  in  der  RA.:  Er  ist  a'  Br.  verbi 
H'yaiige',  beinahe  abgebrannt.  Sprww.  1869. 

Wortspiel  mit  dem  Ortsn.  ,Brem-G.',  mit  welchem  es  in 
der  volkstümlichen  Ausspr.  (bretjijurte)  zusammentrifft.  Der 
Letztere,  welcher  t.  an  einem  Walde  au  der  Aare  bei  Bern 
(,Wir  hein  üch  [den  Bernern]  den  [l]  bremg.  ze  allmend  ge- 
geben.' Anf.  XIY.,  B  Handf.  S.  noch  Br.-Garter)  und  au 
einem  solchen  in  SchSchl.,  t.  an  einem  AaStädtchen  an  der 
Reuss  haftet,  dürfte  sich  juif  mlid.  brem.  Rand,  zurückführen 

Pfruend-:  der  zum  Pfarrhaus  gehörende  G.  GrD. 

Rose"-:  1.  wie  nhd.,  bes.  auch  als  Eigenn.  von 
Häusern.  ,Der  titel  heiligkeit  reimt  sich  auf  den  B. 
gerad  als  wol  als  wenn  du  (mit  verlaub)  ein  scheiss- 
haus  ein  r.  nennetest.'  LLav.  1587.  —  2.  Begräbnis.s- 
platz,  Kirchhof.  Friedhof  Aa;  B;  L;  S.  In  Z  früher 
der  Kirchhof  im  Kreuzgang  des  Fraumünsters.  In  L 
heissen  R.  Friedhöfe  von  besonderer  Heiligkeit  und 
Heilkraft,  meistens  zu  alten  Pfarrkirchen  gehörig; 
s.  LüT..  Sagen  S.  254.  Syn.  Töten-G.  —  3.  als  Orts- 
oder Flurn.,  wobei  im  einzelnen  Falle  schwer  zu 
entscheiden  ist,  ob  Bed.  1  oder  2  oder  andere,  ver- 
schollene Bedd.  zu  Grunde  liegen:  öffentlicher  Spiel- 
platz GRorsch.,  Quartier  BThun,  Teil  von  BSeed., 
Wirtschaft  LStdt,  Höfe  L;  Z,  Örtlichkeiten  in  der 
Nähe  von  Altertümern  bei  AAHerm.,  Kütt.,  Lunkh.; 
Einfang  der  frühm-n  Bing  Fridnau  bei  Gr/Iz.;   .zum 


R.',  Waldflur  ZSchwam.;  Name  alter  Türme  I.:  Z. 
Vgl.  LiJT.,  Sagen  S.  254;  Rochh.,  Sagen  2.  154.  Gl.  u. 
Br.  1.  200;  Arg.  5,  519  ff. 

Nach  Uhland  (Sehr.  Bd  8,  .jHt  tf.)  nannte  mau  K.  in 
verschiedenen  Gegenden  von  Deutschland,  besonders  am  Ober- 
und  Mittelrheiu,  bepflanzte  Versammlungsplätze,  welche  zu 
Volksfesten  dienten,  unter  Anderm  zu  der  Frühlingsfeier, 
welche  einen  Kampf  zwischen  Sommer  und  Winter  drama- 
tisch darstellte.  Jener  Brauch  liegt  nach  Uhland  auch  den 
Heldengedichten  von  den  Wettkämpfen  im  R.  zu  Worms  und 
von  dem  R.  des  Zwergkönigs  Laurin  im  Tirol  zu  Grunde. 
Eine  Erinnerung  daran,  dass  in  den  Heldenliedern  die  Rosen 
der  Gärten  von  einzelnen  Kämpfern  zertreten  werden,  wäh- 
rend sie  sonst  dort,  zum  Kranz  gewunden,  als  Siegespreis 
dieuen,  spinnt  sich  fort  in  dem  historischen  Lied  von  1474 
bei  Tobl.  1,  19:  ,[Der  Burgunder],  von  dem  du  wändest 
(wähntest]  trost  erwarten,  der  schlenzt  [verderbt]  dir  selbs 
dyn  r.'  Der  R.  war  also  vielleicht  zunächst  Kampfplatz: 
zugleich  aber  auch  Gerichtsstätte,  da  das  Gericht  selbst 
als  Kampf  und  der  Kampf  als  Rechtsentscheidung  aufgefasst 
werden  konnte.  Der  Kampfplatz  konnte  aber  auch  zugleich 
Begräbnissstätte  der  Gefallenen  werden,  und  die  vielen  den 
Namen  R.  tragenden  Orte,  wo  Gräber  oder  andere  Altertümer 
gefunden  werden,  deuten  darauf,  dass  auch  diese  letztere  Bed. 
schon  im  Heidentum  wurzle.  Indessen  ist  die  Annahme  einer 
Begriffsentwicklung  in  umgekehrter  Richtung  nicht  weniger 
berechtigt.  Die  Bezeichnung  des  Kirchhofes  an  und  für  sich 
als  R.  führt,  wie  namentlich  die  im  Text  angegebene  Be- 
schränkung derselben  erraten  lässt,  auf  uralte  Verhältnisse 
und  Vorstellungen  zurück.  Die  Rose  war  schon  von  den 
(iriechen  (vgl.  die  Ädonismythe)  und  von  den  Romern  als 
heilige  Blume  angesehen.  Die  Letztern  feierten  unter  dem 
Namen  Rosaüa  ein  jährliches  Fest  zum  Gedächtniss  der  Toten, 
wobei  die  Gräber  mit  Rosen  bekränzt  wurden.  Von  da  dürfte 
der  Brauch  der  christlichen  Kirche,  den  Kirchhof  mit  Rosen 
zu  bepflanzen,  ihren  Ursprung  haben,  obwohl  die  Rns,-»  als 
Königin  der  Blumen  sowie  als  I'ilil  t,  IlnlH  mI.  n  T,  l.  n^. 
t.  der  Vergänglichkeit  auch  ohni'liMi  /ii    li.  i.. 

Dass  auf  dem  Kirchhofe  auch  etui  ü.  m.  Ir        i  il.. 

ist  bekannt  und  lässt  sich  aus  heiJin^rli.  m  Miim  i,,  h,  ,;.  )■,  h  ; 
vgl.  z.  B.,  was  Lippert  über  die  Malstättun  sagt.  Auf  diese 
Weise  lässt  sich  viell.  auch  die  Bestimmung  der  Oifn.  ZNoss. 
von  1431:  (,Die  urteiln  sollend  gän  gen  Gryfensee  in  den 
ros-g.  und  die  soll  ein  Herr  entscheiden')  einfach  deuten. 
Auch  der  offene  Platz  zw.  dem  Beinhaus  und  der  Seitentüre 
der  StUrsenkirche  in  S,  wo  sich  früher  am  Tag  Johannes 
d.  T.  Räte  und  Burger  zur  Besetzung  der  Ämter  usw.  ver- 
sammelten, ist  ein  Teil  des  Kirchhofes,  auf  welchen  einge- 
schränkt der  Name  eine  politische  Bed.  gewann.  Schon 
Leu  1759  (s.  v.)  scheint  nur  noch  diese  abgel.  abstr.  Bed. 
zu  kennen;  eine  Erinneiung  an  das  ursprüngliche  Verhältniss 
bestand  zu  seiner  Zeit  darin,  dass  jeder  Burger  einen  Strauss 
(von  Rosen)  in  die  Kirche  mit  sich  nahm.  Was  der  Spiel- 
platz in  Rorschach  einst  gewesen,  wissen  wir  nicht;  dagegen 
ist  festgestellt,  dass  der  jetzt  ebenfalls  zu  Schülerfesten  be- 
nützte und  daher  Schülerhecke  genannte  ehemalige  ,R.'  in 
Marburg  vormals  Kirchhof  war.  Ohne  Bezug  auf  den  oben 
erwähnten  R.-G.  in  S  ist  es,  wenn  .nV:,,H>  ,  in  ■  in.  m  Stli.ni- 
spiel  Christus  von  der  bcvorzu^-t.  n  M  \  u 

schöner  rosgart  soll  rein  blyli.n       h  i  in     -  ,  I;. 

sitzer  eines  R-s  erscheint,  bezw.  ^nn  Hm li.hh    mii  . mrui 

R.  verglichen  wird;  vgl.  T.,  VL.  I  88  tf.  Eine  Vcniuickuiig 
der  Vorstellung  ,Kirchhof  mit  derjenigen  von  einem  Schlacht- 
felde aber  liegt  in  dem  ä.  Schlachtberichte  von  Stlakob  vor : 
,Er  [Ritter  Burkhard  Mönch]  sah  in  den  Garten  [des  Siecheu- 
hauses[  und  sprach:  Ich  sehe  in  einen  R.-G.,  den  meine 
Vordem  gepflügt  haben  I'  d.h.  heute  ist  der  .Same  der  alten 
Rache  in  Blüte  aufgegangen  (Bs  Hist.  Beitr.  111  372).  In 
mhd.  Poesie  wurden  die  Wunden  der  Helden  mit  Rosen  ver- 
glichen oder  blutige  Rosen  genannt,  und  dieses  Bild  wurde 
auch  schon  früher  auf  die  Wunden  Christi  und  der  Märtyrer 
angewandt. 


m 


(Jart,  gei't.  giit,  gort,  gurt 


440 


Sehn  egge  "-Garten:  durch  Sägespähne  gebil 
Jete  Einfassung,  in  welcher  Schnecken  bis  zur  Ein- 
schalung gefüttert  werden  Gr.  Auch  in  ApI.  gab  es 
im  vorigen  Jhdt  noch  Sehn.,  in  welchen  die  jungen 
Schnecken,  von  Jakobstag  an  gesammelt,  erzogen  und 
gefüttert  wurden.  Die  Capuziner  in  Ar  hielten  in 
ihrem  Garten  bis  auf  40,000  Schnecken,  welche  ihnen 
Kinder  aus  den  Alpen  brachten.  Sehn,  auch  Flurn. 
in  ScnBegg.  Vgl.  auch  Schn.-Weid,  -Uflesete.  — 
Strüss-:  Blumengarten  ZSth.  —  Tier-:  1.  „Schind- 
anger G;  U  (auch  dim.)."  .Diese  Wiese  ist  zwar 
kein  Erblehen,  sondern  schon  im  XV.  Seculo  mit 
obrigkeitlicher  Vergönstigung  von  dorn  Riet  oder  der 
AUmend  abgesönderet  und  zu  einem  T.  s.  v.  gemacht 
worden,  hernach  aber  von  der  Gemeind  an  einen  an- 
deren, in  dem  Wald  gelegenen  T.  s.  v.  vertauschet 
und  zu  einer  Wiesen  gemacht  worden.'  1732,  ZWang. 
—  2.  Wildpark,  dgl.  früher  fast  jede  Burg  besass. 
Das  W.  erhalten  in  einer  Menge  von  Flurnn.,  bes.  in 
der  Nähe  alter  Burgen,  deren  manche  keine  andere 
Spur  ihres  Daseins  zurückgelassen  hat;  so  z.B.  in  B; 
L;  S;  Z;  doch  mögen  manche  derselben  auch  i.  S. 
von  1  zu  deuten  sein.  ,T.'  hiess  in  LStdt  ein  Eich- 
wald unter  der  Müsegg  mit  Wildschweinen;  s.  Gprd 
20,  270.  Name  eines  Hügels,  welcher  ,bei  der  Burg' 
genannt  wird  ScHwAltend.  ,Ein  Mättlein,  das  T.-Gärtli 
genannt.'  1653,  AAWett.  Tierg^t,  ein  Hügel  an  alter 
Römerstrasse  unterhalb  GMels,  an  dessen  Fuss  einst 
das  Landgericht  gehalten  wurde,  früher  ,Vrcnesberg' 
gen.  (s.  Bd  I  916),  ein  Ort  geisterhafter  Musik,  vom 
Volke  auch  als  heidnische  Opferstätte  betrachtet  und 
als  Gebiet  eines  gespenstischen  Vogels  gefürchtet. 
S.  noch  Z  Anz.  1877,  Nr.  4  (dessen  Deutung  auf  Vieh- 
herde aber  unhaltbar  ist)  und  Stein-Gand  (Sp.  337), 
und  vgl.  die  Flur-  und  Ortsnn.  Tier-Achei-en,  -Feld, 
-Hng,  -Matten,  Tierlisherg.  —  Tote"-:  Gottesacker 
Scn;  ZSth.  \g\.Bosen-G.  —  Trubel-:  eig.  Wein-G.; 
in  AiLeerau  der  Ring,  den  die  Kinder  bei  dem  u. 
Garten  beschriebenen  Spiel  bilden;  s.  H.  61.  —  Web-, 
entstellt  aus  W.-Gaden  (Sp.  120)  AAFri.  —  Wi"-, 
meist  Wiy,rt,  in  ZWl.  Wiy,rte,  in  ThHw.  Wujete  —  m.: 
1.  wie  nhd.  GtObst.;  GrHc.,  Pr.;  GSa.,  W;  ScnSchl.; 
ZWl.  Es  hat  Mürnnn  [Mauern]  um  alli  Wiyert  ummi 
GRMai.  S.  noch  fallen  Bd  I  750.  ,Ein  viertel  keriioii 
von  dem  wyngarten  [vormals  Acker?]  in  Swerzer.n.- 
1320,  ZFlunt.  Urk.  ,Alle  die  wyngarten  oder  reb.-ii 
hand.'  1475,  üffn.  Mühlh.  Auch  als  Flurn.,  z.  T.  an 
Grundstücken  haftend,  welche  im  Laufe  der  Zeit  zu 
andern  Culturen  verwendet  wurden,  z.B.  BSigr.;  Sch; 
Z;  im  Wiijerte,  jetzt  Baumg.  ZZell.  .Wingartenacker' 
ScnBegg.  ,Vinea  nostra  vulg.  fronwyngarten.'  1352, 
JJRüEG.,  jetzt  Here'berg.  —  2.  Unterabteilung  eines 
Weinberges,  als  Einzelbesitz  ZWl.;  Syn.  Fach.  — 
,Zucht-Gärtli:  ein  Gärtli  in  einem  geschirr  oder 
umgezünt  fleckle,  da  man  die  jungen  zwei  oder  kräuter 
in  züchtet,  bis  man  sy  aussetzt  und  frei  ledig  .stellt, 
als  die  töchteren  den  rosenmarj'n  und  majoran  pflan- 
zend, nutrix.-  Mal.  —  Zwi-  BÄschi;  ZBirm.,  Zoll., 
ZweH-  BU.:  eig.  wohl  Baumschule,  jetzt  nur  noch 
Flurn. ;  vgl.  Zwei- J/aM.  —  Zwing-:  Treibhaus  Z  Wald. 
Flurn.  ZÖrlik.     Vgl.  Zw.-Glogg. 

garte":  auf  den  Kiltgang  gehen  U.  —  Wahvsch. 
verk.  aus  .heim-garten' ;  s.  ilns  gleichlantenile  Subst. 

Brem-gar1,er:    .\ufsehcr    über   den  Wald  Brem- 


garten  bei  Bern.  ,Die  geschwornon  br.,  forster  und 
ander  bannwarten.'  1539,  B. 

gartne"  (-«-  UBrägg.):  im  Garten  arbeiten,  den 
G.  bestellen,  Gärtnerei  treiben  Aa;  Ap;  Bs;  B;  VOrte; 
Gl;  Gr;  Z.  ,Hortos  parare,  g.,  die  Gärten  rüsten.' 
Denzl.  1677;  1716.  In  UwE.  auch:  den  Kartoffelacker 
bestellen,  Kartoffeln  pflanzen  oder  au.sgraben.  Früher 
auch:  ein  Stück  Gemeindeland  als  zeitweise  einge- 
hegtes Pflanzland  bearbeiten,  s.  Garten  2  und  all 
Bd  I  107. 

Gärtner:  Gärtner.  ,Sy  meint,  es  wäre  der  g.' 
1531/48,  Jon.;  dafür:  ,Gärtner.'  1667.  -  Mhd.  jar- 
t(r)naere.     Als  Familienn. :   ,Anna  Gärtnerin.'   1406,  GRapp. 

Gärtnere"  f.:  Zunfthaus  der  Gärtner  ßs. 

Gebildet  von  der  oben  bezeugten  alten,  unumgelauteten 
Form  .Gärtner',  doch  mit  Anklang  an  die  sonstigen  Collectiv- 
bildungen  auf  -eic,  welche  gerade  zur  Bezeichnung  von  Pflan- 
zungen gebraucht  werden. 

gärtnere":  =  gartnen  Bs. 

gärtnere":  1.  =  gartnen  Z.  —  '2.  den  Beruf 
eines  Gärtners  betreiben  Gl. 

gärtle":  aus  Liebhaberei  und  in  kleinem  Mass- 
.stabe  den  Garten  bearbeiten  Ar;  Bs;  G;  Son;  daher: 
Gärtier,  -in.  Auch  von  Kindern:  Gärtchen  anlegen 
und  damit  sich  spielend  beschäftigen. 

er-garteren  s.  Gart  I.      an-gartlen  s.  Gart  II. 

Giirtele":  Birnensorte  GSa. 

Gärtner  m.:  eine  Art  Fischernetz.  .Ein  Herr  mag 
auch  mit  der  Watten  und  mit  dem  G.  tischen  und 
ziehen,  so  vil  er  will.'  1479,  Ocifs. 

Gert  m.  (n.),  Gerte"  I  f.:  1.  Rute  Aa;  G;  Z. 
,Die  gert,  virga.'  Mal.  Gelegentlich  auch  als  Zucht- 
rute: Wie  hat  [der  Geistliche]  Alli  g'lert  und  Alls 
mit  Lieb  und  Ernist,  uni  Gert  Schw  (Schwzd.).  — 
2.  Schoss,  Zweig.  Von  Grubreben.  1792,  GnChur.  ,Ein 
reben,  die  hette  3  g-en.'  Z  Bibel  1560.  ,Ire  g-en  wa- 
rend  wie  der  .starken  cederböum.'  1560,  Ps.  ,Der  gert 
oder  zweischoss,  insitum.'  Mal.  ,Brachia  in  vitibus, 
die  g-en,  zwick,  sträng.'  Fris.  , Gustos,  Gert  oder 
Knecht  an  Roben.  Flagellum,  Rebschossgert.'  Denzl. 
171ii.  .Die  Schwächesten  Gertlein  ausrupfen  von  Ci- 
tioiniibaum.'  JCSuLZ.  1772.  —  3.  =Gart  1.  ,Der  sein 
tViud  hat  im  (an)  g-en  und  stecken.'  1531,  Sir.  — 
4.  Peitschenstecken  GRh.  —  5.  Stiel  des  Flegels  AaF. 
--  6.  in  der  Weberei  2  lange  Stäbchen,  an  welchen 
die  Fäden  zum  Durchlass  der  Kette  befestigt  sind  Ap. 
Syn.  Steckli;  s.  noch  gegertet.  —  7.  Segelstange.  ,Da 
brach  die  Gert  des  grossen  Segels.'  1460,  Gfo.  — 
8.  {Gert  n.)  =  GeH  1  in  coli.  S.,  spec.  „Zaungeflecht  od. 
Gerten  zum  Ausflechten  der  Zäune  Obw;  Schw;"  vgl. 
Etter-,  Fitz-G.  Über  G.  und  Stock  (St-  «•  G-J,  über 
Stauden  und  Stöcke,  pfadlos,  gradaus  B;  „L;"  W. 
Alle  mit  enandre  hin  [haben]  a"g'fangen  laufen  un'' 
über  St.  un''  G.  un''  über  Flieh  un''  Schepf  [Felsenköpfe] 
WLö.  ,Von  einer  kleinen  burdi  gerts  gibt  man  3  ß 
[Busse].-  14'2-t,  ZWied.  Offn.  ,Sind  gebannen  das  äschin 
[Eschen-]  g.  und  die  kleinen  tanngrotzli  und  forhen.' 
1442/ 1544,  Scuw  LB.  ,Es  soll  ein  Gemeind,  so  einer 
aus  ihren  dorfgnossen  etwas  güeter  im  zwing  Spreiten- 
bach  erkauft,  zue  denselbigen  us  ihr«n  fronwälden  g. 
und  stecken  zue  geben  schuldig  syn.'  ZDiet.  Offn. 
,Zwei  fueder  geerts  an  die  zun.'  ZWied.  üffn.    ,Wenne 


■141 


Gart,  gert,  girt.  gort,  gurt 


einer  syn  guet  verzünen  will  mit  g.,  so  soll  er  ussen- 
tür  stan  und  das  g.,  die  sprossen,  uf  das  syn  stossen.' 
1524,  ScHW  LB.  ,Das  geert  zur  zünung.'  1592,  ZDüb. 
Holzordn.  ,I)as  Wuhr  mit  Stecken  und  Gelirt'  lö25, 
Siiruehbr.  betr.  AAFahr.  .Keinerlei  Hagstecken  noch 
erlin  G.  bruclien.'  c.  1630,  U.  ,So  man  einen  Hag 
machen  will,  müessend  mehr  ü.  oder  Wyden  syn  als 
Stecken.'  Schimpfr.  1651.  ,Wydenbänm  zu  Geert  ge- 
zuclitet.-  1691,  ZSchwam.  Otl'n.  ,Stock  und  G.',  Alles 
zusammen.  Stumpf  und  Stiel:  , Straf  nit  die  weit  nach 
irem  leben,  sunst  wurde  stock  undg.  usg'rüt".'  HvKi'te 
1546.  S.  noch  Pfannen-Girt.  —  Ahd.  umtja.  mhd.  f/i^n,-  f., 
Kute,  Zweig,  Stab;   Ackerniass. 

Etter-:  G.,  bes.  ein  fingersdicker,  angebrannter 
Tannast,  den  man  um  die  Kopfenden  der  einzelnen 
Zaunstecken  flicht,  um  dem  Zaune  Haltbarkeit  zu 
geben  „LG.";  Syn.  E.-Ruete;  vgl.  Gert  8.  —  Fitz-: 
=  Etter-G.  .Das  Bort  des  Grundstückes  verplählen 
und  F-en  in  die  Pfähle  hinein  flechten.'  Bs  Hink.  Bote. 
—  Fleisch-:  wahrsch.  Rute,  an  welcher  die  zum 
Dörren  bestimmten  Fleischstücke  aufgehängt  wurden. 
XV.,  LVogtk.  ^yn.Fl.-Iluelen.  —  Gruen- B,  Griien- 
S:  rot.  HartriegeL  r.  Beinweide,  cornus  sanguinea. 

He-,  Hell-,  Herr-,  Che-,  Chel!-.  ChiU-  s. 
Chern-G.  —  Chol!-:  1.  Rain-,  wci-.'  ü.iinv.ido. 
ligustr.  vulg.  ScuNnk.  Mit  de"  Cli-i»  hliirj,-,!  und 
rife'd  d'  Truhe'.  Sülger.  —  2.  =  Gnuii-G.  SmSt.; 
TiiHw.  —  3.  schwarze  Beinweide.  Kreuz-,  Wegdorn, 
rliamn.  frangula  SchKI. 

Die  Zweige  (bes.  von  rhanui.)  liefi^rii  Zeichen-  u.  Schiess- 
imlverkohle;  vgl.  das  syn.  I'iihir-lluetr;  glcichwulil  könnte 
d.is  W.  zn  den  zahlreichen  Ausweichungen  und  Nbtf.  von 
t'lieni-lr.  gehören. 

Chern-  (Aa;  Ap;  Gl;  Gr;  GVVe.;  Z,  Chirn-  Aa 
Mand.,  Cherr(e')-  GSa.,  T.;  Z,  Chirr- Aa,  Herr(e»)- 
LV.;GG.;  ZKn.,  Che'll-  Drh.;  ZTurb.,  Hell- ZWL, 
t'he'-  ZF..  He'-  ebd.,  Chili-  ZWyl,  Ken  (Chey)- 
LBerom.,  Sch;  ZGlattf.,  Hettl.,  Chiy-  Aa;  Bs.  Chiey- 
ScHW,  Chind-  Aa  Kilchsp.;  BsL.;  ScnwMa.;  SOlt.) 
-G'ete'  GWe.;  Z  vorherrsch.,  -Ge'ite  GT.,  -Gette  IN., 
-Gerli  Drh.  sonst  -Gert(e'),  -Gierte":  verschiedene 
Sträucher,  grösstenteils  mit  zähen  Zweigen,  die  zum 
Binden  von  Garben,  Reisig  udgl.,  auch  zum  Kurb- 
flechten, vormals  auch  zur  Beleuchtung  (s.  Huete») 
gebraucht  wurden  und  werden.  1.  etwa  mit  dem  Bei- 
satz wiss  =  Choll-G.  1  Aa;  Bs;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  S.hw; 
Z.  ,King-G. :  Rein-,  Steinweide,  Bein-  od.  Mundholz, 
ligustr.'  Spreng.  Ihr  Blühen  und  Beerentragen  gilt  dem 
Weinbauer  als  Vorzeichen  für  das  der  Rebe  ZS.,  Wl. 
,Das  Zurüsten  der  Weinen  mit  Holder,  Kerngerten, 
Wismet ,  schädlichem  Süssbrand  ald  anderem  der- 
gleichen Onrat'  Z  Mand.  1700.  —  2.  =  Gruen-G.  Aa; 
Bs;  Gr;  G;  Sch;  SOlt;  Tii;  ZS.,  WL,  meist  mit  dem 
Beisatz  rot.  —  3.  Choll-G.,  meist  mit  dem  Beisatz 
■fchivarz  Aa;  Sch;  Z.  —  4.  Schneebaü,  viburnum  lan- 
tana  L;  ScHwMa.,  auch  opulus  LV.  VgL  den  Ortsn.  in 
der  Cher-gerten  ZStäfa  u.  den  Geschln.  K-er.  1521,  Scnw. 

Die  Unterdrückung  des  r  in  dem  einen  oder  andern  Teile 
der  Zss.  hegreift  sich  aus  Gründen  des  Wohllautes.  Geüer 
zunächst  aus  Geirter,  nachdem  gemäss  jener  MA.  eir  für  er 
eingetreten  war.  —  \'iell.  zu  inhd.  kerren,  nach  dem  knir- 
schenden Ton,  den  die  Fasern  des  Hartriegels  beim  Drehen 
(s.  knoilen)  erzeugen  oder  dann  ist  der  Ursprung  in  dem  oben 
genannten  lat.  mmus  zu  suchen,  das  zunächst  in  Kmn-ll. 
(s.  d.)  zum   Ausdrucke  kam,   allerdings  wohl   mit  Hcziihung 


auf  die  Verwendung  zum  Garbeubindon.  Blosse  Entstellung 
ist  vielleicht  auch  KoU-Gerie  (s.  d.);  jedenfalls  geht  das 
syu.  IlerryotteH-Slud  auf  das  obige  Ilerr-getle  zurück.  Den 

.\ltern  fielen  cornus  und  ligustrum  zs. ;  daher  lässt  sich  niilil 
mit  Bestimmtheit  angeben,  auf  welche  Pflanze  sicli  dii-  fol- 
genden Belege  beziehen:  ,Dass  sie  honen  sullend  haslins  und 
widins,  tornis  und  keren-gertis  holz.'  1!J47,  AaWett.  Klust.i- 
arch.  .Kerngert,  heinhölzlin,  mnndholz,  hartrigel;  ligustiuni.- 
KdGessn.  15+2  und  nach  ihm  die  Andern  bis  Denzl.  171(1. 
.[Die  Misteldrossel]  g'lebt  des  misteis,  der  trübol  und  kern- 
gertenbeeren.'  Vogelb.  155".  ,Von  gemeinem,  kleinem  und 
jungem  Holz,  das  die  Gebursame.  zc  zünen  brucht,  es  seigent 
Kerngerten,  Hasten,  'Wysstörn,  Schlechtörn,  Wyden  oder 
derlei.'   1670,  Hotz,  Urk. 

Chorn-  AABb.;  GRh.  (auch  -Gertli);  TiiBerg;  ZO., 
W.,  CÄore«- ScHwMa.,  C/tor- AiRüm.:  l.  =  Chern-G.  2 
AABb.  frotij;  Zu.,  W.  —  2.  =  Clioll-G.  1  AABb.  (in^si,, 
Rüm.;  GRh.;  ScuwMa.;  TiiBerg.  —  3.  Schncball 
ScHwMa.  —  Nabel-:  Nabelschnur.  ,Dein  hcbaiuin 
hat  dir  am  tag  deiner  geburt  dein  n-lin  nit  abge- 
schnitten.' 1531/48,  EzECH.  Die  selbe  Form  bei  Ruek 
1554;  JZiEGL.  1647.     S.  noch  N. -Gerli. 

,Bi-:  ein  schoss,  so  zwüschend  den  griggelen  und 
Weinreben  aufscheusst,  ein  schoss  in  achslen,  hürlig, 
focaneus  palmos.'  Mal.  Syn.  Bl-Schoss,  -Zand.  — 
Vgl.  die  vorige  Anm. 

Ris-:  Reis,  Schoss.  .Rysgert  noch  band,  so  uf 
dem  gemeinmerk  wachsend.'  1417,  TnTrib.  Olfn. 

Saum-:  membrum  asini.  .Derhalben  sich  der  esel 
erhebt  und  gesehen,  dass  er  so  wol  gefasst  mit  dem 
zeug  seiner  ,s-gerten,  habe  er  wollen  mit  Priapo  .strei- 
ten und  wetten,  welcher  am  basten  bevveert.'  Tier«. 
1563.  —  Kig.  wohl  die  vom  Säumer  gehandhabte  Gerte;  vgl. 
Hftfjcn-Sfhwunz  und  nhd.   ,Rnte',  engl.  ynrd. 

Spill-:  eig.  Spindelstange,  jetzt  N.  einer  Fels- 
grui)pe  BO.,  von  den  Cartographen  umged.  in  .Spiel- 


Gerte'  oder  ,-Gärtcn'.  —  Sj 
Strafmittel  bri  den  Sol.latc 
Pferd   mit    eiioT  in-i>lcii  .kIi  r  Sp-^ 

KriEGSB.   164  I.      .l'er  rUspMrs   l;ill.o; 

Sp-en  laufen.'  Den/.l.  1677;   17ir,. 
gelassene  Tochter]  ganz  bloss  ilur^ 
Bussverm.   an  Roggen    1676.     .|I»c 
der  Sp.  gestraft  werden.'  B  Mand. 


Spitzrute. 


.>p 


p.  g  loftVn.' 
ti    s,dl    M,;i 


i-cd. 


„Gerte  II,  auch  Hag-  f.":   entstellt 
aus  Gertel  (s.  d.)  „LG." 

garte":  1.  kleines  Holz  hauen,  Reisig  abschneiden, 
,Den  Dorfleuten  vorbehäbt,  dass  sie  in  dem  vorgen. 
Holze  mögen  g.  zu  ihrer  Notdurft.'  1408,  S  Wochenbl. 
,Ein  keller  soll  in  des  gottshüs  höher  2  tag  mit  4  ger- 
tern in  den  ü.stagen  und  ze  herbst  g.  und  denne  teilen 
den  gemeindern  [Genossen]  mit  im.'  XV.,  ZRüml.  , Nie- 
mand soll  in  der  burger  ouwe  holzen,  g.  noch  niitzit 
houen.'  1539,  BThun  Stadts.  -  2.  Rebschosse,  ,Steck- 
hölzer'  pflanzen.  ,Er  soll  die  Roben,  es  seie  mit 
Bauen,  Binden,  Schorren,  Hacken,  Säuberen,  Zu- 
stecken, Schneiden,  G.,  Gruben,  fleissig  werken.'  167(i. 
ScHwE.  Klosterarch.  —  3.  ,G.,  die  garten  binden,  pal- 
mare.' Mal.  —  ab-:  mit  Ruten  streichen,  abstrafen  L. 
—  ver-:  umzäunen  TnEerl.  —  Von  .Gerte',  wie  .holzen' 
von   ,Holz'   udgl.    Vgl.   Anm.   zu    Gertel. 

g"gertet:  (von  Rauchfängen  alter  Construction) 
aus  Gerten  oder  Tannästen  geflochten,  die  mit  Lehm 
au.sgcstriclien  sind  ScuwE..  Rotent. ;  s.  noch  Sp.  444. 


Oait.  gert.  girt.  gort,  gnrt 


Gertel  I  Aa;  ßs;  B;  VÜrte;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  S; 
Z  (tw.  e'),  Geitel  oTh  (PI.  Gertle-  BSi.,  sonst  =  Sg.), 
Gerter  I  ApH.;  PSalei;  GWe.,  Wa,  Geter  GSsy.;  öZ, 
Geüer  Ap;GStdt,  T.;  oTh  —  m.:  1:  Hippe,  in  Gestalt 
eines  starken,  langen,  breitschneidigen,  vorn  gekrümm- 
ten Messers,  zum  Jieschneiden  von  Bäumen  und  Hecken, 
auch  zum  Abschneiden  von  Eeisig  und  Asten  im  Wald 
und  zum  Zurechtschneiden  von  Reisig  für  Bündel  und 
von  anderm  Brennholz  für  die  Küche,  allg.,  ausser 
in  F;  ScHW;  Th;  W.  Syn.  ÄchsU,  Gerte  II,  Kris- 
Hacker,  Abschlage,  Abschnitzler,  Stüden-Degen.  Und 
su'fid  us-em  Napf  wie  Bru'ch  [ist],  dass  d'  G.  schlife" 
choist  [kannst]  am  Bii'ch  Uw  (LHildebr.).  ,Gertel, 
virgarium.'  UwE.  Vocab.  ,Und  welle  [Fronpflüger] 
nüt  rinder  hant,  die  so"'n  dem  Gottshus  helfen  mit 
iren  houen  und  mit  ireu  gerten'  [nachher:  ,nüt  dien 
gertern'].  1344,  AAWittn.  Offn.  ,Ouch  soll  er  das  hus- 
geschir  dargen,  das  syn  ist,  achsen,  schuflin,  houen, 
gabeln,  gerter.'  1435,  Lux.,  Lepr.  ,Hout  einer  [auf 
dem  Eigen  eines  Andern]  einen  stumpen  mit  der  ax, 
ist  die  buess  5  ß,  und  mit  dem  gerter  3  ß.'  1469, 
TnEom.  üffn.  .Welcher  dem  andern  syn  holz  abhout 
mit  der  ax,  so  ist  die  buess  von  jedem  stumpen  9  ß, 
und  was  mit  einem  gerter  oder  messer  gchouen  würt. 
da  ist  die  buess  7  ß.'  1472,  TuSulg.  Offn.  .Einen 
gerter  soll  er  [bei  Entrichtung  eines  Falls]  der  fronen 
lassen,  dass  si  stubenholz  damit  hou.'  ZLauf.  Offn. 
,Falx  acuta,  ein  scharpf  oder  wol  schneidend  reb- 
messer  oder  gertel.  Ein  g.  oder  gertmesser.'  Fris.; 
Mal.  ,Der  G-el,  Hipe.'  Red.  16ti2.  .Der  Holzgaumer 
soll  den  Frevleren  G-el  und  Biel  abnemen.'  XVU., 
AAMuri  Gesindeordn.  .Jeder  Uszüger,  er  seie  Mus- 
quetierer,  Piquenierer  oder  Hallpartierer,  sollte  nebent 
seinem  Obei'-  und  Seitenwehr  auch  ein  Handbiel  oder 
G-el  mit  sich  nemmen.'  1674,  Absch.  ,Verbotcn,  in  den 
Hochwäldern  Haue  mit  Äxten,  Beielen  noch  Gertlen 
ze  besuchen.'  Bs  Waldordn.  1697.  ,Falx  arboraria, 
G-el.  Hagmesser.'  Denzl.  1716.  .Wer  ausser  der  gesetz- 
lichen Zeit  mit  einem  Beil  oder  G-el  in  den  Wald  geht, 
wird  um  15  fl.  gebüsst.-  1751,  Absch.  —  2.  Gertel, 
böser  Junge,  Schlingel  BSi.;  Ndw. 

Ahd.  i/erlati,  mild,  ijerlei;  Hippe.  Bildungen  auf  -el  und 
auf  -er,  z.  T.  von  Werkzeugen  und  Menschen  zugleich  ge- 
braucht, berühren  sich  oft;  in  dieser  Bez.  schwankt  unser 
W.  schon  in  den  Urk.  des  XV.  Zshang  mit  .Gerte'  ist 
wahrsch..  aber  nur  durch  das  Mittelglied  des  selbst  von 
.Gerte'  gebildeten  Vbs  .gerten'.  so  dass  das  von  diesem  abgcl. 
Subst.  das  Werkzeug  zu  jener  Tätigkeit  bezeichnete  (vgl. 
.Schlegel'  von  .schlagen').  —  Betr.  n  s.  Anm.  zu  Kmi-G. 
—  Bed.  2  wohl  i.  S.  v.  Grobheit  vom  Werkzeug  auf  den 
Menschen   übcrtr. ;   vgl.   t'leyel  und   Hegd. 

Rag-;  =  Gertel  1  ZW.  —  Hand-:  Handbeil,  länger 
als  der  Stiiden-G.  und  mit  beiden  Händen  geführt 
BHk.  —  Herd-:  in  der  Küche  gebrauchtes  Hack- 
messer Ap.  —  Reb-:  Hippe  mittlerer  Grösse  zum 
Beschneiden  alter  Weinstöcke  AAEhr. ;  ZW.  Syn. 
Schnulmesser.  —  Stud(e°)-:  vorzüglich  zur  Herstel- 
lung von  Reisbündeln  gebrauchte,  mit  Einer  Hand 
geführte  Hippe  BHk.  —  Wümmer-:  das  zum  Ab- 
schneiden der  Trauben  (wimmen)  gebrauchte  ,Winzer'- 
messer  ZW.     Syn.   Wümmer- Messer. 

Gert  er  H:  Holzliauer;  s.  gerten  1. 

Es  kann  von  dem  Vb.  abgel.  sein,  wenn  es  nicht  geradezu 
=  aerUrr  I  ist  mit  Personif.  des  in  Anwendung  gedachten 
Werkzeugs. 


Gerter  HI  ZZolL,  .Gertel'  H  -  m.:  =  Gartel; 
s.  dur'>'gänt  Sp.  35.  Im  J.  1318  wird  in  ZGoldb.  ver- 
kauft ein  Gut  .mit  dem  houwe  eines  gerters.'  .Wenn 
man  ein  hou  usgit  mit  anderthalbem  gertel.'  1510. 
ZBül.  Offn. 

Hie  Gemeindewaldung  von  ZZoll.  zerfällt  in  (II)  , Beilen', 
jede  B.  hat  8-10  .G.'  (der  G.  4  Vierling,  der  V.  4  .Messli'). 
.Gertel'  auch  in  einer  Urk.  von  1493.  ZZoll.  Wahrsch.  ist 
G.  in  dieser  Bed.  urspr.  mit  II  resp.  mit  I  identisch  (s.  die 
Anmm.  zu  diesen),  es  bezeichnete  also  den  Manu,  der  mit 
seinem  Werkzeug  auszog,  um  den_'seinem  Hause  gebührenden 
Anteil  zu  beziehen. 

ge-gertet:  in  den  Verbindungen  zwei-,  vier-,  acht- 
g'gertets,  von  Gewebe,  das  2,  4,  8  , Gerten'  (s.  d.  bei  6) 
hat  Ap. 

umme"-gertle°:  1.  viel  (eig.  mit  dem  .Gertel') 
arbeiten  Gr.  —  2.  herumschlendern  Ndw. 

Bed.  2  entw.  nur  eine  bes.  Anwendung  von  1  i.  S.  v. 
unstäter,  wenig  fruchtbarer  .Arbeit,  «der  von   deitel  I  S. 

Girt  s.  Glt. 

Pfanne"-Gil'tli  n.;  Schwanzmcise.  parus  caudatus 
ApK. 

Oirt  lokale  Ausspr.  für  GerKe)  u.  P/,-G.,  eig.  =  .Pfaumn- 
stiel'.  wie  der  Vogel  anderwärts  wegen  seines  schwarzen  und 
unverhältnissmässig  langen  Schwanzes  auch  heisst, 

ver-gort  s.  rerjesen. 

Gurt  m.,  in  Bs  It  Spreng  f..  in  Gr  n.  —  PI.  Gurt, 
in  GrL.  Gurt:  1.  a)  Gürtel  Bs;  Gr;  Z.  .Band,  kuppel- 
band, alligatura.  copula,  ligamcn,  g.'  Mal.  .Mit  silber- 
beschlagnen und  gestickten  Gürten.  Gürtlen  und  B'hen- 
ken.'  Z  Mand.  1650.  .Die  von  Gold  und  Silber  ge- 
stickten Gurt  [der  Männer].'  ebd.  Bildl.  RAA.  .Glych- 
mass  [Unparteilichkeit],  die  soll  der  reitel  [mit  dem 
die  Bürde  zugedreht  wird]  syn.  der  g.  [das  Band  der 
B.]  war  bald  gebrochen,  [das]  brächt  dich  in  grosse 
pyn.'  VALTscHirm,  Trostlied  1530.  .Den  g.  bass  und 
liöcher  gürten  [strenger  verfahren]  und  die  Sachen 
nit  so  radwäsch  [glatt]  hindurch  gan  lassen.'  1531, 
Absch.;  vgl.  u.  ,Gürtel'.  —  b)  die  Gürtelgegend  des 
Leibes.  Um  das  G.  werden  die  Kühe  gemessen  in 
Absicht  auf  Körperstärke  GrL.,  Pr.  —  c)  Name  einer 
schwarzen  oder  farbigen  Kuh  mit  weissem  Gürtel  Ap; 
Gl;  GA.,  T.;  übh.  einer  buntgezeichneten  Uw;  Syn. 
Gurt;  Schilt.  —  2.  a)  Streich,  Schlag  L.  Einem  „Crürt 
ge;  Prügel."  -  b)  Mal;  Syn.  Fart  Bd  I  lo27,  Gang 
Sp.  338,  Hick,  Bott,  Buch,  Benn,  Ritt,  Bntz,  Schmutz, 
Streich.  De'  G.,  diesmal  B.  No^'-  ne  G.,  noch  einmal 
SL.  Ei's  G-s,  auf  ein  Mal,  plötzlich ;  ohne  Aufenthalt, 
Unterbruch  B;  S.  Er  het-en  e.  G.  z' Bode*  g'heit. 
.Ich  werfe  meine  Meitschi  nicht  dem  Ersten  Besten 
e.  G.  an'n  Hals,  wie  ein  Jude  seine  Waarc  auf's  erste 
Gebot'  GoTTH.  .Eine  Kartaunc  nahm  mir  Kopf  und 
Bart  eins  G-s.'  ADennl.  1817.  Do  chunnt  dem  Chäfer 
g'rad  ne  Herdlüs  i's  G'heg,  die  schmaust  er  e.  G. 
JoACH.  Er  ist  e.  G.  äne  i'z'chere"  uf  S  'gange'.  Ebso 
in  ei"m  G.  Bs;  vgl.  frz.  d'un  trait,  (toiitj  d'un  cnup. 
„/-  2  Gürte'  B."  Der  1.  (ä. . .)  G.  BsL.  All  Giirt, 
alle  Zeit,  jedesmal,  sehr  oft  Bs;  L. 

Mhd.  ijuri,  nur  in  Zss.  Bed.  2  viell.,  weil  mit  dem  0. 
auch  Schläge  erteilt  wurden;  vgl.  gürt(l)eii,  schlagen;  übrigens 
könnte  sich  auch  rückwärts  aus  dem  selber  abgel.  Vb.  ein 
abstr.  Subst.  G.  entwickelt  haben.  Am  Wahrscheinlichsten 
aber  ist,  dass  G.  S  mit  einem  Teile  der  folg.  Abll.  eine 
Familie  für  sich  bilde  und  zunächst  aus  der  Vwdtschaft  mit 
tf.   1  abznliisen  sei.     Legen   wir  ein  starkes  Vb  zu  Grunde. 


Gart,  gert,  gh 


lt.  Kui'l 


446 


SU  crsi;lieiut  fi.  i'  im  Ablautsvui'hältuisso  zu  dem  üb.  Huri 
(lleH)  wie  ,Bmiil'  zu  ,Band'.  (!.  S  wäre  zuuächst  Züchtigung 
mit  iloni  ,Garf ,  fiitliehrt  übrigeos  so  wenig  als  .Bund'  auch 
luucr.  Buil.  (a-;^-  ;/,'/'i'.  altengl.  gurd,  Gerte,  und  das  iu  61 
Ufiichtsakteu  aus  M.  XVIII.  überlieferte,  an  und  für  sich 
vurJäclitige  ,Si)issgurten'  =  Spisg-Gerten,  welches  durch  die 
eben  erwähnten  Formen  viell.  Halt  erhält).  Das  Zusammen- 
treffen mit  0.  1  wäre  zunächst  ein  bloss  zufälliges,  gerade 
wie  engl,  ijird  (altengl.  gurdaiy  ndl.  gorden)  die  Bedd.  .Hieb 
(mit  Peitsche  und  mit  Worten),  stechen,  stossen'  mit  der- 
jenigen von  .gürten'  vereinigt.  Weiterhin  allerdings  lässt 
sich  Vwdtschaft  auch  von  G.  S  mit  G.  1,  Gürtel,  und  von 
Gart  mit  ,Garten'  (vgl.  lat.  hortus,  Garten,  eig.  Einfriedigung 
durch  Rutengeflecht,  neben  horlari,  eig.  stacheln)  nicht  ver- 
kennen. —  Zu  Bed.  2  b  vgl.  Zeitschr.  f.  Psych,  u.  Spr.  III 
•206  ff. ;   dazu   engl,   hy  ßts  and  hy  girdn,   oftmals. 

Über-Gurt.  ,üem  sattler  von  eim  ü.  myner 
Herren  rossen.'  1564,  ZGriin.  Amtsr.   —   Auch  mhd. 

Um-.  .Schurz,  umgurt,  umbschurz,  succinctorium, 
siipparura.'  Mal.  Bei  einem  Eheversjirechen  reichte 
mau  eine  Geldgabe,  ,ermel  und  u.  zu  Wortzeichen.' 
Lind.,  Wthur.  Chr.  ,Die  Wybspersonen  sollen  sich  by 
dem  Kirchgang  mit  den  gezimmenden  Kilchenkleideren, 
Hussegken  und  Urabgürten  (wer's  vermag]  ynstellen.' 
Z  Mand.  1650.  —  Für-,  meist  -gürtli":  Schürze  Z. 
Syn.  Für-Tuech,  -Schuhe,  -Schöss,  Schappert.  Am  F-i 
hangen,  von  einem  willenlosen  Ehemann  Z.  ,Peris- 
celis,  ein  fürgurt  oder  umbsturz  der  weiberen.  Ven- 
trale, semicinctium:  ein  fürgürtle,  fürtuech,  fürschurz 
der  weiberen.'  Fris.;  Mal.  , Der  Schurz,  Fürgürtlein, 
Hube,  prscinctorium,  supparus.'  Rkü.  166'2.  Die  Z 
Obrigkeit  verbot  im  J.  1640,  farbige  Röcke  und  weisse 
,Fürgurtel'  in  der  Kirche  zu  tragen.  ,Sich  müssigen  der 
silbern  und  vergnldten  Fürgürtli-Schlossen,  taffeten 
Fürgürtlinen.'  16S(i.  Z  Mand.  ,Die  Schürze.  F-li,  le 
tablier.'  DeLacour  17o6.  ,Das  Tragen  aller  kostbaren 
Fürgürtleinen  i.st  verboten.'  1757,  Z  Ges.  ,Die  Frauen 
dürfen  als  Kirchenkleidung  statt  schwarzer,  wollener 
auch  farbige  tragen,  doch  mit  schwarzen  Halstuchern 
und  Fürgürtlenen.'  1766,  ebd.  —  Geld-:  Geldkatze 
Uw;  Syn.  G.-Bamen.  —  Haupt-:  die  Stelle  der  Um- 
fassungsmauer eines  Gebäudes,  wo  die  zweite  Balken- 
lage hinkommt  Z.  —  Hose"-:  Hosenband.  allg.  Syn. 
H.-Bändel. 

ver-gurt:  1.  Adj.  a)  schlau,  listig,  schalkhaft, 
mutwillig  BSi.  -  b)  sehr  geizig  BSigr.  —  c)  unge- 
recht, verdreht  BHa.  —  2.  Steigerungsadv.,  z.  B.  v. 
ehalt  BSi.  -  Vergurti(gi)  f.:  Schalkheit,  Verschla- 
genheit, heimlicher  Neid  BO. 

Ohne  Zweifel  das  (nach  älterer  Regel  gebildete)  Ptc.  ,ver- 
gürtet'  und  zwar  in  der  bildl.  Bed.  von  .verschlagen'.  Die 
Bcd.  b  u.  c  lassen  sich  leicht  ans  a  ableiten,  da  Geiz  und 
Ungerechtigkeit  eben  oft  mit  Kniffen  ihren  Zweck  zu  erreichen 
suchen;  vgl.  mhd.  arg  auch  =  karg,  und  karg  mhd.  urspr. 
=  schlau,  hint«rlistig.  Die  adv.  Bed.  erinnert  an  die  syn. 
.verftucht,  verdammt'  u.  a.,  welche  aus  der  Bed.  eines  hohen 
Grades  von  Schlechtigkeit  ebf.  zu  der  eines  hohen  Grades 
iibh.  gelangt  sind.  Doch  eröffnet  das  ebf.  syn.  venoendt,  wenn 
es  von  ,verwenden'  i.  S.  v.  .verdrehen'  abzuleiten  ist,  die 
Möglichkeit,  "2  näher  mit  1  c  zu  verbinden;  ,verglirten'  wäre 
dann  etwa  =  falsch  knüpfen,    verwickeln;    vgl.   ,verzwickt'. 

Gurte"  f.:  Sattelgurt  GrD.;  breites  Band  an 
Feldbetten,  Klappstühlen,  Federmatrazzen  B;  Z;  vgl. 
i/iirten.  —  '2.  Name  einer  Ziege  mit  weissen  Streifen 
um  den  Leib  BÜ.;  vgl.  Gurt  1  b  und  Gurt. 

gurte":  Federmatrazzen  mit , Gurten' versehen  Z. 


üürt  m.  GkL.,  G-e'  (jitl'r. :  Name  eines  Tieres, 
das  hinter  den  Vorderfüssen  einen  weissen  Streifen 
rings  um  den  Leib  hat,  z.B.  ein  schwarzes  Schwein. 

Gürtel  m.  (f.):  wie  nhd.  und  =  GMrt,  früher  auch 
i.  S.  v.  1  b  des  letztern  W.  ,Die  Braut  trägt  bis- 
weilen noch  einen  silbernen  Gürtel;  derselbe  hängt 
auf  einer  Seite  bis  unter  das  Knie  herab  und  endet 
mit  einem  Besteck  von  Messer  und  Gabel'  GLHartm. 
1817.  .N.  N.  von  Ure  und  syn  eliche  husfrou.  dieselb 
gab  uns  einen  beschlagnen  g..  der  ward  verkouft  um 
4  fl.'  1440,  UwE.  Jahrztb.  ,Sie  war  nass  bis  an  die  g.- 
Kessl.  ,2  beschlagen  g.  mit  den  porten  .32  lot.'  1549, 
Z  Inv.  ,Ein  wasserbad  unden  uf  bis  zue  der  g.'  Rlef 
1554.  Schwyz  findet  ,don  Gürtel  umb  etwas  zuo  enge 
und  schwerlich  ingezogen  [von  einer  zu  strengen  Vor- 
schrift].' 1561,  Absch.;  vgl.  bei  Gurt  1  a.  ,Er  hat  in 
die  10  jar  sich  als  under  der  g.  lam  des  sessils  be- 
helfen  müssen.'  JMal.  1593.  Es  wurde  den  Nonnen 
befohlen:  ,dass  sy,  wie  sy  die  g.  begriffe,  zur  statt 
uszugend  [ohne  etwas  Anderes  mitzunehmen  als  die 
Kleider,  die  sie  trugen].'  Grob,  Chr.  1599.  —  Mhd.  ui.  u.  f. 

Sant- Johannis-:  Wermut,  arternisia  vulg.  Am 
StJ.-Tag  (Sonnenwende,  daher  die  Pflanze  auch  .S.- 
Gürtel' genannt  wird)  i.'ürt./te  man  sich  mit  der  Pflanze 
und  warf  sie  lirnihl)  in  d.is  Johannisfeuer  unter  Her- 
sagung etliclirr  S|,ni.i].'  und  Reime  GaPr.  (Vonbun). 
.Buckelen,  beifuoss  (s.  Bd  1  lo9S);  man  heisst  es  auch 
SJohann.sg.'  KdGbssn.  1542.  ,Bei<uss  oder  Sant  Jo- 
hannis-G.'  ZZoll.  Arzncib.  1710.  —  .Bruech-,  bra- 
cile.'  Ebingek. 

Brut-.  ,So  ein  knab  ein  wittwe  zuo  der  ee  iiiiumt, 
und  sy  den  br.  abtuet  [wird  sie  erbberechtigt  |.-  l.">'2'.i, 
ZStadtb.     Vgl.  entgürten. 

Spann-:  windenartige  Vorrichtung  zum  Spannen 
der  Armbrust.  Bs  XIV..  S.  121.  ,16  Sp.'  a.  1171  im 
Zeughaus  L.     Vgl.  Spanner.   —   Auch  mhd. 

Weich-:    Gürtel  um  die  Weichen.  XV.,  LVogtk. 

gürte":  1.  wie  nhd.  , Ein  mann  und  wyb  mögent 
sich  selber  gurten,  als  si  ze  kilchen  und  ze  merkt 
gangen,  so  sie  in  dem  todbett  ligent  und  an  ein  otten 
fry  strass  gan  und  ir  guet  verschaffen  [testieren].'  1414, 
LW.  Offn.  ,Sich  zwischen  zwei  Barten  g.',  ein  er- 
wachsener Mann  sein.  XIIL.  Vetter,  ScnSt.  1.  S.  v. 
einschränken,  zähmen;  vgl.  ,in-tuen':  ,Wir  wend  dich 
eins  lochs  näher  [enger]  g.',  dich  in  die  Enge  treiben. 
NMan.;  vgl.  noch  frciiiig  Bd  I  1273.  -  2.  durch- 
prügeln, schlagen,  herumstossen,  züchtigen  Aa;  B;  L. 
Vgl.  Gurt  3  u.  gürtlen.  ,Zue  Sempach  in  dem  stryt, 
da  wir  den  Lupoid  gurten  [gürteten].'  HRMan.  „Steine 
werfen,  mit  Steinen  bewerfen  W."  —  3.  spielend  sicli 
balgen,  sich  austoben,  bes.  von  Kindern  B.  Synn. 
s.  bei  galpen.  ,War  Etwas  zertreten,  sie  hatten  da 
gegürtet  [unbegründete  Anklage].'  Gotth.  —  I.  stra- 
fen, zanken,  schelten  B.  Der  Att  wird  Ei's  g.,  wenn 
er 's  vernimmt'.  B  (Zyro).  —  Bod.  3  entw.  aus  '2  oder 
vom  Ringen,  bei  welchem  man  einander  am  LeibgUrtol   fasst. 

ab-:  1.  den  Gürtel  abnehmen.  Ebel.  Übtr.:  ,Ks 
beschicht,  dass  ein  überkeit  denen,  so  die  g'weer 
missbruchend,  das  g'weer  abgürtet  und  verbüt.'  HBiill. 
1561;  vgl.  abstricken.  —  2.  „abprügeln."  .Einen  a., 
verberibus  cxcipere.'  Denzl.  1677;  1716.  —  über-: 
(ein  Saumtier)  überladen;  bildl.  übertreiben,  das  Mass 
überschreiten,  Forderungen,  Zumutungen  überspannen. 


447 


Gart    gart,   (iarlsch-  Äiii'lsch.    (iarw   -gi; 


,l)u  sollt  (lyneii  bnunler  mit  wuoclier  nit  ü.,  iioii  op- 
priiiies  euiii  usuris.'  HBull.  1531.  ,Ja,  ir,  iiiyn  hcrren 
von  den  5  Orten,  wöllent  den  esel  ü.,  und  eb  si  sich 
also  wüllent  zwingen  lassen,  so  werde  e  der  bär 
kretzen.'  1532,  B  (Strickl.).  ,Man  inuete  der  weit  zue 
vil  zue,  man  ü-e  die  sach.'  RGualth.  1552.  ,Gar  vil 
sind  ir,  ein  grosse  summ;  doch  dass  ich  dis  nit  ü., 
so  will  ich  ein  exempel  stellen.'  JMurer  1575.  ,üen 
E.  ü.,  übertreiben,  überhölzlen.'  Mey..  Hort.  1692. 
,Ultra  septa  transilire,  zu  viel  tun,  den  E.  ü.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  umme"-gürte":  sich  herumtreiben  B. 
Wo  bist  wieder  umme-g' gürtet?  fragt  die  Mutter.  — 
ent-:  sich  entkleiden,  von  beiden  Geschlechtern.  ,Hät 
sich  denn  syn  frow  enkeinost  [irgend  einmal]  bi  im 
entgürt  in  sölicher  mass  vor  dem  bett,  als  si  bi  im 
liggen  wollt.'  SimwWangen  Hofr.  ,Wenn  ein  mann 
und  ein  frou  sich  in  der  meinung  e.,  dass  sy  elich 
by  einander  liggen  wellen.'  ZLaufen  Oifn.  —  er-: 
1.  abprügeln  Bü.  —  2.  unpers.  i's  het  nii'''  erg-et,  ich 
konnte  mich  des  Lachens  mit  Mühe  enthalten  BHk.; 
vgl.  versprengen.  —  üs-:  austoben,  in  Mutwillen  und 
Lustbarkeit  das  Mass  erfüllen  B  (Zyro).  —  ver-, 
zer-:  1.  „in  Stücke  schlagen,  z.B.  ein  Gefäss."  — 
'2.  zerstreuen,  verzetten,  Etwas,  das  man  zusammen- 
gelesen od.  -gerecht  hat  BGu.  —  3.  „vergeuden,  ver- 
schwenden BO."  Syn.  verklopfen,  -schlan.  S.  noch 
ver-gurt.  —  dürhi"-:    durchprügeln,  auspeitschen  B. 

hündli-:  knausern  mit  Zeit  und  Geld,  sich  ab- 
arbeiten B.  ,Und  dann  ist's  nicht  etwa,  dass  wir  h. 
und  es  den  Leuten  nicht  gönnen,  wenn  wir  schon 
Alles  zu  Ehren  ziehen.'  Gottii.  .Wenn  man  nur  ar- 
beite, was  man  wohl  möge,  nicht  hüiullijiürte  und 
schaffe,  bis  man  alle  Viere  von  sich  strecke  ebd.  — 
Hündligürter:  Knauser,  Geizhals  B. 

Üas  Siihst.  beweist,  dass  ,h.'  selbst  schon  als  Zss.,  uicht 
nur  als  constructivc  Verbindung  getrennter  Begriife  zu  be- 
trachten ist.  Die  verbale  RA.,  die  doch  zu  Grunde  gelegen 
haben  niuss,  scheint  eine  ähnliche  Anschauung  wie  bei  ,deu 
Esel  übergürten'  vorauszusetzen,  doch  hier  mehr  i.  S.  v. 
.plagen',  wie  etwa  kleine  Hunde  zum  Zeitvertreib  mit  allerlei 
tjuälereien  missbraucht  werden;  vgl.  gürten  S. 

Gürtete  f.:  Rauferei,  Schlägerei  B;  L;  Id.  B 
(.conflictus'). 

Gürtle"  f.:  \.  =  Gürtel.  ,Und  hat  ein  lederin 
sack  mit  pfylen  under  der  gürtelen.'  Stockar  1519. 
,Die  vergülten  G.  den  Frauen  verhüten.'  V,  Mand.  1650. 
,Ein  G.  von  Sammet.'  1701,  ZWasl.  _'.  l.imenzahn, 
leontodon  tar.  ZMünch.     Syn.   KiHni-lilnnii. 

a  bezieht  sich  daran!',  dass  die  Kiiidui'  ans  duu  Stengeln 
der  Blumen  Ketten  herstcUeu,  welche  sie  sich  gelegentlich 
wie  C5Urtel   umlegen. 

gürtle":   mit  dem  Gürtel  schlagen  Ndw. 

Gürtler  m.:  Silberschmied,  der  den  zur  weib- 
lichen Bernertracht  gehörenden  Silberschmuek  an- 
fertigt B;  sonst  wie  nhd. 


(iartschii:  Gummi  elasticum  ZWthur.  's  Bild  ist 
lii",  da  hilft  kei"  G.  und  hei"  linds  Brod  melv.  .\Cor- 
UoliI.    —    Entstellt  aus  .Kautschuk';  s.    Guturhit. 

Gertsche°  f.:  Häher,  corvus  gland.  Gl.  —  Wahrsch. 
lautmaleud;  vgl.   die  Synn.   bei   ffcrPu-Yniji-l. 


„Girtsch  m.:  Eiterbeule  W."  —  Schwerlich  aus  Gitn-h, 
J.  i.  (lüixch,  Hügel,  entstellt;  vgl.  dagegen  das  syn.  Gütschi. 
Gortsch,  Görtsch  s.  Gösch. 
Gürtsch  s.  Gürgetsch. 


garw  s.  y<ir. 

Ledcr-Genve  m.:  Gerber.  ,Wie  ein  1.,  der  knecht 
ist,  nieister  werden  soll.'  Z  Kichtebr.  1304.  Als  Zu- 
name in  den  Urkunden:  1278,  Sch;  1302,  Z. 

Die  in  der  ä.  Spr.  für  Berufsnn.  nicht  seltene  einfache 
sw.  Form  statt  der  Abi.  mit  -aere;  vgl.  ,Bock(e),  Stein- 
metz(e)'  usw. 

Gerwel  s.  Gerbel. 

gerwele"I:  1.  gtermele  II,  jämmerlich  schlagen, 
arg  zurichten  L.  Auch  ab-,  er-  II;  letzteres  auch 
=  erschrecken,  z.  T.  unpers.  —  2.  g^erbele,  sich  er- 
brechen ScHwE.     Syn.  gerweren. 

Zu  1.  in  aus  w  wie  in  Schwalm  neben  ,Schwalbe'  aus 
mhd.  mmboe.  Vgl.  noch  er-germelen  I,  welches  viell.  besser 
mit  dem  vorliegenden  vereinigt  würde,  indem  die  auf  Sp.  419 
angegebene  Bed.  sich  leicht  aus  der  hier  angesetzten  ent- 
wickeln Hesse. 

gerwe"  Uw;  W.  sonst  gerbe':  1.  Geräte  schärfen, 
so  die  Pflugeisen  und  Äxte  mit  Stahl  belegen  und 
schweissen  Aa;  Z.  Cliärst  und  Haue'  g'spitzt  und 
g'gerbt.  Lieö  v.  Bauernstand.  —  2.  „Getreide  worfeln"; 
in  der  Gerbmühle  die  Kerne  von  dem  Balg  der  Spreu 
scheiden  Bs;  G.  ,Soll  man  nit  me  geben  denne  1  viertel 
kernen  ze  Ion  von  gerwenne  und  von  malenne.'  Scii 
Stadtb.  —  3.  Tierhäute  zu  Leder  verarbeiten,  allg. 
Bildl.  a)  die  Haut  des  Menschen  mit  Schlägen  be- 
arbeiten, prügeln  AaF.  .Et"'»»  's  Leder  g.  B;  Z;  s. 
noch  Hat.  —  b)  das  Gras  hart  am  Boden  abmähen 
oder  abätzen  BHk.;  ^yn.  schaben.  —  c)  sich  erbrechen 
BBrisL;  SchwE.;  Z. 

Mhd.  germen.  zubereiten.  In  ä.  Spr.  auch  von  der  Klei- 
dung, bes.  der  Geistlichen,  daher  ,gegBrwet,  paratus',  z.  B. 
zur  Messe.  1318,  Kopp,  Urk.  ,StPeter  ggrwote  mich  und 
wychete  mich.'  Nicol.  v.  Bs;  vgl.  mhd.  ge'neehüH,  Sacristei. 
Zu  3  b  vgl.  Gosehen-Gerwer.  3  c  von  der  Ähnlichkeit  des 
Aussehens  od.  Geruches  von  Erbrochenem  mit  Gerberlohe  (?); 
annehmbarer  ist  jedoch  Zshang  mit  mhd.  gerwe,  Hefe,  Aus- 
wurf, Unreinigkeit,  welches  von  gSm,  gähren,  abgel.  wird  und 
wahrsch.  mit  gence  vermengt,  dieser  Bed.  zu   Grunde  liegt. 

ab-,  er-,  üs-,  dure"-:  durchprügeln  Aa;  Bs;  B; 
L ;  Seil ;  S :  Uw ;  Z.  Vgl.  ab-lederen,  er-lideren.  ,Sind 
[seid]  dapfer  lüt,  so  wend  wir  in'="  er-g.  d'  hüt.'  HBull. 
1533;  s.  noch  beren.  —  ver-:  verderben.  ,Wir.st  ein 
Kafeschlürferin  sein  und  dein  Magen  ist  vergärwt, 
dass  er  nichts  mehr  Rauhes  trägt.'  UBräoo.  1779. 

Gerwe"  Gerbe  Ar;  GRPr. ;  G,  Gcerwi  ScHw;  Uw, 
U'erbi  Bs;  B;  Z  —  f.:  1.  Gerberei,  allg.  Es  si"  meh' 
Ghalbfell  in  der  G.,  nann  Chiiehüti,  es  sterben  mehr 
Junge  als  Alte  BBe.;  s.  noch  Hüt.  —  2.  „Hand-  od. 
Windmühle  G";  s.  gerwen  3. 

Mhd.  gerwe,  Zubereitung;  Gerberei;  vgl.  i/cnmyudnH, 
Werkstatt.  In  Bed.  2  hat  sich  die  allg.  Grundbed.  in  einer 
andern  Specialanwendung  als  bei  1  erhalten.  —  Die  Form 
mit  w  haftete  in  Z  am  Namen  eines  Zunfthausos  bis  in  die 
neueste  Zeit. 

(Leder)-G(>rwer:  Gerber.  Z  Chr.  XIV.;  1389, 
Gfri>.:  1564,  Z  Ratsver. 

Gosche"-  (Bs;  S).  Schnorre"-  (Z):  liarbior 
(gemein). 


r/,g—gnr 


giis 


150 


gerwere"  gerhere:  sitli  eibreolien 
(jerwelen  3;  gerwen  S  c. 

(iorwolu",  Gcrwerc"  s.  Germcrcn. 


(idi'x  Ml.:  K'üliis  A.\Fri.;  Bs;  BLiuiC;  S.  -  gorxe": 
\.  =  gnrglai:i  „L;  S.miw.-  —  2.  rüliiseii  AaFi-L;  Bs; 
BLaiif. ;  S;  Syii.  (/iiz/Kry/.  Ks  häd  ordeli'''  g'guetet,  so 
aeit  (Int:  lidln  uml  iinr.ni.  ÜREiTENST.  —  3.  unpers.  es 
gor.vi'l,  tiiiit  wie  lniiii  Auttreten  in  Schlamm-  oder 
Sumpfboden  AAZein.  S v  w.  gitiJcreii.  l:viil.-;rhni :  aöts-chfien. 
—  Gorxi  m.:  1.  gurgelndrs  AiiIMm^m'ii  im  Mui^en 
AAZein.  —  2.  Flurn.,  Gruiidstürk  mil  iin-mi  Toii- 
boden.  ebd.  —  gorxle":  Beiz  zum  Erbrcclieii  haben 
GaNuf.;  vgl.  gorzlen.  —  Schallnaehahniend  gebildet  wie 
die  Syuu.     Vgl.   .görgescn,  gargarizare."   G  Voc.  XV. 


(Jarz«l-  m.:  Finger.  D'r  Melch  [Meh-hi..r]  raiiiK'l 
[kratzt]  üich  mit  den  G-en  hinder  den  Oven  BSa.  — 
lias  W.  seheint  vun  einem  Vb  'ijarzen,  kratzen,  gebildet. 

gerze":  ätzen,  die  Jungen  der  Vögel  BBrisl.; 
.SThierst.  —  Mit  augewachsenem  Präti.t  ;/e-  imd  eiugescho- 
benem  >■  =  äzcn  Bd  I   626,  ijoctzcn   629. 

Gerzler:  schön  geformte,  ziemlieh  grosse,  saftige 
Mcistbirne  B;  Tu;  Z.   —   Wühl  von  einem  Ortsn.? 

gorzle"  FTaf.,  gurzle"GL:  aufstos.sen  im  Magen, 
rülpsen ;  Syn.  gorxen,  gorzgen.  Du  würst  z'  vül  g'gesse' 
ha",  dass-de  [du]  geng  g.  miiesst  FTaf.  —  Vgl.  bair. 
■iiinezeii.   kullern  im   Baueh. 


(Jiirzeli   n.:    penis    GTa.  -    Viel 


il  ./.., 


lufstossen  BBricnz.     Syn.  gurdcii. 


(lias,  ges,  gis,  g-os,  giis,  bezw.  gass  usw. 

Gas  Gas  s.  Gans. 

(iiiss  f.:  G;i«vp,  Durcligang  zw.  Hän^i'vn'ihrn  (cider 
s,.ns(i-rn  Kilhiliiiii.-jcn),  ob  gepttast.Tt  ,M|ri-  nicht. 
1.  im  All-,  «ir  lihd.  und  in  den  Slmltmi  alhirililicli 
ilurch  .Stias^.j-  aui' die  altern  und  on.n'ein  Wrgr  zmiu'k- 
gedrangt.  In  den  Uörfern  dagegen  herrsclit  durcliweg 
G.,  Striiss  nur  i.  S.  v.  Landstra.sse;  ilanebcn  Weg,  in 
etwas  anderer  Bed.  Zunächst  ist  es  die  Dorf-,  bezw. 
Stadt-Gasse,  die  mit  Häusern  besetzte  Strasse,  ent- 
sprechend frz.  nie;  als  via  publica  der  Ort,  wo  die 
Leute  ausser  dem  Hause  zu  verschiedenen  Anlässen 
sich  treffen.  EAA.:  De-'  soll  mir  meh'-  a»  d'  G.  cho' 
rite'  [schlittenfahren]!  ich  will  ein  ander  Mal  nicht 
wieder  von  ihm  wissen  ZLimm.  Gang  du  o"  dl"  G., 
sieh  du  zu  deiner  Sache!  Eim  uf  alle"  G-e'  iiiüest 
säge",  Einen  bei  jeder  Begegnung  ausschimpfen  BB. 
Über  d'  G.  u-irte",  Wein  in  die  Kachbarschaft  aus- 
schenken Bs;  Z.  Hans  in  alle"  G-e",  Prahler  B. 
Wenn  's  Betlogge"  [Betglocke]  lüt't^  dörfe'd  d'  Chind 
Hümme  uf  der  G.  sl"  (müend  d'  Ch.  ab  der  G.J  Z. 
Uf  d'  G.  gä"  a)  von  Kindern,  spielen  gehen.  Blueter, 
Schweiz.  Idiotikou  II. 


tarff)-i  uf  d' G.  gä"?  Gi, ;  Z.  Anfang  eines  Kinder- 
spielreims. ,So  offenbar,  dass  das  kind  uf  der  g-en 
davon  saite.'  1530,  Aisscn.;  vgl.  fürhen  Bd  1  991.  ,Mach 
ilich  US  der  Stadt  hinwi^g  oder  aber  ich  will  die  g. 
mit  dir  teilen  [dich  an  die  Wand  drücken],  dass  Gott 
ein  jämer  nach  dir  muoss  schryen.'  1531,  Stkicki.. 
,Es  verstönd  's  oueh  die  kinder  auf  der  g-en.'  1589, 
Zellw.,  Urk.  —  b)  von  jungen  Bur.schen  (Nachtbuben | 
bes.  Samstag  und  Sonntag  Nachts  sich  auf  der  G. 
zsfinden  zu  allerlei  fröhlichem  Treiben,  auch  Schaber- 
nack und  Besuch  bei  Mädchen,  doch  im  Unterschied 
vom  z'  Liecht  gän  oder  Kiltgang  nicht  zu  Freiers- 
zwecken und  nicht  einzeln,  vielmehr  bloss  zu  ge- 
selliger Unterhaltung  bei  geschlagenem  Rahm,  Most 
usw.,  wobei  die  Kosten  von  ilen  TcilnehTnorn  getragen 
und  beim  Abschied  drm  Minhlhn 
gegeben  wird   ZO.     AV    i^i    imi  i 


Mnl 


Schilling' 
/'  G.  gange" 
.„Hr,  lun,  i" 
r    nf    ,r  (i.. 


iff"  her 


zs. 


auch  in  altern  Zeitmi  .rlm,,  v.'r|„,i,t.  Kii,  i,  Mandat 
1641  , bedauert  zum  iKicIi.sti'ii  die  Ljros.sr  I  iilj.'M-h.Mdrn- 
hcit,  welche  sowolil  von  frmnljdfii  als  hrimisclien 
jungen  ledigen  Gesellen  mit  ihrem  iiäehtliehen.  muet- 
willigen  Herumschweifeii  oft  bis  Mitternacht  oder  noeli 
länger  getriben  und  ehrlichen  Leuten,  so  an  ihrer  Kuli 
waren,  allerlei  Trutz  und  Widerdriess  bewiseii:  in- 
sonderheit aller,  wann  sie  etwan  ab  den  Killjeiieii, 
Jalinn.iiklen,  IlMrIi/eiten.  ausgerüeften  Wein-  und 
Mostla..ein  nml  amleieii  Zechen  kommen,  sich  dann 
mit  .Inrlizeii.  ,l,.leH  uiiil  audereu  tollen  und  vollen 
Gelieideii  iiil  anilerst  erzeigen,  dann  wie  unsinnig  Leut, 
die  iiil  ^vn,^selMl,  was  sie  tuend.'  Uf  d' G.  fuse")  chii", 
arm.  zum  lieltlei  «eiden  11;  Cl;  Z;  vgL  ,aut's  Pflaster 
konnnen.-  .  T/  :hr  <;.  >/-,  ad  incitas  redactum  esse.' 
Id.  B.  ,Auf  dn  i.a-  en  -e  ,  jilaueir,  um  Hab  und  Gut 
gekommen.  157u.  Urk.  7/  G.  ahgO",'  den  Krebsgang 
gehen  Ai>.  Mni  ab  der  G.  (hürate'),  eine  bettelarme 
Person;  vgl.  Bettel-G.  's  Geld  iif  d' G.  use"  rüm" 
[werfen],  zwecklos  verschwenden  Z.  —  2.  a)  mit  Ba- 
sen bewachsener  Feldweg.  ,Wo  g-en  durch  güeter 
gond,  da  soll  niemad  in  der  g.  hüeten,  des  die  güeter 
nit  sind.'  Ar  LB.  1-109.  -  b)  tief  aiisijewaseliener 
Weg,  alter  Helilwe-  Ar;  1..  Vgl.:  .Wer  der  wiire, 
der  durch  di.'  g.  wasser.'li.'  1.".:;:;.  Gi;  i;.|.;  >.  im.di 
Wasser-G.  lüm.  Qiissli,  mit  eingetretenen  Steinen 
belegter  und  mit  hohen  Zäunen  eingeengter  Weg,  aucli 
ausserhalb  des  Dorfes  BO.  -  3.  freie  Bahn  übh.  Usse 
fusij  Gass!  oder  usse  Gasse"!  Schlittenruf  =  ,Platz!' 
Gii.  ,E  Gasse",  es  Gässli  mache",  viam  in  frequentia 
houünuni  parare.'  Id.  B.  Gang  mi;r  ah  der  G.!  =  dein 
neuern :  ab  de"  Schinne".  ,Den  sinen  macht  er  [Winkel- 
ried] ein  g-en.'  Sempacherlied.  —  4.  übertr.:  a)  beim 
Kegelspiel.  E  G.  schüsse",  icörfe",  eine  Keihe  hinter 
einander  stehende  Kegel  umwerfen  und  so  Bahn  bre- 
chen Tn;  hingegen  in  Gl  e  G.  werfe":  die  Kugel  leer 
zwischen  durch  werfen;  Hyu.  Loch  rüeren.  Vgl.  auch 
Hueren-G.  —  b)  Weg  zwischen  Spiessruteu  durch. 
,Das  Volk  wollte  sie  [eine  Falschmünzerbande]  G-en 
laufen  sehen.'  UBrägg.  1788.  —  c)  im  Gewebe,  als 
Fehler:  Stelle,  wo  kein  Faden  durchgeschossen  ist 
ScnSt.  (Sulg.).    Beim  Stricken,  das  zu  weite  Abstehen 


451 


Gas,  ges,  gis,  gos.  gus 


452 


der  Maschen  von  einander  der  Länge  des  Strumpfes 
nach  Bs;  Z;  Syn.  Chräbli.  —  5.  Ortschaft,  Dorf,  nur 
in  ä.  Spr.  ,Zuc  der  nächsten  g-en.  die  da  heisset  qua- 
draves  [Grabs]  [Übersetzung  von:  virus  proximus].' 
KSailer  1460.  ,N.  N.  hat  geben  in  .Im,  ,yr,..,le  [Übers. 
von:  in  viculo)  Tutenhofen  ein  sullich  yuet.-  Sc  ii  Rodel. 
,In  Gassen-,  (Dat.  Sg.)  lat.  platea.  jetzt  verstanden  als 
,in  [den]  Gassen-,  nunmehr  ein  t^uartier  der  Stadt  Z, 
urspr.  eine  nicht  zur  Stadt  gehörige,  längs  de.s  Münster- 
hofes durch  Wirtschaftsgebäude  und  die  Wohnungen 
der  Dienstleute  der  Abtei  gebildete  Gasse.  ,An  (in) 
der  Gassen',  Meiringen,  Hauptort  des  Haslitales;  welch 
letzterer  Name  1233  neben  jenem  vorkommt.  Im  W 
frühere  Bezeichnung  von  StNiklaus;  ,zu  S.  Nikiaus  im 
Dorf,  das  man  Gasen  nempt.'  ThPi-att.  ;  frz.  Chauson. 
Der  W  Geschln.  ,Indergassen-  c.  1390  lat.  mit  de  vico 
übersetzt.  .Vicus,  Gasse;  viculus,  gässle  oder  dörfie.- 
Fris.  Vgl.  Kilch-Gass  und  am  Platz.  Sonst  ist:  an, 
in,  bei  der  GassfenJ  häutige  Bez.  von  Weilern  und 
Höfen  in  B;  L;  auch  S;  Th;  Z;  ebenso  im  Gässli. 
Abi.  Gä^selen  G.  Zu  Geschln.  verwendet  in:  Gasser, 
Gassmann.  Vgl.  ,Anna  Gass  von  Ormalingen.'  1757, 
Bs;  ,Clara  vor  gassen.'  1387,  Bs.  Wahrsch.  gehören 
auch  Gessler  und  Gessner  hieher;  vgl.  das  mhd.  Dim. 
gesselin. 

Die  grosse  Menge  Zssen,  welche  zu  Stadt  und  Land  vor- 
kommen, gruppieren  sich  nach  bestimmten  Gesichtspunkten. 
Der  erste  Bestandteil  bezeichnet  entw.  die  äussere  Lage,  wie 
ßerrj-,  Rain-,  Vf-,  Under-,  Ober-,  Mitihr-,  Vorder-,  Hinder-G., 
oder  die  Beschaffenheit:  Witi-,  Sttin-,  Dreck-,  Tüf-G.  usw., 
oder  die  Benennung  ist  hergenommen  von  anstossenden  Ge- 
bäuden (bezw.  deren  Besitzi'iii.  v.  R.  Il.ni,i.j-.  S.h,,fn!n-,  oder 
nach  einem  Häusern,  wie  '„,/,-,/;,  (,i.  Kiili.ii.  Klöstern, 
Wirtshäusern  usw.,  oder  vi.n  l'irsiiiiiniiniL'  mul  Zirl,  nio  Ä'iic-, 
Markt-,  Weid-,  Huh-O.,  oder  cuaiirli  mn  daiau  butriubenen 
Gewcrken,  wie  Färber,  .icMomer-0.  usw.  Vgl.  auch  die  Zssen 
mit  -Weg. 

Öd-Gass.  ,Die  llanzer  haben  vil  Ordnung  in  irer 
statt  recht  mit  ödgesselynen,  tächern,  gassen  usw.- 
15-29,  GRRq.  —  Engel-Gässli:  Weg  in  ZDorl.,  wo 
auch  eine  Tüfelsbrugg  vorkommt. 

Anke°-Gass    ZStdt,    -GössU    ZWinkel.    -    Vgl. 

,S,lwmh-Gaas,  -Grveb. 

Esel-  SStdt;  ZStdtt,  Mülesel-  ZBuchs.  Däll., 
Regenst.  —  Beweis  stärkerer  Verwendung  dieser  Tiere  in 
früherer  Zeit;  vgl.  Bd   I   514. 

Frauen-:  Gasse  mit  einem  .Frauenhaus-  Scn. 
Anders:  Frau-GässU,  Hohlweg  ZWyt.  —  Geiss-: 
Weg,  durch  den  die  Ziegen  auf  die  Weide  gehen; 
vgl.  Küe-G.  Chumm,  mer  wend  uf  d'  G.  gä',  Niemer 
wemmer  [wollen  wir]  mit-is  lä";  a"  der  G.  wont  es 
Chind,  tcie-me'  nüd  g'rad  derigi  [solche]  find't  ZStall. 

Heide"-  ZcBaar.  —  Wie  i/eicfen-VTcgr  Andeutung  ur- 
alter Niederlassung    oder    röm.  Gemäuers;    vgl.   Tü/cU-Gaan. 

Hol-:  häufiger  Name  v.  Hohlwegen,  z.  B.  ScnSchl.; 
ScHwKüssn.;  ZZoll.  .Holperige  Holgassen  und  Saum- 
wege.' MEoHN.  1867.  —  Holz-:  1.  Weg,  der  zum 
Walde  führt  ZBiesb.  -  2.  Waldweg.  ,Im  XVIU. 
mussten  oft  die  Tambouren  mit  ungeheurem  Lärm 
durch  die  H-en  ziehen,  die  wilden  Schweine  zu  ver- 
jagen.- AAGem.  —  Here"-,  Herr(e°)-:  nicht  seltene 
Benennung  von  Wegen,  die  wohl  früher  zu  einer  Burg 
oder  zu  herrschaftlichen  Grund.stücken  führten,  so 
Z  Dielst.  Neft.  In  BStdt:  Gasse,  wo  die  Prediger 
wohnen.    —    Huere"-;    ein   besonderer   Wurf  beim 


Kegelschieben,  da  nämlich  die  3  in  der  Diagonale  des 
Rieses  hinter  einander  stehenden  Kegel  getrotfen  wer- 
den Z.  Syn.  roti  Gass;  vgl.  Gass  4  a.  —  Ja-und- 
n ei" -Gässli.  Nur  in  der  im  Kinderspiel  des  ,Äng- 
sterliausteilens'  vorkommenden  Frage:  Bist  aw'' schu' 
's  J.  uf  und  ab  (dur'''  's  J.J  g'gange',  auf  welche  es 
verboten  ist,  mit  Ja  oder  Nein  zu  antworten  Z.  — 
Chüe-Gass:  häufige  Bezeichnung  des  Weges,  auf 
dem  das  Vieh  aus  dem  Dorfe  auf  die  Gemeindeweide 
geht  oder  gieng,  so  1653,  ÄAWett.;  ScnSchl.;  ZHott., 
Zoll.;  früher  auch  in  Städten,  z.B.  Z.  —  Chcibe"-: 
Weg  zum  Schindanger  AAZof. ;  LSchöz;  ZLeimb.,Wyla; 
syn.  Schalmen-G.  —  Chugel-:  mit  grossen  Kieseln 
gepflasterte  Strasse  ZMänn.,  Sth.  —  Chilch-:  der 
zur  Kirche  führende  Hauptweg;  sehr  häufig.  ,Zer 
Kilchgassen',  früher  Name  des  jetzigen  Hauptortes 
Schwyz.  ,4  Kilchwychinen:  zuo  Kilchgass,  Art,  Steinen 
und  Muotochtal.'  1522/44,  Schw  LB.  —  Charr-,  in 
der  Verbindung:  's  Tüfels  Charr-G.  (Ch.-Strass) :  aus- 
gewaschene Felsenkehle  am  Pilatus.  —  Chuttel-: 
Gasse  in  Bs;  ZMänn.,  Stdt,  wo  früher  Kutteln  [Kal- 
dannen]  verkauft  wurden.  ,Ze  Basil  in  der  k.-gassen.' 
1325,  Bs  Urk.  Scherzh.  und  umgedeutet:  Etwas  die 
K.  hinabschicken,  aufessen  Z.  —  Chräni-:  Gasse  mit 
Kramladen  BsStdt;  BStdt;  ScbwE.;  vgl.  Markt-G.  — 
Chrüz-:  1.  Kreuz-,  Scheideweg.  .Über  einen  tod- 
schleger  sollent  dry  landtag  an  offner  crüzgassen 
g'halten  und  im  jedesmal  3  mal  darzu  grüeft  werden.' 
1589,  B.  ,Per  compita,  durch  die  kreuzgassen.'  Fris. 
,Die  kreuzgassen,  der  kreuzweg,  da  vier  weg  zesammen 
kommend.'  Mal.  —  2.  Weg,  an  dem  ein  Kruzifi.x 
steht  oder  stand  Gr.  —  Lang-.  Nicht  seltene  Be- 
zeichnung langer  Wege  in  Dörfern  u.  Städten.  Über- 
tragen: D'  lang  G.  öni  Staub,  die  Milchstrasse  (im 
Volksrätsel)  ZEegensb.  —  Lotter-:  Gasse,  in  der 
die  , Lotter',  Possenreisser  des  Mittelalters,  ihren  Sitz 
hatten  BsStdt,  Liest.  —  Malz- (Malenz-,  Malaz-): 
Strasse  der  Malzen,  d.  i.  Aussätzigen,  , vicus  lepro- 
sorum.' Bs  XIV.  —  Mörder-Gässli:  die  sog.  Reichs- 
strasse, durch  welche  die  zum  Tode  verurteilten  Ver- 
brecher geführt  wurden  Gl.  —  Bader-Gass:  Gasse 
der  Bader  Z.  S.  Germania  XIV,  4.  —  Bettel-, 
Bettler-.  Wie  Mänge^  süß  und  spilt  Tag  und  Nacht 
j»  ^g,  Wirtshusere",  bis  er  uf  de''  B.  usse  stöt  GT. 
(Feurer).  En  arme  Ma""  üf  d'  B.,  vo"  Hüs  und 
Heime"  tribe.  ebd.  ,In  unserm  Ländchen  darf  sich 
jedes  frönide  Pack  setzen  und  einen  Haufen  Junge  auf 
die  Bettelgasse  schicken.'  UBragg.  1788.  —  Pfaffe"-: 
die  südliche  Abdachung  des  Seerückens,  die  besonders 
mit  Klöstern  gesegnet  war  Th  (Pupik.);  vgl.  Pf.- 
Winkel.  —  Renn-  Bonn-:  Strasse  in  SLost.;  vgL 
Bennweg.  —  Tüsig-sele"-Gässli:  enge,  aber  stark 
bevölkerte  Gasse  ZStdtf;  vgl.  das  Tusigsele'hüs,  eine 
Mietkaserne  in  Chur.  — -  Salz-Gass:  G.,  wo  Salz- 
verkauf betrieben  wurde  Bs.  ,Domus  in  vico  s-gassa.' 
1252,  BsXIV.;  Syn.  , under  den  salzkasten.'  —  Schäl-: 
Gasse,  die  zum  Schlachthaus  oder  zur  Fleischhalle 
führt.  JHoFSTÄTT.  1865.  —  Sehne  1er-:  Gasse,  die 
zum  Schulhaus  führt  ZZoll.f  u.  aaO.;  vgl.  ühilcherweg. 

Schalme»-:  =  Keibe'-G.  In  TnWeinf.  u.  Tag. 
durfte  der  Abdecker  das  Aas  nur  durch  das  Sch.-Gässli 
abführen.   —  Schalm,  Aas. 

Schlss-,  nur  in  der  RA.:  es  gät  d'  Seh.  ab  mit-em, 
er  geht  den  Krebsgang,  dem  Untergang  entgegen  Aä; 
B;  U;  Z. 


453 


Gas,  ges.  gk,  gos,  gus 


454 


Schmetter-:  der  sehinale  Weg,  den  eine  Volks- 
menge Durchgellenden  öffnet  Ap.  --  Von  Schmnitem, 
Ijuetscliung. 

Studente"-Gässli:  die  Vertiefung  zwischen  den 
weiblichen  Brüsten  Z;  Syn.  Flöhwef/.  —  Tüfels- 
(iass:  abgegangene  Strasse  von  LEschenb.  nach  Hochd. 
LiT..  Sag.  S.  273;  vgl.  Heiden-G. 

Täpe"-:  fingierter  Gassenn,  in  der  RA.  dem  Lang- 
wiler  a"  der  T.  g'höre',  ein  langweiliger  und  langsamer 
Jlen.sch  sein  ZZoll.   —   '/a/cn.  träge  arbeiten. 

Töte"-:  G.,  auf  welcher  einst  von  einer  Ausge- 
nieinde  her  die  Leichen  zum  Friedhofe  gebracht  wurden 
ZEgl.  (Wild).  —  Trumm-:  schmale  Strasse,  Fusspfad 
GrD.;  PGr.  —  Weld-:  ungefähr  was  Chüe-G.  Z.  — 
Wasser-:  ausgeschwemmter  Hohlweg.  .Beschlossen, 
beim  Bau  der  neuen  Strasse  die  tiefen  W-en  auszu- 
weichen.' 1786.  ZEgl. 

gassätum  gä":  sieh  Nachts  auf  der  Gasse  herum- 
treiben ScH  (Kirchh.).  .Vcrbotten  das  nächtliche  Ga.s- 
senlaufen,  Herumschwirmen,  G.-gehen,  Schreien.'  1637, 
Bs  Eq.  .Per  plateas  noctu  lascivire.  G.  gehen.  Nachts 
auf  den  Gassen  Mutwillen  treiben.'  Denzl.  1677;  1716. 
Syn.  gassen-,  nacht-roglen  Bd  I  998  ff.  -  Makaronische 
Wortbildung;  deutscher  Stamm   mit  lat.  Supinend. 

gassne":  bei  Nacht  auf  der  Gasse  herumschwär- 
men, bes.  von  ledigen  Burschen  Gl. 

gässle":  Gassen  machen  i.  S.  v.  G(tss  4  c  B. 

Se-Gässler:  saure,  grünliche  Apfelsorte  Th; 
ZTurb.   —  Von  einem  Ortsn.  Se-Gu»«. 

g'äsge"  s.  ge-ansgen  Bd  I  .348. 

gässlig:  plötzlich,  adj.  und  adv.  GWa.  Er  ist  g. 
g'alorbe';  e  g-s  Unglück.    Auch:  g.  ehalt. 

Ans  mhd.  gähes,  jählings,  combiniert  mit  gähehch  unter 
Vciiiürzung  des  Vocals. 

gäss,  -ig   s.  ge-äss.        eng-gäss    s.  eng-ge-ächst. 

Gaus  s.  Gans. 

fianseli  n.:  kleines,  hölzernes,  im  Gegs.  zur  .Brente' 
mehr  rundes  als  ovales,  an  der  Hand  getragenes  Milch- 
gefäss  LE.     Syn.  Füster,  Gummerli,  Melchteren. 

Vgl.  ,Gausß'  bei  Gr.  WB.  IV  1  a  1587,  mhd.  rjetue,  ,Gäise.' 
Red.    1662,  die  hohle  Hand.     S.  aber  auch   Gusi  III. 

gause":  1.  Flüssigkeiten  durch  einander  mischen, 
bes.  um  ein  Getränk  zu  verschlechtern  LE.  Comp. 
rer-g.  —  2.  ungereimtes  Zeug,  bes.  zum  Nachteil  eines 
Andern  durch  einander  plappern  LE. 

Viell.  aus  dem  vorhergehenden  Subst.  abgeleitet,  doch 
vgl.  auch  die  Gruppe  gautsch-  usw.  —  2  bildl.  Anwendung 
von  1 ;  Tgl.  ßäderen,  hloderm,  schimileren,  die  sowohl  von  Be- 
wegung der  Flüssigkeit  als  der  Zunge  gehraucht  werden. 

Gäusler  s.  Gänsler. 

Ges  s.  Gans. 

ver-gesen  s.  ter-jesen. 

Ver-gess  m.:  Vergesslichkeit,  bes.  in  der  RA.  tm 
(seltener  us)  V.,  aus  Unachtsamkeit,  Versehen  Bs;  B; 
FMu.;  Gl;  Z.  Es  ist  e"  blosse''  V.,  nicht  absichtlich 
geschehen.  ADennl.  1817.  ,Weil  's  ob  dem  Plaudern 
hier  ein  Versehen,  dort  einen  V.  absetzte.'  JRWyss 
1822.  In  ä.  Spr.  =  Vergessenheit.  ,So  [was]  in  v. 
kon  will.'  ThFrickart  1470.  ,Des  wir  uns  zum  höch- 
sten bedanken,  auch  solichs  in  keinen  v.  nimmer  mer 
stellen  wellen.'  1531,  Absch.  ,üamit  dis  Ordnung  in 
dester  minder  v.  gstellt  werde.'  1575,  Z  Ratsverordn. 


.In  ein  ganz  v.  g'raten.'  Cvsat  c.  1600.  ,Uie  Märchen 
verlierend  sich  und  kommend  in  V'.'  1627,  Hagenb., 
Sigr.  ,Wie  bald  wäre  doch  das  leichtfertige  Schweeren 
in  V.  und  Abgang  zu  bringen.'  FWyss  1655.  .Ich 
glaube,  wenig  ihr'  [der  gelehrten  Männer]  seien  in 
V.  gebliehen.'  EEscher  1692.  .Weil  in  V.  all  Zucht 
und  Ehr.'  JCWeissenb.  1701/2. 

Gotts-verggss:  Ackerziest,  stachys  arv.  B. 

Ein  lästiges  Unkraut.  Schon  ahd.:  .Gotc«  verge'mien,  nmr- 
rubium  album,  Andorn.' 

ver-gesse"(in'GLauchrefl.):  1.  wie  nhd.  's Füdli 
na''''  V.  (tvenn  's  nüd  a'g'wachse  war),  von  Einem,  der 
Alles  vergisst  Z.  De'  Heimweg  v.,  nicht  mehr  zurück- 
kommen, z.  B.  aus  dem  Kriege,  der  Fremde,  's  Ufstü" 
V.,  nicht  mehr  aufstehen  könnrii.  v.m  .'iiMMn  wuchtig 
zu  Boden  Geschlagenen  S.  l)'i  Clirr.inrl  het  ä  [den 
Schulmeister]  längisch  h'stel/l.  als  Oii/tr  mit  v.!' 
[nota  bene]  U.  F"  will  mi^''  mal  r.,  will  eingedenk 
bleiben  Gl.  En  giiete''  Tag  rergisst  100  schlecht,  dem 
Sinne  nach  =  lässt  vergessen  .A.A.  S.  Bd  I  1321  und 
Namen.  ,Nit  in  v.  soll  gesetzt  werden,  dass ..."  Z 
Verantwortung  1525.  .Solls  billich  nit  in  dasV.  stellen, 
glichwol  [sowie]  nit  unbeschriben  lassen.'  Jos.Mal. 
1593.  ,I)asselb  nicht  in  V.  stell.'  1712,  Volksl.;  s.  Ver- 
gess.  —  2.  Ptc.  perf.  in  act.  S.  =  vergesslich  ZEglis. 
Syn.  rer-gesslos.  ,0,  ein  vergessner  Mensch  und  sinne- 
loser Tor;  der,  so  den  Himmel  lasst  und  wählt  die 
Erd  davor.'  R.  u.  CMev.  1650.  ,Und  gibt  zu  erkennen 
für  empfangne  Guttaten  ihr  unv.  G'raüt.'  FWvss  1650. 
Im  selben  S.  das  Subst. , Vergessenheit' :  ,üieses  wasser 
nimmt  hin  die  Vergessenheit  im  menschen.'  JRLandenb. 
1608.  -  3.  vergesse"  (denn)  B;  L;  S;  Zg,  nach  St.'>  in 
L  u.  Zg  auch:  vergösse",  vergess  (denn)  BO.;  U;  W. 
vergiss  W;  Id.  B:  geschweige  (denn).  Stäl  und  Isu" 
git  nä''',  vergiss  ischereis  [Unsereins]  W.  Nit  enial 
für  d'  Siw  e  Chrumme"  [Stall] ;  vergess  für  d'  Lit  es 
Silbers  Nist.  U  Sennenkilbi.  ,Dann  wir  eidgnossen 
sölich  reden  von  frömden  nie  gern  gehebt  haben,  ver- 
gessen, dass  sie  sich  deren  gebruchen  sollten.'  1531, 
Absch.  —  4.  vergessen  hän,  ohnmächtig  werden  BSa.. 
oSi.,  „einschlafen".    Abi.  Ver-giss-min-nit  s.  u.  nit. 

In  3  ist  ver-gHme'  (verk.  ver-gi'st)  das  Pass.-Ptc.  wie  das 
Syn.  g'schwige';  vergiss  die  1.  Pers.  Sg.  des  Präs.  wie  das 
uhd.  .geschweige'  oder  Imp.  In  4  zeigt  sich  die  urspr.  BcJ. 
(vgl.  engl,  (o  </<■(,  erlangen):  verlieren,  nämlich  das  Bewnsst- 
sein;  vgl.  lat.  deficcre,  verfehlen  und  ohnmächtig  werden, 
und   frz.   <Jf/aillir. 

gott(s)-ver-gesse°:  1.  Adj.,  eig.  .Gottes  ver- 
gessen habend',  gottlos,  ruchlos  Ap;  Z.  E  gottsver- 
gessni,  heillosi  Hushaltig.  Stutz.  —  2.  Steigerungs- 
adverb, doch  nur  in  übelm  S.:  heftig,  furchtbar  Aa; 
Ap;  B;  S;  Z  (wo  auch  gott(s)vergessli''').  .Der  Mann 
prügelte  es  gottvergessen  ab.'  Gottii. 

ver-gessli(ch ):  1.  Adj.  wie  nhd.  =  leicht  ver- 
gessend Z.  Syn.  ver-g'esslos.  ,Memor  auris.  ein  hebig 
oder  unvergesslich  or.'  Fris.  —  2.  „ver-gessliche",  Adv. 
=  aus  Vergesslichkeit.''  —  Ver-gessligi  f.:  Ver- 
gesslichkeit, Unachtsamkeit  GrD.  —  Ver-gessli"g 
ra.:  Einer,  der  leicht  vergisst  Ap;  ZO. 

Burrli-Geser  s.  B.-Giger  Sp.  152  '/.. 

Gessmer  s.  Gescher. 

Geis  s.  Ga^is. 

Geiss,  bezw.  Gäss,  Gäss,  Gi-s.^  —  f.  -  PI.  unver. 
B;    Gl.;    Gr;    Schw,    sonst  -e«;    1.    u)  Ziege.     Im    der 


455 


Gas,  ges,  gis 


gus 


456 


grossen  Zahl  sie  betreffender  Sprww.,  RAA.  und  Über- 
tragungen spiegelt  sich  die  Rolle,  welche  dieses  Tier 
im  Leben  des  Volkes  spielt.  Allfvdinss  wurde  ihre 
Schädlichkeit  für  die  schutzbediiiiti-^n  I'tlaiizungen 
von  je  erkannt.  D'  G-e"  shul  es  (,,ihi."-  Wh  /..  ,Da 
inen  sollich  g-en  am  weidgang.  "Ucli  an  aiuLMcu  iren 
güeteren  grossen  schaden  tutend,  sOlltend  [si]  sölich 
schedlich  vech  danna"  tuon;  denn  es  wer  ein  schäd- 
lich tier.'  1517,  ÄAWett.  Arch.  ,0b  die  geiss  aber 
yeniant  schaden  täten  in  säten  oder  in  zwyen,  so  soll 
der,  des  die  geiss  sind,  abtrag  tuon.'  1531/44,  Schw  LB. 
Demgeniäss  verlangt  eine  Satzung  in  SchwE.  1572  für 
Benützung  der  AUmeind  für  die  Ziege  halb  so  viel 
Abgabe  als  für  die  Kuh,  dreimal  so  viel  als  für  das 
Schaf.  Doch  ist  sie  das  unentbehrliche  Nutzvieh  der 
Armem  und  di.'sc  ^loilVn  sicli  in  Gl  darauf,  dass 
d' G-e"  di  ältixh"  /..i, /.//»/  |l;ürger]  seien,  d.h.  die 
älte.sten  Rechte  IuiIh-h.  h's  muess  Einff'  hüraten  und 
G.  zueclie"  tue"  [anschattenj.  so  mag  er  wider  s'weg 
clio'  UwE.  ,Was  Einer  hat,  das  hat  er',  sagte  der 
Schneider,  als  er  statt  der  Kuh  eine  Geiss  aus  dem 
Stall  liess.  Sprww.  1824.  Aber:  Jüz  [jauchze]  nüd, 
eb  du  d'  G.  im  Stall  hast  ScnwMa.  F'<  han  's  wie  de- 
s&b  Ma""  und  die  .«e'?'  Frau,  wo  g'sait  händ,  si  hebi'd 
scho'  wängs  Jar  an-cre'  G.  umme'  (f  macht  [deren  An- 
scliaffung  angestrebt],  aber  tia'''  nie  l-eini  z'ueg  b'bracht, 
d.  h.  ich  habe  meine  Hotl'nung  noch  nie  erreicht  Z. 
Dem  Faulenzer  redet  man  nach:  Er  liet  i»  sl^'m  Lebe' 
nie  nes  G-li  g'ha'  und  wenn  [selbst  wenn]  -rtn  's  G'kül 
[Futter]  zum  Bare"  i"  g'wachse'  war.  Schild.  Ihr  Ver- 
lust wird  daher  schwer  empfunden.  Den  arme"  Lüte" 
sterbe"d  d'  G-e"  und  de"  riche'  d'  Chind  L.  Wenn 
d'  G.  verdorben  ist,  weiss-men  erst,  was  d'  Milch  wert 
ist.  ebd.  's  iseh  glich,  g'eb  d'  G.  gitzlet  oder  süsch  düre' 
geit  (oder  verreckt)  [sonst  zu  Grunde  geht],  sagt  Einer, 
der  auf  keine  Einrede  hören  will.  Schild.  Was  nützt's 
mid  dem  Tria.r  [Theriak]  zuehi",  wenn  d' G.  tod  ist'f 
zu  späte  Hilfe  nützt  Nichts  mehr  GrD.  (B.).  Sie  ist 
auch  dem  Diebstahl  ausgesetzt.  De''  Bravst  het  e  fd'J 
G.  g'stole"  L,  soll  ein  schlechtes  Gelichter  charak- 
terisieren. .Bestuond  die  herrschaft  an  sorg  [eine 
Sorge  befiel  sie],  dann  sy  irer  selb.st  (wie  der  Schin- 
der, so  die  gäss  gestolcn)  guot  wissen  truogend,'  Kessl. 
Wahrscheinlich  an  die  dem  Tiere  schuldige  Pflege  will 
eigentlich  erinnert  sein,  wenn  mit  der  Frage:  Hesch  's 
Gässli  'trenkt?  ein  Kind  scherzhafter  Weise  beim  Ohre 
gezupft  wird  Ap.  Allerdings  gilt  sie  als  Typus  der 
Magerkeit;  daher  spottet  man  über  einen  magern  Men- 
schen, er  sei  so  feiss  (mager)  wie  e  inageri  (e  rechti) 
G.,  und  da-  li'Iiii  Srlilachten  zu  erwartende  Ergebniss 
en  ühidiil  nni  l-ln-rli  hat  e  G.,  sei  sie  mager  oder 
feiss  Z;  lnuiil,il,i"s  ll'fund]  ist  e  jederi  G.  (womit 
etwa  ein  Maikhcii  vuii  hagerer  Ge.stalt  geneckt  wird), 
streift  eher  ans  Lächerliche;  ironisch  ist  es  auch  ge- 
meint, wenn  der  Langsame  sich  entschuldigt:  Jo,  i''' 
weiss;  isch-me"  feiss  wie  ne  G.,  so  macht  's  Ei"'m  heiss. 
Aber  der  innere  Wert  ist  doch  grösser,  als  das  un- 
vorteilhafte Äussere  erraten  lässt;  daher  die  RA. :  Er 
ist  heimli''' feiss  xcie  d'  G-e",  bes.  ftg.  von  Jmdm,  der 
seinen  Reichtum  verbirgt  Z,  und  heisst  die  Ziege  im 
Kinderlied:  Heimlifeiss,  Wissfleisch.  Ihr  Fleisch  ist 
geschätzt.  Geisse'fleisch  und  Meitschifleisch  hed  er- 
schaffe" der  heilig  Geist  L.  Immerhin  steht  sie  an 
Gestalt  und  Wert  namentlich  hinter  dem  Rinde,  in 
einer  Bez.    selbst   hinter   dem  Schafe    zurück.     Zwar 


schreckt  man  Kinder  mit  der  Drohung:  Lueg,  d'  0. 
nimmt-di'''  uf  d'  Höre' '.  doch  erinnern  eben  die  nahe 
bei  einander  stehenden  Hörner  an  die  Schmächtigkeit 
des  Tieres:  Er  chönnt  e  G.  zwüsche"  de"  Hörnere" 
schmutze"  (L)  oder  chüsse"  (Sch),  von  Einem,  der  sehr 
mager  ist,  bes.  ein  schmales  Gesicht  hat.  Ber  lieh 
Gott  wässt  [weiss]  wol,  wie  lang  er  der  Gäss  de" 
Schwanz  wachsn"  lo  mos  [lassen  muss]  Ap.  Der  l. 
Gott  lod  der  G.  der  Zagel  nid  länger  wachse',  als  si 
bracht.  Ineichen.  oder  .nicht  lange  w.,  damit  sie  nicht 
selbst  sich  die  Augen  damit  ausschlage'  Schw.  De' 
Witzig  weiss,  tvie  mf  d'  G.  schere"  muess  (Sdlger), 
bespöttelt  die  Superklugheit;  vgl.  das  Horazische  ,lana 
caprina'.  Wenn  's  vor  Martini  g'frürt,  dass  's  e  G. 
treid,  so  ist  die  grösst  Chelli  bis  Wiehnecht  Vfjbi  Aa. 
Eine  Ziege  zu  heben  ist  Kinderspiel  im  Vergleich  mit 
anderm  Vieh.  Das  heisst  nid  numme  [nur]  e  G.  bim 
Schwanz  hinden  umme"  lüpfe"  L.  D'r  Maritz  und  i''' 
hei"  scho"  grösseri  und  schwereri  G-en  umme  g'lüpft 
a's  numme"  so.  Schild.  Iron.  mit  Bez.  auf  eine  un- 
verhältnissmässige  Anstrengung  (z.  B.  zu  einem  Ar- 
beiter gesagt,  der  durch  solche  Schaden  anrichtet): 
3Iit  G'tcalt  ist  (isch-es)  e  G.  umme"  z'lupfe",  oder 
lupft  (stellt,  hebt,  bringt)  men  e  G.  hinden  (am  Schwanz) 
umme"  Aa;  B;  G;  S;  Z,  oiei  mag-niH"  en  Geis  hinna" 
um  puren  [heben]  BR.  Vf  der  G.  hei"'  müesse",  mit 
langer  Nase  abziehn,  spec.  von  einer  Jungfrau,  welche 
sich  auf  den  Tanzboden  begibt,  ohne  einen  Tänzer  zu 
bekommen,  oder  auf  den  Markt,  ohne  von  einem  Jüng- 
ling ins  Wirtshaus  eingeladen  zu  werden  Aa;  „B;" 
L;  Uw,  auch  von  einer  Tänzerin,  welche  von  ihrem 
Tänzer  nicht  nach  Hause  begleitet  wird  Uw  (daher 
dann  uf  d'  G.  gü"  (stä^),  von  jungen  Mädchen,  zum 
Tanz  gehen  und  Tänzer  aufsuchen  Zg),  scheint  den 
Gegs.  zu  einem  edlcrn  und  geeignetem  Reittiere  ins 
Auge  zu  fassen  (vgl.  noch  Sü);  ebenso  die  RA.  hindert- 
«»■<■'■  [rückwärts]  uf  d'  G.  ue  müesse",  von  dem  Spieler, 
welcher  dem  Gewinnen  nahe  schliesslich  doch  ver- 
liert L  (vgl.  Geisser;  Geisshirt;  anders  uf  d'  G.  helfen, 
s.  u.  h).  Als  Karrikatur  des  Zugviehs  erscheint  sie, 
wenn  Gottu.  sagt:  ,Alles  was  ihnen  noch  geblieben, 
hätte  eine  G.  weggezogen.'  Vgl.  noch  floretsideni  Chue. 
Doch  müssen  die  beiden  ersteren  RAA.  vielleicht  im 
Zshang  mit  den  folgenden  aufgefasst  werden :  z'  G-en 
üscho",  leer  au.sgehn,  zu  kurz  kommen.  MUsteri  I  259. 
,Mit  G-en  kam  [bei  der  Lotterie]  der  Dritte  aus,  des 
bracht  er  wenig  G'winns  zu  Haus.'  JHGrob  1603.  Ab 
der  G.  ist  der  Krämer,  sobald  er  das  erste  Geld  des 
Tages  eingenommen  hat  L.  Selbst  die  Intelligenz  des 
Tieres  wird  angezweifelt :  Es  hed  scho'  mängs  ei"fältigs 
G-li  aW''  schon  es  guets  Läubli  a'troffe"  aScHW;  vgl. 
Huen.  Er  ist  so  u"schuldig  wie  's  Biggelis  G.  (iron.) 
Gl.  Es  darf  [sogar]  e  G.  es  Altar  a"luege"  [also  auch 
ich  dich]  Z  (vgl.  Katz;  Gans).  Auch  bringt  deren  Be- 
sitz Sorge,  Mühe  und  Verdruss  mit  sich.  Es  hed-em 
tcol  reelle",  dass  im  d'  G.  verdorben  ist,  er  hiitt  su"st 
müesse"  Heu  chaufe",  bei  allem  Unglück  ist  wieder 
ein  Glück  L  (Ineichen).  Wer  e  Gäss  a'g'na"  hat, 
muess -si  hüete"  Th,  oder  ,anbinden'.  Häst-di'''  der 
Gas  a'g'nu",  so  hüet-si  Sch.  .Wenn  Jemand  einer 
Gesellschaft  lästig  i.st  und  man  ihm  ein  erdichtetes 
Geschäft  aufgibt,  um  ihn  fortzubringen,  so  heisst  es, 
man  schicke  ihn,  die  G.  anzubinden.'  Spreng.  Der 
Nachahmung.strieb  des  Tieres  mag  bloss  lächerlich 
sein.     Wenn  ei"  Geis  d'n  Stil  üfhed   (gitzled  UwE., 


Gas,  ges.  gis,  gos,  gus 


458 


(/(tyet  ZO.),  so  gagle'd  die  andri"  (so  (jitslv'd  all  Uw, 
(jaget  die  ander  aw''  Z),  spöttische  Bezeichnung  ein- 
fältiger oder  krip.'h.'ii.ler  Nucliiittorci  HR.:  virl.  '';""*. 
Lästig  aber  «iiM  ~w  Axva  .luivl,  il,,v  K,iiii|.lln~l :  W.mi 
c  a-eis.'i  stössrjnll.  sn  ,»»,.s-N,  llnnnr  Im»  /..  Pir  Zn-v 
ist  leckerhal't.  i'liugnss  (svlnuukrfra^styj  iriciicG.:  \-l. 
Geiss-Appetit  (d.  h.  wählerischer)  u.  gegeisset.  Die  alte" 
G-e'  schlecke'  aw''  no'''  gern  Salz  L ;  Z :  gemeint  sind 
geile,  alte  Weiber.  Bas  schleckt  (^,m)  kei"  G.  ^weg, 
daran  ist  Nichts  zu  ändern,  das  ist  nicht  zu  vertuschen 
BsStdt.  E  G.,  wo  [welche]  im  Früehlig  üsg'lö'  v-ird, 
suecht  no''''-em  Chrütli.  Schild;  darum  muess  nir"  d'  G. 
nid  s'  wlt  i"  Garte'  la',  wenn-me'  selber  's  Chrüt  will 
Im'.  Er  hat 's  wie  d'  G-e",  er  suecht  's  Wlte  B;  S, 
und:  d'  G-e'  hei"  ds  iVitere  lieher  B,  ein  Hieb  auf  den. 
der  nach  dem  fernen  Guten  hascht  und  darüber  das 
nahe  Liegende  unbeachtet  lässt.  Damit  hängt  die  Lust 
am  Klettern  zusammen,  weshalb  ein  Kind,  welches 
den  Hang  hat,  auf  erhöhte  Gegenstände  zu  steigen, 
gescholten  wird:  Du  Tunders  G.!  Aa;  Z.  So  lange 
es  ihr  dabei  gut  geht,  kommt  Übermut.  Wenn  e  Gäss 
wol  stöt,  sr  stampfet  si  Th.  ,Die  G.  scharret,  wenn 
sie  wol  stät,  hört  bald  üf.  wenn  's  ir  übel  gät'  NMan. 
Wenn  's  der  G.  z'  wol  ist,  se  gut  si  uf's  Is  (Schwz. 
Monatschr.  I  144)  oder  se  scharret  (Sch;  Z,  gompet  Ap. 
chratzet  GT.)  si,  Ins  es  ir<;  übel  ist  B,  oder  ,bekonimt 
dann  aber  auch  Schlag  dafür.'  Schwz.  Museum  1793. 
•  Dass  du  glych  wöllist  z'  vil  rauetwillen  und  handien 
wie  ein  feisse  g.,  die  glych  scharret,  so  sy  ist  z'  feiss.' 
liScHMiD  1579.  .Alle  Adamskinder  haben  die  Unart, 
dass  sie  im  Wolstand  gleich  wie  die  G-en  gern  scharren.- 
JBreit.  lÖlU.  ,Iez  fangen  die  Zürcher  und  Berner  an 
schanzen:  wann  es  der  G.  wol  ist,  fangt  sie  an  tanzen.- 
Kalthiüs  1714.  ,Es  war  der  G.  zu  wol,  drum  fieng 
sie  an  zu  scharren;  der  Afterfreiheit  Stolz  macht 
Weise  selbst  zu  Narren.'  HSieber  1800.  S.  auch 
Denzl.  1716.  I  686,  II  126  u.  s.  Esel  f  (Bd  I  514). 
Freilich  kommt  für  die  Ziege  die  Zeit,  wo  die  Üpjiig- 
keit  ein  Ende  nimmt.  Di  Geis  heint  im  Summer  es 
J{eru"lebu",  im  Herbst  es  Buru'lebu"  und  im  Winter 
es  Bettlerlebu"  W.  Ihr  Besitzer  leidet  im  Winter  mit 
ilir;  darum  pocht  er,  ist  dieser  einmal  vorüber:  Märzn, 
sperz  üf  oder  ab  [mache  Sprünge,  wie  du  willst],  ml" 
Geis  sind  g'winteret!  Bihleb.  Die  Ziege  ist  (bis  zur 
Unberechenbarkeit)  empfindlich.  ,Triflt  man  die  G., 
so  leit  s".  =  man  soll  das  Mass  nicht  überschreiten. 
Schade  186:'.,  viell.  v.nn  Siiirl  .lliitu,Mss,.ir  Iht-viioiu- 
mon.  EG.  und  es  rUim,  \  Kin,l|  rl,i:ii,l.,i  uml  ,i-,iiifii-t 
(/.s-c/«(-/«r/  [gesundet  i;v,. -Im  iinl|,  S^iiiii..  //,,/  llialn-t] 
vMi   fii,  Irorhini  iiinl  ir,in,i    i, n,l  fiillrl -um-  ,l,i i,   Ihirw. 

Tor,/,i„.  .\l;ii.  i.V.rru.,  ,1,1,1  u,.n  Cr .,.,!,-, ^  „,,  ,„,nl\s 
im  .^uninwr  „ad  Aa  ;  GKli.)  z' hnss  /.  I>araii  kniiptt 
sich  der  Kuf,  mit  welchem  vormals  in  LBerom.  die 
Badestunde  kund  gegeben  wurde:  Giri  giri  Geiss,  euses 
Bad  ist  heixs:  ver  vill  bade,  ist  friwfli^''  l'g'lade'! 
Das  mit  IJ.-iiiirn  .inrl.-na.'  Kin^l  rr.innt  u.  A.':  Hast 
ehalt,  so  srlihif  in  rx  Ch,,!!,:  I,,isl  /,r,.vs.  s,i  schl.  in  e 
Ü.;  ferner  beim  Suppcnbhuen;  Talma-  [Thiilbeimer] 
G.,  mach-m'r  d'  Suppe  nit  so  heiss  usw.  \>\r  Zi.^.- 
erhebt  sogar  den  Anspruch:  Vertäub  [erzm\i,-\ -u,,'' 
niid,  oder  »"■''  gibe  ke  Milch!  Z.  Es  i.st  nach  allLMloiii 
begreiflich,  dass  es  heisst:  D' G-e"  sind  zum  Verläube' 
y'richt't,  zum  Ärger  geschaffen  Z.  D'  Geiss  sV  fin 
[fein,  recht]  es  G'schmei,is  BSi.    Auch  sucht  man  unter 


Umständen  gerne  ihrer  los  zu  werden.  Es  ist  ZU 
mit  der  G.  z'  Markt,   su'st  muess -me'  Heu   chaufe", 

von  d.-r  Zeitfi-cmässheit    iv-cnd    .-inor  HandluBg   oder 

-in-  Inl.Tii..! 11..  ^I,i.  k^iii.'i,  ,\.ir..-|iul,„,rhr  duldet. 

I'---  'In-  \,. iratiMiL;-.    iMiaiiA,     A\   ,./  :.t„,  wied'O. 

,ib-cm  Mali.  .1.  h.  r.  1,1  y.rh.  Arn  \  ,-n.n,li  aufzugeben. 
Er  chunnt  iii,t  ,1,  ,■  (i.  :'  /r,,,/,  .'  Märit  B.  .Er  habe 
auch  schon  .'in  .\liii~rli  j  M.i.lriim.  (ieliebte];  ist  Zeit 
mit  der  G.  zu  .Markt.-  171i:l,  Scinvciz.  Museum.  Vom 
Ziegenhandel  ist  der  Spruch  entlehnt,  mit  welchem 
Kinder  ihre  Tauschhändel  besiegeln :  G.,  G.  g'ge''",  G., 
G.  nümme  umme'  ne"  [nicht  mehr  zurücknehmen] !  S. 
,Dir  wird  die  g.  ouch  b'zalt,  das"  du  letzlich  grosses 
Unglück  wirdst  erholen.-  Wagn.  1581,  d.  h.  du  wirst 
diesen  Handel  oder  Streich  noch  büssen.  Ebenfalls  auf 
den  zu  allerlei  Unredlichkeiten  verloiki.-ndrn  Handel 
bezieht  sich  viell.  die  Warnung:  M"i-i-  ir,ll  ,■„  l!,,lii-- 
ma'"  si'  ond  hässa",  der  moss-si"''  hui'l'i"  ,;ir  Dil).,", 
Hennii"  ond  Gässa"  Ap,  od.  vor  Hüener  und  G-e'  ZO. 
Fertig,  d'  G.  muess  [f.,  G.,  muesch,  d.  i.  du  sollst) 
g'metzget  si!  auch  abgek.  f.,  G.!  =  jetzt  frisch  daran! 
Z.  An  dem  Tode  des  .störrigen  Tieres  scheint  die 
Volksspr.  sich  mit  einigem  Behagen  zu  weiden.  ,Ich 
schrei  [schrie],  wie  ein  G.  am  Messer  stecket.'  Platt. 
1572.  ,Die  G.  suchet  das  Messer:  Er  ringet  nach 
seinem  Unglück,  capra  gladium.'  Mey.  Hort.  ,Prangen 
wie  die  G.  am  Strick,  d.  i.  mit  ärmlichem  und  ent- 
lehntem Putze  oder  gar  mit  seiner  Schande.'  Sprenh. 
Dri'  luege  wie  ne  g'stochni  G.,  dumm,  blöde  drein- 
schauen Bs;  wie  ne  G.  uf-''em  Todbett,  mager,  matt. 
SpRENß;  sonst  (Geiss-)  Back,  's  isch  nit  bloss  u-eg-''em 
Hauderidau  |  l,iistliail>cil  |  .:'  tMe»;  nie"  muess  aw'' 
luege',  gib 's  .\l,ss,r  ,1'  <i.  ,rl<inge'  [erreichen]  mag  [ob 
die  erf()rd<Tli>  Ihii  .Mittel  vorhanden  seien].  Schild. 
D'  Gr/s-.  v,/,/,,/, //.  an  den  Beinen  hängend,  also  mit 
dem  K"pl  narh  nuten,  sich  einiger  Kleidungsstücke, 
z.B.  .1.--  Ii'.irk,  Hill  der  Weste,  entledigen,  ein  Kunst- 
stück .1  T  iiKuiiili-heii  Jugend  Bß.  Vgl.  noch  nackigi 
G.  niiil  J!i„l  fsiliiiiden).  Trotz  alledem  singt  ein 
FasiKulitssjirii.h  in  IjBüron  das  Lob  der  Ziege,  deren 
Bild  das  Wappen  jener  Gemeinde  bildet  (s.  unsere 
hdschr.  Sammlung).  Einen  kultur-  und  rechtsgeschicht- 
lichen  Zug  s.  u.  umfressen  Bd  I  1323.  Es  gat  um  wie 
's  Geisshüeten.  Sprww.  1824.  Dass  unter  den  Eigenn. 
der  Ziegen  auch  Vogelnamen  vorkommen,  wie  Schne- 
vogel,  Fleugt,  Specht,  Tüb  (s.  JRWyss  1817)  mag  be- 
merkt werden,  weil  umgekehrt  gewisse  Vögel,  z.  T. 
mit  mythologischer  Beziehung,  die  Namen  .Donner- 
ziege', Haber-,  Mos-,  Himmels-Geiss  tragen;  vgl. 
ikmIi  Sihiiabelgeiss,  deren  Vorstellung  zwiscln-n  Vugel 
iiihl  Zii'i:!'  schwankt,  neben  dem  gli'lrliwntiyi'n  /'</- 
st,,i,.  «rl.lirs  als  Ziege  dargestellt  wira  iL'.hIiIi.  l^.i;). 
.\ucli  sonst  werden  Gespenster  als  Zii'uvii  -i^knhi.  -o 
eine  Schachen-G.  am  Ütliberg;  s.  auch  ll,,l„l-(i.  Inin 
.Donner-.  Donnergott,  war  eben  auch  Av  Zhue  iIk  /h. 
der  Bnrk)  -chcili^t.  Ihr  wird  darum  cm  Voii;..luhl 
des  Llii/ii.ililr,  li.igemessen;  wie  übel  die  Tiere  den 
Rc,»-cn  kil-ii  iiii.ucn,  so  .stürzt  die  Herde  doch  mit 
kliiglichcni  iic-chrci  unter  der  schützenden  W'etter- 
tannc  hervor,  in  welche  der  Blitz  fahren  wird.  Ziegen 
kniinen  nach  dem  Volk.sglauben  Krankheiten  der  Men- 
sclien  ganz  oder  tw.  an  sich  ziehen  Z(j.  Auch  Ver- 
hexung ziehen  sie  von  dem  Rindvieh  ah  und  an  sich, 
indem  ,böse  Leute'  (Hexen)  sich  eher  an  sie  als  an 
dieses  wagen;    es   gibt  darum  Sennen,    welche   ihren 


459 


Gas.  ges,  gis.  gos.  gus 


460 


Kühen  die  Ziege  als  Schaden-  und  Fluehableiter  bei- 
gesellen AAf.  Wohl  wegen  ihrer  Verbindung  mit  dem 
Gewitt^rgotte  wird  sie  auch  zur  Verkünderin  des 
Wetters;  so  W,  wo  aus  ihrem  Auf-  oder  Abwärtssteigen 
auf  schönes  oder  auf  schlechtes  Wetter  geschlossen 
wird.  S.  noch  LOt.,  Sagen  Nr.  215.  Lengoenu.  kennt 
eine  gespenstische  Ziege,  welche  durch  Gebrüll  Regen 
verkündet.  Hagelmachende  Hexen  reiten  bald  auf 
einer  Ziege,  bald  auf  einem  Wolfe.  1527,  Eon,  Act. 
Manche  lokalisierte  Gespenster  erscheinen  in  der  Ge- 
stalt von  Ziegen,  so  die  Schache"geiss  am  Ütliberg; 
s.  auch  EocHH.  1856.  Da  unter  dem  Christentmne 
vielfach  an  die  Stelle  heidnischer  Götter  der  Teufel 
getreten  ist,  wird  die  Ziege  im  Volksglauben  manig- 
faeh  mit  Letzterm  in  Verbindung  gebracht.  E  Düfel 
und  e  G.  d'rnebe",  doppeltes  Ungemach.  Schild.  Eine 
Inschrift  im  Kloster  ScHSt.  zählt  die  ,12  geissen  des 
tüfels',  d.  i.  12  lasterhafte  Menschen,  Laster,  auf. 
welche  gleichsam  der  Teufel  weidet,  wie  der  gute  Hirte 
seine  Schafe.  Viell.  ist  daher  der  Ausdruck  d'  Geisse 
sind  es  Tüfelsceh  Z  nicht  bloss  als  Emphase  zu  ver- 
stehen. Die  Vwdtschaft  der  Ziege  mit  dem  Teufel 
guckt  auch  aus  den  Ziegenfüssen,  mit  denen  begabt 
man  sich  Letztern  vorstellt,  hervor.  Eine  Weibs- 
person wurde  einmal  von  einem  Mann  mit  Ziegen- 
füssen [d.  i.  eben  dem  Teufel]  durch  die  Luft  fort- 
geholt zur  Strafe  für  ihren  liederlichen  Lebenswandel 
Ap.  Da  man  glaubt,  dass  die  Ziegenfüsse  des  Teufels 
seien,  werden  sie  von  vielen  Leuten  nicht  gegessen. 
S.  noch  ßeisser;  Geissmannli.  Namen  von  Ziegen  sind 
ausser  den  obgen. :  Esel;  Fuchs;  Geinschi;  Gurten; 
Hudel;  Elbhals;  Bellhaupt;  Huri;  Has;  Buesslatz; 
Länder;  Marder;  Murmete;  Blass;  Schabe;  Schlifer; 
Schnewe;  Windspiel;  Speiche;  Strudel;  Tiger;  Tieri. 
Syn.  Gibe;  Gitzi;  Mägge  (Mutsch,  Muttle);  Beggeli; 
s.  noch  Fase  (Bd  I  1065).  Die  Stimme  der  Ziege 
heisst  mäggen,  bläggen.  Sie  wird  verspottet  mit  fol- 
genden Scherzen.  Wenn  das  Tier  geschlachtet  wordeh 
soll,  schreit  es :  m-m-m-am  Mündig  [Montag] ;  worauf 
der  Metzger:  Nei',  du  Chätzer,  iez!  Z;  wenn  es  aber 
gitzlet:  i"  mtm  Lebe"  nümmä-ä-ä!  Als  Lockrufe  sind 
üblich:  gitz!  girigitz!  gibi!  kuen!  za!  für  junge  Zie- 
gen: beggeli  beck  beck,  beggeli  bock  bock!  Scheuchruf: 
tschab!  Die  Krankheiten  der  Ziege:  Klucker;  Holz- 
sucht; Scheiss;  Uterstrüchleten;  s.  noch  sieh  verjucken 
und  lösen.  —  b)  spec.  die  weibliche  Ziege  im  Gcgs. 
zum  ,Bock':  .(Wer)  wenn  mir  Einer  ein  Mal  gitzlet, 
so  ist  er  mir  (den  heisst  man  immer)  eine  G.'  Sprww. 
1824 ;  SuLGER.  Wer  d'  G.  im  Hfis  hat,  dem  chunnt 
de'  Bock  für  d'  Türe.  Solger.  Wer  recht  tuet  (tcas 
r.  isch.  Schild),  ist  Gott  lieb;  wer  e  G.  stilt,  ist  ke" 
Bnckdieb.  Ineichen.  ,Das  alte  bekannte  Sprüchw.  sagt: 
Was  der  Bock  an  ihm  selber  weisst,  das  trauet  er 
der  G.'  ClSchob.  1095;  und  so  noch  jetzt.  .Einen 
Geissbock  zu  den  G-en.'  Otfn.  ÄAWürenl.  Auf  dem 
Ausdruck  .Bock'  für  eine  Karte,  welche  als  höchste 
von  ihrer  Farbe  im  Spiel  noch  vorhanden  ist,  beruht 
die  sekundäre  KA.:  Stich  si  [die  Karte],  es  ist  e  G. 
—  c)  irgend  ein  Tier  aus  dem  Ziegengeschlecht.  ,Wild 
geissen,  als  gempsen,  Steinbock,  reh.'  Mal.;  aber: 
,Von  einer  Hindin  oder  Geissin.'  JMüralt  1697.  — 
2.  übertr.  auf  Personen, 'mehr  oder  weniger  scherzh. 
a)  eine  Weibsperson,  mit  etw.  verächtlichem  Neben- 
begriif ;  bes.  Mädchen  von  schmächtiger  Gestalt,  e  ma- 
geri  G.  Ap;  G;  Z.    Vgl.  dazu:  D'  l'bildi-g  halft  e  G. 


für  e  Wlb.  Solger.  ä  Mal  im  Tag  g^seht-mu'  allzit, 
dass  d's  Wibui^olch  Geis  sind  [Ähnlichkeit  mit  den 
Ziegen  haben];  d's  Wlbuvolch  sind  wundrigi  wie  die 
Geis  W.  Auch  von  kleinen,  schwachen  Pferden:  Huss 
janx!  welig  [was  für]  Geiss!  Starch  müend  die  nid 
si',  dass  nur  Eine  druff  obe'  hocket  —  spottet  Einer 
im  ScHw  Fasnachtsp.  1883.  —  b)  Kind,  das  überall 
herumklettert  Th;  vgl.  geissen.  —  c)  wer  betr.  die 
Speisen  wählerisch  ist  G;  vgl.  gegeisset.  —  d)  wer 
Salz  liebt  Z.  —  e)  Altardiener  Schw.  Als  Hofg-e" 
werden  in  L  die  Chorknaben  der  , Hofkirche'  gehänselt. 
—  f)  die  wlss  G.  ist  derjenige  Hausgenosse,  welcher 
am  ,weissen  Sonntag-  zuletzt  aufsteht  LEottal.  — 
g)  nackigi  G.,  nackt  ausgezogenes  Kind  Z.  —  h)  Über- 
name der  Bewohner  mehrerer  Ortschaften;  s.  Eochh. 
Aa  S.  I  338.  —  3.  wie  andere  Tiern.  {Esel;  Bock  usw.) 
Bezeichnung  von  Geräten,  a)  G.  auch  Geissschlitten, 
ein  Kinderschlitten,  dessen  Kufen,  durch  vier  Beine 
mit  dem  Sitz  zsgefügt,  vorn  hornartig  nach  oben  aus- 
laufen Aa;  Ap;  B;  VOrte;  Gl;  G;  Z;  Syn.  Gibe, 
Gemsch,  Gensei,  Zitgeiss,  Gitzi,  Hörnli,  Kuechen,  Muffe, 
Beinler;  Gegs.  Hocker  u.  a.  —  b)  Spielzeug  aus  Gerten 
in  Gestalt  eines  Fuhrschlittens  ZW.  f  (abgebildet  in 
unseren  .Proben').  Syn.  Karrenbogen.  —  c)  Spinnrad 
für  Wolle  oder  Baumwolle  Schw;  U;  S3-n.  Geissrad. 
Vgl.  Bachgeiss.  --  d)  Spielzeug,  bestehend  aus  einem 
Holzkloss  mit  drei  Zinken  (Ästen),  auf  welchen  jener 
steht.  Mit  dem  neckenden  Spruche:  Hirt-mer  [füttere 
mir],  hirt-mer  d'  G.,  mach-mer-si  g'sund  und  feiss, 
mach-m^r-si  g'sund  und  dick!  werfen  die  Spielenden 
der  Reihe  nach  aus  einer  gewissen  Entfernung  mit 
Stöcken  darnach,  nachdem  der  zu  der  ,Geiss'  geordnete 
.Hirt-  durch  den  Ruf  ab  der  G. !  gewarnt  worden  ist, 
beiseite  zu  treten.  So  oft  und  so  lange  die  G.  um- 
geworfen da  liegt,  dürfen  die  Spieler  in  den  ausge- 
markten  Bezirk  (das  Biet)  des  Hirten  eintreten,  um 
ihre  Waffen  wieder  herauszuholen ;  auch  dürfen  sie 
bei  dieser  Gelegenheit  die  G.  aufs  Neue  hinterrücks 
umstossen,  falls  der  H.  sie  nicht  vorher  bestimmt  ,ver- 
boten'  hat.  Dieser  ist  abgelöst,  sobald  es  ihm  gelingt, 
innerhalb  des  .Bietes'  einen  der  Spieler  zu  berühren, 
während  dieser  seinen  Stock  frei  trägt.  Das  Spiel 
hsisst  (hirt-) geissen,  d' G.  schlä"  Aa;  S;  ZW.;  s.  auch 
fjeissgügenen.  Eine  grotesk-bildliche  Anwendung  hat 
das  Spiel  bei  ThMurner  erfahren  in  seiner  Narren- 
beschwörung, wo  Gott  selbst  als  der  H.  die  G.,  die 
von  dem  unverbesserlich  sündhaften  Menschen  immer- 
fort umgeworfen  wird,  mit  unermüdlicher  Langmut 
und  Geduld  immer  wieder  aufstellt:  .Wann  du  die  G. 
gesetzet  hast,  so  hond  wir  weder  rueh  noch  rast,  bis 
wir  sie  werfen  wider  umb,  und  schickend  dich  zu 
hüeten  drumb.'  Auf  unser  Spiel  bezieht  sich  wahrsch. 
auch  das  oben  aus  Schade  citierte  Sjirw.:  .Trifft  man 
die  g.  [usw.].'  Dagegen  dürfte  die  RA.:  Es  gut  um 
tme  's  Geisshüete',  von  einem  schwierigen  und  eben 
deshalb  abwechselnd  versehenen  Amte,  auf  dem  wenig- 
stens früher  in  gewissen  Gegenden  unter  der  Bauer- 
same üblichen  Gebrauche  beruhen,  die  Aufgabe  des 
Hütens  nach  Kehrordnung  zu  besorgen.  —  e)  Pflug- 
sterze Aa;  Th.  Syn.  Geiz(g)e,  Wepfe.  —  f)  über  dem 
Feuerherde  angebrachte  Vorrichtung  aus  hölzernen 
Stäben  oder  im  Freien  schief  gegen  einen  FeLsblock 
udgl.  gestützte  Latten,  auf  welchen  Tannä.ste  zu  Zaun- 
ringen gebäht  werden  GrD.  —  g)  Span,  dgl.  mehrere 
an   einem  weichen  Holzscheite   angeschnitten  werden 


ges 


gus 


•1152 


unil  gebogen  wie  Ziegenhörner  davon  abstehen  Gitl'r. 
Xüiiim  ng  troch'is  Schltli  und  mach-m'r  Gaias  [PL] 
.-,„.»1  A"'für'.i.  SciiwzD.  Syn.  Bock.  —  h)  Sattel,  der 
vorn  zwei  Hörner  hat  t-  Schild.  Davon  noch  die  RA. 
Ei"'m  uf  (V  G.  Ulfe",  auflielfen  S.  —  i)  ein  drei- 
btiniges  Küchen-  oder  Tischgerät;  vgl.  Bocl-.  ,Ein 
S.  in  der  stuben',  zwischen  ,buffet'  und  .gluetpfannen' 
aufgeführt  in  einem  Z  Invent.  1571.  ,Zwo  chellen. 
«■in  goiss  oder  dreifuess.'  1588,  G  Invent.  ,5  zinni" 
Siilzbüchslin,  2  verzinnt  G-en.'  löOO,  Z  Invent.  .Zwei 
isin  G-en.'  1027,  Invent.  TnEürgl.  —  k)  die  zum 
.Geissgumpen'  (s.  Sp.  313)  in  die  Erde  gesteckten 
2—3'  hohen  Stäbchen.  —  4.  Flurn.  1'  der  G.,  Stück 
Land  in  der  Nähe  der  Stadt  Aarau.  —  5.  gewisse 
Naturerscheinungen,  a)  Schneefleck  an  Bergab- 
Iiängen.  Es  hat  no"''  G-e'  am  Lägeren  obe"  A.\.  — 
b)  feurige  Lufterscheinung.  Rebmann  1620  nennt  Me- 
teore ,G-en'  und  spricht  von  ,Feursternen  in  Geissen- 
weis-.  Bei  Scheuchz.  Naturgesch.  I  288  heisst  eine  im 
,T.  1629  beobachtete  Lufterscheinung  ,die  hüpfende  od. 
springende  G.',  ,spr.  od.  tanzende  G-en'.  Scheuchz. 
k'lint  sich  an  JJWagner,  welcher  das  Epitheton  in 
folgender  Weise  erklärt:  ,Hoc  meteorum  tunc  apparet 
(juando  exhalatio  ita  inflammatur  ut  efficiat  excursiones 
iiuasdani,  vagosque  dissultus,  qui  caprinos  saltus  inii- 
tari  videntur',  und  fügt  von  sich  aus  bei,  ,dass  die 
G.  wol  kann  mit  einem  verbrannten  Papier  verglichen 
werden,  in  welchem  die  Feurlein  noch  hin  und  her 
liiipfen'. 

CVi"»»,  in  der  Schriftspr.  durch  das  inis.nr  V..|ksspr. 
n-cmde  ,Ziege'  verdrängt,  ist  die  ältere,  alt-ri  hlhi.  Ilni.iiiiiiiig 
des  Tieres:  got.  yait,  altn.,  ndl.  i/eit,  aji^.  ./..'  (iii-l.  /..,((), 
alid.  keiz.  Ihm  entspricht  nach  der  Lanti.!.'.!  I:il,  /,.., ,/«», 
junger  Ziegenbock.  —  Die  stirke  (od.  wie  .VHs^  u.  a.  tlexioiis- 
iose)  Pliiralform  ist  alt  bezeugt,  z.  B.  Ap  LB.  UÜl).  .Welicher 
kirchg'noss  eigen  vech  hat,  der  soll  kein  gäss  haben.'  1520, 
Zellw.,  Urk.  ,Wie  man  geiss  lösen  soll.'  1520/44,  Schw  LB. 
.Ochsen,  esel,  pferd,  schäf,  geiss.'  Fris.  ,Zwo  g'wachsen 
Geiss  wir  z'  nutzen  band.'  Com.  SBeati.  .Die  Geiss  sollen 
von  der  Knheweid  entfernt  werden.'  1801,  G  Alpbüchl.  — 
Da  Giigs  auch  Nbf.  von  Oäns'  sein  kann,  so  sind  Vermen- 
gungen der  beiden  WW.  nicht  ausgeblieben ;  s.  Guns  und 
einige  der  folgenden  Zssen.  Die  Ziege  hat  sich  an  den  Platz 
der  Gans  gedrängt,  wo  der  bekannte  Kinderspruch  lautet: 
Git/yis  yüfjgi»  Eienmtes,  d'  Geim  got  harfuess.  Ob  die  ,nackte 
Geiss'  oder  die  ,n.  Gans'  das  Ursprünglichere  oder  Beide 
gleichberechtigt  seien,  lässt  sich  nicht  leicht  entscheiden. 
Bemerkenswert  ist  auch,  dass  sowohl  Ziegen-  als  GänsefUsse 
an  menschlicher  Gestalt  vorkommen,  ohne  dass  man  Wort- 
Verwechselung  annehmen  darf;  jene  deuten  auf  die  teuflische 
Natur  der  betreffenden  Wesen,  diese  darauf,  dass  das  urspr. 
Element  der  elbischen  Wesen  die  Luft  ist,  welche  als  Wasser- 
meer gedacht  wurde.  —  Zu  2  a  vgl.  Fromm.  Ztschr.  II  :WJ. 
519.  III  325.  IV  312.  VI  435,  —  Z'  G-en  uh  ,h,„i  könnte 
zunächst  in  bäurischen  Verhältnissen  wurzeln,  da  die  Ke- 
ducierung  des  Viehbesitzes  auf  Ziegen  gewöhnlich  ökonomi- 
schen Niedergang  bedeutet;  doch  vergleicht  sich  aus  deutschen 
MAA.  z  Geins  [zu  Grunde)  rjen;  för  d'  G.  —  für  die  K.<itze, 
wertlos  und  preisgegeben.  In  jedem  Falle  erscheint  die  Ziege 
hier  als  Typus  des  Gleichgültigen.  Wertloseu.  In  der  Wendung 
mit  , reiten'  mag  die  tw.  syn.  R.A.  SrhnuUr  u-enlm  die  Vor- 
stellung von  dem  auf  der  Ziege  reitenden  Handwerksmann 
wach  gerufen  haben,  eine  Gedankenassociation,  welche  noch 
durch  den  Umstand,  dass  beim  Brettspiele  mit,  bezw.  um 
Buhnen  gespielt  wird,  befördert  sein  mag.  —  S.  auch  (Gi:m-) 
llovk;  Schnlder. 

„Ibsch-Geiss:  der  weibliche  Steinbock",  wahrsch. 
nach  Mal.  Ebenso  Tierb.  1563.  —  Feder-:  Gans? 
oder  federleichte  Ziege?    .Auf  der  Pfrund  Boitenweil 


und  Blangenhausen  [fingierte  Orte,  heilen  =  warten ; 
b'langen  =  harren]  hat  Einer  Heuwachs  [als  Einkom- 
men] nicht  gar  zu  einer  F.'  Z  Pfrundb.  171'2.  [Ironie 
über  die  aufs  Zuwarten  angewiesenen  Pfarraspiranten]. 
—  Vor-;  Gemse,  welche  dem  Rudel  voranzusclir^iten 
pflegt  B  It  JRWyss  u.  Grüner  1760.  Vgl.  Lntlmd-. 
,Damit  die  Gemsen  desto  sicherer  können  w.i.l'ii. 
stehen  sie  auf  guter  Wacht,  welche  versihet  der  11. ■,■]■- 
führer  selbs,  den  man  das  Vortier  od.  Vorgeiss  nennet.' 
JJScHEDCHZ.  1706.  ,üas  Tier  auch  hat  Vernunft,  das 
wissen  wir,  die  wir  die  Gemsen  jagen;  die  stellen 
klug,  wo  sie  zur  Weide  gehn,  'ne  Vorhut  aus,  die 
spitzt  das  Ohr  und  warnet  mit  heller  Pfeife,  wenn 
der  Jäger  naht.'  Schiller.  —  Fuer-:  das  selbe  B; 
U;  W  (auch  die  Anführerin  der  Ziogenherde).  Ditz 
Lump2"gizudql  [Gesindel]  heigi  oich  e  F.,  c  Jfdiplnin"' 
g'häbet  W  Sagen. 

Fotzel-;  zottige  Ziege  Aa.  —  Vgl.  F.-Iluml.  Syn. 
Zatt-G. 

Gugg-  s.  Gugger-Gans.  —  Galt-:  Ziege,  welche 
in  ihrem  zweiton  Lebensjahre  nocli  nicht  trächtig 
wird  W.  —  Gems-:  weibliche  Gemse  Gk.  —  Glri-, 
Gise-Geisseli  s.  G.-Gans. 

Herr-Gotts-Geisi  (üim.):  =  Hcrrgults-Giiegi 
(Sp.  162)  BE.,  Si. 

Geisi  lässt  sich  auch  als  lautliche  Nbf.  von  Gänii,  Gäns- 
chen, auffassen;  doch  hat  die  Bez.  auf  die  Ziege  eine  Stütze 
an  dem  Syn.  U.-G.-ChüeH,  und  es  wird  also  «'  nur  Erweichung 
von  ««  sein. 

Habor-Geiss;  1.  „Brummkreisel Gr."  —  2.  kleine 
schwarze  Spinne,  welche  zur  Zeit  der  Haber-Ernte 
massenhaft  auf  den  Feldern  erscheint  Aa  Mand. 

1  ist  eine  Übertragung  von  der  Heerschucpfe,  welche  in 
deutschen  MAA.  wegen  ihrer  Stimme  eben  so  heisst:  vgl. 
Himmeh-G.   u.  Rochh.  1856,  334.    —    Zu  2   vgl.  S,h,ii,lr,-H . 

Hobel-:  gespenstisches  Wesen,  das  seine  Stimme 
weithin  hören  lässt  Sch. 

Verderbtaus  ,Haber-G.',  welches  in  Deutschland  u.  Österr. 
eine  bald  als  Vogel,  bald  als  Ziege  gedachte  Schreckgestalt 
bedeutet.      S.   Schnabel-G. 

Hof-  s.  Geiss  3  e.  —  Hufe"-:  Ziege,  welche  zu 
einem  , Hufen'  (Herde  von  21  Stück)  gehört  und  mit 
diesem,  nicht  bei  den  Kühen  weidet;  Gegs.  Kueh-, 
Sennen-,  Heitn-G.  Ap.  —  Heck-  Hegg-Goas:  Eidechse 
GRh. 

Helle^-Geiss:  Dreifuss  (Küchengerät).  1675,  G 
Inv.     -    //c(i  =  Feuerherd;   vgl.   Geiss  3  i 

Heim-:  Ziege,  die  zum  Hausgebrauch  im  Tale 
zurückbehalten  wird,  während  alles  andere  Vieh  sich 
auf  der  Alp  befindet.  Syn.  Matten-G.;  Gegs.  Kueh-G. 
.Derjenige  Anne,  so  kein  Geiss  wintren  kann,  kann 
im  Frühling  2  Geisse  zu  Lehen  nehmen.  Dise  Geissen 
sollen  aber  nicht  auf  die  Alpen,  sondern  unter  ilen 
Heimgeisshirt  getan  werden.'  18'24,  Obw. 

Himmel-:  Wachtelkönig  oder  Wiesenschnarre, 
crex  prat.  ZKn. 

Von  der  hässlichen,  eintönigen,  schnarrenden  Stimme, 
welche  dem  Vogel  auch  die  Namen  .Knarrer,  Kressler,  Sohnärz' 
eingetragen.    Vgl.  Haber-,  Hobel-Gcis»-n.  Sehne-Gans. 

Herme"-;  Ziege,  welche  ein  Lamm  säugt  und 
pflegt  GSev.,  oT.  —  Henm:,  d.  i.  Hermann,  Name  des 
Bockes,  aaO.  des  Lammes. 

Hörn-,  Hörner-;  gehörnte  Ziege  Gr;  SnJ.:  Z. 
Gegs.  Muttlen-G.  ~-  Hirte"-:  eigne  oder  gepachtete 


463 


Gas,  gcs,  gis,  gos,  gus 


4(U 


Ziege,  welche  der  Hirt,  wenn  er  im  Hoclisununer  über 
der  Waldgrenze  in  einsamer  Hütte  weilt,  zu  sich 
nimmt,  um  sich  von  ihrer  Milch  zu  ernähren  Gr.  — 
Chweh-Gässli:  Ziegen,  welche  zu  3—5  mit  den  Kü- 
hen auf  der  Alp  weiden  Ap.  Syn.  Berg-,  Sennen-G.; 
Gegs.  Heim-G.  ,Kuhschafe,  sowie  Kuhziegen  waren 
untersagt,  weil  sie  in  den  Äckern  und  Wiesen  Schaden 
anrichteten;  jedes  Vieh  sollte  seiner  Heerde  nach- 
gehen.' Am-Herd.  ,Es  soll  niemand  mehr  als  2  Küeh- 
geiss  haben.'  1751,  Ap  LB.  —  Laub-Geiss:  Ziege, 
welche  wählerisch  im  Pressen  und  namentlich  nach 
Laub  begierig  ist  L.  —  Lämpli-:  Ziege  mit  zwei 
Hautläppchen  am  Kiefer  Z.  —  Los-,  Lösch-:  Pacht- 
ziege GrD. 

Lüte°-,  LUi-:  Ziege,  die  den  Leuten  nachläuft 
BHa.    —   Bindevoc.    i  wie  in  Brütigam,   Nachtii/ali. 

Mad-:  Z.,  w- eiche  zum  Heuen  mit  in  die  ,Mäder' 
genommen  wird  GfiAnt.  —  Melch-,  in  Gi.  Milch-: 
Z.,  welche  Milch  gibt  Gl;  Uw.  ,10  Melchgeiss  mögen 
lür  1  nielche  Kuo  gerechnet  werden.'  1723,  Obw. 

Mords-,  Mos-:  Nachteule,  Uhu  Gl. 

S.  Aniii.  zu  Huber-G.,  welches  in  Deutschland  als  Name 
verschiedener  schreieuder  Vögel,  eben  auch  der  Nachteule  gilt. 

Musch-  Z  Wochenbl.  1804,  Muttel-  6r;  W, 
Matte"-  ZLunn.,  Mutti-  AAZein.;  Bs;  L,  Mütti-  S, 
Muttle'-  ScH  u.  angrenz.  Z,  Mutsch- kv  (-0-);  Tn;  Z, 
MuiscAi- ScHW;  Zg,  Mutze"-  Z:  ungehörnte  Z.  Syn. 
Stiimpen-G.;  Gegs.  Hörner-G.  Kinderreim,  tw.  zur 
Verspottung  der  evangelischen  Prädikanten:  Ich  hre- 
dige",  leas  i'''  weiss,  ron-fr.-  alte'  M.-G.  (Stumpe'-G.) 
usw.;  s.  Var.  bei  Schild  HI  18.  —  Matte"-:  Z.,  welche 
im  Sommer  auf  Matten  od.  Wiesen  zu  Hause  behalten, 
anstatt  auf  die  Alpen  oder  Berge  getrieben  wird  Uw. 
Syn.  Heim-G.  —  Bach-:  hölzerne  Maschine  mit  Ge- 
wind  und  Fla.schenzügen,  um  grosse  Steine  aus  Bach- 
betten zu  ziehen  Uw\  8.  ufe-geissen.  —  Berg-:  Z., 
welche  mit  dem  Kindvieh  den  ganzen  Weidgang  des 
Sommers  mitmacht.  Schatzm.  Syn.  Kiieh-,  Sennen-G.  — 
Pflueg-  =  Geiss  3  e  Ap.  —  ,Röch-  vel  farnwider, 
caprea.'  Ebinger  1438.  —  Bit-  =  Geiss  3a  GRMai.  — 
Se-  s.  Se-Gans.  —  Side»-:  der  hölzerne  ,Bock',  an 
welchem  die  Seide  gekämbelt  wird  Schw.  E"  Haspel 
und  ewo  S.-Geiss  zählt  der  komische  , Hausratbrief'  auf. 
—  Senne"- =  Äwefe-ff.  Ap.  —  Schell-:  Z.,  welche 
der  Herde  vorangeht  und  eine  Schelle  trägt  GnPr. 
Syn.  Vor-G.  —  Schleg-:  Mastziege,  zum  Schlachten 
bestimmte  Z.  GrI).  —  Sehne-  s.  Sehne-Gans. 

Schnabel-:  weiss  vermummte  Figur,  welche  in 
Begleitung  der  Dorfjugend  je  an  den  zwei  der  Weih- 
nacht vorangehenden  Freitagen  Abends  mit  Spektakel 
herumzieht  und  Besuche  macht.  Die  Figur  gipfelt 
entweder  in  einem  aus  einem  Laken  und  2  Stäbchen 
gebildeten  Vogelschnabel  oder  in  einem  geschnitzten 
Ziegenkopfe,  dessen  Hals  der  unter  dem  Tuche  Ver- 
borgene, um  die  Leute  zu  erschrecken,  nach  Belieben 
verlängert.  Beide  Köpfe  sind  mit  Stecknadeln  be- 
spickt ZKn. 

Die  an  und  für  sieh  siiinl"~r  /..  i ,  ,  k,;i  p,  1 1  .!ir  durch 
Beobachtung    gewisser  v.i-ii     :       -     li   i-   "     i..  n   Lrumeiü- 

samer  Eigenschaften    uml    -hi    h    ■'-.     In. i.  i    in.li'n    der 

Wortformen  für  (Smu  mit  '.. .-  n/m-t,  N-i^uirkiing  der 
Vorstollnngen  Ziege  und  Vog.-l.  S^.  r- -»v  i  ».  J/„l„,-,  Himmdi- 
(Jcias.  Auch  ,Ricke'  vereinigt  die  Begriffe  von  Reh,  Ziege 
und  Krähe.  In  Siiddeutschland  ist  die  mit  StNiklaus  um- 
ziehende   .Habergeiss'    mit    einem    künstlichen    Ziegenkopfe, 


desseu  Kinnlade  beweglich  ist  (vgl.  Klaus-Esel),  versehen;  in 
Norddeutschland  in  ähnlicher  Weise  der  , Klapperbock'.  Das 
nach  einer  Äusserllchkult  gewählte  W.  Schnabel-G.  hat  bei 
uns  das  in  gleichem  S.  nicht  mehr  übliche  Haber-G.  verdrängt. 

Schnäder-  s.  Schn.-Gans.  —  Schnider-:  Euder- 
wanze,  hydrometra  ZWl.  Syn.  Gitzi.  Vgl.  Haber-G.  ä. 
Die  Kinder,  welche  eine  solche  sehen,  reimen:  Sehn., 
mach-m'r  d'  Suppe  nit  so  heiss;  mach-m'r  d'  S.  nit  so 
räss,  oder  i'''  schläh-d'r  d'  Hand  i* 's  G'fräss  ZWl. 
Dazu  vgl.  einen  Reim  u.  ,Geiss'.  —  Stumpe"-:  Z. 
mit  abgestumpften  Hörnern  Z.  Syn.  Muttlen-G.  — 
Winter-:  Z.,  welche  überwintert  wird  Schw.  , Wel- 
cher Winterveech  hat  oder  Halbveech,  der  mags  uf 
unser  Almeini  lan  gan  von  SMartins  des  heiligen  Bi- 
schofs Tag  bis  zuo  mittem  Merzen,  usgenomen  W.-Geiss 
nit.'  I(i05.  ScnwG.  LB. 

Zal-:  Z.,  sofern  .sie  mit  Bez.  auf  die  Benutzung 
der  Alp  (vgl.  Kue-esse"  Bd  I  520)  gezählt  wird  (V).  ,Es 
söllcnt  nit  me  dann  40  zalgeiss  [auf  die  Alp]  getriben 
werden  und  gant  6  z.  für  1  kue.'  1498,  Übw.  ,Nie- 
mants  soll  mehr  dann  30  zalgeiss  und  30  bescheren 
schaaf  han.'  1629,  ebd. 

Jet«t  werden  In  Uw  10  Ziegen  =  1  Kuh  gerochuet  und 
hinwieder  4  Zicklein  =   1  grossen  Ziege. 

Zatt-:  1.  Z.  mit  besonders  langen  Haaren  Ap.  Syn. 
Fotzel-G.  —  2.  Weib  mit  unordentlich  herabhängenden 
Haaren  oder  Lappen,  ebd.  Syn.  Zatt.  —  Zit-:  Z., 
welche  ungewöhnlich  spät  trächtig  wird  G,  erst  im 
zweiten  (BSi.;  F;  U)  oder  im  dritten  Jahre  Gl;  Gr; 
„L;  Z"  zum  ersten  Male  wirft,  so  lange  also  keine 
Milch  gibt,  dafür  aber  nachher  um  so  besser  wird. 
Vgl.  Z.-Bock  und  Z.-  Vech,  -Kuh,  -Bind.  ,Die  geisshüt 
soll  gefallen  [dem  Zinsherr  verfallen]  syn  von  einer 
geiss.  die  zytgeissalt  ist.'  UwBuochs  Hofr.  ,Geheilts 
[kastriertes]  böcki"s  fleisch  u.  z.  6  hlr  [wie  bestes 
Rindfleisch],  geissin  fleisch,  so  nit  gitzigend  [geworfen] 
hat,  4  hlr.'  Liebenau  1881,  230. 

geissele(n):  nach  der  Ziege  schmecken  oder 
riechen;  den  eigentümlichen  Geschmack  der  Ziegen- 
milch haben.     Syn.  mäggelen. 

Geisseier  m. :  Einer,  der  sich  mit  Ziegen  zu 
schaffen   macht,   Kleinhandel  mit  solchen  betreibt  B. 

Vgl.  Tübdtr.  —  In  dem  Namen  ,Geiseler-Mös'  LEmmou 
dürfte  unser  W.  auf  einen  gespenstischen  A'ogel  Ubertr.  sei» 

geisse":  1.  klettern  (wie  Ziegen),  von  Kindern  Aa; 
Bs;  ScH;  Z.  Syn.  stägeren.  Uf  de"  Stüele'  umme'  g.; 
Uf  de"  Bank,  uf  der  Ofen  iif'i"  g.  Er  eha""  nüd  en 
Äuge"Mick  still  sitze";  er  muoss  eister  g'geisset  ha". 
Auch  von  Schosskindern,  welche  sich  unruhig  be- 
wegen, sich  aufzurichten  versuchen.  Daher  Geissi  m., 
scheltende  Benennung  eines  solchen  Persönchens.  — 

2.  müssig  umher  vagicren,  faulenzen  „L;  Sch;"  Z. — 

3.  wackeln,  ins  Schaukeln  geraten  Z.  —  4.  das  unter 
Geiss  3  d  beschriebene  Spiel  treiben  —  5.  g.,  bezw. 
vfe"  (öife"),  üse"  (öise)-g.,  mit  der  Bachgeiss  Steine  aus 
dem  Bachbette  heben.  —  6.  das  Heu  an  Stäben,  sog. 
Heinzen  (s.  d.)  zum  Dörren  aufhängen  ScuwMa. 

Zu  6.  Also  war  Geis»  der  einheimische  Name  für  das 
von  aussen  eingeführte  HHnze,  indem  die  Querhölzer  der  Vor- 
richtung mit  Hörnern  verglichen   wurden. 

gugg-:  Versteckens  spielen  GG.  —  Ohne  Zshang 
mit  Gwgg-GeisH,   sondern  wohl  aus  ijuggüsm  verderbt. 

geissene":    ein  Zicklein  zur  Welt   bringen    BSi. 


Gas.  ges,  gis.  g.. 


4Ü6 


Geisscr  Gl;  1-:  GG.,  Geissler  Gr;  GO.,  Sev.; 
Uw  —  111.:  1.  Ziegenbesitzer  (geiiugschätzig)  G.  ,Es 
f,'ibt  nur  wenige  namhafte  Güterbesitzer,  desto  mehr 
Einkühler  [die  nur  je  1  Kuh  besitzen]  und  Geisler.' 
III.  Ztschk.  1850.  —  2.  Ziegenhirt.  Der  G.  blaset  d's 
Höre" ;  us  alle"  Gilde'  chännd  [kommen]  iif  ei'  Mal 
d'  Geiss.  Anbf.rL.  1849.  Denn  wird  's  lebig  und  der 
G.  güget  lüt.  Henxe  1824.  ,Dass  der  bestellte  Hirt 
oder  G.  die  Ziegen  im  jungen  Gehölze  nicht  schädlich 
weiden  lasse.'  JXSchntd.  1782.  Auch  als  Geschln. 
1479,  Zellw.  Urk. ;  als  Übern.  ZO.  Als  Name  eines 
Hofes  ZRicht.,  vicll.  durch  Übertragung  von  dem  des 
Besitzers.  —  3.  de''  wild  G-,  ein  gespenstisches  Wesen, 
auch  Geiss.  a)  =  Wildmännli,  Fängg,  so  benannt, 
weil  solche  Wald-  oder  Berggeistor  gerne  den  Leuten 
die  Herdon  besorgen  Gr  (B.  H  75).  Van  unnnnueh,^- 
ist  allpott  latbar  word<i'  es  liols  G.ßö'  [Getön]  old  e 
Gügntn;  vam  wildn'  G.  würd's  cho' si',  der  d'  Nacht 
dHr'''-H'  der  Butzibau  machat  und  bi  Tag  in  da" 
Löcher  stechat  [steckt]  Gr  Schiers  (Schwzd.).  Vgl. 
Geiss-Mannli  u.  s.  Gügete.  —  b)  Nachteule,  deren  Ge- 
schrei die  Leute  dem  Jauchzen  eines  Hirten  vergleichen 
tJL:  Gr;  auch  churw.  so  benannt  (cavrlr  salvad'O; 
mittlere  Ühreule  It  B.,  der  Waldkauz,  syrnium  aluco. 
It  TscHCDi  1865,  die  grosse  Ohreule,  strix  bubo,  It 
Amstein.  —  4.  Schneider  (scherzh.)  Z.  —  5.  ,wer  beim 
Kartenspiel  keinen  Stich  macht  LE."  Syn.  Geisshirt; 
Schnlder;  vgl.  Geiss  1  (kinder-sich  iif  d'  G.  ufhin 
milessen).  —  ü.  im  Gässler,  Fluni.  SoiiBuch. 

Zu  3.  Die  Vermittlung  zw.  a  uud  b  bietet  die  61  8agf 
von  dem  Seun,  welcher  sich  vermass,  oincu  der  unheimlidien 
Bergseeu  zu  durchschwimmen;  nachdem  er  dabei  ein  Opfer 
des  Wassergeistes  geworden,  spukt  sein  unseliger  Geist  als 
Ijuftgespenst  und  das  Geschrei  der  grossen  Nachteule  gilt 
als  sein  Klageruf. 

Qi'wi- Geissei  s.  Gisi-Gänsli. 

gegeisset  lasset:    wähleriscli  im  Pässen  G'l'a. 

gogeissig:  wackelnd,  wankend,  z.  1>.  ein  Stuhl, 
ein  Brett  Z.     Vgl.  geissen  3. 

geissi":  aus  Ziegenfleisch  bestehend.  .Has  pfund 
geissine  fleisch  umb  6  h.  zuo  geben.'  1540,  Sch  Kats- 
prot.  Graf  Ulr.  v.  Schauraburg  pflegte  den  .geistlichen' 
Vater  zu  Eoni  den  .geissenen  V.'  zu  nennen.  JvMüll. 
Subst.  Geissen 's,  Ziegenfleisch;  spöttisch  das  uner- 
wachsenc  Mädchen,  der  Backfisch  BsStdt. 

Geissin  s.  Geiss  1  c. 

Giri-,  Gisi-Geiseli  s.  Giri-GänsK  Sp.  373. 

Geisle",  in  Bs;  W  -ss-,  f.:  1.  Peitsche.  KAA. 
1)'  Chue  a'  d'  G.  tusche',  =  das  Ross  an  den  Zaum  Z. 
.Fuhrmann  und  Pferde  an  einander  gewöhnt,  das.s  die 
Letztern  dein  Erstem  ohne  Worte  unter  der  G.  laufen, 
wie  er  will.'  Gotth.  D'  G.  ha',  das  Regiment  führen  L. 
Wie  n'en  Fuerm%n  oni  G.,  ohnmächtig  Z.  Die  Fuhr- 
leute und  Bauern  haben  oft  eine  Art  Virtuosität  im 
taktmässigen  Peitschenknallen  und  dasselbe  wird  an 
gewissen  Volksfesten  mit  besonderm  Schwung  be- 
trieben, so  z.  B.  in  Frauenfeld  am  Berchtoldstag  und 
an  der  Fastnacht  (s.  karwatschen),  anderwärts  am 
,C'hrungeliabend'  usw.;  schon  1611  musste  in  AaF. 
.das  Geisslenklepfen'  im  Herbst  durch  ein  Mandat 
verboten  werden.  S.  noch  klepfen;  Zwick.  ,Die  G. 
ist  eine  Art  von  Scepter,  sie  führen  zu  können,  ein 
Ehrenpunkt.  Es  bildet  ein  eigentlich  Ereigniss,  wenn 
ein  Vater   seinem  Sohne   die  G.  gibt,    er   erhebt  ihn 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


damit  zu  seinem  Mitregenten  und  Stellvertreter.  Aber 
ebenso  ist  es  ein  Ereigniss,  wenn  ein  Vater  seinem 
Sohne  die  G.  wieder  nimmt.  Denk  ou''',  er  het  im 
d'  G.  g'no'!  heissl  's.  Ärgeres  droht  ein  Vater  seinem 
Sohne  nicht  leicht  als:  Ich  nehme  dir  die  G.!  Das 
geht  gleich  vor  dem  Enterben  her,  und  wenn  man 
einen  General  wieder  zum  Gemeinen  macht,  es  kann 
ihm  nicht  ärger  als  einem  Sohne  sein,  der  vom  Pfluge 
weg  wieder  unter  die  gemeinen  Hacker  auf  den  Acker 
muss.  Und  diese  Strafe  wird  nicht  bloss  verhängt, 
wenn  Einer  schlecht  fährt,  sondern  auch,  wenn  der 
Sohn  zu  einem  Mädchen  geht,  welches  dem  Vater 
nicht  anständig  ist  [usw.].'  Gotth.  —  2.  der  Peitsche 
ähnliche  Geräte,  a)  das  in  einer  Krinne  des  Weber- 
baumes liegende  Stäbchen  mit  Schnur,  welche  zur 
Scheidung  der  einzelnen  Teile  der  Kette  dient  Aä; 
Syn.  Baumsteckli.  —  b)  viell.  der  Angelrute  ähnliches 
FiscÜEreigeräte.  1537,  Z  Fischerein.  .Wir  verbieten 
das  Fischfeimen,  die  Geisel,  das  Schlinggen.'  1710/76, 
Z  Ges. 

Eng-  s.  Ameise  Bd  I  216.  —  Chüe-:  hölzerne 
Peitsche  mit  geflochtenem  Stockende,  in  hohem  Grade 
biegsam,  um  dem  Vieh  beim  Schlagen  nicht  zu  scha- 
den Z.  Syn.  Büren-G.  —  Gharre"-:  Fuhrmanns- 
peitsche SoHwMa.  —  Kiep f-:  , Knallpeitsche',  fingierter 
N'ame  eines  Bauern  bei  NMan.  —  Chlaus-:  Peitsche, 
womit  der  Chlaus  [StNikolaus]  in  den  4  Wochen  bis 
zum  Silvester  zu  knallen  pflegte  Z  (Spillm.).  Syn. 
Schaub-G.  —  Bure"-:  Peitsche  der  Bauern  im  Gegs. 
zu  derjenigen  der  Kutscher  und  Fuhrleute,  welche 
einen  ungeflochtenen ,  harten  Stock  hat  Aa  ;  Syn. 
Chüe-G.  —  Putsch-:  Peitsclie  mit  kurzem,  dickem 
Stocke  und  langer  Schlinge,  wie  sie  bei  den  Train- 
süldaten  im  Gebrauch  ist  AABb. 

Schaub-:  eine  bis  10  Ellen  lange  Peitsche,  die 
von  den  kräftigsten  jungen  Leuten  in  den  ,Sami- 
chlaustagen'  beim  Samichlaus-  oder  ,Schmutzli-Jagen' 
gehandhabt  wird  und  pistoleuschussartig  knallt  L; 
Syn.  Chlaus-G.  D'  Chilbeler  [die  von  Kikhbühl  bei 
LSemp.]  liiiiid  mit  aUr"  irr"  Cliiiechte'  und  mit  ire"  W- 
vernirftKii:  Srh.  inni  ,!,'■  i/iMs-i- "  Hi acgungele  [Schellen] 
der  SkiiihIiIiuis  <hir  '.-  Stndlli  (Inre  g'jagt  und  ganzi 
Sack  roll  Nuss  m  hs  [die  Kiiidcrschaar]  usg'rüert  L. 
—   Schaub,  Stroh  aus  den  zähen,  langen  Roggenhalmen. 

Schlange"-:  ein  mit  einer  Natterhaut  überzogener 
Peitschenstock  S.  E"  Fuerme',  wo  mit-ere'  Schi, 
grüsli"''  chlöpft.  Schild  1885.  —  Mit  solchen  Häuten 
werden  bisweilen  auch  Spazierstöcke  überzogen. 

geisle":  1.  mit  der  Rute  züchtigen  B.  Di  Muoter 
hat  d's  ühind  gigeisslot  W;  Syn.  fitzen.  Sich  selber 
geissle;  schaden  üwE.  -  2.  mit  der  Peitsche  knallen 
ß.  —  3.  umme'-:  zwecklos  herunivagieren  L;  Syn. 
mnme"-geissen,  -schellen.  —  .S  wohl  eig.  von  kleinen  Kn.n- 
ben,  die  mit  ihren  Peitschen  sich  hommtummeln. 

ver-:  zerpeitschen,  wie  z.B.  der  Hagel  das  Kraut 
AABb. 

Geuss,  geussen  s.  Güns,  günsen. 

Geusi  C-öi-)  n.:  Mensch,  an  dem  nicht  viel  ge- 
legen ist  Z  oTö.     Lass  '$  G.  fare". 

Wenn  hier  einer  der  Fälle  vorliegt,  wo  äu  und  ,v  ge- 
wechselt haben,  so  Messe  sich  Clin.;  als  IJiui.  von  '/■("«.  d.  i. 
Gans,  erklären. 

Giss  s.  Güns. 


467 


Gas,  ges,  gis,  gos,  gus 


4G8 


Gisel  I  111.:  Geisel,  Bürge,  bes.  für  Geldschulden. 
,Die  gyscl  sollent  sich  in  die  statt  ze  g.  legen,  bis 
allem  statt  beschicht'  1266,  Gprd.  ,So  sollen  wir 
dem  probist  g.  ligen  und  umbe  feil  guot  essin  all  die 
wyle,  unz  wir  dem  probist  16  m.  silbers  gegebin.' 
1275,  Z  Beitr.  ,Was  si  verkoufent  uf  benempte  zil, 
da  mugent  si  sich  besorgen  mit  briefen,  gelten  und 
g-n.'  1409,  Z.  ,Nieraan  soll  dem  anderen  kein  g.  nach 
kein  kosten,  da  einer  uf  zeren  mag  nit  gheissen  nach 
geben  und  weller  dem  anderen  g.  darüber  verhiesse, 
der  ist  kon  um  5  pfd.'  1490,  Ndw.  ,Begert  uf  syn 
g'lcit  Sicherheit  und  g.,  disen  ritter  zuo  sechen,  welcher 
uf  ir  beger,  g'leit  und  vergislung  [Verbürgung]  in  ir 
läger  hinus  sich  gelassen.'  Kessl.  1539.  So  dass  der 
Zins,  wenn  er  nicht  jährlich  erlegt,  würde,  mit  ,G.' 
eingezogen  werde.  Alte  Verträge  auf  ,Leisten  und  G.' 
la.sse  man  in  Kraft  bestehen.  1547,  Absch.  ,Obses,  g., 
pfandsmann.'  Fris.  ;  Mal.  , So  welle  er  mit  inen  Triden 
machen,  wenn  si  g.  und  leistbürgen  gebind.'  Eüeüer 
1606.  ,Der  G.  und  Schuldenbotten  halber  ist  beredt, 
dass . . .'  1653,  L.  ,Leonidas  wollte  sich  lieber  zum 
Geisel  und  Tod  überliefern,  als  sein  Vaterland  und 
Statt  Spartam  zerstören  lassen.'  AKlingl.  1688.  G.. 
Flurn.  TuHüttw.;  eine  Gisdmatt  AALenzb.;  G.-Guet 
BTrachs. 

Neben  ytsc/  findet  sich  im  Ahil.  eine  kürzere  Form  ißno, 
wie  xoiso  neben  tcind.  auch  bei  uns  als  Personenn.  im  ersten 
Teil  von  Ortsnn. :  Gisen-Benj.  -Büel,  -Stein  B,  G.-Eyg  Gl, 
G.-Hanl  -Hcji,  -Itüti  Z;  der  Geschlu.  Gysi  Aa;  Bs;  S;  Z,  mit 
der  patronymischeu  Abi.  Gtainger  (1370,  Z),  wozu  der  LOrtsn. 
Gisföikun.  Gisi  Fraucnn.  bei  Cysat,  wohl  verk.  ans  Gisda 
(,Glsla.'  Anshelm).  Betr.  das  Sachliche  s.  Näheres  in  den 
Anm.  zu  Guel-Äis  (Bd  I  499)  und  zu  G.-FriSser  (Bd  I  1325). 
Vgl.  auch  G.-Esmr  (Bd  I  528),  Gtsel-Mal,  Inlager,  sowie  das 
folgende  W. 

Giselschaft  f.:  persönliche  Bürgschaft,  bes.  in 
der  Form  des  Einlagers  (,Leistung'),  obstagium,  als 
gerichtlichen  Zwangsmittels,  wornach  der  Schuldner, 
so  lange  er  nicht  zahlte,  sich  (bisweilen  mit  dem  Gläu- 
biger und  den  Mitgülten)  in  ein  öft'entliches  Wirtshaus 
einlagern,  hier  in  Personalhaft  bleiben  und  sämmtliche 
Wirtszeche  für  sich  und  die  Andern  bestreiten  musste. 
,Swa  ein  burger  eim  andern  burger  g.  brichet,  der  git 
der  stat  buoss  und  soll  sich  aber  antwurten  in  die  g.' 
1304,  Z  Richtebr.  ,Die  bürgen  sont  [sollen]  an  offen 
Wirten  recht  g.  leisten  iro  ieglicher  besunder  ie  2  mal 
an  dem  tag  und  wel''''e  mit  syn  selbes  lybes  lybe  nit 
leisten  will  ald  mag,  der  soll  einen  gysel  mit  einem 
pferit  dahin  ze  gysel  legen.'  1359,  Constanz.  ,Wir 
band  ze  recht  gesetzt,  was  geldschuld  unser  burger 
oder  burgerin  schuldig  sint,  darumb  einer  oder  eine 
g.  utf  sich  gedinget  hant,  dass  man  da  den  schaden 
und  g.  wol  wenden  mag  mit  farenden  pfänden.'  1384, 
AaB.  Stadtb.  ,So  söllent  wir  alle  nach  der  manunge 
in  den  nächsten  8  tagen  ze  Basel  ein  rechte  offen 
gewonlich  g.  leisten  in  offener  würfe  hüser  ze  feilem 
koufe  und  ze  rechten  malen  täglich  bi  den  eiden,  so 
wir  alle  harunib  gesworn  hant  und  weP''er  under  uns 
mit  syn  selbes  lybe  dise  g.  nit  leisten  wollte  oder 
möchte,  der  ieglich  soll  und  mag  einen  erbern  knecht 
mit  eim  müessigen  pferde  an  syn  stat  legen  ze  leistende, 
der  ze  rechten  malen  als  türe  komme  und  als  vil  zere 
als  er  selber  tete.  Und  soll  uns  alle  enhein  ander  g. 
hie  irren  noch  schirmen.'  1390,  S.  ,Welichs  jars  wir 
suniig  wurdent,  söllent  und  mögent  der  käufcr  einen 


erbaren  kniächt  in  ein  offen  wirtslius  inschickcn  und 
den  so  lang  uf  mich  [und]  myn  erben  gewonliche  g. 
lassen  halten  nach  zinses  recht,  unz  der  zins  und 
costen  bezalt  wird.'  1554,  BLaup.  (Kaulbr.).  ,Sy  söllent 
leisten  rechte  offne  G.,  bis  sölicher  Zechend  bezalt 
wirf  1606,  AABremg.  ,Sölliche  Personen,  welche  sich 
nach  angestellter  G.  zu  disem  Dienst  [als  Schuldboten] 
gebruchen  lassend.'  1614,  B  Missiv.  ,Die  G-en  und 
Fresseryen.'  B  Ref.-Satz.  1628. 

gisle":  1.  durch  ,Glselschaft'  Schulden  eintreiben. 
,Si  sulln  sich  danne  gyseln  nach  gewonheit  Züricher 
giselschefte.'  1252,  Z.  ,So  soll  ich  und  niyn  gysel 
darnöch  über  ein  manot  unsich  gyseln  und  umbe  feil 
guot  essen.'  1275,  Z  Beitr.  ,Gyslens  halber  auf  die 
Unsern.  Umb  Einbringung  der  Schulden.'  L  Stadtr. 
1706/65.  —  2.  schmarotzen,  betteln,  i.  S.  v.  guenen  1 
BÜ.;  LE.;  UwE.  ,Adulando  consequi.'  Id.  B;  Syn. 
mueten.  —  8.  hastig  arbeiten,  eilen  GrD.,  Pr. 

Aus  Bed.  1  entwickelte  sich  leicht  2;  ebso  3,  da  das 
Eintreiben  von  Schulden  mit  Drängen  und  Ungeduld  ver- 
bunden  war;   vgl.  yresten. 

„ab-,  er-:  abbetteln,  durch  zudringliches  Bitten 
abnötigen." 

Gisler  1  m. :  1.  „Schuldeneintreiber  B;  LE.;- 
Syn.  ßisel-,  GlsU-Fresser ;  vgl.  Zinsli-Bicker.  ,Uie  G. 
und  Geldeinzieher  werden  vor  Rat  gestellt  und  abgc- 
wüsclit  [scharf  getadelt]  wegen  ihrer  Kostenmacherei.' 
1578,  L  Ratsb.  ,Der  G.  und  Schuldboten  halb  ist  eine 
Ordnung  gemacht.'  1653,  L.  ,Die  sog.  G.  oder  Scliubl- 
boten.'  XScHNYD.  1781.  Vgl.  Seg.  RG.  4,  150  ff.  — 
2.  „Schmarotzer  B;  L;"  Syn.  Glsel-Fretsser.  —  3.  wer 
Etw.  abbettelt  oder  erschleicht  BSigr.  —  4.  Geschlii. 
B;  Z;  in  U  das  zahlreichste  aller  Geschlechter.  Da- 
von der  Flurn.  Gisleren  f.  BSeed.  und  ZPfäff.;  vgl. 
Isleren  von  hier.  -  Mhd.  <fudir  i.  8.  v,  1. 
gislig:  eilfertig  GrD.,  Pr. 

Gisel  II  Gl,  Gisler  II  GA.  —  m.:  1.  der  beim 
Käsekochen  aus  der  rückständigen  Molke  sich  sam- 
melnde und  verhärtete  Zieger  od.  die  Käserückstände, 
die  unter  bes.  Zubereitung  nachher  noch  von  den 
Älplern  genossen  oder  auch  den  Schweinen  vorge- 
schüttet werden  Gl;  GA.  —  2.  (Gisel)  die  dünne, 
leicht  zerfallende  erste  Eiskruste  beim  Gefrieren  des 
Wassers  GlK. 

Viell.  zu  mhd.  yi«,M-iz).  s.  Gr.  WB.  unter  ,Geislitz'  und 
vgl.  Gugg(er)-Geim.  2  scheint  bildl.  Anwendung  von  1 ;  vgl. 
nidlen. 

(liseli,  Gisemli  S,  Gismeli,  Gesmeli  ii.:  gleicli- 
bed.  mit  dem  folg.  Comp,  und  aus  demselben  verk. 

Gänse-,  Geisse-,  Gnu se-Giseli,  -Gismeli,  -Gis- 
seli,  -Giiseli,  -Gisserli  s.  Gise-Gämeli  Sp.  373. 

Giess  Güss  m.:  Giesser  Z  (Übern.).  .Hans  Müller, 
der  Güss  genannt'  1653,  AAWett.  Klosterarch. 

Vgl.  den  Ap  Geschln.  ,Schiess'  (gespr.  -«-)  von  ,schiesscn', 
sodann   Beck,   Deck  =  , Bäcker'   usw. 

,Rot-:  aerarius,  kupferschmid.'  Fris. 
giesse",  bezw.  güsse' :  1.  wie  nhd.  Chiiijle", 
Glogge",  Cherze"  g.  En  g'gossne  Bode",  aus  Lehm 
gestampft,  e"  g'gosses  Tenn,  mit  einem  Lehm-  oder 
Mörtelguss  als  Boden  Th;  Z.  ,A.  1755  hat  man  durch 
die  ganze  Kirchen  ein  gegossenes  Gewelb  formieren 
lassen.'  Z.  In  der  Sennerei:  „die  Käsemilch  zu  Ziger 
gerinnen  machen,  indem  man  saure  Molken  (od.  Essig) 


4t;o 


Ga.s,  ges,  gis,  gos,  gus 


470 


ilazu  giesst  BO."  In  bildl.  Anwendung:  wie  einen 
Erzguss  oder  gleich  in  Einem  Gusse  Tollkommen  her- 
stellen. Das  ist  wie  g' gösse",  trefflieh  gemacht  Gl;  Z. 
Mn"  cha"  's  dem  nüd  gad  g.,  ihm  nicht  gleich  recht 
machen  Gl.  Mä'  chönnt  s'  [die  betr.  Freunde]  nüd 
hesser  g.,  sie  passen  vollkommen  zusammen.  Henkel. 
18.S(I.  Ja  nu  [tröstet  sich  der  Unvollkommene],  es 
ist  jo  Niemed  grad  tcie  g'gosse".  Stiitz.  Bes.  auch  von 
neuen  Kleidern,  die  gut  passen,  sitzen:  De"-  Rock 
<-lii(itnt-d.r  [steht  dir]  ivie  (a"-)  g'gosse"  G;  Z.  Bei 
Sil  TZ  auch  einmal  vom  Träger  des  Kleides :  De'  Frach 
chunnt  der  guet,  hist  ,j(>  bim  Strähl  wie  g'gosse.  — 
2.  auf  dem  Eise,  der  i;lit.rlil.;ilin  zum  Vergnügen 
glitschen  AABb.  (l't.-.  ,/-,/»v>r/i;  ZW.  (Ptc.  g'gosse"). 
Svn.  leisen,   risen,    srhlifi:ii,    schlissen,   zihen.  —  Ahd. 


(fr   (jti 


:it), 


über-:  1.  überflicssen  [vor  Lust,  Leid].  ,So  du 
das  sehen,  wirst  du  ü.,  dich  verwunderen  und  wirt 
dir  weit  zum  herzen.'  1531,  Jesaj.  —  2.  überschütten. 
.Soll  keiner  den  anderen  schelten  oder  mit  bösen 
Worten  übergeussen.'  1693,  Z  Hausordn.  —  in-:  ein- 
giessen,  beibringen,  bes.  von  Kenntnissen.  Es  meined 
ril  Eitere",  me  sott  's  [das  zu  Lernende]  de"  Chinde" 
chimne"  l.  G;  Z.  Auch:  Einem  Etw.  beibringen,  .be- 
lieben' GG.  ,I'''gosse  Mites,  ärmliches  Essen,  das  von 
einem  Buchbinderbrei  in  Nichts  unterschieden,  als 
dass  man  in  dem  Auskochen  etliche  Eier  darein  zu 
schlagen  und  vorher  den  Hafen  mit  Butter  anzu- 
schmieren pfleget.'  Spreng.  —  er-:  1.  =  giessen  1  in 
bildl.  S.  Mä"  chann-em's  nüd  er-g.,  recht  machen, 
treffen  Gl.  —  2.  verdünnen,  z.  B.  den  Kaffee  durch 
Zugiesscn  von  Wasser  BSa.  —  3.  er-gossen,  aufge- 
dunsen, z.  B.  eine  wassersüchtige  Person,  an  Blähung 
leidendes  Vieh  BSa.  —  4.  durch  Zugiesscn  füllen. 
,So  aber  die  Salzpfannen  halb  abgesotten  was,  so  hat 
man  sie  wider  ergossen  und  erfüllt'  1.504.  Absch.  — 
"i.  (refl.)  von  Leichen:  secernieren  durch  Nase,  Mund 
und  übrige  Ausgänge  Z.  —  üs-:  1.  ausstreuen,  ver- 
Ijreiten  (bes.  Verleumdungen,  falsche  Nachrichten). 
.Die  Personen,  so  solich  untougenlichen  wort  usgossen, 
benamsen.'  1.531.  Strickl.  ,So  er  die  personen,  die 
solches  ausgössen,  erfahren  könne.'  1557,  Absch.  ,Er 
sollt  vorhin  g'fraget  haben,  ehe  er  die  bösen  wort 
hette  u.sgossen.'  LLav.  1584.  ,Schrämli  hat  in  unser 
grafschaft  an  etlichen  orten  hin  und  wider  ausgössen, 
als  ob  .  . .'  ZWthur.  Stadtb.  ,Über  iemanden  schant- 
liche  Reden,  so  Lyb,  Er  und  Gut  antreffend,  u.'  L  An- 
sehenb.  ,N.  N.  hätte  inen  [den  Sigrisweilern]  hinder- 
rucks  g'redt  und  usgossen,  er  welle  . . .'  1587,  Hagenb. 
SiGR.  .Wegen  gewüssen  usgossnen  Worten  wider  das 
Kilchenbauw.'  1678,  ebd.  —  2.  mit  pers.  Obj.:  ver- 
lästern, verleumden.  ,Die  so  uns  anders  versagen,  u. 
und  verunglimpfen.'  15'24,  Strickl.  ,Der  fromm  N.  N. 
ward  gebuobet  und  geschelmet;  item  ain  luser  und 
böswieht  usgossen.'  Vad.  ,Denen,  die  in  syner  eren 
halb  schnödlich  usgossen  und  hinderredt  haftend.' 
ebd.  ,Es  habend  mich  etliche  falsche  Franzosen  wollen 
u.'  1.589,  L  (Seg.,  Pfyft".).  —  ver-:  1.  durch  Eingiessen 
von  Blei,  Gips  udgl.  befestigen  Z.  ,Der  murer  soll  die 
büny  vergibsen  und  in  dem  stüblin  die  klimsen  [Spalten] 
machen  und  V.'  1488,  Bs  Jahrb.  --  2.  ^  giessen.  .Mit 
vergossnen  erin  stein  [gegossenen  Stückkugeln].'  GWyl 
(Copiebuch).  —  3.  durch  Giessen  aufbrauchen,  ver- 
nichten, re.sp.  umgiessen.  ,Vil  der  eidgnossen  raein- 
tond,    man  hette  büchsen    [aus  den  Glocken]   gössen. 


aber  sy  vernamend  demnach  wol,  ob  sy  vergossen 
warend  oder  nüt,  da  man  fröud  lüt  [nach  der  Nieder- 
lage von  StJakob].'  Edlib. 

be-:  \.  =  giessen  1.  ,Soll  ein  keller  neman  [als 
Hauptfall],   was  begosses  geschier  ist.'    Oftn.  TiiEnn. 

—  2.  .Begossen  brot',  offa.'  UwE.  (Vocab.). 

Zu  '2  Tgl.  bei  Schm.-Fr. :  .Gossen  brot,  p.inis  iierfiisiis', 
,oin  wol  begossen  weck  des  morgens  frue.' 

Giesse"  m.  Bs;  BO.;  GEh.,  Sa.;  Gl;  GrD.;  L;  Schw; 
Th;  UwE.  (mit  de>-  Entstellung  ö»--) ;  Z,  f.  BHk.;  Gr 
Chur,  ObS.;W;  ZZell:  sich  ergiessende  Wassermasse. 
1.  Wasserfall,  Bachstrudel,  Sturzbach,  Stromschnelle. 
Wie  ist  das  doch  e  langwiligs  Holz  [Wald] !  's  hat  jo 
kein  G.  drin.  Stutz.  G.  ruschet  i"  der  Kluft,  ebd. 
,Im  Sternenberg  habe  es  einen  fürchterlichen  G.;  das 
Wasser  stürzt  4  Kirchtürme  hoch  über  einen  Felsen 
herab.'  ebd.  ,Nass  wie  getunkt  stellt  ich  den  Fuss 
keck  auf  im  Getriebe  des  strudelnden  G-s.'  RWvss 
1822.  ,Si  rüsten  an  den  g.  [Stromschnellen  des  Rheins].' 
1443,  Volksl.  In  zahlreichen  Ortsnn.  ist  das  W.  im 
Übergang  vom  Appellativum  zum  Eigennamen  be- 
griffen; vgl.  z.  B.  Manengiess  im  Rhein  oberhalb 
GRThus.;  den  Han  [d.  i.  die  hohen]  -G.,  früherer  Name 
eines  jetzt  Höhschutz  heissenden  Wasserfalls  ZErl.; 
,Wiesen  im  ff.'  ZPfäff.;  .Reben  im  Giessental'  ZElgg. 
Vgl.  die  Syn.  Giessbaeh,  Laufen,  Schutz,  Tschur, 
Tschoder.  Als  Überleitung  zu  Bed.  2  mögen  die  Angabe 
aus  GrD.:  ,Geschwelltes,  angeschwollenes  Wasser', 
sowie  die  ä.  Belege  dienen:  .Der  bach,  der  über  den  g. 
rünnet'  1456,  SchwE.  Klosterarch.  ,Die  bäch,  giessen 
und  flüss  des  honigs  und  ankens.'  1531/48,  Job;  dafür: 
, Ströme.'  1667.  .Torrens,  ein  g.  oder  waldwasser, 
giessbaeh  oder  sunst  ein  ungestüem  wasser,  das  von 
grossem  ungewitter  oder  wulchenbrüchen  gächlingen 
vom  gebirg  herab  scheusst   und   angät.-    Fris.;   Mal. 

-  2.  Seitenarm,  Nebenrinnsal  eines  Flusses,  das  bei 
hohem  Stande  desselben  Wasser  hat;  Stelle  mit  stehen- 
dem oder  nur  schwach  fliessendem  Wasser,  gerne  zum 
Baden  und  Fischen  benutzt  B;  L;  Gl;  Gr;  GSa.;  Tu; 
W;  „Z";  gegrabener  Kanal  Gl;  langsam  fliessender 
Bach  GW.;  auch  nur:  nach  einer  Überschwemmung 
zurückgebliebene  Lache  Gl;  Tümpel  in  einem  Moor 
FMu.;  Tümpel  z.  B.  zum  Hanfrösten  Gr  ObS.;  Syn. 
Butzi.  ,In  einer  G.  des  Rheins  ertrunken.-  Gr  (Zei- 
tung). Auch  in  Bed.  2  fängt  das  W.  als  Appellativ 
vielerorts  an  abzusterben,  während  es  als  Eigenn.  sich 
hält  od.  eher  auf  der  Grenze  zwischen  beiden  schwebt. 
Vgl.  den  G.  als  Zufluss  der  Linth  unterhalb  GlEuh.; 
.der  alte  G.',  Bett  eines  nun  abgeleiteten  Thurarmes 
Th  Weint;  Name  eines  Baches  GSev.;  ,die  Wehri  der 
Muota  vom  G.  und  Schupf  hinter  der  Landsg'raeind 
hinab'  Schw.  ,Was  einer  erwatten  mag,  da  mag  ieder- 
mann  fischen,  es  si  in  der  rüss  oder  in  bächen  oder 
in  g.'  L  Fischerordn.  1422.  ,Wenn  der  müUer  die  g. 
underm  kloster  [Fahr]  uftuon  sollt,  neme  das  wasser 
synen  fluss,  als  zuo  ersorgen,  gar  dadurchhin.'  1510, 
AAWett  Klosterarch.  .Darzuo  betten  die  Frowen  von 
Far  underm  Closter  etlich  G.  verschlagen,  damit  das 
Wasser  euch  nit  die  rechten  Rychstrass  möchte  gon 
und  alls  uf  Schlierer  Güeter  getriben  wurde.'  1510, 
ebd.  , Einige  seien  in  den  g.  und  owen,  so  der  Ehyn 
[in  Gr]  übergange,  ertrunken.'  1551,  Absch.    .Welches 

den    vollen   g.,    sinus  Pelasgicus   genannt, 


lauft.'    Tier«.    1563.     ,Die    schifflüt 


wegen 


471 


Gas 


gis,  gos,  grts 


in 


grosse  's  Wassers  dem  müUer  zuo  Far  in  g.  [Mühle- 
kanal] gcfaren,  da  si  bestanden  [auffuhren].'  1576,  Z. 
.Die  Stadt  Säckingen  mit  einem  g.  des  Rheins  gleich 
einer  insel  umbfangen.'  Wurstisen  1580.  ,Dass  der 
Rhein  zu  Basel  sich  in  keine  g.  zerteilet.'  ebd.  ,Als 
wir  nun  gen  Ilzach  kommen,  haben  wir  durch  2  g. 
waten  miesen  bis  an  girtl.  Die  nebenflüss  und  g., 
so  uss  der  rechten  111  über  alles  leid  laufen,  durch- 
watten.'  ARypf  1592.  ,Es  soll  in  der  Rüss  noch  in 
allen  andern  6.  und  Gunten  im  Land  niemand  fachen 
by  Verlierung  des  Fischerzügs,  doch  vorbehalten,  ob 
einer  G.  in  synem  Eigen  bette,  die  er  inhaget'  1607,  U. 
,Niemand  soll  under  dem  Seedorfer  Steg  in  der  Rüss 
noch  in  dem  rässen  G.  fischen.'  ebd.  ,Von  dem  schwar- 
zen G.  bis  gen  Flüelen.'  ebd.  S.  iiber-fachen  Bd  I  64'2. 
,N.  N.  bei  Werdt  in  der  Aaren  in  einer  G.  ertrunken.- 
XVII.,  B  Wappenb.  ,üass  das  Fischfach  in  des  Griens 
G.  eintweders  gar  hinaus  oder  so  in  selbiges  von  wegen 
der  Fischen  dahin  getan,  weiters  hinab  zunechst  bei 
dem  Auslauf  des  Giesses  gesetzt,  wie  auch  der  Kopf 
oder  Iniauf  desselbigen  iederzeit  ofl'en  gelassen  werde.' 
1658,  AAWctt.  Klosterarch.  ,Wann  der  G.  [ein  Teil 
des  Rheinbettes  bei  Coblenz]  Wasser  hat,  mögend  die 
Fischer  darin  fahren  und  fischen.'  1660,  Aa  Urk.  ,In 
der  Rüss  gefangen,  sonderlich  in  den  6.  und  tiefen 
Wögen.'  Cys.  1661.  ,Vom  Weinnionat  bis  eingehende 
Fasten  soll  niemand  weder  in  G.,  Bächen  noch  Brunnen 
fischen.'  Gl  LB.  1835. 

Ahd.  31020  m.,  fretnm,  rivuliis,  imsn--rjiez  (Notkoii;  nihil. 
ijKHHe  ni.,  fliessendes  Wasser,  Flussarin. 

Ab-Giesse°:  Abzweigung  eines  Flusses.  ,Die  a., 
so  vom  Rotten  fliessent,  erkennen  sy  [die  Schieds- 
richter], dass  sölich  g.  nit  wyter  dann  zum  dritten 
teil  überfachet  werden.'  1528,  Strickl.  —  Mülli-: 
Mühlekanal.  1667,  AiWett.  Klosterarch. 

Giesser  m.:  wie  nhd.  Z,  wo  der  Stanimvoc.  das 
W.  als  aus  der  Schriftspr.  entlehnt  kennzeichnet. 

Hafe"-:  Giesser  von  ehernem  Kochgeschirr.  1453, 
Bs;  1577,  L;  1547,  Z.  ,Die  gross  gloggen  ward  gössen 
durch  U.  Bircher  und  J.  Henserlin,  beid  H.  zu  Lucern.' 
Cys.  c.  1600.  —  Chante"-ß«Jsser.'  Kannengiesser  G. 
,Kantengiesser,  antwerklüt,  die  zinin  kanten  machent.' 
1376,  ScH  Stadtb.  ,5  pfd  dem  k.  von  dem  gloggenhus 
uf  dem  tor  ze  machen.'  1468,  Z.  Wechselnd  mit  dem 
Syn.  ,Zinn-G.':  ,Zuo  der  schmidzunft  [in  G]  g'hörend 
kessler,  kanten-  oder  zinngiesser.'  Vad.  ,R.  Schinz, 
Kantengiesser;  G.  Thumeisen,  Zinngiesser.'  Z  Ge- 
schlechterb. 1660.  .Falschmünzer,  K.,  Metallfälscher', 
in    den   alten   Schweiz.  Gerichtsordnungen    z.sge.stellt. 

—  ,Bild-,  statuarius.'  Mal.  —  ,Rot-,  kupferschrnid, 
aerarius.'  Mal.  u.  Denzl.  1677;  1716.  Massregeln  gegen 
die  ,R.'  und  herumschweifenden  , Kessler.'  1571,  Absoh. 

—  Zapfe"-:  unter  den  Handwerkern  aufgeführt. 
1453,  Bs. 

Giessi,  Güssi  f.:  Glitschbahn  AABb.;  ZW.;  Syn. 
Schlifi.    —    Von  giesHeH  S. 

liani- Giessi  Sch;  Th;  Z,  -Giessli  Av,  -Giess  ü'£.; 
ZSth.  n.:  =  Giess-Fass  Bd  I  1050.  Abbildung  s.  bei 
KMeier,  Tischzucht  1645  u.  in  Elsener's  Zg  Kai.  1858; 
s.  noch  Guss  und  Büffet.  ,1  hangissy.'  1469,  Z  Inv. 
,Trulleum,  Handbecke,  Handgiess.'  Denzl.  1677;  1716. 
Synn.  s.  bei  Giess-Fass,  ausserdem  Hand-Bössli;  vgl. 
das  x^pvifiov  der  Griechen. 


In-gös  3.  in-gan  Sp.  21. 

goss! :  gewiss  BHa. 

Eine  der  abschwächenden  Ersatzfornicn  für  i/'h'hm,  dessen 
Gebrauch  für  sündlich  galt;  vidi,  hat  die  Zssctzimg  Ootti- 
g'mües  den  Vuc.  gegeben. 

Immis-Gos,  nur  PI.  -Gös:  =  Imbiss-Gaueh  Sp.  105. 
Moater,  tvas  hom-mer  z'  Meatig?  Antw.:  I.  ond 
Schneaggohörner,  deage  Bockfiiess  ond  EbberschnitUhi, 
WunnnrUsuppa  ond  Frögli  dri"  GBern. 

Gösse- (PI.):  Tücke,  Einfälle,  Dummheiten  W.  — 
Frz.  yausse,  Schnurre,  Aufschneiderei. 

ge-,  be-,  er-gossen  s.  giesseii. 

Gösset  B  11.,  Gossete°Bs;S  f.:  Zwickel,  Rauten- 
stück am  Herade  unter  der  Achsel.  —  Frz.  t<:  gousset. 

„göse",  gösse"  (-Ö-):  auf  niederträchtige  Art 
schmarotzen,   betteln   LG."     „Abi.  Gosser,   Gösserei." 

—  Wohl  das  frz.  (jueuser,    durch  Vermittlung  der  Söldner. 

güs!  resp.  güss!  B;  L;  S,  gus!  resp.  guss!  Aa; 
BSi.;  L,  gusi!  B,  guschi!  GRh.,  meist  2,  auch  3  Mal 
wiederholt:  1.  Lockruf  an  Schweine.  Syn.  hosch! 
hmch!  hotz!  häsi!  sugg!  —  2.  guseli!  Lockruf  für  die 
Hühner  aScHW;  Syn.  bi-bi! 

Zu  2  Tgl.  mnd.  interj.  ,7;««.'  pullos  movet'  (a.  Gloss.)  uud 
übh.   Gr.   WB.   V  867  s.  v.   ,kit5i'. 

Gusi  I  BO.,  Stdt,  Gusi  B  oHa.,  „Güschi  W", 
Güssi  S,  Gusel  I  FJ.  —  n.,  Dim.  Guseli:  Schwein- 
chen, als  Kosew.  und  in  der  Kdspr.  GusU  tu!  (Lock- 
ruf) 1790,  B  Hink.  Bot.  Syn.  Gützli.  Auch  leichte 
Schelte  für  eine  unreinliche  Person  B;  Syn.  Süli. 

Eig.  nur  die  substantivisch  und  in  dim.  Form  gesetzte 
obige  Interjektion,  welche,  mit  näselnder  Aussprache  ver- 
bunden, in  Etw.  das  Grunzen  der  kleinen  Schweine  nachahmt. 
Vgl.  BiU,  Huhn,  Büd,  Katze  (von  hü«!),  BmU,  Kalb  (vom 
Ruf?!««.'),  Bo-ham»,  Hund,  Haiti,  Schaf,  Mü,  Kuh,  Ifvdi  und 
Wudli,  Ente,  von  hud!  und  loud! 

Gusi  n  n. :  Versehen,  Fehler,  Missgriff,  ohne 
eigenes  Verschulden,  Missgeschick,  z.  B.  im  Karten- 
spiel, wenn  unrichtig  verteilt  oder  ,gewiesen'  wird, 
so  dass  das  Spiel  ungültig  ist  UwE.    Da'  ist  iez  es  G. 

—  Wahrsch.  aus  it.  acusi,  entschuldigen  Sie. 

Gnss  —  PI.  Güss  —  ra.:  1.  wie  nhd.  En  Mensch 
wie  en  G.,  schön  wie  eine  Bildsäule  Sch.  Ba  stä' 
wie  en  G.,  regungslos  wie  ein  Erzbild  Z.  „De"'  G. 
hät-em  g'felt,  sein  Plan  ist  ihm  misslungen  Vw;  Zg; 
Z."  —  2.  die  mit  einem  Zinnguss  überzogene  Wand- 
oder Buffetnische,  in  welcher  das  ,Giessfass'  angebracht 
ist,  etwa  auch  spec.  das  zu  dem  Letztern  gehörende 
Waschgefäss  Ap;  G;  Z.  Lt  GLHartm.  1817  gehörte  ein 
, Büffet  mit  einem  zinnernen  Gusse,  lave-main,  blank 
wie  Silber',  im  XVllI.  zur  .Ausstattung  einer  Wohnung. 

—  3.  reichlicher  Trunk.  Mid  d'  Güss,  se  lönd-di''' 
d'  Flüss.  SuLGER.  Starchi  Güss  bringe*  bösi  Flim, 
Überraass  im  Trinken  erzeugt  Krankheiten  L  (In- 
eichen). ,Güsse  machen  Flüsse.'  Mey.  Hort.  1692  u. 
SuLGER.  Wäre  griech.  yivi\i.<x.xa.  noisT  ^suiiaxa.  —  4.  (nur 
PI.)  Herzensergiessungen,  Ansichten,  Einfälle  GRPr. 
Dt«  um  da  Tisch  um  gignjend  esinmol  bi  d'rno''^  Güss, 
wo-n-er  [der  vom  Wein  Angeheiterte]  zum  Besta  git. 

SCHWZD. 

Über-:  Überflutung,  Schwall;  Überfluss.  ,Dass  ir 
nit  mit  inen  laufend  in  denselbigen  Übergüssen  des 
unordenlichen  Wesens.'  1531/48,  I.  Petr.  ;  dafür  jetzt: 


47ä 


ges, 


gos,  gus 


474 


,Aussch\veil'ung'.  ,^'uperiluitas,  überÜuss,  übergüss'. 
Fris.;  Mal.  Verlust  des  Fischers  durch  den  wegen 
ßestauration  der  .Rechen'  herbeigeführten  ,Ü.'  der 
Wasser.  1717,  Absch.  ,Die  Stadt  wurde  mit  einem 
gählingen  und  unversehenen  daher  stürmenden  Ü.  des 
Wassers  überfallen.-  JJScheuchz.  1746. 

In-:  Bettbarchent  (Einlass),  worein  die  Federn 
gefüllt  werden  und  worüber  dann  erst  der  , Anzug' 
(die  , Ziechen')  als  zweite  Umhüllung  kommt  BsStdt; 
Syn.  Ge-fäss;  Federete;  Eeiti.  ,Wenn  nuwe  federiten 
oder  ingüsse  zuo  betten,  phulwen  udgl.  dingen  ge- 
macht worden  sint . . .  wie  dick  joch  ziechen  darüber 
verslissen  würdent.'  14'27,  Es  Kq.  ,Und  heisst  der 
husrat  verändert,  so  man  den  betten  und  küssen  nüwe 
ingüss  macht.'  152(1,  ebd.  -  Vgl.  bair.  Ingusn  =  Gussform. 

Leckerli-:  1.  auf  den  Leckerli  [kleinen  Leb- 
kuchen] angebrachter  Zuckerguss.  allg.  —  2.  das  Eis, 
wie  es  zur  Zeit  des  Auftauens  unter  dem  schmutzigen 
Schnee  hervorbUckt  Es.  —  Bluet-:  Blutsturz  Z.  — 
Wasser-:  Überschwemmung  Vürte.  ,W.,  ein  ge- 
wässer,  schwal  oder  Überlauf  des  wassers,  diluvium, 
eluvies,  eluvio,  alluvies.'  Mal.  ,A.  1571  entstuend  uf 
die  grossen  wassergüss  by  uns  ein  ernstliche  dürre.' 
1571,  Es  Chron.  ,Durch  schlipf,  wassergüss,  Sturm- 
wind.' 1769,  ScHwKusn.  LB.  Syn.  Wasser-Güsi,  -Güssi. 

Wuet-:  plötzliche  Überschwemmung,  Wolken- 
bruch. ,Swar  das  wasser  gat  ze  mitten  meien  an  wuot- 
gosse  [spätere  Var.:  ,wuotgussen,  wotgusse.  wytgus, 
witgusse,  wegus,  wägis'],  da  soll  man  nüt  schaffen 
(soll  nieman  buwen].'  XJÜ./XV.,  L  Urk.  ,An  wuotgüss 
und  mosgraben.'  ebd.  (älteste  Fassung).  In  einem 
Urteile  betreö'end  Wasserrechte  einer  Mühle  heisst 
es,  aus  ihrem  Kunse  dürfen  Nachbarn  nur  in  den  Mo- 
naten März  und  April  Wasser  ableiten;  zu  andern 
Zeiten  des  Jahres  bloss  dann,  ,wenne  als  vil  übriges 
Wassers   käme  als  ein  wuotgüss.'    1353,  Z  Staatsarch. 

Vgl.  den  Seh  Flussnamen  Wwet-ach.  Die  Entstellungen 
des  Wortes  zeigen,  dass  dasselbe  nach  und  nach  nicht  mehr 
verstanden  wurde.  Die  L  Formen  und  die  Schreibung  mit  s« 
deuten  indess  auf  mhd.  güene  n.,  Überschwemmung.  Vgl.  auch 
'j'ii»;  und   Wii»«;. 

(Jusel  II  m.:  1.  Aufregung;  Hast,  (blinder)  Eifer; 
Verwirrung,  Wirrwarr  Aa;  B;  L.  VgL  Gang  Sp.  338. 
Im  G.  si',  a)  von  einem  Handwerker,  en  vogue  sein, 
grossen  Zulauf  haben  und  deswegen  in  freudiger  Stim- 
mung sein  L.  —  b)  sich  für  Etw.  lebhaft  interessieren, 
aufgeregt  sein  B.  Im  G.  hä",  im  Sinn  haben,  für 
Eppü,  für  Etwas  bestimmt  haben  BO.  ,Der  Herr 
Amtsschreiber  kam  in  G.'  Gotth.  Auch  freudige  Er- 
regung, Lustbarkeit.  Die  grössti  Freud  het  de  Pfarrer 
g'ha",  wenn  er  d'  Bure  het  chi'mne  zur  Hohfuer  [dem 
Schmause  nach  derselben  sc]  iJndc.  /.m-  dnii  G.  [Ka- 
pitalvergnügen] si  denn  all  Huri'  ii/lmlr  icnrdc".  BWvss 
1863.  Kitzel,  Mutwille:  .Da,-,  im  la^ni  ,i;eilen  und 
ungestümen  Esel]  diser  g.  vergange,  soll  }nan  in  ein 
weil  ein.si)annen  und  das  mülinrad  ziehen  lassen,  das- 
selbig  machet  in  etwas  zämer.'  Tierb.  1563.  ,Boum- 
gartner  nimmt  syn  Ax  und  rybt  den  muotwilligen 
Edelmann  [Wolfenschiess]  dermassen  darmit  uss,  dass 
er  tod  in  dem  Bad  verbliben  und  im  der  G.  wol  ver- 
gangen.' JJRüEGER.  Syn.  Gamel.  —  2.  (conor.)  ein 
Durcheinander,  Gewirr,  Gemisch;  Abfälle,  a)  Moos, 
Reisignadeln  und  Erde  zsgemengt  (zu  Streue  und 
iUinger)  Schw;    vgl.  Finder,  Gesehmeiss.    -  b)  abge- 


fallene Getreidehülsen  G;  Syn.  Güsel.  —  c)  a)  geringe 
Waare,  bes.  kurzer,  schlechter  Hanf  oder  Getreide- 
halm ZRafz,  W.;  Syn.  Gudel,  Gehüder,  Gemüder.  — 
ß)  nur  halb  gebrannter  Branntwein.  Fusel  ZB. ;  Syji. 
Gungel;  vgl.  Güdel.  —  d)  von  Menschen  (verächtlich), 
gleichgültiger,  nachlä«<i2:.M-  ([.'-i'Ue.  Lump  Z;  Syn. 
Fötzel,  Gudel,  Hudtl  S,nl,l.  Srhlnji.  Es  ist  alh'-  G. 
[der  Auswurf  der  Gc.M'IUrliiilt  j  /.//<  enoMd  g'si'.  Dim. 
Guseli,  winziger  Men.ich  oder  Uing  übh.  L. 

Zum  Übergang  vom  Abstr.  zum  Concr.  vgl.  frz.  hiauUlard 
von  brouilUr.  S.  die.Anm.  zu  üünd  und  vgl.  das  in  seiner 
Bed.  vielfach  anstreifende  Tmeh  —  Für  Bed.  -2  c  a  gibt  St. 
aus  ZNeft.  das  Fem.   Gusle". 

Er-  n.:  Ergötzung,  Freude.  Er  hiit  mit  x'au  Schatz 
d's  E.   GRh.    -    Vom   vb.  er-,ju.h". 

gusi!  gusi!  ruft  eine  Person,  indem  sie  ein  Kind 
mit  den  Fingern  stechend  kitzelt  ER.  G.  mache", 
leicht  stechend  kitzeln  EHa.  (Kdspr.).     S.  guslen. 

gusle":  1.  neutr.  a)  in  Etw.  herumstöbern,  -sto- 
chern Aa;  B;  L;  S.  ,G.,  fodicare.'  Id.  B.  Man  guslet 
in  einem  Ding  (herum),  z.  B.  in  den  Zähnen ;  oder  in 
ein  D.  (hinein),  z.  B.  in  das  Versteck  einer  Schlange. 
,Die  Meitschi  täubeleten  [geberdeten  sich  zornig]  wie 
Hornüssen,  wenn  man  in  's  Nest  geguselt.'  Gotth. 
,Nun  erhob  sich  ein  Gebrüll  gegen  ihn,  wie  wenn  er 
in  eine  Wespern  [Wespennest]  geguselt,  und  akkurat 
so  fuhren  die  Menschen  von  ihm  weg.'  ebd.  Daher 
bildl.:  in  die  Wespen  g.,  den  Zorn  der  Leute  erregen, 
ebd.  ,Als  ihr  Mann  mit  einem  Stecken  unter  dem 
Ofen  giiselte.  s:n  schniinzte  sie  ihn  an:  Was  suechst, 
du  Stdji/i':'  F..  Gull  l-iil'.'  antwortete  das  Mannli,  di"s 
Mul  haii-i"  ,i\,ia-hl:  A,y\.  Mit  Stange"  im  Kebel 
ummc"  (/.,  /.iellos  Jrciu  f.ihren  B.  Spec:  mit  den  Hän- 
den in  unreiner  Flüssigkeit,  in  Kot  wühlen,  rühren, 
wie  es  etwa  Kinder  tun  B;  Gr;  L  (tw.  gü-) ;  Sunw  (gü-J; 
S;  Z;  Syn.  gudlen,  kötlen.  noderen.  siiiiclen,  sudlen. 
,Im  Bodensatz  g.  und  uunühron.-  tioiTu.  Aiirli;  ver- 
schiedene Flüssigkeitrii.  z.  l;.  W.is.cr  uml  Wem  dureli- 
einander  mischen  „LE.;-  Z;  unordentlich  wasclicii  S; 
„Z'-;  Syn.  güderen,  gausen.  Im  Heu,  im  Tabak  g., 
unordentlich  darin  herumwühlen,  davon  zerstreuen, 
vergeuden  SchwMuo.  Im  Geld  g.,  verschwenderisch 
damit  umgehen,  ebd.  Nur  so  drin  umme  g.,  zunächst 
eig.  und  materiell,  dann  von  einem  Redner :  ungeordnet 
sprechen,  das  Thema  oberflächlich  und  sprungweise 
behandeln  L.  —  b)  zappeln,  sich  aufgeregt  geberden 
B;  S.  Syn.  jasten.  [Die  Quaste  im  Winde]  zapiM 
und  guslet.  BWyss.  —  c)  lustig  sein  Schw,  schäkern 
B;  umme-g.,  sich  lustig  herumtreiben  Schw.  Vgl.  en 
Gusel-Abed,  Lustbarkeit  am  Abend  Scuw.  —  d)  un- 
pers.,  vom  Wetter:  durcheinander  regnen,  schneien 
und  .stürmen  Schw;  Ndw;  Z;  Syn.  hudlen;  sudlen.  - 
e)  a)  im  Walde  Moos,  Laub  und  Tannnadeln  ver- 
mittelst eines  eigenen  Scharrwerkzeuges  (GuslerJ  sam- 
meln ScHwMuo.  —  ß)  den  kurzen,  unbrauchbaren 
Hanf  (bezw.  Getreidehalme)  mit  saramt  dem  Unkraut 
ausziehen  und  auf  Haufen  werfen  ZSth.,  W.  —  2.  tr. 
a)  verbunden  mit  lok.  Advv.,  aufstöbern,  in  Bewegung 
setzen.  En  Atere'  mit-eme  Stecke'  füre'  g.,  Obs  ahe' 
(abe')  q.,  es  durch  Rütteln  und  Stossen  mit  Stangen 
an  den"  Zw.'igen  zum  Fallen  bringen  BS.;  SG.  Syn. 
abc-stiijifni,  -rigliii:  yr].  Scliidh-Ktili.  B'rüf  ist  er  uf 
d'  3liir  iif,"  ,i\-.-t,ni,l,"  ,!•'■'  h,l  iCr  Ihict  mit-''em  Stecke' 
abe-<i'iiiisl,l  UM.  i  ScIih /,!.  i.   fV/»/  ,1,"  Storche'  z'  Nacht 


47S 


Gas 


ges 


gos,  gas 


's  Nest  abeg'guselet.  Hofst.  ,So  ein  Bürschchen,  das 
seine  entlehnte  Pfeife  gerade  ausstreckt,  wie  wenn  er 
den  Mond  hinunter  g.  wollte.'  Gottii.  Viell.  anders 
zu  deuten :  Staub,  Heublueme''  [als  ,Güsel']  ab  der  Tilli 
abe  g.  Bildl.:  z'weg  g.,  durch  Intriguen  zu  Stande  brin- 
gen B  (GoTTH.).  —  b)  mit  den  Fingerspitzen  od.  einem 
Stäbchen  schnell  nach  einander  Jmdn  leicht  stechen, 
kitzeln  B;  L;  S;  Syn.  ßusi  machen.  Er  hät-e'  mit  dem 
Messer  guslet  [eig.  gekitzelt,  iron.  für:  gestochen]  S. 
.Einen  mit  Spiessen  g.'  [vom  prickelnden  Brennen  des 
Fiebers].  Gotth.  ,Der  Major  guselte  [spornte]  und 
zäumte  das  Ross,  bis  es  ihn  zwischen  die  Räder  warf.' 
N.  B  Kai.  1844.  —  c)  (übertr.  u.  fig.)  Jmdn  anspornen, 
z.B.  zur  Arbeit;  antreiben,  plagen,  z.B.  einen  saum- 
seligen Schuldner,  ihm  keine  Ruhe  lassen,  bis  er  be- 
zahlt hat  B;  L;  S;  reizen,  sticheln,  necken  BO.  ,I)as 
guselte  [stach,  wurmte]  Uli,  dass  man  ihn  für  einen 
Geistlichen  ansehen  sollte,  und  es  juckte  ihn,  recht 
wüst  zu  tun,  damit  man  ja  nicht  glaube,  er  sei  besser 
als  ein  Anderer.'  Gotth.  ,Wie  weit  mau  mit  dem  Auf- 
weisen [in  politischen  Dingen]  und  Zwegguseln  kömmt, 
das  erfahren  vielleicht  die  Jetzigen.  Was  sie  erzwängt 
und  erkünstelt,  blüht  eine  Weile,  darnach  verdorrt 
es.'  ebd.  —  d)  schlagen,  prügeln  Aa;  BsL. ;  B;  S; 
geissein  Ndw;  Syn.  fuslen.  —  S.  auch  guaihkn. 

üf-:    1.  aufrühren,  z.B.  eine  trübe  Flüssigkeit  Z. 

—  '2.  aufrütteln,  -stören,  -stacheln,  -hetzen  B.  .Jetzt 
war  Alles  wie  eine  aufgeguselte  Wesper',  jetzt  herrschte 
allgemeine  Aufregung,  Verwirrung.  Gotth.  ,Von  denen 
das  eine  ihn  aufguselte  wie  man  mit  einem  Stock  am 
Ende  auch  das  trägste  Tier  auf  die  Beine  bringt.'  ebd. 
,üie  Männer  aufgeguselt  von  den  Weibern.'  ebd.  ,Was 
kömmt  beim  A.  und  Zwegstüpfen  heraus?  Macht  man 
die  Sache  besser?'  ebd.  ~  er-:  1.  tüchtig  schütteln, 
z.  B.  die  Äste  eines  Obstbaumes  mit  einer  Stange,  um 
die  Früchte  herunterzubringen  B;  S.  —  2.  durch- 
prügeln Aä;  Z.  —  3.  Jmdn  unfein  behandeln,  hart 
mitnehmen,  ihm  arg  mitspielen,  z.  B.  im  Spiele  aus- 
beuten Aa;  B;  L;  Z.  ~  4.  durch  Drängen  und  Treiben 
erlangen  B.  -  ver-:  durch  Regen  und  Schneegestöber 
verderben  Schw;  7.  A  dem  Seehsilütetag,  ico  sid 
Menschegidenl-e  immer  vergtislet,  verregnet  ist  v'nrden 
Z  (Schwzd.). 

Gusle"  I  f.:  1.  weibl.  Schwein  BBe.  —  '2.  un- 
reinliche Weibsperson  BGerz.;  Z  Zoll.  —  3.  Rute, 
Peitsche  S. 

Für  B  kommt  Gud,  Schwein,  in  Betrticht,  für  Z  ist  es 
nur  Feni.-Form  zu   Oxiad  S  il ;  Beii.   3  zu  (juab-n,  peitschen. 

Gusler  m. :  Werkzeug  zum  guslen  1  e  a,  etwa  4" 
breiter  eiserner  Haken  zum  Scharren,  an  einem  höl- 
zernen Stiel  ScHwMuo. 

Guslete"  f.:  1.  unreine  Vermischung  von  Flüssig- 
keiten LE.;  Z;"  Syn.  Güderete".  —  2.  Sudelwetter, 
mit  Schnee  vermischter  Regen  Z.  —  3.  Haufen  Ge- 
treideabfälle GF.,  G.;  Syn.  Güsleten.  —  4.  Streit,  ge- 
genseitige Verspottung  S.  ,Digladiatio  [Wortgefecht].' 
Id.  B;  Syn.  Gefeck;  -fetz. 

Gusli  m.:  Aufstöberer, -störer  B.  ,Die  Landvögte 
seien  verschieden.  Einer  sei  ein  Schlufi,  der  Andere 
ein  G.,  der  Eine  lasse  Alles  schütten,  der  Andere 
stöbere  Alles  auf.'  Gotth. 

guslig:   1.  „trüb,  z.B.  vom  Wein  Z;"  Syn.  tusel. 

—  2.  stürmisch,    vom  Wetter    Z.     Im  gusUge'  Lebe". 

CORRODI. 


Gusi  III  II.  L;  Ndw,  f.  ScHwMa.:  1.  Regen-  und 
Schneesturm;  kurzer,  starker  Schauer  L;  Ndw,  Ge- 
witter (etw.  scherzh.)  Schw;  Syn.  Bläst.  —  2.  Sturm 
in  der  Haushaltung,  heftiger  Streit  Nuw.  —  3.  Un- 
gemach Ndw.  —  S.  Anm.  zu  Güael.  Das  Feoi.  scheint  eig. 
vom  Nentr.  getrennt  und  zu  l?ii»t  gestellt  werden  zu  müssen. 

Wasser-:  daher  stürzendes  Wasser  mit  Schlamm 
ScHwMa.  —  Wetter-:  durch  ein  Gewitter  verursachte, 
Schutt  und  Geröll  mit  sich  reissende  Überschwemmung 
ScHwMa.     Syn.  Rüri. 

gusine"  gusene:  stürmen,  wettern.  Uf  de.  Berge 
gusenet  's  der  Winter  esie  brär  Ndw.  Nächtig  hed  's 
grad  fri  schihi  g'gusenet  Schw.     Syn.  guslen. 

Gusene"  f.  BSa.,  Gusi  n.  BO.,  meist  dini.  öitsefi; 
=  Gausi.  —  Rugg-:  im  Gegs.  zu  Hand-G.  am  Rücken 
getragenes,  grösseres  Milchgeschirr  BO.;  Syn.  Brente. 

Güss,  güssen  (-ii-J  s.  Güns;  Giess. 

Gilsel,  in  BO.;  „S"  Güschel  —  m.  AAtw.;  BsL. 
(auch  G'hüsel);  BBrisL,  0.;  L;  „S;"  Sch;  Obw  ;  Zg; 
Z  tw.,  sonst  n.:  1.  das  Durcheinander  Aa  (It  H.).  — 
2.  allerlei  leichte  Abfälle,  bes.  von  Getreide  beim 
Reinigen,  wie  Grannen,  Hülsen  etc.,  Rückstände  von 
Stroh,  Heu  auf  der  Bühne  (Heublueme'J,  vom  Hanf 
und  Flachs  beim  Brechen,  allg. ;  der  beim  Sieben  der 
Heublueme"  entfallende  Staub  AAEhr.  Wenn  's  a« 
Pfeiste"  [Pfingsten]  regnet,  so  macht  's  G.  i'  's  CIwrn 
ZW.  /"  's  (de")  G.  gö",  in  eine  Lagerstätte  von  Heu 
(-Blueme«)  gehen  AAWohl.  ,Das  G.  g'hört  i"  d'  Wanne", 
die  Tür  verlangt  ein  Schloss,  die  Kellen  will  ein 
Pfannen  usw.'  Stutz.  Se  bald  mer  zweu  Drasch  händ, 
so  rechid  mer  ab  und  cherid  's  und  rechid  aw*  's  G. 
nö'''  drab.  Häfl.  1813.  G.  fStrauJ  im  Ghopf  ha', 
schwer  begreifen,  unklar  denken  ZW.  , Obermüller 
soll  30  p  um  g.'  1489,  Z  luv.  ,Ich  wird  der  weit  ein 
schouspil  werden,  veracht't  wie  's  g.  uf  der  erden.' 
Aal  1549.  .Wenn  man  in  dem  Tenn  tröschet,  nemmen 
die  Wind  die  guten  Samenkörnli  nit  hinweg,  sonder 
das  Spreur  und  G.'  JJBreit.  1629.  ,Wann  man  den 
G.  vom  Korn  hinweg  tut,  so  wird  oft  auch  ein  Körn- 
lein mit  hinfallen.'  Mise.  Tig.  ,So  man  in  einem  Dorf 
Heu,  Strau,  auch  G.  verkauft,  sollen  die  Einheimschc 
der  Gemeind  Zug[-recht]  hierzu  haben.'  1II53,  AAWett. 
Klosterarch.  ,Den  G.  von  dem  Korn,  die  Spreuer  von 
dem  Waizen  hinwegtun.'  JJUlr.  1727.  ,Der  alles 
Andere  für  G.  haltet  und  Gedanken  und  Absichten 
nach  dem,  was  droben  ist,  richtet'  ebd.  ,Das  Spreuer, 
den  G.  verbrenn  er.'  JBOtt  1736.  ,Die  Körner  nicht, 
sondern  nur  der  Staub  und  G.'  Z  Nachr.,  Mars.  1771. 
Syn.  Ge-hüliK  —  3.  Kehricht  Aa;  L;  Sch;  Schw;  Uw; 
Syn.  Bächt;  Wüscheteit.  .Kein  unsuber  wüest  ding 
noch  g.  in  kein  kilchweg  noch  ander  offen  landstrassen 
schütten.'  1.519/44,  Schw  LB.  ,Gar  kein  g.  nienert  in 
die  BÜSS  schütten,  auch  gar  kein  rümeten,  was  nit 
den  nächsten  [sofort]  das  wasser  verflötzen  mag.'  L 
Ansehenb.  ,Wuost  und  g.'  ebd.  ,Jetz  bekleidend  die 
schaben  meinen  leib,  auch  g.  und  staub.'  1560,  Bis. 
,Peripsema,  quisquilise,  nauci,  pulvis,  abfylet&n.  und 
das,  so  man  ab  eim  ding  schneidet,  auskereten,  aus- 
wüscheten,  g.,  gestüpp,  staub,  g'räsp,  alles  das  man 
ring  hinwirft.'  Fris.;  Mal.  ,Die  form  des  toufs  one 
beschweren,  salz,  g.  oder  .stoub,  crützgen  und  crisem.' 
HBüLL.  1570.  —  4.  Sclmtt.  ,MitG.  beschütten,  ruderare. 
Rudus,    alte,    zerfallene    Maurstuck.    Kalchscherben, 


Gas,  ^'es.  Ris,  jjo.s,  gas 


478 


Stciii-G.  (,'alcar[i]iB,  Güsel  und  Gestand,  damit  man  in 
(Ion  Belägerungen  die  Gräben  ausfüllet.'  Üenzl.  Ici77; 
17U!.  —  5.  Keisig  und  dessen  Abfälle  ZB.;  Gestrüpp, 
wertlose  Sträucher,  wie  Dornen  usw.  ,|Dass]  die 
Lehenleute,  wo  Stechpalmen  und  andrer  G.  vorhanden, 
angehalten  werden,  solche  Ort  zu  putzen  und  Heize- 
wellcn  daraus  zu  machen.'  1753,  Z  Staatsarch.;  Syn. 
Gusel.  —  6.  auch  von  Flüssigkeiten:  „Spülwasser, 
Mistjauche  Gl."  —  7.  Ausschuss,  Auswurf  übh.,  das 
Schlechteste  einer  Gattung  oder  Sache;  auch  von 
Tieren  und  Menschen:  geringe  Stücke,  Gesindel,  allg. 
Syn.  Gusel;  Gusel-  u.  Güsel- War;  Ge-schlüder;  z.B. 
schlechter  Schnupftabak  üw;  Z,  Ausschusswaare  bei 
Krämern,  ebd. ;  junges,  schlechtes  Schwein  BSi.  Hs 
tiiness  afe-n'Öppis  von-üsem  junge  Güschel  [Schnial- 
vieh]  fürt.  Schild  1885. 

Die  Vergleichung  von  Ousel  und  Güael  lehrt,  dass  beide 
W\V.  im  Grund  identisch  sind,  ganz  wie  G'rumjxl,  Gepolter, 
lind  G'rümjiel,  polternde  Waare.  Eine  ähnliche  Differenzierung 
durch  den  Umlaut  findet  sich  ausserdem  \n  Fluchr :  FVüder ; 
(lutld:  Güdel:  Sudel  :Südel;  Strudel :  Strudel  u.a.  Wie  nun 
Sndel  von  nieden  abgeleitet  wird,  so  setzt  auch  Gusel  ein 
starkes  Vb.  gienen  voraus,  das  erhalten  ist  in  an.  tjiom,  efflare, 
wovon  jei»«  (hievon  der  isl.  Sprudel  Geisir)  brausend  hervor- 
brechen, stieben,  wozu  auch  Gusi  III  und  Güni.  Ähnlich 
wie  Strudel  vereinigt  also  Guad  (bezw.  Güsel)  die  abstr.  Bed. : 
schäumende  Aufregung,  Verwirrung,  mit  der  sinnlichen :  Wirr- 
war, Gewirr,  dann  Abschaum,  vom  Winde  gewirbelte  Spreu, 
unordentlich  gekleideter  Mensch  usw.  Vgl.  noch  frz.  houillon, 
Sprudel;  (ig.  Aufwallung,  Brausen;  dann:  Fleischbrühe; 
Mistjauche. 

Fench-:  Hülsen.  Spreuer,  von  Hirse,  Fennich. 
,Auf  die  Vogelherd  wird  Feichg.  getan.'  1780,  ZWipk. 
-  Frucht-:  Spreuer  und  Hülsen  von  allerlei  Ge- 
treidesorten. ,'200  Wannen  Fr.'  BsL.  (Zeitung).  — 
Gerste"-:  die  Abfälle,  bes.  Grannen  der  Gerste  nach 
dem  Dreschen,  als  Bindemittel  unter  den  Lehm  ge- 
mischt, allg.  ,G.  wird  gekauft  in  der  Ziegelhütte  zu 
Liestal.'  (Zeitung).  .Trocken,  wie  G.  und  Haberspreu.' 
Stutz.  —  Haber-:  die  Hülsen  der  Haferkörner,  als 
Füllsel  der  Bettkissen  verwendet  Th;  Z.  ,In  Pfulmen 
und  Kissen  hat  es  aber  keine  Federn,  sondern  nur 
leichtes  H.'  Stctz.  —  Hanf-:  die  Hülsen  des  Hanf- 
samens.' .Habe  H.  auf  die  Vogelherd  gestreut.'  1780, 
ZWipk.  —  Chorn-:  Spreuer  von  Korn,  d.  i.  Dinkel  Z. 
,0b  ich  von  K.  für  mich  verwendt  und  genutzet  habeV' 
JLWeissenbaoh  1772.  —  Ratsch-:  Abfälle  vom  Hanf- 
brechen (Ratschen)  L. 

Stein-:  1.  Stein-,  Mauerschutt.  Denzl.  LJ77.  — 
•J.  l'üanzenn.:  alura.  ebd.  u.  1710.  —  '2  irrtümlii-li  st. 
,St.-günseI,  consolida  potriea'  (Tabernäniont.). 

Turpe"-:  kleine  Abfälle  von  Torf  Z. 

,güs(e)lig:    Auskehricht   enthaltend    VOktk;  Z." 

güsle":  1.  a)  auch  gusle',  fein  zerbröckeln,  zer- 
fallen Ni)W;  Syn.  brosmen.  —  b)  schnupfen,  eig.  Güsel 
(schlechten  Schnupftabak)  nehmen  UwE.  (scherzh.). 
—  2.  tr.  a)  mit  Güsel  (blossen  Abfällen)  ernähren. 
Kn  (fstücklete  Mä,  e  g'sprilrets  Boss,  e  g'ijmlcls  Chind, 
sind  alli  drü  glich  g' schwind.  S.  epflen  Bd  I  .38-1.  — 
b)  (auch  guslen)  leichte  Abfälle  (Güsel)  machen,  fallen 
lassen  Ndw.  —  3.  =  guslen  1  u,  d. 

Geisse°-Güseli  s.  -Gänseli  Sp.  373. 

Giisi  f.:  daher  brausender  Wasserstrom,  -Flut, 
Überschwemmung,  Wolkenbruch  Gr;  Schw.  Das  ist 
die  gross  G.  g'si";  va"  dere'  d'  Historene'  erzelle'  tuend. 


MKuoNi.  Und  alles  jäset  durenand  [an  der  stürmi- 
schen Landsgemeinde],  «  G.,  rasig,  ani  Bort.  Brohin. 
,So  wird  in  die  gase  der  grossen  wassern  nit  berüeren.' 
1531/48,  Psalm.;  dafür  1530:  ,wasserflüss';  1607:  ,die 
Güsse.'  ,Der  sprützwall  soll  sich  zu  zelten  mit  seinem 
grind  über  das  wasser  heraus  strecken  und  ein  grosse 
güse  Wassers,  so  er  in  sich  gefasst,  herabkotzen.' 
FiscHB.  1563. 

In  der  ä.  Lit.  ist  unser  W.  von  dem  Syn.  Gümi  schon 
aus  Gründen  der  Orthographie  (s,  ss,  ß)  nicht  immer  zu 
unterscheiden.  —  Da  in  den  Alpen  sog.  liüven,  Geröllhaldeu, 
meistens  durch  eine  Güsi  veranlasst  werden,  so  gehört  viell. 
auch  hieher:  ,de  bono  Güse.'  XIV.,  L.  S.  Gun  und  die  Aum. 
zu  Oilsel  und  vgl.  ahd.  gusu  (PI.),  plötzlich  hervorbrechend« 
Wasserströme;   mhd.  giue,   neben  gunn,  gütse.      S.    Giusi. 

Milch-Güseli:  Kuh  von  äusserst  reichlichem 
Milchertrag,  die  eine  Güsi,  einen  Schwall  Milch  gibt 
Gk.  Gfreuter  ist  ds  Stärri  [Kuhname]  g'sl,  (fheiss-i 
hed  ma  's  ds  Müchgüstdi  GnSchiers  (Schwzd.). 

Wasser-Güsi:  Überschwemmung  GrD.  ,Wo  erd- 
prüstinen  [Erdschlipfe]  oder  wassergüsinen  die  weg 
zergangint.'  1472,  GBurgau  (Otfn.).  ,Schwer  wetter 
mit  regen  und  hagel  und  wassergüsinen.'  HStoikar 
1520/29.  .Cataclysmus,  ein  wassergüssc  (,-güse.'  Mal.) 
oder  sündfluss.'  Fris.  ,Langwirige  regen,  wasser- 
güsinen, verhergung  der  güeteren.'  SHocuh.  1591/1693. 
,Auch  ungestüm  gross  Wassergüsen  warend  ungwonter 
Zeit  eing'risen.'  JDenzl.  1031.  .Allerlei  Wassergüse- 
nen.'  JHHott.  1666. 

Güssi  (-Ü-)  s.  Giessi. 

Güssi  f.:  Wasserguss.  ,Ein  sölich  regen,  dass  man 
nacht  lüt  uf  die  blaiche  schickt,  die  liuwat  ufzehcben, 
damit  sie  vor  der  gufsi  errett  wurde'  Vau.  —  Win-: 
Überfluss  an  Wein.  Mey.,  Wint.  Chr. 

Wasser-:  Überschwemmung,  -Flutung.  .Gross 
wassergüßi  im  Niderland.'  Kessl.  ,Ein  solche  wasser- 
güssi,  dass  die  Eulach  ist  übergangen.'  1544,  Mev.. 
Wint.  Chr.  ,Die  Wassergüsseneu  haben  Alles  verhert.' 
1602,  Z  Urk.  ,Mit  Donner-  und  Stralstreichen,  mit 
schädlichen  Wassergüssenen.'  Z  Mand.  1664.  ,Gott 
hat  sie  zur  Buss  vermahnet  durch  Wassergüssenen.' 
JJMüLL.  1665.  ,Bei  der  grossen  Wassergüßi  in  den 
eidgenöss.  Landen  war  die  Thur  so  gross,  dass  . . .' 
Mem.  Tig.  1742. 

Die  Schreibung  Kesslers  und  Anderer  führt  auf  Wu»«i 
(diex^ii.  •!<.  tlass.  wenn  wir  noch  Güsi  in  Betracht  ziehen, 
3   Fhhihii   ('.'"-/.    '.^(««1,   Güssi)    zu  unterscheiden  sind;    das 

letzte'    1^1    iiih-l.    1/ ,   ahd.  gussi,   gut.  ' giit-thi,  Überschwem- 

niuun.  /n   .,/"'■■".   -irssen;  vgl.  gr.  jföais. 

„gilssig:  1.  tliessend  L;  Z."  ,Li(iuidus,  das  rünnt 
wie  wasser,  g.  Lii^uor,  saft,  füchte,  g.  ding.'  Fris.; 
Mal.  .Nit  Salb,  das  sich  streichen  lasst,  sondern  das 
g.  und  flüssig  ist.'  FWyss  1650.  —  2.  vom  Regen  an- 
geschwollen, überflutend.  ,Der  Tiber  war  so  merklich 
gross  und  güßig,  dass  er  vil  hüser  underfrass  und 
umfallt.'  Vad.   —   Mhd.  güssig  in  Bed.  •-'. 

bluet-:  blutrünstig.  Wer  mit  bewaffneter  Hand 
auf  einen  eindringt  oder  schlägt,  ohne  ihn  ,blutgüssig' 
zu  machen  oder  .herdfällig'.  1551,  Zg. 

(iusle"IIf.,  Schnegge'-:  Schneckengehäuse, -Schale; 
auch  von  andern  Schaltiercn,  z.  B.  Muscheln  Gl.  -~ 
It.  gusriu,  conmsk.  gusu,  doch  wäre  Einwirkung  von  Guiil  ■: 
nicht  undenkbar. 


(Jascli.  gesell,  giscli,  goscli,  gnsrh 


480 


Gasch     gusch.     Vfl.  aiu-li  diu  GniiniL'   tluisrh   usw. 

„Gasclie°  Gasch,  f.,   Dim.  Gaschili:  Schweiu  W." 

Oäschi  I  n.:  unordentliche  Weibsperson  Gl;  Syn. 
Hanschi,  Täschi. 

gäschenen,  Gäschi  II  s.  ha-g. 

a"-gaschiere°:  anwerben  GG.;  Ndw;  Z  (i^J. 

Frz.  emjmjer,  mit  volksetymologisclier  Wic-Ourgalie  des 
frz.  Ol-  durch  die  Präp.  an. 

Gäscherne  s.  K-. 

Gaschi  I,  in  GRKübl.  Gätschi  —  n.i  1.  kleiner 
schlechter  Eauni  in  einem  Hause  GnPr.  —  2.  Hütt- 
chen (z.  ß.  Huniiestall  GRKübl.),  kleines  schlechtes 
Haus  Gr;  W  (i'). 

Der  W  Form  liegt  rom.  mm  zu  Grunde  (vgl.  noch  Kä- 
schtrne) ;  fraglich  ist,  oh  die  Gr-schen  nicht  ein  anderes  W.  seien. 

Gäscili  n,  in  der  RA.:  Jnidn  i"  ds  G.  iibercho", 
fangen,  übervorteilen,  betrügen  BHk.  —  Vgl.  frz.  nuhe, 
Versteck,  oder  enge,  Käfig. 

(iäschi  III  (nur  als  PI.):    Zwiebel  GkI»..  S\<\. 

gase  hie"  s.  gästJen. 

gattSChele"  (i'J:  gaukeln,  schäkern  BU. 

Würde  sich,  wenn  nicht  lautliche  Schwierigkeiten  be- 
ständen, leicht  zu   ijuuuMen  II  fügen;  vgl.   ijuschelen. 

Gescher  s.  Geschner. 

er-gänschle":  stark  schütteln,  wie  z.B.  der  Sturm- 
wind die  Waldbäurae  üwE.;  Syn.  er-guslen,  -gasten; 
vgl.  auch  gautschen,  gäutschlen  (nur  von  Flüssigkeiten). 

Gesehner  tu')  Gl,  Göschner,  bezw.  Ge-  BO.;  Gr; 
GA.,  0.;  „ScH;"  ScHw;  Uw  (-i--j;  U;  Z«,  Götschner 
ScHwMuo.,  Göstner  G  oT.,  Gerschner  Gl;  SchwMuo., 
GcschmerBü.,  Gi'sCsJmer  GG.,  Rh.,  Göschler  GG., 
ü.;  Uw  r-i'-J,  Gastier  ZWäd.,  Gescher  r-«'-;  Bü.  (in 
BSchw.  e)  —  m.,  Göschle»  {-i-'-J  f.  GT. :  kurzer 
Besen.  1.  zum  Schwingen  von  Kahm  Gl;  GO.,  W.; 
Uw;  U.  —  2.  Scheuerwisch  aus  harten  Wurzelfasern, 
Heidekraut  oder  geschälten  Tannzweigen  zum  Reinigen 
der  Kuchen-  und  Sennereigefässe.  aaOO. ;  Syn.  Brüsch- 
Besem,  Bibel.  —  3.  ,übertr.  a)  dürres  Tännchen  BO. 

—  b)  von  Raupen  zerfressener  Weisskohlkopf,  ebd." 
ge  schere":  mit  dem  ,G.'  Geschirre  reinigen  BSi. 

—  geschmere":     grünes    Gewächs    zernagen,    dass 
nur  noch  die  Blattrippen  übrig  bleiben  BO. 

„gii(t  )  ^'  li  Ir" :  üahm  quirlen  oder  mit  einem 
Schwinyli.-i'ii  miiiuliien  Obw."  —  er-gös  chn  ere": 
tüchtig  sclihigcii.  ^eisseln  ÜwE.;  Syn.   iis-fitzen. 

Gensch  m.:  eine  Art  Kuchen  GkV.  Syn.  Tmchtcr- 
Kuechen,  Strühli. 

Giesch  m. :  1.  grosses,  weites  Maul  BO. ;  „LG."; 
verächtlich  für  Mund  übh.  ebd.  —  2.  dim.  Giescheli, 
schmächtiges,  zimpferliches  Mädchen  S.  —  3.  grosses, 
unförmliches  Ding  übh.  LG.  —  4.  unbeholfener,  un- 
geschlachter, roher  Mensch,  Maulaffe  LG. ;  SciiwMuo. ; 
Ndw  (auch  Giest).  —  Giesche"  f.:  Schwätzerin, 
Schreierin  B. 

Steht  mit  dem  zu  1  syn.  Gmclien  im  Abl.-Verhältuiss  und 
geht  mit  diesem  zurück  auf  ein  ans  ahd.  gmeön  zu  erschliessen- 
des  gcHcun;  vgl.  Giel :  gellen  und  s.  Anm.  zu  Ovl.  —  Betr. 
Bed.   2   Tgl.    ti/iaMi  ans   Gmchen. 

giesche":  1.  mit  lauter  Stimme  sprechen;  Lärm 
machen;  brüllen  B.  —  2.  „krumm,  quer  hangen  oder 


gehen  Scuw."  —  3.  sich  ungeschlacht,  unartig  be- 
nehmen Ndw.  —  4.  auf  dem  Stuhl  hin  und  her  rücken 
BE.,  ü.;  Syn.  fieggen,  gagen.  —  umrae"-:  als  schlech- 
ter, unartiger  Mensch  herumziehen  Ndw.  —  „gie- 
sch ig:  1.  gross,  unförmlich  BO.;  LG.  —  2.  quer, 
krumm  Schw." 

Gösch  I  m. :  grosse  Menge,  z.  B.  e  ganze  G.  Epf'el- 
mios  [-Brei]  Obw. 

Gösch  n  GRh.  (meist  PI.  -e») ,  Gorsch  Av, 
„Gortsch  GRh."  —  m.:  Kind,  doch  meist  in  gering- 
schätzigem S.  —  Viell.  eine  der  vielen  Spielformeu  von  (iof. 

,, görschele":  sich  kindisch,  läppisch  betragen 
Ar;  GRh." 

Gosch  ScH,  sonst  meist  G-e' f-i'^-J,  in  L  tw.  Gor- 
sche"  f.,  Goschen  m.  BR.  (neben  Goseha  f.):  1.  Maul 
des  Rindviehs  ScnSchl.;  Schnauze,  z.  B.  des  Schweines 
AaF.;  BsL.;  G;  UwE.;  ZS.  ,Natur  gab,  lieber  Pom- 
mer!  mir  zum  Singen  diesen  Schnabel  hier,  die  Gosche 
dir  zum  Bellen  [spricht  die  Wachtel].'  RepubL  Kal. 
183(5.  ,0  unerhörter  Schmerz  der  Tatzen  sanmit  der 
G.  [des  eingeklemmten  Bären  in  der  Fabel]!  0  grobes 
Volk,  das  noch  sein  ganzes  Fell  zerdroschen!'  Z  Neuj. 
Const.  1745.  ,Inhians  tria  cerberus  ora,  der  seine  drei 
göuschen  oder  Schlund  auftat.'  Fris.  —  2.  grob,  vom 
menschlichen  Mund  (für  welchen  Mul  der  gewöhnliche 
Ausdruck  ist),  verächtlicher  als  Gefrh"  Aa;  Bs;  B; 
VOrte;  Gr;  G;  Sc»;  S;  Tu;  W;  Z,  verstärkt  Söti-, 
Schand-G.,  in  milderndem  S.  Gusche  ZO.  Syn.  Götsch, 
Läff,  Wafflene  s.  u.  Gefräss.  Halt  's  Mul,  oder  i''' 
gib-d'r  Ei-s  i'  (uf)  d' G.!  Er  hed  es  Mul,  es  gab 
7  G-e»,  ist  ein  prahlerischer  Schwätzer  L.  I"''  g'hör- 
di''';  heb  doch  aw''  emal  d'  G.  zue!  Stutz.  ,G.,  rictus, 
OS.  ,  Hättisch  d'  G.  üfta",  cur  id  reticuisti.  Ich  mein, 
er  cha"'  Gosche'  [sie]  brüche',  eben  quam  non  In- 
exercitata  est  lingual  Ei'"m  d'  G.  g'schweige",  cohi- 
bere  linguam  alicui.'  Id.  B.  ,Guck  auch,  was  er  für 
ein  Maul  macht,  fast  wie  eine  G.,  könnte  ja  eine  ganze 
Pastete  hineinstossen.'  Z  Kai.  1803.  Göschfeßi,  Mäul- 
chen.  Gim-m'r  dt' 's  G.,  reich  es  mir  zum  Kusse; 
vgl.  Gefrässli.  ,Du  geini  [Gähner],  tue  d' g.  zue!' 
BBuLL.  1.549.  ,Rictum  distendere,  den  Schlund  auf- 
tuen, die  g.  zerzeren.'  Fris.  ,Wer  syn  G.  nit  g'mei- 
stern  mag,  derselb  es  nachwärts  Niemand  klag.'  1641, 
JDtTJz.  ,Das  Maul,  Mund,  Gösch.  Geläff,  der  Peil, 
OS,  bucca.'  Red.  1662.  —  3.  (pers.)  frecher,  lästiger 
Schwätzer.  aaOO.  „Göscheli,  Person,  bes.  weibliche, 
die  in  Alles  unberufen  hineinplappert  L;"  in  günstigem 
S.  als  Schmeichelw.  für  ein  Kind  Bs;  B.  Lieb  Göschli 
du!  an  den  Mond  Bs  (Hindern!.).  —  4.  Maulschelle. 
,Y,  dass  ich  dir  [einer  unüberlegt  schwatzenden  Frau] 
nit  gib  ein  G-en!'  ChMurer  1596. 

In  Bed.  1  und  2  auch  bair.  und  hcuuib.  S.  Aaui.  zu 
Uiiwli;  anders  Gr.  WB.  u.    „Gause". 

Fre  ss-Gorsch:  im  L  Kdl.  vom  Haushalt  (s.  Tohl. 
VL.  I  153)  Name  des  Pferdes. 

gosche"  1  Scu;  Z,  goschne"  LV.:  laut  sprechen 
LV.;  verächtlich  für  sprechen  übh.  Scu;  Z.  —  ,gö- 
schele":  das  Mäulchen  stets  offen  halten,  in  Alles 
unberufen  hineinplappern  L;"  aufbegehren  B. 

gosclie"  II:  refl.,  sich  beschädigen,  bes.  sich  einen 
Leibesschaden  zuziehen  ApL,  H.  ,G.,  verwunden.'  kv 
Id.  bei  T.;  Syn.  schänden. 


481 


l1i — ^iisch.    (Jas|i    Kusii 


■182 


gosche"  111:  I.  sich  spielend  lierniuzerren,  schä- 
kern t)BW;  .Syn.  (latschen,  gäutschen,  güschen;  vgl. 
giisch.    —  2.  hin  und  her  markten,  ebd. 

goschen  IV  s.  güschen. 

gOSCh  (-i'J:  dumm,  einfältig  BE.  —  Giisch  m.: 
Einfaltspinsel,  Tölpel,  auch  Spassmacher  L;  Uw;  Geck 
L  (St.").     Syn.  Gdl,  Gäutsch. 

Göschfe")  Ap;  Gl;  Gr  tw.;  G,  Güsch(e°)  -m*-" 
GRtw.;  GO.,  Eh.,  „Gusch  Z"  —  f.:  1.  Hündin  Ap; 
Gr;  GMarb.;  (Göschli)  Hündchen  Ar;  Gl.  —  2.  lieder- 
liche Dirne  Ap;  Gr;  GKh.;  „Z";  Schelte  für  ein  un- 
ordentliches, schelmisches  Weib  GW.;  wildes,  unge- 
zogenes Mädchen  GRSch. 

Die  Bedd.  1  u.  2  vereinigen  auch  die  Syun.  Fäutsch 
|Bd  I  1141),  Gäuturh  uud  Läutnch.  Vgl.  fräuk.  Ku-rh.l, 
t'euiinal,  bei  Schm.-Fr.;  viell.  ist  aber  für  die  Z  Fonn  frz. 
ijouge,  Dirne,  zu  erwägen. 

göschig  s.  güstig. 

gnsch  I  tkui'):  Zuruf  an  die  Hunde,  sich  zu  legen, 
zu  ducken  oder  wegzugehen  Aa;  B;  Gl;  Gr;  Sch;  Z. 
■  Wie  man  einem  bösen  Hund,  wenn  Jemand  naht,  G. 
sagen  muss.'  Gotth.  .Setzt  sich  auf  's  hohe  Iloss, 
wenn  er  kusch  machen  sollte  unter  den  ersten  besten 
Ofen.'  ebd.  Auch  als  Zuruf,  etwas  Gestohlenes  ab- 
zulegen B.    —   Aus  frz.  cviu-he-(tui)! 

guschele":    schlafen  (Kdspr.).     Zu  Guschi. 

gusche":  refl..  in  dem  Zuruf:  gusch-di''',  leg  dich! 
Gl;  Gr;  Z.  Übertr.  auf  Fers.:  Er  mues  si"*  g.,  sich 
unterwerfen,   klein  beigeben  Gl;   Gr.    Abi.  guschten. 

Guschi  n.:  Bett,  bes.  in  der  EA.  i"  's  G.  gä',  im 
G.  si",  Aa;  Bs  (auch  -e);  G;  Scuw  (i'-);  Z  (tw.  i'). 
Hand  halt  früeh  müesse'  us-em  G.  hüt.  Stutz.  -  Aus 
der  frz.   RA.  aller  »c  couchei: 

gusch  n  s.  giist. 

Gnschel  (-«--  Z)  m.:  1.  wer  schnell  uml  unver- 
ständlich spricht,  Plaudertasche  AAWohl.  —  2.  un- 
achtsamer, linkischer  Mensch  Z. 

gusch (e)le"  I  »-  u.  »'  Aa,  »'  L  —  dira.  gilschele" 
AaS.:  1.  lallen,  undeutlich,  leise,  aber  lebhaft  spre- 
chen, flüstern,  wie  z.  B.  Kinder,  Vorliebte,  Betrunkene 
Aa;  L;  S;  Schw;  Zg;  Z.  Wenn 's  Meitschi  numme" 
nit  so  übel  g'hörti!  Do  chönnte'Jo  d'  Dienste'  [Dienst- 
boten] e'sämme'  g.  und  's  f^r  Narre»  ha'  [sagt  der 
Freier]  S  (Joach.  1883).  ,N.  N.,  der  etwas  Küchen- 
französisch herbrachte,  lehrte  unsern  Eudolf,  so  gut  es 
gehen  wollte,  ein  wenig  g.'  —  2.  zwitschern,  wie  die 
Vögel  z.B.  in  der  Morgenfrühe  Schw;  Zg.  's  Schtcälmli 
giischlet  Ei"m  xu  Itiiik  und  nett  und  briglet  dur'''  en- 
(imler.  Henu.  Und  mit  Fresse'  got's  und  G.,  just  wie 
iif'me  Vogelherd.  V.  d.  trocknen  Brüdern  z'  L.  —  3.  von 
geräuschvollem  Fressen,  wie  z.B.  der  Schweine  L; 
C)bw.   —   Lautnialeud.  doch  vgl.  auch  das  syn.  IcümUdai. 

Guschle"  f.:    redselige  Frauensperson  AaF. 

guschle":  suchend  in  Etw.  herumwühlen,  -stöbern, 
zuweilen  mit  dem  Nbegrifl':  durch  einander  werfen, 
in  Unordnung  bringen  LHorw ;  Zg  ;  Z.  Im  W'i'  g., 
ihn  durch  Mischung  verfälschen  Z.  Daher  übh.:  im 
Handel  sich  Unredlichkeiten  erlauben  Z. 

Vgl.  das  syu.  ijuahn,  zu  dem  es  viell.  bloss  lautliche  Nbf. 
ist,  wie   Giwchel  zu    Gund.      Doch  vgl.  auch  ijiuKhdtn. 

Gusche"  f.:  Oiirfeige  GMarb.;  Syn.  Goschen  4; 
Huschen;  vgl.  auch  er-gutschen. 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


gnsclie"  II  WLeuk,  güi'e  GO.,  feilsche  Gr,  goschelV 
()bw  :  stürmen,  bes.  bei  Schneegestöber.  Syn.  gusenen, 
gnslen,  guxen,  bustren,  buxen. 

Gi'ischuiig:  1.  n.,  liederliche  Dirne  Sciiw.  —  2.  m. 
a)  Wüstling  ScHwE.  —  b)  Schuldenbote.  ebd.  (ver- 
ächtlich).  -   Frz.   cochon. 

GUsche"  C-'^-J  f.:  kleines  Fuder  Heu  GRSch.  — 
Wenu  wie  das  syn.  Jückerli  Ausdruck  der  Geringschätzung, 
viell.  zu  der  folg.   Gruppe. 

„güsehe":  kindisches  Spielwcrk  treiben  ß."  Syn. 
goschen  III,  gäutschen. 

,G Uschi  n. :  Sache  von  geringem  Wert,  in  phys. 
und  moral.  S.  B."   —  Vgl.  «br.  .luch  tin,chi-(hui,  -War, 

Giischer  m.:  unartiger,  ungeberdiger,  nachlässiger, 
kleiner  Knabe  B;  Syn.  Näscher. 
güschig  s.  güstig. 


Gaspel  m. :  1.  Unruhe.  Aufregung,  unruhiges  Trei- 
ben AAEued.  D'r  [ihr]  glaubet  nid,  ivie  mi'''  Deis 
[Jenes]  wider  in  e"  G.  i-e  bracht  het!  Gysi.  —  2.  flüch- 
tiger, oberflächlicher  Mensch  AaF.  —  gasple":  un- 
ruhig hin  und  her  fahren;  flüchtig,  flatterhaft  sein 
ZW.  —  gasplig:  unruhig,  hastig  AaF.;  ZW.  -  Im 
Abi.  zum  Folg.  mit  Auklaug  an  das  syu.   , Haspel'. 

Gispel  m.:  1.  unruhiger  Mensch  mit  fast  fieberhaft 
lebhaften  Bewegungen,  bes.  von  Kindern,  Springins- 
feld, flatterhafter,  leichtsinniger  Mensch  Aa;  Ap;  Bs; 
B;  Gl;  Gr;  L;  G;  Sch;  S;  Th;  Zg;  Z;  Üyn.  Fläugel, 
Gahli,  Güspi,  Haspli,  Strudler,  Wispel,  Zwirbli. 
Gispeli,  kleine,  butzige  Person  Ap.  ,[Der  geistes- 
gestörte Priester]  trage  die  Paramente  in  die  Kirche 
wie  ein  geladener  Esel  und  als  ein  G.,  nit  wie  ein 
Priester  mit  Dezenz.'  1640,  Esterm.,  Neud.  Im  Z  Kai. 
1724  wird  ein  in  misslicher  Lage  sich  Befindender  als 
,der  arme  G.'  bemitleidet  [wohl  eig.  Einer,  der  in  Un- 
ruhe nach  Hülfe  hin  und  her  läuft].  —  2.  „sehr  un- 
wirscher Mensch  Ap;  Gl;  GKh."  (St.''). 

„gisple":  1.  flattern,  sich  leicht  hin  und  her 
bewegen  L.  —  2.  ein  jugendlich  lobhaftes  Wesen 
äussern  L."     Syn.  gisplen,  xvispen. 

Gisperli:  =  Gispel  1  S. 

(umme"-)  gisple":  1.  hasten,  eilfertig  herum- 
fahren, z.  B.  bei  einer  Arbeit.  aaOO.  (s.  Gispel). 
B'  Müggli  tanzed  und  gispled  und  huspled  durenand 
Z  (Schwzd.).    Etw.  ,ä«e  g.,  mit  flüchtiger  Eile  tun." 

—  2.  hastig  sprechen  S,  leichtsinnig  und  übereilt 
handeln.  —  „er-:  mit  Hasten  Etwas  gewinnen."  - 
„ver-:  1.  seinen  jugendlichen  Leichtsinn  abstreifen. " 

—  2.  (tr.)  Etw.  zerstören,  verderben,  aus  Übereilung 
verlieren  oder  verlegen. 

gisp(e)lig:  flatterhaft,  unruhig,  zappelig,  bes.  von 
Kindern.  Wo-n-e  g.  Wasser  dur'-abspringt  [über  den 
Abhang].  APletscber  1880;  Syn.  g'fi.siicrig. 

„Gisper  n.:  Kehricht  |cig.  leicht  beweglicher 
Stoft'];  auch  von  kleinen  Spänm  (coli.)  Uw;"  Syn. 
Güster. 


Gasp-^gusp.    Gast— gust 


Gnspe"  ni.,  It  St.  auch  f.:  1.  Stachel,  eiserne  Spitze, 
hes.  an  einem  Stock  Gl;  GrD.;  GW.;  Pfeilspitze  GG., 
auch  der  ganze  Pfeil  GSa.  —  2.  vierseitig  zugespitzter, 
stark  vorstehender  Nagel  in  den  Absätzen  der  Berg- 
schuhe Gr;  GW.;  Syn.  Ruch-Nagel;  Gegs.  Pali-Nagel. 
S.  noch  G.-Schueh.  —  3.  mit  solchen  Spitzen  ver- 
sehenes Fusseisen  GSev.  —  4.  Quendel.  Thymian, 
thymus  serpyllum  GG. 

Aus  lat.  CK«;)!»,  Spitze,  Stachel.  —  Die  Pflanze  so  be- 
nannt, weil  ihre   BlUtenstengel  wie  Spitzen  hervorragen. 

ver-guspe":  mit  Gewalt  brechen  GWe.  —  Eig. 
mit  den  ,Giispen'  zerstören. 

gnsper(ig):  munter,  heiter,  lebhaft,  aufgeweckt 
Gr;  GaL.,  W.;  Sch.  ,Sie  ist  mir  zu  g.,  sie  lacht  und 
scherzt  so  gern.'  Sch  Pilger.  —  Guspi  m.  Gl,  Güspi 
n.  ScHwMuü.:  flinke,  zapplige,  gewandte  Person.  Syn. 
Büspi.  —  Eine  durch  die  Familie  ,Gispel'  beeinflusste  Nbf. 
von  buHjjer. 


Gast— gust. 


(iast  1  —  PI.  Ge'»«  ni.:  1.  wie  nhd.,  doch  im  ordi- 
nären S.  wenig  gebräuchlich,  dafür  Dörfer,  Bfejsuech, 
Wimte  und  coli.  Gasting.  a)  ohne  Nebenbegr.  oder 
mit  günstigem  S.  Z'  G.  gä",  si"  Z,  -cho"  Bs,  auf  Be- 
such. ,Im  Schloss  z'  G.  essen.'  Schimpfr.  1651.  En 
guete  Gast  chunnt  u'g'lade:  Sclger.  Ben  ung'ladne' 
Geste'  ist  nit  'tischet  [gedeckt]  Z.  Aber  auch:  Nw 
inne!  's  ist  Alles  G.,  Jedermann  ist  ointreladen.  Zuruf 
an  Anpochende  Z.  Er  lad't  gern  (hi^l  n,  ,iii,lrer  Lüte 
Hüser.  SuLGER.  D'r  Tod  isch  <  .-li;i,,ir  ,ih,:r  au  e 
g'rechte  Gast  gegen  Alli  S  (Häiig.i,aj.  Gc<!tU,  Kind, 
das  bei  Freunden  zu  Mittag  isst  Sch.  Wottst  [willst 
du]  tiesers  G.  sl"?  Z.  ,Ze  gaste  geben  bezw.  nemen'. 
in  Schuldvcrhaft.  .Kummet  [der  Schuldner]  nüt  für 
[auf  das  ,Fürgebot'],  so  git  der  richter  dem  kleger 
den  mann,  an  den  er  klaget,  ob  der  kleger  will,  ze 
gaste.'  1297,  ZWthur.  Stadtr.;  vgl.  Gisel.  ,Die  würt 
[Wirte]  sollen  d'heinem  heimschen  gast  über  10  ß 
ufschlachen  noch  borgen.'  1564,  Hagenb.  Sigr.  ,-\.tzig 
in  dem  Berg  und  Weid  für  ein  s.  v.  Chuo  1  fl.,  der 
Stier  aber  soll  G.  sein.'  1670,  Schw.  Bildl.  Gästli 
nannte  der  Bs  Zofingor-Verein  in  den  Dreissiger-Jahren 
sein  Vereinsblatt.  Von  Wettererscheinungen :  D'r 
Sehne  i'  (uf)  den  Estflenje'  rüeft  andere'  Gestflenje', 
vom  späten  Schnee  im  Frühling  BBe.,  R.;  vgl.  früeh 
Bd  1 1293.  —  b)  unwillkommenes,  überlästiges  Wesen, 
das  über  Einen  kommt,  Einkehr  hält,  a)  von  frem- 
dem Kriegsvolk.  allg.  ,Dise  Stadt  ist  von  den  Fran- 
zosen erschröcklich  ingeäschert  worden.  Linker  Hand 
hatten  dise  Gast  [die  Feinde]  nicht  zukunimen  können.' 
GKöNiG  1695.  —  ß)  von  Insekten,  z.  li.  Motte.  Schabe 
in  Kleidern,  tinea  sarcisella  L.  Gest  ha".  .!.  i.  Läuse  Z. 
—  y)  ein  Schmerz,  ein  Übel  Z.  -  S)  „Lichtschnuppe", 
Kolben,  verkohlter  Docht  an  einer  Kerze  oder  Lampe 
„BHk.";  L;  man  sagt  von  einem  solchen  Lichte  auch. 
es  habe  .Visite'.  —  c)  mit  völliger  Abschwächung  des 
eig.  Begriffes,  mehr  nur  Füllw..  als  subst.  Träger  des 
in  einem  Adj.  oder  einem  genetivisch  verbundenen 
andern  Subst.  {Hiieren,  Ketzers,  Krüppels,  Tüsigs  ndgl.) 
enthaltenen  Begriffes  des  Lästigen.  Widrigen,  Ekel- 
haften; doch  nicht  immer  im  strengsten  S.  Wüeste'' 
G.  Aa;  Ap;  Vürte;  ScH;   S;    Z;    Syn.  iBüeste  Geist. 


W^"-m'r  chäme'd  wie  so  loüest,  w.  Gest,  s«  war  's-d'r 
aw''  nüd  recht.  Die  icüeste'  Gest  [Kinder  eines  Nach- 
bars] loelle'd-mh-  d'  Bone'  ne'.  De""  ful  G.!  wie  si 
au'''  d'rvo'  hötschet.  Stütz.  Pack-di"';  du  leide''  G.! 
zu  einem  zudringlichen  Tiere  Gl.  En  müedc  G., 
ermüdend,  lästig  G;  Th.  ,Du  unverschämter  G.,  dass 
du  mit  solchem  Wüeten  mich  überfallen  hast! '  ECMey. 
16.^0.  Auch  mit  Verschweigung  des  Adj.:  Du  bist  (er 
ist)  en  G.  G;  Sch;  Z.  G.  du!  Wüstling,  boshafter 
Mensch  BHk.  S.  noch  Garst (lig).  —  2.  Fremdling, 
ungefähr,  was  jetzt  , Aufenthalter',  „dem  auf  Wohl- 
verhalten  erlaubt  ist,  in  der  Stadt  zu  wohnen  und 
derselben  Bequemlichkeiten  zu  geniessen,  was  noch 
weniger  als  Bei-  oder  Hintersäss  bezeichnet  L."  ,Auch 
soll  man  wissen,  dass  diese  Einung  [über  Körperver- 
letzungen] kein  Bürger  verschulden  mag  an  einigem 
G.,  an  seinem  eigenen  Hausgesinde,  an  Buben,  Spiel- 
leuten, noch  an  bösen  Weibern,  sie  mögen  aber  wohl 
die  Einung  verschulden.'  Mitte  XIV.,  Bs  (Ochs).  ,Er 
sye  landmann  oder  g.'  1424/1544,  Schw  LB.  [Die 
Richter]  sollen  schwören:  ,Dass  sy  wollen  richten  dem 
armen  als  [wie]  dem  rychen,  dem  g.  als  dem  inge- 
sessnen.'  1449,  AAKling.  Offn.  ,Er  sye  burger  oder  g.' 
1469,  Gfrd.  Die  GBurgauer  Offn.  1472  unterscheidet 
,vogtlüt  und  gest.'  ,Ein  amptmann  soll  einem  g.  rich- 
ten alle  tag,  wenn  er  kumpt.'  ebd.  ,Wa  ein  g.  mit 
eim  hofgenossen  rechtot.'  ebd.  ,Erschlüeg  ein  g.  ein[en] 
hofmann.'  1484,  ScHwWoll.  ,Gott  missfallt  der  weit 
nüw  fünd  und  arge  list,  als  iez  ein  guet  fründ  ein 
gast  ist.'  NScHRÄDiN  c.  1499.  ,Wann  ein  frömder  be- 
gert,  dass  man  im  richte  in  gastswys,  so  soll  man  im 
richten  ein  tag  und  all  tag.'  1530,  Aa.  , Beide,  hei- 
mesche  und  geste.'  1551,  Gfrd.  ,Ein  Ziger,  so  die 
Gast  ausführen,  zahlt  2  hlr.'  1779,  Z  Zolltar.  ,Die 
Einwohner  des  Landes  bestehen  aus  Landleuten.  Bei- 
sassen, Hintersassen  und  den  Gästen,  die  nur  Lehen- 
leute oder  sonst  geduldet  sind.'  XSchnyd.  1781. 

lu  Bed.  1  b  (und  auch  z.  T.  noch  iu  '2)  blickt  noch  deut- 
lich die  alte  Grundbed.  =  dem  lautlich  genau  entsprechenden 
lat.  hmtis  durch.  Die  Bed.  des  Dochtknibens  hat  auch  engl. 
guest;  sonst  kommt  auch  der  Glaube  vor,  dass  er  bevor- 
stehenden Besuch  verkünde.  —  In  Flurnn. :  ,Im  Gast-Acher.' 
ZDiet. ;   , Gastlosen.'  BAbl.      Abi.  gcslen,  gestlen. 

Ab-:  abscheulicher  Gast,  von  einem  Räuberhaupt- 
mann. W  Sagen  S.  267.  —  Fuer-:  Schiffreisender 
TnSteckb.  —  Bader-:  Badegast.  ,Fremde  Badergest.' 
HPantal.  1578.     Syn.  Bader. 

Schilter-:  Soldat  der  Stadtgarnison  in  Bs  im 
XVIl./XVUI.     Syn.  Stänzler. 

Von  achihern,  Schildwache  stehen,  Gast  hier  wühl  in  der 
spec,  sonst  erstorbenen  Bed.:   Kriegsmann,  s.   Gr.   WB. 

Spinnstuben-:  in  der  B  Correctiousanstalt  (s. 
, Spinnstube')  untergebrachter  Gefangener.  ,Eine  etwas 
höhere  Classe  von  Spinnstubengästen  und  keineswegs 
eigentliche  Staatsgefangene.'  Messm.  1831.  Vgl.  ebd. 
,Zucht(haus)-Gast',  Zuchthaussträfling.  —  Kilchwih- 
Kilbi-:  wer  die  Kirchweih  eines  andern  Dorfes  be- 
sucht Sch  Pilger  1885;  Z. 

Gastbarkeit:  Gastfreundlichkeit.  .[Bruder  Claus 
ermahnt]  g'mein  Eidgnossen.  dass  sie  irer  altvorderen 
gottsforcht,  g.  usw.  behieltint.'  Ansh. 

■gasten:  als  Gast  aufnehmen  und  pflegen.  .[Sic] 
wollten  den  bilger  erlichen  g.  mit  essen  und  trinken.' 
Zielt  1521.  .Gebot  im.  dass  er  die  Juden  siben  tag 
gastetc.'  1531/48.  IU.  Macc. 


4sr) 


(last,  gpst,  sist,  gost,  gast 


4sß 


be-:  sich  als  Gast  niederlassen.  .Wo  einmal  [der 
Eigennutz]  sich  begast,  er  ohn  Sorgen  Niemand  lasst.' 
.ICWelssenb.  1678. 

(iasteri  f.:  Gastgesellschaft,  Gastmal.  Über  nW 
!("■'  unter  drei  gend  kei  gueti  Gasterei.  Sh.oer. 

über-gastet:  mit  Geschäften  [wnli!  eig.  wegen 
Gasten]  überhäuft  Obw. 

gastiere":  1.  Gäste  haben.  Mcr  vil  gastiert, 
Jini  ImhJ  iiiiiltiert  L  (Ineichen).  —  2.  bedienen,  be- 
wirten Us.  '.s  liiit  e  Meinig  g'ha"  [es  war  eine  schwere 
Aufgabe |,  si  alli  z'siime"  z'  g.  Breitenst.  Bei  der  Hul- 
digung des  Landvogts  im  Tn  wird  den  Ehrengesandten 
empfohlen,  ,ihn  eid-  und  bundsgnössisch  zu  empfachen, 
salutieren,  gratulieren,  g.  und  ihme  die  Herrschaft 
|Hürglen]  zum  Besten  recommandieren.'  1633,  G  Ver- 
lichtbuch.  ,So  Einer  in  gesessnen  Räten  [die  Holz- 
ausfuhr] ze  bewilligen  anzüge,  der  solle  den  Rat  zue 
g.  erkennet  sein.'  167.').  Schw  LB.  —  3.  Bini  g.,  ein 
Mädchen  zu  Wein  und  Tanz  führen  SB. 

Brüt-Gastieri°g  f.:  Festmahl,  welches  dieser 
und  jenfer  nahe  Verwandte  einer  Braut  dem  Brautpaar 
zu  Ehren  veranstaltet  BsStdt. 

Gasti(n)g  f.:  1.  Beherbergung.  VcrpHouunir.  Be- 
wirtung. Bedienung  von  Gästen.  Das  i^t-u^  r  ,■  -.rlKnn 
(f.!  wenn  man  Gäste  in  einem  Wirtsli,Hi-  .mi  .la  Ue- 
stellte  lange  warten  lässt  GrD.  ,I)as>  ^1,t  UMMi-rh  ze 
einer  solichen  gestunge  oder  ruow  kommen  mag."  G 
Hdschr.  Der  Abt  von  Wettingen  erbietet  sich,  den 
Armen  .chri.stliche  gastung  zu  halten.'  1.530,  Absou. 
,Es  i.st  wenig  G.  gesyn  [es  kamen  nur  wenige  Pest- 
mahlzeiten, Bewirtungen  vor].'  1.596,  Kechn.  d.Z  Böcke. 
.Jeder  [Fuchs  und  Storch]  dem  andern  G.  halt'  Em- 
BLEMATA  16'2'2.  —  2.  Gastmahl  s.  Gefress  3  Bd  I  1320. 
.Sobald  zue  Rom  gaben  und  g-en  ufgiengen.  da  gieng 
ihre  herrlichkeit  ab.'  Ansh.  ,Ein  banket  oder  g., 
epulatio,  conccenatio,  convivium.'  Mal.  .Ehrenmäler, 
Feste  und  G-en.'  Cysat.  ,Eine  G.  halten.'  1707, 
III.Macc.  =  ,ein  Mahl  h.'  1860.  —  3.  die  vorgesetzten 
Speisen  GRChnr.  —  4.  Besuch  von  Gästen,  bes.  in 
einem  Wirtshaus,  und  concr.  =  Gäste  Aa;  Ap;  „B; 
L;-  S;  Uw;  Z.  De  Bössliwirt  het  vil  G.,  das  macht 
sin  giiete  Wl"  Bs.  Mei-  chömmed  G.  über  Z.  's  cliömm 
iif  der  Imhis  e  G.  Usteri.  Er  hat  vil  G.,  empfängt 
viel  Besuche  Gl.  ,In  ein  paar  Minuten  war  das  Tor 
wieder  geschlossen  und  das  Zeughaus  [wo  Insurgenten 
sich  Eingang  verschafft  hatten]  ohne  bedenkliche  G.' 
Gem.  Aa  1844.  ,Wenn  eim  vogt  im  jar  etwan  ga.stung 
zufiele,  und  [er]  deshalb  in  dem  bach  fischen  und 
krepsen  wellte.'  XV.,  Offn.  Usterb.  Köchin:  ,Hei, 
nniess  ich  aber  g.  han ;  bin  üch  ist  nüt  dann  Süden, 
braten.'  JMi'rer  1565.  ,Etwann  vor  100  jaren  was 
es  ein  gross  wesen  und  g.  zue  dem  [Gasthof  zum] 
Schlüssel.'  HPantal.  1578.  —  5.  für  ,Gestung',  Schmuck, 
s.  gesten.  ,So  ist  si  [die  Heide  im  Frühling]  gastunge 
(Gen.  Sg.]  riebe  [wenn  man  Frauen  auf  ihr  lustwan- 
deln .sieht].'  Hadl.  ,Wib  sint  der  weit  ein  g.-  ebd. 
—    Mhd.   ijuntunye  in  Bcd.    1,  '2   u.    5. 

Vor-:  Vorfeier  einer  Hochzeit.  XVU.,  Z  Mand. 
,Es  soll  nicht  mehr  am  Montag  Hochzeit  gehalten 
werden,  wyl  an  den  Sonntagen  zuvor  die  V-en  ver- 
richtet worden.'  Z  Mand.  1650. 

un-gastig:  1.  ekelhaft  GrV.  —  2.  unartig,  un- 
geschickt Ndw.   —    3.   unhandlich,    womit   nicht  gut 


umzugehen  ist,  z.  B.  en  u-i  Bräute  [Michgefäss]  Nnw. 

—  .Sjn.   un-gnatlu-h ;  in   Bed.    2   ii.  3   iin-ijaitiij. 
gast-lich  (-lig):   1.  freundlich  GRÄnt.;  auch  bei 

Maler.  —  2.  „zierlich,  wohlgeforrat  L."  ,Das  Brot 
[aus  Kühweizen]  war  zwaren  sehr  angenehm  zu  essen, 
aber  nicht  g.  [appetitlich  anzusehen].'  JEEscher  1692. 

—  un-:  1.  ekelhaft  Gr  ObS.  —  2.  unartig,  unhöflich, 
ungezogen,  grob  ß;  Gr;  L;  Schw;  W;  Zg.  —  3.  un- 
geschlacht, unförmlich  L;  Schw;  W;  Zg.  ,U-e  Bilder'  in 
einer  LKapelle.  1608,  Liebenau.  —  ,ver-  (It  St.-  auch 
ver-un-) gastliche":  entstellen,  verunstalten  L." 

Gast  II:    Personenn.,    verkürzt   aus  Arbogast   Bs 
(Spreng),     Vgl.  Bd  I  427. 
Gast  m,  gasten  s.  Jast. 

Gastere"  f.:  enger,  mit  Balken  eingefasster  Ver- 
schlag auf  dem  Heuboden,  unter  dem  Dach,  über  dem 
Melkgang  einer  Alpensennhütte,  wo  die  Hirten  ihr 
Nachtlager  haben  BO. ;  in  BHa.  nur  mit  veräehtlichein 
Nbegriff.  Dasselbe  besteht  aus  einer  Unterlage  von 
Heu  mit  darüber  gebreiteten  Decken  und  wird  auf 
einer  Leiter  erstiegen.  Der  Raum  dient  auch  zur  .\uf- 
bewahrung  von  Kleidern  und  Geräten  und  i-ift  bald  dem 
Rauch,  bald  dem  Luftzug  ausgesetzt.  Nbf.  Dastere. 
Astere;  Syn.  Nistere,  Triel,  Beichte.  Das  im  untern 
Raum,  neben  der  Käsküche,  befindliche  , Karbett',  ein 
trogartiges  Bettgestell,  wird  Gästen  eingeräumt. 

Scheint  wie  das  Syn.  Nisten  eine  Abi.  mit  der  beliebten 
End.  -eren  zu  sein:  ob  i.  S.  v.  Herberge  (von  ,Gast'|,  bleibe 
daliin  gestellt.  ,Gasterental',  ein  Seitental  des  Kandertiles 
BO.,  urkundlich   Ganirmi. 

Gast  s.  Jäst. 

gest  s.  gester. 

gesten:  1.  schmücken.  .Nu  ist  sumer  so  wol 
[g]'gestet,  des  er  ere  hat.'  Haol.  —  2.  Aufwand  ma- 
chen. ,Soll  [dem  Herrn]  ein  keller  einen  imbiss  gi-ben 
und  soll  sich  darüf  nit  g.'  TuErm.,  dafür  1518  , ver- 
gasten'. —  Mhd.  ijesten,  kleiden,  schmücken,  Aufwand  ma- 
chen, eig.:  Jmdn  oder  sich  selbst  als  Gast  kleiden. 

e°t-:  entstellen,  verunstalten  B;  Gl;  Gr;  Sch; 
Th;  Uw;  Z.  D' Chranket  het-ne«  etgestfetj.  Der  Bart, 
Huet  [udgl.]  el-estet  in.  Der  SmtaV  e-t  d's  Hns.  Die 
Jumpfer  het-si'^''  (ist)  schüli"'  e-t,  hat  stark  gealtert  Z. 
Syn.  den  Gasthitet  abziehen.  Auch  von  verändertem 
Gesiehtsausdruck  in  Folge  von  heftigen  Gemütsbewe- 
gungen, Überraschung  usw.;  „betrüben,  unfreundlich 
machen  ü;"  ein  wenig  aus  der  Fassung  bringen,  er- 
schrecken UwE.;  Einen  in  Verwunderung  setzen,  ab- 
stossen  GRpr.  .Deformare,  extinguere  formam,  formam 
alicui  aufcrre.  entgesten,  ungestaltig  oder  ungeschaffen 
machen,  entgstalten,  die  hübsche  vertreiben,  einen 
entschöpfen,  die  gstalt  verkeren.'  Fris.  ;  Mal.  .Der 
Geiz  ontgestet  den  Menschen  zum  .allerhöchsten  vor 
Gott  und  der  Welt'  JJBreit.  VU.  .Bettler  e.  eine 
Polizei  [Staatswesen].'  JJBreit.  .Gleichwol  entgestet 
Trunkenheit  den  Einen  mehr  als  den  Anderen.'  FWvss 
1650.  ,Dise  Dorn  haben  des  Herren  Haupt  wiiest  ent- 
gastet' ebd.  .Durch  Krankheiten  wii^l  .la-  \iiu''-i'lit 
entgastet'  JJMüll.  1666.  ,Gottes  h.  Nain.Mi  .ni-v,!.! 
man  mit  dem  Meineid.'  ebd.  .Viele  stinkend.'  I'.Iudi.'Ii 
haben  den  Garten  der  Kirche  entgastet'  JJUlr.  1T27. 
.Der  Blick  senkt  sich  in  das  scliöne  Tal,  welches  die 
I  Rhone  benetzt  und  oft  auch  entgastet.'  Bkiuel  1798. 


487 


Gast,  gest.  gist.  fcoat,  gust 


488 


,Ein  altes,  hölzernes,  feuergefahrliches  und  entgästen- 
des  Gebäude.'  Z  Merkw.  des  XVUI.  —  2.  Einem  Etw. 
verleiden  GROhur.  Vgl.  rer-g.  —  3.  (refl.)  sieh  eines 
Besitzes  entäussern.  ,[Wir]  engesten  uns  des  guetes 
und  setzen  in  lyplich  gewer  [den  Käufer].'  1304,  B 
Urk.  —  Mhd.  en(t)ge«tm,  entkleideu.  Bed.  3  im  lehensrecht- 
lichen  Sinn  von  deveHire  im   Gegs.  zu   inveatire,   belehnen. 

ver-gesten:  wesentlich  =  ent-g.  Aa;  B;  L;  Z, 
z.B.  die  Volkstracht,  sie  nicht  rein,  echt  tragen  B. 
Wil  das  Hüttli  im  sl'  's  schmi  Hüs  v-t.  JHofst.  Auch : 
abnutzen.  De' Rock  ist  sclw  recht  vergest  ZWl.;  ver- 
derben, mit  Gestank  erfüllen,  unbewohnbar  machen  B. 
Einem  Etw.  v.,  den  Geschmack  daran  verleiden  Aa;  B. 
Die  Zibelechust  [Zwiebelgeschmack]  v-t  m'r  die  gansi 
Suppe  B.   —   Ygl.  das  syn.  «;•-  =  ,ent-stellen'. 

„be-:  zieren,  schmucken,  wohl  anstehen.  Es  bi- 
gestet-is,  es  Gastmal  anzerichtin  W"  (üial.  344.).  — 
Mhd.   begesten,  schmücken. 

a''-gestig:  1.  vom  Wetter,  ungesund,  die  Gesund- 
heit angreifend    Zg.  —  2.  „von  Vieh  und  Menschen, 
die   leicht  von  Krankheiten   angesteckt  werden    Zg." 
Da  die  St. 'sehe  Angabe  in  Abrede  gestellt  wird,  so  dürfen 
wir  wohl  Zss.  mit  dem  Präf.  an  (Bd  I  261  f)  annehmen. 

gestle":  gern  und  oft  Gastereien  lialten.  Spreng; 
SuLGER.  ,Wer  vil  gästlet,  hat  bald  ausg'essen.'  Sprww. 
1824.  ,Da  etwann  die  Herren  Nachburen  eins  sind 
nur  gar  z'  wol,  zu  vil  gästlen  und  höflen,  beisammen 
sitzend  bis  gegen  Tag.'  1(337,  JJBreit.  , Alles  Wyn- 
gan,  auch  G.  und  Zechen  gänzlich  ynstellen.'  Z  Mand. 
1650.  ,Viel  g.  ist  schädlich.'  Hospin.  1083.  ,Man  niuss 
nicht  zu  viel  g.,  ssepius  vocare  ad  convivium  exhaurit 
substantiam.'  Mev.,  Hort.  1692.  ,Ach  dass  der  Geist- 
liche nicht  alle  Köstlichkeit  und  Weltpracht  in  seiner 
Haushaltung  hätte,  nicht  so  viel  gästelte,  rösselte 
[usw.].'  JJUlr.  1727.  —  2.  (auch  gästlen,  gdschlf 
ScHw)  um  Speise  und  Trank  spielen  und  zuletzt  unter 
den  Verlierenden  die  Zeche  auf  wenigere  oder  einen 
einzigen  hinausspielen,  so  dass  die  übrigen  ,gastfrei' 
ausgehen  Schw;  „Zg.'-  ,In  dem  Spilen,  Gäschlen  und 
das,  so  von  Etlichen  verspilt,  zuosammen  spilen,  es 
komme  gleich  auf  Einen  oder  mehr,  soll  sowol  der 
Gwünnende  als  der  Verlierende  strafwürdig  syn.'  1667, 
Schw  LB.  .Wann  etwelche  zuesammen  sitzen,  mit 
einanderen  spilent  und  gäschlent,  solle  diss  zuo  keiner 
Gefahr  gerechnet  werden.  Wann  aber  je  2,  3  oder 
mehr  spilen  wurden,  und  dann  Andere,  so  nit  spil 
darbei  und  selbige  von  dem  verspilten  Wein  trinken 
täten,  solle  es  denen,  so  gespilt,  für  Gefahr  gehalten 
werden.'  HiiJS,  ebd.  ,Des  Spilens  wegen  ist  heiter 
cilüt.-r,t.  'htss  man  wol  spilen  möge  umb  ein  ehrliche 
i'rti'.  ir.ln.li  dass  wann  Einer  über  sein  Ürte  und  an- 
gL-gestlft  uiii  halben  Taler  auf  sich  gespilt,  weiters 
nit  mehr  spilen  oder  auf  sich  gestlen  möge  am  selben 
Tag  bei  aufgesetzter  Buess;  das  G.  und  Spilen  aber 
von  dem  Ascherniitwochen  bis  die  Landsgemeind  vorbei 
solle  abgeschlagen  sein.'  1700,  ebd.  —  Bed.  2  viell.  ein 
anderes  W.,  doch  auch  auf  6'«««  zurückführbar. 

er-:  hart  mitnehmen.    Der  Hueste häd mi''' schoili''' 
e-t  UwE.     Syn.  er-girgelen,  -guntlen,  -geuschlen. 

Die  Bed.    Hesse   sich    wohl   einfacher   aus   Gmchncr   ent- 
wickeln (vgl.  uußlzen),    doch  stimmen    die  Cons.  nicht  dazu. 
US-  (-gäschle'):  wesentlich  =  dem  einfachen  Vb., 
eine  Spielpartie   in   der  dort  angegebenen  Weise  zur 
Entscheidung  bringen  Schw.    Mer  wand  's  ü.    Wenn 


2  gleich  viel  Stiche  haben,  so  sind  sie  stech,  dann 
tuend  s'  ü. 

Gästling  m.:  als  Gehülfe  beim  Kirchendienst  in 
ScHwE.  angenommener  Einwohner;  lat.  irdituus.  Zu 
Gast  3.  ,Dass  da  ein  Abt  zu  E.  hinnenhin  soll  haben 
in  dem  Gasthaus  12  G.,  ob  er  die  gehaben  mag.  Und 
soll  ein  Abt  derselben  Gästlingen  jeglichem  geben  all 
Wochen  10  Brod.'  1419,  SchwE.  Klosterarch.  Die 
Waldleute  [von  Einsiedeln]  dürfen  keine  neuen  Ein- 
wohner (.Gästlinge')  mehr  annehmen  ohne  des  Abtes 
Zustimmung.  1451,  Blumer,  EG.  1,  305.  , Testament 
H.Schäfers,  welchen  das  Gottshaus  als  ein  G.  geerbt.' 
1551,  SchwE.  Klosterarch.  ,Die  Waldleut  vermeinen 
auch,  dass  sie  mögen  mit  und  neben  dem  Gottshaus 
die  G.  annemmen.  Und  zwar  arme,  pre.sthafte  Gotts- 
hausleut,  welche  zue  dem  Läuten  und  anderen  Dien- 
sten ohnvermöglich.'  1560,  ebd.  , Sollen  beid  Teil  den 
Gästlingsberg  vorleihen  und  dann  der  halbe  Teil  des 
Zinses  dem  Gottshaus  gefolgen  zu  Erhaltung  der  Gäst- 
lingen in  dem  Kloster  mit  Speis,  Trank,  Kleidung.'  ebd. 

Vgl.  G.-Vogt  Bd  I  706,  wo  zu  berichtigen  ist,  dass  der 
Name  den  Verwalter  des  in  dem  ,(}.-Berg'  (bei  Biberbrngg) 
bestehenden  od.  dorther  gewonnenen  Klostergutes  bezeichnet, 
aus   welchem  die   ,Gästlinge'   unterhalten  wurden. 

gester  e'  h;  Z,  e»  GA.,  gestert  Bs;  Z,  gest  G;  Sch; 
Th;  ZWl.:  gestern. 

Mhd.  getiter;  -t  ist  zugesetzt  wie  in  eiatert,  Upperl,  endert 
und  findet  sich  z.B.  auch:  1557,  L  MIssiv;  JMurer  1565; 
1588,  Absch.;  AKlingl.  1688;  doch  überwiegt  in  der  ä.  Ut. 
die  mhd.   Form. 

vor-vor-:  am  Tage  vor  vorgestern  GF.;  Z. 

gcst(e)rig:  wie  nhd.  Adverbial  in  Gen.-Form: 
.Gesterigs  frytags.'  1531,  Strickl.  u.  ö.  im  XVI. 

Geist  —  PI.  Geist  und  -er  —  m. :  1.  ab.str.  a)  die 
Kraft  des  Lebens  und  Bewusstseins  im  Menschen. 
Schier  de"  G.  ufge",  vor  Anstrengung,  Schmerz  usw. 
fast  umkommen  Z.  ,In  dise  Werkstatt  und  inneren 
Geschirr  wird  Speis  und  Trank  empfangen  und  so 
oft  verwandlet,  bis  es  Bluet  und  Geistlein  [Lebens- 
geist] gibt,  die  das  Licht  des  zeitlichen  Lebens 
nehren  und  erhalten.'  JKHofmstr  1645.  ,Das  Herz 
ist  die  Werkstatt  der  lebendigen  Gcistlenen  oder 
löblichen  Geisteren,  weliche  durch  die  Pulsaderen 
an  alle  Ort  ausgeteilt  werden.'  ebd.  ,Die  Alpen- 
bewohner, deren  Augen  an  stark  empfindliche  Be- 
rührung der  Sonnenstrahlen  gewehnct  sind,  dass  von 
denselben  die  einfliessende  sinnliche  Geister  nicht 
gleich  in  Flucht  gejagt  werden  [gleichsam  eine  Per- 
sonifikation der  Sinne].'  JJScheüchz.  1708.  Das  Princip 
des  sittlichen  und  religiösen  Lebens,  im  Gegs.  zu 
Fleisch,  nach  biblischem  Sprachgebrauch.  Wäre  sie 
[eine  ausgeschlossene  Nonne]  länger  ausserhalb  des 
Klosters,  so  ,möchte  ihr  mehr  fleisches  als  geists 
wachsen.'  1541,  Absch.  —  b)  „Lebhaftigkeit,  munteres 
Wesen,  auch  von  Tieren,  z.  B.  ein  Pferd  hat  G.,  wenn 
es  nicht  ruhig  sein  kann."  —  c)  Sinn  für,  Lust  zu 
Etw.  BHk.,  ,den  G.  für  Etw.  haben  oder  bekommen*, 
z.  B.  für  eine  Unternehmung,  einen  Beruf  B.  's  ist-mer 
i)»  G.  s' wider,  ich  kann  es  nicht  leiden  THWagenh. 
Eifer  zur  Arbeit  [auch  Arh^s-G.)  S;  Z.  [Die  Arbeiter] 
händ  en  G.,  me'  chönnt  Schnaps  drüs  mache".  ZMünch. 
-  d)  Hochmut  Ap;  VOrte;  Gl;  6;  Z.  Der  hat  e(n) 
G.,  vil  G.  im  Chopf!  En  G.  ha'  tcie  de"-  gross  Hund 
z'  Paris   SchwE.     Ke'n   G.   und  ken    Charakter   ha". 


IS1<» 


(iast,  gdst,  gist,  gost,  gust 


40(1 


nicht  stolz  sein  Ar.  Griisame'  [ausserordentlich  viel] 
G.  /lä"  Gl;  SchwE.;  Ndw.  Er  liäd  en  höche"  G.,  häd  's 
hoch  im  G.  Z;  vgl.  hochgegeistet,  hin-htnificimh.  — 
2.  concr.  a)  pers.  a)  AbgeschieJem/r.  |i.i|i|>fl;;;iiii,'or. 
Gespenst,  allg.  Er  het  müesse'  gö"  iliir''  yarhl  uiid 
Nebel  go*  wandle"  wie  ne  G.  Breitenst.  Man  liat 
,eiiien  G.  (eine  Seele,  einen  Schneider  aus  dem  Feg- 
t'euer)  erlö.st',  wenn  Zwei  das  Stillschweigen  brechen, 
indem  sie  den  gleichen  Gedanken  7nit  gleichen  Worten 
sagen;  vgl.  KSteiger  1841  II  97.  ,Aut  ipse  fuisti,  aut 
simillimus,  eintweder  bist  du  es  gewesen  oder  dein  G.' 
hm/,L.  1716,  und  so  noch  heute  Sch;  Z.  ,Man  sagt, 
wenn  man  eins  Menschen  G.,  wie  man's  nennet,  sehe 
und  er  nit  bald  darüf  sterbe,  so  seie  es  ein  Anzeigung, 
dass  er  gar  alt  werde.'  LLav.  1670.  Alli  guete"  G-er 
hihe'd   Gott   den   Herre'!    Spruch    gegen   Gespenster. 

-  ß)  von  lebenden  Menschen:  lebhafter,  unruhiger 
Mensch.  E''  völlige''  bare'  G.,  ein  Mensch  voll  Leben 
W.  Du  wüeste''  G.!  Schelte  Ap.  De''  verßuecht  G.l 
\\oLP,  Bauerngespr.  Syn.  Gespenst;  vgl.  auch  Gast  1  c. 
Hans  Gast,  neckische  Antwort  auf  die  Frage:  Was 
säst  [sagt  du]?  Ap.  —  y)  Dämon,  meist  böser.  ,Gab 
inen  macht  über  die  unsaubern  geist.'  1530,  Matth. 
, Durch  die  unreinen  geist  gestraft.'  LLav.  1569,  = 
,Geister.'  1670.  ,Von  erschynungen  der  geisten.'  ebd. 
1569,  =  ,Geisteren.'  1670.  De*"  giiet  G.  ist  vo'-mer 
g'wiche"  Bs;  Z.  —  8)  heilige''  G.,  wie  nhd.  Er  tuet 
wie  de''  (en)  h.(e'')  G.,  scheinfromm  Z;  Syn.  irie-n-es 
Betbüechli.  En  h.  G.  (Heiligenschein  auf  Bildern), 
Kreis  um  die  Flamme  des  Lichtes  Z  (Dan.).  , Seine 
geschickte  Hand  verfertigte  aus  farbigem  Papier  für 
jede  Bauernstube  einen  h-en  G.,  welcher  mittelst  drei 
Haaren  von  einer  reinen  Jungfrau  an  die  Decke  ge- 
hängt wurde.'  BWyss  1865;  so  auch  in  U;  s.  '^ogel  4 
Bd  I  692.  Übertr.  auf  eine  heilkräftige  Pflanze.  ,He- 
ligen  G.  oder  Angelica.'  1710,  ZZoU.  Arzneib.  S.  noch 
Heiliggeist- Würz.  —  b)  sächl.  a)  Alkohol.  Öjipis 
Geistes,  gebranntes  Wasser  S.  De""  Wi"  het  (ke")  G. 
Me''  G.  weder  Gütterli,  Wortspiel  mit  der  Bed.  1  d  zur 
Charakterisierung  eines  hochmütigen  Menschen  Schw. 

-  g)  Dunst  von  Flüssigkeiten.  ,Die  Geister  oder 
Dunst  des  Vitriols.'  JJNüscheler  1608.  ,Den  ehrinen 
Helm  [bei  der  Branntweindestillation]  umgibt  ein 
Gschirr  mit  kaltem  Wasser,  damit  die  hitzigen  Geister 
und  aufsteigenden  Dämpf  des  Weins  Külung  und  Er- 
ijuickung  cmpfahen.'  JKLandenb.  1608.  —  f)  durch 
Destillation  ausgeschiedener,  ätheriscluT.  sich  viTlliuli- 
tigender  Stoff,  Essenz.  .Ich  habe  amli  ilaiiKils  in  il:is 
Wasser  geschüttet  allerliand  Geister  und  Saite,  wonnit 
man  die  sauren  oder  alcalischcn  Salze  zu  erfnisclii'M 
pflegt.'  JJScHEiiCHZ.  17()S.    In  ZStli.  sper.  Branntwein. 

—  3.  Eigenn.  ,Im  G.'  Hausnarae  in  ZWint. ;  aucii 
Geschln.  Vgl.  ,Hans  Spiritus.'  1532,  B.  —  Örtli;  Kan- 
iönli-,  Gemeindli-:  engherziger  Sinn,  der  nicht  über 
die  engern  Grenzen  seiner  Heimat  hinausgeht;  Kirch- 
turmspolitik. —  Liecht-:  Augenwasser,  d.  h.  ein 
Spiritus  zur  Stärkung  des  , Augenlichtes'  Z  NA.  — 
Nacht-:  1.  Nachtgespenst,  s.  N.-Frau.  —  2.  Jmd, 
der  bei  Nacht  arbeitet  oder  unruhig  im  Haus  herum- 
fährt G:  Z.  —  Bu"-:  Bausucht,  Bautrieb  Z.  — 
Dürr-Bire°-:  Mensch  von  geisterhaft  hagerem  oder 
bleichem  .\ussehen.  Usg'seh  wie-n-en  D.  Zu.  —  Plag-: 
ein  unausstehlicher,  immer  beschwerlich  fallender 
Mensch  S;  Z.  -  Rumpel-:  Poltergeist.  .Piunipel- 
und  boldergeister  werden   keine   mer  gehiirt.'    Kkssl. 


—  Salz-:  I.Salzsäure  Z.  —  2.  .salzhaltige,  sich  ver- 
flüchtigende Substanz.  ,Es  kann  auch  wol  ge.schehen, 
dass  ein  scharpfer  Salzgeist  [mit  dem  Glied  wasser] 
laufet  und  mit  seiner  Scbärpfe  die  Nerven  abetzet 
und  abfrisset'  FWiiRz  1634.  -  Sü"-.  ,Die  Musik, 
welcher  gottselige  und  gelehrte  Männer  die  näch.ste 
Stell  nach  der  Theologie  gegeben,  ist  von  allerhand 
melancholischen  Sauwgeistern  angefochten  worden.' 
1629,  MüsiKKOLL.  Wthur. 

Schutz-:  unbedachtsame,  eilfertige  Person  Bs; 
Syn.  Schutzgatter.  •—  .SWmtz,  Schiiss  i.  S.  v.  hastige  Bo- 
wegung. 

Schwindel-  s.  fantästig  Bd  I  875.  —  Sch  Wir- 
bel-: Taumelgeist.  .Sich  von  einem  in  einen  Engel 
des  Lichts  verg'staltenden  Schw.  beherrschen  lassen. 
Selbsgefällige  Verruckungen  eines  unordenlichen 
Schw-s.'  JJÜLR.  1727.  —  Schwirmer-:  von  religiöser 
Schwärmerei  erfüllter  Mensch,  von  den  Reformatoren 
auch  ,Schwarm-G.'  genannt.  ,Nun  findt  es  sich  aber, 
dass  solche  Lüt  [die  sich  vom  h.  G.  erleuchtet  glauben 
und  darum  vom  katholischen  Glauben  abgefallen  sind] 
nur  Schw-er  sind,  sittemal  sy  iren  Glauben  mehr  dann 
ein  Mal  veränderet,  hüt  Eins,  morgen  ein  Anderes 
lerend.'  1586,  Absch.  —  Widerspruchs-:  wie  nhd., 
aber  auch  pers.  —  Dängeli-:  1.  Klopfgeist,  der  die 
Sense  hämmert  und  Wanderer   irre    führt;    s.  Hebel. 

—  2.  der  Mann  im  Monde  AAFri.  —  Wetter-.  J>a 
höret  man  von  Türsto's  wilder  Jagd,  vom  W.,  der  in 
den  Lüften  klagt.'  Nvdegger  1885. 

geiste":  1.  spuken  (vorzugsw.  unjjers.)  Ar;  Rs; 
Gl;  Gr;  G;  Th;  Z;  oft  von  geringfügigen  Vorgängen, 
z.  B.  wenn  im  Frühling  das  Holz  einer  Wand  mit  (ie- 
räusch  sieh  ausdehnt,  wenn  Etw.  ohne  sichtbare  l'i-- 
sache  zu  Boden  fällt  oder  zersprini,'-t.  wenn  eine  Tiiro 
unversehens  aufgeht.  Syn.  sn-h  l.iiiulni.  i/i'si,ni^ini. 
Es  geistet,  an  Orten,  wo  ein  (Seilisl-i  .Mni.l  -.taUge- 
funden  hat.  ,Das  gewöhnliche  G.,  wie  man  es  immer 
hörte  in  dem  Augenblicke,  da  Jemand  gestorben  im 
Orte.'  Stutz,  B.  Bildl.:  ,gegeistet  kommen',  zu  un- 
erwarteter Zeit  und  an  unerwartetem  Orte  erscheinen. 
Alpenrosen  1869,  S.  706.  —  2.  sich  aufführen  wie  ein 
Gespenst,  mit  Getöse  hin  und  her  fahren,  „toben, 
wüten",  lärnion.  poltern,  unrultig.  geräuschvoll  herum- 
fahren \iikii  ;  Ci,;  I.;  S,  lies.  v,hi  Kindern  Uw,  heruni- 
klettern  Sh.nn.,  sieh  lehliall  äussern  in  Worten  und 
Werken,  lehhall  iinil  viel  re.h'ii  I,;  Zii.  sinnlos  plau- 
dern .\A\Vehl.  ;;.  heim  Kiltuan-  die  Stimme  ver- 
an.lrrn.  mit  xeran.lerter  Stninne  sprrrhen  L.  Syn. 
d'  Uni   rn-l.-n-n,.  I.    ,len    lieist   aufgehen    It;   L;    ge- 

wiWinlielier  ((/-;/.  .llltlai.'  animani,  g.,  den  geist  auf- 
gehen, sterhen.'  l'iiis.;  Mal.  —  5.  den  h.  Gehst  im 
Munde  lülireii.  sieh  auf  ihn  berufen;  s.  vattcren  Bd  I 
1130  und  vgl.  Geistler. 

Mhd.  =  mit  (heil.)  Geist  erfüllen;  geistig  wirken.  — 
:5  meint  viell.  geisterhafte  Stimme,  ist  aber  wohl  mir  uiu- 
geiieutet  aus  fjcitschen. 

üf-:  1.  den  Geist  aufgeben  Bs;  B;  GRPr.;  L; 
ScHW;  S;  Uw.  ,Weiber,  wo  die  grösste  Freude  daran 
hätten,  z'gruchse,  wie  wenn  sie  u.  wette".'  Gottu. 
,Das  Weib  hatte  im  Bein  eine  Wunde,  an  der  man 
sie  aufg.  Hess.'  Li)T.,  Sagen.  ,Jeremia  hat  gesehen, 
dass  die  jüdische  Kirch  den  lotsten  Atem  geholet,  dass 
sie  in  allem  Aufg.  begriffen.'  AKlincl.  16SS.  .Hat  sicli 
in  den  Leib  geschossen,  darauf  er  bald  mit  Aussehüt- 
tung  seines  Gedärms  aufgegeistet.'  Z  Nachr.   1754.  — 


491 


Gast,  gest,  gist.  gost.  gast 


492 


2.  (refl.)  sich  ermuntern,  ermannen.  ,Bäbi  geistete 
sich  auf.'  GoTTH.  —  umme°-:  1.  als  Geist,  Gespenst 
umgehen  L.  —  2.  wie  ein  Geist  leise  oder  spät  herum- 
schleichen Z;  poltern,  unruhig  hin  und  her  fahren 
oder  gehen  B;  „VOrte;  Gl.-  Umme-Geisti,  Polterer 
UwE. ;  ZG.  —  in-:  geistig  eingeben,  inspirare.  Sulglr. 
Eim  Öppis  i.  Z.  ,Divini  animi  hominum.  von  Gott 
eingeistet  und  erleuchtet.  Das  göttlich  cin-g.,  ein- 
geben, einbläsen.'  Fris.  ;  Mal.  l)ass  der  hebräische 
Grundtext  des  a.  T.  von  Gott  selbsten  .ingegeistet'  [sei]. 
1675,  Abscu.  , Zweck,  den  der  Geist  Gottes  in  Ein- 
geistung  diser  Schriftstellen  gehabt.'  JCHofmstr  1744. 

—  ent-:  den  Geist,  die  Kraft  ausströmen  oder  ver- 
lieren, von  Alkohol,  auch  von  Jauche  GRPr.  —  üs-: 

1.  den  Geist  aufgeben  ßSi.  ,Wann  ihr  sterbet,  aus- 
geistet.'  JÜLR.  1727.  ,Die  Schwindsucht  überkommen 
und  nach  und  nach  aus-g.'  ebd.  Auch  von  Tieren: 
verenden.  Heng.  Von  geistigen  Dingen:  ein  Ende 
nehmen,  vergehen.  ,Hört,  was  uf  d'  Hochzeit  folget: 
die  Liebe  geistet  aus,  all  Tag  ist  Zank  und  Strauss.' 
Balz  1781.  —  2.  ruhig  werden  UwE. ;  Gegs.  zu  geisten  3. 

—  ver-:  1.  den  Geist  aufgeben  oder  wenigstens  den 
Verstand  verlieren.  Er  ist  fast  v-t  ob  der  rile"  Arbet  B. 

—  2.  Duft  und  Kraft  verlieren,  ,von  abgezogenen 
Wassern  und  Geistern,  wenn  sie  verriechen.'  Spreng. 

—  vor-:  vorbedeutend  spuken  Ar.  —  „bös-:  mit 
Dat.  P.,  zum  Nachteil  eines  Dritten  reden  L",  nach 
Art  eines  schädlich  wirkenden  und  schadenfrohen  bösen 
Geistes. 

Heilig-Geister:  Bitter  des  h.  Gei.stes,  Johan- 
niter. ,Die  HeilgengeLster.  die  man  Spitalherreu 
g'nennt  hat'  Vab. 

geistere":  spuken  S  (Schild).  Me"  het  schier 
niene'  chenne'  stö;  wo  nii  es  Ung'hlr  iimme"  g'sei' 
oder  es  nit  g'geistert  hed  e'  chlei.  Lux.,  Sagen  (Uw).  — 
unime"-:  als  Geist  umgehen.  Wer  Marchsteine  ver- 
setzt, tnuess  na'''  si"'m  Dod  a's  e  brönnlige''  Ma"'  u. 
Schild.  —  ent-:  entzücken,  ausser  sich  bringen.  ,Ihr 
würdet  gleich  wie  entgeistert  stehen  [vor  Verwun- 
derung].' Aufmunterung  1781.  —  er-:  aufregen,  er- 
schrecken, verscheuchen,  z.B.  Vögel  B;  aufrütteln, 
aufwecken  BSa.  —  be-,  im  Ptc. :  geistreich  GrL. 
(wohl  i.  S.  V.  Geist  1  b);  belebt,  beseelt.  ,Wo  lang 
mein  Herz  auf  dieser  Erden  begeistert,  hat  bei  mir 
dein  Drohen  keine  Kraft'  FRjHerni.  1755. 

Geisterer:  Zauberer,  Geisterbeschwörer  „Gl; 
Tu;  Z;"  SOH. 

g'geistet:  lebhaft,  im  Besitz  voller  Lebenskraft, 
von  Menschen  und  Tieren  BHk.  —  un-:  abgestumpft 
durch  Alter,  phlegmatisch,  ebd.  —  hö(ch)-:  hoch- 
mütig GrD.   —  Nicht  Ptc,  sondern  Adj.,  von   ,Geist'. 

Geisti  ni.:  1.  unruhiger  Mensch  UwE.,  „der  leb- 
haft und  viel  redet  LG."  —  2.  „Witzling,  Spötter  LG." 

geistig:    1.  „lebhaft,   voll  Munterkeit,    allg."  — 

2.  stark,  alkoholhaltig  B;  Z.  —  3.  geistreich,  hoch- 
begabt BSi.  —  4.  .stolz,  hochmütig  „VOrte;"  Gl;  GG.; 
Ndw;  hoffärtig,  putzsüchtig  UwE.  —  „un-:  ohne  Leb- 
haftigkeit, abgestumpft  durch  Alter,  phlegmatisch. 
allg."     Vgl.  ungegeistet. 

geistige":  hutt'ärtig  werden  Nnw. 

Gcistler:  Zun.  der  Wiedertäufer;  -^gX.  geisten  5. 
,Die  g'lüpten,  die  die  g.  erdacht'  Bossh.-Goldschm. 
,Dannenhar  Th. Münzer  und  die  .synen  genannt  wurdend 


himraelische  propheten  und  spiritöuser,  das  ist  g.' 
HBüll.  1561;  vgl.:  ,Man  huob  sy  an  töufer  und  wider- 
töufer  nennen,  die  etliche  zuovor  geneunt  hattend 
spiritöuser.'  ebd. 

geistli(ch):  1.  „fromm,  andächtig,  nach  Art  eines 
Geistlichen  Schw;  Zg."  Slt-er  g.?  grüsste  man  Einen, 
der  am  Sonntag  vor  dem  Hause  in  einem  Buche  las 
Bs;  B.  Es  g-s  Buech,  Erbauungsbuch  Bs;  g.  werd«', 
den  Beruf  eines  (Geistlichen  ergreifen  L;  S.  Er  het 
studiert,  a's  wenn  er  g.  werde"  weit.  HXfl.  ,Was  zieht 
dich  doch,  sag,  lieber  myn,  dass  d'  eben  grad  meinst 
[beabsichtigst]  g.  z'  syn;  ich  riet,  du  nemest  dir  ein 
wyb.'  Com.  Beati.  —  2.  schwärmerisch,  überspannt, 
kopfhängerisch  BHk.,  frömmelnd  Bs;  B.  —  3.  in  spc- 
cLfisch  kirchlichem  Sinn,  a)  g-i  Lit,  bei  der  Primiz 
vom  Primizianten  angestellte  Ehrenleute,  nämlich: 
der  g-i  Vater,  (s.  Bd  I  1127),  neben  dem  weltliche?'  V., 
die  g-i  Mueter  und  die  g-i  Bruid  oder  Sehivester  [diese 
ledig]  Ndw.  Es  war  zur  Eeformationszeit  ein  Vorwurf 
gegen  die  Wiedertäufer,  dass  sie  g-e  Ehen  eingiengen, 
was  zu  Unzucht  führe.  —  b)  Gegs.  zu  , weltlich,  staat- 
lich'. .Welcher  gelt  üfnimmt,  derselbig  mag  sich  in 
das  geischlich  und  weltlich  gericht  verschryben.'  1509. 
Absch.   —   Die  Form  ,geischl.'  niclit  selten  im  XV./XVI. 

schwarz-.  En  Schwarzgeistlene' :  Weltgei.stlicher 
im  Gegs.  zu  Mönch,  bes.  Kapuciner  Gr.  —  drci- 
viertels-.    En  Dr-e'':  Volksschullehrer  (scherzh.)  Z. 

Geistlichkeit:  1.  Frömmigkeit.  ,Dass  du  [d.i. 
die  römische  Kirche]  nit  durch  dyne  g.,  sunder  durch 
der  menschen  bosheit  hast  die  weit  überwunden.' 
.\^NSH.  —  2.  Klosterleben.  ,Vernömend  ir  g.  [hörten 
von  ihrem  klösterlichen  Leben].'  Anf.  XV.,  G  Hdschr. 

Gistele"  f.:    einfältige  Frauensperson  SBib. 
Giest  s.  Giesch.        Gost,  Göst  s.  Gott. 
er-goste°:    aufgetrieben,  gedunsen  in  Folge  einer 
Krankheit,  z.B.  beim  Entstehen  einer  Geschwulst  BSa. 

(iiistel  m. :  Personenn.  Augu.stin  F. 
Gö stier,  -ner  s.  Geschner. 
Goust,  Güst  s.  Gunst. 

Gast  I,  in  Ar;  S<:hw  G-e",  PI.  Giiste*  —  ni.:  1.  Ge- 
schmack Ap;  Gr;  L;  Ndw;  W;  Zg;  Z.  Syn.  Gü,  Kust, 
Mang.  No"''  Lust  und  G.,  ganz  nach  Belieben  GrPt. 
.[Der  Wein  um  Zürich]  b'halt  doch  [im  Alter]  sein 
G.  und  Härbe.'  BCys.  .Eines  guten  Geruchs,  Ge- 
schmackts,  Ton[s]  und  Gusts.'  JRLandknb.  1608.  ,Dass 
nicht  diese  Speisen  zusammen  ganz  einen  unguten 
Geruch  u.  G.  von  sich  geben.'  SHott.  1702.  ,Wir 
Sachen  mit  grösstem  G.  die  Farben  eines  Regenbogens.' 
GKöNiG  1715/7.  Spec:  guter  Geschmack  Gl;  Schw. 
's  Esse'  mues  'züget  [geschmalzen]  st";  raus  [roh], 
wie 's  d'  Kue  isst,  hed's-mer  der  G-e"  nid.  Wohl- 
gefallen: , Würde  man  die  Ausgeschlossen  hassen,  so 
möchten  die  Obern  annehmen,  dass  man  wenig  G.  zu 
ihnen  trage.'  1534,  Absch.  Ungehöriger,  unangenehmer 
Beigeschmack  Gr;  Syn.  Hie,  Ziele.  —  2.  Geruchsinn 
Gr;  vgl.  sc7t)BecAen  =  riechen.  —  3.  objectiv:  anspre- 
chendes Aussehen.  Das  Rind  häd  G.  im  Chopf,  einen 
schön  geformten  Kopf  ScawE.  —  Aus  lat  ./"»'"«.  «i« 
das  syn.   (zunächst  frz.)   (Ja. 

Ab-:  Beigeschmack  Gl;  Gr;  W.  Syn.  Ab-Kust, 
Bitz.  —  (H)erd-  =  Erd-Gü  Sp.  52.  —  Vor-:  Vor- 
geschmack,  -gefühl;    Ahnung.     ,Dass   wir  unser   heil 


üast— ^iist.    (iat— gut 


mit  einem  v.  des  liiiiimlisclieii  Wesens  betrachten.' 
1530,  Absch.  —  Ratte"-;  Gesehmack  der  Trauben- 
kämrae  (Ratten),  oder  des  Weines  nach  ihnen  Gr.  — 
Trübe"-:  Geschmack  des  Weines  nach  den  frischen 
Trauben  oder  nach  den  Kämmen  GRHe. 

guste"  I,  ä.  ,gü-':  kosten,  schmecken  Gr;  Schw;  U. 
Um,  liest  hält  lieher  es  Glesli  Trester;  vo"  der  Predigt 
hast  wenig  g'gtistet  Schw.  Sogar  d'  Engel  we^'nä  's 
Iliirote'  g.  Heng.  ,Güste  oder  versuche  das  Öl.'  JJNü- 
slheler  1608.     Unpers.  wohl  schmecken,  munden  W. 

glistle":  ein  wenig  versuchen,  kosten,  prüfen  Gl; 
Zii.  Syn.  mängelen.  D'  Summervögel  Itockid  uf  de" 
Blueme'  und  güstled  und  versuechid  dra".  Hafl. 

(h)erd-:  1.  Erdgeschmack  haben,  vom  Wein. 
SiiLGER.  —  2.  unpers.,  von  der  Erde,  nach  einem  Re- 
gen Duft  ausströmen  ZSth. 

gustiere":  kosten  Ndw. 

gustig,  güstig,  in  G  auch  gösHg  und  i- ; 
1.  schmackhaft,  von  Speise  und  Trank  Aä;  Gl;  Schw; 
Niiw;W.  Appetitlich,  einladend  Z.  E  g-i  Chue,  von 
.schöner  Farbe  uiiilT.;in  Simiw.  üyn.  hüstig.  —  '2.  an- 
genehm, anspierlieii.l,  ihit.  niedUch  G.  Syn.  g'mögig, 
knosig,  nuggisdi,  murnj,  sclinuggig.  —  ab-:  was  schlech- 
ten Geschmack,  Beigeschmack  hat  W.  —  u"-:  ge- 
schmacklos, ohne  Salz  W, 

gustö's:  geschmackvoll  (gekleidet)  Z. 

glist,  in  B  It  Zyro  auch  güst,  in  Aa  auch  gusch: 
=  galt  1  s.  Sp.  '236.  1.  vom  Vieh  Aa;  Bs;  BE.,  G.;  L; 
S  ;  U.  ,G.  gä",  de  vaccis,  quando  gravidis  lacte  non 
spoliantur.'  Id.  B.  ,Die  Kuh  gehe  g.'  Gotth.  Auch 
i.  8.  V.  trächtig  Aa.  Vgl.  G.-Vech  Bd  I  648.  ,Die 
küe  habend  ein  zeit  lang  ee  dann  sy  kalberend,  bei 
10  tagen  kein  milch,  zuo  welcher  zeit  man  sy  nennet 
ze  gust  gon.'  Tierb,  1563.  ,Gust,  eine  zytkuo,  die  nit 
tregt.'  Frts.  —  2.  übertr.  a)  ,Güste  Hühner,  welche 
bei  Erötfnung  der  Jagd  keine  Jungen  haben  B  (Zyro).' 
Syn.  Galt-Hüener.  —  b)  ,von  Brunnen,  versiegt  F; 
LE."  —  c)  unfruchtbar.  ,Güst  pflügen,  nur  zur  Brache, 
nicht  zur  Saat'  B  (Zyro).  —  Volksrätsel :  De''  Ma"« 
trcit,  d'  Frau  göt  g.,  vom  Hanf.  Rochh.;  vgl.  Fimmel 
Bd  I  826. 

Sonst  nur  ndrd.,  z.  B.  westph.  rßUt,  ndrrh.  (jönt,  hol!. 
ijiut  (auch  von  einer  Mahlzeit  ohne  Fleisch).  Vgl.  schwed. 
tjkt,  trocken.  Auch  ins  Spaü.  übergehängten:  agostar,  aus- 
trockneu. 

guste"  II:  1.  =  galten  1.  Eusi  Chue  gustet  scho" 
I  Wuclie"  Aa.  —  2.  nicht  trächtig  werden,  von  einer 
Ziege,  die  als  zweijährig  noch  keine  Milch  gibt  Bßr. 
-  er-:  \.  ^  er-galten  1.  ,2  Monate  vor  der  Geburt 
muss  man  sie  vollends  e.  oder  gust  gehen  lassen,  d.  i. 
zu  melken  aufhören.'  XScunyd.  1782.  Bildl.  (wie  man 
vom  Euter  der  Staatskuh  spricht):  ,So  iren  vil  übel 
verdrossen,  dass  dero  Pensionkue  ergustet.'  1637,  S 
Wochenbl.  —  2.  „=  ergalten  3  h  F;  L."  —  ver-; 
keine  Milch  mehr  geben  Aa;  Bs,  durch  zu  langes 
Gusten  unrentabel  werden  AaF. 

„güste",  güstene"  I:  tr.,  machen,  dass  eine  Kuh 
keine  Milch  gibt  LE.;"  auch  ^er-güstene"" . 

ü  s  - :  durch  allerlei  Versuche  sich  ökonomisch 
ruinieren.  .Der  werde  mit  seiner  Wirtschaft  bald  aus- 
gegüstet  haben  [wegen  seiner  ungewöhnlichen  Lieb- 
haberei für  Baumzueht].'  JSenn. 


Unser  Vb  liossc  sich  au  ;/u»(tji  /  auknilpl'eii,  wenn  man 
aus  dessen  Grundbed.  diejenige  von  ,pröbeln'  erschlicssen 
dürfte;  vgl.   verttuechen,   bezw.   vtn-Hiiechien. 

„güstene"  II:  immer  Etw.,  doch  keine  schwere 
Arbeit  tun  W." 

Viel],  Übertragung  von  einer  unergiebigen  Kuh  auf  einen 
Menschen,  dessen  Tun  unerspriesslich  ist;  die  Form  erweitert 
aus  dem  PI.  Gustmi  von  Gusti.  Doch  s.  auch  die  Anm.  zum 
vorigen  Wort. 

Gusti  I  (auch  Gustell  Aa;  Bs;  G)  n.:  1.  Kalb, 
junges  Rind  Aa;  Bs;  B;  L;  S.  Saugkalb  LVizn.,  ab- 
gesäugtes Kuhkalb  B;  LE.;  S;  Z.  Jährling  weibl.  Ge- 
schlechtes AaF.;  zweijähriges  weibl.  Rind  F,  zur  Be- 
fruchtung noch  zu  jung  Bs,  zum  ersten  Mal  trächtig 
B;  Gl;  Schw;  Ndw;  Zg.  Syn.  Galti.  S.  noch  Gügger  4 
Sp.  190.  Sx>ringe'  icie  nes  G.,  von  einem  mutwilligen 
Kind  B;  vgl.  G.-Wär,  auch  von  einer  Kinderschaar. 
Von  einer  Sache  so  viel,  d.  i.  wenig  verstehen,  ,als 
ein  G.  vom  Geigen.'  Gotth.  ,Wenn  eine  Kuh  18  Mo- 
nate alt  ist,  kann  sie  schon  mit  dem  Stiere  laufen 
und  wird  dann  ein  Rind  genannt,  vorher  aber  ein  G.' 
XSchnyd.  ,Dass  die  Unsern  im  Land  Entlibuch  gar 
kein  Vech  (weder  G-e  noch  andere)  ins  Land  nennnen 
sollen.'  E.  XVI.,  Merz  1887.  -  2.  jährige  Ziege  BHk. 
—  3.  ,meretricula.'  Id.  B.  —  4.  scherzh.,  Benennung 
eines  Kindes  FJ. ;  G.  Schelte  für  ein  schmutziges 
Kind  oder  einen  groben  Burschen  FS.,  auch  für  einen 
dunnnen   (jungen)  Menschen    h'Sl.-.    S;    Syn.  Kalh.  — 

Subst.-  und  Dim.-Bildung  aus  dem  .\dj.  ,,,isi  wie  (uilli 
aus  (jalt. 

Gust  II  Bs;  Z,  Gaste  Obw,  Gusti  II  Aa;  Bs;  B;  L; 
ÜBW;  Z,  Gustel  Aa;  Bs;  B;  G;  Z,  Dim.  Güsteli  Bs;  Z, 
-ili  ÜBW,  Giistli  Ap,  GUsti  Aa;  B;  G:  1.  August; 
Augustin  L;  Z.  —  2.  Gustav  Aa;  Bs;  Z. 

Guste  f.,  Gusti,  Güsti  Aa;  B,  Gusteli  n.  (Dim.) 
B:    Auguste. 

(ilistafel:  =  Üonstofcl,  Vor.steher  der  CnnstaHer 
Tut;  auch  Christöffler. 

guste"  III:  jagen,  treiben,  mit  (»rtsadv.  iiihi"-, 
ushi"-,  heim-g.  BR.  —  Eig.  .gusehteu',  v..n  dei  Interj. 
f/unchl  Sp.  481. 

Gnstere"  f.:  Bettstatt,  -stelle  BBc.  Syn.  Under- 
stosser,  Gütschi;  vgl.  Gasteren. 

(iüster  (Ic-J  n.:  Kehricht;  Menge  kleinen  Geldes, 
Holzes,  auch  von  Haferkernon  BHk.,  R.  Syn.  GiXscl; 
vgl.  Gisper. 


(jat,  get,  >^\i,  '^(A.  ^-iil,  lic/.w.  ^-att  usw. 

Gätteblä'me":  erweichendes  Breipflaster  BM.;  Syn. 
Vharte'-Blän,  -Blase".  —  Frz.  vatuiilmmi-. 

„gatte":  ordnen,  bes.  gut  ordnen  L;  S;"  Syn. 
gattigen.  Refl.:  sich  (nach  einem  Vorbild)  richten. 
,Dass  ein  Christ  nit  hinder  sich  in  die  Propheten  ze 
wysen  sy,  nf  der  Propheten  Schlag  sich  ze  g.  und  ze 
arten,'  B  Syn.  1532.  —  „a"-:  anordnen  L;  S.'-  - 
er-:  erreichen,  einholen.  ,So  vil  als  man  ir  |der 
Feinde]  mocht  e.  und  ergrasen,  mit  denselben  der  tod 


495 


(iat,  get,  git,  gut.  gut 


496 


für  und  für  facht.'  NSchradin  1199.  —  ver-:  ver- 
binden. .Ein  zuesaminenvergattung  [Synojjsis]  der 
4  evangelisten.'  Kessl. 

Mhd.  ijateti,  zskommen,  vereinigen.  Die  Grunilbed.  ist 
zsfiigeu;  daher  wohl  auch  Gatter,  Gefüge,  junctura;  von  einem 
vorauszusetzenden  starken  Vb.  yetan,  got.  yidan,  von  dem  das 
schw.  gutta  kommt.  Zu  er-g.  vgl.  Notkers:  ,Des  der  argo 
furhtet,  daz  pegatöt  in,  veniet  snper  enm',  und  die  gleiche 
Bedeutungseutwicklung  vom  \At.  pmgere  zum  ftz.  Joindre,  ein- 
holen ;  s.   ferner  ergatteren. 

Gatter  n.  in  AAZein.;  Bs  (mit  der  Fem.-Form  -ere"); 
B  tw.;  FJ.  tw.;  Gr  überw.;  S  tw.,  sonst  ni.  —  PI.  -ä-: 
Gitter  als  Tor  oder  Zaun.  1.  Gittertüre  aus  Latten 
an  Stellen,  wo  der  Feldzaun  durch  eine  Strasse  oder 
Weg  unterbrochen  ist,  immer  von  aussen  nach  innen 
sich  öffnend  und  von  selber  zufallend,  um  das  Weide- 
vieh nicht  heraus  zu  lassen.  Im  Gegs.  zum  Türli 
grösser  und  gröber  gearbeitet,  während  Legi  eine 
Zaunöffnung  vermittelst  verschiebbarer  Stangen  ist. 
Vgl.  den  Flurn.  Gatterwiesen  ZLangw.  Jetzt  noch  in 
den  Alpen,  früher,  vor  der  Stallfütterung,  überall  und 
eine  gewisse  Rolle  spielend,  wie  die  RA.\.  zeigen. 
Auch  in  Grenzzäunen  zwischen  2  verschiedenen  Alpen 
(Alp-G.)  Gr;  vgl.  Schlussgatter.  Syn.  Gatter;  Etter  3; 
Esch-,  Fallen-Tw;  Hurd.  De'  G.  üftue'.  Vorschub 
leisten.  Tür  und  Tor  öffnen  Ar;  L.  De"  G.  zuetue", 
den  Weg  vorsperren,  die  hulfreiche  Hand  zurückziehen, 
ebd.  Df  G.  hät-en  'tröffe;  er  hat  sieh  ungeschickt 
benommen,  sich  eine  Schlappe  geholt  [denn  der  Ge- 
schickte geht  so  rasch  durch,  dass  die  Zauntüre  ihn  nicht 
mehr  trifft].  Die  Bei'  sim-mer  g'gangen  a's  wie  e  G., 
bebten  vor  Furcht  GRPr.  De'  G.  lä"  chlepfe'  (schletze' 
ScHw),  sich  nicht  zu  verbergen  brauchen,  weil  man  ein 
gutes  Gewissen  hat  (mit  dür(f)en) ;  sodann  sich  bemerk- 
lich machen,  gross  tun,  z.  B.  durch  Aufwand  in  Essen 
und  Trinken  Ap;  Gr;  L;  G  oT.,  We.  Was?  Ich  war'  so 
en  Schill fi?  So?  I  dar  de'  G.  ehlepfe'  lo"  's  Land  ue 
und  abe  GEbnat  (Feurer).  In  Ap  ausserdem  auch  = 
sich  nicht  mehr  um  Etw.  bekümmern,  der  Sache  den 
Gang  lassen.  Am  G.  stä',  Almosen  (eig.  ein  Trink- 
geld für's  Öffnen  des  G-s)  fordern  Th;  s.  Sp.  212  s.  v. 
gile';  in  den  Z  Ges.  noch  1757  verboten.  ,Die  fatten 
nichts  destminder  guot  machen,  desglychen  mit  gettern 
zuohenken.'  1474,  Offn.  GTa.  ,Dass  N.  N.  den  weg 
offen  lassen  und  gattern  henken  und  wegen  und  stegen 
solle.'  1528,  Schw  LB.  ,Die  efaden  der  zeigen  sollend 
beschlossen  syn,  es  gange  dann  ein  landstrass  dar- 
durch,  so  muoss  der,  desse  das  guot  ist,  ein  türli  oder 
g.  in  eren  halten.'  Mal.  ,Umb  3  nüw  gätter  und 
Ö  eichin  stüd,  einen  in  die  moswisen  und  der  dritt  in 
die  wisen  under  dem  schloss.'  1567,  ZGrün.  ,Insonders 
[soll]  Hans  g'walt  haben,  in  syner  znnung  klein  ald 
gross  hürd  und  g.  anzehenken.'  1580,  ZNiederwen. 
,Zu  den  Zeiten,  so  man  den  Brüel  einschlagen  soll, 
soll  [der  Weibel]  Türlin  oder  Gätter  allenthalben 
henken  und  anmachen.'  1615,  SchwE.  Klosterarch. 
.Der  gätter,  falder,  clathrus,  cancelli.'  Red.  1662.  ,Das 
Marchenbereinigen,  Gätterhängen,  Ehepfadbeschauen 
liege  den  Hubenvorstehern  unentgeltlich  ob.'  1809, 
ZKüml.  Ein  bewegliches,  einsetzbares  Teilstück  des 
Zaunes  muss  der  ,Runeburger  G.'  gewesen  sein:  All- 
weg [an  beiden  Enden]  z'  churz  wie  der  R.  G.  AAFri. 
{Volkswitz).  —  2.  Gittertüre  an  Gärten.  Häusern,  Hö- 
fen usw.  aus  Holz  oder  Eisen,  allg.  Dem  Ggätterli 
de'  Hof  mache*  für  in  d's  Gärtli  z'  khon,  der  Mutter 


schmeicheln,  um  die  Tochter  zu  gewinnen  Gr.  De' 
G.  vor  der  Türe  si',  eine  untergeordnete  Stellung  ein- 
nehmen B.  De  Vatter  b'schlüsst  [dem  Freier]  Türen 
und  G.,  hält  ihn  gänzlich  vom  Hause  fern.  Usteri. 
Z'  Venedig  am  G.,  s.  Bd  I  833.  .Horchte  wie  ein 
Schwein  am  G.'  UBrägg.;  vgl.  dazu:  .Sy  grinnen  in 
dem  schiff,  wie  die  schwyn,  die  an  einem  g.  stond, 
lydende  pyn,  als  man  sy  spysen  oder  atzen  soll,  so 
sy  gewesen  sind  hungers  voll.'  NSchradin  1499;  viell. 
die  kleine  Gittertüre,  durch  welche  das  Eindringen 
des  Viehs  in  die  Alphütte  verhindert  wird,  sonst 
müsste  man  annehmen,  dass  der  Schweinestall  mit 
einem  Gitter  verschliessbar  war.  ,[Es]  was  ein  grosse 
Welt  für  das  Rathaus  kommen,  doch  was  der  G.  be- 
schlossen, dass  man  Niemanden  yn-  noch  usliesse.' 
1532,  Z  (Mise.  Tig.).  .Der  tischmacher  hat  ein  nüwen 
g.  für  den  keller  gemachet.'  1553.  ZGrün.  (Amtsrechn.). 
.Besichtigung  der  Gattern  [Fallgatter].  Bruggen  und 
Taren  [Tore].'  HHLav.  1659.  —  3.  (Eisen-)  Gitter, 
Flechtwerk  übh.  FJ.  (n.,  m.  dagegen  in  Bed.  1);  GrL., 
ObS..  V.;  Zg;  Syn.  Gätter.  , Grates,  ein  hurd  oder  g., 
es  seie  von  holz  oder  eisen.'  Fris.  ;  Mal.  ,Das  ander 
Bad  ist  mit  Gattern  von  dem  ersten  underscheiden. 
Die  Bäder  werden  durch  ein  Gattern  underscheiden.' 
1578,  Pantal.  (Hess,  Badenf.).  ,Die  liederlichen  Ful- 
belzen  habend  sie  in  Pfützen  g'worfen  und  mit  hul- 
zinen  Getteren  [Übers,  von  crates]  verdeckt.'  JJRijeg. 
1606.  ,Der  Chor  der  Kirchen  ist  mit  einem  hohen 
G.  eingemacht.'  1643,  Absch.  , Crates,  Hurd,  Baren, 
G.  von  Holz  oder  Eisen.'  Denzl.  1677;  1716.  Im  Bes. 
a)  Verschlag  für  Hühner,  Hühnerkäfig  Aa;  ZO.  ;  Syn. 
Hüener-Gätteri ;  Kräze.  ,Den  Tauben  und  Hühnern 
zusehen,  Vögel  fangen,  Käfi  und  Gätterli  machen.' 
Stutz.  —  b)  Sehranke  vorn  und  hinten  an  einem 
Leiterwagen,  damit  das  Gras  nicht  herausfalle  Z;  auf 
Wagen  für  junge  Schweine  B;  S.  Nimm  's  Rittcägeli 
füre  und  tue  's  Gätterli  drüf  binde  für  jung  Sau  dri' 
z'  tue'.  JoACH.  1883.  —  c)  als  Schutz  der  Fenster.  ,Als 
ich  befragte,  warum  alle  Häuser  vor  den  Fensteren  so 
starke  G.  betten,  sagte  man  mir,  dass  die  Naehtdieben 
sich  kecken,  die  Gätter  auszuwägen,  einen  Raub  zu  er- 
halten.' GKöNiG  1715.  —  d)  Drahtgeflecht  zum  Schutz 
öffentlicher  Anschläge,  auch  der  ganze  hiezu  dienende 
Kasten.  Sit  a's  d'  Civileh  ist,  müesnn  'seh -sehn  [sie 
sich]  z'erst  in  d's  G.  tue"  lä'  GrV.  —  e)  Gätterli,  in 
der  Z  Fraumünsterkirche  eine  Abteilung  von  Sitz- 
plätzen, welche  durch  hölzernes  Gitterwerk  vor  den 
Blicken  der  Menge  geschützt  sind;  vgl.  , Kanzel'  von 
cancelli.  —  4.  übertr.  a)  =  Sandgatter,  allg.  De""  ist 
scho"  dur'''  de'  G.  g'jagt  worde',  hat  viel  Widerwärtig- 
keiten, Prüfungen  erfolgreich  durchgemacht  Z.  ,Das 
Erdrich  durch  eine  Hurd  oder  G.  werfen.'  JCSulzer 
1772.  —  b)  in  Sägmühlen  der  Rahmen  aus  Balken, 
in  dem  das  Sägeblatt  auf  und  nieder  geht.  allg.  — 
c)  in  den  Mühlen,  eine  in  den  Rumpf  mündende  höl- 
zerne Rinne  mit  Drahtsieb  zur  Reinigung  des  Kornes, 
welches  auf  den  Stein  fallen  soll  Ap.  —  d)  die  Reihe 
der  Zähne  (scherzh.)  S;  Syn.  Ba/Ie';  vgl.  das  Ho- 
merische ipjto;  öSdvxmv.  —  e)  Vorrichtung,  die  aus 
einander  zu  fallen  droht,  in  Unordnung  stehende  Gegen- 
stände BE.;  vgl.  gattere' ;  dünn  und  schleclit  gewobenes 
Zeug  Ap;  Syn.  RUere'.  —  f)  auf  Münzen.  .Schlechte 
Münzsorten,  nämlich  Rössler,  zwei  Batzen  wert,  mit 
dem  G.'  1521,  Absch.  —  g)  übereilter,  überstürzter, 
unbesonnener  Mensch  (Pup.);  Syn.  Schutz-G.    G.,  böse 


Gat.  get.  Kit,  gut.  gut 


498 


Frau  Gr;  Syii.  Räf.  —  h)  Gätterli  schlüfe"  Av,  Schlaufe" 
Tu,  ein  Kinderspiel,  s.  TTobl.  S.  97;  Syn.  Törli,  Brugg, 
Chettene"  schl.   —  S.  die  Anni.  zu  galten. 

0  f  e"-:  hölzerne  Umrahmung  des  Ofens,  an  welcher 
man  Wäsche  trocknet  Sch.  --  Vogel-:  Vogel-,  meist 
Hühnerkätig,  der  von  den  Händlern  am  Rücken  ge- 
tragen wird  BO.;  Syn.  Chrdze'.  —  Fen.ster-:  Fenster- 
gitter. .F.-Gätterli  an  der  Wetterseiten  von  Eisen- 
draht.- 1770.  ZEüti  (Kirehenbau).  —  Garte"-:  meist 
Dini.  -Gätterli:  kleine  Gittertüre  im  Gartenzaun.  allg. 

—  Henne"-  GRHe.,  Hüener-  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L; 
GA.;  Z:  Hühnerstall  mit  Stabgitter.  Syn.  Hiiener- 
Gäiiter.  Chmmmc.  .Meine  Hemder  sehen  aus  wie  ein 
Hühnerg.'  Gotth.  Us-em  H.  use"  cho",  scherzh.,  wenn 
man  zum  1.  Mal  zu  Gevatter  stehen  niuss  GA.  ,Auf 
der  Pfrund  Blangenhausen  [wo  man  Hangen,  harren 
muss]  hat  Einer  jährlich  an  Kernen  0,  an  Wein  0, 
Haber  so  vil.  als  zu  einem  leren  H.  nötig.'  171'2,  Z 
Pfrundb.  (scherzh.).  —  Hose"-:  Hosenlatz  BS.  — 
Chlepf-  (n.):  eine  von  selbst  mit  Geräusch  (ChlepfenJ 
zutallende  Zauntüre  BsLiest.  (Fluni.);  Syn.  Schlets-G. 

—  ümlegg-:  Rahmen,  der  die  Weberspulen  hält,  von 
welclien  das  Garn  in  den  Zettel  , umgelegt'  wird  Ar; 
Syu.  SpüelihaUcr.  ,Ich  vertauschte  gerne  den  feuchten 
Webkeller  und  den  U.  mit  der  offnem  Werkstätte  und 
dem  Hobel.'  ArHer.  Av.  1810.  —  Miil-:  gittertnrmige 
Vorrichtung,  welche  einem  Tiere  zur  Vornahme  vim 
Operationen  ins  Maul  geschoben  wird.  —  Note"-: 
die  5  Linien  des  Notensystems.  En  Nötegatter  vor- 
Uniere.  Ar  Kai.  —  Bett-.  Bettste  (d.i.  Bettstatt)-: 
Gitterwerk,  bestehend  aus  hölzernem,  mit  dünnen 
Stricken  netzförmig  bespanntem  Rahmen,  auf  dem  der 
Laubsack  ruht  und  der  folglich  das  ganze  Bett  zu 
tragen  hat  Aa;  Z.  .SV  ^j?c/,vr/)^  tm-liliii  i"'s  Bett,  ilass 
(W  B.  chracliet.  Usteri.  Du  inrsi  i,i«l  :tr'  11.  ab 
falle",  Beschwichtigung  Jiiids.  dcT  siih  üln-r  s|iailiclies 
Abendbrot  beschwert,  ebd.;  vgl.  noch  Fön  Bd  1  844 
u.  Laub-Sack.  —  Brugg-:  Gittertüre  einer  Brücke 
Ar.  —  Reit-:  1.  gitterartiges  Werkzeug  der  ,An- 
winder',  hölzerner  Kamm  zum  Aufwinden  des  Zettels 
Ai>;  G;  Syn.  Beit-Chambe";  vgl.  reiten.  De"  B.  hebe" 
[halten],  bei  der  Niederkunft  Hülfe  leisten  (scherzh. 
vom  Ehemann  gesagt)  G  oT.  —  2.  übertr.,  hagerer 
Mensch  Ap.  —  Sage"-:  =  Gatter 4b  L;  Z.  —  Sand- 
ln. Z,  -Gatter  n.  Bs:  ein  Rahmen  von  der  Grösse 
einer  Türe,  mit  hölzernen  oder  eisernen  Stäben  oder 
Drahtgeflecht  versehen,  gegen  welche  zur  Ausschei- 
dung des  Mauersandes  Kies  geworfen  wird ;  s.  Gatter  4  a 
u.  räden.  —  Schassi-  (auch  -Gatter):  Jalousieladen  S. 

Schutz-:  1.  Brett  zum  Aufziehen  und  Herab- 
lassen an  den  Schleusen  der  Wässerungsgraben  BsL. 

—  'i.^Fallgatter  eines  Stadttors.  .Ein  Frow,  von  Ge- 
schlecht ein  Zieglerin,  Hess  [1443,  Z]  den  Schossgatter 
fallen.'  Äg.Tschudi.  ,Das  Sch.  beim  SMich.  Törli'  in 
Zb  bis  in  die  Gegenwart.  Gegen  die  L  Grossstadt- 
seite wurde  im  J.  1478  beim  .Wyghus  ein  Sch.'  an- 
gebracht, da  man  einen  Überfall  von  Seite  der  Wald- 
stätte glaubte  befürchten  zu  müssen.  Liebenau  1881. 
S  für-fällen  Bd  I  761.  ,Die  Spanger  sind  also  mechtig 
uf  die  Costenzer  trungen,  dass  sie  band  müessen  hin- 
der  sich  zum  tar  yn  wychen,  und  wo  sy  den  sch.  nit 
hettind  lassen  abhin  fallen,  so  hettind  die  Spangii 
inen  die  statt  abgelofFen  und  all  burger,  die  ussit  ilein 
gatter   pliben    sind,    band   müessen   den  tod  erlydeii.' 

Schweiz.  Idiotikon  11. 


1548,  Mey.,  Wint.  I'hr.  .(.'ataracta,  ein  seil,  an  einer 
porten  oder  an  einem  tor  einer  statt'  Fris.;  Mal. 
.Schussg.,  Heck,  Cataracta,  hercius,  clathrus.'  Red. 
1662.  .Schutzg.  an  einer  Pforten.'  Denzl.  1677;  1716. 
.Dependentibus  cataractis,  mit  abhängenden  Schntz- 
gättern.'  Vestib.  1692.  —  3.  übertr.  eine  Person,  die 
hastig  und  in  blindem  Eifer  einherrennt  oder  arbeitet 
und  dadurch  leicht  Schaden  stiftet;  auch  übh.  ein 
rasch  aber  unbesonnen  handelnder  Mensch  Aa;  Ai>; 
Bs  (mit  der  Fem.-Form  -ere");  B;  P  (-i  m.);  L;  G; 
Sch;  S;  Th;  Z  .(Pfäif.  Sdiü-);  Syn.  Schutz -Geiss, 
Schutz (U),  Schiess-in-Hag ,  Wind-Haspel,  Geschütz. 
Da  Meidli  ist  en  fürchtige  Sch.,  's  ist  e  Wunder, 
wenn  's  nit  no'''  eniol  's  Hirni  Vrennt  Sch.  ,Er  schoss, 
das  Versäumte  einzuholen,  wie  ein  Sch.  davon.'  Gotth. 
E  Jungs  Sch.  Bs.  Einen  Schritt  weiter  geht  die  Bed.: 
einfältiges  Frauenzimmer,  Halbnarr  SBib.  —  Schutz  = 
Schuss;  schiessen  i.   S.  v.  stürzen. 

Schütze"-:  in  der  Ringmauer  von  Zug.  wodurch 
der  Mühlebach  fliesst.  1763,  Zg  KaL  1875.  -  Mältzc"  f., 
offenes  Kinnsal. 

Schluss-:  =  Gatter  1,  am  Ein-  und  am  Ausgang 
einer  Strasse  durch  eine  .\lp.  ,Die  Schl.-Gätter,  als 
den  obersten  und  die  understen  Gatter,  soll  die  Ober- 
keit  machen,  den  mittleren  G.  aber,  welche  allein  zu 
Underscheid  der  Güeteren  dienstlich,  sollen  die  Be- 
sitzer der  Güeteren,  liadurch  die  Strass  geht,  erhalten.' 
1692,  ScHW  LB. 

Schütte"-:  ein  langer,  altmodischer  Schlitten. 
in  welchem  4  Personen  auf  Stroh  sitzen  und.  unter 
einer  Decke  die  Füsse  gegen  einander,  bequem  fahren 
können  SchwNuoI.  —  Das  Gestell  iles  Schlittens  scheint 
aus  Gitterwerk  bestanden  zu  haben. 

Schletz-:  \.=  Chlepf-G.  Zg.  —  '2.  bildl.  a)  wohl 
mit  Beziehung  auf  die  RA. :  De"  G.  la"  schletze",  heisst 
es  in  ZDüb.:  Das  Hus  heisst  bald  zum  Schi.,  mit  der 
Herrlichkeit  in  diesem  Hause  wird  es  (durch  Konkurs 
usw.)  bald  ein  Ende  nehmen.  -  b)  Person,  welche 
die  üble  Gewohnheit  hat,  die  Türen  heftig  zuzuwerfen 
ZO.  —  Schrätteli-  (n.):  symbolisches  Zeichen  in 
Form  eines  zimmermännischen  Balkengitters,  angemalt 
oder  eingerissen  an  dem  Oberteile  der  Türen  von  Haus 
und  Scheune  zur  Abwehr  von  Zauber  und  Gespenstern 
(Schrätteli)  \x  {Eoahh.).  —  Turpe"-:  I.Gitter,  vorn 
und  hinten  zwischen  die  Leitern  eines  Wagens  ge- 
steckt, um  das  Herausfallen  des  Torfes  zu  hindern  Z. 
—  2.  kleines  Hüttchen  auf  dem  Torfmoos,  in  welchem 
der  Torf  getrocknet  wird  AAEhr.  —  Weid- =  <?(iWfr.3. 
[Der  Aberglaube  meinte]  ,bei  jedem  W.  spuke  ein  Ge- 
spenst' Stutz  1851.  Vgl.  den  Flurn.  Gätterli- Weid 
ZGutenschw.  —  Strasse"-W-:  beim  frühem  Weid- 
gang Gittertüre  über  die  Strasse  in  der  Umzäunung 
der  Viehweide  S.  —  Zehende"-.  ,2  Tändli  zu  Re- 
paration der  beiden  Zehendengätteren.'  1739,  Hotz,  Urk. 
~  Zettel-  (in.)  Aa;  BHa.;  Z,  -Gatter  n.  GRSchams: 
das  der  .Zettelrahm'  gegenüber  stehende,  gitterartige, 
Ge.stell,  mit  den  Spulen  besteckt,  von  denen  die 
Fäden  auf  die  , Zettelrahm'  gezogen  werden,  um  so 
den  Zettel  zu  bereiten;  Syn.  Zettel- Wand. 

gattere":  1.  mit  einem  Gatter  versehen.  .Ein 
fg'lgattiMter  Weg  durch  Ammann  N.'s  Lücken.'  16S:!, 
.'^i  inv  1.1!.  G(e)gatteret,  von  Zeugen,  carriert  GrV.; 
Syn.  i/rhiiset.  —  2.  fusenander-)  aus  einander  klaffen, 
iii.lit  iiH'hr  zshalten,  aus  einander  gehen,  zerfallen, 
:i'2 


499 


Gat,  get,  git,  gi)t,  gut 


500 


von  alten  Gebäuden,  schlechtem  Nähwerk  usw.  BsL.; 
B;  L;  ,SuHw";  Syn.  klotteren,  lotteren.  —  3.  pfuschen 
(von  Wehern)  Ap  ;  vgl.  Gatter  4  e.  —  4.  das  Aufzu- 
ziehende durch  den  Eeit-Gatter  laufen  lassen  Ap. 

Bed.  2,  weil  der  Gatter  meist  ein  loses  Gefiige  ist  und 
als  Zauntor  nicht  fest  anschliesst. 

abe^-gattere":  bes.  als  Ptc.  ahe-g-t,  herunter- 
gebracht, ruiniert,  z.  B.  durch  Katzenjaniiuer  Z. 

er-:  1.  (durch  List)  erhaschen,  erjagen,  erwischen, 
erlangen  Aa;  B;  Th;  Z.  Was  hast  jez  er-r/aUeret? 
was  hast  du  jetzt  davon?  Z;  aufspüren  B.  .Der  find 
ist  hit  also  zue  ergattren,  dis  ylen  tuet  fürwor  nit 
guet.'  VBoLTz  1.554.  , Ander  schreibend  ein  anderen 
list,  mit  welchen  der  drache  den  helfanten  ergattert.' 
TiERB.  1563.  ,[Die  Trabanten],  die  uns  woUtend  erg-t 
han.'  RScHMiD  1579.  ,Auf  mehr  als  eine  Einnahme 
habe  er  hier  doch  nicht  gezählt;  könne  er  mehrere 
e.,  so  sei  es  desto  besser.'  DHess  1816.  —  2.  hart 
mitnehmen,  plündern.  D'  Naelithuehe"  händ  de'  Chries- 
haimi  nacht  recht  ergatteret.  Dc  Herdöpflet  [Kartoffel- 
saat] hat  eiisere'  Mist  recht  erg-t,  den  Miststock  be- 
deutend kleiner  gemacht  Z;  Syn.  er-garteren,  -jätte)i. 
—  3.  rütteln,  Personen  und  Sachen  Zu.  —  4.  durch- 
prügeln, abstrafen  Th;  Z  (-ä-Lunn.).  —  5.  erschrecken, 
in  Furcht  setzen  LG.;  ergatteret,  erschrocken,  verblütft 
Z;  Syn.  ertatteret.  —  6.  sondern,  sortieren,  z.  B.  faules 
und  frisches  Obst  ZMänn. 

Bed.  1  (auch  mhd.)  wohl  Abi.  von  cr-yaiten,  mit  An- 
lehnung an  Gatter,  2  u.  4  folgen  insofern  leicht  aus  1,  als 
dieses  meist  ein  Ertappen  in  feindlicher  Absicht,  als  Resultat 
des  Kachstcllens,  bedeutet.  Bei  3  schimmert  Gutler  wieder 
stärker  durch,  vgl.  ijalUrcn  S  und  , durch  den  Gatter  jagen'. 

5  (auch    schon    mhd.)    natürliche    Folge    des   Überraschens. 

6  dürfte  von   Oattiny  aus  angelehnt  sein. 

ÜS-:  1.  ausfindig  machen  Gl.  —  2.  durchprügeln 
ZO.  —  3.  =  nsenaiid-g.  s.  gattere'  2  „L". 

ver-:  1.  mit  einem  Gitter  einschliessen,  vergittern. 
,Der  laien  kirch  mit  einem  gwelb,  das  war  oberthalb 
ringunib  vergattert.'  Kessl.  ,Der  wyt  verrüemt  winkel 
und  altar  Mari»,  so  man  nennet  Unser  Frow  im  gatter, 
dann  diser  bogen  von  wegen  besunderer  vererung  ganz 
vergattert  war.'  ebd.  ,Vil  Bein,  die  in  der  Kirchen 
in  einem  Gehöl  in  der  Muren  vergatteret  ligend.' 
ECts.  —  2.  a)  aus  einander  fallen,  zerfallen,  bes. 
von  Gebäuden  Aa;  B.  Syn.  verlotteren.  —  b)  aus 
einander  fallen  machen,  zerstreuen,  in  Unordnung 
bringen,  verderben.  Du  bist  e  Schöni,  e"  vergatterete 
Zünstecke"  bist,  e'  dbg'nagte  Säutrog!  Gotth.  .Besen- 
stiele flogen  um's  Haus  nnd  vergatterte  Gabeln  hinten- 
drein.'  ebd.  Vergatteret,  aus  der  Ordnung  gekommen, 
verderbt,  entstellt  Ap;  GT.;  W.  —  3.  verwirrt,  ge- 
lähmt, versteinert  werden  Ap;  TnTäg.  —  4.  refl..  sich 
überstürzen,  hastig,  übereilt  handeln  ZStdt. 

„Gatte rete°  f.:  Gatterwerk. - 

Gatteri  m.:  =  Gatter  4  g  (Pip.). 

Goldi-Gattiker  s.  G.-Epfel  Bd  I  369. 

Gatti(ii)g,  in  ApK.  Gatti  f.:  Gestalt,  Aussehen, 
von  Personen  und  Sachen;  Art  und  Weise,  Manier 
des  Benehmens,  allg..  oft  verbunden  mit  dem  syn.  Art. 
1.  scheinbar  indiiferent  gegen  den  Unterschied  von 
gut  und  schlecht,  doch  mit  prägnantem  Nbbegriff  in 
jener  Richtung.  Es  hat  Alles  e  G.  [sein  Mass],  R.\. 
zur  Missbilligung  einer  Übertreibung  GTa.  G.  hed 
G;  aber  das  hed  keim  GsPr.  —  2.  prägnant,  a)  pos.. 


in  gutem  S.  E  G.  ha',  maclie",  gut  aussehen  Aa; 
Bs;  B;  Z.  Die  g'wichste"  Stifel  madied  g'wüss  e  G., 
wenn  i'''  so  bim  Taufstei'  vorne  stö.  Stutz.  Das  hett 
e  G.,  wenn  en  Herr  ose  im  e  Chaste  z'  rite  chäm.  ebd. 
Was  er  macht  und  baut  und  am  Lib  treit,  het  Alles 
e  G.  Bs  (Spreng).  Einer  Sache  eine  G.  geben,  ge- 
hörige, gefällige  Form  Ap;  B;  Z.  Er  cha"  akir 
[keiner]  Sach  e  G.  ger  F.  Auch :  eine  Sache  plausibel 
machen,  darstellen  Z.  —  b)  neg.,  in  schlechtem  S. 
Kei'  G.  ha",  ohne  Form,  gegen  den  Anstand  sein, 
über  das  Mass  hinaus  gehen  B;  Gl;  Gr;  L;  G;  Z. 
Ir  Kleid  kost  vil  und  ist  doch  kei  G.  drin  Bs.  Das 
ist  doch  one  G.  [schmälend]  B.  Das  [ohne  Halstuch 
gehen]  hat  am  Wlbervolch  kei  G.  Stutz.  Rede',  dass 
es  kei  G.  hat,  unmanierlich,  allg.  Verst. :  kei  Art  und 
kei  G.  ha'  Aa;  Ap  (auch:  ke  G.  ond  ke  Lei);  Bs;  B; 
Gl;  Z.  Das  sei  doch  weder  Bruch  noch  G.  Gotth. 
En<;r^'  Sach  gar  ke  G.  wüsse"  z'  ge',  sie  nicht  zu  ge- 
brauchen wissen  BBurgd.  De"  isch  'nrs  steinigs  Hisi 
mit  Tirnlene'  [Häuschen  mit  Türmchen];  i>''  cha"'-mu 
newe  ekein  G.  ge'  [es  nicht  recht  beschreiben]  BGr. 
Ich  weiss  mi'  Treu  der  Sach  ke  G.  z'  ge'  [sagt  der 
unkundige  Schätzer  bei  der  Inventarisation].  Gotth. 
Kei'  G.  ha'  zuweilen  nur  von  einem  hohen  Grad, 
auch  in  günstigerem  S.  Er  redet  unverschant  schon, 
das'  es  kei  G.  hat  [über  Erwarten  schön].  JJScuweizer 
1830.  —  c)  mit  ausdrücklichen  qualitativen  Bestim- 
mungsww.  verbunden,  in  beiden  Richtungen.  E  gueti, 
bösi  G.  ha",  mache".  Er  macht  e  gueti  G.,  hat  ge- 
fälliges Aussehen,  schöne  Haltung,  allg.  ,Er  hat  e 
g.  G;  formosus  est.'  Id.  B;  aber  auch:  er  hat  guten 
Anstand  BSi.  Auch :  e  Halungge'-,  Schelme"-,  Herre'-G. 
usw.  Gwüss  het  der  Eint  oder  der  Ander  öpjicn  e 
B'kleidig,  dic-n-er  etmangle  cha",  aber  geng  tw  e  gueti 
G.  miech  B  (Bari).  Das  macht  e  städtischi  G.  Usteri. 
Gar  ne  ordligi,  lieimcliiji  G.  macht  das  Dorf  S  (Hofst.). 
's  Wetter  macltt  hüt  kei  schöni  G.  allg.  Allem  e  gueti 
G.  ge'.  Alles  mit  Geschick  verrichten  BSi.  Auch  von 
Xaturanlage  und  Gewohnheit:  I'''  weiss  nid,  wo  das 
Buzzi  [kleines  Kind]  die  G.  her  hed  GrPt.  Er  hed 
eso  die  G.,  das  ist  so  seine  Art  GrD.  Er  hed  i'  dr 
G.,  g  Sach  eso  z'  mache'  Gr.  Aber  auch  von  blossem 
Anschein.  Es  ist  (häd)  die  letz  G.,  die  Aussichten 
sind  schlimm  Z.  Es  hed  kei  G.,  dass  's  besseri  Zite 
geb  UwE.  Es  macht  d'  G.,  es  well  regne'  B;  Z.  ,Es 
hat  nicht  die  G..  wie  wenn  er  in  den  Tag  hinein 
schwatze.'  HPest.  1785.  Hieher  gehört  viell.  auch  der 
eigentümliche  Gebrauch  des  W.  in:  JV'o  [nach]  d'r  G., 
dem  Vernehmen  nach  Ap.  -  ,An  der  frömde  sehend  sy 
[wandernde  Handwerksgesellen]  allerlei  gattungen  und 
was  uf  dem  handwerk  i.st.'  HBull.  1540.  ,Uf  die  g.', 
auf  die  Art,  in  der  Weise,  ebd.  1572.  ,Es  sind  aber 
noch  wol  andere  g-en.  dardureh  das  ei  mag  zurichte 
werden.'  Vogelb.  1557.  , Andere  Kirchendiener  habend 
eigen  g-en  zue  reden,  und  die  lehr  zu  erklären.'  Helv. 
Conf.  1566/1718.  ,Non  est  mentiri  meum,  es  ist  nit 
mein  brauch,  mein  g.  oder  art  ze  liegen,  ich  hab  des 
liegens  nit  gewont.'  Fris.  .Ein  brief  uf  die  tütsch 
g.,  doch  vil  langlechter  zusammengelegt.  1582,  Lt-r. 
1859.  .Sy  wusst  syn  g.'.  kannte  seine  Art.  LLav. 
1584.  ,Ein  jeder  macht  es  nach  seiner  G.  und  Ver- 
stand.' RCys.  ,Eln  Brennoten  auf  dise  G.'  JRLandesb. 
1008.  ,Es  hat  darmit  eine  gleiche  G.  [Bewandtniss].' 
Kriegsbüchl.  1644.  ,Das  Tragen  aller  frömden  G-en 
Hosen.'  Z  Mand.  1680.    , Kleidungen,  frömden  Moden, 


6at,  get,  git,  S'>t.  gut 


r,o2 


üp^iigen  G-eii.'  AKlingl.  1G88.  ,Gewarnet  vor  aller 
lloll'art  und  Pracht,  auch  vor  allen  ussländischen  G-en 
und  Nuwerungen.'  Z  Mand.  XVII.  Users  Behli  sott 
manne",  es  kam  der  Gattig  nö  [dem  Anschein  nach] 
:/)hM  wol  hei"'.  JCWkissenb.  1702.  ,Ist  das  die  alt 
cidgnössisch  G.  [wie  du  gekleidet  kommst].'  1733, 
L  Spiel.  —  Im  Gen.,  aber  tw.  jetzt  adj.  verstanden  und 
adj.  flektiert,  verbunden  mit  adj.  Fron.,  Num.  u.  sogar 
jiron.  Advv.  User  G.  Lüt,  Leute  unsersgleichen.  Un- 
serfsj  G-s  Bs.  Users  G-s.  Hebel.  Ihrer  G.  Lüt.  Gotth. 
Vo'  vege',  wenn  User  G.  [Leute]  Oppis  seit,  .lu  isch 
d's  Wiherrnlch  d'nrirhr.  <■]<,].  Der  <i.  l.fit  sind  all 
i'.sö  Z  (Si,rw.).  .Nichts  (In  t;.-  Cmiii,  Unr.i.illnn.u. 
Dh;j„liniinii  Aiilt.  ,/-,M  Mihh.  ,/-/.,  ir„.ss,T,  ,l-:ii 
Kpfd  Xuw;  Z.  Jlhuct-iiif'-  Gull  foi-  dcrgaHujcr  Re- 
ligion Ö  (Schild).  Öpx^is  der  Gattigs.  BWyss.  Desch- 
[Aes.]-gattig  GrL.,  ObS.,  desg-s,  dergleichen  U.  E  so-n-e 
gattigfe)  [solch  ein]  Chäs  Ndw.  NM  Ase-g-s,  Nichts 
dergleichen  Z ;  vgl.  söttig.  Wele-  und  welergattig, 
fiekt.  und  unflekt..  was  für  Ndw;  z.  B.  welegattig(e) 
ühiis,  w-fij  Nulle,  tv-Cs)  Wasser.  De""  g'seht  scho", 
uas  G-s  [um  was  es  sich  handelt].  Schild.  I"''  weiss 
scho,  ivas  G-s  do  am  Berg  äne"  [was  für  Leute  dort 
wohnen],  ebd.  Me'  g'seht 's  dene  Zwene-n-a",  was 
G-.s.  ebd.;  Syn.  was  Lands.  Beder  G.,  von  beiden 
Arten.  Aller  G.  (für)  Lüt,  allerg-s  Lüt.  Aller  G-s 
nitd  Süesses,  keinerlei  Süssigkeit  BBurgd.  St  zelle  mit 
heitere'  Sinne'  allergattig,  mie's  chunnt  Bs  (Breitenst.). 
Und  ha  so  denkt  an  Allerhand  und  A.  überleit  Bs 
(Probst).  Guets  ond  Schö's  hed  's  Allergattis  Ap 
(Lutz).  AUatargattig  [aller  der-]  G'schicht'<n  Gr.  ,Es 
waren  sich  da  zweier  G.  Leute  gegenüber.'  Gotth. 
Keiner  G.,  keinerlei;  dagegen  adv.  =  in  keiner  Weise 
Bs.  Er  hat  d's  Wibli  kei'r  G.  g'tvurschet  [verletzt] 
g'häben  BSa.  ,Der  gauklerzeug,  allerlei  g.  mit  leibs- 
üebungen  und  lüftsprüngen.'  Mal.  ,Sy  und  ir  ewirt 
warend  nienen  einer  g.'  CLav.  1584.  .Schindlen  aller 
G.'  Würz  1634.  ,Weil  der  G.  [Eichen  zu  ,Stüden'] 
vorhanden  wären.'  1638,  Hotz,  Urk.  ,Alle  Tag  sahen 
sie  der  G.  Zeichen.'  FWyss  1655.  , Zinnin  und  ander 
G.  Geschirr.'  1659,  SchwE.  Klosterarch.  ,Derlei,  der 
G.,  dergleichen,  hujus  modi,  similiter.'  Eed.  1662. 
.Für  allerhandgattigen  üngenampten  oder  Wurm  der 
Itossen.'  ZZoU.  Arzneib.  1710.  .Allerhand  G.  Holz.' 
1T:!9,  Hotz,  Urk.  -gattig  mit  vorgesetztem  Subst.  od. 
.^dj.  i.  S.  V.  ,-artig',  z.  B.  chnopf-g.,  knirpsartig,  zwcrg- 
haft  GrD.;  zwilchen-g.,  nach  Art  von  Zwilch;  swille-g. 
(/'?(■()&«"  L;  Üyn.  zwillewls.  Mittel-g.,  mittelmässig  Ap; 
Bs;  U;  Z. 

Fehlt  mhd.  Grundbed. :  Yerbindung;  das  Verbindende, 
Zsbaltende,  Gemeinsame  (in  der  äussern  Gestalt),  dann  diese 
selbst,  woraus  sich  alle  weitere  Bcd.  leicht  entwickelt.  Eigen- 
tümlich und  z.  T.  schwierig  ist  nur  die  in  der  Verbindung 
mit  Fron,  waltende  Construction,  resp.  der  teilweise  Über- 
gang aus  einem  syntaktischen  Verhältniss  in  eine  Zssetzung, 
welche  dann  auch  der  Flexion  föhig  wird  und  sogar  den 
Schein  eines  Mask.  oder  Ntrs  annimmt:  Den-,  wan-,  umer« 
(IrutigK.  Durch  den  Gleichlaut  der  End.  -ig  (aus  -ung)  mit 
dem  adj.  -ig  entstand  der  Schein  eines  Adj.  -gattig,  von  dessen 
Xtr.  dann  die  End.  »  auf  das  Subst.  übertragen  wurde.  Es 
ist  aber  klar,  dass  jenes  -gattig  von  dem  unten  folgenden, 
vom  Vb.  gatten  abgeleiteten,  gleichlautenden  Adj.  ebenso  ver- 
schieden ist,  wie  das  in  Zss.  vorkommende  -artig  von  dem 
selbständigen  artig  Bd  I  476.     S.  übh.  noch  Art. 

U(n)-:  schlechte  Figur  Ap.  Übermass.  E.i  hrd 
en   U.,  übersteigt  das  gewöhnliche  Mass  (iKl>..  l'r. 


Mittel-:  mittlere  Art,  Mittelschlag  L;  Z. 

Scham-.  ,lch  dacht:  das  ist  gwttss  tüfels  ge- 
spengst,  die  schamgattig  du  nit  kennst.  Nun  ist  es 
jedoch  nit  ein  tronm.'  Salat.  —  Scham  viel),  verschrieben 
für  Schein,  Larve,  das  allerdings  sonst  nicht  Schweiz,  ist. 

gatthaft:  von  gutem  Ansehen.  z.B.  von  einem 
Rind  ZWäd. 

gatt-ig,  -lieh,  -lig,  -li  Aa;  B;  L;  „VOrte;"  nur 
-lieh  GWa.;  SBech. :  1.  wohlgestaltet,  schön  geformt, 
gefällig,  artig,  hübsch  Bs;  B;  ZF.  Es  gattfljigs  Meitli 
fMritxrhi)  Aa;  B.  Gattigi  Ärmli.  Hebel.  ,Gattlich, 
('\iiiii:i  (niiiia,  ingenua  facie  praiditus.'  Id.  B.  Sei  gattli 
sicnih  MixNicH.  Das  gattUge,  sufer  g'mölte  Wägeli. 
SiiuLD.  -  2.  artig  im  Benehmen,  anständig  B;  L; 
„sittsam,  gefällig,  angenehm  B;  VOrte;  Z";  verträg- 
lich L.  Von  Kühen:  gutartig  GrLuz.  (gadli).  Von 
Sachen:  schicklich,  passend  Bs;  ZF. 

Das  Adj.  ist  der  ä.  Spr.  fremd  und  nhd.  erscheint  nur 
mit  Umlaut  .gätlich',  ,getlich',  auch  in  der  Bed.  ,bequenr, 
welche  für  unser  W.  nur  Stalder  angibt.  Vgl.  ge-ichlachi : 
Geschlecht. 

a(n)-:  gewandt,  geschickt  GWa.  Syn.  anstellig, 
angeschirrig,  ankerig,  handlich,  gleitig,  alert.  —  Zum 
Vb.   ,angattigen'. 

u(n)-  unkattig  (d.  h.  ungeg.)  ZDättl.,  F.,  u'gattig- 
lich  F :  1.  Gegs.  zu  gattig  1,  missgestaltet,  unförmlich, 
unschön,  von  Menschen,  Tieren,  Kleidern,  Geräten. 
Häusern  Aa;  B;  F;  G;  Z;  eine  schlechte  Figur  ma- 
chend Ap.  En  u-e  Bock,  der  schlecht  steht  AAZein.; 
Bs.  U-e  Hand,  z.  B.  geschwollene  B.  —  2.  Gegs.  zu 
gattig  2.  a)  von  Menschen  und  deren  Benehmen: 
unartig,  unhöflich,  ungesittet,  unanständig,  roh,  grob 
Aa;  Bs;  B;  Gl;  L;  GF.;  Z.  Das  Meitli  war  nüd  u. 
(i.  S.  V.  1),  aber  es  tued  u.  Ap;  GEh.  Auch:  unge- 
horsam Bs;  widerspenstig  Z.  Störrisch,  unlenksani, 
von  Menschen  und  Vieh  Bs;  Z.  —  b)  vom  Boden: 
schwer  zu  bearbeiten,  von  Steinen:  schwer  zu  fügen 
ßs;  Z.  —  c)  vom  Wetter:  unfreundlich,  garstig  Bs. 
—  d)  von  Sachen:  unbequem  BSi.  —  3.  ungeschickt, 
,unanstellig'  Aa;  G;  Z.     Syn.  ungeschlacht. 

gattige",  in  B  gattliche':  1.  tr.  in  Ordnung,  ins 
Reine  bringen,  reihen,  ordnen.  Form,  guten  Anstrich 
geben  B  tw.;  VOrte ;  Z.  ,In  pulchrum  ordinem  redi- 
gerc  Id.  B.  Er  cha"  's  nüd  g.,  er  kann  sich  nicht 
massigen  in  Äusserung  von  Freude  und  Leid  Ap. 
„Wohl  aussinnen,  ausrichten  B;  VOrte;  Gr;  Z."  Zur 
Ordnung  weisen,  zähmen,  züchtigen  BSi.;  „VOrte; 
Gr;  Z.-  .Si-iiimlarius  concinnat  setacea,  der  Bürsten- 
binder irattiyct  (machet  zusammen)  Bürsten.'  Vestih. 
16H2.  .('■■iiriiniaie.  zusammenfügen,  gattigen.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  2.  intr.  a)  Gestalt  (resp.  gute,  bessere) 
bekommen,  schöner  werden,  von  Personen  und  Sachen. 
B;  VOrte.  Refl. :  Es  wird  si'''  seho'  no'''  g.  AaF.,  Fri. 
Auch:  „gute  Sitten,  Manieren  annehmen  B;  VOrte.'- 
, Alios  mores  et  formam  induere.'  Id.  B.  Ein  Mass  haben. 
Es  g-t  gar  nüd,  ist  unter  aller  Kritik  GTa.;  Syn.  kei 
Gattig  ha".  Do  isch  es  gange",  's  hei  nüd  g'gattigcl 
[es  gieng  schrecklich  zu]!  Merz.  —  b)  sich  füsren. 
schicken  AAZein.  Mit  Eim  g.,  sich  verständigen. 
Gotth.  Das  verfüert  mir  die  Angere,  das.1  fascli  nit 
me''  mit-ne  z'  g.  [auszukommen]  isch.  MWaldkn  1S8I. 

ab-:  1.  ein  Geschäft  abtun;  bes.  Bienstleuten  den 
Lohn    ausrichten:    mit    ihnen    abrechnen    .'\ a  :    l!Hk.; 


503 


Gat,  get,  g'it,  got,  gut 


504 


Syn.  abschaffen.  —  2.  „derb  ausschiinpfeii.  abprügeln.'- 
Syn.  äs-g.;  vgl.  gattiijen  1. 

a''-gattige":  gcscliirkt  aiifassi'ii .  an  die  Hand 
nehmen,  anordnen,  aiist.dlcn.  .iiili-iti'ii.  einrichten,  ein 
Geschäft,  Werk  Aa:  Ai';  Ks;  Ul;  Ou  ObS.;  L;S;Uw; 
U;  Z.  Er  weiss  NM  wz'g.  8yii.  an-reisen,  ange- 
schirren;  zeweg-g. 

ÜS-:  l.  =  an-g.l  „B;  VOrte;  Gr;"  Z.  —  2.  mit 
Jmd  Abrechnung  halten,  sich  vergleichen  BO.  — 
3.  „=  ab-g.  3;'  auch:  ausfoppen  W.  —  4.  ausforschen, 
-kundschaften  Gr.  —  Bed.  4  erinnert  an  Gattiti  i.  S.  v. 
Gerede,  Gerücht,  Anschein;  doch  vgl.  auch  au-ij.   1. 

ver-:  eine  Sache  ins  Reine  bringen  BHk.  Vgl. 
gattigen  1,  ab-g.  1. 

zeweg-:  anordnen,  -schicken,  -reihen;  wohl  aus- 
sinnen, -richten  „B;  VOrte;  Gr;"  Z. 

g'gattiget:  von  schöner  Form  und  Ge.stalt,  ge- 
fällig Z.  —  un-:  formlos,  unschön  Z. 

higattme":  zsratfen,  -scharren,  an  .sich  ziehen, 
aufsuchen  W. 

Scheint  eine  Entstellung  von  mhd.  beijuten,  erreichen, 
verschaffen,  mit  der  in  dem  Stamm  ijai  urspr.  liegenden  Bed. 
,vereinigen,  sammeln'  und  einem  viell.  aus  gadmen  od.  einem 
ähnlichen  W.  eingeflossenen  m. 

Gattung  f.,  Dim.  Gattungi,  -üngi;  Tüngi,  Tüngeli; 
Gatti  n.:  Katharina,  Käthchen  B;  Th;  Z.  —  Frz.  Caton. 

gättele":  Form  haben,  in  Ordnung  sein.  Es 
gättelet  notnme"  =  es  häd  e  ken  Ard  und  ke  Gattig  Ap. 

—    Dim.   zu   rjatt(itj)en. 

guten:  rülpsen  [?].  ,[Nach  dem  Genuss  der  Gift- 
pflanze Doryknion]  tuet  der  mensch  nicht  dann  günen 
und  gäthen,  darnach  höschen,  speuwt  bluot  und  wider- 
gibt die  speis.'  Tierb.  1563.  iMfiir  in  d.T  Frankf. 
Ausg.  von  1669:  ,nichts  dann  giincii  und  lülzcn,  dar- 
nach rauzen  oder  husten.'  Die  lat,  \orlage  des  Scri- 
bonius  bietet:  ,Dorycnii  potus  singultus  crcbros  facit 
et  vomitus  frequenter  concitat'. 

gättene":  springen,  rollen  (von  kleinen  Tieren  und 
Gegenständen)  BLenk;  vgl.  gätteren. 

Gatter  n. :  eisernes  od.  hölzernes  Gitter,  meist  vor 
einem  Fenster  oder  einer  andern  Öffnung,  auch  als 
Verschluss  oder  Käfig  Aa;  Bs;  B;  Gl;  Gr;  L;  Sch; 
ScHW;  S;  Uw;  W;  Zg.  Eisernes  Gitter  im  Unter- 
schied vom  hölzernen  Gatter  „B;  L;"  Sch;  „Ze." 
Hieher  viell.  auch  Gatter  3  e.  Hinder  Mur  und  G. 
[im  Gefängniss]  Schw.  D'  Frau  Meise  d'rin  im  G. 
jetzt  nimvie  pfife  mag  Bs.  ,üie  pfäl  schlachen  und 
die  g.  [den  Rost]  legen,  daruff  die  wasserkilchen  stät' 
Edlib.  ,Er  sieht  durch  die  fenster  und  g.  ,Syn 
muoter  sach  dureh's  g.'  1531,  Bis.  ,Kefl  mit  roren 
underscheiden  [abgeteilt]  wie  ein  g.  gemacht.'  Vogelb. 
1557.  .Circumdati  cancelli  hoinini  improbo,  er  ligt 
in  einem  g.  verspert.  Clathris  claudere,  cancellare, 
vergatteren,  versperren,  mit  g-(en)  umbgeben,  bewaren 
oder  beschliessen.  Transenna,  g.,  so  man  für  [vor] 
etwas  machet,  begätteret  (ge-g.)  fenster.'  Fris.  ;  Mal. 
, Zucht  mit  einem  Höggle  durch  das  Yseng.'  Cvs.  ,A11- 
gemach  wird  der  Herr  hinder  der  Wand  sich  herfür 
lassen,  durchs  G.  sehen.'  FWvss  1650.  —  S.  die  Anm. 

zu    Gitter. 


Hüener-:  =  H.-Gatter  AAFri.;  Bs. 
hölzernes    Gitterwerk     vor    den    Galle 


Pfaffe»-: 
1    in    kath. 


Kirchen ;   an   Fenstern.  Lauben,  Gartenkabinetten    B. 

—  Mösch-Drät-:  Messingdrahtgitter.  ,l)ie  Chor- 
fenster mit  M-n  gut  zu  versorgen.'  1781.  SchwWoH. 
(Kirchenbau). 

gättere"  1:  1.  in  den  RA.  g.  lä",  der  Sache  den 
Lauf  lassen  Z  (Spillni.);  Syn.  letteren;  de*  Gatter 
schletze"  lä:  —  2.  Ptc.  g'gätteret,  gegittert,  bes.  vom 
Dessin  von  Zeugen:  carriert  Uw;  W;  Syn.  g'hüset, 
g'spieglet.  Gigättrnti  Wolche",  gitterartig  durchbrochene 
Wolkenbildung  W;  Syn.  gelocheret ;  g'schäflet.  ,Reti- 
culatus,  gestaltet  wie  ein  netz,  gegätteret.'  Fris.;  Mal. 

ver-:  vergittern,  mit  einem  Gitter  abschliessen, 
verwahren  Bs.  ,Henni  und  Hans  Benz  band  alle  irü 
rücht  in  unser  frowen  Cappel,  als  ferr  du  selb  da 
vornan  vergättret  ist,  ufgeben,  also  dass  sy  in  dem- 
selben vergättreten  teil  nüt  rechtes  mit  keiner  begrebt 
haben  sond.'  1400,  TnDiess.  Stadtr.  ,Etlich  fenster 
im  büchsenhus  ze  v.  mit  möschinen  träten.'  1527,  B. 
.Die  beien  in  den  kernenkammeren  nüw  ze  v.-  1555, 
ZGrün.  Amtsr.  ,Mit  steinen  oder  holz  vergatteret 
[soll  das  Taubenhaus  sein].'  Vogelb.  1557.  ,Begättert 
fenster.'  Mal.  ,Das  vergättret  frauenbad.'  1578,  Pantal. 
,Um  das  öberist  vergatteret  g'halt  uf  das  g'wandgän- 
terli  5  fl.'  1611,  L.     Vgl.  vergatteren. 

Gatte ri  f.:  im  allg.  =  Gatter  u.  Gatter.  1.  Gitter, 
Vergitterung  aus  Draht  od.  Flechtwerk  Aa;  L;  ZKn., 
auch  Käfig  Aa.  ,Modica>  fenestollae,  kleine  fen.sterle 
oder  gättere.'  Fris.  ,Die  gättere,  reticuli  e  nervi.s.' 
Mal.  ,Dem  tischmacher  umb  einen  tisch  sampt  6  fen- 
ster gäteri  zu  machen.'  1591,  Schnecken  Z.  ,Er  ligt 
begraben  im  Crüzgang  neben  der  Gätteren,  so  an  die 
Trotten  im  Schenkhof  stosst'  c.  1620,  Z.  ,Die  Gätteri 
ob  dem  Sigsternen  beim  Wasserstein.'  1705,  Z  Gerwer. 

—  2.  =  Gatter  1.  ,Neben  der  ackerlüten  hüs  enncnd 
der  g.'  1499,  AAZof.  (Jahrzeitb.).  , Durch  eine  andere 
Weide,  die  G.,  nach  dem  Kaülbett'  1798,  G.  —  3.  Das 
Eisengitter,  das  in  kath.  Kirchen  den  Chor  vom  Schilfe 
trennt  L.  ,Die  püntischen  giengend  [in  der  StLaurenz- 
kircho  zu  StGallen]  ufhin  zuo  dem  altar  und  hieltend 
inderhalb  der  g.  einen  rat.'  Vad.  —  4.  vergittertes 
Gefängniss,  z.  B.  Käfig  wilder  Tiere.  ,Leo  e  cavea 
missus,  aus  der  hüle  oder  gättere  gelassen.'  Fris.  Bes. 
eine  in  die  Erde  angebrachte,  mit  einem  eisernen 
Gitter  (Gütleri)  verschlossene  Vertiefung  als  Gefäng- 
niss auf  kürzere  Zeit.  ,Kurz  vor  der  Glaubensver- 
besserung war  das  Schwören  und  Gotteslästern  unter 
der  Jugend  so  im  Schwange,  dass  der  Rat  befahl,  die 
G.  zu  StPeter  solle  wieder  zugerüstet  werden.  Nach 
Einführung  der  Reformation  wurde  gegen  Schwörende, 
falls  sie  den  Erdkuss  verweigerten,  die  G.  durch  den 
Grossweibel  angewandt.'  Z  Gem.  .Ähnliches  wird  aus 
AaL.  um  1600  berichtet.  ,Dass  die  schueler  von 
schmachreden  abstandind,  oder  man  werde  die  über- 
tretenden unter  die  G.  legen.'  1580,  Z  Ratserk.  ,Die 
jungen  Knaben,  ob  sy  sich  g'lusten  lassen  wurdend 
zu  spilen,  werdend  mit  der  Zuchtstuben,  G.  oder  um 
Gelt  gebüsst  werden.'  Z  Mand.  1650.  ,Halsstarrigc 
Buben  und  Meitli  sind  entweder  unter  die  Gattern  zu 
stellen  oder  durch  den  Schulmeister  in  dem  G'meind- 
haus  mit  Ruten  schwingen  zu  lassen.'  169'2,  Z  Ar- 
inenber.  In  ZStdt  war  die  G.  bei  der  Kirche  von 
StPeter,  in  den  Landgemeinden  (so  in  Wetzikon  1683/91, 
in  Bäretsweil  bis  c.  1819)  ebenfalls  bei  der  Kirche; 
vgl.;   ,ln  die  unter  dem  eisernen  Gegitter   unter  dem 


505 


Gat,  get,  git,  got,  gut 


Eingang  in  den  Kirchhof  befindliche  HöMung  sperrte 
man  beim  Kirchengehen  Sonntags  Diejenigen  ein,  welche 
siih  auf  den  Äckern  ihrer  Nachbarn  an  dem  Eigentum 
derselben  vergritlen  hatten.'  1780,  ZGossau. 

Ise"-.  .Eine  neue  I.  bi  StJoders  Altar,  die  Dieben 
abzuwenden.'  I(!4r0,  LNeud.     Vgl.  Gätteri  2. 

Hüener-:  =  H.-Gatter  AaZ.;  L.  Es  ist  e  frümde 
Giiggel  i"  d'  H.  cho".  L  Volksl.  Zug  wie-ne  H.,  weit 
und  dünn  gewoben  L.  Wenn  man  es  beim  Kaiserspiel 
nicht  auf  10  bringt,  i.st  man  /  der  Hüenergätteri  L; 
Syn.  ivi  Sack. 

gätterig:  gitterig.  locker;  g.  lisme',  mit  weiten 
Maschen  stricken  Bs. 

gätterle":  in  Gitterform  bringen,  carriercn,  meist 
als  Ptc.  g'gätterlet,  carriert,  vom  Dessin  von  Zeugen 
Aa;  Gr;  L;  G;  Sch;  Z;  Syn.  g'güterkt. 

ver-:   vereiteln  GWe.  —  Vgl.  ver-gatii-ren. 

düre"-:  durchhecheln.  A.  Was  tcitt  du  aWi prale", 
wott  [da  du  doch]  no'''  gar  niene  hiclw"  bist.  B.  Du 
brachst  mi'''  gär  nüd  düre-z'g.,  bin  i"''  nüd  27  Woche 
z'  Biel  iiin,,  g'si'?  Gr  Kai.  185Ö. 

gätterli'^''   tue':    toben,    schelten    GlK.    —    Vgl. 

4inttrrU-Iäu/hj,    ausser    sich,    und    ergatteren. 

güttere"  H:  1.  herunterfallen,  -rieseln,  von  einer 
Menge  kleiner  Gegenstände,  z.  B.  Früchte  von  den 
Bäumen,  Steinchen  an  einem  Bergabhang  BE.;  Syn. 
tatteren;  vgl.  giittenen. 

„Gautel  m. :  Ausgussröhre  einer  Kanne  BSa." 
Syn.  Gonggen,  Zauggen.  —  Viell.  aus  Gnuygel  II. 

gäntere":  sieh  müssig  herumtreiben,  fröhlich 
herumschwärmen,  zunächst  von  Kindern;  in  tadelndem 
S.  von  Erwachsenen:  herumfahren,  nie  zu  Hause  sein 
BE.     Abi.  „Gäuteri  m.  u.  f.- 

gett  s.  gelt. 

GsHe"  (Ge'tli,  Dim.)  AaF.,  Fri.;  LG.;  G;  SG.;  Schw; 
Uw;  U,   Ge'tere"  B,   GC-'rte»  II   BChasseral;  GRh. 

—  f.:  Überstrumjif,  Kamasche.  Oh  dj  [du]  <iin  Papali 
II  if  chöimist  d'  Getere  iHiie".  Gotth.  Syn.  Stifel,  andere 
s.   bei   Fink  Bd   I   SH9.    —    Vr?..  guetrv  f. 

Get  er  s.  Gerter. 

Hell-.    Herr-,    Cher(n)-G(}te''   s.  Kern-Gerte^. 

geitele":  schwanken,  schaukeln,  z.B.  ein  schmaler, 
langer  Steg  geitelet,  wenn  man  darüber  schreitet   W. 

—  Dim.  zum  folg.   W. 

gelte",  geitle"  (geitju):  auf  und  nieder  schau- 
keln, wiegen,  auch:  sich  wippen  W;  Syn.  geigen 
S]i.  147,  (gi-)geize",  reitclen,  g'wäggen:  andere  s.  bei 
gUiampfen  Sp.  319. 

„Gelte"  f.:  Schaukel.  Wippe  W." 

Gciter  s.  Gerter. 

Glt,  in  Bs;  BSi.;  FM.;  GSa.,  T.;  Zu.,  Wl.  Git,  in 
Ai'K.  Girt  —  m.:  1.  Geiz,  Habsucht,  allg.  De'-  G. 
frisst-en  no'''  Av;  Z.  Wenn  Türen  knarren,  so  .sagt 
man  scherzweise:  si  hei-ech  [halten  euch]  d'r  G.  für 
FMu.  Sprww.:  De"^  G.  hat  kein  Bode".  Sülg.  Alli 
Laster  neme'd  mit  der  ZU  ah,  nw  de"-  ß.  und  's  Lüge" 
nid.  ebd.  ,Timotheus  spricht,  in  diser  zyt  kein  böser 
Wurzel  sy  dann  g.'  Gengenb.  Die  Leutpriester  und 
Seelsorger  sollen  sich  nicht  ,uf  den  gyt  logen',  sondern 
die  Sakramente   unentgeltlich    siienden.    V)2t>.  Ahscm. 


.Der  wird  kein  christ  syn,  der  dem  gyt  dienen  wird: 
welcher  gytz  kostliche  rych  umbracht  hat.'  Zwingli 
152().  ,Gyt'  heisst  einer  der  ft  Teufel  im  L  Heiligen- 
spiel von  1549,  ein  anderer  ,nyd'.  ,Ae.stuat  in  aurum. 
er  brünnt  vom  gyt.'  Fris.;  Mal.  ,Die  Furgesetzten 
[haben]  auf  ihren  G.  und  zeitliche  Ehr  gesehen.' 
1585/18'28,  ApI.  LB.  —  2.  Eifersucht,  Wetteifer,  Neid. 
Missgunst.  (Andern)  z'  G.  arbeiten,  laufen  usw.  GkI).. 
ObS.  Ebda:  z'  G.  (in  Aa;  BHk.;  VOrte;  Gl;  Z  »// 
de'  G.,  in  Z  tw.  uf  G.  hi«,  in  S  über  "e'  G.  ine,  in 
GnChur;  ZSth.  i"  de'  G.  ine»)  (frjesse",  d.  i.  mehr  als 
man  zur  Stillung  des  wirklichen  Bedürfnisses  bedarf, 
den  Andern  vorweg.  —  3.  Emsigkeit  W. 

Mhii.  git.  Die  (aus  dem  Vb.  gizen,  d.  1.  gU(c)m\,  er.st 
später  entstandene)  Form  ffjz  bei  uns  wohl  erst  aus  der 
Büeherspr.  tw.  neben  Uu  eingedrungen.  Eiuschiebung  von  i- 
nach  langem  Voc.  in  Ap  nicht  selten. 

Er-:  wie  nhd.  ,E.  und  Flöh  springen  gern  in  die 
Höh.'  Ineichen.  .Eigner  nutz,  eergyt.'  ThFrickart 
1470.  ,Eergeit.'  Z  Bib.  1531 ;  JJBreit.  1629.  ,Ehren- 
geit.'  VTscHüDi  1533.  , Eergyt.'  HsvEüte  1546.  ,Ehr- 
geit,  Geltgeit.'  JJMüll.  1665.  -  In  diesem  nicht  volks- 
tümlichen Comp,  ist  die  Form  mit  z  vorwiegend. 

Ver-:  Missgunst,  Neid,  Eifersucht  GrD.  —  Nach 
dem  syn.    Veryunut,   Missguust. 

„Gu  et-:  Habsucht  L."  ,Die  Regenten  sollen  nicht 
durch  Hotfart,  Ehr-  und  Gutgeiz  das  Glück  in  Unglück 
verkehren.'  Lindinner  1733. 

gite"  (gir- kvK.,  ge'ide' i^Dw) :  geizig  sein,  knau- 
sern, allg.  G.  und  spare'  ist  zweierlei.  Stutz.  S.  n.icli 
hochfarten  Bd  I  1033.     Davon  Giti  m.  -  Mhd.  gur,,. 

Giter  m.:  Geizhals,  Knauser  Ap;  Gl.  De'  G. 
mues  en  Güder  ha-Z;  vgl.  Sp.  125.  Syn.  Glt-fGjnäpper, 
-Hund,  -Hödli,  -Kragen,  -Sack,  -Tschöpen,  -Wurm, 
-Wuest;  Gltli'g.  —  Giteri  f.:  Knauserei  Ar.  —  Gi- 
terich,  -ig  m.:  Wucherer,  Geizhals  GTa.;  ZBauma. 

gitig  (jrtij  B  oAa.) :  1.  geizig,  habsüchtig,  begehr- 
lich. MHe  [je]  älter  wie  [desto]  g-er.  L  (Ineichen). 
Er  ist  g.,  er  nimmt  bis  a'  d'  Hell  [Hölle]  zueche  UwE. 
.Künig  Albrecht  was  g.  nach  guot.'  Z  Chr.  13;'.6/H4(i. 
.G.,  eigennützig  missbrüch.'  1546,  Z  Beitr.  ,Ein  g-e, 
untrüwe  rottung.'  Ansh.  ,[Er  war]  g.  über  guet.- 
BossH.-Goldschm.  ,Die  geitigen  alten  leut,  die  sich 
selbs  nit  mögen  essen  sehen.'  Tierii.  1503.  .Restrictus. 
avidus,  häbig,  karg,  kündig,  härb,  gj'tig  oder  geizig.- 
Fris.;  Mal.  ,Geitige  Priester.'  FWyss  1650.  Auch 
ohne  Übeln  Nbegrift':  haushälterisch,  sparsam  LG.  — 
2.  gierig,  in  Essen  und  Trinken  AAZein.;  Bs;  GrL., 
Pr.;  LHorw.  Schutt'  [den  Kattee]  nit  so  g.  inne! 
S.  Git  2.  Auch  vom  Rauchen:  Druf  so  längt  er  in 
Sack  und  steckt  mit  g-e  Züge'  si  Cigarre  a".  Bkei iknst. 
[Die  Kinder],  wo  s*  d'  Pümper  [Taschen  |  g.  g' füllt  he»d 
(fhd".  —  3.  emsig,  fleissig,  arbeitsam  AaF.;  L.  /;■  sind 
g.!  oder  sind  er  g.?  Gruss  an  Arbeitende  AAW(dil. 
K»  fiVf  Set-er,  e'  g-e  I'stiie-er.  ti.'im  Pflanzen  von 
BäunO'U  I,  |Illr;,li,Ml").  'Mv  ,1'  M.n<l,rn-  rrrlil  //«>■/(//. 
g-i  L„l  ^111,1.  ,,,,■„  ,lrhr,wv  l>l,hi,l  „>„l  ..l,.ii[„l  I.Hcr.ini. 
Auch:  rasch,  s,linell,  tlink  im  Arbeiten.  Laufen  LScmp. 
Syn.  gleitig.  —  Mhd.  gtiec  iu  Bed.  1.  ,üBitig.-  Bib.  1.">:J1; 
,gytzig.'   Man.;  Vad. 

er-:  ehrgeizig.  ,Hochfertig  und  eergytig.'  LkoJiui. 
.Aman,  das  beispiel  eines  e-en  tyrannen.'  Z  Bib.  1560. 
,Ambitione  laborare,  ergeitig  sein.'  Fris.;  Mal.  .Eer- 
gytig.-  KUkükR   1000.    —   Mhd.  er(eu)-gUt<: 


507 


Gat.  get,  git,  got.  ^iit 


ver-gitig:  niissgünstig,  neidisch  GrD.  :  ZU.; 
s.  Ver<ßt.  —  1er-.  ,Lergeitig,  der  sicii  mit  lesen  nit 
crsettigen  mag,  heluo  librorum.'  Mal. 

gitige":  geizig  werden  BKirchb. 

Gitigi  f.:  geiziges  Wesen  Ap;  GrI>.  ;  Z. 

Gltigkeit.  ,G.  die  recht  verkert.'  Gengenh.  Das 
W.  auch  bei  Jdstinger.  u.  Ansh.   —  Mhd.  tfitrl-eh. 

Er-:  Ehrgeiz.  Kessl. 

gitle":  ein  wenig  geizen  Ap.  —  Gitler.  ,Ein  g.. 
wuocherer,  spiler'  usw.  1525,  Egli,  Act. 

Gitli°g  Glrtli  m.:  Geizhals  Ap. 

gitli"ge":  Adv.  Z'  tfitlige'  esse',  gierig.  Andern 
Nichts  gönnend  GRMal.  -  Im  S.  v.  Gii  ;>  gebildet  mit 
helieliter  Adverbialend. 

Gitter  n.:  wie  nhd.  allg.  ,Ochosias  ist  von  dem  ge- 
gitter  [Fenstergitter]  elendiglich  gefallen.'  LLav.  1587. 
,Ich  sehe  dieses  nur  als  durch  ein  Ge-g.-  JJUlr.  1731. 

(Ge)-cjUta-  verhält  sich  zu  dätitr  wie  .Gebirg'  (ahd.  -fii- 
heragi)  :  ,Berg' ;  das  i  erklärt  sich  durch  Einfliiss  der  neutr. 
End.  eines  nrspr.  Gi-gütari;  das  ursjir.  i"  ist  ia  der  Form 
Gatter  uumittelbar  erhalten. 

S  c  h  i  j  e  1  i  - :  Gitter  verschlag  aus  Zaunstäben  (Scheieli) 
B.  So  hei-mer  de"'  üppe"  en  ä''hissne  Öpfel  dür''-  d's 
Scheiehgitter  uf  eiii  Hurd  i'  eiie  Cheller  iibere'  g'schmisse. 
Bari   188;!. 

.Gitterete"  f.:  Gitterwerk. " 

Gitteri  f.:  Gitter.  Ap  Kai.  1817. 

gietig:  von  Wunden,  entzündet,  brandig,  vergiftet, 
geschwollen,  in  Folge  von  Vernachlässigung.  Erkäl- 
tung, Zutritt  von  Luft  und  vom  ,bösen  Blick'.  Auch 
von  dem  Orte,  welcher  durch  seine  Ausdünstung  die 
Verschlimmerung  bewirkt,  so  von  Ställen,  in  welchen 
Schafe,  Ziegen,  Schweine  sich  anflialtfu.  Dazu  das 
abstr.  Fem.  G-i.  B' G.  ist  mi,  |ihiii|  dn"  cito"  [in 
die  Wunde,  das  Auge  usw.];  Syn.  Gi.ccltt(iJ,  Zueschlag, 
Winde  W. 

Vgl.  das  syn.  rjiecUiij,  aus  welchem  es  durch  Verflüch- 
tigung des  eil  entstanden  seiu  könnte;  doch  wird  Letzteres 
sonst  gerade  durch  folgendes  (  festgehalten.  Eher  und  ohne 
alle  lautliche  Schwierigkeit  lässt  sich  3.  als  die  W  Aussjir. 
von  (jiietüj  (s.  d.)  erklären,  welches  hier  in  euphem.  S.  an- 
gewendet wäre. 

Gott.  A.  concr.  das  lebendig  und  pers.  gedachte 
hiich.stc  Wesen,  meistens  der  eine,  wahre  G.  des  Chri- 
stentums, z.  T.  in  ausdrücklichem  Gegs.  zu  Göttern 
des  Heidentums  oder  göttlich  verehrten  Menschen. 
,Der  irdischen  gött  sind  vil  in  der  hell.'  NMan.  ,Du 
söllist  nit  frömd  gött  haben.-  Zwingli.  .G.  ist  kunig 
über  alle  gött.'  1560,  Psalm.  ,Ich  bin  den  Götten  nit 
nachgangon.'  1587,  Jerem.  Der  PI.  ,Gött'  einmal  be- 
merkenswert unterschieden  von  ,Götter' :  ,Die  Heiden 
an  Iren  Göttern,  die  doch  nit  Gött  sind.'  1587,  Jerem. 
Da  heh(e)t  [daran  hindert]  mi'''  ken  G.  Z.  In  kathol. 
Sinn  auch  =  Christus  und  Bild  desselben.  Er  het 
d'  Mueter  G-es  uf'm  lln.t  „ml  ihr  Tifel  im  Herz. 
Sprww.  B'  M.  G-es  clinrrhhi.  wenn  nach  Regen  oder 
Gewitter  Nebel  aus  einem  Wulde  aufsteigen,  womit 
wohl  gesagt  werden  soll,  das  schlimme  Wetter  sei  zu 
Ende  und  es  komme  nun  besseres  L;  vgl.  küechlen, 
Bettler.  M.-G.  werfen  s.  hämvielen.  MuetergöttesU. 
1)  kleines  Bild  der  M.  G.,  insbes.  die  kleinen  Marien- 
bilder aus  vergoldetem  Ton,  wie  sie  von  Einsiedeln 
kommen    und   die   die  Kinder  den  Einsiedler  Pilgern 


abbettelten  Z.  Auch  geraalte  Bildchen  GStdt.  ,Daselbst 
leuchten  sie  [die  Fraurothacher]  wie  M.'  PSoheitlin 
1837.  .Bäbeli  war  appetitlich  anzuluegen  wie  ein  M. 
us-em  Truckli  use.'  Zg  Kai.  1872.  Wege  dem  het  s^ 
si  au'''  $0  pützelet  und  isch  d'rher  cho  ine  'nes  Muetter- 
gottesU  S  (Joach.).  —  2)  frommtuendes  Mädchen.  I''' 
ha'  dem  M.  nie  recht  'traut  L  (Brandst.).  —  3)  Mueter- 
gottesje,  gentiana  verna  W  (Kdspr.);  Syn.  Himmels- 
Blüemli,  -Schlüssen.  —  Boss  G-s,  Esel  [der  h.  Familie] 
G;  Z.  ,G-s  Fleisch'  s.  Bd  I  1221.  Lt  HsStockar 
ward  1529  ,der  gross  G.  im  Münster  [ein  im  Chor- 
bogen des  ScH  M-s  einst  aufgehangenes,  c.  20'  hohes 
Crucifix]  dannen  tuen'.  ,So  [wahr]  mir  der  grosse 
G.  von  Seh.  [helfe].'  Rieger  1606.  ,Göttli',  Götze, 
kleines  Crucifix  od.  Heiligenbild.  Kessl.  ,Gott'  1.  mit 
stehenden  Adjj.  oder  sonstigen  attr.  Bestimmungen: 
Ber  alt  G.  lebt  no"''!  Z.  Bu  (ebege-'J  allmächtige''  G.'. 
Ausruf  der  Verwunderung  oder  des  Schreckens  Gl;  Z. 
Der  .lieb  Gott',  oft  fast  wie  eine  Zusammensetzung 
und  wechselnd  mit  Herrgott  im  Volksmunde  einzig 
üblich  für  das  einfache  ,6ott'.  De"  l.  G.  lä'  scheide", 
eine  Ehe  nur  durch  den  Tod  trennen  lassen  Z.  Er 
löd  der  1.  G.  e  guete  Ma"  si»,  lebt  leichtsinnig  fort 
L  (Ineichen).  X.  Gotilis  spilen,  im  Kleinen  den  1.  G. 
vorstellen,  nachahmen  B:  ,Das  ist  eben  die  grosse 
Nächstensünde,  dass  fast  alle  Menschen  1.  G.  sp.  und 
nicht  nur  das  Sichtbare  beurteilen,  sondern  die  Seele 
richten  wollen.'  Gotth.  Bc  l.  G.  ist  bin-is  ig'kert, 
Formel  der  Ergebung  bei  einem  Todesfall.  KSteiger 
1839.  Löschid  Für  und  Liecht,  dass  uns  der  l-e  G. 
behüet  [Wächterruf] !  ebd.  F''  han  <im  [dem]  Liebgott 
Ursach  all  Tag  z'  danke.  Gotth.  U"'  fragt  di'''  opp 
a  Jeger  na'''  der  ZU,  su  gib:  Bern  l-e  G.  grad  recht! 
zum  B'scheid  BG.  (Schwzd.).  Ber  Liebgott  machts 
gäng  no''''  besser  ah  d'  Manische.  Sprw.  Scherzh.  mit 
einer  Ortsangabe,  die  sich  viell.  auf  ein  einst  dort 
verehrtes  Christusbild  bezieht:  Bu  lieber  G.  vo'  Prat- 
tele"  (Bs),  schenk  miner  Frau  de'  Tod,  so  cha'"  si 
ni'imme  raggere"  usw. ;  doch  s.  auch  ,Prattelen'.  Leben 
wie  G.  in  Frankreich  s.  Bd  I  1310.  Und  bi-n-eme 
Pfifli  Tubak  hei  m'r  g'lebt,  wie  G.  i"  F.  Joach.  1881 ; 
s.  auch  Herr-G,  —  2.  G.  im  Gen.  a)  abhängig  von 
pers.  Substst.  Meist  in  scherzh.  freundlicher  Anrede 
an  Personen:  ühind  G-es!  Z.  Schatz  G-s!  Schild. 
G'sehöpf  G.!  L.  Mann  G-s!  nur  ironisch,  auch  Spitzn. 
von  Familien  und  dann  auch  mit  verdoppeltem  Gen.: 
's  Mann- Gottes -se.  ebd.  Abhängig  von  Tiernamen: 
Boss  G-s  s.  oben.  ,Nicolaus,  genannt  gottsvogel.'  1413, 
Urk.  SBlas.  —  b)  abhängig  von  abstr.  Sachbegriften : 
G-s  G'walt  [als  letzte  und  höchste]  voiVhaUe'  [Formel]. 
Bas  ist  (der)  Gottsgtvalt,  höhere  Macht,  z.  B.  von  ver- 
heerenden Naturereignissen,  gegen  die  der  Mensch 
Nichts  vermag  und  vor  der  es  auch  kein  menschliches 
Recht  gibt,  so  dass  z.  B.,  wenn  durch  eine  Über- 
schwemmung Erde  in  eines  Nachbars  Gut  geschwemmt 
worden  ist,  dieser  keine  Entschädigung  verlangen  darf. 
,Vorbehalten  g-sgw.  und  herrengwalt.'  c.  1500,  U. 
,G-s  Gw.  [der  Schlagfluss]  hat  ihn  [g"]troffen.'  Isithurn, 
Mein.  (Sch  Hdschr.).  ,Ihr  Schwester,  welche  kranklich 
und  schon  2  Mal  den  Schlag  oder  Gew.  G-es  gehabt' 
GKönig  1715.  ,G-s  Namen',  mit  vorgesetztem,  oft  aber 
auch  weggelassenem  ,in'  (ej,  in  beiden  Fällen  über- 
gehend in  abstr.  Anwendung,  i.  S.  v.  unangenehmer, 
aber  unvermeidlicher  Notwendigkeit,  auch  als  abge- 
brochener Ausruf.    1)  ernsthaft,  mit  Bewusstsein  der 


509 


Gat.  frei,  irit,  gut,  j,'»' 


Beil.  lies  W.,  z.  1!.  in  (iebcton  und  dann  immer  mit 
der  Präp.  E  G-s  N.  ag'fange'  sagen  Hausmutter 
oder  Hausvater,  wenn  ein  grösserer  Kreis  eine  Arbeit 
beginnt.  Hü,  e  G-it  N.!  Zuruf  ans  Zugvieh  beim 
Pflügen.  JC  G-s  N.  üfg' stände  (i' 's  Bett  g' gange')! 
beim  Aufstehen  und  Niedergehen  Z.  E  G-s  N.  Amen! 
Schluss  bei  jedem  Gebete.  KSteiger  1839.  Gang  e 
G-s  N.!  Abschiedsfonnel.  allg.  E  G-s  N.  ist  nid 
g'schwore".  Ineichen.  Es  geit  cl'r  niid  in  G-s  N.,  Dro- 
hung, die  erteilten  Befehlen  beigefügt  wird,  um  diesen 
Nachdruck  zu  geben,  z.  B. :  Bis  sit  giiot  u"''  folg.  sust 
geits  d'r  nüd  in  G-s  N.  [d.  h.  schlecht]  BK,  — 
•>)  formelhaft,  z.  T.  missbräuchlich,  ohne  bewusste 
Bed.,  abgeschwächt,  bes.  als  Ausdruck  der  Resignation : 
G-s  N.!  m^r  sind  i'  G-s  Hände".  Stutz.  G-s  N.!  i''' 
wirde  's  müese  ge".  ebd.  E  G-s  N.,  i'*  cha"'  nüd 
änderst!  Der  Schutz  [Schuss]  isch  i"  G-s  N.  [ohne 
dass  man  es  hindern  konnte]  hinden  use  B.  ,Mag  er 
[der  Debitor]  dann  dem  gelten  sein  ansprach  lösen, 
ist  im  n.  g-es  [wohl  und  gut].'  1559,  B;  dafür:  ,ist 
mit  Heil.'  ebd.  1659;  vgl.  ebd.:  mag  er  vernüegt  wer- 
den um  sein  Ansprach,  ist  es  gut.'  Verst.  durch  Zu- 
sätze, ernsthaft  und  formelhaft:  I"  G-s  filesj  Herre" 
N.!  Z.  !"•  stä"  e  G-s-Herrgotte-N.  üf  [Segensspruch 
am  Morgen].  Stutz.  Umgestellt  aus:  ,in  des  lieben 
G-es  N.':  I"  G-s  liebe"  N.,  wenn  es  G-es  Wille  ist  Z. 
I  G-s  (liebe)  heilige  Name!  'der  muest  di'''  iez  dri' 
schicke  L ;  Z.  I"s  tusig  G-s  JV.  L ;  Z.  G-s  Wille'  miiess 
g'scheh;  üb  's  regni  oder  schnei'  L.  Meist  zu  einem 
Comp,  verwachsen:  Wenn  's  aW'  Gottswill  ist,  so 
muess-m'r  kei"s  nie  veHrinke'.  KdMey.  1844.  So  lang 's 
G-siv.  ist,  G.  gefällt  Z ;  vgl.  ,diewyl  ich  leb  u.  g-s  w. 
ist.'  Ruef  1550.  Wer  weiss,  wo  G-sw.  iimme"  hudelet, 
was  noch  geschehen  kann,  (iiittlioli^'  Fncniiir:  /»n.s 
ist  en  scliöne''  G-sw.  g'sl',  dass  dir  ,ili  /,v./(7  ,i\f,,rlini 
('st  AALeugg.  !''•  troite,  er  inni  null,"  m"'iii  Wiilrr 
nohschlök";  es  war  doch  ««•''  cii.  gaetf  G-sa\  Bs 
(Hausfr.).  Almosen,  Gabe  (vgl.  die  Formel  der  Bet- 
telnden: gem'm'r  der  G-sw.  Oppis!).  spec.  vormals  eine 
Gabe  von  '/a — 1  Batzen  an  Diejenigen,  welche  in  das 
Trauerhaus  kamen,  um  für  das  Seelenheil  der  Ver- 
storbenen zu  beten  UwE.  Verbunden  mit  den  Präpp. 
.um,  durch  (d'r,  de/,  sogar  gehäuft:  um  d'r  Bs,  under 
ZTurb.  (vgl.  under  G.).  G-es  W.,  G-sw.  oder,  wenig- 
stens scheinbar,  mit  dem  best.  Art.:  um-e  G-sic.  S. 
t.  ernsthaft,  t.  formelhaft,  t.  in  ruhiger  Aussage,  t.  aber 
als  Ausruf  der  Bitte,  des  Erstaunens,  des  Entsetzens, 
allg.  P''  Utt  i  dp-  G-s  W.  [um  ein  Almosen].  D^/r) 
G-s  W.  a'halte',  flehentlich  bitten.  Er  hed-em's  d,- 
G.  W.  g'ge',  aus  grosser  Gnade  Ap;  Z;  s.  noch  Güeyi 
Sp.  löl.  Dem  N.  N.  wird  eine  Pfründe  verliehen 
.durch  G-esw.,  U.  L.  Frowen  w.,  durch  mess  hau,  sin- 
gens  und  lesens  w.'  1531,  Zu.  .'s  Gelt  durch  G-s  W. 
gehen',  als  Spende  für  die  Armen.  Schimpfr.  1651. 
Der  (um)  G-s  W.,  umsonst,  gratis  Aa;  Bs;  B;  G;  S;  Z. 
Er  git  nid  Vil  um  G-s  W.,  ist  geizig.  Er  stilt  's 
Leder  und  git  d'  Schueh  um  G-s  W.  Sulger.  Bei  -An- 
wendung gewisser  Heilmittel  war  es  nach  dem  Volks- 
glauben eine  Hauptbedingung,  dass  man  dasselbe  um 
,G-s  W.'  und  ohne  nach  den  Kosten  nur  zu  fragen, 
zu  erwerben  suchte.  S.  noch  Frau.  G-s  W.  au'''! 
Um  tusig  G-s  W.!  Um 's  Himmels  Gs  W.!  Stvt/.. 
In  der  Beteurung  e  G-s  W.  (S)  könnte  e  aus  einer 
der  oben  genannten  Präpp.  verstümmelt  oder  aus  der 
Formel   e   G-s  Namen   herübergenommen    sein.     Mit 


schonender  Ersetzung  des  Namens  Gottes:  Um  Göbe' 
W.  GStdt  (viell.  aber  urspr.  scherzh.  umged.  aus  ,uni 
G-s  W.'  mit  Bezug  auf  ,geben').  G-s  Trost,  Wunder 
s.  u.  B  1  a.  (Aller)  G-s  Dinge  s.  ß  2  a  t-  —  c)  ab- 
hängig von  concr.  Substst.  Niemert  stigt  in  G-es  Rat- 
stuhe.  Sulger.  —  3.  abhängig  von  Präpp.  ,Darch  G.' 
=  , durch  G-s  Willen'.  , Welchem  man  d.  G.  git,  was 
guets  dasselb  mensch  an  synem  tod  lat,  soii^nd  die 
landlüt  erben.'  1470,  Gl.  ,[Die  Kinder  sollen  erzogen 
werden]  unz  dass  sy  brot  d.  G.  mügen  heischen.'  1508, 
Z  Staatsarch.  ,Für.  G.'  F.  G.  und  Welt  Nüt  nütze; 
auf  der  1.  Welt  zu  Niclits  nütze,  von  gar  keinem 
Nutzen  sein  GrHc.  ,Mit  G.',  mit  G-es  Hülfe,  Willen, 
Zustimmung.  Arm,  aber  mit  G.  und  Ere'  dur"''  d'Welt 
G;  Z.  M.  G.  i'  d'  Hand  speuze'  [speien],  sich  zum  Be- 
ginn einer  Arbeit  aufraffen  L.  S.  noch  üsga'  1  h  (Sp.25) ; 
Geiss  (Sp.  456).  Under  G.,  ums  Himmels  Willen!  z.  T. 
übergehend  in  abstr.  verstärkende  Bed.  (s.  B  4).  Was 
u.  G.!  was  auf  der  1.  Welt!  GrPt.  (S.  Bd  I  324;  doch 
wahrscheinlicher  aus  obigem  um  G-s  Willen  zu  er- 
klären). .Si  sye  als  ein  recht  bös  wip,  als  u.  G.  ie  ge- 
born  wurde.'  XIV.,  L  Ratsprot.  Nach  G.  schreie',  um 
Erbarmen,  Gnade  (aus  der  Spr.  der  Bibel).  De'  mues' 
na  [noch]  na  G.  sehr.,  er  wird  sein  Verhalten  später 
einmal  büssen  und  bereuen  Z.  ,Vor  G.',  vor  G-s  An- 
gesicht, Urteil.  Es  ist  v.  G.  nüd  recht  Z.  I'''  chaun  's 
r.  G.  bitäre'.  ebd.  Ein  eines  Mordes  verdächtiger 
Walliser.  der  sich  für  einen  Deutschen  ausgab,  verriet 
sich  durch  die  Beteuerung:  ,Es  ist  v.  G.  nicht  wahr!' 
JSs  nimmt  mv''  vor  (von)  G.  Wunder  BBe.  ,Bei  G.' 
s.  B  1.  —  4.  in  Verbindung  mit  Vben.  a)  in  freier, 
z.  T.  bildlicher  Anwendung.  ,G.  redet',  Formel  der 
Ankündigung  biblischer  Stellen  (des  A.  T.),  wo  G. 
selbstredend  eingeführt  wird.  D'  ühind  müend  z'erst 
's  Utiseroater  und  dann  's  G.  redet  [die  h.  10  Gebote] 
lerne'  ScnLohn.  ,G.  balget',  bildl.  Ausdruck  für:  es 
donnert,  nach  der  weitverbreiteten  Vorstellung,  dass 
der  Donner  die  Stimme  einer  zürnenden  Gottheit  sei ; 
Syn.  G.  tuet  Gepsen  trölen.  ,Die  Wyn,  wie  sy  Gott 
und  die  Reb  den  Menschen  gunnen,  blyben  lassen.' 
Z  Mand.  1649.  .Ein  Bauer,  der  aus  seinem  Weinberg 
nimmt,  was  G.  und  die  R.  gibt.'  HPest.  1787;  und  so 
noch  heute.  Die  alte  RA.  sogar  auf  den  Menschen 
übertragen:  ,Da  ein  Mensch  in  allem  seinem  Tun 
ofl'enherzig,  rund,  ohne  Falsch  ist,  und  wie  G.  und  die 
R.  ihn  gegeben.'  FWyss  1650;  s.  noch  Beb.  ,Des  sy 
g.  und  dem  rechten  trüweten,  dass  er  sy  des  wegs  nit 
entsetzen  sollte  [Berufung  auf  menschliches  und  gött- 
liches Recht  in  Prozesssachen].'  1510.  .\kch.  Jenatz. 
Sprichw.  RAA.:  Das  nützt  G.  uir'-d'  Will  mul  GnOhur: 
gleichbedeutend  mit:  uf  der  G-rs  \V,li  „ml  s.  B  2  a  ß. 
G.  hat  mer  's  g'ge  und  de'  Ttifi-I  snil  un  r  's  nid  iie. 
Sulger.  G.  gits,  G.  iitniints.  li.  ,ii,l  .In-  Arhn-.  ahrr 
nid  de  Pflueg,  das  W<issi  r.  :ilirr  unl  ihr  ( linir.i.  (!.  ijhI 
die  Chue,  aber  nid  du  SinrI.  dn-nr.  <i.  hilfl  d,- 
Riche',  die  Arme'  chönne'  go  bettle".  G.  hed  kes  Er- 
barme" mit  dene",  wo  lönd  dur  's  Dach  regne'.  G. 
nimmt  de"  M''ille'  für  's  Werk.  G.  regiert  im  Himmel 
und  's  Geld  uf  Erde.  Ineichen.  G.  git  d'  Schultere 
no'''  [je  nach]  der  Burdi.  Me'  miiess  G.  nid  us  der 
Arbet  [auch:  i«,s'  em  Jär,  us  der  Schuel]  laufe'.  Wer 
G.  dicnrl,   hnt   rv   fjurfr  Mrisfrr.   Sii.ckk.     V'rm  (r.  V'ol 


will.  < 
brucht 
[ihn]  ( 


S,lin. 
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511 


t.iat,  get,  git,  got,  gut 


512 


Land  will  strafe",  so  nimmt  er  de"  Herre'  de  Verstand 
{so  gid  er-etn  Bliebe^  zu  Urgente  Z).  Wenn  G.  es  Land 
will  ßge,  so  wird  er  wol  Bese"  finde'.  Wer  G.  fürchtet, 
brucht  sust  Niemer  z'  fürchte.  Ineichen.  —  b)  in  stehen- 
den RAA.,  Formeln,  in  welchen  6.  z.  T.  abgeschwächte 
Bed.  hat  (wie  bei  ,G-s  Namen,  Willen').  1)  in  der 
Aussageform.  Weiss  G.,  parenthetisch  und  adverbial, 
a)  mit  Ergänzung  von  vorausgehendem  .das',  beteuernd 
i.  S.  V.  wahrhaftig  B;  Z;  vgl.  getviss  G.  (B  1  b).  !"• 
cha^'s  w.  G.  nüd  säge.  Früher  1  Mal  im  Conj.  Nabat, 
klagend:  ,'s  wiss  G.,  mir  [wir]  arbeitselig  sind.'  GGotth. 
1619.  —  ß)  mit  folgendem  Fragepron.,  umgestellt  aus 
,Gott  weiss'  i.  S.  v.  üngewissheit  oder  unbestimmbar 
hohem  Grad.  W.  G.  wie  lang,  wie  vil,  sehr  lang  usw. 
Bs;  Z.  W.  G.,  wo  de"-  iez  ist!  Gr;  Z.  —  2)  in  der 
Frage-  oder  Wunschform,  a)  G.  im  Nom.  aa)  das  Vb. 
im  Ind.  in  Frageform  mit  cond.  Bed.  Will  's  G., 
1)  gewiss,  wahrlich  Ap;  G;  S;  Th;  Z.  Ja,  w.  G.isch 
[ist  es]  war  (auch:  %cills  der  Liebe).  I'''  dar  [wage] 
w.  G.  nüd  gö!  EPeürek.  Was  liest  aw^  g'macht? 
W.  G.  sid)er  Nüf.  ganz  und  gar  Nichts,  ebd.  I'''  6»'* 
w.  G.  iiiul  Srhiihl  r/m".  W.  G.,  i"-  cha"  's  nüd  tue! 
Gönd  ir:.  -ii.st  irnnl  u\  G.  Alls  verspätet  Th  (Schwzd.). 
W.  G.  hiiil  ,r  '.-•  Bir  'brache'!  7,0.  Er  stösst  e  Süfzger 
US  und  seit :  W.  G..  's  ist  halt  e  Straf  [ein  Jammer]. 
Schild.  ,Du  klagest,  will  es  G.,  voreilig.'  Schadsp. 
1775.  Auch  adverbial  gebildet:  willsgöllig  Ap;  GTa. 
und  willsgochlig  GG.  (s.  Sp.  108).  —  2)  hoffentlich  Z. 
Z).;  wirst  w.  G.  g'naeg  ha^.  W.  der  lieb  G.  BBe.  — 
8)  in  der  urspr.  eig.  Bed.  W.  G.,  so  taget  's.  Sulger. 
,W.  G.,  so  will  ich  wider  zu  euch  keren.'  1530,  Apostelg. 
.Nun,  wo  wir  's  heut  han  bleiben  lan  [das  Spiel], 
wöUn  wir  will  's  G.  morn  wider  dran.'  GGotth.  1599. 
,So  wir  etwas  anfahen  wollten,  will  's  G.  wir  allweg 
sagen  sollten.'  GGotth.  1619.  ,W.  G..  dass  solchs  ge- 
schehe.' Myricäus  1630.  Vgl.  d.  Folg.  — •  ßß)  das  Vb. 
im  Optativ.  ,Gott  wett,  ich  wäre  längest  tod!'  Rdef 
1550.  ,G.  wett,  dass  ich  's  vergelten  kennt.'  GGotth. 
1619.  G.  gebe,  bes.  in  Begrüssungs-  und  Abschieds- 
forraehi.  Gueten  Tag,  Abed,  guet  Nacht  geb-i  [euch] 
G.  Ap;  B;  Gl;  Gr;  G;  W;  Z.  Christe',  der  am  Mor- 
gen de"  Guet>:taggebigott  über  d'  Hütti-tür  i'rüeft  GrPt. 
(Schwzd.).  Mit  Verkürzung  od.  Weglassung  von  .gut'. 
Gottag  gebt  G.  GlK.,  Tag  gebi  G.  Ap;  GT.;  Z.  Hesf 
au,''' scho  möge  uf?  Hä  frili  jo!  Taggebigott!  'KxMwi. 
1844.  Se  schlaf ed  wol!  Nacht  gebi  G.  Stutz.  ,G.  geh 
dir  ein  gueten  tag  [Morgengruss].'  ThPlatt.  157'2. 
Auch  mit  andern  Objekten:  Zentumme  [rings  umher] 
Fride'  —  Gott-nis  geh!  Schw  (Bruhin).  Geb-is  G. 
Glück!  Formel  nach  geschlossenem  Viehhandel  BHa. 
,G.  gebe  dir  gut  Sinn  und  Denken-,  soll  nach  Al.v.Orelli 
1797  mit  Händedruck  zu  Stadt  und  Land  als  Gruss 
[an  der  Stelle  des:  Gelobt  sei  Jesus  Christ]  gegolten 
haben.  Vgl.  noch  Gott-geb  Sp.  69  f.  G.  grüess  di'>' 
(ivol,  au'''J,  G.  grüez-i  [euch]  Ap  und  mit  betontem 
auch  als  Erwiderung  Bs;  B;  Gr;  GT.;  Z.  in  Ztw. 
entstellt  gueggrüessi ;  griiess-G.  Ap;  BE.;  G;  als  Antw. : 
(G.J  grüezi  wol  ZO.  .Es  gilt  [einem  Welschen]  glj'ch. 
so  einer  sprach :  G.  schänd  dich  oder  G.  grüess  dich, 
bidermann.'  UEckst.  152.5.  ,Gnad  herr,  gnad  herr.  nun 
grüess  üch  G.'  JMuker  1559.  ,G.  grüss  dich,  lieber  Bru- 
der myn.'  GGotth.  1619.  ,Griez  mich  G.,  ihr  Herren', 
.sagt  der  Bauer  spöttisch  in  der  Com.  SBeati.  -\uch 
grüess (grüez)-i,  mit  Unterdrückung  von  ,Gott'  (wie  von 
.gut'  bei  ,G.  geh'),  so  dass  der  Schein  der  ersten  Person 


entsteht  Aa;  G;  Th;  Z.  Auch  ist  das  -i  [euch]  in 
dieser  (in  GlK.;  GT.  auch  in  der  folgenden)  Formel 
so  verblasst,  dass  sie  auch  beim  Duzen  gebraucht 
wird.  Als  Subst. :  Ei's  Gottgrüem  ist  besser  a's  zeche 
helf  der  G. !  U.  D*  Chappen  i'  der  Hand  und  's  Gott- 
grüezi  parat  git  offeni  Oren  und  guete'  Rat  Z  (Schwzd.). 
G.  dank-di^-  (G.  d-ij,  Dankformel,  u.  A.  auch  als  ste- 
hende Antw.  auf  obigen  Gruss  Ap;  Z.  D-i  G.,  auch 
zu  einer  sonst  mit  du  angeredeten  Person  Z.  Dank-i 
G.  säge",  danken  Gl;  Z.  ,Est  gratia,  ich  sag  dir  dank, 
G.  dank  dir.'  Fris.;  Mal.  Als  Subst.  m.  =  Dank. 
Ke'n  Dankigott  der  für  übercho".  Zum  Dank-d'r-G. 
no''<  alli  Schand  g'höre".  G.  lon-i  (der),  ebenf.  Er- 
wiederung von  ,G.  grüsse'  GrL.,  sonst  auch :  loni  G. ! 
B.  ,G.  vergelte!'  Dank  für  eine  Wohltat,  eine  Gabe. 
Vergelt  's  G.  (tüsigmal)  G;  Z.  Er  giH  Ei"m  nid 
emol  en  G.-vergelts.  Sülger.  Hol-mi'''  G.!  Beteurungs- 
formcl  =  meiner  Treu!  scherzh.  oder  gedankenlos  ge- 
bildet nach  dem  Gegs. :  ,hol  der  Teufel!'  Wie  's 
Wetter,  h.  G.,  Schlot -me'  drl".  Ineichen  1859.  Es 
wird-der,  nemm-mi  Gost,  drab  grüse'.  Eliata  1762. 
G.  helf-der  f-ij!  oder  h.-d'r  G.!  1)  wirkliche  Bitte  um 
Gottes  Hülfe ;  in  GkVt.  etwa  mit  der  Antw. :  Das  tue 
er!  Helf-is  G.,  so  ist  eus  g'hulfe".  Ineichen.  H.-is 
G.,  's  hat  'blitzt!  Sch;  Z.  H.-is  G.  i's  ebig  Lebe"! 
Spruch  bei  der  Betzeitglocke  Z.  ,H.  üch  G. ! '  Schluss- 
forrael  des  Todesurteils.  1646,  Z.  H.  (d^)  G.  oder 
G.  helf-ech  (U),  auch  beim  Niesen  Aa;  Bs;  B;  Gl; 
Gr;  Uw;  U;  Z.  if.  d'r  d'r  lieb  G.  in  d's  Himmeli  uf! 
GRPr.  (Schwzd.;  zu  einem  Kinde).  ,Noch  heute  sagt 
man  zu  einem  Niesenden:  H.  dir  G.'  JMüller  1673; 
scherzh.  gewendet:  H.  d'^r  G.  in  Himmel  ufe",  so 
cliuiinst  vier  ab  den  Auge'  {so  chunnst  «ijr  «»•  der 
Stuben  use'  BO.;  Z;  in  ZWthur  noch  mit  dem  Zusatz: 
H.  der  G.  i  's  Grab,  so  chumm  i"''  dlner  ab) ;  oder : 
h.  drr  G.  i  's  eicig  Lebe',  fZ.  maest  (denn)  weder  spinne' 
na'''  webe'.  Als  Formel  zur  Abweisung  von  Bettlern, 
denen  man  Nichts  geben  kann  noch  will  Aa;  Ap;  Bs; 
L;  G;  Uw;  Z;  in  Ap  soll  ein  Bettler  darauf  geant- 
wortet haben:  Du  hest  dem  Herrgatt  Mint  z'  befeie'; 
scherzh.:  H.  der  G.,  du  brückst  denn  kes  Seckli  [um 
die  Gabe  fortzutragen]  L;  daher:  H.  der  G.  bricht 
Kei"m  de'  ,Sack.  Sulger;  der  Arm  ist  z'  H.-d.-G. 
diheim.  Sprww.  1869;  vgl.  den  Personenn.  ,Gotthelf'. 
Beim  Fallen  einer  Sternschnuppe  soll  durch  den  Aus- 
ruf: H.-d'r-G. !  eine  Seele  gerettet  werden  können  Z. 
—  2)  Beteurung;  H.  m^r  G.,  so  wahr  mir  G.  helfe 
Aa;  B;  Z;  G.  helf-mer  Z.  Syn.  chemm-mer  G.  z'  Hülf! 
GnChur.  Er  isch,  h.  m'r  G.,  e  so  ne  wiieste!  B  (Zyro). 
D's  Elisi  isch,  h.  m'r  G.,  Nüt.  Gotth.  —  3)  Begrüssung. 
G.  helf-i  (aw')!  Ap;  Z.  H.  G.  bi-n-enand(er)  Gl; 
Sch.  H.  G.  dem  Herre'!  Stütz.  He,  h.  G-,  Frau! 
ebd.  H.-is  G.  Alle'!  darauf:  I'*  danke  GSa.  G'segn-is 
G.  (auch  umgestellt),  kürzestes  Tischgebet  oder  Er- 
satz desselben,  allg.  ,Der  wahre  Gott  in  Israel  uns 
Spys  und  Trank  jetzt  g'segnen  wöll.'  GGotth.  1619. 
Auch  Segensspruch  z.  B.  nach  wohl  eingebrachter 
Ernte  Z.  G.  g'segen-is  's  Esse',  Spruch  nach  be- 
endigter Mahlzeit  Ap.  G.  (g')segni  d^r 's  (in  GsPr. 
g'sege-der  's).  G.  g'segn-ech  's,  bezw.  -i  's  (welches  wie 
G.  geb-i  auch  für  den  Sg.  gebraucht  werden  kann.  s.  o.). 
G.  g'segene  [euchV]  Ap,  oder  umgestellt  und  dann  meist 
abgek.  g'seg-  (Stutz),  g'se-  (Aa:  Ap;  Bs;  B:  Gl;  L 
(auch  se);  Sch;  Z),  g'sey-  (TnSteckb.;  ü;  ZSth.)  G.: 
Segensspruch  beim  Essen   und  Trinken    (auch   beim 


513 


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Kiiinchiiieu  einer  Arznei),  bes.  als  Gruss  an  die  bei 
der  Mahlzeit  Sitzenden,  oder  wenn  man  sich  zu  ihnen 
setzt,  um  mitzuhalten.  G.  grüez-i,  G.  g's-i!  Stutz. 
.Sclierzw.  zu  Einem,  den  man  tapfer  einbrocken  sieht: 
G'se  G.  um  's  Halb,  ich  wünsche  euch  G-es  Segen, 
wenn  ihr  mir  die  Hälfte  [von  der  Mahlzeit]  gebet  Z, 
oder  g'se  G.  nw  's  Halb,  's  Ganz  cTiäin-mr  denk  nümm 
aber  Bs.  Vil  Durst  (o.  tvannj  und  wenig  Gse-G.  [zu 
trinken]  Z.  .Den  christlichen  Schlaftrunk,  den  die 
andern  Klassen  aus  grossen  Bechern  und  Krügen  G'se- 
Gütt-Weis  [in  vollen  Zügen]  nehmen,  vertreten  hier 
kleine  Spitzgläslein.-  ADensler  1817.  Spec.  beim  Zu- 
trinken Bs;  Z.  TiiriKl  II  :n,  .1///  nrdlv''  B' scheid;  g'se 
G:  ir  Herre'  Bs  (G"ttH  il<  li.i.  (_y^iij  G.!  Sti:tz.  , Essen 
und  Trinken  g'segeii  üdi  (J.l-  Wikri  155(3.  ,A.  Es 
gilt  euch  eins!  B.  G'segue  dir's  G.,  ich  schlag  ab 
keius!'  Mykicäds  1630.  ,Sy  setzen  sich  zu  Tisch, 
bringt  der  jung  Tobias  "s  Voressen  und  spricht:  Gsegne 
euch  's  G.,  ihr  lieben  Frund,  all  die  ihr  z'  Tisch  hie 
g'sessen  sind.'  GGotth.  1619.  ,Nun  iss  die  Suppen,  G. 
dir  sy  treulich  g'segnen  wölk'  ebd.  Auch  beim  Niesen 
U;  ZSth.  Mit  Weglassung  von  ,Gott':  {ÄJ  g'segen- 
isch!  formelhaft,  als  Interj.  des  Erstaunens,  der  Ab- 
wehr, etwa  =  ,os  ist  niclit  zu  sagen,  wie . . .'  GrV. 
Ä.  g's.-isch,  ici.iti  [wok-h]  ijrossi  Biinll  Ihn  mmi  dir 
trag,,:  Schihcigant-,  [ihn]  ii'frniil.  iir,-\<  m^,  |ihm] 
gang,;  st.  Antw.  Ä,  g's.-isili :  luli  may  uirlit  -ugen, 
wie  schlecht!]  —  Siiis  G.,  trost  G.,  erhalt  G.  alh  arme' 
Chind,  die  uf  Erde'  sind.  Arne"  [Tischgebet] ;  daher 
scherzh.:  Sjns  G.  pßfe',  Nichts  zu  essen  bekommen 
ZWl.  ~  ,G.  behüete!'  1)  Bitte  um  göttliche  Abwen- 
dung von  Leid.  Bcsegiiungsforuiel,  mit  ,vor'  oder  Obj. 
im  Aci-.,  häutig  alier  nur  formelhaft  als  Ausdruck  des 
Erstaunens.  Entsetzen-^  und  dauii  auch  unter  Weg- 
lassung vüu  .G..tf;  \-l.  ::l  l:'liii.i-,s,h  C.  Ulis  iiiiil 
Hei"',  Llt  iniil  Vih  iiirnUiiiii  r,„ili,:h:  W.  iriimi-rs 
G.  und  's  hdig  Chni:  (lur  dem  Wasser  und  dein  Fnrj! 
Stossgebet  bei  Donnerschlag  GA.;  SchwMuo.;  h'h.-is 
G.  vor  Leid  und  U"faV!  ebenso  nach  einem  Blitz  Z. 
Mit  b'hüet's  G.  ist  auch  der  Alpsegen  gebildet  (Tobl. 
VL.  I  lit7).  B'hüet  G.  is  vor  tmg'rechtem  Guet  und 
alle"  böse"  Wege'!  Kdhn.  B'h.-mi"''  G.  vor  so  Öppis!  Z. 
Ä  b'h.-is,  b'rat-is!  behüte  und  berate  uns!  auch  wort- 
spielend {Bratis  =  Braten)  Z.  £  b'h.-mi!  Ausruf  des 
Staunens  Gr.  Grad  meine"d  s',  b'h.-is  G.  dervor,  es 
sei  der  Tafel  Stctz;  daher  als  Subst.  der  B'hüet-is-G. 
deror,  eu]ihem.  drr  Teufel  Il>;  Ü.  iriiiui-is  (r.  und 
Vater:  Blniel-i.^  C, .  und  i/sojii  i  li^cim-i^  (i.  iilrrrorj: 
Ap;  Z.  K  iSvlilaglliiss.  G.  Iiliml  -  is  ifrnir:  (iuiTH. 
Ähnliches  in  anderen  Kantonen.  Wie  vil  Stuck  [Stück] 
Vc''  hest?  Föf,  G.  b'hüet  s'  Ap.  In  ApSchwellb.  wird 
der  Beantwortung  der  Frage,  wie  viel  Kinder  man 
habe,  beigefügt:  l>'h.-is  G.  vor-em  Henne'vogel!  Häufig 
verstärkt  durch  trüli"' :  h'h.-isch  G.  tr.  für  ,,m,i"  sotti 
[einem  solchen]  XTi«')-.' (iitPr, ;  und  parodierend:  B'h.-is 
tr.,  GhatzemüU:  Z.  Jlli.-Ir.  nnil  dv  Hirr  m"  Biili  inid 
d' Frau  vo"  Böhvit:"'  /,.  .lirlmri,  -iirtij-,.i-  (;..  wie 
vil  matronen  hat  i\\~,:  oi  imduiij;'  'i-rln.Tkt :  ■  I.J.av. 
1578.  ,Behüt  G.,  wa>  lur  J.imuier,  AllK^l  und  Not 
werden  wir  erleben  müssen!'  JMiLL.  1665.  ,War 
(a.  1529)  ein  sur  wyn,  dass  man  in  G.-b'hüet-uns 
nennt'  WSteiner.  Chron.:  vgl.  HBn.i..  K.Tl':  ,1.5'29 
wuechs  ein  wyn,  der  u-  drr  iiias^fii  ,in-  und  im^r^und 
was  und  ward  g'iiiriiilirh  uvnriiiiiii  i  inti-nlilnudis.' 
B'hüet  di'-''  G.,    aurli  (iliickwuiisrli    brim  Nir-cn    Bs. 


S.  nocli  Misl-Gable"  u.  g'segn-is  G.  —  2)  Whüet-evhC-i), 
bezw.  -di'''  G.  (auch  pfüet-di'''  Gl),  auch  etwa  noch 
mit  zugesetztem  (u.)  lebfedj  wol!  als  Abschiedsgruss. 
allg.  B'hüet  G.  mit  enandere"  und  danke  vil  Mol! 
Stitz;  worauf  als  Antw.:  b'häet-i  G.  wol  ZO.  B'hüt(-i) 
G.  (tridi''',  au"-)  gilt  in  Ar  von  Morgen  bis  Nach- 
mittag 1  Uhr,  dann:  1,'h^i  G..  iiml  XnrhH  J-riiiuir  (;. 
und  heit-sch-isch  [un.s|  A'/W  fur  iiininrl  \\ .  -..n-t  fiiimol- 
haft:  B'hüet-i  G.  und  :„rned  nml  (Ichnl  ,n,l  und  ijund 
nüd  z'  u'U.'J  B;  Z.  B'hüet-di"''  G.,  i'''  icill  di''''  nimmc", 
Nichts  mehr  von ,  dir  wissen  Bs.  B'hüet-i  G.  säge' 
(ne"j,  Lebewohl  sagen,  bes.  bei  längerm  Abschied; 
der  Will  li'hiiii-i  G.  s.,  ihr  entsagen,  sterben.  Vögel 
pfifiil  i'iiiiiiil  C-hliiict-i  zue,  ruft  man  einem  Grobian 
zu,  drr  das  (Jriissi'U  vergisst.  Niiiii  i'''  's  B'hüetigott 
vom  Dorf.  Lenügenh.  I^.'.h.  Si  i  In unied  ho feli'''  [kaum] 
me  d'r  B'hüetigott  furliiinimn"  tii;i'r.  (Schwzd.).  ,Sa- 
luto  te,  ich  gnad  dir.  irli  sa^-  dir  G.  b'hüet  dich!' 
Fris.  .Nun  b'hüet  euch  G..  aide,  ich  gan.'  GGottu. 
1599.  ,Ich  [bin]  nach  dem  Mittagessen  wider  auf  das 
Paradeis  'gangen,  den  behüt  G.  gemacht,  gegen  3  Uhr 
in  das  Schiff  gestigen.'  GKönig  1715.  Abi.  (Gott) 
b(e)hüeten  (s.  d.).  —  3)  Verwahrung,  Ablehnung,  Be- 
schwichtigung, allg.  Selten  mit  dem  Sg.,  meist  mit 
dem  PI.  des  Fron.:  (ä)  b'hüet-is  G.,  wobei  der  Name 
G.  häufig  fehlt,  häufig  mit  zugesetztem  nei",  zur  wei- 
tern Verstärkung  der  Verneinung,  j.  S.  v.  keineswegs, 
ganz  und  gar  nicht,  während  dagegen  ein  zugesetztes 
ja  mit  oder  ohne  den  Namen  G-es  eine  energische 
Bejahung  ausdrückt:  recht  gern,  allerdings,  mit  tau- 
send Freuden.  Nrl"  h'hifct-i>',  da  u-ill  i"*  ned  si"  Th. 
Ä  hli,irl-is  nei".  ir  iinel,"  l.nl.  Ir  rated  letz!  Z.  Ja, 
b'hiiel-is  iiil  ^w  1/.  ll'lini i-is  lO.i,  zuweilen  ironisch  = 
du  uiu^si  nicht  uieiuen,  br.iuchst  nicht  zu  sorgen  Bs;  Z. 
ll'</(/(  d'  nw  no'''  me  g'seit  hettst :  Antw.  !'''/(«  no''' 
nl  ij'seil.  h'h.-is  G.!  Stütz.  I'''  hä  di''''  icol  g'hört,  b'h.-is 
j„,  ,le  |dii]  hast  es  Brummlc"  und  es  Balge"  g'ha".  ebd. 
B'hnel-is  (1..  ihr  Himmel  fnlll  nn'''  nid  t"  [es  hat  noch 
keiuL'  .\.ii|.  Sii.ai;.  K  h'hiiii-is.  inuest  kei  Ühumber 
ha"!  Sri  i/  n.  alinli.  li  (lomi.  ,(i.  beware'!  1)  Syn.  zu 
,G.  behüte  !■,  nur  weniger  volkstümlich.  —  2)  =  ,G. 
behüte  3)'.  Xä  [ur'ui].  hiwar-is  nei"!  Bercar  G.  in 
GrD.  auch  zustimmend.  —  ,G.  gnade',  sei  gnädig.  In 
.^1"  wirft  der  Landammann,  nachdem  ein  Todesurteil 
gefällt,  die  Stücke  des  gebrochenen  Stabes  unter  das 
Volk,  mit  dem  Ruf:  ,Wenn  denn  keine  Gnade  statt- 
findet, so  gnade  ihm  [dem  armen  Sünder]  G. ! '  Sonst 
nur  als  Drohung,  Warnung,  meist  mit  D.  P.  Bs;  B; 
Gl;  G;  Z.  ,AVird  unser  Land  in  feindliche  Hände 
fallen,  so  gnad.>  nns  all.ii  G.!'  G  Prokl.  1798.  Gnad 
(dir)  G.,  wenn  il'  em  Cliinil  Öpjns  tuest!  Gnad  der  G., 
trenn  i'''  emnl  InnJer  ,lr  '  her  g'ratc!  So  g'wüss  d' Frau 
nenlif  oder  .\nl  h,  r  hn i,,;! ,  di'i nii  i/nod-ve  G.,  si  muess 
ne  r  l'riniil  Im.  Sil  I..  ..Man  batte  gegen  sie  gefehlt, 
man  wii--ic  nullt  wir.  und  dann  .gnade  G.  Einem.' 
Gonii.  ,Gnad  (.i.  dem,  so  die  Lehr  vergass.'  HSuLz. 
1830.  ~  G.  straf-mi"'',  Beteurung.  allg.;  in  Bs  auch 
entstellt:  G.  strö-mi'''  oder  G.  Strussburg!  [Wer  mit 
schlechten  Leuten  umgehen  muss]  brucht  nid  z'säge: 
G.  strof  m'i'':  Sulger.  —  G.  verzt"  mer  '(s).  auch  um- 
gestellt (GfiPr.).  1)  zur  Entschuldigung  eines  ge- 
brauchten   harten    Ausdruckes    ]'■    \\  ■    7.    (auch    G. 


verzx-mer  mi 
ha"!  ~  2)  sn 


•iih. 


515 


(tat,  get,  git,  got. 


SIC 


.lies-  und  das)  walt  G.,  Segeiisspruch.  allg.  Liieyed, 
toie  de"-  Weize'  stöt!  v:  G.!  GT.  (Schwzti.).  H'.  G. 
igt  alhrei/  hes-^rr  als  f  Fhiecli  L  (Ineichen).  Bes.  vom 
LandvoRc  li'  im  Krjiiin  und  Ende  jeder  wichtigern 
Arbeit  aii-^«  ^  iil-i.  -"  bei  Aussaat  und  Ernte,  beim 
Schlafengehen.  Mit  w.  G.  verlässt  der  Bauer  Abends 
den  Stall;  tc.  G.  (im  Stal)  ist  aber  auch  der  Segen, 
mit  dem  man  einen  fremden  Stall  betritt  GT.;  Z; 
moderner:  Glück  i'n  Stall!  Vgl.  noch  den  Segens- 
spruch in  Sprww.  1824,  S.  131  und  den  Alpsegen  bei 
T.,  VL.  II  198/9.  ,Die  Mutter  betete  mit  dem  Seppeli 
das  W.-G.'  XHerz.  1862.  ,l)a  die  Meisten,  wenn  sie 
ihre  Bäume  gesetzt,  noch  den  Hut  abzogen  und  das 
W.-G.  sagten.'  HPest.  1785.  ,Das  w.,  o  treuer  G.. 
dass  meiner  Jaren  Zal  nun  zu  dem  Ende  lauft.'  R.  u. 
CMey.  1650.  ,üas  wolte  [!]  G.,  hoc  deus  bene  for- 
tunet.'  Red.  1662.  —  ß)  G.  im  Dat.  aa)  das  Vb.  im  Ind. 
und  Frageform.  .Soll  in  künftige  Rechnung,  geliebt  's 
G.,  gestellt  werden.'  1671,  Ratg.,  Urk.  —  ßß)  das  (zu 
ergänzende)  Vb.  (,sei')  im  Opt. :  G.  (sei)  Lob  (und 
Dank)!  Händ-er  [ihr]  z'  Mittag  g'ha"?  Jo,  G.  Lob! 
Git 's  %col  üs?  Ja,  G.  L.  u.  D..'  od.  scherzw. :  schlecht 
g'nueg,  G.  L.!  Z.  G.  L.,  der  Schueh  ist  fertig!  L 
(Ineichen),  's  ist  frili  gottlob  z'  säge"  för  üs,  dass- 
m^r  's  so  hend.  Merz.  Lob  si  G.,  als  Gruss  beim  Ein- 
tritt. Balz  1781.  , Seine  Schwieger  selig,  G.  L.  [die 
G.  L.  die  Seligkeit  erlaugt  hat].'  Gotth.  ,Jo,  's  ist 
[so],  G.  Lob  und  Dank  sei  gseit.'  GGotth.  1619.  Da- 
neben: ,G.  hab  L.  [als  Parenthese].'  Bs  Ohron.  1779. 
—  Y)  G.  im  Acc.  G.  erbarm  '(s).  ,Sind  leider  G.  e-'s 
All  verloren.'  Stutz.  De''  Galge  ist  tvol,  lieber  leider 
G.  erbarms,  furtg' schafft,  ebd.  D'  Mueter  ist  cfstorbe", 
dass  G.  e.  Ndw.  Häufig  ins  Subst.  übergehend :  Leider 
G.-E.Ce")!  Gl;  Pest.  1790.  Es  ist  es  (G.)  E-e'  Gl;  Z. 
Er  lied  dnrbi  g'fluechet,  es  ist  cfsl  es  G.-Erbar"'a  GnPr. 
Bes.  aber  als  Name  eines  fingierten  Ortes:  Er  chunnt 
nid  vo"  G-e',  ist  geizig  (Sprw.).  Auf  die  Frage  nach 
seiner  Heimat  antwortet  der  Arme:  Z' Gotterbarm  im 
elende  Hilseli  (es  stinM  gar  grüseli).  (Tusig  Stund) 
hinder  G-fsJ  E-m(e"J  diheivi  si",  an  einem  sehr  abge- 
legenen Orte  L;  GT.;  Z  [wohl  eig.  da,  wo  das  Er- 
barmen Gottes  ein  Ende  hat,  also  ,am  Ende  der  Welt']. 
Du  bist  do  [als  ich  das  erlebte]  no'''  (lang,  tusig  Stund) 
hinder  G-m  g'si",  wärest  noch  ungeboren  Ap;  Z.  Auch 
in  dem  Kettenreim:  Chmnm,  mer  wend  i  's  G-m,  i  's 
G-m  isch  au'''  gar  icit,  chumm,  mer  wend  i  's  Himmel- 
rlch.  —  3)  die  Form  des  Vbs  nicht  mehr  deutlich  zu 
erkennen  und  der  BegriflF  des  Subst.  ganz  abgeblasst: 
G.-ioelJ  Aa;  L;  Uw;  Zg,  G.-icill  ü;  W,  goftel  AaHoW.  ; 
BLauf.,  M.;  LG.;  S,  gottli  A.\/,riii.;  B;  S,  goppel  Aa; 
Ap;  Gl;  Gk;  L;  G  (aucli  a<'i'r'>^-  ^<>i;  Th;  Uw;  U; 
oft  mit  verstärkenden  Zu-atzrii:  li  vorn:  <;-  Aa;  Ap; 
Gl;  G;  Uwi  Z.  ,1,-.  (},.-  (JT.;  Z,  ja  d>-  oTh,  so-,  Sj- 
B;  Z  (^Jiiillin.i.  ni>i„-  B.  2)  hinten:  au"'  bezw.  o  Aa; 
Gl;  G  (auch  ,/„;'/«/  an'''  jo);  U;  Z,  gottlau  LW.,  ja 
BLauf.;  oTh;  Zliättl..  gojipel  hei  ja  TuTäg.  3)  vorn 
und  hinten:  ^goppelau  Aa;  Ap;  L;  Sch;  Th;  Z,  di;- 
goppelö  G;  oTh,  r,-g.  ja  BLauf..  e-g.  tvol  G,  he  g.  au 
AaK.,  L:  Part,  am  Anfang  oder  in  der  Mitte  eines 
Satzes,  auch  als  Antw.  allein  stehend.  1.  Ausdruck 
starker  Versicherung,  gewiss,  freilich,  wahrlich,  aller- 
dings, eben,  a)  lebhafte  Bejahung,  Zustimmung  Aa; 
BLauf.;  Gl;  G;  S;  üTh;  Uw';  U;  Z.  Sind  si  m,  Sturw 
g'laufe"?  ,Egoppel  üppe  dick  [oft  genu;;|.-  >"  ('■"'' 
er  Nüd    uf  disem   (lirieg   ha'-'     .Efioj/jnl !    lliill-imii 


im  g'folget,  der  Chrieg  war  nie  a"g'gange'.'  Bantli 
1656/1712.  Gel'  tvie  hat  's  gest  für  e  G'schicht  g'ge'"'! 
,Goppel!'  GaL.  Auf  die  Bemerkung:  Du  hesch-es 
goppel  au  verstände",  kann  die  lebhafte  Bejahung  lau- 
ten: Jad^g.!  oTh;  ZDättl.  E-g.  han-i's  g'höi-t  Ar;  Z. 
Lueg,  dir  cha"" 's  nit  schlecht  gä".  ,E-g.  au!'  gewiss, 
hoffentlich  [nicht]  Aa.  —  b)  selbständiger  Ausdruck 
einer  Ansicht,  a)  Gewissheit.  Es  freut  mi''-,  dass 
ihr  selber  chümmed;  's  isch  m'r  gottel  vor  g'si*  [ich 
hatte  es  doch  geahnt].  Schild,  's  cha"  gottwell  eus 
nüd  chränke,  wenn  mir  a"  Sempach  denke!  Ineichen 
1859.  „Bei  Empfang  eines  lange  erwarteten  Besuches: 
Es  ist  e-g.  ZU!"  's  isch  gottli  guet,  Herr  Pfarrer, 
^ass  dir  do  sld.  BWtss  1863.  Das  isch  öppe  gottli 
bös  g'nue'.  ebd.  Syn.  Gott  weiss  wie,  oder  weiss  G. 
wie.  —  ß)  wahrscheinliche  Vermutung  (wohl)  oder 
zuversichtliche  Erwartung  (hoffentlich,  ja  doch,  doch 
wohl)  Aa;  Ap;  B;  Gl;  Gr;  L;  G;  Sch;  Th;  UwE.; 
W;  Z.  ilfj  m  e-g.  Öpperem  i  's  Grab  [das  Geläut 
muss  wohl  einer  Leiche  gelten].  Stütz.  Er  ist  e-g. 
niid  g'schid!  er  muss  wohl  nicht  ganz  bei  Tröste  sein, 
wenn  er  das  sagt  oder  tut  Ap;  Z.  D<-  bist  e-g.  uf  de 
Zehe  cho'!  du  musst  ganz  leise  gekommen  sein.  Stütz. 
De  wirst  e-g.-aw''  spasse*!  das  wird  doch  nicht  dein 
Ernst  sein.  ebd.  Es  wird  g.  aw''  wider  einist  tage"! 
Du  wirst  das  n-g.  au'''  könne"!  Gr.  Bei  Empfang  einer 
schlimmen  Botschaft:  Es  ist  g.  nüd  war!  oder:  es 
wird  g.  (de-g.-au)  nüd  si'!  G.  wird  hüt's  Wetter 
guet  si".  Er  ivird  Gott-will-aW''  wul  Geld  ha".  ,Frug 
numme  nit,  was  mit-em  isch:  das  g'sehsch-em  gottel  a'!' 
Schild.  A-goppel  häd  üch  ja  niemads  g'jagt,  dass  ir 
asa  [so]  scMcitzind!  Göldi  1712.  ,Du  weist  ä  goppel 
afig  wol,  wie  ich's  meini.'  JCWeissenb.  1712.  —  2.  Aus- 
ruf der  Verwunderung,  in  fragendem  Tone:  e-gottwell! 
Aa;  BHk.,  e-goppel!  Z,  ist's  möglich! 

Die  Form  , Gottwell'  konnte  durch  häufigen  Gebrauch  imil 
schnelle  Aussprache,  viell.  auch  mit  halbbewussteui  Stieben 
nach  Verdeckung  des  h.  Namens  (wie  bei  Bigopp,  Biyont  statt 
Bigott)  zsgezogen  werden  und  dann  mit  vor-  und  rückwärts 
greifender  Assimilation  gottel  und  goppel  ergeben  (ganz  wie 
,etwa' :  ette  und  eppe  Bd  I  592).  Sie  wird  als  Optativ  zu  ver- 
stehen sein  (,Gott  wolle!'),  wie  die  unter  2)  a  ßß  aufgezählten 
ruiiiii'Iü:  dir  (;illei-dine;s  nur  selten  vorkommende)  Form  Gott 
H. /,  ilii  A--iiiiiIatinii  ./../ij,!!  und  viell.  auch  gottli  aus  gottil 
1  i;  j.  i.  i:  1  11,  ■:  -Ml.  ,<üili],  deuten  aber  (wenn  i  nicht  erst 
1  ,  j       !:        !ii    -rill    soll)   auf  den  Ind.,    vor    dem    ein 

ivuaiu.'iiLil'j:  .-■/  i;ili;;rsfli\vächt  sj)  zu  ergänzen  ist,  wo  es 
nicht,  wie  iu  »u  gottd,  ausdrücklich  besteht,  während  in  dem 
syn.  will's  Gott  die  conditionale  Bed.  durch  die  Frageform 
vertreten  ist.  Zu  bemerken  ist  jedenfalls,  dass  die  Formen 
auf  -el  in  vielen  Angaben  erklärt  werden:  ,so  G.  will';  und 
ihr  c  könnte  ja  ebenso  gut  aus  i  entstanden  sein  wie  unigek. 
Für  diese  Erklärung  spricht  auch  die  Formel  mit  oh  in  den 
Stellen:  ,Die  dritte  stund  am  tag,  zu  welcher  Zeit,  ob  Gutt 
will,  trunken  funden  werde  noch  Niemand.'  FWyss  1650. 
,Uarf  der  Landammann  sein  Wyb  schlahen,  so  darf  ich  dich, 
ob  G.  will,  auch  schlahen.'  Schimpfr.  1652.  ,Er  vermöge 
das  uicht,  und  es  sei,  ob  G.  wolle,  genug,  dass  er  die  schöne 
Sache,  die  er  gehabt,  beinahe  bis  auf  den  letzten  Heller 
durchgebracht.'  HPest.  1783.  In  der  Formol  ,an  G.  will': 
,Ich  bin  gehorsam  gesyn  und  [hab]  mym  gebot  an  selbem 
ort,  an  g.  will,  g'nuog  ton.'  1525,  Egli,  Act.  ,Es  ist  aber 
[abermals]  ein  reif  abg'sprungen  und  an  g.  will  bald  me.' 
1529,  Strickl.,  ist  ,an'  wahrsch.  aus  volkstumlichem  a  =  .• 
ungeschickt  verhochdeutscht.  In  einer  noch  altern  Stelle 
liegt  ,gottel'  schon  deutlich  vor,  aber  in  einer  sonst  nicht 
nachweislichen  Bed.  (irgendwie  viel),  welche  am  nächsten  an 
die  unbestimmt  verallgemeinernde  Bed.  von  gottgeh  (Sp.  70) 


Gat,  get-,  git,  got.  gut 


il8 


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</.  -/.,./ 

I.K. 

gnluzt:  .Dass  die  feiler  dehein  vocheDzis  brot  20,  30,  40 
rpiier  10  Toiii  viertel  oder  gottel  nit  bachea  sölleut.'  14G3, 
Z  Urk.  Das  vorgesetzte  e  ist  schon  Bd  I  12  aus  Ana- 
logie der  Formel  e  [in]  Gott«  Name'  erklärt  worden;  de  kann 
aus  de  =  der  [durch]  in:  de  Gotts  Wille'  erklärt  werden 
oder  aus  Herüberziehung  des  auslautenden  d  einer  voraus- 
srehenden  Verbalform,  ^u'*  hat  die  Bed.:  doch  (s.  Bd  171,  i). 
—  Nadidi'm  durch  die  Lautentstellung  der  urspr.  Begr.  der 
Kcjruicl  sclion  früh  verdunkelt  war,  musstc  sich  die  adv. 
Bed.  derselben  immer  abstrakter  gestalten,  wobei  verstär- 
kende Bed.  des  Ausdrucks  insofern  eintrat,  als  die  Gewissheit 
des  Sprechenden  bei  seiner  Aussage  nicht  mehr  vom  Willen 
Gottes  abhängig  gedacht  wurde.  Exakte  Übersetzung,  Um- 
schreibung oder  |i.  liiiitii.ii  allir  Nuancen  der  Anwendung  ist 
unmöglich.  Hci  i:,  lniiin  h  J  lasst  sich  aus  dem  Gedanken: 
,Wenn  Gott  will,  sn  i,t  am  h  Wunderbares  möglich',  oder 
aus  Fällen  wie:  .»  »i.ii  t  ;/.  niid  «"  (Ausruf  des  Erstaunens), 
erklären.  Der  Bed.  1  unsers  W.  kommt  am  nächsten  yottdenk, 
allerdings  (Schm.-Fr.  I  960).  Noch  abstraktere  Bed.  hat 
sich  entwickelt  in  den  folgenden,  weit  verbreiteten  Formeln. 
Gott-mer-sprich  gnpp-mp--  BO.;  Gi.;  L;  Sch;  Th; 
Xinv;  U;  Z,  Gommer-  Th;  ZElgg,  Gottmi-  Th,  Gott- 
merspricht  Bs  (Spreng);  B;  GsChur,  D.,  Pr.;  ZStall., 
Gotti-ersprich  AaF.;  ApK..  M.;  Gl;  LG.;  GF.,  Sa.,  Ta.; 
SiMiwE.;  Th;  üw;  Ü;  Zg,  -versprecli  ApM.,  Gottwol- 
.■<prich  L  (Ineichen,  neben  gotttner-) ;  Gattme rchld  Aa ; 
GO.;  W,  -chU  Bs  (Spreng);  Sni ;  Tu.  -rliiM  BBrisl., 
-litt  SRech.,  Gommer-  Th,  Chnitniivr-  S  did.  G.-mer- 
It..  -,/(/,,  S;  -chl,  auch 
AvKii..  -<lnh  TiiAtr.; 
Fh:  Gnllnvln.l  ArH., 
-, •/,,//  (;T.,  aolInrhUj 
Giipfcrrluil,  -kid  LE., 
atzen  vorn:  eis-  BO.; 
,/rw-GRD.,  so-Bs;  S: 
in  (lif  Üfde  eingesclialtt-tf  Fornjel  1.  zur  Erklärung 
und  Hervorhebung  eines  vorher  gehenden,  selten  zur 
Entschuldigung  eines  folgenden  Ausdruckes,  i.  S.  v.: 
so  zu  sagen,  als  ob  man  sagte,  wenn  ich  so  sagen 
darf,  so  viel  als,  gleichsam,  allg.;  zuweilen  mit  ironi- 
schem Beigeschmack,  i.  S.  v.:  ich  merke  wohl,  oder: 
du  wirst  mich  wohl  verstehen;  zuweilen  auch  mit 
vorangehender  oder  nachfolgender  Conj.,  i.  S.  v.:  so 
wie.  als  wenn.  G.  eusi  Chats  häd  aw''  e  Müs,  es 
kommt  Beides  aufs  Gleiche  ZStall.  .Nachbar,  du  hast 
doch  hier  oin.'i,  -.rhuu.-u  Haum  \m1I  Kir^.-l,,.,,  ■  Auf«. 
Ja,  Goftlll'rrhni,!.  in  IUI  n/  -■<  im  nlli  iilinrli.iiir  >. 
\Vo-n-r>'  Hur  ifsrhiitW  /,.(,,  1x1  'n  Iliuisr  lliirl,  im, Irr 
ein  Jlaiiiii  ifshiiiili:  und  häd  die  Bire  ij'rüemt;  Gott- 
menhil.  i"'  rlioiml-ciii  aW''  e  Sack  voll  (ß  AAEhr.  Es 
sagte  EiiiiT  villi  einer  Weibsperson,  die  Männer  seien 
ilir  iiielit  zuwider:  gottercheid  si  Ini  srhn  iiiit-ene  z'  tue 
l;i(.  unerlaubten  Umgang  gelialit  Ar.  '>  iliiiikt  mi,  so 
Hdjimerkind,  er  kämti,  wenn...  lis  ( Mreitenst.).  Er 
het-mer  Schmutz  [Butter]  und  Brod  ufg'stellt  [auf- 
gewartet], es  Gott  -  vier -chid,  a's  wenn  er  rieh  wir 
[wäre]  BSi.  Er  hed  d'rgllchen  tan,  es  Gott-m'r-chid, 
er  ti-imi  Nüd  d'rvon  BR.  Er  het  mich  b'suecht,  es 
Gott-mirr-chid,  er  mtnis  guet  mit  mer,  als  ob  er  mein 
Freund  wäre  B  oSi.  Er  seit,  es  tüeged  Alli  b'schisse, 
gopmersprich  [womit  er  sagen  will],  er  sig  ellei'  erli''' 
Gl.  Gottv^rsprich,  es  chänns  sust  Niemer  a's  er,  so 
duet  er.  ebd.  Karjosi  [cnnos]  ist  d'  Lufttüschig  g'si': 
Wr  hetti ,  a'ü-G.-vier-^iirirlif.  mäfir  meinem,  die  Gred 
[Gräte]  niw  Hnrluninii  <hi,  mlnnl  Eim  hert  vor  der 
Nase  Gal'r.  iSeli«  zd.).  Ki  ihniiutl  .iie-m^r  und  seit  — 
GoUrerchid:    ,  '■   tnll  ifr  liclj,"    I.E.     Er    ist   z'  adle 


Tu  All. 


g'gange,  g.,  er  sig  fromm  Ndw.  ,Damit  er  recht  jam- 
mere, gottversprich,  als  wäre  er  gebannt.'  Obw  (Lüt. 
Sag.).  Si  het  mi''''  Alls  für  si  lö  zale,  s„  (.'..„rr-rh;,,,/ : 
du  cliasch  wol  S.  Du  g'heist  's  Gehl  iimnii  ,r  II '/y 
use,  gottmerching  mir  chonnte  's  am  lUnli  uflisr". 
Schild.     Wenn  'nun  Biirh  „pf,i<  Xnis    „i--,,ii   .M.idi 

Sie''t,    so    SChujilt'il-'llir''    a/hiiinl.     ,i,,lhii,i;l,,l.     nli     sali 

im 's  chaufe"  S.u.     Du  <,ii   ,/,•■    iTr/linihi  Kuh.  '  ^  sri 


1''    liri 


illirr  ifll, 


Wie  iciiiii   I 
über  r/r  //,( 

i"'  hei  und  y'uaaj  a  iiiim  W d,  Tu,  .Kia  llen  habe 
gesagt:  Wir  Herrschaften  müssen  uns  mit  der  Feder 
beschäftigen,  Gottmerchit,  die  Feder  ist  nicht  für  euch 
Bauern'  W.  G.-m..-ch.  a's  wenn  's  eso  tväri  W.  I''' 
han  seilen  a's  G.-m.-ch.  chdse"  W  (Syn.  als  vil  als 
s.  Bd  I  776).  I  ha,  gottmerchül,  hit  [^heute]  d's  Al- 
muose  gege.  I  bi  dem  Chind,  a's  Gottmerchid.  Götti 
wordu  W.  De  Vettn-  h,„l  srlmUI,  in.  ,/„.  vr/,,r/-  .</ 
niid  füröüs:  dei  asr  (jniUiluh.  rs  sn  :'  ninniii'  Sii  v/.. 
, Meinten  diese  Herren,  der  \  i'iein  sei  dazu  da.  billig 
zu  verkaufen?  Gottmersprich,  als  hätte  die  alte  Ver- 
waltung teurer  als  sie  verkauft.'  Z  Freit.-Zeit.  ISiiiJ. 
Wo-n-ere  traut  ha  mit  dem  Ufchünde,  hat  si  nw  so 
d'  Achsle  zuckt,  gottmersprich,  si  chönn  na  g'nueg  derig 
Platz  ha!  ZStdt.  —  2.  Ausruf  des  Erstaunens,  i.  S.  v. : 
ist  es  möglich!  LE.;  as  G.-m.-ch.,  das  wäre!  W.  Syn. 
as  Gotts! 

Klar  scheint  zunächst,  dass  es  sich  niiht  nur  um  syn. 
(daher  sogar  auf  engem  Gebiet  wie  Ap  neben  einnniler  vor- 
kommende), sondern  auch  parallel  gebildete  Formeln  handelt, 
welche  beide  an  ihrer  Spitze  den  Namen  ,Gott',  am  Schluss 
eine  in  ihrer  Form  und  syntaktischen  Function  nicht  mehr 
deutlich  erkennbare  Verbalform  enthalten.  IHr-  lit/tori-  fainliu 
wir  ähnlich,  nur  in  geringerem  Grade  viiIiiinI!  i  i  '.." 
well.  Besondere  Schwierigkeit  machen  al"  r  li.  i  i..  ,  i  in  n- 
liegenden  Bestandteile,  welche  bald  ein  l'iiii\  i  .  ,  ".-/. 
bald  ein  Pron.  pers.  {mer,  mir)  zu  enthalten  si-beiuci] ;  ein 
drittes  Element,  das  Adv.  nW,  findet  sich  bei  uns  nur 
schwach  bezeugt,  viel  stärker  in  andern  MAA.  Wenn  es 
unsicher  bleibt,  ob  ein  urspr.  Präf.  in  ein  Pron.  verwandelt 
worden  sei  oder  uragek.,  so  waltet  im  Übrigen  wenigstens 
der  eine  günstige  Umstand,  dass  die  beiden  Vba  in  der 
lied.    ,s]ircchen'   zstreften   (ahil.   ipi.-.l.,,i.    .■h(ii-ir.l,u,.    :'..  V.  Sg. 


in  Betracht.  Die  Haiiptli  i;:r  liliil.i,  «-Irin 
bindung  des  Namens  .(lutt'  mit  ihn  \rtli: 
haben  mochte,  seien  mm  ili.  m>  aN  Iml  .  h 
Kpreeh]  aufzufassen.  IIimm"  i|.  i  at/i-m  . 
Formel  mag  dieselbe  ur~|a  .1.  n  ^nm  -.  liaM 
Sprechende,  um  einen  Be^i  imli.  il  ->  uh  j  Unlr  h,  i  v.ir/.ulielien. 
bestätigend,  erklärend,  lj.4l  iileii;li,-.am  aU  lieivalusniann  ein- 
führte, i.  S.  V.  Gott  verbürgt  oder  gestattet  [mir]  diese  Aus- 
sage. Die  Anwendung  mochte  also  urspr.  auf  ernsthafte, 
bedeutsame  Fälle  beschränkt  sein,  für  welche  die  Anrufung 
des  Heiligen  gerechtfertigt  schien.  Allmählich  wurde  die 
Formel,  wie  alle  Beteurungen,  missbraucht,  ausgedehnt  und 
abgeschwächt,  bes.  aber  aus  dem  Sinn  einer  Bekräftigung  in 
den  einer  Erklärung  herübergezogen,  i.  S.  v.  lat.  »tiViiii, 
welches  auch  oft  ironische  Färbung  annimmt.  Die  Knt- 
wicklung  wäre  ähnlich  wie  bei  gottwell.  Fromm.  (Ztschr.  III 
394  ff.)  hat  versucht,  mit  Hervorhebung  der  Fo 

,will'|  zu  erklarmi  Mli.aiii  i  in  m.rli  nahm'  I 
bringen,  so  das^  -j.n.li  uml  l.ii  iim  Zuvai.T  i 
gelänflgen    Fmmii     uaien;    ,ibei     .lie.v     KilJ.uu 


ass  de 


■lii;,l- 


Gat.  get,  git,  got.  ,a'"t 


520 


schon  an  der  Tatsache,  dass  yottu-uUjrrich  bei  uns  nur  ein 
Mal  bezeugt  ist  und  dass  bei  den  weit  überwiegenden  andern 
Formen  nirgends  das  -el  von  gottel,  rioj>pel  erscheint.  —  Be- 
merkenswert ist  eine  Ton  Lexer  I  1052  angeführte  Stelle; 
jgleich  als  got  Djtricht.'  Dass  got-mer  aus  guot-man  entstanden 
sein  könnte,  wäre  nicht  unmöglich,  wenn  sich  für  Letzteres 
die  Bed.  ,der  gemeine  Mann'  (als  Träger  der  üblichen  Sprache) 
nachweisen  liesse;  Tgl.:  .[Sie]  dröwtlud,  dass  wir's  wol  hören 
wurden,  als  got  man  spricht,  waran  wir's  geessen  hetten  [wo- 
mit wir  es  verschuldet  hätten].'  1529,  Strickl.  ~  Zu  gopjjer- 
Tgl.  bigopji;  s.  Gott  11  1  h.  Die  vorgesetzten  Wörtchen  ««, 
j«,  «o  erklären  sich  aus  ,als'  (Bd  I  197);  das  ist  vielleicht 
nur  aus  a«  entstellt,  mit  herübergezogenem  d  eines  voran- 
gehenden Auslautes;  es  kann  abei-  auch  als  Demonstr.  oder 
Conj.  erklärt  werden. 

B.  abstr.  1.  alleinstehend,  meist  in  Ausrufen, 
a)  des  Schreckens.  Jeses-  (Z),  entstellt:  Jcre-  (U), 
JegeriCs)-  (Aä;  S),  Jegerli-  (Z)  (?. .'  In  ünsem  Garto 
sind  d' Henna,  Her  Jegerli  G.  aw'' !  GnSehiers  (Schwzd.). 
Ach  min  G.!  Z.  Min  Gotteli!  BGu.  Ach  min  Götteli 
doch  ö  [auch]!  ß.  —  b)  des  Schmerzes.  Bedauerns. 
G-es  Trost!  BBurgd.  Vgl.  auch  , erbarmen'  A  1  b)  '2) 
—  c)  des  Erstaunens.  As  Gofts!  das  wäre!  W;  Syn. 
as  gottmerchid.  Wunder  G..'  Gr  (Kuoni).  Es  nimmt- 
mi"''  aW-  G.  Wunder  B.  {Wunder  Gott  viell.  ent- 
standen aus  linder  G.,  s.  o.  —  d)  der  Beteurung.  Ja  's 
der  G..'  B  (Kuhn  1819).  Bas  ist  en  böse,  ja 's  der 
Gott!  B  (Schwzd.).  Verneinend,  ablehnend:  Ne's  G.! 
BGu.,  Schw.;  s.  Bott.  Wärli''-  G.!  Av  (Merz);  auch 
schon  1639.  G'tciss  {g'wüss  Z)  <?..'  Th.  Mi'  G.  Sei! 
B,  Tgl.  ml  guet  Sei.  Bi  G.!  Bs;  Gr;  L;  S;  W;  Z, 
hi  Gatt  ZAnd.,  hi  Gotts  Aa;  Ap;  Bs;  ScHwE.;  S;  UwE., 
U  gost  Aa;  ApI.;  BsLd;  Gl;  Gr;  ScnSt;  S;  Ndw; 
U;  Z,  &i  gast  Ap  (auch  z'  gast  und  göst  allein),  hi  gopp 
Aa;  Ap;  Bs;  B;  L;  Ndw;  W;  Zg;  Z  (,bei  Gop.' 
UBRiGG.),  hi  göpp  ÄAWohl.,  anderswo  auch  bigops, 
-geps,  -göpsch;  bi  goch  AAZein.;  Ap;  G  oT.,  bi  gold  Ap, 
bi  gög  AAZein.,  bi  hopp,  -hott  AAWohl.,  bihopps  Schw, 
-hotts  (Erzähler  1855).  Erweitert  durch  angehängte 
Silben:  6)  gopper  Z,  -gapper  GWa.,  bi  gnpperement 
AaF.,  hi  goffert  Sch  (auch:  bim  Go/fert  ScnSt.),  -lig, 
-lieh:  bi  gopplig  Aa;  Ap;  Bs;  L;  S;  Ndw;  W;  Zg;  Z,  bi 
gottlich  BBe.,  Si.,  bi  gottlig  B;  Z,  bi  goppligc  S;Ndw, 
-liger  AAFri.,  bi  güpschliche  Bs,  hi  gochUger  AAZein.; 
Ap,  bigotdigCe'J  AaF.;  Af;  Bs,  bigopslig  ZO.,  bi gostlig 
Ap;  BLenk;  Z.  Assimiliert:  bi  gollig  (Sp.  '217)  AAFri., 
-öl-  U;  bi  gotzig  Aa,  hi  gönig  Aa;  LG.  Do  schläft  er 
bigotts  zum  Felsen  i'  Ap  (Schwzd.).  Hä  higoppUg 
denn  aW'',  bist  du  do?  [Verwunderung].  Es  isch  bi- 
gopplig  Alle''  recht.  Jo  g'wüss  bigopplig!  ,Wir  [be-] 
zahlen  behotz  für  die  Alpen  genug.'  LKInderbitzi 
1831,  wo  auch  ,byhots'.  Nä,  gast  en  Lärmen  om  e 
so  e  paar  Chriesi!  Merz.  Die  chönnd  bi  Gostlig  aW'' 
im  G'siad  [Staat,  Putz]!  Stütz.  ,Bei  Gott!'  Mvricaüs 
lö30.  Götz  (s.  auch  Bntz)  mit  folg.  oder  zu  ergänzen- 
dem Subst.:  ,Von  den  lestere[r]n  Gottes.  Die  so  us 
muotwillen  by  Gottes  allmächtigkeit,  barinherzigkeit, 
krankheit,  touf,  saerament,  marter,  lyden,  wunden,  kraft 
und  dero  glychen  schwerend,  will  ich  an  lyb  und  leben 
strafen.'  1530,  Absch.  ,By  G.,  by  Getz  himmel!'  HBull. 
1531.  ,Wer  da  schwüeri  by  G-es  wunden,  marter 
oder  ander  schwüer,  so  feren  darin  G.,  getz  oder  hetz 
oder  ander  derglychen  wort,  soll  das  ertrych  küssen.' 
1542, Gl.  Gwardiknecht:  ,Dass  dich  getz  Unfall  sehend!' 
Aal  1549.  ,Götz  Lutz!'  GGotth.  1599.  ,Ja  G.!  Nein 
G.!  Gottschänd!  Gnttstauf.  -Luiden,  und  was  dgl.  ab- 


scheuliche Fluch  und  Schwur  mehr  sind.'  KGwerb 
1646.  S.  noch  Fleisch,  Grind,  Liden,  sammer.  Wunder. 

—  e)  dringende  Aufforderung:  ,Packend  üeh,  als  lieb 
üch  sei  G.'  HBüll.  1533.  —  2.  in  stehender  Verbin- 
dung, z.  T.  Construction  mit  andern  WW.,  meist  in 
verstärkendem  S.  a)  in  der  Form  des  Gen.  a)  vor 
Adjj.  G-s  erhärmli'''  {-verbärmtli  Bs.  It  Allem.  1843, 
-bärnkli''''  ZO.),  ,zuni  Gotterbarmen'  schrecklich.  Dert 
wird  's  denn  allweg  gottserbärnkli  si.  Stutz.  Als  Adv. 
=  im  höchsten  Grade  Ap;  Bs;  G;  Uw;  Ü;  Z.  Das 
Chind  het  g.-e.  g'schraue'  [geweint].  G-s  jämmerli''', 
jammervoll,  ,dass  es  G.  jammert'  Ap;  Bs;  Gr;  Z.  Es 
hät-en  g.  j.  g'ge",  er  hat  sich  schrecklich  verletzt. 
G-s  sträfli''',  eig.  , vor  G.  strafbar';  ungemein  Ap;  Bs; 
G;  S;  Z.  Er  filert  e  g.  str-s  Lebe',  tuet  g.  str.  wüest. 
G-s  lästerli''',  gar  sehr  Bs;  Z.  G-s  allmächtig,  ge- 
waltig ßs;  Z.  G-s  vergessen  s.  Sp.  454.  G-s  z'fride", 
ganz  z.  B.  Mueter  G-s  ellei",  ganz  allein  Th  (Pup.) ; 
vgl.  Bd  I  275  und  gotzig.  Llb  und  G-s  bar,  üf  und 
G-s  nider,  ganz  ähnlich  im  Äussern,  leibhaftig  U;  vgl. 
Bd  I  259.  ,All-g-s-samen',  alle  zs.  Euef  1550;  GGotth. 
1619.  —  ß)  vor  Substantiven.  Uf  der  G-es  [ganzen] 
Welt  Ntld  Ap;  B;  U;  Z;  Vgl.  kei  gottigs  [einziges] 
Bitseli.  Das  G-s  liebi  ZU!  Ausruf  des  Mitleids.  W 
Sag.  268.  ,G-s  lange  zyt.-  HsStock.  1519.  Verbunden 
mit  ,all':  AllerfiJ  G-s  (-lih.i)  Dinge,  beinahe  GfiPr.; 
GO.  I"  der  Vernöti  [Not]  hätten  sch'  aller  G-s  Dinge 
die  giftigen  Börde"  iguorget  Gr  mPr.  Syn.  aller  G-s 
gär  Sp.  396.  En  aller  G-s  Mal,  nur  ein  einziges  GRHe. 
Hieher  scheint  auch  das  eigentümliche  (aus  ,Gotts' 
vergröberte?)  gottst  (mit  weggelassener  Negation)  =gar 
kein,  kein  einzig,  zu  gehören  W.  Gottst  en  Brosme 
hei-wer  noch;  Syn.  kein  gotzige.  Gottst  e  Strappo, 
e  Bitz,  nicht  das  Geringste.  Ich  gibu  gottst  e  Chrizer 
me  W;  und  mit  vorgesetztem  di:  Di  Gotsch  q  Gattig, 
bei  Gott  keine  ,Art'.  Etcers  Meidji  hat  hit  di  G.  a 
Gattig,  ihr  Töchterlein  ist  heute  ganz  unartig.  — 
b)  in  der  (scheinbaren)  Form  des  Dat.  Gotfefrö,  herz- 
lich froh  B;  Z.  G-e  g'nueg  {got tel-pmueg  ZWyl),  auch 
herrg-e'-g.,  ganz  genug,  reichlich  Ap;  Bs;  Gr;  Th;  Z. 
Heid-ar  eutcn  Schualmeister  gern?  Antw.  Ja,  aber 
g-e'-gnueg  [ja,  bis  zum  Sattwerden]  GrD.  Eine  hei- 
ratslustige Person,  die  in  GrD.  nicht  zeitig  genug 
,an  den  Mann  kam',  soll  gesagt  haben :  Schi  welli  gan 
Amerika  und  dort  grad  G-g.  hürata  (ß.).  S.  übr.  auch 
noch  gottig;  vgl.  das  viell.  auf  die  richtige  Erklärung 
führende  Sprw.:  Gott  und  g'nueg  sind  bi-n-enand  Aa 
und  schon  bei  Kessl.:  ,Ir  werdend  des  alles  G.  und 
g'nuegsamen  underricht  finden.'  Verstärkt  durch  vor- 
gesetztes , übrig'  und  mit  der  Entstellung  gotze-  (deren 
z  aus  den  gen.  Formen  (vgl.  gotts-g'nueg  ZB.)  herüber- 
genommen scheint):  übriggotze-g'nueg  GrPt.,  Sch.  Vgl. 
noch  Bd  I  12.  —  (HerrJ  Gottewol  z'  fride  (Z)  neben 
Gofts-z'fride  (B). 

Zu  A.  Der  PI.  ,Gött'  neben  , Götter'  erscheint  auch  bei 
JMurer  u.  Hsv.Rüte.  —  Die  volle  Endung  des  Gen.  bei  2  a 
ist  t.  aus  der  Schrift-  (bezw.  Bibel-  oder  Kanzel-)  Spr.  her- 
ubergenommen,  t.  einem   rhythm.  Bedürfnisse  zuzuschreiben. 

—  Zu  4  b  2  ß  gehört  auch  die  Formel  G.-wilche,  welche  u. 
wlUkumm  folgt.  —  Zu  B.  Das  in  einigen  Formeln  bei  1  c,  d 
vorkommende  <•«,  i«  ist  Bd  I  198  aus  ,als'  erklärt.  In  mi" 
(J.  Sei!  kann  C,  wenn  es  nicht  mechanisch  verstärkeud  zu- 
gesetzt ist,  aus  verkürzter  Dat.-Constr.  erklärt  werden  (meine 
G.  gehörende':').  Die  Entstellung  (bi)Goet  ist  wohl  eine  un- 
mittelbare, nicht  etwa  auf  Umstellung  von  (-»  in  ,Gott(e)s' 
mit  hinzugedachtem  Subst.   beruhnnrto.     Gfonurmeni  ist   nach 


Uat,  get.  sit,  i;(»t.  i;'ii 


Analogie  von  Sa!.i-nnrnt  zu  erklären.  Abweichend  vom  iibrigcMi 
Sprachgebranch  ist:  ,Ja  G.!'  i.  S.  v.  ,G.  Lob!'  Rlicger  IfiO« 
(318,  14).  —  Bei  ,Mneter  G.  allein'  ist  ,M.  G.'  nicht  in 
der  dem  kathol,  Sprachgebrauch  geläufigen  Zsfassung  zu 
nehmen,  sondern  beide  WW.  getrennt,  da  nach  Bd  I  27,5 
auch  .Mueter'  für  sich  'sHinn  zur  Vcrstärknn?  vm  .allein' 
gebraucht  wird;  vgl.  dir  jlinli.'li  v.ruiiiilct.ii  Ailjj.  ■/""!;/. 
gntzifj  \xriA  (jöHlu-h.  Wii.*  :ilir  i  .-//.  /  <; -^  i -I /■  Im  i  /'nni'  .Im  ilrilie" 
bedeuten  kann,  ist  nii-lit  nsi.litli.h  {ll,li,i  kann  :lll^  hrhuu. 
Leichnam,  verkürzt  sein,  das  in  Verbindung  mit  .(iott',  und 
dann  auch  allein,  früher  verstärkend  gebraucht  wurde,  z.  B. 
Ilr-ham  vil,  sehr  viel;  vgl.  die  im  Text  angeführten  altern 
Betcurungsformeln).  In:  di  GolUch  ist  seh  die  gewöhnliche 
Vergröberung  von  auslautendem  «  und  di  euphem.  statt  hi. 
~  In  tjottegnueg  usw.  ist  -<•  entw.  nach  Bd  I  1'2  zu  erklären 
oder  es  ist  ein  unorganisch  nachgeahmter  CiimpMsitionsvoc. 
.ider  Stellvertretrr  rinrr  ^rlnvarlini  lirkl.-F.inii  vnn  (/.,((/-,";, 
welche  bes.  in  r.iiiii'p.  mit  //-  > ,  -(•'■■ii  iirlim  -s  si;i[k  lin  \  ni  i  riii, 

mationszeit  tlor  (fiiU.lir)  (•.  .Irr   i;rl'..rini( 


l'..rinierteii.  ,Maii 
(■litii;:'ii|  der  cal- 
'tvll.  -  Abgöt- 
Ha  man  üch  [Re- 
,586.  Absoh.    Ebso 


terer:  Verehrer  eines  Abgott 
formierte]  kijtzer,  abgöttever  nei 
bei  Spreng,  der  e.s  auch  durch  gleichbedeutendes  , Ab- 
götter' erklärt.  —  Abgüttler:  dass.  ."Die  beiden, 
die  a.-  LLav.  1587. 

Gnade"-:  Gott  der  Gnade,  gnädiger  G.  0  du 
G.l  ZS. 

Herr-,  Herij.-t  AAHold.;  Ap;  BsLd;  B;  Gl;  L;  Sch; 
S;  Th;  Ztw.,  Hn-gnt  Wtw.,  Ha-(i.J  UwE.,  He'get  A?l., 
Hiri-G.  (Aiiraii-  r\\u-~.  ulicn  (iclictrs)  =  Gott,  und  zwar 
auch  i.  S.  V.  riin,iii,  in  hl  ll"-li.',  ;il-  'in  V"''J.\-.  gedacht, 
nicht  das  cinr  W.  aN  Apim..  ,.nw  aihlnn,  da  das  ein- 
fache W.  .Gott'  in  eoncr.  Bed.  übh.  vom  Volke  nicht 
gebraucht,  sondern  entw.  de'^  lieb  G.  oder  dann  eben 
de'-  H.-G.  gesagt  wird;  auch:  de'  lieb  H.  Z.  der  lieber 
II.  Bs.  S<i  vil  >!'■<  drr  /,,  Shi,/,,'  vhorhf  r...  Sui^ar 
im  Dat.:  Verein:,,!,,,,  ,  »-  In  h.rh.mri  ^  ,.lnarl,,i.  /.•„.■<e 
H.  rerlod  /,r"  .sr/,,r,  :.r.  ir^,,^  ,l,rSrh,r.  ,„  ,n,l  r„rlirr 
rerlfi"  hnl  Inkmun.  /„  ,sn„  IL  ,/.-".  .t-Tlirii  Nnw. 
Bi^  s/  ;7Ws/  ,/,,-  l\.rlr  .rinJl  [an-  .|h.„  ].rl„.|,  ;,1,-,-- 
rufenl   Inil   {,Sa.     A'-or  //.  ,nnl  ,1,"  inni,"   1  I  Im«  r,  .„  ii- 


Wnl 


gesi.r.  r\n'  II.  irrll  ,  's  Ini.li  r..\  ,,  rnrltr- !  Vs,'  II. 
ivird  S    srin."    1,1. irh,-'       l\r    II.    ,rr//-,x    |  uns  |     /,7,»Wr"/ 

Um-Ueir,j.,tl^ch  Tullc-Tmllt,  ein  Kmlaltiyer  W  [nach 
dem  alten  Glauben,  dass  die  Einfältigen  unter  be- 
sonderer Obhut  G-es  stehen].  ,Brot  durch  unsern 
Herren  Gott  [um  Gottes  willen]!'  Bs  XIV.  ,Dass  er 
mich  zuo  den  ostern  in  die  kirehe  fuorte  und  hiess 
mir  unsern  herren  gott  [die  Hostie]  geben.'  Nicol. 
V.  Bs:  s.  noch  6»'ö(m.  ,Er  fart  dem  Herrgott  [Hostie] 
übern  rucken  und  radbrechet  in  zue  dry  stucken.' 
UEcKST.  ,N.  N.  reus  7  ß  gegen  unserm  herren  gotte.' 
1403,  L  (Seg.),  nach  dem  Statute  von  1252:  ,Swer 
gegen  unsern  herren  g-e  dcln'in  srlieltwort  gctar 
gesprechen,  soll  [es]  bessern.'  .Iii^'M"  und  .lieb"  vci- 
bunden:  User  (THTäg.).  ischc  {W  ]  lieh,-  11.  M\i  best. 
Art.:  De  H.  hat  's  f/tiet  iiiif-ls  ;i'mei,if  Z.  Das  i.tl  e 
Siipjje  [so  dünn],  me"  »/".wc/i  |man  siihe]  dr  11.  der- 
dnr^'' dmsele'  [leise  hindurcligehen]!  Oim.  TsY/sr  »■;> 
f/C  H.  am  Chrüz,  abgezehrt,  elend  SchwTiil:j  /.'s 
hein-en  [haben  ihn]  all  (j'ert,  trie  wenn  er  grad  ;<.'-'  m 
H.  Cham  S.  De  Sämi  [Samuel]  ist  e»  H.  [-utiinMml 
g'sl",  er  lull  d'  Lid  gu  hi  |gehen  lassen]  Gi..M"ll.     Du 


lerst  [wirst  lernen]  g'irüss  im''''  's  lleri-G.  [jenes  alte 
Gebet]  beten!  Warnung.  Wo  der  H.  en  Arm  use"- 
streclU,  wo  ein  Wirtshaus  zur  Einkehr  ladet  L;  Z. 
De''  H.  wöll-i  au'''  de"  Lö  im  Himmel  de  für  ge,  Dank- 
formel. Der  H.  tuet  nüd,  er  iceiss  [ohne  zu  wissen] 
worum.  Ineichen.  Wenn  Hin  de"  H.  gäng  uf  der 
Zunge  hat,  so  treit-er  de"  Düfel  im  Bieter  [Tasche]. 
Übertr.  auf  (bildliche)  Darstellungen  von  Gott  (resp. 
Christus).  ,Ein  herrgott  an  der  wand.'  UEckst.  Klag. 
,Der  vermuhmt  Herget',  der  Schauspieler,  welcher  die 
Rolle  des  Chri.stus  hatte.  Scuimi'fr.  1G51.  Crucifix 
GbD.  Audi:  //.?„■  H.  Th.  .Der  kleine  H.'  XV.,  L. 
Dim.  llrrmHi.  -'i-i:li,  -gitli  (Uw),  Herrgöttesli,  kleines 
Christu-liiM.  s^lrlie  sehiine  Hergötzli,  wie  zwei  da 
autyrni.ilrl  ..;:■„.■  {Imni.  .I'rtart-H.'.  am  Himmolfahrt.s- 
ta-r  in  der  Kiivl,,.  ant-.v,._;vne,  Clni.lu.bild  (vgl. 
lld  I  liKüi).    I  l'.'T.   /.  All/.     ,l>a^   i^l  rill  iiihT,  dass  man 

zue   heiz   sa-t:    li.Tr-nii,    iin arhl    mau  ye   US  gott 

ein  sp.iii.-   I  iiek-i.     S|MiMi-.li   liliertr.  auf  Menschen: 

Jb})!    llnL.lir    IL.    ,\r,-     linllt     \|rl    \rriliag.     SüLGER.       HerV- 

göttli,  Einer,  der  -eh  -m,.  <|iiiiki  S.  Von  verzogenen 
Kindern:  Du  .Mn.hr  wm.l.  n;.  CILnul  .n  es  H.  Z. 
Hie  channsf  du  nnl  's  //.  uunlh  iru  hm  (iii's.<eltere"  B. 
,Je  übersüniger  [lieehunitigl  einer  tut.  desto  ein  grös- 
seres Herrgötzli  machen  die  Leute  aus  ihm.'  Gotth. 
Auch:  kleinstes  Glas  Bier  ['/i  Liter]  Bs.  Übergehend 
oder  übergegangen  in  abstr.  Bed.  (vgl.  Gott  B),  wobei 
als  Gen.  (':')  nelien  Uiii-ijutts-  auch  Herrgotte"-  vor- 
kommt, a)  verstaik.'ud.  ai  vor  Subst.  D' E-e'-Sunn, 
die  liebe  Sonne,  aneh:  dir  lul>  H-e"-S.  Stutz,  's H-e"- 
Liechtli,  der  M.iud  ( l<ils|.r.).  Uf  dr  ganze",  liebe", 
H-e"  Welt  Z.  Dir  srhmi  ll-e-  W.  Stutz.  0  wie-n-en 
H-e"  Tag!  ebd.  !■''  inm.irh-dr  [wünsche  dir]  's  H-e" 
Glück!  Z.  Am  H-e"  Werchtig  [Werktag]  spaziere"! 
Stutz;  vgl.  hiezu:  Dem  H.-G.  de"  Tag  abstele",  ein 
Müssiggänger  sein,  's  H-e"  Brot,  das  1.  Brot,  das  Br. 
als  Gottesgabe.  De'-  ganz  H-e"  Tag  G;  Z.  Syn.  ge- 
schlagen T.  All  H-e"  Auge"hlid;  Streich  [j\Ial]  ZO. 
's  ganz  H-e"  Jür.  E  H-s  Bitzeli,  ein  ganz  kleines 
Ilissehen  SeiiTTa.  Vur  rohen  Sehimpfwört.-rn :  llcrr- 
,l.,lls-IL„irL-('linh.  -Lin,iirr.^.\liHlri,\u-.nnr  -eheivli.  I. 


hri 


nh    h, 


[Bot,- 


.;„,»///,  -^rhlrrlil.  -siliuii  ■/,.  Ilrn.lullisl- 
;,  11..  .Das  «u.sseiid  wir  Uerrgett-wol 
'.uiN.ii.i.  ,Üass  er  uns  h.-gern  bereden 
i',1  iiianglet's  herget-wol',  bedarf  es  gar 
sehr.-  lüT'J.  ITuul.  —  b)  in  Ausrufen  des  Erstaunens, 
Beteurungen  udgl.  Potz  H.!  Z.  Bim  H!  Gl;  z'  H. 
au"'!  Z.  H.  und  Elfi!  W.  H.  vo"  Ninive!  Bs;  L. 
H.  vo"  Strassburg!  Bs.  H.  v.  Mannheim!  Bs;  LM. 
H.  V:  Prattele"!  H.  Schwed  ahenand!  Aa.  —  c)  in 
der  RA.  Eini  (nüt)  's  H-s  s'i",  sieh  hüten.  ,Bis  mer 
d's  Hergets!  vide,  quid  agas!'  Id.  B.  ,Aber  gell,  du 
kiiinnist  diese  NaclitV  bis  mir  d's  Hergctts  und  komm 
iiielit!'  (iiirrii.  .Der  Hauer  sagte  mir,  ich  solle  nicht 
d's  H-s  sein  |  wagen  |.  ihm  mehr  über's  Dachtrauf  zu 
kommen.'  ebd.  Bis  mer  's  Hergrjs  und  tue  mer  daJS, 
verbietende  Drohforra  ZZoll.f,  oGlatt. 

Auf  Erklärung  der  den  Ausruf  H.  !  be^'U-iteudon  Orts- 
iiiuiien  müssen  wir  verziriiini ;  iir^|n  .  njnii  .  iihlt  Mrll.i.iit- 
Naiiieii   von  Orten,   wo  se-h  l.rk.mnii    riMi-.tii-leia I     i.i-ll 

[\-^].    .Gott').      ,Ninive'    licvi.lil      -eh    \Mn'elll     .ml     .m  \  I'. 


Gat.  get.  git.  got.  .sut 


524 


über  jene  Stadt;  .Sehwed'  auf  die  Furcht  vor  den  Schweden 
im  30jährigen  Kriege,  wovon  noch  viele  Erinnerungen  haften; 
Elß  auf  die  herannahende  Mitternacht  und  Geisterstunde  als 
Ende  der  (Tages-)  Zeit.  Ebenso  schwer  zu  erklären  ist  die 
nnter  e  angeführte  KA.,  bei  der  noch  der  seltene  Fall  vor- 
liegt, dass  B  eine  solche  Einzelheit  mit  Z  gemein  hat,  während 
sie  aus  dem  Zwischengebiet  nicht  bezeugt  ist.  Der  Gen.  aber 
wird  wohl  zu  verstehen  sein  wie  in  den  am  Schhiss  von  n  a 
angeführten  Zssen,  welche  eine  Verwünschung  enthalten. 
Dass  Hengottsstüd  aus  Hergert  entstellt  sei,  s.  Sp.  442  o. 
In  einigen  Ortsnn.  ist  laut  Gfr.  20,  276  .Herrgotts-'  aus 
.Hergis-'  (, Hergers-')  umgedeutet.  Bemerkenswert  ist  die 
■Verbindung  des  best.  Art.  mit  dem  Fron.  poss.  .unser'  und 
mit  der  starken  form  des  Adj.  (lieber),  ein  Zeichen,  dass 
die  letztern  mit  dem  Subst.  fast  untrennbar  verwachsen 
waren.  Heri  ist  Überrest  des  alten  lierre.  Über  -c"  im  Gen. 
neben  »  s.  Anm.  zu  Gott. 

verherrgotte":  zerstören,  beschädigen  Aa;  Bs; 
B;  L;  S.     ,Sein  Geld  v.',  verschleudern  B. 

Von  der  verheerenden  Gewalt  der  von  Gott  beherrschten 
Naturelemente  oder  euphem.  für  vertüßen;  viell.  hat  auch 
,verhergen  [verheeren]'  mitgewirkt. 

Brot-Gott:  Hostie.  ,Die  Anhiittung  des  Brots- 
gott (sie!).'  ClSchob.  1695;  vgl.  .brötin'. 

Wand-:  Barometer  Ap  (scherzh.).  —  So  genannt, 
weil  er  (gleichs.)  Orakel  erteilt. 

(bi)gotte":  (häufig)  bei  G.  schwören  AaZ.  1815;  L. 

—  ver-:  (tr.)  Etw.  bei  G.  beschwören  LE. 
ver-gottet,  -gö-:  .heilig,  canonisiert,  in  die  zal 

der  Götter  eingeschriben,  zuo  einem  Gott  worden, 
divus.  Vergöttung,  da  man  einen  under  die  Götter 
zeit,  apotheosis.'  Mal.  Die  Täufer,  welche  durch  ek- 
.statische  Worte  und  Verzückungen  grossen  Eindruck 
machten,  galten  als  , vergottet'  oder  in  Gott  vertieft. 
EfiLi  1887. 

gottig:  1.  Adj.  einzig.  Nur  in  Verbindung  mit 
der  Neg. :   Icei'  g-s  Bitzeli,   Briismeli   Z.     Syn.  gotzig. 

—  2.  Adv.,  begriifsteigernd  vor  ,genueg'.  KSteiger 
1839.   -    Zu   1   vgl.   ,auf  Gottes  Welt  Nichts'. 

gottli'"''  G,  sonst  gä-:  1.  in  Gottes  Namen.  I''' 
danh-if''  g.,  Dankformel  der  Bettler  Bs.  —  2.  a)  in 
göttlichem  Eechte  begründet.  ,Dass  wir  das  ändern 
mugend,  wie  uns  bedunkt  das  g.  und  billich  .sye.'  1467, 
ZRatsver.  —  b)  herrlich,  sehr  schön,  eig.  =  wie  es  aus 
Gottes  Hand  hervorgeht.  Göttli  Wetter,  en  göttliche 
Tag  Z,  en  g-e  Wi".    's  iscli  gottli  guet  G. 

gottshaftig:  leibhaftig,  identisch.  Das  ist-ne 
[ihnj  ;/.  Auch  amplificiert:  Hb-  und  bor-  und  g.  ZO., 
Wthur.    —   Eig.   ,wie  Gott  Einen  geschaffen  hat'. 

lieber-göttig,  -göttisch:  1.  holdselig,  freund- 
lich (eig.  wie  der  1.  Gott) ;  i.  S.  v.  frömmelnder,  süss- 
licher  Sehnsucht;  schmachtend,  geziert.  E  l-s  G' sieht 
mache";  en  l-e  Ma"  Z.  —  2.  jämmerlich.  ,Zu  einem 
arbeitseÜ!.''/!!.  ranilii.'c)i  Gesellen  sagt  Einer:  du  siehst 
so  1.  uml  al>~.li:if/,i^  aus,  dass  ich  darfür  halte,  der 
Tod  sei  dfiii  Si:li\\a;;rr  und  der  Lazarus  dein  Bruder 
gewesen.'  Schimpfr.  16.51.  —  2  von  dem  Ausrufe  des  Er- 
staunens:  ,lieber  Gott!'  abgeleitet. 

Stei"hauer-Gotelette"  f.:  Kä.se  und  Brod  BStdt. 

Gotte-  f.:  1.  Taufpatin,  allg.  ,Die  Gott,  die  das 
kind  usser  teuf  gehebt.'  um  1400,  TuDiess.  Ist  sie 
eine  Verwandte,  so  wird  sie  Bas-,  B(isi-  (Tante-)  Gotte 
betitelt:  auch  Gotte'-Bäsi.  Gröst't  [gerüstet,  stattlich 
gekleidet]  icie-ne  G.  Ap.  ,In  seine  Haare  hatte  Lise- 
bethli    ein   Kränzlein,   dem  Brautkranz   ähnlich,    und 


an  seinen  Busen  ein  Maielein  gesteckt  zum  Zeichen, 
dass  es  eine  freie,  ledige  G.  sei.  Freundlich  stach 
sein  heiteres  Angesicht  gegen  die  ernste  schwarze 
Kleidung  ab.  die  es  trug;  man  sah  aber  wohl,  dass 
es  in  seinem  weissen  Körbchen  einen  nagelneuen  Rock 
von  heiterer  Farbe  trug,  um  ihn  gleich  nach  der  Kirche 
gegen  den  schwarzen  zu  vertauschen.-  Breitenst.  1860. 
,In  der  einen  Hand  die  schwarzen  Schnüre  eines  grossen 
blumenreichen  Wa(r)tsäckleins,  in  welchem  in  ein  fein 
weisses  Handtuch  gewickelt  eine  grosse  Zupfe  stak,  ein 
Geschenk  für  die  Kindbetterin.  In  der  andern  Hand 
trug  sie  ein  zweites  Säcklein  und  in  demselben  war 
eine  Kleidung  für  das  Kind  [s.  G.-Hemd,  -Kittel,  -Bock, 
-Gewand],  nebst  etwelchen  Stücken  zu  eigenem  Ge- 
brauch, namentlich  .schöne  weisse  Strümpfe,  und  unter 
dem  einen  Arme  hatte  sie  noch  eine  Drucke  mit  dem 
Kränzchen  und  der  Spitzenkappe  mit  den  prächtigen 
schwarzseidenen  Haarschnüren.'  Gotth.  .Himmelangst 
ward  es  mir,  was  die  Leute  so  zu  einem  alten  Narr 
von  Frau  sagen  würden,  welche  [als  Patin]  ihr  Gross- 
kind mit  einem  Kränzchen  auf  dem  Kopfe  zur  Kirche 
trage.'  ebd.  ,Wie  es  manche  Gotte  machen  möchte, 
die,  einmal  gebeten,  nicht  warten  mag,  bis  sie  das 
Kränzchen  aufsetzen,  das  hoffärtige  Büschelemüli  ma- 
chen, hinter  den  Tisch  sitzen  und  die  Füsse  ob  Wein, 
Voressen,  Bratis  und  Tateren  [Torte]  erwarmen  lassen 
kann.'  ebd.  D'  Bäsi  hätt  solle'  G.  sl'  und  hat  na 
[noch]  gäng  ken  Maie  [Blumenstrauss]  B  (Volkslied). 
In  der  Ostschweiz  („Ap;  GRh.;'-  L;  Soh;  Z)  schmückte 
die  G.,  doch  nur  die  ledige,  ihr  Haupt  mit  dem  (auch 
bei  anderen  Prunkanlässen  hervorgeholten)  ,Schappel, 
Schäppeli'  (s.  d.  W.),  oder  mit  einem  Kranz  künstlicher 
Blumen,  während  eine  verheiratete  Patin  sich  mit 
einem  blossen  Strausse  begnügte.  ,Bis  dahin  [schreibt 
Herrlib.  1749]  trug  die  ledige  Gevatterin  eine  von 
Gold-  und  Silberfaden  gemachte  und  mit  Perlen  und 
Granaten  besetzte,  auch  mit  einem  Kränzlein  gezierte 
Krone,  Haarband  genannt,  nebst  einem  dicken  Kragen 
und  goldenen  Ketten  um  den  Hals  und  auf  der  Brust, 
was  vornehme  Leute  waren.  Nun  ist  in  der  Stadt 
dieser  Zierat  abgelegt  und  sind  die  Töchter  gegen- 
wärtig in  Nichts  als  dem  entweder  am  Arm  oder  vor 
der  Brust  festgemachten  Kränzlein  von  den  Frauen 
zu  unterscheiden.'  Die  Abbildung  einer  so  aufgeputzten 
G.  bei  Herrlib.  1749  Nr.  29;  so  z.  T.  noch  bis  in  die 
neuere  Zeit.  Die  .Discurse  1722'  (S.  '200)  nehmen 
Ärgerniss  an  diesem  bunten  Schmucke.  Vgl.  die  Aus- 
drücke hoffärtig  Bd  I  10.33;  hübsch;  majestäten,  welche 
in  sinnvwdter  Bed.  alle  von  dem  Prunke  der  Paten 
ausgehen.  In  manchen  Gegenden  des  Kant.  Z  erwartet 
man  von  der  G.,  dass  sie  die  Leiche  des  gestorbenen 
Täuflings,  wenn  er  nicht  mehr  als  12  Monate  alt  ist, 
selber  zu  Grabe  trage  (vgl.  Ei  Bd  I  15);  doch  das 
ungetaufte  Kind  wird  von  der  Hebamme  auf  dem  Kopfe 
getragen.  Von  den  2  Frauen,  welche  bei  der  i.  J. 
1637  in  Z  vollzogenen  Taufe  eines  Knaben,  dem  die 
ev.  Stände  Patenstelle  vertraten,  als  G-n  fungierten, 
erhielt  jede  1  Dickpfennig  zum  Geschenk.  ,Dass  die  zu 
G-n  erbetenen  Personen  weder  vor  dem  h.  Tauf  das  Kind 
bei  der  Kindbetterin  abholen,  noch  nach  demselben 
solches  nacher  Haus  tragen  sollen.'  1728,  B;  s.  noch 
Erenfrait  Bd  1  1245.  Einer  zur  Patin  erbetenen  Person 
wünschen  die  Leute  Glück  i's  Eierchörbli  Aa.  EAA.  : 
Es  G'sicht  mache'  wie  der  G.  Chats,  d.  i.  ein  saures. 
Si'LG.   Acht  G.  ge'"ml  4  I'nr  Wiher,  «-etiri  kei"  Hagebuts 


Gilt,  s'-t,  Sit.  got,  j;"t 


iVrumkr  ixt  /Wein.  Chlüiif  [reich  die  Hand]  der  G. 
fiitid  säg,  si  sell-d'r  heiser)  [das  Patengeschenk  ver- 
abreichen], sagt  man  spöttisch  zu  Einem,  der  Hiebe 
(eig.  oder  bildl.)  bekommen  hat  Z.  Abergl.:  Wenn 
die  G.  den  krank  gewordenen  Säugling  besucht,  so 
wird  er  gesund  AAEhr.  Die  G.  soll  den  Täufling, 
sobald  sie  ihn  emporhebt,  um  ihn  zur  Kirche  zu  tragen, 
küssen,  damit  er  Grübchen  im  Kinne  bekomme  Z.  — 
2.  =  Firm-.  Clirisinii-d.  katli.  Siiiwv.  :1.  das  weibl. 
Patenkind,  .■iit.|Mv,  1„.,h1  dm  W.-M.  1  ii.  L'.  allg.  Auch 
GottfcjH  Z.  Gniil,  S,iL  In  AaWoIiI.  „nmiit  die  sog. 
Göttigesellschaft  (s.  (r,:lli  l\  airjrniuvn  Madrlim  ilires 
Dorfes,  welche  das  :ln.  Allnsialii'  maM.ht  lialim,  ohne 
sich  zu  verheiraten.  al>  .(/.ottm-  unt.'i-  ihr.'  \alrrliclie 
Obhut,  indem  sie  die  Einzelnen  dem  mei.stbieteiiden 
Mitgliede  zuteilt,  bis  zu  ihrer  allfälligen  Verheiratung. 
,Wir  band  begert  die  künigin  und  der  eidgnossen  g-n 
mit  namen  Claudia,  die  ungefar  7  jar  alt  ist,  zue 
sehen;  hat  die  künigin  antwurt  geben,  das  gottli  sye 
nüt  anheimsch.'  1557,  Pariser  Eeise.  —  4.  abgeblasst 
beinahe  zum  blossen  Träger  eines  adj. Begriffs.  E grussi 
G.,  ungewöhnlich  grosses  Mädchen  Z.  Schäm -dv'' 
au''',  du  gr.  G.,  na  z'  bäbele  [noch  mit  der  Puppe  zu 
spielen]!  —  5.  Gottfeßi  (dim.),  Betschwester  VÜrte. 
Auch  von  Mannspersonen.  Daher  gottfeßen,  die  Bet- 
schwester machen  üw.  S.  noch  Gotti-Her.  —  6.  Bäsi-G. 
Ar,  B.-GottU  G,  die  Kute  zur  Züchtigung.  Syn.  Bäsi- 
3Iarei. 

Büi  NMan.  S.  108  scheint  ,göttu'  mir  willkürlich  Jem 
Ki'inie  auf  ,sötte'  zu  lieb  gebildet  zu  sein,  iloch  noniit  auch 
(Ui-  König  von  Frankreich  a.  1477  Maria  von  Burgund 
.unser  uilchste  gesipptc  und  gottin  (götti)'.  —  S.  noch  Oe- 
i;til,-r  Bd   I    1128;   Inhind-Oeld  Bd  II   258;    und  bos.    Götti. 

Ei  nsidle"-(i  litte":  Teilnelnin^rin  an  einer  Pilger- 
tahrt  nach  Einsiedrlii.  unter  deren  besondere  Obhut 
sich  der  (weiblielii')  Neiilinir  begibt,  und  von  welcher 
er  in  Einsiedcln  ein  Patengeschenk  erhält,  nachdem 
er  zum  Zeichen  seines  Gehorsams  unterwegs  z.  B.  vom 
Fussc  bis  zur  Höhe  des  letzten  Passes  vor  dem  Orte 
einen  Stein  getragen,  der  auf  einen  gemeinsamen 
Haufen  geworfen  wird. 

Firm-:    Patin   zur   Firmung   Gr  ObS.   —   Kätmuin. 

iiH(drttschfi   de  creinmu. 

Vizi-:  Stellvertreterin  einer  Patin  am  Tauftage  Z. 

Press-:  wegwerfende  Benennung  für  eine  Stell- 
vertreterin der  Patin  ZWthur. 

S"   benannt,    weil   sir  am  Festiiialik'   Teil    niianit,   die   üb- 


chei 


stnii 


e    L. 
VOri 


Hübseb-:    Titel    ,1er    Patin    am 
Statthalter-    [Slnil-  Aa):     ebenso    .' 
GRPr.     Syn.  Schhttcr-G. 

Chrisam-  Chrisme-  S.  Chrise-  UwE.,  Chriesi-  Zo: 
=  Firm-G.  —  Mit  Umdeutuug  auf  VhrinHi  [Kirschü],  Vgl. 
I'hrimm-Giitti. 

Ler-:  1.  Lehrerin  und  zwar  schon  früh  beschränkt 
auf  den  Unterricht  der  Mädchen  Aa;  B;  Z  f.  .!>'  E. 
wird  eine  Sehulhalterin  von  ihren  .Tüngerinnen  ge- 
nannt.- Si'REM,.  .Ich  hatte  einmal  gelesen,  dass  Stilling 
sieli  (der  ungetauft  gestorbenen  Kinder]  angenommen 
hätte,  indem  er  die  Jungfrau  Maria  unter  diese  Kinder 
als  L.  versetzte,  um  sie  auf  den  Hinmiel  vorzubereiten.' 
GoTTH.  Das  Bewerbungsschreiben  einer  L.  ,uin  das 
Lehramt  der  Bürger.stöcbtern-  v.  .T.  I-Mii  ,s.  bei  Tiini.i,, 


Wtbur  11  25.  .Pneceptrix.  leerfrauw,  leergott,  leer- 
ineisterin.-  Fris. ;  Mal.;  Dknzl.  ,Unzhar  haben  allein 
eerbare  frouwen,  1-n  [genannt,  die  meitleschuol  ge- 
regiert.' JosMal.  Der  Selbe  erzählt:  ,L  J.  1593  habe 
ich  mit  verwilligen  Hrn  Bluemen  und  syner  1.  hüs- 
frouen  iro  tochter  unser  Annali  zum  tüechliweben 
verdinget;  hat  üsgelernet;  ich  gab  syner  1-n  6  gldn 
lerlon  [usw.].'  1618  wird  in  AALenzb.  eine  L.  er- 
wähnt, zu  der  die  Eltern  bei  3  Pfd  Busse  ihre  Kinder 
schicken  sollen.  Müll.  ,Es  ist  unser  ernstliches  Ver- 
manen  an  alle  Eiteren,  Meister'und  Prauwen,  wie  nit 
weniger  an  die  L-n.'  XVH.,  Z  Mand.  ,Der  Schul- 
meister soll  keine  Töchter  in  sein  Schul  annehmen 
und  also  auch  die  L-n  keine  Knaben.  Jedoch  kann 
der  Schulmeister  wohl  die  Knaben  in  einer  Stuben, 
sein  Hausfrau  aber  die  Töchtern  in  einer  andern 
Stuben  lehren,  über  welche  nichtsdestoweniger  der 
Schulmeister  sein  Sorg  tragen,  damit  sie  sowohl  als 
die  Knaben  fleissig  unterrichtet  werden.'  lÜßO.  LBerom. 
,ln  den  Schulen  gegen  eueren  Herren  Schulmeisteren 
und  L-n.'  JMüll.  1673.  , Lehrmeister,  L-n.-  AKlingl. 
170'2.  , Eltern,  Schulmeister,  L-n.'  JJUlr.  1727.  In 
neuer  Zeit  noch  haftend  an  dem  Beruf  der  Arbeits- 
lehrerin und  der  Schneiderin,  insofern  sie  Lehrtöchter 
hat  Z.  Syn.  Ler-Frau,  Schml- (Jung-)  Frau,  Schuel- 
Bäsi,  Ler- Schwester.  —  2.  Lehrtochter  bei  einer  Schnei- 
derin Z  f. 

Die  Benennuag  rührt  daher,  dass  nach  alter  kirchlicher 
Ordnung  die  Paten  angehalten  waren,  die  Täuflinge  die  Haupt- 
stücke   des  Glaubens  usw.   zu   lehren;    s.   darüber   die   ahd. 


Ni-l (t)-;    Üegleiterin    und   Gehülfin    der  Patin 

bei  der  Tan  f.-  iIk;  l'w.  Mi  N.  hei-rrr  ,„ichti,i  |liab.- 
der  W  iiehnenn  letzte  Nacht]  ga  wach<i"  mKcfs,.". 
MKuoNr.  -  Na'i'-:  =  Nebv-G.  Sie  holt  das  Kind 
aus  dem  Pfarrhaus  und  stellt  sich  neben  die  Patin 
am  Taufstein  ZW.  —  Näj-:  Arbeitslehrerin  ZMöncb. 
—  Bet-ffo««i  n.:  Betschwester  L.  —  Sau-GoHc; 
unordentliche  und  unreinliche  Person,  auch  etwa  aufs 
männliche  Geschlecht  übertragen  Bs. 

Schlotter-:  1.  Patin  AaW.  -  '2.  =  Nebe'-G. 
AASt.;  L;  Th;  ZLimm.,  W.  Die  Schi,  muss  das  Kind 
in  die  Kirche  tragen  und  hat  die  Anwartschaft  ilaraiif. 
des  nächsten  Kindes  Patin  zu  werden;  gewolnilieli 
wird  ein  junges  Mädchen  dazu  ausgewählt  Z(ahitltal. 
_  3.  =  Vi:i-G.  .\a;  BHutw.;  S;  ZEgl,  —  1,  unordent- 
lich gekleidete    l'rison   (iSt.lt. 


geset 


Begle 


lies  Subst.  ist) 
ijiehen  (vgl.    7V 

ilei-  meist  seh 
all.  ScMamjicr, 
erin.    -   In   4 


;,.hl  (V 
it  Bez 


Sau-G.  u.  IL.  blosses   Füllw.  =  Person  iibli. 

Schmutz-  =  Sau-G.  B.s.  —  Stuf-  Z,  Stand- 
AAZof.;  Ap;  G;  Th;  ZWthur:  =  Vizi-G.  -  Tauf-: 
1.  Patin.  1647,  Z«  Neujahrsbl.  -  2.  Patenkind.  .-Vssii. 
I  143. 

Trampel-:  =  Visi-G.  B  öO. 

Von  trämptlen,  welches  in  einigermassen  s[iüttisclu-r  Weise 
das  (hinterher)  Gehen  bezeichnen   kann. 

(iotlensebaft:  =  Gevatterschaft.  1.  concr..  die 
Paten  nrl.st  den  Taufgästen  Bs.  —  2.  abstr.  ,Gevattcr- 
schatt  nuil  i  lottesehaft  mögent  in  der  Ehe  kein  Hinder- 
nuss  linngen.-   Iii22,  GuAv.  LB. 


Gal.  got,  git,  got.  gut 


528 


Götterti  B,  Göttelti  GitV.;  W,  Götteti  BG.; 
GkPeist,  Pr..  S.,  Göttertrni  BE.,  E. :  (PI.)  die  sämmt- 
licheii  Paten  einer  Person  nnd  zwar  i,  S.  v.  Tauf- 
zeugen  und  Taufkindern.  J-'sir  Jini  .sjulrr^  (liinä  fetif 
G.  g'han  Gr.  D'  Cliiiid  >i>:  iim  II, „is  hm,,!  ijiröndli''' 
di  gleiche"  G.  ebd.  Mr"  ccnji^st  d'  LumpvtiKjg  [Narren- 
possen], tve"'-mi^  jso  40,  50  G.  hed.  ebd. 

Götterti  wie  G'vätterti  (Bd  I  1129)  nach  Analogie  von 
G'schwisterti.  Götteti  die  riclitigere  Bildung,  wenn  nicht 
bloss  durch  Unterdrückung  des  r  entstanden.  Die  Spielform 
mit  /  Tiell.  durch  das  gleichlautende  Dim.  von  Götii  veranlasst. 

Gotti  Bs;  Z,  Götti  L:  Koseform  für  Gottfried 
BsStdt;  L,  Traugott  Bs,  Gottlieb  Z. 

Ob  der  Gesehlechtsn.  ,Götti',  welcher  in  Seh  (i.  J.  1299), 
in  GRh.  u.  T.  (im  XV.  u.  XVI.)  vorkommt,  aus  obigem  Taufu. 
oder  aus  dem  Äppellat.  Götti  hervorgegaugen,  lässt  sich  nicht 
entscheiden. 

Gottilnng:  Frauenrock  FO.   —   Aus  frz.  vutiihn. 

gottli  s.  Gott  (well)  Sp.  515. 

Gotto:  scharlachroter  Frauenrock  PGr.  —  Aus  it 
iuiiit,  langes  Oberkleid;  vgl.  frz.  rotte,  Uuterrock. 

Güttfriil:  =  Gottfried.  13:54,  Z;  1413.  B  Stadt- 
satz, u.  ö. 

Uml.  beniurkenswert ;  vgl.  die  Kosufnrni  Giilz:  immerhiu 
begreiflicher  als  in  dem  im  XV.  u.  XVI.  wiederhnit  in  Z 
vorkommenden  , Götthart'. 

Götti,  in  PAger  Gotto,  in  W  Gotta  —  PI.  Gotti 
und  Göitene-,  in  BBe.,  Si.  Göttenfdji,  BK.  Götteg.; 
—  Dim.  GöttiUi  W:  1.  männlicher  Taufzeuge,  Pate, 
allg.  Z'  G.  stä"  Aa;  BSchw.  ,Es  wurdent  syn  götti 
der  künig  Peppin;  syn  gotta  die  künigin  Bertha.' 
ZiELY  1521.  ,Arbiter  initiationis,  compater;  gefatter, 
glitte,  der  ein  kind  aus  tauf  hat.'  Fris.  ;  Mal.  , Dem- 
nach die  Kind  von  ihren  Göttinen  und  Gotten  in  die 
Kilchen  zuo  dem  h.  Tauf  gebracht  [worden].'  Z  Lit. 
1644.  ,Dod,  Dödel,  Gödel,  Götte,  Pat,  propater,  lustricus 
pater,  susceptor,  profllius.'  Red.  1062.  Ein  Weihnacht- 
lied, in  welchem  ,dem  Christkindelein  ein  Gotten  und 
G.  auserkiesen  wird.'  1743,  L  Spiel.  Häufig  ist  die 
Verbindung  Vetter  G.  (vgl.  oben  Bäsi  Gotfe).  Eine 
anmutige  Schilderung  der  Rolle  und  Stellung  des  im 
Haushalte  des  verheirateten  (jüngsten)  Bruders  leben- 
den Ledigen,  der  mei.st  den  sämmtlichen  Kindern  Pate 
ist,  s.  XHerzog  1862;  oAa;  L;  S.  Aus  diesem  Ver- 
hältnisse erklärt  sich,  dass  ein  in  AAWohl.  i.  J.  1827 
gegründeter  Verein  von  Junggesellen  sich  den  Titel 
,G8ttigesellschaft'  beigelegt  und  die  alljährlich  am 
Hirsmontag  im  Hotel  ,Giritz'  veran.staltete  Lustbarkeit 
,G.-Ball'  ihre  Mitglieder  vom  30. — 4(J.  Altersjahre 
,Götti',  von  da  bis  zum  50.  ,Alt-G.'  betitelt,  und  sieh 
von  Abtrünnigen  zur  Strafe  ,G.-Win'  bezahlen  lässt 
(s.  noch  Gotte  1  u.  Mäue).  G'vatter  G.  mit  Bez.  auf 
die  Eltern  des  Täuflings  Ndw.  Herr  hübsche''  G.  als 
Anrede  Zg.  ,An  Kindstaufeten  aber  mag  der  hübsche 
G.  und  Gotten  den  Ehrenständeren  bezahlen  für  eine 
Ducaten.'  1700,  Schw  LB.  In  GRRh.  heisst  der  Pfarrer 
der  Herr  G.  Die  Taufpaten  wurden  vormals  fast  aus- 
schliesslich aus  dem  Kreise  der  nächsten  Vwdtschaft 
genommen,  in  Z  seit  der  Reformation  nur  je  1  G. 
und  1  Gotte,  während  im  ehemaligen  Bernbiet  ein 
Knabe  der  .Götti',  ein  Mädchen  der  ,Gotten'  je-  2  be- 
kommt, was  auch  z.B.  bei  FPlatter  1612  der  Fall 
war.  Auch  in  Scu  haben  alle  Kinder  einer  Haus- 
haltung die  Taufzeugen  genioinsani.     .Man  war  auch 


darüber  einig,  dass  Grossvater  und  Vater  Göttene, 
Grossmutter  Gotte  sein  sollten.'  Gotth.  ,Die  Mutter 
wollte  ihn  [einen  Vwdten]  nicht  mehr,  obwohl  er  als 
der  G.  des  Gestorbenen  nach  alter  [auch  in  andern 
Gegenden  gültiger]  Regel  wieder  hätte  [als  Pate  eines 
Neugebornen]  kommen  müssen.-  XHerzog  1862.  Die 
Z  Mandate  des  XVH.  verbieten,  ,dass  Niemand  keine 
Knaben  ald  Töchterlin.  die  noch  under  den  Jahren 
sind  und  das  h.  Nachtmal  noch  nit  empfangen  habend, 
desglychen  auch  keine  ganze  Gesellschaften  und  Ge- 
meinden zu  Gevätteren  nemmend.'  Zur  Taufhandlung 
erscheint  der  G.,  wenn  ledig,  mit  kleinem  Kranz  auf 
dem  Cylinderhut,  wenn  verheiratet,  mit  Strauss  am 
Rocke  ZSth. ;  etwas  anders  im  Ktn  B:  ,Der  jüngere 
G.  trug  in  einem  stattlichen  Maien  auf  dem  Hute  das 
Zeichen  der  Ledigkeit.'  Gotth.  Nach  der  Taufhand- 
lung stecken  die  Taufzeugen  dem  Täufling  ein  in 
Papier  gewickeltes  und  von  einem  Spruche  (s.  Götti- 
Zedel)  begleitetes  Geldstück  unter  die  Binde  und  wird 
die  Wöchnerin  etwa  mit  Backwerk  beschenkt  (s.  Kind- 
betti,  schlirjien).  Am  Wallensee  geschieht  Letztere? 
(gleichzeitig  mit  der  Beschenkung  des  Täuflings)  mit 
Wein  und  Brod  14  Tage  nach  der  Taufe,  worauf  der 
Vater  des  Täuflings  eine  Mahlzeit  zum  Besten  gibt. 
Die  Kinder  werden  bis  zu  ihrem  12.  Jahre  oder  bis 
zur  Confirniation  jeweilen  um  die  Neujahrszeit  weiter 
beschenkt  (s.  helsen).  ,Die  Paten  steuern  das  Kind 
mit  einem  Denkzeddel,  worin  gewöhnlich  ein  Neutaler 
verschlossen  ist,  und  mit  einem  Kleidchen  aus.  Nach 
drei  Jahren  schenken  sie  ihm  nochmals  eine  ganze 
Kleidung  und  bei  jedem  Jahreswechsel  ein  Fünf-  oder 
Zehnbätznerstück.  Letzteres  dauert  bis  zur  Verhei- 
ratung des  Kindes  fort,  da  dann  dieses  seine  Paten 
mit  Tuch  zu  einem  Rocke  beschenkt  und  von  jenen 
dafür  mit  einer  Deckbettziehe  ausgesteuert  wird.' 
JJScHWEizER  1830.  S.  aber  auch  Umme-Gab.  In  GWe. 
besteht  das  Neujahrsgeschenk  in  einem  Weissbrod. 
Die  Guefijär  han  i  jets  noch  in  hölie  Ere  und  es  ist 
mer,  a's  oh  i  der  G.  jetz  noch  g'höri  rüefe:  Was  wHt 
zum  gueti  Jar,  en  alte  Besme  oder  an  nöüwe  Strel 
[Kamm]?  GRPeist.  Am  Wallensee  (Terzen)  holen  die 
Täuflinge  ihr  Neujahrsgeschenk  bei  den  Paten,  so 
lange  sie  unverheiratet  sind.  Erwachsene  begeben 
sich  freilich  nur  Abends  in  der  Dämmerung  in  das 
Haus.  Dort  belustigen  sie  sich  mit  einer  Nidle  und 
mit  Tanz,  erhalten  zudem  ein  Geldgeschenk.  ,Denne 
soll  ein  G.  oder  Gotten  dem  Kind  nit  mehr  inbinden, 
dann  ein  Silber-  oder  Goldkronen  oder  ein  Ducaten 
ufs  Höchst,  aber  wol  minder.  Item  zum  guoten  Jahr 
nit  Wyters  noch  Anders  usrichten  dann  ein  halbe  oder 
ganze  Silberkronen  oder  ein  Ducaten  uf  das  Aller- 
vilst'  B  Mand.  1628.  ,Desglychen  sollend  alle  Yn- 
bindseckelin  gänzlich  verholten  syn,  und  also  die 
Ynbindpfenning  in  einfaltem  Papyr  ohne  Betrug  über- 
antwortet, und  zuvor  allwijgen  einem  Predicanten  ge- 
zeiget werden.  Was  dannenthin  die  Guetjahr  betriift, 
soll  Einer  oder  Eine  synem  G.  ald  Gotten  mehr  nit 
als  ufs  Höchst  1  Cronen  aM  dessen  Wert  und  nützid 
Wyters  darzu,  weder  Schühli,  Strümpfli.  noch  Anders 
derglychen  zum  ersten  Guotjahr  schicken.  Die  folgen- 
den Jahr  aber  da  soll  Nieniands  synen  Göttinen  ald 
Gotten  Wyters  noch  Mehrers  dann  etwan  ein  Lewen 
[Münz wert  von  10  Schill.]  oder  zum  Höchsten  ein 
Dickpfenning,  für  disere  nachgehnderen  Gutjahr,  ver- 
eliren;  hieby  aher  die  Beithemeli,  Gotteukittcl.  Röekli 


r,29 


Gat,  got.  git,  gol. 


und  andere  köstliche  Bekleidungen,  so  etwan  an  Statt 
der  Gottenkittlen  gegeben  worden;  wie  nit  weniger 
alle  silberne  Löifel,  Becherli,  Schälcli,  Gürteli  und 
iilles  Anders,  hiemit  verbotten  syn.'  Z  Mand.  1627/1785. 
Mehr  s.  n.  In-binden;  Guet-Jär.  .Jedoch  ist  hierby 
vorbehalten,  wann  G.  und  Gotten  ihren  armen  Ge- 
tatteren Brot,  Wyn  und  Fleisch  schicken  wollten, 
dass  Solliches  wol  beschehen  möge.'  Z  Mand.  1650. 
,0b  ein  Mann  selb  G.  und  Gotten  gewunne  und  das 
Kind  one  Eid  näm,  so  soll  im  [wohl  nur  im  Falle 
des  Ablebens  des  Kindes]  werden,  ob  er  will,  alles 
was  dem  Kinde  eingebunden  wird;. ob  einer  aber  [sich 
gegenteilig  verhält],  so  soll  der  Ynbund  dann  der 
Frowen  blyben.'  Schw  LB.  Auch  verschiedene  Fest- 
tage im  Laufe  des  Jahres  werden  von  den  Paten  zu 
Beweisen  ihrer  Freigebigkeit  benutzt.  .Mein  Casperli 
lasst  den  Herr  G.  höflich  salutiren;  danket  nebst 
seinen  Eiteren  für  die  letst  überschickten  schönen 
Ostereier.'  Mcseüm  1793;  .s.  unrl,  l'nlm-Srhming.  ,Die 
Kinder  hatten  auch  von  Gcvattn  Iniirn.  die  z' Lych 
gekommen,  manchen  schönen  Katz.n  urkiirLjt.  und  ob 
dem  G'schauen  derselben  und  dem  Klimiinn  damit 
alles  Andere  vergessen.'  Gotth.  Ilriihrhim  Im  \ii>:n 
im  SacJ;,  heiderlum  wie  vü?  Heidcrlnw  dm  Hodii. 
Heiderlum  wer  het  der  's  (fge?  Heidcrhon  de  G.! 
Das  Grab  für  ein  Kind  wird  in  UwE.  von  dessen 
Taufpaten  gegraben  und  an  einigen  Orten  ist  es  auch 
der  G.,  welcher  die  kleine  Leiche  zu  Grabe  trägt. 
.Wo  die  zu  begrabende  Person  noch  die  Taufzeugen 
hat,  steht  der  männl.  Grad  nach  dem  Vater,  die  Gothe 
aber  sitzt  und  geht  neben  der  Mutfcr.'  PHkuki.ib. 
1750.  Wie  's  seflig  lang  in  letzten  /iiij'ii  ifsm  si  und 
der  Gottu  und  du  Gutta  und  d'  NiuhliuirK  um  |ihm] 
hei  icellu"  uisbeitim  [auf  sein  Ende  warten).  \\  Sagen 
270.  ,Nach  vollendeter  Taufe  reicht  der  G.  der  Gotte 
für  ihre  Person  eine  Ehrengabe,  die  man  den  Steif- 
pfenning  heisst.'  DHerrlib.  1750.  .Der  Prediger  soll 
nach  verrichteter  Taufe  den  Täufling  dem  G.  oder  der 
Gotten  zum  Segensprechen  auf  die  Armen  legen.' 
lo3'2/1728,  B  Synode.  Wo  sich  wie  in  GWsst;  Uw  der 
Zug  nach  der  Taufe  ins  Wirtshaus  begibt,  ist  es  der 
G.,  welcher  ihn  mit  Wein  bewirtet;  s.  Sehlotterete. 
Kindsvertrinkete,  Göttiwln.  ,Des  schweren  kostens  der 
habenden  kinden  halb  ist  beratschlaget  worden,  das 
ein  jetlicher  g.  und  gotten  die  frouwen,  so  bi  der 
gepurt  gewesen,  zuo  gast  haben  sollend.  Ob  aber  ein 
g.  oder  gotten  ein  andern  erenraan  oder  frouw  mit 
nemmen  wellt,  mag  einer  wol  tuen  und  für  den  oder 
die  zalen.'  1572,  Schw  Rq.  ,Das»  ein  ieder,  welcher 
zu  einem  kind  gewuunen  und  götti  wirt,  nit  ver- 
bunden ist,  gest  ze  laden  dann  nach  sinem  willen, 
welche  er  nötiget  und  ladt,  das»  er  dieselbigen  ze  gast 
halte  sampt  dem  priester.  der  das  kind  tauft,  dem 
sigristen  und  hebammen ;  dieselbigen  sind  sy  [?]  ver- 
bunden, die  hupschen  kostfry  zu  halten.'  üwE.  Talbuch. 
Anders  im  Ktn  B,  wo  It  JJSchweizer  1830,  99  die  den 
Taufzeugen  im  Wirtshaus  dargebotene  Erfrischung  od. 
Mahlzeit  vom  Vater  und  nur,  falls  dieser  sehr  arm  ist, 
von  den  Taufzeugen  bezahlt  wird;  s.  noch  Eoffart-Win. 
.Als  an  der  Kindtaufe  die  Hauptmahlzeit  vorüber  war, 
machte  sich  der  Götti  auf,  um  nach  altem  Eecht  und 
Brauch  seine  beiden  hübschen  Gotten  ins  Wirtshaus 
zu  führen.  Gravitätisch  schritt  der  Friedli,  einen 
grossen  Maien  mit  bunten  wallenden  Bändern  auf  dem 
Hut  und  einen  eben  so  grossen  auf  der  Brust,  mit 
Schweiz.  Idiotikon.  11. 


seinen  beiden  Gotten  in  das  Wirtshaus,  wo  er  eine 
Flasche  vom  Besseren  und  Wecklein  und  Käse  bringen 
Hess.'  Breitenst.  1860.  Der  6.  hat  die  Verpflichtung, 
an  irgend  einem  Sonn-  oder  Festtage  die  Gotte  ins 
Wirtshaus  zu  führen.  Er  trägt  dann  den  Hut  mit 
einem  flatternden  Bande  Und  Kunstmaien  geschmückt. 
Die  Bewirtung  besteht  aus  Butter,  Honig,  Zucker  und 
dem  besten  Weine;  nachher  folgen  noch  Struben- 
küechli  GA.  Wenn  G.  und  Gotte  ledige  Leute  sind, 
so  ist  selbstverständlich,  dass  der  Erstere  bei  der 
Letztern  ,kiltere';  •  vgl.  Gotth.  1  125.  Die  Verlegen- 
heiten eines  G.  kommen  zum  Ausdruck  im  S  Wochen- 
blatt 1811:  ,Wer  ist  die  Patin?  Woher  bekomm 
ich  den  Strauss?  Will  .sie  in  der  Kutsche  fahren  V 
Wo  ist  in  der  ganzen  Stadt  ein  unbeschnittener 
Louisd'or  zu  finden?  Ist  mein  Festrock  auch  aus- 
geflickt?' Auf  das  Bestreben,  an  dem  Taufetag  zu 
prunken,  bezieht  sich  der  scherzhafte  Brauch,  den  .0. 
zu  büvstrii'.  snl.ald  s.-iiir  Wahl  Kinnii  zur  Kci.utuiss 
komuif.  füi-  welcli.'u  |ll,■^^l  mau  .•in  Tiiiik^vM  er- 
wartet L(i.  In  d.T  Kinlir  sind  l.rsnn.lrr,-  Sitzplätze 
für  die  Gevatterleute  bestimmt  BsLd;  Z;  s.  G.-Kntf-, 
-Stiiel.  Die  Auswahl  der  Taufzeugen  gilt  für  sehr 
wichtig,  da  die  Patenkinder  ihnen  nacharten.  Rotenb. 
Auch  in  L  glaubt  man,  dass  die  Kinder  bei  der  Taufe 
Etwas  vom  Wesen  und  Charakter  der  Taufpaten  an- 
nehmen. Die  Paten  müssen  dem  Kinde  das  erste 
Lötfelchen  kaufen,  sonst  wird  es  geifern.  Rotem;. 
Wenn  ein  krankes  Kind  weder  genesen  noch  sterben 
kann,  muss  man  die  Taufpaten  herbei  rufen,  indem 
ihre  Anwesenheit  das  Sterben  befördert  L;  S.  Wie 
hinwieder  das  gestorbene  Kind  seinem  Paten  zur  Er- 
lösung dient,  s.  W  Sagen  270.  Im  J.  1837  ereignete 
es  sich  im  Maderanertal,  dass  man,  da  ein  verloren 
gegangenes  Kind  zu  suchen  war,  endlich  seinen  Tauf- 
paten zu  Hülfe  rief  und  mit  Erfolg;  s.  Vw  Kai.  1884. 
—  RAA.:  Do  sfö«  tcie-n-en  G.,  stattlich,  fest  da  .'stehen 
Ar.  Er  tued,  wie  tcenn  er  's  grosse  Ilmnls  0.  inir  L. 
Er  meint,  er  sei  's  gr.  H-s  [d.  i.  des  Sultans  ,lci-  Tür- 
ken; in  '/,  auch:  's  gr.  Hans]  G.  (^'  Sl  Urlnui.  L|,  er 
sei  \va-  i.'.'.litrs.  von  einem  Anmassenden.  Er  hat 
en  Jldcliiiiiiei  inr  's  gr.  H-s  G.  und  ist  nid  emal  's 
Napoluiiis  Liimind  Z.  ,Wie  er,  ohne  seiner  Ehre  Ab- 
bruch zu  tun,  jedem  Schweine  G.  sagen  kann.'  Gotth. 
B's  G-s  d'r  nahgäiider  sin,  zu  spät  kommen  und  des- 
wegen Etwas  versäumen  BR.  [eig.  wohl  der  hinten- 
drein  kommende  , Schlotter-,  Trärapel-G('tti|.  Gili-mer 
das,  ich  süg-der  denn  G.  Aä.  Wenn  Eine  nl  sdni-df/er 
hed,  so  chann  er  no"''  G.  werde"  Aa:  L.  Ir  inaotd 
denn  au'''  pnal  de'  G.  si,  ihr  werdet  auch  einmal  zu 
Ehren  gezogen;  aber  auch:  in  Anspruch  genommen 
bei  der  Sache  Z.  G.  oder  Gotte  z'  si'  isch  e  churzi  Er, 
aber  e'  länge''  Choste'.  Schilu  ;  ähnlich  Gotth.  Doch 
heisst  es  auch  wieder:  We'"  d's  Chind  'taufts  ist,  so 
gab  's  der  Güttene  g'nueg  BBe.,  so  will  e  Jede  G.  si 
BSi.;  L.  ,Es  ist  gut  G.  zu  sein,  wenn  das  Kind  ge- 
tauft ist,  und  Alles  hat  Freude  an  der  Wäsche,  wenn 
sie  trocken  vom  Seil  kommt.'  Addrich  1877.  Der 
Schalk  aber  verbirgt  sich  hinter  dem  Sprw. :  Wer  's 
Glück  hed,  cha'"  no'''  G.  werde".  Ineichen.  G.  si 
mi'cesse',  schuld  sein  müssen  bei  bösen  Streichen. 
Schild;  sonst  heisst  es  auch:  herhalten.  Schuld  sein 
müssen  bei  dummen  Streichen,  die  zum  Schaden  aus- 
fallen. /  viuess  doch  aber  aw''  bi-n-alle"  G'schichte' 
G.  Si",  seit  de''  Grossäggli,  wo  si  Chats  het  solle"  Milch 


Gat,  get,  git,  got,  gnt 


532 


(j'stole"  ha'.  Suierm.  I  ivott  da"  nit  ya"  G.  si",  will 
meinen  Namen  nicht  hergeben,  keinen  Anteil  an  der 
Verantwortlichkeit  haben  B;  Z.  Mit  der  Sach  welle" 
si  Nüt  z'  tue"  7i((",  si  tcelle"  nit  ga'  G.  sV.  Gotth. 
,Man  weiss  nicht,  wer  G.  und  Gotte  ist',  wer  der  Ur- 
heber eines  gewissen  Wortes  oder  Geredes  ist  AABb. 
Wenn-me'  de"  Popst  zum  G.  het,  sj  het-mf  guet  Kar- 
dinal werde".  Sülger.  Auf  den  (übermässigen)  Trunk 
nach  der  Taufe  bezieht  sich  die  EA.:  G.  st"  SchwE., 
und  daher  dann  auch:  eti  G.  hä'  BLf.,  einen  Rausch 
haben.  Bildl.:  ,Der  bär,  der  touft  si  nach  syner  art. 
mänger  Schwyzer  da  ir  g.  ward  [als  viele  Feinde  in 
einem  tiefen  Graben  ertranken].'  Lied  a.  d.  Schwabcnkr. 

—  2.  Firmpate.  kath.  Schwz.  Auch  die  Glocken,  als 
Verkündiger  aller  wichtigen  Ereignisse  im  mensch- 
lichen Leben,  erhalten  Paten.  ,N.  N.  sammt  seinen 
Brüdern  und  Jungfrau  N.  N.  als  Götti  und  Gotten  der 
neuen  Glocke,  welche  1749  geweiht  wurde.'  AKüchler 
1887.  —  3.  (GftiaiNnw,  fföHeZi  W)  Täufling,  allg. 
,Vora  G.  wird  schön  gratuliert,  das  Spruchlein  wird 
bei  Haus  gelehrt.'  HSclzer  18'28.  .Wenn  einer  kumpt 
in  das  todbett,  so  mag  einer  nit  mer  verschaffen  und 
vermachen  denn  ein  zimlich  seelgrät  und  einem  gOtti 
oder  einer  gotten  ouch  ein  zimliche  gab  geben.'  1495, 
Aa  Weist.  —  4.  penis  Z;  vgl.  Syn.  Brüederli.  — 
5.  blosses  Füllw.  i.  S.  v.  ,Kerl,  Gesell,  Kumpan'.  Du 
bist  mer  en  subere  G. .  Das  ist  en  alte  Vetter  G.,  de'' 
Händsche  Z.    Vgl.  Gotte  4. 

G.  u.  Gotte  die  echt  german.  (auch  in  Bai.,  Ost.,  Wettcrau 
usw.  erhaltenen)  WW.  für  die  aus  lat.  ,rater'  ml.  .patrinus 
(spiritualis)'  verdeutschten  ,Pate,  P(f)etter';  ahd.  cotin,  co- 
ting;  gota,  nihd.  götc;  gotc;  vgl.  engl,  gosmp,  Gevatterschaft; 
zunächst  auf  dem  Masc.  (got.  guilja,  altn.  godhi)  beruhend. 
Von  der  ältesten  Bed.  (Priester)  kann  Übertragung  auf  den 
Taufzeugen  mit  Bez.  auf  dessen  halb  priesterliche  Stellung 
Statt  gefanden  habeu,  wie  das  W.  auch  im  Ahd.,  Dan.  und 
Isl.  eine  mehr  oder  weniger  verweltlichte  Bed.  annahm.  Vgl. 
Zeitschr.  f.  d.  d.  Alt.  XXII  100  f.  Das  Fem.  lässt  sich  als 
eine  Motion  zu  dem  Masc.  auf  -i(n)  erklären,  die  Masc.-Form 
Gotio  usw.  hinwieder  als  Motion  aus  dem  Fem.  Gotta.  Yiell. 
aber  ist  neueres  ,Götti'  nicht  durch  den  Begriff  ,Priester' 
hindurchgegangen,  sondern  Götti  u.  Gotte  enthalten  nur  übh. 
die  Bez.  auf  ,Gott'  als  die  , Altern  in  Gott',  wie  in  einer  Gl 
Urk.  V.  13+5  der  Bischof  ,in  Gott  Vater'  heisst;  vgl.  engl. 
god/ather  und  Oslog,  wie  von  den  Griechen  solche  Personen 
genannt  wurden,  tiei  welchen  ein  respectus  parentelae  ob- 
waltet, vi.n  ili.n  Italifuern  spcc.  der  Onkel,  ,zio'.  Die  Paten 
nehmen  Pflicht  uud  .\usehen  der  Altern  vermöge  des  Sakra- 
mentes an  sich.  Vgl.  ,Die  nun  zue  Göttlichem  Leben  syue 
Mitvätteren  und  -müeteren  syn  wollend.'  Z  Christ.  Ordn.  1603. 

—  Das  Dim.  auf  -<-t-ti  wie    VogeJti,  Meitdti  usw. 

Die  Bedd.  der  folg.  Zssen  ergeben  sich  z.  T.  aus  den 
analogen  bei  ,Gotte'. 

Einsidle°-Götti,  schon  lt>u2  aus  Zug  erwähnt. 
Der  u.  ,E.-Gotte'  beschriebene  Gebrauch  gilt  auch 
zwischen  den  Mannspersonen.  —  Firm-  =  Götti  3. 
,Was  ein  priester,  zue  dem  fuert  man  mich;  er  sollt 
myn  f.  werden  . . .  [Ich]  tat,  da.s"  ich  in  die  kilchen 
litf,  das»  man  mich  firmte  und  mier  der  göttin  ein 
kart  gäbe,  wie  der  brüch  ist  den  kinderen  etswas  z' 
ggn.'  ThPlatt.  1572.  —  Vizi-  Z.  —  Hübsch- L.  — 
Statthalter-  (Städ-  Schw;  Z)  =  Vlzi-G.  .VÜrte"; 
ScHW;  Z.  -  Chrisam-  Chrisme-  S,  Chrismer-  S, 
Chrise-  UwE.;  1600,  Zg,  Chrisi-1.  —  Nebe°t-  ZStall. 
Vgl  Eren-Gesell.  —  Schlotter-:  1.  AaW.  -  2.AaoF., 
Zof.;  L;  Ndw;  ZLimm.,  W.  Diener  des  Taufpaten  Uw. 
Ehrenpate  zum  Unterschiede  vom  eig.  Taufpaten  Aa  oF. 


Auch  nur:  Gast  bei  der  Taufmahlzeit  L.  —  3.  Aa; 
BBe.,  Hutw.,  Schw.,  Si.;  Z.  —  Stuf-  Z.  —  Stand- 
Ap;  G;  Th;  ZWthur.  —  Tauf-:  1.  Pate.  1647,  Zg 
Neujahrsbl.  .Susceptor,  Taufzeug,  Taufgötte.'  Denzl. 
1716.  —  2.  Patenkind.  1677,  Absch.  VI  1,  1061,  d; 
Mem.  174-2,  75;  WuRSTiSES  1765.  —  Trampel-  B  öO. 
,Tr.,  Patenstellvertreter  bei  der  Taufe.'  Zschokke  1796. 

Göttighofer  s.  -Epfel  Bd  I  369. 

Göttler:  m.  Taufn.  (verächtlich),  Gottlieb  Ap. 

Viell.  gehört  hieher  auch  der  im  Z  Stiftsurb.  1340  vur- 
kommende  Geschln.  ,Göttli',  wenn  er  nicht  wie  Götz  Kose- 
form von  , Gottfried'  ^st. 

Go'telm.BSi.,  GuHi  (Dim.)  a.  Bs;  BSi.:  schlechtes, 
gewöhnlich  etwas  grosses  Messer  B;  geringes  Messer 
für  Kinder  Bs.    Vgl.  Hegel. 

Frz.  couteau,  ä.  coutel;  s.  auch  Gudd  (GudeU  4,  das  viell. 
doch  mit  obigem  W.  zu  vereinigen  ist  (vgl.  Budeli  aus  frz. 

boutcille). 

guttele"  s.  gudle". 

6ntte°:  Dachrinne  Gl.  —  GuHti  n.:  heller  Tropfen 
BSi.   —   Beide  zu  lat.  und  churw.  gutta,  frz.  guutte,   Tropfen. 

Gfl't(e)re",  auch  dim.  Güterli  BM.,  0.,  Guttere» 
Aa  (l-J  —  f.:  Wulst  am  bäurischen  Weiberrock,  be- 
stehend in  einem  eingesetzten  Strohgürtel,  der  heu- 
tigen Tournüre  entsprechend,  mit  dem  Zwecke,  die 
Falten  des  Kleides  besser  zur  Geltung  zu  bringen; 
Syn.  Roger.  ,Es  war  [den  hungrigen  Frauen]  gar 
leer  unter  der  Gutteren.'  B  Kai.  1841.  ,Es  soll  Bur- 
gers Wyberen  und  T  echteren  zugelassen  syn,  die  Gut- 
teren, wie  man  sie  nemmt,  under  den  Röcken,  jedoch 
in  aller  Bscheidenheit  und  Ehrbarkeit  ze  gebruchen.' 
B  Maiid.  1688. 

Nichts  Anderes  als  Gutta-  Sp.  285,  nach  der  afrz.  Form 
cou(l)tn.  Schon  mhd.  küter,  bei  Boner  guter.  Vgl.  auch: 
,An  der  Wand  stand  ein  Spanbett  mit  seineu  Pfalwen  und 
Kissen,  bedeckt  mit  einem  Kuter  oder  Gutteren  [Decke].' 
Bs  im  XIV.  —  Die  Form  mit  kurzem  -ii-  durch  Anlehnung 
ans  folg.   W. 

Gntter  B;  GRÜbS..  Göter  F  —  m..  Guttere"  f. 
allg.:  1.  Glasflasche,  meist  bauchig  und  mit  mehr 
oder  weniger  engem  Hals  zu  jedem  beliebigen  Ge- 
brauch, vom  kleinen  Medizinglas  bis  zur  Trinkflasche 
und  der  mächtigen  Flasche  zur  Aufbewahrung  des 
Branntweins  fSchaub-Guttere'J.  allg.  Compp.  mit 
Substst.  des  Masses:  Schoppe"-,  Halbi-,  Mciss-,  Liter-G. 
und  nach  der  Bestimmung:  Essech-,  Must-,  Wl"-,  Brenz-, 
Wasser -G.  usw.;  Dim.  in  BO.  Gütti.  De  Dokter 
hät-em  e  sclwrfi  G.  g'g'e',  si  hät-en  nid-si"''  und  ob-si''' 
g'no"  [purgiert].  RAA. :  Da  stä",  wie  we""-me"  icett 
in-e  G.  hofiere",  wie  ein  Hosenscheisser  Z;  vgl.  uf-es 
Spänli  schisse".  D'r  Jung  schüsst  umme  un''  ane 
wie-n-es  Wes2)i  iin-tie  G.  inne.  MWald.  1884.  Gütferli 
schisse",  schlottern  vor  Frost  AAFri.;  Syn.  cer-gütterlen. 
Wie-n-e  G.  werde",  sich  in  die  Brust  werfen,  anmassend 
werden  ZO.  [eig.  =  aufschwellen  wie  der  Bauch  einer 
Flasche].  Wenn  's  Wörtli  ,wenn'  nöd  war,  gieng  en 
Esß  inn  G.  GBern.  Schier  zum  CJirüegli  werde"  und 
zum  Gütterli  üsluege",  vor  Verwunderung  (Sprichw.). 
Tufeli  im  Gütterli,  kartesianischer  Taucher;  Syn. 
Holländern,  Planeten-,  Wasser- Männli.  's  Männli  im 
G-li,  ein  Pfiffikus.  Sdlger.  Der  Tüfel  in-em  G-li, 
fliehst-e"  nit,  so  nimmt  er  di'''  BBe.  (Volksreim).  Eim 
de"  Tüfel  im  G-li  füre"  lä"  (zeige"),  Einem  Angst  ma- 
chen,   Schrecken    einjagen    Bs;   B;  Gi,;  S;   Z.    ,Der 


Gat,  get.  git,  got,  gnt 


534 


Teufel,  Jeu  Auui  iliui  im  G.  gezeigt,  hatte  Michel 
Angst  gemacht.-  Gotth.  Die  beiden  letzten  EAA.  von 
Figuren,  Schreckmännehen  in  Fläschchen,  die  früher 
auf  Jahrmärkten  oder  von  herumziehenden  Gauklern 
vorgewiesen  und  als  zu  Zauberei  dienstbare  Geister 
von  mehr  oder  weniger  böser  Art  aufgefasst  wurden. 
Daher  dann :  De"  Jesuit  im  G.  zeige',  Angst  vor  den 
J-en  einflössen  wollen.  ,Zu  Gutteren  gehen',  zu  Grunde 
g.  AaZ.  1815;  nach  Anal,  von  zu  Schiter  und  , Fiasko' 
[Flasche]  machen.  .Vitrellus,  gütterli.'  Ebinger  1438. 
.Der  behielt  dis  trank  in  einer  gutteren.'  Ansh.  .Ist 
ein  gemeiner  beschiss  bei  den  landstreicliomi.  welche 
solche  [Fi.sche]  in  glesene  gutteren  b,'srl,Iir.„.i„l  nn,! 
an  statt  der  nateren  erzeigend.'  Fiscin;.  l-.i;i.  .Am 
pulla,  ein  g.  Guttus,  ein  ölkrueg,  ein  g.  und  g'.-scliirr 
mit  einem  zouggen.  Lepista,  ein  gattung  einer  Häschen 
oder  g.,  ein  wassergeschirr.  Urna  iraaginis  mortui, 
ein  hafen  oder  guttcr,  darein  man  die  äschen  der 
todten  eingehielt.'  Fris.  ;  Mal.  ,Die  gutteren-  und 
trinkglastrager.'  1568,  Z  (Staatsarch.).  ,Ein  gläsine 
Phiolen,  Guttern  oder  Angster.'  JLLandenb.  1608.  ,Gib 
mir  flux  die  kleine  Guter  aus  dem  schwarzen  Leder- 
futer,  reich  mir  her  ein  Aquaveit.'  R.  u.  CMev.  165.0. 
.Die  Guter,  Gulkglas,  Angster,  guttus,  ampulla.'  Ked. 
16ti'2.  ,Essiggutteren.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Eine  mit 
Saurwasser  angefüllte  Gutter.'  Hott.  1702.  S.  auch 
Fach  1  d  Bi  1  638  und  vgl.  Angster  III  Bd  I  340, 
sowie  Flasche'  II  Bd  I  1219.  —  Übertr.  a)  von  Men- 
schen: Säufer,  Säuferin  Aa;  LG.;  oder  mit  Beziehung 
auf  Corpulenz  als  Spottn.  Bs  (Spreng);  vgl.  Stande. 
Du  Dunners  (?..'  Zg  Kai.  1872;  Machari  1884.  E  selzes 
Götterli,  ein  Murrkopf  Ap.  —  ß)  (Dim.)  Stachelbeere 
ScH;  Syn.  Guttere'-JBeri;  vgl.  Chrusle.  —  2.  Kropf, 
dicker  Hals  Bs  (KuterJ;  G;  „Schw;  Zg."  —  3.  Blase. 
G.  mache",  von  kleinen  Kindern,  die  geifernd  vor  dem 
Munde  Blasen  bilden ;  von  Regentropfen,  die  auf  stehen- 
des Wasser  fallend  Blasen  werfen.  .Bulla,  ein  gutteren 
oder  wasserbläter.  Bullula,  ein  bläterle  oder  gütterle.' 
Fris.;  Mal.  Dim.  Giitti,  Gütti,  Pustel,  Hitzbläschen 
BBe.,  Si.     Ällz  rolls  Eitergütteni.  -■■  4.  Eidotter   F. 

—  5.  Flurname.    Das  Güetchen,  genannt  das  Gütterli'. 
1460,  Scn  Urk. 

Zu  2  vgl.  ahd.  gulter  (abgeschwächt  aus  lat.  rjullur), 
Struma.  Der  Begriff  des  Kugeligen,  Kropfförniigen  scheint 
lihli.  der  ursprüngliche  zu  sein  nnd  Bed.  1  eig.  erst  abgel.; 
.ins  der  des  Kugeligen  auch  4.  Die  älteste  Form  der  Glas- 
flasche (der  Kürbisfiasche  sich  anschliessend)  war  sehr  bau- 
chig, beinahe  kugelfürrnig,  und  im  Churw.  bedeutet  (jtiottrr, 
ijiittcr  ni.  Beides,  sowohl  Flasche  als  Kropf,  gvttrus,  kropfig 
(schon  lat.  ijutturoma),  unzweifelhaft  von  lat.  guttut-  (,g.  tumi- 
dum.'  Juven.),  woher  auch  frz.  goitn,  Kropf;  bergam.  it. 
f/niuru,  Flasche.  Eine  Weiterbildung  ist  das  mhd.  riuttrrolf 
mit  der  gleichsam  personifizierenden  Silbe  -olf  aus  -Wnlf. 
Zu   5.     Viele  Grundstücke    haben   Namen    von  Hausgeräten. 

Im(b)e''-Gütterli:  1.  Taubnessel,  Bienensaug, 
lamium   SchKI.  —  2.  Stachelbeere,   ribes  gross.   Sch. 

—  3.  Hagenbutte  TnMamm.   —    1  nach  der  Gestalt  der 
Blüte,    2   und   3  mit  Bezug  auf  die   Form  der  Früchte. 

Under-  und  entstellt  Wunder-:  Stachelbeere 
ZUhw.  —  Wohl  übertr.  von  dem  Unterstellfläschchcn  beim 
Branntweinbrennen;   s.    Ihiderstell-G. 

Essech-Guttere":  1.  die  mit  Stroh  umflochtene 
Essigflasche,  allg.  ,Ich  mache  ein  Gesicht,  als  ob 
ich  eine  Essigguttere  verschluckt  hätte.'  Gotth.  — 
•2.  übertr.  a)  mürrische  Person ;  e  rechii  E.,  ein  Sauer- 


topf  Z.  -  b)  eine  bes.  schön  gebundene  Garbe,  indem 
das  näher  am  Schnittende  angebrachte  Garbenband 
die  Garbe  halsförmig  auslaufen  lässt  Z  (scherzh.). 

„Hüs-Gütterli:  Rotschwänzchen,  motacilla  phceni- 
curus  Aa."  Syn.  Hüs-Rdteli,  Rot-Hüserli.  -  Viell.  Ver- 
derbniss  aus  (Jlot-)Gügger  Sp.    196  f. 

Muster-:  kleine,  scheibenförmig  plattgeformte 
Flasche,  in  welcher  die  Weinbauern  den  Abnehmern 
die  Weinmuster  bringen;  im  Winter  gewöhnlich  auch 
für  Branntwein  zum,,Z'Nüni'  im  Walde  gebraucht  Z. 
Sjn.Baggeli.  —  Mittel-Guttere:  Flasche  für  Arznei- 
. Mittel'  r.;   Syn.  Dokter-G. 

lliiili' 1  l(i)e"-:  Flasche  aus  grünem  oder  braunem 
(Uas.  ;;ewrjlinlich  Flaschenwein  enthaltend  und  '/s  Mass 
fassend   Z.    -    Frz.  houteiU,:. 

Brunne^-Gütterli:  Stachelbeere  ZGlattf.  Syn. 
Brunne'-,  Tmine'-Fürzli.  —  Schaub-Guttere  s. 
Strau-G.  —  Schimpf-:  zänkisches  Weib  TuSteckb. 
—  Schmöck-Gütterli:  Riechfläschchen  B;  Z.  — 
Schmutz-Guttere":  unsaubere  Person  TiiSteckb.  — 
Schnaps-:  1.  Branntweinflasche  Bs;  Z.  —  2.  übertr. 
Branntweintrinker(-in)  Bs.  —  Sch  wi"-Gutter  m.:  un- 
reinlicher Mensch  GRÜbS.  -  Understell-Gütterli: 
gläsernes  Fläschchen.  das  beim  Branntweinbrennen 
unter  die  AusrtusM-r.hrc  des  .Brenngeschirres'  gestellt 
wird  Z.  —  Stei"-(luttcr  m.:  Steinkrug  Gr  ObS.  -- 
Stink -Guttere"  (auch  Dim.)  =  St.-Gueg  4  B.  --- 
Strau-,  auch  Schaub-:  Strohflasche,  d.  i.  grosse, 
bis  c.  25  Liter  fassende,  mit  Strohgeflecht  umhüllte 
Flasche,  gew.  zur  Aufbewahrung  des  Branntweins, 
auch  des  Essigs  dienend  Ap;  Gl;  U;  Z.  —  Dokter-: 
Arzneiflasche  Aa;  Bs;  Z.  —  Tinte»-  f.  Ap;  Z. 
-Gutter  m.  Gotth.:  Tintenflasche.  —  Tätsch-Güt- 
terli:  Fläschchen  von  plattgedrückter  Form,  wie  das 
Muster-G.  Nes  Schlückli  Bätziwasser  [Branntwein] 
us-em  T.  Joach.  1883.  —  Tri(b)-,  auch  We-Gut- 
tere":  Flasche  mit  Arznei  zur  Beförderung  (Treiben) 
der  Geburtswehen  Ap.  —  T  r i n  s  (Trc.s.s;- :  Person,  die 
immer  über  Schmerzen,  Übelbefinden  klagt  (,trinset')  G. 
-  Wi"-:  I.Weinflasche,  allg.  WigötterJi,  auch:  das 
Fläschchen  naschhafter  Weiber  Ap.  —  2.  übertr., 
Säuferin  Ap.  —  Wunder-  s.   Under-G. 

Warze"-:  Flasche  mit  aufgedrücktem  Stempel, 
durch  welchen  die  Provenienz  des  Inhaltes  bezeugt 
werden  soll  Z. 

Davon   benannt,    dass   die  Marko  auf  dem  glatten  Glase 
aufsitzt    und  sich   rauh  anfühlt,    wie  die  Warze  am   Finger, 
ver-guttere"  (mit , sein'  und  dem  Zusatz  schier): 
fast   vergehen,   beben   vor  Kälte   ScnSt.;    vor  Unter- 
drückung des  Lachens  ZWetz. 

gütterle":  fleissigen  Gebrauch  von  der  Flasche 
machen.  1.  gern  (geistige  Getränke)  trinken,  sich  mit 
Trinken  bes.  im  Wirtshaus  gütlich  tun  Bs;  Gr;  L; 
Uw;  Z;  Syn.  schöpple',  süggele'.  —  2.  die  Arznei- 
flasche viel  gebrauchen,  oft  Arznei  nehmen  Bs;  auch: 
solche  bereiten,  ebd.  —  üs-:  aufhören  zu  giitterh» 
L;  Z  (scherzh.).  —  ver-:  1.  tr.  a)  vertrinken,  durch 
Trinken  verschwenden  B;  L;  Schw;  Uw;  Syn.  rcr- 
güggelen.  —  b)  eine  Flüssigkeit  unvorsichtig  aus- 
giessen  ZWald;  Syn.  rergilderen.  —  c)  durch  Unge- 
schick, Dummheit  verderben,  verlieren,  versäumen, 
verscherzen,  vereiteln  (Gewinn,  Vorteil,  Freude)  L: 
Schw;  Uw;  Zg;  Z;  Syn.  ver-guggeren,  -unschicken;  ver- 
törlen.     Vgl.  .Fiasko"  machen-.    —    2.  intr.    (gew.  mit 


535 


get.  git.  got,  gut.  gnef 


schier,  fast)  beben,  ausser  sieh  kommen,  fast  vergehen 
(Tor  Prost,  Hunger,  Lachen,  Ärger.  Neugierde,  Un- 
geduld, Erwartung,  Freude)  Aa;  Av.  Bs;  B;  L;  G; 
ScHW;  S;  Z;  Syn.  ver-gablen,  -gihln,.  -.mit,  m,.  -gitslen, 
-hijen,  -jeberen,  -bepperen,  -sprit:iii.  -:i,i,rni.  -lipperen, 
-^ipfleii.  Lo.iet.  vie  wüHet  <Je'funJitciii(j  Wind.  Mir 
l'iri-h.  mir  iiiiiir.  r.(jiiti:.  llnfsT.  18Ü5.  's  Wlbervolch 
III  ihr  Cliiuhi.  im  's  /.Vsi "  Iiiii  müessen  an  d' Wärmi 
sirlliii,  ist  scliirr  i-i'rijiittrrh:l .  wie  's-se  [sie]  nit  b'langt 
hat.  Breitexst. 

Zu  1  c  Tgl.  (las  SyD.  verkiichelen,  verderbeUj  eig.  irdenes 
Geschivr  zerbrechen.  Zu  2  vgl.  iuc-nemc  Chrütgll  werden, 
doch  s.  auch  vergAygerkn  Sp.    198. 

Gütterler  m.:  1.  Arzt,  der  viel  Mixturen  gibt, 
Quacksalber,  Wasserdoktor  B;  Schw;  Syn.  Gütterli- 
Mann.  Der  G.  det,  der  Wasserma"',  häd  air*  bäumig 
Lüg  abg'lä".  Schw  Fasn.  1883.  .Zu  einem  G.  habe  es 
kein  Zutrauen  mehr.'  Gotth.  .Dann  schickt  man  sein 
Wasser  einem  G.'  ebd.  —  2.  ein  kränklicher,  körper- 
lich empfindlicher,  dann  auch  -weichlicher,  zimpfer- 
licher  Mensch,  eig.  Einer,  der  viel  medizinicrt.  immer 
die  Arzneiflasche  brauchen  muss  BM. 

gütterlig:  zitternd  vor  Frost  Aa.  —  Zn  rn-,iiiiierei,, 

-r/ütterlen  S. 

Gutti,  Gütti  s.  Gutter  1  und  .V. 

gntignt:    es   koste   was   es    wolle   BsStdt.  —  Frz. 

cottte  que  coüte. 

eutle"GRObS.,Eh.;  W,  Guttle-  GSa.  -  f.:  1.  flüs- 
siger Kot,  Strassenkot  ^Strässe'-G.J,  Pfütze  Gr;  G. 
—  2.  Diarrhoe  (nur  vom  Vieh)  WZerm.  —  Syn.  Guätm 
Sp.   124,  aus  dem  unser  W.  viell.  verhärtet  ist. 


guttl. 


1  (Sp.  122)  GSa. 


gütlig:  kotig  GnEh. 

gnet,  in  „VO.;"  PP.;  Sch  giieter  und  giletist  für 
besser  und  best,  sonst  nur  scherzh.  und  in  der  Kinderspr. 
A.  mit  pers.  Subj.  1.  sittlich  gut.  Besser  g.  als  schön. 
Bi  de'  G-e'  uird  me"  g.,  bi  de"  Böse'  bös  L  (Ineichen). 
Nüd  z' g.  sl'  (z.B.  zu  einem  schlimmen  Streich).  Der 
Aberellen  ist  rnhl  :'  ir.  it  schneit  dem  Acherma"  uf 
sm  Huet.  Bauekm>ai,.  1^-:;.  Das  sind  die  G-en!  sar- 
kastisch =  die  Ari;.ii,  \  IM  krliiten  Z.  Eine"  wider  g. 
mache",  Einem  ilie  verlotztf  Klire  wioiler  herstellen  Z; 
ant.  Eine"  sclileiht  nmchi:".  .Kiii  L.nint  mensch  bringt 
guots  herlür.'  l-'i '.n,  Mattu.  —  2.  gütig,  gewogen,  ge- 
liillit;-,  Ir.MiiKllirh.  hulfluT, 'it.  freigebig,  allg.  E  gueti, 
Irriii  ilii'liii  Sil.  Kein  iiaili  Mensch  ha",  der  es  gut 
meint  Gl,;  /.  .Kein  Mt'ii.sch,  der  Mitleiden  mit  ihr 
hat;  sie  hat  keinen  g-en  Menschen.'  HPest.  1787.  En 
g-e  Meister,  nicht  strenge.  So  g.  si",  die  Gefälligkeit 
haben.  Wenn-er  w'end  Se  g.  si',  s'il  vous  plait.  allg. 
Verk. :  g.  si",  Bittformel  der  Kinder  B.  Gueti  Wiber, 
Hebammen  WLötschen;  vgl.  sage-femme.  —  3.  be- 
freundet, vertraut,  lieb.  Guet  Friind;  guete  Kamerad. 
,Guet  Gesellen'  s.  üs-fund  Bd  I  851.  Mi  g.  Sei!  3Iin 
Guete' .'  [an  Bed.  4  streifend].  Er  will  überall  g.  Ma"" 
Sl",  oder:  er  macht  g.  M.,  will  überall  gut  Freund 
sein,  ist  ein  Schmeichler  (Sprw.).  ,Sy  wöUind  mit 
der  weit  guet  mann  syn  [es  nicht  mit  ihr  verderben].' 
EGuALTH.  1585.  .G.  Mann  sin-,  im  Fernern  dann: 
guten  Mutes,  guter  Dinge  sein.  .Bis  du  g.  männli 
mit  dem  geld,  du  magst  wol  mit  leben.'  NMan.  1525. 
,So  trink  das  us  und  bis  g.  mann.-  HBüll.  1533.  .Ei 
ja.  g.  g'sell.  bis  nun  g.  m.!'  HEMan.  1548.    .Zechend. 


sind  fröhlich  und  g.  m.'  JMurer  1567.  ,Ein  Engel 
erschein  dem  Josuan,  stärkt  ihn  wol,  er  soll  syn  g.  m. 
[unverzagt].'  ESchmid  1579.  ,Niram  hin,  mein  söhn, 
und  bis  g.  m.,  ich  will  dich  nimmer  ohn  gelt  lan.- 
Schertw.  1579.  .Dass  ich  allzyt  by  ihnen  mög  gueten 
dingen  syn.  ja  lubeli  lebeli  machen  und  g.  buebli 
syn!'  Wagner  1581.  ,Kumm,  wir  wend  iezund  ziechen 
hin  in's  Würzhus  und  guot  MänJli  syn;  die  Hochzeit 
wend  wir  grad  verdingen.'  Com.  SBeati.  —  4.  gut- 
mütig, arglos,  sich  viel  gefallen  lassend;  bemitleidens- 
wert, arm.  En  g-e''  Tschöli,  ein  Mensch  von  fast  ein- 
fältiger Gelassenheit  und  Gutmütigkeit  Z;  frz.  bon- 
homme.  ,Möchten  ir  etwa  ein  guoten  schlechten 
g'sellen  nemmen,  an  dem  nützit  gelegen  wäre.'  1531, 
Strickl.  ,Der  g.  mann  ist  kummen  um  all  syn  hah 
und  guet  [als  Ausdruck  des  Mitleids].'  UMey.  1540/73. 
Die  ,g-en  Lüt-  a)  die  Aussätzigen,  c.  1400,  Bs.  — 
b)  die  Leibeigenen.  ,Ja,  täglich  mir  seind  für  der 
Tür  die  guten  Leut  und  bringen  für,  wie  sie  es  nit 
mehr  mögen  erzügen,  so  tüind  sie  die  Herren  biigen.' 
Myricäi-s  1630.  Die  g-e"  Sek",  die  Seelen  im  Feg- 
feuer AaF.  Vgl.  arm  Bd  1  455  u.  s.  unter  B  13.  — 
5.  ruhig,  nicht  zornig,  still,  friedlich.  Eine'  tcida- 
g.  mache',  einen  Zornigen  besänftigen.  Dei-ig  Kerli 
[solche  reizbaren  Subjekte]  hat  nie'  lieber  g.  als  bös  Z. 
Von  Säuglingen :  nicht  weinend,  nicht  aufgeregt;  Syn. 
fri.  —  6.  brauchbar,  tüchtig.  En  g-e''  Chnecht,  Müder 
[Mäher],  Schnider.  Vorusse'  slg  's  [das  Mädchen]  es 
gilets  mit  Werche',  aber  im  Hüs  inne'  chennd  's  NU  U. 
I'  kein  Schueh  inne'  me''  g.,  von  einem  total  unbrauch- 
baren, verdorbenen  Menschen.  Er  ist  g.  am  Seil, 
weiss  mit  dem  Heuseil  gut  umzugehen  Gl.  Nw  g. 
z'  Tisch  und  z'  Bett,  von  einer  untüchtigen  Hausfrau. 
Eim  g.  g'nueg  si'  zu,  für  Öppis,  Einem  als  tauglich 
zu  einem  Dienst,  Mittel  zu  einem  Zweck,  gerade  recht 
sein;  vgl.  de  Guetgnueg.  'Wenn-der  g.  zum  Rät  bi', 
wenn  ich  dir  zu  raten  habe,  wenn  du  meinen  Bat 
nicht  verschmähst.  Der  Alt  ist.  g.,  der  bisherige  In- 
haber eines  .\mtes  soll  bestätigt  werden.  .So  soll  ich 
minen  eren  entsetzt  und  niemen  weder  schad  noch  g. 
syn',  d.  i.  Formel  für  bürgerliche  Ehr-  und  Eecht- 
losigkeit.  1540,  Zellw.,  Urk.  (Urfehde  eines  Fried- 
brechors).  —  7.  gutstehend,  bürgend  für;  zahlungs- 
fähig, z.-pflichtig.  De''  ist-mer  g.  gnueg  (lang  g.J  für 
de'  Schade',  bietet  mir  hinlängliche  Garantie  für  Ent- 
schädigung Z.  !<■*  bi'-  Cstä'-J  dej-  g.  derfür,  ich  ga- 
rantiere dir  dafür,  versichere  dich ;  oft  einer  Drohung 
beigefügt,  allg.  Dem  ivill  i"''  dünn  aber  au"''  g.  defür 
st',  tco-mer  seit  's  Zapflis  Uanseli  [welcher  mich  bei 
dem  Namen  Z.  H.  ruft].  Stutz.  'Wer  ist-mer  g.  für 
de"  Schade"'?  ,Wills  b'schulden.  wo  ich  bin  so  g.  [ver- 
gelten, wenn  ich  die  Kraft,  Gelegenheit  dazu  habe].' 
Aal  1549.  ,Für  welche  ich  g.  bin  worden.'  Dasyp. 
1578.  ,Wann  einer  für  eines  Frömden  Ansprach  g. 
ist  und  desnahen  zuo  Verlust  kommt.'  1676,  Ztschr. 
f  schwz.  E.  —  8.  wohlhabend,  von  gutem  Stande  und 
Vermögen  Gr;  Schw;  S.  I'''  bi"  Gottlob  es  guets  Bürli, 
ha  schö"s  'Vehli  tmd  ha  mis  Zlsli  zalt  Schw.  Vo"  g-e" 
Lüte'  sl",  wo  Chümmi  hei  S  (Schild).  ,So  haben  wir 
vil  g-er  herren  und  lüten  gefangen.  Der  herzog  hat 
ob  400  mann  verloren,  darunder  vil  g-er  lüte  [Vor- 
nehme. Edelleute].'  1476,  Bs  Chr.  —  9.  stark,  robust 
Ap,  wohlgenährt,  fett  Z.  Die  Frau  schlnt  g.  am  Lib, 
Bei'  macht  si  ja  wie  Tanne".  HNag.  1842.  G.  am 
IM,   bes.   auch   von   Mastvieh    Z;    e  Sau   g.  mache". 


537 


Gat,  get,  git,  got,  gut,  guet 


538 


mästen  Bs;  Z.  —  10.  Pers.-  und  Geschln.  Z.  Wort- 
spielend: Er  isch  e  (?.,  er  ist  freigebig  (scherzh.) 
BFreudenb.  ,H.  dictus  der  Guot.'  1236,  ScnSt.  ,H.  und 
K.  Guot.'  1532,  ZMaschw.  Schon  ahd.  Guoto;  vgl. 
Boso.  Auch  als  Frauenn. :  ,Guota\  Nonne  e.  lOÜO,  Z. 
.Heinrico  et  Gute  [dat.]  liberis  villici.'  1286,  Bs.  ,Das 
Guotli,  Elsi  Kürzi  und  derglychen  liederlich  frowen.' 
1508,  Z  Ratsman.    S.  auch  die  Anm.  zu  Gertrud  Sp.  405. 

—  B.  mit  Sach-Subj.  1.  sittlich  gut.  En  g-e  Cha- 
rakter, Name".  Heb  g-i  Gidanke'  iinderwegs .'  ruft  die 
Mutter  dem  von  Hause  weggehenden  Kinde  nach.  Me" 
cha"  bi  der  A'rbet  g-i  G.  ha',  es  bedarf  nicht  des 
Gebetbuches,  um  religiöse  Gedanken  zu  bewegen  Z. 
Wortspielend  mit  Bed.  8:  Mi  Frau  häd  allewll  g-i  G., 
scherzt  der  Mann,  wenn  ihm  ein  .gutes'  Gericht  vor- 
gesetzt wird  Z.  Ähnlich  sagen  zu  Tisch  Geladene: 
Mir  [wir]  sind  scho'  zum  G-e"  s'  g'uenne'.  ebd.  — 
2.  freundlich,  wohlwollend,  wohlmeineml.  Ei"'m  kei" 
g-s  Äug  ge',  kei'  g-s  Wort  mmir"  ifiiHiim".  unwirsch 
sein  im  Umgang  Z.  Um  Gehl  mnl  ii-i  W'nri  {ist  Alles 
feil  udgl.).  allg.  Ei^m  e  g-.^  Worl  :unhe"  tue'  B, 
=  für  Eine"  e  g-s  W.  iHegge'  Z,  Jnidem  zu  Gunsten 
reden,  ihn  empfehlen.  S.  noch  geb  Sp.  67.  Es  war 
e  g-e'  Gottswille,  wäre  sehr  zu  wünschen  Bs.  Von 
der  Beschaffenheit  auf  eine  Wirkung  übertr. :  G-e" 
Wi'  trinke",  durch's  Trinken  nicht  in  gereizte,  son- 
dern in  fröhliche  Stimmung  kommen.  ,Guoter  Ding 
syn  mit  Einem',  auf  gutem  Fusse  stehen.  1529,  Bs  Chr. 

—  3.  fröhlich,  behaglich,  lustig.  Si  hei"  luter  g. 
Lebe"  B.  G.  Sach  ha",  behaglich  leben  B.  (Hingegen : 
d'  Sach  g.  ha",  wohlhabend  sein  Z.)  Wie  chummlig 
[bequem]  es  Schesli  slg,  u"'  wie-me"  g.  S.  ha"  chönn 
derbi  u"^  sittig  rite'  drin.  Gotth.  Mi"  ehunnt  nit 
für  si'''  la"  z'  regiere',  sondere"  für  g.  Händel  z'  ha". 
ebd.  ,lch  hatt  darby  ein  g.  Sach,  dann  man  schankt  uns 
vil.'  Platt.  1572.  S.  noch  u.  Ham;  Geschirr.  G.  Vö- 
geU  la'  sorge"  s.  Vogel  Bd  I  690.  ,Es  haben  die  land- 
leut  ein""  g-en  muot  daselbsten  [in  den  Bädern].' 
HPantal.  1578.  G-e'-  Mäntig,  blauer  Montag  BsStdt. 
,Dcr  lur  ouch  nit  wol  werken  mag,  und  b'sunders  am 
g-en  mentag.'  1548,  HEMan.  ,Die  jungen  g'sellen 
für  unser  Herren  kummen,  sy  angemuotet,  man  solle 
sy  lassen  dis  fasinacht  all  wuchen  1  tag,  als  am  g-en 
montag  danzen.'  1540/73,  UMey.  Chr.  ,G-e  Mendig.' 
1711,  L  Schreinerordn.    S.  noch  G-en-,  Guetmann-Tag. 

—  4.  der  Bestimmung,  dem  Wunsch  entsprechend, 
vorzüglich,  von  guter  Qualität,  zweckmässig,  zutreffend, 
nützlich;  z.  B.  von  Arbeit,  Werkzeug,  Schuhen;  Nutz- 
vieh [milchreich].  Mauskatze;  Reben,  Wiesen  [frucht- 
bar]; Wetter  usw.  Händ-e^r  g.  Rat?  Gruss  an  Per- 
sonen, die  im  Gespräch  begriffen;  darauf  die  Antw. 
Es  macht-si'''  Aa;  Th;  Z.  Es  ist  g.  g'nueg  vergebe, 
=  einem  geschenkten  Gaul  soll  man  nicht  ins  Maul 
schauen.  So  g.  wie  neu.  's  Holz  g.  haue",  kantig, 
zu  Bauholz  L.  Die  g-e  Jar,  a)  fruchtbare  Z.  b)  die 
Jahre  der  Kraft  [vom  Lebensalter]  Gl.  En  g-e''  Lö', 
ein  hoher  Lohn  Gl.  Im  Bes.:  gehaltvoll,  gediegen, 
echt:  g.  Bolle',  Fruchtknospen,  im  Gegs.  zu  Laub-B. 
Z;  g-e"-  Herd,  Humus  Z;  g-s  Wasser,  Seifenwasser  Z; 


isse  als  auch  ganzi,  im  Gegs.  zur 
g-s  Kaffi,    ohne  Surrogat   B,    mit 


g-i  Milch,  sowohl 

halben   Ap;    Z;    e 

Rahm  Ar;  g-e"  Essech,  scharfer;  g-i  Nägeli,  Gewürz 

nelken;  g-i  Leckerli,  von  feinerem  Mehl  als  die  rüche" 

L.  Ap;  Z;    Syn.  ßni;  g-s  Tuech,  ganz  wollen,  Dick- 

tufh    Bs;    Z.     Die    Erwählung    des   Amraanns    weder 


,bös  noch  g.'  heissen,  weder  tadeln  noch  billigen. 
1046,  Absch.  ,Zu  g-en  Herbsten  mag  dem  Weibel 
werden  1  Eimer  Wyn.'  1671,  Hotz,  Urk.  ,1790  wurde 
verfügt,  dass  für  das  Pfund  rohe  Fische  nur  2  Kr., 
für  das  Pf.  g-e  Fische  aber,  als  Hecht,  Forellen,  Aal, 
Treischen  und  Esch,  12  Kr.  bezahlt  werde.'  JVetter 
1864.  G-i  Banknöt,  echte  Z  ;  g-e  Schuldbrief  Z,  Zedel 
Ap,  gesicherte  Hypothek;  g-i  Gült  s.  Sp.  286.  ,Als 
die  schuldforderer  bis  an  des  [Falliten]  schuldrodel 
kamen,  die  schulden  [Forderungen]  g.  und  bös  us 
einander  zogen  und  sonderlich  die  gueten  mit  ein- 
andren teilen  wollen.'  1548,  Z.  Von  Münzen:  voll- 
wertig. In  ä.  Spr.  bes.  in  der  Verbindung  ,g.  und 
gäng  (geb).'  ,100  fl.,  alles  gueter  und  ganger  florener 
mit  voller  gewicht.'  1349,  Z  Urk.  .Drizechen  pfund 
pfenn.  guoter  und  genger  Züricher  münz.'  1369.  ZZoIl. 
,15  guot  batzen  oder  40  ß  für  ein  guoten  fl.  gerechnet' 
1633.  Z  Mand.  ,1  Givldeu  haltet  16  Btzn,  15  g-e  Btzn, 
1  Btzn  haltet  2  ß  6  Hlr,  1  g-er  Btzn  haltet  2  ß  8  Hlr.- 
JBEscHER  1685.  Das  Ausleihen  von  Geld  in  schlechten 
Münzsorten  zum  Vollwerte  (,uf  g.  Gelt')  als  Wucher 

verboten:  ,Mit  üslychen  gelts  um  nierzins  uf  g.  g 

Nachdem  ctlich  frömde  kouflüt  etlicher  zyt  krönen 
und  münz  allhar  in  unser  statt  gefüert  und  den  bür- 
geren uf  3  monat  um  g.  g.  gelihen,  da  dann  der 
Schuldner  uf  das  zll  yede  krönen  eins  batzens  näher, 
und  so  sy  inen  münz  gelihen,  sy  mit  krönen  in  ob- 
bemeldtem  wert  zalen  und  yedes  mals  yede  krönen 
1  batzens,  dann  sy  gemeinlich  gulten.  [näher]  wider- 
geben müessen  und  also,  under  dem  schyn  der  g-en 
münz  oder  g-en  g-s  ein  grossen  unbill  getriben.  Ob 
einer  dem  anderen  gelt  uf  ein  zalmonat  oder  jar 
lihe,  dass  allweg  der  gebürlich  zins  nach  marchzal 
abgerechnet  und  nit  mer  uf  g.  g.  gemacht  werden  und 
der  nslyher  von  synera  Schuldner  das  gelt  in  dem 
werd,  wie  er  ime  das  ««geben,  krönen  für  kr.,  münz 
für  m.,  nach  unserer  Statt  wärschaft  und  nit  wolfeiler 
bezalen  solle.  Diewyl  aber  von  wegen  unser  schwa- 
chen münzen,  die  im  Rych  nach  der  selben  wärschaft 
und  halt  nit  gäng  und  gab,  unsere  kouf-  und  werbende 
lüt,  so  im  Rych  waren  koufen  und  mit  g-er  rychsmünz 
zalen  müessend,  so  solle  von  diser  ursach  wegen  un- 
sern  kouflüten  zuegelassen  syn,  dass  sy  gegen  ein- 
andern  uf  g.  g.  handien.'  Z  Mand.  1568.  Der  ,g.  Guldi' 
in  L  spez.  Taxe  des  Creditors  für  das  Gantrecht  auf 
liegende  Unterpfande:  ,Wann  um  die  3  verfallene 
Zinsen  die  Recht  getriben  und  mit  der  Erlegung  des 
guten  Guldins,  um  den  Schuldner  ab  den  Underpfanden 
zu  führen,  fort  geübt  wären  worden,  ehe  der  vierte 
verfallen  usw.'  L  Stadtr.  1765.  Die  Taxe  für  den 
Gantbrief  auf  das  liegende  Unterpfand  eines  rechtlich 
Betriebenen  betrug  1  g-en  Gulden  (1  fl.  dem  Schreiber, 
20  ß  für  das  Siegel),  daher  dieses  Stadium  der  Be- 
treibung gewöhnlich  die  , Erlegung  des  guten  Guldens' 
genannt  wurde.  XVU./XVUL,  Seg.,  RG.  Dem  .Hei- 
ligen' der  Gerwerbruderschaft  musste  von  einem  Lehr- 
ling nach  4  Wochen  1  g-er  fl.  gegeben  werden.  Der 
g.  fl.  war  eine  Diseretionsmünze;  für  den  weniger 
Bemittelten  eine  Verdeutung,  dass  er  nicht  weniger 
als  1  fl.  schulde;  für  den  Bemittelten  ein  Wink,  dass 
Etwas  mehr  anständig  wäre.  Für  die  Häuserbesitzer 
in  der  Stadt,  die  zu  ihren  Häusern  eigene  Brunnen 
hatten,  bestand  bis  in  die  neuere  Zeit  die  Verpflich- 
tung, dem  Stadtbrunnenmeister  zum  neuen  Jahr  einen 
g-en  fl.    zu   entrichten;    dieser   artete    in  '/ä  Tlr    und 


539 


Gat.  get,  git.  got,  gut,  gnet 


540 


mehr  aus  LStdt.  —  5.  glücklich,  günstig,  gesegnet,  heil- 
bringend. Bei  Grüssen  und  Glückwünschen:  Guetfe") 
Abend,  Morgen.  Nacht,  Tag,  Jar;  s.  Guet-Jär.  .Zweien 
wächteren  jedem  15  ß,  dass  si  von  SMichels  tag  bis 
uf  osteren  den  g-en  tag  den  bürgeren  und  heren  sin- 
gent.'  1595.  I,AVillis.  Stiftung.  ,Wünsch  ewer  Gnad 
vil  guter  Naciit.'-  liiliniH.  1019.  G-i  Besseri''g !  zu 
Kranken;  ironisrb  aiuli  Im^Iih  Fortgehen  zu  Gesunden 
mit  Beziehung  auf  das  moralische  Verhalten.  Hand 
(na"'')  g-e  Sunntig!  Abschiedsgruss  am  Sonntag.  G-i 
Losi"g'.  zu  Krämern  oder  Leuten,  die  als  Verkäufer 
auf  den  Markt  gehen  Z.  ,T)er  g-e  Donnerstag',  der 
hohe  oder  grüne  D.,  ,der  g-e  Freitag'.  Charfreitag. 
tMoos  1775.  Formel  für  bürgerliche  Ehr-  und  Eechts- 
losigkeit:  ,Des  band  soll  nieman  kein  guot  noch  schad 
gyn',  =  ,syn  stimm  niemer  nie  nüt  und  unnütz  syn.' 
1432,  Zg.  Urteil  über  einen  Täufer:  ,dass  syn  zung 
syn  leben  lang  niemand  weder  schad  noch  g.  syn  soll.' 
1526,  GStdt  Ratsb.  ,Das  emd  und  den  haber  mit  g-em 
lieb  hereinbracht  [nach  Wunsch,  mit  Erfolg].'  Bossh.- 
GoLDSCHM.  —  6.  heilsam,  wohltätig  (bes.  von  Arznei- 
mitteln). Nüt  ist  g.  für  d'  Auge',  aber  nüd  für  de" 
Buch  Gl;  Z.  Was  ist  g.  für  's  Zä"'weh?  Antw. 
's  Hm-e"  [Aufhören]  Z.  —  7.  gesund,  ganz,  unversehrt. 
De  g.  Arm,  im  Gegs.  zum  kranken  (bösen)  Z.  De' 
g.  Schueh,  wenn  der  andere  Löcher  hat.  Die  g.  Mür, 
der  noch  nicht  baufällige  Teil  einer  Mauer  Z.  Die 
g-e'  Öpfel,  die  noch  nicht  angesteckten  (beim  Sor- 
tieren). Er  tuet,  a's  tcenn  's  nümme  g.  war,  iron.  von 
einem  starken  Esser  S.  Aufs  Moralische  übertragen : 
Kein  g-e  Fetze'  (Fade')  an  Eim  la",  eine  vernichtende 
Kritik  an  ihm  üben.  —  8.  den  Sinnen  angenehm,  bes. 
wohlschmeckend,  von  Speisen,  Getränken,  Gerüchen. 
Wenig  und  g.  ist  besser,  ah  vil  und  schlecht.  G.  und 
g'nueg,  nach  Qualität  und  Quantum  befriedigend.  Denn 
meined  d'  Herre'  eisig  nn"'',  mer  heied  g.  und  g'nueg, 
klagt  der  Bauer  bei  Stütz.  D'  Bäbe'  [weisse  Rüben] 
sind  na'''  g.,  trenn  s"  g'Mire'd  de'  Passion  singe"  Z  rS. 
Gern  g-i  Mümpfeli  hä",  ein  Feinschmecker  sein  Z. 
Nw  zuvi-e  g-e  Mül,  nicht  für  den  Hunger,  nur  um 
einen  angenehmen  Geschmack  zu  machen  Z.  S.  noch 
bei  geben  Sp.  75.  ,Ein  Zuger  hat  etwa  am  Freitag  ein 
schwynin  hammen  us  dem  buosen  zogen,  darab  g'essen 
und  g'sprochen:  Das  ist  mir  g.  harz!'  1.554,  Zg.  — 
9.  leicht,  nicht  schwierig.  G-i  [leicht  zu  verarbei- 
tende] Side.  E  g-s  Wujrp,  Gewebe,  Webearbeit,  die 
leicht  von  Statten  geht.  Von  Rätseln,  Rechnungen: 
leicht  zu  lösen  Z.  G.  Sach  adv.:  Die  Buobu"  heind 
jets  g.  S.  s'  wxbu'  W  (vgl.  o.  3).  Der  ist  nid  g-e'' 
z'  b'schlssw,  nicht  leicht  zu  betrügen  W  und  ähnlich 
allg.  Es  ist  g.  säge'  hindenahe',  hinterher  ist  leicht 
tadeln  (vgl.  npaxS-sv  51  xe  vYjntog  lyvio.  Homer).  Dh 
hüM  g.  säge'  (roh:  schlssc),  dir  ist  es  leicht,  wohl- 
feilen Rat  zu  geben,  da  du  nicht  in  Verlegenheit  bist 
(wie  ich)  Z.  Es  ist  g.  i'  d'  Witi  lüge',  allg.  Das 
ist  g.  (z') mache"  Z.  —  10.  bei  Quantitätsbestimmungen: 
völlig,  reichlich;  beträchtlich,  stark.  En  g-C  Zentner, 
g.  gewogener;  en  g-e''  Schueh,  stark  gemessener  Fuss; 
e  g-i  Stund,  starke  St.;  e  g-s  Wlli  Gl;  Z.  En  g-e" 
Schluck,  e  g-i  Mögi  ha',  im  Trinken  und  Essen  Be- 
deutendes leisten  Z.  En  g-C  Bung,  Weile,  Zeit  Z, 
Bück  B.  G-i  Witi  ha',  Spielraum  haben,  im  Frieden 
gelassen  werden  GrPt.;  vgl.:  ,Die  Anemonen  wollen 
gute  Weite  haben.'  JCSulzer  1772.  E  g-e  Teil  B. 
,G-er  Tagen,  Jaren'  in  ä.  Spr.  =  wohlbetagt:  .Wiewol 


ich  g-er  t.  bin.'  Ruef  15:iS.  ,Annis  maturus,  alt,  wol 
betaget,  g-er  t.  G-er  jaren,  fast  alt,  annis  plenus.' 
Fris.;  Mal.  ,Er  ist  g" sammlet  zu  synen  vätern,  als  er 
g-er  tagen  g'syn.'  LLäv.  1590;  dafür:  ,Des  Lebens  satt 
worden.'  ebd.  1670.  —  11.  fertig,  abgetan.  Das  Ding 
ist  (war)  g.,  Formel,  welche  in  einer  Erzählung  ein- 
geschaltet jedesmal  einen  Abschnitt  abschliesst  und 
etwas  Neues  ankündigt.  Da  Ding  war  g.,  fart  de 
Hächel  fürt.  Am-ene  Obed  usw.  Sch  (Schwzd.).  Auch 
ellipt.  und  wie  eine  Interj.:  G.,  mer  wend's  jso  b'stellt 
st'  lä"  (bi  dem  bllbe"  lä')  Z.  ,Den  krieg  g.  machen', 
beilegen.  Edlib.  ,Dise  schrift  ist  vor  Räten  und  Bur- 
gern gehört  und  erkennt,  dass  es  jetzemal  soll  ein  g. 
sach  syn  und  in  ruow  stan  und  blyben.'  1526,  Absch. 
,Man  habe  es  ein  g.  sach  lassen  sin.'  1529,  ebd.  Mp- 
wend  's  g.  si  lä,  wir  wollen  die  Sache  auf  sich  be- 
ruhen lassen,  nicht  weiter  davon  reden  Z.  —  12.  ernst, 
„derb",  in  der  RA.:  g-er  Ding  („gueting")  Eim  Öppis 
säge',  Einem  ernste,  nachdrückliche  Vorstellungen 
machen  B;  ,V0.;  Z";  vgl.  frz.  tout  de  bon.  bonnemsnt 
und  s.  Schm.-Fr.  I  964.  —  13.  euph.  per  antiphrasin 
für:  ,bös'.  ,Furunculus,  ein  spitzig  und  hitzig  ge- 
wächs  am  leib,  wie  ein  g-e  blater,  ein  kleiner  eiss.' 
Fris.;  Mal.  Vgl.  Guet-Bläterli,  Hitzbläschen;  Guet- 
Schlag,  Schlagfluss.  —  C.  grammatische  Besonder- 
heiten des  Gebrauches.  1.  guet  präd.  mit  gewissen 
Vben.  Mit  ,sein'.  Wie  gät  's?  Antw.  Es  mness  g. 
sl',  bis  's  besser  chunnd  Z.  Alles  ivär  g.,  wenn  's  nW 
besser  war.  Anders  GGotth.  1599:  ,Es  wäre  g.,  es 
stüende  bass',  Antwort  auf  die  Frage:  ,Wie  steht 
d'  Sach'?'  Machid  numme',  es  iM-m^r  g.,  es  ist  mir 
schon  recht,  was  ihr  macht.  Gotth.  's  isch  (jetz)  g., 
genug  jetzt!  B;  Z.  Oft  mit  Ellipse  des  Verbs:  Guet! 
es  genügt.  G.,  lang  g.!  genug,  mehr  als  genug!  ,G. 
i"-der  Höchi!  recte!  optime!  ironice.'  Id.  B;  Z  (der 
Ausdruck  in  scherzh.  Weise  von  den  Bauleuten  her- 
genommen). ,A. :  Ich  weiss  kein  Wort.  B. :  Grad  so 
g.!'  UBrägg.  1788.  Sets«  [sagst  du] -w  [uns]  d'War''et, 
(so  isch)  wol  und  g.  Wenn-d'-mer  folgist,  wol  u.  g., 
sust  '.[sonst]  ..  .  allg.  ,Nemmen  sy  einen  darunder 
[unter  den  Vorgeschlagenen],  wol  und  g.'  1469,  GBurg. 
OiFn.  ,Die  Buoss  abfordern.  Gibt  ers  ihme.  woll  g.. 
wo  nit,  so  soll  er  ihm  für  G'richt  büten  lassen.'  16'2!', 
Obw.  G.  st  lä'.  sich  zufrieden  geben,  es  bewenden 
lassen;  vgl,  B  11.  Gelt,  du  witt  's  iez  g.  la"  si'?  Gr 
(Schwzd.).  ,Man  wurd  widerum  mess  han  und  das  alt 
g.  lassen  sin.'  Vau.  Mit  .haben':  Si'  Sach  g.  ha", 
wohlhabend  sein;  vgl.  A  8.  Händ-er  g.?  Frage  an 
streng  Arbeitende,  bes.  mit  dem  Spaten  Grabende  Z ; 
vgl.  B  9.  (Öppis)  g.  mache"  {„tue"  B;  L;  Zg'),  wieder 
herstellen,  vergüten,  bezahlen,  boniflcieren.  allg.;  vgl. 
A  1.  ,Man  soll  ihnen  für  einen  Tag  25  ß  g,  machen.' 
1654,  Absch.  Zur  Erhaltung  des  Zauns  sollen  dem 
Weibel  3  fl.  ,g.  gemacht'  werden.  1742,  ebd.  , Schade 
aus  Privatfeindschaft  wurde  aus  des  Urhebers  Ver- 
mögen g.  getan.'  JvMüll.  G.  (ver)spreche'  für  Ein''", 
Bürge  sein  Bs;  Z;  g.  schribe",  schriftlich  zusichern; 
vgl.  A  7.  ,G.  geben'  i,  S.  v.  gutheissen,  anerkennen; 
bewilligen;  vgl.  B  4.  Karl  der  Gr.  hat  eine  Abtwahl 
,g.  geben  mit  urkund'.  Eine  Abtwahl  .g.  geben  und 
bestäten'.  Die  Mönche  ,mochten  nit  lyden,  dass  man 
den  [Abt]  g.  gebe,  der  wider  ir  wal  aufgetriben  wäre.' 
Vad.  Vgl.  ebd.:  ,Die  klöster  seien  um  der  büecher 
und  lehre  willen  von  den  bischöfen  zugelassen  und 
für  g.  geben  worden.-     ,Das  für  g-e  werk  halten,    so 


.11 


f?it,  S"t.  S"*^  i?»«' 


M2 


die  Hömiseh  kiruli  für  g.  gelieii  [für  g.  erklärt]  hat. 
1,Lav.  15:^7.  —  2.  g.  elliptisch  mit  Ausfall  eines  zu 
ergänzenden  Subst.  En  Schoppe"  (vom)  G-e'  [d.  h. 
Win],  allg.;  vgl.  B  8.  Me'  muess  bim  G-e'  [ Wetter J 
heuwe'  B  (Zyro);  vgl.  B  4.  iV  hat  Mit  G-e"  [d.  h. 
Mäniag],  blauen  Montag  Bs;  vgl.  B  o.  F''  wünsch- 
der  e  G-e'  [Appetit.]!  Bs;  S;  vgl.  B  Ü;  7.  ...  es  Guet  's 
[Neujahr]  Bs;  vgl.  B  5.  Guete'  [Tag]!  Gruss  in 
ZWthur;  Th  tw.;  vgl.  aus  GBh.:  Grüess-i  giieten  Abig 
irol!  Antw.:  Dank-i;  au  en  g-e'!  während  anderswo 
nur:  Tag!  gesagt  wird.  Das  isch  e  G-i-  [Geschichte, 
Krzählung],  ein  köstlicher,  ergötzlichi'v.  trefflicher 
Witz  B;  vgl.  B  3;  4.  De'  G.  LSeniii.;  S;  /o..  s..  (S-r 
GKPr.;  GA..  F.,  Ta.;  Sch;  Schw;  /.  tu.  //,»"/  /,.-".  i„ 
guter  Laune,  gut  gestimmt  sein;  auch:  anj;rtriiiiken 
sein  L.  In  GrD.,  Pr.  daneben  die  G.  [Stund];  vgl. 
A  2;  3;  B  2.  Hast  nüd  de"  G-e'^  Frage  an  Einen,  der 
finster  drein  schaut.  KSteiger  1839.  Syn.  nüd  g.  im 
Strumpf  sl';  vgl.  ,den  nächsten'  [sc.  Weg].  —  3.  das 
Neutr.  des  Adj.  subst.  gebraucht.  Gnets  bring  G-s, 
hei  albe"  die  Alte"  g'seit  BBe. ;  vgl.  B  1 ;  5.  D'  Lät 
flönne'  Kim  ehnder  's  Bös  geh  's  G.  S  (Schild).  Liebs 
iiiid  G-s.  allg.  ,Den  Herren  von  Bern  wurde  alles  L-s 
und  G-s  erzeiget.'  Mem.  Tig.  1742.  G-s  in  's  Mül  gen 
[geben],  schmeicheln  GRVal.;  Syn.  güetle';  vgl.  B  8. 
Für  's  G.  sl",  religiös  gesinnt  sein  Z.  G-s  tue',  beten, 
fromm  sein  ZRuss.,  sonst:  wohltätig  sein,  Almosen 
geben  Z.  Der  alte  Graf  von  Toggenburg  und  Frau 
vergaben  Wyl  ans  Kloster  StGallen,  damit  für  ihren 
vom  Bruder  ermordeten  Sohn  Friedrich  ,guots  ton 
würde',  d.  h.  gebetet  werde.  Vad. ;  vgl.  ebd.:  .Damit 
im  für  und  für  guetes  nach  [nachher]  tuon  wurd 
lewige  Seelmesse  gehalten  würde].'  Das  ist  Öppis  nit 
G-s!  Ausruf  beim  Anblick  eines  Gespenstes.  DGemi'. 
1884.  ,Iratum  habere  alqm,  nichts  guots  an  eim  ha- 
ben, wenn  einer  wider  uns  erzürnt  ist.'  Fris.  ;  Mal. 
Hieher  im  Grunde  auch:  Das  G.,  euph.  für  ,Schlag- 
Huss';  vgl.  B  13.  Kei'  G.  tue',  nichts  taugen.  Das 
(Ding)  tuet  kei"  G.  me''  mit  dem  Hans  (dene'  Zweine"), 
Hans  macht  sein  längeres  Verbleiben  unmöglich  (das 
eheliche  Zsleben  ist  in  Frage  gestellt)  GSa.;  Z.  Auch 
mit  pers.  Subj.  L;  jte  G.  tue',  sich  ungeberdig  stellen 
Aa.  ,Was  lychtlich  abzuonemen,  wohin  es  in  die  harr 
reichen  und  was  us  dem  spil  werden  wurd,  nämlich 
dass  alle  landschaft  beladen  und  zuo  langen  tagen 
kein  g.  syn  wurd.'  Vad.  Was  lebst  G-s?  Grussfrage; 
vgl.  B4;  5.  Was  (büted-er  oder  ivend-er  oder  giH's) 
G-s?  Frage  an  einen  Besuchenden,  allg.  Der  händ- 
mi''''  lo'  zue-n-ech  b'schicke',  do  wär-i"''  ies,  und  iez, 
was  G-s?  h.  ,Was  tuost  du  daV  Was  machest  guots? 
[Grussformel  Kains  an  seinen  arbeitenden  Bruder].' 
Ruef  1550.  ,Was  er  Guts  beut?  [Frage  an  den  eben 
zu  der  Gesellschaft  Kommenden].'  Schimppr.  1651. 
S.  auch  us-gän  Sp.  26.  E(s)  G-s,  als  unbestimmte 
Massangabe,  ein  Beträchtliches;  vgl.  B  10.  E  G-s 
zu  100  Schueh  hoch,  beträchtlich  höher  als  100'  Gr;  Z ; 
um  es  G-s  bessei-  Ndw.  ,Diser  atf  ist  etwas  guets 
grösser  dann  ein  hund.'  Tierb.  1563.  ,Bene  ante  lu- 
cem,  ein  g-s  oder  lang  vor  tag.'  Fris.;  Mai..;  Denzl. 
1677;  1716.  ,Servus  sapientior  non  paulo,  ein  g-s 
witziger  dann  sein  meister.'  Fris.  ,Uinb  ein  G-s 
höcher.'  1600.  Cys.  .Nimm  Samen,  stosse  sie  um  ein 
G-s  grob,  allein  .la-,s  kein  Kn  ulin  ganz  bleibe.'  JJNüsch. 
1608.  .Nä.-liaeii,  die  [aiilieraumte]  Zyt  ein  G-s  für 
über  war.'    Z  'l'auleiber.   Ui;;9.     E  G-s  hesser  als.... 


ScHiMPFR.  1651.  —  4.  das  Neutr.  mit  einer  Präp.  formel- 
haft verbunden.  ,In  G-em',  in  gutem  Sinne;  vgl.  B  2. 
,Sy  wurdind  syn  vermanung  in  g-em  von  im  ver.ston.' 
HBuLL.  1575  (Mise.  Tig.).  .Dies  tier  habe  im  dattel- 
kernen  bracht  zuo  einer  anzeigung,  dass  es  in  g-em 
zuo  gegen  wäre.'  LLav.  1578  =  ,dass  es  friedlich  ver- 
banden seie.'  1670.  ,Ich  bitten,  ir  wöllind  mine  mei- 
nung  in  g-em  von  mir  verston.'  LLav.  1584.  ,Freund- 
lich  hat  man  ihm  [dem  Paris]  Tür  aufton  und  g'meint, 
er  sei  in  G-em  kon  [in  guter  Absicht].'  GGotth. 
1599.  Us  g-em,  aus  Güte,  gutwillig,  freiwillig  Bs;  Z, 
z.  B.  Eim  Öpipis  ge'.  Si  hei  g'wüsst,  ''ass  er  us 
G-em  Niem  Nüt  abg'sl"  isch.  Breitenst.  ,Aus  G-eur. 
im  Gegs.  zu :  von  Rechtswegen.  1557,  Absch.  — 
für  g.  Aa;  B;  Gr;  GA.;  Scu,  v,;r-  {gued  BB.);  W, 
firgüetig  BO.:  1)  (für)  sicherlich,  bestimmt,  gewiss, 
durchaus.  Fäh  [fange]  der  Alpstei'  a"  z'  brülle',  su 
cheri  [ändere  sich]  's  Wetter  f.  GkFt.  F''  iceiss  nit, 
ob  Alls  war  ist,  aber  ammäl  hei'  wer  's  v.  g'hert  W. 
Machsch-m^r  das  no  einisch,  su  hesch's  de"'  f.  «'.r- 
chächelet  [verderbt]  mit-nirr  B.  Syn.  für  g'wilss.  — 
2)  für  immer,  zu  festem  Besitz  (nicht  leihweise)  SchKI.; 
Syn.  für  überall;  vgl.  auch  schon  das  letzte  Beispiel 
von  Bed.  1.  --  3)  adv.  verst.,  ernstlich,  tüchtig,  nach- 
drücklich Aa;  B;  Gr;  GA.;  W.  Die  Doktren  tient 
dun  armun  Bür  v.  tuen  z'  blechu',  les  inedecins  fönt 
rudement  payer  le  pauvre  [jaysan  W.  Es  feistret 
[dunkelt]  „adisrh  ,ch,"  f.  Kihn  1S19.  .Hie  Geissen 
waren  Iimieeii^'  nn.l  wenn  die  Km.l.T  ilinen  den  Knpl 
anrührten,  stie,..,eu  sie  maiwlinial  f.  -.  mit  den  llm- 
nern.'  HPest.  1785.  F.  rosse",  derb  abprügeln  UU. 
Syn.  guet-ding  s.  guet  B  12.  —  4)  in  ä.  Spr.:  f.  ha", 
üfmme",  zu  gute  halten,  sich  zufrieden  geben,  be- 
gnügen, vorlieb  nehmen ;  übel  r.  hau,  übel  nehmen, 
unzufrieden  sein.  ,Si  haut  es  dick  nicht  wol  v.'  Bonek. 
,Ist  etswan  gefeit,  so  land  uns  [das]  bessren  und  von 
einandren  v.  han.'  1521,  Strickl.  ,V.  nemen'  s.  Bd  I 
1060.  , Wellend  an  sölichera  ein  benüegen  und  v.  han.' 
1526,  Absch.  ,Habe  einer  von  dem  anderen  v.  und 
vergebe  je  einer  dem  andern.'  1531,  Coloss.  ;  =  .Duldet 
einanderen.'  1667.  ,Ir  sind  ein  wyser  man,  wie  kün- 
dend ir  etwas  tuon,  das  nit  wol  ton  wäre,  ir  band 
wol  von  üch  selbs  v.'  Gyrbnr.  1523.  , Jeder  tue 
dem  andern,  das  er  von  im  wollte  in  glychem  fall 
V.  und  zu  dank  annemmen.'  B  Syn.  1532/1775.  ,Nun 
hab  an  diser  -spys  f.'  SBirk  1535.  Die  Gemeinde  hat 
solche  Reden  ,übel  v.'  1539,  Absch.  ,Sy  wellen  vor  g. 
haben,  wo  inen  nit  geschechen  nach  irem  willen.' 
Kessl.  ,Heb  allwegen  von  kinden  v.;  mach  si  mit 
rüche  nit  verdrossen.'  HBixl.  1540.  ,[Der  Überwun- 
dene] hat  syn  knechtschaft  übel  v.'  Vogelb.  1557. 
,[Der  Pfarrer]  hatte  mit  einer  ringen  besoldung  v., 
beggrt  keiner  besserung.'  1561,  ZZoll.  .Parvo  uti,  mit 
wenig  V.  haben,  an  kleinem  vernüegt  sein.  Accepta 
esse  mea  dona  lietus  sura,  dass  sy  meine  schenke  für 
g.  und  dank  aufgenommen  hat.  Aequus  alicui,  mit 
eim  zefriden  sein,  von  eim  v.  haben.  Aegre  ferre, 
ungern  leiden  und  übel  v.  haben,  zürnen.  Adversis 
aniuiis  accipere,  übel  v.  aufnemmen.  Patior  non  nio- 
leste  eam  vitam,  ich  hab  das  leben  nit  übel  v.'  Fris.; 
Mal.  ,Bitt  ich  üch,  dass  ir  wol  wellind  mit  einanderen 
eins  syn  und  von  einanderen  für  g.  haben,  cinanderen 
lieben.'  HBull.  1575.  ,Er  hat  die  straf  nit  übel  v.. 
sagt  nit:  ich  weiss  selbs,  was  recht  oder  unrecht  ist.- 
LLav.  1584.    Zu  Gästen:  ,Han  euch  all  ding  zurüsten 


.V43 


dat.  get,  git,  g()t,  g-nt,  giiet 


544 


lim,  doch  am  fürg.  hau  wird  vil  ligen.'  GGotth.  1599. 
.An  keim  Lohn  hand  ihr  mehr  für  g.,  an  Speis  sich 
keiner  g'niegen  tuot.'  Com.  Beati.  ,Wo  ein  Kilcher 
sich  allhie  unsers  G'richts  und  Rechts  nit  wellte  lassen 
settigen  old  benüegen  und  v.  han.'  1605,  Schw  Eq. 
Bettler:  ,Was  d'  mir  mitteilst,  nimm  ich  fürg.'  GGotth. 
1619.  ,Oder,  so  mir  glych  yferig  und  ernsthaft  sind, 
so  tuend  wir  etwan  der  Sachen  nur  gar  zu  vil,  habend 
von  den  lieben  Einden  nit,  wie  es  syn  sollte,  für 
gut;  gebend  ihnen  etwan  ungebürliche  Namen.'  1626. 
JJBreit.  .Bedanken  uns  eurer  guten  Gesellschaft, 
mit  derselben  wir  gar  wol  v.  genommen.'  Werbungsb. 
1670.  .Der  Schöpfer  Himmels  und  der  Erden  hat 
müessen  vorg.  haben  mit  einem  Stall.'  AKlingl.  1688. 
, Mancher  hat  niemals  verg. ;  hat  er  das  Eine,  so  will 
er  auch  haben  das  Andere.'  ebd.  .Lutherus  hatt  das 
übel  verg.,  Erasnuis  noch  vil  wirs.'  Mise.  Tig.  1724. 

—  Über  die  Alischwächnng  des  für  zu  ver  s.  Bd  I  912, 
Anm.  Lenz,  Schwabenkr.  hat  ein  Vb  ,vergueten'  i.  S.  v. 
.vergiiet  ban',  gestatten:   ,Die  toten  v.  in  d'statt  ze  tragen.' 

—  ,dur'=''-g.',  zu  einem  guten  Zwecke;  vgl.B4.  ,Die 
hüser,  du  dur  g.  werdent  nitlergebrochen,  so  für  üs- 
kummt,  soll  man  gelten.'  1304,  Z  Richtebr.  Ze 
Guetfem).  2?  G-em  ha*  a)  wie  nhd.  zu  fordern  haben 
(als  Schuld);  vgl.  B  4.  —  b)  Ei"m  Öppis,  es  nicht 
übel  nehmen;  .sequi  bonique  consulere.'  Id. B;  vgl.  B  2. 
Z'  G-em  cho",  zu  gute  kommen.  Z'  G-em,  in  Liebe, 
mit  Freundlichkeit  BSchw.;  ,iu  commodura.'  Id.  B;  aus 
Gefälligkeit  (nicht  in  Folge  eines  Rechtsgrundes)  Z. 
,Z'  G-em  tue'',  beneficium  conferre  in  alqm.'  Id.  B; 
sich  z'  G-em  tue",  sich  gütlich  tun  BHk.,  Eim  z'  G-em 
tue",  ihn  köstlich  bewirten,  ebd. ;  vgl.  B  5 ;  8.  ,Ei'"m 
z'  G-em  welle",  propitia  voluntate  esse  erga  alqm.' 
Id.  B.  Eim  Öppis  z'  G-em  säge",  ihn  in  Liebe  ver- 
mahnen B  =  zum  G-e"  säge",  zu  Jmds  Wohl  Z ;  vgl. 
B  2.  Het  's  Bäbi  au'''  zwei  Pfündli  Fleisch  g'kauft 
z'  G-em,  und  's  isch  au  grad  Fasnecht  g'si.  Joach. 
1881.  ,Das  sei  nicht  recht,  dass  Vreneli  jetzt  Alles 
ausessen  solle.  Es  hätte  ihnen  z'  G-em  wollen  und 
jetzt  wolle  er  es  schlecht  machen.'  Gotth.  .Man  kann 
einander  oft  z'  G-em  sein,  wenn  man  ein  Herz  zu 
einander  hat  und  sich  kann  verstehen.'  ebd.  ,Zu  g-em 
niemer  mer  vergessen.'  1516,  DHess.  ,Dem  menschen 
mögen  zu  g-em  kommen.'  ebd.  ,Dem  zu  g.  [zu  diesem 
Zwecke]  so  ist  gesetzt,  dass  man  in  jedem  viertel  im 
land  zwen  mann  dargeben  soll.'  1519/44,  Schw  LB. ; 
vgl.  B  4.  ,Das  wellen  wir  gen  üch  zuo  g-em  nit  ver- 
gessen', wir  wollen  dessen  zu  euern  Gunsten  gedenken. 
1521,  Absob.  ,Mit  bitt.  ir  wellind  unser  handlung  zue 
g-em  von  uns  vermerken',  günstig  auslegen,  in  bonam 
partem  accipere.  1522,  ebd.  ,Die  hotten  sollen  das 
best  handien  und  versuochen,  ob  sy  die  sach  zuo 
g-em  bringen  [gütlich  schlichten]  mögen.'  1529,  ebd. 
,Die  vorbotten  dienend  zuo  g-em  der  gläubigen  und 
zuo  straf  der  ungläubigen.'  LLav.  1569.  ,Gott  lasst 
die  geist  synen  userwälten  zu  g-em  und  den  verwor- 
fenen zur  straf  erschynen.'  ebd.  ,An  mir  sollt  ir  kein 
zweifei  han,  euch  z'  g-en  warnen,  wo  ich  kann.' 
GGotth.  1599.  ,Gott  wöll  z'  g-em  unser  eindenk  sein.' 
ebd.  ,Der  Handel  kam  für  die  von  Bern,  die  spra- 
chend  dem  Gottshus  zu  guet  und  lagen  die  Buren 
under.'  Cysat.  ,Mit  Begehren,  wir  derselben  [der 
untern  Pfalz]  unser  christenlich  Mitlyden  noch  fürbas 
zu  G-em  wollen  erschiessen  lassen.'  1626,  JJBreit. 
,Ich  will's  euch  z'  G-em  nit  vergessen.'  Schimpfr.  1651. 


,Den  Weidleuten  dienet  z'  G-em',  dass  . . .  =  wird  kund 
gegeben.  1710,  Z  Fischerordn.  —  5.  g.  als  Adv.  1)  gün- 
stig, vorteilhaft;  gehörig,  nach  Wunsch;  vgl.  B4;  5. 
G.  schrlbe",  günstige  Nachrieht  von  sich  geben  B;  Z; 
Eim  helfe"  mit  dem  g.  Rede",   sein  Fürwort  einlegen 


für., 


schaffe 


viel   ausrichten 


.;    g.  cho". 


anstä",  passen,  von  Kleidern.  Er  meint  's  g.,  wenn- 
er 's  nw  hätt,  macht  schöne  Pläne,  die  er  nicht  ver- 
wirklichen kann  Z.  Es  g.  im  Sinn  ha",  den  ernst- 
lichen Willen  haben  Z;  vgl.  B  12.  Es  g.  ha",  gut 
situiert  sein,  ein  behagliches  Leben  haben,  wohl  auf- 
gehoben sein.  allg.  Er  hat  's  lang  g.,  er  ist  aufs 
Beste  versorgt  Z  (eig.  ist  auf  lange  hinaus  gesichert). 
Ja,  selb  mein-i''',  d'  Herre'lüt  händ's  g.  (VolksL). 
Du  bisch  aber  en  a"schickligs  Bürstli,  woruf  i  mi  verlo 
darf  und  bi  dem  der  alt  Joggt  cha  g.  ha.  Schild  1866. 
Es  g.  übereho",  in  eine  glückliche  Lage  kommen.  Vgl. 
,Nu  g'winnt's  kein  narr  nümraerme''  g.'  Gehgenb.  's  ist- 
»ijr  nid  g.  (nid  grad  am  Beste"),  ich  bin  unwohl  Gr; 
Z;  vgl.  B  7.  Si  häd  's  nüd  g.  'tröffe",  sich  nicht 
günstig  verheiratet,  's  nüd  g.  treffe',  auch:  mit  einem 
Besuch,  einem  Unternehmen  Misserfolg  haben,  zur 
Unzeit  kommen.  Z'  g.  mache",  den  Zweck  überschrei- 
ten; übertreiben  (im  Essen,  Arbeiten,  Vergnügen, 
Strafen)  B;  vgl.  B  4.  Mach 's  nid  z'  g.!  grüssender 
Zuruf.  Du  hest-mu  's  z'  g.  g'macht,  hast  ihn  zu  derb 
geprügelt  BHk.  G.  tue",  a)  „guten  Räten  folgen,  weis- 
lich handeln."  —  b)  gehorchen,  sich  fügen;  sich  gut 
betragen,  allg.;  vgl.  A  2;  B  2.  Tuest  echt  g.?  oder: 
Wottst  nüd  g.  tue"?  drohender  Zuruf  an  unruhiges 
Vieh  oder  störrige  Kinder  Z.  Auch  unpers.  (vgl.  B  5) : 
.Von  dem  an  wollte  es  nicht  mehr  g.  tun  im  Hause 
des  Vetters.'  Breitenst.  .Wenn  man  Gott  erzürnen 
tuot,  in  d'  lenge  warlich  tuets  nit  g.'  Rcef  1550.  ,Das 
tuet  nit  g.  zu  keiner  frist.'  UEckst.  Rychst.  ,G.  tue" 
zämme",  harmonieren;  ,congruere,  quadrare.'  Id.  B. — 
c)  Nutzen  bringen  (Kühe).  —  d)  gedeihen  (Vieh) 
B  oSi.  —  2)  milde.  ,G.,  ernst  und  pynlich  examinieren', 
von  den  3  Stufen  der  Folter.  1646.  Z.  —  3)  verst. 
(bei  Adjj.  u.  Verben),  völlig,  ganz,  sehr;  vgl.  B  10. 
Er  glicht  sim  Vatter  g.  B.  Bist  du  au'''  no'''  ledig? 
Seb  wurH  meine!"  und  no'''  g.!  GT.  (Feurer).  ,Es  ist 
g.  frisch  diesen  Morgen.'  Gotth.  Du  bist  g.  sichei; 
emph.  kannst  dich  für  ganz  versichert  halten,  darauf 
zählen  Z.  Schon  bei  Wolf,  Dreierwahl;  Syn.  lang 
sicher,  l.  starch.  —  4)  bei  Massangaben:  voll,  reich- 
lich, zum  Wenigsten;  vgL  B  10.  G.  e  mol  me';  völlig 
das  Doppelte  Z ;  ,g.  tusig,  ad  minimum  mille.'  Id.  B. 
Es  ist  g.  Achti  [8  Uhr]  verbi.  Schild.  In  B  auch  g-ig: 
g.  zwo  Huttete",  wohl  2  Tragkörbe  voll.  ,G.  30  Per- 
sonen seien  da  gewesen.'  Gotth.  ,ünz  schier  zue 
obrist  [auf  der  Höhe]  und  doch  nit  g.  zuo  obrist' 
1518,  Gprd.  .Ich  habe  g.  25  Riesen  Papiers  ver- 
schrieben.' JUlr.  1733. 

Zu  B  IS  vgl.  it.  benedetto,  bair.  «elit/.  Hieher  könnte 
viell.  auch  aus  A  i  g.  Lüt,  Aussätzige  (daneben  allerdings 
auch  =  die  .gutmütigen'  Zwerge) ;  g.  Sele"  =  Seelen  im  Feg- 
feuer, gezogen  werden;  vgl.  selig  iii(  =  Wuotans  Heer  und 
frz.  bonshomme«,  Name  der  albigensischen  Ketzer. 

Alls-,  „Alls-g-s  n.  indecl.  LG.",  AUs-guetni  oAa, 
Älls-g-nig  LV.  (PI.):  eine  Art  von  pisum  arvense  = 
Allsguet-Erbsen  Bd  I  430;  Syn.  Alls-esse"d  (frz.  pat. 
pois  mange-tout);  fSüess-J  Käfe".  In  LV.  diejenige 
Bohnenart.  von  denen  nicht  bloss  die  Kerne,  sondern 
auch  die  Hülsen  essbar  sind. 


Gat,  get.  (fit-  frot.  f,'ut.  {;iip( 


u(ii)-  (uH-güetei;  -güetwt  Ap;  Gr):  nicht  gut. 
1.  böse,  schlimm.  .Von  u-en  stücken  abstehen.' 
ZwiNGLi.  ,Wo  der  ötfentliche  Bettel  geduldet  wird, 
da  hanget  an  demselben  viel  U-s.'  XVII.,  JJBreit. 
.Von  synes  u-en  Lebens  wegen  abgmanet  werden.' 
ebd.  .Auch  zuoglych  sölliche  u-e  Lüt  allhar  geführt 
werdind.'  Z  Mand.  1638.  ,Wie  dann  die  Zyt  har  von 
u-en  Lüten  allerhand  Tröuwort  usgespreitet  werde.' 
1646.  Z  Staatsarch.  .Was  von  unverständigen  Leuten 
in  währendem  disem  nfrührischen  Wesen  für  u-e  Wort 
wider  UHH.  g'redt  worden.'  ebd.  ,Gründ  der  Eids- 
dispensation  des  u-en  Puren-Bunds.'  1653,  BsTasehenb. 
.Ein  u-es  Geschrei',  böses  Gerücht.  1657.  Absch.,  und 
ebenso  1662.  AiWett.  Klosterarch.  .ü-e.  ärgerliche, 
ja  auch  unkatholische  Reden.'  ebd.  .Wiewol  die.  so 
Gott  fürchten,  mit  ihrem  Verdruss  bei  und  nebent 
u-en  Leuten  wohnen  müssen.'  .TMüller  1665.  .ü-e 
Leut.'  JJHoTT.  1666.  .Das  u-e.  lasterhafte  Leben.' 
ebd.  (ÖppisJ  XJnguets,  Etwas  Böses,  Unheimliches, 
Gefährliches.  Was-isuh  U-s?  was  ist  nicht  recht? 
BoSi.  Es  chennti  liecht  an-e-me-n  Ort  e  Mislinyge 
oder  üppis  U-s  ge.  DGemp.  1884.  Wer  öppen  Öppis 
U-s  mit-is  g'hn'  liäd,  mit  dem  häm-mer  's  co'  Hnnd 
usg'macht.  1860,  Schw  Fasnachtsp.  ,Halt  doch  still, 
das  ist  was  n-s,  hör  doch,  wie  der  Bub  brüllet.'  Gotth. 
.Es  war  lange  etwas  U-es  zwischen  uns.'  ebd.  ,Uli 
merkte  am  Tone  an,  in  welchem  der  Meister  das  sagte, 
dass  etwas  ü-es  da  sei.'  B  Bauernkai.  1883.  ,Ein  fin- 
steres Zimmer.  Da  es  schwer  zu  erwärmen  und  über- 
lianpt  etwas  unbehaglich  war.  weil,  wie  Stüdi  be- 
hauptete, öppis  U-s  d'rinn  sia-,  so  wurde  .-s  wenig 
benutzt.'  BM.  A:  h»  h,st  j.i  r„II  S,-Ii,i;'i<-..  hnsl  „ppis 
U-s?  B:  ./,(  w,)l,  hr  n'»'>-nit.  r'  injj'-,!,"  „it  „„■  him 
Lebe:  BBauerukal.  :\Iit  rrap.  fur  »..  für  ul.rl.  Bes. 
in  der  RA.  für  ii.  iie'.  hu",  übel  nehmen,  allg.  Nüd 
f.  n. !  Formel  der  Entschuldigung,  bes.  beim  Abschied, 
womit  man  sich  die  Nachsicht  der  Andern  für  frei 
Gesprochenes  oder  auch  Getanes  erbittet,  allg.  S.  u. 
geben  Sp.  75.  .Anne  Bäbi  g'schirrete  mit  Allen  aus 
nicht  für  ungut  [ohne  Rücksicht].'  Gotth.  .Der  Hin- 
kende Bot  wird  ernsthaft  und  predigt  den  Bauern, 
nicht  für  u.-  Kal.  181'2.  .Mit  undertäniger  Bitt,  wollen 
Solches  in  u.  mir  nicht  aufrechnen,  sondern  mich  in 
euer  Gunst  lassen  empfohlen  sein.'  Mtricaus  1630. 
Vgl.  ver-guet.  Ze  u-g.  Wenn  es  W\b  z'  unguten  ge- 
ratet, missrät.  Gotth.  —  2.  un-freigebig.  Des  Heiris 
gebed  Niemedem  Nüt.  st  seied  so  zum  Wunder  u. 
Stütz.  —  3.  unfreundlich,  mürrisch,  unwirsch,  unver- 
träglich Ap;  B;  Gr;  G;  Schw.  En  u-s  G' sieht  B;  en 
u-s  Pur  Auge'  Ap.  Defn)  U-e  ha',  übler  Laune  sein 
Ap;  G.  .Atticus  advena.  ein  u-er  Nachbaur.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  4.  schlau  Ap.  ,Ein  u-er  Boss,  schlauer 
Bursche  Ap."  t^-i  J^a^e",  Schelmenaugen,  ebd.  ,Agnos 
objicere  canibus.  einfältige  Leut  übergeben  u-en  und 
verschlagenen.'  Denzl.  1677;  1716.  , Alldieweilen  durch 
etwelche  ungeschickte,  u-e  Schurter  [Schuldenboten] 
ehrliche  Leut  wider  die  Gebühr  molestiert  werden.' 
1691,  Schw  LB.  —  5.  schlecht,  vom  Wetter,  G'liger 
[Lager]  Bs.  ,U-e  Arbeit.'  B  Wochenbl.  1847.  —  6.  un- 
schmackhaft, widrig:  von  Speisen,  Getränken  usw,  L; 
ScH;  Z;  „allg.-  Eim  en  u-i  Suppen  a'richte',  in  einen 
sauren  Apfel  beissen  lassen  Ap  (bildl.).  En  u-s  Mül, 
übler  Geschmack  im  Munde  Sch;  Z.  .U-er  Gestank." 
.THott.  1666.  .Gallfieber  melden  sich  durch  u-en  Mund, 
insonderheit  des  Morgens  nüchter.'  1772,  Z  Ges.    Vom 

Schweiz.  Idiotüon  II. 


Neutr.  abgel.  Nbf.:  un-giietsig  Z.  .Die  Mixtur  macht 
eim  so-n-en  u.  Mül'  Sch  (Sulger);  Z.  —  7.  adv.  Öjipis 
II.  ufne",  übel  aufnehmen  Bs;  u.  luege",  bestürzt  drein 
schauen;  Nebesu.a'luege",  Etw.  anstaunen;  ii.  ufliiege", 
aufwärts  starren;  u.  ge',  derb  aufnähen,  durchfenstern 
Ap  (T.).  ,Wie  Zeberg  den  Stadler  u.  habe  geplagt.' 
Erzähler  1856.  .Des  St-s  Blut  u.  [ungerecht]  sei  ver- 
gossen.' ebd.  ,Dass  dem  St.  u.  sei  geschehen.'  ebd. 
In  u.  schribe',  fleissig  und  viel  schreiben  (.\p),  ist 
MW-  nicht  negierend,  sondern  verstärkend;  s.  >m-  'i  c 
B  I  298  und  unig.  ebd. 

halb-  geben,  halb  vergüten.  .Wer  an  den  andern 
buwen  will,  der  ein  hülzin  wanthow  [Zwischenwand] 
hat,  soll  enem,  der  den  wanthow  gemachet  hat.  h. 
geben  das  der  wanthow  kostet  hat.'  XIV..  TnDiess. 
Stadtr. 

haupt-:  sehr  gut.  Er  isl  h.  iif  der  Federe',  ein 
Meister  im  Schreiben  Z;  h.  [hauptendischg.  Z)  fü'' 
d'  Auge',  vortreifliches  Augenheilmittel  ScnSt.  (Sulg.); 
vgl.  autentisch  Bd  I  589. 

nüt-.  -giiets,  -guetsig:  1.  nichtsnutzig,  mutwillig, 
ausgelassen  Bs;  S;  Z.  En  nüfgiietsne  Purst  [Burscht:] 
Z,  und  subst.  en  Nltguets(ig)  Bs.  Taugenichts.  Die 
Nütgiiets  [ungehorsamen  Schüler]  verclilage',  wo  si''' 
nit  a-lirrluj  „/■f,in;-"'  S  (Schild).  J>»  X,ihi„,-r^  hn\ 
sehr  zu  M  nt«  ill.'ii  aufgelegt  sein  Z.  S_\ii.  iml  rr:  lii.^i  u/i. 
Dazu:  .\,il,,inisn,)i  f..  Übermut.  Mutwill.'  /.;  Syii.  X,it- 
rechtsi.    -  2.  un  sch  mackhaft,    ungeniessbar   Sohw;  Z. 

Za  der  Entstehung  des  Adj.  aus  nüt  Guetg,  nichts  Gutes, 
vgl.:  i/äb  's  echt  üjjjn»  Nütijuets  »iij  mit  der  Toclitn;  ob  es 
etwas  Schlimmes  sei  mit .  . .   Gotth.   —   Vgl.   wji-y. 

bode"-:  überaus  gut  S;  ZO.  Vgl.  bode' -bös:  ähn- 
lich, aber  gi'öber:  himds-g.  B;  Z. 

Guet  I  n..  PI.  Giieter:  wie  nhd.  1.  Vermögen.  Be- 
sitztum. Wertgegenstände,  's  G.  häd  zweierlei  Herre" : 
eine',  wo  's  sammlet  und  eine',  wo  's  vertuet  L.  Giieter 
brtiche"''  Hüeter.  ebd.  's  G.  suecht  G.  L ;  Sch.  Gross 
G.,  gross  Muet  L;  d's  Güetli  macht  d's  Miletli  Gr: 
vgl.:  .Faciunt  animos  diviti®,  g.  macht  muet.'  Fris.; 
friimd  G.  s.  Bd  I  1298.  Mänge''  Mensch  weiss  st"s 
G-s  kei  End.  SvLGEK.  G.  und  Bluet  L;  Vv;  Z.  Geld 
und  G.  allg.  .Vil  gelts  und  guots.'  XV..  L  (Gfrd.); 
s.  auch  über-geben  Sp.  78  u.  nach-gän  Sp.  31.  ,[Jmdn] 
mit  lib  und  g.  befelchen.'  1423,  L  Leibrentenvertr. 
Die  ä.  Rechtsspr.  unterscheidet  zwischen  .ligendem 
und  farendem  g.',  Immobilien  und  MobiUen,  zwischen 
,erbg.  und  gewonnenem  g.  [Errungenschaft].-  S.  noch 
üs-geben  Sp.  84.  .Us-gend  G.'  s.  its-gän  Sp.  24.  .Auch 
soll  man  niemandem  einiges  G.  geben,  Rat  und  Mei- 
ster, die  heissen  es  dann.'  M.  XIV..  Bs.  Üchs  sagt 
hiezu :  ,Dieser  Art.  ist  dunkel  wegen  der  Unbestimmt- 
heit des  Ausdrucks  .Gut  gijben-.  Das  W.  Gut  kann 
sich  auf  Geld.  Panzer.  Bücher.  Werkzeuge  des  Bau- 
amts beziehen.'  .Der  büt  und  eroberten  g-s  halb  [aus 
der  Murtenschlacht].'  1476,  Bs  Chr.  .Um  ein  ringe 
summa  guots.'  Vad.  .Der  Nächste  bim  Blut  soll  der 
Nächste  bim  Gut  .sein.'  1646/1741,  SchwE.  Hofr. 
[Rechtssprw.  betr.  Erbfolge].  .Ich  muoss  selbst  mein 
Güetli  schaffen,  ich  überkomm  es  nit  nüt  Schlafen-, 
spricht  ein  Geiziger.  1662,  L  Spiel,  Vgl,  ,ein  Streuw- 
das-Gütlein  [Versehwender]  werden.'  GHeid.  173'2.  — 
•2.  bes.  als  PL  =  Kaufmannswaaren.  Frachtgüter  .B: 
L;"  Z.  —  3.  Grundbesitz,  -stück,  allg.  (bes.  als  PL). 
Im  Bes.  a)  Wie.senland  im  Gegs.  zu  Allmend.  Bergen 


547 


Gat.  get,  git,  got. 


snet 


548 


und  Alpen  Gl;  so  lieissen  Auenijiieter  die  fettesten 
Wiesen  oberhalb  GlL.;  ein  ungedüngter  Heubezirk 
auf  Mittel-  und  obersten  Höhen  W ;  Matten-  od.  Acker- 
land im  Privatbesitz  im  Gegs.  zu  Gemeinde-  oder  Cor- 
porationsland  BHk. ;  Grund  und  Boden  ohne  Haus  im 
Gegs.  zu  Heimet  Ap  ;  in  einigen  Gegenden  von  B,  z.  B. 
BE.,  ist  sämratliches  im  Gemeindebezirk  gelegene 
Grundeigentum  zum  Behufe  der  Besteurung  in  ideelle 
Teile  geteilt,  Ton  denen  jeder  .ein  G.'  heisst.  Bildl. 
)(/  die  liggede  Güeter  gä",  zu  Bette  gehen  Z;  Syn. 
uf  Bettwise'.  In  ä.  Eechtsspr.  .ein  fry  G.'.  allodium; 
.gemein  G.',  Corporationsgut,  .Allmend'.  ,Das  G.  ver- 
bieten', vom  Grundbesitz  (bes.  wegen  .verse.ssener 
Zinsen')  vertreiben,  bei  Strafe  den  Wiederantritt  des- 
selben untersagen,  res  in  bannum  mittere;  s.  us-gän 
Sp.  25;  rei--(jiii(  i^y.  'Jx.  .Da  Ringlikomer  und  [Albis-]- 
rieder  tru.it  |<iriiH'iii.lebann]  zuesaramen  .stossent.'  ca 
1490,  ZWiea.  tJllii.  .Die  besten  güeter  an  acker, 
matten  und  wynreben.'  JMdrer  1559.  ,Stosst  an  das 
Henker-G.  [Grundstück  des  Henkers].-  1653,  AxWett. 
Klosterarch. ;  s.  Galgen-G.  —  b)  Landgut  (eines  Stadt- 
herrn) Bs;  Uw;  Z.  Noch  als  2.  Bestandteil  im  Namen 
von  alten  Höfen,  z.B.  ,Otteng.'  1443.  ZBül.;  .Grafen-g.' 
1448,  ebd.;  Albisgiietli  Z;  Ötere-G.  ÄAEhr.,  wo  es  viele 
Nattern  gab.  —  4.  Getreide.  .10  malter  beider  guots'. 
,beider  korns  [sowohl  Dinkel  als  Hafer].'  1406  u.  1471, 
L  TJrk.  ,3  mütt  beder  guots,  körn  und  haber.'  1486, 
LWill.  Jahrzeitb.  .2  malter  guotjärlich  [Korn].'  1498, 
L  Urk.;  s.  fassen  Bd  I  1059.  ,7  malter  g.',  Hafer. 
1525,  L.  ,Iin  selben  jar  hett  man  euch  ein  halben 
mütt  kernen  des  nüewen  guots  des  selben  jars  um 
12  batzen  •^.-Wn.-  VMkt.  1540/73.  ,6  malter  g-s.-  1577, 
Absch.  .liiint-  („Irr  Getreidzins:  2  mütt  beiderlei  G-s 
järlichs  zin^es  Hofmes  [Dinkel  und  Eoggen].'  1606, 
L  Urb.  Auch :  Mehl.  ,Das  besser  G.  mit  dem  schlech- 
tem G.  vermischen  und  verbachen.'  1671,  L  Bäcker- 
ordn.  —  5.  Vieh;  Syn.  Hüb:  War.  ,Mit  ir  ve  und  un- 
gebundnem  [freigehendem]  g.  sullen  s'  si  unbekümbert 
lan  und  suUend  mit  ir  ve  und  ungebundenem  g.  ussend 
uf  faren.'  1437,  Gfrd.  .Mächtige  Haufen  kleinen  Guts 
[Schweine]  werden  auf  dem  Lande  erzogen,  woraus 
die  grossen  Teurungen  [im  Korn]  entstanden.'  1530, 
Absch.  ,Itera  hand  wir  ein  weg  mit  gewetnem  g.  [Zug- 
vieh].' 1536,  ScHw  Eq.  Das  .klein  g.'  [Schmalvieh] 
zu  verbotener  Zeit  in  Reben  und  Äcker  fahren  lassen. 
1553,  Absch.  .Welcher  finnig  g.  kauft.'  157'2.  Aa.  .Es 
solle  die  Weidfahrt  im  Bowald  allein  für  das  grosse 
Vieh  bestimmt  und  alles  das  kleine  G.,  darunter  für- 
nehmlich  die  Schweine  verstanden  w^erden.  hiervon 
ausgeschlossen  sein.'  1679,  BBoggw.  —  6.  angeblich 
=  Dungwasser  L  (Ineichen).  —  7.  ,Güter'  als  Übers. 
des  griech.  äya^ä  i.  S.  v.:  .Gute  Bissen'  hat  die  Z  Bib. 
1530/1707;  1882  dafür:  .Gute  Gerichte'. 

E-Guet:  ein  Stück  Land,  das  zur  Weide  offen 
bleiben  muss;  Syn.  ,E-,  An- (ge-)  wachs'.  Streit,  ob 
ein  gewisses  Gut  sei  ,ein  inbeschlossen  g.  oder  ein  e.- 
1478,  ZDürnt.  Urk.  -  Eigen-:  Eigentum.  Streit  zwi- 
schen B  und  S  über  den  Begriff  der  Benennung  ,E.' 
bei  Entrichtung  der  Zölle.  B:  ,E.  ist,  was  einem 
Bürger  von  S  auf  seinen  Gütern  wächst,  oder  was  er 
für  seinen  Hausbrauch  erkauft,  wenn  es  in  der  Stadt 
S  Kingmauern  verbleibt.'  S  will  es  noch  weiter  aus- 
gedehnt wissen.'  1633  u.  1637.  Absch.  (V  2,  1013  m); 
ebso  1742  (VH  1,  648).  —  Allmeind-:  Fond,  welcher 


durch  den  Verkauf  einer  Gemeindeliegenscliaft  ge- 
bildet wurde  Ap.  —  I1-:  Eilgut.  ,Wenn  auch  ein 
Kaufmann  Y.  hat,  so  soll  der,  welcher  dis  Y.  hinweg 
fertiget  .  . .'  Z  Mand.  1640.  ,So  die  Säumer  Stuck 
führen,  die  Eilgüter  wären.  Die  Condotta-  und  Eil- 
güter voraus  [zuerst]  expedieren.'  1696,  U.  Uneig. 
scherzh.:  Gesindel,  das  man  per  Schub  schnell  von 
einer  Behörde  oder  Gemeinde  zur  andern  befördert 
SchSt.  (Sulger).  —  Almose"-:  =  Armen-G.  L  (Seg., 
R6.  II  813).  —  Amts-:  Fond  des  Amtes  ZGrün., 
wahrsch.  gebildet  aus  Bussen  udgl.  ,Um  1799  wurde 
das  A.  an  die  Gemeinden  verteilt.  Hinweil  erhielt 
über  1000  fl.,  welche  1819  gesondert  als  sog.  A.  ver- 
waltet, dann  aber  mit  dem  Kirchengut  vereinigt  wur- 
den.' Naf,  Hinw.  S.  172;  Mey..  Wetz.  S.  34. 

Er-.     ,Des  stifts  ergüeter  und  dinghöfe.'  1566.  L 


Bd 


:391 


hre  geschenktes  Gut  oder 


Erb-:  ererbtes  Gut.  im  Gegs.  zur  Errungenschaft. 
s.  Guel  I  n.  Erb  Bd  I  427.  E.  göt  de"  glich  Weg,  wo's 
chü"  ist  L;  vgl.  Hinder-Fall  Bd  I  740.  —  Arme"-: 
der  Armenfond  einer  Gemeinde,  woraus  arme  Gemeinds- 
bürger unterstützt  werden,  allg. ;  oft  im  Unterschied 
zum  Spend-G.  Vom  A.  hä",  almosengenössig  sein  Z. 
A's  A.  (ane'J  cho",  der  öffentlichen  Unterstützung 
anheim  fallen  Z.  —  Isc"-:  unveränderliche  Zinslast, 
ewige  Abgabe,  Fideicommiss.  Pup.;  vgl.  , Eisengült'  bei 
Schm.-Fr.  I  163  und  Halb-Vich  Bd  I  649.  —  Vogt-: 
das  vom  , Stillstand'  verwaltete  Vermögen  der  armen 
Vogtkinder.  1780/1864,  ZHinw.  ,Das  V.  wird  vom 
Seckliguet  getrennt'  1780,  NXr,  Hinw.,  ,1864  dem 
Armengut  einverleibt.'  ebd.  —  Fall-:  ein  mit  dem 
,Fall'  (s.  Bd  I  735  d)  behafteter  Hof.  1525  fordern 
die  Bauern :  ,dass  die,  so  die  fallgüeter  besitzen,  hinfür 
des  falls  ledig  syen  und  sölicher  fall  nit  mer  begert 
werde.'  Stkickl.  —  Fraue°-  =  Wtber-G.  —  Güschi-: 
geringe  Waare,  Plunder;  gemeines  Volk.  Gesindel  B; 
Syn.  Güsel;  s.  Güschi.  .Mit  Besenbinderstöchtern  und 
verlumpeten  Schreibern,  kurz  mit  allem  G.  zu  Stadt 
und  Land  tanzen.'  Gotth.  ,Wer  nicht  zu  dem  G.  ge- 
zählt werden  will,  reist  mit  dem  Sehnellzug.'  Postheiri 
1873.  —  Heu-:  Wiesen,  welche  Heuertrag  liefern  GW. 
,Zu  disem  Schloss  gehören  Heugüeter.  Rieder  usw.. 
daraus  ein  Landvogt  eine  Anzahl  Viech  underhalten 
kann.'  1741,  CTomann.  —  Hab-:  Vieh,  Güter,  welche 
nicht  mit  Umgehung  der  obrigkeitlichen  ,Haben'  (Hä- 
fen) oder  ,Susten'  transportiert  werden  durften  [V].  Im 
J.  1539  haben  die  von  Schw  und  Gi.  die  gekauften 
und  bezahlten  ,Habgüter'  und  Korn  derer  von  Bünden 
zu  Wesen  niedergelegt  und  nicht  weiter  aufwärts 
führen  lassen.'  1544.  Absch.  —  Hof-:  hofhöriges  Gut. 
.Alle  Hofgüeter  leihet  ein  Ammann  von  des  Gottshaus 
wegen  und  nimmt  von  einem  Lehen  1  ß  Pfenn.'  1506, 
ThKcssw.  Ott'n.  ,Die  Hofgüter,  hiessen  sie  nun  Schup- 
posen  oder  Menntage.  waren  die  alten  mansi  serviles, 
welche  an  Unfreie  ausgegeben  waren.'  LABürkh.  1860. 

—  Heimet-:  gut  gedüngte  Wiesen  in  der  Nähe  der 
, Heimat'  [Wohnstätte]  im  Gegs.  zu  .Berg'  und  .Alp' 
Gl;  s.  Alp  Bd  I  194,  u.  Gem. Gl  S.  377  f. ;  vgl.  Guet  3  a. 

—  Haupt-:  Kapital,  im  Gegs.  zum  Zinse.  .Dass  ir 
ieclicher  dem  andren  um  recht  gelte  und  houptguote 
recht  tuon  soll.'  1237.  Urk.  .Weder  h.  noch  gewinn 
[Zins].'  KvAmmenh.  ,Und  soll  man  im  [dem  Schuldner] 
schetzen  [pfänden]  für  drittel  und  für  hubt  g..  wenn 


wo 


Uat,  get,  git.  got,  gut,  guet 


einer  iiit  bezalt.'  1427,  ScHwMa.  LB.  .|l'tami-Jschetzer. 
die  umb  geltschuld  schetzen,  band  nit  macht  umb 
lioutg.  ze  schetzen.'  1469.  UwE.  Urk.  ,Die  schetzer 
söllent  pfand  schetzen  für  diitteil  und  houtg.'  ebd.  ,Um 
zin.s  und  houptg..  wie  man  die  zalen  soll.'  151'2/44, 
Sciiw  LB.  .Wenn  einer  ablösen  will  das  h.,  so  soll 
er  auch  all  verfallen  zins  damit  geben.-  ir)'21/44,  ebd. 
.|Bei  einem  Güterkaufe]  vertrösten  [bürgen],  wyn- 
kauf  und  h.  zue  geben.'  1536.  ScHwReichenb.  ,Wir 
verköufer  und  unser  erben  wollen  ouch  iren  disen  kouf 
li.ilitg.  und  zins,  wenn  der  zu  schulden  kummt,  recht- 
fertigen.' 1537,  GRJen.  Arch.  ,H.,  gglt  oder  anders, 
einem  diener  darmit  ze  werben  vertrauwet,  peculium, 
sors.  Reich  an  dem  h.  oder  an  ligenden  güeteren, 
Wülhabig,  peculiosus.'  Mal.  ,Es  soll  Keiner  Gewalt 
haben,  H.  us[ze]richten  [abzulösen].'  1611,  AKüchler 
1886.  ,ri.  150  ewiges  H.  dem  Spitalamt.'  1843,  ZAdlik. 
Schuldbr.  ~  Hüs-:  für  den  Hausbedarf  gemahlenes 
Getreide;  vgl.  Becken-Brot.  ,H-s  halb  sollen,  wie 
bisher.  10  Brode  16  Pfd  4  Lot  wägen.'  1573,  L.  — 
.luden-.  .Bona  Porsen».  Raub-,  J.'  Denzl.  1677; 
1716.  —  Hofjünger-:  der  an  Zins  gelegte  Über- 
schnss  von  der  Sammlung,  welche  die  Hofjünger  des 
urspr.  Meierhofes  GWattw.  zur  Zeit  veranstalteten, 
als  sie  sich  von  hofrechtlichen  Verpflichtungen  loszu- 
kaufen suchten;  s.  Hofjünger-GeU  Sp.  251.  —  Kam- 
mer-: (meist  kleiner)  vom  , Kammerer'  verwalteter 
Fond,  dergleichen  die  .Classen  (capitel)-  der  Z  Geist- 
lichkeit aus  den  Jahresbeiträgen  der  alten  und  den 
Kinstandsgeldern  der  neuen  Capitularen  zur  Bestrei- 
tung der  V^ereinsangelegenheiten,  auch  etwa  zu  so- 
cialen Zwecken  anlegen  bezw.  anlegten.  —  Küchen-: 
1.  Fond  einer  Gemeinde  für  kirchliche  Zwecke  (beson- 
ders für  Erhaltung  des  Kirchengebäudes,  Besoldung 
des  Sigristen  usw.),  welcher  vom  ,Kilchenpfleger'  oder 
.Kilchmeier-  (jetzt  ,lvirchengutsverwalter')  verwaltet 
wurde  Gl;  Z.  RA.:  Das  Kapital,  (U-  Schuldbrief  ist 
SV  tticher,  wie  Vhilleguet  [das  nicht  veräussert  werden 
durfte]  Z.  Iron.  wird  etwa  in  Gl  Einer  Chilche'-G. 
genannt,  den  man  behalten  muss,  nicht  los  werden 
kann.  Das  K.  bestand  urspr.  aus  frommen  Stiftungen 
(Jahrzeiten,  Seelgeräten,  Widem  usw.),  daher  ItPriori- 
tätsordn.  1588,  L  in  Konkursfällen  ,K.,  Bodenzins  und 
Zehnt'  allem  Andern  vorgeht.  —  2.  einer  Kirche  oder 
einem  Gotteshause  zinspflichtiges  Lehen.  ,Es  gab  im 
Amt  BSchw.  drei  Arten  Lehengüter:  ,Zins-,  Kirchen- 
und  Berggüter.-  1644.  Absch.  —  %.  =  Armen-G.  1779, 
Z  (Z  Ges.  4,  18).  —  Kriegs-:  Alp  in  GW.,  wo  nach 
der  Tradition  in  alten  Zeiten  ein  Tretfen  geliefert  wor- 
den sein  soU.  —  Land-:  1.  wie  nhd.  —  2.  =  Heim-G. 
GaPr.  .—  3.  Eigentum  des  Staates,  Staatsvermögen, 
Landeskasse.  ,Syn  guet,  es  syg  lantgut  oder  sunder- 
gut.'  G  Hdschr.  Das  ,L.'  hatte  bei  der  Wolfs-  und 
Bärenjagd  die  Ausgaben  für  Pulver  und  Büchsen  zu 
tragen.  XVI.,  Hagenb.,  Sigr.  ,Pie  Kirchen-,  Spend-, 
Reis-  und  L.-Rechnungen.-  ebd.  ,Die  Hinterlag  und 
was  noch  von  Zeit  zu  Zeit  in  den  gemeinen  Kasten 
gelegt  werde,  solle  des  L-s  Namen  haben.'  1664,  Scnw. 
,Die  Zinsen  des  sog.  Siechen-  oder  L-s  der  Abt  G-ischen 
Lande  sollen  hinfort  zur  Armenunterstützung  ver- 
wendet werden,  während  früher  der  Rest  der  Zinsen 
nach  Verpflegung  der  Siechen  und  Armen  vom  Landes- 
herrn nach  Gutdünken  verbraucht  wurde.'  1715,  Absch. 
—  Armen -Lüten-  begreift  die  .Sondersiechen-', 
Spend-  und  Spitalgüter  und  war  wnhl  verwaltet  vmn 


.Armenlütenpfleger-.  1734,  TuFr.  (Absch.).  —  Mül-: 
=  Uül-Vich  Bd  I  649.  ,Alles  Mulg.,  gen.  Mulvech, 
wo  joch  das  gefunden  wird,  ist  eines  Schultheissen.' 
BThun  Handv.  ,Der  fryweibel  habe  ein  jung  ross 
oder  fülle  genommen,  so  mulve  sollte  sein.  Da  man 
zuevor  erfaren  sollen,  ob  es  m.  und  demnach  der 
herrschaft  verfallen  wäre.-  TuFrikart  1470.  .Das 
Maulgut  gehört  der  Gemeinde,  in  welcher  es  gefunden 
wird;  soll  aber  in  den  Hauptkirchen  verkündet  und 
erst  nach  3  Wochen  als  Gemeindgut  betrachtet  werden. - 
1826,  BSa.  —  Mülli-:  1.  das  zum  Mahlen  bestimmte 
und  aus  verschiedenen  Fruchtarten  gemischte  Getreide 
für  den  Hausgebrauch,  im  Gegs.  zu  demjenigen,  wel- 
ches verkauft  wird;  dann  auch  das  daraus  gewonnene 
Mehl  Aa;  L;  Z.  ,Er  malt  nur  kurz  und  guet,  Simmel, 
Weissmel,  M.'  1856,  Z  (Gedicht).  ,1  Mütt  halb  Kernen, 
halb  M.'  ZWthur  Stadtb.  ,Nach  Beschaffenheit  des 
sog.  M-s  [soll  der  Müller  den  Preis  machen].'  1693/1757, 
Z  Ges.  ,M.,  Kernen,  Roggen,  Bonen,  Haber.'  17'24. 
AASchloss  Rued.  —  2.  Müllerlohn  vom  Getreide,  wel- 
ches der  Müller  für  Andere  mahlt,  gewöhnlich  be- 
stehend in  einer  zurückbehaltenen  Quote  des  Korns 
oder  Mehls  Aa;  Z  f.  —  Kaufmanns-:  gekauftes 
Vieh.  ,Die  metzger  sollend  frisch  und  guet  koufmannsg. 
geben.'  1535,  ZElgg  Herrschaftsr.  —  Ge-mein(d)-: 
1.  der  Gemeinschaft  oder  Gemeinde  angehörendes  Land 
GrHc.  ,1  Jucherten  Acker,  stosst  an  das  gemein  Guet.' 
1653.  AAWett.  Klo.sterarch.  Oft  syn.  mit  Altmeinil. 
z.B.:  , Diejenige  Tauwner,  so  das  G.  geniessen,  sollen 
den  Meyern  umb  gepürenden  Lohn  arbeiten,  weil  der 
Gmeind  Güeter  Rechts  wegen  von  den  Dinghöfen  her- 
reichen; [derjjenige  aber,  der  nach  dreimaligem  An- 
suchen den  Meyern  aus  Schalkheit  nit  arbeiten  wollte, 
soll  mit  Zutun  eines  Gerichtsherrn  der  Gmeindgüter 
entsetzt  werden.-  1657,  AAWett.  Klostcrarch.  Syn. 
Gemein- March.  —  2.  Gemeindefond,  -Kasse,  allg. 
's  Giiii:iiiiii(etli  irirupfe,  sein  Geld  für  unnütze  Dinge 
au-s^'.'!..'!!  S  iS^hiMi.  —  Mues-:  öffentlicher  Fond  für 
Speisiiii-  I  .M II.-- 1  .l.-r  Armen.  XIV.,  LMalt.;  jetzt  Mues- 
hof.  .I'.i-  -^"llti  /.■.li,.iid.'n  i,'rbiii  in  dasm'.'  1438,  L. 
—  .\li-.l,rl-;  -niii-cht.-  ilrtivi,!.'  odcr  Mchl;  Syn. 
Misvhlri',,:  M„ll,-(:.  X)u\  ...11  ,„aii  inen  [als  Bäcker- 
lohuj  geben  vuii  .^  imnii  kernis  10  den.,  von  9  imnii 
m.  ouch  10  pfenn.'  1406,  B  Stadtsatz.  —  Mueter-: 
1.  das  mütterliche  Vermögen,  allg.  , Etwas  Hausrat 
hatte  es  noch  als  Müeterli-G.'  Breitenst.  ;  s.  auch  nach- 
gä'  Sp.  30.  —  2.  (scherzh.)  der  Busen  Aa.  —  Neu-: 
Teil  der  AUmend,  welcher  einer  einzelnen  Haushaltung 
zu  lebenslänglicher  Benützung  angewiesen  [,einge- 
schlagen']  ist,  aber  immer  doch  Gemeingut  bleibt 
G  oRh.  (Steinmüll.).  ,Neugüter  -  zugfähig  nennt  man 
die  Neuverheirateten,  an  die  jährlich  im  März  die 
Neugüter  ausgeteilt  werden.'  ebd.  Auch  als  Eigcnn. 
von  Höfen  L;  Z  (10  Mal),  wo  es  dann  ein  neu  an- 
gelegtes Bauerngut  bedeutet.  —  Boden-Güeter: 
Wiesen  im  Tal  Gl;  s.  Guet  3  a.  —  Berg-Guet: 
Bergwiese.  Heueinschlag  auf  der  Mittelhöhe  Obw; 
vgl.  Heu-G.  ,Berggüeter  sond  vor  dem  vech  verbannet 
syn  von  Sant  Victors  tag  im  meien  unz  Sant  Gallen 
tag.'  1540,  Gr  Bq.  ,Die  berggüeteren  sollen  über  das 
ganze  Jar  gefreit  sein  und  soll  kein  Viech  darein 
geschlagen  werden.'  1660,  ebd.  —  Burg-:  die  Ein- 
künfte eines  Obervogtes,  auch  des  1.  Bürgermeisters, 
an  Naturalien.  Z  Pfrundenb.  —  Pfaffen-:  Hof,  der 
urspr.  einer  Kirche  oder  geistlichen  Stift  gehörte.    .Die 


551 


Gat,  get,  git.  got,  gut.  gnet 


552 


3  übrigen  schuepossen  werden  geiieiiipt  das  wideinguet 
oder  das  pf.-  ca  1500,  LButtish.  —  Pfruend-Guet: 
das  zu  einer  Pfarrstelle  gehörige  Grundstück  Gl.  Es 
ist  e  Pfarrer  (fsi,  de  bisher  d's  Pfruendguet  liet  im 
Ziiis  usg'lichhe;  da  wott  si*  Frou  si'''  nit  me  schicke" 
dri'.  Dass  d's  G'stürm  üfhör,  wird  also  du  beschlösse', 
si  welle'  selber  büre'  BE.  (Schwzd.).  —  Brunnen-: 
Fond  einer  Brunnencorporation  [.Brunnenwacht']  zur 
Unterhaltung  ihres  Brunnens,  vom  ,Brunnenmeister' 
verwaltet  ZZoll.  —  Raub-:  geraubtes  Gut,  Beute. 
,Das  r.,  so  zuo  Losen  und  Jenf  lit,  haben  wir  uf- 
zeichnen  und  in  haft  und  verbot  beruowen  lassen.- 
1530,  Absch.  ;  s.  auch  Juden-G. 

Red-:  Kaufmannswaaren,  die  »von  einer  Nieder- 
lage zur  andern  der  Reihe  nach  weiter  befördert 
werden  (Sulg.).    -    ,Red-'  statt  ,GredS  Lagerhaus. 

Reis-:  Kriegskasse  (einer  Gemeinde).  ,üas  R. 
bestritt  die  Auslagen  für  Reimratur  der  Büchsen,  für 
die  Scheiben,  die  Besoldung  des  'früUmeisters  und 
den  Sold  für  die  Aufgebotenen.'  1570/17'21,  BSigrisw. 
(Reisgutrechnung).  ~  Hürat-:  dasjenige  Gut,  das 
die  Braut  ausser  dem  ,Brautwagen'  [Aussteuer]  oder 
das  der  Bräutigam  von  den  Eltern  empfängt  Ap.  — 
Siechen-:  Fond  zu  Gunsten  der  Kranken,  die  in 
einem  Spital  [,Siechenhüs']  verpflegt  wurden;  s.  Ar- 
menlüten-G.  1811,  NowLandratsverordn.  —  Säckli-: 
durch  freiwillige  Kirchensteuern  mittels  des  ,Kirchen- 
säckleins'  für  die  Armen  gesammeltes  Gut,  im  Gegs. 
zum  ,Armen-G.'  mehr  für  vorübergehende  Unter- 
stützung Z;  vgl.  Säckli-Fond  Bd  I  85U.  ,Man  fieng 
an,  das  Säckligeld,  welches  in  Zürich  seit  1558,  auf 
der  Landschaft  seit  1667  vorkommt,  zur  Armenunter- 
stützung und  Äufnung  der  ,Seckli-  oder  Annengüter' 
zu  verwenden.'  Naf,  Hinw.  ,lö89  kam  der  Befehl, 
jeden  Sonntag  durch  den  Klingelbeutel  oder  das  Säck- 
lein die  .Almosen  einzuziehen.  Aus  diesen  Steuern 
entstand  das  S..  niilir  für  Handsteuern  bestimmt.  Zum 
ersten  ilal  urscheiiit  in  dem  Rechnungsabschied  von 
1712  der  Titel  S..  180-1  Seckli-  od.  Armengut.'  Stlder, 
Bär.  ,Eine  dritte  Quelle  zur  Erhaltung  der  Armen 
war  das  S.,  jetzt  Armen-G.  genannt.'  Diener,  Obergl. 
,üass  wenigstens  monatlich  einmal  und  dann  noch  an 
den  Fest-  und  Bettagen  das  Kirchenalmosen  einge- 
sammelt werden  solle.  Aus  diesen  Steuern  wurden 
allmählig  in  allen  Gemeinden  besondere  Säckligütcr 
gesammelt.-  ITiiT,  Z  Almosenordn.  S.  auch  Z  Ges.  1779 
Bd4,  S. -Jii.  SiMüiiier-:  Sommergetreide.  , Liessend 
ir  AUnieud  ufarcn  und  mit  S.  besorgen.'  RCys.  — 
Sennen-:  grösseres  Gut,  dessen  Nutzniessung  wäh- 
rend einer  kürzeren  Zeit  ein  Senn  mit  seiner  Herde 
übernimmt  Ap. 

Sunder-.  ,Dass  syn  gottshus  ein  stür  hab  von 
den  güetern.  die  man  nemmet  s.'  1419,  Zellw.  Urk. 
Noch  jetzt  Name  eines  Weilers  b.  ApWolfh.  —  Snmki- 
in  Ap  BezeichnuDg  für  südliche,  sonnige  Lage. 

Sess-:  Bauerngut  mit  Wohnhaus,  Stammsitz  B 
(vMül.).  —  Schaf-:  AViese  mit  Schafpferch  GbBetschw. 
—  Schür-:  Gruiid^türk  mit  Scheune.  .Ein  sonder- 
barer Hof  oder  Seli.-  ICH'.  Ai;.>.  ii,(B-F).  ~~  Schützen-: 
bis  c.  1870  der  vom  .Schutzenmeister-  verwaltete  Fond 
der  Schützengesellschaft  einer  Gemeinde  ZS.  Bei 
jeder  Hochzeit  gab  der  Bräutigam  eine  Gabe  in  das- 
.selbe  ZZoll. 


„Schleik-:  eingeschmuggelte  Waare,  Contre- 
bande   L."    —    Schkiken,   schleppen. 

Schliss-:  Vermögen,  welches  einer  Wittwe  aus 
der  Verlassensehaft  ihres  Mannes  zur  Nutzniessung 
für  den  täglichen  Gebrauch  [SchlissJ  und  Leibesnot- 
durft überlassen  wird.  , Welches  under  inen  [den  Ehe- 
gatten] vor  dem  andern  abgat,  das  soll  ein  schlysser 
syn  alles  guets.  so  das  abgestorbne  zu  im  bracht  hat, 
und  Wirt  ouch  mit  naraen  schl.  genempt  und  soll  ouch 
das  lebend  das  guet  schlyssen  in  sölUcher  mass  als 
für  syn  guet.'  1459.  B.  Vgl.  ,Wann  das  letzte  kind 
on  leiberben  abgangen  und  die  mutter  das  ligend  guet 
zu  einem  schlyss  ir  lebenlang  geerbt'  1595,  BSimm. 
,l)ie  Schlyss-  und  Libdinggüeter,  so  Vater  oder  Mutter 
nach  getroffener  Teilung  mit  den  Kindern  besitzen.' 
lt)'20,  B.  .Weil  die  Wittib  neben  ihrem  Erbs-Gelt 
auch  noch  den  Sitz  im  Haus  und  etwas  Schleuss-Guter, 
so  lang  sie  nicht  wieder  heuratet,  ohne  Entgelt  zu 
gemessen  hat'  1757,  Bs  Landesordn.  ,Pfandrecht  für 
Schieissgüter.'  1823,  S.  -  SMisnen,  zorreissen,  abnntzeu, 
verbrauchen. 

Schweig-:  Viehhof;  ^yo.  Senn-,  Schweighof.  ,Ze 
Stans  von  dem  sweigguote  10  sol.'  XIV.,  L  Propsteirod. 

—  Seh w in-:  Bauerngut,  auf  dem  auch  Schweine  ge- 
halten werden.  ,Item  ein  jeglich  schw.  [es  gab  deren  11] 
git  järlich  einem  meiger  [der  den  Zuchteber  hält]  ein 
b-uen  zu  StMartistag  und  darzu  5  eier  und  5  h.'  ca 
1600,  LPfätf.  (MEsterm.).  -  Spend-  (Gl  Spenn-): 
Kasse,  aus  welcher  die  Armen  Almosenspenden  er- 
halten, durch  freiwillige  Beiträge  gestiftet  Gl;  Z.  In 
ZZoll.  besteht  das  Sp.  neben  dem  ,Armenguet';  es 
wird  von  der  Kirchenpflege  verwaltet  und  spendet 
seine  Gaben  (gewöhnlich  an  den  4  hohen  Festen)  nur 
an  solche  Anne  der  Gemeinde,  welche  nicht  almosen- 
genössig  sind.  In  ä.Zeiten  sonst  identisch  mit  Armen-G. 
Vgl.  auch  Diener,  Obergl.  S.  198  f.  u.  Seg.  RG.  II  813. 

—  Spar-:  derjenige,  verhältnissmässig  geringe  Teil 
ihres  Vermögens,  den  eine  Ehefrau  der  Verfügung  des 
Mannes  entzieht  und  selber  verwaltet  Z  (s.  Bluntschli, 
RG.  '2,  140).  —  Stuben-:  das  Vermögen  der  ein- 
zelnen Zünfte  [Zunftstuben]  in  BStdt,  in  BsLiest  das 
Stadtgut,  verwaltet  vom  ,Stubenraeister'.  Früecher  het 
d'  Burgerschaft  z'  Bern  eigetlich  numtne  Laste'  treit 
und  110'''  kei'  Feldgeld.  Burgerhoh  und  St.  i'gsaekef. 
Bäki  1886.  —  Stecken-:  Privatgut,  das  besonders 
eingezäunt  war.  Die  ,St-güeter'  in  LMeggen  hatten 
It  Ratscrk.  von  1794/97  für  das  Auftriebsrecht  10  ß 
zu  bezahlen.  —  Stuck-:  Kaufmannsgut  als  Ballen 
verpackt.  Colli,  Bailot  , Keine  Waar  oder  Stuckgüter 
an  dem  Ort  da  dieselben  sind,  nit  behalten.'  Z  Zoll- 
ordn.  1640.  Ygl.  Teil-G.  —  Täufer-:  das  confiscierte 
Vermögen  der  Wiedertäufer,  vom  , Täufervogt'  ver- 
waltet XVI./XVm..  Z.  Die  Zinsen  dieses  reichen 
Fonds  wurden  c.  1770  zum  Bau  des  Z  Waisenhauses 
verwendet.  ,4000  fl.  aus  dem  T.  an  den  Kirchenbau 
ZEglis.  1716  unverzinslich  auf  6  Jahre.'  Wild.  — 
Teil-:  Kaufmannsgüter,  welche  im  sog.  Teil,  d.  i. 
in  der  festgesetzten  Ordnung,  geführt  werden.  ,Weil 
die  von  Uri  nicht  verbunden  sind,  dieses  T.  im  Markt- 
nauen  zu  führen,  dagegen  die  im  Pfisterschiff  [d.  i. 
die  Luzerner]  hiezu  verpflichtet  sind.'  1544,  Absch.  — 
G«meind-Teil-:  Vermögen.  Fond  einer  Gemeinde, 
das  sie  bei  ihrer  Ablösung  von  einem  grössern  Ver- 
band als  Anteil  bekam  Ap.  So  löste  sich  1658  Kurzen- 
berg in  die  3  Gemeinden  Lutzenberg,  Wolfhalden  und 


Gat,  jjet.  git,  got,  u:ut,  -rnet 


ÖÖ4 


Heiden  auf,  deren  jede  einen  Gemeindeteil  erhielt,  der 
urspr.  in  Parzellen  an  die  Bürger  verteiltes  Gemeinde- 
land war,  nachher  kapitalisiert  wurde.  —  Dorf-;  das 
Bürgergut  in  ZMeil.,  an  dem  nur  c.  30  der  sogen, 
alten  Geschlechter  Teil  haben,  bestehend  aus  c.  100 
.luch.  Land  und  1000  fl.  Kapital.  —  Tratt-:  Güter, 
auf  die  das  Vieh  der  Gemeinde  zur  Weide  getrieben 
werden  darf.  ,Uf  undergängen.  so  ire  tratgüeter  he- 
trotten  hat.-  1520,  Strkkl.  ,Ir  offne  tratgüeter.'  ebd. 
l)ie  Hofleute  beklagen  sich,  dass  die  von  Widnau  mit 
ihrer  Herde  das  Isenriet  .übertreiben  und  übersetzen', 
wahrend  sie  doch  auf  die  , Trattguter'  zu  Lustnau 
.schlagen  und  treiben'  konnten.  1609,  Hof  Kriess.  — 
Schuepiss-:  Güter,  die  zu  einer  Schueposse  gehören. 
,Dise  tschuppisgüeter  sind  nit  glych  zinsig,  ouch  nit 
mit  glychen  erschätzen  beladen.-  1530,  Absch.  — 
Wiber-:  Vermögen  der  Ehefrau,  das  sie  dem  Manne 
zubringt  Z.  's  W.  darf  weder  wachse"  nW''  schwme'. 
Kechtsspriciiw.  Nicht  schw.,  d.  h.  der  Mann  muss  es, 
wenn  die  Ehe  aufgelöst  wird,  seinem  ganzen  Inhalte 
nach  zurückgeben  und  das  Fehlende  ersetzen;  nicht 
wachsen,  d.  h.  der  M.  muss  nur  das  von  der  Frau 
Zugebrachte,  nicht  aber  die  Früchte  dieses  Zuge- 
brachten, die  Zinse  der  Capitalien,  noch  ihren  Gewinn 
durch  Arbeit  und  Industrie,  zurückgeben;  er  ist  der 
berechtigte  Nutzniesser  ihres  Vermögens.  Scherzh. 
auch:  membr.  vir.  BSi.  —  Widern-:  ein  der  Kirche 
geschenktes  und  hiemit  von  jeder  Abgabe  freies  Grund- 
stück oder  Hof  auch  eine  der  Ortskirche  zinsbare 
Liegenschaft;  Syn.  Widern.  ,A11  predikanten  vom 
Turgöw  sollend  us  den  zechenden  und  w-n  erhalten 
werden.'  1530,  Absch.  —  Welt-,  in  RAA.,  wie:  I''' 
ha  hilf  nu'''  keis  Weltgüet  g'ha,  ich  habe  heute  noch 
gar  Nichts  zu  essen  gehabt,  bin  noch  ganz  nüchtern. 
Er  hed  keis  WelUfilet  rersüecht,  gar  Nichts  gegessen, 
d.  h.  auf  der  (lieben)  Welt  Nichts  UwE.  —  Winter-: 
Wiese  auf  den  Mittelhöhen  der  Alpen,  vornehmlich 
zur  Heuproduktion,  nur  im  Frühling  und  Spätherbst 
zur  Viehweide  benutzt  BSi.;  W;  ..Wiese  mit  Haus 
und  Scheune,  wo  Menschen  und  Vieh  den  Winter  über 
sich  aufhalten."  —  Zue-:  Nebenhof  .Der  jüngere 
Bruder  arbeitete  zumeist  den  Hof  als  sog.  Z.  von 
M'ineni  Stanmigut  aus.'  Gotth.  —  Jarzit-:  in  ä.  Zeit 
ihis  auf  den  Einkünften  der  ,.Tar-ziten-  beruhende  Gut 
der  Kirche.  Vom  , Seigerät'  darin  unterschieden,  dass 
ein  Capital  entweder  sogleich  ausgerichtet  oder  grund- 
jitändlich  der  Kirche  vorsichert  wurde,  damit  nach 
.Ablauf  eines  .lahres  alljährlich  auf  ewige  Zeiten  der 
Todestag  des  Betreffenden  gottesdienstlich  begangen 
werde;  vgl.  Sk«.  RG.  II  7.59;  Sl'2. 

Guet  II  n.:  1.  Schlagfluss  BBr.,  B.  D's  G.  het 
Eine"  erschlage",  g'rüert;  Syn.  Guetschlag.  ,L.  von 
Fulach  war  der  oberst  rechner,  aber  nit  lang,  wann 
in  das  g.  traf.'  15'20/29,  Stockar.  Ein  alter  kranker 
.Mann,  den  ,das  g.  geschlagen,  so  dass  er  kindisch 
worden'.  1531,  Absch.  .Starb  an  dem  schlag  oder  g. 
(wie  man  es  nennet).'  Kessl.  1539.  ,Den  bettrisen 
hatt  das  g.  (Gott  bhüet  uns  alle)  gschlagen,  des  er 
ist  lam  an  allen  vieren.-  Aal  1549.  ,Sidere  percussa 
est  tibi  lingua,  das  g.  hat  dich  auf  der  zungen  ge- 
schlagen. Das  g.,  so  einen  der  tropf  schlacht,  apo- 
plexia,  paralysis.  Apoplexia,  der  schlag,  tropf  oder 
das  g.-  Prls.;  Mai.  ,Su  es  sich  durch  Gottes  Ordnung 
begäbe,   dass  ich  vom  G.  getroffen,   dass  ich  nit  raer 


reden  könnte.'  HBull.  1575.  ,Es  beschicht  vil,  dass 
ouch  glöubige  lüt  vom  g.  g'schlagen,  etliche  tag  an 
einanderen  ligend  wie  ein  bloch,  kein  zeichen  überall 
könnend  geben.'  LLav.  158t.  .Der  murer  ist  an  syner 
arbeit  g'storbeu;  das  g.  hett  in  troffen.-  UMev.,  Chr. 
.Einem,  so  das  G.  oder  die  Hand  Gottes  berürt  hat, 
hab  ich  gesehen  einen  Tropfen  Balsam  an  die  Stirnen 
streichen  und  er  ist  von  Stund  an  gesund  worden.- 
JJNüscH.  1608.  —  2.  brennendes  Geschwür,  Karfunkel; 
Syn.  Guet-Blätere".  ,Wie  man  mit  den  zweien  äusser- 
lichen  Zufällen  dieser  Krankheit,  als  nämlich  mit  dem 
G-en  oder  Carbunkel  und  dem  pestilenzischen  Ge- 
schwär  handien  solle.-  DKönig  1721. 

1  euphemistische  Umdeutschung  von  lat.  311««,  .Tropfen-, 
während  Nntker  noch  ifulle  bietet.     Vgl.  auch  noch  guet  H  l:i. 

Gueteli  Ap;  VOrte;  Gl;  Gr;  GF.,  Sa.;  Sch; 
Th;  Z.  Guetsi  Bs;  BSi.;  Z,  Guetseli  AAKais.; 
BsL.;  Z,  Guetsli  Th,  Güetsi  AASt;  BsStdt;  B; 
LBerom.;  S,  Guetseli  Bs,  Crüeiesii  ScuSt.,  Güet(j)i 
W  —  n.:  1.  im  Allg.  Zuckerbackwerk,  Confect,  Nasch- 
werk. Süssigkeit,  süsser  Kram,  Bonbon  (bes.  für  Kin- 
der) Ap;  Bs;  VOrte;  Gl;  Gr;  GF.;  Sch;  Z.  Bes.  auf 
Weihnacht  und  Neujahr  gebacken  und  auch  an  den 
, Klausbaum'  gehängt.  E  bar  Anisbretli  und  Schenggeli 
oder  sunst  eso  Guetsi  Bs  (Schwzd.).  Es  isch  m  z'  früe 
für  d'  Mütsch  und  für  d'  Gueteli  GRMai.  (Schwzd.). 
D'  Chinde  luege"  de"  frönd  Herr  a',  wo  Guetseli  tuet 
usteile'  BsL.  (Schwzd.).  Du  machsch-mer  sider  d' Fä- 
den an  d'  Giitsi.  ebd.  Güetisli,  etwas  Leckeres,  auch 
nur  ein  Zucker  ScuSt.  Der  Teil  xcit  iiuer^rhrnd-r 
gli''' :  das  war  für  dt'''  e  Gitzi  [Gihi^i/  a'^i.  iriim  i 
mi  Büebli  tröffe  hätt' !  Hinderm.  Itm  <l,i,h/i.  ni- 
weders  LezeltU  oder  Chrepfli  vii  plälteytm  Ztiijgtrl. 
GSa.  (Prophet  1855).  ,Kinder,  die  Brot,  Obst  und 
Gutelein  heischen.'  JJUlr.  17-27.  Syn.  ChräfiiijU. 
Bildl.  von  Menschen,  gleichsam  ein  honigsüsser  Cha- 
rakter: De''  ist  aw''  keis  Gueteli,  von  Einem,  mit  dem 
schwer  umzugehen  Sch;  Z;  Syn.  Fineli;  ähnlich  iron.: 
Er  ist  e  (rechts)  Gueteli,  ein  nichtsnutziger  Mensch 
Gl,  en  G.,  missvergnügt.  Sprichw.  18G9  (hier  mit  Ge- 
schlechtswechsel). Das  sind  3  G.  g'sl",  2  unverträg- 
liche Eheleute  Z.  Das  ist -wer  es  lebigs  Güeti!  ein 
beweglicher  Mensch,  lobend  oder  tadelnd  B  (Zyro). 
—  2.  im  Bes.  a)  Gueteli  Sch;  Th;  Z,  Güetsi  B  ein 
specielles  Backwerk  aus  weissem  Zuckerteig,  viereckig 
oder  rund  (die  runden  oft  von  den  grössern  zu  den 
kleinern  herauf  zu  einem  , Aufsatz'  geschichtet),  wenn 
mit  Anis  untermengt  auch  Änisgueteli  (Z)  genannt  und 
mit  aufgeprägten  Figuren;  vgl.  Tirggel.  E ganzi  Pira- 
mide  vo  Güezi  uf-ere  Blatte  B  (Bari).  Vgl.:  ,Auch 
waren  ihre  blechernen  Büchsen,  die  auf  dem  Ofen 
standen,  den  kli-ineni  Kindern  unerreichbar,  mit  dem 
von  Alters  licr  i;rlir;in,lili.  lu-n  Weihnachts-  und  Neii- 
jahrsgebäck  K'''""t-  die  rin.- mit  Leckerli,  die  andere 
mit  den  Gueteli,  weisser,  viereckiger  oder  runder 
Täfelchen  aus  Zuckerteig,  welche  allerlei  Scenen  und 
Figuren  aus  der  biblischen  Geschichte,  aus  der  Natur 
und  aus  dem  täglichen  Leben  auf  ihrer  oberen  Seite 
im  Teig  tief  abgedrückt  erkennen  Hessen.  Die  Formen 
dazu  stammten  aus  dem  17.  Jh.  oder  nocli  älterer 
Zeit;  auf  den  ältesten  kam  häufig  die  Geburt  Christi 
oder  das  Gotteslamm  oder  die  Weisen  aus  Morgenland 
oder  die  Flucht  nach  Egypten  vor;  so  musste  auch 
das  Backwerk  dazu  dienen,  die  Kinder  an  die  freudcn- 


Gat.  get.  git,  got,  gut,"  goet 


bringende  Weihnachtsbotschaft  zu  erinnern.  Neuere 
Formen  stellten  Tiere  und  Vögel  oder  allerlei  Berut's- 
arten.  den  Apotheker,  den  Kaminfeger,  den  Bäcker, 
oder  Trachten  der  adeligen  Frauen,  der  Ratsherrn  usw. 
dar.  Alle  diese  Vorräte  hatte  die  Frau  Zunftraeistcrin 
mit  Hülfe  ihrer  Tiichter  selbst  fabriziert.-  Zehender 
(Sch).  ,Der  sog.  Letzi  lag  ehemals  ein  grosses,  ver- 
goldetes Gueteli  bei,  für  Knaben  eine  Braut,  d.  i.  eine 
altertümlich  gekleidete  weibliche  Figur,  für  Mädchen 
einen  Hochzeiter  mit  dem  Degen  darstellend.'  ScnSt.; 
ZWthur.    ,1  Pfd  Guteli  16  ß.-  Z  Haushaltb.  1764  Apr. 

—  b)  übertr.  a)  Giietji,  die  weibliche  Brust  W.  — 
ß)  „Cfüeti,  Kern  der  Nuss  und  alles  Steinob.stes.  ebd." 

—  Y)  Gi'esi,  Liebesgenuss  Bs.  —  d)  Bergmännchen, 
dienstfertiger  Gnom  oder  Zwerg.  Vgl.  ,gute  Leutchen' 
=  Zwerge.  ,Die  Werkleut  nennens  Guteli,  werden 
sonst  auch  genannt  Trulli.'  HsRRebm.  lt!20. 

.ihnl.  Bair.  und  Schwab. ;  vgl.  frz.  honhon.  —  '2  b  a  wohl 
von  dem  'Wohlgeschmack  der  Muttermilch. 

„guetele":  1.  Gueteli,  d.i.  süsses  Backwerk  ma- 
chen VOrte;  Sch;  Z.  —  '2.  f-üe-)  solches  Backwerk 
lieben  LG.- 

guete":  gut,  besser  werden,  allg.  1.  von  Krank- 
heiten, Wunden  (mit  Dat.  P.),  vom  Wetter,  von  Feld- 
früchten. ,Des  Joggeiis  Bein  will  gar  nicht  g.'  Brei- 
TENST.  'n  häd  »länge  Sehade  g'guetet  über  Nacht.  Hebel. 
D*  Trübe'  hfind  irncler  g'guetet  [sind  im  W^achstum, 
in  der  II. •if.'  f.irtursihritten]  die  Wiiche'  Z.  .Do  be- 
gond  der  licTbstr  und  der  wyn  guoten  und  zj'ten.' 
Fründ  1  i4(i.  —  2.  im  moral.  S.  =  ,gut  tun',  gehor- 
chen. Der  Bueb  will  nit  g.  Bs.  Bes.  unpers. :  Es 
guetet,  es  wird  besser,  eine  Unruhe,  Bewegung  lässt 
nach.  allg.  Mer  wend  's  g.  lä",  wollen  es  gut  sein 
lassen  Bs.  Es  guetet  nüd,  bis  {'>•  mit  der  Rtiete  chumme! 
Drohung  an  Kinder  Bs;  Schw;  Z.  I«''  will's  iez  de"" 
iiiaehe"  z' g..'  ich  werde  Ordnung  und  Ruhe  schallen  B. 
,Z'  g.  mache,  finem  facere,  obicem  pcnere.'  Id.  B.  — 
„ent-:  entstellen  Z."  —  er-:  vergüten  Ndw.  — 
ver-  I  s.  Anm.  zu  rer-guet.  —  ver-  II:  vergüten, 
ersetzen,  allg.  —  ver-un-:  1.  übel  nehmen  B.  ,Ihr 
werdet  es  ihr  nicht  v.'  Gotth.  —  2.  anschwärzen, 
verunglimpfen  B;  vgl.  im-guet.  —  und  er-:  Jraden 
meistern  BAdelb.  —  be-:  vergüten,  bezahlen.  .Der 
Geschreite  muss  alle  verfallene  Zinsen  bezahlen  und 
auch  den  laufenden  Zins  b.'  1855.  U.  (S.  fliehen).  ,Der 
Lehe'mann  soll  dem  Verleche°mann  den  völligen  Lehen- 
zins begüeten.-  1756,  Schw  Rq.  ,Als  solle  Verkäufer 
dem  Käufer  10  fl.  zum  Er.satz  des  Schadens  zu  be- 
güeten schuldig  sein.'   ebd. 

Guetel:  Männern.  ,Hindcr  disem  palazz  [der 
Pfalz  zu  StGallen]  ward  darnach  S.  Gutlen  i.  e.  Toti- 
lonis  kapeil  aufgericht't.'  872/83,  Vad.  ,S.  Guetlen 
hatt  S.  Katrinen  kapeil  g'heissen.'  ebd.  —  Ahd.  GuotUo; 
vim  f/uot  abgel. 

Guet 


ilcr 


G.-Epfel   Bd  1    369. 


guetig:  1.  ,\dj.  voll,  stark  (gemessen)  =  gMt  B  4. 
E  g-i  Stund,  e  g-s  Mass  BO.  —  2.  Adv.  verstärktes 
guet  =  recht  gut.  Habs  g.,  sust  etgeits-der;  lern  es  g. 
BHk.  Fir  g.,  tüchtig  z.  B.  abprügeln  BR. ,  vgl.  ffilr) 
guet  C  4.  Es  g.  volls  Mass,  ein  vollgerütteltes  Mass 
BSi.  Derwilen  leid  der  Grosatt  z'  dielten  [gerinnen], 
sterd  d'  Milch  recht  guetig  z'  ringetiim   BBr.  (Schwzd.). 


nut-:  zu  Nichts  gut,  nichtsnutzig  BsStdt. 

Guetlen  s.  Giietlen. 

Guetmeni:  Güte.  Säg-mer  aber  bitti  weder  in  Bösi, 
noch  in  Guatmeni  meh  Ettns  vo  Saeho  GaPr.  (Schwzd.). 

Es  ist  ,Guet-Meini°g',  in  erster  Linie  als  Zss.  aufgefasst, 
das  zweite  W.  dann  aber  durch  Entziehung  des  Tones  zur 
Ableitungsendung  herabgedrückt. 

ver-güete":  1.  tr.  (eine  Wunde)  verschlimmern, 
zu  Brand  und  Eiterung  bringen,  bes.  durch  üblen 
Geruch  (in  Ställen,  Aborten),  dem  man  sich  aussetzt 
„Ap;"  Gr;  GRh.  J'*  han  ,i  Schinna  [Splitter]  im 
Tuma"  [Daumen] ;  Materi  [Eiter]  hed  's  afa'  g'machet, 
und  i"''  osa  [fürchte],  i'''  chönnti  's  r.;  daschi  [dass 
sie]  aber  nit  varböieri  [sich  verschlimmere],  trü-i''' 
notta  [glaube  ich  jedoch]  Gr  (MKuoni).  Einer,  der 
eine  Wunde  hat,  trägt  Meisterwurz  (Gßh.)  oder  Krüzli- 
chrüt,  paris  quadrifolia  (Gr),  in  der  Tasche,  damit  er 
die  Wunde  nicht  rergüete.  Auch:  einen  Finger,  ein 
Bein  v.,  zum  Schwären  bringen.  Vom  Volke  tw.  jetzt 
noch  sympathischen  Einflüssen  oder  Hexen  zugeschrie- 
ben. 1616  wurde  zu  Maienfeld  eine  Hexe  gerichtet, 
welche  ,bös  Wetter  gemacht  und  eine  Kuh  vergüet' 
hatte.  Jecklin;  Syn.  ent-bürzen,  cerböseren,  er-hellen; 
rermücken.  —  2.  refl.  Lueg^  dass  di'''  nüd  cergüetat, 
sieh  zu,  dass  deine  Wunde  nicht  schlimmer  wird  oder 
dass  du  keinen  Bückfall  erleidest.  Er  war  hübseh 
z'  weg  g'sin  [gewesen]  vom  Sitestich,  dun  [da]  hed- 
er-schi  dur'''  en  ehalte"  Trunk  wider  cergüet't  Gr.  - 
3.  intr.  verschwären,  eiterig  werden  (von  Wunden) 
Gr  (Kilias).  —  4.  Ptc.  vergüet('t),  (auch  adj.  ver-güetig 
GrD.).  a)  noch  nicht  heil,  brandig  (eine  Wunde); 
Syn.  str;  küen;  vgl.  auch  gi(e)chtig  Sp.  114  u.  guetig. 
—  b)  giftig,  schädlich  (bes.  für  Wunden),  z.  B.  der 
Aufenthalt  in  einem  Schaf-  oder  Schweinestall  ist  ver- 
güet GW.  „  Vergüetet,  schädlich,  giftig  (von  Speisen) 
BO.-  Davon:  Ver-güeti'g  f.,  Verschlimmerung  einer 
Wunde  GrD. 

Könnte  mit  Annahme  der  pe.)oratiTen  Bed.  von  wr-  direkt 
von  gvcten  gebildet  sein,  also  eig. :  eine  eingetretene  Besse- 
rung wieder  verderben.  Da  indessen  die  Beziehung  auf  eine 
eiternde  Wunde  oder  eine  Entzündung  die  ursprüngliche  und 
durchgehende  zu  sein  scheint,  so  liegt  direkte  Anlehnung  an 
Guet  II 2  nahe,  oder  allgemeiner  ausgedrückt,  ragiieten  konnte 
per  euphemismum  geradezu  statt  ,verb()sern'  gesagt  werden. 

güeterc":  in  einen  bessern  Stand  setzen;  vgl. 
böseren.  ,[Die  Wasserrunsen]  bessern,  g..  besorgen 
und  machen.'  1452/1544,  Schw  LB. 

Güeti  f.:  1.  =  nhd.  Güte  nach  den  verschiedenen 
Bedd.  von  guet.  Eim  alli  G.  [alles  Gute]  verspreche' 
Z;  schon  bei  HPest.  1783.  Bas  Tuech  hed  ekei  G., 
Solidität  Ndw.  Werdi  [Begehrtheit]  ist  über  G.,  im 
Falle  der  Not  nimmt  man  auch  mit  weniger  Gutem 
vorlieb  SchSI;  ZWl.  Well-e  G.  ist  der  Most!  GSa. 
D'  G.  [Gutmütigkeit,  Freigebigkeit]  wird  z'letzt  zur 
UHuged  Gl;  s.  FrlgebCnJi  Sp.  64.  ,Dass  er  von  der 
Güte  [Gefälligkeit]  sei  und  sich  zu  seinem  Oheim  ver- 
fügen möchte.'  VMev.  1762.  Wege"  der  G.  fressed 
frätzedj-e"  d'  Mus  nüd  (Wortspiel  mit  G.)  Z,  von 
einem  Unwirschen.  In  Ausrufen  des  Erstaunens  oder 
des  Mitleids:  Du  oder  Herr  (du)  mini  G.!  Aa;  Bs;  Z; 
Syn.  du  liebi  ZU!  Ttisig  G.!  KMev.  1844.  ,Ach  Gott 
und  alle  Güte!'  Gotth.  ,Ach,  du  rayn  Heiland  und 
myn  Gietü'  Com.  Beati.  —  2.  andauernd  schönes 
Wetter  BHk.  —  Un-:  übler  Geschmack:  üble  Laune; 


gni-l.     (■»(Süll     gntsdi 


Ö6X 


Schlauheit  Ar;  vgl.  un-guet.  .Die  Feigen  sinil  ungut, 
dass  sie  vor  U.  Niemand  essen  mocht.'  JMüli,.  16ü5. 
—  Gotts-Güete!  Schwur.  1531,  Z  Ref.-Archiv.  - 
Morge°-Güeti:  nur  in  der  Wetterregel:  Abedröti : 
Morget-G.,  Abendröte  bringt  schön  Wetter  GrD.;  vgl. 
Abcndhmii,  MorgenscMni. 

güetig:  1.  freundlich,  sanftmütig;  zufrieden.  Der 
Alt  ist  umhi  alle''  güetige';  gibt  wieder  freundlichen 
Boscheid  BO.;  vgl.  frtgeb  Sp.  64.  ,Der  e.sel  ist  ein 
ziiiii  g.  tier.-  TiEKB.  1563.  .Den  span  durch  g-o  mittel 
luulegen.'  HBull.  1572.  Im  Ausruf:  0  du  g-i  ZW. 
MWalden.  —  2.  gutartig,  nicht  entzündlich  (von  Wun- 
den) BO.;  Gegs.  gichtig  Sp.  114;  gietig  Sp.  507.  — 
3.  Adv.  z.  B.  g.  g'se",  recht  gut  sehen  BHa.  —  u  ( n )  - : 
1.  Adj.,  das  Gegenteil  von  güetig:  „bitter".  —  2.  Adv., 
derb,  unsanft.  „Eine  ii.  zum  Hüs  ris  jage".  Es  häd- 
mi'''  u.  undenuse  g'nö",  ich  bin  unsanft  ausgegliseht 
B;  L."  —  grund-:  in  ä.  religiöser  Literatur  häutiges 
Epitheton  Gottes,  z.B.:  ,Der  gr-e  Herrscher  Himmels 
und  der  Erden.-  1685,  Roner,  Heiden. 

güetige":  schlichten.  ,Die  sach  zu  g.  und  zu 
früntlicheni  betrag  ze  bringen.'  1489.  Gfo.  .Sölich 
beschwerd  ze  g.,  abzestellen  und  hin  ze  tuend.'  1513, 
Absch.  —  be-:  wie  nhd.,  zufrieden  stellen.  ,Dann 
ich  bin  begüetiget  dos  Unglücks  halb,  so  ich  euch 
geton  hab.'  1531,  Jerem.  =  ,Mich  rüwet  des  Unglücks.' 
1.548. 

Güetigkeit  f.:  1.  Güte,  Gefälli.irkril.  Ilnnl  „„'>• 
die  G.  und  gend-m-;r  usw.  Ndw.  K)  Jur  ,«■  IDjnrli/i) 
G.  sind  e  Grechtiglceit  (ist  e  hiindeiijiinijs  HnlU), 
U)  Jahre  lang  geübte  Connivcnz  gibt  dem  usurpieren- 
den Teile  ein  juridisches  Recht  Z.  —  2.  gütlicher 
Vergleich,  friedeiisrichterliche  Scheidung;  auch  Zu- 
sammenkunft zum  Zweck  eines  Vergleichs  Gl;  früher 
in  Gl  auch  Name  einer  Commission  des  Rates,  welche 
einen  Rechtsstreit  vermitteln  sollte,  um  den  Process 
zu  verhüten  (Gem.  Gl  563).  ,Dass  wir  irem  mess- 
pfaffen  in  der  g.  ein  erlich  uskommen  geschöpft.'  1532, 
8TRICKL.  ,Sich  zuo  keiner  g.,  sonder  uf  rechtsatz 
begeben.'  Vau.  , Sollte  man  die  g.  durch  die  7  mann 
zu  band  nemen.'  1580,  Wurstisen.  .Die  g.  handien 
[am  Frieden  arbeiten].'  ebd.  ,Zura  eilften  soll  man 
auch  hinfüro  in  gerichtlichen  Sachen  nicht  so  vil  G-en 
und  überflüssige  Zusammenweisungen  erkennen.'  1643, 
Bs  Rq.  .Mit  G.  in  allen  Sachen  hab  ich  wellen  mit 
dir  abmachen.'  1656,  Vilm.  Schlacht.  ,Der  Amtleuten 
Taxordnung,  einer  G.  beizuwohnen  5  ß.'  1722,  Bs. 

güetlich,  güetiglich  güH.l-xlirh  AALeugg.;  Ar; 
Z:  1.  wie  nhd.  Adj.  und  Adv.  Gürh'klirh  ,tl,m,ivhe', 
'.s  g.  mache',  sich  in  Miniir  \  niilrirlim  .\\l.rimv.;  Z. 
Güetlige  G'imld,  Vulhnu.  In   /.u  ,-.itlir!,.r  \  .iliinidlung 


,üass  ich 


He 


^bU 


giie 


tlich 


mit  einanderen  bericht  syen  umb  alle  die  stösse.  die 
wir  gegen  enanderen  hattin.'  1343,  L  Urk.  ,G.  oder 
rechtlich  entscheiden.'  HBull.  1572.  ,G-e  Sprüche' 
(häutig  in  den  Absch.),  Civilurtheile,  die  in  der  Mei- 
nung gefordert  und  erteilt  werden,  dass  der  Richter 
liiebei  nicht  an  strenges  Recht  gebunden  sei,  sondern 
Hücksichten  der  Billigkeit  und  auch  wohl  der  Klug- 
heit dürfe  walten  lassen.  Die  Parteien  müssen  hier- 
über zum  Voraus  einverstanden  sein,  ,die  Sache  zu 
einem  gütlichen  Spnuli  ülierHoben',  dann  können 
solche  Sprüche  sowohl  Seliieds^'i-richte,  als  auch  die 
ordentlichen    Gerichte    erteilen.  2.    ziemlich.     Es 


geit  g.  hesser  BO.  —  un-:  unglimpflich,  unbillig,  Adj. 
u.  Adv.  .Daran  tuen  sie  den  Unseren  u.'  1437,  Laükf. 
Beitr.  Rellstab  soll  widerrufen:  ,Hab  er  denselben 
von  Kilchberg  u.  geton  und  sie  angelogen.'  1508,  Z 
Ratsman.  ,Es  wirt  uns  zuegemessen,  als  ob  wir  den 
biderwen  lüten  getröuwt,  daran  uns  aber  u.  beschicht 
und  zue  unser  Verunglimpfung  nützig  gespart  wird.' 
1531,  Absch.  ,Es  b'schähe  im  unguotlich.'  LLav.  1584. 
.Fassend  von  solchen  u-en  Antasten»  wegen  einigen 
Verdruss  oder  Unwillen  nit.'  Z  Täuferber.  1639.  .U. 
umgehen  mit  Jmd.'  JMüll.  1661. 

Güetlichkeit  f.:  gütliches,  friedliches  Verfahren. 
.Mir  der  minne  und  g.  mit  sannnt  dem  rechten,  als 
minem  vatter  sei.  ouch  ze  getruwende.'  1449,  Gfu. 
.Was  dieselben  zwüschent  uns  fürnemmen,  es  sy  zuo 
recht  oder  in  g.,  daby  wolle  ich  mich  güetlichen  finden 
lossen.'  1460,  Bs  Rq.  ,Do  leitend  sich  gmein  Eid- 
gnossen  darin  und  wisend  die  von  Bern  in  der  g.  ab.' 
Sicher  1531.  ,Dass  si  in  der  g.  wellen  fürfaren;  wo 
aber  die  g.  nit  verfache . . .'  1532,  Strickl. 

güetle".  guetle'  BBa,.:  gute  Worte  geben,  schmei- 
cheln; mit  Eim  welle"  g.,  sich  mit  ihm  durch  freund- 
liches Reden  versöhnen  wollen. 

Wf-Güetle"  GSa..  W.  -Ouetle"  GnPr..  f.: 
Birnensorte,  die  sog.  frühe  Weinbirne. 

Gern-Güetlor  m.:  Schmeichler  Ai';  Syn.  Gtict- 
brütler. 

Herbst-  f.  A\:  Ar  (m.V);  GRh.  (Steinm.  1804); 
Tu:  eine  Birnsortc.  Hii.il.r  von  'jtut  wie  die  Biruiiameu 
Sücaslei;   Sürlii:    Liwijlrr  von   Jen   betr.    Ad.j.i. 

Hirats-:  Einer,  der  ans  dem  Heiratsgut  leben 
sollte  ScH  (Kirchh.). 

Alls-Guetni  s.  Alls-guct. 

Gnetikhuser:  Apfelsorte;  s.  G.-Epfel  Bd  I  369. 


Guetsi  s.  Gueteli. 


Galsch  — putsch. 

S.  auch  die  Reiheu  Gasch   usw.,   tfa»( 


gatschen  s.  ga-. 

gi-gätsche":  mit  dem  Stuhle  schaukeln  B;  Syn. 
fji-gägen,  -gampfen,  -garsen,  -garschen. 

Gätschu  (mit  wechselndem  Accent)  m.:  Kautschuk. 
Gummi  elasticum  Aa;  Bs;  B;  Syn.  Gnrtschu  Sp.  447. 
—  Klopf-:  gekauter  Kautschuk,  mit  welchem  die 
Kinder  Blasen  bilden,  um  dieselben  zu  knallendem 
Platzen  zu  bringen  Bs. 

Gätsch  I,  Getsch  m.:  1.  Kot.  Unrat,  bes.  auf  der 
Strasse,  wenn  der  Regen  den  Schnee  aufgeweicht  hat 
W.  —  2.  etwas  Nichtiges  ZStdt;  s.  Güd;  auch  Gut 
um  G.  Z  (Spillm.).  -  S.  Gr.  WB.  ,Kätseh'  und  ,(iätz'. 
S.   auch   nuser  iilaeh   Bd   I    608,    Gäg,j  Sp.    169. 

gätsche"  I,  neben  gatsche":  1.  plätschern  W. 
D'  Dachtraufe'  tient  grad  asn  g.  Syn.  gautscheii. 
götschen;  vgl.  flotschen.  —  2.  mit  Kot  spielen,  darin 
kneten,  wie  kleine  Kinder  tun  W;  Syn.  kötlcii:  vgl. 
gätsclien   II.    —    3.    (auch    ga-)    mit    klatschendem 


S59 


(Jalsch.  getsch.  gitscli.  gots 


{jutsch 


schmatzendem  Tone  essen,  von  Menschen  und  Tieren, 
bes.  Schweinen  W;  Syn.  kätschen,  sclunatzeren :  vgl. 
Gaschen,  gnatschen. 

Gätsche-.Gctsche"  f.:  Maul  W:  iiyn.  Goschen; 
vgl.  Göfsch. 

Gatscher,  bezw.  Gä-  m.:  Fresser  W. 

gätsch,  bezw.  ,gebsch,  kätsch' (Spreng):  1.  er- 
picht auf  — ,  lüstern  nach  —  Bs  (Spreng).  ,Kätsch  nach 
Etw.  sein,  begierig  nach  Etw.  schnappen.'  ebd.  ilfiV 
isch  ehe  nit  getsch  derno''',  lüstet  nicht  darnach,  ebd. 
Syn.  watz.  —  2.  „leichtfertig,  geil,  wollüstig,  bes.  vom 
weiblichen  Geschlechte  Ap;  Gl."  ,Gätsch  und  muet- 
willig.  petulans.  lascivus.'  Mal.  —  3.  vorlaut,  nase- 
weis, voreilig,  schnippisch,  vorwitzig  Bs;  „B;  Gl;  L;" 
G  (a.  1799).  ,Bu  bist  nu  s'  g.,  kannst  das  Maul  nicht 
halten.'  Spreng.  Vgl.  Gätsch-Nase  und  Gekätsch.  — 
4.  Adv.,  schnell,  plötzlich  Ap.  Vgl.:  ,Do  fielend  s' 
[die  Insassen  eines  Hauses  bei  einem  Erdbeben]  also 
gatz  uf  d'  siten.'  Lenz  c.  1500;  Syn.  patsch,  patsch; 
rätseh.  —  Vgl.  .gStsch'  bei  Gr.  WB. 

*Gätsch  II  Ge'iseh  m. :  Narr.  Geck,  als  Schimpfn. 
Ndw.  D'r  G.  ha'',  den  Narren  treiben,  z,  B.  wie  junge 
Hunde  SchwE.;  Syn.  golen;  vgl.  Gäutsch. 

gätschele":  schnippisch,  vorlaut  sein  B. 

„gätsche""  II.  getsche' :  spielen,  tändeln,  zu- 
nächst von  Tieren,  bes.  jungen  Hunden  und  Katzen 
Gl;  GA.,  G..  „Sa-x";  ScHwE.;  aber  auch  von  Menschen 
Gl;  GA.  Las  mi'''  g.,  lass  mich  machen,  störe  mich 
nicht  in  meinem  Treiben.  Mir  Glarner  händ-is  a' 
dem  Tag  dun  Chrieg  Nüt  me'  Wg'tiit'  und  die  Andere" 
[Franzosen  und  Kaiserliche]  g.  In"  [es  mit  einander 
ausmachen  lassen].  Gl  Volksgespr.  Syn.  gautschen 
(bezw.  gäu-),  andere  s.  bei  göpen. 

,Gätschi  I  n. :  1.  schnippisches,  vorlautes  Mäd- 
chen, Schwätzerin  B;  L;  Syn.  Gex-Nase,  Schwätz- 
Bäsi,  Schnarr-Gäx.  —  2.  ,  leichtsinniges,  eitles,  leicht- 
fertiges Mädchen  BO." 

Schnäder-:  vorlauter,  zudringlicher,  unbedachter 
Schwätzer,  bes.  von  zungenfertigen  Kindern  und  nase- 
weisen Frauenspersonen;  Plappermaul,  Plaudertasche 
,B;  L."  Syn.  Schnäder(i)-Gdgg  (Sp.  168).  -Gäx,  -Gätzi. 

gätschig,  getschig:  blöde  im  Magen;  nur  in 
der  EA. :  es  wird-m^r  g.  Gl. 

Eine  aualuge  BegriffsentwickluDg  s.  bei  Oäggd  II  u.  III 
(Sp.   168)  und  bei  gahtj  (Sp.   216);   vgl.  .luch   .dumm'. 

Gätsch  HI  m.,  (Ge-)Gätsch  n.:  steiler  Abhang, 
mit  vorragenden  Felsköpfen,  an  denen  mau  sich  halten 
kann  U.  —  Vgl.  das  von  ebd.  bezeugte  Syn.  Giitnh  (s.  d.): 
doch  I(önute  auch  Zshang  mit  gätuch  3  \i.4  angenummen  werden. 

Bett-Gätsch(li)  s.  Bett-Statt. 

Gätsch  IV:  Personenn..  Gabriel  Gl.  -  Vergröberte 
Koseform   wie    Gottach,   Gottfried;   ßuetsch,   Kudolf. 

Gätschi  n  n.:  1.  verkümmerte,  unentwickelte  Ka- 
stanie  GSa.  —  2.  schwächliche   Frauensperson,    ebd. 

Beide  Bedd.  auch  bei  Grunrjgeli,  yoggd ,-  vgl.  auch  Gäggi, 
Kot;  Kerngehäuse  am   Obst,  schwächliche  Person. 

Gätschi  HI  s.  Gäschi. 

Gautsch  I,  „Gautschel-  (St.^)  m.:  1.  wellen- 
förmige Bewegung  einer  Flüssigkeit  in  einem  Ge- 
schirre BGrindelw.;  ,L;"  Syn.  Gaudel.  -  2.  {Gäutsch 
It  St.')  Flüssigkeit,  die  öfter  aus  einem  Fasse  in  ein 
anderes  hinüberge.schüttet  wird  L.   —   Vgl.  (Uitz. 


G"- Gäutsch  n.  =  Gautsch  3.  ,Wer  wett  das 
Göütsdi  möge',  quis  non  nausearet  istas  reliqnias 
vini.'  Id.  B.     Syn.  Ge-giider;  GegÖtsch. 

gautsche"  I  Bs:  B  (in  Schw.  iVj;  Gr;  L, 
gäutsche"  I  Bs;  B;  Sch:  W,  gauze»  W:  1.  hin 
und  her  wiegen,  z.  B.  einen  alten  Tisch,  eine  Bank 
usw.  ScH;  Synn.  s.  bei  gägelen,  ferner  gi-gatschen.  — 
2.  , spielen,  von  Kindern  Gr."  —  3.  sehwanken,  Wellen- 
bewegungen machen,  bes.  wenn  dabei  ein  klatschen- 
der, plätschernder  Ton  entsteht  Aa;  Bs;  B;  W;  Syn. 
gunschlen.  Hoch  geiitschid  d'  Welle'  über  d'  Fore. 
Wild  getitscht  der  Bach.  Es  schätterei  iif-em  Chilche- 
dach  und  vor-em  Hüs,  wie  gäutscht's  im  Bach.  Hebel 
(das  Gewitter).  Plätschern,  wie  bei  einem  Platzregen, 
stark  regnen  Bs.  Von  dem  Geräusch,  das  entsteht, 
wenn  ein  Stück  Brod   in    eine  Tasse  Milch   fällt   Bs. 

—  .3.  (act.)  in  Flüssigkeiten  rühren,  sie  in  schwan- 
kende, plätschernde  Bewegung  bringen,  z.  B.  beim 
Tragen  eines  Gefässes.  beim  Herumrühren  in  einer 
solchen,  so  dass  sie  gussweise  herausschlägt;  von 
einem  kleinen  Kind  im  Bade  Bs;  B;  L;  S;  TnTäg. 
Di'  Muetter  het-di'''  mängisch  im  Brunntrog  'badet; 
do  hesch  [du]  albe'  g'chräit  und  'getitscht.  BWtss  1885. 
Und  tränkisch  luters  Wasser  nur,  me  gäutscht  der  dri, 
das  isch  Zensur.  Minnich.  [Der  in"s  Wasser  Gefallene] 
gaitschet  und  pfluderet  drin  um  wie-n-en  Ente  Bs.  ,Die 
hämmerten  und  geutsehten  in  ihren  Kellern  herum, 
als  ob  sie  auf  einmal  alle  Küfer  geworden  wären.' 
Breitenst.  Flüssigkeit  wiederholt  aus  einem  Gefäss 
in  ein  anderes  schütten,  wobei  ein  guter  Teil  nebenaus 
fällt  AaZ.;  Bs;  B;  ,LE."  Syn.  flätscheti,  gäudlen, 
gausen,  guslen,  götschen.  Wl"  und  Wasser  dur''' 
enander  g.    .Göutsche,  liquorem  in  vase  agitarc.'  Id.  B. 

—  .5.  „aufwallen,  überlaufen  wollen  L";  Syn.  gäudlen. 

—  6.  unruhig  im  Hause  herumlaufen  und  dabei  die 
Türen  auf-  und  zuschlagen  AaF. 

Auch  eis.,  bair.  u.  schwäb. :  z.  T.  den  klatschcudeu  Laut 

malend;  vgl.  Aam.  zu  gigägm  Sp.  1:17;  zu  2  vgl.  gautuchen  II. 

ver-:   1.  (neutr.)  beim  Schwanken  ausfliessen  Bs. 

—  2.  Flüssigkeit  durch  Umgiessen,  Sorglosigkeit  beim 
Tragen  vergeuden  oder  ungeniessbar  machen  Aa:  Bs; 
B;  Syn,  rergüderen. 

Gautschete°.  bezw.  Gäutschete  f.:  1.  Ver- 
schüttung von  Flüssigkeit,  daraus  entstandene  Un- 
ordnung TnTäg.;  Regenguss  Bs;  Syn.  Pletschete, 
Schwetti.  —  2.  unreinliche,  z.B.  aus  verschiedenen 
Gefässen  zs.  oder  hin  und  her  geschüttete  Flüssigkeit; 
schales,  unschmackhaftes  Getränk  Bs;  B;  LE.  ,Göüt- 
schete,  mixtura  potus  nauseam  pariens.'  Id.  B.  Dim. 
Gäutschelete  B;  Syn.  Güdereten.  —  3.  (scherzhaft) 
schlechter  Kaifee  Bs. 

Gäutschi  f.:  1.  starker  Kegen  Bs.  —  2.  hin  und 
her  gegossene,  zsgeschüttete  Flüssigkeit,  z.  B.  Ab- 
waschwasser in  der  Küche  B.\arb. 

gautschle"  „Gr;  LW.;"  Schw;  ZWäd..  gäu-  Aa; 
BM.,  Si,  (-V?-);  Ndw  (-äi-):  1.  „schaukeln,  wiegen, 
wie  Kinder  6r;  LW."  —  2.  wesentlich  =  (jfaM*sc/ienJiJ. 
Flüssigkeit  auf-  oder  umrühren,  schütteln,  schaukelnd 
bewegen,  darin  platschen  aaO.;  Üju.  götschen,  schwap2i- 
leii.  Br  [du]  muesst  d'  Bokterrustig  [Mixtur]  g.,  ob 
d'  inist  [bevor  du  (sie)  einnimmst]  SchwMuo.  Auch 
Flüssigkeit  aus  einem  Gefäss  in  ein  anderes  schütten 
BSL;  L.  —  ver- (gäutschle"')=  i-e)--5rot«tsc7iewBE., 
Si.     Es   ist-mer-sr   [sein,   dessen]   nüt   nie''  der  Wert 


(iatscli,  getscli,  gitscli.  gotscli.  gutscl 


502 


z'  diese*  [aus  so  wenig  MilchJ,  mit  [man]  vercjütschlel 
d'  Milch,  numme'  [dabei]  BSi.  Er  het  si*  Wi*  nüd 
'tniiike",  er  het-ne"  numme"  verg-t.  Übertr. :  So  'ne 
Lockspis  am  Aristohratenangel,  u-omü-mr  si  [des  Volkes] 
Siireränitet  v.  will.  Dietschi  1844. 

Gautschll  ScHwE.,  Geutsch  bezw.  -eH-  SchwMuo.; 
Ndw;  U  —  m.:  Narr,  drolliger  Spassmacher,  bes.  in  der 
KA.  de  O.  ha",  ablä',  närriscb  lustig  sein,  den  Hans- 
wurst machen  ScHwE.,  Muo.;  USchäch.  —  2.  schlech- 
ter, unartiger  Mensch  Ndw;  Syn.  ßiesch,  Gätsch. 

Betr.  die  Auflassung  des  Narren  als  des  .schwankenden, 
g.iukelnden'  vgl.  Gaudel  I  und  //,  sowie  die  Gruppe  gaugg-, 
SU  dass  also  unser  W.  eng  mit  Gautuch  I  und  dessen  Gruppe 
zsliängt.      S.   Doch  Skauzen  und  vgl.  gätsch. 

gautsche"  II,  gäutsche"  11:  den  Narren  spie- 
len, von  Tieren  und  Menschen  ^Gr;"  Schw.  Der 
Hund  gäiifschet  nir  anirn^  wegg'rüerte"  Helsigstumpe'. 
—  umme"-:  sich  als  Spassmacher  herumtreiben,  sich 
herumbalgen. 

Gäntsch  1  BHk.,  Gäuz  GRHe.;  Ndw,  Gauz  ß;  Gk; 
„L;  ScH;"  UwE.  —  m. :  1.  heller,  schriller,  kurz  abge- 
stossener  Schrei;  Aufschrei  vor  Furcht  od.  Schrecken. 
Gäuz  ablä',  aufschreien.  aaO.  [Der  gesunde  Säug- 
ling] lad  Gäuzleni  ab  und  weiss  nid  wie  tue'  vor  luter 
A"gä''  GRPr.  (Schwzd.).  Auch  von  Tieren,  bes.  vom 
einzelnen  Anschlag  eines  Jagdhundes.  —  2.  „(Gätitsch, 
GeitschJ  Hund,  der  viel  bellt  ß;  L;  Sch;  Z." 

gautsche»  Hl  B;  Uve,  gäutsche"  HI,  bzw. 
gei(-,  Btw.;  VOrte;  FJ.;  Sch;  W  {gäivtschu,  Nbf. 
gewschge'  WGams),  geitsche'  Aa  (It  H.  ei);  BsBirs.; 
Btw.  ('-äi-J;  Ltw.;  S,  ganze"  Aa  tw.;  B;  VOrte;  Sch; 
Z  oTö.,  ganze',  bzw.  geu-  AAtw. ;  „VOrte;"  Gr;  W 
(gäwzii),  gauxe"  AABb.;  ScnSchl.,  geiixe'  AAtw.;  Bs 
C-ei-J,  gauzge'  AAEhr.:  1.  kurze,  schrille  Schreie  aus- 
stossen,  aufschreien,  vor  Angst,  im  Zorn  oder  absicht- 
lich; mit  kreischender  Stimme  sprechen,  keifen,  wie 
Zankende.  Schmälende  .Aa;  Bs;  B;  VOrte;  Gr;  Soh;  S. 
Oas  .Gausser-Weiblein'.  ein  Geist,  hat  seinen  Namen 
von  der  wehklagenden  Stimme,  mit  welcher  es  Ver- 
änderungen des  Wetters  ankündigt  Aa  (Fiochh.).  Na- 
mentlich von  den  widerlich  gellenden,  spöttischen, 
herausfordernden  Lauten,  welche  Nachts  junge  Bursche 
bei  der  Begegnung  mit  andern  oder  vor  den  Häusern 
iler  Mädchen  mit  verstellter  (Fistel-)  Stimme  ausstossen 
LE.,  H.;  „Vw".  Als  Unberufener  in  das  Gespräch 
dritter  Personen  Zwischenbemerkungen  hineinwerfen 
Aa;  .LE.;"  S;  Z  oTö.;  Syn.  hauzen.  .Was  hast  immer 
z'  ganzen  auf  der  Strasse?'  fährt  der  Vogt  seine  Frau 
an.  HPest.  1783.  Widersprechen  AaL.;  Z  (auch 
iintiiie"-g.).  Schwatzen  Zg  (verächtlich).  —  2.  (von 
zornigen  Tieren)  schreien  W.  —  .3.  hell,  durchdringend 
bellen,  kläffen,  belfern  wie  kleine  Hunde  Aa;  B; 
\'Orte;  Gr;  Sch;  S;  Z.  „Gautschfljen ,  grob  und 
dumpf  bellen,  von  grossen  Hunden  B;  Uw."  ,[Der 
Hund]  beisst  oder  auf  das  Wenigste  gauzet  er.'  Spleiss 
1667.  .Glaucitare,  ganzen  wie  die  jungen  Hund.' 
Denzl.  1716. 

Von  einer  Form  'i/nuwezen  ausgehend,  hat  das  W.  als 
l.autmaleudes  im  Voc.  und  im  Schlusscons.  der  Stammsilbe 
nuxnigfaehe  Abweichungen  angenommen  und  sieh  mit  gautschcn 
(bzw.  gäu-)  1  gemengt.  Vgl.  gausen  Sp.  453.  St.  unter- 
scheidet gautti-hen  mit  seinem  gröbern  Laut  von  ganzen, 
i/äuzen,  doch  lässt  sich  die  Trennung  örtlich  nicht  durch- 
führen. Über  die  weitere  Verbreitung  des  W.  vgl.  Gr.  WB. 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


S.  auch  noch  günaen  (göissen,  geutilueii)  Sp.  375  f..  vgl.  Geipg 
(GUupa)   und  geipachen  und  das  mehrfach  syn.  kuutschen. 

Gäutscher,  Ganzer,  Gauxer,  Gäuzer,  Ganz- 
ger: 1.  Schreier,  Keifer,  Zänker  „B;  L;  Sch;  Uw.- 
,Lauro  ardente  clamosior,  ein  Gauzer,  Schreier,  Zahn- 
brecher.' Mey.,  Hort.  1692.  .Ganzer,  clamosus.'  Denzl. 
1716.  -  2.  (meist  dim.)  kleiner,  kläffender  Köter  Aa  ; 
„B;"  FJ.;  L;  ScH.  Schosshund  FJ.  üyn.  Bauzer.  — 
3.  (Gauzer)  trockener  Husten  AaZ.;  Syn.  Becki.  — 
gauzerle°:  kläffen,  von  kleinen  Hunden  AaZ. 

Gautschi,  Gäutschi,  Geitschi,  Gauzi  ni., 
Dim.  Gäutschli:  1.  Schreier  Aa;  „B;"  L;  „Sch."  Er 
ist  e  rechte  G.,  er  hed  immer  's  Mül  off.  Gedanken- 
loser  Schwätzer  Bs.  —  2.  =  Gäutscher  2  L.  —  Den 

Geschlechtsn.    Gautschi  s.   u.    Gawertschi. 

Gäatsch  H,  bzw.  Geutsch  f.:  brünstige  Hündin 
Sch;  Th;  Syn.  Läutsch,  Fäutsch,  Gusch.  —  2.  Gassen- 
dirne Sch. 

Getsch.  getschen  s.  Gätsch  II  usw. 

gitsch!:  Drohw.,  Scheuchruf  gegenüber  Ziegen 
GrL.,   ObS.   -   Vgl.  gltz:  und   ,kitz-   bei   Gi-.  WB. 

Hü s- Gitsch  m.:  (in  coli.  S.)  Hausarbeit,  Geschäfte 
in  Zimmer  und  Küche  W. 

gitsche°:  1.  hin  und  her  wiegen  Bs.  —  2.  sich 
mit  Hausarbeiten  abmühen  W. 

Viell.  nur  auf  proviucieller  Ausspr.  bcnihundc  Nbf.  zu 
gütnch(en);  s.   auch  gütschleii. 

Gotsch  I  s.  Gott. 

Gotsch  H:  Koseform  für  Gottfried.  XV.,  Zc;  (It 
Stadiin).  —  Hieher  auch  der  schou  im  XVI.  liozeugte  Z  Ka- 
milienn.   .Götschi'. 

Göt.scli  (tw.  /,)  m.  (n.  Chur),  Gosche"  f.  GRLandq.: 
kurze  Ausgussiiffnung  am  Milchkruge  GnSern.  Synn. 
s.  bei  Gamjgen.  Sp.  170;  Gäuggel  Sp.  173;  Golgge 
Sp.  233;  Schnabel.  —  2.  Kinn  GrD.,  L.,  Pr.;  unterer 
Teil  des  Gesichts,  Mund  und  Kinn  GRLandq.  Für 
Mund  (Gesicht)  in  der  R.\.  du  machst  •;  rechtn  G.,  ver- 
ziehst den  Mund  (vor  Unmut),  und  für  Kopf  GrD. 
It  B.;  Syn.  Latsch. 

Inteusivbildung  aus  ,giessen'  wie  Uutach;  oder  Auswei- 
chung von  einer  aus  den  oberwähnten  Synn.  zu  erschliessen- 
deu  Grundform  Goggach.  Göachen  begreift  sich  als  Erweichung 
durch  Anlehnung  an  Goschen,  Mund.  —  Das  sächl.  Geschlecht 
erklärt  sich  durch  Einflnss  von  Mal.   —  Vgl.  noch  Gäiavtun. 

„gotsch e":  Gesichter  schneiden  Gr."  Si  Kein  mer 
g'götschet. 

götsclie":  1.  yi esentMch  =  gautschen  1 4  Sch;  Th; 
Z;  Syn.  köslen,  kötschen.  ,Nimm  regenwasser,  essich 
usw.,  als  denn  gotsch  und  mischle  es  under  einander.' 
TiERB.  1563.  —  2.  in  Schlamm  und  Wasser  oder  in 
nassen  Schuhen  herumlaufen,  wobei  ein  klatschender 
Ton  entsteht  W  (-e-J. 

ver-:  =  rer-gäutschen. 

Götschete  f.:  =  Gäutschetc  1  n.  2  aaO. 

Branz-Gotschi  n.:  Branntweinsäuferin  UUrs.; 
vgl.  Syn.  Lotschi. 

götschle"('-Ö-J:  1.  plätschern,  schwach  anschlagen, 
wie  aufgerührte  Flüssigkeit  in  einem  Geschirr,  kleine 
Wellen  am  Ufer.  „Die  Wogen  göschein  oder  götschlen 
VOrte."  ,Stringor,  das  bloss  und  ring  anschlahen  und 
götschlen  des  wassers.  Murmur,  das  lieblich  und  an- 
genäm    wassergötschlen.     Götschlen    wie   ein    bächle, 


563 


Gatsch,  getscli,  gitscli,  gotsch,  glitsch 


564 


susurrare.'  Fris.;  Mal.  ,Götscheleu,  gosselen,  destil- 
lare,  fundere.'  Eed.  16ö2.  —  2.  (act.)  mit  Wasser 
spielen,  darin  plätschern,  es  schütteln  VOrte;  Z.  „Du 
inusst  das  Wasser  nicht  g."  —  3.  „langsam,  sachte 
gehen  oder  arbeiten  BO."  ,An  seinen  Schulden  g.', 
dieselben  in  kleinen  Posten  ganz  allmählig  abzahlen 
BHk.  —  4.  =  ,göschlen  (Sp.  479)  übw'. 

3,  wenn  auch  aus  der  Bed.  ,spielen'  leicht  abzuleiten, 
dürfte,  da  die  Quantität  des  Voc.  nicht  mehr  festzustellen 
ist,  ein  anderes  W.   sein;  s.  (jAucUen. 

ver-götschle°  (in  Ap  -gäzle')  ==  rergäiitschen. 

üötschler  ra.:  hölzerner  Napf,  den  man  in  die 
Tanse  legt,  damit  die  Flüssigkeit  beim  Tragen  nicht 
hinausschlage  oder  -spritze  Zg. 

„Wiss-Gütsch:  sehr  dickes  Sohlleder  von  weiss- 
licher  Farbe  BO." 

Gntsch  I  m.:  kleiner  Gehilfe  des  Kühers  GRMai. 
—   Nbf.  von   Gngiich  Sp.   164. 

Gutsch  n,  Gutschli,  gutschen.  gütschen 
s.  Gutz  nsw. 

Gntsch  in  Gl;  Gntw.;  ScHwtw.;  \J (nehe\iGiitsch-i, 
-e"J;  Zg,  Gutsch  1  Aa;  Ar;  B  (dim.  GütscheU);  Gitw.; 
GRtw.;  L;  G;  Scuw;  Uw;  ZWäd.  —  m.:  1.  kleiner, 
rundlicher  Hügel,  meist  als  Lokaln.  fixiert  Aa  (,Nack-G.' 
Leerau);  Ap;  B;  Gr;  L  (Hügel  bei  LStdt,  Fasnacht-G. 
bei  Willis.;  vgl.  Fasnacht- Flue>-);  G;  Schw;  Uw;  U; 
Zg;  ZWäd.  Syn.  Gupf  I.  Ufcle'  G.  (oder  ga"  Buttis- 
holz)  geschickt  werden,  im  Spiele  keinen  Stich  ma- 
chen L,  wo  der  G.  schon  1293  (,diu  schuoposse  ab 
dem  gütze'),  dann  im  L  Propsteirod.  (XIY.)  als  ,gütsch' 
erwähnt  wird.  Das  [die  Mühe]  ist  higop})  ke  Narretl, 
weit  lieber  uf  e  G.  L  (Ineichen  1859).  .Gleich  vor  die- 
sem Berglin  über,  uf  einem  anderen  solchen  Gutsch 
oder  Büchel.'  ECvs.  Auch:  Gipfel,  Fels-,  Hügelkopf, 
Bergvorsprung.  aaO.  ,Furggen-G.',  höchste  Spitze  des 
Hohgant  B;  ,Schiben-G.',  Gipfel  des  Schratten  LE.; 
,Tabak-G.-  am  Eigi;  .Einmattgütz.'  1590,  Uw  (Gfrd). 
,6ütsch,  ein  Eine,  so  hanget'  JKGrimm  1786.  — 
2.  scherzw.  für  ,Kopf',  bezw.  , Hinterer',  in  der  BA. : 
[Einen]  uf  e  G.  chlopfe".  Häfl.  1813;  vgl.  Eim  uf  de' 
Näggel,  's  Dach  ge'. 

Yiell.  eine  z-,  bezw.  «c/i-Abl,  vuu  <ju<jyeii,  ausschauen: 
doch  vgl.   auch    Gutz,   Sprung,   u.   s.   die  Anm.  zu    Gujif  I. 

Gütsche  f.,  in  BR.  -i.  in  AAWohl.  auch  Gügsche, 
Gütschi  n.  B;  GnPr.,  Seh.  (-ou-J;  W.  Gtirtsche  GO.: 
1.  Ruhbett  in  der  Stube,  in  einer  Wandnische  (Al- 
koven) angebracht  Gl;  TnTäg.,  od.  an  der  Wand  be- 
festigt GrD.;  Sch;  TnTäg.;  Ndw;  Z(t),  im  Allg.  ohne 
Leinzeug  und  Federdeckc;  Polsterbank,  bes.  vor  oder 
um  den  Ofen,  Polstersitz  Ap;  B;  GrD.,L.,  Pr.;  L(t); 
GO.,  Rh.,  T.;  ScHW;  Z ;  Syn.  Fidenzer,  Britsche,  Lotter- 
Bett.  Ungewöhnlich  grosses,  altes  Canapec  GT.  Anna 
Babali  Gumpishira,  mach  di'''  hender-em  Ofn  filrn, 
hender-em  Ofa  ist  kan  Blatz,  i'  der  G.  ist  din  Schatz 
Ap.  ,Wenn  der  Jakob  sein  Mittagsschläfchen  tut, 
hinterm  Vorhang  auf  der  G.  schnarcht'  Stutz.  ,Wer 
gern  tut  auf  der  Kutschen  hocken,  ist  hintern  Ohren 
noch  nicht  trocken.'  B  Hink.  Bott  1855;  vgl.:  , daheim 
uf  der  Kutschen  hocken.'  Helv.  Bibl.  ,üas  gebet 
sprich  an  dem  Sonnentag,  ja,  ir  müessend  aber  nit 
schlafen  uf  der  guschen.'  Längast  15üÜ.  .Ein  ge- 
wölbtes gutschenbettli,'  1525,  Egli,  Act.    ,Do  gesach 


er  Artum  ligen  uf  der  kleinen  g-n.'  Ziely  1521.  .Ein 
gütschin'  mit  Zubehörde.  1521/4,  Z  (Inv.  eines  Mönchs). 
,Die  kinder  Israels,  die  in  Samaria  wonend,  in  den 
betten  und  g-n  Damasci.'  1531,  Amos;  dafür  1548: 
.spanbetten.-  ,Ein  wuUini  g'würkt  guttsten-decki'  er- 
wähnt der  Chronist  UMey.  unter  dem  zugebrachten 
Hausrat  seiner  Frau;  wie  denn  auch  ein  ,ufgerüste 
Kutschen'  von  der  Frau  als  Eherecht  angesprochen 
werden  darf  (1558,  Z  Katserk.).  .Die  blow  g-n  in  der 
underen  stuben.'  1565,  ZZoll.  Taufb.  ,Cubile,  ein  bett, 
g.  (Fris.,  dafür  bei  Mal.:  ,gulterbett').  Decumbere. 
auf  der  g-n  ze  tisch  sitzen  (ze  essen)  nach  altem 
brauch.  Discubitorius  lectus,  tischg-n,  darauf  die 
sassend,  wenn  sy  essen  woltend.  [Ähnlich  Denzl.  1677 ; 
1716.]  Admordere  aliquem,  an  eim  g'nagen,  einem  für 
und  für  auf  der  g-n  ligen,  einem  überlegen  sein.  Gra- 
batus,  ein  gutschenbett,  ein  faulbett  oder  lotterbett. 
Lectulus,  ein  bettle  oder  geutschle.  Octophorum,  ein 
baar  oder  sanfte,  g.,  von  achten  getragen.'  Fris.;  Mal. 
,Er  hett  ketzerigen  triben  ze  nacht  uf  der  g.  mit  eim 
frömbden  wandelgsellen.'  UMey.  1540/7.3.  ,Ein  g.  mit 
2  küssinen.'  1571,  Z  Inv.;  ,ein  g-nbett'  ebd.  ,Ein 
gutschendecki,  ein  g.  sammt  dem  loubsack.'  1588,  G 
inv.  ,Wir  leitend  [die  Sterbende]  uf  die  g-n.'  1592, 
Mise.  Tig.  ,Als  er  krank  uf  syner  g-n  in  der  stuben 
gelegen.'  JosMal.  1593.  ,G-n,  Lotterbett  zum  Tag- 
schlaf.' ECys.  1600.  ,Wie  er  hinder  den  Tisch  auf  die 
G.  gesessen.'  FPlatt.  1612''.  ,Da  ligt  sy  uf  der  G.;  kam 
erst  aus  dem  Bad.'  ebd.  ,Ja,  führ  mich  zu  der  G-n  fein, 
eb  ich  ein  wenig  ruhen  könnt'  GGotth.  1619.  Eine 
gewisse  Weinsorte  wird  scherzw.  ,Gautschenlegger' 
genannt  [der  Einen  auf's  Ruhbett  wirft].  Schimpfr. 
1651.  ,Die  Kutsche,  G.,  Lotterbett'  Red.  1662.  ,Ihr 
ligen  auf  helfenbeinernen  Bettlenen  und  rüsten  zier- 
lich anfeuere  G.'  JJMüll.  1665  (nach  Amos  6).  ,Pul- 
vinar,  eine  Götzeng-n,  so  man  vor  Zeiten  in  den 
Götzentempeln  aufgerichtet  den  Götteren  zu  Ehren. 
Pulvinaria  deorum,  G-n  oder  Tempel  der  Götteren. 
Anaclinterium,  G.  darauf  man  des  Tags  ligt.  Accu- 
bitum,  G.,  Bettstatt  Grabatus,  G..  Faulbett'  Denzl. 
1677;  1716.  ,Dir  ist  wohl:  so  ruhig  auf  deiner  Kutsche 
ein  Pfeifgen  [zu]  schmauchen.'  UBragg.  1777.  Spec. 
ein  Ausziehbett,  bes.  auf  Alpen  und  Berggütern,  das 
den  Tag  über  unter  ein  grösseres  (das  Haupthett  BSi.) 
geschoben  wird  und  oft  bes.  für  Mutter  und  Kinder 
bestimmt  ist  B;  PP.;  Syn.  Understösser.  Vgl.:  ,Ein 
G.  lassen  rüsten,  dass  man  sie  kann  usziehen;  und 
die  Bschlächti  darzue,  damit  man  das  Nebetbrett  könn 
aben  lassen.'  1611,  L  Eechn.  Einschläfige  Bettstatt 
Aa  (H.);  auch  Bett,  Bettstatt  übh.  Ap  (schon  1748, 
ApUrk.);  BR.  ,Kutschli,  Kutschi',  Bett,  sogar  Hoeh- 
zeitsbett.  B  Hist.  Kai.  1791.  Bedecktes,  fahrbares  Bett 
zum  Krankentransport  AAWohl.  Schaukelbett  L  (In- 
eicheu).  Hölzerner,  offener,  mit  gutem  Bergheu  ge- 
füllter Bettkasten  in  der  Sennhütte,  als  Schlafstatt  für 
2 — 3  Personen  Ap  (Steinm.);  U.  Als  Dim.  Gutschli, 
Gutschli,  Gutschetli  (G  aL.) ,  Kinderbettchen  (nicht 
Wiege)  Aa;  Bs;  B;  VOrte ;  F;  G;  Z.  Die  hed-mi"'' 
g'schweigget,  hed-mi'''  'träid  und  g'schmützlet  [geküsst] 
und  z'  Obig  warm  i'  's  Gutschli  g'leid  L  (Schwzd.). 
,Ein  Kinds  (Kinder)-Gutschli,'  1883,  Schw.  ,1  Kinds- 
gütschli  in  der  kammer  ob  der  stuben.'  1530.  ZInv. ; 
vgl.  ,1  gross  kisten  an  [ohne]  beinen,  da  man  kind 
yn  leit'  1380,  Z  RRB.  (Staatsarch.)  —  2.  Wiege  Gl. 
—  3.  Kinderwägelchen  L.  —  4.  [Gutsche  f.)  Kutsche. 


iatsch— gntsch.    Uatsclig— gufsclig.    (Jaw— guw 


allg.  S\n.  Her-,  Giitsch- Wagen,  ülmmm,  mer  wei  go 
H-andere',  vo'  einer  Stadt  zur  andere'.  Bi-ra-rutsch, 
mir  fahre-  mit  der  Gntsch  S  (Spielvers).  Uf  Schue''- 
machers  G.  rite',  zu  Fuss  gehen  L  (Ineichen).  In  Ge- 
danke' fahre'd  d'  Bettellüt  G.  [d.  h.  es  bleibt  ihnen 
v(in  aller  Herrlichkeit  nur  die  EinbiMung]  6Rh.  Wie 
der  Herr,  so  die  Kutsch  Z  (Sprw.).  ,Alipes  currus, 
der  .schnell  daher  fart  als  flug  er,  als  da  sind  yetzund 
die  gottsehen.  Bijugum  certameii,  wenn  zwen  diechsel- 
wiigen  oder  gottschen  nebend  einanderen  laufend,  die 
abenteur  ze  gwünnen.'  Fris.  1573  kauft  N.  N.  ,3  pferd 
und  ein  goutschen.'  Bs  (Geering).  ,Ein  Ordensritter 
mit  etlichen  edellüten  zu  uns  mit  zwo  gottschen  ab- 
gevertiget.'  1587,  Zellw.  Urk.  ,Ein  g.  voll  nunnen.' 
15tH),  Bs  Jahrb.  ,Das  Fahren  in  Gütschienen  oder 
Chaisen  bei  50  Pfd  Busse  verboten.'  1730,  Z  Mand. 
.Mit  etlichen  Gautschen.'  Bs  Chron.  1779. 

Mhd.  r/utsehe,  erhöhte  Ofenbank;  vgl.  it.  cuccia.  Faul-, 
Lotterbett;  rätorom.  cuotscha,  cotecha,  Ruhbank;  frz.  couche; 
röche.  S.  auch  Guachi  (Sp.  481),  mit  dem  sich  unser  W. 
tw.  berührt.  Die  Stelle  bei  LLav.  1582,  231  b:  ,Elihu  redt 
von  wnlchen,  als  ob  Gott  darinnen  als  auf  einem  wagen  oder 
g.  dahar  fare',  scheint  die  Bed.  4  zu  meinen.  4  urspr.  wohl 
ein  anderes  W.,  s.  die  Wörterbücher,  unsere  MAA.  trennen 
es  .jedoch  nicht  von  dem  andern. 

Here"-:  Staatswagen,  bes.  ira  alten  Regime  (bis 
1798)  beim  Aufritte  der  Landvögte,  bei  Abholung  der 
Standespersonen  in  die  Ratssitzungen  usw.  verwendet; 
in  Bs  trotz  der  daran  befindlichen  4  .Baselstäbe'  [Bs 
Wappen]  1798  um  en  Äpfelbutze  vergantet.  S.  u.  March- 
Stall.  —  Lehn-:  Mietkutsche.  Gem.  Uw.  —  Land-: 
Postwagen  f.  S  beschwert  sich,  dass  die  seit  Kurzem 
eingeführten  L.  Handelsgüter  spedieren  und  dadurch 
am  Zoll  Schaden  bringen.  171ö[38,  Absch.  ,Alte  L.'. 
Hausname.  1859,  Z.  —  Bademer-:  bis  1847  täglich 
fahrende  Kutsche,  welche  je  die  Badegäste  nach  AaB. 
aufnahm  Zf;  auch  Betour-G.,  weil  sie  am  gleichen 
Tage  wieder  zurückkam.  —  Geschwind-:  Schnell- 
post.    ,Die  Strassburger  G.'  1754,  Z  Nachr. 

gütsche"  ('-u'-J:  lässig,  faul  auf  dem  Rücken  lie- 
gen ;  z'sämme'-g.,  müssig  zssitzen  Ndw.    Zu  Gütschen  1. 

gut  schiere":  kutschieren;  bildlich  auch  i.  S.  v. 
.fahren-  '2  c.  So  gli'''  als  müglig  ellei'  z'  g.,  wünscht 
der  aufstrebende  Angestellte  Bs.  Er  g-t  ganz  guet 
eso,  fährt  gut  dabei,  es  geht  ihm  wohl. 

gütschne":  den  Beruf  eines  Kutschers  betreiben, 
Kutschen  ausleihen  Bs  (Spreng);  BBe.  S.  noch  gütschlen. 

Gütschner  m. :  1.  Kutscher.  ,Die  Gutschncr, 
Fuhrleut  und  Reuter,  es  seien  Privat-  oder  Lehen- 
Gutschen,  sollen  in  denen  Strassen  der  Statt,  sonder- 
lich auf  denen  Plätzen,  Kehren  und  Creuz-Gassen, 
niemahlen  rennen,  sondern  nur  im  Schritt  oder  höch- 
stens den  kleinen  Trab,  Nachts  aber  niemahlen  an- 
ders als  im  Schritt  fahren.'  B  Polizeiregl.  1748,  5.  — 
'2.  Glas  Bier  (ohne  den  üblichen  Schaum)  Bs  (studcnt. 
Spr.).  —  Le(n)-:  Lohnkutscher  Z. 

Gutschi  s.  Kuetschi. 

Zwi-Gntschler:  Bimsorte  Gi.  (Schindler).  -  Vidi. 
,dic  am   Zweige  Schaukelnde'. 

Gntschli:    orchis   morio    AaVüI.  —  Wainsch.   Knt- 

stellung  aus  Chu(e)lschl.i,   s.   d. 

GütscllII:  weisse  Traubenart.  HnAi;oR.  lO.'iO;  Syn. 
Hüntschen. 


.Giitsclie":  Gründling,  cyprinus  gobio.'  Hartm.  1827; 
=  gobio  fluviatilis.  Siebold.  —  Aus  dem  frz.  goujon,  dass. 

Gütschi  I  Gl,  Güzi  f-ü-J  BHa.  n.:  Gehäuse  des 
Kernobstes.  —  Vgl.  die  Synn.  dUfgi  und  Biitachgi;  s.  aber 
auch    (!.  II.     Vgl.  frz.  hmiton. 

„Gütschi  II  n.:  kleine  Pustel  Gl." 

Viell.  statt  Gxiggschi  zu  Gügiji  Sp.  197;  oder  zu  Giiinch; 
vgl.   Syn,    IlAinid,   doch  s.  auch    Güden  Sp.    124. 

gutschle" :  Kutschen  fahren ,  mit  verächtlicher 
Nebenbed.  allg.  Wenn  si  uf-em  letzte  Löchli  pßfe'd, 
fanget -s'  a"  g.  und  rvirte'.  Ordeli'^'  wol  het's-nier 
'tä',  uf  der  alte,  verachtete  Landstrass  z'  g.  (Schwzd.) 

gtttscllle":  spielend,  nur  zum  Zeitvertreib  arbeiten. 
Eppis  itmha  g.  BR. 

Wahrsch.  aus  dem  vorigen  W.,  mit  Verkürzung  des  Voc, 
wie  sie  schon  im  Stanimw.  Gütmhe  local  vorkommt;  doch 
vgl.   auch   ifittrhrn   und  r/Stuchleu   4. 


giitschge"  I  =  guschen,  gu.ren 
gutschge"  II  s.  gutzen. 


Gaw,  gew,  giw,  gow,  guw. 

Gawertsehi  m. :  Geldwechsler,  Bankier,  Wucherer; 
heute  nur  noch  erhalten  in  dem  AABein.  Familienn. 
Gautschi  (noch  1680:  .Joggli  Gauwertschi'),  im  Mittel- 
alter, da  die  kanonischen  Gesetze  den  Einheimischen 
Geldgeschäfte  verboten ,  an  grössern  und  kleinern 
Orten  neben  Juden  und  .Lombarden'  privilegiert;  s. 
Jahrb.  f.  Schweizergesch.  Bd  1  u.  2.  ,Man  soll  ouch 
besorgen,  dass  die  Cauwerschin  rychen  und  armen 
tuen  süllent  als  in  andern  stetten  mit  dem  gesueche 
und  ouch  dass  si  geltes  genueg  habent  ze  lichenne.- 
1383,  L  RatsbeschL  ,N.  N.  gab  koufmannschaft  uf 
brief  und  Sicherheit  ze  zilen  und  so  die  zil  verlüffend, 
so  nam  er  das  guet  am  Cavertschyn.'  1388,  L.  ,Ga- 
werscher.  wuecherer,  danista,  fcenerator.'  Mal.  ,[Es] 
bekümbert  den  unbarmherzigen  gowerscher  wenig,  wie 
es  [den  von  Haus  und  Hof  getriebenen  Schuldnern] 
gehe.'  SHocHH.  1591;=  1C93:  .Gauerscher'.  .Ein  Hus 
von  den  Bankieren  oder  Wechsleren,  so  das  Hus  von 
der  Statt  [L]  zu  Lechen  hattend  und  Gawertschieren 
heissend.'  RCys.  [schon  im  XIV.:  .der  Ca(u)wer(t)schin 
Hus']. 

Eig.  Geldwechsler  aus  Cahors  (Cadurcum)  in  Südfrank- 
reich  [nach  Andern  von  Caorsa  in  Piemont];  die  vielen  Nbff. 
des  W.  s.  bes.  Jahrb.  f.  Schweizergesch.  1,  188;  vgl.  auch 
Ducange-Henschel  u.  caorcini,  cahoiirsini  u.  cawarsini,  sowie 
.Kawetscher'  bei  Gr.  WB!  Der  Z  Brunnenturm  hiess  1357 
der  ,Gauwerschen  Hus',   1369/1425  der  ,Gawerschen  Tum-. 

gauwstre":  kläffen  ßSa.;  Syji.  gäustren,  ganzen, 
andere  s.  bei  galsteren  Sp.  234. 

Giwi  n..  in  der  RA.  uf-eni  G.  [auf  der  Lauer.  Hut. 
Wacht]  si'  Bs;   Z.  —  Frz.  .,vi  vir.-  (spr.  h-i.ci).  wer  da':' 

Giwitz  s.  Gifitz  Sp.  13(i. 

guwe":  rauh  bellen  W;  Syn.  tvauen,  wu(iv)en. 

GÜVV  m.:  Gipfel  Gr.  —  Wohl  ■/.»  giiwm,  wie  das  Syu. 
Kiijij   zu   kapfen. 


567 


Gaw — gnw.    (iax— ffux 


(jüwel  (I;)  in.:  frecher  Schmarotzer  BSi.  —  Zum 
folg.   VI).:   vgl.    Gmid  Sp.   :3S. 

giiwe"  BSi.  (als  Dini.  güwle").  gile'  GlH.,  sonst 
gälte"  AaF.;  LE.;  S  tw.  (It  andern  Aufzeichnungen  öi); 
hezw.  göüe'  ÄAZein.,  Leerau  (H.),  geiije'  Bs :  mit  Sehn- 
sucht, Ungeduld  warten  Aa;  S;  Id.  B;  Syn.  hlangen. 
F''  ha"  scho"  lang  müesse'  g.  und  passe",  üliömmed 
denn  und  löt  [lasst]  mi'''  nit  lang  g.  S  (Schild).  Du 
chasch  lang  g.,  de""  chunnt  nit  B.  Auch  mit  iif  und 
Angahe  eines  S.-  od.  P.-Obj.  B.  !"•  cha"'  's  bibott  nit 
chäue'  [verdauen],  dnss  mir  seu  [wir  sollen]  d'  Nare" 
sl",  de'  Meitschene"  so  z'  gäiie",  bis  si  wei  Wiber  si". 
GJKüHN  1806.  —  2.  nach  Unerlaubtem  lüstern  blicken, 
mit  Blicken  betteln  Aa;  Bs;  BSi.,  U.;  GlH.;  SBib.; 
Syn.  gnenen.  ,Gegeuet,  verlangt,  begehrt.'  Zschokke 
1797.  In  Aa  auch  dim.  geide'.  —  3.  bettelnd  herum- 
streichen, -lungern  Bs.  —  4.  gähnen  [?].  ,Da  göwet 
(göuwet)  oder  niesset  der  knab  7  mal.'  1531  (IMS), 
II.  KöN.  4,  35  (von  1596  ab  bloss  ,niessete'). 

Mhd.  gcwen,  ijimen,  mit  dou  daraus  entwiekelteii  Nbff. 
ijluwcH,  (jöttwen:  das  Maul  aufreissen,  gähnen,  gierig,  lüstern 
nach  Etwas  blicken.  Der  Diphthong  ist  in  unsern  MAA. 
schwankend,  t.  n«,  bzw.  öi«  aus  aw  i+J),  t.  St  ans  tu ;  vgl. 
fliüie",  kanen,  mhd.  kiuwen.  Bed.  3,  wenn  übli.  hieher  ge- 
hörig, hat  sich  an  Oau  angelehnt.  S.  noch  die  Anm.  zu 
den  Synn.  giiaen  Sp.   3'2S   und  gmncn  Sp.    335. 

„güwje":  schreien  W;"  Syn.  günsen  Sp.  375.  — 
üs-  -giwjon:  vor  Schmerz  schreien,  heulen  wie  ein 
Hund    W;    auch    verächtlich   von    Menschen    W  Sag. 


trax,  gex,  gix,  gox,  gux. 

gix-gäx:  Ausruf  der  Verachtung,  um  Etwas  als 
nichtig  zu  bezeichnen;  ei,  g.'.  Ndw.  —  Vgl.  <jig<jii'  gaggw 
Sp.   166/7. 

Schnarr-Gäx  f.,  PI.  -e":  naseweises,  vorlautes, 
einfältiges  Mädchen  SchwNuo.  Syn.  Schnäder-Gätschi, 
-Gäx,  -Gätzi.  —  Vgl.  mhd.  man-en,  schmettern,  schmatzen. 

gäxe":  1.  widerlich,  heiser  schreien  wie  Krähen. 
Papageien  LG.;  aus  vollem  Halse  krähen  Ndw;  auch: 
schlecht  singen  (von  Menschen)  „L";  knarren  von 
Wagenrädern  B;  „L."  ,Der  Wagen,  neu  gesalbet,  lief 
wieder  ohne  zu  gixen  und  g.'  Gotth.  Dazu  das  abstr. 
Ntr.  G(i)gä.v,  Gegacker,  Gekreische  Bs;  Z.  —  2.  auf 
einem  Stuhle  balancieren  L.  —  Vgl.  die  Anm.  zu  3»- 
•jägen  Sp.    137    und  gäggen  Sp.    164. 

„Gax  I  m.  =  Gauch  3  SL.;"  auch  ,Chriesi-G." 

Gäx  II  m. :  1.  glucksender,  abgestossener,  schriller 
Ton  eines  Stotterers,  einer  gackernden  Henne  Aa;  Bs; 
wie  das  ebf.  lautmalende,  oft  mit  ihm  verbundene  Gix : 
ein  unarticulierter  Laut,  aus  dem  sicli  Nichts  machen 
lässt.  JEr  seit  bald  Gix,  bald  Gax,  bald  Das,  bald 
Dieses  GF.,  G.  Gix  u-ie  G.,  gleichgültig  wie.  so  oder 
so  Ap.  Die  tirggisch  Mitsigg  heisst  nur  Gax  [im  Ver- 
gleich mit  der  unsrigen].  Ineichen  1859.  ,Mit  seinem 
G'stürm  [übereilten  Tun],  von  dem  man  nicht  wisse, 
was  Gix  oder  G.  sei.'  Gottb.  Weder  Gix  {Gux  BsL. ; 
BR.)  no"'  G.,  verstärkte  Verneinung  Aa;  Bs;  B;  Gl; 
L;  S;  W;  Z.  Syn.  iveder  Giggis  noiili  Gaggis.  Vo" 
alle'  dene'  G' schichte"  weder  Gux  -noch  G.  chönne' 
rerstö".  Breitenst.  Vgl.  ,weder  gigg  noch  gaggen  kön- 
nen' .s.  V.  frisch.    Weder  Gix  no"-  G.  mache",  keinen 


Laut  von  sich  geben  Aa.  ,Er  starb  also,  dass  er  weder 
gucks  noch  gacks  sprach.'  1522/32,  BsCart.  ,Er  wolle 
euch  einen  Schrecken  einjagen,  dass  ihr  weder  gix 
noch  g.  mehr  sagen  dörfen.'  Chlostergüggu  1687.  — 
2.  Stotterer  Aa  (auch  Gaxi);  lästiges  Plaudennaul  Ap. 
-   Vgl.   Gr.   WB.  bei   .Kicks'   und   ,Kickskacks-. 

Gi-:  wer  gluckst  wie  ein  Huhn  Aa;  dahin  viell. 
auch  der  Pamilienn.  ,Gigax'  B;  S. 

Girli-,  in  dem  Scherzreim:  Girligix  und  GirUgax 
und  en  Fink  ist  kein  Spatz  und  en  Spatz  ist  kein 
Fink  usw. 

Gix-:  Gans,  in  dem  Sprw.:  ,Gixgax  über's  Meer, 
G.  wieder  her.'  Schweiz  1858. 

gaxe":  abgebrochene  Töne  stossweise  von  sich 
geben.  1.  von  Hühnern:  gackern  Aa;  Bs;  B;  Gr;  L; 
W ;  Z.  Wer  Eier  will,  muess  d'  HUener  lo"  g.  Ineichen. 
,lr  könnend  weder  gagsen  noch  eier  legen.'  NMan. 
.Singultus,  de  gallinis,  das  g.  G.  oder  gluggeren  wie 
ein  huen,  glocidare,  glocire.'  Fris.;  Mal.  ,Gagzen  wie 
eine  Henne.'  Denzl.  1677;  1716.  —  2.  von  Menschen: 
stammeln,  mit  Mühe  und  Not  Etwas  herausbringen, 
aus  Unwissenheit  oder  aus  Angst  und  Verlegenheit 
Aa;  Ap;  Bs;  Z,  während  gaggen  mehr  einen  Natur- 
fehler voraussetzt.  Wenn  i"''  's  cha""  g.,  fügt  man 
entschuldigend  dem  mühsam  gefundenen  Ausdrucke 
bei  Z.  ,Dass  ein  yetlicher  die  tütschen  büechly  buech- 
stabe  und  darinn  unwüssend  gagse.'  HBüll.  1531.  ,Un- 
ruew  machen  mit  irem  buochstaben  und  gagsen.'  ebd. 
.Heisst  ihn  der  Lehrer  meist  laut  aufsagen,  so  wieder- 
holet er  Alles  und  gaxet  zu  einem  jeden  Wort.'  DTho- 
MANN  1708.  Auch:  viel  und  sinnlos  schwatzen  Aa; 
ScH.  Du  bruchsch-es  iveder  z'  gixe'  na  z'  g.,  noch  aus- 
zuplaudern Z.  ,Was  die  voran  [die  Frühern]  gegaxet 
von  Kometen,  das  seien  eitel  leere  NuUetäten.'  Adr. 
Grob  1832.  Viel  lachen  GRPani.  Abi.  Gaxer,  Gaxi, 
schlechter  Redner,  Stotterer;  dahin  wohl  auch  der 
Geschlechtsn.  Gaxer  Th.  —  Mhd.  gagzen,  gackern,  Itera- 
tivum  zu  gäggen  Sp.    167;  s.   noch  gatzgen. 

abe°-,  üf-:  auswendig  herstarameln,  herunter- 
leiern. Er  hett  si  Kompliment  abe'ga.it  Bs  (Spreng). 
—  use"-:  eine  Rede  schülerhaft  herausstottern  Bs 
(Spreng).  —  gi-,  gü-:  1.  gackern  L  (auch  ä).  — 
•2.  heiser,  rauh  reden,  wie  Einer,  der  z.  B.  in  der  Mu- 
tation der  Stimme  begriffen  ist  Zg.  —  3.  (gmgSxe")  vom 
Tone  der  Messklapper  L.  —  4.  kirren,  wie  neue 
Schuhe  BBe. 

Schnäder-Gäx  f.  =  Schnäder-Gätschi  AASt; 
ScHw  CSchnädri-J. 

gäxe°  C-ä-J:  vorlaut  schwatzen  L;  vgl.  Gätschi  I. 
gäxe":  kreischende  Töne  hervorbringen,  z.B.  wie 
der  Nusshäher;  mit  falscher  oder  erzwungener  Stimme 
singen  oder  predigen  Bs  (Spreng);  heiser  schreien  Bs; 
Ndw:  „kreischen,  wie  alte  Weiber  BE."  Das  Gegdx, 
Geschrei  Bs.  ,Das  G.',  von  einem  langweiligen  Toa.st 
Bs.    —    Itensivbildung  zu  gäggen  I  Sp.    168. 

gäxle":  spielend,  ungeschickt  Axt  oder  Messer 
handhaben,  mit  Mühe  Etw.  abhauen  AaZ.;  ScHNnk.; 
ZRafz.  !"•  ha  lang  müesse"  g.,  bis  i""  de'  Baum  um 
g'ha"  ha"  AaZ.  —  ver-:  mühsam  klein  schneiden  oder 
schlagen.  Er  hat  's  Holz  ganz  vergäxlet  AaZ.  —  Vgl. 
Syn.  gtiggelm  JI  Sp.    169. 

gauxen.  geixen  s.  die  Gruppe  gautsch-  usw. 


IX.  sex.  g\\.  jjox.  ffii 


Gex  m.:  Gei-k  L;  Zii.  -  V-l.  di^-  Syim.  r;ar«W-,  luts.l,. 
<;,',,„  (Sp.    168). 

gix!  lt.  f/i.c,  t.  r/i'.f,  oft  individuell  schwankend,  je 
nach  der  bealjsichtigten  Lautmalerei,  gl:r  bes.  in  der 
Verbinduncf  mit  (/i'ir):  Schallw.  für  einen  schrillen, 
scharfen  Ton,  so  in  dem  Scherzreim  bei  Schild  III  2.3: 
Giri,  giri  g\x,  (V  Mueter  chochet  Schnitz.  Vgl.  Giri 
Ginggel  Sp.  365.  Ein  Beimspiel.  das  mit  Taufnamen, 
welche  den  Voc.  i  enthalten,  getrieben  wird,  lautet: 
Giri  giri  g.,  wXdi  wir  und  käst  ix,  widewanische  Fritz 
[udgl.].  ,Gix  sagen,  mutirc.'  Demzl.  1677;  1716.  ,Er 
darf  nicht  g.  sagen,  canis  mutus.'  Mey.,  Hort.  1692. 
,Sy  händ  Einen  frei  gar  mustod  g'schlagen,  dass  er 
nümmen  gygs  g'macht  häd.'  Gespr.  1712;  dafür  in 
einer  andern  Ausgabe:  ,Dass  er  kein  Ader  mehr  ge- 
rührt hat.'  Meist  als  Interj.,  oft  übersetzbar  durch: 
.sieh!'  ,da!'  bei  verschiedenen  Anlässen  gebraucht. 
1.  um  Jmds  Neugierde  zu  reizen  und  ihn  so  zu  necken 
und  zu  ärgern  Gl;  G;  Th;  U.  G.,  was  hänn-i''' !  ruft 
man.  indem  man  Etwas  nur  halb  zeigt,  oder  im  Nu 
wieder  verschwinden  lässt.  G.,  g.,  Osterei,  ruft  das 
Kind,  indem  es  sein  Ei  hoch  hält;  g.,  i'*  han-en  Ma"', 
ruft  die  Tochter  in  ihrem  Liebesglück  der  Mutter  zu. 
G.  ist  auch  der  Ruf  der  Kinder  aus  ihrem  Verstecke 
ScHSt.;  InTäg. ;  mach  g't.r,  ruft  der  Suchende  dem 
Versteckten  zu.  Syn.  gips,  gfi.r,  gü.i:  —  2.  die  Ge- 
berde des  Stechens  begleitend,  wenn  man  z.  B.  den 
Finger  nach  einem  Kinde  ausstreckt  oder  es  kitzelt 
Aa;  Bs;  B;  L.  Syn.  giisi  Sp.  474.  Wart,  i"'  will  di-j 
G.  mache"!  Dafür  auch  Gäbeli-g.  AäF.  (anders  Sp.  58) 
und  giri-g.  L.  G.  mache"  aber  auch  scherzw.  =  er- 
stechen Bs;  B.  ,0  Hans,  bezähm  den  Rachedurst! 
Man  kann  nicht  nur  so:  g.  Leberwurst!  zu  seinem 
Vergnügen  machen  [drauf  los  stechen].'  Gabelschuss 
1840.  Syn.  gigg,  bi.r.  —  3.  wenn  man  Jmd  erwischt 
G  Cgi.r).  —  4.  um  schadenfrohen  Spott  auszudrücken, 
oft  mit  entsprechender  Geberde  (,Rübchenschaben', 
.lange  Nase')  begleitet  Ap;  Bs;  VOrte;  Gl;  G.  G.,  g., 
iisg'lacht,  geli  Riebe"  schabe"!  Bs.  fEi"'m  mit -ein 
Finger)  g.  mache",  (Einen)  ausspotten.  G.,  du  hast 
rerspilt!  indem  man  mit  dem  Finger  auf  den  Betr. 
deutet  L.  G.,  du  häst-mi'''  nüd  übercho"  [erwischt]. 
Auch  verstärkt:  ärä  gix!  Gl  (vgl.  Bd  I  388);  u  da 
da  hä  g.!  GT.;  gix  gägägä!  GRh.;  Syn.  gi  Sp.  51. 

Vgl.  Fromm.,  Ztschr.  6,  132,  ,Froschgicker,  -Kike'  bei 
Gl.  WB.,   unser  (jiggen  Sp.    176. 

Gix,  bzw.  ff«,  m.:  1.  schriller,  heller  Ton,  Schrei 
Bs;  B;  Th;  Uw;  ü.  Die  Orgele  lat  numme"  es  paar 
Gixe".  Lö-n-e  ff.  iis!  Bs,  los  e  ff.  ab  Th;  Z,  ruft  der 
Suchende  beim  Versteckensspielen.  ,Das  Pferd  hatte 
sie  in  den  Hag.  in  ein  Gräbli  gedrückt,  dass  sie  einen 
G.  nach  dem  andern  ausgelassen.'  Gotth.  ;  Syn.  Güx; 
Gips.  Auch  vom  Ton  beim  Reiben  harter  Gegenstände 
Uw;  U.  —  2.  (in  Aa;  F  auch  i)  Gnaden-,  Todesstoss, 
doch  meist  scherzh.  Aa;  B;  F;  S;  Z.  Si  het-m'r  nit 
recht  'trauet  und  het  'zwiflet,  i'^''  bring  ire"  einisch  es 
Gütterli,  •'ass  ire"  chönnt  der  ff.  ge.  BWyss  1863.  Das 
hat  em  d'r  ff.  g'ge",  auch  bildl.  =  den  Rest;  vgl.  de- 
fang  Bd  I  858.  —  3.  (auch  Gix)  Abprallen  des  Queue 
beim  Billardspid,  Fehlstoss,  Fehler  übh.  Z.  Scho" 
u-ider  e"  ff..'  Au'''  er  sig  grad  über  •'e  ff.  cho",  habe 
nämlich  den  Fehler  an  einem  zu  verkaufenden  Pferde 
entdeckt.  Joach.  1883.  —  4.  (Gxxli)  kleine  Wurst  Aa. 
Tgl.  Gr.  WB.  bei  .Kicks'.  Zu  4  vgl.  gixcn  S  ;  also  cig. : 
.was  man   auf  ein   Mal   an   die   Gabel   nimmt'  fV]. 


:  Taglichtnelke,  lychnis  diurna  CnPr. 
stdim.  -Gixli:  kleine  Leberwurst  Aa; 


Hanen- 

Lijber-, 

vgl.  Gix  4. 

Schüeler-ffic,  in  dem  Scherzreini:  Seh.,  gönd-i" 
d'  Schnei  und  lered  nix!  ZHinw. 

gixe»  (in  BSi.;  FMu.  -l-):  1.  =  gipsen  1  n.  2  Bs; 
B;  Ji."  Mit  heiserer  Stimme  singen  B;  auch  das 
Gixe",  Gixi  ha".  Wo  's  bi  Prattele  [eine  Eisenbahn- 
station] 'pfiffe"  het,  fangt  weiss  Gott  's  Drinettli  a  z'  g., 
mg"  het  g'meint,  's  steck  am^ne"  Messer  BsStdt.  Wer 
(ji.i-t  oder  lacht,  muss  in  dem  Spiele  Chrüseli,  Bom- 
büseli,  wobei  die  Kinder  gekitzelt  werden,  Pfand  geben. 
Der  Ei"'m  etsches  Korjouses  hergixet  GSa.  (G  Kai. 
1886).  ,Unversehens  sieht  der  Meister  ihnen  [den 
[>ienstleuten]  über  die  Achsel,  dass  sie  g.  müssen  und 
erschrecken.'  Gotth.  ,Das  Bauerntöchterchen  gixt: 
Herr  Jeses,  pfi  Tusig!'  ebd.  ,Wenn  man  zu  Einem 
das  Zutrauen  hat,  so  mag  der  gixgen  oder  rauen,  so 
meint  man.  wenn  er  .sagt,  das  sei  klarinetet,  es  sei 
klarinetet,  und  zwar  schön.'  ebd.  ,Die  Maus  gixt.- 
JCWeissexb.  1678.  ,In  dem  Feuer  hat  sie  nicht  ge- 
schrauen,  aber  wie  die  Mäuse  gegeixt.'  1680,  Bs.  Syn. 
'jlggen.  —  2.  =  (ß2)sen  3  Bs;  B;  VOrte;  FMu.;  S; 
bes.  auch  von  dem  Ton,  der  beim  Sägenfeilen,  beim 
Reiben  metallener  Gegenstände  an  einander  entsteht. 
Ja  es  tw.  im  Gegs.  zu  dem  sonst  üblichen  giren  ab- 
gebrochene, schrille,  pfeifende  Töne  bezeichnet.  F>' 
ha"  der  läng  g'schlage  Tag  'zablet,  was  i"'  chönne"  und 
möge"  ha",  ''ass  mer  mängisch  a'me-n-e  Obe  mini  Glider 
'gixet  hei"  icie-n-en  ung'salbete  Wage".  Schild.  Wie  pfift 
und  gixet  derbi  der  Kratte"  [voll  Geschirr].  Das  sig 
ja  es  Sufe"  [eines  sauern  Weines],  es  mach  Ei"'m  fri 
d'  Schnell  z'  gig.re".  Gotth.  .Weiber,  die  sich  schnüren, 
dass  die  Rippen  g.'  ebd.  [Der  Januar]  muess  mache", 
dass  es  gixet  und  kracht  und  glitzeret  i"  schönster  Pracht. 
HiNDERM.  —  3.  zeigen,  i.  S.  v.  gix  1  GSa.  Er  häd- 
mer  's  nu  g'gixet.  —  4.  dahinsiechen,  bes.  von  Pflanzen 
AAZein.  —  5.  verspotten,  mit  der  Geberde  des  Rüb- 
chenschabens  Gl.  auch  üs-g.  Gl;  „Vw."  Zu  gix  4. 
—  6.  stechen,  z.B.  leicht  mit  einem  Messer  ZLunn.; 
auch  tot  stechen,  schlachten,  z.  B.  von  Schweinen, 
aber  auch  von  andern  Tieren  und  von  Menschen  Aa; 
B;  ScuNnk.  (Kdspr.).  ,Pungere,  fodere  cultro.'  Id.  B. 
Syn.  gix  machen,  bixen. 

Vgl.  .kicken,  kickezen'  bei  Gr.  WB.  —  4  viell.  eig.  vom 
fyaute  sterbender  Tiere?  vgl.  ,aus  dem  letzten  Loche  pfeifen.' 
In   diesem   Falle  zu   Gijc  1  oder  2. 

Gixer(li):  1.  Schrei  BsStdt.  —  2.  =  Gipser  II 
Sp.  395  „B;  L;"  Meisner  u.  Schinz;  Oken. 

Frosch e"-Gixer:  1.  Galanteriedegen,  wie  ihn 
früher  die  Batsherren  trugen  Bs.  —  2.  bei  den  Basler 
Kadetten  1862/64  die  kurzen  Bajonette  älterer  Ge- 
wehre. —  3.  Übername  der  Baselstädter;  vgl.  Krotten- 
Stecher. 

gixle":  1.  =  ,,gt.ren  f  Heimlich  lachen  Gr  ObS.. 
V.;  Syn.  gigelen,  giggeren.  —  2.  =  .glxen  (!.'  S.  noch 
gitzlen.  —  us-:  auslachen  GW. 

Gix  n.:  (scherzh.)  Gebranntes,  Schnaps  L.  Ef 
(Gläsli)  ff.  ne".  —  Yiell.  von  dem  scharfen,  stechenden  Ge- 
schmack; also  zu  gixm2?  Viell.  aber  blosse  Nbf.  zu  Gü.r  (s.  d.). 

göxe°:  aufstossen,  rülpsen  BsL.  —  Entstellt  aus  dem 

Syn.   .jm-pmu 


571 


Gax— gnx.    (iaz  -.Sfuz 


gnx:  Ruf  beim  Versteckensspiel  Ar,  als  Subst.  m. 
=  Schrei,  dumpfer  Laut;  Mucks  B;  VOrte;  ,,Sch.' 
We'"  d'  iez  no'''  e  G.  iisläst,  s^i  acht  [sieh  zu]  denn, 
Ute  's  d'r  geid  BR.  Er  liet  einist  d'  Scheiche'  [die 
Schenkel]  'broche";  wo  si  im-se  i'grichtet  hei',  het  er 
lie"  G.  usg'la'  BM.  .Auf  mit  dem  Genoralgalgen  und 
dran  mit  Jedem,  der  einen  G.  auslässt  oder  eine  un- 
zufriedene Miene  macht.'  Gotth.  .Jakobli  musste  fri 
einen  G.  auslassen  vor  Freuden.'  ebd.  ,Er  brauche 
nur  einen  G.  auszulassen,  so  kämen  seine  Freunde 
alle  daher  geflogen.'  ebd.  Es  rüert  si'''  drin,  wie 
we""  's  Lebigs  war",  i'''  ha  bim  Spiess  e  G.  usg'lä",  si 
hei  's  im  ganze  Hus  umme  g'hiirt.  ebd. 
Vili-Gus  s.  Fisigäuggis  Bd  I  1078. 
Schili-  m. :  hämische  Benennung  eines  Schielen- 
den ScHW;  Syn.  Schili-Gugg  Sp.  179,  SchHi-Bingg(el). 
Trotz  der  abweichenden  Quantität  des  Voc.  mag  an  gttgge» 
(s.  guxl)  gedacht  worden  sein,  also:  Einer,  .der  schielend 
guckt':  Tgl.  Bd  I   1079. 

güxe°  I:  1.  Schmerzensschreie  ausstossen  aaOÜ.; 
dim.  gü.vJen,  „zunächst  von  Hunden".  Auch  vom 
dumpfen  l.ant  biiin  verhaltenen,  halb  unterdrückten 
Lachen  S<ii;  aiith ///n/en;  ygl.  gügen,  güggen,  giixlen. 
—  2.  aus  i\rm  \ersteckc,  um  den  Suchenden  aufmerk- 
sam zu  machen,  den  Laut  güx!  hören  lassen  Ap;  Syn. 
püpen. 

gux!  Interj.,  ungefähr  =  schau!  G.,  i"''  ha  di''', 
spricht  die  Mutter  im  Spiele  zu  ihrem  Kinde  Ap;  vgl. 
güx,  gugg-üs, 

guxe"  AAKais. ;  Ap;  Bü.,  sonst  dim.  gil.de':  spä- 
hen, verstohlen  blicken  AxKais.,  F.;  ApH.,  1.,  M.;  BO.; 
VOrte;  G;  Sch;  Th;  Z.  Bes.  auch  von  hervorspriessen- 
den  Pflanzen  oder  von  aufbrechenden  Blüten.  Mängs 
Gräsli  güxlet  do  zum  Boden-us.  KdMet.  --  Intensiv 
zn   guggen  Sp.    182. 

fi-'ster-güxle":  Blindekuh  spielen  ZRafz;  Syn. 
finster-bützlen,  chutzenmüsen  u.  A. 

fisi- :  =  guxen.  I"''  luog  e  chli";  chom  [kaum]  fang 
4"'*  's  Fisrigüxle'  a",  sitzt  zue-mer  zue  en  alte^  Ma". 
Lesggenh.'  1830.     S.  Bd  I  1079. 

Bare°-Güxlcr:  ,wer  durch  die  Futterleiter  sieht'. 
mager  i.st  AaFtL  ;  als  Spitzname  AALeugg.,  Lengn. 

Gqx  m.  PGr.;  Ndw  (-disj;  U  (tw.),  Guxi  n.  Schw; 
Ndw.  Güxe-  GRObS.;  W  f-chsj,  Güggse  GrAv.,  !>., 
L.,  Guxete"  „Aa;"  B;  VOrte;  Gl;  „S;  W;  Z"  -  f.: 
1.  Windstoss,  scharf-kalter,  plötzlich  hereinbrechender, 
heftiger,  oft  ganz  lokaler,  rasch  verlaufender,  höchst 
gefährlicher  Schneesturm,  bes.  im  Alpenlande  aaOO.. 
auch  Winter-G.  W.  ,Dazu  brauste  von  Zeit  zu  Zeit 
ein  lieblicher  Gux  die  Schneefelder  herauf.'  WSenn 
1870.  ,Es  fiel  .starke  Guchse  ein  und  scheint  die 
Gebirge  zu  einem  grossen  Unglücke  vorbereitet  zu 
haben.'  Rcppen  1851.  —  2.  Schneelage,  Masse  ge- 
fallenen oder  zsgewehten  Schnee's  Gr  ObS.  Es  het 
rtn  Hell-G;  viel  Schnee;  vgl.  Gux-Sehild. 

Das  W.  ist  in  der  Form  cm««,  chuss  auch  in  den  MAA. 
des  Liviner-Tales  zu  treffen.  Die  Quantität  des  Voc.  ist  wie 
bei  guechen  verschieden,  doch  überwiegt  die  Länge,  womit 
das  Pfeifen  und  Heulen  des  Sturmes  lautmalend  (s.  güxen  I) 
bezeichnet  werden  soll.  Die  Ausspr.  des  Schlusscons.  ist 
t.   chi,  t.  ggs,  t.  gguch. 

guxe°  ,Aa;"  B;  VOrte;  Gl;  Gr;  S;  W;  „Z". 
guggie"  GrAv.,  D.,  L.,  guggze"  UUrs.:  1.  toben,  vom 
Schneesturme   aaOO.;    Syn.  faxen,   guppen,   guschen, 


gutschgen,  horneren,  huxen.  Nächtig  [letzte  Nacht] 
häd  's  doch  aw''  b'sesse'  g'guchset  SchwMuo.  Wenn  's 
djisse"  gitixet,  dusse'  chracht,  dass  's  Lit  und  Veh  der 
Schlotter  macht  Uw  (Schwzd.).  Wetterregel :  TFenn  's 
6»»  ersten  Schnewji  guxet,  so  guxet  's  alle  Schnewjeni. 
Amherd  1879.  's  tuet  inne'-g.,  jagt  Schnee  durch  Ritzen 
und  Spalten  ins  Haus;  zämme'-,  zusammen-,  zueehe'-g., 
herzuwehen  SchwMuo.  —  2.  in  grossen  Flocken 
schneien  Gr  ObS. 

guxig:  stürmisch;  g-s  Wetter  UwE. 

Güxli  n.:  Molch  SchwMuo.;  Syn.  Giigen-MöH  s. 
giigen  Sp.  157. 

Gttx  m.:  =  Glx  BHk.;  G;  Sch;  S;  Z;  als  Interj. 
bes.  beim  Versteckensspiel;  vgl.  güggen  Sp.  196.  Mach 
güx  oder  %''•  suech-di''' nüd !  Z.  Frau  Sunne,  mach  g., 
wottst  Fähis  mache"  dert  obe'?  KdMey.  1844.  's  Chmrnli 
güxlet  gll  gli  denn  usse.  G.,  g.,  g'sehnd-er  iez  dert, 
es  ist  bim  Bluest  scho  divorne.  ebd.  Drohend,  viell. 
mit  entsprechender  Handbewegung:  Aber  gyix!  t"* 
will  dtr  scho  dnrfir  tue.  Balz  1781.  Hieher  auch, 
trotz  des  abweichenden  Cons.:  ,Dass  ihr  [die  Zuschauer 
im  Schauspiel]  dann  fleissig  wollend  losen  und  fein 
stillschweigen  wie  ein  Mus,  dass  keins  nit  lass  ein 
Gützlein  us.'  Mtricaus  1630. 

Ofe--:  l.  =  Ofengugg  (Sp.  179)  Ap.  —  2.  neu- 
gebornes  Kind  Ap;  nach  Bochh.  .das  letztgeborne'. 
S.  Ofen  Bd  I  110/111. 

güxe°:  schreien  S;  Syn.  gl.ren. 

Güx,  inB  Güz  n.:  Gebranntes,  Schnaps,  Liqueur 
L;  SfüJ;  Syn.  Güggis,  Güggsch  (Sp.  198),  Gi.v. 

Viell.  zu  gügcUn  (Sp.  159),  gügglm  S  {Sp.  197),  trinken, 
vgl.    Zürich-Güggler  Sp.    198. 

gnxle" :  laut  lachen  ScH;  vgl.  (/u.rfDen  /  u.  {jiigeten 
Sp.  1.59. 

Güexi  n.:  Kerngehäuse  am  Obst  AALeugg.;  Syn. 
Giiegi  Sp.   101;  Gntschi  I. 


Gaz,  gez,  giz,  goz,  gnz,  bzw.  gatz  usw. 

Gaz(i):     Gemse,    in    der    Sprache    der    Wildleute. 

VONBCN.     -     Vgl.    Gitz(i). 

Gaze  s.  Geize. 

Gatze"  f.  Aa;  Bs;  B  oAa.,  E.,  oHa.;  VOrte;  Gl; 
GrD.,  ObS.  r4-;,V.;  GA..  G.;  S;  ZIS.,  Gätzi  Aa;  Bs; 
BG..  M.,Ri..  S.,  Si.,  Id.  B;  F  (in  FJ. -e-);  Gl;  GRChur, 
He..L.,  Fr.,  Tschapp.;  GRh.,  Sa.;  ScHNnk.;  S;  ThFt.; 
W;Z,  Chätzi  Ap;  GStdtTa.;  THBisch.,M.  -  n.,  Dim. 
GatziönD.,  Gätzli  AAZein.:  metallene  (meist  kupferne) 
Wasserschapfe,  Schöpfkelle,  mit  Stiel,  bes.  für  den  Ge- 
brauch in  der  Küche  und  als  notwendiger  Be.standteil 
zur  Kupfer-  (Sp.  283)  oder  Wasser  -  Gelte'  gehörig, 
allg. ;  daher  auch  Wasser-G.  Auch  als  Schöpflöffel 
bei  Tisch  verwendet  BSi.;  Gr.  Syn.  Gön  (s.  d.),  Kelle, 
SchapffenJ,  Schöpfer,  's  G.  in  der  Gelte"  sig  als 
g'  Nacht  vo"  selber  ufen  und  abe'  'gange"  Bs.  Ein  G. 
bildet  eine  der  üblichen  Helsete  [Geschenke],  welche  das 
Patenkind  von  der  Patin  erhält  Z.  ,5  kupferne  Gatzen.' 
1851,  Z  Inv.  ,Zwo  küpferin  bellen,  genannt  getzen.' 
1469/70,  Bs.     .Der  Wiedertäufer  Blaurock   hätte   ein 


Gätzi  mit  Wasser  genommen  und  ihn  getaufet.'  1525,  Z. 
,N.  N.  hat  syn  schwiger  mit  einem  getzi  bluetruns 
g'schlagen.'  1542,  ZGrün.  ,1  Wasser-Gatzen.'  1550, 
8cHwE.  Klosterarch.  ,1  kupferi  Gätzi.'  1557,  Z  Inv. 
.Kin  Gätzi'  gehört  auch  zum  , Eherecht'  der  Frau. 
1558,  Z.  ,Urceus,  ein  wasserg' schirr,  als  ein  krueg 
oder  gatzen.'  Fris.  ,1  Wassergätzi  sammt  1  kupfernen 
Wasserkessel.'  c.  1600,  Z  Staatsarch.  ,2  böse,  alte 
Kiizin.'  1627,  TuBürgl.  Inv.  ,1  Kupferkiize.'  1675,  G. 
.Gätzin.'  1698,  Z  Inv.  ,Gätze,  Wassergeschirr,  situla.- 
Denzl.  1716.  ,Wer  Brunnenwasser  liabcn  will,  ilcr 
soll  dasselbige  ab  den  Röhren  in  saubere  Geschirre 
enjpfahen  oder  mit  dem  Gätzi  aus  den  Trögen  schöpfen.' 
B  Brunnenordn.  1740. 

It.  Mzax,  afrz.  fu8«e.  churw.  cuzz,  Pfanne  mit  einem  Stiel, 
it.  cazzuola,  churw.  caza,  Maurer-,  Schöpfkelle,  im  Waadtlaud 
dietzo,  gueilzo,  gueUet,  guetzo,  Milch-,  Rahm-Gefäss,  .GueUetta, 
vase  de  bois  ä  anse';  in  Wiener  Glossen:  ,Gazza,  chella'; 
nilat. :  ,Caza,  vasis  genus,  vel  potius  cochleare  eximendit 
spum»'.  Auch  tir.  in  der  BeJ. :  eiserner  (Schöpf-)  Löffel.  In 
Aa;  Bs;  Gl;  S  wird  die  Form  Gätzi  noch  als  Dim.  des  aaOO. 
ebf.  vorkommenden  Fem.  Galzen  empfunden,  doch  kommt 
.Kätzi'  schon  in  einer  alem.  Glosse  des  XIV.  (=  ,haustoriam'), 
ferner  1431,  Seh,  sowie  in  einer  alten  G  Hdschr.  vor  und  sie 
entspricht  der  mlat.  Nbf.  oizia,  nmg  sicli  aber  an  Schüefi,  Kesid 
angelehnt  haben;  vgl.  amh  i:u„„i.  !,.<„,  bei  Gön.  Schwanken 
des  Gutturals  begegnet  in  \  h  l.n  niili.  iiiiisoben  und  Frcmdww. ; 
vgl.  z.B.  Gufjclum  (Sji.  l.'tii;  i'/in/.!,  r!i  :  Vhluc/cere;  Grü»t:h  : 
Chruach  uff.     S.   noch   Gr.  WB.   bd   ,l_latzen,  Gätzi'. 

Üfen-Gätzi:  Schöpfgeschirr  zu  einem  Brenn- od. 
Waschofen'?  1571,  Z  Inv.  ,16  ß  umb  ein  o.  in  ofen- 
hafen  in  der  grossen  stuben.-  1574,  ZGrün.  S.  Bd  1 112. 
—  Hofferts-:  Putz-,  Modenarr  B;  Syn.  U.-KeUen, 
-Schivanz.  —  Hafe"-:  grosser,  metallener  Anricht- 
lölfel,  um  die  Speisen  aus  dem  Kochhafen  herauszu- 
schöpfen GrAv.;  Syn.  Hafen-Gön,  -Kellen. 

Loch-  GrD.,  Löcher-  GrD.,  oPr.,Kh\v.,  Lugger- 
liiiD.;  Löffel,  der  durch  Löcher  siebartig  durchbrochen 
ist.  um  beim  Kochen  abzuschäumen  oder  um  ,Ziger' 
und  Käse  aus  dem  Käsekessel  zu  schöpfen;  Schaum- 
löffel; Syn.  Kessi-,  Schütn-,  Ziger-Kelle. 

Lugger  muss  wohl  eine  Nbf.  für  das  sonst  übliche  Comp. 
I.uggmilch,   geronnene  Milch,  sein. 

Sehnäder-  =  Schn.-ßätschi  AxAarb.;  B  tw.  — 
schn.-gätze°:  plaudern  „BO.";  Syn.  schnäderen. 

Vgl.  das  Syn.  Pluuder-KeUe' ,  welchem  ebf.  die  Vorstellung 
eines  wie  mit  einem  Schöpfgefäss  einen  ,Schwall'  von  Worten 
ausschüttenden  Mundstucks  zu  Grunde  liegt;  übh.  sind  von 
Geräten  entnommene  Scheltworte  häufig. 

Schwabe"-:  Schelte  für  einen  unbesonnenen 
Mensehen  Z.  -  Eig.  Neckruf  auf  die  als  einfiiltig  ver- 
rufenen Schwaben. 


Zige 


Loch-Gätzl  F. 


Gatzi,  Gätz,  'Dim.Gätzeli:  Personenn.,  Pankratius 
GlS.;  zunächst  verk.  aus  der  verderbten  Form  Bur- 
cjatz  (Biirgätzi,  woneben  auch  Bargetzi). 

Gätzeli  =  Gätzi-Öpfel  (Bd  I  382)  GRHe.  S.  auch 
Bagätzeli. 

Gauz,  ganzen  I,  Ganzer  I   s.  Gautsch  usw. 

(üs-)gauze°  II:  mit  Ruten  streichen,  strafen,  prü- 
geln; auch  übertr.,  hart  mitnehmen  BBurgd.;  S.  De' 
hei"  si  üsgauzt  (von  einem  Vergeltstagten)  S.  Syn. 
fauzen. 

Gauzete":  Schlägerei  S. 


ganzen  III  s.  guzen. 
„gauzle"",  „Gauzier 


galzen,  Galzer  (Sp.  296) 


LE. 


Getz,  Götz 


Gottfesj. 


ent-ge'tzen:  entschädigen,  schadlos  halten,  eig. 
.vergessen  machen'.  ,Doch  dieses  struss  [Streites] 
vird  mich  der  Herr  e.'  156-3/81,  Lind.  Wthur.  Chron. 
er-:  \.  =  ent-g.  (Öpperem) 's  Leid  e.,  condolieren, 
■:ein  Beileid  ausdrücken  Ap;  Gl;  G;  Sch;  Th;  Z;  spec. 
bei  Leichenbegängnissen,  indem  die  Teilnehmer  den 
vor  oder  in  dem  Hause  versammelten  nächsten  An- 
gehörigen des  Verstorbenen  der  Reihe  nach  (vgl. 
Sp.  351)  die  Hand  drücken  und  dabei  sprechen:  Trüst-i 
[euch]  Gott  Sch;  oder:  G.  tröst-i,  G.  helf-i!  Th;  oder: 
G.  ergetz-i  's  Leid,  de'  Herrgott  u-ell-i  vor  fernerem 
Leid  gnädig  biware"  Z;  oder:  G.  ergetz-i  's  Leid  für 
eueri  verstorbne  (Mueter)  selig  und  verleihe  ir  eine  frohi 
Uferstehig  am  jüngste"  Tag  ZF.  ,Wir  haben  iro  das 
Leid  ergetzt'  Schimpfr.  1652.  In  der  ä.  Spr.  steht  in 
diesen  Condolationsformeln  noch  der  richtige  Gen.  des 
Übj.:  ,Gott  welle  üch  leides  e.  und  für.T  vcrliüctcn.- 
ZwiNGLi  nach  der  Schlacht  v.  Novara  :iu  dir  S.lnwz./r. 
■  Der  Herr  welle  uns  unsers  leids  gnadi^klichi]!  c.-. 
vünscht  Kessler  beim  Tode  Ökolampads.  ,Ergetz  üch 
Gott  trulich  üwer  frommen,  herzlieben  Mueter.'  XVI., 
Bs.  ,Gott  der  Allmächtige  wolle  Euch  und  alle  die 
Seinigen  dises  seines  zeitlichen  Hinscheids  trostlich 
0.'  lOUi,  ,T,1Bkeit.  ,Gntt  der  Herr  ergetze  nochmalen 
die  Trauernden  ihres  Leids.'  JMüll.  1665.  S.  noch 
klagen  und  Lieh  und  vgl.:  ,lch  will  alle  die,  so  von 
mynetwegen  in  truren  sind  g'syn,  alles  ires  trurens 
und  leids  ergötzen.'  Ziely  1521.  ,[Gott]  hat  sy  wider 
z'  ruewen  g'stellt  [nach  langer  Bedrängniss]  und  sy 
all  ires  leids  ergetzt.'  JMcrer  1559.  ,Ich  mechte  in 
in  wenig  Jaren  wider  e.,  so  ich  in  die  E  kommen 
sollt  und  ime  ein  andre  Dochter  anstatt  der  abge- 
•itorbenen  in's  Haus  brächte,  in  in  seinem  Leid  wider 
zu  e.'  FPlatt.  1612.  ,Ich  wird  reichlich  jetzt  ergetzt 
les  Leids,  darein  mich  band  gesetzt  die  Zwinggrafen 
wegen  meiner  Knaben,  welche  sie  mir  mördlich  hin- 
gricht  haben.'  Myrioäus  1630.  ,Einem  Weib  stirbt 
ihr  Mann;  als  nun  ihro  das  Leid  ergetzt  oder  geklagt 
worden,  antwortet  sie:  Ich  hab  gedacht,  wann's  mir 
wol  gang,  es  werd  den  Leuten  leid  syn.'  Schimpfr. 
1652.  -  Mit  anderm  Obj.:  ,Dagegen  git  man  inen  an 
dem  wienachtsabend  von  jegklicher  hueb  3  gretmann, 
damit  sy  des  siramelkernens  zu  geben  ergetzt  werden.' 
XV.,  Rathgeb,  Urk.  ,Domit  er  syns  verlust  an  land 
und  lüten  wider  ergetzt  werden  mocht.'  1476,  Bs  Chr. 
.[Die  Totengräber]  werdend  irer  arbeit  nit  nach  billig- 
keit  ergetzt.'  1530,  Egli,  Act.  ,Fructum  diligenti« 
referre  alicui,  einen  seines  fleisses  e.  oder  lassen  ge- 
messen.' Fris.;  Mal.  ,Sy  hattend  mich  um  das  myii 
'bracht,  des  band  mich  die  von  Bern  ergötzt  und  mir 
wider  ufg'hulfen.'  ÄgTschcdi.  ,Dass  er  seines  ange- 
wendten  Kostens  ergetzt  werd.'  AHerport  1669.  — 
Obj.  aus  dem  Vorhergehenden  zu  entnehmen:  ,Das 
habend  MHH.  aberkannt  und  sich  dafür  erboten,  [das 
benachteiligte]  Zürich  [hiefür]  in  ander  weg  zue  e.' 
1523,  Strickl.  —  2.  beschwichtigen,  lindern,  stillen. 
,Wir  lobtend  Gott,  dass  wir  unser  leid  sottend  e., 
wann  wir  voll  kuramer  warend.'  HsStocxAR  1519. 
,Sublevare  laborem  alicuius,  einsi  arbeit  ringeren, 
leichteren  und  e.'  Fris.     ,Wasser,  dass  sy  iren  durst 


575 


Gaz.  gez,  giz. 


guz 


e.  könnend.'  Vogels.  1557.  —  3.  wett  machen,  er- 
setzen, wieder  erstatten.  ,N.  N.  begabt  das  Kloster, 
damit  er  den  diesem  zugefügten  Schaden  ergassti  [!] 
und  widertäte.'  135'2,  Th  Urk.  ,Um  myn  vergangen 
tag,  unnutzbar  lieh  verschlissen,  etlich  mass  zue  e.  und 
wider  zue  bringen,  so  han  ich  [eine  Jahrzeit  gestiftet].' 
1495,  TeArb.  .Wellicher  den  andern  verletzt  oder 
verwondt,  der  muoss  in  nit  allein  heilen  und  arznen. 
besonder  ouch  ime  den  schaden  e.  und  abtragen.'  Aa 
Weist.  ,Was  einer  um  tiotts  willen  hingebe,  das  wurde 
im  Gott  hundertfeltig  c.'  Vad.  ,Der  höchste  Gott  wol 
diss  e.,  Ihr[er]  Maystät  Alles  ersetzen.'  JCWeissenb. 
1701.  —  4.  stärken,  erfrischen,  laben.  ,Du  muesst 
uns  mit  der  supp  e.'  Badenfart  1526.  .Den  ältisten 
männern  gab  man  wein  zuo  trinken,  dieselbigen  um 
ir  Schwachheit  willen  etwas  zuo  e.'  Vad.  ,Den  küelen 
luft  zue  dem  herzen  füeren,  dasselbig  zu  e.  und  er- 
küelen  und  die  hitz  hinweg  ze  wysen.'  Eüef  1554.  ,Ich 
find  nit  einen  finger  z'  netzen,  damit  syn  zung  und 
herz  e.'  Haberer  1562.  ,Levare  corpora,  e.,  erfrischen, 
erquicken.'  Fris.  .In  der  Nacht  sollen  wir  unsere  ab- 
gematteten Kräften  e.  und  ersetzen.'  JMey.  1694.  — 
5.  übersättigen,  von  Menschen  und  Tieren  GfiEhw.. 
S.,  Scuolms.  Auch  refl.  mit  Gen.  S.  Der»,  Arbeit  han 
ich  „lich  ergetzt,  ich  bin  sie  müde,  habe  sie  satt  W. 
—  6.  refl.,  sich  erfreuen  (wie  nhd.).  ,Myns  betts  mich 
ergetz  [erfreue  mich  mit  der  Erfüllung  meiner  Bitte].' 

ÜECKST. 

Mhii.  ergetzm,  Fact.  ZU  ergizaen  (wofür  jetzt  .vergessen'), 
entschädigen,  vergüten,  erfreuen.  Zu  1.  Der  Acc.  S.  mit 
Dat.  P.  wie  bei  .verehren,  versichern'.  Die  Umdrehung  der 
Construction  erklärt  sich  aus  der  Auffassung  des  nicht  mehr 
verstandenen  .ergetzen'  i.  S.  v.  ,wett  machen,  ersetzen'.  Betr. 
das  Verhalten  der  Bedd.  5  u.  6  vgl.  mhd.  sich  nkten  (mit 
Gen.),  sich  befieissen,  erfreuen,  sättigen,  aber  auch  (wie  unser 
(jmieten) :  überdrüssig  werden.  Unsere  MAjl.  haben  an  t' 
(dem  echten  Uml.)  festgehalten;  noch  Fröhlich  reimt  cnjetzen 
(i.  S.   V.  nhd.   .ergötzen'):  schätzen  (e'). 

Ergetzung  f.:  Entschädigung,  Ersatz.  ,E.'  an 
Brandschaden.  1500,  Absch.  Die  Regierung  will  aus 
dem  confiscierten  Gut  der  Wucherer  ,den  Geträugten 
E.  tuen.'  Z  Mand.  1650.  ,Zue  E.  des  empfangenen 
Schadens.'  1700,  Schw. 

ergetzlich:  angenehm.  JCSclz.  1772  stellt  den 
.nützlichen'  [=  Nutz-]  die  ,ergötzlichen'  [=  Zier-Pflan- 
zen] gegenüber. 

Ergetzlichkeit:  1.  =  Ergetzung;  Ehrengabe. 
Geschenk,  Erkenntlichkeit.  ,Als  N.  N.  anbracht  hat 
vil  kosten  und  arbeit,  die  er  gehept  hatt,  im  darum 
etwas  e.  ze  tuend,  soll  [man]  rat  slagen,  dass  im  doch 
etwas  werd.'  1485,  Absch.  ,[In  der]  Seligkeit,  da  uns 
e.  alles  krüzes  und  aller  trüebsalen  bereitet  ist.- 
RGüALTH.  1555.  ,Uf  synen  ersten  Pfarren  ist  im  vil 
widerwärtigs  begegnet,  folgends  aber  zu  gebührender 
e.  ist  er  von  UGnHH.  uf  die  pfarr  N.  erwählt  worden.' 
JosMal.  1593.  .Der  Schulmeister  erhält  2  Mütt  Kernen 
zu  einer  E.'  1626,  Soh  Beitr.  .Denen,  so  fehlbare  Per- 
sonen angeben  wurden,  [soll]  von  den  gefallenden 
Buessen  ein  gebürende  E.  widerfahren.'  Z  Mand.  1649. 
.Dieser  Balbierer  hat,  neben  anderen  E-en  und  Ein- 
künften, sonderlich  von  wegen  des  Schräpfen  keinen 
geringen  Nutzen  zu  erwarten.'  SHott.  1702.  ,Die  Ein- 
zinser  sollen  dem  Trager  nach  der  Grösse  des  Zinses 
und  der  Weite  des  Weges  mit  einem  solchen  Zuemess 
und  E,,   dass  er  darbei  bestehen  möge,    zu  begegnen 


schuldig  sein.'  Z  Stadtger.  1715.  —  2.  Vergnügen,  Er- 
holung, Freude.  .Wenn  Gott  nit  wider  in  [Job]  wäre, 
so  hätte  er  im  einen  seiner  sünen  zuo  e.  lassen  über- 
bleiben.- LLav.  1582.  Die  E.  der  Waisen  bestand 
darin,  ,am  Sonntag  nach  der  Abendpredigt  auf  dem 
Schützenplatz  sich  ein  wenig  zu  erlustigen  und  wann 
es  warm  ist  und  Eines  Lust  hätte,  in  der  Sihl  sich  zu 
erkuelen  oder  zu  waschen.'  1656,  Z  Waisenhausordn. 
,Die  Fremden  beklagen  sich  über  den  Mangel  aller 
glänzenden  E-cn  in  Baden.'  DHess  1818.  —  Mhd.  enjetz- 
lichkeit,  Vergütung,  Belohnung. 

Geize"  [Gaze  Bs  It  Spreng;  in  ZWäd.  Geizge)  f.: 
1.  Pflugsterz,  Handhabe  zur  Führung  des  Pfluges; 
Krummholz  Aa;  Bs;  „B;-  L;  S;  Z.  Im  Herbst  st"'' 
d'  Bure  uf  de'  Ackeren  usse'  trüebselig  i"  d'  G.  g'hocket. 
BWyss  1863.  Als  ein  Bauer  beim  Pflügen  seiner  Frau, 
welche  das  Vieh  antrieb,  zornig  zurief:  !''•  wett,  du 
fierist  dem  Tüfel  zue!  antwortete  sie:  ,Hannesli,  heb' 
[halte] -di''''  a"  der  G.!'  I'  d'  G.  Ugge',  eig.  in  schwierig 
zu  pflügendem  Erdreich  sich  bei  der  Führung  des 
Pfluges  vornüber  beugen;  übertr. :  schwere  Arbeit 
übh.  verrichten  AAWohl.  .Ein  pfluoghopt  und  ein 
geizen'  in  den  Gemeindewaldungen  zu  hauen,  ist  aus- 
nahmsweise erlaubt.  ZSchlier.  Olfn.  ,Es  solle  der  pur 
in  der  g.  von  dem  Evangelio  reden.-  Gyrenr.  1523. 
,Bura,  stiva.  pfluegsterz  oder  handhabe  des  pfluegs, 
die  g.'  Fris.;  Mal.;  Red.  1662;  Denzl.  1677;  1716. 
Syn.  Geiss  3  e  Sp.  460.  —  2.  Handhabe  an  der  Wagen- 
wende Bs;  Z;  s.  u.  We2)fe.  —  3.  Traggestell  für  ein 
aus  Draht  geflochtenes  Sieb  zum  Durchlassen  des  Weins 
oder  des  über  Asche  gegossenen  Wassers  in  den  Wasch- 
bottich AAZein. 

In  Bed.  1  schon  ahd. :  (jaiza,  keim,  wohl  mittelst  -Jo 
abgel.  von  Üeias,  also  eig.  eine  mit  den  Hörnern  der  Ziege 
verglichene  zweizinkige  Handhabe.  Spreng's  Angabe,  die  aller- 
dings lautlich  sonst  für  Bs  nicht  zutrifft,  erklärt  sich  wohl 
wie  sein  Gani  für  Oeini.  Auch  Denzl.  1677;  1716  hat  au 
einer  Stelle:  .die  gatzen'  neben  .Geize'.  St.'s  Angabe:  „Geizt: 
Blattlaus  Th"  gehört  nicht  zu  obigem  W.,  sondern  zu  tfize. 
das  er  nach  seiner  Gewohnheit  verhochdeutschte.  G  nach 
tz  und  fach  findet  sich  häufig;  vgl.  Gilz  (Sp.  297).  gauzijen 
(s.  gautechen  III),  Gietsehger,  mischglen,  Muttchg  (Mutz), 
Mützger,   «chmatzgen,   etatzgen   u.  A. 

geize"!,  red.  gi-:  schaukeln  GA.;  davon  Geizi  f.. 

Schaukel.  —  Vgl.  bes.  die  Synn.  geigen  (Sp.  147),  geilen 
(Sp.   .505)  und  gi-reizen;   s.  auch  gautechen  I  und  geiseen. 

er-:  aufschlagen.  ,Der  ander  schütz  [Schuss]  habe 
vor  der  Ordnung  in  herd  geschürpft,  darnach  wider  in 
der  Ordnung  ergeizet,  dem  hauptmann  das  erdrych 
neben  dem  Schenkel   usgesprützt.'    1583,  Gfrd.  (Uw). 

Viell.  .platzend,  klatschend  aufschlagen';  vgl.  gauischen  I 
oder  von  geizen  i.   S.   v.  aufspringen. 

Giz  I  s.  Git. 

Gizerech  GUz^rrcli  m.  ■.=Giterech  GStdt(scherzh.). 

Gitz  ra.:  Führer.  .[Den  Soldaten  verordnet  man 
bei  Eeeognoscierungen]  einen  G.  oder  F.'  Kriegsb. 
1644.   —   Vgl.   frz.  guide,   dass. 

Ror-Gitz  m.:  Eohrammer,  Schilfschwätzer,  em- 
beriza  schceniclus.  .Der  rorspar,  so  auch  rorspätzle. 
-Sperling,  -gytz  und  wydenspatz  genennt  wirt.'  Vogelb. 
1557. 

Nach  den  stammelnden  Tönen,  die  der  Vogel  hervorpresst, 
benannt;  vgl.  .Gizerle'  =  turdus  iliacus.  sowie  Gipser,  ffixei- 
=  anthus  aquat.  und  Giriz,  Giwiz.  Vgl.  auch  die  ndrd.  Dar- 
stellung seines  Rufes:  .karra-karra-kik-kik.' 


578 


Gitz  1  (in  ZW.  It  SpHlm.  auch  Gitzge)  m.:  Wipfel 
eines  Baumes  ÄABb.;  ZW.  Chriesi  im  Gitzeli  cha'" 
nüd  Jede'  günne".  Vgl.  das  Syn.  Güz  Sp.  297  und 
Gutzer;  doch  s.  auch  Gtzen  und  vgl.  geizen,  schaukeln. 

(illz  n  m.:  1.  Ziege  Ap  (Kdspr.).  —  2.  einer  der 
Tiernn.  im  Spiel  ,StMartins  Esel-  (s.  Bd  1  520)  W.  — 
Aus  dem  Neutr.  Gitzi,  mit  Wegwerfung  der  (alten)  I>im.-End.  i. 

gitz!  in  W  gitzi!:  Lockruf  an  die  Ziegen,  meist 
mehrfach  wiederholt,  allg.  Auch:  hotz  g.,  g..'  Ap,  od. 
g.,  g.  Salz,  Salz!  GA.  Synn.  s,  Sp.  459.  Gitzi  gä,  gä 
(s.  Sp.  38) :  bei  entsprechender  Fingerhaltung  zunächst 
an  die  Ziegen,  um  sie  zum  Stossen  zu  reizen,  dann 
aber  auch,  verbunden  mit  der  Geberde  des  Bübchen- 
schabens,  an  Menschen  gerichteter  Neckruf  oder  Aus- 
druck der  Schadenfreude  GsHe. 

giri-:  1.  Red.  des  Lock-  oder  Neckrufes  Z.  — 
2.  Wortspiel,  um  einen  Stotterer  zu  verspotten:  Wenn 
giri-giri-gitz  [=  git's,  gibt  es]  guet  Wetter?  Antw.: 
Am  Mä-ä-ä-ändig  ZHorabr.  —  3.  als  Subst.  =  Moor- 
Heidelbeere,    Rauschbeere,   vacc.  ulig.   Gr  (scherzh.). 

,giri-gitzele"  =  giri-ginggelen  (Sp.  365)    Uw." 

Wohl  von  yiiiijitz  1,  ohne  dass  eine  Umbildung  aus  dem 
Kuf  iju;  yüx!  Statt  gefunden  hätte.  Über  die  Form  der 
Ked.   s.   Anm.   zu   ijiri-ijinggehn. 

Gitzi  I  Aa;  Bs;  VOrte;  Gl;  Gr;  GSa.;  Scn;  S;  Z, 
Chitzi  Ap;  G  (z.  T.  an  beiden  Orten  neben  dem  seit- 
nern Gitzi)  —  n.,  Dim.  Gitzfeßi:  1.  Zicklein  beiderlei 
Geschlechts;  Syn.  Gibeli  Sp.  97/8;  s.  Negeli,  Gitzi- 
Böckli.  Es  heisst  e  jmigi  Geiss  Gitzli,  bis  si  selber 
g'gitzlet  lied ,  und  wenn  's  bi  Gott  2  Jär  a'stiend. 
Wölk,  rel.  Gespr.  Tonn  [dünn]  icie  e  Ch.,  sehr  schlank 
Ar.  Du  tuest  tvic-nes  Gh.,  bist  mutwillig  GA. ;  vgl.  2. 
E  Lunge  hed  er  g'ha"  tvi-n  ex  7?(ixs-  idkI  ?.-,-^  g'laufe" 
wi'-n  es  Gitzi  L  (Sehwzd.).  17/  ./(/////  Mn,l-U  mache" 
feiss,  und  e  G.  gif  mit  der  Zii  <  (i'is-..  Si^uw.  ,[Es 
wird  geklagt]  wie  man  Büchur  fiufulircu  wolle,  wo 
von  einer  Geiss  und  G.  die  Rede  sei  und  nicht  von 
Christus.'  Gotth.  Drü  rüdigi  Gitzeli,  e  g'fotzleti  Geiss, 
das  git-m^r  iiii'  Ätti,  tcenn  i'''  e  Frau  weiss  L;  vgl. 
Seil.  138.  Min  Vater  ist  en  Appizeller,  hed  iveder 
Wl'  no'''  Most  im  Cheller.  Mi  3Iueter  ist  e  Schwizeri, 
hed  de-  Stal'  roll  Gitzeli.  Adi,  ado,  adü!  Rätsel  von 
den  KoliloM  und  dem  Ofenwischer:  «s  sind  a  Seh uppa 
|Tru|iii|  Git..ilti  im  a  Stall  und  ns  leids  [hässliches] 
Mannli  ui  und  jugt-scha  [sie]  füra  [hervor]  GrD. 
Ebso  von  den  Zähnen:  as  sind  a  Schuppn  Gitznlti  im-n 
Stall  und  die  heind,  wemma  scho  streut,  nottn  (albig) 
nass.  I'''  cha'"  ne  Geiss  mache",  aber  es  G.  nid,  Wort- 
spiel mit:  ,es  giH  sie  nicht'  [sie  kommt  nicht  zu 
Stande]  UwE.;  vgl.  giri-gitz.  ,I)em  armen  Schuster 
Inderbitzi  zum  Gruss  ein  Geisslein  und  ein  G.'  Vw 
Volkskal.  1884.  Er  hat  es  Mul,  wie  wenn  er  G.  g' fresse" 
hett,  sieht  schlecht,  krank  aus.  Sprww.  1869;  vgl.: 
,G.  dennen.  Lammer  her-  =  wir  wollen  es  uns  wohl 
sein  lassen.  B  Hink.  Bot  1765.  ,Myn  herr  hat  das 
recht,  dass  man  im  alles  smalvich  melchen  soll;  welchi 
frow  da  ir  lamm  oder  kitzi  lasst  sugen,  die  soll  es 
besseren  mit  3  ß.'  1464.  ZRhein.  Offn.  ,Winterti  einer 
die  geiss[en]  daheimen,  so  mag  er  die  gitzli  [auf  der 
Gemeinalp]  sömmeren,  die  er  von  inen  zieht.'  e.  1530, 
UUrs.  ,[Er]  hatt  dem  volk  geschenkt  der  lemberen, 
der  schalen,  der  gitzlinen  und  gcissen  30000.'  1531, 
lU.  EsRA.  ,Als  wolltest  du  deine  gitzli  zue  weid  trei- 
ben bei  den  hirtenhüttlinen.'  1531/60,  Hohk  Lied. 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


,So  die  gitze  geboren,  werdend  sy  gleich  don  lämbern 
auferzogen  und  verhüetet,  allein  dass  die  g.  mer  sorg 
erhöuschend.'  Tierb.  1563.  ,Pascentes  hcedos,  die  wei- 
denden gitzlen.  Hoedulus,  böckle  oder  gitzle.'  Fris. 
.[Hanna  hat  ein]  Gützli  vor  dem  Hus;  der  alt  Tobias 
g'hört's  blären.'  GGotth.  1619.  , Weilen  Einer  in  dem 
Hemminger  Holz  ein  Reh  oder  jungen  Giezen  gefangen 
hat,  als  soll  selbiger  gepüesst  werden.'  1637,  See  Rats- 
prot.  ,Die  Geisse,  Zige,  Gize,  Kize,  capra,  mater  hoe- 
dorum.'  Red.  1662.  ,Die  Metzgerknaben  sollen  den- 
jenigen, so  Gitzi  zum  Verkauf  in  die  Stadt  tragen 
wollen,  nicht  auf  die  Strass,  noch  zu  den  Schiffen 
entgegen  gehen.'  1770,  Z  Ordn.  ,Wenn  ein  Kitzi  ein 
Jahr  alt  ist,  soll  es  für  eine  Geiss  gerechnet  werden.' 
Ap  Alpbüechli.  G.  werden  auch  oft  als  zum  Jung- 
zehenden gehörig  genannt:  ,Mengs  gitze  gab  ich  von 
myner  geiss,  das  ich  sollt  selber  zogen  han.'  UEck'st. 
Conc.  —  2.  Neckw.  für  ein  junges,  unruhiges,  hüpfendes 
Mädchen  Aa;  Gr;  in  Gr  ObS.  auch  für  einen  sinnlich 
begehrlichen,  üppigen  Menschen  übh.  Bure"-Gitzeli, 
kleines  Bauernmädchen  Bs  (Spreng).  —  3.  Schlitten; 
s.  Geiss  3  a  Sp.  460.  —  4.  aus  den  Beinkleidern  kleiner 
Knaben  (sog.  , Schlitz-Hosen')  heraushängender  Hemd- 
zipfel GrD.,  He.,  Pr.  (auch  Hemp[Eemä]-G.);  Syn. 
Schwanz.  S.  noch  Gitzi-Hosen.  —  5.  penis  kleiner 
Knaben  GRPr.  --6.  Fehler  im  Strohflechten,  der  ent- 
steht, wenn  ein  Halm  ungehörig  hervorsteht  oder  bricht 
AAWohl.  Syn.  Nest.  —  7.  {Chitzi,  nur  als  PI.)  nach 
der  Käsebereitung  im  Kessel  zurückbleibende  Käse- 
teilchen, auch  Chäs-Ch.  Sohw;  Zg.  S.  noch  Kitzi- 
Käs.  —  8.  =  Gitze  (s.  d.). 

Mhd.  Au-,  kitze,  ahd.  chizzi,  Zicklein  (auch  von  Kehen, 
Gemsen).  Bed.  4  bezieht  sich  auf  das  in  der  Geburt  be- 
gritfene  Tier.  lu  Würtemberg  heisst  es  von  einem  Knaben, 
dessen  Hemd  aus  den  Hosen  hervorguckt,  er  habe  ,eine  Geiss 
gestohlen'.  Betr.  Bed.  6  vgl.  yäzlen  in  der  Bed.:  missraten, 
fehlen.  Zu  Bed.  7  vgl.  Anm.  zu  Oa,i»  Sp.  373;  für  Zg  wird 
spec.  li.v,  uj:t,  •]a>s  ^^■ll  ,lir  Fniiinn  fiir  Zicklein  (G-J  und 
KäSfi-iirk-taipl  i''l,'i  ihtt.riri/iiit  iLil.rii:  aus  dem  Überwiegen 
von  ./.-  Ini  r.id  7  ^rhriiit  In  r\ - nviii: r li,  ii .  dass  hier  der  ältere 
Lautstaud  uilialtuii  t'i-'jli'-'j'-'U  '^t.  wahruud  sich  in  der  ge- 
läufigem Bed.  , Zicklein'  das  W.  alliterierend  an  .Geiss'  an- 
lehnte. —  Schon  die  ä.  Lit.  zeigt  Schwanken  hinsichtlich  der 
Form:  ,Gitzi.'  Voc.  S.  Galli;  Voc.  opt.;  ä.  L  Ratsb. ;  1522, 
Absch.  ;  1600,  UUrs.,  ,Gitzli.'  Zwingli;  Z  Bibel  1530,  ,Kytze.' 
1529,  GKh.  (Strickl.),  ,Kitzlin.'   RCys.   1661. 

Herme"-:  von  einer  Ziege  gesäugtes  Lamm  GSev. ; 
vgl.  Hermen-Geiss  Sp.  462. 

gitze-  Gl  (ScliindL),  gitzene"  BGu.;  Gr  ObS., 
Spl.;  ScHW;  W,  „gitzine",  gitzle"  Aa;  Ap;  B;GrD.; 
GRh.,  Sa.;  S;  Uw;  U;  Z,  chitzle"  GStdt,  T.,  gixle" 
ZBül.:  1.  Zicklein  werfen,  allg.  Wenn  mir  Eine  emol 
gitzlet,  so  ist  er  mir  e  Geiss.  Sprww.  1869 ;  vgl. :  ,Qui 
semel  malus,  semper  prsesumitur  malus,  der  einmal 
geizelt,  ist  ein  Geiss.'  Denzl.  1716.  Das  iseh  iez  glich, 
geb  d'  Geiss  gitzlet  oder  verreckt,  RA.  bei  gewagten 
Unternehmungen  S.  Übertr.  in  der  an  einen  Unge- 
duldigen, Drängenden,  stürmisch  Eilenden  zur  Be- 
ruhigung gerichteten  RA. :  Du  wirst  iez  ämmel  (no''') 
nüd  (g'rad)  g.,  wirst  wohl  noch  warten  können  Aa; 
L;  Uw;  Z.  Ähnlich:  Witt  g.?  drängt  es  so  sehr? 
Uw.  Gitzle"  doch  nit,  er  wird  di'''  tvol  b'zale"  F. 
Vor  Zornige  chitzle",  vor  Zorn,  bes.  beim  Anhören 
missfälliger  Reden,  fast  bersten  Ap.  Ma  macht  ch. 
und  böckle",  sich  fast  zu  Tode  argern  Ap;  vgl.  Syn. 
fidlenfen)  Bd  1  790.     .Gitzlen,    parere.'   Denzl.  1716. 


baz,  gez,  giz.  goz,  guz 


580 


—  2.  aufbrecheil,  aus  einander  fallen,  wie  eine  schwere, 
mit  einem  Seil  gebundene  Heubürde,  die  dem  Tragen- 
den alsdann  in  Haufen  vom  Kopfe  fällt  Gr;  vgl.  kal- 
beren, ferlen  Bd  I  921.  Auch  pers.:  De''  Christian 
hat  gitzlet,  seine  Bürde  auf  diese  Weise  verloren.  — 
3.  fehlschlagen,  zu  Grunde  gehen  AaF.  (vgl.  bei  1 
Beleg  aus  S).  —  -t.  „viel  eintragen,  Vorteile  von  Jnid 
ziehen  [V.  gewähren];"  vgl.  kalberen. 

über-gitzle":  refl.,  durch  das  Werfen  zu  zahl- 
reicher Zicklein  Schaden  nehmen  Ap;  Z;  vgl.  über- 
kalberen. —  i"-:  das  Zicklein  im  Leibe  zu  Grunde 
gehen  lassen  Ndw. 

ver-gitzene",  -gitzle":  1.  aufhören  zu  werfen. 
D'  Geiss  (im  Stall)  händ  vergitzlet,  alle  haben  ge- 
worfen, allg.  —  2.  abortieren,  tote  Junge  oder  an 
ungehörigem  Orte  unbemerkt  werfen,  allg.  Übertr., 
„unglücklich  gebären  U  (pöbelhaft). "■  —  3.  =  gitzlen  2 
GrD.  —  4.  „zu  Grunde  gehen,  von  Ziegen,  allg."  — 
5.  vor  Aufregung,  Ungeduld,  Lachen,  Ärger,  Zorn, 
Frost  fast  bersten,  vergehen,  aus  der  Haut  fahren  Aa; 
Ap;  Bs;  B;  Gr;  G;  U;  Z.  P''  ha  g'meint,  ("*  müess  v. 
Du  wirst  no'''  nit  v.,  wirst  wohl  noch  warten  können. 
Und 's  Büebli  grint  imd  seit:  I'''  frier!  zur  Mueter, 
und  vergitzlet  schier  Bs  (Probst).  Zur  Kellnerin :  .Ge- 
schwind, mach  doch,  es  ist  Einer  da !  Antw.  -.  Meinet- 
halb  Zehne,  die  werden  nicht  v.,  ehe  ich  komme.' 
GoTTH.  Syn.  ver-giblen,  -gigeren,  -strupfen,  -zipperen, 
-zipflen. 

Der  Anblick  der  mit  dem  Tode  kämpfenden  Ziege  hat 
ihrer  ohnehin  steifen  Glieder  wegen  etwas  besonders  Kläg- 
liches an  sich.  Die  Bed.  ,ausser  sich  geraten'  ergibt  sich 
aus  der  Anschauung  krampfhafter,  zuckender  Bewegungen, 
wie  sie  bei  Affekten  eintreten.  Vgl.  noch  Anm.  zu  ver-r/iblcn 
Sp.   98. 

ver-gitzere°:  verbunden  mit  .fast-  i.  S.  v.  cer- 
gitzlen  5  (vor  Ärger)  Z. 

gitzi°:  von  dem  Zicklein  herrührend.  Subst.: 
Gitzis,  Zickleinfleisch,  allg.  Chitzis  in  Eiere"  'backe', 
früher  eine  heliebte  Speise  zur  Osterzeit  Ap  ;  G ;  daher 
das  Wortspiel:  Chitzis,  Chätzis  in  Eiere"  'backe'  ond 
[das  Wörtlein]  das  stot  i"  der  Bible'  GStdt;  vgl.:  ,So 
teilet  ein  probst  ze  Östren  14  gitzi  [aus].'  XIV.,  L 
Propsteirod. 

Gitzlet  m.:  Zeit,  wann  die  Ziegen  werfen.  Vor- 
frühling. 

vergitzt:  eigensinnig,  halsstarrig;  verblendetV 
.Do  warend  si  so  v.  und  eigenrichtig  [bei  einer  Wahl], 
dass  sie  den  von  G.  nit  wolltend  für  einen  abt  han.' 
Vad.  1,  344.  —  Viell.  eig. :  halsstarrig,  störrisch  wie  ein 
(iitz(i),  weniger  wahrsch.  ist  Zshang  mit  Git  (Giz). 

Glze°  I:  (PI.)  Seiten-  od.  Winkelsprossen  an  Reben, 
Hopfen,  am  Tabak  FMu.;  Th  (Pup.).  —  gize-  H: 
solche  Schosse  ausbrechen,  ebd.;  auch  üs-g. 

Wahrsch.  erst,  mit  unächter  A'ereinfachung  des  Diph- 
thongs, aus  dem  Nhd. ;  vgl.   ,Geiz  5'   bei   Gr.  WB. 

Gize»  U  (in  ZRafz  -(-)  f.:  1.  Wasserassel,  asellus 
aquat.  Sch;  ZStdt.  —  '2.  Blattlaus  ScuSt.;  ZWl.  — 
3.  Wasserschlänglein,  viell.  gordius  aquat.  oder  die 
gezüngclte  nais  Sch. 

Viell.  im  Ablautsverh.  zu  Geize  (vgl.  dort  bes.  4);  wie 
die  Asseln  am  hintern  Ende  des  Leibes  '2  hornartige  Fort- 
sätze zeigen,  so  besitzen  die  Blattläuse  eben  dort  2  Röhren, 
aus  denen  sie  Honig  fliessen  lassen.  S.  noch  Gijise  (Sp.  395), 
.Geize'  bei  Schm.-Fr.   und  giggen   (Gigger)  Sp.    176. 


Gitze°f.  GA..  Gitzi  II  n.'GKuVatz:  Kuderwanze. 
hydrometra. 

Man  muss,  wie  auch  das  Syn.  Schnidir-GeiHs  (Sp.  464) 
zeigt,  in  dem  langbeinigen,  rasch  und  unruhig  sich  bewegen- 
den Tier  einige  Ähnlichkeit  mit  der  Ziege  entdeckt  haben. 

Gitzinitzi:  Bleisalhe,  ung.  saturninum  Bs;  FWürz 
empfiehlt  1634  ,Gitzinätzi-Sälblin'  gegen  ,Fratte'  der 
Kinder.  —  Scheint  wie  ,(weisses)  Niohts-  eine  Entstellung 
ans  einem  l,^t.   Vf.  zu  sein. 

bi-gotz   s.  (biJGott. 

gotzig,  in  ScHwMuo.  gii-:  1.  adj.  Ausdruck  zur 
Verstärkung  bei  Zahl-  und  Quantitätsbezeichnungen, 
a)  in  Verbindung  mit  ,all.  manch,  jedes'.  Mängs  g-s 
Mal  Obw;  Z  ;  Syn.  ewig.    Jedes  g-s  (alli  g-i)  Mal  UwE. 

—  b)  nach  ,kein-  und  dann  auch  ,ein'  und  andern 
Zahlww.  die  Bed.  .einzig'  annehmend.  Kei"  g-(s)  Mal 
SoH;  Uw;  kei's  (einzigs)  g-s  Bing  (Dingeli)  Aa;  BO.  ; 
VOrte,  kei"  g-e  Brosme'  BD.;  S,  g-s  Brösmeli  Z,  kn 
g.  Bitzeli  Sch:  nicht  das  Geringste,  rein  Nichts.  Ke 
g-s  Wort  rede'  Z.  Si  hei  e  keinigergotzigerlei  me" 
[von  keiner  einzigen  Art  mehr,  übh.  gar  Nichts  mehr] 
,''  esse'  BHa.,  Hk.  E  g-s  Chind,  drei  g-i  Manne"  Z. 
I"''  han  [im  Spiel]  e  g-s  Trümpfli  g'ka",  en  g-e"  Ckegel 
g'icorfe"  [beim  Kegelschieben]  Sch;  Z.  Auch  als  Sup. : 
gotzigst  Sch.  Durch  vorgesetztes  .aller-  (Bd  I  170) 
noch  weiter  verstärkt  GrHo.  —  2.  Adv.,  in  Verbindung 
mit  dem  correlativen  so  —  als  i.  S.  v. :  manchmal,  oft. 
So  g.  a's  der  Götti  ckunnd,  bringt-er  m<;r  e  Helsete  UwE. 

Auch  Schwab,  und  bair.  Wie  das  Syn.  gottig  beweist, 
direkt  mit  der  beliebten  Adj.-End.  -ig  von  dem  abstr.  ver- 
stärkenden, bes.  vor  Quantitätsbegriffen  —  zu  denen  auch 
,all,  kein'  usw.  gehören  —  Gotts  (s.  Gott  B)  abgeleitet.  Vgl. 
auch  gotzen-gnueg  neben  gotten-g.,   sowie  das  steigernde  hmizig. 

bi-  s.  Gott  Sp.  519. 

Götz  Im.:  1.  Götze;  in  der  Eefonnationsperiode 
bei  den  Reformierten  =  Heiligenbild.  Wer  si'''  a" 
d'  Chircke"  lanet  [lehnt],  dem  fallt  Heckt  en  G.  uf  de* 
Ckopf.  SüLGER.  Ba  stä'  wie  en  G.,  steif,  unbeholfen  Z. 
,Da  fand  man  gar  vil  aufrechte  Stein,  so  wie  G-en  ge- 
standen.' Mise.  Tig.  17'24.  .Ein  schöner  G.,  schön  und 
ungeschickt;  in  eburnea  vagina  plumbeus  gladius.- 
Met.,  Hort.  1692.  ,Nun  band  wir  doch  all  wand, 
götzen  [Bild] -stock,  kilchen  voll  g-en.'  Zwingli.  .1534 
sind  die  burger  von  Aarau  rätig  worden,  die  g-en  in 
etlichen  hüsren  ze  suechen  und  die  ahweg  ze  tuen.'  Öl- 
hafen. ,Die  g-en  oder  bilder.'  ßs  Carth.  .[Es]  ist  dem 
vogt  nachgelassen,  die  g-en  abzeryben,  das  gold  darab  ze 
nemmen.'  1528,  Esterm.  NMan.  schrieb  eine  satirische 
, Klagred  der  armen  g-en'.  1660  werden  die  reformier- 
ten Glarnor  durch  das  Herumtragen  zweier  G-en  an 
der  Näfelser-Fahrt  geärgert  (Absch.).  .Die  Haager 
betend,  dass  man  das  Weibervolk,  dem  der  G.  noch 
im  Herzen  steckte  [das  noch  am  kath.  Glauben  hängt ; 
vgl.  ,Ö1-G.'],  dismalen  Nichts  zusuchen  wolle.'  1741, 
CTomann.  ,Götzli',  Puppe,  geschnitztes  Bild  Z;  vgl. 
EerrgöttU.  ,Oscilla,  kleine  bildle  oder  g-le.  Crepun- 
dia,  allerlei  ding,  damit  die  kind  kurzweilend,  als 
tocken,  schellen,  krüegle,  bilder  und  g-le  udgl.'  Fris. 

—  2.  stumm  da  sitzender,  regungsloser  Aa,  plumper 
und  dabei  hoffärtiger  Mensch  Ndw;  Syn.  Stock.  — 
Mhd.  götze  in  Bed.    1. 

Ö1-:  1.  Lichtstock,  bestehend  aus  einem  oft  ge- 
drechselten Stück  Holz  von  pyramidaler  Form  Aa; 
Zß.,  0.;   den  Tag   über   stand  er  in  der  Ecke   neben 


r.8i 


Gaz,  ffcz,  giz,  goz,  guz 


Jem  Handfass  f-  -D"  stä»  ^sitee",  dri"  /we^e»^  wie  en 
Ö.,  sprachlos,  verstockt,  regungslos  da  stehen,  bezw. 
glotzen,  allg.;  Syn.  Klotz,  Bloch,  Stock.  Wie  en  Ö. 
muen-i''-  stü",  klagt  der  Bahnwärter.  KMet.  18ö0.  ,Er 
sah  die  Frau  mit  offenem  Munde  mitten  in  der  Strasse 
stehen  wie  ein  Ö.'  Gotth.  ,Diese  Engel  .stehen  seit 
Menschengedenken  am  gleichen  Ort  wie  die  Ö-en.  Er 
kann  nicht  vom  Platz;  wenn  er  nicht  ein  wirklicher 
Ö.  wird,  so  werden  ihm  doch  Kopf  und  Beine  schwer.' 
ehd.  ,Er  sitzet  da  wie  ein  Ö.'  Mey..  Hort.  1692.  .Gleich 
einem  Ö-en,  eine  Zeit  lang  ganz  stumm.'  DTomann 
1708.  —  2.  kleines  Ölgefäss  AAFri.  —  3.  Heiligen- 
hild.  ,Lass  in  gotts  namen  die  ö-en  dennen  tuen', 
schreibt  Zwingli,  der  sonst  immer  ,Götz'  setzt.  ,Wie 
unbeständig  ist  auch  der  grösste  Reichtum?  Wie  bald 
brechen  die  Dieben  ein  und  stehlen  diesen  Ö-en  hin- 
weg?' JÜLK.  —  4.  Schimpfw.  für  einen  unbeholfenen, 
trägen  Menschen;  Einfaltspinsel,  Maulaffe,  Tölpel,  allg. 
,Stipes,  ein  Ö.,  Stocknarr.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Er  ist 
ein  rechter  Ö.'  Mey.,  Hort.  Iti9'2.  —  Ölgötze».  ,üa 
zu  stehen  wie  ein  Stock  und  z'  ö.'  Gotth. 

Gr.  WB.  erklärt:  ,eiD  mit  Öl  gesalbtes  oder  mit  Ölfarben 
angestrichenes  Götzenbild',  wozu  noch  zu  vergleichen  wäre: 
, Gleich  wie  in  unseren  Kirchen,  Kapellen  und  Klösteren  die 
Ölfarben  sich  an  etlichen  Orten  sehen  lassen,  dass  man  schein- 
bar den  und  diesen  Götzen  kennen  und  nennen  mag,  also 
ligt  in  vilen  Herzen  vom  Papsttum  noch  mehr,  weder  ins- 
gemein bedacht  wird."  1617,  J.JBreit.  Ob  die  RAA.  unter  1 
auf  einer  Vergleiehung  mit  einem  Lichtstock  (.Klotz' ;  vgl. : 
.du  stast  da  wie  ein  klotz,  ö.,  tilmann,  lüchter.'  Seb.Frank, 
Sprww.)  oder  mit  einem  (stummen)  Heiligenbild  beruhen, 
lässt  sich  nicht  entscheiden.  Vgl.  in  letzterer  Hinsicht  die 
Schwab.  RAA.:  ,Da  stan  wie  ein  hölzerner  Herrgott,  ein 
[g'Jpappeter  Jesus',  sowie  die  bildl.  Anwendung  von  ,Ölberger' 
(eig.  ,am  Ölbcrg  schlafender  Jünger',  was  viell.  auch  die  eig. 
Bed.  unseres  Ölgötz  ist)  auf  einen  schläfrigen  Menschen. 
Viell.  wurden  als  Lichtstöcke  Heiligen-  (Götzen-)  Bilder  ver- 
wendet, wofür  kämt.  ,Paule'  (wohl  eig.  =  Paulus)  sprechen 
wurde;  doch  kann  auch  ein  , Götze'  als  Typus  der  Unbeholfen- 
heit iibh.  betrachtet  worden  sein;  vgl.  Liccht-,  Bhch-,  Spuel-G. 
Feld-:  auf  dem  Felde  verehrtes  Götzenbild.  Ein 
Wiedertäufer  schalt  die  Heiligenbilder  .Feldgötzen' 
oder  Feldteufel  (s.  d.  bei  Gr.  WB.).  1.52.^.  Strickl. 
'  Herr-Götzli  s.  Herr-Gott. 
Liecht-Götz  =  Ölgötz  1  ZO. 
Läger-.  ,L-en  nenn  ich,  die  so  verrüemt  sind, 
dass  man  us  feren  landen  zue  inen  lauft  um  nach- 
lassung der  sünd.'  Zwingli.  —  Lager,  Lager,  Feldlager. 
Bloch-.  .Colossica  onera,  gross  und  schwer  last 
und  burdinen  wie  ein  bl.'  Fris.   —  Bhdi,  Holzblock. 

,Sau-G-en:  grun(d)ules  lares.'  Denzl.  1677;  1716. 
—  Sauf-.  ,Er  hat  Durst  und  betet  den  alten  S.  an. 
wie  man  sagt.'  Gotth.  —  Schwäbe"-G-li:  kleines, 
vergoldetes  Muttergottesbild  aus  gebranntem  Ton,  dgl. 
die  von  Einsiedeln  kommenden  schwäbischen  Pilger 
mitbrachten  und  (selbst  in  protestantischen  Gegenden) 
die  Kinder  auf  der  Strasse  ihnen  abbettelten  Z.  — 
Spuel-:  mittelst  einer  Schraube  befestigter  Pfosten, 
der  den  Spulrahmen  trägt  ZO.     Vgl.  Öl-G.  1. 

umme"-götze°:  wie  ein  plumper,  hoffärtiger 
Mensch  herumziehen  Ndw. 

Götzer i  f.:  1.  Bilderdienst.  .Abgöttery  und  G.' 
HBoLL.  157-2.  —  2.  concr.  u.  collect.,  Heiligenbilder. 
,Der  g'mein  mann  fiel  in  die  kilchen  und  rumt  die 
g.  uf.'  HBiLL.  1572. 


, götzisch':  götzendienerisch,  nennt  Grob  1599 
den  Wallfahrtsort  Einsiedeln  (mit  dem  wundertätigen 
Marienbild). 

Götz  11:  a.  Personenn.,  Koseform  für  verschiedene 
Namen,  deren  erster  Bestandteil  das  W.  .Gott'  ist, 
bes.  für  .Gottfried'.  1363.  ÄAWett.  Klosterarch.  ,Gott- 
frid  Zubler  von  Lenzburg,  genemmt  Götz  Scherer, 
half  euch  die  g-en  abtuen  und  zum  für  tragen.  Und 
wenn  er  ein  g-en  in  das  für  warf,  tribend  sy  iren 
schimpf  und  sagtend :  Da  treit  ein  g.  den  andern  und 
wirft  ein  g.  den  anderen  in  das  für.'  HBdll.  1572. 
Als  Familienn.  erhalten  Bs  (schon  im  XIV. /XVI.);  vgl. 
,Götzmann'.  1303,  Bs  Urk.;  ,Götzenhans.'  XIV.,  L 
Propsteirod.  Zum  gleichen  Stamm  gehört  auch:  ,Gotz- 
bert.'  IX-.,  Z  Urk. 

Götz  III  s.  Gott. 

er-götzen  s.  ergetzen. 

Güz  s.  Küz. 

GntZ  I  Ap;  BO.;  Gl;  Gr;  L;  Sch;  Th;  Uw;  U;  W; 
ZDättl.,  Glattf.  (neben  Gutsch),  Gutsch  II  AxWohl. 
(neben  Guggsch);  BM.;GO.,S.;Scavi;  Ztw.,  Gutsch  II 
GSev.  —  m.  —  PI.  Gütz,  bezw.  Gutsch:  1.  einmaliger 
Ausguss.  Schwall,  Strahl  überfliessender  oder  ausge- 
schütteter Flüs^siuk.'it.  iiaOO.;  Syn.  Flutz,  Platsch. 
Da  lit  e  gii»:<  Cr.  ir.is-rc.  Es  ist  rtier  en  G.  use' 
cho".  Welle  II"  ^\'lUl  rlnimif  :'  schie.'ise,  sclw  gad  es 
im  [dein]  Wiliti  Ins  11, Ihr  il'  Ann.  es  iriU  schrie,  aber 
e  Gilt:  'irnil  rlnninl  '»/  /x  Mini  iiml  rrslickt  'm  SiS 
Jamiiir,"  Ni.w  (Srlnvz,l.i.  .Cut/,.  S.^lilurk.-  1799,  G. 
Von  einer  in  ein  ÜvhWX  schlagenden  Sturzwelle  VwSee. 
Auch  vom  Regen  Th;  ZW.:  Z' GützCtvls  regne' ;  's  ist 
nif  en  G.,  der  Regen  wird  nicht  anhalten.  Syn.  Schutz. 
Do  chimnd  de''  Rege-Gutz,  iez  nmess  er  halt  e  chline 
Rutz  [Weile]  im  Scherme  [unter  Dach]  st"  L  (Schwzd.). 
Prägn.  =  Menge,  zunächst  von  Flüssigkeiten  BO.;  „L; 
W."  „E-  G.  Wi",  viel  W."  ,Diese  Kuh  gibt  nur  noch 
ein  Gutzli  [ein  wenig]  Milch'.  BH.  Du  cha"st-mp- 
noch  ,is  Gutzli  [Kaffee]  ge'  GrD.  Auch  von  trocknen 
Früchten,  z.B.  Äpfeln  BR.;  Syn.  Schwall.  —  2.  ,in 
einer  Grube  gesammeltes  Regenwasser,  von  dem  Men- 
schen und  Vieh  trinken  W."     Pfütze  Ap  (T.). 

Verhält  sich  z»  Ci»»  wie  Flutz  :  FIuh«.  Schutz  :  Sclnmn .- 
doch  so,  dass  mannigfach  («  für  tu  eingetreten   ist. 

Gutze  f.:  Lache  GLNäf.;  Syn.  Gttnfe.  -  Vgl.  fiutze 
und  bair.   .Geutschen',  Lache. 

gutze"  ThM.;  Uw,  gütze"  AAFri.;  ScnSt.;  UwE., 
gutsche"  Z,  gutschge-  GG.,  gütsche"  Aa;  Schw;  Tntw.; 
Z:  1.  überschiessen,  stossweise  uberfliessen,  spritzen, 
von  einer  schwankenden  Flüssigkeit  Aa;  Z.  —  2.  vom 
kollernden  Ton  in  den  Eingeweiden  bei  flüssigem 
Darminhalt  Z;  Syn.  gautschlen;  guderen.  —  3.  beim 
Umgiessen  von  Flüssigkeiten,  beim  Tragen  derselben 
usw.,  schwappein,  stossweise  grössere  oder  kleinere 
Mengen  davon  verschütten  „Aa;"  GO.;  S;  Th;  Uw; 
„Z" ;  Syn.  götschen.  Stossweise  z.  B.  Milch  auswerfen, 
von  kleinen  Kindern  beim  Erbrechen  ,Gr;''  ScnSt. 
Brunnenröhren  gutze",  wenn  sie  in  Folge  Eindringens 
von  Luft  das  Wasser  nur  schwallweise  aus.stossen 
Ndw.  [Der  Rossberg  beim  Sturz]  giitscht  [spritzt] 
an'n  Himmel  Schw  (Schwzd.).  —  Gütschete  f.,  Über- 
sturz von  Flüssigkeit  UwE. 

„Gutzle"",  Gutzlere"  f.:  liederliche  Hausfrau, 
die  aus  dem  Hause  notwendige  Gegenstände  verkauft 
oder  verschleppt  BO.     Syn.  Qimnte.  GittzU-'iVib. 


jaz.  gez.  gn.  goz,  gnz 


giitzle"  I  Ap;  BRi 
(jrM-BLeuk;    ZMünch.: 


gii- 


ApK. 


■hlc"  Zu., 


(lutschen  7   Ap;    Z.     Es 


gutzlet  no^''  im  Fässli  [beim  Rütteln],  also  ist  noch 
Etwas  darin.  —  2.  =  gutschen  3  Ap;  BLenk;  Z.  — 
3.  „heimlich  Hausrat  aus  dem  Hause  schaffen,  unter 
dem  Preise  verkaufen,  verschenken,  bes.  von  Haus- 
frauen Bü." 

Zu   3.     Die  vermittelnde  Bed.  wird  sein:  zu  Etw.  keine 
Sorge  tragen  und  es  somit  stückweise  verlieren;  vgl.  gudJen 


US-,  use"-:  1.  stossweise  ausfliessen,  spritzen  ß;  Z. 
—  2.  Flüssigkeit  durch  Unachtsamkeit  aus  einem  Ge- 
fäss  beim  Tragen  in  Folge  stossweiser  Bewegung  aus- 
fliessen lassen  Ap;  B;  Z.  —  ver-:  1.  =  «.s-f/.  3.  — 
2.  =  gutzlen  3  BO. 

Gutschli  M  utsclili :  Mischmasch,  in  der  RA.: 
G.-M.  mache"  ZBenk. 

Gntz  II  m.:  Emporschnellen  hu  Sprung.  Nimm 
e  G.,  schnell  dich  empor!  BSi.;  Syn.  Gump,  Gupf, 
CGe-J  Hutz. 

Viell.  übertr.  von  der  Bewegung  des  emporspritzenden 
Wassers  (s.  Gutz  I);  vgl.  aber  auch  das  Syn.  (Ge-)Hiitz: 
s.  noch  die  Ann),  zu  Guttch  III. 
gütze":  emporschnellen  UwE. 
Gntzel  m.:  Bettel.  ,Die  armen  pfarren  habend 
müessen  den  g.  us  armuet  anheben.-  Zwingli.  ,Mit 
dem  bettel  oder  g.'  Väd.  , [Durch  die  Abschaffung  der 
Zehenden]  sind  die  pfarrer  zue  mangel  gericht,  ja  zue 
g.  getrungen.'  HBn,L.  1572.     S.  noch  Gil  Sp.  212. 

güze".  „ganze"":  nach  Etw.  eifrig  werben  Gl. 
I'''  g.  nüd  dernä'';  es  liegt  mir  an  dessen  Besitz  oder 
Genuss  nicht  viel.  Bes.  aber:  Ämter  erschleichen, 
eifrig,  mit  unerlaubten  Mitteln  solche  zu  erwerben 
suchen,  indem  die  Stimmen  der  Bürger  auf  den  Tag 
der  Landsgemeinde  hin  durch  Weinspenden.  Geld. 
Versprechungen  usw.  gekauft  werden;  ein  Missbrauch, 
gegen  den  man  schon  seit  dem  XVI.  ankämpfte,  s. 
Blumer,  RG.  1,  2,  113  ff.  Er  tuet  Ja  um  das  Pösteli 
[Ämtchen]  g.  ,Uas  onverschamte  practiciercn,  g.  und 
trölen.'  1627,  Gl.  S.  noch  Güz-,  Practizier-Eid  (ßd  I 
03),  Guz-Schuld;  Land- Schlitten. 

Entspräche  einer  ahd.  Form  'ijuwezen  (vgl.  Gau,  Güir). 
mit  offnem  Munde  nach  Etw.  blicken,  verlangen;  der  Ausfall 
des  >€  hätte  Ersatzdehnung  bewirkt.  Das  W.  war  viell.  St. 
nur  literarisch  bekannt  (daher  -an-). 

„ver-:  [sein  Vermögen]  durch  Amterkauf  ver- 
brauchen Gl." 

Güz  er  m.:  1.  Stellenjäger,  Ämtererschleicher; 
Syn.  Ämtli-Fresser,  -Jäger.  -  -  2.  Bettler.  Bei  Ansh. 
neben  den  .Landstrychern'  unter  anderm  fahrenden 
Gesindel  aufgeführt. 

gutzle"  II:  1.  dringend,  unausgesetzt  bitten,  mit 
Schmeicheleien  Einem  anliegen.  Überredungskünste 
anwenden,  um  seinen  Wunsch  bei  ihm  durchzusetzen 
Aa;  BBrisl.,  Lauf. ;  S;  Uw;  Syn.  guslen,  gresten,  müe- 
den,  nöten,  an-hän,  -halten.  An  Ei"'m  g.  „Unver- 
schämt schmarotzen,  betteln  B;  Uw;  Z."  ,Dass  sy 
also  die  wittwen  mit  g.  betortend  [betijrten].'  Zwingli. 
,Wer  wollt  g.  für  dienen  hanV  UEckst.  Das  .Gützlen' 
des  Nachrichters  von  Lauis  wird  abgeschlagen.  1545, 
Aesch.  .Competitores  plures  obeunt,  so  vil  etwann  ein 
erenamt  begerend,  gond  sy  von  eim  zum  anderen 
darum  ze  g.  oder  ze  warben.  Lacessere  alqm,  mit 
bitten  und  g.  einen  unrüewig  machen  und  überlegen 


sein.'  Fris.;  JIal.  .Ich  überkam  vil  gelt,  dann  ich 
hatt  das  g.  und  bettlen  wol  gewont,  dann  darzue 
hatten  mich  die  Bacchanten  angents  brucht.'  ThPlatt. 
1572.  .Den  rechten  armen  mit  unverschämtem  g.  das 
iren  ablaufen.'  SHochh.  .Wann  ein  gläubige  Oberkeit, 
ohne  des  Beruften  ungebührlich  Nachwerben,  Practi- 
ciercn, Anstellen.  G.,  Geschenk  und  Gunst,  diesen 
Menschen  erwehlt.'  1616,  JJBreit.  Abschaffung  ,des 
unverschämten  Geläufs,  G-s  und  Bettlens  um  Wein 
und  Gelt  für  die  Häuser  derjenigen,  so  zu  Ehren- 
ständen befürderet  werden.'  XVII./XVIIl.,  Z  Ratserk. 
u.  Mand.;  s.  gllen  (Sp.  212).  ,Das  Nachlaufen,  G.  und 
Bettlen  junger  Lüten  in's  Brütigams  oder  der  Brut 
Hus.'  Z  Mand.  1650.  ,[Es  ist  der]  Frau  auf  ihr  immer- 
währendes G.  und  Klagen,  sie  könne  ihre  2  jungen 
Kinder  nicht  erhalten,  zugeben  worden,  zu  4  Wuchen 
um  20  ß.'  1676,  ZZoll.  Pfarrprot.  ,ln  culmo  arare, 
stets  bei  den  Freunden  g.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Die 
das  Versprochene  nicht  liefern  können  und  daher  uns 
mit  G.  und  Anhalten  um  Nachlass  höchst  beschwerlich 
fallen.'  1717,  Z  Ges.  ,Das  schändliche  Nachlaufen, 
Gützeln  [,Gu-.'  1779]  und  Bettlen  der  Kinder  bei  den 
Durchreisenden'  verboten.  1778,  ebd.  .Beim  Abschied 
gutzelte  [der  Fuhrmann]  um  eine  Vermehrung  des 
Trankgeldes.'  JTobl.  1790. 

Viell.  Intensiv-Bildung  zu  t/üzen,  wobei  der  Voc.  kurz 
geworden  wäre;  vgl.  auch  die  Synn.  jueiwen,  guenzlen,  gutzlen. 
Doch  Hesse  sich  auch  an  mhd.  guckzen,  gierig  blicken  (vgl. 
gueiKn),  denken. 

ab-:  (Etw.  von  Jmd)  durch  Bitten,  Schmeicheleien. 
Überredung  zu  erhalten  suchen,  abbetteln,  ablisten; 
ablocken  Aa;  Bs  (Spreng);  B;  S;  Uw;  U;  „Z".  ,Dass 
Christus  durch  [unter]  hüser  essen  a.  verstat.'  Zwingli. 
,A.,  elicere,  expalpare.'  Mal.;  Denzl.  , Durch  häufige 
Worte  die  Erhörung  Gott  a.'  JJUlr.  1727.  —  über-: 
durch  Betteln  beschwerlich  fallen.  ,Da  hat  man  sorg, 
dass  man  zimlich  ze  leben  hab,  one  beschwgrd  oder 
ü.  des  nächsten.'  Zwingli.  —  er-:  „durch  Betteln  oder 
Schmeicheln  erlangen  B;  Uw;  Z."  ,Ich  weiss  gar  wol. 
was  die  andächtigen  münchspredicanten  ergützlet  ha- 
bend.' Zwingli.  .Sölichs  tatend  sy  [die  Irrlehrer], 
dass  sy  sich  mit  nüwer  1er  kostlich  machtind  und 
damit  narung  ergutzletind.'  ebd.  ,Die  zeh  enden,  so  an 
die  klöster  ergützlet  wärind,  wäre  man  nit  schuldig.' 
1526,  Egli,  Act.  ,Der  Grossen  Gunst  und  Gewogen- 
heit e.'  JJUlr.  1731.     S.  noch  erguslen  Sp.  475. 

Gut  zier  m. :  Schmeichler,  Schmarotzer.  aaOO. 
,Ein  ungestüemer  G.  (Heuscher)  ist  verhasst  und  er- 
langet Nichts.'  Spleiss  1667.  .Aetolus,  ein  unver- 
schämter G.  oder  Bettler.'  Denzl.  1677;  1716.  S.  noch 
Giler  Sp.  213. 

Gutzli"  n.  :  Schmeichelkätzchen  (von  einem 
Kinde)  UwE. 

Gützlin    n.:    Bettelbissen,    kleines    Stück    Brot. 
Gaunerspr.,  bei  Edlib.  u.  Gengenb.  (,Gitzlin'). 
Gatzer  m.:  Gipfel  der  Tanne  FMu. 

Viell.  eine  Abi.  von  'yvtzcn  (aus  'gvggezen):  vgl.  Guggi, 
Gipfel,  Anhöhe;  doch  s.  auch   Gitui:. 

gützelen  s.  /,-. 

Gütze"  m.:  aus  Kautschuk  gefertigte  Ausgussröhre 
an  einem  Saugfläschchen  für  Kinder  B  (It  Schwz. 
ßauernkal.  1883).   -  Vgl.  Gutz  nnd  die  Anm.  zu  dem  Syn. 


gnz.    (Jazg— guzg.    Gha-orhn.    «ila  -o;ln.    Glab— gliilj 


Gützer  ni.:  Wetterglas,  Barometer  Bs. 

Güzi  s.  Gütschi  I. 

„Giizli  n.:  Sehwein  Sch."  --  Walirsch.  Dim.  zu  •(;,< 

vgl.  guf!  Sp.   472. 

gnezle":  sehmarotzen  F;  Abi.  Gitezhr. 

Viell.  entstellt  aus  gutzhn,  mit  .4ulehniing  an  Gnetali  (s. 
tjueteli):   vgl.  gnethu ;  oder  dann  verdorben  ans  fiutnzh'ii. 


gatzge":  1.  gackern,  wie  die  Henne  GRChur,  He., 
uVatz;  GO.,  Eh..  Sa.,  T.  .('acalismus  gallinarum,  das 
G.  der  Hennen.'  Denzl.  1716.  —  2.  stammeln,  stottern; 
„eilig  und  unverständlich  oder  verworren,  doch  vor- 
nehmlich (im  Unterschied  von  gaggen]  hell,  laut,  mit 
besonderer  Schnelligkeit,  jedoch  eigentümlich  stotternd 
schwatzen,  zunächst  von  Weibern  Ar^.  ,Balbutire, 
stammlen,  g.'  Denzl.  1677;  1716.  , Was  er  nicht  mehr 
aus  Forcht  und  Schrecken  reden  kann,  das  will  er 
doch  hier  noch  herausgagzgen.'  Goliath  1741. 

Aus  dem  bei  gaj:en  genannten  'gay>/eze>t  entwickelte  sich 
f/ulzgen  durch  ümstellang  ähnl.  wie  blitigen  aus  blickezen;  Tgl. 
aber  noch    die  Anni.   zu    Gehen. 

.Gatzger,  balbus,  Stammler.-  Denzl.  1677;  1716. 

,Stüde°-:  geschwätzige  Grasmücke,  sylvia  (mota- 
cilla)  curruca  (garrula)  Gl;  GRMaienf.";  Syn.  St.- 
Brudler.   —   Vgl.  das  frz.  /nuvette  h„Ulh,rfh: 

gauzgen  s.  gautschen  III. 

Geizgen  s.  Geizen. 

Bum-geizgi   s.  Ameise  Bd  I  216. 

gitzge" :  ein  Fangspiel  machen,  wobei  die  Kinder 
kreuzweise  laufen  GWe.  —  Viell.  nach  der  .jungen  Ziege 
(ij'it:ii  mit  ilu-en  tollen   Qnersprüngen   benannt. 


Gha — ^hii. 

ghei  s.  dehein,  kein. 

glii  khi:  scharf  abgestossene,  oft  mit  einem  eigen- 
tümlichen Zungenlaute  begleitete  Bejahungspartikel, 
i.  S.  v.:  Ja!  so  ist's!  recht  so!  W. 

Entspricht  den  in  BHa.  üblichen  Beteurungsformeln:  (/.' 
ti!  od.  toi!  toi!  auch  dit,  duit  u.  ä.,  welihe  hinwieder  waadtl. 
/v;,    /'/.    Diu,    GH,    Ghiu  =  frz.    Di'ii   entsprechen. 


Gl-. 

S.  .auch   unter    /--   (mit  Prät.   ./.-!   und   unter   KI-. 

Gla-glu. 

Glei  m.:  Schrei  GO.,  Rh.   -   Vom  folg.  Vb. 

gleie",  gleje':  gellend  schreien  vor  Schmerz, 
Angst,  Kitzel,  Schreck  GO.,  Rh.  Syn.  gellen,  günsen. 
Auch:  laut  weinen  GSa.  f;  Syn.  schrien,  brieggen. 
Vom  Grunzen  oder  Schreien  hungernder  Schweine 
GRh.    —    Mhd.  glien,   schreien. 

Gleiele»  Gte;/- GSa.\.  We.,  Galei(e)li  „GK'';GRh., 
Galajele,  |-  Gr  —  f.,  doch  vorzugsw.  in  dim.  Form: 
Maiblümchen,  -glöckchen,  conv.  maj.  Syn.  Maie-Hlsli. 
-   Gleie",  bezw,  Gleje  f.:   blaue  Gartenlilie  BHa. 


Aus  mhd.  gleie,  j/fo£e  f.,  mfrz.  u.  n\V  patois  glm(e).  frz. 
ghiieul,  lat.  gladiolua,  Schwertlilie  und  andere  lilienähnliche 
Pflanzen.  Vgl.  ,Geleien,  die  man  sieht  ze  meien',  mhd.  ~ 
Vocaleinschub  zw.  g  und  l  nicht  selten. 

gli  s.  glich. 


Glab-glub. 


(ilaube,  resp.  Globe,  selten  Glaub,  PI.  Glaube': 
1.  Glaube  an  Menschen,  a)  subj.  =  Glaube  an  Aus- 
sagen .Anderer  oder  an  selbstgefasste  Vorstellungen. 
Das  sind  (eso)  alti  Glaube",  abergläubische  Über- 
lieferungen Z.  Er  het  de'  GL,  glaubt  daran  Aa.  Er 
häd-em  de'  GL,  Zutrauen  zu  einer  Person  od.  Sache. 
I'''  han-em  de"  Gl.  verlöre"  Z.  I'>-  ha'  h,  [kein]  Glöbeli 
dra",  nicht  den  gprin(r<itpn  Gl.  GTa.  Dem  hän-i  ken  Gl. 
Z.  RAA.:  Drill  Cl  », -'',//(".  (als  Wahrsager)  den  leicht- 
gläubigen Leiii.n  iiarl.^.li,.,)  Z.  Dc  GL  macht  selig, 
angewandt  auf  I..;irlityl;iiibigkeit.  Me»  muess  im  de' 
Gl-n  i"  d'  Hand  ge",  er  ist  en  ungläubige''  Thomas  ScnSt. 
(Wortspiel  mit  Bed.  2).  Z'  Glaub  säge",  (Einem  Etwas) 
glauben  machen,  weis  machen  wollen  Ap;  BHk.,  R.; 
Ndw.  Die  G'lerten  icein  Eim  z'  Gloub  sägen,  d'  Weld 
[Erde]  gangi  z'ringetum  BR.  GL  geben  =G\.  schenken, 
s.  Sp.  73.  —  b)  obj.  =  Glaubwürdigkeit,  Zuverlässig- 
keit, Ehrlichkeit,  Wahrhaftigkeit,  Treue  von  Personen 
im  Verkehr  mit  andern,  hz.bonnefoi,  \a,t.fides,  Kredit, 
Ansehen.  Ehre.  Wo-me'  de"  GL  glö  (verlöre)  het,  do 
muess-men-e  wider  sueche"  L;  Z.  ,Uf  solichs  hab  der 
herzog  mit  synen  listen  understanden,  solichs  gelüpt 
und  gl.  mit  dispensieren  des  bobstes  abzetuend.'  1476, 
Bs  Chron.  .[Hülfeleistung  gegen  Frankreich]  gepüre 
im  nit,  angesehen  synen  gl.,  domit  er  dem  küng  von 
Fr.  in  friden  gewant  sy.'  ebd.  ,Also  haltent  die  Fran- 
zosen den  friden  und  iren  eid ;  inen  ist  ouch  fast  ge- 
mein gl.  brechen  und  dorzue  lachen.'  1479,  ßs  Chron. 
,Das  einig  laster  nimmt  in™  allen  gl.  vor  den  menschen.' 
ZwiNGLi.  ,Den  gl.,  den  wir  dem  nächsten  haltend.' 
ebd.  ,Ein  jeder  aber,  der  nit  gl.  leistet,  der  hat  nit 
billichs  vor  im  [nichts  Gutes  im  Sinn].'  Vad.,  als 
Übers,  von:  Omnis  i|ui  mentitur,  inique  facit.  ,Die 
statt  kora  von  (.nsdits  yl-s  und  haltends  wijgen  [w. 
Treubruch,  Vi-nut..-rri  |  nni  or  und  guet.'  ebd.  ,Aber 
die  [Geschichtsbücher]  der  Kriechen  [sind]  um  muet- 
williger  dichtung  willen  niena  den  gemelten  an  glowen 
und  warheit  zuc  verglychen.'  Ansu.  ,Es  ist  nit  lycht 
gl.  brechen,  ob  schon  der  bab.st,  so  das  gebüt,  den 
folgenden  schaden  abtrüege.'  ebd.  ,Mit  gebürlichem 
lob,  dass  ein  statt  Bern  ihre  pünd  und  gl.  von  keines 
glucks  wegen  nie  verändert  habe.'  ebd.  ,Wie  sieh's 
dann  g'wonlich  begibt,  dass  sich  die  alten,  stenden 
oder  abgonden,  geschlecht  ires  alten,  gueten  harkom- 
mens  und  bekommner  eren  und  glowens  vertrösten.' 
ebd.  —  2.  Gl.  an  Göttliches,  religiöses  Bekenntniss, 
zuweilen  dann  übertr.  i.  S.  v.  1.  Im  engern  S.  das 
apostolische  Glaubensbekenntniss  B;  Ndw;  Z.  's  Unser- 
rater,  de'  Gl.  und  die  h.  10  Gibot  soll  en  iederi  recht 
Mueter  iri  Chind  lere'  Z.  ,Hör  zue,  wie  es  im  gl. 
stand:  Er  ist  uf  gen  himmel  g'faren.'  UEckst.  ,Der 
9.  u.  10.  Erdbidem  wurden  mit  einem  starken  Putsch 
und  Zitteren  gespürt;  zwischen  disen  beiden  möchte 
man  die  10  Gebot  und  den  Gl.  erzählen.'  .T.lSciiErcHz. 
1706.     Wohl    mit    Beziehung    auf    das    ausführliche. 


587 


Glab,  glaub,  gleb.  glib.  glob.  glub 


588 


manche  Wiederholungen  enthaltende  nicäanische  Glau- 
bensbekenntniss  wird  ein  Gespräch,  wobei  man  das 
Gesagte  immer  wieder  wörtlich  wiederholt,  der'  lang 
Gl.  genannt  L.  Scherzh.;  ,der  hölzerne  GL'  =  Zucht- 
rute? ,Die  saumseligen  [Soldaten  im  Wachtdienst] 
sollen  mit  dem  hölzernen  Gl.  oder  mit  dem  Eisen  ge- 
straft werden.'  B  Mand.  1708.  De'  bringt  ke  [keinen] 
neue"  Gl.  üf.  von  Einem,  der  durch  sein  persönliches 
Ansehen  neuen  Brauch  einführen  zu  können  meint 
und  versucht,  aber  es  nicht  vermag.  Ineicuen.  Wie 
sollen  Diejenigen  [bei  gegenseitiger  Unverträglichkeit] 
leben,  wo  ,siben  glöuben  in  einer  stadt  sind?'  1531, 
L  Staatsarch.  ,Wir  wüssend  das  by  gl.  nit',  so  wahr 
wir  [an  Gott]  glauben,  so  lieb  uns  unser  Gl.  und 
Seelenheil  ist,  wahrlich.  SBirk  1535.  ,Der  Mensch 
niuss  nach  dem  Befelch  Gottes  des  Glaubens  under- 
richt  werden.'  Gülden  Bund  1585/1658.  Wortspielend: 
Wer  nid  glaube'  will,  muess  (cha'")  's  Vaterun.ser  bete', 
bis  er  zum  Gl.  chunnt  ScaSt. 

Die  Form  Glaub  erklärt  sich  als  Verk.  des  Nom.  der 
schwachen  Masc,  wie  Äs/ neben  Hü/e'  [Haufe],  während  die 
Form  auf  -e"  die  End.  der  Gas.  obl.  auch  in  den  Nom.  ver- 
setzt zeigt.  Sonst  findet  jene  Verk.  nur  bei  pers.  Begriffen 
Statt,  z.  B.  Beck,  Schenk,  nhd.  .Fürst,  Graf,  Herr.  Mensch, 
Narr'  usw. 

Aber-,  VI. -Glaube' :  im  concr.  S.  =  einzelne  aber- 
gläubische Vorstellungen  Z.  —  Un-:  1.  wie  im  heu- 
tigen Nhd.  —  2.  Treulosigkeit,  Wortbruch,  mauraise 
foi;  s.  Glaube  1  b.  ,üiewyl  aber  in  irer  not  wider 
herzogen  Carlin  der  kung  von  Frankrych  sich  zue 
inen  verbunden  hat,  könnten  si  nun  mit  keinen  eren 
ire  brief  länger  anstellen  und  den  küng  mit  undank 
und  u.  uf  sich  laden.'  Ansh. 

Reiben-  wird  15.53,  G  Stiftsarch.  der  Gl.  der 
Wiedertäufer  genannt;  vg\.  Schelmen-Gl.  —  Krifi,  Aas, 
dann  grobes  Schinipfw. 

Koler-:  Köhlergl.,  d.  h.  unbedingter  Gl.  des  ge- 
meinen Mannes,  z.  B.  eines  Köhlers,  an  die  Lehre  der 
Kirche;  über  die  urspr.  Bed.  s.  Gr.  WB.  V  1591.  ,Ihr 
Kolerglaub,  welcher  sich  einfaltig  auf  das,  was  die 
römisch  Kirch  annimmt,  stützt.'  JHHott.  ,Ein  baum- 
starkes Kohler-Ghlublein-  wird  ironisch  der  jesuitische 
Glauben  genannt.  Goliath  1741.  —  Miss-:  irriger  Gl. 
(je  nach  dem  Parteistandpunkt  der  katholische  oder 
der  protestantische).  ,Der  missgloub  der  eltren  mag 
den  kinderen  nit  schaden.'  Zwingli.  ,Dass  du  werdest 
underricht  im  waren  glauben;  den  wett  er  [der  Teufel] 
gern  üch  rauben ;  d'  sünd,  missglaub  üch  stellen  für.' 
RuEF  1538.  ,Von  Berneren,  deren  M-en  sye  ange- 
nommen.' RCys. 

Schelmen-:  vom  reformierten.  X.  von  Uw  hat 
zu  N.i  von  B  .g'redt,  ob  er  euch  aus  dem  sch-n 
wäre.'  1531,  AbSCH.  —  Mhd.  iichclm(c).  Seuche,  Aas;  vgl. 
Ke!ben-Gl. 

glaube":  1.  für  wahr  halten,  wie  nhd.  F'' glob 's 
gern  G.  [Ich]  glaub  's  u-ol,  natürlich,  versteht  sich  Z. 
Das  glaub  i'*.'  ebd.  Auch  bei  HPest.  1785,  S.  230. 
Ja.  will  's  globe  ApK.  Jo,  wirst  globe!  du  darfst  mir 
gl.  G.  Der  tanzet,  nie'  wird  's  gl.,  bis  in  alli  [tiefe] 
Nacht  i-e  [hinein].  Feurer.  I"''  han  d'r  g'wilss  wärli 
nid  weh  tun  welln,  uiirstgl.!  GpPr.  (Schwzd.).  Glaub 
[ich]  eingeschaltet:  Er  hat  dir,  glaub,  vil  z' tue'  g'ge" 
U;  Z.  JSttes  gl.  wie  Zucker,  leichtgläubig  sein  Gr;  Z. 
Mit  der  RA.:    Jo,  Jo,  wer 's  globt,   moant  [meint],    ns 


sei  qso,  wird  eine  zweifelhafte,  ungeheuerliche  Be- 
hauptung abgefertigt  GRh.  Wer  Hecht  glaubt,  wird 
Hecht  bitroge'.  Aber  auch:  Wenn  d's  näd  gern  globst, 
so  lass  si',  ns  kunnt  nn  Andara  und  globt's,  und  dann 
hast  Nünt  GRh.  De''  lügt,  dass  er  's  selber  glaubt 
[masslos]  ZO.  Das  Obj.  mit  ,in'  statt  ,an':  ,Die  da 
gloubend  in  syn  namen.'  Aal  1549.  Pers.  Obj.  im 
.\cc.,  daher  pass.:  ,Damit  er  [Gott]  'gloubt  werd,  nit 
veracht[et].'  Ruef  1550.  Z'  gl.  ge',  glauben  machen. 
Aber  dass  er  en  Prophet  sei,  git  mir  Niemer  z'  globid 
GSa.  (Proph.  1855).  Ihr  wurd-na  [würdet  ihnen]  z'  gl. 
ge,  der  See  teure  höcher  a's  das  Münster  z'  Zürich. 
GöLDi  1712.  Eim  Öppis  z'  gl.  mache;  weis  machen 
wollen  Ap;  Bs;  Syn.  z'  Glaub  säge'  s.  Glaube.  Dra 
gl.  mache',  überzeugen  ü.  Dra'  gl.  müesse',  etwas 
Schweres  (z.  B.  ein  Opfer)  auf  sich  nehmen,  über  sich 
ergehen  lassen,  sich  in  eine  Notlage,  ein  hartes  Schick- 
sal ergeben,  herhalten  müssen  B;  UwE.;  Z.  ,Frau 
N.  hasste  die  Wahlpanduren,  denn  sie  liebten  das 
Schmarotzen.  Sie  musste  dann  an  ein  Tischtuch  gl. 
[es  opfern,  sich  dazu  verstehen,  es  hervorzunehmen], 
musste  Dies  oder  Jenes  ihrer  Hausmannskost  bei- 
fügen.' GoTTH.  Zuweilen  als  Drohung:  De''  mues-tn^r 
scho'  no"''  dra"  gl.  Z.  Auch  geradezu:  zu  Grunde 
gehen,  sterben  m.  Bs;  L;  GA.;  S;  UwE.;  U;  Z. 
Scherzh.  auch  von  Tieren,  die  geschlachtet,  von  Sa- 
chen, z.  B.  einer  Schüssel.  Flasche,  die  verbraucht 
werden,  von  einem  Spielzeug,  das  zu  Grunde  gerichtet 
wird  L;  Z.  Dra  gl.  mache",  tüdten  U.  Viell.  hieher 
auch:  Der  Sehne  glaubt's,  er  muss  schwinden  Ap.  — 
•2.  bekennen,  gestehen,  einen  Fehler  B  (selten).  De'' 
Barsch  het  e  Schibe  ichegschlage;  mit  dem  aber  no''' 
nit  g'nue,  glaubsch  du,  i"''  bring  e  Ton  tis  dem  Lüs- 
bueb  use?  .  . .  Da  cheut  d'r  es  Bispil  ne,  tcie  's  geit, 
we"°  Wie"  Schibe  zerheit  und  de"  ni'it  glaube  tvill  BM. 
's  heig  Benzes  Ur  g'stole,  tceder  über  e  Tüfel  us  nüt 
welle  gl.,  du  heige  si  's  fürt  g'jagt.  MWalden  1879. 
.Man  muss  Alles  leugnen,  bis  Etwas  gsetzmässig  be- 
wiesen ist. . .  Es  sei  Einer  ein  dummer  Hund,  wenn 
Einer  glaube,  was  man  ihm  nicht  beweisen  könne; 
es  sei  schon  Mancher  unglücklich  geworden,  weil  er 
so  leicht  geglaubt,  was  man  ihm  angemutet.  Und 
z'  beweisen  habe  heutzutage  eine  Nase  und  wegem 
blossen  Glauben  könne  man  Niemand  mehr  strafen. . . 
Ich  glaube  Nichts,  bis  du  es  rechtmässig  bewiesen 
hast,  dass  ich  die  Briefe  geschrieben,  du  kannst  der 
Lügner  sein.  . .  Als  Eisi  hörte,  wie  P.  geplaudert,  ge- 
glaubt, eingestanden. .  .  Ich  glaube  Nichts  und  beweise 
man  mir  Etwas!..  Hättisch  g'leugnet,  warum  hast's 
geglaubt!'  Gotth. 

Mhd.  getovhen  mit  der  Nbf.  gleuhen,  aus  urspr.  galoubjan, 
daher  noch  mit  Uml.:  .glauben.'  Discurse  1721.  Die  KA. 
,dran  glauben  m.'  beruht  auf  der  Wahrnehmung ,  dass  der 
Mensch  vor  drohender  Widerwärtigkeit  gerne  die  Augen  ver- 
schliesst,  bis  die  Wucht  der  Tatsachen  ihn  nötigt,  die  Wirk- 
lichkeit anzuerkennen.  Betr.  die  Unbestimmtheit  der  Be- 
ziehung des  ,daran'  s.  ähnliche  RAA.  Bd  I  258  ff.  Bei  dem 
Ap:  der  Sehne  glaubl's,  kann  man  ergänzen:  dass  seine  Zelt 
vorüber  ist.  In  der  Stelle:  ,[ Verschwender]  sparen  nichts 
hinder  sich;  haben  sy  wenig,  so  sprechen  sy:  Was  sollt 
mich  das  nützen?  und  gl.  irem  guot  nit.'  SHochh.  1591; 
dafür:  ,und  sind  mit  ihrem  Gut  nicht  vernUgt.'  1693,  ist 
der  Sinn  wohl:  sie  wollen  nicht  daran  gl.,  dass  ihr  geringes 
Gut  doch  Wert  habe'i'  —  Bed.  2  beruht  auf  der  innorn  Vwdt- 
schaft  zw.  Überzeugung  und  Zeugniss  geben,  festem  Glauben 


580 


Glab— glub.     Glach  — glueh 


590 


er-:  .sich  Etwas  gauz  vorstellen",  glaubend  er- 
fassen. Meist  in  der  neg.  Verbindung:  Öppis  schier 
nüd  chönne'  e.  Aa;  Z.  Ir  chönnd  's  nüd  e.,  ^vas  i"* 
üsg'stande'  ha".  I'*  ha  gwüss  'zitteret,  du  chast  der  's 
nüd  e.  Wolf,  Bauerngespr.  —  Betr.  die  verstärkende 
Bed.   von  «•-  s.  Bd  I   402. 

be-:  =  glauben  i.  S.  v.  eine  Ansicht,  Meinung 
haben.  Der  Bote  ,beglaubt',  man  sollte  die  Türme 
abbrechen.  1541,  Absch.  .Wenn  die  Vögte  von  Eglisau 
und  Teufen  b..  dass  die  Schitl'leute  ihnen  im  Nasen- 
laich die  Fische  stören,  mögen  sie  ihnen  entbieten, 
14  Tage  stillzustehen.-  1545,  ebd.  I"'  bi"  iin  [dessen] 
beghiubt,  bin  der  Meinung.  GrLuz.  .[Es]  gesehihet 
zu  dem  Ende,  weil  [ich]  beglaubt  bin,  Sie  haben  .  . .' 
JCNag.  17.38.  -  Beglaubigung.  I"  der  B.  sl"  = 
beglaubt  si"  Z. 

glaub-bar:  glaubwürdig.  .Deren  zytbiecher,  kro- 
nik  oder  historien  uns  uf  disen  tag  die  glowbaristen 
sind  in  aller  weit.' Ansh.  —  glaub-haftig:  1.  gläubig. 
Ein  Stück  Eebland  wird  an  den  Altar  des  Fraumün- 
sters geschenkt:  ,X.  N.  sei.  sei,  ir  [der  Schenkerin] 
sei  und  allen  gelobhaftigcn  seien  ze  trost'  1387,  Z 
Staatsarch.  —  2.  glaubwürdig.  ,Es  ist  einer  kommen 
von  Cöln,  ein  glouphaftiger  mann,  seit  also  [usw.].' 
1474,  Bs  Chron.  —  glaubli'^'',  gläubli"":  wahrsch. 
ScHW;  eil.:  Gläupli!  (ich  finde  es)  glaublich,  glaube 
es  G.  Glaubwürdig:  ,[Es]  ist  uns  gelouplich  und  war- 
lich geschrift  zuekommen.-  147ö,  Bs  Chron.  Es  soll 
der  Gesandte  sich  bei  N.  erkundigen,  ob  ihm  dies- 
tallige  Briefe  bekannt  seien,  damit  man  bei  einem 
anfälligen  Rechtsstreit  .glouplichen  schyn'  darlegen 
kann  [überzeugende  Beweismittel  an  der  Hand  hat]. 
1.547,  Absch.  Adv.  glaubliche":  auf  glaubliche  Weise 
UwE.  ,So  langet  an  uns  [kommt  uns  Kunde]  gloub- 
lichen,  dass...-  15'29.  Absch.  —  un-:  1.  unglaublich. 
Es  ist  u.!  Ausruf  des  Erstaunens  Z.  's  ist  ungläupli''' . 
wie  eil  die  Nacht  g'sehade'  hat  Z.  .Unglaubliche 
Freud.'  JJ  Breit.  1039.  —  2.  ungläubig.  Eees  ist 
b'sungerbar  en  u-che  Mansch.  MWalden  1884. 

glaub-sam:  glaubwürdig.  ,Der  soll  sich  ent- 
slahen  [rechtfertigen]  an  den  Heiligen  mit  siben  ge- 
loubsamen  mannen.'  1252,  Gfrd.  ,Mag  er  [der  Be- 
schimpfte] die  wort  und  den  urhab  kuntlich  machen 
mit  dryen  glaubsamen  mannen.'  1539,  BThun  Stadts. 
,0b  aber  einer  den  eid  geton  hatte  und  jemand  den- 
selben des  eids  entsetzen  wollte,  das  soll  alsdann  mit 
siben  gloubsamen  mannen  beschechen.'  1545,  Absch. 
,0b  ein  frömder  käme,  soll  er  gloubsamen  schyn  er- 
zeigen [beweiskräftiges  Zeugniss  vorlegen],  dass  die 
unsern  under  syner  HH.  oberkeit  glycher  g'stalt  ge- 
halten wurden.-  1560,  Zg  Stadt-  u.  Amtb.  Als  Adv.: 
Mit  der  Verantwortung,  welche  N.  N.  vor  allen  3  Orten 
gehalten  hat,  will  man  sich  begnügen  ,und  im  das 
gloubsam  vergeben  [in  aller  Form  versichern],  dass 
man  im  wol  vertruwe.'  1547,  .^bsoh.  —  Glaubsanii  f.: 
Glaubwürdigkeit,  Beglaubigung,  Bestätigung.  ,Zue 
warer  gloubsami  und  warheit  [wird  gesiegelt].-  1513. 
Gfrd.  ,Des  zuo  Glaubsamnii.'  1590,  LE.  ,Glaubsamy 
zu  Stans  zu  tuende',  den  gesetzlich  auferlegten  Ver- 
sprechungseid leisten,  c.  1545,  Ndw  aLB. 

gläubig:  1.  wie  nhd.  's  chömme'  no  ziceu  so 
Hudelibudi  hindefiire"  und  luege"  gl.  de  frömd  Her 
«",  wo  Guezeli  tuet  usteile"  [mit  der  Zuversicht,  dass 
sie  auch  Etw.  bekommen]  Bs  (Breitenst.).  —  2.  glaub- 


würdig, zuverlässig.  ,Da  warent  zegegen  N.  >'.  und 
ander  gloubige  lüte.'  1303,  Z  Staatsarch.  ,Im  ward 
zue  lob  nachgeredt,  dass  er  gastfrei  und  gl.  an  allen 
den  gewesen  wäre,  denen  er  gelt  oder  guet  ze  geben 
zuegesagt  hette.'  Vad.  —  alt-:  dem  alten  Glauben 
zugetan,  katholisch.  .Gestern  sind  zwen  messerzuckig 
über  einandern  worden,  wie  man  's  nennt,  ein  nüw- 
und  ein  a-er.'  1530,  Absch.  (S).  —  un-:  1.  wie  nhd. 
.Bacchus,  die  u-en  [Heiden]  nennend  in  einen  Gott 
des  weins.'  Fris.  —  2.  unglaublich.  .Sie  bekennen  mit 
u-em  Eifer  die  Warheit.'  AKungl.  1688.  —  licht-, 
Hecht-:  1.  leichtgläubig,  allg.  —  2.  Subst.  =  Pietist. 
Aa  Schulm.  1887.  —  miss-:  1.  abergläubisch.  ,Von 
wegen  des  m-en  menschen.'  Zwingli.  —  2.  irrgläubig. 
,Also  dass  die  von  Uw  die  von  B  weder  ketzer,  nüw- 
oder  miss-gl.  scheltend  noch  derglychen  schmützworten 
wider  sy  usgiessend.'  1529,  Absch.;  ebso  1531,  Strickl., 
Act.  —  nü"-:  1.  so  werden  von  katholischer  Seite 
die  Reformierten  seit  der  Reformation  z.  T.  bis  heute 
genannt;  vgl.  die  Absch.  und  s.  Sohwzd.  29,  S.  86.  — 
2.  irgend  einen  neuen  Glauben  aufbringend.  ,Also  gat 
es  euch  den  gsandten  Gottes,  man  nennt  sy  nüwgl., 
ketzer,  abgeschnittne  glider,  rebellen,  kelchdieb.'  LLav. 
1584.  —  3.  Subst.  Sektierer,  Separatist,  bes.  Böhmist, 
wie  sie  am  Ende  des  XVIII.  und  Anfang  des  XIX.  bes. 
im  ZO.  blühten;  s.  Z  Gem.  U  375/8.  —  ,ring-:  leicht- 
gläubig." 

Schuld-Gläubig(er)  :     Crcditor    Ndw.     .Damit 
der  Schuld-Gläubig  nit  verkürzt  werd.-  1753.  Ap  LB. 


Glach— gluch. 


Gleich  n.  Aa:  Bs;  BE.,  M.;  VOrte;  Gl;  GrD.;  G; 
S;  Z,  Gleuch  BSi.  (auch  „Gläh").  GldchftJ  Ap  (in  ApK. 
Glächt)  —  PI.  Gleich  (in  Ap  Glächter  I):  1.  Glied, 
Gelenk  am  tierischen  und  menschlichen  Körper  (bes. 
an  Fingern  und  Zehen).  Dem  N.  ist  es  Gl.  g'sprunge" 
[gebrochen]  Z.  Er  hat  's  in  Gl-e",  leidet  an  Rlieu- 
matismen  Z.  üfe"-  Gl.  tceder  en  Pflegel  (ijs  Gl.  z'  wenig 
ZO.)  hä",  rüstig,  beweglich,  gewandt,  regsam  sein. 
Ke"  Gl.  ha",  langsam  sein.  Chüm  es  (ke'sj  Gl.  (nie'') 
oerrode"  {iveigge"  Schw,  mache'  B,  tue"  Aa)  chönne", 
sich  vor  Schwäche,  Müdigkeit,  Benommenheit  kaum 
(nicht)  rühren  können.  Kei"  Gl.  rüere',  untätig  sein 
Bs.  's  Gl.  mache",  ein  Glied  biegen  BE.  Do  chunnt  de 
Herr  au"''  wider  Miiet  und  es  Gl.  über,  zieht  d'  Pistole 
füre"  usw.  BWtss  1863.  ,Das  Kind  konnte  kein  Gl. 
machen  [kein  Glied  bewegen].'  Gotth.  .Er  sei  da  so 
wie  ein  Gstabi  [steifer  Mensch]  und  mache  kein  Gl.' 
ebd.  Sövli  [so]  schön  Herre,  sagte  es.  hätte  es  sir  Lebtig 
no  nie  g'seh",  die  giengen  so  graduf,  d'r  Tüfel  chönnt 
se  nit  chrümme';  es  glaub,  mi  [man]  chönnt-s^  äme-ne 
Bei"  grad  use"  ha,  es  miech  [würde  machen]  kenne 
kes  Gl.  ebd.  Gl.  ha",  sich  beeilen ;  häb  e  [auch]  Gl. .' 
GT.  Ei"'m  Gl.  mache",  zur  Eile  anspornen  Bs;  Z. 
Syn.  Bein  m.  Bildl.  RAA.:  Scho"  trider  es  GL  g'lä! 
sagt  man,  wenn  man  wieder  um  ein  Jahr  älter  und 
schwächer  geworden  ZWl.  Die  Sach  hat  ml  [mehr] 
a's  ei"  GL!  ist  schwer  zu  ordnen,  bewältigen  Gl. 
's  recht  GL  errate",  den  rechten  Fleck  trett'en.  ebd. 
Es  Gl.  hä",  dienstfertig,  verträglich,  gefügig,  will- 
fährig, billig,  nachsichtig  sein,  sich  zu  benehmen,  vor- 
und  nachzugeben  wissen  L.    Hand  öppe-n-es  Gl.  [lasst 


501 


ilach.  glech,  gleich.  g\\ 


;!ucl,.  gh, 


euch  bewegen]  I  Häfl.  !•''  will  der  au,'''  Oppe"  es  Gl. 
tue'  (ha'),  eine  Nachsicht,  Gefälligkeit  erweisen.  ,Ich 
habe  gesehen,  dass  Eins  nachgeben,  sich  ändern  muss, 
und  da  ist  die  Reihe  dazu  an  mich  gekommen.  Nit 
dass  Joggeli  nicht  auch  ein  61.  gemacht,  er  hat  sich 
auch  in  Manchem  gebessert.-  Gotth.  Er  het  es  Gl. 
g'macht  [nachgegeben].  BWtss  1863.  So  muess  ig 
ere-n-us  Dank  doch  an'''  es  Gl.  tue  [dankbar  sein, 
mich  erkenntlich  zeigen].  Schild  1885.  Spec:  (Wein 
ins  Glas)  einschenken.  Se,  häb  emöl  es  Gl!  Lue^, 
der  hat  es  Gl.!  L.  Kei'  Gl.  tue",  unbeugsam  sein, 
sich  zu  keinem  Vergleich  herbeilassen  Aa;  BE.  K.  Gl. 
rüere",  undienstfertig  sein  B;  ekeis  Gl.  hä',  hart,  un- 
nachgiebig, unnachsichtig  sein  L;  Ndw;  U.  ,Diu  ge- 
leiche des  fingeris.'  XL,  G  Hdschr.  ,[Das  Haupt]  von 
welchem  der  ganz  lyb  durch  die  gleich  und  zemmen- 
knüpfen  ernert  oder  zuegedienet  und  ufenthalten 
wachst'  ZwiNGLi.  .Die  gleich  synes  lybs  hangend 
styf  an  einander.'  1531/60,  Z  Bib.;  dafür:  .Gelenke.' 
1667.  ,Die  zechen  sind  zu  underst  gar  voll  gleich- 
linen.'  Vogelb.  1557.  ,Dass  er  [der  Bär]  wie  der  mensch 
seine  g'lenk  und  gleichwirbel  hindersich  lenket.'  Tierb. 
1563.  ,Dises  tier  [das  Elenn]  habe  kein  gl.  an  den 
beinen  oder  schenklen  oder  löufen.'  ebd.  ,Eeponere 
OS,  widerumb  einrichten  oder  ins  gl.  ziehen,  wenn  es 
verrenkt  ist.  Articulamentnm,  gl.  an  glidercn  der 
menschen.'  Fris.;  Mal.  ,Die  Glider  in  den  Gl-en  ab- 
geschnitten. Etliche  Gl.  von  den  Fiesseu.'  RCvs. 
,Wort,  die  dem  Menschen  durchtringend  alle  Gl.'  1615, 
JJBreit.  .Gelenk,  Glenk,  Gl.,  articulus.'  Red.  1662. 
.Vertebra,  Wirtel  eines  G(e)leichs.'  Dekzl.  1677;  1716. 
In  ä.  Zeit  wurden  die  Gl.  der  Finger  auch  als  Masse 
gebraucht :  ,Ist,  dass  syn  wund  fridbrech  wäre  in  der 
tiifi,  als  an  dem  längsten  flnger  das  vorderost  geleich 
lang  ist'  1385,  ScnSt.  (Vetter).  ,Ein  wundat  soll  heissen 
[ein]  stich  geleiches  tiefe  und  tiefer.'  1449,  BsRq.  ,[Es] 
soll  der  spitz  nit  lenger  syn  dann  zweier  gl.  lang.' 
1466,  GGebh.  Offn.  ,Ein  Messer,  das  usgat  [aus  der 
Scheide  vorragt]  eines  Fingers  oder  Gl-s  lang.'  1607,  U. 
Daher  noch  jetzt  i.  S.  v.  ,Grad':  Na  [noch]  um  es  Gl. 
schöner  ZWäd.  —  2.  Stengel-,  Astglied  an  Pflanzen, 
Knoten  an  Halmen  u.  Rohren  Bs;  „B;  Gr;  L;  Zg;'  Z, 
Keimauge  des  Erdapfels  LG.  ,Ein  krut  mit  gl-en  wie 
das  körn.'  KdGessn.  1542.  .Articuli  sarmentorum,  knöpf 
oder  gl.'  Fris.  ,Dem  Schoss,  das  man  [zum  Pfropfen] 
nemmen  will,  muss  man  nicht  mehr  dann  ein  Gl. 
lassen.'  Rhagor.  1633.  ,Man  nehme  die  Schosse  beim 
Gl.  oder  Äuglein.'  ebd.  ,Geniculare,  GL  bekommen,  in 
Halm  schiessen.'  Denzl.  1716.  —  3.  Glied,  Ring  einer 
Kette  Aa;  Ap;  Bs;  VOrte;  Z;  auch:  Chette(nc'J-Gl. 
,2  Geleiche  an  eine  Pflugkette.'  Bühl  1795.  —  4.  Ge- 
lenkfuge, Scharnier.  ,Dcm  maier  von  geleichen  und 
fänlin  ze  malen  (ferwen).'  1512/21,  B  Taschenb.  [wahr- 
scheinlich Scharniere  an  Waffenstücken].  ,Ein  eiserner 
Rigel,  so  in  seinem  GL  gehet'  Kriegsb.  1644.  — 
5.  Fuge  in  einem  Bruchstein  Ap;  ZO.  ,Ein  in  seine 
Gl-e  abgeteilter  Stein.'  JJScheüchz.  1706;  dafür:  .Ge- 
lenke.' 1746.     S.  das.  die  Abbildung. 

Mhd.  ydeich  n.,  Gelenk,  Glied,  Fuge.  Dass  das  Präf.  schon 
früh  durch  Ausstossiing  seines  Voc.  mit  dem  Stamm  ver- 
wuchs, ergibt  sich  daraus,  dass  in  unserer  Form  GInch  das  y 
die  selbe  Aussprache  (als  reine  media)  hat,  wie  das  von  Glaube, 
t/lich,  Glid  U.A.,  während  das  dem  nhd.  .Gelenk"  entsprechende 
G'gknk  mit  i-  anlauten  mUsst«.  An  Entstehung  von  GUsich 
aus  (dem  allerdings  gleichbcd.)  ,fielenk-  ist  auch  darum  nicht 


za  denken,  weil  die  dazu  nötige  Vocalisieiuug  dus  Xas.  nur  iu 
einem  kleinen  Teil  des  Verbreitungsgebietes  von  Gleich  vor- 
kommt Nächst  vwdt  wird  leich,  Spiel,  Tanz,  sein  (dessen 
urspr.  Bed.  wohl  ,freie,  leichte  Bewegung'  war)  und  mit  an- 
derer Ablautstufe  lieh,  Leib,  dessen  bewegliche  Teile  ja  eben 
Gleich  heissen.  Vgl.  noch  widleieh.  —  eu  (BSi.)  aus  ei,  wie 
anderswo  nicht  selten  vor  Spiranten:  ä  in  Ap:  BSi.  regel- 
mässige Vertretung  von  ei;  -(  angehängt  wie  in  Facht,  Geficht. 
In  Gläh  BSi.  scheint  h  ein  fast  verflüchtigtes  ch  zu  bezeichnen. 
,Under-Gleich:  Kegelgelenk,  d.  L  das  an  den 
Hinterfüssen  des  Viehs  (von  oben  an  gezählt)  nahe  am 
Euter  liegende  Gelenk  Schw;  Zg."  —  Uter-:  „das 
Backen  oder  Schenkelbeingelenk  von  Tieren."  Hinter- 
kniegelenk Gl;  GRPr.  —  Finger-.  ,Eins  Fingers- 
gleichs  lang.'  1607,  üürs.  Talb.  .Ungefährlich  eines 
halben  F-s  lang.'  FWürz  1634.  —  Fisle»-.  bzw. 
Fisel-:  ,Kötegelenk  Aa;  B;  L;  S;  Z";  Fesselschien- 
beingelenk. Arch.  Vet.  1820;  Fussgelenk  GrD.  — 
Hand-:  Handgelenk  L.  —  Tüme°-:  Gelenk  des  Dau- 
mens. .Wäre  ouch,  dass  diu  wunde  also  tief  ist,  dass 
si  gät  an  das  erste  t-gelech,  das  ist  der  bluodslag.' 
129U,  AARheinf.  Stadtr. 

gleiche",  in  W  -ne':  1.  ein  Gelenk  hin  und 
her  bewegen  ,Schw;  Zg"- ;  „die  Glieder  rühren  W." 
D'  Filess,  de  Arm  gl.;  Syn.  roden.  D'  Hand  ist-em 
erstagged,  dass  er  si  nilmme'  cha  gl.  UwE.  Refl.: 
a)  sich  rühren.  I'''  chönn  mi'''  nümme  gl.  und  nid 
ötne'  [atmen].  Stütz.  —  b)  angestrengt,  fleissig  ar- 
beiten, rüstig  sein  Aa;  es  cha"  si'''  gl,  ist  rüstig, 
gewandt.  Er  müend-i  [ihr  müsst  euch]  gl.  Z.  ,Sich 
nicht  gl.  können',  langsam,  schwerfällig  sein  Z.  G'sta- 
bnt'j  [steifer,  störrischer]  Tondar  [Donner,  als  Schimpf- 
wort], chast  di"''  nid  gl.!  zu  einem  Zugtier  beim  Ein- 
spannen GrD.  —  2.  übh.  Etwas  vermittelst  eines 
Gelenkes  biegen  Aa;  Gl;  Z.  Gelenkig,  nachgiebig 
machen.     I'''  ivill  di'''  schon  no'''  gl.!  GrD. 

Mhd.  ijeleichen,  gelenkig  biegen,  welche  Bed.  auch  lenk-en 
hatte:  vgl.  sich  leiehen,  von  den  Beinen  beim  Schreiten. 

Gleicher  m.:  Hode,  von  Tieren;  Metzgerspr. 
Syn.  Gleichling.  —  Als  Teil  eines  Gelenkes  (.Gleiches') 
betrachtet. 

.,ge-gleichet:  mit  Gelenken  versehen,  allg." 
Mhd.  gilt  iu  jener  Bed.  geleiikei,  was  aber  auch  ,gebogeu, 
gefaltet'   bedeutet   und   als  Ptc.  von  lenken,    biegen,    zu    be- 
trachten.   —    S.   noch  yegllchet. 

gleichig.  ,allg.",  in  FJ.  gle'chig,  in  BSa.,  Si.  gleh-, 
glähig,  gläuhig,  in  BSa.  auch  gläi:  „gelenkig,  allg.;" 
geschwind,  gewandt,  flink,  schnell  BSa.,  Si.;  FJ.; 
Syn.  gleitig;  auch :  frisch,  munter  BSi.  Die  Dionders 
Mützera  [Donners-Schelme]  slge-mu  [seien  ihm]  z'glähiy 
gsin,  es  heigi  keis  i\tn  denen  Nasseren  chönnen  chrosnen 
ol  tschuppnen  [erwischen,  ertappen]  BSa.  As  chlei"s, 
ranns  [schmächtiges],  aher  Instigs  und  gl-s  Schunlnr- 
bunbli  GrD. 

ä,  e,  äu  aus  ei  wie  beim  Subst.,  s.  Gleich.  Ulüi,  viell.  glä-i, 
durch  fortschreitende  Verflüchtigung  des  h  und  allerdings 
beispielloser  Abstossuug  des  auslautenden  y.  Vgl.  mhd.  ge- 
lenklichc,  mit  Geschicklichkeit  Betr.  die  Möglichkeit  einer 
Abi.  aus  .gelenkig'   s.  Anm.  zu   Gleich. 

„un-i  ungelenk,  allg."-;  was  sich  nicht  leicht  bie- 
gen und  wenden  lässt  ungeschickt,  plump  Bs  (Spreng). 

gleichle":  bei  den  Gelenken  beugen  ScnSt 
(Sulger);  Syn.  glidlen,  knödlen. 

„Gleichli-'g:  Hode  B;  LE.;  Z;-  Syn.  Gleicher. 
A.  1297  sollen  in  Bs  einem  geistlichen  Manne,  der  mit 
einer  jungen  Frau  heimlich  gebuhlt  hatte,  die  Nieren 


Slfit'li.  ^Uv\\.  ?,'! 


59) 


oder  Gl.  ausgeschnitten  und  mitten  iu  der  Stadt  zur 
iirt'entlicheu  Schau  aufgehenkt  worden  sein.  t)cns.  — 
Vgl.   nervm.  Sehne,  auch:  männliches  Glied. 

gleichsam:  gelenkig.  .Die  jungen  füle  habend 
gl-e  glider.'  Tierb.  1563. 

nn-  (u'gleisem):  ungelenkig,  steif,  wie  z.B.  die 
Kinger  hei  Kälte  AAWohl.  .Wann  Knödlein,  Knie. 
Füss.  Finger  hart  und  ungleichsam  seind.'  FWürz 
1634.  ,So  einer  hat  ein  hart  und  ganz  u.  Knie  ge- 
habt, dass  es  ihm  ist  bestanden,  mit  fast  grosser  Härte 
und  Schmerzen.'  ebd.  —  Hier  ist  ch  vor  «  verflüchtigt  da- 
gegen assimiliert  in  nhd.  .Gleissuer'  aus  nihd.  g(e)lichst'vaere. 

glich,  häufig  -»--,  in  W  tw.  gll.  I.  Adj.:  1.  von 
übereinstimmender  Beschaffenheit.  Die  sind  denand 
[einander]  gl.,  nie'  chönnt  «*  nid  gllcher  mache"  ThHw. 
Verst.  Mr-gl.,  gleich  bis  auf  ein  Haar,  auf  das  Kleinste 
Tn;  Z;  und  tupf-gh  [aus:  das  ist  uf  de  Tupf,  Punkt, 
gl.]  Zb;  s.  noch  3.  3Ier  [wir]  sind  gl.  üf,  Keiner 
dem  Andern  Etwas  schuldig,  quitt  Aa;  Syn.  tvett 
(-üf).  Sprww.:  Gl.  Briieder,  gl.  Chnppe".  Sulger.  Gl. 
suecht  enand,  Gl.  (ind't  enand.  ebd.;  vgl.:  Gl.  Vögel 
liocked  uf  gl.  Äst  L.  Glichs  und  Glichs  find't  enand 
Gl;  Z,  g'sellt  si'''  gere'  UwE.;  Syn.  Sätihäfeli,  Säu- 
deckeli.  ,Glychs  gesellt  sieh  gern:  der  sich  ze  dien 
bösen  gesellt,  dem  beschicht  och  böslich.'  1386,  Z 
Batsb.  ,Glychs  und  gl-s  einanderen  suecht.'  Euef  1550. 
.Glycher  Wechsel',  ein  Tauschhandel,  hei  welchem  in 
Folge  der  Gleichschätzung  der  Tauschobjecte  kein 
Teil  ein  Aufgeld  zu  zahlen  hat :  N.  N.  gibt  der  Abtei 
eine  seiner  Hörigen  ,ze  einem  gl-en  w.'  um  eine  Hörige 
der  Abtei.  1413,  Z  Urk.  ,[Sie]  könden  keins  geliehen 
mit  im  bekommen',  sich  nicht  ausgleichen,  einig  wer- 
den. 1449,  Urk.  Samen.  ,Er  folgt  den  jungen  syns 
gelich.'  Salat.  Dem  Eel.-Pron.  angehängt  und  dann 
ziemlich  bedeutungslos:  ,Diewyl  die  vom  üsschuss, 
dcrglychen  der  merer  teil  des  adels,  allhie  gewesen.' 
1525,  Absch.  IV  1  a  787  u.  Adv.  a)  alleinstehend,  mit 
starker  Flexion,  a)  blosser  Gen. :  ,glichs',  gerade  aus, 
in  der  gleichen  Pachtung:  .Es  gat  ein  fuesspfad  in  den 
werd  über  den  acker  und  da  über  glychs  an  der 
schmeli  unz  an  den  werd.'  XV.,  Aa.  ,Der  weg  soll  gon 
glychs  über  jeglichs  ort  der  acher,  die  harusgond  unz 
an  die  eich.'  ebd.;  vgl.  Ricliti,  schnueriichtigs;  G'redi. 
—  ß)  mit  der  Präp.  ,zu'.  ,Z'  glichem,  promiscue,  sequa- 
liter,  ffiquis  partibus,  passibus.'  Id.  B;  z'  Gl.  teile",  in 
gleiche  Teile  zerlegen  B.  Wart  uf  en  Eiche'  [einen 
reichen  Freier],  der  dir  ist  z'  Gl-e'.  Tobl.,  VL.  II  205. 
Unflektiert:  ,Mit  den  Füssen  zugleich  gestanden!' 
lautet  das  Kommando  zum  Schliessen  der  Füsse.  Ende 
.VVII.,  Unuerricht  f.  Musquetten;  vgl.  zesammen-füess- 
ligen  Bd  1 1096.  —  b)  mit  vorgesetztem  Pron.  deraonstr. 
1)  .derglichen':  mit  Subst.  oder  allein  =  von  solcher 
Beschaffenheit;  wie  nhd.,  aber  selten  und  nicht  recht 
volkstümlich,  da  dafür  meist  derig  oder  settig,  sellig 
gebraucht  wird.  —  2)  d^rgli'che'  (derglie  AAFri.;  Zo; 
ZKn..  derglier,  -gllr  Schw;  Zg,  dergli  Bs  It  Spreng), 
des,  dei  gliche  Gr,  dem  gl.  ZW.,  ''em  glie  ZHed.,  am 
gliche  ZLunn.,  in  Verbindung  mit  dem  Vb.  ,tuen' : 
a)  sich  den  Anschein  geben,  allg.  Nu''  (numme)  d. 
tue'  Aa;  Z.  B.  tue"  f'tä'J  ist  ('no''' lang)  nit  (nimig) 
g'kallieret  {g'kälblet  GBern.)  Gl  (auch:  g'küechlet) ;  Z, 
in  S  auch  mit  dem  Zusätze:  d'  Stiere'  gruxen  [brüllen] 
aic''.  ,Die  gelych  tuend,  wie  si  sich  der  lüten  glückes 
fröwend  und  in  doch  von  herzen  leid  ist'  XlV./XV.. 

Schweiz.  Idiotlkou  II. 


Marc.  v.  Lindac.  , Longe  alius  ingeuio  quam  simu- 
lationem  induerat,  vil  änderst  geartet,  weder  er  der 
gleichen  tat.  Aeger  alicui,  der  dem  gleich  tuet,  als 
ob  er  krank  sei.'  Fris.  ;  Mal.  .Taten  dem  glychen, 
als  wollten  sie  es  annemen.'  RCts.  ,Dergleichen  ihr 
dann  auch  tun  sollen,  als  wann  ihr  heimwärts  schiffen 
wollen.'  GGoTTH.  1599.  ,Er  tut  dergleichen,  als  wenn 
er  solche  weder  gesehen  noch  gelesen  hette.'  Abfer- 
tigung 1609.  S.  auch  ,vergalsteren-.  Mit  Neg. :  nicht 
tun,  als  ob  man  Etw.  bemerkt  hätte,  nicht  umsehen, 
ganz  ruhig  bleiben,  bes.  auch:  den  Unschuldigen 
spielen,  z.  B.  indem  man  eine  geheime  Absicht  ver- 
birgt Gr;  Z.  ,Ferre  obscure  aliquid,  etwas  verbergen 
und  nit  dem  gleichen  tuon.'  Fris.;  Mal.  Kei°  Gl. 
(Glicheli)  tue',  Nichts  merken,  verlauten  lassen  G. 
.Auch  mit  unbestimmtem  Dativ-Obj.:  Er  häd-em  d. 
'tä'  Z;  Vgl.  ,üster  heisst  der  winde;  er  wehet  us  Üster- 
rych;  er  will  uns  zesaiuraen  binden;  er  tuet  im  wol 
gelich  [hat  ganz  den  Anschein].'  1443,  Tobl.  VL.  In 
üw  mit  vorgesetzter  Präp.  ,zc':  zpn  (Übw),  z'  (Ndw) 
Gliche.  Auch  von  einem  Anschein,  dem  Wirklichkeit 
zu  Grund  liegen  oder  folgen  kann :  D'  Geiss  tued  zum 
GL,  si  well  gitzle'  Ndw.  —  ß)  vergelten.  ,Reddere 
gratiam,  ein  guottat  widergelten,  ei""ni  der  gleichen 
dargegen  tuon.'  Fris.  —  2.  mit  Art.  zur  Bezeichnung 
der  Identität,  der  Selbe,  Nämliche,  allg.  Er  ist  eisster 
der  gl.,  von  unverändertem  Charakter  Z.  Es  göt  eisster 
de"  gll,  s.  Bd  I  532/3.  Es  ist  Alls  über  d's  Gliche 
usecho  [über  den  gleichen  Leisten  geschlagen]  B.  ,Wer 
in's  gleiche  Wetter  kommt,  wird  ungefähr  gleich  nass, 
selb  ist  seit  langem  der  Bruch.'  Gotth.  S.  noch  u. 
umme-rlten;  Seil.  Verst.:  ,Haar  den  gleichen  Tabak.' 
XHerz.  1862;  für:  ,den  haargleichen',  ganz  denselben. 
Adv.,  wie  bei  1.  a)  blosser  Gen.  desglichen,  ebenso, 
gleichfalls.  Als  Erwiderung  einer  Anrede,  z.B.:  A.  Du 
bist  en  Esel!  B.  Du  d.!  Gueten  Appetit!  .\ntw.  D.! 
Z  (aber  nicht  recht  volkstümlich),  st.  dessen:  ebe'-, 
glichfal's.  Verstärkt  durch  zugesetztes  ,selb':  .Audi 
Eaguel  desselbengleich.  sein  Frau  und  Tochter  lend 
dich  alle  grüssen.'  GGottb.  1619.  Dann  mit  Weg- 
lassung von  ,des':  ,Ihr  Vatter  Eaguel,  Anna,  ihr 
Mueter,  selbeuglych.'  ebd.  Aber  ,der  glich(en)'  in 
der  Bedeutung  von  1  b  2:  ,So  etwas  sich  wollt  sehen 
Ion,  derglych,  als  wolltend  [s']  mit  uns  schien  [sich 
schlagen].'  JMurer  1559.  —  b)  mit  Präp.  ,in':  Es 
göd  (ist)  mit-em  im  Gliche"  [Zustand],  der  Kranke 
befindet  sich  weder  besser  noch  schlimmer  Ap  ;  Z.  Es 
gäd  im  Gl.  (zuej,  dieses  Geschäft  lässt  sich  mit  einem 
andern  verbinden,  erfordert  keine  besondere  Bemühung, 
,eädem  operä  fit'  Z;  Syn.  in  Ei"'m.  ,In  Gl-em,  im 
Gl-en' :  ebenso.  ,Ein  schiff  mit  gueten,  englychen  wol- 
verrichten  [gerüsteten]  knechten.'  Edlib.  ,In  gleichem.' 
AKlingl.  1691.  Der  Pfarrer  soll  an  den  Sonntagen 
die  Predigen  und  Kinderlehren,  ,in  Gleichem  in  der 
Wuchen  die  Predigen  halten.'  1766.  Rohner.  Mit  ,ze': 
z'  Glichen,  zugleich.  Ml'  Chabis  [Kohl],  z'  Gl.  aw'' 
ml .  . .  [folgen  andere  Namen  von  Pflanzen]  GRSch. 
(Schwzd.).  —  3.  gleichgültig.  Es  ist-mer  gl.,  gilt  mir 
gleich  Ap;  Bs;  B;  üw;  Z;  Syn.  ei'  Tue',  ei"  Ding 
Bd  I  270;  egal,  's  ist-mer  Alles  gl,  bin^i'''  arm  oder 
rieh  Th.  S.  auch  Gold.  In  diesem  S.  auch  gesteigert : 
lez  isch(es)-mer  glicher  weder  [als]  früener  Z.  Das 
ist-mff  am  allergllchste'  Z.  Es  ist-mp-  glich  drum, 
Ablehnungsformel  L.  Da  '.'ich  [das  ist]  gl.,  d'  Frau 
iscM  rieh!  ruft  ein  kuhner  Spieler  Rs;  Z.    Umgek.  hat 

•J!S 


595 


Glach,  glei-h,  glich,  glucli. 


Hiich 


596 


die  RA.  es  ist-mer  gl.  zuweilen  nicht  den  Sinn  wirk- 
licher Gleichgültigkeit,  sondern  bedeutet  so  viel  als: 
ich  nehme  einen  Vorschlag   nicht   ungern  an    Z.     So 
gl.  aß)s  lang  Aa  ;  Bs  (entstellt  aus :  .so  lang  als  breit'). 
Verstärkende  Zss. :  Gr'ad-gl.  (zsgezogen  u.  assimiliert: 
graggll),  auch  Subst.  „gleichgültiger  Mensch  S."  , Hell- 
gleich.' GoTTH.     Es  ist  vier  härgllch,  was  cV  Lüt  säged, 
sehr  gleichgültig  Z.    Vgl.  1  u.  2.     Dies  noch  einmal 
verst.:  Es  isch-em  hörchleigl.  drum.  Schild.    ,Das  gült 
uns    alles   gl.'    1443.  Lied.     .Wenn's    [letzte]   stündle 
usg'louft,  mir  gilt's  gl.,  ich  töd  in.  er  sei  arm  ald  rych 
[sagt  der  Tod].'  Ruef  1550.    .[In  Pestzeiten  sprechen 
Manche]   frevenlich:    Es  muss  [doch]   gestorben  sein, 
darum  gilt's  mir  gleich.'  JJBreit.  1629.  —  4.  gerecht, 
billig,    unparteiisch;    vgl.  lat.  ,ieiiuus'.     ,Wie    sy    [die 
Vorgesetzten]   das   glychest   und   best   bedunkt   syn.' 
c.  1485,  Z  Katserk.    ,I)ass  wir  nüts  anders  denn  glychs 
[was  recht  und  billig"  ist]  begerend.'  Edlib.     .Diewyl 
sich  Dr.  Eck   erboten   hat,   wo    er   zu  glychem  blatz 
[einem   für  beide  Parteien   gleich    sichern,   günstigen 
Ort]  kommen  mög,  wolle  er  den  Zwingli  überwysen.' 
1524,  Absch.     .Die  ir  ärater  verwaltind,   das   sy  euch 
darin  glychs  [gleiches  Recht]  haltind,  also  gwalt  soll 
glychem   nachgon   [unparteiisch  sein].'    UEckst.     .Gl. 
ujid  gemein',  unparteiisch.    , Erber  lüt  und  geschworn 
schryber,  die  mengklichem  by  dem  zil  gelych  und  g. 
syn  und  yedem  syn  gepürlich  recht  zuogeben.'  G  Ge- 
sellenschiess.  1485.   ,[Die  Aufseher  über  die  Benützung 
der  Allmenden]  sollen  schwören,  menniglichem  glych 
und  g.  ze  syn.'   c.  1485,  Z  Ratserk.     ,Die  sach    usze- 
richten  und  darin  gelych  und  g.  ze  sind.'  1493,  Senn, 
Urk.    ,[Der  Landvogt]  soll  ein  gl-er,  gemeiner  richter 
syn  dem  armen  als  dem  rychen,  niemand  zu  lieb  noch 
zu   leid.'    Z  Eid.  —  II.  Adv..   meist  dem  Adj.  gleich- 
lautend,   nur    in   Bed.  4    vorherrschend    gll.     1.   ent- 
sprechend I  1 :   gll,   «que   L.     Mer  sind  glich  starch. 
Er   macht  's  gl.   tvie  ich.    allg.     ,0b    die  4  [Schieds- 
richter]   stössig    [streitig]    wurdent    und    sich  gelych 
teiltend.'    Edlib.     .Ich   seufze   gleich    ein  Pellikan  in 
der  Wüste.'   AKlingl.  1691    (für  modernes  ,gl.  wie'). 
Mit  vorgesetztem  ,zu':    ,D'  Tochter  muess  schaffe  eme 
Meitli  z'  gl.  L.     .Da  die  Boten  hier  [in  Baden]    ohne 
Gotteswort  zuo  glych  dem  Vieh   wyslos   umhergehen 
müssen.'    1530,  Absch.     .Die  band   zuoglych  dem  Lu- 
cifero  sich  selbs  erhept  in  hoffart.'  Salat.     .Welcher 
das  nit  [dankbar]   erkennt,   sollte   under   tyrannische 
beherrschung   syn   gebunden    und   zueglych    irer  alt- 
vordren  gezwängt  und  gedrängt  werden.'  Ansh.    .Zue 
glych  ist  ouch  grad  dise  sach  [gerade  so,  gleicherweise 
verhält  sich's  auch  mit...].-  JMürer  1559.    ,Dass  die 
äffen  zuo  gleich  dem  menschen  ufrecht  ynher  treten.' 
TiERB.  1563.    Gl.Cg'Jseh:  1)  ähnlich  sehen,  im  Äussern. 
Er  g'seht  dem  Vater  (verst. :  uf  und  änli''-)  gl.  Sch  {gli) ; 
Z.     Si  g'sehnd  enand  e'  glich  wie  zwe  Tropfe  Wasser 
Bs  (Spreng).   —  2)  dem  Charakter  entsprechen  Sch;  Z. 
Bas  sieht   (g'seht  Z)-em  gl,   ist   seine  Art   Th.     Es 
(fsäch-em  nit  z'  gl.  Bs.    Von  Sachen :  Bas  g'sehd  Öp- 
pisem  gl,   ist   etwas  Rechtes,    gut   gemacht    Z.     ,Ich 
muess  von  Greg,  melden,  dass  er  vil  schrybt,  das  der 
sach  gar  nit -glych  sieht  [nicht  zutrifft].'  LLav.  1569; 
dafür  1670:    ,Sachen,   die  den  altvätterischen  Fabeln 
mehr,  als  der  Wahrheit  ähnlich  sind.'  —  3)  den  An- 
schein haben.     Es  g'seht-eiii  eso  gl,  wie  wenn  's  wett 
schneie'  Z.    ,G1.  so',  eben  so.    .Nimm  ein  wenig  leben- 
digen schwi-bel,  abfeileten  von  einem  hirzenhorn  gleich 


so  vil.'  VoGELB.  1557.    ,G1.  so  torechtig  ist  es,  wenn  . . .' 
LLav.  1569;  dafür  1670:  .nicht  weniger'.  Mit  folgender 
Vergleichungspart. :  ,Ein  lug  ist  gl.  so  guet  zuo  trucken 
als  ein  warheit.'  1556,  Brief.    ,GL  als',  gleichsam,  so 
zu   sagen.     ,Der   fluss,    so   durch   den    Losanner   und 
Jenfersee  sich  gl.  als  lutert  und  milde  machet.'    Jos. 
Mal.  1593.    ,Ohne  underlass  und  gl.  als  täglich.'  ebd. 
,G1. . .  oder  (ald) . .',  gleichviel  ob  . .  oder  . .    ,[Der  Tod 
spricht:]    wie   bald   ich   eim,   gl.  morn   ald  hütt,   die 
stund  [Stundenglas]  mit  myner  band  erschütt!'  Rüep 
1550.    ,Da  die  fürnemste  Beherrschung  bei  einem  ein- 
zigen Haubt,  gleich  geistlichem  oder  weltlichem,  stat' 
RCts.    .Das  junge  Volch,  sy  gangind  gl.  in  die  Schuol 
ald  nit.'  Z  Mand.  1650.     ,GL  . .  als'  (oder . . .  ,so'),  so- 
wohl ...  als  auch  . . .    ,Von  den  abgefallenen  Christen 
[den  Reformierten]  gh  in  als  ussert  dem  Vatterland.' 
RCts.     ,Von  den  Brot-Wägeren  soll  gleich  das  Brot, 
so  auch  die  Gewicht  visitiert  werden.'  Z  Mand.  1700. 
—  2.  a)  doch,  dennoch,  gleichwohl  (gleichviel  ob  ein 
Hinderniss  stattfinde).    !''•  will-drr  [ijes  gl  no"''  Öppis 
g'e,  wenn  d'  sclio  so  u'verschant  g'si  bist  Th;  Z.    Geb  's 
was  's  well,   nur  gönd  jetz  glich.   Stütz.     Si  händ  gl 
[trotz   der   Kälte]    müessen   i  'n   Wald   [gehen],    ebd. 
B'  Famili   chostet  vil  im  Jör,  gl.  hett  »'■*  g'meint,   es 
müesst-is   besser   g'röte".    Feurer.     ,Diss   kraut  trägt 
schwarze   körnli   und   hat    doch   gleich    ein   goldgele 
bluost.'  TiERB.  1563.    ,[Der  Abt]  soll  ohne  Silber  und 
Gold  [ohne  Entschädigung]  und  wann  es  die  Nottur'ft 
erforderet,  glych  zue  14  Tagen  umb  Gricht  und  Recht 
halten.-  1610,  G  oUtzw.  Otfn.    Oft  nur  im  schwächern 
Sinn  von  ,doch',  in  Ausrufen  des  Unwillens  oder  der 
Verwunderung.     Syn.  ämig  aw-''.     Nei',   gl  au'''!   Z. 
Bu   bist  gl.  aic''  en  [boshafter,   nichtsnutziger]  Kerli 
du!  Th;  Z.    Bu  bist  doch  gl.  en  När!    's  ist  doch  gl. 
au'''  e  Sach  (Meini'g,  grossi  Ströf)  Z.     So  Öppis  ist 
denn  gl.  under -em  Hund  [zu  arg]    Z.     Bie  händ  gl 
aw''  schöni  War!  —  b)  zwar,   obgleich.     ,Wie  glych 
sich  etwas  zuoher  treit,  von  wem  es  well,  so  gilt  es  gl.' 
RüEF  15.50.    ,Bist  du  hie  untrüw  und  glych  von  Men- 
schen nit  gestraft  wirst,  so  wird  es  Gott  an  dir  rächen.' 
HBull.  15.58.   ,Dass  die  hueber  die  höuw  [Holzschläge] 
nit  yngezünt,  oder,  was  sy  glych  gezünt.  nit  dermassen 
gezünt,    dass  es  vor  dem  vech  sicher  blyben  mögen.' 
1564,  Hotz,  Urk.  ,Es  ist  besser,  es  hab  einer  wenig  mit 
gueter  gwüssne  und  behalt  syn  lob,  ansehen  und  fryg- 
heit,  weder  dass  er  gl.  vil  sollt  überkommen,  hernach 
aber  die  tVvi^'heit    verliere.'   1585,  Absch.     ,Drum  soll 
man  nit  uiteileii  sl.  | schnell,  voreilig,  s.  4],  der  Mensch 
syg  gl.  ;inii  oder  rych.-   Com.  Beati.     S.  noch  ge-viert 
Bd  I  925  u.  —  3.  nahe.     .Her  N.  N.  blab  [blieb]   da 
oben  gl.  by  der  statt.'  Sicher  1531.    ,G1.  an  der  Statt 
bei  dem  nideren  Tor.'  1578,  HPantal.  —  4.  meist  gli; 
glich  nur  Bs  (seltener  ,ili):  llBe.,  Si.;  GrD.;  W,  Comp, 
meist  (mit  euplinni-.h  nn-rsrliobenem  w)  gll-n-er  Aa; 
Gl  (auch  (/?j-en :  S,u«.M.io.;  (_i;  S;  Tn(-i-J;  Z,  gli-er 
Schw;    UwE.,    glijer   Nuw.    Sup.    glln^t    (zum    Comp. 
gll-n-er),  gll-ist  Schw;  Uw:   a)  bald,  früh,  allg.;  Syn. 
gli-lacht.    Es  ist  gl  g'scheh,  das  Geschäft  ist  in  kurzer 
Zeit   abgetan   Z.     Churzes  Här  ist  gl  'bürstet.     Mrr 
hei  nid  g'wiisst,  ob  d'  gl  chunnst  oder  später.    Chumm 
gl  wider!  Abschiedsgruss   G;   Z.     Se   [lasst   sehen]! 
weZ«''e  cha"  's  der  gllst  [am  ehesten]  Schw.  Bie  Nächste 
sind  am   glinste  deheim   Z.     Am   Frltig  •;  Lieh,   nn 
ändert  glich,  stirbt  Jmd  am  Freitag,  so  wird  bald  ein 
neuer    Todesfall    eintreten    GrD.     Gli    Winter,    lang 


TiOT 


Glach,  glecli.  glich,  glo 


Winter.  Schild.  Gü  d'  Storche  gli  fürt,  git's  gl.  Winter 
II  »d  gl.  Früelig,  gö  si  spät  fürt,  git  's  s^wt  W.  und 
.<liül  Fr.  ebd.  Brum,  liehe  Petrus,  sind  so  giiet  und 
liiiit  mi  gli  i  Himmel  irme,  o  bitti!  tient  ech  iiil  hiiii/ 
//'sijmc»/  U  (Schwzd.).  Am  Morge"  gl.  S.  Glich  cm  ist 
li.Si.;  S:  1)  Iiald  aiinuif.  2)  .'ndlirli  ..'innial.  Heft  [halte] 
di--''  iili  .n,/w  siill'  (MMiii.  cimli.  alsbald  Ap;  GA.; 
U;  /.  S.  in.rh  ,iN-hui.  .N.  X.  ward  blind  an  eim 
"Ujj  und  starb  ifl.-  .Salat.  .Ich  lian  erlept,  das.s  man 
den  kernen  hett  geben  um  6  pfd,  glich  darnach  hett 
man  in  gen  um  12  batzen.'  1540/73,  UMey.  Chron. 
.Da  der  Citrangulo,  so  er  ein  weil  ligt,  gleich  gel 
wirt.'  TiERB.  156.3.  ,Wie  etliche  [Äffinnen]  .so  lampecht 
dutten  bettend,  dass  s'  inen  gl.  zuo  schwer  wärend.' 
ebd.  , Ihr  syd  mit  der  ersta  Mass  glich  fertig  g'si.'  Göldi 
1712.  .Gleich  kein',  nicht  leicht  (bald)  Einer.  .Wo 
einer  erfroren  wäre,  also  dass  im  mit  gl.  keiner  arznei 
nier  ze  lielfen.'  Tieru.  1.563.  .Welichs  gstäud  zuo 
oberst  aufscheusst.  dass  gl.  kein  mensch  dazuo  kom- 
men mag.-  ebd.  —  b)  absbald,  sogleich  AAZein.;  „B;" 
UnPr.;  „L;'-  GSa. ;  S;  ,.Z."  Wo  der  Vatter  isch  heim 
cho,  het  's  mer  gli  nit  g' falle  [bedenklich  geschienen]. 
Breitenst.  .Auf  solche  Weis  wir  glich  glich  band 
z"  fressen  und  z'  sufen,  was  mier  wend.'  Com.  Beati. 
.T)u  musst  darum  nit  gli  mänen,  üwer  Glouben  sei 
nialfitzisch.'  Kunkelst.  16.55.  Schwankend  zwischen 
a  und  b:  .Welicher  dir  arbeitet,  dem  gib  sein  Ion 
gleich  schnell.'  1530.  Tob.  , [Sobald  wir  Vögte  reiche 
Einnahmen  gemacht  haben]  so  füerend  wir  glych 
grossen  bracht  [Aufwand].'  Aal.  ,Dass  die  glöubigen 
durch  kein  werk  gerecht  gehalten  werdend.  Gl.  bald 
zeigt  er  klarlich  an  . . .'  Z  Bib.  1560.  ,Dor  Rat  klagt, 
die  Schulmeister  werden  gl.  [nach  der  Einsetzung] 
hoffärtig.'  1593,  Wild,  Eglis.  ,Ziehnt  fry,  mich  tunkt, 
er  woll  gl.  ga.'  Com.  Beati.  —  c)  sobald  (als).  ,G1. 
aber  [wieder]  ein  Jahr  ummen  ist,  d'  Geiss  werdent 
nit  unfruchtbar  syn.'  Com.  Beati;  Syn.  bald.  Bald  im 
S.  V.  fa.st,  beinahe  B;  Z.  !"■  hett  's  gl.  la'  falle"  BBe. 
—  5.  (entsprechend  I  4)  billig,  vom  Kaufpreis.  ,Ich 
gebe  die  Waare  so  gl.  als  möglich'  Schw. 

Mhd.  (jdich(e).  in  der  gewöhnlichen  Bod.  mit  Dat.  oder 
Gen.  oder  Instruni.  verbunden,  woraus  sich  die  Gen.  ,des-, 
dergleichen',  bes.  auch  in  Verbindung  mit  ,tun',  erklären, 
obwohl  im  letztern  Fall  mhd.  der  Dat.  ,dem'  gilt,  aus  dem 
auch  unsere  Nebff.  em,  am  verkürzt  sind.  Aus  der  Bed. 
,gerade,  eben'  des  mhd.  Wortes  und  aus  unserm  ,glichs', 
geradeaus,  erklärt  sich  die  Bed.  ,nahe'  (weil  auf  einer  ebenen, 
glatten  Fläche  jede  Bewegung  schneller  vor  sich  geht)  und 
aus  difeser  die  entsprechende  zeitliche  ,bald'.  Die  mhd.  Bed. 
.hillig'  erscheint  in  unserm  I  4  u.  II  5.  —  Die  Form  -glichr.n 
ist  adv.  Casus  des  Adj.  neben  dem  regelmässigen  adv.  rihch 
aus  ijdiclie,  und  da  die  erstere  oft  mit  Präp.  verbunden  war, 
so  gieng  diese  Verbindung  auch  auf  die  letztere  über,  in 
ziirihch,  neben  deni  ja  (in  der  Bed.  nimitl)  auch  einmal  zu- 
r/lichen  bezeugt  ist.  Die  Form  -<jli(<:h)er  dürfte  auf  Assimi- 
lation an  den  vorangegangenen  Art.  beruhen  oder  einen  Comp, 
anstreben;  eine  noch  mit  an  den  Stamm  anschiessendem  (  und 
mit  der  beliebten  Endung  -ig  weiter  gebildete  Form  in  adv. 
Anwendung  gibt  HBulI.  1531:  .Ihr  sollend  nit  schweren  weder 
bym  himmernoch  byni  erdrych,  noch  einigerlei  derglychterig 
schwüeren.'  Am  merkwürdigsten  ist  die  formelle  Differen- 
zierung des  Adv.  in  Bed.  i  gegenüber  dem  Adj.  durch  Ab- 
stossung  des  ih;  aber  sie  ist  ja  keine  durchgehende,  da  die 
Form  gli  auch  in  andern  Bedd.  des  Adv.:  der  gh  lue",  gh 
g'se",  gh,  aeque  (auch  1.  S.  v.  billig,  wohlfeil)  und  sogar  beim 
Adj.  einmal  (eiiter  de'  gli)  vorkommt,  umgek.  für  die  Bed. 
.bald'  auch  die  Form  glfch  (nicht  nur  in  ä.  Zeit);  so  dass 
an   der   Identität    und   l'ontinuitat    beider    kein   Zweifel    sein 


kann.  Die  conjunctionale  und  zwar  concessive  Bed.  ist  zu 
erklären  wie  in  dem  nhd.  ,ob-gleich',  entweder  durch  syn- 
faktis.l.f  VcischifbunL'  .l^^  .-l.irb'  ans  dem  Hauptsatz  (wo 
.■■.  ,.l>-ini.i,-li-  li,.,l,.ntrt|  ii,  .1,.,,  \r:„.„vitz,  oder  durch  Auf- 
riissiin-  (l.'K  .-Icidr  I.  S.  V.  Jnliis.lin,,.  („bjwohl';  vgl.  Sp,«;. 
,iili.-b'  =  .snli.il.l  als'  iTkläit  villi  il:ir:iiis,  dass  in  unserer 
Vnlksspr.  auch  .bald'  für  ,sobald  als'  gesetzt  wird,  doch 
wahrsch.  nur  durch  nachlässige  Aussprache,  resp.  Verflüch- 
tigung des  vorangehenden,  unbetonten  ,so'   (ar). 

ic-glich  (inhch):  Jeder  GRPr. 

an-:  ähnlich,  gleichgeartet.  ,Die  geschwü-stergete 
sind  einandern  etwan  angleich,  dadurch  sy  Gott  in 
einikeit  verbinden  will.'  LLav.  158'2.  —  Ahd.  anmjnhrh. 
Ein  zweites  Beispiel  aus  ÄgTschudi  s.  b.   Gr.  WB. 

un-:  1.  wie  nhd.  D'  Impere  [Himbeeren]  ivei-de" 
gar  u.  zltig  Bs.  .Die  Waare  sei  gar  ungleich  ge- 
schafft [gearbeitet].'  Breitenst.  De  Glich  und  der  U. 
hand  mit-enand  en  Laib  Brod  ufgesse"  [vgl.  der  Ehe' 
und  der  Unebe"].  Gl.  und  U'gl.  fangt  kein  Chrieg  a'. 
U-i  Zu,  ii-i  Lüt.  U.  Nature"  händ  u-e  Lust.  U.  Schussle' 
mache'd  schelh  Auge'.  E  Glichs  und  en  U'gllchi  ma- 
clied  e  Grads.  Sülger.  ,Die  Naturen  sind  ungleich, 
diversis  diversa  placent.  's  geht  ungleich  in  der  Welt, 
der  eine  hat  den  Beutel,  der  andere  das  Geld.'  ebd. 
,U.  auskommen  mit  den  Dingen',  Etw.  nicht  recht  zu 
Stande  bringen.  ,Es  wird  u.  gekocht  und  u.  gegessen.' 
,Ire  kunst  rüemen  und  ir  aber  u.  syn  [in  den  Lei- 
.stungen  nicht  entsprechen].'  Zwingli.  —  2.  ungerecht, 
unbillig,  parteiisch;  Gegs.  zu  glich  14.  .Wer  zue  einem 
kriege  oder  gestösse  kunnt  und  u.  scheidet,  der  soll 
5  pfd  besseren.'  1379,  Absch.  ,Die  Orte  möchten  dar- 
über keine  u-e  Missgedanken  schöpfen.'  1640,  Abscu. 
.Trachtet,  unsere  gerechte  Sach  schwarz  zu  machen 
und  frörade  Potenzen  wider  uns  in  ohngleiche  Ge- 
danken zu  bringen.'  Z  Publ.  1712.  ,In  Betreif  der 
u-en  Zulagen  und  Verläumdungen  [wird  die  Ehre  der 
Betroffenen  verwahrt].'  1715.  Abscu.  Adverbial:  ,[Da 
es]  etwan  zu  unglychem  by  den  Wirten  mit  [der]  Ürtin 
zugat,  habent  MHH.  für  gut  erkennt,  dass  ein  Tax  im 
Selbigen  gemacht  werde.'  1628,  Gfrd.  Substantivisch: 
,die  wag  glych  und  r..  ht  lialten.  dass  nieman  dehein  u-s 
[Unrecht,  Überv..rteiliniii|  widerfar.'  TiiDiess.  Stadtr. 
,Wenn  ein  herr  und  vngt  by  einander  ze  gericlit 
sitzend,  welcher  teil  dann  den  gottshuslüten  unglychs 
wollte  tuen  oder  ze  hert  syn,  so  soll  der  ander  die 
lüt  schirmen  zue  einem  glychen.'  1473,  ZWiesend. 
Otfn.  ,Mit  dem  swert  zue  demüetikeit  zemmen,  dass 
er  furbasser  niemans  tue  u-s.'  1475.  Bs  Chron.  ,[Die 
Christen  sollen  glauben  an  den  Papst  und  seine  Kirche] 
und  was  die  tüegen,  sye  ytel  heiligkeit  Gotts,  so  doch 
nüt  unglychers  und  widerwärtigers  [wäre],  wie  das 
ire  wort,  werk  und  gepott  anzeigend.'  Ansh.  —  3.  „  Un- 
<//i.rLW.«,  iymiix  „LG.;"  ScHW;Uw;  ZLunn.,  Umhli.r 
ScHwMa.,  Unglet  GA.,  Unig  GG.,  in  Verbindung  mit 
, machen,  stiften,  geben':  Zwist,  Uneinigkeit,  Händel, 
daher  U-stifter,  Händelstifter,  „Wettermacher  LW.;"- 
GA.;  ScHwMuo.,  Verdruss  LG.,  „Umtriebe  Obw",  Hin- 
dernisse, Unfälle  UwE.  Ei"m  U.  [Unannehmlich- 
keiten] annemache''  aScHW,  U.  mache,  lustig  machen 
ZLunn.,  Stdt  f-  -Von  laiden  [Verzeigen]  der  grossen 
unglitt.  . . .  Von  der  ungehorsamkeit  wegen,  dass  zue 
zyten  grosse  unglitter  werden  und  sunst  anders  über- 
gangen wird  und  man  das  nit  laidet  und  angi'^t'  Ar 
LB.  1409.  ,In  ungli(ch)t  scheiden.'  ebd.  .Wann  un- 
glitter alder  krieg  werden.-  ebd.    .Von  frid  ruefen  in 


i\e,:h.  glich,  gloch.  gluctl 


ÜOO 


grossen  miglichtcr.  Wann  ein  gross  unglitt  wird,  es 
war  an  unsern  kilwinen,  jarmärkten  ald  hochzyter[n].' 
ebd.  ,Etlich  unglichmacher.'  1525.  HsStock.  Die- 
jenigen, denen  es  mit  .unglicht'  wohl  sei  [d.  i.  Rauf- 
bolde]. 1525,  Absch.  Eine  Frau  habe  von  dem  nach 
Salz  ausreitenden  Vogt  von  Krienz  geredet:  ,Ist  das 
Krienzerli,  der  sü-igel,  uf  wegen,  so  ist  aber  ungligks 
gnuog  vorhanden.'  1531.  Schw  Staatsarch.  ,Abt  Ber- 
thold Hess  selten  ein  unglitt  [Streit]  hinkommen,  er 
stackte  [mischte]  sich  ouch  daryn.'  Vad.  .Wenn  zwü- 
schet  gsellen  unglit  wirt  und  under  in  entspringt  ein 
irdt  [Irrung].'  ebd.  ,Und  ist  aber  der  N.  [der  einen 
Todschlag  begangen  hatte]  sunst  ein  grosser  unglich- 
macher g'syn.'  1561,  ZWthur.  Chron.  ,Es  ist  ouch 
besetzt  und  angenommen  worden,  dass  alle  die,  so 
sahen,  dass  unglider  seind,  dass  man  frevnen  will, 
sollen  scheiden  und  frid  machen.'  1519,  Ap  LB.  .Grosse 
unguter.'  1585,  ebd. 

In  3  stehen  verschiedene  Formen  iind  Bedd.  neben  ein- 
ander, die  sich  nicht  leicht  vereinigen  und  alle  ohne  Weiteres 
auf  .unglichfesl'  zurückführen  lassen;  doch  ist  das  Letztere, 
mit  Aunalun.-  iiirliita.h,  r  Entstellung  und  Umdeutung,  die 
wahrscluiiilhlii  ili  umlloini.  —  Was  zunächst  die  Bed.  be- 
trifft, so  k:uiii  lii.  \"i  Im  Tischende,  , Uneinigkeit,  Streit',  ohne 
Weiteres  :uil  1  /.urückyuführt  werden,  viell.  unter  teilweiser 
Mitwirkung  von  2.  Aus  der  Bed.  ,Streit'  lässt  sich  zunächst 
die  von  ,Verdruss,  Hinderniss'  ohne  Schwierigkeit  ableiten; 
aber  auch  die  von  .lustig  (machen)',  da  dabei  an  ein  lautes, 
wildes  Troilion  g.-dai;ht  wird,  dessen  Lärm  dem  des  Streites 
ähnlieh  ist;  vgl.  .Inl'ug'.  welches  mit  dem  Begriff  von  , Un- 
recht oft  aiicli  ilni  liiiiT  stürmischen  Lustigkeit  verbindet. 
—  Betreffend  die  Form  ist  die  erste  und  grösste  Schwierig- 
keit, wie  aus  dem  Präf.  ,un-'  das  in  der  Volksspr.  über- 
wiegende, in  der  ä.  Spr.  dagegen  nicht  bezeugte  ,um-'  ent- 
stehen konnte;  es  müssen  dazu  wohl  sinnvwdte  Wörter,  wie 
.Umstände,  Umschweife,  Umtriebe',  Anlass  gegeben  haben, 
und  mit  dieser  Umdeutung  wird  auch  die  Ausstossung  des  g 
verbunden  gewesen  sein.  Übrigens  vgl.  noch  ,Umgeld'(Ohm-G.) 
ans  ,Un-G.',  ,Unholz'  Geschlechtsn.  gespr.  Um-.  -  Übergang 
von  (g)licli  in  -lig  findet  sich  bei  den  Adjj.  auf  ,-lich',  welche 
Bildungssilbe,  wo  sie  nicht  ihr  ch  abstSsst,  dasselbe  häufig, 
wenigstens  in  den  westlichen  MAA.,  in  g  verwandelt.  Eine 
Mittelform  zwischen  g  und  c*.  scheint  das  nur  einmal  bezeugte 
.Ungligks',  in  welchem  Anlehnung  an  .Unglück'  und  an  nihd. 
iingelim;  Misslingen,  Missgeschick,  zsgewirkt  haben  mögen. 
Ob  Uiigluht  aus  Unglichet  und  dies  aus  Unglü-hheit  verkürzt, 
oder  ob  die  subst.  Ableitungssilbe  -et  oder  rein  lautlicher 
Anschub  von  (  (gerade  nach  eh  häufig,  vgl.  unser  Facht, 
devicht,  nhd.  ,-icht'  der  collectiven  Neutra,  sonst  auch  noch 
,Habicht')  anzunehmen  sei,  ist  schwer  zu  entscheiden.  Aus 
-i<:ht  entstand  dann  durch  Assimilation  -itt,  wie  in  nit  aus 
.nicht-,  ,Unschlitt'  aus  ,Unschlicht'.  Anlehnung  an  mhd.  glii, 
Fall,  von  glUcn  (vgl.  nhd.  , Unfall'),  oder  an  llden  (geUten) 
i.  S.  V.  ,nnleidig,  unverträglich  oder  unerträglich'  hat  schwer- 
lich mitgewirkt;  eher  weist  die  Form  ,ünglid'  auf  Anlehnung 
an  ,Glied',  membrnm.  Vnuj  (stiften),  Uneinigkeit,  Unheil 
GO.  (s.  Bd  I  299)  mag  seine  Bed.  durch  Einwirkung  von 
Unligs  usw.  empfangen  haben,  kann  aber  der  Form  nach  nicht 
aus  demselben  entstanden  sein.     S.  noch  Anm.  zu    Verglich. 

Ist-mir-glich  m.:  gleichgültiger  Mensch  (der 
von  Allem  sagt:  es  ist-mer  g].);  s.  gltch  3.  Der  I.  wird 
niemals  rieh.  Spkww.  1869. 

Ver-glieh  s.  nach  cer-gllehen. 

Gilt-mir-,  „auch  Giltmers-,  Gilfis-,  Giltsi-gl 
VÜRTE",  Giltm^-gll  Sch;  Th;  ZGlattf.  =  Ist-mw-gl 
De  G.  wird  selte"  rieh.  Suiger.  ,Der  Giltmirglich 
denkt  an  Spital,  statt  dass  er  trachten  wird,  mit  Ehren 
sich,  Weib  und  Kinder  zu  ernähren.'  HSclz.     Giltsi- 


gllchet:  sorglos,  nachlässig  SciiwMuo.    Er  ist.  eso  giltsi- 
gUehete,  dass-im  um  Alles  ei*  Tue  ist. 

Auffallend  ist  der  anscheinende  Eintritt  der  Pronn.  ,uns' 
und  ,sich'  au  die  Stelle  von  ,mir'.  Si  viell.  nach  Analogie 
von  ,Hans-acht-si-nit',  wo  aber  si'  aus  ,sin'.  Gen.  von  ,es', 
aufzufassen  ist.  Doch  Hesse  sich  unser  «i  auch  auf  bloss 
lautlichem  Wege  als  Umstellung  von  i»  erklären  und  Letzteres 
ist  möglicherweise  nur  eine  ungeschickte  Analogiebildung 
genetivischer  Zss.  Die  Form  auf  -et  aus  einem  Ptc.  ,gllchend', 
bzw.  aus  einem  A'b  ,giltsigllchen' ;  vgl.  werweieaen,  nnschlüssig 
sein,  aus  der  Frageformel   ,wer  weiss?' 

gliche":  1.  intr.  ähnlich  sehen,  im  Äussern,  vfie 
nhd.  Verst.:  üf  und  änli''''  Z,  libänli"'  gl.  BBurgd. 
Auch:  dem  Charakter  einer  Person  entsprechen.  Bas 
[diese  Handlungsweise]  gllcht-em ;  Syn.  glich  g'seh'.  — 
2.  tr. :  vergleichen,  gleichstellen.  ,Wir  mun  [mögen] 
uns  zuo  dien  [diesen]  wol  gl.'  Hadl.  ,So  händ  ir 
7  hüpscher  kind;  wend  ir  die  dem  adel  gl.'  NMan. 
Kefl.  von  Pers.:  ,Dass  ir  üch  weiten  gl.  Holzach,  wär- 
lich,  es  duet's  nit;  H.  het  gar  ein  rychen  vatter.'  XVI.,  . 
Bs.  Von  Sachen:  gleich  kommen,  ähnlich  sein:  ,Um 
.strassroub  oder  um  missdat,  die  sich  dem  gelychet.' 
1384,  Arr.  ,Das  cnd  Nabais  glychet  sich  mit  synem 
leben.'  LLav.  1584.  Hieher  das  Ptc.  .geglichet',  einem 
Dinge  ähnlich,  gleich  kommend:  , Die  Christen  tragen 
[als  Kopfbedeckung]  Binden  mit  kleinen  weissen  und 
blauen  Strichen,  gegleichot  Küssenziechen  [Kissen- 
überzügen].' HBvEpTracEN  1460  (Gfo.).  —  3.  (abs.) 
technischer  Ausdruck  der  Schiffer:  ausgleichen,  leich- 
tern. .Wenn  sie  [die  Schilfmeister]  aber  [auf  dem 
Wege  von  Z  nach  Wallenstadt],  es  sei  im  Sommer 
oder  Winter,  gl.  müssen  in  2  Schiffe,  so  ist  ihr  Lohn 
20  Btzn  [statt  wie  sonst  18].-  1541,  Absch.  IV  1  d. 
S.  58  f.;  vgl.  S.  417. 

In  der  Stelle  bei  Kessl.  8 :  ,Nun  aber  glych  ! '  mit  wel- 
chen Worten  eine  neue  Vorstellung  eingeleitet  wird,  lässt 
sich  gl.  nicht  als  Adv.  auffassen,  weil  keine  der  bekannten 
Bedd.  hier  passt;  es  muss  also  wohl  Imp.  eines  Vb.  sein 
mit  der  Bed.   .Vergleichung  anstellen'. 

ver-:  1.  tr.  a)  zwei  Dinge  zsstellen,  um  eines  am 
andern  zu  messen.  Z'  vergliche",  gleichsam,  so  zu 
sagen.  Stutz  1847,  51.  ,Er  mir  nach,  nicht  zu  v.,  wie 
ein  Hund.'  JSknn;  Syn.  nüd  z'sämmen  z'  rechnen.  ,Der 
ein  solicher  erlöser  ist,  dass  im  kein  Jupiter  verglycht 
mag  werden.'  Zwingli.  .Damit  er  mir  vergleicht  soll 
werden.'  1531,  Jes.  ,Es  mag  dis  fleisch  fast  gitzen- 
fleisch  vergleicht  werden  an  zarte  und  wolgeschmackte.' 
Tierb.  1563.  ,Wie  will  der  Mensch,  Gott  verglycht 
[im  Vergleich  mit  G.],  gerecht  mögen  synV'  Evang. 
Gegenber.  1588/1658.  —  b)  ausgleichen.  Streitiges  ins 
Reine  bringen,  schlichten,  z.  B.  eine  Rechnung,  einen 
Zwist  GrD.;  Syn.  verebnen,  recht  machen.  ,Wo  unser 
Eidgenossen  von  S  Personen  hinder  [im  Gebiete]  der 
Stift  sässen,  die  unser  Herr  von  Bs  ze  vertuschen 
hette,  soll  der  tusch  von  unsern  Eidg.  von  S  ange- 
nommen werden;  weliche  man  aber  nit  zu  v.  hette, 
belyben  wie  von  alter  harkomnien  ist.'  1522,  Absch. 
,Etlich  matten  inzuosehlaclien  und  zuo  v.  [abrunden].' 
1524,  ebd.  ,Es  sye  nit  ein  nuwe  püntnuss.  sunder 
by  100  jaren  alt,  jetz  verglycht  [bereinigt]  und  er- 
nüwert'  1529,  ebd.  IV  1  b  357.  Hieher  wohl  auch: 
,Euer  Leben  ist  gewichen,  euer  Alles  mir  [dem  Tod] 
verglichen  [mit  mir  in  Abrechnung  gebracht?].'  E.  u. 
CMey.  1650.  —  c)  vergelten,  bezahlen,  erwidern,  er- 
setzen. , Klagten  also  somlichen  schaden,  der  inen 
nie  nier  verglichen    noch  ersetzt  niög  werden.'    1547. 


MEsTERM..  Rick.  ,Icli  will  oucli  dir,  wo  ich  kann, 
allwggen  willig  syn  bereit,  zu  v.  diss  mit  dankbarkeit.' 
.I.MiRER  1550.  .Houptmann:  Ich  will  üch  disen  stouf 
iisbiingen.  Antw.:  Mit  disem  bschcid  [im  Trinken] 
will  ich  's  V.  [gleich  tun].-  ebd.  1559.  .Das  einghürn 
gibt  man  so  teur,  da.ss  man  es  mit  gold  abwigt  und 
vergleicht.'  Tikbb.  1563.  —  d)  bildlich  darstellen. 
.Zwei  stuck  [Bildwerke],  deren  das  ein  ein  geiss- 
niännlin  vergleichet'  Tierb.  1563.  —  2.  refl.  a)  gleich 
werden.  ,Früelingszeit,  so  tag  und  nacht  sich  ver- 
gleichend.' Tierb.  1563.  ,Den  jungen  schafen  sind  ire 
zän  ungleich,  so  sy  am  besten,  so  vergleichend  sy 
sich.'  ebd.  Gleich  stehen,  gelten.  .Andre  Pfand  dar- 
gen,  die  sich  der  Schuld  verglyche[n].'  1605,  SchwG. 
LB.  —  b)  zspassen.  ,Das  [dieses  feindliche  Verhalten 
und  Verfahren]  wolle  sich  der  bündnuss  nicht  v.'  1524, 
Absch.  ,Lueg  man,  wie  sich  das  verglycht  [zsreimt], 
da  weder  Canon  noch  Altar  was,  wie  S.  Jacob  ein 
Mess  las  [wie  J.  Messe  lesen  konnte,  da  doch  noch...]!' 
UEcKST.  —  c)  sich  verständigen,  einigen,  anschliessen. 
.So  ist  unser  bitt,  ir  wollen  üch  denselbigen  [Glaubens- 
artikeln] V.'  1523,  Absch.  ,Diewyl  nun  die  biderwen 
lüt  sich  des  gottsworts  undernommen,  sich  im  glouben 
mit  uns  verglycht  [unsern  Gl.  angenommen].'  1529, 
ebd.  ,Wessen  sy  sich  under  einanderen  irer  gemeinen 
Sachen  halber  durch  das  Mehr  verglychend.'  1622,  Z 
Ratsentscheid.  ,I)ie  aufruhrerischen  Herrschaftsleute 
der  3  Gemeinden  der  Herrschaft  Wäd.,  im  J.  1646  ver- 
sammelt, haben  sich  in  höchster  Confusion  verglichen, 
by  Brief  und  Sigel  z'  verblyben.'  1046,  Z  Staatsarch. 
.Zwei  Reisende  könnend  sich  uf  der  Strass  des  Wegs 
halben  nit  v.-  8ciiimpfr.  1651.  —  d)  sich  verwandeln; 
vgl.  1  d.  .Der  tüfel,  der  da  tusendlistig  ist  und  sich 
selbs  in  allerlei  form  und  ge.stalt  v.  kann.'  RGüalth. 
1546.  —  3.  intr. :  gleich  kommen,  ,Doch  niocht  der- 
selben rüstung  dero  von  Bern  artellar}'  nienan  [in 
keiner  Beziehung]  v.'  Vad.  —  Uhi.  vcrgelu-h,H{av.-.\b.). 
ausgleichen;  refl.   sich  vertragen,  zspassen. 

Verglich,  bzw.  i'  —  m.:  1.  Vergleichung,  Ähn- 
lichkeit zw.  2  Dingen.  Es  ist  kein  V.!  ein  grosser 
Unterschied,  Abstand  Z;  vgl.  Verglichniss.  —  2.  Bei- 
legung eines  Streites.  ,Man  habe  ein  geraume  Zeit 
eines  christlichen  V-s  sich  getröstet.'  JHott.  1666. 

In  einer  von  Esterm.,  Neud.  268,  aus  XVI.  mitgeteilten 
Stelle,  wo  von  der  Bestrafung  eines  Wirtes  ,von  wegen  dass 
er  nit  angiin  hatt  die  vrclich.  so  in  sym  Hus  flirgan  sind', 
kann  ,v.'  zwar  unser  \V  ^'iii  uli-liiili  die  Verpflichtung, 
auch  verglichene  Streitlall.  /IM  An/'iL-r  zu  bringen,  seltener 
helcgt  ist;  doch  legt  snli  dir  \riMnitung  nahe,  dass  der 
Schreiber  ,vn-'  beabsichtigte,  in  welchem  Falle  die  Stelle  zu 
ii.n-r/lirh   :i  gehören   würde. 

Verglichi°g  f.:  Ausgleichung,  Abrechnung;  zu 
rergliehen  1  h.  Diese  4  Monate,  nach  ,Verglychung' 
der  bei  der  letzten  Musterung  erfolgten  Bezahlung, 
betragen  53774  Franken.  1548,  Absch. 

verglichlig,  -en:  Adv.  1.  vergleichbar.  Und 
nimmt's  uf  de'  Bmjgel,  r.  de  Schnegge  oAa  (Schwzd.). 
—  2.  vergleichungsweiso,  verhältnissmässig,  entspre- 
chend Bs.  's  isch  jede  Stern  r.  e  Dorf.  Hebkl.  Das 
Gwülch  hangt  a's  ivie  ne  trurige  Burdi  uf  der  Welt 
und  verglichlige  tuet  si  drunter  süfzge'.  Breitenst. 
V.  loie,  gleichwie,  ebd. 

Verglichniss  f.,  n.:  =  Verglich  1.  Das  ist  keis 
V.  oder  kei  Verglichnuss,  lässt  sich  nicht  vergleichen 
KMu.    .Dann  wir  wol  wissen,  dass  zwischen  Gott  und 


lins,  zwischen  unsern  W.rkeii  und  dem  ewigen  Leben 
kein  V.  gefunden  wird.'  (Jixiien  Bunp  1585/1658. 

Glich-heit  f.:  1.  ab.str.  Freiheit  und  Gleichheil 
sind  d'  Stegen  ab  g'heit,  die  Ideale  der  franz.  Revolution 
sind  nicht  realisiert  worden.  Suloer.  Die  selben  Schlag- 
wörter parodiert  mit:  Fr.  und  glich  NiU.  —  2.  concr. 
Da(s)  ist  ekei  Gl.  güge"  wie-n-ich  's  g'ha  ha,  nicht  zu 
vergleichen  mit  dem,  was  ich  erfahren  habe  Z. 

An-:  Ähnlichkeit.  ,Angleichheit  des  Namens.  Von 
.Ungleichheit  wegen  der  Sprach  und  viler  Sitten.' 
ÄgTschudi,  Gallia.    -    Vgl.  Bd  I  259  unten. 

Glich i  f.:  1.  Gleichheit.  ,Drei  Creuz  fast  einer 
Gleiche,  probiert  sie  alle  drei.'  1661,  S.  —  2.  Bälde, 
kurze  Frist;  zu  glich  II  4.  I"  der  Glei-i  g'schct  's 
nid,  nicht  so  bald  UwE. 

glichig:  gleich  beschaffen  Z;  vgl.  glichlig. 

glich-lecht(-ig)  glüacht  SchwE.;  ZHütt.,  -locht 
BBe.,  R.,  glüachtig  ZHütt.,  Wäd.,  -lächtig  Bs:  bald 
(s.  glich  II  4)  BBe.,  R.;  SchwE.;  ZHütt;  ziemlich 
bald  ZWäd.;  etw.  (zu)  früh  Bs. 

glichli(g)  {glllig  Ap;  GBern.):  1.  Adj.  und  Adv. 
=  gleich,  -artig,  -massig  Ap;  Bs;  BSi.;  Gl;  GrD.;  L; 
GSa.,  T.;  Z.  All  [immer]  gl.  ist  langwllig  GBern.; 
gl.  teile'  Bs;  gl.  stricke",  nicht  bald  ,satt'  bald  ,lugg 
[locker]'  Bs;  gl.  webe'  Ap;  Z.  's  Spinnli  spinnt  i' 
siner  Art  die  gliche  Fäde  gl.  zart  Bs.  D'ere  [solche] 
Ult,  wo  Jör  US,  Jör  i'  ires  gl.  Brod  essid  L.  Bist 
hür  ond  fern  so  glilig  dra".  Lenggenh.  Ma  cha""  's  nöd 
ande  gl.  ha',  der  Wechsehna"  chlopft  z'  Ziten  an.  ebd. 
,Im  Fahren  war  er  ein  Meister  und  seine  4  Rosse 
zogen  satt  und  gleichlig  an,  wenn  er  die  Geisel  hob.' 
Gotth.  D'  Arbezäpfe"  [die  Zapfen  der  Arven]  sind 
die  meista'  vorna' ün  üssarsta"  ^iiil'.lig  lunl  nid  übarall 
so  gl.  am  Bomm  zarströut  GrD.  K  ijliluh  Mir.  gleich- 
massig  zerstreute  Stimmen  Ar.  üjipi.<  (ihihligers  hast 
na"-  Nüt  gseh'  ZO.  's  sind  hed  gl.,  ir.r  l„it!rf  ii,i,l 
wer  heuscht  fiver  ufhed  und  wer  i"schi(iirh.  iMhuis. 
,Es  sö"^nd  auch  alle  ein-glych  recht  fryh.ir  und  -luid 
haben  und  die  gerichte  gemeinlich  und  glyclilig  haben.- 
1403,  Geschfo.  Ges.  ,So  dann  kindskind,  brüder-  und 
Schwesterkind  gl.  mit  einanderen  erben  söllind.'  Ar 
LB.  1409.  ,Ouch  soll  er  das  almuosen  armen  lüten 
glichlichnen  usteilen.'  GWyl  Copialb.  ,Von  wegen  des 
Worts  Gottes,  dass  wir  das  nit  gl.  verstau.'  1529, 
Absch.  ,Alle  ding  fast  glychling^  erfunden.'  1530,  Z 
Ratsverordn.  .Zween  f;l- ?,''''m:iclit.'  l."):!-2.  Z(iriiii.  .Was 
guets  aber  [die]  frau  im  zncl,iarl,(.  soll  ,i;-h-irhli.li  in 
zwen  teil  geteilt  werden.-  ir.ll,  Aiiscn.  .Es  ist  ab 
allen  orten  glcichlich  ferr  dahin.'  Vad.  ,('oncordi 
currere  fr»no,  wenn  zwei  ross  gleichling  laufend.  In 
commune  vocare  honores,  gemeinklich  und  gl.  under 
reich  und  arm,  edel  und  unedel  au.steilen.'  Fris. 
,Den  himmel  mit  einer  trüebe  überall  gl.  überzogen. - 
Campell  1572.  ,G1.  lang.'  ebd.  ,Durch  die  ganz  Sub- 
stanz zerspreit  und  nicht  gleichlich  au.sgeteilt'  JJNiscii. 
1608.  ,Gleichlich,  gleich,  eben  als,  similitcr,  ut  sicut.- 
Reu.  1662.  ,Dise  durchscheinende  Weite,  welche 
allenthalben  um  uns  hergehet  und  gleichlich  liget 
zwischen  dem  Gewölb  und  Boden,  wird  genennet  die 
Luft.'  Spleiss  1667.  ,Die  Strafen,  so  an  denen  beiden 
Stattgeriehten  fallen,  werden  ijleichlicht  verteilt. - 
17'2'2,  Bs.  —  '2.  gerecht,  unpartciisrli  |s  ,//,r/i  )  i.  I'a-- 
die  saeh  [Processangelegenlicil  |  ijcli.lilirli  /n.^i.  ii-i,- 
1495,  Senn,  Kirchenurk.     .Die  neue  \Vacla..,,lnuu^  ,ci 


Glach— gluch.    Glachs -glnclis.    Glad— GliiJ 


604 


)»teichlicher  und  gemeinen  Zünften  gemässer.'  1500, 
Ochs.  —  3.  mit  Art.  =  der  Nämliche  (s.  glich  2)  Aa; 
Ap;  Schw;  Uw;  Z.  lese  [jetzt]  säge-si  [die  Leute] 
für  's  Gllchlige  iipjris  ganz  Angers,  brauchen  für  den 
seihen  Gegenstand  ein  anderes  Wort  als  früher  Aa. 
Ist  ei'  [der  Mann]  nüd  Chnecht,  so  häd  nii  si  [die 
Frau]  das  gl.  Eecht.  Heng.  —  4.  Adv.  sogleich,  gleich. 
,Und  .soUent  das  gottshus  und  die  frow  ouch  gelten, 
was  er  gelten  sollt,  gclychlich  des  tags,  do  er  erstarb.' 
XV.,  Gfrd.  —  5.  dennoch  (s.  glich  II 2  a).  's  chönnt 
lofte  [ein  Wind  gehen],  dass  es  chitet  [braust],  so  jöl 
[jauchze]  i'''  gl.  vor  Fröud  Ap.  ,Er  wolle  es  nicht 
mehr  sagen,  aber  gl.  sei  er  froh,  dass  er  es  gesagt 
habe'  Ap.  A  dir  ist  eus  Nüt  g'lege,  wer  chönnte  gl. 
si.    Alpenhorn   1838.    —    un-glichlig    (öglilig  Ap): 

1.  ungleich,  -mäs.sig  Ar;  Bs;  BSi.;  Z.  .Die  aber  nit 
allein  u.  gehalten  wird.'  Z  Mand.  1530.  ,Vagi  nominis 
est,  es  wirt  u.  genennt.'  Fris.  ,Inietiualiter,  ungleich- 
lich.'    Denzl.    1677;    1716.     Auch   bei  ÄgTschudi.  — 

2.  ausser  der  gewöhnlichen  Stimmung,  zornig  B  oSi. 
—  Glichligi  f.:  Gleichartigkeit  Gl;  Z.  —  Un-:  Un- 
gleichartigkeit  Gl. 

Gltchlig  scheint  eine  Mittelform  zwischen  (lialli  tauto- 
logischem)  glich-lich   und  (urspr.  adv.)  gluhling. 

glichne":  refl.  entsprechen.  ,Und  darunibe  thei- 
nerlei  ursach  hat,  das  sich  dem  rechten  gl.  mög.' 
1524,  ScHwLB.  -  Mhd.  gehchnf».  dass. 

ver-:  vergleichen.  ,Paulus  vergl} chnet  die  g'meind 
dem  menschlichen  lychnam.'  HBull.  1531. 

Gltchnuss  n.:  1.  Gleichniss  Z.  —  2.  Ebenbild. 
,Gott  hab  uss  syner  kraft  und  macht  kein  g'schöpften 
noch  kein  gl.  g'macht.'  Rüef  15.50.  —  3.  gleicher  Wert. 
,Beschäche  ouch,  dass  die  münze  gemeret  oder  ge- 
niindret  wurde,  so  söUent  unser  gülten  uns  gelten  mit 
g-e  des  ggltes,  das  sy  uns  schuldig  warend.'  1397, 
BBiel.  Urk. 

glichsam:  Adj.  und  Adv.  1.  gleich,  -massig,  ver- 
gleichbar; adv.  auch:  ebenso,  gleichfalls.  ,G1.  by  inen, 
wie  ouch  by  unserni  gegenteil.'  1528,  Absch.  ,Dem 
Menschen  —  spricht  Gott  —  will  ich  yngen  sei  und 
geist,  die  muoss  uns  ewig  gl.  werden.'  Rief  1550. 
,Hat  ein  stadt  Bern,  in  ansehen  gl-s  und  gmeinsams 
regiments,  Satzung  gemacht,  dass  all  ihr  iimter  im 
dritten  jar  sollten  geändret  werden.'  Ansh.  ,G1.  den 
unvernünftigen  Tieren.'  1635,  Sptri.  ,Die  Berner  ha- 
ben bei  Vilm.  ebenmässig  wie  zu  H.  und  Dottiken  nüt 
Rauben  und  Stehlen  gleichsam  sich  verhalten.'  XVII., 
Arg.  ,Es  soll  keine  Streue  [im  Wald]  gerechet  wer- 
den, damit  der  junge  Wald  und  Samen  gleichsam 
gebaut  werde.'  Gl  LB.  1807;  dafür  1835:  ,Damit  der 
j.  W.  u.  S.  desto  besser  gedeihe.'  —  2.  Adv.  gleich- 
wohl [?].  ,Der  Marchung  halber  wird  man  gleichsam 
einig,  obwohl  nichts  Schriftliches  darüber  verfasst 
wird.'  1715,  Abscu.  VIT  1,  1221. 

G 1  i c h s  c  h  a  f t  (Gliche-) :  Ähnlichkeit.  Er  hed  rkei 
Gl.  mid  ine'  Nnw. 


gllch8e(ll):  heucheln,  verstellen.  ,Si  sont 's  [sollen 
es]  gesagen  und  dur  gl.  verswigen  ni(c)ht.'  Schachzab. 
,W6r  hat  Sekten  ye  one  glychste  [gegleichsete]  de- 
müetigkeit  angehebt'?'  Zwingli.  ,[Habcl]  hat  verschafft 
mit  synem  glyssen,  das  Gott  myn  gab  mir  hat  ver- 
wyssen.'    Rüef  1550.     Auch  refl.:    ,Sy  slychsend  sich 


vor  den  mentschen    als  sygend  sy  glöubig.'    Zwingli. 

—  Mhd.   gellchesen;   vgl.   derglicken   Uten,   unter  glich  J. 

glichsne"  {gll^sne'  B,  gleisnen.  Id.  B):  1.  heu- 
cheln ;  schmeicheln ;  betrügerisch  spielen  BE.  .Wie 
wol  er  durch  die  finger  luogt  und  vil  glychsnet.'  1531, 
ÄBSiH.  .Prsevaricari,  änderst  gl.  dann  tuen.  Krank- 
heit gl.,  jBgrum  simulare.  Erdichte,  falsche  und  glychs- 
nete  träheren.  oder  weinen,  das  nit  von  herzen  kummt, 
conftcta;  lachryma».  Preundtschaft  und  liebe  gl.,  simu- 
lare amicitiam.'  Fris.;  Mal.  ,Ist  Joben  frau  vorhin 
rechtg'schaffen  gewesen,  oder  hat  sy  gleichsnet':"  LLav. 
15S2.  ,Die  letst  Eptissin  glychsnet  die  Religion,  trat 
widerum  zum  Bapstum  und  starb  darin.'  JRüeo.  1G06. 
,Dic  sonst  noch  so  viel  Herzhaftigkeit  glichsneten.' 
UBrägg.  Refl.:  ,Die  Schwätzer,  die  sich  glychsnend 
.sam  sy  uf  ghein  guot  sehind  und  sehend  aber  allein 
daruf.'  Zwingli.  , Engel  gleichsnend  sich  menschliche 
speis  essen.'  Bib.  1531.  ,Gleissne  dich  nit  vor  den 
menschen.'  1.531.  Sir.  Ptc.  mit  Präf.  ,un-':  U'glissnet, 
unverhohlen,  aufrichtig,  offen  BHk.  , Warer,  unge- 
glychsneter  glauben.'  Z  Katechismus  1525.  ,Job  redet 
wie  im  um's  herz  ist  und  ungleichsnet.'  1.531/60,  Z  Bib. 

—  2.  mit  Dat.,  sich  einem  Dinge  gleich  machen,  eine 
Rolle  spielen.  ,Der  tüfel,  der  ouch  einem  engel  des 
lieehts  kann  gl.'  Vad. 

ver-glichsne°:  verbergen.  ,Der  lugner  hass  v. 
kann.'  GVögeli  1534.  ,Vergleichsnen,  nit  der  gleichen 
tuon,  dass  ein  ding  seie,  das  doch  aber  ist.  dissimu- 
lare.'  Mal. 

Glichsner:  Heuchler.  ,War  ist  es,  dass  üwer 
Dienst  und  Gwalt  by  dem  Evangelion  nüt  anders  dann 
Gl.  macht,  wo  nit  Christus  selbs  am  Handel  ist.'  B 
Syn.  1532/1775.  ,Desshalben  wir  uns  als  künig  und 
priester  ze  halten  schuldig  sind,  damit  wir  nit  falsche 
Gl.  vor  Gott  erfunden  werdind.'  Gualth.  1555.  S.  noch 
Ghss-Gtieg.  —  Glichsner i  f.:  Heuchelei.  ,Das  hast 
du  durch  dyn  büebery  alls  z'wegen  'bracht  und  gl., 
gern  vatter  hast  mir  unfrid  g'macht'  Rüef  1550. 
.Muess  es  alles  gleisserei,  apostützlerei,  menschcntand 
und  unnütz  sein'?'  Gulden  Bund  158.5/16.58. 

gluch  sc  n   s.  ght.ren. 


G lacht  s.  Gleich. 
glichtcrig  s.  Anm. 


ichter  U  s.  Ge-l. 


Glad-glud. 


Gladi:  Personenn.  =  Claudius ('?).  1521,  B;  1565,  Z; 
1580,  B;  1581,  L;  Myricäüs  1630.  ,Sant  Gladen'  == 
StClaude.  1476.  Bs  Chron.    ,Gladiacker',  Flurn.  S  NA. 

Es  darf  nicht  verhehlt  werden,  dass  sonst  statt  lat.  au 
bei  uns  o  eintritt,  z.  B.  Claudia,  Klotcn.  Vgl.  auch  noch 
Glodi.  Auffallend  ist,  dass  der  Name  mehrfach  als  bei  Maurern 
üblich  bezeugt  ist.  Ob  ,Glado.'  XVI.,  B  (Absch.  IV  1  c,  176. 
198/9)  der  selbe  Name  ist,  mag  zweifelhaft  bleiben.  In  Gc- 
ladi  (vgl.  Sp.  210)  ist  viell.  nur.  wie  häufig  in  den  Anl. 
Gl-,  Gr-,  ein  Hülfsvoc.  eingeschoben.  Dass  anlautendes  rom.  r 
in  unserer  Sprache  durch  g  vertreten  wird,  ist  Regel. 

Kride»-:  die  wnter  Else  (Bd  I  '202,  wo  aber  Else 
in  der  Anm.  nicht  als  Frau  des  am  Sechseläuten  vor- 
kommenden Strohmanns  hätte  erklärt  werden  sollen!) 
genannte  Figur  der  alten  Z  Hirsmontagfeier.  Es  war 
die  Jugend   der  jetzigen  Vorstadt   Wiedikon.    welche 


(ilad.  glpil.  gliil,  glud,  sind 


in  bewattnetem  Zuge  die  beiden  Figuren  an  das  See- 
ufer der  Stadt  fülirte,  wo  sie  verbrannt  oder  ins 
Wasser  gestürzt  wurden. 

Uass  das  Rad,  auf  welchem  sie  als  Bilder  des  Winters 
und  Sommers  gedreht  wurden,  urspr.  die  Sonne  bedeutete, 
ist  kaum  zu  bezweifeln,  aber  der  Zusatz  ,Krideu-'  scheint 
unerklärlich,  da  die  betr.  (allerdings  nur  aus  der  Erinnerung 
gezeichnete)  Puppe  auf  der  Abbildung  von  1786  im  Gegs. 
zur  .Else'  gerade  eine  geschwärzte  Maske  (einen  Tierkopf) 
trägt.  Dass  .Kreide'  entw.  etwas  Widriges  bedeutete,  wie 
iu  dem  Reim  von  den  3  Jungfrauen  (Tobl.,  VL.  II  239.  247) 
oder  so  viel  als  Streit  (eig.  .Kriegsgeschrei'),  da  es  ein  krie- 
gerischer Aufzug  war,  lässt  sich  schwer  behaupten.  Dafür, 
wie  der  Name  .Claudius'  zu  der  appellativen  Bed.  gekommen 
sei,  die  er  iu  dem  Comp,  offenbar  hatte  und  in  ,Glodi'  noch 
hat,  werden  positive  und  spec.  Gründe  eben  so  wenig  zu  finden 
sein,  wie  für  appell.  Bed.  auderer  Personenu.;  s.  Wackern., 
Sehr.   2,   128  ff. 

„gled:  schnell  aufeinander  folgend  =  gleitiy  BÜ." 
St.,  der  das  (sonst  nirgends  nachweisbare)  Wort  nur  im 
JIsc.  zu  seiner  2.  Aufl.  hat,  scheint  Zshang  desselben  mit 
dem  syu.  gkiti'j  angenommen  zu  haben,  von  dem  es  doch 
lautlich  absteht,  obwohl  l  die  in  einem  Teil  des  BO.  (bes. 
BSi.)  übliche  Ausspr.  von  ei  (statt  i')  bezeichnen  könnte. 
Wenn  das  W.  überhaupt  richtig  ist,  so  müsste  es  wohl  zu 
denen  gehören,  für  die  altburgundische  Herkunft  vermutet 
werden  darf. 

Glid  f.  und  II. :  Dirne.  Beihälteriu.  Das  W.  tindet 
sich  nur  in  der  Gaunerspr.,  von  der  PGengeub.  in 
seinem  , Bettlerorden-  (GiJdeke  S.  343  ff.)  reichliche 
Proben  t^ibt;  z.  B.  V.  (Jl:  ,Darzue  band  si  [die  Gauner] 
ir  schönen  gliden';  V.  105:  ,[Er]  hat  es  [sein  Ver- 
mögen] verton  mit  einem  glid-;  V.  444:  .Wenn  si  mit 
der  gliden  frölich  springen  zu  Basel  uf  dem  Colenberg.' 
Gengcub.  gibt  in  seinem  Verzeichniss  von  Gauner- 
wörtern  auch:  ,Gleyd,  huer-,  und  Edlib.  in  dem  sei- 
nigen: ,Glid,  dirn.-  (Ave-Lallemant,  Gaunertum  IV  59). 
Ua  die  üaunerspr.  viele  hebräische  Wörter  enthält,  so 
kann  auch  für  ,Glid-  jener  Ursprung  vermutet  werden,  viell. 
von  hebr.  ij^Ud,  Haut,  Fell,  nach  Analogie  von  lat.  ncortum, 
fiz.  ixau,  und  uuscrm  , Leder'  i.  S.   v.  schlechtes  Weib. 

Klöster-:  Scheltw.  für  unzüchtige  Nonnen V  .Von 
pfaffen,  münchen  und  klosterglyden.'  UEckst. 

Glid  n.:  Glied.  1.  des  Leibe.s.  Spec.  =  Bein  BO. 
G'riidi  und  fj'simdi  Gl-er  hä;  kein  Krüppel  sein.  Von 
Kindern  Dim.:  's  hat  doch  au'''  alli  grade  Glidli  [Worte 
der  Zufriedenheit,  mit  denen  ein  Neiigebornes  begrüsst 
wird]  Z.  .Weller  [in  einem  Kaufbrief]  me  setzt,  als 
der  liauf  inne  habe  und  er's  von  der  band  usgeben 
liabe,  derselbig  ist  ein  gl.  [als  Strafe  für  Urkunden- 
fälschung] und  50  pfd  verfallen.-  11-J7,  Fofka.  .Wer 
umb  ein  [Einen]  utzit  dienet,  er  sy  |];intwrr.;hiiiaun. 
sy  werchmann  oder  burmann,  dienet  mit  sineii  u'lidinen, 
das  ist  als  lidlon.-  1460,  L.  ,G1.,  fleisch  des  leibs, 
das  die  bein  bedeckt,  membrum.  Glider,  als  bein, 
fleisch,  ädern  usw.,  artus.'  Mal.  ,Dass  gsunder  Leib 
hab  gsunde  Glid.'  FWyss  1650.  Gelenk:  ,Luxata,  ver- 
renkt, aus  dem  gl.  'gangen.'  Fris.;  Mal.  Gelenk  des 
Fingers  als  Längenmass:  , Eines  Gl-s  lang  abschneiden.' 
JCScLz.  1772.  Vgl.  Gleich.  —  '2.  der  Familie,  bildl. 
als  Grad  der  Vwdtschaft  oder:  Generation.  .Hat  er  nit 
ein  vater,  so  erbt  das  lechen  syn  nächster  fründ  unz 
an  das  ander  gelid,  hat  er  aber  nit  erben  zue  dem 
ersten  oder  andern  gelid,  so  ist  das  erblijchen  synem 
Herren  verfallen.'  c.  1459,  ZFlunt.  Otfn.  ,Wer  an- 
spricht   von  sii.pschaft,    der   soll    öffnen,    wie  er  dem 


abgestorbenen  seie  zuo  den  glidren.'  1490,  LKotenb. 
Amtsr.  ,Von  der  Babyl.  gefenknuss  bis  auf  Christum 
sind  14  glid.'  1530,  Matth.  Da  N.  N.  den  Todschlag 
vor  dem  Tod  seiner  Mutter  begangen  hat  und  daher 
zum  Erbe  derselben  nicht  mehr  fähig  gewesen  ist, 
sondern  für  ein  ,abgeschnittnes  Gl.'  geachtet  wird. 
1555,  Absch.  Gl.  einer  grössern  Gemeinschaft  (Staat, 
Kirche,  Heer).  ,Die  keiserlich  majestat  habe  Karl  zue 
bestärkung  syns  rychs  als  gelider  und  zuegelider  geben 
Holland,  Braband  usw.'  1473,  Bs  Chron.  ,Regiments- 
büchlein,  darin  der  Stadt  Zof.  Regimentsgliedere,  sanimt 
allen  ihren  Kammern,  Ämtern  und  Diensten  verzeichnet 
stehen.'  1784.  Daher:  in  Beih  und  Gl.  sta",  eig.  als 
Glied  in  der  Eeihe  da  stehen.  Buch  im  GL!  (eig. 
militärisches  Commando)  Mahnung  zur  Ruhe  Z.  ,Auf 
den  Wink  des  Flügels  sehn.  Schritt  und  Glieder 
halten.'  Neuj.  Z  Mus.  1786.  —  3.  Bestandteil  eines 
Gerätes.  Kürzeres  Balkenstuck,  dergleichen  bei  der 
alten  Kelter  zwischen  den  Kelterbaum  und  die  das 
Kelterbett  bedeckenden  Bretter  eingeschoben  werden, 
um  den  Druck  zu  vermitteln  Z.  Syn.  (Berg),  Su".  — 
Mhd.  ijelit  (auch  m.). 

,Aug(en)-,   palpebra',  gen*.'   Denzl.  1677;  1699; 
1716  (neben  .Augenlid'). 
Un-  s.  unglich. 

Geburt-:  Gebärmutter.  ,Die  geburtglider  oder 
bärmueter.'  Roef  1554  (ö.). 

„Trucke"-:  Schacliteldeckel  Aa.~  -  um  für  Lid 
wie  bei  Augcii-Gl. 

Zue-:  weiteres,  zugewandtes  Mitglied;  s.  Glid  2. 
in-be-glide(n):  einverleiben.  Im  J.  1485  wird 
das  Gotteshaus  R.  der  Propstei  in  B  .inbeglidet.- 
Geschfo.  Ges.  —  zue-be-:  angliedern,  als  Glied  an- 
schliessen.  Ptc.  =  zugehörig.  .So  ist  [der  Herzog] 
zu  [von]  nüwem  in  willen  sich  uf  unser  erplich  land. 
die  mit  uns  dem  heiligen  Rych  zubeglidet  sind,  zuo 
füegen.'  1476.  Ochsenbein. 

zer-glidere":  1.  zerteilen.  .Der  Zinsrodel  erfinde 
sich  wegen  zergliderten  Gülten  [auf  zerstückelten 
Unterpfanden]  ganz  verwirret.'  1780,  L.  —  '2.  einen 
Satz  in  einzelne  Gedanken  zerlegen  und  auslegen;  bes. 
mit  Bez.  auf  biblische  Texte  üblich  Z.  -  3.  durch- 
hecheln. ,Nun  erst  begann  man  davon  zu  reden;  man 
zergliederte  die  Leute.'  Gottu. 

3  mag  sich  aus  2  entwickelt  haben,  doch  hat  viell.  ,er- 
lideren',  hernehmeu,  züchtigen,  mitgespielt. 

glidle":  1.  ein  Glied,  Gelenk  bewegen;  Syn. 
gleichlen,  knüdlen.  —  2.  Ptc.  rein  g'glidlet,  fein  ge- 
gliedert Z. 

glidlig,  -nig:  gelehrig  GkL.,  Pr.;  geistig  (bes. 
mit  Gedächtnisskraft)  begabt  B.  D'r  glidnngist  Schiieler 
GRSchiers  (Schwzd.). 

Eig.  wohl  .gelenkig' ;  dann  übertr.  auf  geistige  Gewandt- 
heit. Adj.  Bildungen  auf  -ni(/  gehen  sonst  meistens  auf  starke 
Participien  zurück,  denen  noch  -ly  angehäugt  wird;  nach 
Analogie  solcher  scheint  ylidnig  gebildet. 

Rcni-Glode:  reine  Claude,  Königspflaume  Bs;  Z. 
Glödir^>'m.:  Tölpel,  unbeholfener  Bursche;  doch 
auch  in  besserra  S.  =  närrischer,  possierlicher  Mensch 
BSi.;    Syn.  Glör,   Glüscher;   Klöti.  •-   Appellativer  Ge- 
brauch  des   Namens  Claudius,  frz.    Claude'     S.    (llmli. 


(Jlaf.  glcf,  glif.  -1 


Shil- 


(JOS 


Glaf-gluf,  bzw.  autff  -.jhqi. 

ver-glaffarse°:  durch  Beschauen  irgeud  eine»  Ge- 
genstandes, ohne  viel  dabei  zu  denken,  sich  zu  lange 
verweilen  B  oHa. 

Vgl.  verglaß'en,  erstaunen,  sich  vergaffen,  bei  Schm.-Fr. 
1,  971;  spät  mhd.  i-eiyla/ert,  vergafft  (Lexer  3,  118),  zu  altn. 
glajm,  durch  Unbesonnenheit  verderben;  vgl.  auch  das  Fjlg. ; 
-arsen  nach  Analogie  der  Bd  I  467  angeführten  Bildungen, 
zunächst  glgarsen. 

umh  er -gläffe"  umhrujUiffu  :  müs.sig  umher- 
schlendern W. 

Big.  wohl:  umher  ,gatfeu'  {was  ja  auch  mit  Gehen  ver- 
banden sein  kann) ;  denn  gläß'en  steht  ohne  Zweifel  dem  im 
vorhergehenden  W.  enthaltenen  ylaffm  ganz  nahe.  Vgl.  noch 
das  Folg. 

Gläffi  I  f.:  ganz  helle  Luft,  heiterer  Himmel.  Ufa 
Schütti  [Regenguss]  git  's  gern  iin  Gl.  W ;  Syn.  Heitert. 

Vwdtschaft  mit  .klaffen'  i.  S.  v.  ,sich  öffnen,  hervor- 
brechen' wäre  dem  Laute  nach  wohl  möglich,  doch  liegt  für 
die  angegebene  Definition  näher,  das  Subst.  an  das  vorher- 
gehende, im  gleichen  Gebiet  einheimische  Vb.  zu  knüpfen, 
indem  die  Helle  des  Himmels  mit  einem  weit  aufgetanen  Auge 
verglichen  werden  kann. 

Gläffi  II  n. :  Fratze,  verzogenes  Gesicht;  «e  Gl. 
mache'  AAZein. 

Dieses  W.  könnte  zur  Not  noch  zu  den  zwei  vorher- 
gehenden gezogen  werden,  wenn  au  einen  widerlich  glotzenden 
Blick  zu  denken  wäre;  vgl.  Augmgteß',  Augenlied  (?).  Schm.- 
Fr.  1,  971.  Aber  da  Fratzen  hauptsächlich  durch  Verzerrung 
des  Mundes  entstehen  und  das  Geschlecht  n.  ist,  so  wird 
eher  ein  Comp.  Geläff  von  dem  einfachen  Läff  n..  Maul,  an- 
zunehmen sein,  wobei  nur  das  angehängte  -i  einige  Schwierig- 
keit macht,  dem  hier  jedenf.  nicht  dim.  Bed.  zukommen  kann. 

Glef(e)  m.  f.?:  1.  Spitze.  ,Spiess  on  glevi.'  1504/3'2, 
G  ESatz.  —  2.  Lanze,  Spiess.  .Die  mit  den  langen  gle- 
f(i)en,  die  fluchent  allesam(t).'  1368,  Tobl.,  VL.;  Just. 
50  mit  ,Gleven'  zu  Hülfe  schicken.  1386,  Geschfo.  Ges. 
.Verschmidend  euere  rebmesser,  sichlen  und  sägeisen 
ZUG  glefen.'  1581/48,  Joel;  dafür  1667:  ,Spiessen.'  — 
3.  diese  Waffe  führender  Kriegsmann,  spec.  eine  tak- 
tische Einheit,  bestehend  aus  3—4  Mann,  mit  einem 
.Kürisser'  (s.  d.)  an  der  Spitze.  ,400  gießen  mit  ir 
stähelin  hüben.'  Just.  ,Quidam  capitanus  lige  umb 
Metz  mit  600  glevcn.'  1475,  Bs  Chron.  ,Wann  ir 
warent  nit  mer  dann  4000  und  by  30  gleven.  die  der 
herzog  hatt.'  Sicher  1531.     S.  auch  Glene. 

Mhd.  glavin,  ghrin,  glevU,  ghve  f.,  Lanze  und  lauzeu- 
tragender  Reiter,  aus  frz.  glaive  von  lat.  gladimi. 

Glifer  m.  in  der  Formel:  CEr  ist)  glatt(e)  wie  Gl.  W. 

Von  mhd.  ghfen,  schräg,  abschüssig  sein;  vgl.  nd.  glippen, 
gleiten.  Das  W.  scheint  gebildet  wie  nhd.  ,Schiefer',  mhd. 
«<7«it»)-,   und  .glattes  Gestein'  oder  ,glatte  Hanf  zu  bezeichnen. 

Glufe"  bzw.  -jiS  -o-  Ap;  Bs;  Gr;  G  tw.  (Gloffe. 
1799);  Th;  zw.  (neben  Gxtf),  Gluf  GF.,  S.,  Gulfe 
AAZein.;  S  (Schild),  Gufe  Aa;  Bs;  B  (J- Si.);  F  (auch 
kofa);  VOrte;  Gl;  GRÜbS.;  GA.;  ScH;  S;  ThHw.,  Guf 
Aa;  GG.;  ScHwE.;  Z  —  f.:  1.  Stecknadel,  allg.  Eine 
grosse  Gl.  als  Bestandteil  der  vornehmen  weiblichen 
Landestracht.  Gotth.;  sonst  hildl.  Bezeichnung  des 
Kleinen:  Nüd  Guf  es  gross.  Es  feit  kei  GL,  nicht  das 
Geringste  Gl.  S.  noch  GJ.-Knopf.  So  auch  in  andern 
bildl.  RAA.:  Öppis  sueche"  wie-n-e  GL,  angestrengt, 
mühsam  B;  S.  j&  Gl.  in-eme  HeustocU  sueche",  ver- 
lorne Mühe  anwenden.  Schild.  D'  Gl.  us-em  H.  finde", 
seltenes  Glück  oder  grosse  Geschicklichkeit  haben  B. 


,E  GL  in  eme  Flieder  Heu  finde,  spem  omnium  viii- 
cere.'  Id.  B.  Bin-ere  Guf  fangt  men  a*  (stele'J  Z. 
,Man  kann  bei  einer  G.  stehlen  lernen.'  Sprww.  1824. 
Die  Eigenschaft  des  Stechens  als  Bild  kleiner  Quä- 
lereien. Do  sticht  's  mi"'-  wie  mit  hunderttusig  Gufe'. 
Keltere.  Mer  sind  wie  uf  Glufe  gsesse,  in  der  grössten 
Verlegenheit,  Ungeduld  Z.  's  isch-ere  g'si",  si  sitz  uf 
Glufe'  und  Nadle".  Usteri.  Auch  Bild  des  sinnlich 
Unangenehmen:  Wie  schmeckt 's?  Besser  a's  e  Häm- 
pfeli  Gufe.  Breitenst.  's  ist  nter  lieber  a's  es  Hämpfeli 
Gufe  (im  MülJ,  sagt,  wer  sich  Etw.  wohl  schmecken 
lässt  AABb.;  Z.  ,Ich  sollte  zum  ofen  sitzen,  spinnen 
und  gufen  spitzen.'  UEckst.  .Künden  sy  als  vil  pfaffen 
erstechen  mit  den  gufen  als  mit  den  messem,  so 
wclltend  sy  es  nit  sparen.'  1534,  Absuh.  ,Kadlen  und 
guffen.'  1536,  ZBletz.  ,An  ein  gekrümmte  glufen.' 
VoGELB.  1557.  .Jungfrau,  band  ir  kein  kleines  güfelin, 
dass  ir  mir  uflieftind  myn  kränzelin  V  ■  1558,  Lied,  ,wie 
man  um  ein  kränzlin  singt';  s.  T.,  VL.  I,  CXXXVm. 
,Fast  US  mit  ir,  was  darfs  vil  leben,  ich  wollt  dir  nit 
ein  gufen  geben.'  JMurer  1560.  Der  Teufel  lehrt 
eine  ihm  ergebene  Hexe,  neugeborne  Kinder  mit  der 
Gufen,  die  sie  ihnen  oben  ins  Häuptlein  sticht,  aus 
der  Welt  schaffen.  1570,  Gfrd.  .Acicula.  ein  gufen.' 
Fris.;  Mal.  Ebso  Denzl.  1716:  .Stecknadel.'  ,Hölzle 
spitzen,  gufen  sp.,  in  kleinen  sachen  vergebens  ar- 
beiten.' Mal.;  vgL:  ,Nun  ein  gufenspitz',  nur  das  Ge- 
ringste. RuEF.  ,Das  Gufenstädtle  Nantua,  da  nur  Gufen 
usw.  gemacht  werden.'  JosMal.  1593.  .Glufen,  Gufe, 
Spelle,  Spenne,  spina,  capitata  acus,  acicula.'  Red.  1662. 
,[Wenn]  dises  [das  Kind  im  Liegen]  ein  Spänlein, 
Hölzlein,  Gufen  oder  Nadlen  sticht.-  FWürz  1634. 
Hexen  waren  im  Stande,  Leuten  Allerlei  in  den  Leib 
zu  zaubern:  .Endlich  aber  fienge  sie  [die  Verhexte] 
an  speien  und  speietc  aus  lange  und  krumme  eiserne 
Nägel,  grosse,  gelbe  Glufen  oder  Stecknadlen  usw.' 
.\nhorn  1674;  vgl.  die  Geschichte  des  letzten  Hexen- 
processes  [der  A.  Goldli  1782  in  Gl].  .Ein  Guf  oder 
Nadel  entlehnen,  einen  Spreissen  darmit  aus  dem  Finger 
zu  tun.'  Wasterking.  Proc.  1701.  ,Ein  Nadler  machet 
einen  Tag  in  den  andern  gerechnet  9000  Gufen.'  Dis- 
coiTRSE  172'2.  —  2.  (PI.)  Samenknöpfe  des  Hanfes, 
welche  mit  Hecheln  aus  dem  ,Werch'  herausgeschafft 
werden  W.  —  3.  (PI.)  das  aus  scirpus  pal.  und  uni- 
glumis  bestehende  Bergheu  BSi. 

Spät  mhd.  glu/e,  gufe.  -Die  Form  mit  l  ist  die  ältere, 
aber  die  andere  überwiegt  bei  uns  schon  seit  dem  XV.  (,Gnfen- 
macherin.'_U.51,  Bs).  Bemerkenswert  ist  die  Umstellung  Gulfe. 
Bed.  2  u.  3  von  der  .\hnlichkeit  der  Gestalt.  —  Aargauische 
Sagen  (Rochh.  I  111.  389)  berichten  von  einer  römischen 
Niederlassung,  genannt  ,Gufenstädtli',  wo  aber  der  Name  wohl 
nicht  den  Sinn  haben  kann,  wie  bei  Malers  Angabe  betr. 
Nantua.  ,Gufen'  steht  dort  viell.  für  Gufel  Sp.  132  und 
bezieht  sich  auf  die  Lage  des  Ortes  auf  einer  Höhe. 

Lüeder-:  beim  Aufschütten  des  Pulvers  auf  die 
Zündpfanne  der  Vorderlader  verwendete  Nadel  Z; 
Syn.  Liieder-,  Ber-Nadle.  Auch  beim  Sprengen  von 
Steinen;  Syn.  Spreng-G.  —  Sicherheits-,  Schlüss-, 
Bschluss-:    Stecknadel,  die  nicht  aufgehen  kann  Z. 

—  Spreng-  Z  s.  Lüeder-G.  -  Steck-:  Stecknadel 
A AWohl.;  auch:  Busennadel  als  weibl.  Schmuck  Bs; 
Ndw;  Z;  Syn.  Brustnadle.  —  Welle"-:  lange  Nadel 
mit  grossem  Kopf,  beim  Spitzenklöppeln  THSteckb. 

gluf(n)e":  mit  einer  Stecknadel  befestigen  Ap;  G. 

—  an-  Ap  (auch  -gUifne').  -gufe'  Tu;  Z  =  dem  vor. 


-flliif.    (JlaCl 


ver-  =  ilcin  vur..  z.B.  auti;oli;iii.<,'to  Wäsche  gegen 

acii  wiiKi  z. 

g(l)ufere":  mit  einer  Gl.  oder  einem  andern 
liingliehen  Instrument  stochern  Aa. 

guf(e)le°:  1.  =  (an)glufen  B;  Z.  ,Heftet  und 
güflet  auf  allen  Seiten.'  Stütz.  —  2.  (glüfle")  ein  Kinder- 
s|iiel  mit  Glufen  GSa. 

an-güfele":  mit  Reden  oder  Geberden  angreifen, 
zur  Rede  stellen  (gleichsam  .anstechen');  auch  im 
Schachspiel :  einen  kleinen  Angritt'  machen  Z  (Spilhn.). 
—  ver-:  =  eenjfljiifen.  ,V.,  aciculis  undique  com- 
pingere.'  Id.  B.  ' 


lilaft:  Wassermücke.  Jonstonus  de  Insect.  ita 
iwiiunciat:  Musca  aiiuatilis  sstiva  major  frequens 
■irca  Tigurum  conspicitur  mense  Majo  (vulgo  tes  [y] 
llafft  vocant).-  .TJ Wagner  1680. 


Glagg     glugg. 

„(ilagge":  Überschuhe  B.'   —  Krz.  piit.  Wn.,«.. 

Glogg,  -e",  in  GrD..  Pr.  Chluie  —  f.:  Glocke. 
1.  Kirchenglockc.  .Wann  [denn]  vor  waren  die  gl-en 
also,  dass  ein  knecht  einig,  an  helfe,  mocht  gelüten 
die  meisten,  nu  muess  man  dicke  drye  han,  swenn 
man  lüten  will  kreftlich  zue  den  hoclizyten.  und  i:  gen 
dem  Wetter.-  lolL'.  GFKn.  .An  den  liolion  sainstag 
|vor  Ostern |.  da  man  die  gl-en  liitet.-  I:;i'.i.  Z  Katserk. 
,Als  wyt  die  heidenschaft  gat.  ist  kein  gl.  noch  schellen, 
denn  [ausser,  sondern]  dass  man  allezyt  mit  hölzenen 
!;l-en  lüt[et],  wie  hie  in  der  hochwuchen  [Karwoche].' 
HsScHÜRPF  1497;  vgl.  Fabilla  Bd  I  635.  ,Die  städt 
band  aus  gl-en  büchsen  g'maeht  und  wollten  uns  er- 
sehiessen.-  1499,  T.,  VL.  .Vom  wyn  mich  nüt  ab- 
scheidet; wenn  ich  des  nüt  me  mag  ynnemmen,  so  lüte 
man  mir  mit  gloeken  z'sämmen,  dann  bin  ich  tod,  old 
joch  fast  krank.-  Aal  1.549.  .Rat  und  burger  mit  der 
gl-en  versammt.'  1549,  Absch.  .Die  Kirche  zu  TArtore 
hat  zwar  eine  Gl.,  die  aber  an  hölzernen  Pfählen 
ausserhalb  der  Kirche  hängt.-  1634.  ebd.  Verglei- 
chungen  und  RAA. :  Es  Fass  wie-n-e  GL,  so  ganz  und 
gesund  ZS.;  vgl.  glogge"gam.  En  Ma""  vie-n-e  GL, 
grundbrav  Ar.  En  Himmel  (SchwE.),  c  Stimm  (Ap;  Z) 
irie-n-es  Glöggli,  rein,  wolkenlos,  hell,  metallrein. 
ITärt  g'höre'  rvie-n-e  Gl-e",  harthörig  sein  FS.  Lose", 
wie  (!'  GL  tönt,  was  d'  GL  schlät,  horchen,  was  die 
Leute  sagen  Z.  Am  End  merkt  mf,  tvas  d'  Gl-e' 
g'schlage'  het  ScuSt.  Wer  nummen  ei"'  Gl-e'  hört, 
hört  nummen  ci'"  Ton  PMu.  Wenn-vi'^  will  u-üsse", 
icie  's  G'lüt  ist,  mtiess-mc'  nit  nummen  ei"  Gl-e'  köre', 
audiatur  et  altera  pars  S  (Schild).  Ha"  neime  g'hört 
/•s  Glöggli  lüte',  es  ist  ein  gewisses  Gerücht  zu  mir 
gedrungen  ZO.  .Bei  welcher  Gl-en  sie  haben  läuten 
iiören.'  ZRhein.  Beantw.  1747.  Man  sehe  wohl,  dass 
.die  glogken  all  zuesammen  schlachen  [alle  Anstren- 
gungen gemacht  werden  oder  dass  alle  feindlichen 
Pläne  in  einander  greifen].'  1530,  Assch,  ,Do  schluo- 
gen  die  gloggen  z'sämmen,  dass  er  niena  in  der  Eid- 
gnoschaft  dorft  wandlen.'  Sicher  1531.  A"  die  gross 
GL  henke'  Gi.;  Z,  srhlfi'  BHk.,  ausposaunen.  A'  der 
Schweiz.  Wiotlkoii  II. 


iirossc  Gl-e'  zühe",  sich  an  die  oberste  Behörde  wenden. 
Solger.  Uri  habe  ,die  grosse  Glocke  angeschlagen' 
und  seine  Sache  bei  Zürich  anhängig  gemacht.  1658, 
Absch.  Zum  Pfarrherrn,  der  dem  Sprecher  das  Ver- 
dammliche  seines  Wandels  vorgestellt:  ,Das  ist  stark 
mit  der  grossen  Glocke  geläutet,  wenn  es  schon  Nie- 
mand höret  als  ich.'  Nachtl.  1790.  ,Vermög  welches 
[Gebets]  Gott  solche  gehörlose  Buben  tschupet  [war- 
nend am  Haare  zerrt],  die  grössere  Glocke  läutet,  bis 
sie  hören,  die  Kin  li.-  «jeder  finden.'  LKInderbitzi 
18'26.  A.  Hl'.  Ins.  /''  filini;,  die  gross  Gl-ii  z'  Paris 
lüta.  B.  May  sV,  und  r''  gsehn  tif-em  Spitzberg  d' 
Miiggn  geina  GW.  [Probe  von  Aufschneiderei].  Die 
gross  Gl.  [Todtenglocke]  zalt  Alles,  macht  Alles  ver- 
gessen AABb.;  GrHo.;  L;  vgl.:  ,Diewyl  des  menschen 
leben  kurz  und  die  weit  Ion  mit  den  gloeken  git  und 
denn  des  armen  menschen  ganz  vergessen  wirt.'  1494. 
UwE.  Jahrzeitb.  , Andere  meiner  Debitoren  starben 
und  Hessen  mich  die  Glocken  zahlen.'  UBkXgg.  .Die 
Gl.  ist  gegossen-,  der  Plan.  Anschlag  ist  fertig  und 
gesichert.  .Alsdann  war  ir  gloeken  g'gossen  und  sie 
sicher.'  c.  1510,  Siml.,  Urk.  .Die  gl.  ist  g'gossen,  wir 
werdent  sy  bald  lüten,  dass  der  ton  wyt  erschallen 
soll  [Ki-iegsdrohung].'  15'29,  Absch.  ,A1s  ob  ir  gl.  si 
g'gossen'.  als  ob  ihr  Sieg  vollständig  sei.  1.531,  Lied. 
.Als  König  Heinrich  den  anschlag  merkt,  dass  die  gl. 
über  in  g'gossen  was.'  Vad.  ,Was  will  ich  wider 
Alle?  ich  sihe  ja  ein  einhellige  Prattik,  ich  .sihe,  wie 
die  Glock  gegossen  und  was  sie  geschlagen.'  AKlingl. 
1088.  .Die  Gl-en  stellen',  sich  schlagfertig  machen, 
wohl  eig.  zum  Voraus  die  Sturmglocke  schief  .stellen, 
so  dass  sie  sofort  beim  Anziehen  anschlägt  [V].  .Als  ob 
wir  uns  mit  kriegischen  anschlegen  wider  sy  gerüst 
und  die  glogk  über  sy  gestellt.'  1529.  Absch.  IV  1  b  144. 
Son.st  wurde  das  Geläute  allerdings  auch  etwa  auf- 
gespart zu  einem  Allarmzeichen:  ,Si  habind  all  gl-en 
still  gestellt  und  einen  stürm  angesechen  [beschlossen].' 
1529.  Absch.;  und  so  ist  viell.  auch  zu  verstehen, 
wenn  berichtet  wird,  dass  vormals  in  Obw,  wenn  Krieg 
drohte,  die  Kriegsrödel  ausgefüllt,  Musterung  gehalten, 
die  grosse  Glocke  eingestellt  und  Feuerzeichen  aufge- 
richtet wurden.  —  Auch  =  Glockenschlag.  .Auf  Glogg 
acht  betete  der  Schulmeister.-  AKtbdrz  1753.  Vgl. 
Gloggen- Stund.  —  Die  Phantasie  des  Volkes  legt  dem 
Geläute  der  Glocken,  abgesehen  von  dem  allgemeinen, 
lautmalenden  Inm,  bäm!  böläm!  Sprache  unter.  Beim 
Begräbniss  eines  Kindes  ruft  die  kleine  Glocke  in 
wehmütigem  Tone:  Bring 's  au'''!  Bring 's  an'''!  ZS. 
Ähnlich  bei  einer  Beerdigung  übh.  in  BsKilchb. : 
Cliumm  bald!  "der:  ',v  »immt  Alls  en  End!  's  n.  A. 
e.E.!  Stutz;  in  ZKil.hli.:  Gott  bald!  (Dan.).  Einem 
Geizigen:  Mnest  (i)iiicii  lur,  m.  g.  h.!  Die  3  Hoch- 
zeitsglocken: 1.  die  kleinste:  les  gät  's  Elend  a",  i.  g. 
E.  a'!  2.  die  mittlere:  Wie  lang?  ic.  L?  w.  L?  3.  die 
grosse  (tief):  Dl's  Lebe"  lang!  d.  L.  L!  ZS.  Oder: 
1.  Ach  min  Gott,  a.  m.  G.!  2.  ühr&z  und  Not,  Ch. 
u.  N.!  3.  Und  das  «ü  Lebe  lang!  Th;  Z.  Ähnlieli. 
nur  kürzer,  das  Geläute  von  StJakob,  der  üblichen 
Hochzeitskirche  bei  Basel:  1" 's  Elend!  i'.t  E.!  Beim 
Zusammenläuten:  Ging,  gäng!  g.,  g.!  dass  dC  l'faff 
i'  d'  Chille'  chämm!  Vgl.:  Stille!  d'  Pfaffe  gönd  i" 
d'  Chille!  Weit  verbreitet  (Aa;  G;  Z)  und  wohl  all 
ist  auch  der  Volkswitz:  1.  Sind  die  Schelmen  (Lumpen) 
all  da?  2.  Bin  Eim!  b.  E.  (bis  im  Eine')!  3.  [nach- 
dem der  Pfarrer  gekommen |   All  du!  n.  d.  (aw''  da)! 


611 


Glagg,  glegg,  gligg,  glugg.  glugg 


In  SoHÖt.  fragt  die  kleine  Kathausglocke  wie  1.  die 
grössere  antwortet  mit  2.  Bochh.  hat  folgende  Wen- 
dung: 1.  (Pfarrer):  Sind  mini  Schöhne  alli  do?  alli 
do?  2.  (Gemeinde):  Alli  bis  tif  Eine  (bist  aw''  eine! 
h.a.e.)!  3.  (nachschlagender  Glockenschwengel):  Er 
chunnt!  e.  eh.!  Eine  Wetterglocke:  Susanne,  S.!  alli 
Wetter  diir'Kinne!  AAFri.  Auf  Neckerei  der  Nachbar- 
gemeinden beruhen  Deutungen  wie:  1.  B'Sihlg'meindler 
2.  sind  Schelme'^  3.  bis  an  Einen!  Var.:  Bim,  bäm, 
bäm!  B.  b.  b.,  d'  SihlbriXggler,  d'  S.,  sind  Schelme",  s. 
Seh.!  Z,  oder:  Gänsenente"!  Entegänse'!  läuten  die 
Aussersihler  Glocken  Z;  arm  und  elend!  a.  u.  e.!  die 
von  ZSteinm.;  Bachchiinijd !  B!  ZDachsl.;  rüered 
d'  Becki  z'sämme'!  r.  d'  B.  ;..'  ZObi'rhasli  [Anspielung 
auf  das  sog.  Scherbete"  der  Glocken];  vgl.:  d'  Sener 
lüte  d' Becki  z'sämme :  Chüemilch!  Geissmilch!  AaScou. 
Asperchelle!  hat  sibzehe  welle'!  AAÄsp.  Wenig  Brod 
und  Sure  Wl',  ach  Gott!  Wer  mächt  aw''  z'  Chlinglau 
sl"!  AAKlingn.  1.  Bring  Geld,  2.  wenn  d' hast!  Aa 
Laufenb.  Euseri  Cherze"  und  Palme  sind  besser  a's  euer 
Psalme!  rühmt  LMaihaus.;  ihm  antworten  die  Glocken 
von  reform.  ÄAMenz.:  Euer  Palmen  and  Cherze  sind 
toie  der  Sehne  im  Merze'!  Endlich  in  SAltreu:  Schäm 
di"''!  seh.  d.!  Vgl.  über  Glockunsprache  übh.  Kochh. 
AK.,  S.  57  ff. ;  Stöber,  Alsatia  1853,  S.  169;  WWackern., 
kl.  Sehr.  III  94  ff.  —  2.  Hausglocke.  An  alle  Glogge" 
zieh,  all  Gl.  erschütte",  an  allen  Türen  anklopfen 
ScH;  Z.  ,Durch  Schnieichlen,  Rennen,  Stüi-niung  der 
Häuseren  und  Erschüttlung  aller  Gl-en  sich  einflicken 
[einmischen].' DToMAKN  1708.  —  S.Begenbogenschüssel- 
chen.  Er  suecht  's  silberi  Glöggli  under  ''em  Rege- 
boge",   Bezeichnung  kindlicher  Einfalt.    Sprww.  1869. 

—  4.  Herdenglocke,  Kuhschelle  aus  Glockenmetall; 
iniGegs.  zu  Klopfe".  ScMlle",  Trinkle"  Bü.;  Z.  Stäst 
wider  da  wie-n-e  Chue  öni  e  Gl.':'  Z.  —  5.  Glöggli, 
Hauttroddel  am  Halse  vieler  Ziegen;  augeblich  Zeichen 
von  Milchreichtum  Zu.;  Syn.  Züttel(i).  —  6.  glocken- 
förmige Anhängsel  oder  Teile  der  Kleidung.  Glögg- 
leni,  die  am  untern  Saume  des  Bückeus  einer  Frauen- 
jacke (,Schluti')  zur  Verzierung  angebrachten  Bauschen 
BHa.  .Es  sollen  keine  lÜH-k  oder  Camisol  mit  Glocken 
bei  Bauern  oder  (iemeiiiiMi  mehr  geduldet  werden.'  G 
Kleiderordn.  1727.  —  7.  Glogge",  2  Seile  zu  beiden 
Seiten  der  Segelrute,  um  das  Segel  zu  richten  und  an 
den  Schiffswänden  zu  befestigen  Bodensee;  vgl.  Zoj)/'. 

—  8.  Name  von  Pflanzen  mit  glockenförmigen  Blüten 
oder  Blumen:  a)  verschiedene  Arten  von  Campamila. 
Glogge"  =  c.  urticif.  Aa,  c.  trach.  GW.;  Glöggli,  e.  pus. 
GWe.,  c.  pat.  G  uBh.,  (ehlmi)  c.  rap.  Aa,  c.  rotundif. 
Aa;   GW.,    e.  lanceol.    AaZ.;    Syn.   Gloggebluem.   — 

—  b)  Glöggli,  Akelei,  aquilegia  vulg.  Aa;  B;  Sch;  Th, 
Glogge',  a.  atr.  GS.,  We.;  Syn.  Geiss-,  Wald-Gl.  — 
c)  (wlss)  Glogge',  Zaunwinde,  convolv.  sep.  AaF..  Z.; 
Syn.  Begen-,  Zun-Gl.  —  d)  Glöggli,  Enzian,  gent. 
venia    ScnwSew.;   gent.  acaulis  GSa.;    Syn.  Stein-Gl. 

—  e)  tvissi  Glöggli,  Milchstern,  ornithogalum  umbel- 
latum  AAKobl.  —  f)  Glöggli,  Hyacinthe  SG.;  Syn. 
Gläsli.  —  g)  Glöggli,  Fuchsia  B.  —  9.  zu  Eigenn. 
verwendet.  Glogg,  Geschlechtsn.  ZMeil.  ,Das  hus. 
dem  man  sprichet  zer  Gloggen.-  1319,  Bs  Urk,  In 
Flurnn.:  Gloggen-Aeker  ZWyt.,  -TaJ  BSteffisb.,  -Wetd 
BLiesb.,  -Wisen  ZWiesend.;  Glöggli-Mos  LEain. 
Mehrere  dieser  Namen  mögen  auf  Bed.  8  a  od.  b  be- 
ruhen. Zu  Bed.  1,  aber  in  höhnischem  Sinne,  gehört: 
Hölzerne  Gl-en  als  Spitzn.  der  Bewohner  von  AAKlingn. 


und  irdene  Gl-en  von  AAjonen  (s.  liochh..  Wanderleg. 
1887,  S.  33). 

Zu  Bed.  1.  Die  Glocke,  zu  alleu  Zeiten  dem  Vulku  ehr- 
würdig und  fast  heilig,  hat  zu  allerlei  Glauben  und  Sagen 
Anlass  gegeben.  Es  kommen  hiebei  in  Betracht  die  Namen 
und  auch  die  Inschriften  derselben;  vgl.  ANüsch.,  Glocken- 
inschr,,  im  Gfd  30,  123,  und  in  ,die  Gotteshäuser  der 
Schweiz'.  Frühe  schon  kam  der  aus  der  Weihung  entstan- 
dene Missbrauch  auf,  dieselben  zu  .taufen';  hierüber  s.  Gfd 
2,  110  und  Kochh.  AK.  S.  58.  ,ünd  heisst  die  gl.  Susannen.' 
1549,  Schwingenb. ;  s.  auch  unter  Götti.  Auch  Reliquien 
wurden  denselben  beim  Gnsse  einverleibt:  ,3.  Julii  1397  wart 
die  gross  gl.  gegossen  und  ist  do  inne  der  h.  3  künigen 
goldes  von  der  stift  ze  Zof.  und  S.  Joders  heiltuom,  das  gap 
uns  der  bischof  von  Wallis.'  L  (Gfd  2-2,  158).  Uralte,  kleine 
Glocken  (wie  die  im  Prediger  Z,  im  Siechenhaus  BBurgd.. 
in  GlBilt.;  ZZoll.  u.  anderswo)  von  reinem  Klange  bestehen 
nach  dem  Volksglauben  ganz  oder  tw.  aus  Silber  und  ent- 
stammen z.  T.  alter  Kriegsbeute.  Die  silberne  Glocke  im  Bs 
Münster  liegt  seit  dem  Erdbeben  im  Rhein  und  lässt  Nachts 
liebliches  Klingeln  hören.  Andere  sind  in  Kriegszeiten  auf 
wunderbare  Weise  gerettet  worden,  so  ein  Glücklein  in  ZStäfa 
von  der  Ortsheiligen  Verena,  in  ZErl.  von  der  h.  Agnes.  Bei 
der  Erobernng  einer  Stadt  mussten  die  Glocken  losgekauft 
werden,  weil  sie  sonst  nach  Kriegsbrauch  der  Artillerie  des 
Feindes  gehörten;  so  1712  in  AaBaden,  worauf  sich  bezieht 
Tobl.  Volksl.  II,  139.  Zur  Geschichte  der  Glocken  vgl.  noch 
Th  Beitr.,XXII  30 f.;  Sonntagsbl.  des  ,Bund'  lS83,Nr.38  ff.: 
Neuj.  Z  Musikges.  1858.  Etymologisch  gehört  Gl.  viell.  zu 
Mocken  (s.  d.),  anschlagen,  wie  die  Form  VMotjtje  lehrt;  vgl. 
noch  Klopfe,  Schelle. 

Fir-Abend-Glogg  s.  Vesper-Gl.  —  Abrellen-: 
gelbe  Narcisse,  narc.  poet.  B. 

Elfi-:  die  (gew.  grösste)  Gl.,  welche  um  11  Uhr, 
der  frühern  Mittagessenszeit,  geläutet  wird. 

Vgl.  Hnlif  (Bd  I  283)  und  Bi-t-GL  Auch  dieses  Geläute 
hat  wohl  eig.  kirchliche  Bed.  und  steht  im  Zusammenhang 
mit  dem  i.  J.  1455  von  Papst  Cali.\t  III.  eingeführten  Mittags- 
gebet wider  die  Türken,  weshalb  diese  Glocke  anch  ,Türken- 
gloeke'  heisst. 

A\i> e" -  Glöggli :  Alpendrattclbhnne .  soldan.  alp. 
BO.  —  Angst-Glogge:  Glockenzeichen  am  Donners- 
tag Abends  zur  Erinnerung  an  die  Angst  Christi  in 
Gethsemane  TnBisch.  —  Todes-A.-:  Gl.,  mit  welcher 
das  , Endzeichen'  (s.  Eml  Bd  I  315)  geläutet  wird. 
,Die  StTheodulskirche  in  WSitt.  blieb  früher  Tag  und 
Nacht  offen,  weil  da  das  T.-glöcklein  geläutet  wird, 
wenn  Jemand  stirbt.'  W  Sagen.  —  Ur-  =  Zlt-Gl. 
1292/1371,  ZEatsb.  —  Oster-  =  Abrelh'-Gl.  Schw; 
U;  vgl.  das  nhd.  syn.  ,Osterlilie-.  —  Feld-:  sarka- 
stische Bezeichnung  eines  Gehängten.  ,Galgenschwenk- 
ling,  -zemderling,  ein  feldglocken,  galgens-  oder  hen- 
kenswert,  furcifer,  cruciarius.'  Mal.  —  Fünfi-: 
Abendglocke,  um  5  Uhr  geläutet.  Vermummled  mit 
der  Stange  lauft  der  Gaslaternema"" ;  und  d'  Finfi- 
glogge  tent  derzue  Bs  (Schwzd.).  —  Für-:  Feuerglocke, 
d.  i.  die  Glocke,  deren  Läuten  Abends  das  Zeichen 
gibt,  das  Feuer  auf  dem  Herde  zu  löschen.  .Von  der 
f-en.  Der  Rat  und  die  Burger  sind  gemeinlich  über- 
einkommen, dass  man  von  sant  Michels  tult  unz  zen 
Ostern  lüten  soll  iemer  ewiklich  zer  probsteie  ze  füre.' 
Z  Richtebr.  1304.  Nach  G  Eatssatzungen  des  XIV.  u. 
XV.  durften  weder  Pfister  noch  Privaten  nach  Vesper 
zum  Backen  Feuer  anzünden  ,und  die  sniit  nit  länger 
won  unz  ze  f-en.'  Ebenfalls  von  GStdt  sagt  Simmler, 
Reg.  1722:  ,Von  Altera  her  ist  bräuchig,  dass  man 
alle  Nacht  ein  Glocke,  die  Feur-Gl,  genannt,  V*  Stund 
läutet,  damit  Jedermann  in  seinem  Haus  sich  verwahre. 


(US 


Glagg.  ?lei,'g.  srlijfK.  glogg.  glugg 


614 


dass  durch  Feur  kein  Schaden  geschehe.'  ,ln  wirts- 
hüsern  ist  verboten,  oft'enlich  ze  spilen  bv  1  pfd  für 
f-en  hin.-  1417,  L  Katsb.  ,Den  18.  Wintermon.  gegen 
der  Nacht,  ah  man  schon  in  der  Statt  Bischofzeil  die 
F-en  gelütet  hat'  JosMal.  1593.  .Eine  Glocke  zu 
StLeonhard.  die  im  Winter  täglich  um  8  Uhr  und  im 
Sommer  um  9  Uhr  geläutet  wurde,  und  Jedermann 
ermahnte,  das  Feuer  zu  löschen,  hiess  Feuerglocke.' 
Bs  (Ochs).  —  Furz-:  I.Person,  welche  die  Gewohn- 
heit des  Farzens  hat  G;  Z;  verächtliche  Bezeichnung 
eines  unbedeutenden  Menschen  übh.  L.  —  2.  Weiber- 
junte,  -Unterrock  Bs.  Vgl.  gloggen.  —  Vesper-: 
Abendglocke,  gewöhnlich  die  zweitgrösste,  im  Sommer 
um  4,  im  Winter  um  .3  Uhr  geläutet  Son;  Z.  .Bei 
Feursbrunsten  soll  die  grösste  Gloggen,  wann  der  Bär 
im  Land  ohn  ein  die  grösste,  nämlich  die  Feiraben- 
gloggen,  zum  Wolf  die  Vcspergloggen  und  die  kleinste 
geläutet  werden.'  1668,  BFrutig. 

.G ans -Glöggli  nennt  man  ein  Glöcklein  zu  Riehen, 
eine  Stunde  weit  von  Basel,  welches  des  Abends  zu 
der  Zeit  geläutet  wird,  da  ein  Fussgänger  noch  eben 
recht  in  die  Stadt  kommen  kann.'  Bs  (Spreng). 

Viell.  urspr.  ein  Gl.,  welches  das  Zeichen  zum  Heimtreiben 
(ici-  Gänse  gnb. 

Geiss -Glogge",  -Glöggli:  1.  Ziegenschelle  GT. — 
2.  Pflanzenn.  a)  Windröschen,  anemone  nem.  Ap; 
GSa.,  T.  Syn.  Märzen-Gl.  —  b)  Akelei,  aquil.  atrata, 
zu  Absud  für  Ziegen  benutzt  ScHwMa.  —  c)  Schnee- 
glöckchen, galanthus  niv.  und  leucoiuni  vern.,  welche 
das  Volk  nicht  unterscheidet  GoEh.,  Sa.;  SchwE.;  Syn. 
Märzen-,  Sehne-Gh  —  d)  grüeni  G.,  grüne  Niesswurz, 
helleborus  vir.  GSa.  —  Heide"-  nennt  das  Volk  in  den 
VOrten  mittelalterliche  Glocken,  die  entw.  ganz  glatt 
sind  od.  deren  Inschrift  wegen  der  got.  Buchstaben  nicht 
gelesen  werden  kann.  Gfd  30,  124.  ,Der  Kirchturm 
zu  ScHwTuggen  stammt  nach  der  Sage  aus  der  Heiden- 
zeit und  eine  der  4  Glocken  heisst  noch  die  H.'  Nüscu. 
Gottesh.  UI  .504.  -  Hunds-,  in  der  RA.:  B'  H. 
zieh",  sitzend  die  hangenden  Beine  hin  und  her  schwen- 
ken, von  Kindern  Gl  (Schuler).  Vgl.  Esel  Bd  I  .516. 
--  Hung  [Honig]-ff%(7//;  Taubnessel,  Bienensaug, 
lamium  ScHwKüsn.  —  Joiers-Glogge":  StTheoduls 
Glocken,  bes.  kräftig  gegen  Gewitter  Ndw;  vgl.  die 
Anni.  zu  Glogg.  ~  Chue-ö?.;  1.  grössere  Gl.  aus  Erz, 
welche  dem  Weidevieh  angehängt  wird  STierst.  — 
2.  Küchenschelle,  anemone  puls.  Gr.  —  Ka.ii-GKgyli 
=  Hiilhi-drii-Glöggli,  s.d.;  scherzh.  so  genannt,  weil 
es  von  mancher  Hausfrau  als  Einladung  zur  vorzei- 
tigen Bereitung  des  Abendkatfees  verstanden  wird  Z. 
—  Chinds-:   Begräbnis.sglocke  für  Kinder  ApA. 

Köngeli-.  ,Am  Pfingstmontag  wird  in  Schaffh. 
nach  gehaltner  Frühpredig  unter  Läutung  eines  sog. 
Köngelein-Glöggleins  der  Amtsburgermeister  abge- 
wechslet  und  der  andere  Burgermeister  erwählet.' 
SiMML.  Reg.  1722. 

Das  i.  J.  1449  aus  der  Burg  Balm  erbeutete  und  auf 
den  Fronwaagturm  verpflanzte  Glöcklein  hatte  viell.  eine  Bez. 
auf  die  h.  Kunigunde. 

Kap iz in  er-:    Bachnelkenwurz,    Sunipfbenedikte, 
geum  rivale  LE. ;  GRh.;  Schw;  Zg;  Üyn.  Kajnizinerli. 
Durch  die  Farbe  der  Kelchblätter  an  diejenige  der   Ka- 
puzinerkntte  erinnernd. 

Kerne"-:  eine  Glocke  im  Fraumünsterturm  Z, 
welche  seit  1757  jeden  Freitag  Nachm.  geläutet  wurde 


zur  Eröffnung  des  Kornmarktes.  —  Kirsi  ('C'Anesi^-; 
die  Glocke,  mit  welcher  in  SonSchl.  das  Zeichen  zum 
gemeinsamen  Kirschenpflücken  an  den  Bäumen  des 
Gemeindewaldes  gegeben  wurde.  So  wurde  an  andern 
Orten  (z.  B.  ZZoll.)  mit  der  grossen  Glocke  zum  ge- 
meinsamen Laubrechen  unter  den  Bäumen  der  Allmend 
(zum  , Ausgeben'  des  Holzes  und  zur  Oha-Gant  jetzt 
noch)  geläutet.  —  Kas-Glogg.  Die  sog.  K.  in  L  hatte 
ihren  Namen  daher,  dass  sie  beim  Gusse  kein  Öhr 
zum  Aufhängen  bekam,  sondern  dass  der  Zug  oben 
zusammen  rann  und  eine  Masse  bildete,  gleich  einem 
Käse.  1485,  L  (Hofkirche).  —  Chat- Glöggli:  Glocke, 
deren  Geläut  schlechtes  Wetter  (Regen  und  Kot)  ver- 
kündet. Eine  Benennung,  welche  die  Landleute  den 
Glocken  eines  Borfes  beilegen,  das  für  sie  in  der 
Richtung  des  gewohnten  Regenwindes  liegt  Z.  — 
Chli'-Glogg  hiess  eine  Behörde  von  36  Mitgliedern 
in  AABr.,  welche  neben  Schultheiss,  Bat  und  Zwölfern 
(letztere  aus  den  36  erwählt)  das  Gemeinwesen  regierte, 
so  benannt,  weil  man  mit  einer  kleinen  Glocke  zu  ihrer 
Versammlung  läutete.  Die  Mitglieder  hiessen  Uhlt'- 
glöggner  {.\a  Gem.  n  SO).  -  Chlenk-:  Glöcklein,  mit 
dem  ,geklenkt'  (s.  d.)  wird  BsL.  In  Ap  gibt  die  Kl. 
das  1.  Zeichen  zum  Morgengottesdienst;  Syn.  Wlsi-Gl. 
—  Klopf-:  geschmiedete  Schelle.  ,Das  Hutz-gür 
(s.  Sp.  411)  trug  eine  .\nzahl  sog.  Kl-en  um  den  Leib.' 
HBus.  1865;  vgl.  Klopfe.  —  Lumpe"-:  Glocke,  die 
um  S'/s  läutet,  weil  die  ehrbaren  Bürger  schon  um 
8  Uhr  das  Wirtshaus  verlassen  TnOiess.;  in  GRÜhur 
die  Glocke,  mit  welcher  Nachts  11  Uhr  das  Zeichen 
zum  Schliessen  der  Wirtschaften  gegeben  wird;  vgl.: 
'.s  göt  us-em  Wirtshi(s  Ma"  für  Ma",  denn  d'  Litmjye- 
glocke  rüeft  scho  a".  Walchner.  Syn.  Stübi-Gl;  vgl. 
Lninpensammler. 

Lire"-:  1.  Birne  im  Volksrätsel:  Hoch  oben  e  (es 
ist  e  grossij  Liregl.,  es  chitnnt  en  Wind  und  wehet  si ; 
es  chunnt  en  Schnegg  und  fähet  (hähet)  si,  denn  chiinnf 
en  Wigere-  (Wiggeri-)  Wl  (Bihelihi,  Giggerihi)  itiid 
(risset  de'  Schnegg  und  si  ZO.  —  2.  LiregUiggli  wird 
gescholten,  wer  langsam  ist,  nicht  fertig  werden 
kann  Ap. 

Liren,  drehen,  und:  leiern,  i.  S.  T.  Langsam  arbeiten: 
bei  1  scheint  es  in  den  Begriff  des  Baumelns  übergegangen 
zu  sein. 

Lovite- Glöggli:  kleine  Glöcklein,  die  in  Loreto 
gefertigt  und  gesegnet  werden  und  mit  welchen  bei 
Sterbenden  um  das  Bett  geläutet  wird,  um  den  Zutritt 
des  bösen  Feindes  abzuwehren,  kath.  Schweiz;  vgl. 
Rövier-Gl.  —  Maie"- Glogge":  1.  narc.  pseudon.  U; 
Syn.  Miirze"-Glogg.  —  2.  M.-Glöggli,  Maiglöckchen, 
convallaria  maj.  Bs.  —  Manne"-:  die  grösste  Glocke, 
mit  welcher  erwachsenen  Mannspersonen  zu  Grabe 
geläutet  wird  Ap.  —  Unre"-GlöggU:  kleine  (gern 
an  Mauern  wachsende)  Glockenblume,  camp,  pusilla 
ScHwMa.;U;  Syn.  StoM-eZ.  —  Märze"-G%(7e"  (PL): 

1.  gelbe  Narcisse.    narc.  pseudon.    GT.;   Ndw;   U.  — 

2.  Schneeglöckchen,  leuc.  vern.  Schw.  —  M.-Glöggli: 
1.  leuc.  vern.  und  galanthus  niv.  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L: 
G;  Schw;  S;  U;  ZÜ.  —  2.  Maiglöckchen,  conv.  maj. 
ZBass.  —  3.  Windröschen,  anemone  nem.  GSa.,  Ta. 
—  Uess-Glöggli:  Glöckchen  auf  dem  StLeonhards- 
tunu  zu  Bs,  welches  am  27.  Oct.  die  Jahresmesse  ein- 
läutet. —  Mues- Glogg:  eine  der  Glocken  im  Bs 
Münster  (die  sog.  Kaiser-Heinrichs-Gl.),  welche  um 
10  Uhr  Morgens   den   Hausarmen    durch   Läuten   das 


Ü15 


GUgg.  gleg 


■^Mgg.  glogg.  glngg 


Zeichen  gab.  ihren  Brei  im  Almosenhaus  abzuholen. 
(Ochs).  —  I^üch-Glogge'.  ,Dass  man  zer  abteie  iemer 
cwechlich  ein  nagloggen  lüten  soll,  so  man  vom  wyne 
gan  soll.'  1304,  Z  Richtebr.;  s.  noch  Stäuh-Gl.  ,Swem 
nf  die  wachte  geboten  wirt,  der  soll  ze  der  nahgl-en 
kommen  uf  das  rathus  und  selb  wachen.'  1.336,  Z 
Ratserk.  ,Swer  nachtes  nach  der  naehgloggen  gat  ane 
liecht.-  1343,  ebd.  —  Nüni-:  Glocke,  die  Abends  0  Uhr 
geläutet  wird,  z.  B.  das  N.-Glöggli  in  ScHStdt  auf  dem 
Unot;  s.  Sage  darüber  im  Sch  Volkskai.  1863.  .14  ß 
dem  sigristen  zum  Frowenmünster  die  nünegloggen  ze 
lüten.'  1533,  Eeu.  —  Bi-:  Beiglocke  i.  S.  v.  Glogg  7, 
Hülfsscil  am  Segel  TuBodensee.  —  ,B\iehc"-GlöggH: 
Glöckchen,  das  im  Sommer  Abends  10  Uhr,  im  Winter 
um  9  Uhr  geläutet  wird,  zum  Zeichen,  dass  .sich  alles 
Gesinde  aus  den  Schenkhäusern  heimbegeben  und 
Niemand  ohne  Lanterne  über  die  Strasse  gehn,  viel 
weniger  einigen  Mutwillen  darauf  treiben  solle.'  Bs 
(Spreng).  —  B a. ch - Glöggl i :  Bach-Geum.  g.  rivale  Sch. 
—  B 0 m s c h -  (rto(7(/("' =  dem  folg.  W.;  ..entweder  ent- 
stellt aus  Papst-Gl.  od.  wegen  ihres  dumpfen  Klanges." 
(Anon.  ad  Stald.)  —  Papst-:  grösste  Glocke  im  Bs 
Münster,  1441  von  Papst  Feli.\  V.  gestiftet:  sie  wurde 
bei  Wassersnot  geläutet.  —  Burger-:  die  Glocke, 
welche  die  Bürger  zur  Versammlung  rief.  ,Zu  mittem 
tag  lüt  man  [in  ZStdt  während  der  Belagerung  1444] 
die  b-en,  denn  so  kamend  ander  uf  die  wacht.'  Edlib. 

Bet-  (in  ZO.,  S.  auch  nur  B.-logge'):  Glocke. 
welche  Morgens  früh  und  Abends  spät,  beide  Male 
in  der  Dämmerung,  zum  Gebete  einladet;  vgl.  ,Hüet 
abziehen  bei  dem  Glockenklang'  ist  den  Evangelischen 
der  gemeinen  Herrschaften  freigegeben.  1657,  Absch. 
Diese  Entblössung  des  Hauptes  z.  T.  jetzt  noch  Z. 
Dieses  Läuten  bezeichnet  den  Anfang  und  Srhluss  des 
bürgerlichen  Tages  (an  Werktagen  auch  der  Arbeit); 
daher  dann  übh.  als  Zeitbestimmung  {Biif-il,  i.  S.  v. 
Betglockenzeit),  allg.  's  hlt't  Bef-loggc".  d'  Bin-hoi 
und  Chind  müendi'''s  Bett  hoppe'  Z;  den  Sililu>s  ilcs 
juridischen  Tages  bezeichnend  im  Gl  LI!.  1  I  |s/ls:;."i: 
,Ein  Landmann  soll  dem  andern  vor  Rat  vorkünden 
lassen  Abends  vorher  vor  der  B.,  vor  Gericht  2  Tage 
vorher  vor  B.';  vgl.:  ,Der  Tag  für  den  Fähr  fangt 
an,  wann  die  Morgenglocke  geläutet;  er  hört  auf, 
wann  mit  der  Glocke  des  Kirchturms  das  Abendzeichen 
gegeben  ist.'  Fährordn.  1810.  Der  Stundenschlag 
während  des  Betglockenläutens  gilt  als  Vorzeichen 
eines  nahen  Todesfalles  in  der  Gemeinde  Ap;  Gl;  Z. 
Ein  sjjarsamer  Bauer  ersuchte  den  Küster,  im  Sommer 
recht  früh  die  B.  zu  läuten,  damit  seine  Knechte 
früher  an  die  Arbeit  gehen,  aber  nicht  zu  lange,  damit 
die  Glocke  sich  nicht  abnutze  ZS.  Vgl.  BetfenJ-lüten; 
JIofamaie"-Mten  und  unter  glückhaft.  , Gemeine  frowen 
sollen  fride  [Schutz]  han  inlialb  der  statt  ringmure, 
bis  so  man  ze  g'bete  lütet  die  b.  und  nüt  für  bas.' 
1390,  TaDiess.  Stadtr.  .Nach  der  b.  soll  nieman  mit 
pfyfen,  trommen  noch  andern  spilen  um  die  statt  noch 
uf  der  gassen  züchen,  euch  weder  schryen  noch  juch- 
zen.' c.  1400,  ebd.  ,Um  bettgloggen  [.\bends]  kam  ein 
früscher  wind.'  HsSchürpf  1497.  ,Das  ewig  liecht  soll 
brinnen  all  samstag  die  ganzen  nacht  von  einer  b.  bis 
zu  der  andern.'  1504,  Gfrd.  ,N.  N.  [Damnifikaten] 
sollen  ein  ganz  jar  nach  der  b-en  kein  wyn  usserthalb 
iren  hüsern  trinken.'  1531,  Strickl.,  Act.  ,Alle  abend 
nach    der   salve-  oder  b-en.'    HBull.  1572.     ,Soll    die 


jugent  mit  ernst  ermant  werden,  so  man  mittag  lütet. 
euch  morgens  und  abends  die  b-en,  niderzeknüwen  und 
die  gebet,  im  Catechismo  darzu  verordnet,  andächtig 
sprechen.'  1582,  S  Wochenbl.  ,Zue  Unzeiten,  als  nach 
der  Betglookhen.'  1627,  Bs  Rq.  Das  B  Mand.  von  1628 
gebietet  allen  Knaben  und  Mägdlein,  dass  sie  sich 
nach  Hause  begeben,  wenn  man  die  Betglocke  läute. 
,wie  einst  allwege  gebräuchlich  war.'  ,Von  der  B-en 
zu  henken  100  Pfd.'  Hafxer  I661I.  .Bettglock,  cam- 
pana  precatoria,  campanse  pulsus  vespertinus,  matu- 
tinus.'  Denzl.  1716.  ,Die  Töchtern  aber  werden  nach 
Bettglocken  nicht  mehr  auf  den  Gassen  gesehen.' 
GSiML.  1703.  ,Unter  dem  Liecht  von  der  B-en  an  bis 
zu  dem  Nachtessen  oder  bis  zu  Läutung  der  Tor- 
Gloggen.'  Z  Mand.  1727.  .Wann  dem  Taglöhner  die 
Sechsen-  oder  Betglocke  läutet.'  JJUlr.  1727.  .Kinder 
sollen  des  Abends  nach  dem  Bettglockenläuten  sich 
nach  Hause  begeben.'  Gl  Sittenmand.  1803. 

Das  Abendläuten  wurde  von  Papst  Johann  XXII.  (13 16/34). 
viell.  aber  noch  früher,  förmlich  anbefohlen,  mit  der  Auf- 
forderung an  .jedcu  Christgläubigen,  dabei  3  Ave  Maria  zu 
bi'tcn.  S.  auch  Mitlaij-Ol.  In  ref.  Gegenden  ist  dafür  eiu 
kurzer  Abendsegen  (s.  unter  Gott)  mit  Entblössung  des  Hauptes 
geblieben.  Mit  dorn  Morgenläuten  (seit  ältester  Zeit  Ruf  zur 
Frühmesse  in  deu  Klöstern)  verband  man  im  X.  das  An- 
deulcen  an  Christi  Auferstehung.  Als  Betglocke  kommt  es 
wahrsch.  schon  im  XII.  vor,  allgemein  üblich  wurde  es  aber 
erst  im  XV.  Vgl.  eine  Glockeninschrift  des  Z  Grossmünsters 
von  1498:  ,Quandocumque  ciet  sonitum  campana  sub  ortum 
Iuris  et  occasum  spem  requiomque  ciet.' 

Bluet-:  Armensünderglocke.  ,Sind  ihr  nicht  gleich 
einem  armen  Übeltäter,  welcher  ihm  einbilden  wollte, 
man  werde  ihn  auf  das  dritte  Zeichen  der  Bl.  nicht 
zum  Gricht  hinführen  und  hinrichten,  weil  man  ihm 
auf  die  zwei  ersten  Zeichen  nicht  viel  getan  ?'  JMüll. 
1665.  ,Wann  bei  uns  etwan  Nachmittag  in  dem  Mün- 
ster die  Bl.  gezogen  und  getreten  wird,  dass  der  Kahl 
[Schwengel]  an  beiden  Seiten  anschlägt,  wollte  dann 
der  arme  Sünder  in  der  Gefangenschaft  nicht  er- 
schrecken'?' ebd.  1666.  ,Die  Bl-en  über  einen  an- 
ziehen [ihn  hinrichten]  lassen.'  ebd.  —  Prim-:  Glocke, 
welche  zur  ersten  der  kanonischen  Hören  läutete,  wo- 
bei ein  vorgeschriebenes  Stück  aus  dem  Brevier  ,ver- 
lesen'  wurde.  ,Morndes  vor  verlegner  pr-en.'  ZBub. 
Offn.  1483. 

Richs-:  grösste  Glocke  des  Z  Grossmunsters. 

Diese  Benennung  steht  wahrsch.  in  Zshang  mit  dem 
Blutgerichtc:  vgl.   ,Eichsvogt'. 

Rege"-:  Zaunwinde,  conv.  sepium.  GG.,  S.;  Vw; 
Syn.  Begen-Blueni.  —  Die  Blume  der  Winde  bleibt  bei 
Regenwetter  offen. 

Römer  -  Glüggli :  in  Rom  geweihtes  Glöcklein. 
welches  früher  im  Hause  eines  Sterbenden  zur  Ab- 
wehr des  bösen  Feindes  geläutet  wurde  S;  von  den 
päpstlichen  Gardisten  ehemals  häufig  in  die  Schweiz 
gebracht.  —  Büst- Glngge:  wahrsch.  das  erste  Läuten 
zum  Gottesdienst,  welches  auffordert,  sich  zur  Kirche 
zu  rüsten,  kirchlich  ad  invocandura  genannt.  ,lst  ver- 
ordnet, so  man  ein  r-en  gelütet,  dass  der  diacon  einen 
oder  zwen  psalmen  vorlese.  So  dann  die  psalnien 
gelesen,  soll  dann  noch  ein  mal  gelüt[et]  und  die 
predig  angefangen  werden.'  Kessl.  —  Rats-:  Gl.,  die 
zur  Ratsversammlung  läutet.  Vgl.:  ,Zuo  dem  rate 
kommen,  die  wyl  man  die  gloggen  lütet,  by  3  ß  [Busse].' 
.\iif.  XIV.,  L.    ,Die  Ratsglogg  wird  an  den  Ratstagen 


latcfr,  ffle^K.  '^^'^tm.  slOiSjg.  ,i,'lii(,'g 


618 


1,'eläutet.  Das  Rät-  uiul  Burffei-|,'löyf?li  wird  geläutet, 
wenn  sich  der  Kleine  und  Grosse  Rat  versammelt.- 
lTt<0,  Z  (Meni.  Tig.)- 

Sau-:  1.  in  der  RA.  d'  S.  zieh"  oder  n"  der  S.  z., 
schmutzige  Reden  führen,  Zoten  reissen  Ap;  S.  .Wenn 
du  gast  hättist,  die  die  süwglock  anhebind  lüten,  sollt 
ilu  sy  stöuben  und  inen  ynreden.'  HBdll.  1-540.  ,T>rum 
hab  ich 's  besser  als  mein  Herr  [spricht  der  Narr], 
wann  ich  nur  gwaltig  's  Maul  aufzer  [-reisse]  und  lass 
die  Seuglock  gwaltig  hören,  das  heisst  Kurzweil  und 
Freuden  mehren.'  GGotth.  1.599.  ,Hett  lieber  g'hört 
fluchen  und  schweren,  jo  d'  Lüt  usriclitcn  uml  v.i- 
spotten.  Ich  blyben  nit  langan  eim  Ort,  wann  .IS.». 
glock  Niemand  darf  anziehen.'  ebd.  li)l',i.  ,S|.iir.  i,li.n>, 
os  impudens,  ein  unflätig  Maul,  Säuglock.-  1>enzl.  1o77; 
1716.  .Camarine  loqui,  die  S.  anziehen,  unflätig  reden.' 
ebd.  1710.  ,In  dem  7.  Gebott  wird  verbotten  Leicht- 
fertigkeit in  Worten,  da  man  Unflätereien,  Hurenliedcr, 
unzüchtige  Possen  daher  schmidet,  die  S.  dapfer  an- 
schellet und  schandbare  Wort  ausschüttet.'  AKlingl. 
1688.  .Gottlose  Eltern,  die  voll  und  toll  saufen,  zie- 
hen und  stürmen  die  S-en  dapfer  an.'  ebd.  170'2.  - 
2.  säuischer  Mensch,  bes.  einer,  der  unzüchtig  redet 
Sou;  Z;  auch:  unreinlicher  oder  Mensch  mit  ekel- 
haften Gewohnheiten  Z. 

Die  RA.  u.  1  scheint  ihren  Urspr.  in  einem  alten  Brauche 
zu  haben  und  die  ,S.'  ein  wirkliches  Gerät  gewesen  zu  sein, 
wie,  mutatis  mutandis,  folgende  Stelle  ans  Jos.  Malers  Biogr. 
1593  beweist:  .In  dem  Städtle  Diest  [bei  Löwen  in  Brabant| 
trafend  wir  (a.  1551]  an  in  der  Herberg  ein  wolbesetzten 
Tisch.  Darunder  dann  hangt  ein  gedrayte  hülzino  Gloggen 
mit  einem  hölzinen  Kai  [Klöppel];  könnt  von  einem  Jeden 
..b  Tisoh  mit  dem  Knüw  erlangt  und  bewegt  werden;  gab 
i-iu  wuuderl>areu  schueffinen  Ton.  Als  man  nun  im  Essen 
etwas  gespräch  und  frölich  ward,  hat  sich  underwylen  dis 
hölzine  Gloggen  hören  lassen.  Und  als  ich  fraget,  was  Söm- 
liches  bediit,  ward  mir  geantwortet,  es  sye  also  by  inen  im 
Hus  ein  schimpflicher  Bruch,  so  einer  ob  Tisch  etwas  rede, 
d.as  aber  argwönig  und  der  Warheit  nit  glych,  so  werde  ihm 
anstatt  des,  dass  man  ihn  mit  Antworten  der  Lügen  strafen 
dürft,  dise  Gloggen  zur  Warnung  gelüt[et].'  Erwähnenswert 
ist  auch  die  Auffassung  von  Seb.  Brant:  .Der  Narr  die  sn 
bin  nren  hat,  schütt[ot]  sie,  dass  ir  die  suglock  kling  und 
sie  den  moringer  im  sing.  Wer  wol  die  s.  lüten  kann,  der 
mucss  jetz  syn  da  vornan  dran.'  Aus  Tyrol  wird  berichtet, 
dass  dort  in  manchen  Wirtshausstuben  ein  Glöcklein  ange- 
liracht  sei,  von  welchem  ein  hölzernes  Messer,  von  diesem 
ein  Pferdehaar  herabhange,  und  dass,  wenn  eine  besondere 
Geschichte  erzählt  werde,  irgend  ein  Gast  daran  ziehe.    Doch 


auch  Sehn 


il5.   Vi 


ÜXM-GlöggU:  Sauerklee,  oxalis  acet.  (zunächst  die 
Blüten)  ZW.  —  Schlag- Glogg:  Glocke,  welche  die 
Stunde  schlägt.  ,Die  Schi,  im  StPeter  Z  hat  keinen 
Schwengel,  kann  also  nicht  geläutet  werden.'  Mem. 
Tig.  1780.  —  Schne-Glöggli-:  1.  =  Märzc-Glöggli  1 
Aa;  B;  L;  G;  S;  Z.  —  2.  =  Märze"-GlöggU  3  GS.  - 
;!.  Frühlingssaffran.  crocus  vern.  AAEhr.  —  4.  (blaui) 
=  Alpenglöggli  BO.  —  Skaletta-(r?o(/(/.-  Todtenglocke 
GEChur.  —  Sk-aleitn  =  Kirchhof,  Leicheubcgängniss.  — 
Stäub(i)-,  Stüb(i)-:  Betzeitglocke  am  Abend  Gr 
(-il-J;  vormals  auch  in  TuDiess.  Eig.  die  Glocke, 
welche  die  Leute  von  der  Gasse  und  aus  dem  Wirts- 
hause scheucht  [.stäubt'].  ,In  der  Stadt  Zürich  erscholl 
jeden  Abend  nach  der  .Fürglogg'  auf  dem  StPeters- 
turme  die  Stüb-  und  zwanzig  Minuten  später  auf  dem 
Turme  der  Abtei  die  Nachglocke;  jene  als  Mahnung 
zum   Aufbruche   aus   den    Zunftstuben,   welche   beim 


Krtdnen  der  letztern  geleert  sein  mussten.'  Z  Gem. 
,Von  der  stübegloggen.  [Sie  läutctj  ze  sant  peter  zc 
stübi.-  1304,  Z  Richtebr.  ,[Mit  Strafe  wird  bedroht] 
swer  nach  der  Stüb-Gloggen  ane  Liecht  in  der  Stat 
gat'  1336,  Z  Ratserk.  (Lautfer);  ebenso  1.533,  S  Mand. 
(,Stäubi-').  —  Stei"- Glogge':  1.  Glockenblume,  camp, 
rotundifolia  SchwG.  (an  Felsen  wachsend).  —  2.  gross- 
blumiger Enzian,  gent.  acaulis  ScHwlberg  (von  1  über- 
tragen). —  St.-Glöggli:  1.  Zwergglockenblume,  caiup. 
pusilla  LW. ;  ScHwG.,  Iberg;  Ndw.  —  2.  Frühlings- 
enzian, gent.  verna  Scnwlbei-g.  —  Stier e''-Glogg: 
ziemlich  grosse  (ilocko  (.Schelle')  aus  Eisenblech; 
-r..s„.rals.li,.  Tn„U,>,  STi.rst.  -  Mittag-:  wahrsch. 
-  FJi'i-dl.  .l.'.ll  wnnl.'  .|i,.  Zeit-  oder  Mittagglocke 
j;-.'gnss.:.n.-  1,  (Gfrdi.  —  T.ir-:  Glocke  (in  Z  die  zweite 
im  StPetersturm),  welche,  gegen  10  Uhr  Nachts  ge- 
läutet, das  Zeichen  zum  Schliessen  der  Stadttore  gab. 
,Dass  alle  Schenk-  und  Trinkhäuser  nach  der  Tor- 
glogg  beschlossen  sein  sollen.'  Z  Mand.  1744.  In  ScnSt. 
die  Glocke,  welche  am  Morgen  das  Zeichen  gab,  das 
Tor  zu  öffnen.  —  Tasse"- GW^j/K;  Obertasse  kv.  — 
Drü-:  um  3  Uhr  Nachmittags  in  Bs  zu  StMartin  ge- 
läutet, bes.  wenn  der  Rat  zskam.  —  Halbi-Drü-: 
kleine  Glocke  im  Dachreiter  des  Grossniün.sters  zu 
Zürich,  ehemals  die  Chorherren  zur  Vesper  rufend, 
nach  der  Volksüberlieferung  aber  zur  Erinnerung 
an  die  Sterbestunde  unseres  Heilandes  gedeutet.  — 
Wiber-OTo^(jfe».-  Sterbeglocke  bei  Beerdigung  von 
Frauen  und  erwachsenen  Mädchen  Ap.  —  Weid-: 
Herdenglocke  S.  —  Wald-:  Akelei,  aquil.  atr.  L  (auch 
-Glöggli  LW.);  Uw.  —  Wnld-GWggU:  1.  Windröschen, 
anemonc  nem.  BO.  —  2.  Fingerhut,  ,digitalis  maj. 
lutea  seu  latifoL'  JJWarn.  1680.  -  Wandel-:  bei 
der  .Wandlung'  tr."Iäiit.^t.^  Glocke.  Gfrd.  ~  Wise"- 
Glogge",  -Ghiii^jh  \\  i. -.  n  (ilockenblnmc,  c.  patula 
GoRh.,  neuT.  W  i  m  (r/.»/^.-  gibt  V»  Stunde  vor 
Beginn  das  erste  Zeiclu-ii  zum  Gottesdienst,  wodurch 
die  Leute  zur  Kirche  ,gewiesen'  werden  LBerom.; 
UBürgl.  ,Frau  von  Rudens,  die  1369  die  alte  Weiso- 
gloggen  [zu  UAltarf]  verg:iliot,  damit  mau  zu  Plüelen 
möge  hören  zur  Kir.-li.-n  lauten.'  Gprd.  —  Wetter-: 
Glocke,  welch.'  /ui  Al.w.  lir  des  Gewitters  geläutet 
wird;  s.u.  Wiilir-(jnrli  nml  (iKun.  3().  16.5.  Vgl.  aucli 
die  Gl.Mk.-ni.i-.-lnilt.ii:  Mnrm  /„■,,«-/<■'■,  (dli  Wetter 
weiss- 1\  hih-l-iiii  iiiirli  .11  rirhhr  Zil,  ■•<()  mach -i''\ 
''a«.s-  (/.(s  Wrltcr  /hihl  (ISa.  (AI]..!!]..  II  -Jn-_').  .Fulgura 
frango.-  1372.  Zo.  Vgl.  .la.  .M..n..  /n  S.hill.ns  .Glocke-, 
welches  auch  auf  einer  (ilmk..  zu  All.i  Inilinen  in  Scn 
steht.  .Hilf  Maria  und  .lyii  li.-h.s  km.l.  .lass  ich  ver- 
tryb  mit  myncm  schal  die  seluidliclien  wetter,  regen, 
wind  uf  bergen  und  im  tal.-  1447,  ZStall.  ,An  dem 
tüfel  will  ich  mich  rechen  und  alle  bösen  wetter  zer- 
brechen.' 149.3,  üwSarn.  .Tonitrua  frango.'  1.556.  L 
Rickenb.  —  Zijchni-:  GL,  die  Nachts  10  Uhr  (zur 
Polizeistunde)  geläutet  wurde  Bs.  —  Zügel-:  grosse, 
nur  zum  Aufziehen  (züglen)  auf  die  Alp  gebrauchte 
Kuhglocke  BBe.  —  Zügen-:  Sterbeglocke,  geläutet, 
wenn  Jmd  in  den  letzten  .Zügen'  liegt.  .Ich  hab  bei 
Gott  jetzt  das  Zügenglöck[j]e  gehört-,  sagte  eine  Frau, 
für  welche  die  Sinnestäuschung  den  nahen  Tod  be- 
deutet. Rhat.  Volkskal.  ISisiS.  _  Zun-:  Zaunweide, 
conv.  sep.  , S.Peters  kraut,  tag  und  nacht  winden,  zaun- 
gloggen:  helxine,  vulgo  parietaria.'  KoGessn.  1.5  |-_'. 
,Conv.,  weiss  gloggenbluomen.  zaungloggen  od.  winden. - 
Fiiis.;  Mal.  -  Zit-:  Stundengloeke,  d.  h,  diejenige  Gl. 


Glagg,  glegg.  gligg.  glogg.  glllgg 


iin  Turme,  an  welcher  der  Hammer  des  Uhrwerkes 
die  Stunden  [die  Zeit]  schlägt,  im  weitern  S.  auch 
Turmuhr  übh.  Ap;  Bs;  B.  Daher  die  ,Zitgloggentürn' 
in  den  Städten  Aarau,  Basel,  Bern,  Solothurn,  Thun 
u.  anderswo;  vgl.  auch  Orll  Bd  I  452.  ,l)ie  zytglogken 
ze  richten  1  pfd.'  1430,  Bs.  .Horalogium,  zytglogg  vel 
oroloy.'  Ebinger  1438.  ,Das  andächtig  zytglögglin  des 
Lebens  und  Lydens  Christi,  nach  den  24  Stunden  us- 
geteilt',  eine  1492  in  Bs  erschienene  deutsche  Be- 
arbeitung des  Horologium  devotionis.  ,1521  dem  maier 
um  etlich  silberblatt,  kamen  an  die  z-en.'  B  Taschenb. 
1878.  182.  ,Alle  kilchtürnli  und  helmhüsli,  darin  kein 
z-en  hiengend,  schlissen.'  1528,  Ediib.  ,6  ß  umb  seil 
an  z-en  [am  Schlosstunne].'  1535,  ZGrün.  ,Die  von 
Schwyz  nomend  ein  z-en  und  fuortend  die  gen  Bronnen.' 
Vad.  ,Die  z-en,  die  uf  dem  tormental  g'standen  was.' 
ebd.  ,Ein  yeder  uf  zytglocken  acht;  alsbald  sy  morn 
die  nüne  Schlacht,  wirt  dises  spil  ghept  wider  an.' 
Aai  1549.  .Der  gassenwächter  in  der  statt  singt  den 
tag:  Lost,  lost,  ir  herren,  was  ich  sagen,  die  zytglogg 
hat  yetz  viere  g'schlagen.'  JMdrer  1559.  ,Dise  Gloggen 
ist  gmeiner  Stadt  Z-en,  dann  die  Houptur  mit  4  Zei- 
geren in  disem  Turn  ist.'  JJRüeg.  1606.  Nach  dem 
B  Spectateur  1734  soll  auch  eine  Frühlingsblume  so 
heissen,  wahrsch.  eine  von  Glogg  8.  ,Zitgloggner'  m.: 
Name  eines  Beamten;  erwähnt  1430,  B  Stadtrechn.  — 
Zwing-ffZ.;  grosse  Glasglocke,  unter  welcher  Garten- 
sämereien schneller  zum  Keimen  und  Treiben  gebracht 
werden.  1781,  ZWipk.;  vgl.  Zwing-Bett,  -Garten. 

glogge":  (eig.  wie  eine  Glocke  sich  auftun)  aus 
einander  gehen,  locker  sein,  nicht  knapp  passen,  bes. 
von  Kleidern  S;  Z;  Syn.  floderen,  göftlen;  (kßotteren; 
vgl.  gloggig  und  .langer  rock,  der  wyter  ist  denn  kein 
glock.'  UEcKST.  1525.  —  ver-:  aus  dem  Schosse  der 
Kirche  (durch  Geläute)  verbannen,  gleichsam  wie 
einem  Verstorbenen  zu  Grabe  läuten.  ,Am  grossen 
donstag  was  der  keiser  [Friedr.  IL]  zu  Born  ver- 
schossen [verworfen]  und  verglogget  und  dem  teufel 
gar  erlopt  [erlaubt,  überlassen].'  Vad.;  Syn.  rerlüten. 

Gloggere"  f.:  Schneeglöckchen,  leucoium  vern. 
GWe.     Auch  Name  einer  Alp  Ap. 

g(e)gloggig:  gleichsam  Glocken  werfend,  bau- 
schig, locker.   —   Zu  ijHll'"- 

gloggne",  in  der  üA.:  Si  gl.  [harmonieren]  nie 
guet  z'  sämme"  B  oAa. 

Gloggner:  Glöckner,  bisweilen  vom  Messner 
unterschieden.  ,Das  hus,  da  der  gloggener  inne  ist.' 
1303,  ScH  Urk.  .Nun  sollend  der  sigerist  sampt  dem 
gl.  in  tempel  i,'"ii  mni  >"ll  der  gl.  anheben  zue  lüten 
und  der  sigeri-t  /imt  lii  kerzcn  an  und  rüst  den 
altar  zue.'  JMukkk  1.">."i|i.  .Der  gloggner  [beim  Gross- 
münster Z].'  TuPlatt.  1572.     Geschlechtsn.  in  L. 

g  1 0  gg  n  i  in  der  Verbindung :  e  gl.  Stund  =  Gloggen- 
stund,  volle  Stunde  ZO.  (Stutz).  -  Kine  .idj.  Bildung 
nach   Analogie  von  gscldägni. 

glöggle'^:  1.  Glöeklein  erklingen  lassen.  Am 
Chrü.:hi,M  t?.  rv  Pm-  Geisse'.  BWyss  1863.  —  2.  (bes. 
verbunii.ii  mit  kihIihi-,  iimenand-)  schlendern,  zwecklos 
und  niü-Mi;-  iiiiili.'i  Mliwiirmen;  auf  läppische  Weise  die 
Zeit  hinbringen,  vertändeln  Aa;  B;  L;  Syn.  umme- 
schellen.  —  3.  tr.,  Manschetten,  Hauben  usw.  in  glocken- 
förmige Krausen  oder  Falten  plätten,  gofferieren  Ap; 
B;   L;  SciiW:   Svii.  hi'thlen:  riirlen. 


Bed.  '2  viell.  rem  Weidevieh  oder  von  dem  schellen- 
bchaugeneu  StNiklaus    oder    Fastnachtnarren    hergenommen. 

iis-:  scherzh.  =  ausläuten  GSa.  (Proph.  1855). — 
ver-:  auf  leichtsinnige  Art  (eig.  durch  glögghn  2) 
verscherzen,  verlieren  L;  Syn.  vergütterlev . 

Glöggler  m.:  eine  Birnsorte  Th;  vgl.  Gloqge'- 
Bir.     Auch  Flurn.:  ,Eeben  im  Gl.'  ZElgg. 

Sü-  =  Säuglogg  2  U. 

Glöggleri"  f.:  Plätterin  i.  S.  v.  glöggle'  .3. 

Glöggli  m.:  Müssiggänger .  Herumschlenderer, 
Laffe,  Tölpel  AaF.;  B;  etwas  weniger  stark  als  das 
Syn.  Glöggli-Göl,  nach  HZschokke  1797  stärker  als 
Göl.  Der  Pfarrer  isch  geng  no'''  g'scMder  als  ig,  wenn 
scho  vil  Lüt  iw''  wei  [wollen]  säge',  er  slg  e  Gl.  B 
Gwunderchratte  1864.   —   Abi.  von  glugglen  ?. 

glugge":  1.  glucken,  von  der  Stimme  der  Brut- 
henne Aa;  Gr;  Schw;  S;  Ndw;  W;  Z;  Syn.  gluxeii. 
,Pipare,  schreien  oder  gl.  wie  die  hennen.'  Fris.;  Mal.; 
Denzl.  1677;  1716  (,glucken').  ,Das  Huen  glucket  und 
papert.'  JCWeissenb.  1678.  —  2.  uneig.  von  Menschen: 
andeutend  sprechen,  ohne  die  Meinung  recht  heraus 
zu  sagen  Ap.  Vo'  1800  Guldi  gl.,  zu  verstehen  geben. 
dass  man  Etw.  für  diese  Summe  verkaufen  würde. 

Glugge"  f.:  Gluckhenne  BO.;  W.  ,üie  jungen 
Hünlein  laufen  der  Glucken  nach.'  JMey.  1694. 

gluggere"!:  l.—gluggenVviK.  .Glocidare,  gaxen 
oder  gluggeren  wie  ein  huen.'  Fris.;  Mal.  .Cucurire, 
chutteren  wie  ein  han,  so  ein  huon  decken  will,  oder 
gluggeren.'  Fris.  —  2.  kollern  im  Magen  GStdt;  Syn. 
gnderen:  auch  von  dem  ähnlichen  Ton  beim  Aus- 
fliessen  von  Flüssigkeiten  aus  Gelassen:  's  hat  no''' 
g'gluckeret,  wo-n-i'''  derzue  'ko'  bi",  's  halb  Fnssli  isf- 
mer  halt  furtgloffe"  Bs. 

Gluggere"  I  Aa;  Bs;  Gl;  Gr;  L;  S;  UwE.;  Z. 
Gluggeri»  Aa;  Ap;  GrD.;  LV.;  G;  Sch;  Schw;  Zg;  Z 
—  f.:  1.  Gluck-,  Bruthenne,  allg.  E  Gluggere,  won  uf 
den  Eiere  hockt  und  Halbhatze  stunet.  ACorr.  Und  ist 
's  Hiienli  no'''  so  chlV,  über  's  Jör  icott  's  Gl.  si'  L ;  ZO. 
Wenn  e  Gl.  zum  Giiggel  chunnd,  so  vergisst  si  d'  Hüenli 
L.  Was  brachst  du  [Sonne]  über  d'  Berge  ufe  z'  chrotte 
[kriechen],  du  alti  Gl.  L  (Rßrandst.).  Si'''  vertue" 
wie-n-e  Gl.,  es  sich  bequem  machen  Bs;  Z.  Gl.  und 
Hüenli  Bs,  ein  auch  unter  den  Namen  Güggelifangen, 
Hüenli -hüeten,  -mueter,  -brüe,  -schwänzen  bekanntes 
und  schon  1657  von  CMeyer  in  Bild  und  Reim  be- 
schriebenes Kinderspiel,  wobei  ein  die  Gluckhenne 
vorstellendes  starkes  und  mutiges  Kind  die  an  seinen 
Rücken  sich  hängenden  Kinder  (Hüenli)  gegen  die 
Angriffe  des  Hüenerdiebes  verteidigt.  ,QuiE  vero  glo- 
cientes  strepitu  suo  molestae  sunt  et  agmen  pullorum 
ducunt,  veterane  sunt  (Kluockhennen,  Gluggeren  usw.).' 
CGessn.  ,Kluckhennen,  gluggeren  oder  bruothennen.' 
Vogelb.  1557.  .Eier,  die  lang  gebruetet  und  under 
der  gluckeren  gelegen  sind.'  Fris.  ,A1s  ich  in  die 
schuel  kam,  was  ich  18  jor  schon  alt,  satzt  mich  under 
die  kleinen  kind,  was  eben  wie  ein  gluggerin  under 
den  hüenlinen.'  ThPlatt.  1572.  .Glociens  gallina, 
Gluckere,  Gluckhenn.'  Denzl.  1677;  1716;  Syn.  6rZi»t- 
scherin.  —  2.  das  Sternbild  der  Pleijaden.  ,üer  Herr 
machet  die  gluckerin  und  den  Orion.'  1531/48,  Amos; 
dafür  1667 :  .Gluckhenne.'  .Die  gluckerin,  sibengestirn, 
pleiades.'  Mal.    .Durch  Kinia  verstät  man  gemeinlich 


ilaSff-glugK-    <>la,i     äIbJ. 


ik    jtliick 


()22 


l'loiatles,  wir  neiiiieiiJ's  die  gluckeiiii  mit  ireii  liiieii- 
linen  oder  das  sibeii  gestirn.'  LLav.  1582.  ^yn.tSiben- 
Ilock.  —  3.  übertr.  auf  Frauenspersonen :  a)  eine 
Mutter  mit  vielen  Kindern  L;  Z;  Person,  die  immei 
ffern  Kinder  um  sich  hat,  welcher  die  Kinder  gern 
nachlaufen  Aa;  Z.  —  b)  grosses  Weib  Schw.  — 
c)  unordentlich  gekleidete  Weibsperson  AAZein.;  sonsl 
unangenehmes  Weibsbild  Bs.  —  d)  sinnliche  Frau 
AAWohl.;  Freudenmädchen  Ap  (Chlockeri);  GSax 
(Chloggeri)-  -  ^-  als  Eigenn.  ,ln  der  Gluggcren'. 
Weiler  LButtish. 

gluggerig  AaF.;  Uw,  g'glugyiy  Ü:  Nuw;  Z:  von 
Hennen,  im  Stadium  der  Bruthitze  befindlich,  zum 
Brüten  geneigt;  Syn.  ghixig,  bruetig. 

Gluggi  n.:  Gluckhenne  W.  ,Auf  dem  Brunuen- 
truge  des  Dorfes  wurde  oft  ein,  angeblich  aus  einem 
ilreibeinigen,  gespenstischen  Rosse  verwandeltes,  ge- 
reiztes Gl.  gesehen,  das  viel  Sehaden  anrichtete.'  W 
Sagen  243.    —    Dini.  zu   GUuji/in. 

Gluggisni. :  Schluchzer  GSev.  Syn.  GluxL  Hösch, 
llifsger. 

Beruht  auf  dem  gleichen  Naturlaut  wie  yluyym  und  dii 
t'auzo  vorangehende  Gruppe.  —  Die  Masc.-Endg  -in-  bildet 
oiue  Menge  pathologischer  Ausdriicke,  vgl.  Tiimpis,  Kausch : 
l'ßjji,,    Pips. 

Gluggere"  II,  gluggeren  II  s.   Khick-. 

Gülle"-Glüggerli  =  ffüHe"-(?%ife/-  Sp.  197  Z. 

Viell.  aus  Letzterem  entstellt,  etwa  mit  Aulchiumg  au 
'j'"'J'J"'-  yluyr''"'- 

glüggle":  gerne  und  oft  ein  wenig  trinken  AaZ. 
1S15;  „F";  Syn.  glütterlen,  gügglen  Sp.  197;  süggekn. 
—  Wahrsch.  zu  yliiyijen  i.  S.  v.  gluijijcmi  i' ;  vgl.  Gr.  WB. 
Liuter  ,kluckeu'. 

„a"-:  mit  den  Gläsern  anstossen  Scu."  ~  Nach  yt. 
Schallw. ;   vgl.   frz.   diiiuetia  (des  vems). 


ig  s.  gleichig. 


Glaj    gluj. 

Uläjele",  Gleje"  s.  Gleien. 
Gliji  s.  Gllclii. 

gliieje"  Ndw,  glüene"  Schw;  Zg;  Z:  glülien,  glim- 
men. —  ÜS-:  (tr.)  ausglühen  Z,  im  Feuer  verderben, 
z.  B.  ein  Beil,  durch  zu  langes  Erhitzen. 

glüejig  Ndw;  Ztw.  (und  so  bei  Fris.;  Mal.). 
glüeuig  Bs;  ScHwE.;  Z,  glüendig  ScnwBrunn.;  U: 
glühend.  E  Gliendege  us  der  Hell,  ein  Verdammter  U ; 
vgl.  f lirige'-  3Ia""  =  Irrwisch  (Bd  I  951).  -  Sch..n  mhd. 
'jiütiiJic,   abgel.   vom   Ptc.   ijhiendc. 


Gla(c)k-glu(c)k. 

Glück  (in  Ap  tw.  Glückt,  PI.  -ler)  n.:  1.  Schicksal, 
Geschick.  ,Beiderlei  gl.-,  d.  i.  Gl.  und  Unglück.  1521, 
Absch.  ,Den  fall  des  gl-s  usschlachen.'  1555,  ebd. 
,lch  lass  das  gl.  walten,  walt  sy"  das  gl.,  fors  viderit. 
Hern  gl.  übergeben,  in  wind  geschlagen,  exposititius.' 
Mal.    ,Diser  Keiser  hat  das  widerwertige  Gl.  oft  und 


dick  erfaren.'  Küeg.  ItiOO.  ,Uas  blinde  Gl.  macht  blinde 
Tück,  jetz  steigt's,  dann  siukt's  zur  Erden.'  Lied  1656. 

—  2.  wie  nhd. :  günstiges  Schicksal.  RAA.:  Mf  Gl. 
weder  Verstand,  's  Gl.  ist  rund,  es  chunnt  und  gut 
in  einer  Stund.    Bi  grossem  Gl.  ist  grossi  G'fär.    Es 

ist  kei  Gl.  so  gmss.  rs  Isf  Öp/ns  ,lrrh,  ;'  rl,h,,i>'".  llVr 
weiss,  wo  Gl.  ininiulinlil  I.,  ./,  //(/,;■  ,-.,  hlmnifn-) 
d'  Lüt    (de'-   Maisrln    ,..{■;    j,     ,/,„..,,■     ,/.■    Sr]„l,„.    jr 

besser 's  Gl.  llV/t« 'x  (,l.  ,r',  hini,/,  i.  .„//  „„'„-,,„  nf- 
tue".  Mi  [man]  mitess  „Ihris-mn^rl,  ,1,  ,„  Ol.  ,-.  I  nrli 
uftue,  dem  Glücke  dio  llana  lintni.  .■nt-cL"-ii  komiii.-ii. 
Mä"  chunnt  ror'in  Gl.  mnl  /'■  i/'  S,/(/(<x/(.  \scuii  so 
viele  Schüsseln  auf  ilriii  'lisclir  ^tl•llr||.  .lass  man  der 
gewünschten  nicht  briknniiiicii  kann  Ui,  (Schuler). 
De'-  hat  's  GL:  wenn  er  -am  .L'riclitc  duiiiut,  se-n-ist 
de'-  Napf  ander  obsi'''  (ironisch).  Sulg.  's  Gl.  ist  iis- 
gheit,  sagt  man,  wenn  Etwas  ungeschickterweise  ver- 
schüttet wird  Z;  vgl.  rerschütten.  I'''  muess  ,doch 
alliinl  innirr-in".  nenn  's  Gl.  regnet  Z.  Gott  geb  dir 
Gl,  ijiiri  W.ifrr  Im.,!!  Gang  uf  de'  Weg,  [ich]  ironsch 
Gl.  1111,1  hrnt,  Srhiieh:  ZWthur.  S.  nocli  gäch  S]..  Ino. 
Götti  Sp.  .",27;  kalberen:  s.  auch  Gott  Sp.  .".l.'i ...;  hirzn  : 
.Der  Vetter  unterliess  nicht,  bei  seinem  i'^iiitritt  iii  .l.n 
Stall  Gl.  in  den  Stall  zu  wünschen,  ./in  altuljlicli 
Zeichen,  oder  gleichsam  eine  Verwahrung,  dass  man 
in  gutem  Sinne  ihn  betrete,  ihn  nicht  zu  verhe.xen 
begehre.'  Gotth.  ,Glückt  in's  löchli!'  Glückwun,sch 
zu  einem  bedenklichen  Kaufliandel  (ein  Bild,  wahr- 
scheinlich vom  Löchlispiel  entnommen).  Sicher  1.531. 
,Dii  bene  vertäut,  gl.  zuo!'  Fris.  ,Botz  glick,  wie  wir 
iss  fillen  wend  [uns  füllen  wollen].'  Com.  Beati.  ,G1. 
hat  Nyd',  Inschrift  auf  einer  alten  Glasscheibe.  .Wann 
aber  ein  Sohn  oder  Tochter  ein  Gl.  an  Händen  betten, 
oder  ein  ehrlichen  G'wirb  anzuofangen  gewillet  [wären].' 
1713,  Schw  LB.  S.  noch  Gefäll,  Bd  I  745.  Verstär- 
kungen von  Gl.  sind:  Herr-Gatte'-  (Sp.  522),  Huere- 
Aa;  Z.  „Boss-'',  Sau-  Z,  Störe'-  GBern.,  Welt-Gl. 
BO. ;  Z.  —  3.  beim  Scheibenschiessen  die  letzte  Ab- 
teilung der  Gewinnstreihen,  in  welche  so  viele  ge- 
kaufte Schüsse  getan  werden,  als  dem  Schützen  be- 
liebt; en  Schatz  [Schuss]  i"  's  GL;  i"  's  Gl.  ge"  [geben] 
Ap;  Syn.  Cher(schiben) ;  Gegs.  Stich.  —  4.  so  viel  wie 
Glücks-chirsi,  2  an  einander  gewachsene  Kirschen  G; 
vgl.  Gl-s-Epfel,  -Garb,  -Halm,  -Korn,  -Nuss,  -Bon, 
-Beri,  -Bös,  -Zwetschg  u.  geglücket.  —  5.  Fünffinger- 
kraut, potentilla  reptans  OewLung. 

Mhd.  ijelück-e.   Zu  GBcit  vgl.  Ap  Gl&cht  für  Gleich  Sp.  590. 

—  5  wohl,  wie  der  4blättrige  Klee,  als  Glück  bringend  be- 
trachtet. 

U(n)-,  PI.  -er  Bs;  Z  tw.,  -ter  6;  Scu  —  n. 
Eis  U.  trampet  dem  andere  uf  d'  Ferse"  (büt"  dem 
andere  d'  Hand).  U.  chunnd  nie  ellei".  Si"'m  U.  cha" 
Xieiner  e'trünne"  L.  Em  U.  cha- nie  nid  verthiufe" 
ScH.  Jle  muess  dem  U.  nid  rüefe;  es  chunnt  ro'  selber. 
U.  und  Här  wachsed  über  Nacht  L.  U.  und  Holz 
wachst  all  Tag  Sch.  Wenn  's  U.  will,  so  g'heit  e  Chats 
com.  Stuel  oben-abe  z'  tod.  Sulg.  Wenn's  U.  dem 
Biche"  bis  a'  d'  Chnü  gät,  so  gät  's  dem  Arme"  bis 
a'n  Hals.  Häd  Eine  es  ü.,  so  hed  der  Andrr  rt  (llnck. 
Es  ist  kes  U.  so  gross,  es  ist  wider  es  (ih(,l;  <Uhi. 
Wer  's  U.  nid  versuecht  hat,  ist  's  Glarks  mJ  :rert. 
Me"  muess  dem  U.  hüse',  wie  dem  Glml:.  m.iii  niu>s 
beim  Sparen  auch  an  künftiges  Mis.^,-,,  im  k  .Imkcn  '/.. 
Dazu:  ver-un-glücken:  ilmrli  \li.,jv-,  hick  \rr 
lieren.     M^as  si  ver-et  und  ccrspilt  Iminl.  luii.ni   171'_', 


r.i>3 


ilark-gliirk.     lila 


(ilaiiip 


T üse  11  d- Glück:  ausserordeutliclier  Glücksfall. 
,l)er  alte  Baumann  hat  diesen  Morgen  Tausendglück 
bekommen,  d.h.  einen  jungen  Immen.'  KSteiger  1839. 

Welt-:  1.  weltliches  Gl.  im  Gegs.  zum  über- 
irdischen ßO.;  Z;  Syn.  Welt-Gefäll.  —  2.  Verstärkung 
von  Olück  übh. 

glücke":  1.  wie  nhd.  gelingen.  Es  gl-et  mer,  ich 
habe  Glück  ß;  Z.  .Als  in  den  anfangen  der  stiyt 
gelückt  ist.'  1476,  Bs  Chr.  Bes.  refl.  Es  glückt  sich, 
es  glückt,  ist  von  gutem  Erfolg  begleitet  BE.;  L.  Es 
glücket  «'"''  nüd  (z.  B.  de''  Wuecher,  d'  Siinntigarbet), 
bringt  keinen  Segen  Z.  .G'sehnd,  wie  sich  unser  sach 
will  schicken,  es  tuet  sich  wol  zum  usgang  gl.'  JMurer 
1559.  ,A.  Wann  ich  iez  kam  von  Ehren  myn,  die 
Sach  wurd  sieh  mir  gar  nit  schicken.  B.  Ach  Herr, 
's  würd  sich  wohl  änderst  glicken  [fügen].'  Com.  Beati. 
,Soll  sich  unsere  Busscur  gl.,  so...'  JMüll.  1673; 
s.  iiftch  u.  ah-gän  Sp.  10.  .Da  hat  sich  Alles  müssen 
schicken  und  gl.'  AKlingl.  1688.  ,Es  glückete  sich 
wol,  was  er  täte.'  1707,  I.  Makk.  —  2.  tr.,  gelingen 
lassen,  mit  Erfolg  krönen.  Glück  verleihen.  ,Die  Gott 
mit  sölichen  fürgängen  [Erfolgen]  well  gl.'  1476.  Bs 
Chron.  ,Die  unsern  züchent  harheim,  gott  wöll  es 
gl.'  1530,  AnscH.  ,Der  Herr  hätte  dei»  reich  glücket 
über  Israel  für  und  für.'  1531/48,  I.  Sam.  S.  auch 
unter  ferggen  7  (Bd  I  1005).  ,So  du  Gott  angerüeft 
hast,  dass  er  dein  jagen  glücke.'  Vogelb.  1557.  ,Ich 
[der  Herr]  will  gl.  all  syne  sachcn.'  Haberer  1562. 
.Disen  glücket  Gott  ir  fürnemen.'  Wurstisen.  ,Oft 
zwen  glichlicli  arbeitend,  aber  einem  glückt  's  Gott, 
dem  andern  nit.'  LLav.  1584.  ,üass  Gott  iren  Weg 
glückete.'  1707,  Judith.  Auch  mit  Weglassung  des 
unbestimmten  Obj.  ,es':  .Ein  bapst  ist  erweit,  dem 
(Jott  glücke.'  1545/50.  HKeller.  ,Mer  volk  ist  uf  das 
fest  nie  mcr  da  g'syn,  als  lang  Gott  fe'glücket  hat.-  ebd. 

er-:  glücklich  erlangen  Bs  (Ochs). 

Erinnert  au  er-licken,  das  auch  in  der  Form  crklicken 
vorkommt.  Man  beachte  dazu,  dass  der  Basler  i  für  ii  spricht 
und  daher  geneigt  ist.  ii  für  i  zu  schreiben. 

be-  =  glücken  3.  ,Gott  beglückt  dein  Gewinn 
und  Gewerb.'  AKlingl.  1691. 

z'sänime"-:  zswachsen,  sich  vereinigen.  .En  par- 
courant  nos  bois  avec  notre  valet  je  lui  lis  remarquer 
3  jeuues  sapins,  qui  se  touchaient,  et  je  lui  dis:  Wann 
diese  3  grösser  werden,  so  werden  sie  zusammen- 
wachsen. II  nie  repondit:  Oui,  sie  werden  zämmengL' 
1740,  Ap  (Zellw.).   -  Vgl.   Glück  4. 

g"gluckt  Ai",  g'glügget  G:  zsge wachsen,  doppelt; 
von  Kirschen,  Nüssen,  Zwetschgen.  .Nous  appelons 
ici  glückt  (juand  2  fruits,  plantes  etc.  sejoignent,  par 
ex.  ein  glücktes  Kriesi.  glückte  Biren  usw..  Zwei  in 
Eins  zusammengewachsen.'  1740,  Ar  (Zcllw.);  vgl. 
Glück  4  und  gUtcMich. 

glück-haft(ig):  von  Glück  gesegnet;  glückbrin- 
gend; nur  noch  in  Wunsch-  und  Gebetsformeln:  Geb-is 
[uns]  de  lieb  Gott  en  gtiete,  glückhaftige  Tag!  Morgen- 
gebet Z.  Helf-is  Gott  i'  's  ebig  Lebe',  sum-e  giwte", 
glückhaftige"  Tmi  f:n-n-cre  guete  gl-ige  Nacht) !  bei 
der  Betglocke  am  ;\Imi^:i'ii  'm1..t  .\bend  Z.  !''•  tcöitseh-i 
[euch]  au''''  c''  (juris,  iiliirUiiij'tiig)s(kv;  Gr;  Z),  g'sunds, 
g'scgiiefs.  friil-  (Z|  itiid  frcadcrichs  neiis  Jar,  sammt 
Allem,  inis-i  iiul  chmind  a"  Sei  und  Lib!  vollständiger 
Niiijahrswunsch;  vgl.  ein  Ap  Mand.  vom  3.  Dez.  1610, 
welches  schliesst:   .(tott  verlych  uns  allen  ein  guets. 


g'sunds.  glückhaftigs,  fridsams  n.  J.'.  und  schon  Äg. 
Tschudi  wünscht  dem  JSimmler:  ,ein  guet  glückhaftig 
nüw  jar  mit  wolfart  und  gesundheit  ze  verschlyssen.' 
,Der  bischotf  [hinter]  Hess  einen  son,  von  welches 
glückhaftigen  Unglück  [Glück  im  Unglück],  noch  uf 
100  jar  gebracht,  nit  ein  klein  buech  zue  schryben 
war.'  Ansh.  ,Der  Herr  hat  in  beraten  und  glückhaft 
gemacht  allenthalben.'  1531/48,  1.  Mos.  =  .allenthalben 
gesegnet.'  1667.  , Guete  und  glückhaftige  aspect  oder 
anschouwungen  der  gueten  planeten  [Constellation].' 
Rüef  1554.  ,0  Jupiter,  Mars  und  Saturne,  wie  lond 
ir  üch  so  glückhaft  g'seh!'  ESchmid  1579.  ,Glückhaft, 
fortunse  filius;  cui  fortuna  favet.'  Hospin.  1683.  ,Glück- 
haft  von  Gott.'  1707,  Tob.;  dafür  1882:  ,gesegnet  v.  G.' 

—  un-:  vom  Unglück  verfolgt,  gleichsam  damit  be- 
haftet; auch  Unglück  bringend.  En  it-ige  Tropf,  ein 
Unglückskind,  Pechvogel;  auch  Einer,  der  nur  Unheil 
anrichtet  Z.  ,Ungelückehaft  minnäre,  die  müessent 
leit  nü  hän.'  Hadl.  ,Die  gottlosen  scheuhend  und 
flühend  das  Hecht  wie  die  fledermaus,  heuwel  und 
ander  u-e  vögel.'  LLav.  1582.  ,Bös,  unglickhaft  bue- 
benvolk.'  GWyl  Copialb.  .Unrüehige.  unglüekhaftige 
leut.'  LLav.  1587.  Zu  Frauenfeld,  das  ohnehin  für 
die  Evangelischen  ein  ,uiiglückhaftig'  Ort  sei.  1634, 
Absch.  ,Er  ist  unglückhaft,  omnia  cum  mala  con- 
sectantur;  sinistro  genio  natus  est.'  Hospin.  1683. 

glückli"'':  1.  wie  nhd.  Adv.  ,Gott,  der  üch  in 
allem  üwerni  fürnemmen  gl-eii  beleiten  well.'  1475,  Bs. 

—  2.  Glück  verheissend.  E  glücklechi  Haselnuss, 
Doppelliaselnuss  ZHörnli.  \'g\.  Glück  4.  —  un-:  wie 
nhd.  Sich  u.  mache",  sich  das  Leben  nehmen,  allg. 
In  der  ä.  Lit.  bes.  Epitheton  eines  Maleflkanteu  vor 
und  bes.  nach  der  Hinrichtung,  z.  B. :  ,I)er  u-e  Waser', 
der    enthauptete    Pfarrer    Waser.     Verst. :    .stein-u-.' 

GOTTII. 

Glücksal  11.:  Glück.  Heil.  ,Mit  allem  gl.  und 
eren.'  1521,  Absch. 

glückselig:  wie  nhd.  Gl-e  Tag,  wuelerwürdige 
Herr  Pfarrer!  [Gruss]  Gl  Volksgespr.  ,Gl-e  Wunde, 
gl-e  Stunde,  gl-er  Tag,  da  Jesus  geboren  ward',  Spruch, 
das  Blut  zu  stillen  ZO.  , Kirche  der  glückseligen  Jung- 
frau zu  Scherziingen.'  Hagenb.  1882. 

glücksam:  glücklich.  .Philipp  [der  Kühne],  der 
im  durch  syn  glucksain  fechten  ein  ruein  [erwarb]  in 
Frankenrych.'  1477.  Bs  Chron.  —  un-:  unglücklich. 
, [Ludwig  der  Fromme]  ein  güetiger  mann  und  nit 
onglücksam,  wo  allein  die  kind  mit  im  in  besserer 
einikeit  gestanden  wärind.'  Vau. 


Glam(mj  -glumdn). 

gllllie".  Nur  in  dem  Roimspruch:  1)'  Siinne"  sch'int, 
t  Vögeli  glilltt  ZZoll.  —  Ausweichuug  für  das  sousl  üli- 
clic  yint;   vgl.    auch   yrimmen. 

glimme"  glümme"  =  nhd.  glimmen  ZSth. 


Glcmplcr  s.  A7-. 
Gliiinpcii  s.  Giim/icn  >i\<.  31." 


UuüiA.  kK-iii|'I-  Rlimitf. 


(iliinpf  m.:  1.  a)  Angemessenheit,  Billigkeit;  Schu- 
miiig,  Nachsicht,  Kücksicht,  Gnade,  Gunst,  Gewogcn- 
lioit,  Unterstützung.  Mit  Gl,  in  guter  Art,  friedlich, 
sachte;  Gags.  , streng  rechtlich',  's  ist  na  [noch]  mit 
Gl.  g'gange;  die  Sache  (Strafe  udgl.)  ist  gnädig  ab- 
gelaufen. M.  Gl.  dervo"  cho",  ohne  grossen  Schaden, 
Nachteil.  Öppis  m.  Gl.  säge",  mit  höflichen,  freund- 
lichen Worten.  Er  häd-en  <'S0  iit.  Gl.  g'lneget  us- 
:'frögle"  Zg.  Me'  säiti  ilra  [an  der  Landsgenieinde] 
eu,i>id  1,1.  Gl.  Olli  Spott  u,„l  Scluniil.  Hafl.  IM:'.,  175. 
Der  RM"  .fdilwlit  w.  Gl.  der  Acirc  :ue.  ebd.  140. 
.1/.  Gl.!  (halb  scherzh.)  Abschiedsformel  ScuwMuo.; 
vgl.  mit  Gunst,  m.  Verlaub!  Ettes  nw  m.  Gl.  tue", 
ohne  dass  man  sich  dazu  verpflichtet  fühlt,  aus  he- 
sondern  Rücksichten,  sich  nur  schwer  dazu  verstehen 
(inl».  Er  häd  zue  di"'m  Gl.  [deinen  Gunsten]  g'redt 
^\■.  Gl.  ha"  bi  Ei"'m.  ,!''•  ha"  nit  Gl.  bi-n-im,  ya- 
rum  mihi  iiidulget.'  Id.  B.  Das  China  häd  (d'r)  Gl. 
deheimet,  wird  für  seine  Fehler  in  Schutz  genommen. 
/■■''  han  d'r  Loit  für  rf.i"  GL,  wa  'seh  [wo,  d.  i.  welchen 
es,  das  Kind]  in  d'r  Jüngi  [Jugend]  albig  cn  mir  über- 
diu"  häd;  hett-i"''  doch  au'''  d'  Fitzn"  iceniger  g' spurt! 
GRPr.  (Schwzd.).  Ei"'m  Gl.  ge",  seine  Fehler  (bes. 
Dritten  gegenüber)  entschuldigen,  beschönigen,  Nach- 
sicht üben,  ihm  Recht  geben,  Vorschub  leisten,  sich 
seiner  gütig  annehmen.  Ich  weren  im  ab  und  du  gist 
im  Gl.  [bestärkst  ilm  indirekt].  Wie  soll  i"'  mit  dem 
Blieb  chönne"  gaftige",  we""  du-n-im  gäng  Gl.  gisch, 
klagt  ein  Vater  die  zu  nachsichtige  Mutter  an  B; 
Syn.  Stars  (gen).  ,ünr=''  gelimpfes  willen,  do  nament 
sy  ein  hrot  und  ein  mässe  wyns  [ausserhalb  der  feind- 
lichen Stadt],  dass  sy  nüt  in  die  statt  käment  [und 
Anlass  zu  Streitigkeiten  gäben].-  1387,  Geschfo.  Ges. 
,l>o  gestuenden  die  Appenzeller  [in  dem  Verhöre  der 
Streitpunkte]  wol  bi  gelimpf  und  wart  die  sach  ge- 
richt[et].'  Just.  ,Wir  geschwygen,  dass  sy  dem  priester 
so  vil  gunsts  und  gl-s  zuosetzen,  damit  wir  [ihm  gegen- 
über] wenig  rechts  erlangen  möchten.'  1523,  Absch. 
.Das  band  wir  verwilliget,  dass  wir  nit  ursach  gebend, 
dass  der  tag  [die  Verhandlung]  zerschlagen  und  nüt 
geschaö'et  wurde,  sunder  wir  den  gl.,  gunst  und  willen 
behuebend  [behalten].'  15'29.  ebd.  ,Wir  gend  uns  selbs 
kein  gl.  [sind  gegen  uns  selbst  streng]',  sprechen  die 
verurteilten  Götzen.  NMan.  .Die  Schwaben,  welche 
besonder  Frow  N.  vil  ßystands  tatind  und  Gl-s  zuo- 
massend.'  JJRüeger  1606.  ,Im  Herzen  geben  wir  uns 
immerzu  vil  Gestands  und  Gl-s.'  JJBreit.  1616.  ,Den 
Berneren  ze  Gl.  und  Gunst'  Grasser  1625.  ,Sich 
etwan  unterreden,  wie  die  Wahlen  nach  ihrem  Gl. 
|,Fug',  Gefallen ,  zu  ihren  Gunsten]  anzustellen.' 
JJMüLL.  1673.  ,Mit  Gl.,  glimpflich,  honeste,  modeste.' 
Denzl.  1677;  1716.  ,Obstehende  Entschuldigung  mag  nit 
mehr  zu  synem  Gl.  dienen.'  Z  Staatsarch.  —  b)  Recht, 
Befugniss,  Rechtsmittel,  -Titel,  -Anspruch;  Verteidi- 
gung, Rechtfertigung.  Mit  Gl.  (in  GrD.  mit  Gl.  und 
Flieg),  mit  Fug  und  Recht  (Rechtsformel).  ,Darzue 
wir  getruwent,  gelimpfes  und  rechtes  ze  haben.'  1385, 
Geschfo.  Ges.  .Dass  wir  truwen,  bi  gelimpfe  ze  stände 
[im  Recht  zu  sein].'  1386,  ebd.  , Darum,  dass  si  dester 
nie  gl-es  zuo  der  püntnuss  [mit  den  Eidgenossen] 
hättind,  behuobend  die  von  Zug  dem  herzogen  alle 
syne  recht  vor.'  XIV.,  Z  Chr.;  vgl.  dazu  Vad.  I  450. 
.Sy  düechti  ir  recht  und  gl.  als  [so]  guet,  dass  sy  des 
sollten  geniessen  [d.  h.  obsiegen].'  1435,  Gfrd.  ,So  wir 
glych  gl.  darzue  möchtend  finden  |  einem  Andern  Etw. 
Schweiz.  Idiotikon.  H. 


wegzunehmen].'  TuFkukakt  1170.  ,Sy  g'truweten  mit 
biderben  lüten  durcli  ir  kuntschaft  und  audern  gl., 
so  sy  hätten,  darzetuend,  dass  die  von  R.  sy  sölicher 
ansprach  erliessen.'  1482,  Gfrd.  ,[In  ihrem  Schreiben  | 
erzaltend  sy  [führten  sie  an]  iren  gl.  nach  dem  besten 
dem  marschalk.'  Edlib.  ,Der  bessert  [bezahlt  als 
Busse]  einen  helbling,  ob  er's  wol  verschuldet  hat, 
hat  er  aber  gl.  [Milderungsgrunde],  das  soll  im  in  der 
besserung  ze  statten  kommen.'  1506/34.  Bs  Rq.  Man 
befehle  dem  Vogt,  sich  gründlich  zu  erkundigen,  damit 
man  ,G1.  und  Unfueg'  jedes  [streitenden]  Teils  zu 
würdigen  wisse.  1523,  Absch.  ,Damit  mä;ichlich  MHH. 
gl.  und  harwiderum  Fabers  freven  liegen  [Lügen] 
sehen  möge.'  Zwingli.  ,Wir  haben  des  gewalt,  macht, 
gl.,  recht  und  fueg.'  1527,  Absch.  ,Die  ferdinandische 
püntnuss  durchächt[et]  uns  under  dem  trognen  gl.  des 
alten  gloubens  [trügerischen  Befugniss,  den  alten 
Glauben  zu  schützen].'  1529.  ebd.  ,Beid  partyen  söll- 
tend  gen  Basel  kommen  und  lassen  hören  und  sechen, 
wer  gl.  oder  ungl.  bette;  dann  beid  teil  vermeintend 
recht  Ursachen  ires  fürnemens  zuo  haben.'  Vad.  ,Span 
zwischen  Zürich  und  dem  Herzogen  um  Ursachen,  die 
inen  den  gl.  und  dem  fürsten  den  ungl.  brächtend 
[ihn  ins  Unrecht  setzten].'  ebd.  ,Mit  besserem  fuog 
oder  gl.,  eo  meliere  conditione.'  Mal.  =  ,meliore  jure.' 
Denzl.  1677;  1716.  ,Also  mag  einer  sein  gl.  und  Un- 
schuld dartuen.'  LLav.  1582.  ,Gottlose  Leut  haben 
das  Sprichwort  zu  ihrem  Gl.  [Beschönigung]  .  .  .  .' 
LiNDiNNKR  173:!.  .Einen  Gl.  schöpfen',  ein  (günstiges) 
Rechtsmittel  an  die  Hand  geben,  Vorschub  leisten, 
fördern;  vgl.  , Recht,  Urteil  schöpfen'.  Würde  dieser 
gütliche  Vertrag  nicht  angenommen,  so  wollen  die 
Zugesetzten  damit  keiner  Partei  ,G1.  geschöpft'  [prä- 
judicierlich  zu  Gunsten  der  einen  Partei  entschieden] 
haben.  1531,  Absch.  ,Habe  fleissig  Achtung  auf  das, 
wormit  man  der  römischen  Kirchen  einen  Gl.  am  aller- 
meisten schöpfet.'  JJHoTT.  1666.  ,Der  Sach  einen  Gl. 
schöpfen,  causam  alicui  rei  honestam  praetexere,  cau- 
sari  honestam  conditionem.'  Denzl.  1677;  1716.  — 
Erlaubniss.  ,Sie  war  mit  im  hinweg  zogen,  wo  er  ir 
het  gl.  "'«geben.'  Ziely  1521.  Kein  Ort  darf  den  Sei- 
nigen ,G1.  geben-,  dass  sie  etwa  heimliche  Dienste 
suchen.  1636.  Absch.  —  c)  Scherz,  Spiel.  ,[Es]  gab 
nur  ein  Gl.,  Schimpf  und  Gelächter  [statt  eines  ernsten 
Waff'engangs].'  RCys.  c.  1600  (vgl.  ,es  verlief  gnädig'). 
Eine  in  den  Jahren  1651/2  (wahrsch.  von  einem  Zür- 
cher) zusammengeschriebene  Sammlung  von  lustigen 
und  komischen  Aussprüchen  betitelt  sich  ,Schimpf- 
und  Glimpfreden'.  —  2.  guter  Leumund.  Ehre  (mit 
welchem  W.  es  in  Quellen  oft  accumulierend  ver- 
bunden erscheint).  , Glauben ,  Aug  und  Gl.  leiden 
keinen  Schimpf.'  Sprww.  1824.  ,Er  wollte  [die  beiden 
Städte]  also  fryen,  dass  sy  wol  enander  mit  gl.  und 
eren  byständig  wären.'  Jusx.  ,Er  hat  N.  N.  geschul- 
diget syns  gl-s  mit  solichen  werten,  er  sye  nit  fromm.' 
1474,  Bs  Chr.  ,Welicher  den  andern  syner  eren  oder 
syns  gl-s  schuldigote.'  1481,  G  oBüren  Hofr.  ,Sie 
werden  immer  verunglimpft;  sie  hoffen  indess,  dass 
ihr  Gl.  mit  der  Zeit  auch  offenbar  werde.'  1525,  Absch. 
,G1..  Ehr,   existimatio,   autoritas.-    Denzl.  1677;  1716. 

—  3.  (concr.)  a)  Durchzieh-,  Schnür-,  Stopfnadel, 
allg.  ,6  silberne  gl-e'  hinterlässt  ein  L  Patrizier  im 
XVI.  (Liebenau).  --  b)  Schuster-,  Sattlerahle  AAZein. 

—  c)  Metallbeschläg  am  Ende  eines  Seiles.  Id.  B; 
eines  Nostels  Bs;  Z.   .Die  Nestel  mit  Stcfton  (Glimpfen) 


627 


Glamiif.  gleiniil,  gliiiii»!'.  jflnniiit.  gluilipf 


628 


beschlageil.'  Spleiss  1667.    .Der  Gl.  am  Nestel.-  Denzl. 
1677;  1716. 

Mhd.  gdimpf  in  Bed.  1  n.  '2  zum  \'b.  limpfen,  sich  ge- 
ziemen, schicken;  durchgehen,  zunächst  in  sinnlicher  Bed., 
woraus  sich  dann  Gl.  3  erklärt.  Gl.  bedeutet  zwar  zunächst 
Milde,  Gnade  im  Gegs.  zum  ,strengen  Recht',  aber  die  Gnade 
(s.  d.)  wurde  im  a.  deutschen  Kecht  selbst  wieder  zu  einem 
Kechtsbegr.  und  förmlich  in  Satzungen  anerkannt;  vgl.  das 
Rechtssprw.:  ,GI.  geht  für  (ist  besser  denn)  Recht' 

Uu-Glinipf:  Gegs.  zu  Gl.  1.  ,Den  wölleut  wir 
straflich  und  mit  synem  u.  wider  heim  schicken.-  1499, 
S  Missiv.  —  Nestel-  =  GL  3  c  (bzw.  n).  .Du  kannst 
so  wenig  mit  einem  Meissel  darein  [in  die  Wunde] 
kommen,  als  mit  einem  N.  durch  das  Tuch.-  FWürz 
1634.  ,N.,  Stift,  Stefzen,  capitellum  ligul«.'  Bed.  1662. 
Als  Beteuerung  verwendet:  ,Botz  n. !'  schwört  ein 
Teufel  bei  Kuef  1550. 

un-glimpf:  (Adj.)  ungnädig,  unfreundlich.  ,Wie 
mir  die  Nacht  [mit  Lager  auf  kaltem  Estrich]  u.  war, 
so  war  auch  der  Morgen  roh  [rauh].'  XVIII.,  Tu  Beitr. 
Auch  subst.  =  wer  nicht  nachsichtig  ist  GlK.  —  Zu 
der  subst.   Anwendung  Ygl.  der   U'söd. 

glimpfe°:  1.  (Etwas)  biegsam  machen.  Bildl.: 
(Jmden)  zum  Nachgehen  nötigen  GrV.  —  2.  (mit 
Dat.  P.)  grosse  Nachsicht  üben.  allg.  Es  i^t  Niid 
[taugt  Nichts],  wenn  ds  Eint.,  [das  Eine  der  Eltern] 
(jUmpfnt  und  ds  Ander';  clilb-;t  [zankt]  GrD.  Als  ein 
Entlibucher.  nachdem  ihm  der  Hagel  seine  Ernte- 
hoffnung zerstört,  im  Zorn  heftig  schalt  und  der  Nach- 
bar ihm  dieses  verwies,  weil  der  1.  Gott,  der  Alles  gut 
mache,  es  getan,  erwiederte  er  ihm :  Ja,  glimpf-evi  iez 
du  no"'!  ,Er  gl-et  inen,  gab  inen  recht.-  ThFrickärt 
1470.  ,Die  das  [entwendete  Gut]  von  inen  koufent 
oder  sust  abnemment  oder  inen  darzue  gl-ent  und  das 
behaltent'  1480,  L.  ,Darin  unser  Eidgnossen  den 
puren  gl-end  und  gestand  gebend.'  15'29,  Absch.  ,Wenn 
N.  an  alte  Kriege  erinnere,  um  damit  seiner  Sache  zu 
gl.'  1537.  ebd.  Wer  den  Friedbruch  verursacht  oder 
dazu  ,gelimpfet'  hat.  1547,  ebd.  .So  sündlich  ir  kind 
wölltend  schimpfen  [Scherze  treiben],  sönd  [sollen]  sy 
in«"  keinswogs  darin  gl.,  nit  lachen  und  nit  schmollen 
dran.'  Aal  1549.  ,Dass  wir  uns  selber  mit  dem  her- 
lichen titel  des  christenliehen  namens  liebkosend  und 
gl-d.'  EGuALTH.  1555.  .Autoritatem  defugere,  nit  wollen 
eim  gl.,  eim  abschlahen  etwarbei  ze  schirmen.'  Fris.  ; 
Mal.  ,Da  der  ein  dem  anderen  gl-et  und  recht  gibt, 
wenn  man  ein  jeden  lasst  machen,  was  in  g'lust".' 
EGuALTH.  1585.  ,Dise  püntnuss,  so  ir  mit  Jenf  ge- 
macht, damit  zu  gl.  und  vertädingen.'  1586,  Absch.  — 
Gestatten,  zulassen,  zustimmen.  ,irmb  hilf  dem  kung 
sollen  unser  hotten  gl.  vor  den  eitgnossen.'  1417, 
Absch.  [Instruktion  der  Tagsatzungsboten  durch  die 
Regierung].  ,We"«nd  ander  eitgenossen  ir  hotten  uf 
Ostern  ze  C.  han,  das  sont  wir  gl.'  ebd.  .Von  der 
münz  wegen  soller  [der  Gesandte]  gl.;  wöllent  ander 
einhelliklich  gebieten  den  iren,  iedermann  den  andern 
ze  leiden,  so  wellen  wir's  ouch  tuen.'  1428.  Seg.,  RG. 
—  ver-:  beschönigen,  verantworten,  verheimlichen. 
.Früntlich  verglimpfung  und  ableinung  über  die  predig 
MLuthers  wider  die  Schwärmer'  [Titel  einer  Zwingli'- 
schen  Schrift].  Es  würde  den  beiden  Städten  zu 
.grosser,  mächtiger  Verglimpfung'  gegen  den  gemeinen 
Mann  dienen,  wenn  sie  fest  bcharrten.  1529,  Absch. 
.Wer  ein  stinkenden  atem  hat,  der  niesse  ein  wenig 
bisems,  er  v-t  im  den  gstank.-  Tierb.  1563.    [Helena, 


sich  beim  Abschied  sträubend:]  ,"s  muess  mir  doch 
nicht  von  herzen  gon;  allein  z'  v.  den  argwon  [ihm 
entgegen  zu  treten].'  GGottu.  1599.  ,Wir  flattieren 
und  liebkosen  einandern,  helfen  unsern  Fehler,  wo  nit 
gar  verschweigen,  doch  v.'  FWyss  1653.  ,Eine  Sach 
V..  verhelen,  verlaugnen.'  AKlingl.  1702. 

be-:  entschuldigen,  beschönigen.  .Etlich  personen 
wölltend  gern  ii-e  gefärden  mit  unwüssenheit  der  ge- 
satzen  b.-  Z  Mand.  1539.  Die  Improcedur  der  IV  Orte 
wird  in  dem  Antwortschreiben  ,beglimpft'.  1634,  Absch. 
V  2,  818;  vgl.  auch  ebd.  806.  830. 

Für  die  Stelle:  .Mit  me  werten,  so  unser  Sachen  nit 
beglimpft.'  1510,  Absch.  III  2,  538,  welche  eine  zur  Unter- 
brechung von  Weitschweifigkeiten  dienende  Formel  zu  ent- 
halten scheint,  liegt  nahe,  die  Bed.  ,{berücksichtigen,)  be- 
treffen' anzusetzen. 

glinipfig  (in  ApI.,  H.,  M.  limpfig):  1.  weich,  zart, 
fein,  glatt  beim  Anfühlen,  wie  z.  B.  Haut,  Tuch,  Seife, 
Leder,  fettige  Stoffe ;  biegsam,  geschmeidig,  leicht  an- 
zuziehen (wie  Z.B.Gummischuhe),  dehnbar,  z.B.  von 
Strümpfen,  Tuch,  Handschuhen  usw.  allg.  G'starri, 
g'stahrti,  rüchi  Glider  werdi'd  wider  gl.  Slde  ist  gl. 
[lässt  sich  leicht  falten],  Ztcilche  ist  ungl.  BSi.  Gl-i 
Öff'ni'g.  leichter  Stuhlgang  Bs;  Z.  ,Der  starret  hals 
mit  disem  [Gänseschmalz]  beriben,  wirt  den  erweiken 
und  gl.  machen.'  Vogelb.  1557.  .Ein  wunden  gl.  ma- 
chen, etwas  feuchts  oder  gl-s  darein  tröufen,  agere 
huniorem  in  vulnus.  Aura  tenera,  der  heiter,  zart  und 
limpfig  luft.  Limpfig,  zügig,  das  sich  lasst  handslen, 
teuer.'  Fris.;  Mal.  .Das  fürnemste  Zeichen  ist,  wann 
kein  Schmerzen  mehr  verbanden  und  die  Wunden  lind 
und  gl.  wird.'  FWürz  1634.  .Ein  jede  Wunden  er- 
fordert, dass  die  Binden,  welche  um  sie  geschlagen 
wird,  gl.  seie  und  aus  einandern  gehe,  damit  sie  sich 
desto  besser,  näher  und  satt  anlege.'  ebd.  ,Miesch 
[Moos]  oder  Lumpen  und  gl-e  Bänder  von  Weiden.' 
Khagor.  1638.  ,Ö1,  wohin  es  kommt,  macht  gl.,  sänf- 
tiget,  milteret.'  FWvss  1650.  ,G1.  zum  Saugen.'  JMuralt 
1697.  —  2.  vom  menschlichen  Charakter:  zahm,  ruhig; 
nachgibig,  billig,  nachsichtig.  ,Der  wilde  Bursche  ist 
ganz  gl.  worden'  Bs  (Spreng).  Gl.  mit  Eim  verfare" 
L  (sonst  in  dieser  Bed.  glimpflich).  , Deshalb  er  sich 
ein  Zeit  lang  still  und  gl.  hielt,  bis  da  er  ein  starke 
Bündnuss  mit  den  Eidgnossen  ufgericht.-  RCvs. 

glimpfli(ch):  sachte,  vorsichtig,  sorgfältig.  Gl. 
umga'  mit  Etw.,  ■/..  B.  mit  Eiern  BSi.,  sonst  auch  = 
rücksichtsvoll,  nachsichtig,  gnädig,  milde  verfahren 
mit  Personen.  ,Do  der  herzog  sach,  dass  si  aller 
glimpflicher  dingen  usgiengen  [eine  billige,  friedliche 
Abmachung  auswichen],  do  verdross  in  ze  kriegen.' 
JüST.  257.  .So  wollt  er  den  Fürsten  alle  Sach  ufs 
Glimpflichest  dartuen.'  JRüeger  1606.  ,Gab  im  gar 
süess  und  gl.  ein,  wie  'r  füeren  sollt  ein  falschen 
Schein.'  GGottu.  1619.  ,Aus  welchem  zu  sehen,  dass 
er  an  dem  glücklichen  Fortgang  seines  listigen  Vor- 
nehmens nicht  gezweifelt,  und  selbiges  gl.  zu  ver- 
bergen gewusst'  Informatio  1713. 

TJ°-Glninpf  m. :  Vielesser,  Nimmersatt  Gl. 

Im  Ablaut  zu  VmjUmpf,  welches  auch  in  pers.  Bud.  vur- 
kommt;  also  eig. :  ein  unanständiger  Mensch,  mit  spec.  Buz. 
auf  das  Essen.     Vgl.   un-ijlv.mpfiy. 

glumpfig:  weich,  biegsam,  elastisch,  z.B.  von 
einer  Rute  Gr;  GO.,  Rh.,  Sa.  B'r  N.,  der  das  Kunter- 
bändle'  trlht,  s'  erwüsclte;  ist  me"  na  nie  darzue  chw, 


(Tlamps— glnmps.    (iliinis— glums.    filaii— srlnii 


CM 


iri]  er  gar  (jl-i  Bei"  und  rcchli  Girenauge"  glm"  hat 
Gr  (Schwzd.).  Auch  von  Menschen,  .mürbe-,  z.  B. 
nach  erlittener  Strafe  GnChur,  Pr.  —  u"-:  unge- 
schlacht, ungeberdis:  Gl;  Syn.  iinmär. 


glampse":  (tichallw.)  einen  klatschenden  Ton  er- 
zeugen, wie  z.  B.  ein  schwerer  Körper,  der  ins  Wasser 
fällt  A.K;  Syn.  ghmggen,  ghintschen.  —  Vgl.  nhd. 
.lilumpsen'. 


glinise":  Intens,  zn  glimmen.  ..sehr  glimmen"  Gl; 
„LG."    —   Schon  mhd. 

glumse"  I  Bs;  B,  glü'sc  W,  glässe'  VOrte,  glouse" 
Z,  glöis(s)e'  Aa  tw.  («'  Fri.);  Z  (.s'  0.),  glöse"  Ap;  G  tw., 
glusme?'  ScHStdt  —  Dim.  glösele"  Ap,  glüsle'  Th  tw., 
glöisek'  AxFri. ;  Z  tw. :  1.  schwach  brennen,  unter  der 
Asche  glimmen,  glühen.  D's  Liecht  tuot  nummu  no'^> 
gl.,  ist  am  Erlöschen  W;  Syn.  Icolen.  ,Glumsende 
Lichtputzen.'  Hebel.  .Glussende  wie  [ein]  abgebrann- 
ter Stock  in  einer  Eüti.'  RCys.  Bildl.:  ,Es  glumst 
noch  etwas  Gutes  in  ihm.-  Spreng.  Es  gluset-mii  no 
na''',  er  hat  es  noch  nicht  vergessen;  Zorn,  Bache 
haben  sich  noch  nicht  gelegt  W.  —  2.  „wie  Feuer 
glänzen,  erhitzt  aussehen,  eine  rötliche  (blühende) 
Gesichtsfarbe  haben  Ap;  VOrte ;  Z;"  Syn.  gloschen, 
glasten.  —  3.  „glösele",  nach  feurigen  Kohlen  riechen 
G."  —  ab-,  ver-:  glimmend,  langsam  auslöschen  Bs. 
,Verglumst  und  verkohlt.'  Hebel.  Niemes  löscht,  es 
glumst  wol  selber  ab.  ebd.  Auch  vom  langsamen  Er- 
löschen des  Lebens :  Er  isch  v-t  tvie  e  LiechtU.  Spreng. 

Ahd.  'glummisön,  Freq. -Bildung  von  tjUnimen;  davon  inhd. 
gVilmen  (vgl.  ,glunsen'  in  einer  a.  G  Hdschr.).  Betr.  das  Laut- 
liche s.  Fromm.,  Ztschr.  7,  336,  wobei  zu  bemerken,  dass 
die  auch  bair.-östr.  Form  glosen  schon  mhd.  ist;  s.  Gluvuen. 
Die  Seh  Form  glusmen  ist  viell.  nach  dem  Subst.  gebildet. 
Vgl.  auch  die  Anm.  zu  flUmeu  Bd  I   121'2. 

Glumse»  Bs;  „B",  Glunse"  (ä.  Lit.),  Glüsfsje" 
GoT.;  Sch;  ScHwtw.;  Tutw.;  ZWl.,  Ghisse'  LStdt; 
ScuwE.;  Uw;  U;  Zg,  Glous  ZO.  (PI.  Glöis(e'J  und 
Glouse"),  Glousfsje"' Aa;W;  Z,  Glöiss  AaL.  (PI.  unver.), 
Glöisfsje'  AaFuI.  ;  LG. ;  ZFehr.,  Glos(sJe  Ap  (PI.  unver.); 
Gl;  GBh.;  ScnSt.;  TnEisch.,  Glusme"  Sch  [Glüseme 
Schi.);  ZSth.  (neben  Glüse»),  Glüesse"  L  tw.  —  Dim. 
Glüsseli,  Glmsli,  Glöseli  —  f.  Ap,  sonst  ni.:  1.  Feuer- 
funke, sprühendes  Glutteilchen,  glimmende  Asche, 
allg.  B'  Glöise  sind  zum  Chämmi  us  g'fare".  's  häd 
da  und  dort  e  Glöisse  /.-  göissej  uf  's  Hüsli  äne  träid. 
Hapl.  181.3.  Glöise  jage',  trlhe',  Funken  sprühen. 
Es  Für  fohd  eisder  mit-eme"  Glüsli  «"  L  (Schwzd.). 
Us-eme  Glouse  gid  's  e  Broust  Z.  Bes.  als  Bild  der 
Kleinheit:  No'''  es  Glöusli  vo"  Hoffni"g.  Usteri;  und 
daher  zur  Verstärkung  der  Neg. :  ekei"  Gl.,  ekeis  (nüd 
es)  Glüsseli,  gar  Nichts  BHk. ;  VOrte.  Ekei  Gl.  Brod 
nie''  im  Hus,  (ejkei  Gl.  Verstand.  Er  ist  ekei  Glusse' 
wert  ScHwMuo. ;  Synn.  s.  bei  Flauche  Bd  1  1160. 
,Glouss.'  1534,  Abscb.  ,Wo  nun  ein  kleiner  glunsen  ist 
des  gloubens.'  HBull.  1561.  .Ein  geneist,  funkle,  gluns 
(glünssle),  scintilla.-  Fris.  ;  Mal.  .[Das  Irrlicht,  der 
feurige  Mann]  hebt  an  mit  einem  klein  Glüssen,  glych 
wie  ein  blawes  Liechtlein,  dann  so  fart  es  gachling 
uf  und  gibt  ein  Puwr.'  RCvs.  (der  an  einer  andern 
Stelle  .Glusseii-  hat).     .Ihre    eignen   Keden    verratend 


sy.  dass  die  Fa.ssnachtfeur  und  Facklen  von  ilinen 
für  ein  Heidenfeur  erkennt  werdind.  Dann  sy  ye  oft 
sagen,  wenn  sy  die  Gleusen  an  den  Kessenen,  Häfen, 
Pfamnen  sehen,  es  werd  ein  Wind  anstahn,  dann  es 
sind  Heidenfeur  an  der  Pfannen.  Und  tuend  das  dar- 
umb,  dass  die  selben  Gleussen  aller  Dingen  zahlend 
und  scheinend,  als  wenn  einer  von  Fernuss  die  Knaben 
mit  vilen  Facklen  an  der  heidnischen  Fassnacht  sieht 
umbziehen.'  Pred.  1601.  .Legt  er  [die  Büchse]  von 
im  g'schwind,  ein  Glünslein  klein  sich  drin  befindt; 
ehe  er  recht  luegen  mocht,  lag  d'  Buchs  hindcr  im 
wol  7  Schueh.'  HHGrob  1603.  ,Glinster,  Glinse,  Glunse, 
Gneist,  scintilla,  favilla.'  Red.  1662.  , Funken,  Glun- 
sen [1716  an  andrer  Stelle:  ,Glünsen'],  Gneist'  Denzl. 
1677;  1716.  —  2.  GlöissU  s.  Glissen  2. 

Mhd.  glunae  f.  (gloae).  Die  Sch  Form  Glutmcn  könnte  sich 
nach  Bronnen  (das  ebenf.  die  Neg.  verstärkt)  gestaltet  haben. 
—   Olüessen  hat  sich  an  glüejeu.  angelehnt. 

Glumsete  Glüssi;te  usw.:  Schwärm  von  Feuer- 
funken ScHW;  Z.  —  glunisig,  in  Sch  glusmig  (nach 
St.'  glüsmig):  glimmend;  Syn.  irnrrig.  Gl-e  Zundel. 
Breitenst. 

„glumse"  II:  kollern,  hohl  tönen  aus  dem  Magen. 
Nur  unpers.     Es  gl-t  mir  Schw." 

Freq.-Bildung  7.a  mhi.  glumev.  dass.;  vgl.  noch  j/kot;)»™, 
ghmggen,  ijinnmsvhm,  grummn.      Das  W.   ist  auch   kämt. 


Glan(n)— glun(n). 

(ilane"  f.:  dünnes  Glasröhrchen,  längliche  Glas- 
koralle,  dergleichen  als  Verzierung  reihenweise  auf- 
genäht werden  L;  Ndw.  Bas  Brusttuech,  Sammet  und 
Side,  roll  Glane"  und  Spitzli.  L  Unterhaltungsbl.  — 
S.   das  syn.   (Hart: 

Glanet  s.  Glarinett. 

Glen  „LG."  (auch  „Gleni");  U  -  „f.  LG.",  n.  ü: 
1.  „Speerstange,  lange  Ritterlanze  LG.";  grosso,  lange 
Stange  U;  scherzw.  übertr.:  rechti  Glini  ha",  lange 
Beine  U.  ,[Da]  hielt  der  herzog  mit  grosser  Ordnung 
syn  Volk,  die  bogener  uf  einer  syten,  die  mit  den 
glenen  uf  der  andren  syten.'  1473,  Bs  Chr.  ,Mitglenen. 
US  for  [Föhrenholz]  gemacht.'  HsSchürpf  1497.  .Die 
ritter,  als  .sy  an  glen»"  fuerten  fuchsschwänz.'  NSuhra- 
DiN  1499.  ,Nam  im  das  glen  ab.'  Zielt  1521.  ,[Eeuter], 
die  hattend  guldine  kleider  an  und  glänen.'  1531/48, 
U.  Macc;  dafür:  ,lange  Spiesse.'  1667.  ,Von  den  fe- 
deren seiner  [des  Greifen]  flüglen  macht  man  starke 
bogen,  pfeil  und  glänen,'  Vogelb.  1557.  .Nun  hattend 
die  Herren  [in  der  Sempacher  Schlacht]  vil  grosser 
glenen,  die  warend  innen  hol.  Do  was  einer  von  Uri, 
hiess  Antoni  zer  Port;  diser  rueft  denen,  so  halen- 
barten  hattend,  dass  si  uf  die  glen  schluegend,  als 
si  euch  tatend;  damit  begundend  die  glen  brechen.' 
AgTschudi.  , Fisch  mit  so  grosser  menge,  dass  ein 
spiess  oder  glän,  zwüschend  sy  gesteckt,  aufrecht 
beharret.'  Fischb.  1563.  ,Sarissa,  ein  gattung  eines 
spiesses  oder  gläns.  Das  glän,  spiess,  lancea,  hasta. 
framea.'  Fris.;  Mal.  , [Die  Sonne]  je  lenger  je  dünner 
worden,  bis  es  einer  kerzen  glych  g'sehcn  hat  oder 
gleen,  welche  doch  gegen  ufgang  etwas  spitziger.' 
Campell  1572.  ,Sanct  Jörg,  wie  er  den  tracken  mit 
dem  gleen  bestritten.'  1.580,  Z  Anz.  .Lanze,  Lanse, 
Glän.' SpcM-.  lancea.  hasta.-  I!ki>.  166-2.  -  •2.  =  Glef>-:t. 


631 


gluii.    Glaiid- 


-glniig.    ttlangg-glmi^g 


(i32 


.'24  Keitfr,  wobei  Glene  mit  4  Hengsten.'  1421,  Müll. 
Schw.-G.  ,Uns  500  glenen  oder  kürisser  zue  schicken.' 
1514,  Absch.  ,Ein  houptmannschaft  uf  100  glenen.' 
Ansh.  ,Mit  1500  reisiger  Glenen.'  J.TRüeger  1606. 
S.  noch  hnr-f/n".  —  Contrahicrt  aus  nihd.  i/lnrrhi.  t/lerm, 
s.    Ghfi. 

Gigner  iii.;  Lanzenreiter.  .Hornooli  konmient  die 
gläner,  ir  ieglicher  nit  nier  denn  mit  1  kiiaben  und 
1  knecht  und  synen  ganzen  hämisch  |an]  iinrl  der 
merteil  ir  heliiilin  nff.'  14":'..  Bs  Chr. 

gl  in  er  s.  (/lieh. 

glune":  scheel  sehen,  schielen.  .Schylen.  über- 
sichtig, gl.-  1523.  Bs  Bib.-Glossar,  für  .scheel'  bei 
Luther. 

Wenn  nicht  verschrieben  oder  verlesen  für  basl.  ijlüieii, 
könnte  es  zu  mhd.  glUmen  in  heglnmm,  hint«rs  Licht  führen, 
r/lumeiide,   tückisch,  gehören. 

g  1  ü  e  n  e  n  s .  r/Im  je» . 


Glande  f.:   Geländer  Z  (Spillm.). 

Sonst  nicht  bestätigt;  wahrsch.  zu  laiuii,  Deichsel,  iiilul. 
hinrler,  Stangenzaun.  Zaunstange,  nhd.   .Geländer'. 

.,61andei'  m.:  Gier,  Heisshunger.  ungeregelte  Ess- 
lust LE.;  Syn.  Glanrlrigi.' 

glandrig  I:  lüstern,  bes.  nach  Speise  u.  Trank  LE. 

glandre":  schmeichelnd  schwänzeln,  schmeicheln, 
von  Hunden,  verächtlich  auch  von  Menschen  W. 

Gehört  viel],  zu  Olander,  da  Hunde  bes.  schnieichclu. 
wenn  sie  hungern. 

glandrig  11:  1.  schmeichelnd,  sich  schmiegend, 
geschmeidig  „BGu.;"  W.  —  2.  ..geputzt  BGu."  — 
•2   viell.  zu   mhd.   rfUnidcr,   Glanz. 

glandei'iere":    Xbf.  zu  galamUrieren  (Sji.  201)  B. 


gliiig-glang:  Schallw.,  welches  den  Klang  von 
Glocken,  bes.  der  Kuhglocken,  malt  Ar  (auch  glung- 
glang);  Bs;  VOrte;  Seii;  Z.  Vgl.  gliiig  gUng  und  s. 
noch  u.  Gloria. 

Eine  durch  AUitter.  und  Abi.  erzeugte  Verbindung,  welche 
treifend  das  doppelseitige,  mit  höherem  und  tieferem  Tone 
wechselnde  Anschlagen  des  Klöppels  wiedergibt.  Vgl.  1mm 
Ihiuvi,   hiin   bam. 

Gling-glang  m.:  1.  das  Zsschlagen,  der  Klang 
8cH.  —  2.  Gepränge  TuTäg. 

Glingcli-glängeli  n. :  Tand  Ndw;  vgl.  Gingeli- 
Gmig,  Gungängeli  Sp.  368  und  nhd.  .Klingklang', 
leeres  Getön. 

glängle":  klingen,  von  kleinen  Glocken,  nur  in 
dem  Verse:  /"'  ga"  nüd  hei'"  bis  DunMnacht,  bis  nlli 
Glöggli  gl-'d  ZRuss. 

Dim.  Abi.  von  dem  Schallw.  fjlanr/,  um  eine  Alliteration 
auf  Glöijgli  zu   erhalten;   vgl.  auch  gängehu  Sp.   36:3. 

gling  gling:  Schallw.,  die  Töne  kleiner  Schellen 
nachahmend  Z;  s.  Glingg  und  nhd.  ,klingling'. 

glingele°  UwE.;  U  (neben -17^-):  klingeln,  schel- 
len, läuten;  Syn.  glüngelen,  glinggelen. 

Glingeli:  Glöckchen  U.  ,1  Glingelin.'  XVIL,  L 
Kodel  zur  Frülimesse.  --  Vgl.  (ih,,iei:  i(r,mi,,.i  1  ,li  Sp.  :i(.:,. 


glung:  Schallw.,  den  Ruf  des  Raben  nachahmend, 
der,  wenn  es  schlechtes  Wetter  gibt,  gl.  statt  räb 
lauten  soll  ZO. 

Glungelc  s.  A7-.         Glungi  s.  Ghmggel. 

„gluilgle"  I  (auch:  umtue",  dero"  gl.):  wackelnd 
schlendern  Schw;  Zg."  —  „Glungle  f.:  herumschlen- 
dernde Weibsperson,  ebd.;"  Syn.  Glungge  I.  —  Vgl. 
die   Synn.   tjunglen  (s.  guruiglen  Sp.   .308)   und  glvnggeii   I. 

glunglen  II  s.  glunggen  II. 

Nacht-GIiing(g):  der  kleine  Triton,  Salamander, 
sofern  er  des  Abends  ungesehen  einen  glasglockenähn- 
lichen Ton  (glüng(g)  vernehmen  lässt;  vom  Volk  für 
eines  mit  dem  g'fleckete  Möl  gehalten  ZO.  Syn.  Guge- 
Möli;  s.  auch  Gügger,  Gügger  -1,  Boden-Glünggerli 
und  Glünggli. 

Glüngel  s.  Glünggel;  glüngen  s.  glunggen  I. 

glnilg(e)le°:  1.  i-gy-)  mit  der  kleinen  Kirchenglocke 
läuten;  Syn.  klenken.  a)  als  Vorläuten  vor  Beerdi- 
gungen. —  b)  als  zweites  Glockenzeichen  (ad  congre- 
gandum)  vor  dem  Zs.-  oder  Einläuten  ZVolk.;  vgl. 
glinglen,  glüngglen.  —  2.  s.  glünggle». 


Glangg  (k-J  m.:  Gang,  Einklang,  Ordnung,  in  der 
RA.:  Dass  d'  Sach  nmal  recht  in  de'  Gl.  chemmi. 
MKuONi  1886/7.  —  VVohl  eig.  zunächst:  gleichmässige  Be- 
wegung.    Vgl.   frz.   meUrc  en   hranle. 

Glangge  f.:  was  in  baumelnder,  schwankender 
Bewegung  ist;  spec.  1.  Schaukel  GrD.  —  2.  (häufig 
als  Dim.  Glänggeli)  Ohrgehänge  GLtw.;  GrD.;  G; 
S;  ZA.;  Syn.  Ore'-Glangger,  -Gliingger,  -Plamper, 
-Schlängge,  BeMnk(li).  —  3.  nachlässiges,  an  Körper 
und  Geist  gebrechliches  Weib  BR.  —  Vgl.  in  Bed.  3 
bair.  ,Glanken'. 

glangge":  1.  schaukeln  GrD.,  V.;  Syn.  gampfen. 

—  2.  lose  hängend  hin  und  her  schwanken,  schwin- 
gen, baumeln,  z.  B.  vom  Perpendikel  der  Uhr,  von 
Glocken,  Füssen,  Ohrgehängen  B;  Gl;  Gr;  G;  S;  W; 
Z;  Syn.  plampen.  D'  Gloggn  gl-t  nw  nw'',  schwingt 
aus,  lässt  nur  noch  einzelne  Töne  hören  GrD.;  Syn. 
tsclianggen.  Welis  Gilmsol  [Gesindel!  da  :'f:emmu'  am 
Galgu"  giglanggot  hat!  [nach  der  Hiiiriclitung].  W  Sag. 

—  3.  läuten  GSa.  It  Alpenp.  1S72:  Bald  [sobald]  d' 
Betteglogge  gl-t.  Bes.  aber  vom  Sturmgeläute,  wobei 
man  den  Klöppel  der  Glocke  nur  auf  der  einen  Seite 
der  Glocke  anschlagen  lässt.  —  4.  (auch  mnhn-gl.) 
langsam  schwankend,  unsicher  gehen,  wie  z.  B.  Be- 
trunkene, Träge,  Geistesschwache,  Kranke,  schlendern; 
langsam,  lässig  arbeiten  B;  Gr;  ScnSt. ;  .,W.''  Chumm 
doch  g'schtvind;  du  glanggist  unime'.  Syn.  galanggen 
Sp.  202;  jtlampen,  schlampen,  schlänggen.  „Geduckt 
gehen  W."  —  üs-:  allmählig  aufhören  Pendelschwin- 
gungen zu  machen,  namentlich  von  den  Bewegungen 
einer  austönenden  Glocke,  ausschwingenden  Schaukel 
GrD.;  Z.    Syn.  üs-plampen. 

Mhd.  glankm.  Vgl.  für  Bed.  ä  u.  4  bair.-östr.  Idanhtn, 
Henken  und  s.  auch  Gr.  WB.  5.  951  f.  Glaiujgen  verhält  sich 
mit  seiner  Gruppe  zu  gnnggleu  usw.  wie  glunggen  :  gungglen ; 
beide  zeigen  starke  Übereinstimmung  der  Bedd.  In  3  haben 
wir  wie  in  so  vielen  Fällen  eine  Übertragung  der  Bezeich- 
nung der  Bewegung  auf  den  begleitenden  Ton  (vgl.  Sp.  137, 
Anm.  zu  gigagen)  oder  es  liegt  nichts  Anderes  als  eine  Nbf. 
dos    Syu.    l-fml-eii,    bzw.    gUiiiggni.    vor. 


Glauffff,  ijlen^g.  gliugg,  ^Unu^ti.  slniigg 


Glangger  m.:  1.  (oft  ZU-Gl.)  Perpendikel  an 
einer  Schwarzwälder  Wanduhr  Gl;  PPo.;  GO.;  ZHaus.; 
Syn.  Zit-Plampei;  -Schwenkel  —  2.  Pendelvorriehtung 
am  Visier  der  Stutzer  alter  Ordonnanz,  um  das  Drehen 
des  Laufes,  hzw.  des  Kornes,  verhüten  zu  können  Z. 

3.  (Ore'-JGI  (in  Gtw.;  Ztw. -Glangger,  in  Ztw. 
Glanggere  f.),  häutig  als  Dim.  =  Glangge  2.  —  4.  (Ore"- 
Glängger)  Hagebutte  GT.,  weil  von  Kindern  an  Schnüre 
jjesteckt  und  über  die  Ohren  gehängt. 

Da  das  W.  fast  ausschliesslich  als  PI.  gebraucht  wird, 
so  könnte  die  Form  Glangger  aus  dem  PI.  in  den  Sg.  ein- 
gedrungen sein.  Gerätenameu  auf  -fre  sind  nicht  selten: 
Tgl.    Outtor,   Halfint,   SMimjgere  (Schleuder). 

Glangger i°  f.:  Faulenzerin  ScnSt. 

Glanggi  m. :  hoch  gewachsener,  langsamer, 
schwankend  gehender,  gebrechliiher  Mensch,  Fau- 
lenzer, Tölpel  BO.;  Gl;  GkD.;  (i\\\.;  ScnSt.  Syn. 
Glunggi,  Galanggi;  andere  s.  bei  GitlU  II.  —  Glanggi 
f.:  Schaukel  GrD.  —  Glanggi  n.:  1.  aufgehängter, 
baumelnder  Gegenstand,  als  Spielzeug  der  Kinder  BSi. 
~  2.  Senkel  zum  Festhalten  des  Sensestiels  beim 
Dängeln  BO.  —  Glänggel  I  ni. :  schwankend,  un- 
sicher gehender  (Ndw).  müssig  herumschlendernder 
Mensch   (L).     Syn.  GKnggel,  Glunggi. 

glängge°  I:  baumelnd  hin  und  her  bewegen  GW. 
D'  Chinn''  gl.  gern  d'  Füess  under'm  Tisch.  —  Wenn 
nicht  das.s.    was  glätiggen  II,   ist  das  W.  Fact.  zu  ghinggiii. 

Glänggel  U  s.  K1-. 

glänggen  11  s.  llenken.      beglänggen  i.  langen. 

Glingg  ('i-^  m. :  Klang,  .Anschlag  der  Glocke  GRPr. 
Bim  eista  Gl.  vnm  TagnlMii.  Schwzd.  —  Vgl.  glinti 
dllnng),  nhd.   ,kring  (klink)'   und   mhd.  Mine,  Klang. 

glinggele"  I  =  glingelen  BoSi.;  Ndw;  U  tw. 

Glingge"  I  f.:  schlechte  Schelle  GrL.  — 
glingge":  schlecht,  schwach  tönen  GrL.;  die  Haus- 
glocke ziehen  GMels.  —  Glinggi  n.,  Dim.  Glinggeli: 
Gliicklein,  Schelle  B  (Zyro).  —  Entw.  Abi.  von  y/«;/  .xler 
landschaftliche  Ausspr.  für  l-leuhn. 

glingg,  in  der  RA.  gl.  uf  gän,  ohne  Rest,  genau 
zu  Ende  gehen,  von  Vorräten,  Baarschaft  BO.  I''' 
chanti  no'''  grad  zahn  und  detm  geid  d's  Geld  gl.  uf 
BR.     Syn.  wett-,  quitt-üf. 

Viell.  =  ,mit  dem  Schlag  auf.  d.  h.  grnau:  v^-'l.  «v/«,* 
en'i'g,    Sritlungg  n» !   vf  ein    TiitHvh    u.  A. 

Glinggel  m. :  wer  schwankend,  unsicher  geht  Ndw; 
Syn.  Glänggel,  Glünggel;  Ginggel 3.  —  glinggele"U: 

1.  baumeln,   von    hängenden   Gegenständen   B  oSi.  — 

2.  langsam,  schwankend  gehen,  schlendern.  Mauljffen 
feil  halten,  ebd.     Syn.  glünggelen. 

Die  Bedd.  sind  die  von  glänggen,  nur  mit  Dim.-Abschwä- 
cbung.  Identität  mit  (jUnggelen  I  wäre  wohl  möglich:  vgl. 
(las  Syn.  niilggle,, :  dricli   Vfrl.   auch   ,ii,«igelen  Sp.   36.5. 

Glinggeliging:  Schallw.,  in  einem  B Licde  den 
Anfang  jeder  Zeile  bildend:  GL,  tuas  hast  im  Sack? 
Gl.,  es  Weggli  usw.  —  Vgl.  nhd.  .klinglingling',  wie  dieses 
oig.  den   Ton  klingender  Münzen  nachahmend. 

Ore°-(Tlingger  =  O.-Glangge(r),  -GUingger  GRMal. 

Glingge  II  f.:  Rotte.  Sippschaft  BStdt.  -  Entstellt 
;iiis  frz.  ■■n.iu,:. 

Glnngg,  als  Spottn.  nur  in  der  Verbindung  Ruedi 
GL:  gutmütiger,  gemächlicher,  eine  gewisse  Volks- 
gunst suchender  und  geniessender  Mann  BsStdt.  —  Zn 
yluna,/,,,.     ItueiU.  selbst  Syn..  hier  verst.irkeud  in  appcll.  Ib'd. 


Hemd  (Hemmfeßi-  Bs,  Hömmli-  S,  Uemp-  Sch; 
Th;  Z)-Glungg  AAFri.;  S,  -er  Bs;  Sch;  Th;  Z,  -iBs; 
ScH:  Th;  Z,  -Glü7iggi  AaZ.  —  in.,  -Glunggeri  f.:  1.  wer 
im  blossen  Hemde  steht;  bes.  als  Scherzn.  gegenüber 
Kindern,  welche  man  in  BsStdt  neckt:  H.-Gl-er,  Stude'- 
junker,  (N)Essle'brenner,  Stube"renner.  Syn.  H.-Sigerst, 
-Stunggel.  -  2.  (H.-GlitnggiJ  Busch-,  Windröschen, 
anem.  nem.  AaMcII.  —  h.-glunggig,  -glünggig: 
im  blossen   Hemde.     Syn.  h.-g(e)stungglig. 

7,n  -,/"„./7. ;, .  V-].:  i'?n  Hemp  umme"  gl.  oder:  '«  //.  gl-t 
an-e,ii  ..,,..«r",  ,.li\ifinkt  lose  an  seinem  Leibe;  vgl.  noch 
Honrii-f.hiii.pii :  ',h,,i.i,/-Hemd.  Zu  2.  Nach  der  weissen  Farbe 
der  Blüte  und  dem  schwanken  BlUtenstiel;  vgl.  blutli  Jum- 
p/en;  Herbstzeitlose  (Bd  I  1248),  sowie  .Jungfrau  im  Hemd', 
galanthus   niv. 

Glunggel  Lf.  Glunggi  Aä;  Bs;  Gl;  GRh.;  Sch  : 
ScHw  (in  E.  Gluggi,  neben  Glihjgi);  S;  ZGlattf.,  Lunn.. 
Glüngg  I  Aa,  Glünggel  XkY.  {-g-  ItHürbin);  Bs;  B; 
L.  Glunggi  I  Aa;  Bs;  Gl;  GrLuz..  V.;  L;  G;  Schw; 
ScHNnk.;  S;  Th;  üwE.;  .Zg;"  Z  —  m.:  grosser, 
aber  körperlich  und  geistig  vernachlässigter ,  arm- 
seliger Mensch,  der  trag,  willenlos,  in  schlaffer  Haltung 
einhergeht,  Tidpel,  .Alüssiggänger,  Tagdieb,  Nichts- 
nutz; Synu.  ^.  bei  (riilli,  ferner  Glanggi.  Liederlicher 
Geselle,  Lumiil  Strokli;  Syn.  Schlängg,  Sehlunggi, 
Lotter,  Hudli,  Halungg  u.  A.  Mi''''  kujoniere"  lo"  to 
me  so  ne  Glunggi!  Bs  Volksfrd.  So  nen  Glunggi,  de 
hinne  und  vorne  NM  hat.  Sch  (ABilling  1885).  Grad 
rüeme"  will-mi"''  nid,  weder  [aber]  zu  jedem  GL  lo"  seile" 
liess-mi'''  de"  glich  eiHue"  nid  L  (JBEgli  1871).  Wo 
kei"  rerschupfte  Gl.  gäunet  (s.  Sp.  327)  Schw  (Bruhin). 
E  GL  [grossen,  plumpen  Kerl]  nennt  Hansruedi  den 
Mond,  dessen  ,Gesicht'  er  auf  seiner  Reise  in  den 
Himmel  in  der  Nähe  betrachten  kann  GSa.  (Prophet 
1855).  Glunggel  hiess  der  ivüest  Gäuggel  in  L  s.  Sp.  174. 
—    Betr.  die   Form  fMugg!  (GlAngel)  vgl.  ghingh-H,   ghhigelen. 

Hose°-Glunggi:  wer  die  Beinkleider  herunter- 
hangen lässt  BsStdt. 

Chil<'''e"-Glünggi:  Spottn.  des  Messmers  AAFri. 

Glungge"  I  f.:  nachlässige  Weibsperson  AaF. ; 
ZGlattf. 

glungge"  I,  in  Aa  tw.;  Bs  tw.;  „L;  Zo;'  Z 
glüngge",  in  Scuw'E.  gliinge" :  1.  schaukeln,  schwan- 
ken, baumeln,  lose,  si  blaff  li.rabhängen.  wie  z.  B. 
Kleideram  Leibe,  ein  ll;.ni;rl.aii.  h  BsL.;  ,L;'-  Sch.  — 
2.  nachlässig,  bes.  in  -rlilnttiiu-  .mi  Leibe  hängenden 
Kleidern  und  mit  schlailen  Gliedern  müssig,  zwecklos, 
träge,  schwankend  umher  gehen,  schlendern;  liederlidi 
sich  herum  treiben,  .bummeln'  Aa;  Bs;  B;  Gl;  Sch; 
Schw;  Z.  Von  Bruhin  (Schwzd.  35.  75)  einmal  verächt- 
lich von  dem  Tanz  um  die  errichteten  Freiheitsbäumc. 
Bes.  umme",  umenandfer) gl.,  herxxmscUendeTn.  -  3.  an- 
schlagen an  eine  Glocke,  die  Gl.  ziehen.  .Wenn  man 
mit  der  Ratsgloggen  stürmt,  das  bedeutet  Feindsnot. 
So  man  aber  in  Kilchspelen  mit  anderen  Gloggen 
stürmt  und  glungget,  das  bedeut  Feursnot.'  154!i.  Bs 
Sturniordn.  (It  Spreng). 

Synn.  in  Bed.  1  und  2  glänggen,  gungglea  ,  jJumj,!  II, 
scHünggen.  Tgl.  mhd.  ghndern  und  bei  fir.  WB.  .kluiikcn, 
klungeln  2,  klunkern'  und  betr.  Bed.  3  (wo  .glunggen'  aller- 
dings verlesen  oder  verschrieben  sein  könnte,  da  für  diese 
Bed.  sonst  ,klenken'  bezeugt  ist)  kämt.  Glunggel,  grosso 
Schelle.      S.   auch   Anm.   zu  glunggen  und  glunglcn   I. 

ÜS-:   Jmd  im  Spiel  ausbeuten  BsStdt. 

Wohl  eig. :  Einen  bis  auf's  Hemd  ausziehen:  vgl.  Ihmil- 
Glinujg:  vgl.   aber  auch  glvnggm    II. 


(ilangg— glnilgg.     Olan.s— gluns.     Glansch     glniiscll 


Glungger  m.:  Quaste,  Troddel  AaF.;  Syn.  Glang- 
ger.   —  Vgl.  nlid.  .Klunker'. 

Glüngg  n  GLNäf.;  GrV.;  ,L;  Zor  Z,  Glünggi  II 
UwE.  —  n.:  1.  coli.,  etwas  schlaif  und  baumelnd  Her- 
unterhängendes, wie  z.  B.  schlecht  angepasste,  zerfetzte 
oder  mit  unnützen  Zieraten  behangene  Kleider,  ein 
Hängebauch,  Kropf,  Hodensack  Sch;  SchwE.;  UwE.; 
Z ;  Syn.  Geschlängg,  Geschlaiiq).  Die  hat  es  Gl.  [Fetzen] 
an-ere  Sch.  —  2.  Ausbesserung,  Ausflickung  an  alten 
Kleidern  „L;"  Zg  (wohl  eig.:  die  Gesammtheit  der 
aufgesetzten  Lappen,  Flickwerk).  —  3.  unordentlicher, 
liederlicher  Mensch,  Lump  Gl;  Syn.  Glunggel  {Glünggi 
m.).  —  4.  faules,  träges  Tun,  Benehmen  GrV. 

Collectiv-Bildung  zum  Vb.  glunggen,  mit  tw.  Anlehnung 
(für  SchwE.)  an  Gdüngg,  Eingeweide  (zu  ,Lunge');  zn  2  vgl. 
,klunkericht',  zerhimpt  bei  Gr.  WB.  :  in  3  wie  in  (füU,  Ucder- 
H(ch)s)  Geschirr,  Sib-Uen  u.  A.  mit  Personifikation.  Zn  4 
vgl.    Gcfäg,   Ge/räg  a.  v.  A. 

glünggele°  =  glinggelen  II  1  BLyss. 

glüngge":  1.  =  glunggen  I  lu.  2.  —  2.  .schlecht 
ausbessern,  flicken,  bes.  Kleidungsstücke  L."   —  2  ist 

Abi.   von    Glüngg   IJ  S. 

glnngg:  Schallwort  für  einen  hohl  gurgelnden, 
schluckenden  Ton.  's  FässU  macht  gl.,  wenn  es  nahezu 
leer  ist  und  die  Flüssigkeit  wegen  des  Luftdrucks  nur 
noch  stossweise  ausläuft  Z. 

Vgl.  mhd.  ghink,  glunkender  Ton,  u.  bei  Seb.  Brant:  ,So 
wilnt  der  hcrr,  dass  er  noch  liat  in  sym  fösslin  ein  gueten 
trunk;  so  macht  der  zapf  dann  glunk,  gl.,  gl.;  das  ist  ein 
zeichen  darzue,  dass  gar  wenig  ist  me  in  dem  fass.'  S.  auch 
Gr.  WB.  unter   ,KlnHk'. 

Glungge  II  B;  S;  „L;  Zg",  Gungge  Gl;  ZEafz 
(PI.  Güngge)  —  f.:  1.  =  Gumpe  1  u.  2.  ,G1.,  Ver- 
tiefung im  Wasser,  Untiefen.'  Zschokke  1797.  E  grossi 
Gl.  slg  ror  der  Hustüre  u"'  nit  emal  e  Lade  drüber 
g'leit  g'si.  BXri  1883.  ,Er  wusste  [in  seiner  Ver- 
zweiflung] nicht,  was  besser  Feierabend  mache,  eine 
schöne  Gl.  oder  ein  batziger  Hälsig  [Strick].-  Goxin. 
.Die  feurigen  Männer  hätten  Leute  in  tiefe  Löcher 
und  Gl.  gelockt  und  dort  sie  ersäuft  elendiglich.-  ebd. 
,G1.'  tauft  Gotth.  bedeutsam  einen  wegen  seiner  Un- 
ordnung berüchtigten  Bauernhof.  ,Durch  wucst,  kat, 
irrig,  grundlos  glunken  (:  tunken).'  NMan.  —  2.  Grube 
übh.  (auch  ohne  Wasser)  SBib. ;  vgl,  glüngglen. 

Die  beiden  Formen  verhalten  sicli  wie  GumjK  :  Ghim/n; 
GuHtc  :  Glunie.  , Kunkel,  gunkel,  gunggel'  schon  in  a.  Glossen 
hei  Dieffenb.  =  gurges,  vertibula;  vgl.  auch  Gr.  VfB.  bei 
, Kunkel'.  Die  Form  mit  gl-  schliesst  sich  an  die  Gruppe 
glüngg  an  und  bezeichnet  eig.  eine  Stelle,  wo  das  Wasser 
.glunggt'.  So  kann  .Klang'  eine  seichte  Stelle  im  Wasser 
bezeichnen  (zu  mhd.  Manc,  das  Plätschern  des  Wassers), 
.Klinge'  bezeichnet  einen  .klingenden',  rauschenden  Gebirgs- 
bach.  Das  W.  auch  erhalten  in  ,Hexen-Gl.',  einer  Untiefe 
an  der  Einmündung  der  Schüs  in  den  Bielersee,  wo  man 
früher  nach  dem  Volksgl.  die  Hexen  ertränkt  hat;  da  jedoch 
diese  Todesart  (statt  des  Verbrennens)  für  Hexen  sonst  selten 
bezeugt  ist,  so  dürfte  der  Name  damit  zshängen,  dass  an 
jener  Stelle  römische  Altertümer  gefunden  worden  sind :  vgl. 
^.-Kessel'  n.  die  vielen  Flurnu.  mit  Hex.  S.  noch  Glun(t)sche. 
Bad-:  vertiefte,  zum  Baden  geeignete  Stelle  in 
einem  Flussbette  BBüren. 

glungge"  II,  glungle"  II  AAFri.;  Ltw.:  1.  schal- 
len, vom  klatschenden,  schluckenden,  hohlen,  dumpfen 
Ton,  der  entsteht,  wenn  schwere  Körper  ins  Wasser 
plumpsen,  in  einem  fast  vollen,  geschlossenen,  be- 
wegten Gefässe  (Fas.s.  Flasche)  Luft  und  Flüssigkeit 


sich  streiten,  der  Magen  fast  leer  ist  oder  dessen 
(oder  der  Darm-)  Inhalt  kollernd  bewegt  wird  AiFri. ; 
Bs;  L;  „Sch;"  S;  W.  ,Fluctuatio  storaachi,  wenn  die 
speis  in  dem  magen  embor  schwebt  und  glungget 
oder  schwümmt.'   Fris.     Syn.  gtmggleii,   gliin(tjschen. 

—  2.  „ins  Wasser  plumpsen;  er  ist  hineingeglungget 
L;  Sch." 

a°-glünggere°:  mit  den  Bechern  beim  Zutrinken 
anstossen  ScnSt.  (Sulger);  Syn.  fan-J glü(n)gglen. 

Bode°-Glünggerli:  Salamander  .Kv.  Syn.  Nacht- 
Glüng. 

glünggle":  1.  rufen,  wie  ein  Salamander  Ar. 
Wenn  d'  Molle'  gl.,  so  giH  's  guet  Wetter.  ,Der  Sal- 
mander glönggelte  schöne  Frühlingsnächte  durch.- 
UBrägg.  1787.  —  2.  (auch  a'-gl.)  =  an-glünggeren  Sch. 

—  3.  kollern  im  Magen  L ;  Syn.  glunggen  II.  —  4.  mit 
Schnellkugeln  spielen,  wobei  es  darauf  ankommt,  beim 
Wurfe  eine  solche  geschickt  in  eines  der  in  der  Erde 
ausgehöhlten  Grübchen  (s.  Glunggen  2)  zu  befördern. 
Wenn  dies  gelingt,  so  laufen  alle  Mitspielenden  mit 
Ausnahme  des  Eigentümers  jener  Grube  davon,  welcher 
einen  Ball  ergreift  und  die  Andern  damit  zu  werfen 
sucht.  Triift  er,  so  wird  in  die  Grube  des  Erreichten 
ein  Stein  gelegt;  wer  eine  gewisse  Anzahl  Steine  in 
seine  Grube  hat  aufnehmen  müssen,  wird  vom  Spiele 
ausgeschlossen  S.  Vgl.  Grueb  7;  grüehlen  und  Ballen- 
Grüebli's.  —  Zu  -2.  St.  schreibt  d.is  eine  Mal  -ngg-,  andere 
Male  -«(/-. 

Glünggli  x\.  =  Nacht-Glüng  Aa.  So  lang  si''' 's 
Gl.  ror  Jnrge'-Tag  g'höre"  löd,  .<o  lang  schv'iget  's 
naher  wider  AABb. 

Glüngg  UI  s.  Gelüngg. 


Glans— gluns. 


s.   Glisseli.  Gl  uns 

glunsen  II  s.  folg.  Grup 


ölunscli  Ghniisrh  in.  (.liiu.  aiiit>t.scheU)'BO.,  „GlunCtJ- 
sche"  f.  L'-:  das  Ki-rlmi--  >|.  -  .(ilun.schens',  sei  es  der 
betr.  Schall  od.  .li.'  ;iii^i;v,ihüttete  Flüssigkeit,  auch: 
Lache,  Pfütze  übh.  HO.:  J>  (auch:  vertiefte  Stelle 
in  einem  Gewässer)."  Syn.  Gaudel  (Sp.  121),  Gülle 
(Sp.  222).  PClJatsch.  —  glun(t)sch(l)e»  B;  S, 
gluflse"  W:  schallen,  wie  wenn  ein  Körper  ins 
Wasser  fällt,  die  Mühleräder  in  dasselbe  schlagen 
udgl.,  plätschern;  einen  gluckenden  Ton  von  sich  ge- 
ben, wie  wenn  Flüssigkeit  mit  I^uft  sich  mengt,  z.  B. 
beim  Schaukeln  in  geschlossenem  Gefäss;  kollern  in 
den  Gedärmen.  Mi"  Ma"  isch  mir  i"  d' Em  nie  g' falle", 
i"'  hdn-e"  g'höre"  gl.  und  hätt  v'<-ne"  nid  bim  Bart 
erwütscht  und  hätt  i^'-ne"  nit  bös  ahe  [hinunter]  'truckt, 
SU  war  er  nit  erfrunke"  B. 

Verhält  sich  zu  dem  syn.  gun(t)sehlen  wie  die  ebf.  sinn- 
vwdten  Gumpen,  giingglen,  Gunten  zu  Gl-.  Es  ist  eine  laut- 
malende Sippe;  vgl.  noch  Glutten.  Die  hier  behandelte  Fa- 
milie ist  mit  «  bzw.  «  weitergebildet  entw.  aus  GlDtwU:  oder 
aus  ü(l)unggc,  s.  noch  die  Anm.  zu  gungglm  (Sp.  :3fiSl.  Hie 
Form  mit  -»-  sdiwach   bezeugt. 


Sliliit.     (ilail/.     ''hin/. 


Gl  mite"  s.   I.  ßiinlen  II  {Üy.  3SI).     2.  Kliint. 
Gluntsch  s.  Glunsch. 


Glanz— glunz. 

(ilaiiz  111.:  1.  im  gfw.  iilul.  S.,  doch  nicht  häufig 
iuijfewondet.  am  Häuüg.sten  vnii  Geweben,  allg.  — 
'2.  Glanz  eines  ganz  wölken-  und  dunstfreien  Nacht- 
himniels.  allg.;  doch  ist  fraglich,  ob  die  echte  Volks- 
sprache ein  Subst.  dieser  Bed.  anerkenne;  s.  das  Adj. 
.Also  verzeigen  sie  [die  Berginännchen]  stets,  was 
zutrifft  morgen  und  künftig,  jetzt  ein  Gewitter,  jetzt 
freudigen  Gl.  auch.'  JRWtss  1815.  .Wyl  kein  Wind 
und  aller  Gl.  und  still,  schön  Wetter.'  1601,  Gfd  3,  112. 

—  3.  strahlende,  gerötete  Gesichtsfarbe  des  gesunden 
Menschen.  ,Da  [als  Belsazar  die  schreibende  Hand 
sah]  veränderte  sich  der  Gl.  des  Königs  und  seine 
Gedanken  erschreckten  ihn.'  1707,  Dan.  =  ,verlor  der 
k.  sein  färb.'  1530.  —  4.  kleines  Feuer  im  Ofen  GRPr. 
i'  Gl.  in  de'  Ofe"  mache',  ein  wenig  einheizen.  Es 
schiedi  nüd  [könnte  nicht  schaden],  irenn-d'  <;s  Glenzli 
i'füretist.  MKroNi.  —  5.  „Glänzeli,  die  gevf.  Arten  des 
Hahnenfusses,  ranunc.  Gr."  —  C.  übertr.  a)  Es  hed 
der  GL,  eig.  hat  den  letzten  Anstrich  (Firniss)  er- 
halten,  die  Sache  ist  damit  abgetan  (JRPr.  NU  in 
Gl.  si',   sich   in  Verlegenheit,    im  Elend  befinden   B. 

—  b)  kleiner  Bausch,  .angeheiterter'  Zustand  Gl. 

Zu  5  vgl.  die  Syuu.  OlitxrU  und  bes.  Glinzeli,  für  welches 
OS  viell.  uur  eiue  (vou  der  dortigen  Ausspr.  begüiistigte)  oty- 
inulogisiereude  Schreibung  ist. 

Uli-:  1.  in  der  Verbindung  ivi  U.  si',  in  Ungnade 
getalleii.  nicht  mehr  geachtet,  verkannt  sein  B.  Die 
Sarte'  [der  alte  und  der  junge  Wein]  lebe'  (jämj  im 
Strit  im  Clieller  iinde";  der  Chiiefer  liet-Si-  längeri  Zit 
im  grössten  U.  s'ftmde".  JCOtt.  —  2.  Unfall,  Schade 
F  umMu.  In  U.cho"""".  —  Bliiemli-:  Geschlechtsn. 
XIV.,  ScH.  —  .Wider-:  rcflexio.'  Denzl.  1716. 

glänz:  glänzend.  Z' gl-em  brenne',  d.  i.  mit  leben- 
digem Feuer,  nicht  mit  blosser  Glut  FSs.  Bürs  Holz, 
das  gl.  gid  im''  nüd  nummen  mutted  [nur  glimmt]  BR. 
(Vgl.  heiter  geben.)  ,Dyne  engel  in  eim  so  hellen,  gl-en 
sehyn.'  JMtm.  1559.  ,Dem  Machabeo  ist  ein  reisiger 
erschinen  in  einem  gl-en  kleid.'  LLav.  1569  =  .hell- 
glänzendem.' 1670.  ,Mit  reinem  oder  gl-em  leinwat 
bekleidet'  ebd.  1587.  E  glonze--  Gallereell.  Balz  1781. 
.Die  Stiefel  ausgerieben,  bis  sie  wieder  völlig  gl.  sind.' 
Feuerspritze  Z  1790.  Spec.  vom  Gestirn  und  Firma- 
ment: licht,  unbewölkt,  namentlich  von  sternhellem 
Nachthimmel,  allg.  Syn.  hsll.  heiter;  Anton.  Heckte 
Himmel.  Es  ist  (macht,  wird,  bllbtj  gl.  Wenn  's  nw 
nit  muess  gl.  iverde"  hinecht  jjheute  Nacht],  sust  git  's 
en  'Riffe'.  Sprw. :  Mugge'tanz  ~-  mure  [morgen]  gl, 
Obermore  heiter  Uw.  ,Das  Unwetter  hielt  nicht  über 
5  Min.  an,  darnach  war's  wieder  gl.-  Stütz  1855. 
Auch,  doch  seltener,  attrib.  und  dann  flektiert:  Mer 
liänd  [wir  haben]  gl-ne'  Himmel  Z.  ,Das  schönest 
Wetter,  gl.  und  nah  wünsch  dur  üs.'  Salat.  ,Ze  nacht 
gieng  uf  ein  gl-er  mon  und  ward  so  grimnienklich 
kalt.'  Kessl.  ,Der  hiramel  was  gl.'  ebd.  ,[Die  Sonne 
hat  angefangen  wieder]  gl.  schynen.-  UMey.  1540/7:!. 
■  Die  morgensonn  ist  mermal  gl.  und  hebt  sich  dann 
der  muggentanz.'  Vad.  ,So  der  hinimel  gl.,  sollend 
^y  [gewisse  Fische]  sich  herablassen,  so  er  gewulket, 


lassend  sy  sich  herauf.-  Fischb.  1563.  .Ich  IHiob] 
bitten,  dass  dise  nacht  [meiner  Geburt]  nit  gl.  seie; 
dass  man  dise  ganze  nacht  weder  den  mon  noch  die 
Sternen  sehe.'  LLav.  1582.  ,Sichst  auf  dem  höchsten 
Spitz  9  See  bei  gl-en  Sommertagen.'  JLCys.  1661. 
.Darnach  gar  veränderlich  und  wenig  gl-e  Tag.'  Schumi. 
, Denkt  an  den  Schnee  im  Maien :  Nur  eine  gl-e  Nacht 
hätt  euch  um  Alls  gebracht.'  .ITomann  1802.  -  Mhd. 
ebenso. 

Spiegel-:  Verstärkung  des  vor.  Ap;  Scuw;  Z.  ,An 
einem  Sommermorgen,  als  der  Hiramel  sp.'  JCWeissenb. 
1678.  Noch  weiter  verst.  heiter-sp.  Schw,  und  (scherzh.) 
sjnegelglanzhellhäter  Ap.  —  stern-:  sternhell  B. 

glänze":  1.  ,glanz'  sein  oder  werden  Bs  (Spreng); 
Uw ;  Z ;  ,glänzen'.  Wenn  's  hinecht  glänzet,  so  g'frürt  's. 
,Der  Biswind  zieht,  es  glänzet  überall.'  Stütz  1852. 
,Sein  angsicht  glänzet  wie  die  sonn.'  1530,  Matth. 
,In  disem  g'schir  glänzet  der  wyn.'  JMür.  1559.  ,Irra- 
diare,  glänz  geben  oder  gl.,  ein  heitere  geben.  Ful- 
gere,  gl.,  scheinen  oder  gleissen.  Die  sonn  glänzet. 
Vestis  eandet,  scheint,  gl-t.  [Watten]  die  glitzerend 
und  glänzend  wie  feur.'  Fris.  ;  Mal.  ,l)ie  äugen  brün- 
nend  oder  glänzend  im,  ardent  oculi.'  Mal.  ,Diser 
[Fisch]  glänzet  mit  vil  guldinen  streimen.'  Fischb. 
1563.  ,Diug,  die  allein  zuo  nacht  schynend  und  glän- 
zend, als  etliche  edelgestein.'  LLav.  1569  =  , haben 
allein  zu  Nacht  einen  Schein.'  1670.  ,Dass  die  Strei- 
men der  Sonnen  durch  die  krystallin  Kuglen  grad  auf 
das  Gefäss  gl.-  .TKLandenu.  16iis.  .l>er  Sternen  Heer, 
die  man  sieht  gl.  in  der  Nacht.-  HsKKebm.  16'20.  ,Stel- 
latus,  voll  Sternen,  gestirnt,  glänzend.-  Denzl.  1677; 
1716.  ,Ganz  glasen  ist  das  schnöde  Glück:  lieut 
glänzet 's  schön,  morii  bricht's  in  Stück.'  Limunner 
1733.  —  '2.  in  hellen  Flammen  brennen  BK.  Ds  Fiir 
hed  ganz  zum  Ofen  usa  g'glanzed. 

Auch  luhd.,  doch  selten,  neben  ijhiizui.  Die  Z  Mandd. 
enthalten  wiederholt  ,den  hellglänzenden  Leuchter'  und  gehen 
erst  1789  zu  -ä-  über. 

üf-:  auflodern  BBe.  —  ,er-:  recht  scheinen,  gla- 
sten, relucere.'  Fris.;  Mal.  ,Die  purperfarb  fröut  sich 
des  glanzes  der  sonnen,  dann  an  solcher  erglänzet  sy 
über  alle  mass.'  Fischb.  1563.  —  , durch-:  durch- 
gleissen,  translucere.- Mai..  -  wider-:  zurückstrahlen. 
,Es  tat  die  Suiiii  an  .Icu  Harnischen  widerglanzen  wie 
ein  stächliner  |  ^tahlnn.M  |  Iferg.'  Grasser  16'25. 

Glanzerli  n.:  scharter  Hahnenfuss,  ranunc.  acris 
ÄABergöschingen.     Syn.  Glänzeli. 

glänzet:  glänzend.  ,Ein  flamm  oder  smi.st  ein 
glanzete  matcri.'  Fischb.  1563.  ,Ein  glänzet  Angesicht.' 
JRLanüenb.  1608. 

l)a  der  MA.  das  Ptc.  Inip.,  wenn  es  uicht  zu  der  adj. 
Furni  auf  -i<j  übergesprungen  ist.  sich  mit  di'i-  F(irui  dos 
Ptc.  Prüt.  (der  sehwachen  Conj.)  diM-tt.  ^..  l/is^l  idjigos  Adj. 
zweifache  Ueutung  zu. 

glänzele":  flackern,  schwacli  Haimneii  BSi. 

glänze":  1.  (intr.)  wie  nhd.,  doch  der  echten 
Volksspr.  wenig  geläufig  und  mit  engerem  Begrift'. 
Die  Sonne  ,glänzt',  wenn  sie  durch  Gewölk  wie  durch 
einen  Schleier  blickt,  ohne  mit  voller  Kraft  zu  strahlen 
(ist  mehr,  als  wenn  man  bloss  den  .Sunnestenr  sieht) 
Zu.  Hiezu  das  Ptc.  glä,r.en,l.  na.-kt.  jäli  abralb-nd,  i..n 
Felsen  BO.  „Der  Wvfi  iinl  iih,r  ,illi  ,il-i  ri::,!,  ,.,  ■, 
Vgl.  geliig.  —  2.  (tr.)  ^v»i^>.■  St..ilr.  »  i.  1.,  mv  ■  .i. 
Indionne,  Persienne.  mit  (ilan/   v.T>rlirii,  .iiiin  .in  i.n 


(ilaiiz  -  gliin/..    (ilap    ylnp.    (ilaiil — jrl 


(ilai-glui 


13;  Z.  l'aher  .Gläiizcr  und  Aiirüstei",  Bezeichnung 
des  betr.  Bernfes. 

ent-glänze°:  seines  Glanzes  berauben  (bildl.). 
, Dieses  [erbärmliche]  Gewässer,  welches  das  rote  Meer 
e.  will.'  GHeid.  1732. 

glänzig:  glänzend  Bs:  Gl;  Z. 

Glänzni  f-e'-J  f.:  Glanz,  helles  Wetter  Gl.  Bas 
ist  e  Gl.  y'si"!    (prägn.).   -  Von  de».  .\dj.  uU.-^-m--  wie 

Krenkni   VOÜ   kraiik-ne''. 

Glenz.  -ling  s.  Lenz  usw. 

«linzele-  GW.,  Glinze-  Gk;  GS..  T.  —  f.,  doch 
vorwiegend  dini.  [Glinzji  GrD.,  Glinzli  GrHc.,  sonst 
Glinzeli  GG..  0..  We.  usw.):  1.  Hahnenfuss,  ranunc, 
bes.  die  mit  Metallglanz  leuchtenden  Arten.  aaOO. 
8yii.  Ghssnn).  (rhss-Bluem,  GUtzerli.  —  2.  Fünf- 
fingerkraiit.  |iMtriitilla  aurea,  p.  verna  GrD..  He.,  Pr. 
—    1  11.  'J   lialii.M   vi..l  fiiisserliche   Ähnlichkeit  mit  einander. 

glinzele":  Himmern  Ar;  G  aL.  —  glinzelig: 
fliumiernd.  ebd.  —  glinz{l)e'':  glänzen  Gr.  —  glin- 
zeren  =  glinzen.  ,Auf  ihrer  Brust  glinzerte  das 
Urim.-  JJUlr.  1733.  —  Glinzere-  f.:  1.  (meist  dim.) 
=  Glinzelen  1  AAKobl.;  GT.;  ZTu.  —  2.  Kuhname 
Ap.  —  Von  mhd.  'jlin-^n,  dem  Stanimw.  zu  ,(ilanz,  glänzen". 
S.   uucU  (jlitzcreu. 

gloiizen:  glimmen.  .Mittler  weil  glmizet  noch 
immerdar   die   strenge  Keligionszwcitraclit    in   Basel.' 

WlRSTISKN. 

Glunze"  f.:  Funke  S. 

Die  beiden  letzteren  WW.  stimmen  zu  dem  I'tc.  des 
starken  Vb.  •ßimm;  doch  walirscheinlichcr  sind  es  vergrö- 
bernde  N'btf.   zu  yhimscn    usw. 


Glapp— glupp. 
Gläppler :  sehr  grosse  Art  von  Birnen  Tu. 
(ileppe"    Galeppe:    viereckige    Viehschelle    GrD., 
Ub.S..  UVatz. 

Ob  verwälschtes  Klepji-  mit  furtivem  n  und  aus  dem 
Cburw.  ins  Deutsche  zurückgenommen V     Vgl.  auch  KlapjK. 

gleppern :  klappern.  ,Die  Griechen  läuten  mit  lan- 
gen Stangen,  die  gl.  an  einandern  und  machen  ein 
gross  Geschnetter  mit  einandern.'  14ö(i,  Bs  (Gfo.  7,  396). 

Spielform  zu  dem  schriftd.  W.  \*er  Unil.  kommt  schon 
im  Mhd.  vor  und  ist  bei  einem  Schallw.  nicht  verwunderlich. 


(Jleipf   n.:    Abschrägnng 
Feilster  und  Türen  L.   —   Vc 


on   Wandöö'nuugen 
iimhd.  (ßetf,   schräg. 


für 


Glar— glur. 


glar  (-H-J:  klar,  lauter;  glatt;  nur  in  der  Ver- 
bindung 's  gJ.  Is  TnFr.  —  Eine  durch  .\uflosung  von  GlaHn 
(Bd  I   534  f.)   gewonnene,    an   .klar'  angelehnte    adj.  Form. 

glarre",  bzw.-«-:  1.  glänzen  Ar;  B.  ,Das  glitzert 
und  glaret  in  alle  Gässlein  hinein,  dass  man  von  Wei- 
tem meint,  was  es  sei.'  Gotth.  So  bes.  von  Fett:  der 
(jlareH  Spegg  GSa.;  _von  Brühe,  welche  mit  Butter 
udgl.  übersättigt  ist  LG."  Es  glaret  ro'  Schmutz  [ün- 
reinlichkeit]    Tu.     Am-li  von  der  Haut  gesrhwollenor 


Körperteile  GT.;  ScuwMa.  Syn.  glirren.  —  2.  starren 
Blickes  drein  schauen,  grosse  Augen  machen,  gaffen, 
glotzen  AAZein.;  Bs;  BU.;  GRPr.;  G;  Schw.  Syn. 
Maren.  Was  hasch  z'  gl.  ?  Au'''  glaret  [iftm]  d'  Dümmi 
[Dummheit]  zum  Tschädel  [Schädel,  Kopf]  ms  Schw 
(Schwzd.).  —  3.  , frieren,  dass  es  glänzt,  leicht  über- 
frieren  Sch.-  Vgl.  Glar-Is.  —  Mhd.  ,jla,n-n  in  Bed.  1; 
engl,   lo  tjlure  in  Bed.    1   u.   '2. 

umme(r)-:  umher  gaffen  Gr.  —  an-:  anstieren  Aa; 
Bs  (Spreng);  B;  G;  S.  Syn.  an-hollen.  .Der  esel  sich  ab 
keinem  [Kameel]  entsitzt,  sonder  glaret  es  an.'  Tiere. 
1563.  —  dri°-;  blöde  dreinsehen,  z.B.  von  schwach- 
sinnigen Kindern  GrHc.  —  üs-:  in  die  Ferne  hinaus 
starren  GRPr.  —  ver-:  (refl.)  sich  vergatfeu.  ebd. 

Glare":  1.  (PI.)  glotzende,  stierende  Augen,  gröb- 
lich für  Augen  übh.  AAFri.;  BU.  Es  würd  mängi 
Frau  d'  Gl.  üftue".  we"'  si  misst,  tras  der  Ma"' 
schuldig  isch  u"'  für  was.  Gotth.  ,Wenn  sie  noch 
einmal  zu  Michel  kämen,  dem  wollten  sie  die  Gl.  auf- 
tun, dass  er  sich  verwundere."  ebd.  —  2.  farbiges 
Glasröhrchen,  dgl.  die  Kügelchen  einer  Glasperlen- 
schnur in  gewissen  Zwischenräumen  unterbrachen  Lf. 
Syn.  Glatte. 

Glari  m.:  unachtsamer  Mensch  GO. 
Glüri-  heisst  im  Volksrätsel  die  auf  den  Schinken 
(Limpi-Lämpi)  lauernde  Katze.  —  Vgl.  ylnnn,  lauern, 
glarrig  GT.,  Rh.,  glärig  A.v;  B;  Gl  It  Schuler; 
Gr  (kl-);  L;  G;  Seil;  ScHW;  S.  glärig  GlH.;  ThHw.: 
1.  .stier,  starren  Blicks  Gr."  —  "2.  glänzend  ['s  glärig 
Is  =  Glar-Is  GRh.,  T..  W.);  hellfarbig,  bnnt,  grell 
(Syn.  gaggelarig).  aaOO.  .Der  gl-e  Herenvogel  [Häher].- 
Gotth.  ,GI.  g'färbt  [bunt  bemalt].'  Schwzd.  35,  '2-1. 
, Kinder  in  der  Jungfrau  geboren;  ihr  Sinn  geht  aufs 
Glarige  und  ihr  Trachten  auf  Putz."  B  Kai.  1870.  Bes. 
von  der  durch  Schmelzen  von  Schnee  oder  Keif  ent- 
standenen Eiskruste.  Daher  .3.  glatteisig,  überfroren 
B;  „ScH.^  —  4.  lauter,  rein,  un vermischt  Gl.  Gl-e'' 
Spegg,  durchsichtiger  Speck,  aber  auch:  lauter  Sp. 
ohne  Fleisch.  Gl-e"  Ängge"  [Butter  ohne  Brot]  esse". 
Gl-e'  Gletscher,  reines,  glattes  Eis. 

Glär  m.:  Gesicht,  Antlitz  BBe.  Acht  tiit  d'r  Gl. 
im  Spiegel! 

„glärelig:  grell,  von  Farben  B;  Sch.- 
Glari,  Gldr(el)i:  Hilarius.  Nur  in  genet.  Verbin- 
dung. Glaris  Zeig,  Flurn.  TnTäg.  .StGlaris  Tag". 
13.  Jan..  ehemals  einer  der  3  Gerichtstage  in  ZAnd. 
(Bluntschli  EG.  P  212).  Gläristag  ZSth.  u.  schon  1336 
Ötenb.  Urk. ;  als  Zinstermin,  XIV.  LAdl.  ,StGleristag.' 
1407,  Urk.  d.  Animann  Wirz  v.  ZErl.  Gläris-,  häufiger 
Glärelis-Tag  ZUhw.,  Langw.,  Feu..  Flurl..  für  diese  Ge- 

'  meinden  die  hauptsächlichste  oder  einzige  öffentliche 

1  Lustbarkeit  des  Jahres  und  die  Neujahrs-,  Berchtelistag- 
und  Fastnacht-Gebräuche  anderer  Gegenden  zsfassend. 

!  Das  Fest  beginnt  jeweilen  am  3.  Donnerstag  im  neuen 
Jahr  damit,  dass  die  Mädchen  sich  im  benachbarten 
Schaffhausen  mit  Kaffee,  Zucker  und  Kerzen  versehen. 

\  Kuchen    backen    und    Abends    den    Kiltbesuch    ihrer 

I  Bursche  empfangen,  während  die  verheirateten  Bürger 
auf  der  Gemeindestube,    wo    sie    zuvor  getagt  haben. 

'  sich  bei  einem  Gemeindetrunke  gütlich  tun.  Am  Frei- 
tag Morgen  rückt  die  Musik  im  Gemeindehause  ein, 
wo  sie  von  der  (hemdärmeligen)  Burschenschaft   em- 

i  Iifangen   wird,    welche   dann  die  Mädchen  zum  Tanze 


642 


holt.  Diese  .sind  mit  weissen  Halstüclieni,  Schürzen 
luul  Strümpfen  geschmückt  und  eutblössen  zum  Tanze 
ebenfalls  ihre  sorgfältig  gefältelten  Hemdärmel.  Zum 
.Alittagessen,  das  besonders  reichlich  bereitet  ist.  und 
zum  Nachtessen  begleitet  man  sein  Mädchen  nach 
Hause ;  sonst  wird  ohne  Unterbruch  getanzt  bis  Mor- 
gens früh;  vom  Tanzboden  geht  es  in  die  ,Maitlistube', 
eine  grosse,  von  den  Mädchen  gemietete  und  geheizte 
Bauernstube,  wo  von  den  Letzteren  Kaffee  mit  Kuchen 
;iusgeschenkt  und  Spiele  gemacht  werden  bis  zu  Tages- 
anbruch.  Um  9  Uhr  beginnt  aufs  Neue  der  Tanz,  zu 
welchem  die  Mädchen  namentlich  sorgfältig  gezöpfelt 
zu  erscheinen  bemüht  sind,  und  dauert  bis  Mitter- 
nacht. An  diesem  Tage  laufen  Butzen  in  den  Dörfern 
licruni.  Wieder  verfügen  sich  die  Tänzer,  nachdem 
sie  noch  mit  der  Musik  an  der  Spitze  einen  Zug  durch 
da.s  Dorf  angestellt,  in  die  Maitlistube,  wo  man  bis 
gegen  Morgen  bleibt.  Sonntags  findet  in  einem  Wirts- 
liause  ein  gemeinsames  Nachtessen  Statt,  zu  welchem 
die  Bürger  das  Fleisch,  die  Mädchen  das  Gemüse  bei- 
steuern. Auch  die  Verheirateten  nehmen  jetzt  Teil, 
Alles  in  grösstem  Putze.  Am  Montag  wird  ein  Leichen- 
zug vorgestellt  und  der  Glärili,  eine  Strohpuppe,  nach- 
ileiM  er  oft  über  die  Häuser  geschleudert  worden,  be- 
graben. Am  nächstfolgenden  Donnerstag  halten  die 
Mädchen  auf  der  Maitlistube  ihre  Abrechnung  und 
arbeiten  bis  Abends,  wo  dann  die  Bursche  nochmals 
erscheinen  und  die  Überreste  der  Vorräte  vollends 
aufgezehrt  werden.  Auch  noch  in  den  folgenden  Wo- 
chen versammeln  sich  die  Mädchen  der  Reihe  nach 
in  einer  Stube  zu  geselliger  Arbeit  und  werden  dort 
von  den  Buischen  besucht;  ähnlich  versammeln  sich 
die  verheirateten  Frauen  und  Ehemänner.  Auch  die 
unerwachsene  Jugend  ahmt  das  Beispiel  der  Erwach- 
senen nach:  die  Knaben  haben  ebenfalls  ihre  Stube, 
wo  sie  ihren  Wein  vertrinken ;  am  Donnerstag  ist  es 
Genieindewein,  der  ihnen  gespendet  wird;  am  Freitag 
ziehen  sie  maskiert  mit  einem  schönen,  im  Gemeinde- 
keller aufbewahrten  und  für  diesen  Anlass  von  den 
kleinen  Mädchen  bekränzten  Fässchen  vor  die  Häuser, 
um  Wein  zu  erbetteln,  der  ihnen  namentlich  da.  wo 
in  diesem  Jahre  ein  Knabe  geboren  wurde,  zu  Teil 
wird,  und  den  sie  mit  einem  erlernten  Spruche  ver- 
danken. Die  Mädchen  tun  sich  ebenfalls  in  verschie- 
denen Stuben  zusammen  bei  Kaffee  und  Kuchen;  sie 
werden  dort  von  den  Knaben  besucht,  welche  für  die 
Bewirtung  je  1--2  Fr.  unter  die  Tassen  legen;  es 
wird  etwa  nach  der  Musik  einer  Mundharmonika  ge- 
tanzt. Das  .Gläreli-Vergraben'  üben  sie  am  Samstag; 
damit  schliesst  für  sie  das  Fest,  das  sie  am  Donners- 
tag mit  dem  Geschrei:  Gläristag  juhe!  und  no'''-n-einal 
juhi:'.  und  no-n-emal  dm  gleiche  juhe !  einweihten.  Am 
Orte  selber  wird  diese  Feier  auf  die  Schenkung  des 
Waldes  Kohlfirst  durch  einen  Herrn  Hilari  oder  durch 
(in  Fräulein  .Clara'  auf  dem  Schloss  Laufen  oder  auf 
die  Schenkung  einer  gewissen  Gräfin  am  Hilariustage 
für  ihr  geleistete  bewatfnete  Hilfe  bezogen.  Auch 
ZSth.  hatte  bis  vor  Kurzem  seinen  Gläristag,  an 
welchem  die  Bürger  auf  Gemeindekosten  gemeinsam 
schmausten,  wofür  die  Gemeinderechnungen  des  XVI. 
u.  XVn.  Ausgabepo-sten  unter  dem  Datum  .Hilarii  Tag' 
enthalten;  in  unserer  Zeit  war  es  nur  noch  ein  Ge- 
sellschaftstag für  «Be  Schuljugend.  Auch  hier  wird  die 
Feier  auf  die  Schenkung  eines  ,Mooses'  [Moores]  durch 
eine    vornehme    Dame    zurückgeführt.     In    TnSchlatt 


schiebt  sich  zwischen  die  Neujahrsfeier  und  Fastnaclit 
ein  .Glüritag'  mit  ähnlichen  Festgebäcken  wie  an  jener. 
Ein  ,Gläri.smal'  wird  erwähnt  14'20  in  einer  AaBremg. 
Urk.  (Arg.  8,  113).  —  glärele":  „das  Fest  des  h.  Hi- 
larius  als  Kirchenpatrons  mit  Schmauserei  und  anderen 
Lustbarkeiten  begehen  Gl"  (wo  das  W.  seither  aus- 
gestorben). Den  Glärelistag  in  der  geschilderten  Weise 
feiert  man  in  und  um  ZUhw.,  Sth.  Vgl.  otmärkn 
Bd  1  ()06;  berchtelen. 

Au  der  Tatsache  des  lautlichen  Übergangs  liisst  sich 
nicht  zweifeln,  doch  ist  er  einzig  in  seiner  Art  und  schwer 
zu  verfolgeu;  viell.  hat  sich  das  .anlautende  //  wie  häufig 
verflüchtigt  und  dann  i  bzw.  /  /n  .,  i,i.-i;Iiiii  I.  ,  ila- 
Letztere    widerfuhr    dem    Ii,    na.  Ii'i.ui     \       /-i     '.  '.-•■- 

sehwunden  war.  —  In  Gliiri,  da-  1 1.  i!  h-il'  _-  ■  i .  \,  \.i- 
l)alform  ist,  ist  die  Erinnerung  an  diu  I  r.|iMiii,j  vllriid- 
abhanden  gelvomnien,  indem  es  au  einen  neuun  Stamm  an- 
gelehnt ist  (vgl.  etwa   Glürc-Wajye",  ein  Festgebäck). 

(ilarlnet  (modern),  Glarnet  Aa;  Sch;  Th,  GlanH  Z 

—  n.:  Klarinette. 

Der  anlautende  Guttural  wie  gewöhnlich  bei  Lehnww. 
erweicht.  /•  schwindet  leicht  vor  n,  vgl.  Bmietcr,  Barometer, 
HanUch. 

Gllr  m.:  Siebenschläfer,  glis  myo.xus  BwÜ.;  W. 
Sj'n.  Grill.    ,Glir,  gürmaus,  hasehnaus,  glis.'  IIkh.  liitj'2. 

—  Aus  dem   Lat. 

.(iure  L:  weibliche  Katze  BSi.-  Ali-.  1S21,   Ion. 

Die  Benennung  viell.  von  einzelnen  Individuen  mit  Hascl- 
uiausfarbe  oder  wegen  Vorherrschen  derselben  auf  die  Ge- 
sammtheit  ausgedehnt. 

glirre"  GTa.;  ThM.,  -l-  Tu  tw.  =  glarren  1. 

glore":    langsam   arbeiten   AaB.   —  ^f\oU.  =  yliinn. 

Gloi'i  1  f.:  1.  Prunk  Uw.  —  2.  grosse  Freude. 
Lustbarkeit  Uw.  —  Glori  in.:  Einer,  der  sich  recht 
freudig  geberdet  Uw. 

Aus  lat.  yUji-kt,  Ruhm,  in  'i  mit  Bez.  auf  deu  mit  diesem 
W.  beginnenden  Jnbelgesang   im  katholischen  Gottesdienste. 

—  Der  Motion  des  Geschlechtes  und  der  persönlichen  Weu- 
duug  leistete  die  Endung  -i  Vorschub. 

Gliug- Glang- (i  loriii;  Aiirut  des  Engels  im 
Kinderspiel  Z.     S.  (lUiKi-fihmii. 

Gloriabus  UwE.,  GloriliKu  Z,  in  der  Verbindung 
,in  Gl.  sein':  in  Saus  und  Braus  leben.  —  Zwitter- 
bildung aus  ,gloria'   und   .Floribus'. 

Gling-glang-gloribus:  1.  n.  kirchliches  Ge- 
pränge namentlich  mit  Geläute  und  Klingeln.  Ineicbun 
1859.  —  2.  m.  Einer,  der  in  Saus  und  Braus  lebt. 
,N.,  der  Gl.,  der,  wenn  er  2  Batzen  hat,  3  vortut!' 
UBrägg.  1780.  —  1  wohl  mit  Bez.  auf  das  ,gloria',  den 
Eingaug  der  Doxologie,  im  katholischen  Gottesdienste. 

gloriere":  prunken  UwE. 

Glori  n  „F;  Zg;"  W,  ,Glorie'  AaZ,  1815,  Glorja 
GrVt.  —  f.,  Ghrjata,  „Glorjat,  Gloriat  m."  Gr:  „Ter- 
pentin Zg."  .Lerchenharz,  das  auch  Glorien  genennt 
wirf  KdGkssn.  1542.  .Lerchen,  darüss  die  glori  flüsst.' 
Platt.  1572.  Der  Zürcher  Jss.Siml.  sagt  1033.  wo  er 
von  dem  häufigen  Vorkommen  der  Lärche  im  W  redet: 
.Ex  qua  prsestantissima  resina  colligitur.  qua  there- 
binthime  loco  nostrates  chirurgi  utuntur.  hanc  Val- 
lesiani  lertschinen  vocant.  nostri  glorien.'  .Pvesina 
Laricea,  Larigna,  vulgo  Terebinthina  et  Terpentina. 
nostris  Glorien  dicitur.'  JJWagn.  108n.  Harz  von 
Kirschbäumen   Gr.     Dtm  er  aiih;  fan  einem]  Bnichli 


(343 


-f,'hir.     (ilai 


(ilas-Klii-^ 


644 


Glorja  sügi,  wa  [welche]  er  comn  Chriesbomm  nher- 
g'hegljt  [heruiitergeschnitten]  liei.  MKuoni.  „Gummi 
Gr."  .Nhnb  ein  Honigpflaster  oder  ein  wenig  Glori 
und  Unsehlitt.-  FWürz  1634.  Nach  HCLav.  1644  ge- 
hören .Glorien  und  Terpentin'  zum  Proviant  einer 
Festung.  ,Nimm  um  1  Btz.  Galitzenstein,  1  Vierling 
Gloryen,  um  1  Sechser  Schwebel,  4  Eierklar.  Erstlich 
raustu  nijimnen  die  Gloryen  und  mit  Brunnenwasser 
Wäschen,  bis  dass  die  Glor3'en  hübsch  wyss  werde.' 
Arzneib.  ZZoll.  1710.  Recept  für  .Licki  zu  einem 
Bett:  V<  Vieri.  Simmelmel,  '/s  Pfd  Glori,  '/*  Tragant. 
Den  [so]  Gl.  im  Kunsthafen  im  hcissen  Wasser  auf- 
lösen.' Z  18'20.  Auch  Strickl.  (Horg.)  weiss  von  sol- 
chem Bestreichen  ,mit  Harz,  Leim  oder  Glori'.  Um 
der  Ohrenwürmer  habhaft  zu  werden,  ,bestreiche  man 
ein  Tuch  mit  der  sog.  Gl.  oder  sonst  einer  klebrigen 
Materie.'  Schweizer!!.  182.'i.  Auch  der  mit  geschmol- 
zener Gl.  und  anderen  Ingredienzien  gespeiste  Brei 
selber,  mit  welchem  die  Innenseite  des  Federbettzeuges 
bestrichen  wird,  sonst  Licki  genannt  AaZ.  ;  „F." 

Vg).  ,das  Klar',  Baumharz  (Gr.  WB.  5,  097).  Ua  das 
W.,  wie  die  latinisierenden  Endungen  zeigen,  nicht  im  Volke 
gewachsen  ist,  so  kann  es  zu  uns  (denen  das  W.  ,klar'  ganz 
fremd  ist)  aus  einer  Gegend,  wo  a  zu  6  geworden,  importiert 
sein;  wiihrsch.   mit  Anlehnung  an  glarcn,  (jlomi. 

Glür  U-  BSi.,  -i  SciiwE.;  UwE.;  Zg  —  m.:  Ein- 
faltspinsel; in  BSi.  auch:  zerstreuter,  nichtsnutziger 
Junge.   Syn.  Glor-Hans.  —  Wohl  aus  Gal-Luri  sync,  oder 

VOU   .Jlorcn. 


(ihl 


t     S. 


Glai-ni-r    s.  Enluiifd  l'.d  l  :'.sit, 
Glarinit. 

Glärnist    ui.:    der  Berg  (ilarnisch;    rtwa    siiriclr 
erwähnt:  Da  bist  so  sicher  a's  iif-ciii  Gl.  iibc"  Gl  (iron 

Glürner  s.  iure»  I. 


Glorps.  glorpsen  s.  Gorps. 


Glas— glus. 

Glas,  PI.  GU'ser  —  n.:  1.  Gl.  als  (harter,  durch- 
sichtiger) Stoif.  Hart  tcie  GL,  z.  B.  Schölle',  noch 
mehr  als  steinhart  Z.  I'''  hätt  möge'  Gl.  cheue'  [zer- 
beissen]  «or  Täubi  [Ärger]  B.  Die  Benennung  Glas- 
Epfel  Bd  I  369  von  der  durchsichtigen  Hautfarbe.  — 
2.  Glasgefäss,  ganz  bo>.  Trinkglas.  Bei  BAnhorn  1674 
wird  ,ein  gross.  iKnirlMi,  -lii^rni  Gschirr  voll  Wasser- 
weiter  unten  einl.M  h  ,.Li^  lil/  <;vnannt.  (Gern)  j" '.y 
Gl.  (GlesliJ  liieije".  -nli  mit  'I  linken  gütlich  tun,  gerne 
und  auch  zu  viel  liiiikiii.  illg.  Lieber  gross  Guttere 
und  chlini  GlcMr.  uls  luiiiflirl :  Abergl.:  Wei- us-eme 
g'spaltne  Gl.  inuhl.  iniil  'hroche'  [bekommt  einen 
Leibbruilij  Ar:  /,.  Wrini  das  vom  Meistergesellen 
nach  drni  /,iiiniicrs|ii  iidi  vuiii  aufgerichteten  Neubau 
heruntcrgewi.it'eiie  Glas  bricht,  so  bedeutet  das  Un- 
heil, zumei.st  künftigen  Brand  des  Gebäudes.  Ähnlich 
wenn  bei  einer  Hochzeit  ein  Glas  springt  Z.  ,Es  be- 
deutet Unglück,  wenn  Einer  über  Tisch  ein  Gl.  mit 
Wein  umschüttet.'  BAnhorn  1674 ;  vgl.  die  alte  Dar- 
stellung des  Judas  im  h.  Abendmahl.  ,Uf  dem  ersten 
stein  des  pfumets  [des  Fundamentes  der  neu  gebauten 


Kirche]  stat  [eingemauert]  ein  gl.  mit  gueteui  wyn.' 
Kirche  ScnwGalg.  1477.  Sogar  ,ein  silbrin  Gl.'  1488, 
Z  Inv.  .Den  Tüfel  b'schweert  man  in  ein  gl.'  UEckst. 
1525.  Das  Werfen  mit  dem  Trinkglas  in  Streit  und 
Fehde  scheint  vormals  häufig  vorgekommen  zu  sein. 
Nach  Absch.  von  1726  ist  solch  ,ein  Glaswurf  raale- 
fizisch  und  lässt  man  es  puncto  Bestrafung  bei  der 
Öffnung  von  1544  verbleiben.  Doch  sollen  künftig 
die  Glaswürfe  ab  effectu  beurteilt  werden.'  ,7  gleser 
und  1  hülziner  köpf.'  1571,  Z  Inv.  —  3.  Glasscheibe, 
-fenster  Gr.  Zum  Gl.  us  luege';  's  Gl.  offen  tue',  das 
Fenster  öffnen  Gr  ObS.,  V.  D'  Gleser  tväsche'.  ebd. 
Privathäuser,  zumal  auf  dem  Lande,  mit  Glasfenstern 
waren  in  alter  Zeit  etwas  Besonderes;  vgl.:  ,Was  fast 
das  hübschest  hus  zu  Visp  mit  hübschen  schyben- 
fenster[n].'  ThPlatt.  1572.  Am  frühsten  hatten  sie 
wohl  Kirchen  und  Klöster:  ,Was  ein  priester  an  den 
glasfenstern  bricht,  das  soll  er  in  synen  kosten  wider 
machen.'  XIV.,  Kirchenordn.  UwSeelisb.  Die  erste 
bekannte  Glashütte  Deutschlands  (zuerst  nur  für  ge- 
färbtes Glas)  befand  sich  im  IX.  zu  Konstanz;  eine 
Rheinordn.  von  ScuSt.  vom  J.  1401  erwähnt  als  Fuhr- 
taxe: ,Von  einer  glastruchen  10  d.,  von  einer  burdi 
spiessstangen  6  d.'  ,Von  glastruchen  Ionen  die  Lu- 
cerner,  wie  die  Schatfhuser.'  ebd.,  wo  ungemalte,  runde 
Glasscheiben  gemeint  sein  mögen.  —  4.  Wetterglas, 
Barometer  Ap;  Gr;  ZSth.,  Wald.  B' Gleser  sind  abc", 
gesunken.  —  b.  „Brille,  Fernrohr" ;  vgl.  Augen-Gl. 
—  6.  (Glesli)  kleine  Glasringe  auf  dem  Zettelrahmen, 
durch  welche  die  Seidenfäden  laufen  Ar;  Z;  ähnlich 
die  Glasröhrchen  am  Weberschiffchen  Z.  —  7.  (Glas) 
die  Hornhaut  im  Auge  des  Pferdes.  Rom.  u.  Schinz. 
1808.  —  8.  (Dim.)  Name  von  Pflanzen  mit  kclchför- 
migen  Blüten,  a)  Hyacinthe,  hyac.  orient.  Aa;  B;  G; 
Sch;  Tu;  Z;  Syn.  Glöggli  (Glogg  S  g).  Kinderspiel 
mit  dieser  Blume  (unter  Farbenangeben  mit  geschlos- 
senen Augen):  ß/esH  orfer  ir»".^  Glesli!  Zupfet  All  am 
Näsli!  Wi"!  Schlönd  Alli  zämme  drl' !  Aa  (Rochh.). 
G'füllti  Glesli,  hyac.  or.  flore  pleno.  Daher  das  Wort- 
spiel mit  Bed.  2 :  (^von  alle'  Blueme'J  die  g' füllte"  Gl.  am 
Liebste'  ha'  Z ;  vgl.  , Muttergottesgläschen'  Gr.,  Myth. 
1146.  —  b)  Maiglöckchen,  convaü.  maj.  ScH;  Z.  — 
c)  (wildi,  Wald-J  Glesli:  Meerzwiebel,  scilla  bifolia 
Gr;  Z.  —  Merkwürdig:  Ologg  und  Glas,  Name  eines  Ge- 
maches im  Stadhof  AaB.   SHott.   1702. 

Auge^-G/eser;  Brille  Ap  (selten).  —  Vgl.  engl,  »-ye- 
(/(««»,   Lorgnette,   und   Gu(ßj-dur'''s-GIuii  Sp.   179. 

Vexier-Gr^os:  schönes,  mit  eingeschliffenen  Bil- 
dern geziertes  Trinkglas,  das  in  gewisser  Höhe  ein 
verstecktes  Löchlein  hat,  durch  welches  der  Wein 
herausfliesst,  wenn  man  das  Glas  an  den  Mund  setzt  B. 
In  Z  ein  ähnliches  Glas  mit  Doppelwänden,  zwischen 
denen  der  Wein  sich  befindet. 

riöh-(Gugg)-:  Vergrösserungsglas.  .Die  Flöh- 
gläser, mit  welchen  sie  die  kleinen  Sachen  besichtigen.' 
Spleiss  1667.  .Ein  Flöhglas  machet  auch  gleichsam  ein 
Kameel  aus  einer  Mugg.'  FXsi  1696.  .Microscopium. 
kleiner  Spiegel,  der  ein  Ding  mächtig  vergrösseret, 
Flöhguckglas.'  Denzl.  1677;  1716. 

Bekanntlich  war  das  Objekt  der  mikroskopischen  Be- 
ti-.ichtung,  bes.  auf  Jahrmärkten,  gewöhnlich  ein  Floh. 

,Gülch-,  baucalium,  Geschirr  mit  einem  engen 
Hals.'  Denzl.  1716;  s.  auch  Angster  III  Bd  I  340. 

Da  das  ßauxaX.tov  nach  ausdrücklicher  Angabe  der  Alten 
beim  Füllen  einen  gluchsendeu  Ton  gab,    so  scheint  (laich- 


«las.  sles.  glis,  glos.  gl« 


G4ß 


ilioscn  Schall  zu  bczeirhnen  uad  zu  bair.  (jolku-n,  kollern,  zu 
?eh8ren ;  Tgl.  die  wörtl.  Übersetzung  von  gustatorium  durch 
.Kostgläslein';  von  spccul.«e  durch  .Gesichtglas.'  ebd. 

Hang-:  Harnglas  ..F";  Sch.  ^yn.  Brunz-Gl.  Vgl. 
.Gli'iserine  Gefäss,  wie  ein  Harn-Gl.  gefovmiert.'  JJNü- 
sciiEL.  1608.  —  Entstellt,  weil  ,Harn'  niolit  volkstiimlich: 
vgl.   ,Harm-Gl.'   bei   Gr.  WB. 

Höre"-:  Trinkglas  ,1es  Pfarrers  llUrj.  Ihr  Her 
Pfdi-cr  hiiil  eil  rjira  s,-]irii>:  Glas  mid  Bhieiiie  iimheme 
7W(  |Griti'|.  ///-  ^.nl-nn  •!'•<  I lere-Gla.i :  ihis  hnlcht  me 
im  hl  II,ich:di  1,1,. I  .ui  l.uifmfiler  GuO.  —  (.'Inu-hi-: 
kleines  Trinkglas  JWl'aiuk.l.  Cli  unkle"-:  kleines, 
ans  Spinnrad  (oder  die  Knnk.'li  i^'^bundenes  Glas,  in 
dem  die  Spinnerin  dii'  l'in^rrsiiitzeii  netzt  S.  —  Lör-, 
Rür-:  besonders  dicke.-.,  nach  anderer  Angabc:  ge- 
wölbtes Fensterglas  Z.  —  I"-mach-:  Glas  zum  Con- 
servieren  [l'-mache']  von  Früchten,  Confitürenglas 
Bs;  Z.  —  Nacht-:  Glas,  durch  welches  man  angeb- 
lich die  Gespenster  beobachten  kann.  B  Hist.  Kai.  1861. 

—  Bach-Gte/j;  dreiblättrige  Zottenblume,  Biberklee, 
nienyanthes  trifoliata  Z.     Srn.  Mos-Zinggen. 

Bund-Crtes;  Fensterglas.  , Alle  Arten  Glaswaaren, 
B.  und  Hohlglas.  Aller  Gattung  Bund-  oder  Fenster- 
glas.' S  Wochenbl.  1807/'24. 

Wohl  eig.  Glas,  das  in  Gebinden  iBundJ  in  den  Handel 
kciniint  und  auch  Tafelglas  genannt  wird,  im  Gegs.  zum  .Hohl- 
glas', Gefassen. 

Bure°-:  ungewöhnlich  grosses  Glas  für  geistige 
Getränke  Schw.   .Ein  Baurengläschen  Kirschen  wasser.' 

—  Butze"-:  kleine,  runde,  gegossene  Glasscheibe. 
wie  sie  früher  zu  Fenstern  gebraucht  wurden  B ;  Syn. 
Bütschgi-Schiben.  —  V  fing ste"  -  Glesli:  spanischer 
Flieder,  svringa  vulg.  ZZoll. 

Brunne"-G/o.s;  Uringlas  Ar.  —  Zu  Hiumu"  i.  S.  v. 

Brunz-  =  dem  Vorigen  B  (Got.th.).  .Ein  Br.  mit 
oini  Futter'  unter  den  Requisiten  eines  Schiffspassa- 
iriors.  Stockar  1519.   -  Auch  bei  H.Iunius. 


Bor-  a.  Lor-Gl  —  Fürsetz-.  .Setz  inider  jeden 
Schnabel  oder  Zolggen  [des  DrstiUicrli.'lnis)  ein  Re- 
ceptakel  oder  F.'  JRLAKnEM!.  liins;  yol.  Understell- 
GütterU.  —  Sch  in-:  gefärbtes  Stück  Glas,  durch 
welches  man  Gegenstände  ansieht  Sch;  Z.  .Kinder, 
die  ein  Stücklein  Scheinglas,  eine  Puppen  aus  dem 
Gfätterleinzeug  grossen  Schätzen  vorziehen.'  JJÜlr. 
1727.  --  Schutz-Gte?j:  kleine  Lupe,  mit  der  die 
Seidenweberin  die  Schütz"  ihres  Gewebes  zählt  Z; 
Syn.  Fadenzäler.    —    Schräpf-:    Schröpfkopf   Ndw. 

—  Spiegel-G/ns;  1.  Brille;  Syn.  S]iiegel.  ,Lucifer 
b'sicht  den  brief:  vor  alter  ich  nit  lesen  kann,  ich 
han  by  mir  kein  sp.'  JMurer  1559.  —  2.  Spiegel. 
,Hie  werdend  ir  mögen  beschouwen  glych  als  in  einem 
Spiegelglas  heiter,  schyubarlich  alles  das,  darab  Gott 
ein  wolgfallen  hat.'  Ruef  1540. 

Spiess-:  1.  farbige  Glasröhrchen,  die  zu  Glas- 
perlen gebrochen  werden  Z ;  Syn.  Glane,  Glare.  — 
2.  =  Spiessglanz.  JJNüschel.  1608;  JJSchelohz.  1707. 

—  '2  nach  den  ,spiessigen'   Kristallen. 

Ab  stech-:  wohl  =  Sc/i"J«-G/.  ,Und  nimmt  der 
Mann  [der  Fabrikant]  die  Brill'  auf  d'  Nas,  vielleicht 
noch  gar  das  A.,  ich  Pfiffiger  ihm  stets  vorhalte  die 
allerdickst  gewöhne  Falte.'  HSulz.  18.30  f.  -  AUtedie'', 
j^ouaii   abnicsson. 


Stein-:  wohl  Gefäss  von  Steingut  in  Form  und 
Grösse  eines  Trinkglases;  vgl.  o.  silberin  Glas.  .Ein 
St.  voll  Hijpfenbranntenwyn.'  c.  1750,  Arzneib.  ZZoll. 
—  Stund(en)-:  Sanduhr.  .Wann  Einer  das  St.  und 
Futter  [Gestell]  verbricht  und  das  Sand  verschütt"'.' 
ScniMi-i-K.  Mri2.  Solche  befanden  sich  früher  bes.  auf 
den  Kall/.  In  :  \ii\.  eines  mit  dem  Motto:  ,lch  erwarts!' 
von  IM",  .(«aliiit  Z  Anz.  1885.  Eine  vierfache  Sand- 
uhr bcliiii.l  oicli  in  einem  Schulzimmer  der  Chorherren 
in  Zürich  bis  zur  Schleifung  des  Gebäudes  1841.  — 
Stengel-:  Kelchglas  Aa.  —  Toppel-:  kleines  Per- 
spektiv,  das  auf  den  hintern  Teil  des  Schaftes  der 
Büchse  geschraubt  werden  konnte,  It  Mandat  den 
Schützen  verboten  Ap;  Syn.  Perspektiv- Absehen. 

Wald-:   1.  grünliches  Glas  aus  dem  Schwarzwald. 


.  ;il.  Tiink:,'.>|;iss,'.  J'ii,l  für  [statt] 
llM-ii-tri|  ,  '-  „.,,„  \\;,l,J,ilesi.'i  /,•«>.•; 
'n,,s,r  Si'liil,,;,  „,„1  ,r„r 's  atf:>' mich 
■i\.  l>-'>2).  .Fenster  von  w.  in  die 
Irs  krliili.ifcs  [zu  ZSchwam.]  machen 
z.  l'rk.  .Wider  den  fallenden  siech- 
bibergeilin  zwei  quintlin  mit  essich- 
ildgläslin.'  TiERB.  1563.  ,Ein  wagen 
.Dem  glaser  allerlei  schybe 


bauchiges  Glasgefäss  mit  Wasser,  wcl- 
in  dünnes  Röhrchen    sickert,    sobald  es 


SOWOllI    I-  eilst.  1 

die  niiiil,  l'l  i^ 
und  liclt  's  inu 
so  rei"s  Gl  (.i 
Stuben  und  km 
lassen.-  l-"i.")l.  1 
tagen  ,i,nl.t  man 
niet  ans   .'in. 'in 

w.'  i.-.i;7.  /,  /. 

haften  und  stängli.'  1573.  ZGrun.  .\mtsrechn.  ,2  wald- 
glasfenster  mit  sammt  dem  ramen.'  1587,  Z  Schnecken. 
.Das  gemein  Waldglas,  welches  finstergrün  an  seiner 
Färb  ist.'  JRLandenb.  1608.  ,Burgundisch-Glas,  Wald- 
Glas.'  Z  Zolltar.  1711/57.  ,Ein  Waldgläslin  voll  nemen.' 
1779,  Bs  Chr.  —  2.  im  Bes.  WnM-Glesli  a)  =  Glas  S  c  Z. 
—  b)  Orchideen  SchKI. 

Der  Pflanzenn.  wahrsch.  von  ,Wald-Gl.',  dem  Gefäss,  da 
die  Blume  nicht  bloss  im  Walde  (welches  W.  nicht  volks- 
tümlich), sondern  bes.  auch  in  Wiesen  vorkommt. 

Wetter- 
ches   durch 

Regenwetter  gibt  Z.  Es  git  gwüss  ander  Wetter!  Es 
tropfet  us-em  M''.!  CMey.  1844.  Das  W.  übertr.  auf 
das  moderne  Barometer  Ap;  BÜ.;  „LE.;"  ScnHa.;  U. 
's  W.  gut  ufe",  (ihe",  das  B.  steigt,  fällt. 

glase":  1.  Glaserarbeit  machen,  Fensterscheiben 
einsetzen,  allg.  ,Dem  tischmacher  zue  gl.  umb  ein 
grossen  kästen,  sammt  einem  harnischkäspli,  auch  an- 
derm,  so  er  glaset  und  gebessert  hat.'  1542,  ZGrün. 
,Dass  burger  und  landlüt  wol  stören  [den  Kunden 
nachgehen]  und  gl.  mögen,  aber  sonst  d'hein  hinder- 
säss  in  der  statt  für  sich  selbs  andern  gl.'  1569,  Z 
Staatsarch.  Die,  wo  am  beste  schibe  und  glase,  sött-i"'' 
säge,  schribe  und  lese  könned.  Gespräch  1712.  ,Für 
etlichs  zu  gl.  und  dem  Schlosser  5  Btz.'  1739,  Aa 
Schloss  Rued.  —  2.  ironisch-scherzhaft:  Glasgeschirr 
und  bes.  Fensterscheiben  zerbrechen,  allg.  —  3.  Glas 
machen  in  der  Fabrik  Ndw. 

ver-:  1.  mit  Fenstern  oder  Glasscheiben  versehen, 
z.B.  die  Fensterrahmen  Aa;  Z.  .Das  pfarrhus  ze  v. 
41  pfd.'  1535,  B.  S.  auch  rer-glasiiren.  —  2.  Einen  in 
seinem  Tun  hemmen  SchwE.  ,Wer  under  den  uochsen 
mäckelet,  der  salbe  sich  am  selben  ort  fleissig;  er  ver- 
glaset den  g'stank  darmit.'  Tierb.  1563. 

Bed.  1  schon  mhd;  auch  Bed.  "2:  ,mund  und  nascu  v.': 
vgl.  auch  bair.   ..sich  v.'  von  Deckelschnecken. 

Glaser  m.:  1.  wie  nhd.  D' Gl.  händ  nif  am 
Unglück  Freud.  De  Gl.  betet  aW''  um  's  tägli''' 
Brod,  sagt.  man.  sieh  tröstend,  wenn  man  eine  Scheibe 


<i47 


(ilas.  ^jles.  glis.  glos. 


zerbrochen.  Giiet  Nacht,  Gl.,  's  Gelt  ht  iif-em  Simse', 
Formel  der  Abweisung  GRh.  —  2.  Bläser  in  der  Glas- 
hütte S.  —  3.  Geschln.,  z.  B.  1674.  Bs.  Davon :  .Glaser- 
acher'  ZOpfik.  —  Hö-:  Glaser,  der  in  dni  Gassender 
Stadt  herumgeht  und  Ho  Gla,'<e" .'  ruft  /  (Siiillni.). 

glasere":  das  Glaserhandwerk  treiben  Ap;  Z. 

g'glasct:  glasartig,  von  Kartoffeln,  Gegs.  zu 
mehlig  GSa.  Verschnättere  [platzen,  zerfallen]  tuen 
s'-mrr  nit;  sin  tuen  si  hellisch  g'gl.     Syn.  geivesen. 

glasne":  die  Glasmasse  mit  dem  eisernen  Blas- 
rohr (Pßfe'J  anfassen  S. 

glasüre"  (glassüre"  Ndw,  ylisürc"  und  glesüne" 
ZO.):  1.  mit  einer  Glasur  überziehen.  .Glcsürter 
Hafen.'  XVU.,  BArzneib.  —  2.  mit  einer  dünnen  Eis- 
rinde überziehen.  Der  Tlmhii  ist  ii'^lnssird  Nnw.  — 
3.  unpers..  es  bilden  sich  (ilatiri,  ant'ib'in  lludrn,  Eis- 
krystalle  in  der  Luft  '/JK:   Smi.  iinsiiri(iiiiiii:ii.   —  Has 

««    wie    ia    r.iHnimn,    PUmUr,    „ns^cmhd.    'Jum."    |l»oso|. 

ver-glasüre":  mit  einer  Glasur  überziehen;  auch 
bildl.:  verstellen,  zum  Scheine  färben.  ,Mit  färben 
und  verkluogungen  v.  und  trug  an  des  rechten  stat 
setzen.'  Vad.  , Satanas  transfiguratus  in  angelum  lucis, 
der  sich  in  einen  engel  des  Hechts  verglaseuren  kann.' 
ebd.  ,Ein  verglaseurt  oder  gläsin  Geschirr.'  .l.JNfscH. 
1608,  daneben:  , verglaset,  vergläsert' 

Glasüri  BSi.,  Gle'süri  B  f.:  Glasur. 

gläs(e)le":  „dem  Gläschen  gerne  zusprechen", 
trinken  U;  vgl.  gütterlen. 

glase"  (e'J:  glotzen,  starr  blicken  ÄAPri.;  Bs.  Syn. 
glaren.  —  a°-:  anglotzen,  -stieren  AiFri.;  Bs.  Und 
d  gläsed  in  a"  rm-  Angst  und  weiss -si'''  nit  z'  helfe 
und  Nüt  z'  säge»  BsL.  Wenn  er  Hin"  so  g'stif  dnr''' 
d'  Brüllen  agläst.  Breitenst.  —  ver-:  wässerig  (eig. 
gläsern)  werden,  von  Äpfeln.  Kartoffeln  usw.  Ver- 
gleset,  ganz  wässerig  geworden  AAZein. 

ver-gläsert:  glasiert.  ,Ein  irdin  verg(e)lesertes 
Beckin.'  Arzneib.  ZZoll.  1710.   S.  noch  u.  cer-glasiiren. 

gläserig:  glotzend,  stier.  ,Der  bär  grimmig,  mit 
gl-en  feurigen  äugen.'  Tierb.  1563. 

g\&&\g  (-i'-J,  gle'si'  Cgiäse"  Nnwtw.^:  gläsern, 
a)  eig.  En  glesene''  Holzschlegel  Z  (scherzh.).  Niid 
glesi'  si',  ein  derbes  Berühren  oder  Anfassen  er- 
tragen, ebd.;  s.  Gutter  Sp.  53.3.  —  b)  glasähnlich, 
durchsichtig  oder  glänzend  wie  Glas,  z.  B.  eine  Eis- 
fläche, Schlittbahn,  ins  Wasser  getauchter,  halbge- 
frorner  Sehneeball  Gl;  „von  den  eigentümlich  schim- 
mernden Augen  des  Betrunkenen."  —  c)  wässerig, 
halb  durchsichtig,  von  Früchten  (bes.  Äpfeln),  die  ent- 
weder überreif  oder  einmal  gefroren  waren  Aa;  L; 
GG.;  S;  Z.  Syn.  mond-,  tvasser-süchtig ;  g'wesen.  — 
d)  spröde,  z.B.  von  altbackenem  Brot  Bs;  Z;  übertr. 
von  Menschen:  empfindlich  L. 

Gläsiker  Glessiker:  Äpfeln.  Bd  I  369. 

Das  8«  wohl  wie  bei  tjlasüi-en  zu  erklären,  so  dass  die 
urspr.  Form  Ohs-ncher,  A.  i.  Giasaiifel,  wäre;  vgl.  den  Äpfeln. 
Transparent. 

Glasi,  Gläis,  Glaus  s.  Klaus.  Glase,  Gläsli 
s.  Angläse   Bd  I   .3.30.  Glausen.     Gloussen    s. 

Glumsen. 

Gl  es  s.  Ge-läss. 

Glis:  Milch  (Gaunerspr.). 

gllsse",  7tc. g'gUs.?e':  1.  glänzen;  glitzern  L;  Scnw; 
Nuw:    U;    ZKn!     '.v    Ist    nid   Alles    (iohi .    vas   gll<:.ft. 


E  'putzti  [gestriegelte]  Chue  gltsset  wie  en  Schär 
[Maulwurf]  ZObfeld.  Hast  Äugli,  si  glisse't;  kei' 
Sterne"  sg  schön  SchwE.  (MOchsner).  's  Gesslers  Burg 
hat  lui'''  uf  zwe  vo'  de  schönstem  Sene"  [Seen]  g'glisse". 
ScHwzD.  Do  und  dert  glist  es  Glüetli.  Hapl.  Wenn 
nöched  [sich  nähert]  der  Sehne,  wenn  glisid  [glatt, 
schlüpfrig  werden]  scho'  d'  Stei'  [vor  Kälte]  Uw 
(Schwzd.).  ,Zwen  fladen,  die  warent  ytel  wyss  von 
Zucker  und  niandel  gemacht,  die  glissend  grad  als 
marmelstein.'  Edlib.  c.  1500.  ,l>ie  sonnen  wie  klar 
und  heiter  sy  glysst.'  UEckst.  1525.  ,So  ir  üch  dann 
flyssend  z'  trinken,  dass  die  ougen  glyssend.'  ebd. 
,Üwre  ougen  glyssend  wie  eim  wolf.'  ebd.  ,Geschirr 
von  ehr,  die  glissend  wie  das  gold.'  1531/48,  Esra. 
,Sie  [die  Feinde  in  ihren  Rüstungen]  glissend  wie  ein 
Spiegelglas.-  1544,  Volksl.  ,G1.  wie  die  gelen  biren.' 
KuEP  1554.  ,Wilt  du,  dass  sy  glysse,  so  tue  1  lot 
guinnu  darunder.'  Arzneib.  1556.  .Die  flügel  glissend 
obenfür  himmelblauw.'  Vogelb.  1557.  .Die  glychsnery 
hat  ein  zytli  g'glissen  und  geschinen.'  HBull.  1561. 
, Hildebrand  was  ein  wundergschwinder  münch  und  ein 
wunderlistiger  glyssendcrglychsner.'  ebd.  ,Bein,  daran 
der  mist  veraltet  war,  dass  ir  die  bein  glissind  von 
kat.'  Haberer  1562.  ,Der  wolf  hat  scharpfe,  gleissende, 
feurende  äugen.'  Tierb.  1503.  ,Collucere,  gleissen  oder 
glitzen,  glänzen.  Gleissen,  sauber  sein,  glatt  und  schön 
sein.'  Fris.  ;  Mal.  .Die  gelen  glissenden  Blüemli.' 
XVII.,  B  Arzneib.  ,Gleissen,  nitere,  splendere.'  Denzl. 
1677;  1710.  Syn.  glinzen,  glitzCerJen.  —  2.  scharf 
blicken;  hinschielen  auf,  heimlich  auf  Etwas  sehen 
GA.;  ScHwE.,  M.;  ..Zr,.'-  Syn.  .^chechen.  Gliss  emol 
üse'!  schau  einmal  |zuiii  l''i-nster]  heraus  Schw.  Er 
hat  allbott  a'  d's  Zit  |.li.'  llir|  ufe'  g'glisse'  SchwW. 
Hiezu  im  Ablautswcchsel  wie  Klingklang  gebildet: 
,Glissglass',  Name  eines  Teufels.  1583,  L  Ostersp. 

In  Bed.  1  schon  anihd.  Zu  Bed.  2  vgl.  engl,  to  glancc 
und  unser  glaren  sowie  ,hlicken'.  Über  Termischung  mit 
ghchsliOen   s.   d.      S.   noch  sMimen  ^=  gleiten. 

er-.  ,Ergleissen,  enitere,  ein  hellen  glänz  geben.' 
Mal. 

Gliss(e'>)  f.:  1.  Pflanzenn.,  scharfer  Hahnenfuss, 
ranunc.  acris  SchwE.;  Syn.  Glinzen;  Gllss-Bluem.  — 
2.  {Glöissli  ZErl.)  eine  Fischart,  wohl  von  weisslicher, 
hellschimraernder  Farbe;  „kleine,  frischgeborne  Fische 
Z;"  ganz  junge  Brachsmen.  abranüs  blicca  ZErl.  ,Dass 
auf  dem  VwSee  die  kleinen  Fischlein,  Glyssen  genannt, 
gefangen  und  so  das  Gebrüt  gemindert  werde.'  1650, 
Absch.  ,Wo  die  Gleissen  sich  haufenweis  stellen,  da 
sollen  die  Garner,  wann  der  Leich  vorhanden  ist,  gar 
nicht  ziehen  dürfen.'  171(1/1800,  Z  Ges. 

Die  .\usspr.  mit  -...-  duirli  Anlehnung  an  das  Vb.  gleissen, 
glimmen,  s.  ./lumsa,.  Vgl.  .Blick',  ,albnrn«s,  Weissfisch', 
Güster,  das  sich  zu  .blicken'  verhalten  würde  wie  Olisse  zrt 
i/lrnen.     Syn.    Ghsslhvj.      Vgl.    auch    Wus-Fisch    Bd  I    110.'.. 

Glisseli  Gl;  G;  Schw;  Z,  Glissli  Schw,  GUssi 
BR.,  Gllseli  Schw,  Gllsli  Gr;  Schw;  U  —  n.:  (Dim. 
zum  vor.  W.)  1.  verschiedene  Hahnenfussarten,  bzw. 
deren  Blüten,  bes.  ran.  acris  und  prat.  BR. ;  Gl;  Gr; 
Schw;  U;  Z.  —  2.  Scharbockskraut,  Feigwarzenkraut, 
ticaria  ran.  Schw;  UUrs.  Syn.  Glisser(li);  Glitzer(li) ; 
GUnzeli,  Glinzeren,  Glinseli;  Galiseli;  GlUshluem; 
Schlisserli.  —  -»-  aus  ««  erweicht.  Die  Benennung  vom 
Glänze  der  goldgelb  schimmernden  Blüten. 

Glisere"  SchwM.;  ZO.  f.,  Glisserli  Aa;  Bs; 
Scnw;  IVE.;  U;  Z,  Gli'serli  Aa;  Bs;  Schw;  S:  Nuw; 


lUfi 


Glas-gliis.    Glasich     kIuscIi.     (ilast-Glust 


ZW.,  Glissgerli  U  n.:  1.  Hahnenfussarten,  ran.  Aa; 
SiHW;  S.  —  2.  Feigwarzenkraut,  ficaria  Aä;  Schw; 
Xnw;  U;  Z.  —  3.  gemeine  Gleis.se,  fethusa  cynap.[?]  Bs. 

—  1.  Milchstern,  ornithogal.  umb.  Aa.  —  S.  die  Anm. 
zum   vor.  W.   und  betr.  Jas  y  diejenige  zu   Glitzerli. 

glissere":  glänzen  AaL.  —  Iterativbildung  von 
l/llssen,    wie  glitzeren   von   gliUeit. 

Glissi  f.:  Schimmer,  Glanz  Ndw.  ,Iteni  Latwer- 
gen ein  Glyssi,  si  sanftet  die  Kelen.'  XVII.,  B  Arzneib. 
Hier  viell.  der  glänzende  Syrup.  Gallerte;  vgl.  Schlichti. 

—  Mhd.  glizt;  Glanz. 

glissig:  schimmernd,  glänzend,  z.B.  der  Schnee, 
wenn  die  Sonne  darauf  scheint  UwE.  ,Gleissig,  sauber, 
schön,  wohl  ausgebutzt,  nitidus.'  Mal. 

Glissling  m. :  1.  ,Glysling,  ein  Fisch,  daruss 
Seewhasel  werden.'  RCts.  Wohl  =  Gllss  2,  s.  d.  — 
2.  eine  Käferart.  ,Cantharis  vel  pygolampis,  wasser- 
käferli,  gl.'  Fischb.  1563.  Auch  bei  JJScheuchz.  1699. 
Syn.  Gliss-Gueg. 

glislen    s.  klüsleii,   ge-lüsslen.  glissnen    s. 

f/Hchsnen.        Glosen  s.  Glunisen. 

(iloss  f.:  Glosse,  (willkürliche)  Interpretation. 
,r)urch  kein  sach,  stuck,  gl.,  fund  noch  anders,  so 
menschlicher  sinn  möcht  erdenken  [vom  Burgrecht  ab- 
weichen].' 1480,  Absch.  Die  Bibelausgabe  möge  recht 
sein:  ,es  sygen  keini  glössli  darby.'  1529,  L  Staatsarch. 
, Dieselben  [Artikel]  ufhebent  ohn  Gloss  noch  Zusatz.' 
1613,  W  Monatsschr.  —  glossiere":  mit  (Rand-) 
Bemerkungen,  Zusätzen  versehen.  Der  Eidgeno.ssen 
Boten  sollen  mit  denen  von  Ndw  reden,  dass  sie  dem 
Bund  ,ane  glosieren  [sans  phrase]'  nachleben.  1472, 
,\BScn.  Der  h.  Franziskus  hat  Ordensregeln  aufgestellt 
.und  nit  wellen,  dass  im  der  bapst  dieselb  bestäte, 
noili  yemands  die  glossiere.'  BossH.-Goldschm. 

Glusmen,  Glüssen,  Glusseten,  glüsmig  s. 
Ghiiiisen  usw. 


Glasch    glusch. 

Gl  es  eh  s.  Gletsch. 

Glisch  n.:  Halbeis;  verborgenes,  verwässertos  Eis 
BSi.   —   Wahrsch.  für   illitueh  oder  aus  frz.  ;jlinser. 

Glosche"  {.:  1.  Glasglocke  Bs.  E  Lamiie  mit-ere 
fine  GL  Breitbnsi.    Käsgl.,  Käsglocke.  Posthkiri  1867. 

—  2.  Casserolle,  Bratpfanne  B.  [In  der  Wohnung  sehr 
beschränkte  Leute  müssen  messen]  ob  der  Herr  im 
BratöfeK  Platz  heig  zum  Schlafe'  und  d'  Frau  i"  der 
Gl.  GoTTH.  —  3.  (kurzer)  weibl.  Unterrock,  Jupon  B; 
Filu.  Hose',  fin  wie  Slde',  und  Mäntel,  Rock  und 
GL,  icüs  wie  Chride',  tcie  schöni  Froue"  z'  Bere' 
hei'"  BM.  (Schwzd.).  Ex  het-mi^''  'diinkt,  es  urll-mi''' 
versprenge',  bis  r''  dr  Ghischlihiindel  Im"  chij)iiie"  iif- 
tue'  BStdt.  ,Eisi  noch  in  Xacbtliaubc  und  Oloschli.- 
GoTTH.  ,Eine  Bauerntochter,  die  kein  Mänteli  trägt, 
sondern  ein  reines  flächsiges  Herade,  keine  Händschli, 
wohl  aber  ein  schön  geblümtes  Gloschli  mit  einer 
handbreiten,  roten  Blegi  [Beleg,  Besatz].'  ebd.  ,Somraer- 
und  Wintergloschen.'  HZschokke  1797.  —  4.  glocken- 
artige Verzierung  am  Weiberrock.  —  Frz.  vlodir.    Zu  1 

vgl.   cloche  a  J'rottiaf/e. 

„glosclie°:  1.  glänzen  wie  Feuer,  bes.  von  einem 
erhitzten  Gesicht.  —  2.  glimmen  wie  eine  Kohle  LE." 

—  S.  <ilumwii  u.  iilijHlni.     Vgl.  etwa  tjeim-lilkh   neben  giiiilii'li. 


(ilüscliei*  Iclüi'i/r  m. :  Einfaltspinsel;  doch  meist 
scherzh.  und  fast  schmeichelnd  von  Knaben:  loses 
Bürschchen,  pos.sierlicher  Kerl  BSi.;  Syn.  Ghdi ;  Glör: 
Narchtlig. 

Glüschi  (-i--):   Hahnenfnss.  nmuiic.  (acrisi  (ii,. 
Vgl.    (IVmM!). 


Glast— glust. 


(ilast  ni, :  1.  blendender  Glanz,  bes.  der  Sonne  oder 
das  Sonnenlicht  zurückwerfender  Flächen,  wie  Schnee- 
und  Eisfelder  Ar;  Bs.  Sini  Äuge'  chönnid  de"  Gl.  nüd 
ha',  ertragen  Ar.  U?id  im  Gl.  vn'  de'  heitere'  Strale' 
glitzeret  freudiger  d'  Welt.  Breitenst.  Der  Engel  im 
Sterneglast.  Hebel.  ,Wir  mochtend  die  ampelen  seilen 
brinnen,  die  ein  grossen  gl.  gaben.'  HsStockar  I.jlii. 
,Der  gl.,  so  die  stein  gaben.'  Ziely  1521.  .Des  Schwertes 
gl.'  Bib.  1560.  ,Die  kraft  und  der  klar  gl.  der  warheit 
hat  sy  [die  Gegner]  als  blind  uf  den  herd  [Boden]  ge- 
schlagen.' 1527,  Absch.  ,0  herr,  durch  dynes  liechtcs 
glast  zue  dem  glouben  versammlet  hast  das  volk.'  SBirk 
1535.  ,Ao  1560  den  28.  dec.  ist  am  morgen  ein  gl.  am 
himmel  gesehen  worden.'  Bs  Chr.  ,Der  gl.  der  frommkeit 
hat  uns  nit  geleuchtet.'  LLav.  1582.  ,I>er  Mensch  ist 
ein]Gl.,  ein  Fünklein  oder  Schein,  von  Gott  entzündt  = 
c'est  un  rayon  de  la  Divinite  [im  frz.  Text].'  AStettler 
1642.  ,Das  reine  Pfing.stenfewer  mit  seinem  Gl.  jagt 
die  wüsten  Ungehewer  von  der  edlen  Seelen  weg.'  CMey. 
1657.  ,Flagrantia  oculorum,  Glanz,  Gl.  der  Augen.- 
Denzl.  1677 ;  1716.  ,Ein  langer,  schiessender  Strom,  der 
ein  Gl.  gäbe,  als  wann  der  Mond  leuchtet'  JJScheuch/. 
1707  =  ,Glanz.'  1746.  —  2.  schimmernde  Eisdecke, 
Eisüberzug  im  Winter  (an  Häusern,  Pflanzen  usw.) 
AAWohl.;  Syn.  Gletzi.  —  3.  „(f.)  Glasur  an  irdenem 
Geschirr";  vgl.:  ,Die  Sakristei  mit  Glastblatten  [gla- 
sierten Ziegelstücken]  besetzen.'  1502,  ZGrossra.Eechn. 
und:  ,Die  Glaste,  Topfglast,  Glette,  lithargyrum,  gle- 
stum.'  Red.  1662;  Syn.  Glästi.  —  Spiegel-.  ,Die 
Weisheit  ist  ein  unverma-sgeter  [unbefleckter  |  sp.  dm- 
göttlichen  klarheit.'  1531,  Weish.  ;  daliir  It'.ilT  nur: 
(Spiegel'.  —  Wider-:  zurückgeworfener  (Ihinz,  licHcx. 
,Die  Streimen  der  Sonnen,  so  in  den  Spiegel  gehen, 
sollen  auf  das  [Destillier-]  Glas  ein  heftigen  W.  geben.' 

1608,    JJNÜSCHEL. 

glaste":  strahlen,  glänzen  Bs.  Wie  ' s  g' flimmeret, 
'glastet  und  'glänzt  het  und  g' funklet  und  'glitzeret, 
wn  d'  Sunnen  isch  chö.  Breitenst.  ,'s  Engels  angsicht 
glastet  schön.'  Funkelin  1553.  ,[Die  Krähe]  hat  einen 
ganz  schwarzen  leib  also,  dass  er  von  schwärze  glastet.' 
VoGELB.  1557.  ,Und  solche  kerzen  [ein  Meteor]  ist 
glych  g'syn  eben  als  wenn  sy  'glastet  und  von  ir 
gsprützet'  HCampell  1572.  ,Candescere,  feuren,  glüe- 
jen,  brünnen,  gl.,  gneisten.  Ardere  flagitio,  avaritia, 
von  bosheit,  büeberei,  von  geit  brünnen  und  gl.-  Fris.  ; 
Mal.  ,Candescere,  scintillare,  brennen,  gl.,  glänzen.' 
Denzl.  1677;  1716.  —  er-:  erglänzen.  , Seinen  sun,  in 
dem  die  göttliche  Weisheit  so  vil  mer  erglastet,  so  vil 
er  die  vorigen  propheten  übertrifft.'  Bib.  1531.  ,Dass 
das  bild  der  göttlichen  und  ewigen  warheit  im  herzen 
als  in  einem  stillen  luteren  wasser  oder  klaren  spiogd- 


651 


Jlast— glust.    «latt— .srhitt 


glas  ergl.  möge.'  ebd.  ,D0  saclieiul  wir  herglasten  die 
allerheiligst  statt.'  Fabri  1557.  —  wider-glaste": 
zurückstrahlen.  .Refervere,  fast  heiss  sein,  sünkeln, 
w.'  Fris.;  Mal.  .Zwüschend  Tag  und  Nacht  ist  nit 
ein  Eöti,  als  etwan  durch  Widerglastung  der  Sonnen 
beschicht,  sunder  ein  lutre,  bluotige  Gstalt  und  füriger 
Glast  gewesen,  inniässen,  dass  die  Bergen  gegen  Uf- 
gang  der  Sonnen  ein  lutren  Widerglanz  empfangen 
haben.'  1601,  Ardüser. 

gla.stig:  1.  glänzend,  strahlend  Aa;  Bs.  .Vil 
grosser,  gl-er  himmelstrynien  und  plixg.'  Vad.  —  2.  mit 
Eis  überzogen,  eisig  kalt  GSev.;  vgl.  glüstig. 

Glasting  f.:  Glanz.  ,Nachdem  die  sunnen  ver- 
birgt iren  schyn  und  die  sternen  uslassend  ire  glastung 
und  die  nacht  ynbricht.'  c.  1500,  Bs  (Dingrodel). 

Ge-Gläst  e^f's«  n.:  Glasur  Bs;  GG.;  ScHwMuo. 
Auch:   glasiertes  Geschirr  Bs  (Spreng);    Syn.  Olästi. 

glaste»  ('-e'-^:  1.  =  glasten,  glänzen,  „z.B.  von 
glühender  Gesichtsfarbe  L".  0  lueg  wie  's  glastet 
[der  Keif]  und  nie  's  blitzt,  a's  brönn  alls  liechterlöh. 
Minnich.  [Die  Blumen]  gl.  all  im  Farbeschi.  ebd. 
D'  Auge  glaste  freudevoll,  ebd.  , Fasan,  ein  vogel  mit 
gelben  und  glestenden  federn.'  Stumpf.  ,Frühe,  wann 
die  Himmelsstrassen  gl.'  JCWeissenb.  1678.  —  2.  glän- 
zend machen,  glasieren,  mit  Glasur,  Email  überziehen 
Aa  (le'ste');  GrL.  ;  Ndw.  ,Der  hafner  trachtet,  wie 
er  sein  werk  lieblich  mache  und  gleste.'  1531,  Sir. 
=  ,gläste.'  1667,  ebd.  .Lorica  te.stacea,  ein  glestung 
über  einen  irdinen  hafen.'  Fris.;  Mal.  ,Crustare, 
übertünchen,  glasten.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Glästen, 
incrustare.'  Vestib.  1692.  Ftc.  glestfetj,  glasiert  „Gl;" 
L;„ScHw;Z."  ,Ein  gelesten  Degel.'  c.  1370,  Bs.  ,Ein 
glester  ofen.'  1491,  Jahrzeitb.  UwEmmeten.  ,Mit 
glesten  ziegeln.'  Kappmann  1491.  ,Dem  glesten  kupfer 
glych.'  KüEF  1538.  .Aconitum,  irdine  g'schir.  die  nit 
glast  sind.'  Fris.  ,Wann  der  Boden  mit  wyss  und  blauw 
gelesteten  Platten  besetzt  werde.'  1632,  Z  (Bürger- 
bibl.).  Dazu  der  Gegs.  un-g'glest  Bs;  „Gl;"  L;  „Schw; 
Z."     ,Unglest  geschirr,  aconitura.'  Mal. 

Die  Formen  Jenten  und  gelesten  sind  beide  dadurch  eat- 
standen,  dass  jr-  in  gl  irrtümlich  als  das  Präf.  (j(e)-  gefasst 
wurde.     Vgl.  auch   Lcsii  statt  Glesii  n.  s.  noch  glatt. 

er-:  erglänzen,  Widerscheinen.  .Dyn  hämisch  wyt 
erglestet'  1460,  Lied.  ,Dass  es  in  dem  bacli  erglast.' 
JLenz  c.  1500.  —  ÜS-:  ausglasieren.  , Elender  Krueg, 
der  nieraal  gnueg  mag  ausgeglestet  werden.'  JCWeis- 
senb. 1678.  —  ver-:  glasieren  AAZein.;  „Gl;"  L; 
„ScHW;"  Z.  ,Ein  irdis  verglest  gschirr.'  Tierb.  1563. 
.Einen  irdinen  verglesten  oder  ganz  gläsinen  Deckel.' 
JRLandenb.  1608.  ,Die  Silberglätte  [Silberschaum]  für 
die  verglastung  der  irdenen  geschirren.'  Spleiss  1667. 
.Die  Hafner  brauchen  die  fuchsrote  Erde,  Hubert,  zu 
Verglestung  der  Geschirren.'  JEEscher  1692. 

Glaste-  C-e'-J  m.:  1.  Glanz  GrD.  —  2.  Glasur; 
Zahnschmelz  GrD.;  GW. 

,Glester:  crustarius,  ein  vertäfeler.  gletter.  dün- 
kcr.'  Fris.;  Mal. 

Glästi  C-e'-J  f.:  1-  „Glanz  L."  -  2.  Glatteis  L. 
's  ist  Alls  ei  Gl.,  der  ganze  Boden  ist  ein  klares  Eis; 
Syn.  Gletzi.  —  3.  Glasur,  Email  (an  Töpferwaaren 
u."ä.)  AAZein.  (in  St.  Le'sti);  Ap;  Gl;  Gr;  L;  G;  Sch; 
Th;  Ni)w;  Zg;  Z  (im  Tö.  n.).  Wend-er  na"''  d'  Gl. 
fresse'!  Zuruf  an  Heisshungrige,  die  mit  dem  Löffel 
fast  die  Scluissel  schaben,  um  auch  die  letzten  Reste 


zu  bekommen  ZS.  S.  Glast  3.  ,Lithargyron,  Silber- 
glätte, Glasur,  Glaste.'  Denzl.  1716;  ,Gleste.'  1677. 
.Die  Hafner  bedienen  sich  des  Bleierzes  zu  ihrer 
Glaste.'  JJScheijchz.  1706/8.  —  4.  (übertr.)  Schmutz 
auf  der  Haut  Aa.  Btb  emol  di"  Gl.  abevi  G'sicht ; 
Syn.  Büme". 

Silber-:  Silberglasur.  .Der  Hafner  crlä.stct  die 
Häfen  mit  S.-Gläste.'  Spleiss  1667. 

glästig  (-e^-):  1.  glänzend,  scheinend  AAWohl. 
,Wird  4  Tag  an  die  glästig  Sonnen  gestellet  zu  di- 
stillieren.'  JRLandenb.  1608.  —  2.  glasig,  glatt,  hart, 
vom  Eis  U.A.  Gl;  ZO.  ;  schlüpfrig.  Ebel.  Vom  Holz: 
ohne  Äste  Bs;  .fissilis.'  Id.  B.     Vgl.  glästig. 

glästin:  glasiert.  .Glestis  fässlin,  phiala.'  XV.. 
VocAB.    ,ln  einer  glästnen  Ampelen.'  JRLandenb.  1608. 

Glester  n.:  widerlicher,  greller  Gesang  GA.  — 
Vgl.   mhd.  gleater  in.,   ßlanz,  Strahl,  zn  glaslfn.     S.  glmtrmi . 

Gleist(e°),  gleisten  s.  Gn-. 

glistere" :  mit  schriller  Stimme  sprechen,  kreischen ; 
auch:  falsch,  zu  hoch  singen  Gl. 

Mhd.  glinftem,  glitzern,  strahlen ;  aeintiliarc,  mhrare.  Von 
der  Lichtempfindung  auf  die  des  Tones  übertragen,  wie  bei 
ziritzeren,   zwitschern,   s.   auch    Glester. 

glisterig:  blank.  Ebel. 

glisterle":  spähen  B  oHa. 

Zu  gli(ii)stera.  Betr.  den  Überg-ing  vom  Glänzen  zum 
Sehen  vgl.  die  Anm.  zu  gliHsen.  Für  BHa.  könnte  auch 
lüMterlen,  lauern  (eig.  lauschen),  in  Frage  kommen. 

gloste":  glänzen,  glühen,  glimmen;  feurig,  erhitzt 
aussehen,  bes.  von  der  Gesichtsfarbe  nach  dem  Essen 
oder  Weingenuss;  sehr  heiss  sein,  wie  Fieberkranke 
Ap;  G;  Sch;  ZKn.  Das  ist  es  G'schuss  [hastiges  Ren- 
nen] und  Alles  glastet  und  beistet  [keucht].  MUsteri. 
,Wirt,  bes6nd  uns  wurste,  dass  in"  die  stirne  glostend 
werden,  als  [ob]  sy  in«»  syn  angezunt.'  Hadl.  ,Nu 
soll  ein  wirt  synen  gesten  geben  des  besten,  dass  s' 
müessen  gl.'  ebd.  ,Scintillas  agere,  glosten.'  Denzl. 
1677;  1716.  Syn.  gloschen.  —  Mhd.  ebenso:  engl,  glmii, 
Glanz  (vgl.  hiSS,  Verlust). 

glostig:  glühend,  rot  GnEh. 

.  gl  ö  Stele":  Dini.  zu  glosten,  bes.  von  rötlichen 
Wangen  nacli  dem  Mittagessen." 


Glatt     gluit. 

glatt:  I.  Adj.  1.  (wie  nhd.)  gleichmässig.  z.  B.  von 
dem  Teile  des  Strumpfes,  der  aus  lauter  rechten,  nicht 
durch  linke  (letze)  unterbrochenen  Maschen  besteht  Z. 
Von  Geweben:  einfach,  ohne  Bild,  auf  beiden  Seiten 
gleich  aussehend;  .glatter  Zettel'  =  einfarbiger  Z.  Z. 
,Gl-e  Kräglein'  im  Gegs.  zu  den  .dicken  Kragen'  und 
zum  ,Krös'  als  Kirchentracht  der  Männer  und  bei  den 
bürgerlichen  Versammlungen  und  für  alle  Gerichts- 
höfe vorgeschrieben  in  den  Z  Mandd.  1650—1772;  z.B. 
, Allen  Mannspersonen  befehlen  wir,  dass  solche  in  alle 
Kirchen,  Bötter  und  für  die  Tribunalien  schwarze 
Mäntel  und  gl-e  Kragen,  diejenigen  aber,  so  des  Gr. 
Rats  sind,  bei  hohen  Anlässen  und  solennen  Tagen 
die  dicken  Kragen  tragen.'  Das  ,gl.  Viertel',  das  Ge- 
treidemass  (für  Weizen.  Roggen,  Bohnen  usw.),  wel- 
ches abgestrichen  wird,  im  Gegs.  zum  .rnchen  V.'  (für 


(UaK,  frletf,  srlitt,  glo 


rlutt, 


Haler,  ,K;iseii-.  Obst  usw.).  «clclies  gehäuft  wird 
ÖciiSt. ;  Tu.  Es  ist  gl.  die  Wollceii  bilden  eine  glatte 
Fläche  Z ;  s.  glatten.  ,Es  ist  das  vülk  feisst  und  dick 
und  gl.  worden.'  LLav.  1582.  Gl.  um  's  Mül,  bartlos, 
s.  Sp.  219.  Von  geistigen,  moralischen  Verhältnissen: 
de' gl-e  Weg,  ohne  Schwierigkeiten  Aa;  Z.  's  ist  niid 
Alles  gl,  in  Ordnung  Bs.  .Nicht  dass  wir  meinen,  in 
der  Stadt  sei  alles  sauber  und  gl.,  es  herrsche  da 
nicht  auch  des  Lebens  Plage  und  Not.'  Breitenst. 
Vor-umme"  glatt  mache",  vor  den  Leuten  höflich  tun, 
glatte  Worte  brauchen  BBe.  Du  bist-mer  en  Gl-e'', 
vor  dir  luuss  man  sich  in  Acht  nehmen  Bs.  ,Wir 
gabend  im  die  sach  für  gar  glatt  [wussten  es  ihm  bei- 
zubringen mit  geschickten  Worten],'  Küep  1540.  ,Söll- 
tend  ir  die  sachen  nüt  gletter  ussstrichen,  dann  sy 
sind?'  1555,  Zellw.  ürk,  —  2.  die  .glatten'  heissen  in 
Bs  Ratsmandd.  diejenigen  Gauner,  welche  sich  fälsch- 
lich eine  Tonsur  gemacht  haben:  ,Es  sint  ouch  etlich 
ein  wenig  gelert  und  doch  nit  gewychet  und  sprechent, 
si  syent  priester  und  tuen  inen  ein  blatten  scheren 
als  ein  priester  und  wandelent  unibe  und  unibe  in  den 
landen  und  nement  ein  buech  in  die  band,  als  ob  si 
iro  zyt  betent.  und  wer  inen  das  almuesen  gibt,  so 
spreclient  sy,  [sy]  wollent  inen  StJohanns  Evangelium 
sprechen  und  betriegent  die  lüte  damite  und  das  hcisset 
die  gl-en.'  c.  14-10;  ähnlich  1475.  —  3,  in  Ortsnn.: 
Glatten  Wühl  GLHätz.;  Glatt- Alp  SchwMuo.;  Glatt- 
.4cÄerLMalt,;  Glatten-Flueh,'S&mo  einer  Fel^eiiplatte 
S;  Glatten-Wasen,  Hof  BRüdersw.  Di.'  Kln>-.iiii.  (i/„ti 
{gl.  =  ehen  ttiessend)  f.  in  G  u.  Z  hies>.'U  in  ;i.  Zeit: 
GlaUa  [d.  i.  Gl.-Ä,  -Ach,  s.  Bd  I  G3];  daher  das  weibl. 
Geschl.  —  II.  Adv.  wie  lat,  plane,  plattertüngs,  ge- 
radezu, durcbaus,  ganz  und  gar  Bs;  B;  Gl;  Gr;  L; 
Siiiw;  Zg:  .,Er  ist  gl.  en  Narr  wurde'."  V  Hübschi 
ist  gl.  derco'.  Kchn.  „Gl:  iceg,  ohne  Umschweife.  Er 
tuet  's  gl.-weg  niid."  Gl.  übel  wieri  's  [wäre  es]  doch 
nit.  JJRoMANG  1870,  Gl.  abscJila",  rund  abschlagen 
Bs;  Z ;  ,gl.  laagnen,  plane  negare.'  Id.  B.  Bes.  mit 
Neg.:  gl.  nit,  Nüt,  'Jcei',  nie.  Oft  mit  syn.  verstär- 
kenden Zusätzen :  süber  und  gl.  allg. ;  glattsüber  Nid, 
rein  Nichts  Ndw.  Murz  und  gl.,  ganz  und  gar  Gl. 
Glatt  eben  voll,  ganz  voll  Obw;  Syn.  platt-roll.  Gl. 
eben  recht,  ganz  recht  U.  Churz  und  gl.,  i'*  lide  's 
nid!  GfiPr.  (Schwzd.).  Z'  scheniere'  händ-er  ei  [euch] 
churz  und  gl.  niid  GrSccw.  (ebd.).  .Gelatt  nit  näch- 
län.'  1529,  Stkickl.  ,Nit  so  ganz  geladt',  nicht  so 
ganz  leicht.  1529,  Abscu.  ,Sy  wellend  das  gl.  nit  ge- 
stattnen.'  1530,  ebd.  ,Si  vermeinen  auch  gl.  dannen 
[rundweg],  dass...'  1.533,  ebd.  ,G1.  nüt.'  1538,  Egli. 
Act.  ,GL  ganz  und  gar  zue  gvund  gericht"'.'  SBirk 
15.35.  ,Die  huorer  sind  gl.  des  tüfels  marterer.'  HBull. 
1-540.  .Die  alten  heiligen  diener  der  kilchen  habend 
gl.  abgeschlagen,  in  die  Concilia  ze  kummen.'  ebd. 
154t).  ,Den  rymen  kann  ich  gl.  und  styf.'  Aal  1540. 
.Das  gescbrei  der  wittwen  stygt  gl.  uf  für  den  Herren.' 
ebd.  .Das  rymt  sich  gl,  in  keinen  weg  hieher.'  Ruef 
1554.  .Von  dir  will  ich  gl.  g'hebt  han,  der  spätzlin 
[Trotzreden]  wollest  müessig  gan.'  Haberer  15U2.  ,Da 
wend  sye  gl.  eben  nit  wyter  fort.'  RCys.  ,Wenn  die 
Liestaler  die  Basler  Soldaten  so  gern  haben,  mögen 
sie  die  behalten,  sie  aber  wollen  sie  gl.  nicht  leiden.' 
Iti53,  AHeiisl.  1854.  ,G1,  vergessen.'  Mise.  Tig.  17'20. 
.Gl.  Nichts.'  Skbast.  1730.  ,.\lle  traditiones  gl.  ver- 
werfen.' Sererh.  1742.  —  Ü1ier  die  Form  rjdati  s.  die 
.\nm.   zu  ijliMm. 


is-:  eisglatt.  E  Sfraufläiiche  mit  ischglattem  Hah. 
BWyss  18ti3.  —  krüs-.  U"' händ  z'erst  as»  ei' schöns 
kr-s  Härli  und  asi;  ei  frije  rundn  gsclutrnri  Blatta  ob» 
uffem  Grind  g'ha:  Goldi  1712.  —  schär-müse"-: 
glatt  wie  ein  Maulwurf,  glänzend  fett.  Mir  hirtül 
d'  Chüe  seh.  Häfl.  ISOl.  —  süber-:  ganz  gesäubert, 
rein.     E  s-e  Tisch  Ndw.     Vgl.  glatt  IL 

glatte":  „glatt  werden".  Es  glättet,  die  Wolken 
gleichen  sieh  zur  Bildung  eines  völlig  überzogenen 
(Regen-)  Himmels  aus;  es  wird  bald  regnen  Z. 

„Glatti  f.:  derjenige  Teil,  welcher  ungefähr  in 
der  Mitte  zwischen  dem  After  und  dem  Hodensacke 
bei  männlichen  und  zwischen  den  Geschlechtsteilen 
und  dem  Euter  bei  weiblichen  Tieren  liegt  kf;  Gl;  Z." 

glattiere":  schmeicheln.  Syn.  glättlen.  ,Ha,  ha, 
Nymrot,  du  willt  gl.  [den  ,Glatten'  spielen],  förchst, 
du  werdest  syn  huld  verlieren.'  HvROte  1546.  —  Vgl. 
frz.  Jtatter  aus  ßut,   platt,   glatt. 

Glatt:  Glasur;  Syn.  Glätti;  Glästi.  Bleiglätte: 
,Lithargyrium ,  silberschum,  den  man  in  arzneien 
braucht,  glett.'  Fris.;  Mal.  .Blywyss  8  lod,  silber- 
schum oder  glet  7  lod.'  1588,  Zg  Arzneib.  ,Silberglett.' 
JJNüscHEL.  1608.  ,Nimm  Glas  und  Goldglett,  zu  einem 
reinen  Pulver  gestossen.'  ebd. 

glätte"  C-e'-):  1.  wie  nhd.,  glatt  maclien,  allg. 
.Aequata  pumice,  mit  tugsteinen  [g']glettet,  poliert.' 
Fris.  —  2.  spec.  Wäsche  plätten,  allg.  Vgl.  Glätt-Ise' 
Bdl  539.  —  Glätter  m.:  1.  wer  glättet.  S.  Glästcr. 
—  2.  „Glatt-  oder  Schlichthobel  im  Gegs.  des  Schür- 
pfers  oder  Scharfhobels  LE."  —  Glättere",  -i"  f.: 
Plätterin,  allg.  Wenn  de"'  die  Glettere  alli  cho  si,  so 
ist  das  e  so  neu  halbs  Fiteli  [Fest]  gsi',  wege  potz 
Clirütz,  tvas  liätt  das  abg'setzt,  wenn  me  dene  jewile 
nit  Weggli  u  Züpfli,  Anke,  Gonfitüre,  Schabziger  u 
Zucker  zum  Gaffe  'ge'  hätt.  Dr.  Bari  1885.  —  Glät- 
tete" f.:  Plätterei,  Geschäft  des  Plättens.  allg.  Die 
Mittagessen  si'  nimme  so  dick,  dass-si  eis  just  uf  d'  Gl. 
b'reiche'  sott  BStdt  (Schwzd.). 

„Glättetschi  n.:  falsches  Liebkosen  oder  An- 
schmiegen, oft  mit  Küssen  begleitet.  Er  hat  mir  ein 
61.  gemacht  W."  —  Ygl.  glattkren  und  'jläahii  und  das 
ähnliche  Dim.  Stneherli,  Ali  Bd  I  3. 

Glätti  f.:  Glätte.  1.  wie  nhd.  allg.  —  2.  glatte 
Ebene;  Dim.  Glettili,  ebenes  Plätzchen  (an  Abhängen) 
Ndw.  In  dw  Gl.,  Hof  LV.  -  3.  Glatteis  W.  — 
4.  Glasur  B;  S;  Syn.  GUsti,  Glatt.  D'  Meisterne  isrh 
vergebe  im  lere  Ghnuchel  [Schüssel]  umme'  (j'fnre  und 
het  d'  Gl.  abkratzet.  BWyss  1863.  ^  5.  Bleiglätto. 
,Setzwcid.  Kr.ti,  Weidesch  und  Gletti.'  1567.  Z  Zollb. 
,1  Centiur(il.  Itic.i.  Absch.  .Nimm  Anken  und  Sclimer, 
jedes  1  Viril,  (^uriksilber  1  Lod.  Silbergletti  2  Lot.- 
ZZoll.  Arzueib.   1710. 

glättle":  liebkosend  streicheln  GW.  ,Es  sind  uns 
die  menschen,  die  vil  federlesens  und  gl-s  könnend, 
argwönig.'  LLav.  1578;  dafür  1670:  .Wann  uns  die 
Menschen  schmeicheln  und  flattieren,  so  merken  sie 
bei  uns  einen  bösen  Argwohn.'  Syn.  glattieren.  Vgl. 
den  Z  Geschln.  Glättli  und  (vom  Namen  des  Besitzers) 
vielL:  ,im  Glättler.'  1653,  AAWett.  Klosterarch. 

Glättling  m.:  Schmeichler.  .Palpator,  blandi- 
loquus,  liebkoser,  federloser,  ein  gl.,  hälstreicher,  flat- 
ticrer.'  Fris.;  Mal.  .Dann  solche  Prediger  werdend 
gmeinlich  vom  gemeinen  Volk  gehalten  für  Gl.  iiinl 
Heuchler,'  164'2,  JJBreit, 


lat     slllf- 


rlul 


Gliitsclig 


(jlett  f. :  Versiiminluiig,  Gemeinschaft.  N.  N.  macht 
ilem  Kloster  ZRüti  1439  eine  Sclienkung  zum  Wohle 
der  Seelen  seiner  Vorfahren  unil:  ,och  darum,  dass  sy 
uns  haben  und  schryben  send  in  ir  bruoderscliaft  und 
ir  gl.'  —  Aus  lat.  tulkctu  (,de  collectis  vel  coiifratriis.  quas 
consortia  vociint.'   Diioauge),  wie   Lt:itiicr  aus  Icctionarium. 

gleiten,  ver-,  be-gleiten,  glcitig  a.  ge-hiten, 
-kitifi. 

Un- glitt  s.  un-(jUch. 

Glutte"  m.:  Tümpel  BBrienz;  GrL.;  W.  Syn. 
Giinqieti  (s.  die  Anni.  dazu). 

glntterc":  hörbar  trinken  nder  anhaltend  aber 
wenig  trinken  Bs. 

gliitterle"  (-i-J:  sich  das  Glä.schen  schmecken 
lassen,  sich  beim  Weine  gütlich  tun  Bs.  Syn.  ylügglen, 
säggelen.  Vgl.  auch  klütterfljen,  gilttcrlen,  löten  und 
gügfejlen. 

(ilaet  f.,  in  AAEntf.  ni..  in  üTo.  das  GHiet :  wie 
nhd.  Im  PI.  Gluete"  Bs;  Sch;  sonst  GUiet,  glühende 
Kohlen.  Blöst  's  Glüet  no'''  i"  der  Fürgriieh  a".  J.IRütl. 
1821.  Glüet  uf  d'  Fiiess  zieh«  (Sprw.).  Glur  1835. 
.Manchmal  rostete  sie  ihr  Weizenbrod  auf  den  Gluten.' 
Bs  (verg.  Tage).  Vgl.  Gadem  Sp.  116.  ,So  man  aber 
[diese  Dinge]  setzt  ufgluet  [Feuerprobe!],  so  werden 
sy  wie  stoub  verfüert  und  erlydend  nit  die  schweisse, 
denn  die  ess  wird  inen  z'  heisse.'  UEckst.  1525. 

,T),w  GKuf  wird  wohl  besser  als  abgol.  Ntr.  mit  coli. 
Bed.  aufgefasst. 

Zander-:  Feuerglut.  I)'s  Aiig  lohet  uf  wie  Z. 
BSa.    —   Zaiidei;  glühende  Kohle,  Keuerfuuke. 

„gluete":  glühen  L.''  —  gluetig:  wie  eine  feu- 
rige Kohle,  glühend,  feurig.  Der  Dacht  ist  fürig,  gl., 
's  git  Sehne  GW. 

Glüeti  f.:  glühende  Kohlen  GrHc. 


Glatseh-  glulsch. 

Glatseh,  Glatschert  s.  Gletsch-. 
ßlätsch   m. :    einfältiger,   liederlicher  Mensch   BR. 
—    Viell.   zu   Lätichi,  latschen,   frz.  lächer. 

Gle'tschGG.,  Sa.,  W.;  Uw;  U,  Glatseh  Gr  -  m.: 
Eis  (Glatteis  Gr).  Vgl.:  ,Das  Tal,  im  Gletsch  ge- 
heissen,  am  Fusse  des  Rhonegletschers.'  JRWtss  1817. 
,.\n  der  dem  Berge  zugekehrten  Seite  der  Milchhütt- 
chen  [in  UwSeel.]  ist  ein  grosses  Stück  Eis  (Gletsch) 
angelagert;  dieser  Gl.  entsteht  im  Lanzig  [Frühling].' 
Z  Neuj.  N.  1839.  —  Ohurw.  flutsch  m.,  it.  <jhiacclu  m.  dass., 
ans  lat.  tjlacic»;  vgl.   Latsch  aus  it.  laccio. 

gl  et  sehe»  s.  glitschen. 

Gletscher  m.:  1.  Eis  übh.  Gl;  GuPr.;  GA.,  Sev. 
Ks  ist  Gl.  uf-em  Trasse)-  Gl.  De"'  Brunne'  hat  GL, 
ist  zugefroren  GA.  ,Der  brunnen  Styx  hat  die  art, 
dass  kein  cristall,  kein  gl.,  kein  marmel  noch  einicherlei 
stein,  auch  kein  irdiu  gschirr  sein  wasser  behalten 
mag;  es  zerspringt  alles.'  Tierb.  1563.  —  2.  Glatteis. 
Eisfläche  U;  W.  Gang  nid  uf-e  Gl,  auf  die  beeiste 
Strasse.  „Jede  im  Sommer  nicht  schmelzende  Eis- 
masse, bes.  in  tiefen  Gräben  oder  auf  hohen  Gräten 
BÜ.;  zu  Eis  gewordener  Schnee  Aa;  B;  L."  ,Und  wie 
man  in  Kratzerentobel  kam,  do  lag  ein  gletscher 
[Kruste  von  Glattei.s]   über    die  strass  inhar,   dass  er 


[der  Reiter]  ze  tuess  gon  muesst'  Vau.  —  3.  (in  BKand.; 
GrD.,  Pr.;  UwE.  Gletschner)  wie  nhd.  S.  üf-gä"  Sp  14. 
.Die  Eisberge  nennt  man  allgemein  Gletscher,  ausge- 
nommen im  Glarnerland,  wo  man  sie  Firnen  heisst, 
und  in  Graubünden,  wo  sie  Wadrer  oder  auch  Wadrez 
genamset  werden.'  JRWyss  1816.  .Und  als  man  uf 
dem  gl.  lag,  do  regnet,  schnj'gt  und  haglet  es.'  Etterlin, 
140.  ,1m  hochgebirg  nennt  man  den  alten  verlegnen 
schnee,  der  niemer  abgat,  firn.  Dieser  schnee  ist  ge- 
froren wie  das  wintereis,  wirt  z'letst  an  vilen  orten 
so  gar  hert.  dass  er  die  natur  und  eigenschaft  des 
g'meinen  schnees  und  firns  verlasst  und  ein  verhertet 
eis  wirt;  die  landleut  nennend  disen  schnee  gl.  Man 
braucht  disen  gl.  zur  arznei  in  etlichen  hitzigen  krank- 
keiten und  küelt  den  wein  darmit.'  LLav.  1582.  — 
4.  die  Augen,  in  der  Gaunerspr.  (Lüt). 

Abi.  von  Gtctach,  chnrw.  ißatachha  f..  frz.  ghuiei-  m.\ 
vgl.:  .Dieser  Berg,  den  die  Walliser  Glatschert,  die  Saassen 
Rosa  nennen.'  JJScheuchz.  Zn  Bed.  4  vgl.  frz.  ijlacc  iu  der 
Bed.   ,Siiieger. 

Is-:  Glatteis.  Die  Gesandten  wollen  die  Spital- 
mühle in  GUtzn.  in  Augenschein  nehmen,  werden  aber 
durch  die  ,Eisgl.'  daran  verhindert.  Jan.  1747,   Abscii. 

Jakobs-:  Name,  welcher  dem  erst  im  Anfang 
unsers  Jhdts  mit  perennierendem  Schnee  bedeckten 
Gipfel  des  Berges  ,Schwalmeren'  in  BO.  gegeben  wurde, 
weil  diese  vereisende  Schneemasse  eben  den  Jakobstag 
(25.  Juli)  überdauerte.   JRWvss  1816. 

„gletscherig:  in  Eis  verwandelt,  z.B.  gl-cr 
Schnee." 

„(ilitSCll  m.:   Erdhiuwc  1-."   -  Zu  ./la^rl,,,,  suv  S.hli,,/ 

zu    «chlij,jh,. 

„glitsch:  abgemattet  BO."    —   Eig.  =  hiufiilligV 

glitsche"  BSi.  (bes.  üs-gl);  Ndw;  S:  gleiten, 
ausgleiten.  Er  stöt  vf  's  Glattis,  glitscht  üs  und  fallt. 
Schild  1853. 

glitsch(er)ig:   schlüpferig  Bs;  BO.;  UwE. 

glntselie":  glucken  Gr.  —  churw.  dut«chur,  -;,-,  lat. 

i/locire;  doch   wäre  auch   Abi.   aus   .glucken'   möglich. 

Glutsche»,  -eri"  f.:   Gluckhenne  Gr.  -  Chuiw. 

clut,chu. 


Gletschger:  Glitschbahn  auf  dem  Eise  SchwMuo. 
Syn.  Güssi,  Schllfi.  —  Ans  (lictuduir  mit  dem  hinter  /»,  ti 
leicht  aufsteigenden  1/:  vgl.  GleUchur  mit  eingeschobenem  n. 


Glütsten  s.  Gliict-Stein. 
Gläwi  s.  A7,»,.s-. 

Glax     glux. 

Glux:  Gluckhenne  STierst. 

gluxe":  1.  a)  glucken  (wie  eine  Brutlienne).  in 
der  Bruthitze  sein  Aa;  Bs;  L;  „allg."  Syn.  ghiggen. 
.Gl.,  glucken.'  Denzl.  1716'.  ,Der  mitleidige  Jesus 
gluchset  uns  noch  nach,  wie  eine  Henne  ihre  Küch- 
lein   versammelt.'    JJUlr.  1733.     .Glnchset   wie   eine 


Gla 


-gliix.    Oliiz    iü 


658 


Gliicklieiine.-  ebd.  ,Das  Gluchsen  der  Auerhenne.' 
HLLehm.  ITltU.  —  b)  den  Pips  haben  L.  —  2.  der 
Stimme  der  Gluckhenne  ähnliche,  klagende  od.  bittende 
Töne  hervorbringen  Aa;  Bs.  Syn.  grüggen,  gnichsen. 
Öppis  gl,  Etwas  undeutlich  sagen  Aa.  —  3.  kränkeln, 
(eig.  über  L'belbeHndeu  jammern)  Aa;  Bs.  Syn.  wie 
bei  2.  —  4.  den  Schlucken  haben,  auch:  , rülpsen" 
Aa;  „Ap;-  Bs;  B;  ,Gl;  L;  GRh.";  S;  Syn.  hitzgen. 
.Vertreibt  den  Heschen  oder  Gluchsen.'  JJNi'scH.  1G08. 
.[Das  zu  reichliche  Essen]  bricht  über  sich  aus  durch 
das  Kluxen  (Hizgen)  oder  durch  Görpsen.'  Spleiss  1ö67. 
—  5.  „unpers.,  in  der  Ferne  und  dumpf  donnern,  wenn 
ein  Gewitter  im  Anzug  ist  Schw\'' 

Intensivbildung  von  tjlugijtn.  Bed.  5  liildliclir  iiud  wohl 
Ulli-  scherzhafte  Anwendung  von  4. 

ab-:  Jmdni  Etwas  durch  unermüdliches  Bitten  ab- 
betteln, ablocken  AAZein.    -    Entstellt  aus  ah-luxcn. 

Gluxer  AAZein.;  „Ap;"  Bs,  Gluxi  in.  AAFri.; 
BsLd;  S,  n.  B:  Schlucken,  Schluchzer.  Syn.  Hitzgi, 
Häscher.  Wenn-me"  der  Gluxi  tviU  fertrihe',  seJl-me" 
7  Mol  Ter  schlucke'  (a"  4  Schimmel  denke")  S  (Schild). 

gluxig  =  gluggerig  AAFri.;  Bs;  L;  ZKn. 

eier-:  von  einer  Henne,  die  immer  auf  Eiern  sitzt, 
ohne  sie  eigentlich  brüten  zu  wollen  LG. 


Glaz     gluz, 


Glaiz-^illu,.. 


(ilatz  ni.:  1.  Glatze,  kahle  Stelle  am  Kopf.  .Ein 
gl.  wird  dir  für  dyn  krushaar.'  UEckst.  1525.  ,Und 
wirt  der  Herr  zur  selben  zeit  zuo  weinen,  trauren, 
zum  gl.  und  anlegen  des  sacks  bringen.'  1531,  Jes.  = 
,zur  Kalheit.'  1667.  ,Diser  vogel  [fulica]  wird  pfaff 
genennt  von  wegen  des  weissen  gl-es,  so  er  auf  seinem 
köpf  hat.'  YoGELB.  1557.  ,Calvere,  einen  gl.  haben.' 
Fris.;  Mal.;  Denzl.  1677;  1716.  Als  Personenn. : 
.Michel  Gl.'  e.  1450,  ScHwTugg.  ,Des  Gl-en  güeter.- 
1551,  ZRiesb.  ,Jos  GL'  1578,  ZGrün.  Vgl.  ,Eugiza 
uxor  Cozperti  calvi.'  928,  Z  (Stiftsurk.),  und  die  röm. 
Namen:  Calvus,  Calvinus.  —  2.  Platz  Ap.  Vgl.  den 
Hofn.  Glatz  LLuth.  —  Zu  '2.  Doch  wohl  offener,  freier 
oder  flacher,  leerer  Platz,  wahrsch.  wo  früher  Wald  war. 
glatz:  kahl.  .Bluet  von  einer  schärmaus  ange- 
strichen macht  haar  wachsen  an  denen  orten,  so  gl. 
worden  sind.'  Tierb.  1563.  ,Der  gl-e  Schädel.'  SchwE. 
Chron.  1752.  -  Vgl.  ghnz. 

glatz-echt,  -end,  -ig,  (ge-)  glatzet :  kahl, 
kahlköpfig.  ,Petrus  mit  dem  glatzeten  grind.'  NMan. 
.Ein  gl.  houpt,  graw  här.'  1545/83,  L  Bühnenr.  ,Käl 
oder  gl.  werden,  glabrescere.'  Fris.;  Mal.  ,Carolus 
Calvus,  zuegenanit  der  glatzet,  dann  er  hat  ein  gros- 
sen glatz.'  HBüLL.  1572.  ,In  seinem  messgewand  und 
glatzechten  haupt.'  Wurstisen.  ,Glatzecht.'  LLav.  1587. 
.Dies  Wasser  ist  gut  für  die  glatzende  Flecken  auf  dem 
Haupt'  JJNi'SCH.  1608.  .Calvus,  kal,  glatzig,  der  einen 
Kaikopf  hat.'  Denzl.  1677;  1716. 

(ilatzet  auch  nihd.  Vad.  wechselt  zwischen  ,glatzet'  und 
.gliitzacht'.  ,Glatzead'  beruht  nur  auf  unrichtiger  Deutung 
der  Endung  ,et'. 

gle'tze°:  glänzen  BSi.  Es  gletzet  fin  eso,  es  glänzt 
geradezu.  Bes.  im  Ptc.  gletze'd:  gletzeds  Isch,  spiegel- 
blankes Eis.  Spec.  von  Entzündungen,  Geschwulsten, 
Wunden,  welche  die  Haut  glatt  und  glänzend  machen: 
Er  hat  dür''''g'lecie"  [wund  gelegen],  er  ist  gletzende''. 
Schweiz.  Idiutlkou  II. 


—  Gle'tzi  f.:  schimmernde  Fläche,  Glatteis;  Syn. 
Glästi.  Es  ist  i^  [eine]  GL,  alles  eine  einzige  Eis- 
kruste BSi.  —  Von  Glatz  (eig.  :=  schimmernde  Stelle). 
Gletzi  :  Glatz  =  Glenti  :  Glast. 

Glitz  m.:  Glanz,  z.B.  plötzlich  hervorbrechender 
Sonnenblick  W.  .Jungfrau  Fürwitz  will  all  Tag  haben 
einen  neuen  Gl.'  Sprww.  1824.  .Gespenst  in  ungwon- 
licher  grosse,  euch  füriger  gl-en  zu  den  ougen,  mund 
und  nasen  üss.'  RCys.  Vgl.  bei  Fels.  1803:  Und  uf-em 
grosse'  Säl  bim  Tanz  hesch  g'seh  de  helle'  Gl.  und 
Glanz?   —    Mhd.  ebso.     Vom  PI.  Prat.  des  Vb.  glmmi. 

glitzele":  glänzen  Ap;  GWe.  —  Entw.  Dim.  zum 
folg.   Vb.   oder   Entstellung  von  ijlitzeren  oder  ylitzmen. 

glitze":  blank  sein,  glänzen,  strahlen  Ap;  BSi.; 
ScH;  W,  z.  B.  vom  Blitz.  B'  Wand  händ  g'glitzet  vom 
Duft  [Reif].  .Da  er  die  wäfen  säch,  die  allenthalb 
glitztend.'  Bib.  1531.  ,[Gott],  der  uf  dem  stuel  im 
himniel  sitzt,  der  also  lüchtet,  schynt  und  glitzt' 
HvRüte  155'2.  ,Dieweil  die  färb  an  im  als  sammet 
glitzet.'  Vogelb.  1557.  , Federen  ganz  goldgel  glitzend, 
nit  anders  gleissend  dann  die  lebern  selbs.'  ebd.  ,Pol- 
lucere,  fast  scheinen  und  glänzen,  gl.  Aer  caudet,  er 
ist  glitzend  von  hitz.'  Fris.  ;  Mal.  ,Marchstaller :  [die 
Pferde]  sind  gebutzet,  dass  es  glitzt.'  JMdrer  1575.  — 
Intens,  zu  ißissen. 

glitz(e)ne'>,  glitzinen  BO.;  GRÜbS.;  W:  glänzen, 
leuchten;  wetterleuchten,  blitzen.  —  Ahd.  ijUtzmon. 

glitzerachtig:  glänzend,  schimmernd.  ,Das  haar 
wird  glatt,  gl.,  klar.'  JRLandenb.  1608. 

glitzere",  in  GrV.;  SohwE.  glitzg-:  1.  wie  nhd. 
Bs;  Gr;  Sohw;  Z.  Wenn  d'  Sterne'  so  starch  glitzercd, 
so  gits  glV''  ander  Wetter  Z.  's  ist  nüd  alles  Gold,  was 
glitzeret  Z.  Gl.  wie-n-en  Karfunkel  vor-em  Ofeloch  (oft 
iron.)  Z ;  vgl.  Kar-Funkel  Bd  1 870.  D'Schneberg  glitzred 
wie  Guld  und  Silber.  Stütz.  .Eine  gelbe,  seidene  Scheube 
[Schürze],  die  glitzeret,  dass  man  es  eine  halbe  Stunde 
weit  merkt.'  Gotth.  ,G1.,  ardere,  micare.  Brünnende 
und  scheuzliche  oder  glitzerende  äugen,  oculi  e«sii. 
Perpolitum  tritu  aurum,  auspoliert  und  glitzeret.' 
Fris.  ;  Mal.  ,Der  Engel  hat  ein  g'flammets,  glitzerts 
Schwert'  GGotth.  1619.  —  2.  .wetterleuchten  Uürs." 

Mhd.  in  Bed.  1 ;  engl,  to  glitier.  Iterativ  zu  rjlitzen.  ij  in 
ijlitzijeren   nur  eingeschoben;   vgl.  svhmalzyen,   mifzycii. 

Glitzerli  Aa;  Bs;  GRPr.;  GSa.,  To.;  Sch;  Tu;  Z, 
Glitzg-  LW.;  ScHW  —  n.:  1.  Hahnenfuss (bluten), 
ranunculus  acr.,  rep.,  flamm,  u.  a.,  sowie  bes.  flcaria 
ranuneuloides.  Si  hai"  vo'  Chettenebhiemc"  BariiggU, 
Chränz  vo'  de"  Glitzerle  und  vo"  den  Ankebhieme"  am 
Bach  g'macht.  Breitenst.  Syn.  Gllsserli  (s.  d.).  — 
2.  eitles  Mädchen,  das  sich  herausputzt,  Kleiderstaat 
treibt,  um  zu  scheinen  AAWohl.;  Sch. 

glitzerig:  schimmernd,  funkelnd,  allg.  Glitzerigi 
Auge».  Gl-i  Pfändli  =  Glitzerli  1  ZRafz.  E  jung  gl. 
Bingli,  geputztes,  geziertes  Mädchen  Bs  (Spreng).  Die 
gl-e'  Ching  [Kinder]  mache'  der  Vollmon  bling!  BWyss 
1885.  .Ein  solcher  V^erächter  nun  dieses  schnöden, 
glitzerigen  Kots  [des  Goldes]  wäre  wie  Calvinus.  so 
Bullingerus.'  Mise.  Tig.  1722. 

„glitzerle"":  flimmern.  Da  und  dort  händ 
Sterne'  fürher  g'glitzerlet  GRSchiers  (Schwzd.). 

„glitzig":  blank,  glänzend,  schimmernd  Ap.  Gl. 
mache',  scheuern,  putzen,  polieren,  bis  es  glänzend 
wird  Ap.  Die  Ötere'  hei'  e  gl.  guldi  Chründli  uf-em 
Chöpiti  trat  [getragen]  ScuBarg.  (Schwzd.). 


«ilaz — trluz.     Gnad— Kiniil 


glitzle":  schimmeln,  glänzen, 
glitzme":  funkeln,  leuchten  LE.;  (unpor-s.)  blitzen 
BO.    Glitzmi-schwand,  Flurn.  LEscholzm.  —  Vgl.  ahd. 

ijUzemo,   fulgor. 

glitzmere":  wetterleuchten,  blitzen  U;  Abi. 
„glitzmerig ."    —   Iterat.  vom  vorigen  Vb.,  wie  ylUzemi  von 

.Glötzlin:  Hahnenfüsse.'  Gr  Samml.  1784. 

Möglicherweise  von  ,glotzen',  falls  Diesem  die  Bed.  .glän- 
zen' eignet,  oder  falls  ,ö'  mundartliches  t  ersetzt,  von  ghtzen; 
viell.  aber  ist  ,ö'   Druckfehler  für  i;  vgl.   GHtzerH. 


Gn-. 

S.  auch  die  Reihen  iV-  (mit  Präf.  ;/>-)  und  Kji-. 
Gnad-  gnud. 

Gnad  f.:  1.  wie  nhd.  a)  von  Gott.  ,Bitt  Gott  von 
herzen,  das"  er  deine  mängel  mit  seinen  genaden  wolle 
ersetzen.'  LLav.  1582,  165  b.  ,1536  bin  ich  durch 
Gottes  gnodt  und  giete  ein  lebendiger  mensch  in  dise 
weit  geboren.'  FPlatt.  1(112.  Z'  Gn-e"  a'cho",  zu 
Gnaden  angenommen  werden,  aus  Gnaden  selig  wer- 
den Z.  ,G.  G.  G.'  [Gott  geh  Gnad],  Eingangsmotto  auf 
alten  Schriftstücken,  Haushaltungs-  und  Tagbüchern. 
Vergebung  der  Sünden,  Ablass.  Jedermann  soll  zu 
Hause  verkünden,  dass  ,die  gn.  zuo  B  an  StMichaels 
abend  ingät  und  8  tag  wäret.'  1476,  Absch.  Er  ist  us 
d'r  Gn.  Gottes  [ausgeschlossen  oder  aus  der  Gn.  G. 
gefallen],  er  kann  nicht  recht  tun  L.  Aus  der  reK- 
giösen  Vorstellung,  dass  alle  menschlichen  Geistes- 
kräfte aus  der  Gn.  G.  fliessen.  erklärt  sich  auch  die 
EA.:  nüd  d'  Gn.  ha",  nicht  das  Vermögen,  die  Gabe 
haben,  es  nicht  über  sich  bringen  [Etwas  zu  leisten 
oder  zu  dulden] ;  Syn.  Eifnejm  nüd  g'ge  si".  De"  Bueh 
hat  d'  Gn.  nüd,  recht  z'  tue,  sagt  man  von  einem  wilden 
Kinde  ScHSt.;  Z.  I'''  hätt  d'  Gn.  nüd  zu-nerr  so  e 
langmlige  Arbrt  Z.  ,Martha:  Zur  hushab  soll  [taugt] 
.sy  nit  ein  ding;  [z']  hus  han  und  z'  pflegen  bin  ich 
bring  [gewandt] ;  an  flyss  und  müy  mir  nichts  gat  ab ; 
zum  andren  ich  kein  gnad  nit  hah.'  PcNKELrs  1552. 
.Palsestra,  die  gn.  und  wesenlich  berd,  etwas  ze  tuon. 
Homo  apaliBstros,  der  nienerzue  kein  gn.  hat,  tölpisch.' 
Fris.  ,Er  [ein  Pfarrer]  hatte  nicht  Gn.  zu  predigen.' 
c.  1560,  Mise.  Tig.  ,So  haben  solche  Leut  die  Gn. 
nicht,  Solches  zu  erkennen.'  Zauberei  1704.  Auch 
abs. :  Er  het  hei'  Gn.,  bis  er  use'  cha"".  Du  hest  kei' 
Gn.,  bis  d'  g'straft  wirst,  abe'  fällst  usw.,  als  Warnung 
Gl.  In  allg.  S.:  angenehmes  Wesen,  liebenswürdige 
Eigenschaft.  ,Antiquitas  tristis  et  impexa,  die  sprach 
der  alten  grob,  unlieblich,  hat  kein  gn.  nit.  Frigide, 
ungsalzen,  ungschmack,  ganz  law,  das  kein  gn.  oder 
liebligkeit  nit  hat.  Inconcinnus,  ungereimt,  unorden- 
lich,  ungericht,  misshellich,  das  kein  gn.  nit  hat.' 
Fris.;  Mal.  —  b)  von  Menschen,  a)  ,An  Jmdes  Gn. 
kommen',  auf  dieselbe  augewiesen  sein  oder  an  sie 
sich  wenden,  von  ihr  abhangen.  A'  di*  Gnöd  chu" 
ScHwE.  Z'  Gnade'  (a'-)  clw,  begnadigt  werden ,  in 
Gunst  kommen,  erhört  werden  L;  Z.  .Manches  Mal 
haben  weltliche  Fürsten  an  ihre  [der  Päpste]  Gnad 
kommen  müssen.'  ClSchob.  1695.    .Eines  Gn.  haben': 


auf  ihn  Rücksicht  nehmen.  .Saul  wollt  des  heil.  Pro- 
pheten Samuelen,  der  es  guet  mit  im  meint,  kein  Gn. 
haben,  im  nit  glauben,  sonder  hasset  in  und  alle,  die 
im  Guets  gunntend.'  LLav.  1569.  ,Wo  gleich  die  sön 
wol  eins  [sind],  wellend  sy  doch  etwann  der  schwö- 
steren  kein  gn.  haben,  fragend  inen  nichts  nach,  ver- 
achtend sy.'  LLav.  158'2.  ,Ein  Vorgängere  mit  einem 
abgestimmleten  Finger;  deren  wollt  ich  kein  Gnod 
haben,  und  wann  sy  mir  Pappen  mit  gemeldtem  Finger 
ynstreich,  fieng  ich  an  zu  weinen.'  FPlatt.''  1612. 
—  ß)  in  der  Anrede  an  Herren,  bes.  geistliche,  dann 
auch  an  weibliche  Personen  dieses  Standes,  i.  S.  des 
Adj.  ,gnädig'.  Hergnade,  gnädige'  Her  (z.  B.  der  Klo- 
sterabt) Ndw.  ,Gnad  Bäpste,  so  gond  hin  zuo  den 
sundersiechen  [Aussätzigen].'  Zwingli.  ,Söllt  unser 
einer  für  sy  [Klosterleute]  gon,  dass  er  nit  sprach: 
Gnad  herr,  gnad  frow  —  sprach  man:  was  touben 
menschen,  schow ! '  UEckst.  ,Du  bist  ouch  ein  mann, 
der  falscher  pratik  hangest  an,  zun  scbelmen  sagest 
ouch:  Gnad  Herr!'  SBirk  1532.  ,So  dank  euch  Gott, 
Gnad  lieber  Herr.'  Com.  Beati.  Auch  von  einer  Frau 
weltlichen  Standes,  aber  in  umgekehrter  Stellung: 
,Frow  gnad  [yuvt]  EÜxäptoxos]  bewart  die  er.'  1531, 
Prov.  ;  dafür  1-548:  ,Ein  holdselig  weih  stellt  nach  er.' 
Von  weltlichen  Herrn ,  Magistratspersonen :  ,Euere 
Gnaden'  oder  .Gnädiger  Herr'  ist  der  Titel,  der  eig. 
einem  hohen  Standeshaupte  gebührt.  Die  sich  ledig- 
lich des  Titels  .weiser  Herr'  bedienen,  verraten  ihre 
Unwissenheit  oder  Grobheit.  Spreng.  —  y)  in  Jurist. 
S.,  Gegs.  von  ,Recht';  Nachlass  von  Strafe  oder  Ge- 
bühr; freiwillige  Schenkung.  ,Es  gät  enhein  gn.  dar- 
nach [das  Vergehen  wird  unnachsichtlich  bestraft].' 
c.  1400,  TuDiess.  ,Ein  richter  soll  nit  mer  nemen 
wann  4  mäss  wyns  uf  gn.  [d.  h.  er  mag  sie  erlassen, 
wenn  er  will].'  1432.  Zg  Stadtb.;  Gegs.  ,än  gn.'  =  un- 
nachlässlich.  , Welcher  gottshüsguot  kaufti,  derselb 
sollt  eins  gottshus  ammann  von  jeklichem  pfund  1  ß 
zuo  erschatz  geben,  einer  möcht  denn  besser  gn.  an 
im  [dem  Ammann]  finden.'  1449,  Schw  Eq.  ,Wer  ein 
vogtbar  guet  kouft,  der  soll  einem  Herren  der  vogtye 
bis  an  syn  gn.  von  jedem  pfd  pfenn.  1  ß  pfenn.  geben.' 
XV.,  Th  Beitr.  ,Die  Herren  bestätigten  all  unser  Fry- 
heit  und  Gn-en  ab  dem  alten  uf  das  jünger  Hus.' 
RCys.  —  2.  ,zu  Gnaden  gän',  von  der  Sonne:  unter- 
gehn  PAger;  S;  W.  ,Wie  sich  d'  sunn  zuo  gnaden 
neigt  [bei  Sonnenuntergang].'  1576,  Z  Ant.  Mitth.  .Und 
wann  die  Sonn  zu  Gnaden  geht,  so  tuet's  auch  wider 
tagen.'  JCWeissenb.  1678.  .Eh  d'  Sunn  aufsteht,  zu 
Gnaden  geht.'  ebd.  1701/2.  Syn.  zu  Gold  Sp.  224  u. 
Früher  auch  von  Menschen:  sterben  B  (Zyro).  Dag. 
z'  Gn-e'  clio",  zu  sich  kommen,  sich  erholen  BsEeig. 
(zu  1  a).  —  3.  roti  Gnade',  stinkender  Storchschnabel, 
ger.  robert.  LW. ;  Schw;  vgl.  Gott(e)s-Gn.  —  4.  in 
ürtsnn.:  ,Gnadental',  Kloster  Aa,  Einsiedelei  F. 

Wxi.  ytnäde,  Ruhe,  Glück;  Gnade,  Dank;  in  Anrede  vor 
hen-e,  rrovwe  bittend  oder  dankend.  Aus  diesem  Gebrauch 
wird  wohl  die  Anrede-Formel  1  b  ß  zu  erklären  sein.  Zu  Gn. 
gan  von  der  Sonne  kann  noch  unmittelbar  ans  dem  etymol. 
Grundbegriff  .Neigung  nach  unten'  [nieden]  erklärt  werden. 
In  ,zu  Gn.  gehn'.  sterben,  kann  Gn.  auch  die  himmlische 
Seligkeit  bedeuten,   wie  in  mhd,  «in  sele  i«t,  kam  ze  ynäden. 

Un-:  1.  wie  nhd.  ,N.  N.  wollte  im  nicht  zu  U-en 
aufnemen  .  . .'  1578,  HPastal.  .Wegen  Diebstählen 
und  anderen  Malefizfehlern  in  oberkeitliche  Ungnad 
gefallen.'  1738,  Schw  LB.  —  2.  Unfall,  Unglück.    ,Mir 


(iiiad,  gneä.  giiid,  giiod,  gm 


ist  glückhaftig  und  wol  gangen  nach  [vorhergegan- 
genen]  u-en.'  1522,  HsStockar;  vgl.  it.  disgrazia.  — 
?>.  „Einem  U.  tuen,  Schmerzen  verursachen,  Bedauern 
erregen.  Der  Tod  meines  Vaters  tut  mir  U.  W.;" 
vgl.  and  Bd  I  300.  —  4.  (auch  ii-t)  adj.,  ungewohnt 
BO.,  in  BHa.  auch  ungna.  —  un-gnäde(n):  in  Un- 
gnade bringen,  unbeliebt  machen.  ,Wo  mich  jeman 
vermeinte  ze  verlümden  und  u.,  will  ich  das  unver- 
antwurt[et]  nit  hinlassen.'  1526,  Zwingli. 

Mhd.  unrjennde,  Ungunst;  Unheil;  Unruhe.  In  der  RA. 
U.  luen  konnte  U.  leicht  adv.  aufgefasst  werden  i.  S.  v.  ,weh', 
welches  .ja  ebenfalls  eig.  Suhst.  Ist,  wie  And.  Die  Angabe 
.ungewohnt'  beruht  wohl  auf  entsprechender  adj.  Auffassung 
des  Subst.  und  auf  Fällen,  wo  Etwas  schmerzlich  oder  um 
so  schmerzlicher  empfunden  wird,  weil  es  oben  ungewohnt 
ist.  Da  die  Grundbed.  nicht  mehr  bewusst  ivar.  Inmito  das 
auslautende  rf  abfallen;  viell.  hat  auch  il.i-  :iliiili>li  Imliiide 
ungtca",  ungewohnt,  mitgewirkt.  Das  IM  I  'H'  iii::<  liilirtc 
unäilig,  unangenehm,  unfreundlich,  hätte  vi.  II.  an-  .iiii^r.na.lig' 
erklärt  werden  sollen  und  würde  dann  zur  Erklärung  des  vor- 
liegenden Wortes  beitragen. 

Ends-:  Gnade  im  Tod.  ,Gott  ist  die  heilige  letzte 
Endsgnade  Niemanden  schuldig.'    LKInderbitzi  1826. 

Gott(e)s-:  Name  mehrerer  Pflanzen.  1.  stinkender 
Storchschnabel,  ger.  robert.  Aa;  BO.;  VOrte;  FMu.; 
GWe.;  Z.  Auch:  ruti  G.-Qn.  SDorn.;  ZoWalchw. 
Syn.  roti  Gnade",  Storchenschnahel,  nerryotten-Blüemli, 
(Kopf-)We-Blüemli .  So  genannt  wegen  der  heilkräf- 
tigen Eigenschaften  und  Anwendungen,  z.  B.  gegen 
Geschwulst.  In  BBe.  werden  die  Pflänzchen  gedörrt 
und  den  Ziegen  im  Winter  statt  Salzes  gegeben. 
.Gottsgnaden,  mit  den  roten  blüemlinen :  sideritis 
tertia,  foliis  coriandri,  in  vineis  et  maceriis  nascens, 
multis  hodie  Gratia  dei.-  KdGessn.  1542.  ,Nimm  1  Hand 
voll  Gottesgnaden,  siede  es.'  Arzneib.  1556.  ,Juden- 
krüt,  sideritis,  ein  wundkraut,  dreierlei  arten  . . .,  die 
dritte  haltend  etlich  für  Gottesgnad  mit  roten  blüem- 
linen.' Fris.;  Mal.  ,Es  wachsen  auch  sogar  in  dem 
Balm  (Rigi)  darinnen  schöne,  vollkommene  Kreuter, 
als  Gottesgnad...-  JLCvs.  1661.  ,Geranium,  Storken- 
schnabel,  Gottsgnad.'  Denzl.  .Gegen  das  Brandblut 
der  Schweine.  Zu  dem  Trank  nimm:  Täschlikraut, 
Gottsgnaden-  usw.  1760,  Z  Ges.  —  2.  Gottesgnaden- 
kraut, gratiola  off.  Durh.  —  3.  Lerchensporn,  corydalis 
Cava,  in  Standort  und  Geruch  1  ähnlich  ScHwKüsn. 
—  4.  scabiosa  longifol.  AAEohrd.,  zum  Laxieren  ge- 
braucht. —  5.  , Ciaret  zu  niaclioii  auf  drei  sonder 
Weis  und  Weg,  under  welchen  die  z\V"  ersten  werden 
genannt  Gottsgnad  und  die  dntt  die  Hand  Gottes.' 
JRLandenb.  1608. 

Mueter-Gottes-  =  GoUes-Gn.  1  L;  USil.  In  S 
am  Feste  Maria  Himmelfahrt  zu  den  Weihekräutern 
vorwendet. 

Wart-:  Amt,  Stelle,  die  aus  Gnade  verliehen  und 
deren  Verleihung  abgewartet  werden  muss  oder  er- 
wartet werden  darf.  Anwartschaft  auf  vom  Papst 
verliehene  Pfründen.  ,Solche  Wartgnaden  noch  Er- 
nennungen nimmermehr  ausgeben.-  Wurstisen.  Vgl. 
,Wart-Spil-. 

gnade";  1.  intr.,  mit  Dat.  P.  a)  von  Gott:  gnädig 
sein.  Gnad  dir  Gott!  Warnung  Gl;  Z.  Gnud-d'r- 
Gott,  dass  [usw.],  es  ist  ein  Glück  für  dich,  dass  . . . 
(stärker  als:  es  ist  dir  Dürft.  Gnad  Gott,  wenn  in 
Eine  stört!  d.  h.   der  Störende   hat   nichts  Gutes    zu 


erwarten  Z.  ,Und  gnade  Gott  uns,  wenn  auf  eigne 
Faust  wir  nicht  dem  übermutigen  Feind  gewehrt.' 
Mey.-Mer.  S.  noch  Gott  Sp.  514.  —  b)  von  Men- 
schen:  Lebewohl  sagen,  Abschied  nehmen,  Segen 
wünschen  U.  ,Und  sy  gnadetend  Rebeka.'  1531,  I.  Mos. 
=  ,Sy  g'segnetend  oder  gnatend.'  1548/60.  Als  der 
Tag  der  Jahrrechnung  vollendet  war  und  die  Boten 
unter  einander  ,gnadet'  usw.  1547,  Absch.  ,Wenn  es 
an  dem  ist,  dass  wir  der  weit  gn.  und  von  hinnen 
scheiden  söllind.'  EGualth.  1548.  Isaac  zu  Abraham: 
,Muoss  ich  dann  angends  an  die  pyn  [den  Opfertod], 
so  gnad  mir  doch  my°''m  müeterlin!'  Haberer  1562. 
,Sy  hand  einanderen  gnadet,  als  ob  sy  iren  tod  wuss- 
tend.'  BossH.-Goldschm.  ,Es  gnadet  dir  das  müeterlin 
[lässt  dich  grüssen].'  HBüll.  1554  [Brief  an  seinen 
Sohn].  ,Wir  habend  dem  Bapsttum  ganz  und  gar 
gnadet'  ebd.  1557.  ,Der  Herr  hat  synen  jungem  ge- 
benedyet  oder  gegnadet  und  ist  von  inen  abgescheiden.- 
ebd.  1571.  , Zwingli  ward  gen  Zürich  berüeft.  dorum 
gnadet  er  zuo  den  Einsidlen.'  ebd.  1572.  ,Hiemit 
gnaden  ich  üch  [der  Obrigkeit]  insonders,  und  danken 
üch  alles  guten.'  ebd.  1575.  ,lch  hab  in  'gruesst 
und  im  darnach  genadet,  hominem  salutavi,  postea 
valere  jussi.'  Fris.;  Mal.  .Es  [das  kranke  Mädchen] 
gnodet  vater  und  mueter,  befal  seinem  lieben  brie- 
derlin  ze  gnoden,  mit  den  werten:  gnadet  mier  myn 
[mym?]  herzlichen  brüederlin!'  ThPlatt.  1572,  133. 
,Gab  inen  allen  die  hand  und  gnadet  inen.'  LLav. 
1576.  ,Du  siehst,  dass  Gott  dich  tod  haben  will  und 
du  lobest  in  darumb.  Bist  nit  ein  grosser  tor  oder 
gnad  Gott  dem  herren.  Das  hebräisch  wort  heisst  auch 
fluochen,  dann  ist  es  die  meinung:  fluoch  Gott,  dem 
herren,  so  todt  er  dich  und  konmist  der  marter  ab. 
Oder  es  möchte  der  verstand  sein :  fluoch  Gott  und 
stirb;  es  ist  gleich  lang,  du  lobest  in  oder  fluochest.- 
ebd.  1582.  ,Als  wir  mornderigs  ihnen  allen,  sonderlich 
aber  unseren  lieben  mitburgeren  von  Zürich  ab'danket 
und  gnadet,  sind  wir  bis  gen  Roll  verrukt.'  JosMal. 
1593.  .Der  Freud  in  dieser  Welt  ich  gnod.'  GGotth. 
1599.  Der  gefangene  Teil  sagt:  ,Ich  gnadet  mein[-emV] 
Gesinde,  dass  ich  sie  muss  verlan.'  XVI.,  Lied.  ,Do 
gnodet  mein  Vater  dem  Land  Wallis.'  FPlatt.  1612. 
,Wie  soll  ich  euch  aber  gnaden?'  sagt  StGabriel  1627 
in  seiner  Abschiedspredigt.  Ein  Hochzeitgedicht  von 
JWSiMML.  1646  schliesst  mit  dem  Wunsch  an  das 
Paar:  ,Dass  ihr,  wenn  ihr  genadet  dieser  Erden,  mit 
Christo  dort  vermählet  könnet  werden.'  ,Valedicere : 
gn.,  ab-gn.,  abletzen,  sagen  Gott  behüte  dich.  Figere 
arma,  die  Waffen  aufhenken,  dem  Krieg  gn.'  Denzl. 
1677;  1716.  Abs.  Ptc.  prset.:  ,ungenadet',  ohne  Ab- 
schied genommen  zu  haben.  Der  Abt  habe  sich  bei 
Nacht  und  Nebel  ,ongnadet'  hinweg  getan.  1529. 
Strickl.  ,Wie  er  aber  in  das  kloster  kam,  sach  er 
ein  solch  unordenlich  wesen,  dass  er  ungnadet  wider 
heim  kart'  LLav.  1576.  —  c)  von  Geistern;  zunächst 
(auch  ab-gn.)  von  Sterbenden,  die  ihren  Freunden 
geisterhaft  erscheinen  od.  durch  Zeichen,  z.  B.  Klopfen 
an  der  Wand,  plötzliches  Aufgehen  der  Türe,  sich  kund 
geben.  Auch  (meist  unpers.)  von  geisterhaften  Er- 
scheinungen übh.,  Ahnungen  eines  Unglücks  Sch;  ,Z.- 
Syn.  sich  künden,  melden;  geisten.  Drimöl  hat  's  a" 
d'r  Türe  'popperet  und  ist  doch  Niemerd  dusse'  g'si'; 
da'  hat  im  allweg  gnodet  See.  ,Ich  hab  ein  pfarrer 
'kennt,  der  in  einer  pestilenz  allweg  vorhin  gewüsst, 
wenn   einer   syner   kirchgnossen   hat   sterben  wollen. 


663 


Gnad — guud.     Gnaf— gnuf.     Gnag — gnug.     Gliagg — gnugg 


ilaiin  er  etwas  nachts  ob  syner  kammer  ghört,  als 
wenn  man  ein  sack  niderstallte,  und  hat  allweg  g'sagt: 
Jetz  gnadet  mir  aber  eins.'  LLav.  1569.  —  2.  (tr.) 
begnadigen.  .Von  Gott  nun  wider  gnadet  [zu  Gnaden 
angenommen]  sind.'  GGotth.  1599  (viell.  für  ,be-gn.'). 
—  3.  (refl.)  in  Ehrfurcht  vor  Jmd  (bes.  Geistlichen) 
die  Kniee  beugen  Ap.  —  Mhd.  genaden,  gnädig  sein; 
danken  (eig.   sich  herablassen;  sich  verneigen;  vgl.  .nieder'). 

ab-gnade"  =  gnaden  Ib,  abs.  oder  mit  Dat.  (Acc.) 
P.  oder  S.  ScHwMa.  k\i<-h  =  gnaden  1  c  ZStdtf,  W. 
.Das  hab  ich  augenscheinlich  gesehen  und  erfahren, 
so  etwan  einer  nicht  genug  a.  konnte,  oder  das  Koss 
mit  Lieb  nicht  von  Haus  wollte,  dass  er  darnaeli  iiirlit 
wider  kam.'  c.  1530,  JvMüll.  .Wir  [der  .\btj  haben 
unsern  convent  Gott  und  den  1.  Heiligen  anbefohlen 
und  ihnen  abgenadet.'  1588,  SchwE.  Klosterarch.  ,Der 
alte  Ambassador  wird  früntlich  abgnadet  und  abge- 
danket.'  1611,  Absch.  ,Dass  keiner  nie  mehr  zu  E. 
gesehen  worden,  sonder  sich  ylends  ohne  einiches  Ab- 
gnaden  verloren  habend.'  Z  Täuferber.  1639.  , Christus 
bei  der  Himmelfahrt  segnet  sie  oder,  wie  wir  reden, 
er  gnadete  ihnen  ab.'  FWyss  1650.  .Wann  etwan 
die  leibliclie  Gestalt  auch  frommer  Leuten  anderen  in 
ihren  ausserlichen  oder  innerlichen  Sinnen  fürkommen, 
das  wir  abgnaden,  eines  andern  Geist  sehen,  nennen.' 
JMüLL.  1666.  ,Welcher  der  Welt  abgnädet  synes  Alters 
im  83sten  Jahr.'  1643,  JJBreit.  , Christus,  als  einer, 
der  dahin  zu  kommen  nit  mehr  Willens  war,  gnadete 
damit  dem  Tempel  ab.'  FWyss  1655.  ,Als  vergangenen 
Sommer  meine  letste  Valet-  oder  Abscheidspredigen, 
mit  welchen  ich  der  christenlichen  Gemeinde  zum 
grossen  Monster,  allhier,  abgegnadet,  zum  Truck  be- 
gehrt worden.'  JMüll.  1673.  ,Dem  Studieren  a.,  stu- 
diis  repudiare,  renunciare.  nuncium  remittere  Musis.' 
Denzl.  1677;  1716. 

be-:  1.  (tr.)  a)  =  nhd.  begnadigen.  .So  niüesse 
inen  aller  kost  und  schad  abgetra;^rn  |.  r-rtztl  ini.l  |sii' 
müssen]  widerumb  begnadet  wri,l''ii.'  1.'.:'.1.  Shh.ki,. 
Gnädig  ansehen,  begünstigen:  .W  ir  mimI  löblich. 'm  ge- 
fryet  und  begnadet.'  1478,  Bs.  .W f  A-a-  Siilt  Zürich 
die  Predigermunch  nienen  weder  t.'llrn  |i|iil,li'n]  noch 
b.  wollte.'  HBuLL.  1572.  —  b)  -nadi--  iiia.heii.  .stim- 
men. .Christus,  der  uns  den  vatter  wider  zufriden 
stellet  und  begnadet'  Zwingli.  Ptc.  =  gnädig;  ,Also 
ist  der  Herr  begnadet  worden.'  1531,  Amos;  dafür 
1548:  ,Also  begnadet  der  Herr';  1667/1860:  ,Da  reuete 
dises  den  Herren.'  —  2.  (refl.)  sich  in  Gnaden  herab- 
lassen, gnädig  beschliessen.  ,Gott  hat  sich  begnadet, 
üch  das  Evangelium  ze  offnen.'  Zwingli.  —  3.  (intr.) 
a)  gnädig  sein.  .Gott  durch  syn  gnad  begnade  [sei 
gnädig]  der  sei  [des  Verstorbenen]  und  unser  aller.' 
Seg.  Pfyff.  —  b)  Lebewohl  sagen;  Syn.  (abjgnaden. 
jAlso  begnadet  ich  inen  und  reit  davon.  —  Und  be- 
gnadeten den  loblichen  hclgen  stetten  und  fucrent 
gan  Jafta.'  Stclz  1519. 

gnädele":  sich  gnädig  zeigen,  mit  Nebenbegr. 
,Gn.,  wo  Kriecherei  ihnen  entgegenkam',  im  Gegs.  zu 
,barsch  auftreten'.  Gotth. 

gnädig:  1.  subj.  =  nhd.  De'  gn.  Herr,  der  Abt. 
DHess  1818.  Die  Gh.,  die  Äbtissin  Obw.  Von  Hei- 
ligen als  Schutzpatronen  von  Kirchen,  in  denen  sie 
Wunder  tun.  Wel^'-e"-  Heilige  ist  i"  dir  Chil''-e  gn.? 
Ndw.     .Hier  ist  StWendel  gn.'  Srnw.     .Gott  seie  mir 


[Hieb]  nit  genedig,  wenn  ich  mein  hoffnung  auf  zeit- 
lich guot  gesetzt  hab.'  LLav.  1582.  Oft  mit  verrin- 
gertem Begriff  und  halb  scherzhaft  =  gelind,  ohne 
schwere  Folgen,  's  Wetter  [Gewitter]  ist  gnädig  ab- 
g'loffe".  SuLGER.  Es  ist  (dir)  gn.  g'gange",  du  bist 
ziemlich  gut,  ungestraft  durchgekommen  Z.  Massig: 
Mach 's  gn.!  halte  Mass!  Bs;  Z.  Geringschätzig;  Si 
hät-mi'''  nW  so  gn.  g'grüezt  Z.  —  2.  obj.  a)  in  Gunst 
stehend.  Er  ist  nümme  [nicht  mehr]  gjt.  GF.,  G. ; 
Ndw;  ZLunn.  —  b)  Mitleid  erweckend,  erbarmungs- 
würdig, kläglich,  schmerzlich,  traurig,  ,subtristis.' 
Id.  B;  gn.  drl' biege  B.  Eine"  gn.  a"g'seh,  von  einem 
Sterbenden  BHk.  —  un-:  grausam,  schrecklich,  heftig, 
von  einem  Körperschnierz,  z.B.  Kopfweh;  von  einem 
Gewitter  GlH.  Abstr.  verstärkend  =  überaus,  unge- 
mein, sehr;  ((.  rieh.  Dul.  228.  —  gotts-:  adv.  ver- 
stärkend, z.  B.  g.  cerchlüpft  [erschrocken]  Ap;  vgL 
Sp.  5-20.  —  gnädiglich  (Adv.).  .Der  allmächtig  Gott 
wolle  euch  genedigklichen  erhalten.'  LLav.  158'2.  — 
Gnädigung:  (Gnädigmachung)  Versöhnung.  ,Der 
[Christus]  ist  die  gn.  für  unser  sünd.'  Zwingli.  — 
begnädigen:  gnädig  stimmen,  versöhnen.  ,Er  hat 
auch  die  Sünd  begnadiget,  den  Tod  beraubet  und  ent- 
wehrt.' II.  Helv.  CoNF.  1566/1644.  .Christus  seie  die 
einige  Gnugtüyung,  Begnadigung  und  Bezahlung  aller 
Sünden.'  ebd.  .Christus  hat  uns  mit  Gott  versühnt 
und  begnadiget.'  JMixi,.  1673. 


Gnaf(f)-gnuf(f). 

glliffe":  reiben.  ,[Dcr  harpunierte  Wallfisch]  aus 
schmerzen  begürt  sich  am  grund  zu  gn..  in  solchem 
gn.  treibt  er  die  spitz  der  haggen  ye  lenger  ye  mer 
herein.'  Fische.  1563.  ,Der  schuoch  gniffet  oder  truckt 
mich,  urit  pedem  calceus.'  Fris.  ;  Mal.  Anhaltend  auf 
ilem  Ki']if  kratzen,  wie  Kinder,  welche  Läuse  haben 
AvKii.:  Srii  (Sulger).  —  Vgl.  niß'en,  stossen,  aber  auch 
■irli\v;ili,-l.:iir.   l.-iii'ß'en,  kratzen,  reiben,  zerren. 

Gnof  s.   Gnf. 


Gnag     gnug. 


Gnäger  m. ;  etwas  Kleines  und  Unförmliches.  z.B. 
kleiner  Mensch,  kleiner  Apfel  Z  (Jucker). 

Vgl.  Gnigis,  Gmi.r ;  lautlich  allerdings  milier  vwdt  mit 
tjMujcn  [nagen]. 

Gnägerli  =  Gneigerli  s.  unter  neigen. 

gnfige":  seufzen,  kleinlich  klagen,  bei  Unwohlsein 
ZGlattf.    —    Wohl  dass.   mit  gniiyijcn. 

„Gnegi  m.:  missgünstiger  Mensch  Z."  —  Wahrscb. 
=  GiHigyi,   s.  d. 

Gnigis  Dnigis  m.:  kleiner,  schmächtiger  Mensch 
ZRafz ;  vgl.  Gnäger.  —  Viell.  zu  ,knicken' ;  vgl.  alts.  luttü, 
klein  (mhd.  lülzcl),  zu  altn.  lata,  sich  bücken,  dncken. 


Gnagg— gnugg. 


gnagge":    herumschleichen    Z.  —  Anfialh 

klang  an  svlmaggen,   kriechen;   vgl.   d.as  folg. 


(Jliagg— giiugg.     Gnal- 


,'iuim.    (iiiaii  -sriHi 


Gnaii— .srmi]! 


a"-gnagge":  antasten  GrL.  ;  Syn.  an-graggen. 

Es  ist  möglich»  dass  das  Comp,  zu  dem  vorhergehenden 
Simplex  gehört,  da  das  dem  gräg<i<n  durch  ni'-ht  soltiiipri 
Wechsel  vou  ;/,7  mit;;  nahe  kommende  ;/<(iy..  .i  ^Munhl  ti-liir 
als  .kriechen'  bedeutet.  Betr.  jenen  Wicli^rl  \_'l.  .,."(;;. ;i, 
r/i-üpen,  kränkeln,  Anmerkung  zu  giinuten,  ilmi.j.i.t  n.  i,' „^i/,/:.  i-, 
Geizhals. 

Sjjitz-Gnagger:  engherziger,  an  Kleinlichkoitt'n 
hangender  Mensch  Z. 

Gnäggel  s.  u.  näggen. 

gnägge"  Z,  gne-  Aa:  1.  weinerlicii  bitten,  klagen, 
bes.  von  Kindern  Z;  ob  Kleinigkeiten  ängstlich  sein, 
jammern  Aa.  Vgl.  gnoggen.  —  2.  gne-  (klägliche) 
Töne  (als  Lebenszeichen)  von  sich  geben  Z.  Syn. 
grüggen,  triiisen. 

Wie  in  der  unter  n-  beizubringenden  Familie  gnär/r/e(le)n, 
klimmt  auch  hier  Anl.  ohne  j/  vor,  welches  abgefallen  sein 
kann,  da  in  der  ganzen  Gruppe  der  Anl.  yn-  vorherrscht, 
und  das  y  wahrsch.  lautsymbolisch  zur  Bed.  des  Mühsamen 
US«,  beiträgt.  Vgl.  aber  auch  yäyycn  usw.  Sp.  108.  —  Zu 
dem   Wechsel  des  Voc.  vgl.  gägyen  :  yegyen;  däggekn  :  degg-. 

Gnägge"  Gnegg(e)  f.:  einfältige,  zaghafte  Person 
ScnSt.;  Th.  Auch:  ängstlich  umständliche  Person  Aa; 
Z.    Syn.  Geggen  Sp.  175.    Grägg,   Kumber-Kellen.  — 

Vgl.    (Iniiygi    1. 

Gnäggi  m.:  1.  weinerlich  Bittender.  Du  bist  doch 
eil  ihige''  Gii..'  Z.  Auch:  ein  Tadelsüchtiger,  vitu- 
perator  ZWein.  —  2.  Knauser  L.  —  Zu  2.  Der  Geiz- 
hals klagt  immer  (dass  er  nicht  genug  bekomme). 

(Jnägger  m.:  Geizhals  S.  —  Vgl.  .Knicker',  aber  aucli 
unser   (j'iiäpjiir  und  s.  die  Familie  miggen. 

gnäggle":  einzelne  Beeren  von  einer  Traube  ab- 
rupfen BS.  Syn.  rupften.  —  Auch  dieser  Begrift'  Hesse 
siih  mit  der  Familie  gnäygeti   vereinigen. 

gnauggen  s.  nauggen  u.  gnauten. 

gnigge":    1.  hinken  Ndw.  —  2.  kargen  Gr. 

Betr.  die  Vereinbarkeit  der  Bedd.  s.  die  Anm.  zu  gcnUyym ; 
mir  tritt  hier  in  Bed.  2  die  Vorstellung  des  Abschncidens 
iu  der  hildl.  Anwendung  auf  Sparen  (sich  selbst  und  Andern 
allbrechen),  wie  in  nhd.  .knicken',  ausdrücklich  hervor.  Von 
der  gleichbed.  Nbf.  ohne  y  gilt  das  oben  bei  ynagycn  Gesagte, 
mit  der  Beifügung,  dass  ,nicken',  ,neigen'  usw.  urspr.  mit  li 
anlauteten,  das  hier  in  g  übergegangen  sein  kann. 

Gnigge r   Gr,   -ch-  UwE.   m.:    Knicker,   Geizhals. 

Die  Uw  Form  scheint  eine  Zwitterbildung  mit  schwz. 
■Vnl.  und  dem  aus  dem  Bücherdeutsch  hergenommenen  Inl. 
.;,■  zu   sein. 

gniggig:  knauserig  GW.  =  gnickerig  UwE. 

Gniggi  n.:  Anlage  oder  Neigung,  die  wahre  Natur, 
bes.  böse.  D'  Bet  ist  im  Tannebodehof  chiim  erwärmet 
g'si",  so  löd  si  's  Gn.  füre.  EBrandst.  1884.  —  Vgl. 
das  syn.  Nlyyen. 

Gniegger  =  Gnigger  Gr. 

gnogge":  1.  jammern,  weinerlich  sein  BM.;  s. 
gnaggen.  —  2.  langsam  und  faul  arbeiten  Sch.  — 
Gniiggi  m. :  grämlicher,  immer  auf  gleiche  Klagen 
zurückkommender  Mensch  BM.;  Zärtling  Sch;  leichte 
Schelte  für  kleine  Kinder  ZStdt. 

Bed.  2  ist  leicht  mit  1  zu  vereinigen  durch  den  Mittel- 
bcgriff  verdrossenen   Wesens;   vgl.   tritiwn. 


gnolgge":  schwerfällig  gehen  GO. ;  Sch  St.  — 
Gnolggi  m. :  plumper,  roher,  einfältiger  Mensch, 
Tölpel  Aa;  GO.;  ScnSt.;  Th  (auch  Gnolgg);  Z  (auch 
Gnölgg).  —  Bure"-:  bäurisch  roher  Mensch.  Grobian. 
Sprww.  1869. 

Gehört  wahrsch.  mit  noly(y)en,  stümpern  usw.  zs. ;  es 
fragt  sich  aber,  welcher  Anl.  älter  sei,  und  es  kommen  auch 
XoUen  (urspr.  mit  Im-)  und  Knollen  in  Betracht:  vgl.  auch 
das  mit  dem   Subst.   syn.   Knnlpis  und  gwo/jen. 


„Gnlera  m. :  Beiwohnung.  .Gn.  und  Gesellschaft.' 
1583,  B  Kanzleispr." 

ie  in  BSi.  zuweilen  =  ü,  dann  viell.  zu  genäm;  oder  ie 
verschrieben  für  i*  =  ei,  dann  viell.  zu  ahd.  neiman,  loqui. 

Gnöni  m.,  Dim.  GnÖinli:  kleiner  Mensch,  der  durch 
drollige,   witzige  Einfälle  Erstaunen  erregt   AAWohl. 

Das  Fremdw.  Gnom,  Erdgeist,  Zwerg,  aus  der  Bücherspr. 
eingedrungen. 


Gnungelen  s.  Khmgclen. 


gnanggig:    teigartig,    wcicli,    von   Brod,    Kuchen 
LReiden;  ZO.     Syn.  tängg.     Vgl.  Nänggeli. 

Gnienggi:    unbeholfener   Mensch    GuChur.       ■    Zu 


Gnapp     gnupp. 

gnapi):  Adv.  =  knapp.  1.  i.  S.  v.  eng  anschliessend, 
genau  passend  L;  Z;  Syn.  be^chnotten.  —  2.  i.  S.  v. 
kaum,  mit  Not  Aa;  B;  GRKübl.;  GW.;  ScH;  SKech.;  Z. 
Mit  gnapper  Not  Aa.  Es  het  's  numme  gn.  möge" 
g'ge",  es  hat  nur  notdürftig  ausgereicht  oder  ist  nur 
mit  Mühe  zu  Stande  gekommen.  AlsAdj.:  ,Ein  niiss- 
liches  und  gnappes  .Tahr.'  .ICHofm.  1744.  —  Der  Anl.  g 
in  diesem  W.,  wii-  in  ■/niif,  n.  V.  rtrcter  von  schrittdeutsch  i-(J->. 

gnipp-gnapp:  AMautforrael  zur  lautmalenden 
Bezeichnung  einer  in  kurzen  Zwischenriiiniicn  hi'irbar 
wiederkehrenden  Bewegung,  so  in  ili'iii  lläN^l  iilier 
die  1  »achtraufe:  Wenn 's  regnet,  so  ijni  's  um  's  lins 
limine  und  macht  gn.,  gn.  Aa.  's  ii'dss/i  iiniclit  gn. 
RocHH.  1857.  —  Der  Stamm  des  folg.  Vbs  in  der  Bed.  ,ab- 
wechsclnd  fallen',  mit  vorgesetztem  Stamm  d.  Vbs  gntppen.  s.  d. 

gnappelen  s.  gnäppelen. 

gnappe",  in  Z  tw.  kn-,  /»-  Gr  ObS.,  dn-,  tn- 
GWe.;  ThHw.;  ZRafz:  1.  intr.  a)  wanken,  wackeln, 
schwanken,  sich  hin  und  her  bewegen,  locker  sein,  nicht 
fest  sitzen  oder  stehen,  beinahe  umkippen,  allg. ;  Syn. 
lodelen,  lotteren,  lotzen,  gampen.  Zunächst  von  todten 
Körpern,  z.  B.  Tischen  und  Stühlen,  von  einer  Wage, 
einem  Nagel,  Zahn,  von  einem  Baum  im  Winde  oder 
der  angesägt  ist  und  durch  Ziehen  an  Seilen  zum  Fall 
gebracht  werden  soll.  Hiehor  auch  das  Spiel,  das 
Kinder  mit  einander  oder  mit  Erwachsenen  machen, 
wobei  ein  Jedes  eine  seiner  Fäuste  abwechselnd  auf 
die  eines  Andern    setzt   und   dann  , mit   den  Worten: 


(iliap,  gnep.  gniii,  gnoii.  gnup 


Der  Baum  gnappet!  von  unten  wegzieht,  so  dass  die 
aufgerichtete  Säule  ins  Wanken  gerät  und  stückweise 
zsbricht  Z ;  Syn.  händlen.  Beim  Läuten  gnappet  der 
Helm  auf  dem  Turm  ÄAWohl.  Bildl. :  Er  het-em  uf 
d'  Stade'  (/'schlage',  bis  de''  Stock  g'gnappet  het,  ihm 
deutlich  zu  verstehen  gegeben  S.  Beim  Erdbeben  wird 
gebetet:  Vater  iiser,  's  gnappid  alli  Hüser,  Vater  betid 
au'^',  süst  gnappet  üsers  au'''!  —  Meti  ist  am  Liebste", 
wo  Eim  d'  Wiege  g'gnappet  häd  Aa;  Z.  Ein  Appen- 
zeller wies  einen  Flucher  zurecht:  Du  fluechest  enest 
au'^'',  dass  d'  Hell  gnappet !  .Hat  der  Pilatus  einen 
Hut,  steht  dem  Land  das  Wetter  gut ;  hat  er  aber  eine 
Kappen,  so  wird  das  Wetter  gn.'  UwGem.  Zu  Ablaut- 
formel verbunden  mit  gnippen,  in  Volksrätseln:  Es 
gnippet  und  gnappet  in-ere  hölzige  Ghappe  en  iserne 
Drol,  ^ass  en  Niemer  verrot!  (Schwarzwälderuhr). 
RocHH.  1857.  Es  gnippet,  es  gnappet  en  ereni  (iseni) 
Chappe,  es  gnippet,  es  gnappet  en  isene  Drat  usw. 
(Glocke)  ZS.  Auch  von  lebenden  Wesen  und  beweg- 
lichen Körperteilen:  Wlss  und  schwarz  und  gnappet 
mit  dem  Hindere  (Elster).  Es  ritet  e  cholschwarzes, 
schivarzbruns  Jüdli  uf-eme  cholschwarze,  schwarzbrune 
Fülli;  das  Fülli  häd  trappet,  das  Jüdli  häd  gnappet  Z. 
Vor  Müedi  gnapped-mer  mini  Beinli  Schw  (Schwzd.). 
Lache",  dass-em  d'  Bagge  gnapped  Z.  Er  lügt,  wenn 
im  's  Mut  gnappet,  so  oft  er  spricht.  Sclger.  Druf  se 
gnapped  si  Mul  in  eim  fürt,  wil  er  im  Stille  schimpft 
Bs  (Breitenst.).  S'  Mul  gnappet-em  d'r  ganz  Tag  — 
wie  inere  M'^asserstelz  [einer  Bachstelze]  d'r  Stil  L. 
Essen  (Z).  schwatzen  (Sprww.  1869),  klagen  (Stütz), 
beten  (Senn),  arbeiten  (Gl),  bis  (dass)  Eim  d'  Ore 
gnapped.  Wenn  eine  frürt,  dass-em  möchtid  d'  Ore 
gn.  Gespräch  1712.  Von  den  katholischen  Geistlichen 
wird  gesagt,  man  solle  keinen  anrühren,  denn  wenn 
Einer  gnappe,  so  gn.  alle,  bis  nach  Rom  hinein  L. 
Es  gnappet-em,  er  ist  dem  Bankrott  nahe  Gl.  Zum 
Gn.  [Umsinken]  müed  GRPr.  Ptc.  Prses.  gnappet  (für 
gnappend),  wackelig,  hinkend,  lahm  Gl.  ,Glissnen, 
hucken  und  gnappen  [sich  verneigen].'  NMan.  .Go- 
liath: Ich  will  in  [den  Juden]  geben  dapfer  kappen, 
dass  in  der  köpf  und  arss  muess  gn.'  VBolz  1554. 
,Es  hatt  sich  erzeigt  im  gn..  sy  [eine  Tanne]  wurd 
fallen.'  Mey.,  Wthur.  Chr.  .Giengen  die  Grundwellen 
2  Tage,  dass  das  Schiff  hinten  und  vornen  gnappet.' 
UMev.,  Pilgerr.  ,Mensse  clivum  tollere,  den  tisch 
underlegen,  wenn  er  gnappet  oder  haldet.  Vacillare, 
schwanken,  hin  und  her  gn.  mit  den  füssen.'  Fris.; 
Mal.;  Denzl.  1677  (dafür:  ,kn-.'  1716).  ,Mit  dem 
haupt  gn.'  ScHERTW.  1579.  , Einem  vierten  bracht  das 
Gn.  [beim  Schiessen]  Schaden.'  HHGrob  1602.  .Wann 
du  empfindest,  dass  er  sich  reget  oder  gnappet  (wenn 
man  einen  Beinbruch  untersucht],  wie  ein  Spalt  tut 
an  einem  Stecken,  so  ist  es  gewiss  ein  Bruch.'  Würz 
1634.  .Hinken,  schnapen,  gnapen,  claudicare,  vacil- 
lare. Gampen,  gn..  jaetare  pedes.'  Red.  1662.  ,üer 
Kopf  gnappet  ihm  [sein  Leben  ist  bedroht].'  Mey. 
Hort.  1692.  —  b)  (umme)gn.,  langsam,  wankend  gehen, 
mühsam  fortkommen,  bes.  von  alten  Leuten  Ap;  Bs; 
VOrte;  Gl;  Gr;  GRh.;  Th;  W;  Z.  Er  magno''' mit 
Not  nö'''gnappe"  GSa.  Mit  dem  Fuss  über  treten, 
schlechten  Gang  haben  Bs.  ,Gnabb  umen  nummen 
fry,  du  bist  recht  dra',  sagt  der  Bauer  zu  seinem 
Weib,  da  sie  ihm  vormalt,  wie  sie  haushalten  wollen 
und  reich  werden.  Com.  Beati.  .[Alter  Weiberjäger]  leg 
ab  dein  Narrenkappen  und  tu  nicht  hin  und  wider  so 


tolpisch  herumb  gnapen.'  Wahrsager  1675.  —  c)  träge, 
nachlässig  arbeiten  TaTäg.  —  d)  nicken.  Jö  und  Net' 
gn.  GSa.;  Syn.  niggelen.  ,Der  Esel  gigaget,  gnapet.' 
JCWeissenb.  1678.  —  2.  in  wankende  Bewegung  brin- 
gen, a)  mit  Präp. :  .Weil  du  auch  ein  Finger  heilest, 
so  gn.  nit  vil  daran,  bis  du  schier  vermeinst,  dass  er 
zimlieh  wol  haftet.'  Würz  1634.  —  b)  mit  Acc.  Ndw. 
Alli  Mümpfeli  gnappe  de  Bart  L  (Ineichen),  wohl 
bildl.  =  kleine  Ursachen  üben  doch  eine  Wirkung. 
.Mir  [wir]  sollend  inen  die  est  gnappen,  dass  die  biren 
abi  fallend.'  1581,  Zellw.  Urk. 

Mhd.  gnaben,  gnappen,  wackeln,  hinken.  —  Die  Ausspr. 
kn-  scheint  auf  Zssetzung  mit  dem  Präfix  gc-  zu  deuten,  aber 
ein  nappen  findet  sich  nirgends  und  ebenso  gut  könnte  die 
Ausspr.  yji-  auf  urspr.  k.  gedeutet  werden.  .Knappen'  findet 
sieh  allerdings  erst  nhd.  (s.  Gr.  WB.  5,  1:344  ff.),  aber  in 
Bedd.,  die  ganz  denen  nnsers  W.  entsprechen.  Der  urspr. 
Anl.  war  wahrsch.  hn,  woraus  ebenso  gut  kn  wie  gn  werden 
konnte.  Bair.  kommen  für  die  Bedd.  .hinken'  und  .nicken' 
die  Formen  .knaupen'.  .gnaupen'  und  .naupeu'  neben  einander 
vor.  sowie  auch  für  das  mit  gnapj>en  nahe  vwdte  und  fast 
gleichbed.  gnepfen  bair.  .nepfen'  besteht.  Vgl.  noch  gni/jpen, 
gnip/en  und  auch  gniggpu,  gnäggen,  da  Wechsel  zwischen  p 
und  k  im  Inl.  (resp.  Ausl.)  häufig  yorkommt  (s.  Anm.  zu 
an-gnäggen).  Etwas  Ähnliches  ist  im  Anl.  unsers  W.  der 
Übergang  von  gn  in  dn,  so  wie  statt  gt  in  gewissen  MA.\. 
dl  gesprochen  wird.  —  Der  Stamm  des  Vb.  gna}>pen  erscheint 
auch  in  Gnappiiein,  dem  Namen  der  Felsplatte  auf  dem  Pi- 
latus, welche  ,gnappet',  wenn  man  mit  dem  Fuss  auf  sie 
tritt;  s.  Wyss,  Idyllen  1822;  Arg.  III  60/1.  —  Hieher  viell. 
Gnappe"  "f.:  Höfe  in  BLützelfl.  n.  Trachselw. 

ab-gnappe°:  1.  weg  gehen,  i.  S.  v.  gnappen  1  h. 
Er  ist  endli"''  emäl  abg' gnappet!  Z.  —  2.  abklemmen 
=  nhd.  abknappen  B  (Zyro).  —  er-:  1.  „wackeln, 
schwanken,  allg."  (eig.  wohl:  zu  wackeln  anfangen,  in 
Schwanken  geraten).  —  2.  „von  der  Stelle  bewegen, 
in  schwankende  Bewegung  versetzen  Ap;  Gl"  (St.*"). 

Gnapper  m.:  der  langsam  geht  od.  arbeitet  GEh. 

Erz-:  Erzgräber  Ndw. 

Vgl.  Beig-Gn.  Offenbar  angelehnt  an  nhd.  ,(Berg)knappe', 
wobei  Onnpper  viell.  i.  S.  V.  mühsamer  Arbeit  gedacht  wurde. 

Knü"-:  der  Zustand,  wo  die  Kniee  vor  Müdigkeit 
zittern,  beben,  nicht  still  gehalten  werden  können, 
nach  langem  Absteigen  von  Bergen  ZStdtf;  vgl.  den 
Flurn.  KmV-breeh.  —  Berg-:  Arbeiter  in  Bergwerken 
GfiObS.  —  Spitz-:  mildes  Scheltw.  ZStalL;  s.  Spits- 
Gnagger. 

Gnappi  m.,  (Gnapperi")  f.:  1.  der  schwankend 
geht  AAWohl.;  UwE.  —  2.  lässiger  Arbeiter,  der 
Nichts  ausrichtet  AaWoU.  —  3.  Rausch  Aa. 

-gnappig:  was  nicht  festhält.-  —  gnappocht: 
lahm,  hinkend  B  oHa. 

gnäppele",  bzw.  umme- :  1.  wackeln;  wackelnd, 
langsam,  auf  den  Fussspitzen  gehen  Gl;  Ndw;  U.  — 

2.  leichte  Arbeit  verrichten,  zur  Kurzweile  sich  mit 
Etwas  beschäftigen  Ndw;    langsam  arbeiten   Obw.  — 

3.  eoire  GLLintt.  —  4.  unpers.,  knapp  zugehen  SchwE. 
—  „er-:  anfangen  zu  wanken,  wackeln,  allg." 

Gnäppeler:  1.  wer,  z.B.  vor  Altersschwäche, 
langsam  und  wankend  geht  BM.;  Gl.  —  2.  wer  lang- 
sam arbeitet  Obw. 

(Git-,  Giz-)Gnäpper:  Geizhals  Bs;  B;  S.  Dann 
tue  es  dem  Gn.  sauft  [wohl] ,  Öj)2)is  für  d'  Gmänd 
z'  tue'.  N.  B  KaL  1840.  ,So  ein  reicher  Gytgn.,  der 
ihr  Nichts  gönnt  und  ihr  alle  Tag  vorhält,  wie  reich 


(;t.:.|i     Kmi|.. 


er  sei.'  Gütth.  Syii.  GU-Kragen,  -Näpper,  -Raffel. 
V'gl.  auch  Gnägyer,  Gnigger.  —  Zu  iihd.  .kuappcn',  (ab)- 
brecheu,  abzwacken;  schnappen. 

gnäppere":  1.  geizen  B  (Zyro).  —  2.  =  näppercu, 
näggelen. 

gnäpperig:  knauserig  Aä;  BHk. 

gnäpperle":  1.  =  gnäppelen,  wanken  Scii.  — 
■-'.  =  näpperlen. 

(inäppert  ni.:  Quaste  an  einer  Schnur,  die  an  der 
Zimmerdecke  oder  einem  Betthimmel  befestigt  ist, 
damit  ein  Kranker  sich  an  ihr  aufrichten  kann  SRech. 

Wenn  die  Angabe  richtig  ist,  so  muss  Jas  W.  w  ibl  zu 
nüpperen  gehören,  mit  angeschobenem  (  wie  in  Srli„i,i„ri. 
Schürze. 

„Gneipe°  f. :  1.  =  Gnipe  i  B.  —  2.  =  Gnepfl,  Neige, 
Schwebe,     üf  dr  Gn.  stä"  L"  (St."). 

e<  viell.  nach  St. 's  Gewohnheit  blosse  Verhochdeiitschung 
liii-  i.  Bed.  2  Ton  tjnijmi  1.  von  der  auf  und  ab  wiegenden 
Bewegung  des  Hackmessers. 

„gneipe":  hadern,  zanken.  —  Gneiper  m.. 
Gneipe  f.:  Zänker,  -in  W." 

Entweder  geradezu  =  uhd.  .kneipen'  (kneifen),  zupfen, 
zwicken,  oder  verhochdeutscht  für  gnipcn  in  der  selben  Bed. 
oder  in  Bed.    1   (bildl.). 

(inip,  -er.  Gnieper  m.  Z,  Gnipe"  Aa;  ,Bs;"  B; 
„VÜrte;"  Gl  Cl-J;  Gr  {'rJ;  GStdt;  ScH;  S;  Tu  (tw. 
Dn-);  Zofk-J;i,  Knipe  rC7m-J  UwE.,  GniepaArH.. 
Gnippe  A°p;  BsL.;  ß  (in  Bed.  1);  G;  Sch  (in  Bed.  1, 
neben  -1-);  Tutw.  —  f.,  iu  Aa;  GStdt;  Sch;  Z  m., 
GnimperApK.  m.:  1.  grosses  halbmondfiirm.  Messer 
mit  2  Griffen,  wiegend  auf  und  ab  bewegt,  zum  flacken 
von  Fleisch  und  Gemüse  Aa;  B  (auch  Fleisch-Gn., 
G'mües-GnipH);  ZDättl.;  Syn.  Gmp-,  Wieg-Messer; 
/.um  Abschneiden  von  Brotschnitten  GStdt;  Sch.  ,1  Rost 
■Mi  ß,  '2  Spiss  8  ß,  1  Gnipen  16  ß.'  17(33,  Z  Haushaltgsb. 
—  2.  (in  Z  Gntp,  -e,  -er)  Schusterkneif,  allg.  De'' 
Schiiester  mit  dem  ühnlpespitz.  Lied,  's  Mül  haut 
aswie  ne  Gnippe.  EFeürer.  .Die  predige  vom  gnypen. 
haramer,  hobel  oder  ti;chsel  nemmen  [wie  die  Wieder- 
täufer tun].'  HBuLL.  1531.  .Kneipe,  Gneipe,  Kneif, 
culter,  sutorium  scalprum.'  Red.  1662.  ,Scalper,  Schuh- 
macherkneipen. Sutoria  falcula.  Gneipe.'  Denzl.  1677; 
1716.  —  3.  eine  Art  Kneipzange.  ,Sie  fabricierten 
eigene  Knippen,  mit  denen  sie  ein  Härlein  [des  Bartes] 
nach  dem  andern  aus  der  Wurzel  heraus  rissen.'  Dis- 
couRSK  1722.  Vi;-1.  nhd.  .Knuppe,  Knüppe'.  —  4.  Hebel, 
zwei-  nd.T  eiiKiiiiiiijer.  mit  welchem  der  vStössel  beim 
Buttern  auf  und  nieder  bewegt  wird  ApH.  —  5.  „Gipfel 
eines  Berges  Schw."  Hieher  viell.  auch  die  Grenz- 
bezeichnung zwischen  2  Grundstücken:  ,Die  egge  üf  in 
die  gnippcn.'  1524,  Schw  LB.  —  6.  (f.)  geizige  Frau  Aa. 

Mhi.  gnipjx  f.,  kiap  ra.,  Messer,  Dolch ;  engl,  /ciii/c  For- 
men mit  rjn-  neben  kn-  s.  auch  noch  Gr.  WB.  5,  U03.  — 
4  ist  mit  1  Twdt  durch  die  hebelartige  Bewegung  jenes  Ge- 
rätes, welches  an  vielen  Orten  ebenf.  cineu  am  einen  Ende 
befestigten  Hebel  bildet;  so  wie  hinwiederum  die  Benennung 
, Anker'  für  den  Hebel  am  Brunnen  von  dem  Buttern  her- 
geholt ist.  —  5  wohl  von  spitzer  Gestalt.  —  3  deutet  eher 
auf  , Kneipen'  als  aufschneiden  oder  Stechen;  ein  ähnliches 
Gerät  heisst  bei  den  Seidenwebern  ,Klüpperli'  (von  ,kluppen', 
klauben).  --  Die  Bed.  der  Schreibung  mit  /iji  ist  unsicher 
und  wird  kaum  allenthalben  Kürze  des  Voc.   bedeuten. 

gnipe",  gnippe"  I:  1.  (-1-J  mit  der  Gitijie  zer- 
liacken  Aa;  B  (Si.  -ipp-):  Ndw;  ZDättl.  ,Gegnipten 
Petcrli    [Petersilie].'    Z    Kochb.    1820.    —    2.    hinken 


ÄAZein.  (-ipp-);  UwE.  (-1-);  Syn.  ijmippen,  gnepfen. 
—  3.  C-i-J  einnicken,  entschlummern  ZF.;  Syn.  ent- 
nucken.  —  4.  C-i-)  reiben,  kneipen  LE.;  Ndw.  —  „ab-: 
abkneifen,  allg." 

Auch  neben  nhd.  ,kneipen'  besteht  ,knippen'  mit  abwei- 
chender Bed.  (mhd.  gnippen  nur  in  formelhafter  Verbindung 
mit  tjmippai).  Die  Bedd.  ,abschneiden'  und  ,hinken'  vorbindet 
auch  ijeuaygeii ;  doch  s.  für  2  auch  u.  (jmppen.  Bed.  3  ist 
mit  2  zu  vereinigen  durch  die  Vorstellung  einseitiger  mo- 
mentaner Bewegung  eines  Körperteils.  Übrigens  vgl.  nhd. 
,nippen',  nicken,  ags.  hnipian,  inclinare. 

,Gnipete°.  Man  hackt  vom  zartesten  Fleisch,  tut 
ein  Ei  darunter  und  bildet  eiförmige  Kügelein  davon, 
silineidet  dünne  Speckschnitten,  macht  in  jedes  zwei 
Schlitze,  bedeckt  die  Kügelein  damit  und  preglet  sie 
im  Anken.'  ZZoll.  Kochb.  1820;  Syn.  Katzen-Geschrei. 

gnipig:  knauserig  ZStdt.  —  Von  ympen  4  i.  S.  v. 
abbrechen. 

gnippele":  mit  den  Fingern  tändeln  LG.;  vgl. 
niggelen;  g'niggerlen,  g'näggelen  3,  gnäpperien  2. 

gnippe re":  ungeschickt  .angreifen  Bs;  Syn.  nop- 
peren,  norgen,  nörglen. 

gnippen  II  s.  gnappen. 

„gnope"",  gnoppe":  beschwerlich  gehen,  hinken 
BM.,  Thun;  ,F;  LG.;"  umme-,  unbeholfen  herum- 
tasten BTrueb. 

Scheint  trotz  der  entgegenstehenden  Quantitätsaugabe  bei 
St.  entw.  mit  gnappen  oder  mit  noppeti,  ungeschickt  nähen, 
nopjiercn,   flicken,  hinken,  vwdt  zu  sein.    Vgl.  auch  Gimlgge". 

gnoppere":  rütteln  GlK. 

„gnöperle"  C-ö-j:  in  kleinen  Schritten  beschwer- 
lich gehen,  ein  wenig  hinken.  —  Gnöperli  n.:  Kind, 
das  nicht  rocht  gehen  kann  F;  LG." 

„gnopis,  gnobis:  kaum,  mit  Mühe  GKh. ;"  G  179!' 
f-b-J.  Das  uürd  gnobis  gnueg  ge,  daran  werden  wir 
kaum  genug  haben  GStdt. 

Die  Heimat  dieses  W.  ist  zwar  von  der  des  Vbs  guopcn 
nach  uusern  Angaben  verschieden;  aber  viell.  ist  das  Adv. 
doch  Nichts  als  der  Gen.  des  Inf.  jenes  Vbs  (vgl.  Fähi»,  Fangens) 
oder,  wenn  dies  syntaktisch  nicht  wohl  möglich  scheint,  der 
Gen.  eines  dem  Vb.  entsprechenden  Adj.  gnop,  nach  Analogie 
von  twäris  aus  mhd.  twerhen.  Die  Schreibung  mit  h  Hesse 
zur  Not  auch  an  genouwes  denken,  da  mhd.  genouwe  auch 
,kaum'   bedeutet;  vgl.  (ebenf.  auf  G  Gebiet)  grob  aus  grauw. 

gnnppe":   wackeln  ZO. 

Ablautform  zu  gnijipen,  gnappen,  gnupptn.  Vgl.  nupprnn, 
au  Etwas  herum  arbeiten,  nuppeixri,  stochern,  rütteln,  nhd. 
.knuppern',  an  Etwas  nagen. 


Gnapf— gnupf. 


Gnepf  m. :  1.  de"  Gn.  ha",  überchii",  scliläfrig  sein 
oder   werden    ZB..  0.  —  2.  Geschlechtsn.  Z Dielst.  ^ 

Zu   gnepfen   4. 

Gnepfe  I  f.,  Gnepfi  I  f..  „auch  n.-  (e'  Bs;  BüÜ.. 
U.;  „VOrte;"  Sch;  Th;  Z,  e  Aa;  BSi.;  S):  1.  schwan- 
kende Lage,  Schwebe,  Neige,  Kippe  eines  Körpers  oder 
eines  Menschen;  der  Moment,  wo  ein  unfest  stehender 
oder  aufliegender  Körper,  z.  B.  ein  Brett,  Stuhl.  Tisch, 
bei  schwachem  Stoss  zu  fallen  droht,  von  Mensclien 
auch :  schwankender  Zustand  der  Gesundheit  und  Öko- 
nomie Aa;  Bs;  B;  „VOrtk;'-  Sch;  S;   „Z";  Syn.  Giiipf) 


Itiiaiil'.  s'K'l'f-  gni]>\'.  giM'iif.  Kiiui' 


672 


Gnepfli,  Gampel  I,  Gampf,  Gäiiipfi.  Uf  der  Gn.  sV, 
auf  einem  nicht  eben  stehenden  Stuhle  sitzen  od.  übh. 
im  Begritf  stehn  zu  fallen.  Er  ist  uf  dr  Gn.  usse',  auf 
dem  äussersten  Rand,  neigt  sieh  zum  Falle.  Es  ist  uf 
dr  Gn.  mit  im.  Er  stöt  uf  dr  Gn.  „Es  stöt  uf  d'r  (uf 
emj  Gn.,  es  ist  auf  das  Äusserste  gekommen  B;  VOrte; 
Z."  Es  ist  uf  dr.  Gn.  [auf  der  Wage]  gsin,  dass  er 
nüd  hätt  use  mögen,  aus  der  Wahl  hervorgehen,  ge- 
wählt werden  Bß.  Uf  d'  Gn.  cho",  auf  die  Hefe, 
Neige  SWies.  ,Die  Schreiber  hätten  auch  nicht  viel 
zu  tun,  wenn  die  Menschen  nicht  ökonomisch  oder 
physisch  auf  die  Gn.  kämen  oder  ök.  und  phys.  von 
der  Gn.  herab  zu  Tode  fielen.'  Gotth.  ,Wo  es  umb 
einen  gefärlich  stuond  (wir  sagend,  wenn  einer  auf 
der  gnepfe  stuond).'  LLav.  158'2.  .Zur  Zyt  der  Re- 
formation stund  das  ganze  Bapsttum  uf  der  Gnepfe.' 
1G16,  JJBreit.  .Indem  unser  Wein  auf  die  Hepfen. 
unser  Wesen  auf  die  Gnepfe  kommen.'  FWyss  1(550. 
.Gleich  wie  es  mit  einem  Hause  auf  der  Neige  und 
Gn.  stehet.'  AKlingl.  1688.  Verfallener  Zustand:  ,üer 
Ofen  sei  solcher  Massen  im  Abgang  und  in  der  Gnepfi, 
dass...  den  völligen  Einfall   zu   versehen.'    1717,  Z. 

—  2.  Gnepfe  f.  Th,  m.  ,B;''  Th  tw.,  -/  f,  L  (auch 
Gnipfi),  eingerahmtes,  l'/2— 2  Quadratmeter  grosses, 
,in  B  ein  kreisrundes"  Netz,  welches  vermittelst  einer 
Stange,  an  der  es  befestigt  ist,  eingetaucht  oder,  mit 
Steinen  beschwert,  an  einem  Seile  ins  Wasser  ge- 
worfen wird,  um  die  Fische,  welche  darüber  weg 
schwimmen,  .herauszugnepfen'  Th.  Kleines  Zugnetz 
zum  Fang  von  Luenzli-Fischen  L.  Syn.  Gnepfi-Garn; 
Winger.  —  3.  (-e  f.)  Vorrichtung  zum  Spannen  der  Arm- 
brust ZElgg.    Syn.  Küle',  Kräpfel,  Spanner,  Briickel. 

—  4.  Vorrichtung  zum  Wasserschöpfen.  Brunnen- 
schwengel. SuLGER.  ,Tollenon,  ein  gnäpfen,  das  ist 
ein  lang  holz,  auf  welchem  dahinden  ein  schwarstein 
ist,  damit  man  wasser  aufzücht,  als  an  Schöpfbrunnen.' 
Fris.;  Mal.  S.  Wasser-Gn.  —  h.  aus  einem  Balken 
mit  ,Geize'  bestehende  Vorrichtung  zur  Lenkung  eines 
Wagens,  dessen  Vorder-  und  Hinterachse  nicht  mit 
einander  verlmndi'n  sind,  z.B.  beim  Führen  von  Lang- 
holz I..  S}iL  llV/./f».  —  6.  untergeschobene  Vorrich- 
tung zum  Stut/rii  und  Heben  einer  Last  Z;  s.  gnepfen  1. 

—  7.  ((/■  (/'(■  Gii-i:  fingierter  Ortsn.  Gotth.,  Geldst. 
(Wohnort  von  ökonomisch  Bedrängten)  und  wirklicher 
Hofn.  BLangn. 

Sämmtliche  Bedd.  erklären  sich  aus  der  Grundbed.  des 
Ybs  gnepfen:  hin  und  her,  auf  und  ab  schwanken,  bewegen. 

Wasscr-Gnepfe:  1.  durch  Wasserkraft  getrie- 
bene Maschine.  ,Von  der  Stampft  und  W.-gnepfi  sollen 
jährlich  2  ß  Bodenzins  entrichtet  werden.'  1649,  Absch. 

—  2.  ,Telo,  Brunnenschwengel,  W.-gnepfo  in  einem 
Sodbrunneu,  damit  man  schöpft.'    Üenzl.  1677;  1716. 

gnepfe»  (/.-  Bs  It  Spreng;  BR.;  Z  tw.):  1.  wanken, 
wackeln,  schwanken,  umzuschlagen  drohen,  aus  dem 
Gleichgewicht  kommen,  kippen  Aä;  B;  L;  ScuSt. ;  S; 
Vw;  Z,  z.B.  von  einem  Tisch,  der  nicht  auf  allen 
Beinen  aufsteht,  von  einer  Bank,  auf  deren  Ende  man 
sich  setzt.  Was  haldet,  das  gnepft  BSi.  ,Ich  wogt 
es  auch  mit  mym  ross  [einzusteigen],  do  fieng  der 
weidling  an  gnepfen,  also  dass  das  ross  schier  am 
andern  port  heraus  sprang  ins  wasser.'  FPlatt.  ltil'2. 
,Wenn  die  Bauern  (von  G.)  schon  nicht  in  einem 
Bienenkorb  schliefen,  um  zu  erwachen,  sobald  er 
gnepfe,  wie  man  es  den  R.  nachredet,  so  vor.schliefcn 


sie  doch  nie  die  Stunde.-  Gotth.  Von  Personen:  sich 
auf  dem  Rand  eines  schwankenden  Körpers  bewegen, 
schaukeln,  z.B.  auf  einem  Stuhl  Aa;  BR.;  Z.  Syn. 
nepfen,  gägen.  gampen,  gämpfen  (Sp.  320),  (gi)gampfen, 
gnappen.  Vf  ei'mal  gnepft  er  mit  dem  Stuel  und  aber- 
zieht und  fallt  abe  Z.  An  einem  schwankenden  Gegen- 
stand rücken,  rütteln,  z.  B.  an  einem  Tisch  B;  eine 
Wiege  leise  bewegen  SRech.  Vgl.  Gnepf-benne,  Stoss- 
karren  zum  Umkippen.  Einen  Gegenstand  sachte  oder 
stossweise  von  der  Stelle  rücken,  z.B.  mit  einem  Hebel 
Z;  vgl.  Gnepfe  6.  Bildl.:  Es  gnepft  mit- im,  seine 
Sachen  (ökonomischen  Verhältnisse)  stehen  schlecht 
BM.;  L;  ScHW;  Zg;  Z;  vgL  Gnepfe  1.  —  2.  wankend, 
schwerfällig,  mit  gespreizten  Beinen  gehen ;  ein  wenig 
hinken;  affektiert  gehen  (vor  Alter,  Krankheit  oder 
Gewohnheit;  auch  von  Berauschten)  Aa;  Bs;  B;  L; 
ScHW;  üw;  Zg;  Z.  ^yu.  gritten,  grippen;  hillpen,  gni- 
pen,  napfen.  Einhüftig  sein,  auf  eine  Seite  schnappen 
Bs  (Spreng).  ,Er  blieb  hinkend  und  schleppte  sich 
mühsam  an  der  Krücke  fort.  Er  entfernte  sich  nie 
mehr  weit  vom  Hause,  sondern  gnepfte  nur  um  das- 
selbe herum.'  Nydegger  188.5.  ,Ein  mensch,  der  eins 
hinkenden  spottet  mit  gnepfen,  hoppen  und  zappeln.' 
TiERB.  1563.  ,Claudicare.  hinken,  gn.  Schwankende, 
der  hin  und  her  gnepft,  nutans,  titubans.'  Fris.  ;  Mal. 
und  danach  Denzl.  1677  (,kn-.'  1716).  ,Gn.,  hinken, 
halden,    schnapcn,    claudicare,    declinare.'    Red.  1662. 

—  3.  ausgleiten,  straucheln,  fallen,  bes.  in  Folge  von 
schiefem  Auftreten  „B;"  L;  Z.  Wie  er  eso  dervu 
g'gangen  ist,  ist  er  uf  «  Mol  g'gnepft  und  hat  de:* 
Fuess  bbroche'  Sch.  —  4.  den  Kopf  auf  und  ab  be- 
wegen. ,Dubia  cervice  labare,  den  köpf  nit  mögen 
tragen,  mit  dem  k.  plampen  oder  hin  und  her  gn.' 
Fris.  ,Ein  Pferd,  welchem  nit  aufgebunden  der  Zügel; 
daher  es  stets  darauf  triftet,  mit  dem  Kopf  gnepft.' 
JJBreit.  1628.  Schlaftrunken  nicken,  mit  dem  Schlafe 
kämpfen  GSa. ;  Z ;  Syn.  napfen,  nipfen,  gnipfen.  Der 
Amma"  hat  under  [während]  der  Bredig  g'gnäpft  GA. 

—  5.  das  Gnepfnetz  einsenken  und  aufziehen  Th;  s. 
Gnepfe  3.  Gn.  ist  verboten.  1643,  AAWett.  —  6.  den 
Hinterwagen  lenken  (ein  mühsames  und  oft  gefähr- 
liches Geschäft)  L;  s.  Gnepfe  ö;  Syn.  uepfen.  — 
7.  murren,  als  Zeichen  der  Unzufriedenheit  ZLunn. 
VgL  gigampfen. 

Mhd.  gnepfen,  sich  neigen,  hinken.  Am  Nächsten  vwdt 
mit  gnappen,  obwohl  das  Verhältniss  von  ]>/ :  jrp  in  diesem 
Fall  wie  in  ähnlichen  (z.  B.  hojipen  :  hupfen)  unklar  ist.  Dass 
In  mehrern  Bedd.  Formen  ohne  g  und  dass  als  Anl.  auch  k 
vorkommt,  darf  nicht  auf  die  Ansicht  führen,  es  stecke  in 
jenem  g  das  Präf. ;  wohl  aber  wird  die  Vermutung,  es  stecke 
darin  (wie  bei  andern  WW.  dieser  Gruppe)  ein  urspr.  Anl.  A, 
bestätigt  durch  ahd.  hnaffezan,  ags.  hnappUin,  dormitare  (vgl. 
ags.  Imipian,  inclinare,  das  deutsche  ,nipfen',  bei  uns  auch 
gnipfen,  s.  d.).  —  Bed.  7  gehört  viell.  zu  i  und  meint  cig. : 
durch  Kopfschütteln  Unzufriedenheit  bezeigen. 

ab-:  vom  Rand  herunterfallen  AaF.  —  über-: 
1.  das  Übergewicht  bekommen,  umschlagen  G;  Z,  z.  B. 
von  einem  schwankenden  Brett;  Syn.  über-gämpfen. 
.Ich  forcht  [fürchtete],  wenn  ich  hinder  sich  Sprunge, 
ich  wurde  ü.  und  fallen.'  ThPlati.  —  2.  mit  dem  Fuss 
schief  treten  Z;  vgl.  gnepfen  3;  Syn.  de'  Fuess  über- 
kegle". —  um-:  umfallen.  Sulger.  --  i"-:  einnicken 
ZAuss.;  zu  gnepfen  4. 

Gnepfe»  II  f.:  hinkende  Frau  B.  —  Gnepfi  II 
ni.:  Hinkender  L;  Zc. 


ti-3 


(iiiaps.   (iiiiirr.   (i 


i'KR.   (iiiiirz. 


(iitast 


if  11  c \< f  1 1- " :  UiiiiTsam  gehen  ßSigr. ;  Syn.  lametschlen. 

Gniiif  in.:  uf-etn  Chiipf,  auf  dem  äussersten 
['linkte  B  oSi.  —  gnipfe":  1.  nicken,  sitzend  halb 
schlafen  BSi.;  G  oT.,  We.;  Tu.  -  2.  (i-J  hinken, 
meist  sehcrzh.,  mit  den  Zss.  iimme-,  dervo'-,  zueche'-cjn. 
ScHwMiio.  -  Gnipfi  l-  m. ;  humpelnder  Mensch 
S.HwMu". 

gnäps«" ,  auch  k- :  Schlatbedürfniss  emptinden, 
sitzend  ein  wenig  schlafen  GaChur,  He.,  Pr.;  in  Grü. 

ohne  g.   —   Inteusivum  zu  ijuappo»- 


Gnar(r)  — gnurir). 

gnnrre":  brummen.  ,Das  Gn.  dos  Vielis.-  Leh.m. 
1797.     Knurren,  von  Hunden  GnPr. 

Nach  Gr.  WB.  5.  1521  ist  der  Anl.  w  in  aiesum  W, 
sonst    nd.    (vgl.   auch  engl,  gnur) ;    ebd 


E        des  W.  auch   von  anderen  Tieren 
■  Vgl.   ijnurzen. 


■d    der   Gebrauch 
Huude    bezeugt. 


gnii'be":  1.  .</«.  L";  UwE.,  nirbc"  B;  UwE., 
iiirpe"  !^,  knau.sern.  Hyn.  raggeren,  ra.rferjen.  's  het- 
/«(•'•  'dtwit,  tcie  meh  Ching  a's  füre"  schlüfe",  Je  ärger 
hei  die  Frau  afö  nirpe".  BWyss  1863.  —  2.  nirhe 
.\AFri.;  S,  nirpe  ÄÄHallw.;  S,  über  kleinliehe  Pinge 
zanken,  gehässig  sein,  nergeln,  mit  Wid.Ts|acclieii  und 
Einreden  nicht  zu  Ende  kommen ;  klaffen.  Syn.  ,iriiiii^i-ii. 
hircii,  Utzen,  nifj'len,  niggelen.  Woin-r''  iml-riii  Aiiiii 
(jnirpet  ha",  es  sig  so  lang  co"  Hks.  Joacii.  18isl. 
Ilan-v''  licsncr  g'fneteref,  so  het  me  wegem  Heustock 
mit-iiicr  (juirbet.  Schild.  —  3.  gnirpe  Aa,  nirhe  BM., 
S.,  nirpe  .\AAarb.;  B,  langsam,  faul  arbeiten,  Zeit  und 
Arbeit  mit  Wertlosem  verlieren ;  langsam  reden.  .Bist 
du  auch  einmal  an  der  Sonne?  es  ist  recht,  me  nutess 
si  u  fürela'  u  nit  geng  iime  am  Schatte"  hocke"  u  Öpjtis 
nirpe.'  Gotth.  —  4.  gnirpe,  von  der  Tätigkeit  des  Holz- 
käfers Aa. 

Zu  dun  Begriffsübergängen  vgl.  iß'näyyeii,  G'näyyei;  (/iiftf/y«i, 
(jiiäijyi.  Dafür,  dass  g  stanimhaft,  nicht  Präf.  sei,  spricht 
bes.  die  Begriffsvwdtsch.  von  gnirhm  mit  .Knirps',  VhnUrOiK, 
Zwerg,  Krüppel,  wie  wir  schon  im  Anfang  dieser  Gruppe 
WW.  finden,  die  den  Begriff  des  Kleinen,  Kleinlichen  oder 
.Mangelhaften  mit  dem  von  übermässiger  Sparsamkeit  ver- 
binden; s.  Gnigin,  gniggen,  gnürzen.  Vgl.  auch  htirjifien, 
hni/mti.  A'irheit  ist  wahrsch.  durch  irrtümliche  Auffassung 
der  Bcd.  des  g-  entstanden. 

Gnirbe"  Nirbe  SB.,  Gnirberi"  UwE.  —  f.:  zän- 
kische, filzige  Weibsperson.  —  „Gnirber  L",  Nirber 
BöO.,  Gnirlii  rwlv.  Xirbi  LWyn.,  Nirpi  AAHallw. 
—  m.:  1.  Knall- r  H  '■*K.  ..!>;"  Uw.  —  2.  Knabe,  wel- 
cher kleine  iM^'listahlc  begeht,  z.B.  dem  Vater  Tabak, 
aus  der  Tasche  der  Mutter  Geld  (Geldnirbi)  in  kleinen 
Portionen  entwendet  LWyn.  —  3.  Einer,  der  an  einer 
Sache  lange  herumdisputiert  AAHallw.  —  gnirbig: 
knauserig  „L;"  Uw.  Dazu  das  abstr.  Subst.  (Ue 
Gnirbigi. 

(inierggi  m. :  Mensch,  dem  Nichts  recht  ist,  der 
an  Allem  Etwas  auszusetzen  findet  GRh. 

iV  wohl  uur  Bezeichnung  von  r,  vgl.  nirggtn,  unzufrieden 
suiu.  Aber  nhd.  ,knergeln',  ,knirgelu',  neben  ,uergclu',  klein- 
lich tadeln  (s.  Gr.  WB.  ,),  1412;  7,  609)  deutet  darauf,  dass 
auch  hier  iVu:  Foriii  mit ;/  (resp.  1-)  die  ursprüngliche  sei. 


gnürze",  „auch  gnirzc"":  1.  knausern  B;  Syn- 
gnirberi,  knorsen.  —  2.  ohne  rechten  Grund  vcrdriess- 
lich  sein  S. 

Die  ZsgehSrigkeit  mit  dem  in  Bed.  1  syn.  /.iioiwn,  nhd. 
,Knorz',  Knoten,  Krüppel,  liegt  auf  der  Hand.  Vgl.  die  .\nm. 
zu  gnirheii.  Für  die  Vwdtschaft  von  Bed.  2  mit  1  vgl.  (liiagiji. 
yursen,  kleinlich  zanken,  stimmt  zu  Bed.  2.  Betr.  den  Aiil. 
gilt  das  in  der  Anm.  zu  gnirhen  Gesagte. 

„Gnürzor'',*Gnürzi,  auch  Gnörzi  m.:  Knauser 
B  (GoTTH.).  —  ., gnürzig:  knauserig  B." 


Gnas(s)  — gnusisi. 

Gm.' SS    s.    Or-llöxs. 

Gnejsle.  K/h.  Gnässle,  bei  St.''  Gnäsle  f:  Geisel 
GRh.       l:ii  ass  Ir".  gnäsle":  mit  der  G.  schlagen,  ebd. 

Wahrseh.  nur  Lautverstärkung  von  Otiilr.  B"ür  die  Kiu- 
schiebung  von  n  vgl.    Gnüsel,    (Ina/. 

gnieslen  s.  gnexlen. 

Gnnsel  n.  It  St.',  m.  It  St.^:  „Abgang  von  Fleisch, 
Kohl  usw.,  übli.  Alles,  was  man  nicht  essen  kann 
Seil."  Syn.  l'fnisd.  .Und  räden  (reiferen)  es  durch  die 
Eeiter  (Sil)  von  .lein  ( in üsd  (Abgang).'  Spleiss  lGti7. 

Wallis, h.  ==  i;„s,l  S|..  iTi;.  mit  eingeschobenem  n  wie 
bei  fin'i\l. ,    !m-1  r.  ih's  syn.  l'fiu'srl  vgl.  ji/minh-n  neben  gnuintcn. 


(•nisjii 

dem  Dniiiir, 
Wölk,  rcl. 
nagen,  und  ,u 


Gnast  s.  Ge-nist. 

gnaste"i-;  knistern,  von  brennendem  Tannenholz 
GT.  —  Einfache  Grundform  des  uhd.  .knastcln',  ,knastern', 
strepere,  crepitare.  etwas  stärker  als  .knistern'. 

Gneist(e'')  (ii,  (kn-J:  Gr  (an  einigen  Orten  hn-,  chn-); 
„LE.;"  G;  ScHW;'Uw;  U;  .Zg;  Z",  „Gleist(e°)  L; 
Zg;"  GSa.  —  PI.  Gneist,  -e"  —  ra.i  1.  Funke;  Syn. 
Ghimse".  Kei"  Gleistli  Für  GSa.  .Doch  verlatzt  in 
[den  zum  Feuertod  Verurteilten]  nie  kein  gneist.' 
Badenp.  1526.  ,Wie  uss  einem  gneist  etwaiin  ein  gross 
für  [entsteht].'  Vad.  ,Scintillas  agere,  gneisten,  gneist 
auswerfen.  Erlöschner  gneist,  äschen,  favilla.'  Fris.  ; 
Mal.  .Wir  rill  zuiidel  ein  gneist  von  stund  an  cm- 
pfaclit,  aK"  »rnlmd  guote  sitten  durch  bös  reden 
verdcriit.-  1.1, a\.  1-")S'J.  , Davon  der  ruess  im  kamin 
angezündt  und  die  gneist  uf  das  schindeltach  herus- 
geworfen.'  1585,  Gfrd.  .Die  Gneissen  von  heissen 
Feurflammen.'  JCWeissenb.  1678.  ,Favilla.  glüende 
Äschen,  Gneist,  Funk.  Strictura,  Gn..  so  vom  glühen- 
den Eisen  auf  den  Aniboss  .springen,  Feulen.'  Denzl. 
1677;  1710.  Oft  bildl.  von  Geist  und  bes.  vom  h. Geist: 
,Dis  ist  des  heiligen  geistes  glunssendes  gneistlin 
schürebrand.-  G  Hdschr.  .Der  wysheit  gneist.'  Lenz 
1499.  ,So  ferr  du  ein  diener  Gottes  wärest  und  ein 
gn.  des  göttlichen  geistes.-  Zwingli.  ,Drum  schick 
mir  dynen  heiigen  geist,  gloub  und  liebe  ins  flainniens 
gn.'  Gletting  1557.  .Igniculus,  anreizung  und  geiieist 
oder   frib   der  natur.-    Fris.     .Der  machet  duroli  sein 


.st~giiust.    (iuat- 


(iiiatscli.      (ilinx— SllUX.      (illilZ. 


Wort  und  Geist  den  Himmel,  d'  Erd  und  Liechtes  Gn.' 
HsRRebm.  1620.  ,Vom  Feuergneist.'  eM.  ,Alle  Geister, 
helle  Gneister,  werden  Zungen,  dass  besungen  werd 
sein  Lob.'  JCWeissenb.  1678.  .Deines  Lichtes  Gnaden- 
Gn.  send  uns  von  dem  Himmel  rab!"  JJUlr.  1731. 
--  2.  Schelte  für  ein  vovwitzi-.-   Ar:Mrl,.i,  fiA. 

khi.  gKtneheiata,  gmixt't.  -"   7"//'.  .1        '- .  <j)ici'nti-, 

ijncisl,  ganeinler,  gneitia-,  Pin  iiltiil  i  i    i  '      n   Ags.  und 

Altn.  vorkommendes,  viell.  ursiir.  z^t..;L^..l',"•  \\^\.  j'-ui,  Funke. 
Schm.-Fr.  I  916).  aber  in  seiner  Etjmolugie  verdunkeltes  W.. 
wohl  nur  zufallig  anklingend  an  nlid.  ,knistern',  vgl.  (jnmten; 
den  westlichen  MAA.  unbekannt.  —  Die  Form  Gl-  beruht 
auf  Anlehnung  an  die  Familie  Glmt  oder  an  Oluns  oder  auch 
bloss  auf  Erleichterung  der   Ausspr. 

gneistc",  „auch  Av.  7.-  ScnwMuo..  (ß-  „L;- 
ScHwE.;  „Z<r-:  1.  Funkell  sprühen  Gl;  „LE.;"  GO.  ; 
„ScHwr  I  w;  ../i.;  /■  ;  Smi.  iihin^in.  neisten,  leisten, 
pfneictcii:  iiln.sliii.  Ks  ijinistrl  iis-mi  Ofen  iise  ScHw 
Muc.  dur''  ds  Chümi"  iif  GlH.  's  Für  gneistet  i"  der 
Schmitte.  Stutz.  Wenn  's  Für  a"  der  Pfanne  gneistet, 
git  's  ander  Wetter  ZO.  Auch  von  den  brennenden 
Scheiben,  die  an  der  Fastnacht  in  die  Luft  geschleudert 
werden  und  Vorbedeutung  haben  Gl;  Gr.  Vom  Wetter- 
leuchten ScHW.  Und  hossä^sä!  wie  gneistets  nit,  a's 
Hess  der  Himmel  tusig  Bonnerwetter  los!  Schild  (vom 
wilden  Jäger).  Von  subjectiver  Lichtempfindung:  F'' 
ha"  de"  Chopf  a'gschlage',  dass  's-vier  i"  den  Auge" 
gneisfed  hed  UwE.  .Eine  Ohrfeige,  dass  es  schier 
Funken  gneistete.'  Stütz.  Vgl.  Für  4  b  (Bd  I  942). 
„Kneisten,  knistern  L."  ,Die  frommen  werdend  schei- 
nen und  glänzen,  als  so  feurfunken  im  ror  gneistend.' 
1.531/1707.  Weisu.  ,Die  Constanzer  schössen  so  heftig, 
dass  stückin  darvon  geneistet  sind.-  1548,  Mey.,  Wthur. 
Chr.  .Flagrare  araentia.  vor  unsinnigkeit  geneisten. 
Flagrant  convivia  flagitiis,  sind  so  voll  büeberei,  dass 
es  gneistet  oder  feuret,  gneist  gond  darvon.  Ignescere, 
glüejen,  brünnen,  glasten,  gn.'  Fris.;  Mal.  ,Man  siht 
biswyleu  zwen  oder  dry  fürige  Mannen  gegen  ein- 
andren in  ufbrünnendem  Für  laufen  und  anpütschen, 
also  dass  es  ein  gross  Für  und  Geristen  [1.  Gneisten] 
gibt.'  RCys.  .Ihr  Kämmen  auf  dem  Kopf  fast  rot, 
[gleich  als]  ob  er  vom  Feur  gneist.  ohne  Spott.- 
HsERebm.  1620.  ,Tgnescens,  flammend,  gneistend.' 
Denzl.  1677;  171i!.  —  2.  mit  Feuer  unvorsichtig  um- 
gehen l'.  :'..  aullirausen  Ndw.  --  4.  sich  aufgeregt 
geberden,  siili  bei  der  Arbeit  heftig  bewegen  SchwMuo.; 
Ndw.         Mlel     ,"  - ;  ' ■•/."  in  Bcd.   1. 

uiniiii  '-:  !ii  I  _  '  I.  111  laliren, -rennen, -springen, 
sich  lienuuir-il- 11  '.i  .  i.Wr.;  UwE.;  U.  Si  gneistet 
im  Hiis   liiinm-   ,r„    »e   (rc,.5/    GA.,  0. 

Gneisti  m.:  ruheloser  Mensch  SchwMuo.;  eil- 
fertiger Geschäftemacher  UwE. 

gnlste":  1.  kleinlich  sparsam,  engherzig  im  Haus- 
halt sein;  ängstlich  sorgen  und  klagen  Z.  —  2.  kleine 
Geschäfte  verrichten,    l'''  ha"  no'''  allerhand  z'  gn.  BG. 

Wahrsch.  vwdt  mit  ahd.  (jinitm,  reiben,  ags.  altn.  AjitJn. 
stosseu,  zuniiclist  aus  einem  Subst.  rjnirt  (aus   ' iiiM-t). 

Gnisti  m.:  Filz,  Geizhals;  auch:  lästiger  Pedant  Z; 
Syn.  Kümmi-Spalter.  —  Gnisteri"  f.:  Knorzerin  Z. 
—  gnlst(er)ig:  karg,  filzig;  ängstlich  sorgend,  kla- 
gend; auch:  neidisch  Z.  ,Vilis  amicoruni  est  annona 
bonis,  ubi  quid  dcest,  freund  sollend  gggen  frommen 
leuten  nit  kündig  noch  gnisterig  sein.-  Fris.  .(inei- 
sterig  und  karg.'  LLav.  1.582. 


Gnat-gnut. 

gliautc":  nicken,  einschlafen,  bei  der  Arbeit  liS.; 
vgl.  gnepfen  4. 

Viell.  mit  (  statt  y<  =  .knaupen',  nicken,  s.  Sclim.-Fr. 
I  351.  Doch  syn.  auch  rinulen  neben  naugijm,  so  dass  das 
W.  durch  alle  drei   Organe  hindurch  geht. 

„Gnitt  m.:  Plötze,  ciprinus  erythroplithahnus,  im 
zweiten  Jahre.  Bodensee-  ;  Syn.  Schwal. 


gnatsche"  GSev.,  gnätsche"  BsStdt,  gnatschle" 
GfiMai. :  hijrbar  kauen,  schmatzen;  Syn.  hiiitschen, 
knätschen,  nätschen.   - 


Gnax  — gnux. 

gnexle"  LG.,  -ie-  LE.,  ,gniesle°  LE.":  1.  sich 
begehrlich  geberden,  ängstlich,  zudringlich  Anteil  an 
Etw.  zu  erlangen  suchen,  lästig  bitten  LE.  —  2.  , un- 
schlüssig sein,  zaudern  LE."     Syn.  trinsen. 

Die  Form  mit  blossem  s  wahrsch.  aus  der  mit  x  ver- 
einfacht. GnixUn  Intens,  und  üim.  von  yimggen,  weinerlich 
bitten.  Der  i-Laut  viell.  nur,  um  die  hohen,  (luiekenden 
Töne  des  Bittens  oder  unschlüssigen  Jammerus  noch  deut- 
licher nachzuahmen.     Vgl.  Xe.c,  lästige  Dräugeriu. 

„er-:  1.  durch  Gn.  Jmd  ermüden.  —  2.  durch 
wiederholtes  unverschämtes  Bitten  Etw.  erlangen  LE." 

„Gniexler,  Gniesli  m. :  1.  lästig  Bittender.  — 
2.  unschlüssiger  Mensch  LE."  —  „gniexlig:  1.  lästig, 
zudringlich.  —  2.  unschlüssig  LE." 

abe"-giiöxe'':  hinunterstossen  oder  -würgen,  z.B. 
's  Esse"  ehalt  a.,  wenn  man  es  aus  Unlust  zu  lange 
hat    stehen    lassen    B.   —   Vwdt  mit  kuotzen,   eindrücken. 

Gnilx  m. :  kleines  Kind  Gl;  Syn.  Göf. 


Gnaz — gnuz. 


..giiatze":  wackeln,  schwanken  Scu.- 

Jlit    Assimilation   des    Labials   an    den    fulg.   Dental    aus 

Gnäzi:  Ignazius  Ap;  S;  auch  Nazi. 


Gr- 


Gra— gru. 

S,   auch   die  Reihen    Gr-n   und    Gr-fr. 

(ira-:  als  erster  Teil  von  Orts-  und  Personenn. 
1.  verk.  aus  Grab.  In  der  Grä-matt,  Flurn.  ZMettra.; 
vgl.  Lammatt  aus  Lang-matt.  —  2.  =  frz.  grand-, 
,Grawyler'  =  Grand -Villars.  Geschfo.  Ges.  14,  123. 
Grameter  =  Grand-maitre. 

gl'ile":  klagen,  murren  GnSchud.  -  Bair.  ./ran,  sich 
bekümmern. 

grä,  gre  s.  gräch.  grau,  grauen,  gräuelcii 
s.  gräw  usw.  Grauiker  s.  Grau- Acher f-Epfel). 
Gri,  Grie  s.  Grien,      gri  s.  grinn.      Grüi  s.  Griiej. 


Grab     grub. 

Ural)  11.  -  PI.  Gre'bei;  Dim.  Gre'bli:  wie  nhd. 
>('■  Htt  [iKuli]  i»i  Gl:  umchere"  (dräje"),  würde  ein 
Verstorbener  (vor  Unwillen),  wenn  er  gewis.se  Dinge, 
die  jetzt  vorgehen,  erführe,  allg.  Wer  im  Gr.  llt,  dein 
ist  wol  'bettet.  Sulger.  Im  ist  tcol,  öüs  ist  besser,  händ 
d'  Hase'  (/seit,  tco-s'  de"  Jäger  s'  Gr.  treit  [getragen] 
händ  ZHinw.  E  Tuecli  i  's  Gr.,  dermit  schabab  [auf 
dem  Brauche  beruhend,  die  Leichen  nur  in  ein  Lein- 
tuch zu  hüllen].  Sulger.  's  heilig  Gr.  hüete',  Etwas 
um  Gottes  Willen  tun,  ohne  Nutzen  daraus  zu  ziehen 
(Niemert  will  's  h.  Gr.  rergebe"  hüete'),  oder  auch : 
nicht  wissen,  was  man  an  einem  Orte  zu  tun  hat; 
.sich  langweilen,  ebd.  Über 's  Gr.  gä",  vom  Priester: 
nach  dem  Gottesdienst  am  Grabe  eines  Verstorbenen 
beten,  als  Eitualhandlung  L.  ,Dem  früehmesser  4  ß, 
also  dass  er  nach  der  mess  allewegen  mit  dem  wych- 
wasser  über  ir  gr.  gan  und  das  de  profundis  da  sprech.- 
1477.  LWillis.  Jahrzeitb.  ,An  aller  seien  1524  ward 
den  seien  nüt  über  ir  greber  gangen  [d.  h.  dieser 
Brauch  in  Z  abgeschafft].'  Edlib.  ,Wann  die  Priester 
über  die  Greber  gelient,  sollen  die  Neugläubigen  Jung 
oder  Alt  unverspott[ct]  und  ruewig  lassen  und  aussert- 
halb  der  Kirchhof  bleiben.'  1638,  GRh.  (Absch.).  ,Das 
Gr.  zeichnen',  am  Jahrestag  das  Grab  [für  den  Priester 
und  die  Angehörigen]  bemerlsbar  machen:  .6  den.  dem 
sigristen,  dass  er  ir  gr.  zeichni.'  1477,  LWillis.  Jahr- 
zeitb. ;  ein  Gr.  bildlich  herstellen :  Am  Gedenktag  der 
Murtner-Schlacht  soll  ein  Sigrist  ,am  abend  im  Chor 
ein  gr.  mit  eimtuech,  krüz  und  zweien  kerzen  zeich- 
nen.' L  (Gfrd.);  vgL  Fasten-Gr.  —  Abergh:  Wenn 
am  Sonntag  ein  Gr.  offen  ist,  stirbt  innert  4  Wochen 
Jmd  aus  der  Gemeinde  Schw.  Ein  Gr.  (muldenartige 
Vertiefung)  im  Schulterblatt  eines  geschlachteten 
Schweines  bedeutet  den  Tod  eines  Familiengliedes 
GkD.;  ähnl.  in  Z.  Von  den  Warzen  wird  Jmd  befreit, 
wenn  er  eine  Schnur  mit  ebenso  vielen  Knoten  in  ein 
leeres  Gr.  wirft  Z,  oder  man  spricht  während  des 
Grabgeläutes:  ,Es  läutet  Jenem  zum  Gr.,  jetzt  wasch 
ich  meine  Warzen  ab-  GrD.  ;  Z.  Es  schlät  in  's  Gr., 
wenn  der  Stundenschlag  der  Uhr  ins  Beerdigungs- 
geläute fällt,  Vorzeichen  eines  baldigen  neuen  Todes- 
falles GrD.;  s.  noch  Sp.  352.  Aus  dem  Grabe  eines 
Jünglings,  der  aus  Kummer  über  eine  ungerechte  An- 
schuldigunggestorben war,  sprosste  im  nächsten  Früh- 
ling eine  weisse  Lilie  empor  ZErL;  vgl.  Unot  S.  130. 

Faste"-:  Gr.,  welches  in  der  Fasten  für  den  Fron- 
leichnam in  der  Kirche  erstellt  wird.  .Ein  F.  vor  dem 
Crüzaltar  zu  machen.'  1645,  L  Stiftsprot,  wofür  von 
späterer  Hand  am  Rande :  .Fastentuech  für  das  Creuz- 
altar.' 

Chil'i'e"-,  meist  Dim. -6r)'f'Wi',  häufiger  -Gr.ehli: 
Bezeichnung  des  Grabes  (als  bei  der  Kirche  liegend) 
gegenüber  Kindern  Z.  Mach  nüd,  dass  d'  i"  's  Ch. 
chiinnst,  z.  B.  wenn  ein  Kind  unreifes  Obst  isst  oder 
die  Arznei  nicht  nehmen  will.  Die  Welt  stujt  us  em 
Chillegrab  [im  Frühling]  im  schönste  Hwhsigg'rnst. 
CMey.  1860.    Syn.  K.-Griiebli. 

Zu  bemerken  die  Inconsequenz  der  Spr.  iu  der  Bildung 
dus   Diin.   -yräbli,   welches  suust  Dim.  zu    Inahen  ist. 

Mann(s)-  n.:  ein  Bebenmass  =  Vi»  Juch.  Th,  auch 
rtwa   von  Ackerland,   so   viel   ein  fleissiger  Jlanii   in 


einem  Tag  umgraben  kann  TnUntersee.  ,Pfruond: 
1'2  mannsgraben  rebcn  für  stuck  8;  10  mannsgraben 
ist  ein  juchert,  2  sind  ein  fünften  teih'  1530,  Strickl. 
,Ein  Weingarten  ist  4  mann.sgrab  reben.'  1539,  Tn 
Mannenb.  Urk.  .Meinem  Gott  hat  es  gnädigst  belieben 
wollen,  mir,  dem  Geringsten  unter  den  Taglöhnern, 
ein  Manngrab  oder  Stückli  Reben  von  seinem  grossen 
Weinberg  anzuvertrauen.'  JKHofmstr  1744.  ,9  Juch.. 
3V2  Manngrab  Reben,  36  Mannwerk  Wiesen.'  1799,  G. 
Vgl.  Goldast,  Rer.  AI.  I  136:  ,Alamannis  in  pratis 
mannsmad,  in  vineis  manngrab,  in  agris  mannwerch, 
in  alpibus  mannstofel  [1.  -stafel].' 

Grabe"  1  m.  —  PI.  Graebe",  Dim.  Gr^bli:  im 
Allg.  wie  nhd.:  langgestreckte,  natürliche  oder  künst- 
liche Vertiefung  des  Bodens.  Im  Bes.  1.  in  Berg- 
gegenden: tiefe,  wilde  Runse,  mit  oder  ohne  reissen- 
des  Wasser,  Bergschlucht,  Fortsetzung  eines  Krachen, 
länger  und  weniger  tief  als  ein  Tobet;  oft  von  ännern 
Leuten  bewohntes  Seitentälchen  BsLd;  BE.,  0.;  P; 
Uw;  W.  Bei  BSumisw.  liegt  Wasen,  eine  Gemeinde, 
die  mit  den  dazu  gehörigen  Gräben  über  '2000  Seelen 
zählt.  ,Es  geschieht  oft,  dass  von  einem  Menschen 
ein  Ruf  [Renommee]  ilaher  kömmt  aus  einem  Gr.  oder 
einem  Städtchen.'  Gotth.  ,Im  ruessigen  Gr.  am  süd- 
liehen Abhang  hieng  ein  kleines  Häuschen.'  ebd.  ,In 
das  Haupttal  öffnen  sich  nur  unbedeutende  Neben- 
täler, die  meistens  eher  Schluchten  genannt  werden 
können,  und  in  Wirklichkeit  trägt  keines  den  Namen 
Tal,  sondern  Graben.'  HBus.  1865.  ,Ein  ander  mal 
was  ich  in  eim  gar  stotzenden  graben,  suecht  kleine 
christallen.'  ThPlatt.  1572.  ,Unsere  höllische  Gräben' 
=  die  Hölle,  resp.  deren  Klüfte.  Com.  Beati;  vgl. 
Hell-Gr.  —  2.  natürlicher  od.  (häufiger)  von  Menschen- 
hand erstellter  Graben  im  Flachland,  sei  es  Rinnsal 
eines  Baches  oder  Mühle-,  Abzugskanal  oder  Wässe- 
rungs-,  Strassengraben  usw.,  von  ,Bach'  zunächst  durch 
das  geringe  Gefälle  und  die  geradere  Richtung  unter- 
schieden. Auch  Graben  mit  Pfütze:  wie  d' Sau  im-ene 
Gr.  L.  In  bildl.  Anwendung:  ,Gott  erniedrigt  ihn  und 
schlägt  ihn  in  den  Gr.'  Gotth.  Als  Annäherungs- 
hinderniss  für  den  Soldaten  beim  Sturme  auf  eine 
Stellung  oder  Festung  oder  als  Hemmniss  für  den 
Fussgänger  auf  freiem  Feld  übh.  erscheint  Gr.  bildl. 
in  den  folg.  RAA. :  über  all  Grabe"  springe',  sich  über 
alle  Hindernisse  und  Gefahren  wegsetzen  S;  W.  Er 
ist  no"''  nit  ahn-  ulli  Giillm  ii'^jirangu  WVisp.  Hei 
derno  an  alli  iinnj:  Hm-ir,  in,  aber  all  Grabe  vei 
springe,  ne  Xiif.-iiJiiirh  ,i'li,i.  IIW ^>s  1863.  ,Nestor  vor 
Troja,  warnend:  Scluei  keiner  luii.  es  sei  ihm  g'lun- 
gen,  er  sei  dann  über  d'  Gräben  g'sprungen.'  GGotth. 
1599.  Über  alli  Grabe'  iis  sl'  GrD.  Bes.  allg.  aber: 
No'''  nid  über  de"  Gr.  sl".  Me'  muess  nid  juchzen, 
c  m.ji  über  de"  Gr.  ist.  Sprw.  (Sulger).  ,Künig  zue 
Ai  schryt  huy,  [gleich  als]  ob  er  über  den  gr.  kam 
[nach  seinem  Siege].'  RSchmid  1579.  ,Ich  mein,  ich 
syg  iez  uberen  Grab,  darf  keiner  Hilf  mer  hie  auf 
Erden.'  Com.  Beati.  .Wann  die  Strafen  Gottes  ver- 
zeuhen,  soll  uns  das  nicht  sorglos  machen,  sam  [als 
ob]  wir  über  den  Gr.  [seien].'  JMtjll.  1666.  ,Noch 
nicht  über  den  Gr.,  nondum  extra  teli  jactum.'  Mkv. 
Hort.  169'2.  .Bis  ein  solcher  Knab  die  ersten  Anfang 
gelernet  hat.  Und  da  soll  ein  Kinderlehrer  nicht  mei- 
nen, er  seie  über  den  Gr.  und  habe  die  Schlacht  ge- 
wunnen:  sonder  dises  ist  erst  das  Vorspil.'  DTomann 


ral).  .trrob.  -,• 


1708.  Vgl.:  Was  i'n  Gr.  fallt,  g'liört  de'  Soldate", 
ist  verloren.  Sprw.  (Sulger);  y gl.  Lehmann.  Von  den 
Festung.sgraben  der  Stallte  (wie  z.  B.  in  Z  der  sog. 
Schanzen-,  der  Fnisihcn-.  .In-  Hirschen-Gr.)  ist  dann 
öfter  der  Naiiio  (h.  mrli  di-n  Spaziergängen  geblieben, 
die  durch  naclilierigLo  AuHüllen  oder  Zudecken  der 
Graben  entstanden,  so  in  .\arau;  B;  Z;  vgl.  die  frz. 
houlevards  aus  ,Bollwerk'.  ,Ir  haben  uns  ein  Spiegel 
für  die  ougen  gestellt;  er  gehört  uf  den  graben  und 
nit  in  die  Carthus.'  1529,  Bs  Chr.;  vgl.  ,die  bösen 
hüt,  die  uf  dem  gr.  gent.-  Brud.  Berthold.  Übh.  ist 
das  W.  durch  die  ganze  Schweiz  zur  Bildung  einer 
grossen  Menge  von  Orts-  und  Flurnamen  verwendet 
worden,  in  Bed.  1  oder  2.  Mit  dem  Uml.  e'  noch 
erhalten  in  Z  Se-grehen  (eig.  Dat.  PI.),  benannt  von 
den  Vertiefungen  des  Bodens,  die  der  Pfäffikcrsee 
verursachte.  Das  einfache  Gr.  dient  als  Ortsbezeich- 
nung bes.  in  B  Chn,  am,  Mm,  uf-em  Gr.),  aber  auch 
in  F;  L;  GT.;  Z.  ausserdem  das  Dim.  Grähli  B;  L. 
.Das  hus,  darin  ich  erboren,  heisset  an  den  graben.' 
ThPlätt.  1572.  ,In  der  Wildi  am  Pilatus,  an  einem 
Ort  genannt  im  Graben.'  RCts.  c.  1600.  In  zahlreichen 
Zssen  bildet  GrabfenJ  den  ersten  Bestandteil,  in  ebenso 
vielen  den  zweiten,  von  welchen  als  Beispiele  folgende 
dienen  mögen:  Eier-Gr.  ZSchwerz.,  viell.  entstellt  aus 
Eie'-Gr.  (s.  Ei  Bd  I  18);  Ill-Gr.,  durch  Bergwasser 
ausgehöhlte  Bachrunse  im  Einfischtal  W;  Üwel-Gr. 
1653,  AAWett.  (Klosterarch.) ;  ,unz  an  den  fulen  graben', 
wohl  =  iSunipfgraben.  XVI.,  Ofpn.  Jestett;  Gidlen-Gr., 
Gr.  mit  stagnierendem  Wasser  BRoggw. ;  GerberfenJ- 
Gr.  BStdt  =  Gr.  der  Gerber;  Gross-Gr.,  grosse  Aus- 
schwenimung  hinter  StNiklaus  W ;  , Reben  auf  Hoh-Gr.' 
ZAltik.  (hier  der  Abhang  eines  Gr-s  gemeint) ;  Hasen-Gr. 
LHergisw.;  Katzen-Gr.  BRuchw.;  LWolh.;  SGänsbr.; 
ZEglis.,  und  Chotzen-Gr.  ScnSchl.  (wohl  das  selbe), 
einstiger  Aufenthalt  wilder  Katzen;  Kriemhilden-Gr. 
am  Türlersee  Z,  ,unz  in  kriemhilten  gr.'  1412,  Ofpn. 
Bors.  Die  sich  daran  knüpfende  Sage  von  der  Hexe 
Kriemhild  s.  bei  Mey.,  Z  Ortsn.,  Nr.  182;  ,dem  neuen 
Lybet-Gr.  nach.'  1600,  AAWett.  (Klosterarch.),  etwa 
Gr.  bei  ein,T  I,.-iinvaMdbh-ii-lie;  Lemu-Gr.  BBuchliolt. 
wnA  l.cim-dr.  l'.H.'iiiiisw..  wohl -^  7,,nH-On(W-  (s.d.); 
Möris-Gi.  «nlil  v„i,i  Gest-lilrchtsii.  Mori  od.  Ör,  LGro.:s- 
wang.;  .Mottcl-(ir.'  =  Mittel-,  Scheide-Gr.  AAMumpf 
(1535,  Oft'u.),  ebd.  ein  Voglers-Gr.,  vom  Goschlechtsn. 
,Voglcr';  Mürren-Gr.,  wilder  Zufluss  der  Emme  am 
Tannhorn  L;  Balmhach-Gr.,  Name  eines  Berges  S, 
wo  der  Berg  den  Namen  vom  Graben  erhielt,  vgl. 
Bachfei  aus  Bachtal:  Büti-Gr.  W;  Sack-Gr.,  eine 
Tiefe  bei  BFnitt.  (Fäsi  1768);  Sand-Gr.  BTrub  = 
Sand-Gi  luh :  s,-},,q-Gr.,  Bergnanie  S  (von  der  Sehaf- 
weidei:  Srlmnl,  r-i ,  r.,  Gr.  als  Schindanger  dienend 
SciiSchl. ;  Schluck-Ur.  (,Schluck'  =  Schlucht,  Hohlweg). 
1515/1653,  AAWett.  (Klosterarch.);  Schreied-Gr..  Bach 
mit  einem  Wassersprudel,  -fall  (Schreien)  WLeuk; 
Syn.  SchreifH-ünch:  Spille'-Gr.  ZP. ;  Tschaggenei-Gr. 
(fingiert. r  nif,n.i.  Aas  Erdbeeri-Mareili  wohnte  an 
einem  «n^irn  nnr  im  Tsch.  z' hinterst,  wo  Füchse 
und  Has'Mi  onunol.'r  gut  Nacht  sagen.'  Gotth.  (Tschag- 
genei  übr.  Faniilienn.  in  B  u.  F.  vom  \vrK,li,.H  ihtsn. 
Chaconag);  ,das  Bossloch  oder  Wildis-(i i:  lih'.i-^w.: 
vgl.  ,Wiitis-Gass',  ebenf  nach  einem  (irsrhlivlitsn,; 
Wolf-Gi:  LWiUis,:  Slian.hr.;  Zl,aiii;n.;  Svii.  Wolf- 
Grueb.  -  :'..  verk.  tiir  Im,.-  .,.]•;■  Si nrh-Gr'  im  Stalle 
(s.   d.)    Cit;    /..  I.    r, ,„/,/,     ai    IJ.iuo    Wass.Triliiie. 


kleiner  Wässergraben  BsLd;  Gl;  S;  Z.  -  b)  kleine 
Runse  in  Alpenweiden  BSi.  —  c)  an  einem  Strumpfe, 
=  Gass  4  c  (Sp.  450)  Z. 

Ahd.  ijiaho,  Dihd.  gralM.  Dass  dies  und  nicht  Graben  eig. 
die  richtige  Form  sei,  davon  zeugen  ausser  dem  Dim.  GriUili 
und  häufigen  Zssetzungcn  wie  Giiihmntt  auch  noch  Belege 
unserer  ä.  Literatur,  s.  oben  unter  2  (Com.  Boati)  und  vgl. 
,der  grab,  so  am  wog  anfacht.'  1421,  AaSpreitenb.  (Oifn.). 
Bei  der  RA.  no''''  nid  ülier  de*  Gr.  «"  denke  man  an  die 
vielen  Fälle  der  Erstürmung  von  Festungsgräben  bei  ver- 
schanzten Lagern  oder  Städten  seit  dem  Burgunder-  und 
Schwabenkriege  und  bc:s.  in  den  italienischen  und  spätem 
Söldnerfeldzügen. 

E-Grabe°  (auch  etwa  entstellt  Ne-  Z,  Er-,  Be-  L): 
eig.  rechtsgültiger  (Grenz-)  graben ;  dann  die  Kloake, 
der  durch  das  Gesetz  [die  E]  bestimmte  Abzugs- 
graben zwischen  2  Häuserreihen  einer  Stadt,  in  wel- 
chen sich  die  Aborte  entleeren  AaZ.  f;  Bf;  Lf;  Scn 
Stdt  u.  St.t  und  bes.  ZStdtf.  RA.:  Stinke*  wie-n-en 
(wie  iis-eme)  E.  Z.  Syn.  Schütt-Gr.;  E-Furt;  E-Grueb ; 
E-Bims;  vgl.  ewige  Cisterne  Bd  I  610.  Nach  Hdnz. 
auch  ein  2  Grundstücke  oder  2  Hausareale  gesetzlich 
scheidender  Graben  (Aa);  nach  Ausfüllung  der  Egraben 
in  neuerer  Zeit  auch  das  enge  Gässlein  zwischen  2 
Häusern,  Brand-,  Feuergasse  ScuSt.  .Enhein  egraben 
rumen  tages.'  L  Stadtb.  1300/15.  ,Die  egraben,  die 
vor  verbotten  wurden,  soll  nieman  wider  machen.' 
Z  RBr.  1304.  ,Swer  in  der  stat  bach  an  der  vordren 
gassen  oder  in  dem  egraben  kein  [irgend-welches]  stro 
oder  keinen  kumber  [Schutt]  wirft,  davon  er  verswellct 
Wirt,  der  git  3  ß.'  1331,  TnFr.  (Stadtr.).  ,Der  egrab 
soll  allweg  offen  stan.'  TnOberh.  Oifn.  ,Die  egraben 
sollent  so  wyt  .sin,  dass  sich  ein  järig  schwyn  darin 
mög  umbkeren.'  XV.,  ZKyb.  Oifn.  , Egraben,  söllche 
graben,  die  mit  recht  und  verkommnus  gegraben  und 
zuo  graben  geordnet  und  gewidmet  sind.'  HBüll.  1540. 
,Latnna,  cloaea,  ein  egraben  oder  schüttgraben,  tolen, 
dardurch  der  unflat  und  wuest  einer  statt  hinwgg 
lauft.'  Fris.;  Mal.;  (Denzl.  1677;  1716).  ,Frösch,  die 
in  ehgräben  sind.'  LLav.  1.587.  ,Wie  die  Ehegräben 
besichtiget  und  in  Ehren  gehalten  werden  sollend.' 
B  Gerichtssatz.  1615;  vgl.:  .Bachmeister  soll  allwfigen 
in  14  Tagen  oder  dryen  Wuchen  einest  durch  der 
Statt  heimlieh  Gräben  gan.-  ebd.  ,Ein  Jucherten  in 
dem  Grab-Achcr,  stosst  an  Egraben.'  1653,  AAWett. 
Klosterarch.  ,Wer  könnte  allen  Unrat,  der  aus  diesem 
wüsten  Ehegraben  [der  Bestechlichkeit]  hervorstinket, 
erzählen?'  JJÜlr.  1733.  ,Particularen,  die  auf  offenen 
Gassen,  Durchgängen  oder  Gässlenen  s.  h.  Baugruben, 
Eingang  in  die  Ehegräben  oder  auch  in  die  Keller 
und  andere  Löcher  haben.'  B  Polizeiregl.  1748.  ,Die 
Wegschaffung  des  s.  v.  Mists  und  der  Güllen  aus  den 
Ehgräben  und  s.  v.  Sekreten  soll  in  den  Brach-,  Heu- 
und  Augstmonaten  gar  nicht,  in  den  übrigen  Monaten 
aber  so  geschehen,  dass  auf  den  öffentlichen  Plätzen 
Niclits  liegen  bleibe.'  1779,  Z  Ges.  ,Les  cloaques  de 
la  ville  sont  appeles  Ergraben  et  Ehgräben  dans  les 
lois  ediles.'  KCenlin  1832.  -  Vgl.  f-F.,d  Bd  1  671.  /•<../- 

Grahcn;    Ur-Gamj. 

Ab-:  Scheidegraben  auf  den  Alpen,  dgl.  entstehen, 
wo  aus  Mangel  an  Steinen  Rasenstücke  auf  einander 
gelegt  werden,  um  die  sog.  Schaltmürli  zu  ersetzen 
ScHW.  Vgl.  Fäll-Gr.  —  In-.  .Eingreben  oder  tollen, 
darin  das  wasser  lauft  oder  rünnt,  agoga.'  Mal.  — 
Er-  s.  E-Gr.  —  Ort-:  Strasscngraben  (am  Rande  der 


irali. 


srol), 


nil, 


Strasse),  Gosse  Z.  ,Ein  Seitcngrabeii,  in  welchen  das 
Kogenwasser  ab  der  Strasse  abgeleitet,  gegen  die 
Wohnung  des  Appellaten  und  dort  mittelst  der  Tolle 
unter  der  Strasse  hindurch  in  den  jenseitigen  O.  ge- 
führt wird.-  Z  Reclitspfl. 

Kttike"-Gräbli:  kleine  Grube  in  der  Kapelle 
auf  der  Insel  Werd  bei  ScHSt..  in  welche  die  Mütter 
ihre  kranken  Kinder  legen,  um  sie  vom  sog.  Ettilce' 
(lid  I  SgO)  heilen  zu  lassen.  Svlger. 

Vech-Grabe»  =  Küe-Gr.  ZB. 

Fad-,  in  ZS.  Pfad-:  Grenzgraben  zwischen  zwei 
Grundstücken.  ,Die  Pf.  sollen  geötfnet  werden  unter 
Androhung  von  Busse.'  ZZoll.  (Amtsbl.  1873).  ,A11 
weg  und  fattgraben  beseehen,  darum  dass  die  bann 
und   das  dorf  in  eren   gehalten  werd.'   Otfn.  TnGütt. 

—  S.    Fad  Bd   I   671.      Pfad  ist  Umdeutung. 

Fäll-  (-e'-):  Graben  mit  etwa  2'  hohem  senk- 
rechten Bord  dem  steilen  Abhänge  einer  Alp  entlang 
zur  Abhaltung  des  Weideviehs,  wo  zu  Mauern  und 
Zäunen  das  Material  nicht  vorhanden  UwE.;  vgl. 
Ab-Gr.  -  Von  fällen  {s.  Bd  I  759  c).  Sachlich  und  ety- 
mologisch vergleicht  sich    VorfäUi  ebd.   761. 

Furre»-:  die  Ackerfurche  als  Vertiefung  Ap. 

K-Furt-  =  Fad -Gr.  ,Die  Bäche  und  Ehfurt- 
graben  im  Gemeindsbanue  ZEickenb.  sind  von  den 
botretlenden  Anstössern  bis  den  '20.  Herbstm.  nach 
vorschriftsraässiger  Breite  zu  öffnen.'  Z  Amtsbl.  1875. 

—  S.    E-Furt  Bd   I    1044. 

Flicss-:  unterirdischer  Graben,  welcher  mit  Feld- 
steinen ausgefüllt  wird  Gr  ObS.  Syn.  Schutt -Tnlle". 
^    Aus  FrU„-(:,.   mit   AuU'hiiimg  an  flietmu 

Flotsch-:  1.  Jauchegrube  unmittelbar  vor  dem 
Stalle,  in  welche  die  Exkremente  des  Viehes  sammt 
der  zu  ,Mist'  gewordenen  Streue  durch  den  Strich-Gr. 
hinau.sge.schafft  und  aus  welcher  der  ,Mist-  unter 
Schwenken  in  der  Jauche  Ciisc-flotschen)  mit  <ler  Mist- 
gabel auf  den  dabei  liegenden  Düngerhaufen  geworfen 
wird  ZS.  Vgl.  Ilotschen  3  (Bd  I  1237).  Bei  der  altern 
Stallcinriohtung  war  diese  Jauchegrube  (aber  von  ge- 
ringerer Dimension)  im  Innern  des  Stalles  selbst  und 
hiess  Chüe-Gr.,  welcher  Name  bisweilen  auch  dem 
/'■/.  gegeben  wird.  —  2.  die  Jauche  des  Fl-s;  Syn. 
Küe-Gr.;  FJotsi:h-Troy.  —  Frid-:  Einfriedigungs-, 
Grenzgraben  „B;  S.-  ,Klag,  dass  die  hueber  [in 
ZSchwam.]  alle  alte  ü-,  houpt-  und  fiidgräben  nit  uf- 
tüegind,  sonder  gar  insitzen  und  verwachsen  lassind.' 
152(3,  Hotz,  Urk. 

Fries-:  offener  Abzugsgraben,  dgl.  in  nassen 
Wiesen  und  Alpen  zur  Austrocknung  angelegt  werden 

BR.    -     Frie»    s.    Bd    I    1329.      Vgl.    FIkm-Cr. 

Gitzi-:  rauhe,  abgelegene  Bergschlucht  (i.  S.  v. 
Gr.  1),  wo  nur  noch  Ziegen  hingelangen  können  B; 
,!,'•;  Syn.  Gitsi-Nest. 

Grännis-:  spöttischer  Ausdruck  für  ein  Kind,  das 
immer  weint  (sein  Gesicht  gleichsam  durch  tiefe  Fur- 
chen verzieht)  BO.  --  (Jräniun,  den  Mimd  verziehen,  weinen. 

Grund -Gräbli  s.  Gr.-Rih.  —  Hell-Grabe": 
Bezeichnung  wilder  Schluchten,  z.  B.  bei  BSum.,  Hk. 
Bei  WLeuk  der  Höllen-Gr.,  ein  Ort,  wo  die  Sehatz- 
gräber ihre  Zskünfte  halten  (Schweizerbote  1817). 
S.  Hell.  —  Hol-:  gedeckter  Abzugsgraben  Gl.  Syn. 
Akten;  Gollisen;  Tollen.  —  Hirsche"-:  Stadtgraben 
in  .\arau;  ZStdt,  in  dem  Hirsche  gehalten  wurden;  vgl. 


den  Bären-Gr.  in  B.  ,In  dem  Stattgraben  der  grössern 
Statt  wird  eine  grosse  Anzahl  Hirschen  von  der  über- 
keit  erhalten.-  EEscueb  1G!'2.  —  Chüe-:  1.  Graben 
im  Kuhstall  hinter  dem  Standort  der  Kühe,  dazu  be- 
stimmt, den  Unrat  aufzunehmen  Z.  Syn.  Vcch-,  Schorr-, 
Strich-Gr.;  vgl.  Flotsch-Gr.  ,Das  von  dem  Diel  Ab- 
fliessende  führt  in  den  Kuhgr.  oder  Käncl,  der  in 
Leimen  eingegraben  durch  die  Länge  des  Stalles  geht.' 
Th  (Schweizerbote  1805).  ,Für  das  Vieh,  wann  es 
geblaget  wird  von  bösen  Leuten,  9  Schössli  Santen- 
Hanskrut  hinder  die  Stalltür  gehenkt  und  Hustür, 
4  Lod  Tüfelsdreck  in  ein  Pfannen  voll  Glüet  getan, 
bis  er  nicht  iiier  kn.'llt.  niid  dann  in  den  K.  geschütt.' 
ZZoll.  Arzneib.  17:.o.    S.  In.s.  Gr  Samml.  1804,  S.  18  f. 

—  2.  die  aus  1  g.'w.iiiiiiMn-  Jauche  selber,  im  Gegs. 
zu  Hüsli-Gülh"  Z;   Syn.   Chüe-Güllen;  Flotsch-Gr.  3. 

—  Chegel-:  Kegelbahn  Sch.  —  Chüngeli-:  Stadt- 
graben, worin  Kaninchen  gehalten  werden,  wie  im 
.Hirschengr.-  Hirsche  SStdt.  —  Ländi-:  (mit  Mauer- 
und  Pfahlwerk  in  den  See  hinaus  verlängerter)  Graben 
für  das  Anlegen  der  Schiffe  ZS.;  vgl.  Hab. 

Lösch-:  Graben,  dgl.  in  sumpfigen  Ebenen  aus- 
gestochen werden,  um  das  Wasser  abzuziehen  W.  — 
LfJschen,  ausschütten,  leeren. 

Le'tz(i)-:  Schutzgraben  an  der  Grenze  [LetziJ. 
,Wir  laiten  uns  an  den  letzgr.  uf  dem  Zürichberg  bi 
dem  warthiuslin.-  1336/1446,  Z  Chr.  ,Von  dem  mavk- 
stein  an  den  Pilgerweg  und  in  den  letzgr.  und  den  1. 
uf  unz  uf  die  höchi.'  AANeuenh.  Offn.  ,Man  tat  aber 
[1443]  in  der  grossen  Stadt,  welche  man  aus  den 
Letzegräben  defendirte.  nienialen  kein  Tor  zu.-  Mem. 
Tig.  1742. 

MüUi-:  Mühlekanal,  wofür  häufiger:  MülU-Bacli. 
In  Ürtsnn.  z.  B.  BMüns.  ,Der  vom  Schimberge  her- 
unterstürzende M.' JXSchnyd.  1782.  —  Mos-:  Sunipf- 
graben.  .Die  [Zürcher  bei  Cappel  1531]  funden  s'  [die 
Feinde]  in  irem  vorteil  stan  mit  geschütz,  niossgr. 
und  aller  dingen.-  Salat.  -  Mist-  =  Küe-Gr.  1 
ScHwPfäff.,  Rotent.;  Obw;  Syn.  Strich-Gr. 

Nienerlis-:  fingierter  Ort  der  Sage,  wo  der 
Kinderräuber  Xienerli  die  unfolg.samcn  Kinder  hin- 
trägt L.  .Im  N.,  da  muess  ich  g'nagen-,  schreien  dort 
die  geraubten  Kinder.  Li'i.  S.ag.  S.  :i!».  -  y.  cig.  ein 
Nirgeiulheim.      .Mh.l.    „ir,,,,-.   uir^cwU. 

Bu-:  VDüngergrube;  viell.  =  F-Gr.  .In  den  buwgr. 
zeNümarkte.'  f29-2/1371,  ZRatsb.  —  Pfad-  x.  Fad-Gr. 
—  Ee-  s.  F-G-r.  —  Sod-:  Graben,  in  den  aus  dem 
Erdreich  quellendes  Wasser  zsfliesst  Aa. 

Sar-:  Suiniifu-nilirn  y  .Stosst  unden  an  des  keln- 
hofes  wriilwis  ^,--.11  <l.i  i;iatt  und  an  saargr.'  XVI., 
Hotz.   l'rk.  S,,r,   Schutt,   lii-schiebe:  Sumpfland. 

Schorr(e")-,  Schurr-:  Rinne,  Abzugskanal  im 
Stalle,  worein  der  Dünger  fliesst  und  durch  welclien 
der  Mist  hinausgekehrt,  .geschorrt'  wird  Aa;  B;  L: 
GuT.;  S;  W.  Synn.  s.  bei  Chüe-Gr.  -  Schiss-: 
Kloake.  ,Nun  secht,  wie  im  [dem  alten  Gauch]  die 
backen  hangen,  er  soll  nüt  me  [taugt  zu  Nichts  mehr] 
dann  in  sch.'  Genuenb.  GM.  1516.  —  Schutt-  s.  F-Gr. 

Schlitz-:  (oft  Dim.)  kleiner  Wassergraben  auf 
Wiesen  zur  Bewässerung  derselben;  meist  Veräste- 
lungen eines  grössern  Grabens;  die  letzten  Ausläufe 
der  Wassergräben  „B;  L;"  S.  —  Das  Tcrrani  wird  dur.:li 
diese  Orilben  tjencMilsl,   d.    i.  zm-schnitteu. 


L'b.  grib.  grub. 


n.h 


„Stich-Gräbli:  kleine  Abzweigungen  der  Schlitz- 
Ch:  [gleichs.  ein  , Stich-  in  die  letztern],  welche  dazu 
dienen,  auch  die  kleinsten  Teile  einer  Wiese  zu  be- 
wässern. Sie  überwachsen  bald  wieder  mit  Rasen, 
daher  sie  oft  erneuert  [mit  dem  Spaten  .aufgestochen'], 
auch  verändert  werden  B;  L."  —  Strich-Grabe"  = 
Schmr-Gi:  G  uT.  tw. ;  ZO.,  S  tw.,  Wl.  Syn.  Strich- 
Baum.  ,Die  Kuh  wirft  den  Melkenden  in  den  Streichgr. 
über  den  Haufen  und  verschüttet  die  Milch  bis  auf 
den  letzten  Tropfen.'  Stutz  1854.  —  Toll-:  bedeckter 
Graben  zum  Abzug  des  Wassers  Ap;  G;  Ndw.  Syn. 
Tollen.  ,FosssB,  die  tollgräben  im  feld.'  Fris.  — 
,Tonn-:  bedeckter  Abzugsgraben  zur  Entwässerung 
nassen  Landes  B.'-  Syn.  Tonnen;  Tollen.  —  Tier-: 
Graben,  in  welchem  Rehe  und  Hirsche  gehalten  wurden. 
Ein  solcher  zu  LWillis.  ,Ab  der  matten  vor  dem  t.' 
c.  XIV.,  Gprd.  Vgl.  Hirschen-Gr.  und  Tier-Garten.  — 
,Wuer- =  iScÄK<Ä-6ri-.  BNidau."  ,Die  wuorgräben  wer- 
dend kleinern  und  erdorren.'  1531,  Jesa.t.,  als  Übers. 
von  Siuipuxes-  —  Us-zug-:  Entwässerungsgraben,  mit 
der  Verpflichtung  für  den  Besitzer  des  anstossenden, 
tiefer  gelegenen  Grundstückes,  demselben  Us-eug  zu 
geben,  d.  h.  auf  seinem  Boden  den  Graben  fortzusetzen. 
,Item  wir  band  auch  dry  uszüggreben;  da  hat  je  der 
oberist  den  nidersten  zuo  nöten  und  sond  einander 
erlich  uszüg  gen.'  1536,  ScHwReichenb.  ,Stosst  an  den 
Uszuggraben.'  1756,  LReiden.  ,Wo  denn  die  eigent- 
lichen Auszuggräben  sind  und  sein  sollen,  da  soll 
jeder,  der  daran  stosst,  mit  seinen  Wiesen  halben 
Stich  und  Auszug  geben.'  Gl  LB.  1835.  Vgl.  Blumer, 
RG.  II,  2,  72-73. 

Grabe"  II  f.:  Grabscheit,  -schaufei  ScHSt;  Tu. 
,1  graben'  [zwischen:  ,3  achsen  und  2  ysinen  gablen']. 
1380,  Z  Staatsarch.;  ebso  [zwischen:  ,spat  u.  schuflen'] 
1469,  ebd.  ,Den  tofstein  understanden  mit  einer  nüwen 
gr.  umzegraben.'  Sicher  1531.   -    Mhd.  </ra6--  f. 

grabe(n),  -(i-  bzw.  -ä-  (grahti;  g'grabe",  in  LE. 
g'grabf):  1.  wie  nhd.  Matte"  gr.  s.  Sp.  685.  Im 
Bes.  Eelien  gr.,  den  Weinberg  umgraben  Son;  vgl. 
Grabet.  —  '2.  einen  Kiltgänger  im  Hause  der  Geliebten 
belagern  und  ausheben.  Dies  tun  die  Dorfbursche 
bes.  einem  Burschen  aus  einem  andern  Orte,  wobei  der 
.Gegrabene'  sich  gewöhnlich  durch  Geld-  oder  Trank- 
spende loskaufen  muss  GfiPr.  D's  Zedi  und  Jogg  sind 
ulängst  nn-ire  Samstignacht  va"  de"  Ledege'  g'grabe" 
icorde".  Schwzd.  ,Ein  anderes  Pärchen  muss  herhalten, 
wird  (nach  ihrem  Ausdruck)  gegraben.'  ICRutish.  1880. 
—  3.  eingraben,  gravieren,  schnitzen.  , Allerlei  ge- 
grabne  und  flache  bildnusscn.'  Kessl.  1539.  —  4.  bildl. 
von  Gewissensbissen:  es  grabt -mer  noch  allzit  im 
G'tvissH  (Herz)  umha  W;  Syn.  krahlen.  —  5.  (intr.) 
vom  Holze,  das  beim  Spalten  an  der  Spaltfläche  Fur- 
chen wirft,  Vertiefungen  bekommt  ,LE.;''  Ndw;  Syn. 
grueben  2. 

Die  schwache  Form  auch  schon  bei  Khagor.  1639:  .ge- 
grabt', ,uBansgegrabt  lassen',  ,nacbgrabt  werden'.  Bed.  i 
entlehnt  vom  , Graben'  (ausgraben)  der  Murmeltiere  udgl.  in 
ihrem  Baue.   —   Abi.    Grcheh 

ab-:  1.  durch  (tiefer)  Graben  entziehen.  Eim  's 
Wasser,  e  Quell,  en  Brunne  a.  Dann  auch  bildl.: 
Ei'"m  d's  Wasser  a.,  Jmds  Ansehen,  Stellung  unter- 
graben, zu  eigenem  Vorteile  schädigen  B;  Z.  Auch 
absol. :  Eim  a.,  Einem  entgegenwirken  Z.  Öppisem 
(I.,  einer  Sache  vorbeugen  durch  Gegenmassregeln  Z. 


,.K\s.  die  Pharisäer  die  Bestrafung  des  Herrn  nicht 
konnten  ertragen,  da  haben  sie  vermeint,  solchen  ab- 
zugraben [in  Verlegenheit  zu  bringen],  wann  sie  ihn 
seines  Berufs  halben  [verfänglich]  fragten.'  ClSchob. 
1695,  wobei  zwar  auch  an  das  ,Graben'  [Fangen]  der 
Dachse  gedacht  werden  kann.  ,Ich  muss  den  .Ab- 
schweifungen [vom  Hauptgegenstande]  a.'  VMey.  1762. 
,Zwistigkeiten  den  Weg  abzugr.'  L  Stadtr.  1765.  Von 
sich  ablehnen  Sch.  —  2.  bi  Eim  a.,  Jnidn  durch  gute 
Worte  zu  besänftigen  suchen  „Schw;  Zg";  ,abwiegeln- 
Gl.  —  3.  durch  Begraben  vertreiben.  Abergl. :  ,Eine 
Krankheit  wird  abgegr..  indem  man  ein  Büschel  Haare 
des  Kranken  in  die  Erde  gräbt.'  Thell.  1867.  —  4.  ab- 
gravieren :  s.  graben  3.  .N.  N.  von  Sch  habe  das  Siegel 
des  Hauptmann  K.  a.  lassen  und  falsche  Briefe  ge- 
schrieben.' 1534,  Absch. 

•2  scheint  auf  der  Anschauung  eines  aufgestauten  Wassers 
zu  beruhen,  welches  abgeleitet  werden  soll,  damit  es  nicht 
übersch  wemme. 

über-:  1.  über  die  Ackergrenze  hinaus,  auf  das 
Gebiet  des  Nachbars  graben.  , Märchen  ü.,  übereren, 
uberschnyden,  überhauen  soll  bestraft  werden.'  1509, 
Absch.  , Welcher  den  andern  im  zwing  überzünt,  über- 
grabt, im  holzhaw  überhowt,  soll  gestraft  werden.' 
1562,  LRickenb.  (Esterm.).  —  2.  durch  Graben  (von 
Gräbern)  aus-  oder  überfüllen.  ,Dann  die  Kirchhof 
sonst  üborgraben,  also  dass  wenig  Platz.'  RCys.  — 
üf-:  1.  wie  nhd.  Bie  Feier  von  Andre"  ga  u.,  auf- 
decken W ;  Syn.  ent-gr.  —_  2.  aus(ge)graben  (aus  dem 
Grabe).  Vsg'seh  ivie  en  Ufg'grahne,  aussehen  wie  der 
Tod  Gr.  —  um(hin)-:  \.  umme-,  das  Land  mit  dem 
Grabscheit  umgraben.  En  guete"  Ummegraber  sott  in 
längste  Tage  en  Viei'lig   ['/*  Juchart]    mögen  u.    ZS. 

—  2.  durch  Graben    zu  Falle    bringen.    Sicher  1531. 

—  in-:  1.  wie  nhd.  allg.  ,Die  fynd  habend  sich  yn- 
gegraben  und  verschanzet.'  1531,  Absch.  —  2.  mit 
Gräben  einfassen.  ,Wer  seine  Wiesen  eingraben  und 
sondern  will,  dem  soll  der  Anstösser  den  dritten  Stich 
geben  helfen.'  Gl  LB.  1835.  —  ent-  =  fifgraben.  B's 
Schlechta  vom  Nebumenschu  e.,  aufdecken  W. 

er-:  1.  mit  dem  Grabstichel  stechen,  gravieren, 
ciselieren.  .Ein  silbrin  fass  mit  ergrabunge  gezieret.' 
G  Hdschr.  ,Das  kistli  ergraben  (insculptum).'  XIV.,  B. 
,Ein  ergrabne  latern,  ein  ergraben  ledli,  ergraben 
gänterli.'  c.  1410,  L  Vogtkinderrechn.  —  2.  durch- 
bohren. ,Dynes  ergrabnen  gebeins,  dyner  ergrabnen 
bänden.'  1476,  G  Hdschr.  —  Uugewiss  ist  der  .Sinn  des  W. 
in:  ,Die  ergrabung  der  Strassen.'   1.547,  Absch.  IV  1  d  S90. 

vis-:  1.  wie  nhd.  Die  Wurzeln  bloss  legen,  von 
der  Erde  befreien  S.  —  2.  aufschneiden,  ausweiden. 
,Die  getödtete  schlang  was  fast  gross  und  am  3.  tag 
grueben  wir  si  us  und  hat  vil  eiger.'  1520/29,  HsStock. 

ver-  (Ptc.  in  BE.,  0.  -grabt):  1.  wie  nhd.  ein- 
graben; durch  Eingraben  verbergen.  Die  Chilche"  sig 
da  vergrabti  BO.  (Rotenb.).  —  2.  begraben,  beerdigen, 
allg.  Wan  er  ist  vergrabtc  g'sin  u"''  d's  Gedächtnuss 
g'häbes  [abgehalten],  su  yit  [geht]  der  Junge  zum 
Pfarrei-  «"*  fragt-ne,  eb  er  narist  just  wuhi  [hinauf] 
sJgi  i  Hummel?  FS.  (Schwzd.).  ,Do  sy  [Maria]  von 
den  jungren  mit  er  v.  ist.'  Fabri,  Pilgerb.  ,Wir  fun- 
den  die  unsern  zerschossen.  Also  hand  wir  sy  all  v.- 
1524,  Absch.  .Bestatten,  in  die  erden  legen,  v.'  Mal. 
Übertr.  d'  Lässi  r.,  den  glücklich  überstandenen  Ader- 
lass  durch  ein  Gelage  feiern  Ap;  's  Neujär  r.,  an  Drei- 
Königen  (6.  .lan.)  eine  kloine  Nachfeier  halten,  wobei 


r.85 


Grab,  grc 


ilio  letzten  , Zupfen',  Kinge  und  andere  Gebäcke,  die 
aut  Neujahr  gebacken  waren,  aufgetischt  werden  S. 
D'  Fasnacht  i:  s.  u.  F.  —  3.  durch  einen  Graben 
schützen,  einfriedigen.  ,Hat  jemand  an  das  riet  ze 
stossend,  der  gern  frid  haben  wollt,  der  soll  das  ver- 
zünen  oder  v.,  dann  geschähe  im  schad,  wäre  im  der 
hirt  nichts  darum  schuldig.'  147'2,  Z  ObWthur.  Offn. 
—  4.  durch  Graben  zerstören,  beseitigen;  s.  vei'-acheren 
Bd  I  09.  —  5.  refl.,  durch  gewagte  Unternehmungen 
sich  ökonomisch  ruinieren  Z.  —  Das  Ptc.  .vergrabt'  auch 
bei  GGotth.   n!19. 

matte»-:  1.  die  Wässerungsgraben  öffnen  S.  — 
2.  ein  Spiel  der  .Hüterbuben  [Hirtenknaben]'.  ,Wir 
machten  Spiele,  Steckenwerfen  oder  M.'  Gotth.  — 
schätz-:  nach  Schätzen  graben.  Öppen  in  Zicänzger- 
[18'20er]järe  hät-men  ammig  der  alt  N.  N.  under  Liecht 
g'seli  mit-eme  schwarze  Geissbock  i'  's  Höh  ufe  ftire' 
ge'  seh.  ZZoll.  .Der  Scharfrichter  wegen  Seh..  Al- 
runensuechen  und  andrer  Verbrechen  in  Haft  gesetzt.' 
1740,  Absch.  —  würze"-:  heilkräftige  Wurzeln  und 
Pflanzen  für  die  Apotheken  und  Arzte  ausgraben,  ein 
Erwerbszweig  armer  Leute  Gl.  S.  be-gän  Sp.  32  und 
vgl.   Wiirien-Grabi'r. 

Graber:  1.  Einer,  der  gräbt;  s.  Fries  Bd  1  13'29 
und  Stein-Galle"  Sp.  205.  En  giietc  Gr.,  en  löse  Setzer, 
nicht  jeiler  üebniann,  der  das  Graben  versteht,  kann 
darum  auch  Bäume  setzen.  Sclger;  doch  wohl  eher: 
nicht  Jeder,  der  beim  Grueben  der  Reben  den  Graben 
aufwerfen  kann,  versteht  auch  das  Setzen  [abe'-legge"] 
der  Keben.  Wenn  's  Aug  a"  der  Bebe  de  Gr.  offen 
ahieget,  se  chient  's  liecht  erblinde',  es  ist  zu  weit  vor- 
gerückt und  kann  noch  erfrieren,  ebd.  Auch  spottend: 
Benennung  eines  Mähers,  der  zu  tief  mäht;  durch  das 
zu  tiefe  Einhauen  der  Sense  entstehen  wirklich  eine  Art 
Gräbchen  GRÖbS.;  Syn.  Griipler.  Als  Geschlechtsn.: 
,MicheI  Graber,  Statthalter  zu  BSigr.'  1535.  —  2.  Hacke 
zum  Ausgraben  der  Kartoffeln  GrV. 

Herdöpfel-  =  Gr.  2  GrV.  —  Erz-:  Bergmann 
STierst.  —  Ise"-:  Künstler,  der  das  Eisen  zu  cise- 
lieren  versteht.  ,Man  hatte  [im  XV.]  zu  Bs  einen 
Ysengraber.  Fremde  Städte  schickten  ir  Ysen  hieher, 
um  solches  durch  denselben  graben  zu  lassen.'  Ochs. 
X gl.  graben  3  und  er-grabcn.  lüM-:  li.tor  [Bild- 

schnitzer].' Mal.  —  SalpetiM-,  .Im.-  S.  Milien  Bür- 
gen stellen,  was  sie  mit  Für  ."Iim  ,M,ll^t  \  rrwarlosen. 
wider  gut  ze  machen.'  16.5o.  Aiis(  ii.  .liie  S.  kr.niieii 
als  arme  Leute  nicht  zu  Stellaiiir  v<iii  BiugMhafteii 
angehalten,  dagegen  zur  Herstellung  der  durihsuclitfii 
Orte  genötigt  werden.'  ebd.  ,2  alte  fule  und  dürre 
Eichen,  die  man  den  S.-graberen  zu  irer  Arbeit  ge- 
geben.' 167Ö,  ZSchwam. 

Ticht-:  Teichgräber.  ,Die  ussländischen  pfaffen 
beschicktend  die  äbt  allenthalb,  wie  man  iez  knappen 
und  t.  und  kriegsknecht  bestellt.'  Vad.  —  Ti>ht  mit 
angeschossenem  (,  wie  hei  Lich(i)  n.  a.,  aus  nihd.  ndi,  Teich. 

Würze"-:  1.  Wurzelgräber,  arme  Leute,  die  für 
die  Fabrikanten  von  Enzianbranntwein  in  den  Alpen 
die  Wurzeln  der  gentiana  lutea  ausgraben  Gr.  .Ein 
Würzligraber,  der  die  Schichten  durchstöbert  bis 
z'nächst  ungerüs.'  Gotth.  .Hans  Feier,  W.'  1C92, 
AAWett.  Klosterareh.  Auch  Spitzn.  der  (Landbau  trei- 
benden) Klein-Basler.  —  2.  kleiner  Mann,  Knirps  Gr. 

'2  bezieht  sich  viell.  auf  Zwerge,  äenen  auch  Kenntiiiss 
viin   Heihnittohi  zugeschrieben  wurde. 


Grabet  m. :  die  Zeit,  in  der  man  die  Weinberge 
umgräbt  Sch;  Syn.  Hacket. 

(Herdepfel-)  Gräh er  f-i'-J  m.:  Werkzeug  zum  Gra- 
ben (der  Kartoffeln  usw.)  GRÜbS.;  Syn.  Graber,  Grebel. 
—  gräbere"  C-e'-J :  zwecklos  oder  unzweckmässig 
graben  GlK. 

gräb(e)le"  I:  kleine  Graben  oder  Furchen  ziehen. 
,Die  Kartofi'eln  gr.  oder  häufeln.'   Obw  Volksfr.  1880. 

Gräbler  m.:  Gräber,  Leichengräber  W  (Alpenp. 
n  51).  —  Mischung  aus  Grihel  und  O'räbir.  S.  die  Anm.  zu 
Toten-Greliel. 

gräbne":  Gräben  auftun,  ziehen  „VOkte;'-  Z. 
.Die  Grabenötfnung  im  Horgner  Wachtgut.  das  sog. 
Gr.'  1858,  Hotz,  Horgn.-Egg. 

Gräbnuss  f-e'-J,  auch  Grepnuss  f.  und  Grepniss  n.: 
Begräbniss  Bs;  Nnw.  Syn.  Gräbt.  ,Grebnuss  begon.' 
Mal.     ,Syn  gr.  [Grab]  ist  nit  wyt  von  hinnen.'  Fun- 

KELIN    1552.    —    Schon    nihd.    rjrebnui. 

Y ot-grebnisch(tJ  f.:  ebenso  GnPr.,  S. 

,Grabaten  oder  Halstücher.'  Kriegsr.  1704.  —  Frz. 

(er-,  v  er-)  graben  s.  graicen. 

grablen  s.  kr-  und  gräpfeßen.      grablig  s.  /.■)■-. 

Gräbel(i)  s.  Kr-  und  Ge-räbel. 

gräb(el)en  II  s.  grawen. 

Gränbe»  AAF.(tw.-iJ-);  BK.;  GRD.,Pr.,ObS.;  Lr-W; 
W  —  f.,  GräubiÄASt;  B;  L:  ScHW;  S;  Nnw;  UwE.; 
U  -  n.,  Grieb(e°)  AaEtL;  B^T.d:  SB..   Grüb(e") 

f-Ü-)  XAWohl.{-p-J;  Xv;  Bs;Gi.;  (liiClini;  C;  Scn;  Tu; 
Zg;  Z  -  f.  =  nhd.  Griebe.  1.  ,lu^-.■.^l,„lMzt.■r  Fett- 
würfel, beim  Aussieden  von  (Solnvciiic-I  l'ett  zurück- 
bleibende Schlacke,  den  Landleuten  ein  Leckerbissen, 
allg.;  daher  auch:  Schmalz-  (Z),  Schwi"- (Gh)  Grübe". 
Dürr  wie-n-es  Greubi  BR,  ,Wirt,  gib  klobwürst,  dar- 
zuo  guote  grieben.'  Hadl.  ,Schnyd  wyss  brot,  würflot 
als  speck,  und  rö.st  sy  in  schmalz  oder  in  öl,  unz  es 
braun  werd  und  ströw  es  uf  die  müeser  als  die  grü- 
ben.' XV.,  BiRL.  Kochb.  ,[Die  ausgepresste  Trester 
wurde]  wie  ein  düerre  grieb  den  schwinen  dargewor- 
fen.' NMan.  ,Die  Greube,  Graupe:  reliquiae,  feces 
liquata-  pinguedinis.'  Red.  16ö2.  ,Etwelches  Fleisch 
brijglet  [schmort]  der  Koch  in  einem  erinen  Kessln; 
wann  aber  zu  vil,  so  gibts  Angebrennts  (oder  Greuben).' 
SeLEiss  liitlT.  .1 'reiiii\nii.  i  iiiMibcii,  Kresclie.'  Denzl. 
ItjTT;  ITlü.  Au.li:  <h-.  ii-.  Ii  iiiht  zerlassene  Fett 
(Netz  usw.),  woraus  ilaiiii  ilir  dr.  kMinmen  Ap.  ,Die  Geiss 
häd  50  Pfd  Grüben  [unausgeschniolzenes  Unschlitt] 
g'ha°.'  Wolf,  rel.  Gespr.  Bildl. :  Da'  sind  alti  Gr., 
alte  Geschichten;  auch:  alte  Schulden  Sch.  De''  il/n"" 
hat  Grübe",  ist  reich  ffeissj  GRh.,  T.  Nach  Tobler  in 
Ap  auch  =  hat  Schulden.  —  2.  in  naheliegender  Über- 
tragung sodann:  in  Butter  oder  Schweineschmalz  ge- 
schmorte Brotwürfel  L;  der  Rückstand,  die  Schlacken 
beim  Ausschmelzen  von  Harz  (Harz-Gr.)  B;  Gr;  Ndw; 
Z;  Eisen-  und  Bleischlacke  Ap;  Z;  schlackenartige 
Steine,  welche  beim  Sieben  von  Strassenkies  oder  Sand 
zurückbleiben  Aa;  vgl.  Kalk-Gr.;  trockener  Nasen- 
schleim Z  (scherzh.);  Synn.  s.  bei  Golgge"  Sp.  238: 
Überreste,  Kruste  eines  Ausschlages,  bes.  um  den 
Mund,  im  Gesicht  Z:  Syn.  Bif,  Bitf.  Hast  du  Grübe" 
rerschiitt  ?  neckische  Frage  an  Einen  mit  einem  sog. 
Rife-mnl  ZW.;  in  moral.  S.:  Makel  (im  Charakter)  Ap. 


(irah.  i;i't'li.  rrili.  "iniii. 


Mehr  öder  weniger  syn.  Fäulen,  G(eßüren,  Grünse, 
Gesig,  Truesmen,  Trünsing.  —  3.  magerer,  schmäch- 
tiger Mensch,  bes.  Kind  Schw;  Uw;  Z;  vgl.  üsg'seh 
ivie-ne  Grub,  bleich,  mager  aussehen  ZLunn.;  Syn. 
Griipf.  Auch  als  Gesehlechtsn. :  ,Lienhart  Grieb,  des 
Rats.'  1488,  Bs.  -  4.  {GräuU  n.)  Batzen  am  Obst 
B  (Zyro);  Syn.  Gräubschi.  —  5.  ein  in  der  Mitte  der 
Pfanne  eines  Triebwerkes  eingesetztes  Stück,  in  wel- 
chem der  Zapfen  läuft  Ap;  L;  vgl.  Grübschi,  Bütschgi. 
Mhd.  griebe  m.:  Tgl.  chunv.  fjmßas.  Das  Masc.  ist  noch 
bezeugt  aus  ZO.,  uA.  Der  Unterschied  in  den  Vocslen  ie 
(bzw.  «)  und  äu  beruht  auf  Ablautsverhältniss  eines  Vb.  'grie- 
hen;  vgl.  auch  Flkg  mit  der  Nbf.  Fläug  und  tief,  tuf,  teuf. 
S.  auch  , Graupe'  und  grUuh-iUtg  Bd  I  501.  Die  G reiben  f. 
Sg. :  auch  Name  von  fettem  Gartenland  bei  SStdt;  ei  nach 
illteror  S  Ausspr.  für  äii. 

Chalch-Gräube":  Schlacken,  unbenutzbare  Reste 
des  Kalkes  Gr;  Z.  —  Unschlicht-:  im  Gegs.  zu 
Schlei";  Schmah-Gr.  die  Rückstände  von  ausgeschmol- 
zenem Rinderfett  (Unschlicht),  nur  von  armem  Leuten 
gegessen.  Ouschtl  ig -Grübe"  von  Kuhfett  werden  als 
Hundefutter  verwendet  Z. 

Gräubelor:  neckisches  Scheltw.  auf  einen  un- 
artigen Knaben  SchwMuo.  Vgl.  das  Syn.  Schniider- 
Bueb. 

gräub(e")lächt(ig);  schmutzig  (fett),  unsauber, 
zweideutig  B;  S.  Ein  S  Bauer  nennt  die  Stadt  B  ein 
gräubelächt  Nest  (Schild).  .Ein  Witz,  so  gräubenlecht, 
dass  ihn  der  Bote  seinen  Leserinnen  nicht  berichten 
mag.'  B  Hink.  Bote  1881.  ,Sind  genug  gräubenleehte 
Pfosten  in  der  Staatsrechnung;  aber  die  Zufriednen 
merken  sie  nicht.'  Postheiri  1867. 

g'gräubet  -ü-:  gekörnt,  körnicht,  uiiebcii  Ar. 

Gräubete",  Gräutveti  f.:  Metzelsujjpe,  wobei  na- 
mentlich auch  Grieben  geschmaust  werden  GrI). 

(ire'bel  m. :  1.  körperlich  oder  moralisch  hässlicher, 
ekelhafter  Mensch,  bes.  in  der  Verbindung:  wüeste' 
Gr.;  auch  gutmütige  Schelte  an  Kinder  Aa;  L;  Uw; 
Zg;  ZAuss.,  Dättl.,  0.  Syn.  Un-fiat;  Grüwel,  Grüsel. 
Auch  auf  Tiere  und  Sachen  übertr.,  die  Widerwillen 
erregen  L;  Z.  Si  hei  de"  Gr.  [eine  Kröte]  zu  sim 
Nest  US  g'heit  S  (BWyss  1863).  —  2.  magerer  Mensch 
Zg;  Syn.  Gräiibe  3,  Krugel. 

1  würde  wohl  begrifflich  zu  Grüwel  stimmen,  mit  welchem 
CS  sich  aber  lautlich  kaum  vereinigen  lässt;  vgl.  dagegen 
///■(KP,  dessen  w  mohrfach  in  b  übergeht,  eine  auch  in  ebig, 
rueUn,   webcren   a.  a.  begegnende  A'ergröberung. 

gre'bele"  1:  abscheulich,  hässlich  sich  betragen, 
■/..  B.  von  Kindern,  die  schreien  und  stampfen.  Übertr. 
auch  vom  Ungewitter  L;  vgl.  täübelen. 

greib(e)lig,  -ich:  1.  hässlich,  garstig  (phys.  u. 
moral.)  L;  Uw;  Syn.  grfiselich:  schüUch.  E  gr-i  [un- 
saubere] G'schicht  UwE.  Gr.  tue",  sich  wüst,  un- 
anständigbenehmen LSemp.;  laut  schreien,  mutwillen 
ScH.  E  gr-s  G'fräss  mache",  das  Gesicht  verziehen  (z.  B. 
zum  Weinen):  es  alts,  wunderligs,  gr-s  Räf  [Weib]; 
de''  icüestist,  gr-ist  Tüfel;  gr-s  Wetter,  schlechtes; 
greblichr  [rauher]  Wind  L.  Das  iM  ja  grilseli,  wemi-nir 
grcbeli'  ilr""  ,lriilL  iron.  R.\.,  Etwas  als  schrecklich 
bargc>t('llt,s  ali/UM-liwächen  ZGlattf.  —  2.  adv.  ver- 
stärkeiiil  wiv  iini<,/i,li.  srhiVich  L:  ScH.  Was  er  öppe" 
ifhti"  Jiii.  h,i  ,r  rn-htl„fin-t  "'-.'»/  i^tuäiere";  er  soll 
neiif"'(ii:h,li,i\\;ir.,ir"lirli,i\  hridiii  h((".  (totth.;  vgl.: 
Die  Snl,l„lr  ha,i,l   's,   snilis  l)i,„i    „füllt   vie-n-e  hinii 


Katz  und  händ  grüseli  grebelis  Ding  gjohlet  und  allbutt 
an  ihre  Fürbetigel  gsehmöckt.  Gespräch  1712.  .Grebelis 
Ding  erschrecke.'  ebd. 

In  BM.  bedeutet  gr^belig  sowohl  gräulich  als  gröblich, 
es  scheint  also  grebelig  und  gröblich  in  ein  Wort  zsgeflosscn 
zu  sein. 

Grebel  m.:  1.  karstartige  Hacke,  z.B.  zum  Aus- 
graben der  Kristalle  U ;  Syn.  Grübel ;  Zweispitz. 
Scherzh.  für  Flinte;  Syn.  Karst.  En  Regerut  mit  sim 
Gr.  BGr.  (Alpenr.  1872).  —  2.  (Todten-)  Gräber.  1292 
bis  1371,  Z  Eatsb.  ,Man  schrybet  allen  reten  um  die 
beschatzunge,  so  der  grebel  an  armen  lüten  hat  ge- 
tan, das  wir  mit  des  lütpriesters  rate  han  gesetzet, 
das  ein  jeglich  grebel  ze  der  Aptei,  zer  Propstei,  ze 
StPeter  den  Ion  soll  nemen  greber  ze  machenne  als 
hienach  geschriben  ist.'  1314,  Z  (Laufif.,  Beitr.).  ,Das 
grebelanit  ze  der  lütkilchen  Z.  Swem  man  mit  der 
grossen  gloggen  lütet,  dass  der  dem  gr.  geben  soll  in 
dem  summer  1  ß  und  in  dem  winter.  so  es  gefroren 
ist,  2  ß.'  1364,  Z  (Laulf.,  Beitr.).  Auch  Gesehlechtsn. 
ZStdt.  schon  1416;  ein  ,Grebel- Acker'  in  ZBub.  -  In 
Bod.    1    amhd.  grebil. 

Üre"-  s.  O.-Grübel. 

Töte"-  =  Grebel 3  Z  f.  .Des  sigristen-  und  t.-ampts 
wegen.'  1523,  Egli,  Act.  .StAntonis  piruond  was  ver- 
ordnet den  totengreblen.'  HBcLt.  1572.  ,Den  toten- 
grcblen  und  Wächtern  zum  grossen  Münster.'  ebd.  ,In 
der  pestelenz  mit  dem  totengribol  vergraben  gar  vil 
kostet'  ThPlatt.  1572. 

Vgl.  Siein-brüihel,  Steinbrecher.  Zu  dem  -i-  des  ThPlatt. 
stimmt  die  Angabe  (Iribjer,  d.  i.  G.ebler,  aus  W,  i.  S.  v.  Toten- 
bograber  (Alpenp.   II,  51).     S.  die  Aum.  zu    Grübler. 

grebelen  II  s.  gräwelen. 

Grebe"  f.:  ein  Wasservogel,  „Haubentaucher,  cu- 
lymbus  cristatus  B."  ,Grebe,  Kappentaucher,  Uüchel, 
Rheindüchel,  Ruech  (Bodensee),  Deuchel:  dergehäubte 
Steissfuss,  podiceps  cristatus.'  Mkisner  Ar  Schinz  1815. 
,Gr.,  mergus.'  BrÜCKN.,  Merkw.  —  Frz.  gribe  m.  (bei 
JJRouss.   f.);  span.  greba. 

Halb-:  „colymbus  B."  ,H.,  der  rotkehlige  See- 
taucher, der  gesprenkelte  Seetaucher,  kleinere  Halb- 
ente, colymbus  rufogularis.'  Meisner  <t  Schinz  1815. 
Syn.  am  Neuenburgersee:  ,lorgne  grebe  marin'. 

Grebler:  Name  einer  Birnart.  Streit  ,de  arbore 
piro  quiB  Gr.  dicitur.'  1330,  ZRüti  (Staatsarch.).  — 
Entw.  zum  Gesehlechtsn.    Grebel  oder  zu   Graben. 

Gribel  m.:  träger  Mensch  FMu.;  vgl.  Chribel. 

Grieb  (en)  s.  Gräubeii. 

grob  s.  yrüic. 

grob  {grob  GiiSpl.):  im  Allg.  wie  nlid.  1.  im  ma- 
teriellen S..  Gegs.  rein;  ßn;  von  Holz,  Scheitern, 
Heizi  [Reisig  mit  Bengeln];  Gespinnst,  Heu.  allg.; 
Letzteres  in  W  das  um  die  Ställe  herum  gewachsene, 
fette  Futter.  Gr.  wie  Böne-strau  (-Stengel)  L;  wie 
Haberstrau  Z.  ,Ungeschickte  kathol.  prediger,  welche 
viel  ungereimte  ding  predigten  und  so  grob  spän  ab- 
hiewen,  dass  auch  die  Bäpstischen  ein  verdruss  darob 
bekamen.'  Wurstisen.  ,Die  Milken  zu  groben  Mocken 
geschnitten.'  ZZoll.  Kochb.  1820.  S.  auch  guet  Sp. 
541  u.  Grobi  Glider,  knochige,  starke.  Lue"  doch, 
ml"  Finger  isch  gschwulle",  er  isch  fasdh  d's  Balbe" 
gröber  es  [als]  d'r  miger  B.     Vgl.  ärmli^-gr.,  so  dick 


Grab,  frreb.  icr 


'roh.  Kl' 


(190 


wie  ein  kleiner  Arm  BBe.  Vuni  ganzen  Jlcnschen : 
robust,  korpulent,  starkknochig  (auch  v.  Tieren),  allg. 
Groh-ff(jlideret,  stark-gegliedert.  .Ein  Mann,  der  gr. 
und  stark  wäre.'  Z  Monatl.  Nachr.  1754.  Auch:  hoch- 
schwanger L;  Syn.  gross,  diele.  Von  Ähren:  schwer, 
körnerreich  AAßb.  Vom  Buchdruck:  in  Z  werden 
rcini  und  grohi  Bettagshüchlein  herausgegeben.  ,Grobe 
Fragen',  die  einfältigsten,  mit  gröberer  Schrift  unter- 
sihiedenen  Fragen  und  Antworten  in  den  gedruckten 
(ilaubenslehren  für  Kinder.  Scherzh.  auch:  gewisse 
|ilunipe  und  ungestüme  Fragen,  die  Mancher  nicht 
beantworten  könnte  Bs  (Spreng).  Grohs  (Geld),  grosse 
(Silber-)  Stücke  im  Gegs.  zur  Müm,  zu  Chllnem.  allg. 
.Grobe  Silbersorten'  =  Taler.  Aa  Gem.  .Gr.  Gold-  oder 
Silbersorten.-  B  Mand.  1613  u.  16'28.  .Hat  weder  Grobs 
noch  Münz.'  XVII.,  JDünz.  Das  Tiiech  ist  gr.,  hat 
gute  Qualität,  ist  solid  G;  ZHombr.  Grobi  Arbet,  z.B. 
Gespinnst,  Geflecht,  Tischler-,  Schmiedearbeit,  allg.; 
auch  solide,  starke  Arbeit.  EAA.:  Grobi  Arbet,  grobs 
Gehl  S.  Ähnlich:  Was  gr.  ist,  ist  starch!  sagt  die 
Spinnerin  entschuldigend,  wenn  man  ihr  ihr  grobes 
Gespinnst  vorhält  B;  L;  Z;  vgl.:  Was  gr.  ist,  hebt 
lang!  Beschönigung  der  Grobheit  Z.  Grube''  Bengel, 
mach  's  grob!  Sulger.  Ei  in  die  gröbsten  [Läuse]  abe- 
ttie',  Einem  die  ärgsten  Fehler  vorhalten.  Einen  tüchtig 
ausschelten  ScnSt.  Am  gröberen  Ort  [dickeren  Ende] 
abg'sagete"  si",  ein  Grobian  sein  BO.  De'  gr.  Teil  iise- 
chere',  grob  anfahren.  Sulger.  Grobs  und  Beins  mit 
Eim  diiremache',  durch  Dick  und  Dünn  mit  ihm 
gehen  Z;  vgl.:  Eüehs  und  Bein.<.  's  Gröbst  (Gröber), 
z.B.  's  Gröbst  überstandr'  ha".  Der  Vorübergehende 
fragt:  Sind-er  am  Jiiir":'  Aniunit:  Niimen  oii"''  's 
Gröbst!  Aa.  A:  Bisch  li,,l,l  /'irii<i'r'  B:  Jo,  wenn 's 
Wetter  giiet  blibt,  iucih-i  '.<  (i  rohere  hilt  na'''  inne' 
::' bringe'.  Joach.  1881.  Nu'  guet!  So  säg 's!  Doch 
d's  Grellst  [nur  das  Wichtigste]!  i'''  los-drr  nit  e  Eilig- 
keit U  (Schwzd.).  .Ein  Fenster  so  lang  aufsp«ren,  bis 
der  gröbste  Rauch  hinweg.'  JJBreit.  1629.  —  '2.  von 
der  Stimme:  tief,  rauh  Ap;  G;  Z.  E  grobi  Liite', 
eine  tiefe,  laute  Stimme  Z;  gr.  [Bass  oder  Alt]  singen 
GA.  .Eine  grobe,  zerbrochne  stimm.'  Vogelb.  15.57. 
.Ein  engel  [erschien  ihm]  mit  einer  dapferen,  gär  groben 
stimm,  hat  ime  ernstlich  zuogsprochen.'  1.597,  Ardüser. 
-  3.  vom  Charakter,  Geist,  Benehmen:  wie  nhd.  allg. 
Vgl.  rüch.  Es  machet  gr.,  es  geht  ungestüm,  scho- 
nungslos zu  GRPr.  Gr.  wie  Galgchoh  Bs;  Z.  ,Gr.,  un- 
geschickt; pürisch,  wild,  düppel.  Gr.  und  ungeschickts 
geniüet,  rudis  animus.  Das  gr.,  unverstendig  volk. 
vulgus  rüde.  Gr..  unflätig,  obsca?nus.  Von  frömbden 
groben  leuten  herkommen,  oder  sunst  der  selbigen, 
barbaricus.  Grober  verstand,  intelligentia  adumbrata. 
liigeschickt  und  gr.  sein,  crassa  Minerva  alqd  facere. 
Gr.,  rauch,  unverständig,  absurde,  agreste.'  Mal. 
.Gott  hat  sein  heilig  Wort  olfenbart  dem  einfaltigen 
groben  leien.'  BossH.-Goldschm.  —  4.  von  Mass.  Gr. 
f'iirc',  nicht  sparsam  wirtschaften,  viel  verbrauchen  W  ; 
vgl.  gr.-hrächig.  .Jetliches  stuck  holz,  so  man  flözen 
will,  soll  nit  lenger  syn  dann  7  schueh;  es  möcht  aber 
einer  so  gr.  f.,  dass  myne  Herren  denselben  zue  strafen 
gewalt  haben.'  1524.  Schw  LB.  .Herr  Hans  v.  Toggen- 
burg, ein  Wundarzt,  der  Kaisern  und  Küngen  gr.  ge- 
dient.' 1477,  Eeceptsammlung  (111.  Schweiz  1871).  ,Das 
zue  gr.  und  hoch  wetten  soll  bestraft  werden.'  1595, 
BsRatserk.  ,"s  hat  mir  gr.  g'felt,  bin  g' waltig  g'strucht', 
sagt  der  .Gelttüfel-,  der  den  Tobias  nicht  hat  verfuhren 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


können.  GGorni.  1619.  ,Gr-en  übernutz  [Wucher] 
üben.'  B  Mand.  1628.  ,Wönd  den  Bau  diser  Statt  zer- 
stören, ihnen  aber  gar  gr.  fehlt  die  Sach.'  Mtricäcs 
1630;  s.  noch  Sp.  377  u.  Guiist  (Fris.).  .Hättest  du 
dich  nicht  so  gr.  aufg'lon  [gebrüstet].'  1656,  Lied.  .Es 
tuet  ihnen  vilmal  misslingen,  dass  sie  gr.  anlaufen.' 
Zauberei  1704.  Abgeblasst  zu  blossem  Steigerungs- 
adv. =  .stark,  sehr  Aa;  Ap;  G;  W;  z.  B.  gr.  lugg,  selir 
schwach  Ap.  I"*  ha'  di"''  gr.  lieb  Aa;  gr.  lang  G  1790; 
vgl.:  Mänge  Bigel  häd  nümme  gr.  g'halte'  AaB.  Sich 
gr.  zerhijen,  arg  verletzen  W.  —  5.  obcrflächlicli,  un- 
gefähr: En  grobe'  Überschlag  mache'  S;  Z;  gr.  une', 
geradehin,  nicht  genau  genommen  ßs.  ,Sie  waren  sicli 
so  gr.  ane  treu.'  N.  B  Kai.  1845.  —  6.  gemeinverständ- 
lich; derb,  deutsch  heraus.  E  grobi  Bredig,  nach  Stil 
und  Ausspr.  populär  ZEmbr.;  gr.  bredige'.  ebd.  .Mit 
denen  von  Z  gr.  reden.'  15'24,  Absch.  Zu  Elgg  liabe 
Einer  ,ganz  gr.'  lutherisch  gepredigt,  ebd.  —  7.  .Alle 
Taler,  so  für  gr.  Taler  geschlagen  sind,  sollen  hin- 
füro  nit  türer  gegeben  noch  genommen  werden,  dann 
ein  jeder  für  18  Cost.  Batzen.'  Lind.,  Wthur..  Chr. 

hunds-  Z,  „bund-",  söu-  S;  Z:  Verstärkungen 
von  gr.  3. 

grob  an  ig  BG.,  Schw.,  -an  ig  FMu.,  -änisch  B, 
-iänisch,  -(i)jänisch  BHk..  B.;  Ndw:  1.  grob,  roh. 
derb,  ungeschliifen,  z.  B.  von  Menschen,  Arbeit,  Fabri- 
katen BO.;  Ndw.  P''  cha" 's  [das  Nähen]  ehe'  gar 
grobiänisch  u"'  mue.9s  froh  sl',  ice"-mer  n/iiir-  iluirrhie" 
irer  Zivil chhose'  z'  plHze"  ge"'.  MWai.iii  \  l^^l  ihm- 
bianisch.'  Mal.;  s.  u.  gröblich.  —  '_'.  l>,iiiri-.li.  ,ilt- 
väterisch  B.     .Gml.niiixii  .-rzogen.'  Gottii. 

Die  UntüiilriK  kiniL'  'l^  ,  kann  auf  Anlehmiujf  .in  Aiii, 
Altvater,  od.  an  (ix  V'  i  liiiilini--  ■imh  une  lierulieu.  Das  Siibst. 
driihiän  hat  uusin-  äiu.  mit  duui  Nlid.  gemein.  lu  ä.  Spr. 
bed.  es  einen  ungebildeten  Menschen:  ,Der  künig  der  Scythier. 
der  lieber  wollt  huren  ein  pferd  wicblen  dann  das  g'sang  und 
seitenspiel,  wirt  als  ein  grobian  verlachet.'  LLav.   1582. 

grobe":  grob  werden.  1.  starkgliedrig.  bes.  auch 
korpulent,  fett  werden  Aa;  Schw;  Z.  Bauer  zum 
Pfarrer:  Ir  band  aW''  g'grotiet.  Pfarrer:  I"''  ha'  wol 
diii-  ZU  n'hn-.  sit.hiii  Ir  inniniir"  |iii,-ht  mehr]  z' Chile' 
cho"  siiiil  Aa\  iliii.  I  l-lHi.  ll„  /,„/,,/  s'  [die  Kühe  auf 
den  Alprn|  //'(imlßil.  ifsrhuirii,  V//(-c(.' Schw  (Schwzd.). 
—  2.  bäurische  Sitten  annehmen;  „unverständiger 
werden  L;  Zg"  ;  vgl.  gröberen. 

er-:  ungeschlacht  werden.  , Die  Tuscier  sind  durch 
die  rahen  [rauhe]  gelegenheit  des  Landes  fast  erwildct 
und  ergrobet'  Tschudi  1538. 

Grobheit:  wie  nhd.  Nimm  ml  Gr.  für  cn  Er 
{für  Höflikeit  Z)  üf!  Formel  der  Überhöflichen  BsL. 

groblacht(ig)  AaF.;  Z,  -lacht  AaF.;  Bs:  L; 
UwE.,  -lochtig  BE.;  LHabsb.:  grob,  dick,  stark,  un- 
geschlacht. .Michel  kam  groblecht  an  ein  Tischbein, 
dass  [die  Suppe  fast  verschüttet  wurde].'  Gotth. 

gröblich  gröb(e)lig:  yrub;  gröblich.  .Brüder, 
welche  gröbelige  Gninlr  |:il.s.li,'uliche  Menschen | 
seien.'  Gotth.  Gr.  [srln  |  nl  Grhl  l;Thun.  Vgl  gre- 
belig.  .Keinem  merklich  naili  ur.i'lich  zu  schädigen.- 
Ap  LB.  1409.  .Gröblich,  nit  lieblich,  grobianisch,  du- 
riter.  crasse,  aspere,  inscite  [usw.].  Etwas  gr.  und 
ungeschicktlich  tuon.  Mer  gr.  dann  weislich,  acrius 
quam  consideratius.'  Mal. 

Gröbi  f.:  grobe  Beschaffenheit  (nach  den  ver- 
schiedenen Bedd.  von  grob),  allg.    .Einsclilag  von  der 


091 


[■ab,  greb,  grili,  grob,  sriib 


selben  Farbe  und  Grobe.'  Breitenst.  ,So  gar  gross 
underschcid  von  dissyt  des  bodeusees  gemachter  lyii- 
wat,  es  seie  an  schmele,  gr.  oder  dünne  halb.'  1542, 
Zellw.  Urk.  ,Gr.,  atechnia,  unsauber  werk.  Gr.,  Un- 
zucht, unkünschheit,  obsctcnitas.'  Mal.  ,Die  stimm 
der  falken  ist  gröber,  langsamer  und  heller  in  der  gr. 
dann  dos  habichs.'  Vouelb.  1557. 

Griibli"g:  Grobian  Ap. 

gr  üblen  s.  gräpfeßen. 

G  rubel,  grüben,  Grub  er  s.  Grüjid  usw. 

„vesucht- grubig:  blatternarbig  BÖa." 
Wahrsch.  zu  lesen  -gruehuj,  was  auf  die  Vurtieluiifc'cu  der 
Narben  gehen  würde.     Vemcht  =  Pocken. 
Grub  s.  Gräuben. 

Grnbel  m.:  1.  Hacke,  Picke  kx;  Gr;  Z;  Syn.  Rüt- 
Hauen:  Karst  BO.;  Syn.  Grehel.  .Das  alt  Grübelin 
liat  '-riiblrt.  bis  im  loon  kmn.Mi  wnr.lcii  sind',  sa-t 
Kiner  -iiuttiM/li  v.,ii  dem  Pension,,!  ,lak.  (iirbrl  in  Z. 
I.VA;,  E.;li.  Art.  Ülieitr.:  Goizbals  lU'.rienz.  -  -'.  G,;i- 
heli,  eig.  so  viel  mau  heraus  grübeln  kann,  bes.  was 
die  Kinder  auf  dem  Heimweg  vom  Bäcker  am  Büdeli 
des  Brotes  abklauben  Gl;  vgl.  krüblen. 

Ore"-  Aa;  B;  Gl;  L;  Schw;  S;  Ndw;  U  (auch 
-Grehel),  -Grübler  „Aa;"  Bs:  ,B;"  Gl;  „VObte;  S; 
Z":  1.  Ohrwurm,  lorficula  auricularia.  Wenn  vil  0. 
umme'  sind,  so  wird  d's  Brod  nolfeil  GlH.  .Den 
Wurm,  so  man  0.  nennet.'  Khagor.  1039.  Syn.  Üre'- 
Müggeler.  —  2.  Ohrlöffel.  ,Die  Türken  püegend  o., 
zängr.  und  messerhefte  [aus  Schafhorn]  zuo  bereiten.' 
TiERB.  1563.  ,Auriscalpimn,  ein  o.-  Fris.;  Mal.;  Denzl. 
1677;  1716  (,0.,  Orenlöffel');  Ked.  169'2.  ,Der  Ohr- 
finger (Kleinfinger)  dienet  für  einen  0.  (Ohrlöffel).' 
Spleiss  1667.  --  Unsicher  ist,  oh  der  im  Inventar  eines  B 
Geistlichen  XIV.  aufgeführte  ,ör-gr.'  zu  obigem  W.  ('2)  zn 
ziehen  sei. 

Grueb-.  ,Der  Grub-6r.  dienet  beim  Gruben  der 
Weinreben;  das  Ohr  ist  in  dessen  Mitte,  die  eine  Seite 
[Hälfte]  hat  die  Form  einer  schmalen,  leichten  Haue, 
die  andere  aber  ist  platt  zugespitzt.'  Anl.  für  den  Pflug 
177'2.     So  Sch;  Z. 

Zan(d)-  B;  „L",  „-Gribel  h' :  Zahnstocher.  ,Die 
unseren  fassend  den  [hintern  klauwen  des  Rorreigels] 
in  Silber  ein  und  brauchend  in  zue  zangrüblen.'  Vogelb. 
1557.  .Leiitisrns,  rin  bäum,  mastirli  i;pii;nnit,  daraus 
macht  man  aiirli  z.  /,..  ziinscliab'i  Ir,  /an-rlmiiT.  denti- 
scalpiuni.'  Fms. ;  Mal.  .l'er  doktor  zodi  ,lir  schnuer 
ab  dem  hals;  daran  waren  2  oder  3  ring  und  ein  über- 
gilt [vergoldeter]  z.  und  anders,  wie  man  das  yn-  und 
zanimen  fasset.'  ThPlatt.  1572. 

grüble",  in  AABreni.  -«-;  in  Bs  -«-  und  -«'-:  wie 
nhd.  eig.  und  bildl.  allg.  Je  nie''  a's  me"  grüblet,  um 
so  grösser  wird  's  Loch  S  (Spricbw.).  7'.'v  griihlet-mer, 
es  wühlt  mir  im  Magen  \^^^r  HunL;.'!  |  Tu;  Jrli  spüre 
Brechreiz  B;  L".  Es  grühlil-nKi-  i  mus  lhi\>.  i.b  habe 
Scrupel  G;  Syn.  boren;  mich-^aolicu;  tndkii.  Häufig 
sind  die  Verbindungen:  «se"  [heraus]-,  /"mcc"  [hervor]-. 
nahe'  [nach]-(/r.,  Letzteres  bes.  übertr.  =  nachdenken. 
Es  hätte  des  ,Grüble"s'  und  Protestierens  nicht  be- 
durft. 1542,  Absch.  In  Betracht  der  seltsamen  Läufe 
solle  man  an  dem  Burgrecht  nicht  Vieles  ,gr.  old 
artikuliren.'  1.548,  ebd.    ,Warzu  nutzet  solches  Gr.  und 


Graben  in  den  WundenV-  WOkz  1634.  —  Mhd.  auch 
i.  S.  V.   .jucken'. 

er-:  durch  Xacbdenkcn  lierausMnden.  erforschen. 
,E.  wolltr  icli.  was  für  ein  tiescliick  mir  werden  würde.' 
GOTTH.  ,lili  cr-rübbt  mrinen  ,i,'eist.'  1531/48.  Psalm; 
dafür  1667:  ,Meiii  Geist  forscbete.'  -  zcr-:  durch- 
wühlen. ,Gnagcn  und  das  herz  z.,  auimum  alicui  fodi- 
care.'  Mal. 

Grüble"  1  f.:  harte,  kleine  Nuss  GuHe.;  Syn. 
Grübel-Nuss.  -  Der  Kern  steckt  so  zähe  darin,  dass  er 
herausgegTühelt  werden  muss. 

Grübler  m.:  1.  wie  nhd.  Übertr.:  ein  um  Kleinig- 
keiten sich  Abmühender,  Knicker  AAWohl.  Auch  Ge- 
schlechtsn.  AARAuf.  —  2.  =  Grühelnnss  GA.;  Syn. 
Grüblen  I. 

Oren-  s.  O.-Grübel.       Batze»-:  Geizhals.  Stütz. 

grüblig:  1.  „Es  ist-mer  gr.,  ich  fühle  Brechreiz 
H;  L";  vgl.  grüblen;  Syn.  g'h'üselig;  g'kötselig.  — 
•J.  MjripiiHg  V)  von  Nüssen,  deren  Kern  man  nur  durch 
(irübeln  herausbringt  Gr;  GW.;  Ndw;  U,  grubligi 
( Nu ss-J  Schalen,  schwer  zu  öffnende  (der  Grübelnüsse) 
AAZein.  Übertr.  auf  Menschen,  mit  denen  schwer  um- 
zugehen ist  U. 

Grübling:  Trüffel.  ,Gr.  oder  Trieffen  [Trüffel]. ■ 
1734,  Bs  (Ochs). 

Wohl  SU  benannt,  weil  sie  ausgegraben  (gegrübelt)  wurden 
muss.  Nach  Schm.-Fr.  I  984  früher  auch  in  Deutschland 
,GrUbeln,  Grieheln'  genannt  und  davon  diu  Kartoffeln  ,Grii- 
bolnbauni',  nach  Brucku.  iu  Bs  um  1748  ,Grieblingsbaum'. 
Bekanntlich  heisst  tartu/ulu  im  lt.  sowohl  Trüffel  als  Kar- 
toffel und  letzteres  W.  ist  aus  dem  it.   luriufolo  entstaudcu. 

Grübi  m.:   Knauser,  Knicker  Zf;   Syn.  Klübi.  — 

Viell.   zu    ijräuhat. 

Grüble"  II  (PL)  BO.;  GkD.  (nach  andrer  Angabe 
Gn/ie),.(G)ripp(e)li  (Dim.)  Scbw;  U,  „Grüpli": 
Preisseibeeren,  vacc.  vitis  Idsea. 

Vgl.  Grifle  und  .Griffel-,  Griffer-',  im  XI.  ,riffel-',  ,Bickel-, 
Stein-Beere'.  Zu  erwägen  ist  auch  das  syn.  Budkr,  BudertHchi, 
welches  wie  (Irüpf  eig.  etwas  Kleines,  Kugeliges  bed.  Vgl. 
noch    (iriihliii'j. 

Grueb  f.:  im  Allg.  wie  nhd.  Grube.  ,Das  grüeble 
oder  gräble,  fossula,  lacusculus,  scrobiculus.'  Mal. 
1.  bes.  in  der  Nähe  des  Hauses  gegraben  zur  Auf- 
bewahrung von  Feldfrüchten  über  den  Winter;  vgl. 
Räb-Gr.  Auch  =  Fallgrube:  ,Winterszeit  machend 
die  bösen  lotteren  im  eis  gruoben,  dass  die  leut  darein 
fallind.'  LLav.  1582.  —  2.  „Hausjauche.  Kloake"  GaL.; 
vgl.  E-Grueb.  ,Do  berueft  Gott  Abraham  us  der  ab- 
götter  gr.  [Pfuhl].'  Kessl.  —  3.  Grab.  Wenn  die 
Stnige  enand  bis  a'  d'  Gr.  zue  füered,  so  füered  s* 
enand  doch  nid  le  ZWl.  (Sprw.).  In  der  ä.  Spr.  bes. 
in  der  RA.:  ,uf  der  Gr.  gän',  den  einen  Fuss  im  Grabe 
haben.  Er  sei  ein  alter  Mann,  ,der  uf  der  gr.  hin- 
gange.' 1555,  Absch.  ,Funeri  propior,  dem  tod  nach, 
fast  alt,  gat  uf  der  gruoben.'  Fris.  ;  Mal.  und  ebenso 
Hospin.  1683.  .Wir  sagend  gemeinlich:  Ich  gon  yetz 
auf  der  gruoben.'  LLav.  1582.  , Alles,  was  da  geredet 
und  gehandlet  würde,  bis  in  tod  und  grueben  zu  ver- 
schweigen.' XVU.,  Gr.  —  4.  Graben  BGr.  (Gruebe'J; 
„Tropfsteinhöhle  Gr."  —  5.  =  Für-Gr.  Uw;  vgl. 
grüeblen.  —  6.  Terrainbezeichnung,  a)  zurückwei- 
chende Stellen  (Buchten)  am  See  L.  —  h)  Bodenver- 
tiefung, bes.  in  vielen  Ortsbezeichnungen  und  Flurnn., 


(10:! 


Grab,  grch.  grih.  grob,  grub 


rtU 


z.U.:  ,in  (auf)  der  Grueb(en)',  bes.  in  B,  aber  auch 
in  Ai-;  T,;  G;  Th;  Z,  ,im  Gruebi,  Grüebli'  B;  vgl. 
Griu'licufdl  Zllln. ;  .die  Grucb',  churw.  la  Foppa  (lat. 
f.ivoa).  kesselfioinige  Talcrweiteruiig  bei  Gullanz. 
.\u(li  in  Zusammensetzungen,  z.B.  Sdnvers-Gi:  ZBül., 
liii.lensenkuuir  in  schwarzem  (Moor-)Grunde.  Melch-Gr. 
\v,  cig.  eine  MuMe.  in  welche  das  Alpvieh  zum  Melken 
getrieben  wiril.  Vgl.  noch  Grabe'  u.  Loch.  Von  diesen 
( Irtsnn.  die  Geschlechtsnn.  Gruehenmann  und  Grueber, 
siiwie  Gvmbler.  —  7.  ,Grueben  hauen',  Spiel  zweier 
Knaben.  Jeder  gab  eine  gerade  Anzahl  Spielkugeln. 
Der  Spielende  nahm  sie  sämmtlich  unter  seine  flache 
Hand  und  gab  ihnen  schiebend  einen  Stoss  gegen  eine 
kleine,  im  Boden  gemachte  Grube;  fiel  eine  gerade 
Zahl  Kugeln  in  diese,  so  hatte  er  gewonnen,  im  um- 
gekehrten Falle  der  Gegner  ZStdtf;  s.  auch  grüeblen 
lind  glünggkn.  —  8.  Richtstätte  Zg  (Stadiin);  Syn. 
Hnitpt-Gr.  —  9.  Dim.,  Grübchen  in  Wange  oder  Kinn. 
GriieUi  im  Chinn,  häd  ScMllli  im  Sinn  L;  ähnlich  Z. 
-  10.  an  Pflanzen:  .Grüeble,  an  stenglen,  aus  wölchem 
die  nebend-zweile  [Zweiglein]  schliefend,  alae.'   Mal. 

E-:  Kloake;  Syn.  E- Graben.  ,2  pfd  von  den 
egrueben  in  beiden  turnen  ze  süberen.'  1571,  ZGrün. 
Selbiges  s.  v.  Sekret  vermittelst  eines  Rohres  in  die 
Ehegr.  leiten.'  1728,  Z  (Vergleich).  Bildlich:  ,Ein  un- 
reiner Sammler  und  stinkende  Ehe-Gr.  alles  Bösen.' 
.I.FUlr.  1727. 

1"-Gruebe°  (PL):  Name  eines  tief  gelegenen 
(irundstückes  bei  Glarus,  ehemalige  Richtstätte. 

Nur  sclieinliares  Comi)..  entstanden  dnrcli  YcrknüclKTunfr 
der  i.rüiins.  Veilnndun-,  wie  z.B.  Zeniiatt,  .Andeiiieitt,  und 
«ie  diese   neuerdinu'^    mit  Vvä\..    si,h  l.iiid.iid  :    ,Iii  den  In;;,. 

Äsche"-6ciVWi;  ein  auf  oder  neben  dem  Feuer- 
herd befindliches  ausgemauertes  Loch  oder  Vertiefung 
zur  Aufbewahrung  der  heissen  Asche  und  glühenden 
Kohlen  Uw.  —  Fuchs-Gmeh:  Fuchsbau.  1579,  Zellw. 
Urk.;  Syn.  Fuchs-Loch.  —  Fund-:  Erzgrube.  ,Die 
berglüt  bezügend,  dass  man  in  etlichen  fundgruoben 
g.s])änst  sehe.'  LLav.  1578;  =  ,Metallgruben.-  U>7ü. 
,ln  denen  fundgruoben,  in  denen  vil  erz  sye.'  ebd. 
--  Für-:  auf  blosser  Erde  befindliche,  im  Halbkreis 
ummauerte  Feuerstelle  in  den  Sennhütten,  über  welche 
der  Käsekessel  gehängt  wird  Bü.;  FJ.;  Gl;  Gr;  LE.; 
GoT.:  Scuw;  Uw;  U;  W.  Mier  uein-is  [wir  wollen 
uns]  UM  d'Fürgruoben  setzen,  d'ncilen  dass  du  chäscUsI 
BBr.  (Schwzd.).  D'r  ]kr,iwri,t,y  „■"'  ,1' Chiirrhlc  sin 
allbireits  uf  de«  Melrh.iurlat  i,;,  ,r  F„nin„l„H  „,„1,,, 
f/yessen  ßSa.  (Schwzd. |.  S\n.  Wi'H -  Onuh:  Fm- 
Äscheren.  Vgl.  auch  gmebien.  —  Fiscli-:  kleiner 
Fischteich.  ,F-en  und  ghalter  abgraben,  fisch  darus 
genommen.'  1489/90,  Zellw.  Urk.  Der  Spital  AABremg. 
erhält  1525  die  Erlaubniss,  .in  der  gruebmatte  eine 
fischgr.'  anzulegen.  ,Von  zwo  f.  under  dem  schloss 
ze  graben  und  zue  süberen.'  1566,  ZGrün.  —  Gold-: 
wie  nhd.  im  flg.  S.:  Das  Lädeli  [Kramladen]  ist  e  G.  Z. 
—  Grie(n)-:  Kiesgrube  Z.  —  Gries-:  =  dem  vor. 
Z(iAg.  —  Höll-:  der  Hades.  1530/17U7,  Habäk.  — 
Hunger-:  Vertiefung  unter  dem  Rückgrate  des  Rind- 
viehs zwischen  den  letzten  Bippen  und  der  grös.sten 
Dicke  der  Hinterschenkel  Gr;  Schw;  Z;  Syn.  Hunger- 
Tollen;  Weid-Liicken.  's  Veh  muess  fresse"  (weide"), 
bis  d'  H-en  usg'fülU  sind.  —  Haupt-:  Rieht-,  Schädel- 
stätte B ;  Z  f.  Von  Einem,  der  barhaupt  geht :  Fr  gad 
wie  Eine-,  ivo-men  nf  d'  H.  fiiert  ZZoU.    Ie:i  stöt  's 


hoch  uf  der  JI.  scho'  und  seit  zum  Henker:  Ach,  wart 
fiu'>'  no"'-!  Stdtz  (Volksl.).  .Die  H.  in  Z  war  eine 
amphitheatralische  Vertiefung,  welche  1700  ausgeebnet 
und  durch  einen  sog.  Raben.stein  ersetzt  ward.  Die 
alte  Benennung  dauerte  fort.'  Z  Gem.  .4  pfd  den 
karreren  von  einem  armen  mentselicn  in  die  li.  zuo 
.schleipfen.'  1533,  Egli,  Act.  Den  llinL'ei  iehteten  .ab 
der  h.  in  das  grab  ze  ferggen.-  ir>.'i'_'.  Ziiiini.  (KitIih.i. 
.Carnificina,  ein  ort,  da  man  die  Übeltäter  abtuot.  Wal- 
statt, h.,  richtstatt.'  Fris.;  Mal.  —  Cheibe"-:  Schind- 
anger S;  Syn.  Schelmen-Gr.  ,Keibsgrubenkopf',  ge- 
fährliche Stelle  bei  der  Rheinbrücke  AARheinf.  — 
Chol-:  Grube  zum  Kohlenbrennen.  ,Forica,  kolgruob 
vel  bütz.'  Ebinger  14.38.  Bes.  noch  erhalten  in  Flurnn. 
B;  LAltish.;  SonBegg.;  ZHirz.,  Langn.,  Rykon.  — 
Kilchen  fChükJ-Grüebli :  Grab  (Kdspr.)  AAZein.  — 
Chessi-ffr»e6;  Kesselgrube  (in  der  Sennhütte)  B; 
Syn.  Für-Gr.  —  Kessel-:  Fallgrube  gegen  den  Feind 
oder  gegen  Wölfe;  vgl.  Wolf-Gr.  (Wild,  Eglis.)  — 
Leu(en)-  s.  Leim-Gr.  —  Laich-:  Vertiefung,  wo 
die  Fische  , laichen'.  ,In  der  Rüss  werden  die  Salmen 
mit  Schürpfanglen  geschürpft  auf  den  L-en.'  JLCvs. 
1661. 

Lci(m)-:  Lehmgrube,  allg.  Syn.  Leimeren;  Leim- 
Bütz.  ,Die  herren  vom  stift  hant  die  leim-  und  herd- 
grueben  dem  ziegler  verliehen.'  XVI.,  ZSchwam.  (Hotz). 
Häufig  als  Orts-  u.  Flurn.  in  Aa;  B;  L;  G;  S;  Th;  Z. 
,In  der  Laygrueb.-  Hi-M,  A.vWett.  Klosterarch.;  im  Lei- 
Grüebler,  .^ckeiield  Z Wiesend. 

Die  Aiiss|,r.  /,..;.-  n-l.  /,■,.,»,,  ndgl.)  in  ZMänn.  n.  Zum. 
lulirtn  .„irli  x.iiniii.l-i  luMi-.Ihr  rir.iMüiseNi/.  ans  dem  Bliche 
Haniri    ,'n    >I.M     l'"ihi    /.."."  r,         ,1,    ,     l..,«r,i-iiil.e.      Binsse 

l"-|M.|tr:l-iMli.'    an.    .1^  I      l;.l.-l     i~t     ,,     «m1,I.     u.a ,i    XVI.    das 

Veilicas  tili-  die  in  Lntur»iicliiiiiL-  lielindli.dirii  lle.xcn  im  L 
StJakubs-Siiital  ,Luweugrneb'  genamit  wurde;  älinlieli  nin'ii 
.ietzt  ein  Wirtshausname  in   LStdt. 

Lüs-  (auch  Dim.):  Vertiefung  unterhalb  des  Hinter- 
kopfes Gr;  Ndw.  Syn.  Luseri;  Lüs-ToUen;  Genick- 
Grueb.  -  Ln\ve"-\.  Lr,m-Gr.  —  Milch-ffnieW/; 
Grübchen  auf  dem  Rückgrat  der  Kühe,  wie  die  .Milch- 
adern' eines  der  , Milchzeichen'  Z.  —  Mörder-G)»rfi.- 
frühere  Beerdigungsstelle  von  Selbstmördern  am  Rande 
des  Waldes  ZZoll.;  vgl.  den  Flurn.  Mörder-Gdrtli 
ScnBegg.  —  >li-t'ii-:  -Mistgrube  Aa;  Ndw;  Z.  Syn. 
Mist-Hof,  -J.nrh.  -  Will-/'.  Vgl  Huerei  frisst  de"  Mist 
(■"  der  Grueli  iinatrn.  i.  \iTzehrt  das  Besitztum  eines 
Bauern  bis  auf  den  Mist  in  der  Grube  ZS.  —  G'nick- 
GriichU  =  Liis-Gr.  Z  (Dan.).  —  „Niet-:  Mergelgrube 
Aa;  LG." 

Bare"-:  maskierte  Grube  zum  Fange  von  Bären. 
Solche  noch  1627  in  BBe.;  vgl.  Wolfsgrueh  u.  Bären- 
Garn. 

Bärlisiji-ueb,  Name  der  c.  300'  langen  Vertiefnng  des 
Amphitheaters  zu  AaWind.,  enthält  wohl  einen  alt-alaai.  Per- 
sonn,  wie  Berilo,   Berilhuj. 

Rabe"-,  auch  Räb-:  eine  gewöhnlich  in  der  Nähi' 
des  Hauses  angelegte  Grube  zur  Aufbewahrung  von 
weissen  Rüben  über  den  Winter,  Rüebli-Gr..  eine 
solche  für  gelbe  Rüben  Z.  Vgl.  ,Rapistrum,  ruob- 
gruob.'  Ebinger  1438.  —  Rad-:  Vertiefung  in  der 
Wagnerwerkstätte,  in  welche  das  Rad  mit  seiner  un- 
tern Hälfte  aufrecht  zu  schweben  kam,  wann  die 
Felgen   auf  die  Speiehen  gesetzt  werden  sollten  Z  f- 

0"-rädel-:  Kiesgrube  S.   —   Von  wv/eii,  sieben. 


fiflS 


rab,  srii'b.  giib.  groli,  grub 


Eätseh-Grueb:  Grube,  bei  der  Hanf  und  Flachs 
gebrochen  (gerätsehet)  und  in  welcher  nachher  die 
Abfälle  (Agnen)  verbrannt  werden  Z.  Auch  in  Flurn.: 
, Acker  bei  der  Rätschgr.'  ZHott.  —  Sand-:  Kiesgrube, 
in  welcher  vermittelst  des  Sand-Gatters  Sand  gewonnen 
wird  Z.     Häufiger  Flurn.  in  B;  L;  Z.    Syn.  S.-Loch. 

Schelmen-:  Schindanger;  Syn.  Keiben-Gr.  ,Ein 
strick  an  hals,  du  öder  bueb,  fast  mit  dir  us  in  d"  seh.' 
JMuREK  1560.  .Sie  sollen  die  schädel  der  eslen  aus 
den  sch-en  nemmen.'  Tierb.  1563.   —  Srhdm,  Aas. 


Schind-  =  dem  Vor.  , Erden  aus  der  Sch-en.' 
JCSuLZ.  1772.  —  Schorr-  (-Ö-  S):  Grube  ausserhalb 
des  Stalles,  in  welche  der  Mist  aus  dem  Stalle  ge- 
kehrt wird  S.  Der  Inhalt  einer  solchen  [V] :  , Keine  Bau- 
häufe noch  Schorrgruben  in  die  Strass  legen.'  B  Mand. 
1744.  Syn.  Schorr-Mist.  —  Schiss-:  Kloake;  Syn. 
Sch.-Graben.  .Die  pfuolfisch  habend  gern  wuost  und 
kat,  also  dass  sy  auch  den  wuost  der  scheissgruoben 
verzerend.'  Fischb.  1563.  Vgl.  den  rohen  Neckreira: 
Bueb!  schiss  i"  d'  Gnieb!  Z. 

Schmalz-:  bildl.  Bezeichnung  eines  fruchtbaren, 
ergibigen  Ortes;  vgl.  Guld-Gr.  ,Arauw  ein  schm-en.' 
AEypf  1597.  .Die  Statt  (Eapperschweil)  ist  eine  rechte 
Schm.,  dann  daselbsten  ein  grosser  Überfluss  von 
allerlei  Lebensmittlen  ist'  EEsoher  1692.  So  noch 
Ortsn.  in  LMalt. ;  ScuMerish.;  Scnwlb.  u.  Wollr.; 
ZHombr.,  Küsn.,  Stdt. 

.\hnliche  Flurnii.  sind:  II  rul- Kübel,  -Korb;  Srlimitlz; 
Unnmel-lilch;  Pumdi:  Ant.  /funga-Bml,  -Bmj;  flibi^iml: 
AivjHt  und  yiit. 

Schwin-:  Saulache,  Aufenthaltsort  (wilder) 
Schweine.  ,De  bono  in  swyngruoben.'  XIV.,  L  (Propstei- 
rod.).  .Scliwingrueb  od.  Tegernioos.'  XV.,  ZZoll.  (Urk.), 
der  jetzige  grosse  Weiher  zwischen  Küsn.  u.  Itschnach. 
.In  der  Schw-en.-  Dorfteil  BReutig.;  LMalt.  —  Stei°-: 
Steinbruch  B;  S.  ,Die  steingruebe,  da  sy  steine  inne 
band  gebrochen.'  1277,  JJRieger.  ,Ein  ufzug,  damit 
man  die  stein  us  der  steingruebcn  gezogen  hat.'  1489/90, 
Zellw.  Urk.  —  Tüchel-:  kleiner  Teich,  in  welchem 
die  Brunnenteuchel  aufbewahrt  werden;  Syn.  T.-Ros. 
.Umb  eichin  schwiren  [Pfähle]  zur  ros-  und  t-en.' 
1566.  ZGrün.  ,Da  jetz  die  T.  ist.'  Rüeg.  1606.  — 
Duft-:  Tuffsteingrube,  -bruch  S.  —  We'U-:  Ver- 
tiefung, über  welcher  der  Kessel  zum  Sieden  [erireHlen] 
des  Wassers  hängt,  z.  B.  um  eine  Wäsche  vorzunehmen, 
oder  auch  der  Käsekessel  in  Sennhütten  Gl;  Schw;  U; 
Syn.  Für-Gr.  —  Wolf(s)-:  Fallgrube  für  M^ölfe;  vgl. 
Bäre>i-Gr.  Mit  dem  Schwinden  der  Wölfe  gieng  dann 
das  W.  allmählich  aus  seiner  eig.  Bed.  in  die  einer 
blossen  Ortsbezeichnung  über.  ,[Holz]  ze  den  wolf- 
gruoben  gelegen.'  1348,  Aa  (Arg.).  .De  bono  dicto  w.' 
XIV.,  L  Propsteirod.  ,Das  guet  unter  der  w.'  1450, 
ScHwTugg.  (Gfrd.).  ,Ein  grossi  kilchöri  soll  zwo  wolf- 
gruoben  machen  und  ein  kleine  ein  gruoben.'  1480, 
Obw.  ,Nun  wolan,  ir  bueben,  wir  wend  in  füeren 
uf  d'  wolfsgrueben  [ihm  eine  Falle  legen,  um  ihn  aus- 
zubeuten].' Salat  1537.  Als  blosser  Flurn.  mehrfach 
noch  in  B;  L;  ScH;  UwKern.*;  ZBirm.,  Wildensb.  Vgl. 
Wolf-Galgen,  -Garn,  -Graben,  -Zangen  u.  Kessel-Grueh. 
—  Winkel-.  ,Gott  hat  dich  [den  Belsazar]  g'schletzt 
in  d'  winkelgrueben,  dyns  vaters  grab,  da  nüt  ist  dann 
jamer  und  klag.'  JMirer  1559.  —  Wösch-:  Grube 
für  den  Waschkessel  auf  freiem  Platz  vor  dem  Hause 
I.E.:  Nnw.     Vgl.    Well-Gr. 


gruebe":  eine  Grube  machen.  1.  übh..  z.B.  im 
Herbst,  um  Gemüse  einzuwintern  BS.;  vgl.  Griieb  1. 
.Wir  wend  morn  d'  hütten  grueben  [zu  derselben  das 
Fundament  graben].'  Rief  1550.  .Diser  fisch  gruobet 
in  das  sand  und  verbirgt  sich  darin.'  Fischb.  1563. 
Bildl.,  m.  Dat.  P.,  Einem  eine  Grube  graben,  „allg." 

—  2.  im  Bes.  im  Weinberge  durch  unterhalb  der 
Rebenzeilen  aufgeworfene  Gräben,  in  welche  die  alten 
Rebstöcke  versenkt  [s.  aben-leggen]  werden,  so  dass 
nur  noch  ein  Schoss  hervorragt,  die  Weinstöcke  er- 
neuern. Die  Reben  heissen  in  den  ersten  3  Jahren 
Gruebreben  im  Ggs.  zu  den  Setz-  oder  tnschlagreben, 
welche  nicht  von  alten  Wurzelstöcken,  sondern  ver- 
mittelst einzelner  Schosse  oder  auch  einzelner  Reb- 
stöcke gesetzt  (eingeschlagen)  werden.  In  den  ersten 
2  Jahren  ist  der  Ertrag  fast  Null  (s.  rer-grueben)  Aa; 
Bs;  Gr;  G;  Sch;  Th;  Z;  vgl.  krüeglen,  Grueber-Mäl, 
Graben- Win.  lez  hä-mer  de'  ganz  Tag  'griiebet  und 
sind  doch  müed!  sagen  die  Abends  vom  Rebengruben 
heimkehrenden  Weinbauern  im  Wortspiel  mit  rueben, 
ruhen  ZS.  Grueben  ist  für  d'  Bueben,  aber  nid  z'  lang, 
duss-ne  's  Schaffe-  nid  vergang  SouSt.  S.  noch  Steism. 
1804,  S.  474  f.  ,Er  [der  Lehenmann]  soll  die  reben 
gr.'  1315,  ZZoll.  (Urk.).  Der  ,Grueber',  Arbeiter  im 
Weinberg.  1364,  Stadtr.  Überl.  ,Ein  jeklicher  lehen- 
mann soll  3  tagwen  gr.  in  einer  jucbart  reben  und  was 
er  darüber  mehr  gruebet,  da  soll  das  gottshus  schaden 
han  mit  dem  lehenmann.'  c.  1500,  ZFahr  (Offn.).  ,[Zu 
gewissen  Reben]  soll  das  gottshus  halben  kosten  gen 
zuo  gr.'  1515,  Gfrd.  ,Du  hast  sy  [die  Weinrebe] 
g'gruobet  und  dir  bereitet.'  1531,  Psalm.  ,Für  mist 
und  gr.  der  reben.'  1541,  ZGrün.  ,Propagare  vineas, 
Reben  einlegen,  gr.,  frz.  provigner.'  Rhagor.  1639, 
,Wyl  alle  Jahr  das  Rebgewäcbs  durch  Underhinlegen 
und  Gr.  der  alten  erhalten  und  fortgesetzt  werden 
muss.'  Z  Mand.  1663.  ,Reben  underhingruben.'  ebd. 
,Die  Reben  gr.,  supplantare  vites.'  Hospin.  1683.  Vom 
Verwalter  des  Spitals  zu  GUzn.  wird  verlangt,  dass 
er  die  Reben  mehr  als  bisher  gr.  lassen  soll.  1738, 
Absch.  .Unsre  Landsangehörigen,  so  Rebgüter  haben, 
sollen  anstatt  des  schlechten  Rebgewächses  gute  Gat- 
tungen mittelst  des  Grubens  nachpflanzen.'  1752,  Z 
Ges.  ,Gleich  nach  der  Weinlese  gruben.  .4m  be.sten 
im  Herbst.  Gute  Rebleute  gruben  jede  Rebe,  nach 
ordentlicher  Einteilung,  alle  20  Jahre.'  Churcr  Beitr. 
1792.  —  3.  „von  Holz,  mit  einem  Muschclbruche 
spalten  LE.;"  Syn.  graben  4. 

In  dem  AaWett.  Rebeuweistum  von  1457  kann  </)■.  nicht 
die  Bcd.  2  haben,  sondern  muss  (wie  viell.  .nnili  in  einigen 
andern  der  o.  angeführten  Stellen)  etwa  ^ ßihji-n  sein:  .Die 
rebliite  soUent  die  rijben  uf  S.  Jorgentag  oue  gcßrde  ge- 
schnitten und  gehacket  han  und  dieselben  uf  S.  Johannstag 
gegruebet  und  gerüeret  haben.' 

ab-:  von  alten  Reben  durch  Einsenken  junge 
erzielen,  z.B.  1  ZUe"  Beben  a.  Z.  —  um-:  (durch 
Grueben)  erneuern,  umschaffen.  ,Die  Nation  ist  zwar 
jetzt  frei.  Doch  hört,  was  ich  hier  prophezei:  In  dieser 
Generation  gibt  's  ganz  gewiss  noch  kein  Solon;  man 
muss  umgruben  die  argen  Buben.'  HSulz.  1830  b.  — 
i°-:  durch  Grueben  einsenken  Bs;  Z.  ,Die  reben  ein- 
gruoben,  dass  neuwe  rebstöck  daraus  werdind.  Vites 
stratffi,  wider  eingelegt  und  eingegruobet.'  Pris.;  Mal. 

—  ver-:  1.  =  grueben  2;  e  Zile  Bebe'  r.  Z.  ,Ein 
Traubentrüter.  das  vollkommen  zwei  Stockwerke  hoch 
nnd    bis    heutiges  Tages    nie  vergrübet   worden.'    Gr 


iWT 


Grali    griili.    (iralis 


nibs 


(irabsc 


srrnliscli.     «irabst -Grubst,     (iralit 


Sammler  1782.  —  2.  durch  Gruchen  verlieren,  ein- 
büssen.  In  einem  guten  Weinjalir  wird  viel,  bei  einem 
schlechten  wenig  Wein  m-i/nirJni.  Dalier  von  Ym-- 
iibergehenden  an  Onii-hcmU'  .bi  ,.  hciiiliar  |iai;i.bixe 
Wunsch:  I'''  wöische.  ila^-ir  nrlil  nl  U'i"  rinjniilmll 
Zö.  ,Nur  platzweise  zu  gruben,  bie  und  da  in  alten 
Reben,  um  keinen  Wein  zu  vergruben.'  Churer  Beitr. 
1792.  —  3.  die  Beben  durch  ungeschicktes  Gruehen 
schädigen  Z. 

Güsel-Grüeber:    Äpfelname  s.  Bd  I  369. 

Abgel.  von  einem  Orts-  oder  Fluni.  (i'unl-O'nieh,  höchst 
wahrsch.  =  llatuch-Giueb. 

grüeble":  1.  ein  Spiel  der  Kinder  (bes.  Knaben), 
wobei  sie  aus  gemessener  Entfernung  Nüsse  (auch 
etwa  Bohnen)  nach  einem  in  den  Boden  gemachten 
Grübchen  rollen.  Wer  demselben  am  Nächsten  ge- 
kommen, sucht  die  Nüsse  der  andern  in  das  Loch  zu 
schieben.  Gelingt  ihm  dies,  so  sind  die  Nüsse  sein 
Gl;  „Uw;  U;  Z";  Syn.  löchlen ;  schürggehn.  Vgl. 
Grueh  7.  —  2.  um  den  Herd  der  Sennhütte  (Fiir- 
Grueh,  s.  auch  Griieb  5)  herum  gemütlich  plaudern 
Uw.  Am  Obed  griehlet  [d'  Senne']  mit  enond,  duibokit 
d'  Hüte  fosl  i'  Brond  und  suifid  i<s-em  Nopf  Uw 
(Schwzd.). 

Balle»-Grüeblis  SB.,  Steckli-  Aa:  Knaben- 
spiel, welches  darin  besteht,  dass  Jeder  der  Spielenden 
den  Ball  in  ein  Grübchen  der  Andern  zu  schieben 
oder  treiben  sucht.  Derjenige,  in  dessen  Grube  der 
Ball  fällt,  muss  ihn  einem  der  eilig  entspringenden 
Mitspieler  nachzuwerfen  suchen.  Fehlt  er,  so  bekommt 
er  zur  Busse  ein  Steinehen  (l'raii)  in  seine  Grube. 
Wer  zuletzt  am  meisten  solcher  Steinchen  hat,  muss 
sämmtliche  Gruben  zum  Sjuitt  unter  den  Streichen  der 
Andern  ausput/.n.  d.  li.  db'  Steine  schnell  herauslesen. 

In   /.  heisst  dl S|a,.|   Fnutelis.    \g\.  Frau  4,  Bd  I 

12-1)  und  (iliimiii/iii.  sowi..'  Stiidim. 


(irabser  in.:  ein  grosser,  beinahe  keilförmiger  Knrb 
t    zwei    Ihmdbaben   G  oT.    -    Von  ilem    Orte   (.■,;!... 


Gräubscbi   s.   Grühsrh. 

Gribsch  s.  Ge-ribsch. 

(ii-iibsch  I  m.  BRi.,  (iräubschi  BM.,  0.;  GRb., 
T..  Grübschi  BO.;  PMu.,  Gürbsi  Aa;  B;  L;  S. 
Gürbschi  Aa;  B,  Görbsi  Schw,  Ürbsi  AAFri.;  Bs 
(ÜrbseU);  „LG.;"  S,  Gübsi,  Gühschi,  Gübsfi  AAWohl. 
—  n.:  i.  Kerngehäuse  des  Obstes,  Griebs,  allg.  Syn. 
Giger tschi,  Gäggi;  Crretschi;  Bätzfgji;  Bütschgi.  Es 
häthür  fkeis  Gr.  Obs  ge",  gar  krin,  liein  Siii.k.  iilli,'.; 
vgl.  (pars  pro  toto)  kein  Shl:  lii<  ]!fi":  Syn.  I.i-in 
Bütschgi.  1)' Bäum  hei  kes  l'rl.^i  mr  imi.  i;\\vss 
1863.  «S't  schnitzen  Öpfel  und  schinde"  d'  iirbseli  safer 
drüs.  Breitenst.  1864.  Lassen  Kinder  beim  übstessen 
grosse  Ürbsi  übrig,  so  droht  man  ihnen,  der  Ürbsi- 
Bisser  werde  kommen  und  die  Kinder  fressen  Bs.  In 
(G)ürbsi- Wasser,  -Bränz  steht  das  W.  im  weit.  S.  für 
Ob.st-Trester,  -Abfälle  übh.  ,Kirschen-  und  Ürbsi- 
wasser  ist  schon  lange  bei  uns  bekannt.'  RGlir  183.5. 
.Die  putzen  und  grübesten  daraus  [aus  den  Äpfeln] 
geschnitten.'  Wurstisen.  —  2.  die  sog.  .Fliege-,  der 
Butzen,  die  Blütennarbe  an  Äpf.dn  und  Birnen  BsStdt; 


B;  FMu.;  ScHwMuo.;  S;  Synn.  s.  u.  Flieg  Bd  I  1178. 

—  3.  (übertr.  von  1)  Adamsapfel,  der  Kehlkopf,  wie  er 
am  Hals  als  Erhöhung  hervortritt  Schw;  Syn.  Grips.  — 
4.  Schelte  für  ein  vorwitziges,  naseweises  Mädchen  S. 

—  5.  CIrbsiJ  Rülps  BsLd;  vgl.  u.  Gorps  Sp.  428. 
Mhd.  (jrobii»,  grühi/',     Kerngehäuse    und  Kehlkopf,     Zur 

Umstellung  des  r  vgl.  den  Art.  Goi-]».  Über  die  Voralvei- 
hältnisse  (äu  und  ü)  vgl.  Gräuhm,  nur  dass  in  unsiiin  Vi. 
der  einfache  Voc.  bcstäudig  kurz  ist.  Die  Formeu  mit  tin;ili>iii 
i  sind  als  eig.  Iliiii.  ^ii  v.rst.'hen.  Vrhsi  durch  Aphiirosis 
des  g,  welches  ini;.'  als  Vi.isillii;  (je-  gefasst  wurde;  weniger 
wahrsch.  aus  uImI.  urpi...  WvA.  ,">  durch  Vermischung  mit 
Giirha,  Rülps.  Was  die  Etymologie  anbelangt,  so  ist  merk- 
würdig, dass  neben  formellen  Berührungspunkten  die  beiden 
WW.  Gräiihrn  und  Gräulachi  die  Bed.  ,tjberb]eibsel'  gemein- 
sam haben;  vgl.   vollends  Bed.   3   unter   Griiuhen. 

Büch-Gräubschi:    Näbelchen    des    Kindes   BM. 

Vgl.  Bütiichrji-Schih,  wo  das  mit  Gr.  syn.  Ji.  ebontalls  den 
hervorstehenden  Mittelpunkt  bezeichnet. 

Grübsch  H  n. :  Haidekraut,  calluna  vulg.  Aa. 
Syn.  Ilrmch,  auch  G(e)-Brüsch,  aus  dem  Unser  W.  irgend- 
wie entstellt  zu  sein  scheint,  viell.  mit  Anlehnung  an  ilriilisrh  I. 


ibste"  s.  Greib-Sfeg. 


(JrüM  (-e'-J,  It  St.''  in  L;  Z  Grepp  —  f.:  1.  Be- 
gräbniss,  sowohl  Bestattung  und  kirchliche  Feier  als 
Leichenmahl  „Aa;"  B;  VOhte;  G;  S;  W;  „Z";  Syn. 
Kilch;  Lich-Gang.  Firn  g'  Gr.  gä",  ,Tmdn  zu  Grabe 
geleiten  B;  S.  Wenn  Beide  stiirbe",  so  ciMnn  Kei"s 
mit-em  andere"  z'  Gr.  BWvss  1863.  In  den  kath.  Ge- 
genden ist  die  Gr.  das  erste  der  4  feierlichen  Gedächt- 
nisse {Gr.,  Sibet,  Brlssgist  oder  erstes,  zweites  und 
drittes  Opfer,  dann  Järzit,  d.  b.  Begräbnissfeier  sellist. 
7.,  30.  und  .lahiestao-  ,l,.r  iMMTdi-uui;),  wuv.ni  die  :; 
ersten  aber  ol'l  in  ,!!.•  i^'lriili.'  Wnchc  z.-vzuir,.n  wrrden 
und  wobei  der  l'riester  ITir  ib'ii  AbsesInrlMih'ii  li.'l.'t. 
daher  dann  Gr.  im  weitern  S.  „der  ganze  'Iraniiuhniat 
L;  Zu."  Wo-n-er  nie  nie''  hat  vellr  -.'rmiij  ihn",  hiil 
d'  Mitetcr  iK/strengt.  m.  seit  für  si  idnisrlinliii  Sri  (h\ 
und  Drissiiisl  hn'.  BWvss  Isc:^,.  „S,,  mit  N.  N.  an  sein 
gr.  mit  im  /.»  kil.lh-u  i;aii-.'n  sind.-  1496,  Gkrd.  ,Die 
gr.  [wur.lel  erlieli  b.-gaii-.-n.-  /iki.v  1521.  ,Die  ]ifaft'en 
schundent  die  armen  lüt  nacii  irem  tod  mit  iren 
g'grepten,  seelmesseu,  sibenden,  dryssigisten,  jarzyten.- 
HBuLL.  1572.  ,Den  Abgestorbnen  halten  sie  bei  den 
Brüderen  Barfüsser  Ordens  solemniter  Gr.,  Sibent  uiul 
Drcissigst.'  LCys.  1661.  Die  Gr.  als  Leichenschmaus 
ist  oder  war  bes.  in  B ;  S  u.  W  üblich.  Die  ausführ- 
liche Beschreibung  einer  solchen  Gr.  s.  bei  Schilo 
1866,  40  tf.  u.  bei  Gotth.  XVUI  1  tf.,  VI  278  ff.  .Gräbten 
werden  wenig  mehr  gehalten;  zuweilen  aber  und  wenns 
abtreit,  geht  es  da  noch  bunt  und  mit  Geräusch  zu.- 
RGlur  1835.  —  2.  Ort  des  Begräbnisses,  Grab  Gl; 
Schw.  !''•  gö',  wie  's  Brück,  uf  üsri  Gr. ;  am  Grabstei" 
Vis  i"''  do  verstuntli'^',  dass  uf  der  Welt  mi'"''  Niil  me'' 
hebt  Schw  (Schwzd.).  .Kr  erwält  syn  gr.  |zn  Kiii- 
siedeln].'  1405,  Ap  Reinu-br.  .Mb.l.  ii.rhjrrhtri.i,  (..  ,l:ib,-.- 
der  harte  Anl.  ./j/-  bei  Bull. 

Ver-  =  dem  Vor.  W. 

Fleisch-:  ein  vornehmeres  Leiehenmabl,  wo  rei.b- 
li.-b  Fleisch  aufgetragen  wird  B,  s.  das   Folg. 


lüW 


(iralit-  grubt,    (iracli— fTiucli. 


Käs-Gräbt.  ,Die  Gr.  war  im  Wirtshaus  und  zwar 
nicht  bloss  eine  K.,  d.  h.  eine,  wo  bloss  Wein,  Brot  und 
Käse  aufgestellt  wird,  sondern  eine  Fleischgräbt  und 
zwar  von  den  besseren,  denn  da  war  Yoressen,  Eind- 
nnd  Schweinefleisch,  Sauerkraut  und  dürre  Bohnen, 
dann  Braten,  Hamme,  Salat  und  Tateren  [Torten].' 
GoTTH.  ,Mit  der  Gräbt  niachs  wohlfeil,  allweg  bloss 
eine  Käsgräbt  im  Hause,  keine  Fl.  im  Wirtshaus.'  ebd. 

Be-grebt  f.:  Begräbniss.  ,Ze  stund  nach  des 
mannes  b.'  c.  1450,  B.  ,Denen  zu  Basserstorf  sollen 
daselbs  [zu  Kloten]  ire  b.,  sibenden,  dryssigisten,  jarzyt 
und  andere  selgeret  begangen  werden.'  1509,  AAWett. 
Klosterarch.  ,Kerzen  zue  den  begrebten.'  Z  Mand. 
l.'')2S.  ,Do  man  syn  b.  begieng,  danztend  die  lüt  vor 
fröden.'  Vad.  ,I)ie  toten  ab  der  walstatt  zur  b.  fer- 
tigen.' HBuLL.  1572.  ,Zu  Spyr  in  der  kiinigklichen 
b.  begraben.'  ebd.  ,Patroclus  begert  von  Achilli,  dass 
er  im  b.  halte,  sunst  möge  er  nit  zum  tor  der  hellen 
yngon.'  LLav.  1569  =  ,dass  er  ihn  ehrlich  zur  Erden 
bestatte.'  1670.  ,So  Jemands  auf  dem  [Schnee-]  Berg 
abstirbt,  im  Herd  er  kein  B.  erwirbt.'  HsRRebm.  1620. 

Selen-:  volksetym.  für  SelfenJ-Gerät  (s.  d.). 

gräbte":  eine  Leichenmahlzeit  halten  BSi. 

(Be)-Gräbtnuss  f.:  Begräbniss,  Grab.  .Als  die 
begreptniss  sant  Felix  und  Regien  abgeschlissen  wur- 
dent.'  Edlib.  ,Ein  roggengewäxt  mit  134  äheren  wuox 
zuo  Chur  in  der  abgestorbnen  begräbdnuss,  Schca- 
letten  genannt.'  1572,  Ardüser.  .M''enn  ein  ältrig 
mensch  stirpt,  das  des  alters  ist,  dass  man  im  das  h. 
sacrament  git  und  geben  möcht.  so  gehört  einem 
pfarrer  5  ß  d.  opfer  und  denn  ist  er  davon  schuldig 
dem  ze  begän  grepnuss,  sibend  und  den  drissigosten 
und  syn  das  zyt  am  sunnentag  ze  gedenken.'  XVI., 
GrD.  Pfarrordn.  .Keinen  Kilchhof  noch  Begräbtnuss 
machen.'  c.  löOO,  Cys.  ,Es  befindend  sich  in  der  Kü- 
chen wenig  Grebtnussen.'  RiiE«.  1606.  ,Hegrebtnuss.' 
GGOTTH.    1610. 


Grach     gruch. 


Grachi 


griieh  (ce  bzw.  e-J,  in  Nnw  g'r.,  in  GO.,  Rh.,  W.;  Scn; 
Tu;  ZA.,  Benken  (?/'re;,  Glattf.  ohne  -ch:  Adj.,  aber  nur 
präd.  und  in  der  lebenden  Spr.  fast  nur  von  Personen: 
1.  fertig,  meist  mit  einer  Arbeit,  doch  auch  mit  dem  Ver- 
brauch von  Stolfen.  allg.,  meist  verbunden  mit  ,sein, 
werden,  machen'.  /''''  6t"  gr.  mit  der  Mixtur,  habe  die 
Arznei  aufgebraucht  Z.  Wo-n-i''''  mit  dem  Liedli  gr. 
gaV  U*,  als  ich  es  zu  Ende  gesungen  hatte.  Stutz.  Bist 
nüd  bald  gr.  mit  Schrlhe'?  Ap.  D'  Wlher  sind  nie  gr. 
Bs  (Spreng).  ,Wer  am  Morgen  das  Bett  nit  macht,  der 
wird  den  ganzen  Tag  nie  grä.'  Sprww.  18'24.  Mer  send 
bald  gre,  's  ist  ärger,  a's  hetta-me'sch  [hätten  wir  es] 
gär  GRh.  (mit  scherzh.  Zweideutigkeit  des  Ausdruckes 
,arg').  Mer  sind  bald  gre,  wie  des&b,  wo  het  müese' 
■3  Bossnägil  esse":  er  het  eine"  im  Mut  g'ha",  eine'  i' 
der  Hand  und  de  dritte  iif-em  Tisch,  ebd.  Händ-er 
gr.  gmacht  mit  Hacke"?  Sch.  Mir  hein  mit  der  Ustag- 
arbeit  gr.  gmacht  W.  , Unser  fünfzehen  hundert  mit 
in  [den  Feinden]  warend  bald  grech.'  Lied  aus  dem 
Schwabenkrieg.  ,Stüend  ich  nüt  mit  dir  in  frid,  ich 
wett  wol  mit  dir  grech  werden.'  1517,  Z  Staatsarch. 
,Ich  bin  nun  grech,  ich  han  myn  teil,  kein  ablass  trag 


ich  niemer  feil.'  NMax.  ,Darzuo  ist  es  guot,  wenn 
einer  da  hinnen  [hinten  im  Buche]  anfacht,  so  ist  er 
dester  e  grech.'  Gvrenr.  1523.  ,Am  SantMartis  dag 
ward  ich  greg  mit  drucken  [Keltern].'  1527,  HsStocKAR. 
,Wir  werdent  uf  mentag  abends  gr.'  1529,  Abscii.  ,Herr 
Kämmerling,  das  essen  ist  grech.'  Z  Laz.  .Hettend  ir 
semlichs  langerist  tan,  wettend  wir  langist  gr.  syn.' 
1549,  UMey.,  Chr.  ,Ir  wolltend  gern  einsmals  syn  gr. 
[bereit  zum  Sterben].'  Pdnkelin  1552.  ,Wenn  sy  gr. 
sind  und  ufzöumt  händ.'  JMvrer  1575.  ,Ich  bin  mit 
der  unglückhaftigen  weit  nit  gr.  nocli  ferig.'  EGcalth. 
1585.  Ajax  spöttisch  zu  Ulysses  nach  langer  Rede 
desselben:  ,Bist  g'r.':'  Ich  muoss  dir  noch  mehr  .sagen.' 
GGotth.  1599.  ,Wann  der  Mensch  gr.  ist,  so  facht 
Gott  erst  an.'  1617,  JJBreit.  ,Die  Hebammen  sollen 
kein  Frau  nötigen  zu  der  Arbeit,  es  seie  dann  die 
rechte  Zeit  und  Kindswehe,  und  an  kein  Ort  eilen, 
damit  sie  daselbst  geräch  werden.'  JMuralt  1697. 
Auch  von  Sachen,  W'erken:  ,Wenne  euch  das  körn 
grech  wirt,  so  soll  es  der  keller  antwurten  zue  dem 
hemscher.'  LEmmen  Hofr.  ,Die  faden  sond  all  gerech 
syn  ze  herbst  ze  S.Gallen  tult.'  XV.,  Z.  ,Und  sollt 
[der  Werkmeister]  das  werch  grech  han  in  4  jaren.' 
Vad.  Den  Zimmerleuten  soll  zustehen,  zu  verfertigen: 
,Die  gerächen  böden,  Stegen.'  ZWthur.  Stdtb.  Übertr. : 
gr.  si",  sein  Vermögen  aufgebraucht  haben ;  in  äus.ser- 
ster  Not,  verarmt  sein ;  tot  sein  B.  P*  bi"  gr.,  es  ist 
aus  mit  mir,  ich  gehe  zu  Grunde  AaF.;  GSa.  Am 
gr.  machen  sin,  mit  dem  Vermögen  fast  zu  Ende  sein, 
dem  Tod  entgegen  gehen  BR.  Gr.  mache",  ausatmen, 
sterben  L;  ZO.  „Die  Kuh  hat  gr.  gemacht  =  ist  ver- 
reckt." Ein'n  gr.  mache",  in  äusserste  Not,  Verlegen- 
heit bringen  B.  ,Wo  man  nit  mag  mit  bannbriefen 
schaffen  [in  Wege  bringen],  dass  sy  nit  tüegind  wider 
uns  pfaffen,  so  helf  uns  Gott,  so  sind  wir  gräch  [ist 
es  aus  mit  uns].'  NMan.  —  "2.  bereit,  zu  einer  Leistung 
(fertig  mit  der  Vorbereitung)  Aa;  Gl;  Ndw.  /''*  bin 
iez  denn  gr.  mit  dir  z'  cho"  ZWang.  ,üenn  was  ihr 
went,  es  sy  Pfeffigen  oder  anders,  so  sind  sy  [die 
Knechte]  gräch  darum  [willig  zum  Angreifen].'  1499. 
F  an  S.  ,Der  forster  soll  grech  syn  zue  allen  den 
dingen,  so  das  gottshus  bedarf.'  TnEsch.  Oifn.  .Bedörft 
er  denn  der  unsren,  dass  wir  ouch  grech  wärint.'  1521, 
Strickl.  .Demnach  hat  er  den  synen  after  dem  land 
lassen  gebieten,  dass  jeklicher  gerüst  sye,  wenn  man 
sy  beruofen,  dass  sy  gerech  syen.'  1532,  ebd.  ,Grech 
und  fertig  werden.'  1564,  Gl.  ,Geräch,  gerüst,  ex- 
peditus,  paratus.'  Mal.  Auch  von  Sachen:  ,Swer  synen 
harnesch,  den  er  haben  soll  und  der  im  geboten  ist, 
als  bereiten  und  als  grächen,  des  tages,  so  man  in 
schouwet,  nit  hat,  der  git  5  ß.'  1331,  TuFr.  Stdtr. 
.Schwebel  und  bech  ist  g'rist  und  grech.'  GGotth.  1617. 
-  3.  ^  gerecht  i.  S.  v.  gesund  auf  der  Brust,  Lnnge 
BE.;  LE.  —  4.  Adv.,  völlig  oder  =  gerecht  i.  S.  v. 
eben  recht.  Syn.  kant;  sanft.  ,Ein  gwelbli  in  der 
mur,  dass  gräch  zwen  mann  dryn  möchten.'  1523, 
PFüssLi,  Pilgerreise. 

Mhd.  gerech,  wohl  geordnet,  in  gutem  Staude ;  gelegen  : 
geschickt;  bereit.  Das  Bewusstsein  der  Zss.  mit  dem  Prüf. 
ye-  scheint  meist  erloschen,  denn  das  bloss  aus  B  50.  hc- 
zengte  rechen  scheint  aus  dem  Ptc.  yrethei  von  grechen  un- 
richtig abstrahiert  zu  sein.  Der  Vnc.  ist  nrspr.  kurz  und 
ist  es  auch  jetzt  noch  da  und  dort,  bes.  da  Kürze  sogar  in 
der  apokopierten  Form  nocIi  vorkommt.  Der  Abfall  des  i-h 
ist   lienierkenswert.    bes.   wo   er  nicht  durch   Ersatzdehnung 


(iracli— giiicli. 


laclis— giuchs 


702 


ck's  Voc.  ausgogliclien  wird  wio  in  Ve  (iiubeu  Vcch),  Vioh. 
hl  .gr.  inaclieu'  ist  das  Ailj.  viell.  uicbt  auf  uiu  Sach-Obj. 
zu  beziehen,  sondern  die  Verbindung  zu  erklären:  machen, 
ilass  mau  gr.  wird.  Bed.  1  geht  leicht  in  2  über,  nach  der 
zum  Letztem  beigefügten  Auffassung;  es  kann  aber  auch  '2 
die  ursyr.  Bed.  sein,  da  ja  auch  .fertig'  urspr.  bedeutet; 
zur  Fahrt  bereit.  In  Bed.  S,  Tiel).  auch  in  4,  ist  das  W. 
luüglicherweise  erst  aus  dem  nahe  vTvdten  und  auch  in  Bed. 
1  u.  2  S)n.  ga-ccht  abgek.  Weitere  Beispiele  der  Vermengung 
beider  WW.   s.   u.  ge-mht. 

Grech  n.:  Alphütte  mit  .Stall  und  !<tulie  WLötsch., 
früher  Chäiere  [Käseren]. 

Kig.  Vorrichtung  übh.;  vgl,  Grävhi,  (irüchmy;  mhd.  ye- 
ri/eh  n.,  gehörige  Beschaffenheit,  guter  Zustand,  und  dazu 
nlid.  .Gemach",  sowohl  Wohnraum  als  Bequemlichkeit.  Sollte 
das  Subst.  vom  folg.  Vb.  abgel.  sein,  so  müsste  es  eig.  Ggredi, 
d.  h.  Giyrldt,  lauten.  Zu  obigem  Appellativ  gehören  wohl 
auch  die  B  Ortsn.  ,Grächi,  Grächwll'.  W  ,Grächen'  aber, 
welches  urkundlich  ,Granchon'  hiess,  legt  die  Frage  nahe, 
ob  unser  W.  saninit  den  genannten  Ortsnn.  nicht  wie  der 
B;  F;  S  Ortsn.  ,Grenchen'  eher  von  ralat.  .granica'  (frz. 
.grange')  abzuleiten  sei. 

greche"  (in  ScuwMuo.  i/V.)  -/--;  1.  fertig  werden, 
eine  Arbeit  zu  Ende  bringen  Gl;  „Gk;  GEh.;"  ,ad 
tineni  perducere.'  Id.  B.  —  2.  zubereiten,  rüsten,  a)  mit 
Sachobj.,  z.B.  Speisen  BO.;  Obw;  W.  Wend  Ma" 
Kiid  Cluiecht  am  [dem]  Most  zuespreche',  tuet  d'  Bäsi 
fich  was  Bessers  gr. :  si  sitzt  daJieim  Mm  Kajfechriieg. 
•SniwzD.  Holz  für  den  Winter  SchwMuo.;  Werkzeug 
DO.;  VÜRTE.  Kleidung:  Gräch-mer  e  sufers  Hemli 
[frisches  Hemd]  BEi.  Geld  für  einen  Kauf  oder  Ent- 
richtung von  Zins  auf  den  Termin  BEi.;  W.  Gräch 
d's  Für  (juet,  dass  nid  Eppis  a'chunnd  [in  Brand  gerät] 
Xiiw.  is  Eppem  g'grächet  han,  eine  Strafpredigt  für 
Jmd  bereit  halten  BEi.;  Syn.  's  Bad  icher 'fä'.  Insbes. 
1)  die  Zitzen  des  Euters  der  Kühe  streichen,  als  Vor- 
bereitung zum  Melken  BSi.;  „Schw."  Syn.  handien, 
rüsten;  strupften.  2)  dem  Vieh  das  Futter  in  die 
Krippe  geben  W ;  Syn.  inege'.  —  ,Ir  büchsen  teten  si 
grechen.'  1499,  T.,  VI,.  ,Mit  geschütz  und  lüten  ir 
land  gr.',  in  Verteidigungszustand  setzen.  Lenz  1499. 
.Wenn  man  stürmte  und  einer  milch  ob  dem  feur  hette 
oder  heuw  gerechet  inzetragen,  mag  er  demselben  wol 
rat  tuon.'  c.  1520,  Obw.  Vgl.  handen.  —  b)  mit  pers. 
Obj.,  also  refl.  Gräch  dich  SchwMuo.;  W.  Häst-di''' 
grächet  zum  Gä"?  Ndw.  Ghein  Älper  hed  si  gräched 
g'häben  uf  so  en  gäija  Überfall  BBr.  (Schwzd.).  Auch 
von  Innern  Zuständen:  sich  gefasst  machen  auf,  z.B. 
auf  eine  Strafe  BEi.  ,Dass  wir  uns  gr.,  dass  wir  mit 
üch  ziehen.'  141ti,  Z  Urk.  ,Ihr  wellent  üch  rüsten 
und  gr.'  1444,  B.  , Jedermann  tet  sich  gr.  zu  ver- 
tryben  die  eidgnossschaft.'  Lenz  1499.  ,Ward  sich  gr. 
[begann  sich  zu  rüsten]  zu  hilf  sym  Vater.'  ebd.  ,Sy 
teten  sich  darzu  gr.  [einen  .Ausfall  zu  machen].'  ebd. 
,Oder  dass  sich  einer  gerechet  hette  und  us  dem  tal 
wette  von  seiner  gschäften  wggen';  spätere  Eedaktion: 
,grächet'  und  noch  später:  ,gerüstet'.  c.  1520,  Obw. 
"-  3.  Etw.  wohin  schaffen;  Syn.  ferggen  Bd  I  1002; 
vgl.  reisten,  zuehin- grechen.  A'  d'  Männi  g' räche, 
Etwas  an  die  Fahrstrasse  schaffen  ScawMuo. ;  z.B.: 
Me  muess  bim  Sehne  d's  Holz  a  d'  Männi  g'räche. 
—  4.  Ptc.  g'grächet  BD.;  L  (öfter  als  gräch),  adj.  = 
gräch,  hereit.  ,Bist  gr.?  esne  paratusV'  Id.  B.  Da- 
ist jetzt  gräched  fir  z'  erzellen  BBr.  (Schwzd.).  Auch 
in  übertragener  Bed.  Du  bist  numme  vil  z'  grächete, 
du  bist  nur  allzu  voreilig,  hastig  BHk.  —  Mhd.  f/erfehen, 
bereiten,  rüsten;  direkt  vom  Adj.  ijii-rh  abgeleitet. 


a"-:  zurüsten  BHa.;  SchwE.  —  i"-:  1.  =  gre- 
chen ä  a  2).  I'"  muess  nu  [noch]  Heitv  schrote,  dass-ne 
[den  Kühen]  cha"  i.  U.  —  2.  Vorräte  in  einen  Be- 
hälter tun  SchwE.;  Syn.  in-gereisen. 

ver-:  krepieren  BLeuk.  —  Vgl.  ,jm-li,  fertig  =  tot. 

zesamme"-:  zusammenraffen.  Gräch  di  Bettel 
z'sämme'  und  mach  e&j  Hochzig.  Balz  1781.  —  Bes. 
Anwendung  von  grechen  S. 

zuehi"-  (zueche-):  herbeischaffen.  Eefl.  herbei- 
kommen. Wenn  es  Freudeli  umme  [iu  der  Nähe]  ist, 
so  grechet  si"''  der  au'''  zue  [um  Anteil  daran  zu  be- 
kommen] SchwMuo. 

„Grechete  f.:  Endschaft  Gr  StAnt."  Gräheti: 
der  Eest,  der  noch  fertig  zu  machen  ist.  z.  B.  beim 
Mähen  GRPani,  Schud. 

Beide  Formen  Abstr.-Bildung  vom  Vb.  grethn  iu  Bed.  1, 
die  zweite  hat  concr.   Bed.  angenommen.     Vgl.  das  Folg. 

Grächi  f.;  1.  Vorbereitung  zum  Melken,  Anzielien 
der  Zitzen  BLenk.  Von  grächen  3  a.  —  2.  Ort  der 
Feuerbereitung  auf  dem  Herde.  Spä;n  uf  d'  Grächchi 
tue',  auf  den  Platz  des  gelöschten  Feuers  Ndw.  Vgl. 
grächen  3,  vom  Feuer.  —  Auch  hier  hat  sich  aus  der  abstr. 
Bed.  (1)  eine  coucr.  ('2)  entwickelt;  doch  vgl.  auch  trcclKii. 

„grächig:  arbeitsam,  emsig  BO."  —  Vou  yrmlun  j, 
.wer  fertig  zu   werden  sucht'. 

Grau  eher  s.  Grau-Epfel  Bd  1  S(iO. 

(iriicllle"  (i*!-):  feiner  Hagel  BsL.   --  Vgl.  A'™./,/-;.. 


Groelis  AaF.,  Z.;  Gl;  GW.;  ScH;  Tu;  Z  tw.,  Gruchs 
Aa;  BsL.;  BoAa.,  E.;  L;  ScHW;  S;  Uw;  U;  Z  tw.  — 
PI.  Gröclis,  Grilchs  —  m.:  Klage-,  Schmorzenslaut, 
Stossseufzer.  En  Gr.  ablü"  [ausstossen] ,  ächzen, 
stöhnen.  Mängs  Gröchsli  blib  erspart.  Naueli  1842. 
,Du  liessest  manchen  Grochs  und  Schrei.'  Lied  1712. 
.Manchen  Grochs  erweckt.'  Eidgs.  Toggenb.  —  Vom 
folg.  Vb. 

grochse°,  gruchse",  in  Gl;  GW.  grochsgc",  in 
Gr;  ScHSt.  grochze,  in  BBrisl.,  E.  gruchze,  in  Bs; 
SThierst.  gruchzge,  in  BS.,  U.;  S;  Obw;  U;  W 
gruxe,  in  Ndw  chruchse:  ächzen,  jammern,  klagen, 
seufzen,  stöhnen,  schwer  atmen,  Schmerzenslaute  aus- 
stossen, bes.  in  Folge  von  Unwohlsein,  Kränkeln,  Alter; 
doch  auch  von  An.strengung,  z.  B.  beim  Tragen  von 
Lasten  AaZ.;  UwE.;  U;  Z;  auch  von  einem  Geizhals 
Aa;  Syn.  harzen,  plsten,  grüggen,  greussen,  pfnächsen, 
tauen,  süfzgen.  Wenn  men  älter  tvird,  hct  me'  gäng 
Öppis  z' gr.  BoAa.  De'',  wo  aUiiril  iirurh^'l.  stirhi  und 
und  de'-,  wo  all  Tag  Suppe"  issi.  irini  ,ili  /.W'rtt^rliw. 
,Mit  Seufzen  im  Leben  und  im  r.'.lli.tt  mit  liin.h-.-n 
macht  man  solche  Sachen  nicht  mehr  gut.'  iMitniui/.r 
1831.  Ha'  afo'  gruxe",  afo"  bärze",  es  isch  nit  Gspiiss. 
wenn  d'  Zän  düe"  ive.  JHofst.  Hut  und  mvni  und 
ühermorn  isch  e  länge  Woche;  wenn  iV  Mrilsrhi  l.rini 
Buebe  händ,  fönd  si  afo  gruchse"  L.  /'« r  ./<»/-/  um 
Kessi  het  aw'' hinderet  g'litzt  [die  Hi'iihl;irni.  1  /uiurk- 
geschlagen],  näfirt.  jnsfrf.  qrwjf^et  und  sihinl:!:  es  (fit 
doch  au'x  e  lhUr-M,„h  v'  iSrmi.nkill.i  i,  lle^e"  de' 
Gofe"  muess  r"  <//<  :,ii)i  Dnl.hr  ,/,,■':  ,<  ,f^rhehd-ene 
Nüd,  wenn  s'  scha"  •^sic  cmist  uinmcgntcJisid.  Trvnkk 
1840.  ,Doch  soll  man  das  nicht  für  ein  Ungedult 
rechnen,  wenn  einer  von  grossem  Weh  groehset  und 
sich  übel  ghebt  und  aber  mithinzu  mit  Gott  zufrieden 


703 


(Jrad-gru.l 


ist.'  J.TBreit.  1(32!'.  .Grotliseii,  grochzen,  winseln, 
ijuiritari,  conqueri.'  Ked.  Iü(i2.  ,Der  Mensch  ist  zum 
Urochsen  und  Sorgen  geboren.'  JJUlr.  1727.  ,Groch- 
sen  und  grissgrammen.'  ebd.  Von  Tieren:  Der(ßiche" 
tu"  [getan]  ist  nid  g'kalberet:  d'  Stiere'  grii.ven  o«""*. 
Schild.  Vom  Schreien  des  Esels,  yahen  Ouw.  ,Das 
Tier  grochset,  je  länger  die  Krankheit  dauert,  desto 
stärker.'  Z  Anl.  1814.  Von  Schreien  der  Eule,  die 
Tod  vorbedeuten  (während  ihr  John  keine  üble  Bed. 
luit)  Z.  ,Ein  gespenstischer  Vogel  gruchst  wie  ein 
kranker  Mensch.'  Lux.  Sag.  S.  555.  Auch  von  der 
heiseren,  verstellten  Stimme  eines  Gespenstes  (der 
Sträggele).  HXfl.  1813.  Von  einem  Geräusche  der  Uhr. 
das  als  Vorbedeutung  eines  Todesfalles  gilt  ZHorg.,  0. 
,Wenn  man  das  Viehe  [bei  der  Lungenseuche]  an  der 
Listen  ein  wenig  stosst,  so  lasst  es  sich  stark  ein  und 
grochset.'  1732/76,  Z  Mand. 

Mhd.  grogezm,  wehklagen;  vgl.  kmhzeii,  krächzen,  rohen, 
brüllen,  grunzen:  i-okezen^  rülpsen,  qnakeu;  ntvlcezen,  ruchsen, 
girren:  sämmtlich  lautnachahmencle  WW.,  bes.  wenn  auch 
die  mit  r  anlautenden  früher  noch  einen  Guttural  vor  dem- 
selben hatten.  Die  Formen  mit  da  sind  lautliche  und  be- 
griffliche Verstärkung;  dem  z  wird  auch  in  andern  WW. 
(s.  hei  Geize  Sp.  570  und  <jutzijea  Sp.  585)  gern  ein  </  nach- 
geschlagen, das  sich  in  Fällen  wie  hUtzgen  aus  Metathesis 
erklärt,  hier  aber  wahrsch.  den  gutturalen  Charakter  des 
ganzen  W.  verstärken  soll.  Vgl.  noch  tjruxlen,  Reiz  zum  Er- 
brechen haben,  «/lucxeti,  nuissig  sitzen,  langsam  arbeiten. 

Grochser,  Gruchser,  auch  Gruchsi,  Gruxi 
ni.,  Grochseri"  f.:  anhaltend  kränklicher  und  kla- 
gender, empfindlicher  Mensch  Aa;  Ba;  Sciiw;  UwE.;  Z. 
Hn  ebige  Grochsi  Z.  F''  glaub  nit,  das"  es  so  g'ßrlich 
ist,  er  ist  halt  sunst  e  so  n-en  G-rodiser  Scii.  I)'  Welt 
ist  CO'  Gruchjsere  voll.  Heng.  183(>.  ,Augsthafte,  klein- 
gläubige Grochser.'  JJUlr. 

Grochsete  Gru-  f.:  schweres  Stöhnen  UwE. 

grochsig:  zum  Klagen  geneigt.  .Ein  Vater  mit 
seinen  kleinen  grochsigen  Kindern,  wann  sie  jez  sor- 
gen, was  sie  z'  Imbis  oder  z'  .\bend  zu  essen  haben.' 
JJUlr.  1727. 

gröchsle".  grüchslo".  Diui.  von  gruclisc" :  von 
kleinen  Kindern,  z.  B.  bei  unruhigem  Schlafe.  Syn. 
grümslen. 


Grad-  grud. 

«rad  n.:   Grad  B;  Z;  Syn.  Gran. 

gratle":  Kleinigkeiten  stehlen;  kleinen  Schaden 
tun  W.  Syn.  geschänden.  —  gradig:  zu  solchem 
Tun  geneigt,  ebd. 

gradiere":  einen  Grad  (socialen  Bang)  erteilen, 
zu  einer  (geistlichen)  Würde  erheben.  Der  päpstliche 
Legat  in  der  Eidgenossenschaft  hat  die  Gewalt.  ,ad 
(iuoscunque  gradus  ze  gr.'  1517,  Absch.  —  Für  ;//■«- 
dnicren,  direkt  vom  deutschen   Lehnw.  abgeleitet. 

Grädel  I:  1.  Mädchen  BM.  —  2.  Grädeli,  Schwäch- 
ling (Mensch  oder  Tier)  BM.  —  Vgl.  Grädll  und  Gmdel. 

grädele":  1.  „bezeichnet  das  sanfte  Singen  der 
Hühner,  bes.  im  ersten  Frühling,  wenn  sie  bald  Eier  zu 
legen  anfangen  BO.;"  Syn.  gageren,  gägerlen  (Sp.  140). 
—  2.  von  kleinen  Kindern,  die  mit  den  Händchen 
spielen,  die  Händchen  bewegen  und  nach  Vater  und 
Mutter  liebkosend  ausstrecken  oder  sonst  still  für  sich 
spielen  BM.    Vgl.  grädlen. 


2  lässt  sich  mit  1  vermitteln,  wenn  man  auuehnien  darl', 
dass  eig.  das  sog.  Plaudern  der  Wiegenkiuder  gemeint  sei, 
und  dass  sich  der  Ausdruck  dann  spec.  an  das  begleitende 
Spiel  mit  den  Händchen  geheftet  habe;  noch  einfacher  ist, 
1  und  2  durch  den  Oberbegriff  des  Vibrierens  zu  vereinigen 
(s.  Aura,  zu  gigagen  Sp.  137  und  zu  gtlsteren  Sp.  G52).  Vgl. 
den  seihen  Begriffsübergang  bei  griigelen.  —  Unser  obiges  W. 
kann  eine  blosse  Spielform  zu  grägden  (s.  d.)  sein. 

Grädeler:  Spottn.  für  einen  kindlichen,  mit 
Kleinigkeiten  sich  befassenden  Mann  BM. 

grädle":  krabbeln,  wimmeln  BsL.  's  wimmlet  nf 
de  Strasse,  's  grädlet  dort  uf-im  Feld  [von  Volk]. 
Breitenst.  E  G'surr  het  's  g'ge  und  grädlet  nie  im- 
menen  Imbhus,  wenn  sechs  Imbe  stosse,  so  lict  's  du 
gsurret  und  grädlet.  ebd. 

Das  W.  könnte  übrigens  auch  mit  den  Synu.  giudlm  und 
g'raglen  zsgehören  und  das  d  viell.  erst  aus  g  eutstandeu  sein. 
Vgl.   auch  noch  g  riglet  i-vM) . 

Grädel  n  s.  Grättel. 


idli.  Hüener- 


-Gredli. 


..Grandi:  Scherzn.  eines  Greises  Aa." 

Von  grau;  vgl.  , Greis'  (mhd.  yn«)  uebeu  dem  diivmi  :ib- 
geleiteten  frz.  gris,  mit  Anlehnung  an  den  VersoueHuanuii 
Gaudi.'     Vgl.    Grantum. 

Gred  I  f.:  1.  breite  Stufe  längs  (der  Vorderseite) 
eines  Gebäudes.  Silger.  ,Dass  wir  ein  fenster  durch 
ir  mur  an  den  greteu  machen  süllent.'  1368,  Z.  — 
2.  Grat  (PI.)  der  vor  dem  Chor  in  der  Kirche  liegende 
Platz  mit  den  zum  Schilf  herunterführenden  Stufen 
ScHW;  U.  ,Der  Pfarrer  kam  [aus  der  Sakristei]  mit 
einem  grossen  Buch  auf  die  Grat  [anstatt  auf  die 
Kanzel]  und  las  daraus.'  FDKyd,  Tageb.  ,Über  die 
Gräte  zum  Opfer  gehen.'  JoaSchindler,  alte  Bräuche. 
,So  man  denne  in  anlegen  [den  Novizen  einkleiden] 
soll,  so  stellet  man  in  für  die  grete  in  dem  ciiorc.' 
1314/21,  Gfr.  (Lazariterregel).  ,A.  1756  hat  man  den 
steinernen  Canzel  von  den  Grädten  hinwegnehmen 
lassen  und  hat  einen  Canzel  auf  die  Seiten  gesetzt.' 
Z  Anz.  1884.  —  3.  stufenförmig  angelegte  Lagerstätte 
für  Waaren  am  Landungsplatz  von  Schiffen;  auch  das 
demselben  Zwecke  dienende  Lagerhaus  (Syn.  Gred- 
Hus;  Sust).  ,Die  gred  zuo  Stainach.'  Vad.  .Allerlei 
Zwietracht  und  Rechtfertigungen  zu  verhüten,  ver- 
meinend die  Kornfürer,  dass  die  Schifflüt  nit  meer 
Seck  den  Gredmeistern  angeben,  dann  sy  in  die  Schiff 
geladen  und  in  die  Greden  gefürt  haben.'  1566,  Aitscii. 
S.  Gred-Gelt.  -Karren,  -Knecht,  -Meister.  ~  Grcdi  I 
„Gretti  f.:  Lagerhaus  ScuSt."  — Gredner  m.:  Auf- 
seher des  Lagerhauses  TnUnterseef. 

Mhd.  </mfc  f.,  Stufe,  Treppe  an  oder  in  einem  Gebfiiide 
(z.  B.  auch  vor  einem  'frone),  stufenartiges  üatcrlager  Tiir 
Waaren.      Eig.   wohl   PI.   von  grad,   lat.  gradn«. 

Gred  U  s.  Gret. 

Äsche" -Gredel,  -Gredi  n.:  Ascbcnbriidel  Bs. 
Syn.  Ä.-Griidel,  ,-Gretel,  -Grittel'.  —  Hüener-Crrc- 
dfejli,  -Gredi:  I.Mädchen,  das  jede  Arbeit  verrichtet: 
auch  ein  gutmütiger  Mann,  ,der  seiner  Frau  den  Lohn 
einer  Magd  spart.'  Spreng.  —  2.  wunderliche,  ängst- 
liche Person,  bes.  furchtsame  Weibsperson  Bs.  Syn. 
FürchCtJ-Grct. 

Das  syn.  Ä.-Grüdd  deutet  auf  Vwdtschaft  mit  grüdln,, 
wühlen;  dagegen  liegt  in  -Gndvl  ciue  der  zahlreichen  apiiell. 
.\nwendungen  des  Eigenn.    Grei  (in   Bs    Gred  gespr.)   vor. 

grede"  s.  u.  ge-rad. 


id,  grt'd,  grill,  gi'iiil.  gnid 


706 


(jireding,  Gredling,  Gredinich  iii.:  eine  Art 
Brot,  das  in  Klöstern  gebacken  und  als  Lohn  oder  Ge- 
schenk Dienstleuten  gegeben  wurde.  In  den  Expense 
fruraentarie  Monasterii  Abbat.  Tur.  a.  d.  1328  conipa- 
rieren:  ,350  et  319  maltera  tritici  in  pane  tjui  dicitur 
Gredmich,  Gredemich.'  .Summa  [iiuse]  in  pane  Gre- 
dennch  pistatur,  est  319  med.'  1829,  ebd.  ,Ein  phannen- 
zelten  in  der  breiti  als  ein  gredmich.'  XV..  ebd.  ,Wenn 
einer  ein  wigt  zinsholz  myner  frowen  [der  Äbtissin 
zu  Z]  gnad  gewert  hat,  so  soll  im  myn  gnädig  frow 
ein  gredinen  geben  und  sind  16  burdinen  ein  wigt 
und  welicher  nit  ein  wigt  hat,  dem  git  man  kein  gr.' 
HiRiNGS  Urbar.  .Welchem  ye  zum  jähr  das  schultessen- 
ampt  befolhen  wirt,  uf  den  tag  nach  synem  annemmen, 
so  die  von  Eynow  im  die  schenki  haltent  nach  altem 
harkommen,  so  gibt  ein  herr  und  abte  dem  seh.  12  pfd 
Heisch,  14  gredling  und  4  wissbrot,  als  man  die  im 
gottshus  ye  bacht.'  Opfn.  Rheinau.  ,Uf  das  hochzyt- 
lich  fest  wynechten  git  ouch  ein  herr  von  Eynow 
oinoni  knecht  des  undern  tors  7  gredling,  2  wyssbrot 
und  2  pfd  fleisch,  1  vassnachthuon  und  1  mass  wyn.' 
ebd.  Nach  der  Ordnung  des  Pfrundeinkommens  an 
der  Abtei  Z  von  14.58  erhält  der  Plebanus  ,ca  6  Mtt 
Kernen  für  Greding  und  2  Mtt  Kernen  für  Hofsinnnlen.' 
.Denen  selben  Spinnerinnen  soll  ein  Camniererin  geben 
einen  Käs  von  Uri  und  einen  Greding.'  ebd.  ,Dass 
hinfür  ussem  kloster  Allerhalgen  niemands  kein  gred- 
ling nier  ze  koufen  geben  werden  soll.'  1535,  Sch 
Katsprot. 

Zwisineii  den  Formen  Greding  und  Gredling  besteht  kein 
wesentlicher  Unterschied.  Dass  Gredin(en)  aus  Grediuff  vcrk. 
sei,  ist  kaum  zu  bezweifeln.  ,Gredmich'  findet  sich  in  einer 
Seh  Ulk.  von  1278  als  Personenn.,  ist  aber  als  Name  eines 
Klostergebäckes  auch  in  Deutschland  nachgewiesen  (s.  Pfeiff., 
Oermauia  XV  80)  und  zwar  als  Umdeutung  von  lat.  crcde 
mihi  (gesprochen  niichi),  welches  in  mich  verk.  wurde.  Wie 
jene  tat.  Versicherungsformel  Name  eines  Gebäckes  werden 
konnte,  wird  aaO.  durch  das  Beispiel  der  deutschen  ,Herr 
Gott  bchüetes'  als  Name  von  Klössen  erklärt,  ebenso  der 
nilat.  Name  des  Gebäckes,  crcdemiea,  als  nahe  gelegene  Um- 
deutung des  zweiten  Teiles  von  credemivh  auf  lat.  mica,  Bro- 
same, von  dem  auch  das  Gr  MicU,  Senimelbrötchen,  stammt. 
Es  bleibt  nun  bloss  noch  die  Frage,  ob  Gnd(l)ing  selbst 
auch  eine  blosse  Entstellung  des  unverstandenen  Gredmich 
sei,  oder  ein  anderes,  nur  zufällig  lautähnliches  und  sinn- 
vwdtes  W.  mit  eigener  Etymologie,  etwa  von  Gred  mit  Bez. 
auf  stufenartige  Einschnitte  des  Brodes,  oder  von  yrad,  mit 
Bez.  auf  gerade,  flache  Gestalt  desselben.  Die  in  der  Ztschr. 
f.  schw.  KQ.  gegebene  Erklärung:  Brod  mit  Gräten,  d.  h. 
hervurstehenden  Spitzen  der  Ähren,  erweckt  schon  lautlich 
Bedenken,  weil  das  W.  immer  mit  c  und  d  geschrieben  wird. 

gr  eider  s.  greiters. 

gndig:  1.  mit  Reif  bedeckt  GRUVatz.  —  2.  gierig; 
f/r.  esse'  ZStdt;  Syn.  schwUig.     S.  noch  Grit. 

Der  Zshang  der  beiden  Bedd.  ist  schwer  nachzuweisen; 
wir  können  bloss  verweisen  auf  die  Parallele  von  Hdiij, 
a)  stockdunkel;  mit  Höhenrauch  erfüllt;  b)  gierig.  Viell. 
gehört  unser  W.  auch  etymol.  mit  dem  genannten  zusammen, 
da  dieses  auch  eine  Nbf.   mit  eingeschobenem  r  besitzt. 

(Jl'Odel  —  PI.  Grodle  AiPri.  —  m. :  1.  wimmelnde 
Menge  von  Menschen,  z.  B.  kleinen  Kindern  Bs  (Spreng. 
der  aber  Gegrodel  schreibt),  oder  Tieren,  z.  B.  SrlialV'ii 
und  Ziegen,  Gewimmel,  il/e"  chimnt  schier  )iiid  ,lnis. 
wie  ne  Gr.  durenander  isch  AAZein.  —  '_'.  Made. 
haarichte  Raupe  eines  kleinen,  schwarzen  Käferchens, 
die  sich  in  Käse  und  dürres  Fleisch  einfrisst  B  üO. 
8yii.  Käs-Gode. 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


Da  die  Made  immer  massenhaft  vorkommt,  so  ist  1  mit  2 
leicht  zu  vereinigen ;  beide  von  ijrudh-n,  wimmeln;  doch  könnte 
•2  aus   Gode  erweitert  sein,  zumal  da  o  bezeugt  ist. 

er-grode":  vermodern,  verkümmern  BSigr. 

Vgl.  erbroden  (mit  dem  es  aber  nicht  lautlich  zshangt); 
es  wird  den  Zustand  eines  Stoffes  bezeichnen,  der  dem  Wurra- 
frass  anheim  gefallen  ist.  Vgl.  Gude.  Gruden,  das  Stammw. 
des  folg. 

grodle":  dicht  voll  sein,  wimmeln  AaZcIu.;  Bs; 
SRech.,  z.  B.  von  einer  aus  dem  Stall  herausspringen- 
den Herde  von  Schafen  oder  Ziegen  AAZein.  En 
Bachis  [grindiger  Kopf],  der  von  Lüsen  grodlet  Bs 
(Spreng).  Es  grodlet  uf  ein  Märt  vo"  Lüte".  Lueg-men 
au"''  do,  wie  's  grodlet  underenander,  Mannen-  und 
Wibervolch  Bs  (Breitenst.).  Uf  dem  Estrig  het  's  do 
der  ganz  Tag  g'wimslet  und  grodlet  und  g'chrüschlet 
[von  Ameisen]  i'  dem  Fruehthufe  umme.  BWvss  1803. 
Der  Wald  grodli  vo'  Hase"  und  doch  chönn-mi^'  keine* 
schiesse',  ebd.  Zappeln  Bs;  „wallen,  bouillonner  F." 
Z'weg  gr.,  sich  mühsam  aufraffen  BR. 

Die  Bed.  ,wallen'  erinnert  an  nlid.  ,brodeln,  prudeln', 
aber  die  vorwiegende  von  .wimmeln',  für  welche  auch  tjruijlen 
vorkommt,  weist  auf  grüdlen,  grädlen,  wühlen,  welche  Vor- 
stellung mit  der  von  .wimmeln'  vwdt  ist.  Vgl.  frz.  grundier, 
wimmeln,   wie  Irrouiller  von  hrodlen. 

Grodlete  f.:  Durcheinander  von  vielen  Personen 
AAZein.;  ßsStdt. 

grodlig:  von  einem  Käse,  der  voll  VV^urnier  ist 
Bs  (Spreng);  auch  Verstärkungsadv.  zu  ,voll'  Bs. 

Grödel,  „Gcrödel  n.:  Überbleibsel  eines  ver- 
moderten Leichnams  GRJenatz." 

gröde":  ruhig  sein.  Da  magst 's  aw''  nicnc  gr. 
GnSpl.    —   Aus  einem   ruman.   W.V 

Grndel  m. :  Ekel,  Widerwillen;  Unwillen,  Groll  W. 
—    Aus   mhd.   grul wjin,  grauen,  grausen V 

Griidel  m. :  kleines  Kind  S.  Grüdeli  n. :  körperlich 
und  geistig  verkümmertes,  verwahrlostes  Gescliöpf  B. 
Syn.  Grieggel,  Groggel,  Grügerli,  Krügel.  ,Es  möchte 
Zeit  sein  mit  dem  kleinen  Gr.  nach  Hause.'  Addk. 
1877.   —  Wohl  verk.  aus  dem  folg. 

Äsche"-:  Aschenbrödel  B.  , Es  wolle  seine  alten 
Kleider  anziehen.  Das  wäre  mir  lustig,  sagte  Röseli. 
so  wie  ne  Äschegrüdel  uf  d'r  Strass  z'  si  am  Hochzit- 
tag.'  GoTTH.  Ä-i:  Beiname  kleiner,  mit  Mehl  und 
Asche  bestaubter  Personen  Sch.  Auch  verächtliche 
Bezeichnung  eines  unansehnlichen  Knaben :  .Was 
zichstu  dich,  du  helger  mann,  dass  du  ein  äschengrüdel 
[David,  den  letzten  unter  Isais  Söhnen,  zum  König] 
Witt  han?'  VBolz  1554.  Dim.:  kleines,  zwergartiges 
Kind  S.  —  Zu  grüdlen,  wühlen.  Spät  mhd.  (bei  Keisers- 
berg)  eschengrüdel.      S.   noch   Ä.-Gredel. 

grüdele":  leise  rollen,  rieseln,  sickern.  Aus  dem 
Kornkasten  grüdelet  das  Korn  durch  ein  Mäuseloch 
hinaus  S.  —  Vgl.  grodkn,  winuneln,  und  rädclen,  leise 
rinnen;  zittern. 

Äschen-Grüdeler:  der  Holzasche  aufkauft  und 
damit  handelt  S. 

grüdle":  graben,  wühlen;  bildl.:  sich  einmischen? 
Ks  wollt  niemand  [von  den  Eidgenossen]  den  küng 
Uiiidlen  Ion.'  Vad.  —  Spät  mhd.  iii  der  eaeJun  griidden 
I  Kiiscrsberg).      Vgl.  grädden   und  Auui.   zu  grodlen. 

„grüdle":  schreien  wie  ein  Birkhahn,  von  dessen 
i^chrei:  gni!  B;  L." 


Graf,  gref,  giif,  giof, 


ruf 


708 


Grafifl     gruflf),  l)z\v.   ümr  usw. 

Graf  111. :  1.  wie  iilid.,  aber  oft  nur  in  allg.  S.  = 
vornehmer,  reicher  Herr,  der  standesgemässen  Auf- 
wand machen  kann.  Er  chiinnt  dether  ivie-n-e  Gr.  Gl. 
P'>  ha"*  's  [ich  lebe]  wie  'nen  Grof!  JKMey.  1844. 
,Tue  die  künig  hinweg,  ein  yetlichen  von  seinem  ort, 
und  stell  grafen  an  ire  stett'  1531,  I.  Kön.;  dafür: 
.Landvögte.'  1667.  ,David  ist  tugent  halben  wol  ein 
grof  [ausgezeichnet].'  VBclz  15-54.  , Hinter  dem  Trunk 
pflege  der  Pfarrer  den  Gr.  von  Eom  [das  herrliche 
alte  Volkslied  von  dem  gefangenen  Grafen,  der  durch 
seine  als  Spielmann  verkleidete  Frau  befreit  wird. 
Uhland  Nr.  299]  oft  zu  singen.'  1646,  Z  Synodalact. 
Auch  Geschlechtsn.,  noch  heute  in  Z.  ,Cuoni  Graf 
von  Bärentswyl',  ein  Freier.  1433,  Z.  —  2.  Name  einer 
(wohl  durch  stattliches  Aussehen  hervorragenden)  Kuh 
BHk.  —  3.  Dim.  Größi,  Frühlingsenzian,  gentiana 
verna  G  oKh. 

, Grafenhag',  Flurn.  ZStadel;  ,-Ort',  Dorf  in  Ndw;  ,-Eied' 
B;  ,-Stall'  ZLind.;  ,-Mos' BAarb. ;  ,-Büel' BKonolf. ;  ,Grafen- 
steiner',  eine  Art  Äpfel,  wahrsch.  von  einem  Ortsn. ;  ,Grafen- 
öpfel',  die  sauren  Paradiesäpfel  Th;  Z.  —  Bed.  3  tod  bes. 
schmuckem  Aussehen?     Vgl.   noch   Grafen. 

Viz-:  Stellvertreter  eines  Grafen.  ,Die  Vitzgrafen 
oder  Viscunten  zno  Meiland,  die  nachmals  Herzogen 
sind  worden.'  LLav.  1569.  —  Land-:  Übervogt  im 
ZFreiamt,  als  Leiter  des  Blutgerichts.  ,Er  wird  von 
ören  wegen  der  herrschaft  am  land-  [Gerichts-]  tag 
ein  1.  genemmt.'  c.  XV.,  Landtagsordn.  S.  Bluntschli, 
EG.  1,  204  «f.  —  Mar(k)-.  .Margrof.'  Bs  Chr.  ,3Iar- 
grafenbad'  hiess  It  HPantäl.  1578  ein  vornehmes  Bad 
in  AaB.  zu  Ehren  eines  Markgrafen  zu  Brandenburg. 
Dazu  Margräfler,  Angehöriger  der  Markgrafschaft 
Baden.  Hinäe  nahe  cho,  we  der  M.  mit-em  Bahne 
[am  Palmsonntag]  ÄAZein.  Auch  der  Name  des  be- 
kannten guten  Weines.  —  Pfalz-:  Richter  an  der 
bischöflichen  Pfalz  in  Bs.  S.  Hedsler  VG.  80.  —  Ein-. 
So  hiessen  die  Aufseher  über  die  Fischerei  am  Bhein. 
Vetter  1864,  S.  '28. 

Schmalz-:  Spottn.  armer  Edelleute.  UBrägg.  — 
Viel].   Verkehrung  von  ,Pfalz-Gr.' 

Spil-:  der  Prologsprecher  in  den  mittelalterlichen 
Schauspielen,  auch  ,der  alt  Schwyzer'  genannt  LLand 
=  ,dem  Proclamator'  der  städtischen  Aufführungen. 
S.  EBrandst.  1886,  20  und  Zeitschr.  f.  d.  Phil.  18,  461/2. 
Grafschaft.  ,I)ie  Kilchry  Münster  wird  ferner 
in  4  Viertel  eingeteilt,  wovon  das  4.  die  Gr.  bildet.' 
AmHerd  1879,  153. 

Land-.  ,Es  soll  Keiner  aus  der  Land [graf] schaff 
Tn  zu  einem  fremden  Fürsten  oder  Herrn  zu  Eeis 
[in  Kriegsdienst]  ziehen,  bei  Verlust  der  L.  [des  Burg- 
od.  Landrechtes  in  derselben].'  1529,  Absch. 

Grafschafter:  Angehöriger  einer  Grafschaft, 
z.B.  der  Gr.  GT.  1530,  Abscu.  IV  1,  b,  828,  3.  ,Einen 
ehrbarn  schiedlichen  Mann,  der  ein  eiugesessner  Land- 
mann nnd  Grafschafter  seie.'  1532,  Ikformatio  1713. 
gräfe":  zum  Graf  machen,  in  den  Grafenstand 
erheben.  ,Die  Fryherren  sind  hernach  gegräft  worden 
und  die  von  Zimmern  auch  ze  Grafen  gemacht'  1541, 
Gfo.  ,Daruf  dise  Fryherren  gegräft  [wurden  und] 
sich  Grafen  zu  Tengen  nauisetend.'  Eüeger  1606. 

Gräfin.  .Die  holfärtigste  Gröfi.'  Allemannia  1843. 
Wie  ne  Gr.,  von  weiblichen  Personen,  welche  mit 
Prätension   auftreten,    sich   putzen,    breit   da   sitzen, 


stattlich  aussehen  Z.  Und  Zug  und  Chleider  hat  si 
wie  e  Künigsfratc,  churz,  wie-n-e  Gröfeni.  Stütz.  ,Der 
gräfnen  von  Flandern.'  1477,  Bs  Chr. 

Gravdiiiina  (PI.):  Ausflüchte,  Ziererei,  Scherz  GW. 
Gravammele  mache  od.  gravammele",  in  possenhaften 
Körper-  und  Muskelbewegungen  sich  ergehen  TnTäg. 

Das  Subst.  =  lat.  grammimi,  erschwerende  Umstände,  die 
zur  Entschuldigung  einer  Weigerung  usw.  angeführt  werden, 
wie  in  der  RA.:  ,Umatänd  machen'  ^  sich  wehren,  zieren. 
Syo.  Fortune  (Bd  I  1043),  Füimatenle  (Bd  I  1080),  an/nue. 
Pflanz.  Gravammele,  scherzh.  Umdeutschung  des  Frcmdw. 
mit  Anlehnung  an  Präamvid, 

Grave  f.:  Bergabhang,  wo  Eutschungen  von  Erde 
und  Steinen  stattfinden  GfiPr.;  Syn.  Rüfi.  Sandbank 
GrD.  Syn.  Grien  2,  Klinge.  —  Aus  Churw.  gram,  Sand, 
Geschiebe;   vgl.   it.   f/rava,  frz.  yreve. 

Graffei  ra.,  Graffle  f.:  1.  Zacken,  Zinke;  z.B. 
am  Käsequirl  (Gräffeli,  auch  Gröffeli,  Grüffeli,  bzw. 
Griff'eliJ  B.  a)  „gebrochener  oder  halb  abgefaulter 
Zahn  BO."  —  b)  (Graffle)  hervorstehende  Spitze  eines 
, Morgensterns'  od.  eines  Felsenhorns  BE.  —  c)  dürres 
Tannengerippe;  Baumstamm  (oder  Ast)  voll  Zacken 
von  abgebrochenen  Zweigen  B  öO.  Syn.  Stü(r)chel.  — 
2.  alter,  kleiner,  abgezehrter,  krüppelhafter  Mensch; 
als  Spottw.  Auch  dim.:  D»  bist  numvien  es  Graffelü 
BoHa. 

Bed.  2  eig.  nur  bildl.  Anwendung  von  1,  bes.  c.  Iias 
W.  findet  sich  sonst  nirgends,  scheint  aber  mit  ahd.  craj, 
'jreffel,  Griffel  (frz.  ijrcffer,  pfropfen,  eig.  ritzen)  vwdt  zu  sein 
und  urspr.  Spitze,  spitziges  Gerät  oder  Ding  zu  bezeichnen; 
doch  Tgl.  auch  ,Krapf,  Krapfe'  (Gr.  WB.  5,  2062.  2063), 
verkrüppeltes  Ding,  Zacke,  und  Bruß'cl. 

graffelocht:  1.  zackig  BHk.  —  2.  krüppelliaft 
BoHa.  —  „grafflig:  zackig  BÜ." 

Grafen  (PL):  die  Beeren  von  vaccin.  ulig.,  etwas 
grösser  als  Heidelbeeren  und  heller  blau,  die  von 
Knaben  gegessen  werden  und  etwas  berauschend  wir- 
ken, daher  auch  ,Kauschbeeren'  genannt  BSi.;  Syn. 
Mimiberi,  (Buder-J  Griflen,  Giri-Gitz  (Sp.  577). 

Vgl.  Grciflai,  Oriflen,  Welche  aber  lautlich  mit  Grafen  nicht 
zu   vereinigen  sind.     S.   die  Anm.  zu   Grüble. 

Grafion  Aa,  Grafjung  B  (Zyro),  GriffjungCi)  S: 
cerasus  duracina,  grosse,  braune  oder  rote  Kirsche; 
Syn.  Krachionen,  Klopfer.  -  Im  Patois  des  Kts  Waadt 
graffi&n,  yreflon. 

Gravitet  f.:  Grosstuerei  Nnw.  —  gravitetisch: 
grosstuend.  ebd.   —  Lat.  ijruviuts. 

,Graffoy;  gemsenwurz,  doronicum  Eomanum.'  Kd 
Gessn.  1542.  .Doronicura  Helveticum  huniile,  crassis 
foliis.  C.  B.  incanum.  C.  B.  seu  Doronicum  Scorpioides 
Gesn.,  Gemswurz,  Gr.'  Wagner  1680. 

greiffen:  ein  Huhn  betasten,  um  sich  zu  über- 
zeugen, ob  es  ein  Ei  trage  Aa  oF.  Syn.  d'  Henne 
grife'.    —   Mhd.  greifen,  tasten.  Intens,  zu  (jnfen. 

Greiffle"  (auch  -äu-)  f.:  Maske,  maskierte  Person, 
die  sich  an  den  unter  .greiflcn'  beschriebenen  Possen- 
spielen beteiligt  Scaw  (bes.  Muo.). 

greiffle»,  auch  mit  „äu:  verkleidet  und  maskiert 
Possenspiele  aufführen,  ein  Charivari  bringen" ;  auch 
tr. :  maskiert  Etwas  oder  eine  Person  zum  Spott  dar- 
stellen, '/..  B. :  Was  wottst-du  Mir  gr.  ?  Wenn  du  eisder 
eso  ei'fältig  tuest,  so  tuend  s'-di'''  g'wüss  no""  gr.  In 
aScnw,  bes.  Muo.,  ziehen  am  Dreikönigstage  oder  am 
Tage   nachher   Knaben   am  Nachmittag,   Erwachsene 


Graf,  gref,  grif,  giof,  gruf 


710 


Abends  mit  Fackeln  oder  Laternen  unter  lautem  Lärm, 
den  sie  mit  Ketten,  Kesseln,  Kuhglocken,  Pferdege- 
schell,  Hörnern  (in  Küsn.  mit  Peitschen)  hervorbringen, 
im  Dorfe,  aber  auch  um  die  Obst  (bes.  Kirsch-)  bäume 
lieruni.  In  wohlhabenden  Bauernhäusern  kehren  sie 
ein  und  lassen  sich  bewirten.  Daneben  werden  aber 
Vorfälle  und  Personen,  die  im  Laufe  des  Jahres  Gegen- 
stand des  Lachens  oder  Tadels  geworden  sind,  mit 
Handlungen  oder  Reden  witzig  nachgeahmt  und  dem 
Spotte  preisgegeben.  Das  Spiel  endigt  leicht  mit 
Schlägereien  zwischen  den  Angehörigen  verschiedener 
Teile  des  Dorfes.  Im  Jahr  1638  wurde  vom  Landrate 
das  Neujahrsingen  und  das  ,Greiflen'  bei  10  Pfd  Busse 
verboten.  —  Dazu  das  Abstr.  Gräuflefe  f. 

Lüt.,  Sagen  S.  37  f.  berichtet,  in  der  Umgegend  von 
SchwBnmn.  habe  ehedem  ein  nächtlicber  Umzug  von  der  be- 
schriebenen Art  am  Dreikönigsabend  zwei  Waldfrauen.  ,Stru- 
deli  und  Strätteli',  gegolten  und  die  christlichen  Glaubens- 
boteu  haben  den  Unfug  nicht  abzustellen  vermocht.  Jetzt 
werde  er  nur  noch  von  Knaben  getrieben;  es  herrsche  aber 
der  Glaube,  wenn  man  nicht  recht  lärme,  gebe  es  wenig 
Obst.  L.  vermutet  mit  Grund,  jene  Sitte  hange  mit  dem 
.Greiften'  zusammen;  denn  die  Namen  der  Waldfrauen  deuten 
auf  Hexen,  diese  aber  auf  altheidnischen  Glauben  und  Brauch, 
wie  das  Gr.,  bes.  der  Umzug  um  die  Obstbäume,  der  den 
Segen  derselben  herbeiführen,  viell.  mit  dem  Lärm  den  Ein- 
fluss  böser  Geister  verscheuchen  soll.  Die  Sitte  ist  ohne 
Zweifel  eine  der  vielen,  die  von  der  Zeit  der  Wintersonnen- 
wende an  bis  in  den  .\nfang  des  neuen  Jahres  herein  in 
allen  deutschen  Gauen  vorkommen  und  sich  auf  den  Umzug 
der  heidnischen  Gottheiten  beziehen,  den  man  sich  um  jene 
Zeit  stattfindend  dachte  und  den  man  mit  lautem  Lärm  zu 
begleiten,  später  mit  allerlei  (zum  Teil  dem  Christentum  ent- 
nommenen) Verkleidungen  nachzuahmen  pflegte.  Dass  sich 
.an  den  Cultus  der  Götter  die  Ausübung  von  Scherz  und 
Spott  an  Menschen  knüpfte,  findet  sich  auch  bei  ähnlichen 
Festen  des  klassischen  Altertums.  Am  Nächsten  kommt  der 
schwyzerischen  Sitte  das  Perchtenlaufen  in  Ostreich  (Schm. 
1^  272),  zum  Teil  auch,  so  weit  es  sich  um  Verspottung 
oder  Rüge  menschlichen  Tuns  handelt,  das  bairische  Haber- 
feldtreiben. Andern  Ursprung  und  allgemeinere  Tendenz  hat 
die  ebenfalls  in  SchwMuo.,  aber  in  der  Fastnachtzeit  übliche 
,Mos-Fart'  (s.  d.).  Eine  lebendige  Schilderung ,  bes.  des 
höllischen  Lärms,  der  ein  Hauptbestandteil  des  ,Greiflens'  ist 
und  ähnlich  bei  der  .Posterlijagd'  in  LE.  in  der  vorletzten 
Woche  vor  Weihnacht  stattfindet,  bietet  Schwzd.  35,  81—83. 
Der  Name  ist  schwer  zu  erklären  und  bezieht  sich  wohl 
urspr.  nur  auf  eine  einzelne  von  den  gesammten  zu  der  Lust- 
barkeit gehörenden  Tätigkeiten.  Da  ei  ohne  Zweifel  der 
urspr.  Laut  ist,  der  vor  /  oft  in  äu  übergeht,  könnte  gr. 
als  dim.  Form  des  obigen  greiffen  sich  auf  das  neckische  oder 
spöttische  Antasten  und  Mitnehmen  von  Personen  beziehen  (V). 

„Grlf  m.:  Wachholderdrossel  W;"  Syn.  RecMdcr- 

VOgel.     -     Frz.    grive. 

firiff,  -e"  m.:  Greif,  fabelhafter,  adlerähnlicher 
Vogel.  Adam:  ,Darurab  dass  d"  bist  so  stark  und  styf, 
sollt  heissen  gryf."  Ruef  1.5.50.  .\ls  Wappen  und  Name 
eines  Hauses  in  ZStdt.  In  Bs  ist  der  Grlf  das  wappen- 
haltendc  (einen  Weberbaum  als  Sinnbild  der  Hand- 
werker tragende)  Tier  der  einen  von  den  drei  Ehren- 
gesellschaften der  Kleinen  Stadt,  welche  jährlich  im 
Januar  einen  Maskenumzug  mit  Festmahlzeit  (Grifen- 
mäli  s.  d.)  halten.  Das  alte  Lokal  jener  Gesellschaft 
hiess:  ,der  Grifen',  ,zum  Grifen'.  Als  Personenn.  er- 
scheint er  im  1.  Teil  der  Ortsnn.  ,Gritfen-Bach'  B, 
,-Berg,  -See'  Z,  ,-Tal'  L.  —  Mhd.  gri/ic),  von  lat.-gr.  gri/pe. 

Griff  m.:  1.  Akt  od.  Art  des  Greifens.  „Er  nimmt 's 
im  Gr.,  fährt  unbesonnen  zu,  temerc  agit.  allg."    Vgl. 


Fiir-Gr.  ,Die  unholden  lämend  etwan  lüt  und  vych, 
wenn  sy  dieselben  nun  [nur]  anrüerend,  streiehlend 
oder  inen  griff  gebend.'  LLav.  1569.  In.sbes.  a)  beim 
Nationalspiel  des  .Schwingens'.  ,Im  Gr.  sein',  den 
Gegner  an  den  aufgerollten  Wülsten  der  Schwing- 
hosen gefasst  halten.  Die  Griffe  (beiderseits)  ein- 
hängen, einander  so  packen.  ,Kaum  in  den  Griffen', 
nachdem  die  Schwinger  einander  kaum  angefasst  haben. 
.Aus  den  Gr.'  sind  die  Kämpfer,  wenn  sie  die  Anfangs- 
stellung verloren  haben  B  (RSchärer  1864).  —  b)  beim 
Kegelspiel.  ,Den  Griff  legge'^:  beim  Werfen  die  Kugel 
so  drehen,  dass  sie  den  Kckkegel  entweder  rechts  oder 
links   streift,    s.i  (l;i-~    ci-  <ritwärts  fallen  muss  L.  — 

c)  beim   Spiel    auf   .l-i    iloige,    bildl.,    s.  Sp.  148.  — 

d)  von  geschitktiMii  Aiiynifen  irgend  einer  Arbeit  und 
erworbener  Fertigkeit  darin.  iV  hat  's  im  Chr.,  ist 
gewandt,  geübt,  erfahren,  versteht  es  gründlich  Bs; 
L;  Z,  zuweilen  noch  mit  dem  scherzh.  derben  Zusatz: 
wie  de  Bettler  d' Lüs.  Ineichen;  Sülger.  Übertr.  auf 
geistige  Leistungen:  ,  We'"  me'  nit  mit  Flattiere  d' Sach 
g'winnc"  cliönn,  so  sei  sie  verloren;  gesetzlichen  Gr. 
[Angriffspunkt]  hätte  man  keinen.'  Gotth.  ,Die  scherpfe 
oder  das  fürnemst  an  einer  red,  der  recht  gr.,  wie  man 
spricht,  acies  orationis.'  Fris.;  Mal.  Kunstgriff'  im 
schlechteren  Sinn,  Kniff;  vgl.  Fund,  Hilperts-,  Ju- 
risten-Gr.  ,Nun  wirst  du  aber  sprechen:  Das  sind 
Grift'lin.  Es  ist  war,  aber  du  kannst's  nit  ergryfen; 
belis  dich  bas,  so  wirst  erlernen.'  Zwingli.  , Solich 
geschwind  gr.  abzeslahen.'  1.531,  Absch.  [die  von  S 
hatten  einen  Vogt  nach  Münster  gesetzt,  was  vorher 
eine  ,pratik'  genannt  wird].  ,Der  Brief,  in  welchem 
verräterische  Gr.  und  Worte  geschrieben  waren.'  162P, 
.\bsoh.  .Meid  allen  falschen  Sinn  und  stiller  Leuten 
Gr.:  drmis-;n  t;icitns  aninm  vitare  memento.'  Cato  1048. 
,Ist  ein  ili.  ']<•-  Iri.lii^vii  Satans,  dardurch  er  die  Men- 
schen vn  lieiv.l.n  iin.l.  r.trhet.'  JMüLL.  1665.  ,Brauchte 
seltsame  IJank  und  GrilVlin,  die  regierende  Ort  auf 
sein  Meinung  zue  bringen.'  1091,  AAWett.  Klosterarch. 
.Die  Verkleinerung  solcher  chymischer  Mitteln  seien 
lose  Practiken,  schädliche  Partiten  und  verbottene 
Grifflein  der  hochtragenen  und  unwissenden  Leuton.' 
JMüRALT  1694.  .Meinst  du,  wir  merken  den  Gr.  nicht'?' 
HPest.  1781;  dafür  1790:  .den  Pfiff.'  —  2.  Greifbar- 
keit, Festigkeit.  Halt,  a)  ein  Kleidungsstoff  ,hat  (ir.". 
wenn  er,  indem  man  ihn  durch  die  Hand  gleiten  lässt. 
innere  Festigkeit  bekundet,  ohne  gerade  steif  zu  sein. 
Er  ist  dann  griffig  (s.  d,).  Man  kann  ihm  durch  die 
Fabrikation  Gr.  geben  /.  i^yu.  Jinh.  —  li)  vom  Mehle. 
.Kein  Müller  soll  das  :\[el  ziieh  und  sdilynierig  machen, 
sonders  uf  den  Gr.  (wie  maus  nennt)  malen.'  Z  Mand. 
1593.  —  3.  a)  (meist  PI.)  die  Stellen  am  Körper  des 
Rindviehs,  an  denen  man  durch  Greifen  den  Grad  der 
Fettigkeit  eines  Tieres  ermessen  kann;  vorzugsweise 
der  Strich  der  Haut  vom  Bauche  bis  zwischen  die 
Hinterbeine  ,Ap;  B;  Gr;  L;"  Z.  Der  wulstige  Brust- 
teil zwischen  den  Vorderbeinen  und  die  Stelle  neben 
der  Wurzel  des  Schwanzes  Ap;  U;  Z  fSchwmizgr.J. 
Das  Stück  Fett  zw.  den  Hinterkeulen  Aa.  „Der  Triel 
(Rachen)  oder  die  Kehle  Ap;  Z."  ,Der  Gr.  (Schlaucli) 
soll  bei  der  eig.  Stammrasse  des  Ap  Rindviehes  am 
Kinn  anheben  und  bis  zu  den  Knieen  niederhangen.- 
Steinm.  1804.  S.  noch  die  Compp.;  griffig,  fgjgri/fel, 
Griffe  und  Griffle.  ,Ein  feisses  [Kalb],  guet  am  gr., 
schwer  an  der  g'wicht'  JBinder  1535.  —  b)  die  leere 
Stolle  im  Ei  GMels.  —  4.  Gerät  od.  Teil  eines  (i.'rätos 


711 


öraf,  gref,  grif,  grof,  gruf 


rl2 


zum  Greifen,  a)  „Kamm  S."  —  b)  (PI.)  die  Pusseisen 
mit  3  langen  Zinken,  welche  auf  die  Absätze  von  Berg- 
schuhen (Griff'schueh)  aufgenagelt  werden  SchwMuo.; 
vgl.  Oriff-Isen.  —  e)  der  vordere  Teil  des  Hufeisens  L. 
Vgl.  Stollen.  —  d)  (PI.)  die  dicken  eisernen  , Schalen', 
zwischen  welche  in  den  Steinbrüchen  die  eisernen  Keile 
eingetrieben  werden  S.  —  5.  ungefähres  Mass  einer 
Waare.  , Einem  vogt  zuo  Zürich  süUen  werden  die 
buossen,  so  vor  im  erteilt  werden,  die  gr.  salz  und  der 
boden  wyn  und  nicht  mer.'  1465,  Z.  ,Von  jedem  Fass 
Fisch  bezahlte  man  1  Gr.'  1474,  Bs  Geleitsr.  ,Dem 
Gr.  von  den  Fischen  zu  Brugg  soll  alle  Gefährd  ver- 
mitten  werden.'  1665,  Absch.  ,Die  Bruggknechte  sollen, 
wenn  Solothurni.sche  Bürger  dort  Nachts  mit  Fischen 
ankommen,  sie  ohne  all  Beschwerd  und  griffsfrei  durch- 
fahren lassen.'  ebd.;  s.  Fiseh-Gr. 

A''-Griff:  1.  abstr.  a)  Anfang  F;  W.  ,I)er  den 
ersten  a.  zum  bildstürmen  getan.'  RCys.  —  b)  Geschick, 
Gewandtheit,  eine  Arbeit  anzugreifen.  £n  guete'  A. 
ha"  W.  —  2.  concr.  a)  der  mit  sog.  ,Hebe'  [Sauer- 
teig] in  einem  hohen  Kübel  angemachte  wenige  Teig, 
welcher  nachher  in  die  Backtröge  verteilt  wird.  ,üen 
A.  machen',  den  Sauerteig  kneten ;  auch  trop.  u.  obsc. 
Ar.    Syn.  Hebel.  --  b)  =  Gäch  Sp.  09  B;  Gl;  L. 

2  b  dem  , Angrifft  böser  Geister  oder  geradezu  des  Teufels 
angeschrieben  (viell.  weil  das  Fleisch  der  gefulleneii  Tiere 
schwarz  erscheint). 

I"-:  Geltendmachung  eines  Eechtes.  ,Man  möcht 
sy  euch  mit  unzimlichen  köufen  beschweren,  sy  wellten 
iren  y.  haben,  des  man  möcht  beschwert  syn,  dann  wo 
ein  kouf  bescheehen,  da  soll  er  ouch  erkennt  werden.' 
1.544,  Absch.  ,Dass  uns  dann  billich  gezimen  und 
behalten  syn  soll,  y.  darin  zu  tuen.'  ebd.  ,Wann  ein 
Erb  fallt  und  der  daran  I.  tuon  und  sich  bezalt  ma- 
chen würd,  darnach  aber  die  Gelten  nit  bezalt  möchten 
werden,  der  solchen  1.  tuot,  soll  schuldig  syn,  alle 
Gelten  umb  ir  Ansprach  uszuorichten  und  zuo  be- 
zalen.'    1616/26,  Schw  LB.     Vgl.  griffen  5,   ingriffen. 

Ver-:  1.  a)  zsfassende,  übersichtliehe  Darstellung; 
Inhalt.  ,Als  wir  sölichen  nottel  und  v.  der  obgedachten 
frygheit  und  rechtunge  eigentlich  verlieret.'  1501. 
ZRegensb.  üffn.  ,Das  redt  er  mit  mer  Worten.  Doch 
so  ist  das  die  ganz  summ  und  ein  gueter  v.  syner  red." 
ZwiNGLi.  ,Ein  ratschlag  und  v.,  wölicher  g'stalt  uf 
nächstkünftigen  tag  gehandlet  werden  möcht.'  1528, 
Absch.  ,Aber  ein  v.,  was  an  die  Eidgenossen  langen 
soll.'  ebd.  (Titel  von  Schriftstücken).  ,Üwer  schryben 
haben  wir  alles  v-s  [nach  seinem  ganzen  Inhalt]  ver- 
standen.' 1531,  Strickl.  ,Ein  kurzer  v.  oder  register.' 
EGuALTH.  1546.  ,So  habend  wir  also  die  allereltsten 
symbola  und  v.  unsers  christenlichen  gloubens.'  ebd. 
1553.  ,Epitome  oder  kurzen  v.'  Kessl.  ,Ein  verkürzter 
durchgang  und  v.  einer  Stadt  Bern  kronik.'  Ansu. 
,Ein  gesatz  in  ein  kurzen  v.  bringen ,  coangustare 
legem.'  Mal.  —  b)  Inbegriff  im  engern  S.  von  Mit- 
einschliessung  nicht  unmittelbar  zur  Sache  gehörender 
Bestimmungen.  ,Von  wegen  der  einung,  die  zu  er- 
haltung  unsers  christliehen  glaubens  ufgricht  und 
niendert  mit  solchem  v.  und  in  der  gstalt  gemacht 
ist,  als  von  uns  usgeben  wird.'  1529,  Absch.  Güter 
verkauft,  wie  sie  damals  besessen  worden  waren,  ohne 
,V.'  derer,  die  vor  alten  Zeiten  dazu  gehört  hatten. 
1562,  ebd.  —  c)  Umfang  eines  Gebietes.  ,[Das  Klo.ster] 
in  synem  bezirk  und  v.'  Kkssl.  —  2.  Fehlgriff,  Irrtum. 


, Falls  es  aber  zweifelhaftig  und  disputierlich,  so  mögen 
die  Richter  umb  weniger  Vergriffs  wüllen  die  Kund- 
schaft zuelossen.'  1627,  Bs  Rq.  —  3.  s.  Fürgriff.  — 
Mhd.  vfi-giif,  Entwurf,  Vertrag,  Umfang.    Von  verynfen  (s.  d.). 

Für-.  „Etw.  Vergriffs  kaufen,  verkaufen,  tauschen 
=  nach  der  Hand,  nach  mutmasslicher  Schätzuqg  des 
Masses  oder  Gewichtes  B;  L.  Syn.  überhutz;"  bi  der 
Büechi.  Niemand  soll  Wein  kaufen  als  bei  Mütt  und 
Mass  ,und  nit  fürgritt's  oder  by  ganzen  fassen'.  1516, 
Absch.  Dass  kein  Angehöriger  der  3  Städte  anders 
Wein  kaufen  solle,  als  bei  dem  Saum,  und  nicht  ,uf 
fürgriff'.  1521,  ebd.  Damit  der  Wein  beim  Saum  und 
nicht  ,also  fürgriffs'  gekauft  würde,  da  hicbei  viel 
Betrug  gebraucht  wird.  1530,  ebd. 

Geht  wie  mhd.  vurgrif,  Arbeitsvertrag,  Accord,  auf  den 
Verbalbegr.  .vorgreifen,  zum  Voraus  bestimmen'  [s.  ßirgnfen) 
zurück.    Betr.  den  Wechsel  von  /«.-  und  ver-  s.  Bd  I  912. 

Fisch-:  eine  Art  Zoll  von  Fischtransporten,  s. 
Gi'iff  5.  Die  ,Brüggknechte'  sollen  Schiffe  der  Solo- 
thurner,  die  mit  Fischen  nach  Nydau  kommen,  ,ohne 
alle  Beschwerd  und  Fischgritt's  frei'  durchfahren  lassen. 
1742,  Absch. 

Hilperts-:  Kunstgriff,  Kniff.  Vgl.  Griff  1  d. 
, Sollte  Mancher  Rechnung  tun  müssen,  woher  er  sein 
Gut  gebracht,  ö,  wie  vil  seltsame  Zöllner-  und  Hilpers- 
griff  wurd  er  erzellen  müssen!'  AKlingl.  1688.  — 
S.   Gr.  WB.   4,  2,   1322. 

Hand-:  1.  wie  nhd.  —  2.  adj.:  .h.  werden  mit 
Einem',  handgemein  BLeiss. 

Juriste"-:  Kniff.  ,Wenn  er  nach  der  spitzfindigen 
.■Vrt  der  Juristen  geltend  machen  wollte,  er  sei  [usw.], 
oder  sich  mit  andern  fuch.slistigen  J-on  behclfen  wollte.' 
1520,  Absch.  —  Lanke»-,  Liste"- =  Griff  3  a,  mit 
bes.  Beziehung  auf  die  Lanke,  Liste,  Lende,  Weiche  .4p. 

Be-:  1.  Umfang,  Zubehör  eines  Gebietes  =  Ver- 
griff 1  c.  ,In  synes  ganzen  landes  b.  und  umkreis.' 
15'26,  Absch.  ,Er  hat  das  meer  und  sein  b.  gemessen.' 
1531/48,  Esra;  =  1860:  ,und  was  darin  ist.'  ,Der  b. 
aber  der  vorstetten,  die  sy  den  leviten  gebend,  soll 
tausent  eilen  aussen  vor  der  statt  mauren  umher 
haben.'  1531/48,  IV.  Mos.  ,Des  sigristen  hüslin  mit 
synem  b.  [mit  dem,  was  dazu  gehört].'  BossH.-Goldschm. 
,Das  Land  Abbenzell  in  seinem  B.  mit  Leuten,  Gerich- 
ten, Zwingen,  Bannen,  hohen  und  nidren  Oberkeiten, 
allen  Eheliaften,  Eigenschaften  und  Gewaltsamen, 
Zins,  Zehenden,  geist-  und  weltlichen  Lehen,  Ehr- 
schätzen, Fällen,  Gelassen  [usw.].'  156G,  Ablösüngsbr. 
,[Ein  Grundstück  wird]  verkauft  mit  sach,  gemach, 
b.,  nuet,  nagel  [usw.].'  1600,  ZSchwam.  ,In  solchem 
Zirk  und  B.  gelegen.'  RCys.  ,Der  Raurakcr  B.  [Mär- 
chen, Gebiet]  samnit  seinen  anwenden.'  Wurstisen. 
,Auf  der  Höhe  des  Gotthards  innert  dem  B.  einer 
Stund  sein  zu  sehen  7  lautere  See.'  JJScheuciiz.  1708. 

—  2.  =  Vergriff  1  b.  ,Ein  Pferd  zahlt  mit  B.  [mit- 
gerechnet] des  Zeichens  8  Kr.'  B  Kaufhausordn.  1754. 

—  3.  =  Vergriff  1  a,  schriftliche  Zsfassung,  Bericht. 
Die  Boten  von  Bern  verlangen  eine  bezügliche  Notiz 
(,Begriff')  für  den  .\bschied.  1532,  Absch.  .Kurzer  b. 
und  underrichtung,  kurze  anzeigung  eines  dings,  Sy- 
nopsis. Kurzer  b.  einer  historia,  commentarius.  Mit 
einem  kurzen  b.,  in  summa  conscriptiE.'  Mal.  — 
4.  geistiges  Fassungsvermögen.  ,Er  war  von  einem 
unglaublichen  B.  des   Herzens,   auch   die   schwersten 


?13 


Graf,  gref.  grif,  grof.  gruf 


uiiil  verworrnesten  Sachen  zu  verstehen.'  JZ 
Haug  1731.    ~  Mild,   in   Bod.    I.     Vun  hiynfm. 

Bluet-:  die  Stelle  zwischen  Hals  und  Schulter- 
blatt eines  Stücke.s  Rindvieh  ArK.  Vgl.  Griff  3  n 
und  Lanken-,  Listen-,  Sehivanz-Gr.  —  „Schwanz-: 
die  Sitzbeingegend  beim  Rindvieh  Ap;  GRh.;"  Z. 
S.  Griff  3  a. 

Zue-:  Angriff.  ,Voii  der  grossen  z.  wegen,  so  sie 
zu  dem  gottshus  tatent.'  1394/1420,  Foffa.  ,Jetweder 
teil  gebe  dem  andern  guet  fridbrief  für  all  z.'  1419, 
Absch.    —   Mhd.  ebenso. 

griffe":  1.  tasten,  betasten;  mit  Händen  greifen 
und  dadurch  inne  werden.  ,üie  Hennen  gr.',  um  zu  er- 
forschen, ob  sie  legen  werden  Gr;  Z;  s.  greifen,  griflen, 
Hüenergrlfer.  Der  Metzger  grlft  das  Rindvieh,  bevor 
er  es  kauft  SB.  Wo  's  G'seh«  üfMrt,  fohd  's  Gr.  a«. 
Ineichen.  De  [diesen  Lug,  d.  i.  Lüge]  chann-me"  gr.  Z. 
,Es  sei  schier  zu  gr.  [ziemlich  oftenbar] ,  dass . . .  .' 
1529,  Absch.  ,Ich  [Hiob]  bitten,  dass  dise  nacht  [sc. 
meiner  Geburt]  so  gar  tunkel  seie,  dass  im  einer  selbs 
(wie  wir  sprechend)  in  ein  oug  greifen  möchte.'  LLav. 
1582.  ,Es  war  domolen  ein  wiester  bruch  ze  Basel 
mit  dem  büeblin  [Brüste]  gr.;  das  was  also  gemein, 
auch  in  firnemen  hüseren,  dass  selten  ein  niagt  aus 
dem  haus  kam,  deren  nit  der  husherr  dise  er  angetan 
hett.-  FPlatt.  11312.  S.  EuppK-Grlfer.  —  2.  angreifen. 
Zu  rnand  gr.,  beim  Schwingen  B;  s.  zesamme'-gr.  Z'gr. 
clw,  am  rechten  Orte  anzupacken  wissen,  z.  B.  beim 
Schwingen,  aber  auch  bildl.:  seinen  Vorteil  ersehen 
BR.  Gueti  Arbeiter  gr.  und  fiili  pfife".  Ineichen.  — 
3.  ergreifen,  mit  ,zue'.  ,Wo  man  des  [eines  Landes- 
verräters] innen  wirt  und  man  in  betreten  mocht,  zuo 
dem  soll  man  gr.  und  richten  zuo  sym  leben.'  1522, 
Absch.  ,Frauw,  gryfend  zue  dem  rebhuo"!'  RScumid 
1579.  ,Sy  habind  besorgt,  man  möchte  zu  inen  gr.' 
Z  Täuferber.  1639.  Mit  ,in' :  ,Welcher  zorniger  Wys 
nach  dorn  Friden  in  syn  Wehr  gryft,  soll  über  Friden 
gangen  syn.'  1623,  Ndw  LB.  —  4.  bildl.,  nach  Etw. 
streben,  Etw.  unternehmen.  Wer  nach  Vilem  grlft, 
ri'ird  wenig  b'lialte".  Ineichen.  Wit  grlft,  d'  Hand 
b'schisst,  es  ist  gefährlich,  sein  Weib  aus  weiter  Ferne 
zu  holen,  ebd.  Wlt  g'griffe',  eister  b'schisse'.  Sulger. 
.Welcher  ein  dochter  hinder  im  lat,  ist  denn  .sach, 
dass  die  zu  dem  hantwerch  mit  der  e  griffet,  so  soll 
si  halben  schilt  erben.'  1409,  Gpd.  Eheleute,  ,die  in 
die  Ehe  greifen',  sollen  öftentlich  eingesegnet  werden. 
15'29,  Ochs.  ,Zue  der  Ee  gr.'  Zwingli;  HBull.;  Bossh.- 
Goldschm.  u.  a.  ,Wie  wir  zu  der  Handlung  zu  greifen 
[handelnd  einzuschreiten]  gnugsamen  Anlass  hätten.' 
B  Rechtstit.  1691.  —  5.  rechtlichen  oder  widerrecht- 
lichen Anspruch  auf  Etwas  machen,  in  die  Rechte 
eines  Andern  eingreifen.  ,Wäre,  dass  yeman  zu  dem 
guet  griffe,  der  soll  das  den  erben  widerkeren  [er- 
statten].' 1451/1544,  ScHW  LB.  ,0b  Jemand  in  ein 
Erb  griff.'  1616/26,  ebd.  ~  6.  Einen  bei  Etwas  be- 
haften.  ,N.  bittet,  da  sein  Gegner  den  Beweis  nicht 
vollständig  leisten  konnte,  man  möchte  ihn  bei  dem 
geschehenen  Urteil  nicht  gr.,  sondern  ihn  bei  seinem 
ererbten  Gut  bleiben  lassen.'  1641,  Absch. 

über-:  1.  tr.,  in  die  Rechte  eines  Andern  eingreifen, 
ihn  übervorteilen,  benachteiligen,  schädigen;  Syn.  ver- 
rorteilen.  Eine  gewisse  Hausbesitzerin  soll  das  Fen- 
ster, ,damit  sy  in  [den  Nachbar]  übergriffen  hat  nach 
synen  brieten',  wieder  beseitigen.  1319,  ZStadtb.    .Wie 


dass  die  snyder  mit  irem  Ion  arm  und  rych  grösslich 
übergriffen  und  beschätzet  habend.'  1404,  Sch  Stdtb. 
,Der  geistlichen  oberkeit  missbruch,  damit  wir  laien 
beschwert  und  übergriffen  sind.'  1527.  Absch.  —  2.  refl. 
a)  sich  nüd  ü.,  nicht  gar  viel  als  Geschenk  geben  Z; 
Syn.  sich  überlupfen.  —  b)  sein  Recht  überschreiten, 
zu  viel  ansprechen.  .Dannoch  übergreif  sich  der  von 
Lüternow  und  hielt  den  Spruch  nit.'  RCys.  .Dann 
wülicher  sich  übergrifen  [durch  Überforderung],  den 
wurd  man  hertigklich  darumb  strafen.'  1617.  Z.  — 
3.  intr.  (Ptc.  Präs.)  in  juridischem  Sinn.  .Wenn  Einer 
den  Bodenzins  von  seiner  wenigen  Alp  innert  Jahr 
und  Tag  nicht  bezahlte,  würde  sich  nach  dem  aufzu- 
stellenden Grundsatz,  dass  der  Bodenzins  übergreifend 
sein  solle,  das  Kloster  berechtigt  finden,  auch  die 
anderen  Alpgenossen  als  übergreifende  Gült  dafür  an- 
zugreifen, oder  wohl  gar  die  unverzinsete  Alp  zu 
Händen  zu  ziehen.'  UwE.  Arch.  —  4.  Ptc.  Perf.  adj., 
zu  selir  in  Anspruch  genommen,  erschöpft.  ,Ein  Wald, 
wo  vieh'  Stämme  jung,  die  meisten  mittelwüchsig  und 
keine  oder  nur  wenige  alt  sind,  und  woraus  man  fort- 
während Holzbedürfnisse  befriedigen  muss.  ist  schon 
übergriffen  und  sein  Capital  auf  der  Neige.'  Gr  Anl. 
1838.    -    Mhd.   in  Bed.    ]    und  2  b. 

üf-:  (den-  Hefeteig)  vom  Boden  des  Backtroges 
lösen  und  zerreiben  S. 

um-:  umzingeln.  .Die  unsren  haben  das  schloss 
frytag  zuo  nacht  berennt,  umbgriifen  und  samstag 
früeh  mit  stürm  wollen  nöten.'  1476,  B.  —  Mhd.  um- 
fassen, umgeben. 

a"-:  1.  anfassen,  berühren,  .tactu  cognoscere.'  Id.  ß. 
Me'  mues  d'  Sach  a.,  wo  me"  si  cha'"  hebe'  [festhalten]. 
Sdlger.  Einen  Vorrat  anbrauchen,  z.  B.  ein  Capital 
Gr;  Z.  —  2.  unternehmen,  anfangen.  Z'  ril  under- 
einisch  a.  B  (Zyro).  Grift'ed  a"!  Aufruf  zur  Arbeit  Z. 
Auch :  zugreifen  bei  Tische.  ,Nun  grüfl'ent  an.  ihr 
lieben  Fründ;  in  Gott  all  frölich,  hurtig  sind  [seid].- 
GGotth.  1619.  --  3.  feindlich  angreifen,  mit  der  Hand 
oder  mit  Waffen,  im  Kriege ;  .litem  intentare.'  Id.  B. 
Tapfer  a'g'griffe'  ist  halb  g(w)imne'  L;  Z.  Bildl.  von 
Krankheit:  Es  hät-mi'''  a'  der  Wiehn^icht  (mit -eine 
Frost)  a'g'griffe' 7j.  Mit  .uf':  .Habend  die  Dwielischen 
[von  Hohentwiel]  uf  sy  an[g]griffen.'  15'2'2,  Absch. 
,Der  Bischof  von  Chur  greif  uf  alle  die  an  [machte 
Angriff  auf].'  Vad.  ,Greif  bischof  Fr.  von  Chur  mit 
vil  pferden  uf  die  von  Werdenberg  oflenlich  an.'  ebd. 
—  4.  rechtlich  ansprechen  und  in  Besitz  nehmen. 
.So  möchten  er  oder  syn  amptlüt  die  güeter.  so  im 
zinshaftig  wärind.  da  fürhin  a.'  1464.  L  Stiftsarch. 
.So  soll  man  Zinsen  dem  Gottshaus  kernen  uf  StGallen 
tag  und  naher  uf  StMartins  tag  und  ein  Probst  mag 
sy  [die  Zinspflichtigen]  auch  wohl  vorhin  [früher] 
darumb  a.'  AAPahr  Offn.  .Mag  der  Köufer  die  Under- 
pfänder  a..  verganten  und  verkoufen.'  B  Wuchermand. 
1613/28.  .Dass  Niemands  ihn  [einen  Kranken]  in 
synem  Hus  von  Geldschulden  wegen  überfallen,  noch 
ihm  uf  syn  Guot  fallen,  noch  dasselbig  a..  verheften 
noch  bekümmeren  soll.'  B  Gerichts-S.  1615.  Übertr. 
auf  religiöses  Gebiet:  .Was  wurden  ihr  gewünnen. 
wann  ihr  Gott  seinen  Tag  angreiften,  damit  ihr  die 
Wochen  ganz  anderen  eweren  Geschäften  behalten 
könnten?'  JMüll.  1665.  —  5.  die  no|;male  Beschaffen- 
heit altericren,  schädlich  beeinflussen.  De  Chupfer- 
hafe'    ixt    a'g'griffe'    [oxydiert]    B   (Zyro).     's   Lese' 


715 


Graf,  gref.  grif.  grof.  gruf 


grtft-mer  d'  Augen  a"  Z.  .Welcher  Käs  fault  am  ehe- 
sten und  wird  angegriffen? '  Obw  Pred.  1875.  —  6.  intr., 
wirken,  z.  B.  von  einem  medizinischen  Mittel,  zunächst 
schmerzhaft;  von  Werkzeugen  (Feile,  Pflug.  Schleif- 
stein udgl.)  B;  Z;  Syn.  ziehen.  —  7.  refl.,  sich  an- 
strengen. ,Es  gab  Eine,  die  Kaffee  kaufte,  das  Pfund 
für  10  Gr.,  während  vornehme  Weiber  meinen,  wie 
[sehr]  sie  sich  a.,  wenn  sie  für  das  Pfund  4V2  Gr. 
geben.'  Gotth.  ,Sie  seien  wohl  Narren,  dass  sie  sich 
so  a.  mögen  [die  Müssigen  bekommen  den  gleichen 
Lohn  wie  sie].'  HPest.  1785.  ,Wenn  sich  die  Pfarrer 
recht  angreifen  und  recht  darauf  drücken,  so  könne 
die  Stunde  so  gut  sein,  dass  der  Täter  auf  dem  Stuhl 
schwitzen  müsse  und  nicht  zur  Kirche  hinaus  könne, 
ohne  dass  man  es  ihm  ansähe,  dann  könne  man  ihn 
greifen.'  ebd.  1787.  .Greifet  euch  zur  Arbeit  mehr 
an!'  ebd.  1790. 

l»-griffe°:  Eingriffe  in  das  Recht  eines  Andern 
machen.  ,Und  aber  der  pfarer  vermeint,  der  apt  sy  im 
etwas  zue  tuen  scholdig,  ist  abgeredt,  dass  der  pfarer 
gegen  den  hern  von  sant  Gallen  nüt  wyter  handien  und 
y.  soll.'  1534,  Zellw.  Urk.  Mit  Dat.  (Acc?)  P.  od.  S. 
.[Die  Fischer  sollen]  ihre  Mark  nit  öbertretten  und 
den  Schachen  y.'  XVII.,  L  Ansehenb.  .Ich  aber  hafte 
mich  uf  dem,  so  erzelt  [halte  mich  an  dem  Erzählten] 
und  will  doch  Niemanden  yngegriffen  haben.'  ECys. 
.Einem  y.,  interponere  se  alicui,  prseripere  alicui  alqd.' 
HospiN.  1C83. 

under-:  von  unten  angreifen,  packen;  vgl.  under- 
laufen.  .Der  rhinoceros  lasst  den  köpf  zuo  boden, 
undergreift  den  helfanten,  reisst  im  den  bauch  auf.' 
TiERB.   1503. 

er-:  1.  packen,  fe.sthalten.  Was  Nuet  und  Nagel 
ergrift,  was  im  Gebäude  fest  hält  Ndw.  —  2.  voll- 
.ständig  greifen,  z.  B.  eine  Pfeife  so  handhaben,  dass 
man  alle  Löcher  mit  den  Fingern  trifft  Bs.  In  dem 
bekannten  Kinderlied:  Susanneli,  stand  uf  und  mach 
es  Liecht!  lauten  die  letzten  Zeilen  in  Bs  nach  .Dieb' 
folgendermassen:  Ne  nei,  Mamma,  ne  nei,  Mamma, 
's  ist  nur  der  Beppeli  Meria*  mit  siner  lange"  Pfife", 
het  100,000  Löehli  draf,  er  cha"  si  nit  e.  —  3.  ab- 
nehmen (Einem  Etw.).  Ergrif  eis  [einmal]  das  China, 
nimm  mir  es  ab  und  auf  deine  Arme  BH.  —  4.  er- 
wischen, treffen,  finden,  einholen.  .Was  uf  den  güetern 
[eines  Verstorbenen,  dem  sie  als  Leibding  gehörten] 
ergriffen  wirt  des  bluemen  [Grasertrag],  so  daruf  ge- 
wachsen.' 1431/1544,  Scnw  LB.  ,Die  nachstüre,  so  in 
ergriffen  [betroffen]  hat,  ze  geben.'  1474,  Bs  Chr. 
,Und  liessent  wir  denn  den  zwyfalten  zins  so  lang 
anston,  bis  ein  zins  den  andren  ergriffe  und  bczuge 
[einliolte].'  1490,  NSenn.  Tam.  .Dann  wann  ein  Zins- 
mann so  vil  sümig  und  hinlässig,  dass  ein  Zins  den 
anderen  unbezalt  ergritte.'  XVII.,  L  Ansehenb.  .Dem 
Versender,  welcher  die  Land  auf  und  ab  fahrenden 
Salzfuhren  zu  benutzen  wünscht,  gelingt  nicht  alle- 
mal, dieselbe  zu  e.'  Unpcrs.:  ,Es  wäre  im  ein  grosse 
fröid,  dass  es  den  weg  ergriffen  hette  [d.  i.  dass  durch 
das  Eeligionsgespräch  die  Überflüssigkeit  der  Messe 
dargetan  worden  sei].'  Zwingli.  —  5.  Einen  (z'  Nid 
und)  z'  Hass  e.,  Hass  auf  ihn  werfen  B;  FMu.  ,Ks 
sei  ihm  nützlicher,  der  Mei.ster  brumme  ein  wenig, 
als  wenn  die  g^nze  Dorfschaft  ihn  z'  Hass  ergreifen 
würde.'  Gotth.  —  0.  erlernen;  vgL  .fassen'  und  frz. 
.apprendre'.    ,Er  hat  die  franzö.sische  Sprach  in  Paris 


ergriffen.'  ßCvs.  —  7.  begreifen  Sch  (Kirchh.).  — 
8.  refl.,  nach  Etw.  greifen,  sich  an  Etw.  festhalten. 
Stif  [rechte]  Lüt  g'halten  en  Ding  [tun  es  an  seinen 
Ort],  dass  si  denn  wilssen,  wa  si  si'''  umhi  [wieder] 
e.  chönnen,  wa  si  Eppis  nötig  hein  ßß.  Wann  oppa 
e  Chrache  [Kluft]  chemi  oder  e  Bösehe  [Busch]  für 
sich  drand  [daran]  z'  e.  DGemp.  188.4. 

US-  (mit  Acc.  P.):  1.  Jmd  durchsuchen,  insbes. 
alle  seine  Taschen,  um  Etw.  darin  zu  finden  ScnSt.;  Z. 
—  2.  eine  Weibsperson  unzüchtig  betasten  Z. 

ver-:  1.  cinbegreifen,  einschliessen,  aufnehmen; 
enthalten.  ,So  hab  ich  inen  discn  hofrodel  in  ein 
bermenten  libell  vergriffen.'  1475,  ZGreifenb.  Hofrod. 
,Wie  im  mandat  vergriffen  ist.'  Zwijjgli.  ,Kein  teil 
solle  mit  synen  fyenden  friden  machen  ungewarnet 
[ohne  Rücksicht]  des  andern  teils,  sunders  den  ouch 
in  sölichem  friden  als  sich  selbs  v.  und  beschliessen.' 
1521,  Absch.  ,Mit  lüten,  bannen,  gerichten,  wunn, 
weid,  holz  und  feld,  wasserruns  und  aller  zuogehörd, 
wie  die  in  irem  kreis  und  gezirk  vergriffen  sind.'  1522, 
ebd.  .Si  band  nit  wellen,  dass  man  sy  in  die  antwurt 
nieudert  vergryf.'  1524,  ebd.  .Alles  dasjenig.  so  die 
Tordrigen  biblien  inhaltend,  auch  in  diser  vergriffen 
ist.'  BiB.  1548/00,  Vorr.  .Under  dem  taubengschlecht 
werden  die  heimschen  und  wilden  tauben  vergriffen.' 
VoGELB.  1557.  ,Under  dem  nammen  des  hausgesinds 
vergriffen  syn,  contineri  nomine  famili».'  Mal.  .Was 
uns  zue  wüssen  notwendig,  ist  gnuegsam  in  der  h. 
gschrift  vergriffen.'  LLäv.  1569.  .Under  denen  ver- 
gryfend  sy  alle  andere.'  ebd.;  dafür  1670:  .einge- 
schlossen.' .Das  wörtlin  friden  in  hcbreischer  sprach 
vergreift  alles  guots  zuo  leib  und  sei.'  ebd.  1582. 
.Frawen  und  Töchteren  sind  die  Überlitzlin  an  Ar- 
men, 4  Finger  breit,  die  Spitzli  darin  vergriffen,  zu- 
gelassen.' B  Mand.  1628.  —  2.  schriftlich  abfassen. 
.Ich  hab  myn  testament  beschlossen,  angegeben  und 
mit  der  feder  v.  lassen.'  NMan.  ,Eine  quittung  v.' 
15'22,  Absch.  .Disen  Handel  hab  ich  kurz  nach  blosser 
Warheit,  niemand  zu  Lieb  oder  Leid  vergriffen.'  1522, 
BHaller.  ..\ber  wenn  ir  ein  urteil  über  mich  üs  land 
gän,  so  beger  ich  ein  brief  darum,  mit  ustruckter  klag 
und  antwurt  trungenlich  [gedrängt]  vergriffen.'  1523, 
Strickl.  ,Wärend  aber  die  artikel  nit  vergritten  [ab- 
gefasst],  sunder  wellte  man  die  erst  jetzt  stellen,  soll 
unser  bot  nit  [mitwirken],  sunder  allein  die  artikel. 
wann  die  beschriben  und  vergritten,  in  abscheid  nemen.' 
1525.  Absch.  .Sölich  bürg-  und  landrecht,  in  vier 
briefen  vergriffen.'  1528,  ebd.  ,Dieser  kouf  mit  allen 
und  jeden  synen  puncten,  artiklen,  vergryfungen,  be- 
dingen und  vorbehaltungen,  wie  die  obvergriften  stand.' 
1530,  ebd.  ,Da  ward  im  begerter  pund  zuegesagt,  zue 
Luzern  vergritten  und  von  Bern  schnell  zuegesendt.' 
Ansh.  .Zudem  sei  das  Lehen  nur  [auf]  eine  kurze 
Zeit  vergriffen  und  angestellt'  1545,  Absch.  ,Kurz 
vergreifen,  mit  kurzen  Worten  sagen,  colligere  breviter 
quK  acta  sunt.'  Mal.  .Kurzvergriffener  Inhalt  der 
8  Bücher.'  Würstisen  1765.  —  3.  (refl.)  fehl  greifen, 
sich  verfehlen;  s.  ver-giften  Sp.  136.  .Was  ist  das  v., 
dass  ir  euch  an  dem  Gott  Israels  vergreifend?'  1531/48, 
Jos.;  =  ,Übertrettung.'  1067.  —  4.  anklagen,  beschul- 
digen. .Dass  man  inn  nit  lychtlich  eines  schnöden 
lebens  v.  oder  schelten  möge.'  Zwingli.. —  Dazu  das 
Ptc.  vergriffen:  1)  verfallen,  dahin  gefallen.  .Soll 
er  nit  [als  Bürger]  angnommen  syn,  auch  im  obgemeldte 


Uraf,  grof,  grif,  grof,  gi-uf 


718 


Cünditionen  v.  syn.'  1602,  Ölii.  —  2)  adj.,  bedingt, 
einen  Vorbehalt  in  sich  schliessend;  verdächtig,  zwei- 
deutig. Von  einem  Geleitsbrief  (1521,  Absch.  IV  1  a  136) 
heisst  es:  ,Er  war  mit  vergriffnen  werten.'  ,Und  wir 
je  mit  derglychen  eingriffen  und  ansprachen  dergestalt 
furo  solltend  vexiert  und  belestiget  und  mit  so  ver- 
griffnen und  verdächtlichen  umbständen  von  luterm 
und  hellem  vermög  unsers  gemeinen  landsfridens  ge- 
trungen  werden.'  1532,  Strickl.  —  unvergriffen: 
1)  als  abs.  Ptc:  so  dass  den  Kechten  eines  Andern 
nicht  vorgegriffen  wird,  unbeschadet;  häufige  Formel 
am  Schluss  von  Rechtsbestimmungen,  Verträgen.  ,Es 
sye  [dass]  sy  es  mit  mund  und  hande  verheissen  habe 
oder  nit,  doch  allen  anderen  der  stette  rechten  u., 
on  alle  gevärde.'  1457,  Bs  Rq.  ,Wol  mögen  die  einig- 
meister  ein  stangen  haben  und  sich  deren  nach  her- 
kömmlicher üebung  und  je  nach  bedürfniss  gebruchen, 
den  scheidlüten  an  irem  ampt  u.'  1486,  Bs.  ,Doch  uns, 
unsern  nachkommenden  ganz  u.  und  ane  schaden.'  1519. 
Gfd.  ,Doch  unsern  Eidgnossen  an  iren  rechten  in  all- 
weg  u.'  1530,  Absch.  ,Wann  solichs  des  Rhyns  halb  be- 
schechen  mag,  hierin  nachperlich  und  u.  besichtigung 
bescheche.'  1534,  BsRij.  —  2)  adj.,  ungeschädigt.  ,0n- 
gfarlich,  das  ist,  dass  du  darum  onvergriffen  syn  mö- 
gist.' Vad.  —  vergriff(on)lich:  1)  in  kurze  Worte 
gefasst,  bündig.  Vgl.  vergrlfen  2.  ,Vergrifflich  reden 
oder  mit  wenig  Worten,  comprehenso  loqui.'  Mal.  ,Der 
klein  Catechismus  ist  wol  kurz,  aber  in  den  Fragen 
und  Antworten  v.  und  lehrhaft'  Z  Mand.  1596.  ,Mit 
syner  kurzen,  aber  gar  notwendigen  und  fast  ver- 
griffenlichen  Vermahnung.'  1623,  JJBreit.  —  2)  =  ver- 
griffen. Den  ,eben  v.  und  dunkel'  lautenden  Brief 
1525,  Absch.  Man  begehre  zu  vernehmen,  wessen  man 
sich  zu  ihnen  versehen  sollte,  da  sie  in  ihren  Dingen 
gar  ,spitz  und  vergrifflich  seien'.  1530,  ebd.  , Solich 
ufsatzig,  arglistig  und  v.  fürnemmen.'  Vad.  ,G'farlich 
und  V.'  ebd.  —  u  n  -  =  unvergriffen  1.  ,Das"  uns  dirre 
brief  u.  und  unschedlich  syn  soll  um  dchein  ander 
Ordnung,  so  wir  hienach  deheinest  ze  rate  wurden  ze 
ordnen.'  1413,  B  Stadtsatz.  ,Wellen  wir  doch,  dass 
solichs  alles  kraftlos  und  untüglich  und  denen  von  Bs 
u.  und  unschädlich  sein  solle.'  1488,  Bs.  ,Die  artikel 
zuo  ufrichtung  der  vereinung  durch  die  verordneten 
uf  disen  tag  [die  Gesandten]  u.  und  uf  ein  hinder- 
sichbringen  jedes  herrn  und  oberen  [Eelatieren  an  die 
Obrigkeit  eines  jeden]  gesetzt'  1521,  Absch.  Es  wird 
ihm  mit  einem  ,unvergriffenlichen'  Schreiben  ent- 
sprochen [mit  dem  man  sich  und  Andern  Nichts  ver- 
gibt].' 1548,  ebd. 

Mhd.  verfjrifen  iu  Bed.  1  und  3;  unveryriß'cn  iu  Bed.  1. 
Vanjri/en  1  und  3  grenzen  zuweilen  nahe  an  einander. 

be-:  1.  umfassen,  a)  von  räumlichem  Umfang. 
•Da  begreif  man  die  statt  mit  niuren  und  graben.' 
Just.  ,Dass  die  hofstatt  [zur  Begründung  Berns]  ze 
wyte  yngefangen  und  begriffen  was.'  ebd.  ,Unser 
läger,  so  halben  teil  zwüschen  der  statt  Meiland  und 
Binast  begryft.'  1522,  Strickl.  ,Wo  einer  ein  hag 
muess  machen  und  boum  darob  und  darunder,  die  den 
hag  begryfent,  stond.'  Landr.  Henneb.-Peterz.  1665. 
Auch  abs.,  ohne  Obj.,  i.  S.  v.  Umfang  haben,  sich  er- 
strecken, reichen,  gelten.  ,Welcher  auch  solich  vogty 
inhat,  der  oder  syne  amptlüt  habend  in  sölicher  vogty, 
als  wyt  si  mit  den  marken  begrjffet,  ze  richten.'  Th 
Beitr.  .Soll  diser  artikel  b.  allein,  so  wyt  der  zirk 
der    Eidgnoschaft   gat'    1.532/44,    Schw  LB.     Auch: 


,begriffen  han':  ,Ein  efaden  gät  unz  in  den  graben  und 
herumb  von  dem  graben,  als  ferro  des  Schachers  hof- 
stetten  b.  band.'  1433,  ScHBuchb.-Rüdl.  Ott'n.  ,Granse 
[Granson],  dass  do  wyter  b.  hatt  [weitern  Umkreis], 
denn  Solotorn  die  statt'  1476,  Bs  Chr.  S.  noch  Gürtel 
Sp.  446.  —  b)  vom  Inhalt  von  Schriftstücken  oder 
gesetzlichen  Bestimmungen:  einbegreifen,  enthalten; 
betreffen ;  vgl.  vergrlfen  1.  ,ln  einem  kleinen  zedel, 
üwerm  brief  yngeschlossen,  haben  wir  gesechen  be- 
griffen [dass . . .].'  1476,  Bs  Chr.  ,Was  landsrecht  be- 
gryft und  antrifft,  dass  es  nicman  me  soll  brüchen, 
wann  alls  um  bar  gelt.'  1512/44,  Sohw  LB.  ,Welichen 
kosten  die  gueter,  so  in  der  weristür  begriffen,  ye 
nach  marchzal  ertragen  müessen.'  1523/44,  ebd.  ,Hin- 
derrucks  und  on  wissen  anderer  orten,  [die]  zu  disem 
handel  sonderlich  begriffen  [sind  davon  betroffen, 
daran  beteiligt  und  interessiert]  antwurt  ze  geben,  will 
uns  nit  gezimcn.'  1524,  Absch.  ,In  der  zal  begriffen 
werden,  in  numero  accipi.  Das  gesatz  begreift  in  nit, 
er  ist  den  gesatzten  nit  underworfen,  leges  cum  non 
tenent'  Mal.  ,Das  buech  Job  begreife  das  luter 
Gotteswort.'  LLav.  1582.  ,Den  Bürgen  keinswegs  weit- 
her verbinden  noch  begreiffen.'  L  Stadtr.  1706/65.  — 
2.  schriftlich  abfassen,  zsfassen;  berichten.  Vgl.  ver- 
grlfen 2.  ,Daruf  von  den  obgenannten  etliche  artikel 
nachbegriffner  [in  nachfolgender  schriftlicher]  g'stalt 
geordnet'  1542,  Absch.  ,Kurz  wirt  er  [der  das  Ar- 
gumentum vortragende  Knabe]  b.  spils  verstand  [Sinn].' 
JMürer  1559.  , Alles  in  ein  buoch  begreifen  und  setzen, 
colligare  uno  libro  omnia.  Begreifen  in  kurzem,  com- 
plecti  breviter.'  Mal.  , Wollend  wir  widerum  unseren 
ratschlag  und  antwort  durch  diso  gschrift  kurz  b.  und 
fürtragen.'  HBull.  1562.  ,Debora  hat  solche  guotat 
mit  einem  lobgsang  begriffen  [berichtet].'  RGualth. 
1584.  —  .3.  ergreifen.  ,Der  mülistein  begreif  in  von 
ungeschickt  [und  zermalmte  ihm  Hand  und  Arm].' 
Sthättl.  Chr.  1464.  ,Der  angel  begreif  den  floss.' 
Edlib.  ,Der  vatter,  was  er  b.  mocht  der  brunst  ent- 
flocht' Kessl.  ,Die  haut  [der  erkrankten  Rinder]  b., 
von  den  rippen  ziehen.'  Tierb.  1563.  ,Der  elephant 
kann  mit  solcher  nasen  auch  das  allerkleinest  ding, 
gelt  münz  und  ander  ding,  b.  und  seinem  meister 
bieten.'  ebd.  ,Was  sy  begreifend,  haltend  sy  ganz 
stark.'  Fischb.  1563.  ,Wo  der  verkäuffer  sein  ver- 
kauftes guet  [das  ihm  nicht  bezahlt  wird]  b.  mag,  so 
mag  er"s  von  .stund  an  widerumb  ngmen.'  1592,  Foffa. 
,Was  Nut  und  Nagel  begryft',  alles  fassbare  Eigentum. 
ZHöngg  1668.  Vgl.  ergrifen  1.  Insbes.:  gefangen 
nehmen,  von  Tieren:  fangen.  ,Wundet  der  ieman, 
wirt  er  begriffen,  so  soll  man  im  die  hant  abeslahen.' 
Z  Richtebr.  1304.  ,Sy  hielten  rat,  wie  sy  Jesnm  mit 
list  begriffind  und  todtind.'  1530.  Matth.  ,Das  tier 
ward  begriffen  und  mit  im  der  falsch  prophct'  1531/48, 
ÜFFENB.  =  , ergriffen.'  1667.  ,Zu  Zeiten  bedecket  es 
[das  Kaninchen]  seine  einschlüpf  mit  erden,  damit  es 
nit  gemerket  noch  begriffen  werde.'  Tierb.  1563.  — 
4.  treffen ,  finden ,  einholen ;  vgl.  er-gr.  4.  ,Zogten 
[sie]  den  bilgrinen  nach  und  begriffent  si  uf  der  fart.- 
SoHACBz.  ,So  sy  [fremde  Ziegen]  yenian  uf  dem  synen 
begryft.'  1520/44,  Schw  LB.  ,Wo  uns  der  bot  begrife.' 
1521,  Absch.  ,Wo  mau  üch  in  der  Eidgnoschaft  b. 
könnt  [üch]  fänklichen  anzuonemmen.'  15'23,  Strickl. 
,ln  lästern  verläumdct  oder  begriffen."  1529,  Ochs  5, 
711.  ,Welche(r)  über  [gegen]  soliche  Verbott  in 
unserm    Land   begriffen   wurdi,    one    Erlanbnuss   der 


719 


Graf,  gref.  grif,  grof.  gruf 


120 


Kilchgenossen,  so  soll  man  zno  im  gryfen.'  1605,  Schw 
Eq.  —  5.  befallen,  überfallen.  ,N.  N.  ist  mit  sant 
Veltis  siechtage  [Epilepsie]  begriffen.'  1387,  L  Urk. 
, Spann  an  und  far  hinab,  dass  dich  der  regen  nit  be- 
greife.' 15.31/48,  I.KöN.;  =  . ergreife.'  1667.  .Mich  hat 
angst  begriffen.'  1531/1667,  II.  Sah.  ,Um  den  abent 
begraff  in  gächs  ein  onmacht'  Sicher  1531.  ,üie  nacht 
mich  begreif.'  Salat.  ,Von  der  kelte  begriffen  und 
überfallen  werden,  excipi  frigore.  Darzwüschend  mit 
krankheit  begriffen  oder  überfallen  werden,  intercipi 
morbo.'  Mal.  —  6.  feindlich  angreifen.  ,Ist  der  lut- 
priester  von  Arow  kommen,  nit  in  guotem,  sunder  in 
[einen  Prediger]  in  synen  werten  zu  b.  [unterbrechen, 
angreifen,  bestreiten].'  15'23,  Abscb.  ,Dass  niemand 
die  verkünder  des  Gottswort  verachten,  verspotten, 
noch  sy  in  Worten  zu  b.  oder  frefler,  verächtlicher 
wys  on  not  in  ir  red  und  predig  ze  fallen  und  inen 
zue  widersprechen  understan  [solle].'  Z  Mand.  1530. 
,Coarguere,  carpere,  b.,  strafen,  bescheiten.  Stylus, 
Schrift,  die  einen  stupft  und  begreift.  Sich  selbs  b. 
und  seine  wort  widerrüefen,  sein  meinung  wider  än- 
deren, se  revocare.'  Fris.;  Mal.  ,Dass  er  die  chor- 
richter  nicht  dafür  halte  [ihnen  nicht  zutraue],  dass 
sy  einen  b.  wellind.'  1571,  Absch.  ,Es  sy  dann,  dass 
er  in  mit  Recht  nit  mer  b.  [gerichtlich  belangen] 
möchti.'  1605,  Schw  Eq.  -  unbegriffen:  unbe- 
schränkt. Der  Herr  von  Sax  soll  ,u.  syn',  Eichter  zu 
wählen  usw.  1529,  Absch.  —  bogriffenlich:  kurz 
gefasst  [?].  S.  begrlfen  2  und  begrifflich  1.  ,Zu  der 
wol  und  ganz  hegriffentlich  aufgesetzten  Almosens- 
Ordnung.'  SHocHH.  1693.  —  unbegriffenlich:  1)  un- 
greifbar, übersinnlich.  ,üie  [verklärten]  leichnam  wer- 
dend nit  zum  gcist,  unsichtbar  oder  u.,  sy  behaltend 
ire  wären  eigenschaften,  habend  ire  glider.'  LLav.  1582. 

—  2)  unbegreiflich,  übernatürlich.  ,Der  Sohn  vom 
Vatter  unbegritfenlicher  Wys  geboren.'  Z  Täuferber. 
1639.  —  Mild,  hegi-i/ai,  betasteil,  umfassen;  in  Worten  zu- 
sammenfassen; erreichen,  ergreifen. 

zesamme"-grife":  technischer  Ausdruck  beim 
Schwingen,  mit  der  linken  Hand  in  die  Schwinghose 
am  rechten  Sehenkel  des  Gegners  fassen,  während  die 
Eechte  von  oben  in  den  Hosengürtel  hinter  des  Gegners 
linker  Hüfte  greift  Bü.  —  wider-:  einen  Angriff  er- 
widern. Selbsthülfe  üben.  ,Dass  aller  menglich  eins 
von  dem  andern  umb  alle  übergriffe,  die  ynfallende 
wurdent,  vorhin  mane  ze  tage,  recht  umb  recht  halte 
und  gebe  an  alles  w.'  1387,  Absch.  —  zue-:  nach 
Etwas  greifen.  ,Wenn  es  eim  zu  dem  dritten  mal 
gebotten  wurd,  so  sollt  man  denn  z.  [zu  dem,  der 
nicht   vom   Streite   lassen   will].'    XV.,    ScHwMa.  LB. 

—  zer-:  zudringlich  betasten.  Me'  zergreift  das 
Büntele  grausig  [arg],  um  z'  htege",  was  me"  hei  [habe] 
GRPeist  (Schwzd.). 

griffe»  Cir-  Bs  Spreng,  auch  IcriftenJ:  1.  ein  Pferd 
an  den  Füssen,  bes.  gegen  das  Ausglitschen  auf  dem 
Eis  beschlagen  lassen  Bs;  BM.;  L;  Syn.  spitzen.  ,Ein 
altes  Hufeisen  neu  gegrift  18  ß.'  L  Muster  1797.  — 
2.  ein  unerlaubter  Kunstgriff  der  Schützen.  Grob, 
Chron.  45.  —  Bed.  1  zu  erklären  ans  Griff  4  b,  c  Die 
nähere  Beschaffenheit  von   2  ist  kaum  zu  bestimmen. 

Griffe»  Gr,  Griffi  B;  GRÜbS.;  W  —  f.:  Rind  oder 
Kuh  (in  GrLuz.  auch  Pferd)  von  dunkler  Farbe  mit 
weisser  Hautfalte  am  Kniegelenk  (GrL..  Pr.)  oder  mit 


weissem  Streifen,  Flecken  an  den  Seiten  des  Bauches 
B;  Gr;  W. 

Der  Name  hängt  wohl  mit  Clriff'  1  b  zusammen,  indem 
die  Steilen,  wo  solche  Färbung  erseheint,  ungefähr  dieselben 
sind,  an  welchen  auch  die  Fettigkeit  des  Rindviehs  durch 
Greifen  erprobt  wird.      S.   noch   wua-gegriffet  und   Grifße. 

Hüener-Griffer:  Spottn.  für  den  Furchtsamen, 
Feigen  L.  —  Vgl.  tjnfen  l,  ein  weibliches  Geschäft,  an 
einem  Manu  also  weibisch. 

Möre°-:  wer  die  ,More' betrügerisch  verruckt  Aa 
(Eochh.  1857,  395  f.). 

,Be-greifer:  corrector.  B.  eines  irrtumbs,  der 
ein  ding  verbesseret  und  wider  ze  recht  bringt.'  Mal. 

—    Zu  ber/n/m  e>  Vgl.  bes.  »ic/i  h.,   Begrl/ung  ä ;  beyriffliih  2. 

ßüppli-:  Wollüstling  B.   —   Büppdli,  weibl.  Brust. 

gegriffet.  Eine  ffgriffeli  Kuh,  deren  Fettigkeit 
sich  greifen  lässt  BG.,  Si.;  Gegs.  schartocht.  Syn. 
griffig  1. 

wiss-.  Eine  w-i  Kuh,  von  der  unter  Griffe'  be- 
schriebenen Beschaffenheit  GrV. 

griffig:  1.  von  Mastvieh:  „gute  Griffe  habend", 
greifbar  fett  BsL.;  BG.;  STierst;  Th;  Z.  Syn.  ge- 
griffet, gäbig.  Zu  Griffs  a.  —  2.  fest,  von  Webstoffen, 
z.B.  Leinzeug  Bs;  Z;  Gegs.  lummerig.  Zn  Griff  3  a. 
-  3.  von  einem  Weibsbild,  das  sich  gerne  betasten 
lässt  Z  (Dan.).  —  4.  von  Getränken :  angreifend,  an- 
regend, kräftig  wirkend  BSchw.  ,Der  alte  Schnapser 
wird  sich  nicht  zum  Most  bekehren,  der  ist  ihm  zu 
wenig  gr.'  Jenzer  1869.   —   Mhd.  griffec,  greifbar. 

über-griffig:  wer  sich  Übergriffe  in  die  Rechte 
Anderer  oder  Übertretung  von  Geboten  der  Nächsten- 
liebe erlaubt,  gewinnsüchtig.  ,Es  möchte  Einer  gegen 
synen  Nebenmenschen  ü.,  eigennützig,  wucherisch, 
gfahrlich  und  unehrbar  handien.'  Z  Mand.  1616/50. 

a'-griffig,  -griffig:  1.  von  Pers.,  bes.  Hausfrauen 
und  Mägden:  mit  Lust  und  Geschick  eine  Arbeit  an- 
greifend ;  arbeitsam,  gewandt,  rüstig  .\p ;  G ;  UwE. ;  Z. 
Syn.  an-kerig,  -g'schirrig,  -gattlich,  -stellig,  -schickig; 
alert,  icerchbar.  ,Der  pflster  soll  holz  schyten  oder 
sunst  etwas  [tun]  und  angriffig  syn.'  G  Küchenordn. 
149.5.  ,Dise  frag  erinneret  junge  Leut.  dass  sie  fein 
a.  und  tätig  sein  sollen.'  FWyss  1650;  vgl.  ebd.:  ,Die 
Hand  sind  umb  sich  griffig,  die  Füss  behend  zum 
Bösen.'  —  2.  von  Sachen:  was  leicht  oder  angenehm 
zu  bearbeiten  ist,  z.B.:  ohne  Handschuhe  in  Winter- 
kälte Holz  laden  ist  ken  agriffiga  Zug  Ap;  Gegs.  ö"- 
ä"-gr.,  z.  B.  von  Scheitholz. 

Hier  wie  in  anderen  Abll.  dieser  Gruppe  schwankt  die 
Quant,  des  Voc,  und  für  die  ä.  Lit.  lässt  sie  sich  kaum  mit 
Bestimmtheit  festsetzen. 

■a'^- griffig:  mager,  von  Rindvieh  Bs;  Gegs.  von 
griffig  1. 

für-:  (zum  Vorgreifen  geneigt)  ziemlich  =  iiber- 
griffig.  ,F.,  die  ander  leuten  das  iren  an  sich  ziehend, 
alienis  commodis  inhiantes.'  Mal.  ,Die  münch  mach- 
tend  die  sach  so  f.,  das"  die  regenten  ein  gesalzt  mach- 
tend,  das»  sy  nüt  me  kaufen  sölltend.'  HBdll.  1572. 
,Die  Zoller  warend  eigennützig  und  f.  wie  röubige 
tier.'  EGüALTH.  1585.  ,Begond  ouch  söliche  leut  ein 
grosse  sünd,  wann  sy  in  Verwaltung  gmeiner  güeteren 
so  f.  sind,  dass  sy  in  einer  kurzen  zeit  so  gross  guet 
bekommen.'  SHochh.  1.591,  =  ,vor-gr.'  1693.  ,Dass 
etliche  fürgriffige  Meister  eigen  Mel  zu  dem  schilling- 
wertigeiuBrot  habind  malen  lassen,  welches  den  alten 


(irag-giug 


722 


C)idnungeii  iiit  geiiiess  ist'  lül7,  Z  Pflster.  —  Für- 
giiffigi  f.:  Habsucht,  Herrschsucht.  .Gleiche  für- 
griffige hat  könig  Kodolph  geüebt  mit  der  stadt  Lucern.' 
HüiLL.,  Tig.  , König  Albrecht  mit  syner  fürgriffige  hat 
ileui  eidgnössiselien  pund  den  ersten  anlass  'geben.'  ebd. 

kalber-griffig:  trächtig,  von  einer  Kuh.  in  deren 
Leib  mau  ein  Kalb  greifen  kann  BsL. ;  Z  IS. 

nach-:  (nach  oder  nahe  greifend)  begehrlich.  ,Wir 
haben  in  üwerm  schryben  eins  nachgrifigen  gesuochs 
gemerkt   und   darab   nit  wenig  bedurens    empfangen.' 

1527,   AbSCH.    -    Vgl.   nächsüerhiy. 

„griffle",  -ele'  BE.:  „oft  und  viel  manipulieren, 
mit  prüfender  Hand  fühlen  LB.,  bes.  die  Hühner  be- 
fühlen ,  ob  sie  Eier  bei  sich  haben  VOrte.  Abi. 
Grifler,  -in.' 

,Griffle°  f.:  Kuh  mit  weissen  Griffen  Gr;"  Syn. 
Gritfe'. 

griff-,  griff-,  griffen-lich:  greifbar,  hand- 
greiflich. Vgl.  griffen  1.  ,Diewyl  des  lybs  eigenschaft 
ist,  fleisch  und  bein,  grifflich  und  sichtbar  syn.'  HBull. 
1.571.  ,Ein  grift(en)liche  flnsternuss,  wie  in  Egypten 
was.'  LLav.  1582.  .Gritt'euMche  irrtumb.'  ebd.  ,Ist 
gnuegsam  grundlich  und  grifflich  erzeigt  und  an  tag 
gebracht  worden.'  Ev.  Gegenber.  1588/1G58.  ,Ott'enliche 
und  griff'enliche  lugen  soll  man  nüt  verantworten.' 
158^1,  Zellw.  Urk.  ,Griffenliche  lügen.'  SHocbh.  1591, 
=  .handgriffenliche.'  1693. 

iJie  Form  mit  -tu  scheint  eine  Erweiterung  des  Präs.- 
Staninies,  «alirscli.  angelehnt  an  das  Gerundium  od.  Ptc.  Imp. 
Vgl.  die  nhd.  Bildungen  auf  ,-ent-lich',  wie  .hoffentlich'  u.  a. 

a"-griff'lich:  ergreifend.  ,So  ägriflich  hatten  wir 
[der  Schulmeister  mit  Blasen,  die  Kinder  mit  Singen] 
es  gemacht.'  Gotth.  —  u"-:  ungreifhar,  übersinnlich. 
,Gott,  du  bist  ungryflich,  lyblos  [unkörperlich,  ein 
Geist].'  HvEüte  15.5'2.  —  u°-ver-grifflich:  1.  (-i-J 
unbegreiflich,  überaus,  z.  B.  ,u.  ungern'  W.  —  2.  un- 
angreifbar, unfehlbar.  Von  cergnfen  3  od.  4.  ,Darumb 
so  muess  ein  bischof  u.  syn.'  Zwingli.  —  hand- 
grlffli(ch):  wie  nhd.  Es  ist  handgrlfli,  was  er  häd 
ireUe"  säge",  es  liegt  auf  der  Hand  Z.  ,Wobei  man 
handgrifflich  verspürt . . .'  FWyss  1650. 

begrifflich:  1.  kurz  gefasst,  aber  das  Wesent- 
liche enthaltend.  Vgl.  Begriff'  3.  , Etwas  in  einer 
summ  und  kurz  b.  durchlaufen,  carptim  breviterque 
perstringere  aliquid.'  Mal.  ,Melanchton  hat  darüber 
folgenden  kurzen,  doch  begrifflichen  brief  geschrieben.' 
LLav.  1576.  , [Saramt]  begrifflichen  Abteilungen  der 
Capitlen.'  Titel  der  Bib.  1667.  —  2.  angreifbar,  tadel- 
haft. Zu  begrlfen  6.  Vgl.  Begrlfer,  Begrifung.  ,Wie- 
wol  sy  b.  oder  freflich  gehandlet  haben,  solle  man  sy 
dnch  dulden.'  Zwingli.  —  un-:  1.  unangreifbar.  ,Cer- 
tissimus  in  dicendo,  der  sich  mit  roden  nienen  verhönt 
oder  verhauwt,  in  seinen  Worten  u.'  Fris.  —  2.  un- 
begrenzt. ,Und  an  so  vil  enden  syn,  mag  gheinem 
zimmen,  dann  dem,  das  u.  ist;  das  ist  allein  die  gott- 
heit.'  ZwisGLi.  —  3.  unbegreiflich.  ,Wie  gar  unbe- 
grifflich sind  deine  gericht!'  1530,  Eöm.  =  ,unerforsch- 
licli.'  1806. 

Griffling  ni.:  Hand  (Gaunerspr.).  Gengenb.,  Bettl. 

Begrifung:  1.  Umfang,  Inbegriff,  Zubehör.  ,Dis 
nachbenemmten  stuck  und  güeter  mit  allen  und  ir 
jetlichs  rechten,  nützen,  fruchten,  fryhaiten,  guoteu 
gewonhaiten,  begryfungen  und  zuogchörungen.'  1513, 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Arch.  Jenatz.  .Kaufsgerechtigkeit  mit  aller  begryfung 
und  zugehörd.'  Z  Kaufbr.  1551.  ,Ein  hof  samt  seiner 
begreifung.'  Stadtb.  Wthur.  —  2.  , Begreifung,  cora- 
prehensio,  correctio.'  Mal. 

Griffel  m.:  1.  wie  nhd.  —  2.  =  Graffel  BHa. 

Blili-:  nach  Art  eines  Bleistiftes  in  Holz  gefasster 
Griffel  Gl. 

gr  i  f  f  1  e  ° :  aus  dem  weichen  Schiefergestein  ('ff  n/?'e?- 
LindiJ  Griffel  verfertigen,  resp.  jenes  Material  zu  die- 
sem Zweck  verarbeiten  Gl.  —  Griffler:  Arbeiter, 
der  dies  Geschäft  betreibt,  ebd.  —  Griffleri  f.: 
Werkstätte  dafür,  ebd. 

Griff] ungi  s.  Grafion. 

Grifle"  BHa.  rGr7fli):  Gr  (-f-,  -f--J;  W,  Grefle 
WLötsch.:  1.  Pivi,s,II,o,.r,..  vaccin.  vit.  id.  BHa.; 
Gr  (auch  Bit,llrr-Gr.r.  W .  Syn.  Grüble,  Grippli.  — 
2.  Kauschbecre,  vaccin.  ulig.  GRRh. ;  Syn.  Muniberi. 
—  3.  Bärentraube,  uva  ursi  BHa.;  GrD.,  Pr. 

Bei  Hottou  1695  .Griffel-,  Gripfel-Beer';  in  Hessen 
Ei-steres  fiir  vaccin.   niyrt. 

Grefe  f.  GWa.,  Dim.  Grüfli  Schw:  Hautausschlag. 
Keis  Grüfeli,  nicht  das  geringste  Merkmal  einer  Krank- 
heit ScHwE.  —  Kitz- Grüfeli:  Hitzbläschen  GWa. 

Da  das  Schw  Grii/Ii  geradezu  =  Küßt  erklärt  wird  und 
da  in  G  o  =  M  sein  kann,  so  liegt  Zshang  mit  dem  gleichbed. 
Huf  nahe,  sei  es,  dass  das  y  aus  dem  alten  Anlaut  h  (ahd. 
Iiruf)  entstanden  wäre  (wie  mehrere  Gn-  aus  altera  Im-), 
oder  dass  das  Präf.  ge-  mit  dem  Stamme  verwuchs. 

Grolle"  m.:  eine  Krankheit?  Vater  zu  seinem  Sohn, 
der  sich  in  Bern  niederlassen  möchte:  ,Ich  hör,  es 
.steckt  in  dir  der  Grofflen,  du  trittst  ungern  die  Acher- 
Stofflen.'  Mtricäüs  1630. 

Viell.  entstellt  ans  dem  lat.  serofula,  Halsdrüsengeschwulst, 
da  der  Anl.  «i-r-  der  deutschen  Sprache  fremd  geworden  ist. 
Weil  serofulöse  Constitution  ühh.  als  Symptom  schwächlicher 
Leihesbeschaffenheit  gilt,  so  konnte  daraus  Unlust  zu  Bauern- 
arbeit erklärt  werden.  Mit  dem  vorhergehenden  W.  hängt 
das  vorliegende  schwerlich  zusammen. 

Grnffeli',  bezw.  Griffeli  =  Gi-äffeli  (s.  Graffei)  B. 

Vgl.  mhd.  (jrüfd  =  griffet,  welches  übh.  einen  Stift,  meist 
zum  Schreiben,  resp.  Einritzen  in  Wachs,  bezeichnen  konnte. 
Mit  solchen  Stiften  oder  Spitzen  mochten  die  Zacken  eines 
Quirls  verglichen  werden  (?). 


griffe»  s.  griffe 


Gruft  s.  Kruft. 


Grag  -grug. 

S.  auch  die  Kiihc    Uiinjij   usw. 

Gragi  s.  Ge-rägg. 

GragÖl  AaB.;  Ar;  G;  S;  Tu;  UwE.;  Zu;  Z,  -cl  Bs 
(in  Birseck  De-) ;  BM.,  R. ;  Sch;  Ndw,  -öl  ZSth..  Griigöl 
GRtw.,  ffre-  Gl  (Schuler),  Gri-  GRÜhur,  kr-  AaWoIiI.; 
Bs;  Z  tw.  —  n.;  m.  in  Ndw;  ZÜ.  (selten):  1.  wilder 
Lärm,  buntes,  lautes  Durcheinander,  in  Freude  oder 
Streit,  bes.  von  Kinderschaaren.  allg.  Auch:  zudring- 
liches Bitten  einer  einzelnen  Person  Sch.  (Es)  Gr. 
mache",  allg.,  auch  i.  S.  v.  viel  Wesens,  Aufhebens 
von  etw.  an  sich  Unbedeutendem  BR.  Syn.  Gramhöh 
—  2.  Unordnung,    z.  B.  der  Geräte  in  einem  Zimmer 


(irag,  greg,  grig,  grog,  griig 


Gl  (Schuler).  —  3.  „(Kr-)  Eingeweide  eines  geschlach- 
teten Schweines  Bs."  —  4.  Gerüstwerk,  z.  B.  zum  Bau 
einer  Brücke  BE.  „Orgel  AaB.  (pöbelh.)"  —  5.  grosser, 
bes.  langer  Körper  von  Menschen  oder  Tieren,  z.  B. 
einer  Kuh  BR.;  langer,  ungestalteter  Mensch  Aa; 
BM.;  Syn.  G'ragel.  Schimpfn.  eines  plumpen,  un- 
ordentlichen Menschen  ZO. 

Nhd.  ,Kraleel'.  Über  NbfF.,  Verbreitung  und  (mntmass- 
lich  fremde)  Herkunft  des  W.  s.  Gr.  WB.  5,  1976.  Be- 
rührung mit  Giagel  (Ge-r-)  ist  trotz  der  Verschiedenheit  der 
Betonung  und  Quantität  der  Endsilbe  bei  5  unzweifelhaft  und 
auch  der  Begriff  von  ,Wirrwarr,  Gewimmel'  berührt  sich  mit 
g'raglcn.  Bei  der  Anwendung  auf  Orgel  wird  eher  an  das 
viel  Raum  einnehmende  Gerüst  als  an  das  Getön  zu  denken 
sein.  3  wird  sich  auf  die  wirre  Verschlingung  des  Netzes 
und  Gedärms  beziehen. 

gragöle°,  -ele":  wild  lärmen,  mit  grossem  Ge- 
schrei zanken,  einander  zu  überschreien  suchen,  sich 
wild  geberden  Aa;  Bs;  B;  LG.;  G;  ScHW;  S;  Th; 
Uw;  Z.  —  „ver-:  durch  Lärm  (wildes  Treiben)  Etw., 
z.B.  einen  Gewinn,  verlieren."   —  Vgl.  das  syn.  grölen. 

Gragöler,  -eler,  -Öli:  Lärmmacher,  bes.  bei  ge- 
ringfügigem Anlass,  aus  blosser  Lust  an  Skandal  oder 
aus  Eigensinn.  Gi'agÖli  heissen  in  L  auch  die  kleinen 
Hunde  der  .Sträggelen'  (wilden  Jagd),  von  ihrem  lauten 
Gebell;    daneben   auch   Gragöri;   Lüt.  Sag.  463.  465. 

—  Gragöleri":  rechthaberische  Person  UwE.  — 
Gragölete  f.:  lautes,  wildes  Treiben;  auch  von 
einer  lärmenden  Musik  UwE. 

,gragüre":  sich  wild  lebhaft,  mutwillig  betragen, 
z.  B.  von  Mädchen,  welche  es  den  Knaben  gleichtun. 

—  gragürig:  wild,  ausgelassen  AAZof." 

Zunächst  wohl  aus  *yragoren  =^  gragölen,  -ölen,  aber  auch 
mit  Einfluss   von   'gregoveii  ^  gregörlen   (s.   u.    Gregonua). 

grägele":  1.  „kirren,  von  Hühnern,  die  ihr  Ver- 
langen nach  Speise  durch  Töne  kund  geben,"  oder  die 
bald  Eier  legen  wollen  Schw;  Uw.  „Gib  den  Hüend- 
line',  si  gräglid  scho'  lang."  Sj'n.  grädelen,  grügelen, 
singen.  ,Man  sagt,  dass  die  hauen  kräyind,  die  hennen 
grägelind.'  Vogelb.  1557.  —  2.  zappeln,  palpitare  Bs 
(Ochs). 

Wahrsch.  zu  mhd.  h-agden,  scharfe  Töne  hervorbringen, 
z.  B.  von  Hühnern.  .Kregeln,  gracillare,  sonus  gallinarum.' 
Voc.  1482.  Noch  Mal.  schreibt:  ,Die  vögel  kraglend,  gar- 
riunt.'  S.  auch  hrägUt.  Wohl  von  hagen  i.  S.  v.  Hals;  auch 
mhd.  gregd,  grechel,  krichel  scheinen  Namen  von  Vögeln.  Da 
der  doppelte  Guttural  der  Bed.  ,Töne  von  jener  Art  hervor- 
bringen' angemessen  ist,  so  wird  grägekn  wohl  gegenüber 
grädelen  das  Ursprüngliche  sein. 

Gregerne"  s.  Ge-räggernen. 

gr^göre":    fehlschlagen.     Es  het  g'gregoret   G;  Z. 

Syn.  hgoren  5  (Bd  I  415),  aus  dem  es  entstellt  sein  kann 
durch  (die  häufige)  Vertauschung  von  l  mit  r  und  Auffassung 
des  g  im  Ptc.  von  hgoren  als  stammhaft,  viell.  aber  auch 
noch  unter  Einfluss  von  grtujöhn,  graguren  und  gregörUn  (s.  u. 
Gregorius),   welche  sich  in  der  Bed.   mit  legoren  3  berühren. 

Gregorius  Gregori  Aa;  G;  Z,  „Gorjes  Gr,  Goi  G, 
Gögel  GrD.":  Taufn.  und  Name  des  kathol.  Heiligen, 
der  am  12.  März  gefeiert  wird.  Dieser  Tag  gehört 
zu  denen,  deren  Wetter  vorbedeutend  ist:  Wenn  a» 
Gr.  de''  Biswind  gut,  so  gät-er  40  Tag  lang  nach 
enand  L ;  S ;  Z.  In  ScnSt.  gilt  der  Spruch :  D'  Chorn- 
jude  h'halted  ires  Chorn,  bis  StGregor  uf-eme  wisse 
Hengst  derlier  rift,  wo  das  weisse  Boss  sich  kaum  auf 
den  mythischen  Schimmelreiter,  sondern  darauf  be- 
ziehen wird,   dass   der  Schülerbischof  an  jenem  Tag 


auf  einem  Schimmel  ritt  (Rochli.  1857,  502).  Am 
Gr.-Tag  wurde  nämlich  der  Schluss  der  Winterschule 
gefeiert  durch  einen  Umzug  der  Schüler,  bei  dem  sie 
verkleidet  verschiedene  Stände  usw.  darstellten  und 
allerlei  Spiele  im  Freien  machten.  Eine  Hauptlust- 
barkeit bestand  aber  darin,  dass  sie  aus  ihrer  Mitte 
einen  Bischof  wählten,  unter  dessen  Anführung  sie 
auch  in  die  Kirche  zogen,  wo  er  eine  Predigt  hielt 
und  sie  das  Gregoriuslied  sangen.  Er  trug  bei  dem 
Umzug  an  einer  Stange  (die  den  Bischofsstab  vor- 
stellte) eine  grosse  Bretzel  und  es  wurden  Bretzeln 
und  Wecken  unter  die  Jugend  verteilt.  —  Die  Er- 
hebung des  h.  Gr.  zum  Patron  der  Schulen  beruhte 
wahrsch.  auf  dem  durch  ihn  eingeführten  Kirchen- 
gesang, dessen  Einübung  ein  Hauptgegenstand  des 
Schulunterrichtes  war.  Später  wurde  das  Gregorius- 
fest  mit  dem  Schülerbischof  überh.  als  Schulfest,  auch 
an  andern  Tagen  und  unter  verschiedenen  Gebräuchen 
gefeiert,  zu  denen  auch  Mummereien  gehörten.  Vgl. 
WWackern.  1873,  105/6.  In  GRapp.  wurde  an  dem 
Festtage  von  den  Schulknaben  eine  Katze  getötet  (an- 
geblich weil  eine  Katze  einmal  den  Heiligen  in  seiner 
Andacht  gestört  hatte,  wahrsch.  aber  mit  verdunkelter 
Erinnerung  an  einen  auch  anderswo  geübten  heid- 
nischen Brauch,  s.  Rochh.  1856,  2,  '289),  indem  man  sie 
mit  angebundenen  Schweinsblasen  von  einem  Turme 
herabwarf  und  in  der  Luft  schweben  liess,  bis  sie  sich 
zu  Tode  ermüdete.  —  In  AARheinf.  gibt  die  Stadt- 
schule dem  Lehrer  am  Gr.-Tag  Trinkgelder;  in  Klingn. 
gehen  die  Schüler  zum  Opfer.  Im  Fri.  bildet  sich  für 
den  Festtag  eine  Knabengesellschaft,  deren  Mitglieder 
Esswaaren  aus  den  Häusern  zsbringen;  der  Vorrat 
wird  dann  auf  einer  Wiese  unter  Spiel  und  Tanz  ver- 
zehrt und  der  Brauch  heisst  gregörlen. 

Greigele  Gl,  Greigle  AAFri.  f.:  1.  =  Geigle  3  a 
(Sp.  147,  wo  wir  die  Form  mit  r  zu  streichen  bitten) 
AAFri.  —  2.  =  Geigle  3,  auch  von  hoch  aufgeschos- 
senen, schwachen  Pflanzen,  dünnen  Stengeln  Gl.  — 
greigle":  1.  =  geiglen  4  AAFri.  —  2.  =  geiglen  7 
(welche  Nummer  hieher  zu  versetzen  ist),  ebd. 
Greigli  m.:  schamloser  Mensch,  ebd.  —  greiglig 
S.  u.  r-.  —  Form  und  Begriffe  obiger  Familie  zeigen  eine 
Verquickung  von   Geiglen  mit  dem  Stammw.   Keigel;  s.  d. 

Grig  Öl  s.  Gragöl. 

„Orogel  m.:  Groll,  Unwillen.  Einen  Gr.  auf  Einen 
haben  LG." 

Syn.  Grudel,  welches  aber  langes  u  zu  haben  scheint  und 
auch  ,Ekel,  Widerwillen'  bedeutet.  Da  also  die  Zsgehörig- 
keit  dieser  zwei  WW.  zweifelhaft  ist,  so  verhält  sich  Grogd 
viell.  zu  GrM  wie  rugcfc«  zu  , rollen'  (frz.  roulcr),  Krügel  a.\i& 
,kroll',  kraus,  krumm. 

grogen  s.  u.  ragen.        groglen  s.  ge-raglen. 

Grogel  m.:  kleiner  Bursche,  Knirps.  Die  Buebc 
si  no'^  gar  chlini  Grögle,  aber  Lärme'  mache"  si  für 
zwölf.  Bari  1885.  —  Wahrsch.  =  Gröggd;  oder  mit  einge- 
schobenem )■  =  Gogd?    Vgl.  auch  Grügerli  u.  GSrgel  Sp.  417. 

grügelen  =  grägelen.  ,So  die  hennen  die  laus 
suechend  und  stäts  grügelend,  als  ob  die  regentropfen 
hinabfallend,  verkündend  si  einen  regen.'  Vogelb.  1557. 

Da  das  selbe  Vogelb.  sich  sonst  der  Form  mit  ä  bedient, 
30  liegt  hier  viell.  ein  Druckfehler  vor;  doch  s.  auch  Grügel- 
Han  und  ,krigeln,  grugeln'  bei  Gr.  WB.  5,  2303,  auch  bair. 
grügelen,  heiser   reden,  hohl  husten. 


(irag- 


(Jragg— Ki'"fff.' 


726 


GrUgerli  n. :  kleines  Ding  AaZ.    S.  auch  GrügyerU. 
Syii.   Gruddi,    welches   aber  kurzes  ü   zu  haben  scheint. 
Viell.   eig.   mit  ffij  vou  fjvütjtji'u  ^=  (jrupcn,   krieclieu. 


Gragg  (d.  i.  -i)  —  grugg. 

S.   aiifh   die   Reihen    dnuj  usw.,   Crah-  usw. 

Grägg  I,  kr-  Gl;  GrLuz.,  -e"  Grvovvv.;  „W", 
Grägg  I  Gl,  'Kt-,  Chr-  GRMastr.,  Pr.,  uVatz  —  f. 
,Gl";  GRObS.,  Rhw.;  „W",  sonst  m.:  1.  Krähe  aaOO. 
Ihr  Geschrei  verkündet  schlechtes  Wetter.  More" 
isch  ['s]  nid  hübsch :  los,  wie  d'Gr-e'leid  tuend!  (B.) 
Sic  verkündet  auch  für  das  Haus,  auf  welches  sie 
sich  niederlässt,  einen  Todesfall  Gl.  S.  noch  Rochh. 
1853,  2,  24  «.  1857  S.  82.  \i!:\.  an.-h  Girdiw,  Eapp. 
Viell.  ist  der  Zuname  , Gragg.'  LNeud.  ItKiO  unser  W. 
—  2.  kleines  Kind  in  wegwerfendem  S.  GRMastr.; 
ZGlattf.     E  Mueter  mit  ire'  Gr-e:     Syn.  Krä. 

yg\.  mhd.  gräken,  krähen,  schreien.  Wie  das  anklingende 
lat.  graiuIuK  ein  lautmalendes  W.:  vgl.  auch  räggen  und  bes. 
Gägg  Sp.  164.  —  '2.  Die  Kinder  als  die  ,krähenden',  schreien- 
den aufgefasst. 

Grägg  II  s.  Ge-rag. 

(iraggeli  n.:  Ungeziefer  B. 

grägge(n)  B  (0.  ir-);  Uw;  W;  Zg,  „rägge  BO.', 
grägge  ScBw:  1.  kriechen,  schleichen,  zunächst  von 
anscheinend  mühselig  sich  fortbewegenden  Insekten, 
Molchen  udgl.,  dann  auch  von  kleinen  Kindern,  die 
auf  dem  Boden  kriechen,  und  von  i^rlur.iili.licn.  rr- 
schiipften,  verwundeten  mliT  alten  l,enten  aaiiii.  I" 
d's  Bett  gr.,  mühselig  hinein^teiuen.  Jini  min"  uf-r" 
Türen  g'ragget.  Alpenr.  1S7_'  il'.iii.).  Smi.  </"//'/'". 
mfichlen,  räblen,  schnäggen.  liazu  ilir  G  ra  ii<ii .  I\iii|iiie| 
mit  schwerfälligem  Gang.  --  'J.  üherh.  Etw.  mit  Mtilie 
verrichten  B.  Syn.  sich  ärhcten.  -—  3.  uiiimcr-,  iln"  iir.. 
(überall)  eingreifen,  sich  herbeimachen,  einini^lien. 
im  eig.  und  übertr.  S.  Gr.  —  4.  hervorragen  l  «.  ■/..  11. 
wie  die  Zunge  aus  dem  Mund,  das  Hemd  bei  kleinen 
Buben  aus  den  Hosen  Uw.  Grägg  nid  rso  zum  Pfeister 
[Fenster]  üs;  dr  chenntist  Mse''g'hvje'.  „Seitwärts 
sitzen,  ebd."  —  a"-:  antasten  GrL. 

1  —  3  Syn.  und  viell.  blosse  Nbf.  zu  gräpcn.  4  scheint 
eine  Verquickung  von  g'mgen  mit  obigem  W.  zu   sein. 

Gräggel  m.:  Schwächling,  magerer  Mensch,  bes. 
von  schmächtigen,  schlecht  entwickelten  Kindern, 
Knirps  BU. 

.graggen  I:  ausspöuzen,  ausrüspen,  kauwen,  kö- 
deren, excreare,  despuere.  —  Graggon:  geifer, 
Speichel,  oris  excrementum.  —  Gragger,  Oracker: 
screator,  sputator.  —  Graggeten  f.:  expuitio.  — 
grägglen:  fast  spöuzen,  köderen,  sputare;  spiiuzlen, 
consputare.'  Fris.;  Mal.  —  Vgl.  frz.  ,cracher'  (aus  deutsch 
, krachen').     S.    noch  yroggcn. 

graggen  11  s.  griggen. 


Gragge"  f.  =  Grigge  I  1  in  bes. 
Z  (Spillm.).  ~  Im  Abi.  gebildete  Siiielfe 


litli 


Gräggli°g   m. :    nüssgestalteter    Gegenstand,    auch 
n  Menschen  BRi. 
Grägg  11  (-d-)  s.  Grägg,  Ge-rägg. 


Gl-äggele"  f.:  ein  Name  der  Berchta  als  Schreck- 
gestalt für  die  faulen  Spinnerinnen  in  der  Weihnaclits- 
zeit,  um  LHochd.  (Lüt.  S.  4()5).   —  Vgl.  das  syn.  SiiUij- 

gden    und    die   obigen    Graggling,    Grägg. 

gräggle-  s.  ge-raglen. 

Grauggi,  seltener  -äu-  n.:  1.  Unpässlichkeit,  kör- 
perliches Übel  B  öO.  Syn.  Grüpi.  Er  ist  e  chlin  en 
Übelg'sunde'' ;  er  chiinnd  ö  nie  üs,  wann  [denn]  er  hed 
eppan  es  Gr.  an  im  BR.  (PEgg.).  Das  chunnd  nnch 
van  ml"'m  alten  Gr.  —  2.  gebrechlicher,  zusanmicn- 
geschrumpfter  Mensch  BHk.  —  „grauggig:  unwohl, 
kränklich  BO."   —   Zu  grügym. 

Gl'iggel  m.:  1.  Krüppel  BU.  E  Gr.,  wo  [welcher] 
sl"'r  Lebtig  niit  G'rechts  git.  MWalden,  von  einem 
elenden  Mädchen.  —  2.  dim.  Gr-i,  verkümmerte  Frucht 
GWe.  — ■  S.  noch  Grieggel. 

Griggele"  f.:  Gabelung  1.  die  der  Schenkel  des 
menschlichen  Leibes  B;  Th.  Ghumm-mt;r  nid  i"  mi" 
Gr.,  fahre  mir  nicht  zwischen  die  Beine!  TuFr.  E  Gr. 
mache',  krummbeinig  gehen,  wie  kleine  Kinder  etwa 
tun  ScHW.  —  2.  Winkel  zwischen  den  Fingern  oder 
den  Knöcheln  der  Hand;  doch  nur  noch  in  der  aus 
dieser  Grundbed.  abgel.  Anwendung  von  schmerzhafter 
Geschwulst  und  Eiterung  in  der  hohlen  Hand,  aus- 
gehend von  Geschwüren  zwischen  den  Fingern,  welche 
man  in  Folge  derselben  ges]ireizt  halten  muss  ZWang. ; 
auch  in  Monta\un  ,  (i rir,i,il,i).  S.  noch  Grippele.  — 
3.  (oft  auch  .lini.i  d.'i  W  inkel,  die  Achsel  zweier  Äste 
oder  Zweige;  Stelle,   hm, lei  Stamm  sieh  in   zwei  teilt 


halle 


diegrigglen  der  l.aiimen  eiheiikt.'  \'o.,i  lm.  I:,:,;.  .Zwii- 
schend  den  griui^elen  uii.l  zahlen  der  weini  ijjien.-  l-'i;is. 
,I)ie  Griggel,  nanmgal.el.  enix,  furoa  arlioris.-  Kkd. 
1Ö02.  —  4.  gabelfi.rmiges  Geräte  U;  spec.  a)  als  Stütze 
für  Wäscheleinen,  für  schwer  tragende  Äste  von  Obst- 
bäumen, für  Netze,  die  zum  Trocknen  ausgespannt 
werden  Aa;  Gl;  Zg.  —  b)  Gabel  zum  Tragen  von 
Latten  in  Zäunen;  auch  gabelförmige  Verschränkung 
von  2  Hölzern  im  Zaun  aScnw.  Vgl.  Gr.-Hag.  — 
c)  Grigele  =  Onhh'  4  ,1  (S,,.  r,7)    Ld.   --  ,])  alin"liehe 

Vorrichtung,   alier  an-    le-icin   H<il/e.    /um  Zn^an n- 

halten  gebrerhlielier  .\-le  ...\rv  /u ,  itnliue,-  Slannne 
TnFr.  —  e)  Lowen/.ahn.  leunt.  larax.  /Dattl.  (Gruj^lcJ. 
—  f)  (dim.)  Spielpfloek,  der  auf  einem  schief  in  die 
Erde  gesteckten  Stabe  aufliegt  und  vermittel.st  einer 
hölzernen  Schaufel  fortgeschleudert  wird  Z.  Syn. 
Siggeli.  Vgl.  .\i.h,I.  //»,/,-/,/?>/ (Bd  1151).  —  5.  übertr. 
a)  Person  mit  ^ell\\  ei  lallij-ni  (gespreiztem)  Gange  AaF. 
Vgl.  1.  —  bj  lange,  mageie  Person  Gl.  Syn.  Slagelen. 
Vgl.  4  a  und  Greigclen.  —  c)  verkrüppeltes  Stämmchen 
Zu.  —  d)  verkümmerte  Frucht,  ebd. 

Wie  Grqq,de"  (s.  d.)  blosse  Siiielform  zu  Grituh';  das 
Überwiegen  der  vorliegenden  Form  mag  durch  das  siunvwdte 
G(r)eigelen,  etwa  auch  durch  Niggd  u.  a.  bewirkt  worden  sein 
oder  gar  auf  welschem  cri./u««  beruhen,  welches  mit  unscrm 


iragg,  gregg.  grigg.  grogg,  gnigg 


728 


W.  die  Beil.  4  f  und  5  a  teilt.  Diesen  Vermutungen  gegen- 
über erhebt  auch  das  von  Frisch  mitgeteilte  ,grageln,  aus 
einander  spreizen'  Anspruch  auf  Vwdtschaft.  —  4  e  bezieht 
sich  auf  eine  Spielerei  der  Kiiidn-,  ivpl.-hr  die  Stengel  der 
Pflanze,  an  jedem  Ende  t."^i>    ^  ■      ^'    -^'-r  legen,  worauf 

die  so  entstandenen  Schinl,.  i  i  i  !.  i    jrehen    und  sich 

aufrollen.  4f  lässt  die  \ .  i-h  i,  liim-  mit  dem  Reiter  zu, 
nur  dass  der  eine  Schenkel  zu  einem  kleinen  Ansätze  (Köpf- 
ehen) Terkümmert  ist;  freilieh  drängt  sich  auch  das  engl. 
Cricket-Spiel  und  zwar  um  so  mehr  auf,  als  St.  ein  W. 
.Grigge'  i.  S.  v.  Heimchen,  was  das  engl.  W.  ja  eig.  auch 
bedeutet,  anführt  und  Spiel  und  W.  wenigstens  in  ZZoll.  erst 
in  den  Fünfzigerjahren  aufkam.  5  c  und  im  Anschlüsse  daran 
5  d  und  Origgel  betonen  wohl  die  Verästelung  als  eine  sperrige, 
die  schöne  Entwickelung  hemmende ;  vgl.  vergriggdet ;  doch  Tgl. 
zu  den  zwei  Letzteren  auch  das  syn.  Grünggeli  und  Krügel. 

griggele":  1.  Dim.  zn  griggen  Gl;  GT.  —  2.  (auch 
riggele)  ein  Spiel  der  Knaben,  ganz  ähnlieh  dem  ,cricket' 
der  Engländer,  nur  dass  an  die  Stelle  des  Balles  die 

0.  (4  f)  beschriebene  .Griggele'  tritt  Z.  Syn.  hurniglen 
Bd  I  151;  gülen  Sp.  222.  —  Griggeler  m.:  ver- 
wachsener Mensch  UwE.  (Alter)  Mann  mit  grätschen- 
dem, schwerfälligem  Gange  aScnw  (auch  Griggeli). 

griggelet:  mit  gespreizten  Beinen  U.  G'rad  gr. 
appeeho',  so  z.  B.  von  einem  Baume  herunterfallen, 
dass  man  grätschend  über  einen  Zaun  zu  sitzen  kommt. 
—  Ter-:  von  Bäumen,  verkrüppelt,  mit  verdrehten 
Ästen  Zu. 

Grigge"  I  f.:  1.  Weibsperson,  welche  grätschend 
und  schwerfällig  einhergeht,  „allg."    Syn.  Gragge.  — 

2.  kleiner,  einbeiniger  Arbeitsstuhl  für  Schuster  ZW. 

grigge":  1.  beim  Gehen  mit  den  Beinen  mehr 
seitwärts  ausgreifen,  steif,  wackelig  gehen  L;  Uw;  Z; 
mit  abgeläuteter  Nbf.  verknüpft:  du  cha""st  iez  gr. 
oder  gragge,  wie  d'  witt  Z.  Auch  wegwerfende  Be- 
nennung des  Gehens  übh.  Mnrn  vill  i'*  wo«*  i"  d'  Stadt 
ie  gr.  JKMey.  1844.  ,\urli:  unrnliiir  herum  rutschen, 
wie  kleine  Kinder  tun  Z»>.;  Syn.  niiiiiic"  figgcn,  -m'sten. 
Auf  Stühlen  und  Bänken  lioruinklrttorn  ZWl.  Beim 
Gehen  die  Hüften  hin  und  her  werfen:  Dass  de"  Rocl- 
ose  brav  tüeg  schwänze",  hat  si  halt  cfgrigget  links  und 
rechts.  Stütz.  —  2.  (prägn.  bes.  mit  umme-)  kränkeln, 
gebrechlich  sein  (eigentlich  so  umher  gehen)  GO.  — 

3.  mühselig  an  Etw.  arbeiten  ZF.  —  4.  =  griggelen  2 
Z  (Dkr).  —  über-  in  der  Verbindung:  Alles  ü.,  allen 
Platz  für  sich  in  Beschlag  nehmen  Z.  —  .er-:  Etw. 
mit  grosser  Anstrengung  zu  Stande  bringen.'  —  ver-: 

1.  tr.  (die  Schenkel)  aus  einander  spreizen  Z.  ,Zer- 
griggen  oder  zergriglen,  von  einanderen  speren.  Ex- 
plicatus  cruruni.  Das  zergriggen  [Df.nzl.  ITlii:  ,zer- 
gricklen']  der  schenklen,  wenn  einer  die  bein  weit  von 
einanderen  zertuet.'  Fris.;  Mal.  —  2.  ntr.,  anfangen 
zu  kränkeln  GWe.  (NSenn). 

Griggi  I  m.:  Mannsperson  mit  grätschendem, 
wackelndem,  hinkendem,  mühseligem  Gange;  bes.  weg- 
werfende Bezeichnung  eines  alten,  gebrechlichen  Man- 
nes Aa;  L;  Uw;  U;  Z.  Auch  von  Vieh  L;  von  einem 
wackeligen  Stuhl,  Tisch  ZAuss.  Kränkelnder  Mensch 
GO.  ,Den  [alten]  Generalen  hiessen  sie  den  Hofgriggi.' 
HPest. 

Griggi  n  n.:  1.  der  Zwischenraum  zwischen  den 
Schenkeln  L.  —  2.  grätschende  Stellung  AaF.;  ZKn. 
Der  macht  aw''  es  Gr.;  er  hed  g'wüss  d'  Glidersucht. 
—  3.  =  Griggele  2  SchwE. 

griggig:  mit  grätschenden  Schenkeln  Uw;  Z.  — 
Griggis   m.:    Schwächling;    verkümmertes   Geschö]if 


übh.,    z.B.    Obst   AaFtI.    —    Grüen-:     kränkelnder 
Mensch  mit  fahler  Gesichtsfarbe,  ebd. 

griggli"ge°:  grätschend,  rittlings  L;  ZGlattf. 

„Grigge"  11  f.  F",  Grigger  m.  BG.,  Griggi  lU 
n.  F :  Haus-  und  Feldgrille.  —  Aus  dem  angrenzenden 
Frz.    (cricri,   criquet)   entlehnt. 

Grieggel  m. :  1.  schmächtiger,  schwächlicher,  ver- 
wachsener Mensch  B.  Das  Chind  chunnt  nit  für 
[gedeiht  nicht  recht],  e  sellige  leide  [solcher  erbärm- 
licher] Grieggel.  Gotth.  Dass  e  sellige"  Gr.  es  selligs 
Mansch  wie  ne  Flueh  überleben  könne,  ebd.  Das  mit 
,Gr.'  Geschmähte  entgegnet:  Dass  i  nit  feisser  bi", 
chann  i  Nüt  derfür.  ebd.  ,Die  Pfarrerin  hatte  4  gelb- 
grüne Grieglen  von  Mädchen.'  ebd.  Auch  von  Vieh, 
ebd.  21,  396.  —  2.  verkümmerte  Pflanze,  solches  Obst, 
ebd.  , Schreibe  man  zu  spät  um  Bäume,  so  müsse  man 
haben,  was  überbleibe,  manchmal  die  elendesten  Grie- 
geln.'  Gotth.   —  Ausweichung  von  Griggel. 

Grieggi=  Griggi  I  Zs.  Spöttische  Bezeichnung 
eines  Städters  BU.  Was  wett  au"-  so  ne  Gr.,  so  ne 
Stadlmöft'  vo'  dem  wüsse";  er  chennt  jo  nit  emol  de' 
Flachs  und  's  Chorti  vor  enangere". 

Groggande :    Knackmandel   L.    —    Wohl   vom   frz. 

[iimnmh]   croquatUe  von  croqwt',   knacken. 

grogge":  heftig,  mit  ekelhaftem  Auswurfe  husten 
W.  —  Grogger  m.:  ein  solcher  Huster  und  Husten. 
—  „Groggi  n.:  Auswurf  eines  Hektikers,  Lungen- 
süchtigen, ebd."     Syn.  Köder. 

Aus  frz.  ,croqner',  unter  den  Zähnen  krachen?  Vgl.  frz. 
,cracher'  aus  deutschem  ,krachon'.  Oder  Nbf  zu  gi-ngijmt 
Vgl.   Stngdc  =  Slagek;   töggelen  =  tär/geten. 

gröggle":  durch  einander  machen  ZHörnli.  — 
Grögglete  f.:    Durcheinander,  ebd. 

Die  MA.  der  Gegend  würde  gestatten,  das  Stichw.  mit  a 
anzusetzen;  dann  Hesse  sich  unser  W.  als  Abi.  von  gräggen 
verstehen. 

Griiggel  m.:  Knirps,  schwächlicher,  elend  aus- 
sehender Mensch  Bs;  B.  Syn.  Granggel,  Grieggel, 
Gräggel,  Goggel  (Sp.  178).  Wil  d'  Stange  ordelig  hoch 
u"'  mir  chUni  Gröggle'  keini  guete'  Schütze'  si"  gsi". 
Dr.  Bari  1883.  ,Sie  fürchtete,  das  schwächliche  Grög- 
geli  mochte  ihr  zur  Last  fallen.'  MWald.  1884. 

griigg:  Naturlaut.  1.  den  Gesang  der  Unken  nach- 
ahmend, 's  MÖndli  isch  in  Brunne  g' falle':  Gr.,  gr., 
gr.!  Z  It  Wackern.  —  2.  die  Stimme  der  Wildtaube 
TuSteckb.     Vgl.  Gügg  II  Sp.  191. 

Hieher  viell.  der  Ausdr.  ,Grüklin'  bei  Mey.  Hort.  1692: 
,F,r  hat  nicht  ein  Gr.  drauf  gelassen.  Er  lasst  nicht  ein  Gr. 
Er  darf  nicht  ein   Gr.  lassen,    ne  my  quidem  audet  facere.' 

Himmi  (Hinni,  Immi)-Grügg,  -Grügg  m.: 
1.  etw.  Garstiges,  Ekelhaftes.  Zu  dem  wählerischen 
Kinde,  das  z.B.  die  Zwiebelschnittchen  in  der  Suppe 
bei  Seite  schob,  sagte  man:  iss-es  nW;  es  ist  keinlmmi- 
grügg!  ZStdt.  —  2.  wählerische,  eigensinnige,  ver- 
schlossene, unangenehme  Person;  wunderlicher,  son- 
derbar aussehender  Kauz  Z  f. 

Vgl.  ImhiHsgauch  Sp.  105;  Hamm.  Die  obigen  Formen 
meinen    viell.  eig.  die  Unke  (Grügge")    oder   das  Heimchen. 

Grügge"  f.:  Unke  ZWl.  S.  noch  Gurügge  Sp.  411. 

grügge"  I:  1.  kollern  als  Stimme  der  Tauben. 
„allg."    Syn.  rüggcn.    ,Das  turtelteuble  gruget,  gemit 


729 


Grago^— grngg.    Giaj  — griij. 


rill 


7^0 


tuitur.'  Mal.  „Übertr.  auf  die  kirrende  Stimme  Ver- 
liebter." —  2.  die  Stimme  der  Unken,  Frösche  AABb. ; 
ZAuss.,  W.  D'  Frösche"  hiind  sclio"  (i'grügyet,  Früh- 
lingszeiehen.  —  3.  das  Irisc  klä.nliili.'  Schreien,  wel- 
ches eine  brütende  H.'iiii.'  li.ircn  lii-st,  wenn  man  sie 
von  den  Eiern  nehiiieii  will  ZZdll.  —  -I.  Laut,  wel- 
cher beim  Hacken  im  Frühjahr  durch  die  aus  dem 
wassergetränkten  Boden  hervordringende  Luft  entsteht 
ScuNnk.  —  5.  von  Wiegonkindern,  beim  Erwachen 
leise  wimmern  Tu.  Dazu  das  Dim.  grügg(e)Jen.  — 
6.  ächzen,  seufzen  Sch.  Sonig  [solche]  chreftig  Lieder 
liört-me"  jetz  kani  meh';  grügget  de  Hächel.  Schwzd. 
/•"''  wäss  nit,  was  mit  miner  Frau  ist;  si  grügget  de'' 
ganz  Tag.  —  7.  sich  unwohl  fühlen  und  deshalb 
weinerlich  sein;  umme'  gr.,  wegen  Unwohlsein  matt, 
seufzend  umher  gehen  oder  liegen  AABb.;  L;  Sch;  Z. 
,Ist  dem  menschen  woe  in  der  hingen,  dass  im  darvon 
umb  die  rip  eng  ist,  uud  krucket,  und  die  lung  an- 
fahet  fülen.'  Zg  Arzneib.  1588.     Syn.  grüpen. 

Beinahe  iu  allen  Beild.  und  Schattierungen  berührt  sich 
unser  W.  mit  rütftjen,  was  uns  dennoch  nicht  bewegt,  eine 
Zss.  von  letzterem  mit  Präf.  gr-  anzunehmen,  da  bei  der  Auf- 
fassung der  Natnrlaute  Schwanken  begreiflich  ist.  —  S.vnn. 
s.   bei   iiriimouggen;  guderen, 

Hüs-Grüggis  in  der  Verbindung  ,H.  machen': 
das  Verbergenspiel  im  Hause  herum  Sch  St.  Syn. 
Guggüs  (Sp.  17!').  —  Vgl.  ['i]  gi-üjxn.  kauern;  doch  s.  auch 
grügg   uud  'gi'ügg   machen  =  grUggen. 

grügguggere":  kollern  wie  die  Wildtaube  TuSee. 

Eine  Reduplikationsbildung,  der  Sache  angemessen.  Vgl. 
das   frz.   Syn.    roucnuln: 

grügg:  leiser  Kuf,  mit  welchem  beim  Verbergen- 
spiel die  Kinder  sich  bemerkbar  machen.  Syn.  gihjg. 
gü.r.  Vgl.  Anni.  zn  grüyg.  —  grügge":  diesen  Laut 
hören  lassen.  Pupik. 

„Grüggerli  n.:  etwas  Kleines,  ein  Dingerchen 
AaF."  Syn.  Grünggeli.  —  S.  das  folg.,  doch  wäre  auch 
Vwdtsch.   mit  grüggeu  II  =  grüjKn,  kauern,  denkbar. 

G  ü  1 1  e  °  -  (?rit(7(jrei'  m. :  Salamander,  Wassermolch 
ZW.  Syn.  G.-Ungge  Bd  I  345,  -Gügger  Sp.  197,  -Glüg- 
gerli  Sp.  621,  -Grünggeli,  -Mügger,  -Rügger. 

grügge"  II  s.  grüpen. 


Grüje:  Brachschnepfe  TnBodens.  , Etliche  nen 
den  regenvogel  bei  dem  ßodensee  ein  grüy.'  Vo 
1.557. 


Graiii 


grul(l). 


gre'll:  vom  Betragen:  wild,  unartig  „L;  Sch; 
ScHW;"  Z,  jähzornig  GF. 

Grill  m. :  Haselmaus  GSa.  ,Dem  G'schwornen  vor 
die  [Vertilgung  der]  Grillen  3  H.  5  Btzn.'  1711,  GSev, 
(Gemeindsrechn.);  Syn.  Hell,  GJVr.  Nach  Art  eines 
Geschlechtsn.  verwendet  in  der  Verbindung  Appcl 
[Appollonia]-Gr.  in  dem  beim  Herumbieten  des  bren- 
nenden Spans  gesprochenen  Spieltexte  ZW. 

Ahd.  gritlo,  glis;  tirol.  GnU;  letzteres  viell.  erst  nhd. 
Diphthongisierung  aus  '  Gr'd,  wie  auch  das  von  Fris.  und 
Mal.  und  vom  Tierb.  1.^63  Oberlieferte  ,greul'  wahrsch.  auf 
eine  alemann.  Form   'GM  zurückgeht. 


drille"  Grülle  (PL):  wie  nhd.,  wunderliche  Ge- 
danken   Z.    —    Vgl.   BrüUr,   Brille. 

(irilli  n  :  Fcld-rille  W.  -  Ein  Dim.  -  Bemerkens- 
wert   .lir    Knriii    .irnill-    mii   Vii.nleinschub  bei   Ruef  1550. 

Griel  I,  ;iiii  l;'Mb'iis,.r  dnicl  -  m.:  Triel,  der  grosse 
Brachvogel,   I  i.i|i|"'ls.-|iiir|,|'.',   iiuiiicnln -,  ;ir.jii.  (Mclsner 

U.Schinz  IXi:,,,    .-.■,^,.y^^  ,,n|ii,  ,i.l,ll, ^OS).    Syn. 

Gruser,  .Loui.v.  .\H-,:y  wi-vl  |rli.ii.i>l:ri  |  Wirt  zu 
teutsch  ein  triel  oder  gnel  gcnciinl.  Kr  miII  ein  stimm 
der  pfeiffon  änlich  auslassen.'  Vogelb.  15-57.  ,Chara- 
drius,  avis  maritima  ingluviosa,  ein  Riel  oder  Gr.' 
Denzl.   1677;   171().   -   Vgl.  frz.  «ourhcu. 

Viertels-:  1.  Regenschnepfe,  Wasserläufer,  to- 
tanus  glottis  L.  —  2.  Gambette,  Dütchen,  totanus 
calidris;  Syn.  Röt-Beinli.  Hartm.   180S,  S.  112/5. 

Griel  II  n.  ,Mose  zerheuw  |zcrlii.'li|  drn  widder 
in  stuck  und  zündet  an  das  hau|pt.  die  stu.'k  und  ilas 
gr.  (,den  strumpf.'  1540).'  1531,  lIL.Mos.  =  .die  leisste.' 
1667.  VgL  die  Randglosse  151(l:  An  iiie  strumpf  stat, 
lesend  etlich  das  netze  oder  griel.-  ,ivs  sollen  auch 
die  metzger  das  haupfleisch.  die  kmss  und  grül  be- 
sonder lind  Oll  das  i,^^^!  verkaiüi'n  und  so  man  von 
inen  kaufen  w.dle.  dass  sy  ilann  niem="  zumueten, 
ein  haupt,  ein  kruss,  ein  gr.  darzu  [zu]  nemmen,  .sy 
sollen  auch  die  gr.  und  hinderen  lid  darzu  nemmen, 
vor  allen  unrat  suber  süberen,  ehe  sy  das  fleisch  ns- 
hauwen  und  hinffeben.'  ZWthur  Chr.  Syn.  Grien; 
Ge-rirl:  (h-^rhinm. 

(lii.i  -Irin  IUI  Aliliiiit vn  luilt.iiiss  ZU  ,Groll'  und  jrra(;  und 
lässt  sh  h    mit   iIk  Mii    W  \V.    -h   begrifflich   verbinden,   bes. 

groll  s.  ymU. 

Anke"-Groll(e"):  L'ückstände  der  gesottenen  But- 
ter aScnw.    Syn.  Anke'-Rümc"  u.  s.  u.  Fäidc  Bd  I  767. 

Grolle»  m.:  1.  Groll.  En  Gr.  iif  Fhie'  lur.  allg. 
Er  hat  e  scliarpfe  [heftigen]  Grollo  W.  ,Zue  grollen. 
Ungunst  und  Widerwillen  anhetzen.'  1520,  Absch.  .Will 
doch  der  alt  grollen  nun  widerumb  nfstossen.'  HBixi,. 
1540.  ,Was  für  einen  heimlichen  Grollen  und  bös 
Gemüt  er  getragen  zu  <_'hristo.'  FWvss  \t\:>:'..  .Lasse 
einen  entstandnen  Gr.  niclit  viTaltm.-  ."-^i'i.kiss  lililT. 
,Den  ersten  aufsteigenden  Gr.-  .I.Mji.k.  17-_!7.  -J.  i  wun- 
derliche) Laune.  Schrulle.  .Ich  bin  seltsamer  -r.  voll- 
RlTEK  1538.  -  2  llisst  sich  mit  1  vereiiii^-m  .I.iitIi  den 
Mittelbegriff  .heimlicher  Gedanke'.     Am-li  udl.  ./...//  =  I'hssp. 

üf-grolle°  (unpers.).  Ex  ijrdlJcl-wer  »/',  es  kmiinit 
mir  eine  Ungerechtigkeit  zu  Sinn  |ilie  niieli  eiii|i.ii-t] 
Bs  (Spreng).     Syn.  üf-riecheii. 

gröle"  :  mit  gesteigerter  oder  verstellter  Stimme 
rufen,  schreien,  z.  B.  wie  die  ,Nachtbuben'  Aa.  ,Do 
bin  ig  Meister!  gröhlt  der  Käppelibauer.'  JoAcn.  1883. 

Vgl.  bair.  grnUrn,  brüllen,  brummen.  Über  die  Dehnung 
des  Voc.  und  den  Uml.  s.  die  Anm.  zu  Gol  Sp.  214,  woselbst 
aucli  die  Zugehörigkeit  von  grollen  (grölen)  zum  starken  mhd. 
grt'llrii,  grilUit,   laut,  vor  Zoru  schreien,    Bestätigung  erhält. 

Grollen  s.  Grüllen. 

grilll  (tw.  kr-)  GKChur,  D.,  Pr.,  Val.,  groll  GnlVIai. : 
körnig,  mehlig,  locker,  spröde,  z.  B.  Schnee,  Erde, 
Backwerk;  Syn.  brosmig.  Rauh  anzufühlen,  z.B.  grobe 
Wollenzeuge  GiiChur.  Dass  d's  Schmalz  [die  Butter] 
nümme  grulls  würd  [beim  Sieden]  GrPr.  (Schwzd.). 
,üie  geringste  Bewegung  vermag  an  aolchen  gäch  an- 
haldigen    Bergköpfen    den    ganz    grullen,    staubigen 


731 


Ural— grul.    Gialz— Giulz.    Gram— giuiii 


732 


Schnee  in  weitere  Unruhe  zu  bringen.'  Skreru.  1742. 
,Die  krulle,  kleine  und  rundlichte  Schneekügelin.'  ebd. 

Deutsch  lind  Churw.  erheben  Anspruch  auf  die  Zugehörig- 
keit des  W.,  jenes  mit  ,kvoll',  kraus  (Gr.  WB.  5,  2354), 
dieses  aus  lautlichen  und  geographischen  Gründen  den  stär- 
kern mit  gniU,  gruogl,  mürbe.  Letzteres  viell.  aus  lat.  'cru- 
dulus,  Dim.  zu  crudua,  mit  der  gleichen  Erweichung  des  Anl. 
wie  in  it.  grasHo,  frz.  gms  aus  crus«««;  zum  Inl,  wäre  zu  vgl. 
it.  brogliare,  frz.  brouilUr,  zu  deutsch  hi-udhn,  ,brodelu';  frz. 
gruuiUei;   wimmeln,  zu  gruälen. 

Grüllen  I  s.  Grillen. 


(ii-ülle"  II  GRli.,  We 
sehen;  Syn.  Näggel. 


Grolle'  GRHe.:  unreife  Kir- 


grolEe° :  rülpsen.  ,Gr.  und  Farzen  ist  ir  [der  Epi- 
kuräer]  Gesang.'  CMev.  1U4G. 

Auch  bair.-kärnt.  grollctn,  vom  Schalhv.  ymlhn  (griilm). 
Schwab,  givhen,   schles.   ijrclzcii.      Vjl.  gurjiscn  Sp.   4'28. 


Grani(in)  —  grum(m). 

gram:  (adj.)  wie  nhd.  allg.  Eim  gr.  si",  Jmdn 
hassen.  D'  Spatze"  sind  de"  Chriesene  [Kirschen]  gr., 
aufsätzig;  suchen  sie  zu  vertilgen.  Daher  scherzh. 
von  Menschen:  einer  Speise  gr.  sein,  sie  gerne  essen, 
erpicht  darauf  sein  „Sch;"  Z;  vgl.  Öppis  nüd  im  Hals 
cMnne'  tolle"  [dulden],  mit  Lust  geniessen;  de"  Chrie- 
sene nüd  we  tue",  sie  nicht  sehr  lieben.  ,Die  Gras- 
würm,  die  man  gemeinlich  Teufelskatzen  nennet,  die 
dem  Kabis  sehr  gram  sind.'  Z  Gespr.  1743,  10.  —  ,Ich 
hin  im  gramm.'  1530/1717,  I.  Kon.  ,Gramra,  grob,  herb 
in  allweg,  asper.'  Mal.  , Einem  fynd  und  gramm  sin.' 
ScHiMPPK.  1651.  ,Dem  Schmarotzen  bistu  gwaltig 
gramm  und  kannst  auch  des  nicht  müssig  gan.'  Wahr- 
sager 1675. 

In  der  MA.  meist  mit  Wahrung  der  Kürze  des  Voe.  Da- 
neben kommt  in  ä.  Spr.  auch  die  Form  gran  vor;  vgl.  räm 
und  rmt:  ,Swie"s  mir  ist  gran  [:  an].'  Hadl.  ,Sind  inen  nit 
z'gran  und  g'hass.'  Ruef  1538. 

grammaugge"  ZNer.,  grammausse"  (dim.  -aus- 
sele")  ÄAWohl.;  ZLunn.,  -ause"  ZBül.,  Glatttal;  „Schw", 
-äuse"  AaF.:  weinerlich  klagen,  murren,  sich  be- 
schweren (über  Unwohlsein  usw.),  Unzufriedenheit  auf 
lästige  Weise  äussern.  aaOO.  Dann  und  wann  kla- 
gende Laute  von  sich  geben  (wie  unruhig  schlafende 
kleine  Kinder)  AaF.;  ZLunn.  Syn.  gramsen,  grumsen, 
giirmfsjen,  trinsen.  Abi.  „Gramauser;  gramausig, 
mürrisch." 

Hess.  gravMMsen,  in  Henneberg  gramaunzen.  —  Erwei- 
terung von  gramnen  ;  unter  Anlehnung  an  die  Verba  mauggen, 
schwach  reden,  und  mausen,  miauen,  zum  vorangehenden  Adj, 
gram.     Vgl.  adh.  gramizOn,   fremcrc,  rugire. 

gris-gramme":  1.  knirschen  (mit  den  Zähnen), 
vor  Unmut,  Zorn.  ,Sein  zorn  griessgrammct  über 
mich  mit  den  zännen.'  1531/60,  Bib.  =  ,kirret.'  1667. 
,Also  blybt  [dem  Unzüchtigen]  das  byssen,  grissgr. 
und  kratzen  syn  letze,  die  er  von  sinen  huoren  bringt.- 
HßuLL.  1540.  ,Da  [bei  den  Wiedertäufern]  hört  man 
nüt  dann  grissgr.  und  verdammen  aller  anderer  men- 
schen.' ebd.  1561.  ,Die  helfanten  entsitzend  das  weis- 
sen oder  grissgrammen  des  Schweins.'  Tierb.  1563. 
,Frendere,  grissgrammen,  von  zorn  mit  den  zänen 
kirren.     Fremerc,  schnurren,   murren,   grissgrammen. 


tosen.  Brüelen  wie  ein  hungerstottiger  löuw.'  Fris.  ; 
Mal.  ;  s.  noch  giren  Sp.  406.  .Herzwischen  aber  gries- 
grammet  WStauffacher.'  Grasser  1625.  ,Ein  Ächzen 
und  Gris.sgrämmen.'  JJUlr.  1783.  —  2.  (unpers.)  es 
grisgrammet ,  wenn  bei  klarer  Luft  Schnee -Atome 
durch  einander  schweben  ZSth.  —  gries-grämmig, 
-grämmisch:  mürrisch  G;  Z.  —  Gries-Grämm- 
li-g  m.:  Murr-kopf  Z. 

Anihd.  griagrammen,  Zähneknirschen,  brummen.  Grammtn 
ablautend  zu  grimmen,  wüten,  brüllen.  Griea  statt  gria  durch 
Anlehnung  an  einen  bekannten  Stamm.  —  Zu  2.  Dem  Wetter 
werden  auch  sonst  menschliche  Affekte  beigelegt;  vgl.  ea 
Kchneit  ua  Täubi,  chlbig,  wenn  es  wegen  Kälte  nur  fein  und 
spärlich  schneit,  und  vgl.  glaaüren  3.  Auch  bair.  der  selbe 
Ausdruck  für  grimmige  Kälte. 

grämme":  1.  (tr.)  gram  machen,  erzürnen.  Wallis 
solle  alle  Pässe  besetzen,  um  die  von  Bern  zu  ,grem- 
men',  damit  man  ihrer  diesseits  einigermassen  ent- 
laden würde.  1531,  Absch.  —  2.  (refl.)  wie  nhd.,  sich 
grämen,  allg. 

er-,  ver- 1,  in  AAEhr.  -gränne":  missmutig,  scheu 
machen  (eig.  erbittern,  gram  machen),  abschrecken; 
witzigen,  durch  Schaden  klug  machen,  enttäuschen 
Aa;  Ap;  B;  Gl;  Gr;  L;  G;  Sch;  Schw;  Th;  Uw;  Z.  Er 
ist  ergrämmt,  die  Lust  ist  ihm  vergangen,  allg.  ,Die 
ross  warend  müed  und  ergrempt,  dass  sy  nit  mer  händ 
wellen  zämnienzüchen.'  1539,  Wthür  Chr.  ,So  warend 
die  von  Ar  und  G  dermassen  an  des  abts  handlungen 
ergrempt,  dass  si  im  nützid  vertrauwen  wolltend.' 
Vad.  ,Tremefacta  libertas,  ergrämbt,  erbidmet.'  Fris. 
,Darumb,  dass  man  vor  zyten  die  weit  mit  falschen 
erdichten  erschynungen,  wunderen  und  zeichen  der- 
massen ergrempt,  dass  sy  fürhin  dises  für  erdicht 
ding  oder  ein  falschen  won  haltend.'  LLav.  1569  = 
.betrogen.'  1670.  ,Die  krankheit,  durch  welche  ich 
[Gott]  in  [den  Menschen]  ergrärapt,  dass  er  mit  im 
hat  lassen  reden    und  rüw  und  leid    über   sein   sünd 

getragen.'  ebd.  1582.  —  Mhd.  ergremen,  aus  ahd.  ar-gmmjan, 
nur:  erbittern;   .crgrcmit  werden,  irritari.' 

ver-  II  (refl.):  sich  rühren  (meist  nur  in  Verbin- 
dung mit  Verneinungspart.)  SchwE.;  ZO.  —  Verderbt 
aus  ver-bramen.      Vgl.  vergriacen   (-grau-)   f.   aicli   verbräuen. 

gräme":  kriechen,  wimmeln  (v.  Läusen,  Schnecken 
usw.)  W.  Mii"  seit,  wil  d'  Zermatter  wenig  in-ne  [in 
den]  Kapelle"  schick  tie'  zeige",  so  tie"  jez  d'  Straffte" 
[Heuschrecken]   dri"  gramme"  und  da  umha  fleige". 

—   Vgl.   ijräggen,  grewen,  gramaen,  gräjien,  krammen. 

Gramme"  I  m.:  Queckweizen,  triticum  rep.  W.  — 

Vgl.   waadtl.  gramon,   it.  gramignn,  von  lat.  gramen.   Gras. 

Gramme"  II,  Gromme"  m.:  (graues)  Pferd.  Als 
Dim.  erhalten  in  der  EA.:  .Willst,  dass  es  dir  gehe 
wie  dem  Grömli?',  Name  eines  alten  Rosses,  dem  die 
Last  von  3  jungem  aufgeladen  wurde.  Volksbotenkal. 
1871,  wo  die  Anekdote  so  beginnt:  ,Ein  Mann  hatte 
4  Bosse:  ein  Bräunlein,  einen  Schecken,  einen  Schim- 
mel und  ein  Grömlein.'  ,Uf  minen  byssenden  Grora- 
men.'  1504.  Z  Freischiessen.  .Es  habend  vil  heilgcr 
lüt  geboren  gottlose  kind,  die  inen  nit  nachg'schlagen 
sind.  Wiewol  g'meinlich  gryss  nach  gramen  schlächt; 
wa  lursamen  wirt  g'sät,  da  wachst  widerum  lursaraen.' 
UEcKST.  1525.  ,Der  bapst  forcht,  gritz  wurd  grommen 
nachschlachen.'  Vad.  .Es  habe  der  Herzog  v.  Alenyon 
etwas  Verstands  mit  dem  könig,  synem  brueder  und 
syner  mueter  [Kath.  von  Medicis].    Ce  que  je  ne  puis 


733 


Gram, 


fom,  gm  II 


croire;  toutesfois  est-il  tils  de  sa  mere  et  frere  de 
ses  f'reres.  Ist  wol  zu  gedenken,  griss  schlach  gruni- 
nien  nach,  diewyl  der  gurren  eine  ist.'  c.  1560,  Wtbuk 
Chr.  ,Von  den  färben  har  werdend  inen  [den  Rossen] 
bei  den  unseren  etlich  nammen  gegeben  als  rajip, 
Schimmel,  blass,  grommen,  wölfle  und  dergleichen.' 
TiERB.  1563. 

Vgl.  ,ein  alter  (iranian',  alter  Gaul.  Seli.Frauk.  —  Bei 
HSachs  öfter  in  der  Form  ,grania',  altes  Pfrni.  Entstehung 
aus  Orä-matm,  grauer  Mann,  ist  iii-lii  un  nilii  -  Ii.  inli,  h  ; 
dafür  spricht  t.  der  o-Voc,  t.   ^li     i-    *     i  n      ;   :  :.i". 

Gremli  steht  für  Griimdi.    Vgl.  aic ':    1/             i  n         :.lu. 

für  Pferde  und  lat.  (bzw.  kelt.-g.rm.  i  — ,    ..."     i.  lul. 

Granieter  m.  =  frz.  grandmaitre,  Urossmeister.  Der 
frz.  Bote  möchte  bei  dem  ,Grammeter'  zu  Mailand  sich 
verwenden.  1510,  Absoh.  ,Der  Gr.,  der  Bastart  von 
Savoy.'  1521,  ebd.  ,Der  bostart  und  der  gramäter.' 
15'26,  Egli.  ,Man  halt  dafür,  dass  major  domus  der 
syge,  der  sonst  auch  Graadis  Magister,  Grametcr,  auch 
Hofmeister  heisst.'  HBull.  1572.    Syn.  Grand- Meister. 

Gramille"  s.  Kamillen. 

Oramisli:  Hemd,  in  der  Gaunerspr.  -  Aus  it.  imnicia. 

grammle":  wohl  =  kitzeln,  jucken,  in  der  RA.: 
Es  chunnt-mer  fri  z'  gr.,  es  macht  mir  wirklich  bang, 
ist  mir  unbegreiflich  BGu.     Vgl.  gramslen. 

grimm:  heftig;  grimmig,  wütend.  ,Ein  strengin, 
gr-in  keltin.'  1520/'29,  Stockar.  ,I)ie  gr-e  winterkelte.' 
LLav.  1582.  Als  Adv.  häufig  zum  Ausdruck  eines 
hohen  Grades  abgeblasst:  gr.  chrank,  nass  udgl.,  lieh 
GSa. ;  Syn.  räss.  ,Wem  das  g'fall,  der  zeig  es  an  und 
schryge  grimm  [von  den  Teufeln,  als  Zeichen  der  Zu- 
stimmung].' RüEF  1550.  ,Ach,  hett  ich  g'lost  des  Daniel 
stimm,  so  gieng's  mir  nit  so  ruch  und  grimm  [Belsazar 
in  der  Hölle].'  JMurer  1559.  ,Er  ward  gar  gr.  ge- 
rochen.' Wthur  Chr.  ,Wio  gr.  Gott  straft  der  Men- 
sehen sünd.'  HRRebm.  1020.  ,Die  Falkenouw  gr.  hoch 
erhoben.'  ebd.     S.  auch  noch  grinn. 

grimme"  (-»-  W):  1.  wüten,  brummen,  knirschen. 
,Quarc  fremuerunt  gentes  V  Warumbe  grimmetend  die 
lüteV  XV.,  S  Stiftsbibl.  ,Das  [darüber]  grimpt  und 
zürnt  also  myn  schmerz,  den  wir  erlyden  müend  so 
grusam.'  Rcep  1550.  —  2.  (vor  Hunger)  pfeifen?  Nur 
in  der  ZFlurl.  Version  eines  bekannten  Liedchens: 
's  Vögeli  grinnt  [im  Frühling,  wo  kein  Futter  mehr 
gestreut  wird].  Vgl.  grlnen  und  gllmen  und  die  Ausspr. 
ninnt  f.  nimmt.  —  3.  (unpers.)  Eim  grimmen  ab  Etw., 
schaudern  W. 

Vgl.  Doch  krimmen.  Nicht  ganz  klar  ist:  ,In  syner  macht 
grymeude,  niole  siia  mens.'   Geschfo.   Ges.   XIII,   305. 

ent-:  ergrimmen.  ,Der  atf  ist  so  gar  verhetzt  und 
entgrimmt  [ausser  sich]  auf  das  junge,  so  er  lieb  hat, 
dass  er  es  stetigs  vor  im  her  trägt  küssende.'  Tierb. 
1503.   —   Vgl.  yrum  in  seiner  übertr.   Bed. 

durch-:  durchschauern.  Es  tuot  mich  (mir  March 
und  Bei")  durchgrimu,  i.  B.  von  einem  schrillen 
Tone  W. 

Grimme",  in  BO.;  W -i-  m.:  1.  Zähneknirschen; 
Schauder  in  Folge  von  Entsetzen,  Schmerz,  selbst 
Frost;  bes.  eine  Empfindung  von  Schauer,  die  von 
einem  Teil  des  Körpers  aus  den  entferntem  sich  mit- 
teilt, wie  z.  B.  beim  Beissen  in  wollenes  Tuch,  beim 
Kratzen  auf  Glas  usw.  BHa.,  R.;  ,VÜrte;"  W.  Es 
häd-mi'''  g'grüsed,   das'  ei"  ehalte''  Grimme'  über  en 


andren  dür''''-mi'''  üs  g' gangen  ist  BR.  Di  Grhne 
gent-mer  durch  March  und  Bein  W.  ,Es  gand  mir 
gryraen  durch  myn  bluet.'  1555,  B  (Goliat).  ,0  wie  vil 
grimmen,  schrecken,  grusen  gond  von  angst,  schrecken 
zum  herz  usen.'  RSohmid  1579.  —  2.  Wut,  Grimm. 
,Vor  grossem  Yfer  und  Grimmen  on  alle  Ordnung  an- 
gegritt'eu.'  c.  IGOO,  Cys.  ,Nachdem  er  in  einem  Grim- 
men der  Römeren  vil  erschlahen  lassen.'  Rijeger  160G. 
.Gott  in  seinem  Grimmen.'  JMijller  1665. 

1   z,-Ji;t  iiHvli  deutlich    die  Grundbed.  des  Vbs,    wie  das 
iiIhI.   (./,.,>;.(; ;«......,!,   zähiiekuirschen,    spec.  das  unangenehme 

Cliilil  ,  ilas  damit  verbunden  ist.  Zur  Bed.-Entwicklung 
vgl.  die  Syuu.  <,y;/,«,  cr,j,jden  Bd  I  449/50.  Zu  der  Länge 
des  i  vgl.  ahd.  crimn,  Larve,  falls  dieses  zur  gleichen  Wurzel 
gehört.  —  Vgl.  Grimmi  n.,  Name  eines  steinigen,  wilden 
Berges  BSi.,  und   ,Grimsel'. 

grimmig:  heftig,  stark,  gewaltig.  E  grimmigi 
Chelti  Z;  en  gr-e  Mann,  baumstarker  W.  D's  Schuf 
hed  e  grimmegi  Gagl^te'  [Entleerung]  verfüert  Gr. 
En  gr-e  Bist  [Seufzer]  ahlä"  GRl'r.  En  gr-e  Fustli'g 
[Faustschlag],  ebd.  Als  Adv.:  überaus,  sehr;  gr.  ehalt, 
beissend  kalt  Gr;  Z.  Dere'  Faxe"  han-i'''  gr.  uf-em 
Strich  GflPr.  (Schwzd.).  Gr.  Obacht  gii'.  Das  gr. 
[mühsam]  erarnet  Taglönli.  E  Berg,  vo  dem  nW  gr. 
wit  üsg'siehd.  Gr.  recht  wär's-mcr.  D'  Lüt  sind  gr. 
/■«[freundlich]  mit-mcr  g'sl".    i<y]\.  gnisdiii :  >i.  grimm. 

Griramkeit  f.:  Wut,  I^eidciisiliuft.  .Hen  argen 
willen  des  burgunschen  herzugen,  su  or  meint,  mit 
aller  gr.  zue  vollbringen.'  1476,  Gkd.  ,Mit  fyntlicher 
grymkeit  bestürmt.'  ebd. 

,Grommeil,  pulpa  [das  Fleisch]  in  den  Kürbscn.' 
Denzl.  1677;  1716. 

Zu  waadtl.  gromme,  engl.  Dial.  crome,  ndl.  t/rom.  Es  wäre 
übertr.  von  der  Brot-, Krume'.  Das  mhd.  WB.  hat  ein  Fem. 
fjrome,  Hode,  eig.  Keru,  wie  das  syn.  it.  granclU.  Vgl.  auch 
it.  yruJHoJo,  (jrumolo,  das  Herz  (im  Kohl,  Salat),  von  ijnimo, 
Klümpchen,  von  lat.  grumun,  Häufchen. 

Grömli  s.  Cframmen  IL 

Grnmmel  m.:  Holzblock  BoSi.  ~  Viell.  eig.  Brocken, 
zu    Grummden   II;   Syn.    Gruiujgd, 

Grnmmele"  I  f.:  ein  Wasserinsekt,  Kuderwanze, 
hydrometra  GrD.  Syn.  Gitzen.  —  Das  W.  scheint  die 
Krabbelnde  zu   bezeichnen;    vgl.   ijrumnn-n  I. 

Grnmmele"  II  f.  W,  Dim.  Grümmeli  S,  Chriimmeli 
G.  Grümschi  BE.:  kleiner  Brocken  Brot,  dgl.  z.B.  als 
Überbleibsel  vom  Tische  entweder  aufbewahrt  oder 
den  Armen  gegeben  werden  W;  Brosamen  G;  Krume, 
in  Butter  gebackene  Brotkrume  SLeb.;  beim  Kuchen- 
backen abgefallene  Krumen  BE.;  S;  Reste  von  aus- 
gesottenem Unschlitt  (GriSben) ,  auch  von  andern 
Stoöen  S. 

S.  Gr.  VfB.  , Krume'  und  vgl.  Orummlslen,  sowie  bair. 
Gramd,  Griebe.  Diese  Gruppe  steht  im  Abl.-Verhältniss  zu 
grimmen  =  ,krimmen',  kneipen,  zwicken;  vgl.  ,BaHchgrummen' 
bei  Fischart. 

grummele"  grümmele"  oAa;  B;  S:  1.  Brotkrumen, 
Brosamen  zslesen;  Brutkrumen  abklauben;  zu  Bro- 
samen zerbröckeln,  zerreiben.  Füre  gr.,  hervorklauben, 
-grübeln  (z.B.  Geldstücke  aus  der  Tasche)  S;  vgl. 
grummen  I  und  engl,  to  erumble,  dass.  —  2.  knaupeln, 
knuppern  (wie  Kaninchen);  in  kleinen  Bissen  und  be- 
haglich essen;  im  Verborgenen  etwas  Gutes  essen. 
Chumvi,  Beteli,  i"''  ha' -der  Ö/yns  z' grümmele"  Aa; 
Syn.  grumschlen;  mümpfelen. 


735 


(jiaiii— ffrum.    (iraiiili- 


>raiii|i  -giuuip 


ver-grummele"  AAPii.;  Bs;  BBrisl.,  -krummle" 
Bs  (Ochs),  -krümele"  Bs  (Spreng) :  zerbröckeln,  zer- 
reiben; Syn.  ver-hrüsmelen. 

gruramelig:  brockig,  z.B.  Brot,  das  leicht  in 
Bro.siinien  zerfällt;  spröde  Bs. 

grunime"  I:  klauben,  stöbern.  Der  Jaggi  heigi 
niimme  z'  vil  in  den  alte  Strüdelbüechren  'grumet  u"' 
g'niisteret  BSa.  (Fromm.,  Ztschr.  VI  395).  Unpers., 
wurmen.  Fürst  der  Philister:  ,Es  tuet  zwar  auch 
noch  in  mir  gr.,  dass  Goliath  erschlagen  worden.' 
Holz  WART  1571. 

Grummlete"  f.:  1.  kleine  Oberreste  von  Brot, 
Käse  W;  Syn.  Grummelen,  Büe(ljeten.  Krumen,  allerlei 
zerbröckeltes  Zeug,  Gekrümel  Bs.  —  2.  „Bodensatz 
von  Flüssigkeiten  Gr;"  noch  nicht  abgeklärter,  ,vom 
Pulver  noch  durchschwommener'  Kaffee  B  (Zyro); 
,particulffi  in  fluido  volitantes.-  Id.  B.  Vgl.:  ,Von  den 
Turben-Grümelten  oder  -Brosamen  oder  dem  sog.  Tur- 
benstaub.'  1789,  S  Kai.;  Syn.  Turben-Güsel 

grummlig:  trübe,  nicht  hell  „Gr":  vom  Kaffee 
B  (Zyro). 

Zu  grumli;/,  tiirhidiis,  und  Grummlcte  3  im  Verhältniss  zu 
grummen  I  vgl.  turbare:  frz.  liouver,  in  Etw.  herumstöbern, 
und  ,stöbern:  Staub'.  Doch  lässt  sich  auch  ndl.  ijiummUg, 
beschmutzt,  erwägen. 

„grnmine"  II:  (Schweine)  schneiden,  kastrieren  B 
Meir.;"  Syn.  kliippen.  —  „Lösi-Grummer:  Schweine- 
schneider, ebd." 

Wohl  im  Abl.-Verh.  zu  ji-äiimcn,  krimmen,  kneipen;  vgl. 
noch  Hodimklupjur;  und  also  im  Grunde  identisch  mit  grum- 
mni  I.     Tgl.  ndl.  grummen,  einen  Fisch  ausnehmen. 

Grummel  s.  Ge-rümpel. 

(üruenict  Gr,  Grummet  GREh.,  Grnmmed  Bs 
(Spreng)  n.:  =  Amad  Bd  I  213.  D's  Gruomet  ist  noch 
nid  rif,  d'  Scherlighatzen  [heracl.  sphondyl.]  sind  noch 
nid  gerisen  [verblüht]  Gr.  —  Aus  mhd.  gruonmat. 

gruemete"  =  mnden  (Bd  1  213)  Gr.  Syn.  ämet- 
heiicn. 


v  er-grämble":  verzagen.  De''  n-ill  ulHwtl  v.,  wem 
's -im  no'''  so  giiet  göt  BsBirs. 

Wahrsch.  st.  ver-chrämhkn  zu  Krümhd,  verkümuiei-tes  Ge 
schöpf;   vgl.    vcn-hrüglen,   verstrujtfin. 


(iramp  m.  —  PI.  -e":  1.  krummer,  stumpfwinklig 
gewachsener  Ast,  bes.  von  Föhren  und  Eichen,  zu 
Schiffsrippen  von  Schiffniaehern  sehr  gesudit  AAZein. 
Ygl.  Kramb.  —  2.  (von  der  Ähnlichkeit  mit  1|  zwei- 
armiger Pickel,  Kreuzpickel,  ebd.  —  :l.  (GriiinpU) 
kleiner  Doppelhaken  aus  dünnem  Drat,  dgl.  in  eine 
Holzunterlage  eingeschlagen  werden,  damit  Vorhänge. 
Möbelüberzüge  usw.  vermittelst  kleiner  Haften  daran 
befestigt  werden  können  Z.  —  4.  (übertr.  und  ver- 
ächtlich) mageres,  altes  Stück  Vieh  AAZein.  Syn. 
Grangg;  Händsch;  Bämjiel.  —  5.  schmächtiges  Kind. 
Es  ist  gar  es  chli's  Wimseli  und  Grämpeli  'blibe'. 
BWyss  1885.  Vgl.  Schwab.  Kramp,  kleiner  Mensch, 
und  das  syn.  Rämpeli. 

Entspricht  dem  nd.  Krami,,-  (Gr.  WB.  5,  2Ö06).  Vgl.  frz. 
crawjxm,  Haken,  Klammer.  (J  wie  in  gnupp,  Gniff.  Vgl. 
übrigens  auch    Gräpjjli. 


granipe"!:  1.  greifen,  fest  betasten;  untersuchen 
BSa.,  Si.;  Uw;  U;  iimme"-gr.,  mit  den  Händen  herum- 
greifen. Gramp-em  e  chlt'  a»  der  Tasche",  eb-er  Geld 
heig  Ndw.  Der  Tokter  hed-mi'''  recht  ergramped,  sagt 
der  Kranke,  ebd.  Syn.  gräpen;  pantschen;  pargen; 
vgl.  frz.  se  cramper,  sich  anklammern.  —  2.  Erd- 
äpfel ausrupfen,  -grübeln  UwE.;  USil.  —  3.  (unpers.) 
zwicken,  grimmen  im  Bauche  USil.;  Syn.  krimmen. 
Vgl.  krampfen.   —   Vgl.  ,kram|)en'  Gr.  WB.  V  2009. 

Grampe",  Gramp(l)eten  f.:  eine  Handvoll,  eig., 
so  viel  man  mit  5  Fingern  (auch  mit  beiden  hohlen 
Händen)  fassen  kann  W;  Syn.  Gauflen. 

grample»  I:  krabbeln,  kriechen.  Ist  dasbugglig 
Männli  do,  gramplet-mer  vor -der  Nase?  Tobl.,  VL. 
Syn.  kriemplen. 

Granipämpel  m.:  Lärm  Ze. 

Viell.  Mischung  des  folg.  Wortes  mit  Grampöl.  Doch 
kann  es  auch  eine  redupl.  Bildung  sein  wie  Schlampamp.  Vgl. 
Schwab.  Kramhumhcl,  Schnaps,  eig.  Durcheinander?  Grampes 
löstr.),   Pultergeist.     Vgl.  Chrampelimampis,   Durcheinander. 

Grampämpeli  Aa;  Z,  kr-  Gr,  Rampamjieli  GrAv.  : 

das  schriftd.  Krambambuli,  das  bekannte  Getränk  aus 
mit  Zucker  vermengtem  Branntwein,  welcher  ange- 
zündet wird.  Im  Aa  werden  auch  dürre  Birnenschnitze 
darein  gelegt  und  nachher  gegessen. 

grampe"  II  kr-,  .gränipen' :  Kleinhandel,  heimlichen 
Tauschhandel  treiben  GrAv.,  UV.,  Rhw.,  OHalbst.  ,Ge- 
wirb,  es  sye  mit  grämpen  oder  in  ander  weg.'  1449, 
B  (Gfo.).     Auch  1260/1400,  Bs  (Ochs). 

Vgl.  grämplen  sammt  Anm.  Hicher  viell.  der  Flurn. 
Grampe'i  f.    [Schacher?]   ZZoll. 

ver- gramijen:  im  Kleinen  verkaufen  Gr.  Syn. 
ver-grämplen.  Die  unhaushälterische  Frau  vergrampet 
Alls  iis-em  Hüs. 

Grämpel  m.:  1.  Kleinhandel,  bes.  mit  Lebens- 
mitteln Ap;  Schw.  ,Das  Haus  des  N.  N.  sammt  Wirt- 
schaft und  Gr.  [Spezereiladen]'  Scuw.  , Kleinverkauf 
oder  Gr.'  G  Kornhausordn.  184'2.  Handel  mit  alten 
Waaren,  „Trödel  B;  L;  Sch;"  Z;  Grämpelen,  kleine 
laufende  Schulden  beim  Spezereikrämer  Sch.  ,Das 
papstum  mit  synem  gr.  zeruck  tryben  und  bi  dem 
klaren  wort  Gottes  blyben.'  Sicher  1531.  Die  Bischöfe 
predigen  dem  Volk  nicht  selber,  , sunder  es  muess 
durch  einen  gr.  [kauf-,  mietweise]  einen  [einem?] 
doktor  oder  meister  uszerichten  übergeben  werden.' 
Kessl.  ,Menschen-  und  grempelsatzungcn  [kleinliche 
S.].'  Vad.  ,Das  fürthin  dhein  hindersäss  einleben  gr. 
ald  gewirb  in  unserm  land  mer  tryben  solle.'  1566, 
Gl.  ,Wann  man  aus  dem  Tempel  macht  einen  Gr., 
aus  dem  Gottsdienst  ein  Kramerei.'  FWyss  1653.  N.  N. 
soll  sich  seiner  Mühle  ,nit  zuo  einem  Gr.  oder  Gewerb 
bedienen,  sondern  selbige  allein  zu  seiner  Haushaltung 
bewerben.'  1666,  SchwE.  Klosterarch.  ,Der  päpstliche 
Buss-  oder  Geldtax  für  die  Sünden,  die  Engelweihe,  das 
Jubeljahr  und  dergleichen  Simonischer  Gr.'  ClSchob. 
1699.  —  2.  das  Durcheinander  Aa  (n.),  „abgenützte 
Sache,  altes  Hausgerät" ;  Syn.  G'rümpel;  vgl.  ,Grempel- 
zeug,  scruta,  frivola.'  Red.  1662. 

Die  übliche  Herleitung  von  einem  it.  cromjiare  st.  ,om- 
prare,  von  dem  übrigens  die  Wörterbücher  Nichts  wissen 
wollen,  hat  ihre  Bedenken.  Schon  der  Stammvoc.  stimmt 
nicht,  sodann  kennt  auch  das  Churw.  keine  entsprechende 
Form.  Gr.  WB.  V  2007  s.  v.  .Krampe'  weist  auf  ein  ver- 
lorenes kramp  m.,  Ausschuss,  Gerumpel,  vwdt  nütahd.c/iram/)/ 
krumm,  also  urspr.  etw.  Verkrüppeltes;  vgl.  auch  Pf  ragen. 


737 


Grarnji,  ^'i 


gru 


738 


Obs-:  Kleinverkauf  von  Obst.  .Solle  auch  der  am 
Sonntag  bishar  in  Predigszeit  geübte  Vogel-  und  Tau- 
benmarkt, wie  auch  der  0.  verbotten  sein.'  löll,  G 
Mand.  —  Garn-:  wucherischer  Handel  mit  Garn. 
,Es  sind  4  Artikel  über  den  Werch-  und  Garngrem]iel 
entworfen  worden.  Der  Grempel  mit  Garn  und  Werch 
ist  gänzlich  verboten  und  Niemand  darf  weder  auf 
Märkten  noch  auf  den  Strassen  oder  in  Häusern  Werch 
oder  Garn  aufkaufen  und  dasselbe  auf  Gewinn  widerum 
verkaufen.'  1578,  G  (Absch.).  —  Kälbli-.  ,Der  K. 
(d.  h.  das  Aufkaufen  der  Kälber  auf  den  Fürkauf  hin) 
ist  verboten.'  Steinm.  1804,  S.  103  (Ap).  —  Mulche"-: 
Handel  mit  Käse  und  Butter  im  Grossen  Ap.  —  Mess-: 
Messhandel.  ,Die  von  Gonten  sprachend,  sy  welltend 
raess  han;  also  fiengend  sy  iren  ni.  widerumb  an.' 
WKlärer  1565.  —  Werch-  s.  Garn-Gr. 

Grämper  „Krämper  Bs"  —  m. :  Kleinhändler, 
Krämer,  Trödler.  ,H.  Meier,  der  greniper.'  1328,  Bs 
(Urk.).  ,Vil  gr.,  die  allerhand  frucht  feil  haben.' 
Eptingen  1460.  ,Was  Grämper  eig.  verkauften,  muss 
man  aus  den  Ordnungen  abnehmen,  die  ihnen  zu  Zeiten 
gegeben  wurden:  es  war  Wildprett,  zahme  und  wilde 
Vögel,  Käse,  Butter,  Eier,  Haber,  Eüben,  Nüsse.  Ka- 
stanien. Senf,  Mus  udgl.  Dinge,  welche  man  mit  dem 
Sester  misset,  Öl,  Salz,  Heringe,  Stockfische,  Kerzen, 
auch  Gläser  u.  a.  Glasarten.'  Bs  (Ochs,  2,  1,  S.  153). 
,Des  krempers  hus.'  XV.,  Bs.  Sie  hielten  an  einem 
besondern  Orte  feil.  Bs  XIV.;  ,an  der  grempergassen.' 
FPlatt.  1612.  ,Am  Wienacht  Oben  sach  ich  die  ge- 
färbten Kerzen,  so  allenthalben  in  der  Gr.  Laden 
liiengen.'  ebd. 

Eine  andere  Form  bietet  (wenn  richtig  gelesen)  das  ApI. 
I.B.  I.58.5/1S28:  .Die  in  ihren  gewerben  als  grenipteu  und 
kiämeren  aus  einer  gegni  in  die  andere  fahren.'  Vgl.  ,kauf- 
leute  und  grempen.'  Kaisersb..  und  tirol.  Gmmp  f.,  Höckerin. 

„Gramperi  f.":  Kleinhandel,  Wucher. 

grämple":  Kleinhandel  treiben,  im  Kleinen  kaufen 
und  verkaufen,  allg. ;  Syn.  yrütsen,  händelen,  märtselen; 
iitümpJen.  Zumeist  mit  Lebensmitteln  und  altem  Haus- 
rat; auch  etwa  von  Untergebenen  gesagt,  welche  un- 
befugterweise Etwas  aus  dem  Hause  verkaufen.  /'"'• 
han  de"  Stecl'e'  in  d'  Hand  und  d's  Raff  uf  de"  Eügg 
g'niin  und  han  noch  emal  ang' fange'  z'  gr.  GrD. 
(Schwzd.).  ,Fürkoufen  und  gr.'  Vad.  ,Ini  fürkouf,  gr. 
gar  verruecht.'  Aal  1549.  .Die  das  lant  vergiften  mit 
bösen  exemplen  und  nichts  können  dann  pfrüenden 
gr.'  XVI.,  Lied.  ,Cauponari,  wirten,  etwar  mit  werben, 
feil  haben,  gelt  lösen,  wein  verkaufen,  gr.'  Fris.;  Mal. 
.Es  soUent  keine  Grempler  mer  gr.'  L  Ansehenb.  .Nun- 
dinari,  handeln,  feil  haben,  gr.,  kramen.'  Denzl.  1677 
(1716  fehlt  .gr.').  ,Viele  geben  sich  mit  dem  sog. 
(iräniplen  ab,  d.  i..  sie  säumen  auf  Eseln  oder  Bast- 
pferden allerhand  Sachen,  oder  tragen  solche  selbst 
liin  und  wieder  und  handeln  damit.'  XSchnyd.  1782. 
.Wer  mit  den  Alpgräsern  gr.  würde,  d.  h.  wer  mit  ge- 
mieteten Alpkührechten  handeln  und  sie  teurer  ver- 
kaufen wollte,  als  er  sie  gekauft,  soll  schuldig  sein 
2  fl.  Busse.'  Steinm.  1804  (Ap).  ,Wie  das  Heugremplen, 
so  soll  auch  der  Grempel  mit  Weiden,  Alpen  verboten 
sein.'  1776.  ebd.     S.  auch  anfechten  Bd  I  665. 

ver-:  (unvorteilhaft)  verkaufen;  vertrödeln,  ver- 
lieren, allg.  Kinder  .vergrempeln'  Griffel  und  andere 
Schulsaehen.  indem  sie  Geringeres  dagegen  eintau- 
schen Gl.  .S'i"»  ganz  Vermöge'  i\,  durch  ungeschickten 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


Handel  vergeuden  Schw.  .Wir  hattend  ob  l'iOO  fl. 
vergremplet  und  verloren.'  Vad.  ,Myn  herren  ver- 
grempletend  um  schmalz,  unschlit  und  salz  in  3  jaren 
ob  1000  gülden.'  ebd.     Syn.  ver-templen. 

Grämpier  m.:  \.  =  Grämper  Aa;  Bs;  B;  VOrte; 
Gl;  Gr;  S;  Z.  S.  bei  vergümplen  Sp.  318  und  vgl. 
Pfragner.  In  altern  Quellen  mit  dem  Fürkäiifer  bald 
identiflciert.  bald  von  ihm  unterschieden.  .Eid  der 
grempler  und  nierzeler.'  1425,  L  Stadtarch.  ,Der  Werd- 
müller soll  kein  nussöl  machen;  könnent  aber  die  gr. 
nit  US  hanf,  us  lynsat,  us  mäge  öl  machen,  so  mag  er 
das  machen,  von  inen  unbekümbert.'  1431,  Z.  ,Grad 
glych  als  ob  Gott  [beim  Ablass]  ein  grempler  war 
und  verkouft  eim  für  ein  krüzer  schmer,  dem  andern 
kümich  und  blauwen  faden,  schwgbelhölzli,  fulen  käs 
voll  maden,  brysriemen,  haselnuss  und  brennten  wyn, 
fenkel,  suren  senf  euch  im  häfelin.'  NMan.  ,Es  sollend 
ouch  die  fürköufer  und  grämpler  zu  keinen  zyten  anken 
an  unser  fronwage  vor  und  ehe  es  nüne  geschlagen, 
koufen.'  BThun  Stadtsatz.  1539.  .Das  merteil  körn 
und  vich  wirt  durch  die  grempler  und  fürköufer  hinyn 
[ins  Welschland]  getriben.'  Kessl.  ,1489  verbot  [man] 
Jen  fürkouf  ganz  und  den  gr-n  bi  2  pfd  buess.  vor- 
mittag nüt  uf  markttag  ze  koufen.'  Ansh.  .Die  gr. 
band  das  unschlit  gen  um  5  krüzer.'  Wthür  Chr.  ,Es 
soUent  die  Gr.,  frömbd  und  heimsch,  an  einem  Zinstag 
gar  niemanden  nutzit  ze  kaufen  geben.'  L  Ansehenb. 
,Das  kind  einer  armen  wälhin  [welschen]  greraplerin.' 
1545,  Salat.  ,Mangones,  ausstreicher  und  erneu werer 
alter  dingen  auf  den  kauf,  grämpler,  feiltrager.'  Fris.; 
Mal.  ,Ein  jeder  Grempler  gibt  des  Jahrs  dreimal 
Zoll.'  BThun  Handfeste.  ,Die  Grempler  gehörten  nicht 
zu  den  zunftgeuössigen  Handelsleuten  in  der  Stadt, 
daher  scheinet  es,  sie  haben  den  Zoll  gepachtet.'  ebd. 
,Die  [Brot-]  Grämpler  dörfen  kein  anders  Brot  als  die 
Foggiser  und  grosse  Hausbrot  feil  haben,  der  kleineren 
aber  sich  gänzlich  entäusseren.'  1643,  SchwE.  Kloster- 
arch.  ,Der  Grempelmarkt,  allwo  die  Grempler  den 
Grümpel  und  nichtswertige  Sachen  verkaufen.'  Spleiss 
1667.  ,Propola,  Fürkäufer,  Grämpler.'  Denzl.  1677; 
1716.  ,Die  Gr.  [der  Kämbeizunft  angehörig]  sollen 
verschaffen,  dass  von  allem  Anken,  Ziger,  Käs  udgl. 
Waaren,  so  verhandelt  werden,  der  Zoll  getreulich 
bezahlt  werde.'  1757,  Z  Ges.    S.  noch  um-gän  Sp.  15. 

—  2.  s.  G'rümpler. 

Eier-Grämpleri°:  Eierhändlcrin  L.  —  Immen- 
Gränipler:  Bienenhandler.  ,1.,  welche  im  Frühjahr 
und  Herbst  40--100  Bienenstiicke  in  Ai'  aufkaufen 
und  im  Tu  und  GPih.  wieder  verkaufen.'  Steinm.  1804. 

—  Anken-:  Butterhändler.  L  Ansehenb.  ,Weil  die 
starke  Zahl  der  A-n  zu  Schaden  dos  Ankenhandels  ge- 
reichen tut,  so  soll  die  Zahl  derselben  auf  12  Mann 
gerichtet  sein.'  1778,  Z  Ges.  —  Garn-:  Garnhändler. 
UBrägg.  1788.  —  „Heu-:  Einer,  der  Heu  nicht  für 
eigenen  Gebrauch  kauft,  sondern  um  es  wieder  zu 
verkaufen  Ap."  —  Keller-:  Leute,  welche  im  Ktn 
Zg  aufgekauften  Käse  im  Keller  aufspeicherten,  um  ihn 
nachher  zu  verkaufen.  XVI.,  ZWäd.  (Strickl..  Horg. 
S.  248).  Vgl.:  .Wer  im  Käse  gremplet.  kauft  ihn  bei 
den  Hirten,  salzt  ihn  zu  Hause  ein  und  bringt  ihn 
nach  G  oder  andern  Handelsplätzen.'  Tobl.  (Ap).  -- 
Widli-Chorb-:  herumziehender  Weidenkorbhändler 
B;  gewöhnlich  zugleich  Bettler;    vgl.  Kratten-Mann. 

—  Korn-:  Getreidehändler.    Syn.  K.-Pfragner.    .Die 


739 


Oranip— giumi).    (iranis— groms 


K.  melden,  dass  in  Überlingen  viel  Adel  zskommen 
werde.'  1529,  Absch.  ,üie  K.,  vorab  die  ausländischen, 
soll  man  wohl  beaufsichtigen.'  1534,  ebd.  ,Diser  korn- 
türe  [ist]  nit  die  kleinest  ursach  die  menge  der  k.; 
deshalben  angesechen,  dass  ain  k.  nit  mer  dann  zwen 
pfennig  an  ein  viertel  sollte  zu  g'winn  nemmen.'  Kessl. 
—  Mulche"-:  Butter-  und  Käsehändler  ,G".  ,Was 
die  m.  unserer  baursame  auf  molchen  vorgeben  hätten, 
eh  dass  mulchen  vorhanden  wären,  so  soll  umb  solches 
gelt  kein  recht  gehen.'  As  LB.  1585.  ,Die  Ap  M.  holen 
die  betr.  Produkte  auf  Saumrossen  in  den  Alpen  ab 
und  verkaufen  sie  t.  im  Lande,  t.  nach  G,  in  das  GRh. 
und  anderswohin.'  Steinm.  1804.  —  Brot-:  Brotver- 
käufer. ,Die  Br.  sollen  die  Leut  nit  an  sich  ziehen, 
zurufen  oder  das  Brot  zum  Laden  aus  strecken.'  1643, 
ScHwE.  Klcsterarch.  —  Salz-:  d(?r  (unerlaubt)  mit 
Salz  handelt.  1590,  L  (<'\s.  i.  .Wur.lr  aber  der  eint 
oder  andere  Säumer  mit  IVriihlnii  Salz  durchgehen, 
so  soll  derselbe  mit  20  Pluiul  Uiu..  vuii  jedem  Centner, 
als  ein  mutwilliger  fremder  S.,  abgestraft  werden.'  B 
Säumerordn.  1739. 

,Grämpleri',  Grämplete"  6r  —  f.:  Klein- 
handel; wucherischer  HandeL  ,Die  Uffäl  zu  vergau- 
men,  so  haben  wir  angeschen,  dass  uf  die  unbedachten 
verderblichen  Kauf  bessere  Achtung  gegeben  werden 
solle  und  dergljxhen  Kauf  und  Gremplereien  umb 
Hüser  und  Güter  uit  mehr  gut  geheissen  werden.' 
1660,  Z  Mand. 

Grampö'l  Aa;  Bs;  B;  GKKübL;  Z  tw.,  Krambö'l 
Bs,  Krampö'l  GRMal.,  Grambo'l  Z  tw.,  Grampö'  ZW., 
Bampo'l  Btw.  —  m.,  in  GRKübl.;  Ztw.  n.:  Lärm, 
lärmendes  Durcheinander,  Tumult.  Ber  Sundig  wird 
dür'''  Tanz  entwicht,  dür"''  allerhand  Grambol  und 
Völlerei.  Schild  1860.  De'-  Wi"  macht-mer  Ch:,  Auf- 
regung im  Kopf  Z. 

frz.  caramhole,  Billardkugel  (und  deren  Anstossen),  caram- 
huUr,  anstossen,  mmmbolage,  Kauferei.  Die  Form  mit  anl. 
J{-  beruht  auf  der  irrtümlichen  Auffassung  des  G-  als  Präf.; 
ebenso  das  sächl.  Geschlecht.  Zum  Ausfall  des  o  vgl.  ,Krone' 
aus  Corona,  Kmlh  aus  , Koralle',  Oninhun  aus  ,Gcranium'. 
grampö'le":  Lärm.  Spektakel  machen  B;  Z.  — 
grarapolierig:  lärmend  B. 

grämpig:  grossartig,  übertrieben.  Syn.  grandig. 
Wenn  de''  Baschi  aföhd  lüge',  so  macht  er  's  au"''  gar 
z'  gr.  ScHwMa.  ,Du  machst  gr.  üwern  zug  gen  Morgen.' 
HBüLL.  contra  Salat  1532.  .Verbitteren,  gross  und 
grempig  machen,  acerbare  crimen.  Ein  schenke  rüe- 
nien  und  mit  werten  gr.  machen  und  sagen  treffenlich 
guot  sein,  ornare  munus  verbis.  Exaggerare  rem, 
gross  und  gr.  machen,  hoch  loben.  Flumina  facere 
e  rivo,  ein  ding  grösser  und  grämpiger  machen,  dann 
es  an  im  selbs  ist,  aus  einer  fliegen  ein  elephanten 
machen.'  Fris.;  Mal.  ,Ein  Minister  [Pfarrer]  schwätzte 
aus  dem  Synodo  und  machte  den  Handel  noch  grem- 
pischer.'  169G,  Z  Synode. 

A'gl.  Schwab,  grempig,  trotzig,  unbescheiden;  hah.  gräiiqjig, 
wieder  erstarkt  (von  Genesenden).  Zu  erwägen  ist  auch  das 
Gl  sich  rämpe;  sich  brüsten.  Wenn  ob.  W.  mit  nhd.  .Krampe' 
vwdt  ist,  wie  jram/>c7i  mit  ,krampfen'  usw.,  also  nrspr.  ,auf-, 
umgeschlagen'  bed.,  so  wäre  zu  vgl.  unser  litixn,  krampen, 
welches  auch  , Lärm  machen,  grosstun,  schwelgen'  bed.;  vgl. 

auch    ncxrhwllllrt). 


Grams  — grums. 

granise":  1.  mit  voller  Hand,  mit  Klemmung  be- 
tasten Ndw.  Syn.  grampen  I.  —  2.  krabbeln,  jucken 
B;  S.  ,Wenn  seine  Beine  ihm  unter  dem  Tisch  zu 
gr.  und  zu  brennen  anfangen  [vor  Angst  und  Unge- 
duld].' GoTTH.  Syn.  gramslen.  —  3.  wurmen,  nagen 
(vom  Hungergefühl  im  Magen)  U.  Syn.  grumsen  II, 
glumsen.  —    4.  =  grammauggen  „LE.;"    S  fgrausse'J. 

In  Bed.  1—3  weitergebildet  von  'gmmmca  ^=  l-raiiinuii; 
vgl.   auch  grummen.      i  im  Abi.  zu  grumte»  I. 

grams(e)le°,  dim.  grä»w(eße' :  1.  wimmeln,  krab- 
beln, bes.  von  Insekten,  wie  Ameisen,  Läusen  u.  ä. ; 
dann  die  entsprechende  Empfindung  auf  der  Haut: 
prickeln,  jucken,  z.  B.  von  einem  , entschlafenen'  Gliede, 
bei  Schauder,  Frost  usw.  B;  S.  Es  hed-mi'''  g'grüsed, 
dass's-mer  fin  uberen  Bügg  uf  hed  'grämsied  BE.  ,Was 
graraselte,  das  frassen  die  Hühner.'  Gotth.  ,Ich  horchte 
auf;  es  fieng  in  mir  Etwas  an  zu  jucken  und  zu  gr.' 
ebd.  ,Der  Zorn  sei  ihm  zu  oberst;  es  gramsle  ihm 
in  den  Fingern.'  ebd.  ,üie  ersten  Gläser  von  einem 
guten  Roten  machten  mir  ganz  warm  und  gramselten 
mir  bis  in  die  Fingerbeeren.'  ebd.  Auch  etwa;  in  den 
Haaren  kratzen  B;  unpers.  wurmen,  ärgern.  Syn. 
grummen,  griimslen,  kramusen,  krilielen,  wimslen,  am- 
beisslen.  —  2.  zsraifen  S;  Uw.  Syn.  ramslen.  Immer 
glich  flissig,  glich  sparsam  bllU  der  Toni  und  's  Wibli 
hilft-en  sammle  und  gramsle.  BWvss  1863.  In  üwE. 
bes.  Laub,  Reisignadeln,  Moos  und  Erde  mit  Rechen 
im  Walde  zsscharren  (gew.  auf  unerlaubte  Weise). 
Daher  Gramsler,  -eri":  Leute,  die  das  tun;  Gramslete' 
f.,  das  so  Zsgescharrte. 

Auch  hier  wieder  eine  Nebf.  mit  Anl.  kr-  (s.  d.),  wie 
überh.  die  ganze  auf  ,krimmen'  zurückgehende  Sippe  durch 
Einwirkung  von  .grimmen'  und  den  sonstigen  Wechsel  zw. 
gr-  und  kr-  vielfach  im  Anl.  g-  bekommen  hat.  Bed.  2  lässt 
sich  mit  1  vereinigen  durch  den  Begriff  der  Gruudbed.  .klim- 
men, kratzen,  kribbeln';  s.  krimmen  und  nd.  grtmmeln,  wim- 
meln. Doch  dürfte  2  durch  blosse  Anlehnung  an  1  aus 
rairulen  entstanden  sein. 

grämsig:  grämend  ScawBr.   —  Zu  grämten  4. 
murren  ZDättl. 


griemse" 


Vgl. 


Syi 


grnniseM  Aa;  BsStdt;  L;  Schw;  S;  Ndw;  U;  Zg, 
grüsse"  B,  gronse"  AAZein.,  grümse"  gröisse,  gröise 
AAFri.;  BsL.;  S:  l.  =  giirmsen  (Sp.  419)  Aa;  Bs;  B; 
S;  ÜwE.;  Zg.  Weitere  Synn.  grüggen;  grämten  4; 
trimen;  äken.  We"'-me  e  Stecke  unger  e  Chuppele 
Sau  wirft,  so  grüsset  die,  wo  's  trifft  B.  Los,  China, 
je  ärger  a's  [du]  grestisch  und  grousisch,  so  länger 
muesch  au  warte  AAZein.  Ml's  Wib  hed  eister  g'grumsed 
weg-em  Zl's;  es  meind,  i'''  miess  verhudle'  [bankerott 
werden]  Obw.  Und  's  Häli  grumset  vor  si"''  hi";  's  muess 
aw''  mit  Gott  nit  z'  fride"  si' !  AWalchner.  Wer  alliwil 
grumset  und  alliwil  brieggt.  Felner.  Grums  und  hül, 
so  lang  's-der  g' fallt.  Hebel.  Si  hei"  'bittet  und  'greusst: 
liebs  Mamvieli!  gell,  du  erlaubst  's-is?  Breitenst.  Nei, 
Muster,  jetz  müesst-äer  mer  's  säge'  [usw.],  so  cha" 
das  Vreneli  greusse  und  der  Miteter  flattiere,  ebd.  ,Er 
grumse  für  und  für,  dass  ihm  noch  mehr  nachge- 
lassen werde.'  1553,  Z  Staatsarch.  ,Die  ihr  gern  bellet 
und  grumset  wie  die  Hunde.'  AKlingl.  170'2.  Dim. 
grümsCeße":  schwach  wimmern,  matt  wehklagen,  wie 
kleine  Kinder,    wenn   sie   im  Schlafe    ihr  Unbehagen 


Graiiis    gruiiis.    (iraii- 


742 


äussern  Aa;  L.  Wege'  settige'  Chllnigkeite'  tuet-me' 
de'"  nit  gr.  MKieser  (Schwzd.).  ,Das  Kind  nahm 
schnell  ab;  es  konnte  nur  noch  grümselen,  nicht  mehr 
mit  seiner  gewöhnlichen  Stimme  weinen'  L.  Syn.  grü- 
schehn,  grüchslen.  Über  Unwohlsein  klagen,  ächzen; 
umme  gr.,  grämlich  herumliegen  Aa;  Bs.  Syn.  umme- 
grüggen,  -grüpen.  —  3.  unverständlich  reden  Aa. 

Auch  Schwab.  -  Bei  Schm.-Fr.  i.  S.  v.  .grunzen'.  Es  ist 
Weiterbildung  von  einem  änhd.  syn.  Yb.  grummen,  ndl.  ,grora- 
men',  g}-ommeln,  frz.  ffroinmehr,  engl,  to  gjnunhte,  zurückzu- 
führen auf  mhd.  yrimmen,  (vor  Zorn)  brüllen;  vgl.  ,grunzen' 
von  .grinnen'.  Über  die  Vocalisation  des  m,  welches  aber 
vorher  zu  n  werden  musste,  vgl.    Glumeen. 

grumsig  I  Uw,  grümsig  greitssig  Bs:  missver- 
gnügt, mürrisch,  weinerlich. 

gl'umse"  IT  S.nw  ;  V.  i/nimsle''  ür;  SB.,  grumschle'. 
Dim.  grüiiisiJii /,'  l; .  1.  khmben.  &'<e^'e»  [welcher  seine 
Furcht  vor  diin  li.wiit' r  nicht  gerne  verraten  wollte] 
hat  der  Jiosec/iranz  suem  Sack  us  grumset  und  afoh 
der  englisch  Griiess  bete.  Lienert.  Bes.  Stücklein  oder 
Brosamen  vom  Brote  B;  Schw,  knuppern,  im  Verbor- 
genen etw.  Gutes  essen;  naschen  B;  Syn.  fjriiwmclrn. 
Me'  schnauset  cMl',  me'  grümschchl  ,lil,\  ~.-  ilin/r" 
d'  Schlingel  jär  rerhl.  JCOtt.  —  '2.  kuMirln,  yukru: 
Syn.  grams(l)en.  Der  Ziger  ist  voll  ^\'unn  y'ii\  in  lud 
recht  g'grumsjet  GRValz.  Es  grumsjet  Eim  im-e  Bei", 
wenn  es  , entschlafen'  ist,  oder:  es  grumsjet-mi''',  vor 
Frost  nach  Erhitzung,  ebd.  Auch  von  rupfender, 
klemmender  Emijflndung  im  Magen  Schw;  U;  Bauch- 
grimmen U;  es  grums(l)et-mer  im  Herze;  's  H.  yrums- 
(l)et-mer,  von  moralischen  Bedenken,  Skrupeln  GrL.  ; 
Schw.  —  3.  herumtasten  SB.;  Syn.  gramsen  1. 

Weiterbildung  von  yrummen  I;  s.  die  Anm.  zu  diesem 
und  zu  gramg(eHen.  .^uch  hier  wieder  daneben  mit  kr-  (s.  d.) 
.anlautende  Formen.  -  Während  1  näher  zu  Gnimmde  gehört, 
sthliessen  sich  2   und  :}  mehr  an  r/raiiuen  an. 

Grumslete"  f.:  Kehricht  BsStdt.  —  Wohl  zu  ^rum«- 
Icn  1,   wie  das  Syn.  Orummhfrn  zu  gnimmien.    Vgl.  <jravi>ilt'te. 

grumsig  11:  voll  Spalten,  Kitzen,  zerklüftet. 
,SchmaIe,   gruinbsige   Gang   [im  Gebirge].'    1083,  Gr 

Samml.  1806.  —  Statt  MumsUj  (vgl.  C'hrlmm  aus  Klimsc) 
zu   ,Klumse',  Ritze;    vgl.   ,klumsicht,  rimosus'  bei   Gr.   WB. 


Gran(n)  — gpunln). 

gran  s.  grnm. 

GriJii  I:  1.  (11.)  kleinstes  Gewichtsteilchen  ('/«o 
Quentchen).  Es  feit  ke's  Gr.  oder  aro'nli  (Dim.),  es 
ist  exakt  gewogen  ZS.  S.  noch  Ass  Bd  I  503.  — 
'2.  (n.  u.  m.)  Grad  einer  Skala  (bes.  Thermo-  und  Baro- 
meter) Aa;  Ap  {-e'J;  Bs;  B;  S;  Uw;  U;  Z.  D'  Bleich- 
sucht im  höche  Gran  S  (Joach.).  —  3.  Kügelchen  am 
Kosenkranz.  ,Gran  oder  Einglcin  am  Rosenkranz 
(öfter)  auch  Gebet-Einglein.'  Seeast.  1730. 

Es  ist  lat.  granum,  Korn,  das  im  Mittellat.  auch  zur  Be- 
zeichnung des  kleinsten  Gewichtes  diente;  vgl.  Gereten-hom; 
so  auch  frz.  grain.  Bed.  2  durch  Vermischung  mit  Grad, 
wodurch  tw.  auch  das  m.  Geschlecht  hervorgerufen  wurde. 
:J  auch  bair. ;   vgl.  frz.  grain  de  cliapikt. 

Grob-:  ein  starker  Seidenstoff.  ,Dienstmägt  sollen 
nicht  Schlutten  tragen  aus  Gr.,  Schamlot  oder  noch 
köstlichcrem  Zeug.'  1611,  G  Mand.  —  Frz.  gros-grain, 
geköperter  Seidenstoff  aus   Lyon. 


Granäli  f.:  gekörntes  Metall.  Die  Münzer  mögen 
gebrochenes  Gold  oder  Silber  kaufen,  ebenso  ,Granaly'. 
1548,  AbscH.  —  It.  granaglUi,  frz.  grainniW',  von  lat.  granum, 
s.    Gran. 

granalieren:  Metall  körnen.  Bei  Strafe  des 
Feuers  ist  alles  ,gr.,  kürnen,  seigern-  und  andere  der- 
gleichen Fälschungen  alter  und  neuer  Münzen  ver- 
boten. 1560  U.  1565,  AhSCH.  —  lt.  granugliarc,  frz.  grai- 
nailler. 

grane»  I:  zum  Taler,  der  34V2  Batzen  gewertet 
war,  noch  '/a  Batzen  aufgeben.  Wer  das  nicht  wollte, 
sagte :  I'*  zale-der  's  u'-granet,  d.  i.  du  musst  mir  den 
Taler  voll,  zu  35  Batzen  annehmen  B  oHa.  f  (Zyro). 
-  Zu  Grün  1  i.  S.  V.  Ausgewicht,  Aufgeld;  vgl.  Drüf-Gclt  i' 
S]i.  '240. 

Gran  11,  Granen  s.  Kran. 

G  r  a  n  ä  ( c  h  e )  r  s .  Grauwacher. 

Granat,  in  B;  ZStdt  Granet  —  m.:  1.  a)  Granat- 
stein B;  ZStdt.  —  b)  Glasperlen  Ap;  GEh.;  Z  (Gra- 
nüttij.  De'-  Wi"  hät-e  Färb  wie  Granöte"  GW.  — 
'2.  Schuhe  aus  ,Granat(stotf )'.  ,Üas  Tragen  der  Granät- 
linen  oder  wyssen  Schuhen  in  die  Kirchen  verboten.' 
li;S(i/170:l.  z'.Mand. 

1  von  lat.  griiiiiiium,  Granatapfel.  —  2  zu  frz.  gnnnt, 
damastartige  Leinwand;  grenadcf,  feiner  Seidenstoff,  klein 
getüpfelt;  vgl.  grenadinc;  von  der  Stadt  Granada. 

Granat  er  s.  Granater-Epfel  Bd  I  369. 

gränen  II  s.  grauwen. 

Granne»  GEapp.;  ZWäd.,  Grane'  ZErl.,  Zoll.  —  f. 
(meist  PI.):  Wurzelfasern  der  Weinrebe;  Syn.  Schnauz. 
Wenn  d'  Bebe'  kei"  Gr.  händ,  so  sind  s'  nüd  iväclisig, 
oder  so  gend  s'  kei'  Wi";  vgl.  noch  Gränni-Här. 

Mhd.  graue,  ahd.  grana  f.,  Barth.iar  an  der  Oberlippe. 
Vgl.:  ,[)ie  leieu  [unter  den  Lazaritern]  sulleu  han  erber  bärte 
ncbent  dem  munde  mit  den  gran.'    1314/21,  Gfd. 

granne"  B  tw.;  Gr;  TnWagenh.,  gräne" III  BE.;  U, 
gräm mAa:    Ks;    ]'.-.    .I.G.;-    S;    0,:w;   W:     1.   den 

MuiM  u-il  aiil-|MTi,.|,  \Vl;ar.;  klalV.'ii,  /.!;.  vn,,  \al,t,.„ 
oAA;  ((/(./(    /((/■<    .//■.,  hrl'V.il'yU./koll  (Vn]l  lialljv..T.4crk tcM 

Gegenständen)  Bs.  Syn.  füre  zänne".  —  2.  das  (iesicht 
verzerren,  Grimassen  schneiden,  grinsen,  sei  es  vor 
Schmerz,  Zorn,  Unlust  oder  zum  Spott  und  Hohn  Aa; 
Bs;  B;  „LG.;"  S;  W.  ,Dentibus  stridere.'  Id.  B.  Wil 
i'''  [beim  Kosten  des  sauren  Weins]  gr.  müesst  S  (Schild 
1885).  Der  [ihr]  g'seht,  ivie  d'  Frau  N.  sich  alli  Mitch 
git,  die  Rls-chrügeli  abe  z'  worge"  u  derzue  grännet. 
Bari  1885.  ,Und  manch  üppig  Knechtlein  grännete 
über  das  Beste  [Essen  sc]  und  lästerte.'  Gotth.  ,Wenn 
man  so  ein  kybig  Hägeli  daheim  habe,  das  über  Alles 
entweder  gränne  oder  pflenne,  so  möchte  der  Tüfel 
dabei  sein.'  ebd.  ,In  einem  Herrenhaus,  wo  die  Köchin 
3  Wochen  grännet  [ein  böses  (iesicht  macht],  wenn 
sie  eiiiiiial  Ulli  :.  Thr  auf  omks  statt  um  ü.-  rl.,!.  M,,tschi 
tue-nnr\  F.ishr  i,f.  s,,  .Ihihi,-,,!  ,,ir,/i:  U.  S.  ]\-,nn 
der.lainnr  ,nl  .imniirt,  drr  }Innn:r  ,nl  linnirl  ninl's 
Miidi  hiiiijir  '(III  Oft'  p/lÜHHet,  so  isch  der  Merz  er- 
züriHi  S  iSrliil.li.  ,Grenen,  grünen,  greniken,  sub- 
riderc,  riiii;err.-  Hv.u.  1662.  —  3.  weinen  und  zwar  mit 
Verzerrung  des  Gesichtes  Aa;  B;  Gr;  S;  Obw;  un- 
artig, hässlich  weinen,  weinerlich  klagen  (meist  von 
Kindern)  B;  Gr;  TnWag.  In  BR.  unterscheidet  man 
zwischen  grännen,  seinen  Unwillen,  Spott  über  das 
Weinen  eines  Andern  (durch  Nachahmung  seiner  Gri- 
massen) ausdrücken  und  gränen,  aus  Bosheit  weinen, 


7-13 


Gran,  gien,  grin.  groii.  grün 


744 


unter  Weinen  Etwas  fordern,  letzteres  auch  U  (um 
Etwas  gr.) ;  Syn.  gresten.  E'  Schnebalh'  tuet  nit  we, 
dass-me"  drab  müesst  gr.  StöcMi-Buebi  seif  men  Eim, 
wenn  er  hriegget;  hlih  daheim,  n-e"  de  grad  witt 
pflänne'  B  (Schwzd.).  ,Was  ist  die  kindheit  anders 
dann  ein  stäts  granen  und  grynen.'  HBull.  1544. 
Henkersbub  zum  Nachrichter:  ,Was  willt  den  lassen 
greinen,  gränen,  far  mit  dem  Schelmen  ab  der  ströwe.' 
Aal  1549.  ,Obvagire,  granen  oder  weinen  und  schreien 
wie  die  jungen  kind.'  Fris.  ;  Mal.  .Erst  kommen  in 
die  Ehe;  da  empfind  ich  Nichts  dann  ach  und  wehe; 
greinen  und  gr.  ist  mir  nit  tür.'  Zehen  Alter,  Bs  1G21. 
—  4.  weinerlich  sprechen  Gr.  Soll  's  mi'''  töte'  und 
zersprengge",  grannet  er,  wenn  i'''  weiss,  wa  m'r  d'r 
Grind  steid!  GnSchiers  (Schwzd.).  —  5.  grunzen.  ,Als 
ein  schwyn  grenende  (grunuiens).'  1460,  G  Hdschr. 

Mhd.  grannen,  grennen,  ahd.  granjan,  weinen,  abgeleitet 
vom  st.  Vb.  grinnen  (gran,  grunnen),  knirschen;  dieses  zu 
grinen  (grein,  grinnen),  greinen,  grinsen.  Vgl.  auch  die  Syn. 
zäunen,   brieggen,  ßtnnen,    trinken. 

a^-granne":  angrinsen  B;  S;  ,atroci  vultu  aspi- 
cere.'  Id.  B.  Es  lueg  gar  ulldig  drl  und  gränn  Eim 
numme  so  a',  statt  Eim  aw''  es  fründlichs  Wort  z'  ge. 
GoTTH.  ,Ich  will  nicht  sagen,  dass  es  nicht  auch  eine 
Zeit  gegeben  habe,  wo  's  m'r  v'rflümeret  i"  Kopf  che" 
ist,  wenn  der  Johannes  eine  Andere  angesehen  hat; 
seibist  [damals]  het  es  mi'''  duecht,  er  sollte  alle 
Andern  a.,  nur  mich  nicht.'  ebd.  S.  noch  u.  Bonner- 
gueg  Sp.  163.  —  er-  s.  er-grämiiien.  —  üs-:  durch 
Gesichterschneiden  verhöhnen  oAa;  B;  S.  Syn.  üs- 
zännen;  iis-wäuen.  .Ein  Töchterchen,  das  einem  Haus- 
halt vorstehen  soll  und  kann  Nichts  als  Pantöffeli 
hrodiere,  nierci  sagen,  d's  Mul  büschele  und  d'  Lüt 
u.  hinterm  Rücke.'  Gotth.  —  ver-:  (den  Mund)  ver- 
ziehen. ,Wenn  er  [der  Arzt]  10  Btzn  forderte,  so 
vcrgrännte  der  [Geizhals]  sein  Maul  bis  an  die  Ohren.' 
Gotth. 

Gran n er  ni. :  weinerlicher,  mürrischer,  stets  kla- 
gender Mensch  Gr.  Spreng  erklärt  damit  das  Wort 
,Griner'. 

Grannete  f.:  das  Weinen  Gr. 

Granni  Gr,  Gränni  I  Aa;  B;  S;  ZGlattf  --  PI. 
Grännege"  B  —  m. :  1.  mürrischer,  unzufriedener 
Mensch,  Sauertopf.  De-  alt  Donner,  de-  Gr.,  de-  wüest 
Tüfel.  Gotth.  —  2.  Grimassenschneider,  z.  B.  an  einem 
G-rännet;  auch  sonst  Spottn.  wie  , Fratzengesicht'  B; 
S;  Tgl.  Grannen.  —  3.  weinendes  Kind  Aa;  B;  S;  vgl. 
Grännisgraben.  Da  b'heb  der  Brei,  gib  de  dim  Gr., 
wo  i'  der  Chuchi  ummepfoslet.  JCÜtt. 

Die  B  PI. -Form  durch  Anlehnung  an  die  Patronyniika  auf 
-!,<g.     Vgl.:   ,Heini   Granni  von  Hasle.'   U20,  BO. 

Ziberli-örnwMi;  verächtliche  Bezeichnung  eines 
Bauernburschen  B.  Die  Msc.-Form  zu  Z. -Granne'. 
S.  unter  Mos-Gueg  Sp.  163.  ,Ein  solchen  Z.  finde  ich 
hinter  jedem  Zaunsteoken,  und  wenn  ich  Einen  haben 
muss,  so  will  ich  nicht  einen  solchen  Fötzel.  der  nie 
drei  Kreuzer  bei  einander  hat.'  Gotth. 

grannig  Gr;  Obw,  grannig  AABb.:  1.  verdriess- 
lich,  weinerlich  (von  Kindern)  Gr.  —  2.  knickerig, 
geizig  AABb.;  Obw.  Syn.  grandig.  —  Zu  2.  Auch  der 
Geizhals  klagt  immer;   s.  grannen  •?. 

nä'"" -grannig:  1.  genau,  jiünktlich  BHa.  — 
2.  geizig,  ebd. 


granochtig:  verzerrt,  fratzenhaft,  kläglich?  ,Ich 
säg  's,  man  findt  vil  Frauw  und  Mann,  hätten  s'  nit 
schöne  Kleider  an,  so  wärent  s'  ein  granochtigs  Bild 
und  g'sechent  aus  gar  marterwild.'  Com.  Beati.  —  Wohl 

zu    grannen   S   oder   .9. 

„grännele"  (Dim.  zu  grannen):  wimmern,  aus 
Schwachheit  nicht  laut  weinen  können  (von  Kindern) 
Aa;  Bs;  B;  LG.;  S."     Syn.  grumsen  I. 

Granne"  f.:  1.  Fratze,  Grimasse,  verzerrtes,  häss- 
lich  weinerliches  Gesicht  oAa;  „Bs;"  B;  S;  U;  W; 
Syn.  Brieggen.  E  wüesti  Gr.,  Fratzengesicht  S.  Er 
häd  e  leidi  Gr.  mu  g'macht,  ihm  eine  hässliche  Gri- 
masse geschnitten  W.  Bast  [Sebastian]  luegt  ume  un'' 
g'seht-mi'''  un''  macht -mer  d'  Füst  un''  en  Gr.  BO. 
(Alpenr.  1827).  —  2.  pers.,  eine  weibliche  Person,  die 
ein  solches  Gesicht  schneidet;  überh.  Schelte  für  ein 
hässliches,  auch  gern  klagendes  Weibsbild  B;  S.  ,Was 
will  doch  eine  solche  Gr.  heiraten?'  Gotth.  .Damals 
stand  ein  rotbäckig  Mensch  noch  höher  im  Kurs  als 
eine  bleiche  Gr.'  ebd.  ,Mit  einer  alten  Gr.  vo°  Gege- 
schwigere.'  ebd.  ,Das  ufründligiste  King,  wo  sie  noch 
gesehen,  eine  ewige  Gr.  und  dazu  e  leide  Grieggel 
[Schwächling,  Serbling].'  ebd. 

Bure"-:    Scheltn.    für   Bauerntöchter   B  (Gotth.). 

Ziberli-:  sauertöpfische  Weibsperson,  Spottn.  für 
Bauerndirnen  B;  L.  ,Ich  will  tun,  dass  du  mich  alle 
Tage  lieb  haben  kannst,  will  keine  Z.  werden.'  Gotth. 
D'  Not,  die  alt  Z.  L  Nachr.  1865. 

Xilierli,  herbe  Pflaume,  welche  Einen  grannen  macht;  vgl. 
Sür-Erbnele-,   Sür-Hampflc-G  ficht ;  Easech-Guttere. 

Grännet  m.,  seltener  Grannete"  f.:  das  Gesichter- 
schneiden; Wettkampf  im  Grimassenschneiden  als 
Volksbelu.stigung  von  spekulativen  Wirten  neuerer 
Zeit  ausgebeutet  BU.;  S.  Vgl.  Weggli-Esset,  Sack- 
Giimpet.  Es  Chudermannli,  das  als  Zueschauer  bim- 
ene"  Gr.  g'sl'  isch,  het  so  andächtig  dem  Zug  zuegluegt, 
dass  es  oni  's  z'  müsse"  alli  Grimasse"  vo"  de'  Spilere' 
noche  gmacht  het.  Hopst.  Vgl.  noch  B  Dorfkai.  1887 
S.  GO  und  Gotth.  XIV  1,  69. 

Käs-:  Grimassenwettkampf,  bei  dem  für  den  Sieger 
als  Preis  ein  Käse  ausgesetzt  ist  B.    Syn.  K.-Zännet. 

Gränni  II  n.:  Grimasse  Blnterl.;  UU. 

Granidier  G,  Grenitier  ZS.:  Grenadier. 

Vgl.  die  volkstümliche  Ausspr.  Oranobel  st.  (Irenoble.  Doch 
ist  die  Form  mit  «  überh.  die  ältere,  da  Gr.  eig.  =  Werfer 
von  Handgranaten. 

„  fiel i- grannig:  von  durchbrochener  Gold-  und 
Silberarbeit. "    —   Von  .Filigran'  angelehnt  an   Vwti. 


Grar 


s.  Grauuacher. 


Gräninni  (Granio  GWe.)  m.  allg..  n.  Bs:  1.  Pflan- 
zenn.  a)  Storchschnabel,  geranium,  spec.  stinkender 
St.,  g.  Eobertianum  Ap;  wilde  Gr.,  g.  molle  GWe.; 
besonders  aber  die  als  Zierpflanzen  in  Töpfen  ge- 
zogenen G. -Arten,  allg.  —  b)  pelargonium,  spec.  p. 
radula  und  p.  zonale,  mit  zahlreichen,  oft  bes.  be- 
nannten Varietäten  (z.  B.  Filr-Gr.  GWe.).  Neben  dem 
Rosmarin  darf  Gr.  an  Hochzeiten  auf  dem  Hute  des 
Bräutigams  nicht  fehlen  B.  —  c)  Reiherschnabel,  cro- 
dium  (Durh.).  —  2.  scherzw.,  mit  Anlehnung  an  grau, 
Graukopf  ZZoll.  -  Über  den  Ausfall  des  .;  s.  die  Anm. 
zu    Grampoi. 


745 


(iran,  gron.  grin.  iri"n.  ^nm 


746 


Öpfel-:  Art  Geraniuni,  dessen  Blätter  einen  Apfel- 
geruch haben  AAEhr.  —  Vgl.  den  Pflanzenn.  cluwmmiUa, 
villi  den  alten  Griechen  ebenf.  vom  Apfelgeiiich  so  benannt. 

Glogge°-:  1.  Varietät  von  pel.  zonale  mit  glocken- 
fiirniigen  Blüten.  —  2.  (Glöggli-)  fuchsia  coccinea 
GSa.;  Syn.  Giöggli- Stock. 

(iranitzer,  gew.  Granitzier  Aa;  S;  ZW.,  Gränitzler 
S  tw.:  1.  mit  Kleinwaaren,  Nippsachen  hausierender 
Krämer.  aaOO.  —  2.  Schmuggler  S.  —  granitzle": 
den  Beruf  eines  Granitzlers  treiben  S.  Im  Wasseramt 
mache'  si  d'  Rundi,  Spezereie"  z'  verchaiife'  und  allerlei 
z' handelet  i'  Zucker  und  Hoseträger,  Tuhak  und  Schueh- 
mi.ri,  Mandelcherne  und  Wetzstei'.  E  ZU  lang  hei' 
sich  die  junge'  Ehlütli  mit  dem  schwerfällige'  Hand- 
charre"  h'hulfe'  für  ires  reised  Spezereilädeli  und  fand 
a',  das  Granitzle'  im  Grosse'  z'  trihe'.   BWtss  1863. 

Der  Ausdruck  erinnert  Ton  Torneherein  an  Benennungen 
wie  , Augstaler,  Gawertschi  (Sp.  566),  Venediger,  Kaianker. 
Lauiparter,  Grischeneier'  —  Benennungen  für  Hausierer  Ton 
deren  Herkunft  entnommen;  es  wäre  dann  an  eines  der  ,Gra- 
nitza',  welche  sich  auf  slavischem  Boden  finden,  zu  denken. 
Poch  fehlen  uns  für  diese  Herleitung  tatsächliche  Anhalts- 
punkte. Es  ist  darum  wahrscheinlicher,  dass  wir  es  viel- 
mehr mit  einer  Abi.  Ton  der  altern,  dreisilbigen  Form  des 
W.  ,Grenze'  zu  tun  haben,  in  welchem  Falle  der  Gr.  als  der 
über  die  Grenze  kommende  Fremde  bezeichnet  wäre;  vgl. 
bair.   ,Gränizer',  Grenznachbar. 

Grän  s.  Ge-räm.    gränelen.  Gränil  s.  gräuw-. 

Gl'äni  n  n.:  Fruchtnarbe  am  Kernobst  U;  Synn. 
s.  fpei  Flieg  Bd  I  1178.  -  Viell.  mit  unechter  Länge  Coli, 
zu    Grannen  oder  zu    Gran   I. 

(Jraniie"  s.  Garaune  Sp.  398.     Syn.  Grün(li). 

Cburw.  mrüna,  lat.  <-oro,i.t.  Wegen  Wegfall  des  Voc.  s. 
.\uln.    zu    Gramjioi. 

Greniz  s.  Grenz. 

greine":  weinen  machen,  betrüben,  bekümmern. 
.Dass  wir  unsern  Eidgnossen  von  Zürich,  in  was  gstalt 
sy  greint  oder  bekümbert  wurden,  wider  menklich 
sollten  beholfen  syn.'  1531,  Absch.  ,[Die  VOrte  lassen 
bald  ab  von  der  Verfolgung  der  fliehenden  Zürcher] 
dann  sy  iiiit  dem  zug  nit  vermeinen,  wyb,  kind,  arm 
lüt  zue  gr.'  Salat  1531.  , Witwen  und  weisen  be- 
kümberen  und  gr.,  ist  ein  schwere  sünd.'  LLav.  1."j82. 
—   Factitiv  zu  grinen.  Auch  mhd.;  aber  nur  einmal  bezeugt. 

Isen-grin  s.  Isen-Grind. 

grinn :  zornig,  unfreundlich,  trotzig,  stolz.  JS  gri's 
G' sieht;  e  gris  Lueder,  ein  gehässiges,  zänkisches 
Weib.  Der  Chinig  ist  über  schi  Techter  bes  wordu  und 
het  gri'  g'seit:  plag  die  armu  Llt  nit  so  W  Sag.  En 
(jrinne  Ma".  Auch  vom  Wetter :  rauh,  kalt.  E  grinne 
Nebel  W.  —  Es  ist  das  adj.  grimm;  Übergang  von  m  in  n 
nicht  selten;  vgl.  gram,  ram,  heim.   Vgl.  auch  ergrünen  u.  griin. 

er-grinne°  W.  -grinen  P  (Schott):  in  jähen 
Zorn  geraten,  ergrimmen;  auch  refl.  Ptc.  ergrunnet, 
auch  als  Adj.  W. 

grinnetsche°:  saures,  zorniges  Gesicht  machen; 
zürnen,  zanken.  Schi  heint  enandre  gegrinotschet, 
haben  einander  gezürnt.  In  diser  Welt  tient  d'  Llt 
enand  nur  gr.  W. 

er-:  sich  erzürnen  W. 

grine",  Ptc.  g'grinne',  tw.  g'grlnt:  1.  weinen  und 
zwar  sanft,  schmerzlich  still,  im  Gegs.  zum  lauten, 
hässlichen  Weinen  (flennen,  grännen,  zäunen,  räggen, 
Minen,  hrüelen)  Aa;  Bs;  B;  FJ.;  Gr;  LB.;  Sch;  S;  UwE. 


(selten);  U;  W;  Ztw.;  „Zg".  Syn.  sc7men.  Schi  heint 
[haben]  scharpf  [sehr]  gigrinnu  W.  Laciie'  wie  die 
Welsche'  gr.  Bs.  's  hat  'grinnen  und  'betet,  's  hätt  si 
e  Stet'  müesse'  verbarme'.  Breitenst.  Das  Fraueli 
hat  V(yr  Freude  'grinne'.  Hofst.  Und  schnitt  nüd 
G'sichter  öppedie,  wie  wenn  er  wetti  gr.  Naoeli  1842. 
Grlnjetzniid  und  bis  getrost.  Stutz.  Mädchen- Jammer: 
Ach!  d's  Grine  chunnt  mi  a'!  0  lat  mi  gr.!  I  hätt 
so  gern  e  Ma"  u  wüsst  e  frine.  JEKuhn  1819.  Auch 
von  klagenden,  wimmernden  Stimmen  in  der  Luft, 
welche  von  der  Volkssage  auf  Seelen  von  Verunglück- 
ten gedeutet  werden,  z.  B.  das  Grinen  im  Engstiegrund 
BO.;  s.  JCOtt  1864,  64.  ,Da  hat  er  g'lachet  und 
g'sagt,  das  billicher  zue  gr.  wäre.'  ThFrickart  1470. 
.Als  ir  gen  Murten  sind  kommen,  band  ir  grinnen'. 
Schmähung  eines  Unterwaldners  gegen  die  Berner. 
1525,  Strickl.  ,Die  5  ort  sind  ganz  falsch  gegen  uns, 
gott  geh,  wie  sy  sich  gstaltind  oder  grynind.'  1530, 
ZwiNGLi.  ,Es  ist  Wäger,  die  jungen  grynind  dann  die 
alten.'  HBüll.  1540.  N.  N.'habe  nach  der  Schlacht 
[bei  Cerisole]  ,grinet'.  1547,  Absch.  .Wie  die  kinder 
nach  irer  art  grynend  und  schryend.'  Buef  1550. 
S.  noch  flennen  Bd  1  1200  u.  gellen  Sp.  208.  ,0  Israel, 
hui,  wein  und  gryn!'  BScumiu  1579.  ,Traf  in  uf  ein 
Aug,  dass  er  blutet  und  grien  [1.  grein].'  FPlatt.  1612. 
,Wenn  wir  gern  gr.,  müessend  [wir]  lachen.'  Myricäüs 
1630.  ,Nicht  meinethalben  greinet;  Jerusalem,  ir  Töch- 
teren,  beweinet.'  JJBodmer  1669.  .Plorare,  weinen, 
greinen,  fiennen.  Vagire,  schreien,  greinen  wie  ein 
Kind.'  Denzl.  1677;  1716.  Er  häd  's  klor  Brunne- 
icasser  grinne.  Gesprach  1712.  S.  noch  frl  Bd  I  1258. 
—  2.  von  den  Reben  im  Frühjahr,  wenn  der  neu  er- 
wachte Saft  aus  den  beschnittenen  Zweigen  tropft  ZIS. 
Syn.  tränen;  u-einen.  .Superlachrymare,  weinen  oder 
grynen  als  die  weinrcben.'  Fris.  —  ■■>.  lilaunid  -iiiLren. 
zwitschern  von  kleinen  Vögeln,  in  ihm  \.  i  l.irit.  tcii 
Kinderreim:  D' Sunn  ('s  SünneliJ  schiiil .  '<  \'n,j,h  iimiL 

(ejs  hnrlrl  /Iwrllrt)  uf  CM  Lade  (La.lll  ■■drv  uf  ,ln- 
Sta)t:i,"j  u.«.  (Ii;;  L;  S;  Z;  Vgl.  de'' Gnisrl  \,\ry  \\'u,U-r\ 
löt  d'  .S((//;(i  //(/  ■•.rliDie';  bald  hei  welle  d'  S'iiijili  iiniu". 
Schweizerb.  1^27;  s.  noch  unter  grimmin.  —  4.  von 
der  Stimme  des  Schweins,  grunzen;  vgl.  icinsen  und 
grännen  5.  ,Si  grinnent  als  die  schwyn.'  1405,  Ap 
Reimchron.  S.  auch  unter  Gatter  Sp.  496.  ,Myn  sün 
schluegen  mit  freuden  dryn,  die  fynd  grinnen  wie  die 
schwyn.'  Salat  1531.  ,Grunnio,  rüchlen,  grynen  wie 
ein  schwyn.'  Feis.  ,Das  Schwein  grunzet  oder  greinet 
(rechlet).'  Spleiss  1667. 

Mhd.  gnne,  grein,  gegrinen,  den  Mund  knurrend,  winselud, 
lachend,  weinend  verziehen,  von  Menschen  und  Tieren;  vgl. 
grännen.  Zu  Bed.  1  auch  il.is  Wnrts|ii.l:  .l;li\  iitaÜM  In.  -ryri- 
talische  Pfruenden'  als  \<f<.  ^liilnht  ^itin.'iir  i;.i-il.  I'irnn- 
denbuch  1740.  —  Dazu  .las  Snli-t.  .(iiin.lr.  ^^■  ,n.  i\u\w. 
Gesicht:  ,Tue  heim  rennen,  o  mucturkiud  !  und  ilujer  luueter 
zennen;  mach  mir  ein  kllneli  |ein  wenig]  eins  gr.'  H.aberer 
1562;  zu   mhd.  gnn,   clamor,   rictus;   Syn.   Brieggcli. 

ab -er-:  durch  Weinen  und  Klagen  abbetteln. 
,Das  land  hat  grossen  mangel;  hätt  üch  gern  kernen 
abergrinnen.'  Ruef  1540.  —  ver-:  1.  aufhören  zu 
weinen,  sich  ausweinen.  ,Po.st  luctum  cohibere  lacri- 
mas.'  Id.  B.  —  2.  Ptc.  vergrinne',  verweint  Bs;  Syn. 
verhriegget.  Er  sieht  ganz  v.  üs  Ba.  Mit  rergrinnene' 
Äuge'.  Breitenst. 

Griner  m.:  alter  Geizhals,  der  immer  über  Mangel 
klagt  Bs  (Spreng).    ,Plorator,  weiner,  gryner,  pflenner.' 


747 


Uran,  gren,  gnn,  grou,  gruii 


748 


Pris.;  Mal.    ,Du  stolzer  Weiberdiener,  du  alter  Hosen- 
greiner.'  Wahrsager  1675. 

grinerig:  weinerlich,  von  der  Stimme;  zum  Wei- 
nen geneigt  Bs.     Es  ist-vier  gr. 

Grie(ii)  n.,  ,m.'':  1.  Kies;  Syn.  Gries.  a)  Geröll  von 
kleinen  Steinen  mit  Sand,  Grand;  bes.  Strassenkies  zur 
Beschotterung,  wie  er  t.  aus  den  ,Griengruben'  (s.  d.), 
t.  aus  Bach-  oder  Flussgeschieben  mittelst  des  , Sand- 
gatters' gewonnen  wird  Aa;  Bs;  B;  P;  VOrte;  Gl; 
Oew  (Grmn);  G;  Sch;  S;  Tu;  Z.  Vgl.  Aare'-,  Emme"- 
Gr.  B.  Syn.  Ge-rüm.  Wenn  scho'  's  Grien  rar  ist,  so 
sind  [in  S]  doch  schöni  Strasse'.  Hopst.  18G5.  ,Bäche, 
die  sich,  beladen  mit  Gr.,  ergiessen  in  unserm  Dörf- 
lein.' JRWyss  1815.  ,Wil  vom  wasser  so  vil  griens 
in  die  statt  gefüeret.'  Wurstisen  1580.  ,Alle  Karren- 
geleisen in  Strassen  sollen  mit  Gr.  ald  kleinen  Stein- 
linen  verebnet  werden.'  Z  Mand.  1646/1707.  .Sollen 
die  Gemeinden  alle  Jahr  in  der  ihnen  bequemsten  Zeit 
Steinen  und  Grien  zu  der  Strass  führen.'  B  Strassen- 
regl.  1744.  ,Zu  Sanderden  und  Gric  nimmt  man  Küh- 
mist, mit  Lett  vermenget.'  JCSulz.  1772.  S.  noch 
unter  Gand  Sp.  336.  —  b)  Kiesgeschiebe,  von  Pluss- 
oder Bachgeröll  gebildete  Sandbank,  Insel  oder  Halb- 
insel, Flussbank  Aa;  B;  F;  G;  „Sch;"  S;  Ndw;  U; 
Zg;  Z.  Syn.  Grind;  vgl.  auch  Grien-Kopf,  Schachen, 
Sand.  ,iy  Emme'  chimnt!'  i'"*  cha'"  das  Wort  no''' 
g'höre*,  tvie  's  d'  Miieter  rüeft,  wo  Peters  Chlais  un'' 
i«*  üs  uf  em  Grien  mit  Gröjiple  wei'  v'rtore"  B  oE. 
(Schwzd.).  ,Das  alte  Kander-Gr.'  heisst  das  vormalige, 
seit  1714  trocken  gelegte  und  der  Vegetation  anheim 
gegebene  Bett  der  Kander.  ,Auen  und  grien.'  1344, 
Aa  Urk.  (Ölhafen).  ,Der  nachrichter  soll  synen  lyb 
hinuss  uf  das  gr.  by  der  Sil  füeren  und  da  verbrennen.' 
XV.,  Z  Blutgerichtsordn.;  hiezu  vgl.  die  gr'ere  zu  Paris. 
Die  Hofleute  von  Rorschach  sehen  sich  genötigt,  hinab 
auf  das  ,Grien'  am  See  zu  bauen,  da  die  Herren  die 
Guter  bis  zum  Ettcr  an  sich  gezogen.  1529,  Absch. 
,Die  Juden  wurden  1.349  am  gr.  dauss  an  der  Sil  ver- 
brennt.' HBuLL.  1572.  ,Uf  die  100  schritt  von  dem 
gestad  uf  einem  trocknen  gr.,  so  sunsten  iederzyt  mit 
wasser  des  Ehyns  bedeckt,  ward  ein  schiessen  zu  einer 
gedächtnuss  solches  kleinen  Ehyns  gehalten.'  Bs  Chr. 
c.  1580.  ,Sind  wir  [bei  der  Schifffahrt]  auf  den  gr. 
kommen.'  1595,  ThPlatt.  (Bs  Jahrb.).  ,Der  Nach- 
richter soll  sy  [die  Piädelsführer  vom  Wädenswyler 
Aufstand]  hinus  uf  die  gewonliche  Wallstatt  des  Griens 
führen.'  1646,  Z  Staatsarch.  ,Zuegleich  sollen  auch 
die  zwei  nebent  Glanzenberg  neuw  angesetzte  Grien, 
da  bis  dato  nach  kein  Holz  erwachsen,  nit  verfachet, 
noch  verschlagen,  sonder  die  Schwiren  oder  Fächlin, 
die  in  selbigem  Giessen  allbereit  gesetzt,  wider  ufgetan 
werden.'  1658,  AAWett.  Klostcrarch.  .Demnach  sich 
etwas  Span  und  Missverstand  antrelFende  die  Pars- 
Gerechtigkeitcn,  item  etwelche  Auwen  und  zuegelegte 
Grien  erhebt  haben.'  ebd.  ,Alluvionen,  Grienen  und 
Ansätze  in  den  Flüssen  gehören  den  regierenden 
Orten.'  1729,  Absch.  ,Das  Kloster  Fahr  hat  die  Griene, 
welche  sich  in  der  Limmat  gebildet  haben  und  rings 
vom  Wasser  bespült  sind,  angesprochen.'  1770,  ebd. 
So  erscheint  denn  das  W.  auch  als  Flurname:  ,Uf 
den  Grienen.'  1653,  AAWett.  (Arch.).  .Streueland  auf 
dem  grossen  Gr.'  ZHöngg.  —  2.  Blasenstein  (als 
Krankheit).  Syn.  Ch'ies.  ,Vil  krankheiten  als  grien 
udgl.'  TiERB.  1563.     .Calculi:   ein  krankheit,  die  man 


nennt  den  stein  oder  das  gr.'  Fris.;  Mal.  ,Wir  wend 
ouch  nemmen  das  Wasserglas,  so  sehend  ir  das  grien 
dest  bass.'  Z  Laz.  .Schräpf  uf  den  Lenden,  tut  das 
Gr.  fast  von  dir  wenden.'  XVI.,  Z  Kai.  ,Dieses  Öl  ist 
auch  sehr  nutz  und  gut  denen,  so  schwarlich  harnen, 
dann  es  treibt  heftig  das  Gr.'  JRLandenb.  1608.  — 
3.  {Gri'  ScH;  ZBenk.)  die  edeln  Eingeweide  des 
Schlachtviehes:  Lunge,  Leber,  Herz,  Luftröhre;  auch 
Kalbsbröschen,  Fettnetz?  Sch;  U;  Z.  In  U  wird  auch 
Kopf,  Blut  und  Fett  dazu  gerechnet.  Comp.  Chalber-Gr. 
Vgl.  In-sigel.  Synn.  Griel;  Gerick;  Gelüngg;  Geliher; 
Gestell.  Man  kauft  beim  Kuttler  es  Grie'  ZStdt  und 
isst  es  in  Fleischbrühe  mit  Gewnrzzutaten  gekocht 
als  Voressen  oder  Fischwis.  ,Botz  ochsengrien ! '  Rdep. 
.Grien,  eingeweid,  exta.'  Mal.  ,Die  kalbsköpf  und 
die  grye  sond  sy  nit  zue  dem  kalbfleisch  wägen.'  Aa 
Metzgerordn.  (Boos  338).  ,Gr.,  Eingew eid.  Gerick, 
viscus,  exta.'  Red.  1662.  ,Es  sollen  die  Metzger  das 
Kopffleisch,  die  Kröss,  Grien  (bei  welch  letzteren  auch 
das  Herz  sein  soll)  und  Milzi  besonder  und  ohne  das 
Fleisch  verkaufen.'  1770,  Z  Metzgordn.  —  4.  (Dim. 
Griendli)  Flicklappen  auf  alten  Kleidern  Zg;  Syn. 
Glüngg.  Vgl.  üsg'seh  ivie-n-e  üfg'hauni  Chue.  von 
einem  vorn  unordentlich  Gekleideten. 

Die  Ausspr.  mit  «e,  welche  auch  in  dem  U  .Gruenl).ich' 
auftritt,  beruht  auf  falschem  RUckuml.  in  Folge  lautlicher 
Anlehnung  an  gräen.  —  3  hat  viell.  ein  anderes  Etymon, 
was  die  Sch  Form  zu  bestätigen  scheint.  Im  L  Ratsbüchl.  2  b 
kommt  eine  der  Bed.  nach  trefflich  zu  unserem  W.  stimmende 
Form  mit  eingeschobenem  furtivcn  e  und  einfachem  Voc.  in 
der  Stammsilbe  vor :  ,Die  fleischmetzger  sullen  enhein  beckin 
noch  geissin  houpt  jeman  versagen  umb  1  den.  und  ein  schefin 
houpt  und  ein  geria  ietwüdcr  umb  2  den.' 

In-  s.  In-grüen. 

Hasel-:  mit  kleinen  Kieselsteinen  gemischter 
Ackerboden  L.  —  Durch  A'ergleichung  der  kleinen  Kiesel 
mit  Haselniisseu.     Vgl.   U.-Grund. 

Kis-  =  Grien  1.  .Die  Strassen  mit  vcrfüllung  der 
löcheren  wegsam  machen,  und  mit  k.,  wedlen  [Reisig] 
und  holzwerk  befüeren.'  1569,  BSigr. 

Berg-:  Bergkies,  im  Gegs.  zum  Wasser-:  Kies 
aus  dem  Aawasser  Ndw. 

griene"  (gntene"  Oew):  1.  Steine  aus  Flussbetten 
wegräumen  Uw.  —  2.  Kies  führen,  schütten,  auf 
Strassen,  Plätze  B;  Gl;  G;  Schw;  Uw;  Z.  Mir  hend 
Mütsche'  und  Stei"  bis  g'nueg  im  Bisistal  hinde";  aber 
wie  da  d'  Herre'  z'  Schwyz  d'  Strasse"  b'setse"  [pflastern] 
und  drüber  griene",  das  täte"-mer  fri  niene'.  Schw  Fas- 
nacht 1883.  —  über-:  mit  Geröll,  Kies  überschütten, 
wie  z.  B.  ein  ausgetretener  Bach  Äcker  und  Wiesen ; 
bes.  aber  die  Strassen  mit  Kies  beschottern  B;  Gl; 
Sch;  Uw;  Z. 

^Grienere"  f.:  Stelle,  wo  Grien  vorhanden  ist," 

Kiesgrube.  —  A'gl.  Erlsere  Bd  I  431,  J/erderen  und  andere 
Bildungen  mit  diesem  Suff. 

grienig:  1.  voll  Geröll,  kiesig  Bs;  Uw;  Z.  Gr-e^ 
Bode',  Gegs.  zum  Lehmboden.  —  2.  am  Blasenstein 
leidend  (vom  Vieh)  S.  ,Dass  die  eselmilch  den  grie- 
nechten, oder  so  das  gries  und  reissenden  stein  haben, 
nichts  schadet.'  Tierb.  1563.  .Grienig,  dem  gr.  und 
stein  underworfen,  calculosus  homo.'  Mal. 

Grieni"g  f.  =  6rne« .2  L.  ,Für  die  Grienig.  Nimm 
Leiterlikrut  und  rot  Krudwürzen,  legs  in  wyssen  Wyn, 


749 


Uran,  gr 


?50 


Süd  Erbskost  darus  und  iss  es  unzüget  und  unge- 
salzen.' ZZoll.  Arzneib.  1710. 

Grönaker,  Groniker,  GrOnOr  s.  Grcm-Epfel 
8p.  369  und  Grauwacher. 

grönelen,  Grüni  s.  yrauw-. 

grunnen:  grunzen.  .Kaucus  Stridor,  das  rüclilen, 
Winsen  oder  gr.  der  Schweinen.'  Fkis. ;  Mal.  -  GruuJw. 
iks  iilid.   .grunzen'. 

ngrnnje":  brummen,  murren,  Widerreden  Gr."  Syn. 
runjen. 

K.iiim  Nbf.  zu  dem  Vorhergehenden,  sondern  aus  rätorom. 
•jriiijniar,  gruotjner,  grunzen,  mnrren  (vgl.  frz.  <jioijiier,  sich 
beklagen). 

grün:  1.  finster,  mürrisch,  zornig,  unfreundlich, 
sauer,  von  den  (iesichtszügen,  der  Miene  BHk. ;  Gr. 
En  (jr-i  (!'!<irlil  )iiifche'.  (Ein'")  gr.  (nußuegC,  sauer- 
töpfisch ilreiii  (all Ischauen.  Syn.  hässig,  widrig.  — 
2.  rauh,  kalt,  vom  Wetter  BHk.;  Gr.  Es  ist  Iri.J  ii,„l 
gr.;  ,ein  gr-er  Luft',  schneidend  kalter  Wiiul;  '>  i-<i 
gr.  am  Luft,  der  Himmel  sieht  rauh  aus,  auch  \"in 
wolkenlosen  Winterhimmel  gebraucht  .sofern  er  grosse 
Kälte  bringt  BHk.  —  Vgl.  das  für  beide  Bedd.  syn.  gn™  ; 
s.   auch   ./.»,«. 

er-grüne"  Gr,  -grüne"  W:  1.  zornig,  unwillig 
werden,  sich  ereifern  W;  Syn.  er-grinnen.  E.  über  e 
Sach.  Aber  wie  der  [verratene  Käuber]  ersprungu, 
erschmiet  [erschrocken]  und  ergriiinet  slgi!  W  Sag.  — 
2.  finster  blicken  GrS.  Übertr.  vom  Wetter:  unlieb- 
lich, unfreundlich  werden  Gr.     Vgl.  grisgrammen. 

Vgl.  ahd.  yriurm.  Begierde,  Heftigkeit,  (Irans.inikrit ; 
Zshang  mit  dem  Syn.  enjrinnen  anzuneliiiiiii.  vnliiilil  .li. 
Verschiedenheit  des  Voc. ;  ebenso  bereitet  :ilhl.  -;.",..  .Iiiniihi. 
Elend,  Unheil,  schon  nach  Seiten  des  besriHli' b^  ii  /.NbanL-h 
Schwierigkeiten;  hingegen  vgl.  noch  tir.  yrüiun,  (jnnuil'u, 
murren,   unser  tfi-unnen,  tjrunjen,   und   s.   eryntenen. 

Grüni  f.:  1.  vor  Schmerz,  Kummer,  Ärger,  Wider- 
willen verzogenes,  finsteres  Gesicht  GrI>.  -  '-'.  vor- 
übergehendes  oder  als  Charaktereigensrhaft  blcili.-iiilr^, 
mürrisches  Wesen,  düstere  Stimmung,  verschlissener 
Eigendünkel,  Misanthropie  GrD.  B'hüM-isch  d-i/r  Her, 
ist  das  •!  Gr.!  welche  Verstimmtheit  verrät  seine  ein- 
silbige, unfreundliche  Antwort! 

Grünli  n.:  kleines  Gestell,  wie  es.  oft  nur  aus 
einem  Brett  bestehend,  in  Bauernstuben  an  der  Wand 
vorkommt  GflSch. 

Aus  räto-rom.  cruna,  horizontal  feststehendes  Gestell  iu 
einem  Kasten ;  vgl.   das  Syn.    Granne  und    Gwaune. 

grnen  Btw.;  Ltw.;  UwE.  (neben  grien),  sonst 
grüen,  in  Gl;  GuPr.;  G;  ScnStdt;  ZO.  griie,  in  Ap 
(tw.);  GA.  grü',  in  Seil  (tw.) ;  TaTäg.  gro":  1.  wie 
nhd.,  von  der  Farbe,  bes.  (in  B;  L  mit  dem  Voc.  iie) 
als  charakteristische  Farbe  der  treibenden  Pflanzen, 
allg.  Es  ist  no'''  nid  starch  griien,  von  den  Wiesen 
im  Frühjahr;  's  Griten,  junge  Triebe  L.  I"  's  Griien 
g'seh,  Aussicht  ins  Freie  haben ;  fig.  =  noch  etwas 
Trost  und  Hotfnung  haben  B  (Zyro).  Griicdiis.  in 
L  Griioi^:  1)  grünes  Gewürz.  z.B.  Lauch,  auf  die 
Suppe,  daher  auch  Siippe-Gr.  Aa;  Bs;  B;  L;  Z;  auch 
=  frisches  Gemüse  Aa;  Sch;  Z.  ,Das  Grüns  (Binetsch, 
Peterlein).'  Bs  Kochb.  (Stup.).  2)  Grunfutter.  allg. 
Gr-s  fuetere".  D'  Cime  trüet  (git  wider  me  Milch), 
sobald  si  n's  Gr.  chunnt,  wieder  Grünfutter  erhält  Z; 
j"  's  Gr.  cho'  (falle'),  mit  dem  Werfen  in  die  Zeit  des 


Grünfutters  (im  Frühjahr)  fallen  B;  Z.  ,Wenn  die 
Kühe  ins  Grüne  oder  zum  Grünen  kalben.'  Gottii. 
■i)  Vorteil,  Gewinn.  Nüd  vil  Griiens  mache',  z.  B.  mit 
sim  Handle'  [Handelsgeschäften]  BBe.;  Id.  B;  vgl. 
grüen  3.  S.  noch  Brut.  —  E  grüeblüemlets  Häs  [Kleid] 
GRPr.  Grüene(r)  Sessel,  grün  ausgeschlagener  Sitz 
der  höchsten  Standespersoiieii,  dann  auch  die  Amts- 
stelle selber,  allg.;  vgl,  Scini.ii  is?:',,  iil.  Grieni  Schotte, 
Nachmolke  Gr  ObS.  Der  Teufel  erscheint  etwa  als 
e  grüens  Mannli,  als  Jäger;  s.  Schwz.  Erzähler  1856, 
5.  12.  Es  wird-mer  gr.  und  gel''  vor  de'  Auge",  die 
Sinne  schwinden  mir  Z.  ,Es  war  mir  vom  vielen 
Lugen  ganz  gr.  und  blau  vor  den  Augen.'  Breitenst. 
Grüener  Esel  s.  Bd  1  515.  ,Grüoner  käfer,  cantharis.' 
Mal.  Grüene  Fade",  aus  aromatischen  Substanzen  be- 
reiteter, grünlicher  Linneur  GStilt:  es  ((fl/isli)  Griieiis, 
Gebranntes  B;  L;  Syn.  nr„/„  /•'„./,„,  Il,lln:.  UnU- 
wagensi/rup.     ,Sein    Gla-elien    Ciun-..-    (inim.     (Iiun- 


sul,,t.  ,.„  Cr-,.  .1,,'  Gr-r'i.  D,"  L.ih"-  u""'  ,/. "  Iii- 
dastn.JniJ.r  l,rh,„r"  ,li,'  li,-,"  ,,\.nl  ,,.■'  „iijr"  ,lan 
SChwurl,".  .ininn-  l-„Al„niir,„ili.  in,  si  I r,:,l  li,i\  Ur 
BXki  l-^--..  So  ainl,  I)  Soblat  in  yruner  rnitonn, 
,Beim  Umzug  der  sogen.  Fänderb'-satzig  im  Uberwallis 
marschierte  Militär  auf:  zuerst  die  Gr-en,  dann  die 
Roten  mit  Röcken  aus  den  französischen  und  neapoli- 
tanischen Diensten  und  zuletzt  die  Blauen.'  Nidw. 
VoLKSBL.  Spec:  Scharfschütze  U;  Z,  für  welche 
Waftengattung  das  Z  Militärregl,  ISlS  Uniform  von 
dunkelgrihiem  Tuche  be.stiniintr ,  wie  srlion  1805 
IVir  .lio  i;,.'sainmten  eidg.  Stände  eniplohli'ii  worden. 
.'1  roli/,eidiener  Bs.  3)  Uflieier  des  eidi;,  Stabes, 
allg.  S.  i>i,steli-Kal.  1845.  4)  eiiio  -.»i.sr  K';irte 
im  Kaiserspiel,  der  Eichelkaiser  \(ii:n,  ■' i  '.iiiii- 
specht  Bs.  —  2.  frisch;  Gegs,  (Ziin-,  nli.  .ilU-  (hiuiii 
Sliirlli.  Äpfelselniitze;  gr-i  Bone".  Grmiijs  Fleisch, 
ijr-i'  Spci-k.  !ir.  U'iiisl .  von  frisch  geschlachteten 
l'ii'ren.  im  Ge,i;s,  zum  l.'ainherrteisch  oder  gesalzenen; 
gr-t  Sappe,  solche  von  li  isehoTii  Flejseh.  Bouillon  B; 
grüene  Chäs  Bs.  Gm  S,'liiii,il..  IVi-rho  loiifoi  S,  nlla.. 
Kl.  Ettan  nsia  linb.,1  Fim  ./'s  (.'///o,,,,,  .,,,„i,,i,r.,ti,f'' 
„rlnid„t  Fim's  Tigii;  |i  n-iauelierle  |  ( Inl'r.  (S.lnw.d,  i. 
Am  Mai-  und  Maitiiiimarkt  sehirktr  man  in  Z/oll. 
Kimler  und  l.eiehto-laubi-v  mit  der  lei.olielien  Ver- 
siehernn-  au  die  Laiidstrasse,  es  «erde  eine  -rune 
Kuh  [Wortspiel  mit  Bed,  IJ  nach  Zilrieh  gefuhrt.  ,Üer 
kuchimeister  soll  guete  gemües  ordnen,  gr,  und  'tigen.' 
1495.  G  Küchenordn.  .Nimmt  man  die  12iio  fiseli  vor 
dem  Li.  tag.  so  soll  man  s'  gr.  gün,  git  man  s'  dar- 
nach, tiirr  gen,'  löl'l,  4'iiGottL  Offn.  ,Gr.  fisch'  im 
Gegs.  zu  ,ein  'tigen  stüek  lisch.'  G  Hdschr.  ,Gr.  fisch 
habend  wir  ouch  noch  nie  'kocht,  aber  stockfiscli  und 
häring,  die  ich  dann  lieber  iss.'  ABlaarer.  .Fleiseli 
von  Schweinen,  gr.  oder  gesalzen.'  ÄgTschüdi.  Gall, 
,llas  usgeben  des  hohes  soll  us  gruenem  und  türrem 
lieselieN-heii.'  1562,  Z  Kechtsptl.  ,liie  würst  helfen  ver- 
sueehen,  diwyl  sy  noch  grien  sind.'  lösl,  FI'latt.  — 
Griicid  Fhrlilc.  nasse,  im  (iegs.  zu  .trocknen'  Gr; 
vgl.:  ,Der  einen  diirren  iMlei  griienen  fliessenden  grind 
hat.'  1548,  Lkvii.;  dafür  liHiT:  , eine  dürre  oder  fleus- 
sende  Raud.'  —  Neu,  in  der  Bezeichnung  des  Neu- 
monds als  grüene''  Manot  W.  Übertr.:  lebensfrisch, 
-kräftig,  lebendig;    Syn.  im  Saft;   Gegs.  abgestanden, 


751 


ran,  gren,  grin,  gron,  grnii 


tot.  Zeugungsfähig  B;  ledig,  unverheiratet  SonSt. 
Ein  Verheirateter  ladet  eine  Unverheiratete  ein,  sich 
neben  ihn  zu  setzen,  mit  den  Worten:  Chömmed  a' 
ml''  (jr-i  Site!  Sulger;  doch  s.  auch  gr.  i.  S.  v.  ge- 
wogen. Die  selbe  RA.  in  Z.  ,Sitz  an  die  gr-e  syten 
myn!'  HsRMan.  ,Ein  gr-es  [Gegs.  ,graues']  Haupt 
tragen',  noch  jung  sein.  AKlingl.  1691.  ,Wurdind  nit 
mit  dem  wort  alle  verzwyfleten  widrum  gr.  [zuver- 
sichtlich] gemacht?'  Zwingli.  ,Es  müesste  sölliche 
bottschaftschickung  zue  der  zyt,  [da  die  Angelegen- 
heit] noch  nüw  und  gr.  [in  lebendiger  Erinnerung], 
geschähen.'  1588,  Absch.;  vgl.  in-grüen,  griienen.  Ei"'m 
gr.  [gewogen]  si".  allg.,  viell.  vom  Grün  als  der  Farbe 
des  Heils.  Hieher  gehört  viell.  die  Benennung , Grüner- 
donnerstag' für  Donnerstag  vor  Ostern.  Wer  an  diesem 
Tage  heim  Nachtessen  zuerst  in  die  Schüssel  langt, 
ist  Judas  LEottal.  Der  Tag  gilt  als  günstig  für 
die  Bestellung  der  Sommersaat  Aa;  Z.  We"  mii 
d'  Chinder  am  Grüendonslig  d's  erst  Mal  z'  Predig 
nimmt,  su  werde  si  b'sinnt<}  [bekommen  ein  gutes  Ge- 
dächtniss]  BBe.  ,Man  lüt[et]  euch  an  disem  gr-en 
donnstag  mit  allen  gloggen  zum  amt,  darnach  lut[et] 
man  nummen  mer,  bis  an  den  h.  abend  zu  osteren; 
man  vergrabt  euch  niemand  diso  3  tag  bis  an  h.  abend, 
so  man  zenimen  hat  g'lut  zum  amt.  An  disem  gr-en 
d.  nachmittag  um  2  uhr  lüt  man  mit  der  hülzinen 
gloggen  zur  predig.  Uf  disem  gr-en  d.  daflet  man  [mit 
der  Holzklapper]  um  die  sechse  nachmittag  zuo  der 
mettin  wie  voriger  nacht  am  mittwoch,  doch  mit  der 
hülzinen  gloggen.  Die  knaben  klopfend  vor  und  nach 
dem  benedictus  mit  iren  ratschen.  Man  soll  ouch  an 
disem  tag,  e  man  den  passion  anfacht  zue  predigen, 
under  tag  die  altär  entdecken,  da[ss]  sy  gar  bloss 
syen  und  die  waschen  mit  wyn.'  1588,  Schw  Kirchen- 
ordn.  ,Am  grüenen  oder  hochen  Donnerstag  gibt  man 
dem  Weibel,  welcher  die  13  alte  Männer  zum  Morgen- 
essen, wie  auch  die  13  Knäbli  zur  Fuosswaschnng  ein- 
laden muss,  ein  Morgenessen.'  1731/49,  UwE.  (Gfr.). 
,Der  Donnerstag  in  der  Karwoche  heisst  der  gr.  D., 
weil  der  Heiland  an  demselben  Tage  an  den  Ölberg 
hinaus  gegangen.'  vMoos  1775.  —  3.  nicht  zeitig,  un- 
reif, von  Früchten,  allg. ;  verst.  grasgrüen.  No'''  z'  gr., 
noch  zu  jung  (von  Menschen)  W;  Syn.  noch  nit  troche" 
(noch  nassj  hinder  den  Ören.  Gr.  ist  der  Teig,  der 
noch  nicht  genug  gegohren  hat  Bs  (Spreng);  Gegs. 
rif.  ,Es  ward  mir  we,  [denn  ich]  hatt  so  viel  griener 
nussen  gössen,  dann  sy  fielen  umb  die  zyt  ab.'  ThPlatt. 
1572.  —  Hieher  viell.  auch  der  Ausruf  der  Verwun- 
derung: 0,  du  gr-i  Barmherzigkeit !  falls  damit  urspr. 
das  Erstaunen  über  kindische  Naivetät  ausgedrückt 
werden  wollte  Bs ;  vgl.  barmherzig  i.  S.  v.  erbarmungs- 
würdig. —  4.  blass,  von  der  Gesichtsfarbe  (eig.  von 
einer  ins  Grünliche  spielenden  Missfarbe) ;  ohne  Le- 
bensfarbe, abgemagert  AABb.;  Ap;  GG.;  U;  Z;  verst. 
gr.wndgelfb);  ygl.  Grüenling.  —  5.  „rauh,  kalt,  von 
einem  scharfen,  schneidenden  Winde  BO."  —  6.  „mür- 
risch, sauertöpfisch  BO."  En  Grüene,  ein  strenger 
Officier  GRBhw.     Viell.  zu  1,  3). 

Mhd.  grüene,  in  Beil.  1  a.  2.  Die  umlautlose  Furui,  welche 
im  Allg.  beschränkte  Anwendung  auf  einzelne  Bedd.  zeigt  und 
nie  bildlich  vorkummt,  mag  ihren  Lautstand  z.  T.  der  An- 
lehnung an  das  Vb.  gruenen  verdanken,  doch  findet  sich  ijrnen 
mehrfach  in  Mey.,  Wthur  Chr.  (15-10/73)  und  auch  sonst  in 
altern  Belegen  (s.  o.).  Von  Flurnn.  gehören  zunächst  hieher 
im  (»Von,  froh  grünende  Alpe  LE. ;   im  Horsteifjrfin,  abgelegene 


Alpweide  BSchw.  Die  Compp.,  deren  erster  Teil  gr.  ist  (bes. 
zahlreiche  Flurnn.),  werden  t.  nach  der  Kegel  mit  dem  ein- 
fachen Wortstamm  Gruen-,  vgl.  z.  B.  Gruen-Acher  (Bd  I  65), 
-Ifag,  -Mäd,  die  Flurnn.  Gruen-Boh,  -Matt,  -Wald  u.  A.,  t.  vom 
Adj.  i;r«en  gebildet,  vgl.  Grüen-Eyg,  Grüenen-Berg,  -Matt,  -Wald 
u.  V.  A.  Betr.  den  Namen  des  Gründonnerstags  vgl.  Gr.  WB. 
unter  .Donnerstag,  Kohl  6',  Kohlkräutlein'  und  Oberle,  Über- 
reste des  germ.  Heidentums,  S.  96  £F.  Zu  4  vgl.  engl,  green 
»ickness,  Bleichsucht.  Den  Bedd.  5  u.  6  mag  eig.  das  Syn. 
grün  zu  Grunde  liegen  (wenn  nicht  von  St.  oder  seinen  Ein- 
sendern geradezu  .grün'  an  ,grüen'  vertauscht  worden);  eine 
Unid.  auf  den  Namen  der  Farbe  lag  um  so  näher,  als  ,grün' 
auch  symbolische  Farbe  des  bösen  Sinnes,  des  Neides  (vgl. 
der  ,blasse'  Neid)  ist  und  auch  dämonische  Wesen  grün  sind ; 
vgl.  Mannhardt,  Baumk.,  S.  64,  und  Wolf,  Beitr.  zur  d.  Myth. 
II  332  f.  und  s.  Grüen-Hüetler.  Vgl.  auch  noch  die  RAA. 
,grün  und  blau  (bleich)  werden  vor  Ärger,  Zorn.'  —  Betr. 
den  Abfall  des  ii  vgl.   hÖ',  eehö".  küe". 

öl-grüe":  olivengrün  Z.  Äch,  hätt-i'''  au"'  mls 
ölgrüe  Böckli  [statt  des  modischen  Kleides]  o".'  Stütz. 

Immer-:  1.  wie  nhd.,  vinca  minor,  allg.;  Syn. 
In-,  Winter-Griten.  —  2.  Epheu,  hedora  helix  AaF.; 
Syn.  Ah-Ueu. 

i(n)-:  I.  Adj.  1.  ,Perviridis,  fa.st  grüen,  i.'  Fris.; 
Mal.  —  2.  frisch,  stets  im  Gedächtniss  lebend,  er- 
innerlich Gl.  Es  sind-mer  dieselbe  Zite'  wider  igrüe 
tcorde*.  Gl  Volksgespr.  1834.  Die  Gsdiicht  ist -mer 
no"''  igrüe.  Sdlger.  .Soll  uns  dann  nit  ohne  Under- 
läss  yngrüen  sein  magni  Bullingeri  vox?'  XVÜ., 
JJIrm.,  Synodalreden.  ,Es  ist  noch  eingrün,  in  recenti 
est  memoria.'  Denzl.  1716.  ,Die  Sünde  der  Verläug- 
nung  des  Herrn  lag  dem  Petrus  so  tief  inn  und  wäre 
im  so  eingruen,  dass  er  keinen  Hahn  schreien  ge- 
hört, dass  er  nicht  bitterlich  weinen  müssen.'  JJUlr. 
1727.  —  II.  Subst.    I(n)grüenli,  bezw.  tgrüli,  Igrilli: 

1.  =  Immergrüen  1  Scu.  .Streit,  ingricn,  clematis  daph- 
noides,  vulgo  vinca  pervinca.'  KdGessn.  154'2.  ,Cha- 
niaidaphne,    Eingrün,    Streit.'    Denzl.  1677;    1716.  — 

2.  =  Immergrüen  3.  ä.  Lit.  Vom  Tierb.  1563  unter 
den  purgierenden  Kräutern  aufgeführt. 

Mhd.  ingrüen  in  Bed.  I  1,  wobei  in-  verstärkende  Bed. 
hat,  wie  Sinn-  in  ,Sinngrün'.  Betr.  den  Bedeutungsübergang 
von  I  1  zu  I  2  Tgl.  den  Beleg  aus  den  Absch.  unter  gruen  2 
und  gntenm.  Zu  II  vgl.  Gr.  WB.  unter  ,Ein-,  Ingrün'.  Die 
bei  Fris.;  Mal.;  Denzl.;  ZZoll.  Arzneib.  1710  (,Yngrüeni') 
für  die  mlat.  clema,  clematis,  vinca  (-pervinca)  vorkommenden 
Namen  ,Yn-,  Ein-grüen'  können,  der  Vieldeutigkeit  jener  lat. 
Ausdrücke  wegen,  welche  Schling-  und  Rankengewächse  übh. 
bezeichnen,  auf  II  1  u.  2  bezogen  werden.  Epheu  war  als 
Abführmittel  officinell. 

grellig-:  ganz  grün,  i.  S.  v.  grücn  3;  gr.-grües 
Obs,  ganz  unreifes  GlK. 

grasliche-  GTa.;  UwE.,  -licheli-  ScnSt..  -liched.- 
ZNer.:  verstärktes  grüen  in  Bed.  1  und  2.  ~  Vgl.  die 
Anm.  zu  yoldtivhe-gH"'  Sp.  293. 

chris-:  verstärktes  grüen,  grün  wie  (Tann-) 
Reisig  B. 

lauch-  Ndw,  kn  ob  laue  h  fc/jnofc^V-  Z,  Schnitt- 
lauch {schnitthch  GW.,  schnittlet  GrHc.,  Pr.)-:  1.  dun- 
kelgrün Gr;  G;  Z.  Die  schn.-n,  prächtagn  Alpweida. 
MKuoni  (Schwzd.).  —  2.  grün  i.  S.  v.  2,  verstärkend, 
z.  B.  von  frisch  gefälltem  Holze  GsHe. 

Maie"-  n.  Z,  -Grüeni  f.  L;  Z:  im  Mai  sprossen- 
des Wiesengrün.  Uf  (i")  der  M-grüeni,  Flurn.  LNeuenk., 
Ballw.,  wahrsch.  im  Gegs.  zu  Märzen-Gr.,  einen  spät 
jrrünenden  Platz  bezeichnend. 


Gran,  greii,  griu, 


754 


Märze°-Z,  -Grueni"g  ZFebr.,  -GrüeniAA;Z: 
im  März  sprossendes  Wiesengrün.  M.  chunnt  nüd 
(selte'J  uf  d'  Heutüli  Z ;  es  ist  no"'  kei  M.  uf  de'  Heu- 
stall u-e  cho  AABb.;  daher  das  Sprw.:  d'  31.  sett-m<i' 
(mit  HolzsclÜMjle")  in'n  Boden  ine'  schlo'  L;  Zg;  Z. 
M.-Gräeni  f-GröniJ,  Jumpfere'  (Aprille')-Sclwni  und 
Pfuffe'-Ühermuet  ist  niene'ziie  (tuet  selte'J  guet.  Sülg. ; 
Sj'rww.  1824.    Vgl.  noch  März,  Märzen-Bhtest. 

miesch-:  moosgrün,  typische  Bezeichnung,  ähn- 
licli  wie  gras-,  schnittlauch-gr.  L. 

Nagel-:  Entzündung  der  Nagelwurzel,  infolge 
welcher  der  Nagel  abgestossen  wird  S. 

Weun  Dicht  etwa  blosse  Entstelhiug  aus  dem  Syn.  jV.-ßciie, 
aus  der  oft  ins  Grünliche  spielenden  Missfarbe  des  abgestos- 
senen  Nagels  erklärbar. 

Berg-:  grün  gefärbtes  Mineral,  bes.  Kupfergrün 
(Malachit)  und  Borax.  ,B. ,  chrysocolla,  santerna.' 
Fris.;  Mal.;  JJNijscn.  1608;  Denzl.  ,Berggrünichte 
Körnlein  und  Stäublein  sind  [dem  Cristall]  auswendig 
angesprengt.'  JJScheuchz.  1740. 

saft-:  1.  Farbenbezeichnung.  XV.,  G  Stiftsarch. 
—  2.  zu  griien  2,  von  im  Safte  stehendem  Holze,  allg. 

Schifer-.  , Chrysocolla,  quasi  gl uten  auri,  Schitfer- 
grün.'  Wagner  1680.  Auch  bei  JRLandenb.  1608.  — 
Vou  der  schiefrigcn,  blättrigen  Struktur  des  Gesteins,  also 
=  ,Grün3i;hiefer'. 

Schiller-.  , Chrysocolla,  berg- oder  schilergrüen.' 
Fris.;  Mal. 

Von  der  schillernden  Farbe;  vgl.  das  Nhd.  .Schillerspath', 
welches  Mineral  glimmerartige,  grüne  Blätter  in  sorpentin- 
artigem  Gestein  zeigt. 

abschlag-.  ,Prasinus  color,  louchfarb,  grüen- 
färbig,  a.'  Fris. 

Obschou  auch  sonst  noch  belegt  (s.  Schni.-Fr.),  doch 
wahrsch.  nur  umgedeutet  aus  ,aschlauch-gr.'  (von  allium  as- 
calonium). 

Span-  (Spä-  B  tw.,  Spann-  B;  FMu.)  n.,  auch 
Spann-Grüeni  f.  B;  F:  Grünspan  B;  F;  Nnw.  In  der 
a.Medicin  sehr  viel,  bes.  zu  Salben,  verwendet.  ,Span- 
grüen'  neben  ,spongrüeny.'  Arzneib.  1556.  ,Aerugo, 
kupferrost,  quod  vocamus  spangrüene.'  Frls.;  Mal. 
Bei  JJNüscH.  1608  selten,  neben  häufigerem  ,Grüen- 
span'.  ,Das  Kupfer  wird  überzogen  mit  Kupferrost 
(mit  Spongrün,  Kupfergrün).'  Spleiss  1667.  , Span- 
grüene', neben  ,Spa-'  und  ,Spo-Grüeni.'  ZZoU.  Arzneib. 
1710.  Bei  GoTTH.  auch  als  Adj.:  , Damit  die  Geldsorten 
nicht  sp.  werden.'  —  Mhd.  epangrüen.  Bei  JRLandenb.  1608 
einmal,   wohl  beeinflusst  durch   , Grünspan",  als  Masc. 

wi°-:  1.  frischen  Weingeschmack  und  -Geruch  an 
sich  habend,  bes.  von  schon  gebrauchten  Fässern, 
die  den  Holzgeruch  verloren  haben,  die  man  aber, 
ohne  dass  sie  eingebrannt  oder  gereinigt  werden, 
bald  wieder  verschlägt  Bs;  L;  ScH;  Th;  Z.  ,Fass 
Nr.  11,  den  13.  März  geleert,  ist  w.'  ZZoll.  Herbstrodel 
17'2S.  Ubertr.  auf  Menschen  =  frisch,  wie  lebendig: 
Ml'  liebe,  fromme  Bantli  sei.  ist  mrr  ose  wider  ganz 
uügrüe  fürcho".  Bantli  1712.  —  2.  Subst.,  Bärlapp, 
lyc.  Clav.  ,Es  ist  ein  kraut,  heisst  bärendappen,  bären- 
bruech  oder  w.'  Tierb.  1563;  vgl.  ebda:  ,Wo  man  das 
kraut  in  wein  henkt,  bringt  es  den  wein  wider  und 
erfrischet  in.'     Syn.   Winter-Griien. 

Im  Elsass  soll  Bärlapp  noch  zur  Verbesserung  der  Weine 
dienen,  wenn  sie  umschlagen  wollen. 

Winter-:  Name  verschiedener  perennierender, 
den  Winter  über  grün  oder  frisch  bleibender  Pflanzen; 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


spec.  a)  Immergrün,  vinca  minor  GWe.;  ScuSt.  — 
b)  Bärlapp  G  uRh.  —  c)  Mistel,  viscum  album  GRVal. 
—  d)  Perlen-Ruhrkraut,  gnaph.  marg.  GWe.;  Syn. 
Strau-Bluem.  —  e)  .Mercurialis,  schysskraut,  etlich 
bingelkraut,  w.'  Fris.;  Mal.  ,Nimm  Erenpryskrut 
und  W.-Grüene  und  süd  sy  bede  in  halben  Wasser 
und  Wyn.'  ZZoll.  Arzneib.  1710.  —  f)  ,W.,  pirola.' 
Ende  XV.,  Schw  Arzneib.  ,Limonium,  W.,  Holzman- 
gold, pirola.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Neuroidcs,  W.,  ein 
Kraut.'  ebd. 

ziger-:  grün  wie  , Schabzieger-,  typische  Bezeicli- 
uuiig,  wie  miesch-gr.  u.  A.  Z. 

Zucker-  (indeclin.)  f.:  grasgrüne  Birnsortc  von 
zuckersüssem  Geschmack  Z  rS. 

Gruenacher,  bezw.  -ocher  ScnSt.;  THSteckb., 
Grueniker  GTlh.  (It  Steinm.  1804);  Th;  Z,  Gruenech  Zg: 
1.  Apfelsorte,  s.  B  I  369;  weisser  Calvill  Z.  Chli-Gr. 
=  Isen-Öpfel  Th;  Z.  Edelgruenech,  eine  Reinettenart 
Zg.  ,Kurzstiler  oder  Gruenikeräpfel'  als  Präservativ 
in  Pestzeiten  empfohlen.  JHLav.  1668.  —  2.  grüner, 
nnreifer  Apfel  ScnSt.;  TnSteckb.  —  3.  übel  (,grün- 
lich')  aussehender,  ungesunder  Mensch,  ebd.  Syn. 
Grüenling. 

Gruene"  f.:  Ziege  mit  einer  ins  Grünliche  gehen- 
den Missfarbe  BBr.  lez  het  d'  Gr.  g'gitzlet,  RA.  im 
S.  V.:  endlich  ist  das  Ersehnte  (z.B.  ein  Bote)  ein- 
getroffen; vgl.  Griieni  n. 

gruene^I,  in  ApK.  gröne',  in  Sch  -ö--  u.  -ö--, 
in  Ndw  neben  gruene'  griene',  in  GA.  gnVe-:  1.  grün 
sein  oder  werden,  bes.  von  den  Wiesen  im  Frühjahr, 
allg.  Im  Juni  gruenet  's  uf  den  Bergen  BSi.  0  Tanne- 
baum,  du  gruenest  Summer  und  Winter  Zu.  (a.Lied). 
,Und  jetzt  fängt  das  Frühjahr  wider  an  und  Alles 
fängt  zu  gr.  an.'  L  (a.  Lied).  We"  mi-  gruenet,  so 
ivachst-m^  [Anspielung  auf  die  fahle  Gesichtsfarbe  einer 
Schwangern;  vgl.  gruen  4];  vgl.:  ,Von  einem  gel- 
grünen, wüsten  Menschen  sagt  Einer,  als  er  seinen 
ansichtig  worden:  der  muss  nit  einen  bösen  Frühling 
gehabt  haben,  in  dem  er  so  wohl  gruenet.'  Schimppr. 
1651.  ,Und  Gott  sprach:  Es  lasse  die  Erd  herfür- 
gruenen  Gras  und  Kraut.'  Z  Bib.  ,Zu  grünen  und  zu 
wachsen.'  JCSulzer  1772.  —  2.  frisch  sein.  JD'  Bude 
gruone',  fliessen,  von  den  nassen,  im  Gegs.  zu  den 
trocknen  Flechten  GrL.  Man  habe  seinen  , korper 
[Leichnam,  nach  8  Jahren]  noch  gruenend  [unverwest, 
frisch]  und  onverzert  fonden.'  Vad.  —  3.  fortleben, 
bes.  im  Geiste ,  Gedächtnisse ;  in  Kraft  bestehen, 
lebendig  fortdauern.  ,Dass  der  alt  [Streit-]  handel  in 
etlichen  lüten  gruenet'  1494,  Absch.  ,Dise  schwer 
fart  [nach  Jerusalem]  hett  mich  angefochten  [stak  mir 
im  Sinn]  ye  länger  ye  mer  und  in  mier  [g']  gruenet 
tag  und  nacht'  Stulz  1519.  ,Nütiss  minder  gruenet 
für  und  für  der  unwill  des  herzogen.'  HBull.  1572. 
,Nüt  desto  minder  gruenet  der  nam  Züriohgöw  dar- 
nebend.' JJRüeger  1606.  ,In  der  Schrift  aber  findet  man 
schöne  Spruch,  welche  immerdar  gruenend.'  JJBreit. 
1642.  —  4.  gedeihen,  wachsen,  zunehmen;  sich  ver- 
jüngen, sich  körperlich  und  geistig,  auch  ökonomisch 
erholen;  florieren,  blühen  (in  bildlichem  S.)  Ap;  Gr; 
G;  Scu;  W;  Z;  Syn.  beklmen,  sehimeren,  zügen.  Es 
gruenet-mu,  es  fängt  an,  ihm  gut  zu  ergehen  W.  Erbs 
ond  Bone  fangt  im  Herze'  a'  (tiie-mer  im  H.J  grone", 
Eier  ond  Brud  (aber  Wl'  und  Wissbrot)  ist  min  (mir) 
bittere  Tod,  sagte  heuchlerisch  ein  Knecht  zu  seinem 


755 


Gran— grün,    {iraiid—giuiul 


756 


Meister  (eine  Frau  zu  ilirem  Manne),  worauf  der  ge- 
tänsclite  Meister  die  Kost  nach  dem  wahren  Wunsche 
seiner  Leute  änderte  Ar;  G.  ,Wo  wäre  niüglich  g'syn, 
dass  [die  Stadt  Bern]  also  in  kurzen  jaren  hette  mögen 
gr.  und  zuenemmenV  TuFrickart  1470.  ,Wo  wir 
dise  aufechtung  des  gyts,  glych  so  sy  anfacht  gruonen, 
abhouwen  und  usrüten.'  Zwingli  1526.  .Damit  die 
Gottshuslüt  irer  beschwerden  entladen  werden  und 
fürer  dest  bas  gr.  und  gedychen  mögent.'  1530,  Absch. 
,Sein  nam  gruone  Tor  der  sonnen.'  1548,  Psalm;  dafür 
1531:  ,jüngc  sich.'  .Florere,  gr.,  blüyen.'  Fris.;  Mal. 
,Under  diesem  bösen  volk  [der  Idumeer]  hat  der  fromm 
Job  'gruonet,  wie  ein  liebliche  rosen  under  den  törnen.' 
LLäv.  158'2.  ,[Wie]  die  Griechen  widerura  gegruenet 
und  in  ir  herrlich  regiment  und  weseu  kommen.'  1.586. 
Absch.  ,Diewyl  N.  seine  wären  so  gar  wohlfeil  hin- 
gab, besorgte  ich,  er  mechte  mich  und  andere  ver- 
derben, das  wir  neben  ime  nit  gr.  kennten,  wie  er 
dann  ime  flrgenomen  hatte.'  AR\tp  1592.  ,Lieb  und 
einigkeit  by  disen  edlen  brüedern  und  schwöstern.  un- 
angesehen der  religion  unglyche  [Ungleichheit]  allzyt 
gar  wol  und  nützlich  [g']gruenet  hat.'  JosMaler  1593. 
,Doch  sollen  [die  Grafen  von  Kappersweil]  schon  zu 
den  Zeiten  Kaisers  Ottonis  I.  gegrunet  und  regieret 
haben.'  EEscuer  1692.  —  5.  griene",  blass  werden, 
von  Menschen  Ndw. 

Mhd.  ijruoniM,  grün  oder  frisch  sein  oder  werden.  In 
Bed.  4  stimmt  unser  W.  zusammen  mit  dem  ahd.  ijruoun, 
wachsen,  gedeihen. 

er-gruene":  1.  grün  werden,  neu  aufgrünen  Gr; 
„L;  üw."  Di  G'frörn  hed  d's  Herdöpfdchrut  rjrad 
gahrünt  g'han,  (IJabar  <is  mag  widur  f.'/(  (/>)•  ll'iic.-.. 
iif  ergr.  [es  schiesst  wieder  frisch  grün  von  der  Wurzel 
nach]  GrD.  ,Die  liebe  Sonne  erhöhet  sicli.  die  Erd 
ergruenet,  die  Bäum  schlahen  aus.'  FWyss  1650.  — 
2.  sich  körperlich,  geistig  oder  finanziell  erholen, 
wieder  aufleben,  munter  werden,  aufkommen  Gr; 
„L;  Ndw."  Z'  e.  cho"  GrS.  ,Dass  ir  dermalen  wider 
ergruenet  sind,  für  mich  ze  sorgen.'  1560,  Phil.;  dafür 
1667:  ,wacker  worden.'  —  3.  „ergi-äenen,  die  Miene 
eines  Zornigen  annehmen  BO." 

Vgl.  nihd.  enjruejen,  ergrüuen,  emporwachsen:  zn  3  vgl. 
die  Anni.  zu   dem  Syn.  ergrimm  und  zu   i/riicn   S   u.   ff. 

be-  =  ergruenen  2.  ,l)es  Veitlins,  Cleven  halb, 
wo  diser  tyrann  wider  b.  [sich  befestigen,  frischen 
Fuss  fassen]  sollte.'  1531,  Strickl.  —  Vgl.  mhd.  ie- 
ijruonen,   grün   werden. 

Gruenet  m.:  Zeit,  da  die  Wiesen  grünen  und 
das  Laub  hervortritt  ZO.  —  Analogiebildung  nach  Wtucf, 
Emdet  u.  A. 

Grueni  I  ZO.,  sonst  Grücni  f.:  1.  grüne  Farbe, 
bes.  das  Wiesengrün.  ,Leg  mich  uf  die  gruene.'  Zielv 
1521.  ,Der  Fink  die  Musas  in  die  Grüne  lad't.'  Vogel- 
gesang. —  '2.  grün  bewachsene  Stelle,  grüner  Weide- 
platz GnVal.  Als  Lokaln.  (i-,  uf  d'r  Grüeni)  fixiert 
BTrachs.;  GkD.;  vgl.  .Grüene"'  (aus  ,Grüen-au',  wie 
(Schönen'  aus  ,Schön-au'),  ßerggut  Gl.  An  ns  pär 
Ort  han-i'''  [am  19.  Üct.]  Grilene"  erlickt  [entdeckt], 
din  Hit«'*  villn  a'  d'  Langsi  [Frühlings]  -  ZU  liettend 
ermanna  chöiitie"  GRPr.  (Kuoni).  ,ln  allen  grüenincn 
und  in  allen  winklen.'  1531,  Jesa.i.;  dafür  ,Grünhägen.' 
1667.  —  3.  Grueni  =  Gruenet  ZO.  —  4.  „herber  Ge- 
schmack einer  unreifen  Frucht  L."  —  Mhd.  in  Bed.  1  u.  2. 

G  r  u  e  n  i  II  n. :  Ziege  von  weisser,  an  Kopf  u.  Hals 
mit  Schwarz  leicht  gemischter  Farbe  W.    Vgl.  Gruene. 


grueniere":  blühen.  ,Gon  Monpellier  auf  die 
hohe  Schuol,   do   die  Arzny  gruniert.'   FPlatt.  1612. 

—  Gebildet  nach  Analogie  von  dem  syn.  .florieren', 
gruenig:    1.  grünend   Aa;  Bs;  Z.  —  2.  „lebhaft, 

munter,  rüstig,  von  Menschen  Gr;  LE.;  Uw."  —  Betr. 
-ig  für  -eml  vgl.  die  Anm.  zu  an/a}imd(s)  Bd  I  7  1 9,  gelluj  Sp.  2 1 0. 

Grucni''g  f.:  das  keimende  Grün  der  Wiesen 
ZB.,  0.;  Syn.  Grueni. 

grüenele":  1.  grünlich  aussehen,  schillern,  schim- 
mern ;  einen  Anflug  von  Grün  bekommen,  allg.  —  2.  den 
Geschmack  oder  Geruch  von  grünen,  unreifen,  schlecht 
gekochten  Kräutern  oder  Früchten  an  sich  haben, 
allg.;  von  der  Milch  =  gräselen  W  (-ue-J;  vgl.  gruesden. 
Katfee  griienelet,  wenn  er  einen  herben,  bittern  Ge- 
schmack hat,  wie  es  beim  Gebrauch  schlecht  gelagerter, 
verdorbener  Kaffeebohnen  der  Fall  ist.  allg.;  Syn. 
mäggelen,  höckehn,  gräwelen,  mer-räuelen.  —  Vgl.  das 
in  Bed.    I    und  2   syn.  i/rüen(t)m:hden. 

Maien-,  Märzen-Grüeni  s.  grüen  (Compp.). 

Grüeni"g  f.,  PI.  Gr-n':  grosse,  grüne  Eidechse 
W;  Syn.  Wisling.  P*  hä-sus  [es]  wie  d'r  Egger  mit 
dum  Gr.:  Tuo  du  mier  NU  und  ich  dier  NU.  —  Tir. 

Grurnz,  dass. 

Grüeni(n)ger:  Kirschensorte.  1780,  ZWipk. 
Baunirodel.    —   Nach  dem  Ortsn.   ,Grüningen'. 

Grüenitz  m. :  Kreuzschnabel.  ,Loxias,  Kreuz- 
vogel, Grienitz.'  Denzl.  1677;  1716. 

Nach  seiner  grünlichen  Farbe  benannt.  Vgl.  GrucnVunj; 
betr.  die  End.  -itz  vgl.    Giritz  Sp.   408. 

grüen-lacht  Z,  -?ocÄt»(7  LSchwarzeub. :  grünlich. 
.Grüenlächt,  zum  teil  grüen.'  Mal. 

grüenlich,  -lig:  blass,  z.  B.  von  jungen  Mäd- 
chen Ndw. 

Grüenli(n)g.  in  Ai-H..  1..  M.;  G  Grüelig,  in  ApK. 
Grmi:  1.  a)  Grünfink  Ar;  ,B;"  Gr;  S.  ,Gr.,  grüner 
Kernbeisser,  Grünfink,  loxia  chloris.'  Meisner  &  Schinz 
1815.  ,üer  gr.  oder  ein  gilbling,  Icterus,  chloris,  lu- 
teolus.'  Mal.  ,Der  specht  und  der  gr.  sind  feind.' 
VoGELB.  1557.     ,Chloris,  avis,  Gr.'  Denzl.  1677;  1716. 

—  b)  grüner  Girlitz,  Kanarienzeisig,  pyrrhula  serinus. 
.Rcgaliolus,  ein  vogel  in  Italia,  ist  grüenlächt,  ein 
grosser  gr.'  Fris.;  Mal.  —  2.  ,Die  Ringelnatter,  eo- 
luber  natrix,  Gr.'  Alp.  1821.  ,Apud  Glaronenses  ser- 
pentos  virides  sunt,  atris  punctis  notati  et  crassi,  qui 
ä  colore  Gr.  nominantur.'  Wagner  1680.  —  3.  Mensch, 
bes.  jüngerer,  mit  blasser,  ungesunder  Gesichtsfarbe, 
von  kränklichem,  abgezehrtem  Aussehen;  Bleichgesicht 
Ap;  B;  Gl;  L;  G;  Zg;  Z.  Spottname  auf  blasse,  im 
Übrigen  gesunde,  unverheiratete  Frauenspersonen  Uw. 

—  4.  junger,  unerfahrener  Mensch,  Neuling  G.  .Keinen 
Neophytum,  das  ist  gr.  und  ungebruchten,  zum  lerer 
ordnen.'  HBull.  1531. 

gruenen  II  s.g  rienen.     gruenenllls.  ge-ruewen. 


Grand  — grund. 

grandig  I:  1.  zu  scharf  und  böse,  hoclimütig  G 
1790;  übertrieben  genau,  auch  eigensinnig  Ar.  — 
2.  sparsam,  herbe,  von  Menschen  AAZein. 

Vgl.  das  in  beiden  Bedd.  syn.  grannig,  sowie  bair.-tir. 
Grand,    Unmut,  Unwille,  granlig,   verdriesslich,  mürrisch. 


(iiand. 


i'tul 


ml,  fTi-onJ,  ffi-unil 


grandig  11,  Adj.  u.  Adv.,  (übertrieben)  hohen  Grad, 
zu  reichliches  Mass  bezeichnend:  stark,  heftig,  scharf, 
arg,  aussergewöhnlieh,  masslos,  grossartig,  prunkhaft, 
teuer  Aa;  Bs;  B;  L;  Sch;  Schw;  S;  Z.  Gr-i  Hüser 
baue",  e  gr-e  Stolz  Bs.  Schicer  Begetröpf  sl"  erster 
gr-er  diir''  das  Laiih  uhe'  pletscht.  BWvss  1863.  Wo 
(/'  AlifiiU  i/r-er  chit"  si',  han  i'*  müesse'  zum  Dokter. 
ebd.  Gr-er  n-arhse'.  ebd.  1885.  iV  het  im  Jokeh  der 
LerUe  g'lise.  schier  gar  e  Bitzeli  z'  gr.  Breitenst.  Es 
Ei"m  z'  gr.  mache',  Eim  z'  gr.  cho;  es  zu  bunt  mit 
ihm  treiben  Bs;  Z.  Er  macht's  z'gr.,  übertreibt, 
schneidet  auf  Üch;  Z.  Es  got  afe  gr.  (zue),  von  Luxus, 
Lärm  usw.  L;  Z.  Dm  giseh-es  gr.,  machst  grossen 
Aufwand  Z.  Es  gäd  nüd  eso  gr.,  Mahnung  zum  Mass- 
halten Z.  Als  Ady.  auch  =  (zu)  sehr,  viel:  Lo  d^r 
d'  Trtir  nit  z'  gr.  z'  Herze'  go'  S  (Schild).  Z'  gr. 
choste"  Z.  —  Aus  mhd.  gmtit.  ijrandr,  gross,  heftig,  und 
dies  aus  frz.  grand,   lat.  yrand-is. 

Grendel,  Grindel  ni.:  1.  „Grindel,  Riegel  BO.", 
sonst  Grendel,  äusserer  Gatter  an  den  Stadttoren  Bsf; 
in  ZStdt  lebt  unter  diesem  Namen  noch  die  Erinne- 
rung an  ein  die  Stadt  gegen  den  Eintritt  vom  See  her 
sicherndes  Palissadenwerk  mit  einer  verschliessbaren 
Lücke  in  der  Mitte  und  bes.  an  das  zwischen  Palis- 
saden und  Ringmauer  sich  malerisch  einfügende,  im 
J.  1454  aus  Quadern  erbaute  und  mit  einer  Wächter- 
wohnung (die  Hütte,  Gr.-Hütte)  gekrönte  Wassertor, 
welches  bis  1836  bestand.  Der  Wächter  hatte  die 
beiden  Sperrbalken  unter  diesem  Tore  und  in  dem 
Palis.sadenwerke  zur  bestimmten  Zeit  zu  schliessen 
und  zu  ött'nen.  ,1573  gefror  der  Zürichsee  bis  zuo  der 
statt  an  den  gr.'  LLav.  1582.  ,Der  beste  Spectateur 
in  Z  ist  der  Wächter  auf  dem  Gr.,  welcher  die  Ver- 
nügung  hat,  zu  sehen,  wie  man  den  gelben  Butter  und 
die  Glarner  Geissen  den  See  hinab  bringet',  höhnt  ein 
B  Brief  1721  die  Z  Chron.  der  Mahleren.  Eine  Ab- 
bildung dieses  ZGr-s  z.B.  bei  JMüll.,  Altert.  10,  15. 
Im  J.  lüOl  wurde  ausserhalb  dieses  Palis.sadenwerkes 
eine  zweite  Reihe  errichtet  und  man  unterschied  fortan 
,äusserer'  und  ,innerer  Gr.'  Auch  in  LStdt  scheint 
ein  ähnliches  Tor  unter  diesem  Namen  bestanden  zu 
liaben;  denn  nicht  nur  haftete  derselbe  neben  , Se- 
graben' an  dem  erst  vor  etlichen  Jahrzehnden  zuge- 
schütteten Kanäle,  welcher  einen  Teil  des  Seeabflusses 
in  den  ,Lüwengraben'  leitete,  sondern  die  Erklärung 
zum  Martinischen  Stadtplane  sagt  auch,  dass  an  der 
Stelle,  wo  der  Kanal  endete,  ehedem  ein  , Schluss- 
gatter' stand  und  wahrscheinlich  bezieht  sich  die  An- 
gabe BCysats:  ,Den  Gr.  by  dem  Wügkhfls  Hess  man 
alle  Abent  nider  und  den  Morgen  zog  man  in  wider 
üf',  auf  die  selbe  Gegend;  vgl.  Liebenab  1881,  08.  179  f. 
Und  so  war  viell.  auch  der  schon  1393  erwähnte  Gr. 
am  Krienbach  in  der  selben  Stadt,  wofür  1414  ,das 
Krienbachtor'  erscheint,  ebenfalls  ein  Schlussgatter. 
Die  ursprünglichere  Bed.  war:  Querriegel,  bes.  Schlag- 
baum, Sperrbalken  an  Stadttoren  oder  zwischen  den 
Lücken  von  Palissadenreihen,  so  namentlich  an  den 
Wassereingängen,  wo  er  aus  einem  schweren,  in  Ketten 
hängenden,  beweglichen,  an  der  Unter-  und  Oberseite 
mit  eisernen  Spitzen  bewehrten  Balken  bestand.  ,Die 
zu  Tun  sollen  ihre  Tore  und  Gr.  zu  rechter  Zeit  auf- 
tun.' 1341,  Urk.  ,Dass  ein  frörades  volk  zue  der  Statt 
Basel  zugezogen  und  etlich  der  ircn  an  den  grendeln 
erstochen.'  1444,  Absch.    .[Unsere]  bann  fachent  an  uf 


mittem  Silbrüggli  ze  dem  gr.'  c.  1487,  ZWied.  ütfn. 
,Wyter,  so  habend  UHH.  angesechen  by  disen  sorgk- 
lichen  laufen,  dass  man  der  statt  tor  und  dürli,  der- 
glych  den  gr.  an  den  schwiren  an  dem  abent  soll 
beschliessen,  so  es  nüni  sehläclit,  und  am  morgen  die 
wider  uftuen,  so  es  vieri  schlächt.'  1488,  Z  Mand. 
.[Sie  hatten]  vorm  Spalentor  ein  gr.  zuegeschlossen 
und  sich  hieby  versteckt  zur  wart.  Die  rüter  namend 
durch  die  gassen  gegen  beschlossnem  tor  zue  ir  flucht, 
sprengten  ubern  gr.  hin.  Als  aber  der  graf  von  0. 
sprengt,  fiel  der  hengst'  Aus«.  ,Wir  Hessen  euch  die 
gr.  ablirei-hen.  so  die  üweren  und  die  unsern  von 
enandi-r  -^iiinl- rt.n.-  ,-]<,].  ,Es  ward  die  not  [auf  der 
FLu-ht  :iii-  anii  iriihllirlhii  Hallau]  so  gross,  dass  sy 
den  gr.  im  linrf  zu  1.^,1.11  syton  us  dem  herd  truktend.' 
ÄgTschuui.  .Welches  geschehen  wäre,  wann  die  rigel 
und  gr.  aufgebrochen  und  das  tor  also  gefallen  oder 
geöffnet  worden  wäre.'  Const.  Stdrm  1548.  ,Eepagulum, 
ein  Sperrung  oder  rigel  für  die  tür,  ein  gr.'  Pris.  ,Die 
Gr.  zugeschlagen.'  Würstisen.  ,Es  komme  ihnen  son- 
derbar vor,  dass  man  es  Zürich  so  hoch  anrechne, 
dass  es  bei  der  Brücke  von  ScnSt.  einen  Schlagbaum 
oder  einen  Gr.  angebracht  habe,  da  derselbe  doch  da 
stehe,  wo  es  die  niedere  Herrlichkeit  habe  und  zu  der 
Beschirmung  der  Seinigen  diene.'  1634,  Absch.  ,Die 
Brücke  bei  Rapperswyl  bedarf  sorgfältiger  Verwahrung, 
bes.  bei  den  2  mit  Gr-n  zu  versorgenden  Brüeken- 
lüekeu.-   h>",.  eW.    .Drr  Gr..  Giiiid,-!.  TJi-rl,  ]M-.s,ilns. 

lacu.s.-  liKNzi,.  Iil77;  ITli;.  .Ks  ...ll,-,,  aurh  liis  liarll 
geendeter  Abendpredigt  die  <ir.  Ij.-i  d.ni  S.-li;inzli  und 
bei  dem  Schützenhaus,  sammt  ilrm  Stail(-lli"l'-i'  ^\'a>-|■^■ 
tor  und  dem  Gr.  auf  Dorf  Nirmaiul.ni  ni.ln-  -r^iilurt 
werden.'  XVIIL,  Z  Mand.  ,Die  Gr.  au  Kotlcn  uul/.u- 
ziehen  und  herunterzulassen.'  XVllL,  Z  Merkw.  Dann 
mit  Verschiebung  der  eig.  Bed.:  Pfahlwerk.  ,So  man 
dem  See  nach  ein  Gr.  von  Palissädcn  oder  Pfähl  nicht 
allzunah  bei  einander  machen  täte,  so  wurde  dadurch 
das  Gewell  des  Wassers  zerschlagen  und  matt  ge- 
macht.' 1770,  GBheineck.  Ein  Mal  scheinen  die  festen 
Flügel  eines  Tores  gemeint  zu  sein :  ,Sy  namend  die 
flucht  zue  dem  gr.  [der  Stadt  Baden]  us  und  schlue- 
gend  den  selbs  nach  in""  [zu],  um  des  willen,  dass 
sy  de-^ti-r  sidicvr  V"r  di-iii  geschütz  [aus  der  Stadt] 
wäriud.-  Kdi.im.  —  ■_'.  G'/r/i-W  Aa;  Bs;  B;  Gr  (neben -i-); 
L;  S,  s.inst  Gruiih'l  in  ThHw.  Griindcl.  Pflugbauni, 
-Balken,  Langholz  am  Pflutce,  dali.-r  aurl,  l'/hmis-dr. 
allg.  S.  auch  AnL  f.  den  Pfiu.y.  /.  177_',  S,  |.,.  lü,  tWK 
,N.  begert  von  der  .stift  ein  liu.-i-li  u~  iirm  linrlilnil/., 
darus  sy  pfluegsgrindel  mai-ln-n  niMrlii,-i,,  ir,7!i,  Hot/.. 
Urk.    —    3.   Pflugsterz    Ch;    .,  I '. ;    I-.  I.    Grengcl, 

mehrere  Fuss  langes  und  ■,,■  hinir..  ,-.  '200  Pfd 
schweres  Eisrnstiirk,  .1.  i  uleiclien  die  Steinsprenger  im 
Steinbruche  in  .in.-  S|.alt,-  einsetzen,  um  daraus  mit 
dem  Grengelliol..  einem  langen  Balken,  welcher  ver- 
mittelst eines  eisernen  Ringes  an  den  Gr.  angeschoben 
und  befestigt  ist,  einen  gewaltigen  Hebel  zu  bilden. 
Quer  über  die  Enden  der  Grengelhülzer  werden  2—3 
andere  Hölzer  gelegt,  so  dass  sie  mit  einander  ein 
Gitterwerk  bilden,  welches  schwere  Steine  zu  tragen 
bekommt.  Diese  Last  lässt  man  stille  wirken,  bis  die 
ganze  Steinbank  lose  wird  S. 

Mhd.  grindd,  greiukl,  grrntel,  ahd.  grintil,  Elegel,  Biilkoii. 
Für  Zsgehiirigkeit  mit  ags.  grindun,  zermalmou,  spräche  die 
Anal,  von  lat.  Imlw,   Balkpii,'  welrhes  zu   lit.  tr,-)>li.  stani|.f(in. 


Grand,  grend,  grind,  grrond.  ?rund 


preuss.  tmj,-t,  treten,  gehören  wird;  ebenso  die  von  lat, 
pnnrjo,  stampfe,  stosse,  und  repagulum,  Riegel.  Betr.  den 
Balken  als  Verschluss  Tgl.  unser  Balchc,  Fällladen,  FalltUre, 
ferner  an.  hdlkr,  Gehege,  Scheidelinie,  sowie  Bloch  (von  bi- 
lühhan,  schliessen).  —  Das  W.  ist  in  zahlreichen  Flurnn. 
erhalten,  welche  sich  aher  nicht  unter  einer  Bed.  vereinigen 
lassen.  Im  ffrendrf  AaBirr,  Zein. ;  BsKieh.,  Rotenfl. ;  ZBonst. 
Grindel  Aa  (Lang- Gr.,  Gr.-Hdz,  -Bach);  B  (Alp  Grindel  am 
hintern  Ende  des  Grindelwaldtals,  an  der  grossen  Scheidegg; 
Hinter-Gr.  daher  eine  der  Genossenschaften  des  Grindelwald- 
tals, wo  sich  auch  ein  Bergrücken  Tann-Gr.  findet.  Der 
schon  1240  erwähnte  Grindelwald  wäre  also  ,Wald  am  Gr.'; 
Baali-Gr.  hinten  im  Reichenbachtal);  L  (auch  ein  Hof  .Grindel- 
wald' LE.);  Seh;  Zg;  Z  (z.  B.  Hed.,  Wein,  in  flacher  Lage). 
Bucch-Gr.  ZRob.  am  Pfäffikersee  im  Sumpfland;  LMalt.  (später 
,Bnchgriudlen',  ,Buggeringeu').  Pratum  <iuod  dictum  .Grindel- 
matt'.  1408,  Gfd.  .Grindelkar',  Karrenfeld  W.  ,Ze  Grindlen.' 
XIV.,  LPropsteirod.  ,In  der  Gr.'  BE.;  ZHaus.;  ,zur  Zelg- 
grindlen'  ZV^ein.;  ,Grindlenbach'  BE.  An  manchen  der  ge- 
nannten Orte  passt  die  Terrainheschaffenheit  trefflich  zu  der 
Bed.  ,Tal-RiegeI,  -Sperre';  an  anderen  haben  viell.  einstige 
Schlagbäume  oder  Torsperren  ihre  Spur  in  dem  Namen  hinter- 
lassen. Sehr  wohl  zu  Statten  käme  es  der  Erklärung  nament- 
lich mit  Bez.  auf  das  Flachland,  wenn  angenommen  wurden 
dürfte,  dass  einst  die  Verschlussstangen  von  Zaundurchlässeu 
od.  gar  die  Umzäunung  selbst  mit  Gr.  bezeichnet  worden  seien. 
Soweit  der  Name  übrigens  sumpfiges,  rauhes  Terrain  be- 
zeichnet (ZHed.,  Roh.  u.  A.)  könnte  er  sich  zu  Grind,  kahle 
Stelle,  verhalten,  wie  Schwandet :  Schwand;  Grindlen  wiederum 
zu  Grindel,  wie  Schwändltn  :  Schwandel;  vgl.  auch  Bürgten  : 
Burg,  Gründlen  ;  Grund.  Zu  Bwech-,  Tann-Grindel  vgl.  die 
ahd.  Glosse:  ,Nemoris,  tanngrinteles.'  ,Hans  Grendelmeyer.' 
1653,AaWett.Klosterarch.,  wohl  urspr.  ein  am  Gr.  wohnender, 
ihn  besorgender  Meyer ;  vgl.  den  L  Familienn. :  ,Estermann'. 

Struch-ffrewde?;  leichter,  beim  Strüchen  [leicht 
pflügen]  angewendeter  Pflugbalken  L. 

ver-grendle":  mit  ,Grendeln'  und  starken  Rie- 
geln verwahren  B.s  (Spreng).  —  Vgl.  Notker,  Ps.  147: 
,Fasto  vergrindelöt  habet  dina  porta.' 

firind.  in  GW.  Grinn  —  m.,  PI.  Grinde"  Aa;  B;  Gr; 
U:  1.  a)  Ausschlag  auf  dem  Kopfe,  eine  harte  Kruste 
bildend  Aa;  Bs;  GRBhw.;  GSa.;  Sch;  Z;  in  UwE. 
auch  höse  Gr.;  vgl.  böse  Kopf.  Syn.  Ruf(en).  Gege* 
Gr.  selJ-me",  wenn  Öpper  g'storbe'  isch,  bim  Z'siimme- 
lüte'  an-e  Bach  gö'  und  unger  de'  drei  höchste"  Name' 
mit  der  Hang  drü  Mol  abwärts  Wasser  uf-e  Chopf 
schöpfen  und  nieders  Mol  säge':  Buf,  nimm  ab,  wie 
der  Tot  im  Grab!  Schild.  ,Bisweilen  wird  auch  eine 
Kuh  vom  Gr.,  einer  Art  Eaud,  befallen,  das  ansteckend 
ist.'  Steinm.  1804.  ,Area:  ulceris  genus  est  in  capite, 
plätzle  auf  dem  haupt  one  haar,  oder  der  gr.,  oder 
böse  raud  des  haupts,  da  das  haar  ausfallt,  und  blei- 
bend arese,  das  ist  lere  plätzle.'  Fris.;  Mal.  ,Diewyl 
vilerlei  gattig  des  grinds  sind,  so  ist  kein  wunder, 
dass  die  arznei  darfür  euch  unglych  sind.'  Zg  Arzneib. 
1588.  ,Per  gr.,  lüs,  abgrind  [1.  erb-]  und  derglychen 
houptbresten  uswand  [auswendig]  des  haupts.'  ebd. 
,Mit  diser  .salb  salb  das  haupt,  nachdem  es  mit  lougen 
gewaschen  und  bescheren  ist,  alle  zwen  tag  ein  mal 
zuo  abent;  so  das  haupt  3  oder  4  mal  [mit  einer 
aufgelegten  Haube]  geschirmbat  hast,  so  werdend  die 
Wurzel  oder  stümpen  des  grinds  zittig.'  ebd.  .Der 
Chirurgus  hatte  von  jedem  Gr.  oder  bösen  Blattern 
sein  Bestimmtes,  5  Pfd.'  Spyri  1871.  ,üis  Übel  frisst 
um  sich,  greift  mit  seiner  Schärfe  die  Haut  und  das 
Wesen  der  Teilen  selbs  an,  wie  zu  sehen  in  Rufen- 
gesichtern, bösen  Köpfen,  Grinden,  Mager  usw.'  JMu- 
RALT  1007.     Vgl.    ,du  förchst  die  rud   und  find.st  den 


grint.'  SebBrant.  —  b)  knorrige,  borkige  Wucherung, 
Missbildung  an  Bäumen,  am  alten  Holz  der  Rebstöcke 
B;  Z;  vgl.  Kohl.,  Weinst.,  20.5  f.  Syn.  Mage',  Büd. 
.\uch  die  Verhärtung  in  Kernfrüchten,  bes.  Birnen 
BO.;  Syn.  Stein.  —  c)  Flachsseide,  cuscuta  eur.  Bs; 
B  (schon  1765  belegt);  VOrte;  Gl;  S;  Syn.  Küe-Gift, 
Ringel.  .Die  Kleeseide  (Gr.  im  Klee).'  S.  ,Für  die  ist 
dort  kein  Platz,  so  wenig  als  für  Klee,  wenn  der  Gr. 
einreisst.'  N.  B  Kai.  1842.  —  2.  Kopf,  a)  am  tierischen 
und  menschlichen  Körper.  Schöni  Boss  händ.'i'  g'ha'; 
Bei'  und  Gr.,  es  ist  e  wäri  Freud  Schw  Fasnachtsp. 
1883.  Sonst  bes.  in  Anwendung  auf  Rinder  und  Zucht- 
stiere, daher  der  drastische  Vergleich:  En  Gr.  ha' 
(mache")  wie-en  Munni  (Stier).  Wenn  der  Vogel  im 
Chefi  's  Grendli  i"s  Wasser  steckt  ond  badet,  so  ged  's 
ruch  Wetter  Ap.  ,Eine  Maus  mit  spitzigem  Grinde  fallt 
oben  herab  in  Anken.'  LKInderbitzi  1826.  ,Hauptwe 
der  pferden,  so  von  fliessenden  traben,  lampenden 
oren,  nidergehenktem  gr.  bedeutet  wirt.'  Tierb.  1563. 
.Er  lobt  an  den  Geissböcken  einen  kleinen  gr.  mit 
geschmückten  legeren.'  ebd.  ,Diser  [Fisch]  hat  ein 
grossen  gr.  oder  köpf.'  Fischb.  1563.  ,Kopf,  Haupt, 
Gr.'  Red.  1662.  S.  auch  TJter,  arentürig,  Gueg,  Ham- 
mer. —  Von  Menschen,  jetzt  nur  in  derber  Sprache 
und,  ausser  in  gewissen  RAA.,  bes.  im  Affekt,  sowie 
zur  Bezeichnung  eines  grossen,  harten  und  missge- 
stalteten Kopfes  gebraucht,  mit  Ausnahme  von  B; 
LE. ;  S,  wo  das  W.  nicht  eben  als  anstössig  gilt.  Der 
Pursch  hat  e  Gr.,  me  chönnt  e  Stalltür  i'schlu'  mit-em 
(es  gab  ztce  drüs)  G;  Z.  Er  macht  (hat)  en  Chopf 
wie-n-en  Gr.  lezt  hed  er  Zit,  mit  d'm  Gr.  tcider 
z'rugg  Ndw  (Schwzd.).  Der  Sebi  häd  welle  [meinte], 
der  gross  Büchli  [wohlbeleibter  Mann,  der  am  Fas- 
nachtspiel einen  alten  Helvetier  vorstellte]  mit  dene" 
Höre'  uf-em  Gr.  slg  der  stärchst  iif  der  ganze  Welt. 
SoHw  Fasnachtsp.  1883.  Dem  [Kind]  wäif  's  [das  Haar] 
wie  g'spunnes  Guld  am  Grindli  B  (Schwzd.).  Als 
einem  alten  Mann  das  Läuten  nicht  recht  von  Statten 
gehen  wollte,  sagte  Jrad  zu  ihm :  Schlag  gad  din  Grend 
a',  es  tverd  denn  scho  cheie"  [tönen]  Ap  (Anspielung 
auf  seinen  .hohlen  Kopf').  E  Kerli  mit  zwe  Grinde 
wird  der  doppelköpflge  Janus  genannt.  Thyner  1840. 
In  einem  Gassenhauer  werden  allerlei  Schäden  des 
weiblichen  Geschlechts  aufgedeckt,  u.  A.:  Die  Nünti 
hat  e  Gr.  und  die  Ze'"ti  es  Chind  Bs.  ,Ein  bezahlter 
Hof  [des  Freiers]  gefalle  den  Meitschenc  besser  als 
der  schönste  Gring.'  Gotth.  Es  chunnt  es  Tags  gar 
mänge  Gring  vor  d'  Tür,  dass  m^'  nit  gäng  weiss,  wem 
er  ist,  schilt  Anne-Bäbi  mit  einer  neu  angekommenen, 
nicht  gleich  erkannten  Besucherin.  Gotth.  Dem  Berner 
Bauer  wird  nachgeredet,  seine  Kühe  hätten  Häupter, 
seine  Kinder  Gringe  und  der  Berner  sei  der  einzige 
Mensch  ohne  Kopf,  Hände  und  Füsse,  er  habe  nämlich 
nur  Gring,  Talpen  und  Scheichen;  s.  auch  Gefräss 
Bd  I  1318.  Ähnlich  geneckt  wird  der  Entlibucher  mit 
der  Scherzfrage:  J"  wellem  Land  hei'  d'  Lüt  ekei* 
Chopf,  keini  Bei  und  ekei*  Buch?  Antw.:  Im  LE.,  det 
seit-mer  im  Chopf  Grind,  de  Beine  Scheie  und  im  Buch 
Güdel.  Wenn  du  's  Chopfweh  wottst  abcho',  so  gang 
z'  Wolhuse'  [wo  das  Entlibuch  beginnt]  über  d'  Brugg, 
da  liest  de"  Grindweh  LG.  Bist  oben  uf  Wolhuse" 
clw",  rerlürst  du  dert  de  Gr.  Theiler.  's  Mileti  bind't 
im  Chälbeli  cfschicind  uf's  Cliopfli  e  tolle  Maie"  uf, 
doch  het  's  de"  Sorg  zum  eigne  Gr.,  es  kriegti  si'mst 
CS  Müntschi  druf.  Hildebrand.     Des  Königs  Döchterli 


7tU 


üiand,  greiul,  grilld, 


702 


>»U-empi<;  gruselt  hübsche  Schabbili  [Bluraenkrone]  uf-em 
Gr.  Bantle  1712.  ,Es  giltet  gleich,  oh  im  der  gr. 
blüet  [blute].'  1521,  Lied.  ,Ein  wunden  im  [am]  gr.' 
.Salat.  .Das  hiess  eiserne  Hörner  auf  den  Gr.  setzen, 
wie  der  oberste  Prophet  zur  Zeit  Achabs  tat.'  DZwinger 
1580  (nach  2.  Chron.  18).  ,So  die  Griudhaar  nit  alle 
US  der  Schwarten  [Kopfhaut]  sind,  leg  uf  den  Gr — ' 
XVII.,  B  Arzneib.  KAA.  Än'n  Gr.  schla',  Ei"'m  (Ei's) 
um  de'  Gr.  umme',  an'n  Gr.  (anne"),  zum  Gr.  ge" 
(haue"),  Ei"m  de'  Gr.  verschlä',  roll  ge",  ihn  an,  vor 
den  Kopf  schlagen  AaF.;  B;  Z.  ,Sie  messen  mir  un- 
verschämte Worte  zu,  dass  es  mi  düecht,  ich  niüess 
ihnen  Eine  zum  Gr.  geben.'  Gotth.  ,Wir  wend  sy 
schlan  um  d'  grindc.'  Halbsdter.  ,Wir  muosscnd  s' 
[die  Feinde]  einfart  an  d'  gr.  schlan.'  Volksl.  (T.). 
.Hettind  wir  inen  zuo  Cappel  die  gr.  zerschlachen.' 
1531,  Absch.  ,üa  kam  Baumgarten  und  schlueg  dem 
Wolfen  [-schiessen]  auf  den  gr.,  dass  im  der  köpf  da 
lag  zerspalten.'  ChMürer  1580.  ,Und  diser  bueb  hat 
d'  schuld  daran,  dass  ich  dem  Schelmen  den  gr.  zer- 
schlan.'  1597,  L  Ostersp.  ,Ich  nien  [meine],  mir  syge 
'droscht  [gedroschen]  der  Gring.'  Myricäüs  1630.  Eine" 
bim  Gr.  ne",  beim  Kopfe  fassen,  bes.  aber  =  den  Kopf 
zerzausen.  Wenn  in  Gl  Einem  seine  Frau  wegläuft, 
so  singen  die  ,Nachtbuben' :  Zwüsche'  X  und  Wisse- 
hnre'  häd  der  N.  N.  sl''  Frau  verlöre".  Wer  si  find't, 
de''  nein  si  bim  Gr.  und  werf  si  i'  d'  Linth.  ,0b  aber 
er  den  eid  nit  tuen  wellt,  so  nimm  in  bim  gr.,  lass 
in  in  den  turn  werfen.'  1525,  Absch.  ,Ziend  in  [den 
Narren]  bim  gr.  zur  türen  us.'  JMdrer  1559.  ,Vix 
rae  contineo  quin  involem  in  capillum,  dass  ich  im 
nit  ins  haar  falle  und  den  gr.  recht  wol  erzause.' 
Fris. ;  vgl.:  ,Etlich  kumnien  zue  spat,  des  was  in=° 
nach  geputzt  der  gr.'  NSchradin  1499.  Mach,  dass 
d'  zmn  Loch  us  chunnst  [aus  dem  Hause  kommst],  oder 
r''  rupfen  d'r  d'  Oren  dri  Schuoh  us-em  Gr.  user  GnPr. 
(Schwzd.).  Es  wird-d<^  no"<  um  de'  Gr.  (Chopf)  umme 
cho",  du  wirst  dafür  bestraft  werden  Z.  Aiminln:" 
in  d'  Grindif  chö',  in  die  Haare  geraten  GkIi.  IIi" 
Gr.  abhaue;  enthaupten;  vgl.  grindlen.  Haii-cm  de 
Gr.  ab,  so  hed  's  Födlrch  Firobed,  rohes  Scherzw.  Ap. 
P'-  irill-mer  de'  Gr.  lö"  abhaue",  min  Gr.  dra"  setze', 
Beteuerung.  ,Der  lantvogt  wolle  in  unser  statt  etlichen 
die  köpf  für  die  füess  legen,  ouch  etlichen  die  gr.  ab- 
howen  und  vor  iren  hüseren  ufrichten.'  1474,  Bs  Chr. 
und  ähnlich  ,Grind'  und  ,Kopf'  im  Wechsel  bei  Salat 
(ed.  Bächtold,  S.  28).  ,Wo  [der  Täufer]  nit  entwichen, 
hett  man  zuo  im  [g'] griffen  und  [im]  den  gr.  abgc- 
houen.'  1525,  G  Ratssatz.  ,Tuond  sy  das  nit  rösch 
und  geschwind,  schlach  ye  dem  zehnden  ab  syn  gr.' 
Wagner  1581.  Chumm  nu,  i'''  spalt-der  gad  de"  Gr., 
rohes  Drohw.  GA.  S.  noch  zwitzerlen.  De'  Gr.  anne' 
hfl"  (für  en  Andere),  (für  ihn)  herhalten  B;  Schw;  Z. 
B'  G'mein''  wird  nit  ivelle'  d'r  Gring  dar  ha'.  Gotth.  ; 
vgl.:  ,Die  Eidgenossen  erhielten  [von  dem  Verspro- 
chenen] Nichts,  mussten  ihre  Köpf  allein  herhalten.' 
Grasser  1625.  Uf  de"  Gr.  (Chopf)  stä"  (möge"),  vor 
Erstaunen,  Ärger  B;  GRPr.;  Z.  Mi"  steit  fri  uf  e 
Gring.  Gotth.  ;  vgl.  utngän.  D'r  Gring  i"  Bare'  uehe 
hinge",  eig.  das  Vieh  am  Futterbarren  höher  binden, 
dann :  Jmd  knapper  halten,  die  Zügel  anziehen,  den 
Übermut  vertreiben  BM.  Dem  SchnürfU  [Tropf]  well 
es  de"  d'r  Gring  i"  Bare'  uche"  binge",  dass  er  de" 
iräss,  dass  er  e'  Meister  heig.  Gotth.  D'  Gr.  z'siimiiie" 
stosse',  die  Köpfe  zsstecken.    Stoss  m'r  aber  nit  oppe" 


d'r  Gr.  mit  dene'  Schnürßene'  z'sämme".  Gotth.  ,1m 
Gr.  scharren',  sich  im  Haar  kratzen.  ,Sie  wurde  hin- 
gerichtet, aber  nach  kurzer  Zeit  kam  ihre  Unschuld 
an  den  Tag.  Da  sassen  die  Richter  und  scharrten  im 
Gr.'  JRWaldkirch  1710.  —  In  Beteuerungen,  Schwü- 
ren, Verwünschungen,  nur  in  derä.  Spr.:  ,Sweren  by 
unsers  herren  Gottes  gr.,  houpt,  köpf.'  XIV.,  Scu  Stdtb. 
,Swer  dirre  nachgeschriben  eiden  dekeinen  sweret: 
fünf  wunden,  verden  wunden,  sweiss,  schedel,  houpt, 
köpf,  Stirn,  herz,  lunge,  leber,  ader,  hart,  nase,  bluet, 
gr.,  fuess,  der  git  5  ß  ze  buesse.'  1346,  Z  Ratscrk. 
,So  helf  mir  gotts  gr.'  1411,  TnDiess.  Stadtr.  ,Dass 
uns  Gotts  gr.  gehyg!'  XVI.,  J.\Hopmann.  ,Der  mensch 
solle  ouch  by  synem  gr.  oder  houpt  nit  schweren.' 
HBcll.  1561.  , Sammer  botz  lus,  sammer  botz  gr.!' 
ScHERTW.  1579.  ,Botz  lusigen  gr.!'  ebd.  Der  Engel 
schilt  den  Teufel  Asraadoth:  ,Kein  Gwalt  hast  da,  du 
Tüfels  Gr.!'  GGotth.  1619.  Den  mit  der  gleichnamigen 
Krankheit  behafteten  Kopf  meint  wohl:  ,N.  N.  hatt 
geredt  zue  N.',  er  wäre  ein  rechter  gr.'  XIV./XV.,  L 
Ratsprot.     ,Wer    zue  dem  andren    frevenlich    spricht. 


er  sy  ein  schein 
wort,  der  istbuess  verfallen.-  1 
—  Kopf  als  Sitz  der  ineiisclili' 
raungen,  Lauiirii.  CmIlhIvcii. 
En  härte  {es  hnrl<  Gni,,l,  Li;. 
wie  en  Bock  (An,  ,n,  ,„  M„ 
sinnig,  hals.starrig  sein.  allg. ; 


öralicho  frevene 
Zg  Stadt-  u.  Anitsr. 

Neigungen,  Stini- 
liten,  des  Willens. 
II  eigne  Gr.,  en  Gr. 
(Stier)  ha",   eigen- 

auch :  schwer  be- 


greifen B.  Gewisse  Familien  und  Orte  stehen  im 
Rufe,  diese  Eigenschaft  als  Erbstück  zu  besitzen,  so 
redet   man    von    einem   Brach-.    Siriner-Gr.  usw.     F'' 

bi"  C  .Inrli  l.niuhilliwr  ifsi"  „l„J  llinrhl  ',s  ,nr''  „„•''  (■ 
JÖrli  .V,";  -'''  //,-"  .l.hni,  .,„''■  sil.r  Chnnl  ,u„l  's  rhhinst 
[jüngste!  h.il  de-  hni-list  Crnul  \y  ^W  u-^-n\wA):  v-1. 
den  Reimspruch:  rf»/r  miir.-rs  |,lmvlm,.>..tzt  werden] 
mit-em  Gring,  clwst  «  U'ih  uml  Chni,/.  .Iure  isrh-es 
mit-nii  Gring.  g'flwstet  hiit  <v  117/-  inid  Chittg  B.  Do 
jii'il  ilr  l'/iv//  ii'srit:  Das  tuet  ml"'m  härte"  Gr.  nid 
inh.  l'ar."l.  S  i  ii.kntenlied.  Er  hat  c  Gr.  und  der  ist 
si'lniif  =  (■/■  liiif  sclnn  eigunu  Gr.  W.  's  muess  (i)  sim 
Griruli  na,  nach  seinem  Kopf  gehen  LE.  E  hii>:c  Gr. 
ha',  eigensinnig,  zornmütig  sein  B.  Sis  Miieli  het-cm 
Büebli  eister  d's  Grindli  [den  eigensinnigen  Willen] 
g'lä"  B.  De"  Gr.  (Chopf)  setze",  sich  eigensinnig  stei- 
fen, hartnäckig  beharren,  starrköpfig  sein.  allg.  De" 
(en)  Gr.  mache",  de"  Gr.  ha",  die  Miene  eines  Trotzigen 
annehmen  (haben),  trotzen,  nidit  nactmilirii.  z.B.  bei 
Verweisen,  allg.  Dass  [damit  |  dir  d,  r  <,,,/,-/  rcrgang  B. 
Die  Alt  hed  en  Gr.  g'macht  inc-ii-c  Mhhiii  and  hed  's 
ag'ranzet  [angefahren]  Zg  (Schwzd.).  ,Jo  wolle,  so 
wüest  zu  tun  und  so  d'r  Gring  z'  machen.'  Gottu. 
Wenn  der  Winter  der  Gring  macht  [nicht  kommen 
zu  wollen],  sn  hd-er  r  Stil  [Schwanz,  d.  i.  er  bleibt 
nachher  um  s..  laiii^vi  |  s  (Schild).  Mach  gad  wider 
ase  en  Grend!  \  niuuil,  Hroliung  Ap.  Ei"m  d'r  Gring 
(Chopf)  grosse"  mache",  mit  Einbildungen,  Erwar- 
tungen, Stolz  erfüllen.  Anderen  gegenüber  schwierig 
machen  ß.  /'''  soll  zu  dene"  ga",  di  m'r  d'r  Gr.  grosse" 
g'maihf  licigc".  Bescheid  des  Vaters  an  den  hülfe- 
suclhMhlrii  s.iliii.  (Iotth.  Setz  im  der  Gi-ing  wider. 
u-o-ti-ir  In"  ii'hiirl.  setze  ihm  den  verdrehten,  eigen- 
siniiii;..'n  Kupf  /.urocht.  B  Hink.  Hot  1869.  Auch  pers. 
=  eigensinniger  Mensrh.  Stai  i  kn|if  BSi.;  Uw;  Z.  lez 
weiss  er  doch  einist,  dir  iniinh  rlirh  Gr.,  dass  Mängs 
air''  nit  guct  isch,  grad  iriis  iii._  ir.ricingt  U  (Schwzd.). 


763 


Grand,  grend,  gl'ind,  grond,  gniiul 


Es  üntlibuecher  Grindi,  Neckw.  auf  die  Bewohner 
dieses  Tales  LG.  En  guete  Gr.,  guter  Kopf,  der  leicht 
fasst,  begreift,  Gegs.  härte  Gr.  (s.  o.).  Lüt  regiere' 
geit  nit  ring  «n*  es  brucht  e  guete  Gring.  Klagen  eines 
Schweizers.  Als  ein  Pfarrer  an  einer  Schulprüfung 
durch  seine  Fragen  an  die  Examinanden  einen  Ge- 
ineindevorgesetzten  in  Erstaunen  setzte,  bemerkte 
dieser:  Herr  Pfarrer,  der  lieit  nadisch  [ihr  habt  doch] 
en  img'hürige  [ungewöhnlichen]  Gring.  N.  B  Kai.  1837. 
Im  Gr.  rechne",  kopfrechnen  BGr.  Asa-n-überspölt 
[überspannte]  Sachen  im  Grend  ha'  ApI.  (Schwzd.). 
Er  het  mu  's  z'  erstem  z'  Herze'  gilt  [gelegt],  doch 
wüll  's  mu  nit  i  Gmnn  F  (Schwzd.).  Nit  e  Gr.  ha' 
es-vfie  'nen  Ändere,  geschickter  sein  als  Andere  U. 
,Es  müess  dem  Meister  nicht  recht  im  Gring  [er  müsse 
n.  r.  bei  Sinnen]  sein.'  Gotth.  .Sollt  man  den  pfaffen 
das  alles  nachlan,  das  sy  erdenkend  us  iren  stolzen, 
eintönigen  grinden.'  NMan.  ,Vil  lerer  yetz  uf  erden 
sind,  die  band  eins  schuechs  dick  noch  den  gr.  [haben 
einen  dicken  Schädel,  sind  unbelehrbar].'  UEckst., 
Conc.  ,Verfluecht  sind  solche  alte  kind,  die  noch  den 
narren  hend  im  gr.'  Aal  1549.  ,Nei,  nei,  es  will  mir 
nit  in  Gr.,  dass  ich  us  einem  Pur  so  gschwind  ein 
Junker  bin  und  Edelmann.'  Com.  Beati.  ,Wir  werden 
unwirs,  reissen  ihm  [dem  Knecht]  ein  Ding  aus  den 
Händen  mit  bitterem  Verweisen:  Ich  sihe  wol,  dass 
es  dir  aber  nit  im  Gr.  [daran  gelegen]  ist  und  lass 
es  mir  nur  bleiben.'  JJBreit.  1628.  ,Doch  willt  noch 
[nach]  deinem  stolzen  Gr.  die  Ursach  auf  sie  legen 
[schieben].'    an    Rüegg    1676.     S.    noch  Erb- Gr.   — 

b)  Schnuppe  am  brennenden  Licht,  daher  auch  rote 
Grend  Ap;  Syn.  Golggen,  Kolben.  Gilt  als  Zeichen 
von  eintretendem  Schneefall.  Vgl.  das  Rätsel  vom 
Kerzenstock:  En  ifkir  |iMscrner]  Vater,  e  schmutzigi 
Mueter,   es  wkIUiis  (liiml  mif-cme  filrige  Gr.   Aa.  — 

c)  Felskopf,  -liii|i|ir.  -\  nr.s|iiung,  isolierter,  kleiner 
Felsen,  kegelföriiiiso  IJodciicrhebung,  hervorragende, 
steile  Bergspitze  BO.;  Gr;  Syn.  Kopf.  „Jede  grössere, 
holperige  Steinmasse,  sie  sei  kahl  oder  bewachsen 
BO."  Nach  anderen  Angaben:  abschüssige  ßerghalde 
GrD.  ;  Felsen  mit  zerrissenen,  durchfurchten  Wänden, 
oder:  durch  Easenplätzchen  unterbrochener,  steiler 
Felsen  BO.  In  die  Gr-e  uf  mäje",  bis  zu  den  kahlen 
Felshöhen  Gr.  Dir  [durch]  den  Gr.  ahi"  [hinunter] 
ist  er  tröled;  dir  den  Gr.  uehi"  miesse"-mer  BGr.  Er  ist 
im  Gr.  g'schlipft  [ausgeglitten]  GrI).  Vgl.  Der  Sdme 
iif  de'  Gr-e'  war  schw  im  Merze'  dervu'  g'schmolze'. 
AlScbreiber.  D'  Nacht  fäuzt-nen  [den  Winter]  über 
Gr.  und  Grat.  Eomang  ;  s.  übrigens  auch  Grund.  Auch 
in  Flurnn.:  „der  dürre  Gr."  (.Dürrgr.'),  grosse,  wilde 
Felsmasse  bei  BBrienz;  , Grindstein',  runder  Fels  auf 
der  Bigi;  ,Twingheerengring',  Hügel  BWalkr. ,  auf 
dem  einst  eine  Ritterburg  gestanden  haben  soll;  da- 
neben der  Weiler  ,Grindlachen';  ,Gr.'  Name  von  Fels- 
köpfen auch  im  Schwarzw.  Endlich:  Stellen  auf  dem 
Lande,  da  Nichts  wächst  BS.  —  d)  „Sandbank  BO.", 
Hügel  von  Geschiebe   im  Flussbett  BE.;   Syn.  Kopf. 

Mhd.  in  BcJ.  1  a,  auch  schon  verächtlich  für  Kopf,  eig. 
wohl  zunächst  für  den  mit  krustigem  Ausschlag  bedeckten; 
vgl.  Gr.  als  Schimiifii.  Wenn  die  Wurzel  in  dem  ags.  Vb. 
grindan,  zermalmen,  liegt,  so  stünde  das  W.  im  Ablautverh. 
zu  ,Grand',  Sand,  Kies;  vgl.  auch  ndl.  rjrint,  grober  Sand, 
grindig,  sandig.  Zu  1  c.  Die  wuchernde  Flachsseide  macht 
den  Boden  kahl,  wie  krankhafte  Wucherung  auf  dem  Kopf 
den  Haarwuchs    zerst^lrt.     Viell.  beruht   auch    die   im  Text 


an  2  c  angeschlossene  Bed.  ,kahle  Stelle'  auf  der  nämlichen 
Anschauung,  möglicherweise  auch  diejenige  des  mit  ver- 
einzelten Grasbüscheln  (wie  der  grindbehaftete  Kopf  mit  ein- 
zelnen Haarbüscheln)  besetzten  Felsabhanges.  Zu  2  c  vgl. 
übrigens  noch  mhi.  grinte,  Bergrücken,  und  ahd. :  ,Montem, 
qui  dicitur  grind.'  2  d  mischt  sich  mit  dem  Syn.  Grien;  vgl. 
auch  Vilmar,  Id.,  S.  1:37.  Zu  welcher  spec.  Grundbed.  die 
Flurnn.:  .grindbüel.'  1371/1460,  LMalt.  (zu  la  als  der 
kahle't');  ,das  l)ächli,  gen.  grintbrunn.'  1346,  Seg.,  RG.,  ge- 
hören, lässt  sich  mit  Sicherheit  nicht  bestimmen.  Zum  Na- 
men des  Wasserfalles  .Grindwäschete'  ZgWalchw.,  einer  Über- 
tragung aus  dem  menschlichen  Kulturleben,  vgl.  das  Analogen 
Lüs-Strähte.  ebd.  —  Viele  der  nun  folgenden  Compp.  mit  pers. 
Bed.  bezeichnen  natürlich  zunächst  den  Kopf;  vgl.  Grind  2  a; 
nebenher  gehen  in  den  meisten  Fällen  entsprechende  Zss. 
mit  Kuj,/. 

All-Grind:  Dickkopf  Aa  (Rochh.). 

All-  mit  verstärkender  Bed.,  ausgehend  vou  dem  Begriff 
,gauz' ;   vgl.  all-gross,   -hübsch,    -busper. 

Er-:  ehrgeiziger  Mensch  BS.  —  Erb-:  =  Grmdi 
Bs;  häufig  in  der  ä.  Lit;  z.  B.  syn.  mit  ,bös  haupt.' 
1586,  Z  Spitalact.  ,Ein  pflaster,  zücht  us  den  kalten 
fluss,  darvon  der  e.  erwachset.'  Zg  Arzneib.  1588. 
,Favi,  E.,  Ursprung.  Cacoethes,  böse  Gewohnheit,  der 
Grind,  E.'  Denzl.  1677;  1716. 

Ise"-:  1.  gespenstiges  Wesen,  das  in  AaF.;  ZHorg. 
in  der  Isengrind-Nacht  (Abend  vor  StNikolaus),  in 
ZHaus.  nach  der  einen  Angabe  am  zweitletzten  Freitag 
vor  Neujahr,  nach  anderer  (jüngerer)  an  der  Durch- 
spitm-Nacht  (2.  Nacht  vor  Neujahr),  in  ZHorg.  nach 
unbestimmter,  nicht  bestätigter  Nachricht  zwischen 
Weihnacht  und  Neujahr  umgehen  und  Kinder  rauben 
sollte,  denen  man  daher  Abends  drohte :  Gang  i-e,  der 
I.  nimmt  di"''!  In  jener  Zeit  giengen  vermummte, 
russgeschwärzte,  junge  Bursche  mit  langen  Stöcken 
umher  und  suchten  mit  Schellen,  Klappern  usw.  mög- 
lichst wüsten  Lärm  zu  machen,  in  die  (vor  ihnen  ver- 
schlossenen) Häuser  zu  dringen  und  die  Leute  zu 
necken,  schrecken  oder  gar  zu  schlagen  und  binden. 
Unter  den  Vermummten  gieng  in  ZHorg.  der  I.,  der 
nach  einer  Angabe  wie  ein  Hund  mit  feurigen  Augen 
(Lichter,  die  hinter  die  Augenöffnungen  in  der  Maske 
gesteckt  wurden)  aussah  und  auf  dem  Kopfe  Hörncr 
trug.  In  ZHaus.  marschierten  an  der  Spitze  des  Zuges 
die  Schreckgestalten  der  Schiutbelgeiss  und  des  I.,  der 
schwer  mit  Ketten  behangen  war,  damit  rasselte  und 
gegen  die  verschlossenen  Haustüren  schlug,  bes.  da, 
wo  die  Durchspinn- Na  cht  gefeiert  wurde.  Nach  dem 
Umzüge  begaben  sich  die  Verkleideten  zum  Trünke 
in  ein  Privathaus,  wo  sie  bis  gegen  Morgen  blieben, 
aber  den  Unfuy  die  X;irlit  über  noch  etwa  wieder- 
holten. Da  dir  IhinhsiiiiiiiHKcht  heute  weggefallen 
ist,  ziehen  die  Hiirsrh.'  x.n-  ,lie  Häuser  des  Dorfes,  in 
welchen  jiinnr  .MipIrluMi  w.ihni'U.  Vgl.  noch  A7im(irm, 
Kldjijii'ih,:,!. .  Sinn/,/,  Ir.  I  l,i:iiifii-Nase.  —  2.  ,Ysingrind', 
ein  Straliii^l  i  luneiit  •[<■<  .yni^sniächtigen  Rates'  in  Zug, 
der,  Keclitsgebräiuhc  j.arodierend  (vgl.  Narren-Fest), 
über  Sonn-  und  Festtagsentheiligungen  und  Unzuchts- 
vergehen richtete,  1798  aber  aufgelöst  wurde.  Übertr. 
wurde  der  Name  dann  auch  auf  den  dieses  Instrument 
führenden  Beamten  jenes  Rates,  der  alljährlich  am 
.schmutzigen  Donnerstag'  eine  neue  Ämterbesetzung 
vornahm ;  vgl.  Leiterli,  Bogen,  Hundsbihel,  Hüener- 
brett.  —  3.  am  Aschermittwoch  von  der  Zunft  der 
Z  Metzger  auf  einer  Stange  herumgetragener  Löwen- 
kopf  mit   aufgesperrtem    Rachen    und   aufgehobenen 


705 


;rin(l,  groiiJ.  iji-iiikI 


Pranken.  ,Der  sog.  Eisengrind  oder  halbe  Leu,  wel- 
chen die  Metzger  an  dem  Umzug  tragen,  ist  ein  Zeichen 
ihres  streitbaren  Leuenmutes,  den  sie  1350  hatten.' 
Mem.  Tig.  1742.  Als  1728  der  Umzug  abgestellt  wurde, 
stellte  man  den  1.  alljährlich  am  Aschermittwoch  auf 
der  Stube  der  Metzger  zum  , Widder'  am  Fenster  zur 
Schau  aus,  bis  1798  auch  dieser  Brauch  abgestellt 
wurde.  Seitdem  erschien  der  1.  aber  wieder  am  Sechse- 
läutenumzug;  vgl.  Sechseläutenblatt  1822:  ,Und  in 
diesen  Tagen  ehren  wir  jyich  unsern  Eisengrind,  der 
die  Plane  jener  Herren  schlug  so  grimmig  in  den 
Wind.  Darum  soll  der  Widder  leben,  leben  soll  der 
Eisengrind.-  —  4.  eigensinniger  Mensch,  Starrkopf 
Gr;  Schw;  Zg;  Z.  Hieher  wohl  auch:  ,Sag  an,  meister 
eisengrind,  was  klag  ist  dasV'  wie  Faber  (viell.  zu- 
gleich mit  Anspielung  auf  das  durch  seinen  Namen 
bedeutete  Handwerk)  angeredet  wird,  als  er  eine  Aus- 
rede gebraucht.  Gyrekrüpfen  1523.  —  5.  „Greif,  Greif- 
geier, Tultur  gryps  Z."  —  6.  Name  eines  Hügels  bei 
ZAif.  b.  Höngg.    Vgl.  Isen-Büel. 

Zu  1—3  vgl.  den  ahd.  Personenn.  Irnnki-im,  der  viell. 
in  dem  alten  Bs  Geschlechtsn.  ,Isingrim'  fortlebte  (s.  auch 
Gr.  WB.  .Eisengreiu'  und  ,Isegrimm'),  oig. :  Der  mit  der 
eisernen  Maske  oder  mit  dem  Eiseuhelni;  vgl.  an.  i/i-imu, 
Maske,  Larve.  Der  Xame  galt  zunächst  wohl  von  Göttern 
und  Helden,  welche  den  Menschen  bes.  mittelst  des  Helmes 
mit  Larve  furchtbar,  schreckenerregend  werden  wollten,  frrt/n 
stellt  sich  zu  grtnan,  das  Gesicht  verziehen,  wie  schim,  Glanz, 
zu  nchtmn,  scheinen.  Indem  die  Erscheinung  der  alten  Götter 
und  Helden  in  Umzügen  dramatisch  dargestellt  wurde,  wählten 
die  Darsteller  solche  schreckenerregende  ,Köpfe',  Helme  oder 
Masken;  vgl.  die  ahd.  Glosse:  ,scenici,  crlmun'.  Auch  den 
Göttern  geheiligt«  Tiere  wurden  in  jenen  Umzügen  durch 
Masken  dargestellt  und  so  finden  wir  während  der  Zeit  des 
langen  Kampfes  des  Christentums  mit  dem  Heidentum  be- 
ständige Verbote,  welche  das  Herumziehen  in  Tiergestalt 
untersagen.  Über  Helme  mit  larvenartigem  Visier  und  solche, 
deren  ganze  Gestalt  die  Form  eines  Tierkopfs  hatte  (wes- 
wegen eine  Umdcutung  auf  Grind  nahe  liegen  mochte)  vgl. 
Lindenschmit,  Altertumskunde,  S.  253  if.  An  Zshang  unsers 
W.  mit  ,Isengrim',  dem  Namen  des  Wolfes  in  der  Tiersage, 
ist  nicht  zu  denken,  da  diese  nicht  der  Volks-,  sondern  der 
gelehrten  Dichtung  angehört.  Zu  1.  Der  zweitletzte  Freitag 
(oder  nach  einer  andern  Angabe  für  die  Striiggde  richtiger 
der  Mittwoch)  ist  die  Zeit  der  Fronfasten.  —  Zu  2.  Der  J. 
kann  eine  Strafmaske  bezeichnet  haben.  Möglicherweise  war 
es  aber  auch,  wie  das  ,Joch',  der  ,Kolbe',  der  ,Jndenspiess', 
die  offenbar  getragen  werden  mussten,  verraten,  ein  schwerer 
Kopf,  mit  dem  sich  der  Delinquent  wie  etwa  mit  dem  Klapper- 
stein eine  Strecke  weit  zu  schleppen  hatte.  —  Zu  3.  Ein 
ähnliches  Strafinstrument  ist  viell.  auch  der  I.  der  Z  Metzger 
gewesen,  was  bes.  HBuU.  Tig.  mit  der  Angabe  beweist:  .Den 
ysengrin  muss  einer  [der  Z  Metzger]  tragen,  der  desselben 
jars  im  vechkauf  den  hosten  [unvorteilhaftestenj  kauf  getan 
nänniglich  wänt,  der  trage  us  der  ursach  den  ysen- 
lii^  T.iistlmrkeit  auf  die  Fast- 
II  li  I  Milien  ;  wie  der  an  dem 
:.ii  Hill  ilie  in  den  Brunnen 
111  /.  i-.ii,  war  es  ein  Fest 
1  I  iiiiliii^'s;  der  Termin  war 
i-'iii  I  wi'il  ihre  Arbeit  ohne- 
I-  i'  !  L'nissen  Fasten  wegen 
.S.igt.  sie  hätten  den  I.  als 
Ehrenzeichen  ihrer  Tapferkeit  tragen  dürfen,  verdient  insofern 
Glauben,  als  viell.  zu  einer  Zeit,  da  man  die  Fastnachtslust- 
barkeitun  einschränkte,  nur  den  Metzgern,  welche  sieh  auf 
beSMTi.l. n-  Vriiliiii^tr  berufen  konnten,  die  BeibehaltiiiiL'  iliri> 
Umzu-i  -  -i^taltit  uiirdc.  Seit  1556  wurden  Uiii/n.'i  am  li 
den  iil.ri-i  11  /.iirilini  gestattet.  Die  Z  Metzger  stan.l.  n  Illin- 
gens mit  ihrciii  Vuiziig  nicht  allein;  vgl.  Lüt.,  Sagen,  .S.  4:Ji, 


gryn  herumb.'  Dass 
nacht  verlegt  wurde,  ilaj  I 
selben  Umzüge  herun)^''-! 
geworfenen  ,Braut  uml  1 
zur  Feier  des  wiederk. h 
für  die  Metzger  auch  Jai 
hin  mit  jenem  Tage  d.  - 
eingestellt  werden  musst- 


und das  den  Nürnberger  Metzgern  vom  Jahre  1349  an  aus 
den  selben  Gründen  gestattete  ,Schembartlaufen'.  Der  Löwen- 
kopf ist  wahrsch.  an  die  Stelle  einer  andern  Tiermaske  ge- 
treten (viell.  mit  Anlehnung  an  das  Wappentier  von  Z).  Die 
Angaben  über  das  Material,  aus  welchem  der  I.  gefertigt 
war,  schwanken;  seiner  ursprünglichen  Bed.  nach  war  er 
jedenfalls  sehr  schwer,  viell.  wirklich  eisern  oder  ehern  oder 
dann  doch  mit  Metall  beschlagen  oder  vergoldet.  Noch  die 
Z  Merkw.  des  XVIII.  reden  vom  ,Ei3engrimm'  oder  ,ehernen 
LöwenkopP.  Später  und  bes.  im  XIX.  war  er  aus  Holz  und 
bemalt;  der  alte  I.  lieferte  1798  Holz  für  die  Küche.  Zu 
St. 's  Angabe,  der  von  einem  .eisernen,  bisweilen  auch  nur 
irdenen  Löwenkopf'  redet,  stimmt  wohl  die  Bemerkung  bei 
Schulze,  Id.:  , Dergleichen  ans  Lehm  verfertigte  FeldzeiLheu 
werden  an  einem  bestimmten  Tage  verteilt.'  Es  scheint  dar- 
unter ein  Spielzeug  verstanden  werden  zu  müssen,  eiu  Abbild 
des  eigentlichen  I.,  wie  auch  bei  Herrlib.,  Z  Ausrufbilder  1,  ;-i'j 
ein  junger  Bursche  4  kleine  I.  an  Stäben  feil  bietet,  wor- 
unter der  Reim  steht:  ,Oft  ist  die  Mutter  wie  das  Kind, 
die  Dienstmagd  wie  der  Eisengrind',  d.  h.  wohl  hartköpfig, 
unbelehrbar;  vgl.  /.  4.  Ein  Trinkgeschirr  von  der  Form  des 
1.  haben  wir  uns  wohl  in  dem  Rechnungsposten  der  Metzger- 
zunft  vom  .Jahr  lfi48  zu  denken:  ,Dem  Goldschmid  wegen 
Ysen!.'rin.l'-''-.'hirr»  I •?  Ff.l  in  ß',  da  auch  sonst  von  Zünften 
.'Vhnlii  !i  ,-•    1  *       \Viitiie  Abbildungen  des  I.   finden 

sich  Im  i\l.i'  I  -  ii.i.  All,  itümer  1782,  Teil  XI,  S.  4/5, 
Z  Natimi  iM.iii  li  iliil.  I  17^:.,  Xcujahrsbl.  der  Z  Feuerwerker 
für  18'2J.  Bed.  1  erklärt  sich  ohne  Weiteres  als  ,Eisen- 
kopP.     5  ist  höchst  verdächtig. 

Gosche"-:  Scheltw.  für  ein  böses,  zänkisches 
Weib  LE.  —  Grübe--:  mit  Schorf  bedeckter  Kopf 
ScHwE.;  Syn.  Rufen-Gr. 

Groppe°-,  auch  (patron.)  Gr.-Grmdi"g:  grobes 
Scheltw.,  zunächst  auf  einen  Menschen  mit  grossem 
Kopf  ScuwMuo.  —  Gropii,  Kaulkopf,  -Quappe,  ,Dickkopf; 
s.   noch   Ross-Gr. 

Gross-:  aufgeblasener,  sich  selbst  überliebeuder 
Mensch ;  Grosssprecher,  „allg."  , Das  arme  Weberchen 
müsse  sich  [von  dem  grossen  Fabrikanten  den  Abzug 
am  Lohn]  gefallen  lassen,  weil  es  halt  mit  solchen 
Grossgrinde  nicht  procedieren  könne.'  Gotth.  Viell. 
will  JCWeissenb.  1701  (iise  Sil"  Gorris,  der  Gruss(jrind) 
das  W.  i.  cig.  S.  =  Mensch  mit  grossem  Kopf  (ältester? 
Sohn)  verstanden  wissen.  —  „grossgrindig:  prah- 
lerisch, grosssprecherisch. " 

Massholder-:  Querkopf  GRPr.  (It  B.). 

Das  Holz  des  Feldahorns  (Mimhokler)  ist  maserig,  zähe 
und   hart;   vgl.   kafftmbucrh i n. 

Häuptig  Hu-ti(/i\'>^'\.\-.  r;'li;iiii|.|ti.  iScnw;  U)-: 
eigensinniger,  rechthalii  ri-rli.  r  l\i.]il.  M.htIi.  les  het 
er 's  (?'se/i  [eingesehen],  ilvr  li'imulis-Cr.  V.  Syn.  Sc- 
hauptis.  —  Häujiti^ij,  hartnäckiger  Kupf;  OJiaujiicii,  recht- 
haberisch sprechen.  Über  die  Form  auf -i»  vgl.  Anni.  zu  Fahenn. 

Chabis-;  schcrzw.  für  Kohlkopf.  Das  slge"  jo 
nulluni  ('linh,.-('hi)iif,  das  sige  Chabis-Grind;  denn  sie 
sind  ilii|'|i-li  'i  uiiiss,  als  gewöhnliche  Chdbis-Chöpf. 
Zg  Kai.  1^7>. 

Chib-:  Starr-,  Murrkopf  Ar.  —  Kihm,  trotzen,  zanken. 

Chalbs-:  Dummkopfe.  —  Chatze"-:  1.  gro.sser 
Böller,  mit  welchem  bei  festlichen  Anlässen  geschossen 
wird  L.  —  2.  eine  Art  späte,  sehr  grosse,  runillichc 
Birnen  L.  —  Chrusel-:  Krauskopf.  [Die  Römor- 
holden]  mit  dem  Chr.  PHeng.  1836.  —  Lüs-,  Lüs-: 
i^riilies  Scheltw.,  , Läusekopf'  L;  Z.  Lilsegr.  heissl  mis 
lliiiul  L  Kinderl.,  in  welchem  den  Haustieren  und 
Faniiliengliedern    allerlei    drollige    Namen    beigelegt 


Granil,  grend,  grind,  gronJ,  grund 


werden;  s.  Bubeli-,  Rufen-Or.  —  Mel-Grind.  Bon- 
ders Melgringe  werden  scheltend  die  Müller  genannt. 
GOTTU.  XXI,   181. 

Molli-Grind:  Dickkopf,  als  gelindes  Scheltw.  Bs. 
Was  macht  dl''  Mueter  am  Samstig?  Si  spinnt,  si 
singt,  si  wagled  [schaukelt]  's  Chind,  si  git-im  Ei"'s 
an'n  M. 

Jlfoiij- bezeichnet  wie  Gropjmi-Or.  zunächst  die  Kaulquappe; 
s.  MoUen-Koj/f.     Molli  übrigens  It  Spreng  =  dickes  Kind. 

Milch-:  Teigmanl,  eine  Art  Ausschlag  der  Saug- 
kälber. Walrafp.   —  Vgl.  Gr.  WB. 

Möre"-:  Mohrenkopf.  Herr  du  mini  Güeti!  Wie 
hein-ecJi  die  dri'  g'seh:  Möregringe  [mit  Heidelbeerbrei 
überstrichene  Gesichter]  /lei"  si  g'ha"  u'^  Finger,  wie 
mit  Tinte  g'färbt.  BXri  1885. 

Muschn-  LG.,  Mutsch-  Aa;  B;  Z,  Mutz-  Zg, 
Most-  G:  Scheltw.,  Dick-,  Hartkopf,  sowohl  körper- 
lich als  geistig. 

Mus<:!n,  MutKch,  Mutz,  Mutti,  etwas  kurz  und  dick  Zu- 
gestutztes, z.  B.  die  ungehörnte  Ziege.  Möglicherweise  stützt 
sich  obiges  Comp,  gerade  auf  diese,  da  sie  für  bes.  eigen- 
sinnig gehalten  wird;  vgl.  Stieren-Gr.  Most-Gr.  ist  viell. 
blosse  Entstellung,  veranlasst  durch  die  Zss.  Moat-Bnch  und 
durch  die  Wahrnehmung,  dass  der  reichliche  Mostgenuss 
sowohl  aufgedunsen  als  blöde  macht;  vgl.:  ,Ich  mein,  der 
narr  steckt  dir  im  köpf;  ich  glaub,  du  syest  vollen  most.' 
Aal  1549.  Doch  kann  auch  das  aufgedunsene  Gesicht,  wie 
es  bei  Gewohnheitstrinkern  entsteht,  oder  dasjenige  eines 
Vielessers,  der  viel   .hinein-mostet',  gemeint  sein. 

Narre"-:  Dummkopf  Gr.  ,Ä,  wo  willt  hin,  du 
Narrengrind,  du  bist  doch  worden  gar  ein  Kind.'  Com. 
Beati.  ,Die  [Herodias]  häd  dem  Köng  Herodes  in 
seinem  Naragrind  asa  grüseli  wol  gfalla.'  Bantle  1700 
(T.).  —  Pücli-:  1.  bei  den  Hirten  Name  einer  un- 
Icitsaiiicn,  sti.i  rign,  Kuh  Ar.  —  2.  Pocher,  Dickkopf, 
trotziger,  iiiibnigsiiiiirr  Mensch  Ar. 

Bül(l)i-:  Scheltw.  für  unerwachsene  Personen, 
eigensinniger,  trotziger  Junge,  Hart-,  Trotzkopf  GW. 

BiSlOH.  dass.,  aber  auch:  grosser  Kopf;  Narr,  Dumm- 
kopf.    S.  Anm.  zu   Gd,   Gäl  Sp.   214. 

Plunni-  BE.,  Plü-  GBuchs,  Wo.:  Dickkopf  B; 
Mensch  mit  fettem,  aufgedunsenem  Gesicht  G.  Sj-n. 
Plonni,  Plunni.  —  Phin  für  plon  und  dies  füry>?ö«;  aus 
•geblan,   Ptc.   von  blaejeii. 

Blätere-:  Mensch  mit  blatternarbigem  Gesicht. 
,Der  N.,  den  man  seit  der  Urschlacht  [Pocken]  nur 
den  Bloteregrend  nannte'  GStdt. 

Blass-:   Kahlkopf  Ap.  -  Mhd.  Um,  kahl. 

Blätz-  =  Grivd  1  (I.  mit  Schorf  bedeckter  Kopf 

AaoF.     -     mu::.     Fl.Tl,,     Stml,.     wir     IIKU,    .tw:,    vn„     ,.i,„.„, 
verblätzete  G'airlil.    fh.^i.J.    <\.  Ii.  iiill   Wiiuani    luilrrklni.    rnlrl. 
Brätole-  =      l'hi,i,i,-Gi-.  ^\V.n,:\^>.  Wo. 

|i,„il'i'ni','h^l.  ';,■"''"■""■'   /'■"■■    'l^'^-l-    1':     'l"'!^'-"    ^'^'■'^'■ 

i;ubel(i)-:  Kniuskopf  Z.;;  /;  s.h'.-Kopf.  Mll- 
beligr.  heisst  mls  Chind  L.  S.  oben  Liis-Gr.  -  Jlvhrl, 
krauses  Haar,  Krauskopf. 

Rifc--  Z,  Rufe"- Aa;  Ap:G,  i?«/e"- Aa  (Rochh.): 
1.  mit  S,li..rr  lir,le,kter  Kopf  Ar;  Z.  —  2.  Scheltw., 
zunäcliM  .inl  Kinl' r  mit  solcher  Krankheit  Ap;  G;  Z. 
B.hei.-<.-l  „IIS  Cliiinl.  UocuH.,  AK.,  S.  167;  vg\.  Bubeli- 
Gr.  —  3.  Name  eines  Hügelkopfes  AASuhr  (s.  Arg. 3, 72). 
Mhd.  ruf,  rufe,  Schorf,  Aussatü,  Kruste.  —  Zu  3.  Da 
ein  Bergsturz  in  jener  Gegend  nicht  erwiesen  ist  und  das 
"W.   Huri   in    diesem  S.   sich    nicht   in    der  äussern  Schweiz 


nachweisen  lässt,  so  vereinigen  wir  trotz  dem  ,Ruviberg'  (bei 
SchwGoldau)  diesen  Namen  mit  vorliegendem  Art.;  das  in 
neuerer  Zeit  aufgedeckte  starke  Pflaster,  welches  den  Kopf 
des  Hügels  bedeckt,  mag  in  früherer  Zeit  den  Aulass  zu  der 
Benennung  gegeben  haben. 

Eoss-:  1.  Kaulquappe  U;  Syn.  Boss-Kopf,  -Nagel. 

—  2.  Name  eines  gefährlichen,  schauerlich-wilden 
Engpasses  an  der  Habkernstrasse  B;  Syn.  Boss-Haupt. 

—  Sau-:  hässlicher  Kopf,  , Schweinskopf',  dann  rohes 

Scheltw.  Aa;  Z. 

• 

Selb-:  eingebildeter  Mensch,  Starrkopf  BO. 

Vgl.  mhd.  aelp-hart,  Egoist,  mlp-hem,  der  sein  eigener 
Herr  sein  will,  als  Adj.  =  eigenmächtig,  u.  a. 

Surri-:    mürrischer,    übelgelaunter  Mensch   BBe. 

Von  surren,  brummen;  vgl.  die  Synn.  Surri,  Surrimutz 
(,Brummbär'). 

Sibe°-Sester-:   ungewöhnlich   grosser  Kopf  Bs. 

—  Siben  in  allgemein  verstärkender  Bed. ;    Sester,    Scheffel. 
Setz-:  Trotz-,  Starrkopf,  hartnäckiger  Mensch  Gl; 

6;  Zg;  Z.  De"  S.  vertribe",  den  Trotz  brechen.  — 
Vgl.   ,den  Grind  setzen',  auf  Etw.  beharren. 

Schech-:  Scheltw.,  scheel,  zornig  blickendes  Ge- 
sicht, z.  B.  eines  trotzigen,  eben  getadelten  Kindes  Sch. 

—  Schichm,   scheel  blicken. 

Schuder-  C-ü-J:  Kopf  mit  zerzaustem,  ungekämm- 
tem Haar  G  oT. ;  Syn.  Schüpen-,  Tschüwel-Gr.  —  Vgl. 
Schud«r-Üwd  Bd  I   617,  sowie  (Glschuder-Üär. 

Schüp-:  1.  bei  den  Hirten  Name  einer  Ziege 
mit  üppigem,  langem  Haarwuchse  am  Kopfe  Ap.  — 
2.  =  Schuder-Gr.  Ap.   —  Svhupen,  Haarschopf. 

Schle'gel-:  Kopf  eines  Schlägels,  z.  B.  Holz- 
schlägels Ndw. 

Ste'ck-:  Starrkopf,  eigensinniger  Mensch  Ar;  Gl; 
Gr;  G;  Sou;  Th;  Z.  --  s  (  r,k -gl' i  n  iI  ig:  starrköpfig. 
aaOO.  Boss  %"•  z'  Trut:  ir'r  strrl.-ijrindegi  notta  söo'l 
Gwald  über  sehn  [sie]  ha"  icenli  Gk  (Schwzd.). 

Vgl.  «ich  ateckeu,  stocken,  versteckt,  eigensinnig  verschlossen ; 
,den  Kopf  setzen'.    Vgl.  auch  nhd.   ,verstockt'   u.  s.  Stelt-Gr. 

Stein-:  Schuttkegel  BSi.   -   Zu  Grind  s  c. 

Stiere"-:  Trotzkopf.  En  St.  mache;  eine  eigen- 
sinnig-trotzige Miene  annehmen,  zürnen  Schw;  Z. 
Eigensinniger,  höchst  halsstarriger  Mensch  Aa;  GA.; 
W;   Z. 

Stent-  Bs;  Gr;  Ztw.  =  Steck-Gr. 

Wohl  eine  bloss  willkürliehe,  an  sieitig,  eigensinnig,  sich 
aulehnende  Schreibung,  da  iu  den  angeführten  MAA.  ,Steck-' 
und  ,Stett-'   in  der  Ausspr.   Stchrind  zsfallen. 

Stize"-:  Kopf  mit  zurücktretender  Stirne,  sodass 
er  iKL.li  ul,eii  länglich-spitz  zuläuft,  nach  Art  der 
Irnher  iiMlrhen  Ölkannen  (Stizen)  ScHW;  Zg;  Z.  — 
Strau-:  Stroh-,  d.  i.  Dummkopf  L. 

Tubel-,  Biibel-,  nach  St.'  auch  Düppels-: 
1.  böser,  mürrischer,  wirrer,  sauertöpfischer,  leicht 
schmollender  Mensch,  Starrkopf  Aa;  Bs;  B.  ,Kinder 
im  Widder  geboren  bekommen  Tubelgrinde  und  wer- 
den störrisch.'  B  Hink.  Bott.  ^  2.  Dummkopf  Bs. 

Dübel,  TuM,  verschlossener,  eigensinniger,  mürrischer 
Mensch,  eig.  , Dickkopf ;  auch  Stier.   Vgl.  ,Düppel'  bei  Gr.  WB. 

Tärr-,  Darr-:  Trotz-,  Starrkopf  BO.  —  Tärr. 
dürr,  trotzig,  eigensinnig. 

„Tschüwel-,  Tschouel-,  Tschuel-:  Mensch 
mit  verwirrtem  Kopfhaar  Zg"  (St.*»);  Syn.  Schuder-, 
Schttp-Gr.    —    Tsrhüwel,   verwirrtes   Kopfhaar. 


709 


WtJtt-,  G'wetti-:  beim  Blockbau  über  die  Fü- 
gung vorragender  Balkenkopf  aScHW.  —  Wmen,  ver- 
liiuJcu,  zsfügen. 

Zwäng  (Btw.,  Gotth.;  ,L;"  W)-,  Zwing  (Aa; 
HO.,  Si.;  VÜRTE;  Z)-:  Kopf,  Mensch,  der  Alles  eigen- 
willig, hartnäckig  durchsetzen,  erzwingen.  Recht  be- 
halten will;  Syn.  Zuing-Herr,  -Kopf,  Meister-Katz, 
liegent.  ,Wo  Jeder  den  Zw.  macht  für  sich  und  Keiner 
dem  allgemeinen  Besten  nachfragt.'  Gotth.  ,Das  sei 
ein  Zw.,  was  ihm  in  Kopf  schiesse,  da  durch  müsse 
OS.'  ebd.  —  Zwängen,  mit  Gewalt  durchsetzen. 

Zwiris-:    Querkopf,  eigensinniger  Mensch    Sohw. 

—  Zwiri»,   einer  (zwerch). 

grindacht,  -ocht:   1.  mit  dem  Grind  (als  Krank- 
heit)   behaftet.     ,Thehora,   das  ist  als  vil  by  uns  als 
g'sund,    frisch,    nicht  grindecht,    schäbecht'    Zwingli. 
-   2.   halsstarrig,    eigensinnig,    rechthaberisch    BO.; 
„LE."  —  3.  steinig  BO.;   Syn.  inlfelocht,  schopfig.  — 

llhii.   ijrinteht,   ffrindeht  in   Bed.    1. 

grinde":  1.  beim  Schopf  fassen  und  schlagen  BO. 

—  2.  trotzen  G;  Syn.  en  Gr.  machen,  köpfen. 

er-,  in  BBe.  ver-:  1.  sich  mit  einer  Schmutz-  oder 
Kotkruste  überziehen,  schorfig,  krustig  werden,  von 
Schmutz  starren,  von  der  Haut,  Glas,  Zimmern,  Gefässen. 
die  lange  nicht  gewaschen  und  gescheuert  werden  BBe.. 
Si.;  GnSch.,  V.  „Das  Glas  ist  ergrindet,  der  Schmutz 
liat  sich  in  dasselbe  eingefressen,  so  dass  er  fast  nicht 
mehr  weg  zu  bringen  ist  Gr."  Übh.  in  Unordnung 
geraten.  Lan  e.  han-i'''  niu  Attas,  sagt  die  geschäftige 
Grossmutter  beim  Aufräumen  in  der  Küche  GrPt. 
(Schwzd.).  —  2.  sich  verschlimmern,  von  einer  Wunde 
GrS.,  Spl.  —  3.  verwildern,  von  Wiesen,  Äckern,  die 
keinen  Ertrag  mehr  geben  OrPt.,  S.,  Seh.,  V.;  Syn. 
er-klben,  -wilden.  —  4.  bei  einer  Arbeit  nicht  mehr 
fortkommen,  stecken  bleiben,  z.B.  vor  Müdigkeit,  beim 
Mähen  der  im  Wege  liegenden  Steine  wegen  GrV.  — 
5.  halsstarrig  werden,  von  Menschen,  seltener  von 
Tieren  GrS.,  Schud.  —  G.  =  grindenl  „BÜ. ;"  GRGlar. 

—  7.  „Etwas  hartnäckig  durchsetzen  BO." 

Bed.  2  u.  3  erklären  sich  (wenn  man  sie  nicht  aus  1 
tiitwickeln  will)  aus  der  Grundbed.  ,zürnen',  s.  cn  Grind 
miichoi;  auch  lös  und  wild  haben  die  Bedd. :  unfruchtbar, 
schadhaft,  krank  und  zornig;  Tgl.  auch  bösen,  mager  werden. 
Bed.  i  kann  von  der  Bed.  ausgehen:  stecken,  stehen  bleiben, 
wie  der  Grind  als  unheilbare  Krankheit;  doch  lässt  sie  sich 
auch  aus   1   ableiten.     5  —  7  von  der  Bed.  ffrind  ^  Kopf. 

düre-:  (Etwas)  hartnäckig  durchsetzen  BSi. 

grind-ig,  -isch:  1.  „mit  dem  Grind,  als  Krank- 
heit, behaftet  Bs."  ,Das  haar  auf  gr-en  und  glatzenden 
köpfen.'  TiERB.  1563.  ,Iren  gr-en  hunden.'  SHocmi. 
15'Jl.  ,Raud  und  Grindigkeit  der  Haut.'  Wurstisen. 
.Obenhin,  wie  man  einem  Gründigen  laust.'  Mey.,  Hort. 
,Es  gehöret  da  nach  dem  Sprw.:  zu  einem  bösen,  gr-eu 
Kopf  eine  scharpfe  Laugen.'  JMey.  hiOi.  , Habens 
barbam  porriginis  plenam,  der  einen  gr-en  Bart  hat' 
Denzl.  171().  , Patienten,  so  mit  garstigen,  anstecken- 
den Hautkrankheiten  und  andern  dergleichen  chroni- 
schen Übeln  behaftet  sind,  als  Piäudige,  Aussätzige, 
Grindige.'  17.57/69,  Z  Gschauordn.  —  2.  eigensinnig, 
starrköijflg,  unnachgil^ig  Av  fgrendischj;  B;  GrV.;  L; 
Syn.  köjjfig.  —  3.  voll  Felsköpfe,  felsig,  steinig  BO.; 
GrD..  V. 

„grindige":  eigensinnig  handeln  oder  sein  BS." 
~  er-:    erzwingen,   durchsetzen   BSi.  —  ver-:  (tr.) 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


„Etwas  durch  seinen  Starrkopf  verderben,  sich  dabei 
um  einen  Vorteil  bringen  BSi."  Ein  erzürntes  Kind 
oergrindiget  die  gereichte  Nahrung. 

Grindi^g  m. :  eigensinniger  Mensch.  Die  ist 
z'  chure  g'frösehet  für  so-rne'  Gr.  ga'  z' chire"  [auf 
eine  andere  Bahn  zu  leiten].  DGemp.  1884. 

grindle":  1.  enthaupten  G;  Syn.  köpfen.  —  2.  den 
Kopf  rasch  und  viel  bewegen,  z.  B.  im  Unwillen  schüt- 
teln UwE.  Bes.  auch  vom  Spiel  Verliebter,  welche 
die  Köpfe  zusammenhalten,  an  einander  reiben  Zg.  — 
3.  schmeicheln  BGr.  —  er-:  Etw.  eigensinnig  durch- 
setzen BM. 

Chinds-Grindler:  Art  grosser  Äpfel,  so  gross 
wie  ein  Kindskopf  Schw;  Syn.  Pfund-Epfel;  vgl. 
Katzen-Grind  2. 

Grindli  m. :  1.  grosser,  harter  Kopf  Gl.  — 
2.  widerspänstiger  Mensch  Gl.  —  Von  grindhn,  wie  das 
Syn.   Koiifli  TOD  hapflen. 

Grindel  s.  Grendel. 

Ornnd  m.:  1.  Grund-,  Stützfläche,  Grundlage,  Fun- 
dament, eig.  u.  bildl.  De"  Gr.  grabe",  das  Fundament 
legen  Z.  Wenn-men  uf-em  Gr.  ist  [mit  seinen  auf- 
gehäuften Vorräten  zu  Ende],  so  ist  spare"  z'  spät  L 
(Ineichen).  Mi"s  Herz  hat  Gr.  tmd  mi"s  Mul  hat 
oich  Gr.,  was  ich  fühle  und  rede,  ist  wahr  W.  Als 
Dim.  in  der  accumulierenden  Reimformel:  Ei^in  's 
Gründen  und  's  Bündeli  erzelle',  haarklein,  gründlich, 
bis  in  alle  Einzelheiten  ZKl.  In  einem  Vertrag  betr. 
Erbauung  eines  Weihers  sagt  der  Unternehmer:  ,Ich 
soll  den  tentsch  [Damm]  uf  dem  gr.  [des  Weihers] 
anfachen.'  1485,  Z  Urk.  ,Dise  Sachen  wir  üch  [auf] 
gr.  der  worheit  schryben.'  1476,  Bs  Chr.;  vgl.:  ,Wir 
wöllent  üch  des  [hierüber]  grunds  der  warheit  be- 
richten.' 1521,  Strickl.  ,Ich  weiss  im  gr.',  von  Gr. 
aus,  sicher.  NMan.  ,Es  ist  im  gr.  [eine  gründliche, 
gänzliche,  wahrhaftige]  büebery.'  ebd.  ,[Der  Komet] 
ist  uf  'gangen  von  nidergang  der  sonnen,  als  wenn  die 
sonn  um  Johannes  im  höchsten  zue  gr.  gät.'  ZWthur 
Stdtb.;  Syn.  ,zu  Gold,  Gnaden  gan'.  ,Ad  vivum,  auf 
das  g'nöwist  und  beim  gr.  Ich  will's  ein  wenig  vom 
gr.  her  nemmen,  repetam  paulo  altius.'  Fris.;  Mal. 
.Wenn  ander,  die  der  sach  ein  gr.  [gründliches  Wissen, 
Kenntniss]  habend,  das  \vi>lfrsiiil  jii.'genteil]  bezügend. 
so  muess  es  nichts  syn.-  \.\.\\.  l'x'^K  ,Troja  wird  in 
gr.  verbrennt.'  GGottii.  l"''.''.'-  In  ,vlj.  «'onipp.  iat  grioid- 
abstr.  verstärkend,  z.M.  iinnulfnu.  liiu-lisl  IVi.'.llVi'tig 
U;  grundfalsch,  od.  noch  iii.'ln  ^'.'hiiiin  :  iir:ni.l-i  r  ir"/. 
allg.;  ,den  grundgütigen  Gott.-  li  .--lUriiiiiaiiil.  171G. 
Darnach  sogar:  es  ist  gr.-so,  waljrlicli  so  GuAiiU  (Ij.j. 
Häufig  verst.  durch  das  Syn.  Boden.  —  Spec:  der 
Erdboden,  als  die  Grundfeste,  die  Alles  trägt.  Gr. 
ahe"  (wahrsch.  elliptisch  für:  in'n  Gr.),  marsch!  rufen 
die  Knaben  beim  Spiele  demjenigen  zu,  der  auf  einem 
Stein-,  Sand-  oder  Erdhaufen  Stellung  genommen  hat 
und  den  sie  wieder  zu  sich  herunterzuziehen  suchen  Z. 
!''•  ha  (g'spüre'J  na  Gr.,  ruft  der  Badende,  der  noch 
festen  Boden  unter  sich  spürt  Gr;  Z.  ,Es  suecht  ouch 
gr.  mitten  im  meer,  tuet  drum  nit  ertrinken.'  BGlettixg 
1560;  vgl.  gründen.  ,Ein  Comenser,  welcher  zu  Mitter- 
nacht bei  einem  Waldwasser  geschryen,  weil  er  nicht 
wusste,  ob  er  Gr.  haben  und  ohne  Lebensgefahr  hin- 
über kommen  könnte.'  LLav.  1670.  ,Ich  hab  nicht 
Gr.,  vadum  me  deserit,  non  est  quo  pes  nitatur.'  Hosi'i.n. 
1683.  Der  Erdboden  als  Frucht  tragender:  ,Wa  eine 
49 


771 


Grand,  grend,  grind,  groud,  griiiul 


[Frau]  ligents  guot  het,  da  wisen  wärind,  was  denn 
nach  synem  tod  uf  dem  gr.  an  der  würzen  stüend,  das 
sollt  der  frowen  mit  dem  gr.  blyben.'  XV.,  SoHwMa. 
a.  LB.  —  Grundeigentum.  Vil  Gr.  ha",  viel  Acker- 
und  Wiesland  W.  Bes.  accumulierend  verbunden  mit 
Boden.  D's  Wasser  hät-vm  [ihm]  Gr.  und  B.  weg 
rfnu',  seine  Güter  weggeschwemmt  W.  Sie  wollen  das 
Gotteswort  halten,  auch  Leib  und  Gut  dazu  setzen, 
,es  mües  e  gr.  und  boden  kosten.'  1529,  Absch.  (,Sy 
habent  geschworen,  die  püntnussen,  wyl  gr.  und  b. 
stat,  zuo  halten.'  1588,  ,\rdüser;  vgl.  ,Gr.  und  Grat' 
unter  3.)  Bes.  in  Kaufs-  und  Übergabsbriefen  zur  Um- 
schreibung des  gesammten  Grundeigentums,  in  lat. 
Urkunden  entsprechend:  ,terra  et  fundus'.  So  wird 
eine  Waldung  abgetreten  mit  der  Formel:  ,Unser 
frowen  hölzli,  holz  und  feld,  gr.  und  b.'  1558,  Gfd. 
—  Übertr.,  in  allgemeinerm,  oft  nur  abstr.  verstärken- 
dem Sinn.  Si'*  in  Gr.  u.  B.  inne'  verderbe",  verheie; 
seine  Gesundheit  gründlich  ruinieren  GW.;  Z.  ,Iu  Gr. 
u.  B.  verdorben.'  Erzähler  1856.  Vgl.:  ,Die  wonung 
deines  nammens  entweihend  sy  in  gr.  einhin  [völlig].' 
1548,  Ps.  ,Zuo  gr.  und  boden  gan.'  BGleti.  1557. 
,Dann  oft  der  klein  hüf  einen  grossen  zue  gr.  und  b. 
hat  gestossen  durch  kluegen  sinn  und  gueten  rat.' 
Holzwart  1571.  ,Man  muss  die  Wunden  von  Gr.  und 
B.  auf  heilen  und  mit  Nichten  von  aussen  hinein.' 
Würz  1634.  —  Kampfruf  [Aufforderung  zum  Eingen, 
zum  ,Wurf  an  Gr.  und  B.''?]  seheint  ,gr.  und  boden' 
im  XV./XVI.  gewesen  zu  sein.  , [Einem  Zuger]  mutete 
einer  von  Wädischwyl  an,  ein  früntlichen  rung  mit 
im  ze  tuend;  die  wurfent  einander  zu  beiden  teilen 
glych  nider,  doch  der  Zuger  den  von  W.  erstmals, 
da  der  jünger  brueder  ze  schrygen  anflenge:  Hie  Zug, 
gr.  und  boden!'  M.  XVI.,  Z  Gerichtsact.  Im  J.  1531 
schrieen  die  Utznacher:  ,Hie  Schwyz,  gr.  und  boden, 
hie  küedreck  [Neckw.  auf  die  Bauern  der  Innerschweiz] 
bis  an  knoden  [Knöchel]!'  Vad.  1567  wird  in  ZGrün. 
ein  Schwyzer  gebüsst,  ,um  dass  er  g'schruwen :  Küe- 
dreck! gr.  und  boden!'  Z  Staatsarch.  —  Meist  aber 
geht  Gr.  mit  Buden  eine  unlösbare  Verbindung  ein: 
Grund-  Bs;  B;  Gr  tw.,  Grimds-B.  Th;  Z.  EPfölin 
de  Gr.-B.  schlalie,  einen  Pfahl  mit  Wucht,  tief  in  die 
Erde  schlagen  Gr.  ilfj"  sett-en  (ung'spitzt)  in  Gr.-B. 
i-e  schloh',  derbe  Verwünschung.  Si'''  in  Gr.-B.  inne 
schämme",  vor  Scham  in  die  Erde  versinken  mögen. 
In  Gr.-B.  inne'  verheie",  verderbe',  verweiische^,  lüge", 
ganz  und  gar,  völlig,  gründlich  verderben  usw.  allg. 
,1'  Gr.-B.,  funditus.'  Id.  B.  Schlecht  si"  in  Gr.-B.  ie 
ZO.  ,Hätte  ich  ihm  [sagt  der  Arzt]  für  10  Btzn 
Tränke  [als  Purgiernüttel]  gegeben,  und  hätte  der 
Bube  die  Seele  aus  dem  Leib  hofieren  müssen,  so  hätte 
[die  Mutter]  mir  nicht  genug  danken  können,  auch 
wenn  ich  ihm  den  Bub  in  Grund  Boden  hinein  ver- 
ketzert [durch  die  falsche  Cur  verdorben]  hätte.' 
GoTTU.  —  Auch  als  Verstärkung  der  Neg. :  In  Gr.-B. 
nüd  (Nüt),  durchaus  nicht(s)  Z.  ,Er  ist  in  Gr.-B. 
Ntlt  nutz,  summa;  nequitis  homo.'  Id.  B.  .Ein  so  gru- 
sam  erdbidem,  dass  ettlich  stett  in  grundboden  yn- 
g'fallen  sind.'  Vad.  ,Das  gottshus  in  gr.-b.  ze  schyter 
richten.'  ebd.  ,Schloss  Maschwanden.  das  sy  ver- 
brannten und  verschleiztend  in  gr.-b.'  HBüll.  1572; 
vgl.  ebd.:  ,Das  sy  in  grund  schleiztend.'  ,In  profun- 
dam  altitudinem  maris  se  immittere,  sich  an  gr.-b. 
oder  in  alle  tiefe  des  meers  werfen.  Metagenes  certe 
periit,  er  hat  nichts  mer,  er.  ist  in  gr.-b.  einhin  ver- 


dorben.' Fris.;  Mal.  ,Wend  ir  echt  nit  werden  usgrüt, 
ja  in  gr.-b.  gar  kert  umb,  so  bessernd  üch.'  RSchmid 
1579.  .Dises  Wasser  nimmt  aus  dem  Gr.-B.  heraus 
alle  Würzen  des  Parlys  oder  Schlags  [zerstört  alle 
Anlage  zum  Schlagfluss].'  JRLandenb.  1608.  —  Statt 
mit  Buden  auch  accumulierend  mit  Erde:  Er  hät-em 
Olli  Gr.-E.-Laster  g'seit,  ihn  grob  beschimpft  Bs;  Z. 
—  2.  Erdreich,  allg.  Guete,  magere,  tüfe,  LeV"-Gr.; 
schwarze  Gr.,  Humus.  Gr.  träge',  Kulturerde  (z.  B. 
sog.  Composterde)  als  Düngemittel  in  die  Keben, 
Wiesen  tragen  Sch;  Z.  Schwarze  Gr.  gid  gueti  Frucht 
L  (Ineichen).  ,Wo  der  Gr.  ist,  darf  man  die  Beben 
nicht  misten.'  Sprww.  1824;  vgl.  grundig.  's  lauft  es 
Bächli  dur'^  d'  Matte",  d^  weist  nit,  wird  's  si'''  ver- 
liere' nödinö  [nach  und  nach]  im  Gr.  [d.  h.  darin  ver- 
siegen]. Breitenst.  ,Er  warf  ihm  Gr.  an.'  1875,  Z 
Processact.  Er  gät  gu  Gr.  träge',  euphem.,  muss 
sterben.  Sprww.  1869.  ,Der  Husten  muss  Gr.  tragen', 
=  bringt  in's  Grab.  Sprww.  1824;  vgl.  de''  Wueste 
iviü  Herd.  ,Cenovectriccs,  i.  e.  tröglin,  do  man  gr.  mit 
ustreit.'  1473,  Bs  Chr.  ,Die  eweiber  muesstend  ire 
blossen  haarlocken  mit  äschen  und  gr.  bezettlen.'  1531, 
UI.  Macc;  dafür:  ,staub.'  1548.  ,Ir  bluet  muess  ver- 
gossen werden  wie  gr.  und  ir  fleisch  wie  kaat.'  1531/48, 
Zeph.;  dafür:  , Staub.'  1667.  ,Das  pfulment  graben, 
den  gr.  hinter  die  mur  schütten.'  1539,  Härder.  ,Im 
bach  etlich  tannen  g'leit,  dass  der  gr.  nüt  hing'füert 
werd.'  1547,  Z  Staatsarch.  ,MHH.  verbieten  mängk- 
liehen,  in  den  Strassen  und  allmenten  gr.  zue  graben.' 
1553,  Sch  Eatsprot.  ,Agger  coctus,  vom  'brennten  gr. 
oder  zieglen.  Die  böum  mit  guetem  gr.  unden  by  der 
würzen  beschütten,  damit  die  wurzel  im  summer  von 
der  sonnenhitz  nit  verderbe,  aggerare  arbores.'  Fris.  ; 
Mal.  ,Wie  ein  gr.  mer  und  besser  korn^  gibt  dann 
der  ander.'  LLav.  1582.  ,Schwebelgi-und',  schwefel- 
haltige Erde.  ebd.  ,Mit  gr.  oder  erden  bedeckt.'  RCys. 
c.  1600.  ,Man  verdackt  [in  der  Pestzeit]  die  Lychten 
[Leichen]  allein  mit  wenig  Gr.'  PPlatt.  161'2.  ,Ein 
JBaum  dort  in  der  Mitte  stuond  des  Paradys  im  besten 
Gr.'  Com.  Beati.  ,[Die  Maurermeister  sollen]  den  Gr. 
[Fundament]  legen  an  Enden,  allwo  die  Baulüt  Gr. 
graben.'  1651,  ApHeid.  Monatsbl.  ,Für  4  Tag  Gr. 
[in  den  Reben]  aufzuwerfen.'  1696,  Sch  Bebbüecbli. 
,5V2  Tag  den  geflözten  Gr.  zu  tragen  1  fl.'  1709,  ebd. 
,Ist  der  Platz  [für  einen  Garten]  ein  Morast,  so  füllet 
man  ihn  mit  Steinen  und  grober  Erden  aus  und 
schüttet  guten  Gr.  darüber.'  JCSülz.  1772.  —  3.  Tal- 
grund, -sohle,  Niederung,  Ebene  B;  Gr;  W.  Syn. 
Bodem.  Wir  bl'ibe"  mit  de"  Chilene  im  Gr.  bis  Mitte 
Maje,  sagt  der  Älpler  BSi.  Was  macht-mffi  im  Gr., 
wie  geht's  drunten  im  Tale,  fragt  er  einen  Besucher 
BSi.  ,Über  30  Jahre  habe  er  als  Pfarrer  t.  unter  dem 
Grundvolke,  t.  unter  dem  Bergvolke  zugebracht',  er- 
zählt der  W  Pfarrer  Tscheinen.  Hagar  in  der  Wüste: 
,Ich  will  luegen,  ob  doch  wir  in  gründen  ein  wenig 
Wasser  möclitind  finden.'  Haberer  1562.  ,Am  28.  eng- 
sten hat  es  bis  in  gr.  geschnyt.'  1592,  Ardüser.  Bes. 
häufig  in  Flurnn.  allg.  Grund  heisst  ein  überall  von 
Bergen  eingeschlossenes,  langes  Tal,  das  früher  ein 
See  gewesen  BHa.  ,Grund'  od.  , Gründen',  Dörfchen  W. 
,Es  erschinen  zue  Samen  am  Gr.  [vor  Gericht] . . .' 
1428,  Gfd.  ,Ein  Jucharten  im  Grund.'  1653,  AAWett. 
Klosterarch.  Die  Wacht  ,im  Gr.'  1669,  ZMeil.  Urk. 
Under-Gr.  (1445:  .niderer  Gr.')  heisst  eine  Vorstadt 
von  Luzern   an    der  Eeuss,    z.  T.   aus   Schwemmland 


773 


lind, 


i'iind 


774 


bestelieiul,  der  ein  ,Ober-Gr.-  sich  anreiht.  In  Compp., 
z.  B.  ,Gr.-Acker,  -Bach.  -Guet,  -Halden,  -Hof,  -Matt, 
-Sehachen,  -Tal'  U.A.;  ferner:  ,Bort-Gr.'  UwAlpn.  1339, 
,Schachen-Gr.'  UAltd.,  ,Spiggen-Gr.'  B,  im  Hintergrund 
des  Kicntales ;  ,Anigrund,  Imgr.',  auch  Familienn.  Uw. 
—  Bes.  oft  ist  Gr.  in  dieser  Bed.  alliterierend  ver- 
bunden mit  seinem  Gegenstück  ,Grat'  [Bergkamm]  zu- 
nächst zur  zsfassenden  Bezeichnung  der  festen  Erd- 
oberfläche übh.,  des  gesammten  Grundbesitzes  zu  Berg 
und  Tal;  eig.  ,was  liegt  und  steht',  in  lat.  Urkunden 
wiedergegeben  durch :  ,in  piano  et  in  monte'  L ;  dann 
aber  auch  als  abstr.  Bezeichnung  des  (Tcsamiiitlipsitzes 
übh.  ,Gr.  und  grat,  lyb  und  -ii.-t.  b'li.'ii.l  ini,l  f,»!. 
ist  des  Gottshuses.'  1344,  AiWittn.  (Min.  .|\Vir  bal.en 
verkauft]  die  alpe  mit  matten,  mit  holze,  mit  fehle 
und  mit  gründe  und  gräten.'  1345,  Gfd.  ,Das  hus  mit 
dem  hofe  und  der  hofestatt,  mit  gr.  und  grat,  nut 
nagel  und  mit  nuet,  mit  gross,  mit  klein',  wird  als 
, Ehesteuer'  gegeben.  1421,  Geschfo.  Ges.  ,Dass  wir 
sömliche  sce  bishar  genossen  band  überall,  nützit  us- 
genoramen  noch  vorbehept,  gr.  und  grat,  fundes  und 
unfundes.'  1479,  LBer.  ü.  Vw.-See.  ,Die  geistlichen 
gabent  nüt  allein  das  iren  hinweg,  sonder  das  darzue, 
so  nit  iren  was,  das  was  gr.  und  grat,  so  doch  si  nun 
[nur]  darüber  g'walt  hattent,  den  nutz,  rent  und  gült 
ze  nutzend  und  nit  wyter.'  FSicher  1.531.  ,Liegende 
Hab  und  Güetcr,  es  seie  in  Gr.  oder  Grat.'  löüs. 
BFrut.  ,JIit  den  Gt-isscu  -cs.hirlit  sowohl  in  Gr.  als 
in  Grad  jederzeit  vil  Srlia.l.n,  ■  1(;75,  ß.  ,So  lang 
Gr.  und  Grat  stch'Mr  in  Ilnihlni^^-  und  andern  Ver- 
trägen in  pla.tisrlM'r  Wri..-  /„,■  llrzrirlmun-  .Mvi.^vr 
Dauer;  so  im  Vnx  l-  v-m  (ii.  mit  ilm,  A1,|  ^.,u  lii-mli-, 
1471  im  Biimlni..  .!.■.  Cnin.Mi  Knn.lr,,  l.VJI  m,  l'mn.lr,- 
vertrag  der  3  Bünde:  .Wir  Millrn^l  .;-.triiw  lioli  punds- 
gnossen  syn  und  blyben,  alMi.Hvl  -i .  nnd  grat  stat, 
wäret  und  blypt'  Aiiscn.  Vgl.  hi^vn  ^Icn  Bundesver- 
trag zwischen  den  Städten  Bern  und  Freiburg:  ,Wir 
sollen  hin  für  ewenklich  verbruedert  und  zuesammen 
beslossen  syn  und  belyben,  so  lang  der  gr.  [Funda- 
ment] und  die  muren  unser  stett  iren  stand  haben.' 
1480,  Absch.  und  Schiller:  ,So  lang  die  Berge  stehn 
auf  ihrem  Grunde.'  ,Nit  nur  etlich  Jar,  sondern  für 
und  für  wären,  wylen  Gr.  und  Grat  stat.'  GrD.  LB. 
Einen  ähnlichen  Gegs.  bildet  Gr.  und  Berg  GrI*. 
(Sammler  1806),  indem  die  Güter  im  Gr.  denen  im 
Berg  gegenübergestellt  werden.  —  4.  techn.  Ausdruck 
der  Dachdecker  und  Bauleute:  Tiefe  der  Dachfläche, 
Knicrinne,  die  entsteht,  wenn  zwei  Dachflächen  sieh 
im  Winkel  treffen;  in  der  so  entstehenden  Rinne  sam- 
melt sich  das  Wasser  beider  Dnrlill.i.  lim  und  sie  rauss 
daher  stärker  gearbeitet  sein.  I  in'  l'.irinrl  :  .Die  Kirche 
soll  in  Gründen  und  Gröten  inii  ScIniHleln  gedeckt 
werden.'  1805,  LSchüpfh.  (Bauvertrag),  umschreibt 
daher  die  sämratliche  Bedachung,  da  ,Grat'  die  äussern 
Kanten,  bes.  den  Giebel  bezeichnet  und  ist  herüber 
genommen  von  der  unter  3  genannten  Umschreibung 
von  ,Berg  und  Tal'.  ,Von  den  gründen  und  umb- 
gängcn  [Einfassungen]  uf  der  lütkilchen  mit  kupfer 
zc  beschlagen.'  1.559,  B  Staatsrechn.  ,[Die  Besitzer 
zweier  an  einander  stossender  Häuser  sollen]  jeder 
sein  Tach  in  Ehren  halten  und  mit  Namen  das  vorder 
Haus  den  Tachgrund  gegen  dem  Hof,  das  hinder  Haus 
aber  den  usseren  Grund  gegen  der  Münz  machen.' 
KWO,  ZStdt  Kaufbr.  ,Alle  auf  den  Dächern  sich  be- 
findliche Grund  von  Schindlen  oder  Holz  sollen  weg- 


getan und  anstatt  derselben  Grund  entweders  von 
Zieglen  oder  Blech  dorthin  gesetzet  werden.'  B  Feuer- 
ordn.  1723.  ,Ein  Gr.  am  Dach  kostet  7  fl.'  Z  Baurechn. 
1837.  —  5.  Fläche,  worauf  oder  wovor  man  (bes.  in 
einer  Zeichnung)  die  Gegenstände  erblickt,  oder  worauf 
sie  gestellt  sind;  bes.  technischer  Ausdruck  der  Maler 
und  Zeichner;  vgl.  nhd.  , Hintergrund'.  ,In  Gr.  leggen', 
auf  der  horizontalen  Zeichnungsfläche  entwerfen.  ,Er 
bette  anfangs  üwer  statt  ein  gueten  teil  uf  die  ringist 
gattung,  wie  man  an  einer  statt  die  fürnemensten 
türm,  hüser,  muren  und  gibel  ansieht  [vgl.  ,Vorder-. 
Seiten-Ansicht'],  abconterfact;  [nachher  aber  hätte  er 
sich]  fürgenommen,  üwere  statt  hoch  und  in  gr.  zu 
leggen  [d.  h.  aus  der  Vogelperspective  zu  zeichnen], 
dass  man  die  hüser,  euch  allenthalben  in  die  gassen, 
gesechen  möchte,  wie  dann  die  namhaften  stett  durch 
treifenlich  meister  in  gr.  gelegt  und  abconterfact  sind.' 
1546,  Z  an  S.  ,JMurer  redivivus,  d.  i.  eigentliche 
Grundlegung  der  Landgrafschaft  Turgöuw'  von  1641. 
,Ein  Ort  zu  erkiesen,  wo  ich  den  ganzen  See  auf 
einmal  zu  Gesicht  bringen  und  selbigen  nach  dem 
Compas  in  Gr.  zu  legen;  hab  also  daselbsten  den 
inneren  Teil  an  das  Äussere  gesetzt  und  gestossen, 
und  damit  den  Gr.  vervollkommnet.'  JLC'vs.  1661. 
.Güter  au,-,zniiie,ssrn  und  in  Gr.  zu  legen.'  1792,  Z.  — 
i;.  I'rs]n  UHU',  .h  .sprarh  | der  Slaven  und  Wenden]  hat 
mit  bfliomi.^rln  r  und  ij.ilnischer  sprach  einen  grond.' 
Vad.  —  7.  (jiiiihl,  ran~,i.  allg.  De"  Gr.  [einer  rätsel- 
haften Angelr-viilM  ii  I  ii/hisc'',  den  Kern  der  Sache 
finden  Z;  X'j:\.  .!■'■  ilnn^rf,  ,js  Rätsel  (afjlösen.  Mit 
GriDi.le  vh.i-  III,  1,1,1  ,s/m,7.  siniltc",  man  soll  nicht 
ra,uiiirnai.  -..iihlrni  llaml  anli'u'i'ii.  Wo-me"  heini 
Uniii.l  liiil.  I,ni.lil-i„."  ,1-  Fiisi  1,  (hieichen).  (Us)  Gr. 
dc.ssr«,   .l.v.hall..    in    dio-rr    .\l.,irlit    Z. 

JIIm],  ,, (  111  l'.r.l.  I       :;,  c,  II.  T.    Wrnii  14.35  in  ThDiess. 

Kiiici-  «cij.ii  il.  I  \^  1  » iiii^.  liiiii-:  ,Sii  liiilf  im  grunda!'  um 
30  riJ  fc'i;biU.st  «Uli,  s"  bchuiut  Gr.  in  Jiuseni  Falle  die  Hölle 
(den  iliBllegnmt',  Abgrund,  vgl.  uihd.  ,ia  abysses  gründe') 
zu  bedeuten,  wobei  -«  entw.  das  verstärkende  -«  (s.  Bd  I  2) 
oder  dann  =  J<,  fs.  A.h  Bd  I  G3  f.)  w.äre.  Letztere  An- 
nahme  entsjira.lir   '1.  II!  iiliiii Ir]-  iilt.  il  luriii.iiifU   au  eine 

Wasserhöllo    aN  :       nli    .lh     l:\,    /;,,i."   :„    Cr. 

und -Hoden   u-    r '        im       |ii.h    <li<     \  u  '  liaiimi?:;  aucb 

nnfb   t,w.    in    i|.  1.    Kmiiaii,:    ,(.i.    1   i;..i|,,i'    lnnum.     Bcd.  4 

h.Tiilirt  -ii-h  .■iiiri,.liiL'  um  ilriM  ini  \  1 1 1  id  uud  Vitr.  belegten 
iat.  :iii,„<l<i.  Ii.h'li.  s„i„i>  „„,1,,,  W.tirr-.  Vordach,  woraus  it. 
7/-.,/i./...    ir/..   K,  i;,;,i„l, .   lim, Irin    ^„h,/,;., ,,/,■,   Diicbriune,  -traiife. 

Ei-Grund  s.  Ei  II  Bd  I  18. 

Einme''-:  Kies,  welchen  die  Enmie  im  Littauer- 
Boden  bei  HiMdiwas.sor  ihrem  gewöhnlichen  Bette  ent- 
lang abla.^-ert   L. 

Es  ist  lia-lirli.  "li  li^'.  (las  Gebiet  dos  Fliissgcschiebcs 
gemeint  sei,  oder  (wofür  der  Gegs.  ,Emmo"-Bolle'"  spricht) 
das  Geschiebe  als  Stoff.  Im  letztern  Falle  läge  hier  ein 
ferneres  Beispiel  der  Vermischung  von  .Grund'  mit  ,Gricü'  vor. 

In-:  1.  der  tiefste  Grund,  das  Innerste.  ,Us  I.  des 
Herzens  betten',  aus  Herzensgrund.  Z  Mand.  1050; 
ebenso  bei  JMülL  1665;  AKlingL  1691.  ,Gleichwol 
formen  die  Geberden  sich  gern  nach  dem  I.  des  Her- 
zens.' FWvss  1650.  .Gott  von  Eingrund  unserer  Seelen 
danken.'  JJUlr.  1727.  .Lasset  uns  Gott  anrufen  und 
von  inner.stem  Eingrund  unserer  Seob'n  riNo  sprechen.' 
Z  Lit.  1732.  2.  Andacht  SmM  i.-nl-vi  i.  .Die  Bitt 
mit  gebürenilem  Eiiigrnnd  s|iii'r|i,a,  .I.IUkket.  1()"28. 
,La.ssot  uns  vil  betten,  mit   Kiiiaiiiii.l   li.llcii.'  FWvss 


775 


Grand,  grend.  grinrl 


id,  o-rnnd 


1655.  Abi.  mgrundlich,  ingründ(ig).  —  Jlhd.  ingruni, 
in  Bed.    1 ;  über  «i-  Tgl.   Anm.  zu   mji-iifn. 

Un-Grund:  1.  was  kein  Grund  ist.  oder  keinen 
Gr.  hat  BHk.  Us-em  U.  si"  (rede"),  unbegründet,  un- 
zweckniässig,  unschicklich  BHk.  Es  isch  nüd  us-em 
U.,  geht  an,  lässt  sich  hören,  ebd.  .Dann  vergebenlieh 
und  ein  luter  u.  [grundlose  Behauptung]  und  muetwill 
ist's,  dass  sy  schryben.'  1531,  Stkickl.  Sie  würden 
immer  nur  sagen,  sie  hätten  nur  Musterung  halten 
wollen  oder  einen  andern  ,u.'  [Vorwand]  angeben. 
1531,  Absch.  ,Weil  bei  Etwelchen  der  falsche  Wahn 
gewesen,  dass...,  welches  aber  der  U.  [nicht  der  Fall] 
und  kein  Artikul  im  Landbuch  dessen  nieraal  g'syn.' 
1667.  Ar  LB.  —  2.  Unrecht.  Im  ü.  sl',  Etwas  irrig 
behaupten  BHk.  Man  könne  nicht  erachten,  dass  die 
Rheintaler  ,so  gar  u.'  haben.  1531,  Strickl.  , Einem 
jeden  Tröler,  der  in  einer  allhar  gezogenen  [appel- 
lierten] Urteil  von  unserem  Rat  am  U.  und  Unrechten 
funden  wird.'  B  Ordn.  1711.  N.  N.,  welcher  dem  N.  N.' 
ein  Stücklein  Land  wegnehmen  will,  wird  ,im  U.'  be- 
funden und  soll  die  Kosten  bezahlen.  1713,  Absch.  — 
3.  gehaltlose,  ungereimte  Rede,  Zote  GeD.  Abi.  iin- 
griind(ig).  —  Garte"-:  Gartenerde  Bs. 

Hasel-:  leichte,  trockne,  rötliche,  mit  kleinen 
Kieselsteinen  durchsetzte  Tonerde,  die  auch  etwas 
schwarze  Dammerde  enthält  und  in  welcher  vor  Allem 
die  Haselstaude,  sowie  dann  bes.  auch  Getreide  leicht 
gedeiht  „B;"  L;  Z;  Syn.  H.-Erde,  -Boden.  Abi. 
h.-gründig. 

Vgl.  Gr.  WB.  ,Hasselboaen' ;  It  Weber,  ök.  Lex.,  besteht 
die  Haselerde  ans  verwittertem  Mergel;  die  ,H.-Erde'  dem 
schweren  Lehmhoden,  sowie  der  schwarzen  Erde  (Hnmus) 
entgegengesetzt   in   ZAul.    1776,  S.   9.      Ygl.  auch  Jf.-Orien. 

„Rüfi-:  Boden,  der  durch  eine  Eüfi  [Erdrutschung] 
steinig  geworden  Gr."  ,Wenn  eine  bergan  liegende 
Wiese  einen  so  steinichten  Boden  (Rüfl-Gr.)  hätte, 
dass  man  mit  dem  Pflug  nicht  beikommen  könnte, 
wäre  es  hinlänglich,  solchen  aufkarsten  od.  aufhacken 
zu  lassen.'  Gr  Sammler  1780. 

Ris-:  „Boden  voll  Geschiebe  verschiedener  Stein- 
arten B;"  U;  Schwemmland  in  der  Talsohle  eines 
Flusses,  als  solches  der  Obrigkeit  zugehörig;  vgl. 
Schachen.  Ungeachtet  B  u.  P  verordnet  haben,  dass 
der  ,Beiss-Gr.'  der  Sense  entlang  ihnen  angehöre  und 
Niemand  daselbst  Holz  fällen  oder  nehmen  dürfe, 
ausser  die  Besitzer  von  anstossenden  Gütern,  so  haben 
doch  Einige  dort  Holz  gefällt  und  geschwendet.  1559, 
Absch.  ,Wir  wollend  die  Ouwen  und  Ryssgründ  ge- 
schirmt und  befryet  haben.  Wer  in  unseren  Bann- 
hölzeren, Ouwen  und  R-en  freflet  (holzet).'  B  Gerichts- 
satz. 1615.  Bern  klagt,  seine  Untertanen  seien  keines- 
wegs schuldig,  die  wider  Verträge  und  Abschiede 
gemachten  ,Rysgründe'  und  Einschläge  erhalten  zu 
helfen.  1678,  Absch.  .Wann  ein  fliessendes  Wasser 
einem  Gut  unvermerkt  etwas  Grunds  zulegt,  gehört 
diser  Grund  der  Person  zu,  so  das  Gut  besitzt;  jedoch 
ist  hier  zu  unterscheiden:  Wann  durch  Gewalt  des 
Wassers  ein  namhaftes  Stuck  auf  einmalen  abgerissen 
und  an  ein  anders  Ort  versetzt  wurde,  dass  es  in  sol- 
chem Fahl  des  vorigen  Besitzers  bliebe,  wann  er 
dessen  begehrt,  wo  nicht,  so  gehört  solch  Stuck  als 
Reis.s-Gr.  der  Lands-Oberkeit.'  SMutäch  1709.  N.  N. 
bittet  um  die  Bewilligung,  einen  ,Bletz  [Stück]  Riss- 
grund'   von    einer  Juchart   am   Schwarzwasser   gegen 


einen  billigen  Bodenzins  einschlagen  zu  dürfen.  1717, 
.\EScn.  ,Auf  Feldern,  Brachen,  Allment-  oder  Ryss- 
gründen.'  B  Mand.  1741.  Etwa  5  Juch.  .Ryssgrund' 
unter  der  Hundsfluh  waren  durch  den  grössern  Runs 
der  Sense  vom  Bernergebiet  getrennt  und  auf  die  frei- 
burgische  Seite  gekommen.  Dieser  R.  war  durch  Kauf 
an  den  Herrn  v.  D.  gekommen,  der  davon  [als  Lehen- 
zins] 11  Btzn  nach  Überstorf  und  8  ß  an  die  Sensen- 
brücke bezahlte.  1744,  Absch.  ,Die  Sonnenhitze  wird 
in  trockenem  Reissgrund  im  stärksten  Grade  verspürt.' 

JJSCHWEIZER   18.30. 

Zu  riaen  (Nbf.  i-issen,  welche  Umdeutung  auf  rusen,  reissen, 
nahe  legte),  fallen,  gleiten,  vgl.  nhd.  .rieseln'.  Eben  dahin 
gehören  bair.  Kuehi,  Kies,  unser  Risi  (mhd.  i-we),  Wasser-, 
Holz-  oder  Steinrinne,  bes.  au  einem  Berge,  auch  Geröll- 
halde,  Schuttkegel. 

Schache"-:  Schwemmland  in  einer  Flussniede- 
rung,  die  mit  Gebüsch  bewachsen  ist.  ,Der  Gasthof 
zur  neuen  Brücke  in  Aarau  ist  auf  Seh.  erbaut.'  Aa 
Gera.  1844. 

Schorr-:  mit  der  Schaufel,  bes.  an  Düngerstätten 
usw.  zsgescharrte,  daher  fette  Erde  ZO.  ,Den  3.  März 
den  Seh.  aus  dem  Haus  auf  den  Berg  zu  führen  2  fl.' 
1713,  ScH  Rebbüchli.  ,Dem  [von  Käfern]  beschädigten 
Bäumlein  soll  man  mit  gutem  Seh.  und  altera  Mist  zu 
Hülf  kommen.'  JCSuiz.  1772.  —  Mhd.  „hom,  mit  der 
Schaufel  arbeiten,  zsscharren,  kehren. 

Chatze°-Dreck-:  Erde  von  dieser  Farbe  Bs.  — 
Wise"-:  an  Haufen  (ähnlich  den  Composthaufen)  ge- 
legte Erde,  die  dann  zum  Düngen  der  Wiesen  dient 
ZDättl. 

Grundach  er  s.  Gr.-Epfel  B.l  I  369. 

Grundel,  Grundle  f.,  meist  Dini.  Grundeli,  in 
Aa  Grundeli:  Name  verschiedener  am  Grunde  des 
Wassers  lebender  Fische.  .Turnilla,  grundel  (piscis).' 
Ebinger  1438.  ,Der  grundlen,  so  ein  ganz  gemeiner 
fisch,  bekannt  von  mengklichen  bei  uns  ist,  sind  man- 
cherlei geschlecht.  Dann  etliche  habend  bärtle,  von 
solchen  iren  namen,  andere  anstatt  derselbigen  .spitz 
oder  dorn  [Steinbeisser,  Dorngrundel,  cobitis  tajnia].' 
FiscHB.  1563  und  darnach  JLCvs.  1661.  .Das  grün- 
dele,  fundulus,  ein  kleins  fischle.'  Mal.  ,Blennus,  ein 
Fischlein,  einer  Grundel  gleich.'  Denzl.  1677;  1716. 
Spec.  1.  Schmerle,  Bartgrundel.  cobitis  barb.  Aa;  Ap; 
ScH;  S;  Z.  Joggili  am  Bach  hat  g' fischet,  hat  g'krebset, 
hat  Grundle"  ha"  [heim]  [g'J  bracht  ScnSchl.  ,Grun- 
dclen'  beim  .Fischessen'  in  Aarau.  1551,  Ölhafen; 
s.  noch  Fisch  2  c  Bil  1099.  ,Man  fangt  vil  Grundlen 
um  Lucern  in  den  Bächen;  die  Pfarrherren  der  Enden 
heissens  profundulos,  und  ob  sie  gleichwohl  ziralich 
gemein  bei  ihnen,  essen  sie  es  doch  lieber  dann  ein 
Haberbrei.'  JLCvs.  1661.  .So  gibt  es  allhie  nit  weniger 
ein  sehr  gute  Schnabelweid  von  allerlei  Geflügel,  auch 
Höchten.  Karpfen,  Grundelen.'  Hafner  1666.  ,Uber- 
dera  finden  sich  in  dera  Thunersee  noch  Grundelen 
oder  Bartgrundeln.'  JCWyttenb.  1777.  —  2.  Gründ- 
ling, Gressling,  gobio  fluv.  (cyprinus  gobio)  Bs;  Th 
(Bodensee).  ,Gobius  fluv.,  Grundel,  Kress.  Gobius, 
Gropp  [cottus  gobio],  Gr.'  Denzl.  1677;  1716.  -  Mhd. 
gründet,  grundelinc,  fundulus;  ahd.  irundula.  c.  1000,  Eckeh., 
Bened. 

„Mör-:  Schlararapeitzger,  cobitis  foss.  Bs." 

„Mos-=  Grundeli."  ,Der  grundlen,  so  gebartet 
.sind,   sollend   dreierlei   sein,    doch   zwei  bei  uns  wol 


Grand,  i,'reiul 


fl,  Errond,  "riinil 


778 


bekannt:  dann  etlich  woneiid  in  letteeliten,  linden 
grund  oder  boden  am  gestad  der  seen,  werdend  mos- 
ijrnndlen  genennt,  andere  in  frischen,  kalten  bächen 
oder  Aussen  steingrundlen  oder  einfaltig  grundlen  ge- 
nennt.' FiscuB.  1563  und  darnach  JLCvs.  1661.  So 
noch  bei  GLHartm.  1827,  S.  175. 

grundele",  in  Bs  auch  gründele":  1.  mit  Sand 
und  Erde  spielen  AAStilli;    Syn.  sandelen;  kätlen.  — 

2.  unpers.,  Erdgeruch  entwickeln,  bes.  vom  Erdboden 
nach  einem  warmen  Sommerregen  Bs.  —  3.  flache 
Steine  in  Bogenlinien  über  dem  Wasser  hinspringen 
lassen  UwSachs.  (Dan.);  Syn.  hrütlen;  s.  Vater  ßd  I 
1120.  —  4.  auf  den  Grund  des  Wassers  tauchen,  den 
ür.  aufwühlen.  .Überdies  werden  die  bepflanzten  Ufer- 
stellen als  Schutz-  und  Ruheorte  für  junge  Fische 
durch  das  beständige  Gründein  und  Nahrungsuchen 
der  Schwäne  illusorisch.'  Z  Amtsbl.  1887. 

3  bezieht  sich  wohl  eig.  darauf,  dass  das  Steinchen  nach 
den  Luftsprüngen  jeweilen  wieder  auf  den  Grund,  d.  i.  die 
verhältnissniässig  feste  Wasserfläche  zurückkehrt. 

gründe",  gründe":  1.  den  Grund  suchen,  er- 
reichen, finden,  fassen,  auf  den  Gr.  gelangen,  im  Grunde 
wühlen,  bis  auf  den  Gr.  räumen,  eig.  und  bildl.  „Der 
Strom  gründet,  wenn  er  Alles  bis  auf  den  eigentlichen 
Gr.  hin  wegschwemmt  VOrte."  „Die  Krankheit  grün- 
det, wenn  sie  mehrere  Personen  in  einem  Hause  weg- 
rartt;  ein  Schüler  gründet,  wenn  er  seinen  Mitschülern 
die  meisten  Preise  entreisst  VOrte."  ,Er  schwummet 
uberhin  [über  den  Jordan],  dann  man  mag  da  nit 
gründen  [den  Grund  des  Wassers  stehenden  Fusses 
erreichen].'  Stulz  1519.  .Contari,  das  wasser  mit 
einem  stachel  gr.,  oder  grund  suochen.  Applicare 
remos  vadis,  zum  land  faren,  mit  dem  rueder  gr.'  Fris.; 
Mal.  ,Der  Prophet  konnte  nicht  mehr  gr.,  sonder  hat 
schwümmen  müssen.'  AKlingl.  1688.  —  2.  in  die  Tiefe 
messen.  ,Der  Sack  [des  Netzes]  gründet  600  Maschen 
tief,  die  Wand  550  Maschen  tief.'  III.  Käl.  1853.  — 

3.  sich  (auf  einen  Grund)  stützen.  ,Sy  gründend  daruf 
allermeist.'  NMan.  ,So  könnend  wir  nit  daruf  gr.  oder 
setzen.'  LLav.  1578  =  ,kann  dieser  Grund  nicht  für 
gültig  geachtet  werden.'  1670.  Eefl.:  ,Sich  auf  einsi 
meinung  gr.,  opinione  alicujus  stare.'  Mal.  —  4.  for- 
schen, grübeln.  ,Z'  vil  gr.  uf  Gott  [Nachdenken  über 
das  Wesen  Gottes]  bringt  irrung  vil.'  Edef  1538. 
S.  noch  füntelen  Bd  I  851.  —  5.  (-u-  und  -ü-)  Erd- 
reich auf  Wiesen,  in  die  Reben  tragen  Bs;  Sch;  Z; 
s.  Grund  3.  ,Febr.  1719  für  180  Bennen  mit  Grund 
die  halb  Juchart  von  oben  ab  zu  gründen  [mit  Erde 
überschütten].'  Sch  Rebbüchli.  —  6.  (-u-J  den  Grund 
zum  Vergolden  usw.  legen,  grundieren  Ndw. 

über-:  mit  Erde  bedecken,  überschütten  Bs;  Sch; 
Z.  „Der  Bach  hat  die  Matte  übergrundet  L;  Schw." 
,Gegen  den  Fresser  solle  man  die  Reben  Überherden 
oder  übergründen.'  XVm.,  Z.  ,Die  Scharr-  [Maul- 
wurfs-] häufen  vorrechen  und  als  grastreibende  Über- 
gründung  betrachten.'  HBtjs.  1865.  —  er-:  1.  auf  den 
Grund  messen.  , Willst  du  mich  e.,  so  werd  ich  dich 
verschlingen  [verschlinden?],  soll  einst  eine  Stimme 
aus  der  Tiefe  des  Bodensees  gerufen  haben,  als  man 
seine  Tiefe  messen  wollte.'  Sulger.  —  2.  „Etwas  er- 
forschen, erfinden,  was  ziivor  unbekannt  gewesen  W." 
—  3.  den  Boden  umarbeiten,  was  z.  B.  für  Rebberge 
bis  auf  eine  Tiefe  von  3'  geschieht  G;  Syn.  rigolen; 
vgl.  Köhler,  S.  137.    Wildes,  rauhes  Erdreich  durch 


Reinigung  von  Steinen,  Wurzeln  urbar  machen  GSa. 
—  nach-,  nachhin-:  gründlich  nachforschen,  nach- 
grübeln, -sinnen,  der  Sache  auf  den  Grund  zu  kommen 
suchen.  Der  Artikel  12  ist  mit  den  Gerichten  ,hin' 
[gerichtlich  entschieden],  dem  ist  nicht  weiter  ,nach- 
zugründen'.  1551,  Absch.  ,Explorare,  deliberationem 
accuratius  evolvere,  ein  ding  ze  erfaren  fleissig  nahen- 
(nahin-)  gr.,  fleissigklich  suechen.'  Fris.  ,Do  habend 
die  bischof  und  pfarrer  nit  wyter  nachin  'gründet,  ob 
es  mit  der  h.  geschrift  möge  erhalten  [fe.st  gehalten, 
erhärtet]  werden  oder  nit.'  LLav.  1569  =  .machten 
nicht  grosses  Nachdenken.'  1670.  , Etlich  edelleut, 
welche  der  rechten  1er  flyssig  nach'gründet.'  ebd.  1576. 
,Ich  hab  der  Sach  auch  umb  Etwas  nachgründet  und 
geforschet.'  RCvs.  S.  noch  erfräglen  Bd  I  1292.  — 
durch-:  gründlich  prüfen.  ,Der  Herr  ist  ein  durch- 
gründer  der  herzen.'  LLav.  1587.  ,So  wir  all  unsere 
Gewarsamme  [Rechtstitel]  eigentlich  durch'gründet.' 
RCys. 

gegründet:  1.  in  einer  Kenntniss  befestigt,  ver- 
tieft, gründlich  unterrichtet.  ,Ein  yede  kunst  am  an- 
fang  allerschwerist  ist,  eb  [bevor]  du  darin  recht 
gegründet  bist.'  JBindeb  1535.  ,Man  soll  die  Kinder 
des  Examinierens  im  Katechismus  nicht  leichtlich  ent- 
lassen, bis  sie  genugsam  gegründet  sind.'  Z  Mand. 
1711.  ,An  dem  wöchentlichen  Schulbettag  sollen  die 
Kinder  im  h.  Vatterunser  gegründet  werden.'  Z  Land- 
schulord».  1719.  S.  noch  usgän  Sp.  24.  —  2.  wohl  be- 
gründet, gründlich,  zuverlässig.  ,Die  alten  [Kirchen-] 
lerer  haben  vil  loblicher,  gegründter  büechern  hinder 
inen  verlassen  und  den  rechten,  waren  verstand  des 
gottswortes  grüntlich  erklärt.'  1525,  Gpd.  —  3.  be- 
weglich, ernst,  eindringlich;  vgl.  ingründig.  ,Da  redete 
Hr  Statthalter  die  Arbeiter  ganz  beweglich  und  ge- 
gründt  an.'  Mise.  Tig.  1722. 

un-:  unergründlich.  ,Gottes  ewige  und  ungegründte 
fürsichtigkeit.'  RGcalth.  1546. 

unbegründet:  1.  ,Mit  unbogründter  h. geschrift 
erhalten',  einfach  durch  die  (nicht  weiter  ausgelegte) 
h.  Schrift,  ohne  weiteres  Grübeln  in  derselben  er- 
härten. 1531,  Abscu.;  vgl.  ,grüuden'  4.  —  2.  Adv.,  zur 
Verstärkung;  imbegründt  g'schivuUe',  unerhört  ange- 
schwollen (von  einem  Bein)  BBe.;  Syn.  uncrluinnt. 
grundhaft:  1.  begründet,  bewiesen  GrL.  ,Diss 
ist  also  erkennt  worden  aus  erheblichen,  gr-en  Ur- 
sachen.' 1667,  Ap  LB.  —  2.  von  Pcrs..  zuverlassii;-, 
gründlich,  von  Charakter  und  Wissen,  Syn.  (iiiuiilig. 
Gegs.  en  u:° grundhafte''  Ma'",  der  grundlusf  Hcliauii- 
tungen  aufstellt,  die  er  schlecht  oder  nicht  beweisen 
kann  GrL.,  Pr. 

grundieren:  1.  wie  nhd.  —  2.  basieren,  beruhen. 
Diese  Instruction  soll  der  Bote  heimbringen,  um  wieder 
eine  entsprechende  stellen  zu  lassen,  so  dass  je  eine 
auf  die  andere  ,grondieren'  würde.  1530,  Abscu. 

grundig  Bs,  sonst  gründig:  viel  und  tief  gute 
Erde  habend,  tiefgründig,  von  Culturland  Aa;  Bs; 
„LG.;"  Z.     Zu  Grund  2. 

in-,  in  Z  auch  in-:  1.  tief,  d.  h.  tiefen  und  daher 
festen  Grund  habend,  gründlich,  tiefwurzelnd,  bes.  von 
menschlichen  Gefühlen,  Gedanken,  Empfindungen;  aus 
Herzensgrund,  herzlich,  innig,  warm,  eindringlich,  an- 
dächtig, ernst;  scharfsinnig,  grübelnd,  nachdenklich 
Ap;  Gl;  Sch;  Z.  I.  zweZose»  [zuhorchen]  Gl.  ,Mit  be- 
griflencn,  aber  gar  yngründon  und  trostlichen  Worten.' 


779 


Grand— grund.    Graiig— grung.    (irang 


JosMal.  1593.  ,Ein  yngrüntler  Liebhaber  des  Evan- 
geliums.' ebd.  ,Nit  weniger  bezügen  die  uralten  Vätter, 
wie  so  gar  yngründig  und  flehentlich  sy  sieh  der  Hoch- 
heit ihres  Beruefs  erinneret,  beide  in  ihrem  letzten 
End,  wie  auch  in  wärendem  ihrem  Dienst.'  1615, 
JJBreit.  ,Was  könnte  einem  yngründigen  [tieffühlen- 
den], mitlydigcn  Herzen  erfreulicher  syn  und  ine  zu 
christenlicher  Handreichung  mehr  bewegen?'  1635,  Z 
(Spyri).  .Er  niuss  überweisen  die  Widersprechenden, 
nit  allein  die,  welche  seine  Lehr  widersprechen  öffent- 
lich mit  Worten,  sonder  auch  die,  welche  wider  seine 
Lehr  in  ihrem  Herzen  haben  allerhand  eingründige  Ge- 
danken (cogitationes  sinistras).'  JMüll.  1661.  ,Die, 
welche  über  seine  Lehr  ihnen  selbs  zwar  eingründige, 
aber  letze  [verkehrte]  Gedanken  geschöpft  haben.'  ebd. 
,Gottlesterliche  Satz-  und  Meinungen,  welche  ein  ein- 
gründige» [tief  religiöses]  Christenherz  verwunden.' 
JHHoTT.  1666.  ,Einbrünstiges  Gebett.  ein^ründiges 
Weinen.'  KdWirz  1680.  , Andächtig,  eiiii;i  iindi-  srin, 
HospTN.  1683.  .Meine  eingründigen  Anliiitci-  ITnT. 
Zephon.  —  Fest  im  Gottvertrauen,  uiiei^rhiittn  li.  li, 
stark  im  Glauben:  ,Ein  kranke,  darby  aber  yngründe 
person.'  JosMal.  1593.  .Ist  syn  Leben  lang  fromm, 
gottsförchtig,  yngründig  g'syn.'  c.  1600,  Mise.  Tig. 
,Sie  erstattete  Alles  dasjenige,  so  von  einer  eingrün- 
digen und  gottseligen  Matron  der  Apostel  erforderet.' 
ebd.  —  2.  eingebildet,  dünkelhaft  Ap  ;  Gl.  D'  Gässer 
[aus  ApGais]  sind  en  appelönisches  Volk  und  i'i/r.  — 
Vgl.  zu   2  Andacht  i.  S.  t.  Eigendünkel  (Luther). 

un-gründig  (auch -jrründ):  1.  unzuverlässig,  von 
Personen  GRl'r.  —  2.  leichtfertig,  gehaltlos,  zoten- 
haft,   ebd.    —    Zu  2   vgl.  aber  auch  ungenmt,   ungereimt. 

guet-.  ,Ein  gutgründiges  Heimwesen.'  Scuw  1883 
(Bote  der  Urschw).  Zu  Crnn,!  '3.  —  hasel-  a.  Hasel- 
Grund.  —  tiof-,  (/(/-.  iiiif-:  1.  vom  Erdreich  Gl, 
s.  gründig.  —  '1.  ,li"i_hi;clelirt  B;  L." 

grundli''''  (-nt-):  1.  im  Grunde,  in  Wahrheit, 
sicher,  zuverlässig,  allg.  Bas  iveiss  v''  (für)  gr.  BHa. 
,I)ass  man  [die  Stadt]  keiner  liöche  [von  k.  Höhe  aus] 
kann  übersehen,  dass  man  sy  nit  so  für  gross  ver- 
meint, als  sy  aber  gruntlich  ist.'  JMurer,  Begleitschr. 
zur  Karte  1576.  ,Er  hat  [es]  gruntlich  g'wüsst' 
JJBreit.  1615.  ,Eine  Gefährd  (dolus),  die  sich  durch 
vernünftige  Mutmassungen  gründlich  [mit  Sicherheit] 
schliessen  lasst'  SMutach  1709.  —  2.  tief,  aus  Herzens- 
grund. ,Wir  enbietend  dir  unsern  gruntlichen  zorn.' 
1479,  Bs  Chr.  ,Fundere  fletus,  von  herzen  weinen 
und  gr.'  Fris. 

in-:  andächtig.  ,Er  beschaut  das  h.  Sacrament 
ganz  yngrundtlich.'  KCys.  1600.  —  herz-:  aus  tief- 
stem Herzen.  .Innigklich  und  herzgrundtlich  lieben.' 
XVII.,  Irm. 

grundsam:  schwer  zu  ergründen,  in  die  Tiefe 
gehend.  ,Die  sach  ist  nit  so  gr.  und  schwer,  als  sy 
etlich  machend.'  ThFrick.  1470. 

Gründle",  in  Flurnn.,  z.B.  ZUster;  ,Bruch-Gr.' 
ScHwTugg.  (schon  1450:  ,stosst  an  die  bruchgrün- 
delen').   —   Über  die  Wortform  vgl.  Anm.  zu   Grendel. 

Gründung:  Vertiefung,  Gründlichkeit.  ,Die  grün- 
(lung,  arbeit,  müey,  die  einer  nimmt,  etwas  ze  tuen, 
nisus.'  Mal. 


Grang      grung. 

Grangel  m.:  langbeiniger  Mensch  Bs. 

Eine  Mittelform  zwischen  den  Synn.  Gragel  und  Granggel; 
zu  Ersterm  verhält  es  sieh  wie  Griru/el :  Grigel,  (jangg-  :  gngg- 
(s.  Anm.  Sp.  166),  zu  Letzterm  wie  Gange} :  Gimggel,  Ghmgel : 
Glunggel;  vgl.  auch  Krangel. 

granglen,  Grangier  s.  kr-. 

Gringel  m.:  „1.  Gerippe,  Skelett  W.  —  2.  aus- 
gehungertes Geschöpf  W.  —  3.  Gringeli  (Dim.),  etwas 
Kleines,  Verwachsenes,  Zsgeschrumpftes,  wie  z.B.  ein 
Apfel,  eine  Birne  Sch;  U." 

Heute  gilt  für  1  u.  2  G(e)rigel,  für  3  Griggel  und  Gräuggcli; 
betr.  die  Formen  vgl.  die  Anm.  zum  Vor.;  doch  ist  fraglich, 
ob  der  W  Korrespondent  St.'s  nicht  .Griegel'  schrieb;  und 
für  -2   u.  3   klimmt  die  Berührung  mit  .gering'   in  Betr.icht. 


Grangg-    grungg. 

Grangg  I  m.:  1.  schmächtiger,  magerer  Mensch  BO. 

—  2.  unvollkommene,  verkümmerte,  geringe  Frucht 
(Äpfel,  Birnen)  BO.  —  Vgl.  bair.  rank,  schmal,  dünn, 
schlank,  und   das  folg.  Granggel.     Vgl.   auch  das  Syn.  Granqi. 

Granggel.  Granggel  in.  —  PI.  Gränggle  U  — 
doch  meist  dim.  Grängg(ejli:  verkümmertes,  gering- 
fügiges, schwächliches,  verwachsenes  Ding,  von  Pflan- 
zen, Menschen,  Tieren  Aa;  B;  L;  U;  Zg.  Jedes  StögetH 
ist  voll  Bluest,  jedes  Gränggli  [verkümmertes  Schoss, 
Gesträuch]  BBr.  Spec.  1.  schmächtiger,  magerer,  unan- 
sehnlicher, schlechtgenährter  Mensch,  junges,  schwa- 
ches Bürschchen,  gebrechliches  Kind.  .Dort  hat  das 
hcillosige  Grenggeli  inen  [den  Bernern]  Chüechli 
g'macht'.  so  wird  verächtlich  ein  protestantisch  ge- 
sinntes Mädchen  genannt.  1656,  Vilm.  Schlachtlied. 
Auch  vor  Eigenn.  gesetzt,  wie  in  dem  Reim:  Der 
Granggelhans  häd  g'wibet,  häd's  Granggelanni  g'nö"  L. 

—  2.  Memme,  furchtsamer  Mensch,  der  sich  wie  ein 
Kind  geberJet  B;  L;  Zg.  —  3.  mageres  Tier.  bes. 
schlechte  Kuh  BSi.  —  4.  elende,  zwerghafte,  geringe 
Fruclit.  von  ViAwiahäAten  ( „Gränggel-Obst''),  Trauben, 
bes.  auch  Kartotteln  Aa;  B;  U.  —  5.  ungestaltes.  .ma- 
geres' Stück  Fleisch  („Granggel-Fleisch");  Knochen, 
an  dein  nur  wenig  zu  nagen  ist  B;  vgl.  Granggel- 
Bein.  —  6.  geringes  Stück,  nichtsnutzige  Waare  übh. 
(Gränggeli-Wär)  BBiel;  ZO. 

Wenn  auch  zu  unserm  W.  in  allen  Bedd.  Synn.  mit 
blossem  Aul.  r  nebenher  gehen,  somit  g  urspr.  Präf.  sein  und 
Granggel  sich  zu  ranggen,  sich  dehnen,  strecken,  verhalten  kann, 
wie  G(e)ragel  :  ragen,  so  hat  Granggel  doch  sich  selbständig 
entwickelt  und  eine  ebenso  selbständige  Gruppe  gleichbedd. 
WW.  neben  sich  ;  vgl.  Gnnggel  «nd  s.  die  Anm.  zu  Grangel, 
sowie  die  Synn.  Gräggcl  (GrSggel)  und  Grämpel  in  Bed.  1  u.  3. 
Bed.   6   erinnert  an  das  Syn.    Grempel-,    Gänggeli-(War). 

Granggi  BHk.,  Gränggi  Obw;  U  —  n.  = 
Granggel  1  u.  4.     Daher  Gränggi-Obs,  -Epfel. 

Gränggle.  Gränggle  f.:  schlechte  Birne  Aa;  BM. 

gränggelet:  verdorben,  in  der  Verbindung:  gr-i 
War  U. 

grängglig:  hager,  schmächtig  LG. ;  S.  So  ne  vor- 
nemeSchnängler,  nes  gränggeligs  Herresönli.  Joach.1883. 

Grangg  II  m. :  steiler,  unfruchtbarer  Abhang  BLenk. 

—  Vgl.  Gr.   WB.   .Hang,  Range,  Rank',  Bergabhang. 


rsi 


Onui^'g 


IMlIlg^ 


(jlraiis- 


782 


ürengge"  m.:  Scheltw.,  z.B.  f.  einen  alten  Mann  W. 

Wiilirscli.  zur  Gruppe  des  W.  Gmmjij  gehürig,  etwa  so 
viel  als  ,dürror  Kaochon';  ähnlich  wird  auch  Geripii  gc- 
liravioht;  vgl.   auch  bair.    Orengyen,   hagere  Person. 

Gringgel  m.,  meist  Dim.:  verkümmerter,  verwacli- 
senor  Mensch,  Baum,  Frucht  usw.  Aa;  BS.  —  S.  die 
S.vnn.   Orawjijd,    Grinyel,    Gnengyel  und  vgl.  dazu    Uriijyi-l. 

gringge°:  kleinlich,  mit  lästiger  Beharrlichkeit 
sich  über  Etw.  beklagen,  Etw.  wünschen,  fordern  (in. 

Viull.  aus  dem  Syn.  yingynt  mit  nicht  selteneui  Eiiisilinli 
des  i;  doch  vgl.  auch  riiiyyrlen,  öfters  schelten,  sowie  rumjyrii, 

(irienggel  m. :  mageres,  schwaches  Geschöpf,  Mensch 

Oller   Tier    „Aa;"    B.    —   "Vgl.   die  Synn.    Grieyle,    Grieyyd. 

Grienggi  m.  =  Griggi,   wer  schief  und  gespreizt 

gellt  GlK.    —    Vgl.   auch  die  Synu.   Schieygi  :  Schienyyi. 

ürongge  ui.:  1.  Strunk  einer  Tanne  niitsammt  den 
Wurzeln  GhV.  —  2.  magere,  hässliche  Kuh.  ebd.; 
Syn.   Gramjgd. 

Wie  Gyonyyd,  GrÜHyyc!,  Grünyyi  etwas  Yerstüninieltes, 
Veikiiniineites  bezeichnend;  in  1  viell.  mit  Anlehnung  an 
luiiyyiii,  rnnygcn,  reuten,  also  eig.  ein  Strunk,  wie  sie  beim 
Heuten,  nachdem  die  Krone  abgeschnitten,  gewonnen  werden; 
vgl.    noch    Gritnyyd, 

Grrtllggel  I:   Holzblock,  -klotz,  -nniiiif  U. 

Wahrsch.  zum  Vorigen,  ausgehend  von  der  leitenden  .\ii- 
sehauung  des  Verkürzten;  an  it.  lioiito  ist  nicht  zu  denken; 
vgl.  auch    Grunygd  II  ä.      Syn.   Eugd;   Grummd. 

Grnnggel  II  Gl,  Grünirgel  AaF.:  SmwMuo. ;  /,()., 
Grünggi  Z  tw.  -  in.,  .lo,l,  mri-t  .lim.  (1  rn,,././,'!,  Ci, 
sonst  Gnoir/(/r/,-,  in  V.WaI/  C n,i,,i„.  iL.  im  IIS.i.  (Iruin,.,: 
1.  etwas  Kleines,  iiKiiigclhaa  Kiitwickellcs  /.iirink- 
gebliebenes,  Zworgliaftes,  zunächst  von  Früchten,  bes. 
auch  kleinen  Kartott'eln,  Säu-Herdöpfeli;  scherzw.  auch 
von  Personen  Aa;  Gl;  Sch;  Scnw;  Z.  Was  wettist 
dir''  du  wüsse',  du  bist  ja  nii  eso  cn  chline  Grünggi, 
wird  etwa  ein  Kind  abgefertigt  Z.  —  2.  Grünggi, 
Strunk  einer  Kohlstaude,  eines  Baumes,  Stück  knor- 
riges Brennholz,  z.  B.  vom  Wurzelstock,  oder  das  eine 
Astwurzel  enthält  BSa.  —  3.  allerlei  Abgang,  geringe 
Waare  (Grünggel-Wür,  -Zug)  AaF.;  Sch;  Zu. 

Vgl.  die  Anm.  zu  Granyyd.  wni  dazu  das  Syn.  (zu  1) 
Grüyyerli,  sowie  Rimgyerli,  von  kleinem,  schlecht  entwickeltem 
Obst  AaZein,     :?  kann  aus   G(e)riimpd  entstellt  sein. 

M;M-iiMin-L:-li:   Mas>li,.l,rlieH,  Lellis   per.   /. 

,W.lll,     ;    ;-.     .    ,1,   K,;;.l.  1.  •{,,-  /.Hl..    1,  n  1 /-l  le  I  l.'r    I ',  hl  im  lir  ii 

als    el.wa«    l.ennglusi-ie»    bezeiclllleu.l ;    v«!.    M.,r.,ru„l..l, , . 

grungge":  sich  strecken,  drelien  und  wincleii,  wii' 
ein  mürrisch  UnzufrieJencr,  bes.  mit  den  Seliulteni 
zucken,  Unzufriedenheit  äussern  Ndw. 

Könnte  mit  Vorsilbe  ye-  zu  runygcn  (vgl.  spec.  das  Syn. 
rniiijyin)  gehören;  doch  vgl.  auch  die  Synn.  yr'mgym,  yrunji.n 
und  yriiyyen. 

Grungger  m.:  Knicker,  Geizhals  Ai'K. 

Her  Begriff  des  kleinlich  Sparsamen  wird  oft  mit  dem 
des  Mangelhaften,  Kleinlichen  iibh.  verbunden;  vgl.  Anm.  zu 
ynirlKii.  Möglich  wäre  auch  Zshang  mit  runyyen,  murren,  da 
der  Geizhals  immer  klagt;  vgl.  die  Anm.  zu  grimniy  und 
gnayyeu,    yjiitjgim   Sp.    Ö65. 

Cl'nnggnnggle  f.:  Scheltwort  für  Weib.spersonen 
GRl'hur;  GW.;  SpRww.  18t>9.  S.  Rungg-Gunggele  Sp. 
oü7  f.     Syn.  ührunggunggle. 


Gülle"-GrÜnggeU  n.:  Fcuerkrüte  ZW.  -  Vgl.  die 
Synn.    Güllen-Grüyger,   -liuyyer. 

gl'üngge";  mit  verhaltener  Stimme,  ,grunzend' 
schreien,    wie  eilt  Kind,    das  anfängt  zu  weinen  GO. 

—    Vgl.   yrunneit,   grunjcn,   runyyen. 


Grans     gruns. 


Gi'aiis{e")  --  Fl.  Gränsfe"),  Dim.  Gränsli  —  Gii 
tw.;  Z,  Gras  (iia.s.)  Gr  tw.,  Gras,  bezw.  Gros  SciiSt. ; 
TuBodensee,  (h;iiis/r"i.  (h-a,(ssr"  A.vHl.;  I;;  Z«.  Gram 
(Fl.  Gränz)  Gu  in.,  in  \.\\i\.  ((innis,-) -.  Gr?  f.: 
1.  Schiffs-Schnabel,  -Kiide.  iiinl  zwar  zunaclist  unter- 
schiedslos vorderes  und  hinteres.  ,Ein  förenes  Schiff 
mit  eichenen  Gränsen.'  ZStäfa.  ,Wär  euch,  dass  einer 
gefecht  [verfolgt]  war,  dass  er  gern  bald  über  war,  den 
soll  [der  Fährmann]  füeren,  so  er  baldest  mag,  und  soll 
in  in  enem  land  [am  jenseitigen  Ufer]  zno  dem  vordren 
grausen  hinus  lassen.  Und  kummt  jenian  enem  nach, 
der  ouch  gern  über  war,  den  soll  er  ouch  füeren,  so 
er  baldest  mag,  doch  soll  er  das  schiff  gen  enem  land 
umbkeren  [damit  der  Verfolgte  noch  einen  grössern 
Vorsprung  erhalte],  so  er  uslassen  will  und  soll  den 
nachgenden  zuo  dem  hindren  gr-en  us  lan.'  ScHwWang. 
Hofr.  ,Die  Gottshuslüt  von  Altnau  band  die  fryheit, 
dass  sy  sond  ein  schiff  stellen  an  das  land  an  dem  sew 
an  des  küngs  land.-itrasse,  dass  der  hinder  grans  daran 
stand,  und  mag  einer  daryii  legen,  was  er  hah,  und 
darnach  srhrven  dem  ain'inaiin  einest.  an.ler.<  dry- 
,(,Uhl.    iin.l  kui I  :\r^   ,,n,n,,inn  nn,|  ni;,-.l,i^    -vliWVniit 


n  l,ir-n.-  1  |.M,  /ii.i,».  I'rk. 
■iili'l  iini.htent  an  dem  rank 
nill.n    und    kam  der  hinter 

.^rliw.'nken  was  so  vil  yson 
/s  das  schiff'  zerdruckt  und 
TscHDDi.  ,Aus  dem  vordren 
,  ArosTELGEScn.  =  ,Vorder- 
itten  auf  dem  mer  schliefest 
r-eii   auf  den  seilen.'    1531, 

das  Vorderteil  (prora),  der 


,l)ie  zwen  hint.rn 

by  Müli  das  srhiiV 

grausen  für  uml  ii 

und    staeliel    darin 

zu  bodeii  sankt.-   1 

gr-en  des  schitls,- 

teil.'  1882.  .Al.s  we 

oder   auf   dem  x^r 

Prov.     ,Der  vurde 

hinder  gr-en,  das  hinderteil  (puppis)  am  schiff'.'  Fris.  ; 

Mal.     ,Man    sach  auch   den   fanen   schon  wol  uf  des 

Schiffes   gr-en   ston.'    1576,  Strassburgerfahrt.     ,l)er 

«iraiise,    Himlerschitt',    puppis,    posterior    |iar>i    navi>^.' 

i;i.:i..  lild'-'.      -  Spec.,   in  eine  Spitze  au.-l.inl.niler  \nr- 

.lerlcil  eiih's  Fischerkahns  mit  verselilii  s.^li.nrni  l'isi-li- 

hrJKilt.T   7.r.;   Z.  ill   Tll  1 '.nd  en  See   l,is   ZU    dem    m    .le|-    Mitte 

de.s     Xaelieii.s     betindlnlim     1  i  mIiI,..!,;,  Ite,-     ^vivrhnet; 


hnnlr 


rhh 


lialii 


(ZGA-vn,  T..|l  .\r.  KiMlirrkalin..  .\  i^anwm,  nn  li^rli- 
g'halt.T,  li-rl„.rui-,-n,-  I'kis.  .iMr  iM.rl,,.,-  Iinn-.m  im 
Gr-en  dn^  Fi.rln-  l..li.mdi-  anl'  d^n  .M.irkt.'  III:INmi.m 
1092.  ,i:s  „olle  kein  Fi.,chcr  dem  aiulerii  \.,r  ,-ein,  in 
den  Gr-en  zu  sehen  und  wann  ein  solcher  beschlossen, 
selbigen  auf  Begehren  auftun.'  1710/76,  Z  Ges.  .Die 
Fisclierirränsen  tieissig  untersuchen.'  ebd.  —  3.  (auch 
Fisrhrr-r,i)  Ki.-lh'ikahn  mit  Fischbehälter;  auf  dem 
Ägeii^r.  iibl  .-  noch  lieute  c.  20'  lange  Einbäunie, 
eben.sM    iMsirlimi    .sie    auf  dem    AAHl.-See   aus   einer 


783 


(irans— srraiis.    Uranscli  — crnnscli 


ausgehöhlten  Eiche  und  hahen  vorn  eine  Spitze;  auf 
dem  ZSee  sind  es  Kähne  von  einfachster  Construction 
mit  senkrechten  Seitenwänden  und  Fischhehälter  vorn 
au  der  Spitze.  Dert  fart  es  Grausli,  lang  tmd  schmal 
Zg  (Schwzd.).  ,Ein  Fischergransen  saramt  Segel, 
Drucken  [Kiste],  Kästli  usw.'  ZMeil.  1867.  ,Das 
graussle,  klein  schiffle,  navicella.  Flossschiff  oder 
fischergransen,  piscina  loculata;.'  Fris.;  Mal.  ,Wie  der 
schiffweg  mit  schiffen  verschlagen  [versperrt]  werde, 
inmässen  die  fischer  ire  schiff  und  gr-en  kummerlich 
[mit  Mühe]    obsich   schalten   mögind.'    1584,  Z  Zollb. 

—  4.  (auch  SchliUe"-Gr.)  Schlittenhorn,  -handhabe, 
aufwärts  gebogenes  Ende  an  den  Kufen  des  Schlittens, 
oder  (laut  B.)  mit  denselben  durch  Nägel  verbunden, 
namentlich  an  Heuschlitten,  die  darum  auch  Grans- 
schlitten heissen  Gr.  —  5.  Schweinsrüssel.  .Hammon 
und  grens.'  Bs  XIV.  ,Die  mezzier  sont  die  swynin 
buggen  [Kückgrat]  von  niderost  unz  obenahus  gänz- 
lich unz  dur  den  granz  hin  dur  die  ougen  an  gevärde 
[verkaufen]  und  soll  der  ober  grans  an  dem  buggen 
belyben  und  dise  selben  buggen  sont  sy  mit  sweif  ver- 
koufen  an  wage.'  1390,  TuDiess.  Stadtr.  ,üren,  grens 
und  alls  ingeschleeht  [Eingeweide].'  1408,  Sch  Metzger- 
ordn.  ,Vil  seltsmer  ding  hört  ich  sagen,  von  vögeln 
und  von  gänsen,  swyn  mit  zwen  grensen.'  Lenz  1499. 

—  6.  schnabelförmig  vorspringende  Berghöhe,  nur  als 
Flurn.  L.  ,Hänsli  am  grans.'  XIU./XV.,  LWillis.  Jahr- 
zeitb.  ,Ein  halb  juchart,  lyt  am  suwgraus.'  1486, 
LNeud.  Jahrzeitb. 

Mhd.  yrant,  Schnabel,  Rüssel;  Maul  des  Menschen,  Schiffs- 
schnabel. Zu  3  vgl.  ffatw  Sp.  371.  Ähnliche  Bedeutungs- 
eutwicklung  hat  Schnorz,  das  in  Bed.  1,  4,  5  syn.  ist.  Betr.  die 
Verflüchtigung  des  n  s.  Fr.  Ztschr.  7,  33.  333.    S.  noch  Uum. 

grause"  grase'  BLenk,  gränsen  greine"  WVisp: 
1.  die  Nase  ungehörig  in  Etw.  stecken  BLenk.  Was 
het  er  da  inhi'  z'  gr.?  sich  einzumischen.  —  2.  (mit 
Jmdm)  gr.,  zanken  WVisp.     S.  auch  Gränse'  II. 

i  entsteht  leicht  aus  «,  wenn  dieses  mit  einem  spitzen 
Voc.  zsstösst  (s.  Anm.  zu  7«  Bd  I  534),  und  nanieutlich  ist 
CS  die  W  MA.,  welche  diesen  Wechsel  fleissig  übt. 

umha-:  in  fremde  Häuser  laufen,  um  zu  plau- 
dern W.  —  ÜS-:  ausspotten,  ausfoppen  W;  Syn.  us- 
ve.rieren. 

Gränsel,  Greusel  m.:  1.  gem.  Portulak,  port. 
oleracea.  DuRH.  ,Burzelen,  burgel.  grensel,  port.  herba.' 
KdGessner  1542;  Fris.;  Mal.  ,Gränzel  oder  Porzel- 
krut'  1710,  ZZoll.  Arzneib.  —  '2.  (,Grensel')  Gänse- 
fingerkraut, pot.  anser.  Ddru. 

Grcnscl,  t/remel  für  1  auch  bei  Dieff.,  Gloss. :  wahrsch. 
nach  den  keilförmigen  Blättern.    Zn  2  vgl.  die  folgenden  WW. 

Gränse"  L  Gränsi"g,  Gränserich  m.:  1.  ,Grei- 
zen,  grosser  Greiserich  oder  Keiserich,  Hühnerfennich, 
panicum  crus  galli.'  Durh.  —  2.  ,kleiner  Eeiserich, 
wilder  Fennich,  pan.  viride.'  ebd.  —  3.  wisse  Greise, 
Steinsame,  lithospermum  arv.  ÄAEtzgen.  —  4.  chliiie 
Greise,   Hundszahngras,   cynodon  dactylon  AAKlingn. 

—  5.  Greise  AAEhr.,  in  AAEohrd.  Greisi'g,  Fuchs- 
schwanzgras, alopecurus  agr.  —  6.  gele  Greise,  Acker- 
hahnenfuss,  ran.  arv.  ÄAEtzgen.  —  7.  ,Grensing,  Gän- 
serich, Gänsefingerkraut,  potentilla  ans.'  Durb.  ,Grens- 
ring,  argentaria.'  XV.,  Schw  Arzneib. ;  Syn.  Silber-Krüt. 

Mhd.  ijnnnnc,  Pflanzenn.  Zu  1.  Die  Ähren  sind  stachlig 
begrannt,  weswegen  die  Pflanze  auch  , Grannich,  Grannen-, 
Stachelhirse,  Igelgras'  heisst,  auch  tir.  ,Grense';  vgl.  Grassm., 
Pflanzenn.,  S.   239  f.      Zu  3.    Die  l'Hanze  ist  stark  behaart. 


Zu  4.  Die  Ahrchen  sind  denen  von  panicum  c.  galli  ähnlich, 
aber  scharfgezähnt  und  gefingert.  5  ist  wieder  mit  4  einiger- 
massen  vwdt.  6  hat  höckrige,  igelstachlige  Früchtchen  ;  schon 
bei  Nemnich  findet  sich  übrigens  .Grensing'  für  ran.  fiamula; 
viell.  haben  auch  die  vielfach  eingeschnittenen  Blätter  den 
Namen  veranlasst;  vgl.  das  Syn.  Fideritsch  und  Bed.  7. 
Zu  7.  Die  Pflanze  mag  ihren  Namen  den  fingerspaltigen 
Blättern  verdanken  und  die  Form  ,Gänserich'  auf  Cmdeutung 
beruhen;  doch  ist,  zumal  da  schon  ahd.  einzeln  ijenniuc  vor- 
kommt, eine  selbständige  Bildung  ganz  wohl  denkbar;  es 
würde  dieselbe  auf  die  Vorstellung  von  der  Gans  zurückgehen 
und  als  Vermittelung  beider  Vorstellungen  die  frz.  Benennung 
bec  d'oie  sich  darbieten ;  oder  der  Name  bezöge  sich  darauf, 
dass  die  Pflanze  auf  Gänseweiden  wächst.  Dem  Ebinger  1438 
(,Mempheus,    grensing')   dürfte  ,nimphea'   vorgelegen  haben. 

Gränse"  n  Greie  BBe.,  Si.,  Greiie  W  —  f.:  Maul 
von  Menschen  und  Vieh  (grob).  Einem  d'  Gr.  a'heiche 
oder  darhän,  Wortwechsel  mit  ihm  haben,  ihn  aus- 
foppen, ausschimpfen ;  Einem  in  d'  Gr.  schlä",  ihn 
durch  Gegenrede  zum  Schweigen  bringen.  En  beschi 
[böse],  goUlosi,  wüesti  Gr.  W.  We"'  der  Winter  e 
längi  Gr.  het,  so  het  er  och  e  längi  Gaue,  wenn  er 
früh  anfängt,  währt  er  auch  lange  BSi.  (Schwzd.); 
vgl.  Sp.  762  vom  , Grind'  und  ,Stil'  des  Winters. 

Betr.  die  Formen  vgl.  die  Anni.  zu  Gram  und  yransm. 
Da  sich,  allerdings  nur  ein  Mal,  schon  bei  Maler  die  Form 
.grauschen'  findet,  so  ist  viell.  auch  in  den  MAA.  von  B  u.  W 
<f  noch  im  vollen  Stamme  und  eben  in  Folge  der  Börührung 
mit  dem  n  eingetreten,  wie  auch  Franst,  Mänse,  hlunsen  uaa. 
ihre  Nbff.  mit  I  haben.  Das  W.  selber  erklärt  sich  viell. 
als  eine  durch  die  Analogie  der  Synn.  Gotche,  Schitörre  uaa. 
bewirkte  Umbildung  aus  Graiis. 

Gränsli°g  m.:  Fischerkahn,  EinbaumZlS.;  in 
St.*'  von  Gränsli,  kleines  Schiff,  unterschieden. 

Gränse  s.  Grenze. 

a°-grünse":  anlangen,  zurückkehren,  z.  B.  von 
einer  Reise,  einem  Ausgange  ZZoll.  (mehr  nur  scherz- 
haft). —  Viell.  eig.  mit  dem  , Grausen'  ans  Land  stossen, 
anlanden,  oder  dann  zu    Grenze. 

gränsle":  jammern  ZKn. 

Lässt  sich  ans  '.■,.-„.  irHr.i.n.  .]">  h  li,-t  näher,  es  aus 
ijrannen  4,  (klageml  I  il.i^  Im  i.  l,i  i .  i  i  h.  i,  mit  -(ija-  und  Dim.- 
Endung  abzuleitm.  S|i|.'l  Ii.  I  jini-.ii'  als  Erklärung 
von  r/rumwn,  klag.ri.  1'..  .l,,M-i  in  /  A./.,,,  knirschen,  von 
Schuhen.  Auch  als  Dim.  vou  ijra„i,.ii  I  Hesse  sich  unser 
W.  ansehen. 

Grnnse  f.:  Bodensatz,  Niederschlag,  der  beim 
Buttersieden  entsteht  GT. 

Vgl.  zunächst  das  Syn.  TriinKn;  andere  s.  bei  Fäule. 
Viell.  zu  gnimacn,  Krümchen  klauben;  vgl.  dazu  Gnimmkte, 
Bodensatz  in   Flüssigkeiten;   s.  auch    Griimli. 


(iränschi  n.;  etw.  Dünnes,  Hageres,  von  Menschen 
und  Tieren,  z.  B.  es  Gränschi-Chüeli  Uw. 

Mit  dem  Syn.  Kiinnchi  zu  ran,  viell.  mit  Anlehnung  an 
die  mit  ij  anlautenden  Synn.    ßramp,    Gramjget. 

grnensch:  missfärbig,  schlecht  aussehend,  von 
Menschen  und  Tieren,  z.  B.  eine  weiss-rötliche  Ziege 

Uw.      Auch    SUbst.    —    Abi.    vun    ijrncn    (s.   yriien   4);    vgl. 
Gruene,    Grueni,    Grüenlin</. 

grüen(t)schele",  auch  „grüntschele"",  in  BHa. 
grietische",  in  Aa  auch  grüCeJnzele" :  1.  —  grüenelen  1 
Aa;  Bs;  B;  LE.;  S;  z.B.  von  schwarzem  Stoff,  der  sich 


seil— iri''""<t'l'-    (iraiit 


ri-Kiil. 


1— S'"'i' 


i8Ü 


ciitlürbt.  „D' Matte"  griienlschelv  scho',  im  Frühling 
1,E.-  —  2.=grüenekn  2.  eLJ.  ,Nacli  uiigckochtcni 
Kohl  schmecken'  B  (Zyro). 

grüen(t)schelig,  inY^Hn.  grimtschclig:  1.  grün- 
licli  Bs;  B;  S.  E  gr-s  Vögeli  B;  gr-i  Mure"  Bs.  — 
•2.  nach  Grünem,  Ungekochtem  schmeckend  oder  rie- 
chend Bs;  B;  S.  Gi'-e  Kaff'e,  von  schlechtem,  herbem, 
verdorbenem  Beigeschmack  FMu. 

Grüenschi  n.:  Wiesengrün,  das  frisch  gemähte 
Gras  BBe.;  Syn.  Crrüens.  —  Übertragene  Koseform,  ähnlich 
Hie   KalUchi,  Hiimtackt,  Küe(n}t«<:hi  u.  A. 


Granl— grünt. 


granten :  betteln  nach  Art  der  ,Grantener',  welche 
allerlei  Krankheiten  simulieren.  Gannerspr.  hei  Gen- 
GENB.,  Bettl.  -  Vgl.  BsChr.  III,  .5.5(5  und  s.  uuscr  Gamnii 
Si).   338. 

u  n  - g  r i  n t  s.  ungerimt. 

Grnnte  f. :  1.  Pfütze,  Wassertümpel,  der  nicht  bald 
austrocknet  (in  welchem  Falle  er  Lachen  heisst)  Gh. 
—  2.  Vertiefung,  aus  welcher  eine  Quelle  hervorbricht 
GrD.  (B.).  —  3.  Brunnenstuhe,  welche  die  Quelle 
ffleich  beim  Hervorsprudeln  aufnimmt  (die  folgenden 
heissen  niemals  Gr.)  GkD.  —  4.  Quelle  (It  Tsch.).  Er 
hiid-.'^fhich  bime  ehalten  Grimtji  nider  g'lan  und  ge- 
tnihen    GaKlost.   —   Nbf.  zu   Ghmtc  (s.   Gunlm  Sp.   384). 

(irüntele  (PI.):  Kartoffeln  Gr.  -   Wühl  von  Cund. 

vgl.    Syu.    (Irvml-Bu-.     Bi.:tr.    (  ;  d   vgl.    BunUl    (zu    bindLil). 


Mar-lii'iintsfhi  (PI.  -Grüntschcni):  1.  Masslieb. 
Gänseblümchen,  bell.  per.  BR.  —  2.  grosse  Wucher- 
blume, chrys.  leuc.  BBe. 

Mit  der  UiDi.-End.  -».Äi  (vgl.  Kalbsvlii,  Umiitnlü)  stiitt 
M:ii-tjriing<j-siH  (vgl.   Mar-Grümjijcli). 


Granz-  grunz. 

Granz  s.  Gnnis.        irranzen  s.  ranzen. 

a(n)-graiize".  -grunze";  , anknurren  B;  LE.;  S"  ; 
Jmdn  mit  harten,  rauhen  Worten  und  übler  Laune 
anfahren,  Einem  unfreundlich  und  mit  scheelem  Ge- 
sicht Etwas  verweisen  B:  I,K.;  S.  DinI  i/nuicl  ilvr 
Vtirsli  's  Babi  a",  ^ass  si  ncs  Tnic.li  inlh"  Im».  Srnii  h. 

Es  ist  fraglich,  oh  <j  stamiiilialt  uimI  uns.  i  \V.  ^(.iint  /n 
fi'ntna  (vgl.  (jrantcn  2)  gehöre,  oder  oh  7  Prüf,  und  das  AV. 
dann  zu  ranzen,   renzcn,   knurren,  zu  stellen  sei. 

,Gränzer  m.:  Knurrtopf  B;  LE.;  S." 

a"- grenz:  angrenzend  Zu.;  Syn.  an-grenzisch. 

Grenze",  in  Ztw.  Greme'  f.:  wie  nhd.  ,Inder- 
halb  der  gestellten  frontieren,  grännitzen.'  Vad.  ,Was 
sich  bei  uns  zue'tragen  in  unserm  Grenz  [Gegrenz  V] 
bei  alten  Tagen.'  HsRRebm.  1620.     S.  noch  Gegni. 

Die  uihd.  Form  <jrenlzle),  aus  poln.  ;irunkii,  aucli  noch 
i»   den   Abschieden  (v.  J.  15'21  u.  1520).     S.  noch  llrwiUzer. 

grenzen:  zsstossen,  von  Grenzlinien.  .Ein  teil,  so 
mit  dem  Burgund  grenzet.'  Würstisen.    ,.\lle  Christen, 

Schweiz.  Idiotüuu  H. 


SO  ihme  [Karl  dem  Gr.]  am  nächsten  g'sessen  und  mit 
ihme  grenzetend.'  RC'vs.  ,Die  Leute,  die  mit  dem 
Fisco    [Reichsboden]    gränzeten.'    Beitk.  Lauft'.  1739. 

grünzig:  grenzenlos  [?]  GrHc. 

hart-:  harte  Grenzen,  d.h.  Seitenwände,  habend, 
von  Gängen  im  Gestein.  ,Die  Klift  in  den  alten  Ze- 
chen, so  h.  und  schmal.'  Gr  Sammler  1800. 

a"-grSnzisch:  angrenzend  ZZell. 

grunze":  1.  murrend  klagen,  Unzufriedenheit  äus- 
sern BG.,  oSi.  —  2.  „sauer  schauen  W;"  scheel  sehen. 
—  3.  blinzeln,  nicht  weit  in  die  Ferne  schauen  können, 
nach  Art  eines  Kurzsichtigen  W. 

In  Bed.  1  Intens,  zu  yrunnen.  Zu  2  vgl.  auch  ynimmn 
uud  seine  Sippe.  Bed.  3,  wenn  ühh.  hieher  gehörig,  erklärt 
sich  aus  2;  doch  vgl.  auch  ijrumaig  II;  die  Gruudbed.  wäre 
dann :  durch  die  halbgeöffneten  Augenlider  blickeu. 

a"-:  anfahren  B  (St.").   —  Vgl.  ,anschnarcheu'. 

Grünzli  n. :  Körnchen.  ,Man  soll  die  Hepfen  [den 
Rückstand  nach  der  Destillation]  auf  einem  Brett  an 
die  Sonnen  stellen:  sein  dann  Alaungrünzle  darunder, 
so  werden  dieselbigen  von  der  Sonnen  erleuchtet  und 
scheinbar  gemacht.'  JJNüscueler  1008.  —  Vgl.  (.'-Hint 
und  die  Synu.    Grus»,    Grütz. 

grüenzlen  s.  grüenschelen. 


Grap(p)  — grup(p). 

(iraiip  (■iiicli  «!■-)  m.:  1.  Krähe  Bs.  Der  Land rt/gt 
schrill  ii's  inr-iir  Gr.  lliM>KRM.  —  2.  (scherzh.)  kleines 
Kind  11-,  /'"  ll'iii.iir  dr-e"  hat  no"''  d'  Magd  in 's 
KiiKltriiriinli    irr{Hi,U.    IIinderm.     Syn.  Grägg;    Krä. 

1  auch  Schwab,  und  eis.  S.  Gr.  WB.  V,  '2066.  Vwdt  mit 
.Kabe',  ahd.  hrabnn;  oder  geradezu  Nbf.  zu  Hai)//  mit  An- 
lehnung an  die  Synn.  Gräijg,  Gwägg.  —  i  viell.  =  nhd.  Krabbe. 

grappen:  krähen.  ,Crocire,  schreien  wie  ein  rapp, 
gr.  oder  kraxen.'  Fris.;  Mal.  ,Gott  allein  erhalte  die 
jungen  rappen,  die  zuo  ihm  schreiend  oder  grappend 
aus  mangel  der  speis.'  LLav.  1582. 

Grappel  m.:  Baum  mit  wirren  Verzweigungen  BE.; 
Syn.  Grippelen.  —  Viell.  zu  gmpplen  (s.  grajicn)  i.  S.  v. 
krabbeln. 

gräpe",  bezw.  gröpe',  in  G  oT.  graupe",  Dim. 
gräple',  bczw.  gröpile",  gräpfejle",  bezw.  gröpfejle",  in 
BBuru'd.  iira/ijile",  in  AAPri.;  Bs;  S  gropple',  in  BBrisl. 
grijhli" :  1.  hriuiii  tasten,  tappen;  bes.  mit  den  Händen 
im  l'iiistiTii  l.l.ii  Weg)  suchen;  betasten,  allg.  Syn. 
hijirii:  qnniiii'ii.  i/rdiii jHii :  Imiilrii.  Vom  sog.  Flocci- 
Ir-iui,,:'  ]\\i,i,-n.  i'l,f,n,lin  .,"f„ht  eso  a'derTecki 
intni.r  ,/,„,,/,",  ,,"/  ■.  imwm,  huuj  ntit-em  ZDätth;  Syn. 
sKi'rh.H.  \\',,-H->,i>  II, ii  siiic  Händlene  im  Hör  nmine 
gra/iii  A\I\;i-t,il  iS,ln\/,l.).  J«''  lösch  mi  Ampele  und 
)■•■''  .^rhii  11111/, rlr.  ijr,,)','.  tiijie.  Kg  i's  Bett.  Essl.  1858. 
Herdupfd  'ji-apc",  mit  den  Kingern  aus  der  Erde  grübeln 
Gr  uV.  ,Grapen,  antasten,  umbhin-grappen,  attrectarc. 
Manns  cautus  praeferre,  mit  den  bänden  hüpsclilicli 
voranhin  tappen,  oder  grapen  und  greifen,  wenn  man 
nüt  sieht'  Fris.;  Mal.  ,Wann  ein  Wunden  blutet,  so 
solle  man  gar  nicht  an  die  Wunden  greifen,  noch  darin 
groppen.'  Würz  1634,  neben  ,graiipen'.  ,Tapen,  tasten, 
gröpen,  palpare,  attrectare,  tentare.'  Red.  1662.  Im  Bes. 
gräpele",  sachte,  liebkosend  betasten.  En  Erzgröpcicr, 
ein  Caressierer  der  Mädchen.  ,N.  N.  [Pfarrer]  gräplet 
dO 


787 


tirai».  grep,  griji.  grop.  giuii 


die  meitli;  das  git  ärgerniss.'  1530,  Z  Syn.-Act.  Es 
gröpelet-mer  im  Mage',  es  [das  Hungergefühl]  krabbelt 
mir  im  M.  Th.  —  2.  herum  krabbeln,  gebückt,  auf 
allen  Vieren  gehen  (mit  schweren  Schuhen  herum  treten 
BsPratt.),  kriechen,  klettern  Bs;  BBurgd. ;  LScnip.; 
S;  Tu;  UwE.;  ZAnd.  Syn.  müclüen.  D'  Graswürm 
[Raupen]  yräpid  uf-em  ühabis  [Kohl],  d'  Lots  [Läuse] 
graped-em  uf  fZe"  Chleidcre  itmme  UwE.  Der  Land- 
jeger  wird  der  seho"  sage",  wo  me'  lere  Im'",  imder 
d'  Better  gropple!  Bs  (Schwzd.).  Mache"  und  gräpe" 
lat  er  's,  tind  so  wird  's  eben  es  Landchind,  g'simd  und 
rüch  Z  (Schwzd.).  Die  Pär  Tag,  wo  's  eppe  noch  uf 
Erde  kroppAe  mag.  MEYER-Mer.  Do  isch  er  kropplet 
um  der  Tisch  uf  alle  Viere,  ebd.  Doch  gaukelet  's 
ivlters  und  unters,  groblet  uf  alle  Vieren  und  stellt  si''' 
wider  uf  d'  Beinli.  Hebfx.  Hieher  auch  Grappeli-Bei'' 
in  dem  Kinderlied:  Chumm  und  mach  es  Gümpli  uf 
mini  Chneu,  Gr.-Bei',  bald  chunnt  's  Bäppli,  viei! 
Schwzd.  25,  11. 

Mhd.  (jräjxn,  bair.,  käruth.  tjrajjpdn,  tir.  ymhbeln.  Vgl. 
bes.  ,krabbeln,  krappein,  kröpeln'  bei  Gr.  WB.  Eig.  zwei 
versch.  Stämme,  der  eine  mit  langem,  der  andere  mit  kurzem 
Voc. :  vgl.  ti-f/rtippcH,  erhaschen,  bei  Gr.  WB.  Grundbed.  das 
Krümmen  der  Finger  zum  Greifen,  vgl.  ijmmpcn.  ,Der  ganze 
Stamm  [vgl.  engl,  tu  ijralble,  tu  t/rupi]  von  Alters  her  einer 
der  am  reichsten  entwickelten.'  Grimm.  Vgl.  noch  die  Anm. 
zu   yrUjjeu. 

über-gr<äpe°:  1.  refl.  I"''  ha'  mi"''  übergräpet, 
übergriffen  (so  dass  ich  ein  Überbein  bekommen)  Aa. 

—  2.  übergehen  (eig.  darüber  hinweg  kriechen),  sich 
darüber  wegsetzen?  fluchtig  berühren?  .Damit  nit 
von  unsern  Nachpurn,  welche  einer  Eidgnossschaft 
Misshandlungen  [ungehörige,  Terfehlte  H.]  ganz  klär- 
lich  usstrychend,  wenn  wir  selbs  in  unsren  Chroncken 
sölehs  übergrapend,  alsdann  den  erenritterliehen  Hand- 
lungen auch  dhein  Glauben  beigemessen  werde.'  ISlii. 
Zg  Neujahrsbl.  1885. 

a.''-kröpe':  unbefugter  Weise  Gegenstände  betasten 
GKMal.;  Syn.  an-täpen. 

„Gräpe"  (auch  -ö-),  Dim.  Grnpli:  grober  Aus- 
druck für  Hand  LE.;"  Syn.  Tdpen,  Klapen.  Vgl. 
auch  Glären. 

g'graplet  s.  g'gr.-ioll  Bd  1  7SI. 

graplig  Bs,  gröpelig  Ai»;  Z:  krabblig.  Es  wird- 
mer  gr.,  der  Hunger  nagt  mir  im  Magen  Z ;  ich  fühle 
Brechreiz  Ap;  es  schwindelt  mir  Bs.  Syn.  g'krüselig; 
kröpelig;  grüblig. 

Grappe-f.:  Traubenkanmi  Aa;  BM.;  Syn.  Trappe. 

—  Frz.    (jraplK,    engl,    yra/n:,    hüll,    knijtpf-.    it.    rjrajijK/lo. 

Grippis-Grappis  n.:  ein  Durcheinander,  wie:  ein 
unleserliches  Geschreibsel;  Syn.  Kritzis-Krätsis;  Feh- 
ler in  der  Strickarbeit  Bs.  —  Zu  ijrippen. 

Grapple"  BM.,  Gräppe"  (PI.)  BSi.,  Dim.  Gräppi 
(PI.  Gräppeni)  BE.;  W,  ChräppU  Gr:  Fusseisen  mit 
Spitzen,  um  auf  dem  Eise  zu  gehen;  Syn.  Träppli. 
S.  Fuess-isen  Bd  I  539. 

lt.  ympjm,  Haken,  Kralle,  frz.  ynqipln,  Klettcreiscu ; 
churw.  (mit  Metath.)  cuqmUu,  Fusseisen.  Vgl.  Gr.  WB. 
,Krappe'   und  ,Krapfe'   und   unser   Grami>. 

graupe"  s.  gräpen.        Graupen  s.  Gräuben. 

„Gränpi  n.:  eine  Ader  ganz  unfruchtbaren  Erd- 
reiches in  einem  sonst  guten  Boden  B."    Syn.  Greussi. 

Es  ist  Wühl  Dim.  zu  Gi-Uujk",  Grüube',  also  eig.  dürre, 
schlackenartige  Stelle. 


fcrrpcj.     E  grepis   Hals- 


GSev. 


lulg.  Vb.  abs- 


GreiJji  s.  Gräbt. 

gre'pi":    von    Krepp 
tuech  Nuw. 

Gripp  ni.:  Dieb,  Sehe 
trahiert. 

grippe»  Aa;  ßs;  ,VOrte;  Gl;"  G;  Th;  „W;" 
Ztw.,  grlpje"  ScBwE.;  Ndw,  „Dim.  jrrijjjje/e"" ;  an  sich 
raifen,  stehlen,  heimlich  wegnehmen,  mausen.  Syn. 
ficken;  zwacken.  D'  Franzose'  händ  anno  09  de'  Neu- 
hofere'  d'  Hördöpfel  fast  all  usg'grippet  [lierausgegrü- 
belt] ;  wenn  d'  Bure"  d'  Ächer  scho'  g'strücht  händ, 
''as-iner-s'  nild  sett  finde'  AAEhr.  ,Das  Gr.  oder  Stehlen 
[des  Lehenmanns]  gicng  gewöhnlich  in  der  Frühe  oder 
bei  dunkler  Nacht  vor  sich.'  Z  Kai.  1805. 

Das  -!-  viell.  durcn  Einwirkung  des  vwdteu  cjrifen.  Sonst 
seheint  das  W.  das  frz.  yripjjer  zu  sein,  indem  mehrfach  bezeugt 
ist,  dass  dasselbe  gerade  vom  Plündern  der  frz.  Invasions- 
truppen gebraucht  wurde;  so  auch  in  Bayern  (s.  Schni.-Fr.). 
Indessen  macht  das  syn.  Intens,  gripsen,  welches  neben  gripjmi 
steht  wie  grapsen  neben  grajipen  (s.  die  Anm.  zu  gräpen),  diesen 
frz.  Ursprung  wieder  zweifelhaft,  so  dass  man  versucht  ist, 
grippal  (im  Ablautsverh.)  zu  grap(p)cn  zu  stellen;  vgl.  auch 
noch   Grippix-Grappi«  und  Gr.  WB.  5,  '2326   ,krippen'   i. 

grippig:  diebisch  Tu. 

Grippele"  (-«-  Bstw.)  f.:  1.  =  Griggelen  5  Aa;  Bs; 
B;  LE.;  S.  ,Brachia  furcata  arboris.'  Id.  B.  D' Vögel 
liaiied  iri  Nester  i'  d'  Gr.  I"  der  Gr.  bhbt  si  [die  am 
Baum  naschende  Ziege]  hange'  LE.  —  2.  (Grippeli 
Dim.  B)  =  Griggelen  2.  aaOO.  , Welches  ein  Jeder 
bei  sich  selbst  wol  merken  mag,  wann  er  den  Unge- 
namuiten  an  einem  Finger  oder  ein  Grippelen  an  der 
Hand  erlitten,  wie  zart  ihm  die  neue  Haut  sei.'  FWükz 
lG3-i. 

grippele":  (unpers.)  schwanken,  unentschieden 
sein   Aa.    —    A'gl.  griggeu. 

a"-:  mit  einem  oben  gabelförmigen  Stück  Holz 
stützen,  ansperren  Bs. 

ver-grippelet:  verästet. 

gri]ipelig:  von  Bäumen,  mit  einer  Grippelen  ver- 
sehen S. 

Grippi  =  's  gäch  Bluct  Sp.  90.  Ali'ina  180t>,  150; 
lUiM.  u.  Schinz  1809,  403.    Vgl.  Angriff,  sowie  Greis. 


Grippi 
Grippi 


s.  Gr.-Grappis  und  Anm.  zu  grippen. 
s.  Grüblern  II  (Sp.  692). 


Gropp  m.,  tw.  auch  f.:  1.  ein  kleiner,  grossköpfiger 
Fisch,  Kaulkopf,  cottus  gobio.  allg.  Het  nid  eso  ne 
Leckersbueb  fi'J  dem  ufbiUzletc  ?i[iiisilii  mif-ciiu'  Gr.  e 
ganzi  Hampflc  Schlamm  Über  (/"  <nri,lisi,"  Schueh 
g'worfe".   Dietscu  1844.     ,Der  .yi"!'!"  ■  ;;i"|'|"'-    cottus 


cobio.'    XIV.,    G  Handschr. 


em    gmeinen 


groppen.  Cottus  sive  gobio  fluv.  cap.,  ein  gr.'  Fiscub. 
1563;  ähnlich  JLCvs.  1661,  98.  ,Iteiu  ein  grundlen- 
watt  brucht  man  zun  gropiien  euch.'  1566,  ZFischenzbr. 
.[Beim  Durchzug  durch  den  Jordan]  müesstend  wir  die 
gröpplin  syn.-  KScumid  1579.  ,Gobius,  Gr.,  Grundel.' 
Denzl.  1677.  ,Der  Gr-en  sind  zweierlei  .Art,  deren 
die  einten  See-,  die  anderen  Lindniattgr-en  gcnennct 
werden.  Die  S-en  sind  kleiner  und  weisser,  die  andern 
grösser,  schwärzer  und  köstlicher.  Man  fanget  sie 
mit  Reuschen  und  Behren;  auch  werden  viel  mit  dem 
Groppeisen  gestochen.'  EEscher  1692.  Vgl.  den  Flurn. 
Groppach  BHöchst.  —  2.  a)  Kaulquappe,  Kaulfrosch  Gl; 


789 


Grap,  orreii,  giii..  grnii,  si'"!' 


'AO.  Syn.  Boss-Kopf,  -Nagel.  Vgl.  den  Flurn.  Groppen- 
mös  (auch  Grorjgenmös  BDürrenr.).  —  b)  fGröp)  Kröte 
GStat  (Wegelin).  —  3.  Scheltn.  für  ein  kleines  Kind 
G  1790,  Stdt  (Wegelin);  SciiSt.;  ZGlattf.,  für  einen 
kleinen  Menschen  übh.  Ar;  Gk;  GO. ;  Syn.  Krott.  — 

4.  vorn  hoch,  hinten  ganz  niedrig  geladenes  kleines 
Fuder  Heu  Bs. 

Mhd.  yroiii-n;  ahd.  gro2>2io  in  Bed.  1.  Vgl.  noch  Hartm.  1808, 

5.  1  +  3.    —    2  1)  gehört  viel),  zu  ijräpcn,  kriechen;  vgl.  Täach. 

.,  Bach-:  perca  fluv.  minor  L",  Barsch. 

Sc-:  Neckn.  der  Anwohner  des  Bodensees  (Sulger). 
M'eyin  dt'  Bodese  g'frürt,  so  werfed  d'  S-e"  en  HändscJie' 
nf  's  Is,  und  wenn  's  e  treu,  so  gönd  si  nohe.  ,Die 
S-en  sterben  nicht,  sie  ertrinken.'  Sprww.  1824. 

groppc"  I:  Kaulköpfe  (Groppen)  fangen,  allg. 
Dies  geschieht  t.  zum  Zeitvertreib  von  den  Knaben, 
welche  sie  am  Ufer  des  Sees  oder  der  Flüsse  und 
Bäche  mit  den  Händen  unter  den  Steinen  hervor- 
greifen, t.  mit  Netzen  von  Fischern,  welche  sie  als 
Köder  für  grosse  Fische  gebrauchen.  Umnie  (um- 
enandj-r/r.,  aufs  Geratcwuhl  hcrumfi-ii-heu.  Sn.r.ER. 
Der  Hanxel  am  B,ul,  hiil  Uihr  .jint  S„rh.  hiil  ,f/;srh,t 
und  'yrnppct,  laid  iV  lln.^r"  m//  ifscliaiiiuf.  clni.  .Xacli 
dem  Ufer  groptc  ein  Fischer  im  Graii-li.'  \c)Lksk.vi.. 
1S51.  ,I)ass  gar  nienias  hinliir  iiaclits  mit  liechtern, 
schöuben  [Strohfackeln]  micli  sunst  iiit  solle  gr.' 
1520,  Egli. 

Gropper:  Name  einer  Entenart  (anas  nyraca)  auf 
dem  Bodensee;  Syn.  Schellente.  Hartm.  1808.  -  Be- 
nenuung   vom   eifrigen   Fange  der    Oropjien. 

Gröppcl:  kleiner,  dicker  Kerl.  Sprww.  1SG9.  — 
Vsl.    Grojtp  .?,   eig.   wohl  =  lliclilvnpf. 


irope"  m.:  Baumwipfel  G  oT. 
Grfiper  2. 


Syn.  Grotzen;  vgl. 


groppc"  II  BO.;  W.  -(7-BMad.:  kauern,  zsgeduckt 
sitzen,  hocken.  Er  ixl  'hlihm  fir..  sit/.-n  geblieben 
(bildl.),  .statt  sich  zu  rcovu .  llaii.l  anzulegen  BO. 
Umme-gr.,  umher  kricclicii,  krankclml  umherschlei- 
chen; Syn.  grüpen;  vgl.  audi  gräpen  2. 

(iroppi  B,  in  BR.  -ö-  n.:  Zwergbohne,  phas.  nanus. 
Syn.  Griiper. 

Griip  m. :  1.  kleines  Kind,  das  noch  nicht  gehen 
kann;  schwächliches  Kind,  Knirps,  Zwerg  übh.  Bs; 
ScH.  Syn.  Boden-Hock,  Krott.  Was  will  der  arm  Kr. 
mit-ere  Frau  tue"?  Spreng.  —  2.  (nur  dim.  Gnlpli, 
in  BHa.  -%-)  =  Groppi  B. 

Grüpel  Grubel  m. :  krüppelhafter  Baum  BE. 

grupe"  Aa;  Bs;  B;  P;  VÜRTE;  Gl;  Gr;  G;  S; 
Ztw.,  gruppe-  Bs;  GSa..  Sev.;  W,  grübe"  GrD., 
Glaris,  grüpe"  Bstw.;  BR. ;  (!i,tw,:  Xi.u  (w.;  GW.; 
Scnw  tw.,  griihe'  GLtw.  -  ■  IHiii.  ijm im  >h'  :  1  (auch 
refl.  Aa;  BR.;  Gl;  GWe.;  Scinv)  kaucni.  limkni.  sich 
niederbeugen,  sich  ducken,  in  die  Kniee  gesunken 
sein;  .sedere  super  pedes.'  Id.  B;  auch  geduckt  stehen 
oder  gehen.  Syn.  grüggen  II,  hüren:  sieh  schmuchen; 
'tngen  sin.  Er  grüpet  de"  fiavr  Taii  im  Garte",  um 
zu  jäten,  zu  setzen.  Grüprlr:  lliit.  Wiim  iii:in  die 
Hühner  fangen  will  L.  !>'  Ihtnirr  iimprlr  ifn-ii  '/a: 
Kal.  1887.  ßlüselistill  im-ni^"  J-j/i/rl,  miir«  ,/,•»,»■". 
HoFST.  ist;,-,.  Uf-em  Ofehiwhli  grupel  •')/-  stn.illr.  Inh- 
gräuc  Ma"".  ebd.  Uf-rm  dfc"  gnliir"  ,1'  Chiini  \'V\i- 
schläfrigen  Kinder],    Kuhn  1S11\'    il/,   |iim.i|  l.r  \„l. 


tve""  me  geng  am  gliche  Ort  gr.  well,  meinte  die  un- 
beständige Dienstmagd.  MWalden  1879.  ,Die  Bauern- 
töchter grupeten  im  Garten  oder  fiselten  ums  Haus 
herum.'  Gotth.  ,In  einem  alten  Haus  hat  das  Mum- 
meli  [Wassernixe]  lang  auf  dem  Ofen  seinen  Platz 
gehabt,  ist  da  g'gröpet  und  duldete  Nmdn  neben  sich.' 
LüT.,  Sag.  ,Die  geistlichen  Spitzbuben  gruppe  geng 
uf-ere  [setzen  der  Kranken  zu],  bis  sie  sie  getötet 
hätten.'  Gotth.  ,Üder  wärest  du  mit  deiner  Kühe  zu- 
frieden, wann  sie  etwa  3  oder  4  Stund  in  der  Wochen 
im  Gras  grupete,  wurde  aber  Nichts  wiederkäuen  und 
gäbe  folglich  keine  Milch.'  SLütz  1732.  —  2.  einen 
Knix  machen  BHk.;  LE.;  Syn.  es  Jümpferli  machen 
(welches  übertr.  auch  von  Hühnern  gebraucht  wird). 

—  3.  kriechen,  wie  kleine  Kinder,  die  noch  nicht 
gehen  können;  mühsam  gehen,  wie  alte  oder  leidende 
Personen  Bs;  Gl;  „Aa;  B;  VOrte;  S;  W."  Syn. 
schnäggen;  gräpen;  müchlen;   vgl.  bes.  umme-grüpen. 

—  4.  Kälte  leiden,  vor  Frost  schauern;  vor  Frost  sicli 
zskauern,  frösteln  GrD.,  uVatz ;  L.  Syn.  grüggen ;  Mü- 
deren: milderen.  —  5.  kränkeln,  unwohl  sein;  bes. 
iiisi.fcin  ili.'-  iliua  ]i  ^tillcs  Herumsitzen,  Niederge- 
.rlil.iuvnlh  II,  iihir,  Aii~..'licn,  leises  Klagen  usw.  sich 
ausser!    \\;   r.^;   1,;  iii>.;  S;  Onw.     Öppis  z' gr.   ha", 


unv 


sühn  ti.ai-ci,  .,,1  scIia'lkM.'ii  iiii.l  -nihlirii  mi.l  iiihl.T-t.iii 
von  mir  zu  zuchen  ihr  muoterlicii  guot.'  c.  l:')2ii.  Gko. 

Zu  der  Form  c/ntjiqKn  vgl.  grojijieH  II.  Neben  der  Kr- 
weichung  rimhm  Gr  ist  im  Mundo  von  Hirten  uocli  die  Form 
mit  )}  liczfiifrt.  Eine  vereinzelte  Angal)e  aus  LStadt  Ijietct 
für  ;/,,./,.„  ii.i.li  iVw  lir.l.  tasten,  also  =  </m/«m.  Vgl.  die 
Syiui.  Hill.  I.,iii>.„.  frz.  .■,<,:i/,lr.  x'ac-cnmpir,  engl,  tn  rrrep. 
Auftallriid  ist,  wie  li.-i  .jriiprii  u.  ,ia.,  das  Auslileibcn  der 
Vorsehiebuiig;  doch  vgl.  auch  G riipf  nnd  Kmpf,  welche  zur 
gleichen  Wz.  gehören,  die  sich  auch  im  it.  ijnipjm,  gmppn, 
cig.  etwas  Zusammengeballtes,   Klumpen,  findet. 

ab-,  abe"-:  uiederkaucrn  Bs ;  B;  Scilw;  Obw,  z.B. 
von  der  Heiiin':  sieli  nul  ilie  Kirr  nie.lerlassen.  — 
umme"-,  uiiienainl  (  c  r )-  =  iiiiiiiuii-ijniiiiien  Kk;  Bs; 
Gl;  Gr;  Schw;  S;  Xdw;  Z.  Kr  [der  nicht  rocht  Ge- 
sunde] grüpet  de"  gans  Winter  scho'  eso  umme".  Dass 
die  Ziege  krank  i.st.  erkennt  man  an  der  G'schwijllni 
und  am  Vmmeriirüjir"  GuPr,  (Schwzd.).  —  i"-:  sicli 
ducken,  in  di.'  K'nie.-  -inlveii;  auch  bildl.,  klein  bei- 
geben, den  Aliit  Zinn  Widerstand  verlieren  B;  vgl.  .«ic/i 
tüpen.  We""  d'  Muäcr  ro"  Sterbe"  gliört,  so  Zell  druf, 
die  (irüpet  i"  W"^  lät-di'''  mache",  was  d'  witt.  Gottu. 
.Wenn  man  seiligen  Leuten  nur  ein  paar  Mal  An- 
schicksmänner  sende,  so  grupen  sie  gleich  ein  und  es 
sei  Feiri;ilieiid  mit  ihrem  Kuraschi.'  ebd.  E  junge, 
starlr  r.iiis.h  snif  nit  scho"  i.  am  A'fang  vo"  .slr 
[seinei|  L.iiifhiiii  BM.  —  nider-  GSev.,  sich  nider- 
BHk.:  =  grupen  1.  —  z'sämmo"-:  sich  zu- 
ducken  Z. 

f.:    Vertiefung,  Bodensenkung  LSchüpfh. 


grnpc" 


•up 


Gl 

Grüper  (bezw.  Grüher;  Grupper)  m. :  1.  Grüperli, 
kauerndes  Kind  UwE. ;  Grüherli,  kleines,  leicht  frieren- 
des Geschöpf  GnPr.  —  2.  junges,  struppiges  Tännchen 
mit  vevwnrreuen  Ästen  Gr.  Syn.  BitscMc;  Buder; 
Grill :r:   Tsihnnr:  vgl.  Grnpen.  —  3.  (bes.  Dim.,  mit 

lln,i.l-:rl,.:    (innih'Fi^il :    >.',,...././.,■    /<    ,     ^J      n'-h 


rllh, 


Zn 


Graji-grap.    Grapf— grupf.    Graps -giups.    Grapsch— grnpscli.    (iras— grus 


meist  auch  eine  gröbere  Spec.  des  Gewächses  be- 
zeichnet. 

Ofe-'-Griiper:  Ofenhocker  U. 

Stube"-:  Stubenhocker  Ndw. 

Grüpcre"  f.  =  Grüper  3  Scnw.     Sj-n.  Hockeren. 

Grüpetc"  f.:  1.  ilas  Kauern.  —  2.  Klumpen, 
Knäuel  B.  z.  B.  von  jungen  Spinnen.  Vgl.  Hock, 
Kiiüpen. 

Grüpi  ni.:  ein  Kauernder  Uw,  ein  Kränkelnder 
AAFri. 

Grüpi  AaF.;  B;  Okw,  Grüpi  AaF.;  Vw  -  ii.: 
1.  das  Niederkauern  (der  Kinder)  L;  Knix  (Gntjidii 
BBrisl.;  L.  Es  Grüpeli  mache".  —  2.  (GiTij,ii  Kh.u- 
niatismus  im  Hals,  Nackenstarre  AaF.;  B.  —  •'..  (Gn'ijii) 
vorübergehendes,  zeitw.  auch  epidemisches  Unwohlsein, 
Unpässlichkeit  (wie  Husten,  Schnupfen  usw.)  AaP.  ; 
Vw;  Syn.  Ducht.  Der  Dokter  häd  z'erst  g'meint,  es 
slg  e.so-nes  Gr.,  keine  eigentliche  Krankheit  L.  —  Alle 
Bcdd.  ergeben  sich  aus  dem  Vb.  grüprii. 

„grüpig:  1.  kauernd.  —  2.  kriechend.  —  •'!.  krän- 
kelnd." 

,gruplige",  semisedens.'  Id.  B;  „grüpUgen,  mit 
unterschlagenen  Beinen  B;  LE." 

Grüpli°g  m.:  kauernde  Figur,  kleines,  hockendes 
Wesen,  Kind;  „kleiner  Frosch"  B;  Schwächling  Bs 
(Spreng).  Gr.  vf  den  Arme".  JRWyss.  Sjn.  Grüpf. 
—  Ofe"-:  Ofenhocker  Th  (Pap.). 

Gruppe"  W,  Gruppe"  Grü.  —  f.:  Hinterteil, 
Kreuz  der  Pferde,  auch  des  Rindviehs;  Sjn.  Hupjyen. 
,Eine  Katze,  die  dem  Vieh  auf's  Kreuz  oder  die  Gruppe 
springt.'  W  Sag.   —   Nhd.  ,Krupi)e',  frz.  cmupc,  it.  t/iopjin. 

Griippel  ni. :  kleiner  Mann,  Zwerg  GnEh.  —  Wahr- 
sclieinlii-h   das  nhd.    Knippcl.      Vgl.    Onijjpd. 


Grnpf  Gl;  Scnw.  Grüpf  Sch;  Z,  Grüpft  Ar  — 
Dini.  Grüpfi  GA.,  sonst  Grüpf ßßi:  1.  (in.)  Knirps, 
klein  gebliebenes,  verwachsenes  Personchen  (verächt- 
lich) Ap;  Gl;  Suuw;  Z;  bes.  auch  zu  Kindern  gesagt, 
launig  oder  im  Unmut.  Von  Mädchen  gebraucht  ist 
dann  auch  das  Fem.  gebräuchlich  Z.  Schwig,  dumme 
Gi-'iijif:  Srii  (Schwzd.).  Gerste,  dii  chline  Gr.!  sagt 
.1.1-  l.'nLi-vii.  Benennung  eines  vorwitzigen  Mädchens 
GA..  .  in,  ,,  l,M.^,.n  Kindes  Scii;  Syn.  Giriz.  —  2.  (ii.)  un- 
ansclinliches,  im  Wachstum  zurückgebliebenes  Obst  Bs. 

Vgl.  Grnj,  u.  Gropj,  und  die  Synn.  Krvfl,  Krüft;  Krupßi, 
Krujifii,  sowie  bair.  krüpfen,  sich  kriinimen,  ducken.  Über 
die  etymolog.  Zugehörigkeit  zu  .Kropf  vgl.  Or.  WB.  5.  2:W8. 
Über  pf  vgl.  hupfen  neben  hopjwn ,  ijmpfni  nelien  ytKip/mi. 


graps:  nur  in  der  beim  .Bläppertlispiel'  Bs,  oder 
beim  Gripselen  (Spiel  mit  Bohnen  oder  Knöpfen)  B 
gebrauchten  ab  1.  Formel:  grlps  yraps  grawäps  (auch: 
grabaps  ZW.,  grahelachs  B)  Bs;  B;  Z. 

Vgl.  das  fast  identische  Ablautsspiel  .rips  raps  machen', 
stehlen,  und  henneb.  t/ripa-graps,  mit  raschen  Griffen. 

grapse":  mausen,  entwenden  Bs. 

Syn.  gripsen,  wozu  es  abl.  gebildet  ist.  Bair.  •ji-n/ixihiii. 
henneb.  grapsen,  hastig  greifen. 

grips(e)le":  mit  Bohnen  spielen  B;  Z. 

Dim.  zu  gripmi,  wegnehmen.  "Vgl.  die  beim  Neunstein 
gebräuchliche  RA.,  mit  der  man  dem  Gegner  einen  Stein 
r.iubt:   Zu,  :  „ml  l,;„-,hr  ,„.«/  ,llr   Vhw! 


gripse"  Bs;  „VOrte;"  Gr;  UwE.  (auch  chripse")- 
heimlich  entwenden,  stehlen.  Synn.  grippen,  von  dem 
es  Intensivbildung;  ficken.  .Schlöhncn  nennt  man  das 
Stehlen  im  Eheintal,  mücklen  im  Toggenburg,  mausen 
in  Graubünden,  gripsen  heisst  man  es  anderwärts  und 
betrachtets  als  ein  Werk  der  Gelenkigkeit.'  KSteiger 
1840. 

G  r  i  p  s  e  r :  Einer,  der  heimlich  entwendet,  Mauser  Gr. 

Grops.  gropsen  s.  Gorps. 


(Jripschli  n.:  Weideplatz,  der  durch  Pclspartiee 
unterbrochen,  zerrissen  ist  ScinvE.  —  Vidi,  rfitornr 
Ursprungs;  vgl.  churw.   ijrijtp,   Fels;  gri/ijm«,   felsig. 

Grüpschi  n.:  zwei  oder  mehrere  an  einander  häi 
gende  Frösche  ScnwE.  Syn.  Gmtschi,  —  Etwa  Pii 
von    Grü]}  zu  grüpen,  hocken,  wie    llr.rki:  zu   hnrl.-pii. 


Gras(s)  — grus(s). 

Gras,  in  Ar;  G;  Tu  tw.  Gros  —  PI.  Gre'ser  —  n.: 
1.  wie  nhd.,  doch  die  grünen  Kräuter  der  Wiesen  übh., 
da  die  Gräser  (Gramineen)  spec.  Schmalen  heissen. 
Im  Gr.  laufe",  im  Freien  weiden  ZS.  im  Gegs.  zur 
Stallfütterung.  Feissts  Gr.,  um  die  Sennhütten  herum 
gewachsonr-,  fottes  Futter  GrD.  ;  Syn.  Fatsch;  vgl. 
,gramen  faliTiini.  tri,4  Gr.'  Denzl.  1677;  1710.  Es 
wott  kei's  irf.^/i  Juri"  chö",  kein  Gräschen  (auch  Ge- 
treide) will  sprie.sauii  (bei  unfruchtbarem  Wetter  oder 
schlechtem  Samen),  allg.  RAA.,  Bauernregeln:  Früeh 
Gr.,  früeh  Heu  L.  Wenn  's  im  Maie  vil  Gr.  hed, 
sott-mcn  e  Cime  vercliaufe"  Ar.  D's  Chind  tvaxt  teie 
Gr.  BBe.  Es  ist  ke  Grehli  .so  clill',  es  ist  e  Nutze* 
d.Jn  L  (Ineichen).  Er  ist-ere"  i'  's  Herz  ine'  g'waclise", 
wie  e  Chucdreek  i"  's  Gr.,  ist  ihr  fest  ans  Herz  ge- 
wachsen Ap.  Bis  doch  nit  es  Gre'sli  und  glaub  im  's, 
sei  doch  nicht  so  dumm,  ihm  das  zu  glauben  BAarb. 
Kei'  Gras  under  de'  Fiiesse  lä"  wachse",  schnell  gehen, 
eilen,  sich  sputen,  rastlos  tätig  sein.  allg.  ,D's  Gr. 
linder  de  Füesse  la  wachse",  lentum  esse.'  Id.  B.  Lose', 
wie  d's  Gr.  wachst,  auf  dem  Felde  schlafen  (scherzh.) ; 
sich  (im  Gras)  aufs  Ohr  legen  Gr.  —  2.  Weide  für  das 
Vieh  Obw;  Abteilung,  einzelner  ,Stafel'  einer  mehr- 
teiligen, zsgehörigen  Alp  BHa.  Die  Alp  N.  häd  dri 
Gräser,  ebd.  ,Zu  herpstzyten  von  des  h.  Cruz  tag  hin 
in  den  gräseren  soll  jeder  den  anderen  syn  rechten, 
alten  tränkweg  lassen  faren  und  tränken.'  c.  1540,  Gl. 
In  Ap  bisweilen  (bes.  von  Hirten)  auch  eine  bestimmte 
Einzäunung  Gras  auf  dem  Felde  zum  Abweiden:  jr'* 
ha"  zwe  Greser  z'  etze".  —  3.  =  Kue-Essen  Bd  I  526 
Ar;  GRh.  .Einige  Alpen  sind  in  Stösse  oder  Gräser 
abgeteilt.'  Gem.  Ar.  ,Man  verlehnt  die  Alpen  nach 
Gräsern,  ein  Stoss  heisst  hier  ein  Gras.'  Steinm.  1804. 
.Von  derowegen,  die  sy  in  denen  Alpen  mit  vech  über- 
trybent  und  mer  daryn  tätend,  dann  sy  gras  oder  recht 
da  bettend.'  1504,  Zellw.,  Urk.  ,Es  sollen  auch  die 
Alpen  folgendorgestalt  besetzt  werden:  nämlich  eine 
Kuh  wie  von  Alters  her  ein  Gras,  ein  geschobenes 
Rind  ein  Gr.,  zwei  ungeschehene  Rindlein  ein  Gr., 
drei  Kälblein  ein  Gr.'   1669,  Hof  Kriess.     ,N.  N.  hat 


793 


Gras,  gres, 


arros,  grus 


794 


9  neue  und  alte  Gräser  an  sich  gezogen."  1772,  GOber- 
rieil  (Absch.).  —  4.  Unkraut  auf  dem  Acker,  im  Wein- 
berg L ;  GMarb. ;  Z  Wl.  Vgl.  den  Ortsn.  Grasreben  ZHed. 

Der  Uml.  in  Gras  zu  TCrgleichen  dem  in  Äschen,  Flaschen, 
Tiisihen,  w/ischai  durch  Einfliiss  der  Spirans,  viell.  auch  des  r; 
vgl.  auch  t/är.  —  Zu  1 :  Oresli  kann  wohl  bed.  ein  junger 
Grashalm,  der  emporspriesst,  als  Bild  naseweisen,  unreifen 
Jugendverstandes.  Vgl.  (/rasig,  unreif,  und  ,grUn',  unerfahren. 

Adel-:  1.  Alpenrispengras,  poa  alpina  BO.  — 
2.  Alpenwegerich,  plantago  alpina  Bü.  ,Das  beste 
Gra.s,  das  d's  Chueli  frass,  ist  Mutterne  [lig.  mutellina] 
un''  A.'  BSi.     Syn.  Nadelgras;  Romeien. 

Alche"-:  Riedgras;  spitze  Schmalen  BSi.  —  Statt 

S,fl,hcn-Gr.   s.   Salchen. 

Ämd-,  Änd-:  Grummetgras,  zweites  Heugras  Aa; 
Z.    Vgl.  Ämäd. 

Ente"-:  Flussrispengras,  poa  fluitans  (üurh.). 

In  Wassergräben  wachsend,  wohin  auch  die  Knten  zu 
gehen  pflegen ;  viell.  aber  auch  so  benannt,  weil  die  Kinder 
aus  den  Halmen  dieser  Rispe  ein  ,Ento'  benanntes,  schwim- 
mendes Spielzeug  flechten.     S.  das  folg.  W. 

Eseli-:  Sumpfbinse,  carex  ca'rulea  GRPr. 

Möglicherweise  von  dem  unter  Estl  ?  //  (Bd  I  5 IG)  ge- 
n.iunten  Spielzeug  Escii. 

Ise"-:  1.  steifes  Borstengras,  nardus  stricta  B;  L; 
Syn.  Fachs.  —  2.  Quecke,  triticum  rcpcns  Aa.  —  Bc- 
npuniing  beider  Pflanzen  von   der  Zähigkeit  der  Halme. 

^V^, eil..  Weidegras  für  das  Vieh  auf  den  Alpen. 
V.  mieten,  Weidgeld  bezahlen  müssen  Gr." 

reder(e")-:  gemeiner  Windhalm,  agrostis  (apera) 
spica  venti  Aa. 

Benennung  von  der  busch-  oder  federartigen  Rispe;  vgl. 
die  Synn.  ,Ackerstraussgras,  Fnchs(schwanz)' ;  it.  pennacchino. 

Füdle-:  Alpen rispengras,  poa  alpina  G  oT.  Syn. 
Fatsch,  Gemsgras.  —  Vgl.  die  Bezeichnung  FadMieu  für 
das  .'ihnliche  Unkraut  poa  annua. 

Vogel-:  Vogelmiere,  stellaria  media.  Hegetschw. 
Syn.  Hiiener-Gr.;  frz.  herhe  ä  l'oüeau.  —  Falche"- 
=  Falchen  Bd  I  798  ZB..  0.  —  Vor-.  .Item  im  Cha- 
wi'n  jFlurn.]  han  ich  den  giinzon  sununer  4  hoiit  ge- 
Inm,  darzuc  das  v."  GSa.  ir,:',l.  Strickl.    Vgl.  lkrhst-(ir. 

Land  färb-:  Bandgras,  phalaris  arundinacea  picta 
oder  foliis  variegatis  G. 

Die  der  Länge  nach  grün  und  weiss  gestreiften  Blätter 
dieses  in  Gärten  gezogenen  Ziergrases  entsprechen  der  Landes- 
farbe von  G.   Vgl.  die  Synn.  Um-,  Brut-,  ,Jud<-,  Tiir/jyiscli-Gr. 

Flecht-:  Quecke,  trit.  rep.  Gr. 

Syn.  Schniierligras.  Die  lange  kriechende  Wurzel  einem 
ficflfcht  oder  einer  Schnur  verglichen. 

Flöh-G,  Flöh-  S:  Perlgras,  melica  nutans  oder 
Iniza  media.     Syn.    Wenteh-Gr.;  Lüse-Seekli. 

Das  Charakteristisohe  der  Pflanze,  die  eirunden,  nickenden 
Ahrdiou,  sind  den   betr.   Tierchen  verglichen. 

Plueh-:  Seslerie,  sesleria  ccer.  LE.  -  Wächst  an 
Felsen  (Flühenl. 

Flätter-  =  Feder-Gr.  Aa.  —  Von  der  losen,  flattern- 
den  Rispe. 

Jungfrauen-,  Junipfere-:  kahles  Bruchkraut,  her- 
niaria  glabra  (Durh.).  Syn.  .Jungfrauentrost'  (schles.). 
—  Gern  seh-:  wahrsch.  =  Adehjras,  poa  alp.  Sciiw. 
Vgl.  auch  Füdk-Gr. 

Geisle"-:  gem.  Knaulgras,  dact.  glom.  G  oBh. 
Syn.  Pflegel-,  Zottelhalme',  Zötleligras.  —  Die  Ährclien 
dieses  Grases  sind   Peitsi'henschmitzen   (-Zotteln)   verglichen. 


Haber-:  Wiesenhafer,  avena  prat.  u.  pub.  GRh.; 
Syn.  tcilde  Haber.  —  Gold-Haber-:  gelblicher  Hafer, 
Goldhafer,  avena  flav.  B.  —  Halme"-  L,  Halm-  ü: 

1.  hoher  Glatt-  oder  Wiesenhafer,  franz.  Raygras,  av. 
elat.  s.  arrhenatherum  elat.  L.  —  2.  =  Adelgras,  poa 
alp.  U;  Syn.  Heusehmalen. 

Holz-:  wildes  Waldgras,  das  i'irmere  Leute  nach 
dem  Waldrechte  mähen  durften    Tu.  —  //ofe  =  Wald. 

Hüener-  =  Vogel-Gr.  Hegetschw.  Syn.  Henni- 
Danii.  —  Hunds-:   1.  =  Geislen-Gr.  B;  GnChur.  — 

2.  Quecke,  trit.  rep.  B.  ,Hundgras:  gras,  das  die  hund 
essend,  sich  ze  purgieren  damit;  canaria;  herba  canis, 
herbe  au  chien.'  KdGessn.  1542.  —  Hung-:  1.  wohl- 
riechendes Ruchgras,  anthox.  oder.  Hegetschw.  — 
2.  =  Geislen-Gr.  Sch;  Tu.  -  3.iTofieldie,  tof.  calyc.  GoT. 

Her(r)e°-:  1.  =  Landfarbgr.  G;  Z.  —  2.  Herren- 
gräser, solche  Alpen,  welche  der  Landesobrigkeit  zu- 
fielen Ar  It  Steinm.  1804.  .Einige  Alpen  [in  Ap]  sind 
Nationalgut  und  heissen  H.  Der  Landammann  kann 
sie  vorlehnen.'  Kronpels  182G. 

1  so  benannt,  weil  urspr.  nur  in  Gärten  wohlhabender 
Leute    gesehen.     Vgl.  den  ebenfalls  stolzen  Namcu  Brut-gr. 

Herbst-:  das  dritte  Gras,  das  nach  der  Grummet- 
ernte wäclist;  nur  in  den  allerbesten  Jahren  (wie  z.B. 
1834  und  iNi;:,)  auch  noch  abgeschnitten  und  gedörrt, 
sonst  als  Viehweidi-  benutzt,  allg.  &yn.  Herhst-Weid. 
,Gleiche  bewantnuss  hat  es  .mit  den  alpen,  weiden, 
gräser  und  herbstgräs,  wann  der  eigentumsherr  ein 
alp,  weid,  gräser  oder  herbstatzung  einem  verlasste, 
der  fallit  würde.'  Ap  LB.  1585.  ,Das  Herbstgräs,  so 
nach  der  Segis  [Sense]  wachst.'  1650,  Ap  Urk. 

Herd-:  gem.  Kammgras,  cynosurus  crist.  B.  — 
Dies  Gras  wächst  in  fetten  (herditjcnj  Wiesen. 

Hase"-:  Wiesenzittergras, Hasenbrod,  briza  nied.B. 

Jude"-  =  Landfarbgr.  G  oRh. 

Die  Juden  trugen  im  Mittelalter  ein  gelbes  Abzeichen, 
wovon  viell.  das  weissgelb  gestreifte  Gras  benannt  sein  mag. 

Jät-:  gejätetes  Unkraut  aus  Äckern,  welches  ge- 
waschen als  Viehfutter  dient  Z.  Pas  Wasser  des 
Jonenbaches  sei  ,zum  Waschen  des  Jätgrases'  den  Be- 
wohnern von  Loo  unentbehrlich  und  sie  auf  dasselbe 
beschränkt.  Z  Hi'ilitsi.ll.  -  Chüe-  =  Gros,?  Ar. 
.Alpen,  weiden  nii^l  kii.'i^raser  in  denen  küerijchten- 
alpen  [sollen  nicht  ausser  Landes  verkauft  oder  ver- 
erbt werden].'  Ai>  LB.  l-">85/1828.  ,Jeder  Alpmeister 
soll  5  Kuegräser  zu  Jjohn  haben.'  Steinm.  1804. 

Cholbe"-:  Wiesenlieschgras,  phleum  prat.  L.  — 
Von   dir   walzenförmigen  Rispenähre. 

Chi.rbli-  =  Hasengr.  GG.,  Rh.,  We.  Syn.  Mül- 
Kiirlili.  Kriittli.  —  Die  Ährchen  lassen  sich  mit  dem  Fleoht- 
werk  eines  Körbchens  vergleichen. 

Chatze°-  =  Geislengr.  B.  -  -  C li n o  1 1  e " -  =  (?cis- 
lengr.  GWe. 

Chnopf-  GWe.,  sonst  Chnöpfli-:  l.  =  Geislengr. 
G;  Z.  —  2.  avena  elatior  (spec.  precatoria)  oder  trit. 
repens,  welche  eine  gewisse  Ähnlichkeit  haben  B; 
L;  Z.  —  3.  Pipau,  crepis  (Sulger). 

Zu  1  vgl.  die  Anni.  zu  Geislengr.,  ferner  den  schrift- 
deutschen N.  .Knaulgras'  und  das  lat.  ghmerata.  Zu  '2,  wo 
eig.  das  von  den  Bauern  gehasste  .\ckerunkraut  av.  jirec. 
mit  seinen  zahlreichen,  scheibenförmig  auf  einander  liegenden 
Wurzelknöllchen  das  Ursprüngliche  nnd  Richtige  ist,  vgl.  die 
Synn,  llrifi-.   Ilmli-,  KrnVcn-Gms,  -Würz,  NiMcrli.     Trit.  vep. 


795 


firas,  gres,  gtis,  gros,  grus 


790 


hat  ein  schnüriges,  sich  weit  verbreitendes  Wnrzelwerk,  aber 
ohne  Knollen:  Syn.  SchnüerUgran ;  Flartech.  3  hat  sonst  gar 
keine  Ähnlichkeit  mit   1   und  2   und  ist  somit  unsicher. 

Chralle"-,  Chrälleli- Gras:  1.=  CAnojj/V/r.,  Pater- 
nostergras, av.  elat.  prec.  Aa;  Sch;  Tu;  Z.  —  2.  Quecke, 
trit.  rep.,  auch  arrlieiiatherum  bulb.  Aä;  Tn.  —  Vgl. 
die  Anm.  zu   Chnopf-Gr. 

Krüseli-:  jähriger  Knaul,  scler.  ann.;  auch:  Mast- 
kraut, sag.  proc.  (Durh.).  —  Der  Stengel  von  scler.  ann. 
ist  mit  .krausen'  Haaren  besetzt. 

Lülch-:  Lolch,  lol.  perenne.  Z  Naturf.  Ges.  17G4. 
Leiter-:  1.  Lolch,  lol.  perenne  GWe.  —  2.  (Lei- 
terligr.J,  Becherblume,  poteriura  sanguisorba  äa. 

Beide  Pflanzen  zeigen,   1   in  der  Stellung  der  Spelze,  2  in 

den  gefiederten  Blättern,  Leiterform.    Vgl.  noch  Leitcrli-Krut. 

Laut  sch-:    Quecke,    triticum   rep.    s.  agropyrura 

rep.  Aa.    —    S.   die  Anm.   zu  Chnopf-Gr.     Läutsch,   Hündin: 

s.   das  Syn.   Hundn-Ilr. 

Maucli-:  Honiggräser  GMarb.  —  M.,„.i:.  Wollgras. 
Me'ieli-:    Ackerehrenpreis,   ver.  arv.    AAEhr.  — 
McuJi,   Maria. 

Mer-  =  Landfarbgr.  Nnw;  Z. 

Die  Pflanze  wird  damit  als  eine  auf  dem  Meerwoge  im- 
portierte dargestellt;   vgl.    TiU-i/gisch-Or. 

Messerli-:  Riedgras,  Segge,  carex.  (Durh.).  Syn. 
Schnld-,  Schnitt-Gr.  —  An  den  scharfen  Blättern  dieser 
Pflanzen  schneidet  man  sicll  leicht. 

Nadel-:  Alpen wcgetritt,  plant,  alp.  (Hcgetschw.). 
Syn.  Adelgr. 

Es  scheint  eine  durch  die  Form  der  Blätter  begünstigte 
Umdeutuug  vorzuliegen,  obwohl  das  n  der  beiden  WW.  ein 
verschiedenes  ist. 

Nüne"-:  gem.  Schilfrohr,  phragm.  com.  ZKüml.,  W. 
Nüsterli-  =  Chnopfgras  3.  kath.  Aa.    -   Xiisi.rli, 
Kugeln  des  Roscnkr.auzes. 

Natur-:  im  Gegs.  zu  Pflanzgras,  gcsäetem  Gr. 
,Er  nahm  lieber  ein  Klafter  N..  dessen  Same  ihn  nichts 
kostete,  als  drei  Klafter  Pflanz(en)gras,  zu  dem  er  den 
Samen  hätte  kaufen  müssen.'  Gotth.  —  Bände li-  = 
Lnndfarhgr.  Aa;  Gr;  Scii;  U;  Z. 

Bürstcli-:  grüne  Segge,  carex  glauca  GWe.  — 
Die  Ährehen  haben   ,Borsten'. 

Bgseli-:  Eepskohl,  brassica  napus.  (Durh.).  Syn. 
Beseli-Reps. 

Etwa  weil  die  dürren  Stengel  besenartige  Gestalt  haben. 
Vgl.  Be«e",  wegwerfende  Benennung  von  ausgefressenem  Kohl. 
(Eied-)B6se"-:  molinia  cierulea  U;  Z. 
Büseli-:    Wollgras,  eriophorum    ZZoll.   —   BiiatH, 
Flocke;   Kätzchen. 

Pöschli-  =  Hundsgv.  ZBenk. 
Büschli-  (Durh.).  Bütschli-  Z:  jähriges  Rispen- 
gras, poa  annua.  —  Der  ganze  Pflanzenstock  wächst  büschel- 
förmig. 

Bett(l)i-  (bisw.  auch  Bettiringli-)  =  Chnopfgr.  2 
Aa;  Ap;  L.    -    nm(l)i,  die  Kugeln  des  Paternosters. 

Pfife"-  =  Bexengr.  Z.  —  Die  starken,  starren  Halme 
werden  zum  Reinigen  der  Pfeifen  benutzt. 

Pflanz  (e")-  s.  Nntur-Gr.  -  Blätter-:  kraut- 
artige Gräser  SThierst. 

Brut-  =  Lamlfarh-Gr.  Gr.  -  Churw.  .,/.„  ,h  ./.««... 
S.  auch   Ucrrcn^U,: 


Rai-  B;  Sch;  Th;  Z,  Re-  Aa;  ScHwKüsn.:  Ray- 
gras, arrhenath.  oder  loliura  perenne. 

Die  beiden  Formen  t.  durch  die  Schreibung,  t.  durch 
die  Ausspr.   des  engl,  rat/yratt»  bestimmt, 

R abinen-,  Rabis-:  Easenschraiele,  ai'ra  ccsp. 
.Gramen  ravisum  und  gramen  Rabinum,  zu  teutsch 
R.  und  E.  genannt,  die  weil  es  von  den  Hirten  vor  das 
Meister-Gras,  d.  i.  das  beste  und  edelste  vor  allen 
andern  Gräsern,  gehalten  wird.'  Tabf.rn.  1664.  — 
Rüebli-:  Mohrrübe,  daucus  car.,  und  zwar  die  in 
trocknen  Wiesen  wild  wachsende  AAStig. 

Rech-:  Hundswindhalm,  agrostis  can.  B  (Durh.). 
In  Eiuöden  wachsend,  vom  Hausvieh  nicht gisucht,  ,darum 
dem  Reh  (Keck)  überlassen'? 

Betti-Eingli-  =  Betti-Gr.  kath.  Aa. 
Rusch-:    Taumelloch,    lolium   temul.    L.   -   Syn. 
Trüwmel;  vgl.  frz.   ivraie,  kerhe  d'ivrof/ne. 

Riet-:  I.Wollgras,  eriophorum  „VOrte;  Gl.'  — 
2.  Segge,  carex  U. 

Sc-:  1.  =  Landfarb-Gr.  G.  —  2.  steife  Segge, 
carex  stricta  ScHwMa.;  carex  brizoides  Sch. 

2  so  benannt,  weil  es  als  Ersatz  des  eig.  Seegrases  (zu 
Polsterfülluug  usw.)  dient. 

Sü-,  Söi-:  Vogelknöterich,  polyg.  avic.  Aa.  — 
Side"-:  Wollgras,  eriophorum  TnMamm. 

Sücke"-  =  dem  Vor.  Gr.  —  Wächst  in  Sumpflwden. 
Sad-r",  Pfütze. 

Sür-:  spitze  Segge,  carex  acuta  B.  —  S.aure  firäser 
sind  im   Allg.  .alle  Sumpfgräser. 

Sät-:  Quecke,  trit.  rep.  B.    -    Im  S.  v.  Saatunkraut. 
Schaf-:    Scharfgarbe,  achillea  mill.     ,Nimm  Gar- 
ben oder  Schafgrasbluemen.'  ZZoll.  Arzneib.  1710.  — 
Schaftele-:  Schaftheu,  equis.  Ndw. 

Schätzli-:  Wiesenrispengras,  poa  prat.  Aa.  — 
Sein  Halm  dient  als  Licbesorakel;  s.  Rochh..  .\K.  l~?.. 

Schli(ch)-:  1.  am  Boden  schleichendes,  feines 
Gras,  welches  in  den  Wiesen  dem  rechten  Grase  nur 
hinderlich  ist  ZZoll.  —  2.  Quecke,  trit.  rep.  ,1  Hand 
voll  Sehnürgraswurzeln  (Schleichgras).'  Arzneib.  1556. 
,Schleichgras.'  JJFrey  1825.  —  So  geheissen,  weil  die 
Wurzeln  wie  lange  Schnüre  da  liegen. 

Schluhi-  =  Fatsch  1  (Bd  1 1140)  BBe.  -  Schluie«, 
Knöterich,  polygonum. 

Schi  ei  k-:  spitzige  Segge,  carex  acuta.  (Durh.).  — 
Wahrsch.  von  der  kriechenden  Wurzel.    Schkilien  =  schleppen. 
Schleipfe"-:  auf  dem  Boden  hinkriechende  Gras- 
art ScHSt. ;    niederes,  wucherndes  Unkraut  TnStcckb. 
Vgl.  Schllch-Gr. 

Schlirp-:  1.  übh.  Gras,  welches  auf  dem  Boden 
kriecht  ScnSt.;  Z.  —  2.  Windhalm,  agrostis  spica 
venti  Z;  auch  Quecke,  trit.  rep.  ScnSt.  —  Sehlirjimr. 
schleppend  treten. 

Schliss-:  1.  das  feinste  Gras  in  den  Wiesen  Ap. 
Vgl.  Schlich-Gi:  —  2.  Knaulgras,  dactylis  glom.  G  uBh. 
—  3.  =  Landfarb-Gr.  G.  —  Schlmen  =  gleiten. 

Schmale-:  molinia  coer.  Aa.  —  Sch  nid-:  \.  =  Mes- 
serli-Gr.  Z.  —  2.  =  Landfarb-Gr.  G.  —  Schnner-, 
Schnüer(li)-:  Quecke,  trit.  rep.  oder  agropyrum  Aa; 
Sch;  vgl.  auch  Knopf-  und  Schlich-Gr.  —  Schnitt- 
=  Schnld-Gr.  (Durh.). 

Spalt-,  Siiält-  (Durh.):  allg.  Name  für  Seggen, 
Riedgräser,  carex.  Syn.  Spalt.  —  Die  Angabe  poa  prat. 
für  SchwMa.   ist  zu   bezweifeln. 


(iras,  gres,  gris,  gros,  gii 


Siiiess-:  Quecke,  trit.  rep.  ScuwG.   Vgl.  Spitz-Gr. 

—  Spitz-:  niedrige  Gramineen  übh.,  ganz  tes.  aber 
jäliriges  Rispengras,  poa  annua.  allfr.  S.  auch  imch 
'Fnt.'ich  I3d  I  1140. 

iSprattel-:  eine  Art  Knötcricli,  pulyijimiini  Zlionk. 

Sj,nutd  bedeutet  so  viel  als  Fl„rz,  vou  «/,i(i((,  Hach  aus- 
gebreitet; denn  diese  l'llauze  ßarixt  oder  wuchert. 

Sprätt-:  ein  wucherndes  Unkraut  Bs;  poa  annua 
Aa.     S.  das  Vor. 

Stüber-:  Knaulgras,  dact.  gloni.  G  oT.  —  Vom 
auffiilligou  ,Stieben'    des  Blütenstaubes   zur  Zeit    der  Blüte. 

Stei"-:  sesleria  cojrul.  Scuwlb.,  Ma.;  U.  —  Wächst 
au   Kelsen. 

Ustage-:  Prühlingsgras  Ndw. 

Tenn-:  Knöterich,  polyg.  avic.  ,Wegdritt,  weg- 
gras, denngras:  polygonum  mas.'  KdGessn.  1542. 

In  deutsehen  Botanikbüehern  finden  sich  die  Schreibungen 
,Tennengr.'  und  , Dehngras'.  Tatsache  ist,  dass  diese  Pflanze 
(Wäjirifte)  auf  hartgetretenem  Boden,  ja  auf  und  bei  Dresch- 
tennen wächst;  die  Benennung  könnte  aber  auch  von  dehnen, 
nihd.  dennen,  hergeleitet  werden,  da  der  Knöterich  sich  aus- 
breitet,  wuchert;   vgl.   frz.  jiolijijont  traimtssi-. 

Türggisch-  =  Lantlfarb-Gr.  GuT. 

Dass  diese  Zierpflanze  exotisch  ist,  kann  kaum  bezweifelt 
werden ;  ob  sie  gerade  ans  der  Türkei  stamme,  bleibt  dahin 
gestellt.  Übrigens  könnte  auch  hier  wieder  (vgl.  JuJcn-Gr.) 
an  den  (zweifarbigen)  Turban  der  Türken    gedacht   werden. 

Weg-:  Knöterich,  polygonum;  Syn.  Wcg-lrcten, 
-tritt.  ,Calligonon,  herba  quse  et  polygonoii  dicitur: 
W.  oder  wegtritt'  Fris.;  Mal.  Ebenso  JJNüscii.  1608 
und  Denzl.  1G77;  1716.  ,Das  W.  (Wegtritt),  so  auf 
der  Erden  fladeret'  Spleiss  1667.  —  Wulle"-:  breit- 
blättriges Wollgras,  erioph.  lat.  GWe.;  Scn;  ScuwG.; 
Ndw;  U.  Syn.  Büseli-,  Side-Gr.  —  Wild-:  Alpen- 
rispengras, poa  alpina  LW.     Vgl.  Adel-,  Gems-Gr. 

Welsch-  =  Landfarh-Gr.  G.   -  Vgl.  die  Aum.  zu 

Tur,j,jtKh-Ü  r. 

Wäntcle-  =  Fluh-Gi:  L;  GKli.,  T. 

Wisswurze"-:  (juecke,  trit.  rep.  ZWäd.  Syn. 
Wins-Wurz.  —  Die  weisse  Wurzel  dieser  Pflanze  war  unter 
dem  Namen  Glaswurzel  (rad.  graniinis)  officincll. 

Wis-:  schlechtes  Gras  im  Gegs.  zum  ,feissten- 
Ai'K.    —    Fl»  in  ApK.  sumpfiger  Boden. 

Wusch  (i)-  =  Besen-Gr.  GaChur.  -  Zu  ».(«./»«, 
mit  dem  Besen  kehren. 

Zehli-  =  Knopf-Gr.  2  (Durh.).  —  Die  Wurzel- 
knöllchen  mit  kleinen   Zehen  verglichen. 

Zeigel-:  gem.  Schilf,  plirai,nnites  comm.  AALeiign. 

Aus  diesem  Schilf  ina.lilni  .li,  AI-  Schüler  früher  Ä-Zj/c/, 
Stabchen  zum   Zeifeu    li.iin    I,,    .  nln-Mn. 

Zötteli-  =  GcUkn-Gi:  U. 

Zweck-  AAEhr.,    Zwick-  Bs:    Quecke,  trit.  rep. 

Verhält  sich  zu  Quenk,  Qttirk  wie  zmri-h  zu  r/ucr,  Zwtlaiht 
zu   t^uetHchc. 

grase",  in  Ar;  GEh.,  We.;  Tu  gräsi 
Gras  fressen,  weiden  GnObS. :  Ndw; 
GWe.     's  lieb  Vechli  graset   im  Snmmr 

—  '2.  Gras  holen  für  den  unmitt.llMir 
mit  der  Sense,  auch  mit  der  Sich,  |.  iL- 
Gegs.  mäjen,  zum  Heuen  mühen.  Ui^t  < 
frage  an  einen  Mähenden  B;  Z.  Wer  ii 
nit  S  (Schild).  ,Wann  dann  die  Ein-. 
soll  darinnen  zu  grasen,  zu  mäyen  miI 


1.  wie  nhd., 
Boss  graset 

Mrnz'ls:!,;. 


Sichel  oder  Sägessen  darein  zu  gehen,  gänzlichen  ver- 
botten  sein.'  B_Forstordn.  1725.  Auch  bildl.  =  raufen, 
zupfen,  zausen.  ,Lasst  ihm  Einer  in  dem  Bart  gr., 
so  tut  man  ihm  bald  gar  auf  das  Maul.'  Mey.  Hort. 
1677;  1692.  -  3.  Unkraut  jäten  ZWl.;  vgl.  Gras  4. 
—  4.  das  Vieh  weiden  lassen  L.  S.  noch  u.  Atzing  3 
Bd  1  62.5. 

ab-:  1.  das  Gras  völlig  abmähen  Aa.  —  2.  ab- 
sterben S.  —  2  wohl  bildl.  von  1  in  neutr.  Anwendung : 
Er  hüd  ah'fjraset. 

Über-:  ühermähen,  d.  h.  zur  Stallfütterung  statt 
zum  Heuen  eine  Wiese  nach  und  nach  abmähen  B;  Z. 
, Mancher  Bauer  musste  den  halben  Hof  ü.'  Gütth. 
,Er  übergrasete  nicht  gern  den  ganzen  Hof  im  Sommer.' 
B  Kai.  1842.  —  1°-:  zur  Grün-,  Stallfütterung  ab- 
mähen ß;  F;  li  (Ine"-) ;  Ndw.  ,F(i}no  horno  jumenta 
pascere  ante  tVcnisecium.'  Id.  B.  ,Wenn  ich  Alles  ein- 
grase, so  habe  ich  im  Winter  Nichts.'  Gottu.  ,Von 
dem  Eingrasen  des  Sommerfutters  für  das  Vieh  wusste 
man  [1671  in  LNeud.]  Nichts.'  Esterm.  1875.  .Ver- 
mittelst des  Eingrasens  der  Wiesen  (Gegs.  Abweiden).' 
Gr  Samml.  1780.  ,In  tiefern  Ländern  hat  man  ange- 
fangen, das  Vieh  das  ganze  Jahr  hindurch  im  Stalle 
zu  füttern,  da  man  das  Gras  zu  gelegener  Zeit  immer- 
fort aliiuiihct  iiinl  dojn  Viehe  vorleget,  oder  nach  all- 
hiesigem  \u^'llll^kc  liiueingraset.'  XSchnyder  178'2.  — 
er-:  durcliprügclii  Z  uA.  S.  auch  bei  eri/oHcw  Sp.  494. 
Syn.  erjätlen,  erhaberen.  —  ver-:  sich  mit  Unkraut 
bedecken,  's  Land  ist  vergraset  und  d'  Bäum  voll 
U'zifer  Aa  (Schwzd.).  Hyn.  vmvuesten.  —  be-(reH.): 
1.  weiden.  <Tras  fressen,  sich  satt  grasen.  .Welche 
kuo  sich  nit  in  dei  «cid  \k  will,  wenn  es  [das  Weiden  | 
vor  sich  f,'eht,  deren  ~"11  man  das  ömbd  verbieten', 
Sprichw.  151!',  1!  |illei,  ,l>ie  weidenden  wider  be- 
grasend sich  in  den  alpen.-  1531,  Jes.  —  2.  (bildl.) 
sich  bereichern.  .Iije  u«ern,  so  im  feld  gsyn,  habend 
sich  derrnass  begraset,  dass  sy,  ob  glychwol  inen  kein 
besoldung  wurde,  Schadens  halb  nit  sind.'  1530,  Auscu. 
,N.  N.  hatte  sich  in  der  Lothringischen  Guardi  zu 
Nanse  begraset.'  1586,  Lauf.,  Beitr. 

grashaft:  grasreich.  ,Die  Berg  siml  gr.  und 
weidreich.'  JLCys.  1661. 

grasig,  „gräsig:  1.  fruchtbar  an  Gras.  En  gräsige 
Bode'  LE."  —  '-'.  unreit,  noch  grün  (vom  Obst)  Gl; 
Syn.  grasgrüen.  —  „guet-:  gutes  Gras  hervorbrin- 
gend LE." 

Grasi"g  f.:  Inbegriff' d. Graswuchses,  Grasgewinns. 

gräsele".  gn-'xcle".  in  liuVv.  grnsele" :  1.  a)  ..nach 
frischem  Grase   rierlien,-  1,|   einen  ( Ira -u-isrliniack 

haben  (von  der  Milchi,  «,i.  Iie,.  im  l-'iiililiiej-  l'cim 
er.steuGras  stattlimlet  Ae;  (inl'r. ;  /..  Sui. -//»o/c/,/,. 
Vgl.:  ,11  faut  une  liuitaiue  de  jours  pour  changcr  le 
lait  de  foin  en  lait  d'herbes  fraiches,  bis  es  gräselige 
Milch  gibt,  comme  nos  vachers  s'expriment.'  Zellw. 
1737.  —  2.  refl.  =  sich  begrasen  2  [?].  ,Ouch  ander 
Ordcnslüt  habend  sich  alhie  ingflickt  und  sich  alhic 
gresslet  zue  irem  Nutz,  der  armen  Burgerschaft  aber 
ziie  Xacliteil  und  Schaden.'  Kueger  1606. 

(irasane"  f.:  eine  saftige,  geschätzte  Tafelbirne  Z. 

l'].'.  .jr.iss.fic,  eine  Feigenart,  von  >/i<i«,  fett;  vgl.  Jiniicr-, 
Aiücul-Uir. 

Grassele"  f.:  1.  Latte,  um  eiin_.  beseiidere  Art  Zaun 
(Grassele-Hag)  auf  den  Aliien  zu  niaclicn  Seinv.    Hiezu 


799 


Gras,  gres,  gris,  gr 


GmsseK,  Hof  LV.  ~  2.  (bildl.)  langes,  hageres  Weibs- 
bild Siiiw.  Syii.  Stagelen.  —  Abi.  vou  mhd.  uud  noch 
bair.  yrais  u.,  Baumspiosso ;  vgl.  noch  unser  Grclzcn  u.  Orolzen. 

Grasse"  f.:  1.  Aussehen,  Miene,  von  Mensehen  und 
Dingen,  i!  tvüesti  Gr.  mache'.  Auch  prägn.:  De'' 
wacht  e  Gr.,  der  hat  ein  auffallendes  Äussere.  Das 
Hüs  macht  e  Gr.,  ist  auffällig  durch  seine  Missgestalt 
Tu;  Z.  —  2.  (PI.)  Gr.  mache',  Grimassen  schneiden 
ZFlurl. 

Vergleicht  mau  die  frz.  KAA. :  i7  a  honne  gräce,  es  steht 
ihm  gut  an  (auch  iron.),  ü  u  mauvaiee  gräce,  es  steht  ihm 
schlecht  an,  sowie  faire  des  gräcet,  sich  zieren,  so  scheint 
Herleitung  unseres  Wortes  von  gräce  in  dieser  besondern 
Anwendung  nicht  schwierig  zu  sein;  Tgl.  engL/atuttr  in  der 
Bed.   Aussehen,  Antlitz;   ill-favoured,   hässlich. 

grasse":  weinerlich  tun,  um  Etwas  zu  erzwingen 

BSi.  Syn.  äken.  —  Mhd.  grüßen,  sich  ungestüm  geberdcu, 
klagen;  got.  gritan,  weinen. 

grausen  s.  griimsen. 

Gresatz:  als  Münzsorte  in  einem  L  Spiel.  1002,  Gfd. 

Grcssling  1  s.  Kr-. 

Gressling  II  m.  ,Ein  rogel,  gr.  genennt,  mit  einem 
grüenen  rugken,  in  der  grosse  eines  linken.'  Vogelb. 
1557. 

Zu  diesem  im  Vogelb.  unter  ,GrUnling,  Grünfink,  chloris' 
gestellten  Vogel  vgl.  bei  Schni.-Fr.  I  1010:  Greaael,  Grad, 
fringilla  linaria;  wonach  das  W.  eig.  wohl  GräsUng  (gespr. 
Gri'aWg),  von   Gras  abgeleitet  wäre.      S.   noch  Kreealing. 

Greis  Uw;  U  (auch  -ss),  Greisi  Uw  —  n.:  1.  akute 
Krankheit  des  Rindviehes,  die  plötzlichen  Tod  herbei- 
führt, Folge  schnellen  Überganges  von  magerer  Füt- 
terung zu  fetter  Weide,  oder  auch  in  Folge  grosser 
Hitze.  Syn.  Brand;  An-griff;  Plag.  Vgl.  noch  Alpina 
1800,  S.  150.  —  2.  sagenhaftes,  viehmordendes  Un- 
geheuer auf  der  Alp  Surenen.  Bekommt  das  A'ieh  den 
unter  1  beschriebenen  apoplektischen  Anfall,  so  sagen 
die  Hirten:  's  Gr.  häcl's  g'schlage'. 

Viell.  das  mhd.  gereiße  n.,  Aufregung,  Aufruhr,  Angriff, 
liefecht;  dann  würde  der  Ausdruck  sich  an  die  synn.  An- 
griff, Grippi  anlehnen.  Oder  Abi.  von  nsen,  fallen,  was  auch 
von  Krankwerden  gebraucht  wird  (frz.  lomber  malade);  vgl. 
das  mhd.  hettcrise,  bettlägerig,  und  der  ifeee"d  Stein,  ebenfalls 
eiue  gefürchlete  Viehkrankheit;  Grein  würde  danach  den  plötz- 
lichen und  masseuhaften  (ge-)  Hinfall  des  Viehs  bezeichnen : 
vgl.  lat.  labet.  Oder  es  könnte  sogar  eine  euphem.  Benennung 
statt  Vn-Greis  (St.  2,  269)  sein,  da  bösartige  Krankheiten 
entweder  gar  nicht  od.  als  das  Gegenteil  benannt  werden;  vgl. 
.Eumeniden'  statt  ,Erinnyen' ;  ,Gutschlag' ;  vergueten  (Sp.  556). 
Über  die  Sage  s.  Gem.'u  117;  Rochh.  18.56,  2,  15/7  und 
bes.   Lüt.  Sagen  S.   326  ff. 

Greise",  Greiserich,  Greising  s.  Grens-. 

greusse"  s.  gruinsen. 

..Greussi  =  Greupi  B." 

Wenn  wir  der  St."schen  Schreibung  als  wirkliche  Ausspr. 
Grümi  unterschieben  dürfen,  so  liegt  hier  ein  Üim.  zu  Grüns 
(Grün  II)  und  eine  Nbf.  zu  ffiike  vor.  Vgl.  noch  ffiie»» 
und  bair.   Greusn,  terra  sicca,  cinerea. 

gris,  in  GrV.  griss,  in  GnPr.  grisch':  grau  (Wolle. 
Schafe  u.  Ä.);  alt.  D' Grische,  die  graue  Kuh  GRRh. 
Syn.  Grdtci.  's  Graue  [Kalb]  schlöt  der  Grische  no''' 
[der  alten  Kuh].'  SrRww.  1824.  ,Ich  will  mich  lassen 
wysen  die  jungen  und  die  grysen.'  Gletting  1557. 
,Verlän  myn  alte  wyse,  darin  ich  bin  worden  gryse.' 
ebd.    , Klein,  gross,  jung,  gryss  und  alten  sagend  Gott 


ewig  lob.'  XVI.,  Lied.  ,Lier  Wolf  wird  zwar  grisser, 
aber  nicht  besser.'  Sylloge  B  1070.  .[Bäume],  drun- 
der  etlich  gris  und  alt'  JCWeissenb.  1678. 

Mhd.  grii  (frz.  gria,  it.  tpinu  und  grigio).  Zum  Ausl.  vgl. 
Mies  mit  den  Nbff.  Miese  und  Mieneh,  sowie  die  Auni.  zu  /« 
Bd  I  534.  Wie  nach  und  nach  das  W.  dem  Verstäudniss 
entschwand,  beweist  z.B.  der  jetzt  und  schon  1796  Griem- 
inann  lautende  Häusern,  in  Z,  nach  Urk.  1538  aber:  ,das 
haus  zum  Grysen  Mann.' 

rot-:  rotgrau,  von  einem  Pferde  ZReg.  (r.-gries). 
,Die  Luzerner  Schweinrace  ist  gewöhnlich  küllet,  d.  h. 
weiss  und  schwarz  gefleckt,  sehen  rotgriss  (rot  mit 
vermischten  weissen  Borsten).'  Alp.  1827. 

Gris  I,  Griso  BO.  (Zyro)  —  m.:  1.  (PI.  Grise') 
Greis  BO.;  FO.;  „Mann  mit  grauen  Haaren  B;  L." 
,Wiewol  ich  bin  ein  alter  gryss.'  T.  VL.  ,Myn  wyb 
ist  wyser  weder  ir,  des  künigs  alte  grysen  [die  Räte].' 
Aal  1549.  ,Gryss,  senex.'  Mal.  ,Noch  gönnt  er  im 
selbs  nit  die  speis,  mit  rüeben  b'hilft  sich  der  alt 
greis.-  TiERB.  15ö3.  Hieher  auch  der  patron.  gebildete 
Ürtsn.  Grisi'gen  L;  vgl.  ,Heini  Grisinger.'  1483,  Obw, 
und  den  Geschlechtsn.  Grisenmann  c.  1330  ZAlbisr. 
(Stiftsurk.).  —  2.  Griss,  graulich  gefärbtes  Tier;  Syn. 
Grisel.  a)  Grauschimmel  Aä;  Bs;  B;  VOrte;  Gl;Gr; 
GW.;  ZUst.  ,Ein  alter  griss  und  schlyffersesel.'  Ruef 
1538.  Hieher  oder  zu  1 :  ,Diser  alte  Griss,  diser  alte 
Leib  der  Sünden,  wird  in  dem  Sünder  getödet,  wie 
Paulus  sagt.'  AKlingl.  1088.  Vgl.  noch  Gramen.  — 
b)  Kuh,  weiss  und  schwarz  gefleckt  UwE.;  vgL  Grislen. 
—  c)  (Grisch)  graue  Ziege  BSi.  —  3.  Griss  B;  GrVs 
Bs,  Zeug,  dessen  Zettel  von  Hanf,  ^er  Einschlag  von 
blauer  Baumwolle  ist;  als  Sniimi.r«.  i  kt.(Lr>kleidung 
bei  den  Landleuten  beliebt,     t-^wi.  Gri.^il. 

In  Griss  haben  wir,  verglichen  mit  der  tiruudfurra  gris, 
Verkürzung  des  Voc.  sowie  Verschärfung  des  auslautenden  s. 
Hiefür  und  wegen  Griseh  vgl.  die  Anni.  zum  Adj.  —  3  viell. 
unmittelbar  aus  dem  frz.   Syn.  gris  (grisetle)  entlehnt. 

Grisel  m.:  1.  Grauschimmel  Gr;  ZKn.  —  '2.  graues 
Rind  GRPr.  —  3.  graue  Ziege  BSi.  —  4.  =  Gris  13  Bs. 

Von  gm  wie  Ratel  von  rot.  Zur  Kürzung  scheint  hier 
wie  bei  den  nächstfolgenden  WW.  Anlehnung  an  das  tw. 
syn.  Riscl  mitgewirkt  zu  haben. 

grisel:  von  gemischter  Farbe,  weiss  und  schwarz 
durch  einander  GRKübl.  (Serardi). 

grise",  grisse':  1.  (durch  den  grauen  Nebel) 
schneien.  Syn.  grislen,  grischen  II,  gräwen,  griicen. 
Es  hat  durch  die  Geifetsch  gegrisset;  so  es  wilds  Griw 
gig'e;  dun  Bodii  gigräut.  W  Monatsschr.  1863.  —  2.  mit 
Grau  untermischen,  grau  färben;  nur  im  Ptc.  Perf. 
'griset  Gl;  Zg,  'grisset  Gl;  L;  GA.;  SchwMuo.,  grau- 
lich, mit  Grau  vermischt  (Haare,  Zeuge)  Gl;  L;  me- 
liert, buntfarbig,  gesprenkelt;  gestreift  Gl;  GA. ;  Schw; 
Zg.    E  grissete  Länder  [Weste]  SchwMuo.  -  Tir.  gnset. 

Grisle"  f.:  grauweissc  Kuh;  auch  Kuh  mit  ver- 
schiedenen kleinen  Flecken  GrD.,  Pr. 

Grisler  S,  Grisli"g  Aa  —  m.:  Reben-  od.  Trauben- 
sorte.     Grisliger-Öpfel,  Borsdorfer  Bs. 

Von  der  graulichen  Farbe  oder  viell.  zu  ICisel,  ge-rislet, 
gesprenkelt;  vgl.  Musler,  gefleckte  Traubeusorte. 

(g')grislet  Aa;  GrD.,  KübL;  GW.;  ZWyla, 
(g')grisslet  „B;"  Gl;  Gr;  „L;"  Uw;  W  (gigrisslot): 
graulich,  mit  Grau  durchsetzt  Aa;  „B;  L";  von  ge- 
mischter Farbe,  schwarz  und  weiss  durch  einander 
(bes.  von  den  Haaren)  Gr;  GW.;  Ndw.    Gesprenkelt, 


yul  üras,  gros,  gl 

geflockt  (bes.  weiss  und  schwarz)  Aa;  Gk;  UwE.; 
ZWyla.  JE  grau  mit  schwarz  grisslete  Bock  Gn.  Weiss 
oder  grau  getupft,   gestreift,   punktiert  Gl;  Ndw;  W. 

gri.s licht:  weiss  und  grau  oder  weiss  und  schwarz 
gemischt  Gr. 

Gris  II  s.  Krls. 

Gi'iseda,  Grisedi:  Eeseda,  reseda  oder.  GT. 

Uas  vurgesclilaguue  0-  vidi,  durch  Aulehnung  an  yris, 
gnuilicli.  Die  BiUten  sehen  allerdings  weiss  und  braun  ge- 
sprenkelt aus. 

Grisimus  s.   Grill. 

Gries  n.,  in  GRÜbS.;  L  m.:  1.  grobkörniger  Sand, 
Kies  Th;  U  (auch  Griens);  W.  Syn.  Grien  1.  ,Wann 
[denn]  Gott  den  gerechten  nie  geliess,  ob  er  das 
schitt'lin  sinken  Hess  etwan  nach  [nahezu]  bis  uf  den 
griess,  berüert  doch  nie  den  grund.'  1444,  Volkslied. 
,.\n  gestaden,  buchen,  im  gr.  und  sand.'  Vogelb.  1557. 
, Arena,  sabulum,  sand,  gr.  Calculosus,  yoU  gr.,  stein- 
ächtig.  Glarea,  gr.,  d.  i.  steinächtig  sand  am  gstad 
der  wasseren,  kiss.-  Fris.;  Mal.;  Denzl.  1677;  1716. 
.Durch  die  wulkenbrüch  gond  die  wasser  an,  brechend 
aus  und  verfüerend  die  felder  mit  gr.,  steinen,  standen 
und  stücken.'  LLav.  1582.  —  2.  Geschiebe,  ange- 
schwemmte Schuttmasse  und  in  dieser  Weise  ange- 
spültes Land  Tu ;  U ;  W ;  Syn.  Grien  2.  Vgl. :  ,Dorsum, 
ein  kleiner  bühel,  von  griess  oder  grossem  sand  ge- 
sammlet,  wenn's  meer  an  oder  ab  lauft.'  Fris.  In 
dieser  Bed.  noch  in  manchen  Flurnn.,  z.  B.  Griess 
ScuRüdl.;  Tgl.:  ,Uf  das  Undergriess  nidsich  ab  in  das 
Fischergesslin,  am  Bhyn.'  Eüeger  1606.  Im  Gries, 
Quartier  von  Ai-Heris.;  Acker  ZEegenst.  's  Gr.,  Bucht 
einer  Bachinündung  TuDiess.  Gr.,  hinterste  Sennhütte 
am  Fussc  des  Gletschers  [wo  also  Gletscherschutt] 
lUjadmental.  Gricslidch  BSumisw.;  ScuHemm.,  Gries- 
ijralicH  ZWeiach;  Gricstal  USchächciital.  Auch  Gries- 
iiMHH  Geschleclitsn.  1460  L.  Abgel.  der  Name  des  auf 
einer  Anschwemmung  des  Rheins  liegenden  G  Dorfes 
.Kriesseren'  (Chriessere),  auch  .Griesseren'  geschrie- 
ben, Doppelformen  wie  in  Griess-  und  Kresgraben 
BEüegsau.  —  3.  Blasenstein;  Syn.  Grien  3.  .Arenosa 
urina,  harn  voll  griess  oder  steinlinen.'  Fris.  ,Das 
Gries  oder  der  Stein  in  Nieren.'  JJNüsch.  1608.  ,Gr. 
und  Stein  der  Blater.'  ECvs.  —  4.  grobgeschrotetes 
Mehl,  in  der  Mitte  zwischen  Backmehl  und  Kleie  Bs 
(Spreng);  Gr;  Ndw;  Z;  Syn.  Sü"-Mel.  ,Gr.  heisst  man 
im  Glarnerland  nicht,  wie  anderswo,  eine  Art  feiner 
Grütze,  sondern  die  schlechteste  Sorte  Mehl  (,Kauch- 
niehl'),  die  nur  noch  dem  Grusch  (den  Kleien)  vorgeht, 
und  ordentlicher  Weise  nicht  als  Menschenspeise,  son- 
dern zum  J'utter  der  Schweine  und  des  Federviehs 
dient.'  Armenwes.  Gl  1813.  ,Item  für  das  krusche 
und  das  griese,  so  von  myner  Herren  brot  etwenn  vor 
zyten  gefallen  ist,  soll  myner  Herren  kaiumrer  den 
luisgenossen  geben  11  pf.'  XV.,  Z  (Oti'n.).  ,Darvon  das 
grob  Griz  (Gries)...  Das  zarte  Griess.'  Spleiss  1667. 
—    Mhd.  ijricß  m.  und  n.  in  allen  Bedd. 

Haber-:  Hafergrütze  L;  Z. 

Mer-,  Türgge"-:  gemeiner  Steinsame,  Perlkraut, 
lithüspermum  otf.  (Durh.);  Syn.  Mer-Hirs. 

Die  Samennüsschen  dieser  Pflanze  sind  glatt  und  weiss- 
glänzend  wie  Perlon;  nihd.  mergricß,  Perle,  inargarita;  vgl. 
diu  frz.  Namen  7iei-6e  (semcnce)  aux  jicrle».  Bemerkenswert 
ist.  dass  diese  NUsscheu  früher  häufig  gegen  Stoinscbmerzen 
(O'ries  3)  angewendet  wurden. 
Schweiz.  Idiotikon  IL 


riese":  Gries  4  machen,  grob,  körnig  mahlen, 
Müller,  's  Chrüsch  gr.,  Gries  aus  der  Kleie  ge- 
Gr;  S;  Ndw.  ,In  Kucksicht  auf  die  gegen- 
wärtige Teurung  ist  für  einmal  das  Gr.  allen  Müllern 
verboten;  demzufolg  sie  die  Frucht  nur  einzügig  aber 
nicht  roh  durchmalen  und  die  übrige  Beutel  ohne 
Weiters  abschaffen  sollen.'  Z  Müllerordn.  1770.  Bildl: 
Jmden  gr.  lä",  ihn  machen,  gewähren  lassen,  seinem 
Tun  keinen  Wert  beilegen  Gl.  User  Vorväter  sind 
für  si  selber  g'si"  und  händ  die  Hoche  gr.  lu".  Gl 
Volksgespr.  Lass  du  d's  Wib  noch  e  chli  gr. ;  es 
chunnt  schu"  wider  züe-n-em  selber,  ebd.  ,Unser  batron 
sprach  [bei  drohendem  Schiffbruch]:  ir  heren  und  bil- 
ger,  erapfelend  üch  Gott!  es  ist  nüt  anders  dann  der 
tod;  darum  bychtend  und  tüeg  jeder,  das  er  truw  zu 
griesend  [was  er  sich  gleichsam  zu  malen,  d.  i.  übh. 
vorzunehmen  getraut].'  Stockar  1519. 

Mhd.    (jriiOin,    kleiu    iiiulilen.      Das    (Jriesai    bezeichnete 

wühl   urspr.   da-    Mihh li  i   ^i.^-ii   drs  Hafers  zu  üriitze, 

eine  inderli/'   '    ,'1  m   M    :      i! iiende,  fast  tägliche 

.Arbeit;    dalu  i      i      •■    il      \         :l.;_    uiii  so  leichter.     Eine 
ähnliche  Begiill.-.ulitUHp'uiit;   ..Ho'i   .'..i,._,i. 

Griese"  f.,  Griesi  (n.V):  1.  tclssi  Gr.,  Ackerrettig, 
raphanus  raphan.  B.  —  2.  geh,  Ackersenf,  sinapis 
arv.   B.    -    Vgl.   Mer-Griea. 

Griesse"  s.  Giessen  Sp.  47u. 

Ell-Griesli  n.:  fabelhaftes  Tirr,  etwa  wi.>  ein 
Wiesel  oder  litis  gedacht  Aa  :  ZI!.,  W.  ]:\  h.V  ilcr 
Glatt  »lä^*  so  ril  Grabe;  ico '^  l-:is,inr.l,  ,'  Mnnji  iiit. 
Freie  Stimmen  1852.  's  E.  fang,",  ,;n  ncki..!,,  s  Spiel, 
womit  man,  bes.  nach  der  Arbeit  des  Dresclieiis,  Un- 
erfahrene zum  Besten  hält.  Der  Einfältige  muss  bei 
bes.  kalter  Witterung  im  Freien  einen  olfeneii  Sack 
halten,  während  die  An.lein  sieli  eiitreriieii.  aii-eljli.li 
um  ihm  die  E.  zuzuja-eii,  in  .ler  Tat  al>ei.  m,,  ihn 
auf  seinem  Tosten  im  Xordwiiid  stellen  und  Iriereii 
zu  lassen  und  nachher  auszulachen.  Oder  man  schickt 
den  Leichtgläubigen  auch  in  mondheller  Nacht  vor 
die  Haustüre,   zu  warten,   bis   die  E.  heran  kommen. 

Vgl.  die  ilhnl.  RAA.:  Mu  Eim  d<-r  (Hl.,-  j.,.,."  IM  I  Hol 
und  Schwab.  ,den  (T)elpentrötsch  faugeir  uiel  um-  v  PiII- 
daiqKn  fühen,  ferBer  Elljen-,  Il/xn-,  Ulli«,,-.  11,,1,,,-r,  „i~,  h. 
AusfiihrüHiH^  t.oi  Yilm.  Id.  S.  IIW.  Cr  Mitli  \  ] -.1  tl.  tülui, 
den   (  i--tiii  Tril  (I,  -  W.  aiit 'li.'  ,1'M- II      ri''"      'uiiek.    Nach 


bedeuten,  welche  ebenfalls  als  elbiselie  Wesen  gedacht  sein 
könnten.  Dass  beim  Fang  der  E.  au  jagdbare  Tiere  gedacht 
wurde,  ist  unzweifelhaft.  Nach  Yilni.  aaO.  bedeuten  ,lline- 
tritschen'  wilde  Enten;  für  unser  Wort  dürfen  wir,  zumal 
für  den  zweiten  Bestandteil,  herbeiziehen  das  ahd.  rrimjricß, 
auch  mit  der  Var.  eUijriu,  eine  Habicht-  oder  Sperberart. 
Es  mögen  noch  die  manigfaltigen  Formen  für  .Iltis'  Bd  I  17'J 
und  für  .Eidechs.'  ebd.  94,  sowie  bei  Gr.  WB.  ,Ebendeis' 
und  , Eibkatze',  beide  in  der  Bed.  Iltis,  verglichen  werden. 
ell-griesle°  Aa;  Z,  els-grie.'isle''  ZNer.:  1.  das 
unter  Ell-Griesli  beschriebene  neckische  Spiel  treiben. 
—  2.  (unpers.)  es  ellgrieslet,  der  Schnee  glitzert  im 
Mondschein  ZHegn.,  Wang. 

Gross  m.:  kleine  Silbermünze,  das  nhd.  Groschen; 
„Halbbatzen. "  ,Über  14  Gross  oder  1  Fr.  bis  1  Fr. 
20  Ct.'  W  Monatsschr.  1864.  ,Er  [der  Schuldner]  mag 
euch  wereu  [bezahlen]  einen  grossen  für  18  pf.  alter 
[Münz].'  1351,  Z  (Lauf.  Beitr.).  ,Ein  beheinisch  gross 
für  17  haller.-  1421,  Absch.    ,Den  weiblen  4  grossen.' 


803 


Gras,  grcs,  gris,  gros,  grus 


1505,  B  (ülo.).  ,1  kröne  =  50 gross;  1  liukaten  =  51  gr.' 
1521,  Aiiscii.  ,Die  kröne  zu  53  gross.'  1528,  ebd.  ,Dio 
fyn  mark  siHicr  tunf  205  gross.'  1531,  ebd.  ,30  gr.iss, 
das  i.st  i:.  -rli^yznl.atzen.'  ThPlatt.  1572.  .Z.lirn 
Gross.'  li  l;.l.-Siit/..  lil-JS.  S.  noch  u.  Fform  Bd  I  12nT; 
vgl.  auch  Dicken. 

Mhd.  ijroase,  aus  mlat.  (denariun)  grossus,  ,Dicki)femiig'. 
Auch  it.   ijrvmo,   frz.  jros  in  gleicher  Beil.     S.  noch  Groschen. 

„Grössler  ra.:  Scheid- und  Silbermünze,  z.B.  ein 
Drei-ßr.,  Stück  von  3  Halbbatzen,  Fünf -Gr.,  von 
5  Halbbatzen  W." 

gross,  Sui>.  gröit.  allg.,  grauss  (gräuit)  GRPr.  f; 
GSa.,  grüss  GRObS.;  Ndw  (=  sehr  gross);  USil. :  wie 
nhd.  1.  von  Personen,  a)  äusscrlich  von  der  Statur: 
en  grosse  G-aläri  Z.  Gr.  und  ung'schickt  sind  gern  hi-n- 
enand  Aa.  's  Gr.  [langgewachsene  Leute]  ist  alhveg 
en  Ell  fül  ScH.  S.  unter  Gül  Sp.  219.  ,In  dyn  hals 
lügst,  als  gr.  du  bist!'  SBikk  1532.  Daher  auch  die 
Unterscheidung  von  kleinen  und  grossen  Personen  der 
selben  Familie  durch  die  betr.  Epitheta :  De''  gr.,  de' 
chli^  Meier  u.  ä.,  oder  Auszeichnung  eines  Einzelnen, 
z.  B.  de''  gr.  Dolder,  ein  durch  seine  Grösse  und  Stärke 
bekannter  Raufbold.  XVlIl.,  ZMeil.,  und  so  ist  auch 
der  Geschlechtsn.  Gross  zu  erklären,  z.  B.  ,Henmann 
Gr.'  1387,  Bs;  vgl.  frz.  Legrand,  sowie  das  syn.  Gross- 
mann. —  b)  vom  Lebensalter:  erwaclisen.  E  Grosses, 
eine  erwachsene  Person.  Öni  Stöss  [schwere  Er- 
fahrung] wird  Niemer  gr.  L.  Ir  teerde  nötno  [nach 
und  nach]  gröser  und  z'letst  gros.  Allem.  1843,  47. 
Liebi  Buebe",  lönd  die  gr-e"  Mensche"  zangge",  aber 
ir  miiend  Fride  ha'.  GWolp.  E  Gr-es  mache*  und 
sogar  e  Gr-es  gä",  stä",  von  kleinen  Kindern,  die  man 
stehen  oder  gehen  lehren  will  =  wie  ein  Erwachsener 
sich  anstellen;  mach  e  Gr-es!  sagt  die  Mutter  zum 
Kindlein;  auch  dini.  und  gelegentlich  ohne  Art.,  ge- 
wissermassen  adv. :  r/rövsWi  mache  usw.  L;  Sch;  „Zg;" 
Z.  Der  Gross,  ■]'■!■  all.-t.'  s..hn,  die  Gr.,  die  älteste 
Tochter  der  Fatnili''.  alb.  .1//"  Grösse,  mein  ältester 
Sohn.  Hebel.  tJcu'^^  Kim.  S.  u.  u.f/iüfirlrn  Sp.  159. 
Biese  Benenniini^vn  lilrilini  anrh.  wnn  narlihcr  der 
Jüngste  den  Alt. •>trii  an  Knv^.rv\:,u-:-  K^a  W  .ai.aii  über- 
ragt. Ganz  be.s.  taii.l  bis  auf  .Ib'  ii..'ue-tc  /.rit  diese 
Differenzierung  Anwendung  bei  der  früher  üblichen 
Sitte,  unter  einer  grössern  Kinderschaar  je  zweien  den 
gleichen  Taufnamen  zu  geben,  daher  dann  Namen  wie 
Gross-,  Chli-Jokeb,  -Jogg,  Gr.-,  Chli-Änni  und  schon 
in  ä.  Lit. :  Gross-,  Chlin-Hans,  -Heini  u.  a. ;  auch  hievon 
bildeten  sich  wieder  Zunamen:  's  Grosse",  's  ChUne". 
Eine  ähnliche  Stellung  etwa  unter  der  Burschenschaft 
des  Dorfes,  wie  der  Älteste  unter  seinen  Brüdern, 
scheint  in  ZKn.  im  Auf  unseres  Jhdts  der  Sohn  des 
Gemeinilcainiiiaiins  oiiiuaiiniiiiiien  zu  haben,  wenn  er 
parcxi.'ll-ii.a'  ,/,  Cm.  ,j,  iiaiiiit  wurde  (Wolf,  Dreierw.). 
Die  MaihM.  ilr^  \\l.  \riM]iliien,  dass  die  ,grossen 
Bettler'  wcggeliilut  wri.l.n.  Man  vgl.  noch  bei  den 
Eömern  viaior,  iiuixiiiiiis  nuihii  und  den  Eigennamen 
Maximus.  Bildl. :  (  ''  Ui"  ,l,ss,"  itnl  (jr.,  bin  der  Sache 
nicht  gewachsen,  getraue  mir  nicht,  darf  es  nicht 
wagen  BHa.  —  c)  schwanger  Ap;  B;  U;  W.  Syn. 
dick.  Wo-n-i  [als  ich]  zum  eltesten  Buch  bin  grosses 
g'sm  BR.;  grosse  Libs  Ap;  U;  W.  \ gl.  gross  träge' d, 
trächtig.  ,Frowen,  die  gross  kindes  warent.'  Etterlin 
1507.  ,Si  gieug  gr.  mit  mir.'  c.  1520,  B  (Gfo.).  ,Dass 
etliche    frowen  schwanger  kamend,   die   gr.   mit  den 


kinden  giengeud.'  Edlib.  , Helena,  die  gr.  was  mit 
einem  kind.'  Ziely  1521.  ,üo  ist  die  brüt  gr.  und 
tViss  worden.'  UMey.  1540/73.  ,Ventrem  perferre,  mit 
ili'iii  kind  gon,  gr.  zum  kind  oder  schwanger  sein.' 
l'itis.  \'gl.  die  Synn.  frz.  grosse,  it.  grossa,  und  bei 
UMey.  1540/73:  ,Er  hat  wol  gesechcn,  dass  dem 
meitlin  der  buch  ufgieng  und  anfieng  gross  werden.' 
—  d)  in  geistigem  S. :  bedeutend,  angesehen,  mächtig, 
reich;  hoch,  stolz.  De"  Gr.,  si'''  gr.  mache',  sich 
brüsten,  gross  tun.  allg.  Gr.  dra'  si',  prahlhansig, 
hochmütig  sein  G.  Der  Franz,  der  stat  nit  grosse  da; 
er  zittret  uf  de'  Beine',  a's  tät-me'  uf-ne"  scMä:  Obw 
Volksfr.  1880.  S.  u.  geb  Sp.  68.  Chlein  «"*  gr.  an 
Eppem  sin,  durch  Bitten  und  Vorstellungen  in  Jmden 
dringen  BR.;  eig.  wohl:  es  mit  sanften  und  starken 
Worten  versuchen.  .Ich  bitt  mengklichen,  dass  wir  uns 
nit  durch  unser  gr.  machen  verfüerind.'  ThFrickaut 
1470.  ,Du  sollt  [einen  mit  einem  Beinbruch  Behafteten] 
nicht  zu  frühe  widerum  aufstellen  und  gross  Mann 
sein  [lassen],  eher  dann  er  erstarket  seie.'  Würz  1634. 
, Tuest  schon  gr.  und  vil  dich  machen,  sind  doch  Nichts 
all  deine  Sachen.'  JCWeissesb.  1678.  S.  noch  u.  Hans. 
Die  Grosse',  die  durch  Vermögen  und  sociale  Stellung 
Hervorragenden,  allg.  Die  Gr-e'  g'seht-me'  gar  wlt 
laufe».  Wie  's  die  Gr-e'  mache',  so  mache'  's  die  Chllne 
[im  Moralischen]  S.  Die  Gr-e'  richte'  d'  Suppen  a" 
und  die  Chlme"  müend  si  usesse'.  Wenn  die  Gr-e* 
z'sämme'händ,  müend  die  Chline',  was  si  wend  L. 
[An  der  Gräuflete]  wird  z'erst  usgfötzelet  der  Gross 
[coli.]  und  druf  usgfänzelet  d'  sidig  Schöss  [Schürze] 
ScHw  (Schwzd.).  Die  Gr-e',  die  obere  Ordnig  [Ab- 
teilung] in  der  Klasse  Bs.  Ellipt.  nannte  das  Volk  den 
Gross weibel  Herr  Gross  U;  Z-)-.  ,Comme  ä  Romont, 
Montagny  et  Morat,  la  ville  d'Estavayer  devait  fournir 
un  habit  au  grand-sautier,  appole  vulgairemcnt  herr- 
gross.'  KuENLiN  1832.  —  2.  von  Sachen,  bzw.  Dimen- 
sion, Mass,  Volumen.  E  gr-es  Här,  langes  und  dichtes 
Haupthaar.  De"  Samichlaus  häd  de'  grvst  Cliopf  Z 
Kinderspruch,  's  gr.  Hüs,  das  Irrenhaus  Gl.  Weist, 
tver  meint?  Die  im  gr-e  H.;  vgl.  die  sprw.  RA.: 
d'  Ndre  iiieine'd.  Über  de'  gr.  Bach,  nach  Amerika; 
vgl  GüUcn  Sp.  222  u.  Gumpen  Sp.  316.  ,Der  grosse 
Bach,  das  mediterranische  Meer.'  GKönig  1695.  's  gr. 
Holz,  grossgewachsenes,  altes  Holz,  hoher  Waldbe- 
stand; Gegs.  Fasel  ZZoU.  In  Ortsnn.  zur  Unterschei- 
dung von  Ortschaften  des  selben  Namens,  z.  B.  Gr.-, 
Chll'-Basel,  -AiiiJrl/iinini :  zur  Unterscheidung  von 
Quartieren  (Wnclilrni  innerhalb  des  selben  Dorfes, 
z.B.  Gross-,  Chlri'-Uorf  '/.i  c\.;  bei  Flurnn.  zur  Be- 
zeichnung umfangreicher  Coraplexe  gegenüber  klei- 
nern: Gross- Acker  B;  L;  Zg;  Z;  Gr,-Matt  B;  L;  Scuw; 
S;  Gr.-Weid  B;  Z;  Gr.-Biifi  Bs;  S;  Gross(en)-Stein 
(erratischer  Block)  Gl;  Z;  Gr.-Wis  G;  Z;  Gr.-Wijer 
B;  Z.  In  den  bes.  in  B  u.  L  häuügen  Hofnn.  Gr.-Hüs 
ist  ein  durch  seine  Grösse  auffallendes  Wohnbaus 
gemeint;  vgl.  Ken-.  S7 <■///-//"((«.  Über  Gr.-Holz  P; 
ZMettm.  und  Gr.-'/mnin,  l;  s.  oben;  vgl.  auch  lützel. 
Zur  genauem  Uoziichnun^  .Ics  Masses  wird  der  Aus- 
druck desselben  öfter  im  Gen.  vorgesetzt:  Steine  fast 
.stubesgross  BM.  (Schwzd.).  Nüd  's  Nagels  gr.,  sehr 
wenig,  gar  Nichts  Gr;  Z.  Ähnlich  von  der  entspre- 
chenden, zeigenden  Geberde  begleitet:  Ich  hä'  vo" 
Hammeschnitze'  nüd  eso  gr.  g'seh!  Stutz.  Vgl.:  ,Zu 
messen,  wie  gr.  [viel]  Ganzes  er  an  seiner  Kleidung 
habe.'  Gotth.    Was  hät's  iez  au"''  gr.  Wüests  dra'?  Z. 


Gras,  gi'cs.  gris,  gros,  gn 


Elf  [einer]  Nuss,  ürhs  gr.  allg. ;  zur  Bestimmunr;: 
ineilieiiiischer  Dosen  (bei  Salben)  schon  im  XVII.,  L 
(Arzneib.).  ,Wäri  sy  [die  Lunge]  verfaulet  bis  einer 
Haselnuss  gross,  wurdi  sy  doch  wider  frisch  und  ge- 
sund.' ZZoU.  Arzneib.  1750.  Eigentlich  elliptisch  ist 
der  Gebrauch  in:  es  grosses  Most,  ein  Literglas  voll, 
Gegs.  es  chlls  M.,  ein  Schoppenglas  voll  L;  ebenso 
vom  Bier:  5  bzw.  3  Deziliter,  allg.  Übertr.  auf  Zeit- 
dauer, Menge,  Gewicht,  Wert,  Bedeutung,  Wichtigkeit. 
,Das  wäre  mir  ein  gr-es.'  Zwingli.  .Das  gr.  [lange, 
unverkürzte]  Mandat.'  Z,  seit  1530.  Über  das  ,gr-e 
[48  Tage  und  Nächte  dauernde]  Gebet.'  c.  1587/1077. 
VÜrte;  s.  AKüchler  1887,  S.  121/8;  Gfd  2'2,  104.  111. 
,Was  gr-er  spys  wir  niüessend  han  [für  so  Viele].' 
RuEP  1540.  ,An  unsers  fl.>(>kens  kilchwyrhi  kuiuiiit  gr. 
Volk.'  ÄeTscHuni.  .Ein  -r-r  W.Ot  von  allnlri  l,rnt.-n.- 
1625,  Grasser.  .Ein  u'v.  -vlf.-  W'l,.  /:  ^-l.  lai,  w.unm 
pecunia.  ,Sy  verkaufeiit  rin  gr-.>  vilr  \vyn>  und  losi'ut 
gr.  gelt.'  c.  1600,  RCvs.  ,Ein  stein  ze  stossen,  22  pfd 
schwer  des  gr-en  gwichts.'  Vad.  Bf  gr.  Taglö"  [im 
Gegs.  zum  chline'},  diejenige  Löhnung  der  Arbeiter, 
bei  der  sie,  ausser  z'  Nüni  und  z'  Abig,  keine  Ko.st, 
aber  dafür  desto  mehr  Lohn  bekommen  ß;  Z.  ,Gr-e 
Frevel'  s.  Ztschr.  f.  schwz.  R.  XVIII,  171.  S.  noch  u. 
Umgang  Sp.  341;  Leid;  Bat;  Zechend.  ,Ein  ding 
grösser  machen,  dann  es  aber  ist,  attollere  rem  par- 
vam.  Ein  ding  mit  reden  gross  machen  und  loben.' 
Mal.  De*"  gr.  Tag,  Festlichkeit,  Familienfest;  auch 
grössere,  wöchentliche  oder  monatliche  Arbeit  Z;  vgl. 
Werch.  .Die  gross  Wuehen',  die  Charwoche.  1649. 
Z  Staatsarch.;  1700,  Sciiw  LB.  ,Der  gr-e  S.innla-. 
d(M-  Palms. .untai;-.  177:.,  Z  ivMoos).  .Der  gr.  d.inni  a- 
der  grüne  od.  .Ii.>h.-  lu.imer,stag.  1292/1371,  /.  I.'ai.li.; 
1517/1019,  Gpn.  .Uurcli  denselben  weg,  den  der  Herr 
was  gegangen  nach  dem  nachtmal  am  grossen  donns- 
tag.'  HsScHüRPF  1497.  Be'gr.  Fntig,  derjenige  Freitag 
(Wochenmarkt),  welcher  jeweilen  in  die  Zeit  der  beiden 
.Tahresmessen  fiel  Z  f.  Grossi  Zit,  d.i.  hohe  Schw; 
VA).;  sogar  gr-i,  mächtigi  ZU  ZO.;  und  gr.  adv.  [?]: 
Jetzt  han-v''  gross  ZU  ga'  z'  welche'  Sciiw.  ,Es  sye 
gr.  zyt.'  JMdrek  1565.  .Nun  wend  wir  heim,  wir  band 
gr.  zeit.'  GGoTTH.  1599.  ,So  wöUent  wier  uns  iez  uf- 
machen  und  widerumb  heimwerts  trachten,  dann  gr. 
Zeit  band  wi.'r  z/i.-.-h.Mi  hin.'  Com.  Beat:.  ,Es  ist  nun 
grosse  Zeit,  drn  alt.  n  N.  wieder  einzuholen.'  VMeyer 
170'2.  ,Es  ist  .l.i.h  (ir..ssz._-it.  diese  Reise  zu  melden.' 
UBrägg.  1788.  ,Gütt  well  im  ein  gross  Alter  zun- 
senden.'  IGOO,  ArdCser.  .Ihr  spielet  gr.  Spiel.'  HPest. 
1790.  S.  noch  Sp.  397  u.  giir.  Laut:  ,Si  schwuereml 
mit  gr-er  stimm.'  Saiai.  .('luislus  schryt  mit  gr-er 
stimm  zun  blinden.-  Am.  IM!'.  .l>ie  muotigen  und 
kttenen  hauen  haben. 1  .in.'  u'i-'-  stimm.'  Vogelb.  1557. 
Vgl.  lat.  magna  ro.r ,  mhd.  hoch.  Gehoben,  mutig, 
.stolz;  vgl.  frz.  de  grand  cceur.  Hät-dir  Neuer  [Jmd] 
der  Gring  gr.  g'macht?'  Gotth.  ,Dass  unser  fyent 
ein  gr-es  herz,  und  alle,  die  uns  byständig  sin  sölltent, 
merern  schrecken  darab  empfachen.'  1531,  Strickl. 
,In  welcher  Rede  ihm  das  Wasser  in  die  Augen  schoss 
und  das  Herz  fast  gross  [gerührt]  ward.'  Vad.;  vgl. 
frz.  avoir  le  cceur  gros.  .Einem  das  Herz  gr.  machen, 
in  sollicitudinem  adducere.'  Hospin.  1683.  ,Mach  mir 
izt  den  Kopf  nicht  so  gr.',  mache  mir  nicht  bange. 
HPest.  1783.  —  3.  adverbialer  Gebrauch:  stark,  sehr. 
I'''  chdniit  nit  gr.  rüeme" !  Antwort  auf  die  Frage 
nach  dem  Befinden  Bs;  Z.    '.s  tichfef  sv''  mt  gr.  drfif. 


BKErrENST.  Das  Wasser  ist  nüd  gr.  heiss  Z.  Die  Chiie 
treit  gr.,  =  ist  gr.  träge't,  hoch  trächtig  Z.  's  vmrd 
chl'x"  J.iil  Iß-.  Wunder  ne'.  Sulger.  ,Die  Rechnung 
kann  ni.  hl  u'i'.  1..'Zh  .ifelt  werden.'  Z  Processact.  ,Wann 
gr.  triuk.n  .in  Kun.^t  wurd  genennt.'  Wahrsager  1675. 
,Da  du  iler  Predigen  nicht  gr.  geachtet.'  .TMey.  1694. 
,Du  sollt  dich  desshalben  nicht  gr.  bekümmeren.'  ebd. 
Was  wir  unter  den  Gesichtspunkt  des  adv.  üol.rauclis 
gehraclit.  lip>;sp  «i.-li  wenigstens  z.  T.  auch  ans  blossem  Mangel 
der  .i.ij.  Kl.  \i"ii  [wW.  in  Anlehnung  au  vil)  auffassen.  Letz- 
teres W  _'.  «i.v  .In  ^i.;here  Erklärung  für  die  Formel  ijrf,'« 
Dank!  lii.T.;  >-l.  .,.../  7'.,,/.'  -  B.'a.-litensw.Tt  ist  .li.'  z.T. 
mit  l\iir.'iin-    A-  -   \.  ■.    s.'.i'mi.I.  n..  F.uo.-l.iin.    .1.  ■  -..Mm 


jedes  gedelintu  o  ähnlich  wie  im  Englischen  in  u  auslilingen 
zu  Ussen.  was  bei  diesem  einzelneu  W.  das  Überspringen  in 
den   vollen  Diphthong  veranlasste. 

u"-:  ungeheuer  gross  GT.  —  Über  das  verstärkende 
„n-  s.   Bd   I   298. 

Gern-  m.:  Einer,  der  gern  gross  wäre,  sei  es 
körperlich  oder  ^i-istii;'.  r'm  .Streber'.  ,.\ctius,  am- 
bitiosus,  ein  li.-  1il.\/i,.  Iii77;  1716.  ,Ein  kleiner 
Zwerg  und  G.-  .IIUlk.  17_!7.  Als  Geschlechtsn.:  ,Va- 
lentin  G.-  15:'.i'.  8<  iiw  (Strickl.). 

chriesi-:  v.m  der  Grösse  einer  Kirsche.  D's 
Mülti  [Mün.lvlien]  ehr.     Träne  ehr.  U  (Schwzd.). 

sat-:  in  .1..T  Z  KanzL.-ispr.  zur  Mas.sl„.stiniii,nn,- 
von  A.'k.M-lan.l  in  .I.t  W.-is...  .las,  .Lt  fla.h.'nnihalt 
dess.-]l..'n  .Inia-h  .las  Ifililnia.,  .1.'.,  S.ini.Mi,  |.l.a'  Snt] 
au,u-.Mlrn.kl    «ir.l.    w.-l.li.',    niili-    ist.    um    die    betr. 

I'la.li-    /n    li.-a.ai.     ^^^^^.■  \\a\i\\ I.   0.  1  Viertel  .saat- 

ua.i,..-  /.l;,.i4vn..l.  I  Anit.l.l.  l-.M.  ,('.  1  Kopf  s.  Hanf- 
lan.i,   s.-i   .lal..    Wi.s.mi.-   ZHonibr.   (ebd.). 

Il.i-  Aas.lni.k   i^t  in  der  lebenden  Spr.  am  Erlöschen  und 

wird  ..It   iii.lit   In    verstanden,  daher  auch   Bezeichnungen 

wie  f.jlg.'uae:  ,.:.  1  Are  s.  Hanfland,'  Z  Amtsbl.  ISSfi.  wo 
das  Hohlmass  durch  das  Flfi.-b.Miiiiass  .Ts.tzt  i^f.  /ai  b.  iii.a  k.ai 
ist,  dass  der  Ausdru.:k  mir  b.i  liaulian.l  u.  I.ian.  iilnli  i.n.i 
die  Massangabe  niemals  bis  zu  .Aliitl  ...bi-  Mali.r  aiisl.iL't. 
weil  Niemand  einen  so  grossen  Complex  v.ui  .lics.T  liualiliit 
Land  besass. 

Grossacher  m. :  Apfelsorte  Tu.  —  S.  .1./..,  / 
Bd  I  G5. 

Grösse"  Gröse  BHa.,    (?n«.«/r",  (lio.rh-  l;  ,,lla., 

GrOssh'  U;   Ja".  Grösse»  SrnS.lil.  -  f.. (l,<»'i  I 

Aa;  BHa.,  Griisi  AaF.  ;  Z,  Cm.sr],  S.il;  /.  <;,:,<di 
P.Hk.;  Z,  (in.^ili  S.-ii.^.lil.  II.;  ( ir..- -laull.  .■  i.lie 
ni.:ht  dini.  F..n,Len  .-h.T  .l.-rl.i;  .  ;r,.,sni.,ll.T,l,M,i.  in 
der  Kdspr.  Guete  Tn.j  Omssh:  |.Vnr..alc  an  .;inc  alte 
Wirtin].  Gespr.  1712.  .1/."  .//rwi/s  (Irossli!  ebd.  .Dem 
armen  Groseli  10  ß.-  l^ni,   /,/.,, U.  (Tagb.). 

Entstanden  aus  ^'njsfs^uuud;  Jaicli  Weglassung  dos  zweiten 
Bestandteils;  vgl.   Herr   Grüns  aus    (irusHweihd. 

grosse":  1.  gross  werden;  (heran)wachsen.  allg. 
Grüisse'  Ndw:  sehr  gross  werden.  .Das  sprüchwort 
ist  ein  alter  sitten:  wenn  man  >Vf  km.  n  anla._-ht  bitten, 
so  grosset  in'n  der  k.'iil  iinl  ui  in.l.  NM\\.  l-".:'.!».  Ähn- 
lich bei  LLav.  1584,  -Jo  1...  .'<.  in..li  Z,  r-Sack.  .Her 
schatten  grosset,  cadunt  umbra.,-  Mal.  —  '2.  „in  der 
Schwangerschaft  zunehmen  B;  L;"  Syn.  dicken. 

GrOsill  m.:  Grossvater  BHk.;  „BO."  Syn.  Gro.i.t- 
Ätt.    —   S.  die  Anm.  zu    Grossen. 

gross-lacht  Z,  -lächtig  LE.,  -lächt(ig)  ßs;  Z, 
-/oc7a(V/BoSi.,  -Uchtiq^r.  ziemlich  gross.  .Grandiculus, 


807 


Gras,  gres.  gris.  gros,  grns 


maiusculus,  ein  wenig  gross,  grosslächt.'  Fris.;  Mal. 
,Grossleclit6  weinbeer.'  Wurstisen.  ,5  tief  und  gross- 
leclit  Suppenblatten.'  1612,  L  Stiftsurb. 

Grösse!  m.:  der  älteste  Sohn  SchwE.  (grob). 

Ton  der  Groan,  mit  der  bes.  in  Eigenuamou  pejorativ 
wirkenden  Abi.  -el. 

grössele°:  gross  tun,  den  Gro.s.sen  spielen  Aa;  B. 

grosse":  gross  machen.  .Dass  der  nam  der  h.  dry- 
faltilteit  in  den  holden  gegrösset  wurde.'  1336/1446, 
Z  Chron. 

grössere":  grösser  machen,  vergrössern.  ,Wir 
wellent  uns  vorbhalten  han,  die  straf  ze  gr.,  ze  meren 
und  ze  ordnen.'  1539,  B.  ,Exaggerare  rem  familiärem, 
sein  haushab  meren  und  gr.'  Fris.  ,Gr.,  gross  machen, 
grandire.  Das  haus  gr.  oder  weiteren.  Die  wunden 
gr.,  ampliare  piagas.  Sein  schmach  gr.'  Mal.  Ähnlich 
Denzl.  1677;  1716.  ,Nachdem  das  Dorf  Schaflfhusen 
sich  angefangen  heftig  meren   und  gr.'   Rüeger  1606. 

Grössi  f.:  1.  Grösse,  allg.  Es  cliimnd  nid  uf 
d'  Gr.  a",  sust  [sonst]  möcht  e  Chueh  £«15  Has  nä''' 
L  (Ineichen).  Vgl.:  ,Es  ist  nicht  an  der  Grösse  ge- 
legen, sonst  möchte  eine  Kuh  einen  Hasen  erlaufen.' 
Mey.,  Hort.  1692.  —  2.  Schwangerschaft.  ,Gr.  der 
schwangeren,  graviditas.'  Mal.     Vgl.  frz.  grossesse. 

Wasser-:  Eegenguss,  Überschwemmung,  Hoch- 
wasser. Do  ist  d'  W.  cJw  u"''  het,  d's  ungere  Stück 
mit  Grien  u  Schutt  ti  Steitien  überführt.  B  Hink.  Bote 
1870.  ,Wenn  eine  grosse  w.  kummt,  so  soll  der  sager 
ein  wannen  uf  syn  haupt  nemen  und  syn  bestes  tuen 
und  helfen.'  c.  1470,  LPfäff.  (Esterm.). 

grösslich:  (.\dj.  u.  bes.  Adv.)  gross,  grossartig; 
sehr,  höchlich.  , Einer  statt  Bern  er,  die  so  grosslich 
von  dem  mann  angetastet  wäre.'  ThFrickart  1470. 
,Us  grösslicher  merklicher  not  und  armuot.'  1529, 
Strickl.  ,Des  verwundert  ich  mich  grosslich.'  1531, 
IV.  EsRA ;  dafür :  ,höchlich.'  1667.  ,Du  hast  deine  güete 
grösslich  an  mir  erwiesen.'  1531/1560,  Psalm.  .Als 
sich  die  unsern  grösslichen  erklagt.'  1545,  Absch.  ,Wir 
habend  gr.  wider  dich  gesundet.'  RGüalt».  1559;  ebso 
Z  Lit.  1644.  ,Grösslich,  fast  vil.  Wie  dann  du  alweg 
gar  gr.  begert  hast.  Grosslich,  fast,  heftig,  ileissig- 
klich.'  Mal.  ,Grosslich  an  er  und  guot  gestraft.'  1573. 
Ardüser.  ,Darum  sich  gr.  zu  verwundern  ist.'  SHocnu. 
1591;  ,höchlich.'  1693. 

gröse":  das  Innere  aus  einem  Apfel  oder  Brote 
herausklauben  BSigr. 

er-grüsle":  hernehmen;  durchprügeln  SchwMuo. 
Die  Chranket  hed-mi''''  frl  artig  ergröslet.  Syn.  er- 
guslen.  —  Wahrscli.  von  Kroeeen,  Grnnini,  also  eig.  bei  der 
Kehle  packen. 

groussen  s.  grumscn. 

Grns  I,  Gruse"  m.:  Graus,  Grausen;  Schauer, 
Entsetzen;  Abscheu,  Ekel.  Es  ist  en  Gr-e"  dör- 
[durch]-«n''''  üs  g'gange',  ein  Schauder  durchdrang 
mich  Ap.  ,In-e"  Gr-e"  cho",  horrore  percuti.'  Id.  B. 
Es  schneit  doch  aw'',  es  ist  e  Grus.  Hebel.  Es  ist  e" 
Grus,  wie  de''  Gelt  bracht  Gl.  De"  Gr-e"  an  Öppis 
esse"  ZS.  , Keinen  gr-en  oder  fürsorg  [Besorgniss] 
haben.'  1521,  Absch.  ,Perfudit  me  horror,  es  ist  mir 
ein  grausen  durch  den  ganzen  leib  [ge] gangen.'  Fris.; 
Mal.  .Mir  ist  ein  solcher  Grausen  kon,  dass  ich  vor 
Schrecken   kaum  kann  gon.'  GGnrru.  1599.     .Es  wird 


Himmel  und  Erden  einen  Gr-en  ankommen.'  JMüll. 
1661.  .Die  Tage,  die  uns  sonst  Schauder  und  Grusen 
machten.'  UBrägg.  1787.   —  Mhd.  grüe(e)  m.,  dass. 

Ab-:  Abscheu  S.  !''•  ha'  ganz  ne  Abgr-e"  derror. 
Hopst.  1865.   —   , Abscheu'  nachgebildet. 

grusele"  Gl,  grusle"  ZEafz,  grusele"  AAEhoinf.; 
Bs  :  schaudern.  Unpers. :  's  griselet  Eim,  z.  B.  beim 
.\^bschneiden  der  Haare  von  dem  wohltuenden  Schauer- 
gefuhl  der  Haut  AAEheinf.  Es  hät-mi"''  g'grüselet,  es 
hat  mich  ein  Schauder  angewandelt  Gl.  —  Mhd.  yrimeln. 
Dim.  zum  folg.  Yb. 

grüse",  in  Schw  griise",  pers.  u.  unpers.:  Grauen, 
Abscheu,  Ekel  empfinden.  2"^''  grüse  oder  es  grüset-mer 
(seltener  mi''')  drab  [davor],  allg.  In  GTa.  auch:  i"* 
grüs-mer.  Dass  's  ine"  i"  Hut  u"''  Bär  'grüset  hätti, 
'ne  [ihnen]  numme  zue  z'  gugge".  Gempeler  1884.  Lrieg, 
wie  ducke"  si'''  d'  Blüemli  dort  im  Garte"  z'  Bode"; 
's  grmt-ene  vor-der  Chälti  BsL.  (Schwzd.).  's  tvott  en 
ehalte''  Winter  chö";  lass-der  nüd  drab  gr.  Z  (ebd.). 
Es  häd-em  fürchtig  'grüset  ab  dem  Kerliburst  Zg  (ebd.). 
Es  liät-mi'''  welle"  gr.  KMei.  1844.  ,Unter  das  Brückli 
zu  schlüpfen  grüsete  mich.'  Gotth.  .Geschichten,  vor 
denen  es  einem  übel  grauset  hätte.'  ebd.  S.  noch 
Bd  I  1259  u.  fri.  Dass  's  dem  Tüfel  drab  grüseti, 
entsetzlich,  dann  übh.  zur  Begriffssteigerung  mit  dem 
Nebenbegriff  der  Übertreibung.  Fluechet  und  schwerf, 
dass  d'  Höll  und  de''  Tüfel  bald  drab  gr.  möcht.  Stutz. 
.Er  fiel  wieder  in  sein  Eühmen,  was  er  für  Matten 
hätte,  dass  es  dem  Tüfel  drob  gruseti.'  Gotth.  Man 
empfinde  einiges  Befremden,  Missfallen  (,grüsen')  dar- 
über. 1530,  Absch.  Dass  man  , etwas  gr.  und  sorgen' 
hege.  ebd.  ,Das»  den  Moabitern  grauset  vor  den  kin- 
deren  Israels.'  1531/1548,  IV.  Mos.  =  ,grauete.'  1667. 
,Nun  grüset  mir  nüt  darab.'  Zwingli.  Die  Kaiserlichen 
werden  der  Eidgenossenschaft  ,ein  Grusen'  machen 
und  Kriegsvolk  in  das  Sundgau  verlegen.  1544,  Absch. 
,Ne  pavescant  ad  huiusmodi  ta,ctum,  dass  inen  an  sö- 
lichem  berüeren  nit  grause,  dass  sy  nit  erklupflnd 
oder  erschreckind.'  Fris.  , Etlichen  [der  röin.  Katho- 
lischen] grauset  nicht  mehr,  sich  mit  einem  aus  uns 
den  Gelehrtesten  einzulassen.'  Anf.  XVII.,  JJBreit. 
,Es  wurd  menschlichen  Ohren  darab  grausen.'  JMüll. 
1665.  , [Trunksucht],  ab  welchem  Laster  auch  den 
Türken  grauset.'  Lindinner  1733. 

Mhd.  grüaen  und  tjrimcn,  dass.  Bei  Sicher  1531,  182 
scheint  sich  eine  zu  unserm  \'b.  gehörige  Subst.-IiiMung 
O'rnselt"  f.  zu   finden :  ,mit  Grussata.' 

.^b-Gruse"  n.  =  Ab-Grüs  BLangn. 

an-:  anekeln.  F''  mag's  nüd  i"  d'  Hand  ne";  es 
tucd-mi'''' a.  Ap.  —  er-,  „ver-":  schauern,  die  Gänse- 
haut bekommen;  nur  unpers.  Gr.  Syn.  hennenhüten, 
grumslen.  Es  hät-midi  ergrüset,  wo-n-i'''  's  g'hört  ha". 
Mänge"  liäd  's  ergrüset,  wenn  er  allein  um  's  Zue- 
nachte"  verbl  häd  mi'iesse"  Gr  (Schwzd.).  „Es  hat  mich 
vergrauset,  als  ich  die  Ecchnung  sähe." 

grusig  bzw.  g'gr.,  in  Ap;  Gl;  GG.;  ScnwMuo.; 
Zg  -ü- :  grausig  1.  Grauen  erregend,  schrecklich, 
furchtbar;  gewaltig;  adv.  meist  nur  verstärkend:  über 
die  Massen,  sehr  (Syn.  i/rmi  ,  in,i.  fiirchtig,  grebelig, 
grimmig,  gruselig,  griisslidi .  silmlilich,  schüzlich, 
schröckelich)  und  daher  dann  wieder  adj. :  sehr  gross. 
En  gr-i  Tiefi  W.  E  grousigi  Hitz  GRPeist  (Schwzd.; 
ähnlich  in  Ap).  En  vil  gröisigerC  Huderi.  ebd.  En 
gr-i  TTnlinrnig  [Unordnung]  GiiSehiers  (Schwzd.).    En 


soft 


gres,  gris,  gros,  gpns 


gr-i  Müe.  ebd.  Über  so  ne  Flueh  ist  es  gr-s  Appe- 
liiege'  [Hinunterschauen]  SchwMuo.  E  grüsegi  Sach, 
ein  sehr  grosses  Vermögen  Gr.  Gr.  erschrocke'  Gr  ; 
U ;  gr.  chibig  [zänkisch]  GrL.  E  gr.  e  fine''  Her  Gr. 
Das  hed  mir  gruisig  nid  'dienet.  Obw.  .Schauderhafte 
und  grusige  Frühlingstage.'  UBräg«.  1787.  .Obgleich 
mir  dergleichen  Hunde  (Metzger-H.)  all  meine  Tage 
greusig  waren.'  ebd.  S.  noch  Bd  I  1234  u.  flätschen 
und  Sp.  5  u.  ga  1  c.  —  2.  Ekel  erregend,  unappetit- 
lich, allg.  D'  Chrott  ist  es  gr-s  Tier  W;  Z.  E  gr-s 
I schmutziges]  Chind.  E  gr-s  Esse'  Gl;  Z.  E  gr-i 
Sach,  G'schicht  G;  Sch;  Z.  E  gr-i  Wunde  ScHW ; 
W;  Z.  Si  siehd  griisig  us  Ap.  —  3.  leicht  Ekel  em- 
pfindend.    En  Tokter  darf  nüd  gr.  si"  Schw;  Th;  Z. 

Grüsel,  in  Ztw.  -ü m.:  1.  Grauen,  Abscheu, 

Ekel  Sch.  ,Von  schrecken  und  gr.  begrilTen.'  Zyt- 
GLöGCfLiN  1.512.  .Gr.  des  ungewonen  wcgs.'  ebd.  ,Dass 
dem  gemeinen  Volke  d.'sto  mind.T  i'lni-rls  .lavon  zu- 
fallen möge.'  1779.  Bs  ( 'lii\  _'.  i  /.  i  «  .  (Ini^i)  Person, 
die  Abscheu,  Ekel  erwirkt.  Srli,ii„il;  -ar-lii^er.  roher, 
grober  Menscli  Aa;  lU;  1'.;  I.;  S.  h  ;  s,  »«  :  S;  Z;  Syn. 
Grebel.  De'  M.r-  ,./  ,„  ^'n/^r/  »,/,/  ,/'  Fnui  ist  en 
Wuest  ZS.  (!;riii>.|M-i.  /:  Cm-.  ,„„,,,„  //»,„/,  ein  bis- 
siger H.  Bs.  Da  In.sl  t  »««/,;  Gr.  mU  Fhteche!  BsL. 
(Schwzd.).  .Warum  sie  auch  so  ungereimte  Kinder 
haben  müssten,  so  Schützlinge  und  Gr.'  Breitenst. 
Dann  abgeschwächt  und  scherzh.  wie  Unflat,  z.  B. 
Einer,  der  durch  gewaltige  Leistung  imponiert:  e  Gr. 
zum  Esse",  Arbeite"  B.  Leichte  Schelte:  du  icüeste 
Gr.!  —  du  ir.  Gast!  De''  Grüsel,  sehmält  si  [zankt 
die  Hausfrau  über  den  Metzger],  ist  nid  gschld,  das 
er-mcr  so  ril  Beiner  git!  Sch  (Schwzd.). 

grüs(e)li{ch),  bzw.  -ig.  allg.,  in  Gr  -seh-,  in 
BGr.  -.SS-,  in  Bs ;  SSchw.  -eu-,  in  S  auch  grisslig: 
1.  gräulich,  grässlich.  schrecklich ;  auch  nur  :  gewaltig, 
ausserordentlich.  E  gmisligr  Hunger  UwE.  Es  ist 
e  griiselis  A'luege  g'si"  '/..  \  i^rh  ror  400  Jöre  [13SH 
bei  Senipach]  es  gn'is.-.li,is  /,,(,./,  ,/',si.-  4000  Ma  mit 
Spore.  HXfl.  1813.  Er  hicgd  gnisrlig  dre.  er  si,.ht 
grässlich  aus  Ap.  's  Mer  ist  e  grihcHrli,  (ll/mir  \Wi, 
En  gruselige  Mensch,  ein  unwirscher,  z.iiiiiL:.'i-  M.  lii,. 
„Er  häd-mi"'  grü.<ili<-''  if srlüage" ."^  Kr  l,„,J-,,ii  -  ,ini kr- 
ieche SI  rnrli  ififr'  SciihMii.i.  1-:-<  rhinpfl  iiiiil  ihi,ii:,r<l 
grüslni  „w  llninH.I  IUI,,  (Srliw/.li.  /•;  r/rr,,../,,;.  |-l;,c- 
kcsj  7W»  STIiieivt.  Gnsrlirli  irl.nihrl  HUr.  iSrhwzd.l. 
's  göt  cfange  gruslig  zue  Bs.  ,Es  sei  allweg  grüsslig, 
so  plötzlich  z'  sterbe"  und  no'^''  unbetet.'  Gotth.  Du 
bist  doch  der  Grüslichst,  de  arm  Btteb  scho'  mache' 
z'  werche".  ebd.  Grüseli  het  der  Vater  g'macht  und 
g'schirore'.  Hebel.  ,Ein  Landjäger  mit  einem  grüs- 
iichen  Bart.'  Brkitenst.  S.  noch  Gcfräss  (Bd  I  1318), 
geh  (S|m;7i.   (inli   |S,..  ■Ju:;,.     .l,t    riii-Hiir  ■■in   -rus,.n- 


ich 


md 


AI, 


stritten  worden.'  ebd.  ,\V;i.  i.,t  i^TiWrli.-hrr.  .Iniii  der 
totlyehnam?'  Zytgli":i;i.in  IMi.  ,|1m  sy  risaili.Mi  den 
gruselichen  angriff  du.^  Türkrii,-  /,iki,\  1-")'J1.  .Ihiss 
wir  mit  unseren  fygenden  nit  so  grüselich  widlend 
uingan.'  1.531,  Absch.  .Wir  habend  erkennet  [erkundigt], 
dass  dise  ding  nit  halb  so  grüselich  sind.'  1531,  Strickl. 
.Mit  grüssenlichem  geschrci.'  HBull.  15G1.  ,Grüse- 
liche  schand  und  sund.'  ebd.  ,[.\brahani  zum  Sohn:] 
Ach  du  niyn  allerliebster  sun,  du  muesst  nit  also 
grnsslieh  tuen.'  H.atifrrr  15(i2.     ,l>ie  -5  Ort  wi'ietendt 


und  trowtend  us  der  massen  grüselich.'  HBull.  1572. 
.[Die  Stadt]  seie  ingenommen  und  alles  darin  grüse- 
lich erwürget.'  Lind.,  Wint.  Chr.  c.  1580.  .Der  Pfaw 
schreit  greusslich.'  C.  u.  RMev.  1650.  S.  noch  Sp.  685 
u.  088  u.  grebelig.  —  2.  dem  Ekel  unterworfen;  Syn. 
grusig  3.  Ach,  du  bist  giir  ril:.  i/rii^rli,/  und  sijberlig 
dehävi.  BüRGKK- 11.  IJauenilr.  1>_'."..  .K^.niin.i.  ilirGrüs- 
ligen!'  ruft  der  .Spettei-  im  i  iiiil/..ii-S|,irl  ,|,.n  alten 
Jungfern  zu.  XVIIL,  L.  -  3.  Steii^enum-ah .  a!l^'. 
Syn.  grüsam.  Uf  der  hejen  Laiben  gsild^nm  ,irisrlU 
wit  BGr.  (Alpenr.  1872).  In  BSi.  oft'  mit  s,:l,r..rlrl,rh 
verbunden:  gr.-schr.  ril.  GrilsK  ehalt  Bs;  iJ;  grnsfli 
chrank  B  oAa.  Grüseli  we  FJ.;  Zg.  Grlseli  ril  Une- 
mietigs  [Unanmutiges]  Bs  (Schwzd.).  Pressiert  's  ? 
Antw. :  Nit  gar  rirmliq!  B';-.  GräsU  arm,  hüslig  L; 
grüssli  meistcrln-.  ]'.  W.,  h,  nl,!,  |-I7.  S.  noch  Bd  1 
1156  u.  JSe,'C)/- /'"/:./.  i,rH^,l,  |li,inliger  grüsam]  frl 
Gl.  S.  auch  IM  1  \-r.-  n  ///.  ( ;r,i^cli(q)  lieh  Bs. 
Griiisl,  <■„  nrJhrhi.  I.rnr,  rr.n,  r«i;.  \  „7,V/-»„r  ./■'!■ 
gritsrli  ir„l  I,  |Sr|,«z.l).  /"  inn.i  -  ,1,  r  \  .jnK.h  ,n,l 
guHui".  Sri  rz.  Hii'isli  JiulisrJr  Srnwi:izFKi;.  l^l'.L  — 
Mhd.  griu^ienjUth,   Grausen   errcgeuJ. 

henne"-grüschelich:  hässlich,  abscheulich 
GrD.  —  VAg.  Gänsehaut  (Gruseln)  verursacliond.  vgl.  hiinnm- 

llülril. 

Grüsling:  Person,  die  leicht  ekelt  Scn. 

(irns  11  m.:  1.  Haiifoti.  Bündel,  z.B.  Geld.  Mit 
einem  licliaflr  rv  mUiq^  (Ini.^rhili  mache";  vgl.  en 
Stumjir'-  (irlil.  S|HN  .  tini^rhrlr  Spielkasse,  in  welche 
der  ^'e^lust  der  Mit.spieleiiden  (»ler  von  jedem  Ge- 
winner ein  Bestimmtes  gelegt  wird  zum  Behufe  ge- 
meinsamen Genusses,  z.  B.  zum  Vertrinken  W.  Bissen 
Brot  W;  bes.  als  Dini.  mit  verallgemeinerter  Bed.,  es 
Grüsill.  (irfi.ili.  Gni^i  W.  drnsi  l'.d,;  ,.  W  -  :  rin  l;i,s- 
chen.  rill  «nii-  ,.\\.-  .<Mi.  r„s,lnlli.  /I„rr  llru.,,,,,,. 
Hast  in,rl,  Flcsrh  rait  frr,Hlrnjn,  Siurr,,:'  Antw.:  /•'' 
sinnen  [vermute],  es  slgi  noch  es  Gr.  BSa.  Es  Gr. 
Brot  BSi.  Eis  [kein]  gotsigs  Gr.  ebd.  —  2.  Gnlssi 
Bß. ;  „Grüschi  BO.-  n.:  Kerngehäuse,  auch  Blüten- 
narbe der  ÄjitVl.     Syn.   Griipsi. 

Mhd.  r/rw/l.  Koni,    niht  >  m  '/f.,   nicht  das  Geringste;  h.lir.- 


Entlehuuug  aus   frz.   <i',i<h< . 
zt=  Klingelbeutel,    aonk.ii. 


M  i  tt  e  1  -  G  r  ü  s  s  i  n, :  der  schmale  Landrücken  (Egg) 
zwischen  zwei  in  einander  mündenden  Gräften  (Schluch- 
ten) BR. 

Zu  (JruH  II  :'.■  virl.  iliii.l-ilriiiz,  Sattel,  Scheidewand  zwi- 
schen den  Kernni  <  in.  r  Xns^.  Ilie  Vergleichung  mit  ciueni 
Butzen  oder  dcui  Sattrl  lin,  i-  Wainnss  liegt  nicht  so  ferne. 

grüsam  BE.,  Si.,  „grusem"  St.»,  „grussem"  St.'': 
körnig,  bes.  vom  Schnee  BE.,  Si.;  „griesig,  zigericht, 
von  der  Milch."  —  Eig.  gras-mm,  zn  mhd.  (jrufi.  Vgl. 
t)vinphcm. 

„Grusel  m.:  Kies  und  Steine  unter  einander  L." 

Vgl.  .Niemand  soll  Grüszel  oder  Materi  in  die  Stadtgräben 

werfen.'  17:30,  Absch.,  wo  (Ir.  auch  an  (l'uml  gemahnt.   S.  noili 

Grusle":  Zieger  und  Milch  durch  einander  GrD. 

—    Wohl   zu  Griiml,   mit  dem   die   Masse   verijli.-liiMi    wird. 


bras,  gres,  gns 


grns 


812 


grüssig:  sandig,  steinig  S.  Syn.  grienig.  3fe" 
het  im  [dem]  Berg  noh  gr-e'  Bode"  und  der  Aar  noh 
Mästige*  [lehmigen].  Schild. 

grusam  ^grusig  1.  En  gr-e  Zonggcr,  arger  Zän- 
ker Z.  En  grüsnme  [sehr  heftiger]  Schmerze".  En 
gr-e  Mensch,  ein  grober,  auch  ein  sehr  grosser;  e  gr-i 
Such,  traurige  Geschichte;  gr-s  Heu,  sehr  hoch  ge- 
wachsenes; en  gr-e  Hund,  sehr  grosser;  e  gr-i  Ar mi, 
schrecklirli.  Aimnt:  er  hat  e  gr-i  Meinig,  gr-e"  Geist, 
bildet  sh-h  -iln  \i  1  oin  Gl.  Ir  g'sehnd  doch  gr.  drl', 
ir  verchlchcd  .idiicr.  Stutz.  ,Eine  grausame  Trübsal.' 
ebd.  ,Sy  kummend  an  den  berg  Sina;  da  erscheint 
der  Herr.  Es  geschehend  gr-e  ding.'  1531/48,  ll.Mos. 
S.  noch  Sp.  '208  u.  Gellen.  ,Wer  dyn  wort  verschupft, 
dem  gibst  unheil,  unglück  und  gr-en  unfal.'  Edef  1540. 
,Ein  gr-e  nacht  mit  donderen  und  blixen.'  Kessl.  ,Die 
mur  ist  unsäglich  hoch  und  dick,  herab  zue  sehn  ein 
gr.  blick.-  .IMiKiK  l.V^P.  , Antra  iramania,  gr-e  und 
erschr.Mk.iili.il.  lnilimni.'  Fris.;  Mal.  , Wenn  wir  die 
geiss  uf.li.'  li..li.'ii  und  gr-en  berg  brachten.'  ThPlatt. 
1572.  .Über  ein  gr-e  hohe  flue  ab  fallen.'  ebd.  .Ein 
gr-er  grosser  vogel.'  ebd.  .Wenn  der  walfisch  seine 
zän  entbleckt,  so  ist  es  gr.  und  erschrockenlich.'  LLav. 
1582.  ,Diese  gr.  und  erschrecklich  grausamkeit  wirt 
3  tag  wären.'  ebd.  1587,  wo  .Grausamkeit'  im  nhd.  S., 
nicht  aber  ,gr.'  ,Wiewol  dises  ein  gross  dorf,  so  sieht 
es  der  gr-en  höche  halb,  als  ob  8  oder  9  schwynstäle 
nache  bei  einander  lägen.'  1591,  ARyff.  ,Ein  un- 
natürliche grusame  sach,  als  da  einer  syn  vatter  und 
mueter  ertödt  und  geraürt  hat.'  1593,  Ardüser.  ,Dis 
ist  wunderbarlich  und  gr.  zu  hören;  sy  zogent  die 
blutigen  Pfeil  us  irem  Leib.'  ECvs.  .Dann  der  Rhyn 
an  diesem  Ort  [bei  Scn]  einen  gr-en,  schützlichen, 
hohen  Fal  hat.'  Eüeger  1G09.  .Ein  gr.,  grüselichi 
Schneelöuwi.'  IffOÖ,  Ardiiser.  ,Die  Sterne,  in  einer 
so  gr-en  Weite  von  der  Erden  abgelegen.'  JMüll. 
1C66.  Als  Steigerungsadv.  B;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  U;  Z. 
Oi:  g'schwullni  Bei'.  Stutz.  Gr.  dumm.  ebd.  Gr. 
gern,  lieb,  schön,  ril.  Gr.  Acht(ig)  gc'.  lueqe",  ange- 
strengt. D'r  Vatter  sig  im  Sterbe"  ii-'  r'rlaiKii  <ir. 
na'->'-m'r  BE.  (Schwzd.).  Grünem  es  tolls  \V ilivrn,U)ii 
BLenk.  's  hat  Is  g'ha'  uf  der  Strös^  inni  ,sl  ijr.  h,il 
g'sl"  Tn.  Das  groiisinii  slnt-iii  |jäh..'|  Jlmil  luiS.li. 
Er  ist  gar  gr.  empfhidli".  Umkui.  Gr.  hnin  l.iil. 
KMey.  1844.  Die  Geistlirliei,  i»  ,/r.  irachnii  [s.-Ii<.ii.mii| 
G'wand.  Anderl.  1849.  's  chunnt-mer  Alls  so  gr. 
himmlisch  vor.  Stdtz.  ,Dem  Junker  sein  Schreiber 
sei  gar  gr.  e"  G'schickte.'  Gotth.  ,Es  freute  uns  alle 
gr.  wol.'  ebd.  S.  noch  Sp.  22  u.  inhin-gän.  ,Ge- 
schossen  ward  ganz  gr.,  ein  klapf  über  den  anderen 
kam.'  NScHRADiN  1499.  .Goliath  ist  gr.  gross  und 
stark  von  lyb.'  VBolz  1554.  ,üer  schlueg  mich  gr. 
übel.'  ThPlatt.  1572.  ,Der  brief  was  gr.  breit  und 
lang.'  ebd.  ,Der  zeit  war  es  auch  gr.  tür  und  war 
grosser  mangel.'  1574,  Mise.  Tig.  , Jedermann  ist  gr. 
verzagt,  dass  uns  ein  rüschend  löublin  jagt.'  PiSchmid 
1579.  ,Das  feur  gar  sehr  und  gr.  brinnt.'  GGotth.  1599. 
,Dic  Biber  haben  ein  gr.  gut  Gebiss.'  JLCvs.  1661. 
Eig.  grü-mm;  es  ist  das  mhd.  grüwemm,  welches  die  selben, 
vom  Nhd.  verschiedenen  Bedd.  hat.  Die  BSi.  Angabe  ggr. 
scheint  den  Anl.  als  das  Präf.  zu  fassen. 

Grüsami  f.:  Grausamkeit.  ,Er  hat  gegen  sinen 
widersächeren  mit  sömlicher  gr.  gehandlet.'  RGualth. 
1546. 


grusamig.  grusamlich  =  grusam.  E  grusa- 
mege''  Bursch,  ein  schlimmer,  gefährlicher  Bursche; 
grusamig  starch,  überaus  stark  GA.  E  grusamigi 
Freud.  Stütz.  ,So  wellest  mich  beschirmen  vor  disem 
grüscinlichen  wilden  mann.'  Zielt  1521.  ,Do  üeng  es 
grusamlichcn  an  ze  regnen  schwebel,  bech  und  für.' 
Haberer  1562.  .Die  wasser  sind  grusamlich  angangen, 
dass  die  bruggen  hinweggefüert.'  1585.  Ardüser. 

grüssen  s.  grumsen. 

gruselet  s.  ge-riselet. 

Grnser  m. :  Schnepfe,  Doppelschnepfe.  scolopax 
arquata  ,Ap;  GP.h.;"  GLHartm.  1808,  S.  111.  Syn. 
Grilel.   —   Vgl.  Schwab.   Grusel,  Ente. 

Grüssi  s.  Grus  II. 

Graess,  vorwiegend  Gruez  —  ni.:  Gruss.  1.  wie 
nhd.  E  lere  Gr.  göd  barfuess  L  { Ineichen).  Wie  der 
Gr.,  so  der  Dank.  ebd.  , Wellend  .sy  on  gruez  lassen.' 
Kessl.  ,Ich  gib  dir,  brueder,  mynen  gruez.'  Rüef 
1550.  „Der  eidgenössische  Gr.:  feierliche  Eröffnung 
der  allgemeinschweizerischen  Tagsatzung  sowohl,  als 
die  .\nrede  eines  jeden  Deputierten  der  Schweizer- 
kantone bei  derselben.  Deswegen  weil  jeder  Gesandte 
gewöhnlich  die  guten  Wünsche  seines  Kantons  dar- 
bringt und  alle  seine  Mitgesandten  im  Namen  seines 
Kantons  gleichsam  begrüs-st."  Der  englisch  Gr.,  das 
Ave  Maria,  vor  Allem  beim  ersten  Melken  auf  der 
Alp,  zuweilen  auch  den  ganzen  Sommer  über  gebetet. 
Auch  oft  bei  Protestanten  gebräuchlich,  wo  katholische 
Knechte  sind.  Mir  wei  [wir  wollen]  zum  erste"  Melche' 
gö',  d'r  e.  Gr.  nit  dusse  lö"  S.  ,Ein  guldin  tafel  mit 
eim  engelschen  grues.'  1476,  Absch.  (Burgunderbentc). 
,Dem  engelschen  gruez.  Gegrüezet  .sye.st,  Maria  [usw.].' 
1517,  Gr.  Gebet.  S.  ufladen.  —  2.  bes.  dira.  Grüezli: 
kleines  Geschenk,  welches  als  Gruss  übersandt  wird 
Seil;  Z.  /■•''  hu-der  da  e  Grie-li  rn  der  (infte  UwE. 
Mi  Gyn:,  hinl-mn-  .  srh„  h.ltsrhis  .sV,V/,7/  mll  diir  Öpfel- 
srluiit:  „ml  r  /„-//,(  l'.nnnr  n.ll  Jii,/,,tllr  und  Flachs- 
rhuihr  :.,u,rmr  GrurJi  j,ci'"g>:chn-kt.  CiKM'KAcii   1712. 

Abend-,  Morgen-.  .Der  Hirte  ruft  in  allen  Ge- 
meinalpen des  Landes  den  M.-  und  A.-gruss  oder  die 
Mahnung  zum  Gebete.  Dieser  Ruf  geschieht  von  einem 
erhabenen  Posten  aus  durch  eine  Folie  [s.  Bd  I  786]. 
Der  Ruf  enthält  das  Vaterunser,  den  englischen  Gruss 
oder  Ev.  Joh.  I,  1— 14.'  üw  Gem.    Vgl.  Alp-Segen. 

gruess-sam:  des  Grüssens  gewohnt,  leutselig. 
,Er  was  ein  gnadrycher,  gruesssamer  mann;  wer  in 
angesach,  der  gewann  ein  liebe  zue  im.'  Strättl.  Chr. 
c.  1464.  ,Er  erzeigte  sich  früntlich  und  grüessam.' 
JosMal.  1593.  .Saluta  libenter,  d.  i.  bis  grüessam.' 
Pontisella  1602. 

grüessbar:  gerne  grüssend.  .Saluta  libenter.  bis 
gr.  oder  grüess  gern.'  Cato  1648. 

grüesse"  Aa;  Bs;  BE.,  Ha.;  Lßerom.;  G,  sonst 
grüeze",  m'Büi.  grü'ze":  1.  grüssen,  wie  nhd.  Syn. 
's  Zu  teiltische".  Bes.  in  der  Grussformel  Gott  grüez-i ! 
s.  u.  Gott  Sp.  511  ff.;  in  Ar;  Bs;  Z  nur  von  11  Uhr 
Vorm.  bis  3  bzw.  4  Uhr  N.  gebräuchlich,  vorher  guete* 
Tag!  nachher  gueten  Abig!  Lo-mer-s'  dehame'  gr.! 
Ap.  Sogar  zum  Herr  G'meindröt  nüd  ^mol  g'seit: 
gruez  Gott!  Stütz.  ,Grüez  Gott!'  Rüef  1540.  ,Sind 
'grüezt!'  Aal  1549.  Engel:  ,Maria,  syst  gegrüezt  von 
Gott!  du,  dip  dor  Herr  begnadet  hott.'     Maria:  ,Was 


■il3 


s— griis.    (Jnisfli  -giusch 


■jniez  ist  iliisV  Funkelin  1553.  ,Gott  grüess  dich! 
.salve.'  Mal.  Zu  blosser  Part.  i.  «.  v.  <jeb  (s.  Sp.  07.  09) 
abgeblasst:  ,So  kumra  rocht  iez,  Gott  gcb,  Gott  grüez, 
was  myii  wyb  sag,  ald  ab  mir  klag,  so  muesst  du  [der 
verlorne  Sohn]  niy"  .sttwhirtlin  syn.'  JBindkr  1535. 
Sprww.  FriiiilU''  ijr.  chnst't  nid  vil  L.  Gott  grüezt 
Mänge',  wo-n-mi  m'l  <ht)iket.  Sulgek.  Wenn-di''' 
d' G'legeheit  (ini.u.  ■-„  ,l,nik-ere.  ebd.  —  2.  begrüssen. 
,Ich  bitt,  wollt  mir  den  Her  Pfarrer  fast  grüzen.' 
1523,  GScHERER  1859.  ,Sy  werdend  mich  ein  fürsten 
grüessen.'  JMdrer  1559  [Latinismus].  I.  S.  v.:  an- 
fragen, bes.  eine  Behörde  um  Bewilligung  einer  Sache 
angehen  Gl.  ,Den  herren  vogt  zuvor  darumb  grüessen 
und  fragen.'  1581,  ZSteinm.  Offn.  —  3.  zur  Rede  stellen. 
,Was  nun  gar  ein  grossen  grüttel  undgr.,  warum  MHH. 
die  meister  den  von  hohenburg  in  gefängnuss  ange- 
nommen bettend.'  Edlib.  —  4.  (Iren.)  „peitschen,  mit 
der  Eute  züchtigen  Th." 

'2  bewahrt  die  iirspr.  Bed. :  anreden.  —  Zu  4.  Ahd. 
ijnwzjan,  mhd.  griiezen.  auch:  feindlich  angreifen,  züchtigen. 

be-:  1.  =  grüessen  2  B;  Gl;  Gr;  Z  (Kanzleispr.). 
.Umb  das  tanzen  soll  die  erberkeit  in  jeder  gemeind 
zuevor  begrüesset  und  gebeten  werden.'  1530,  Abscu. 
,Wie  der  chor  etwas  mangelhaft  worden  was  und  man 
in  bauwen  sollt,  ward  nebend  der  buvgersehaft  der 
abt  ouch  um  ein  steur  begruezt.'  Vad.  ,Es  soll  dehein 
teil  one  des  anderen  vorwüssen  dehein  holz  nit  houwen, 
sonder  allwegen  einanderen  desthalben  zuvor  begrüe- 
zcn  und  ansprechen.'  1581,  ÄAWett.  Klosterarch.  ,Uass 
ein  ieder  Kodsgenoss  hinziechen  mag,  wo  er  will  und 
darf  darumb  gar  niemand  begrüezcii  noch  Versicherung 
tuen.'  1597,  Zellw.  Urk.  ,So  diek  ein  nüwer  Vogt 
gen  Kyburg  kommt,  sollend  die  .'^rhryber  in  um  ire 
Dienst  begrüssen  und  inen  bi  ime  ein  Willen  machen.' 
1017,  Z.  ,Wann  wir  disers  Spruchs  halben  begrües- 
send  die  Auslegungen  unser  hochgelehrten  sei.  Vor- 
clteren.'  1034,  JJBreit.  ,Wann  ein  Gesell  begehrte 
spazieren,  soll  er  seinen  meister  darumb  b.'  1057,  Z 
Kiirschner.  ,Der  aber  mehr  [Vieh]  hat,  der  soll  die 
Gemeinde  freundlich  darum  b.,  und  so  sie  es  bewil- 
ligen, für  ein  Stück  ze  weiden  einen  Keichsthaler  be- 
zahlen.' 1600,  Aa  Weist.  .Wann  eines  Diensts  Zeit 
bis  an  2  Monat  verflossen,  soll  ein  Knecht  nicht  war- 
ten, bis  der  Herr  sie  fragen,  sondern  sie  Knecht  sollen 
ihre  Herren  selbst  desstwegen  b.  und  ihnen  anzeigen, 
ob  sie  länger  im  Dienst  zu  bleiben  begehren.-  B  Maiid. 
1728;  1747.  ,Die  hier  angesessenen  Fremden  müssen 
die  Direction  der  Assemblee  für  den  Zutritt  begrüssen.' 
ZWthur  1808.  —  2.  überfallen.  .Dass  sy  nit  vil 
achtend,  wn  |wri,ii|  jnrh  die  NiM-ht  sy  iH-Tiesste.- 
KCys.  —  BeyiursM"-  f.:  Aiilia^v.  .Snll,-  snU-Jie 
für  tot  geachtet  werden  und  deren  reelitniiissiev  Erl.en, 
jedoch  nit  ohne  Begrüossung  der  Uberkcit,  die  Mittel 
verteilen.'  1717,  Sunw  LB. 

grnesele":  =  grüenelen,  von  der  Milch  W. 

Gruese"  f.:  das  erste  frische,  grüne  Gras  im 
Frühling  oder  auch  nach  dem  Abweiden  oder  Mähen 
der  Wiesen  Gr.  Es  ist  afen  e  Gr.,  es  ist  bereits  grün 
auf  der  Wiese.  Auch:  kurzes,  dichtes  Gras  übh.; 
fetteres  Gras  an  einzelnen  Stellen,  Easenbänder  an 
felsigen  Halden,  ebd.     Syn.  Fachs  Bd  1  055. 

Mhd.  ijruonK  f.,  junger  Trieb,  Ptlauzengrün ;  von  uhd. 
(jrnoen,   mhd.  tjrifjcn,   grünen,  mit  a  abgel.,   wie  tjriun   mit  «. 


Grasch     grusch. 

gl'iische"  (-<'-  S(  II«  MiiM.);  „unbeholfen,  lang.sam 
und  träge  sein,  insbes.  miiliNain  gehen,  nach  Art  alter, 
kränklicher  Leute  Seiiw;  Zc- ;  auch:  so  klettern,  tap- 
pen, rutschen.  Umme  gr.,  auf  allen  Vieren  herum- 
tappen, -rutschen.  Wo-n-er  d's  Bei"  verhit  g'ha'  hed, 
ist  er  glich  no"''  e  Bück  ufe  g'graschet  ScuwMuo.  Dim. 
gräschelen. 

Nächst  vwdt  mit  dem  syn.  yrapen,  grätnen,  so  dass  der 
Stamm  j/rä-  wäre,  und  der  folg.  Cons.,  hier  das  nch,  nur  zu 
iautlicher   Aiismalnns   der   schwerfälligen   Bewegung  diente; 

Grasrhi:  1.  ,.in.  Mensch  voll  Empfindlichkeit 
ScuwMa.'         2.  II.  (V)   ungestalte   Person   ZsWalchw. 

Beide  Bedd.  lassen  sich  zur  Not  auf  das  vorhergehende 
W.  zurückführen,  wenn  man  die  Empfindlichkeit  und  Miss- 
gestalt mit  der  schwächlichen  Leibesbeschaffenheit  in  Ver- 
bindung bringt,  welche  in  der  vom  Yb.  bezeichneten  Be- 
wegungsart vorausgesetzt  wird.  Zu  2  vgl.  jedoch  Ra»chi, 
dessen  Bed.  allerdings  merklich  abweicht. 

Gräscliel  I  m.:  „Haufe  lebhafter,  Geräusch  ver- 
ursachender Kinder  oder  junger  Leute  Aa;  B."  Un- 
geordnete Menge,  z.  B.  von  Kindern  Aa. 

Yiell.  =  '-.-,. i«.7e/,  l.anil,  vnli  ,■„../„/,„,  1-;-  ,  m  -  le  .,  ; 
Schueil     SlH-erheli;       lle," -rl,  H  e|  1,.,..         Dil-     '•'  .        '^  inil, 

haben,  uiu  dus  d.;s  sjn.  ürabd,  wuuu  dit:-u-  .lu,  ,'.._  i,jIm:1- 
zu  erklären  ist.     Übrigens  vgl.  syn.  Formen  mit  Kr-, 

Gräscll^el  11,  Gresohel  n.:  kleines  Weib;  geringe 
Person;  alte,  magere  Kuh  AAFri.  —  Vidi,  mit  (Irutavh 
oder   mit  tjni'ichfn   zu   verbinden. 

e  r-gräsc1ie":  1.  „versuchen,  kosten,  in  iron.  S. 
Er  hat  's  ergräschet  LE."  (St.'').  —  '2.  erwischen,  er- 
tappen, einholen.  ,Die  [eine  Frau,  die  heimlich  ver- 
reisen wollte]  ergreschet  der  Mann,  als  sie  den  Plun- 
der schon  zu  Schiff  gelegt.'  Wurstisen  S.  219.  — 
3.  einsammeln  B. 

1  und  2  lassen  sich  wohl  vereinigen,  wenn  man  '2  als 
die  ursprüngliche  Bed.  nimmt  und  1  i.  S.  v.  durch  Versuchen 
sich  etwas  Schüdliele^^  /n/eheu,  wie  das  folg.  cnji-iUiUm  i, 
auch  unser  ern«'~./e,i  »wA  \\i.  ^iHrapimr  una fiXvn.  Üliiiguns 
führt  die  (an  und  liii  siel,  n  rtüinlichc)  Lesiut,  Staldeis  (iiiid 
Sohuiellcrs)  in  der  Stelle  von  Wiiisti,..|, :  .,i,-i.i  .Ini  miT 
die  auch   sonst  nahe  liegende    iiml    li-i    m     -    n  i       I  i 

lilärung,  .ergräschen'  sei  entstand' n  an  i-i  '  '■  •■''■■ 
gleiehbod.  mit)  ,ergrätschen',  d.  li.  mit  ^^^-ieei  hii  {'.-iimm, 
also  mit  eiligem  Gange  erreichen,  s.  cr-giMsüuM.  -  'i  nur 
Anwendung  von  2  auf  Sachen  (Früchte). 

ergräschle":  1.  „erwischen,  im  biisen  S.  LE."; 
durch  Unvorsichtigkeit  erfaliren  (dass  Etw.  nicht  gut 
gewesen)  Niiw.  —  2.  Iiari  mit  iielnnen.  ersclulpfen,  ent- 
kräften, z.B.  von  Husten,  Dur.lifall  LE." 

S.  die  Anni.  z.  Vor.  Bed.  '2  entw.  unmittelb.ir  i.  S.  v. 
ergreifen,  oder  mittelbar,  weil  der  auf  einem  Fluchtversuch 
oder  Vergehen  Ergriffene  meistens  fest  angegriffen  und  etwa 
tüchtig  geschüttelt  wird.  Betr.  den  Laut  gilt  das  von  ,er- 
gräscheu'  Gesagte,  obwohl  hier  keine  Nbf.  mit  (  bezeugt  ist. 

gräsch'lich  BO.,  gräschlig  BE.:  munter,  frisch, 
lebhaft,  rüstig  BO.  Mic  [man]  g'sehd  im  's  an,  dnsfsj 
er  g'suffes  [getrunken]  hed,  er  ist  gräscMichti  BK.  Bes. 
von  altern  Männern,  die  doch  noch  kräftig  und  z.  B. 
heiratslustig  sind;  auch:  regsam,  rasch  eine  Sache 
angreifend  BE. 

Viell.  von  mhd.  yrmßlich,  zornig  (s.  Anm.  zu  <jraii«cn),  so 
dass   der  Begr.  sich  etwas  gemildert  hätte  (von  Aufgeregtheit 


Grascli.  grescli,  griscli,  groseli,  grusch 


8ltj 


zu  blosser  Regsamkeit),  w:is  alliTdings  seltener  vurkonimt ' 
als  Steigerung  und  Verschlimmerung.  Betr.  das  Lautliche 
ist  Entstehung  you  i  ausjO  (z)  allerdings  auch  nicht  häufig, 
doch  nicht  ohne  Beispiele  (s.  Weinh.  al.  Gr.,  S.  161  ob.). 
Übrigens  vgl.  noch  kräschlig  oder  Jitwchi;  und  mhd.  macli 
(resfh,    föxch). 

gräschliche°:  sich  von  Krankheit  erholen  BO., 
z.  B.  von  einem  kranken  Kind  in  Folge  von  genom- 
mener Arznei  BK.  „Auch  von  Tieren."  Syn.  sich 
hekimen,  ernueferen,  sich  z'iceglän. 

Grescli.  Die  7  Zehnten  (d.  i.  W)  be.schweren  sich, 
dass  ihre  Landsleute,  welche  im  Kriegsdienst  oder 
sonst  unter  den  Eidgenossen  sich  befinden,  schon 
wiederholt  als  ,Grescheu  und  Walchen'  gescholten 
worden.  1567,  Absch. 

Dieser  Ausdruck  meint  schwerlich  das  Volk,  das  sonst 
Gritcheneier  genannt  wird,  da  diese  deutsch  sprechen;  eher 
die  (Irischum,  wie  die  rumänisch  sprechenden  Bündner  sich 
nennen. 

Grcische"  s.  Gränse"  IL 

grisch  s.  gris. 

Grisch'  n.:  „Geschiebe  ira  Bergbau  UUrs.;  ein- 
gefallene Erde  und  Steine  unter  einander;  unfester 
Boden;"  schmale,  schroffe  Bodensenkung,  Einne  W; 
Syn.  Krinne,  Graben.  Geröllhalde  (schmaler  als  ,üand') 
W;  Syn.  Btsäe. 

Viell.  Abi.  von  ritcn,  fallen,  rutscheu,  sickern,  auch  von 
Erde;  vgl.  das  syn.  Kisi,  Kntschhalde;  »  für  «  nach  i  wäre 
der  selben  MA.  gemäss. 

grischem  ('-am, -i(»i^;  zerfallen,  zerbröckelt,  bro- 
samartig;  von  Butter,  die  sich  nicht  will  schlagen 
und  ballen  lassen;  von  Schnee,  der  vor  Kälte  wie 
Staub  zerfällt,  wenn  man  ihn  ballen  will  W;  Syn. 
wild.     Vgl.  Griw. 

Wahrsch.  vom  vorhergehenden  Subst.  abgeleitet  durch 
die  (altortümlicho  und  seltene,  urspr.  Superlative)  Bildungs- 
silbe -cm,  die  z.  B.  auch  in  unserni  schlauem,  icemm  erscheint. 
Vgl.  Gr.  Gr.  11'^  146  (11>  152).  —  Bildung  mit  -»«<«  kann 
nicht  angenommen  werden,  weil  dieses  nur  für  geistige  Be- 
griffe dient.     Jedoch  vgl.  auch  yrämm. 

Grische"  I  s.  Gris. 

Griscll^e»  11  f.:  ein  aus  einem  Dutzend  an  einander 
haftender  Semmeln  gebildeter  Brotschild  W. 

Viell.  aus  dem  angrenzenden  obcrital.  Dial.,  wo  <jriHcia 
ein  durchfurchtes  Stück  Feld  bedeutet;  den  Furchen  würden 
die  Vertiefungen,  Einschnitte  zwischen  den  Bestandteilen  des 
Brodes  entsprechen. 

grische"  I:  im  Kleinen  handeln  BHa.   —   Wahrsch. 

loc.    Ausspr.    von    ' ijrüsclien  =  ijrülziii,    S.    d. 

grische"  U:  fein  schneien,  bei  kaltem  und  feuch- 
tem Wetter  W ;  Syn.  stäuben.  —  Wohl  nur  Nbf.  zu  grisen. 

Grischeiicier:  Einwohner  von  Gressoney  am  Süd- 
abhang des  Mte  Rosa,  dgl.  als  Krämer  mit  Südfrüchten 
und  Spezereien  die  Schweiz  durchzogen.  Vgl.  Vene- 
zianer; Materialist.  ,[Wer]  in  unser  landschaft  gwild 
liett  und  überköme,  dass  er  das  niendert  anderswo 
verkaufe  denn  einem  ires  handwerks ;  desglychen  als- 
dann krämer,  auch  gritscheneier  und  ander  irem  hand- 
werk  grossen  schaden  tuend,  dass  sie  solich  gewild 
ufkaufen.'  Ordn.  d.  L  Kürschner  1505.  ,Fremde  Kauf- 
leute, welche  jetzt  herein  kommen  wollen,  besonders 
die  Grischeneyer,  sollen  zurückgewiesen  werden.-  löl'J, 
AnscH.  ,So  denn  uns  von  wegen  der  Ougsfciler.  Gry- 
scheneyeren,  Wälschen  Parretlis  und  anderen  frömden 


krämern  und  landfareren  vilcrlei  klegten  fürkommen.' 
Z  Mand.  1530.  ,Von  Visp  wandlet  mau  durah  den 
Mons  Martis  in  der  Grischeneyer  landschaft.'  Stumpf. 
S.  noch  Geering  1886,  574  f.  Übertr.  i.  S.  v.  , Krämer- 
seelen, gewinnsüchtige  Leute'  ist  das  W.  ,Grysche- 
neyer'  im  Kappelerbrief  von  1531  gebraucht,  wo  von 
Anschuldigungen  gegen  die  B  Obrigkeit  darüber,  dass 
sie  Rat  und  Ämter  mit  solchen  Leuten  besetze,  die 
Rede  ist. 

Der  nicht  mehr  verstandene  Ausdr.  wurde  in  der  Hclvetia 
von  18'28  und  nach  ihr  von  TTobler  in  ,Krüschen-Eier',  d.  i. 
Eier  in  Kleie,  umgedeutet. 

grosch'ele":  mit  den  Händen  in  einer  Menge 
kleiner  Gegenstände  herumfahren,  z.  B.  im  Geld  AaS. 

—  Nahe  vwdt  mit  ffrüsch(e)hn  (viell.  unter  Anlehnung  an 
kruelen)   oder   mit  ijräachen. 

Grosche"  I  m.  (Dim.  Gröschli  Ar):  die  deutsche 
Scheidemünze,  die  durch  den  Verkehr  früher  auch  auf 
Schweiz.  Gebiet  (zunächst  wenigstens  das  der  Nord- 
grenze) kam,  oder  auch  nur  als  ideale  Münze  galt 
(=  8  Rappen  Bs).  Wurf  er  en  Chriizer  uf  's  Bach,  se 
fiel  im  en  Gr.  abe.  Sülger.  Ken  Gr.  (auch  Batse") 
wert  se  [sein];  s.  gröschig.  Der  gesetzliche  Zins  vom 
Gulden  war  1  Gr.,  also  5  "/o  Arl.  .\nnu  1757  wurden 
neben  kantonalen  Scheidemünzen  verrufen:  Groschen 
und  Kreuzer.    Vgl.  Gross. 

Ochsen-  s.  Oxikrozium. 

Böckli-.  ,Bischof-( 'hurische  Gr.,  Reichs-ßatzen, 
Kreuzer,  Fischlein,  Böcklein-Gr.  und  Pfennige,  Vöge- 
lein und  all  übrige  Fünfräppler,  all  Gattungen  Drei- 
Ängstler.'  L  Müuz-Mand.  1766. 

Wachs-,  eig.  =  Wachs-Geld  Sp.  272;  aber  seit 
dem  .\ufhören  der  Bruderschaften  (Reformation)  wurde 
das  Wachs-Geld  in  Bs  als  sog.  W.-Gr.  von  den  Doppel- 
zünftigen in  die  Zunftkasse  bezahlt  (noch   1803). 

gröschig:  einen  Groschen,  d.  h.  Nichts  wert, 
nichtswürdig  GTa. 

Gl'osclie"  II  m.:  krummes,  hakenförmiges  Drechsler- 
gerät, zum  Abschuppen  des  Eisens  Aa.  —  Von  frz.  cruchc, 
crachet,  Haken. 

grnscli(e)le"  (grui-clc  Z):  1.  lallen,  von  den  ersten 
Sprachversuchen  kleiner  Kinder,  „auch  von  den  er.sten 
Tönen  junger  Vögel  L;  Scuw;"  Z;  Syn.  gurlen,  gmch- 
len.  —  2.  verwirren  Z.  Wer  gruschelet,  wer  nmme 
macht  [sein  Wort  nicht  hält],  ist  's  Tufels.  Pupik.  — 
3.  wimmeln,  wühlen  LE.     Syn.  grüscheren. 

In  Bed.  1  und  2  auch  gitiich(e)len  Sp.  481.  Ob  ;•  ein- 
geschoben oder  ausgestossen,  ist  kaum  zu  entscheiden,  da 
wenigstens  bei  1  Nachahmung  eines  Naturlautcs  vorzuliegen 
scheint.  1  und  2  sind  durch  die  Vorstellung  des  Undeut- 
lichen, mangelhafter  Artikulation  zu  vermitteln.  An  die  Vor- 
stellung des  Verworrenen  konnte  sich  Bed.  3  anschliossen. 
Nahe  vwdt  in  Bed.    1    und  2   ist  yronrUeien  und    f/rihchiejlen. 

Grusch'(eili  I  n.:  gutmütige,  schwache  Weibs- 
person L.  —  Wahrsch.  zu  <jnisch(e)len  1,  von  mangelhaftem 
Sprach  (und  Denk-)  vermögen. 

Gruscheli  II  s.  Grus  IL 

Griische"  f.:    Hautkrankheit   des  Viehs   Gr  uVatz. 

—  Churw.   (jrutcha,   Krätze  (aus  it.   crusai,   Kleie). 

giTisclie":  rauschen.     Gr.  und  grumple"  BBe. 
Verstärkung  von  rüichen,  aber  schwerlich  durch  das  Präf. 
;;t-,    sondern  durch  unmittelbaren  Lautzusatz.     Vgl.  grüscheleii. 


817 


Grascli,  gi-escli,  j^riscli, 


I,  griiscli 


(iriisch  1)  GriH  bzw.  Gröi,  Grii  Av  (auch  Grösche); 
BsStdt  (i',  auch  kr-);  Gl  (>'■);  GWe.;  ScuStdt;  Th;  W; 
ZDättl.,  0.,  Grüsche  Gr;  GSa.  —  2)  Chriisch  bzw.  -ö-, 
-i-  Aa;  B  OV;  LG.;  SG.,  Tierst.;  Uw;  U;  Zg;  Z, 
Krüsch  GKNuf.,  S.  —  meist  n.;  f.  (mit  der  Eiid.  -e) 
in  Ap;  GlK.;  Gr:  1.  Kleie,  allg.  Wie  Chr.,  trocken 
und  unschmackhaft  (von  Speisen)  Z.  Meinti  Ein  [man 
könnte  meinen],  das  Brod  war  us  lüter  lötigem  Chriisch, 
so  schu-ars  isch  [ist  es]!  Zq.  's  dunkt  Mänge  Pasteten 
und  Fh'isch  a's  wie  Chriisch.  HIfl.  's  isch  eine^  vo" 
de"  Here  vo"  Riehe',  wo  Krüsch  uf  d'r  Nase  hend,  ein 
Kerl  wie  eine  Gans  Bs  (Becker).  Er  redt,  ivie  wenn 
er  Chr.  im  Mül  hett  [undeutlich]  Z.  De'  iceiss,  tco  's 
Chr.  Kse  chtiniit,  hat  Erfahrung  von  der  Sache  AAFri. 
Vil  Chr.  und  tceui«  Speck,  viel  Aufwand  und  wenig 
Erfolg  (eig.  =  trotz  guter  Nahrung  werden  die  Schweine 
nicht  fett).  Schild.  Da^  isch  z'  vil  Chr.  für  eis  Huen, 
zu  viel  Arbeit  für  eine  Kraft,  ebd.;  Gückk.  1844. 
jDass  es  Schnuderbuben  gibt,  die,  wenn  sie  noch 
nicht  über  3  Mass  Kr.  wegsehen  können,  in  allen 
Gaden  [Schlafkammern  der  Mädchen]  herumschnausen.' 
GoTTH.  ,Des  Teufels  Mehl  wird  zu  Gr.'  Sprww.  1824. 
.Dass  er  [der  Bäcker]  an  der  becke  [einmaligem  Backen] 
nit  mer  gewinne  danne  4  pfenninge  und  syn  gr.'  1331, 
TuFr.  Stadtr.  ,Wer  zum  Verkauf  einen  Mütt  Dinkel 
bachet,  der  soll  daran  gewinnen  zween  Pfenn.  und 
die  Gr.'  BThun  Handfeste.  ,Er  begert  seinen  bauch 
ze  füllen  mit  krüsch,  das  die  süw  assend.'  1531/48, 
Luc.  =  ,Kleien.'  1667.  ,Grüseh.'  1567,  Z  Batserk.; 
.Krüsch.'  1610.  ,ln  der  huugersnot  wurdent  grüschen 
ufkouft,  noch  einmal  gemalen  und  brot  darus  bachen.' 
1586,  Akdüsek.  ,Canica;,  krüsch  vom  mel.  Furfur, 
grüsch,  kleien.'  Fris.;  Mal.;  bei  Red.  1662  , Krüsch, 
Grüsch,  Grus';  bei  Denzl.  1677;  1716  ,Grüsch'.  , Sonst 
leiden  sie  in  Paris  so  merklichen  hunger,  dass  sie 
nichts  dann  gerisch  und  haberbrot  essen  müssen.' 
l.MXl,  Bs  Jahrb.  ,Grüschen.'  Anf.  XVII.,  GRKlost.  LB. 
.Menschen -Satzungen  der  Römischen  Kirchen  (wie 
unsre  fromme  Voreiteren  vor  der  Reformation  mit 
solchem  Gr.  sich  abspeisen  lassen  müssen).'  KdWirz, 
Absch.  1680.  ,Ich  habe  mich  mit  Kr.  und  geronnenem 
Blut  so  hässlich  verstellet.'  Schwz.  Scuausp.  1775.  — 
2.  Abfall  von  Holz,  kleine  Holzstücke  GRNuf. 

Ahd.  crusc;  furfur,  neben  grüzi  und  grnzze,  furfures. 
Notk.  übersetzt  aber  das  bibl.  Manna:  gruzzivinl,  und  die 
Form  mit  z  entspricht  vielmehr  dem  heutigen  Qrütze.  Mhd. 
erscheint  <jrüach  nur  in  spätem  obd.  Quellen;  iu  Vocab.  des 
XV.  auch  die  Xbff.  <jrüst,  griUsdi,  in  andern  obd.  MAA.  grheh, 
bair.-sehwäb.  grüuchen.  Vwdtseh.  mit  dem  alten  grüß,  Korn, 
yriuße,  Grütze,  gricß,  Sand,  ist  offenbar,  aber  nicht  un- 
mittelbar, und  lautlich  stehen  näher  it.  cru»ca,  rätor.  crisca; 
während  das  frz.  Patois  cmtze  wieder  mehr  auf  die  andere 
Seite  ueigt. 

Kopf-:  mittlere  Sorte  von  Kleie  Z.  Vgl.  Kopf-Mel. 

Schell-:  geringste,  von  der  äusserstcn  Hülse  ab- 
geschälte Sorte  von  Kleie  Z. 

grüschen:  Kalk  mit  Kleie  vermengen.  ,Kalch, 
Saud  und  Grüsch  wollind  MGH.  den  Steinmetzen  und 
Maurern  geben  und  helfen  gr.'  1664,  ZWthur.  Vgl. 
Gersten-Güsel. 

grüschig  xrÖii(j:  leicht  zerbröckelnd,  hart  und 
geschmacklos,  von  sog.  kurzem  Brot  LG. 

grüschle"  1  Bs  (auch  kr-);  Gl;  GWa.  ('«y,-  Sch; 
ZO.,  gröschele,  griischele  Ap,  xr-  ÄAFri.;  B;  L;  S;  Tii; 
Uw;  Zg;  Z:  1.  mit  Kleie  spielen,  insbes.  das  (z.B.  in  I 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


der  Weinlese,  am  Berchtoldstag  usw.  übliche)  Spiel, 
wobei  in  einem  Haufen  Kleie  Münzen  (in  GWa.  aucli 
Stecknadeln,  in  Aa;  L  auch  Knöpfe)  versteckt,  dann 
jedem  Kind  ein  Häufchen  zugeteilt  und  das  darin  Ent- 
haltene als  Gewinn  gesucht  wird  Ar;  Bs;  B;  Gl;  L; 
Th;  Ndw;  Zg;  Z.  In  L  wird  (wie  in  ZZoll.)  ein  ein- 
zelnes Stück  (Knopf  oder  Münze)  verborgen  und  darf 
jeder  Mitspielende  nur  einen  Grili'tun.  —  2.  (suchend) 
in  Etw.,  z.  B.  einer  Tasche  od.  einem  Behälter,  herum- 
wühlen, -stöbern,  -stören  Aa;  Bs;  „LE.;"  UwE.;  Syn. 
knüblen;  knusperen;  griiseheren.  ,Er  habe  einmal  einen 
Blick  rückwärts  geworfen  und  gesehen,  dass  N.  in  den 
Hosentaschen  etwas  krüschle.'  Z  Rechtspfl.  1833.  Im 
Geld  gr.,  hörbar  und  mit  Lust  im  G.  (das  man  auf 
dem  Tisch,  in  der  Schublade  oder  in  der  Tasche  hat) 
wühlen,  damit  spielen,  Überfluss  an  G.  haben  und 
zeigen  Aa;  B;  L;  Sch;  S;  Ndw;  Zg;  Z.  Syn.  rigJen. 
De''  Bür  ist  u"rernünftig  rieh;  de''  chröschlet  i"  de' 
Dublone"  AAWohl.  ,Wenn  sie  im  Geld  kr.  konnten, 
als  ob  sie  es  mit  Millionen  zu  tun  hätten.'  Bs.  ,Etwan 
träumet  einem,  er  finde  einen  schätz  und  grüschle  im 
gelt.'  LLav.  1582.  Etwas  anders  mit  Dat.  P.:  Si 
werden-em  lool  g'herig  im  Gelt  g'krisclielet  ha",  darin 
geraschelt,  d.  h.  gehörig  damit  aufgeräumt  haben  Bs. 
—  3.  heimlich  mit  Geld  umgehen,  unredlichen  Gewinn 
suchen  Ap;  Z;  von  anvertrauten!  Geld  [irutitieren  Scii. 
.Manchem  Gemeindrat  ist  es  sein  Unglück  gewesen, 
wenn  er  in  Gantgeldern  kr.  und  solche  in  seinem 
eignen  Intresse  hat  verwenden  können.'  BsL.  (Zeitung 
1878).  ,Chr.  in-ere  Sach,  in  alieno  negotio  commoduni 
suuni  spectare.-  Id.  B.  Beim  :\ns.Iirii  v,,n  Kurten  Kunst- 
griffe anwenilcii,  K;utrii  ui\t  dm  S|iirl,.ni  von  der 
selben  Partei  \mxIi.m-1ii  1,(1.;  /..  -  |.  Sarhen  unter 
einander  mengen,  besonders  in  betrügerischer  Absicht; 
Waaren  durch  Beimischung  verfälschen,  z.  B.  von  Krä- 
mern, Weinhändlern,  Wirten;  auch:  Rechnungen  fäl- 
schen, von  Buchhaltern  UwE.;  Z. 

Vom  Subst.  Ori'iach  und  zwar  deutet  die  Bildiin;,'  mit  / 
darauf,  dass  die  Bedd.  '2  —  4  von  1  ausgegangen  seieu.  Zu 
:j    und  4   vgl.  güdcnn. 

„er-:  hart  und  derb  mitnehmen,  durchprügeln  VO." 

Syn.  ijualtn,  er-habercn,  -lüeai.  Er-  bedeutet  die  Grüud- 
liclilieit  des  Verfahrens  (Suchens  nach  strafbaren  Fehlern 
und  der  Züchtigung). 

Grüschle r:  ungetreuer  Verwalter  anvertrauter 
Gelder.  Gotth.  Fälscher  von  Lebensmitteln,  s.  gri'isch- 
len  4.  ,Die  hallerwertigeu  wyu-  und  nidolmilchspiler, 
dessglychen  die  krüschl.r  .^"llrii  üt/it  ze  buoss  ze  geben 
schuldig  syn.'  1533,  Ya.u.  Art.;  zu  gri'ischlen  1. 

Grii.srliletc  f.:  1.  :ill.Tl.-i  vermischtes  Klrin-cld. 
BettelgrM  Tn'l'ä-  V.minisrldat  I.  'J.  ..vcrsIrrMrs 
Spiel,  eig.  und  bildl.-'  Vermis,;liuiig,  V,-rfals,liung 
UwE.  Zu  gri'ischlen  4.  ,Was  für  Leichpredigon  von 
anderen  Orten  uns  under  die  Hand  kommend,  sind 
Flattieren;  es  ist  Krüschletcn,  es  heisst  küpferne  Seel- 
gret,  kupferne  Mess;  den  Rychen  ist  gut  Leichpredigon 
halten,  aber  anderen  macht  man's  oben  anhin.'  1640, 
JJBreit. 

grüschlig/r-:  von  Kleie;  bildl.:  sehr  trocken  B. 

Grüscliel  n.:  kleines,  geringfügiges  Zeug  L.  Syn. 
Giisel.   —    Wahrsch.  znm  folg.   Vb. 

grusch(e)le°  II:  leise  rauschen,  rascheln,  z.B. 
von  Laub,  das  durch  die  Luft  Bs;  BHa.  ßj,  oder  durch 
kleine  Tiere  bewegt  wird  AAZein.;  auch  von  Papier, 


Üiasch -gruscli.    Grasp— grusp.    Grast  -gnist.    Grat— giut 


820 


mit  welchem  Mäuse  sich  zu  schatten  machen  AAFri. 
Von  Menschen:  leises  Geräusch  machen  Bs.  —  abe"-: 
mit  Geräusch  herunterfallen  machen.  Vgl.  abe'-giish" 
Sp.  474.  Wenn  e  Nachthöiel  von-ere  Tanne'  uf(/' flöge' 
ist  und  mit  grossem  Büsche"  ganz  Hufe'  Sehne  abe- 
grüsehelet  hed  L. 

Der  Voc.  scheint  kurz  (Aa;  Bs)  uud  lang  (BHa.;  L)  vor- 
zukommen, wie  seh  weich  (AaZein.;  BHa.)  uud  scharf  (Bs), 
wohl  je  uaeh  der  beabsichtigten  Nachahmung  des  Geräusclies. 
Uass  ;/  nicht  das  Pr.äf.  (vgl.  die  Anni.  zu  grüschen),  scheint 
aus  hrüschelen,  bruschcn  hervorzugehen,  welche  vom  Kauschen 
des  Wassers  gebraucht  werden  und  gewiss  nicht  das  Präf. 
bc-  enthalten.  Bei  uhe-tjr.  ist  wohl  nicht  an  ruschen,  runchelen, 
glitschen,  rutscheu,  zu  denken,  dessen  v.  kurz  zu  sein  scheint. 
Dagegen  findet  sich  auch  rii»cAc?«n,  rauschen,  rascheln,  rieseln; 
vgl.   auch  grischUn. 

grüschere":  in  Etw.  wühlen  LE.;  Syii.  gruschehn. 
Scheint  etwas  stärker  als  griin-lilen  (i),  zu  dem  das  W. 
ohne  Zweifel  gehurt. 


Grasp  — grusp. 

grasplc":  Nljf.  zu  grisploi  in  vcrstärkenilcni  8.  Bs. 

grisple":  kleines  Geräusch  machen,  leise  tasten. 
/'■*  her  [höre]  Eppis  gr.  an  dr  Türe'  Bs. 

Auch  riitpleH.  Der  Zusatz  von  g  wird  aufzufassen  sein 
wie  bei  gruaclien  u.  a.  Das  ge-  des  Ptc.  der  mit  r  aul.  Form 
kann  immerhin  mitgewirkt  haben.  Lautuachahmung  wie 
(z)wi»p}ai  u.   Ä.     Übrigens  s.  noch  kr-. 

Grospe"  m. :  Tannenstamm  ohne  Äste ;  dürrer,  nach 
andrer  Angabe:  abgebrochener  Wipfel  Gl. 

An  «uuiittelbarc  Entstehung  von  »p  aus  tz  in  Grulzen  wird 
kaum  zu  denken  sein;  es  miisste  eine  Mittelform  mit  »(  an- 
genommen werden  (vgl.  G'riuji,  Nbf.  zu  JHhI).  Näher  liegt 
das  Adj.  rüsp,  in  Gl  =  rUm-h,  dürr,  ahd.  roncli),  dessen  «<■ 
in  ap  übergehen  konnte,  wie  st.  Unser  W.  viell.  durch  Ver- 
schmelzung dieser  beiden  Wortstämmo  entstanden.  Doch  s. 
auch   llVipi;  ri'irpen,  zsraffen. 

grnspele":  Geräusch  machen,  rascheln;  unruhig 
geschäftig  sein.    Was  gruspelet  unter  •'em  Tisch?  Bs. 

Offenbar  ablautend  zu  grisphn  und  graaplmi.  nur  dass  der 
Laut  u  ein  dumpferes  Geräusch  bezeichnen  wird;  rüaphn 
wird  von  Mäusen  gesagt.  Betr.  das  g  gilt  das  zu  grispkii 
Bemerkte. 


Grast  — grust. 

G«-grest  n.:  1.  eilfertiges  Wesen  A.vWohl.;  hastige 
Beschäftigung,  geschäftige  Eile  L;  Zg.  —  2.  wieder- 
holtes zudringliches  Bitten  Z.  —  3.  lautes  hastiges 
Gerede  L;  Zg.  —  Vom  folg.  Vb. 

greste-,  meist  e';  e^  in  AaF.,  Fri.;  -rfi-  ZO., 
greschge'  übw:  1.  a)  eilen,  in  eigener  Tätigkeit  eil- 
fertig sein  und  sich  geberden  AiWohl.;  Ndw;  ZA. 
Hastig  arbeiten  L;  Syn.  fechten.  Sich  mit  Arbeit 
plagen.  Si  hend-en  ellei"  lö'  gr.  L.  —  b)  drängen, 
Andere  zur  Eile  antreiben,  zur  Arbeit  nötigen  AABb., 
Wohl.;  Th;  Z.  Syn.  jüsten,  nöten,  stupfen.  , Unauf- 
hörlich zänkeln  Z."  Laut  reden,  schreien,  z.  B.  zan- 
kend L;  „Scuw;"  Zg.  Auch  von  dem  Rufen,  Schreien 
und  Schelten  mit  Zugtieren  Th  (Pup.).  .Treiben,  gre- 
sten,  mennen,  urgere,  agere,  pellere.'  Beb.  1662.  — 
2.  inständig  und  zudringlich  bitten,  mahnen,  zureden. 
Jmd  zu  Etw.  zu  bewegen  suchen    Aa;  Bs;  ,VOrte;'' 


Sou;  Z;  oft:  , an' Einem  jfj'.  %yn.  noten,  müeden.  Gegs. 
«"  Not  län.  Er  hat  a'-mer  umme  grestet,  bü  i'''  jö 
g'sät  ha"  Sch.  !"'•  han  em  's  müesse'  ge",  er  hat  nit 
nö-g'lö  gr.  und  grause"  AAZein.  De"'  Herr  hat  eisig 
grest't,  bis  i'''  g'sunge'  ha'.  Stütz.  —  3.  immer  sorgen, 
bekümmert  sein  ScuNk. ;  „unaufhörlich  sich  beschwe- 
ren Z."  —  4.  rösten,  bes.  Kattee,  auch  Suppe  Sch. 

Für  die  Erklärung  dieses  sonst  nirgends  genau  iu  dieser 
Form  und  Bed.  bezeugten  W.  bieten  sieh  2  Möglichkeiten: 
1.  ,gresten'  aus  ,ge-resten',  und  ,resten'  =  , rasten'  in  der 
(der  gewöhnlichen  entgegengesetzten)  Bed.  ,in  anhaltender 
Bewegung  begriffen  sein',  entsprechend  der  aus  der  gewöhn- 
lichen Bed.  des  Subst.  ,Kast'  f.  entstandenen,  mit  männl. 
Geschl.  verbundenen  Bed.  ,Mass  der  Arbeit,  die  der  Ruhe 
vorhergeht',  s.  St.  2,  260;  Gr.  WB.  8,  151.  Neben  rasla 
bestand  schon  ahd.  reell  und  dem  entsprechend  neben  rasten 
ein  retten,  auch  bei  uns  bezeugt  in  ab-rmten,  ausruhen.  Ob 
realen  i.  S.  V.  .antreiben,  zudringlich  bitten'  (Schw)  urspr. 
oder  erst  aus  dem  Ptc.  von  greaten  abstrahiert  sei,  kann  un- 
entschieden bleiben.  Die  bei  dieser  Erklärung  angenommene 
Begriffsveränderung  findet  Parallelen  in  lat.  vacare,  müssig 
und  fleissig  sein,  ,Mnsse  :  müssen'  ü.  Ä.  —  2.  greaten  für 
hreaten  und  dieses  =  kreisten,  st<jhnen  vor  Schmerz  oder  An- 
strengung, Gr.  WB.  5,  2161;  Schm.-Fr.  1»  1383.  Diese 
Erklärung  ist  weniger  wahrsch.,  weil  jenes  ,krcsten"  und 
.kreisten'  nicht  auf  unserm  Gebiete  vorkommt,  der  Übergang 
von  ei  (oder  älter  t)  in  e  (das  doch  zunächst  lang  gewesen 
sein  müsste)  keine  Parallelen  findet  und  weil  die  Bedd.  unsers 
.gresten'  aus  der  von  ,stöhnen'  sich  weniger  leicht  erklären 
lassen,  auch  wenn  man  von  3  ausgienge.  —  Bei  i  fallt  der 
zufallige  Anklang  an  , rösten'  nicht  in  Betracht.  Diese  Bed. 
wird  wohl  nur  daraus  zu  erklären  sein,  dass  das  Rösten  eine 
ziemlich  mühselige  Arbeit  ist,  bei  der  es  darauf  ankommt, 
in  kurzer  Frist  den  richtigen  Temperaturgrad  zu   benutzen. 

an-:    laut  anreden  Zg.     Zu  gresten  1  b. 

Gresti  m.:  der  an  einem  Andern  treibt,  ihn  be- 
lästigt AAWohl.;  L;  üwE.;  Z;  Syn.  Müedi. 

Grist.  ,Die  langwirigkeit  der  türe  [Teurung] 
brocht's  dohin,  dass  man  nit  fand  gr.  und  gersten, 
mues  und  honen  zue  malen  g'nueg.'  1531,  Bs  Chr. 

Viell.  für  llrüst  als  Nbf.  von  (Jrüach  oder  Grütz,  s.  dd. ; 
doch  vgl.  auch  engl.,  ags.  yriat,  zu  mahlendes  Getreide,  Mahl- 
korn, Mehl,  das  auch  ahd.  gewesen  sein  mag. 

Grnste  f.:  1.  Kruste,  a)  von  Brod  Gr.  Dim.  GrustU, 
kleines,  hartes  Stückchen  Brod  GnSplüg.  —  b)  von 
Schnee :  dünne  Schneedecke  Gr  ObS.  —  2.  magere 
Wiese  GrL.,  ObS.  —  3.  Dim.  GrustU,  etw.  Geringes, 
z.  B.  eine  schlechte  Kuh  GRRhw.,  V. 

Aus  it.  croata  (lat.  e>u»(a).  Bei  Bed.  2  ist  an  eine  nur 
dünne  ,Kruste'  von  Humus  zu  denken;  bei  3  an  Übertragung 
von  der  Magerkeit  des  Bodens;  vgl.  aber  auch  Jiuatig. 


Gral(t)— gruf(t). 

Grat  1.  in  BO.;  GnPr.  Grad  —  PI.  -ö-  bzw.  -ä- 
—  111.:  1.  (in  ScHwE.  Griit  n.)  Fischgrat,  allg.  Schluck 
kei"s  Grat  SchwE.  Ke"  Bock  öne  Not  [Naht],  keti 
Fisch  öne  Grot.  Ineichen.  ,Ohne  Dorn  kein  Kos.  in 
nasser  Scböss  kein  Fisch  ohn  Grot  wird  g'flschet.' 
JCWeissenb.  1678.  Der  Teil  für  das  Ganze:  ,Keinen 
Gr.  fangen',  d.  h.  gar  Nichts.  Sebast.  1730.  ,Ein 
Grätlin,  ein  Brätlin  und  ein  Salätlin,  wenn  das  habe, 
verlange  Nichts  weiters.'  Museum  1793.  Vgl.  kes  Bei" 
=  kein  Mensch,  und  kes  Bütschgi  =  kein  Apfel.  — 
2.  länglicher,  schmaler  Bergrücken,  allg.  Es  regnet 
ither  all  Grat  iis  [vom  Landregen]  OnPr.     Wenn  der 


821 


(irat,  gret.  grit.  gr 


i-ut 


Angst  a'fäht  (a'-gäl),  ist  der  M'inter  im  Gr.,  fängt  es 
;uif  der  Höhe  schon  an  kalt  zu  weiden  W.  D'  Sitnin- 
hed  an  d'  Gred  ang' schlage'  y'ha",  hatte  mit  ihren 
orstcn  Strahlen  die  Berghöhen  getroffen  GnSchiers; 
vgl.  graten  4.  Über  d'  Grat  ga',  untergehen,  von  der 
Stiiinu  ('.liObS.;  Syn.  für  Oold  ga".  Wir  leben  im 
bc.tliii  l-'niliii  Ulli  ixrn  [unsern]  Nachburen  hinder-^em 
Gr.  l;lii.  iS.liw /iL).  ,K  daz  er  uf  den  höhen  grät 
niug  koiiifii.  da  der  bouni  üf  stät.'  Boner.  ,Anf  dem 
(irat  zu  Scholitz  fleusst  das  Wasser  von  einem  Tach- 
tniut'  in  die  111  und  anderseits  von  dem  andern  in  die 
Larg.'  WuRSTisEN  1580.  .[Am  Meere]  dahin  sein  [des 
Taurus]  Arm  sich  weit  erstrecken  und  nach  und  nach 
viel  Grät  erwecken.'  HsBRebm.  1620.  Von  der  Dach- 
first: ,Von  der  Burg  [Schloss  Rapperswyl]  obristen 
Grate  oder  Schneeschmelze.'  Einsidl.  Chr.  1752.  S.  auch 
Grund  4  (von  zsstossenden  Dächern).  Grund  und  Grat 
s.  Grund  Sp.  773.  Die  trlsso  Gredjene,  Cimes-blanclies, 
drei  hohe,  kahle  Felsh.-.n.ev  uImt  .In,,  A  v;i.-iH,4-rlier 
zw.  Mte  Kosa  und  Jlt  (',.,-viii  INI,-.  (Srlmiti.  |  l;,,iiiuvr 
Fluni.  B;  L;  Tn;  Zc.  liil.ll.  [es  ist]  ,.;n,i  di,.  zweilel- 
haft.  ungewiss  F;  L."  —  3.  längliche  künstliche  Er- 
hcdning,  z.  B.  Aufschichtung  ausgegrabener  Kartoflfeln. 
ir(;""-iHe"  d'  Hcrdöpfel  üsacheret,  müend  d'  Chind  e  so 
Grät  (Mttdli)  mache'  dero  ZNer.;  vgl.  gräten.  — 
4.  vorstehender  Teil  eines  Gefüges,  der  in  die  Nut  des 
entsprechenden  Teiles  hineinpasst  BBe.  Syn.  Federe, 
Zunge.  Umgek.:  Vertiefung,  Einschnitt,  in  welche 
eine  Leiste  hineingepasst  wird  AaF.;  ApH.  —  5.  Grätli, 
vertiefter  Teil  an  Häkel-  und  Strickarbeiten  Z.  Vgl. 
gräl(lkii.  Gn'itir.  —  6.  Traubenkamm  SL.  —  7.  Name 
einer  Kuh  i,iit  weissem  Streifen  am  Kückgrat  Ap.  Vgl. 
FleH:  Sjuajcl. 

Mini,  iiiat  in  Bed.  1  u.  2,  auch:  hervorstehende  scharfe 
Si>itzo,  übh.  Unebenheit.  Die  scheinbar  entgegengesetzten 
Ang.iben  bei  4  erklären  sich  ans  der  correlat.  Beschaffenheit 
der  Sache  selbst  und  verhalten  sich  wie  nhd.  (nd.)  , Deich' 
?.n  , Teich'  u.  ä.  Auch  .Kamm'  l)zw.  nnser  Chambe  vereinigt 
die  Bedd.  ä,  4  und   0. 

Fisch-:  Gräte  Gl;  Z,  auch  als  „Versteinerung 
auf  'rnii>.liiil,T  (ii."  und  als  Modell  für  Spitzengewebe 
und  r,,,.|ii.tlHMl,i,.  deren  Bestandteile  nach  Art  von 
gewissen   l''isel,i;iMten  in  einander  greifen  Z. 

Gerste'"-:  Geschlechtsn.  LWill.  Jahrzeitb.  —  Mhd. 
i/iät  wird  auch  von  den  Spitzen  der  Ähren  gebraucht. 

Gitzi-:  fingierter  Name  eines  Wohnortes  armer 
Leute,  welche  nur  Ziegen  weiden  können.  Gotth. 

Bnne"-:  die  Grenze  zwischen  den  Hälften  einer 
Schote  Sru;  Syn.  Faden.     Vgl.  grätlen. 

Poiipe"-,  auch:  „-Grätli":  zweiblättrige  Meer- 
zwiebel. Scilla  bifolia  GRMal.  —  Poitpe  =  Puppe,  nach 
der  Zwiebelform  der  Wurzel?     Durheim  schreibt  Pii<j<je-. 

Eugge"-  bzw.  Rügge"-Grät  ZO.,  -Rot  STierst., 
-liäd  ZStdt  u.  rS.,  Riggrät  Gr  ObS. :  Rückgrat.  ,Rugk- 
grat.'  ITiOn.  Hiou;  TiEiiii.  l.")(;:^,  neb.  .Ruggrat.'  ,Rugrat.' 
Z,;  Arziieib.  ir.ss.  .L'uckuradt.-  .1  L< 'vs.  1(561.  ,Rugkrad.' 
ZZoU.  Arzneib.   171(1. 


ahingestellt 


HiMlie,  zsges.  sei, 
heimischen  Formen 
ihterung  der  Anssp 
allgemein  deutschen 


Vgl.   noch   Ihiyyen-ltwl. 

grätechtig:     mit    vielen    Gräten,    von    F 
HEEscHER  1(592. 


gräte"  (ä) :  1.  zspüügen.  d.  h.  einen  Acker  so 
[itliigen,  dass  man  in  der  Mitte  anfängt  und  von  da  nach 
den  Enden  fortschreitet,  wobei  die  Erde  der  zweiten 
und  dritten  Furche  auf  die  er.ste  geworfen  wird,  also  in 
der  Mitte  eine  kleine  Erhöhung  (Grat)  entsteht  ,6" ; 
Syn.  sesammen-eren,  -faren,  -fällen.  S.  auch  Gammen 
Sp.  299.  Bei  dem  entgegengesetzten  Verfahren  (,Aus-- 
einanderpflügen')  fängt  man  an  einem  Rand  an  und 
schreitet  gegen  die  Mitte  fort,  wobei  man  die  Erde 
stets  nach  aussen  legt,  so  dass  in  der  Mitte  ein  Graben 
entsteht.  —  2.  eine  Vertiefung,  einen  Einschnitt  ma- 
chen, um  Holzteile  in  einander  zu  passen,  wozu  man 
die  ,Grätsäge'  und  den  ,Grathobel'  (s.  Gräter)  braucht 
Aa.  ,Zsfügen,  z.  B.  Bretter",  Holz  zu  einem  ,Grat' 
hobeln  Z.  Syn.  kämben.  —  3.  ,Grätet  Tuch,  unred- 
liches Tuch,  welches  zur  Warnung  der  Käufer  von 
den  Schauherrn    ist  geschrenzt  worden'   Bs  (Spreng). 

—  4.  (intr.)  von  der  Sonne,  wenn  sie  am  Morgen  mit 
ihren  ersten  Strahlen  die  obersten  Berghöhen  trifft 
BSi.;  s.  Grä,t  2. 

Das  mhd.  WB.  hat  nur:  hnimit  ,jr.,  aufznpfen.  Zu  unserm 
;/;-.  ;  gehören  wohl  die  Flurn.  ,Ebengrät,   Klendgrät'  BInterl. 

„Gräter  m. :  Fughobel. " 

grätig:  kantig,  scharf  GWa. ;  bildl.  übelgelaunt, 
mürrisch,   unwirsch  GWa. ;  S ;  Z ;   Syn.  hässig,  iHbig. 

—  hert-:  halsstarrig,  hartnäckig,  unbeugsam.  Bitte, 
nachgibig  zu  sein,  damit  die  Gegner  nicht  sagen,  ,wir 
sygen  h.'  1530,  Bs  an  Z. 

grätle":  1.  Bönen  gr.,  die  Faden  von  den  Hülsen 
ziehen  Z;  Syn.  abmachen.  VgL  Bönen-grät.  —  2.  eine 
Art  zu  sticken  AeK.  Zu  Grat  5.  —  3.  g'grätlet,  ge- 
riefelt, mit  Kiele,,.  K,  I, ei, liiiuen  versehen  ZZoll.  ,Reb- 
holz  von  eine,  /,iirhl,,eli ,  braunrot,  gerätlet,  mit 
schwarzen  Düiirieiieii.-  ITsl.  ZWipk. 

Grätler.  -in:  ciiilältii,^^',  ungeschickter  Mensch; 
Gräteier,  langsamer,  zii^-enider  Mensch  AAZein. 

Viell.  cig.  Einer,  der  beim  Essen  von  Fischen  langsam 
und  sorgfältig  die  Gräte  auszieht,  dann  Einer,  der  sich  mit 
kleinlicher  Spielerei  abgibt,  od.  der  zu  Nichts  als  zn  ,grätlen'  1 
brauchbar  ist.     Vgl.  aber  auch    (Irättelr.r. 

Grat  II,  Grät  s.  Gred. 

Grattel  (auch  kr-,  Chr-)  m. :  Hocliinut,  Stolz, 
Einbildung.  Fii  Gr.  hu"  AaLIiuI.;  ßsStdt;  de"  Gr. 
mache"  Bs. 

Nach  Gr.  WB.  .".,  '207(1  .Krattel'  in  der  selben  Bed.  im 
Elsass,  am  Mittelrhein  und  in  Schwaben.  Das  W.  wird 
also  von  dort  nach  Bs  eingedrungen  sein  und  auffallend  ist 
nur,  dass  es  sich  auch  in  einem  abgelegenen  Strich  des  Aa 
findet.  Die  Vermutung  des  Gr.  WB.,  dass  es  eig.  .Kitzel' 
bed.,  mag  richtig  sein;  dann  wäre  es  aus  fi/.  .iliii.,.  .,,^,ii,i,  ,-. 

kratzen,    krauen   (vgl.   ne  pi(juei-  ih  qd.,     vi,;,     :    r   .v.,< 

einbilden)  zu  erklären.     Das  -d  und  das  ^l,i  n  nl, 

das  der  begrüfsverwandten  .Kitzel,    Dünkel.    i;i,.  i-   , h    Ik- 

günstigt  sein. 

Gräfte"  f.:  Ansatz  gekochter  oder  gebratener  Speise 
am  Boden  der  Pfanne,  z.  B.  von  Brei  GnSch.  Prätlet 
Erdbir'e'  [Kartoffeln]  mit  goldzündgeV'er  Gr.  GRSchiers 
(Schwzd.).  Syn.  Rümen.  -  Vom  rätorom.  ijnMar,  (.al)-) 
kratzen. 

Grattiken  PL:    Grimassen  ZFlurl.;   Syn.  Grasscii. 

—  W-ihrsch.   entstellt  aus  ,?rattiken',  gespr.    />!■-. 
ab-grattle°;    um    einen    S)iiitt|ireis   abkaufen,   ab- 
markten BGu.;  Syn.  ,./.,;,„/,,,    .Jnirken. 

Von  frz.  uralter,  ijniii.,'  ■  >  .  -\    ,,  aber  ,kratzon'  hier 

i.  S.  V.  h.ibgierigom,  ge\\,i,ii^ih  hi,^.  m  W.sen;  vgl.  ,scliaben'. 


lirat,  gret,  grit,  grot,  grut 


824 


Grättel  m.  Z,  Grättc-m.  Aa;  Bs;  L,  f.  Aa;  S  (in 
Tierst.  auch  Grättene,  PI.?),  Gretti  f.  B;  „L  (auch 
Gritti);"  S,  n.  AaF.;  L  ;  UwE.  (ßrdtij;  Onw  CGrätti  I); 
ZKn.:  1.  a)  die  zwei  Seitenarme  am  Pflug,  welche 
zwischen  den  Rädern  angebracht  in  die  Deichsel  ein- 
greifen L;  ZKn.,  W.  Vgl.  noch  Grätten-Arm  Bd  I  453. 
—  b)  die  von  der  Hinterachse  des  Wagens  ausgehen- 
den, nach  vorn  sich  vereinigenden  und  dort  durch 
einen  Nagel  an  der  Langwid  (oder  dem  .Gespatt') 
befestigten  Arme  oder  Schenkel,  entsprechend  den 
,Diechsel-  od.  Honarmen'  am  Vorderwagen  Aa;  Bs;  „B;" 
L;  S;  UwE.;  Z.  ,30  Paar  schwere  Grettel  (Wagner- 
holz).' Z  Amtsbl.  1869.  Den  Huborn  zu  ZSchwam. 
wird  erlaubt  ,Holz  zu  Vorzügen  4  Zwergeichli  und 
zu  den  Grädlen  2  der  gleichen.'  1738,  Hotz,  Urk.  — 
2.  Geripp  eines  noch  nicht  ausgebauten  Hauses  Obw. 
Syn.  Zarge.  —  3.  Flurn.  Ober-,   Under-Gretti  L. 

Zu  ijrätun,  indem  die  Gestalt  der  u.  1  augeführten  Arme 
derjenigen  gespreizter  Beine  gleicht;  bei  2  ist  wohl,  wenn  es 
Uhh.  das  selbe  W.  ist,  an  die  gespreizten  Balken  zu  denken, 
die  an  einem  solchen   Gespann  aus  einander  ragen. 

Hinder-GräH  n.:  Schwanzriemen  am  Pferdege- 
schirr. ,Postilena,  der  hinder  sattelbueg  oder  das  h.' 
Fris.;  Mal.  —  Der  betr.  Teil  des  Sattelzeuges  geht  bei 
der  Schwanzwurzel  in  2  Arme  ans  einander. 

„grättele":  etwas  Kleinliches  mit  Genauigkeit 
und  Fleiss  ausarbeiten;  auch  von  einem  Menschen, 
der  ohne  bestimmten  Beruf  allerlei  Mechanisches  zu 
verfertigen  weiss  Aa."  Syn.  klütterkn.  —  Grätteler 
ni.:  1.  „Mensch,  der  ,grättelet'  Aa;  B,  stiller,  gut- 
mütiger, etwas  langsamer  Mensch  BO.";  Kleinigkeits- 
krämer S.  —  2.  alter  Mann  mit  gespreiztem  Gang  S. 
Syn.  Gritti. 

Die  Bed.  von  i/rättelcn  und  Grätteler  1  lüs^t  siili  zur  N^t 
aus  derjenigen  von  grättm  (langsam  schrtit. m  . ntwi.  1,(  In: 
doch  hat  wahrsch.  Vermischung  von  chrüii.hn  mil  ^Iri  Fa- 
milie (/rntfen  Statt  gefunden.  S.  noch  (intthii,  ijruiiUn,  .jriiiilni. 

grätte",  in  Bs  auch  Jr-;  die  Beine  weit  aus  ein- 
ander strecken  Bs  (Spreng);  Syn.  grätschen,  grillen 
CgriggenJ;  mit  gespreizten  Beinen  langsam,  unbehülf- 
lich  gehen,  schwanken,  wackeln,  watscheln,  wie  eine 
Ente,  humpeln  AAFri.;  Bs;  BBrisl. ;  S;  Syn.  tratschen. 
Bildl.  langsam  zu  W^erke  gehen,  nicht  vorwärts  kom- 
men Bs  (Spreng).  —  ver-.  ,Die  Füsse  v.,  die  Beine 
zu  weit  aus  einander  stellen,  grätschen;  refl.,  sich 
breit  machen,  gross  tun'  Bs  (Spreng). 

Vgl.  bair.  ,graten',  grosse,  weite  Schritte  machen;  md. 
und  ä.  nhd.  ,greten',  schreiten;  ,entenmässig  wackeln  nud 
gratteln.'  Fischart. 

„grätterle":  mit  ausgebogenen  Füssen  einher 
gehen  S." 

Grätti  II  m.:  gespreizt,  schwerfällig,  unbehülflich 
gehender,  langsamer  Mensch  AAZein.;  Bs,  Zauderer. 
Spreng  (auch  ,Grätter').  En  alte  Gr.,  gebrechlicher 
Mann  Bs.     Syn.  Gritti. 

gritti-grätti:  Adv.,  rittlings  (z.  B.  sitzen)  Bs; 
grittis-grättis  gö",  gespreizt  gehen  Bs;  auch:  ,krättig 
laufe°.'  ebd. 

Wahrsch.  ist  die  in  zweiter  Linie  angeführte  Form  die 
echtere  und  lässt  sich  als  gen.  (adv.)  Form  des  Inf.  erklären 
wie    Verbert/ia  u.  ä.      Vgl.   das  Folg. 

grättli"ge":  Adv.,  überzwerch;  gr.  uf 's  Boss 
sitze  BsTerw.;  vgl.  grittli'ge". 

Vgl.  ,grattelicli  reiten',  von  Mädchen,  mit  gespreizten 
(statt  mit  gosclilossencn)  Bchu'n.    Fiscbart. 


Gret:  1.  Gret  Ap  fe'O;  „VOrte;"  Gl;  Sch;  Schw; 
Th;  Z,  GrHe  Gr;  „Sch;  W",  Dim.  Gredi  Bs;  „BBr.", 
Greti  Gl,  Gretli  „Aa;"  Ap;  'Bs(-d-);  „B;  VOrte;  S;" 
Z,  Gretschi  B;  Gl;  GnPr.:  weibl.  Taufn.  Anne-Gr. 
Stutz.  ,Vern  [Frauen]  Greden.'  1307,  Bs  Urk.,  ,Gret.' 
1455,  AAWett.;  1540;  1559,  Z;  1608,  Ap.  ,Greta.'  XIV., 
L  Probsteirod.;  1495,  ScnwWoll.  Jahrzeitb.;  1605,  Gr 
(Ardüser).  ,Grety.'  c.  1450,  ScnwTugg.,  ,Gretly.'  1511, 
Z.  —  2.  in  den  untern  Ständen  als  überaus  häufiger 
Name  übergehend  in  appell.  Bed.,  i.  S.  v.  gemeine 
Bauernfrau,  Bauerndirne,  oder  Weibsperson  übh.,  wie 
Hans  für  männl.  Personen,  a)  allein  stehend,  a)  ohne 
speciellere  Bed.,  doch  im  Dim.  mit  verächtl.  S.  Bin 
ich  denn  nüd  en  g'schlagne  Ma",  das  ich  muess  so  es 
Gretli  ha!  Volkslied.  Das  ist  nur  mit  Gretli  g'schimpft, 
nur  ein  wenig,  nicht  stark  GrL.  ,Wann  [denn]  ich 
schlecht  glaube,  dass  also  wenig  für  mich  seie  ein 
gretli  und  dorf-näpper,  ein  päurin,  also  wenig  seie  für 
dich  ein  rauher  handwerksmann  oder  paur.'  HBull. 
Brautwerbung  1527.  ,Els  und  Gret,  zwo  Bäurinnen.' 
MvRicÄus  1630.  ,Der  Landammann  von  Schwyz  er- 
mahnte die  Toggenburger,  sie  sollen  sich  des  Psalraen- 
singens  müssigen  und  dafür  das  Gretli  singen.'  Ende 
XVI.,  MöRiK.,  Breit.  Man  fand  es  ungeziemend,  dass 
ein  Frauenzimmer  äussert  dem  Hause  die  Dame  und 
innert  den  4  Wänden  ,die  Gret  spielen'  sollte  (von 
der  Kleiderpracht  der  Frauen  im  XVUI.).  Liebenau 
1881.  —  ß)  furchtsame,  in  AARein.  auch:  schwache, 
unbehülfliche  Person,  auch  vom  männl.  Geschl.  AABb.; 
Ap;  ScnSt.;  Z;  Syn.  Fürchtibutz.  Dem  Kriegsmann 
wird  gedroht,  er  werde  von  der  Liebe  so  mitgenommen 
werden,  ,dass  du  wirst  wie  ein  gret  do  ston.'  Gengenb. 
,Effceminatus,  ein  weibischer  mensch,  ein  gret.'  Fkis.  ; 
Mal.  ,Ich  wäre  ja  ein  rechte  Gret,  wann  ich  mich 
Hess  vertreiben.'  Eidg.  Dam.  —  b)  mit  Adjj.  ,Arme 
Gr.,  der  armen  Gr.  Tochter',  eine  Hausfrau,  die  von 
allen  Mitteln  entblösst  ist  und  sich  darum  z.  B.  gegen- 
über Gästen  für  mangelhafte  Bewirtung  entschuldigt: 
Ich  hi»  halt  der  arme  Grefe  (Tochter)  ZRät.,  od.:  F'' 
ha  's  wie  der  arme  Grete  Tochter  ZZoll.  ,Bin  ich  der 
armen  greden  tächter.'  Aal  1549.  ,Dummi  Gr.',  Ein- 
faltspinsel ScH;  Z.  ,Muedi  Gr.',  mit  Bitten  und  Klagen 
belästigend  GRh.  ,Ein  wunderlich  Gret.'  Gotth.  ,Das 
wüstest  Gret.'  ebd.  Eine  lange  Gr.,  grosse,  hagere 
unschöne  Weibsperson  L;  s.  3  b.    Vgl.  noch  die  Compp 

—  3.  Name  einer  stehenden  Figur,  Puppe,  in  Volks 
spielen,  a)  gemalte  Puppe,  hinter  Schützenscheiben  an 
gebracht,  bei  guten  Schüssen  aufhüpfend  Ap.  's  Hansli 
ond  's  Gretli,  der  Hanswurst  und  seine  Frau.  ebd.  — 
b)  die  , lange  Gr.',  eine  Fasnacht-Puppe,  von  einem 
vermummten  Burschen  herumgetragen,  schliesslicli 
verbrannt  LWillis.  (Lüt.  Sag.  496).  ,Das  Gret  Schell', 
eine  Fasnachtpuppe,  auch  ,die  alte  Fasnacht'  in  ZoStdt, 
welche,  ein  altes  Weib  vorstellend  (einen  Korb  und 
darin  ihren  Mann  aus  dem  Wirtshaus  heim  tragend), 
eine  Peitsche  schwingend,  von  verkleideten  Narren 
und  von  der  Schuljugend  begleitet,  durch  die  Stadt 
zieht  und  den  Knaben  zuruft:  Bliebe",  rüefed  Narre! 
Eine  Margareta  Schell  soll  um  1717  in  Zug  Lehrerin 
gewesen  sein  und  dadurch  Anstoss  erregt  haben,  dass 
sie  auch  Knaben  in  ihre  Mädchenschule  aufnahm, 
welche  dadurch   in  den  Ruf  arger  Unordnung  geriet. 

—  c)  ,Hansli  und  Gretli',  phantastisch  gekleidete  Stroh 
figuren  der  frühern  Fasnachtfeicr  in  AAWohl.,  ent- 
si.rechond    .Kridengladi    und    Else'    in    Z    (Bd  I  202 


82r. 


Grat,  grei,  grit,  grot.  grat 


11  i.;o4),  auf  einem  Hade  tanzend  von  der  Jugend 
lierunigefülirt.  —  4.  Name  mehrerer  in  Volkssagen 
vorkommender  Hexen,  so  in  UUrs.  ,Nidel-Gr.,  Sclmei- 
der-Gr.,  Gr.  Schullin  (vwdt  mit  Gr.  Schell?).'  LUr., 
Sag.,  199—201.  Im  Aa  ,Zibele  [Zwiebel]-Gr.'  RociiH. 
1856,  2,  188.  .Die  lange  Gr.'  ersMieint  au.-h  al^  hexeii- 
artiges  Schreckgespenst.  -  b.  C'/W//,  klrinr,  i  Ir.rli«  iir. 
Gerstenkörnchen,  am  Augenli.l  il;  /-.  Smmi,  -.  IjL'i 
Urseli  (Bd  I  468),  ferner  Gnlli,  llan,  JuinpfrfU, 
Biberne,  Wärle.  —  6.  GretU  im  Busch  (in  der  Heck) 
Bs  (auch  Gredeli-),  Gr.  im  Sfrüss  GWc.,  türkischer 
Schwarzkümmel,  nig.  Damasc;  Syn.  Brut  im  Grüene, 
Här-heueli  Bd  I  616.  Gr.  im  Busch,  auch:  schwarzer 
Koriander,  nig.  sat.  Hegetsobw.  S.  noch  Gritli.  — 
7.  ,Gretenseewadel',  Flurn.  ZSth. 

Verkürzung  von  .Margareta'  (Margret)  wie  Orit  von  der 
frz.  Nameusform  Marguerite.  Apiicllative  Wendung  des  Na- 
mens wie  z.  B.  bei  Elm  Bd  I,  ib'l,  Appele  3öl,  Bäbi,  s. 
Wackern.  3,  128  ff.  Aus  2  erklären  sich  3  —  6,  ohne  dass 
man  für  3  u.  4  mythologische  Grundlage  zu  suchen  braucht. 
Bei  ü  ist  noch  spec.  an  die  schöne  blaue  Blüte  zu  denken, 
die  in  Mitten  des  grünen  Blatterbusches  sitzt,  und  mit  einem 
Mädchen  verglichen  werden  kann,  wie  sonst  umgek.  Mädchen 
mit  Blumen. 

FüH-Gret,  Fe'le-GretU:  zartes  oder  schüchternes 
Mädchen  Sch;  Th. 

Da  in  jenen  MAA.  mehrfach  e'  an  Stelle  von  sonstigem 
./*  erscheint,  wird  man  fih-  =  ,fehlen'  erklären  dürfen,  so 
dass  das  Comp,  eine  Person  bedeutet,  der  immer  Etwas  fehlt, 
d.  h.  die  sich  immer  über  Etwas  beklagt;  vgl.  Jämer-, 
Kumber-Gr. 

Furcht-  Furcht-Gret  SchwE.,  „Fürchti-GretW, 
Furcht-  Zu,  Fm-ch-Gret  Aa;  Th;  Z,  Forcht-  Gl, 
Furcht-  AaF.  =  Grit  5  a  ß.  Syn.  auch  Furcht-Füdle, 
Fürchti-Butz.  —  Hüener-  s.  H.-Gredel. 

Hüwel-:  altes  Weib  S. 

Bezieht  sich  eig.  weniger  auf  das  Alter  .als  auf  die  strup- 
pigen  Haare,  s.   ti,rcl  Bd  I   GU:   filfi. 

Jämer-:  Person,  die  viid  jaiiiiiicMt  ,.\'(  h;Ti:;"  Tu; 
Z;  Syn.  Jämer-Grächze,  -Kni.r.  —  KimiiImt-:  I'ci- 
son,  die  sich  unnötigen  Kummer  uiai-ht  S.  iiSt.;  /Iialtl.. 
Ner. ;  Sy n.  Kumher-Kräze,  -  Trucke.  —  K  a  r  r  e  n  s  a  1  b  e  - : 
schmutzige    Person.     ,Bei    einer    verschmuseltcn    K.' 

GOTTH. 

Möre"-  Möre-Gredli:  schmutzige  Weibsperson 
Bs.    —    Mure,   Mutterschwein. 

Nidel-:  Name  1.  einer  Hexe,  s.  Gret  4.  —  2.  eines 
Gespenstes,  das  die  nächtlichen  Zskünfte  der  Bursche 
und  Mädchen,  wo  Nidel  [Sahne]  aufgetischt  wird, 
heimsucht  ZO. 

1  bezieht  sich  spec.  auf  die  bekannte  Eigenschaft  der 
Hexen,  durch  Zaubersprüche  oder  Manipulationen  sich  die 
Milch  der  Nachbarn  anzueignen.  Nachweise  bei  Sutermstr, 
Märchen,  S.   218. 

Pure"-:  Bauernmädehen ,  s.  Grret  3  a  a..  ,Zwei 
ungleiche  Personen,  auf  der  einten  Seite  eine  Prin- 
zessin, auf  der  andern  ein  elendes  Baurengretlein.' 
JJUlr.  1727.  —  Schiess-:  Weibsperson  von  hasti- 
gem Wesen;  Syn.  Schiess- Anne  Bd  I  261.  ,Ein  arme 
frow,  zue  Egenwil  sesshaft,  die  Schüssgret  genannt,  in 
starker  verlümbdung  g'syn,  ein  bös  wyb  und  unliiddin 
sige.'  1605,  Aa  Weist. 

Schnäder-:  Schwatzmaul  Th.  —  Silnuidmu, 
schn.attern. 

Vf  ih e  r - Gretli :  weibischer  Mann,  bes.  der  süsso 
Speisen   und  Getränke  liebt  Bs;  vgl.  pretisch. 


Zibelen-:  weiblicher  Scheltn.  Aa. 

Urspr.  oder  bes.  auf  Hexen  angewandt,  von  denen 
lierm  erzählt  wird,  dass  sie  zur  Wahrsagung  uiul  zi 
lg  von  Krankheiten  Zwiebeln  suchen.  S.  Lüt..  Sag.  liil 

Greter:  Geschlechtsn.  LGreppen. 


Viell.  ein( 
(unvcrehlicht.' 

gretiscl 
gr.  gemüet,  I 
Fris.  ;  Mal. 

Gretler:  Spitzbube;  Gretlerszüg,  verwünschte 
Sache  Ap.  Geschlechtsn.  ,Ulr.  Gr.'  Z  1529.  -  Ilüi-t 
vicll.   mit  Gret  i.  S.  v.   Hexe  zs. 

Grette  s.  Karrette. 

Gretti  s.  Gred  I  und  Grätlel. 

Gretig  s.  Margareten- Tag. 

greiters,   greitersch:    (Adv.) 


im.,  die  vom  Namen  einer 
■n  waren.  Vgl.  Ehcner,  Jten. 
inius,  ein  weibisch  oder 
iwisch,  gr.,  muliebritcr.' 


uttentlich, 


(zum  Adj.  fjereit,   be- 
,at  zunäch'st'die  Form 


etwan  ein 


scheinlich  GT. 

Wohl  zu  mhd.  gereite,  gereide,  A 
reit),  leicht,  schnell,  gern.  Das  Ad 
des  Comp,  angenommen  wie  erhi.,. 
noch  s  zugesetzt  bekommen  wie  -  . 
ohne  8  ■/,.  B.  in  einem  Z  Maud.  li,  ;i 
fragt,  ob  sy  (die  Wiedertäufer]  all-i 
Oberkeit  löbind,  der  Seligkeit  halbe 
hat  geantwortet:  Es  möchte  greider 
lingen].' 

Grit  I  m. :  Begier,  Begehrlichkeit.  ,So  ist  ir  leben 
gar  faste  gekert  uf  ere  und  ufe  gr.  und  ufe  unkusilie- 
heit.'  Bs  XIV.  ,Beflecket  sint  bede  jnit  grite.  mit  uwle. 
mit  hasse  und  mit  horlifart.-  ebd.  .Ihiss  uit  erliar- 
mung,  freundschaft,  grcil  iinili  zum,  fciiidsrlKill.  Imss 
old  neid  sich  in  dem  giuüet  dos  riclitcrs  rege.-  Siiif.utw. 
1579. 

Mhd.  (nur  in  elsässischen  Quellen)  =  Git,  s.  d.  Für  die 
elsässischc  Heimat  des  W.  gibt  Martin,  St.rassb.  Studien, 
:',vl  ff.  ,v,.itfrr.  BoInOT;   er   fiilirt  nl.rr  .l:i<i  oi;Ni.r,.rlH.ndo  Ad.j. 


•jtlir  zu  erklären  ist.  Kn  i^t  alM.  Mrlmrlir  Kin^rhicliniis  v< 
anzunehmen,  wie  in  .In-  unlrr  '.'</  aiiLrefülntrii  \rlif.  ' 
nur  dass  sie  hier  hmtn-  ,iri,i  Vue.  st.itt-rruiel.n  liat, 
allerdings  leichter  zu  erklären  und  mit  Beispielen  zu  hell 
ist,  so  dass  viell.  Grit  erst  durch  Umstellung  aus  Gtri 

der  Beispiele  gibt,   ße rk 

Horrig  Arch.  8,  :347  .srit 
euin,  die  Voc.  der  Lippesi 
1  mHh'    (mit  kurzem  i),    gii 


standen  ist,  wofür  es  auch 

wert  ist  übrigens, 

nach  neuerer  An^-^i 

Mundart,    Hann.n, 

auch  auf  nd.   lirln.  !.■   \..i  küunul. 

Grit  II  bzw.  Gri'tt  BE.,  Grlte  BLenk;  Scn  (aueli 
n.);  Z  —  Dim.  Grlti  S,  Gritli  Bs;  S;  Z,  mit  gestei- 
gerter Diminution  Griieli:  1.  weibl.  Taufn.  a)  Mar- 
gareta.  res|i.  Irz.  .Mai-n.rite;  etwas  vornehmer  als 
.Gret-.  /;..s, ,„,//,.  i;,.  ,,  .\l.  IJLenk.  —  b)  Gertrud  Bs. 
—  2.  ai  (inlli.  Lil.  ilila^elien  am  Augenlid  Z«;  Z; 
s.  Grit  :',.  —  b)  Gritti  im  Busch  =  Gret  G  L. 

Schnabel- Grite;  Name  einer  geschwätzigen 
Weibsperson.  ,Die  Sch.  schwatze  vom  Morgen  bis  an 
den  Abend  bei  Jedermann.'  HPest.  —  S.hmiM  =  ge- 
schwätziger Mund. 

•grittecht,  der  mit  den  schenklen  umli  die  kneuw 
und  seliinbein  weit  von  einanderen  grittet.'  Mal. 

(jridele"  f.:  1.  die  Stelle,  von  der  die  Beine  am 
mens.lilielieii  Kl.rper  au.sgehen,  der  .Schn'tt'  B;  Nnw, 


827 


Grat,  gret,  grit.  grot,  griit 


auch  die  gespreizte  Stellung  der  Beine  selbst  BSi.; 
Syn.  Schrägen.  —  2.  die  Stelle,  wo  ein  Baumstamm 
oder  Ast  sich  in  zwei  spaltet,  gabelt  BR.;  Uw;  W. 
Tanne,  deren  Stamm  oben  sich  teilt  GRÜbS.  =  6fri<ie?e"- 
Tanne  BS.  In  der  ,Gr.'  eines  Baumes  darf  man  die 
Wasserschosse  nicht  herunterschneiden  Obw.  —  3.  aus 
zwei  Stäben,  die  oben  in  einen  spitzen  Winkel  zu- 
sammenlaufen, bestehende  Stütze  UwE.  —  4.  aus 
Stäben  gebildetes  Dreieck,  das  man  Ziegen  an  den 
Hals  legt,  um  sie  am  Durchbrechen  der  Hecken  zu 
hindern  Zg.  —  5.  Grittelti  n.,  Schnitzerei  mit  einer 
Art  Hörner,  welche  ein  Kind  vorstellen  soll  B.  — 
5  Dim.-Form  zu   dritte".    Synn.  zu  2    Griggele  und    Grijipdc. 

grittele":  1.  gespreizt,  mühsam  gehen,  vor  Müdig- 
keit od.  Alter  BR.  —  2.  unpers.  mit  D.  F.,  „es  grittelet 
mir,  ich  bin  unschlüssig  BO." 

2  eig.  ein  Zustand,  wo  die  Gedanken  in  zwei  Richtungen 
aus  einander  gehen,  zwei  Wege  oifen  stehen.  Vgl.  ahd.  zioeOn, 
ha^sitare,  cunctari,  von  eivc,  zwei,  lat.  dubiua  von  duo,  gr. 
Soiäjto,  zweifeln,  von  Soiöj,  doppelt.  Vgl.  auch  Zmitzi-Zimtz, 
unschlüssiger  Mensch,  UnschlUssigkeit. 

Gritte"  f.:  gespreizte  Stellung  der  Beine;  Zwi- 
schenraum zwischen  den  gespreizton  Beinen,  wie  der 
Winkel  von  zwei  Ästen.  Gr.  machen,  die  Beine 
spreizen  W. 

gritte".  in  B  aucli  gnltle":  1.  die  Beine  spreizen 
Aa;  B;  V:  ^.  l>rrmil  siii  fr  iihry  ilir  Granate"  grittet, 
heig  s.  .,ri,--rl,r'  sii,i"  n.nii-  ,i_iiiiiii  u'"'  es  heig  bim 
Till/er  \in„,r,iii  Snl  'hi-  jlSt.ll  (l;;iri  1883).  ,Graten, 
gratloii,  ^ritcn,  divaiicarc.  di.stcndcre  crura.'  Red.  1662. 
.Ingriten,  ingredi.'  ebd.  16-56.  ,Divaricata  crura,  Bein, 
so  von  einander  gritten.'  Denzl.  1716.  ,Varicare,  die 
Bein  weit  von  einandern  setzen,  grittlen.'  ebd.  1716; 
,grüttlen.'  1677.  Mit  breiten  Schritten  gehen  S;  müh- 
.sam  gehen  BRi. ;  SRech.  —  2.  aus  einander  gehen 
übh.  ,l)ie  fFedern]  auf  dem  rugken  sind  weit  von 
einaiidi'v.'n.  yrilt.-iid,  änlich  den  reigelfederen.'  Vorklb. 
1557.  .I>i.' Srli.iikil  aber  der  Rafen,  so  von  einander 
gehen  (liiittcni,  lii;on  auf  Zwerchbalken.'  Splbiss  1667. 

Mhd.  iplini,  in  Bed.  1,  auch  von  aus  einander  gehenden 
Ästen  eines  Baumes;  vgl.  ahd.  ^hcWIu,  inchoo,  eig.  beschreiten, 
einen   Weg  einschlagen?   crit-mäli,  passus.      Vgl.  grUjge». 

er-:  1.  ,Elongato  passu  complecti.'  Id.  B.  Syn. 
crschrittcn.  —  2.  in  Eile  zu  Stande  bringen  S(;n.  — 
—   2  eig.  mit  weiten  Schritten  ein   Ziel  erioichen. 

umhin-  umme-:  humpelnd  einhergehen,  wie  alte 
Leute  ZWasterk.,  wofür  ebd.  auch  ergriggen. 

zer-.  Zergrittet  gän,  stän,  mit  gespreizten  Beinen. 
,Varicare,  die  bein  zergritten,  die  bein  von  einanderen 
zertucn,  einhin  schieggen,  den  schlemmer  trStten.' 
Fris.;  Mal. 

Gritti:  1.  m.  mit  gespreizten  Beinen  gehender. 
niei.st  gebrechlicher,  alter  Mann  AARein.  (auch  Griggi); 
B,  bes.  von  Ha-ostnlzon,  SnnibM-linsren.  in  BR.  mit 
dem  V.'in.  Gnih.  alle  flau.  Kii  ii'i''l>.  "!!•  ^r.  S. 
2.  II.  ai  ./■'.-■  tir.  wnrh.ii.  •]]■■  r..'iih'  triatsrlini  |!S,i.  — 
b)  =  GrcUi.,  .s.  Gmttd.  Zu  1  da.s  l'uu.i..  i,r.-JJ,n,.  l;aek- 
werk  in   Gestalt  eines  Mannes  mit  gespreizten  Beinen. 

Geiss(e)-  n.:  Entzündung  der  Mittelhand  mit 
Eitergesehwulst  Aa;  Tn;  Syn.  Geiss-grigge. 

Wahrsch.  weil  sich  die  Entzündung  an  dem  Winkel  zw. 
zwei  Fingern  bildet;  ,Gciss-'  viell.  mit  Bez.  auf  den  gespreizten 
Gang  der  Ziege. 


griete":    (Eicheln)   sammeln. 


grittig:  gespreizt,  nur  in  der  Form  ,krettig'. 
[Ein  Soldat,  Christgeschenk]  stöt  so  Irettig  äo,  a's 
wie  wenn  Einer  rite  tuet.  Allem.  1843. 

gritti"ge",  grittli°ge'':  Adv.,  mit  gespreizten 
Beinen,  rittlings;  auch  von  Weibern,  wenn  sie  nach 
Art  der  Männer  zu  Pferde  sitzen:  Schi  sitzt  grittjigu 
uf-em  Boss  wie  d's  Mannevolch,  und  von  Kindern,  deren 
eines  auf  dem  andern  ,reitet'  W.  Z'  grittlige  S.  gritt- 
ligs  gä'  Ndw.     .Varicitus,  grittling.'  Denzl. 

grittis-grättis  s.  grättis. 

grittle":  die  Beine  spreizen.  Schi  hat  grittjundu 
uf  im  g'hocket,  so  dass  er  zwischen  ihre  Beine  kam  W. 

Grittling  m.:  Einer,  dessen  Unterschenkel  aus- 
wärts gekrümmt  sind.  ,Der  Gr.  (auswärts  Krumm- 
füssige)  hat  von  einander  grittende  undere  Schenkeli.' 
Spleiss  1667.  ,Varus,  auswärts  krummfüssig,  Gr.' 
Denzl. 

grittlieli:  wunderlich,  schwer  zu  befriedigen,  tadel- 
süchtig, zänkisch. 

Spreng  braucht  das  W.  zur  Erklärung  von  ,Fisi'  (Bd  I 
1077);  es  mag  vom  Mittelrhoin  aufwärts  gedrungen  sein. 
Über  die  verschiedenen  Nbff.  s.  Gr.  WB.  h,  2340/1.  Eine 
Grdf.  ist  kaum  herzustellen;  es  scheinen  mehrere  nrspr.  ver- 
schiedene, aber  in  Laut  und  Begriff  ähnliche  WW.  zsgcflossen 
und  der  Anklang  an  d.is  gr.  otptx-  in  ,kritisch,  Kritik'  nift- 
zufallig  zu  sein. 

LHitzk.,  Urk. 


grottle":    am  Feuer   schüren,    übh.  sich  damit  zu 

schaffen  machen    AaZcIh.   —  S.  rirull(e)li-n  und  mri/riiltelen  ; 
dann  auch  rolthn,   rütteln. 

grottli"ge",  nur  in  der  Verbindung:  (jr.  die]:,  dick 
gehäuft,  z.  B.  von  Ameisen  BLf.  —  Von  iiroith-n  i.  S.  v. 
rütteln;  vgl.   i/i-iittkt  mit  und  gmdhn,   wimmeln. 

Gruttel,  Grüttel  m.:  Unruhe,  Aufregung,  Gerede. 
,Als  der  gr.  zergieng.'  1468,  Abscil  ,k\s  allerlei  hier- 
von geredt  und  ein  gr.  underm  volk  in  der  kilchen 
wurde.'  152.3,  Egli,  Act.  ,Es  war  ein  grüttel  under 
den  Eidgnossen,  sy  wölltind  für  Zürich  ziechen.' 
1525,  Sthickl.  ,Grüt.tel  und  Gschrei.'  UMey.  1540/73. 
,Ein  Grüttel  zwüschent . . .'  XVII.,  Zg  Arch.  S.  noch 
grüessen  3. 

Die  Erklärung  ,Oc-rütrtel'  läge  nahe  genug,  wenn  das  Ge- 
schlecht des  W.  nicht  entgegenstünde;  es  müsstfl  also  von 
Synn.  männl.   Geschlechtes  übertragen  sein. 

„gruttele"",  gruttlo"  Gl,  grüttele"  Bs; 
ScHwNuol. ,  grüttle"  AAZein.:  „sich  mit  leichter 
Landarbeit  (nicht  berufsmässig,  sondern  nur  zum  Zeit- 
vertreib) beschäftigen";  .sich  mit  Kleinigkeiten  still, 
aber  eifrig  abgeben  Gl;  langsam,  gemächlich  arbeiten, 
tändeln  AAZein.;  Gl.  In  krankhafter  Stimmung  oder 
aus  Langweile  ohne  Ernst  verschiedene  Arbeiten  ver- 
richten Bs.  Umme  gr.,  sich  mit  Kleinigkeiten  be- 
schäftigen, wie  reiche  Herren  oder  alte  kränkliche 
Leute  tun  ScnwNuol.  Syn.  bäschelen,  grättelen,  Jcüderlen. 

Zshang  mit  dem  obigen  ,grottlen'  (welches  nur  eine  Spe- 
cialität  solcher  Beschäftigung  bedeutet)  und  mit  ,Grutter 
(welches  iim'li  uur  kli'iiif  .Viiricgung  zu  bedeuten  scheint), 
dann  aucli  mit  .ri.ttliii'.  rütti  In.  ist  wahrsch.,  aber  die  (Jnal. 
des  anhiutiaidi  II  ;/  unkl.ir.  luiindbcd.  scheint:  Bewegung  im 
Kleinen,  kleinliche  Beschäftigung.  Vgl.  noch  grüddn,  grübeln, 
sttiren,  kleinlich  arbeiten  (Gr.  WB.  5,  2341),  dessen  rf  sich 
zu  unserni  1  verhalten  mag,  wie  das  in  unsorm  ,rodlen'  = 
,rottlen'.      Vgl.  aber  auch  kn.ltcn. 


Grat— irrii).    Grätsch— Kiiitscli.    (iniw 


\ üX-yriUtde" :  das  Ffuer  in  Unordnung  bringen 
AvPri.  —  Ilei  Zshang  mit  .giottleu'  tritt  hier  deutlich 
liennr. 

0  rüttele  r  m.:  der  sich  geiuäehlicli  bescliäftigt 
AAZein. 

Grütteli  n.:  Kind,  das  an  Allem  hermnzerrt  Bs. 

Grütt  in.:  Kind  GuU.,  L.  (auch  GriUte  f.);  Syn. 
riutt.  —  Schuelcr-:  Schulkind  GrD. 

Das  KiuJ  scheiut  vou  seiner  (spielenden,  aher  leicht 
^tul■ellden  oder  schädigenden)  Beschäftigung  mit  kleinen  Din- 
gen benannt,  das  W.  also  zum  vorhergehenden  (resp.  einem 
einlachen  Vb.  ,grütten',  vgl.  uhd.  ,zer-rlitteu')  zu  gehüren. 
Betr.  das  Geschlecht  vgl.    üuf. 


(iratsch  kr-  GnChurw.,  Grätsch  m. :  1.  (ai 
Krätsch)  jüngstes  Kind  einer  Familie  (anrli  wenn 
erwachsen  ist)  Gr.  jB"  chlina  Gr.,  im  W,irli,tiiiii 
zurückgeblieben  Gr  ObS.;  vgl.  er-ijriii^rli,  n  j.  S\ii. 
Nest-Blutter,  Näch-Wiseli.  Ir"-  Grät><ddi,  aiii;  Fc^lIm- 
poppi  [Wickelkind]  van  u'g'fär  drl  Mannt  Gul'r. 
(Kuoni).  — ■  2.  übel  aussehende  Person.  Bri"  (j'seli" 
nie  en  Gr.  U.  Mageres,  verkommenes  Tier  ünJen.; 
schlechte,  geringe  Kuh  Obw;  vgl.  vergrätschen  1.  — 
o.  alter,  verhärteter  Schmutz  an  der  Hand  BSi.  flc-J. 

Bed.  1  lässt  sich  erklären  aus  ijraiichm  1,  als  Bezeich- 
nung des  seine  ersten  Versuche  im  Gehen  machenden  oder 
auch  noch  am  Boden  herumkriechenden  Kindes.  Daraus  wäre 
dann  Bed.  2  i.  S.  eines  kleinen  Wesens  übh.,  mit  einseitiger 
und  gesteigerter  Vorstellung  des  Unansehnlichen,  KrUppel- 
haften  zu  erklären.  Doch  sind  mehrere  anklingende  Synn. 
angetan,  unser  W.  in  andere  Zshänge  zu  bringen;  so  Gmlz; 
Grotz;  Kraz,  und  namentlich  churw.  <jrulM-li,  das  jüngste 
Kiud,  vorausgesetzt,  dass  es  nicht  umgek.  aus  dem  Deutschen 
entlehnt  sei.  Aber  unerklärt  bleibt  Bed.  3,  wenn  nicht  aber- 
malige Verschlechterung  des  Begr.  und  Übertragung  auf  ein 
Ding  mit  der  Vorstellung  des  Zurückgebliebenen  angenommen 
werden  darf.  Vgl.  etwa  ,B(r)ögg',  welches  neben  der  pers. 
Bed.  auch  die  von  verhärtetem  Nasenschleim  hat.  Doch  ist 
wahrsch.   3  ganz  zu  trennen  von   1   nnd  2. 

grätsche"  I:  =  nhd.  yrdtschen,  die  Beine  spreizen 
(Turnerspr.). 

er-:  1.  tr.  a)  im  Lauf  einholen  Bs  (Spreng);  in 
der  ä.  Spr.  übh.  ertappen,  erwischen,  überfallen,  über- 
raschen; s.  ergräschen  3  und  die  Anm.  dazu.  Syn. 
ergritten.  ,Dass  ir  ein  kleins  völkli  e.  und  damit  die 
forcht  in  uns  bringen  wöUtend.'  HBcll.  1532.  ,Uie 
Züricher  Blutharscher  warend  uszogen  uf  den  roub, 
dieselben  ergrätschetend  und  empfienijend  die  ;!0  mann 
[der  ausgeschickten  Feinde]  nml  fliliM-'iiiil  ^v  /n  tod.' 
HBuLL.  Tig.  .Fugitivmii  reiir.>lhiMlrir.  nn  ll,irl,lmvii 
erlaufen  (erschnappen),  e  oiLr  crwut-rli.u,-  Fi:is,; 
Mal.;  Denzl.  ,Ich  warf  mit  Schneballen  zue  inen, 
wollt  die  Stegen  hinuf,  sy  stillschwygend  ze  e.  und 
mit  Sehne  ze  werfen.'  FPlatt.  1C12.  ,Wirstu  einmal 
darob  [über  dem  Begraben]  ergretst,  g'wiss  wirst  ver- 
graben han  den  letst[en].'  GGoxin.  1619.  —  b)  hart 
mitnehmen,  erschöpfen,  oft  unpers.,  von  Krankheiten 
od.  Unfällen  L.  Syn.  ergatteren  2;  vgl.  ver-grätschen  2. 
Es  hat  mi'''  ergrätschet,  ich  habe  viel  ausgestanden, 
von  Unwetter  oder  andern  Hindernissen  GA.  Wiii  's 
i/r''  in  ztcai  Taga  z'tvägg'nu  mid  ergrätschet  g'ha 
hat  GsPr.  (Scjiwzd.).  -  c)  gewinnen,  zsschachern, 
errackern  ZW.;  Syn.  ergatteren  1.  —  2.  intr..  nicht  ge- 
deihen, im  Wachstum  zurückbleiben  GnNuf.,  s.  Grätsch. 


Betr.  1  a  u.  b  s.  die  Anm.  zu  cnjnudi,:,,.  c  ergibt  sich 
aus  a  als  Anwendung  auf  Sachen.  2  ist  vom  Subst.  Oratuch  /,  ^ 
abzuleiten,  mit  dem  Präf.  er-  i.   .S.   v.   I  b  BA  l  101. 

ver-:  1.  blass  aussehen,  vor  Krankheit  od.  Schreck 
U.  —  2.  von  einer  Krankheit  stark  mitgenommen  wer- 
den ScuwE. 

Bed.  1  entw.  vom  Subst.  Grätuch  wie  tnjrütiihcn  2  oder 
intr.  zu  eryrätachcu,  1  b,  wie  erktup/en  u.  a.  tr.  und  intr.; 
ve,-  oft  =  er-  s.   Bd   I   910,    10  a  ß. 

Grätschi  n.:  1.  =  Grätsch  1  „Gk".  —  2.  altes 
Weib,  Grätschi- Wib  UwE.  ^-  B.  altes,  baufälliges 
Gebäude,  z.  B.  Gr.-Gaden  UwE. 

Von  Grätuch  wesentlich  nur  durch  das  Geschl.  verschieden; 
auch  2  und  3  verhalten  sich  in  der  Bed.  ähnlich  wie  Gmtich 
ä  und  »,   s.   die  Anm.  dort. 

g  r  ä  t  s  c  h  i  g :  mit  Schmutz  behaftet  BSi. ;  s.  Grätsch  3. 

,.  er-grätschle"  =  ergräschlen." 

irrätsclie"  11:  mit  den  Zähnen  knirschen  B  (Zyro). 

hl  111  '\\'—;e  Bed.  auch  mischen  vorkommt,  so  wird  obige 
1  ..Uli  ■  iii«.  .liis  dem  Ptc.  von  r.  falsch  abstrahiert  oder  eine 
huitUciie   Verstärkung  sein  (s.   Anm.   zu  (jrüschm). 

Grautscli,  Gräutsch  m.:  Pferd  B  (Zyro);  Syn. 
Marmel.  Esel  B  (Hist.  Kai.).  -  Wahrsch.  .Grauschimmel', 
jedenfalls  von  ,grau'. 

gräutschele":  1.  grau  werden,  vom  Haar  B.  — 

—  2.  schimmelig  aussehen  und  schmecken  B  (Zyro). 

—  gräutsc heiig:  graulich  Bs.  —  Vgl.  ,jrumts,Mai. 
Grälltschi  B;  FMu.  (auch  -o-)  n.:  Griebs,  Samen- 
gehäuse in  Äpfeln  und  Birnen;  Synn.  s.  bei  Gräiibi. 
Bis  an  es  Gr.,  bis  auf  eine  Kleinigkeit.  Id.  B;  Syn. 
Grüsi.    —    t  durch  Assimilation  aus  b  (jO  in  G räubuchi ;  vgl. 

Grotschete  f.:  Vicrtelstück  einer  Birne  oder  eine.< 
Apfels  W.     Syn.  Stückli,  Schnitz. 

Gl'utscll  m.:    1.  Handhabe   an  der  S.  ii~.     GiMMiS. 

—  2.  (auch  k-  und  -e  f.)  kleiner  Kiml.  r-.  Iilhi.  n  .ni- 
3  Brettchen,  noch  einfacher  als  Gögel  lu;;  S\  n.  /■'u.lh-. 
Uuckschlitten.  —  3.  (-e  f.)  eine  Art  eiufaclieii  i'Uugcs 
GahPr.  —  4.  (i-,  auch  -c  f.)  Kuh  mit  gradaus  ge- 
richteten Hörnern  Gr  ObS. 

Für  1  gilt  rat.., ■.,„,.  ,rvt,h  ^y..M^.■<  w..bl  mit  it.  .,,•,..■.•;... 
Krücke,  nnd  di. -.  m  .1.  ut -.  Ii.  .i  \V.  /--'.li.irt.  ili-  nl.li,  .'in 
krummes  Stüi/k  II..L  un.l  1..-,  .imli  I,  i  niiiin.  ii  i  .iill  li.il.ui.l: 
s.  Gr.  \VB.  .-.,  -Jl-".  11.  l;.i  I  -  h.iiil  nur  .li.'  l.'irlit  im;.-. 
uicht  .Ii..   i,.-t,ili    .!■  1    ll"rui'i-  t'i'Uii-'iut. 

Grnlsclii  -:  irnipschi  ScnwE.  —  (  wohl  aus  7,  wie 
bei  f.'..n. /,.//. 

Griitseben:  eine  Art  kleiner  Schlangen  Gi,.  .Apml 
Glaronenses  serpentes  etiara  rufi,  parvi,  reperiuntur, 
quos  Gr.  appellant.'  Wagner  ItiSO. 


Graw    -gruw. 

graw  Aa;  PP.;  ScuwMuo.;  W.  grab  Gl,;  Gul,., 
gro-b  Ar;  GG..  T.,  grauw  B  (Zyro);  GBern..  grau 
GiiübS.,Vals;  LH.;  Sch;  Tu,  grau  AfK..  gräi  AAWohl. 
(neben  grö?);  LM.  (seltener  als  grait) ;  ZRafz  (grainc'J, 
grä  GrL.;  GA.;  Z  fgrönr'.  .,;r.7../,  ;,rC>  AAWohl.;  ZO. 
—  Comy.  gräiver  .\.v  (ml"n  '//■/"•);  ZWl.,  gräber 
GrL.,  greber  Gl,  grecr  (m  hrn  Sup.  (iniist)  GA.,  grO-ner 
Z:   grau.    1.  nur  von  der   Fail".'.    ai  der  Haare,  allg. 


831 


«i-aw, 


grev 


Ma'  liünnt  grau  iväara  [werden]!  vor  Ärger  GBern.; 
s.  auch  schwarz.  A:  's  miiess  Eine  (jrone  Här  ha', 
wenn  er  rso  Öyi/""'  "'"  ircnlr".  und  ich  bi'  noni  [noch 
nicht]  gro.  li:  Wiini  d's  jtiu  im  In ttist  wie-n-en  Esel, 
en  Esel  wird  sehe"  gro  v"  Jlmlciiih.  Wolf,  Dreierw. 
Mänge''  wird  grau,  aber  nie  wiss  [Wortspiel  mit  wis]. 
Ineichen.  Wie  (je)  grauer,  wie  (je)  schlauer.  Ineichen; 
SuLGER;  Sprw.  1824  (-äu-J.  ,Die  töufer  machen  mir 
den  köpf  gar  graw  mit  ir  reden.'  1525,  Egli,  Wiedert. ; 
vgl.  es  Loch  in'n  Chojif  schwätze".  Snbst.  Graui,  graue 
Kuh  AaF.  ;  Syn.  Grische  (s.  gris) ;  vgl.  Grautsch.  Als 
Geschlechtsn. :  ,Peter  Grauw.'  1653,  ÄAWett.  Kloster- 
arch.  —  b)  von  Weintrauben:  ,graue'  Clevner,  im 
Unterschied  von  , schwarzen'  GRh.;  anderwärts  , weisse 
und  blaue'.  —  c)  von  einem  Waadtländer  Wein.  Chli 
[ein  wenig]  herte  Chäs,  d'rzue  es  Tröneli  [Tröpfchen] 
Graue.  Berna  1863.  —  d)  von  Felsen.  Daher  der 
Lokaln.:  Grauenstein  Ap;  B;  G;  Schw;  Z;  vgl.  Pierre- 
Grise,  Kt.  Genf.  ,üer  Grawestein'  zu  Illighausen.  XV., 
Tu  Eggen,  Oifn.  ,Unz  uf  den  grauwenstain.'  1515, 
ScuAUB.  Eq.  Der  .grobe  Berg',  in  der  Nähe  des  Speers, 
von  seinen  grauen  Felswänden.  Das  ,grab  hapt  [Haupt]', 
Berg  westlich  von  Gressoney.  —  e)  vom  Wasser.  ,Von 
der  Färb  des  Rheinflusses,  welcher  weiss,  und  der 
Färb  des  Flusses  Glenner,  welcher  graw  ist,  soll  der 
ober  Pund  seine  Färb  weiss  und  graw  genommen 
haben.'  Sphecher.  ,Dieser  Bund  wird  der  graue  ge- 
nennet, wie  man  meint  von  dem  Lugnezer  Landwasser 
har,  welches  bei  llanz  eine  graue  Färb  präsentiert.' 
Serkrhard.  Nach  der  Vereinigung  des  Grauen  Bun- 
des (der  früher  auch  der  obere  hiess)  mit  den  beiden 
andern  hiessen  die  vereinigten  Bünde  ,die  grauen'. 
,Von  diesem  Bund  werden  alle  Bündner  mit  einem 
Geueralnamen  benamset  Graubündner.'  Sererhard. 
,Der  dryer  pünden  des  grauen  pundes  boten.'  1531, 
Abscu.  ,Wie  die  grawen  pünd  mit  unseren  finden  uf 
der  maiser  hoid  gestritten  band.'  NSchradin  1499. 
,Von  Eidgnossen  und  graben  Bünden.'  1531,  Abscu. 
Zuletzt  wird  dann  sogar  gesagt:  ,Die  grauen  Pündner.' 
1572,  Ardüser;  Grasser  1625.  —  f)  von  Wolle.  ,Lützcl- 
burger  grawes  [Tuch]',  Wollenstoff  aus  Luxemburg. 
XV.,  AaB.  Urb.  Bei  JBinder  1535  scheint  das  ,grauwe 
tuech'  standesgemässe  Farbe  der  Junker  zu  sein;  vgl.: 
,So  muess  man  tuen  dem  grauwen  tuech  [d.  h.  den 
Trägern  desselben].'  ebd.  ,Pappus,  ein  grawe  wuUen 
auf  etlichen  bluemen.'  Fris.  —  g)  von  einem  [mit 
Flechten  überzogenen?]  Baum,  als  Ortsangabe:  ,Zu 
dem  grawen  boum.'  1411,  L  Urk.  ,Graubaumhalde.' 
LRusw.  (Gfd  26,  125).  Von  Tannenholz,  auf  welches 
Sonne  und  Regen  gewirkt  haben  [V]:  ,Grauengaden', 
Ortsn.  ApTcuf.  —  2.  zugleich  von  chemischer  Be- 
schaffenheit: schimmelig  Ap;  B;  Gu;  Scn;  W;  Z.  Chäs, 
er  ist  nüd  grab.  Anderl.  1852.  Dazu  dann  Wortspiele: 
Wenn  via"  lang  gröbs  [graues]  Brod  esst,  so  werd  man 
alt  (starchj  Ap  (von  geizigen  Bauern  übrigens  ihrem 
Gesinde  auch  zu  buchstäblichem  Glauben  eingeschärft 
Z).  De''  Für  cha""  demitzt  im  Winter  Gras  [schimm- 
liges Heu]  hirte",  sarkastisches  Wortspiel  zwischen 
grä  [grau]  und  Gras  [herba]  ZZoll. 

Bui  denjenigen  MAA.,  welche  auslautcuiles  w  nicht  koiinen. 
tritt  w.  wo  es  nicht  iu  ii  vocalisiert  ist,  nur  im  Inl.  hervor, 
oder  es  ist  auch  dort  verflüchtigt  und  wird  vor  voc.  Flexions- 
endungen z.  T.  durch  n  ersetzt,  welches  scheinbar  nur  eupho- 
nisch (Hiatus  ausfflllend),  eig.  aber  flexiv  ist,  jedoch  das  < 
der   Flexion    hinter  sich    liat    (n,  y,-«-,i-f,    ilk  ijia-n-t"  statt 


(/m"'-t").  Wo  IC  zu  b  geworden  ist,  bleibt  dieses  auch  in- 
lautend. Wo  w  vocalisiert  wird,  besteht  ein  Unterschied  zw. 
vollem  Diphthong  au  und  bloss  halbem,  «  mit  nachschlagen- 
dem u.  Noch  bemerkenswerter  ist  das  statt  solchem  m  nach- 
schlagende t.  Solches  1  scheint  aus  dem  Inl.,  wo  es  wie  in 
blaejen  und  den  entsprechenden  Vbn  zu  erklären  sein  wird 
(entsprechend  ags.  w,  ahd.  z.  T.  h)  in  den  Ausl.  gedrungen  zu 
sein.  Das  in  den  Compar.-Formen  erscheinende  e  steht  statt 
des  Umlautes  ae.  o  (resp.  ä*)  statt  n  verhalt  sich  wohl  nach 
dem  allg.  Gesetz  der  betr.  MAA.  Vgl.  die  ähnlichen  Laut- 
erscheinungen bei   tau,   genau,  blau. 

katz-erde°-graw  =  katz-gr.  G;  Z.  Chatzlierde- 
graus  Gschirrwasserkäfili ,  ganz  trüber,  schwacher 
Kaffee  GSa.  —   Vgl.  Erde"  Bd  I  437. 

katz-esel-:    ebenso   Gl.    -    isch-:    eisgrau  Aa. 

—  gris-.  ,Äschenfarb  oder  grissgraw.'  Vogelb.  1557. 
Subst.,  ein  rötlich-  oder  schwarzgraues  Pferd;  auch 
eines,  das  weisses  Kammhaar  und  auf  einem  Knie 
einen  weissen  Fleck  hat  S;  vgl.  Spiegel-gr.  —  küder-: 
gr.  wie  Werg  (,Kuder').  Gotth. 

katz-  Ap;  G;  Z,  isen-katz-  Gr,  kutz-GRVal.: 
1.  sehr  oder  ganz  grau,  von  der  Farbe  Ap;  GlH.; 
GnVal.;  ScHSchl.;  Th;  Ndw;  Z.  —  2.  ganz  schimmlig 
Z.    D'  Tili  [Stubenkammer]   ist   eh.    vo  FUechti  GA. 

Eig. :  grau  wie  eine  Katze,  dann  (weil  viele  Katzen  das 
Grau  bes.  rein  darstellen)  bloss  verstärkend,  wie  ,k,atz-'  auch 
vor  andern  Adjj.  und  wie  ,huuds-'.  Kulz!  eig.  Zuruf  an  Katzen. 

katz-busel- =  A-ate-^r.  ScuSchl.  —  Buset,  Kiuder- 
name  der  Katze. 

Spiegel-:  graues  Pferd  mit  schwärzlichen  Flecken 
STierst.;  vgl.  Gris-gr. 

tüb-,  tug-  Th  ;  W:  „ganz  grau";  vgl.  tüb-wiss. 
,Dubgraw  lüt.'  1523,  HsStockar.  .Ein  betagter  tub- 
grawer  mann.'  Kessl.  ,In  synem  tubgrawen  alter  mit 
tüd  abgangen.'  ebd.  ,Incanus,  weiss  oder  granw  von 
elte,  schneeweiss  oder  tub(en)grauw.'  Fris.;  Mal.  ,Wir 
drafen  einen  hundertjärigen  Mann,  der  hatt  Kinder, 
die  fast  all  dubgrauw  waren.'  FPlatt.  1G12.  ,Dem 
in  seinem  daubgrauen  Alter  Verlängerung  der  Tagen 
und  geistliche  Erneuerung  der  Jugend  angewunschen 
wird.'  31iso.  Tig.  1722.  —  Tug-  durch  Assimilation  und 
Anlehnung  au   Tili/-,  d.  i.   Tufstein. 

tann-.     , Tanngrau  Tuch.'  c.  1500,  B. 

Grawacher,  in  Z  auch  Grauacher,  in  AABb. 
Gräueker ;  s.  Bd  I  65.  369.  Die  wüeste,  alte  Tage,  ivo 
d'  Hut  gschrümpfelet  wie-n-e  Grauech  im  Maie.  MWald. 
1884. 

Grauel  in.:  1.  Name  einer  grauen  Katze  ZWaltal. 

—  2.  graues  Pferd  S.  Keis  I'uchali  und  keis  Graueli. 
BWvss  1863. 

grawe",  bzw.  graue",  grabe",  grä-e",  gräne" : 
1.  grau  werden,  z.  B.  von  den  Haaren  im  Alter,  allg. 
Er  grauet  vor  der  ZU,  ivie  d'  Chatz  im  Mueterlih. 
ÖDLGER.  ,Grauwen,  grauw  werden,  canere,  canescere.' 
Mal.  —  2.  Schimmel  ansetzen,  schimmlig  werden,  scb. 
riechen  od.  schmecken,  von  Brot,  Fleisch,  Käse.  allg. 
Das  Brod  muess  g'esse"  si",  stist  grünet  's  Z.  Dem 
täti  Brod  grawen  [wenn  er  noch  länger  von  Hause 
fortbliebe],  spöttisch  von  einem  Dienstboten,  der  seinen 
Dienst  vor  der  Zeit  verlässt  Gr  ObS.  ,Da  es  sehr 
feucht  und  ungesund,  und  grauet  .Alles.'  1637,  Mörik. 
Bildl.  von  Geld,  's'  Geld  lä"  gr.,  unbenutzt  liegen 
lassen  Z.  Wenn  wij"  z'  eil  Feufedrlssger  [5  Livre-Taler] 
uf  cnand  hat,  so  graue"  die  Chetzere  nur.  Zc:  Kai. 


833 


lii'iiw,  greiv,  griw, 


jrni 


834 


er-:  1.  grau  werJen  Gl;  Gk;  SciiwMuo.;  U.  Er 
ist  vor  Chummer  alle  ergräwet  U.  —  2.  schimnielig 
worden  Gl;  Gr;  SciiwMuo.;  W;  Z. 

vor-:  verschimmeln,  durcli  Schimmel  verilerben 
Al';   BM.;   SCBW;   S;   Z. 

graw -lacht,  -lachtig,  -locht:  1.  graulich 
AASt.;  Z.  —  2.  schimmelig.  .Gräwelecht,  emucidus.' 
Mal.  .Mucidus,  graulecht  (.gräwlecht'  1077),  schim- 
meloecht,  nüchtelecht.'  Denzl.  1716. 

Gräwel  Gro-el  SchwE.,  Gräbel  Gl:  1.  ergrauter 
Mann,  verächtlich  Gl;  SchwE.  —  2.  graues  Pferd  Gl. 

gl üYf  ele"  graioile'  W,  gräwele*  GnObS.;  ü,  grew- 
GuD.,  V.;  Ndw  (auch  graiw-).  grab-  GrL.,  greb-,  gräb- 
Gl;  G,  grö^b-  Ap,  graj-  LG.,  gräj-  und  grej-  Aa,  grau- 
B;  GF.,  Rh.;  Sch;  TuTäg. ;  Z,  grö"-  AAWohl.,  grö^n-  Z: 
l»im.  (bzw.  Inchoat.)  zu  ,grawen',  meist  i.  S.  v.  2,  ein 
wenig  Schimmel  ansetzen,  schimmlig  riechen  oder 
schmecken;  Syn.  ältelen  (s.  Bd  I  20ü).  ,Hat  einen 
Erdgout,  wie  der  Wein,  wenn  er  grähelet.'  XHerz. 
1862.  ,Anheben  gräuwelen,  schimmling  sein,  niuces- 
coro.  Grawelen,  mucere.'  Mal.  ,Hat  der  Wein  etwas 
Tadels,  dass  er  gräwelet,  auf  Essig  sticht  oder  sonst 
ein  bösen  Geschmack  hat.  wird  er  im  Schottlen  [Schüt- 
teln] und  Führen  je  lenger  je  stinkenib-v.'  Otler  Hi2.'). 
,Gräwelen,  nüchtolen,  schimmelecht  srin.-  Iikn/i,.  1i:77; 
=  .gräuelen.' 1716.  Nach  Moder  rieclirn  l.i;.  S.ltruer: 
grau  werden  Gr;  Ndw;  von  den  Haaren  LG.  —  lucr- 
gräuelen  s.  u.  m.-räuelen. 

Grö^beler:  graue  Ziege  Ar. 

gräwelig  grew-,  grö^n-:  schimmelig,  bes.  von 
Brod  Ndw;  Th;  Z.  Vom  herte  Brod.  Was  grauelig 
isch,  schuld  d'rvo.  Joach.  1881.  De*'  sleicht  [stinkt] 
ja  fri  vor  Gräueligi.  Gotth. 

gräwe"  grabe"  Gl:  1.  grau  machen;  bildl.:  ,Es 
gange  wol  oder  übel,  so  gräwet  sy  [die  Narren]  nichts, 
sy  setzend  kein  ding  tief  zuo  herzen."  LLav.  1582. 
Vgl.  er-gr.  —  2.  unpers.,  es  hat  {ist  Gl)  g'gräbet  W, 
der  Boden  hat  sich  (ist)  leicht  mit  Schnee  bestreut. 
—    Mhd.  (/rawin,   bair.  i/räeii. 

Über-  =  gräu-en  2.  „Es  häd  hinächt  [diese  Nacht] 
oder  es  ist  ühergräut  BHk.;  LE.;"  ScHW  (-grdt);  Ndw 
(ebenso).     Es  hed  bloss  möge'  übergräje  SchwMuo. 

er-:  „grau  machen,  zunächst  von  Wäsche;  das 
Hemd  ist  in  der  Wäsche  ergrauet  worden  (grau  statt 
weiss)  VOrte."  Vom  Haar:  ,Cura  me  consumit,  macht 
mich  aus,  verzert  und  ergräwt  (ergräuwt)  mich.' 
Fris.;  Mal. 

vor-:  1.  verschimmeln,  auch  uneig.:  zu  Grunde 
gellen  Gl  (-grö-be'J;  Z.  —  2.  (refl.)  statt  ,sich  ver- 
bräuen',  sich  rühren,  die  kleinste  Bewegung  machen, 
meist  mit  Ncg.  I''''  tue  mi''''  ned  v.  tvege"  dem  ScuSt. 
Er  häd  si"''  nid  vergraut,  keinen  Laut,  kein  Zeichen 
des  Schmerzes  von  sieh  gegeben  Tu. 

.Verbräueu',  eis:,  die  Braue  bewugeu.  </  und  h  können 
im  Gtbiii-  ebenso  luii'lit  verwechselt  worden  wie  yy  (k)  und  2>, 
vuii  weli-lier  letzti  rn  Erst-heinuug  schon  bisher  viele  Beispiele 
vorjrekijinineü   sind.      Vgl,   nuch  ver-grüminen. 

Gräwi  1  Grö'ni  m.:  Name  eines  grauen  Tieres, 
bes.  einer  Katze,  auch  einer  Kuh;  auch  Übername 
eines  grau  gekleideten  od.  grauhaarigen  Menschen  Z; 
vgl.  Granium.  ' 

Gräwi  II  GrÖ'-bi,  Grebi,  Greji.  Grü-ni  —  f.: 
1.  Grauheit.  allg.  ,üräuwe,  elte,  canities.'  Mal.  — 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


2.  Schimmelansatz.  allg.  .Gräuwc  (.Grawe.'  Denzl. 
1677;  ,Graue,  Graue.'  1716),  schinmilige,  situs,  mucor.' 
Mal.  ,Schiinmel-Gräuwe  und  gräwleuder  gestank  und 
faule:  rancor.'  Fris.;  Mal. 

Gräwling  Grö-lig  m. :  Name  eines  alten  Turmes 
an  der  Reuss  .\ABrenig. 


Krabat. 


fiUt 


kar- 


gru  w- 


1111-)  kriechen,  von  Insecten 
dini.  Sinn  grewele",  grew- 
G'wand  vo'  LUu'  [Lausen]  g'rad 


Grawater  ; 
watschen. 

grewelich 

(unime-)grewcn:  (1 
und  Würmern  Gr  ObS. 
jele'.    Es  tuet 
niso  gr.  W. 

e  Gr  Uuilant  von  a.  w  entsprechend  m  im  gleichbed. 
c/rämun.     Vwdt  auch,  mit  härterem  Anl.,  .krauen',   krabten. 

6riw  n. :  leichter  Anflug  von  Schnee  auf  dem  Bo- 
den, Schneestaub.  Es  tcilds  Gr.  findet  Statt,  wenn 
es  bei  grosser  Kälte  nur  wenigen,  staubartigen,  aber 
sehr  kalten  Schnee  gibt  W.  —  Chatze"-:  das  Selbe 
mit  Bez.  darauf,  dass  man  darin  die  Spuren  der  Katzen 
erkennen  kann  W.  Syn.  Ch.-Ges]ior.  —  griwe",  auch 
dim.  griw(je)le'':  unpers.,  es  hat  gegriwot,  es  ist 
Schneestaub  gefallen;  es  griwjölot,  es  fallen  einzelne 
Schneeflocken  W.  Syn.  s.  bei  grisen.  —  Griwlete" 
Griwjata  f.:  feines  Schneegestöber  W.  Syn.  Stäubete, 
Spüwete. 

Die  Möglichkeit  der  Erklärung  des  Ursprunges  uuseres 
W.,  d.  h.  der  Anknüpfung  an  das  sinnvwdte  grämn  3  und 
r,   wori  uns  die  W  Laut- 


daniil 


sirh. 


Fern-;-  .  <-.  I'  .'  '  ':  ■■  i  -..II  .'  ii.  I  ,..i,-.-,,ii-..n.; 
Diphtl,..!.,    111   ■  111,.  Im.  II    I,.!:. .|.  Hl    \\..ll-.l    Hill    ,'.    «..Irhur 

dem  echten  au  zukommt,  Teil  guuummeu  hubu,  dass  also  von 
,grau'  auf  ein  'griuwcn,  f/riiwen  geschlossen  wurde.  Es  mag 
hiebe!  an  den  ebf.  auf  landschaftlichen  Lautverhältnissen  be- 
ruhenden umgekehrten  Wandel  von  kiumn  zu  .kauen'  (s.  auch 
die  Aniu.  zu  gütcen)  erinnert  werden. 

grüwen:  grauen,  grausen.  ,Die  von  N.  hattend 
ein  gr.  doran.'  Bs  Chr. 

Grüwel  m.:  Gräuel  SchwE.,  als  Schimpfw.,  ab- 
scheulicher Mensch.  Syn.  Grüsel.  Er  ist  en  Gr.;  du 
wüeste  Gr. !  BSi.  ,Usfegt  den  alten  hebel  (s.  1.  Cor.  5), 
dass  er  ab  der  sünd  ein  gröbel  hatt.'  UEckst.  ,Wie- 
wol  man  ihnen  [den  Aufständischen]  damit  [mit  der 
Zuschrift]  ein  grüwel  und  bölimann  [Schreckbild]  für- 
geschlagen.' 1525,  Absch.  ,[So  arge  Schmähungen] 
dass  es  nit  allein  allen  erbaren  oren  ze  hören,  sunder 
auch  der  suiiiieii.  ilie  /.im  iil.rrscliynen,  ein  grewel  ist.' 
1531,  ebd.  .Timiiil  im  .'im  n  ili-or  grüwlen.'  HBull. 
1540.  ,Grüwel  uml  al.>i  liulnii  h.iii,  abominari.'  Mal. 
,Wäre  nun  hocli  zu  wünschen,  dass  unser  Land  kein 
Grewel  wäre.'  FWyss  1655. 

Die  Schreibung  .Grewel'  (neben  .Grüwel')  in  deuä.  yuelleu 
(und  auch  in  dem  folg.   Vb.)  schon  rabd.  (cw  =  cu). 

grüwelen:  1.  grauen,  grausen,  ekeln.  ,Dir 
greuwlet  ab  den  Götzen.'  1530,  Rom.  ,Greüwelen,  ein 
Unwillen  an  einem  ding  haben,  abominari.'  Mal.  ,Es 
greület  mir  darab  und  es  gehet  ein  grausen  durch 
mich.'  LLav.  1587.  —  2.  Es  grielet  mir,  dünkt  mich 
zu  viel  BO. 

Mhd.  yriwwdn,  griulcn  in  Bed.  1.  Bei  '2  muss,  wenn  es 
übli.  hieher  gehört,  J  statt  fl  (was  zur  MA.  stimmt)  nud 
Ausfall  des  w  augenommen  werden. 


835 


Gl- 


-griiw.    (Jrax    griix.    Graz— giuz 


grüwen:  grauon.  ,Alles  das  sich  us  dem  leren 
der  menschen  lasst  für  guet  ansehen,  das  ist  vor  Gott 
ein  gr.'  Zwingli. 

grüwlich:  gräulich,  schrecklich  GnSpl.,  V.;  Schw 
Muo.  (meist  von  Geschrei,  Geheul).  ,Grüw(en)lich.' 
HBüLL.  1561.  ,Grewlich.'  LLav.  1587.  ,Dass  man 
ihnen  solche  groüwliche  Ding  von  unserem  Land  für- 
gebildet.' ECvs.  ,Grüwlichs  mord  und  bluotvergiessen.' 
EüEGER  1606.  Subst.  als  Geschlechtsn.:  Schultheiss 
,Grülich'  von  Brugg  1531.  Früher  auch  .grüwenlich': 
,Das  grüwenliche  laster  der  trunkenheit'  LLav.  1584. 
,Mit  grewenlicher  unkünschheit.'  ebd.  1582.  ,Grüw- 
lichkeit,  indjguitas.'  Mal. 


Grax      grux. 


Grax  m.:  Rabe;  bildl.  schwarz  gekleideter  Mensch 
Obw.     Vgl.  Grügy,  Gtcägg. 

Grix:  Cyriacus.  ,Liess  dritrthalbe  messen  von  S. 
Grix  und  syner  götte  sprechen.'  NMan.  ,Das  [Messe 
lesen]  gschicht  von  S.  Grixen  besen.'  ebd.  ,S.  Grixen 
rock.'  UEcKST. 

Uer  h.  C,  einer  der  14  Nothelfcr,  wird  abgebildet  im 
Kleide  eines  Diaconiis  und  etwa  mit  einem  Palmenzweig  in 
der  Hand ;  darauf  werden  sich  der  ,Rock'  und  der  ,Besen' 
beziehen. 

graxen:  kriechen?  ,Wir  trafen  2  .starke  Buben 
an,  sie  gruxten  an  uns  [auf  allen  Vieren];  der  eine 
putschte  mich.'  Brief  aus  Uw  1792. 

Wenn  die  vermutete  Bcd.  richtig  ist,  so  wäre  etwa  au 
ein  Intensiv  von  ,ruckeu'  mit  vorgesetztem  3  zu  denl<eu.  Ein 
bei  Gotth.  vorkommendes  ,ruxen',  brummen  (von  Menschen), 
scheint  umgek.  aus  ,gruchsen'  abstrahiert.    Ygl.  noch  gnu-xcn. 

Gruex  n. :  langsam  vor  sich  gehende  Handlung  BK. 
—  gruexe":  uiüssig  sitzen;  «m/ta-gir.,  herumlungern, 
langsam  betreiben,  ebd.  —  Gruexi  m.,  -c  f.:  lang- 
samer Mensch,  ebd. 

Ton  ,gruchsen,  gruxen',  stöhnen,  schwer  atmen,  lautlich 
verschieden,  obwo)il  begrifflich  mit  demselben  vereinbar; 
ebenso  mit  ,gruxen'. 


Gradiz  — grudlz. 

Graz  BE.,  Gräzi  L;  ScnwBrunn.;  ThHw.,  Baum- 
graz AAWohl.,  Born-  GStdt,  Baumgrazi  AAFri.;  U: 
Taufn.,  Pankratius.  Grazi's  noch  als  Beiname  ZGlattf. 
(Amtsbl.  1867).  De''  Baiimgraz  und  d''  Marx  bidütid 
öppisArgs  AaWoW.,  der  Tag  des  h. Pankratius  (12.  Mai) 
ist,  wie  der  des  h.  Marcus,  .'inpr  ibir  gefürchteten  we- 
gen Frösten,  die  um  j- p     X   -i    hiMiio-  eintreten. 

Abwerfung    der    uuIm  t  !  wie   in   Broii   aus 

,Ambrosius',  /Jifzt"  aus  .Siil|ii.  in-  lil.  luiOirmung  von  ,Pau-' 
(resp.  ,Bau-')  in  ,Baum-'  bcnilit  .-»iif  finer  nahe  liegenden 
Umdeutung,  wie  z.  B.   Bone'-Fuzi  aus  Bonifacius. 

gräzen  I:  „mit  heiserer  Kehle  singen  oder  spre- 
chen", gellend  schreien  oder  weinen  GRh. 

Vgl.  grasien  und  mhd.  yraßen,  ymeßen,  schreien,  «Uten; 
oder  Nachahmung  eines  Naturlautes,  wie  ,krähen'. 

gräzeu  II  s.  ge-r-. 

grätzig:  bösartig,  bissig.  ,Canis  acer.  ein  grätziger 
hund.'  Fris.;  Mal. 


Wenn  ö  kurz  ist,  so  kann  au  ,rätzgen',  bellen,  von  kleinen 
Hunden,  gedacht  werden;  ist  es  lang  (was  trotz  der  Schrei- 
bung (2  wohl  möglich  ist),  so  ist  an  rän,  scharf,  zu  denken, 
welches  auch  von  der  Gemütsart  von  Menschen  gebraucht 
wird.  In  beiden  Fällen  wäre  g  als  das  pleonastischo  Präf. 
aufzufassen. 

Greiz  m.  (von  Mädchen  auch  f.):  verkrüppeltes, 
kränkliches,  unartiges  Kind;  kleiner,  frecher  Kerl; 
Knirps  Z.  Als  Schelte:  Halt  emäl  dis  Mül,  du  Gr.! 
Zuname :  ,H.  Bernet,  genannt  Gretz.'  1644,  AAWett. 
Klosterarch. 

Eig.  junger,  auch  verkrüppelter,  Spross  eines  Baumes 
oder  Strauches.  S.  Ge-gretz  und  Gretze;  auch  Grützen.  Vgl. 
bair.    Gridech,  kleine  Person,  und   Grätsch  Sp.   829. 

G'gretz  n.:  allerlei  Ruten  und  Stauden,  dorniges, 
rauhes  Strauchwerk  BSi.;  Syn.  Gehürst,  Gestüd,  Ge- 
strüp2>-    Dürres  Tannenreisig  GrV. 

Gretze»  f.,  in  ßSchw.;  IJSil.;  Z  m.,  Gretzi  n. 
BO.;  F  —  Dim.  Gretzli,  in  GRHe.  Gretzjcne  (PI.): 
1.  Rute,  Gerte  W,  spec.  rauhe,  dornichte  BSi.  D'  Gr. 
(d's  Gretzji)  z'  chorun  [kosten],  s'  schmecken,  z'  ver- 
suechen  gen  W.  Dürres  Reis  BSchw.;  GrD.  „Baum- 
ast, Stück  eines  Reisholzes  ßO. ;"  ZRfz.  —  2.  PI.  od. 
Gretzi  coli.,  abgefallene  od.  abgehauene  dürre  Reiser 
von  Bäumen  oder  Sträuchern,  Astwerk,  Reisig  BO.; 
Gr;  Z.  yGretzU,  sarmentum.'  Id.  B.  Bes.  von  Tannen 
und  Fichten  B;  Th,  auch  von  Reben  Gr,  in  Bündel 
gefasst  und  als  Heizmaterial  gebraucht  „F;"  ZW. 
Syn.  Respi,  Eris,  Stüd,  Bürdeli,  Forr-Fotzle. 

Mit  i  abgel.  und  darum  umgel.  von  mhd.  graß  n.,  junge 
Zweige  von  Nadelholz ;  s.  noch  Gritze  u.  vgl.  bair.  ,Grätschen', 
Staude,  Strauch.  St.  gibt  auch  die  Schreibungen  mit  ä  u.  ä, 
wohl  ohne  Fug.  —  Gretz(ai)hi:rg,  Name  einer  Waldung  ZRuss. 
Der  Geschlechtsn.  ,Gretzer,  Grätzer'  SchwE. ;  ,Kud.  Grätzer, 
genannt  Mensch.'  1531,  GRapp.,  scheint  auf  ein  Vb.  ,gretzeu', 
Reisig  schneiden  oder  sammeln,  zurückzugehen. 

gretzle'':^  umkommen,  sterben  (gemein)  BR.;  Syn. 
verrecken,  krepieren.  Tr.  und  unpers.:  Es  hätt-mi'^ 
gli'''  gretzlet,  ich  wäre  beinahe  gestorben  BBe.  Syn. 
putzen.  —  Viell.  eine  Übertragung  vom  Abschneiden  des 
Reisigs. 

gretzen  s.  ge-räzen  und  gritzen. 

Greuze  s.  Grüze. 

Gritz  s.  Giriz  Sp.  407. 

Gritze":  dürres  Reisig  AABb.  Gritzeli:  1.  kleiner 
Zweig  S.    2.  junger  Keim,   kleines  Pflänzchen   BBe. 

Vgl.  Gretze  ä;  doch  könnte  Gritzeli  3  auch  als  Dim.  zu 
Grütz  aufgefasst  werden. 

gritze"  Ap;  GWa.,  gritzge"  Ar;  G  oT.,  Sev.,  We., 
auch  „kritzen":  1.  knirschen,  a)  mit  den  Zähnen; 
auch  von  Kühen  Ap.  „Auch  von  Speisen,  die  unter 
den  Zähnen  wie  Sand  knirschen;  Syn.  krismen."  — 
b)  von  jungen  Kaninchen  GSev.  —  c)  von  Schmetter- 
lingen. Wenn  d'  Sommervögel  gritzid,  so  blibt  's  guet 
Wetter  Ap  (T.).  -  d)  von  neuen  Schuhen  GSev.,  We. 
—  e)  von  gefrornem  Schnee,  der  getreten  oder  be- 
fahren wird  GO.  ,Gar  nutzid  geschnyet,  sunder  gar 
warm  wetter  gewesen,  nur  dass  die  morgen  mit  ge- 
wonlicher  winterlicher  kälte  gegritzet  haben.'  Kessl. 
Sahb.  II  62;  s.  auch  I  290.  —  f)  vom  Griffel  auf  der 
Schiefertafel  GW.  —  h)  von  Wagen  GW.  -  2.  Äpfel 
schaben  =  grützen  Ap. 

1  a  stimmt  am  Nächsten  zu  amhd.  .gris'  in  .grisgramen', 
knirschen;    doch  s.  auch   Gr.   WB.   u.  h-.     Zu  b  vgl.   bair. 


8.37 


Graz,  grez,  griz,  groz.  giuz 


.kritzeln',  mit  feiner  Stimme  schreien.  Die  Angabe  c  dürfte 
auf  ungenauer  Beobachtung  und  Verwechselung  mit  der  Feld- 
grille Oller  der  Heuschrecke  beruhen.  Zu  d  und  e  ist  syn. 
rjuat  Sp.   406.      S.   noch  die  Nbf.  ritnjen. 

Gritzgi  m.,  in  der  Verbindung  rt/fc  G»-. :  gebrech- 
licher Älter  GO.  —  Vgl.  das  in  voriger  Anm.  erwähnte 
.kritzeln';  übr.  auch  die  syn.  Gritti,  (jriiji/i  od.  h-ilzcn,  zanken. 

ver-gritzt  s.  u.  r-. 

Grotze-,  in  B;  GrV.  Grotz,  in  ZB.  Grotzge  —  PI. 
=  Sg..  in  Gl;  GA.;  ScHwMa.;  Z  Grötze"  —  Dim. 
GrofzU  BHk.;  VOrte  {-ili  Ndw),  GrötzK  Gl;  GA., 
S..  T.;  Uw;  U;  Z  —  m.,  in  B  It  Zyro;  Schw;  Ndw  f.: 

1.  a)  junge  Tanne  übh.  BE.,  0.;  GT.;  Vw;  W;  Syn. 
Eiitti.  ünregelmässig  gewachsene,  kleine,  verkrüp- 
pelte, abgestorbene,  dürre  Tanne  B;  Gr;  GSev.,  Wa.; 
vg\.  Stürchel;  Grosjw.  Buschiges  Tännchen  Ndw;  Syn. 
Grope;  wilde  Tanne  mit  vielen  Ästen  Blnterl.;  Wetter- 
tanne LV. ;  Rottanne  GRPläsch;  wihlrr.  s-''stia\ii:h- 
artiger  Baum  B  oSi.  ,Das  Beuten  von  i'iiizi.lstrlirinlen 
Gebüschen  und  T;innlein  (Grotzen)  ist  au  v.'rschie- 
deneu  Stidlcn  wüiischbar'  Bs.  ,l)as  Beuten  der  Alp 
durcli  .lii'  lii'iiiriiiwcrcher  beschränkt  sich  oft  nur  auf 
das  Wcijschaltcn  einiger  Grotzen,  die  vielleicht  nütz- 
licher stehen  geblieben  wären.'  Onw  Volksfr.  1881. 
.Grotzen  werden  bei  Wuhrbauten  oft  in  den  Schutt 
oder  in  das  Mauerwerk  hineingenommen,  damit  sie 
binden  helfen,  wie  auch  Bächen  entlang  Grotzen  ge- 
pflanzt werden,  damit  sie  in  Notfällen  zur  Abschaltung 
des  Wassers  in  den  Bach  hinein  gefällt  werden  können' 
Scinv.  .Ein  Stiiik  Wald  oder  Grotzen.'  L  Kantonsbl. 
18lj.^.  .Ha,-^  «ir  ycliannen  habend  gr.  tmd  studcn,  die 
da  staiel  zHUMlini  den  güetern  in  dem  schachen  und 
der  Muotaa.-  l.J2i/14,  Schw  LB.  1650  wurde  verboten, 
,grüne  Gr.  oder  Stickelen  zu  hauen'.  AKüchler  1887. 
Bildl. :  i"  de'  Grotze"  obe"  g'wachse',  ungebildet  GT. 
JJe''  chunnt  its  d'r  Gr.,  hat  keine  Lebensart  B  (Zyro). 
Vgl.  Hag,  Wildi  u.  Anscn.  IV  1  a  .303,  wo  ein  Wirt  von 
Töss  1.524  die  katholisch  bleibenden  Eidgenossen  ,die 
kuoschwänz  und  kuomüler  in  den  gr.  und  in  hindern 
da  innen'  nennt.  Das  ist  zum  Grotze'  üszere'!  vor 
Ärger  G.  —  b)  auch  nur:  grosser  Ast  Zg;  Teil  eines 
Stammes  ZWäd. :  astige.s  Stück  Holz  ZWyla:  Keisiy- 
bündel  (inTK  (Crml-ju.  l'r.;  JlMlzalilalle  vnin  Staiiiin  S. 
Lang  oder  chiir:  (iml.i  |Slainlrii.  |liiihli-l|  j/khIi,-  '/.. 
üyn.  Gretze  L'.  .Uic  urntziii  uii-lrr  den  l.auincii.'  llln. 
L  Probsteirod.  , Unser  Nachschauwer  [Waldaufseher] 
soll  den  Stattrüteren,  so  streng  zu  ryten  band.  Grotzen 
und  unschädlich  Holz  zu  geben  Gewalt  haben.'  B  Ge- 
richtssatz. 1615.  .Haben  die  Bauern  ein  ungeheure 
Tannen  angetroffen  und  befunden,  dass  der  Grotz  oder 
under  Teil  70  Werkschuh  gehalten.'  Hafner  1666. 
.Wie  ein  verlassener  Ast  und  Grotzen.'  1707,  Jes.  — 

2.  a)  =  Gilz  Sp.  2!>7  B;  VOrte ;  Gl;  G;  Z.  Dr  Wind 
hat  de'  Gr.  oben  ab  'knellt.  Er  ist  uf  en  Gr.  ufi, 
g'klederet.  Er  ist  ab-em  Gr.  abe  g'falle'.  I"  de"  Gr. 
n'estid  d'  Gilgger  L.  ,üie  bäum  bis  in  den  grotzen 
abstummeln.'  Paracels.  ,Der  nit  mer  dann  zwo  oder 
drei  im  gr.  oben  findt.'  1531/48,  Jes.;  1667:  ,im  ober- 
.sten  Gr.',  jetzt:  .Wipfel.'  ,Der  grotzen  halb,  so  einem 
am  holz  [gejgeben  werden,  es  syge  zuo  schindlen  oder 
riesterholz  und  anders  darus  ze  machen,  soll  der  grotz 
einer  gmeind  belyben.'  1502,  Z  Rechtspfl.  ,Es  sollend 
diejenigen,  denen  Buwholz  erlaubt  und  gezeichnet 
wäre,   nit  Gwalt   haben,   die  Grotzen  und  Abholz    zc 


nijmmen,  damit  arme  Lüt  sich  dester  bass  beholzen 
mögind.'  B  Gerichtssatz.  1615.  ,Der  Groz(e),  Dolder, 
Gipfel,  Wipfel,  fastigiuui  arboris,  caeumen.'  Red.  1602. 
Bildl.  Er  ist  bald  i"  de"  Grütze'  {im  GrötzK  obe' 
ZLunn.),  chunnt  gad  i'  d'  Gr.,  in  leidenschaftlichen 
Eifer  Gl;  Syn.  s.  Esel  Bd  I  515.  Er  hat  mi"'  i'  d'  Gr. 
g'jagt,  aufs  Äusserste  gebracht,  aufgebracht  Gl.  „Im 
GrotzU  sl',  ebso,  aber  auch:  sehr  eingebildet  VOrte." 

—  b)  der  oberste  Teil  anderer  Körper,  a)  .Grötzle, 
das  oberist  in  eim  reifen  äre,  ist  minder  denn  das 
körnle.'    Mal.  —  ß)  Estrich    des    Speichers    BRohrb. 

—  Y)  scherzhaft:  Kopf  eines  Menschen  Z  Zoll.  — 
3.  a)  ,Grotz,  Grotzen,  Grotzli':  Benennung  kleiner 
Kinder,  meist  scheltend  Aa;  B;  S;  „Z."  ,Grotz'. 
Knirps  Aa.  ,Man  versteht  sein  eigenes  Wort  nicht  vor 
dem  Lärm  der  Grotzen'  AASt.    Syn.  Gof,  Gretz,  Fratz. 

—  b)  , Grotzen',  schlechte  Kälber,  Lämmer,  Ziegen 
OnKübL;  magere  Kühe  GrL.,  Pani.  —  4.  , Grotzen' 
Ortsn.  1416,  LMarchbr.  Geschlechtsn. :  ,Welti  Grotze.' 
1385,  L. 

Mhd.  nicht  bezeugt,  aber  bei  Schm.-Fr.  1'  1018:  ,Grotzcn', 
mit  Dim.  auf  ,-ling',  Sprosse,  bes.  des  Wipfels  von  Nadel- 
holz, auch  Zweig  übh.  Dazu  1013:  , Grossen,  Grössling', 
Sprosse;  junges  Waldbäumchen.  Der  Zsh.ang  mit  den  z.  T. 
synn.  ,Gretz,  Gretze,  Gritze'  ist  klar,  ebenso  Vwdtsch.  mit 
.gross',  so  dass  die  Grundbed.  eines  entsprechenden  starken 
Vbs  .spriessen,  wachsen'  gewesen  sein  wird  (womit  die  tw. 
hervortretende  Bed.  des  Kleinen,  resp.  klein  Bleibens,  nicht 
in  Widerspruch  steht).  —  Die  Nbf.  mit  angehängtem  g  ent- 
spricht vielen  ähnlichen.  Das  (nur  schwach  bezeugte)  Fem. 
wird  aus  dem  Geschl.  von  Tanne  zu  erklären  sein.  In  der 
bildl.  Anwendung  von  1  a  ist  die  Wildniss  des  Gebirges  ge- 
meint, in  welcher  Tannen  von  der  beschriebenen  .\rt  bes. 
vorkommen.  Zwischen  1  b  und  2  a  isttw.  schwer  zu  scheiden. 
3  ist  übertragen  von  1  a,  wo  der  Begriff  des  Zwergbafteri 
stark  hervortritt.  Übrigens  vgl.  noch  .Kretz,  Krotzcn'  m., 
verkrüppeltes  Obst,  Kind,  Tier  Gr.  WB.  .".,  2424.  4  wabrsch. 
aus  1  a  i.  S.  v.   ,in  den  Gr.' 

Hirsch-Grötz en  :  Spottn.  der  Bewohner  von 
ZPfäff.  —  Klaus-örotee";  ein  verziertes  Tannen- 
bäumchen,  das  der  h.  Nikiaus  manchmal  dem  jüngsten 
Kind  vor  das  Bettchen  stellt  Gl;  Th  It  Rocnn.  1857,  530. 

Mittel-.  ,Dass  die  Müller  den  kernen,  das  hinder 
und  das  vorder,  Hessen  ligeu,  als  denn  das  von  der 
relleii  iallr,  und  den  herren  den  mittel  grotzen  zue 
zin,   ,,  jiirkiend.-   1441,  Z  Staatsarch. 

liri  [iIh  rste  Teil  des  Haufens y  oder  ffr.  verschrieben  für 
.Grütze' y  3.  d.   uud  ,Mittel-GrUtz',  auch  ,Grü3Ch'. 

Tann(en)-:  kleine,  verwachsene,  buschige  Tanne 
B;  SNA.;  Ndw.  .Soll  nieraan  userm  berg  enkein 
tanngratzen  nit  stecken  und  enkein  tannini  latten 
noch  tanngrotzen  an  enkein  hag  legen  noch  ziehen.' 
1433,  Gfd.  Verkrüppeltes  oder  im  Wachstum  zurück- 
gebliebenes junges  Tännchen  von  4 — 5'  Höhe  B  (meist 
dim.);  vgl.  Tann-Buschli.  Im  Kappelerkrieg  1529/31 
trugen  die  Katholiken  als  Abzeichen  Tannenbüschel 
und  wurden  daher  von  den  Reformierten  selbst  , Tann- 
grotzen' genannt.  S.  Absch.  IV  1  b  135;  ValTschddi 
1533.  ,So  sy  die  t.,  die  als  ein  partyisch  ufrüerisch 
zeichen  mit  dem  landesfriden  abgestellt  sind,  wider- 
umb  on  straf  zc  tragen  zuo  Schwyz  otl'enlich  genieret 
und  erloubt.'  1531,  Absch.  , Tragende  in  iren  hüeten 
oder  baretlen  stechholteren,  d.  oder  dannästli.'  Sicher 
1531.  ,Demnach  werde  von  Zürichern  von  ihnen  [den 
VOrten]  verächtlich  und  schmachlich  als  t.,  milch- 
küblen,  fünförtli  und  scnnhüttli  gercdt.'  HBcll.  157'2. 


Graz,  grez.  griz,  grotz,  grntz 


Der  zeitgenössische  luzernische  Schriftsteller  und 
Dichter  Hans  Salat  nannte  einen  von  ihm  yerfassten 
,Spruch'  über  jene  Ereignisse  ,der  Tanngrotz'  und 
gibt  am  Schluss  desselben  auch  das  Losungsw.:  ,Hie 
tannast!  (die  von  Zürich  fliehend  fast!).'  Zuweilen 
übertr.:  kleiner,  verwachsener  Mann  B;    vgl.  Strupf. 

Tschuder-ffroJrH;  Terküraniertes  Tännchen  BHa. 
—    Tseliuder:  verwirrtes,  verwildertes  Haupthaar. 

uf-grotze":  aufspriessen,  in  Stengel  und  Äste 
auswachsen,  von  Salat  und  Spinat  Z ;  Syn.  uf-stenglen. 

Tannen-Grotzle  f.:  weibl.  Scheltn.,  eig.  Be- 
zeichnung einer  im  Tannenwipfel  reitenden  od.  sich  in 
Tannenwedel  verwandelnden  Hexe.  Rochh.  1856, 2, 183. 

grotzne":  Eeiser  sammeln  Obw. 

„Grotzete  f.:  unsaubere  Wäsche  Bs".  —  Gehört  wie 
die  vom  gleichen  Orte  angegebenen  Grotlete  ii.  grotzig  zu  7.r-. 

Obsi-Grotzi,  Ochsen-Grozium  s.  Oxikrozium. 


Grntz:  Ziger  GT.  -  Vgl. 


t'ützelen,   qi-ützdet. 


Grütz  n.  B;  Gl;  GRPr.;  L;  GG.;  Ndw;  ZBauma 
(in  Bed.  1  b) ,  m.  „B;"  GrHb.;  ZBauma.  Irchel  (in 
Bed.  1  a  und  4):  1.  a)  =  nhd.  Grütze,  grobgemahlenes 
und  von  den  Hülsen  gereinigtes  Getreide  Gl;  Ndw, 
spec.  Hafergrütze,  bzw.  daraus  bereiteter  Brei  Gr; 
GTa. ;  ah  Gr.  trilihe,  Haferschleim  trinken  GfiPr.  Bei 
einem  Gesellschaftsspiel,  wo  paarweise  gesessen  wird, 
«aber  ein  Platz  zu  wenig  ist  und  die  Plätze  immer 
wieder  gewechselt  werden,  gibt  das  in  der  Mitte  ste- 
hende Mitglied  die  Losung  dazu  mit  dem  Reim:  I'* 
hin  d'r  Gr.  im  Häfeli  und  ker  mich  drei  Mal  um, 
und  wer  his  jetzt  kei  Schätzeli  hat,  der  schaue  sich 
gleich  drum  Cum)  GaMai.  Grützsuppe,  z.  B.  als  Kost 
der  Soldaten  statt  Kaffee  Gl.  Gebrochene  Teilchen 
von  Korn,  die  in  der  Mühle  abgehen  BSi.  Rückstand 
in  der  Mühle  nach  Ausscheidung  der  Mehlsorten  L. 
Graupe,  in  der  Mühle  enthüLstes  Korn  ZBauma.  ,Grütz' 
als  Zehndenabgabe  in  der  ZGrün.  Amtsrechn.  v.  1.580. 
Abfälle  und  Brosamen  von  Zuckergebäck,  zu  , Stu- 
dentenschnitten' verwendet  BBurgd.  Gemisch  von 
allerhand  Gesäme  zur  Speise  für  Stubenvögel,  Wicken, 
Erbsen  udgl.  Hülsenfrüchte  BSi.  ,Mica,  allerlei  grützle 
oder  brossmen  von  brot  und  anderen  dingen  derglei- 
chen.' Fris.;  Mal.  —  b)  bildl.  a)  Mr.  im  Clmpf, 
Grillen,  seltsame  Einfälle."  —  ß)  Gr.,  Verstand,  Klug- 
heit Aa;  Gl;  L;  ScnSt.;  Z.  Gr.  im  Cliopf  hxi',  ge- 
scheid,   ge.schickt  sein  Aa;   BM.;   6A.,  F.;  S;  Th;  Z. 

—  f)  Geld,  Reichtum  L.  —  2.  Grützeli,  Knöllchen  in 
der  Molke,  im  Haferbrei  GA.,  G.;  ZO.  (auch  Gritzeli); 
s.  auch  Mützeli.  Coli.:  (Schotte"-,  Ziger-) Grütz  n.  GA., 
G.  —  3.  a)  .Glandula,  trüesen,  grützen  an  Schweinen 
oder  seuwen.'  Fris.  —  b)  ,Spondylus  ostreorum,  der 
grütz  und  das  hart  fleisch  der  meerschnecken.'  Fris. 

—  4.  a)  (m.)  kleines,  elendes  Kind,  auch  als  Schelte 
für  Kinder  ZIrchel.  Syn.  Gretz,  Grotze".  Als  Übern. : 
,Hs  Lüb,  genant  der  Grütz.'  XV.,  G.  —  b)  Spitzmaus. 
PüP.     Syn.  Mützer. 

Mhd.  griitzc,  o.  f.V  Grütjie,  Grützbrei,  eine  Intensivforni 
zu  dem  gleichbed.  grivße  und  zu  grüß,  Koro.  Vgl.  Grüecli.  Die 
Grnndbed.  muss  aber  ,Korn,  Kern'  sein,  da  nur  aus  dieser 
die  bildl.  Anwendung  (t  h)  zu  verstehen  ist:  kernh.afte  Be- 
schaffenheit, Kerngehalt,  des  Geistes.  Das  in  dieser  Bed.  syn. 
,Kritz'  ist  schwerlich  aus  .Grütz'  entstellt:  aber  möglich  ist, 
dass  ,Kritz'  nrspr.  nur  für  die  Bed.  1  b  a  galt  und  dann  auf  ß 
übertragen   wurde,   weil  seltsame  Einfalle  ja  auch  sinurciohp 


sein  können.  Dass  Bed.  2  das  selbe  W.  sei.  ist  zwar  nicht 
sicher,  doch  leicht  möglich  und  wahrsch.,  weil  in  der  Form 
ohne  g  (die  überdies,  auch  in  den  Abll.  .grützelen',  gerinnen, 
.grützelig',  körnig,  säuerlich  usw.,  weniger  bezeugt  ist  und 
kaum  anders  erklärt  werden  kann)  dasselbe  ebenso  leicht 
abgefallen  (resp.  als  entbehrliches  Präf.  gedeutet  worden)  sein 
kann,  wie  es  in  andern  Fällen  zugesefcit  worden  ist.  Die 
in  der  gerinnenden  Milch  schwebenden  festen  Teilchen  können 
sehr  wohl  mit  Körnchen  (eines  Breis  usw.)  verglichen  werden: 
doch  s.  auch  Ge-Hnel.  Eher  kann  die  Zugehörigkeit  von 
Bed.  3  zu  diesem  W.  bezweifelt  und  sie  kann  viell.  zu  .GrUtzi, 
Grüzi',  mhd.  grütz,  Griebs,  gezogen  werden  (vgl.  Mittd-Orutz). 
welch  letztere  Form  aus  'grüpz,  d.  i.  grohiz,  grübz,  entstellt 
sein  mag,  aber  allerdings  doch  auch  mit  obigem  Grütz  1  a 
sich  vereinigen  liesse,  da  ein  Name  für  ,Kerngehäuse'  doch 
wohl  von  einem  für  ,Kern.  Korn'  gebildet  werden  konnte. 
So  kann  wenigstens  3  b  als  Kernbestandteil  gegenüber  der 
schleimigen  Masse  erklärt  werden,  und  dann  wohl  auch  3  a 
aus  der  .Ähnlichkeit  einer  Drüse  mit  jenem  Teil  der  Auster, 
-l  a  kann  auf  Verwechslung  oder  Vermischung  mit  den  Synn. 
,Gretz'  und  , Grotz'  beruhen,  doch  kann  ja  auch  hier  die  Bed. 
.kleiner,  kornartiger  Körper'  zu  Grunde  gelegt  werden.  Vgl. 
noch  .Grütze'.  4  b  gehört  wohl,  wenn  die  Angabe  übh. 
richtig  ist,  zunächst  zu  .grützen'  3,  nagen,  dessen  g  in  Hin- 
sicht auf  Stammhaftigkeit  zweifelhaft  ist. 

Anken-GrützCe)li:  kleine  Butterbläschen,  die  bei 
der  Butterbereitung  in  der  Eührmilch  schwimmen  ZO. 

Kirs-Grütz.  .Von  einem  mütt  rowen  hirs  soll  der 
müUer  nit  me  nenien  dann  ein  immi  hirsgritz.'  1484, 
AASuhr  Üffn.     ,1  mütt  2  viert,  hirs-gr.'  1555,  ZGrün. 

Mittel-  kr-  n.:  Scheidewand  zwischen  den  Kernen 
einer  Nuss  BSi.  —  Vgl.  Grüzi,  Grülzi  und  Anm.  zu  Grütz, 
auch  .Mittel-Grotzen,  -Grüssi'. 

grützele":  „in  sehr  feinen  unzusammenhängenden 
Teilchen  gerinnen,  wie  z.B.  Milch,  Rahm  Aa;"  BsStdt 
(kritzele);  „B."  —  g'grützelet  Z,  iri-  AaWoM.. 
grützlig  „B".  gritzlig  Aa,  gritzelig  Bs  (auch  ehr-);  S: 
fein  gekörnt  wie  Gries.  Grützeli  enthaltend,  z.  B.  von 
Honig  (candiert).  von  der  Milch  beim  Buttern  oder 
wann  sie  sonst  körnig  gerinnt;  von  gesottener  Butter, 
wenn  sie  nicht  gehörig  umgerührt  worden.  aaOO. 
Getupft,  von  Zeugen,  von  der  Haut  AaF.;  Z.  —  S.  Anm. 

zu    Grütz   S. 

Grüze"  f.:  1.  Korn?  Häufchen,  Prise?  ,Grumus 
salis,  ein  grützen  salz.'  Fris.;  Mal.  =  ,Greutzen.' 
Denzl.  —  2.  sandige,  trockene  Stelle  in  einem  Acker, 
wo  die  Gewächse  bei  heissem  Wetter  mager  werden 
oder  absterben  ZFehr.  ,Ein  Acker  im  Greuzli'  bei 
ZWint.;  .in  der  Grüzen  unten',  ehemaliger  Exercier- 
platz  bei  ZWint.  .Grenzenstrasse.'  ebd.  .Zur  Grüze', 
Haus  in  OWint. 

Schliesst  sich  zunächst  an  .Grieß'.  Sand,  welches  aber 
mit  griufie,  grüß,  Korn,  unmittelbar  zsgehört  und  gleichsam 
nur  das  Coli,  dazu  ist.    Vgl.  .Greuss.  terra  sicca.'  Schni.-Fr. 

Grütze"  f.:  etwas  Kleines,  Unscheinbares,  z.B. 
ein  Häuschen,  eine  verkrüppelte  Tanne  Ap.  Flurn. 
c.  1450,  Fründ;  XV.,  ZDüb.;  1596,  ScHwE.Klosterarch., 
.Grützenhof  BKön.;  GJonen.  .Grützhütten'  LWolh. 

In  der  Anwendung  auf  Tanne  am  Nächsten  an  .Grotze' 
rührend;  in  der  erstem  viell.  an  .Krutz'.  enger  Kaum;  doch 
auch  an  , Grütz'  i.  S.  v.  kleiner  Körper  übh.  S.  aber  auch  h--. 
Zu  den  Flurun.   vgl.    Gritze  2. 

grütze"  I:  Grütze  mahlen  Ndw. 

grütz e»  IT.  in  L  -Ä-[?]:  1.  schaben.  z.B.  Äpfel 
Ap.  —  2.  „schnitzeln  ohne  Zweck  Ap."  in  Holz  han- 
tieren GMarb.:    s.  Holz-Grützer.  —  3.  hörbar  nagen, 


841 


Gratz— grutz.    (iratzg — gnitz«-.     Gsoli-, 


von  Mäusen  TnTäg.;  vgl.  Griltz  4  6.  —  4.  keifen, 
zanken  Sciiw.  ,Wolltent  s'  nüt  gehorsam  syn.  tatent  s' 
stäts  grützen  und  on willig  stellen  und  gabent  s'  och 
nieniants  nüt  mit  lieb.'  Sicher  1531.  S.  a,uc\V l;ritzei>. 
—  5.  Kleinhandel  treiben,  auch  mit  Tausch;  im  Klei- 
nen, mit  kleinen  Gegenständen  markten,  schachern, 
bes.  von  Kindern;  zuweilen  mit  ungünstigem  Neben- 
begriff des  Heimlichen,  Unerlaubten  AaF.;  BSi.;  L; 
GF.;  Z.  %yx\.  grämplen,  hützen,  g'wirhen.  Er  het  alle 
Miirttag  mit  de' Bure'  z' gritze'  Bs  (Spreng).  Auch: 
kleine  Schulden  mit  einander  berechnen,  ebd.  ,Dess- 
gleichen  mit  kaufen  und  verkaufen,  tauschen,  grützen, 
(g)wärben,  überkleiden,  kostlieh  leben,  lasst  man  junge 
haushaben  fürfaren.'  SHochh.  1591/1693.  ,Gremplen, 
grüzen,  tauschen,  mercari,  cambire,  negotiari.'  Eed. 
1662.  .Leichtsinniges  Güter  kaufen  und  grützen.'  Z 
Mand.  1675.  ,Die  Pfarrer  und  Vorgesetzten  werden 
vermahnet,  dass  sie  insonderheit  auf  diejenigen  Lieder- 
lichen und  Vertüigen,  welche  mit  überflüssigem  Trin- 
ken in  den  Wirtshäusern  oder  mit  unnötigem  Grützen, 
Märkten  und  Weinkäufen  das  Ihrige  verschwenden, 
gute  Achtung  geben.'  1693,  ebd. 

Das  W.  scheint  unserin  Gebiet  eigen  doch  ist  fraglich, 
ob  alle  Bedd.  zsgehören;  in  Bed.  3  gilt  auch  rätzeii,  in  Bed.  1 
rätzlen,  und  betr.  den  Voc.  könnte  man  vergleichen  ,Grätz', 
Abfall  von  Goldschmiedearbeit,  mit  uuserm  ,Grütz'  1  a,  ,Gretz', 
Knirps,  mit  ,Grütz'  4  a.  Aber  es  lassen  sich  doch  auch 
sämmtliche  Bedd.  auf  den  Grundbegr. :  .kleine  Teile  ab- 
schneiden, mit  kleinen  Stücken  hantieren',  also  auf  ,Grütz'  in 
diesem  Sinn,  zurückführen ;  Bed.  4  auf:  streiten  um  Kleinig- 
keiten, oder  sie  ist  hergenommen  von  dem  schrillen  Ton,  der 
beim  tjrützcn  1,  2  oder  S  entsteht;  vgl.  kaflen  mit  der  selben 
Übertragung. 

ab-:  abmarkten  AaF.;  Z.  —  ver-:  1.  schlecht 
verkaufen,  verschachern  B;  Z.  —  2.  „zerhacken,  von 
schlechten  Ziramerlcuten  Ap;  Syn.  verbacken." 

„Grützer:  Händler  B;  VOrte;  Sch;  Z."  -  Holz-: 
schlechter  Holzschnitzler  Ar.     Syn.  Bäcker. 

Grützete  f.:  1.  Geschabsei  von  Äpfeln;  kleine 
Holzspäne  Ap;  TuMamm. ;  „Schnitzerei",  von  Mäusen 
zernagte  Abfälle  Th.  —  2.  „Kleinhandel,  allg."  — 
Mus-:  Genagc  von  Mäusen.  Pup. 

Grüzi,  „Grützi"  n.:  Griebs  BO.;  Syn.  Bätzgi, 
Sattel.  -  Tgl.  Anm.  zu  ,Grütz'  und  Schm.-Fr.  IM  Ol  9,  auch 
tirOxii  unter   Grus. 

grützisch:  zänkisch,  gehässig  Schw.  —  S.  «br. 
auch  (kiriizi,/. 

grützle":  Tauschhandel  treiben  wie  Kinder  Zo ; 
Z.  —  Grützler.  .Emtionalis,  der  gern  kauft,  Gr.' 
Denzl.  1716. 


Grützek.  It  Harti 
Vgl.  Ghiz  Sp.  408. 


.Kr-':  Krikente  Bodensee. 


gratzge":  elend  leben,  ver 
Schw.     S.  auch  ratzgen. 

Greizge,  auch  grossi  Gr.  =  Grihisen 
Klingn.  Syn.  Reizge.  —  Zunächst  Nbf. 
ri.lzi/.i  zu    Grize   (Sp.    67G). 

gritzgen,  Gritzgi  s.  Sp.  836/7. 

Grotzgc  s.  Grotze. 


(trunde  geln 


AaVÜI..  Diltt. 


Gscli-. 

S.  ai.oh  unter  Si-h-  (mit  Prüf,  r/c-)   und  unter  T-,:!^  (welches 
übh.  lautliche  Nbf.  zu    C«.*-  ist). 

gsch:  1.  Schenchruf,  für  Vögel,  Katzen  und  Hunde 
Bs;  Gl;  Z;  Syn.  gschti(d),  tsch,  tschu!  —  2.  Hetzruf 
für  Hunde  ApK.  ;  Z.  Arräx  gsch!  gsch!  Hetzruf  für 
Hunde  z.  B.  auf  der  Jagd  Gl.  Auch  um  Streitende 
auf  einander  zu  hetzen  Z;  Syn.  arrä.c  (Bd  1388),  x! 


gschä  Z  oGlatt,  sonst  gschft:  Zuruf  ans  Vieh  = 
zurück!  z.B.  wenn  es  an  der  Krippe  zu  weit  vorn 
steht  und  man  ausräumen  will,  oder  wenn  das  Zug- 
vieh, das  man  einspannen  will,  zu  weit  vorn  an  der 
Deichsel  steht  Aa;  Z;  auch  gscho  hö!  AaF.;  gschö 
do!  Z,  Kopf  weg  (zurück);  gscho  umme"!  rechts  weg 
von  der  Hand!  ZB.;  Syn.  tselw,  tschob! 

gsclin!  Scheuchruf  für  die  Hennen  Gr;  Z;  Syn. 
tschu! 


frz.   /im,   viell.  als 


Gsehü:    Brühe,    Sauce   B. 
Coli.   (Ge-Kvhü)  zu   fassen. 


gscliud  =  f/schii  Sü.;  Syn.  t.ichiid ! 
G  sc  hu  der  s.  (T)Schuder. 


Gschälör  (in  ZO.  "",  in  Aa  "-)  n.,  Gschalöri  m 
Aa:  einfältiger,  beschränkter  Mensch,  Tölpel  Aa;  Z 
Schelte  für  ungeberdige,  lärmende  Jungen  ZO. 

Wie  Oallüri  als  Zss.  aus  Gal(li)  und  Liivi  angesolipi 
werden  kann,  so  dürfte  uuser  W.,  das  .auch  die  Nbf  Ticlmlnr 
hat,  eine  Zss.  sein  ans  den  Synn.  T^i-hale  (TKtlmli,  Tirlmli, 
und  Llh-i.  Die  Form  Gsehalar  scheint  Anlehnung  au  das 
der  Volksspr.  allerdings  abhanden  gekommene  urlmllni  zu  be 
absichtigen  und  würde  sich  zu  diesem  verhalten  wie  (lo 
(s.   Sp.   214)  zu   ./.■7/,„. 


gscliiwje":  Xaehlese  halten,  bes.  in  den  Ecbbergen 
W.     Syn.  süechlen. 

Schwer  mit  ,schauen'  zn  vereinigen,  auch  wenn  wir  die 
obige  Form  als  yescliüirjen  deuten;  vgl.  immerhin  die  Anm. 


Gw-. 

lit  Prüf. 


G\Vi(le°  f.:   keifendes  Weibsbild  Gr  uVatz. 

Wahrsch.  von  einem  Vb.  'kwidtn,  schwatzen  (vgl.  Syn. 
iclni),  einer  Nbf  zu  unserm  kidm,  schallen,  tiinen,  web'hes 
wieder  von  dem  Präs.  e»  h-il  dos  abd.  tiuVihm,  sagen,  ab- 
eitcn   ist. 


843 


Gwagg— gfwugg.     Gwangg— gwungt;.    Gwant— gwunt.    Gwav- 


iwai'd — gwurd 


gwagg:  1.  Interj.,  mit  welcher  man  den  Kuf  des 
Eabeu  nachahmt,  auch  um  ihn  zu  verscheuchen,  allg. 
Gwägg  r,uft  man  spottend  demjenigen  zu,  der  eine 
kleine  Bürde  Holz  aus  dem  Walde  trägt,  welche  man 
somit  als  ein  blosses  Rabennest  taxiert;  dann  subst. 
auch  die  kleine  Bürde    selbst   Gl;    vgl.  Kräjen-Nest. 

—  2.  Euf  des  Frosches.    Kessl.;    s.  (jorpsen.  —  Abi. 

Gwägg  AAFri.;  Bs;  ScuNnk.;  S;  Z,  Gwägger 
Bs;  ScH  („Quager,  Quaker");  Th  —  m.,  Gwägge  f. 
Zllln.,  Sth.,  Wyla:  1.  Rabe,  Krähe.  ^Mager  wie  'ne 
g' rupfte  Gwagger."  D'  Matsherre,  schwarz  wie  Gwagge' 
ZWthur.  D'  Gwagge'  händ  afäh"  chräe'  und  e  Brüel 
verfüere',  wie  wenn  der  Bös  selber  im  HüsK  war  Z 
(Bied.).  —  2.  viel  jammernder  Mensch  TuTäg. ;  Schelte 
für  ein  unartiges,  viel  schreiendes  Kind  Bs;  S.  Er 
het  mängisch  g'seit,  es  sig  Schad  für  e  Hebammelon, 
wo  si  für  de""  Gwagg  zalt  heige'.  BWyss  1863.  — 
3.  Tölpel,  vorlauter,  dummer  Schwätzer  S.  —  4.  Über- 
name der  Bewohner  von  ZRuss.  Vgl.  GuggerllA  3f 
(Sp.  188).  —  5.  Gwägg(er),  Frömmler,  Sectirer  Sch; 
früher  bes.  Übern,  der  Wiedertäufer  ScbKI. 

Bed.  1  —  4  vom  Rufe  des  Raben;  vgl.  die  Syun.  ffa*///, 
Gi-äiji) ;  Bed.  2  scherzh.  od.  hämische  Entstellung  von  , Quäker', 
mit  Anspielung  auf  die  dunkle  Kleidung. 

gwägge":  1.  krächzen,  wie  der  Eabe  schreien  Aa; 
Bs;  Sch;  S;  Z.  —  2.  quaken  Aa. 

Gwägg  I  m. :  Letztgekoramener  Gr. 

Bezieht  sich  auf  die  Töne  der  Kinder  und  junger  Vilgcl; 
vgl.    (jw&ggen   und   ()r.  WB.    unter  ,Nestquak'. 

gwäggele":  kreischend  schreien,  wie  kleine 
Kinder  Z. 

gwägge":  1.  =  gwäggen  1  GrL.  —  2.  schreien, 
wie  Wiegenkinder  Bs;  S;  Syn.  häggen. 

Zu  2  vgl. :  ,Wäckcn,  schreien  und  greinen  wie  ein  un- 
mündig oder  jung  kind.'  Fris. ;  Mal.    Vgl.  auch  l.at.  mijire. 

Gwägge  I  f.  GWe.;  ZElgg,  Gwägger  m.  GrL.: 
1.  Rabe,  Krähe.  —  2.  Blasinstrument,  bestehend  aus 
2  zwischen  Birkenrinde  geschobenen  Hölzchen  GWc.; 
vgl.  Gdggi  (Sp.  167);  Gwiggle;  Furze. 

Gwäggi  m.:  Mensch  mit  kreischender  Stimme 
oder  der  immer  jammert  Bs. 

Gwagge  II  f.:  Quecke,  triticuni  repcns  BM. 

gwlgge":  giivigg  (,ki-,  kuwitt')  schreien,  wie  der 
Waldkauz,  strix  aluco  (nach  dem  Volksglauben  soll 
es  das  Weibchen  der  Eule  sein,  s.  Bd  I  614);  der 
Ruf  gilt  als  todverkündend  Ap;  Z.  Synn.  s.  bei  Üwel 
Bd  I  615. 

Gwiggle"  f.  Th,  Gwiggli  n.  AaP.,  Bb.,  Z.;  Tu 
Steckb.;  ZGlattf.:  1.  Waldkauz;  auch  Ohreule  Aa;  Z. 

—  2.  ein  Toninstrument,  aus  einem  sich  gabiig  teilen- 
den Stück  Rebholz  zur  Zeit,  da  es  im  Saft  ist,  ver- 
fertigt; nachdem  die  äussere  Rinde  abgeschält  und 
der  Bast  gelöst  ist,  werden  beide  Schenkel  so  auf  ein- 
ander festgebunden,  dass  beim  Hindurchblasen  der 
Bast  in  vibrierende  Bewegung  geraten  und  das  Ge- 
schrei der  Eule  od.  des  Hähers  nachahmen  kann  Th; 
vgl.  Gwägge  I. 

Vgl.  b.iir.  ,Wi<-htel',  Waldkauz,  sowie  Instrument,  um  das 
Geschrei  der   Eule  nachzuahmen;  s.  noch  Fr.,  Ztschr.  7,  96. 


gunnen  Sp.  332. 


Tor-gwaiigge":  , verhehlen,  verbergen  Bs;'  jetzt 
nur  noch  in  den  RAA.:  da  'sch  eppis  Vcrgxcanggts, 
e  vergtvanggti  G' Schicht,  etw.  Verfehltes  Bs;  Syn.  rer- 
wendt.  —  Verderbniss  ans  dem  Syn.  venpimiin,  das  auch 
.verdrehen,  entstellen,  verderben'  bedeutet. 


„gwante",  gwantele":  im  Gehen  stulpcrn,  bes. 
von  Betrunkenen  W." 

„Gvvinti  f.:  Abgabe,  welche  Mädchen  bezahlen 
müssen,  welche  ausser  ihre  Gemeinde  heiraten  W;" 
Syn.  Kronen-Gelt  Sp.  253;  vgl.  Silber-Kron. 

Dem  rechtlichen  Charakter  nach  wahrsch.  eine  der  Herr- 
schaft beim  Wegzug  zu  entrichtende  Gebühr  (s.  .Abzug'); 
vgl.  frz.  quint  (et  requint),  Abgabe  dos  fünften  Teils  des 
Lehenpreises  an  den  Lehenherren. 


Gwer:  1.  .Quirinus  BFrut.",  woselbst  1556  ,Gw. 
Rittor',  ein  Volksdichter,  1668  ,Gw.  Brügger',  1074 
,Gw.  Zaller'  genannt  werden.  —  2.  St  Goar  (der  Ort). 
15'29,  Abscb.;   ,StGewär.'  1618/19,  Z  Taschenb.  1878. 


Gwardi  I  f. :  Wache,  spee.  concr.  Leibwache,  Garde 
Z  f.  ,I)ie  gwardi  stot  in  dyner  huet',  sagt  der  auf- 
brechende Brutus  zum  Statthalter.  HBdll.  1533.  ,Ein 
gw.  hat  er  im  bestellt,  damit  er  's  rych  mit  gwalt 
behelt.'  ebd.  ,Wo  ist  die  gward,  ir  gwardonknecht'?' 
SßiRK  15.35.  ,MGHH.  band  ein  gvf.  gan  Rom  zu  päpst- 
licher Heiligkeit  bewilligt.'  1548,  L  Ratsb.  ,Hand  acht, 
dass  d'  statt  ouch  werd  verwart  mit  der  gw.  ordenlich 
recht.'  RüKF  1550.  .[Die  Bärin]  lief  den  nächsten  weg 
durch  alle  gwarden  und  gmach  des  fürsten  kammer 
zue.'  Tierb.  15C3.  ,PriBtoria  cohors,  des  vogts  gwardc 
und  rott.  Custodise,  ein  gw.  oder  die  Wächter.  Aditum 
custode  coronare,  ein  gw.  oder  huet  legen  zum  ein- 
gang.'  Fris.;  Mal.  ,Es  habend  etlich  angehept,  sich 
in  die  gwardinen,  herrendienst  und  frömde  krieg  be- 
geben.' HBuLL.  1572.  ,Wo  Gott  einen  nit  beschirmt, 
da  hilft  kein  wafi'en,  kein  schloss,  gwarde  . . .'  LLav. 
1582.  ,Herodes,  als  er  durch  ,syn  gw.  im  ganzen  land 
um  Bethlehem  alle  zweijährige  knäblin  Hess  um- 
bringen.' RGuALTH.  1584.  ,Mit  dem  Hufen  syner  Rü- 
teren,  so  y  im  zue  synes  Lybs  Gw.  g'han.'  Rüeger 
1606.  ,Die  welsche  Quardi.'  Grasser  1625.  ,üie  Liebe 
ist  die  beste  Quardi,  Wacht.'  Met.,  Hort.  1692. 

It.  guardia,  Wache,  frz.  garde.  Die  Schweizer  waren 
bes.  für  fürstliche  Leibgarden  gesucht;  vgl.  z.  B.  Lütolf,  Die 
Schweizergardo ;  Morell,  Die  Schweizerregimenter. 

Salve-:  1.  Leibwache.  Vilm.  Schlacht  1656.  — 
2.  sehr  kleines  Reliquienkästchen  Sohw;  Zg.  —  Mlat. 
salvaguardia  {frz.  sauvegardc) ^   Schutz,  Schirm,  Schutzwache. 

Gwardisame  f.:  Garnison.  Die  Eidgenossen  im 
Felde  wünschen,  man  möge  sie  wenigstens  ,in  päbst- 
licher  Heiligkeit  stetten  gewardisammon  dienen  lassen.' 
1521,  Absch.  —  Umdeutschung  des  Fremdw.,  it.  ,Guarni- 
gione',  mit  Anlehnung  an  , Gwardi'.     Vgl.   Gmairnuss. 

Gwardin  I  m. :  Schreckfigur,  Larve  mit  scheuss- 
lichem  Gesicht,  Bart  und  3  Nasen,  von  den  ,Gesellcn 


S-15 


Gwiirtl- 


tiwax— Gwiix 


des  törichten  Lebens'  1523  angewendet,  um  die  Nonnen 
des  Zg  Klosters  Prauental  zu  erschrecken;  bis  1778 
alsdann  alljährlich  am  Sitzungstage  des  sog.  ,gross- 
miichtigen  Rats'  vor  den  Fenstern  des  Sitzungssaales 
ausgestellt;  Abbildungen  s.  Elsener-Kal.  1868  und 
Alpenr.  1866,  S.  69. 

Wahrsch.  identisch  mit  ,Guardian'  i.  S.  eines  Wächters, 
wuleher  die  damals  einem  freiem  Leben  huldigenden  Nonnen 
wieder  zu  strengerem  Leben  zurückführen  sollte,  viell.  mit 
parodierender  Nachabnuiug  der  Strafgewalt  eines  Kloster- 
viirstehers. 

Gwardin  II,  bzw.  Ward  in  (in  Z  auch  Waradin, 
Wardi)  m.:  Münzwardein,  obrigkeitlich  bestellter 
Aufseher,  welcher  Jilünzen,  Gold-  und  Silberwaaren 
auf  den  gesetzlichen  Feingehalt  zu  prüfen  hatte  L 
(auch  ,Kantonswardin');  Z.  ,Ein  w.,  so  die  stempfei 
hat,  soll  schweren,  die  stempfei  und  ysen  hinder  im 
ze  beheben  und  dera  trüwlichen  ze  warten.  Er  soll 
mit  den  ysnen  oder  stempflen  zue  dem  münzmeister 
gan  und  den  sack,  so  versiglet  ist,  uftuen  und  im 
lassen  darus  die  münz  brechen  [prägen]  und  schlachen 
und  von  den  steniptten  by  syra  eide  nit  kommen,  bis 
er  ufhört  breclien.'  IIÜO,  Seg.  RG.  2,  271/3.  ,üass 
keiner  derjenigen,  so  (iewichtsteine  und  Wagen  machet, 
solche  Selbsten  weder  fecliten  noch  mit  dem  Z  be- 
zeichnen, sondern  selbige  dem  hierzu  verordnet  be- 
eidigten Wardyn  (Guardin,  Gwardyn)  zum  Justieren 
einhändigen.'  Z  Mand.  1693/1812.  ,Gwardyn  wird  er- 
wehlt  vor  Rat;  seine  Pflicht  ist,  auf  die  Geltsorten 
Achtung  zu  geben,  ob  selbe  auch  den  rechten  Halt 
haben,  item  auf  die  Trolicn,  sowohl  des  Zinnes  als 
des  Silljcrs,  und  dann  auf  die  (iewichte,  dass  selbe 
wohl  iustiliciert   und  ordenlicli  <,'etueliten  seien.    Sein 


Einkommen  ist  nichts  Sonderliches,  hat  aber  den  ersten 

Zugang  zu  dem  Münzmoisterdienst.'  Z  Pfründenb.  17.''i7. 


Ritterurdeu  versttiht  wühl  auch  UstJluck.  151'J;   .Molclicr  zue 
der  Gilgen,  Ritterwardein.' 

Gwardi  II  n.fVl:  Geld.  De'-  häd  Gir.,  i.st  reich 
ÄAWohl.     Syn.    Krimwirh.    Batzen. 

Wahrsch.  iiidii  ilu.  llr  Ijitst.llani,-  (mit  ArileliiiUM^'  au 
Gwwdi  I)  aus  it,   .j„„ii,,„,.   s.    A',<(,ui. 


■gi  s.  Ge-twergi. 
rti  s.  Ge-wetti. 


gwaxe":  quaken  UwE.  .Coaxare,  schreien  wie  ein 
frösch.  gw.  (quaxen,  quäxen).'  Fitis. ;  Mal.;  Denzl. 
1677;  1716. 

gwäxere":  mit  einem  stumpfen  Messer  schneiden, 
so  dass  beim  Hin-  und  Herfahren  knirschende,  scharfe 
Töne  entstehen  B  (Dan.).  —  Schallw. ;  vgl.  y«,««,  yilj.-/«« 
u.  d.  vor. 

üvvix  m.:  heller,  gellender  Schrei  GSa.  —  Vgl. 
ijintjijcn  und  die  Synu.   6'yj«,    Ou-. 

gwixe"  =  gipsen  GO.  —  Vgl.  auch  hd.  ,quiksen, 
(luitscheu',  schreien,  schneidend  scharfe  Tfine  hören  lassen. 

Gwixi  n.:  Käuzchen,  Eule.  Kindern,  die  Nachts 
auf  der  Gasse  herumlaufen,  wird  mit  dem  ,Gw.'  ge- 
droht.   RocuH.  18.57,    S.  319.   —  Vgl.   aioujyh  (Gwujyli). 


H. 


Ha,  he,  lii,  ho,  hu. 


ha :  Schlittenruf  S.  Syn.  ab  (Bd  I  29),  (die  (ebd. 
171),  usi  Gass  (Sp.  450),  do  hu,  hah,  ah  Hobel,  us 
Hang,  haup,  Hiiet,  raii,  ab  Schnauz,  us  Weg. 

a-ha  s.  Bd  1  161. 

6-  (in  Ap;  ßoAa.;  Scu;  Z  Ö-,  in  Z  etwa  <>-,  in 
BM.  ii-,  neben  ue-)  ha  (mit  schwaiikondrr  (^laiitität 
desVoc.)  Aa;  Ap;  B;  VOrte;  Iu:;  U;  In.  n-iintJG.; 
SciiSt.;  Zu;  Z  Ö-,  in  B  ü-,  in  l;l;.  »,-,  in  S  /(,.-)  ha 
r/i-f  bzw. /ir'  und //..  /  AaF.;  Bs;  B;  GG.;  S;  /,:  halt! 
1.  zunächst  al-  Zuriil  ans  Zugvieh,  oft  verslarkrnd 
verbunden  mit  ihn  nailii,'i'setzten  Synn.  o,  hiif.  all;;'. 
Andere  Synn.  hu,  a-hu.  Auch  als  Zuruf  (in  Z  in  diesem 
Fall  mit  nuancierter  Differenzierung  öhä,  gegenüber 
iihä  zum  Vieh)  an  Menschen.  Ulla,  Schümmel,  nie 
c/t«""  nit  dürc  [der  Weg  ist  gesperrt].  Addr.  1877. 
Der  in  ScnSt.  vormals  aufgestellte  zürch.  Wachtposten 
soll  die  heranfahrenden  Schiffe  mit  den  Worten  an- 
gerufen   haben:    , Woher   das   Schiff?    öha!'    welches 


Kommando  dann  scherzh.  auch  später  Schiffern  zu- 
gerufen wurde.  Sprww.  1824.  Ohä!  ruft  man  auch 
Einem  uaeh.  mit  der  Absicht,  ihn  zurückzuhalten  oder 
-zurulVn  ;  rli,  n~M  .(mdm,  dem  ein  Unfall  zustösst.  Vom 
ur-rn  sich  selber  angewendet,  kommt  es 
iiiMi-un-  getjen  den  Andern  gleich.     Als 


Spre 


\Vi 


.\rzt. 


Ohd  Chupf!  beim  Anstossen  des  Kopfes  Z.  —  2.  Intcrj., 
um  einen  Andern  in  einer  allzu  weitgehenden  Be- 
liauptung,  Forderung  zu  unterbrechen,  im  S.  einer 
staiken  Verneinung  od.  Wei^-ernn^'.  allg.  UJia,  Benz, 
-l.liende  Formel,  i.  S.  v. :  so  ists  nicht  gemeint,  nur 
sarhte  BM.  Uha,  das  geil  iml.  das  tuen  i'''  nid!  13. 
.Nun  erwartete  Anne  Bäbi,  Ilan>li  w.t.Io  j^'wunderig 
sein,  aber  ohä!  er  achtete  sich  Anno  l'.iilii  -  i^ar  nicht.' 
GoTTH.  ,Ocha,  du  hast  fei  gs.liosson  :■  >.m,at  1537. 
Syn.  in  den  meisten  Fällen  liolln:  zu  '2  vgl.  nhd.  ,oho!' 
S.  auch  öha  Bd  I  162  und  ö  7/  Bd  I  22.  Die  Quantität 
der  Voc.  ist  oft  abhängig  von  der  mehr  od.  weniger  erregten 
Stimmung  des  Rufenden. 


Ha.  he,  hi.  ho,  hu 


liä  I.  auch  M-hä  ArL,  ü-M  GrPi-.:  lutinj.  als 
Ausdruck  der  Bejahung;  Syn.  e-he! 

llä  II:  Interj.,  mit  welcher  das  Ergebnis«  einer 
Überlegung  eingeführt  wird,  bald  in  ennuiiterndem  S., 
bald  i.  S.  des  Einwurfs,  der  Abwehr,  Abweisung  Z; 
Syn.  ba,  b'hä,  he  I.  Ha,  's  wird  nüd  su  bös  si"  [wie 
du  sagst]. 

ha  III  GfiPr.;  G,  hü  Gl;  L;  Z  (wo  verpüntes,  für 
bäurisch  gehaltenes  hec  neben  feinerm  he-),  in  ScuwE. 
he'  (dafür  auch  der  Ton,  welcher  entsteht,  indem  man 
bei  geschlossenem  Munde  die  Stimme  durch  die  Nase 
gehen  lässt  L;  Z):  Fragepart.  1.  um  die  Wiederholung 
des  von  dem  Andern  Gesagten  zu  veranlassen,  wenn 
man  es  nicht  verstanden  hat;  wie?  was?  comraent? 
Aa;  Sch;  Schw;  Z.  De'  brückt  au"''  nüd  z' mache'' 
hä,  ist  verständig  genug,  merkt  die  Sache  im  ersten 
Augenblick  Z.  Du  muest  denn  mache'  hä,  sagt  man  zu 
Jmdm  ironisch,  wenn  man  ihn  ausschickt,  aber  seiner 
Verständigkeit  nicht  recht  traut  Z.  —  2.  zur  nach- 
drücklichen Zsfassung  einer  ausgesprochenen  Frage, 
hörst  du?  Wie  spät  isch  (es),  hä?  Z.  —  3.  =  gel' 
(Sp.  276)  und  in  diesem  S.  meistens  mit  Diesem  ver- 
bunden: nicht  wahr?  siehst  du  nun?  Gl;  Schw;  Z. 
—   Syn.  hi.     Vgl.   hn  bei  Schni.-Fr. 

hä  IV  GSa.,  ha-ä  Ar;  GT.,  hA-ä  GRPr.;  G  tw.. 
hA-hä  Ar  tw.  (neben  hd-hä):  Neg.,  in  verstärkendem  S. 
Säg-i'''  ja  ol  äha,  sn-n-is  [ist  es]  ja;  säg-i'''  nei"  ol 
ha-ä,  Sa  bltbt  's  bim  Nei*  GnPr.  (Schwzd.).  Durch 
Beifügung  von  nei'  wird  dem  an  sich  dunkeln  ha-a 
gewisscrraassen  die  Erläuterung  beigegeben,  wie  sie 
auch  durch  die  Geberde  des  Kopfschütteins  unterstützt 
wird  Ap.  Chomm-i''' de"  rechte  Weg?  Antw.  Nä,ha-a: 
Merz  1ö36. 

Syn.  he-t,  zu  dem  es  sich  verhält  wie  d-ä  (s.  Bd  I  '2)  zu 
e-e;  weitere  Synn.  nU-ü,  uä-ä;  iw  allen  diesen  Synn.  werden 
die  2  Voc.  scharf  getrennt. 

hüteli-hä,  hüte-hähä:  Ruf  der  Maskierten  an 
der  Fastnacht,  mit  dem  sie  um  eine  Gabe  anhalten  Z. 
Syn.  iiseli-,  hö-bätz,  ü(te)-bätz  (s.  u!  Bd  I  24). 

ha,  hä  s.  haben.        Häi  s.  Häli. 

hau,  Interj.:  1.  freudiger  Ausruf  der  Schützen, 
wenn  sie  einen  guten  Schuss  getan,  zugleich  scherz- 
hafte Ermunterung  an  den  Zeiger,  einen  möglichst 
guten  Schuss  zu  verkünden  Ap.  Vgl.  den  Imper.  ha%i 
unter  hautien.  —  2.  Schlittenruf  GKh.;  S.     Syn.  hä. 

Hau  I  m.:  Augenblick,  Nu,  nur  in  der  Verbindung 
im  H.  Aa;  ScuwNuol.;  S;  ZS.  Im  H.  wird  d'  Tür 
ufg'sjirengt.  Schild.  Er  git-ere-n-im  H.  e  lise  Düt 
[Wink],  ebd.     's  ist  im  H.  richtig,  fertig,  abgetan. 

Eig. :  in  so  viel  Zeit,  als  man  braucht,  um  hau  zu  rufen; 
vgl.  i«i  Hei,  hu.  Hui.  Es  Hesse  sich  aber  auch  mit  Hau", 
Hieb  (,in  einem  Hieb',  vgl.  ,auf  einen  Streich,  Schlag')  ver- 
einigen. Vgl.  auch  das  Syn.  im  Schnall,  sowie  Hack  i.  S.  v. 
Augenblick. 

über-hau,  in  der  unpers.  HA.  iiberhau  gä',  bunt, 
unordentlich  hergehen  BHk.;    „kreuz  und  quer  BO.' 

Kanu  ebf.  zu  Hau"  gehören,  vgl.  die  KA.  ,(Jmdni)  über 
den  Hau  gehen  (fallen)'  =  wider  den  ,Strich'  gehen,  schief, 
ungeschickt  ausfallen;  docn  könnte,  ausgehend  von  der  Grund- 
bed.  ,rasch'  (im  Hau,  im  .Schnurr')  Zshang  mit  der  Interj. 
hau  Statt  finden;  vgl.  bei  Gr.  WB.  ,hui'  i.  S.  v.  eilfertig, 
.überhuicn',  übereilen,  obenhin  machen,  und  unsere  Synn. 
übei-hopji,  -hulz.  Betr.  über  in  diesen  Zssen  vgl.  Bd  I  59, 
Anni.      Kndlich  vgl.  noch  «/  hnpfichrif,  auf  Geratewohl. 


Hauderi-  s.  haiidercn. 

Pi  u  b  i  - ,  in  der  Verbindung  im  It.,  um  die  Wette. 
Do  geit  's  driif  los  [beim  Schneckensuchen]  im  B., 
do  geit  es  druf  und  dra'  S  (Schild).  M.  auch  Ausruf 
der  Knaben  beim  Kugelspiel,  wenn  ein  Mitspielender 
von  den  im  Spiele  stehenden  Kugeln  sich  aneignet, 
so  viel  er  kann  S. 

Vicll.  entstellt  aus  dem  Vorigen  (im  Üherhan),  etwa  im 
Gedanken  an  ruh,  kraus  (vgl.  nhd.  .kraus  und  bunt').  Doch 
könnte  in  dem  1.  Teile  das  W.  .rauben'  stecken,  da  die  RA. 
wahrsch.  von  dem  Spiele  ausgegangen  und  , rauben'  ein  tech- 
nischer Spielerausdruck  ist. 

Haa-han  m.:  Hund  AAZein.  (Kd.spr.);  Syn.  Wau- 
traii,  Bo-bouss.  —  Vgl.  auch  ,hau'  bei  Gr.  WB.,  u.  //««»«  //. 

häner:  krank,  abgestanden,  gelb,  vom  Aussehen 
der  Pflanzen  AAZein.  —  Vgl.  ,hei'  i.  S.  v.  ausgetrocknet, 
dürr  bei  Gr.    WB.;  mhd.  7i«Vii,  brennen. 

häueren  s.  heieren. 

He  s.  Hei;  fWuote-J Her. 

he:  Interj.,  um  zur  Aufmerksamkeit  zu  mahnen, 
Jmd  anzurufen,  z.  B.  einen  Davoneilenden  zum  An- 
halten zu  bewegen,  etwa  i.  S.  v.  höre!  aufgepasst! 
halt  (da)!  holla!  allg.  He,  lös  [höre]!  Häufig  verst. 
durch  nachgesetztes  ,da'.  Als  Schlittenruf  (auch  ap-hc, 
s.  Bd  I  29)  ZW.;  Synn.  s.  bei  hä.  He,  we^V  me-; 
wer  bietet  mehr?  Aufforderung  der  Ausrufer  bei  Ver- 
steigerungen ScHSt;  vgl.  ita  he  Bd  I  602.  Mit  dem 
Rufe  he,  he!  wird  an  der  Land.'gemeinde  bei  wich- 
tigeren Abstimmungen  das  Handaufheben  begleitet, 
und  .sollen  Andere  zum  Beistimmen  angeregt  werden 
Gl.  He,  he!  wer  will  Wasser  hole'?  me"  schlät  d' 
Brünne'  ab!  wird  gerufen,  wenn  z.B.  wegen  Repara- 
turen das  Wasser  der  Brunnenleitung  abgestellt  wird 
Gl.  Zu  einer  Zeit,  da  der  Fleischverbrauch  noch 
spärlicher  war,  Hess  in  ZMdf  der  Metzger,  so  oft  er 
frisch  geschlachtet  hatte,  in  der  Gemeinde  herum  aus- 
rufen: Hi;  he!  Wer  wo"t  guets  Chile-  (Bind-  niglj 
Fleisch  chaiife',  der  seil  i"  d'  Gmeindmetzg  inne"  laufe'. 
Wolfeil:  's  Pfund  für  ...Schillig.  Wie  Speclc!  Mit 
he!  he!  sucht  man  abwehrend  Jnuln  von  seiner  Ab- 
sicht abzuhalten  oder  in  seinem  Tun  zu  stören  Z; 
Syn.  se!  Auch  ermunternder  Zuruf,  Treibruf  ans 
Vieh  Sch;  Syn.  hei.  ,Er  rief,  wie  er  die  Kälber  zum 
Fressen  trieb:  He,  hü,  hei  und:  hol,  he,  hoü'  Sch 
Volkskal.  1882.     S.  auch  noch  lie. 

e-he:  Interj.  unangenehmer  Überraschung  Bs;  BSi. 

hopp-:  1.  Freudenruf  als  Eingangsw.  in  einem 
Reimspruch:  H.,  d'  Chatz  lauft  über  de'  Se,  wohl  die 
Sprünge  des  Rufenden  bezeichnend  ZReg.;  vgl.  das 
Folg.  —  2.  Warnungsruf  der  Knaben  auf  der  Schlitt- 
bahn  ZReg.;  Syn.  (ab)  he. 

huppeli-:  Freudenruf  ZG.  !<■''  hä"  mi"'  Gotte 
g'seh,  si  bringt  mer  d'  Helsete,  h.!  Stutz.  Als  Eingang 
eines   Reimspruchs,    ebd.  Gem.  V  81 ;    Syn.  jüpeli-hc. 

hauteli-,  in  ZZoll.  hüteli-,  als  Eingang  eines 
Reimverses:  H.,  was  han-i'''  g'seh?  ZB.  Vgl.  hüteli-ha. 

jü-:  Freudenruf.  allg.,  bes.  als  Anf.  von  Volks- 
liedern. /.,  Leder  am  Schueh!  riefen  die  Bauern- 
bursche, wenn  sie  ihre  Schönen  vom  Tanzplatz  nach 
Hause  geleiten  durften  AASchinzn.,  Wind.  J.  mache', 
sich  vergnügen  Sch.  Es  ist  (gäd)  n»'  juheie'  undj.  Z  ; 
Syn.  alli  Güeti.    Si  liiege'd  z'  Bode",  tvie  wenn  s'  trnrig 


Ha,  he,  lii.  iKi,  lui 


850 


iviire'd  und  wollt  wette',  's  war  juheie'  und  j.  in  irem 
Herze*.  Stutz  1851.  ,Sie  singen,  schreien  all:  Juhee! 
Gleich  folgt  darauf  das  lied:  o  wee!'  GGotth.  1599. 
Als  Subst.  1)  Jubel.  In  ei"m  J.  sl",  voll  Freude  Bs; 
s.  Breitenst.  1860,  IG.  —  2)  (scherzh.)  oberster  Sitz 
(Imperiale)  einer  Kutsche,  oberste  Gallerie  im  Theater 
Bs;  Z.  —  3)  (scherzh.)  Kaffee  AASt. 

Eig.  Zsrückung  der  lieiden  Intei-jj.  ja  und  he.  la  Bed.  2 
Übertragung  auf  den  Oi't,  wo  amu  ju-lte  rufen  möchte,  doch 
liegt  wohl  darin  auch  der  Ausdruck  der  Geringschätzung; 
Tgl.  ,Hopp-hc',  geringe  Habseligkeit,  bei  Weig.,  WB.  S.  auch 
Anm.  zu  Holle-hö  und  vgl.  a.nch  ju-hci.  Zu  3  Tgl.  hui  3  h.  — 
Abi.  ju-he-en. 


hepe 


j  ü  p  e  1  i  - ,  juppeli-,  in  Gl  jupel^- :  Ausruf  der  Freude 
Gl;  Schw;  Z;  vgl.  den  Keimspruch:  Alti  Wiber  und 
Ente',  si  schicadered  über-e  Se  und  wenn-mf  s'  wil! 
vertränke",  so  rüefed  (schreied)  s'  jupeli-  (upeli-,  ju-, 
puteli-,  tschuderi-)  he.  —  Jupdi-  von  der  Interj.  jv,(p) ! 
vgl.   das  Syn.   hujqidi-he. 

Bo-he  Buhe'  m.:  Wildfaiig  AxWohl.   -  Vgl.  //«V- 

htie.    Huihu,    Juhcier    uud    huhciai. 

„büti-,  büteli-:  Ausruf,  wenn  man  ein  Kind 
spielend  in  die  Höhe  hobt  B;  L;"  auch  =  bCiti-heie, 
wenn  man  ein  Kind  schaukelt  Bs;  B.  31ls  Schatzeli, 
mach  numme"  butihe  L.  Büti  he,  b.  he,  Christe",  briegg 
mf  nimmeme''.  GJKchn.  S.  auch  ju-he.  —  Baten,  wie- 
gend schaukeln. 

Schutt-:  Schlittenruf  Gl. 

•■:    laut  (eig.  he)   rufen  Ar;  GA.;    vgl.  helen, 

jü-:  ,juhe'  rufen,  jauchzen.  ,Bei  Tagesanbruch 
sucht  ein  Wildheuer  den  andern  durch  gegenseitiges 
Juhehen  (Heueru)  auszukundschaften'  Gl  It  Steinm. 
1802. 

he  ä':   Ausruf  der  Überraschung  GT. 
Verstärkende  Zsrückung  der  beiden  Interjj.  Iie  und  ä  V, 
s.   Bd  I  4;  vgl.  auch  das  Syn.  eh{  Bd  I   162. 

he  I  (in  Z  Ärf  und  he-):  Interj.,  im  Allg.  i.  S.  des 
nhd.  ei!  eh!  nun!  häutig  sich  verstärkend  an  nach- 
folgende andere  liiterjj..  Imperative,  Frageww.  an- 
lehnend. 1.  in  Erwideriiiigen,  bes.  bei  Ablehnung, 
Abwehr,  Tadel,  Aluiuiliniinu',  bes.  wenn  dieselben  sich 
dem  Sprecher  uu.s  il^r  Xalur  der  Dinge  von  selbst  zu 
ergeben  scheinen,  abrr  um.li  ijos.,  z.B.  bei  Empfehlung 
eines  guten  Rates,  lläuhg  Ausdruck  der  \'orwnii>lc- 
rung,  Überraschung.  He,  was  glanh.st  iln  ilrim  .'  un- 
willige Frage  oder  Abweisung.  He,  lee'  vor  's  [wünli' 
es]  au'''  glaube'.'  He,  ivemmer  [wenn  man]  doch  seit! 
wird  dem  Ungläubigen  unwillig  zugerufen.  He,  iiir' 
cha"  fOTfr  wei'J  denn  luege",  kann  ja  schauen,  z.  B. 
wie  dir  zu  helfen  ist.  He,  ivege"  mir!  meinetwegen, 
mir  ist  ja  am  Ende  Nichts  daran  gelegen.  He,  nu-r 
wird  's  denn  g'seh"  [wer  Recht  behält].  He,  es  göt  ja 
no'^  lang  [du  brauchst  also  nicht  zu  eilen].  He,  und 
wenn  au'''  [es  so  ist,  wie  du  sagst,  so  hat  es  dooli 
Nichts  zu  sagen].  He,  me  wurd  aw''  meine"  (was  das 
tcärj!  ,Er  hätte  noch  nichts  Schlechts  gemacht,  sagte 
Uli.  He,  das  nehme  ihn  doch  Wunder,  sagte  der 
Meister,  ob  voll  [betrunken]  sein  etwas  Bravs  sei.' 
GoTTH. ;  andere  hieher  gehörige  Beispiele  aus  dem 
selben  Schriftsteller  s.  bei  Gr.  WB.  unter  ,he'  C.  Aber 
was  strickt  si?  He,  G'wülch  us  himmlische  Düfte. 
Hebel.    He  (auch  e),  lueg  doch  au"',  gib  doch  Acht  Z. 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


He,  chumm  dach  aW'  (mach  nüd  so  lang) !  He  (auch 
he-jo),  Se  las-mi'^  du  (nu'J  go"!  lass  du  mich  nur  in 
Ruhe,  wird  demjenigen  zugerufen,  der  für  eine  Neckerei 
von  uns  eine  viell.  allzu  derbe  Strafe  oder  Abfertigung 
empfangen  hat  Z.  Mit  emphatischem  M,  he!  i.  S.  v. 
nimm  dich  wohl  in  Acht,  was  machst  du  da  Uner- 
laubtes? sucht  man  einen  Fehlenden  von  seinem  Tun 
abzuschrecken  Z ;  vgl.  he  I.  ,Hä,  der  sach  g'schicht 
noch  gueten  rat  [da  kann  noch  geholfen  werden].'  Aal 
1549.  ,Vel  hercle  eneca,  hä,  töd  mich  auch,  wenn 's 
dir  g'fallt.  Hern,  ein  wort  eines  zornigen,  item  eines 
Verächters  oder  einsi,  der  antwurt  gibt,  so  man  im 
rüeft,  hä.'  Fris.;  Mal.;  vgl.  dazu  ha  II.  Hieher  gehört 
wohl  auch  das  in  den  Strophen  des  Halbsuter'schen 
Sempacherliedes,  sowie  dps  bist.  V.dk^lifd.'-j  (T.  1 56/Ö0) 
vom  J.  1688  je  den  Eiii^-m-  -l.r  :.,  Zril,.  lullende  ,he'. 
He  ja  fjöj,  heija,  in  Ai  I,;  '■  \..  i.  .nii  h  //./(,  licö,  ge- 
häuft ./Vr  heii((.  in  Ai' aiirli  j,i-li,'Jii'ij,i :  oi  ja,  ja  doch, 
allerdiii'jv,  ja  IVrilidi,  gewiss  Aa;  .\i»;  G;  Z;  häufig 
auch  i.  s,  ,111,  \  rhlnissenen,  abgenötigten  ,ja'.  Hast 
)iö(l  Knh.,^  [i:i',\a-.J  re'schenkt?  P''  mänri  he-o  [ich 
glaube,  doch]  Arl.  In  ZO.  auch  i.  S.  v.  ,nun  denn,  ab- 
gemacht (frz.  eh  bien)':  Heijö,  i'''  chumme  denn.  Auch 
iron.  =  warum  nicht  gar!  GTa.  He  nei'!  nein  doch, 
doch  nein,  Verneinung  mit  Affekt,  bes.  in  der  Er- 
zählung, wenn  der  Sprechende  eine  vom  Hörer  vor- 
schnell gezogene  Schlussfolgerung  verneint,  aber  auch 
Ausdruck  d.'s  Ki-itaunens  Z,  dafür  auch:  enei'!  , Hättet 
ir  aurli  .in,  4  rn.\,  heute  gegebene  Fragen  können 
erölliuMi  '  11'  11.  in,  iiline  so  weise  Gesätz.'  1621,  Bs 
Gedicht.  ,11.1  iiei,  .suber  nüd!'  Zeitvertreiber  1700. 
,Hee  nei,  frilü-  Gespräch  171'2.  He  frili"'  (jöj!  Z. 
He  u-ul!  doch  ja!  He  (auch  e)  nu,  ei  nun,  wenn 
es  denn  sein  niiis.s.  mm  ja,  es  sei  dem  also,  meinet- 
wegen. ISn  Srhiipiir  'Iniiihi:"?  Hä  nu  denn!  Stütz. 
Im  gleichen  S,  yeliaiilt  (..It  scherzh.):  he  nu  so  (se) 
de(nn),  oder  umgestellt  he  se  nu  denn  (Allem.  1843) 
und  mit  wiederholtem  sg;  he  se-nu  Sr-de"  Aa;  Bs,  in 
L  auch :  he-nu-se-ase-de"' ,  auch  i.  S.  gegenseitiger  Er- 
munterung: nun  denn  also,  nun  wohlan  .\k:  V-<:  B; 
Gl;   L;   SCHW;    Uw;    Z,; ;     Sn, .//,-,<,-„„-., -,/r'",     ,ni-.(. 

,Kann    man    eucli    niclil    i li   mit    lilwa^    ,iur\\aif..ny 

sagte  iler  Wirt.  AI.-,  .-r  .la.  .X.an  vmalini,  si-l..  .-r: 
He-nnxn  ,lr.  ,„  i,rh^rs  :-.,n,n„r  K,  l'.al:.-  (i,,iin, 
,l)arülM.r    v.'ruuial.al.'    -i.!,    Ilan-li    nn.l    -a-l.-    //■■    „u 


,r  /.', 


luege"  u'"'  lucgt  die  nit,  he  nu  so 
</, ,  ,M(  ,</"  /,.'/  ,;.(//-/  11,1'''  da.  ebd.  Über  die  unrichtige 
\  .rli.M  Inl.  •hr.rr  l-ormel  vgl.  GoTTH.  Bd  '24,  223.  He- 
se-nn-se-de"",  scherzh.  in  Nachahmung  der  Japan.  Spr. : 
der  Anordner  der  Fastnachtspiele  in  Scaw.  —  2.  in 
Beteuerungen.  Schwüren,  Ausrufen.  He,  der  (auch 
he  z'}  'L'iisi'i.  (imiiicr'.  S.hwur  und  verwunderter  Aus- 
ruf, cl..n...  /,.!;■  Il.ir.inii,  Hagel  u.  A.  Aa;  Bs;  Z. 
Uns.,.'  h.t.ii,  InMilni  -Kh  vii.lfa.;h  mit  ä  T  (Bd  I  4), 
ci  (ebda  Hl),   /..,  m.  '     -     !■  li    .1-  a.  '.    -!■    ia    .1'  ..    L'I.i.Ii.ai 

RAA.  oft  wecl...  '  w  .  i-  :  ■  .'  i-  .■•  .  ■■  ^  •  :■.■»,. 
so  Hesse  sich  .la   ■  :i.    .:  a,  ,  •  ,i  a..    i  ■  ;   ■  ■  ■..  k- 

führen;  doch  i_a-i;il.i   juj'h    ih.    '/.--i.ajaaiL;   i-a^, n    ■' -    .l-aa 

Alemannen  (welchem  J  eben  Voc,  nicht  Guus,  i^tj  diu  näm- 
liche Ausspr.  Betr.  ,he'  in  Volksliedern  vgl.  etwa  den  Ge- 
brauch der  Interj.  ,hei',  um  etwas  Neues  hervorzuheben 
(Gr.  WB.). 

he'^  II,  mit  folg.  da:  da!  nimm!  L  tw.  —  Eine  durch 
den  Eiufluss  der  Interj.  he  entstandeua  Nbf.  zu  «'.' 


851 


Ha,  he,  hi,  ho,  hu 


he'  III.  nur  in  der  Verbindung:  he-ta-ta-ta!  Lnterj., 
um  die  unangenehme  Empfindung  über  ein  Ereigniss 
auszudrücken  und  die  Aufmerksamkeit  darauf  rege  zu 
machen  Ap  (T.).  —  Berührt  sich  tw.  mit  he  J,  tw.  mit 
hc;  Tgl.   Iie-ä. 

h  e  IV  s.  hie. 

e-he'  s.  Bd  I  162,  dazu  folgende  Zusätze:  1.  ,Heiss 
si  jetz  kon  und  für  dich  stan!  Ehe,  ich  mein  [glaube] 
nit,  dass  si  dich  verlass.'  Salat  1537.  —  2.  bes.  Zei- 
chen, dass  man  verstanden  hat  Bs;  G;  Z.  ,Bis  der 
Hans  sich  ächzend  erhoben  und  gesagt  hatte:  ähä! 
[er  wolle  aufstehen]  um  sich  wieder  ächzend  nieder- 
zulegen.' Breitenst.     Syn.  oho  II. 

hee:    verst.  .\usdruck  der  Verneinung  GuL.;  GT.; 
Uw;  Z.  Syn.  e-e  (Bd  I  1.3),  ne-e,  ne-nei",  ha-a  (s.  ha  III). 
He  s.  Hien. 

G=-hei  I  bzw.  khei,  K/ei  Gl;  Gk;  LV.;  Schw;  U; 
W,  Gei  UwE.  —  n.,  in  Gr;  „Schw"  m.:  1.  Hitznebel, 
Fühndunst,  rauchartige  Trübung  der  Luft,  leichtes, 
weisses  Gewölk,  das  zur  heissen  Sommerszeit  sich 
verschleiernd  auf  und  um  die  Berge  legt  oder  die 
Sonne  halb  verhüllt,  Höhen-,  Heer-,  Heiderauch  Gl; 
Gr;  LV.;  Scuw;  U;  W.  Syn.  Gehel,  Gehenk,  Eei-Nebel, 
-Dampf,  Bezügi.  Vgl.  Dimmer-Fon.  ,Kai,  welches 
nach  unserer  MA.  einen  gleichmässig  ausgebreiteten, 
bläuligten,  trockenen  Dunst  bedeutet.'  Gr  Sammler 
1783;  vgl.  auch  Gem.  Gr  1838,  S.  252.  Uf  Hitz  und 
Kei  git  's  keis  bös  G'schrei,  abar  uf  Nässi  und  Süri 
(jit  's  Hunger  und  Türi  GrD.;  s.  ver-hrinnen.  — 
2.  dichter  Nebel,  den  der  Nordwind  in  den  Bergen 
herumtreibt  Gr;  Syn.  Gehenk,  Bisen-Rauch,  schwarzer 
Bauch. 

Mhd.  (/elici,  Hitze,  Brand.  So  noch  i.  S.  v.  Trockenheit: 
,0b  sach  wäre,  dass  ein  gehaie  käme,  dass  wasser  in  der 
TOgty  getrosten  wurde.'   Auf.  XIV.,   ThEggen   Offn. 

g'^-hei,  bzw.  khei,  kxei  Gl;  „Gr;  Uw",  g'hei-ig  I 
BO.;  Uw;  U,  g'heuig  „LE.",  „keierig  Gl;  Gr;  Uw". 
„geheiet,  geheuet" :  dunstig,  trübe.  Vom  Wetter,  von 
der  Luft  Ndw;  Sjn.  gehcdig.  Auch:  unbeständig,  un- 
gewiss, nur  vom  Wetter  B  oHa.  In  der  ä.  Spr.  auch : 
heiss.  ,Des  jars  ward  es  kay  mnb  den  herbst  und 
das  ertrych  trucken.'  XV.,  Konst.  Chr. 

Vgl.  Gr.  WB.  ,hei,  gehei';  die  Form  auf  -eu-  wohl  mit 
nahe  liegender  ünid.  auf  ,Heu';  vgl.   .Heuwetter'. 

G  =  -hei  II,  bzw.  khei,  Kxei  —  n.:  Gehege,  nur  in 
der  KA.:  Eim  in 's  G.  gö'  GfiChur,  und  in  Flurnn., 
z.B.  B;  Th;  Z.  In  der  ä.  Spr.  spec.  gehegtes  Holz. 
,Sie  sollen  in  das  gehei  nach  den  dornen  [zu  Ver- 
zäunungen]  faren.'  XIV.,  TnEggcn  Oftn.  ,[Das  Holz] 
so  man  nemrat  das  G'hai.'  1524,  Scn  Urk. 

Vgl.  mhd.  hei(e),  Heguug,  gehegter  Wald,  zum  Vb.  Inkn, 
hegen,  schützen,  pflegen.  Die  RA.  ans  Gr  wird  gestützt  durch 
die  syn.  in  '«  G'hei/  gän,  so  dass  viell.  die  RAA.  unter  Gau 
(Sp.  39)  tw.  auf  Umd.  beruhen.  In  einer  L  Urk.  von  1585 
findet  sich  auch  die  Form  ,Gheig'.  Hieher  wohl  auch  die 
Fem.-Bildung  Stuet-JJeie,   Flurn.  (VFiesland)  ThHw. 

Gehei  m  s.  Gehij. 

hei  I:  lnterj.  1.  als  Ausruf  der  Freude,  des 
Schmerzes,  der  Klage,  des  Ärgers,  der  Überraschung, 
Verwunderung,  des  Erstaunens,  i.  S.  v.  ei,  ach!  allg. 
Chrüz  Wetter,  hei,  wie  sind  das  schöni  Äuge  g'sl"! 
Stütz.  Hei,  s'  Dunder!  ebd.  Hei,  tcie  ist  das  e  gotts- 
erbärnkhs  G'inlel!  ebd.   JiiM  hei  und  niene"  a" !  lustig 


und  ohne  Sorgen!  U.  Dau  dirl  dum,  dau  dirl  dum, 
hei-sa-sa-sa-hei,  lustig  und  ledig!  UBragg.  Rei  Jeger! 
Ausruf  des  Erstaunens,  viell.  für  .Herr  Jeger  [Jesus]' 
Gl.  0-hei!  Ausruf  des  Bedauerns  L  Ged.  1863;  sonst 
oheie!  ,Hey,  esstat,  dass  Gott  erbarm!'  1530,  Absch. 
,Hey,  was  hab  ich  geton!'  1531/48,  L  Macc.  ,Hey,  ein 
geschrei  eines  weinenden,  ah,  ah.  Hey  ist  ein  stimm 
anzeigende,  dass  man  eines  dings  voll  und  massleidig 
ist.  Hey,  es  ist  sy"  [davon,  dessen]  gnueg,  ohe,  jam 
satis  est.'  Mal.  ,Hey,  h.,  h.,  als  alt  ich  bin,  han  ich 
die  sonnen  also  nie  gesehen.'  HCämpell  1572.  ,Hay, 
hay,  so  gat  's,  komm  har,  myn  fläschen,  ich  muess 
einfart  myn  lungen  waschen.'  1597,  L  Ostersp.  ,Hei, 
botz  Velti  nüd!'  Göldi  1712.  S.  noch  Erd-Blch.  — 
2.  der  Ermunterung,  Mahnung,  Aufforderung  zu  Eile, 
Fleiss,  i.  S.  v.  auf!  vorwärts!  wohlan!  allg.;  Syn.  7sot. 
Hei,  rod  (icir)-di''' !  rühre  dich,  strenge  dich  an!  Hei, 
gimmrr-au"''  en  Franke'!  Hei,  mach  dat'  [dass  du] 
furtchunnst!  packe  dich  Sch.  Hei  ufi  uf  d'  AI})  zue 
de*  wisse"  Schümmil!  die  lustige"  Buebe"  kond  alU  in 
Himmil  Ap;  so  auch  in  andern  Keimsprüchen.  Häufig 
verst.  mit  ö,  au'K  In  einem  Tanzverse  heisst  es: 
Hei  umme,  drum  umme,  die  Alti  springt  umvie,  die 
Jungi  hockt  still.  S.  auch  ufhin;  dideldum,  und  Glger 
Sp.  160.  Auch  als  blosser  Zuruf  i.  S.  v.  höre  doch ! 
Sch;  Syn.  he.  Bes.  auch  als  Treibruf  an  das  Zugvieh, 
bes.  Hornvieh,  während  den  Pferden  an  einigen  Orten 
(B;  L;  S)  mehr  Ali  gilt  Aa;  Ap;  B;  Gr;  Sch;  S;  Uw; 
Z;  in  LG.  spec.  Zuruf,  dass  die  Tiere  nach  der  Seite 
des  Treibers  gehen ;  Syn.  hare,  hilst,  wist.  ,lndera  der 
Oswald  aus  dem  Stalle  tritt  und  hei  ruft,  als  jagt  er 
die  Binder.'  JRWvss  1822.  Auch  Zuruf  an  Hunde, 
um  sie  auf  Menschen  od.  Tiere  zu  hetzen  BHk.;  Syn. 
huss,  x!  In  dem  Zuruf  an  Mehrere  brauchen  Soh; 
ThHw.;  ZSth.  eine  verbale  Form  heie"d,  heijed. 
Heied,  a"  si,  druf!  ruft  der  Schmuggler  zum  Kampfe. 
APletscher  1880.  Heied,  Nötigung  zum  Essen  und 
Trinken  Scu.  ,Ich  habe  gehört,  Sie  können  gerade 
reden  wie  ich.  Haiet  Sie  [wohlan],  zeigen  Sie  mir 
jetzt  einmal,  wie  ich  rede.'  Sch  Pilger  1884.  ,Hei, 
gang  zuo  inen!'  1527,  Egli,  Act.  ,Hei,  mach  für 
dich  [dass  du  vorwärts  kommst]!'  ebd.  ,Euge,  wolan, 
huy,  hey.  [Auch]  ein  stimm  des  fuermanns,  so  die  ross 
mant.'  Fris.  ;  Mal.  —  3.  Eile,  Schnelligkeit,  raschen 
Stoss  andeutend;  vgl.  (ini)  Hei.  E  Schluck  imd  e 
Truck  und  hei  abe",  vom  Trinken  B.  Hei  ab-enand, 
iez  ?öi  [reisst]-OTgr  wo"''  de  Hose'träger.  Stütz;  vgl. 
ratsch  ab-enand,  als  Gegenstück  etwa  hü  z'sämmen. 
Jetz  häi!  si'  die  Studente"  irem  Fründ  z'  Hülf,  uf 
die  Bürcsün  los.  Hofst. 

Mhd.  hei,  hei-a  (s.  unser  hcie),  lnterj.  i.  S.  v.  1.  Betr. 
hei-ja  s.  he.  —  Zu  der  verbalen  Form  (PI.)  gelangte  man, 
indem  man  die  lnterj.  wie  den  Imper.  eines  Vbs  auffasste, 
gerade  wie  bei  aend!  aus  ee!  s.  auch  <jelt  Sp.  277.  Dieser 
interjectionale  Inip.  berührt  sich  in  gewissen  Fällen  mit  dem- 
jenigen des  (ebenf.  aus  der  lnterj.  abgel.)  förmlichen  Vbs 
heien   I  (Bed.   3). 

alle-:  meinetwegen.  Mera' chamnirr 's  so  mache", 
a.  AAEhr.  —  Zssetzung  mit  alle  =  allo  Bd  I  173,  also  eig. 
=  wohlan  denn! 

ju-:  Freudenruf  = /it/te.  J.,  lustig  Buebe!  W. 
,Evax,  interj.  gaudentis,  juh  hei.'  Denzl.  1677;  =  .jo 
hei.'  1716.     Abi.  ju-heien,  -heiig. 

jere-:  Klageruf  S.  ly  Sorge  verschücht-m.^  mit 
keim  J.  JoACU.  1885.   —  Jere,  für  .Herr  .lesus'. 


853 


Ha.  he,  hi, 


hu 


854 


Hei  m..  nui-  in  der  Verbindung:  im  H.,  im  Nu 
BTliun;  Tu;  Syn.  im  Schirick.   —  S.  die  Anni.  /.a  I/<iu. 

Hurrli-  m.:  Wildfang  BO.;  Syn.  Hauderi-dau, 
Hotte-hö,  Hui-hu,  Hiirrli-Biieb,  Hohe.  —  Uurrlen,  sich 
kreisend  drehen,  wirbeln;   s.   Anni.  zu   Hcietii. 

!ieia,  heie:  verstärktes  ,hei'  in  allen  3  Bedd. 
1.  Heie  poppeie,  dem  Oberland  lue,  da  tanze'd  die 
Bure"  und  träge'd  kei*'  Schueh.  ,Io,  ein  frolich  ge- 
schrei,  heia,  o.'  Fris.;  Mal.  Als  Ausruf  des  Schmerzes 
immer  verbunden  mit  ach,  o!  s.  u.  —  2.  ,Heya,  Kä- 
terli,  Heya',  das  Feldgeschrci  der  Zürcher  bei  der 
versuchten  Einnahme  von  Baden  im  J.  1444.  ,Bum- 
perlibum  aber  dran,  heia-han',  Refrain  im  Liedc  über 
den  Zug  ins  Sundgau  1468  (s.  T.,  VL.  2,  43/49),  zu- 
gleich auch  den  Trommelschlag  und  den  Takt  wieder- 
gebend; vgl.  ebd. :  ,Donner,  blix,  hagel,  heiahan  aber 
dran.'  Schlittenruf  GlMoII.  —  3.  im  Wiegenlied  die 
Bewegung  der  Wiege  (s.  hei)  andeutend,  z.  B.  lleir. 
hüte,  Wiege'stoss,  über 's  Jar  wird's  Chimlli  fimss. 
denn  cha'" 's  über 's  Brilggeli  laufe",  f/n  Ojifcli  nml 
Birreli  chaufe";  oder:  heie.  hrir.  hcilr.  <x  cliiiiinl  < 
schöni  Gütsche' usw.  Oder:  Hm.  l'nti'  IT/r,/,//.  Kf-cDi 
Dach  sind  Ziegeli,  nf-em  Srhn<s  ,>,  fhnnhh.  hlmri- 
merßott  mis  Chindeli  AiZein.,  uhnlich  Giil).;  /  und 
andere  Var.  Heije,  sali,  Büebcli  L.  Vgl.  noch  hüte- 
heie.   —   ZsgerUckt  aus  hei  und   ä,  s.  Bd  I   2. 

o-heie:  verstärktes  ,hei'  in  Bed.  1.  Und  Herd- 
öpfel  gid  's,  o  heie,  m^r  mag  schier  nid  g'nue^  g'.schiiiiU'' 
[schälen].  Hapl.  1813.  Bes.  aber  (in  Aa  auch  ach-h.) 
als  Ausruf  der  Klage,  des  Schmerzes,  Schreckens,  Ver- 
drusses, Kummers,  Bedauerns,  Mitleidens,  i.  S.  v.  ach 
Gott,  ach.  0  weh!  allg.  O-h.-h.-hei!  Bs.  0-h.,  ivas 
wird  me' no'''  müessen  erlebe"!  Aa  (Schwzd.).  Oheien, 
oheie,  ml  Dursli  zieht  i"  Tod.  SrniLD.  0-h.  (auch  ju- 
heie),  Mare'ie,  hesch  d'  Suppp"  la"  g'he'ie'  [fallen]  B 
(Volksreim).  Über  die  armen  Bauern  von  AAZeien  wird 
von  den  Nachbarn  gespottet:  0.!  vo"  Zeie",  d'  Holz- 
hire'  hei"  g'ßlt;  o  Zeier,  der  sit  'bürstet  und  g'striilt. 
0-h.,  tvär's  Maie!  mirid  d'  Chriesi  scho'  rif!  Aa.  0-h., 
Gott  im  Himmel,  o  war  mi''  Frau  en  Schimmel,  so 
hätt  i'''  au'''  es  Boss  Aa.  ,Ach  du  liebe  Zeit,  o-heie, 
heie.'  Breitenst.  0-h.,  Gott  und  Votier!  Bs.  Bes.  auch 
Ausruf  schmerzlicher  Kiittinisehiini;-.  I>u:ts.ii  IsU-, 
Schild.  Verst.  als  .laiiiinrn  uf:  ...linr.  o|i,v  l.i  i..  Sa-.. 
S.70:  T..  VL.  I  lls.  .o  1,,.^..  .-..I  e.,  al^..  zuel-  IIÜU.I.. 
153.S.  Auch  Dim.:  O  heieli!  BBe.;  vgl.  soll!  Auch 
Interj.  des  Spottes,  der  Abweisung  L.  Oheie  daheime"! 
Und  denn  erst  wo«*  in  andere'  Lüte"  Hüsere" !  Aa 
(Eochh.). 

Heie-heie:  Possenreisser,  Klopffechter.  So  ist 
wühl  die  spiHtische  Benennung  des  Generalvikars 
JFaber  durch  UEckst. :  ,Schmid  Hans  Heieheien'  zu 
deuten;  vgl.  Hitrrli-hei  und  bes.  Heierli. 

hoppe-heie.  nur  in  der  EA.  i(f  H.,  aufs  Gerate- 
wohl. Uf  H.  hi"  svV(/c",  auf  leere  Vermutung  gestützt 
GO.    -    Vgl,    .\nw.   y.n   ul..r-l,„„_ 

ju(he)-,  jueh-:  .Juhelruf  =  J,i-hr  (-hei)  Aa;  Z. 
J.,  's  isch  Meie"  usw.  Juhi-h.  mache",  jubilieren,  in 
Saus  und  Braus  leben  ZS. ;  auch  verbal:  bi  dene"  ist 
all  Tag  Juhe-heie  Z.  Juhega-popeya,  so  singt-m^  im 
Meia,  im  Winter  lat  's  na"'',  wenn  alt  ist  der  Ma"'. 
Balz  1781.  ,Tüfel:  das  fröuwt  mich,  drum  schry  ich 
juheien.'  JMcrer  1567.  ,Ir  jugent  fuer  herum  am 
reien,  es  was  in  summa  alls  juheien.'   KSchmid  1579. 


,Nun  schreiend  all  j.!'  werden  die  Trojaner  auf- 
gefordert, als  sie  das  Boss  einholen.  GGotth.  1599. 
Abi.  ju-heien. 

hüte  (büti,  bütelij-:  =  büti-he  Bs;  Z;  vgl.  heie  3. 
Buttiheie  sali,  's  Chindli  ist  en  Tröli,  h.  Wiegelistoss, 
über  's  Jär  ist  's  Chindeli  gross.  ,2-  und  3jährige 
Kinder,  die  das  Zittern  der  Häuser  bei  einem  Erd- 
beben wahrnahmen,  sagten,  das  Haus  habe  gemacht 
bauten  heien.'  JJScheuchz.  1746. 

rite-:  Ausruf,  wenn  man  ein  Kind  schaukelt,  bes. 
wenn  es  rittlings  auf  den  Knieen  sitzt  Aa;  Z;  riteheie 
mache" :  Syn.  JlifiriKsU  machen.  Rtte-rite-heie,  's  Chüeli 
göt  im  .l/.cf .  '^-  ( 'hnihli  yöt  im  lange  Gras  und  's  Biiebli 
hat  e   Srlunnhru,,,   YA). 


\ir 


AAFri.;  Bs;  Scu:  S.  //.  an  Fi-'m  Bs.  's  Vch  h. 
AAZein.  Syn.  jäuken.  —  3.  eilen,  sich  sputen,  be- 
fleissen,  Etw.  ,i7n  Hei'  abtun  Seil.  Heiist  au'''?  bi.st 
du  auch  fleissig?  Heied-Si!  sputen  Sie  sich!  Sch.  — 
4.  wiegen  Th  (Pup.);  ZU.f     Abi.  Heie"  I. 

Zu  BeJ.  1—3  vgl.  das  Syn.  liuicn  und  nlid.  .hotten';  vgl. 
noc-h  Gr.  WB.  bei  .hoien'.  Zu  2  gehört  wnhl  auch  (wenn 
i,==,-0  .St.'s  Angabe:  , heien,  scheren,  plagen";  vgl.  das 
vom    Treibnif  hoi  abgel.   hoien. 

jü-:  jauchzen,  frohlocken,  ausgelassen  frühlieh 
sein,  lärmen,  allg.  Svn.  ,/»./„„.  ,»//,»  \i,r|,-  i„  Smus 
und  Braus  leben",  sirlV-  uMiI  -n,,  h  .n.  v  j  I  .,  ./»- 
heie-Lebe"  fücre".  .Ilinn  Miittmi  wiinnl^'  .'-.  <la,,-l,is 
Lumpenvolk  sn  julieie  un.l  habe,  was  es  wolle.'  HPest. 
1785.  ,Mut\villen  trrilHU.  j.  und  Freudenspil  an- 
stellen.' FWvss  lii.Mi,  \h\. ./ „heier.  —  „üs-juheie": 
aufhören  zu  jauchzen  Aa;  B;  L;  S;  Z."  —  „ver- 
jubele": sein  Vermögen  durch  ein  lustiges  Leben 
leichtsinnig  durchbringen  Aa;  B;  L;  S;  Z;"  Syn. 
rer-jiilileii. 

hu-:   =   jiihnn,    TuTiiir. 


H. 


Wie-e  Z 


Zu   l.r 


4  :  Svn.  Heilen 


...luliiMer  ni.:  l,ustii.;niarlicr.  Sclnvärmer,  Mensch 
von  unbesi.nneneui  Fruli.^iiin  A.v;  IJ;  L;  S;  Z."  Vgl. 
die  Symi.  bei  Hiirrli-hei  und  Juheien-Kind. 

heiere",  heuere".  auA  hetierne' :  einzelne,  weit- 
hinschallende, jauchzende  Pufe  ausstossen,  wie  es  bes. 
Wildheuer  und  Älpler  tun.  sei  es  als  Freudenbezeu- 
gung oder  um  sich  gegenseitig  anzurufen;  auch  ledige 
Bursche,  die  Nachts  den  Mädchen  nachziehen  Gl. 
Heuerfnje"  und  jöle".  Gl  Volksgespr.  1835;  Becker 
1876.  Me"  mag  g'heiere,  ungefähre  Schätzung  einer 
Entfernung. 

\V:ilir-.h.  ,\lil,  iFifquentativurn)  von  der  Interj.  /,c,' (vgl. 
heien  l\.  \-L  iiu.h  ilr.  WB.  unter  .Ileigcvleis'  (aH.-li  .Heier-'). 
sofern  'llr^  \V.  Iir.^.  einen  mit  Jauchzen  begleiteten  Reigen- 
tanz bedeutet.  Die  Form  heu-  lehnt  sich  an  Heu  an,  da  der 
Ruf  inshes.  zur  Zeit  der  Heuernte  vernommen  wird.  Betr. 
die  Abi.  der  Vba  von  Interj.  vgl.  hcen.  Ju-heien,  hejKn,  hü/icn, 
hüjjen.     S.  auch  haaren. 

Heierli  I:  1.  n.  (junges)  Pferd  GKh.  (Kdspr.);  Syn. 
Heri.  —  2.  m.  Windbeutel,  Spiegelfechter.  ,.I.  Fabor, 
nach  dem  rechten   nanien    nebuln.    oder   uf  tiitseh    h. 


Ha,  he,  hi.  ho,  hu 


SS6 


genannt.'  Zwingli.  .Verspotter,  huehen,  wynschlüch, 
heierlj-,  lotteren,-  HBüll.  1531, 

Das  W.  in  beiden  Bedd,  wohl  mit  Sicherheit  TOm  vorigen 
Yb.  Zu  1 :  der  Ruf  des  Pferdes  klingt  wie  ein  Freudenruf: 
Tgl,  jüzcn,  Ton  der  Stimme  des  Pferdes,  und  Hujcrli.  Yiell. 
aber  auch  vom  Treibruf  hei,  vgl.  die  Synn,  Hü-Rösdi.  Huhii, 
Hotti.  An  appellative  Verwendung  des  gleichlautenden  Per- 
sonennamens, wie  solche  mit  Ham,  Fritz  und  Lisi  Statt 
findet,  wird  kaum  zu  denken  sein.  —  Zu  2:  von  Fabel, 
den  seine  Gegner  höhnisch  ,Hans  Heierli'  nannten,  sagt  zwar 
TKckst. :  ,Kr  heisst  heier  von  syner  vordren  glid';  doch  ver- 
standen oder  deuteten  jedenfalls  schon  seine  Zeitgenossen  den 
Namen  in  unserm  Sinne;  vgl,  die  spöttische  Anrede  seiner 
Uegner:  ,0  Hans  Heierli,  wir  wellend  noch  einmal  frölich 
mit  einandren  syn.  Hettend  wir  bi  zyten  g'wi'isst,  dass  du 
Hans  Heierli  heisst  und  dich  aber  des  namens  beschämst, 
so  wölltend  wir  vil  besserer  dingen  syn  g'syn ;  wir  hettind 
unerschrocken  g'dören  schryen  :  ju-heia-ho,  denn  wir  hettind 
den  Heierli  selbs  g'hebt,'  Gyrenr,  Er  heisst  ferner  ,Doctor 
Heioho'  (NMan.)  und  ,Hans  Heieheien'  (s.  d,).  Vgl.  noch 
HoUchu,  Juluier,  den  Bs  Familienn,  Heijer  und  viell.  den 
Aa  Familienn.   ,Hauri'.     Etw.  anders  bei   Gr.  WB, 

heierli'^'',  heuerli'^'':  1.  hell,  lautklingend,  wohl- 
töuend  „LW,;"  Uw.  E  heijerli'''s  G'lU  [G&\Ä-ate];  das 
g'hert  wj"  heijerli'''  Uw,  „Heierli  singe'.''  —  2.  „fröh- 
lich,  heiter,    z.B.  von  einem  Festmahle  LW.;  Obw." 

Heierli"g,  Heu-  m.:  lauter  Jauchzer,  Freudenruf 
Gl;Uw.  i'w  iJ.  aW»",  ausstossen,  , Wo  die  Wildheuer 
durch  ihre  Heuerig  [!]  Lärm  machen.'  WSenn  1871. 

j  u -heiig:  ungebunden,  locker  lebend  Aa;B;  L ;  S ;  Z, 

hei  n  AiBb,;  ScHSt,  sonst  zsges.  ab-hei,  Inder 
Verbindung  mit  den  Vben  gän,  chon,  sin,  i,  S.  t.:  ab- 
handen kommen  (sein),  verloren  gehen,  zu  Nichte  wer- 
den, von  Personen  und  Sachen  „VOrte;  Z".  D' Sack 
isch-mer  abhei  cho"  {g'gange'J,  auf  die  Seite  gekommen, 
entwendet  worden,  „'s  ist  a.,  das  Geschäft  hat  einen 
Übeln  Ausgang  genommen;  er  ist  a.,  ihm  ist  nicht 
mehr  zu  helfen."  Vgl,  abslts.  Hei  gä',  absterben, 
von  Bäumen  ZZoU. 

Viell.  liegt  unserer  RA.  ebenf.  die  Interj.  ,hei'  zu  Grunde, 
insofern  sie  dazu  dient,  die  schnelle  Bewegung  anzudeuten; 
denn  was  schnell  kommt  und  geht,  hat  man  auch  rasch  aus 
dem  Gesicht  verloren;  vgl.  nbd:  ,heidi  sein  (gehen)',  verloren 
sein,  zu  Grunde  gehen  und  o-Jio  S;  vgl,  anch  das  syn.  /unk 
(Bd  I  725),  mit  welchem  eig,  das  rasche  Verpuffen  gemalt 
ist.  Ab-  wäre  in  diesem  Falle  nach  Analogie  so  vieler  ver- 
wdter  RAA.  (s.  Bd  I  25)  zugesetzt  worden.  Wahrschein- 
licher aber  haben  wir  es  mit  dem  gleichlautenden  Adv.  zu 
tun,  da  ,heim  gehen'  auch  bei  uns  in  gehobener  Spr.  das 
Sterben  umschreibt  und  Übertragung  des  Ausdruckes  von 
der  menschlichen  Seele  auf  Sachen,  zunächst  Pflanzen,  wohl 
annehmbar  ist.  Ab  hei  lässt  sich  als  tautol.  Zsstellung  er- 
klären {ab  als  Adv.  gefasst);  will  man  den  Ausdruck  aber 
als  syntaktische  Verbindung  (üb  als  Präp.)  deuten,  so  läge 
ihm  allerdings  eine  der  Anschauung  des  einfachen  hei"  gä' 
diametral  entgegengesetzte  zu  Grunde,  und  sie  beruhte  auf 
der  schönen  Auffassung  des  Heims  als  der  einzigen  gedeih- 
lichen Stelle  und  Stütze  des  Daseins  und  Besitzes  (vgl.  hei'" 
tuen,  in  Sicherheit  bringen ;  hei"'  wuen,  in  Gedanken  an  die 
gehörige  Stelle  ordnen ;  hei""  schnben,  in  Not  sein).  —  Zshang 
mitmhd.  hei(e),  Schutz,  Hegung,  gehegter  Ort  (Gr.  WB.  1,  53) 
anzunehmen,  verbietet  der  Umstand,  dass  dieses  W.,  abge- 
sehen von  dem  Fluru,  G'hei,  unserem  Dialekte  abhanden 
gekommen  ist, 

hei  ÜI,  -e",  -et  s,  haben  IL 

„Heie  II  f. :  1.  Holz,  das  die  Zimmerleutc  zwischen 
den  Schlägel  und  das  Brett  oder  den  Balken  halten, 
welche  sie  zsschlagen  wollen,  um  die  Schläge  gleich 
zu    verteilen    und    den    Beulen    vorzubeugen    B."  — 


2.  Eammblock,  Ramme  ApK.  .Fistuca,  häyen  oder 
heyen,  bütz,  hund  oder  schlegel,  damit  man  die  pfäl 
oder  schwiren  in  die  erd  treibt'  Fris.;  Mal.  ,Carolus 
Martellus,  d.  i.  der  stössel  oder  h.,  und  ni^mmt  man 
Martellum  das,  das  die  Latyner  pistillum  und  fistucam 
heissend.'  HBull.  157'2.  —  3.  Klemme,  Enge,  nur  in 
der  RA, :  i»  d'  H.  cho"  ApK. 

Mhd.  hei(e),  Ramme;  vgl.  auch  Gr.  WB.  Zu  3  vgl.  die 
anklingende  RA.  in  '«  Keia  ihechu,  unter  gehijen.  Die  Präp, 
in  der  bildl.  RA.   nach  Analogie  vwdter  RAA. 

heie"  II:  1.  rammen  ApK.  Übertr.  auf  ein  rohes 
Knabenspiel,  wobei  der  Hintere  des  Einen  die  Ramme, 
derjenige  eines  Andern  den  einzurammenden  Pfahl  ver- 
tritt ApK.  —  2.  Hanf ;».,  brechen  GRh.;  Syn.  ratschen. 

Syn.  in  Bed.  1  huien  II,  zum  Spiel  vgl.  Uuechen  spalten.  In 
Bed.  2  blickt  die  Grundbed,  ,stossen,  schlagen',  deutlich  durch. 

he^ie"  HI:  Rindvieh  kastrieren  G  oT. 

Wahrsch.  nur  locale  Nbf.  des  syn.  ,heilen'.  Wäre  hijen, 
fallen,  ein  starkes  Vb.,  so  würde  sich  obiges  W.  als  Abi. 
vom  Prät.-Stamm  mit  factit.  Bed.  erklären  lassen,  was  vor- 
trefflich zu  dem  Syn.  fällen  3  (Bd  I   759)  passen  wUrde. 

ge-heiig  II  s.  -h%}ig. 

o-hen:  Schlittenruf  GBalg. 

Heuel  s.  Üwel  (Bd  I  613)  u.  Hüwel. 

Gehi  s.  u.  hijen. 

hi:  Interj.  1.  als  Ausruf  der  Verwunderung,  des 
Unwillens,  Ärgers,  Schmerzes,  i.  S.  v.  ei,  ach!  ,Hy, 
dass  uns  botz  wunda  schänd,  warum  sind  wir  nüt.. .' 
1530,  Absch.;  ähnlich  1530,  Strickl.  ,Phy,  ein  stimm 
oder  wort  des  verwunderens,  hy.'  Fris.;  Mal.  —  2.  der 
Aufmunterung,  Mahnung,  im  Liede :  Hi-ho,  der  Bach 
brünnt,  d'  Aaraiier  hei-ne"  a"gimd't  usw.  Bes.  auch 
als  Treibruf,  zunächst  an  Tiere,  verächtlich  auch  an 
Menschen  ApK.;  GSev.;  Tntw.;  Ndw;  U;  W.  Syn. 
hei,  hü.  Hi  fhitj  dfvornti,  so  god  's  dehennn,  Sprw. 
i.  S.  V.  die  Vordem  müssen  mit  gutem  Beispiel  den 
Hintern  vorangehen,  man  muss  das  Werk  zuerst  vorn 
wacker  angreifen,  ehe  es  hinten  geht  Ap.  Auch  hi-ü, 
modern  hü-ü  Z.  —  .3.  ,Hiuh,  hüjuh  ist  ein  Zuruf  an 
Die,  welche  eine  Arbeit  getan  und  einsmals  sollen 
innenhalten,  wie  man  es  in  Zürich  beim  Kauf-  oder 
Helmhaus,  da  man  die  Waare  aus  den  Güterschiffen 
hinauf  zeuhet,  viele  100  Mal  höret.'  JBOtt  1736.  — 
4.  als  Fragew.  i.  S.  v.  he  (s.  ha  III)  Aa  tw.;  ZStdt.  Gell 
hi,  iez  hat 's  di'''.'  jetzt  hat  dich  die  Strafe  erreicht. 
,Hi,  was  sagest  du'?  Quid,  num,  an'?'  Red.  1662. 

Zu  1  vgl.  mhd.  hl  als  Ausruf  der  Verwunderung.  — 
Hi-u  wie  das  vwdte  jo-hui  Zsrückung  einer  Interj.,  welche 
zunächst  aufmerksam  machen  soll  und  einer  andern,  welche' 
das  Signal  zum  Handeln  gibt. 

hi-hi,  hi-i:  Interj.  i.  S.  v.  nein  Ap;  Syn.  hu  IV, 
bzw.  ha-(h)a,  hä-hä.  —  Über  die  Aussjir.  des  im  Ausl. 
nasalierten  W.  s.  T.,  Sp.  267. 

ge-hie":  Ptc. ,  gesagt.  ,Ich  han  zu  de  Kinde 
g'hie...'  JCWeissenb.  1701/2. 

Entw.  mit  ungeschickter,  bzw.  falscher  Schreibung  zum 
Vb.  jghen'  (vgl.:  es  hiecht,  tönt,  hieh'e,  sag's.  1633,  Fr., 
Ztschr.  4,  99;  105/6)  oder  dann  (vgl.  die  Anm.  zu  .hieen') 
zu  kien  (Nbf.   von  Hden,   tönen;   mhd.  queden,   sagen). 

Hie  m.:  Beigeschmack,  auch  Geschmack  übh.,  von 
Getränken  und  Speisen  GW.;  Z. 

Wahrsch.  füi'Hieic;  vgl.  Hieb,  ferner  die  Anm.  zn  Ack 
(Bd  I  163);  .Schlag,  Geschlecht'  von  .schlagen'  i.  S.  v.  .nach- 
arten'; .Stich'.  S.  auch  noch  Fr.,  Ztschr.  VI  404.  Betr. 
die  Form   vgl.   mhd.   ,hio'.  Streich. 


857 


Ha,  he.  lii,  ho,  hu 


hie-e°,  hieje':  1.  einen  Beigeschmack  haben,  nach 
Etwas  schmecken  oder  riechen  SchwNuoI.;  Zg;  Z. 
Das  Fleisch  fiiet  na'''  (vo"J  Chabis,  wenn  etwa  Kohl 
dabei  gesotten  wird.  Übertr.,  z.  B.  von  Ansichten, 
die  etwa  nach  Freigeisterei  riechen  SchwNuoI.  Auch 
übh.  =  schmecken;  gu et,  schlecht  h.  Z.  Das  hie-et  >ia'>' 
Mf,  Scherzrede,  mit  welcher  man  sein  Urteil  über 
ein  gut  schmeckendes  Gericht  abgibt  Z ;  Syn.  müchtelen. 

—  2.  schmecken,  im  subj.  S.  Zg;  Z.  D'  Suppe  häd-en 
Gü,  häsch-es  au""  g'hiee"?  Nei",  %"•  hiene  Nüd  ZZoll. 
Kosten  Zg;  ZW.  H.,  was  es  für-en  Monge  [Ge- 
schmack] hei. 

In  der  Stelle:  ,Es  häd  [Toni  Schiessen]  g'hie,  a's  wenn 
Süustäl  zänimebreche  wöttid.'  Gespräch  1712  —  kann  unser 
W.  mit  Bez.  auf  den  Pulvergeruch  i.  S.  v.  ,riechen'  gebraucht 
sein;  doch  steht  es  wahrscheinlicher  für  ,g'chi-en',  Nbf.  von 
,g'chiden*.    —    Vgl.   noch  kie-en  und   Änm.  zu   r/e-hie". 

a°-:  anekeln,  anwidern  ZO. 

ver-.  in  der  Verbindung  v.  lä',  verlauten  lassen 
ZFehr.    —    Vgl.   Jas  Syn.   verriechen  lan. 

hie:  Adv.  1.  des  Orts,  a)  hier  Ap;  Bs;  B;  Gl; 
Gr;  L;  PPo.;  Schw;  W,  bes.  in  Zssetzungen:  hie-, 
bzw.  hi-,  hr-  (GlK.,  s.  Wint  210),  Je-,  ei-obe'  {-inne", 
-unde  usw,;  s.  ä  VII  Bd  I  4).  Vor  voc.  Anl.  bes.  in 
B;  GuHe.  auch  h':  ,Hobe,  hinne,  hitnde,  husse,  hie 
supra  (intra,  infra,  foris).'  Id.  B  neben  ,Hi  umme,  hie 
loeorum,  ex  hac  parte;  hi  nache,  eis,  hi  zueche,  hie 
proxirae.-  Hie  und  da,  hin  und  wieder,  da  und  dort. 
Hujennat  GsSeew.,  s.  Bd  I  268;  =  henet  BHk.  , Ander 
wyn  hie  um  [aus  der  Umgegend]  von  Wyl.'  1475,  Bs 
Chr.  ,Nachdem  syn  brueder  hie  hinnen  gescheiden 
[von  hier  fortgezogen]  syge.'  1525,  Mise.  Tig.  ,Hie 
in  zyt',  in  diesem  Leben,  im  Diesseits,  häufig  in  der 
ä.  Lit.  ,üass  üch  botz  hie  und  dort  schänd.'  1528, 
Stricki,.;  daraus  verk. :  .Botz  hie,  botz  dert',  als 
Schwur.  1521,  ebd.;  vgl.  auch  Strickl.,  Act.  V  36. 
,l)er  trachten  [Gerichte]  sind  nun  z'  vil  on  zal,  hie 
zam,  da  wild.-  HvEüte  1546.  S.  auch  hie-cnen  Bd  I  267, 
hie-innen  Bd  I  294  (hinne'  auch  Ap).  —  b)  bei  uns 
(zu  Hause)  Bs;  ro'  hie,  von  (aus)  diesem  (unserm) 
Ort  Bs;  Z.  Der  Stadtbasier  braucht  hie  von  seiner 
Vaterstadt,  auch  wenn  er  auswärts  ist.  —  c)  hieher  Bs; 
LSenip. ;  PPo.    M^"  seit,  d'  Cholera  kam  hie.  Kelterb. 

—  2.  von  der  Zeit.  Hie  und  do  (e  Mal),  in  Scnw; 
Zg  (it  Ithen)  hie  und  har,  bisweilen,  allg.  ,Die  zeit 
ist  hie,  dass  man  schneid.'  1560,  Hohel. 

Mhd.  hie,  neben  hier,  welche  Form  noch  unserer  heu- 
tigen MA.  fremd  ist.  Hieher  auch  der  imperat.  Geschlechtsn. 
, Hiestand'   Schw;   Z. 

hie-ig:  diesseitig,  irdisch.  ,Ouch  ist  himmelsche 
freud  so  heilig,  dass  die  kein  hyeig  leben  verdienen 
könnd.'  Zwingli.     Dafür  jetzt  nur  hies(s)ig  (s.  d.). 

sidert-hie  s.  -ie. 

h  ö  s.  hoch. 

hö,  bzw.  hö:  Interj.  1.  (hö)  als  starke  Erregung 
der  Aufmerksamkeit,  bes.  An-  od.  Zuruf  an  Menschen 
und  Tiere  B;  L;  \V;  Z.  Syn.  ftöp.  Ho-o,  Scblittenruf 
GEichb.;  Vorarlberg.  Hö-bätz-bätz-hätz  —  hüteli-hä 
Sp.  847.  Ho-ho-ho!  der  Ruf  des  Kaminfegers,  wenn 
er  im  Kaminhute  angelangt  ist  Z.  Der  Kukuk  wird 
im  Frühling  angefragt:  Guggu,  hö,  hö,  wie  lang  leb-i''' 
nw'-?  ,Jo-ho-ho'  heisst  der  Pritschenmeister,  wohl 
nach  dem  Ruf,  mit  dem  er  Ruhe  schafft.  Badenf. 
Wächter,    aufmahnend:    .Ho,  ho.    Herr  Wachtmeister, 


■saj  aiicli 
er   bloa't 

H-tä  und 

111  Stehen 
L  (auch 

s,    Chäeli 


ho.  ho!-  JMdreh  1559.  ,Ho  oho.  ein  stimm  gebraucht, 
wenn  man  ein  bekannten  oder  freund  unversehenlich 
sieht;  oh,  interiectio.'  Mal.  Spec.  Lockruf  an  das 
Weidevieh,  bes.  auch  in  Jodelrufen  B;  Gl;  L;  S;  W. 
Ho-sä-sä,  ho-sä-sä,  chumm,  chumm,  ho-sä-sä,  hoi  ho 
ho  ho!  DGemp.  1884.  Ho-sä-sä,  ho  höh!  die  Nacht 
wott  scho'  cho',  ho  Lobe",  o  Lobe',  o  Lobe'.  CWälti 
1841.  Hödelei,  hedelei,  hödelei,  hö !  refrainartiger 
Jodelruf  in  einem  Gesang  L.  Er  lockt  mit  Jölijo  und 
Ho-sä-sä  die  muntre  Chüeli.  Schild.  Mit  hö-tscho-tscho- 
tscho  [hö-leclc-leck-lcck  W)  werden  bes.  Schafe  herbei- 
gerufen Hl.,  rinfiiii  Walde,  beim  Faiig.'s|ii.'l.  .la-li  nfS; 
Th  f/'".  /'"-/'"■■  Mit  dem  Bnf  Schelm >■'■  h.,  ,  /,,  .  m  i.  in;ii 
sich  im  Spirl  Ki.aben  auf,  um  als  .  I„ii..||,i^.i  ■  ilie 
Schelmen  zu  langen  GSev.  Ilo-tä-lii-ia 
Ruf  der  wilden  Jagd.  Es  isl  dir  Silni 
i'  's  Hörn,  git  's  Zeichen  a"  r.iir  ./"//'/.  /( 
hossässä!  Schild.  Zuruf  an  Tiere,  die  um 
bringen  will  =  sachte!  langsam!  halt! 
a-hö);  S;  W;  Syn.  hör.  Nu,  Laubi,  i 
ho-hä  [s.  o-ha],  hö!  Schild.  Hö  (auch  0-/10),  meist 
wiederholt,  Mahnung  zur  Ruhe,  Vorsicht,  an  Menschen 
und  Tiere,  z.B.  wenn  sie  straucheln  Aa;  Ap;  Bs;  B; 
Gr;  L;  G;  S;  Th;  Ndw;  Z.  Eine  ausweichende  Antw. 
einleitend,  oft  im  Sinne  der  Abwehr,  Beschönigung, 
Gleichgültigkeit,  i.  S.  v.  nun,  ei.  Wege'  vas  heit  d'r 
Strit  g'ha'?  Ho,  i'''  ha"  mi"''  v'rschlafe"  g'ha".  B  Hink. 
Bot  1886.  .Er  fraiit.-  Uli.  wie  ihm  der  Nachmittag  für 
gegangen?  Ho.  sn  |ri  nun.  so  so],  sagte  er.'  Gottii. 
Damasse  [Frau..'nn;inir].  D^iiiiasse,  tvenn  wei"-m'r  witzig 
werde" i'  -Ja  Im-so-sn,  ,li(  lnUi  Gret,  ivenn  alli  Narre" 
sterbe",  ebd.  ina.li  .imni  l.iede).  ,Ho,  ho,  ist  ein  ge- 
lächter  mit  liutzlen  |  S,  Imtteln],  oh,  oho.'  Fris.;  Mal. 
—  2.  [ho-d  Gl,  hö  L)  interjectionelles  so  in  nach- 
lässiger Ausspr.  —  3.  Hö-n-is  g'wuss.  B  bist.  Kai. 
18'22  für  :ja. . .  (s.  dort).  —  S.  noch  aho  Bd  I  161.  Zu  2 
s.  Braudst.   1883.  50.     Vgl.  auch  0  //  (Bd   I   22). 

o-ho  I:  1.  im  Allg.  =  ^.  Anruf,  wenn  Jmd  einen 
Bekannten  trifft  Ap;  Z.  Ausruf  des  Zweifels,  der  Ver- 
wunderung, Ironie,  etwa  i.  S.  v.  halt  da!  Oho  wird 
Dem  zugerufen,  der  zornig  auffährt  Z.  Ironische  RA.: 
.St  ist  no'''  ledig,  aber  oho  [aber  wie'?]  Ap;  L.  ,Oho 
[aufgepasst],  da  will  uns  der  tüfel  b'schyssen ! '  Salat. 
,Hoho,  oho  ist  ein  stimm  einsi,  der  sich  verwunderet, 
dass  etwas  so  schnell  geschehen  ist,  der  unversehen- 
lich etwas  ergriffen  hat  oder  innen  wurden  ist.  oho.' 
Mal.  .Ehem.  oho.  Eho,  hr.rost  du?  Ob...  Interj.  vo- 
cantis  aut  quajrentis.'  Dexzl.  1G77;  1716.  ,]>er  Wii.;hter 
im  Kratz  muss  seine  Wachsamkeit,  su  oft  des  Nachts 
die  Stund  gerufen  wird,  anzeigen  mit  den  Losungs- 
worten: Oho!  zähl  so!  od.  G'sellso!'  J Müll.,  Altert.; 
vgl.  Bd  I  22.  —  2.  =  weg  B  (Kdspr.).  D's  Brüedi 
ist  oho  g' gange";  Syn.  bani-bam. 

Bed.  2  geht  entw.  (falls  der  Ton  auf  der  zweiten  Silbe 
liegt)  von  der  abwehrenden  Kraft  der  Interj.  ans  (vgl.  dazu 
,ho'  =  fertig,  zu  Ende,  bei  Gr.  WB.,  sowie  hei  II),  oder  es 
ist  die  Wiederholung  des  Voc.,  wie  dies  mit  dem  zweimal 
gesprocheuen  ,bam'  der  Fall  (s.  das  Brot  S.  107),  symbolisch 
zur  Andeutung  der  Gleichwertigkeit,  hier  des  Nichtwissens. 

a.\a.-hö:  Schlittenruf  Bs.  —  J/a- geschwächt  aus  arto 


73. 


hoi 


gegenseitiger  Anruf  der  Schiffer  und  Fischer 


holla-,  in  AaF.,  Z.  hollo-,  in  L;  GG.  höh-,  in  Aa; 
;  B;  ScnSt;  Ndw;  Z  hollr- :  verstärktes  hö,  ungefähr 


859 


Ha,  he.  hi,  ho,  hu 


=  wer  da?  holla!  allg.  Hollaho,  gend-m^r  aw''  e 
J^aswec/rtftrod .' Ruf  der  Fastnaehtmasken  ZReg.  SöU- 
höli-höli-hö,  Jodelruf  L;  GG.;  vgl.  den  Refrain  des 
Liedes:  ,Ich  bin  ein  Schweizerknahe:  Holi-holi-ho ! ' 
In  einem  Spiel,  in  welchem  Engel  und  Teufel  in  einem 
Wettkampf  auftreten,  melden  sich  der  Reihe  nach 
beide  mit  dem  Ruf:  Holleliö!  worauf  die  Frage  erfolgt: 
Wer  ist  do?  .Trummenschlaher  schlacht  um  und  rüeft: 
Also,  ir  herren,  holla  ho,  es  ist  der  houptlüt  will  also.' 
JMuRER  1565.  Spec.  Ruf  des  an  der  Türe  Pochenden, 
als  Bitte  um  Einlass  Bs;BAarb.;  ScHSt;  THTäg.:ZW.; 
Syn.  holla,  hosche-hö,  holle-hosehe,  hopp.  H.,  iseh  Nie- 
mer  deheim?  BAarb.    Dagegen  i.  S.  v. :  „Herein  AaF." 

—  Holi-,  mit  Anlehnung  an  holen,  jauchzen,  jodeln. 
Holle-:  1.  (m.,  in  L  n.)  närrisch-,  toll-,  derb- 
lustige Person,  bes.  Frauensperson;  Wildfang  Aa;  Ap; 
L;  ü;  Zg;  Z;  Syn.  HolU,  Bolli,  Husar,  Bock,  (Holz-) 
Euedi,  Buss.  Verst.  auch:  H.  zen  alle'  Lüfte'  Aa. 
„Weibsbild  von  rohem,  wohllüstigem  Betragen  VOrte." 
Spottn.  auf  eine  im  Äussern  vernachlässigte  Frauens- 
person L.  Dummer,  niiiilierlegter  Mensch  GWe.;  Z. 
lee  miech-m^'  's  nlhiuij  nminur"  so  [sc.  dumm].  Antw.: 
Wo-wol,  's  hat  (jinini  iiu  '  ,1,  re  H.  Stdtz.  Vom  früh- 
morgens krähenden  iJalni.  Küey.  1844,  Gö.  —  2.  (n.) 
unterirdischer,  gemauerter,  verdeckter  Gang  unter  den 
Schanzen,  Casemattengewölbe  Zf,  in  neuerer  Zeit  auch 
auf  unterirdische  Gewölbe,    Tunnels   übh.  übertr.  Z. 

Der  Narr  erscheint  als  der  Lärmende,  eig.  den  Ruf 
7ioHe-/io  ausstossend ;  ygl.  Hurrli-hau,  Heieiii,  Juheier,  Huiliu 
u.  s.  die  Anm.  zo  Uol.  Zu  2  vgl.  Juki  i.  S.  v.  Imperiale, 
oberste  Gallerie  im  Theater;  da  jene  Gewölbe  den  Knaben 
als  Versteck  und  Spielplatz  dienten,  mögen  sie  oft  genug 
durch  den  auch  heute  noch  beim  Betreten  eines  Gewölbes 
ausgestossenen  Euf:  hoUa-ho  das  Echo  geweckt  haben.  Vgl. 
auch  nhd.  ,Halle'  (von  ,hallen').  Es  wäre  zwar  nicht  un- 
möglich, dass  eine  scherzh.  Umbildung  aus  Hol,  Hulli,  Höhle, 
vorläge:  vgl.  ,Holiloch',  Name  einer  Höhle  bei  BTwann;  das 
zweite  -ho  würde  das  Echo  gleichsam  wiedergeben. 

Holdri-:  wesentlich  =  Hollehö  1,  doch  bes.  von 
wilden,  ausgelassen  lustigen  Kindern  AaZ.;  „A'Orte;" 
Zg;  Z.  —  Vgl.  holdmn,  lärmen,  sowie  das  Syn.  Holdcri-B<„k. 

hoppedi-  GTa.;  Th;  ZW.,  hoppeli-  Ap  (neben 
hoppm-iö'-);  B;  ScH;  Z:  1.  adj.,  nur  präd.,  aufgeräumt, 
gut  gelaunt,  fröhlich,  z.  B.  bei  einem  Sehmause,  glück- 
lichen Ereignisse   B.     H.  sl",  werde'.     Vgl.  hoi,  hui. 

—  2.  Subst.  a)  ungebunden,  derb,  roh,  ausgelassen 
lustige  Person  G;  Th;  Z;  Syn.  Hoppeli-pö,  Hoppedi- 
hopp.  Mannweib  ZW.  Schimpfw.  für  einen  leicht- 
fertigen, charakterlosen,  zudringlichen,  gemeinen  Men- 
schen übh.  GTa.  —  b)  Einfaltspinsel,  Laffe,  Narr 
ApK.;  Sch;  ZQ,  0  du  ehline  Hopplihö  [Närrchen], 
hest,  du  chunnst-mp-  doch  nüd  nö  [nach],  sagt  der 
Roggen  verächtlich  zur  Gerste.  KMey.  1844.  Vgl. 
Sp.  430.  —  c)  Floh  Z;  Syn.  Hoppedi-hopp. 

Vgl.  die  Interjj.  iojjp  (m-m),  hojtjy-he;  im  Hoppeli-hopp, 
in  Eile,  und  koppen,  lustig  hüpfen,  tanzen,  hopjyem,  hüpfen. 
Auch  engl.  Dialekt  hobheii/hoy  i.   S.  unseres  2  a. 

hosche-:  Ruf  des  Einlass  Begehrenden  Bs;  S. 
Auch  des  Eintretenden,  i.  S.  v.:  ist's  erlaubt?  AAÜberfl. 
Syn.  hosehö,  holle-hosche.  H..  isch  denn  Niemeds  um 
de'  Weg?  Bs  (Schwzd.).  H.,  lie  do,  rufen  die  Krämer 
an  der  geschlossenen  Haustüre.  Hofst.  Der  St  Nikiaus 
blibt  an  're  Hustir  stö",  bepperlet,  seit  h.  Bs  (Schwzd.). 
,Hosche ,  h.  poltert  es  an  der  Haustüre  draussen.' 
JoACH.  1881.  Subst.:  ,Der  H.  flissig  vor  der  Tür  ha', 
von  den  Gläubigern  streng  gemalmt  werden.'  Sprexg. 


Zsrückung  aus  dem  syn.  hoscha  und  h'i ;  vgl.  auch  horchen, 
klopfen,  pochen.  Hieher  vielleicht  auch:  .Ein  knecht,  hiess 
hütischehö.'  1401,  BsEq.;  vgl.  reutlingisch :  ,Hoscheho',  Name 
einer  Weibsperson  mit  einem  übermässig  grossen  Kopfputze. 

juheie-,  in  ZKn.  juheheie-hö:  Jubelruf;  im  J. 
[lustig]  Sl'  ZKn.  ,Wir  hettind  unerschrocken  g'dören 
schryen  :  juheiahc'  Gtrenrüpfen.  ,Evax,  juhheiaho, 
ein  frölich  g'schrei.'  Fris.;  Mal.  —  bute-  mache' = 
bute-heie  m.  SL.  —  do-:  Schlittenruf.  Schwz.  Lehrerz. 
1879.  —  tscho-7iö:  zurück!  Zuruf  an  das  Zugvieh 
AAZein.;  vgl.  tschö. 

„hohoe":  jauchzen;  drückt  das  frohe  Geschrei 
der  ländlichen  Einwohner  und  bes.  der  Schweizer- 
hirten aus,  welches  gewöhnlich  mit  einem  wirbelnden 
ho,  hoo  anfängt;"  Syn.  holen,  holeien. 

lio  (tonlos),  in  folgenden  Zsstellungen:  o-ho  II, 
in  New  ö-hö:  nachlässiges  ja  Ap;  Ndw;  ja  so,  nun 
bin  ich  zufrieden  BSi.  Syn.  e-hii.  —  ho-o  =  he-e  Ndw. 

jo-7jö;  Interj.,  ungefähr  i.  S.  eines  verst.  jo,  ja, 
als  bestätigender  Zusatz,  =  allerdings,  das  will  ich 
meinen  Ap.  A:  Bettid  und  werchid!  B:  Joho,  d' ZUe 
sönd  schlecht.  Schwzd. 

Eig.,  viie  Ja-u,  ja-ha,  jo-hu,  nur  eine  lautliche  Verstärkung 
und  Zcrdehnung  des  einfachen  W. ;  vgl.  na-a,  nä-a,  hi-e  u.  A. 

hO-sam  I  (in  Ap  hö-):  Adj.  u.  Adv.,  behutsam,  sorg- 
fältig, vorsichtig,  schonend,  leise  (z.  B.  vom  Gang), 
allgemach,  sachte;  allmählig,  nach  und  nach  Ap;  G; 
Th;  ZSth.     Dim.  hoseli  G;  Syn.  horsam. 

Wahrsch.  aus  'ho/mm  mit  Anlehnung  au  die  Interj.  Aö; 
vgl.  die  Synn.  ho/eU(ch),  hühiicheli(ch)  (=  ."höfischlich'),  und 
betr.  den  Ausfall  des  /  vgl.  Hoatr^t  aus  .Hofstatt'. 

h  ö  -  s  a  m  II  s.  hochsam. 

hö-ö!  Zuruf  an  des  Zugvieh:  halt!  S.  Hö-ö,  heit 
still  [mit  dem  Fuhrwerk],  liö-ö!  Joach.  1883.  Syn.  hö, 
ohä,  oha. 

hö  hö!  ehö!  Ruf  zur  Beruhigung  d.  Zugviehes  Aa. 

hoi  s.  hoch. 

hoi:  1.  Interj.  a)  als  Antwort  eines  in  die  Ferne 
Angerufenen,  i.  S.  v.  was?  ich  höre  GA.  —  b)  Zuruf 
der  Hirten  und  Fuhrleute  an  das  Vieh,  um  es  in  Ord- 
nung zu  halten  od.  anzutreiben  ApK.;  BO. ;  Gr;  GO., 
Sa.,  T.;  S;  Ndw;  ZKn.,  S.;  Syn.  hei,  hü,  hui.  Hoi- 
ho-ho-ho  BSi.  Auch  ermunternder  Zuruf  an  Menschen 
i.  S.  V.  auf,  vorwärts!  G;  S.  Mit  dem  Ruf:  Hoi,  zue- 
g'haue'.'  wird  zum  tüchtigen  Zugreifen  beim  Essen 
und  Trinken  gemahnt  G.  —  c)  lioi  ClwisJ-tatata,  Lock- 
ruf an  Ziegen  ApI.  —  2.  in  adj.  Gebrauch,  aufgeputzt, 
nur  in  der  RA.:  Usse'  hoi,  inne'  pfoi  [unsauber]  Bs; 
Syn.  fix;  hui.  —  3.  Subst,  in  der  RA.  uf  ei  Hoi,  auf 
Geratewohl  GG. 

2  geht  aus  von  dem  Ruf  des  Staunens,  der  Verwunderung 
(vgl.  oi  Bd  I  23).  Zu  3  vgl.  in  ei"m  Hvi,  auf  ein  Mal, 
und  bei  Gr.   WB.   ,hui',  rasch,  obenhin. 

über-:  überhaupt  B  oSi.  (ImOb.);  ziemlich  viel 
B  (vMül.). 

Wahrsch.  eig.  i.  S.  v.  obenhin,  im  Überschlag,  im  All- 
gemeinen; vgl.  Anm.  zu  üher-hau.  Wird  übrigens  von  an- 
derer Seite  in  Abrede  gestellt. 

hole":  .hoi'  rufen,  wie  die  Viehtreiber  BO.;  tiR; 
G;  Ndw.  Er  höjet,  irie  wenn  er  siner  Chie  z'  Alb 
tribi  BLütsch.  Auch:  anspornen,  scheren,  plagen  G; 
Syn.  heien. 

höi  s.  hoch. 


8til 


Hii 


hu 


8Ü2 


hnl:  Inteij.  1.  des  Schauders,  Entsetzens,  Wider- 
willens, Frösteins,  wie  nhd.  ,[Der  literarische  Gegner] 
hat  sein  Huhuhu-Geschrei  hören  lassen,  ich  habe 
die  Stellen  der  h.  Schrift  falsch  angezogen  [citiert].- 
ClSchob.  1699.  —  2.  der  Freude,  =  ,hui'.  Jti-hit-hii, 
.lauchzer.  .Juhuhu'  heisst  ein  Pritschennleister.  Badenf. 
.Darum  so  beit  [warte]  noch  bis  morn  [mit  deinen  An- 
s]irüchen].  Sprich  noch  nit:  Hu  [als  hättest  du  ge- 
wonnen]!' Haberer  1562.  —  3.  hü  tä  tä  tä  hü  tu. 
Jägerruf  S.   -   Vgl.  das  syn.  «  Bd  1  24. 

ischa-:  wahrsch.  Interj.  der  Verwunderung,  iro- 
nischen Erstaunens.  Narr:  ,1.,  i.,  ist  das  war,  mich 
an  d'  nasen  schnell  [so  darfst  du  mir  einen  Nasen- 
stüber geben].'  Haberer  1562. 

Viell.  den  Ton  des  Niesens  nachahmend,  indem  das  er- 
zwungene Niesen  als  Zeichen  der  Geringschätzung  dient. 

juppeli-:  Freudenruf,  =  j.-Äe  Gl. 

Hü  I,  in  der  RA.  im  H.,  im  Nu,  plötzlich  ZW. 
—    Vgl.  die  Synn.   Huu,   Hui,   Bu-biU,  Htm. 

Hui-hu  m. :  lustiger,  etwas  leichtfertiger  Mensch 
Ap;  vgl.  die  Synn.  Ju-heier,  Uolle-hö. 

hü-e°:  rufen  GA.;  vgl.  he-en,  hö-en,  hupen. 

Hurrli-Hu:  Schreckmännchen  Z. 

Wahrsch.  zu  flu.  Eule;  dazu  passt  Zss.  mit  hurrlm  inj 
S.  V.  durch  einander  wirbeln,  s.  Üwd  2  und  a  (Bd  I  614). 
Doch  könnte  hu  auch  als  Inter.i.  des  Schrecliens  gefasst 
werden.     Vgl.  auch  in  formeller  Hinsicht  liiin-U-lln'. 

Hu  II,  Hu-hu  s.  Hmv. 

jo-hn:  Bejahungspart.,  meist  verbunden  mit  frl- 
UfchJ  oder  i.  S.  v.  diesem  SchwE.    Vgl.  o-ho,  jo-ho. 

hii  II:  Fragew.  =  wie?  was  sagst  du?  W.  Syn. 
ha?  hä?  ,Sag  an,  sä  hu,  wo  wi"t  doch  auss?'  Mvri- 
CAüS  1630.   —   Vgl.  u-hu  (Bd  I   162)   und  ha  111  Sp.  847. 

htt:  Haltruf  an  Zugtiere,   neben  dem  syn.  hüf  Z. 

Gugge-hu  Z,  Gögge-  AABöh.,  Gügcji-  AABald. : 
1.  Flurn.  —  2.  =  Gugge-hür  Z,  s.  Gugg-Gere. 

Viell.  dem  Rufe  des  Hahnes  (s.  Sp.  19'2)  entnommen  zur 
Bezeichnung  eines  vorspringenden,  freien  Platzes,  wie  ihn  der 
Hahn  sucht,  um  zu   krähen;  vgl.  Juhe  S. 

hü!  Treibruf  an  das  Zugvieh,  bes.  Pferde,  i.  S.  v. 
vorwärts!  Aa;  Ar;  BsL.;  B;  Gr;  G;  Sch;  Z;  scherzh. 
oder  verächtlich  auch  von  Menschen.  Hü  e  Gutts 
Name',  Zuruf  bes.  am  Morgen  früh,  wenn  man  den 
Pflug  in  die  Furche  stellt  oder  beim  Beginn  einer 
Fahrt;  vgl.  Gott  Sp.  509.  Numme"  nit  g'sjn-engt, 
aber  gäng  hü!  Warnuiii,'  vor  Überstürzung  B;  S.  Hü 
dräräre!  aiisu-Miissr,,,.,  F,v.M,-mi  „f  li  (Zyro).  ,l),.r 
Bauer  treibt  Im.  Ini.l.  li-ll  z/  \.Ury.  linM  hott,  bust 
hott.'  Lieh  ITTJ.  Kmr  .rlmMlr  i;r».-nn-  andoutoiia. 
i.  S.  V.  nhd.  ,liui'.  .im  Hniii':  CIikiu  isI  iI'  Mamma  i" 
d'  Kuchi  use',  su  liiii^i''  |(l.i  ii;isrlili;ilto  Knabe]  hü 
du  [dann]  i"  d's  Gabnuit  im:"  BSt.lt  (Huri).  S.  noch 
huien.  —  Vgl.  die  Synn.  hi.  hiqq,,  ferner  hiul  (Gegs.  hott); 
die  Verstärkung  hü-o  s.  Bd  I  '23;  vgl.  ebd.   ii  Sp.   24. 

ö-hü!  Ruf,  dessen  erster  Teil  zur  Aufmerksamkeit, 
der  zweite  zum  Aufbruch  mahnt  GnPr.  0.,  o.,  losend 
II f,  was  ich  vermeid!  rief  der  Küher,  der  vom  Berge 
herab  einen  feindlichen  Einfall  kund  gab.  Schwzd. 
(Kuoni).  —  u-hü  in  dem  KampfrulV;  ^7/».'  Ma""  ßr 
Ma,  Blieb  för  Bueb!  Wo  ist  Kn'n  \  IIiiht].  der  mi''' 
usatued  [bezwingt]V  Ap.  S.  ho,  h  lainii  ::.  —  eijo- 
L,   jo-  Gl;  Z,    no-  LV. :    Ziinil    boim    i^emeinschaft- 


lichen,  taktmässigen  Heben  oder  Schieben  einer  Last; 
Syn.  jo-htii,  hiü.  Vgl.  ö-hü.  —  hott-:  rechts  vor- 
wärts! Bs;  B;  Z. 

Hü-hü  n.:   Pferd  (Kdspr.)  Z;  Waukekn.  1«69. 

Wahrsch.  vom  Treibruf,  vgl.  das  Syn.  Hu-Kimli;  vgl. 
aller  auch  hUhenen  und  Heierli,   HuijcrU. 

„Hotti-hu  [so!]:  Pferd  B;  L  (Kdspr.)."  .Unter 
der  Bedingung,  dass  Anna  mit  dem  [dreijährigen] 
Buben   Hotti-hü  spiele.'  MWalhen  1884. 

hne:  Vernoinungspart.  zur  Verstärkung.  Nid  hun 
dernr'f''  frrf/<.,  rein  Nichts  darnach  fragen  GnPr.  (s. 
Schwzd.  2'.i,   10). 

WaluM-h.  =  Uli,  „,  welches  schon  mhd.  als  Verstärkung 
der  Vuiuciuuug  vorkommt;  doch  scheint,  da  der  urspr.  Sinn, 
wie  das  Fehlen  des  Art.  beweist,  nicht  mehr  gefühlt  wird, 
Anlehnung  an   ,hui'  gesucht  worden  zu  sein,   vgl.  km  Pfiff. 

hui!  1.  Interj.  a)  Jubelruf.  allg.  Rüef  nid  h., 
bis  d'  über  de"  Grabe'  bist.  Sulger.  —  b)  zur  Auf- 
munterung, Mahnung,  um  Jmd  anzuspornen ;  Syn.  hei, 
hoi.  ,So  huy!  schnell  dran  und  londunsgon!'  Rbef 
1550.  ,Huy,  knüw  schnell  nider!'  JMurer  1556.  ,So, 
huy,  fach  an  und  mach  kurz  end!'  ebd.  ,Huy  auf, 
wolan  dran!  agite  dum.  Huy  wol  an  (wol  auf),  weiter 
dran,  age,  ag.?.  :iiro  >i^.-  .Mal.  ,Huy  uf,  so  wend  wir 
dran!'  RSciimii.  K.Tü.  .Hui.  agite.'  Denzl.  1677;  1716. 
Spec.  Ruf  der  .\rbritor  beim  Lastenheben  GRuVatz; 
s.  eijo-hü.  ,Celeusma,  ein  ermanlich  zesammenschreien, 
etwas  anzegreifen,  als  die  schilfleut  und  andere  der- 
gleichen, wenn  sy  ein  schwüren  last  wollend  lupfen, 
spricht  man  geuieinlicli:  Huy,  frisch  daran,  mu-h  ein 
mah'  Fris.  Troibruf.  bzw.  auch  Scheu,  hnif.  zunarhst 
an  das  Vieh  U;  Nnw ;  Z;  Syn.  hci.  lim.  .Um,  vox 
abigendi  vaccas.'  Id.  B.  Mit  hiii,  hasch!  schnell  fort! 
werden  etwa  kleine  Kinder  weggewiesen  Z.  ,Hiiy  auf. 
hebend  euch  darvon,  streichend  hinweg,  abite!'  Mal. 
-  c)  hui,  u-hui  =  hiil-iuii  (..  Bd  1  228)  GG.,  Rh.,  T.; 
vgl.  haien  und  s.  aurli  llii-l-'clrrni.  —  d)  Interj.  des 
Widerwillens.  Abschuus;  v-1.  //((.  Iiii-hui.  ,Huy,  woU- 
tend  ir  .Toanem  schelten!-  Aal  1549.  —  '2.  adj.  ge- 
braucht in  der  l!A.:  Usse'  (ohe')  hui,  inne'  (ante') 
pfui  l!s:  (iiili.;  v-1.  hoi.  —  3.  Hui  I,  Subst.  a)  im 
Hui,  im  Nu  I!;  !_:;  Z.  Im  H.  isch-ex  änderst  irordc". 
Syn.  CimJ  Huiment ;  vgl.  Mn-rhiiini.  .|l>ic,Mjs  Kraut] 
ertödt  den  menschen  in  einem  Iniy.'  Tikkii.  l.'iii:!.  .Der 
könig  zog  in  yl  für  Zürich,  in  hofliiunL;-,  disr  statt  in 
einem  huy  zu  überkommen.'  HBull.  l."«T_'.  .|Sio|  lioi- 
gen  da  etlich  in  einem  h.'  Wurstisfn.  .J.ni  jUm  im 
durchzug  und  in  einem  h.  überfallen.-  !•''"■-'.  >!'■  .  I'lyl. 
,ln  einem  H.  wider  heim  k"nnnon  nM.-vn/  lli.  i,  HiöS. 
,lli  eim  H.:  i-nis  rnutinuo  rxtm-uilur  in  ;n|n'iin  .  ..,,- 
joctus.-  Ende  XVll..  Ms.-k.  ,ln  -■inom  II..  nioni-nto, 
puncto  temporis.'  Denzl.  1677;  1716.  —  b)  etw.  tiutes 
zum  Essen,  in  der  auf  unhaushälterische  Leute  an- 
gewendeten RA.:  Hui  z'  Nacht  und  Häli  [Lebkuclien] 
z'  Morge'  LSenip.     S.  nni-b  bei  Graben  Sp.  678. 

3  b  von  .hiü-  als  Int,  ii,  ,\ri-  Freude.  Zu  der  Verbindung 
.hui-uf  der  ä.  Spr.  vu'l.  ilrn  Geschlechtsn.  ,Hans  huiuf,  der 
goldschmid.'  1525.  Z  (Egii,  Act.).  .Cordeli  huiuf,  ein  mutz.' 
HRMan. 

hu-:  Ausruf  1.  der  Verwunderung,  des  Staunens: 
ei,  der  Tausend!  W.  Auch  Jubelruf  ZO.  —  2.  des 
Widerwillens,  Abscheus  U.  Hu-hui,  es  tuet-mer  iez 
scho"  gruse'.  Schwzd.  —  jO-:  1.  =  eijo-hü  Ndw.  Abi. 
jo-huicn.  -  '2.  Jubelruf  ZO. 


Ha— Im.    Hab— hui) 


864 


liuie"  I:  1.  laute  Jubelrufe  ausstossen,  jauchzen 
Ap.  Werd's-mer  denn  so  icaul  um  d'  Brost,  dass  i''<  h. 
cha'"  mit  Lost  ApI.  Jinden  durch  ilrn  I.'nf  .hui'  hcrhei- 
rufen  Ap.  M'j  mos  hujim  ond  luijn».  I,i>.  iii.,-ii.,  |iliii| 
heriibringt.  —  2.  antreiben,  bes.  ilas  WiAt  Xnw;  ^^yn. 
holen,  heien.  —  3.  zum  Kampf  herausfordern  Ap; 
s.  hui  1  c.  Der  Euf  lautet:  Hiä-hiiiom,  rond  ist  der 
Huet,  gued  ist  der  Bueh  ond  Ken'n  [Keiner],  der-nn 
omchera"  tued.  S.  noch  u.  ii-hü!  —  4.  „(auch  hüie') 
um  die  Wette  eilen,  z.  B.  im  Springen,  Reiten.  Mit 
einander  h.,  wetteifern,  bes.  im  Arbeiten  B." 

Zu  Bed.  3  yg].  frz.  huer,  hinter  Einem  her  schreien, 
von  der  frz.   Interj.  Im,  Hohn-,  Scheuchruf. 

über-:  im  Hui  überwältigen,  überraschen.  ,Die 
Glarner  in  einem  schnapp  zu  ü.  und  zu  bezwingen.' 
1560,  Fabricids  an  HBuU.  ,Mit  den  panditen  [Ver- 
bannten] die  statt  bei  nächtlicher  weil  ü.  wollen.' 
WuRSTisEN.  ,Die  unbesetzte  statt  überhuyet.'  ebd.; 
=  .überfallen.'  1765.  .Als  die  gwardiknecht  von  lands- 
knecht[en]  mit  vorteil  überhuyet  und  umbracht  [wor- 
den].'  XVI.,   LüTOLF. 

Huierli  n.:  Pferd  (Kdspr.)  Ap.  Vgl.  Heierli, 
Hil-Hü. 

Huime'nt  m.,  im  H.,  augenblicklich,  im  Nu  Z. 
Bas  ist  im  H.  richtig,  in  Ordnung.  Syn.  Hubite.  — 
\'on  dem  syn.  Hui  nach  Analogie  von  .Moment'  abgel. 

Hnie  f. :    Ramme,  Rammklotz,   -block   ApI.,  H.,  M. 

Vgl.  das  Syn.  Neie,  wozu  es  Nbf.  sein  kann,  mit  An- 
lehnung an  die  Interj.  hui,  da  heim  Heben  des  Rammklotzes 
der  Ruf  ,hui'  gebraucht  wird ;  vgl.  auch  huicn  i.  S.  v.  .treiben' 
mit  der  Wendung:  En  P/äl  (Nayd)  theti-ibe",  mit  Gewalt  ein- 
schlagen. 

huie"  n  =  heien  1  n.  3  ApK. 


Hab,  heb,  hib,  hob,  hub. 

liab:  Schlittenruf  ScuHa.  {-ä-J. 

Mit  vorgeschlagenem  h  aus  dem  Syn.  ubi  Bd  I  '29.  Vgl. 
heb  =  eb  u.  ha!  Viell.  auch  aus  hic-abJ  vgl.  .hiibeu'.  S.  noch 
hab  Schutz  n.  letzterem  W. 

Hab  I  f.:  Schifl'shafeu,  meist  durch  einen  hölzernen 
oder  .steinernen  Damm  [Häb-Häggen]  gebildet  Boden-, 
Wallen-,  Zürichsee.  ,.\1s  man  zu  Candia  in  den  port 
fährt,  ist  gar  ein  lange  grosse  muren  um  die  habe 
und  ist  die  muro  ussenthalb  der  hab  mit  fast  grossen 
steinen  umbelegt.'  1460,  Bs  (HBvEptingen).  .Hab' 
hiess  1526  der  kleine  Hafen  aut'.l'"rf-  in  Zstdt;  Vög. 
u.  NisoH.  I  -244.  .Verbrannt  dh  .-r||„.  IkiI,  mit  den 
schiften.'  1531/48,  H.Makk.;  dalur  ICiu:  .dfiiselbigen 
port'  ,4  pfd  dem  wirf  zue  Schirmeusee,  die  hab  da- 
selbs  widerum  ze  buvven.'  1554,  ZGrün.  Amtsrechn. 
,Dieweil  die  selbig  hab  [>.ip.T5v]  ungelegen  was  zu  win- 
tern.' 1560,  Apostelg.;  dafür  1531/48:  ,das  g'stad'; 
1667:  ,die  Schitflände.'  .Portus,  die  hab  oder  schiff- 
lände.  Ratibus  clemens  insula.  die  kommliche  haben 
oder  schilVlriiilincn  hat.'  Fris. ;  Mal.  .Der  Niderländer 
nerajit  iin  -rliitl linlr  am  meer  ein  haf,  die  Oberländer 
ire  schilt  lainltii.  II  .un  see  ein  hab.-  HBull.  Tig.  Klage 
der  Schilinieister,  dass  nicht  nur  am  ZSee,  sondern 
auch  oberhalb  zu  Grynau  und  Bollingen  ,die  Haben' 
gar  schlecht  gemacht  seien.  1590,  Absch.  ,Schift'hafen, 
Port,  Hab,  Schifti'lände,   portus,   statio  navium,  serva- 


culum.'  Red.  1662.  ,Haaben,  das  seind  geringe  See- 
häfen.' JEEsoher  1692.  Auch  als  Geschlechtsn.  Z. 
,M.  Heinr.  Hab.'  1488,  ZStdt.  Vgl.  ,Hans  in  der  Hab 
im  Oberdorf  Meilen.'  1523,  Egli,  .\et.;  wohl  der  Selbe 
heisst  ebd.  1524 :  ,Hans  Häbli  im  Oberdorf  Meilen.' 
Das  nämliche  W.  als  Personenn.  steckt  auch  in  .Hans 
Habenruti'  von  TuScherz.  1530,  Stkickl.  (Falsch  hin- 
gegen ist  die  Erklärung  von  Hahüel  ZHerrl.  als  ,Büel 
an  der  Hab'  in  Meyer,  Z  Ortsn. ;  s.  lioch.) 

Unser  W.  ist  das  nhd.  .Hafen'  mit  obei-d.  b  für  niederd./; 
mhd.  habe  f.,  eig.  zum  Vb.  heben  (got.  ha/jan),  lat.  rapere, 
also  :=  reccptaculunt.  Vgl.  bei  Hom.  5x01  V»)fflV.  Bei  Boner  in 
bildl.  S. :   ,in  guoter  habe',  wohl  bewahrt;   .ein  sicher  habe'. 

Schräg-:  Rampe  längs  eines  Hafendammes  zum 
Aus-  und  Einladen  der  Waaren.  Z  Amtsbl.  1869,  37. 

Hab  II  f.,  in  ZStdt  auch  n.:  Art  künstlicher  Sauer- 
teig, bestehend  in  einem  Absud  von  Hopfen,  womit 
Mehl  bis  zur  Consistenz  von  Honig  angerührt  wird 
Ap;  Bierhefe  AABb. ;  Sauerteig  Bs  (Spreng);  Syn. 
Hepf;  Hebi;  Angriff,  Trib.  In  ZStdt  brauchen  die  einen 
Bäcker  solches  E.,  um  das  Brot  (die  sog.  langen  Brote) 
schwammicht  zu  machen,  statt  Hebel,  den  man  z.  B. 
für  die  .aufgesetzten'  Brote  anwendet.  In  GRh.  bed. 
nach  einer  Angabe  H.  im  Gegs.  zu  der  Hepf  den  natür- 
lichen Sauerteig.  Vgl.  .das  Brot'  S.  23.  1497  schwören 
die  Bäcker  zu  ZWint.:  ,Das  weisbrod  in  h.  zu  backen 
und  die  h.  alle  Wochen  von  neuem  frisch  zu  machen 
zu  2  malen.  Und  soll  zu  einer  mass  h.  eine  band 
voll  hopfen  und  ein  pfenn.  wert  teig  nehmen.'  (Troll.) 
A.  1537  wird  auf  Anlass  von  Klägden  der  Z  Pfister 
gegen  einander  an  ein  früheres  Verbot  erinnert.  ,das» 
kein  meister  an  die  h.  bachen  solle,  er  wolle  dann 
simmlen  bachen  und  aber  der  surteig,  des  sich  die 
meister  bishar  im  andern  brot  gebrucht,  vom  simmel- 
teig,  darin  die  h.  ist,  genommen  wirt.'  (ßGHofmstr 
1806,  24  versteht  darunter  das  Backen  mit  vorwiegen- 
dem Hopfengeschmack.)  ,Die  haab,  ein  gemächt  von 
hopfen.  darmit  die  pfister  das  weiss  brot  uftrybend.' 
Mal.  .Die  Feiler  understanden  in  Ansehung  des  zu- 
wider alter  Ordnung  voi-rnnniiin'iien  Gebächs  auf 
Haab  vilfältig  zu  handlm/   WIM,.   /Stdt. 

Vgl.  .fermentum.  urhaW.  11:1^.  tili'>-.  Übrigens  gehört 
unser  W.  wie  das  nhd.  ,Helu'  luul  //./.,,  IIA,el  zu  hebest,  wie 
frz.   levain  zu  lever. 

haben  1  habe  AAFri.;  Bs;  B;  S  —  Prres.  Ind. 
habt  AAFri.;  S,  Prat.  Conj.  habti,  Ptc.  ghabe  (ä  Z): 
1.  gären,  zunächst  vom  Sauerteig  AAFri.;  BS.;  dann 
auch  von  der  mit  demselben  durchwirkten  Teigmasse : 
aufgehen,  sich  durch  die  Gährung  heben  Bs;  B;  S. 
Es  habt,  ist  am  H.,  hat  g'habe  Aa;  S.  Habt  d'  Hebi 
no'''  nit?  AAFri.  .Das  Brot  musste  gut  gehaben  haben, 
denn  es  war  luftig.'  Breitenst.  Wenn  si  Teig  zweg- 
g'macht  heige"  im''  unger-e"  Ofe"  ungere"  g'stellt  für 
z'  h.  MWalden.  ,[Das  Mehl]  mit  dem  Sauerteig  an- 
machen und  über  Nacht  h.  oder  gieren  lassen.'  Wurst- 
iSEN.  —  2.  gären  lassen ;  „die  sogen.  Hab  mit  dem 
Mehl  bearbeiten  Aa."  ,H.  sie  das  Möl.'  Wurstisen. 
—  3.  g'habe',  Ptc.  mit  adj.  Bed.,  durchgegoren  Aa; 
Bs;  B;  1,:  S.  ^te"  irarfet  eppen  e  halb  Stund,  bis  der 
Teig  tjh.  iscli.  ihrimli  schiesst  men  i"  Bs.  G'habni 
Chüechli,  Kuilieii  mit  einem  Zusatz  von  Hefe  B; 
B  Kochb.  1796;  =  verhabni  S;  Syn.  Hab-,  Acher- 
Küechli.    Er  ist  g'sV  wie  g'h.,   steif,   starr   ZWeissl. 

Abgel.  vom  Subst.  Hab,  Sauerteig,  das  freilich  selbst  aus 
dem  Ptc.  von  heben   (ijehaben)  gebildet  ist.     Eine  Erinnerung 


Hill),  heb,  hilj, 


ilurau  scheint  darin  zu  liegen,  Jass  Jas  Ptc.  dieses  ImUu 
starke  Form  hat,  wie  ja  auch  das  Ptc.  von  liahen  II  in  jener 
Form  vorkommt.  —  Bed.  1  u.  2  ftiessen  leicht  in  einander. 
Gehaben  von  Personen  (3)  scheint  eig.  .aufgetrieben,  aufge- 
schwollen'  zu  bedeuten. 

üter-:  Ptc.  adj.,  von  Teig,  der  zu  stark,  zu  lange 
gegoren  hat  AiFri.;  BsL. 

„Habete°  f.:  die  ganze  mit  dem  Sauerteig  be- 
arbeitete Masse  Aa;  B;  S;  Vw."     Syn.  Hebleten. 

Hab  in  f.:  I.Halt,  Festigkeit,  Dauer  Ap;  Gl;  Gk; 
G;  Th;  Z.  Syn.  Hehi.  Kei'  H.  Im',  keinen  Bestand 
haben  (bes.  vom  Wetter,  Gesundheit).  Hah  ha",  festen 
Fuss  Z.  Er  hat  ke  H.  me"-  g'ha",  vermochte  sich  nicht 
mehr  aufrecht  zu  halten,  z.B.  auf  dem  YA«:.  This  Tmch 
häd  H.,  dieser  Zeug  hat  Festigkeit  Z ;  S.vii.  ^•^,//,  l>,t^ 
Esse"  häd  kei  H.,  diese  Speise  hält  iii^lit  \,.v.  -;itli-t 
nicht  auf  die  Kiniev.  .Crwonhrif  „inl  irrhtun-  mil  ].■- 
stäntlicher  briHlirli.T  IllIi  ]\-i,  lhii,,li;:,l ,  \  ^^^-l-rln.• 
1433,  ZUrk.  S.  iinrh  /,„/-.„  A  I.  1  11.  -.  Ilaihlli.ilir. 
Griff  ZHombr.;  auch  .^tellc.  wo  man  sich  halten  kann 
GnSplüg.  (Ea^j  m.);  Syn.  Fass.  B'  H.  ha",  die  Haupt- 
sache Z  (Spillm.);  eig.  das  Heft  in  der  Hand?  Mehr 
bildl.  und  mit  Bed.  1  sich  berührend  :  ,Ligneis  cona- 
mentis  convolutnm,  unib  ein  holz  gewunden,  dass  es 
ein  hab  habe  oder  dass  man  es  darmit  wol  ergreifen 
möge.'  Fris.  ,Am  pöbel  ist  kein  hab.'  Tschudi.  — 
S.Haltung.  Verhalten,  Befinden,  Gehaben;  Vorhaben; 
das  Vorhandensein  BO.;  W.  Schlechter  H.  sl",  nicht 
wohl,  unpässlich  W.  En  Bi'ir  ist  i"  H..  um  die  Wege, 
spukt  hier  herum,  ch.l.  7vv  r-zr,-//,-,-  l^f  ui  IL.  im 
Anzüge  ER.  Zur  ZU.  ,rn  ,l,r  M„l,i,  ,sl  ,„  II.  if..,,!. 
im  Schwange,  ebd.  's  ist  Chnnj  ,,i  II.,  in  Si.-ht.  ebd. 
Es  ist  Öppis  in  H.,  übh.  es  ist  Etw.  im  Tun,  wird 
geplant  BO.;  W.  Duoz'malw  si  das  scharpf  in  der 
Hah  g'sl",  enandri  ver  d's  Gottsgericht  z'  ladu".  W 
Sagen.  .Einer  zoch  uf,  der  ander  ab;  das  hat  genon 
ein  wilde  h.  [Aussehen].'  1476,  Volksl.  ,Ir  ritterliche 
h.  [Gebahren] ,  die  sie  dazemal  begiengen.'  1476, 
VWebek.  ,Es  gwinnt  so  wibb.'  h.  [die  Sache  nimmt 
eine  seltsame  Gestalt  an].'  llli'.i.  \  Hik-l.  i  l'ubl.  I '27). 
,Brachten  es  [das  belagerte  Schl--^  |  in  -"bhc  h.  [Zu- 
stand],  dass   c^    Mrli    iiir,,    liaM    rr-ab-    1  I','!'.    T,i:\/,    — 

4.  wie  nhd.    Han.,     ai    l;.  -It/.til all-.,    br,.  |n^»r^-- 

liches.  ,S'i"  .</.(/-..>  //.  n,nl  (iil.t  .nnl  ..,in  ,innh" 
Glider  g'si"  G.  Eim  Oppi.'f  :'  Uns  inid  :H.  mitcs.se" 
träge".  Einem  Etwas  in  nächste  Nähe  brinsjen.  Einen 
gar  zu  beciuem  bedienen  müssen  ZWl.  F„re''d,  Jl. 
s.  faren  Bd  I  890  und  gäng  Bd  11  :'.ä."..  S.  auch  Hudel. 
,I)er  mag  einen  mit  söllicher  haab  «aicn  und  bezalen 
und  mit  aller  der  haab,  so  da  in  dam  Inis  ist'  1427, 
FoFFA.  ,Wenn  ein  hüs  stät  üf  einer  eigner  hofstat,  so 
ist  es  farende  hab,  usgenomen  steinine  hüser.'  1495, 
Aa  Weist.  .Indigentibus  de  re  familiari  impertiendum 
est,  denen  die  sy"  notwendig  sind,  von  unserer  haab 
niitzeteilen.-  Fris.  , Bodenzins  von  etwas  Hab  und 
Güeteren  zu  ScHMerishausen.'  Sch  Pfrundenb.  XVlll. 

5.  noch  entfremden  Bd  I  r299.  Ein  Mal  als  Ntr. 
(nach  Analogie  von  Guet):  ,Der  Mann  mag  dasselbige 
Haab  nutzen  und  niessen.'  1637,  AAWett.  Klosterarch. 
—  b)  Waare,  Zeug,  Substanz  Gl;  GrH.;  PP.   H.  und 

War,  prägn.,  solide  Waare.  I'''  macha"  nid  vil  Wi', 
aber  was  i'''  macha',  das  ist  H.  n.  W.  GfiMaienf. 
(Schwzd.).  ,Bauern,  die  nach  ländlichem  Ausdrucke 
H.  u.  W.  liefern  wollen,  sparen  die  Steine  nicht  zum 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


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Beschweren,  auch  wenn  der  Ziger  Etw.  an  Gewicht 
einbüsst.'  Edelw.  1874  (Gl).  M.  u.  W.,  richtig  und 
redlich  zubereitete  Butter  im  Gegs.  zu  der  mit  Butter- 
milch durchsetzten.  JRSteinm.  180'2.  Hab,  ironisch, 
schlechte  Leute  G;  Syn.  War.  ,Der  Schmid  soll  die 
Bauren  mit  guter  Haab  versehen.'  1561,  SchwE.  Klo- 
sterarch. ,Der  wyn,  der  noch  unzytig  was.  An  vilen 
orten  hat  man  so  schlecht  hab  darus  gezogen,  dass 
man  die  mass  um  2  pfenn.  gäben  hat.'  1594,  Ardüser. 
1627  wurde  in  Obw  der  Lebkuchenhandel  .mit  währ- 
schafter Hab'  freigegeben.  Obw  Volksfr.  1883.  ,Es 
sollen  die  Pfister  Foggiser-Brot  bachen,  schöne,  recht 
und  wolgebachene  Haab.'  1643,  SchwE.  Klosterarch. 
.Das  Almosen-Brot  wird  von  guter  Hab  gebachen.' 
Z  Mand.  liKiJ.  Mit  rbaiirang  zu  abstr.  Begriff  (viell. 
mit  Aiilaliiiinm  an  //.,/.  //  t:  .Hrod  bachen,  das  hübsche 
Hall  Iniu-a.-  i:,sv.  Ml  1,1,11,.  Lenzb.  —  c)  im  Bes.:  Be- 
ll udel  Ap;  BG-,  0.;  Gl;  Gr; 
Ge-kiUt.  „Küe-,  Geiss-,  Boss- 
ph.),  viel  Vieh  V.  E  (ganzi) 
Es  Hapli,  eine  kleine  Herde, 
,Es  gehen  öfter  schöne  Haben 
und  Appenzeller  Vieh,  meist  Kühe, 
1852,  Zeitünosnachr.  Asie 
chommend  ganzi  Häbleni  [von  Gemsen]  dort  here  gr 
lecke  GRSchiers  (Schwzd.).  ,Er  traib  davon  syn  hab.' 
.■Vp  Krieg  1405.  .Bei  uns  was  kein  mangel,  so  vil 
haben  vechs  ausliin  verkauft  warend.'  Val.Tschudi 
1533.  ,So  zUch  X.  X.  wider  in  .Tenatzer  gemeinsame 
mit  aller  syner  li.  liis  zue  der  alpfart  und  etlichs 
mtIi  iio.li  laiiu.'!-,-  15:;s.  i|R.Jenatz.  .Welcher  Ungc- 
suinb's  linder  sriiirr  Haab  hat,  soll  angänts  US  der 
All.  falna.-n,-  ii;:;.",.  A !•  LB.  S.  Bergrogt  Bd  I,  707. 
,Weil  Kiiiiuc  sich  understehen,  ussert  dem  Land  Haab 
allhero  zu  fülireii  in  die  gmeine  Alpen  oder  gmein 
Merk.'  17ol.  Ar  LB.  .Mit  einer  Haab  s.  h.  Zeitkühen 
allhier  in  die  Lauwinen  kommen.'  Sererh.  1742.  ,Auf 
den  genannten  Alpen  weiden  13  Haaben,  Küh-,  Käl- 
ber-, Galti-,  Stieren-,  Geiss-,  Schaaf-,  Ross-Haaben.' 
1805,  Gr  Samml.  S.h.Mzh,  übertr.  auf  M.Misclicn: 
ganzi  Habe,  c  riinr.es  llnhh  l,,ii  ilnlb;.  Ar  Imt  e 
schii"s  Häbli.  er  hat  eine  zi.Miilirh  i^-mss,.  Kamille  i.iG. 
-    Alnl.    A../.e,    nihd.    *-./..    f.    in    lled.    1,   -2    luid   4. 

rt-:     1.  Aufhebung  [V].    1553.  Aesch.  IV  1  e.  835. 

2.  N'.irHiirr.  .Das  gereiche  ihm  zu  grossem  Nach- 
teil niel  Vninnrr  (,nfbalr),  l.V'ai,  .■]«].  —  :;.  Strassen- 
streeke  mit  Mei-nn^;  .n  aN  Name  eines  AVeilers  bei 
DLan-eten.   ,-   ,/, ,-    /7/m/,.  Za    „/-/,./„„, 

An-  m, :  Anfang.  rrs|uung,  Ursache;  auch:  An- 
fänger, rrbeber.  Syn,  l'rhidi.  ,I)er  erst  pund  und 
a.  der  eiilgein.sseii.-  Z  Chr.  .Welcher  den  a.  tuet  und 
das  kuntlich  wird,  der  snll  beid  buessen  geben.'  XV., 
TflGütt.  dttii.  .Zwingli.  der  recht  hoptsächer  und  a. 
diser  \  erfüeriseheii  Kr.'  l."i2G,  Absch.  .Deren  übel  sy 
die  Ziiiebei-I  iirsieli  lind  a.  wären.'  1529,  ebd.  .159 
.lalii  \'ii  .\,  der  Stallt  Bern.'  Ansh.  .Der  ein  a.  und 
ur^aeb  i,,t  eines  Übels.-  15:;i/48,  Prov.  .Wann  wir  den 
fürnemsten  A.  betrachten,  so  sind  es  Ehhändel.'  1630. 
JJBreit.    —    Zu  an-hehen. 

U"-  ZoA.  in.,  -Habi  f.:  zerklüftetes  Terrain, 
unwegsame  Wiklniss.  .[Holz  zum  Fällen],  doch  nit  in 
Unhabeneu  oder  Töbleren.  sonder  in  Ebenen.'  ZWthur 
Spruchbr.  1664.  -  Eig.  wohl  Ort.  wo  man  keinen  Halt 
hat:  viil.   //..;.  ///  /:  s.  auch   u,i-lmhl ;,h . 


867 


Hab.  heb.  hib,  hüb,  hub 


Undcr-Hab:  Stütze,  Unterhalt.  ,Wio  brut  ist  ein 
ufenthalt  des  lybs,  dass  er  nit  in  hunger  fallt,  also 
ist  das  wort  Gottes   ein  u.  der  seel.'   UEokst.  1525. 

—    Vgl.   frz.  entretien. 

Uf-e°t-:  Aufhalt,  Unterbruch,  Pause.  JEs  ist  D., 
es  hat  aufgehört  zu  regnen  GA.;  vgl.  ufhablich. 

Ur-m.  Aa;  ,B0.;  LE.",  f.  B{Gotth.):  l.  =  Anhab, 
mit  der  weitern  Bad.:  Anstiftung,  undpers.:  Urheber, 
Anstifter  Aä;  B;  „LE."  „Den  U.  beweisen,  d.  i.  wer 
z.  B.  bei  einer  Schlägerei  den  Anfang  gemacht  habe.' 
,Wenn  man  dem,  welches  eigentlich  die  U.  sei,  zeige, 
dass  es  Unrecht  hätte.'  Gotth.  ,Da  war  d'  U.  am 
Tage.'  ebd.  ,Dass  syn  eni  sei.  und  syne  vordem 
stittere  und  u.  wären  gewesen  des  klosters.'  1331,  Z 
Urk.  ,Dass  wort  u.  [Anlass  zur  Klage]  sind.'  1374. 
BTh.  Handveste  (Titel  des  Abschnittes  über  die  Schelt- 
worte). ,Wer  U.  ist,  dass  Streit  entsteht,  zahlt  5  ß.' 
vor  1459,  B  Statut.  .Ein  rechter  u.  und  anfang.'  Edlib. 
,Dionisius  dorft  im  syn  hart  nit  scheren  lan,  syn  hart 
brannt  er  mit  kollen  ab:  wohar  kam  dise  u.V  dann 
dass  er  vil  böses  hatt  gestift.'  UEckst.  ,A1s  wäre 
Gott  ein  u.  der  üblen.'  1531/48,  11.  Make.;  dafür  lö67: 
,Urheber.'  ,Lachis,  die  ein  u.  und  ursach  ist  der 
Sünden  der  tochter  Zion.'  1531,  Micha.;  =  ,anfang  der 
tochter  Zion  ze  Sünden.'  1548.  ,Von  dem  ersten  u. 
der  statt  Koni  '219  jor.'  HBbll.  1533.  ,Der  summ  u. 
und  ganzes  wesen  würt  üch  der  schryber  yctzt  vor- 
lesen [d.  i.  das  historische  Argument  des  Schauspieles].' 
ebd.  ,Alle  u.  solches  aufsatzes  sei  aus  dem  gyt  ent- 
standen.' Vad.  ,Wo  aber  der  verwundt  den  u.  getan, 
soll  es  zu  erkenntniss  gemeiner  meister  und  stuben- 
gesellen  stan.'  1539,  B  Stubenordn.  ,Der  getäter  soll 
gerichtet  werden,  er  möge  dann  den  u.  uf  den  andern 
[den  er  verletzt]  erzeugen  und  bringen.'  1539,  B. 
,Der  Satzung  halb,  so  u.  von  werten  wegen  zugibt, 
ist  die  meinung,  dass  nit  jede  wort  u.  vermögen  und 
geben.'  1539,  BThun  Satz.  ,U.  der  Worten.  U.  mit 
der  band.  Wie  u.  syge  an  gwehr  gryfen.  Urhabs 
straf.'  1539,  B  Gerichtssatz.  (Überschriften).  .Aller 
Sakramenten  u.  und  aufsetzer  ist  kein  mensch,  sonder 
allein  Gott.'  156(3/1644,  Helv.  Confess.  ,Origo,  Ur- 
sprung, u.,  anfang.'  Fris.;  Mal.;  Ked.  166'2.  ,Princeps 
legis  agrarise,  erster  anbriuger,  anfänger,  u.,  ursacher, 
rädlefüerer.'  Fris.  ,U.  und  austrag  diser  tat  hab  ich 
nicht  gefunden.'  Würstisen.  ,Von  dem  U.  mensch- 
licher Srcl.-  nn^Kioi.  16-20.  S.  noch  bei  Fün/niu, 
Sp.  34(:;  ,il,nilis<,w  Sp.  589;  Ur-Hueh.  --  2.  (m.v'n./) 
das  Vieh  uihl  .li^'  lieräte,  mit  denen  man  zur  Som- 
merung auf  die  Alp  zieht  BSa.  ,Es  sy  ligemles,  faren- 
des,  hüsrat  und  urhab,  barhab  und  geltschulden.' 
1454,  B  Urk.  ,Man  soll  farent  guet  pfenden,  da  man 
es  findt.  Darnach  u.  und  husblunder,  darnach  höuw, 
darnach  gezimmerte,  darnach  ligend  guet.'  c.  1500, 
Obw.  ,üas  lebent  soll  syns  todten  gemacheis  guet 
alles  halb  zue  synen  banden  nemmen,  die  ligenden 
güeter  zu  lybding  und  den  u.  für  lidig  eigen.'  1534, 
BHa.  ,Im  1612ten  Jar  ist  mit  der  Gemeind  Urteil 
erkennt,  was  für  U.  gerechnet  werden  solle,  als  namb- 
lichen  alles  samiien.  was  im  Haus  ist,  wie  auch  Heuw 
und  Veiih.  ist  für  1'.  erkennt;  das  Bargelt  und  Schul- 
den aber  soll  zu  dem  liegenden  Gut  zählt  werden.' 
1612,  BSa.  ,üas  ligende  und  farende  Gut,  Ur-,  Far- 
und  Barhab.'  1668,  BFrut.  ,Die  Verlassenschaft  [zer- 
fällt] in  Ur-,  Far-  und  Barhab  und  in  liegende  Hab 
und  Güter.'  ebd. 


Zu  1.  Mhd.  luhuj,  m.,  n. ;  s.  uuch  ei-hcbtn.  Die  o.  zu 
Tage  tretende  Schwankung  zw.  m.  u.  f.  mag  bedingt  sein  durch 
Anlehnung    au  ,Anfang'  oder   an   ,Ursache'.     Abi.  urhablich. 

Far-  f.:  .fahrende',  d.  i.  bewegliche  Habe,  Mo- 
bilien,  im  Gegs.  zu  ,ligendem'  Gut  Gl;  Z.  S.  faren 
Bd  I  890  und  Guet  Sp.  546.  In  BSi.:  alles  Vieh 
zsgenommen.  ,F.  ist  Ross  und  Kühe,  Schaf  und 
Geissen.'  JRGrimm  1786.    -   Abi.  farhablich. 

Ger-  m.:  Vormund.  ,Wittwen  und  waisen  oder 
einfaltigen  lüten  gerhaben  setzen.'  1427,  GRMünstert. 
(Foifa).  ,Gerhabschaft.'  ebd.  .Diser  künig  Ferdinand 
was  künig  Johansen,  der  noch  gar  jung  was,  rechter 
vogt  und  g.'  ÄcTscnDDi.  .Kaiser  Honorius  hat  ein 
fürneramen  graten,  Stilico  genannt,  der  zuvor  sein  g. 
und  Vormünder  gewesen.'  Wurstisen  1580.  —  v er- 
gerhaben: bevormunden.  ,So  vergerhabt  der  herr- 
schaftrichter  die  herrschaft-  und  der  gottshusrichter 
die  gottshuskind.'  1427,  GRMünstert. 

Gr.  RA.  erklärt  es  als  den,  der  das  verwaiste  Kind  in 
den  Ger,  d.  h.  Sclioss  (s.  Ger  S  b  2),  hebt  oder  auf  dem  Schoss 
hält;  richtiger  wohl  Schmeller  u.  A.  als  Spiesshalter,  d.h. 
der  als  Stellvertreter  des  Hausvaters  den  Spiess,  das  Zeichen 
des  wehrhaften,  selbständigen  Mannes,  zu  tragen  hat. 

Hand-,  -Habe'  m.  Schw,  f.  W,  -Habi  f.  Gl: 
Handhabe.  1.  Griff,  Henkel  an  einem  Gefäss  Gl; 
Schw;  W.  .Die  handhab,  armilla.'  Mal.  ,A1so  hat 
das  Gefess  zu  beiden  Seiten  Arm  wie  zwo  Handhaben, 
welche  zu  oberst  anfahen  und  krümmen  sich  herab 
auf  das  Mittel,  gleichförmig  einem  halb  gerissnen 
Cirkel.'  JRLandenb.  1608.  S.  noch  Öri  Bd  I  418.  — 
2.  Halt,  Stütze;  Anhaltspunkt,  Vorwand.  ,Man  habe 
im  kein  buwholz  zc  koufen  geben  wellen,  damit  er 
hernach  kein  hanthaben  nemen  möge,  syn  buwen  ze 
schirmen.'  1557.  Hotz,  Schw.  .Ein  bündnuss  mit  Con- 
stanz  uns  selbs  zu  handhab,  stärk,  nutzen  und  wol- 
fart.'  HBüLL.  1572.  —  3.  Handhabung.  ,Zuo  pflanzung 
und  nandhab  syns  göttlichen  worts.'  1528,  Absch.  ,Zu 
besserer  handhab  der  sache.'  1587.  ebd.  .Den  Ober- 
vögten die  geflissene  H.  der  Mandaten  einschärfen.' 
1757,  Z  Ges.  ,Wird  die  geflissene  Handhabe  dieser 
Verordnungen  den  Verordneten  aufgetragen.'  1770.  Z 
Feilerordn.  --  Mhd.  kanthabe  in  BeJ.  1  und  3;  s.  auch 
Hand-Hebi. 

Hüs-  f.:  1.  Haushalt,  -haltung  (concr.  u.  abstr.) 
Ap;  B;  Gl.  Der  l.  Gott  hed  e  grosses  Hfisliäbli  Ap. 
D'  Manne  mönd  d'  H.  erhalte^  ApI.  (Schwzd.).  .Von 
jeder  h.  soll  ein  mannsbild  zu  diser  fart  [Näfelser- 
fahrt]  gan.'  1388,  Gl.  , Jetlich  h.,  es  sy  mann  oder 
frauw,  solljedes  jarsdem  vogt  ein  fassnachthuen  geben.' 
ZFlaach  (Offn.).  ,Es  soll  einer  nit  syne  käs  hinweg 
füeren  und  dann  andere  in  die  h.  kaufen.'  1525/50. 
Obw  LB.  .Die  üppig,  lasterlich  h.  der  geistlichen.' 
Salat.  ,Der  Abt  N.  Hess  sich  merken  fast  gueter 
haushab.'  Vad.  ,Es  i.st  not.  dass  etwer  lueg  zue  der  h.- 
RüEF  1540.  S.  auch  über-gän,  Gnad  1  a  Sp.  659.  .Maria 
hat  gar  vil  uf  unserm  Herrn,  der  h.  aber  ist  s'  nit 
bricht't,  Martha  ist  änderst  abgericht't.'  Fühkelin  1552. 
S.  u.  Kue-essen  Bd  I  526.  .84  fl.  in  der  H.  verbrücht.' 
1602,  Ardüser.  .Dass  mer  dann  ein  stattliche  H. 
darinnen  wonen  könnden.'  Rüeger  1609.  .Über  die 
100  H-en  ligend  ob  Heiden.'  1651.  Rohner.  .Damit 
arme  Kinder  heimkehren  möchten,  mit  dem  ganzen 
Haushäbli  und  mit  den  Andern  ze  essen.'  1737,  ApHcid. 
Schulordn.    Vgl.  noch  hüshablich  u.  s.  bei  ghitzen  II 


8(59 


Hab.  heb,  hib,  hob,  hub 


870 


(Sp.  841).  —  2.  häuslicher  Besitz,  Hausrat  Ar  (Dan,). 
,Die  h.,  hausrat,  res  familiaris,  fortun».'  Mal.  .Ein 
bett  aus  gemeiner  h.  fürausngmraen.'  1556,  GRKlost. 
LB.  .Wann  ein  Ehmensch  abstirbt,  soll  das  im  Leben 
Verblibne  us  der  H.  ein  Ehebett  usnemen  mögen,  all- 
wegen  nach  Beschaffenheit  der  H.  und  des  Vermögens. 
1646,  GrD.  LB.  -  Leb-  f.:  Vieh  {Kühe,  Ziegen) 
GSa.;  Syn.  Leb- War.  —  iMast-:  Mastvieh  Ap  LB. 
1.585/1828.  —  Buebe"-:  Knabenschaar.  Jetzt  schürt 
e  ganzi  B.  dem  Für  Holz  tüchtig  ziie  Gr  UVatz.  Vgl. 
Hab  III  4  c.  —  Bar-  s.   Ur-hab  2. 

Brot-:  Bude,  wo  Brot  verkauft  wird.  ,Die  fleisch- 
bänke,  brothabe  und  schöpfe  abbrechen.'  1473,  Absch. 

—  Könnte  allenfalls  zu  Ilah  I  (receptaculum)  gezogen  werden; 
vgl.    mbd.   diu  habe,  der  Speicher. 

Schmal-:  Schnialvich  (Ziegen  und  Schafe)  GREh. 
.Freier  Weidgang  für  die  Schm.  ist  gewährleistet.' 
WSenn  1875  (GRPr.).  —  Trib-  =  Trib-Vich  Bd  I  652 
Gr.  —  Wol-:  Wohlbefinden.  ,Gesundheit  und  w.  ist 
über  alles  gold.'  1530/48,  Sir.  =  ,Leibesstärke.'  1882. 

u''-hab:  holperig,  voll  Vertiefungen,  Löcher,  un- 
wegsam. Syn.  unhablich.  De"  Weg  ist  u.  Z  oA.  Vgl. 
Un-Hab. 

gMiab,  bezw.  A^nft  Gr,  g'häh  BsL.;  Uw,  chäb  Th 
Steckb.,  g'hcihe"  Ndw.  kyäben  GrV.  :  1.  knapp  an-, 
zsschliessend;  bes.  aber:  nicht  durchlassend,  wasser- 
dicht Ge;  Th;  Uw;  U.  E  habrni  Trogg  Gr.  De"- 
Strumpf  gät  khäb,  schliesst  eng  dem  Beine  nach  an 
GrL.  Wil  d'r  Lüsch  [Futterloch  zum  Schweinetrog] 
nid  kab  gaid  GRPr.  (Schwzd.).  Auch  von  den  Wänden 
eines  Gemachs  U.  Von  dichtem  Gewebe  Ndw.  An- 
tonym: Uch  usw.  .Etliche  nemmend  den  harn,  fas- 
send den  in  ein  glas,  vermachend  es  dry  tag  lang  wol 
und  gehäb  zue.'  Rcef  1554.  .In  einer  geheb  ver- 
machten Kannen.'  Würz  1634.  .Tue  dise  Stuck  in  ein 
Glaskolben,  stopfs  geheb  zu.  damit  es  nicht  vertampfe 
und  verrieche.'  ZZoll.  .\rzneib.  1710.  ,So  muss  jede 
Fuge  fester   und  gehaber  werden.'   Gr  Samml.  1781. 

—  2.  übertr.   auf  Menschen,     a)  verschwiegen   Ndw. 

—  b,  g'heb,  g'häb,  zähe,  an  sich  haltend  im  Geben, 
sparsam  Bs.  Syn.  r/eiiehifi.  Wie  g'heb.  wie  b'simnen  er 
a's  Chaufmä  mit-nii  r^iji-  isl.  Breitesst.  —  c)  wohl- 
habend BE.;  Syn.  hnh/irh.  Kii  ifhahne  Ma'",  xco-n-öppe 
„Qeh  .,■«  Qrossrnt  mir'.  II  Xiineiiz.  1863.  —  g«habe", 
tw. -ä-,  k/äben  Gk,  glkäbne"  „LE.;"  Ndw,  ^'/frtftne'Nnw: 
1.  tr.,  fest  schliessend,  wasserdicht  machen  Gr;  „LE.;" 
Ndw.  Syn.  verschwellen.  —  2.  intr.,  wasserdicht  wer- 
den Gr;  Ndw.  Es  G'schirr  z'  g.  tue',  legge',  ein  leckes 
Holzgefäss  ins  Wasser  legen,  damit  die  Fugen  zu- 
sammenwachsen. Er  leid  der  Eimer,  dur'''  zwei  hand- 
völlig Steine'  b'schuert,  in  de'  Trog  under  de"  Chennel 
zem  kabe".  MKuoni.  Wenn  's  noch  rinnt,  so  kabet  's 
gschtcind.  Volksreim  (B.).  Davon  das  Ptc.  k/äbet  mit 
adj.  Bed.  =  gehab  1  u.  2  a  GRVal.,  ObS. 

Mild,  gehehe.  Die  Formen  mit  a  und  ö  gehen  auf  .haben", 
die  mit  e  auf  .heben'  zurück;  chüb  vereinfacht  aus  l,-/ab, 
welches  irrig  als  g'chiib  gefasst  wurde,  k  (k/_  oder  hh)  ans 
rj'h  ein  nicht  seltener  Übergang.  —  '2  c  könnte  auch  als  das 
.-idj.  Ptc.  von  .heben'  erklärt  werden ;  vgl.  b'haben  neben  h'liab. 

b'hab  ApK.,  M.;  GlK.;  GG.,  T.;  Tutw.;  ZS.  tw. 
(Comp,  b'häber,  in  .\pH.  b'heiber),  b'häb  Bs;  BoO.; 
Sch;  Schw;  Tb;  Z.  b'heb  kk;  GrD.  (B.):  l.  =  g'hahl. 
aaOO.;  auch  fest,  stark  übh.  Sch;  Th;  Gegs.  lotterig. 


D'  Tür  ist  6.  zi(e,  im  Schloss  G;  Z.  Der  Deckel  ist 
b.,  schliesst  wohl  Bs;  Z.  De'  uf  slm  Geldsack  sös« 
so  b'häb,  a's  ipenn  er  ane  g'wachse  war.  Hinderm.  1860. 
B.  loie-ne  Noss  [Nuss]  Ap.  Bhäbi  Stifel  B  (Schwzd.). 
Uf's  Mül  e  recht  bhahs  SclüössU.  EFeurer.  E  b'h-s 
IIus,  gut  gebaut,  vor  Regen  und  Wind  verwahrt  Ap; 
Bs.  In  der  bliebe  Stube.  Hebel.  ,In  einem  verschlos- 
senen und  beheb  zugemachten  Geschirr.'  Ziegler  1647. 
.Schloss ,  so  beheb  zuschliessen.'  JH.\mmäsn  1678. 
.Bindet  beheb  uf  den  Buch  ein  Tuch.'  1710.  ZZoll. 
.Arzneib.  —  2.  standhaft,  anhänglich,  treu  TuTäg. 
Er  ist  b'heb  g'si",  hat  ausgehalten  AADeg.,  End.  — 
3.  =  g'hab  2  b  Sch.  ,Nit  harw  und  bhäb,  sunder  frygäb 
syn  und  gern  mitteilen.'  HBüll.  1531.  .Zwingli  was 
vil  me  güetig  und  frygäb,  dann  ruch  und  beheb.'  ebd. 
1572.  —  4.  verschwiegen  Ap;  Bs;  G;  Schw.  Aber  bis 
b'häb  und  b'halts  bl-der  Bs.  ,Etlich  .syen  gefangen 
und  aber  nit  gestraft  worden,  die  nachfolgends  geredt 
haben:  ei,  bin  ich  nit  beheb  gewesen.'  1526,  Egli, 
Act.  .Und  als  nach  vilfaltigem  befragen  und  ver- 
suechen  W.  Teil  iemerdar  behäb  was  [dem  Landvogt 
gegenüber].'  Stcmpf  1546.  ,Er  ist  ganz  bheb,  continet 
arcanum.'  Met.  Hort.  1692.  —  5.  von  zähem  Gedächt- 
niss  B  öO. ;  L  ;  Z.  E  b'hebne  Chopf  L.  ,Memoria  tenax, 
ein  guete  und  behäbno  gedächtnuss,  die  ein  ding  wol 
ergreift  und  fahet'  Fris.,'  Mal.  ,Wie  b'sinnt  und  bheb 
der  mensch  ist.  muss  er  doch  sagen,  dass  er  mithin 
etwas  vergesse.'  PWyss  1650.  .Bullinger  besass  eine 
zur  Erstaunung  behäbe  Gedächtnuss.'  1722,  Mem.  Tig. 
Vgl.  noch  Behalt  u.  be-haben. 

n'-b'hab  Ap;  GT..  -b'häb  SchwE.:  1.  nicht  gut 
schliessend,  locker,  leck  Ap;  GT.;  Schw.  Syn.  verliehen. 
.Incontinentia  urin»,  unbehehenheit.'  Fris.  —  2.  ver- 
gesslich  SchwE.  —  3.  nicht  an  sich  haltend,  a)  mit 
den  Worten:  unverschwiegen,  geschwätzig  Ar.  .Plenus 
rimarum,  gar  zerlechen,  das  ist  unverschwigen,  un- 
behäb.'  Fris.  —  b)  mit  den  Leidenschaften:  ,Manus 
procaees,  anfechtig  händ,  unbehebne  und  frefne  händ, 
die  alles  angreifend.'  Fris.  —  4.  verschwenderisch. 
.Incontinens,  unbeheben,  der  das  sein  nit  behalten 
mag.'  Fris. 

b«-habne"  Uw;  U,  ^'/(«ftne"  Schw ;  Ndw:  \.=  ge- 
haben 1  S.iiw;  Ih;  I.  11,'M  d's  Taussli  [Bottich] 
//;«*//,•/'>,  luv .  J.  ././/'/'-«».a  Ndw,  —  B«-häbi 
f.:  fc-sl.T  Srlihi-~,  i;v,li;iiiule.s  Aufeinandcrliegeii  Ap. 
—    Zu   br-hmbcin.   -hdien.      S.   die   Anm.  zu  ge-hab. 

haben  U  h an  HEa.,  Jl.ChänJ;  Gr;  P,  ha  bzw.  hä 
Aa;  Bs;  BTorw.;PJ.;  VO.;  Gr  vorw.  (z.  T.  nasal.);  G; 
Sch;  S;  W;  Z, /iä;'«;  bzw.  M  GlK.;  Gr;  LV.;PP.;  GG., 
T.;  W  -  Gerund,  z' hehi'd  Sch  —  Pries.  Ind.  (selten 
mit  Dehnung)  1.  lian  BöO.;  Gl;  Gr,  hafnj  Aa;  Ap; 
Bs;  BM.,Ü.;  F;  VO.;  Gr;  P;  G;  Sch;  S;  Th;  W;  Z. 
häfnj  Gr;  LV.;  P;  G;  W;  Z.  —  2.  hait  PRima.  hast 
Aa;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  SchwW.;  Th;  Z,  heit  Aa;  B;  F; 
Gl;  Gr;  L;  PP.;  G;  aScHW;  T;  Uw;  W;  Z,  häi  Aa; 
Gl;  U,  hei  Bs;  B;  L;  S;  U.  —  3.  had  PRiina,  hat, 
häd  Aa;  Gr;  G;  Sch;  Schw;  Th;  U;  W;  Z,  het,  lied 
Aa;  Ap;  Bs;  B;  F;  VO.;  Gr;  P;  G;  Sch;  aScHWf-c;; 
S;  W;  1  (e)  —  PI.  band  Ap;  G;  Sch;  Th;  U,  hond 
GRh.;  Sch,  händ  Aa;  Bs;  Gl;  Gk  ('2.  heid);  L;  G; 
Sch;  Schw;  Th;  Z,  hend  Bs;  Ga;  L;  G;  Schw;  S;  Th  ; 
Uw;  U  (-nt);  W,  heind  Gr  (auch  -nt,  2.  heit);  U;  W. 
heid  Gl;  GA..  hen  Gr  (2.  heid);  G;  W,  hei(n)  für 
1.  3..  heit.  heid  für  2.  Aa;  Bs;  B;  Gr;  L;  P  (hei.  -«, 


871 


halten  (lieben) 


2.  heid,  -t,  3.  hen,  heindj;  G  (hei,  2.  heit.  3.  heindj; 
S;  T  flKMiv,  2.  hc~d,  3.  hendj;  W  r/'«,  -«i  2.  7ieid,  -t, 

3.  /inoi/.  -I I  —  <'iiiii.  ziemlieh  neben  einander  heiCjiJ, 
heigfu  u.  /.,/„,..  m  L  hähi,  in  T  (PI.)  häwe  —  Cond. 
t.  hätt/u.  t.  hi'iini  —  Imp.  hab  WLö.,  7iä6  Aa;  ß; 
F;  VO.;  Gr  (tw.  häp);  L;  P;  GG.  {hä's,  halte  es);  S; 
T ;  W,  he'b  Aä  (wo  es  für  die  gebildetere  Form  gilt) ; 
Bs;  Gr  (tw.  hep);  G;  S;  Z,  hei  Gr  —  PI.  =  Ind.  von 
ha'  und  von  heben,  doch  in  Gr  dafür  auch  der  Conj. 
heiend  —  Ptc.  (an  manchen  Orten  mit  anl.  kx  aus  g'h) 
Impf,  y'hänt  Gl  —  Pf.  g'habet  WLö.  (in  andern  Ge- 
meinden f),  g'häbefnj  BO.;  P;  GrI).;  P;  SchyjE.;  W 
(auch  etwa  g'habet,  zumal  in  Verbindung  mit  der  2.  P. 
des  Vb.  fin.),  gliafn)  bzw.  -ä-  Aa;  Bs;  B;  VO.;  Gl; 
Gr;  6;  Scn;  S;  T;  Tu;  W;  Z,  g'hä(n)  Gl;  Gr;  GG.; 
„SchwE.;  UU."  —  daneben  in  Bed.  B  und  C  auch 
hebe":  A  =  nhd.  haben.  1.  als  selbständiges  Vb. 
1)  mit  pers.  Subj.  a)  im  Besitz  haben,  a)  mit  Sach- 
Obj.  oder  abs.  Hinne"  und  vorne"  Nut  ha,  ganz  arm 
sein  Z.  Er  het  iis  der  Hand  i's  Mitl,  nur  den  not- 
dürftigsten Unterhalt  ScaSt.  Was-nui  nild  hed,  su 
[das]  hed-nia  nüd,  wo  Nichts  ist,  hat  der  Kaiser  sein 
Recht  verloren  Ap.  Was-me'  selber  hed,  brücht-me" 
nid  z'  chaufe".  Wenn-mc"  dich  nid  hätt  und  Jces  Brod 
im  Mus,  so  miiesst-mf  nüeehter  i"s  Bett  (Scherzrede). 
Eine''  hed  z'  ml,  der  Ander  hed  z'  wenig,  aber  Keine'' 
hed  gnupg.  Es  hed  Keine''  so  ml,  er  liätt  lieber  no''' 
me".  G'ha  ha"  ist  au'''  e"  Trost,  aber  nur  e"  sclncachef'. 
Wer  hed,  der  hed,  und  teer  nid  hed,  cha""  luege;  dass 
er  überchunnd.  Wer  hed,  was  er  u-ill,  der  frisst,  was 
er  mag.  Wenn  Eine''  Nüd  miiess  [soll]  ha",  so  verlürt 
er  no'''  das,  was  er  hed.  Ineichen.  Wottst  oder  käst 
(g'ha")?  neckische  oder  drohende  Frage,  indem  z.  B. 
ein  Kind  dem  andern  einen  Leckerbissen  vorhält.  Er- 
wachsene ein  zaghaftes  oder  wählerisches  Kind  zur 
Entscheidung  nötigen,  ein  grosser  Bursche  einem 
kleinen  eine  Ohrfeige  anbietet  udgl.  Z.  Z'erst  muest 
hast,  scherzh.  für  hü",  eig. :  zuerst  fragt  es  sich :  ha.st 
du?  Gr.  ,Dass  die  güeter  unwüestlich  gehept  und 
genossen  werden.'  1431/1544,  Schw  LB.  .[Unterpfande] 
daran  sy  habende  und  sicher  syent.'  1441,  Bs  Hq. 
.Ihre  habende  und  von  vorfahrenden  römischen  Kai- 
seren erlangte  Fryheiten.'  ECys.  Auch  i.  S.  v.  Anteil 
h.,  mit  ,an':  dra"  ha",  bei  Etw.  finanziell  interessiert 
sein,  z.  B.  bei  der  Nutzung  einer  Alp  B  (Zyro).  Mir 
[wir]  händ  au'''  a"  der  Trotte"  [Recht  auf  Benutzung 
der  gemeinsamen  Kelter]  Z.  ,Darzue  [überdies,  üb- 
rigens] so  habend  MHH.  von  Z  so  vil  am  Tn  als 
andre  ort.'  Zwingli.  ,Die  ort,  so  am  Sarganser 
land  habend.'  HBüll.  1572.  Mit  blossem  Pron.  ,es' 
i.  S.  V.  das  nötige  Vermögen  zu  einem  Aufwand. 
Er  hat  's,  ist  wohlhabend  Aa;  Z.  Gern  Hess  i'''  vii 
Chind  lere",  wenn  i'''  's  nu  ase  hätt  und  vermocht. 
Stütz.  ,Wegem  Bruch  kömmt  's  immer  darauf  an,  ob 
man  es  hat  oder  nicht  hat;  hat  man  's  (vermag  man  's), 
so  hat  man  dem  Brauch  Nichts  nachzufragen.'  Gotth. 
Mer  [wir]  händ  's  und  vermönd  's  Z.  S.  noch  Hätti. 
—  ß)  mit  Pers.-Obj.:  Eine",  Einih.,  verlobt  sein  Gl; 
Z;  s.  auch  um-hin.  Er  häd  e  Zugeri"  (zur  Frau)  Z. 
,Nun  in  der  auferstehung  welches  [wessen]  weib  wird 
sy  sein  under  den  sibnenV  Sy  habend  sy  ye  all  ge- 
hept.' 1530,  Matte.  XXIL  ,Anna  Kümin,  so  den  N.  N. 
g'han  hat  [zum  Manne].'  1581,  Schw.  Zuweilen  in 
tadelndem  S.:  Er  hat  sdio"  e  Jumpfer  (e  Hebschaft, 
e  Bekanntschaft)  a"  si'''  Z.    .Welcher  ein  hüpsch  wyb 


[Kebsweib]  zu  [neben]  synem  ewyb  in  synem  hus  hat 
ohlcr  sus  an  im  hat.'  Ap  LB.  1400.  —  b)  tragen,  aus- 
halten (eine  Last,  meist  bildl.).  Si  muess  d's  Chind 
[ein  unehliches]  an-^re  selber  ha",  bekommt  vom  Vater 
•desselben  keine  Unterstützung  B;  Z.  Er  cha"" 's  an 
im  selber  ha",  muss  den  Schaden  selbst  tragen.  Id.B;  Z. 
Heb  's  iez  a"  dir  selber!  trage  die  Folgen  deines  Tuns! 
Z.  ,.Tuda  sprach:  Sy  hab's  ir,  dass  wir  nit  villeicht 
ze  schänden  werdind  [habeat  sibi!].'  1531[60,  I.  Mos. 
Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  57.  Selber  tä",  selber  g'ha-  ZZoll. 
Selb  tä",  selb  hab,  blas  dir  selber  de"  Schade'  ab!  W. 
,Selbs  tuen,  selbs  han.'  1554,  Absch.  , Sonst  sagend 
sy:  Selbs  geton,  selbs  haben,  es  beschicht  dir  eben 
recht.'  LLav.  1584.  ,Selb  tan,  selb  ghan:  schuldig  bin 
ich,  mein  herz  durchaus  gibt  schuldig  sich.'  JJBreit. 
Idl8.  ,Selbst  getan,  selbst  gehan.'  UMev.  1694.  Vgl. 
i  a,  Pß.  Dra"  hä,  an  Etw.  zu  leiden  haben,  die  Folgen 
von  Etw.  tragen  Gr.  Heb  's  jez,  du  häi  's  so  welle 
ha  BBrisl.  Öppis  nüd  ha"  cliönne"  oder  möge",  Etw. 
nicht  ertragen,  leiden,  ausstehen  können;  auch  ge- 
radezu: nicht  gestatten,  verbieten  Z.  Sini  Auga' 
chönnid  de"  Glast  nüd  ha"  Ap.  ,1"''  ma^  das  nit  ha", 
ferre  non  possum.'  Id.  B.  De''  Vater  cha'"  's  nid  ha", 
trenn  d'  Chind  nid  folgid.  allg.  Er  mag  's  g'ha', 
kann  zufrieden  sein;  es  ha'  ehönna",  nicht  mehr  be- 
dürfen Ap;  Syn.  es  g'machen  können.  Me"  häd  Allerlei 
[Ungemach]  mit  dem.  Chind  Z.  Me"  weis(s)  nid,  was 
me'  hed,  icenn-me"  Nüd  hed.  Ineichen  (Nüd  wort- 
spielend =  1.  kein  Geld,  2.  kein  Gebrechen).  Vgl.  g  a. 
—  c)  mit  Adj.  (Adv.)  i.  S.  v.  ,sich  befinden,  in  einer 
Lage  sein,  leben',  je  nach  der  MA.  mit  oder  ohne 
beigefügtes  ,es';  vgl.  Gr.  WB.  IV  7,  54.  (Es)  guet 
(recht,  wolj  ha,  im  Wohlstand,  in  angenehmen  Ver- 
hältnissen leben  Ap;  L;  Z.  ,Er  het 's  trol,  laute  vivit.' 
Id.  B.  Si  hei  nit  guet  LE. ;  s.  noch  guet.  De''  brücht 
nit  so  g.  z'  ha.  Joach.  Si  hätte"d  's  au""  gern  recht, 
und  's  mag  's  doch  fast  nüd  g'ge"  Z.  ,Es  wolle  einen 
Mann,  sagte  Ürsi  oft,  und  der  solle  es  gut  haben  bei 
ihm,  man  lebe  ja  nur  einmal  und  da  wäre  man  ja 
einfalt,  wenn  man  mit  einander  bös  haben,  nicht  mit 
einander  glücklich  sein  wollte.'  Gotth.  S.  noch  ver- 
gugäggen  Sp.  166.  Es  schmal  ha,  karg  leben  müssen  Z. 
Wie  lies 's  und  wie  geit's  (Grussformel)  GfiPr.  No 
denk-dfr  bigotzlig,  wie  's  i"*  denn  mag  ha",  drlssg 
Wiber  sond  z'  vil  für  en  enzige  Ma""  Ap  (Schwzd.). 
Er  hat  's  au  dernah,  muss  in  entsprechender  Lage 
leben  Z.  ,Da  jedermann  het  darnach  und  er  war 
[gemäss  seinem  Werte],  das  wärint  die  rechten  mär.' 
Ap  Krieg  1405.  ,Abigail,  welche  es  ouch  lieber  hette 
besser  g'hebt.'  LLav.  1584.  ,Dann  wann  's  ein  Mensch 
auch  hat  wie  ich  [im  Wohlstand  sitzt],  es  war  nit 
miglich  sicherlich,  er  miess  dem  hibschen  Geld  und 
Gold  von  Grund  syns  Herzes  werden  hold.'  Com.  Beati. 
Vgl.  ebd. :  ,Im  Land  mag  's  Keiner  hibscher  han !  • 
Auch  von  rein  leiblichen  Empfindungen  (allenthalben 
ohne  ,es'):  blöd  ha,  hungrig  sein  GrPt.  Chalt  ha, 
frieren;  tcarm  ha  Z;  Hebel;  vgl.  frz.  avoir  froid.  — 
d)  Es  ha:  a)  von  Gesinnung;  Verhalten.  /■=*  ha  's 
eso,  das  ist  meine  Weise.  Wie  händ-er  's?  wie  wollt 
ihr  es  gehalten  wissen?  Z.  W<f'tsch  bald  üfstö",  oder 
tele  hesch  's?  Bs;  Z.  Wie  häm-mer  's  [haben  wir  es] 
mit  enand?  wie  stehen  wir  zusammen?  G;  Z.  ,Wie 
es  Vater  und  Mutter  mit  den  Kindern  hatten',  d.  h. 
wie  sie  mit  ihnen  verfuhren,  sie  erzogen.  Gotth.  — 
ß)  es  h.  mit  Ei"'m,  ein  V'erhältniss  haben,  zu  tun  h.. 


873 


verkelu-en.  freundlich  oder  feindlich  (also  verschieden 
von  der  gleichlautenden  RA.  i.  S.  v.  es  mit  Einem 
halten,  zu  seiner  Partei  stehen,  s.  B).  In  verbotenem 
Umgang  mit  einer  Person  stehen  Ap;  B.  Si  het's  mit 
ein c-n- Andere'  gha'  Bs;  Z  (so  auch  bei  Schiller).  Mit 
iirw  h'it  er 's?  hat  er  Streit  GRÜhur;  Th.  Vgl.  noch: 
(ipjiis  mit  Eim  ha'  unter  i.  —  y)  Es  an  Ei"m  h.,  in 
(iiin.st  stehen.  Er  het's  w  de' Lüte",  ist  beliebt  Ap; 
GWa.  Er  het  's  a"-mer,  besitzt  mein  Vertrauen  Gr. 
—  B)  Es  /(.,  die  Folgen  eines  Tuns  erleben  und  das- 
selbe als  fehlerhaft  erkennen,  verdienten  Lohn  em- 
pfangen, lez  hat- er 's!  Gell  de  hasch -es  iez!  lez 
hä-n-i''''-s!  Z.  Im  Mund  Anderer  oft  Ausdruck  von 
Schadenfreude  oder  wenigstens  Zurechtweisung;  's  ist 
recht,  wenn's  di'''  git  [du  Schaden  leidest]:  de  häsch-es 
dann!  Z.  .Er  hat 's,  er  ist  getroifen,  es  ist  im  worden, 
er  hat  's  leberle  gefressen,  certe  captus  est.'  Mal. 
Verschieden  von  der  gleichlautenden  KA.  unter  i  ß,  aa. 
Vgl.  noch  Gr.  WB.  IV  2,  HS.  —  e)  Es  h.  icie . . .,  in 
Art,  Sitte,  Handlungsweise  einem  Andern  gleichen. 
Er  hat  's  wie  d'  Sademer  [die  Einwohner,  hier  bes. 
die  Wirte,  von  Baden  im  Aa]  im  Winter:  Wenn  ei' 
iifstnt  [am  Morgen],  hat  er  Firabig  Z.  —  Q  von  einem 
leiblichen  Übel,  einem  Schmerz.  I"*  ha 's  tif  der 
Brust,  in'n  GUdere";  i'-me  Bei'  Bs;  B;  Z.  Vgl.  Gr. 
WB.  IV  2,  02  n.  —  e)  unterhalten,  pflegen,  behandeln 
(Pcrsiiiien).  ,K»ie*  [im  Haushalt]  ha",  nutrire,  curam 
habere  alieujus.'  Id.  B.  I"'ha-n-ln  i,::  l,n,,,  ,,'hn', 
erhalten  B;  Z.  Er  isch  nit  zum  lum  (:i:i'lini.  Es 
Cliind  ha",  zu  vorübergehender  oder  Mriliriuli  r  \  er- 
ptlegung  übernehmen  Z.  Er  mues-mi^''  dram  ha" 
Sch;  Z,  wird  z.B.  vom  Leibgeding  gebraucht  und 
heisst  dann:  er  (der  Sohn  z.B.)  muss  mich  dafür  mit 
dem  Nötigen  versehen  und  in  seinem  Hause  bis  zu 
meinem  Tode  behalten.  i"x  isl  Xml  /».  >mc  z' ha"  a's 
Schulde',  ie  weniger  me-ne  :'  frr.^si"  ijnl.  mn  so  grösser 
werde' si.  Nat.-Kal.  l!^>if .  Ueut-nu'',  duldet  mich  Gr. 
Bas  Chinil  i^f  und  :iiiii  II, i".  unerträglich  ungezogen  Z. 
E''h(in-e''  fiir  im"  Cliiiiilif.  gebrauche  ihn  als  Knecht, 
er  ist  mir  wie  ein  Kne.ht  B.  ,Myn  bruoder  hat  mich 
vil  jar  vil  gekostet  und  [habe  ich  ihn]  uf  mir  gehebt.' 
Sicher  1531.  ,Ieh  wollt  mich  nit  nenimen  [nennen] 
ein  mann,  wenn  sy  mich  sollt  so  schantlich  han  [be- 
handeln].' RuEP  1540.  Jmdn  z'  Gast  ha';  s.  auch 
Sp.  529  u.  Mit  präd.  Adj.  gern  ha,  lieben  Z  (auch 
mit  Bez.  auf  Tiere  und  Sachen),  z.  B.  d'  Chatze'  g.  ha. 
D'  Chind  händ  d'  Bäbe  [die  weissen  Rüben]  nüd  g. 
allg.  Het's  (heb 's)  nit  ufnjgern!  , Darum  könnend 
ir  ermessen,  wo  üch  sölichs  [Feindseligkeiten]  be- 
gegnete, wie  gern  ir's  han  wurdend.'  1529,  Absch. 
,Die  reigel  werdend  von'n  menschen  ser  lieb  gehaben.' 
VoGELB.  1557.  ,Wohlgehabne,  feisste  katzen.'  ebd. 
•Gracchi  charitas,  der  Gracchus  ward  so  lieb  gehebt.' 
Fris.  —  f)  empfangen;  erlangen;  nehmen.  ,Ein  Kind 
h.',  bekommen.  Si  mues  es  Chind  ha",  gebären  Aa; 
Ap;  Gr;  Z  (verschieden  von  dem  gleichlautenden  Aus- 
druck unter  e,  B  und  C).  ,Jung  h.',  Junge  zur  Welt 
bringen,  von  Haustieren  B  (Gotth.).  ,Eefrouwen  han 
ich  siben  ghept;  by  denen  han  ich  in  eren  g'haben 
[bekommen]  hundert  und  zwenzig  [Kinder]  mit  mynen 
und  den  kindeskind."  Ruep  1538.  Speise  und  Trank 
empfangen  oder  zu  sich  nehmen.  Z'  Imhiss  ha',  zu 
Mittag  speisen  Z.  Sprichw.:  Wer  nüd  will,  (de'')  hat 
g'ha',  wird  betrachtet,  als  hätte  er  schon  empfangen 
Bs;  Z.     Wenn  d'  nüd  willt,  su  hest  g'häben  BE.  (ähn- 


lich Z),  z.  B.  zu  einem  Kinde  beim  Essen  gesagt. 
Ba  miiest  denn  (g'ha)  ha"!  spottende  Verheissung  im 
S.  V.  Nichts  bekommen  Z.  Öppis  derzuc  ha',  als  Zu- 
gabe zu  andern  Speisen  oder  zu  Getränk  B;  Z.  3{er 
hend  z'  Nacht  g'hebe' ,  das  Nachtessen  genommen. 
JCWeissenb.  17U2.  Was  wei-mer  [wollen  wir]  ha'? 
im  Wirtshaus  (bestellen)  B;  Z.  Eint  [eine  Flasche] 
ha'  B;  S;  Z.  Auch  von  andern  Genüssen.  Eine"  ha 
(mit-enand),  einen  Tanz  H;  S:  Z;  s.  auch  n.  drl.  So 
auch  von  geistiger  K^ist,  rinem  rnf.Trichtsgegenstand; 
ein  Schüler  sagt:  Ba.^  Innii-iu,  r  srh,,"  (od.  nonig,  noch 
nicht)  g'ha  Z.  ,Wyter  band  wir  iii  der  geschieht  g'han, 
wie...'  EoEP  1540.  Bo  liesch's,  mach 's  Silber!  sagt 
der  Rülpser  scherzh.  Ap;  vgl.  hest.  Mer  hend  t/lv'' 
Hüser,  wir  erreichen  bald  Häuser  (auf  einem  Weg)  Z. 
Etw.  durch  Kauf  erwerben:  So  [teuer]  cha^'-me'  's  ha, 
wenn  all  Chrömer  i'packt  (Vg'leit)  händ  Z.  Beim 
Handel  feilschend:  ,Wi"t  oder  nitV  Sag  gschwind 
daher,  wie  muess  ich  han  die  Haut  vom  BärV'  Myrioai-s 
1630.  Einen  Nutzen,  Gewinn,  Vorteil  aus  Etw.  ziehen: 
!'>•  ha  Nüt  von  im,  vo"  dem:  i'''  ha  Nid  dra"  B;  G;  Z. 
Was  han-i'''  ro'  dem:'  '/..  /''  unrlr  iml.  l:eH  starche 
Ma"hetjetzim  Chruy  mr  .\w/.,>  lllm.  |  dra",  irgend 
einen  Vorteil  von  s^iiMi  Sinlv,  isi.'it  der  Erfindung 
der  Schiessgewrhrei.  .1  Mii,/,  \  lI,  ük.  WB.  IV  2,  56/7. 
Vom  Arme"gi(f  I.  si,ll:.i,n,<l  |  l\ir.  Ihiivor-stand],  vo' der 
G'meind  ha,  \"n  Ar\  .iil.  ni  lir|i,  n  Armenpflege  Unter- 
stützung beziehen  /..  h„  h,l  nnnidn-r'  B  Hink.  Bot. 
,Ich  g'schwy-.  dass  |sie|  mir  -MI.,-  .iii.  -al.  so  hüpsch 
an  d' band  und  s|irarli  :  di..  ha;.'  |iniiiiii  -i.|.-  Haiikufj! 
156-2.  .S.1  li,.h  ],i..|nit  .h.ii  l,-,.li.i.l'-  s.  iiMii.  l.-,7l).  ,Sä 
[da.  iiiiniii|.  h.'h  j..|/.  .ja,-!-  17:;:;,  1,  Spiel.  S.  n.H-h 
Bd  I  ^■J:;  [\.  .1.  i:.7!M.  :ilal.  irli  nit  uh..|,t  |  .Tr.'i.-ht. 
durell^v^,.tzl|    myii    aii-.!!!..-'.' ■     l.'i  i  r   1:.:.h.     .AI-    .li,. 

Amtlut  vrnn.'iiit,'  v im  ny,:-u  :;  ,-,  /.■  hah.a,  iiii.l  in.'n 

zue.illh.reii  S..1I..I1.-  i:.:;!i,  j;-  l;.,.  M-i.iia.l,.  .■ilan-.'ii. 
,Es  war  niyii  ger  an  üeh  [.Sehaliiier ),  üb  ir  am  l'iir-ten 
möchtind  han,  dass  er  uns  für  syn  gnad  wollt  lan.- 
RuEF  1540.  Bank  ha,  empfangen,  Bank  hcigist  (mö- 
gest du  dafür  D.  empfangen),  als  Formel  der  l>ank- 
sagung  AASt. ;  B.  B.  heiist  doii.  Gr.  Zuweilen  als 
Subst.  =  Dank  BM.  Bank  eigisch,  dass  de  mi'''  nit 
g'schlückt  hesch!  sagt  Einer  zum  Andern,  der  ilm  an- 
gähnt. Der  Andere  erwidert:  Bankeigixch.  dn^s  d'  nit 
iche'  [hinein]  gschloffe"  bisch!  Gotth.  .Kaiiiii  halte  sie 
dem  Kellner,  der  das  Türchen  zuniaelite,  ddiikeigit! 
leb it  wol!  gesagt'  ebd.  ,Ha  [hab]  dank!'  Hadl.  ,Heig 
dank!'  Aal  1.549.  ,Dank  habest  du,  tust  recht  doran!' 
GGoTTn.  1619.  .Dank  heig  euer  Predicant.'  Bantle 
1712.  ,Habdank'  als  Subst.  häufig  i.  S.  v.  etw.  Gleich- 
.giltigem,  eig.  Etw.,  das  mit  einem  fluchtigen  Danke 
bezahlt  ist.  ,Man  hat  schier  all  tag  die  burger  [Ge- 
meindeversammlung] ghan  um  ein  jetlichen  h.'  Ibtil, 
Egli,  .\ct.  ,Wenn  man  wegen  jeder  kleinfüegen,  lieder- 
lichen Sache  sich  Krieg  auf  den  Hals  ziehe,  so  werde 
man  die  von  Z  und  B  hiezu  nicht  willig  finden,  son- 
dern sie  werden  vielleicht  lieber  ihr  Heil  bedenken, 
als  wegen  jedem  H.  aufjucken.'  1541,  Absch.  , Damit 
nit  ein  oberster  knecht  den  nachrichter  synes  gfallens 
umb  ein  yeden  h.  strafen  raög.'  1.541,  Bs  Eq.  .In  riug- 
ferigen  Sachen,  ja  um  eines  yeden,  als  man  spricht, 
h.  willen.'  HBull.  1561.  ,Es  soll  keiner  umb  klein- 
füeg,  gering  sachen  und  geltschulden,  ja  oft  umb  eines 
jeden  h.  willen  für  Rat  gelassen  werden.'  Z  Mand. 
1635.     ,Hillel  erlaubte  die  Scheidung  um  eines  jeden 


875 


H-s  willen,  als  wann  das  Weib  die  Suppe  angebrannt 
udgl.'  Ott  1736.  —  Jmdn  zur  Hilfe  herbeiziehen  Z  :  Mer 
müend  Öpper  ha,  mer  möyed  's  nümme  ellei'  g'mache'. 
De  Tokter  ha,  den  Arzt  gebrauchen.  D'  Näjeri  (uf 
dei-  Stör)  ha.  Geistig:  aufnehmen,  empfinden  (gut 
oder  übel);  vgl.  Bd  I  55;  II  542.  I'''  mues-es  iez  für 
giiet  ha  Z.  Häm-mer  's  nüd  ungern,  nehmet  es  mir 
nicht  übel  L.  B'hüet-i  Gott  und  heit'sch-isch  [es  uns] 
mit  fer  ungiiet,  volkstümlicher  Abschiedsgruss  W. 
.Und  dass  man  nit  für  übel  haben  [soll],  beschech  im 
besten.'  1532,  Strickl.  ,Wir  bittend,  nit  für  übel 
z'  han.'  Aal  1549.  Königin  zu  den  Gästen :  ,Han  euch 
all  ding  zurüsten  Ion,  doch  am  fürgut  han  wird  vil 
ligen.'  GGotth.  1599.  Gern  ha  (mögen),  Etw.  be- 
gehren, wünschen.  Hättist  gern !  Verspottung  eines 
Begehrens  Z.  ,H.  wollen'  a)  verlangen,  befehlen;  auf 
einem  Willen  beharren,  bestehen,  Etw.  durchsetzen 
wollen  (etw.  verschieden  von  Gr.  WB.  IV  2.  59)  Bs; 
B;  Z.  Er  tvott's  nid  anders  ha'  B;  Z.  Z'*  tcott 's 
nu''  ha',  es  ist  durchaus  mein  Wille  Z.  Er  het  's 
so  wellet  ha",  er  hat  diesen  (ihm  selbst  unerwünschten) 
Erfolg  durch  sein  eigenes  Tun  herbeigeführt  Gl;  Z. 
Verst.:  ,gehabt  haben  wollen';  s.  2  b  und  Gr.  WB. 
IV  2,  74  u.  /<■*  tvill  's  g'ha"  ha',  ich  will  es  durchaus 
so  haben  Ap;  GTa.  Grad  so  het 's  es  welle"  g'hebt 
ha,  SU  häb's  es  de'"!  Gotth.  Wenn  's  Gott  rvell  g'hebt 
ha,  SU  heig  's  Nüt  d'rwider.  ebd.  ,Si  wellen  gehebt 
haben,  dass  die  von  Bern  alle  ire  ansprach  erfüllen 
und  dass  ouch  das  fürderlich  besehehe.'  Just.  ,Für 
ze  faren,  wie  wol  geschriben  ist,  man  well  es  so  ge- 
hebt han.'  1508,  Urk.  ,I)as  wellent  wir  von  üch  ge- 
hept  han.'  1544,  Eatserlass.  ,Wir  wollend  nun  hiemit 
alles  Ernstes  gebotten  und  'gehebt  haben.'  Z  Mand. 
1650.  Auch  mit  präd.  Adj.  (Adv.).  z.  B.  mir  uend  de" 
Ma"  dinne,  im  G'meindrat  ha.  ,Wer  inen  wert,  den 
wellend  sy  tod  haben.'  LLav.  1584.  —  ß)  eine  Ansicht 
haben  und  äussern,  auch  behaupten,  oder  bloss  Etw. 
glauben,  vermuten  Aa;  Schw;  UwE.  ;  Z.  I'*  wott 's 
ha,  beteure  es  B;  S;  Z.  Si  (d'  Lüt)  wend  ha,  man 
sagt.  Der  Anger  [Andere,  ein  Gewisser]  het  welle" 
ha,  der  Franzos  icerd  cho".  Schild.  Auch  nur:  an- 
nehmen, voraussetzen  Z.  Neg. :  Nüd  ha  w.,  nicht 
zugeben,  gelten  lassen  Z.  Vgl.  b  (am  Ende).  ,Eck 
will  han,  der  Bapst  syg  's  houpt  der  Christenheit.' 
UEckst.  —  g)  mit  verblasster  Bed.  in  stehender, 
formelhafter  Verbindung  mit  gewissen  Subst.,  z.  T. 
einen  einfachen  Begr.  umschreibend,  in  einzelnen 
Fällen  mit  verschiedenen  concretern  Vbn  (z.  T.  unter 
a — f  angeführten  od.  unter  B  anzuführenden)  zu  über- 
setzen oder  zu  vertauschen,  a)  mit  best.  Art.  ,Wer 
den  Stein  am  Weitesten  von  sich  weg  wirft,  von  dem 
sagt  man,  er  habe  den  Stein  gehabt  und  der  ist  dann 
der  Sieger.'  Steinm.  1804.  De"  Frörer  ha"  s.  Bd  I  1315. 
De"  Guet  ha  s.  Sp.  541.  Auch  mit  Fron.  poss.  Hei 
iez  nw  di"  G.!  GRSchiers.  Den  Unguete  s.  Sp.  545; 
Syn.  de"  V"söde.  De"  Gunn  h.  Es  ist  ja  nüd,  dass 
d'  etn  de  Gunn  nüd  hettist,  dass  du  ihm  Nichts  gönnen 
möchtest;  vgl.  Sp.  332.  (Ei"'t>i)  de"  Glaube"  ha  s. 
Sp.  586.  Eim  de'  Wille"  ha,  ihm  gewogen  sein  Z. 
D'  Ordnig  ha  s.  Bd  I  441.  De"  Hat  ha,  die  nötige 
Pflege  geniessen,  von  einem  kranken  Kinde  BE.  — 
ß)  mit  unhest.  Art.  Es  G'lüeg,  G'frcig,  G'schrei  usw. 
ha,  mit  Schauen,  Fragen.  Schreien  usw.  viel  Wesens 
machen  Z.  —  y)  "hne  Art.  ZU  ha,  mit  der  Zeit  im 
Gedränge    sein,   Gefahr   laufen,    zu  spät  zu  kommen; 


vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  68.  Marsch  use',  s'  Zit  dass  d' 
hast  [so  eilig  wie  du  sein  sollstest],  oder  bim  ebige" 
Disen  und  Jene"  sdi?o"-di-r  d'  Bei"  ab!  Stutz.  So  und 
so  viele  Jär  ha,  ein  gewisses  Alter  h.  PF.  (aus  dem 
Ital.).  Chauf  ha,  Gelegenheit  zu  einem  Handel,  z.  B. 
auf  einem  Pferdemarkt  S  (Joach.  83,  85).  Becht  ha, 
wie  nhd.  (dazu  Hehrecht).  Flause"  ha,  Umstände  ma- 
chen. Jalxobli,  du  Schalk,  häb  nit  Flause".  Gotth.  Acht 
ha  (auch  refl.),  sich  in  A.  nehmen;  vgl.  Bd  I  79.  Beb 
A.!  S.  In  der  ä.  Spr.  häufiger:  ,Sehouw,  etter  Eüede 
und  heb  a. !'  NMan.  .Heb  a.,  wenn  kumm  von  hof  der 
hott,  dass  du  's  uns  einwegs  zeigest  an.'  Aal  1549. 
.Wacht,  heb  gut  a.!'  JMurer  1559.  ,Wach  uf,  beb 
a. !'  Haberer  1562.  .Sollt  yeder  syns  briefs  heben  a.' 
JMurer  1575.  ,Uf  dass  man  a.  hab  uf  dich,  herren 
der  ganzen  erden.'  Schmid  1579.  Häb  (heb)  Gidult. 
allg.  Sorg  ha,  S.  tragen,  z.  B.  zum  Feuer,  zu  Klei- 
dern, zu  anvertrauten  Kindern;  auch  abs.:  vorsichtig 
sein,  z.  B.  beim  Gehen  an  gefährlichen  Stellen,  allg. 
Chumfbjer  ha,  nur  mit  Verneinung:  Heb  kei'  Gh.,  sei 
unbesorgt!  B;  Gr;  Z.  Bueha,  Euhe  halten.  Heb  B.! 
Gr;  L;  Z.  Syn.  heb-di''' Still !  Freud  ha,  sich  freuen; 
auch  im  Imp. :  häb  o  [doch]  Fr.!  B.  Chudermueter 
ha,  ein  Spiel  machen,  wobei  ein  Kind  die  Jlutter  vor- 
stellt, die  andern  ungehorsame  Kinder  Ap.  Bed  ha, 
Eede  stehen,  sich  verantworten  S.  Allueg  got's-mi''' 
Nüt  n",  Hans,  entgegnete  die  Hausmagd  stolz,  mir 
brüchst  gar  kei"'  B.  z'  ha;  wüsst  nit,  warum.  Joach. 
1881.  Hab  ha.  .Das  schloss  war  noch  nit  gar  aus.sbauen 
und  möchtend  die  raauren  nit  habhan.'  1533,  VTschudi. 
Hüs  ha.  ,Dera  questori  raten,  wie  man  der  statt  bass 
dann  bishar  hus  han  wolle.'  1561,  BRatsman.;  mehr 
bei  B.  S.  noch  Ernst  Bd  I  465;  Flitsch  ebd.  12.36; 
Gleich  Bd  II  590;  Hab  ebd.  865;  Lib;  Miiet;  Bed; 
Sorg;  Weg;  Wort.  —  8)  mit  Fräp.  Öjipis  zur  Usred 
ha,  als  Entschuldigung  benutzen,  vorbringen  G;  Z. 
Zum  G'schlecht  ha,  einen  Familiennamen  tragen  L;  Z. 
Cliönnet-er  nid  säge",  wie-n-er  zum  G'schlecht  hed? 
Syn.  was  er  zum  G'schlecht  ist.    S.  noch  Bed;  Wort. 

—  h)  haben  (mit, von'):  von  Etw.  hanlteln,  sprechen; 
lauten.  Mer  hei  gestert  von  em  g'ha,  gesprochen  Bs. 
All  Zitige  hei  von -im.  Gotth.  D'  Zitig  het  vo'  de" 
Stobete"  gha.  Ap  Volksbl.  1833.  Im  erste  Teil  het-er 
[der  Prediger]  rom  Bitriege"  g'ha.  Schild.  ,Swie  die 
brief  hain.'  c.  1400,  TnOiess.  Stadtr.  ,Hat  der  papst 
in  synen  eignen   rechten  also:    [wie  lolgt].'    Zwisgli. 

—  i)  prägn.  und  scheinbar  eil.  in  verschiedenen  stehen- 
den Verbindungen,  a)  i.  S.  eines  zu  ergänzenden  Inf. 
mit  ,zu-:    aa)  zu  sagen,    vorzubringen,    zu   klagen   h. 

Was  hast?  was  willst  du,  oder:  was  fehlt  dir?  Was 
heit-er,  was  weit- er '^  Anrede  B.  Vornehme  Leute 
wollen  von  Niedrigeren  immer  gefragt  sein:  Was 
händ-er  ond  tvönd-er?   was   steht   zu  Diensten?   Äp. 

Was  hät-er  au''',  dass  er  nie  zue-n-is  chunnt?  was  ist 
denn  nur  der  Grund  seines  Ausbleibens?  Hieher  viell. 
auch:  Was  gist,  was  hast?  s.  Sp.  72.  Vgl.  Gr.  WB. 
IV  2,  70.  —  ßß)  zu  tragen,  leiden  h.;  vgl.  1  b.  Mit 
dem  [diesem  Menschen]  han-i"''  Öppis  g'ha!  schwere 
Not  gehabt  Bs;  Z.  ,Öppis,  vil  uf  si'''  ha,  premi  onere, 
curis.  Es  ist  e  bösi  Such,  wenn  me"  SO  Jar  uf  im 
[sich]  het.'  Id.  B.  —  ff)  zu  tun  h.  Lang  an  Öppis 
ha,  zur  Vollendung  einer  Arbeit  viel  Zeit  brauchen; 
aber  auch:  von  einem  Vorrat  lange  brauchen  Z,  im 
letztern  S.  auch  einfach:  dra"  ha".  ,An  Öppis  ha, 
sustinere   se.'    Id.  B.     Bilte    [Beulen],    die  lang  zum 


G'>icf!e"  heiid,  langsam  heilen  GitPr.  Xi'if  um  ha,  keinen 
Umweg  zu  machen  h.  Z.  Wil  si  so  nach  derbi  tvont 
und  H(C  um  's  E(j(j  CO"  der  Gass  häd,  zu  gehen  braucht. 
UsTERi.  .Mattend  in  die  2  Stund,  ehe  wir  hinaufkom- 
men mögen.'  1676,  Eeisbeschrybung.  E  VermiUli"g 
ha,  als  Friedensrichter  eine  Verhandlung  zu  leiten 
haben  Ap.  E  Taiifi,  Lieh,  es  Höchsig  ha,  von  einem 
Pfarrer,  die  betr.  kirchliche  Handlung  zu  verrichten 
Ii.  Z.  Öppis  mit  Eim  ha,  verkehren,  freundlich  oder 
feindlich;  bes.  Streit  mit  Jmd  haben  B;  U;  Z;  vgl. 
1  d  ß.  Si  hei  Näues  [Etw.]  z'sämme"  g'ha  BGu.  Me" 
cha""  Nilt  mit-em  ha,  er  ist  unzugänglich  oder  un- 
verträglich Bs;  Z.  Es  ist  NM  g'si"  mit-ere  z'  ha, 
man  konnte  mit  der  schwer  Kranken  nicht  sprechen 
8  (Wyss).  —  ß)  i.  S.  eines  Ptc.  Perf.  Es  ha:  a.%)  eine 
Arbeit  zu  Ende  gebracht  h.,  fertig  sein;  verschieden 
von  d  e.  P''  hä  's,  ich  bin  fertig.  Mer  viached,  bis 
wer  's  hnnd  Z.  ,Es  h.  wollen',  von  Etw.  ablassen  kr. 
I"'  chönni-i  vo"  der  Gallenstadt  e  Wits  ond  Bräts  no"' 
mache",  i'''  man,  i"'  wöU's  jetz  ha  für  hüt  [gut,  genug 
sein  lassen],  söss  wor  [sonst  wurde]  me'  z'letst  no"'' 
lache'.  Merz  1836.  —  ßß)  es  gewonnen  h.,  den  Sieg, 
Vorteil  h.;  vgl.  frz.  Vemporter.  Üsi  Bliebe"  händ's! 
ruft  die  siegende  Partei  nach  einer  Abstimmung  L; 
vgl.  Alls  iises!  Bd  I  1G8.  Öuse  Muni  het's!  unser 
Zuchtstier  hat  bei  der  Viehausstellung  den  Preis  davon 
getragen;  scherzh.  bildl.  auch  auf  einen  Parteisieg 
angewandt,  ebd.  B'  Wirte  hei"  's,  sie  machen  das 
beste  Geschäft,  z.  B.  an  einem  Markttage  S  (Schild).  - 
, Einen  h.',  ihn  gefangen  h.,  eig.  und  bildl.  Geil.  %''' 
ha"-di''-  g'ha!  beim  Fangspiel  Z,  Z»«.«  h"  "  -/<-  N./,,/,,, 
heb,  gefunden,  entdeckt  habe  Z.  /■''  hun-i"  ,i'lui.  /um 
Besten  gehabt,  überlistet  L;  Zg(St.''|;  Syn.  iihrr-l:,,ii. 
Er  hed-mi^''  emöl  ka  [angeführt],  aber  er  chonnd-mi'''' 
nomma-n-öber!  Ap.  Be' han-i''' !  den  hab  ich  gehörig 
gezüchtigt  Bs.  Er  hat  eil  Geld  uf  de'  Lüte",  ausge- 
liehen Z.  B's  Nachtmal  ha,  den  Zutritt  zum  Abend- 
mahl erlangt  h.,  admittiert,  confirmiert  sein  B  (ver- 
schieden von  z'  Nacht  ha  unter  f ).  ,Etw.  von  Einem 
h.'.  empfangen  h.,  eine  Nachricht  oder  eine  erbliche 
Eigenschaft.  Er  hat  's  vom  Nächber  [gehört].  Er 
hat  das  vu'  slm  Vater  [geerbt]  ScuSt. ;  Z.  ,  Von  Eim 
ha,  hereditate  vel  matrimonio  consequi,  acceptum  re- 
ferre  alicui.'  Id.  B.  —  Abs.  (eine  Erkenntniss  od.  Ein- 
sicht erlangt  haben)  erkennen,  einsehen.  ,Wir  haben, 
dass  die  kiiid.T  C^ft  li.l,  .i,,,].-  ir.e:..  Siml..  Urk. 
,Wir  haben  imim  mi.  .1,,-.  r],y,.u,^  .\:,^  liou,,t  der  kil- 
chcn  sye.'  li  l'i-p.  IVJ«,    S,  i,.,!,  IM  I   -:,,    V-l.  mirl, 

/iesf.  —  Mit  A.lj.     ly    l'nsl    Inul    ,i,ui.     r,.ll    j  uvhhlrll  |.    i.t 

mit  Passagieren  ganz  hr<rUi  /,.  Mil  .\>h.  Ah  In,. 
ein  Glied:  es  gebrucli'.Mi  hubeii  lii, ;  /;  Kl^hlrr:  ;il,- 
gelegt,  ausgezogen  haben  .\v;  Gl;  SrnSt.;  IWI',,;  /. , 
eine  Arbeit:  abgetan  h.  s.  Bd  I  30.  Kin  lli-m  <</,  lia 
s.  Bd  I  537.  Ob  ha,  Speisen:  über  das  l'.'uri  -r,rt/.t  h. 
s.  Bd  I  50.  Ebenso  über  ha  B;  Uw;  U;  Z;  vgl.  »6t;-- 
tuen.  Uff  ha  s.  Bd  I  118  u.  Üf  ha,  als  Aufgabe 
bekommen  haben  Bs;  Z;  vgl.  uf-nemmen.  S.  noch 
Bd  I  1'20.  Um  ha,  einen  Baum  umgehauen  h.;  s.  noch 
Bd  I  227  und  das  Comp,  iim-h.,  umhin-h.  [Bezahlung 
empfangen  haben ;  umgepflügt  haben,  einen  Acker]. 
A(n)ha,  Kleider:  angezogen  h.,  tragen,  allg.  S.  noch 
das  Comp.  a(nj-ha.  Inn  ha,  ein  Kleidungsstück:  ein- 
geknöpft, eingenestelt,  eingehakt  h.;  vgl.  In-tuen;  auch 
mit  Bez.  auf  die  Knöpfe,  Nestel,  Haken  selbst;  das 
^falsche)  Gebiss:  in  den  Mund  gebracht  h. ;  Früchte: 


eingeheimst  h.  Uss  ha:  Gegs.  zu  inn  ha;  ferner: 
(Geld)  ausgeliehen  h.  s.  Bd  1  559.  Wurzelgewächse: 
aus   dem  Boden    geschafft  h.;    vgl.   üs-tuen.     Üs  ha: 


ausgetrunken  h.  B;  Uw; 
gefressen  h.  Gl;GA.  :  Z 
mit   einem  \V,-li-tiirk    71 
ein  Glied:  auMivi.Miki  h. 
Sammlung,  SrliMlunt'  iri' 
Bode'  üs  ha:  iil"i-  M.-^ 
Bd  1  553.     r«"  In,.    !■:, 
er    ausgestoss 
schaff,    Stella 
s.   dunh.  ,l,n; 
a)  mit  Surli-( 


Z;  ausgegessen  h.  Aa;  fertig 
n  trächtigen  Kühen  G ;  Z ; 
k  /n  Knde  sein  Z  (Syn.  ab  ha); 
I  !i.  1.1.  (in  Z  us-enand  ha);  Yer- 
ni'  in  beendigt  h.  Aa;  L;  Z;  de» 
ilN'^  Mass  gehen  GnPr.;  s.  noch 
Kiji,"  „•eile'  u.,  verlangen,  dass 
rdNini;t    werde   aus    einer  Gesell- 

Z ;  vgl.  1  f  a.  Bur''',  dure"  ha 
—  2)  mit  unpers.  od.  sachl.  Subj. 

S.  V.  Etw.  an  sich  haben,  z.B. 
it  sirli  bi-inL;-rn.  z.  B.  eine  Folge. 
I  'iin'  l-iiijr,  l\.i  hat  Nüt,  keinen 
■■l^it^'i,    >  (Srlnld).     Mir-a'  hät's 

lilrirlijultigj,  «■«"  me"  singi  Sch 
'/</-/ V  OS  ist  Etw.  daran  Aa;  Bs; 

I   Mn/iii/,  es  will  Etwas  heissen 


einen  \V,.rl.  o,lr 
Eshit  ,/■  Fi„.i. 
Grund.  Ni.l.i-  / 
Wal  [steht  fivi, 
(Schwzd.).  Es  I 
B;  Z.  Es  he,l  , 
Ap;  Z.  Bas  heig  na  Opjjis,  das  werde  noch  An- 
strengung, Überwindung  kosten  B.  Mit  beigefügtem 
.auf  sich'.  ,Öppis,  vil  uf  si'''  ha,  diligentiam  requirere.' 
Id.  B.  ,Was  das  wort  erinneren  uf  im  hab.'  B  Disp. 
15'28.  ,Uns  ist  ein  brief  zuokommen.  der  eben  hitzig 
[ist]  und  vil  uf  im  hat-,  pressant  und  wichtig  ist. 
1580,  Arsor.  Mit  beigefügtem  Pron.  refl.  (welches 
aber  vi, ■11,  aus  alt.ini  s,ii  als  Gen.  von  es  zu  erklären 
ist).  J:-  l,i,t-si  ,r  Fr„,i.  (  Meini'g  Z.  ,Es  habe  sich 
bei  d.-u  .luuuvu  norh  s„  inUi-alsbei  ihm.'  XHerz.  1862. 
\"-l.  Im;.  Wli.  1\'  ■_■.  iiT.  KiiilarliMs  ,,-  l,af  anrli  geradezu 
-:  .r-  i;alir  Ml/.  ,7  ,/  ,n.  all-.  \-l.  Li:  W  1:  IV  '2,  68/9. 
Es  1,,'t  „n'i'  nl  Sri,,,,'  \U.  's  h,  i,j  l\,  ,!,,■■',  ,lri-  '.s  no"'  nie 
heig  irölle-.  EFeurek.  Mit  Ubj.  .es'.  Es  hat  's:  a.)  es 
ist  genug,  das  ist  Alles  Gl;  Sciiw;  Uw ;  Z.  Meistens 
als  einschränkender  Zusatz  zu  einer  vorausgehenden 
Einräumung.    eiiiLT'.'l.atrt    mit:    ,und'  oder  ,aber  dann, 


damit'. 

Ne  Si., 

„„ 

het's-e 

S    SCHW. 

>' 

und  dermit  lief 

dienst 

BLenk  1 

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bist  en 

liebe,  hi: 

—  (ihr 

,l,h,i,  1, 

zugest. 

hrn.    0,1,. 

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endet. 

od.  Alles 

beis 

Es  het 

'.s,  es  ist 

gesc 
P,s 

.w, 


.■|  hoch  sind  s',  de  [dann] 
•iden]  hei  d'  Sunne  a'betet, 
das  war  ihr  ganzer  Gottes- 
l;.s.  in  der  Formel:  Bii 
"ier:  iilh"  Respekt  ror  dir 
h.  mehr  kann  i.  b  dir  nicht 
.   im   f-bri-c .1-^   ich   dir 


1>,',„. 
es  ist 


.IlliMuu  |.-.:;:i.  IN  Ist  lulii,-.  .V,r  -,i,  l,r  i,i  im  Reinen. 
abgemacht  .\.c;  li;  /,  1>;-'  l'.irnul  der  Ziviltrauung 
wird  verspottri :  .Im  Ninn-ai  dc^  Gesetzes:  So,  iez 
hät's  es."  .SmIi.iM  m;ni  Mr  .inuial  wieder  für  ein 
Jahr  gedungen,  sie  des  bicnstus  sicher  seien,  so  wer- 
den sie  ganz  gelassen,  und  sie  dächten,  es  hätte  es 
wieder  für  ein  Jahr,  ob  sie  nun  etwas  mehr  oder 
weniger  arbeiteten.'  Gotth.  Es  ist  ausgemacht,  fest 
beschlossen,  i"*  gib  's  nild  und  de""  hat  's  es,  es  bleibt 
dabei  GTa.  Es  ist  gelungen,  z.  B.  mein  Lotteriebillet 
hat  gewonnen  B  (Zyro).  —  y)  es  geschieht  (leicht).  Es 
hat  's  Tunders  gll,  z.  B.  dass  ein  Unfall  geschieht  Z. 
-  b)  mit  Acc.  P.  .Es  hat  ihn',  er  ist  getroffen,  er- 
griffen, gefangen,  gefallen,  besiegt,  verloren,  tot,  bei 
Spielen   oder  im  Ernst,    körperlich,    ökonomisch  oder 


870 


haben  (lieben) 


880 


geistig,  allg.  (vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  03);  aiu-li  etwa  mit 
dem  niclitssagenden  Zusätze;  am  Bei",  Frack,  Chrage" 
Z.  Es  hat  di'''  am  Bei",  scherzh.  Drohung  gegenüber 
Kindern,  die  man  fangen  will  Z.  Het  's  di'''  einist? 
hat  dich  deine  Verwegenheit  einmal  zu  Fall  gebracht? 
BE.  Wo  hat  's  di'''  g'ha?  getroffen  Gr.  Gang,  eh  's 
di'''  het!  ehe  die  Lust  dich  ergriffen  und  überwältigt 
hat  Bs.  Es  het-n  fast  ka,  aufgerieben  Ap.  Es  het 
mi'''  (hertj  g'ha,  die  Krankheit  hatte  mich  stark  an- 
gegriffen Bs;  Z.  De"  hat  's  lang  g'ha'.  er  ist  lange 
krank  gewesen  Z.  Es  häd  wider  Eine"!  sagt  man, 
wenn  das  Schlagen  an  der  Turmuhr  mit  dem  Läuten 
zstriffH;,  weil  dann  nach  dem  Volksglauben  bald  Jmd 
sterben  muss  ZS.  Es  het  mi'''  heiss,  es  gelüstet  mich 
sehr  GT.  Es  het  mi'''  schier  g'ha,  ich  wäre  der  Ver- 
suchung beinahe  unterlegen  Z.  Syn.  anfechten,  an- 
kommen. ,Es  hat  mich  Wunder'  =  es  nimmt  (schon 
mhd.).  Es  soll  Eim  au'''  näd  Wunder  ha.  JJRütl. 
Auch  mit  Adj.,  i.  S.  v.  dünken ,  vorkommen.  ,Also 
hatte  es  herren,  ritter  und  knecht  uubillich.'  1336/46, 
Z  Ohr.  Ebenso  bei  Justinger  277.  S.  noch  bei  fremd 
Bd  I  1299  und  bei  hart.  Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  58.  — 
2.  als  Hülfszeitw.  der  Vergangenheit,  a)  Da  das  Prät. 
Ind.  verloren  ist  und  da  mit  dem  Perf.  erzählt  wird, 
so  wird  das  Plusq.  eines  Vbs  durch  ,gehabt  haben' 
umschrieben.  Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  76  u.  Er  het  's  ver- 
löre" g'ha.  allg.  Si  hei  rermulches  g'häben,  waren  mit 
Melken  fertig  geworden  BSa.  Wa  's  hat  verlütets  g'h.. 
nachdem  das  Geläute  verklungen  war.  ebd.  ,Wann 
Sextus  hat  gschwigen  khan.'  HBull.  1533.  ,Das  herz 
hend  sie  verloren  kahn.'  1569,  Lied.  ,Zuo  Brisach 
zwei  hatt  's  g'schlagen  g'han.'  1576,  Neu.i.  Ant.  44,  52. 
,Hat  auch  daselbst  schon  promoviert  g'hebt.'  JosMal. 
1593.  ,Hatt  ererbt  ghan.'  XVI./XVIL,  Mise.  Tig.  — 
b)  Der  Inf.  Perf.  eines  Vbs,  der  von  den  Vbn  .müssen' 
und  , wollen'  abhängt,  steht  a)  in  der  gewöhnlichen 
temporalen  Bed.  (wie  nhd.),  z.B.:  Er  mucs  das  'ta" 
ha*,  entweder  =  es  liegen  objective  Gründe  vor,  welche 
ihn  als  schuldig  erscheinen  lassen,  oder  =  er  soll  es 
getan  haben,  die  Tat  wird  ihm  zugeschrieben,  auch 
ohne  Grund.  !''■  n-ill  NU  (Nüt)  g'seit  ha",  Ent- 
schuldigung nachgesprochener  Verleumdung  Bs;  Z.  — 
ß)  als  Verstärkung  statt  des  Präs.,  i.  S.  v.  durchaus. 
Wer  FW'  het,  mues  g'rangget  ha",  muss  reiben,  pflegt 
zu  r.  D'  Liebi  mues  zangget  ha",  es  ist  eine  Natur- 
notwendigkeit oder  regelmässige  Erscheinung,  dass 
Liebende  sich  zanken  (Sprw.).  ,Gehabt  haben  wollen', 
durchaus  verlangen,  s.  1  g.  Sonst  bei  .wollen'  nur  in 
der  ä.  Spr.,  nach  mhd.  Weise:  ,Und  wollt  im  sölichs 
erwert  han.'  Vad.  , Dieselben  wollten  graf  bansen  die 
statt  Übergen  han.'  BossH.-Goldschin.  —  B.  =  nhd. 
halten.  ,Hcben,  halten,  teuere.' Kei>.  1692.  1.  mitObj. 
1)  mit  Sachobj.  a)  von  körperlichen  Gegenständen, 
a)  in  der  Hand  halten,  oft  im  Dienst  eines  Andern, 
z.B.:  Heb  (mir)  das  Glas!  B;  G;  Z.  Si'''  de"  Buch 
hebe  (vor  Lache")  Bs;  Z.  fDe»;  Pflueg  (üf-)ha  Z. 
.Zue  der  panner  gryfen  und  s}'  ufrecht  haben.'  1476. 
Bs  Chr.  ,Wer  hept  [hält]  den  pflueg,  sieht  hinder- 
sich,  dem  mag  das  rych  nit  werden  z'  teil.'  c.  1520. 
Tu  Pur.  ,Dass  wir  das  fcnster  in  das  rathus  zuo  den 
Einsidlen  wellen  bezalen,  doch  dass  die  mann,  die 
unsern  schilt  heben,  in  wyss  und  schwarz  bekleidet 
werden.'  1522,  Absch.  ,Herr,  nun  hob  den  Wagen 
selb!  Schelb  wird  sonst  all  unser  Fahrt.'  Zwinglis 
Lied  im  Kappeier  Krieg   und  1656   im  Bettbuech  für 


christenliche  Soldaten.  .Einer  hebt  den  Pflug,  ein 
Ander  geht  nebent  mit  der  Geisel  her,  inmitten  [des 
Pfluges]  hocket  der  Spilmann.'  Pred.  1601.  .Hilf  mir 
den  Pflug  haben  und  hin  und  wider  uf  den  Schollen 
gehn.'  ScHiMPFR.  1651.  .Tut  heben  in  der  Hand  ein 
langen  Stab.'  JCWeissenb.  1701.  ,In  die  Höhe  heben', 
aufwärts  richten.  ,Die  Tiechsel  von  auf  der  Gasse 
stehenden  Wagen  sollen  in  die  Höhe  gehebt  werden.' 
Z  Ges.  1779.  Bildl. :  Eim  de  Chäre"  ha,  gewogen  sein  Z. 
.Einem  den  Karch  heben,  a  partibus  alicujus  -stare.' 
Met.,  Hort.  1692.  Ei"'m,  enandferj  d'  Wäg  (Z),  d' 
Stange"  (Ap),  ds  Bögli  (Gr)  ha,  an  Kraft  oder  Wert 
gleich  stehen,  das  Gleichgewicht  h.  Syn.  Egi  ha 
(Bd  I  143),  d's  isen  ha  (Bd  I  537),  Bis  ha,  Figge 
bieten,  iisbieten  können.  Nw  ünsch  [unsere]  Berge, 
d'i}  chömm-me  [können  ihm,  dem  Wind]  ds  Bögli  hebe 
[Widerstand  leisten],  dia  traid  d'r  Luft  nid  ntcegg 
GnSchiers  (MKuoni).  —  ß)  einen  Körperteil  oder  ein 
Gerät  an  Etw.  hin,  davon  weg  usw.  h.  D'  Hand  anc, 
etceg  ha  Z.  L>o  tuet  d'  Frau  gli'''  afoh  grine,  het  der 
Chopf  i"'s  Chüssi  ine.  Hagröschen.  Wer's-si'''  vill 
la"  wol  si"  i"  d'r  Welt,  soll  d'  Finger  da  dünne  [davon 
weg]  ha  B  (MWalden  1884).  ,Dass  niemants  in  sym 
eigen  hus  den  köpf  darf  han  zum  fenster  us.'  Ecef  1540. 
,Sy  werfend  den  kät  hinaus  und  lerend  die  jungen  den 
hinderen  über  das  nest  hinaus  haben.'  Vogelb.  1557. 
.Was  inen  [den  Krabben]  in  die  scheren  gehebt  wirt. 
fassend  und  hebend  sy  so  stark,  dass  du  sy  dabei  bis 
auf  den  tod  schleipfst.'  Fischb.  1568.  ,Manus  com- 
primere,  die  knoden  oder  die  händ  zuo  im  haben. 
Attcmperare  gladiuin  jugulo,  eim  das  schwört  an  hals 
haben  oder  setzen.'  Fris.  ,Dass  sy  ir  angesicht  nebend 
sich  gehebt,  oder  dass  sy  nidsich  gesähen.'  LLav.  1578. 
.Die  würm  fallend  us  den  zänen  in  das  wasser,  so  du 
dich  über  ein  schüsslen  mit  wasser  hast.'  Zo  Arzneib. 
1588.  .Vater,  heb  nur  kein  Hand  darzue  [an  die 
Augen],  will  g'sehn.  ob  ich 's  könn  dannen  tuen  [die 
Haut  vor  dem  Auge].'  GGotth.  1619.  Wo  d'  Söu  brüejit 
g'si"  sl",  ii  ds  Wasser  no'''  so  warms  g'sl";  du  däichen 
i''',  i'''  well  grad  profidiere"  u  hei  dri'  [die  Füsse  ins 
Bad].  MWalden  1880.  -  b)  von  geistigen  Tätig- 
keiten und  Gegenständen,  a)  in  stehender  Verbindung 
mit  gewissen  Substantiven.  Hüs  ha,  einen  Haushalt 
führen;  bildl.:  verfahren.  Wenn  er  scho"  e  Söubueb 
g'si"  slg  und  schüzlig  [abscheulich]  Hüs  g'ha  heig 
mit  de"  Hose".  MWalden.  ,0b  ein  mann  äne  ursach 
von  sy°^ni  ewib  gienge  und  nit  mit  ir  hüshaben  wellte.' 
1480,  L.  ,In  unser  stadt  züchen  und  daselbs  hüs- 
haben.' ebd.  ,Und  haftend  mir  wild  hüs  und  ver- 
wüestend  mir  vil.'  1523,  Stockar  (anders  Bd  I  1247 
■Jungfrau  2).  ,Dass  wir  uns  solcher  besetzung  des 
regiments  und  hüshabung  ön  recht  nit  beladen.'  1529, 
Absch.  ,Hüebend  sy  [die  katholischen  Orte]  hüs,  dar- 
nach sy  hofftind  zue  geniessen  [mögen  sie  nach  ihrer 
Einsicht  verfahren],  nun  [nur]  dass  sy  uns  ungeirrt  lies- 
sind.' 1532,  Strickl.  ,Wcnn  die  eitern  befindend,  dass 
ir  tochter  einem  biderraann  hüshaben  kann  und  mag.' 
HBnLL.  1540.  ,Dass  die  Altvordern  die  Tagleistungen 
angenommen  haben,  um  mit  einander  einhellig  hüs- 
zehan.'  1546,  Absch.  .MHerren.  so  iren  wald  gern 
hüshettind  [denselben  schonen  möchten].'  XVL,  Hotz. 
Schwam.  ,Fürwahr  ein  solche  G'stalt  es  hat,  dass 
.sie  dermassen  heben  Haus,  dass  ihr  Sach  gar  bald 
dörft  sein  aus.'  Myricaüs  1680.  S.  noch  bei  unfromm 
Bd  I   1295;    Gäi(   Bd  II  38.     (De"J  Fride"   ha.     Heit 


881 


haben  (lieben) 


dach  de"  Fr. !  mahnt  der  Bauer  seiue  zankenden  Dienst- 
leuto.  JoAOH.  1881 ;  s.  noch  bei  Friden  Bd  I  127()/7. 
Sitnntig  ha,  den  Sonntag  geniessen,  bes.  in  behag- 
licher Weise.  Hand  no''''  (e  chll)  guete"  S.!  Abschieds- 
gruss  Z.  Firabend  ha,  in  eig.  u.  übertr.  S.  Heit  jetz 
Füröbe  do  inne!  Bauerkkäl.  1887.  Vgl.  Bd  1  36.  Häh 
Gott  ror  Äugn  ond  's  Brod  im  Sack  ond  de'  Choch  vor 
em  Ofeloch!  Ap.  i'*  ha  's  hinder-mir,  halte  es  [irgend 
ein  (jut]  in  meiner  Verwahrung  B  (Zyro).  Fr  hat  Jce 
Wort  Z.  Einen  Vertrag,  Kauf,  eine  Wette  hebe,  sie 
halten;  meist  mit  Verschweigung  des  Übj.  Z  f-  ,Es 
hat  ufrecht  und  redlich  g'gulten ;  wann  ich 's  verloren 
hätt,  müsst  ich  auch  heben.'  Schimppr.  1651.  ,l>ass 
die  reben  in  eren  werden  gehaben.'  1315,  Z  Urk.  ..Sn 
binde  ich  mich  stete  ze  haben,  swas  vorgeschriben 
ist.-  1315,  Z  Urk.  ,Eineii  Eid  haben.'  1350,  Urk.  ,Ein 
andächtig  amt  der  mueter  gottes  halten  und  haben.' 
1474,  Bs  Chr.  .Wurde  im  [dem  Obmann  des  Schieds- 
gericht.s]  bedanks  oder  rathabens  not.'  1513,  Abscu. 
,Uf  nechst  gehabnen  tag  zue  Frowenfeld.'  Zwinöli. 
,Wenn  das  geschieht,  so  sollen  die  yyiitaljjileger  den 
Kauf  haben,  wie  er  abgeredet  und  gcsilirli.Mi  ist.-  IM:'., 
Absch.  .[Der  Pfleger]  unternehme  sclli^t  (i.'}i(  Im  iiinl 
Recht  in  der  Pfarrei  zu  haben.'  ITilt;.  Aksch.  .l.li 
will  in  han  [den  Vortrunk  erwidern,  ,ich  komme  nach'] ; 
lieb  ist  der  wyn,  lieber  der  mann.'  JMurer  1559.  — 
ß)  mit  unbest.  Obj.  ,es'.  aa)  Es  Eim  ha",  das  Gleich- 
gewicht oder  Obergewicht  halten,  Stand  h.  Vgl.  a  a. 
Bildl. :  Es  het  der 's,  du  bist  zu  schwach  dazu  B  {Zyro) 
=  Id.  B:  ,Impar  es,  vires  tibi  desunt.'  Er  het-mu  's  nid 
z'  niäje",  z'  arbeite",  z'  rede',  er  tut  es  ihm  im  Mähen, 
Arbeiten,  Eeden  nicht  gleich  BHk. ;  Syn.  er  ma^-mu 
nid  zuehi.  —  ßß)  Es  mit  Ei"m  ha,  zu  dessen  Partei 
halten,  dessen  Ansicht  beistimmen,  ihm  anhangen  Bs; 
B;  Z;  zuweilen  schwer  zu  unterscheiden  von  A  d  y. 
z.B.:  Si  händ's  mit  enand,  sind  befreundet  Z.  Vgl. 
Gr.  WB.  IV  2,  50.  Auch  von  Sachen:  I'''  hä  's  mit  dem 
Kafi,  ich  ziehe  den  K.  vor  Z.  Es  het  's  nit  mit-mer, 
das  Kleidungsstück  passt  mir  nicht  Bs  (Becker).  ,Ja, 
wenn  du  also  den  glouben  für  den  ganzen  Inhalt 
des  bunds  nemmen  willt,  so  will  [ich]  's  mit  dir  h.' 
ZwiNOLi.  ,Als  myn  herr  predicant  spricht,  ich  hab  's 
mit  im,  nit  allein  mit  im,  sonders  mit  dem  wort 
Gottes.'  B  Disp.  15'28.  .Er  soll's  ouch  dapfer  mit 
im  han.'  NMix.  .Hätts  die  wirtin  nit  mit  uns  g'han, 
unsers  beins  war  nit  kon  darvon.'  PiSchmid  1579. 
.So  ihr  's  mit  uusern  feinden  hend.'  GGotth.  1599. 
,Von  dem  Krieg  wider  den  Kaiser  abzustän,  und 
dass  er  's  mit  dem  Kaiser  haben  sollt.'  ECys.  ,Mit 
dem  stimm  ich,  und 's  mit  ihm  hab.'  GGotth.  1619.  ,Du, 
Stein,  nun  lass  dich  hauen  gern,  der  Kaiser  hat's  mit 
der  Statt  Bern.'  Myricaus  1630.  ,Dass  seie  [sie]  mit 
ihnen  wollten  haben.'  Zurgilgen  1656.  —  2)  mit  Pers.- 
(•bj.  a)  äusseres.  Es  Chind  ha,  auf  dem  Arm  tragen, 
warten,  pflegen  Ap;  Z;  Gegs.:  es  sich  selbst  überlassen 
(verschieden  von  A  1,  1  f).  Chumm,  Buebli ,  i"'' 
u-ill-dir''  ,t  Bit:  hübe",  tragen  PSs.  (in  Z  ha,  auf  die 
Arme  nehmen,  hebe",  mit  der  Hand  festhalten,  sichern). 
,Huob  si  in  getangnus.'  1336/46,  Z  Chr.  ,Wer  sein 
Kind  liebt,  under  Euot  und  Straf  es  heb.'  Com.  Beati. 
—  b)  inneres,  refl.  Sich  ha,  sich  stellen,  geberden. 
Gotth.  Sich  hebe,  einen  körperlichen  Schmerz  em- 
pHndcn,  mit  entsprechender  Geberde.  Wo  hebt-er-si'''? 
Z ;  häutiger  aber  ge-,  be-haben,  -heben;  vgl.  Gr.  WB. 
IV  '2,  53  f.    Sich  streng  ha,  angestrengt  arbeiten,  bes. 

Schweiz.  Idiotikou  II. 


im  Irnji.  mit  Neg.  als  Abschiedsgruss:  Hend-idi  nid 
z'  Str.,  sind  nid  z'  flissig,  machet  bald  Firobig  L; 
Scnw;  Z.  Sich  still  ha,  sich  ruhig  (vcr)halten.  Häb- 
di'''  St.!  B;  Z.  jAgar,  heb  dich  des  verwegen  [halte 
dich  darauf  gefasst]  nun,  ir  müessend  mit  einandren 
drus  |;iiis  di-iii  Il.iiise].-  Haberek  1562.  Er  hät-mu 
schich  hhh  iliiiil  iiiniirr  :rr  Situn  g'häbet  W.  ,Sich 
zu  lUu.  /<lii\^iii'/  li.-,  Ilris.sig  an  einer  Arbeit  sein, 
um  rechtzeitig  fertig  zu  werden.  Ja,  hinecht  muess 
de''  Bock  no'''  fertig  g'macht  werde";  mir  müessen-is 
nn''''  d'rztie  ha,  Elise.  MWalden  1S84.  Hür  tnunss-mr}' 
srhi  iiär  iiHcl  d'r:ii'<  ha.  vil  ili  liüh^fh.,  Tnqa  sa  rar 
s,inl'r.n<r\Hrv~  iSrh«zd.i,     Kr  hrl-.-,   Inll  ,!,r:,ie' y'hu, 

lir ■:...■!.     turllli^-     ZU-v-liir,.,,     V.M.     |  S,-|l  NV  zd.).       Für 

so-iies  jKiujs  sc(  CS  b'.-iuiii/ci-bar  es  jlissiiics  ii"''  heig-si'''' 
zur  Sach  [zur  Arbeit].  Gotth.  ,Si  halle"  zite  Öppis, 
applicare  se.'  Id.  B.  Hihid-ech  (hebct-crh)  a"  de"  warme" 
Spise",  scherzh.  für:  seilt  zu,  wie  ilir  euch  aus  der 
Pat.sche  zieliet  Aa.  l'' h,t-mr'' ,oi  <tir.  Ii;iltr  i.iirl,  an 
dich  als  Bürgen  B;  Z.  /■''  hw-im''  n-  ,h,„  W'nrt. 
verlasse  mich  auf  d.  W.  1!  (Z.yro).  .Dir  kiiid  kh'btent 
der  mueter  :in,  die  nmcter  hueb  sich  an  den  mann 
Ibriiii  Hercinhreclieii  der  Sündflut].'  HvRüte  1546. 
.Er  hat  nacligehissen  auf  (jutt  zue  vertrauen,  will  sich 
fürhiu  an  Elia  heben.-  FWvss  li;.".(i.  Du  cha"st-di''' 
dernä'''  ha,  danach  richten  tiG.  .Soll  er  [der  Wirt] 
sich  darnach  han  [darauf  einrichten],  dass  er  syne 
gest  Übernacht  behalten  und  leggen  mög.'  Z  Mand. 
1530.  ,Vergiss  auch  nit,  dass  man  anzeig,  dass  sich 
der  wirt  nach  gesten  heig.'  JMurer  1560.  ,Si''''  dervo" 
ha,  amovere  se.'  Id.  B.  Heb  [nimm]-;//'''  wol  in  Acht ! 
Baüerngespr.  ,So  wollent  wir  uns  darinn  haben  [in 
den  drohenden  Händeln  verluiltenl  in  uiassen.  wir 
getruwen,  uns  unverwisrnlidi  svii  solle.'  1474,  Bs 
Chr.  II  95  Anni.  1.  —  :;i  mit  l'.i ..-' od.  Sach-Obj.:  wert 
halten,  schätzen,  ally.  Li  lu:l  Chiiid  und  Chile  glich 
hoch  Gl.  a)  viel  oder  wenig  auf  Einem,  auf  Etw.  h.; 
,raagni  vel  parvi  facere.'  Id.  B.;  Z.  Nöut  dröuf  ha, 
missbilligen  UwE.  Si  händ  vil  uf  enand,  de'  Hans 
und  d'  Vre.  !'''•  hä  Ni'it  iif-cw  Sjieck,  ich  esse  den 
Sp.  nicht  gern  Z.  Fr  Im  nl  uf  rede",  er  spricht 
gern  B.  S.  noch  bei  (-..///,/  VA  I  7-:.;  (Mit  Sp.  286.  Mit 
zugesetztem  Dat.  P.:  Kiucni  i:t\\.  (hocli)  anrechnen. 
Me"  het  im  nid  vil  druf,  niiuint  i-^  )liiii  nVA  Sc-HSt.;  Z. 
,Von  dir  ist  es  auch  nicht  lnavs;  dn  tatest  sonst 
deinen  Meien  ab  dem  Hut.  Ich  h.ihr  dir  aber  Nichts 
darauf.'  Gotth.  ,Denen  [Söhnen]  ihre  Alten  [Eltern] 
Nichts  darauf  hätten,  wenn  .sie  nicht  alle  halben  Jahre 
eine  Ausmacheten  [Streithandel,  Schlägerei]  hätten.' 
ebd.  ,Er  hat  vil  auf  dem  Herrn  gehebt.'  1531/48, 
Psalm.  ,Ä,  trachtend,  was  es  mit  im  bring  [was  es 
für  Folgen  habe],  wenn  ir  gar  nüt  habend  uf  Gott.' 
Ruef  1.540.  ,"\\'"  [wL-iin]  wir  diss  volk  so  möchtiud 
zwingen,  dass  (iutt  iiüt  lutt  uf  Iren  dingen.'  ebd.  1550. 
,Was  sollt  man  lian  ul  .innii  Gott,  der  syn  volk  macht 
zue  schand  und  s|hitt  y-  .I.Mcrer  1559.  ,Parcus  et  con- 
tinens,  der  wcdoi-  auf  u-rlt  noch  woUust  hat,  behuot- 
sam.'  Fris.  ,G"ttl"sc  la-iil,  die  auf  den  Mittlen,  so 
von  Gott  verordnet  sein.  Nichts  haben  und  dieselben 
verachten.'  JRLandenb.  1608.  ,Doch  so  hat  die  Priester- 
schaft nit  vil  auf  ihnen  [den  Goisslern],  meinten,  sie 
trieben  Gleissnerei.'  JJBreit.  16'29.  —  b)  ,h.  für'. 
,Für  Oppis  Ica,  dignari,  magni  facere.'  Id.  B.  a)  mit 
Acc.  P.  Eine"  für  Öppis  ha,  hochschätzen,  achtungs- 
voll behandeln  GG.;  Z.     F''  han-en  fi'tr  en  Erema"" 


halten  (heben) 


884 


ÜR.  r''  hmi-e"  7iid  für  erlich.  allg.  S.  noch  bei  Holz; 
Karr.  Etwas  verschieden:  Eine"  der  für  ha,  Einem 
die  Ehre  antun,  ihn  ura  Etw.  anzusprechen,  oder  ihm 
dafür  Dank  schuldig  werden  wollen.  I  hätt-em  's 
gern  ta',  wenn  er  mi"''  hält  möge'  derfür  ha  (wenn  er 
nicht  zu  stolz  gewesen  wäre).  !<•''  möcht-en  nid  derfür 
ha,  auch  bisweilen:  ich  möchte  es  ihm  nicht  zumuten, 
mir  Dieses  oder  Jenes  zu  geben  Aa;  B;  L;  G;  S;  Z. 
,Die  will  ich  niclit,  lieber  will  ich  sterben.  He,  sagte 
Mädi,  liiih-iiir''  ,rrf'iir.  ii"'  luen  de"",  was  i''' im  Stang 
bi",  für  dr''  :'  lue".-  GoTTH.  I"''  ha  mi'''  niid  derfür 
welle  ha  z'  rede",  mich  nicht  dazu  hergeben  wollen  B. 
Es  het  sich  Mänge''  nit  derfür,  sich  mit  eme  Füf- 
frankier  gege"  Husbettel  ga,  !■■*  möcht  säge",  z'  ver- 
assekuriere'  B  (Bari  188G).  ,Ich  hab  weder  die  christ- 
gläubigen noch  mich  dafür,  dass  ir  gloub  so  schwach 
sye.'  ZwiNGLi.  ,Ir  send  uns  darfür  ganz  nit  han, 
dass  wir  syen  söliche  mann.'  SBirk  1532.  ,Hast  du 
uns  darfur,  dass  wir  sygind  so  unTerschamt'  Ruef 
1540.  ,Man  hat  in  für  hochfertig.'  JJud  1574.  ,Ein 
teil  wend  dich  Messiam  han,  der  ander  teil  will  anders 
dran.'  Aal  1549  [ohne  die  Präp.,  nach  lat.  Art].  ,Und 
ist  ze  verwunderen,  ob  er  doch  g'meine  Eidgnosseu 
für  so  grobs  Verstands  habe.'  1551,  HBüll.  ,Etlich 
sind,  die  disen  [Geier]  für  den  grossen  habend.'  Vogelb. 
1557.  ,Ich  hatt  mich  selb  für  ein  g'leert  mann,  das 
aber  kann  ich  nit  verstau.'  JMdrer  1559.  ,Wer  Gott 
nit  vertruwt,  in  [nit]  darfür  hat,  dass  er  sei  gwüss.' 
Häberer  1562.  —  ß)  mit  Acc.  S.  Ich  ha  das  für  alt, 
sehe  das  für  alt  an  Z.  Er  mues  es  für  Öppis  ha, 
er  muss  es  als  eine  besondere  Gefälligkeit,  eine 
Ehre  ansehen,  halten.  Ei-  hat  's  für  Nüt,  er  sehätzt 
es  für  Nichts  Z.  I"'  ha  's  für  Öppis,  ich  lege  der 
Sache  einen  Wert  bei  B;  Z.  .Wie  kannst  nun  brot  für 
fleisch  haben?'  UEckst.  ,Wenn  Gott  die  Straf  schickt, 
hatten  sy  es  für  Nichts,  brummletend  wider  Gott.' 
Fasn.-Pred.  1601.  .Verlachet  und  für  gedieht  g'heht.' 
LLäv.  1569;  dafür  .gehalten.'  1670.  —  f)  mit  unbest. 
,es'  oder  ohne  Obj.:  dafür  halten,  eine  Meinung  haben 
und  aussprechen.  J"''  ha  ('s)  derfür,  ich  sehe  die  Sache 
so  an,  ich  meine  B;  Z.  ,Wir  hotten  hand's  darfür, 
der  herr  hab  im  söliche  red  befolen.'  1521,  Strickl. 
,Wäre  der  houptmann  nit  herus  kommen,  so  hab  ich 
darfür,  sy  heften  in  geschlagen.'  1521,  ebd.  Ebenso 
bei  ZwiNGLi  (1,  93).  ,Hab's  darfür!'  (formelhaft)  = 
.glaub  "s  nur.'  Ruep  1550.  ,Von  Eim  ha,  Judicium 
ferre  de  alqo.'  Id.  B,  wie  nhd.  —  4)  mit  Adj.  als 
Appos.  Das  hebt  warm  Gr;  Z.  Nid  lang  warm  hebn", 
auch  bildl.  =  keine  lange  Freude  bereiten  Gr.  .Dass 
er  [der  Patient]  sich  warm  heige.'  XVII.,  B  Arzneib. 
, Einen  guet  h.',  in  guter  Gesinnung,  Stimmung  (er-) 
halten  Z.  —  5)  festhalten,  a)  Menschen  oder  Tiere 
im  Zaum  h.,  im  Lauf  aufhalten.  Er  hät-mi'''  g'hahe" 
ScuSchl.  Hättsch-es  g'hebt,  so  war  's  nit  vertloffe",  ent- 
laufen Aa;  Z.  Händ-e'  UwE.;  Z,  heit-e  BsL.;  B;  S, 
hebed-e!  Ap;  G;  Z  ruft  man,  im  Ernst  oder  Scherz, 
hinter  einem  Flüchtling  her.  Gang  [steig]  ab  und 
häb  d's  Boss!  Gotth.  Von  einem  grossen  Hund:  De*" 
mag  Ein(e")  hebe,  wenn  er  uf  Ein  ztte  chunnt!  Bs.  Er 
ist  nid  z'  ha,  im  Hause  zu  behalten  Bs ;  Z  (vgl.  aber 
auch  A  1,  1  f).  Si'''  nit  hebe"  lö°,  zurückhalten  lassen 
Bs;  Z.  Häb's  Büsi!  Umdeutung  von:  ,excusez!'  Aa. 
,Doch  sage  ich  es  nicht,  um  dich  an  deinem  Wort  zu 
heben',  festhalten,  behaften.  Hebel.  ,Wer  syn  [des 
rbeltäters]   gewär  wirt,    der    soll    zueschryen   armen 


und  rychen,  unz  dass  er  gehebt  werd  in  dem  gericht.' 
XIV.,  G  Stadtbuch.  ,Wä  ein  burger  den  andern  er- 
sticht, dass  den  yedermann  haben  (heben)  soll.'  1327, 
ScH  Stdtb.  ,Die  zween  gsellen  heigen  sy  darzue  g'han.' 
1511,  Z  Staatsarch.  ,Uf  sölichs  legt  N.  N.  die  band 
an  das  schwert  und  wurde  doch  durch  die,  so  darby 
stuonden,  gehept  und  gehalten.'  1532,  Absch.  ,Er 
stach  den  Bären,  als  er  sein  gross  Maul  auftät,  mit 
seinem  Spiess  hinein  und  hebt  ihn  also,  bis  man  ihm 
zu  Hülfe  kam.'  ZWthur  1532.  ,Dyn  liebliche  gstalt 
hept  mich  so  streng  mit  gwalt,  dass  mir  kein  andre 
gfallt.'  Aal  1549.  ,Üch  lang  zue  heben  [aufzuhalten] 
hat  nit  fueg.'  Fpkkelin  1553.  ,So  sy  [die  Fledermäuse] 
im  luft  hangend,  habend  sy  die  jungen  mit  iren 
klawen.'  Vogelb.  1557.  ,Lueg,  heb  das  tier  wol  in 
der  band,  gang  im  nit  z'  nach,  dich  vor  im  goum  und 
heb  das  wol  by  synem  zoum,  dass  es  in  dir  doch  nit 
entzück  und  dir  entrünne.'  Haberer  1562.  ,Er  tuet, 
als  wann  er  sich  selb  erstechen  wollt,  hebt  man  in.' 
Holzwart  1571.  ,Ihr  Buchen,  tuend  die  Hund  wol 
han.'  MvRicius  1630.  .Welcher  über  den  Andern 
trunge.  dass  man  ihn  heben  müesste,  der  soll  die  Trö- 
stung gebrochen  haben.'  GrD.  LB.  1646.  Aufrecht  h., 
unterstützen  (auch  bildl.).  Heb-mi''',  dass  i"*  nid 
falle!  Z.  Er  hät-mi''' g'habe"  ScaSchl.  Es  schint,  du 
heilst  de"  Barth  khäbef,  ihm  geholfen,  seine  Partei 
ergriffen  Ap  (Bürger-  und  Bauernfr.  1825).  , Retine 
me,  obsecro,  lieber  halt  oder  heb  mich,  dass  ich  nit 
fall.'  Fris.;  Mal.  ,Reck  mir  her  die  Achslen  dein, 
darmit  ich  mich  drauf  heb  und  steur.'  GGotth.  1599. 
,Gott  erbarm  sich  unser!  dass  wir  fallen  müssen  über 
den  Stecken,  an  dem  wir  uns  heben  und  gehen  sollten.' 
JMüLL.  1665.  S.  noch  bei  üs-gn  Sp.  '24  (Sch  Stdtb.). 
—  b)  Gegenstände,  Sachen.  Häb's!  UwE.  Was  me" 
nit  i"  Hände"  het,  cha""  me"  nid  hebe".  Sprww.  1869. 
.Was  man  nicht  mehr  heben  kann,  muss  man  laufen 
lassen.'  Sprw.  bei  den  Waisern  im  Vorarlberg.  Wer 
de"  Pfenni(g)  niid  hebet,  chonnd  nüd  zum  ßuldi"  Ap. 
Die  Stunde,  wo  [die]  me"  so  gern  macht  heben,  sl"  am 
allcrgscMvindsfe  vorbei.  Breitenst.  Es  ist  gäng  (alliwilj 
Öjipis,  dass  (wo)  der  Himmel  heb(e)t,  die  Zustände  hie- 
nieden  bleiben  stets  unvollkommen,  denn  es  ist  so 
eingerichtet,  dass  der  H.  nicht  zu  uns  herniedersteigt; 
auch  bei  nebensächlichen  Hindernissen  gesagt  oder 
ohne  tiefern  Sinn  und  dann  etwa  mit  dem  trivialen 
Zusätze:  sust  g'hiti  er  aha  [würde  er  herunter  stürzen] 
BO. ;  Z.  ,Driw  [Treue]  ist  ein  gast,  wem  sy  wirt,  der 
heb  sy  fast.'  1507,  Z  Inschr.  —  c)  refl.  (allg.).  Er 
hät-si'''  amene"  Baum.  Heb-di''-  a"  s&bem  Ast!  !''< 
han-mi'''  an  im  g'hebt,  sonst  wär-i  g' falle.  Spreng. 
jHäbdi'''!  scholl  es  von  unten  herauf;  die  mächtigen 
Rosse  jagten  iin  Trabe,  die  Heraufgeber  sprangen 
nach,  warfen  mitten  im  Laufe  Gabeln  voll  Heu  auf 
den  Wagen.'  Gotth.  Heit-ech  [auf  dem  Wagen],  's  got 
der  Stutz  [Abhang]  ab!  Joach.  1883.  Oft  nur  scherzh. 
wenn  Einer  ausgleitet:  häb-di  am  Ätti!  L,  am  Gras! 
GBern.,  am  Bade" !  Z ;  Fritzli  Häbdi,  fingierter  Per- 
sonenn.  bei  Gotth.  Iron.  sogar  zu  leblosen  Dingen 
gesprochen,  welche  zu  fallen  drohen  Gl;  Z.  Wenn 
die  Näherin  weite,  flüchtige  Stiche  macht,  soll  sie  zu 
ihnen  sagen:  Hebed-i,  es  sind  ewe""  wenig  Z.  .Man 
soll  dem  schwachen  syneu  stab,  daran  er  sich  hebt, 
nit  US  der  band  ryssen ...  So  aber  ein  schwacher 
sich  hebt  an  ein  ror...'  Zwingli.  .Kräwel,  damit  [die 
Fledermaus]   sich  an  den  mauren  und  wänden  heben 


885 


haben  (lieben) 


k;uin.'  VoGELB.  lä.iT.  —  d)  mit  uiibest.  Obj.  ,es',  z.  T. 
auch  mit  unbest.  Subj.  Es  liet  's,  hält  fest,  Stand, 
tut  den  Dienst  B  (versch.  von  A  1,  2  a  a,  dagegen 
gleichbed.  mit  B  2  c  ohne  Obj.  ,es-).  Es  Chötteli  [kleine 
Kette]  lief  's  oh,  tut  den  Dienst  auch.  Es  hed  's  nümme" 
lang,  's  het  's  Alls,  so  lang  es  ma'.  Sprw.  's  Iseh, 
's  Brett  udgl.  het  's,  ist  stark  genug,  wird  nicht  brechen. 
D's  Wetter  häd  's  nid,  hat  keine  Dauer,  Beständigkeit. 
Da  Misch  e"  grobe"  Stecke",  dr  sott 's  ha!  Mier  hei' 
üs  d'ra'  g" wannet  [gewöhnt];  het'safi  lang  ^so  g'ha, 
wird  's  uol  öppe"  länger'  fso  han.  ,Er  wolle  gleich 
recht  viel  zusammen  machen  lassen,  es  hätt's  dann 
eine  gute  Weil.'  Gottb.  Wenn  si  's  numme'  hei",  bis 
si-m'r  US  de"  Fingere'  si",  sagt  der  gewissenlose  Flick- 
schuster. Als  ein  Baumeister  von  Bern  den  Tempel 
Salomo's  ein  elend  Bauwerk  nannte,  sagte  ein  Pfarrer: 
Er  het  's  emmel  g'ha!  N.  B  Kai.  1841.  —  6)  zurück,  fest- 
halten ;  Syn.  vei--li.  D'  t'r  hebe,  retarder  ScnSt.;  Gegs. 
nahe'  lä".  Heb  d's  Mal,  d'  Gosche'  G;  Z.  Er  hat 's 
numme'  vtüge"  g'hebe,  da  hat  er  aber  usjxickt  und  g'sät 
gad  was-fjui  i's  Mal  ko"  ist  GBern.  .Gesungen  hätten 
sie  [im  Wirtshause],  es  heig's  duecht,  d'  Wäng  sötte" 's 
nit  ha.'  Gotth.  Heit  numme  ke  Chummer  [beruhigt 
die  Mitfahrende,  in  deren  Rocktasche  eine  Flasche 
sich  entkorkt  hat.  ihre  Nachbarin],  der  Sack  het  's. 
MWalden  1880.  ,Hab  dyn  mul  zue  und  lass  vom 
bochen.'  Euef  1540.  ,So  ycmants  das  wasser  nit  wol 
heben  kann,  als  die  bettseicher.'  Tierb.  1563.  Kefl.:  ,Er 
kann  sich  nicht  heben',  kann  sich  (vor  Hitze  od.  Zorn) 
nicht  fassen  Sch;  Syn.  be-h.  Unpers. :  Es  hebt-mi"'', 
vom  Lähmungszustand  GaPr.  Es  hebet-e',  er  ist  nach 
Etw.  ausserordentlich  begierig,  kann  aber  nicht  dazu 
kommen  Gl  (Schuler).  —  7)  behalten.  So  heb  dln 
Setzchopf!  beharre  auf  deinem  Eigensinn.  Stutz.  Wenn 
d'  doch  Ntld  wi"t  tue"  für  's  Za'u-e  [kein  Mittel  da- 
gegen anwenden],  so  heb 's!  Z.  J'*  hä's  bl-mer  selber, 
ich  behalte  es  bei  mir,  ich  verschweige  es  G;  Z. 
A.  Chiimm,  tue-mer  Bscheid!  B.  Nei,  heb  nW  ror-di^r, 
/'''  will-aic''  [eignen  Wein]  lö'  cho".  Stütz.  , Heben'  = 
festhalten,  nicht  losschlagen;  geizig  sein  Sch  (Kirchh.); 
vgl.  hthig.  Es  ist  besser  g'ge'  [gegeben,  geschenkt 
oder  verkauft]  und  g'rouen  [gereut]  als  g'ha  und 
g'rouen  L;  ScH;  Z.  ,So  sollen  die  Vorgesetzten  einen 
solchen  [Lehrer],  obgleich  einige  ihn  heben  wollten, 
Verstössen  mögen.'  1737,  ArHeid.  Schulordn.  —  8)  ab- 
halten. ,Eine"  derro'  ha,  distrahere.'  Id.  B.  ,Ir  band 
ein  wolgebuwen  rathus,  das  wol  vernuetet  ist;  dan- 
noclit  hebt  es  den  luft  so  wol  nit'  Vad.  —  9)  h.  zu: 
anhalten,  z.B.:  D'  ChindCer)  zum  Verdiene'  [zur  Arbeit] 
ha  B;  Z.  ,Zue  Öppis  ha,  obligare,  obstringere.'  Id.  B. 
,Wer  den  [Frieden]  nit  hielt  mit  eide,  dem  müesst  es 
werden  leide,  man  wollt  in  [ihn]  darzue  han.'  B  Lied 
1536.  Mit  Umschreibung  der  Bestimmung:  ,N.  N. 
truog  ein  brief  dem  ammann,  dass  er  die  60  hott  [zur 
Gebühr  anhielte]  von  des  sweris  [Beschwörens  des 
Landrechtes]  wegen.'  1408,  G  Seckelamtsb.  —  10)  ent- 
halten, fassen,  von  Hohlmassen  GrD.  ;  Z;  Syn.  tuen. 
Das  G'sehirr  het  .'>  Masse"  W.  Das  Fas"  hed  ö  Soim 
Uw.  Eso  ne  runde  Löffel  hebt  e'  Deziliter.  Hilar. 
1888.  —  11)  refl.:  sich  verhalten.  ,Es  zwyflet  mir 
gar  nit  daran,  die  sach,  die  werd  sich  also  han.'  Fun- 
KELiN  1553.  ,Die  sach  sich  also  hatt.'  Haberer  1562. 
—  2.  ohne  Obj.  a)  Stand  h.  (einer  Belagerung).  ,Die 
fründ  zue  Nüsse  werden  hertiglich  genötiget.  Sy  haben 
noch  fast,  als  erbar,  fromm  lüte.  die  sich  nun  16  Wo- 


chen lang  gewert  hand.'  1474,  Bs  Chr.  ,Die  Statt 
gwann  er  bald;  das  Schloss  huob  ein  WyL  ergab  sich 
aber  auch.'  Eüeg.  1606.  —  b)  still  h.  a)  von  einer 
Bewegung  ablassen.  Haltmachen,  an-,  einhalten.  ,Hcb! 
beiten.  losen,  wir  wend  ouch  luogen,  was  sy  machen.' 
HvRüTE  1532.  In  einer  Disputation:  ,Do  sprach  L. : 
Heb!  ich  will  formaliter  procedieren.'  Zwingli.  Mit 
beigefügtem  Adj.  (Adv.,  Interj.):  0  heben,  im  Fahren 
anhalten  Gl.  Hab  6 !  Heb  6 !  Z.  BiUl:  's  liebt  e  chli 
öha,  es  lässt  ein  wenig  nach  AaHI.;  s.  noch  Imf! 
Still  h.,  in  einem  Tun  (Laufen,  Fahren,  Reden)  inne 
h.,  ruhig  bleiben,  allg.  .Herr  Collatin,  nun  hebend 
still',  haltet  ein  mit  Reden.  HBdll.  1533.  Herodes 
zu  seinem  Diener:  ,Heb  still,  ich  weiss  der  sach  nach- 
z'gon.'  FcKKELix  15-53.  ,FriEnum  mordere,  widerstreben 
und  nit  wollen  still  haben.'  Fris.  —  ß)  ruhig  leidend 
herhalten,  zum  Tun  eines  Andern  Aa;  Z;  Syn.  anne" 
ha.  Er  tnos  [muss]  heb,f,  ist  Gegenstand  der  Ver- 
folgung, oder:  muss  Etwas  an  sich  kommen  lassen, 
z.  B.  Vaterschaft  eines  Kindes,  Bürgschaft  Ar.  Zu- 
weilen geradezu  =  sterben,  auch  von  Tieren  Z.  Syn. 
dran  glauben  müessen.  Es  ist  eso  ehalt  gsi,  i  hä  fast 
müesse'  hebe"  Z  (Spillra.).  ,Heb  still,  du  narr  und 
grosser  gouch,  muost  sterben  mit  den  wysen  ouch ! ' 
NMan.  ,Moleste  ferunt  obj  urgare,  sy  habend  ungern 
still,  wenn  sy . . .'  Fris.  —  c)  festhalten,  a)  von  Per- 
sonen. .Wenn  die  Mähre  in  einen  Trott  verfiel,  schrie 
[die  Mitfahrende]  Anne  Bäbi  alsobald  auf:  Herr  Jener, 
häb,  hüb,  lue^  doch,  si  wott  ga!'  Gotth.  Heb  guet! 
halte  recht  fest!  B;  Z.  Häb,  lass  nit  (lo)  gö!  L.  Mit 
bede"  Hände"  g'hebet  dra'.  Stütz.  Es  ist  e  schd"s  Hebe 
mit  bede  Hände  GBern.  ,Als  der  Meister  mit  dem 
Bilde  [welches  auf  das  Frontispicium  der  Kirche  ge- 
pflanzt werden  sollte]  schon  hoch  auf  der  Leiter  stand, 
erfolgte  das  Erdbeben;  da  schrie  der  Mann  ängstlich: 
Herrgott  heb!  heb!  i'*  trill  rt«"'  hebe".'  Kvd  1860.  Es 
ist  (gät),  wie  wenn  Eine  heidi  mul  ihr  Ander  nüd 
wett  ga"  la",  oder  wie  wenn  Sih,"  h,hii,l  mul  der  Acht 
nüd  gä'  liessi,  wie  wenn  Drei  lu'l,li,l  uml  Ki'iiie''  wett 
gä'  lä"  Z ;  er  schafft,  wie  wenn  7  hebtid  usw.  Sch,  die 
Arbeit  geht  nicht  von  Statten.  ,Er  müge  gan  alder 
ryten  an  heben  und  an  füeren.'  14.32,  Zg.  ,Da  muess 
die  weltlich  hand  fest  heben,  dass  Christus  ufrecht 
blyb.'  Zwingli.  ,A1so  dass  einer  möge  an  heben  und 
füeren  und  äne  stecken  für  das  hus  gan.'  1480,  L. 
.Tun  [tue]  hernach  die  Sälbhäft  [des  Heftpflasters] 
auf  den  Haft,  so  hilft  sie  auch  wol  heben.'  Würz  1634. 
Ä("  und  lä"  (nachgeben,  nachlassen).  Me"  muess  gäng 
e  chlei  ha  und  gäng  e  chlei  lä"  (gä"),  d.  h.  Beides  am 
rechten  Ort  und  mit  Mass,  Forderung  der  Lebens- 
weisheit; z.  B.  sparsam  sein,  ohne  geizig  zu  werden 
BS.;  S.  Syn.  vor  und  nach  geben.  Me"  muess  wüsse" 
z'  heben  und  z'  lö".  Sulger.  ,Man  muss  im  Handel 
heben  und  lassen  können.'  ünsichtb.  1793.  , Warin 
und  an  was  orten  einer  statt  zue  han  und  lan  wäre.' 
ThFrickart  1470.  ,Nabal  könnt  weder  haben  nach 
lassen,  er  gab  on  zwyfel  us,  da  es  nit  notwendig  was. 
dargegen  was  er  karg,  da  er  ein  railte,  frygebe  band 
sollt  ghept  haben.'  LLav.  1584.  ,Ein  verständig  wyb. 
die  sich  der  hushaltung  verstat,  die  haben  und  lassen 
kann,  wie  man  sagt.'  ebd.  In  anderm  S.  beim  Kaiser- 
spiel: Wemmer  ha  oder  la?  das  Spiel  aufnehmen,  bzw. 
fahren  lassen;  vgl.  .passen'.  Dra"  ha"  müese",  sich 
in  eine  widrige  Lage  fügen,  ergeben  m.;  die  Folgen 
einer    unbedachten  Handlung  tragen  m.   .\i';   Gi,;    '/,: 


887 


haben  (lieben) 


Syn.  täiie'.  Si  hat  ere  [sich]  nie  Sorg  g'ha,  bis  si 
chrnnk  worden  ist,  res  mues  si  dra  ha  Z.  Er  mues 
sire  Lehtig  [sein  Leben  lang]  drä  ha  Z.  Sich  an  Etw. 
genügen  lassen,  damit  auszureichen  suchen  Ap;  ä. 
—  P)  von  Körpern:  fest  sein;  haften;  zshalten.  Heb- 
chleb!  zur  Not  B;  Z.  Heb,  chleb!  läng  Stich,  heit 
enand!  BBurgd.;  s.  5  c.  .Während  der  Pachtzeit  das 
Material  nur  in  dringlichsten  Fällen  unterhalten, 
sonst  aber  gar  nicht  oder  nur  von  der  Hand  in  den 
Mund,  höh.  chleb!'  B  Streiflichter  1869,  Auch:  Htib 
di'*- chleb  di"''!  BGerz.  's  wur*  kein  Tropfe"  Wasser 
uf  im  obe'  hebe",  von  einem  fetten  Stück  Vieh.  Sdlcer. 
Der  Lade'  het  (hebt),  das  Brett  hält  fest  B;  Z.  D's 
Isch  [Eis]  hat  nit,  trägt  nicht  W.  Die  Tafele  hed 
nid,  das  Gemälde  hängt  nicht  fest  Uw;  ebenso  von 
einem  Tisch,  der  wackelt.  Die  Schnuer  ist  z'  schwach, 
si  hebet  nid;  die  Nät  hebet  nid;  de  Zapfe'  hebet  fest  Z. 
,Der  Meerschaumdeckel,  der  nicht  mehr  ghebt  hat.' 
UsTERi.  Schi  [sie.  die  Krystalle]  hebend  wie  der  Tügger, 
wenn  man  sie  von  ihrer  Fundstelle  lösen  will  OnPr. 
Hebe',  ganz  bleiben,  nicht  zerfallen,  von  Äpfeln  beim 
Kochen  GRHe.  ,An  enandere  ha,  junctum  esse.'  Id.  B. 
.Trinken,  bis  man  Angst  hat,  d'  Hut  heig  nimme 
[berste,  platze],'  Gotth.  ,Wann  die  Binden  [Pflaster- 
streifen beim  Verband  eines  Beinbruches]  recht  ge- 
schnitten sind,  so  heben  sie.'  Würz  163-1.  Übertr. 
auf  Geistiges:  Geht  dann  enanderena'''  zum  Pfarrer 
M"«*  g^t  d's  Hochzit  a";  leenn  's  denn  einmal  angegeben 
ist,  so  wird  's  de"'  wol  hay.  Gotth.  ,Ein  rechter  Schrei- 
ber werde  es  [ein  Schriftstück]  schon  machen,  dass 
es  hätte.'  ebd.  Es  will  käs  Miieme'  me'  hebe'.  Usteri. 
,Laut  alter  Sage  soll  der  selige  Bruder  Klaus  zu 
Schwyz  auf  der  Haggenegg  gesagt  haben:  Schwyz. 
heb,  heb,  heb!'  LKInderbitzi  1831,  Sprichwörtlich: 
Das  hed,  wie  d'r  lutherisch  Glaube,  das  hält  fest,  Be- 
kräftigungsformel L.  's  hebt  nit,  wenn-mc  die  drei 
Schlösser  von  Aarau  dra'  tat,  Wortspiel.  Sprww.  1824. 
Was  men  am  Sunntig  macht,  das  hebt  nüd.  ebd.  Zwei 
Mal  püezt  [genäht]  hdd  gtiet,  es  ist  sicherer,  doppelte 
Vorsorge  zu  treifen  Z.  Heb  guet  und  war  lang!  sagt 
im  Scherze  der  Handwerker,  wenn  er  Etw,  befestigt 
hat  Z,  oder  sagt  man  in  Bez.  auf  angenehme  Ver- 
hältnisse, denen  man  Dauer  wünscht  G.  Dauerhaft 
sein,  aus-,  anhalten.  Von  Kleiderstoffen  B;  W;  Z, 
Selb  ist  kei"  guet  Zug,  's  hebt  nid  lang  AAZein.  D'  Öpfel 
hebe'd  hür  nid,  faulen  bald  Z.  Es  hat  no"''  lang 
g'hebet,  von  einem  Vorrate,  der  länger  ausreichte,  als 
man  erwarten  durfte  Z.  Es  macht  [regnet]  dick  und 
chlei',  dass  ['s]  lang  hei  [für  lange  ausreiche],  von 
einem  Staubregen.  Sulger.  Vom  Wetter:  's  Wetter 
het  oder  hebt  (nümme"  lang)  Aa;  Ar;  G;  S;  Z.  Der 
erst  Sehne  hebet  nüd  Z.  De'  Nebel  hebt  Z.  ,Den 
3.  Jenner  schneite  es,  hebte  aber  nicht'  1781,  ZZoll. 
Tageb.  Übertr.  auf  Menschen :  Er  hebet  nümme"  lang, 
von  einem  Kranken,  der  bald  sterben  wird  GG.;  Z. 
Freiji  Gest  hebe"  nit  lang  BsBirs.  S.  noch  bei  isin 
BdI547.  —  d)  zurückhalten,  hindern;  unpers. :  fehlen. 
Wo  het 's  (hebt's)?  Aa;  B;  S;  Z.  Es  hebed  neb^',  es 
ist  irgendwo  ein  Hinderniss.  Wo  hebed  's?  wo  fehlt 
es,  z,  B,  dem  Kranken  Ap;  Z.  Es  hebet  mir  im  Bei" 
GF.  Wo  hebt's,  dass  d'  i^so  lang  niit  cho'  bist?  dass 's 
nüd  will  brenne"  im  Ofe"?  Z.  Mir  händ  zun  Weber- 
stüele"  gar  kei'  Platz,  wenn  's  nw  dö  nüd  hebe  wor 
[würde]!  Stütz.  Arne  [an  einem]  Morged  ist  d'  Müh 
uf  efmal  g' stände';   der  Müller  .steid   uf  gn"  luege'. 


im  [wo]  's  liebi  Gr  (Schwzd.).  's  het  numme"  an  dir 
g'hebt,  sunst  war  die  Sach  g'rote'.  Spreng.  .Endlich 
sagte  der  Doktor:  Lue'',  Frau,  ich  weiss  noch  nicht, 
wo  es  hat,  ich  sollte  ihn  sehen.'  Gotth.  Es  wird 
hebe"  [schwer  halten],  bis  er  zu  Öppis  chunnt  .AAZein.; 
Syn.  Harz,  Mus  ha";  es  mues  wellen.  ,Er  sprach: 
Wo  hebts,  ihr  EidsgenossenV  wollte  hiemit  vom  Pferd 
fallen,  aber  er  ward  abgemahnt.'  1586,  D Zwinger.  — 
e)  mit  Präp.  od.  Adv.  1)  ,an  sich  h.'  a)  beim  Rudern. 
Häb  an  di'''!  B  (Zyro).  —  ß)  sich  zsnehmen.  Heb 
an  di'''  und  icer-di'''  guet!  B  (Gotth.).  ,Nach  welchem 
Spruch  der  abt  das  selb  jar  an  sich  hueb',  sich  zurück- 
hielt, keine  weitern  Ansprüche  erhob.  Vad.  —  '2)  ,zu 
Einem  h.',  zu  dessen  Partei  stehen,  ihm  helfen  (wie 
nhd.).  Wenn  's  Züseli  zue-mer  hebet,  so  muess  er 
no''''-ge".  Fam.-Kai.  1886.  ,Ha  an  Ei"m:  fidem  ha- 
bere.' Id.  B.  —  3)  ,mit  h.',  Teil  nehmen,  z.  B.  am  Essen 
Aa;  B;  Z  (wie  nhd.).  —  4)  ,derhinder  h.,  geheime 
.Absichten  haben.'  Id.  B.  —  5)  ,drob  h.,  legibus  stare.' 
Id.  B.  —  6)  (Ei"'mJ  grad  häba,  (Einen)  im  Singen 
begleiten,  sekundieren,  indem  man  den  Grundton  fest- 
hält, z.  B.  beim  ,Ruggussen'  Ap.  —  f)  eine  Richtung 
einschlagen  und  einhalten;  nach  Etw.  zielen,  streben, 
Hechts  h.,  nach  rechts  gehen;  uf  d'  Site"  h.,  sich  seit- 
wärts wenden  Z.  Heb  a's  Land  zue!  steure  ans  Ufer 
Z ;  vgl.  mhd.  enlant  haben.  Geh  du  nur  grad,  bis  du 
links  use'  musst,  und  wenn  du  e  Stung  links  g'ha  hest, 
so  häb  de'"  rechts.  Gotth.  Nebe"  iis  ha,  ausweichen, 
neben  aus  gehen  oder  fahren  BM.  Ganget  mer  e  chli 
US  Weg,  heit  dänne"  [auf  die  Seite],  machet  Platz! 
Dr  Bari  1883.  .Beim  Misten  wollte  der  Melcher  nur 
das  Gröbste  oben  ab  nehmen;  [da]  sagte  Uli,  sie 
wollten  ein  wenig  z'  Boden  ha,'  Gotth.  Of  de'  Stuel 
häba,  an  der  Landsgemeinde  sich  drohend  um  die 
Bühne  drängen;  of  Hostig  ha,  auf  Hochzeit  Bedacht 
nehmen  Ap.  Of  gö  häba,  sich  zum  Gehen  anschicken; 
sich  im  Gehen  befleissigen.  ebd.  Mer  müessen  uf 
Rücke"  ha,  müssen  darauf  halten,  dass  es  vorwärts 
geht  (rückt),  dass  wir  weiter  kommen  B.  Häb  uf 
Pressiere"!  spute  dich!  B.  Mit  Eim  emal  us-em  Feld 
ha',  sich  ihn  ein  für  alle  Mal  vom  Halse  schaifen  Z. 
's  het  vil  uf  Segne",  die  Witterung  ist  regnerisch  B; 
GRChur.  Uf  de'  Linge"  [Fortgang]  hebe",  ein  Geschäft 
schnell  zu  vollenden  suchen,  ohne  viel  auf  Solidität 
zu  achten  Gr.  Gang,  Joggeli,  spann  d'  Chüeli  a',  mer 
wend  i"  Heuet  fare;  me'  muess  jetz  streng  uf  's  Wetter 
ha  [sich  nach  dem  Wetter  richten]  und  schaffe',  was 
me"  schaffe"  man,  me'  cha"  denn  nolier  nare".  Alpen- 
horn  1838.  Uf  Ein  hebe,  ihn  portieren  [bei  einer 
Wahl]  Gl.  Si  hei"  uf-enand,  wetteifern  mit  einander  S. 
E  rechte«  Ma""  muess  obsi'''  ha,  aufwärts  streben. 
Alpenpost  1873.  Ir  Schwi/zer  hend  eister  z'  hech  [zu 
hoch].  Wortspiel.  Postheiri  1864.  ,Drüf  ha,  omnes 
nervös  intendere.'  Id.  B.  ,Das»  uns  besser  dunket, 
das»  wir  wychen  sullen,  denne  für  sich  ze  habenne 
[vorwärts  zu  gehen].'  L  Urk.  1330.  ,Insidias  facere, 
auf  in  halten  oder  laussen.  Torquere  clavum  ad  litora, 
gegen  dem  land  haben.'  Fris.  —  C.  =  nhd.  heben. 
1.  im  gewöhnlichen  räumlichen  Sinne;  Syn.  lupfen. 
Mit  dem  Ruf  heb!  (in  S  hebe)  veranlasst  man  das 
Pferd,  das  Rind,  z.  B.  wenn  es  sich  verstrickt  hat, 
den  Fuss  zu  heben  Z.  D'  Milch  ab-'^em  Für  hä;  d's 
Chind  ab-em  Häfi  ha  B  (Zyro).  ,Dass  [die  Bilder, 
d.  i.  der  Bilderdienst]  mit  der  göttlichen  g'schrift  hin- 
weg mögend  g'hept  werden.'    Zwingli.     .Wenn  Einer 


889 


haben  (lieben) 


gegen  den  Anilern  im  Frieden  dringen  würde,  d.  h. 
sich  im  Zorn  watt'net  und  mit  Schwert,  Degen  oder 
Dolch  tringend  und  hebend  wurde.'  1540,  Assen.  Vgl. 
.Streit  anheben'  und  dazu  den  Bs  Geschlechtsn.:  ,Heb- 
den.'^treit,  gen.  La  röche.'  XV.,  Ochs.  ,Alte  extollcre, 
in  die  höhe  haben.'  Fris.  —  2.  bildl.  in  der  Formel 
.heben  und  legen',  Haushalt  führen,  Geschäft  betreiben. 
?:r  vermag  z'  h.  und  /..  Geld  an  Etw.  zu  wenden  Z. 
Mit  enanä  li.  ii^  l.  1  i  Allrs  .Teil  und  Gemein'  haben. 
•2)  gemeinsclialtlirli  ailH.itm  S.iiSt.  .Ja  frylich  sollend 
die  priester.  die  yntt  lirlh'iid  und  legend  [verwalten], 
reinklich  leben.'  ZwiNr.Li.  ,\Vill  man  uns  bym  glou- 
ben  und  byn  pünten  lassen  blyben,  wellen  wir  by 
inen  [bei  B  u.  Z]  gern  tagen,  h.  u.  leggen,  in  hoffnung, 
dass  es  einer  Eidgnoschaft  loblich  syn  werd.'  1531, 
Absch.  ,Wann  ein  Wittfrau  nach  ires  Manns  Tod  das 
Handwerch  zu  tryben  begehrte,  so  solle  dieselbig 
ebenmässig  schuldig  syn  mit  dem  Handwrn-h  h.  u.  1. 
samt  irem  Gsind.'  16o7,  Z  Handwerksordn.  .:\Iit  .•iii.Mii 
h.  u.  legen,  omnia  communia  et  coiijuiirta  h.ilicrc.- 
Mey.  Hort.  1(19'2.  .Die  Gesandtschaft  von  Ndw  ist  in- 
struiert, auf  die  Eintracht  der  Stände  hinzuwirken  und 
mit  selben  zu  h.  u.  zu  1.'  1764,  Absch.  —  3.  E  Kind 
hebe",  aus  der  Taufe  heben,  zu  Gevatter  stehen  Bs 
(Spreng);  Sch.  Brut  und  BriJcum  [Bräutigam]  händ 
e  Kind  mit  enander  g'heht.  In  dieser  Verbindung  und 
Bed.  gilt  sonst  die  Form  haben  ScawMa.:  Tu:  7  (auch 
vom  Paten).  ,Dass  er  sy  huebe  usser  d'-in  l.iuf.-;  die 
er  usser  dem  toufe  gehaben  (erhaben).-  .Mom:.  I'rid.ilin, 
Inzwischen  soll  jedes  Ort  beraten,  was  für  rieniiinge 
man  der  Gotten  einbinden  und  der  Gevatteren,  so  die 
Tochter  heben  wird,  als  Stigpfennig  geben  wolle.' 
1.547,  Absch.  IV  1  d  885;  vgl.  ebd.  899.  .Huob  ich  ein 
kind  US  dem  touf.'  Salat.  ,Diss  sind  die  kind.-r.  die 
ich  US  dem  tauf  hab  ghaben.  Das  nünt  kind.  das  ich 
US  dem  tauf  g'häpt  han.  Das  zehend  kind,  das  ich 
ghept  han.'  1.540/73.  UMey.  Wint.  Chr.  ,Dass  er  den 
könig  auss  der  taufe  gehaben  [habe].'  Vad.  , Welchen 
er  US  der  toufe  gehaben.'  1565,  Bs  Chr.  ,Hct  mir  die 
zwen  erstgeborne  Söhn  us  Tauf  gehebt.'  JJud  1574. 
.Ich  muesst  im  eine  junge  tochter  us  dem  h.tauf  haben.' 
JosMaler  1593.  ,Die  das  Kind  by  dem  Touf  habend.' 
Z  Mand.  1603.  ,Mäler,  so  von  des  Kindhebens  wegen 
gehalten  werden.'  ebd.  1016.  .Der  zum  h.  Tauf  ge- 
hebter  Kinderen  halber.'  ebd.  1650.  ,Hat  Einem  ein 
Kind  z'  Tanf  gliaben.'  Schimpfr.  1051.  S.  noch  bei 
Götti  (l-ris.;  Mal.)  Sp.  5'27;  (z.  J.  1572)  Sp.  .529.  - 
4.  rcil.  ai  vonl'LTs, :  sich  entfernen  (meist  nach  dem 
Willen  eines  Andern).  ,Myn  herren  band  yetz  anders 
z'  tuen,  drum  heb  dich  bald.'  HBiill.  1533.  .Heb  dich 
an  galgen,  i  in  crucem.'  Mal.  —  b)  von  Sachen:  ent- 
stehen. ,Wir  band  bishar  gelebt  im  sus,  so  wir  aber 
sollend  gelten  [bezahlen],  hebt  sich  ein  lestren  und 
schelten.'  HsRMan.  ;  vgl.  nhd.  .erheben'. 

Zu  den  Formen  ist  zuvor  zu  bemerken,  dass  von  der 
durch  die  Synkope  verlangten  und  vom  Mhd.  meist  gewährten 
Verlängerung  des  Toc.  in  unserer  Spr.  jede  Spur  verwischt 
und  die  in  der  einen  und  andern  MA.  vorkommenden  a 
durchaus  als  secnndäre,  moderne  Dehnung  zu  betrachten 
sind,  was  deutlich  dadurch  bewiesen  wird,  dass  nirgends  o 
dafür  eintritt.  Ind.  Präs.  Sg.  2.  P.  häH,  liest  schon  XVI./XVII. 
3.  P.  häi  bei  Ruef  1550  (im  Reim  anf  ,bett'.  Gebet).  In  der 
gleichen  Periode  PI.  händ,  hend  neben  hand.  Die  Formen 
mit  ei  schon  im  XIV. /XV.  Conj.  Präs.  hüb  im  XVI.  (spär- 
lich), überwiegend  hrirj,  welches  schon  im  XIV.  auftritt;  bei 
Bigandus    und  Salat    auch    lu-L     Ind.   Prät.   Sg.  !i,uh    IßO«, 


liiuhnid  153'2,  beidemal  i.  S.  v.  .halten'.  Inip.  hth  15 19; 
hüitd  16;<ü  i.  S.  V.  A  und  B;  dazu  die  Personenn.  , Happen- 
stil' Sch  Rodel  1-299  und  ,Hebdenring'  Bs  1504/26.  Ptc. 
//(•Ohan,  gelegentlich  tafnj  XVI./XVII.;  gehaben  XVI.;  i/'heben. 
Lied  V.  1703;  vorwiegend  aber  (auch  i.  S.  v.  A  und  B)  gehebt 
bes.  im  XVI.,  aber  auch  schon  im  XIV.  Die  Formen  kcig- 
frUher  und  jetzt  meist  nur  in  Bed.  A  (auch  als  Hilfszeitw.), 
seltener  auch  in  der  Bed.  B  und  C.  Das  Eindringen  der 
Formen  heb-  auch  in  Bed.  A  und  B  erklärt  sich  t.  aus  der 
ursprünglichen  lautlichen  und  begrifflichen  Vwdtsch.  von 
,h(»ben'  und  ,heben'  (s.  Gr.  WB.  IV  2,  45  ff.  50),  t.  aus  den 
schon  ahd.  bezeugten  Formen  hehix,  kehlt,  hebilu  neben  habe», 
hübet,  habeta  (BianiK  .  Aliil.  I!i.  -l:A^.  Aus  der  Vermischung 
von  .haben'  mit  In  In  ii  hk  I.  In  ;iii.h  in  den  bei  Gr.  WB.  IV 
2,  721  angeführt.  II  Inniini  ,„/,-,;,,,  =  .  I.^vare.  Voc.  S.  Galli, 
erhaben  =eStii\\\  .Main,  limmtrittl  «iklärt  sich  dann  umgek. 
das  starke  Ptc.  gchuben  i.  S.  v.  .gehabt',  während  es  in  Bed.  C 
die  beibehaltene  alte  Form  ist,  im  Nhd.  durch  .gehoben'  ver- 
drängt. Bei  diesem  Sachverhalt  war  es  schwerlich  ganz 
ri.liti.',  iL  I  .  -  I.iiiii  ».iiigstens  zu  Missverständnissen  führen, 
, las,  1,1    \\l  '    ;__' f.  die  Bedd.  .halten,  festhalten,  zielen' 

iiiiin    n:   ,  -. -tfllt  hat,    da    sie  wenigstens  bei  uns 

iil.  ht  III  I  li  -^iiii-  riiipfundeu  werden,  sondern  nur  als 
(Nebrii-i  I  iMihii  \"ii  .liali.af.  Die  Form  heig  ist  (ebda  814) 
als  brs.  -\it,  aii^i-.a/t  iiinl  ii.nli  V^einhold  aus  A'idf;/'-  lA"/"/.. 
habeei  .iklait.  uas  Im  du  ('iiii,j.  möglich,  aber  iiiiiiirrliin 
etwas  kiiii-tlirli  -rl,.  int.  |in  lud. -Form  hei  ist  auf  .jenem 
Wege  iiirlit  zu  1  I  klau  II :  ^n  niiisste  aus  dem  Conj.  übertragen, 
bezw.  \.ikiir/t  vrin.  Ha,  -,  .l.r  Conj. -Form  lässt  sich  ein- 
facher   aus    il.iii     ,    .iklii.ii.     ilas    in    unseren    MAA.    auch 

Analogie  von  »uj,  sei,  (".7,  tina  Im-  l'm  in  In  1  «aie  dauu 
direkt  aus  hn-i  zu  erklar. ai  nii.l  iiiiisst.'  ,ill.  lalm-s  anf  ileTi 
lud    üli.-Ttva.'.  n   s.aii.    m.iiii    inan    iin'lil    liir   diesen   uud  dann 


.Uli  1,1,  ana.  eigun,  etgm 
In  I  .ni.Form  das  y  schon 
IL'  .l.'ss.lli.'U,  bzw.  Zusaninien- 
iie   Formen    kommen    genade 

einige  Male  auch  mit  vor- 
.h  erklärt  werden  kann   wie 


natUrli.'li     aii.ii     tnr     i|. 

gegelnai.  für  .l.ni  linl.  .\ 
Ziehung  anzuu.liin.  n  \ 
bei  Notker  zi.inln  h  li; 
gesetztem  h,  wil.li.  ,  1. 
in    ,heischen'    nUer    aus   T 1..  1 1 1  i-nn;r    il.s    .\nl.   vn"    .tiaben". 

Der  Uud.  tt  oder    e    in    h"^'      /..  -'     n,\\.     kann     lii.lit     itwa     lia.-ll 

Analogie  desjenigen  der  -1,11k.  n  \ .  .  I..  n  .1.  1  i-Kl.i,-.  .ikl.irt 
werden,  da  gerade  dbi-s..  in  nn,.  i.ii  M  \.\.  .l.ai  linlant  ni.a- 
stens  v.rMH.i.l.ai.  In  l,..^i  i-i  .r  M.ll.  .Inrch  das  fnlgende  j 
veranlasst  lui.in  .1,./...  '/■..>./..,  .-..~./,.«,  FläseJie)  und  dann 
auf  dii.   :i.    1'.,    V.MI    li.  i.l.  11    in   .l.n    l'l     ihänd)   und  zuweilen 

sind   die   Formen   mit  e   und   ci  iii.  Iii    1.1" l.«/.     mnl    ilr. 

WB.  IV  2,  47/S  erklärt  die  crsl.i.ii  a.i,  .1.  11  \l.ll.  /.■'..'., 
lirliii ;  das  aus  deren  Zsziehung  zuhinlist  .  iit  ,i,in.i.  n.'  ..  k..iiiite 
ilann   .Mit  .l.ai   PI.  und  Conj.   übortiaiL,'.  n   s.an.  \   1,    I  i  P 

.ili..ii  -li.iiL'  genommen  zu  A  2.  Pi..  li.iM.  \  nii.l  K  liegen 
,  inainl.  I  ,1 .  Il.'nweise  sehr  nahe,  wi.-  ainli  lili.l.  .haben'  noch 
hu-  uiiii  ila  .halten'  bed.,  was  im  Jüid.  iiocli  ülter  der  Fall 
war.  Ob  die  Tatsache,  dass  .halten'  in  unserer  Spr.  selten 
vorkommt,  Grund  oder  Folge  jener  Geltung  von  ,haben'  ist, 
mag  fraglich  bleiben.  Noch  seltener  ist  heben  in  der  ge- 
wohulirhen  nhd.  Bed.,  für  welche  vielmehr  (ii^/en  gilt,  wenn 
nicht  hüben,  han  auch  hier  eingetreten  ist.  Heben  kommt 
in  dieser  Bed.  fast  nur  in  Compp.  und  auch  dort  nur  selten 
vor,  sonst  meist  in  der  Bed.  .halten',  in  Bed.  A  nur  im 
Conj.  und  Imp. ;  doch  wechseln  Schriften  des  XVI.  auch  in 
dieser  Bed.  zwischen  heben  und  hohen.  .Heben  und  legen' 
wird  in  Gr.  WB.  IV  2,  730  erklärt:  Steuern  erbeben  und 
Abgaben  erlegen,  Vorteile  und  Lasten  tragen,  was  dann  auf 
Haushalt  übh.  ausgedehnt  wurde.  Von  der  RA.  ,ein  Kind 
aus  der  Taufe  heben'  meint  Gr.  WB.  729  schwerlich  richtig, 
sie  sei  eigentlich  auf  die  Kindertaufe  nicht  anwendbar;  denn 
wenn  auch  der  Brauch,  dass  die  Paten  gleich  nach  der  Taufe 
das  Kind  auf  den  Arm  nehmen,  bei  uns  ui.bt  herrscht,  so 
konnte  doch  auf  die  Geberde,  mit  w.b-luu-  <lic  Patin  das 
Kind  am    Taufstoiu   dem   Geistlicben   darbietet    und    naeliher 


haben  (heben) 


892 


wieder  au  sieh  niuinit,  jener  Ausdruck  angewandt  werden, 
in  welchem  übrigens  statt  ,aus'  später  auch  ,bei'  und  ,zu' 
eintritt,  was  der  heutigen  Gestalt  des  Brauches  allerdings 
genauer  entspricht.  Was  die  Nbf.  haben  betrifft,  so  ist  die- 
selbe wohl  aus  y'haben,  dem  Ptc.   von  heben,   erst  ahgel. 

Auch  in  den  folg.  Compp.  sind  die  Formen  mit  han  (älter 
jhaben')  und  die  mit  heben  zsgefasst  und  gelten  als  gleichbed. ; 
nur  wo  sich  für  eine  Bed.  eine  Form  vorzugsweise  oder  aus- 
schliesslich   festgesetzt   hat,    ist   dies  ausdrücklieh  bemerkt. 

ab-:  1.  a)  abhalten,  abwehren,  physisch  und 
moralisch,  Etwas  oder  Einen  von  Etwas,  zuweilen 
auch  ohne  ausgedrücktes  Obj.  „L;"  S.  Heb-mer  de' 
Hund  ab,  sust  bisst-er  mi'''!  BSi.  De  Wald  tued  de' 
Loft  abhäbn  Ap.  D'  Bäum  händ  ab  [den  Wind  vom 
Hause]  Z.  Dr  Schirm  hebet  de'  Segen  ab  Gl.  Du 
hättst-e"  chönne'  a.,  von  Streit  Z.  Um  die  brätig 
Sunna  abehebi},  het  seh'  [sie]  as  Chopfrerbündli  a'- 
g'reiset  vo-ma  Faznnetli  Gr  (Schwzd.).  Wenn  e  frönte 
Macht  wett  i"  d'  Schwiz  i'breche",  so  will  me"  's  ab- 
habe', wem-me  nähe'  chann  Ap  Volksbl.  1831.  Einem 
Etw.  [z.  B.  Mühe,  Verdruss]  a.,  ersparen,  ihn  davor 
bewahren  Ap;  Gl;  ScnSt.  ,Abha,  abstrahere  a  negotio; 
impedire,  absterrere.'  Id.  B.  .Einen  Angriff  abheben', 
abwehren.  Lied  1619.  ,Gegen  Xidergang  hat  es  die 
Roncaglier  Wald,  welche  den  schweren  Seeluft  ab- 
heben.' Gdler  1625.  ,Abhäbung',  Fernhaltung.  1708, 
ApI.  Urk.  und  noch  jetzt.  ,Damit  aller  unnötige  Streit 
abgehept  werde.'  1727,  Z  Bauordn.  .Es  wird  dem 
Landvogt  befohlen,  versuchte  Exekutionen  abzuheben.' 
1743.  Absch.  —  b)  (abhebe)  abtun,  -tragen,  eine  Ver- 
pflichtung, bes.  Zahlung;  daher  geradezu:  bezahlen, 
Zins,  Steuern;  Kosten  bestreiten;  Verpflichtungen  betr. 
Trinkgelder,  Ehrengaben  udgl.  erfüllen  Ap;  Gl;  Z. 
Syn.  ab-sehaffen.  Wenn  luf-  uns  Jfiiuileli  [mein  kleiner 
Handel]  de'  Zeis  abhebt,  s.  hiii-r'-  .  /ride"  Z.  De  muest 
d' Chile,  d' Stiere,  rf' .SVV»  ha  zum  Acise",  und  alles 
Müglich  settst  driis  a.  für  <!'  Schneie',  d'  Chille',  für 
de  G'stät.  Stutz.  Es  chönnt  's  so  tue,  we"'-me'  Nüt 
abhebe  müesst  und  das  chönnst  ha',  wo  d'  hast.  ebd. 
Bis  Alles  abghebt  ist,  brucht  's  ril  (Geld)  =  bis  die  gam 
Hushaltig  g'lebt  hat,  chost't  's  vil  Z.  Etw.  für  einen 
Andern  bezahlen.  !''•  will  Alls  a.,  auf  mich  nehmen. 
,Er  [der  Widerpart]  wurde  alle  bisherige  aufgeloffene 
Küsten  abzuheben  verfallt.'  XVIII.,  Kanzleispr.  — 
2.  einen  Gegenstand  aus  einer  Richtung  oder  Lage 
entfernen.  Eine  Flinte,  mit  der  man  gezielt  hat.  nicht 
mehr  angelegt  halten.  Heb  ab  Ap;  Gl;  L  (St.');  Sch. 
Intr.:  Du  most  vom  Gämmerli  a.,  beim  Gehen  das 
Huttchen  seitwärts  lassen  Ar.  Aber  auch:  „abzielen 
i.  S.  V.  einfachem  Zielen,  z.  B.  auf  Frieden,  Ehre  a. 
L;  Z";  Syn.  inhin-h.  —  3.  wegheben;  eine  Pfanne 
vom  Feuer,  einen  Deckel  usw.  Ap;  Gl;  L;  Sch;  Syn. 
ab-lupfen.  Von  kochendem  Fleisch  Schaum,  von  Milch 
Rahm,  vom  Bett  die  Decke  Bs;  Sch.  Beim  Karten- 
spiel =  faire  la  coupe  Aa;  Gl;  ScnSt.;  Syn.  ab-hipfen. 
Früher  auch:  eine  einzelne  Karte  oben  abheben,  auf- 
decken. ,Heb  ab,  lass  flux  ein  böckli  gan.  Heb  ab, 
der  minst  soll  's  böckli  keren.'  Salat.  ,Wend  g'sin 
[wir  wollen  sehen],  wer 's  Spil  z'  erst  gebe  jetz.  Ich 
will  zum  ersten  heben  ab,  ein  König  ich  erwitscht 
schon  hab.'  GGotth.  1619.  ,Gwardiknecht  hebt  im 
Spil  ab  [und  spricht]:  zwo  Eicblen  an  dem  Boum  hie 
kleben,  g'spür  wol,  ich  muss  zum  ersten  geben.'  ebd. 
Auch  von  einem  besondern  Kunstgriff  falscher  Spieler. 
,Wie  die  falschen   spiler   einanderen    könnend  a.  und 


böglin  machen.-  1532,  LeüJud.  .Die  falschen  bock- 
spiler,  die  uft'  der  karten  bögli  machend  und  ie  einer 
dem  andern  kann  a.'  HBüll.  1572.  Bildl. :  ,In  min- 
deren Ärgernussen  mag  ein  Decanus  allein  dieselbe 
möglichst  abzuheben  trachten.'  Z  Kirchenordn.  1711. 
—  abhi"-:  1.  hinunter  strecken,  -reichen,  z.B.  häb- 
mer  d'  Hand  appe!  UwE.  Herunter  halten,  senken, 
beugen ;  de'  Chopf  a.,  sich  demütigen,  ebd.  , Sollind, 
die  der  Meinung  sygend,  ire  Händ  uf heben,  und 
dheiner  widerumb  abbin  haben,  bis  er's  tüye.'  ZWäd. 
1646.  Refl.:  ,Se  demittere.'  Id.  B.  Häb  di"-  abe!  duck 
dich  B  (Zyro).  —  2.  unterdrücken.  Drei  Sack  voll 
Hiichelei,  die  d'  Woret  tüchtig  abe  hetid,  dass  Chröpf 
we  grosse  Chörb  enfstönd.  Lux.  u.  Häller  1845.  — 
vorab-hin-.  ,Vor)ibe  ha,  sc  incurvare,  pronum  in- 
cedere.'  Id.  B. 

über-:  1.  zurückhalten,  a)  mit  Saehobj.:  ein 
natürliches  Bedürfniss,  einen  Affekt  od.  die  Äusserung 
desselben,  eine  Begierde  überwinden,  bezwingen,  be- 
herrschen Ap;  U;  Z.  /■'*  ha  halt  d's  Aderlö'  überhebet, 
ich  bin  darum  krank  geworden,  weil  ich...  GTa.  I''' 
ha  's  Briegge"  nümme'  me  möge'  iiberha".  Gespräch 
1712.  Auch  ohne  ausgedrücktes  Obi.  Scu  (Kirchh.). 
Vgl.  4.  —  b)  mit  Acc.  F.,  Gen.  S.  Einen  von  Etw. 
abbringen,  davor  bewahren,  damit  verschonen,  es  ihm 
ersparen.  ,Dass  wir  des  hienach  überhaben  wurdent 
[mit  dieser  Sache  nicht  mehr  behelligt  oder  dgl.  nicht 
mehr  erfahren  sollten].'  1400,  TuDiess.  Stadtr.  ,Mö- 
gent  si  den  widerteile  [Gegenpartei]  [der]  anspräche 
nit  überhaben,  so  söllent  si  dem  rechten  nachkommen 
[den  Rechtsweg  einschlagen].'  1441,  Absch.  ,Dass  myne 
herren  von  den  4  statten  samt  iren  undertanen  dero 
[der  Schmähworte]  überhept  und  vertragen  syn  sollen.' 
1529,  Absch.  ,Mit  synem  fürgnommnen  buw  stillze- 
halten  und  sich  desselben  zu  überheben.'  1539,  B. 
,Gott  hat  mich  gwüss  ir  widergeben,  sy  des  grossen 
leids  [mich  zu  verlieren]  überhau.'  Haberer  1562. 
,Was  du  nit  willt,  desse  überheb  auch  ein  anderen.' 
LLav.  1582.  ,Dass  eine  Wunden,  so  also  gebrennt 
worden,  nimmermehr  so  gern  [leicht]  heilet,  als  die 
solcher  Arznei  überhaben  ist.'  Würz  1634.  ,Und  blei- 
best überhebt  so  viler  Angst  und  Not.'  R.  u.  CMet. 
1650.  —  c)  refl.  mit  Gen.  S.  od.  Inf.  mit  ,zu'  i.  S.  v.  a: 
sich  überwinden,  enthalten,  Etw.  zu  geniessen  od.  zu 
tun  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L;  Schw;  Uw;  W;  Z.  „Er  cha" 
si'''  nid  überha'  z' rede'."  Abs.:  Überheb  di'''!  Stctz. 
Wenn  er  scho'  weiss,  die  dick  Milch  tued-em  nüd  guet, 
er  eha""-si'''  doch  nüd  ü.,  z'  esse',  so  bald  er  g'selid 
AABb.  ,Wie  könndent  sy  sich  Überhan,  dass  si  nit...' 
1524,  Egh,  Act.  ,Auch  kann  ich  mich  nit  ü.,  ich 
muoss  sy  [die  verbotene  Frucht]  gon  ein  klein  ver- 
suochen.'  Ruep  1550.  ,Ich  sollt 's  wol  unterwegen  lan. 
mag  mich  syn  doch  nit  überbau.'  HsRMan.  ,Cohibere 
se,  sich  meisteren,  massen  und  zämen,  sich  überhaben. 
Me  nequeo  continere  quin  loquar,  ich  kann  mich  nit 
überheben,  dass  ich  nit  rede.  Nauseam  coercere,  sich 
des  kotzens  ü.'  Fris.  ,Wer  möcht  sich  überheben  z' 
weinen,  so  er  betracht[et]  die  Unschuld  sein.'  GGotth. 
1599.  Tobias:  ,Es  juckt  und  bysst  mich  fürwor;  gar 
kaum  mag  ich  mich  überbau,  das  Fei  und  Hütli  z' 
gryfen  an.'  ebd.  1619.  ,Wann  Petrus  Solchs  wurd 
sehen  an,  wurd  er  sich  können  uberhan,  nit  drein 
z'  schlagen  mit  Funst  und  SchwertV  HsRRebm.  1620. 
.Sich  des  Schlafens  überheben,  somnum  teuere.'  Hospin. 


893 


lialiiMi  (heben) 


sn-i 


1683.  ,Sie  können  sich  nicht  überheben,  laut  zu  rufen.' 
1788,  UBräog.  —  2.  zu  viel  fordern,  zu  teuer  halten, 
in  Kauf  und  Verkauf  Sch  (Kirchh.).  —  3.  (refl.)  sich 
zu  viel  einbilden,  stolz  werden.  .Lern  by  Joseph, 
dass  dich  des  nit  sollt  überhaben.'  Ruep  1540.  ,Er 
was  in  glückhaftigen  Sachen  nie  überhept  [übermutig].' 
BossH.-Goldschm.  —  4.  mit  Verkauf  einer  Waare  zu 
lange  warten.  Svlger;  „dadurch  Verlust  erleiden  Schw, 
Zg."  Vgl.  rer-h.  —  5.  beim  Schiessen  zu  hoch  zielen 
oder  zu  lange  zielen,  so  dass  man  den  Schuss  nicht 
mehr  .abgeben'  kann.  De''  Schutz  ist  überhebt  Z. 
Vgl.  4.  Als  Si'liützi.'iiausrfde  wird  angeführt:  Wenn 
Eine''  überhebt  mnl  in:-'  nie  's  nüd  cha""  ge".  Usred 
1839.  —  6.  in  .lie  Hohe  heben?  od.  wohl  eher  zu  1. 
,Hett  [Einer]  ein  stein  uf  in  zorn,  der  den  stein  über- 
hebt und  nit  wirfet,  der  soll  das  bessren  mit  der 
aller  höchsten  buess.'  1346,  Seg.  EG.  —  üb  er  hin-: 
1.  ,Übere  ha',  inclinare,  convertere  se  ad  alqm.'  Id.  B. 
—  2.  eine  andere  Richtung  einschlagen  Z.  —  3.  still 
halten  ZWyla  =  ö  ha',  s.  haben  B  3  b.  —  über- 
hebig: der  sich  überwinden  kann  U.     Zu   1  c. 

üf-:  1.  in  die  Höhe  heben,  eniporhalten.  allg. 
a)  von  Menschen  und  Tieren;  s.  Bd  I  120.  Einzelne 
Körperteile:  3Iit  ufg'hiibete'  Hände"  W.  Er  hat  de' 
ganz"  Tag  kei"  Chopf  üf,  ist  emsig  beschäftigt  und 
sieht  nicht  auf  die  Seite.  De"  Chopf  ü.  bildl.:  sich 
stolz,  trotzig  geberden  B;  Z.  D' iJaw?  zum  Stimmen, 
allg.;  in  ä.  Spr.  auch  abs.  =  Stimmrecht  ausüben,  Urteil 
abgeben  (von  Richtern).  Bei  .Abstinimunaren  an  der 
ApA.  Landsgemeinde  ruft  der  Wrjli.l;  /r  Herren!  ge- 
treue, liebe,  alte  Mitlandshif  mnl  llnn.lisijenossen! 
Wem  's  wol  g' fallt,  dass  der  X.  X.  (tl„rni'hter  [od. 
dgl.]  sei,  der  heb  d'  Hand  uf!  —  Hend  uf  oder  hebent 
uf,  liebe  Landslüt!  Ruf  an  der  Landsgemeinde  Gl. 
Mit  Dat.  P.:  für  Jmd  stimmen  Ap;  Gl;  Z.  ,Die  Fin- 
ger u.',  einen  Eid  schwören  B.  (Hand)  ufha' :  a)  Be- 
wegung des  zuhinterst  im  Schiff  stehenden  und  das 
Schiff  leitenden  Ruderers,  wobei  er  den  Griff  möglichst 
hoch  hält,  um  das  Schifishinterteil  nach  der  Seite  des 
Ruders  hin  zu  zwängen  ZS.;  Gegs.  truclen.  —  ß)  mit 
Dat.  P.,  in  Schutz  nehmen  Z.  D'  Grosmueter  häd  dem 
Chind  alliwd  Hand  üf,  trenn  's  der  Vater  wott  ab- 
strafe'.—  P*  wett-d'r  [würde  dir]  nit  's  Bei'  u.  df- 
teegen,  das  ist  mir  ganz  gleichgültig  Z.  Syn.  kes  Bei' 
verlupfe".  Bei'  n.  (eig.  am  Boden  liegend  die  Beine 
aufstreckon)  bildl.  für:  Bankrott  machen,  .geltstagen' 
SL.  Von  Tieren:  sterben.  Syn.  strecken,  verrecken. 
Heb  üf!  H;  Scinv;  Z  -  hch!  s.  bnhm  C  1.  lli  und  do 
hed  er  ,!'<■>•  iflmlfni  nfhn".  uriii,  rs  l!n.s  i"  ,r  Svliiiullr- 
cho"  isl  1.  (Srlnvz,!.!.  Kr  hcl-ru,  \.\ru,  l.'nv^t  hnn/rr 
U)id  rar  uf  iiinl  lut'i/f,  gab  d'  Iuch  t"  d'r  Orduig  .si/yt". 
ScniLi>.  \U:n  Stil  H.  s.  Sp.  456  u..  Wer  euch  der  güeter 
luitt.  (Irr  hat  "urh  darumb  ze  erteilen  und  ufzehebend 
[d.  h.  i.st  dingpHichtig].'  14.39,  ZAlt.  Hofrodel.  ,Wo 
nit  ein  g'schworn  gericht  ist,  soll  nieman  urteil  geben 
noch  ufheben,  dann  die  darzuo  von  einem  vogt  ge- 
setzt und  geheissen  werden.'  1472,  GBurg.  üffn.  ,Wo 
zwo  urteilen  oder  mehr  angefragt  werden  und  einer 
mit  zweien  oder  mehr  urtelen  ufliept  [der  soll  gestraft 
werden].'  1472,  TuSulg.  Offn.  ,Gäb  aber  jemandts 
anders  urteil  oder  hueb  jemand  anders  uf.'  1472,  ebd. 
.Welicher  an  einem  gericht  mit  synera  fürsprechen 
ufhept  oder  mit  syner  urteil,  die  jm  dienen  möcht,  ouch 
ufhüeb,  der  soll  einem  vogt  verfallen  syn  In  pfund.. 


1481,  G  oBüren  Hofr.  .Und  do  er  sölichs  gesagt,  ward 
er  aufgehaben  zuesehens  [von  der  Himmelfahrt].'  1530, 
Apostelg.  ,Nun  hebend  uf,  ir  herren  all,  wem  disse 
meinung  wol  gefall.'  HBull.  1533.  ,Als  alle  3  Eid 
in  einem  Aufheben  beschworen  worden.'  1538,  Absch. 
.Auf  dem  letzten  Tage  sei  durch  das  Aufheben  des 
Gesandten  von  Uri  das  Mehr  zu  Stande  gekommen.' 
1540,  Absch.  ,Die  Boten  der  3  Städte  hätten  dann 
mit  den  von  Zürich  ufg'hän  [beim  Ab.stimmen  die 
Hand  erhoben].'  1-554.  Absch.  ,Gang  an  das  ort,  da 
dyn  sun  lyt,  nimm  in  und  tue  in  ufhaben  [:  knaben].' 
Haberer  1562;  daneben:  ,Isaak  fallt  nider,  Abraham 
will  in  ufhan',  und:  ,Hebt  iren  sun  uf.'  ,üculos  eri- 
gere,  die  äugen  aufhaben,  auftuen.  Exclusus  suffragio, 
dem  kein  stimm  worden  ist,  oder  mit  dem  niemants 
hat  aufgebebt.'  Pris.  ,Ein  knüwend  menschenbild  mit 
zemen  ufg'hebten  bänden.'  1593,  Ardüser.  ,Mit  auf- 
gehebten  Fingern  schweren.'  GRKlost.  LB.  Anf.  XVII. 
,Wem  das  [ein  Antrag]  g'fallen  will,  der  heige  auf.' 
MyricIüs  1630.  ,Mit  aufgehabter  Hand  und  mit  ge- 
lehrtem Eid  schweren.'  JMüll.  1665.  .An  den  Lands- 
gemeinden ist  vil  Geschrei  und  Unwesen  gebraucht 
worden.  Wer  [nun  künftig],  wann  man  die  Mehr 
scheiden  wollte,  schreien  wurde:  Hend  uf,  liebe  Land- 
leut!  der  soll  25  fl.  zur  Buss  verfallen  haben.'  c.  1700, 
U.  ,Dieselbige  mögen  dann  folgen  und  mit  der  Urteil, 
so  sie  recht  bedunket,  aufheben.'  1706/65,  L  Stadtr. 
, Einen  Eid  ufheben  [leisten]'  statt:  die  Hand  zum 
Eid:  ,Derselbig  sölliche  syn  Unschuld  vor  mynen 
Meistern  mit  einem  geschwornen  und  utgehabnen  Eid 
erhalten  solle.'  1587,  Z  Ratsverordn.  Ähnlich  1637, 
Bs  Rq.  —  b)  Gerätschaften  und  andere  Dinge.  Etw. 
vom  Boden  aufheben  Aa;  B;  Sch;  S;  Uw;  Z.  De" 
Pflueg  ufha",  führen,  weil  er  dabei  immer  etw.  ge- 
hoben werden  muss  Z.  Kleider  (aufschürzen),  z.  B. 
den  Rock  (von  Weibspersonen  mit  Dat.  einer  männl. 
Person  auch  obsc.)  Z.  En  Bueb,  wo  [der]  eine  Chind 
[Mädchen]  de"  Bock  üfhäd,  wird  blind  Z.  Aufdecken 
Sch  (Kirchh.).  Speisen  (abtragen).  ,Cibos  tollere,  re- 
movere  mensam.'  Id.  B.  Eine  Bürde  (aufladen)  B;  Z. 
,B's  Chorn  ufha',  frumentum  colligere.'  Id.  B.  Das 
Heu  (aufladen  u.  eintragen)  UUrs.;  ZWäd.,  auch  Hanf 
auf  der  Matte  B  (Zyro).  Syn.  ufnemen.  ,Ein  Haus 
u.,  sublevare.'  Id.  B;  untermauern  und  dadurch  heben 
S;  Z.  Ein  Dach  u.,  höher  heben  B;  Z.  Syn.  ufnemen. 
Einen  Acker  u.,  leicht  pflügen  oder  umhacken  Z. 
Den  Stock  u.,  die  gepresste  Trestermasse  auf  dem 
, Trottbett'  durch  Aufhacken  lockern,  um  sie  noch 
einmal  zu  pressen  ZS.  Empor  odor  oftVn  hin  halten 
GG.;  Z.  Vgl.  13.  Sprw.:  W,r  dr'  Surl:  „fhrbl.  ,sch 
nie  de'',  wo  ineschütt.  S,  norh  gliclilnj  Sp.  i;ivj.  ]]'rr 
ufkebet  und  wer  Ihesdioppet  —  's  ist  luiie''  »(rs  der 
Ander  Tn.  's  Säckli,  's  Plättli  «.,  den  Klingelbeutel 
oder  eine  Schüssel  an  der  Kirchentüre  für  das  öffent- 
liche Almosen  Z.  Übertr.  auf  das  in  den  Behälter 
Aufzunehmende;  vgl.  ,Eid  u.';  doch  s.  auch  u.  8.  Am 
Na'''tag  [des  hohen  Festes]  ivird  d'StüraW''  ufg'ha"  Z. 
.Dass  nur  Sonntags  für  die  Hausarmen  Steuer  solle 
aufgebebt  werden.'  1635,  Bs  Taschenb.  D'  Milch  u., 
in  Empfang  nehmen  oTh  (eig.  den  Topf  dazu).  .Keiner 
[soll]  in  das  revental  gan  bis  ufgehept  wirt.'  G  Hdschr. 
,Handuf!'  Befehl  nach  dem  beendigten  Gastmahl,  den 
Tisch  zu  räumen.  JMdrer  1559.  .Dann  man  an  hoch- 
zyten  und  nachhochzyten  zum  imbissmal  um  einliffo 
ze  tisch  sitzen  und  umb  die  zwei  ufs  längst  ufheben 


»95 


liabm  (hrbeii) 


89tj 


und  uf'stan  soll.'  Z  Mand.  1594.  ,InJeiu  wird  ein  Feur 
über  die  Maur  aufgebebt.'  GGottu.  1599.  ,Da  man 
den  dritten  Nutz  eines  Sommers  ufheben  kann.'  RCys. 
Beim  Gastmahl:  .Willtu  mir  helfen,  Teller  und  Blatten 
gleich  ufhan?  wend  wider  frische  legen  dar.'  GGotth. 
1619.  .Wann  man  den  Spiess  aufwerts  tragt,  so  wird 
der  nur  in  einem  Termin  nidergefellt,  wie  auch  in 
einer  Zeit  aufgehept'  VFriedr.  1619.  ,Der  Hausvogt 
im  Knechtenbaus  soll  die  Tisch  decken  und  nach  dem 
Essen  die  Tisch  aufheben.-  XVII.,  Gesindeordn.  Muri. 
—  2.  aufrecht  halten,  unterhalten,  in  gutem  Stand 
erhalten.  Ein  Haus,  Grundstück  Gl.  Chend  guet  üßä, 
Kinder  sorgfältig  erziehen  Ap;  vgl.  frz.  elever.  Stur 
und  Bruch  üf  (und  in  Ere')  hä',  herkömmliche  Ord- 
nung befolgen,  Sitten  mitmachen.  D'  Chübi  [Kirch- 
weihj  «.,  feiern  Gl.  In  Aufnahme  bringen  GRPr.  — 
3.  (refi.)  sich  aufrichten,  aufmachen  W.  Vgl.  sv>'  iif 
hän,  sich  aufrecht  halten  Gl;  zu  Bd  I  119/20.  .Maria 
aber  hueb  sich  auf  in  den  tagen  und  gieng  auf  das 
gebirg.'  1531/-18,  Luc;  =  .stund  auf.'  1667;  .machte 
sich  auf.'  1860.  .Ist  das  wetter  kummen.  dass  der 
mann  sich  hett  ufgehept  und  ist  einem  birbaum  zu- 
glaufen.' 1540/73.  DMey.  Intr.  aufstehn  (am  Morgen 
aus  dem  Bett)  BO.  Heb  üf!  zu  Menschen  und  Tieren; 
vgl.  1  a.  !'>•  ha"  ufg'häbe",  ich  bin  aufgestanden.  ,Do 
sind  die  Schwaben  ufgehept  [aufgestanden]  und  [ha- 
ben] für  die  gesellen  yngeschlagen  [haben  auf  sie 
losgeschlagen].'  Edlib.  —  4.  aufhalten,  eine  Be- 
wegung; ab-,  anhalten,  allg.  .Retardare,  morara  in- 
jicere.'  Id.  B.  Flozhägga,  um  drmit  's  Holz  ufs'heba 
GRSchiers.  Vgl.  Ufheb-Häggen,  -Strick.  Es  Hochsit 
üfhehe':  1)  die  Passage,  wo  der  Zug  durchgehen  soll, 
mit  Stricken  oder  Stangen  sperren,  um  eine  Gabe  zu 
erlangen  B;  S;  Z  (meist  mit  Dat.  F.);  Syn.  fürhan, 
verletzen,  spannen.  Vgl.  noch  Uf heb- Win.  G'sehsch 
nit,  wie  d'  Buebe  Seiler  hei"  und  d'  Meitschi  roti  sidigi 
Bängel,  um  di  ufz'ha?  Schild  1885.  2)  die  Verkün- 
dung hemmen,  aufschieben  B  (Zyro).  Ohne  ausge- 
setztes Obj.:  „Das  hed  nid  üf,  ist  kein  Hinderniss  VO." 
ßs  Tapi  [der  Teppich]  hebt  üf,  hält  die  Feuchtigkeit 
ab  B;  Syn.  verheben.  Refl. :  sich  aufhalten,  verweilen 
UwE.  Intr.:  anhalten,  still  h.,  mit  einem  Fuhrwerk 
G;  Th.  Syn.  Ö-heben.  Aufhören  zu  regnen  od.  schneien. 
JEä'  wollt  üfhan  BHk.  .Es  soll  ouch  ir  deheiner  die 
müUi  ufheben  [still  stellen],  er  well  sy  denn  richten.' 
XIV.,  ScH  Stadtb.  .Die  beiden  huebend  inen  den  bau 
auf  und  hieltend  heimlieh  auf  sy.'  1531.  IU.Esra;  dafür 
1860:  .und  hinderten  den  Bau.'  .Es  wollte  sich  nit 
gezimen.  dass  man  ein  ersame  niengi  mit  söllicbem 
zank  ufhüebe.'  Zwingli.  .Far  hin.  ich  will  dich  nit 
ufhan.'  FuNKELiN  1552.  ,[Es]  wollt  euch  desshalb  be- 
schweren nit.  ein  klein  noch  euere  Ohren  zu  geben, 
will  euer  Lieb  nicht  lang  aufheben.'  GGotth.  1599; 
daneben:  ,Ein  jeder  hie  sein  Meinung  sag,  dass  man 
[die  Boten]  nicht  lang  tu  aufhan.'  .Milchaufhebend' 
die  Milch  im  Euter  zurückhaltend,  1654  in  Gr  Rq. 
unter  den  Währschaftsmängeln  genannt.  Zuweilen 
auch  i.  S.  v.  festnehmen,  verhaften.  , Kommet  der 
[welcher  unsere  Verbündeten  geschädigt  hat]  wider 
in  unser  land,  den  sullen  wir  ufhaben  und  bebalten 
unz  dass  inen  der  schade  werde  abgeleit.'  1317,  Friede- 
BRIEP.  ,Den  mag  unser  schultheisse  uthan  und  dem 
gerichte  antwurten.  Wollte  aber  der  des  ufhans  sich 
werren.'  1305,  B  Staatsarch.  ,0b  euer  einer  jemanden 
anderen  gefärlich  sehen  herumziehen  oder  umfüeren, 


es  wäre  lüt  oder  guet,  das  ufzehebcn,  ze  handhaben 
und  zu  heften  zu  den  rechten.'  Z  Eid  der  Landlüten. 
,Man  soll  die  den  Angriff  [auf  uns]  tan  band,  wenn 
man  die  ergryfen  mag,  aufheben  und  enthalten  auf 
ein  Recht  [für  gerichtliches  Verfahren].'  Gr  Ges.  1827. 
—  5.  aufheben  i.  S.  v.  ungültig  erklären,  abschaffen, 
abbrechen,  beendigen,  beseitigen,  ein  gegebenes  Wort 
zurücknehmen  B.  We""-d's  üfha  wi"t,  sn  heb!  Gotth. 
Mit  Ei"'m  üfha,  den  Verkehr  abbrechen ;  vgl.  Gr. 
WB.  I,  666.  ,So  man  all  zins  ufhieb.  war  es  üch  nit 
lieb.'  UEoKST.  .Und  habend  also  Gottes  gebott  auf- 
gehaben.' 1530.  Matth.  .Elata  res  publica  esset,  wäre 
aufgehaben  oder  ze  grund  gangen.'  Fris.  .Damit  die 
zank  und  zwytrach[t]en  ufgehabet  werden.'  RGualth. 
1584.  ..\ufhaben.  abtuen  und  kraftlos  machen,  an- 
tiquare.'  Mal.  ,So11  lieber  seinen  Schwur  aufheben, 
als  aber  einen  gottlosen  Schwur  in  das  Werk  setzen 
und  Sund  auf  Sund  häufen.'  JMüll.  1673.  ,Güter  u.' 
=  einziehen,  confiscieren,  sequestrieren,  in  Beschlag 
nehmen.  ,Der  Vogt  [ist]  beglaubt,  von  denjenigen 
Gütern,  die  er  von  Amts  wegen  um  Schulden  ufgehebt 
und  zu  seinen  Händen  gezogen  habe,  kein  Lot  schuldig 
zu  sein.'  1550,  Absch.  ,Wenn  man  mit  dem  Grafen 
fürfahren  [ihm  den  Process  machen]  wolle,  so  solle 
dies  ohne  Unordnung  oder  Ufhebung  der  Güter  ge- 
schehen.' 1553,  Absch.  ,Er  protestiere  gegen  die  un- 
ordentlichen Ufhebungen,  die  zu  Schaden  der  Gülten 
und  ihm  erfolgt  seien.'  ebd.  —  6.  a)  vorwerfen,  vor- 
halten (zum  Tadel.  Spott)  Ap  ;  Gl  ;  Gr  ;  G ;  Sch  (Kirchh.) ; 
Z;  Syn.  für-ha.  Du  chu"'st-em  Nüd  üfha,  er  ist  so 
brav  a's  du  ZO.  Du  brüchst-mer  's  Wäsche'  nüd  uf- 
z'ha, i'''  bi"  so  süber  a's  du.  Stütz.  Was  hebt  der 
Bapp  der  Kräia  üf?  's  send  bedi  schwarz  GBern. 
D's  Chessi  brückt  der  Pfannn  nüd  ufz'hebn,  dass  si 
schwarz  slg  GrD.  .Der  Hafen  hat  der  Pfanne,  die 
Pfanne  hat  dem  Kessel,  der  Rabe  hat  der  Krähe  Nichts 
aufzuheben.'  Sprww.  1824.  Di's  Schnupfe"  chostft  vil 
»ie""  a's  mis  Tubäkle",  i'''  ha-der'sch  aber  gar  nüd  üf, 
doch  w'ill-der  au'''  nüd  fläckle".  EFevrer.  ,Ein  Vater, 
dem  ich  nichts  Unrechtes  aufheben  konnte,  als  dass 
er  es  nicht  besser  verstanden.'  JKInderbitzi  1826. 
.Wer  dem  anderen  Scheltwort  but  über  frid  [nach  ge- 
schlossenem Frieden]  und  im  erst  dann  ufhaben  tat 
syn  tuen  und  lassen.'  Ap  LB.  1409.  .Gott  gibt  allen 
menschen  luter  und  einfaltigklich  ohne  ufheben.' 
Zwingli  aus  Jacob.  I  5,  wo  dafür:  .der  Allen  gerne 
gibt  und  Niemand  schilt.'  18b0.  .Bisweilen  werde  es 
inen  ufgehept.  dass  der  Herr  von  G  mit  inen  so  streng 
verfahre.'  1525,  Absoh.  .Wenn  einer  einem  fürzuge. 
ufhette  und  zueredte.  er  were  etlicher  stucken  halb  nit 
als  gut  als  er.  oder:  Ich  wett  mich  schämen,  dass  ich 
ton  hett  wie  du!  Derselbig  soll  im  wandcl  tuen.'  1552, 
Gl.  ,So  fer  einer  umb  Ursachen,  so  nüt  gross  sind,  in 
gfangenschaft  kommen  und  ein  anderen  im  das  ufhaben 
oder  fürziechen  wurde,  als  ob  im  das  an  eid  und  er 
üfheblich  [wäre].'  ebd.  ,Dass  kein  teil  dem  andren 
nichts  solle  geschechner  dingen  ufheben.'  Kessl. 
,Wann  ine  einer  von  des  [gegebenen]  rats  wegen  schilt 
und  ime  das  ufhebt.'  1544,  Ap  LB.  .Contumelise:  ex- 
probrare,  einem  etw.  zur  schmach  aufheben,  aufrupfen 
und  verweisen.'  Fris.;  Mal.  .Einem  werdend  von 
einem  Reichen  seine  Schulden  ufghaben,  vermög  die 
nit  zu  zahlen.'  Schimppr.  1651.  —  b)  (unnütz,  miss- 
bräuchlich)  vorbringen.  , Welcher  des  Herren  lyden 
und  sterben  und  wunden  unnützlichen    ufheben  oder 


Iialteii  (liciteii) 


898 


ander  unzimlich  schwüer  tuen  würde,  dem  soll  angents 
den  herd  zu  küssen  gepotten  werden.'  1537,  B  Satzung. 
.Welche  niannsperson  swüer  bruchte  und  darin  Gott, 
oder  syn  h.mueter,  ire  glieder  oder  h.marter  oder  wun- 
den ufhüeb.'  Ansh.    Vgl.  nhd.  , Aufhebens  machen'.  — 

7.  gewiiuu'ii,  fispareii;  Syn.  üflesen,  -stecken.  Er  würd 
mit  ,lrm  tl.ui.hl  „ul  ,/7"l/.-B.  Ehre]  ufhebe  ScnSt.    - 

8.  orlicbcu.  b./.iclhjii  (.StLUcrn,  Einkünfte,  Bussen]  Z. 
.[Aufseher|,  die  des  war  nemmen  und  die  pen  [Busse] 
ufheben.'  1445,  Bs  Kq.  ,Ich  getruwe,  dass  sy  üch  [die 
Twingherren  den  Kegenten  von  Bern]  nachlassind, 
die  4  anderen  gebot  oder  artikel  [Steuern,  Frohn- 
fuhren,  Dingpflicht  und  Harnischschau]  üfzeheben 
und  [zu]  gebieten  [wie  bisher].'  ThFrickart  1470, 
wechselnd  mit  ,üfnemmen'.  ,Da  der  Landschreiber  ein 
grosses  Einkommen  ufhebe.'  15'2'2,  Absch.  .Das  Kloster 
habe  an  Zinsen,  Renten  und  Gülten  jährlich  bei 
18000  Gulden  zu  beziehen  (üfzeheben)  gehabt.-  1530, 
Absch.  Vgl.  übrigens  noch  1  b.  -  '.'.  iiu^lwlirii.  nuf- 
bieten.  anwerben.  .Einige  H»(iO  Knorliir  anIV.iihcben 
und  nach  Genf  zu  führen.'  1523,  Absoii.  ;  vgl.  Iiz.  lerer 
in  dieser  Bed.  —  lo.  aufnehmen  (den  Samen),  em- 
pfangen, von  Kühen  GRÜbS.;  Syn.  ufnemen.  Früher 
auch  von  Frauen:  ,1m  ufheben  der  empfenknuss.' 
HüEF  1554.  ,Die  schwanger  frow,  so  ein  recht  kind 
ufgehebt  und  empfangen,  ist  vil  ganger  und  ring- 
fertiger, dann  eine,  so  ein  missburt  empfangen  hat.' 
ebd.  —  11.  aufspüren,  die  Fährte  eines  Wildes.  ,Bald 
hebt  Fluri  [ein  Jagdhund]  wieder  auf  und  jagt  nach 
einem  Dornbusch  [wo  sich  ein  Eichhorn  versteckt 
hatte].'  B  Kai.  1815.  —  12.  offen  halten,  in  gang- 
barem Zustand  erhalten.  ,Uf  ha,  aperire.'  Id.  B. 
,Das  Tor  ufheben.'  Sulger.  , Desgleichen  sollen  sie 
schuldig  sein,  die  Strassen  zu  helfen  machen  und  auf- 
han.'  1571,  Steinm.  180'2.  ,Der  Eichisauer  Weg  liegt 
aufzuheben  auf  dem  gemeinen  Landsseckel.'  Gl  LB. 
,Wio  leicht  könne  man  bis  am  Morgen  aufhaben, 
statt  um  10  das  Haus    zu  schliessen,    sagt  ein  Wirt.' 

GOTTH. 

Bed.  1  —  6  beruheu  auf  der  sinnlichen  Grundbed.  venu/ 
uud  haben  (resp.  halten  und  helmi):  bei  6  vertritt  u/  die 
Stelle  von  vor  in  den  Syn.  ,vorhalten,  -werfen,  -rücken' ; 
neben  dem  letztern  gilt  nhd.  auch  .aufrücken'.  Hand  u/h. 
1  p  mag  auf  der  Vorstellung  beruhen,  dass  man  die  Hand 
schützend  über  das  Haupt  eines  Angegriffeneu  hält.  Bed.  7 
lässt  sich  auf  die  unter  1  b  angeführte  von  .den  Ertrag  von 
Feldfrüchten  aufladen  und  einheimsen'  zurückführen,  ebenso  8 
oder  die  letztere  auf  das  , Aufheben'  des  Steuersackes.  Bei  9 
kann  man  an  die  KA.  .eine  Armee  auf  die  Beine  bringen' 
oder  ,stellen'  denken.  Bei  10  ist  daran  zu  erinnern,  dass 
auch  das  einfache  haben  (A  1  f)  .nehmen'  und  .empfangen' 
bedeutet.  Bei  1 1  wird  an  Wiederaufnehmen  der  vorher  ge- 
fundenen Spur  zu  denken  sein.  12  Hesse  sich,  soweit  es  die 
Unterhaltung  von  Strassen  betrifft,  auf  2  zurückführen,  sonst 
ist  es  als  Nachtrag  zu  Bd  I  120,  8  zu  betrachten,  insofern 
«/  hier  als  getrenntes  Adv.  .offen"  bedeutet  und  mit  dem  \'b. 
nicht  wirklich  zsgesetzt  ist.  —  Mehrere  Einzelfölle  sind  frag- 
lich und  nur  versuchsweise  bei  einzelnen  Nummern  unterge- 
bracht. In  der  Stelle  bei  AvHaller:  ,Den  aufgehabuen  Geist 
stützt  ein  gesetzter  Sinn  [fester  Vorsatz,  Wille] :  ein  präch- 
tiger Pallast  und  leere  Säle  drin'  muss  das  Ftc.  den  Sinn  von 
.aufgeblasen,  hochfahrend'  haben,  welcher  sich  an  Bed.  3  an- 
lehnt, jedoch  auch  an  gehaben,  das  Ptc.  zu  haben  I,  erinnert. 

ufhi''-haben:    1.  emporhalten.     De»  C/wj)/"  öiife 
h.,  hochmütig  sein  UwE.  -  -  2.  uife  h.,  hinauftreiben, 
erhöhen,   steigern,    z.  B.  den  Preis  einer  Waare,   den 
Ertrag  des  Landes  Ndw. 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


um-:  1.  üm-ha  a)  Etw.  als  Kleidungsstück  am 
Leibe  tragen.  Was  lirit  si  am?  womit  ist  sie  be- 
kleidet'? B.  Si  liäd  tv  Faniirlli  Hill,  als  Kopf-  oder 
Halsbedeckung  ZO.  (au.  li  „unii,",.  -—  h)  =  um-ätzen. 
Me"  hät-en  um;  er  innl  inii-tflur  ZSth.  ,Nicht  ganz 
selten  war  die  bis  in  neuere  Zeiten  hinabreichende 
Unsitte,  die  Armen  umzuhaben,  d.  h.  sie  wochenweise 
der  Reihe  nach  bei  den  wohlhabendem  Gemeinde- 
gliedern zur  Verpflegung  herumzuschicken.'  Z  Neuj. 
Wais.  1878.  Vgl.  um  Bd  1  226,  3.  —  2.  um-hdben, 
umzingeln,  umringen.  , Also  wurden  die  ritter  Cristi 
umbhabet  von  den  heidenschen  rittern.'  1336/1446, 
Z  Chron. 

Eigentliche  Zss.  ündet  in  beiden  Bedd.  von  1  nicht  Statt ; 
a  gehört  zu  den  unter  .haben'  A  1 ,  1  i  ß  behandelten,  übrigens 
auch  schon  Bd  1  •227  ang.fiilirti'n  Fällen;  bei  b  hat  .haben' 
die  unter  AI.  1  i-  ansisitzt,'  Bed. 


umhi°-:  1.  heruiubiet 
zeit,  einen  Teller  zur  Eii 
für  Musikanten    Z.  l'. 

halten   und   herumrei.s.scii, 
Ommaheber,  der  das  tut. 
herum,  um  es  zu  bedecken 
hend  miesse"    umme   hebe"  fir  's  Lache' 
ScuwzD.  —  b)  nach  der  Seite  bewegen,  s 


Speisen  bei  einer  Mahl- 
iiiiiluiig  von  Gaben,  z.  B. 
ii'lui)  Weibspersonen  an- 
■  ■s.  in  (ibsc.  Absicht  Ap. 
3.  a)  vorhalten,  um  Etw. 
;.    Dass  Alli  d'  Nasticcher 

'  verstecke". 

.  ein  Glied. 


Heb  de"  Ühopf  umme!  drehe  den  Kopf!  Z.  Meist  mit 
Neg.  und  bildl.  i.  S.  v.  ,sich  um  Etw.  nicht  kümmern, 
sich  nicht  daran  kehren,  keine  Rücksicht  nehmen.' 
I'''  we"t  nüd  de"  Chopf  u.  Z.  —  c)  tr.  und  intr.,  um- 
lenken, schwenken,  umkehren  B;  L;  SchwE.;  STierst. ; 
Z.  //,//,  Hwwr:  wendr  das  Pferd!  Uw.  Heb  hott 
umiiir!  '/..  .1'..  r(iii\  .iti'i.'  SI.'.'  Id.B.  Bildl.  seinen  Sinn 
ändern  '/.V.  Tr.  .auf  andere  Gedanken  bringen" ;  auf 
den  rechten  Weg  zui  iickführen.  Schild.  Doch  auch: 
auf  schlechten  Weg  bringen,  verführen,  verderben, 
z.  B.  schlechti  JBiiecher  hend  scho"  Mänge"  umme  g'ha 
UwE.  —  d)  das  Untere  nach  oben  kehren,  in  der  KA. 
en  Acher  «.,  pflügen  Z.  —  4.  a)  her-,  hinhalten  ßs, 
meist  in  bildl.  und  zwar  ungünstigem  S.,  mit  ,raüssen' 
Aa;  L;  SchwE.;  Ndw;  Syn.  anen-h.  D'  Chlöster  müend 
vil  u.,  werden  ungerecht  angeklagt  UwE.  Ich  mtiess 
de"  Buckel  umbehebe.  Spreng.  I'''  ha  müese"  für  in 
umeha  (-hebe)  Bs.  I'ür  Alls  hat  de''  arm  Blieb  müesse" 
u.,  ha>l   n-  's   ,i-,i,.n:ht   r/7/./"   <„lrr   „it    ll.     ,Xnr   Srliade. 

dass   dann  ,\llr  ii.  nni-.rn.    ^lall   um [nui|   di.'.    «o's 

verdient  liatlm.'  i;,,,,,,.  .liall.'ii  Hir.Xh'niand  -onsV.  so 
prügelten   wir   nn,.    mit.',   rinan  La'  ,ul.'r  .In    .\l.il  ..hene 


ston 


.1.    Muh, 


Ih.IiI 


troiien  [wir  li.  es  leicht  ..•iin.'ni  I  »n^nst  i,..ti'n  zutian.'n  k.J. 
und  de""  hätt  d'r  Letz  miiesseii  ii.  Schild  1885.  Wie 
's  Ammei  g'seht,  ^ass  Alls  verschlagen  isch,  nimmt  's 
d'  Bassglgen  und  seit:  Die  viuess  au"''  no'''  u.!  und 
verschloht  sj.  ebd.  Öppis  mitess  u.  B  (Sprw.).  ,Wenn 
ich  dismals  muess  umhin  h.,  müend  gwüss  etlich  mit 
mir  dran  [vor  dem  Sturm  auf  Jericho].'  RSchmid  1579. 
—  b)  an-halt.'n.  ausdauern  GNessl.  —  5.  Vergeltung 
cmptaii^.  11,  l../ahlt  werden  od.  worden  sein.  „Er  hed 
umwi".  .1  nst  li. 'Zahlt  Tu,"  De''  mues  u.,  seine  beissen- 
den  Reden  sollen  ihm  mit  eben  solchen  erwidert 
werden  Bs;  Z.     Vgl.  umtne-geben,  -tuen. 

Bei  5  findet  keine  eigentliche  Zss.  Statt;  hier  hat  um 
(-heri  die  Bed.  von  .zurück,  wieder'  (s.  Bd  I  226)  und  .haheu' 
die  von  A  1,  1  f.    Bei  3  hat  ,haben'  die  Bed.  B  2  f. 

öne»  -  umme°-:  nach  der  andern  Seite  herum 
lenken;    tr.   (Zugtiere)   und   intr.    (selbst)    B;    Z.    — 


haben  (lieben) 


90Ü 


Tor-ummC-haben:  den  Wagen  vorn  herum  lenken, 
behutsam  ausweichen  B;  Z. 

a(n)-:  1.  meist  mit  Acc.  S.  a)  fest  an-  oder  auf- 
drücken, z.  B.  einen  Wischlappen  beim  Fegen  oder 
Reiben  Avf-7teba);  Gl;  GrL.;  Z;  Griffel,  Feder  kräftig 
ansetzen,  aufdrucken  Gl;  G;  Z;  festhalten  durch  Ent- 
gegensteramen,  z.B.  eine  Leiter  Gl;  GrS.,  Spl. ;  Sch; 
Zo;  eine  Schnur  straff  anziehen.  Sdlger;  mit  einer 
Gabel  am  Heufuder  stützen  S;  Z;  sich  fest  anstemmen 
Th;  an-,  aufhalten,  ein^n  Floss,  Dieb  Bs.  —  b)  be- 
rühren B,  „bes.  das  Ziel  bei  Jugendspielen  Schw; 
Zg."  Im  Fangspiel  ruft  ein  Kind  beim  Berühren  des 
Zieles  aclca  (a'g'ha',  Ptc.)  L;  S;  s.  Bd  I  163.  Syn.  Bott 
a*  mir!  —  c)  anheben,  anstellen,  anfangen  AiFri.; 
Ap;  Z.  Mif-eme  Fülenzer  ist  Kät  az'hehe.  Was 
hebst  du  hüt  a"?  D'  Eodg'mänd  [Gemeindeversamm- 
lung] het  ag'häbf.  JMerz.  ,Man  will  anhaben  offen- 
lich  zue  büten  [die  Beute  von  Granson  zu  versteigern].' 
1476,  Bs  Chr.  .Dennz'mal  wirt  recht  ang'hept,  dass 
man  Christum  rychlich  niess  [geniesse].'  ü  Eckst. 
,Dorlich  angehebt,  dorlieh  ist  es  ouch  ergangen.' 
Sicher  1531.  ,Heb  alle  ding  zu  rechter  zyt  an.'  1540, 
HBuLL.  ,Der  den  nächstfolgenden  synodum  anzebeben 
und  zu  verwalten  hat.'  1544,  G  Stnod.-Ordn.  ,Huob  der 
von  Gryers  ein  stürm  an.'  Ansh.  ,Da  wart  der  krieg 
angehaben.'  ebd.  ,Es  ist  ein  alt  gesprochen  wort: 
Was  wol  will,  hebt  bei  Zeiten  an.'  LLav.  158'2.  ,Ein 
Frönung  zu  tun  angehept.'  1611,  BsKq. ;  dafür  1757: 
,zu  tun  angefangen.'  ,Geb,  was  ich  mit  einem  lahinen 
Kind  anhebe.'  FWürz  1634.  ,A.  1563  wäre  der  Neu- 
bau des  Helmhauses  angehebt  und  1564  vollendet.' 
JEEscHER  1692.  ,Die  Schul  soll  mit  Beten  angehebt 
werden.'  1737,  MKohn.  1867.  Weiss  him  Strol  nit, 
was  ich  soll  [in  der  "Verlegenheit]  ahebe.  1743,  L  Spiel. 
—  d)  anreizen  zu  Etw.  BHa.;  vgl.  nhd.  .anhalten' 
und  haben  II B  9.  —  e)  Etw.  an  sich  haben,  tragen, 
bes.  Kleider,  allg.;  eig.  zu  haben  II  A  1,  1%  Syn. 
an-tragen.  ,Wir  müesstind  die  kleider  anhan,  die 
Christus  angehebt  hab.'  Zwingli.  ,Die  solche  [Klei- 
der] tragen  und  anhand.'  GGotth.  1599.  Auch  von 
Waffen ;  bildl. :  Er  hed-en  [den  Säbel]  a»,  er  hat  einen 
Rausch  [getrunken]  UwE.  Fleisch,  das  vil  G'eder  ä"hai 
GRPr.  (Schwzd.).  Von  Leder:  das  Leder  het  iio'''  Hör 
a"  GMels.  Von  Pflanzen,  z.B.  Obstbäumen:  mit 
Früchten  behangen  sein  Gl.  Der  Baum  het  vil  (wenig) 
Chriesi  a»  GMels.  Von  Kartoffelstauden  (prägn.) :  Die 
Stüd  hat  n"  ZO.  Die  Herdöpfel  sind  wol  chlv  aber 
guet  und  händ  vil  a'.  Z  Volksbl.  1863.  —  '2.  mit  Dat. 
P.  od.  Präp.  a)  mit  Ei"m  a.,  mit  Zähigkeit  streiten, 
sich  abmühen  (mit  Worten  u.  Händen)  Z.  —  b)  Ei"m 
a.,  mit  beigefügtem  ,es.  Etwas,  Nichts'  oder  allein: 
feindlich  zusetzen,  Schaden  antun,  Vorteil  abgewinnen, 
Stand  halten.  Ei"))!  Öppis  a'ha,  (Böses)  nachreden 
BHa.  Es  Ei'"m  a.  1)  ihn  worüber  zur  Rede  stellen 
BHk.  2)  es  ihm  in  irgend  einer  Leistung  (z.  B.  Schrei- 
ben, Laufen)  zuvor  tun  Ap;  Gl  (auch  ohne  ,es');  Gr; 
L;  GTa.;  Sch.  Syn.  s.  Her.  's  hed's  im  Keinen  a". 
Ei*'m  's  Feld  a.,  ihn  aus  dem  Felde  schlagen,  besiegen 
GT.  De'  cha"-mer  Nüt  a. ;  i''>  W  lang  sieher  vor-em  Z. 
Keine^  häd  dem  Andra  Estcas  ang'häbet,  ist  im  Wort- 
wechsel Etwas  schuldig  geblieben  W.  Dem  ist  Nüd 
anz'hebe,  man  erlangt  keinen  Einfluss  auf  ihn  Z.  Du 
cha"st-em  Nüd  a"hebe,  kannst  ihn  keines  Fehlers 
zeihen,   keine  schwache  Stelle  an  ihm  finden;   er  ist 


immer  schlagfertig,  dir  geistig  gewachsen  Z.  Das 
het's-mer'sch  jezen  a*  [das  reizt  mein  Gelüste].  JJRtiTL. 
's  Süfe",  's  Spile"  het-mu  a*,  schadet  ihm  BHk. 
's  het-me  a",  es  macht  ihn  unglücklich  GrV.  P* 
heb-em  a»,  halte  ihm  Stand  Gr.  Es  het-etn  au"''  no''' 
gar  griisli'''  a",  's  iseh  no'''  gar  jung;  es  wird  aw* 
müed  gnuen  tverde*,  das  arme  Chind!  Joach.  1881. 
Es  het  im  hert  ag'ha',  a»"*  gar  Nüt  z'  verne*  vo'  sim 
San.  BWyss  1863.  D'r  arm  Tilfel  cha""  schier  nümme' 
laufe',  so  hein-evi  d'  G'süchti  [Gliederschmerzen]  a". 
Joachim  1883.  .Gibt  es  sich  an  eim  rank,  wir  wend 
inen  [den  Feinden]  trülich  anhan  [wacker  zusetzen].' 
1521,  Strickl.  ,Wo  ein  herr  darum  [um  eine  Leistung] 
gegen  den  synen  brief  und  sigel  hat  ald  sunst  mit 
urteilen  inen  sölichs  angehebt,  sollen  sy  das  ze  geben 
schuldig  syn.'  1526,  Absch.  '.Hand  all  dem  künig  red- 
lich an,  uf  das  er  voll  werd,  syg  guet  mann.'  RScbmid 
1579.  —  c)  mit  Bitten  anliegen;  dadurch  erreichen  B; 
6r;  G;  Uw;  Z.  We 's  au  ahäbe  chu,  wie  inbrünstig 
es  doch  bitten  kann!  Gl.  Meist  mit  Dat.  P.:  Schi 
heind-mu  scharpf  [dringend]  ang'häbet  W.  I'''  han-em 
frl  ag'häben,  das'  er  zum  Tokter  göi  BBe.  I  macht 
emene  sellige'  Fidli  [Lümmel]  aha,  ja  icolle  '.  Will  er, 
SU  chann  er  ja  che,  will  er  nit,  su  lauf  er!  Gottr. 
Sie  müsste  ihm  denn  cho  aha  und  's  der  Tüsig-Gott-wille 
bete.  ebd.  I''^  sinne  schier,  i'*  luff-me  [ihm]  na'^  un'' 
hig-me  a",  mer  Niebis  z'  ge"  BHk.  Er  häd-mer  drum 
a'g'ha'  L.  I'''  ha-der  d»  derfür  BHk.  In  Gl  und  Z 
mit  Präp.  (an,  bei,  mit).  /■=''  hän  ebigs  lang  mit-em 
a'g'ha",  aber  do  isch-es  Nüt,  er  lot-si'''  nüd  änderst 
b'rede',  er  lot-si'''  nüd  ummene'  ZO.  Nach  Zyro  in 
B  auch  transit.  F''  ha-di'''  derfür  a' (?)  B.  ,Us 
mynem  antryben  (wie  ich  dann  nun  by  30  jaren  an- 
gehan).'  ThFrickart  1470,  dafür  1648  .angehalten'. 
.Junker  N.  und  ich  haben  dem  herrn  so  vil  angehebt, 
dass...'  1524,  Absch.  .Doch  hatt  er  mir  so  vil  an.' 
ThPlatt.  1572.  — •  d)  beim  Jodeln  mit  Grundtönen 
begleiten.  Heb-mer  du  a',  i'''  will  zaur-i'  Ap.  Syn. 
grad  heben.  —  3.  abs.  a)  anhalten,  a)  i.  S.  v.  still  h.. 
Halt  machen;  einhalten;  beim  Fahren  mit  Schiff  oder 
Wagen,  beim  Reiten  Z.  Hebet  a'!  haltet  ein,  wartet 
Th.  Einkehren:  ,So  söllent  wir  nach  der  manunge  in 
den  nächsten  8  tagen  ze  Basel  in  der  stat  anhaben 
und  da  ein  gyselschaft  leisten.'  1390,  S  (oder  zu  1  c, 
die  Giselschaft  beginnen?).  —  ß)  i.  S.  v.  ausharren, 
ausdauern.  Er  häd  nüd  lang  a'g'häbet  Ap.  Sin  Fliss 
häd  n.  l.  a"  Z.  —  y)  andauern  Bs;  Gr.  's  Wetter  wo"t 
nid  a'ha  B.  Wenn  's  mit-em  Nu  schlecht  Wetter  giH, 
Se  hebt  's  an.  Sulger.  Hed  d'r  Tag  nüd  me''  a",  s« 
muass-män  ebe'  d'  Nacht  zgin  Tag  machn'.  MKuoni. 
—  b)  ernstlich  an  einer  Arbeit  sein,  sich  anstrengen, 
Etw.  mit  Nachdruck  tun  oder  sagen,  beteuern,  eifrig 
schwatzen,  eilen  „VO.;"  Gl;  G;  Th;  Z.  A.  wie  en 
Häftlimacher  Z.  ,Da  komme  alle  Tage  etwas  Un- 
g'sinnets  [Unvorhergesehenes]  vor,  wo  man  nicht  Zeit 
habe,  desumme'  z'  gumpe'  u"'  de"  no"''  grüsam  aha" 
sijpt  für  das,  ico  si'  müess.'  Gotth.  A'hän  und  nid 
na'Hän  ist  ns  Ding,  das  muess  verfahn  W.  Ahebe"  und 
Ringe"  ist  ob  alle'  Dinge"  [geht  über  Alles?  überwindet 
Alles?].  Sulger.  —  c)  mit  dem  Schiessgewehr  zielen 
(anschlagen)  „VO.;"  Gl;  Sch;  Z.  ,Ein  andren  hat 
das  sehr  verdrossen,  hat  z'  lang  anghan.  macht  müed 
den  Arm:  des  traf  er  Nichts.'  HHGrob  1602.  ,Die 
Pfeile  treffen  die  Mannen,  auf  die  wir  anheben.'  JJUlr. 
1727.     Zu  haben  B  3  f. 


0(11 


haben  (lieben) 


Ö02 


anhin  fane,  in  Aa;  L  auch  äne)-:  1.  tr.  a)  her-, 
hinhalten,  einen  Körperteil  oder  Gegenstand  Aa;  Ap; 
Bs;  B;  L;  Ndw;  Z;  ,porrigere.'  Id.B.  D' Hand  a.,  z.B. 
um  ein  Trinkgeld,  um  Schläge  zu  empfangen;  einen 
Korb,  um  ihn  füllen  zu  lassen;  die  Schnupftabakdose. 
De"  Biu/fie!  [Rücken,  um  Schläge  zu  empfangen]. 
Heb  jreidli'-''  [schnell]  ane',  will-der  do  chalts  Wasser 
a''sti-iehe".  Stütz.  ,0  grossätte,  man  will  uns  's  leben 
stechen  ab;  o  we,  wir  muend  d'  hüt  anhin  han.'  ESchmid 
1579.  Refl.:  ,se  prisbere.'  Id.B.  —  b)  feil  bieten.  Döu 
häst-mer  d'Wär  z'höch  ane  [zu  teuer]  UwE.;  Z.  Er  hed 
e  Ding  vil  z'  tür  ane  SchwMuo.  —  c)  darstellen.  „Er 
chann-em  's  giiet  a.,  in  günstigem  Lichte,  von  der  vor- 
teilhaften Seite;"  Syn.  ane-geben.  Er  hed  d'  Sach  wüest 
anng'häbet,  in  ungünstigem  Lichte  Ap.  —  d)  vorhalten 
(tadelnd,  anklagend).  Er  hed-em  das  anng'häbet  Ap. 
—  2.  intr.  a)  Stand  halten,  längern  Gebrauch  aus- 
halten, dauernde  Kraft  haben  oder  gcbni.  anhaltend, 
nachhaltig  wirken;  Syn.  entgegen-h.  \  "H  Kli^l.in: 
haltbar,  dauerhaft  sein  Sch;  Ndw;  '/..  /'■  7,'"'/,  hat 
lang  aneg'habe"  Bs.  Von  nahrhaften  .Speisen  U.Si. ;  Z. 
Syn.  fueren.  Die  Fastesit,  si  ist  halt  lang,  's  muess  sl" 
[die  Speise  muss  derart  sein],  dass  's  äne  het  AASeeng. 
Eshetane,  ist  ausgiebig  Aa.  Von  Menschen:  Er  hed- 
eren  eis  [einmal]  aneg'ha,  nicht  nachgegeben  Ndw. 
.Die  besten  Arbeiter  heben  am  wenigsten  ane.'  Sprww. 
1824.  —  b)  anhalten,  andauern,  z.  B.  von  Krankheit, 
Schmerzen,  Böte  einer  Feuersbrunst.  Wetter  Bs;  Z. 
Die  Urni  [Regenwetter]  häd  lang  ane"  UwE.  — 
c)  herhalten  (meist  verbunden  mit  .müssen'),  Schaden 

auf  sich  nehiiirn.   rnanir.'nrl, s  ..ranMm.  ,li.'  F..li;vn 

des  Tuns  Au.Umv,-  tr,,-r„  i„n.,.rn  Ar;  1:-  S;  Tii; 
Uw;  Z.  Diu  rnsrln,l,l,,i,«  „nnni  iii.nnp^l  für  ,hr 
Schiihhijr"  :<.  \'\\\'..  /■"  IUI,-  \\\,-u\r\  li.ili  iriilcr  miiese" 
a.  Tu.  /nn.'ib'ii  mit  nii^r|h,rii:.  ii.i.h  Analogie  der 
Constrnrtinn  \ui,  „harlm".  iirl.,"  luM-vfügtem  Obj. 
Schlag,  Tiitsch  Z.  P''  hau  ane'  so  lang  dass  [als]  du, 
ich  prügle  dich  so  lang  als  du  mich  Z.  Er  hed-em 
aneg'ha",  seine  Misshandlung  ausgehalten  Ndw.  /'■'' 
hett  nüd  ane  g'ha",  mich  nicht  prü>,'eln  la^^s.'ii  Z. 
Einem  Zahnarzt;  ilim  sitzen.  K'r'iii  n..  \.in  \\  .ih- 
Personen,  obsc.  Ap;  Z;  dazu;  Aii.ilu'livn".  unzmliti^e 
Weibsperson  Ap. 

Vfii-scliieJen  ist  das  Bd  I  259  behandelte  anne  ha",  wel- 
chem die  Nbf.   danne  aus  Th  nachzutragen  ist. 

i(n)-:  1.  tr.  a)  hineinhalten,  -stecken  Gr  ObS.. 
z.  B.  einem  Sehröter  den  Finger  zwischen  seine  Zange, 
aber  auch  bildl.:  von  einem  listigen  Betrüger  sich 
fangen  lassen  ScnSt.  Sich  in  eine  Gefahr  begeben 
Aa;  Syn.  ijihin-h.  (vgl.  Bd  I  292).  Einer  Kuh  den 
Strick  (.,  wenn  sie  über  denselben  hinausgetreten  i.st, 
ihr  Bein  wieder  innerhalb  desselben  bringen,  wobei 
ihr  selbst  zugerufen  wird:  Heb  i"!  ZZoU.  —  b)  zurück 
behalten,  schuldigen  Lohn  nicht  herausgeben,  sondern 
gegen  eine  andere  Schuld  abrechnen,  in  Abzug  bringen 
Ar;  Gl;  L;  G;  Sch;  Zg.  Er  hed-em  am  Taglö"  i'g'ha', 
einen  Abzug  gemacht  Uw  (auch  l'h'hä'J.  Bis  er-mer 
f/as  Schuldji  nid  besah,  heb-ich  im  an  dem  Posten  in, 
behalte  ein  Pfand  von  ihm  oder  mache  einen  Abzug 
von  seiner  Forderung  GrD.  Ein  Wirt  durfte  einem 
Gast,  dessen  Zahlungsfähigkeit  ihm  verdächtig  war, 
bis  zur  Bezahlung  die  Kappe  pfänden,  während  das 
römische  Gesetz  dergattigs  [solches]  Inheba  bestrafte, 
ebd.  S.  inn-h.  4.  —  c)  Gewinn  eintragen,  ergeben  V 
Bei    der   Weinlese    wird    gcnuihnt:    Lesend   Beri    nf; 


d'  Bcri  gend  de'  Wi^,  d'  Eatte'  [Kämme]  hend  Nüd 
V!  GuHe.  —  d)  nachträglich  Rache  für  Etw.  nehmen, 
in  Rechnung  bringen,  vergelten  GG.  Wart  nW,  's 
chiinnt  scho'  e  ZU,  dass  [ich]  dr  's  ehann  i'lia!  Uw; 
Syn.  in-tränken.  Vgl.  , einbringen'  (etw.  Versäumtes, 
Verlorenes)  und  b.  —  e)  , Einen  übel  einheben',  in 
schlimmen  Ruf,  schlimme  Lage  bringen?  ,Ihne  zu 
verschreien  und  bei  dem  geraeinen  Mann  übel  ein- 
zuheben  und  verhasst  ze  machen.'  1637,  S  Wochenbl. 
1846.  Ohne  Zusatz  von  ,übel',  inditi'erent:  in  ein 
Verhältniss  einbeziehen ;  Teil  nehmen  lassen.  ,Sie 
sollen  den  N.  N.  seiner  Kosten  halber,  auch  mit  Ein- 
hebung dos  X.  X.  [welcher  an  den  Kosten  ebf.  par- 
ticipiert  hatte]  ergetzen.'  1693,'  Z.  —  2.  intr.  a)  (mit 
Dat.  P.)  Einhalt  tun,  Einwendungen  machen,  sich 
widersetzen,  widersprechen,  einreden  B;  Gl;  L;  „Sch.- 
Das  Gleichgewicht  halten,  nicht  nachstehen.  „Er 
hed-em  i"  der  G'lertheit  i",  sie  ringen  mit  einander  um 
den  Vorzug  der  G."  ,Er  selber  sei  zu  alt,  um  das 
Neue  zu  lernen,  aber  si"  Bueb  müess  e"  Game'  ge", 
dass  er  so  j)»j  Landvogt  i"heig.'  Gotth.  —  b)  mit  Eim 
i.,  sich  einlassen,  in  geschäftliche  und  ökonomische 
Verbindung,  gemeinsame  Sache  machen.  I'''  ha  nüd 
mit-dr  l"  Z  (auch  hebe").  Auch  nur;  geistige  Gemein- 
schaft haben;  Syn.  i'-setze".  Hed  de  Zwingli  aw''  mit 
de««  [Freimaurern]  i"(/'/ja».*  Wolf,  Gespr.  Auch:  sich 
in  Streit  mit  Einem  einlassen  ZO.  Vgl.  an-h.  — 
3.  abs.  a)  dem  schnellen  Lauf  eines  Schlittens  oder 
Wagens  Einhalt  tun  GlH.  —  b)  einlenken,  nachgeben, 
sanfter  werden  Ndw. 

V.n  li,il>,,i  II  11  -j  f.  1  c  viel],  eher  aus  inn-han  S  zu 
i  iklin  II  Zu  J  :i  i.  S.  V.  Gleichge-wicht  Tgl.  nhd.  .einstehen' 
—  i.;!.  i.li,l.  ii.ü  um  der  Wage,  oder  die  Bcd.  entwickelt  sich 
aus  derjeuigeai  d-s  .>'inli;ilttun^.  llrniniriis'.  2  b  benilit 
viell.  urspr.  auf  dn  V,.i  ,t,.|lii„,-  li,  ,  iiiiiaU.  lila^r-i,  dureb 
welchen  Veriitiieliliiii-ra  l'.|,mii|iII  ml,  r  li,'^i:iiiu'l  werden;  in 
der  Bed.  von  Streit  viril,  auf  d.  i-  VMi-^l.'llnim'  des  Wett- 
kampfes  im  ,Häkeln',  wubei  ein  Kämpfer  einen  Finger  in 
den  des  andern  legt. 

inn-;  1.  im  Besitz  haben.  ,Das  soll  des  eigen 
^\ii  iiiler  ^\nel•  eilieu.  su  dus  lybding  inngehebt  und 
yvnn.seu  habenl,-  ll::i/i:.l4.  ScHW  LB.  ,Das  Taferli 
lial  N.  N.,  wagner,  inurliabm.'  ir.r,.n,  Hotz,  Urk.  ,Nur 
zur  Beschützung  seiner  iiilnlMiiilen  [von  ihm  be- 
sessenen] Lande.'  l.')l_'.  Ai.^.  ii.  .Sy  sollten  die  er- 
oberten herrschaften  und  phitz  IVy,  ledig  als  ir  eigen- 
tum  inhon,  verwalten  und  beherrschen.'  Ansh.  ,Et\v. 
für  syn  eigen  guet  inhaben,  nutzen  und  niessen,  damit 
schalten,  walten,  tuen  und  lassen  nach  synem  wol- 
g'fallen.'  1588,  Bs  Rq.  ,Keiser  Maximin,  so  das  eng- 
lische Reich  inngehept.'  Wurstisen.  —  2.  der  Natur 
oder  Gewohnheit  nach  eine  Eigenschaft  an  sich  haben, 
Etwas  mit  sich  bringen  B;  Gl.  Der  Jänner  het 's 
i",  ehalt  z'  sl";  Syn.  in  si'''.  .Mein  Amt  hat  's  inn. 
tut  's  uf  ihm  tragen.'  G  Gotth.  1619.  ,Es  hat  's 
also  inn,  ita  fert,  ita  fieri  solet.'  Mey.  Hort.  1692.  — 
3.  in  Verschluss  halten,  a)  Menschen  in  Gefangen- 
schaft Ndw;  Z.  Schi  hei nt-nii  [ihn]  i'g'hcbetW.  Vgl. 
Bd  I  291.  Daher  übertr.  in  der  Gewalt  haben,  be- 
meistern  B  (Zyro).  Syn.  in  Egi  han.  —  b)  Tiere  im 
Stall  (statt  auf  der  Weide)  GnObS.;  Ndw;  Z.  .Dass 
mengklich  syne  hüener  um  das  zyt,  wann  man  säyt, 
dry  wuchen  inhabe.'  1550,  Gl.  — -  c)  Grundstücke 
eingehegt  (statt  zur  Gemeinweide  oft'en).    .Welcher  im 


ing  zu  Tietwyl  ist,  der  soll  nit 


chlacln 


WA 


lia1)eii  (heben) 


Ö04 


ynzüneii,  noch  ynhan  ab  dem  feld.-  1530.  Aa  Weist. 
,Wenn  aber  dise  zeig  körn  treit,  so  mag  Ulrich  zwü- 
schend  disen  zünen  innhan  und  den  selben  platz  auch 
bruchen  nach  synem  besten  frommen.'  1530,  AAMell. 
,Dass  sie  an  einem  ort  houwen  und  zünen  und  die 
höuw  also  lang  i.  [die  Holzschläge  eingezäunt  halten] 
sollind,  bis  sie  die  stiftspfleger  selber  uslassen  wer- 
dend.' 1564,  Hotz,  Urk.  .Wenn  die  zeit  [Zeige]  inlyt 
[eingezäunt  liegt]  und  beschlossen  ist,  mögen  die 
Niderwyler  ihre  egerten  auch  inhan.'  1598,  Esterm. 
Rick.  ,Wo  zwen  gegen  einandren  inhant  und  einer 
etzt,  so  soll,  der  etzt,  zäunen.'  1627,  BSi.  Nach  Art 
von  haben  J.  »  ß  mit  Ergänzung  eines  Ptc.  Pf.  Ein 
Kleidungsstück  eingeknöpft  haben,  z.B.  eine  Weste  Z. 
Vorräte  eingebracht,  eingeheimst  h.  BThun.  Frucht 
im  Mutterleib  h..  empfangen  h.,  schwanger  sein  Gr 
ObS.;  GSa.;  s.  noch  Kalb.  —  4.  Etw.  (Einem)  als 
Pfand  oder  Ersatz  zurückbehalten,  vorenthalten,  um 
es  gegen  eine  Schuld  abzurechnen  Z.  Er  hed-em  zwe 
Franke"  inn,  zieht  sie  ihm  vom  Lohn  ab  Z.  .\uch 
nur:  mit  Gewalt  Einem  Etwas  entrissen  haben  und 
besetzt  halten :  .Der  künig  hab  im  mit  gewalt  inn 
syne  bistum.'  1521,  Absch.  —  5.  eine  Beleidigung  im 
Gedächtniss  behalten  Gl. 

Bei  mehrern  von  den  obigen  Bedd.  (so  bei  2,  3  b,  ferner 
für  ,eingeheiuist  h.'  und  .sclnvanger  sein')  wird  als  Lautform 
des  Adv.  i"  angegeben,  welclic  Form  für  4  überwiegend  ist. 
Wenn  die  Angaben  zuverlässig  sind,  so  hat  Verwechslung 
von  inn  und  in  stattgefunden,  welche  dadurch  begünstigt 
werden  konnte,  dass  das  nn  der  Form  inn,  wenn  man  sich 
ihrer  Entstehung  aus  tmie"  nicht  mehr  bewusst  war,  nach 
allgemeinem  Gesetz  abfallen  musste,  wie  das  von  in.  Betr. 
das  Begriffliche  vgl.  Bd   1  292,  al  und  t  ebd.   291  u. 

inhi°-haben:  1.  (tr.  oder  intr.)  hineinstecken. 
-halten;  z.B.  die  Hand  B;  S.  Einem  Kalb  den  Finger 
JweÄa,  es  zum  Saugen  anleiten;  einem  starken  Trinker 
muss  man  nicht  den  F.  i.  Z.  Bildl.  =  in-h.  1  a.  Ine- 
hebe',  sich  überlisten  lassen,  sich  eine  Blosse  geben. 
Er  het  g'meint,  er  heb-mi'''  scho',  i'''  han-im  aber  nit 
ineg'hebt  Bs  (Spreng).  (Den  Kopf)  aus  dem  Fenster 
zurück  (in  die  Stube)  ziehen  B;  Z.  ,üccultare  se.- 
Id.  B.  Es  hed  [treibt]  de"  Nebel  ine',  er  wird  dichter 
Uw.  —  2.  (tr.  oder  intr.)  hineinlenken  L;  S.  Hinein 
zielen:  's  wird  bekannt  gemacht  d'r  ganze"  G'meind, 
dass  Keine''  nie''  i"  Bach  l-e  heig  [hinein  pisse],  »«'r 
wand  am  Morge  moste  [angeblicher  Ausruf  der  Dorf- 
wächter]! AäP.  —  3.  (intr.)  uf  Oppis  »'.,  darauf  hin 
zielen,  darnach  streben  Schw;  Zg;  Z.  Uf  Eine"  i., 
ihn  zum  Zielpunkt  eines  (ihm  günstigen  oder  ungün- 
stigen) Strebens  machen.  Ersteres  z.  B.  bei  einer 
Wahl,  aus  der  er  hervorgehen  soll  Z,  Letzteres  bei 
Neckerei  Schw;  Zg;  Z.  Mit  Einem  um  die  Wette 
kämpfen,  wetteifern  Schw;  Z.  Hand  bim  Werchen  e  chli 
uf  enand  ine",  es  rückt-i  bas  SchwMuo.  ;  Syn.  fechten. 
Uf  Chriesbäum,  uf  Fleckveh  [udgl.]  i.,  die  Anpflan- 
zung von  Kirschbäumen,  die  Zucht  oder  den  Ankauf 
von  geflecktem  Vieh  bevorzugen  und  befördern  Z. 
S.  haben  B  3  f 

und  er-:  1.  mit  Ton  auf  dem  Adv.  a)  einen  Gegen- 
stand unter  einen  andern  halten,  z.  B.  ein  Gefäss  unter 
ein  anderes,  aus  dem  Etw.  ausfliesst  SchSI;  UwE.;  Z. 
Die  Hände,  bildl.  von  einem  Gliickskind:  De''  chann 
eister  d'  Hand  iinderha,  wo  's  Öppis  z'  erbe"  giH  Z. 
Abs.  den  Buckel  herhalten  für  Schläge  ScflSchl.  (-hebe). 
—  b)  verbrauchen.    Mer  mögct  (Ins  Obs  niid  underha 


Schw.  —  2.  mit  Ton  auf  dorn  Vb..  vorhindern  Aa. 
E  chli"  iinderhebe",  ein  Übel  durch  ein  Mittel  ein 
wenig  zum  Nachlassen  bringen  L. 

Die  Art  der  Zss.  und  Betonung  ist  bei  1  b  nicht  sicher: 
wenn  nnder  =  vnderhin  genomiuen  werden  darf  oder  muss, 
so  wäre  die  Grundbed.  viell.  ,bewältigen'.  Bei  '2  wird  die 
Vorstellung  ,dazwischen  treten,  hindernd  eingreifen'  anzu- 
nehmen sein;  vg).   under-ziehn. 

underhi"-:  1.  bedecken.  z.B.  die  Hände,  unter 
eine  Hülle  stecken  UwE.     Refl.  sich  verbergen,   ebd. 

—  2.  unterdrücken,  z.  B.  das  Unkraut,  eine  Partei  Uw. 
ent-:    1.  fest-,   auf-,   ab-,   zurückhalten.     Er  mag 

es  Boss  ethä  Aa;  Syn.  ent-be-.  Entheba,  einen  ange- 
hobenen Schlag  noch  aufhalten,  zurücknehmen,  z.  B. 
von  einem  Metzger  GrD.  Er  war  vor  Schrecka  fast 
an  d'j  Bodn  us  klt  [gefallen],  wenn  er  si'''  nid  noch 
ntheba  hetti  chönnn  GaPr.  „Einen  Gehenden  zurück- 
halten VO.;  W;  zurückbehalten,  Geld,  ebd."  Refl. 
sich   enthalten   Gr.     ,Se   continere,   abstinere.'   Id.  B. 

—  2.  =  ent-be-h.,  aushalten,  ertragen  FMu. ;  übw.  I"* 
mag  's  niimme"  etha",  ständlige"  [stehend]  z'  schrtbe" 
Schw.  Ohne  Obj.  Magst  etha"?  L.  Es  e.,  den  Dienst 
tun,  ausreichen,  genügen  UwE.  Mag 's. es  e.?  BoSi.; 
Syn.  erliden.  —  3.  vor  Schaden  bewahren.  ,Die  ir 
uns  ouch  allweg  enthebt  vor  schand.'  Salat.  Bes.  in 
der  Rechtssprache :  schadlos  halten ,  entschädigen. 
,Darby  ouch  denen  von  Sant  Gallen  zuogesagt,  was 
inen  von  des  gelts  wegen  zuostand,  sy  enthaben  und 
schadlos  halten.'  Sicher  1531.  Die  Rechte  eines  Käu- 
fers wurden  ihm  vorbehalten  gegen  den  Besitzer  des 
Pferdes  ,und  Andere,  by  denen  er  sich  zu  entheben 
vermeint.'  1612,  Z  Ratsboschluss.  ,üamit,  falls  Hab 
und  Guet  [beim  Schuldner]  verbanden  wäre,  man  sich 
wider  e.  könne.'  Z  Mand.  1638.  ,Wenn  sich  nach- 
träglich eine  Last  zeigt,  so  soll  er  unfehlbar  Entheb- 
und  Schadloshaltung  tun.'  1704,  Z  Proc.-Akt.  Ent- 
schuldigen, verteidigen,  rechtfertigen  Z.  —  4.  erheben, 
loben,  rühmen,  mit  Achtung,  Auszeichnung  behandeln 
GF.;  ScnSt;  Z.  Auch  ert-heben  s.  er-ent-h.  --  5.  (refl.) 
sich  entfernen.  Vgl.  nhd.  ,sieh  weg  heben'  und  .ha- 
ben C  4'.  ,üo  das  Judas  vernam,  enthuob  er  sich 
von  im,  dass  er  nit  mer  an  sein  angsicht  kommen 
wollt.'  1531/48,  LMacc;  dafür:  .entwiche.'  1667. 

er-ent  (ert)-:  1.  aufrecht  halten,  vor  dem  Falle 
bewahren,  physisch,  ökonomisch,  moralisch.  Kündig 
[neulich]  wärist  z'  tot  g' falle",  hätt  der  Schutzengel 
dich  nid  ertha  L.  Einen  Sack  e.,  festhalten,  ebd. 
Mir  trouid  dem  [Gott]  eister,  wo  [der]  's  Ländli  und 
's  Vech  und  eiis  lang  scho"  erthed.  HXfl.  1801.  D'  Be- 
ligion  göi  z'  Grund,  wenn  si  si  nid  erthänd.  ebd.  Er 
erthed  's  im  Takt  [der  Kapellmeister  die  Sänger],  ebd. 
Auch  in  refl.  S.  Er  hat  z'  usserist  usse"  no'''  ehönne" 
erthä  L.  Er  cha""  nümme"  e.,  ist  nicht  mehr  zahlungs- 
fähig, ebd.  Sich  zurückhalten  Schw;  sich  durchschla- 
gen L  (Ineichen).  —  2.  tragen,  ertragen,  physisch, 
ökonomisch,  moralisch,  oft  mit  unbest.  Obj.  .es'.  De' 
Wagen  erthäd  's  nid,  ist  zu  schwach  für  diese  Last 
UwE.  's  Höus  hed  's  nid  ertha,  das  Haus  ist  zsgestürzt, 
weil  es  zu  schwach  gebaut  war.  ebd.  's  mags  nid  e., 
so  z'  haseliere",  das  Vermögen  ist  zu  klein  für  so 
flottes  Leben,  ebd.  Ise"  erthed  's  besser  a's  Holz,  ist 
fester,  z.  B.  zum  Bau  einer  Brücke  L.  Die  Schnuer 
erthed  die  G' wicht.  De'  Stecke"  erthed- mi''',  mich 
darauf    zu   stützen.     Er  erthed  's  scho",   serel  z'  zale", 


905 


liiilicn  (lit'lx'ii) 


900 


er  ist  rieh  g'niieg  Ndw.  I>f  3Iii"'  hed  lil  ertha,  aus- 
gestanden UwE.  Mit  Gutt  ist  AU's  .:'  e.  Hafl.  Do 
werd  i"*  müed  und  jummere",  i"''  inög  's  nümme"  ertha, 
i"'' müess  lo"  go"  LG.  —  3.  von  Gefässen:  einen  Inhalt 
fassen  L.  —  4.  erthehen  =  entheben  4,  loben,  hoch 
halten.  Me"  chann-e"  niid  gnueg  e.,  ihm  nicht  genug 
Ehre  antun  G.  —  Über  die  Verbindung  er-ent-  s.  Bd  I  353. 
ver-entfcertj-:  1.  zu(geschlossen)-halten,  schlies- 
sen.  z.  B.  eine  Türe,  das  Auge,  das  Ohr,  um  das  Ein- 
dringen zu  verwehren;  eine  Öffnung,  damit  Nichts 
ausfliesse  AaF.  ;  L ;  Schw ;  Uw.  FriU'''  heig  's  g'schmückt, 
''ass  mer  froh  g'st'  slg,  d'  Nase  z'  certha.  Wie  söttid 
s'  chimne*  d'  Buch  v.s'  von  unheilschwangern  Wolken, 
die  sich  entleeren  müssen.  Hexg.  Ültabs. :  lult- oder 
wasserdicht  sein,  von  einem  St''|.-'l.  Fa-^.  I-'m-tn, 
einer  Türe  Aa;  L;  Uw;  Z.  Smi.  ,,,-/,.  Ih  linn,, 
verthebt  niid  guet  [den  Regen |.  ~"  da^,-  .lir  ^l.mintrr 
Stehenden  nass  werden.  Vcrtha  u-ie-n-e  Nuss.  Mit 
Dat.  P.:  Einen  hindern.  Etwas  zu  tun,  es  ihm  ver- 
wehren, z.B.  den  Kiltgang  SchwE.;  Uw;  U.  Syn. 
i-erglaseti.  I'''  will-em  's  scho'  vertha,  das'  er  nid  Alls 
rersaiffe'  cha".  —  2.  verdecken,  verbergen  L ;  U.  De'' 
Walestock  verthed  d'  Bigi,  die  Aussicht  dorthin  UwE. 

—  3.  (vertheben)  emporheben  GTa. ;  vgl.  ent-,  er-ent-h. 

-  Über  vcrenl-  s.   Bd   I   353. 

be-ent-:  einen  Besitz  behalten.  ,So  ist  dem  kilch- 
herren  das  guot  verfallen  oder  eis  [Einer]  betheigi's 
denn  mit  des  kilchherren  willen.'  1488,  Gfd. 

er-:  1.  festhalten.  Beim  Spiel  ein  Kind  am  Kleid 
(erhaschen)  AAZein.  D'  Mueter  chann-en  schier  nit 
erhebe,  so  tuet-er  vor  Fraid  zable"  [der  kleinste  Knabe 
beim  Anblick  des  Weihnachtbauraes]  Bs  (Schwzd.). 
Mänge^  het  's  Boss  wellen  tifhalte"  und  het  's  nit 
chönnen  erhebe'  BsL. ;  Z.  Einen  Sehlitten,  Stein  Gr 
(erhä  S.,  Spl.,  erhebe'  Chur,  L.).  Etw.  noch  e.  mögen, 
mit  Not  vor  dem  Fall  Z.  ,Dis  wasser  [des  Euphrat] 
möcht  man  erhaben  und  oberhalb  der  statt  abgraben.' 
JMtjRER  1.559.  Eefl.  Er  hät-si'''  na'''  chönnen  e.  antrne" 
Felse"  [wie  z.B.  Schillers  Taucher]  Gr;  Z.  Sich  an 
einem  Schlitten  erhebe,  um  ihn  zu  lenken  Gr.  Auf- 
recht halten  Ap  (erhäbaj.  De"-  Pß'  tuet  's  Wetter 
erhebe,  erhält  es  schon  Z.  —  2.  „durch  längeres  Be- 
halten, z.  B.  einer  Waare,  die  man  hätte  absetzen 
können,  Gewinn  machen  Schw;  Zg  (erha").-  —  3.  er- 
langen. ,Alle  Sonntag  und  Zinstag  soll  der  Schul- 
meister, wo  es  zu  erhaben  ist,  die  Kinder  in  der  Schul 
versammlen.-  1684/1719,  Z  Landschulurdn.  —  4.  er- 
heben, a)  erhöhen;  höher  legen.  ,Ein  stubli  im  gots- 
hus  erhept.'  1506,  Absch.  ,Paulus  selbs  erkennt,  dass 
er  [Christus]  ufhin  erhept  sye;  wüsse  doch  nit  eigen- 
lieh, ob  es  mit  synem  lyb  oder  on  synen  lyb  beschechen 
sye.'  BDisp.  1528.  —  b)  herausheben,  ausgraben.  ,Der 
Pabst  sprach  Thomas  von  Aquino  heilig,  nachdem  er 
des  Mönchs  korper  erhaben  Hess.'  Vad.  ,Es  habend 
die  glöubigen  im  neuwen  und  alten  testaraent  die 
leichnam  heiliger  leuten  begraben  und  hernach  nit 
erhebt.'  LLav.  Iä8'2.  .Einem  [Mark-]  Stein  zu  setzen 
oder  zu  ersetzen,  sage  erheben.'  Bs  Eq.  —  c)  zu  Ehren 
bringen.  ,Hie  hören  zue  dem  jungen  knaben,  der 
höher  d'  kraft  Gotts  wirt  erhaben,  dann  ich  hab  ton 
[spricht  der  Herold].'  Rdep  1550.  .Erhaben,  ett'erre, 
hochlich  lob.en.  Zuo  einem  heiligen  erhaben,  ascri- 
bere  nuniinibus.'  Mal.  ,Henricus  ist  an  das  Reich 
erhaben  worden.'  Wurstisen.     .Zu  grossen  Ehren  er- 


haben werden.'  PWvss  1055.  ,Sich  für  die  Erhebung 
[Kanonisation]  des  Bruders  Claus  zu  verwenden.'  1678, 
Absoh.  —  d)  anheben,  anfangen,  unternehmen,  ver- 
ursachen, die  Ursache  abgeben;  vgl.  Ur-hab.  ,Ire  spän 
[Streitigkeiten]  im  vorgenden  jar  erhaben,  ze  betragen 
[beizulegen].'  Ansh.  ,Aus  den  verloffnen  Kriegen,  mit 
grossem  Blutvergiessen  under  ihnen  erhebt'  Gülden 
Bund  1658.  Refl. :  entstehen;  sich  zutragen.  ,Was 
sich  manchmal  durch  den  tüfel  an  vil  orten  erhaben 
hat.'  ZwiNGLi.  ,Die  einsidel,  deren  Ursprung  sich  an- 
gents  in  Ägypten  erhaben  hat.'  Vad.  ,Waun  sich  das 
Bistumb  Basel  ursprünglich  erhaben,  ist  unbewusst.' 
Wurstisen.  ,Von  wegen  des  sich  onlängst  erhebten 
Kriegswesens.'  Z  Mand.  1638.  —  e)  Etw.  zu  Stande 
briiiticn.  ausii.-litfu.  dunlisetzen,  Jmdn  bewegen;  vgl. 
ili:.  WÜ.  111  >l:i  nn.l  ,.  iii.i;  Antrag  erheblich  erklären' 
in  di.'r  houtii^eu  Kaii/|.'i-|ir.  .Damit  wir  den  kouf 
dester  bas  erheben  und  l.rhaltrn  niörhten.'  15'24,  Absch. 
,Wir  hoffend  es  nit  zc  r.  \Hr  un,  rn,  ut.'n.  so  man 
den  Vorsitz  [Zürichs]  hin-oln/  l'..:',  Zwin.ili.  ,Wo 
wir  by  anderen  orten  nit  wi.^nten  zuu  e.,  dass  die  statt 
Costenz  zuo  einem  ort  angenommen  (werde).'  1530. 
Absch.  ,So  sy  die  früntlichen  schidlüt  by  inen  ge- 
truwtind  zuo  e.  und  sy  dahin  zuo  vermögen  [dazu  zu 
bestimmen],  da>.-  -v  . .  .■  l.'i::i,  ebd.  ,Dass  der  freund- 
liche Spruch  (dri  S,  liniUi  irhter)  angenommen  (erhept) 
würde.'  1537,  ebd.  .Er  lUMclit  auch  dise  schwere  sach 
nicht  wol  allein  erheben  [das  Evangelium,  die  neue 
Lehre  in  Aufnahme  bringen,  durchferlituu  ].  dann  er 
hat  kein  bystand  von  jemands.'  JJun  l.'.TI.  .S.iil  i-r, 
wo  mit  söllichem  Zuosprechen  Nüt  zuo  r.,  dir  Sarh 
mit  Hilf  der  Pürgesetzten  verbesseren.-  /.  I\n.  Innuidn. 
16'28.  —  f)  refl.  von  Personen:  aufbrechen.  aultr,.t.-n. 
.Deshalb  sich  die  von  Sitten  erhaben  band  und  wider 
sy  gezogen.'  NicRüsch.  ,Hatt  sich  die  K.  M.  erhebt 
zu  Köln.'  1475,  Bs  Chr.  , Wider  diese  hat  .-ieh  aueh 
N.  N.  kreftigest  seines  Vermögens  erhe|ii.'   \Vii;vii>i:n. 

—  g)  Ptc.  adj.  1)  von  .erhabener-  Ailieit,  >.  iil|,tin- 
werken.  ,Sigillum,  erhebts  bildle  udn  imi  eili,  l,ier 
arbeit.  Cffilatus  crater,  ein  becher  von  erliabter  arbeit. 
Erhabne  oder  tribne  arbeit  machen,  cslare.'  Fris.; 
Mal.  —  2)  hochstehend  od.  -liegend,  erhöht.  .[Wurde] 
als  ein  küng  uf  erbebter  briii;''  eei^iiml  und  eiit- 
houptet'  Ansh.  ,Ein  erbebte  alle  heeiabinus  |(;iali- 
mal]  uf  Pfyleren  stände  [stelieiull  inil  einem  iliul'-tein 
daruf.'  KCys.  .[Der  Rhein]  nielit  selu  eilielue  Ge.-tad 
hat.'  Bs  Chr.  1765.  Von  Personen:  .Erhabene  [hoch- 
stehende] Personen  ihrer  Ämter  entsetzt.'  1635,  Absch. 

—  5.  (abs.)  sich  fühlbar  machen,  uf'-tragen;  über- 
wiegen. ,So  erhab  doeli  das  hundtöden  wyt'  1489, 
Geschpo.  Ges.  !•.  '_'S'2. 

Über  er-  in  trl,„n  :'  s.  Bd  1  402  ß.  Bei  3  liegt  ,baben' 
A  ],  1  f  zu  Grunde  und  er-  in  der  Bed.  .vollends"  s.  Bd  I 
402  y.  Bei  4  e,  wo  auch  ,erlangen'  als  Bed.  angesetzt  werden 
könnte,  lifgt  eine  audere  -Anschauung  als  bei  3  zu  Grunde, 
nänilieli  <lir  dl  s  ^ie-li  1.  h,  II  K III |io rhebeus  über  Hindernisse. 
Dass  .rih.lHM  III  il.  I  -,  »nliiilieben  nhd.  Bed.  der  heutigen 
Volks>|ii  Im  hui  1,1  liriiilii  .iiif  dem  schon  in  der  Anm.  zu 
lmb,:„    bcsl.luclleULU    tjniud. 

uf-er-:  1.  emporheben,  -halten,  die  Hand  zum 
Schwören  =  einfachem  üf-h.,  s.  d.  .An  offnem  ring 
muss  N.  N.  die  ankläger  zu  offnen  füren  und  fenstren 
mit  uferhabnen  fingren,  gelerten  Worten,  zu  Gott  ge- 
schwornem  eid,  der  us.sgossen[en]  zuereden  entschul- 
digen und  entschlachen.'  1587,  Hagenb..  Sigr.    l>ann  : 


907 


liaten  (lieben) 


den  Eid  selbst  u.,  leisten.  ,Mit  herz  und  mund  und 
uferhabnen  eiden  geschworen.'  B  Syn.  153'2/1775.  — 
2.  anheben,  anstiften  =  er-h.  4  d.  ,Wie  seralichs  uf- 
ruer  und  krieg  im  onwissend  uferhaben  und  gangen 
syg.'  Sicher  1581.  —  3.  aufrichten.  ,Gott  hat  die 
synen,  so  sy  euch  in  sünd  sind  gefallen,  widerum 
durch  syn  gnad  uferhaben.'  Zwingli.  —  4.  wegnehmen, 
vorenthalten;  vgl.  nhd.  .aufheben'  =  bewahren.  ,In 
dem  Gute,  so  N.  N.  und  den  andern  synen  Gesellen 
ze  Meilan  uferhaben  wart  (ablata  et  detenta).'  1349, 
Z  Ratserk. 

üs-haben:  1.  tr.  a)  mit  Sach-Subj.  und  Acc.  P. 
a)  Einem  Dienste  leisten  bis  zum  Endo  seines  Lebens 
B;  „Gr;"  ScnSt;  Th;  Z.  ^Das  Süshed-mi''' üs,  hält,  so 
lange  ich  lebe  Gr;  Z."  De'-  Rock  hat-mi'''  iis.  —  ß)  zur 
Erreichung  eines  Zweckes  ausreichen.  Das  Geld  hed- 
mi'''  US  „Gr;"  L.  In  beiden  Anwendungen  Syn.  «s- 
jUn-h.  —  b)  mit  pers.  Subj.  und  Acc.  S.  a)  Kosten 
tragen,  bestreiten.  „!''•  tvill-dr  d'  Cliösten  u.  Gr." 
Mit  ,für'  üwE.  Ohne  pers.  Bez.:  Alles  üshebe",  be- 
zahlen Z.  Sterbet  und  Werdet  u.,  die  Kosten  der 
Todesfälle  und  Geburten  in  einem  Hause  Z.  Syn. 
üs-halten,  abheben.  —  ß)  =  nhd.  aushalten,  ertragen. 
I"*  7iä»'s  nid  me''  iis  B.  —  2.  intr.:  ausharren  Ap 
C-hebq,  -häbqj;  ,ad  finem  usque  durare.'  Id.  B.  — 
3.  ,Es  sye  ein  stät  opfer  und  das  werd  usgehebt  wer- 
den in  der  letsten  zyt.'  B  üisp.  1528,  =  ,beendigt.' 
ZwiSGLi  2,  lö2.  —  ushin-:  1.  Etw.,  z.B.  ein  Gewicht, 
in  freier  Hand  hinaushalten  Schw;  Z;  .proferre  caput 
(aus  dem  Fenster  strecken).'  Id.  B.  Unpers.:  Eshc'd 
(macht)  de'  Nebel  u'se"  (inne'):  der  Nebel  geht  weg 
aus  dem  Tale  (wird  dichter)  UwE.  —  2.  aus  einer 
bedrängten  Lage  befreien  (herausheben)  UwE.  — 
3.  a)  =  us-h.  i  a  G;  Sch;  Schw;  UwE.  ;  Z.  's  hät-e"  nüd 
tise",  es  reicht  ihm  nicht  aus  bis  zum  Tode  oder  genügt 
ihm  nicht  zu  einem  gewissen  Zwecke.  20  Franlce" 
händ-e"  nüd  ttse'  [zur  Bestreitung  der  Eeisekosten]  Z. 
De-  Most  häd-is  use'  [langt,  bis  es  neuen  gibt].  Mit 
Acc.  S.  Das  hat  's  use',  reicht  hin.  Mit  pers.  Subj. 
und  Obj.:  überleben.  Du  häst-mi'''  nüd  use:  — 
b)  a)  =  us-h.  1  b.  Die  ganz  Eüshaltig  useha^,  alle 
Kosten  derselben  bestreiten  Z.  Das  ganz  Mal  iise'- 
hebe",  allein  bezahlen,  ebd.  —  ß)  mit  Acc.  P.  Einen 
frei  halten,  z.B.  auf  einer  Reise  od.  sonst  im  Wirtshaus 
Ap;  Gl;  (iG..(-hebe);  Z.  I'''  ue"t  di'''  mit  100  Talere" 
nid  use'ha  B.  Mit  1000  Franke  hätt-ene  nid  use, 
könnte  ich  ihn  in  diesem  Geschäfte  nicht  vertreten, 
ohne  dabei  zu  kurz  zu  kommen  Schw.  —  4.  a)  es 
Einem  ^loich  tun.  Wenn  es  Wib  z'  ungueten  geratet 
[missviLtj.  ,-,  Iiiit  (X  ;  Manne  use"  und  d'r  Tüfel  chönnt 
hi-n-iw  ijn  ].ii-hii\,  si"  [tut  so  viel  Böses  wie  7  Männer 
zusammen].  Gotth.  Einen  Rivalen  oder  Concurrenten 
beseitigen  SchwE.;  vgL  Bed.  2;  doch  viell.  nur:  über- 
winden. —  b)  Es  u.,  den  Sieg  behaupten.  De''  het  's 
no''-  geng  use'!  B.  Mit  Dat.  P.  oder  S.  Mir  Ober- 
länder sl"  rechti  Burs!  mir  hei's  den  Andren  use:  Kühn 
1819.  Nummen  Ei"s  het  's  Allem  use':  Z'fride'  sl", 
wie  's  Gott  het  g'macht.  ebd. 

Ter-  (Ptc.  in  Bs  verhahe'  nuA  verhebt):  1.  tr.  mit 
pers.  Subj.  a)  geschlossen  halten,  verschliessen,  zu- 
decken, mit  der  Hand  oder  mit  einem  Gegenstand; 
ein  Gefäss,  eine  Röhre,  eine  Türe  od.  andere  Öffnung, 
eine  Wunde,  einen  Körperteil,  allg.  Syn.  ver-ent-, 
zue-h.    .So  tuond  .sy  glych  al.-*  die  verzwyfleten  Juden, 


die    Stefanum    nit    wolltend    hören,    verhebend    [die 
Ohren].'    Zwingli.     .Der  die   ougen   verhebt,    dass  sy 
nit   sehind.'    ebd.     ,Durch   das    wort  Gottes    verhuob 
er  den  himmel.'  1531/48,  Sir.;  dafür:  .verhielt'  1667. 
,Du  verhuebest  mir  meine  auglider.'  1531/48,  Psalm; 
.verhebtest.'  1667.    ,Gog  und  Magog  verhend  die  ougen 
und  fliehnd.'   1549,  L  Heiligonsp.     ,Gott  den  [Löwen] 
's  mul  verhueb.'  Aal  1549.   ,0s  opprime,  verheb  im  das 
maul,  tue  im  das  maul  zue.'  Fris.;  Mal.  ,.\nfangs  druckt 
man  nur  etliche  Drücke,  worbei  der  Rohrführer  sein 
Rohr  wohl  verhebt.'  Feuerspritze  Z  1790.  —  b)  zurück- 
halten, Etw.,  das  ausfliessen,  hervorbrechen  will;  den 
Atem,  Excremente.  Urin  (den  Brunnen);  einen  Affekt, 
z.B.  Zorn,  das  Lachen;  eine  Begierde  Aa;  Ap;  Bs;  Gr; 
G;  Sch;  Th;  U;  Z.    Der  chann's  Süfe'  fast  nöd  f.,  sich 
nicht  enthalten.     Er  mag  's  nilt   v.  zuez'luege".    Syn. 
über-h.    Vgl.   Verhebweid.     Bes.  Worte,  resp.  Geheim- 
nisse,  nicht  aussprechen,   verschweigen  Gl;   G;   Sch. 
I»*  ha'  's   nümme'   chönne"   v.   Bs;   G;    Z.     Bitt   di''', 
verheb  's!  Bs;  Z.     D'  Wiber  mögid  Nünt  v.  Ap.    Etw. 
unterlassen.     Verheb 's!  iron.  i.  S.  v.:  du  kommst  mit 
deinem  Vorhaben  zu  spät  GrD.  (B.  I  195).    Der  Rat 
beschliesst,    einen   gefassten  Entscheid   ,ze  verhaben' 
[geheim  zu  halten],   bis   man    sich  noch    mit   andern 
Kantonen   verständigt.    1431,  Z  Stadtb.     ,Auf  das  re- 
deten die  Eidsgenossen   mit   unseren   boten,   dass  sie 
die   knechte    verhüeben    zu    schicken.'    1437,  Laüff., 
Beitr.  3,  45.    ,Dass  wir  die  kn.  verhaben  wollten  unz 
auf  dienstag.'  ebd.  46;  vgl.  noch  49.  50  und  (uf-)be- 
heben.     ,Wär,   dass  jemand   zuckte   mit  messern  oder 
wäfen    oder   mit   steinen    und  verhebt,   dass  er  nicht 
Schlacht   oder  wirft'    TnWellh.  Offn.     ,Wo  der  jäger 
nit   den   atem    verhebt'    Tierb.  1563.     .Incontinentia 
urinaj,  unbehebenheit,  wenn  einer  den  harn  oder  brunz 
nit  verheben  mag.     Animara   compressi,   ich  hab  den 
aten  verhaben.    Stomachum  comprimerc,  dem  Unwillen 
weren,  das  kotzen  verhaben.    Fletuni  suspendere,  sich 
vor  weinen  enthalten,   das  weinen    verhaben.'    Fris.; 
Mal.    ,Mir  will  zerspringen  ob  deinem  hüpschen  Sin- 
gen mein  Bauch,  mag  's  nit  verhau,  muess  recht  lan 
gan.  (Edatur  crepitus).'  Mtricäds  1630.    ,Die  Wunden 
war  so  gross,  dass  ich  sie  mit  der  Hand  nit  bedecken, 
noch    das  Blut  verheben    konnte.'    Würz  1634.     .Das 
Lachen    verheben,   risum   tenere.'   Hospis.  1683.     ,Er 
kann  Nichts  verheben,  nicht  gehackete  Rüben,  omnem 
stomachum  detegit.'  Mey.  Hort  1692.  —  c)  beim  Handel 
einen  Preis   festhalten   und   darüber  den  Käufer  ver- 
lieren  Ap.     Früher   übh.  im  Handel  Geld   einbüssen, 
verlieren.     ,Uf  die    zyt  hain   ich  300  fl.  verhiebt  an 
körn   und   wyn.'    1526,  HsStockar.     ,100  fl.  um  körn 
und  wyn  und  um  ross  usgen  und  bezalt  und  verhiebt' 
ebd.     Eine  Verkaufswaare  zurückbehalten  (nicht  los- 
schlagen, um  sie  nachher  teurer  zu  verkaufen).  ,Sy  sont 
die  flsch  nüt  Übertüren  uf  geferde,  dass  sy  sy  damitte 
verheigen,  dass  sy  sy  morndes  anderswa  verkoufen.' 
XIV.,  THDiess.  Stadtr.   .Riete  er  jm,  dass  er  [der  Eigen- 
tümer] türer  geben  und  im  Markt  verheben  sollte,  so 
wollte  er  es  morgendiss  kaufen,  der  ist  die  Buess  ver- 
fallen.' GrD.  LB.  1646.  -  d)  Einem  Etw.  v.,  verwehren, 
verhindern,    vereiteln   Aa;   Bs;   B;    W.     Es  ist  doch 
schröcklig,  we"  me«  Eim  d'  Sach  eso  rerhet  [wenn  ein 
Arzt  durch  absiclitliehe  schlechte  Behandlung  die  Ge- 
nesung eines  Kranken  verhindert].  Gotth.  Vorenthalten 
Bs;  B.  Syn.  ror-h.    ,0b  yemands  wider  die  von  Mül- 
hu.sen   ufruer  uiiderstan  wellt,  so  begeren  sy  [die  Eid- 


900 


liiib(Ml  (liel)iMi) 


910 


,  geiwssen  J,  dass  durch  gebot  hilf  und  stür  des  herzogen 
verhebt  und  underkommen  werdend.'  1474,  Absch.  — 
e)  in  die  Höhe  heben,  entrücken.  ,Ist  er  unver.sehen- 
lich  von  einem  Gespenst  in  die  Lüften  verhept  und 
ser  wit  getragen  worden.'  ECys.  —  2.  intr.  a)  mit 
Sach-Subj.,  entsprechend  1  a:  fest  schliessen,  luft- 
und  wasserdicht  sein,  von  Fenstern  und  Türen,  von 
Gefässen  Aa;  G;  Z.  's  verhebt  kd«<  Büge'  [Fass- 
daube] me"  AAZoin.  Wie  me""  Löchli  a's  es  het,  wie 
[desto]  besser  a's  es  verhet,  Rätsel  vom  Strohdach. 
Verstopft  sein,  von  einem  Eauchfang.  Gang  ga  luegn, 
«•(i  's  ettn  verhet  Grü.  's  Wetter  verhät,  der  Eegen 
hat  aufgehört;  es  wird  iez  xcol  es  Wlli  verhebe"  Z. 
Bas  verhet,  genügt  Aa.  ,4  ß  gab  ich  bansen  kinde- 
nisnn,  allerlei  an  den  fenstern  und  sunst  ze  bessern, 
dann  sy  nit  wol  verhuoben.'  1546,  ZGrün.  Aratsrechn. 
,Das  Herz  verhebt  besser  als  die  Gedächtnuss;  es  ist 
der  beste  G'halt.'  FWvss  1650.  —  b)  mit  pers.  Subj. 
a)  zögern,  zaudern,  zurückbleiben  GRPr.  Worum 
tiiend-er  noch  rerhehn"  [zögern,  hereinzukommen  zum 
Essen],  u-enn-er  ja  sehn'  a  Wil  fertig  sind?  Schwzd. 
Bas  ist  doch  e  Verheb^te!  ein  ärgerliches  Zaudern. 
,Sy  wolltont  Meilingen  erschlichen  han  und  verbuch 
der  huf  dahinna  [dahinten]  und  giengent  inen  ein  teil, 
als  ob  sy  fründ  wärind.'  Fründ.  —  ß)  sich  abwehrend 
verhalten.  Ber  ist  besser  zum  Verha'  [abwehren]  a's 
zum  A"zieh'*  [angreifen]  B;  von  einem  schwerfälligen 
Schwinger  gegenüber  einem  gelenkigen.  —  3.  refl. 
a)  eine  zu  schwere  Last  heben  BSchw.;  Syn.  über- 
biiren,  iiberlupfen.  —  b)  sich  wehren,  sträuben.  Es 
cerhet  si'''  z'  regne",  die  Witterung  ist  trübe,  aber  es 
kämpft  noch  gegen  Regen  B. 

Mhd.  verhaben,  -hchcn,  zuhalten,  verdecken,  verschliessen ; 
verhoben  auch:  zurückhalten;  verheben  auch:  in  die  Höhe,  zu 
hoch  heben.  Zu  1  e  vgl.  Bd  I  910  (ver- =  er-).  Die  unter 
2  a  gestellte  ahstr.  Bed.  ,aufh8ren,  genügen'  ist  viell.  als 
abs.  Anwendung  von  1  a  aufzufassen:  verschliessen  (den  Aus- 
fluss  aus  einem  Vorrat);  genug  sein  lassen,  genügen.  2  b  a 
scheint  (urspr.  refl.)  Anwendung  von  Ib.  2  ß  und  3  b 
entsprechen  1  d.  In  3  a  hat  ver-  die  Bed.  des  Übermasses, 
s.   Bd  I  906  c. 

vor-,  für-:  1.  sinnlich:  einen  Gegenstand  vor- 
halten Ap;  Z;  .übvertere.'  Id.  B;  ,z.  B.  einen  Spiegel." 
Meist  als  Hinderniss,  z.  ß.  Einem  die  Hand  vor  die 
Augen,  damit  er  nicht  sehe  B  (Zyro).  Die  Hand  vor 
die  Brunnenröhre,  ebd.  Einem  Tänzer  ein  Bein,  um 
ihn  zu  Falle  zu  bringen  L ;  Z.  Bildl.  Einem  den 
Fuss,  das  Bein  f.,  Etw.  in  den  Weg  legen,  damit  er 
ein  Vorhaben  nicht  ausführen  kann  Zg.  Eme  Hochsig 
fürha",  der  Brautfuhr  den  Weg  vorsperren,  um  ein 
Geldgeschenk  zu  erlangen  Z.  Syn.  uf-h.  4.  Ell.  Ben 
Ü7nhang  f.,  den  Vorhang  gezogen  haben  B;  Z.  ,0b 
jeman  denen,  so  gefrewelt  haben,  band  furhan  [scho- 
nen] wellten  und  die  beschirmen.'  1480,  Geschfo.  Ges. 
,Wenn  man  1000  jar  einem  unbekannte  wort  fürhüeb, 
so  wurd  doch  einer  nichts  dester  gelerter.'  B  Disp. 
—  2.  moralisch.  Einem  Etwas  zum  Vorwurf  machen 
(Fehler)  Ap;  Bs;  B;  Gl;  G;  Uw;  W;  Z;  ins  Gedächt- 
niss  zurückrufen ,  z.  B.  empfangene  Wohltaten  B. 
,Wenn  du  so  eine  [reiche  Frau]  kriegtest,  so  hätte 
sie  es  dir  alle  Tage  für,  wie  gut  sie  es  daheim  ge- 
habt.' GoTTH.  Jnid  mit  einem  Liebesverhältniss  necken : 
Eim  Eini  oder  Einer  Eine'  vorh.  ,Der  gesandte 
entschuldigte  die  von  Zürich  mit  [gegen]  allen  [so!] 
dem    fürheben,   das   in'"   der   künig  fürliueb.'    Edlib. 


,Du  weisst,  dass  kein  einfaltigerer  schryber  in  tütsch 
ist  weder  ich;  noch  [dennoch]  hast  du  mir  der  reder 
kunst  für  [rhetorische  Floskeln].'  Zwingli.  Als  Grund 
einwenden:  , Wollt  in  [den  ungehorsamen  Knecht] 
der  von  B.  versprechen,  so  soll  man  im  fürheben, 
warum  er  denselben  knecht  vormals  geturnt  habe.' 
1414,  Seg.  RG.  ,Wie  du  mir  ein  gegenwurf  für- 
hebst.' Zwingli.  ,Uns  will  von  unnöten  bedunken, 
dass  ir  uns  die  pünd  fürhebent.'  1530,  Absch.  Als 
Verpflichtung  einschärfen :  ,Wenn  dem  hirten  geliehen 
wirt  [d.  h.  sein  Amt  verliehen],  soll  man  im  fürhan, 
dass  er  usfahr,  so  man  ihn  heisst  ustryben.'  1472, 
Z  OWthur.  üffn.  —  3.  ,Einen  wohl  für-h.',  freund- 
lich, höflich  behandeln,  Achtung  und  Ehre  bezeugen; 
über  Gebühr  oder  Verdienst  hervorheben,  bevorzugen, 
herausstreichen  VO. ;  G.  Sich  wohl  f.,  viel  auf  sich 
halten,  stolz  sein  GW.  In  der  ä.Lit.  einfach  ,fürheben' 
i.  S.  V.  ,bevorzugen,  begünstigen,  beschönigen',  oft 
formelhaft  verbunden  mit  , verschonen'  u.  a.  Synn. 
,Uie  von  Zug  wollen  Leute,  die  die  Zürcher  beleidigt 
haben,  bestrafen  und  Niemand  fürheben,  verschonen 
noch  verdecken.'  1580,  Absch.  ,Wo  aber  dieselben 
sümig  syn  und  etwas  fürheben,  durch  d'  finger  sehen 
und  eim  nit  wie  dem  andern  richten.'  ebd.  ,Uie  Yn- 
gewünner  sollen  nit  gwalt  haben,  dheinen,  dem  ver- 
loren ist,  fürzuoheben  ald  an  der  gesatzten  buoss 
ichtzit  nachzelassen.'  1548,  Z  Gerichtssatz.  ,Darinnen 
[im  Verzeigen]  Niemand  vorzehaben  noch  zu  ver- 
schonen.' 1671,  Hotz,  ürk.  Mit  Dat.  P.,  Vorschub 
leisten :  ,Wie  gefarlich  der  landvogt  die  gönner  evan- 
gelischer warheit  undertrucken  lasse,  aber  die  wider- 
wärtigen [Gegner]  embor  und  inen  fürhebe.'  1581, 
Strickl.  —  4.  vorenthalten,  entziehen,  benehmen; 
verwehren.  B'  Freid  [Freude]  häd-mer  's  Esse'  vor, 
benimmt  mir  den  Appetit  Obw.  ,Es  sullent  ouch  wir 
und  unser  nachkommen  und  all  unser  lüt  allerlei  kouf 
geben  [offenen  Markt  halten]  und  inen  [der  andern 
Partei]  denselben  in  dehein  wys  vorhan  noch  abwerfen 
[versagen,  aufkünden].'  1412,  Absch.  ,Wa  ieman  dhein 
guot  hetti,  das  in  den  hof  fellig  wäre  und  inen  [den 
Inhabern  desselben]  den  fall  vorhette.'  14'24,  AAHolderb. 
Oftn.  ,Hett  er  [der  Inhaber  des  Widems]  das  wuocher- 
rind  nit  [das  er  zu  halten  verpflichtet  ist],  so  möcht 
man  im  den  höwzeheuden  vorhaben.'  1433,  ScnBuchb. 
Ott'n.  ,Der  herzog  war  erstochen  von  einem,  dem  hat 
er  syn  wyb  vorgehebt.'  .Sicher  1531.  Die  Zürcher 
sollen  durch  das  Loch  iin  Hag  fliehen,  dann  aber  die 
Büchsen-  und  Arrabrustschützen  sich  dort  postieren 
und  .habend  inen  [den  Feinden]  das  loch  im  hag  vor.' 
Edlib.  ,Sy  habend  ouch  dem  apt  syn  land  und  lüt 
ghulfen  vorhaben  und  entweren  [entziehen].'  1531, 
Strickl.  ,Das.  so  den  Annen  von  Gott  gegunnen  wird, 
weiters  nit  vortinlwii,  ^nndiT  willig  nachfolgen  lassen.' 
1604,  Z  Ratserk.  S.  im,  h  S|,.  '_>si  u.  gelthaft.  —  5.  vor- 
behalten. ,üarzuo  bau  wir  vorgehept  unser  stat  ellü 
ir  gericht  und  ir  guoten  gewanheit.'  1332,  Gfd.  — 
6.  im  Sinne  haben,  beabsichtigen  Bs;  Uw;  Z.  ,Vor- 
habens  sin',  gesonnen  sein  B;  mit  zu  und  Inf  (vgl. 
Bd  I  929  u.).  We"  d'r  Vorhabes  sid,  wider  z'  bouc"  B. 
.Dieweil  er  aber  anderstwo  hin  zuo  reisen  fürhabens 
[ist].'  1563,  Hagenb.  Sigr.  —  7.  Vorrat,  Überttuss, 
übrig,  mehr  als  nötig  oder  genug  h.  Bs;  BO.;  Sciiw; 
Zg;  Z  ;  s.  Bd  I  928;  960.  Syn.  vorig  ha.  Er  hed  Nnd 
vor,  kaum  genug  ZO.  Es  h.  N.  v.,  es  fehlt  wenig 
(so  würde  es  misslingen).  ebd.     Bc  Nachböur  hed  c" 


911 


lialten  (heben) 


912 


Chnecht  für.  MW  sott  eisder  Gehl  f.  ha"  Uw.  Es 
par  Santine  f.  für  es  StrauhüetH  F.  Wenn  die  Speise 
kalt  aufgestellt  wird,  tröstet  der  Thurgauer  mit:  ,Nun 
habt  ihr  das  Blasen  vor  [nicht  nötig].'  ,Die  rychen 
Burger  beflyssend  sich  vil  Watten  fürzuohaben.'  JEüeg. 
1Ö06.  —  8.  Etw.  voraus,  zu  gut,  eiuen  Vorteil  h.  Vgl. 
Bd  I  930  B  5,  z.  B.  ein  Verdienst  für  den  Himmel  B. 
,Dass  er  nüts  vorhab  [keinen  Gewinn  von  dieser  Eeise 
ziehe].'  1408,  Wegelin  1844.  ,Üie  herren  wären  edel- 
mächtig;  die  wollten  durch  ir  adel  und  gewaltes  wegen 
eins  vorhan,  sy  begnüegte  nit  fast  mit  dem  erbieten 
des  rechten  ze  empflegen.'  Just.  ,Der  wys  Socrates 
beniegt  sich  nit,  dass  der  sun  synem  edlen  vater  glych 
sye,  sunder  will,  dass  er  synes  vaters  tugent  zevor- 
habe  und  dieselben  adelicher  mit  eigner  tugent  mache.' 
Ansh.  ,Es  hatten  die  Eidgnossen  in  disem  Stryt  inen 
zum  Vorhaben  und  Vorteil  genommen  die  Mur  des 
Eebgarten,  welche  Mur  sye  zu  Ruck  hatten.'  KCys. 
,Es  geschieht  häufig,  dass,  wenn  ein  Landvogt  Rech- 
nung ablegt,  die  Gesandten  seines  Ortes  ihm  vorzu- 
haben [zum  Voraus  Etw.  an  ihn  zu  fordern  zu  haben] 
vermeinen,  so  dass  den  Obrigkeiten  weniger  verbleibt.' 
1642,  Absch.  —  9.  vorher  halten  (Nachtrag  zu  Bd  I 
930  B  3).  ,Mit  vorgehabtem  Rat  und  guter  zytlioher 
Vorbetrachtung  hab  ich  verkauft . . .'  1673,  ZHerrl. 
Kaufbr. 

Bed.  3  ist  Bd  I  960  c  so  erklärt  worden,  dass  sie  zn 
haben  BIS  gehören  würde;  aber  das  in  der  ä.  Lit.  syu.  vor- 
komnieude  ,fürhalten'  spricht  dagegen.  Übrigens  würde  für 
mehrere  Stellen  auch  die  Bed.  ,Terdecken'  (schützend  Etw. 
vorhalten)  passen  und  es  scheinen  sich  verschiedene  RAA. 
von  ähnlicher  Bed.  gemischt  zu  haben,  da  auch  die  Con- 
struction  schwankt,  zwischen  Pers.-  und  Sach-Obj.,  Dat.  und 
Acc.  In  Bed.  4  berührt  sich  vor-,  für-  mit  «,•«-.  S.  Bd  I  912. 
In  Bed.  1-5  gehört  die  Präp.  näher  zum  Vb.  als  in  6  —  9, 
wo  ein  Adv.  in  prägnanter  Bed.  vorliegt  und  keine  eig.  Zss. 
stattfindet. 

für-hi"- haben:  vorstrecken,  Hand,  Nase,  Kopf 
B;  Z. 

g--:  1.  tr.  a)  g-hebe  Gl;  GrD.,  Pr.,  ObS.  (neben 
g'hä);  Sch;  Z  (neben  g'ha),  jr'/iö  GrV.,  festhalten;  oft 
verbunden  mit  mögen  i.  S.  v.  .vermögen';  ebenso  in 
Verbindung  mit  ,sein'  und  Inf.  mit  ,zu':  Bie  Chiie  ist 
nüd  z'  g'hele",  z.  B.  beim  Melken  Gl.  Er  viag-ne  [ihn] 
nid  g'h.  Gr.  I"'  mag's  g'ha  GWa.,  Jcebe  GA.  !"• 
mag  das  nüd  g'hebe  [es  ist  mir  zu  schwer]  Bs;  Z. 
,Wer  ein  ross  an  der  band  füert  und  das  nit  in  söm- 
licher  mass  gemeistern  old  gehaben  mag,  dann  dass 
es  die  lüt  wüest  [schädige].'  1480,  L.  ,Mochtend  das 
Schilf  nit  gehehen.'  Bussjr.  —  b)  zurückhalten.  Er 
Mt's  n«j«me"  [nicht  mehr]  viüge"  g'h^he  [die  Äusserung 
seines  Unmutes] ;  do  hat  er  üspackt  und  g'seit,  was-evi 
i's  Mül  ho"  ist  GBern.  —  c)  von  Gefässen:    Flüssig- 


keit nicht 


lassen.     Die  Gepse'   g'hebt   kei" 


Milch,  ist  nicht  dicht,  rinnt  GrL.;  s.  2  und  ge-hab 
—  d)  fassen,  enthalten,  von  Gefässen.  Die  Gepse 
g'het  13  Mass  Gr  ObS.,  V. ;  vgl.  haben  B  1,  10.  - 
e)  behalten,  unterbringen;  Syn.  gehalten.  ,Ein  hus, 
darin  sy  der  stift  ire  frücht  gehaben  und  behalten 
mügind.'  1554,  Hotz,  Urk.  —  f)  Es  Eim  g'ha'  möge", 
Einen  übertreifen  Ndw,  Einem  im  Wettkampfe  Stand 
halten,  es  ihm  gleich  tun.  Der  meint,  im  mög  's  Nie- 
men  g'han,  aber  su  vil  das  [als]  er,  glouben-i";  mög 
i'*  0  [auch]  verrichten  BR.  S.  noch  Bd  I  759  und 
haben  B  1,  1  b  ^.  Syn.  Eim  möge'  Tatz  g'ha'.  — 
g)  Etw.  g.  mögen,  erlangen  können;  =  haben  A  1,  If. 


,Möcht  sy  [eine  neu  vermählte  Frau,  um  ihre  em- 
pfangene Morgengabe  zu  beweisen]  die  zween  bider- 
mann  [als  Zeugen]  nit  gehaben.'  1439,  ZMünch.  Hofr. 
,Damit  der  Bapst  dester  minder  Anlass  noch  wyter 
zu  werben  geheben  möge.'  1562,  HBull.  , Damit  wir 
mehr  Messen  und  Priester  zu  dem  Lob  Gottes  ge- 
haben mögen.'  RCts.  —  '2.  intr.  a)  entsprechend  1  a 
und  haben  B  1,  5 :  festhalten ,  nicht  brechen.  ,Sy 
sägend  den  bäum  ab,  doch  nit  gar.  dass  er  bloss 
ghaben  möge.'  Tierb.  1563.  —  b)  entsprechend  1  c : 
wasserdicht  sein  GrL.  Das  Gschirr  ket  Gr  ObS.  — 
3.  refl.  a)  sich  beklagen,  meist  über  Schmerzen  an 
oder  in  irgend  einem  Teil  des  Leibes,  doch  auch  über 
anderes  Unbehagen  oder  Ungemach,  etwa  mit  dem 
Nebenbegr.  der  Übertreibung;  unwohl,  leidend  sein, 
sich  krank  fühlen  und  geberden,  Schmerzen  durch 
Klagetöne  äussern,  allg.  Er  g'hät  si'''  im  Chopf,  im 
Bei'.  Auch:  Er  kebet  si"'  über  Euggewe  GA.  Wo 
g'hest  di"'?  wo  fehlt  es  dir?  UwE.  Was  ßlt  im? 
Ho,  er  g'hebt  si'''  neue'  durane'  Bs  (Breitenst.).  Was 
ihm  Leids  wider faren  sei,  dass  es  sich  so  g'heige.  Neu. 
B  Kai.  1841.  ,G'häb  di'''  de",  sagte  Anne  Bäbi,  we"'s 
US  di"m  Tttech  geit,  es  duecht  mi''',  für  mi's  Tuech 
könntest  du  mir  den  Kummer  überlassen.'  Gotth. 
Wend-s'  [wenn  sie]  so  müessted  icerche',  si  wured-si''' 
ordlig  g'häbe"  GEbn.  Auch  über  eine  Person:  „!'''• 
ha'  mi"'  über-ne'  g'ha"'  BSi.  Syn.  be-h.  In  der  ä.  Spr. 
oft  mit  beigesetztem  Adv.  ,übel'  und  auch  i.  S.  v.  ,sich 
übel  befinden'.  ,Wenn  ich  mich  schon  fast  übel  ge- 
han,  so  tuend  sy  eins  und  spottend  myn  dran.'  NMan. 
,Uer  sich  des  abziehens  der  knechten  übel  gehebt  und 
hoch  erklagt.'  1521,  Absch.  ,Etlich  ziehnd  hinweg,  so 
im  noch  schuldig  zu  dienen  sind;  des  gehebt  sich  der 
herr  übel.'  1521,  Strickl.  ,Was  gehebt  sich  dein 
Herz  so  übel?'  1531/1707,  L  Sam.  ,Dann  er  uns  in 
der  ganzen  gesellschaft  gar  übel  rüwt,  ouch  die  herren 
am  hof,  die  sich  all  fast  übel  umb  in  gehaben.'  L 
Missiv  1549.  ,0  ja,  wie  kannst  dich  übel  g'heben, 
als  wüssest  d'  sach  [eine  Steuer]  nit  z'  erheben.'  Fün- 
KELiN  1553.  ,Er  gehueb  sich  des  streichs  [bei  diesem 
Anlass]  übel.'  Tschcdi.  ,Das  gespenst  habe  sich  übel 
gehebt  und  gesüfzt.'  LLav.  1569;  dafür:  ,Liesse  sich 
mit  unbekannten ,  traurigen  Seufzen  hören.'  1670. 
.Dorüber  [eine  Todesnachricht]  ich  mich  herzlich  übel 
gehuob.'  ThPlaii.  1572.  ,Eheu.  ach,  o  we,  aha,  ist 
ein  wort  deren,  so  sich  fast  klagend  und  übel  ge- 
habend.- Fris.;  Mal.  .Je  nachdem  eins  arm  und  dürftig 
g'sein  und  sich  übel  g'han.'  1578,  Z  Staatsarch.  ,Einer 
g'hebt  sich  ab  seinen  Kinderen.'  Scbimpfr.  165'2.  ,Sie 
g'hebind  sich,  der  Wyn  sei  gar  säur.'  ebd.  ,Der  Knab 
kam  aus  der  Schul,  gehebte  sich  im  Kopf  und  starb 
in  der  Nacht'  1787,  Z  Mscr.  —  b)  sich  wol  g.,  getrost, 
guten  Mutes,  ruhig  sein.  ,Hör,  armer  Mann,  und 
g'heb  dich  wol,  der  Tod  dich  bald  erlösen  soll.'  NMan. 
,Gehebend  euch  wol  und  erschreckend  nit'  1531/48, 
Tob.;  dafür:  ,gehabet.'  1667.  .Nun  g'heb  (g'hab)  dich 
wol.'  Aal  1549.  ,Myn  lieber  herr!  nun  g'hand  üch 
recht!'  Eüef  1550. 

Mhd.  rjekahan,  halten,  behaupten,  refl.  sich  befinden  uud 
benehmen,  mit  wol  od.  übel;  vgl.  Gr.  WB.  IV  1,  2,  2:310  ff. 
Unsere  jetzt  allein  und  ohne  den  Zusatz  ,übel'  geltende  Bed. 
,sich  beklagen'  scheint  eine  einseitig  prägnante  Weiterent- 
wicklung von  ,sich  befinden',  weil  die  Verbindung  mit  ,nbel' 
vorherrschend  war  und  weil  Übelbefinden  sich  in  Mienen, 
Geberden  und  Äusserungen  leichter  kundgibt  als  das  normale. 


Iiitbeii  (liflx'ii) 


!tl4 


Lat.  »f  hulKn  uiiil  frz.  «e  iiuritr  siud  indifferent  geblieben, 
liass  dann  Angabe  von  Körperteilen  beigefügt  werden  kann, 
braucht  nicht  aus  Verkürzung  des  Ausdrucks  erklärt  zu 
werden  (z.  B.  er  ißäd-si''^  im  Chopf  statt:  über  .Schmerzen' 
i.  K.),  sondern  der  Ausdruck  bedeutet  urspr.  nur  den  leiden- 
deu  Zustand  des  betr.  Teiles,  nicht  die  KUge,  die  ja  auch 
nicht  laut  zu  werden  braucht.  —  Betr.  die  Verbindung  mit 
.mögen'  bei  1  a  b  f  g,  2  a  s.  Sp.  47  ff.  und  die  entsprechenden 
Bcdd.  des  einfachen  ,haben'.     S.  noch  das  Folg. 

er-ge-,  nur  in  der  Verbindung:  erg'hebe"  möge", 
fe.stzuhalten  vermögen  Bs.  —  Verstärkung  von  .gehaben 
mögen'  1  a,  wobei  er-  die  in  Bd  I  40-2  c  Y  angegebene  Bed.  hat. 

entgege"-:  1.  zu  Sp.  143:  a)  einzuwirken  suchen, 
flass  ein  Gegenstand  nicht  in  (od.  nicht  in  zu  schnelle) 
Bewegung  gerate,  z.B.:  Käb  du  entgege',  %ve"'-mer 
de'  Stutz  afii  [den  Abhang  hinunter]  faren  BR;  Den 
Preis  eines  zu  verkaufenden  Gegenstandes  nicht  er- 
mässigen  wollen,  ebd.  „Widersprechen,  allg."  Eini  's 
hösMüle.  B(Zyro);  ^jn.  dar-haben.  Unpers.  Es  hebt 
entgege',  eine  Arbeit  ist  mühsam.  Mer  heind  in  dem 
Acher  Anbächt  [Anlass  zur  Anstrengung],  wenn  's  Eim 
bi  der  Arbet  giiet  entgege'hebt  Gr.  —  b)  „Der  Anken 
het  lang  e-g'han,  ausgereicht  BO."  —  2.  vergleichen. 
We"  mu  das  etgege'  het,  de""  g'seht  mrn  erst,  das'  es 
doch  )iit  so  schön  ist,  wie-n-es  schint  B.  —  dergege"-: 
festhalten,  dass  Etw.  nicht  falle;  auch:  sich  an  Etw. 
festhalten  Ndw.     Syn.  wider-h. 

Guet-:  (als  Subst.)  gültige  Schuldforderung,  allg. 
Insbes.  der  aktive  Teil  eines  Vermögensbestandes, 
„was  auf  einem  Grundstücke  oder  einem  andern  Be- 
sitztum nach  Abzug  der  Schulden  als  reines  Vermögen 
oder  Ertrag  gerechnet  werden  kann  Ap:  Gl;  L."  — 
Vgl.  2'  ijiiet  hin  (Sp.    -543). 

band-:  1.  mit  Acc.  P.  a)  zur  Eedc  stellen  Z.  Er 
liät  z'letst  bikennt  dur'''  's  H.  Z.  Zur  Ordnung  an- 
halten, zurechtweisen,  strafen,  z.  B.  ein  ungehorsames 
Kind  Z.  ,Die  unghorsamen  anfahen  h.'  Zwingli. 
,Den  wird  man  darumb  hertigklich  h.'  Z  Mand.  1650. 
.Ein  in  seinem  Dienst  fehlbarer  Klosterknecht  soll 
dem  Grosskeller  [Überaufseher]  angezeigt  und  von 
ihm  darum  gehandhabt  werden.'  XVII.,  AiMuri  Ge- 
sindeordn.  ,Es  getraute  sich  Keiner,  ihu  nach  der 
Vorschrift  zu  h.'  DHess  1818  (dem  Ausdruck  der 
Mand.  folgend).  Überh.  zu  Etw.  nötigen:  ,Dass  wir 
den  priester  zu  recht  h.  [vor  Gericht  stellen  od.  ziehen] 
wollen.'  1524,  Absch.  ,Die  Boten  könnten  den  Pocco- 
bello  h.,  ihrem  Urteil  Genüge  zu  leisten.  Doch  wollen 
sie  Niemand  Gewalt  antun.'  1543,  ebd.  ,Ine  [ihn] 
allhar  [hieher]  zum  recht  zu  handhaben.'  1589,  Se- 
GESSEK,  Pfyff.  —  b)  ergreifen,  zu  Händen  nehmen. 
.Alsdann  soll  die  hebamm  das  kind  [bei  der  Geburt] 
by  bedcn  füesslin  erwütschen,  h.  und  begryfen.'  Rdep 
1554.  Festnehmen,  gefangen  nehmen,  verhaften.  , Fre- 
velt ein  fremder  mann  in  den  gerichten  zuo  KL,  so 
sond  die.  so  daby  sint.  denselben  h.  um  den  frevel, 
dass  man  den  frömden  behab,  unz  er  das  recht  ver- 
tröst  [Genugtuung  leiste].'  1449,  AäKungenb.  ,Wa 
einer  nüt  gnueg  schwer  [stark]  war,  so  sollt  einer 
gewalt  haben,  denen,  die  er  ersechen  oder  errüefen 
möcht.  zu  gebieten,  im  denselben  [einen  flüchtigen 
Feind]  ze  h.  und  zu  versorgen,  bis  dass  er  frid  gab.' 
ScHwMa.  LB.  , Einen  h.  und  erwütschen.  gewaltige 
band  an  einem  legen,  intentare  manus  alicui.'  Mal. 
.Hat  er  sy  lassen  fänklichen  h.  und  harnach  ent- 
haupten.' RCys.  —  c)  beschützen,  unterstützen.  .Bi 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


demselben  unrecht  sy  geschirmt  wurden  und  gehand- 
habt von  den""  von  Luzern.'  Just.  .Wiewol  er  sy 
darumb  angerueft  und  gebeten  hett.  in  by  dem  rechten 
[Rechtsverfahren]  ze  h.'  1464,  AAKais.  ,Dass  myner 
herren  recht  also  erfegt  [untersucht]  und  gehandhabet 
[untertützt,  bestätigt]  worden,  dass  sy  [die  Twing- 
herren]  dadurch  grosse  stuck  band  müessen  nachlassen.' 
ThFrickart  1470.  ,Wenn  die  puren  wüsstend,  dass 
ire  herren  nit  so  vil  geacht  wärend,  und  von  üch, 
mynen  herren.  gehandhabet  wurden.'  ebd.  .Wir  wellen 
by  solchen  Satzungen  und  artiklen  einandren  schirmen 
und  h.'  1526,  Absch.  ,Wir  wollen  auch  die  unsern, 
so  söllich  messpfaffen  h.,  underschlauf  geben,  sy  ätzen, 
behusen  oder  beherbergen,  ungestraft  nit  lassen.'  B 
1528.  .Landlüt,  die  sy  [die  Appenzeller]  wider  einen 
abt  und  syn  gottshus  handhuebind  und  ungehorsam 
machtind.'  Vad.  ,Manceps,  der  etwas  verkauft  mit 
verheissung  bei  dem  kauf  ze  schirmen  und  handze- 
haben.'  Fris.  Vgl.  glimpfen.  .Die  Küchen,  wie  auch 
Wittwen  und  Waisen  h.,  schützen  und  schirmen.' 
GRKlost.  LB.  .Welche  das  junge  Volk  in  solchem 
üppigem  Wesen  und  Abzug  von  den  Kinderlehren  h.' 
B  Chorgericht  1667.  —  2.  mit  Acc.  S.  a)  entspre- 
chend 1  c,  beschützen,  vertheidigen;  behaupten,  be- 
stätigen. ,Und  band  wir  das  allein  getan,  die  [vom 
Feinde  belagerte]  statt  zu  h.  und  band  wir  also  die 
statt  entschüttet  [entsetzt].'  1521,  Strickl.  ,Missbrüch 
der  messen  oder  bilder  halb  h.  oder  widerfgchten  und 
hintuen.'  Zwingli.  ,So  fer  man  die  bild  mache  oder 
handhabe.'  ebd.;  nachher:  , handhalte.'  ,Der  Caplan 
zu  E.  hat  das  Verdienst  unserer  Werke  [d.  h.  die 
kath.  Lehre  davon]  eingeführt  [vorgebracht]  und  ge- 
handhabt.' Hess,  Samml.  (nach  Z  Synodalact.  von  1534). 
,Was  sie  hier  schreiben,  wollen  sie  h.  vor  den  Eid- 
genossen.' 1535.  Absch.  —  b)  .Ein  pündtnuss  halten 
und  h.,  fcedus  observare;  sein  ansehen  h.,  diguitatem 
teuere.'  Mal.  —  c)  zu  Händen  nehmen,  einem  Andern 
vorenthalten.  ,So  möchten  die  undertanen  die  zehen- 
den h.  und  inn  hau.'  nach  1436,  Gfd.  —  d)  ver- 
walten. ,Ouch  sollend  sy  [2  bestellte  Ehrenmänner] 
einer  jeden  [Kirche]  ynkommens  h.'  XVII.,  GrD.  LB. 
—  Handhaber:  Beschützer.  Verteidiger.  .Das  hette 
können  z'wegen  bringen  der  witzig  fryweibel  und 
wenig  syner  handhaberen.'  ThFrickart.  .Die  h.  des 
papstums.'  Kessl.  —  Handhabung:  Behauptung. 
Aufrechthaltung.  Durchführung.  Verteidigung;  Schutz. 
.Zuo  schirm  und  h.  der  lande.'  1521.  Absch.  .Zuo  hilf 
und  h.'  1522.  ebd.  .Zu  H.  diser  Stucken  [dieses  Ver- 
botes].- I(i09.  Z  Mand.  ,Der  Gesandte  fordert  H.  gegen 
die  riH.itr.'ti'v/  lt;38,  Absch. 

Mliil.  Iiu.iihui,. „.  tfsthalten,  schützen,  unterstützen.  Das 
deutsulic  W.  srlifint  z.  T.  Übersetzung  oder  Nachbildung  des 
frz.   iiniiiit'uir  oder   mlat.   manutenere. 

hinder-:  1.  mit  Accent  auf  dem  Vb.  a)  tr., 
zurückhalten  Ap;  Z;  den  Atem,  um  in  einem  Versteck 
nicht  gefunden  zu  werden.  Es  hat -mer  eso  we  'ta", 
es  hat  mi:r  ganz  der  Ate"'  hinderha'  Z.  ,Etw.  nicht 
können  h.',  verschweigen  Z;  auch:  nicht  im  Magen 
behalten  können,  erbrechen  müssen,  z.  B.  eine  Arznei 
Z.  Hemmen,  z.  B.  die  Bewegung  eines  Wagens  beim 
Abwärtsfahren  aufhalten  B  GlK.  Da  Hinderhan  tuet 
den  Bossen  würser  wa"  ds  Ziehn  BE.;  vgl.  Hinder- 
häbi.  Ein  Unternehmen,  Vorhaben  Anderer  hinter- 
treiben, verzögern,  verhindern  BHk.,  R.  ,Dem  1.  Gott 
seinen    Willen    h.'    Gotth.     Vorenthalten,    Arbeitern 


liaben  (lieben) 


916 


den  Lohn,  Waisen  ihr  Erbteil  Uw;  Z;  ein  Pfand 
nicht  herausgeben.  „Etw.  verhehlen,  allg."  —  b)  rofl., 
sich  enthalten,  ,se  continere.'  Id.  B.  Syn.  über-h.  ,Ich 
kann  mich  nicht  h.,  hier  ein  paar  Histörchen  zu  er- 
zählen.' vMoos  1774.  —  2.  mit  Accent  auf  dem  Adv.: 
Schaden,  Verlust  erleiden,  z.  B.  an  einer  Waare  im 
Handel;  zu  kurz  kommen;  verlieren,  einbüssen;  ent- 
behren (Genüsse)  Gl;  GG.;  Schw;  Uw;  Zg;  Z  (tw. 
hinder-lid).  Er  ivott  [will]  NtU  h.,  Alles  mitgeniessen 
Z.  I"*  ha"  das  müese'  h.,  um  so  viel  zurückstehen 
GlK.  Wie  vil  liest  müese'  h.  ?  GG.  Nimm,  wil  d'  debei 
bist,  (ig  mueseh-es  siist  dtre  Lebtig  h.,  missen  ZO.  Wer 
grüset,  muess  mängs  gttet  BissU  h.  ebd.  Die  fule" 
Lüt  müend  vil  h.  Syn.  dehindenlä'.  I'''  ha  d'  Arbet 
hindergha',  ich  habe  umsonst,  ohne  Nutzen  gearbeitet. 
St.*»  Auch  hinderhin-,  hindersich-h.  Auch  nur:  sich 
benachteiligt  glauben  und  darüber  Ärger  und  Neid 
empfinden  BHa.  Wenn  z.  B.  ein  Kind  einen  grösseren 
Apfel  erhält  als  ein  anderes,  so  sagt  man  von  dem 
Benachteiligten:  es  hed  hinder,  es  empfindet  Neid. 
Er  hed  geng  hinder  u"'  meint,  es  iiberscheji  im  [ge- 
schehe ihm  Unrecht]  BE.  S.  noch  hinderhäbig  und 
hinderhägg.  Zuletzt  übh.:  Schmerz  über  Etw.  em- 
pfinden. 1"*  hau  hinder,  dass  i'''  Den  und  Den  nid 
ha  chennen  g'sehn  BHa.  In  der  ä.  Spr.  nur:  Schaden, 
Nachteil  haben;  zu  kurz  kommen.  ,Der  glöubiger 
mag  die  pfand  verkoufen,  und  löst  er  für,  das  soll  er 
im  [dem  Schuldner]  herus  geben ;  hat  er  aber  hinder, 
so  mag  er  mer  pfändren  reichen  [sich  verschaffen].' 
1432,  Zg  St.  u.  A.  B.  ,So  wir  nit  essend,  haben  wir 
nüt  hinder.'  Zwingli.  ,Das  bluet  Christi  wäscht  alles 
das  ab,  das  wir  hinderhaben  an  der  rechnung.'  B 
Disp.  1528.  ,Sei  man  bereit,  für  die  Person  1  Krone, 
obwohl  man  dabei  wahrlich  viel  h.  müsse,  zu  nehmen 
[für  Verpflegungskosten].'  1532,  Strickl.  ,Du  bsaltest 
[könntest  bezahlen]  wol  für  den  armen  mann  das,  so 
ich  [der  Wirt]  an  im  hinder  hau  [zu  fordern  habe, 
resp.  sonst  verlieren  müsste].'  Salat  1537.  ,l)iewyl 
die  wirt  in  diser  tUri,  wie  MHH.  sy  bezalent,  nit  wol 
besten  mögent,  sonders  an  den  4  ß  für  ein  mal  hinder- 
haben müessent.'  1569,  Z  Weinumgeldordn.  Vgl.  Hin- 
derling.  —  hinderhäbig:  1.  „zurückhaltend,  ver- 
schwiegen L."  —  2.  nicht  gern  bezahlend  od.  gebend 
Ap.  Syn.  hinder-hägg.  —  3.  wer  immer  meint,  ihm 
geschehe  Unrecht  BHa.  —  „  Hinderhäbigkeit : 
Zurückhaltung;  Kargheit;  Verschwiegenheit  L." 

hinderhi"  hindere-:  1.  zurückhalten,  a)  rück- 
wärts wenden,  „z.B.  einen  Wagen,  allg.";  ,retro  tra- 
here.'  Id.  B.  —  b)  ,D's  Mfd  h.,  linguam  compescere.' 
Id.  B.  —  c)  D'  Ghelti  het  's  Wachse"  hindereg'ha"  UwE. 
—  d)  ,Oculis  se  subducere.'  Id.  B.  —  e)  sparsam  ver- 
fahren. Id.  B.  Wir  viüesse'  mit  dem  Heu  hinderhi'ha, 
wenn  wer  wi  [wollen]  g'cho'  [auskommen]  BSi.  — 
f)  „nicht  geben,  was  man  soll,  allg."  —  g)  zurück- 
setzen, nicht  nach  Verdienst  behandeln  UwE.  — 
h)  sich  widersetzen  L  (Ineichen).  —  2.  =  hinder-h.  2. 
,Mercando  perdere.'  Id.  B.  —  hindersich-:  1.  Be- 
wegung, Wendung  rückwärts  machen  W;  ein  Fuhr- 
werk zurückhalten  Z.  Eefl.  sich  rückwärts  beugen  W; 
s.  hahen  B  2  f.  —  2.  zurückhalten,  nicht  verkaufen 
wollen:  ,üu  verkaufest  dein  volk  wolfeil  und  hebst 
nit  zäh  hinder  sich,  dass  es  dest  mer  gelte.'  1531, 
Psalm.  —  3.  =  hinder-h.  2.  Schaden,  Nachteil  leiden 
W.  —  4.  tr.,  Jmdn  zurücksetzen,  benachteiligen.  De" 
Yater  hät-mi'''  immer  hinderschich  g'hebet  W. 


her-,  horhin  h^re-:  herhalten,  darbieten  U;  Z. 
Heb  here,  i"''  will-d'r  de'  Splse  [Splitter]  üszieh'.  Her 
ha'  miiesse;  Etw.  leiden  müssen  Z.  ,Als  nun  Zürich 
erfuor,  dass  alle  macht  der  fynden  wider  sy  gerieht  was 
und  sy  belageret  und  har  heben  müesse.'  HBüll.  Tig. 

j  e  t  -  hebe" :  Trotz  bieten ,  ,den  Meister  zeigen' 
GrD.  (B.). 

Mau  ist  von  vorneherein  geneigt,  in  dem  erstem  Teile 
ein  Adv.  zu  suchen,  wie  ein  solches  in  dem  ziemlich  sjn. 
Ausdruck  e'tgege'  h.  n.  &.  ä.  vorliegt;  und  dasselbe  liosse 
sich  etwa  in  weit  =  quitt  (in  verderbter  Gestalt)  oder  in 
der  in  Gr  und  GO.  vorkommenden  Conj.  jei  =  doch,  gleich- 
wohl,  finden.      S.  jedoch  helt-haben   ihahen   III). 

Muess-di''''-ha"  m.:  überflüssige  Person,  die  man 
im  Hause  dulden  muss  TuTäg.     Vgl.  haben  AI,  1  e. 

Ein  Sata-Comp.,  das  einen  Subst.-Begriff  constituiert,  wie: 
Oang-mir-nach   u.  ä. 

nach-,  nach  hin  nache-,  näe- :  1.  mit  Dat. 
a)  Einem   nacheilen,    ihn   einzuholen    suchen    Gl;  Z. 

—  b)  nach  Etw.  trachten,  z.  B.  Keichtum,  Verdienst, 
Jagdbeute  Uw;  Z.  ,Wo  er  [der  Falke]  denn  ganz 
begirlich  dem  raub  nachhat.'  Vogelb.  1557.  ,Reigel, 
denen  sy  sunst  nit  naehhabend.'  ebd.  Bildl. :  dem 
Buchte"  n.,  das  Rechte  wollen  Z.  —  c)  einer  Person 
des  andern  Geschlechtes  nachgehn,  um  ihre  Gunst  zu 
erwerben  L;  GG.;  S;  U;  W;  Z.  —  d)  das  Andenken 
an  einen  Verstorbenen  durch  Kirchenbesuch  und  Gebet 
erneuern  AASigg.;  Syn.  nach-tuen ;  yg\.  Sibent,  Driss- 
gist.  —  2.  mit  Acc.  a)  nachher  haben,  -pflegen.  De"" 
Blieb  het  's  z'  guet  ka',  er  ist  drum  nüd  guet  nohaha", 
es  ist  schwer,  ihn  an  einem  andern  Orte  zu  befrie- 
digen Ap.  —  b)  refl.,  häb-di'''  nache!  rücke  nach!  B. 

—  3.  intr.,  nachhaltig  wirken,  z.  B.  von  guter  Kost, 
gutem  Heizmaterial;  anhalten,  dauern  Ap;  Th  (nöehehe). 

Bei  1  und  3  ist  hohen  in  der  Bed.  B  2  f ;  2  c  ß  zu  nehmen; 
bei  2  (wo  kein  eig.  Comp,  vorliegt)  in  Bed.  Ale.  Zu  2  a 
vgl.  , Einem  nachdienen'  =  nach  ihm  einen  Dienst  versehen, 
S3in  Nachfolger  in  einer  Stelle  sein,  was  oft  als  schwer  be- 
zeichnet wird. 

nider-:  1.  niederhalten,  -drücken  BSi.  ,[Wenn 
Einer  seine  Unschuld  nicht  beschwören  kann,  sondern 
nur,  dass  er  nicht  wisse,  ob  er  es  getan  habe]  soll 
der  Weibel  ihm  die  Hand  n-heben  [ihn  nicht  schwören 
lassen].'  1557,  Ap  LB.  —  2.  beim  Dreschen  bis  auf 
den  Boden  schlagen  ;  bei  Gotth.  in  der  Form  , nieder- 
halten': .Uli  hielt  nieder  im  Tenn.'  —  3.  keck  be- 
haupten BHk.  —  4.  zu  Bette  sein.  Schön  lang  nider- 
han,  allzulange  im  Bette  bleiben  W.  Ge'-wer  gn  n., 
lasst  uns   zu  B.  gehen.  —  5.  refl.,    sich   ducken   BSi. 

3  wahrsch.  nur  eine  Übertragung  von  2  auf  Geistiges, 
i.  S.  V.  nachdrücklich  sprechen.  Vgl.  dur'''  aU  Bade'  dttre' 
b'hauiiten  und  z'  Bode"  stellen.      Zu   4   vgl.  nider-rjä'. 

be-   Cp'ha",  p'hebe";  p'hä)  —  Ptc.  p'häbe"  B  tw. 

—  Imp.  ^'A«6.'  B:  1.  tr.  a)  behalten,  nicht  verlieren, 
nicht  weg-  oder  zurückgeben.  I'''  wott  das  nit  b'ha, 
i"''  gib-d'r 's  zrugg  B.  B'häb's  für  di'''!  behalte  es 
zu  deinem  Gebrauch!  (aber  auch:  schwatze  es  nicht 
aus!)  B.  Die  Hitten  [Hütte]  hed  den  Name"  geng 
g'häben  ti"'  b'hed  nen,  bis  si  zäme  g'hid  BBr.  (Schwzd.). 

Winn-t-mer  nüt  Bessers  z'  gi"  weisst,  se  blieb  's  grad 
selber  GSa.  Wenn  Neuis  [Etw.]  z'  laufe"  isch,  so  schickt 
es  mi''';  d's  Lose"  [Zuhören]  u"'d's  Dampe'  [Schwatzen] 
b'het  es  de""  für  ins  [sich].  MWalpen  1880.  B'häb  's 
umme  [nur],  su  bruchst  m'r  nit  geng  z'  keusche",  wenn 
d'  Öppis   manglist.   Gotth.    B'häb  dis  Fresse",    sagte 


das  Mannli,  i'*  überehumme'  es  bessers  ante"  andere' 
Ort.  ebd.  Wenn  d' uottsch  Lwillst],  ■'ass  das  Geld 
anfiersch  seil  g'schlage  iverde',  so  b'heb's  und  gang  d'rmit 
i"  d'  Münz  und  lo  d'r  IHlfel  drüf  schlö*.  Schild.  Er 
het's  wie  ne  Pfaff,  er  gönnt' alle'  Lüte'  de'  Himmel 
und  b'het  die  ganz  Welt  für  in  [sicli].  ebd.  G'ruwe" 
[mit  Reue]  b'häbe,  g'ruue"  verchuft,  ändert  oft  g'schwin- 
der  a's  ma  dur'>-  's  Für  luft  [läuft].  DGemp.  1884.  Ge- 
heim halten,  verschweigen  B;  Gl;  GO.;  W.  Er  mwiss 
Alls  tatsche'  [ausschwatzen],  er  ist  wie-ne  verlechnete'' 
[leck  gewordener]  Eimer,  er  cha'"  Nüt  bliebe"  GSa. 
Im  Gedächtniss  r»«  ChopfJ  behalten  B;  Uw;  ZO.  Er 
mag  Alles  b'ha,  u-a^-er  ghört.  Auch  von  Beleidigungen, 
die  man  vergelten  will.  Wart,  i"''  will-der  'seh  b'häbe. 
es  dir  gedenken  Ap.  Dazu  das  Adj.  b'hebig.  Von 
Speisen:  ertragen,  verdauen  können  .4p;  B;  L;  G;  Z. 
Er  cha"  Nüt  bi-n-em  b'ha,  er  muss  alle  Speisen  er- 
brechen (aber  auch:  er  kann  Nichts  im  Gedächtniss 
behalten,  und:  Nichts  geheim  h.}.  ,Swas  sy  kleiner 
knaben  fiengent,  die  behuobent  sy  by  in  zuo  rennern.' 
1336/1446,  Z  Chr.  ,Do  sprach  das  vögelin  zuo  dem 
man:  iemer  muost  ein  narre  sin!  niut  hast  du  der 
lere  min  bebept.'  Boner.  ,Was  inen  übrig  wird  an 
der  spende,  das  sullent  sy  beheben.'  1354,  B  Insel- 
spital. ,Syn  pfand  mugent  sy  wol  behaben.'  1409,  Z. 
.Der  Verlust  ald  die  behebung  (sive  habeat  s.  amittat).' 
1425,  G  Waldregel.  ,Da  hett  der  guet  mann  getan 
als  einer,  der  das  leben  gern  behueb.'  1476,  Bs  Chr. 
,0b  jeman,  der  unser  burger  ist,  der  büecher  [aus  der 
Bibliothek  des  verstorbenen  Bruder  Heinrich]  eins  old 
nie  ze  koufen  begert,  dass  einer  selbs  behebe,  die  soll 
Herr  Wilhelm  [der  Inhaber  der  Bibl.]  denselben  ze 
koufen  geben.'  L  um  1500  (Liebenau).  .Welcher  sich 
lat  füllen  oder  er  füll  sich  selbs,  dass  einer  semlichs 
nicht  behept  und  von  ihm  bricht,  der  ist  kommen  um 
10  pfund.'  1524,  Obw  Mand.  .Das  h.  sacrament  des 
fronlichnams  Christi,  das  wir  in  Würdigkeit  wie  von 
alter  har  behaben  wollen.'  1528,  Absch.  ,Das  übrig 
[von  der  Beute]  b'huobend  sy  mit  den  iren.'  1531. 
II.  Macc.  =  ,teilten  sie  unter  sich  und  ihre  Kinder.' 
1860.  ,Alle  die  blecbnent  [belehnt]  warent  von  dem 
gottshus,  b'huebent  verdank  [Bedenkzeit]  6  tag.'  Sicher 
1531.  .Wenn  ir  dieselben  [Freiheit]  wend  behan. 
müend  ir  in  ire  [der  Vorfahren]  fuossstapf  stan.'  Eüef 
1538.  ,Ich  will  einen  b'han  us  der  zal,  die  andren 
gon  lan.'  ebd.  1540.  .[Narr]:  Mir  ligt  etwas  an,  ich 
kann  "s  nit  länger  in  mir  b'han,  vor  zorn  inöcht  's  mir 
den  buch  zerryssen,  dass  ich  z'letst  müesst  in  d'  hosen 
machen.'  Funkelin  1552.  ,Ich  will  es  dir  yetz  zeigen 
an,  das  ich  mir  selbs  bishar  han  b'han  [verschwiegen].' 
Haberer  156'2.  .Das  er  die  Sachen,  so  für  die  meister 
kommen,  heimlich  bei  ihm  behab.'  Z  Meisterbuch. 
—  b)  aufbewahren;  in  gutem  Zustand  erhalten  Bs; 
B;  S;  Z.  Me'  cha'"  d's  Obs  hfir  nit  b'ha  oder:  D's 
06s  b'hebt  sr*  h.  n.,  es  ist  nicht  haltbar.  De''  Wi' 
lot-si'''  nit  b'hebe.  's  Wetter  b'het-si''',  hält  sich,  bleibt 
gut.  E  Brügg  ist  öni  Joch  u"'  b'het-si'''  notti  doch. 
Rätsel  bei  GJKdhn  1819.  Akoi-n  [=  Acheren  Bd  I  70] 
und  Geissmist  b'hebt  den  Mann,  tcie  er  ist.  Sprww. 
1824.  Ei's  b'het  's  Angere-n-i"  slr  Art  und  Wls. 
Schild  1885,  von  Hausgenossen,  Dienstboten  gesagt. 
, Alles  Hesse  er  [der  Mann]  gleichgültig  fahren.  Si 
viüess  d'  Sach  b'hebe,  si'  müess  sorge'.'  Stutz,  B.  1851. 
,Er  war  kein  Hexenmeister  im  Singen,  obgleich  er 
behauptete,  er  sei  allein  im  Stand,  das  Kircheng'sang 


z'  b'heben.'  Z  Kai.  1805.  ,Es  runnent  ouch  die  mül- 
linen enweg  unz  an  zwo,  die  behuob  man  mit  not' 
1336/1446,  Z  Chr.  ,Bruggen,  die  wir  müessent  behaben 
an  der  landstrass.'  1429,  U.  ,Der  kilcher  muosste 
sweren,  der  kilchen  ir  nutz  und  ir  rechtikeit  zuo  be- 
heben.' 1457,  Obw  Fünfzehner-Ger.  ,Den  graben  ma- 
chen und  behan.'  15'24,  Schw  LB.  ,Dio  strass  guet 
machen  und  beheben.'  ebd.  ,Wir  haben  nachgelassen 
denen,  so  da  güeter  band,  dass  die  mögend  zu  den 
selben  hegen  loubholz  howen,  die  selben  heg  zu 
beben.'  15'24/44,  ebd.  ,Wer  das  selb  hus  inne  hat, 
soll  ouch  den  kenel  zwüschen  dem  rathus  behan.'  ebd. 
,Wir  wellend  hab  und  guot  in  guoter  gwarsame  be- 
heben und  bebalten.'  1527,  Abscb.  ,Die  Vierer  sollent 
schweren  des  dorfs  nutz  und  er  zue  fürderen,  ouch 
eins  dorfs  und  zwings  gerechtigkeit  zue  behan.'  1530, 
Aa  Weist.  ,B'hand  ir  den  mann  bym  leben.'  Ruef 
1540.  —  c)  einen  Besitz  behaupten.  Si  tverche"d 
si'''  fast  z'  Tod,  nw  dass  s'  das  Güetli  mögcd  b'ha. 
Stutz.  !''•  b'heb!  ruft  bei  einer  Kegelpartie  Einer, 
der  einen  so  guten  Wurf  getan  hat,  dass  er  schwer- 
lich übertroffen  wird  Tu.  Er  hat  's  Banner  na''' 
chonne'  b'hebe,  er  hat  mit  Mühe  und  Not  das  Unheil 
noch  abwenden  können  ZWang.  ,Wend  ir  mir  myn 
erbe  retten  und  behan.'  1336/1446,  Z  Chr.  ,0  helger 
herr  Fridoli,  hilf 's  uns  mit  eren  b'han.'  ebd.;  danach 
die  Glockeninschr.  Bd  1  754.  ,Und  derselben  trost, 
hilfe  und  rat  umb  widerbringunge  und  behebunge 
unsers  bystumes  anzeruefende.'  1391,  Gpo.  Ges.  ,Wel- 
cher  dem  guot  aller  nächst  sitzt,  der  soll  es  denn  hin 
ziechen  und  behaben  vor  mengklichem  [bei  Verkauf 
von  Grundstucken].'  1433,  Z.  ,Dass  uns  Gott  das 
glück  geh,  dass  wir  ein  stryt  [den  Sieg  im  Streit] 
behüeben.'  1476,  Bs  Chr.  ,Unz  wir  den  sig  ganz  ge- 
wunnen  und  das  feld  behebend.'  ebd.  ,Und  behucbend 
die  eidgnossen  den  stürm  [ihre  Stellung  gegen  den 
Sturm,  den  sie  abschlugen].'  Edlib.  ,Mit  dem  schwort 
b'han  und  erfechten.'  Salat.  , Zuletzt  [nach  längerin 
Streit]  b'hueb  der  von  Trutberg  di  abty.'  Vad.  ,We- 
licher  aller  meist  schützen  [Schüsse]  behept  hat.' 
Neuj.  Z  Stadtbibl.  1867.  —  d)  fest  halten;  eine  Be- 
wegung aufhalten,  Jmd  im  Zaum  h.  B'ha  möge',  eine 
Kuh,  ein  Pferd  usw.  Ap;  GrD.;  GG.;  W;  Z.  ,E  Söttige 
[ein  solcher  Mensch]  ist  no'''  wol  z'  b'ha,  frenum  in- 
vitus  patitur.'  Id.  B.  ,Er  ist  nit  z'  b'ha,  domari  ne- 
quit.'  ebd.  B'  Mueter  mag  e'  chum  b'hebe.  Usteri. 
Als  ein  Appenzeller  beim  Pfarrer  um  die  Taufe  seines 
Kindes  bat  und  der  Letztere  fragte,  wo  er  das  Kind 
habe,  erwiderte  er,  es  hange  an  der  Kirchentüre;  er 
und  der  Pfarrer  werden's  wohl  mögen  b'heben  (wird 
im  Th  Einem  gesagt,  der  nicht  weiss,  wie  er  seine 
Sache  anfangen  soll).  Chömme  d'  Franzose  oder 
möge-si  [die  Unsrigen]  se  b'ha?  Schild.  ,I'''  cha'"''s  nit 
b'ha,  diutius  resistere  nequeo.'  Id.  B.  I"'  ha  ('s)  nüm- 
me"  ehönne'  b'hebe,  etw.  Schweres  G ;  Z.  Was-me"  nid 
cha'"  b'ha,  muess-me'  lä'  gä"  B  (Sprw.).  De  Baum 
mag's  Obs  nümme"  b'ha  L;  Z.  Wenn  Gott  nid  hilft 
hebe,  so  cha"'  's  de""  Mensch  nid  b'hebe.  Sdlger.  Das 
wird's  wol  b'hebe,  dem  Bedarf  genügen  BO.  Vgl.  haben 
B  1,  5d.  Syn.  tuen.  Übertr.  auf  die  Ökonomie:  fEsJ 
nümme'  lang  b'h.  möge",  dem  Concurs  nahe  sein  BR.;  Z. 
,B'ha  möge',  a  creditoribus  se  defendere  posse.'  Id.  B. 
,So  er  dannen  faren  will,  so  soll  syn  vogt  den  wagen 
binden  by  der  langwid  fahen,  und  mag  er  in  dann 
allein  behaben,  so  soll  er  belyben.'  1424,  AAHolderb. 


<)19 


liateii  (heben) 


Hofr.  ,Hiess  in  beheben  und  verhüeten  (teneri  et 
custodiri).'  1460,  KSailer.  ,In  [den  Uristier]  raöcht 
ganz  nienian  b.,  Burgunn  er  niderstiess.'  VWeber  1475. 
,Sy  warfent  änker  us,  damit  das  schiff  behept  wart.' 
HsScHÜRPP  1497.  .Das  wörtlin  by  der  mess  b'hebt 
uns  [stützt  unsere  Ansieht].'  UEckst.  ,l)er  habich 
mag  ein  halb  gewachsnen  hasen  behaben.'  Vogelb. 
1557.  ,Equos  sustinere,  hinder  sich  halten,  wider- 
haben, beheben.  Compescere,  behan,  behalten.'  Fris.; 
Mal.  ,Des  mocht  er  d'  Buchs  nit  wol  behan.'  JHGrob 
1603.  —  e)  zurückhalten,  allg.  F''  cha"'  's  nümme" 
b'ha  [die  Verrichtung  der  Notdurft]  Uw;  Z.  Er  mag 
's  Wasser  [den  Urin]  b'häbe'  Ap.  Wenn  wa'  i'  's 
lauffe'd  Wasser  sacht  [pisst],  so  mag-me'  's  Wasser 
nomine'  b'h.  Ap  (Abergl).  Der  b'het  d's  Wasser,  ist 
klug,  pfiffig  W.  ,Es  b'het  's  Wasser,  continet  aquam.' 
Id.  B.  Me'  chann-en  [den  Gast]  nümme"  b'hebe  (GG.), 
z'rtigg  b'ha  (GF.).  Denn  hat  Ein'n  Niemed  nie  b'ha 
i"  der  Stube".  Stütz.  Auch  mit  unbest.  Subj.  ,es':  Es 
b'het- mi'''  nit  me,  ich  kann  nicht  länger  bleiben, 
schweigen  usw.  B.  3fit  Herdeg'Uit  zieh"  d'  Chiiejerlüt 
uf  d'  Alp  und  's  b'hebt-sr  iväger  Nut.  Berna  1863. 
,Wer  einen  stein  gegen  dem  andern  in  zorn  ufnimmt; 
würft  er  aber  nit  und  behept  den  stein  in  der  band.' 
1436/78,  ZHasli  Offn.  ,Dass  wir  die  100  knechte  hie- 
niden  beheben  und  die  nicht  hinauf  schicken.'  1487. 
Lauff.  Beitr. ;  Tgl.  rer-h.  ,\Vas  [war]  er  in  meinung, 
usser  der  herbrig  euch  darzue  ze  loufen ;  dann  dass 
er  durch  die  hotten  von  Eidgnossen  behept  ward.' 
Waldm.  AüFL.  1489.  ,Er  besorge,  dass  er  die  synen 
nit  enthalten  noch  beheben  mög.  dass  sy  nit  etwas 
anfachend.'  15'27,  Absch.  .Behaben,  behalten,  retinere, 
attinere.'  Mal.  —  f)  festhalten  und  erdrosseln;  über- 
anstrengen, aufreiben,  tödten  GrD.,  L..  Prät.  Si  tuon- 
mi'''  fast  b'heba,  sagt  der,  über  weliJhcn  Viele  her- 
fallen. Er  het  's  Boss  fast  b'hebt.  Es  het-ne"  f.  b'hebt. 
—  g)  „verschliessen,  z.B.  eine  Türe  LW."  D' Auge* 
b'ha  (Schwzd.).  Syn.  ver-h.  ,Zue  b'ha,  clausuni  teuere. 
D's  Mül  s'säme"  b'h.,  linguam  compescere.'  Id.  B.  — 
h)  fassen,  enthalten,  von  Gefässen.  Wie  vil  b'htd  das 
Fass?  Ap;  Gl  (St.'').  —  i)  in  der  Eechtsspr. :  1)  mit 
Acc.  P.  a)  festnehmen,  verhaften ;  in  Gewahrsam  be- 
halten. ,Swelch  burger  mit  niessern  anlonfet  oder 
wundet,  die  [soll  man]  heften  und  behaben,  unz  dass 
ettelicher  der  reten  darzuo  koniment.'  Z  RBr.  1304. 
,Sy  [die  Zeugen  eines  Frevels,  den  ein  Fremder  be- 
geht] sollend  einanderen  bim  eid  darzuo  manen,  dass 
man  den  frömbden  behab,  unz  dass  er  das  recht  ver- 
tröst.'  TnGütt.  Offn.  ,Die  beaniten  sollen  den  tod- 
schläger  anfallen,  fahen,  beheben  uf  den  gassen  oder 
in  hüsern.'  14'20,  Bs  Eq.  ,Wann  die  araptlüte  einen 
frömden  in  glüpt  oder  eid  nemmen  und  denn  derselb 
nit  haltet,  soll  man  ine  beheben  und  ynlegen.'  1520. 
ebd.  —  ß)  gerichtlich  belangen.  ,Dass  Keiner  den 
Andern  mit  Gerichte  verbieten,  noch  behaben,  noch 
in  keinen  Weg  behalten  solle.'  1328,  Ochs.  —  2)  mit 
Acc.  S.  a)  eidlich  versichern,  oft  mit  dem  Zusatz: 
,mit  dem  Eid,  zu  den  Heiligen,  mit  der  Hand.'  , Sunder- 
lich band  das  erkennt  und  zuo  den  beigen  behept  die 
nachbenemmten  lüte.'  XIV.,  Arg.  ,Wär  dass  inen 
jeman  in  das  hofrecht  sprechen  wollte,  mugen  sy  denn 
2  biderniann  haben  der  jüngren,  die  es  mit  der  hant 
mügent  behaben,  dass  es  soll  also  bestan.'  ZMaur 
Offn.  ,Wer  undcr  inen  das  bi  synem  eide  behept,  getan 
[zu]  haben.'  XIV.,  Bs  Feuerordn.    ,Wer  im  Weingarten 


eines  andern  betroffen  wird,  soll  dem  kleger  synen 
schaden  abtuon,  was  er  [der  Letztere]  behebt  mit  dem 
eid.'  XIV..  TuDiess.  Stadtr.  ,Müllihaldenholz.  das  yn- 
gefangen  und  geschirmet  und  mit  geschwornen  eiden 
bewyset  und  behept  ist.'  c.  1459,  Z  Fluntern  Offn. 
.Wenn  personen  swuerent,  behuebent,  redtend  usw. 
[i.  S.  V.  versichern].'  1480,  Bs  Rq.  ,Er  hab  by  sym 
eid  müessen  b'han,  dass  er  kein  Berner  g'meint  hab.' 
1529,  Strickl.  Hieher  wohl  auch  die  Stellen  aus 
HsStockars  Tageb.  S.  108:  ,üf  das  jar  hat  man  müesen 
beheben  und  han  ich  behebt  1300  fl.,  machen  1  pfd 
16  ß  stür.'  S.  181:  ,Uf  das  jar  behebt  und  verstürt 
1400  fl.;  mi'  das  jar  behebt  und  verstürt  900  fl.  mi°"r 
frowen  guet',  wo  b.  bedeuten  wird:  der  Steuerbehörde 
seinenVermögensbestand  (eidlich)  angeben.  ~  ß)  einen 
rechtlichen  Anspruch  (durch  Eidleistung,  Zeugen  od. 
Urkunden)  beweisen  und  den  angesprochenen  Gegen- 
stand durch  gerichtliches  Urteil  erlangen  oder  be- 
haupten. ,Der  vorgenannde  N.  N.  die  vorgeschribenun 
hofestat  rehte  und  redelich  behuob  mit  gerichte.'  1278, 
Gfd.  .Wer  dem  andren  syne  kind  beschwert  oder  an- 
spricht der  e  und  er  es  nit  behept  mit  dem  rechten.' 
AaF.  Rechtung.  .Sprichet  er  an  ein  frowen  der  e 
[erhebt  er  denn  Ansprüche  an  sie],  das  soll  er  voll- 
fueren.  Ist  aber,  dass  er  [der  die  Ehe  begehrt]  ir 
nüt  behabet  [nachweisen  kann],  so  soll  er  10  pfd  gen.' 
XIV.,  Tnüiess.  Stadtr.  ,Sy  sprechen!,  das"  sy  mit  ir 
selbs  mund  und  band  ir  gemeinmerk  wol  mugent  be- 
haben und  an  ir  gerichten  erteilen.'  ZMönchalt.  Offn. 
.Spricht  einer  einem  an  syn  ligent  guot  und  behebt 
er  syn  ansprach  nüt,  das  leit  er  ouch  dem  richter  ab 
mit  3  ß.'  ebd.  ,Es  mag  ein  frow  ir  morgengab  by 
irem  eid  b'han,  wo  nit  Kundschaft  ist.'  LWill.  Amtsr. 
,Kam  an  offen  gericht  N.  N..  pfleger  der  armen  lüten 
vor  arbon  und  behueb  mit  gesaramnoter  urtail,  dass 
den  selben  armen  lüten  1  mutte  kerne  ze  zins  gen 
soll.'  1349,  TnArb.  Urk.  .Weliche  frow  oder  ein  man 
ire  gemachte  zu  den  helgon  getar  [sich  getraut  zu] 
behaben  (behan).'  1451/1544,  Scbw  LB.  Wenn  etliche 
Personen  liegende  Guter  von  flüchtigen  oder  verstört 
benen  Schuldnern  an  sich  gebracht  und  damit  ,ire 
schulden  behept  haben.'  1457,  Bs  Rq.  ,Dienstknecht 
mögen  iren  lidlon  mit  irem  eid  behan  und  was  ir  einer 
also  mit  dem  eid  behebt  [das  soll  ihm  bezahlt  werden].' 
1480,  L.  ,0b  einem  syne  zinslüt  uf  das  syn  fielen 
und  in  also  beschrouwen,  er  war  denn  leben  oder 
tod,  so  mag  einer  b.  dry  zins.'  1495,  Aa  Weist.  ,Was 
ein  schlechter  [einfacher]  kouf  ist,  das  mag  einer  b. 
mit  einem  mann.'  1527,  ebd.  .Welcher  den  andern 
an  ercn  schilt,  daby  er  in  nit  b.  [behalten,  überweisen] 
mag,  soll  ime  alle  kosten  abtragen.'  1598,  BSa.  ,Dass 
ein  jeder  Dienstknecht  seinen  Lidlohn  mit  seinem 
Eid  ohne  andere  Beweistumb  beheben  und  erhalten 
mag.'  1706,  L  Stadtr.  --  y)  mit  Recht  besitzen.  ,Wäre, 
dass  dann  jeman  des  Schuldners  güetren  kouftin  und 
die  darnach  in  gewerde  behüeben  jar  und  tag  un- 
angesprochen.'  1386,  Geschfo.  Ges.  —  8)  rechtlich 
festsetzen.  ,Es  ist  mit  recht  behebt,  dass  jedermann 
dem  andern  furfall  geben,  soll.'  1433,  ScnRüdl.  Offn. 
—  s)  Rechtsbestimmungen  beobachten,  halten.  ,Die 
ding  [Satzungen]  ze  behan  und  ze  halten  wie  vorstat.' 
1460,  L.  —  5)  vorbehalten.  ,[Ich]  behan  mir  haran 
enhein  recht.'  1352,  B  Urk.  ,Unschedlich  uns  an  allen 
unsern  rechten,  die  wir  uns  selber  über  das  vorge- 
schriben  guot  behebt  haben.'  1383,  Z  Urk.    ,Über  das 


021 


haben  (lieben) 


922 


beliuob  ime  der  egenant  N.  N.  das  öle  ze  Rynfelden.' 
138(5,  Geschfo.  Ges.  —  2.  refl.  a)  sich  beklagen,  meist 
über  leibliche  Schmerzen,  unpiisslich  sein,  kränkeln 
Nord-  u.  üstschwz.  Syn,  ge-h.  So  bald  si'''  Ei's  im  Hm 
bliebt,  so  rerbüt-men-im  di  eint  und  ander  Spis  Sch. 
Er  bliebt-si'''  im  Cliopf,  im  Rugge',  über  d'  Brust,  zent- 
umme'.  Er  b'hebet  si''''  über  Chopfice.  Er  b'hebt-si'''  alle 
Mal,  wenn  er  schaffe' sff't.  Er  bhebt-S'"''  im  Aiige'blick, 
klagt  beim  geringsten  Anlasse,  ist  welidig.  D'  Manne- 
völcher  clienue'-si'''  gar  b'ha,  Mannspersonen  klagen 
bald  BsBirs.  Si  b'hed-si'''  ober  irn"  Sla""  Ap.  ,Des  sich 
ein  eidgnoss  wirt  behan  fast  übel  [über  verdorbene 
Sitten].'  RuEF  1538,  —  b)  seine  Fassung  behalten  Z. 

—  3.  abs,  a)  von  Kühen:  empfangen,  trächtig  werden 
Aa;  Ap;  GrL,;  Ndw;  Syn,  uf-nemmen.  ,Wann  ein 
Kue  nit  behan  will,  gib  iren  ein  Katzenkrut,'  1710, 
ZZoll.  Arzneib,  —  b)  von  hölzernen  Gefässen,  fest 
schliessen,  wasserdicht  sein  Ap;  GlK, ;  GnSpl.;  GG. 
Das  Fass  b'hed  =  ist  b'häb.  Ein  leckes  hölzernes 
Gefäss  z' p'habe  tue'  Uw;  Syn.  be-häbnen.  —  I>azu  das 
Vtc.  p'habe  {i'om-p.  p' habner,  p'habnist)  Schw,  p'hebt 
GrPt,  1)  als  Adj,  a)  gut  scliliessend,  luft-  und  wasser- 
dicht Gl;  Gr;  Schw;  Ndw;  U;  W;    Gegs.  rer-lechnet. 

—  b)  dicht  in  einander  gefügt,  von  Holzwänden, 
Mauern,  Staudengebüschen,  Wald  (dichtbesetzt);  von 
Geflechten,  Körben;  von  Holzstössen;  von  gewobenem 
Zeuge ;  sogar  von  gedrängten  Volkshaufen  Ndw.  Feste 
b'habne  Fire'  [Schnee]  U.  Knapp  anpassend  AiWohl.; 
von  Teig,  der  die  nötige  Consistenz  hat  Z.  —  c)  ver- 
schlossen; verschwiegen  LW.;  Uw;  W  (auch  b'häbig). 
Er  [der  Tod]  ist  e  donders  b'habne  Ma"",  es  git  jö 
gu-üss  kei'  b'hebnere,  und  tce"-me'  dur''''-ne'  luege' 
cha",  sj  chunnt-me'  NM  doch  üs-em  z'  ne"  Schw.  — 
d)  übertr.  auf  Geistiges:  a)  von  gutem  Gedächtniss. 
En  b'habne  Grind  Schw.  —  ß)  geizig.  E  2i'habne 
Chctzer  [Kerl]  aScHW.  —  2)  als  Adv.:  a)  räumlich: 
ganz  nahe,  z.B.  p'habe  hi-n-em  zue  Sobw;  einen  Vorrat 
bis  p'habe  zue  aufbrauchen,  fast  ganz  Scnw.  —  b)  vor 
Zahlen:  wenigstens  so  viel,  kaum  Scbw;  Zg.  De  Peter 
ist  b'h.  12  Jar  alt.  Syn.  ge-nöt;  be-schnotten.  —  c)  bei 
Gradbestimmungen:  knapp  Schw,  Es  ist  b'haben  use' 
g'gange',  es  war  bei  der  Wahl  auf  beiden  Seiten  fast 
die  gleiche  Stiramenzahl. 

Mhd.  hehaben,  hehän,  im  Bestand  erhalten,  retten;  zurück- 
haltea,  festhalten,  behaupten;  gerichtliche  Klage  oder  An- 
sprache durchsetzen,  beschwören.  Von  den  Bedd.  unsers  W. 
stehen  1  a  und  c,  d  und  e  sich  nahe  und  gehen  tw.  in  ein- 
ander über.  Auch  die  Bedd.  des  W.  in  der  Rcchtsspr.  Hessen 
sich  z.  T.  mit  a,  c,  d  vereinigen,  f  scheint  auf  d  zu  be- 
ruhen, indem  das  ,Festhalten'  prägnant  als  ein  gewaltsames 
Drücken  und  Misshandeln  aufgefasst  wurde.  Die  Angabe  g 
meint  viell.  ,geschlossen  halten'.  Bei  3  b  deuten  einige 
Lautformen  darauf,  dass  sie  viell.  nicht  das  Vb.  behahen, 
sondern  Ableitungen  vom  Adj.  behab  (b'hab)  enthalten ;  bei 
dem  Ap  b'häbe  ist  dies  wegen  des  langen  a  fast  gewiss.  Die 
Bod.  des  Ptc.  ist  jedenfalls  aktiv  und  das  temporale  Moment 
ist  in  dem  adj.   Gebrauch  untergegangen. 

üf-be-:  1.  aufbewahren,  B'häb-mer's  Geld  üf! 
FJ,  —  2.  zurück,  bei  Hause  behalten.  ,Und  darauf  be- 
hueben  wir  die  Knechte  auf  unz  am  Dienstag.'  1437, 
Lauff.  Beitr.  —  3.  an-,  aufhalten.  Eusern  Herr  Pfarrer 
und  Gschu-ornn  händ-n.}'  dort  iif  'm  Platz  ufb'ha. 
Götm  1712. 

an-be-:  1.  mit  Dat.  P..  Acc.  S.  a)  Einem  Etw. 
anhaben,  d.  h.  einem  Gegner  einen  Vorteil  abgewinnen 
(bzw.    Schaden    antun).     ,Nüt    ap'ha,    resistere    non 


posse.'  Id.  B.  In  der  ä.  Rechtsspr.:  einen  Besitz  oder 
Anspruch  gegen  einen  Gegner  behaupten  (so  dass  ihm 
unter  Umständen  eine  Last  zufällt).  ,Behept  im  [dem 
Debitor]  dann  der  kleger  syn  ansprach  an,  so  erteilt 
man  in  in  aberacht'  1383,  Z.  ,Dass  er  [der  Schuldner] 
dem  kleger  syn  schuld  und  das  er  im  anbehebt  hat, 
usrichte.'  1384,  AaB.  Stadtr.  ,Dass  man  N.  N.'s  Wirtin 
schirmen  soll  uf  dem  Hus,  das  sy  ir  Sune  anbehebt 
hat,  vor  miner  Frowen  der  Eptischin,'  XIV,,  Ladfp. 
Beitr.  ,Wyter  habend  sy  ein  rechtfertigung  mit  einem 
abt  gebrucht  und  nach  allem  handel  im  allen  kost 
und  schaden  mit  recht  anbehebt.'  1529,  Strickl,  ,[Die 
Belagerten]  behuebent  den  stryt  und  den  stürm  den 
eignossen  an,'  Edlib.  ,Sy  wolltend  in  von  allen  synen 
alten  grechtigkeiten  triben  hau;  das  er  aber  inen  mit 
recht  anbehueb.'  Sicher  1531.  —  2.  anbehalten,  Klei- 
dungsstücke, nicht  ablegen  B;  Z;  vgl.  an-haben  und 
Bd  I  255,  Was  e  chll  fürnem  isch,  b'het  d'  Händsche 
a:  N,  B  Kai,  1840  =  Leute,  die  Etw.  auf  sich  halten, 
behalten  die  Handschuhe  an,  —  In  2  ist  an  prägn.  und 
nicht  in  eig.  Zss. 

inn-be-,  in-bc-:  1.  inbehalten,  d.  h.  im  Innern 
des  Hauses  usw.  halten,  Vieh  im  Stalle,  ungehorsame 
Schüler  im  Arrest;  in  Verwahrung  behalten  ,Aa;  VO.; 
S;"  B;  PJ.  ,Cogere  domi  mauere.'  Id.  B.  Wi"t-mer 
die  Geiss  bis  muoro  [morgen]  ihip'häbe"?  FJ.  — 
2.  zurückbehalten,  vorenthalten,  aber  spec:  Geld,  das 
man  einem  Andern  schuldet,  zu  Gunsten  eines  Dritten, 
dem  der  Andere  schuldet.  Id.  B;  G;  Z.  Tue-mer  das 
Vp'hebe,  i'*  chumme  sus  Nüt  von-em  über,  tcenn  er  's 
Geld  i'  d'  Hand  überchunnt  GTa.  ,Betinere  quod  solvi 
debuit.'  Id.  B.  Sy r\.  inn-h.  —  ent-h e-  (epp'ha,  embhä 
BSi,;  das  W.  übh,  nur  im  Westen,  bes.  B):  1.  tr. 
a)  festhalten,  vor  Fall  bewahren;  eine  Bewegung  auf- 
halten. Syn.  er-be-  und  er-ent-h.  E.  chönne'-mer  d'  ZU 
nid.  Walters  1882.  Zurückhalten,  z.  B.  das  Wasser 
im  Bohr  einer  Feuerspritze,  den  Harn.  We"  die 
Bure'  früeh  außta",  tuet-is  d'  Frau  im  Bett  e.,  Sol- 
datenlied bei  GoTTH.  Ein  Kranker  betet,  Gott  möge 
ihn  nicht  mehr  lange  hie  [auf  Erden,  im  Leben]  e. 
Abhalten,  von  einem  Vorhaben:  We'"  si  [die  Kinder] 
i"  d'  Schuel  wei  [wollen],  su  cha"''-me"-se  nit  e.  Gotth. 
.Wenn  sie  mit  Aderlassen  oder  Schrepfhörnlene  z'weg 
kommen  konnte,  so  hätte  d'r  Tüfel  se  nit  e.'  ebd. 
Ein  Begehren  unterdrücken,  sich  einer  Lust  enthalten. 
Dir  cheut  [ihr  könnt]  dinne'  dampe'  [schwatzen], 
wenn-der's  nit  meut  [mögt]  e.  .Compescere,  continere.' 
Id.  B,  Mit  unbest,  Obj,  ,es',  ,Es  sei  die  Frage,  ob 
man  es  e,  möge  [das  drohende  Falliment  aufzuhalten 
vermöge].'  Gotth.  ,Er  mag  's  nit  lang  nie''  e.,  diutius 
rebus  suis  prseesse  nequit.'  Id.  B.  Wil  d's  Welter  es 
no'^'  so  eb'het  [sich  noch  hält,  schön  bleibt],  su  u-erchen 
[arbeiten] -»ii'er  vmi  früeh  bis  S})ät.  —  b)  im  Besitz 
behalten,  nicht  fahren  lassen  (stärker  als  einfaches 
b'ha);  auch:  in  einem  Zustand  erhalten;  Syn,  erbe-, 
ert-h.  Ein'"  im  Gleus  [Geleise]  e.  Gotth,  P''  tciU  's 
e.  zum  Andenken,  ebd,  Eb'häb-m'r  Das  e fange',  [ich] 
will  luege",  geh  [ob]  i'''  no"'  Ei's  fingi  [finde].  Fest- 
nehmen, packen,  Christe',  gebet  Acht,  dass  euch  ke' 
Wolf  ep'heigi  oder  fang!  B  Ged,  1831,  —  c)  Stand 
halten  (einem  Gegner),  abhalten  oder  bewältigen.  Er 
MJtrt  [wird]-««  [ihn]  scho'  möge' e.  ,Italien!  denk  an 
Marignano,  [wir]  mögen-ech  geng  e.  no'''!  Inschr,  beim 
Offiziersfest  Bern  1862,  Mit  unbest,  Obj.  ,es':  Sihei"'s 
ep'haben,  haben  gesiegt.    Drei  ganz  Wuche'  hei"-mcr  'S 


haben  (lieben) 


möge"  e.,  eusere'  Nüni,  gege'  die  ganzi  G'mein''.  Joach. 
1881  (die  Mehrheit  betete  um  Eegen,  das  Gesinde 
eines  reichen  Bauers  dagegen).  Aushalten,  ertragen. 
!<■''  ma(g)  's  nit  e.,  es  ist  mir  unerträglich.  Bas  Hüsi 
[Häuschen]  het  's  e.,  Stürme  ausgohalten.  —  2.  refl., 
sich  beherrschen,  enthalten,  in  Acht  nehmen.  ,1''' 
cha'"-mi'''  nit  länger  e.,  diutius  me  suspensum  teuere 
non  possum.'  Id.  B.  Der  Wolf  het-sich  nümme*  chönnen 
e.  vor  Wuet.  Schwzd.  Eb'häb-di'';  we"  d'  mit  im 
redsch,   er  isch  gar  en  Unerchannte  [grober  Mensch]. 

—  3.  abs.,  Ton  einer  Kuh.  Si  hat  ep'ha,  ist  trächtig 
geworden.     Syn.  be-h.;    Gegs.   ent-län    (bald   kalben). 

—  vor-ent-be-:  vorbehalten,  vorenthalten  Aa.  — 
er-be-:  1.  vor  Fall  bewahren.  Solger  (erphehen). 
Vgl.  auch  ent-he-h.  —  2.  abhalten  S.  D'  Wageblache 
[-decke]  mag  de"  Rege'  nit  e.  BWvss  1863.  —  3.  =en«- 
6e-Ä.  5  SG.  —  us-be-:  ausbedingen,  vorbehalten,  bei 
einem  Vertrag  nicht  einbegreifen.  Einer  verkauft  sein 
Haus  ,rait  dem  gedinge,  dass  er  im  selben  [für  sich 
selbst]  US  behueb,  swenne  er  in  das  vorgenande  hus 
ziehen  will,  so  soll . . .'  1322,  Z  Staatsarch.  ,Dass  wir 
[die  Zürcher  bei  der  Richtung  mit  Ostreich]  u.  unsern 
Bund  mit  den  Eidgenossen,  als  [wie]  wir  ouch  den 
gegen  Kaiser  Karlo  ussbehept  hattend.'  1442,  Absch. 
,Darzu  bettend  wir  etwas  rechts  zue  dem  Gastel 
[Gasterland],  als  wir  getrüwtind  [vertrauten]  von  lo- 
sung  wegen,  daselbs  uns  ouch  vor  und  uss  behept 
wäre  in  dem  spruch.'  Edlib.  —  vor-be-:  1.  vorbe- 
halten. .Cautionem  adhibere,  conditiones  prascribere.' 
Id.  B.  Bass  Sei  u  Tauf  vorVhabe  sigi.  DGemp.  1884. 
,Da  behein  wir  inen  niemand  vor,  wann  das  h.  r.  reich.' 
1330,  Jenzer.  ,Behuobent  die  von  Luzern  dem  her- 
zogen vor  und  üss  syn  richtung,  zins  und  gülte.' 
1336/1446,  Z  Chr.  ,So  band  aber  wir  die  Burger  von 
Lucern  uns  selbst  in  disen  sachen  vorbehept  und  us- 
gelassen  unser  Herren  und  ir  gottshus.'  1370,  Pfaf- 
FENBR.  ,Als  sy  inen  vorbehept  und  bedinget  hant.' 
1383,  Z.  ,Docli  usgenonimen  und  vorbehebt,  dass...' 
1418,  BSi.  ,Mit  den  gedingten  Vorbehebungen  und 
rechtungen.'  G  Hdschr.  ,Der  graf  behüebe  im  selbs 
vor,  die  zu  strafen.'  Edlib.  ,Die  Hyppodamiam  vor- 
b'han.'  GGotth.  1599.  —  2.  verwehren  (durch  frühere 
Besetzung).  ,Der  Künig  von  Frankrych  zog  über  den 
Monteniss,  der  jm  wol  vorbehept  wäre  [ihm  leicht 
hätte  verwehrt  werden  können].'  Edlib.  —  bevor-be- 
=  vorbe-h.  1.  ,[Es]  band  inen  bevorbehebt  die  gotts- 
huslüt  etliche  hüser.'  Bossa.-Goldschm.  —  zesam- 
men-be-  (zämmep'haj.  ,Cogere,  coarctare.  B's  Mül 
z.,  linguam  corapescere.'  Id.  B. 

z"rugg-:  zurückbehalten,  vorenthalten  Ap;  Z. 

ze-sammen  zäme-:  1.  tr.  a)  mit  Acc.  S.  a)  räum- 
lich: Körper  dicht  an  einander,  nahe  zshalten,  z.B. 
die  Hände  zum  Gebet  falten  Z.  B's  Mül  z.,  schwei- 
gen B;  Syn.  zue-li.  S.  noch  u.  Gürben  Sp.  415.  — 
P)  Geld,  Vermögen  z.,  sparsam  damit  umgehen  G; 
ScH;  Z.  's  ist  niene'  [nirgends]  Nüt,  iieder  [ausser] 
wo-me^'s  zämehät,  spöttisch  von  knauserigen  Leuten  Z. 
,Compendi  facere,  kundig  sein,  ersparen,  fleissig  ze- 
samen  haben.'  Fris.;  Mal.  —  b)  mit  Acc.  F.,  mit 
Rucksicht,  Schonung  behandeln,  z.  B.  Jmd,  dessen 
Dienste  man  sich  sichern  will.  Bie  Sjjetteri"  [Hülfs- 
person]  ist  e  recht  ordetlichi  Frau,  mer  müend  si  z. 
[damit  sie  nicht  wegbleibt]  Z.  —  2.  intr.  a)  von  Kör- 
pern.   ,Ber  Sjialt  hat  zämme,  schliesst  sich,  ist  nicht 


sichtbar.'  Id.  B.  —  b)  von  Personen,  verbündet  sein, 
einig  handeln  Aa.  3Ier  uend  z.,  dann  chönne't  s'  eus 
Nüd  tue"  Z.     ,Junctis  viribus  agere.'  Id.  B. 

dar-:  1.  (tr.)  her-,  hin-,  entgegenhalten,  z.B.  die 
Hand  zum  Empfang  von  Lohn  oder  Strafe  Aa.  J""* 
ha'  müesse'  der  Bugrjel  d.,  für  Andere  die  Strafe  lei- 
den, den  Schaden  tragen  B.  Syn.  ane-h.  ,üen  anderen 
backen  dem  streich  darhaben.'  1531,  Bib.  (Vorr.).  ,Der 
tod  ist  ein  unpartyescher  richter,  es  muoss  als  [Alles] 
den  hals  darheben.'  LLav.  1582.  Einem  Etwas  zum 
Sehen  hinhalten  B.  Zum  Kauf  anbieten:  Bas  slg 
grad  glich  wie  mit-em  Anke'  uf-em  Märit;  je  ml'' 
Stadtwiber  kämen  u  Je  nötliger  [dringender]  si  täten, 
dest  hoher  heig  me-ne  dar  [desto  höhere  Preise  ver- 
lange man].  N.  B  Kai.  1844.  Feindlich  entgegenhalten. 
Eim   d's  Mal  d.,    widersprechen    B;    W.    —   2.  intr. 

a)  dauerhaft  sein,  z.  B.  von  Tuch;  nahrhaft  sein,  nach- 
haltig stärkend  wirken,  von  Speise  und  Trank  B;  W. 
Es  halbs  Schöppli  het  nüt  dar.  Gotth.  Andauern,  an- 
halten: Bie  Chälti  hat  nid  lang  dar  B.  —  b)  Stand 
halten,  Widerstand  leisten.  Er  het-mu  [ihm]  schö' 
darg'hebet,  sich  gut  verteidigt  W.  Im  herte"  Holz  gar 
b'sungerbar,  da  wo"t  es  mängist  gar  nit  rücke';  die 
Est,  die  hei  dem  Ise'  dar  u.  lö'-si'''  halt  nit  gern  zer- 
slücke".  B  Volksztg  1885.  Und  chämid  's  Find  und 
meintid  gar,  m%r  schüchtid  iri  Schnauz,  händ  mier, 
icie-n-eusi  Stiere,  dar,  se  sind  si  use  peutscht  [heraus- 
getrieben]. HXfl.  1815.  —  c)  herhalten,  i.  S.  v.  un- 
schuldig leiden;  vgl.  1.  ,Die  Vorgesetzten  müssten 
immer  d.  für  Sachen,  für  die  sie  Nichts  könnten.'  Gotth. 

wider-:  1.  tr.  a)  fest  ergreifen  und  halten,  fest- 
halten L;  ScHW;  UwE.;  Zg;  Z;  zurückhalten,  z.B. 
Etw.,  damit  es  nicht  falle  Gl;  Schw.  Undhät's[([ti,s 
Kind]  der  Bös  nüd  trutziglich  wider,  se  chnüwet  's. 
Her  [Gott],    und   betet  zue   dier    Schw  (Schwzd.).  — 

b)  empor-,  entgegenstrecken  UwE.  —  c)  Es  Eim  w., 
entgegenarbeiten  BBe.  —  '2.  intr.  a)  Widerstand  lei- 
sten, widerstehen.  Be""  Baum  mag  dem  Wind  nid 
w.  Z.  Es  hed-mer  im  Hals  widerg'ha,  ich  konnte  es 
nicht  herausbringen  ZHonibr.  ,Gggen  hartnäckigen 
zanggeren  muoss  man  dapfer  syn  und  in""  ernstlich 
mit  gsunder  leer  w.'  HBull.  1561.  ,Nichts  ist  so  fest, 
das  dem  erzürnten  Gott  möge  w..  Alles  muss  vor  ihm 
zerschmilzen.'  FWtss  1655.  Widersprechen  BHk.;  L; 
GF.,  G.;  Uw;  Zg;  Z.  „Er  hed-em  u-ider(gj'ha.'  Syn. 
entgegen-h.  —  b)  haltbar,  fest  sein  UwE.  „Bc  Bode" 
hed  nüd  wider,  ist  locker,  sinkt  unter  den  Füssen." 
—  c)  anhaltend,  nachhaltig  wirken  Z.  „Liechti  Spise' 
händ  nid  lang  wider."  Syn.  entgegen-,  dar-h.  —  3.  refl., 
sich  festhalten.  Häb  di'''  am  Seil  wider  UwE.  ,Er 
hat  sich  recht  an  Gott  widerg'han.  drum  tat  er  ihnen 
unter  die  Augen  stau.'  1708,  vEuw.  —  Mhd.  aufhalten ; 
Widerstand  leisten;  sich  festhalten. 

e°-weg-:  1.  eine  Weibsperson  von  sich  weg  h., 
Verstössen.  Inderbitzi  1826,  70.  —  2.  (Einem  Etw.) 
entziehen  LG.  —  ze-weg-:  1.  intr.  a)  sich  zsnehraen 
oder  sein  Vermögen  zshalten;  bedächtig,  besonnen 
handeln  ZLunn.  Sieh  anstrengen,  empor  zu  kommen 
oder  sich  aufrecht  zu  halten  UwE.  Es  hinkt  i"  si"m 
G'schäft;  er  muess  schuh  zweg  ha,  wenn  er  's  will 
brestiere'  ZWettschw.  —  b)  herhalten,  leiden.  ,Er  wirt 
müese'  zwegha,  poenas  dabit.'  Id.  B.  —  2.  tr.  a)  Einem 
Etwas   verschaffen,    leihen.    Id.  B.   —  b)  mit   unpers. 


Ilaben  (heben) 


926 


i<ubj.  ,cs',  hart  mitnehmen.  Es  hed  e'  zurg  Nnw; 
Syn.  zctccg-neiiien. 

zue-:  1.  tr.  a)  mit  Dat.  P.  u.  Acc.  S.  a)  Kinem 
einen  Besitz,  Genuss  verschafTen,  einen  Vorteil  zu- 
wenden, oft  auf  heimliche  Weise,  z.  B.  Essen  und 
Trinken,  eine  Frau,  ein  Amt,  Verdienst,  Kunden  Aa; 
Bs;  B;  Gl;  Gr;  Sch;  S;  Uw;  Z.  Syn.  zuesclianzen. 
's  MeiU  het  dem  Durs  j"  dr  Chuchi  es  guets  Bitzli 
[Bissen]  zue.  Schild.  Sind  so  guet  und  habet  mir  ein 
Tschegg  zue  und  ein  Munneli  Obw  (aus  einem  Briefe). 
Auch  ohne  ausgesetztes  Acc.-Obj.:  Vorschub  leisten, 
Gunst  erweisen.  aaüO.  Den  Kindern  z.,  zu  essen 
geben  W;  Syn.  zueschieben,  -stössen.  —  ß)  Einem  Etw. 
Nachteiliges  andichten ;  fälschlich  zuschreiben,  einen 
Makel  anhängen.  Besehi  LH  hei-ra  Das  mimme'  zue- 
g'hehet,  böse  Leute  haben  ihr  Das  nur  angedichtet  W. 
Auch  ohne  ausgesetztes  Acc.-Obj.:  Einem  zusetzen, 
ihn  necken  GRPr.  —  b)  mit  Acc.  S. ,  geschlossen 
halten;  ,clausum  habere,  tenere.'  Id.  B;  Sch;  Z.  Syn. 
ziie-tuen.  's  il/«/ --.,  schweigen  UwE.;  Z.  Händ's  M. 
zue  und  essed  (fürt)'  sagt  die  Mutter  zu  den  während 
des  Essens  schwatzenden  Kindern  Z.  ,Der  Pfarrer 
zu  S.  Laurenzen  soll  denken  und  das  mul  zuehaben.' 
1527,  G  Ratsb.  ,Was  gilt's,  ir  kämend  mit  im  z'friden, 
dass  er  hernach  's  mul  wurd  zuehan."  Aal  1549. 
,Heb  's  mul  zue!'  Muuer  1556.  ,Hett  er  sein  lester- 
maul  zueghan,  so  war  söllichs  nie  erfolget!'  1589, 
Zellw.  Urk.  D'  Ore'  z.  Hebel.  D'  Auge"  (es  Ang)  z., 
ein  Auge  zudrücken,  Fehler  ungestraft  hingehen  lassen, 
von  Obern  gegenüber  Untergebenen  UwE.;  Z.  ,Ja. 
Muoter,  los,  wie  soll  ich  gan,  wann  ich  die  Augen  zuo 
muos  han,  als  war  ich  blind  (fragt  das  Bettlerkind).' 
Com.  Beati.  S.  noch  u.  Mül.  —  2.  intr.  a)  ankehren, 
mit  Schiff  od.  Wagen,  z.  B.  bi  dr  Chröne',  im  Gasthof 
zur  Kr.  UwE.  ,0  Mensch,  bedenk  dein  Ende:  heb 
zue  und  lande!'  Inschrift  eines  am  See  stehenden 
Hauses  ZZoll.f  Vgl.  itposix^'^-  Übh.  nach  einem  Ziele 
streben  Z;  vgl.  haben  B  3  f.  —  h)  Heb  zue!  sagt 
man  zum  Vieh,  dessen  Kopf  man  gradaus  oder  in  die 
Krippe  richten  will  Z ;  auch  zu  einem  Menschen  im 
S.  V.:  Sieh  für  dich!  Z.  —  c)  mit  Dat.,  treffen,  an- 
greifen. ,Im  dorf  huob  es  [die  Pest]  fast  den  meit- 
linen  zu.'  1526,  ValTschddi.     Vgl.  zuehin-h.  2  b. 

zue-hin  zuechi-  GG.,  zueche-  B;  Gl,  zuene-  Ap: 
1.  tr.,  entgegenstrecken  BR.  Nahe  hin  halten,  ein 
Gefäss  zur  Röhre  B,  ein  Kind  zur  Taufe  GFlums. 
Ds  Messer  (z'  hert)  z.,  allzu  genau  sein,  viel  fordern. 
Einen  übervorteilen  (, schneiden')  BBe.,  E.  ,Equuni 
calcaribus  agitare,  dem  ross  die  sporen  geben  oder 
zuehin  haben.'  Fris.;  Mal.  —  2.  intr.  a)  herhalten. 
/'■''  wett  nid  z.,  ich  möchte  mich  nicht  zur  Probe 
hergeben,  z.  B.  einem  angehenden  Zahnarzt  B.  — 
b)  tüchtig  angreifen,  hart  zusetzen,  z.  B.  einer  Speise. 
Er  het  dem  Brod  recht  zueg'ha'  Ndw.  Auch  bei  einer 
Discussion  Gl.  Wel'''em  wei-mer  z.?  welchen  wollen 
wir  angreifen?  B.  —  c)  beistehen  Ap,  günstig  sein 
Gl.  ,Und  huobe  im  N.  N.  zuohin',  half  ihm  (schim- 
jifen),  stimmte  ihm  bei.  1530,  Strickl.  —  d)  =  zue-h. 
1  a  a.  Der  h.  Mei'red  hät-is  zueche  [wendet  uns  einen 
Vorteil  zu].'  Schw  (Schwzd.). 

habend,  bähend:  1.  wohlhabend.  En  habende 
Chüejer,  r'xch  a'  Hüs  u'"  Schüre'  u"'  Matte'  BO.  ,Gute, 
habende  tröster  [Bürgen].'  1528,  ZEgl.  , Anderer  bi- 
derber  und    habinder    lüte    kind   werden    ouch   ufge- 


müessten  aber  bezahlen.'  1538,  Z  Staatsarch. 
,H.  old  verdSrbend',  vermöglich  oder  arm.  1554,  Absch. 
■  H.  Personen.'  1557,  Bs  Rq.  ,Eychc  und  habende  lüt.' 
1586,  Z  Ratserkenntn.  ,Wenn  ein  söliche  person  reich 
und  habend  wäre.'  Hochh.  1591;  =  .wolhabend.'  1693. 
,Von  den  habendsten  Geraeindsgenossen.'  1711,  Mey., 
Wetz.  —  2.  dauerhaft,  tüchtig,  wertvoll,  z.  B.  von 
einem  Werkzeug,  Kleid,  Stück  Land,  Tier  BR.  — 
!.  mit  vollem  Eigentumsrecht  an  Etw.  versehen,  in 
gesichertem  Besitz  davon ;  vgl.  bass-,  wol-h.,  hablich  4. 
Eines  Unterpfandes  sicher  und  habent  sein.'  1495,  Z 
Batserk.  ,Es  soll  festgesetzt  werden,  ob  man  sich  über 
,'ewisse  Artikel  [gesetzliche  Bestimmungen]  gegen- 
seitig verschreiben  wolle,  damit  man  habent  daran 
.väre  [sich  daran  halten,  darauf  verlassen  könnte].' 
1525,  Absch.  ,Gedenkent  von  wegen  des  barfüessers, 
■io  iez  ein  orgula  zuo  Losana  machet,  und  des  myne 
Herren  von  Luzcrn  berichtent,  ob  sy  habent  an  jm 
^yent  oder  nit.'  1529,  ebd.  ,Wer  pfand  gibt,  daran  der 
mder  nit  habend  ist,  büesst  3  pfd.'  1533,  ebd.  ,Der 
ibt,  wollt  er  änderst  seiner  handlungen  in  das  künftig 
ilabind  und  bewart  sein.'  Vad.  —  4.  tätlieh  angreifend, 
mit  der  Hand  anfassend.  , Welcher  tringend  oder  ha- 
bend wird,  der  soll  ebenfalls  gefangen  gelegt  werden.' 
1548,  Absch.  (wo  als  gesteigertes  Vergehen  das  Blutig- 
schlagen folgt).  —  un-:  1.  unvermöglich.  ,[Wenn] 
lerselb  ein  solicher  unhabender  mann  war,  der  nicht 
^uetcs  hett.'  1366,  Geschfo.  Ges.  —  2.  kein  sicheres 
Pfand  besitzend;  vgl.  habend  3.  .Welcher  Schuldner 
lehein  [irgend  ein]  pfände  gebend  wurde,  das  jeman 
vor  versetzet  wäre  also,  dass  der  gelte  darane  un- 
liaben(d)  wäre,  denn  soll  der  Schuldner  dem  gelten 
ilie  trugenheit  mit  3  pfd  büessen.'  1404,  B.  —  ur-: 
ursprünglich,  anfänglich.  ,Des  bistuombs  u.  äufnung 
beschryben.'  Vad.  —  hus-  (hend) :  sparsam  Ar.  — 
bass-:  sicherer;  -^gi.  habend  3  und  tvol-h.  ,Und  umb 
das,  das"  sy  des  dester  sicherer  und  bash-er  sygend.' 
1436,  Geschfo.  Ges.  —  recht-:  rechtmässig.  ,Das 
burgunsch  land,  als  rechthabender  lechenherr  in  gna- 
den ze  halten  und  ze  schirmen.'  Ansh.  —  wol-  = 
habend  3.  ,[Dass]  sy  mit  gueten  underpfanden  w. 
und  sicher  gemacht  werdind.'  1555,  ZStäfa.  ,0b  kein 
gglt  allda  wäre,  soll  man  sy  bezalen  mit  galt  oder 
inderer  wärschaft,  daran  sy  w.  ist.'  1.566,  ZoSt.  u.  A.  B. 
Auch:  ,400  fl.  an  barem  gelt  oder  w-er  gült.'  1568,  Z 
Heiratsbr.  —  gewalt-:  bevollmächtigt.  ,Zu  gemeiner 
beratung  ir  g-e  bottschaft  zue  inen  zu  schicken.'  Ansh. 

Haber  I  m.:  Inhaber,  Besitzer.  , Alsdann  mag  der 
h.  des  selbigen  hab  und  guets  wal  haben.'  1592,  Foffa, 
Münst. 

An-:  Anfänger,  Stifter.  .Die  da  a.  sind  gesyn  und 
ir  gaben   band   geben.'    1417,  Sciiwlngenb.  Urbar.  — 

S.    An-/Iah. 

,In-,  die  person,  so  disen  brief  mit  irem  [des 
ersten  Gläubigers  und  seiner  Erben]  willen  in  hat.' 
1466,  Z  Staatsarch.  Syn.  In-Halter.  —  Under-häber 
f-li'gj:  beim  Tragen  eines  Stuckes  Langholz  unter 
dasselbe  geschobener  und  auf  der  andern  Sihulter 
liegender  Holzstab  oder  -sparren  ZU. 

Ur-haber:  Urheber,  Stifter.  ,Es  warend  die  von 
Appenzell  die  u.  der  sach.'  Vad.  Der  ,urhäber'  des 
Frevels.  1552,  Aa.  ,Parens  urbis,  Romulus,  der  stifter 
und    urhaber   der    statt   Rom.     Autor,    ein    ursächcr, 


927 


Hab.  heb,  hib.  hob,  luib 


erster  anrichter  oder  anfänger,   u.  und  erfinder  eines 
dings.'  Fris.;  Mal.    -    Vgl.    Vr-Hah  und  a-h:Un  4  ,/. 
Ort-haber:  Urheber.    , Orthaber  des  heiles.'  1476, 

G  Hören.  —  Mhd.  orlhabc  und  orthuher  dass.,  von  ort  i.  S.  T. 
Anfang. 

Ise°-:  Pflughalter,  Pflüger  Gk  ObS.  -  Das  Pftug- 
eisen  hier  fUr  den  ganzen  Pflug. 

„Feil-haberi-  habere  f.:  Person,  die  Etw.  feil 
hat,  Trödlerin  L."  —  Befelch(s)-haber  m.:  Bevoll- 
mächtigter, Mandatar.  ,Der  Gesandte  erwarte  stünd- 
lich einen  verordneten  bevelchhaber  mit  Geld.'  1589, 
Absch.  ,Graf  Rudolfen  gesandter  und  bevelchshaber.' 
1595,  Arg.    Auch  1610,  Z. 

Hüs-,  in  Gl  -häber  m.:  Mann,  der  eine  eigene 
Haushaltung,  eigenen  Herd  führt  Gl.  ,Dass  fürohin 
keine  inzügling  sollen  angenommen  werden,  es  syend 
glych  husheber  mit  wyb  und  kinden  oder  dienstknecht.' 
L  Ansehenb.  ,H.  und  dienstlüte.'  1517/45,  Schw  LB. 
,Der  haushaber  oder  hausvatter,  dominus.'  Mal.  ,Von 
Weibspersonen  oder  von  denen,  so  nit  Hausväter  oder 
alleinige  oder  die  eltiste  Haushaber  gewesen,  wird 
kein  Fal  bezogen.'  c.  1730,  UwE.  —  „Hushäberi": 
Haushälterin  LE."   —  Vgl.  Hns-Bab. 

Lieb-haber:  im  Allg.  wie  nhd.:  wer  Etw.  liebt 
und  besitzen  oder  geniessen  möchte.  Es  chunnd  uf 
de'  L.  a",  es  ist  Geschmacksache  Z.  M'er  ist  L.? 
Formel  zum  Kaufen  einzuladen  Z.  Bes.  1.  in  Bez.  auf 
Speisen  u.  Ä.  I'''  hin  nüd  L.,  Formel,  eine  ange- 
botene Speise  abzulehnen  Z.  —  2.  Freund,  Verehrer. 
,Er  was  ein  beschirmer  und  ein  1.  der  christenlichen 
kilchen.'  Ziely  1521.  ,Gegen  aller  tütschen  zungen 
liephabern.'  1476,  Bs  Chr. 

Mugge° -häber  :  engherziger,  selbstsüchtiger 
Mensch  Ar.  Abi.  mugge-Mberisch.  —  Vgl.  Mwjge' 
(Tücken)  ha". 

Pflueg-haber  s.  Pfl.-Heber.  —  Recht-:  1.  An- 
tcilhaber  (an  einem  Nutzungsrechte).  ,Die  zum  Holz- 
schlag Berechtigten  (Rechtshaber).'  1736,  Absch.  , Al- 
pen, die  200  Rechthaber  haben,  wovon  die  einen  10  bis 
20  Kührechte,  viele  nur  eines  besitzen.'  Kasth.  1829. 
—  2.  (in  S  auch  B-habi)  wer  den  Anspruch  erhebt, 
in  allen  Fällen  Recht  zu  haben  Bs;  S;  Z.  Syn.  Heb- 
Eecht.  —  G«walt(s)-:  1.  Seckelmeister,  Vorsteher 
einer  Gemeinde,  Gemeindepräsident  W.  —  2.  Bevoll- 
mächtigter, Stellvertreter.  Syn.  Befelchhaber.  , Allda 
kam  für  mich  N.  N.  und  N.  N.'  als  kleger  und  ge- 
waltig gewaltsh.  mit  sampt  iren  byständen,  mithaften 
und  zueverwanten  an  .statt  und  in  namen  der  4  dörfer.' 
1510,  Abch.  Jenatz.  ,Die  von  Iverdon  lassen  keine 
Fürsprecher  (Gewalth.)  zu.'  1529,  Absch.  ,0b  der 
klägor  oder  antwurter  in  eigner  person  nit  möchten 
erschynen,  dass  sy  alsdann  an  ir  statt  einen  voll- 
kommnen  g.  [plenipotentiaire]  mögen  ordnen.'  1532, 
ebd.  .Einem  landamraann  old  synem  gwalth.  in  des 
landes  sachen  g'horsam  ze  sinde.'  1572,  SchwE.  ,Wo 
die  vögt  ungeschickte  oder  liederliche  gwalthaber  ver- 
ordnen und  derowegen  den  kindern  schaden  begegnet, 
ist  der  vogt  disen  abzutragen  schuldig.'  1590,  Bs  Rq. 
, Eines  Gewalth-s  oder  Beistands  Lohn  ist  5  P',  sc. 
um  Pfänder  zu  fordern  von  Seiten  des  Herrn  Schult- 
heissen.  Bs  Taxordn.  1722.  ,Wann  die  Kehr  eines 
Weins  verbanden  ist,  mag  der  Herr  desselben  oder 
sein  Gwaltsh.  seinen  Wein  stracks  nach  Bern  zu 
ferggen.'  FMu.  Fuhrordn.  1723. 


hab-haft:  1.  begütert,  vermöglich  B;  ZKn.;  zah- 
lungsfähig BSi. ;  ScH.  En  h-C  Bürg.  , Selbiges  [die 
Steuer]  auf  die  Habhaften  abteilen.'  B  Bettlerordn. 
1690.  ,Den  Habhaftigsten  [von  mehreren  Mitschuld- 
nern] zu  einem  Trager  erwählen.'  1715,  Z  Satzg.  ,Jede 
Classe  wählt  sich  selbst  zwei  h-e  und  wackere  Männer 
zu  Chefs  oder  Seckelmeistern.'  1801,  Helv.  Reg.  Syn. 
hablieh.  —  2.  haftbar.  ,Ein  Käufer  soll  an  seinem 
Kauf  h.  sein.'  1706/65,  L  Stadtr.  —  3.  dauerhaft,  halt- 
bar, z.  B.  Obst  SonSt.  —  S.  die  entsprechenden  Bedd. 
des  Subst.   Hab  IIJ. 

Habi  f.:  1.  Habe.  ,Alle  die  haby,  so  er  by  ime 
hatt.'  1476,  Bs  Chr.  Vgl.  Hab  III.  -  2.  Halt,  Be- 
stand, Gültigkeit.  ,Wer  mit  eins  vogt  kind  märgtet 
on  des  vogts  wüssen,  das  soll  kein  h.  (heby)  han.' 
c.  1480,  Ndw;  vgl.  das  syn.  Hebi. 

G"-habi  f.:  das  Wasserdichtwerden  eines  Gc- 
fässes.    Ben  Eutner  in  di  Kabi  tuen  GrL.    S.  g'-hab. 

wol- habig  s.  bei  Haupt-Guet  Sp.  549. 

Habi°g  f.:  Halt,  Festigkeit,  Nachhaltigkeit  Ap; 
Bs.  's  guet  Wetter  hed  ke'  H.,  ist  nicht  von  Dauer 
Ap.  Mened-er,  es  hei  H.?  fragt  etwa  der  Genesene 
den  ,\rzt.  ebd.  Es  ist  kei  H.  im  Brot,  das  Br.  stillt 
den  Hunger  nicht  lange ;  vgl.  fueren;  be-schiessen. 
,Ein  Landweib  klagt  über  das  Stadtbrot,  es  sei  gar 
keine  H.  darin,  obgleich  es  musste  gut  gehaben  haben, 
denn  es  war  immer  luftig.'  Breitenst.  ,So  ein  Laib- 
lein Bäckerbrot  gieng  weg  wie  Schnupftabak,  es  war 
keine  H.  darin.'  ebd.  Anders:  's  hat  e  H.  g'ha,  viel 
Mühe  gekostet  Bs;  Syn.  Harz.    Vgl.  Hab  III  1. 

hablich,  in  S  häblig:  1.  begütert,  wohlhabend 
Bs;  B;  Gl;  Sch;  S;  Z.  Rlchi  Lüt,  die  häbliehste' im 
ganze"  Land  S  (Schwzd.).  ,Furneme  und  habliche 
landlüt.'  Kessl.  ,Die  armen  sind  den  hablichern  oder 
rychern  verbünstig  und  ufsetzig.'  HBull.  1561.  Gegs. 
hab-los.  —  2.  behaltend,  bewahrend.  Er  ist  hüsli"'', 
aber  nüd  h.,  er  versteht  sich  aufs  Sparen,  aber  nicht 
aufs  Bewahren  Z.  —  3.  einer  Sache  mächtig,  ver- 
sichert, berechtigt  dazu.  Syn.  habend.  ,üass  er  der 
obgen.  lüt  und  guet  ganz  mächtig  und  h.  syn  sollt, 
die  ze  nutzen  und  ze  niessen,  versetzen  oder  ver- 
koufen.'  1423,  Pop.  ,Damit  sie  [die  Creditoren]  dessen 
[der  Bezahlung]  vergewisst,  h.  und  sicher  seien,  so 
haben  wir  ihnen  verschrieben . . .'  1635,  Th  Schuldbr. 
,Je  zahmer  die  Regierung  tut,  desto  weniger  Glauben 
hat  man  an  sie;  man  glaubt,  sie  dürfe  nicht,  sie  sei 
nicht  h.'  GoTTH.,  Herbstgespr.  —  4.  fest,  sicher;  Ga- 
rantie gewährend.  ,Vor  jeder  andern  Berufsart  steckte 
ihm  sein  ehmaliges  Botenwesen  am  h-sten  im  Hirn.' 
Stütz,  B.  1854.  ,500  fl.  in  Baar  oder  an  sicheren 
(h-en)  Zinsen.'  1530,  Absch.  ,.SOO  krönen  ewigs  zins, 
alle  jar  h.  zu  iren  sichern  hand  und  gewalt  zu  be- 
zalen.'  1550,  L  Kaufrertr.  ,0b  aber  etlicher  nit  so 
statthaft  wäre,  dass  er  den  uslycher  mit  gülten  ald 
bürgen  h.  versicheren  könnte.'  Z  Mand.  1565.  ,H-e 
pfand',  Pfänder,  welche  die  Schuldforderung  decken. 
1575,  Th  Landesordn.  ,3000  Guldin  bar  oder  an  h-en 
Briefen.'  166S,  Z  Kaufbr.  ,Es  könnte  dann  einer  dar- 
bringen, dass  er  aus  häblicher  [triftiger]  Ursach  wäre 
gehindert  worden.'  c.  1700,  U.  ,Die  Erben  nach  h-er 
Notdurft  versichern  oder  verbürgen.'  1721,  G  Erbr.; 
vgl.  e-haft.  —  5.  wohnhaft,  fest  angesessen.  Syn. 
hiis-häblivh.    Wer  einist  da  fi"  dem  Land]  isch  häbli''' 


929 


Hab,  heb,  hib,  hob,  hub 


g'sl',  der  chlebt-em  a"  mit  Herz  und  Sand.  LHildebr. 
18S7.  ,Ein  gottshusraann,  der  ze  Berg  sitzet  hüslich 
u.  h.  [eig.  mit  Haus  und  Habe].'  XV.,  ZBerg  Offn. 
,Es  war  dann,  dass  er  us  dem  land  in  das  gottshus 
züch  und  allda  hüslich  u.  h.  sässe.'  Vad. 

üf-hablich,  -häblich:  1.  zum  Vorwurf  ge- 
reichend „VO."  ^Eim  Öppis  ti.  mache',  Einem  Etw. 
vorwerfen."  .Was  hätte  inen  aufhablicher  und  on- 
erlicher  sein  könden.'  Vad.  ,Schmächlich6,  unbilliche 
und  aufhabliche  red,  eriminosa  oratio.  Es  ist  im 
schmächlich  und  aufliablich  (ufheblich),  criminosum 
hoc  ei  est.'  Mal.  Vgl.  üf -heben  und  Üf-Hah.  — 
•2.  (vom  Wetter,  Himmel)  sich  aufhellend  B  öO.  Vgl. 
Üf-cnt-Hab.  —  flf-häbliche":  sich  aufhellen.  B's 
Wetter  tued  ü.  BR.     Syn.  sich  üftiien;  üf-heiteren. 

a°-häblich:  geneigt,  geschickt  bei  Andern  recht 
anzuhalten,  ihnen  zuzureden  BHk. ;  Syn.  an-härig. 

Vjjl.  an-habin  iiml  bair.  anhiihuj,  sich  gern  anhängend 
und  schwer  abzubringen. 

in-r  innehabend  im  pass.  S.;  im  Besitz  befindlich. 
,üass  d'  Eidgnossen  [dem]  herzogen  überantworten 
sollten  all  brief,  usgenommen  die  brief,  so  die  inhab- 
liche  land  der  Eidgnoschaft  betreffend.'  Ansh. 

u°-habli(ch):  wild,  schwer  zugänglich  od.  gang- 
bar, abgelegen;  unwegsam,  unbequem,  bes.  von  Land 
und  Wegen  ZB.,  0.  U.  und  müehsam  ist  de''  Weg. 
Stütz.  En  u'hablis  Schuldegiletli.  ebd.  /)•  sind  glich 
amene'  heillos  u'hablichen  Ort  deheime"  ZO.  Davon 
U'habliehi  f.,  schwieriger,  schlechter  Zustand  eines 
Weges,  Terrains.  —  Vgl,  un-haO  u.  lat.  inhabilis,  ungefüge. 

ur-hablich:  ursprünglich.  ,Der  mentsch  mag  die 
u.  neigung  seines  leibs  nit  ändern  noch  verwenden.' 
Vad.  ,Abt  Ulrich  ist  ergangner  kriegen  fürneme  und 
u-e  ursach  g'wesen.'  ebd.  ,Von  wannen  der  mönchs- 
stand  u.  entsprungen.'  ebd.   —  Vgl.  Ur-üah. 

,far- häblich :  zur  ,Fahrhabe'  gehörend."  — 
hüs-hablich  (-häbli(ch)  Bs;  B;  Gl;  Z),  -häbig  Ap; 
Th:  1.  ein  Haus  bewohnend  Ap;  Bs;  B;  Gl;  Th; 
Z  tw.;  eig.  ein  Haus  besitzend.  ,Ungesorgtes  Leben 
heisst  nicht,  wenn  man  nur  warm  und  haushäblich 
niedergelassen  ist.'  MEV.-Mer.  1867.  , Allen  den,  die 
ze  Bliggenstorf  hushablich  sint  und  sitzend.'  1390,  Zg. 
.Unser  Ammann  ze  Zug  soll  in  unser  statt  husheblich 
syn.'  1435,  ebd.  ,Wer  da  hushablich  ist  und  syn  eigen 
brot  isset,  der  soll  järlich  geben  ein  fassnachthuen.' 
1436,  ZHasle  Offn.  ,Husheblich  gesessen.'  1480,  L. 
,By  dem  selben  stein  ist  S.  Peter  und  Andreas  lang 
hushablich  gesyn  in  eim  dörflin.'  HsSchürpp  1497. 
.Sich  h.  setzen.'  152.5,  Mey.,  Wetz.  ,Fürterhin  soll 
niemands  dheine  frömbde  personen  belyplich  oder  hus- 
heblich nit  mer  ufnemmen.'  1572,  SchwE.  Waldstattb. 
,Han  mich  gen  Lenz  hushablich  g'setzt;  da  si  mir  das 
dorfreehti  schanktend.'  Ardüser  1572/1614.  ,Weisst 
einer  geleich  eigentlich,  dass  die  seinen  an  einem  ort 
vil  100  jar  haush.  gewesen,  so  weisst  er  doch  nit, 
wenn  er  oder  die  seinen  hinweg  müessend.'  LLav. 
1582.  Es  wird  den  Juden  gestattet,  ,dass  sie  lö  Jahre 
lang  in  der  Grafschaft  Baden  wohnen  und  haushäblich 
sein  dürfen,  jedoch  sollen  sie  keine  liegenden  Güter 
[also  auch  kein  Haus?]  besitzen.'  1712,  Aa  Gem.  ,Sich 
hausheblichen  niederlassen.'  BAbzugsordn.  1715.  .Jeder 
Kilcher,  der  seit  12  Jahren  haushäblich  war,  oder  ein 
12jähriger    Haushäber.'    1736,    Obw.     Auf   das    Hans 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


übertr. :  .Welcher  [Vertriebene]  wider  zue  synen  hus- 
häblichen  wonungen  begert  ze  kommen.'  1531,  Absch. 
— -  2.  haushälterisch,  sparsam;  Syn.  hüslich.  ,Bis  [sei] 
husheblich  und  yngedenk  unserer  geringen  mittlen 
und  armuet.'  1553,  HBull.  —  b»- hablich:  1.  wohl 
bei  Leib,  korpulent  Gr.  —  '2.  ein  gutes  Gedächtniss 
besitzend    Z   (auch   b'hähli''').    En   b'habliche''  Chopf. 

—  wol-hablich:  wohlhabend  Ndw.  Sc  bei  Ardüser 
1600.  ,Leut,  so  an  zeitlichem  Gut  wohlhäblich.'  Heut. 
1658. 

Habschaft  f.:  Habe,  Besitz  W.  D'  farund  H., 
die  , Fahrhabe'.  ,Er  vergantete  die  H.  Archelai.'  JBOtt 
1736.  ,Aus  der  Eidgenossenschaft  verwiesen,  ihre  H. 
aber  zurückgehalten.'  U  Neuj.  1827. 

häb  s.  haben  II. 

Binder -häbi  f.:  1.  heimliche  Aufbewahrung, 
Reserve.  Anders  in  der  II.  hau,  mehr  Vermögen 
haben  BHa. ;  vgl.  hinder-haben.  —  2.  das  Hinterge- 
schirr der  Zugtiere,  womit  sie  den  Wagen,  wenn  es 
bergab  geht,  zurückhalten  UwE.  —  3.  Rückhalt, 
Stütze,     's  Chind  häd   e  H.   am  Vatter   „VO.;"    Tu. 

häbig:  1.  behäbig,  .wohlhabend.  ,Sie  hätten  es 
weiter  gebracht,  als  mancher  h-e  Bauer  und  als  man- 
cher vornehme  Herr.-  Breitenst.  ,Du  meinst,  du  seiest 
häbich,  aber  du  bist  ein  armer  bettler.'    LLav.  1587. 

—  2.  inne  habend,  als  Eigentümer.  ,So  einer  eim 
ein  pfand  gibt,  daran  er  nit  h.  ist  und  mit  recht  ent- 
wert [des  angeblichen  Besitzes  beraubt]  wirf  1462, 
S  Urk.     S.  noch  hebig  und  dessen  Zssen. 

hüs-  s.  h.-hablich.  —  b"-:  1.  vermöglich,  wohl- 
habend Bs;  U.  —  2.  stattlich.  ,Manches  b-e  Stück 
aus  dem  alten  Hausrat.'  Verg.  Tage  1879.  —  wol- 
wohlhabend  Bs;  Sch;  S. 

Habe:  Johann  Joseph  SchwE.;  vgl.  Hebte.  —  Eine 
Zsziehung    aus  Ham   und  Scp,     wie   Ammi  aus   Annn   Marl«. 

Habe  k  s.  Habich. 

Habenms  m. :  Rausch  G.  —  Wohl  die  lat.  Verbalforni 
hiibi'mua  [wir  haben],  womit  viell.  irgend  ein  Trinklied  begann. 

haben  III  in  den  Zssen  hott-,  Vhitt-habe  — 
Pr«s.  hettliahe  —  Ptc.  t'hitthabet  GT.  —  hitt- 
habne  U:  1.  heftig  atmen  U.  —  2.  unschlüssig, 
schwankend  sein,  zweifeln,  zaudern  GT. 

Das  physische  Auf  und  Ab  in  1  ist  in  2  übertr.  auf  das 
Geistige,  in  welchem  Sinne  auch  üf  und  ab  machen,  wetzen 
gebraucht  werden.  Aber  auch  das  o.  Sp.  916  angeführte 
jet-heben  muss  viell.  mit  den  obigen  Formen  zsgefasst  werden: 
[lie  Bed.  .trotzen'  liisst  sich  aus  derjenigen  des  Zauderns  als 
fiiiir  Äusserung  oder  Art  des  Trotzes  entwickeln.  Was  die 
Fiinneu  lietrittt,  so  liegen  im  1.  wie  im  -2.  Teile  der  Zss. 
Verderbnisse  vor,  begreiflich  bei  Lauten,  welche  durch  keine 
etymol.  Zshänge  mehr  gestützt  sind.  Im  erstem  Teile  mag 
dasjenige  W.  zu  Grunde  liegen,  welches  verdunkelt  auch  in 
hitt-  oder  hipp-bfuhen,  hittthipp)men,  Synn.  mit  hitthabnen, 
und  in  hitzijen  steckt;  der  Anl.  von  t'hitih.  lässt  sich  un- 
schwer als  herübergezogen  aus  dem  vorangehenden  Vb.  fin. 
,hat'  erklären.  Das  Vb.  selber  (der  2.  Teil),  urspr.  viell. 
eins  mit  ,happon',  schwer  atmen,  hat  Anlehnung  an  geläufige 
WW.  gesucht. 

Häber  11,  in  Bs  auch  Habere"  —  m.:  1.  Hafer, 
avena  sativa.  Diese  urdeutsche  Getreideart  lieferte 
bis  auf  heute  dem  Volke  seine  Kraftspeise  im  Frieden 
und  im  Kriege,  vgl.  Haber-Mues,  Haber-Sack.  Seit 
Einführung   des    Kaffees    ist   der   Anbau    dos   Hafers 


931 


Hab,  lieb,  Mb,  hob,  hub 


932 


allerdings  mehr  und  mehr  zurückgegangen,  wie  denn 
auch  die  folgenden  Belege  und  RAA.  ihre  Wurzeln 
mehr  in  der  Vergangenheit  als  in  der  Gegenwart  haben. 
Händ-er  euers  Häberli  dinne?  habt  ihr  eure  kleine 
Haferernte  eingeheimst?  ZO.;  vgl.  Gerste".  Anno  16 
hät-me'  de'  H.  müesen  uf-em  Ofen  obe"  tere"  [dörren] 
Z.  ,Man  [d.  i.  die  Lohenleute]  soll  euch  den  h-en  zu 
S.  Andres  tult  gegeben  han.'  1300,  Th.  ,Der  hof  N. 
gilt  10  mütt  h-n.'  1331,  ZRhein.  Zinsrod.  S.  gab  Sp.  62. 
,10'/2  viertel  h-en.'  1392,  ScbwE.  ,Korn,  wyn,  h-n, 
gelt,  tuoch.'  1417,  Bs.  ,10  malter  beider  guets,  glych 
dinkel  und  h.'  1471,  L.  ,Fordert  der  meier  die  Schnit- 
ter zue  den  tinklen,  so  söUent  sy  im  ouch  ze  dem  h-n 
beholfen  syn.'  1562,  Z  Rechtspfl.  ,Wir  fragend  den 
himmelischen  schätzen  so  recht  wenig  nach.  Wir 
tuond  grad  wie  der  han  in  der  fabel,  der  im  mist  ein 
kostlich  perlin  fand  und  lieber  ein  einigs  häberlin 
[Haferkorn]  gehebt  bette.'  LLav.  1582.  ,Alle  die,  so 
den  h.  vom  Brandiswald  gend,  sollend  gar  nützit  im 
Br.  hauwen  one  des  holzhüeters  anzöug.'  1584,  BStaats- 
arch.  [vgl.  Hohhaber].  ,Von  einem  Mass  guten  H. 
zum  Backen  . . .  Von  einem  Mütt  währschaften  H.  zum 
Genius  [Brei]  . .  .'  B  Landmüllerordn.  1693.  RAA. : 
Wenn  der  H.  über  ^e"  Hag  tis  luegt,  so  liieyt  d'  Türi 
d'räber  inne",  langer  Hafer  als  Vorzeichen  von  Teu- 
rung.  les  icär  guet  3.  säe'!  wenn  in  einer  Gesell- 
schaft plötzliches  und  ungewolltes  Stillschweigen  ein- 
tritt; denn  die  Haferkörner,  als  sehr  leicht,  können 
nur  bei  Windstille  gesät  werden  L;  Sch;  S;  Z.  ,Der 
h.  ist  vor  dem  körn  reif  worden,  proverb.  so  die  jünger 
schwöster  vor  der  eiteren  zur  ee  kommt.'  Mal.  und 
so  noch  jetzt  Sch;  Z;  vgl.  Haber-Ern.  ,Unbärtigen 
Gelbschnäbeln,  die  gar  noch  nie  erschmeckt  haben, 
was  der  alte  H.  gilt.'  Dennl.  1817.  ,Er  weiss,  was 
der  H.  gilt,  vel:  er  ist  kein  Kind.'  1676,  Sylloge  (B); 
und  so  noch  jetzt  Bs;  S.  Händ-er  de'  H.  rerchauß?, 
Frage  an  müssig  bei  einander  Stehende  ScHSt.  Was 
gilt  de''  H.?  Z;  wie  tür  hast  di'  H.  verchoiift?  B, 
Frage  an  eine  Person,  welche  man  beschämen  will, 
wenn  sie  mit  auf  die  Hüfte  gestützten  Händen  dasteht, 
oder  wenn  sie  die  Ellbogen  auf  den  Tisch  stützt;  vgl. 
Kernen.  Mer  händ  de'  H.  verchauft!  wenn  mau  einen 
Andern  nicht  will  wissen  lassen,  wovon  man  heimlich 
geredet  hat  ScnSt.  Lange""  H.,  Peitschenhiebe  Aä; 
B;  6;  vgl.  mit  dem  Geisle''chnebel  mäste'.  Iron. :  H. 
überchö',  einen  Schaden  davon  tragen  U;  H.  ge", 
Prügel  geben  Th.  Die  RA.:  Eim  de'  H.  abe"-tue', 
-mache",  i.  S.  v. :  Einen  tüchtig  ausschelten  B;  L;  Z, 
ist  t.  euphem.  für  das  syn.  de'  Hagel  a.,  t.  an  ab-, 
erhaberen  angelehnt.  Der  H.  als  (bestes)  Pferdefutter : 
Die  Boss  fresse'd  de'  H.,  wo-ne  niid  verdiene'd  Z. 
De''  H.  sticht  Eine',  er  ist  übermütig  Bs;  Sch;  Z; 
eig.  von  wohlgefütterten  Pferden;  vgl.  auch  den  Ge- 
schlechtsn.  Haberstich  Aa.  Davon  viell.  übertr. :  chlei 
[ein  wenig]  H.  ha',  angetrunken  sein  S.  Wenn  niid 
am  H,  so  doch  am  Heu  ge",  Einem  seine  erlittene 
Einbusse  so  viel  als  möglich  vergüten,  ihn  nicht  am 
Schaden  lassen  Z.  H.  in  Chneune'  [Knieen]  ha',  fest 
stehen  L.  Ber  H.  g'wunne',  das  Ziel  erreicht  GnPr. 
Daher  übertragen  auf  Menschen:  leckere  Speise  Bs; 
B;  vgl.  Studente'- Haber.  Als  Schweinefutter:  ,So 
lassent  im  den  h.  zu  synen  sawen,  er  darf  syn  wol 
und  haltent  ir  euch  des  reinen  weizens  [sprüchw. : 
haltet  fest  die  reine  Lehre]',  Wortspiel  mit  ,aber', 
durch  dessen  häufigen  Gebrauch  sich  der  Betreifende 


lächerlich  machte.  Zwingli;  vgl.  das  selbe  Wortspiel 
in  Bürgers  ,der  Kaiser  und  der  Abf.  Als  der  von 
Hühnern  gesuchte  Leckerbissen :  !''•  will  di'''  lere"  H. 
bicl;e',  ich  will  dich  Gehorsam  lehren  Ap.  Als  (vor- 
mals) gewöhnliche  und  vorherrschende  Speise  der 
Menschen:  3Ie'  kennt-enand  nüd,  wenn-me  niid  es  halb 
Viertel  H.  mit-enand  g'gesse'  häd  LSemp.;  vgl.  Salz. 
Nicht  nur  die  zahlreichen  (beiläufig  50)  appellativen 
Compp.  mit  H.  als  erstem  Teil,  sondern  auch  das  Fi- 
gurieren desselben  in  der  Bildung  von  ürts-  und  Per- 
sonenn.  spricht  für  die  Bed.  des  Hafers  in  unserem 
Volksleben.  Vgl.  die  Orts-  und  Flurnn.:  H.- Acher, 
-Ächerli  B;  Z;  -Hiis  B;  -Land  L;  -Mel-HüsU  B;  -Matt 
B;  L;  -Berg  Aa;  -Brei  L;  -Büti  B;  G;  Z;  Letzteres  be- 
merkenswert, weil  nach  der  Rodung  des  Waldes  zuerst 
H.  gesät  wurde ;  H-Schwand  Gl  ;  Z  (mit  dem  Vorigen 
syn.);  H.-Stal-Halden  Z;  H.-Darre,  Platz  bei  BUnter- 
seen;  H.-fWeng-)Wald  B;  Geschlechtsnn.  H-sat  Z, 
schon  1442:  ,Vilmar  H-sat,  burger  Z';  ,Wern.  dictus 
Fülhaber.'  1236.  ScflSt.;  ,Johans  Rogge-und- Haber.' 
1337,  Bs;  ,Claudius  H-korn.'  1619,  F  ;  ,Henz  H-mann.' 
1459,  B;  ,Nikl.  H-mann.'  1536,  S;  ,der  H-Uoli.'  1531, 
GWes.;  ,Heini  H-macher.'  1566,  AALunkh.;  ,H-stock.' 
BsStdt  1564.  ,Häberli(n)'  1531,  GStdt;  1577,  GAltst; 
,Heini  Häberling  von  Bickwil.'  1534,  ZKn.  üifn.,  jetzt 
Häberli  ZKn.;  Häberlin  Th.  —  2.  wilde  H.  a)  Roggen- 
trespe, bromus  sec.  GSa.,  T.;  Syn.  tess.  (ajvena.  — 
b)  weichhaariger  Hafer,  av.  pub.  T/LiiW..  —  c)  hoher 
Glatthafer,  arrh.  elatius,  früher  av.  elatior  genannt 
ScHwMa.  Syn.  tess.  vena  matta;  vgL  , Wildhaber'  als 
Geschlechtsn.  1504,  GPfälf.  (Absch.).  —  Jlhd.  ImOer  und 
häufiger  schwachbiegend  hahSre;  ahd.  habäro. 

Acherum -Haber:  Abgabe  in  Hafer  für  den 
Weidgang  der  Schweine  in  Eichenwäldern  Bä.  Spr.; 
s.  Ackeren  Bd  I  70.  Vgl.  Holz-H.  —  Acht-:  Hafer 
nach  bestimmtem  Pflichtigen  Masse  [s.  Acht  3  dBdl  80] 
als  Abgabe  geliefert.  ,Die  in  der  offnung  begrifienen 
zug-  und  leibtagwen,  herzogensteur,  acht-  und  hofstatt- 
haber,  holz-  und  fassnachthüener.'  ZWthur  Stadtb. 
VgL  auch  Pfiueg-Acht  Bd  I  80.  —  Vogt-:  Hafer  als 
Abgabe  an  den  Vogt.  ,Die  widam  und  der  kelhof  sind 
fry,  dass  sy  einem  vogt  uf  Regensberg  keine  vogt- 
tagwen,  v.-garben,  v.-haber,  v.-schochen  [Heuhaufen] 
noch  fassnachthüener  nit  schuldig  syn  söllent.'  1581, 
ZSteinm.  Otfn.  ,Seind  des  V-s  und  der  Hüeneren  ge- 
fryet.'  RCys.  Vgl.  ,die  von  Rickenbach  habend  iewelten 
einem  probst  ein  huon,  desglychen  einem  vogt  ein  huon 
und  den  h.  geben.'  1520,  LRickenb.  (ürk.). 

Fueter-:  Hafer  von  guter  Qualität,  wie  solcher 
in  ä.  Zeit  dem  Vogte  oder  den  Gericht  haltenden 
Herren  für  ihre  Pferde  entrichtet  wurde.  So  schon 
im  Habsb.-östr.  Urbar  c.  1310,  in  G  Urkk.,  z.  B.  vom 
J.  1342.  ,Von  hüenern  und  f.  Wo  man  für  und  Hecht 
findet,  do  soll  man  hüener  und  haber  gen.'  1489,  L. 
,Die  von  Beveler  sind  schuldig,  järlich  ab  etlich  güe- 
tern  die  meneten  [Fuhre]  oder  f.  zue  bezalen.'  1532, 
Strickl. 

Vgl.  ,Wer  dem  vogt  steur  gibt,  soll  im  habern  geben, 
der  kaufmannsguet  syg.'  1417,  ThTribolt.  Offn.,  wofür  ebd. 
1507:  .Will  dann  ein  vogt,  so  muess  einer  im  swören  zue 
Gott,  dass  der  swechest  [1.  ,wächest',  best]  haber  sy,  der  im 
iif  synem  feld  gewachsen  sy,  und  will  er  ouch,  so  muss  er 
im  den  habera  schütten  nf  einen  swarzen  mantel  und  soll 
den  wider  darab  tuen  und  als  menig  helb  [Halme]  daran 
belybt,  als  dick  [oft]  gibt  er  ze  buess  3  ß.'     Ähnlich  in  der 


Hab,  lieb,  lüb,  hob,  hub 


934 


Offn.  Th Wellhausen:  ,Vou  der  haberzins  wegen  sind  sie  ein- 
hellig, dass  er  keinen  distelkolben  davon  wannen  soll,  nach. kein 
Stroh,  das  nur  ein  kym  hab,  das  mag  er  wol  daby  lassen  und 
wenn  das  ist,  so  mag  der  herr  den  haber  schütten  «f  einen 
bärlinmantel  [Schaffell]  und  als  vil  heim  am  mantel  klebt,  als 
vil  5  ß  soll  der  arm  mann  bessern.'  Zu  Fuelcr  Tgl.:  .Dem  vogt 
soll  man  den  imbiss  und  seinem  ross  how  und  fueter  [d.  i. 
HaferJ  gcnueg  geben.'  1472,  ThSulg.  Offn.  S.  noch  Um-Gi'U 
Sp.  24.5  und  Holz-Gelt  Sp.  250,  ferner  U„der-Vogt  Bd  I  705. 
.In  folgenden  DHrferen  glebt  jeder  Einwohner,  auch  jede 
Wittib  Sem   Obervogt  jährlich  ein  Viertel  F.'    1796,  Bs  Rq. 

Fotzel-:  eine  Species  von  arena  sat.  mit;  langen 
Gi%men  [FotzelnJ  Aä.  —  Fri-cht-:  die  unter  J^rec/i( 
Bd  I  127'2  beschriebene  Abgabe.  Phil.  Swerter  ver- 
kauft 3  Malter  ,Fr.  und  3  p  jahrlichs  Gelt'  auf  der 
Hub  zu  ZWiedikoii.  KlTi',  Z  Stautsarch.  ,Ein  malter 
achtenhalb  viertel  fr.  jarlirh,  .rbzins.'  1509,  Hotz, 
Urk.  —  Gauch-:  1.  Wind-,  l-^lug-.  Taub-,  Schwanz- 
hafer, avena  fatua;  Syn.  Müs-Raher.  .Av.  sterilis, 
Gauch-Habern.'  ThZwinger  1744.  —  2.  Mäusegerste, 
hordeum  murinum.'  Mal. 

Gugger-:  Fcldsimse,  Hasenbrot,  luzula  camp.  Zg. 

Wie  das  vor.  als  Speise  des  Kuckucks  gedacht,  nährend 
der  deutsche  Name  den  Hasen  bedenkt. 

Gold-  =  Goldhaber-Gras  S.  —  Galm(s)-:  Hafer 
vom  Wald  ,Galni'  bei  Murten.  Hans  Mäder  von  Murten 
bittet  um  Nachlass  des  in  Betreff  des  ,Galmshabers' 
ausstehenden  Rechts.  154'2,  Absch.  Vgl.:  ,152  Mütt 
Holzhaber  vom  Achram  aus  dem  Galra  für  das  Jahr 
15'25.'  1526,  Absch.  —  Holz-:  Hafer  als  Abgabe  für 
die  Benutzung  des  Ackeren  (Bd  I  70)  im  Walde.  Vgl. 
Acherum-H.  ,Wäre,  dass  die  von  Aarau  ir  klein  Vieh 
in  den  Twing  und  Holz  zu  Oberentfelden  treiben  zu 
denen  Zeiten,  so  daselbs  Eicheln  in  Achrem  stünden, 
dass  sie  denn  gleicher  Weise  H.  geben  sollen  als 
andere  Leute.'  1426,  Aa  Gem.  ,Es  soll  niemand  in 
hülzer,  da  sy  nit  ehehafte  band,  sehwein  treiben  ohne 
h.'  1524,  B.  ,Schlueg  ouch  jemand  mer  schwein  in 
sein  haus,  dann  er  bedörfte  und  einigen  gesalzen  ba- 
chen  [Speckseite]  verkaufte,  der  soll  davon  auch  h. 
geben.'  ebd.  ,Wir  haben  den  unseren  von  Aarberg 
erlaubt,  hinfür  mit  irem  kleinen  guet,  so  sie  in  ir 
häuser  metzgen.  in  unseren  Lysswald  zu  fahren,  also 
dass  sie  davon  kein  h.  geben  sollen.'  1541,  B.  In 
Betr.  des  , Holzhabers'  oder  Achrams.  1541,  Absch. 
.Die  Baursame  hat  alles  tod  und  Abholz,  Weidgang 
und  mit  Erlaubniss  der  Twingherrn  Kris,  Züne  und 
Bauholz  gegen  H.'  156.3,  BWyl;  vgl.  Arch.  f.  Schwz. 
Gesch.  XllI  101  ff.  —  J  uch-:  von  einer  Waldlokalität, 
genannt  ,im  Juch',  entrichteter  .Futterhaber'.  1417, 
Tnlrib.  Offn.  —  Christ-:  viell.  Gebühr  an  den  Prie- 
ster für  das  Taufen,  nach  altem  Brauch  in  Hafer  ent- 
richtet (vgl.  Christ  u.  engl,  to  Christen,  taufen),  oder 
auf  den  Christtag  entrichtete  Abgabe.  .Der  Ackert- 
haber  soll  gegeben  werden  wie  bisher,  aber  der  Chr.. 
Banngeld.  Stuelgeld,  Seigerät  soll  abgeschafft  sein.' 
1525,  Absch.  ,So  wollen  si  [die  Bauern  in  Delsberg] 
dem  kilchherrn  noch  erzpriester  im  christenlichen  gc- 
ding  kein  chr-n  mer  geben  noch  die  dry  pfenn..  so 
bishar  ein  jede  e  hat  müessen  geben.'  1525,  Strickl. 
,Die  Chorherren  von  SMünst.  begehren  Rat  über  den 
Meier  zu  Dachsfelden  wegen  des  Christhabers,  wel- 
chen er  verweigert.'  1531,  ebd.  —  Krüz-:  Abgabe 
aller  Kirchgenossen,  die  den  Pflug  führten,  an  den 
Kirchherrn  dafür,  dass  der  Sigrist  desselben  zweimal 


im  .Tahr  mit  dem  Kreuz  von  Haus  zu  Haus  geht;  vgl. 
Krüz-GeU  Sp.  254.  ,Die  Untertanen  wollen  den  Kr. 
statt  dem  Kirchherrn  dem  Sigrist  selbst  geben.'  1468, 
LRusw.;  s.  Seg..  RG.  II,  886.  —  Land-:  Grundzins 
in  Hafer;  vgL  Land-Garb.  ,Dass  die  zue  L.  5  Seck 
und  die  zue  Z.  3  Seck  L-en  jährlich  dem  Landvogt 
lüferu  müessen.'  1653,  Bs.  —  Mus-.  ,Meushaber  oder 
gauchhaber,  ein  kraut,  murinum  hordeum,  seu  phoenix, 
lolium  murinum.'  Mal.  —  Brugg-:  fixe  Jahresabgabe 
in  Hafer,  gegen  welche  man  auf  einer  Brücke  zollfrei 
war.  ,1425  erhält  Bs  von  Ölten  für  45  Viertel  Br-n 
31  ß.'  Schönberg.  ,Der  Br.,  welchen  nach  uraltem 
Rechte  die  jenseits  der  Aare  gelegenen  B  u.  S  Dorf- 
schaften dem  W^erkmeister  zu  S  statt  des  Brücken- 
zolles zu  geben  haben,  soll  nicht  in  Geld,  sondern  in 
natura  entrichtet  werden.'  1738,  Absch.  Vgl.  Brugg- 
Fesen  Bd  I  1070.  —  Eüti-:  Abgabe  an  den  Landvogt 
zu  AaB.  für  die  Bepflanzung  eines  Neubruchs  [Eüti]. 
XV.,  G  Hdschr.  Vgl.  unter  Haber  1  die  Ortsnn.  Haher- 
Büti,  H.-Schtcand.  Die  ältesten  Neubrüche  wurden 
ohne  Zweifel  mit  Hafer  bepflanzt;  vgl.  bes.  Büti- 
Zehenten  u.  Seg.,  EG.  H  764.  —  Schwindel-:  Tau- 
mellolch, lolium  tem.  G.     Syn.  Trümmel. 

Studente"-:  ein  Gemisch  von  Weinbeeren  und 
süssen  Mandeln  im  gleichen  Packet,  bes.  früher  öfter 
etwa  von  Kindern  gekauft  BStdt.  Wenn  e"  Bueb 
bim  Zuckerbeck  ist  ge"  St.  heusche'.  Bari  1885. 

Im  vorigen  Jhdt,  wo  man  mit  13  —  14  Jahren  schon 
.Student'  wurde,  mögen  die  Studenten  an  diesem  Naschwerk 
sich  erlabt  haben. 

Stock-:  Gegenleistung  in  Hafer  für  das  Recht, 
im  Walde  die  .Stöcke'  [Strünke  der  gefällten  Bäume] 
wegnehmen  zu  dürfen.  ,Der  Missbrauch,  dass  viele 
unserer  Untertanen,  unter  dem  Vorwand  des  Rechtens 
zu  ihren  Lehen-Güteren,  und  gegen  Abstattung  des 
St-s,  Bäum  oder  Stock  niederhauen.'  B  Forstordn.  1725. 

Was  hier  von  der  Regierung,  bzw.  den  Waldbesitzern, 
als  eingeschlichener  Missbrauch  erklärt  wird,  ist  wahrsch. 
ein  uralter  Brauch  gewesen;  vgl.  Stock(er)-Recht,   Stock-Lösi. 

Für-Statt-:  Abgabe  einer  jeden  Feuerstatt  an 
den  niedern  Gerichtsherrn,  in  Hafer  entrichtet;  vgl. 
Vogt-,  Fueter-H.  und  Filrstatt-Huen.  .Der  Müller 
von  Concise  wünscht,  von  der  sog.  Avoinerie  oder  dem 
F.  befreit  zu  werden.'  1715,  Absch. 

Taub-.    .Aegilops,  T.,  Hasenbrot,  Korspot.'  Denzl. 

1677;    1716.    —    Vgl.    Gauch-,    Gugger-Haher. 

Twing-  =  Fueter-H.  B;  s.  Arch.  f.  Schwz.  G.  13, 
68  und  vgl.  Twing-Huen.  —  Weid-:  Gegenleistung 
in  Hafer  für  die  Benutzung  einer  Weide.  ,Ein  jeder 
prädicant  zu  Affholtern  gibt  järlich  von  der  pfruend 
wegen  von  der  weid  Eggerdingen  w.  1  mes,  darumb 
hat  er  rechtsame,  mit  rossen  und  veich  darzefaren  und 
den  holzhou  wie  ander.'  BSumisw.  Urb.  —  Wild-  s. 
Haber  2.  —  Wiset-:  Hafer  als  Abgabe  von  Lehens- 
gütern bei  der  visitatio  des  Grundherrn.  .Dass  der 
kilchherre  wisethaber  von  in»"  nemen  soll.'  1393, 
GBernh.  Offn.     VgL   Wisi-Gelt  Sp.  274. 

W ister-:  eine  Naturalabgabe  in  Hafer.  Die  von 
GÜberried  weigern  sich,  den  W.  zu  geben,  obwohl  sie 
denselben  auf  dem  Isenriet  entrichten  sollten,  wie  ihn 
auch  etliche  andere  im  Rheintale  geben.  1545,  Absch. 
-    Viell.  eine  der  vielfachen  Entstellungen  von    Wisel. 

Zottel-  L,  Zotzel-  Aa  =  FotzeJ-Haher. 


Hab,  heb,  hib,  hob,  hub 


Zwing-Haber.  ,So  gibt  ouch  im  ganzen  zwing 
eine  jede  hushab  eim  vogt  und  zwingherren  ein  yiertel 
zwinghaber  und  ein  zwinghuen.'  1562,  LRickenb. 

habere"  (in  AASt.  habere"):  1.  Hafer  säen,  die 
Hafersaat  durch  Pflügen  und  Säen  bestellen  Aa;  Ap; 
Bs;  B;  L;  Sch;  S;  Th;  Z.  Ell  Acher  h.,  mit  Hafer 
besäen  B;  L.  Der  Lehenmann  soll  ,ze  ustagen  den 
hof  habren  und  dann  ze  meyen  von  dem  hof  ziehen.' 
1440,  Z  Stadtb.  ,Wenn  die  zeig  brach  oder  g'häberet 
ist.'  1530,  AaMbII.  ,Im  Hornung  1531  war  es  warm, 
dass  man  um  Wthur  gehaberet  hat  und  jedermann 
die  Reben  geschnitten.'  BossB.-Goldschm.  ,Wann  die 
haberzeig  haft  ist  und  in  ess  [s.  Esch]  ligt  und  etwann 
einer  ein  stuck  acher  nit  ansäien  und  h.  könnte.' 
1596,  Z.  ,Im  Merzen  hatte  man  Alles  gehabert,  im 
Aprellen  Alles  brächet,  man  fand  reife  Kirse  und  Erd- 
beri  zu  mitten  Aprillen.'  FrHafpner  1666.  Hiezu  der 
Geschlechtsn.  Haberer.  1330,  Z;  1531,  Zg;  1544,  Bs. 
—  2.  den  Hafer  einsammeln  Ndw.  —  3.  dem  Pferd 
den  Hafer  geben  B  (Zyro);  „Gr;  L."  —  4.  stürmisch 
Etwas  tun,  recht  dreinschlageu  Ndw.  Itie'  h.  über 
Eine',  Einen  prügeln  Ndw.  ,Wo  man  [in  der  Zeitung] 
auf  einander  wird  loshabern.  Wer  Prügel  kriegt,  dem 
ist  es  leid,  doch  macht's  dem  Publikum  oft  Freud.' 
HSuLZ.,   Schulm.    —    4  zu  Baber  i.  S.  v.   Schläge. 

ab-  (in  L  auch  abe"-)  Ap;  Bs;  B;  L;  Ndw;  Soh; 
Th;  ,Z",  -habere'  Schw;  Zg:  ausschelten,  züchtigen, 
mit  Worten  oder  auch  Schlägen;  durchprügeln,  roh 
behandeln,  hart  mitnehmen.  De''  Bege"  häd-en  ab- 
g'haberet,  ganz  durchnässt  Ap.  Die  arme'  Schuldebürli 
si  abg'haberet  worde"  nach  Note".  Hofst.  1865.  Dass- 
mer  de''  Chnecht  [gegen  die  Nachbarin]  z'  Hülf  chöm, 
wenn  v''  a'fieng  brüele'  «•"'  dass- er -se  de'"  so  recht 
vom  Tüfel  abhabereti.  Gotth.  .Konnten  sie  [die  Kin- 
der] Etw.  nicht,  so  zeigte  man  es  ihnen  nicht,  sondern 
haberete  sie  ab,  und  konnten  sie  es  wieder  nicht,  so 
haberete  man  sie  nochmals  ab.'  ebd.  ,Wie  mich  diese 
Plaudertaschen  all  meine  Tage  schon  abgehabert 
haben.'  UBrägg.  Abg'haberet,  adj.,  körperlich  oder 
geistig  abgearbeitet,  auch  niedergeschlagen  L. 

1°-:  ein  Pferd  an  Haferfüttcrung  gewöhnen  und 
dadurch  lebhaft  machen  ZOb. 

er-  BöO.,  U.;  Th;  Z,  -habere'  BSi.:  1.  durch- 
prügeln B;  Th;  Z.  —  2.  quälen,  ängstigen  BSi.  — 
3.  Öp2>is  e.,  sich  aneignen  Z;  geschickt,  jedoch  mit 
Mühe  erlangen  Zu. 

üs<:  durchprügeln  Th;  Z. 

ver-:  mit  Haberen,  Hafer  säen,  fertig  werden. 
,Am  6.  Tag  Aprellens,  als  man  g'meinlich  verhabert 
hat.'  JosMal.  1593.  ,Ein  armer  Bauer  sagte  im  Früh- 
jahr: Ich  hab  schon  überall  verhaberot.  Als  man 
ihm  's  kaum  glauben  wollen,  führt  er  Etlich  in  sein 
Haus,  zeigt  ihnen  die  leeren  Kästen  und  Sack  und 
sagt,  er  hab  verhaberet  uf  der  Bühne  und  im  Spei- 
cher.' ScHiMPFR.  1652  (Wortsp.). 

Habere"  f.:  Haferfeld;  nur  noch  iu  Flurnn.  Li 
der  H.  BGadm.;  GSev.,  in  der  Habere'  BHuttw., 
Eötcnb.,  Zweisimm. 

Ähnlich  Gerstere'  Sp.  431;  mir  dass  in  //.  die  volle 
Form  Habereren  dem  Wohllaut  zu  Liebe  um  eine  Silbe  ge- 
kürzt ist;   Tgl.   Hueri;  Zauberin;  ,Beamter'   st.   ,-teter'   u.  ä. 

Haberet  m.:  die  Arbeit,  bzw.  die  Zeit  des  Hafer- 
säens  im  Frühjahr;  der  Anbau  der  Sommerzeig  ZB.,  W. 


.Jedermann  soll  dem  andern  furfal  geben,  zuo  dem 
brächet  zwürent  und  zuo  dem  habret  einest.'  1433, 
ScHRüedl. 

G'häber  n.:  Aufregung  Aa.  —  Za  hnberm  4.  Syu. 
Täbei: 

häb(e)ri":  von  Hafer;  ygl.  girstin.  ,Wer  ze 
[Albis-]  Rieden  mit  einem  ganzen  zug  buwet,  der  soll 
dem  sigristen  ze  dem  Grossenmünster  geben  ein  dink- 
lin  garb;  der  aber  mit  einem  halben  zug  buwet,  soll 
im  ein  häbrin  garb  geben.'  Hotz,  Urk.  ,130  dinkel- 
garben  und  150  h.  garben.'  XIV.,  Gfd.  6,  61.  ,Häbris 
mel.'  ri!  1400,  L  Arzneib.  .Häberin  strouw,  häbernc 
spreüwer,  palea  avenacea.'  Mal.  ,Wel[cher]  7  herbst- 
garben  oder  7  häberin  garben  buwet,  der  soll  dem 
weibel  von  den  h-en  garben  eine  geben  und  von  den 
dinklin  ouch  eine.'  1609,  ZKlot.  Offn. 

Häberle"  f.:  Pflaumen,  die  zur  Zeit  der  Hafer- 
ernte reif  sind  GnMai.  Syn.  Haber- Krieche".  —  Zur 
Form  vgl.    Wiechshn,  Eichkn,  Neiphn. 

Habi  s.  Hab-Wl. 

Uabich  f-ä-J  BO.,  Habik  ScnSt.  (Sulg.),  Happieh 
AAFri.,  Happech  Ap;  GTa.,  T.;  Th;  Z,  Hapch  B; 
GStdt;  ZB.tw.,  Hächt  (dim.  HächtU)  SNA.:  1.  Habicht, 
falco  pal.;  Syn.  Hüeneroogel;  bisweilen  mit  Inbegrifi' 
des  Sperbers  und  Falken;  in  SNA.  auch  Lerchen- 
falke, falco  subbuteo.  Wie-en  H.,  d.  h.  rasch,  gierig, 
allg.  G'schwind  wie  en  H.  Th;  üfpasse'  Z,  Auge 
mache',  biege',  uf  Öppis  zuefäre'  [losstürzen]  wie  en 
H.  Ap;  Th;  Z.  Chüm  het  si  das  g'merkt,  su  isch-si 
uf-is  zueg' schösse'  wie-n  e  Habch  BE.  (Schwzd.). 
Wenn-er  hei""  chunnd,  schreit  er  über  d'  Heid,  wie-n-en 
H.,  er  well  esse'  ZS.  De  Habik  über  d'  Hiiener  setze", 
=  den  Bock  zum  Gärtner.  Sdlger.  En  Habich  ist 
besser  als  en  Hättich,  Wortspiel  mit  ,hab  ich',  ebd. 
Potz  Habicht !  Gotth.  ,[Der  Knecht]  fuhr  unter  seine 
Rosse,  wie  der  Habek  in  ein  Taubenhaus,  dass  die  in 
die  Krippe  schössen.'  ebd.  In  ä.  Zeit  war  der  ,H.' 
der  eigentliche  Jagdvogel  des  Adels  und  der  Geist- 
lichkeit in  unserm  Lande,  während  anderswo  der 
gleiche  Vogel  Falke  hiess.  Vgl.  noch  Sperber  und 
freidig  Bd  I  1273,  sowie  Falch  und  Blaufuess.  ,Die 
meigerin  des  hofes  soll  in  [den  Abt]  empfahn  und 
soll  in  einer  band  tragen  ein  brot  und  in  der  andren 
ein  huon ;  das  huon  höret  an  den  habch.'  XHL,  UwE. 
,üem  an  der  Kirchweihe  zu  ZZoll.  administrierenden 
Stiftskaplan  musste  [von  der  Gemeinde]  ein  Pferd, 
ein  Hund  und  ein  Habicht  zur  Jagd  zugestellt  werden.' 
1346,  Z  Probsteiurk.  Kommt  der  Vogt  zu  Gericht,  so 
muss  das  Gotteshaus  BRüggisberg  ,in  und  syn  pferd 
und  syn  hebiche  und  syn  hunde'  erhalten,  c.  1350,  B. 
,Dem  hapich  [des  Vogtes]  ein  schwarz  huen  und  den 
hunden  ein  leib  brot.'  1472,  TnSulg.  Offn.  ,1502  was 
Bischof  Hug  von  Costenz  gen  Wintertur  kommen  und 
wollt  die  hepch  im  wald  usnemen,  des  ünderstuend 
sich  auch  Junkher  Th.  Wellenberg  u.  a.  Daraus  er- 
wuechs  vil  fyndschaft.'  Wthur  Neuj.  1870;  vgl.  dazu 
Gem.  Z  1,  286.  ,Wenn  ein  vogt  ze  herbst  und  ze 
maigen  gericht  hat,  soll  im  und  einem  knecht,  einem 
habk  und  einem  hund  der  under  müller  ze  essen  genug 
geben.'  1521,  TeGottl.  Offn.  ,Der  habick.'  1531,  Z 
Bib.;  , Habich.'  1667,  ebd.  ,Die  gäns  förchtend  weder 
die  hünd  noch  die  grossen  streuss,  doch  den  hapchen 
am  allerminsten.'  Vogelb.  1557.  ,Die  habichen.'  ebd. 
,Der    habich    [Jagdfalke].'    LLav.  1569;    dafür    1670: 


ft37 


Hai),  heb.  hib,  hob,  hub 


.Falken.'  .Raubvogel,  happich.  sperwer.  accipiter,' 
Fris,;  Mai..  .Ein  häbbich.'  TuWigold.  Offn.  .Uns 
sind  die  l'ederspil  und  andere  raubvögel  bass  bekannt 
[al.s  der  AdlerJ.  als  die  habieh,  sperber,  blawfüess. 
item  die  geiren,  weihen.'  LLav.  1582.  .Die  Hapich 
jagen  nur  mit  List  und  Vorteil  wie  ein  Dieb,  der 
wenig  Herz  hat'  Heütel.  1658.  .Habich.  Blawfüss.' 
LCvs.  1661.  ,Falco  buteo,  der  Habicht.  Hapk;  f.  mil- 
vus,  f.  seruginosus,  f.  palumbarius.  alle  kommen  nur 
unter  dem  unbestimmten  Namen  Hapk  oder  Stossvogel 
vor.'  G  Wochenbl.  1798.  In  Eigenn.  a)  Personenn. 
.W.  Habich.'  1357.  Bs  Urk.  .Wilh.  Habch.'  1368,  ebd. 
.ülr.  Habk.'  1379,  Constanz  (Hof  Kriess.).  —  b)  Ortsnn. 
Hahcli-  und  llabl-Egg  B;  Sapfig,  Hapfegg  L,  alt 
Habkegge.  Der  Z  Ortsn.  Hakeb  lautete  urkundlich 
1256  ,Habich-Ekke',  r273  ,Habchegge',  1371  ,Habch- 
egg',  1448  ,Hackab'.  Übrigens  wird  auch  das  B  ,Habch- 
Egg'  Habkit  gesprochen  und  eine  andere  B  Ortschaft 
heisst  Habchit.  Vielleicht  gehört  auch  der  Ap  Ortsn. 
,Hackbüel'  hieher.  sowie  der  .Habchenwald'  BSeed. 
und  der  .Habchen-rain'  LHohenr.  od.  Eschenb.  ,Hapk- 
stein'  Ortsn.  bei  NMan.  Eine  abgeleitete  Bildung, 
wie  Haberen,  Bachsleren  (alt  .Dachsneren')  ist  Hab- 
cheren  und  Habkeren,  Lieblingsaufenthalt  der  Ha- 
bichte, Ort,  wo  es  viele  Habichte  gibt,  als  Ortsn.  in 
BO.;  dann  Name  eines  Hofes  bei  LKriens:  , Walther  ze 
habkere.'  1293,  Gfd,  ferner  der  jetzt  m  der  Hapferen 
genannte  Wald  bei  LNeudorf:  .iu  dem  holze,  das  da 
heisset  habecherun.'  1300,  Esterm.,  Neud.;  ,in  der 
habcherun.'  ebd.  Vgl.  die  Ortschaft  Hukberen,  auch 
Happerchen  gesprochen  TuBisch.  Davon  wieder  ab- 
geleitet: Habkerig,  Weiler  BLotzw.  Ob  der  W  Ortsn. 
.Habtzucht'  (.der  pur.  der  hiess  Antoni  an  der  H.' 
ThPlatt.)  urspr.  einen  Ort  bedeutete,  wo  Habichte 
zur  Jagd  abgerichtet  wurden,  bleibt  dahingestellt.  — 
2.  bildl.  a)  ein  grosser,  kreisrunder  Kuchen  mit  einem 
Loch  in  der  Mitte  Ap;  G  oT.  Dini.  HapecliU.  Nach 
Steinm.  1804,  S.  198  aus  weissestem  Mehl  und  Wasser 
angemacht  und  in  Butter  gebacken.  Vgl.  auch  Wäjen 
und  Dünnen.  In  Th  angeblich  auch :  breiartige  Speise ; 
vgl,  Epfel-H.  —  b)  (Happich)  körperlicher  Nachteil, 
Gebrechen  AAZein.  Syn.  Fang,  Hipp,  Näggi.  Er  hat 
ne"  H.  rertcütscht,  uo-n-er  äb-ein  Baum  abeg'heit  ii'. 
Mhd.  hahech,  habich,  ahd.  hapuch,  engl,  haick.  Über  die 
Jagd  mit  Habichten  vgl.  Grimm,  Gesch.  d,  d.  Spr.  S.  31  ff. 
Die  Übertragung  auf  ein  Gericht  oder  Gebäck  wohl  von  der 
gesprenkelten  Färbung  her;  vgl.  Fleisch-Vogel,  Ziyer-Gana, 
Spatz,  Bluel-Hund,  Käs-Fiach  ( Stieren- Auyen),  ebf,  Namen  von 
Gerichten.  —  2b  viell.  durch  den  Mittelbegriff  .Schaden' 
erklärlich. 

^^ie\-Happech:  Apfelpudding  Th  (Pup.);  Syn, 
Epfel-Tätsch.  —  Rnng- Habick:  Honigkuchen,  in 
Butter  gebacken  und  mit  einer  warmen  Brühe  von 
Honig  und  frischer  Butter  begossen  Ap.  Nach  Steinm. 
1804,  S.  198,  —  Chas- Hap2)ech,  -Hapch,  in  ZBauma 
-Appech:  Käsekuchen,  bestehend  aus  Mehl,  heisser 
Milch  oder  Wasser,  Eiern  nebst  fein  zerschnittenem 
.rässen'  Käse,  wovon  ein  ziemlich  dicker  Teig  gemacht 
und  in  Form  eines  Kranzes  in  Butter  gebacken  wird, 
ein  in  Ap;  G  und  dem  angrenzenden  Th  sehr  beliebtes 
Gericht,  ^yn.  Käs-Totsch, -Watsch.  , So  will  ich  noch 
einen  hübschen  Käshapk  bezahlen  [sagt  Einer  im 
Wirtshaus  zu  seinen  Freunden].'  G  Wochenbl.  1798. 
's  ist-mer  gad  Niits  öber'n  Chäshabch;  nie'  mag  dezue 
e  chli  trinke.  JMerz  1828/36.     Übertr.  Chäshappechli, 


weiblicher  Übern.  GStdt.  —  Schnitt-lauch -:  wohl 
ein  Kiis-H.  mit  Schnittlauch  gewürzt.  ,J'ai  mange  ein 
Schnittlauch-Habk  (remarque  d'importance).'  scherzh. 
Brief  v.  LZellw.  17.53.  —  I^mss- Hapch:  zerstossene 
Baumnusskerne  mit  Zucker  und  Kirschwasser  gemengt, 
zum  Nachtisch  genossen  GStdt. 

Ixiha^-Hapech,  -Hak  (-Hack  It  T.) :  Tauben- 
habicht Ap.  .Falco  palumbarius,  der  Taubenhapk.' 
G  Wochenbl.  1798.  —  Die  Form  mit  üml.  erinnert  an  den 
PI.  .hepch'  in  ä.  Lit. ;  zur  Assimilation  vgl.  Ffikc  Bd  I  T'29. 

er-hapche":   wegschnappen,  erhaschen,     ,Impru- 

denti   eripere.'  Id,  ß,    —    Vgl.   aperberen. 

Happicher:  rote  Apfelart  Tu.  Syn,  Erdberi- 
Epfel.  —  Diese  Äpfel  eignen  sich  vorzüglich  zu  Apfel- 
pudding;  vgl.   Epjel-Happech   und  KüechU-Epfel. 

Häbit  n.  (in  ä.  Spr.  m.):  1,  Kleidung,  Anzug  übh. 
Seh,  icie  chunnst  im  H?  Frage  nach  der  Toilette, 
etwa  der  Frau  an  den  Mann,  wenn  er  ausgehen  will 
ZS.  ,Wie  darfest  du  dich  vor  Gott  stellen  in  einem 
H.,  der  vor  Gott  ein  Greuel  ist?'  JMüll.  1673.  ,In 
rittermässigem  H.'  Mem.  Tig.  1742.  —  2.  Ballkleid 
für  Männer  Bs.  Syn,  Tök.  Früher  (sammt  dem  Krös): 
der  Faltenrock  der  Geistlichen  und  vor  1798  auch  der 
Katsherren  und  Professoren  als  Anitstracht  Bs  (Spreng). 
—  3.  Ordenskleid  der  kath,  Geistlichen  und  Mönche. 
.Sölichen  h.  und  ordensbekleidung  abtuen.'  1529,  Absch. 
,In  einem  solchen  H,  wie  der  Gassert  [ein  Kapuziner] 
einen  tragt.'  ClSchOB.  1699.  —  Frz.  habit;  mlat.  hnbitue 
in  Bed.   3. 

Habita z  f.:  Wohngemach,  Logis.  ,[Zu  Dresden] 
in  der  schuel  in  den  habitatzen  was  es  voll  lüs.' 
ThPlatt.  1572.  —  Von  lat.  habitatw  wie  Punjaz  von  pur- 
galio,   Fiduz   von  fiducla. 

Habe",  Dim.  Häbi,  Häbeli:  Erdäpfel,  Kartoffeln 
(Kdspr.)  L;  ScHW;  S;  ZO.  —  Abgeschwächtaus  Bttperm, 
Erdbirne. 

häbie  s.  he-bie. 

he'b  I  s.  ob  Bd  I  54. 

heb  II,  heben  s.  haben  IL 

heb -heb  (nurpräd.):  allzu  haushälterisch,  geizig 
W.  Syn.  be-häb,  ge-hebig.  —  Wohl  Red.  des  Imp.  in 
verstärkendem  S. 

Heb-üf:  Aushebung,  Truppenaufgebot.  ,Man  ver- 
nehme, dass  sie  [die  Leute  von  Saanen]  einen  Auf- 
bruch (hebuf)  getan  haben,  um  den  Genfern  zuzu- 
ziehen.' 1528.  B  (Strickl.).  -  Vgl.  ü/-hehen  9  (Sp.  89") 
und  zur  imp.   Bildung  Stlg-uf,    Weck-uf  Bd   I    1'2'2. 

Heb  and  s.  Heb-Amm. 

Heber  m.:  1.  „wer  Etwas  festhält,  Halter  LE.; 
ScHW."  ,Es  möchte  dir  [dem  einen  Beinbruch  ver- 
bindenden Arzt]  etwan  auch  an  einem  H.  fehlen:  dann 
sie  wollen  oft  am  Anfang  frisch  sein,  aber  es  wird 
ihnen  oft  hernach  zu  heiss.'  Würz  1634.  —  2.  in  der 
Formel:  H.  und  Leger  sl"  über  Öppis,  das  unbe- 
schränkte Verfügungs-  oder  Eigentumsrecht  über  Etw. 
haben  Gl.  ,Da  man  sölich  gestift  an  die  klöster  'zogen 
hat,  da  ist  der  papst  on  zweifei  h.  und  leger  gwesen.' 
Vad.  S.  .heben  und  legen'  unter  , haben'  C.  —  3.  ein 
Werkzeug  zum  Festhalten,  „retinaculum";  oder  zum 
.Ausheben.  .Heber,  hebeisen,  allerlei  Instrument,  dar- 
mit  man  etwas  hebt,  retinaculum,  vectis.'  Mal.  .Man 
soll  die  Zwiebel  mit  einem  subtilen  H.  aus  der  Erden 
nemnien.'   JCSülz.  1772.    —    Sack-Uf-:    diejenigen, 


Hab,  heb,  hib,  hob,  hub 


welche  auf  dem  Kornmarkt  beim  Kornmessen  die 
Säcke  halten  [vf-heben,  emporhalten]  müssen.  Ihnen 
hat  der  Kornmesser  von  jedem  Malter  einen  Anteil 
an  der  Messgebühr  abzugeben  GStdt  (Mand.  1842). 
—  Foll{e'')-Heber:  hölzernes  Gestell  auf  Füssen, 
in  welchem  man  die  Folie  über  das  Milchgefäss  stellt, 
wenn  man  die  Milch  darein  seihen  will  „ßO.;  LE.;" 
Uw.  Einem  Kalb,  das  Heimweh  hat,  soll  man  vom 
Follhäber  abschaben  und  ihm  zu  lecken  geben  BBe. 
,Die  Folien  oder  Milchsienen,  ruhende  auf  dem  Folien- 
heber.' JJScHECCHz.  1706.  .Vollhäber  et  Vollschaub 
Wando  [an  der  W.]  Lecktascheque  pendet.'  XVIII., 
Uw  (Älplerged.). 

Schlitz-Ver-Heber:  Geizhals  Gl.  —  Schütz  = 
Öffnung  der   Tasche. 

Hüs-Heber  s.  Hüs-haber. 

Karren-:  Halter,  Stützer  eines  Karrens,  Wagens. 
,Ein  fuoder  höw.  Und  soll  man  dem  karrer  und  dem 
k.  jedem   ein   hofbrot   geben.'    149b,  ZRickenb.  Oft'n. 

Gr.  WB.  V  228  erklärt  es  als  Auflader.  Allein  diese 
Bed.  liegt  in  -Heber  nicht.  Man  denke  vielmehr  an  den  noch 
herrschenden  Gebrauch,  dass  mit  einem  hochgeladenen  Fuder 
Hen  ausser  dem  Fuhrmann  immer  noch  ein  zweiter  Mann  mit 
einer  Heugabel  nebenher  geht,  welcher  ausser  dem  Sj^nnen 
die  Aufgabe  hat,  zumal  bei  schwierigen  Wegstellen,  das 
schwankende  Fuder  zu  stützen  und  zu  halten  [anheben].  Vgl. 
das  Folg. 

Baum-:  derjenige,  welcher  den  Sarg  [Toten-Baum] 
hinten  hält,  wenn  derselbe  auf  einem  Karren  gefahren 
wird  Ap. 

Pflueg-  Sch;  Z,  -Haber  GRÜbS.:  Pflughalter. 
.Bläsi  Schäpperli,  pfluegheber  im  Kloster.'  1535,  Sch 
Batsprot. 

Zum  Pßueghtben  oder  -han  im  Gegs.  zum  Mannen  ist  nur 
ein  erfahrner  Ackermann  befähigt,  daher  sich  diese  Special- 
bezeichnung gebildet  hat. 

G'-rad-Heber:  diejenigen,  welche  beim  Zauren 
[Jodeln]  nur  den  Grundton  oder  den  Akkord  singen, 
also  der  Melodie  die  harmonische  Basis  geben  Ap 
(Alpenp.  1871).     Von  gerad  heben  Sp.  888  e  6. 

Sorg-:  der  Vorsichtige,  Behutsame.  Bes.  in  dem 
Sprichw.:  Der  S.  ist  aW"  dw''  d'  Stegen  ah  g' falle' 
(g'heit,  'tröletjd;  Th;  Z.  —  yonSorr,!,eben;s.habenSp.8-6. 

Spuele"-:  Spulenhalter,  eine  Vorrichtung  beim 
Garnspulen  Gr;  Syn.  Garn-Nari. 

Spüse"-Ver-heberi'':  Brautjungfer,  welche  zwi- 
schen Aufgebot  und  Hochzeit  beständig  bei  der  Braut 
sein  muss  GRSch.  —  Sj.üse,  sponsa;  Verheberin  von  ver- 
heben i.  S.  V.  hüten,  bewachen. 

Hand-Hebete":  Handhabe  ScnStdt. 

Kind-:  Kindstaufe.  .Hochzeiten,  K.  und  andere 
Ehrenanlässe.'  Z  Mand.  1703/32.  S.  Hinder-für  u.  vgl. 
Götti.  ,1620  und  1621  ward  beschlossen,  die  Köst- 
lichkeiten und  Pracht  bei  den  K.  aufzuheben.'  1722, 
Mise.  Tig.  ,In  K.  und  Gutjahrschenkungen  soll  von 
Gotten  und  Götti  höchstens  ein  Zürichtaler  einge- 
bunden werden.'   Z  Mand.  1744/93.   -   S.  .haben'  II  C. 

hebhaft:  fest,  dauerhaft  BE. 

Hebi  I  (UwE.  EciM):  1.  f.  Halt,  Festigkeit,  eig. 
n.  bildl.  Aa;  B;  L;  Uv.;  Z;  Syn.  Hab  IUI.  I'"  ha 
kei  H.,  ich  kann  nirgends  anfassen,  z.  B.  um  eine 
Mauer  zu  erklettern.  Es  [z.  B.  das  Angekittete]  hat 
(kei  H.,  haftet  nicht.  E  dünns  MürK,  ditnns  Zug 
häd  kei  H.,  keine  Haltbarkeit.     H.  j"  de*  Beine  ha", 


fest  stehen.  De  Biswind  seit:  Ich  bin  iez  da;  wie 
muess  nüd  Einer  R.  [Widerstandskraft]  ha".  JKMev. 
1844.  Er  hat  kei  H.  nie'',  er  ist  alt,  gebrechlich; 
auch  von  schwachem  Gedächtniss.  's  Geld  häd  kei 
H.  g'ha',  es  hat  alles  müesse  fürt.  E  de  Weg  [nach 
solchen  ökonomischen  Verlusten]  werded-mer  nümme 
z'  lang  H.  ha.  Stütz.  Er  häd  ke  H.,  wenig  oder  kein 
Besitztum,  Vermögen  L.  Kei  H.  ha',  auch  moralisch, 
von  Pers.:  nicht  zuverlässig  sein  B.  .Eine  Habe 
[festen  Rückhalt  durch  Anschluss  an  Andere]  und  eine 
Gebündniss  gemacht.'  1341,  F  Batsurk.  ,Er  hat  keine 
Hebe,  nulla  ipsi  ratio,  qua  militet.'  Met.  Hort.  1692. 
,Er  hat  ein  schlechte  Hebe,  in  parietem  caducum  in- 
clinat.'  ebd.  —  '2.  f.  B;  Uw;  n.  Ap;  Gr;  G;  Sch;  ZO.. 
Handhabe,  Henkel,  Gritf;  Syn.  Hand- Hebi.  Auch 
bildl.:  Anhaltspunkt.  Anlass.  .Fasse  die  Sache  einmal 
an  einem  andern  H.'  Sch  Pilg.  1884.  .Alle  Stund  finden 
sie  [die  Gesandten]  neue  remoras,  das  Friedenswerk 
zu  retardieren.  Sie  haben  widerumb  aufbunden.  ein 
neuwe  H.  [Vorwand]  gefunden.'  1656.  Absch.  —  3.  f., 
die  Steile,  nach  welcher  man  z.  B.  mit  der  Armbrust 
zielen  [heben]  muss.  um  zu  treffen.  Zielpunkt.  Er 
hat  d'  H.  verlöre'  ScuSt.  (Sulger). 

Mit  Hebi  II  materiell  identisch;  beide  vom  Vb.  heben 
(haben),  nur  in  verschiedener  Bed.  Vgl.  .Hebe'  bei  Gr.  WB. 
IV   2.  718. 

Uf-:  das  Gestell,  die  Hauptbalken  eines  Baues. 
Hauses.  .Ein  u.,  die  ein  probst  eim  gottshusmann 
soll  gen,  das  sint  die  4  süle  und  die  4  ramen,  die  das 
hus  haut  und  bcschliessent.'  1344,  AAWittnau  Offn. 
,.Alle  die  da  sitzend  uf  des  gottshus  von  S.  Alban  güe- 
tern,  so  die  husen  [sich  wohnlich  niederlassen]  wellent, 
so  soll  einer  howen  in  den  selben  hölzern  ein  u.'  1364, 
ÜPFN.  (LABurckh.  1860).  —   Vgl.  mhd.  ü/hap,  Stütze. 

Ant-:  1.  =  „Ant-Haupt,  Kopfende  eines  Ackers 
beim  Pflügen  Aa."  —  2.  Handhabe,  Griff.  Henkel 
AAFri.;  B;  ZRafz.  —  2  aus  Hant-hebi  mit  abgeworfenem 
U,   oder  mit  ant-  =  ent-,   s.   cnt-Imbai. 

Hand  (in  AaZ.;  Bs  Hant)-  f.  B;  L;  S;  Th;  Z 
n.  BSi.  (-HäbiJ;  GLÜbst.;  ZO..  -Hiebi,  anch -Hiebe" 
f.  Bs:  Handhabe,  Griff.  E  Zeine'  sötted-mer  ha'; 
a'-der  alte'  hat  es  H.  g'lä'  Z  (Schwzd.).  E  H.  an-en 
Melsack,  1)  etwas  Unpassendes,  Überflüssiges  Bs. 
2)  ausweichende  Abfertigung  auf  die  neugierige  Frage: 
Was  git  das?  oder:  Was  machst  du  da?  Bs;  L;  S;  Z. 
Auch  bildl. :  Anhaltspunkt.  Ruckhalt.  H.  ha-  an  Eim, 
sich  an  Einen  [z.  ß.  als  Bürgen]  halten  können ;  H. 
ha"  uf  Eine',  [im  Eechtswesen]  Regress  auf  Einen 
haben  Z.  .Uf  dise  handhaben  [das  mit  den  Eidge- 
nossen kurz  zuvor  abgeschlossene  Bündniss  gegen 
ßurgund]  machet  er  [der  König  von  Frankreich]  dry- 
mönigen  bestand  mit  dem  Burgunner.'  Ansh.  .Es  sind 
gleich  [bald]  vil  Satzungen  gemacht,  aber  der  Meister, 
so  d'  Handhaben  dran  drejen  kann,  ist  gestorben.' 
SCHIMPFR.  165'2.  —  Vgl.  auch  Hand-IIah.  Zum  Voc.  in 
H. -Hiebi  vgl.   das  einigermassen  syn.  Hiene  u.  lebe  Bd  I  48. 

Chrueg-  n.:  Henkel  GfiTschapp. 

hebig.  in  Ap  tw.;  Bs;  B;  GF.;  W  -rf-:  1.  haltbar, 
solid  „L;"  Sch;  Z  tw.  .Tuch  mit  einer  h-en  Farbe.' 
ScHEiTLiN.  PTobl.  Zähe:  .Die  haut  [des  Storchs, 
beim  Sieden]  ist  h-er  als  das  fleisch.'  Vogelb.  1557. 
—  2.  zähe  festhaltend,  nicht  loslassend;  halsstarrig 
Bs;  Gl;  L;  G;  Z.  Er  ist  e  Hebige,  gibt  nicht  nach 
beim  Wortstreit,   Verkauf,   bei  einer  Forderung  usw. 


941 


Hab,  heb,  hib,  hob,  hub 


942 


Gl;  G.  ,Pertinax,  fast  h.  und  dem  man  nichts  aus 
den  bänden  nemnien  oder  reisscn  mag.'  Fris.  ;  Mal. 
Vom  Gedächtniss:  ,Er  [der  Bischof]  soll  fast  h.  syn 
der  evangelischeu  1er.'  LJüd.  ,Memor  auris,  ein  h. 
oder  unvergesslich  or.'  Fris.  Mit  Bez.  auf  Besitz : 
sparsam,  fast  karg,  geizig  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L;  G;  Tb; 
W;  Zg;  Z.  Ist-si  au"'  häbig  g' si' und  hat  kei"  Müm- 
pfeli  lo  z'  Schande'  gö',  s^-n-ist  si  doch  nit  gizig  g'si". 
Breitenst.  En  Chaufvie',  e  Bitzeli  h.  und  hässig.  ebd. 
Hebigi  Rieht.  MUsteri.  ,Der  Mann  war  mildherzig 
und  gebig,  wie  der  Samariter,  sein  Weib,  das  war 
aber  geizig  und  häbig,  wie  ein  heuchelnder  Pharisäer.- 
Jecklin  1870.  ,Tenacitas,  zehi,  hebigi.'  Ebikger  1438. 
,Avarus,  deparcus,  fast  kündig,  geitig,  hebig,  karg 
(genaw).  Avidior,  häbiger  oder  geitiger.'  Fris.;  Mal.; 
Ked.  1662;  Denzl.  1716.  ,So  man  hebig  gegen  arbeit- 
samen lüten  ist.'  LLav.  1584.  ,Die  unbarmherzigsten 
undh-isten  gegen  den  dürftigen.'  SHochh.  1591;  dafür 
1693:  ,geizigsten.'  , Wie  kaum  mag  doch  der  h.g'nesen!' 
JJBreit.  1618.  —  3.  gut  zu  handhaben,  bequem  zu 
halten  (hebe'J,  z.  B.  ein  Werkzeug  U.  —  4.  z'  h-en 
Spiiingen  rennen,  in  mächtigen  Sprüngen  S  (Postheiri 
1873).  —  S.  das  Vb.  haben.  11  B  5.  —  i  wohl  irrige  Aa- 
lehnuDf  aus  eben,  Tgl.  ebenlich  Bd  I  45  und  ebent  ebd.  u. 
a(n)-:  1.  anhaltend  (z.B.  Regen)  Ap;  Gr;  Z.  Nach- 
haltig (von  Speisen)  Gr.  —  2.  mit  Bitten   anliegend, 

lästig  bittend  Gr.    —    Vgl.  an-heben. 

ur-:  aufrührerisch.  ,D'  Rebellen  und  wer  u.  war.' 
Lied  1653.   -  Von   Ur-hab. 

ver-:  1.  „verschwiegen."  —  2.  ,aufschiebend,  zopfig. 
Dazu  Verhebigi  f.,  das  Aulsehieben,  der  Zopf,  die 
Altertümelei'  GrD.  (B.). 

g"-  Z,   -«€-  S;  U:    1.  nicht   nachgebend,    zähe    Z. 

—  2.  nicht  freigebig,  sparsam,  karg  S;  U;  Z.  Der 
Joggi  ro"  Grenchen,  e  g'häbigi,  aber  im  Ganze'  doch 
e  rechtschaffeni  Sei  S  (Schild).  —  3.  wohlhabend  S. 
So-n-es  g'ringers,  nit  gar  g-s  Mannli.  Schild  1866. 

hinder-,  -häbig:  1.  zurückhaltend,  zögernd  G; 
Ö;  Uw;  „verschwiegen,  versteckt."  3Ie'  miless-es  so 
Meitkne'  nit  verüble',  wenn  si  scho"  nu'''  chli'  h.  slge' ; 
si  möchte'  halt  au'''  gern  tciisse',  wie  sich  so  ne  Chnab 
deheimen  Vstellt  gege'  Vater  und  Muetter.  BWyss  1863. 

—  2.  an  sich  haltend  im  Bezahlen  (der  Schulden),  im 
Geben:  karg  Ap;  G;  üw;  U.  —  „  Hinder-häbigkeit 
f.:  Zurückhaltung,  Verschwiegenheit;  Kargheit  L."  — 

Vgl.   hinder-heben. 

not-:  =  notfest  Z. 

b«-,  -rf-  Aa;  L;  ScHW;  W;  Z,  b'hebtig  Ap:  1.  mit 
einem  guten  Gedächtniss  ausgestattet  Ap;  Z.  Si  ist 
e  b-s  Chröttli,  sie  vergisst  Beleidigungen  nicht  leicht 
Ap.  —  2.  verschwiegen  W.  —  3.  nicht  gerne  gebend, 
karg  Aa;  LG.;  Z.  —  4.  ausdauernd  ZDielsd.,  0.  — 
5.  klagend    (über  ökonomische  Not,  Krankheit)  Z. 

Vgl.  ge-,  be-hab  und  ge-hebüj.  Zu  4  Tgl.  Hcbi  I,  zu  5 
»ick   b'heben,   sich  beschweren. 

u"-b'heb(t)ig:  vergesslich  Ap. 

z'sämme°-hebig,  -««-:  (allzu)  sparsam  Bü.;  Gu. 
Becht  gäbigi  Liit  u"'  nüt  wenigersch  tvann  z-i.  DGemp. 
1884.  —   Z'sämme-hebigi    f.:    Sparsamkeit   GfiPr. 

Syn.   Späregi.    —    Von  zemmmen-haben,   zshalten. 

wider-hebig:  fest  haltend,  zähe.  .[Ein  Bischof 
sei]  sein  selbs  gewaltig  [iYxpaTi^s],  widerhebig  und 
zäch  zu  leren.'  1531,  Tit.  —  Das  W.  will  das  gr.  dvT- 
ey!i\i,zyoi  genau   wiedergeben.     Von  widerhaben,  festhalten. 


Hebi°g  f.:  1.  Ergreifbarkeit.  Ekei*  H.  ha;  von 
einem  Gefässe  udgl.,  das  man  nicht  anfassen  kann 
Ndw.  —  2.  Halt,  Festigkeit.  ,Das  Hus  seig  um  ein 
Grosses  gesunken  und  kein  Hebung  nienen  mehr  und 
Alles  lodele  und  ginne.'  1648,  Hotz,  Urk.   Syn.  Hebi  I. 

Uf-:  Aufhebung,  Elevation  der  Hostie  bei  der 
Messe  Ndw. 

heb-lich,-lig:  haftend,  haltbar  B.  .Unsere  Trost- 
gründe waren  so  wenig  h.'  Gotth.  —  ab-:  Abhülfe 
schaffend.  Zürich  werde  sich  nach  ,a-en'  Mitteln  um- 
sehen. 1654,  Absch. 

üf-:  zum  Vorwurf,  Tadel  gereichend,  schimpflich 
Gr.  ,Dis  soll  unsern  kilchherren  an  iren  eren  und 
guoten  lümbden  nit  nachteilig  noch  u.  syn.'  1530, 
Absch.  ,Bi  den  Römern  was  es  fast  u.  und  schniäch- 
lich,  nit  schreiben  zue  können.'  Vad.  ,Das  wäre  einer 
statt  Zürich  unerlich  und  ganz  u.  oder  verwyslich.' 
HBoLL.  1572.  ,U.  und  schantlich.'  ebd.  ,Criminosa 
oratio,  ein  schmächliche,  unbilliche  und  aufh-e  red.' 
Fris.  ,Die  Urtel  sollt  im  in  allweg  unufh.  und  un- 
schädlich syn.'  1607,  Ardüser.  ,Es  wäre  nit  bider- 
inännisch,  sondern  aufh.,  wann  wir  eins  und  anders 
auf  uns  erligen  Hessen.'  FWyss  1650.  ,Es  ist  dir  aufh., 
cum  probro  et  dedecore  tue  conjunctum  est;  gravem 
tibi  infamiam  hac  re  contraxisti.'  Hospin.  1683.  —  Von 

u/-heben. 

an-:  den  Anfang  bezeichnend.  ,Der  tauf  ist  von 
etlichen  genennt  worden  ein  a.  zeichen  (signum  ini- 
tiale) des  Volks  Gottes,  mit  welchem  die  auserwälten 
Gottes  aufgenommen  und  anfänklich  in  die  kirch  em- 
pfangen worden.'  Helv.  Conp.  1566/1644.  —  S.  Än-)iab 
und  an-heben. 

er-:  erhältlich,  erreichbar,  ,0b  ouch  üch  byligende 
ändrung  [Reformationsvorschlag]  noch  zu  rüch  und  by 
den  üwern  nit  e.  syn  bedüechte.'  1530,  Absch. 

hus-  s.  hüs-hablich. 

b^-hebli'^'':  ein gutesGedächtniss habend  ZBauina. 
-    Vgl.   be-hab   S. 

Hebli''g  m.:  Balken  BRohrb.  —  \'oa  heben,  halten; 
eig.   , Halter',  d.  i.   Tragbalken;    vgl.   Sjxrrli'rj,  Sperrbalken. 

a  n  -  h  e  b  1  i  °  g  e  n :  sich  an  Etw.  haltend  od.  stützend, 
z.  B.  a.  gehen,  schiessen  Schw. 

un-  ZKn.,  -g"-  L  (neben  ung'häbe');  ZS.:  ohne 
sich  (mit  den  Händen)  zu  halten.  Er  chaim  nümme 
u.  stä',  gä",  vor  Schwäche,  Trunkenheit.  ,Ich  ver- 
mocht [nach  der  Krankheit]  nit  allein  oder  unheb- 
ligen  zu  gon.'  JosMal.  1593.  —  Adv.  Bildung  wie:  g'aiu- 
iigen,   g'gtündligen,  g'liggligen,  nhd.    , rittlings'. 

Hebee  f.:  Johanna  Josepha  SchwE. 
Vgl.   Anm.    zu  Uabe;    die   Abschwächung    des   u   in    der 
ersten  Silbe  wohl  durch  Angleichung  an  die  zwei  folgenden  e. 

Hebel  m.:  1.  Sauerteig,  a)  zunächst  das  kleine 
Quantum  Teig,  das  man  von  einer  Bacheten  auf  die 
andere  aufbewahrt  oder  in  neuerer  Zeit  auch  beim 
Dorfbäcker  holt,  dem  man  c.  1  Tag  vorher  das  Hebel- 
Becki  oder  -Seckli  dafür  abgibt.  Mit  diesem  H.  wird 
dann  am  Abend  vorerst  ein  kleinerer  Teil  des  Mehles 
am  Ende  (bisw.  auch  in  der  Mitte)  der  Mulde  (der 
Hebistatt,  Hebiloch)  oder  in  einem  besondern  Zuber 
unter  Zugiessen  von  warmem  Wasser  gemengt  und 
durch  energisches,  klatschendes  Rühren  (heblen)  ein 
breiartiger  Teig  (die  Hebi)  bereitet,  welcher  die  Nacht 


Hab,  heb,  liib,  hob,  hub 


944 


über  stehen  bleibt,  damit  am  Morgen,  nachdem  der 
so  zubereitete  Teig  gegoren  hat  (d'  Hebi  g'gangen  ist), 
das  Kneten  beginnen  kann.  Nach  beendigtem  Hehlen 
wird  etwa  ein  Kreuz  in  den  Teig  geritzt,  auch  ist  es 
verpönt,  die  Hebi  oder  die  Heblete'  zu  erschrecke', 
d.  h.  während  der  Gärung  des  Teiges  irgendwie  an 
den  Backtrog  bzw.  den  Zuber  zu  stossen,  vgl.  Angriff 
und  Häb  IL  De"-  H  gät  iif,  der  kleine  Klumpen 
Sauerteig  (im  Becken)  wird  durch  die  Gärung  in  die 
Höhe  getrieben,  allg.  .Der  hebel  der  Pharlseern  und 
Saduceern.'  1531/60,  Matth.  =  , Sauerteig.'  Ib91,  ebd. 
,Damit  dise  Universität  allen  argwons  des  päbstlichen 
hebeis  erlediget  werde,  so  haben  wir  erkannt  [usw.].' 
1539,  Bs  (Ochs).  ,Jacere  in  fermento,  aufgon  wie 
ein  h.  Aufgon  wie  ein  h.  von  zorn,  intumescere.  Auf- 
gon wie  ein  h.,  wie  ein  gehebleter  teig,  d.  i.  aufge- 
blasen und  zornig  sein.'  Fris.  ;  Mal.  ,Es  soll  niemants 
kein  Brot,  Mel,  Holz,  H.,  Salz  noch  Anders  geben  aus 
der  Pfistery.'  XVIL,  AAMuri  (Gesindeordn.).  ,Sich 
nicht  hüten  vor  dem  H.  des  Brots,  sonder  vor  dem 
Sauerteig  der  Phariseer.'  JJ  Breit.  1614.  ,In  iram 
pronus  est,  er  geht  auf  wie  ein  H.'  Mey.,  Hort.  1692. 
,Was  ist  ßösers  und  Giftigers  als  der  Zundel  und  H. 
der  Sünde?'  JMey.  1694.  , Durch  den  H.  in's  Jäsen 
[Gären]  kommen.'  JCNäg.  1738.  —  b)  Teigbrei  aus 
Mehl  und  Essig,  oft  mit  Zusatz  von  Senf  (Senfhebel), 
bei  Fiebern  aufgelegt  Z.  , Saurer  h.  mit  lindem  harz 
auf  die  wunden  gelegt.'  1563,  Fischb.  ,Das  gel  von 
eim  ei,  triax.  h.,  imper  mit  nidel,  dass  's  ein  müesli 
geb,  leg  's  über,  es  weichet  und  nimmt  den  eiter.'  Zg 
Arzneib.  1588.  Ähnl.  bei  JHLäv.  1668.  —  c)  =  Hebi  II 
ApI.,  M.,  K.;  LG.  ,Wie  der  surteig  den  ganzen  h. 
durchgat,  denselben  uftrybet  und  darzue  versüret.' 
EGüALTH.  1586.  —  2.  ubertr.  a)  Bas  giH  nücl  [nicht 
einmal]  de'  H;  vgl.  Füeteri  3  (Bd  I  1139),  wohl  aus- 
gegangen von  EAA.  wie:  Das  git  (scho"  wider)  de'  H. 
C=  zum^ne'  Öpfehvegge'),  Mahnung  des  Bauers  an 
seine  Arbeiter  bei  der  Ernte,  die  am  Boden  liegenden 
Ähren  zu  Kate  zu  halten  Z.  In  L  heisst  das  bereits 
gedroschene  und  in  der  Tenne  ausgebreitete  Getreide, 
„das  aus  dem  gerüttelten  Stroh  ausgeschaubte  oder 
abgerechte  Korn",  wenn  es  zum  Schlüsse  noch  ein  Mal 
gedroschen  wird,  geradezu  der  H.,  gleichs.  weil  es 
nur  noch  genug  Körner  zum  H.  abwirft.  Sj  bald-mer 
zweu  Drasch  händ,  sg  rechid-mer  ab  nnd  cherid  's  und 
rechid  aw*  's  Güsel  no'''  drab  und  dröselnd  de'  H. 
noch  einist  durab.  Häfl.  1813.  —  b)  Rest,  welcher 
nach  dem  Volksglauben  Segen  bringen,  bzw.  denselben 
fortpflanzen  soll.  So  das  Häuflein  Getreide  oder  Heu 
oder  auch  beim  Mähen  ein  kleiner  Rest  Gras,  welcher 
auf  dem  Felde,  der  Wiese  zurückgelassen  wird  ZS. 
(auch  dim.  H-i).  In  ZRafz  bei  der  Strohhutfabrikation 
sogar  der  Rest  von  Halmen,  welche  man  am  vergan- 
genen Abend  nicht  mehr  geflochten  hat  (Hehili).  En 
H.  im  Stal  ha",  einen  Nebengewinn  (ausser  dem 
Haupt-  oder  Milchnutzen)  haben,  wie  etwa  durch 
Haltung  eines  Zuchtstiers  Z.  Na"''  es  Hebeli  ha',  noch 
Etwas  in  Reserve  haben,  z.  B.  ein  Sparkassenheft  für 
den  Fall  der  Not  ZZoll.  —  c)  ein  sauertöpfischer 
Mensch  Aa;  Syn.  Sür-H.  -  3.  euphem.  für  Hagel. 
Bim  H!  Stütz. 

A'on  haben  II  C,  wie  frz.  hmin  von  fefer  und  nd.  Barm 
von  hä-en;  vgl.  bes.  ,das  Brot'  S.  23  und  s.  noch  Uefd. 
—  Zu  2  b.  Das  H-i  in  der  Sparkasse  schwerlicb  Dim.  zu 
Hehi,  Halt 


Gerste-Hebel:  Sauerteig  aus  Gerstenmehl,  bes. 
in  der  iron.  R.\.:  iifgö-'"  [emporschiessen]  wie  en  G., 
im  Wach.stum  zurückbleiben,  weil  der  G.  gerade  nicht 
aufschwellt  Z.  —  Mage°-:  Magensäure.  ,Es  kann 
sein,  dass  dergleichen  Gemsballen  die  beste  Kraft  des 
M-s  und  Schleims  an  sich  zeuhen  und  dadurch  die 
Däuung  merklich  verhindert  wird.'  JJScheüchz.  1706. 
—  Sür-:  1.  Sauerteig;  aber  bes.  übertr.  i.  S.  v. 
Hebel  3  c  AaB.,  F.  Er  macht  es  G'sicht  wie-n-e  S. 
Si  ist  en  rechte'-  S.;  Syn.  S.-Bebel;  Holz-Epfel.  Vgl. 
Erbselen  und  Essech-Gutteren.  ,Tetricus,  saursehend, 
unfreundlich,  ein  Saurh.'  Denzl.  1677;  1716.  Fin- 
gierter, spöttischer  Geschlechtsn.:  ,Hans  S.'  1443, 
Fründ;  ebd.:  ,N.  Sürgesicht.'  —  2.  Magensäure.  ,Ge- 
stalten  die  unsern  Helvetischen  Landen  je  mehr  und 
mehr  einreissende  Kaffee-debauches  die  Zäseren  des 
Magens  schwächen,  dessen  S.  verderben,  vil  Gallen 
und  Bläste  pflanzen.'  JJScheüchz.  1708.  —  3.  Sauer- 
ampfer, rumex  acet.  Aa. 

h ebene":  1.  die  Hefe  (Hebel  1  a)  in  warmem 
Wasser  auflösen  und  einrühren,  den  Sauerteig  be- 
reiten GRSpl.;  Ndw;  Syn.  heblen.  —  2.  den  Spielball 
empor  werfen;  „einander  Bälle  in  die  Hände  werfen 
und  dieselben  mit  der  Hand   wieder  auffangen"    Uw. 

Von  Hebi,  wie  heblen  von  Hebel.  Für  2,  das  wir  hier 
als  bildl.  Anwendung  von  1  untergebracht  haben,  gibt  St. 
noch  die  Nbif.  hebelen,  heb(e)ren,  welche  eher  für  Trennung 
sprecbcn. 

Hebi  II  f.:  1.  die  mit  dem  Sauerteig  (Hebel)  durch- 
wirkte kleinere  Mehlmasse,  Mehlbrei,  den  man  im 
Backtrog  gären  lässt  Aa;  Bs;  B;  F;  Gl;  Gr;  Schw; 
S;  üw;  Syn.  Hab  II,  Hebleten,  Hebel  1  c,  Trib.  In 
ä.  Lit.  meist  =  Hebel  1  a.  ,Der  Doktor  sagte,  d'  H. 
sollte  Niemand  eher  wirken  als  Mädi,  es  sei  ja  selbst 
eine  lebendige  H.'  Gotth.  ,Ich  hatte  schon  die  H. 
gemacht;  wir  wollten  backen.  Aber  erst  nach  4  Tagen 
[kam  ich  dazu];  und  es  hat  auch  noch  Brot  gegeben. 
Frilich  ist's  Öppis  gnüger  gange.'  ebd.  , Solch  miss- 
vergnügte Weibsgesichter  sind  die  H.  (oder  wie  Andere 
sagen  der  Hebel),  die  Alles  versäuert,  das  Haus  und 
das  Herz.'  ebd.  Ammei,  bring  das  icarm  Wasser  i' 
d'  Backstuben  abe«,  mir  wei  [wollen]  go  d'  H.  mache'. 
Schild  1885.  , Sollen  die  Becken  sich  eines  bescheiden- 
lichen  Lohns  für  die  Hebe  und  Backerlohn  vernügen.' 
B  Müllerordn.  1689.  ,Wie  schädlich  das  Brot,  so  die 
Hebe  nicht  wol  aufgegangen.'  JMuralt  1697.  , Auf- 
gehen wie  ein  Hebel,  intumescere.'  Denzl.  1699,  = 
,ein  Hebe.'  1716.  ,Es  wird  geheblet  und  wenn  die  H. 
gegangen  ist,  so'  usw.  1820,  ZZoll.  Kochb.  —  2.  (Hebe) 
=  Hab  II  i.  S.  V.:  künstlicher  Sauerteig  ApH.,  M. 
Bier-:  Bierhefe  Bs;  B.  ,Ein  Löifel  in  Milch  zer- 
rührte Bierhebe.'  1820,  ZZoll.  Kochb. 

heble°:  1.  a)  den  Sauerteig  zubereiten;  mit 
Sauerteig  anrühren,  als  erster  Akt  des  Backens,  allg. ; 
Syn.  hebenen.  S.  Hebel  1  a.  Ein  wenig  Teig  auf  die 
Seite  stellen  als  Ansatz  des  Sauerteiges  BSi.  — 
b)  bildl.  G'heblet  ha',  von  Mädchen,  in  andern  Um- 
ständen sein  Ap.  —  2.  mit  Sauerteig  versehen,  säuern. 
Das  Brot  ist  nüd  recht  g'heblet,  es  häd  Chäs,  ist  zu 
wenig  durchsäuert,  ist  speckig  Z.  ,Die  pfister  sollend 
nit  zweien  oder  dryen  zuesamraen  in  ein  muelten 
schütten,  sunder  sy  sollend  einem  yetlichen  das  syn 
besunder  knetten  und  h.'  c.  1480,  Aaracer  Bäckerordn. 
,Wir  süllent  niessen  wirdenklich  das  ungeheblot  brot 


015 


Hab.  heb.  Iiili.  hol). 


[die  Hostie].'  XV.,  U  Gebetb.  ,0b  das  [Abendmahl-]brot 
jiceheblet  oder  ungeheblet  syn  müesse.'  Zwingli.  ,Das 
fest  der  ungehebleten  broten.'  1531/48,  Esra.  ,Auf- 
gon  wie  ein  gehebleter  teig,  fermentescere.  Fcrmen- 
tare,  h.,  mit  dem  hebe!  auftreiben.'  Fris.  ;  Mal.  ,Ge- 
sürte  oder  geheblete  spys.'  Rüüalth.  1586.  ,Das  Manna 
war  schon  geheblet,  gesalzen,  geknettet,  gebachen.' 
FWyss  1653.  ,Azyraus,  ungesäuert,  ungeheblet.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  3.  gären.  ,[Ferraentare]  mit  einem  alJ 
andern  Namen  genonnet:  der  Wein  jäset,  das  Brod 
heblet,  die  Äpfel  faulen  usw.'  JZiegl.  1647.  ,Als  wenn 
die  Erde  in  eine  Heblung  und  Gärung  geraten  wäre.' 
JBOtt  1736.  —  4.  den  blossen  Hintern  zur  Zücliti-inig 
klatschend  bearbeiten  Z.  Dann  übli.:  niitnehinen, 
plagen,  's  Bürge'  hehlet  Ein'n  Z.  —  In  der  zuktzt  mx- 
jefiihrten  Anwendung  viell.  Entstellung  aus  dem  syu.  heyhn. 
ver-:    1.  intr.,   mit  hehlen  (1  a)  fertig  werden  B. 

—  '2.  tr.,  „(den  Teig)  durch  Anwendung  von  zu  viel 
.Hebel'  zu  sauer  machen". 

be-.  .Kernen  behäblen',  Anleitung,  wie  aus  ge- 
dorrtem Kernen  Mehl  gemachet  werden  könne.  Z  1771. 

Heblete"  f.:  der  durch  das  .Heblen'  entstehende 
dünne  iSauerteig  (s.  Hebel  1  a),  mit  welchem  die  ganze 
Mehlmasse  durch  Kneten  durchwirkt  wird  Tu;  ZB. ; 
Syn.  Hehi  1,  Habiten.  ,Es  pressiert,  weil  ihm  die 
H.  sonst  noch  zum  Land  hinaus  läuft,  weil  .sie  seit 
Morgens  früh  an  Einem  fort  gegangen  ist.'  Stutz. 

Heb(e)reer:  Jude,  in  weniger  abschätzendem  S. 
als  Jnd  Tu;  Z.  —  hebräisch.  ,Du  verstehst  den 
Handel,  wie  der  Schulmeister  H.'  HPest.  1781  =  gar 
nicht. 

Heb  er  ig  s.  Hei-berg. 

Hebet,  nur  in  der  Beteurung:  Bim  H.!  Potz  H.'. 

Stutz.  —   Euphem.  etwa  statt  Herget=  Herrgott;  vgl.  hebets. 

lie'bets:  sehr,  überaus.  VcrstäikiiiiLrsadv.  vor  Adj. 
u.  Adv.    E  h.  grossen  Öpfd,  c  h.  srhmis  Mnirl,   IH'.irl. 

Wohl  st.  Ifcrnjets;  vgl.  hebet  u.  mit.  i    II. ,-,  ^i,..ii  |S|,.  :,-l-l] 
bes.   die  Form  herbeta. 
hebie  s.  he-bie. 

hebisch,  heibisch  s.  hcvisch. 
hibmen,  hibnen  s.  hippmen. 
h  i b  ü c h  e  n  s.  hipp-büchen. 

Hieb  m.:  1.  wie  nhd.:  Schlag,  Streich.  Doch  im 
S.  von  Wunde  ist  Hämo  gebräuchlicher.  —  2.  Wald- 
schlag. Syn.  Haim-.  .Nach  jedem  H.  reinige  man  den 
Schlag  von  Blöckern.'  Gr  Anl.  z.  Verb.  d.  Waldw.  1838. 

—  3.  leichter  Bausch  BsL.;  L;  Z.    Syn.  Stüber,  Tips. 
-■  4.  Beigeschmack  Z;  vgl.  Hie. 

Hieb  er  ni.:  =  Hielt  3.    ,Ein  H.  ist  besser  als  ein 
Fieber'  ScuSt.  (Sulger). 
Hand-Hiebi  s.  H.-Hehi. 
Hiob  s.  Job.        Hobasle  s.  Ameise. 

höbe!  höbe!  auch  h.  le!:  Lockruf  für  Kühe  und 
Rindvieh  übh.  GrL.,  UVatz.  —  Höbe  f.:  Schmeicheln, 
für  Rindvieh,  ebd.     Syn.  Lohe,   Wöbe. 

Hobeissi  s.  Ameise. 

Hobel  f-ö-J  —  PI.  Höhel  -  m.:   1.  wie  nhd.  allg. 
RAA.:  Dem  Hobel  z'  vil  Ise"  (Holz  ZLunn.,  vom  Holz 
des  Brettes)  ge"  s.  unter  Isen  Bd  1  536  und  Schwzd. 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


29,  11.  Vom  Ausblasen  des  Hobels  zum  Behufe  der 
Reinigung:  , Einem  den  H.  ausblasen'  1)  in  den  For- 
meln: Blas-mer  de  II.  ks.'  und  de  cha"'st-mer  de  H. 
üsblase,  als  nnwillii^c  inij  verächtliche  Abweisung 
einer  Zumutung',  alli^, ;  r'ii^.  Umschreibung  einer  noch 
derbem  RA.  =  tia  mihi  podicem!  vgl.  die  Darstellung 
des  Schreinerhandwerks  an  einem  der  Chorstühle  im 
B  Münster  durch  ein  nacktes  Büblein,  das  auf  dem 
Bauche  rutschend  einen  H.  vor  sich  her  schiebt,  wel- 
cher in  der  Gegend  des  Eisens  pfeift,  wenn  man  dem 
Bübchen  in  den  After  bläst.  2)  =  Einem  einen  derben 
Verweis  geben,  tüchtig- den  Text  lesen,  abtrumpfen 
GT.;  U.  Ge'"nt  ier  im.  nit  e  Bluemestruiss,  so  bläst 
er  ich  der  H.  uis  U  (Schwzd.).  —  2.  das  Schneide- 
messer in  übstmühlen  zur  Verkleinerung  des  vom 
Trichter  zwischen  die  Mahlsteine  herabgleitenden 
Obstes  Ap;  Z.  —  3.  kleiner  Bretterschlitten  für  Kin- 
der; auch  der  gewöhnliche  Fuhrschlitten  Gr  UVatz. 
Syn.  Krücken.    —   4.    ah  H.!   Schlittenruf   ZWthur. 

—  5.  nach  oben  sich  erweiterndes,  ungefähr  1  alte 
Bernermass  haltendes,  einfach  oder  doppelt  gehenkeltes 
Trinkglas,  meist  hübsch  beblümt  und  mit  Wappen  und 
Inschriften  geziert,  welches  am  Schlüsse  eines  Trink- 
gelages, oft  auch  bei  einem  sog.  Standibus,  Abschieds- 
oder Schlusstrunk  auf  der  Strasse,  im  Kreise  herum- 
geht BSi.  Syn.  Mass-Mijel.  ,Der  H.  wanderte  von 
Hand  zu  Hand  auf  das  Wohl  des  Vaterlandes.'  B  Album 
1858.  —  6.  Dummkopf,   Halbnarr   ZAndelf.  (Spillm.). 

—  7.  in  Flurnn.  aus  Hö'''-Bilel,  in  S  sogar  aus  Ho'''- 
Wald.  Als  Geschlechtsn. :  ,Heinr.  H.,  burger  zu  Zürich', 
It  HBuLL.  1572. 

Aus  L  ist  vereinzelt  die  Form  Hubel  angegeben,  welche 
sonst  nur  md.  ist.  —  Zu  2  (und  zu  KabU-H.)  vgl.  den  von 
Fischart  erwähnten  Schabzieger-H.  Gr.  WB.  IV  2,  1588.  — 
3  von  der  Ähnlichkeit  der  Gestalt.  —  4  wohl  Entstellung 
aus  etwas  ganz  Anderm.  —  5  viell.  von  einer  bildl.  RA. 
für  .triukeu",  etwa  wie  ,bürsten',  deu  Schlund  glätten.  — 
r.   walirsili.   cig.   .Einer,    der   sich    willenlos   schieben  lässt'. 

\--\.  ru/.ii 

Ar.i;lf"-:  der  eigens  geformte  H.,  mit  welchem 
der  Küfer  die  Gargel  (s.  Sp.  416)  der  Fassdauben 
macht  ZS.  —  Federe"-:  der  H..  mit  welchem  an 
Brettern  die  Federe"  (Bd  I  678,  Bed.  8)  erstellt  wird  Z. 

—  Obgent-:  grosser  H.  mit  Handhaben,  für  2  Mann 
zum  Stossen  und  Ziehen  berechnet,  wie  ihn  die  Küfer 
brauchen,  wenn  sie  die  Dauben  einspannen  und  mit 
dem  Hobel  fügen,  so  dass  dieser  also  ahißtil  ist.  d.  h. 
über  die  Bretter  hingeht,  während  iHim  l'n.  .iLamn 
mit  den  Brettern  über  das  Werkzeug  grliilir.ii  wii.l   /. 

—  Chabis-:  der  aus  mehreren  Messern  bestehende 
IL,  über  welche  hin  der  Kopfkohl  (Chahis)  zu  Sauer- 
kraut geschnitten  wird  Gr;  Z;  vgl.  K.-Hechlen. 

Chämh-:  H.,  welcher  dazu  dient,  an  Brettern  den 
Kamm  oder  die  Feder  (s.  Bd  I  678,  8)  zu  erstellen 
Aa;  Z.  Vgl.  ,Nut-H.'  — ■  ChUmben,  mit  einem  solchen 
Kamme  versehen. 

Chätsch-  Z,  Che'tsch-  Aa;  ZO.,  Chötsch-  S: 
von  je  2  Mann  gehandhabter  Zughohel,  mit  welchem 
vorerst  die  gröbsten  Späne  weggehobelt  werden.  — 
Von  thaiKchcn  (-e'-,  -ö-),  mühsam  ziehen,  schleifen. 

Blatt -Bank-:  H.  zum  Schiefabflächen  Aa.  — 
Verbutz-:  H.,  der  zur  letzten  Vollendung  der  Arbeit 
(zum  Verhutzen)  gebraucht  wird  Aa;  Z.  —  Räbe°-: 
ähnlich  dem  Chahis-H,  aber  angewendet,  um  weisse 
Rüben  in  Scheibchen  zu  zerschneiden  Th;  Z.  Daher 
60 


947 


Hab,  heb,  hib,  hob,  liub 


Bäben-Hobler,  Krautschneider.  —  Ruch -Hobel: 
Eauh-H.  Aa;  Z.  Syn.  B.-Bank;  Härer  (s.  d.),  Schürpfer. 

Schüch-den-:  arbeitsscheuer  Mensch  [wohl  eig. 
Schreiner]  Bs  (Spreng). 

Nacli  Art  der  in  imperativischen  Sätzen  gebildeten  Ge- 
schlechtsnn. ;  Tgl.  ,Schüchdenpflaeg,  Hassenpflug,  Schüchden- 
tüfel,  Binddenesel'. 

Schiff-:    H.  mit   bogenförmigem  Schafte   Aa;   Z. 

—  Schürf-  S,  Schürpf-  Aä;  Gh;  G;  Z:  =  Büch-H. 
Bildl.:  ,Sie  [die  Reformierten  von  S]  wolltend  mit 
dem  seh.  daran',  drangen  ungestüm  auf  Reform.  1529, 
Stehler.  ,2  hübcl,  nämlich  ein  glatt-  und  ein  schirpf- 
hobel.'  1550,  SchwE.  Klosterinv.  —  Kabis-schnätz- 
=  Chabis-H.  Gl. 

Schropp-  Z,  -U-  Gl  =:  Buch-H.  —  Schruppen, 
whroppen  =  schürfen. 

Doppel-:  der  mit  doppeltem  Eisen  versehene 
Glatth.,  welcher  zur  Vollendung  und  Glättung  der 
Arbeit  gebraucht  wird  Aa. 

Wurst-:  imaginäres  Werkzeug,  nach  welchem  ein 
unerfahrener  Drescher  [ursprünglich  wohl  ein  beim 
,Metzgen'  behülflicber  Junge]  von  den  Übrigen  zum 
Fleischer  ausgeschickt  wird  Aa;  Z. 

Ähnliche  Werkzeuge,  um  ,in  den  April  zu  schicken',  sind 
Schaub-,   Schtterhlg-Scker,    Okrte-Bürste,    Mont-Löffd. 

hoble":  1.  wie  nhd.  De"  Cliabis  h.,  Kraut  ein- 
schneiden. Daher:  Ch. -Hohler,  Krautschneider  B. 
Breit- texlet  wie  schmal -texlet  und  schmal-te.det  wie 
g'hoblet  und  g'hohlet,  dass  d'  Flüge'  druff  schlipfe'd, 
von  der  Forderung  jeder  überaus  exakten  Arbeit,  z.B. 
von  Näharbeit  GrHb.  —  2.  (bildl.)  in  die  Zucht  neh- 
men, polieren,  gesittet  machen.  Si  icerde'd-e"  scho'  h., 
werden  ihn  (z.  B.  in  der  Fremde)  schon  manierlicher 
machen.  De''  ist  nanig  g'hoblet,  ist  noch  ein  Flegel  Z. 
's  iceiss  Eine''  Nüd,  tcenn-er  nüd  e  chli"  g'hoblet  tvorden 
[durch  die  Schule  des  Lebens  gegangen]  ist  L;  Z. 
Daher  ung'hoblet.  ungeschliffen,  ungesittet,  roh.   allg. 

—  3.  von  einer  spielenden  Bewegung  der  Biene,  wenn 
sie  auf  dem  Flugbrett,  mit  dem  Kiefer  die  Unterlage 
berührend,  mit  dem  Kopfe  abwechselnd  vor-  und  rück- 
wärts gleitet  Z.  Syn.  schlifen;  icetzen.  —  4.  ein  bes. 
zur  Zeit  der  Weinlese  geübtes  (Herbst-)  Spiel,  wobei 
die  Männer  auf  dem  Boden  sitzend  einander  zu  schie- 
ben und  stossen  suchten  ZZoll.f  —  5.  futuere  S;  Z. 

—  ab-:  1.  , Einen  sauber  abhoblen,  abbrüglen,  lepide 
aliquem  deruncinare.'  Mey.,  Hort.  1692.  —  2.  Einem 
einen  derben  Verweis  geben,  abschnüren,  beschnar- 
chen ScHW;  Zg.  —  über-:  1.  eig.,  z.B.  ein  Brett  = 
seine  Oberfläche  behobeln,  allg.  ,Hoblen,  ü.,  com- 
planare,  dolare.'  Mal.  — -  2.  Öppis  ü.,  flüchtig  über 
Etw.  hingehen,  eine  Arbeit  oberflächlich,  in  Eile  tun 
ScH;  Z;  vgl.  z'  Faden  schlän.  Rechnung  und  Gegen- 
rechnung aufheben,  indem  man  von  genauer  Abrech- 
nung absieht  ZSth.  —  1°-:  1.  (Kraut,  Kohl)  zum  Ein- 
machen einschneiden  AAFri.  Daher:  l'^-Hobler,  Kraut- 
schneider. —  2.  bildl.:  Sini  Kamerade'  werde" -ne 
scho"  i.,  ihn  necken,  bis  er  wieder  nach  ihrem  Sinne 
geworden  ist.  BTaschenb.  1881.  —  be-:  1.  (eig.)  s.  u. 
Schau-Fall  Bd  I  743.  —  2.  vorberaten,  vorläufig  be- 
handeln. .ImpolitiP  res  et  acerbs,  unvollkommne,  un- 
behoblete,  nit  ausgemacht  und  zum  end  bracht.'  Fris. 
,Was  fürfallt,  müessend  [zu  Bern]  die  4  Venner  des 
Ersten  b'hoblen  und  dann  für  Rat  bringen,  da  sye 
auch  beisitzend.'  ßCys. 


Hobela:  Hoboe,  frz.  hautbois  B.  Jia  st"  gross  »■'* 
chllni  Gige",  Hobelah  u"'  Hackbrett  g'sl'.  JKühn  1819. 

hobe(n),  höhnen  aus  hie-ohen  s.  Bd  I  50. 

Hober  m.:  Mensch,  der  sich  dumm  benimmt,  aber 
in  Wirklichkeit  pfiffig  ist  ZDägerl. 

Hoberi  f.:  Dachboden  ScHGächl.  —  Mit  vorgeschla- 
genem h  zu  ober;  s.   das  syn.   Oberte'  Bd   I   .54. 

Höbi  m. :  1.  verschnittener  Hengst,  Wallach;  übh. 
grosses,  schweres  Pferd;  auch  verächtlich:  Gaul, 
schlechtes,  altes  Pferd  Gr;  auch  bisweilen  als  Scheltw. 
auf  Menschen  Gr.  Stellst -d'r  für,  di"«  Liehi  hai  a 
Hottn  [Leitseil]  nötig,  um -na  tclscha  z' chönna",  wia 
..»  Pfarr  [Farrre]  old  .,"  H.  'am  Redig  [Wagen]?  Gr 
Schiers.  —  2.  Stock  mit  einem  Haken,  Krückenstock  Gr. 

Man  vergleicht  unwillkürlich  engl,  hobbi/,  Klepper; 
Steckenpferd;  Tölpel;  bei  Gr.  WB.  .Hobner';  afrz.  hobin, 
Zelter;  vgl.  ,hoppen'.  —  Wenn  2  übh.  mit  1  zsgehört,  so 
muss  es  nrspr.   wohl  das  Steckenpferd  bedeutet  haben. 

Hobi  f.:  Steckenpferd  (bildl.),  Liebhaberei  Z.  Er 
häd  alli  Tag  en  anderi  H. 

Hobizger  m. :  Knirps,  der  gross  tut  ScuSt.  (Sulger). 

Zu  .Haubitze',  welche  von  der  Kanone  sich  durch  ein 
kurzes,  dickes  Rohr  unterscheidet;  oder  blosse  Spielform  zu 
Uuppizger,  also  eig.  ^  Frosch.     Vgl.  aber  auch  Bitzger. 

höblisch*e  =  oblische  (Bd  I  54)  Z  rS. 

hobunle°:  ein  Instrument  blasen,  Lärm  machen 
AaS.  —  Wohl  zu  Hobda,  viell.  unter  Anlehnung  an  pomnen. 

bobele":  schmeicheln,  den  Hof  machen,  hofieren, 
zu  Gefallen  reden  Z.  D'  Lise  hobelet  der  Frau  Amt- 
männin hinne'  und  vorne".  MUsteri.  Wie  's  vornen 
Eim  hoblet  und  hinnen  Ein'"  schwärzt,  ebd.  ,Den 
Sieg  durch  H.  bei  den  vornehmen  Herren  erschmei- 
cheln.' Z  Freitags-Ztg  1866.  ,lch  sah  ganze  Schaaren 
von  jungen  Herren  mir  schmeicheln,  höbein  und  [mich] 
angatt'en.'  HSülz.  1830.  Me"  miies  der  Milch  h.  [sie 
mit  aller  Vorsicht  und  Sorgfalt  behandeln  und  auf- 
bewahren], dass  si  nüd  scheid't  Z. 

Pas  W.  lässt  sich,  auch  begrifflich,  ganz  leicht  als  Dim. 
zu  .hobeln'  auffassen:  wie  Dieses  auf  ein  Glätten  in  phys. 
S.  hinausläuft  (daher  it.  piwtare),  so  scheint  das  Dim.  sich 
mit  .glatt'  auf  moralischem  Gebiete  zu  berühren ;  vgl.  glat- 
tieren  Sp.  654;  kühn;  frz. ßatter  aus  afrz. /a(  und  namentlich 
auch  das  folgende  W.  Gleichwohl  muss  das  Nebenhergehen 
eines  über  die  Grenzen  unserer  MA.  verbreiteten  Syn.  mit  -/- 
Bedenken  erregen,  und  da  b  und /auch  sonst  etwa  wechseln, 
(s.  euber),  so  könnte  unser  W.  auch  als  Nbf.  zu  hö/elen  etwa 
mit  Anlehnung  an  .hobeln'  erklärt  werden. 

glatt-:  schön  tun,  schmeicheln  Gl.  Dazu  Glatt- 
Höbeler;  Syn.  Glatt- Strieher,  Häl-Giger. 

Hubel  —  PI.  Häbel  —  Dim.  Hübeli,  seltener  Hu- 
beli,  auch  Hiibelti  —  Bs;  B;  F;  GLtw.;  Gr;  L;  S; 
Uw;  U;  W;  ,Zg",  Hübel  Aa;  Bs;  Stw.;  Zg  —  m.: 
1.  Hügel.  aaOO.  ,Hie  Berge,  dort  Hübel.'  Breitenst 
,Sie  stellten  sich  auf  einem  kleinen  Hübeli  auf,  wo 
sie  weithin  gesehen  werden  konnten.'  Gotth.  's  hockt 
Öppis  uf-em  Hübeli  und  hat  e  rotes  Fi'ideli,  's  hocket 
uf-em  Bainli  und  g'schauet  sis  dünns  Beinli  Aa  (Volks- 
rätsel): die  Erdbeere.  ,Münchbüel  ist  ein  grosse  mat- 
ten mit  einer  schür  uf  einem  hubel  oder  bühel  ge- 
legen.' HBcLL.  1572.  .Ein  stark  Schloss  uf  dem  Hubel, 
stat  am  Rengkberg  und  undenhar  am  selben  Egk,  so 
man  nemmt  die  Lopp.'  RCvs.    ,Die  schönsten  Läden 


049 


Hai),  heb.  liib,  liob,  linb 


den  Hübel  hinab  tragen,  dass  sie  nach  Holland  fahren.' 
HPest.  1790;  dafür  1781 :  ,Hügel'.  Syn.  Gtibel,  Knubel; 
Gitpf,  Gütsch;  Büel,  BoU,  Buchet,  Bück;  Kapf.  Als 
Orts-  und  Flurn.  sehr  häufig  in  B;  L;  S;  bes.  aber 
wimmelt  von  Huhel  und  Hübeli,  sowohl  in  einfacher 
als  zsgesetzter  Form,  der  Kt.  B.  Sogar  auf  welschem 
Gebiet:  le  Houbel  BCourtel.  Vgl.  den  Hübel-Ruedi 
in  HPest.'s  Lienh.  u.  Gertr.  und  den  B  Geschlechtsn. 
Hubler  und  Hubehnann.  Das  W.  kann  als  Schiboleth 
zwischen  der  Nordostschweiz  und  dem  übrigen  Gehiete 
gelten  und  zeigt  auch  den  ethnologischen  Zshang  z.  B. 
zwischen  Gr  u.  BD.;  W;  oder  dann  muss  es  schon 
früh  aus  der  Ostschweiz  verdrängt  worden  sein;  vgl. 
Giss-Hübel.  Von  den  vielen  Zssetzungen  heben  wir 
aus:  Der  Engländer-H.  LButtish.,  wo  1375  die  eng- 
lischen Gugler  geschlagen  wurden;  Far-H.  BBelp, 
Hügel  mit  Farnkraut  bewachsen,  vgl.  Farn-Büel; 
Foren-H.  BLäufelf.,  H.  mit  Föhren,  vgl.  Foren-Buck; 
Jungfern-H.  bei  AiWohl.,  wo  nach  der  Sage  ein 
Frauenkloster  gestanden  haben  soll;  Gvgger-H.  WLeuk 
mit  weiter  Aussicht;  Galge'-H.  BInterl.,  vgl.  G.-Büel ; 
Geiss-H.  Aa;  B,  vgl.  Geiss-Büel,  Gitzi- Knubel;  Un- 
g'hür-H.  B,  H.,  wo  es  spukt;  Hase'-H.  BsBuckt.; 
Chilche'-,  H.,  welcher  die  Kirche  trägt  B  (vgl.  Ch.- 
Büel,  -Bt^rg);  Liteg-H.  bei  BThun  mit  freiem  Ausblick; 
Herdmannli-H.  AAWohl.,  H.,  wo  Zwerge  hausen;  der 
Mties-H.  zu  BTorb.,  scherzh.  das  Staatsgefängniss, 
wo  die  Gefangenen  Brei  statt  Fleisch  bekommen  (Bari 
1885);  Büel-H.  SLost.,  eine  durch  Tautologie  pleonast. 
verstärkende  Zssetzung,  vgl.  Kis-Grien;  Balm-H.  Uw 
Sarn.,  H.  mit  überhängendem  Felsen;  Sand-H.  B; 
Gr;  L,  vgl.  S.-GüUch,  Gis-Hübel.  Dass  unser  W.  von 
Westen  her  vorgedrungen  sei,  scheint  der  Umstand 
zu  beweisen,  dass  z.  B.  im  Kt.  L  die  jetzigen  Kurz-, 
Läng-,  Wiss-Hübel  urkundlich  mit  -Büel  zsgesetzt 
erscheinen,  so  Kurs-Hübel  LHergisw.  in  Urk.  v.  1456 : 
,Curtenbüel'.  S.  noch  u.  guldig  Sp.  227.  —  2.  (Erd-) 
Haufen,  Häufchen,  kleine  Erhöhung  im  Boden,  auf 
Wiesen  Gr;  Syn.  Hoger,  Huplen,  Knubel;  Pöschen. 
Wo  vil  ist,  chunnd  vil  [hin];  drum  schlssid  d'  Hund 
uf  d'  Uükeli,  Sprichw.  AAWohl.  —  3.  Erhöhung,  Ge- 
schwulst, Beule  am  Körper  Gr;  L;  S;  UwE.;  Zg; 
Syn.  Büggel.  F*  han  a'-mer  umme'  alls  voll  Bibeli 
[Bläschen]  und  Hübeli  ühercho'  L.  ,Auf  dem  Rücken 
ein  kleines  Hübeli',  als  Merkmal  eines  (gestohlenen) 
Pferdes.  S  Wochenbl.  1808.  -  4.  (HttbelJ  Anschnitt- 
steile des  Brotes  GfiTschiertsch.;  Syn.  A'hauw;  Ögschi 
(Äug);  Fügschi  (Fuchs).  —  5.  (Hübeli)  Erhöhung 
des  Gespinstes  auf  der  Spule,  Klümpchen  Garn,  so 
viel,  als  auf  die  selbe  Stelle  der  Spule  läuft,  bis  man 
den  Faden  durch  den  folgenden  Haken  des  , Krebses' 
richtet  „AaF.;"  B;  Syn.  Büggeli.  -  Nicht  Wechselform 
ZH   Hüyel,   sondern  zum   Vb.  heben;  mhd.   hübe!. 

Gis-  L;  S,  Giss-Hübel  S;  ZStäfa,  Gissübel  ZWied.: 
Kieshügel,  aber  nur  als  Flurn.  ,Gissübel.'  Z  Urb.; 
,Gisubel.'  Jahrzeitb.  von  ZEglis. 

G-  scheint  hier  Ch-  (Kies,  schwzd.  Chls)  zu  vertreteu 
wie  in  Gitti  :  Chitxi;  gaffen  :  Chapf;  Gürba  :  Chürbt ;  ijirren  : 
chirren;  gären  :  charen  nnd  bes.  häufig  bei  anl.  gl-  und  gr-; 
s.  auch  Anm.  zu  Gatze  Sp.  573.  Sachlich  vgl.  man  die  Synn. 
Grkn-Biid,  Sand-Hubel,  -Güta<-h,  -Büel.  -Büehel,  -Bück:  Hiezu : 
Git-ßalden  L  2  Mal;  das  Obw  Dorf  Gisicj/l  =  ,Kysawylare.' 
848,  Urk.  Damit  fallen  andere,  auf  unrichtigen  Voraus- 
setzungen beruhende  Deutungen  des  viel  umstrittenen  W. 
Übrigens  kommt  in  Deutschland  doch  auch  die  Schreibung 


.Kieshübel'  vor.  Wenn  nun  unser  W.  eine  überraschende 
Verbreitung  zeigt  nnd  ausser  in  Baiern,  Baden,  Österreich, 
Steiermark  auch  in  Sachsen,  Franken,  Nassau,  Hessen,  Böhmen 
und  Mähren  zu  treffen  ist,  so  ist  zu  bedenken,  dass  beide 
Bestandteile  als  Appell,  durch  das  ganze  deutsche  Sprach- 
gebiet geben  (nur  ,kis'  nicht  nd.).  —  In  der  Ausspr.  wurde 
das  h  leicht  von  dem  «  verschlungen,  vgl.  Hü8(h)nlii'g;  Hüter, 
Hager,  Zssen  mit  Her  (Herr). 

Trüsch-Hübel  s.  Tr ischübel. 

Wind-  (meist  PI.):  Drüse,  Drüsengeschwulst  (am 
Halse)  L;  Syn.  Schicenten. 

Viell.  von  dem  Glauben,  dass  solche  Geschwülste  ent- 
stehen, wenn  man  in  einen  ,bösen  Wind'  gekommen  ist. 

g=-huhlet  BO.;  Obw,  g'hub(e)let  ß;  UwE.,  ver- 
hublet  UwE.,  hublig  Gr,  g'hüblig  S:  hügelig,  höckerig, 
,gruniosus.'  Id.  B,  z.  B.  von  einer  Alp  voll  kleiner  Er- 
höhungen des  Easens  Uw;  einer  Wiese  mit  vielen 
Maulwurfshaufen  B.  Nes  g'hübliges Acherli  S  (Schwzd.). 
.Gehüblet  grüner  Wald,  warumb  tust  dich  entlauben?' 
JCWeissenb.  1701. 

hübeli  £n«2.' Ruf  der  ,Fasnachtböggen'  ZS.  Synn. 
s.  bei  huteli-ha  Sp.  847. 

Hübe"  f.:  Haube.  1.  Kopfbedeckung  der  Frauen, 
bes.  der  verheirateten  zur  Unterscheidung  von  den 
ledigen.  Syn.  Kappen.  Über  die  verschiedenen  For- 
men der  Hauben  s.  t.  die  Zssetzungen,  t.  unter  Göller, 
Hübe" -Frau.  Vgl.  auch  Verene.  E  dummi  Frau 
b'chönnt-men  a"  der  H.  L.  ,1862  verschwanden  auf 
den  Köpfen  der  Frauen  die  letzten  Hauben  [d.  i.  die 
Gueffen,  s.  Sp.  134]  und  es  erschienen  die  Kappen 
[modernere  Hauben].'  AKüchler  1886  (Obw).  .Sind 
drei  junge,  freche  Weiber  am  Langentaler  Märit  ohne 
Hauben,  mit  Einflechten,  wie  Meitlene,  unter  den  Bu- 
ben umhergelaufen:  ernstlich  ermahnt  und  gebüsst 
worden.'  1683,  Glbr,  R.  Chr.  Ganz  anders  1792,  Absch., 
aus  GSa.:  ,die  jungfräuliche  Zierde  besteht  in  einer 
Haube  und  Haarnadel.'  In  einem  engern  Sinne  heisst 
Hübe'  in  U  der  obere,  aus  weissen  Spitzen  oder 
weissem  Baumwollzeug  verfertigte  Teil  der  ganzen 
Haube,  welcher  auf  das  schwarze  Chäppli  zu  sitzen 
kommt.  Bildl.  vom  Schaum  auf  der  Milch:  Es  geit 
dür  's  Holz  [den  hölzernen  Eimer]  uf  und  uf  und 
het  es  ivisses  Hübi  uf  GrD.  (Rätsel).  —  2.  gewobene 
oder  gestrickte  (Zipfel-)  Mütze  der  Männer  BHa.  f; 
Gr;  PP.  ,Der  bilger  soll  han  ein  gueten  bilgerhuet 
und  ein  wullis  scheplin  und  ein  hüben  oder  dryg  und 
3  hemder  und  ein  sydin  schwarze  hüben.'  HStockar 
1519.  ,Er  hat  ein  weisse  hauben  aufgesetzt,  albenti 
velatus  tempora  vitta.  Gestrickte  hauben,  reticulum.' 
Mal.  ,Die  Knaben  haben  wysse  Hembder  über  die 
Kleider  an,  merteils  ire  Angsicht  mit  schwarzen  Hü- 
ben vermachet.'  JRüeger  1606.  Von  der  Bischofs- 
mütze, Kardinalshut:  ,So  empfangt  er  [nimmt  der  Papst 
Bezahlung  an]  für  die  Annaten  und  Pallien  und  rote 
Hüblin  für  die  Cardinal,  Erzbischof,  Bischof;  da  etwann 
für  ein  einiges  Pallium  25000  Kronen  sind  bezalt  wor- 
den.' ClSchob.  1699.  —  3.  Eisenhaube  (des  Kriegers); 
Syn.  Ise'-Huet.  Vgl.  Beckel-Hüben  und  den  alten 
Geschlechtsn.  Hübenschmid  Bs;  ScnSt.;  Z.  ,Panzer, 
hüben,  kessel,  hüet,  henschcn,  armzüg  und  was  har- 
nesch  ist  und  harnesch  heisset.'  1398,  ZoWalchw. 
(Urk.).  ,1  engelschi  hüben.'  1469,  Z  Inv.;  vgl.  Spitz- 
Hüben  2.  —  4.  RAA.,  wohl  meist  aus  3  hervorgegangen. 
Eim  uf  d'  H.  ge',  Einen  derb  zurecht  weisen,  ab- 
trumpfen Ap.    Syn.  uf  's  Dach.    Eim  (alliicllj  uf  der 


951 


Hab.  heb.  hib,  bob.  Iinb 


952 


H.  sl;  Einem  lästig  fallen  GWa.  „Einem  aufsätzig 
sein",  auch:  Einem  in  seinem  Tun  aufpassen  B;  Z; 
,imminei-e.  insidere  alicui.'  Id.B;  iif  der  H.  si',  abs. 
aufpassen.  Wache  halten  B.  Eim  (z'  nach)  uf  (über) 
d'  H.  chö",  Einem  zu  nahe  treten  S;  Z,  auch:  Einem 
scharf  auf  die  Finger  sehen  S.  Eini  ah  der  H.  gä', 
lästig  zu  sein  aufhören;  bes.  gang-mer  ah  der  H.! 
geh  mir  vom  Leibe!  Bs;  Z;  vgl.  Gass.  üf  d' H. 
reise",  .immittere  in  alqm.'  Id.B;  aufhalsen.  z.B.  einen 
Bittsteller,  Schuldner  einem  Andern.  Si'''  uf  d'  H. 
lä-  schissen,  sich  betrügen  lassen  Bs.  Vgl.  auch  ßügen 
Sp.  156.  So  hei  [haben]  si  mi'''  [indem  sie  mich  zur 
Schule  schickten]  ah  der  H.  g'ha,  will  i'''-ne  [ihnen] 
vil  z'  Uhig  g'sl"  hi".  Dr  Bari  1883.  ,Wär  not,  dass 
man  denen  gsellen  [die  über  Zürich  lügen]  ein  mal 
zuo  den  hüben  griffe.'  1529,  Vad.  ;  vgl.  him  Tschüpen 
ne".  .Dieselbige  Stadt  hat  einen  nicht  gar  guten 
Nachburen,  und  wie  man  spricht,  die  Katz  auf  der 
Hauben.'  Hedtel.  1658.  , Einem  Jemanden  über  die 
Haube  richten,  concitare  alqm  contra  alqm.'  Hospin. 
1683.  Vermengt  und  syn.  mit  der  RA.  ,Jmdn  auf's 
Korn  nehmen':  m/"  d'  H.  ne'  Ar.  ,In  allen  Wirts- 
häusern hat  man  uns  Wattweiler  auf  der  Hauben', 
hechelt  uns  wegen  eines  lächerlichen  Vorfalles  durch. 
UBrägg.  1782.  —  5.  der  kuppelartige  Aufsatz  eines 
Turmes  Gr;  vgl.  Helm.  —  6.  Öhr  einer  Axt,  eines 
Beiles  Gr;  Syn.  Hiis.  Kappe  an  einem  Flegel  (Pup.). 
—  7.  (HübliJ  Hülse,  Zwinge  am  Ende  von  Messer- 
und Gabelheften  Z.  Vgl.:  ,Lötrel  mit  silbernen  und 
vergülten  Hauben.'  1675,  G.  —  8.  (Dim.)  Zündhüt- 
chen für  Gewehre  mit  Knallfeuer  L.  —  9.  (Hübi) 
Pflanzenn.,  gem.  Taubenkropf,  silene  inflata  LE.;  vgl. 
üfg'hahet,  geschwollen.  —  10.  guldi  Z  f,  goldigi  Bs, 
,güldene  Hüben'  (Spreng),  eine  Art  Kuchen;  ,gebackene 
Eierklösse'  (Pup.).  ,Ein  sehr  niedliches  Gebäck  von 
feinem  Simmelmehl,  gestossenen  Mandeln,  Zucker, 
Zimmet  und  Zitronaten,  welches  Alles  unter  einander 
gewirkt,  in  einer  gewissen  Form  wie  Hohlziegel  und 
in  Butter  ausgebacken  wird.'  Spreng.  —  11.  Bergn. 
BDiessb.  ,Diessbach  an  hoher  Hauben  g'legen  hart.' 
HKEebm.  1620.  Vgl.  die  Bergnn.  Gugel,  ,Kamm',  cresta; 

Kopf.    —   Vgl.  auch  die  Art.   ßuel,  Kappen.  Schlappen. 

A  c  h  s  ( e  n )  -  H  ü  b  e  °  iJj;-  Gr  U Vatz,  Agsehen-  GrL.  : 
Axtbaube  s.  Ruhen  6.  —  Ore°-:  zur  altern  Frauen- 
tracht gehörige  Haube  mit  , Schnäbeln',  die  nicht 
weiter  als  bis  zur  Mitte  der  Stirn  reichen  durften. 
Gem.  Z  II,  181.  ,Gestickte  Ohrenhaubeu.'  ebd.  — 
Ise"-Hübli:  Eisenhut,  acon.  Nap.  L;  Syn.  Ise'- 
Hüetli.  —  Finger-:  Fingerhut.  .Fingerhuet,  finger- 
ling,  flngerheuble,  alles,  das  den  fingeren  zue  schirm 
gemacht  ist,  digitalia.'  Mal.  —  Fantaste°-Hübe": 
eine  sonderbare  Art  Frauenhauben  Zf.  E  Fantoste- 
houhe.  Balz  1781.  —  Franse"-:  Frauenhaube  mit 
Fransen  ScHwE.-j-  Die  Weibspersonen  im  Flecken 
Einsiedeln  trugen  Franse-Hühe,  die  auf  den  Bauern- 
höfen Schwehelhüet  grad  wie  Brotgitter.  Lienert.  — 
Franzose"-Hubli:  weisse  Häubchen,  wie  sie  Fran- 
zösinnen (z.  B.  die  Bonnen)  zu  tragen  pflegen  Z.  — 
,Goggel-Hübe''  war  zu  unsrer  Mütter  Zeiten  noch 
eine  auf  beiden  Seiten  an  den  Ohren  eiründlich  heraus 
stehende  und  mit  stumpfen  Ecken  auf  der  Stirne  und 
beiderseits  steif  geschlossene  Frauenhaube'  Bs  (Spreng) 
Syn.  Horia-H.  Vgl.  Goggelen  Sp.  177.  —  ,Garn-,  reti- 
culum.'  Mal.    Vgl.  Hüben  2.  —  Glogge"-:  Frauen 


haube  von  Gaze,  sehr  gestärkt  und  in  grosse,  runde 
Falten  [Gloggen]  geplättet.  Sie  ragt  wie  ein  Vordach 
über  die  Stirne  heraus  kv  (Tobl.). 

Glück(s)-Hübli:  Glückshaube.  1.  die  lose  Haut 
am  Kopfe  Neugeborner,  welche  als  günstiges  Vor- 
zeichen gilt.  allg.  Er  ist  mit-eme  Gl.  uf  d'  Welt  cho', 
ist  ein  Glückskind.  Ä  bhüet-is  Gott,  du  g'rrirnst  nüd; 
du  hast,  wo  d'  worde"  bist,  es  Glückshühli  uff  g'ha, 
und  dene'  Chinde"  g'scheht  si  Lebtag  Niit;  denn  lueg! 
du  hast  Glücl;srose  no'''  n"  dine  Fingere'.  Stutz.  ,Wenn 
ein  Kind  ein  Heublein  mit  sich  auf  die  Welt  bringt, 
solle  man's  aufbehalten  und  werde  das  selb  Kind  glück- 
haft sein.'  ßGwERB  1646;  ebenso  Zauberei  1704.  ,Das 
Glückhäublein  ist  anders  nichts  als  das  Schafhäutlein 
der  Kinder,  darinnen  sie  ligen  und  schwimmen.  Man 
ist  so  torecht  und  abergläubisch,  dass  man  diss  Fahl 
auftrocknet  und  als  eine  Rarität  aufbehalt,  als  wann's 
den  Kindern  Glück  im  Leben  bringe,  welche  Possen 
die  Hebammen  nicht  glauben  sollen.'  JMcralt  1697. 
—  2.  becherförmiger,  kleiner  Pilz  mit  gelblichen  Kör- 
nern, cyathus  crncibulum,  der  bes.  zur  Erntezeit  in 
Getreidefeldern  gefunden  wird.  Dem  Finder  glück- 
bringend, bes.  für  den  künftigen  Ehestand;  je  mehr 
Körner,  desto  grösser  das  Glück  Aa;  in  L  hingegen: 
je  mehr  Körner,  desto  teurer  das  Brot;  Syn.  Gl.-Häfeli. 

Zu  1  Tgl.  das  frz.  ü  est  ne  coijfi,  it.  miacer  vestito  =  arcen- 
turato,  holl.  »ic(  den  heim  geboren  zin  und  schon  bei  den 
Römern  gakalum   caput.     S.   auch   Gr.   Myth.   ^  S.   828. 

„Heu-Hübe":  Kapuze  am  Hirtenhemd,  welche 
den  Kopf  und  Nacken  beim  Heutragen  deckt  Schw; 
Zg."  —  H(5ch-  s.  Hinder-für  Bd  I  965. 

Horia-:  H.,  welche  die  Schläfen  bedeckte  und 
deren  Hinter-  und  Vorderteil  durch  ein  bindenförmiges 
Mittelstück,  welches  quer  über  die  Mitte  des  Kopfes 
gieng,  verbunden  war  Z  Ende  des  XVIU.  ,Die  Frau 
Pfarrerin  in  einer  weissen  Nachtjacke  und  Horiahanbe, 
die  nicht  viel  mehr  als  eine  spitzige  Nase  sehen  liess.' 
ÜNSiCHTB.  1793.  ,Die  H.  der  Dorfweiber.'  ebd.  ,Die 
Gemahlin  en  neglige,  aber  elegant  in  einer  H.  mit 
kostbaren  Spitzen.'  ebd. 

Horia,  ein  SiebenbUrger,  der  178.5  wegen  Rebellion  hin- 
gerichtet wurde.  Vgl.:  ,Auf  dem  Kopf  eine  Hauben  ä  la 
Horia  (der  Baurenrebell)  von  italiänischem  Flor.'  Fiauen- 
zimmer-Kal.    1795. 

Kilche"-.  ,Nocb  ein  Überrest  der  alten  Zeit  sind 
die  Kirchenhauben,  welche  in  unsern  Zeiten  von  den 
meisten  Frauenzimmern,  wenigstens  beim  Genüsse  des 
b.  Abendmahles,  getragen  werden.'  Gem.  Sch.  —  Läsi-: 
gewobene  Zipfelmütze  der  Männer,  so  benannt  mit 
Bezug  auf  das  Gewebe  der  Innenseite,  welches  zellen- 
förmige Vertiefungen  mit  Fotzeln  zeigt,  ähnlich  dem 
,Läsi'  [Labmagen]  eines  Tieres  BHa.  —  Mutsche"- 
üw.  Mutz-  SSchw.:  1.  Haube  nach  Art  der  Schin-H, 
aber  mit  abgestutzten  Flügeln  OBwf;  vgl.  M.-Kappe. 
—  2.  Haube  in  Form  eines  abgestutzten  Kegels,  aus 
Sammet,  Kattun  oder  Wolltuch  SSchw.  —  Nebel-: 
wollene  Wintermütze  GT. 

Gradnacbhin  Gradnöe-Hähli:  kleine  Haube,  die 
hinten  in  einer  Wölbung  (Bück)  die  Zöpfe  aufnahm; 
vorn  meist  mit  farbigen  , Enden'  oder  Schäppeli  ZO.f 

So  genannt,  weil  die  Spitzen  über  der  Stirn  sich  glatt 
[gradnachhinj  an  diese  legten. 

Nacht-:  Schlafmütze  der  Männer  Bs.  —  Nuss-: 
=  Nuss-Garn  (Sp.  422)  ScnSt.  —  Bode"-:   ehemals 


b,    ilnb,    hub 


954 


L'iiie  sehr  steife  Eckhaube  des  ledigen  Frauenzinimeis, 
welches  die  Zupfen,  die  über  dem  Nacken  aus  dem 
sog.  Züpfenloche  herausgiengen,  um  die  beiderseits 
herausragenden  Ecken  breit  und  zierlich  geflochten 
zu  winden  pflegte  Bs  (Spreng).  ,Sammetene  und  sei- 
dene Bodenhäubli,  wie  auch  die  Püsch  und  Latsch 
auf,  an  und  unter  denselben  [sind  verboten].'  Z  Mand. 
1722.  ,Wir  verbieten  den  Weibspersonen  das  Tragen 
aller  anstatt  der  Rosenkappen  und  Bodenhäublenen 
aufgekommenen  Neuerungen.'  ebd.  172.3.  ,Der  frem- 
den, französisch  gekleideten  Mägden  halben  ist  unser 
Befehl,  dass  selbige  von  nun  an  wie  unsere  Ange- 
hörige mit  Bodenhäublenen  bekleidet  sein  sollen.' 
ebd.  1735.  —  Beginen-:  Häubchen,  wie  sie  urspr. 
die  kath.  Laienschwestern  (Beginen)  trugen.  .Die 
üorfmädchen  hatten  ihre  Beginenhäubchen,  bunt  mit 
Gold  gestickt,  mit  weissen  Seidenschleifen  gebunden.' 


ürg. 


Tage. 


begin-huben.'  1380,  Z  Staatsarch. 


Beckel-,  Becken-,  Becki-:  Pickelhaube,  die  becken- 
förmige,  eiserne  Kopfbedeckung  der  gewöhnlichen 
Krieger  im  Gegs.  zum  Hehn  der  Bitter.  ,[Man  rechnet 
zum  Harnisch]  halsperge,  currit,  panzier,  platten, 
beckihuben  in  hüeten  und  ane  hüete,  ysenhüete  [usw.].' 
1339,  Bs  Rq.  ,Ein  beckihüb.'  1422,  L  Vogtkinderrechn. 
Die  Saffranzunft  Bs  hat  1480  ,disen  hienach  geschri- 
benen  harnesch  [Ausrüstung]:  panzer,  hendschuwe, 
stösselin,  hundeskapp,  ysenhuet,  beckenhüben,  brust- 
blech, kragen,  musner,  mordax,  westfelingpanzer, 
saladin  mit  einem  bard.'  Tubalkain  Erfinder  der 
,beckelhuben.'  HvRüte  1546.  , Sturm-  und  beckelh.- 
L  Ansehenb.  ,Die  Obersten  des  kriegs  steckend  diso 
federen  [des  Paradiesvogels]  in  ir  beckelhauben  als 
einen  strauss.'  Vogelb.  1557.  ,Cassis,  galea,  ein  heim, 
beckelhauben  [so  auch  Denzl.  1677;  1716]  oder  eisen- 
huot.  Conus,  der  oberest  spitz  auf  einem  heim  oder  das 
federror  an  einem  heim  oder  an  einer  beckelhauben.- 
Fris.  ;  Mal.  ,Dass  ein  jeder  schütz  syn  guete  beckel- 
huben  habe,  den  übrigen  aber  wollen  wir  vergönnen, 
dass  sy  die  gewer  zu  inen  nemend,  deren  sy  sich  ver- 
hoffent  allerbeste  zu  gebruchen.'  1572,  S  Wochenbl. 
,Sturmhuet  oder  Beckelhauben.'  JCLav.  1644.  ,Der 
setzt  ein  Beckelhauben  uf,  legt  ein  Harnisch  an  und 
nahm  ein  Spiess  [die  3  Stücke  der  gewöhnlichen  Aus- 
rüstung].' ScHiMPFR.  1651.  ,Beckelh.,  galea.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  Basel-Hübli:  kleine,  gewöhnlich 
mit  geschlagenem  Gold  oder  Silber  verzierte  Häub- 
chen, deren  sich  vor  Zeiten  das  Frauenzimmer  zu 
Basel  bediente,  und  die  mit  Pappe  über  den  in  einen 
Knopf  zusammengebundenen  Haaren  am  Hinterhaupte 
befestigt  wurden  Bs  f. 

Bettler-Hübe:  Schlüsselblume,  primula  elat. 
GSa.   —    Eine  ähnliche  Bezeichnung  wie  Pfaffi'- Kappe  u.  a. 

Pietiste"  Bidiste'-:  eine  Art  Haube,  wie  sie  die 
Herrenhuterinnen  tragen  Bs.  Si  sieht  in  irer  tulene 
Hube  mit  selbem  Latsch  obedruff,  in  irem  Pitiste-Hibli 
—  tiie  nie'  der  Sorte  vo"  Hiblene  sait  —  eso  appeditUg 
IIS  Bs  (Schwzd.).  —  Blöder-:  vormals  eine  Weiber- 
haube, hinten  mit  wülstigen  [bloderigen]  Falten  ge- 
rcihet,  rings  um  den  Kopf  glatt,  an  den  Ohren  und 
mitten  auf  der  Stirne  mit  einer  Schnappe  oder  Spitze 
von  Draht  geschlossen  Bs  (Spreng).  —  Rosen-:  mit 
Kränzchen  von  Rosen  verzierte  ,Guefe'  ScHwf.  Nach 
Gem.  Z  begegnet  das  W.  auch  in  Z  im  XVII./XVlll. 
,Es  soll  den  Gemeineren  und  .\rmen    undersagt  sein, 


silberne  Rosen-Häuble  und  Blatten  an  Schoosen,  Krä. 
gen,  Bletzen  und  Hauben  zu  tragen.'  G  Kleiderordn. 
17'27.  —  Schal-Hübli.  L  Vogtkinderrechn.  1438 
(Liebenau). 

Schin-Hübe:  Häubchen  mit  gesteiften  Spitzen, 
welche  wie  zwei  Schmetterlingsflügel  emporstanden 
OBwf.  Vgl.  Mutschen-,  Bosen-H.  —  Benannt  nach  dem 
.Scheine',  d.   i.   Glanz,  welchen  sie  der  Trägerin  verleiht. 

Schlaf-:  Schlafmütze  (eig.  u.  bildl.)  Ap;  Bs.  — 
Schlappen-.  ,Ein  schlappen,  schlappenhüble,  pilcus.' 
Mal.  —  Schwabe"-:  Haube  nach  der  Tracht  der 
Schwäbinnen  üw;  U;  aus  OnwKerns  aus  alter  Er- 
innerung als  H.  von  farbigem  (blauem)  Tuch  mit 
Gold-  und  Silberborden  beschrieben  mit  dem  Beifügen, 
dass  die  Berichterstatterin  (eine  alte  Frau)  ein  ein- 
ziges Exemplar  gesehen.  —  Spitz-:  1.  fSpitzli-H.) 
Spitzenhaube,  nur  von  verheirateten  Frauen  getragen 
Aa.  —  2.  Spitzhelm.  ,Sy  [die  Gugler]  haftend  sp.  uf, 
den  man  noch  gewonlich  spricht  engelsch  hüben.' 
1333/1446,  Z  Chr.  —  Stüche--:  Weiberhaube  von 
feiner  Leinwand  [Stachen].  G  Mand.  XVII.  u.  XVIII. 
.Wo  sind  die  alten  Gugeln  und  Stauchenhauben  der 
Frauen,  die  Gesundheitslumpen  und  die  ledernen  GöUer 
der  fürstenländischen,  schweren  Dragoner'?-  PScbeitlin 
1829.  —  Sturm-:  1.  Helm  der  ,Feuerläufer'  Aa. 
Bildl.  , demokratische  St.  [Heisssporn,  Stürmer].'  — 
2.  Frauenhaube  mit  sog.  Stürmen  |s.  Sturm).  Z  XVll. 
—  Tüechli-:  eine  Art  Fraueiihinilir  i  :.  Tnrrh/ii.  .Der 
kostlichen  Tüechlihauben,  der  i;^-iirk(.n  K-nliinn  innl 
Kinnischnüeren.  sonderlich  aiieli  diT  lüclilrn.-  /  .Mand. 
16511/1721.  ,Um  die  Mitte  des  XVIL  erhielt  eine 
Tochter  aus  einem  angesehenen  Hause  zur  Aussteuer: 
12  verschiedene,  zum  Kirchenhabit  gehörende  Tüechli- 
hauben.'Gem.  Z.  —  Drät-:  eine  weisse,  nur  an  Sonn- 
tagen getragene  Haube  der  Frauen  GRh.  —  Zug-: 
1.  Frauenhaube,  die  man  mit  einer  Schnur  weiter 
oder  enger  ziehen  kann  (iL;  „L".  Syn.  Zug-Kappe". 
.Eine  schwarz  ilainastene  Zughaubo  mit  einer  Gold- 
borte.' Z  Nachr.  17.M.  S.  1-2-2.  (Es  ist  die  Rede  von 
Vaganten).  —  2.  (-HiViii  =  Kapitüsli  GrV.  —  Zug-: 
ein  weisses  Häubchen  mit  zwei  hervorstehenden  und 
an  das  Gesicht  sieh  an.schiniegenden  Schirmen,  über 
welches  ein  schwarzes  Häubchen  angezogen  wird,  was 
dann  zusammen  die  Tussette  bildet;  fängt  an  beim 
höhern  Stand  ausser  die  Mode  zu  kommen  Gl  (Schuler). 

hübe",  hübe-:  mit  einer  Ihuibc  vrr.sehen.  .Man 
soll  jn  [den  Falken]  anfangs  mir  .inrr  i.ii-;chhauben 
heuben.'  Vogelb.  1557.  ,Daruiiili  .sollt  du  jn  gehaubet 
tragen.  Darnach  so  du  jn  [den  Habicht]  geheubt  hast, 
so  stell  jn  an  die  sonnen.'  ebd. 

üf-g'hübet:  aufgeschwollen,  z.B.  von  der  Hand 
BBe.  Ma  g'siahd  's  scho"  an  d'r  ufg'huhete  G'schu-öUni 
and  am  Ummergrüpe"  GuPr.  (Schwzd.). 

Ge-hüb  n.:  ,Gehäube',  Kopfputz  (der  Frauen). 
,Zu  Gchäub  und  der  Kopftracht  mögen  die  Weibs- 
personen sich  alles  dessen  bedienen,  so  in  gegenwär- 
tigem Mandat  ihnen  zugelassen.'  B  Mand.  17'28.  ,l)ass 
noch  ferners  zugelassen  bl«ibet  das  sog.  Cammor- 
Tuch,  Baptiste  und  Mousseline  ins  Land  zu  bringen, 
dessen  aber  sich  allein  zu  Rabatten,  Halstücheren, 
Manchettes,  Coeffures,  Engagentcs,  Tours  de  Gorge, 
Fürtücheren  und  zu  allem  Gehäub  des  Frauenzimmers 
zu    gebrauchen.'    ebd.   —   Wohl  Übers,   des   frz.  colffitre, 


955 


Hab,  heb,  hib.  hob,  hiib 


hüble"  I,  in  Aa  tw.  hüple :  1.  beim  Schöpfe 
nehmen,  schütteln;  züchtigen,  derb  zurechtweisen; 
beim  Spielen  ausbeuten,  rupfen  Aa;  Bs;  B;  Gl;  G; 
ScH;  Tn;  Z.  /'•''  hi'  g'hüblet  worde",  ich  habe  vor 
Gericht  oder  im  Spiel  zahlen  müssen  Bs.  Er  [der 
Knecht]  isch  im  Meister  us  de'  Hände'  g'n-üfscht,  siist 
hett-er  en  g'hüblet.  Hebel.  ,Ich  will  üch  noch  bas 
düblen  [den  Kopf  waschen],  dann  ir  [Egg  und  Faber] 
band  all  beid  fürz  gelän,  dorum  soll  man  üch  h.' 
1525,  UEcKST.  ,Ich  möchte  jm  hie  vilfaltig  ynreden 
und  jn  wol  h.'  HBull.  1563.  Wenn  s'  [die  Luzerner 
Bauern]  eine'  vo"  ire'  Here'  ertmtscht  hend,  so  hend-s' 
e  g'hüblet  und  hend-em  d'  Öre'  g' streckt.  Gespr.  1712. 
,Es  geschieht  ihm  [dem  Anstifter  eines  Mordes]  recht, 
wenn  man  ihn  brav  hublet'  Lindinner  1725.  —  2.  eine 
Haube  in  Falten  glätten  G  1799;  Syn.  glögglen. 

Zu  Bed.  1  vgl.  einige  RAA.  uuter  Hühm.  Da  jedoch 
.häubeln'  im  ä.  Nhd.  der  Terni.  techn.  der  Falkner  war  für 
das  Zähmen  der  Falken  durch  Aufsetzen  eiuer  sog.  Haube, 
so  könnte   auch  dieses,    wenigstens  tw.,    zu   Grunde    liegen. 

ab-hüble":  Einen  tüchtig  zausen,  züchtigen  Bs; 
derb  zurechtweisen  Aa.  —  üs-:  1.  Einen  ausbeuten, 
um  sein  Geld  bringen  Bs;  Z;  Syn.  üshülschen,  -Malen, 
-secklen.  —  2.  „auszischen,  ausschimpfen." 

Hnbert,  Hujiert  Z  (t.  j7,  t.  «)  —  7n.,  Hiiper-Erde' 
B,  Hueb-Erde"  ZGrün.  —  f.:  Hubertuserde,  eine  Art 
weisslichcr,  z.  B.  in  der  Nähe  von  Payerne  gewon- 
nener Lehm,  t.  von  Töpfern  zum  Grundieren  der  Ka- 
cheln, t.  im  Haushalt  zum  Entfernen  von  Schmutz- 
flecken aus  Fussbüden  gebraucht.  ,Die  gemeine  argilla, 
Lett,  Leim,  Hubert,  Hub-Erd,  welche  die  Hafner  zu 
ihren  Becken,  Häfen  und  andern  Koch-  und  Haus- 
geschirren brauchen.'  JJScheücbz.  1707.  ,Aus  dem 
Albisberg  wird  gefunden  ein  gemarmorierter  H.,  eine 
Erde.'  ebd.  , Solche  Grund-  oder  Hub-Erde.'  ebd. 
S.  noch  ver-glästen  (Sp.  651),  Glästi,  Glätti,  auch 
, Pfeifenerde'. 

Nach  einer  Angabe  soll  diese  Erdart  früher  aus  Deutsch- 
land bezogen  worden  sein  und  es  könnten  Hujjer  und  Hxieh 
als  aus  Umd.  entstandene  Verderbnisse  genommen  werden; 
auffallen  muss  aber,  dass  das  W.  gerade  in  den  deutschen 
WBB.  fehlt,  und  schwer  lässt  sich  eine  Bez.  zu  dem  Namen 
, Hubert  (Nbf.  Hupert)'  ausfindig  machen.  Da  die  älteste, 
vom  J.  1493  aus  Süd-Dentschl.  überlieferte  Form  ,hHberde' 
ist,  so  spricht  die  grössere  Wahrscheinlichkeit  dafür,  dass 
Hueh-Erdm  das  Richtige  sei,  welches  ursprüngliche  Comp, 
sich  nach  einem  häufigen  Vorgange  allenfalls  zu  Hubert, 
Hujipert  umgestalten  konnte.  Ob  sodann  ,Hueb'  sich  auf 
eine  bestimmte  Örtlichkeit  dieses  Namens  beziehe,  oder  die 
betr.  Erdart  als  ausgehobene,  bzw.  als  durch  Abhub  der 
deckenden  Schicht  gewonnene  bezeichnen  wolle,  bleibt  freilich 
dahingestellt. 

halte 'te°:  (bei  Spiel  und  Trunk)  sich  lustig  machen, 
geberden  LG. 

Das  W.  scheint  eig.  lautes,  jubelndes  Treiben  und  .Jauch- 
ten zu  bezeichnen  und  gemahnt  in  seiner  Bildung  an  tnm- 
peten  (häufig  trvmbhen),  p(r)olhen.  Dass  der  ersten  Silbe 
hupe'  zu  Grunde  liege,  ist  nicht  unmöglich.  Die  Schwächung 
von  p  zu  b  stände  viell.  im  Zsbang  mit  der  Stellung  des 
Accentes;  vgl.  Rage'le,  Tabe'le,  Vuyä'te,  hingegen  Ttirpe  st. 
Turbc,    Lafftler  st.  ,Lavater'  (lavator)  neben  Lave'te,   Lafette. 

„liubitsclie":  Jmdn  aus  der  Ferne  herbeirufen, 
bes.  zu  einem  Sterbenden  LE."    -    Zu  hutri  Bd  I  315. 

Hubitz  s.  Hu  I. 

Hoble"  f-ü-J  f.  (PI.):  ,die  äussersten,  grünen  Scha- 
len der  Nüsse  Aa"  ;  auch  der  Bucheckern  AABb.    Syn. 


Tanggen.    —    „huble",    üs-h.:   die   Nüsse    von    den 
Hiiblen  befreien  .\a."    Syn.  (us-)tanggen.  —   Vwdt  mit 

Hübe 

Hübis^   m.:    Kopf   Aa  oF.    -   Zu  Habe,    Haupt.     Die 
Endung  -ha  hat  oft  verächtlichen  Sinn;  vgl.   Pingiaa. 
h  ü  b  i  s  s.  stilbis. 

büble"  II:  heulen  UUrs. 

Mhd.  hiutceln,  nhd.  heulen,  eig.  rufen  wie  eine  Eule 
(hämel,  ahd.  himcela) ;  vgl.  lat.  ululare  von  ulula,  Kauz;  s. 
noch  unser  hüten  und  üiclen  Bd  I  618.  w  zu  i  wie  in  Slb, 
Seben  =  Scic,   Sewen;  grab  aus  gräir,   krtihlen  aus  kräwlen. 

Hueb  I  f.:  der  Huf.  Nur  in  den  folg.  Zssen.  — 
Esels-:  Eselshuf,  bes.  als  Pflanzenn.,  Huflattich, 
tuss.  ,Dise  muschlen  ist  an  der  gestalt  ganz  änlich 
einer  e.'  Fiscbb.  1563.  .Spondylus,  ein  steinosteren, 
ein  e.'  ebd.  S.  noch  das  Folg.  ,Eselshuob,  brand- 
lattich:  bechium,  tussilago,  vulgo  ungula  caballina; 
patte  de  cheval,  ou  pas  d'asne.'  KdGessn.  1542  und 
ebenso  Fris.;  Mal.  —  Ross- f.:  Pferdehuf,  aber  nur 
noch  zur  Bezeichnung  der  Pflanze  (spec.  der  Blätter) 
tuss.,  Huflattich,  und  zwar  tuss.  pet.,  grossi,  tuss.  farf., 
chlini  R.  Aa;  Bs;  VO.  (in  Zs  auch  Dim.  E.-Häebli); 
„Gl;"  G;  S;  Sch ;  Z.  In  ZB ah  auch  R.- Hu eber;  Syn. 
Fülli-Fness.  Alli  Buebe"  stinke'd  u-ie  R-e",  Neckreim 
Aa  (Rochh.).  ,Labicium,  r.  vel  blachte.'  Ebinger  1438. 
,Tuss.,  huetflattich,  brandlattich,  r..  ein  kraut,  ver- 
treibt den  huesten.'  Fris.  ;  Mal.  ,R.  oder  huflattich 
mit  schwynem  fleisch  oder  springwiderfleisch  gesotten 
und  gessen.'  Zg  Arzneib.  1588.  ,Bletter  von  Ross- 
huben  oder  Brandlattich.'  JRLandenb.  1608.  ,Bechion, 
Brandlattich,  Rosshueb,  farfugium.'  Denzl.  1677;  1716. 
,Die  Rosshuben  blühen.'  Helv.  Kai.  1780  März. 

Amhd.  huqf  m.,  altsächsisch  ha/  (nd.  Aoe/),  so  dass 
unser  b  die  richtige  deutsche  Lautverschiebung  darbietet 
(wie  in  Hab  I,  Haber,  Sehwehd).  Es  ist  auch  noch  erhalten 
in  dem  Familienn.  Huebachmid  AaNiederw. ;  ZKn. ;  jetjit  z.  T. 
modernisiert  in  Hufachmid;  vgl.:  ,HBertschis,  des  huobsmits 
knecht.'  1398,  LRatsb.;  ,üolr.Huobschmid.'  1670,  AaBremg.; 
ferner  in  den  Zssen  Hueb-Latlich,  -Btacken.  -  Die  Verschie- 
bung (bzw.  das  Schwanken)  des  Genus  ist  in  älterer  Sprach- 
periode eine  häufige  Erscheinung;  übrigens  mag  hier  das 
Genus  von  Hueb  IV  eingewirkt  haben. 

Haeb  II  f.:  „kleine  Anhöhe  B;"  Hebung  des  Bo- 
dens, Ansteigung  BE.,  S.;  vgl.  ,in  colle  qui  adhuc  di- 
eitur  z'  hüben  [bei  LGundel.],  i.  e.  zum  Büel,  spe- 
culam  habebant.'  Mise.  Tig.  —  Nhd.  ,Hub'  m.  von  ,hebeh'; 
die  Abweichung  des  Geschl.  viell.  durch  Einfluss  von  Hueb  IV. 

Ur-  m. :  Anfang,  Ursache,  An.stiftung;  Syn.  ür- 
hab  1.  ,Es  werdend  hie  [bei  Friedbruch  und  Freveln] 
keine  wort  für  ein  urhub  erkennt,  sunder  einem  jet- 
lichen das  recht  drum  fürgeschlagen.'  1533,  B.  ,Dess 
du  küng  bist  der  recht  u.'  Aal  1549.  ,0  Paris,  du  vil 
schnöder  hueb,  des  grossen  Jammers  ein  u.'   GGotth. 

1599.    -    Zu    er-heben. 

Hueb  III  f.:  Wohnung  des  Fuchses,  Dachses, 
Murmeltiers  Gl  (Steinmüll.);  Schw.  ,Wir  verjagten 
einen  Munken  [Murmeltier],  der  in  seine  Hube  oder 
Hüle  zurückfloh.'  Steinmüll.  1802. 

Wahrsch.  entstanden  aus  Ueb  S  (Bd  I  61).  Schon  ahd. 
berührt  sich  uobo,  colonus,  uobare,  cultor,  mit  huoba,  colonia, 
und  huobare,  colonus;  lanthuoha  wechselt  mit  lantttoba,  ruri- 
cola  (Graff).  Der  Vorschlag  des  H  (wie  in  Hel/enbein,  Hüwel, 
Hambitsgi,  Hua-Stür,  -Tagen,  Herd.  Hüetliberg,  Haalen,  Haglen, 
lläaer  u.  a.)  erleichtert  durch  Anlehnung  an  Hueb  IV,  dessen 


Hab,  heb,  hib,  liob,  liiib 


dominierender  Eintiuss  auch  das  Geschl.  afficierte,  wenn 
dieses  nicht  aus  der  Form  des  Ntr.  PI.  hervor  gegangen  ist. 
Immerhin  bleibt  noch  eine  Möglichkeit:  bedenkt  man,  dass 
Hutb  im  Ablauts-Verhältniss  zu  Hab  (vgl.  Grab  :  Grueb,  Ur- 
hueb  =  Vrkab)  steht  (von  haben,  heben,  continere,  possidere), 
ferner  dass  wir  Hub  I  in  der  Bed.  receptaculum  haben,  so 
läge  anch  hier  die  Bed.  Behältniss,  Bergungsort,  nahe,  und 
unser  W.  wäre  dann  im  Grunde  =  Hveb  IV,  welches  auch 
insofern  einen  Anknüpfungspunkt  bietet,  als  es  lat.  durch- 
weg durch  mamue  (von  mumre,  wohnen,  raainio)  wiedergegeben 
wird;  vgl.  lat.  habitatio  von  habilare,  iterat.  zu  habere;  gr. 
öxvj,  Aufenthalt,  auch  Höhle,  welches  sich  zu  Ifiä  ähnlich 
verhält  wie   Hueb  zu   haben. 

Haeb  IV  f.:  Hufe  (Landes).  1.  ein  in  Ap;  Bs;  B; 
L;  Sch;  Schw;  S;  Zg,  bes.  aber  in  G;  Th;  Z  häufig 
vorkommender  Ortsn.,  jetzt  t.  einen  Weiler,  t.  einen 
einzelnen  Bauernhof  bezeichnend ,  urspr.  aber  ein 
Lehengut  von  bestimmter  Grösse,  etwa  was  zur  Er- 
nährung einer  grossen  Familie  hinreicht  (in  Ale- 
mannien  gewöhnlich  von  40  oder  48  Jucharten,  welche 
mancherorts  in  4  Schuepossen  zerfielen),  angeblich  die 
Hälfte  eines  , Hofes'  (curtisj,  vgl.  die  mehrfach  vor- 
kommende Zweiteilung  Ober-  und  Under-  (Nider-J  H., 
sowie  Wider-H.  Doch  ist  ihr  Begr.  nicht  ein  blosser 
Massbegr.,  sondern  auch  ein  Kechtsbegr.,  der  mit  den 
alten  hofrechtlichen  Verhältnissen  zshäugt.  Zum  We- 
sen der  Hueb  (mlat.  mansus,  auch  etwa  Guet,  bonum, 
prffidium,  curia  genannt)  gehört,  dass  sie  nicht  bloss 
bebaut,  sondern  auch  bewohnt  wurde  und,  meist  als 
Handlehen,  in  Abhängigkeit  von  einer  Grundherrschaft 
stand,  welcher  der  Hueber  (colonus,  mans(u)arius)  den 
Huebzins,  worunter  bes.  das  Huebschivin,  entrichtete. 
Die  Hueben  hatten  ausser  ihrem  Sonderbesitz,  welcher 
nach  einer  Angabe  aus  V*  Matt-  und  '/t  Ackerland, 
letzteres  auf  die  3  Dorfzeigen  gleichmässig  verteilt, 
bestand,  gewöhnlich  auch  Anteil  an  Gemeindewald 
und  -Weide.  Im  Laufe  des  XIV.  u.  XV.,  nachdem  sie 
urspr.  ohne  feste  Verbindlichkeit  des  Herrn  (als  Hand- 
lehen) hingegeben  worden,  wurden  die  Hueben  in  mit 
einem  fixen,  nicht  mehr  steigerbaren  Zins  beschwerte 
Lehengüter  umgewandelt  und  waren  nun  Zins-  oder 
Erblehen.  S.  noch  Hof.  ,Mansus :  villa  aut  locus 
familise,  villula  coloni  unius  habitationi  propria.  fun- 
dus  cum  certo  agri  modo.'  älteste  Definitionen  bei 
DucANGE.  ,Höbam  unara  hoc  est  40  jugera.'  Tradit. 
Sang.  ,Mansum  1  seu  4  scoposas  allodii  nostri  situm 
in  Villa  Büttingen.'  l'J8'2,  BAarb.  Handf.  ,Due  huobe 
integre  quarum  unam  habent  pro  media  parte  videl. 
huobam  Berch.  addorf  N.  N.  et  N.'  N.'  Item  relifjuara 
partem  X.  et  X."  1293,  Z  Stiftsurk.  ,Unum  niansum 
dictum  vulgo  huoba,  situm  in  territorio  ville  de  Jegen- 
storf  et  Interlachen.-  1299,  BFraub.  (Urk.).  Auch  in 
ZZoll.  liegen  die  beiden  (.obere'  u.  .untere')  , Hueben' 
bei  und  gehörten  zu  dem  ,Wilhof'  genannten  Weiler 
(villa).  ,Mansum  seu  huobam  meam  sitam  in  villa  seu 
territorio  ville  de  Allwantingen.'  1305,  B  Urk.  ,Ze 
Swäbindingen  ligent  ouch  lO'/ä  buchen  und  tJ  schuop- 
pOssen  und  ein  wideme.'  c.  1303/11,  Habsb.-Östr.  Ueb. 
,Es  ist  ouch  ze  wissen,  dass  zuo  einer  huob  gehört 
4  fuoder  holzrechts  und  zuo  einer  schuoposs  2  fueder 
holzrecht.'  Z  Laufen  Otfn.  ,Ein  herr  mag  syn  zins 
forderen  zue  den  höfen  und  die  sond  im  Zinsen  uu- 
verzogenlichen  und  die  hueben  buwen  uf  S.  Michels 
tag,  und  die  die  schuoppossen  buwen,  uf  S.  Otmars  tag, 
und  die  die  hueben  und  schuoppossen  band,  die  band 
das  recht,  ob  sy  nit  Zinsen  mügen  eins  jars,    so  soll 


man  sy  nit  vertryben  von  irera  erb  unz  an  das  dritt 
jar.'  ZBrütt.  Olfn.  ,In  dem  dorfe  ze  [Albis-]  Rieden 
werden  von  alter  schrift  und  von  den  Pfenningen,  so 
man  für  du  swyn  git  ze  sant  Thomas  tult,  gefunden 
dis  nachgeschriben  huobe:  Streifes  huobe,  das  ein 
ganze  huobe  ist.  Burkarts  uffen  dorf,  du  ouch  ein 
ganze  huobe  ist.  Steinhusers  huobe,  du  ouch  vil  nahe 
ganzü  ist.  Und  Wernhers  huobe  in  Gassen,  das  ein 
halbe  huobe  ist.  Doch  sint  die  selben  huobe,  beide 
von  todes  wegen,  von  koufes  wegen  und  von  änderunge 
der  luten  in  disen  zyten  zerteilt,  dass  man  du  teil 
küme  zesamen  bringen  mag,  es  geschehe  danne  mit 
grosser  arbeit  und  flysse  der  lüte,  so  nu  lebent.' 
1320/30,  Z  Stiftsurb.  ,Der  kelnhof  ze  Swabendingen 
giltet  [zahlt]  36  mütt  kernen,  so  du  zeige  lyt  wider 
Varode,  und  so  sy  lyt  wider  Zürichberg  32  mütt 
kernen,  und  so  sy  lyt  wider  Huwenmos  30  mütt  kern. 
So  sint  ze  Swabendingen  11  huobe,  der  ieglicher  giltet 
5  mütt  und  1  viertel  kernen  und  du  halb  huobe  6  viertel 
kern.  So  sint  da  6  schuoposse,  die  geltent  6  [vorher 
stand  5]  mütt  kernen.'  c.  1340,  ebd.  ,Von  den  zehen 
huoben  und  von  der  halben  huobe  ze  Swabendingen 
sülln  die  bülüte,  die  die  huobe  buwent,  ieglicher  ze 
mittem  ougste  1  mütt  kern,  bringen  ze  bachenne  und 
swenne  sy  den  kernen  bringent,  so  git  der  kloster- 
kellner  ir  ieglichem  1  simlen.'  c.  1330/40,  ebd.  ,Hai 
quatuor  scoposae  sunt  una  huba.'  1347,  LBerom.  (Feu- 
denbuch).  ,Man  soll  des  gottshüs  huoben  zuo  dryen 
malen  in  dem  jare  besehen  mit  den  huobern:  bestand 
sy  denn  wol  daby,  so  lass  man  sy  belyben;  stand  sy 
nit  wol,  so  soll  man  sy  anders  besetzen.'  1351,  Aa 
Weist.  In  ScawPfäff.  hatte  das  Kloster  Einsiedelu 
ausser  einem  ,kelnhof'  auch  eine  ,obre'  und  eine  ,nidre 
huob'.  1427,  Zeitschr.  f.  Schwz.  R.  ,Es  soll  nieman 
mer  vehes  uf  die  weid  tryben,  denn  von  einer  huob 
12  houbt.'  XV.,  ZSchwam.  (Hotz,  Urk.).  Die  Chor- 
herren zu  Z  verleihen  1465  ,iren  hof  zue  Swamen- 
dingen,  nämlich  huoben,  schuoppossen  und  sunder 
güeter  an  N.  N.'  als  Erblehen,  ebd.  ,Ein  halbe  hueb, 
gen.  schuoppos  hueb.'  1509,  ebd.  .Etlich  huoben,  co- 
lonien  oder  lechengüeter,  so  bishar  verlechnet  g'syn 
sind.'  1526,  GsHanz  (Absch.).  S.  noch  Frisching- 
P fennig  und  Frecht;  ferner  anfallen  Bd  I  753  und 
ergetzen  Sp.  574.  ,Es  soll  ouch  niemand  kein  hueb 
zerteilen  oder  etwas  aus  derselbigen  eigens  gewalts 
verkaufen,  veränderen  oder  vertauschen;  dann  welcher 
solches  übersehen  wurde,  der  soll  sein  erbgerechtig- 
keit  an  der  hueb  verwürkt  haben.  Ob  aber  einer  sein 
erbrecht  an  der  h.  verkaufen  wollt,  das  mag  er  wol 
tuen  sanimethaft  one  alles  vorbehalten  und  zerteilen.' 
1533,  ZSchwam.  Offn.  ,Sy  liessend  us  lo'/a  hueben 
werden  15  hueben.  Desshalben  die  teil  kleiner  syn 
müessend  denn  vor.'  1555,  ebd.  ,N.  N.  hat  2  niann- 
werch  am  Klosbach  oder  an  der  hueb  zue  Hottingen.' 
1557,  Z  Stiftszehntenrodel.  .Jede  hueb  soll  nur  1  hus 
haben  und  nit  mer.'  1559,  ZSchwam.  ,Älle  huoben 
zuo  Schwam.  gehören  der  stift,  obwol  die  merteils 
der  huoberen  erbgüeter  sind  diser  zyt.'  1562,  ebd. 
.Alle  huebgüeter  sind  nur  erbgüeter.  Vor  sinds  hand- 
lehen  gsyn  und  mit  gwüssen  gedingen  gelihen.'  1563, 
ebd.  .Die  Widmershueb  ist  unverdenkliche  jar  geteilt 
gsyn  und  ist  erst  mit  sonderm  flyss  im  1575  wider 
zesammen  worden.'  Hotz,  Urk.  .Der  stift  meicrhof 
[in  ZAlbisr.]  ist  ein  ganze  h.'  XVI..  ebd.  .Ein  jede 
Hueb  soll  nit  wyter  dann  ir  gebürlich  Huebhaus  und 


Hab,  heb.  hib.  Iiob,  liiib 


darin  Scheur,  Gehalt  und  Stallung  haben.'  1573/91, 
ZSchwam.  Oifn.  ,X\s  der  Guetren  etliche  geteilt  und 
nach  nit  widerumb  zusammen  gewachsen,  was  halbe 
Hueben  sind,  die  sollend  auch  wider  zesammen  kom- 
men und  wo  etwas  aus  einer  Hueb  verliehen,  widerumb 
darzu  gezogen  und  was  übriger  Schueppisgüetren,  so 
nach  nit  zu  den  andren  Hueben  kommen,  zu  den 
Hueben  widerumb  gebracht  werden,  und  also  soll  es 
auch  mit  den  Nebenthofstatten  im  Dorf  beschechen. 
und  soll  fürhin  Keiner,  so  Huebgüeter,  Schueppissen 
oder  Nebenthofstatten  hat,  hinder  dem  Gstift  ützit 
feil  bieten  nach  verkaufen.'  ebd.  ,15  Mannsmad  oder 
Hueben  zu  Nüwenhusen.'  JRüeger  1606.  ,3  Hueben. 
1  Schupotz  und  1  Müli.'  ebd.  Von  Compp.  in  Flurnn 
finden  sich  bes.  H.- Acher  B;  L;  Z,  -Hof  Ax;  Z,  -Matt 
Aa;  L  (vgl.  ,Chuon  von  Huomatten.'  1.386,  LB.),  -Bach 
G,  -Berg  B;  Th,  -Bain  Z,  -Schür  L,  -Schimndi  L, 
-Wis  6;  ZWald,  in  ZTurb.  eine  Hue-Wis.  Die  gül- 
dene R.  s.  guldin  Sp.  227,  die  loilde  H.  L;  ZAlbisr. 
1332.  Bes.  häufig  wird  die  H.  durch  den  Namen  ihres 
früherr  Besitzers  näher  bezeichnet,  wie  in  Kerpfen- 
nigs-  LWillis.,  Otten-,  Manzen-  ZWyla,  Pfyffers-, 
Schrlbers-  (vormals  Volmars-  u.  Küngs-),  Schär-,  Kem- 
maters-H.  ZSchwam.  XVI.  Die  reichste  Lese  hiefür 
bietet  das  Habsb.-Östr.  Urbar  von  1303/11.  Das  dim. 
HüehU  in  G;  Th  (wo  auch  Geschlechtsn.);  Z.  —  Hiezu 
die  Abll.:  nuebe"  (au.s  dem  Dat.  PI.  de.s  Grundw.  ge- 
bildet) B:  (li.Küti:  1,;  Tii;  /,.  v-1.:  .TleniKinn.s  sünc 
von  Hnul,,.,!,'  l:;n',i,  K,,,!,  r,k,;  ,„,  //,„/,/,,• /Schlier., 
wie  WisUy  \ni,  \V,s.  Sdnhivr  von  Srhihe"  u.  a.  Flurnn. 
(vgl.  ,in  der  Huob'  Geschleclitsn.  1381,  ZcBligg.;  1386, 
AABeinach;  1428,  ScHwPfäff.;  1519,  Z;  ,von  der  Hueb.' 
1436,  GStdt,  vgl.  Hueher  12).  Der  Ortsn.  Huebhansen 
ZWald  (eig.  Gen.)  vom  Namen  des  Besitzers.  ,Petcr 
Huebenrich'  fingierter  Geschlechtsn.  1443,  GEappersw. 
(Pründ).  Vgl.  bes.  noch  Hotz,  Urk.  I  Nr.  46;  HI  Nr.  22 
und  26;  Seg.  KG.  II,  245  ff.;  Gfd  34  (Stiftsfeudenbuch 
LMünster);  LABurokh.  1860,  S.  11  f.;  JMey.  1878,  191. 
215/23.  —  2.  (gew.  PI.)  die  Marken,  die  Gemarkung, 
das  Gebiet  einer  Gemeinde,  Gemeinde-Bann,  -Grenze 
Gl.  , Alpen  in  den  Kerenzer-,  in  den  Molliser-,  den 
Ennendaer-,  Mitlödener-,  Eimer-,  Linttaler-,  Glarner-, 
Klöntaler-  usw.  Huoben.'  Steinmüll.  1802.  ,Jede  Ge- 
meinde ist  pflichtig,  bei  gross  gefallenem  Schnee  die 
Landstrassen  zu  öffnen,  so  weit  ihre  Hüben  gehen.' 
Gl  LB.  1835.  ,Die  Alp  Bergli  in  den  Hüben  der  Ge- 
meinde Matt  liegend.'  Gl  Nachr.  1887.  —  3.  Genossen- 
schaft, Korporation  einer  Bauerschaft,  meist  zu  ge- 
meinsamer Nutzung  des  Waldes;  Korporationsanteil. 
Syn.  Gerechtigleit;  ßertel  III.  Vgl.  Beilen.  ,1  Immi 
Korporationsholz  im  Hirslanderbcrg  in  der  Hegibächler- 
Hub.'  Z  Amtsbl.  1883.  ,Die  Hüben-  und  Einsidler- 
genossenschaften  von  Rümlang.'  ebd.  1884.  So  nenni 
sich  auch  die  Gesammtheit  der  Hubenbesitzer  in  Z 
Schwam.  ,die  Hubgenossenschaft  oder  die  Hubenge- 
nossen  von  Schwamendingen',  wiewohl  die  Hueben  in 
Bed.  1  längst  in  eigenen  Besitz  verwandelt  und  nur 
noch  die  gemeinsame  Nutzung  des  ehemaligen  Stifts- 
(jetzt  Staats-)  waldes  in  Betracht  kommt,  wobei  die 
kauf-  und  verkaufbaren  Anteile  bis  zu  Vi  und  '/s  Huel 
zerfallen. 

Ahd.  huola,  inhd.  huohe,  and.  hont  in  Bed.  1.  S.  ,Hufe' 
Gr.  WB.  IV  2,  1867.  Nach  der  Zugehörigkeit  zum  Tb. 
haben  (s.  die  Anm.  zu  Hueh  IIF)  kann  das  W.  entw.  wie 
Hah  IIJ  urspr.  auch  nnr  Besitztum    überh.  bedeutet,   oder 


dann  (vgl.  Jluh  I)  den  Begr.  des  Umfassenden,  des  zshän- 
genden  oder  -gehörenden  Gutes,  oder  endlich,  da  ,haben'  sich 
lautlich  und  begrifflich  mit  lat.  caixre  deckt,  denjenigen  des 
,iu  Besitz  Genommenen',  bzw.  des  bei  Besitzergreifung  des 
Landes  durch  das  ganze  Volk  dem  einzelnen  Geschlechte  zu- 
gewieseneu Anteiles  gehabt  haben.  Nach  Hueh  III  könnte 
das  Wesentliche  des  Grundbegriffes  auch  in  dem  (wenigstens 
bei  uns)  notwendig  mit  dem  Lehengut  verbundenen  Wohnsitz 
des  Bebauers  (mans(u)arius)  gesucht  werden.  Zum  gleichen 
Resultate  in  Hinsicht  der  urspr.  Bed.  gelangt  in  Kuhns 
Zeitschr.  VII  275  ff.  LMeyer,  welcher  die  unmittelbare  Her- 
leitung aus  haban  verwirft,  während  Andern  scheint,  dass 
gerade  Hueb  in  seiner  direkten  Herleitung  von  haben  beweise, 
dass  Letzteres  abs.  oder  refl.  einst  auch  die  Bed.  ,sich  (auf-) 
halten,  wohnen'  gehabt  haben  könne.  Müllenhoffs  Vermutung, 
es  möchte  die  Hueb  vom  .erheben'  der  Gefälle  (Masseinheit 
für  die  Steuern)  benaunt  worden  sein,  hat  zumeist  das  lat. 
manaxis  gr^^ca  sidi,  .lul'  widi'hL^s  wir  deswegen  Gewicht  legen, 
weil  histiiriM-h  orsirlitlitli  ist.  dass  die  Schöpfung  und  Be- 
nennung der  .Hueben'  (urkundlich  schon  680)  der  fränkischen, 
viell.  noch  meroviugischen  Zeit  angehört,  denn  auch  Frank- 
reich ist  ganz  durchspickt  mit  dem  Flur-  und  Hofnamen  ma» 
(auch  in  den  Nebff.  met  und  mow),  welcher  übrigens  noch 
mehr  als  unser  Hueb  auch  appellative  Kraft  behalten  hat; 
vgl.  noch  mlat.  manens,  colonus.  Bed.  2  führt  zu  der  Ver- 
mutung, dass  in  uralter  Zeit  wohl  sämmtliche  Höfe  (jetzt 
Dörfer)  des  Tales  Glarus  Hueben  (i.  S.  v.  1)  der  fränkischen 
Herrschaft,  dann  des  Stiftes  Säckingen  waren;  vgl.  Gem.  Gl, 
S.  221.  Auch  Bed.  3  lässt  sich  ans  1  herleiten,  insofern 
man  darunter  den  Anteil  einer  frühern  Hueb  oder  mehrerer 
an   einem  Wald  oder  an  Gemeindeland  versteht. 

Kilch-Hueb:  eine  H.,  deren  Gefälle  der  Orts- 
kirche zu  Gute  kommen.  Syn.  Widtim.  ,Die  S.Niklaus- 
od.  Kilch-,  auch  Kappelhueb  genannt.'  XVL,  ZSchwam. 
(Hotz,  Urk.).  ,A.  1481  hand  propst  und  capitel  ver- 
üben der  pursame  Fälwershuob  zu  banden  S.  Niclausen 
cappell  daselbs  [ZSchwam.],  das  dieselb  järlich  3V2 
mütt  kernen  drab  haben  solle,  dahar  sy  folgends  S. 
Niclausen  huob  oder  die  kilchhuob  genemmt  worden.' 
ebd.  —  Meier-:  H.,  auf  welcher  der  , Meier'  wohnt; 
vgl.  Meier-Hof.  ,In  dem  1371.  jar  sind  [zu  ZAlbisr.J 
noch  4V2  huoben  by  einandren  gsyn,  deren  die  erste 
die  m.  genannt,  so  diss  mals  der  meierhof,  ein  hand- 
lechen  von  der  stift.'  c.  1569,  Hotz,  Urk.;  vgl.  auch 
den  Geschlechtsn.  Hiicb-Meier.  —  Mann-:  wohl  = 
Mannlehen.  ,Die  Majer  de  cha  [casa,  Familie]  Niclai 
von  Salus,  majerien  oder  mannhueben.'  1529,  GnOVatz 
(Urk.);  vgl.  ,Mannhof'  =  Lehenhof  bei  Gr.  WB. 

S  c  h  w  i  n  -.  ,Die  24  Pfrundlehen  nannte  man 
Schweinhuben,  weil  jede  derselben  2  oder  mehr  Hub- 
schweine nebst  andern  Zinsen  [an  die  Chorherren]  zu 
leisten  hatte.  1326  wurde  jedem  Chorherr  eine  solche 
Hube  zu  seinem  Unterhalt  zugeteilt.'  LNeud.  (Esterra.). 
—  Anders  wird  Tierli-Uueb,  Ortsn.  in  GWaldk.,  zu  deuten 
sein;   vgl.    Tier-Garten. 

Schwert-:  viell.  =  3Iann-Hueb,  im  Gegs.  zu  einem 
, Kunkellehen';    vgl.  ,Schwert-Mage.-  XVL,  ZSchwam. 

Weib-:  Lehen  (Hueh),  worauf  die  Gerichts-  und 
Richtstätte  sich  findet.  Syn.  Mal-,  Ding-Statt.  ,Da 
[zu  LEgolzwil]  lyt  ouch  ein  w.-huobe,  die  der  herr- 
schaft  lantgericht  beweren  soll.'  1303/11,  Habsb.-Östr. 
Urb.  Graf  Hartmann  von  Kyburg,  Landgraf  von  Bur- 
gund,  verpfändet  den  Hof  ,Weiphuebe'  zu  BMelchnau 
unter  Vorbehalt  der  landgräflichen  Gerichtsbarkeit. 
1316,  Urk.  Ferner  bieten  die  alten  Originalrödel  im 
.\a  u.  Z  Staatsarch.  für  die  spätem  Weid-Hueben  in 
AABcrikon  u.  ZRifferschw.  die  Form  Weib-Huoh.  Vgl. 
Weibel-  und   Weid-Hiich. 


Illlb 


9G2 


IFtA-  zu  ahd.  iccihon,  sich  hin  und  her,  im  Kreise  be- 
wegeu.  Es  mag  also  die  '  Vi'eib  eig.  den  Kreis,  Bezirk  übh., 
im  Besondern  aber  das  Gebiet  des  ,'Weibels'  (vgl.  das  syu. 
li'uitel  mit  Gebiet  von  bieten),  dessen  eigentliches  Geschäft  ja 
das  Herumlaufen  und  das  ,Bieten'  zum  Gerichte  war,  be- 
zeichnet haben;  vgl.  noch  den  badischen  Ortsn.  ,Weibestatt' 
(jetzt  Waibstadt)  aus  dem  IX.  und  dazu,  aus  der  selben  Zeit, 
die  ,Wingart-weiba',  den  Kreis  oder  Gau  zwischen  Main  und 
Jaxt.  Zur  Bed.  vgl.  engl,  to  swat/  1)  schwingen,  schwenken, 
2)  regieren,  herrschen.     Vgl.   noch   Umschwung,  Umkreis. 

Weibel-.  ,Ze  Bergheim  [AABerikon]  hat  die  her- 
sehaft  ein  w.  unde  richtet  da  diuhe  unde  frevel.' 
Habsb.-Östr.  Urb.  ,Ze  LEgolzwyle  lyt  euch  ein  w., 
die  der  herschaft  lantgericht  beweren  soll.  Die  her- 
schaft richtet  diube  unde  frevel.'  ebd.  ,Ze  TuWillis- 
dorf  ist  ein  w.  der  frien;  die  herschaft  richtet  diube 
unde  frevel.'  ebd.  Spruch  des  Eats  zu  GWyl  über  die 
freie  W.  zu  Oberutzwyl  betr.  Bestellung,  Rechte  und 
Pflichten  des  Weibels  usw.  144'2,  s.  Weist.  ,Item  die 
W.  zu  ZStadel.  die  soll  ein  Vogt,  diewyl  er  Vogt  ist, 
nutzen.'  Z  Staatsarch.  ,Auf  der  W.,  die  sich  auf  der 
Platte  [ZFluntern]  befand,  wurde  im  Freien  das  sog. 
Hofgericht  gehalten  im  13.  — 15.  Jhdt.'  Denzl.,  Flunt. 
Vgl. :  .Diewyl  des  gestiftes  zum  Grossenmünster  Öff- 
nung allein  des  weibels  hueb  oflne  tafernen  zue  haben 
zuegibt.'  1569,  Z  Staatsarch.  ,MHH.  [Propst  und  Ca- 
pitel  Z]  band  ein  hofstatt,  die  man  nennet  die  Weibels- 
hueb,  uf  der  selben  hueb  soll  man  finden  bereitschaft, 
dass  man  alle  töd,  wie  man  die  verschuldt  hat,  voll- 
füeren  und  antuen  mag  nach  dem,  als  dann  gericht 
und  urteil  git.'  1459,  Offn.  ZPlunt.  ,Haus  und  Hof- 
statt der  Kelnhof-  oder  Weibelhueb  zu  Fluntern.' 
1607,  Urk.  Vgl.  noch  die  Orts-  u.  Flurnn. :  Weibel- 
Aclcer,  -Matt,  -Biint,  -Wisen. 

Dem  Weibel,  welcher  nicht  bloss  Gerichtsbote,  sondern 
auch  untergeordneter  Beamter  der  Gruudherrschaft  war  und 
oft  auch  das  Amt  des  Forsters  und  Flurschützeu  (Bannwarts) 
bekleidete,  war,  wie  dem  höher  steheuden  , Keller  (Kelnhofer)' 
und  , Meier'  (vgl.  Meier-Hmb),  eine  besondere  Hueb  gegen 
Zins  verliehen,  auf  welcher  die  Verpflichtung  ruhte,  den 
Platz  für  die  Gerichtsversammlung  und  das  Hochgericht  (den 
Galgen)  zu  geben  und  dafür  die  erforderlichen  Vorrichtungen 
(wie  Bänke)  zu  liefern;  vgl.   übrigens   Weid-H. 

Weid-:  =  Weib-H.  Nach  dem  Habsb.-Östr.  Urb. 
gab  esWeidhueben  je  in  AAFahrw.,  Seon,  Wohlenschw., 
Würenlingen;  ZAltst.,  Riö'ersw.;  sodann  in  AABerikon 
(1565,  Urk.  u.  schon  c.  13Ü0V),  Ehrend.  (1490,  Urk.), 
sowie  bei  Schwyz  (1338,  Urk.).  ,Ze  Altstetten  ist  ein 
hofstatt,  diu  ist  ein  weithuoba  der  grafschaft  von 
Habsburg;  da  richtet  diu  herschaft  von  der  grafschaft 
diub  unde  frevel.'  1303/11,  Habsb.-Östr.  Ukb.  Zu 
Schwyz  ,uf  der  w-e'  richtet  der  Richter  um  Holzfrevel 
auf  offenem  Landtage.  1338,  JEKorp.  , Curia  in  Fluont- 
rein  habet  tavernam  et  antiquam  mensuram  in  huoba 
dicta  w-a.'  c.  1363,  Z  Staatsarch.  ,üf  der  fryen  w., 
da  man  das  gericht  uf  hat.'  1409/1544,  Schw  LB.  ,So 
soll  man  dann  von  dem  [ergriffenen  Missetäter]  un- 
verzogenlich  richten  uf  der  fryen  w.,  also  dass  man 
jni  syn  houpt  abschlachen  soll.'  ebd.  ,Gen  Switz  ge- 
füert  und  uf  der  w.  gericht.'  1421,  Urk.  Im  Maien- 
gericht zu  ZEiffersw.  im  Jahr  1405  eröffnet  vor  den 
östr.  Richtern  WNäf,  wie  die  W.  zu  R.  eine  freie  W. 
sei,  worauf  seine  Vordem  und  er  gesessen  seien  40 
Jahr  und  mehr.  Die  Genossen  erklären  eidlich,  die- 
selbe W.  sei  eine  freie  W.,  ,so  viel  mehr,  als  man 
auch,  was  zu  den  Gerichtstühlen,  Bänken  und  Holzes 
Schweiz.  Idiotikon.  U. 


ZU  Galgen  (Var.  , Ballyen')  und  Stöcken  in  die  W.  not- 
dürftig ist,  hauen  mag,  in  welchen  Höjzern  man  will, 
die  in  das  Freiamt  gehören.'  Vidiuius  v.  1516,  Z  Staats- 
arch. ,Die  w.  ze  Eretingen  hab  gulten  10  viertel 
kernen  und  1  malt,  haber;  hat  ein  knecht  ze  E.  und 
ist  davon  schuldig,  die  klag  über  die  Übeltäter  zue 
tuend  von  [der]  herschaft  wegen  und  die  galgenleiter 
zue  fertigen  und  hinüs  ze  füeren,  des  glychs  die  räder 
und  anders,  wie  sich  das  gepürt.'  1490,  Arg.  ,Es  soll 
ein  lantgraf  richten  über  das  bluot  ze  Berkon  in  der 
w.'  XV.,  ebd.;  vgl.  eine  Urk.  vom  J.  1153,  wo  Mark- 
graf Werner  und  seine  Brüder  von  Baden  Urkunden 
,in  publico  mallo  Bercheim.'  (Neug.  Nr.  865);  unter 
den  Grundstücken  der  Yf.  zu  AABerikon  werden  auf- 
gezählt: ,Der  Galgenacher,  daruf  der  Galgen  stat, 
item  der  Bänkacher,  daruf  man  das  Landgericht  haltet.' 
1537,  Lagerb. 

Für    (las   alte,    schon  im  XIV,   und  tw.  schon   im  XIII. 
Qicht  iihlii  in-luMlrnr  ir, ;;  ;,^l.  ir.;;,  //i  ii,,l  Has  lautlich 


weg 


sind  iiliriJh-  iiiiMiinl..  ilb  i-t  |m:>  li.  Substituierung  von 
, Weid-'  IUI-  .Will'--  ih"'li  inl.iiiiillhli  narliziiweisen.  Die  sog. 
Reiusclinlt  il.-s  ll;,li^li.-(  Ktr^  lil..  il';n:;/n)  hat  im  B  Frag- 
ment, welches  l'feitter  unbekauut  war,  überall  Weibhuobc,  wo 
Pf.  nach  der  auch  im  Gfd  VI  benutzten  L  Abschrift  Weil- 
oder  Weidhuobe  schreibt.  Die  ganze  Reinschrift  hatte  wohl 
überall  Weib-  (bzw.  Weip-],  nicht  Weibel-  und  noch  viel 
weniger  WeidUuobe.  Auch  ein  Originalrodel  des  Z  Staats- 
archivs für  das  Freiamt  Affoltern  bietet  2  Mal  weibh.,  wn  Pf. 
weibelh.  schreibt,  ebenso  die  Aa  Rodel.  Diese  Veränderungen 
sind  aber,  wie  gesagt,  weniger  der  Nachlässigkeit  der  Ab- 
schreiber als  volksetymologischer  Einwirkung  zuzuschreiben. 
Halte  noch  obige  Angabe  betr.  Berkon  mit  derjenigen  unter 
Weib-H.  und  diejenige  betr.  Fluntern  mit  derjenigen  unter 
Weibel-H.  zusammen. 

Wider-:  Flurn.  BGurzelen. 

Eig.  eine  (halbe)  ümb,  welche  einer  andern  gegenüber 
liegt;  vgl.  (unter  Hueb)  Ober-  und  Vnder-U.,  sowie  Zell  und 
Widerzell   Z,    Wider-E<jy  Ap. 

Widum-:  eine  der  15  Hüben  zu  ZSchwam.,  wo- 
selbst es  auch  eine  Widmershueb  gab.  ,Die  W.,  so 
die  best  ist  under  allen.'  XVI.,  ZSchwam. 

Von  der  Kilch-H.  unterschieden  muss  die  W.  doch  eben- 
falls urspr.  eine  Vergabung  an  die  Ortskapelle  oder  deren 
Priester  gewesen  sein.  Vgl.  Widum-Hof,  ehemaliges  Amts- 
lehen des  Pfarrers  und  Sigrists  in  ZF. 

Huebor  I  in.;  1.  der  ziiisiiflichtige  Inhaber  und 
Bebaurr  riuev  II, uh  [V  1.  .Ut  llubiicr,  Hüfner.  ,Und 
soll  dciiu  [heim  Tu  du  ..fall  eines  Hörigen]  der  keller 
nemen  zwene  huober  und  einen  schuopesser,  die  sönt 
denn  das  houpt  [d.  i.  das  Besthaupt]  schStzen.'  c.  1322, 
Aa  Weist.  ,Wer  hofgüeter  hat,  besitzt  oder  mynet, 
der  soll  ein  h.  syn  oder  fallman  geben  nach  hofs 
recht.'  XIV.,  Bs  Rq.  ,Omni  anno  die  beati  Stephani 
villicus  et  huobarii  in  Hoengge  debent  eligere  lucarium 
[Förster].'  1?.:W,  ZHöngg  (Hotz,  Urk.).  ,Wär,  dass 
deheiii  li.  i"Ur  sduioposser  synen  zins  gänzlich  ver- 
säss  ilrv  jar.  so  wiir  das  guot  zinsfällig  und  möcht  es 
denn  ein  biscliof  lychen,  wem  er  wellt.'  ZLauf  üffn. 
.Der  Müller  zu  Rümlang  soll  des  Gottshus  Frauniünster 
H-n  malen  vor  mänlichem.'  XV.,  Ztschb.  f.  schwz.  R. 
,Wär  dass  die  4  meier  [der  4  Meierhöfe]  des  dorfs 
[ZOberglatt]  nit  mit  einandern  möchten  über[ein]- 
kommen,  so  hat  das  dorf  aber  4  höf,  die  sönd  hau 
4  hueber.  Die  4  meier  sond  die  4  h.  zu  inen  nemen 
61 


963 


Hab— linb.    llal)s    Inibs.    Hal)scli— liubscli 


964 


und  die  8  band  vollen  gwalt,  des  dorfs  nutz  ze  für- 
deven  und  schaden  wenden.'  1500,  Z  OGlatt  Offn.  ,0b 
ackrat  ist,  dass  sy  lesen  mugend,  so  send  die  böfer,  die 
huober  und  die  schuopesser  ein  vortag  und  vorteil 
haben  zu  lesen :  ein  hofmeier  soll  ein  tag  mit  4  per- 
sonen  vorlesen,  ein  huober  mit  2  personen,  ein  schuo- 
pesser mit  einer  person  und  darnach  ein  gemeind.' 
c.  1515,  ZEheinau  Offn.  ,Alle  h.,  welchen  ire  buchen 
von  dem  Gstift  zu  erb  gelihen  sind,  sollen  derselben 
hueben  und  schuepossen  güeter  in  gueten  eren  haben, 
damit  sie  die  huebzins  und  alle  gebürende  beschwerd 
wol  ertragen  mögend.'  1533,  ZSchwam.  Olfn.  ,\Vie  die 
meiger  und  h.  sich  [als  Schiedsrichter  eines  Streites] 
haltend,  sollen  die  tagnöuwer  [Kleinbauern]  nachhin 
faren.'  1578,  ebd.  ,Den  7  hueberen  zu  Rümlang  an- 
statt des  holzes,  das  sy  zu  der  neuen  zehntentrotten 
aus  iren  huebenhölzern  gegeben,  jederem  2  fl.  zu  einer 
vererung.'  1590,  Hotz,  Urk.  ,I>ie  gemeinen  huober 
von  ZSchwam.',  oft  bei  Hotz  Urk.  die  dortigen  Huben- 
besitzer  als  Corporation  bezeichnend.  S.  noch  be- 
gaumen  Sp.  303.  —  2.  neben  Müller,  Meier,  Weber, 
Lehmann  u.  ä.  einer  der  verbreitetsten  Geschlechtsnn. 
der  Nord-  und  Ostschweiz  (vgl.  Widmer) ;  oft  noch  in 
ununterbrochener,  historischer  Tradition  in  den  Gegen- 
den und  Gemeinden  haftend,  wo  Uneben  vorkommen. 
Die  nachstehenden  Belege  veranschaulichen  die  ge- 
schichtliche Entwickelung  des  nomen  gentile  aus  dem 
Appellativum.  ,Dictus  huober  zalt  10  quart.  trit.' 
1293,  Z  Stiftsurk.  ,rilius  quondam  Otten  hüobers; 
Hugo  et  TJolr.  fratres  dicti  huober;  de  huoba  dicti 
Strcipfs  solvunt  dicti  huober;  dictus  Eberh.  huober; 
R.  huober',  Alle  Zinspflichtige  von  ZAlbisr.  (ebd.). 
,Kuodolf  der  Huober  von  Suniken',  Eigener  des  Frei- 
herrn von  Eschenbach.  1309,  Kopp,  Urk.  ,Guota  Huo- 
bera',  ,Greta  huobera'  von  ZAlbisr.  c.  1330/40,  Z  Stifts- 
urk. .  ,Dicta  huobera  an  der  strclgassen  zalt  1  quart. 
[von  Gütern  zu  Albisrieden].'  ebd.  ,Ueli  H.,  genennt 
Mugi.'  1386,  LStdt.  ,Chuonr.  H.'  1403,  GStdt.  ,Heinr. 
und  Mauriz  H.'  1531,  Z  OGlatt.  Auch  in  Orts-  und 
Flurnn.  vom  Namen  des  frühern  Besitzers  her.  ,Im 
Hueber',  Hof  ZÄugst.  ,Acker  im  H.'  ZSeen.  ,Die 
Hueber-Egg'  ZBäretsw.  ;  ,Hueber-Hof'  BDürrenrot. 
Wie  das  frz.  mas  (aus  lat.  mansus)  genau  unserem 
Hueb  entspricht,  so  auch  der  Geschlechtsn.  Masier 
(mansuarius)  und  Dumas  unserem  Hueber.  —  3.  ab- 
usive  für  Leistung  eines  Huehers  1,  Hubzins.  ,Hans 
Swizer  soll  ein  sundern  h.  gen  von  syner  hofstatt. 
Dry  h.  ist  er  gichtig  ze  gend  von  synen  huebgüeteren.' 
1463,  Bs  Rq.  —  4.  in  burlesker  Sprache  und  euphem. : 
e  Jumpfer  H.  =  e  Huer  Z. 

Mild,  huohaere,  huober  in  Beil.  1.  Zu  3  vgl.  (las  Syn. 
Fallmann  uud  An-,   Hinder-Säss  in  sachl.  Bed.     4   eig.   zu  2. 

Hnebaclier  Th,  Huebech  B:  eine  gewisse  Sorte 
Äpfel,  in  B  ein  kleiner  Süssapfel,  ähnlich  dem  Malzech 
und  dem  Schibech  oder  Platt-Epfel. 

Nach  dem  zufalligen  Stande  auf  einer  ,Hueb  (i.  S.  v.  II 
oder  IV)'  benannt.     Vgl.  noch  Acher  Bd  1  65. 

Hueber  H  ZDub.,  Hueber  Gl;  Z  —  m.,  Uiiebere" 
ZRafz  —  f.,  Hüeberli'g  Aa;  Bs;  BB.;  Gl;  L;  Scuw;  S; 
„Zg;"  Z  —  m.,  Hüeberli  AaF.;  „L;  Zg"  —  n.:  1.  Flick- 
lappen  auf  dem  Oberteil  des  Schuhes,  Stiefels  Aa; 
Bs;  Gl;  L;  Schw;  S;  Zg;  Z.  Syn.  Flickling,  Biester 
(Letzteres  nach  Z  Angaben  an  der  Seite  des  Schuh- 
werks,  während  H.  vorn  an   der  Spitze  =  Cliäppli). 


Der  ei"  Stifel  hat  en  Hueber  und  der  ander  gar  es 
Loch.  Stutz.  ,Hüeberle,  so  man  über  die  schuoch 
setzt,  assumentum.'  Mal.  ,Der  Hüberling,  Überlapp, 
Riester,  Schuhplätz,  assumentum,  segmen  obstraguli.' 
Red.  1662.  Auch  bildl,  Flickwerk,  Notbehelf:  Se'ft« 
Geldüfhruch  ist  nur  e  Hüeberli g  g'sl";  d'  Gant  ist 
kuntenent  [sofort]  hindedrl'  chö"  AAWohl.  —  2.  ein 
grosses,  abgeschnittenes  Stück,  z.  B.  en  Hieberlig  Brod 
BR.  —  3.  kleiner  Rausch  AaP.;  Syn.  Tips. 

Der  FlickHeck  bildet  eine  Erhöhung  am  Schuhe,  daher 
wohl  Euch  II  mit  der  gleichsam  personifizierenden  Weiter- 
bildung -er  und  weiterhin  -Ung  zu  Grunde  liegen  wird.  Doch 
könnte  unser  W.  auch  eine  scherzh.  Anwendung  von  B.  I 
mit  Personifikation  der  Sache  sein,  da  der  Flicklappen  am 
Schuh  so  haftet  wie  der  Lehenmann  am  Grundherrn.  2  u.  3 
bildl.  Anwendung  von  1.  Der  Kausch  als  entstellendes  An- 
hängsel, vgl.   Ol  (am  Huet).   , Haarbeutel'   u.  ä. 

hüeber(l)e":  Flicken  auf  das  Lederwerk  des 
Schuhes,  Stiefels  setzen  Z;  Syn.  riesteren,  flecken. 
G'hüebret  Schueh  a'g'ha"  schickt  si'''  für  ken  rechte' 
Ma"".  Stütz. 


Habse":  Habsheiin,  Dorf  im  Elsass;  in  der  RA. 
ro»  H  si",  nit  ru"  Qibenach  [Dorf  bei  Basel] ,  hab- 
süchtig sein  Bs. 

„hebs,  nur  in  der  Form  z'  hehs,  z.  B.  über  einen 
Graben  springen,  d.  i.  mit  zusammengehaltenen  Füssen 
BO."  Syn.  gsämmefüessligen.  —  Wohl  eine  mit  adv.  « 
gebildete   Nbf.   zu  z'  hebigen  Füessen,   s.   hebig  Sp.   940. 


häbsclie":  niesen  GnSpl. 

häbschi:  Ausruf  beim  Niesen  oder  onomato- 
poetische Nachahmung  desselben  BStdt.  Syn.  äpsi 
Bd  I  384  und  ätzi  ebd.  627. 

hebsch 


hübsch,  in  U  hiebsch :  1.  wie  nhd.  sinnlich  und 
moralisch.  L's  hibs  MeitoÜi  W.  Si  ist-me  nüd  z'hübschi, 
sie  ist  nicht  zu  schön  oder  vornehm  für  ihn  BHk. 
, Recht  tun  ist  über  hubseh.'  Stutz.  Bist  nid  h.,  so 
tue  doch  h.  Aa;  L;  vgl.  handsome  is  that  handsome 
does;  s.  noch  frl  Bd  I  1258.  H.  tue,  1)  ,bene  mo- 
ratum  esse.'  Id.  B.  —  2)  bei  gewissen  Spielen  seine 
Karten  gegen  bessere  vom  Häufchen  vertauschen  Ap; 
dazu  die  Frage:  Wöm-mer  hübscher?  wollen  wir  bes- 
sere Karten  nehmen?  s.  noch  hübschen  3.  's  hübsch 
Händli,  die  rechte  H.  Z  (Kdspr.),  s.  artig  Bd  I  476; 
Syn.  schön.  Bes.  auch  von  Tieren,  Pflanzen,  auch 
Sachen.  JE  hübsches  Bind,  wohlgestaltet;  glatt,  fett, 
allg.  Die  Höbsch,  Name  einer  hübschen  Kuh  Ap. 
H.  Herdöpfel.  E  hübsch i  Eich,  stämmig;  h-e  Fasel, 
prächtiger  Aufwuchs.  Vom  Wetter:  hell,  sonnig  BO.; 
W;  s.  flät  Bd  I  1227.  ,E  hüpschi  Predig,  sermo  ad 
aedificationem.'  Id.  B.  Gesteigert  bode"-h.,  überaus  h. 
Gr.  Auch  in  der  Bed.  ziemlich  gross,  vom  Vermögen, 
Appetit  (,un  joli  appetit').  In  iron.  Anwendung:  Blas- 
mer  fleck  mich  W,  du  cha"st-mer  Z),  wo-n-i"''  h.  bi'  Z, 
etwa  mit  dem  Zusatz:  du  muest  de"'  niene'  aföh  L, 
derbe  und  verächtliche  Abweisung.    Das  göd  h..'  das 


Habsch,  licbsch,  hibscli,  hübsch,  liubscll 


]?eht  wild  her  L;  Sjn.  artig,  schön,  süher.  In  Flurnn. 
Hübschen- Acher  B;  Hübsch-Egg  l;  H.-HoUG;  ,Frid- 
hüpsch',  Wiese  in  ZWäd.  1512,  Urk. ;  H.-Tal  L; 
Hübschen- Wis  Z,  welche  yiell.  tw.  zu  Bed.  4  oder  zu 
dem  Geschlechtsn.  H.  gehören  könnten.  ,Den  houpt- 
lüten,  die  etwas  nit  hüpschs  gehandlet  haben  sollen, 
nachfragen.'  1.508,  Absch.  ,A1s  wenig  du  erfechten 
niöchtist,  dz  du  hüpseh  werist,  wenn  schon  dir  jeder- 
man  hüpseh  hensly  seit',  Worte  an  Joh.  Faber,  Ge- 
neralvicar  von  Constanz.  Gtrekrüppen  1.523.  ,Wär  ein 
ietlichcr  gern  der  unschuldigest  gesyn  und  wärend  gern 
hübschin  mändlin  [brave  Leute].'  1525,  HsStockar; 
vgl.  guet  (Mann).  Von  Hölzern,  Zinsen  und  Zehnten 
sei  ,ein  hübscher  hört  [Vorrat]'  vorhanden.  1549, 
ÄBSCH.  ,Ein  hüpsche  eich.'  1557.  Hotz,  Urk.  ,In- 
volucre,  ein  schertuech,  das  eim  der  balbierer  umb- 
iegt, wenn  er  einen  h.  macht  oder  eim  rat  tuet'  Fris.; 
Mal.  ,Hans  Frischknecht.  gen.  Hübschhänsli.'  1576, 
Ap.  ,H.,  fruchtbar  böum.'  1584,  Ardüser.  ,Dropfs  in 
die  ougen,  so  werdend  die  ougen  wunderh.  und  luter.' 
Zg  Arznelb.  1588.  .Usbündig  h.  Äcker.'  1610,  Ardüser. 
Ein  schöner,  grosser  Bär  wird  bei  Myricäus  1630  .ein 
hüpsches  Tier'  genannt.  Die  hübsche  Hexe-Schotte- 
biiuch  to'  Schtcyz.  1712,  Gespr.  .Friederich,  Herzog 
von  Österreich,  welchen  man  den  Hübschen  [Schönen] 
nannte.'  JMüll.,  Altert.  .Es  solle  die  ganze  Gemeinde, 
welcher  Solches  nicht  gefalle,  ihn  [ihren  Schulmeister] 
mit  s.  V.  zu  melden  hinten  h.  machen.'  1739,  Es  Jahrb. 
—  2.  von  den  Taufpaten  (mit  Bez.  auf  den  Tauftag) 
=  hoffärtig  i  Bd  I  1033.  H.  sl",  zu  Gevatter  stehen 
AaB.;  VO.;  „Gl;"  GMels  fh.  gä'J ;  S;  Sjn.  majestäten. 
Der,  die  H.  =  Götti,  Gotten.  Wer  ist  h.  ?  Si  ist  hüt 
h.  g'si".  Hübschi  Lüt,  Taufpaten  in  ihrem  feierlichen 
Anzüge  aScaw.  Herr  hübsche  Götti!  Anrede  an  den 
Paten.  Zg  Eal.  1881.  's  Anni  hat  müesse'  go  h-i  Gotte 
sl'.  JoACH.  1881.  Gleitig  leid-er  si'''  a"  [kleidet  er 
sich  an],  a's  müesst-er  i"  d'  Chille  go  h.  si'.  Erzähler 
1856.  Der  alte  .Lisihänsel'  sollte  letzten  Sonntag 
wohl  das  70.  Mal  .hübscher  Götti'  sein.  Er  hatte 
diesmal  auch  eine  brave  ,hübsche  Gotte'.  L  Zeit.  1869. 
Hübsche  Wi"  wird  vom  Götti  nach  der  Taufe  der 
Gotte,  dem  Pfarrer  und  der  Hebamme  zum  Besten 
gegeben  Schw.  S.  noch  Götti  Sp.  529  (üwE.  Talbuch). 
Auch  die  Brautführerin  hiess  in  LH.  die  H.  Syn. 
Brüt-Mueter;  s.  auch  gelw  Sp.  292.  —  3.  zur  Bez. 
von  Festtagen :  H.  Mündig,  Ostermontag,  h.  Zistig, 
Ostcrdienstag  UwE.  ,15  ß  an  dem  hübschen  mendag 
und  15  ß  an  dem  hübschen  zistag.'  1347,  UwE.  (Jahr- 
zeitb.).  ,Ara  hübschen  Zistag  zu  Nacht  (13.  April?) 
sollen  die  Boten  zu  Lucern  sein.-  1111.  Ausch.  ,üa  ir 
üwer  grossweibelamt  uf  näclist  kmniii'ii'liii  hüpschen 
mentig  werdend  besetzen.'  X.Man.  (Üii.i  vom  2.  April 
1522).  ,Am  hüpschen  zinstag  1534  zugend  myn  herren 
um  im  harnischt  fast  schön  ufgebutzt.'  Salat.  ,Uf-en 
hüpschen  zinstag  ostern  im  1556.  jare.'  L  Urk.  — 
4.  (meist  im  Übeln  S.)  zur  Lustbarkeit  dienend,  bes. 
von  fahrenden  Musikanten  und  feilen  Weibspersonen, 
dann  auch  von  unehelichen  Kindern  der  Letztern. 
,Umbe  die  hüpschen  lüte  und  umbe  buoben  und  umbe 
die  bösiu  wip:  das  [die  Bestrafung]  stat  an  des  rates 
bescheidenheit  [Entscheidung].'  1290,  AARheinf.  (Stadt- 
recht).  ,Wie  vil  hubscher  lüte  [Spielleute]  ze  brut- 
loufen  [Hochzeit]  soll  syn.  Ze  deheinem  brutloufe 
soll  nit  me  hübscher  lüte  syn,  wan  zwene  singer, 
zwene    gyger    und    zwene   töiber    [Spieler   von    Blas- 


instrumenten].' Z  RBr.  1304.  ,Für  hüb.sche  frowen 
und  spillüt.'  XV.,  Bs  (Ausgabeposten).  Mehrere  Bür- 
ger ,sind  ebruchs  halb  verlümdet,  euch  inen  ire 
hübschen  frowen  hinweg  geschickt.'  1522,  Egli,  Act. 
,Herr  Apt,  ir  rytend  mit  12  pferden,  so  hend  ir 
7  hübscher  kind,  die  alle  unerzogen  sind.'  NMan. 
,Hattend  [zur  Fastnacht]  kein  grösser  kurzwyl,  dann 
dass  sj'  einandren  voll  wyn  machtend  und  tanztend 
und  einandren  bracht  um  geld  mit  hübschen  frowen.' 
1527,  HsStockar.  ,Dass  man  hüpsche  fröwly  find.' 
JBiNDER  1535.  ,])er  herzog  von  Ostreich  hat  in  disem 
beer  me  dann  100  hupscher  frouwen  [meretrices].' 
BossH.-Goldschm.  ,Schultheiss  Engel  konnte  sich  da- 
mit entschuldigen,  dass  seine  zahlreichen  hübschen 
[d.  i.  unehelichen]  Kinder  ihn  nötigen,  Geld  zu  su- 
chen.' 1599,  Pup.  Vgl.  noch  H.-Kind,  -Mann,  -Wlb. 
Vgl.  Hübsch  als  einen  der  Namen  des  Teufels  in  L 
Hexenprocessacten  des  XVI.,  der  Teufel  als  Galan 
der  Hexen. 

Aus  mhd.  hübeeeli,  Nbf.  von  höveach,  fein  gesittet,  frz. 
courtoU.  Das  U  -ie-  eine  seltsame  Ausweichung  ans  i.  Zu  2, 
Tgl.  hess.  hühitlh  ,1.  /,/.r.  >./,.„  und  hofieren  (Syn.  .züchten') 
sich  höfischen  Aii^tmlr,  li,  .li.nin,  der  Taufpatin  als  Gesell- 
schafterin zur  Sritr  ,rrlh  II  iIhmIi);  auch  frz.  bmu-frirc  udgl. 
Zu  3,  das  in  Zsbuui;  luit  1  stdit,  vgl.  Gueter  Mänliij  Sp.  .537. 
Zu  4  vgl.  frz.  roui-tihaii.  Die  .hübschen  Leute'  waren  fahrende, 
von  Hof  zu  Hof  und  von  Stadt  zu  Stadt  ziehende  Spielleute 
und  Gaukler,  ein  Überrest  Ist  unser  Hübsch-Gäuijyd  Sp.  173. 
Tiefer  noch  ist  (gerade  wie  bei  frz.  courdsanc)  der  Begr.  bei 
weiblichem  Subj.  gesunken.  Ähnlichen  Rückgang  in  der 
Bed.-Entwickeluug  vgl.  bei  artig,  alber,  sclilecht;  ,Bube', 
.Dirne',  Knecht,   Schalk,  Juni/frau,   Muyd  u.  a. 

aber-  s.  aber-heicisch. 

chlütter-,  cM.-!  L,  plütter-  ZRafz :  Ruf  der 
Wachtel.   —   Klmer.  Exkrement.     Vgl.  lUzcl-h.  2. 

lützel-:  1.  wenig  hübsch.  Schimppr.  1651  unter 
den  Fehlern  einer  Frau  aufgezählt.  Subst.  Lützeli- 
hübsch,  spöttisch,  ein  unansehnlicher  Mensch  GWe. ; 
vgl.  den  Namen  ,Hans  Litzelhibsch'  für  einen  der 
Narren  in  der  Com.  Beati.  —  2.  Ruf  der  Wachtel. 
SCHIMPFR.    1651. 

bluet-:  überaus  hübsch.  .Ein  bl.  Töchtergen.' 
UBragO.    —    Sluet  verstärkend    wie  in  andern   Zss. 

Tüsig-  n.:  roter  Fuchsschwanz,  amarantus  caud. 
GT..  We.     Syn.  , Tausendschön'. 

Hübsch  f.  ,Synü  kind,  die  im  nach  teil  syner 
ehalten  [Ehegattin]  oder  ze  der  hüpseh  [im  Concubinat] 
sond  nachfolgen.'  1386,  GRChur  (Urk.).  ,Ein  christ  wirt 
nit  ein  huerer  syn  noch  zur  hüpseh  sitzen.'  Vad.  ,Küng 
Ludwig  verliess  [hinterliess  einen  Sohn]  Dietrichen, 
welchen  er  zue  [von]  der  hüpseh  gehept  hat.'  ebd.  ,Es 
was  domalen  nit  schand,  wie  und  zuo  unsern  zelten 
es  an  vil  orten  nit  ein  unstand,  sonder  ein  hüpseh 
(wie  man  spricht)  geacht  wirt,  wan  man  käpsweiber 
an  sich  henkt  und  bei  derselben  kinder  zuo  der  hüpseh 
gebirt.'  ebd. 

Hubscheli;  1.  (m.  und  n.)  aufgeputzter,  gefall- 
süchtiger Mensch  Uw,  Einer,  der  schön  tut;  ein  hüb- 
scher Mann  SchwE.;  Uw.  Bist  doch  e  rechte''  H.! 
Vsfl.  Gueleli,  Scharmanteli.  —  2.  hübsches  kleines 
Ding,  bes.  Bildchen  für  Kinder  Tn.    Syn.  Ei  Bd  I  179. 

hübsch (e)li(ch),  -lig:  Adv.,  sachte,  sanft,  be- 
dächtig, behutsam,  vorsichtig,  sorgfältig;  bescheiden; 
langsam,  leise,    allg.     ,HübschUg,  lente.'   Id.  B.     Syn. 


Habsch— lnil)scli.    Hal)t-linl)t.    llacli-h" 


068 


zämelich.  H.  mache',  h.  tue",  alle  Hüflichkoit.  Vor- 
sicht, Schonung  anwenden ;  ,caute.  eircuiuspecte  agere.' 
Id.  B.  ,B.  ga",  suspenso  gradu  incedere;  /i.  i' d's  Or 
säge",  hlande  in  aurem  insusurrarc;  h.  Wrüere',  leniter 
contrcctare;  h.  i'  d's  Dorf  l  bona  verbal'  ebd.  's  geit 
■mit  dem  Cliranke  h.  [allinählig]  besser  B.  H.  und 
de"'  zwürig  [2  Mal],  Aufforderung,  im  Anfang  oder 
das  erste  Mal  bedächtlich  zu  Werke  zu  gehen  L; 
ScBwMuo.;  W.  H.  lese",  leise  BSi.  Niimme  hübschli, 
nur  sachte!  Gotth.  Potz,  wie  rumiilet's!  HühscheU, 
Blieb!  Aa  (Schwzd.).  Do  kiinnt  de  Joderli  gang  hib- 
seheli  vo'  hinde'  z'  dissele"  [geschlichen]  Bs  (Wick). 
Jetz  wei-mer  hübschli  hei"'  i"  's  Bett  S  (Schwzd.). 
I  rutsche  hübscheli  zum  Tisch.  Stütz.  Mit  dem  Spitz 
von  're  Guf  oder  Nadle  hilpschli  die  Buechstabe  stilpfie 
[einstechen].  Mustert.  ,War  ganz  hübscheli  von  hin- 
ten gekommen.'  Landw.  Wochenbl.  1847.  Vgl.  die 
Synn.  hofelich,  silferlich,  schonklich.  S.  auch  Mock- 
Fecken  Bd  I  730,  an-gän  Sp.  17.  ,Gott  bewar  üch 
wol  und  h.'  1479,  Bs  Chr.  Zu  einem  mit  dem  De- 
gen drohenden  Raufbold:  ,Sässe  dir  myner  brüeder 
einer  an  der  syten,  du  tätest  villichter  hüpschlicher.' 
1497,  Z  Staatsarch.  ,Da  lueg  man,  wie  hübschlich's 
[fein,  iron.]  die  taufgäns  treffend,  so  sy  hierus  wollend 
bewären  den  unnötigen  widertauf.'  1524,  Siml.  Urk. 
2,  104.  ,Keinigkeit  wird  ein  zyt  von  etlichen  h. 
glyssnet',  auf  feine,  versteckte  Weise.  Zwingli.  .Damit 
schleich  er  h.  an  die  stegen.'  Schilling.  ,Do  sy  iron 
brueder  sollt  um  gnad  bitten,  sprach  sy  trutzlich,  er 
sollte  h.  tuen.'  Ansh.  ,Darumb  gang  du  h.  zuoher 
und  zertreib  die  schar  der  vöglen.'  Vogelb.  1557.- 
,Wenn  du  yetz  die  federen  h.  siehst  herfür  wachsen.' 
ebd.  ,In  der  Etsch  [Etschtal]  facht  es  an  eben  h.  an 
der  Pestilenz  sterben.'  1563,  Fabritius  an  HBull. 
,Mora  lenta  cadere,  h.  oder  allgemachist  fallen.  Bona 
verba  qujeso,  ä  lieber,  red  h.,  bis  nit  so  hon  oder  so 
rauch.  Colligere  gradus,  h.  gon,  fuoss  für  fuos.s. 
gradu  modice  ire,  ein  sittigen  und  zamen  gang  haben.' 
Fris.;  Mal.  ,Wenn  die  reben  sich  h.  erzeigend  und 
anfahend  blüejen.'  LLav.  1582.  ,Wir  rucktend  das 
Bett  h.  von  der  Tür.'  FPlatt.  1612.  ,Wann  wir  wüs- 
send,  dass  under  dem  Wasser  grosse  und  gfarliche 
Stein  sind,  da  lassend  wir  unser  Schiffli  dest  hübsch- 
licher  schlychen.'  1615,  JJBreit.  ,H.,  h..  mein  lieber 
G'sell!'  GGoTTH.  1619.  ,Dass  man  allezeit  [mit  Vieh] 
hübscheli  dem  Weg  nachfahren  solle.'  1645,  Gr  Jahres- 
bericht. ,Das  Hauptgebet  h.  verrichten.'  1658,  Heut. 
,An  der  Landsgemeinde  erstattete  er  Bericht  und  er- 
mahnte h.  zum  Friden.'  1712,  Obw  Volksfr.  ,Er  Hess 
sich  h.  vernehmen,  er  habe  die  58  Dublonen  [die  ich 
vorstreckte]  für  eine  Verehrung  angesehen.'  1750, 
BoDMER  an  Zellw.  Als  Geschlechtsn.:  ,Jörg  Tierauer, 
gen.  Hübschli.'  1530,  GRh.  (Abseh.).  ,Jörg  Hübsch- 
lich.' 1532,  GAltst.  (Vad.).  ,Hans  Hübschli.'  1532, 
GKriess. 

hübsche»  (in  G  auch  hübschere"):  1.  hübsch(er), 
schön(er)  werden,  allg.;  ,forraosiorem  fieri.' Id.  B.  Syn. 
schönen.  Das  Mädli  hat  g'hiebschet  ü.  's  Wetter 
hübschet  Uw.  ,Es  hüpschet,  dispelluntur  nubes.'  Id.  B. 
Die  Chile  hübschet,  wird  fetter  Z;  Syn.  schu-eret;  vgl. 
groben  Sp.  690.  —  2.  (im  Kartenspiel)  bessere  Karten 
eintauschen  Aa;  Ap.     Vgl.  hübsch  1,  2. 

Hübscher  m.:  Hofmacher,  Lustigraacher;  auch 
Buhler.    ,Burchartus  dictns  Hüpscher.'  1304,  BBÜrk.; 


Syn.  Hübsch- Mann.  Geschlechtsn.  1521,  ZWthur; 
1524,  THWagenh.;  1.595,  AAVilm.  —  „Hübscherin 
=  Hübschtvib" ,  Buhlerin.   —  Tgl.  hübgeh  4. 

Hübschete"  f.:  Aufzug  der  Gevatterschaft  bei 
einer  Taufe  UwStans.    S.  hiüisch  2. 

Hubs  Chi  I:  Geschlechtsn.  1525,  B  (Absch.). 

Hübschi  n  f.:  Hübschheit,  Stattlichkeit,  Schön- 
heit, allg.  Vo'  der  H.  allei  hät-me"  nit  glebt  B.  D'  H. 
cha"-me°  nid  esse'  L.  D'  H.  tued-me  (-ere)  Nüd  Gr, 
si  icird  uege"  der  H.  nüd  g'straft  Z,  er  (sie)  ist  häss- 
lich.  Recht  tue"  gut  über  d'  H.  L.  ,Er  hat  nicht 
allein  auf  die  H.  gesehen,  als  er  seine  Frau  genom- 
men.' Gotth.  , Einem  armen  Bursch  käme  die  H. 
kommod,  wenn  er  weihen  wolle,  ein  Reicher  mangle 
sie  nicht.'  ebd.  ,Elegantia,  schöne,  hofzucht,  hüpsche.' 
Fris.  ;  Mal.  ,Morndes  den  andern  wyher  geüscht,  ist 
jetlichem  Chorherren  23  stück  und  die  hübsche  [und 
zwar  die  schönste  Auswahl?]  worden  und  mir  9  stückli.' 
1562,  EsTERM.,  Neud. 

Mittwuche"-  toärt  bis  am  Dünstig,  schön  Wetter 
am  Mittwoch  dauert  bis  am  Donnerstag  GrD. 

hübschlacht,  -lecht:  ziemlich  hübsch  Bs;  Z. 

hübschle":  spielen  (von  Kindern)  GSa.  Syn. 
g'cätterlen  Bd  I  1136. 

Wohl  von  hübsch  (i.  S.  v.  höfisch)  tueit,  wie  umgekehrt 
.spielen'  und  g'vütterlen  von  (handgreifliichem)  Liebesverkehr 
gehraucht  werden. 

Hnbsclie"  Bs  =  Uisch  Bd  I  48. 


be-hebtig  s.  be-hebig. 


Hach,  hech,  liicli,  hocü,  liucli. 

Häcll  m.:  leichter,  mehr  scherzh.  Sehimpfn.,  den 
Kinder  ihrem  Vater  oder  Lehrer,  übh.  einem  erwach- 
senen Mann  geben,  ,Philister'  B  (Schulspr.).  Was 
xcott  0  [auch]  de''  H.  säge",  was  will  er  sich  in  unser 
Spiel  einmischen?  Unter  Kindern,  welche  an  einem 
unerlaubten  Unterfangen  sind,  ertönt  etwa  der  Warn- 
ruf: Es  chunnt  e  H.!  In  der  ä.Spr.  =  Gesell,  Bursche. 
,Hahaha,  das  sind  mir  lustig  sachen,  wie  g'fallen  dir 
dis  frölichen  hachen?'  HSalat  1537.  ,Noch  sind  sy 
freige  hachen,  wer  will's  in«»  weren?'  Lied  156'2. 
Nach  dem  Sieg:  ,Ha,  ha,  was  gueter  hachen  sind  in 
mynem  künigrych!'  RSchmid  1579.  ,Magdalena  be- 
triegt  dich,  den  stolzen  hachen.'  1597,  EBrandst. 
,Die  jungen  Hachen  nemmen  zu  inn  ein  Geiger.' 
Fasn.-Pred.  1601.  ,Lass  du  mich  mit  Frieden,  du 
giftiger  Hach.'  ebd.  ,Den  Traurigen  fliehet  der  lustige 
H.'  ebd. 

Spät  mhd.  (selten)  hache,  Bursche,  Kerl;  wahrsch.  auch 
erhalten  in  dem  bei  Vad.  n.  A.  aus  dem  XIV./XV.  bezeugten 
Ap  Familienn,  ,Häch' ;  vgl.  den  ahd.  Eigenn.  Hacho,  Hecho 
(ein  ,Haicho'  als  Zeuge  c.  950,  Z  Stiftsrot.),  Abi.  ,Hachel'. 
als  Eigenn.  13'20/30,  Z  Stiftsurb. ;  wahrscheinlich  =  der 
ahd.  Dim.-Form  .Hachili'.  Hieher  wohl  auch ,  vielleicht 
angelehnt  oder  missverstanden  für  .H.abk',  Habicht:  ,Sind 
junge  Hacken  all  Beid.'  Com.  Beati.  Vgl.  auch  Hägrj  und 
Herht  2. 


be-hach:  begierig,  eifrig,  willig.  .Sie  wend  all- 
bereit schon  an  die  Sach,  zu  bauen  seind  sie  all  be- 
hach.'  Myricäds  1630.  —  Vgl.  etwa  bair.  ,heck',  erpicht, 
srii'iig,  und  unser  hecken,  eilig,  emsig  gehen. 

Häclier  f-^-J  m.:  Vögeln.,  Häher  Gl.  -  Vgl.  Wint. 
18T(j  S.   .'>1,  unser  Heren-Voyel  (BiJ   I   694)   und   Hfr!. 

Hauche",  in  TaSteck.  Eöche"  m.,  in  ZUhw.  f.  — 
PI.  Hauche'  Ap;  Z:  1.  (eiserner)  Haken,  den  man  in 
Balken,  Pfosten  oder  Wände  einschlägt,  z.  B.  um  ein 
Seil,  eine  Waschleine  daran  zu  befestigen  ScnSt.; 
Th;  Z.  , Starke,  angeiförmige  Schraube.'  Sülger.  Si 
händ  e  netii  BeitU  [Schaukel]  diiss;  an'n  höchste" 
Tröme"  [Balken]  hangt  i'  Hauche"  wie  ml"'  I'\7st  e 
Seil,  das  uf  de"  Bode"  langt.  HBühl  1834.  Spec. 
a)  Stachel,  (.\ngel-)  Haken,  an  dem  Türen  und  Fenster 
hängen  Ap;  Th;  Z.  ,Cardo,  türangel,  houche.'  Dasyp. 
1.5.39;  1653.  —  b)  Klink-,  Schliess-,  Eiegelhaken  an 
Türpfosten  ScnSt.;  Th;  Z.  D'  Falle  schnappet  i"  [in 
den]  H.  1°.  —  c)  Haken,  mit  dem  geöffnete  Fenster- 
läden befestigt  werden  ZFehr.  —  2.  fHäuchU,  Hauchli) 
Griff  am  Sensenstiel  und  zwar  zunächst  der,  an  Sensen 
älterer  Construction  einzige,  in  der  Mitte  angebrachte, 
gekrümmte,  für  die  rechte  Hand  (Synn.  s.  bei  Gürben; 
ferner  Höehli,  Hüchli);  dann  auch  der  gerade  Griff 
am  Ende  des  Stiels,  für  die  linke  Hand  S.  —  3.  senk- 
recht in  die  Schiffsrippen  eingeschlagene  Nägel,  in 
denen  das  Steuer  ruht  THBodensee.  —  4.  Abschnitt, 
z.  B.  Brod  ZW. 

Für  Zshang  mit  der  bekannten  Wz.  'hanh  (hang)  spre- 
chen WW.  wie  ,Hangel,  Hängel'  (s.  Gr.  WB.),  nul.  hang, 
me.  hanger,  nd.  heng,  hengacl,  dän.  hänge,  Haken;  Handhabe; 
Angel.  Cm  aber  die  Form  Hauchen  und  zugleich  den  augen- 
scheinlichen Zshang  mit  Buchen  zu  erklären,  siud  wir  ge- 
nötigt, den  Stamm  hank  herbeizuziehen,  der  in  dem  von 
,hängen'  abgel.  ,henken'  (altes  Prät. :  hankte)  enthalten  ist 
und  nach  Analogie  die  Ablantsform  hnnk  erzeugt  haben  mag, 
aus  welcher  sich  dann  regelrecht  Rüchen  entw^ickelte.  Vgl. 
die  nach  dem  selben  Lautgesetze  gebildeten  Nbff.  Flauchen  : 
Flüchen  Bd  I  1159.  Doch  ist  nicht  zu  läugnen,  dass  die 
Bedd.  sich  nngesuchter  aus  einer  Wz.  ku{n)k  ergäben,  welche 
in  ksl.  kuku,  krumm,  vorliegt,  und  zu  welcher  auch  nihd. 
hüchen,  kauern,  , Hauch',  Zäpfchen  im  Halse,  hess.  Hoch, 
zweiziukiger  Haken,  gehören  dürften.  Eine  dritte  Möglichkeit 
bietet  diu  Zsstellung  mit  ,Hanke  f.',  Hüfte,  welches  nach 
Gr.  WB.  4,  2,  455  mit  unorganisch  vorgesetztem  h  aus 
mhd.  anke,  Hinterkopf,  Genick  mit  Einbiegung  (eig.  wohl 
Krümmung  übh.)  gebildet' ist  [?].  Die  Bedd.  1  a  und  b  ver- 
einigen auch  die  Synn.  Klole  und  nhd.  ,Krampe'.  —  Auch 
zu  4  vgl.  Kloben,  welches  ebenfalls  die  Bedd.  von  H.  1  u.  4 
in  sich  vereinigt;  doch  beruht  unser  4  viell.  auf  einer  An- 
lehnung an  ,(ab-)hauen'.  Der  Familienn.  .Hanchenbrunner.' 
1464,  ZEeg.  lässt  auf  eine  bes.  Art  Brunnen  (mit  krummem 
Schwengel?)  schliessen. 

Schlitt-:  Schlittkufe  ZWyl. 

Grundbed.  ist  wohl  .Krummholz'  wie  in  den  Synn.  I/w- 
cheri   und  Kuechen,   s.   .\um.   zum  Vor. 

Häuchel  Gr,  Hdchel  GO.  —  m.:  Doppelhacke  mit 
etwas  gekrümmten  Armen,  deren  einer  spitz,  der  an- 
dere in  eine  Schneide  ausläuft;  zum  Ausgraben  von 
Steinen  und  Wurzeln  verwendet;  Syn.  Bickel. 

be-haucht  s.  behankt. 

Ge-hech,  hechen  s.  henjcen. 

He^ch^el  BsStdt;  ZWäd.,  Hech(e)ler  Bs;  ZHed., 
Wäd.  —  m.:  nur  in  der  Verbindung  de"  H.  ha"  (üher- 
cho"),  von  Kälte,  rauhem  Wind,  Arbeiten  in  nasser 
Erde   im  Frühjahr,    oder   infolge   von   Unreinlichkeit 


isige, 


Haut 


bes.  an  den  Händen  rauhe, 
bekommen. 

Wohl  eine  eig.  zu  den  Synn.  llevk,,-,  /hek(e)lr,;  li;,k(el)er 
gehörende  Nbf.,  mit  Anlehnung  an  llechhn,  heehlen,  also: 
Zustand  der  Zerrissenheit,  wie  ihn  das  Schneiden,  bzw.  die 
Hechel  (das  Hecheln)  erzeugt,  mit  der  bei  Krankheitsnn. 
häufigen  Personifikation,  vgl.  z.  B.  Anm.  zu   Ettil.vn. 

Heu-Hecher  s.  -Hechlen.  . 

liecherdntisch :  Steigerungsadv.,  i.  S.  v.  ausge- 
zeichnet, vortrefflich  ÄAWohl. 

Scheint  eine  euphem.  Entstellung,  bzw,  viell.  Mischung 
aus  authentiftch   und    '  hackertnentinch  aus  mckeniiänttuch. 

Hechle-  f.:  1.  Riffel-,  Eeffkamni  für  Flachs,  Hanf, 
wie  nhd.  Strubi  [struppig]  sind  seh'  [Ziegen]  g'sin 
wie  en  H.  Gr  (Schwzd.).  .Flachs  und  Hanf  werden 
mit  einer  eisernen  Hechlen  gehechlet.'  Spleiss  1667. 
In  bildl.  R AÄ. :  Eine"  dur'''  d'  H.  zieh'",  wie  nhd. 
Herr  Vikari,  werdet  nit  hÖn,  wenn  i'''-nech  wider- 
spriclie"  («'"*  denked  de"",  dass  d'r  [ihr]  nit  es  löjärigs 
Meitschi  i"  d'r  H.  heiget,  sondere  es  alts  MueterU. 
GoTTH.  ,Ich  schlage  die  Hände  nicht  an  dise  Hechel, 
nemme  mich  dises  missUchen  Geschäfts  nicht  an.' 
Mey.,  Hort.  169-2;  Sprww.  18'24.  —  2.  Hobel,  mit  dem 
Kartoffeln,  Äpfel,  Gemüse  in  Scheiben  zerschnitten 
werden,  z.  B.  vor  dem  Einmachen,  Schneide-,  Schab-, 
Kohl-Hobel,  Rübenhechel,  Raftel  Aa;  Bs;  L;  U;  Z. 
—  3.  scharfzüngiges,  verläumderisches,  zänkisches, 
Unfrieden  stiftendes  Weib  Aa;  Bs;  ß;  Gr;  L;  Schw; 
Uw.  (Füli)  H.,  lebhaftes,  schnippisches,  loses  Mäd- 
chen Bs  (Spreng).  Auch  Schimpfw.  auf  Weiber  übh., 
in  ScHwMuo.  auch  etwa  auf  Katzen ;  en  alti  H., 
euphem.  für  Hexe  Gr;  ZS.  Doch  gli  druf,  heisst  es, 
hat  die  H.  [die  sich  für  ledig  ausgegeben]  scho  'ne 
Ma""  B.  .Hechel  oder  Hechelgauggele,  Weibsperson, 
die  ihre  Haare  ungekämmt,  nicht  in  Ordnung  hat' 
Bs  (Anon.  ad  St.);  vgl.  Sp.  171.  Hecheli,  auch  mit 
dem  Zusatz  rechts,  dunders  H.,  flinke,  gewandte,  ge- 
schickte Arbeiterin  ZO.;  Syn.  Hex. 

Mhd.  hachel,  hechel  in  Bed.  1.  Zu  3  vgl.  Sab-,  Rib-hen 
mit  der  selben  übertragenen  Bed.,  sowie  auch  , Hechel'  bei 
Gr.  WB.  i.  S.  V.  ,Zunge'.  Zu  ,Hechlen'  als  Schimpfw.  vgl. 
mhd.  hecliel,  verschmitztes  Weib,  Kupplerin,  welches  aber  zu 
hache  gestellt  wird.  ,In  der  Hechlen'  Flurn.  ZEnibr. ;  vgl. 
die  Anm.  zu  Gutter  S  Sp.  533;  ferner  ,HechIenberg'  ZHerrl.; 
,H.-Steg'   ApHcid. 

Heu-  GSa.  (auch  -Hecher);  Tn  (auch  nur  Hechle"): 
Hauhechel,  ononis  rep.  Synn.  s.  bei  Hasch  Bd  I  48; 
ferner  Hechlen- Krut.  —  ,Heu-'  neben  ,Hau-'  aucli  bei 
Gr.   WB. 

Chabis-  L;  Z,  Surchrüt-  Schw;  Zg  :  Kohl- 
hobel.   -     Vgl.    Ch.-Schnetzler. 

Lin-.  ,Der  gebrochene  Hanf  wird  zuerst  in  der 
weitern  Rauchhechel  und  nachher  in  der  engern  Lein- 
hechel gehechelt'  GRh.,  It  Steinra.  1804. 

Luter-.  ,Nach  dem  Schwingen  wird  der  erhaltene 
Flachs  durch  zwei  verschiedene  Hecheln  gezogen:  die 
erste  heisst  die  Streifhechel;  die  zweite  Hechel  heisst 
die  Lauterhechel.'  Alp.  1827.  S.  noch  Kuder.  Ah- 
Werch. 

l!äb(e")-:  Rübenhobel  L;  Sciiw;  Nnw;  Z.  ,Reb- 
hechlen,  ein  hauwend  instrnmend.  die  reben  zue  be- 
reiten.' Mal.  ,1  Rebenhechlen'  unter  ,ysin  G'schirr 
in  der  Kuchin'  genannt.  1627.  TuBürgl.  Inv.;  ebenso: 
,1  Räbhächlen.'  1.571;  1600,  Z  Inv.;  1701,  ZWasterk. 


971 


Hach,  liech.  liich.  hoch,  huch 


Als  musikalisches  Instrument  verwendet:  ,Maeheut  uf 
mit  räbenhächlen  und  gygen ! '  ruft  der  Narr  den  Spiel- 
leuten zu.  Salat  1537. 

Vgl.  Audi,  zd  Eäb-Ieen.  Bei  Salat  ist  wahrsch.  eine  gew. 
Rübenhechel  zu  verstehen,  mit  welcher  man,  vermittelst  eines 
aiifgelegten  Blattes  Papier,  einen  für  jenen  Anlass  passenden, 
schnarrenden  Ton  erzeugen  konnte. 

Rüch-Hechle»  s.  Lin-H. 

Schaf-  =  Heu-H.  GWe. 

So  benannt,  weil  auf  Schafweiden  wachsend;  vgl.  Scliaf- 
Linaen,  -Maien,  -Brändli.  Übrigens  sollen  die  Schafe  die 
Pflanze  gerne  fressen. 

Dorf-:  arge  Schwätzerin,  Dorfklatsche  W;  e 
scharpfi  D.-Hechja;  Syn.  B.-Rdhn. 

Werch-:  Werghechel.  Unter  Anderm  aufgezählt 
im  Scuw  Husratbrief. 

hechle»  I:  1.  mit  der  Hechel  (in  Bed.  1  und  2) 
arbeiten,  allg.  .Davon  gieng  bei  dem  H.  als  Rest  von 
hölziger  Substanz  und  Staub  verloren  4  Pf.'  Alp. 
1827.  ,Der  bei  dem  ersten  Hecheln  erhaltene  Kuder 
betrug  10  Pf.,  das  bei  dem  zweiten  Hecheln  erhaltene 
Abwerch  8  Pf.'  ebd.  S.  Luter-HecMen.  ,Stupam  pec- 
tere,  hächlen,  durch  die  hächlen  ziehen.'  Fris.;  Mal. 

—  2.  (bes.  als  Comp,  us-,  rer-,  dure'-)  mit  scharfer 
Zunge  durchziehen,  schlecht  oder  lieblos,  unwahr  bei 
Dritten  über  Einen  reden,  ihn  verleumden,  verlästern, 
verspotten,  bekritteln,  heruntersetzen,  allg.  Es  Stude- 
Meitschi  ma'-i'''  nit,  das  Litt-  Verhechle"  cha"'  ntrr  's 
nit,  Spottvers  auf  den  S  Ort  Studen.  Schild.  Auch 
i.  S.  V.  ausplaudern  S;  Syn.  kaflen,  ratschen.  —  3.  über- 
eilt verfahren  Aa.  —  4.  coire.  ,Elsi:  Sötte  ich  ein 
andern  mann  h.  lan.'  NMan.  —  Bed.  4  auch  bei  Gr.  WB. 
(Zimmer'sche  Chronik). 

er-:  (einander)  durchprügeln,  die  Haare  zerzausen 
ZSth.  —  Auch  oberöstr.  ,hecheln',  prügeln;  vgl.  unser  eträlen. 

Hechler  m.:  wer  berufsmässig  hechelt  (in  Bed.  1). 
allg.  Aufgezählt  z.  B.  in  der  helv.  Verordnung  betr. 
Hausierpatente  und  bei  Glur  1835  unter  den  Hand- 
werkern von  BRoggw.  Er  chunnt-is  de'"  d's  anger 
Mal  zur  rechte  Zu,  we"  nie-ne  heisst  cho,  u""  füert-is 
nit  so  desumme"  [hält  uns  nicht  so  lange  hin],  wie  's 
SHst  d'  H.  im  Bntch  hei".  Gotth.  Als  Familienn.  1472, 
ÜBW;  1529,  BKerz.;  ,M.  Hechlerin.'  1484,  Vad. 

Hüs-,  indemSprw.:  Gasse'-läcMer  (-däcMer),  H., 
wer  auf  der  Gasse  gar  freundlich  ist,  dagegen  zu 
Hause  herb  und  mürrisch  Sch;  Z.  Vgl.  Gassen-Engel 
BdI833.  —  Räbe--  =  irecWerTH;  Z;  Syn.  B.- Hobler. 

-  Siden-.  Ein  Franzose  ist  im  ZZoll.  Taufb.  1594/9 
sowohl  ,S.'  als  auch  ,Sydenkämbler-  genannt.  D'  Side"- 
hechler-Meitli.  Balz  1781. 

Hechli  m.:  Schwätzer  Bs. 

hechli''ge":  Adv.,  dicht,  eig.  so  dicht  wie  die 
Zähne  der  Hechel;  vgl.  hechel-dick.  's  G'sicht  h.  voll 
Biheli  [Hitzblätterchen]  ha"  BsBirs. 

hech'le°  11:    lachen,   hell  auflachen,   kichern  GG. 
Vgl.  über  die  Vwdtsch.  des  W.:  gachlen  (Sp.  103),  hidUen. 
hichnen,   hechten;  auch   etwa  hitzgen  und  ahd.   Iieak-azan. 

Heich(el)  I    s.   Heinrich.  Geheich,    Hei- 

chel  II,  heichen,  Heichi  s.  henk-. 

hichelig:  Adj.  und  Adv.,  fein,  schön,  von  vor- 
nehmem Anstrich  Sch.  Da'  ist  nu'  e  Burefrau,  aber 
»j  hat  doch  so  öp^ns  H-s.     Die  Otere"  hei  soH  h.  üs- 


g'sehe"  und  e  glitzig  guhli  ChronU  uf-em  Chopfli  trat 
[getragen].  Schwzü. 

Etwa  aus  htleehig.  hochzeitlich,  stattlich  (zu  dem  im  be- 
nachbarten Schwaben  noch  erhaltenen  hileieh  m.,  Hochzeit) 
durch  Umstellung  wie  z.  B.  Fechten  aus  Fettecli,  Wilme  aus 
Milwe,    widleieh  ^us   lidweich  f 

hichle":  laut  kichern  GO.  -  Auch  hess.  S.  Anm. 
zu  hechlen  II  und  vgl.   icichlcn. 

Hichle"  f.:  Frauensperson  von  heiterm  Gemüte, 
die  leicht  zum  Lachen  zu  bringen  ist  GO. 

hichne":  ausser  Atem  sein,  keuchen  Aa  It  Rochh. 
1857.  —  Vgl.  die  Synu.  hiytjnvn,  hipmen,  hittmn  und  ,hechen, 
bei  Gr.   WB. 


hoch  Aa  tw.  (hoh-e,  hoh-i;  höcher  und  höh-erj;  Bs 
tw.;  Sch;  S;  THtw.;  ZUhw.,  hoch  Aa;  Ap;  Bs;  B; 
Gl;  GrD.  (in  ObS.  heh-a,  hes);  L;  G;  Ndw  (hecher 
und  hejerj;  Z,  höi  (höin;  höier)  FG.,  höi,  höij, 
bzw.  hei(j)  ChÖfiJjn,  höfijji,  höis;  hdfi)jer,  höistj  BO. ; 
PP.  (hecherj;  W,  h°ö  BHk.  (höfs;  höjerj;  Sch;  Z  tw. 
(hö-e,  z.B.  Dunstig,  hö-i,  z.B.  ZitJ :  1.  räumlich. 
a)  in  vertikaler  Erstreckung.  Hochs  Brod,  hoher, 
rundlicher  Laib  im  Gegs.  zum  länglichen  Doppellaib 
fWeggenJ  L;  Syn.  ufg'setzts  Br.;  am  ZS.  dagegen  = 
gut  gesäuertes,  daher  hochgebackenes,  luftiges  Brod. 
Höclie  Chle,  Luzerne,  im  Gegs.  zum  nidere',  dem  ge- 
wöhnlichen Wiesenklee  Z.  Hohi  Strass  BSteif.,  Höch- 
ströss  L,  Landstrasse;  vgl.:  .Es  soll  ein  Jeder  [beim 
Fahren]  der  hohen  Strassen  sich  bedienen.'  1702, 
Schw  Rq. ;  vgl.  auch  engl,  hightcay  und  (in  der  Anm.) 
den  Ortsn.  ,Hochstrass'.  Z'  h.  dinge',  beim  .Bolleilen' 
sich  durch  den  Ruf:  dinge  (z')  h.,  den  Vorteil  aus- 
bedingen, stehend  und  aus  hoch  gehaltener  Hand 
zu  werfen,  was  durch  den  Gegenruf  Bott  h.!  eines 
Mitspielenden  aufgehoben  werden  kann  S;  vgl.  tschierg. 
En  höche  Bugge",  ein  krummer  Rücken,  Buckel  Ap;  Z. 
Hinde'  vorne"  weder  [als]  höcher,  sagt  man  von  einem 
sonderbaren  Buckel  Bs  (Spreng);  wahrsch.  mit  ab- 
sichtlich verkehrter  Wortstellung,  um  dadurch  die 
körperliche  Missbildung  zu  bezeichnen.  H.  cheue', 
mit  hoch  gehaltenem  Gaumen  kauen,  wie  man  tut  bei 
einer  unserm  Geschmacke  nicht  zusagenden  Speise; 
dann  bildl.:  Etw.  widerwillig  tragen  Z;  vgl.  kü"en, 
däiten.  ,Hohe  Wehr',  wahrsch.  identisch  mit  ,lange 
Wehr',  im  Gegs.  zur  ,nidern'  und  ,kurzen  W.'  lange, 
auf  den  Schultern  (st.  an  den  Seiten),  also  ,hoch'  ge- 
tragene Feuerrohre  und  lange  Schlagwaffen  umfassend. 
,Dass  sie  gestattet  haben,  verbotene  und  hohe  Wehr 
zu  tragen.'  1618,  Absoh.  (betreliend  die  italienischen 
Vogteien).  Wie  andere  Adjj.  des  Masses  zuweilen 
mit  Gen.  ,Ungefähr  eines  Schuhes  h.'  Steinm.  1804. 
Vom  Lebensalter.  H.  i'  de"  Zwänzge",  näher  den 
Dreissigen  als  den  Zwanzigen  Bs;  Z.  Höcher  uf  de" 
Jöre"  ist  das  Frnuli  unpUssli'''  und  schwach  icorde". 
JSenn.  Bildliche  RAA.,  z.  T.  sich  mit  2  berührend  : 
Uf-etn  höche"  Boss  hocke",  gross  tun  S.  ,  Uf  de"  (sine") 
höclie"  Bosse"  sl"  (sitze"),  supercilium  altius  tollere, 
arrogantius  se  gerere,  insolentius  se  efferre,  conturaa- 
cius  se  erigere.'  Id.  B;  vgl.  ,vom  Ross  auf  den  Esel 
kommen'  Bd  I  515.  0^3^)/«  h.  (uf-Jne",  uf  die  h.  Achsle" 
ne",  Etw.  als  eine  Beleidigung  auffassen,  empfindlich 
sein  für  Etw.  allg.  '  ,Er  het  's  gar  h.  g'no",  sermonibus 
ejus  per  contumeliam  se  provocatum  putavit.'  Id.  B. 
,Etw.  auf  die  hoch  achslen  nemmen,  aufnemmen.  als 
ob  es  aus  .stolze  und  übermuet  geredt  wäre,  accipere 


973 


Haoh,  hech,  hicli,  hoch,  liuoh 


974 


alqd  in  superbiain.'  Mal.  Vgl.  mhd.,  hohe  icegen. 
D'  Sach  h.  träge',  mit  hohen  Ansprüchen  auftreten, 
sich  ein  Ansehen  geben,  den  Kopf  hoch  halten,  hoch 
hinaus  wollen;  dafür  in  Ap:  h.  tue',  h.  uben-ie  cho'. 
Höcher  tue",  a's  man  ist,  höher  fliegen  wollen,  als 
Einem  die  Federn  gewachsen  sind  Ap.  ,H.  dra'  u-elle', 
ad  apicem  fortunse  tendere,  bene  dotatara  virginera 
ambire.'  Id.  B.  H.  (h.  ohe")  sl",  hoch  streben,  stolz 
sein  G;  ScH;  vgl.  es  doben  han  Bd  I  51,  hoch  im  Geist 
Sp.  489,  hoch-trayen(d),  , -fahrend,  -trabend;  Jmd  von 
oben  herab  behandeln',  und  ,Intonare,  hoch  einhin 
reden,  stolzlich  und  prachtlich  toben,  bochen,  hol- 
deren.' Fris.  ,Er  ist  darab  h.  worden,  mnltum  ei  ex 
hac  re  arrogantise  accessit.'  Hospin.  1683.  Von  Ge- 
danken: Er  redt-mer  z' h.,  i'''' chann-ne' nit  versta"  B; 
vgl.:  ,das  ist  mir  zu  h.,  hujus  ego  rei  rationem  non 
assequor.'  Hospin.  1683.  ff.  ha",  angetrunken,  be- 
trunken sein  Bs;  Th;  Z;  Syn.  d' oben  oder  im  Kopf 
ha,  schlier  g'lade"  ha.  Mer  [wir]  Beid  hend  erber  h. 
g'ha  imd  hend  Allerlei  g'schwätst.  Schwzd.  —  b)  fern, 
nur  in  der  EA.:  Weder  hoch  no'''  noch  ist  Niemer 
g'si',  weit  und  breit  war  Niemand  zu  sehen  TJ;  eine 
für  ein  Bergland  nahe  liegende  Vertauschung  der 
Höhendimension  an  die  horizontale  Erstreckung.  Syn. 
weder  wit  noch  nach.  Vgl.  mhd.  höher  stein,  weiter 
weg  treten,  afrz.  aller  en  sus,  hinweg  gehen.  Die 
Eechtsformel  .hoch  und  noch'  s.  unter  2  a.  —  2.  in 
modalem  S.,  bes.  hohen  Grad,  Preis,  Wert,  Rang, 
Mass,  Stufe  bezeichnend.  ,Der  Höchst  a'  Stimme' 
sl",  suffragiorum  punctis  caeteros  superare.'  Id.  B.  ,Von 
denjenigen  Alpknechten,  die  von  der  erhaltenen  Milch 
am  meisten  Butter  und  Käse  verfertigen,  sagt  man,  sie 
haben  zu  höchst.'  Steinm.  18U4  (G  oRh.).  ,Dank  eiget 
zum  Allerhöchsten.'  Gotth.  ,Zue  dem  allerhöchsten 
danken.'  Zwingli.  .Die  Gott  in  hocher  gesundheit 
fristen  well.'  1.524,  Strickl.  ,Dass  die  künst  im  höch- 
sten sygind.'  1557,  ZWthur  Keuj.;  vgl.:  ,Er  ist  in 
der  kunst  h.  kommen.'  Hospin.  1683.  En  höche"  To" 
a'schlah',  stolze  Worte  brauchen  Z.  ,H.  rede",  magni- 
fico,  tumido  dicendi  genere  uti.'  Id.  B.'  ,Uf  fusj-em 
höchere*  Ton  ne",  imperiose,  niinaciter  loqui.'  ebd. ; 
vgl.  frz.  parier  d'un  ton  haut;  mhd.  hoch  reden.  ,[Die 
Wiedertäufer]  hebend  die  sach  von  Gott  so  h.  an  ze 
reden.'  Zwingli.  ,Etw.  hoch  anziehen',  hoch  anschla- 
gen, einer  Sache  hohen  Wert  beilegen :  ,übschon  das 
alles  war,  so  wäre  doch  diser  fürhalt  eben  h.  anzogen.' 
1524,  Absch.;  vgl.  ebd.  IV  1  a,  165;  ,h.  verfasset' 
Sp.  1061,  sowie  hoch  1.  Bes.  von  Versprechungen, 
Aussagen,  Eiden,  oft  gehäuft  mit  Synn.  Si'''  h.  und 
tür  rerscim-ere",  schwer  beteuern  Gl;  Z,  auch  h.  und 
heilig  Z.  ,Wer  syn  guet  versetzt  und  hohe  redet  oder 
sweret,  dass  es  vormals  niemandem  versetzt  sye.'  1430. 
Bs  Rq.  ,Der  hoch  und  tief  red't  [h.  und  fest  ver- 
sicherte], dass  es  die  rechte  warheit  wäre.'  Fründ. 
.Das  uns  zuo  hochem  [wichtigem,  ernstem]  vorhaben 
dienlich  ze  syn  bedunken  will.'  1530,  Absch.  ,Was 
der  Landvogt  by  hocher  warheit  bestätiget.'  1530,  ebd. 
,Sy  bezügend  etwan  h.  und  tür,  sy  hörind  dieses  oder 
jenes.'  LLav.  1569;  1670.  Ähnlich  von  Vergehen, 
Verweisen,  Anklagen,  Strafen,  oft  übersetzbar  mit 
, schwer,  streng'.  ,Dass  er  im  h.  zuegeredt  [ihn  be- 
schimpft] hab.'  XIV./XV.,  L.  ,Er  hat  mir  "s  dick  h. 
und  tür  verwisen.'  JBinder  1535.  , Hitzig  und  h.  ver- 
klagt werden.'  1535,  Absch.  ,Nach  schärpfe  des  rechten 
gestraft  und  darinne  niemands  weder  rücher,   höcher 


oder  wyter  gehalten  [werden],  dann  er  verdient.'  1570, 
Absch.  Ebenso  von  Geboten,  Bitten,  Verpflichtungen, 
Aufgaben,  oft  übersetzbar  durch  .dringend,  dringlich, 
eindringlich',  's  ist  höi  ZU,  die  Zeit  drängt,  allg.  ,Dass 
söllichs  by  hocher  verpflicht[ung]  gehalten  werden 
sollte.'  Waldm.  Aufl.  .Man  wolle  Zürich  des  höch- 
sten gebeten  und  ermant  haben.'  1522,  Absch.;  vgl.: 
,H.  und  teur  ermanen.'  1530,  Tob.  ,Uf  anrüefung  und 
hocher  bitt.'  1561,  Esterm.  Zur  Verstärkung  und 
Steigerung  von  Adjj.  ,Es  ist  unser  hochflyssig  bitt.' 
1524,  Z  Schreiben.  ,Die  antwurt,  die  us  höchhöu- 
schender  notdurft  boschicht.'  1530,  Absch.  Bes.  als 
erstes  W.  in  Titeln.  ,Hochgeacht[et]',  Titularpräd. 
der  Landammänner  und  Stattlialter  Ap;  Gl,  in  Bs 
früher  ,hoher  Glieder  des  grossen  und  kleinen  Rates', 
in  Z  noch  immer  Anrede  an  obere  Behörden.  , Hoch- 
edel' ein  Titel  ansehnlicher  Glieder  des  grossen  Rates, 
auch  vortrefi'licher  Künstler,  .hochfest'  oder  .hohedel 
und  notfest',  erprobter  Kriegsleute,  .hochedle  Gön- 
nerinnen', ansehnlicher  Mitbürgerinnen;  .höh-  und 
wohledel  will  Nichts  sagen,  wenn  nur  eine  Person 
darmit  gemeint  ist;  hohehrender  Herr  ist  lächerlich 
gesagt  für  hochgeehrter  Herr.'  Spreng.  Hochgeert, 
Titel  der  Seckelmeister.  Landshauptleute,  Landsfähnd- 
riche  Ap;  .hocherfahren'  od.  .hochgelehrf ,  der  Doctoren 
und  Professoren  der  Medicin.  .hocherleuchtet'  und 
.hochgelehrt',  der  Professoren  der  Rechte,  da  man  zu- 
gleich (wie  bei  den  Medicinern)  das  hochedelgeboren 
vorzusetzen  pfleget;  .hochgelehrt',  der  Doctoren, 
Pfarrer,  Professoren  und  anderer,  durch  Gelehrsam- 
keit ausgezeichneter  Männer,  während  gewöhnliche 
Magi.ster  und  Landpfarrer  nur  .wohlgelehrt'  heissen; 
,hoh-  und  wohlgelehrt'  ist  unschicklich  gesagt;  .hoch- 
edelgeboren', Präd.  der  Staatsglieder  aus  dem  Herren- 
stand und  der  obern  Kanzleibeamten,  bes.  wenn  sie 
zugleich  Doctores  und  Licentiati  sind.  Spreng.  .Hoch- 
wohlgeboren',  der  Landammänner.  das  der  Landes- 
diener an  der  Landsgemeinde  ihnen  lieh  Ap;  ,hoch- 
wohlgeborne.  hochgeachtete  Herren'  titulierten  sich 
gegenseitig  die  Tagsatzungsgesandten  und  Regierungs- 
mitglieder verschiedener  Orte.  .Hochwürdig',  Präd. 
eines  kath.  Geistlichen,  .hochwürdigst'  das  des  Bischofs; 
Letzteres  als  Subst.  Neutr.  =  das  Altarsakrament. 
.Hochwürdig',  auch  .hochehrwürdig'  hingegen  war  frü- 
her der  Titel  eines  obersten  Pfarrers  und  eines  De- 
kans einer  h.  Fakultät  oder  eines  Landkapitels,  eines 
Professors  der  Theologie;  .hochwohlehrwürdig',  eines 
Helfers  bei  einer  Stadtkirche  und  eines  Seniors  unter 
den  Landpfarrern ;  .hochweise'  gehörte  zur  vollstän- 
digen Titulatur  eines  Hauptes  des  Freistaates,  neben 
.hochwohlgeboren  und  gnädig';  in  der  mehrern  Zahl: 
.Euere  Hochwohlgeboren,  Hochweisheiten  und  Gna- 
den.' Spreng.  Ähnlich  in  jener  titelsüchtigen  Periode 
auch  an  andern  Orten  der  Schweiz.  Alleinstehend 
zur  Bezeichnung  des  Ranges.  Die  Höche",  Vor- 
nehmen Gr;  Z.  Ei"'n  h.  ha",  hochachten,  verehren, 
mit  hoher  Achtung  behandeln  Ap;  G;  Syn.  ent-heben. 
H.  wennri,  an  hohe  Ansprüche  gewöhnen,  verwöhnen 
Ap.  En  um  Näbes  nüd  h.  ha".  Einem  für  Etw.  keinen 
grossen  Dank  wissen  Ap.  Höchere  G'walt  vorb'halte", 
Clausel  bei  einer  Zusage  Gl;  G;  Z;  vgl  Gott  Sp.  508. 
.Der  hoche  (höchste)  G'walt'.  die  Landsgemeinde  Gl; 
vgl.  in  der  selben  Bed. :  .die  höchste  Versammlung.' 
1784,  Absch.  .Höchste  Gewaltschlüsse',  Landsgemeinde- 
beschlüsse.   1779,    ebd.     Allgemeiner:     .Die    hochen 


975 


Hacli. 


liicli,  Iiocll,  huc 


97(5 


G'wäld',  die  hohe  (Landes-)  Obrigkeit.  Vilm.  Schlacht 
1656.  ,Die  Trinkstuhe  zur  Mucken  hiess  die  hohe 
Stube,  sie  war  der  Versammlungsort  der  ritterlielien 
Geschlechter.'  Bs  XIV.;  vgl.:  ,Der  raerteil  gewaltige 
Ton  der  hochen  stuben  [Herrenstube,  Versammlungs- 
lokal der  Edelleute].'  1546,  Absch.  (Sch).  Bes.  auch 
Ton  der  Gerichtsbarkeit,  ,hohes  Gericht',  Blutgericht, 
im  Gegs.  zu  der  niedern  Territorialgcrichtsbarkeit. 
,Was  von  dem  nideren  für  den  hochen  Stab  appelliert 
wurd.'  1607,  AAWett.  Klusterarch.  Damit  im  Zshang 
der  stehende  Ausdruck:  .hohe  Besserung(Busse)'.  ,Miss- 
handlungen  [Frevel],  die  der  hochen  buess  berüerend 
wären.'  1486,  Bs  Eq.,  wo  auch  dafür :  ,die  grosse 
besserung.'  S.  noch  Geleit.  Von  Festzeiten  i.  S.  v. 
heilig;  vgl.  (jrross.  Hoh-Wuche',  Churwoche  BO.  ,Man 
lüt[et]  allezyt  mit  hölzenen  gloggen  wie  hie  in  der 
hochwuchen.'  1497,  HsSchürpp.  .Zinstag  in  der  hei- 
ligen howuchen.'  1499,  B.  ,In  der  hochen  Wuchen.' 
1604,  Ardüser;  vgl.  frz.  grande  semaine.  Höh-  (bzw. 
Sü-J  Dunstig,  Donnerstag  in  der  Charwoche  B;  S;  Z. 
Wenn  man  während  der  Hohen-Donncrstagsnacht  einen 
Hafen  voll  Wasser  im  Freien  gefrieren  lässt  und  das 
Eis  dann  auf  die  Wunde  legt,  so  heilt  sie  S.  Am 
H.  soll-mu  nid  im  Herd  werche'  [keine  Feldarbeit 
tun]  «n*  en  feil  Lüt  meinen,  die  ganze  Huhwuchi  us 
nid,  süst  g'ratet  d'  Saeli  nid  BBe.  ,Ein  köpf  wyn  uf 
den  hochen  donstag.'  1495,  ScHwWoll.  Jahrzeitb.  ,Am 
hochen  donstag  (in  der  karwuchen).'  1499;  1500,  Gfd; 
1509,  AAWett.  Klosterarch.;  1585;  1607,  Ardüser;  vgl. 
gruen.  ,Am  hohen  Mittwochen  vor  Ostern.'  1473,  Gfd. 
,Am  Hofrytag.'  1528,  Gfo.  ,Unz  an  den  hohen  sanis- 
tag.'  1319,  Z  Katserk.  Mit  Bez.  auf  den  Preis.  ,Er 
könne  es  verkaufen  und  auf  den  höchsten  Pfennig 
bringen.'  173'2,  Hotz,  Urk.;  und  ähnlich  noch  heute. 
I"''  chomme  z'  höh,  sagte  ironisch  ein  über  seinen  ge- 
ringen Taglohn  verdriesslicher  Taglöhner  und  gieng 
ins  Wirtshaus  Scu  (.\nekdote).  ,D"s  geit  h.,  pretium 
pecuni«  auctum  est.'  Id.  B.  .Zue  rechter  zeit,  da  die 
schleg  [Preisansätze]  zum  höchsten,  verkaufen.'  1590. 
Bs  Eq.  —  Specielle  Verbindungen  u.  Bedd.  a)  ,H.  oder 
(und)  noch',  zu  hohem  oder  niederm  Ansatz,  viel  oder 
wenig,  z.  B.  von  einer  Busse  (nach  i.  S.  v.  niedrig, 
wohlfeil).  ,Was  jn  [den  Fährmann]  die  [die  Kichter] 
heissen  hoch  oder  na  [um  hohen  oder  billigen  Fähr- 
lohn], vil  oder  wenig  tuen,  dem  wollt  er  nachgän.' 
1449,  Uw  Urk.  ,Zue  Eotenflueh  hab  ich  [der  Gerichts- 
herr] zue  gebieten  und  zue  verbieten  h.  und  noch 
[d.  h.  den  hohen  und  niedern  Bann,  von  hoher  und 
niederer  Gerichtsbarkeit].'  Bs  Eq.  Vgl.  noch:  ,Die  da 
einem  zwingherren  gehorsam  sind,  h.  und  nach  zu 
dienen.'  1464,  Bs  Rq.,  mit  der  syn.  Formel:  ,Dass  die 
von  Riehen  einer  Statt  Basel  gehorsamend,  h.  und 
nider  dienend.'  1548,  ebd.  ,Hoch  oder  noch,  es  gang...', 
häufige  Beteuerungsformel  der  Angeklagten  im  XVI. 
=  ich  bleibe  bei  meiner  Aussage ;  viell.  ebf.  nur  auf 
die  Höhe  des  Strafmasses  hindeutend,  viell.  aber  auf 
das  seit  jener  Zeit  angewendete  peinliche  Verhör; 
vgl. :  ,Die  Knechte,  welche  verdächtig  sind,  sollen  ge- 
fangen und  höcher  dann  bim  Eid  gefragt  werden, 
damit  die  Wahrheit  an  den  Tag  komme.'  1513,  Absch. 
III  2,  743.  —  b)  geradezu  durch  das  correlato  ,tief' 
zu  übersetzen.  ,Wenn  dem  so  wäre,  so  müsste  man 
es  wahrlieh  h.  beherzigen.'  152'2,  Absch.  ,Die  Sach 
h.  zu  Herzen  gefasset  und  ufgenommen.'  RCvs.  — 
c)  von  der  Stimme,  eig.  von  der  Tonhöhe,  dann  aber 


durch  Verwechselung  dieser  mit  dem  Tonmass,  -Grad 
geradezu  =  laut,  hell;  vgl.  frz.  haut.  Hoch  lüte",  von 
Hunden,  mit  heller  Stimme  (durch  Heulen)  auf  den 
Schall  des  Hernes  Antwort  geben  Ap  (Jägerspr.). 
,Acuti  litui,  die  hell  und  h.  lautend.'  Fris.  ;  vgl.  dazu 
Gell  Sp.  208,  haußthöchlich  und:  ,Hochlut,  altisonus' 
bei  Diefi".,  Gloss.     Anders  h.  reden,  s.  oben. 

Mhd.  höi-lt,  hö  (letztere  Form  schon  ahd.  bei  Xotker), 
hoch,  jross,  stark,  laut,  vornehm,  stolz.  Der  Uml.  ist  uu- 
organisch  eingetreten,  wahrsch.  in  Anlehnung  an  Hochi  oder 
infolge  Eindringens  aus  dem  Comp,  und  Sup.  /  (bzw.  j) 
scheint  urspr.  inl.  als  Hiatustilger  aufgetreten  (vgl.  mhd. 
wäjen,  blüejen)  und  dann  auch  infolge  von  Ausgleichung  im 
Aus),  stehen  geblieben  zu  sein.  Vgl.  noch  tjäch  (Sp.  99  ff.j, 
/riieh  (Bd  I  1293),  froh  (Bd  I  1270)  und  nach  mit  den 
Nbff.  näh,  nach  (Compp.  nächer,  näjer,  naher).  Die  ä.  Litt, 
zeigt  in  Betreff  der  Anwendung  des  l'nil.  und  des  Eudcons. 
nicht  immer  Consequenz;  vgl.  noch  folgende  Belege:  ,die 
hochen  Schneien;  die  hoche  Notwendigkeit.'  JHHott.  1666; 
ebd.  der  Comparativ  ,höcher',  wie  auch  bei  Haberer  1562  und 
JMey.  1696.  ,By  der  höhen  buess.'  1549,  Wthur  Chr.  ,Die 
höhen  gibel.'  Vogelb.  1557.  ,Höche  gnade.'  Haberer  1562. 
,Höhe  felsen.'  Tierb.  1563.  ,Von  dem  hochen  Himmelstron.' 
Lied  1712.  .Hohgelehrt.'  JMüll.  1665.  Auch  in  den  Compp. 
und  Flurnn.,  wo  tw.  der  alte  Lautstand  noch  erhalten  ist, 
zeigt  das  W.,  bes.  gegenüber  dem  sonstigen  Gebrauch,  manche 
Inconsequenz.  So  begegnen  in  Compp.  hoch-  und  ha-  (vgl. 
z.  B.  Hochmuct,  dagegen  Bö-Wuehe)  auch  in  Z  (im  Adj.  und 
Adv.  dagegen  hoch).  In  Ndw  in  Compp.  hech-,  hoch-,  dagegen 
Hö-Uippl.  S.  noch  Hochfart  (Bd  I  1032),  Uöch-Zit,  mit 
seinen  Nbff.;  Hü-  und  Hö-Liecht  u.  A.  —  Flurnn.  HochcU, 
Berggut  Gl ;  G'hoch  ZB.är.  Von  den  folgenden  Zssetzungen 
sind  die  mit  hö(ch)-  zsgesetzten  Formen  die  älteren;  in  ihnen 
wird  mit  und  ohne  Verkürzung  des  Voc.  der  Accent  in  vielen 
Fällen  auf  das  2.  W.  verlegt.  Die  jüngeren  sind  die  mit 
hfich-.  .Hochfelden'  Z;  ,-riueh  (Hößef  BMeir.  ,Höch-Feld' 
L,  ,-Flueh'  L,  ,-Stetten'  B.  ,Hö-Farni'  L;  ,-Furren'  B;  L; 
ZZoll.,  Name  eines  Höhenzugs  (vgl.  dagegen:  ,uf  Hochenfur.' 
165:3,  AaWett.  Klosterarch.);  ,-Gaut'  (s.  Sp.  337);  ,-Graben' 
(s.  Sp.  679);  ,-Grat'  B;  ,- Liebe'  B;  L;  ,-Loch'  L;  ,-Mäd' 
B;  L  (-Mädll);  .-Matt'  B;  ,-Bach'  W;  ,-Rick'  Sch;  ,-Rain' 
Ap;  B;  Z;  ,-KUti'  Ap;  B;  L;  Z;  ,-Schwand'  B;  ,-Schwerzi'  L; 
,-Studeu'  B;  ,-Stegen'  B;  ,-Stand'  BGr.;  ,-Strick'  B;  .-Wacht' 
B;  Z;  ,-Wald''B;  -Wart  L  (in  ZO.  die  hoch  Warte).  ,Hö- 
Berg'  Z;  ,-Rain'  B;  ,-Rän',  Bergname,  die  ,Hohe  Khoncn' 
der  Geographen,  ,-Schutz'  ZErl.,  Wasserfall,  auch  ,Han- 
giessen'  s.  Sp.  470;  ,-Stock'  ZStern.  In  flectierter  Form: 
.hohen-',  .hochen-',  zsgezogen  ,hon-',  woraus  ,hani-',  ,hum-': 
.Hohen-Klingen';  ,-Kasten'  Ap;  ,vo°  der  Hochen-Balchen.' 
Waldenst.  1580;  ,Hohen-Sa.\'  G;  ,-Schöreu'  G;  ,-Stollen' 
BoHa. ;  ,-Tannen'  Th;  ,-Twiel'  (,vou  hochen  twiel.'  Lenz 
1499);  .Honwalt.'  XIII./XVI.,  Urk.,  jetzt  und  früher  schon 
in  den  Mandd.  Hobel  S;  's  Höche'-HöniH,  Gipfel  des  Hörnli- 
berges  Z;  ,uf  dem  hochen  Tal.'  1653,  AaWett.  Klosterarch. 
(jetzt  Hö-e-Val).  ,Hon-Au'  L;  ,-Egg'  Ap;  B;  L;  G  (wovon 
der  Familienn.  ,Honegger');  ,ze  Hon-Furen.' XIV.,  Gfd;  ,Hom 
(HamB)-Büel'  L;  ,-Bcrg'  Aa  (BergzUge);  B;  L  (Hömbrig); 
ü;  Th  (,Ham-');  Z  (wovon  die  Familienn.  ,Hom-,  Ham-berger); 
,-Burg'  Aa;  Bs;  S;  Th.  Verdeckt  ist  unser  W.  in  Humbd. 
Iltimd.  Hoh(en)bücI  Z;  .Höneri'  (Hohenrain)  L;  .Höfterc' 
(Hochdorf)  L.  —  Wie  die  flectierten  Formen  im  Allg.  Aus- 
gleichung nach  der  flexionslosen,  bzw.  präd.  Form  zeigen, 
so  scheinen  auch  Adj.  und  Adv.  in  den  MAA.  völlig  zsge- 
fallen  zu  sein.  —  Zu  1  a.  Der  Flur-  und  Ortsn.  ,Hoch- 
strass'  Tu;  Z,  ,Hohstrauss.'  1464,  SchGächl.;  ,Hö-  (neben 
,hoch-')  strass.'  1525,  AaFri.  deutet  im  Allg.  auf  alte  Römer- 
strassen. An  einer  solchen,  die  der  Wigger  entlang  führte, 
liegt  Höstris  (schon  XVI.,  LAltish.  Jahrzeitb.,  =  .Hochstriss.' 
1610;  ,Hogestres,  Hochsträss.'  1456,  L  Steuerb.;  .oben  an 
der  gassen,  als  man  gät  an  das  hochstraus.'  LWillis.  Jahr- 
zeitb.). Strassen  selbst,  bzw.  ihre  Reste,  werden  noch  be- 
zeichnet   mit:    ,By    dem  Höstresse.'    1329,  =  .Hohstresse.' 


078 


I3:)8,  =  .Hochgestross.'  1391,  Aarau ;  ,Hochsträss'  (aus 
.Hochgesträss'),  Römerstiasse  längs  des  Murtnersees;  ,Hoch- 
jiestiäss',  Weg  zw.  dem  verschwundenen  B  Dorf  Wyden  und 
l'nterseen.  Mö-Oaträse  heisst  auch  infolge  Übertragung  (s.  o. 
unter  1)  der  Grat,  welchem  entlang  man  auf  den  .Stollen' 
des  Hasliberges  gelangt;  vgl.  .Hochstrasshof ,  Name  eines 
Bauernhofes  an  der  hohen  Strasse  auf  dem  Borge  AaB.  Das 
W.  kommt  den  alten  Römerstrassen  darum  zu,  weil  sie  aus 
militärischen  Gründen  in  der  Höhe  gehalten  oder  auf  Däm- 
men angelegt  wurden.  Vgl.  auch  das  syn.  Heiden-,  Hlr-Weg. 
Die  Bed.  , Landstrasse'  (s.  unter  1)  erklärt  sich  am  ein- 
fachsten daraus,  dass  der  Strassenbau  der  spätenn  Zeit  sich 
an  die  römischen  Muster  anlehnte.  Vgl.  auch  Mone  1845, 
S.  139/148.  Hieher  auch  der  Familienn.  ,Hochstrassei'  Z. 
—  In  h.  hau  mag  h.  abgekürzter  Ausdruck  für  h.  g'ladai 
sein:  doch  könnte  es  auch  einfach  das  hohe  Mass,  zu  welchem 
das  Genossene  angestiegen  ist,  bezeichnen ;  vgl.  das  syn. 
'j'nufiy  han. 

ebe°-höch:  genau  gleich  hocli  Aa;  „bes.  von 
einem  Hause,  welches  so  an  einen  Hügel  gestellt  ist, 
dass  es  nicht  über  ihn  hervorragt,  folglich  durch  ihn 
vor  Lawinen  geschützt  ist,  frz.  en  niveau  Gr."  —  Als 
Subst.  Ehe'-höfchj  b.  GrD.,  Pr.,  -höfcliß  f.  GrD.  ;  W ; 
ZWäd.:  1.  ein  mit  dem  Hauptgebäude  gleich  hoher 
Anbau,  Flügel  ZWäd.  —  2.  vom  Boden  aus  schief  an- 
steigender Erd-  od.  Steinwall,  a)  Lawinenbrecher  W, 
zum  Schutze  eines  Gebäudes  gegen  Lawinen  entw.  un- 
mittelbar an  diesem  angebracht  und  zu  dessen  Dache 
oder  darüber  hinaus  reichend  GrD.,  L.,  oder  aus  einem 
abgesonderten  Hügel  bzw.  überwachsenen  Steinhaufen 
liinter  dem  Gebäude  bestehend  GRÄnt.  Syn.  Spalt-Egg 
(Bd  I  158),  das  aber  im  Gegs.  zu  E.  ein  eigentliches 
Mauerwerk  bezeichnet.  —  b)  =  An-,  In-Far  1  (Bd  1 
887)  GRPr.  —  (ver-)ebe°-höhe»,  bzw.  -hohe": 
das  Niveau  einer  Dachfläche  mit  demjenigen  der  Berg- 
lehne ausgleichen,  es  bis  an  den  Berg  verlängern,  so 
dass  die  Lawinen  darüber  hinweg  gehen;  ein  Haus 
an  den  Berg  anlehnen  Gr;  davon  Ebenhöhet,  Vereben- 
hohet  n.,  so  construiertes  Gebäude  Gr. 

Mhd.  ehvnhoelie,  Belagerungswerkzeug,  das  in  gleiche  Höhe 
mit  den  Mauern  bringt;  so  noch:  ,Da  man  wollt  für  Thun 
ziehen,  hat  man  gemacht  katzen,  ebenhöchinen . . .'  1370, 
.Justinger. 

über-  s.  überhöchen.  —  hüs-,  auch  7(i7ses- Z:  wie 
nlid.,  doch  bes.,  ähnlich  wie  nhd.  ,turmhoch',  zur 
tj-pischeu  Bezeichnung  einer  auffälligen  Höhe.  allg. 
Du  isch-mer  en  Avipeh"  [Licht  i.  S.  v.  Einsicht]  ttf- 
g'gange",  hitshoch  Bs  (Schwzd.).  H.  g'rerlre',  sich 
schwer  irren  Z.  —  chäs-:  klein  von  Statur  (verächt- 
lich), allg.     S.  noch  Käs,  Boden-Zweck. 

g'münd-:  so  hoch  wie  die  aufgestellte  Hand  mit 
emporgestrecktera  Daumen,  z.B.  von  der  Specklage 
des  Schweines  (typ.  Bezeichnung)  GLÜbst.;  Schw.  — 

Mhd.   tjemünde,  Spanne. 

turn-.  Turrtihöch  lid  ^if'mÄtpli  d'r  Schiitthüfe" 
GRPr.  (Schwzd.). 

huche°:  hoch  werden,  in  die  Höhe  wachsen.  Dul. 

,be-:  unpers.,  schwindeln  BSa.  Es  b'hohet  mir, 
■i.  B.  an  einem  Abgrunde."  -  Wahrsch.  eig.  =  ,(zu)  hoch 
dünken';  vgl.  b'langen,  (zu)  lange,  mhd.  htvitn,  (zu)  viel  dünken. 

Hochheit  f.:  Hoheit,  als  Inbegriff  der  Hoheits- 
rechte. ,Es  sind  alle  die  Fryheiten,  so  [die]  Herren 
der  Stift  an  disem  Wald  gehabt,  äussert  der  H.  und 
dem  Malefitz  (so  sie  selbs  der  hochen  Landesoberkeit 
übergeben)  ihnen  von  einer  Oberkeit  bestätiget  wor- 
den.' U)71,  Hotz,  Urk.    Daher  legten  sich  die  Glieder 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


der  h.  Regierungen  der  eidg.  Orte  im  XVII./XVUL 
den  Titel  ,H.'  bei.  ,Bis  auf  fernere  Verordnung  der 
Hoheiten  [der  das  Tessin  regierenden  Orte].'  1748, 
Absch.   —   ,Hochheit'  auch  bei  ClSchob.    1699. 

hoch-,  höchlecht:  1.  ziemlich  hoch  Z.  ,Dry 
hochlecht  Becher.'  1612,  L  Stiftsurb.  .Einen  hoch- 
lochten Becher.'  XVL,  B.  —  2.  laut.  ,Hochlächtig 
g'lächter,  risus  tremulus.'  Mal.     S.  hoch  3  c. 

hochliche":  Adv.,  in  hohem  Grade,  höchlich. 
,Pharisäer,  der  sich  syner  eignen  g'rechtigkeit  so  h. 
tröstet.'  GuALTH.  1559.     S.  hoch  haupthüchliygen. 

*hochsam  hösam  II:  stolz,  unfreundlich,  hoch- 
mütig W.  —  Vgl.  (««am,  sofern  es  aus  tOcheam  zu  erklären 
ist.    Übrigens  Hesse  sich  komm  II  wohl  mit  h.  I  vereinigen. 

höche",  „höchene"" :  1.  =  7iöc/jew.  allg.  'sWas- 
ser  hOchet,  steigt.  De""  Miststock  höchet  Z.  —  2.  er- 
höhen, erheben,  hoch  machen.  ,1415  ist  die  kirch 
gewytert  und  der  turn  angehept  ze  hochen.'  Vad. 
,Hettestu  meine  auserwelten  nit  alle  zeit  getötet,  die 
schleg  deiner  bänden  gehöcht.'  1531/48,  Esra;  dafür: 
,die  Hände  zum  Schlagen  erhöhet.'  1667;  =  .aufge- 
hoben.' 1882.  —  ebe°-  s.  eben-hoch. 

über-:  1.  an  Höhe  übertreffen, -ragen.  ,Überhoch, 
nit  ze  überhöhen,  das  man  nit  übersteigen  mag,  in- 
exuperabilis.'  Mal.  ,Die  gäns  sind  ser  hoch  aufge- 
flogen, aber  die  falken  habend  die  gäns  überhöhet, 
so  hoch,  dass  man  sy  nit  mer  sehen  mocht.'  Vogelb. 
1557.  ,Der  Larvierten  [Maskierten]  Summ  die  Schauer 
überhöcht  [an  Zahl  übertriff't].'  CMet.  1657.  ,üb  es 
ratsam  sei,  in  Heutelia  viel  zu  fortificieren  [Befesti- 
gungen anzulegen],  sintemalen  der  Vierenteil  der  Stät- 
ten von  Bergen  commandiert  und  verhöcht  seind?  Er 
antwortet,  was  die  Hauptstätt  antreffen  tut,  ob  sie 
gleichwol  überhöcht  sein  mögen,  so  . . .'  Hedt.  1658. 
,Hat  der  Rohrführer  [einer  Feuerspritze]  das  Feuer 
überhöhet,  dass  er  von  oben  herab  darzu  kommen 
kann...'  Z  1790.  Bes.  als  militärischer  Ausdruck,  eine 
höhere,  beherrschende  Stellung  über  dem  Feinde  ge- 
winnen, einnehmen ;  vgl.  Anm.  zu  eben-hoch.  ,Sy  ha- 
ben sich  by  Zug  uf  eim  berg  gelagert,  die  fynd  ü. 
wellen.'  1531,  Strickl.  ,Etlich  der  unsern  lufiend  den 
fuessweg  uf  den  rain,  überhochtend  die  reisigen,  die 
mochtend  inen  us  der  gassen  [Hohlweg]  nit  zue  [reich- 
ten mit  den  Waffen  nicht  an  sie].'  Vad.  ,Die  Prätti- 
gäuwer  aber  das  [die  feindliche  Verschanzung]  band 
überhöcht,  die  Berg  erstigen,  das  spanisch  Volk  muesst 
underligen.'  Lied  1622.  —  2.  bemeistern,  bewältigen. 
,Der  Böse  gedachte,  den  Riesen  zu  ü.',  ihm  den  Rang 
abzulaufen.  Jecklin  1876.  ,Ein  starker  Mann,  der  den 
Tyroler  ü.  dürfte.'  KARütish.  1880.  ,Sie  händ  wasser 
zuehin  treit,  dass  man  das  für  glych  überhöcht  und 
gebastget.'  1540/78,  Wthur  Chr.  (od.  zu  IV).  -  Mhd. 
überhoehen,  sehr  erhöhen,  übertreffen. 

er-:  1.  wie  nhd.;  höher  machen.  ,1501  ward  der 
kilchturn  erhöcht.'  Z  Anz.  —  2.  an  Höhe  erreichen. 
,D'  muren  nit  zue  stürmen  sind,  sy  mögend  ouch  für 
die  statt  nüt  [d.  h.  keine  Belagerungstürme]  bringen, 
dass  sy  die  mur  erhöhind  mit.'  JMurer  1559.  —  Mhd. 
crhoehen,  erheben. 

uf-er-  =  , erhöhen'.  ,Die  fyend  des  Herren,  so- 
bald sy  uferhöcht  und  in  ereu  sind.'  Zwingli. 

ver-:  höher  machen  Ap,  auch  ver-höchere".  S.  aucli 
noch  überhöchen. 

62 


979 


Hacli— hncli.    Hachs— liuclis 


980 


höchere":  1.  höher  werden,  wachsen.  „Der  Mut 
höcheret  (sich)."  Mi^r  höcherid  afengn,  kommen  schon 
höher  Ap.  —  2.  erhöhen,  steigern.  ,Ist  der,  dem  das 
gehotten  wird,  ungehorsam,  so  mag  der  herr  das  ge- 
hott  h.,  ye  höcher.'  1472,  GT.  Arch.  72.  ,Fleischtüre. 
Fleischschatzung  (umb  1  hlr)  gehocher(o)t.'  Kessl. 
,Dass  ir  den  zoll  belyben  lassind  und  den  nit  höch- 
rind.'  Väd.  ,Die  B'lonung  wegen  den  Luchsen,  die 
umbracht  werdend,  g'höcheret.'  1632,  Gl.  —  Mhd. 
hoehern,  höher  machen;  abs.,  den  Preis  erhöhen. 

Höchi  f.,  in  PP.;  W  Heß  (neben  HecM),  in  Gr 
ObS.  Hehi  —  PI.  Eöchen-,,  bzw.  Hejine :  1.  Höhe 
(abstr.  und  concr.),  An-,  Berghöhe,  Berggipfel;  auch 
bildl.  allg.  Uf  de'  Höchene"  schneit's;  über  d'HÖchene' 
ga".  jEöchene,  loca  altiora,  montana.'  Id.  B.  ,1»  d'  H. 
ga",  ascendere;  suraptus  cumulare;  d'  Büecher  gange' 
i'  d'  H.,  comparando  libros  impensas  valde  augemus.' 
ebd.  D'  (die  recht)  E.  ha",  den  Höhepunkt  erreicht 
haben,  auf  dem  rechten  Punkte  sein,  meist  iron.  im 
S.  V.  (zu)  hoch  hinaus  wollen  Ap;  Bs;  Gl;  Z.  ,Sie 
spotteten,  dass  es  die  rechte  Höhe  habe,  wenn  der 
Lehrjunge  der  Meisterstochter  hoflere.'  Met.-Mer.  Bas 
ist  die  r.  Eechi  vo'  dem  LunqM"-Veh,  so  weit  muss 
es  bei  diesem  Gesindel  kommen,  solche  Absichten  hat 
es.  Balz  1781.  Vgl.  auch  Gr.  WB.  u.  s.  noch  guet 
Sp.  540.  In  Olli  E.  singe',  aus  voller  Brust  hoch 
hinauf  s.  ZS.  ,Uf  aller  höhe  im  Gütsch.'  1560,  L 
(Gfd).  ,Der  schnee  hat  sich  in  den  höchinen  oder 
wilden  landen  bis  uf  ölf  quart  tüf  gesammlet.'  1598, 
ARDiJSER.  ,Wann  uf  den  Höchenen  in  Alpen  Grasweid 
ist,  soll  man  die  Geiss  uf  der  Höche  weiden  lassen.' 
1607,  U.  Als  Flurn.:  Eöchi  L,  EöfiJ  GA.;  ZO.,  Zoll., 
Bad-Eö-i  ZEgg,  Schmitte'-Eö-i  ZHirz.  —  2.  Stock- 
werk PP.;  W.  ,Das  Haus  hat  nur  eine  Höhe  und  die 
Pfarrer  mussten  unten  im  Mauersaal  wohnen.'  Euppen 
1861.  As  Eus  von  dri  Eejunu.  Ober-Eechi  (-Eeji), 
Oberstock;  Syn.  Obeni,  Ober-Eüs. 

Mhd.  hoehe  in  Bed.  1 ;  vgl.  schon  bei  Notk. :  ,die  huhina 
(altitiidines)  dero  berge';  ,die  höchinen  besetzen.'  1468, 
Absch.;  ,in  höchinen.'  Riief  1550;  ,tou  seinen  höchinen 
herab.'  LLav.  1582;  ,in  die  Höche  bauen.'  1620,  SchwE. 
Klosterarch. 

Neben-:  Anbau,  i.  S.  v.  Ebenhöch  3.  ,N.  N.  be- 
gert  holz  zuo  einer  uebethöchi  an  syn  neu  hus.'  1555, 
Hotz,  Urk. 

Sprung-  s.  Sprung. 

Dach-.  ,N.  N.  begert  holz,  ein  nebetböuli  [An- 
bau] ze  machen,  damit  es  zuo  einer  tachhöchi  komme, 
was  nebenthalben  an  das  hus  gehenkt  ist.'  1555, 
Hotz,  Urk. 

Höchling,  nur  als  Familienn.  ,Der  schnyder  H.' 
c.  1550,  Z  Urk. 

haupt-  (in  Bs;  L;  S;  Z  auch  haut-,  in  BsTerw. 
7M<f-)  höchli°g(e")  Aa;  Bs;  Gl;  L;  G;  S;  „Zg;"  Z, 
hopphdli:"g(e")  GSa.,  haupthdli"g(e')  Gl:  1.  Adj.  und 
Adv.,  Hauptes,  Manns  hoch  Aa.  E.  ufschiesse',  wachse', 
hoch,  schnell  aufsprossen,  von  Pflanzen;  h.  uffare', 
zornentbrannt  hoch  aufspringen  AAZein.;  7t.  itfstä', 
sich  auf  die  hintern  Beine  stellen,  z.  B.  von  einem 
Pferde,  ebd.  —  2.  nur  Adv.  a)  mit  hoch,  stolz  auf- 
gerichtetem, erhobenem  Haupte  Aa;  L;  „Zg."  — 
b)  im  höchsten  Mass,  mit  aller  Macht,  grossartig  Aa; 
Bs;  Gl;  L;  G;  „Zg;"  Z.  E.  tarne',  voll  Lust,  Ver- 
gnügen L.     E.  Gugelfucr  trtbe"   ZMönch.     D'  Bäum 


blüeje  h.,  in  voller  Pracht  Bs.  Es  gat  h.  zue,  geht 
hoch  her,  z.  B.  bei  einem  Essen ;  „der  Aufwand,  das 
Wohlleben  wird  auf  den  Gipfel  getrieben"  L;  ZU. 
Vom  eiligen  Laufe,  Hals  über  Kopf  Gl;  GSa.  Was 
chtmnt  iez  au"''  dort  für  Eine''  eso  hopphölege,  laufst 
nit,  Äj  gilt  's  nit?  GSa.  (Proph.  1855).  Von  Beteu- 
rungen,  Aussagen,  hoch  und  teuer,  alles  Ernstes  L; 
„Zg;"  Z.  Er  hed  h.  behautet,  er  heig  Frösche'  g'seh 
mit  Schii-änze'  L.  Öppis  h.  laugnC  Z.  —  c)  von  der 
Stimme,  lautschallend,  überlaut  Bs;  Gl;  L;  S;  Z. 
E.  singe';  aus  voller  Kehle,  h.  lache',  hell  auflachen. 
Sofern  das  W.  in  abstr.  Weise  zur  Bezeichnung  eines 
hohen  Masses,  Grades  dient,  erscheint  sein  Ursprung  ver- 
dunkelt und  haujit-  kann  (bes.  auch  in  2  c,  wozu  das  Syn. 
hau2>t-helti(/  bes.  zu  vergleichen  ist)  einfach  als  abstr.  ver- 
stärkend (vgl.  haupt-guet,  Maupt-Straf)  aufgefasst  werden. 
Vgl.   noch  hock-httuptlingm  und  zu   2  c  bes.   das  Folg. 

lüt-höchli°ge''  =  haupt-h.  2  c  BBrisl.  X.  lache', 
grlne'.   —   Vgl.  hoch  luten  bei  hoch   ;>  c. 

HOchli  In.:  1.  Griff,  Handhabe  in  der  Mitte  des 
Sensenstiels  (für  die  rechte  Hand)  Aa;  „LG. ;"  S. 
Synn.  s.  bei  Eauchen.  —  2.  =  Grätten-,  Eön-Arm, 
Deichselarm  L;  s.  Bd  I  453. 

Vgl.  die  Anin.  zu  Hauchen,  wobei  zu  beachten  ist,  dass 
auch  die  unter  2  bezeichneten  Hölzer  gekrümmt  sind.  Dem 
Sinne  entspricht  übrigens  genau  bair.  ,Hachel';  doch  dUrfte 
unser  W.  zunächst  aus  Hauchen  oder  Hüchen  durch  An- 
lehnung an  hoch  entstellt  sein. 

Höchli  II  n. :  wolliger  Schneeballstrauch,  viburnum 
laut.  S  NA.  (JJäggi).     Syn.  Eulftere,  Eüg-Baum. 

Schwach  bezeugt  und  nicht  bestätigt;  doch  könnte  es, 
da  der  Strauch  das  zäheste,  biegsamste  Holz  liefert,  viell. 
zum  Vorigen  oder  zu   Hüg-Baum  gehören. 

Hilche"  m. :  eiserner  Haken,  den  man  in  die  Mauer 

einschlägt   Sch.    -    Vgl.   Hauchen,    IIöchH,   Hucchen. 

llUche":  (an)hauehen;  nur  in  einem  Segen  gegen 
,die  bösen  Lüfte':  , Du  bist  gebucht  [: gestücht].'  Lüt., 
Sag.  544.    —    Für  nhd.   hauchen  gilt  bei  uns  sonst  hichen. 

llüchle":  heucheln,  wie  nhd.  allg.,  aber  wenig 
volkstümlich.  E.  und  schmüchle',  schmeicheln  AaP. 
-  Hüchleri  f.:  Heuchelei.  GGotth.  1619. 

hficlile":  wiehern  GA..  Synn.  hehelen,  hihclen,  tri- 
helen.   —  Vgl.  bair.  ,hicheln,  hechezen'. 

Htiehli  n.:  MittelgriS'  am  Sensenstiel  AaF.  -  Vgl. 

Hauchen,   Höchli,   Ilüchen. 

Haech  m.:  Huchen,  salmo  hucho.  XIV.,  G  Hdschr. 
,Trutta  piscinaria,  ein  huoch,  buch,  hüech.'  Fischb. 
1563.  —  Auch  bair.;  vgl.  noch  Gr.  WB.  bei  ,Heuch,  Buch  V. 

Hneclie"  m.:  Schlittkufe  Ap;  TnSteckb. 

Vgl.  die  Synn.  (Schlitt-)  Chuechcn  und  -Hauchen,  ferner 
unser  chuchen:  mhd.  hüchen  (nhd.  ,haHChcn');  doch  s.  auch 
Graff  4,  97/8. 


heclisen:  schlucken.  ,Bibergeile  stillet  den  höschen 
oder  das  h.,  wo  disos  h.  aus  volle  kummt'  Tierb.  1563. 

A'gl.  Gr.  WB.  bei  ,hechen,  hechzen,  besehen'  und  unsere 
Synn.   hkhzgen,  hiijgen,   hixen,   h'dzgcn. 

ent-heclisen:  einem  Tiere  die  Fusssehnen  durch- 
schneiden. 1404  schvfört  N.  N.  Urphede,  weil  er  ,vich 
cnthechset'.  L  Staatsarch.  ' 


Hachs— huchs.     Haclist— luichst.     llaelif 


.•lit. 


liucliz 


llad 


Mhd.  ent?iehsenen,  dass. ;  zu  hahse,  Fusssehüe;  vgl.  noch 
Or.  WB.  bei  ,hechsnen.'  Vgl.  den  Familienn.  ,Hechsler'  in 
des»   Fliirn.   ,in's  Hechslersacker'   ZGimt.   (Amtsbl.   1882). 

Hoohsig,  hüchsigen  s.  Hoch-Zit. 


Höchster  m. :  Fuhrmann  eines  grossen  Lastwagens 
(s.  Höchster- Wagen)  GWa.  So  grob  wie  en  H.,  sehr 
grob,  stehende  RA.  Sprww.  18Ö9. 

Nach  dem  Ortsn.  ,Höchst'  am  Rhein,  wo  ein  Haiiptüber- 
giu\s  für  die  über  die  Gr  Pässe  kommenden,  nach  Deutsch- 
land ffelu'nden  Waaren  war. 


Hacht  s.  Ilahich.        behaucht  s.  hehankt. 

H*cht  ra.:  1.  wie  nhd.  Am  H.  ist  der  Schicam 
(his  Best.  Ineichen.  Von  chllne'  Fische"  wörid  d'  H. 
gross.  SüLGER.  ,Man  befindt  etlich  unterscheid  bei 
unsern  fischern  die  h.  betreffend:  die,  so  umb  die  ror 
wonynd,  werdend  rorh.  genannt;  andere,  so  in  den 
tiefinen,  seeh.;  item  etliche  von  der  zeit  raerzenh. 
und  nach  ostern  von  der  grosse  grosso  h.;  item  grundh.' 
FiscHB.  1563.  ,Der  gemeine  spruch:  ein  h.  ist  ein 
ränber.'  ebd.  Häufig  als  Wirtshausschild  und  daher 
Hausn.  Ap;  G;  Zg;  Z.  ,Der  wirt  zu  Baden  zum  h.' 
1.526,  HBüLL.  —  2.  übertr.,  Mensch,  Bursche,  Ueselle. 
Er  ist  en  eigne  H.,  ein  sonderbarer  Kauz  Z.  —  3.  in 
der  Schwurformel:  bim  H.,  euphem.  für  bim  Hagel  Aa. 

Mhd.  hecli(e)t,  dass. ;  ans  ahd.  hachit;  Tgl.:  ,Pisces,  hechid.' 
1178/97,  XJwE.  —  Zum  Wirtshausschild  Tgl.  ,Salm',  Beides 
vornehmlich  an  Orten,  welche  an  einem  Gewässer  gelegen 
sind.  Zn  Bed.  2  s.  auch  Gr.  WB.  und  Tgl.  Gotth.  XVIII, 
S.  153   und  II ach  2.      Zn   3   Tgl.   ml  Secht,   bei   meiner  Seele. 

Gras-:  Hecht  im  1.  Jahr,  so  benannt  von  seiner 
grünen  Farbe.  FrTschudi. 


llichzgen :  schluchzen.  ,Nit  reden,  sunder  er- 
schrocken h.'  Z  Bib.  1560.  —  Vgl.  die  Anm.  zu  ,hechsen'. 

V  e  r-liiicliz(g)en :  verspotten,  verhiihnen.  ,Er  schrybt 
so  schantlich,  dass  wir  billich  jn  als  einen  gottsfyend 
verhuchzetind.-  Gyrknr.  1523.  ,Dass  sy  werdind  zur 
eini:pde,  zur  wüeste,  zum  verhauchzgen  und  zum  fluech.' 
1531/96,  Jerem.;  dafür:  ,Gespött.'  1667.  -  Wahrsch. 
von  mhd.  huochen,  höhnen,  spotten. 


Had,  lied,  liid,  liod,  hud. 

Vsl.   aii.-h   diu   (irinipe  h<,f   usw. 

Hader  m.:  I.Lappen,  Lumpen.  Zu  , Küchentücher' 
fügt  ein  , Wäscherodel'  von  1797  in  Parenthese  er- 
klärend hinzu:  , Hader,  Wäschlappen.'  Muster  1797. 
Für  das  eidg.  Schützenfest  von  1865  wurde  über  die 
Lieferung  sog.  ,ungerissener  Hadern'  für  die  Kugel- 
fänge Concurrenz  eröffnet.  —  2.  Streit,  Zank.  En  H. 
Wrichte",  verursachen  ScHSchl.  ,[Er  war]  ein  frid- 
licher  her.  Keinen  haider  oder  recht  [Rechtsstreit] 
liat  er  nie  angehebt.'  Sicher. 

Mhd.  ebenso.  Bed.  1  sonst  nicht  Schweiz.,  dafür  HuM, 
Iluder.  Betr.  den  Bogriffsübergang  vgl.  die  Gruppe  hud-, 
sowie  Gefttz,  Anm.  zu  ßtzen  und  Fmete  Bd  I  1065.  ,Hader- 
Icnte',  Zänker.   Vad. 


hadere"  „G;"  Seil;  ZGrün.,  hädere°  I  L;  GA.; 
„Zg;  Z",  Dim.  häderle»  „Aa;"  GTa.:  1.  lebhaft  auf 
einander  folgende,  helle,  scliarfe  Töne  von  sich  geben. 
Spec.  a)  von  dem  schnatternden  Ton  eines  in  rasche 
Bewegung  gesetzten  Rades  L.  ,Mit  den  Mitrailleusen 
hörte  man  in  alle  Nacht  h.'  Wächter  a.  Pil.  Übertr., 
von  einer  redseligen  Frauensperson:  Si  hed  d'  Belle 
[Korn-Rolle.  -Fege]  a'g'lä',  dass  's  g'häderet  hed  Z ; 
Tgl.  es  Mid  ha'  wie  'ne  Belle  und  schnädercn.  —  b)  von 
den  ersten  Sprechversuchen  kleiner  Kinder,  lallen, 
stammeln  Aa;  L;  G;  „Zg;  Z".  Auch  von  der  schnellen 
Rede  Erwachsener,  ebd.  Synn.  guschlen,  linderen,  blö- 
deren,, blöderen,  bralatzgen,  brudlen,  schneideren.  — 
2.  „einen  Wortkampf  führen  L;  Zg;  Z;"  laut  murren, 
schelten  GA.;  Sch.    D'  Mueter  het  g'häderet  mit-mer. 

ver-hadere"  Z  tw.,  sonst  -hadere":  1.  ver- 
wirren, verwickeln,  z.B.  Garn  „L;  Zg;"  Z.  Getreide 
wird  verhaderet,  wenn  die  Halme  des  schon  ausge- 
breiteten vom  Sturm  oder  von  Hühnern  durch  ein- 
ander geworfen,  diejenigen  des  noch  nicht  geschnit- 
tenen hingegen  t.  geknickt,  t.  an  den  Boden  gelegt, 
t.  nach  verschiedenen  Richtungen  gebeugt  werden  Aa; 
„L;  Zg;"  Z;  Syn.  ver-huderen,  -hüeneren.  Vgl.  Ge- 
hääer,  Gehüder.'  Hanf  ist  verhädert,  wenn  er  infolge 
zu  ilithtLii  Standes  verkümmert,  schlecht  ausfällt  BR. 
Übertr.  .hic  l.u/erner  Regierung  scheint  verhedert 
zu  sein  |iiilnl^(j  einer  Wahl  mit  verzettelter  Stimm- 
abgabe]. Man  weiss  noch  immer  nicht,  wie  viele 
Stimmen  joder  der  Kandidaten  gehabt.'  B  Dorfzeit. 
1869.  —  2.  si'"'  verhädere",  mit  Jmdn  in  Streit  ge- 
raten Z.  —  3.  verschwenden'?  ,Ub  der  mann  die 
schulden  nit  selbs  bezalen  mocht,  sollen  der  frouwen 
erben  die  selben  helfen  bezalen,  vorbehalten  spilgelt 
und  was  ein  mann  verschliege  und  verhadrete.'  1518, 
Ztschr.  f.  schwz.  R.  25,  267. 

Betr.  das  Verh.  der  Bedd.  1  u.  2  vgl.  ,Hader'  1)  Fetzen, 
2)  Zank;  fötzen,  zanken,  von  , Fetzen';  Wirri-Wiirri  1)  Wirr- 
warr, 2)  Streit;  Gnskte  1)  Gemisch  von  Flüssigkeiten,  Ge- 
menge TOn  Abfällen,  2)  Zank.  S.  auch  Gr.  WB.  IV  2,  119  o. 
Zn   3   vgl.   die  Synn.   vcr-hudlen,  -huderen,  -luvipen. 

be- haderen:  ausschelten,  -zanken.  ,Myn  vatter 
anfacht  [beginnt]  mich  b.,  darzuo  schelten.'  Rüef  1550. 

Haderi  f.:  Streit.  ,Wer  sich  in  dehein  h.  henket 
[mischt].'  XV./XVL,  B  Taschenb. 

G^häder  n.:  1.  etw.  regellos  durch  einander  Ge- 
worfenes, Wirrwarr,  z.  B.  durch  Wind,  Regen,  Hagel- 
schlag zu  Boden  gepeitschtes  Getreide  Z;  vgl.  ver- 
hädcren.  Rasch  nach  einander  ausgestossene,  verwor- 
rene Laute  (z.  B.  vom  Lallen  des  Kindes,  s.  haderen  1  b) 
od.  Worte,  erhitztes  Wortgefecht  L;  Zg;  Z.  Verwirrung, 
Verwicklung,  verwickelte  Streitsache,  ebd.  ,Evolvcre 
se  ex  turba,  sich  aus  einem  geträng  machen,  sich  aus 
einem  gehäder  schwingen  und  ausschlöufen.'  Fris. 
Zank,  Streit,  Hader,  Zwist  Aa;  Vü.;  Z.  I-'s  G'hilder 
und  i"  's  G'häder  ie  clio",  in  der  Leute  Mäuler  kom- 
men; Streit  bekommen  Z.  ,Also  stuendent  wir  mit 
dem  patron  8  tag  in  eim  g.'  HsSchürpp  1497.  ,Vil 
Zanks,  gehäders  und  Unwillens.'  1526,  Egli,  Act.  ,Willt 
du  wyter  haderen,  so  suech  einen  anderen,  der  dynem 
ghäder  uslose.'  HBull.  1531.  , Damit  wir  nüt  tüegind 
US  g.  [Streitsucht]  und  verbunst.'  ebd.  ,Die  knecht 
mit  biderben  lüten  muetwillig  ufrucr  und  g.,  sie  ze 
houwen  und  ze  stechen,  ang'fangen  band.'  Ansh.  ,Mars, 
der  gewönlich    krieg   und  g'häder  anricht[et].'    1519, 


Had.  lied,  hid,  hoil,  hud 


Wthdr  Chr.  ,Welliiid  sy  etwas  ansprach  oder  ge- 
häder  an  garten  han,  so  sollend  sy  es  im  sagen,  er 
welle  nit  zanggen  noch  haderen.'  1550.  ebd.  ,Con- 
tendere,  ein  span  oder  ghäder  mit  eim  haben.'  Fris. 
1574;  dafür  1568:  , einen  hader  und  zanli  anfahen.' 
,Disceptatio,  der  span  oder  stoss,  das  g.  oder  reehts- 
handel.'  Fris.;  Mal.  .Darnach  erhueh  sich  [an  der 
Disputation]  ein  lang  vilfaltigs  g.  zwüschen  Zwingli 
und  Grebel  von  den  missbrüchen  der  mess.'  HBuLi. 
1572.  ,Spän  und  fyndselig  g.'  ebd.  ,In  disem  Zank 
und  G.'  RüEGER  1606.  S.  noch  Gefttz  und  Gefretz 
(ßd  I  1344).  —  2.  G'häder,  neben  Hader,  etwas  mit 
Fäden  Behaftetes,  z.  B.  mit  Flechsen  und  Sehnen 
durchsetztes  Fleisch;  auch  etwas  Zerrissenes  Ndw; 
Syn.  Gehüder.  —  Zu  2  Tgl.  Ge-ader  (Bd  I  88),  mit  wel- 
chem Vermengung  scheint  Statt  gefunden  zu  haben. 

häderig,  -isch:  1.  schmachtend,  von  Mädchen 
SB.,  NA.;  geil,  von  Dirnen  AAZein.  —  2.  zänkisch, 
streitsüchtig,  eifrig.  ,Bös,  hedrisch  lüt  machen  Un- 
einigkeit mit  stryt.'  Lenz  1499.  ,Dass  ir  üch  nit  mö- 
gind  klagen,  ich  sye  hie  nun  hädrig  g'syn.'  UEckst. 
jUnnütz,  hädrisch  geschwätz  sollen  vermitten  belyben.' 
B  Disp.  1528.  ,[Der  Pfarrer]  ist  zuo  vil  grob  am 
kanzelundh.'  1530,  Eglt,  .\ct.  ,Wie 'vernünftig  einer 
wäre,  so  er  nit  irer  sekt  was,  ward  er  us  dem  Bat 
getan  und  die  hädrigesten  an  ir  statt  genommen.' 
ValTschddi  1533.  ,Häderige,  unrüewige  g'müeter.' 
HBüLL.  1561.  ,Sara  ist  allen  wybern  ein  Vorbild,  die 
so  häderig  sind  und  wild.'  Haberer  1562.  ,Delitigare, 
h.  und  zänkig  sein.  Puguaoitas,  Streitbarkeit,  kyb, 
häderige.'  Fris.;  Mal.  ,Dise  mein  raoinung  weiss  ich 
wol  zu  erhalten  bei  verständigen  leuten,  die  nit  h. 
sind.'  SiML.,  Eeg.  1577.  ,Die  aufrüerische,  zänkerische 
und  häderische  Lacedämonier.'  Zwinger  1586.  , Keiner 
Etw.  häderig  verachte.'  1621,  Bs  Lied.  S.  noch  trölen, 
Ernst. 

Mhd.  haderrht,  hederisck,  in  Bed.  2.  Ohne  Uml.  noch  bei 
LLav.  1582:  ,Ein  haderiger  mann.'  -  Bed  1  erklärt  sich 
übrigens  ungezwungener  aus  haderen  Tl. 

Häderli  I  m.:  Name  eines  im  L  Ostersp.  v.  1583 
auftretenden  Teufels. 

Viell.  aufzufassen  als  der  ,Geist  der  Verwirrung,  Zwie- 
tracht'; vgl.  ßehuder  und  frz.  advereaire;  vlell.  aber  auch 
mit  Häderli  II  i.  S.  v.  ,der  Hurtige'  zu  vereinigen.  Eben 
so  wenig  lässt  sich  die  Bed.  des  Z  Familienn.  Häderli  mit 
Sicherheit  entscheideu. 

Hadi:  Mädchenname,  Henriette  Gr. 
Hädcli  s.  Hattlen. 

llädere"  II  (in  AAFri.  -ä-,  in  Z  -.?-),  meist  dini.  und 
mit  umme'-  verbunden:  unruhig,  in  überstürzter  Eile 
herumlaufen,  bes.  in  kurzen,  aber  r:isch(?n  Schritten 
oder  in  Sätzen,  wie  kurzbeinige  Ticn-  (Katzen,  Mäuse, 
„Hasen"),  kleinere  Kinder,  selteii'i  vmh  Ki  wachsenen 
Aa;  L;  S;  Z.  Syn.  trähelen.  Sidi  ulKieil.ii  Aa  (It  H.). 
Es  cha"  h.  wie-'ne  Rcbhücnli.  JJie  Frai(  haderet  en- 
andrigs-iio"''  [unverwcilt]  überie"  [hinein  ins  Haus] 
AARned.  Öjyjj's  h.  la",  es,  obschon  man  es  verhüten 
könnte  oder  sollte,  geschehen  lassen  ZGlatt.  Syn. 
hopperen,  hotteren,  säderen  lan;  andere  s.  bei  fladeren 
und  fladeren. 

Tgl.  dir'  Synn.  f>n»rtt-)hauderen,  -hödelen,  -Itüdelcn,  -harren. 
Viell.  nifht  \  n-rhinlf  n  von  haderen  I.  mit  welchem  es  die 
Bezeiclinmii:  •[,  r  li:i^tii:rn,  ungeordneten,  übereilten  Bewegung 
gemein  li:it:   \-l.  lii.  W'K.  bei  .hadern'  u.  Anm.  zu  gii/ä;ien  f. 


Hadere"  f.:  unruhig,  geschäftig  herumeilende 
Frauensperson,  auch  ein  solches  Kind  ZO.  Vgl.  Hau- 
derer.  Dim.  Häderli  II:  Schmeichelw.  für  ein  leicht 
und  fiink  laufendes  Kind,  bes.  Mädchen,  auch  übli. 
von  zart  gebauten  Personen  B  oHa. ;  Syn.  Hodli. 

haudendisch  s.  antentisch  Bd  I  589. 

liandere":  1.  Etw.  mit  überstürzter  Eile  tun,  z.B. 
fahren,  reiten,  bes.  aber  hastig  und  flüchtig  arbeiten, 
aus  Nachlässigkeit  oder  Trägheit  eine  Arbeit  ober- 
flächlich betreiben  und  abtun  Aa;  Bs;  L;  ScnNnk.; 
Th;  Z.  Driif  los  li.,  sich  durch  Dick  und  Dünn  müh- 
sam einen  Weg  bahnen,  sich  durchschlagen,  durch- 
arbeiten Gr.  Wenn  de  Postillion  h'soff'en  ist  und 
driif  los  handeret  ivie  'nen  Fiirrüter  Z  (Schwzd.) ;  Syn. 
niinini'ii-'iluuVeH.  Gelegentlich  auch  tr.:  Öppis  ane' 
h^.  ol,,Miliiii  ahtun  Z;  Syn.  ane" -hudlen.  —  2.  sich 
In  raiii-.tii'iti'iL,  -zanken  Gr.  Schi  heind  lang  g'hau- 
deni,  z.  B.  in  einer  Versammlung.  Mit  einander  plau- 
dern Gl. 

Die  Gruudbed.  des  W.  scheint  ,unrnhig,  ziellos  hin  und 
her  fahren',  womit  die  bei  Gr.  WB.  unter  ,haudern'  ange- 
nommene Grundbed.  ,schütte!n,  rütteln'  sich  vereinigen  liesse. 
Vgl.  das  syn.  hudlen  mit  seiner  Sippe,  sowie /.«irferen  :ßuderen. 
In  der  Stelle:  ,Wo  Jemands  bim  Wyn  mit  H.,  Juchzgen, 
Schryen,  Toben  und  Wüten  öffentliche  Ergernuss  geben  wurde.' 
B  Sittenmand.  1628  scheint  das  W.  nach  dem  Zshang  .Possen 
treiben,  sich  lustig  machen'  (s.  Hauderidau)  zu  bedeuten, 
vidi,  aber  ist  es  als  erweiterte  Nbf.  zu  hauren,  jauchzen, 
zu  nehmen. 

abe"-  über  Eine',  über  ihn  losziehen  Gl;  Syn. 
aben-haincen. 

ver-  =  verhaderen  1  Z;  vgl.  rerhauslen. 

Ha  ud  er  er  m.:  1.  (auch  Haiideri)  flüchtiger,  un- 
ordentlicher Mensch  Aa;  Bs;  wer  gedankenlos  in  Alles 
hineinrodet  GW.  —  2.  veraltete  Bezeichnung  der  Post 
(eig.  wohl  des  Lenkers  derselben)  Bs.  —  3.  „Getreidc- 
händler,  Kornjude  Th." 

2  wohl  verächtlich  für  das  schwerfallige  Fuhrwerk ;  vgl. 
das  selbe  W.  in  dem  benachbarten  Deutschland  für  den 
Lohnkutscher.  Doch  vgl.  auch  Huderen,  Hodel  und  seine 
Sippe.  Zu  3  vgl.  das  syn.  Hodler.  Es  ist  wohl  urspr.  der 
Korn-Fuhrmann. 

Hauderidau  (PL  -dauegn  BR.)  in  BU.  auch 
Hauderihau  ~  m.:  1.  Wildfang,  Lustigmacher,  un- 
überlegter, possenhafter,  gleichgültiger  Mensch,  bes. 
„Einer,  der  gern  laclit  und  springt,  doch  mit  etwas 
plumpen  Geberden  und  Bewegungen"  Aä;  B.  LTn- 
bändige,  nachlässig  gekleidete  Person,  bes.  von  Kin- 
dern BR.;  vgl.  Haudien.  ,Die  Welt  redet  oft  von 
friihli.hen,  leichtsinnigen,  liederlichen  Häuten,  die 
iuiincr  hellauf  seien,  immer  zu  lachen  machten,  nennt 
sie  H,,  Liu'hbenze,  Hurlibuse.'  Gotth.  Bu  junge  H., 
u-ofttjst  nuiiime'  [nur]  revolutze".  JCOtt.  —  2.  (n.?) 
lautes,  lusti'ges  Leben,  in  der  RA.  u.  Geiss  (Sp.  458)  S. 
—  hauderidaue":  fröhlich  jauchzen  und  singen  BHk. 

Hauderihau,  eine  red.  Bildung  wie  die  sinnvwdten  Hop- 
pediho,  HoUeho,  Gügligilg  (s.  rjiigehn  Sp.  159),  ist  wohl  die 
ältere  Form,  aus  welcher  die  andere  erst  entstanden,  indem 
in  Anlehnung  an  den  die  Hauptsilbe  schliessenden  Cons.  d 
für  h  trat.  S.  noch  Uher-hau.  V^enn  die  Angabe  Sprww. 
1869,  63,  welche  unser  W.  unter  der  Gruppenüberschrift: 
,Nimmorsatt,  Verschwender'  einreihen,  genau  ist,  so  wäre 
an  das  Syn.  verhaderen  3  zu   erinnern;  vgl.    noch  hehauderen. 

„Hau  die"  f.:  sehr  stürmisch  einherfahrende 
Weibsperson,  mit  dem  Nbbegr.  nachlässiger  Kleidung 


hiul 


me 


und    ungi'kiiiimiteii    Haares   B.-    -   Vpl.  IJ,„lh„.    Iludd. 

lliull.n. 

be-handere":  umkleiden,  mit  allerlei  überflüssigen 
Kleidungsstücken  umhüllen.  Ganz  i"h'haudcret  si", 
z.  B.  in  Schärpen  Gl.  —  Setzt  ein  Subst.  Hamhr(,n), 
.Haiicren',   Fetzen,  voraus;  \g].  ßauderig,   Flauderen. 

Hedere"  f.:  viel  und  laut  schwatzende  und  lachende 
Weibsperson  ZNer. 

Sfbeint  eine  blosse  Ausweichung  von  Haderen  mit  An- 
lehnung an  die  Interj.  Iie  (vgl.  hsen,   helcn,  h'jxn,   laut  rufen), 

Hfdi:  Frauenn.,  Hedwig  Aä;  Z.  Schon  bei  RCts. 
c.  KJOO. 

Ge-heid  1  n.  =  Gdiei  II  i.  S.  v.  Wolkenschleicr, 
dünne  Wolken  BGu.  —  „geheid",-ig  =  gehei,  i.  S.  v. 
dämmerig,  trübe,  lichtdunstig  BO.;  GRRhw.  Syn. 
timber. 

d  ist  wohl  hiatustilgend  zunächst  im  Adj.  (s.  gehei-iy) 
eingetreten,  ausser  es  habe,  wie  in  nhd.  ,Heide(n)rauch', 
Anlehnung  an  ,die  Heide'  Statt  gefunden  oder  es  liege  eine 
Abi.  auf  abd.  -idi  vor.  Stalders  Schreibung  ,gehedig'  ist 
ein   Versuch,  reduciertes  ei  (i^)  zu  bezeichnen. 

Heid  Im.:  1.  im  Allg.  wie  nhd.,  doch  mehr  ein- 
geschränkt auf  die  als  wild  gedachte  Bevölkerung 
der  Yorhistorischen,  bzw.  vorchristlichen  Zeit  (s.  die 
Flurnn.  in  der  Anni.).  Es  sott  si'''  en  3.  erbarme'. 
Sblger;  bes.  aber  auf  die  Zigeuner  „B;"  VOrte. 
Als  Dim. :  Es  u-ihh  Heiti,  ein  wilder,  mutwilliger 
Bursche  BSa.  Wenn  die  Sonne  in  den  Regen  scheint, 
sagt  man:  B'  Häda  hend  Hostiy  Ap.  ,Hernach,  wo 
Altes  und  Junges  zu  leben  angefangen  wie  die  Heiden 
im  Wald.'  HPest.  1787.  ,Ein  Heide  ist  nicht  so  lü- 
stern nach  Raub,  als  die  [Bauern]  nach  der  Zehnden- 
Freiheit  waren.'  ebd.  ,Üie  Knaben  des  Dorfs  durften 
einer  Schandtochter  4  Wochen  nach  der  [ausserehc- 
lichen]  Kindbett  einen  Zigeuner-Tanz  tanzen ;  sie 
bauten  ihr  vor  dem  Haus  eine  Heidenhütte  von  Tann- 
ästen und  Stroh  darin  und  Mies  zu  einem  Lager  wohl 
für  ihrer  3  oder  4;  wenn  sie  hinein  wollten,  spielten 
sie  mit  ihrer  Zigeunertrommel  drei  Mal  um  die  Hütte 
herum  einen  Heidentanz  und  die  unordentliche  Kinds- 
mutter musste  diese  Hütte  6  Wochen  3  Tage  vor 
ihrer  Tür  dulden,  sonst  durften  die  Knaben  ihr  eine 
neue  bauen  und  wieder  trommeln  und  tanzen;  aber 
das  war  nicht  so  fast  sie  zu  strafen,  als  vielmehr  die 
andern  zu  warnen,  dass  keine  eine  Mutter  werde  wie 
eine  Heidentochter.'  ebd.  S.  auch  Heiden- Wib.  In 
RAA.  und  Compp.  steht  unser  W.  sonst  fast  nur  in 
abstr.  verstärkendem  S.  Laufe",  springe",  flueche", 
schimpfe'  wie  en  H.  Was  weit-der  [wollet  ihr]  mache", 
wenn  der  sehuarz  Ma"  chunnt?  Antw.  Flieh,  flieh 
wie  d'  Seide"  S  (Spiel).  En  Heide"-Lug,  eine  un- 
verschämte Lüge;  es  H-e"- Wetter,  sehr  schlechtes  W. ; 
en  H-e'-Lärm(e"J;  e  H-e"-Arbet,  sehr  schwierige,  ver- 
driessliche  A.;  en  H-e^Kerli,  Teufelskerl  u.  A.  S.  auch 
Heiden-Fur,  -Geld,  -massig.  0  fbotzj  Heide!  Ausrui 
der  Verwunderung,  Freude,  auch  des  Zorns  und  Är- 
gers Aa;  Bs;  viell.  zunächst  elliptisch  aus  Schwüren 
wie:  botz  Heide'-Wetter,  -Güggel  (Sp.  193),  ,Heiden- 
Gale'  (Sp.  203);  doch  vgl.  auch  heide-heide.  S.  auch 
H-en-briltsch  und  Heidoggel.  In  Uri  haben  sich  die 
Sagen  von  einer  vorchristlichen  (rätoromanischen  ?) 
Bevölkerung  mit  denjenigen  von  den  Erdmännchen 
gemischt.   Im  Heidenstäfeli,  wo  noch  Gemäuer  sichtbar 


ist,  pflegten  sie  zu  käsen  (vgl.  Heiden-Hüs).  Einst 
tanzten  sie  im  Tanzhaus  zu  Unterschächen.  Ein  Kind, 
das  sie  heimlich  beobachtete,  lachte  sie  aus,  dass  sie 
d'  Feriele'  vornache'  und  d'  Zeche"  liin''e''»iiche'  hätten. 
Die  Heiden  machten  daher  auf  das  Kind  den  Straf- 
vers: Cldini  Litli,  TifeMUli,  das  ehlinsl  das  ärgst. 
Auf  einem  Heustock  feuerten  sie  ohne  Gefahr.  Als 
es  zum  Aufbruch  galt,  schössen  sie  ihre  Kinder  wie 
Holzstücke  durch  eine  Lücke  hinaus,  ohne  dass  sie 
Schaden  nahmen.  —  In  der  ä.  Lit.  werden  die  .Heiden' 
bes.  in  den  Bettelmandaten  sehr  oft,  als  syn.  mit  den 
Zigeunern  (von  denen  c.  1414  ein  erster  Trupp  in 
Basel  erschien),  unter  allerlei  .fremdem  Gesindel'  ge- 
nannt. .1519.  Von  einem  beiden  zu  arznen  und  für 
zerung.'  B  Taschenb.  1878.  .Dass  Zigeuner  und  Hei- 
den überall  in  der  Eidgenossenschaft  sich  herum- 
treiben, und  dass  Männer,  Weiber  und  Kinder  stehlen, 
was  sie  antreffen.'  1530,  Absch.  IV  1  b,  582;  s.  ebd. 
1381;  IV  1  c,  504;  1210;  1249.  .Die  beiden  old  bettler 
US  dem  land  verwysen.'  155'2,  aLB.  Ndw.  ,Ich  muoss 
gan  losen,  was  mir  sag  diser  zeginer  oder  heit.'  L 
Neujahrsspiel.  1565  wird  in  ZGrün.  Einer  gebüsst, 
,als  er  mit  den  beiden  g'spilt.'  , Zigeiner  oder  Heiden' 
als  Wahrsager.  Gwerb  1046.  ,1453.  Die  Zigeiner  oder 
Heiden  kamen  das  ander  Mal  gen  Solothurn,  die  ver- 
zehrten um  Brot  5  ß,  Wein  4  ß  und  man  gab  ihnen 
auf  den  Weg  für  8  Ib.  5  ß.'  Hafner  166ö,  ,Es  ist 
Jedem  erlaubt,  den  Heiden  Degen,  Bistohlen,  Wehr 
und  Waffen  und  Fürrohr  weg  zu  nenimen,  um  sie  zu 
vertilgen.'  1699,  Ap  LB.  , Landläufer,  Zigyner  und 
sog.  Heiden.'  Zauberei  1704. 

Mhd.  heiden  m.,  dass.,  eig.  subst.  Adj.,  abgeleitet  von 
h-fide  f.  Das  W.  in  zahlloson  Flurnn.,  meist  Örtlichkeiten 
bezeichnend,  an  welche  sich  Sagen  von  einer  untergegangenen 
Bevölkerung  knüpfen,  wie  auch  Funde  von  Altertümern  seither 
den  Volksglauben  vielfach  bestätigt  haben;  vgl.  Z  Anz.  1869, 
S.  18.  Immerhin  ist  in  Flurnn.  auili  Ifcid  II  zu  erwägen. 
,lni  Heiden',  eine  üIki-  tb-ii  oln  r^tm  W^iMi  ni  ->  Iri.'nn-  Gegend 
Im  WVispertale.  «rlrli,.  „aHi  .|.i  ^,j.  mm. t  -iih  ii  Weinberg 
trug  und  dem  .j'-t/t  uiitru  am  l:.i-  i\  i  li  .  nJ.  u.  ■lurch  seine 
Stärke  sich  ausziicliui.nJeu  .UeiJtii-Wcur  dun  Niiiiicn  gegeben 
hat.  ,Heiden-Acker-  AaFri.  (der  Fiuru.  ,Heidel-Acker'  ZBuchs 
scheint  dagegen  auf  Heidekraut  oder  Heidekorn  zu  deuten); 
,-Altar'  WVal.  (alte  Opferstätte):  ,-Gass'  GStdt  (an  der  Ring- 
mauer); ZKn.,  s.  auch  Sp.  451;  ,-Grabeu'  Aa;  ,-Hald.'  1281. 
ZAnz.  1884,  308;  ,-Holz'  ZEgg;  ,-KeIler',  It  Mey.,  Ortsnn., 
S.  44;  ,-Kanal',  Bewässerungskanal  römischen  Ursprungs 
WVisp;  ,-Moos'  BVfangen;  ,ini  H.-Mättli.'  16.53.  AaWett. 
Klosterareh. ;  ,-Bad'  LHohenr.  (vgl.  dagegen  Cys. :  ,Das  Bad 
im  Ybenmoos  ist  von  Heiden  oder  Zigiuern  erfunden');  ,-Burg' 
Züster,  Bass.  (alte  Refugieu,  s.  Z  Aut.  Mitt.  XVI  2.  75.  86 
und  vgl.  die  Sage  bei  Mey.,  Oitsnii..  S.  165);  ,-Brugg'.  erst 
1500  abgetragene  römisrlir  r.i(irk,>  nlni  die  Landquart  Gr; 
Rheinbrücke  in  SchSt.  |u..v"ii  17:;:;  l'fahlwerk  gefunden 
wurde);  ,-Brunnen'  BGr.;  L.MuIl».  (»oll  einst  bei  der  ver- 
schwundenen Burg  Rinach  gesprudelt  haben);  UwGisw.  (Sage 
hierüber  bei  Lüt.  1865,  293);  ,-Stäfeli'  Gl  (mit  sog.  Heiden- 
häusern): ,-StafFelmatt'  LSemp.,  nicht  weit  von  ,Kirchbüel' 
(vgl.  Gfd  14,  3);  ,-Stadt'  B;  ,-Turm'  Obw  StNikl.  (nach 
AKüchler  1886,  75  um  1100/1200  erbaut):  ,-Weg'  BGadm. 
(Überreste  eines  gepflasterten  Weges  und  des  ,Heidenbrüggli'; 
von  den  Anwohnern  auf  Heidelbeerpflanzen  gedeutet);  FKcrz. 
u.  a.  0.,  ähnlich  wie  ,Hochstrass'  römische  Strassen  bezeich- 
nend; ,- Weiher'  ThSteckb.  (künstliche,  viereckige  Vertiefung 
in  der  Nähe  einer  römischen  Warte).  ,Der  heidnische  Bühl' 
WRaron.  S.  noch  Heiden-Glogg,  -Kilch,  -Loch,  -IS,„k  und 
Rochh.  1856.  Hieher  gehört  wohl  auch  der  Name  Ihidiii- 
Epfd  Bd  I  370,  wozu  heidnisch  als  Beiuanie  verschii-deuer 
Pflanzen  zu   vergleichen  ist.     Auch  Personenn. :  ,Peter  Heid', 


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Nachrichter.  1454,  Z.  Auch:  ,Der  H.  vou  LE.'  1514.  Absch. 
III  2,  830  und  ,der  H.  von  F.'  ebd.  952  scheint  als  Zu- 
name verstanden  werden  zu  müssen ;  denn  im  XVI.  erscheint 
,Heid'  mehrfach  als  Freiburgcr  Familienname.  Tgl.  auch: 
,Bonum  dictum  heidensguot.'  XIV.,  Gfd  und  ,Welti  heidens 
wyp.'  1381/1420,  L  Ratsprot.,  mit  erhaltener  Ableitungs- 
End.  Betr.  die  Dim.-Bildung  Haiti  Tgl.  Grinti  :  Grind,  Binti  : 
Bind  u.  A.  —  Für  das  bei  Gr.  Myth.  '  173  aus  der  Schweiz 
angeführte  ,Heidenwerfen'  fehlt  uns  jede  Bestätigung. 

heidele":  heidnische  Art  an  sich  haben,  heidnisch 
handeln,  sich  benehmen.  ,Das  [den  Heidenchristen] 
angenem  war,  järlich  zue  den  festzyten  an  [ein]  wenig 
haidenlen.'  Kessl.  , [Dieses]  Carmen  heidelet  wie  yü 
andere  poetische  Einfähl.'  GStäheli  1559.  ,Bei  so  vielen 
heidelenden  Christen.'  JJUlr.  1727.   —  Tgl.  ßidehn. 

Hoidenschaft  f.:  Heidentum,  Gesammtheit  der 
heidnischen  Völker  (wie  mhd.).  ,Es  ist  ein  wunder, 
das"  ein  sömlichcr  herrlicher  mann  [wie  Hieb]  under 
der  h.  ist  'funden  worden.'  LLäv.  1582.  ,Also  kamend 
sie  in  die  h.  [das  Land  der  Türken].'  BossH.-Goldschm. 

Heideri  f.:  dass.  ,Philosophi  und  ander  weltwyse 
in  derh.'  HBüll.  1572.  —  Analogiebildung  nach  .Abgötterl'. 

hcid(n)isch:  1.  Adj.,  wie  nhd.  ,Heidnisch  Ge- 
mür',  dem  häufig  vorkommenden  ,Heidenmauer'  ent- 
sprechend, Überreste  alter,  römischer  Bauten  bezeich- 
nend. ,0b  dem  h-en  g.  in  dem  Ryn.'  1358,  Vetter  1864. 
,Ze  dem  heidenschen  wege.'  XIV.,  SB.  =  .Heidenweg'. 
,Heidnisch  Werk',  gemustertes,  mit  Blumenverzierun- 
gen durchwirktes  od.  gesticktes  Tuch  morgenländischen 
Ursprungs  oder  abendländische  Nachahmung  von  sol- 
chem. ,Über  die  Betten,  Stühle  und  Bänke  waren  in 
den  Häusern  wohlhabender  Bewohner  Tücher  von 
H.-W.  gespannt.'  Bs  XIV.  Im  Verzeichniss  der  Klo- 
ster-Kleinodien erscheinen:  .Drei  Teppiche  des  heid- 
nischen Werks  mit  Rosen.'  1357,  AAKönigsf.  ,Zwo 
heidenschwerk  sorgen  mit  nmbganden,  gewürkten 
listen.'  1469/70,  Bs  Test.  ,Ein  heidenschwerk  ruck- 
tuech  mit  den  7  todsünden.'  ebd.  ,Man  fieng  [a.  1529] 
an,  die  kilchengewänder  verkoufen,  als  messgewänder, 
heidenschwerk  udgl.'  Bs  Cart,  109.  ,Das  heidnisch 
werk  im  tuech  vor  'm  altar  werd  zue  einem  mantel, 
dass  er  nit  erfriere.'  NMan.  (Testament  der  Messe). 
jTapetum,  teppioh,  gewürkt  tuech,  oder  heid(n)ische 
decke.  Lecto  cireumdederat  auliea,  er  hat  sein  bett 
mit  tapeten  oder  heidnischen  tüechereu  umbgeben 
(umbhenkt).  Phr.ygio,  ein  sticker  (,seidenstricker.' 
1568),  der  heidnisch  werk  machet.'  Fris.;  Mal.  Die 
Grossmutter  des  Reformators  HBull.  hatte  von  ihrer 
Mutter  das  Gewandwirken  erlernt,  ,die  heidnisch  arbeit 
genampt,  die  nit  gar  brüchlich  zur  selben  zeit  war', 
und  von  seiner  eigenen  Tochter  sagt  er:  ,Sy  könnt 
wol  würken  das  heidnisch  werk.'  In  Pflanzenn.  be- 
zeichnet ,h.'  ebf.  die  Herkunft  aus  dem  Morgenland 
oder  Südeuropa,  spec.  dem  saraceuischen  Spanien. 
,Heidnisch  Bluemen',  Aifodill,  asphodelus  ram.  und 
albus  (hastula  regia  der  alten  Botaniker).  ,Albucnm, 
weiss  aph(r)odillen,  goldvvurz  oder  h.  bluemen.'  Fris.; 
Mal.  Die  Verwechslnng  mit  dem  Türkenbund,  lilium 
mart.,  bekämpft  Fris.  15G8:  .Hast,  regia,  sind  nit  hei- 
disch gilgen.'  —  H.  (in  ZZoll.  auch  heirisch)  Wund- 
chrüt  (in  B  auch  U'chrüt),  Name  mehrerer  gegen 
offene  Schäden  angewendeter  Kräuter,  a)  Wund-Kreuz- 
kraut,  senecio  saraccnius,  womit  zunächst  sen.  ovatus 
AAErlisb.,   dann   auch  die   Goldrute,    Solidago    virga 


aurea  B,  verwechselt  wurde;  vgl.:  ,Heidisch  wund- 
krut,  herba  saracenica.'  XV.,  Schw  Arzneib.  ,Heidisch 
wintkrut  mit  den  gelwen  bluomen.'  ebd.  S.  auch  noch 
Heiden-Bresten  und  (heidnisch)  Schwumm-Erüt.  — 
b)  Wasserdost,  eupat.  cannab.  B.  —  c)  Mauer-Habichts- 
kraut, hieracium  mur.  Z,  nach  anderer  Angabe  Mauer- 
Lattich,  laetuca  mur.  ZZoll.  —  d)  Wundklee,  anthyllis 
vuln.  B.  —  2.  heidisch,  Steigerungsadv.  i.  S.  v.  arg, 
sehr  B  (Zyro).  Jus  tiiet-mer  h.  u-e.  Syn.  heidlich, 
heiduggisch,  heiden-mässig. 

Mhd.  heidenisch  in  Bed.  1.  -  Bei  den  Pflanzenn.  sollte  der 
Zusatz  .heidnisch',  etw.  Fremdartiges,  daher  Wunderbares  (der 
Orient  das  alte  Wunderland!),  bzw.  Wunder  Wirkendes  be- 
zeichnend, auch  die  Heilkraft  einheimischer  Pflanzen  glaub- 
würdiger machen;  s.  noch  Wund-Ki-at.  Nicht  mit  Sicherheit 
lässt  sich  sagen,  was  für  Pflanzen  in  den  nachfolgenden  altern 
Belegen  zu  verstehen  sind.  Die  Namen  deuten  t.  auf  ein 
Schotengewächs  (entw.  eine  Kressenart,  lepidium,  viell.  auch 
capsicum,  span.  Pfeffer),  t.  auf  das  Balsamkraut,  chrys.  majus 
(tanacetum  hals.),  welches  auch  Marienblatt,  heidnische  (röm.) 
Münze,  Fraueukraut,  Pfefi'erblätter.  mlat.  costus,  rhaponticum 
genannt  wird.  , Heidnisch  w.,  frauenkraut,  piperitis,  sili- 
quastruni,  vulgo  costus  bort.,  herba  Maria!.'  KdGessn.  1542; 
Fris.;  Mal.;  Denzl.  Aufgezählt  wird  ,h.  W.'  ferner:  Tierb. 
1563;  Zg  Arzneib.  1588;  FWürz  1634.  Anlass  zur  Ver- 
menguug  mag'  der  allen  diesen  Pflanzen  eigene  beissend- 
scharfe  Geschmack,  sowie  ihre  Verwendung  in  der  Haus- 
medicin  gegeben  haben.  Noch  ein  anderes  Gewächs  scheint 
verstanden  werden  zu  müssen  in  Folg. :  ,Es  ist  ein  kraut, 
panaees  chironium,  mag  sein  das  h.  w.'  Fris.;  Deiizl.;  vgl. 
dazu  Bock-Sebitz  1577,  S.  154  und  die  modernen  Pflanzenn. 
ceutaurea  jacea,  erythrsa  centaureum,  welche  auf  die  Sage 
zurückgeführt  werden,  der  Ceutaur  Chiron  habe  diese  Ge- 
wächse zuerst  gegen  Wunden  angewendet.  —  Die  Form  ,hci- 
disch'  (auch  im  Vogelb.  1557.)  direkt  vou  ,Heid',  nicht  von 
,Heiden'.  Ueii-iach  wahrsch.  in  Anlehnung  an  wilde  fleiri, 
Hciri-Ühnu,  womit  der  auch  gegen  Wunden  gebrauchte  gute 
Heinrich,  chenop.  bonus  Henr.  bezeichnet  wird.  ,Un-'  für 
,Wuud-'Kraut  ist  wahrsch.  dem  Umstand  zuzuschreiben,  dass 
einzelne  so  genannte  Pflanzen  massenhaft  auftreten,  man  auch 
von  ihrer  frühern  Verwendung  längst  abgekommen  ist. 

Heidischtieit  f.:  in  der  Reformationszeit  ange- 
wendete, verächtliche  Entstellung  des  W.  .(päpstliche) 
Heiligkeit',  die  als  heidnisch  verschrieenen  kath.  Kir- 
chengebräuche geisselnd.  Die  von  den  Herausgebern 
, Krankheit  der  Messe'  genannte  Streitschrift  NManuels 
führt  den  Titel:  ,Ein  klegliche  botschaft,  dem  Bapst 
zuekommen,  und  was  syn  h.  darzue  geantwurt  und 
getan  hat.' 

heii-li"^  =:  heidisch  2.  Es  wüetet  recht  h.,  von 
einem  Ungewitter  B  oHa.  (Kühreihen). 

Heid  II  f.:  1.  das  weite,  oifene  Feld,  im  Gegs. 
zur  geschlossenen,  engern  Gemarkung  des  Dorfes; 
häufig,  wie  Allmend,  in  abstr.  Bed.  zur  Bezeichnung 
einer  weit  ausgedehnten  Fläche  B;  Gr;  Sch;  S;  Z. 
Uf  der  H.  usse',  auf  den  entlegenem  Gütern.  De" 
Tiifel  uf  der  tcite'  H.  usse"  foh  chimne",  das  Unmög- 
liche zu  leisten  im  Stande  sein  S.  Über  alli  H.  ine' 
laufe",  die  nächsten,  ungebahnten  Wege,  z.  B.  über 
Äcker  und  Wiesen,  einschlagen;  chräe',  hepe',  mit 
voller  Stimme  rufen,  schreien;  mnde',  weithin  leuch- 
ten, scheinen,  vom  Lichte,  grellen  Farben  Z.  S.  noch 
u.  Habich.  E  iräri  H.,  z.  B.  vonu^ne"  Garte",  an  Grösse 
GrPt.  Die  allmächtig  gross  Heidegi  [Heulager  in  der 
Scheune]  —  e  tväri  H.l  Schwzd.  lez  gan  i'''  wider 
fürabe'  dtir'''  d'  H.  gege"  Balleherg.  Kürreih.  1805. 
Wohl  aus  Reimnot  hat  der  selbe  Dichter  das  W.  von 


990 


den  Wiesen-  und  Alpgeländen  des  BAdelboden  ge- 
braucht, ebd.,  S.  23.  ,Per  samen  [die  Früchte]  uf 
der  heid  und  feld  [die  also  noch  nicht  eingebracht 
sind].'  1521,  Aa.  ,Gott  kleidet  die  bluemen  uf  der  h.' 
GwÄLTH.  1559,  nach  Matth.  6,  30,  wo  jetzt:  ,das  Uras 
des  Feldes.'  ,Die  h.,  gross,  weit  feld.'  Mal.  ,Sich 
fröuwen,  wenn  es  wol  auf  der  h.  stat,  wenn  es  einem 
mit  seinem  handwerk  und  gewerb  glücklich  und  wol 
gat.'  LLav.  1582.  .Verbott,  die  Frucht  uf  der  H.  zu 
verkaufen.'  XVII.,  B  Mand.;  vgl.  ebd.  1628:  ,Erdfrücht, 
alldiewyl  dieselben  noch  uf  dem  Feld  sind.'  —  2.  Name 
verschiedener,  auf  Heiden  wachsender  Pflanzen  (bzw. 
deren  Frucht),  a)  Heidekraut,  spec.  gem.  Besenheide, 
calluna  vulg,  Aa;  Syn.  Geheid,  Brüsch,  Besen-Rls, 
n-ilde  Sevi.  ,Coris,  ein  kraut  mit  blättern  wie  h.' 
KdGessn.  1542.  ,H.,  erice,  officinis  genistella,  bruyere.' 
ebd.  ,An  wilden  orten  (under  den  reckholtern  und 
Stauden),  da  vil  h.  wachst.'  Vogelb.  1557.  ,Sisara, 
h.,  ein  stüdle.  Erica,  ein  kraut,  h.  genannt.'  Fnis.; 
Mal.  .Gebrauch  der  Heide  für  Gerberlohe.'  Gr  Samml. 
1779.  —  b)  Heite  f.,  meist  als  PI.  in  coli.  S.,  auch 
Heite'-Stüde",  auf  der  Heide  wachsendes  niederes  Ge- 
sträuch, beerentragendes,  wie  Heidelbeerstauden  (s. 
auch  Bludere'-H.).  aber  auch  Erica-Arten  und  Alpen- 
rosenstauden {GrL.,  ObS.)  ohne  Blumen  (vgl.  Heite- 
Maien)  Gr;  W  tw.  —  c)  HeidU  UUrs.,  Eeiti,  bzw. 
EiHi  B;  F;  WLötsch.  —  n.  (PI.  Heiti,  in  coli.  S.  B; 
F  tw.,  sonst  jffei/m/),  ffeiVe  GRVal. ;  W  tw.  f.,  Heidel- 
beere. Syn.  Ueid-,  HeH-Ber(i).  I'  d'  Heiti  ga",  Heidel- 
beeren lesen  gehn  B;  vgl.  heilen.  ,Der  Boden  mit 
Heidegesträuch  oder  Brüsch,  mit  Heiti-  oder  andern 
Sträuchern  überzogen.'  Kasth.  1828.  ,Von  den  Hei- 
tenen  oder  Heidelbeeren  ist  viel  Nützliches  zu  sagen.' 
ebd.  Auch  Brei  aus  Heidelbeeren  B,  sonst  Reiti-Bri, 
Sturm. 

Mhd.  heilte,  unbebautes  Land ;  Heidekraut.  Das  W.  in 
zahlreichen  Flurnn.,  bei  denen  übrigens  auch  Ueid  I  zu  er- 
wägen ist.  VJ  der  H.  BGu.,  Underheid  BO.,  .Heiden',  Dorf 
Ap,  dessen  Bewohner  H&dl(igier  heissen.  ,Lenzer-H.',  auch 
Plauura  genannt  Gr,  ,Heid-Egg'  Aa;  Z,  ,-Bliel'  B,  ,Heide- 
(iu  BReich.  .Heiti-')  Berg'  ZÜet.,  ,-Tal'  ZSchlatt.  ,Am  Heiti', 
Alp  B,  .Heitiboden'  B;  ,Heite°'  (PI.),  häufiger  Flurn.,  ein- 
fach und  zusammengesetzt  Orte  bezeichnend,  wo  Heidekraut 
(s.  i  b)  gedeiht  Gr.  Vgl.  auch  Ifeid-Echs  bei  Eideclw.  — 
Zu  b  und  c.  Heiti  scheint  Analogiebildung  nach  Kirai,  Be,i, 
viell.  spec.  nach  Hinti,  Himbeere,  und  wie  diese  als  Dim. 
aufgefasst  worden  zu  sein ;  vgl.  die  Form  Hrirlli.  Hriic  S  c 
hinwieder  scheint  sich  gerichtet  zu  haben  ni  li  l',~ ,. ,  c,  ähh:, 
iiHflc,  Uinte,  Biintde,  Krieche  und  an  1- ;  v  I  i  ,  l,.  v  .,ir,i. 
T  für  d  erklärt  sich  viell.  wieder  als  Ami    -  ;  _     ;  i.  li 

Hinte,  in  welchem  Falle  Fornnibertraguni,'  mi  //.  '.  .  -  --latt 
gefunden  hätte;  doch  vgl.  auch  Gcheit,  vit.-ll.  auch  aiiihd. 
heitperi;  es  könnte  aber  auch  wie  in  Heiti  (Heid  I)  durch 
Verschmelzung  von  d  mit  dem  J  der  Dim. -Endung  entstanden 
sein.  Gewisse  MA.X.  lieben  jedoch  iibh.  den  harten  Cons. ; 
vgl.  z.  B.   fud  I  (und  die  Anm.). 

G'heid  H,  in  ZGlattf.  G'heit  -  n.:  I.Heidekraut, 
sowohl  Glocken-  oder  Schnabelheide,  erica,  als  auch 
Besenheide,  calluna  Aa;  S;  ZW.,  Wyl.  Wenn  das 
G.  bis  an  die  Spitzen  hinaus  blüht,  so  gibt  es  einen 
kalten  Winter;  hat  es  in  der  Blütenrispe  Lücken,  so 
wird  die  Kälte  unbeständig  sein  AAEhr.  Dur'''  Matten 
und  Studen  und  G.  S  (Joach.).  —  2.  Flurn.  für  ein 
trockenes,  mageres  Grundstück  SOlten,  schon  1537 
genannt,  It  vArx  1819;  vgl.  in  einer  Aarauer  Grenz- 
bestimmung: ,Langote  ushin  an  das.geheide.'  1411. 
—  Nessel-Heid.     ,Moab   soll   zu  einer  N.  werden.' 


1707,  Zephan. ;  dafür  jetzt:  ,zu  einem  Besitztum  von 
Nesseln.'  —  Besen-:  erica  vulg.,  It  Durh.  —  Blu- 
dere°-Heite°:  Strauch  der  Moosheidelbeere,  vacc. 
ulig.  (Pludere")  GrV.  —  Ros-Heid:  Strauch  der 
Alpenrose,  rhod.  ferrug.  GMurg,  Sa.  Brügger  1874 
(flora  cur.)  nennt  im  Gegs.  zur  ,Beerenheide'  (s.  o. 
Heid  II  b)  die  Rhododendron-Arten  ,Rosen-Heide',  da 
er  den  Namen  .Alpenrose'  für  rosa  alpina    vorbehält. 

Heidel  m.:  Fennichhirse,  set.  germ.  und  it.  ,Pa- 
nicum,  h.,  fench.'  Fris.;  Mal. 

Auch  bei  Fuchs;  .Heidelfench'  bei  Tabern.;  wird  in 
Sandgegenden  angepflanzt.  S.  Fennich  Bd  I  834,  , Heidel' 
bei   Gr.   WB.   und  vgl.   Heiden. 

heite»  W,  heitene"  B;  F:   Heidelbeeren  lesen. 

—    Vgl.   hintenen. 

heidelig:  unbehaglich,  meistens  von  einem  leeren 
Magen  LE.  (St.*").  —  Wahrsch.  von  Heid  II,  i.  S.  v.  .leere, 
ade  Fläche';  vgl.  Sd  i.   S.  v.  leer  im  Magen. 

Heide"  I  m.:  Buchweizen,  Heidekorn,  polyg.  fag. 
Gr;  GRh.  Tiirgge"  ttnd  Heide' chunn  [kommen],  sagt 
man  scherzhaft  im  Wortspiel  mit  Heid  I,  wenn  Mais 
und  Buchweizen  aus  dem  Boden  spriessen  GW.  S.  auch 
Heiden- Tatseh. 

Wahrsch.  von  Heid  I,  den  fremden  Ursprung  bezeichnend ; 
vgl.  die  alten  Kamen  bei  Tabern. :  ,Ocimum  cereale  =  fru- 
mentum  saracenicum'  (noch  bei  Mal.:  ,Ocimum,  das  heideu- 
korn')  und  das.rätorom.  t/raun  mracin,  frz.  ble  aarrmin,  Buch- 
weizen. S.  auch  , Heiden'  bei  Gr.  WB.  und  Schm.-Fr.  Nach 
Hehn  414/7  durfte  das  Getreide  durch  die  Zigeuner  ver- 
breitet worden  sein. 

„Bankert-:  PI.,  Heidekorn,  welches  sich  bei  der 
Ernte  von  selbst  angesäet  hat  und  ohne  Pflege  auf- 
gewachsen ist  Gr."  —  Eig.  Bastardheidekorn;  vgl.  Bankert- 
Korn,   -Studen. 

heidne":   Buchweizen  anpflanzen  oder  ernten  G. 

lieide'!  in  Spielversen  neben  den  syn.  ,heida'  und 
,heidi'  in  mannigfachen  Variationen  vorkommender 
Freudenruf.  allg.  —  Wie  hei-dä  eig.  zsgerückt  aus  der 
Interj.  Iiei  und  dem  mit  da  und  dl  eiue  Reihe  bildenden  -de. 

heide-heide':  Ruf  in  einem  Spielvers,  auch  das 
betr.  Spiel  selbst  Z.  D'  Chind  laufed  uf  d'  Gass  und 
mached  vil  G'spass,  Fähis,  Verhergis  und  h.-h.  MUsteri. 

Bemerkenswert   ist   die  Zurückziehung    des  Accentes  im 

1.  Glied  des  Comp.,  die  übrigens  auch  in  ,heidi'  (s.  Gr.  WB.) 
und  .beida'  facultativ  ist. 

heidel(i)dum  L;  S;  Z,  heiderlum  L  (s.  Götti 
Sp.  529):  I.Ruf,  den  Anfang  von  Spielversen  bildend. 
H.,  mV  Wib  ist  chrumm  usw.  H.  Bagetli,  ist  wider 
en  Batze'  hi".  Zeig -vier  r  mal 's  Bagetli,  dann  tcem- 
mer  ^mäl  dra'  hi'  Z.     Auch  heideldumdei  ZFlurl.  — 

2.  subst.,  Heidelidum  =  Eidelidum  Bd  I  95  Scnw. 

Der  erste  Teil  der  Zssetzung  (heideli-  ist  Dim.  zu  heide 
s.  0.)  lässt  wieder  die  Interj.  hei  erkeunen;  den  zweiten 
bildet  zunächst  das  auch  sonst  vorkommende  -dum,  aus  wel- 
chem -lutn  entstellt  sein  wird;  vgl.  die  gauz  ähülich  ge- 
brauchten hci-di(de)l-  (-dilderi)-dum.  S.  noch  dildercn.  2  lehnt 
sich  au  die  Interj.  an,  die  behagliche,  .mollige'  Ruhe  auf 
dem  weichen  Lager  malend. 

Heid  ochs  s.  Eidechs. 

Heidelberger,  im  Aa  Eeiliberger,  in  BH.  Jkili- 
birner  —  ni. :  der  früher  nnd  tw.  jetzt  noch  gebrauchte 
Heidellirmvr  Kat.Tl.iMims  Aa;  B;  G.  üyn.  Kati.  Di 
Bücctiir.  ir,,.ii,i  r  ,i'li,r'  Ihiml.  sind  g'si' :  de  Eeiliberger, 
's  iNV»  it'si,uiii:iil.  ih:''  Grllni.  's  Psalme'buech  und  de'' 


Had,  hert,  liiil,  lioil. 


Chinderfründ.  Aä  Schulmstr  1887.  ,Das  waren  noch 
die  guten  alten  Zeiten,  wo  man  die  Kinder  mit  dem 
H.  und  der  Hute  einbalsamierte.'  Gottu. 

Heide»  II:  ein  Fisch.  1471,  LBichens.  Twingrod. 
Wohl  dass.,  was  ,Heudeli.'  1546,  Ölhafen  (Aar.  Chr.). 

Viel),  ist  hude,  eine  Fischart,  bei  Mone,  Ztschr.  1,  176, 
zu  vergleichen. 

Heidericil.  ,Irion,  herha,  eine  Gattung  H-s.'  Denzl. 
1716;  dafür  1677:  ,Ein  Erdgewächs,  so  mehr  ein 
Arznei  als  ein  Erdfrucht  ist' 

Lat.  irio  bezeichnet  ein  Schotengewächs;  viell.  den  offi- 
cinellen  Hederich  (bzw.  Heiderich),  erysimiim,  oder  dann  die 
Rauke,  sisynibriuni  irio,  oder  endlich  den  Ackerrettig,  He- 
derich, Heidenrottig,  raphanistrum  arv.  Denzlers  Angabe 
von   1677   stellt  ein  wundersames  Gemisch  dar. 

geheidig  s.  Geheid  I. 

Heidli:  Frauenn.,  Adelheid  ScbStdt. 

Heidoggel  Bs,  Heidogge  S:  nur  in  dem  .Ausruf 
der  Überraschung,  des  Erstaunens:  (oj,  botz  H. ! 
Auch:  Botz  H.  Donner!  S  (Schild). 

Eupheni.  entstellte  Schwurformel,  wahrsch.  Weiterbildung 
des  syn.  Botz  Heide',  unter  Beifügung  einer  vergröberndon 
Endung,  wobei  viell.  Anlehnung  an  ,HeidHck'  beabsichtigt 
wurde;  doch  vgl.  auch  BoU  }iei(d)e'-Gü<jtjel,  Sp.  193,  und 
Jot/geli  (als  Schwur). 

heidüggisch  =  heidisch  B  (Zyro). 
T  e  r  -  h  i  d  i  g  s.  verhijen . 
hidmen  s.  hipmen. 

HSdel  I  m.;  Händler,  herumziehender,  Zwischen- 
oder Kleinhandel  treibender  Kaufmann.  ,Der  Herzog 
lediget  und  freiet  die  Kaufleute  oder  Hodel  von  jedem 
Zoll.'  1363,  Gfd.  .Niemand  soll  einem  H.  Stahl,  Eisen, 
Korn,  Hafer,  Fassmus  udgl.  zu  kaufen  geben;  was 
einem  H.  gegeben  werden  will,  soll  jedem  Landsmann 
zu  gleichem  Preise  auf  otl'enem  Markt  für  seinen 
eigenen  Gebrauch  erlassen  werden.  Auch  auf  Märkten 
darf  kein  H.  mehr  kaufen,  als  er  mit  seinen  Rossen 
desselben  Tages  abführen  kann.'  1416,  Absch. 

,Hodel'  ist  viell.  identisch  mit  Uudel  II  und  bezeichnet 
eig.  die  Wageudecke,  dann  den  Wagen  selbst  (vgl.  mhd.  hold, 
Decke  und  Wagen,  und  unser  Kan-en-Hudlen)  und  endlich 
auch  den  beti-.  Fuhrmann,  den  Hodler  (vgl.  Nauderer  2, 
welches  auch  persönliche  und  sachliche  Bed.  vereinigt).  Der 
Hodelwagen  wäre  nach  Art  unserer  Botenwagen  mit  einem 
grossen  Tuche  überspannt  gewesen  und  hätte  insbesondere 
als  Getreidefuhrwerk  gedient;  vgl.  hodlen  I.  Doch  vgl.  auch 
bair.  ,Hodel,  Hodelwagen',  sowie  Gr.  WB.  bei  ,Hode  3'  und 
,Hndel  2'. 

hodle"!,  hudle"  I;  Waaren  führen,  spec.  Ge- 
treide, „bes.  Dinkel"  und  damit  Handel  treiben  „B; 
L;  Zg."  ,[Den  Landleuten]  soll  das  verhott  des  h-s 
nachgelossen  und  ir  eigen  körn  oder  was  sy  zuo  Basel 
am  merkt  koufeu,  ze  verfüeren  erlouht  syn.'  1525, 
Absch.  ,N.  N.  hat  uf  unser  frowentag  gen  Luzern  ge- 
hodlet  [und  ist  darum  gebüsst  worden].'  XVL,  LNeud. 
,Als  sy  dem  Gwirb  mit  Kernenfüeren  oder  des  Hod- 
lens  obgelegen  und  under  dem  Rossvych  einen  merk- 
lichen Schaden  und  Abgang  gelitten  haben.'  1607. 
EsTERM.,  Neud.    —    Vgl.   ,hödeln'  bei  Schm.-Fr. 

Hodler  m.:  1.  verächtliche  Bezeichnung  eines 
ärmeren  Fuhrmanns;  .kleiner  Fuhrmann,  der  mit  sei- 
nem Gaul  Waaren  transportiert'  B  (Zyro).  —  2.  we- 
sentlich =  Uauderer  3  „B;   Zg;"  L;  Th.     Dert  obe' 


dra"  ist  Lindau,  grad  enne*  Überlingen,  e  H.  Vkimnti 
s'  bald  [würde  sie  als  Stapelplätze  für  den  Getreide- 
handel erkennen].'  Häpl.  1813.  In  der  ä.  Spr.,  z.  T. 
mit  etwas  allgemeinerer  Bed.  =  Hodel.  ,Von  jedem 
H.  werden  an  der  Sihlbrücke  für  1  Pferd  8  ß  3  den. 
erhohen.'  1390,  Strickl.,  Horg.  ,Von  wynwägen  und 
hodeleren.'  1429/30,  Einnahmeposten  der  Bs  Jahrrcchn. 
,H.,  welche  schlechtes  Korn  unter  das  gute  mischen 
und  es  so  verkaufen,  wodurch  der  gemeine  Mann  be- 
trogen werde.'  1494,  Abscu.  ,Auf  diesem  Tag  ist  viel 
davon  geredet,  wie  man  dem  Unwesen  der  Vorkäufer 
und  H.,  welche  dem  gemeinen  Mann  durch  Verteuerung 
der  Lebensmittel,  es  sei  Korn,  Käse  oder  Ziger,  Anken 
usf.,  grossen  Schaden  zufügen,  abstellen  möge.'  1501, 
Absch.  ,Dass  die  h.  das  körn  us  der  eitgnoschaft  füerent 
und  verkoufent.'  1508,  Gpo.  ,0b  ein  h.  [in  der  Über- 
schrift: ,fürköufer']  in  dem  amt  körn,  kernen  oder 
roggen  ufkoufte  und  ein  amtsmann  das  in  synem  hus  ze 
bruchen  notwendig,  so  mag  derselbig  zu  dem  h.  keren 
und  ime  der  fruchten,  so  vil  er  deren  notdürftig,  mit 
erlegung  des  gelts,  wie  sy  der  h.  erkouft,  erfordern.' 
1545,  Absch.  (Amtsr.  Hitzkirch)  und  ähnlich  1568, 
AaBüuz.  Olfn.  jKicht  selten  kommen  auf  einen  Markt 
zu  Basel  80—100  H.  und  Fürkäufler  und  es  vergehe 
keine  Woche,  dass  nicht  über  500  Säcke  aus  der  Stadt 
gehen.'  1560,  Absch.  ,[Die  Butter]  so  die  h.  uf  ge- 
wönliche  wochenmerkt  allher  füeren  werden.'  1561,  B. 
.Dardanarius,  siliginarius,  frumentarius,  ein  wuocherer, 
fürköufer,  kornverkaufer,  kornköufer,  h.  Flagellare 
annonam,  comprimere  frumentum,  das  körn  hindersich 
behalten,  bis  es  mer  aufschlecht,  wie  die  fürköufer 
und  h.  tuend,  ein  türe  machen.'  Fris.;  Mal.  ,Es  steig 
auch  von  tag  zu  tag  das  körn,  wart  heftig  ufgekouft 
von  den  Oberländern,  die  man  die  h.  heisst.'  1570, 
Bs  Chr.  ,Wer  den  hodleren  treid  zu  kaufen  gibt 
ussert  land  zu  füeren,  der  gibt  20  fl.  ze  buess.'  L  An- 
sehenb.  [1624  begründeten  17  Hodler  in  der  Kapelle 
zu  LGormund  die  StWendelins-Bruderschaft  (Esterm., 
Neud.).  .Unseren  Hodleren  oder  Kornhändleren.'  ß 
Mand.  1741.  —  Vgl.  Kamn-HiuHen.  In  1  mag  Iwdkn  II 
mitspielen.     Hieher   wohl   auch    der  B  Fanülienn.   , Hodler'. 

Cherne''-Hudler:  Korn-,  Getroidehändler  VO. 
,Ein  K.  soll,  was  ihme  selbsten  wachst,  auch  also  ver- 
zollen.' 1779,  Z  Zolltarif.  —  Korn-.  Zürich  beklagt 
sich,  dass  die  Müller  und  K.  schönes  Korn  oben  auf  die 
Säcke  und  Standen  tun  und  untenher  ganz  schlechtes 
und  unsauberes.'  1568,  Absch.  ,  Dardanarius,  ein  Wue- 
cherer,  K.,  so  das  Korn  aufkauft.'  Denzl.  1677;  1716. 

Hodel  II  m.:  gutmütiger,  beschränkter  Mensch, 
der  sich  Alles  gefallen  lässt  ZF. 

Wie  das  häufigere,  syn.  Uodli  von  liodUn  U ;  vgl.  TrostMi: 
trottchlm  (Abi.  von  ,trotten'),  Flotmhi  :ßotsehcn  u.  A.  Vgl. 
noch  Hottet. 

hodere":  1.  rütteln,  schütteln,  von  Fuhrwerken 
auf  rauhem,  holperigem  Wege  oder  von  schlechten 
Karren  B;  S;  Uw.  Auch  vom  Reiten  auf  holperigem 
Wege  S.  Uneben  rollen  oder  gehen  von  einer  etwas 
krummen  od.  ausgelaufenen  Radspindel  Ndw.  H.  la; 
was  haderet,  die  Sache  sich  seihst  überlassen,  eig. 
einem  Fuhrwerk  seinen  Lauf  lassen;  Synn.  s.  bei 
haderen  IL  —  2.  unordentlich,  ungeregelt  von  Statten 
gehen  Ndw.  —  3.  Etwas  rollend  bewegen  Obw.  — 
4.  auch  tr..  Etwas  schlecht,  unordentlich  verrichten 
Ndw.     Ich  hodenu-sie  bi  mim  Schribe',   schreibt  der 


Had,  hed,  hid,  liod.  hud 


ehrwürdige  Kaplan  Mathys  von  deu  etwas  unsiclieni 
Schriftzügen   seiner  Einsendungen   an    das   Idiotikon. 

S.  die  iu  uuserii  MAA.  weiter  verbreiteten  Syun.  hotleren, 
hiiJtren   und   Tgl.   deu  Lautweclisel   in  lodfkn   und  lotteren. 

Hoderete  =  Hu-  Th. 

ho  die"  II:  1.  =  kotieren  1  BM. ;  vgl.  Karren- 
Hudhn  u.  die  Synn.  hottlen,  hotzlen.  —  2.  schwabbeln, 
bes.  von  der  schwankenden  Bewegung  der  Wamme 
fetten  Bindviehs  beim  Gehen  Z.  —  3.  trippelnd,  unter 
schüttelnden  Bewegungen  infolge  unsichern  Ganges, 
in  kurzen,  schnellen  Schritten  drollig  davon  eilen, 
wie  bes.  kleine  Kinder  bei  den  ersten  Gehversuchen 
tun  Z.  Meist  als  Comp,  devo'-,  umme'-h.  —  4.  durch 
Dick  und  Dünn  unaufhaltsam,  rücksichtslos  davon- 
eilen S.  Dur''  Alles  dure"  h.,  über  Äcker  und  Wiesen, 
dabei  die  Pflanzen  in  den  Grund  tretend.  Vgl.  hau- 
ileren.  —  5.  mit  dem  groben  Sieb  (vgl.  Hodel-Blteren) 
Getreide  reinigen  Z.  —  0.  eine  Arbeit  flüchtig  be- 
sorgen Ap;  ZO..  sonst  hudJen. 

abe"-:  unordentlich  herabhangen,  z.B.  von  den 
nicht  befestigten  Strümpfen ;  meist  in  Verbindung  mit 
lä'  TuSteckb.  -  Vgl.  Abhodd,  schlecht  gekleideter,  auch 
geistig  beschränkter  Mensch.  Jens.   Kaiserst. 

H  0  d  1  e  °  f. :  gutmütig  beschränkte  Frauensperson  Z. 

-  Fem.  zu   Hodel  II,  HodU  I. 

Hodli  I  m.:  =  Hodel  II  Z.  Auch  als  Kosew.  im 
S.  einer  Abi.  von  hodlen  3.  Du  chllne  Hodli  ruft 
man  einem  Kinde  nach,  das  gehen  lernt  Z.  Syn.  Hu- 
deli.  Hüdeli.     Vgl.  noch  Hüseler. 

g"hodli(g):  1.  munter,  aufgeräumt,  unruhig  sich 
bewegend,  bes.  von  Kindern  Z;  Sjn.  nuefer.  Gegs. 
ii'httdlig.  —  2.  unordentlich  in  Haar  und  Kleidung, 
auch  von  der  häuslichen  Einrichtung  ZO. :  Syn. 
fjehitdlig. 

hödele"  (umme"-,  d^vo'-J:  Dini.  zu  hodlen  3  Z; 
Syn.  haderen,  hüdelen,  höselen,  hötterlen,  bein(erßen, 
stöffelen,  wädelen. 

H  ö  d  e  1  i  n.  =  Hodli  I,  in  dim.  S.  Mit  dem  Rufe  du 
chiises,  liebs  H.  holt  man  ein  davon  eilendes,  kleines 
Kind  ein  Z ;  Synn.  Hudel-Säckli,  Hudeli-Budi,  Hudi- 
Bein,  Huseli,  Tschumperli.  Hat  s'  Chindli  möije" 
(/'laufe'  [nachkommen  können]?  Frlli''',  es  ist  drco' 
g'hödelet  wie  'ne  Bümmerli  [Hündchen] :  's  ist  halt  doch 
e  liebs  Hödeli  Z. 

Kode  1er  m.:  scharwenzelnder,  in  Kratzfussen 
und  andern  Höflichkeitsgeberden  sich  erschöpfender 
Mensch  ZTösst. 

g'hödelig,  in  der  Verbindung  mit  cito',  ga", 
laufe"  =  hödelen  Z. 

Höder  m.:  unentwickeltes,  zwerghaftes  Wesen, 
wie  z.  B.  ein  Huhn  (H.-Hüenli)  PKerz.  —  Vgl.  die 
Synn.   Hüdder  und  Hstteler. 

höderle":  1.  „ein  wenig  schaukeln,  von  Wagen", 
allgemeiner :  hötterlen.  —  2.  =  hödelen.  „Der  Vogel, 
das  Kind  höderlet  L."  Me'  muess  's  Glück  bim  Bei'  ne", 
u-enn's  chttnnd,  sust  höderlet  's  wider  dfVO'  ZWettschw. 
Syn.  hötterlen. 

Hode°  m. :  1.  bei  Metzgern  und  Bauern  eine  best. 
Stelle  hinten  am  Unterleibe  des  Mastviehs,  zunächst 
der  verschnittenen  Ochsen,  an  der  sie  ihre  Fettleibig- 
keit prüfen.  En  feisse  H.  ha'  ZS.  Scherzh.  übertr. 
auf  Männer   ZS.  —  2.  Kartoifel.    Gaunerspr.,  It  Lux. 

—  Das  Masc.  bei   1   nach  dem  ähnlich  gebrauchten  Levipen. 

Schweiz.  IdiotikoD  II. 


Hunds-,  in  GoT.;  Schw;  U  -Uude',  in  G  uT. 
Bonds-Hode;  in  GStdt  Hundsöde'  —  m.  BSi.;  GrD., 
in  GrLuz.  f.,  meist  nur  als  PI.:  1.  die  Blätter,  bes. 
aber  die  Früchte  der  Herbstzeitlose,  colch.  autumu. 
.^P;  BGu.,  Si.;  Gl;  OrHo.;  LE.;  G;  Schw;  Th;  U. 
Die  Pflanze  gilt  als  Symbol  der  ünkeuschheit  und 
ihre  Sarnenhülsen  werden  am  .\bend  des  1.  Mai  Mäd- 
chen von  zweifelhaftem  Kuf  auf  ihren  Weg  vom  Hause 
bis  zum  Brunnen  hingostreut  G.  Die  Zwiebeln,  im 
Sacke  herumgetragen,  heilen  die  Ruhr  und  schützen 
vor  den  Pocken  (G  Kai.  1834)  und  vor  Zahnweh  und 
Pestilenz  G.  Die  Blätter  dienen  zum  Gelbfärben  der 
Ostereier  G;  Z.  Die  Samen  pflegen  sich  Kinder  neckisch 
ins  Haar  zu  streuen,  es  sollen  dann  nämlich  Läuse 
entstehen  ZZoll.  , Zeitlos,  herbstbluom,  hundshoden, 
wildsaifranbluom:  Colchicum;  canineca.'  KdGessn.  1542. 
.Nimm  die  Würzen,  die  man  Hundshoden  nemmt,  und 
ryb  die  Warzen  damit.'  Elgger  Arznkib.  M.  XVII.  — 
2.  Hunds-  GrD..  Pr.,  Huntsche'-  GrS.,  Spl.,  Hantschn- 
Hode'  Gr  ObS.  (It  B.),  doch  meist  dim.  -Hödli,  Stein- 
brombeere, rubus  sax. 

Bei  1  ist  die  mehrteilige  Samenkapsel,  bei  2  die  aus 
3  —  4  einzelnen  Beerchen  bestehende  Beere  mit  Hoden  ver- 
glichen. Vgl.  noch  die  Synn.,  zu  1 :  Muuni-Hoden;  Huivb- 
Fud  (Bd  I  682);  Käe-Puj,pen;  Kue(H)tKhi-,  Munni-,  Schuf-, 
Stieren-  fauch  Stieren- Hoden-)  Seckel ;  zu  2 :  Hoden-,  Hunden- 
Ber(i).  Weitere  Synn.  zu  1,  die  als  stärkere  Entstellungen 
obiger  Formen  angesehen  werden  müssen,  sind :  Hundt-Hosen, 
-Judtn;  Hosen-Bunte,  Bunds(i)öde,  Bundsöse.  Betr.  die  ob- 
erwähnte Symbolik  vgl.  noch  die  Synn.  blutti  Jungfrau  Bd  I 
1248,  ,nackte  Hure'.  Vgl.  auch  noch  die  Namen  Bueben-Ros 
für  Päonia,  Bockwürzen  für  Orchis,  nhd.  Knabenkraut,  an 
welche  Pflanze  sich  ähnliche  Vorstellungen  knüpfen.  Betr. 
Huntsche-  und  das  schwach  bezeugte  (sich  viell.  an  Hundschn, 
Handschuh,  anlehnende)  Hantscha-  vgl.  das  formverwandte 
Küenische  und   Holtsche  aus   Hoh-lichueh . 

Munni-  =  Hunds-H.  1  B;  ScnSt.  (Sulger);  „AaF.; 
LG." 

Biber-:  Feigwurz,  ticaria  ran.  .Meikraut,  feig- 
warzkraut,  pfaffenhödlin,  schorbockskraut,  kalber- 
kernen, biberhödlin,  chelidonium  minus,  sunt  qui  scro- 
phulariam  minorem  vocent;  couillons  des  prestres.' 
KdGessn.  1.54'2.  —  Nach  den  kleinen  Wurzelknollen  be- 
nannt; Tgl.  Schm.-Fr.  1,  1054  und  Gr.  WB. :  ,Pfa£fen-Hoden'. 

Bocks-.  ,Asinia  pruna,  gross,  unachtbar  pflaumen, 
b.,  aber  die  gelben.'  Fris.;  Mal. 

Pfaffe°-iKrfi7i;  gem.  Spindelbaum,  evon.  europ. 
ScuHa.;  Syn.  Bumper-,  Trummen-Schlägel(iJ ;  Pfaffe'- 
Kappe'.  —  Nach  den  mit  Testikeln  verglichenen  Früchten; 
auch  bair. ;  Tgl.  auch  Gr.  WB. 

Chib-Hodler  Ap,  -Hödler  G;  „Z"  -  m.: 
1.  „halb  verschnittener  Hengst,  dem  die  eine  Hode 
genommen  ist" ;  Syn.  K'iber,  Klb-Hengst.  Halbeber 
Ap;  GRh.;  „Z."  —  2.  Starr-,  Murrkopf  Ap ;  Syn.  »ft- 
Grind. 

Zu  1.  Solche  Tiere  gelten  als  unlenksam  und  bösartig 
(s.  ktben),  weshalb  es  It  Steinm.  1804,  404  verboten  war, 
solche  Eber  auf  die  Alpen  zu  treiben,  weil  sie  öfters  das 
Rindvieh  angriffen.  Hieher  auch:  ,Kybhödle,  eigenrichtig, 
kybig,  refractariolus.'  Mal. 

Hodlez  m. :  Frauenschuh,  eypr.  calc.  Aa.  Un- 
verheiratet sterbende  Mädchen  müssen  nach  dem  Tode 
auf  dem  Girizen-Mös  H.  kauen  AABb. 

Es  scheint  eine  Abi.  von  Hode  (Tgl.  Hodler),  viell.  mit 
Anlehnung  an  den  Pflanzenn.  Koatez  (Hostez)  vorzuliegen,  die 
Blüte  wäre  mit  einem  Hodensacke  verglichen  worden;  doch 


Had,  hed,  hid.  hod,  hnd 


vgl.  auch  das  syn.  (allerdings  viel),  selbst  aus  unserra  W. 
scherzh.  entstellte)  Hos-Latz  und  allenfalls  das  ebenf.  syn. 
(Bad-)  JMlBche  faus  B.-IMz-Schueh). 

Hodli  II  111.:  mit  Hoden  versehenes  Tier,  bes. 
Zuchtstier  ÄP. 

g°höd:  nicht  verschnitten,  von  männliclien  Tieren 
BSi.  ,Die  g'hoden  Stieren,  wann  man  sie  am  Sehaden 
in  Weidenen  antrifft.'  1650,  BSa.     S.  Sp.  45. 

Heu-Hödele  f.:  Kuckuckslichtnelke,  lych.  flos 
cuc.  GWe. 

Die  Pflanze  wird  oft  benannt  nach  der  sackartig  aufge- 
dunsenen Kelehröhre ;  vgl.  die  Synn.  Flotter-,  SclUottei-, 
SchiDizer-Hoaen,  sowie  den  Namen  Hotlntz  für  die  vwdte 
Taglichtnelke,  lychnis  diurna.  Den  Zusatz  Heu-,  wie  in 
Heu-Nägdi,  verdankt  die  Pflanze  dem  Umstand,  dass  .«ie  im 
Heugras  gedeiht. 

hödlechtig:  hodenartig.  .OliviC  orchites.  die  h. 
sind.'  c.  1530,  Collin. 

Hödle"  (in  GSa.  Höttle",  Bim.  Hödili)  f.:  kleine, 
runde,  zum  Dörren  sehr  beliebte  Birne  GRh.;  It 
Steinm.  1804  werden  .Früh-  und  Spat-Hödlen'  unter- 
schieden. 

lind:  Scheuchruf  an  die  Enten.  Id.  B;  Gegs.  wikI, 
Lockruf. 

Hudi  I  n.:  Ente  B;  Zg;  Syn.   W,(dli. 

Uudel,  in  F  tw.  Hödel,  in  .-\r;  GRh.  Huttel  — 
f.  in  Aa,  sonst  m.,  Hudle-  I  f.  Aa;  GA.,  in.  in  Gl; 
GRh.  —  PI.  Hudle';  bzw.  Hutth"  (auch  in  U),  in  W 
Hudle",  Hidle'  und  Hittle",  in  L  Hüdel,  in  Ap;  GTa. 
Hüttel  —  üim.  Hudeli  I  GlK.,  sonst  Hüdeli  I,  Hütteli: 
1.  alter  Lappen,  Fetzen,  Lumpen,  bes.  von  Leinwand; 
Syn.  Fetzen,  Lumpen,  Blätz.  Als  coli.  PI.  auch:  ab- 
getragene, zerrissene  Kleidungsstücke,  Plunder,  allg. 
Kei's  Hüdeli  um  si'''  ha",  keinen  Fetzen  (als  Klei- 
dung) an  sich  tragen  Schw.  I»  de"  Hudle'  erzieht-m^ 
d'  Budle",  Kinder  sollen  möglichst  einfach,  nicht  hof- 
färtig  gekleidet  werden  B;  oder  (It  Schild):  liederliche 
Menschen  werden  in  lumpigen  Kleidern  gross  gezogen 
S;  vgl.  gehudlet.  I)'  Hudle"  gebe"  o  warm,  auch  in 
der  Armut  kann  man  noch  zufrieden  sein  B  (Sprw.). 
In  einer  Variante  des  Reims:  Appe'zeller  Meiteli,  wie 
machist  du  de"  Chäs,  heisst  es :  du  tuest-en  in  es  Hü- 
deli (d^  trickst-e"  mit-em  Füdeli),  st.:  Chübeli  L;  Kdw. 
Es  Buech  g'hört  i"  's  Pflanze'rleh,  wil-m^"  's  us  Hudle" 
macht  und  d'  Hudle"  si"^  einist  Werch  g'sl".  Sonntags- 
post 1869.  Iren. :  Si'''  üflä"  wie  'nes  Fueder  Hudle", 
wenn  's  drüf  regnet,  immer  weiter  zurückkommen 
BSis.  (Lumpen  ballen  sich  eng  zs.,  wenn  sie  nass 
werden).  En  Chopf  mache"  wie-n-es  Fueder  Hudle", 
mürrisch  aussehen,  auch:  eine  übertriebene  Frisur 
haben  B  oAa.  Muess  d'  Mueter  dir  um  d'  Füess  no''' 
z'  Nacht,  wenn  d'  Bise  pfift,  'ne"  warme"  Hudel  parati 
halte"  S  (Schwzd.).  E"  Meiteli,  das  hed  nur  e  bar 
elendi  Hüdel  a'g'ha"  L  (Brandst.).  Z'  H.  cho"  FJ., 
z'  Hudle"  (Hudels)  gä",  zerlöchert,  zerfetzt,  abgetragen 
werden,  von  Kleidern;  übertr.:  zu  Grunde  gehen,  ver- 
nichtet, zerstört  werden  ß;  F;  üw;  Syn.  ver-hudlen, 
z'  Lumpe"  (üs)  gän,  kon.  F'>  chumme"  hie  z'  H.  FJ. 
Es  si"  all  drei  Husmanne"  z'  H-s  gange"  u"'  d'  G'mein 
cha""  d'  King  erhalte".  Gotth.  , Ehedem,  wo  die  Mägde 
Kleider  hatten,  welche  sie  erst  3  Jahre  am  Sonntag, 
dann  3  Jahre  am  Werktag  tragen  konnten,  da  hatten 
sie  Geld,   brauchten   nicht  mit  Korn   oder  Garn   den 


Kiämer  zu  zahlen  und  am  Ende  doch  noch  z'  H-s 
z'  graten  oder  MGnHH.  Kostgänger  zu  werden.'  ebd. 
Z'  Hudle"  mache",  vernichten  üw;  U.  S.  auch  Fetz 
Bd  I  1148.  Hüdeli  feile",  das  unter  Fazzelet  (Bd  I 
1145  u.)  beschriebene  Spiel  Gl;  Syn.  Lumpen  leggen 
oder  Iw'  falle";  Fulei  duss.  ,Die  Alte  schüttelte  einen 
Laubsack  auf  dem  Ofen  zurecht,  hiess  mich  darauf 
liegen,  deckte  mich  mit  Hudeln  zu  und  hiess  mich 
wohl  schlafen.  Bas  war  mein  neues  Bett'  Gotth. 
.Maurer  in  H-n  [gekleidet].'  ebd.  ,Ich  hatte  keinen 
H.,  keinen  Wäschlumpen,  hatte  gar  Nichts,  um  abzu- 
waschen.' ebd.;  vgl.  Kuchi-Lumpen,  Wäsch-Lüderen. 
,Wie  aus  einem  im  Kote  zertretenen  H.  der  1.  Gott 
kein  reines,  weisses  Kleid  mache.'  ebd.  ,Gertrud  zog 
den  Kleinen  ihre  Hudeln  ordentlich  an.'  HPest.  1790. 
Verächtlich  von  Kleidern  und  Zeugen.  ,Die  Arm- 
seligkeiten der  Dienstboten  sollte  man  auch  in  die 
Versicherungen  aufnehmen,  damit  bei  Feuersbrünsten 
nicht  ein  Jedes  zuerst  nach  seinen  Hüdlene  laufen 
möchte.''  Gotth.  Bort  het  'ne  IIa""  eis  Hüdeli  no''' 
'm  andere"  am-ene"  Stecke"  i"  d'  Höchi  [um  sie  zum 
Verkauf  anzupreisen].  JHofst.  ,Sie  schämte  sich,  ein 
solches  Hüdeli  [von  Schürze]  umzuhängen,  in  welches 
man  nicht  einmal  schneuzen  könne,  wenn  man  nicht 
wolle,  dass  die  Nase  am  andern  Ort  zum  Vorschein 
komme.'  Gottu.  So  auch  vom  Schiftssegel  Z  rS.  Wenn 
die  übrige  Bemannung  eines  Schiffes  zum  Schlafen 
ans  Land  geht,  muss  Einer  zum  H.  ga"  ligge",  d.  i. 
in  der  Schiffskiste,  in  welcher  das  Segel  auftewahrt 
wird,  Übernacht  bleiben.  De'-  H.  (oder  Segel)  ufe", 
de''  Schölm  (Dieb)  abe!  Neckruf,  in  welchem  der  Mast 
mit  dem  Galgen  verglichen  und  der  unten  stehende, 
wohl  auch  bei  der  Anstrengung  zum  Aufziehen  des 
Segels  sich  tief  buckende  Schiffinann  Schelm  geschol- 
ten wird.  Letzteres  weil  die  Oberländer  Schiffleute, 
die  den  Bewohnern  der  unteren  Seegegend  Bau-  und 
Brennmaterialien  u.Ä.  zu  bringen  pflegten,  im  Gerüche 
der  Unredlichkeit  standen.  Formelhaft  verstärkend 
wird  das  W.  oft  mit  Synn.  verbunden,  bes.  mit  Fetzen. 
,Die  gedoppelte  H.  und  Fetzen,  darmit  die  Wunden 
verbunden.'  Gwerb  1646;  Zauberei  1704.  Z' Hudle" 
und  Fetze"  (sV)  s.  Bd  I  1148  (auch  Uw).  In  der 
allitterierenden  Verbindung  H.  und  Hab  zur  Bezeich- 
nung des  sämmtlichen  bewegliehen  Besitztums  scheint 
Ersteres  die  Kleidungsstücke  übh.  zu  bed.  H.  und 
Hab  verhlre",  verspile",  um  H.  und  Hab  cho"  Aa;  Z. 
I'''  wette  ml"  H.  und  ml"  Hab,  der  Wl"  schlät  ab. 
Schweizerb.  1819.  ,Dich  mit  Weib  und  Kind,  H.  und 
Haab  und  Lumpen- G'sind  zum  Land  aus  führen.' 
JCWeissenb.  1701/2.  Ähnlich:  H.  und  Häs  Ap;  G, 
auch  H  und  Hemd,  Alles,  was  man  am  Leibe  trägt, 
dann  übh.  syn.  mit  H  und  Hab.  ,Wär  eine  kind- 
betterin,  so  soll  der  wirt  derselben  frawen  nit  mangel 
län  an  wyn  und  brot;  wenn  die  6  wuchen  uskommend, 
so  soll  derselb  wirt  dann  gän  und  soll  "s  bett  und  all 
hudlen  und  lumpen  nemmen  an  syn  schuld.'  AAWür. 
Offn.  .Lumpen,  alt  hudlen,  bös  alt  platz  von  tuech, 
assumenta.'  Mal.  ,Es  ist  nit  um  die  schwarzen  hudlen 
[verächtlich  =  Kutte  des  Abts]  zu  tuen,  sunder  um  den 
g'walt  und  regierung.'  HBüll.  157'2.  ,Die  schuech 
will  ich  ausbutzen  g'sehwind,  hab  drum  den  h.  zue 
mir  g'non.'  GGotth.  1599.  ,Nichtswertige,  alte  Kleider, 
Hudlen,  Lumpen,  pannicularia,  veteramenta.'  Denzl. 
1677;  1716.  ,In  Seiden  gehen,  da  der  Arme  kaum 
die  nötigen  Hüdelein  hat,  seine  Blosse  zu  bedecken.' 


997 


lind 


JJUlr.  1727.  ,Hüdelein  und  Fetzleiu.'  ebd.  .Unflätige 
Hudeln  und  Lumpen  zusammenblätzen.'  ebd.  —  Spec. 
a)  „das  unsaubere  Weisszeug,  das  gewaschen  werden 
inuss  G" ;  vgl.  H.- Kammer.  —  b)  kleines  Leintuch 
(meist  aus  altem,  verwaschnem  Stoff),  welches  kleinen 
Kindern  unmittelbar  um  den  Unterleib  und  die  Bein- 
chen geschlagen  und  erst  durch  die  eigentliche  .Win- 
del' befestigt  wird  Ap;  GA.  (Chinas -Hudle"),  Eh.; 
ZKn.,  Wyl;  Syn.  Gudere,  Hudere,  Brüechli.  Mit  der 
RA.:  Wenn  afenga  's  Höttelwäschn'  a'göd  Ap,  oder: 
Wenn  d'  Hüttili  a"  de"  Stange'  hangi"d  GMarb.  wer- 
den Neuvermählte  mit  dem  Hinweis  auf  die  sich  ein- 
stellenden Schattenseiten  des  Ehelebens  geneckt  Ap. 
„Verächtlich  eine  Kindswindel  L."  —  c)  an  einer 
Stange  befestigter  Tuchlappen,  mit  dem  man  die  Keste 
von  Asche  und  Kohlen,  die  nach  der  Reinigung  mit 
dem  Ofenbesen  zurückgeblieben  sind,  herauszukehren 
sucht  S.  Syn.  Fluder  Bd  I  1173.  —  d)  Hüdeli,  kleiner 
Heuhaufe  Gl;  Syn.  Birling,  Schöchli.  —  2.  von  Tieren, 
a)  Hiidel,  langhaarige,  zottige  Ziege  BGrims. ;  JRWyss 
1817;  dafür  .Hüdel'.  Kühreiben  1828.  Syn.  g'hudleti 
Mntte",  Hiidlen  II;  Hutden;  Yg\.  H.-Bär.  —  b)  auch 
Nucht-H.,  Nachtfalter,  phalaena  BO.;  Syn.  Lieeht- 
Löscher,  -Steler,  Doggeli.  —  3.  (nur  Hudel,  bzw.  Hidtel) 
physisch,  moralisch  und  ökonomisch  heruntergekom- 
mener Mensch;  Lump;  daher  als  rohes  Scheltw.  Aa; 
B;  L;  G;  S;  Uw;  U;  W;  Zg;  Z.  Syn.  Glunggi,  andere 
s.  bei  Gusel;  s.  auch  Gudel.  Du  bist  en  H.,  wie  d' 
das  Buech  zueg'richt  hast  Z.  Mr,  wor  [man  wurde, 
möchte]  meine",  en  H.  häft  das  Gras  [auf  der  Wiese] 
abg'haiie"  Z.  Si's  Vermöge"  verwalte",  dether  cho" 
[einher  gehen],  mit  dem  Geld  umgä"  [u.  A.]  wie  en 
H.  Z.  In  einem  Aa  Kindervers  als  übern,  s.  Hünz.  43. 
.Manchmal  befanden  sich  2  Wirtshäuser  in  einem  Orte, 
so  dass  ich  in  die  grösste  Verlegenheit  kam,  beide  zu 
besuchen,  ohne  für  einen  ausgemachten  H.  angesehen 
zu  werden.'  Gotth.  ,Habe  man  die  Mädchen  gross 
gefüttert,  so  flögen  sie  aus,  dem  ersten  H.  zu,  der  sie 
wolle,  und  lassen  die  Alten  im  Stich.'  ebd.  ,Es  kenne 
manchen  alten  H..  der  es  nie  geworden  wäre,  wenn 
er  immer  daheim  geblieben  wäre.'  ebd.  ,Sie  [die  ehr- 
baren Armen]  sahen,  dass  die  H-n,  die  so  gut  im  Stand 
waren  zu  arbeiten  wie  sie,  ihr  gutes  Auskommen  [aus 
dem  Armengute]  hatten.'  B  landw.  Wochenbl.  1847. 
Als  Dim.  Hüdeli,  in  gemilderter  Bed.,  lockeres  Bürsch- 
chen.  ,Wie  lang  wend  ir  hüdel  syn'  [euch  (von  der 
Königsfamilie)  ,hudeln'  lassen]?  HBdll.  1533.  —  4.  in 
Zssetzungen,  etw.  Verächtliches  bezeichnend:  E  stei- 
alts,  miserabels  Hüttli;  .  ..'s  ganz  HudelhüttH.  JHofst. 
,Es  sye  an  dem  hudelglouben  nieman  dann  hudelvolk.' 
HBdll.  1572.  S.  noch  H-Ordning  Bd  I  441,  -Volch 
Bd  I  803,  -Freud  Bd  I  1275  und  vgl  H.-Hund  (als 
Schimpfn.),  -Bueb,  -Pack,  -Rusting,  -  War,  -  Wetter,  -Zug. 
Mhd.  hudel,  huder,  Lumpen,  Lappen;  als  Fem.  schlechte 
Person,  Hure.  Das  W.  an  verschiedenen  Orten  in  Bed.  1 
nur  noch  iu  Zss.  oder  in  allitterierenden  Verhindungen.  Die 
Grundbed.  der  gauzen  Gruppe  wird  sein:  schlotternd  herab- 
hängen, schwankend  sich  (furt)bewegen.  Betr.  die  Berührung 
dieser  Bedd.  mit  derjenigen  moralischer  Haltlosigkeit,  ge- 
ringen Wertes  vgl.  lampen  :  Lämp,  Lump;  schlampen  ;  SMamp ; 
achUinggm  :  ScUängglel).  Ausserdem  vgl.  die  Familien: /nii- 
deren,  ßanggen,  gudten,  glunggen,  hotteren,  lotteren  u.  A.,  kämt. 
Jfottel,  Lump;  hottkn,  herumschweifen;  Fanzelet 3  (Bd  I  1146) 
uud  Fötzel.  Zu  2  a  vgl.  den  kämt.  Ziegennamen  Hotiile; 
•2  b  nach  dem  unsichern  Flattern,  mit  dem  sich  der  Nacht- 
falter dem  Lichte  nähert. 


G'hudel  BK.,  Si.,  sonst  G'hüdel  n.:  Coli,  im 
Sinne  von:  1.  schlechte,  abgetragene  Kleider,  alter 
Plunder,  auch  verächtliche  Bezeichnung  des  Gewandes 
übh.  BoHa.;  Uw;  U.  —  2.  zerfallende  Baute,  z.B. 
schlechtes  Mauerwerk  BSi.;  S.  Unsolide,  schlecht 
ausgeführte  Arbeit  BSi.  —  3.  verwirrtes  Garn  Obw. 
Syn.  Gehüder.  —  4.  Eingeweide  eines  geschlachteten 
Stückes  Vieh  UUrs.     Syn.  GHüngg. 

Bed.  1  von  Budd  1 ;  2  und  3  dagegen  von  hudlen.  In 
Bed.  2  Berührung  mit  Godel,  Gudel,  so  dass  die  Frage  ent- 
steht, ob  die  Sp.  122  f.  aufgeführten  WW.  nicht  tw.  auf 
unser  W.  zurückgehen ;  vgl.  Oehüder  :  Güder.  Ein  ähnliches 
Verh.  dürfte  zw.  Gehndel  4  und  Gudel  (s.  Sp.  125)  Statt 
linden,   welch   letzteres  freilich   masc.   ist;   s.  noch  gehuderen. 

Halb -Hudel.  ,Eisi  verachtete  den  Stand  der 
Bauern,  während  es  so  einem  H.  von  Herrenschminggel 
[den  Vornehmen  spielenden  Zierbengel]  alle  Achtung 
erzeigte."  Gotth.  —  Lüs-:  Schimpfw.,  Mensch,  der 
voll  (Kleider-)  Läuse  ist  Uw;  Syn.  Lüs-Hund.  — 
Nacht-  s.  Hudelab.  —  Kege°-Hudle"  (PI.):  ein- 
zeln an  den  Bergen  herumflatternde,  zerrissene  Nebel, 
Vorboten  eines  nahen  Regens  LE.  —  Sü-,  Schwi-: 
Schimpfw.  auf  eine  höchst  unreinliche  Person  Gl.  — 
Täre"-:  Sackleinwand  Gl;  Syn.  Amballasche  Bd  I 
233;  Taren. 

g'hudel,  in  BS.  khudel:  1.  zerlumpt,  von  der 
Kleidung;  unordentlich  gekleidet  BO.  Wie  chunnst 
du  g'hudlc!  Es  alts,  g'hudels  u"''  zerhits  [Kleid]. 
ScHwzD.  —  2.  zottig,  langhaarig,  mit  langen,  flattern- 
den Haarbüscheln,  z.  B.  von  gewissen  Ziegen  BO.; 
Syn.  fotzlig,  gehudlet,  hotzlig,  pudelig. 

hudelacht.  .Pannosus,  hudlachtig,  zerhudlet, 
zerlumpet,  voll  blätzen.'  Ems.;  Mal.  ,Die  uberige 
menge  ist  ungebutzt,  zerrissen  und  hudlecht,  mit 
schlechter  decke,  mehrteils  mit  zwilch  angetan.'  Wurst- 
isEN;  dafür:  .hudelicht'  Bs  Chr.  1765. 

hudele"  Bs,  sonst  hudele":  1.  = /löfWc«  AAFri.; 
Bs  (wo  auch  i.  S.  v.  herumsteigen  auf  Bänken  und 
Stühlen);  BBrisl;  Z.  Zu  selber  ZU,  wo-n-er  albf  im 
Müeterli  sei.  noche'g'hudelet  isch.  Breitenst.  Wenn 
[du]  albe"  no'''  a's  e  Meitschi  cho"  bisch  cho-ge"  h. 
zue-mer.  ebd.  Häufig  als  Comp.  umme"-h.,  s.  dazu 
Gott  Sp.  509 ;  Syn.  u.-glunggen,  -lumpen.  —  2.  Aus- 
sehen und  Art  eines  verkommenen  Menschen  haben 
Aa;  G;  Z;  Syn.  glünggelen.  —  3.  wortbrüchig  sein, 
unredlich,  betrügerisch  handeln  UwE.  —  4.  mit  dem 
Seinen  nicht  sparsam  umgehen  Aa;  BM.;  Z;  Syn. 
lümpeleit.  —  5.  auf  der  Wiese  ganz  kleine  Heuhaufen 
(Hüdeli,  s.  Hudel  1  d)  machen  Gl;  Syn.  hirlfigjen; 
schüchlen.  —  Bed.  2  und  i  eig.  Dim.  zu  hudlni.  Abi. 
Jlüdeler. 

US-:  Einen  um  sein  Gut  bringen,  z.  B.  im  Spiel  B. 
S.  Nüni-Kulli.  Syn.  us-hültschen,  -hungen.  —  vor-: 
in  den  Konkurs  geraten  B;  Syn.  ver-lumpen. 

Hüdeli  f.:  lumpiges  Zeug,  liederliches  Wesen. 
, Solche  [himmlische]  Erbschaft,  gegen  deme  [so !]  alle 
Königreiche  der  Welt  Hudelei  und  Bettelei  sind.' 
JJÜLR.1727.  .Gedanken  über  diese  Hudeleien.' UBragg. 
1788.  Schlemmerei:  .Ich  wohnte  am  Montag  mit  an- 
dern Gesellen  einer  etwas  argen  Hudelei  bei.'  1877. 
B  Zeugenaussage.     Syn.  Hudlete  2. 

Hüdeli  n  Aa;  Bs;  GT.,  Hüdeli  II  AAFri.;Scn; 
S  (neben  -u-)  —  n.:  1.  Kosew.  zu  kleinen  Kindern, 
besonders  Mädchen,   i.  S.  v.  Hodli  I,   Hödeli,   meist 


Had.  hed.  hid,  liod,  lind 


1000 


verbunden  mit  Adjj.  wie  arm,  ehlei'.  Es  wird  uf  Wieh- 
nächt  sechse  [6  Jahr  alt]  und  es  isch  gar  en  ordlig  H. 
und  frisch  ßs  (ThMey.).  Erst  gester  no"'  'nes  spitzes, 
chlei"s  Hüdeli  und  lutgst  jetz  schier  iihei-  mi'''  us! 
JoACH.  1883.  Grüez-di'''  Gott,  herzliehe  Hüdeli,  redet 
eine  Frau  ihren  Mann  an.  JCWeissenb.  1701/2.  — 
2.  kleiner,  unansehnlicher  Mensch  Sch  (Kirchh.);  Syn. 
Hüdeler;  vgl.  Höder.  —  3.  mehlige,  beim  Sieden  auf- 
gesprungene, zerfallene  Kartoffel  GT.;  vgl.  uf-hudlen. 
Unser  W.  kann  iu  Bed.  1  als  Abi.  von  hudden  (vgl. 
hödehn  :  Hüdeli)  angesehen  werden,  ebensowohl  aber  auch 
(wie  2)  als  Dim.  zu  H%dd,  Hudi.  Zu  3  vgl.  hudJen  i.  S.  v. 
in  Fetzen  ans  einander  gehen. 

Huder  ra.,  in  GrD.,  Rhw.  auch  Hudere  I  f.: 
1.  =  Rudel  1  (tr.  In  Hudere'  st',  zerfetzt.  Ben  Chäs 
in  en  silbern  Skap  [Form]  Indrücken  ist  praktischer, 
als  in  en  H.  mzwingen  GRPr.  (Schwzd.).  Guet  in  den 
Hudqr<}  sin,  gut  gekleidet,  herausgeputzt  sein,  doch 
geringschätziger  als  das  syn.  guet  im  Häs  sin  GkD., 
Pr.  Äimtifi  [an  einem]  h'schissnn'  [beschmutzten]  H. 
clW'-mn  sein  nid  butzn",  wer  Pech  angreift,  besudelt 
sich  GrD.  (Sprw.).  Der  Bettler  in'n  grusiga'  Hudarq', 
stehende  Fastnachtsmaske  GRPr.  (s.  B.  1,  371).  Als 
coli.  PI.,  wie  Hudle",  schlechte  Kleider,  geringes  Gerät 
übh.  Gr  ObS. ;  Syn.  Gehüder.  S.  noch  Fetzen  Bd  I  1148. 
GuderenII(ß^.\2h).  —  2.  =  Hudel  3  Gr;  GW,  rohes 
Schirapfw.,  doch  weniger  stark  als  Hudler.  Du  Saker- 
ments  Hüderli!  —   In  Bed.   1  anch  bair.  und  kämt. 

„G'huder",  mGKifi.kxüder,  G  =  hüder  Aa;  Bs; 
Btw.;  Gl;  GRtw.;  S,  fc/-  BU.,  Güder  GW.  —  n.,  in 
BStdt;  GRtw.  m.:  1.=  Gehudel  1  AaZ.;  BLenk;  Gr; 
L.  Auch  verächtlich  von  der  Kleidung  übh. :  Sunntig-, 
Wer'Hig-G.  Gr;  Syn.  Häs.  —  2.  Durcheinander,  Ge- 
wirr, z.  B.  von  verwickeltem,  von  einer  Spule,  einem 
Knäuel  sich  schlecht  abwickelndem  Garne  Aa;  UwE.; 
auch  i.  S.  V.  Gehäder  1,  vom  gefallenen  Getreide  AABb. 
Allerlei  bunt  durch  einander  Geworfenes,  bes.  Geräte 
von  geringem  Wert,  z.  B.  Spielzeug  B;  Gr;  „LE." 
Alle  (aUe-tir)  K.,  gehäuft:  alle-ter  K.  dergattigs  Zug 
dür'''  enand,  wirrer  Mischmasch;  Syn.  aller  Gatti'g 
Rüsti'g,  alle-ter-lei  Grümpel,  aJlef-ter)  Tüfel.  Wertlose. 
leichte,  sog.  Ausschusswaare  B;  Gr;  „L".  Allerlei 
wertlose  Abfälle,  Unrat,  z.  B.  trockner  Pflanzenstaub, 
kleine  Holzstücke  beim  Scheiten,  bes.  aber  Kehricht 
Aa;  B;  FMu.;  Gl;  „LE."  Syn.  Gusel,  Giisel,  Ge- 
müder, Gemüster,  Biecht,  Geschmüder,  Geschmeiss, 
Stuben- Wüscheten.  .Sie  wirft  alles  G'hüder  in'n  Kräf- 
ten, um  morgens  auf  den  Mist  zu  wandern.'  Gotth.; 
s.  G.-Kratten.  ,Das  muss  süfer  aussehen  um  ihre 
Häuser,  da  wird  man  wohl  nach  50  Jahren  dem  Gross- 
ätti  sein  G.  und  G'fräss  um's  Haus  herum  finden  [iron.].' 
ebd.  ,Dass  die  Welt  nur  das  Geld  für  einen  Schatz 
hält  und  die  andern  Eeichtümer,  die  Gott  den  Men- 
schen gegeben  hat,  für  lauter  G.  ansieht,  das  gar 
nicht  zu  achten  ist.'  ebd.  .G'hüder,  worin  bes.  tannene 
Sagspäne,  Tuff  u.  Ä.  [als  Düngmittel].'  B  landw.  Wo- 
chenbl.  1847.  Übertr.:  wirre  Gedanken;  ablautend 
verbunden  mit  Gehäder  (s.  d.)  auch  i.  S.  v.  Zwist  Aa. 

—  3.  locker  aufgeschichteter  Haufe  Reisig  GW. ;  vgl. 
Finder;  Gigerfen  Sp.  153.  —  4.  verkommene  Leute, 
Gesindel  B.  ,Was  die  Berner  in  Misskredit  bringe, 
sei  nicht  das  Volk,  sondern  das  G.,  das  immer  oben 
auf  schwimme,  wenn  man  die  Masse  aufrühre.'  Gotth. 

—  5.  (m.)  euphem.  für  Teufel  Gr.   Dem  G.  d's  Wasser 


tragen,  rückwärts  gehen;  vgl.  hindersich-gän  Sp.  34. 
Ei  e  G.,  en  angstlige  G. !  verdammte  Lüge,  leeres  Ge- 
schwätz, dummes  Zeug!  (.Abfertigung);  Syn.  Ei  e 
Tüfel!  en  angstlige  Tüfel!  ei  e  Plunder!  Die  Schaf 
lieind  d's  angstlige'  Kuders  e  Stettigi,  sind  wider- 
spenstig wie  der  Teufel. 

Betr.  die  Bedentungsübergänge  vgl.  das  mehrfach  syn. 
Giiael,  nach  dessen  Geschlecht  sich  unser  W.,  soweit  es  niasc. 
ist,  gerichtet  haben  mag.  Viell.  ist  aber  auch  das  tw.  mit 
unserm  W.  sich  berührende  Küder,  Werg,  in  dieser  Hinsicht 
sowie  auf  die  Dehnung  des  Voc.  von  Einfluss  gewesen.  Hieher 
gehört  wohl  auch  das  ,kutter  (feget,  staub)'  des  Petri'schen 
Bibelglossars  von  1523  für  das  Luther'sche  ,kerich'.  Zu  5: 
Anknüpfung  an  das  mhd.  kunder,  (Un)tier,  Teufel,  ist  der 
lautlichen  Schwierigkeiten  halber  unmöglich.  Auch  für  diese 
Bed.  darf  wohl  als  Grundlage  die  Bed.  ,Wirrwarr'  angesetzt 
werden;  der  Teufel  erschiene  somit  als  der  personif.  ,Wirr- 
warr',  als  der  Geist  der  Verwirrung;  vgl.  den  syn.  Gebrauch 
von  Plunder.  Vgl.  noch  Hudi  II.  Viell.  aber  liegt  der 
Bed.  5  ein  anderes  W.  zu  Grunde  mit  der  urspr.  Bed.  Teufel; 
vgl.  in  diesem  Fall:  alle  Fhiech,  Nagel,  Sträl,  Tü/et,  Wetter 
i.  S.   v.   wirres  Zeug. 

Sig-Huder:  Tuch  zum  Durchseihen  GflSchud.; 
Syn.  Bicht-,  Sig-Plätz. 

Huder(e")  II  f.:  1.  „aus  Reifen  u.  Wachstüchern", 
in  neuerer  Zeit  in  Form  eines  festen,  in  Charnieren  sich 
bewegenden,  gewölbten  Deckels  verfertigtes  Sehirm- 
dach  eines  Botenwagens  Bs.  Syn.  Blachen.  , Unter 
der  bekannten  H.,  welche  hinreichend  gegen  Sturm 
und  Regen  schützte,  lag  hoch  aufgetürmt  das  Gepäck ; 
vorn  unter  der  Öffnung  der  H.  auf  erhabenem  Sitze 
hatte  sich  als  treuer  Wächter  der  weisse  Spitzer  des 
Boten  postiert'  Breitenst.  —  2.  mit  einem  Tuch  über- 
spanntes Fuhrwerk  AAZof.;  spöttische  Bezeichnung 
einer  alten  Chaise  Bs;  Syn.  Lotter-F<dlen,  Kasten. 
Vergnüegt  si"'-si  z'  Oben  in  irer  H.  wider  verreist; 
's  isch  e  Chaste'  g'si',  wie  Burelüt  Se  vo'  Jude"  mängisl 
chaufe"  und  wie  si  hi  mängem  Alöss,  bi  HochzUen  und 
Taufe',  der  Lieni  müesse"  go  mache"  [zur  Aushülfe 
dienen  müssen].  Breitenst.  ,Die  Menschen  werden  in 
einem  Reiswagen  geführt,  welcher,  so  er  etwas  leicht 
ist,  ist  es  ein  Rollwagen  (Hudern).'  Spleiss  1667.  — 
3.  betrügerisches,  unhaushälterisches  Weib  SchwE. 
Vgl.  ver-huderen. 

hudere"  Gr;  L;  Schw;  Uw;  ZKn.,  hudere"  Aa; 
G;  S:  1.  wirr  werden,  in  Verwirrung  geraten,  zer- 
fallen, wie  z.  B.  ein  Garnknäuel,  eine  Spule,  so  dass 
man  sie  fast  nicht  mehr  abhaspeln  kann  Aa  ;  S ;  fallen, 
vom  Getreide  i.  S.  v.  Gehuder  3  AABb.  Us  enand 
use  h.,  aus  einander  fallen  Schw.  —  2.  durch  einander 
werfen,  in  Unordnung  bringen,  verwirren,  z.  B.  Faden, 
Garn  LV.;  Ndw;  auch  bildl.  —  3.  in  Stücke  schlagen, 
zertrümmern  Gr;  Z.  Mit:  D's  Schloss  hed 's  g'hudered 
und  g'hacked  übersetzt  Walkmstr  das  nhd. :  ,das  Schloss 
sank  in  Trümmer'.  —  4.  unordentlich,  flüchtig,  über- 
eilt, liederlich  arbeiten.  Etwas  ohne  rechten  Ernst 
abtun,  schlecht  verrichten  L;  Ndw;  Z;  Syn.  hoderen, 
hudlen,  pfudlen,  schluderen,  strudlen,  süwen.  Etwas 
anne'  h.  Abi.  Hüderi.  Im  schnellen  Arbeiten  wett- 
eifern ZHed.;  Syn.  fechten.  —  5.  „rasch  und  ver- 
worren reden  L" ;  Synn.  s.  bei  haderen.  —  6.  schlem- 
men, prassen,  liederlich  leben  „GT.;"  SchwE.  —  7.  in 
grossen  Flocken  schneien  Gr;  vgl.  die  Synn.  fetzen, 
hudlen.     Inher  h.,  z.B.  in  ein  Gebäude  GRPr. 

In  Bed.  1  und  4  auch  bair.  und  kämt.  Die  Grundbed. 
der  unruhigen  Bewegung  lässt  sich  deutlich  erkennen;  vgl. 


1001 


Had,  hed,  hi.l. 


IiikI 


1002 


Anni.  zu  lludel  und  ,hudein',  schaudern,  fröstelu  (eig.  schlot- 
tern, vgl.  Jiudle"  II  S),  bei  Schottel.  6  lässt  sich  auch  wie  7 
direkt  mit  Huder  in   Verbinduug  setzen. 

uf-:  1.  (verwickelten  Faden)  entwirren  UwE.  — 
2.  (zusammengepresste  oder  gewalkte  Wolle,  Eosshaar 
in  Matratzen  usw.)  aus  einander  zupfen  UwE. 

ver-:  1.  =  huderen  1—4  Aa;  „L;"  Uw;  Zg;  Z. 
Verhiiderets  Garn,  's  Bett  v.  =  ver-pfitelen,  -trolen. 
Durch  ungeschicktes  Anfassen  Etw.  zu  Grunde  richten, 
so  dass  es  aus  einander  fällt  AABb.  „Etw.  durch  ober- 
flächliche, leichtfertige  Arbeit  verderben,  dadurch  ver- 
lieren." —  2.  Hab  und  Gut  liederlich  durchbringen, 
verprassen  „GT.;"  SchwE.  —  Vgl.  auch  das  begriffsvwdte 
wr-guderm  II  (Sp.    125)   und  die  Anra.   zu    Oehudel. 

g'hüdere":  1.  im  Kehrichthaufen  wühlen,  wie 
arme  Kinder  oft  sogar  morgens  mit  der  Laterne  tun, 
um  darin  noch  etwas  Brauchbares  zu  finden  BStdt; 
Syn.  hüflen.  —  2.  (üf-Jgüderen  II,  Reisig  oder  Holz 
lose  schichten,  dass  es  viel  scheint  GW.;  zu  Gelinder  3. 

zer-huderet:  zerfetzt  GRPr. 

Huderete  f.:  (coli.  i.  S.  d.  PI.)  Lumpen,  Fetzen  Th. 

Huderi  m.:  Mensch,  der  verworren  redet,  seine 
Geschäfte  nur  obenhin  verrichtet  L;  Zg. 

„g"huderig,  -ü-:  wirr;  schnell  und  verworren; 
unachtsam  u.  hastig  bei  einer  Arbeit  L."  —  S.  huderen  4. 

Hudi  n,  in  ScsSt.;  Z  auch  Hüdi  I:  1.  n.,  auch 
Bett-K,  Schlummertuch  kleiner  Kinder,  das  sie  beim 
Schlafen  an  die  Wangen  oder  über  das  Gesichtchen 
legen,  um  so,  wie  sie  meinen,  besser  schlafen  zu 
können  AaL.;  Syn.  Muderli,  Nudeli,  Nunneli,  Nuseli, 
Netli,  Nezli.  —  2.  m.  von  Personen  männlichen  Ge- 
schlechts, im  Allg.  =  Elidel;  doch  auch  mit  etw.  ge- 
milderter Bed.,  oft  nur  als  leichtes  Scheit-  oder  gar 
Scherzw.  B;  ScflSt.;  Schw;  Zg.  Auch,  ähnlich  wie 
Hodli  I,  geradezu  Kosew.  Du  arme  H.,  sagt  man 
mitleidig  zu  einem  Pechvogel,  einem  Kränkelnden  Bs; 
B;  ScnSt.;  Z.  S.  noch  Hudeli  II.  Als  Ntr.  von  Per.s. 
weibl.  Geschlechts  dagegen  i.  S.  v.  Vagantin,  lieder- 
liches, unordentliches  Weib,  Dirne,  Metze  AAZein. ; 
L;  ScHW;  ZO.  Syn.  Hu(t)sche,  Huschi.  Auch  adj.  Gl 
=  fiitü  Bd  1  1136,  futsch  Bd  I  U42,  z'  Hudlen  (gä'). 
—  3.  hässliche  Maske  aScHW;  Zg.  Auch=  Gauygler  3, 
eine  aus  Stroh  und  Lumpen  gefertigte,  mit  einem  Hut 
versehene  menschliche  Figur  Zg.  —  4.  verächtlich  als 
Eigen-,  bzw.  Übern,  weiblicher  Wesen,  bes.  von  Hexen 
und  Gespenstern;  vgl.  Gehitdi.  Ln  Aa-Tobel  bei  Schw 
Steinen  fuhr  das  Aha-Hiidi  bei  Wassergüssen  auf 
einem  Baumstamm  sitzend  daher.  Beim  Hudikreuz  in 
AALeugg.  lässt  sich  ein  Mädchen  als  Gespenst  sehen, 
s.  Kochh.  1856,  I  261.  Über  das  ,Schwaben-H.'  und 
seine  Hexenkünste  s.  Lüt.,  Sag.  214/5. 

Zn  3  Tgl.  das  tir.  ,HHdeI-  od.  Huttler-Laufen'  von  Masken 
zur  Fastnachtszeit,  Huderbutz'  bei  Gr.  WB. 

G'hudi  Zg;  Z  (vorwiegend  K/-),  G*hüdi  B  — 
n.:  1.  verächtlich,  in  coli.  S.,  die  Kleider  der  Kinder 
BoHa.  —  2.=^ Hudi  II 2  Th;  Zo;  Z.  Zwei  alti  G'hudi: 
der  Hochziter  nit  emol  g'rasiert  und  d'  Hochziteri  e 
Bureländeri.  Zg  Kai.  1881.  Bes.  als  derbes  Schimpfw. 
gegen  Frauen,  seltener  scherzw.  zu  Kindern  Z.  — 
S.Gespenst  BSi.;  „Popanz  BGu."  —  Über  <■/ aus  r/'-|-7i 
vgl.    Oehei,  k/ii   (Ptc.   von  han)  u.  A. 

hudi  III,  hüdi  11,  hude:  1.  Interj.  der  Freude. 
,Wo   man  Hudi-hudi-ho    ruft,   da   geht   Mancher   toll 


und  voll  und  wie  ein  Narr  heim.'  HPest.  —  2.  Hudi 
ha'  (mache'),  sich  vergnügte  Zeiten  gönnen,  in  Saus 
und  Braus,  hellem  Jubel  leben,  ungebunden  lustig 
sein  BLauf. ;  S;  Z.  Si  hei  dort  enand  d' Hör  us- 
g'risse';  do  hei  m'r  [die  Teufel]  H.  g'ha'.  BWvss  1863. 
So  wird  g'haseliert  und  H.  g'macht  [am  Tanzabend] 
bis  Spot  i"  d'  Nacht.  Schild.  Hudi  .n'  mit  enand,  mit 
einander  recht  freundlich  tun.  ein  Herz  und  eine  Seele 
sein  Gl  (spöttisch).  i?»f/i' si»,  vergnügt  BoSi.  S.  noch 
Hndi-Brass.  —  3.  Hudi  Z.  Hudi.  Hudeli  ZWülfl.. 
Hude  Th,  das  bei  Rochh.  1S57.  S.  395  ff.  beschriebene 
Spiel  Tu;  Z  ;  s.  auch  geiss-gilgen  Sp.  159  und  Geiss3d. 
—  4.  Hudi  ni.,  der  Klotz,  der  bei  letzterem  Spiel  mit 
Stäben  in  die  Gruben  getrieben  werden  muss  Z.  — 
5.  Hude,  auch  H.-Ma"  m.,  beim  selben  Spiel  der 
Hirt,  der  den  Spielklotz  zu  hüten  hat  Th;  ebd.  wird 
die  mittlere  oder  Hauptgrube  Hude-Loch  genannt.  — 
ö.  Hudi  SI',  beim  ,Plattenschiessen',  einem  Knaben- 
spiel (s.  Platte),  am  Weitesten  vom  Ziele  entfernt 
sein  BR. ;  Gegs.  erst,  bl-(e)st  sin;  Syn.  Hutz  sin. 

Zum  Verhalten  der  Bedd.  1  und  2  vgl.  hui,  juheie  und 
juhe.  Betr.  die  Bedd.  3  und  4  vgl.  die  Anin.  zn  Hudi-hvd-um 
und  Zoch-um  Bd  I  22S/9,  wenn  nicht  etwa  das  Spiel  seinen 
Namen  dem  Spielklotz  zu  verdanken  hat,  der  hinwieder  nach 
der  raschen  Bewegung  benannt  wäre,  in  welchem  Falle 
Hudi  III  3  identisch  mit  Hudi  II  3  wäre;  vgl.  Audefen  und 
die  Anmerkungen  zu  Hudel  und  huderen,  sowie  das  Syn. 
hurrlen.  Auch  zu  6  ist  viell.  Hudi  II  zu  vergleichen.  Hude 
scheint  Analogiebildung  nach  Heide. 

Hudle  11  f.  =  Hudel  2  a  GaPr.;  G  oT. 

Char(r)e°-:  verächtlich  für  Karren  ScuNnk. 

Viel),  zn  hodkn,  hudlen,  rütteln;  vgl.  Hauderer  2  und 
Anm.  zu  Hodel  I,  aber  auch  .Hudere,  Wagendecke,  falls  pars 
pro  toto  steht. 

hudle°  II:  1.  „schlottern,  bammeln",  z.  B.  von 
den  am  Leibe  herunterhangenden  Fetzen ;  lumpig  sein 
oder  werden,  in  Fetzen  aus  einander  gehen,  reissen 
B;  Üw;  W.  Es  hudlet  Alls  an-im,  er  kommt  in  zer- 
fetzten Kleidern  daher  BSi.  S.  noch  gehudlet.  — 
2.  schütteln,  rütteln  und  damit  zerstören,  in  Fetzen 
reissen  B;  „L;"  Uw;  Syn.  guslen.  klütterlen.  Es  hudlet 
mi"';  z.  B.  vor  Frost,  im  Fieber.  ,Weil  ich  nicht 
durfte,  hudelte  es  mich,  als  ob  ich  das  ärgste  Fieber 
hätte.'  GoTTH.  Wenn  er  sich  heig  miiesse"  üherge",  su 
heig  es  'ne  toll  g'hudlet.  ebd.  Er  het  das  Mannli 
a"g'schnauzt  [angefahren],  dass  es  im  siner  Scheichli 
[Beine]  ganz  g'hudlet  het.  111.  Schweiz.  De"  han-i''' 
du  g'hudlet  «"*  g'schüttlet,  bis  er  g'nueg  g'ha  hat.  Dr 
Bari  1883.  Eine'  h.  und  i>udle'  Z  (auch  bildl.).  Wie 
hudlet  mir  der  Luft  mis  Bach.  GJKühn  1806;  dafür 
1819:  zerrlsst.  Mit  Pfusibagge'  [Bausbacken]  chunnt 
der  Fön  u"'  hudlet  im  [dem  Winter]  sis  Suimtig- 
g'nand.  ebd.  1819.  De"-  Gugger  (Stier,  Tüfel)  soll  mi^'' 
h.!  Beteurung  B;  Syn.  der  Giiggel  soll  mich  bicken! 
Sie  beteuerten,  ,sie  litten  das,  der  Tütschel  soll  sie 
h.,  nicht.'  GoTTH.  S.  noch  Gugger  Sp.  186.  —  3.  mit 
Pers.-Obj.,  Jnid  den  Kopf  waschen,  ihn  derb  anfahren, 
höhnen,  hart  behandeln,  plagen,  aus-schelten,  -zanken 
AaZ.  1815;  Bs;  Gr;  Th;  Ndw ;  Z.  ,Ich  hatte  eine 
Art  Selbständigkeit,  die  sich  nicht  von  Jedem  h.  liess.' 
GoTTH.  ,Dort  hab  ich  genug  gelitten,  bin  genug  von 
dir  und  Deinesgleichen  gehudelt  worden.'  ÜBrägg. 
1788.  ,Convexare,  übel  plagen,  vexieren,  h.,  verderben.' 
Denzl.  1677;  1716.  S.  noch  balgen.  —  4.  (intr.)  zan- 
ken,   schimpfen    Th.     Über  An  h.,   ihn    vor   fremden 


Had,  hed.  hid,  hod,  hud 


1004 


Leuten  heruntermachen.  Wenn  die  Zwä  zämme'  ehöm- 
meä,  so  chönnd  si  nüt  Anders,   weder  mit-enand  h. 

—  5.  übereilt  und  nachlässig,  unordentlich  arbeiten, 
pfuschen  Aa;  Bs;  B;  VO.;  ül;  Gr;  G;  W;  Z.  Strudle' 
und  h.  G.  ,Ein  Kartenspiel  über  einander  us  h.',  un- 
ordentlich hinwerfen,  dass  die  Blätter  zerstreut  herum- 
liegen ScHW.  —  6.  unehrlich  handeln,  schlecht  Haus 
halten,  prassen,  sich  dem  Trunk  ergeben  Bs;  B;  Gl; 
S;  Ndw;  U.  Der  het  a'fa"  cf  hudlet,  es  hätt  es  stifs 
Säuli  ge",  was  er  versöffe'  het,  sagt  die  Frau,  wie  sie 
dem  Manne  nach  seiner  Heimkehr  das  Geld  nachzählt. 
GoTTH.  .Erst  in  der  letzten  Woche  hat  er  2  Mal  ge- 
hudelt, hat  ja  Lohn  eingezogen,  ehe  es  Fastnacht  war.' 
ebd.  —  7.  mit  einem  Lappen  (s.  Hudel  1  c)  den  Ofen 
kehren  S.  —  8.  gan  /».,  Lumpen  sammeln  BR. ;  chon 
h.  dagegen  auch  =  zerlumpt  daherkoinineii.  ebd.  Vgl. 
Hudi-Lumper.  —  9.  unpers.,  bei  W  iiul  ■liinli  einander 
regnen  und  schneien;  in  grossen  Floekeii  (HudlenJ 
schneien  Aa;  BsL.;  B;  L;  Sch;  S;  Z;  Syn.  fetzen, 
fotsen,  guslen,  koslen,  budlen ;  Fatzenetli  schneien.  Bas 
hudlet  au"'',  's  isch  Ei"'m,  a's  müesst  's  Ei"n  l'schneie'. 
Will  de"  Früehlig  no'''  nit  cho"  ?  's  hudlet,  das'  m^  lauft 
derco'.  Volksreim.  In-ere  ung'stüemte'  Nacht,  wo  's 
g'hudlet  und  (f  windet  het.  BWyss  1863.  S.  Hudel-  Wetter. 

Betr.  die  Bedeutungsentwickhiog  Tgl.  noch  Anm.  zu 
/atzen.  Die  Bedd.  7,  8  ii.  9  lassen  sich  (z.  T.  auch  1  «.  6) 
direkt  auf  das  Subst.  Hudd  zurückführen.  Zu  der  Beteuerung 
unter  2  vgl.  die  mhd.  Verwünschungsformel :  ,Dass  dich  der 
ritt  (das  Fieber  als  dämonische  Macht]  schütt!'  Zu  6  vgl. 
auch  gudlen  S  Sp.    124.    —    Dim.   hüdekn,   s.   hudelen. 

abe"-:    1.  mit  Acc.  P.,  Jmd  ausschelten  GRÜhur. 

—  2.  unpers.,  i.  S.  v.  hudlen  9  Aa.  —  über-:  eine 
Arbeit  flüchtig  abtun  W.  —  uf-:  1.  von  Kleidern,  sie 
ausnützen,  bis  sie  zu  Lumpen  werden  Ndw.  —  2.  zer- 
platzen, wie  mehlige  Kartoffeln,  ebd.   Vgl.  Hudeli  II 3. 

—  umme"-:  sich  wilJ  herumtreiben  Bs.  Syn.  ummen- 
hauderen.  Sich  schlecht  aufführen;  in  Kneipen,  übel 
berüchtigte  Häuser  laufen  Uw.  —  ane"-:  eine  Arbeit 
flüchtig  und  obenhin  verrichten,  gleichsam  hinwerfen 
VO.;  W;  Z.  ,Und  wann  ir  schon  arbeiten  wend,  so 
nemment  ir  Alls  letz  [verkehrt]  in  d'  Hand,  hudlet  's 
anen  also  fir  d'  Not.'  Com.  Beati.  Syn.  anen-hauderen, 
-huderen.  —  i»-:  nachlässig  in  Lappen  oder  Windeln 
einwickeln,    z.  B.  einen  Säugling   Z;    vgl.  in-machen. 

—  ine"-,  in  der  Bauernregel:  3Ie  seil  de'  Weize"  i., 
denselben  bei  Hiidelivetter,  nassem  Wetter,  ansäen 
Aa;  Z.  Vgl.  inen-sudlen,  -drecken;  Gegs.  inen-rudlen, 
-brennen.  —  dur(ch)-enand-:  durcheinanderwerfen. 
,Man  schrieb  Wetterregeln,  ohne  den  Ursprung  des 
Wetters  noch  seine  Faktoren  kennen  zu  lernen.  Diese 
selbst  wurden  unbarmherzig  durch  einander  gehudelt.' 
JCSeg.  1817.  —  er-:  derb  schütteln,  z.B.  vom  Frost 
Uw.  Es  erhudlet  mi'''  brav.  Hart  mitnehmen,  z.  B. 
von  einer  Krankheit,  ebd.  Syn.  erfecken.  —  üs-:  1.  in 
dem  Ptc.  usg'hudlet,  in  Fasern  auslaufend  GrD.  Wenn 
d'  Chrutwürzts  läng  sind,  so  git  's  an  länga  Wintnr, 
und  wenn  sch'  läng  usg'hudlat  sind,  so  git  's  <}n  längn 
und  strengq  Wintp:  —  2.  refl.,  sich  aus  den  Windeln 
herausarbeiten,  von  einem  Wickelkinde  Z.  —  3.  Einen 
um  Hab  und  Gut  bringen,  ,nackt  ausziehen',  bes.  im 
Spiele  ausbeuten  Bs;  B;  Z;  Syn.  us-humpen, -hitngen. 
Usg'hudlet  si',  en  usg'hudlete  Mensch,  der  Alles  durch- 
gebracht, verspielt  hat;  Syn.  usgelumpet.  —  4.  Jmd 
durchhecheln,  scharf  zurechtweisen,  verläumden,  aus- 
schimpfen Aa;  Bs;  B;  Gl;  Gr;  G;  S;  Uw;  W;  Z.    Syn. 


us-huderen,  -hunzen,  -pudlen,  -putzen,  -schänden;  ab- 
kanzlen,  aben-kapitlen,  -kappen;  d'  Meining  sagen  u.  A. 
,Da  die  Jungen  (Mönchsnovizen)  ausgehudlet  werden 
als  die  ärgsten  Lottersbuben.'   ClSohob.  1699,   S.  26. 

—  5.  s.  US  Bd  I  554.  —  ver-,  zer-:  1.  in  Stücke, 
Fetzen  aus  einander  gehen,  zerfallen,  von  Kartoffeln 
B;  Ndw;  Syn.  verfaren.  Von  Kleidern  usw.,  reissen, 
zu  Grunde  gehen,  verderben  Bs;  B;  Ndw.  ,Sie  be- 
hauptete, es  sei  viel  wohlfeiler,  Löcher  zu  rechter 
Zeit  zu  flicken,  als  die  Kleider  v.  zu  lassen.'  Gotth. 
Bankrott  werden  Obw,  s.  grumsen  I.    Syn.  ver-lunipen. 

—  2.  durch  einander  werfen,  in  Unordnung  bringen 
GWa.;  Uw.  —  3.  zerreissen,  zerstückeln  BSi.  ,Als 
die  römische  Kaiser  die  eroberten  gallischen  und  ger- 
manischen Land  anfiengen  zu  z.'  Tschudv,  Gall.  — 
4.  Hab  und  Gut  liederlich  durchbringen,  verschwenden 
Aa;  B;  F;  Syn.  ver-hederen,  -hunpen, -putzen.  .Hätte 
er  sein  Gut  verhudelt  gehabt,  8  'Kinder  hätten  an 
seinem  Grab  geweint,  d.  h.  sie  hätten  geweint,  dass 
er  das  Gut  verhudelt.'  Gotth.  —  Das  Ptc.  Perf.  als 
.\dj.:  1)  zerrissen,  zerfetzt,  zerlumpt  B;  G;  Z.  Ver- 
hudlet dether  che.  ,Er  hiess  den  Schneider  kommen, 
denn  so  v.  wollte  er  Niemand  im  Hause  haben.'  Gotth. 
, Zerhudlet  g'wand  antragen.'  UEckst.  .An  der  Z  Syn. 
1534  wird  geklagt,  ,der  Diakon  N.  trage  zerhudelte 
Kleider'.  ,Ein  zerhudleter  pur.'  Rüef  1540.  , Pannus 
lacer.  ganz  z.'  Denzl.  1716.  , Königliche  Prinzen  und 
z-e  Bettler.'  FLücius  1736.  S.  noch  hudelacht.  — 
2)  in  Unordnung  geraten  oder  gebracht,  verwirrt,  ver- 
lottert, zerrüttet,  verderbt  B;  Z.  Hand- er  nüt  Ver- 
derbts  für  mich,  Verhudlets  und  Verchetzrets,  sei  's 
was  's  wöll?  fragt  ,der  Löter',  der  Flickarbeit  sucht. 
Stütz.  Nimm  das  Truckli  [Schächtelchen],  es  ist  nüt 
Schad  drum,  es  ist  ganz  v.  Gotth.  Nach  dem  Berg- 
sturz von  Elm  äusserte  ein  dortiger  Einwohner,  ,der 
Tschingelberg  sei  ganz  v.'  ,Dass  der  Ägypter  1er  von 
der  Gottheit  mit  märlinen  verdeckt  und  also  v.  wäre, 
dass  man  durch  sölichs  die  hell  warheit  nit  wol  er- 
kennen möcht.'  TiERB.  1563.  —  3)  als  Verwünschung: 
,Das  ist  doch  v.!'  UBrägg.  1780.  Syn.  rer-flickt,  -fluckt, 
-fluemet,  -fli.rt,  -licet,  -kert,  -lüflet,  -trudelet,  -trackt, 
-zwackt,  -zicickt.  Yg\.  noch  hudlen  2.  —  ge-  kxudle": 
im  Wirtshaus  herumsitzen  und  lärmen  B ;  FMu.  S.  hud- 
len 6.  —  b»-:  Jmd  zurechtweisen,  scharf  tadeln, 
tüchtig  abstrafen  BHk.  S.  hudlen  3.  —  dur'^'^e"-: 
Jmd  durchhecheln  G,  sonst  =  dem  Vor.  .Aa;  B.  ,Wenn 
der  Schulmeister  mich  prügelte,  so  verklagten  sie  mich 
zu  Hause,  damit  ich  auch  noch  von  den  Alten  durch- 
gehudelt werde.'  Gotth. 

Hudler  m. :  1.  Lumpensammler  F;  Syn.  Hudel- 
Lumper.  —  2.  unzuverlässiger  Mensch,  der  in  der 
Wahl  der  Mittel  nicht  ängstlich  ist  GrPt.  ;  sonst  im 
Allg.  =  Hudel  3,  doch  noch  ehrenrühriger  als  jenes 
Gr;  L;  Zg;  Z.  ,Er  und  seine  Familie  sind  arme, 
verachtete  H.,  seine  Eltern  konnten  sich  des  Betteins 
kaum  erwehren.'  UBrägg.  1788.  ,H.'  wird  Joseph  von 
seinen  Brüdern  gescholten  bei  Büef  1540.  ,H.,  leicht- 
fertiger mensch,  scurra,  nequam.'  Mal.  Das  W.  wird 
1572,  Absch.  unter  den  Schimpfnn.  aufgeführt,  die  im 
Th  vor  den  niedern  Gerichten  bestraft  werden.  .Chri- 
stus, von  einem  so  leichtfertigen  H.  und  Lottersbuben 
geschlagen.'  c.  1590.  Hasser.  ,Der  H.  hat  mich  gar 
entblösst'  schimpft  eine  Frau  einen  beutegierigen  Sol- 
daten. GGotth.  1599.    ,Der  H.  hat  's  dem  König  g'sagt 


1005 


Had-hud.     Haf-huf 


[dass  Tobias  heimlich  Juden  begraben  hat],  verlogen 
dich  und  hoch  verklagt.'  ebd.  1619.  ,Er  ist  ein  H., 
keins  Manns  wert'  ebd. 

Kerne"-,  Korn-  s.  Hodler  I. 

Nacht-  =  Elidel  3  h  B  oHa.  (Zyro). 

Hudleri  f.:  betrügerischer  Handel  übw. 

g'hudlet,  inGü.,  Sa.  g'huttlet:  1.  =  gehudel  1. 
i-erhudlet  i  ß;  F;  Gl;  GO.  B'  Bliebe'  müend  Brot 
und  g'huttlet  Hose'  ha',  Knaben  sollen  einfach  erzogen 
werden  GSa.;  vgl.  dazu  das  ähnliche  Sprw.  unter 
Hitdel  i.  —  2.  =  ijehiidel  .2  BG.,  0. ;  Gl ;  GrD.  E schwarz 
(fhudleta  Gitzi  Gl.  E  g-i  Mutte  [ungehörnte  Ziege] 
BG.  Er  tappet  daher  loie  an  kuttlnta  Bär  GrD. 
S.  noch  Mudel  2  a.  —  S.  g-e''  Wi',  trüber,  unreiner, 
neuer  Wein,  der  noch  auf  den  Trebern  liegt  „Gl;" 
Sciiw;  Zg.  —  4.  E  g-s  G'wüsse'  [von  den  elenden  Sub- 
jekten, welche  aus  der  Erniedrigung  der  eigenen  Vater- 
stadt Gewinn  zogen].  GJKuhn  1819,  75.  184,  ein  un- 
lauteres, böses?  leichtfertiges? 

Bedd.  1  uud  2  von  Ifudet  1;  wahrscli.  ist  auch  3  vou 
deu  im  neaeu  Wein  schwebenden  Floclien  und  Fetzen  be- 
nannt;  vgl.   dazu   noch  die  Synn.   Hudli,   Hudel-Wtn. 

un-,  in  der  RA.:  Lass  mi'''  it.,  lass  mich  unge- 
schoren, in  Ruhe  Zf;  Syn.  tingehlt.  —  Vgl.  hmlh-n  4 
und  die  Synn.  zu   us-hudlen. 

Hudlete  f.:  1.  Wirrwarr,  Durcheinander  Uw.  — 
2.  ausgelassene  Belustigung,  liederliches  Wesen  und 
Treiben  B.  ,Es  konnte  nicht  alle  Sonntage  irgend 
einer  Hudelten  zusteuern.'  Gotth.  .Diese  Ausfahrten 
an  eine  simple  H-n  waren  jedoch  nicht  die  teuersten, 
mit  40 — 50  Btzn  kömmt  man  schon  weit  im  Tag.'  ebd. 
S.  noch  Gumpet  2. 

Hudli,    in    GaHe.;    GRh.    auch    Huttli   —   m. : 

1.  =  Hudel  3.  Sudler  Ap;  Gl;  Gr;  G;  Schw;  Z; 
verst.  Hudli- Hund  Gl.  Hui- um,  chumm  nw  use' '. 
du  Lump,  H,  Guggerbür!  du  muesst  hinkt  [diese 
Nacht]  g'niieg  ha";  hui-um!  ruft  Nachts  ein  Händel- 
sucher vor  dem  Hause.  EFedrer,  Wie  er  gefasst 
wird,  ruft  er:  Lömmi  [lasset  mich]  los,  ir  Hudlene, 
Spitzbuebe',  oder  i"*  bringen  All  um.  ebd.  Als  Kosew. 
=  Hodli  I  ZKn.  —  2.  =  g'hudlete-  Wi'  GRChur,  He. ; 
GSa.,  T.  Saurer,  geringer  Wein  G  uRh.  Von  un- 
zeitigen Früchten  (Trauben,  Obst)  bereitetes  Getränk 
.\pK.  —  Vgl.  zu  letzterer  Bed.  Guwl  2  c  ß,  GmiyelS  Sp.  367. 

Gi(r)t-:  Geizhals  Ap.     Syn.  G.-Hund,  -Sack. 
( g°)hudlig:  1.  =  „gehudlet"  1.  Öppis  g'h.  mache", 
nachlässig  ausführen  Z;  Syn.  Öppis  annen  hudlen.  ~ 

2.  =  gehitdlet  3,  vom  Wein  GRChur. 

u"-hudlig:  unfreundlich,  verdriesslich,  mürrisch 
S.    —   Vgl.   ge-hodlig  1. 

hudri:  Interj.,  Hals  über  Kopf,  schnell.  .Alsdann 
gieng  's  h.,  h.  die  Weinberge  hinunter,  sprungweise 
über  eine  Mauer  nach  der  andern  herab  in  die  Ebene.' 
UBragg.  —  Vgl.  das  syn.  kiirnt.  ,hudri-wudri'  und  unser 
kuderen  i.  S.  V.  eilfertig  arbeiten. 

Hüdel  m.:  =  Hudel  3,  doch  mit  etw.  verst.  Bed. 
Uw.  .Ist  Einer  ein  Hidel,  so  ist  er  es  auch  als  Rats- 
herr, ist  er  aber  brav,  so  ist  er  's  auch  ohne  Amt.' 
JKInderbitzi  1831. 

Auch  sonst  dienen  umgelautete  Formen  gegenüber  den 
uuunisrelauteten  zur  Verschlechterung  oder  Verstärkung  des 
Begriffs;  vgl.  Flüder  :  Fluder,  Blüder  :  Binder,  die  zu  uuserin 
W.   synu.   Südd  :  Sudel  u.  A. 


Hexe"-:  =  dem  Vor.,  mit  noch  mehr  verst.  Bed. 
Uw.  En  orme  H.  Hildebr.  -  Betr.  Hex  zur  Verstärkung 
der  Bed.   vgl.   Hexen-Kalb,  sehr  dummer  Mensch. 

h  ü  d  e  1  e  n  s.  httdelen. 

Hüdeler  m.:  1.  =  Hudel  3  B;  Z.  's  b'schiisst 
Alles  Mit,  du  tcirst  W-'  blibst  e  H.  BHk.  (Volkskal. 
1851).  .Arbeiter,  die  sparen  und  nicht  nur  H.,  son- 
dern etw.  Rechtes  werden  wollen.-  Machari  1884.  — 
2.  kleine  Mannsperson,  auch  von  Kindern  AaZcIu. 

Abi.  von  hüdelen;  zu  2  vgl.  bes.  hudelen  i.  S.  v. :  mit 
kleinen  Schritten  gehen,   und  Höder. 

hudere":  niederkauern,  von  Hühnern  AAFri. ;  Syn. 
griipen. 

Das  W.  findet  sich  auch  bei  Gr.  WB.,  dürfte  alsu  ent- 
lehnt sein;  doch  könnte  es  sich  auch  zu  dem  Syn.  hürm 
verhalten  wie  HaudeH  :  Hauri;  vgl.  auch  das  Folg.  und  bair. 
, hudeln',  sitzen,  sich  setzen. 

Hüdris,  nur  in  der  RA.  H.  mache":  zu  Grunde 
gehen,  sterben,  bes.  von  Hühnern  ÄASt.  (roh).  — 
Wahrsch.  mit  der  End.  -i»  aus  '-em  von  dem  Vor.  abzuleiten. 

Md,  in  der  Verbindung:  hüd  Lobe,  Lobe!  Zuruf 
der  Sennen  an  die  Kühe.  St.** 

Hüdi  lU  f.,  It  St.  n.  —  Dim.  Hüdeli,  Hüdelti 
—  PI.  Hüdnnn  (GnChur):  Kalb  uud  zwar  spec.  Kuh- 
kalb bis  zu  einem  Jahr  GrD.,  He.,  L.,  Pr.,  Seh.  Syn. 
Galtlig,  Hutscheli,  Kuetschi  (-Kue,  -Kalb),  Kalbele. 
Weders  [welches  von  Beiden],  en  Stier  oder  en  H? 
GrD.  ,Eine  Hüdi  (,Hudi',  It  Römer  u.  Schinz  1809), 
ein  einjähriges  Kühkalb.'  Alpina  1806. 

Verhält  sich  zum  vorigen  Lockw.  wie  die  Synn.  Bmli, 
Buachi,  Buscheli  zu  den  Lockww.  bua,  buachi.  Andere  Beispiele 
s.  in  der  Anm.  zu  Gun  I  (Sp.  472).  Die  aus  ürPr.  ange- 
gebene Form  Hüde  f.  dürfte  ihre  Bestätigung  im  Gr  Sammler 
180.5,  526/7  finden:  .Wann  es  eine  Hüdln  [soV]  ist'  und 
,die  Hilden  [PI.]  verkauft  man  nicht  leicht'.  Das  Neutr.  bei 
St.  erklärt  sich  aus  der  Auffassung  als  Dim. 

Chalb-:  Kuhkalb  bis  zum  2.  Jahr  GRTschapp. 
Syn.  e  galti  Hüdi.     Vgl.  Hüden-Kalh. 

Hüdi  IV:  Personenn.,  Koseform  für  Huldreich, 
welcher  Name  selbst,  wenigstens  bei  Ulrich  Zwingli, 
der  sich  dessen  bediente,  auf  einer  Unideutung  aus 
üelrich  (Bd  I  183  f.)  beruht  AASt. 


Haf,  hef,  hif,  hof,  huf,  bzw.  haff  usw.,  hav  usw. 

S.  auch  die  Keihe  Hapf  usw. 
Häf  s.  Hof;  Hanf.        Haf  s.  Haft. 

Häfe"  m..  Dim.  in  Gr  ObS.  Hafamli:  Topf,  und 
zwar  zunächst  vornehmlich  irdener  zur  Aufbewahrung 
von  Milch,  Kochbutter;  dann  metallener  Kochtopf, 
aber  im  Gegs.  zur  Pfanne  ein  grösseres,  zum  Sieden 
von  Fleisch,  grösseren  Mengen  Kartoffeln  oder  auch 
von  Wäsche  verwendetes,  mit  Handhaben  oder  Hen- 
keln (statt  eines  Stiels)  versehenes  Gefäss  bezeich- 
nend; Yg\.  H.-Gön,  -Kellen;  -Käs.  D' Mueter  chochet 
Schnitzen,  i"''  gon-ere'  über 's  Häfeli,  iez  git  si-m'r 
Ei's  uf  's  Näselt  Aa  (Reimspruch).  Anke'milch  im 
Häfeli,  d'  Meitli  sind  gar  bräveli,  si  schlecke't  alli 
Häfeli.  ebd.  Häfeli  verchaufe'  (ein  Spiel)  s.  u.  Ge- 
schir.  1355  nimmt  man  einem  Bürger  ,hefen  und 
ander   husgeschirr'    weg.    L  Staatsarch.    Sämmtliche 


1007 


Haf,  hef,  liif,  hof,  huf 


Schwestern  einer  ,Sammnung'  hatten  einen  .gemein- 
samen H.  [Kochkessel]'  und  ,gemeines  Mues'.  Bs  XIV. 
,Es  soll  niemand  nüt  unsubers  in  den  bach  tuen,  weder 
kessel  nach  häfen.'  AAWett.  Offn.  ,Von  häfen  etwan 
1  stuck  oder  2'  durfte  die  Frau  als  Eherecht  aus  der 
Hinterlassenschaft  ihres  Mannes  voraus  nehmen.  1558, 
Z  Stadtr.  ,Man  sagt,  so  ein  kleiner  neunaug  in  einem 
irdenen  geschir  in  wasser  gesotten  werde,  dass  der  h. 
zerspringe.'  Fiscbb.  1563.  .Irdiner  h.  oder  irdin  ge- 
schirr,  olla  fictilis.'  Mal.  ,[Der  Gläubiger]  mag  den 
Weibel  heissen  Kessi  und  Häfen  vom  Für  nen  und 
mag  es  verganten.'  1622,  SchwHö.  Hofartikelb.  — 
EAA.  und  Sprww.  Ich  meine,  es  sei  de''  H.  grad  so 
schwarz  wie  d'  Pfanne,  's  trefß  nüd  vil  a*.  Stutz 
(übertr.  auf  Menschen,  die  sich  gegenseitig  ihre  Fehler 
vorhalten).  S.  noch  uf-hehen.  Chli'  Häfe'  händ  au"'' 
Ore-  [i.  S.  V.  Öri  Bd  I  418].  Sdlger  [man  soll  in  der 
Gegenwart  von  Kindern  sich  im  Gespräch  in  Acht 
nehmen;  vgl.  Kachel].  Ufjede"  H.  g'hört  e"  Deckel  L, 
Gleiches  gesellt  sich  zu  Gleichem,  gleich  Schlechtes 
gehört  zusammen  und  findet  sich,  bes.  auf  den  Verkehr 
und  die  Verbindung  beider  Geschlechter  angewendet; 
vgl.  glich  Sp.  593;  Säu-Häfeli.  ,Wie  der  H.  ist,  so  ist 
auch  der  Deckel.'  Mev.,  Hort.  1692.  Glück  zue,  Häfeli, 
's  wird  au'''  e  Deckeli  ha"  Z.  Es  hat  na  [noch]  en 
ieders  Häfeli  au"''  sl's  Deckeli  g'funde"  Z.  De--  H. 
hed  der  Deckel  g'funde".  Ineichen ;  vgl.:  ,Zu  Einem, 
der  nur  Töchteren  und  keine  Söhn  hatte,  sagt  Einer, 
er  könne  Nüt  als  ander  Lüten  Underbetten  rüsten; 
der  antwurt[ete] :  Man  bedarf  zum  ersten  des  Häfelins, 
ehe  man  des  Deckelins  von  Nöten  hat.'  Schimpfr.  1651. 
Der  Takt  des  Mazurka-Tanzes  wird  durch  den  Vers 
wiederzugehen  gesucht :  D's  Rafnmli  muass  ns  Deckali 
ha",  d's  Decknli  muass  ns  Hafnmli  ha"  Gk  ObS.  Er 
findt  uf  jede"  H.  de"  Deckel,  weiss  das  Pünktchen 
aufs  i  zu  setzen,  findet  für  Alles  die  notwendige  Er- 
gänzung L.  Ei"'m  de"  Deckel  ab -ein  (vom)  H.  tue" 
(lupfe",  lüpfe"),  de"  H.  üf  (ab) -decke",  Jmds  hinter- 
listige Pläne  enthüllen,  seine  Schliche  aufdecken  und 
ihn  damit  bloss  stellen,  entlarven  L;  G;  Sch;  Ndw;  Z. 
.Dem  H.  den  Deckel  ab  (auf)-lupfen,  in  apricum  pro- 
ferre.'  Denzl.  1677;  1716;  Met.,  Hort.  1692.  .Einem 
d.  D.  V.  H.  tun,  sagen,  wer  er  ist'  Met.,  Hort.;  vgl. 
ebd. :  .Decke  den  H.  zu,  so  siebet  man  nicht,  was  du 
kochest.'  In  etw.  anderm  S.  sagten  die  Rebellen,  als 
sie  1798  die  Farnsburg  besetzten:  ,Mrr  wei  hütten 
[heute]  noch  dem  R.  den  Deckel  ablüpfe".'  Mf  cha"" 
's  Häfeli  träge",  wie  vu"  tvill,  Sf  verschütt't-m^'  bi-n-em, 
man  erregt  bei  ihm  Anstoss,  wie  man  sich  auch  be- 
nehme Z;  daher:  's  Häfeli  ebe"  träge",  sich  in  Jmds 
Gunst  sorgfältig  zu  erhalten  suchen,  es  allen  Leuten 
recht  machen  Th;  Z;  xg\.  Krueg.  Häfeli  stütze"  [hier 
—  umschlagen] ,  einen  Purzelbaum  schlagen  GrV.  ; 
Synn.  s.  bei  Gige  3  f.  's  Häfeli  gat  zum  Brünneli,  bis 
's  Handhebeli  a"pütscht  und  verheit  Z.  De""  g'sprunge" 
H.  hebt  am  Längste"  ScnSt.  ,H.  brechen',  zunächst 
i.  S.  V.  einen  liederlichen  Haushalt  führen,  die  Sache 
nicht  zshalten,  (einen)  Fehler  begehen.  Es  bricht 
Ei"''s  Häfeli  und  's  Ander  Chrüegli  AASt.  ,Die  Frauen 
vertreiben  sich  ihre  Zeit  mit  an  die  sog.  Höfe  [ge- 
sellige Zskünfte]  rennen,  die  Privatenhöfe  besuchen; 
Herr  und  Frau  sind  eines  Sinnes:  Das  Eine  bricht 
Häfen,  das  Andere  Scherben.'  XVIU.,  L  (Liebenau). 
D'r  Ma'"  verheit  's  Häfeli  imd  sl  's  Blättli,  Jedes  von 
Beiden    lebt    im    Ehebruch    AAZein.     ,Als    Einer    in 


ersten  Jahren  bei  seinem  Weib  kein  Kind,  hernach 
vil  bekommen,  hat  er  gesprochen :  Ich  hab  wol  ge- 
dacht, wenn  der  H.  einist  zcrbrech,  es  werd  der  Stucken 
vil  geben.'  Schimpfr.  1651.  's  isch  tcider  Eppis  im 
Häfeli,  von  einer  schwangern  Frau  Bs,  vgl.  Ofen. 
,Ein  Mann  sagt  ironisch  zu  einer  hässlichen  Frau,  die 
sich  rühmt,  in  ihrer  Jugend  auch  schön  gewesen  zu 
sein:  Man  g'seht  es  wol  an  den  Scherben,  was  für 
ein  hübsch  Beckli  oder  Häfeli  ihr  gewesen.'  Schimpfr. 
1651.  ,Um  ein  alt  Häfeli  ein  neu  Tüpfi  [Kochgeschirr] 
kaufen,  sagt  man  von  jungen  Wittwen  alter  und  rei- 
cher Männer,  aus  deren  Verlassenschaft  sie  die  Mittel 
ziehen,  die  Nachfolger  nach  Wunsch  zu  erwählen'  Bs 
(Spreng).  S.  noch  i.  Gugg  i"  di"  (i"'s)  eige"  Häfeli! 
Schau  i"  's  Nochbers  Chuchi,  z'erst  aber  i"  di"  Häfeli .' 
beschäftige  dich  mit  deinen  eignen  Angelegenheiten 
L;  Sdlger.  ,Guck  in  dein  Häfelein!  In  sinum  tuum 
inspue!'  Met.,  Hort.  1692.  Vgl.  ,Gug[g]-in-H.',  Per- 
sonenn.  1407,  Wegelin.  Uf  ei"  Mol  (einist)  i"  7  Häfe" 
(ie)luege"  (gugge"),  ein  Schlaukopf,  Pfiffikus  sein  L; 
GT.  In  alle  9  Häfe"  luege",  schielen  Bs.  S.  noch 
fremd  2  Bd  I  1298.  Dem  H.  de"  Bode"  g'seh  ha",  der 
Sache  auf  den  Grund  gekommen  sein  L;  dagegen  in 
B:  seinen  Vorrat,  sein  Vermögen  bald  aufgebraucht, 
die  Freude  ausgekostet  haben  ß.  Esö  ist  de  H.  g'sV, 
nichtssagende  Schluss-  oder  Eingangsformel  bei  län- 
gern Auseinandersetzungen  Z.  De"  H.  nüd  use"  lupfe", 
seinen  Zweck  nicht  erreichen  GT.  De"  gross  H.  (reelle") 
use'lupfe",  derco"-.  ewegträge",  etw.  Grosses,  das  Schwie- 
rigste bei  einer  Arbeit  vollführen,  bzw.  mit  dessen 
Ausführung  prahlen  GT.;  UwE.;  Sprww.  1869.  Er 
mag  no'''  so  tue"  [schmeicheln],  er  chunnt  (treit-is) 
der  eri  H.  doch  nit  über  (us-em  Hus),  erhält  das  Beste 
doch  nicht  S.  S.  noch  erin  Bd  I  399  und  dazu:  Es 
isch  kei  chlini  Sach :  der  erig  H  chunnt-is  zum  Hüs 
üs.  Schild  1885.  Vgl.  noch  Häle",  Hung-H.  De"  Fuess 
im  H.  ha",  festen  Fuss  gefasst,  sich  einen  Vorteil 
gesichert  haben,  sich  in  (bei)  Etw.  sicher  fühlen,  in 
einem  Haus  oder  Geschäft  den  Meister  spielen,  das  ent- 
scheidende Wort  führen  B.  ,Wenn  afe  Eine  [Schwieger- 
mutter] eine  Tochter  in  einem  Hause  hat,  so  meint 
sie  schon,  sie  hätte  den  Fuss  im  H.'  Gotth.  Was 
will  User  Eine  mache"  gegen  Sellig,  ico  d'r  Fuess  im 
H.  hei"  [am  Ruder  sitzen]?  ebd.  .Begreiflich  kommt 
es  viel  darauf  an,  wer  [von  den  Weinreisenden,  in 
einem  neuen  Wirtshaus]  zuerst  den  Fuss  in  H.  setzen 
kann.'  ebd.  ,Des  Müllers  Sohn  hatte  eine  Zeit  lang 
[bei  einer  heiratsfähigen  Tochter]  den  Fuss  im  H., 
dass  Alles  meinte,  jetzt  lassen  sie  verkünden.'  Gotth. 
,Der  Meister] umpfere  [Oberraagd]  stellte  der  Bauer 
den  Fuss  in  den  H.  [liess  sie  schalten  und  walten],  dass 
sie  längs  Stück  meinte,  wenn  des  Bauern  Babi  stürbe, 
so  würde  sie  des  Bauern  Babi.'  N.  B  Kai.  1843.  Us-em 
lere"  H  rede",  aus  dem  Nichts',  unbegründet,  ohne 
Grund  Gl;  Sch.  ,Die  so  schuldig  sind,  die  wüssend, 
dass  ich  nit  us  einem  leren  h.  reden.'  ThFrickart 
1470.  ,Üwer  wjsheit  mag  wol  spüren,  dass  der  eren- 
mann  nit  us  einem  leeren  h.  geschriben  hat.'  15'29, 
Absch.  ,Deshalb  die  red,  so  diser  dingen  halben  an 
üch  gelanget,  nit  gar  us  eim  holen  h.  kommt.'  1531, 
Brief  an  Z.  , Allerlei  reden,  villycht  nit  all  us  einem 
leren  (wie  man  spricht)  h.  entsprungen.'  HBüll.  1572. 
.Du  redest  nicht  aus  dem  leren  H.,  non  est  de  nihilo 
quod  dicis.'  Hospin.  168.3.  ,Er  redt  aus  dem  leren  H., 
somnia  narrat'   Met.,  Hort.  1692.     ,Gewüss  habe  ich 


Hilf, 


nicht  aus  dem  leren  H.  geredet.'  Z  Mscr.  1712.  Vgl. 
zu  dieser  RA.:  ,Uass  dises  geschrei  aus  keinem  leren 
h.  gerochen.'  Wdrstisen;  ferner:  ,Das  redend  ir  all 
US  eim  h.  der  sophistry,  one  Gottes  wort.'  Zwingli. 
«.  noch  ,Hafen,  Hafenredner'  bei  Gr.  WB.  JEr  isch- 
''cm  alte"  H.  zue,  ist  zum  alten  Eisen  geworfen  worden, 
hat  ausgedient.  SrRww.  1869.  E  Häfeli  tif-em  Fir 
und  e  Schult  derzwisclie',  Alles  was  genügt  Bs.  Was 
/,(('»  t^''  derfir,  dass-ere  z'letzt  's  Häfeli  iberlauft,  si 
hct  lang  g'niieg  's  Mul  g'halte'  Bs  (Schwzd.);  vgl. 
auch  Für  im  Dach.  ,Du  sahst  mit  eigenen  Augen, 
was  für  ein  Hudel  der  Besitzer  ist,  und  anstatt  sofort 
Feuer  unter  den  H.  zu  tun  [rasch  und  entschieden  ein- 
zugreifen], gibst  du  den  Handel  in  seine  Hand.'  Gotth. 
XIX  177;  vgl.  underfenj-füren  Bd  I  949.  Mj"  muess 
nid  all  Lüt  in  ein'"  H.  schütte',  in  einen  Tiegel  werfen. 
ÖULGER.  Ir  säget  iez  just  grad  das,  was  üch  in  üwere 
H.  dienet  V.  I'  's  Häfeli  träge"",  d'  Häfeli  z'sämme"- 
träge',  von  einem  gemeinschaftlichen  Schmause,  zu 
welchem  jeder  Teilnehmer  das  Essen  oder  einen  ent- 
sprechenden Geldbeitrag  mitbringt;  dann  übertr. :  zu 
einem  grössern  Ganzen  Ktwiis  Ijeistru.-ni  (/.T.  aucli 
seine  Wahrnehmiin-v,,  „iiit.MlruL  uvinriii.rl,;,  itlK'lir 
Sache  machen  L;  Srn  iSiilt^ei) ;  v^l.  Ilaiili-.llinid. 
-Ballet,  -Trägetc;  Ürtc  l.  .Pfarrer  Häfeli  hat  einen 
Groll  auf  die  Lehrer,  die  ihm  nicht  in's  Häfeli  tragen', 
nach  der  alten  Sitte,  dem  Geistlichen  Allerlei  in  die 
Küche  zu  schenken ;  hier  zugleich  Anspielung  auf  den 
Familienn.  ,Häfeli'.  Z  Eechtspfl.  1837.  .Gute  Fründ 
und  Nachburen  kommend  zusammen  und  haltend  ire 
fründliche  Gespräch,  Ürten  und  b'sonderbare  Malzyten 
mit  einanderen  und  wie  man  sagt,  tragend  sie  etwann 
die  Häfclin  zusammen.'  JJRüeger  1606.  Du  weisst  nit, 
iras  in  si"'m  Häfeli  siedet,  was  er  für  Pläne  hat  W. 
Das  ist  nid  i"  dim  Häfeli  'kochet,  ist  nid  us  dlm 
Häfeli,  stammt  nicht  aus  deiner  Küche  Sch;  Z.  .Ge- 
wiss hat  ihn  der  Vogt  kommen  lassen;  wenn  er  eben 
aus  dem  Wirtshaus  [das  der  Vogt  hält]  gekommen 
ist,  so  macht  mir  das  Unruhe;  es  ist  denn  nicht  aus 
seinem  H.'  HPest.  1781.  ,Ich  weiss  wol,  in  welchem 
H.  locorum  communiuni  diser  tauf  angericht[et]  ist.' 
15'24,  SiML.,  Urk.  ,Darby  guet  abzunemmen,  in  wel- 
chem h.  dises  alles  'kochet  seie.'  Evang.  Gegenber. 
1588/1658.  .Aber  eidgnössiseher  Punt  und  der  Für- 
sten Rechtsame  mochtend  nit  in  einem  H.  kochen.' 
JJRüeger  1606.  .Wofern  dieser  Kosten  und  järlich 
Verdinggelt  [der  Waisenkinder]  Alles  zsgeschüttet  und 
wie  das  g'meine  Sprüchwort  lutet,  an  einem  Ort  glych- 
sam  in  einem  H.  gekochet  würde,  ohne  mehrere  Us- 
gaben  wol  z'  helfen  wäre.'  1635,  Z  Waisenhaus.  ,Müs- 
sen  wir  dann  dasjenig  für  Gottes  Stimm  und  Wort 
erkennen,  was  Gegenteil  [der  Gegner]  in  seinem  eigenen 
H.  gekochet,  d.  i.  äussert  und  neben  dem  Wort  Gottes 
in  seinem  eignen  Hirn  spintisiert.'  Vollenw.  1642. 
.Solche  Wort.  Segen,  Spruch  usw.  zwar  in  einem  H., 
nämlich  in  der  Höllen,  gekochet,  aber  von  ungleichen 
Köchen  angerichtet  werden.'  RGwerb  1646.  .Solothurn 
sei  erbötig,  eine  Zsstellung  aller  [von  dem  in  S  resi- 
dierenden frz.  Gesandten]  empfangenen  Gelder  anzu- 
fertigen, damit  man  nicht  meine,  dass  es,  weil  zunächst 
bei  dem  H..  nach  Belieben  angerichtet  habe.'  1648. 
Aesch.  Der  Erst  hiiii  H.  richtfet]  a"  Gl;  Z.  Etw.  im 
Häfeli  ha",  guten  Erfolg  gehabt  oder  sichere  Aussicht 
darauf  haben  Z.  Lache"  und  grine'  (hriegge")  in  eim 
Häfeli  ha",  bald  weinen,  bald  lachen  Aa;  Bs;  G;  S; 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


vgl.  den  Reimspruch  vom  Hansli  uf  der  Hueb  und 
Kachel.  Bägge"  und  Lache"  ist  z'semmegebache",  La- 
chen und  Weinen  stehen  (ihm)  gleich  nahe  GRPr. 
's  lacht  und  grint  i"  ei"  Häfeli  Bs.  's  Letst  im  Häfeli 
ha",  im  Sterben  liegen  Bs;  G  1790;  Z.  Bleich  si" 
(usg'seh)  wie  de''  Tod  im  Häfeli,  wahrsch.  ausgegangen 
von  der  Erzälilnii-  II.  Knx.  1,  40  (,der  Tod  ist  im  H.' 
1530/1707.  '/.  Ulli.,  j'i/i  .TMpfe').  M^r  zangged  um  de" 
ler  H.,  streiten  nns  um  Afs  Kaisers  Bart  AABb.  .Bass 
aber  uf  üwer  meinung  glosa  ordinaria  und  interlinearis 
quadrier  [übereinstimme],  will  ich  fast  wol  glauben: 
dann  sölich  häfen  hand  sölich  hienen  [Henkel].'  Zwingi.i. 
der  die  Beweisführung  seines  Gegners  seiner  schlechten 
Sache  gemäss  findet.  ,Wir  sollend  den  h.  umgetreten 
[den  Schaden  angerichtet]  haben.'  1531,  Abscb.;  vgL 
den  Kübel  umgehien,  ferner:  ,Du  hast  den  hof[!] 
bei  mir  verschütt,  ollam  apud  me  confregisti.'  Mey. 
Hort.  1692.  ,Zweifelhaftigklich,  halb  aus,  halb  inn, 
oder  gefärlich  handien,  ringsweis  um  den  h.  gon,  am- 
bigue  agere.'  Fris. ;  Mal.;  vgl.  frz.  tourner  autour  du 
pof.  .[Solche,  die  zu  früh  heiraten]  haben  auch  nie 
neleniet.  was  man  in  den  kleinen  häfen  koche,  die 
nnir.^^i  II  liornach  schwere  armuet  leiden.'  SHochuolz. 
l"i!M/li;'.i:l.  S.  noch  Pfütz,  Geschirr.  Specielle  An- 
wendungen, a)  =  Ofen-H.  —  b)  H.  als  Ersatz  von 
Musikinstrumenten :  ,Wo  UHH.  die  spillüt,  die  machint 
in  häfen,  mit  tellern  oder  in  ander  weg  zuo  tanz,  er- 
faren  und  innen  werden,  wellind  sy  die  fänklichen 
annemen.'  1521.  Z  Tanzverbot.  —  c)  Hexenkessel. 
Die  Zauberin  zu  Endor  ,soll  vil  krüz,  zirkel  und  We- 
sens machen,  den  h.  anzünden,  seltsam  herumlaufen, 
mit  einem  blossen  schwert  in  die  erden  stechen  usw.' 
Holzwart  1571.  —  d)  in  der  Kdspr.  dim.  Häfeli  (Haß 
Aa;  Bs;  B;  Z),  Nachttopf,  allg.;  Syn.  Kachel,  's  ühcnd 
mos  ober  de"  H  Ap,  anderswo  uf  de"  H,  uf  's  Häffelji, 
eil.:  Häffelji  ga",  setze".  Si  machid's  icie  d'  Rütteger, 
[von  GRüti]  Here" :  si  toand  's  Chend  uf  's  Häfeli, 
wann  's  g' macht  hat  GBern.  Davu  nweglaufe"  wie  's 
Cliend  vum  Häfeli.  ebd.  Eine"  über  's  Häfeli  lüpfe", 
ihn  zu  einer  Obliegenheit  nötigen,  ihm  derb  sagen, 
was  er  zu  tun  hat  L;  vgl.  Kübel.  —  e)  Blumentopf 
ZAlt.,  0.;  s.  Maien-H.  —  f)  topf-  oder  kranzförmige 
Teighülle  der  Pasteten.  .Mache  einen  grossen  Tatren- 
Hafen  wie  ein  Sternen  oder  Rosen,  tue  darein  von 
aller  Gattung  Confect.'  B  Kochb.  1756.  .1  Pfd  Mehl 
mag  3  Dutzend  Pastetenhäfelein  geben.'  ebd.  1796. 
,Um  eine  Pasteten  zu  machen,  lege  einen  Teil  von 
dem  Teig  auf  das  Papier,  richte  ein  rundes  Häfeli 
auf,  eine  Spannen  weit  aus  dem  Teig,  tue  es  mitten 
auf  den  Spanischbrod-Boden,  tue  das  Fleisch  in  das 
Häfelin.'  ebd.  ,Lege  den  Teig  auf  das  Papier,  hernach 
richte  den  H.  auf  und  lege  das  Band  darum;  wann 
der  Pastetenhafen  also  fertig  ist,  so  lege  den  Fisch 
darein  und  den  Deckel  auf.'  ebd.  —  g)  ,Der  h.,  houpt- 
schädel  oder  hirnschalen.'  Ruep  1554.  —  h)  =  Glücks-H. 
—  i)  Gefäss  übh.,  in  bildl.  .^.nwendung  auf  Menschen, 
s.  auch  oben  und  vgl.  Ernst-,  Essig-,  Hang-,  Klag-, 
Trantsch-H.  ,Da  gibt  es  so  eitle  Häfen  und  Mode- 
narren.- Sch  Pilger  1884.  Im  Pestlied  betet  Zwingli: 
,Dyn  haf  ich  bin,  mach  ganz  ald  brich.'  Vgl.  über 
dieses,  bes.  in  religiöser  Literatur  vorkommende  Bild 
RiiMKK  9,  22  tf.  und :  ,Aber  die  trüebsal  füegt  uns  Gott 
als  synen  geschirren  zue.'  B  Disp.  1528,  sowie  Fass, 
Gefäss,  Kübel,  Kachel  u.  a.  Gerätenaraen.  —  k)  Fluni. 
Aa;  B;  Schw.  —  1)  Familienn.  Z,  so  auch  das  Dim. 
64 


Hai;  lief,  bil,  h. 


Mhd.  Iinv>-n,  md\  bildi.  Das  W.  veiliält  sich  zu  ,liaben', 
bzw.  , heben'  (für  'hejm),  wie  ,Fass'  zu  .fassen'.  —  Betr.  die 
RA.  ,deu  Fuss  in  den  H.  setzen'  vgl.  Fues»  7  d  (Bd  1  1088). 
Zu  i ;  die  Vergleichuug  des  menschlichen  Leibes  mit  Töpfer- 
geschirr ist  eine  beliebte  und' nahe  liegende;  sie  mag  auch 
bei  einigen  der  oben  angeführten  K.^A.  mitspielen,  doch 
lassen  sich  alle  auch  aus  der  concr.  Bed.  des  Wortes  ganz 
Wühl  erklären. 

Ofe^-Hafe":  Ofen-,  Kochblase,  in  den  Stubenofen 
eingesetzte  kupferne  Blase  Ap;  vgl.  Kitnst-H.  Emm 
de'  0.  ne',  Jind  heimlich  zum  Scherze  die  Kochblase 
leeren,  was  z.  B.  nach  einer  ,Metzgete',  in  einer  ,Licht- 
stubete'  geschieht;  vgl.  dazu  u.  Fas-Nacht.  I)' Buetnn 
ist  im  0.,  sagen  die  Mütter,  um  ihre  Kinder  zu 
schrecken,  da  die  Zuchtrute,  um  damit  empfindlichere 
Streiche  versetzen  zu  können,  etwa  in  das  Wasser 
der  Ofenblaso  getaucht  wird.  Ein  Kind  verhält  etwa 
einem  andern  scherzw.  die  Nase  und  fordert  es  auf, 
0.,  Beckig'schirr  zu  sprechen.  ,6  ß  um  ein  schüefi 
[Schöpfgefäss]  in  o.'  1532,  ZGrün.  ,1  o.  in  der  stuben.' 
1571,  Z  Inv.  ,Dermassen  stark  den  ofen  yngeheizt, 
dass  im  o.  das  wasser  siedend  worden.'  JosMäl.  1593. 
1675  im  ZKyb.  Grafschaftsrecht  unter  den  hausrät- 
lichen Gegenständen  aufgeführt,  welche  in  den  Kauf 
gehören,  also  nicht  weg  gezogen  werden  sollen.  Vgl. 
noch  Bör-H.  und  s.  noch  Ofen-Gätzi. 

Iele°-:  wie  ein  Käsekessel  über  offnem  Feuer 
hängender  eherner  oder  eiserner  Kochtopf,  dessen 
Henkel  in  den  Haken  des  untern  Eisenstabs  der  I^le 
(s.  Ilie  Bd  I  180)  eingehängt  ist  BE.,  M.,  S.f  ,Wenn 
man  in  der  h.  Nacht  den  Kopf  in  einen  sog.  Ilen-H. 
steckt,  so  hört  man  diejenige  Person,  die  man  später 
heiratet,  singen  und  erkennt  daran,  ob  die  Person 
eine  junge  oder  alte  sei.'  Rothenb. 

Da  für  /f/e  nicht  bloss  die  Bed.  ,Kette'  (wie  Bd  I  180 
einzig  angegeben  wird),  sondern,  wie  für  die  Synn.  Hiele, 
Hiene,  auch  die,  wohl  urspr.,  Bed.  , Henkel'  bezeugt  ist,  so 
scheint  der  erste  T.  unseres  W.  eine  Verstümmelung  zu- 
nächst von  Hieh  zu  sein  und,  als  die  Sache  selbst  veraltete, 
fremde  Anlehnung  gesucht  zu  haben;  vgl.  auch  Lien-H.  und 
s.  noch  Ercz-,  Gunygd-,  RM-H.  Abfall  des  anlautenden  h  ist 
auch  sonst  bezeugt,  vgl.  z.  B.  Ar-Eitel,    Unimele,  Jm-Beri  u.  A. 

A 1  m  u  e  s  e  n  - :  Kochtopf,  aus  welchem  an  Bedürftige 
unentgeltlich  Speise  verabreicht  wird.  ,N.  N.  war 
gastfrei;  hat  viel  Jahr  ein  wohlbereiteten  A.  den 
armen  Schuleren ,  deren  gemeiniglich  er  100  und 
auch  andere  Hausarnien  gehalten.'  Urasser  1625;  vgl. 
Mnes-H.  —  Einer-:  Milchtopf,  der  nur  eine  Mass- 
einheit Milch  fasst;  Gegs.  Zveier-H.  usw.  Z.  — 
Anke°-:  irdener,  hoher  Topf  mit  Deckel,  zum  Auf- 
bewahren der  Kochbutter  Bs ;  B ;  S ;  Z ;  Syn.  Schmak-H. 
A.-Häfeli  in  Z  auch  in  der  Bd  I  596  Z.  9  If.  ange- 
führten BA.  Er  hlilti  mager  und  tvemmer-ne  [wenn 
inan  ihn]  in-en  Ä.  (Hung)-H.  inne'  setzti  ZS.  Eini 
us-em  Pfarrhus,  wo  vom  Morge'_  bis  z'  Oben  in  'n  A. 
htegt,  wo  Nüt  versteit  —  nei',  Ätti,  sehwlg-mer  doch 
dervo".  Schild  1876.  Übern,  des  Z  Dorfes  Waltalingen; 
vgl.  Hung-S.  ,Will  im  den  hafen  mit  anken  schen- 
ken', sagt  ein  Bauer,  der  sich  einen  Vornehmen  gnädig 
stimmen  will.  Holzwart  1571.  Synn.  s.  bei  Änken-Fass. 
—  Erez-  =  lele-H.  Gr.  In  demselben  werden  die 
Eafen-Knollen  (s.  d.)  bereitet.  S.  Erez  Bd  I  406; 
Hafen-Gön  und  der  erin  Hafen. 

Ernst-:  scherzh.  Bezeichnung  eines  ernsten,  nicht 
zum  Spielen  aufgelegten  Kindes  GTa.  —  Vgl.  Anm.  zu 


Schnäder-Gätzi,  ferner  Wuhnl„-Unrli«.  -liitml,!.  Tii,,/!.  8.  noch 
EsHiij-H.   und  Bafmi.  i. 

Essig-,  in  der  RA.:  Du  bist  so  früntli--'',  du  gähst 
e  Muster  zumene  E.  Aa.  —  Vgl.  nhd.  ,Sauertii]if-  und 
Erntt-H. 

Fleisch-:  Fleischtopf.  Sider  a's  [seitdem]  si  rin 
d'r  Fl.  Melier  henke',  tiird  's  Ammei  afe  chli'müetig. 
Schild  1885. 

Gaggel-Häf eli:  Nachttopf  Sch;  Syn.  Nacht-, 
Brunz-,  Boll-,  Seich-,  Schiss-H.  ,Man  hat  ihn  ertappt 
ob  dem  G.  [in  Sprww.  1869  ,Guggel-H.']',  d.  h.  über 
seinem  ,unsaubern  Handel'.  Sprww.  182-1.  —  Zu  Gwjij(H) 
Sp.   165  f. 

Gugg-  nennt  ein  Wechselbalg  die  auf  einem  Herd 
aufgestellten  Eierschalen;  s.  Vonbun  1862,  S.  58. 

Vgl.  das  unter  , Hafen'  angeführte  Gug;i-m-H.;  aber  auch 
GiKjyele    Sp.    181,    Gogeli   Sp.    153. 

Gall-:  Gallenblase.  ,Das  völlige  [gefüllte]  G. 
entleeren.'  Z  Rhein.  Beantw.  1747. 

Gunggel-Hafe"  =  Ie?e-if.  ÄAWittn.;  SKienb. 
—    Zu  fjumjgkn  Sp.   368. 

Giri-:  fingiertes  Gefäss,  in  welchem  der  Schuster 
zur  geeigneten  Verwendung  den  Stoö'  des  Kirrens 
neuer  Schuhe  aufbewahren  soll  BBe.  ~  Vgl.  '/ly.« 
Sp.   394,   Gir(i)  Sp.   406/7. 

Glücks-:  1.  Glückstopf.  ,Urna.  Gl.,  darein  man 
die  Looszedel  täte.'  Denzl.  1677;  1716.  Dazu  vgl.: 
,Es  soll  eines  jeklichen  namen  an  einen  zedel  ge- 
schriben  werden,  der  in  den  hafen  legen  will,  und 
als  dick  ein  nam  geschriben  wirt,  als  dick  soll  von 
desselben  namens  wegen  1  ß  geben  werden.  [Alsdann] 
wirt  man  die  geschribnen  zgdel  alle  in  einen  h.  tuen, 
und  wie  vil  der  geschribnen  zedeln  ist,  so  vil  unge- 
schribner  zedeln  wirt  man  tuen  in  einen  andern  h. 
und  US  denselben  ungeschribnen  zedeln  nemen  so  vil 
zedeln,  als  kleinit  sind,  die  kleinit  darüf  schryben 
und  wider  under  die  ungeschribnen  zedeln  mischen 
in  gegenwurtigkeit  alles  Volkes.  Und  zwüschent  die- 
selben zwen  häfen  wird  gesetzt  ein  .[unger,  unarg- 
woniger  knab,  der  wirt  einsmals  ungefarlich  in  bald 
häfen  gryfen  und  us  yetwederem  h.  ein  zedel  nemen 
und  den  namenzedel  lassen  lesen  und  mit  welichem 
namenzedel  ein  zedel  kummt,  da  ein  abentür  ange- 
schriben  stat,  dieselben  abentür  git  man  der  person, 
die  an  dem  zedel  geschriben  ist.'  1472,  Z  Schiessen. 
,Das  schiessen  und  der  hafen  was  [a.  1485]  zue  S.Gallen.' 
Vad.  ,Es  ward  geredt  und  geraten,  dass  MHH.  einen 
hafen  betten.'  1504,  Z  Freischiesseu.  ,Dass  jedes  ort 
[welches  ein  Schiessen  ausschreibt] ,  ein  hafen  us- 
rüefen  lassen  mag,  ob  sy  das  bedunkt  nutz  und  guet 
syn;  dann  kein  ort  bezwungen  syn  soll,  es  tüege  es 
dann  gern.  Doch  wo  söliche  häfen  angesechen  wurde, 
in  gemeiner  schiessgesellen  kosten  dienen.'  1504,  Ordn. 
der  Schiessgesellen  (.\bsch.).  S.  noch  Aventür  4  Bd  I 
103,  Fass  J  6  Bd  I  1049,  Z  Neuj.  St.  1867  (mit  Ab- 
bildung); VüG.-Nüsch.  1879,  S.  155/7,  Kriege  1868, 
S.  468/9;  Z  Taschenb.  1882,  S.  219/235.  —  2.  Becber- 
pilze.  a)  gestreifter  B.,  cyathus  striatus  mTu.  — 
b)  peziza-Var.  AAEhr.  Vgl.  Glücks-Hube.  Wer  auf 
dem  Felde  ,Glückshäfeli'  trifft,  dem  lacht  an  jenem 
Tage  das  Glück  AABb.  Wenn  viele  und  mit  zahl- 
reichen (6—7)  ,Brod-Körbchen',  auch  ,Brüdli'  (Sporen- 
hüllen,  Peridiolen),    versehene   Gl.   auf  den   Äckern 


1013 


Hat  hef,  Inf,  liof,  hnt 


stehen,  wird  das  Biod  wohlfeil  und  das  Jahr  ein  ge- 
segnetes, nur  2— 3  Brödchen  dagegen  deuten  auf  teure 
Zeit  B;  L.  Bes.  die  Schnitter  freuen  sich  über  ,das 
Gl.'  uiTh;  Z.  ,So  viele  Sainenkörner  es  enthält,  so 
viele  Gulden  wird  heuer  der  Mütt  Kernen  gelten  oder 
so  manches  Tausend  Gulden  ist  der  Acker  wert,  auf 
dem  es  steht.  In  die  Schuhe  gelegt,  verhelfen  die 
Brödchen  zu  einem  glücklichen  Fund'  Z,  It  WSenn 
1870.  —  ,Gluet-:  Topf,  der,  wie  ein  Kohlenbecken 
mit  feurigen  Kohlen  gefüllt,  zur  Erwärmung  der 
Wolinräume  dient  VO.;-  Syn.  Gl.-Hiind.  —  Hung-: 

1.  Honigtopf.  allg.  Ziteche'  flüge"  wie  d'  Wespeni  su- 
m^ie'  H.  N.  B  Kai.  1841.  ,So  ein  Bürschchen,  das 
Geld  hat,  ist  gerade  wie  ein  H.  für  die  Wespen:  es 
sucht  ein  Jeder,  der  gerne  Geld  hätte  und  es  nicht 
verdienen  mag,  daraus  zu  schlecken.'  Gotth.  We"'  's 
e  H.  irär,  er  hett  in  seiher  g'lecket,  den  Vorteil  nicht 
Andern  gegönnt  B.  De'  sitzt  im  Hunghäfeli,  ist  der 
Günstling  Z,  s.  noch  Anlten-H.  Tfenw's  im  Mai  haglet 
und  rislet,  so  brückt  »ij»  l-ein'n  H.  z'chaiife'  S  (Bauern- 
regel). Das  git  en  H.  in  üsers  Hiis,  in  übertr.  Bed. 
von  einer  jungen  Frau,  die  eine  gute  Haushälterin 
zu  werden  verspricht.  Schild.  Tante  H.  sl',  Erbtante, 
auf  deren  Reichtümer  die  Angehörigen  grosse  Hoff- 
nungen gründen  B.  Geradezu  i.  S.  v.  Erbschaft  ÄP;  S: 
's-  Meitschi  uär  recht,  me''  a's  recht,  au'''  chönnt  der 
H.  guet  u-erde",  aber...  Schild  1885.    Vgl.  Spar-H.  — 

2.  spöttische  Bezeichnung  einer  unsaubern,  schmutzigen 
Weibsperson  LG.  —  3.  Übername  der  Bewohner  von 
ZRiesb.  —  4.  Flurn.,  Alp  im  GO.;  vgl.  Schmalz-Grueh. 
—  Hunger-Häfeli:  Becherpilz,  cyathus  striatus. 
,Werden  im  Sommer  die  H.  voll,  so  gibt  es  ein  gutes, 
werden  sie  leer,  ein  teures  Jahr.'  Rothenbach.  Vgl. 
(ilücks-Hafen  2.  —  Hirs-Hafe":  Hirsetopf.  ,Sammt 
einem  vollen,  warmen  H.'  RCys.  über  die  Z  Hirsbrei- 
fahrt V.  1576.  —  Kaf{f)i-:  Kall'eekrug,  Kaifeekanne 
Bs;  Z;  Syn.  Kafffjitiere. 

Kunst-,  Clwust-:  1.  Suppenhafen  ohne  Füsse, 
den  man  mit  der  Ofengabel  in  den  Stubenofen  hebt 
oder  rutscht  (daher  auch  Hutsch-H.).  damit  man  kein 
bes.  Feuer  dazu  nötig  habe  Bs  (Spreng);  vgl.  Ofen-H. 
,An  Kupfergeschirr:  Ein  schöner,  grosser  Kunsthafen.' 
c.  1600,  Z  Inv.  ,Kleine,  ehrin  Kiiiisthitfelin/  Bader 
CuRROD.  1736.  Scherzh.  für  ^linsrr:  ])'  /.nr,h<'r  hiind 
[bei  der  Beschiessung]  gatt:  lirjli'i  funii  Ki;i' ll.iiijle 
ns  grosse,  erene  Koiisthäfe  kihI  )iiiis,-h,:iir  Fiiii:uhle  i" 
d'  Stadt  g'schosse.  Gespräch  171'2.  —  2.  Zauberkessel. 
Wer  im  Spiele  immerfort  gewinnt,  von  dem  sagt  man, 
er  habe  e  ChunsthäfeU  bei  sich  GT.  Abi.  hunsl-Uä feien. 
—   Kumt,  Kochherd,   -ofen. 

Kupfer-.  .1  k.  sammt  dem  lid  [Deckel].'  1557, 
Z  Inv.;  vgl.:  ,10  küpferni  häfen,  klein  und  gross.' 
1599,  ebd.     S.  u.  Hafen. 

„Kessel-:  Hölle  (Kdspr.).  allg." 

Die  Hölle  wurde  nach  dem  Volksglauben  wie  als  Fass, 
so  auch  als  grosser  Kessel  gedacht  (,olla  Vulcani'),  in  wel- 
chem die  Verdammten  zur  Strafe  gesotten  würden;  vgl.  für 
das  Mittelalter  Mone  1846,  S.  294,  für  die  neuere  Zeit 
Rochh.  1856,  S.  '226;  303  ff.  Auch  stellte  man  sich  als 
liegenstnck  zum  himmlischen  ein  hfillisches  Gastmahl  vor,  für 
welches  im  Höllenkessel  gekocht  würde.    Vgl.   noch  KM-H. 

Chlag-:  wer  Andere  zu  verklagen  liebt  G;  Syn. 
(Verjklage-Tätsch;  vgl.  Häfeli-Träger.  —  Vgl.  Hafen  i. 

hicne-  =  lele-H.  AAMettau.  —  Maie»-:  Blumen- 
topf AaF.;   Th,   auch   mit  Inbegriff  der   eingesetzten 


Pflanze  Th;  vgl.  Hafen  e;  Syn.  Maien- Geschirr, 
Sträss-H.  —  Mugge°-Häfeli:  kleine,  wohlfeile 
Pastetchen,  wie  sie  bis  vor  c.  30  Jahren  in  Bern  aus 
hartem  Teig  mit  wenig  Füllung  gebacken  wurden.  Vgl. 
Hafen  f  —  Milch-Hafe":  Milchtopf, -Napf.  allg. 

Mues-:  Breitopf,  Suppenschüssel  B;  Lf.  D'r  M. 
het-e  g'Iüpft,  nur  die  Aussicht  auf  den  Broderwerb 
hat  ihn  vermocht,  sich  aufzuraffen  B.  ,M.,  darinn 
man  allerlei  gemües  kochet,  mues-  oder  breipfann, 
pultarius,  calix.'  Mal.  Bes.  die  in  Spitälern  und  Klö- 
stern aufgestellten  grossen  Töpfe,  in  welchen  ein 
dicker  Brei  aus  Gerste,  Hafermehl,  Hülsenfrüchten 
usw.  zur  Speisung  Hülfsbedürftiger  gekocht  wurde; 
so  in  B  (wo  die  20  Collegianer,  d.  h.  Studenten,  die 
sich  dem  geistlichen  Stande  widmeten,  im  Franziskaner- 
kloster ein  gemeinsames  Leben  führten  und  freie  Sta- 
tion hatten);  L;  Z;  vgl.:  ,1525  ward  angehept  die 
Ordnung  des  allgemeinen  allmueses.  Zum  ersten  ordnet 
man  zuo  den  predigern  im  kloster  zwen  grosse  häfen, 
darinn  man  mues  kochet  und  darnach  alle  tag  den 
armen  ein  grosse  kellen  voll  sammt  einem  vierteil 
vocketzer  brots  usteilt.'  HBüll.  1572.  ,Hernach  ward 
das  Augustinerkloster  yngebeu  dem  obmann  über  das 
almuesen,  der  da  hat  syn  wonung  und  die  kuche  des 
m-s.'  ebd.  , Alles  abholz,  so  in  dem  Bremgarten  fallt, 
soll  zu  den  ziegelhöfen  und  dem  m.  g'füert  werden.' 
1539,  B.  ,Arme  Personen,  die  von  uns  kein  sonderbar 
bestimmt  Almuesen  und  Underhaltung,  es  sye  us  dem 
grossen  Pfenning-Almuesen,  M.,  Lybding  oder  Wuchen- 
schilling  habend.'  B  Mand.  16'28.  ,Die  .Armen,  welchen 
die  Hand  vom  M.,  vom  Spital,  vom  Seckligeld  geboten 
werden  solle.'  1623,  JJBreit.  Ähnlich  wie  in  B  diente 
übrigens  auch  in  Z  der  M.  zur  Unterstützung  von 
Studierenden ,  vgl. :  ,Ich  nam  fürg'schriften  [Em- 
pfehlungsschreiben] von  fürnemiuen  Herren  an  die 
Herren  von  Z ,  dass  sy  mir  muos  und  brot  im 
Augustinerkloster  heften  gen,  als  sy  mit  vilen  fröm- 
den  Studenten  ton  hant.'  Ende  XVI.,  Ardüseh;  vgl. 
rätorom.  mangiar  la  niuosa,  einen  Freitisch  haben. 
,l)er  M.  oder  die  tägliche  Suppenanstalt  für  Fremde 
und  Einheimische  wurde  im  Verfolge  immer  mehr 
auf  durchreisende  Bettler  beschränkt  und  zuletzt  ganz 
aufgehoben,  damit  man  den  einheimischen  Armen 
zweckmässiger  beistehen  könne.'  Gem.  Z  1846.  —  In 
übertr.  Bed. :  1)  ein  Teil  des  Z  Spitals,  der  sog.  ,alte 
Spital',  in  welchen  am  Ende  des  XVI.  die  Suppen- 
anstalt, bes.  für  Fremde,  verlegt  wurde.  ,Zu  End  des 
1732.  Jahrs  ist  ein  Gebäu  des  Spitals,  der  M.  genannt, 
in  welchem  63  Personen  unterhalten  worden,  abge- 
brannt.' Mem.  TiG.  1742.  —  2)  Unterstntzungs-,  Al- 
mosenfond Aa;  Z,  in  B  speciell  ein  Stipendienfond 
(s.  BTaschenb.  1871,  S.  28  f.);  eig.  der  Fond,  aus 
welchem  nrspr.  die  Kosten  der  Naturalspenden  be- 
stritten wurden.  Si"''  uf-''e'  M.  verlä"  Ai..  ,Die  Prä- 
dicanten  sollen  Almosen  in  den  M.  nach  Bern  ab- 
richten.' 1552,  Absch.  ,l)ie  jährliche  Zins  des  M-s  im 
Spital.'  RCys.  —  3)  scherzh.  für  den  ehemaligen  Sod- 
brunnen in  den  Ruinen  der  Grassburg  BSchw. 

Während  die  Pflege  der  Armen  urspr.  kirchlichen  Stif- 
tungen, sowie  der  freien  Wohltätigkeit  der  Klöster  überlassen 
geblieben,  wobei  gemeinsame  Speisungen  oder  Spenden  von 
,Mues  und  Brod'  ein  Hauptmittel  waren  (vgl.  z.  B.  fron/mtm- 
Hm),  gieng  in  der  Keformationszeit  mit  den  Klostergutciii 
auch  die  Pflicht  der  Armenuntorstiitzung  an  die  Obrigkoit.ri 
über. 


1015 


Haf,  hef.  hif,  hof, 


1016 


Nacht-Hafe-  =  Gaggel-H.  Aa;  Bs;  B;  Gr;  G;  Z. 
Kaput  si"  wie-nes  g' Spaltes  Nachthäfi,  an  allen  Gliedern 
wie  , zerschlagen',  todmüde  sein  B.  So  g'scliid  ivie  's 
Sahmo"s  Nachthäfeli  Aa  (iron.).  En  Hochmiiet  ha", 
v'ie-en  (a'-)g'mölete  N.  G;  Z,  von  lächerlicher  Auf- 
geblasenheit. —  Nidel-,  Nidle-:  Sahnetopf  B;  Z; 
Syn.  N.-Gelten.  E  Schelle,  grösser  als  en  N.;  das 
tcerdi  chide'  [tönen]!  Stütz.  .Nachdem  Grossmutter 
den  Nidlehafen  noch  einmal  zugefüllt  hatte,  denn  sie 
machte  heute  den  Kaffee  recht  weiss  . . .'  Gotth. 

Nudle-Häfeli.  Isch  mer  denn  ml  N.  'brache", 
kann  i""  keini  Nudlet  »»e""  drin  koche;  mues  i'''  u-ider 
uf  Basel  ine'  laufe",  gon  en  ander  N.  kaufe"  Bs 
(Schlummerliedchen). 

Bad-.  ,8  pfd  8  ß  gah  ich  g'vatter  N.  N.  umh  ein 
nüwen  b.  und  kessy  in  das  badstübli  [in's  Schloss].' 
1541,  ZGiüii.  Amtsrechii.  -  Bern  er-:  braun  gla- 
sierter Milchtopf  Z;  vgl.  Fruniruter- Geschirr.  — 
Batze"-:  kleines,  irdenes  Töpfchen,  das  als  Spar- 
büchse (zur  Aufnahme  der  Batzen)  dient  Z ;  vgl. 
Spar-H.  —  Beizi-:  1.  irdener  Topf  mit  Deckel,  in 
welchen  Fleisch  mit  Essig  und  Salz  für  einige  Tage 
eingelegt  (gebeizt)  wird  B.  —  2.  =  dem  Folg.  S  (Schild), 
so  benannt,  weil  er  zum  Brennen  eingelegter  Stoffe 
(Trester)  dient.  —  Brenn-:  Destillierblase  Ap;  Th;  Z. 
Unter  dem  Kupfergeschirr  werden  ,Brennhäfen'  auf- 
geführt. 1659,  ScHwE.lnv.  —  Brunz-  =  Ga(/^eWBr.GR. 

Roll-:  1.  =  Me-H.  AAFri.;  S.  —  2.  euphem. 
,Höllenkessel',  Hölle;  Fegfeuer,  bes.  als  Schreekw. 
für  Kinder,  allg.  Syn.  Kessel-,  Bunggelis-B.;  Nobis- 
Kratten.  Tue  recht  (heb  di'''  stillj,  sust  chunnst  (z'  un- 
derst)  i"  B.  abe"!  A.  Dann  simmer  [sind  wir]  eisig 
witer  abe"  clio".  B.  Dj  machist  Ein  bald  z'  furche", 
Chind,  we  meint,  d^  wärist  in  B.  abe"  cho".  Stütz. 
Er  wott  Alles  ha"  und  brächt-em  's  de''  Bös  us-em  B. 
ue  [herauf],  ebd.  ,Die  Strasse  zum  finstern  R.  seie 
mit  Tabagien  und  Kurzweilmacherinnen  besetzt  und 
der  Weg  in  die  elysäischen  Felder  gehe  über  die  un- 
ersteiglichen,  öden,  rauhen  Gletscher.'  ADennler  1817. 
,ln  R.  fahren',  altes  Spiel  mit  Karten  und  einer  Zeich- 
nung mit  concentrischcn  Kreisen,  deren  innerster  den 
R.  bed.,  in  welchen  für  jeden  Mitspieler  ein  radialer 
Strich  führt;  auf  diesem  wird  der  jeweilige  Gewinnst 
nach  jedem  Gange  verzeichnet  als  ,arme  Seelen',  und 
wer  zuerst  die  zum  Voraus  festgesetzte  Zahl  erreicht, 
ist  im  R.  angelangt  und  hat  in  der  Tat  verspielt  L. 
Syn.  i"  d'  Eöll  fare".  S.  noch  Bach-Ofen  Bd  I  112; 
Platte.  —  3.  =  Gaggel-H.  Th;  Z.  —  4.  Flurn.  L. 
Vgl.  Hell. 

1  viell.  mit  Bez.  auf  die  rundliche,  bauchige  Form:  vgl. 
RoUe.  Schelle,  Locke;  Boll-Kübel.  Zu  '2  vgl.  die  Anm.  zu 
Kessd-H.  Diese  Bed.  schliesst  sich  viell.  an  die  von  1  an 
oder  geht  unmittelbar  auf  das  Vb.  rollen  zurück,  für  welches 
zwar  die  im  Nhd.  erhaltene  Grundbed.  jetzt  ziemlich  erloschen 
ist,  aber  im  XVI.  noch  lebendig  gewesen  zu  sein  scheint,  da 
die  damaligen  Theologen  von  einem  Gerollt-werden  der  Seelen 
im  Fegfeuer  sprechen.  Zu  dem  o.  beschriebenen  Spiele  er- 
innert man  sich  an  die  mittelalterliche  Vorstellung  der  Hölle 
als  eines  trii-btprfnrmis-cn,  in  concentrischen  Ringen  nach 
unten  !~ii  li  irnnuriMlm  Raumes,  in  deren  innerstem  die 
Schlimuist-n  ..  Ii.m.m  hl.  ii.  Der  Bed.  3  liegt  än&  W .  rollen  in 
lautmali'ii.l.  III  S.  iiiiMlrid  rauschen)  zu  Grunde;  vgl.  A7ii/)/- 
Gelten;  rollen,    pissiMl. 

Rüm-Häfeli:  Sahnctöpfchen  BsTerw.  Syn. 
Nidel-H. 


Runggelis-Hafe°:  =  2?oZ?-jEf.  S;  Ulsent.  Wenn 
[sogar]  der  Hörnlima""  us-em  B.  cho"  war...  BWyss 
1863.  's  wird  der  einisch  heiss  g'nues  mache",  wenn 
im  B.,  7  Schueh  unger  der  Platte;  bi  's  Hänis  Gitzi, 
''em  schwarze"  Hörnlima'"  muesch  Chole"  chnütsche". 
Schild.  Auch  getrennt  und  Bunggelis  als  poss.  Gen. 
eines  Eigennamens  aufgefasst  in  der  RA.:  Es  macht 
so  heiss,  wie  i's  B.  Hafe"  S. 

ßunygeli  Scheint  als  ein  Beiname  des  Teufels  aufgefasst 
werden  zu  müssen  und  denselben  als  den  Lärmenden,  Un- 
ruhigen zu  bezeichnen;  vgl.  runtjgen,  brummen,  murren,  lär- 
men, sich  windend  drehen;  It  Rochh.  1856,  S.  304  soll  die 
Hülle  auch  ,Rumpel-H.'  heissen.  A'gl.  Kungg-Gungijele,  falls 
dieses   als  Name    von  des  Teufels  Grossmutter   darf  gefasst 

Ror-:  Topf  den  man  zum  Kochen  in  die  Ofen- 
röhre (Ofen-Bon  Mlii.lit  Ar;  i<yn.  Kachle;  vgl  Ofen- 
Hafen.  —  Rosiiiai  i-lliitrli:  euphem.  und  schcrzh. 
für  Nachttopf  und  für  Abtritt  Z.  —  Rutsch-Hafe" 
=  Kunst-H.  Bs  (Spreng).  —  Söu-:  1.  Kochkessel 
für  Schweinefutter  Z.  —  2.  -Häfeli,  in  verschiedenen 
RAA.,  in  übertragenem  Sinn  gebraucht,  's  S.  chert 
s»"*,  wenn  Jmd  rülpst  Z.  S.,  Söuteckeli,  in  verstärken- 
dem S.  =  der  RA.:  Uf  jede"  Hafe"  g'hm-t  e  Deckel  Z, 
bes.  auf  Ehepaare  angewendet  oder  auf  2  Personen 
von  zweifelhaftem  Charakter,  die  sich  gegenseitig  ihre 
Fehler  und  Mängel  vorhalten.  Der  Alt  ist,  was  de' 
Su,  de"-  Su,  was  d'  Frau.  S.,  Säudeckeli,  Punktum. 
Stütz.  —  .3.  Su-Hafe",  Hausn.  bei  GStdt.  —  Seich- 
Hafe"  =  Gaggel-H.  Aa;  Ap;  Z  (gem.).  -  G(e)sod-: 
Kochtopf,  den  man  in  den  Gesod-Ofen  (s.  Bd  I  112) 
einsetzt  BHk.  —  Suppe»-:  Fleisch-,  Suppen-Topf 
Bs;  S.  Wenn  ein  armer  Bauernbursche  um  die  Hand 
einer  vermöglichen  Bauerntochter  wirbt,  so  sagt  wohl  , 
die  Mutter  der  Letztern  zu  ihm:  Du  muesst  e  doppliti 
Schmier  wm  ^e"  S.  mache".  —  I-'setz-:  kupfernes 
Gefäss,  das  Wasser  zum  Waschen  darin  heiss  zu  ma- 
chen. Waschblase  Ap.  Vgl.  Ofen-H.  —  „Zuesetz-: 
Kochtopf  G;"  wohl  =  den  man  ,zum'  Feuer  setzt; 
vgl.  Schlitt-H.  —  Schlitt-:  länglicher,  metallener 
Topf,  mit  Stiel,  den  man  auf  zwei,  nach  Art  von 
Schlittkufen  erstellten  eisernen  Fussleisten  zum  Feuer 
in  den  Ofen  schieben  kann  Zg;  Z. 

Schmalz-:  =  Anken-H.  Gr;  , hölzernes  Gefass 
zur  Aufbewahrung  der  geschmolzenen  Butter  Ap". 
„De"  Schm.  zale",  die  Busse  für  vorzeitigen  Beischlaf 
Ap;"  daher  Schm.-Häfeli,  Kasse  von  Strafgeldern  für 
dieses  Vergehen  Ap. 

Die  Ap  RA.  geht  wohl  ans  von  dem  Gedanken  an  die 
Strafbarkeit  des  unerlaubten,  heimlichen  Genusses,  den  man 
sich  z.  B.  durch  Missbrauch  des  ,Buttertopfes'  verschafft. 
Ähnlich  ist  wohl  auch  der  Beleg  zu  verstehen:  ,Wir  werdent 
die  ungehorsamen  strafen,  wie  die  [Solche],  so  im  schm.  ge- 
wesen.' 1548,  Absch.  [bezieht  sich  auf  Reisl&ufer,  die  von 
den  eidgenössischen  Boten  unerwartet  in  Constanz  getroffen 
worden  waren,  wohin  sie  sich  unerlaubter  Weise  verfügt 
hatten].     Vgl.  noch  die  bildl.  Bed.  von  Schm.-KüOel. 

Schmutz- =^wfce«-ä.  Bs.  —  Schrepf-Häfcli: 
Schröpf  köpf  Aa;  Syn.  Schrepf  -  Hörnli.  —  Spar- 
Hafe":  I.Sparbüchse,  -Kasse,  allg.  Vgl.:  , Ein  Spar- 
pfennig in  der  blechernen  Büchse  oder  im  grünen, 
irdenen  Hafen,  aus  welchem  man  Nichts  nehmen  kann, 
oder  man  zerschlage  ihn  denn.'  Schweizerb.  1817  (F). 
,Wann  der  und  die  in  einen  Sp.  legen  wurden,  was 
sie  an  überflüssige  Hoifart  wenden,  sie  wurden  in 
kurzer  Zeit  ein  schön  Geltlein  bei  einandern  haben.' 


Hat  hef,  Inf,  liof.  huf 


1018 


JJMCll.  löüö.  ,So  gelieissen  Sparhäfen,  die  oben  eine 
enge,  der  Länge  nach  eingeschnittene  Öffnung  haben.' 
JJUlr.  1727.  Schcrzh.  von  Personen,  die  für  ihre 
Erben  sorgen:  Er  (si)  ist  en  guete'  Sp..  en  Vetter, 
Unggle,  e  Tante  ,Si>.  Bs;  S;  IT;  Z;  vgl.  Himg-H.  .Er 
ist  nur  mein  Sp.,  haltet  mir  Haus,  ille  mihi  condus.' 
Mey.  Hort.  1(392.  S.  noch  Hus-Fraii.  —  2.  Spar- 
pfenning,  welcher  besondere  Privilegien  geniesst  Bs. 
.Erspartes  Sondergütlein.'  Spreng.  , Zugleich  war  der 
elterliche  Sp.  erschöpft.'  Verg.  Tage.  .Von  Sparhäfen 
oder  jenigem  Gelt,  welches  Mann  und  Weib  von  ihrem 
gemeinen  Gut  separieren  und  nach  einen  und  des  an- 
deren Absterben  in  Sparhäfen  oder  sonsten  an  ge- 
wohnlichen Orten  als  ein  abgesondert  Gut  hinder  den- 
selben gefunden  wird.'  1648,  Bs  Bq.  .Demnach  aber 
wegen  der  Sparhäfen  jetz  geraume  Zeit  über  grosse 
Missordnung  entstanden.  ...  ist  gesetzt,  dass  inskünftig 
des  Vaters  und  der  Mutter  Sp.  sowohl  under  die  Kna- 
ben als  Töchteren  gleichlich  geteilt  werden.'  ebd.  — 
Speuz-  Z,  Spöz-Häfeli  G  1799:  kleines,  tönernes 
Gefäss  mit  Handhabe,  für  kranke  oder  alte  Leute; 
.Spucknapf. 

Sprütz-Hafe":  trichterförmiges  Gefäss  (jetzt 
von  Weissblech)  mit  einer  kleinen  Öffnung  zum  Be- 
spritzen der  Dielen  vor  dem  Kehren  ZZoU.  Syn. 
Sttihen-Spritzer.  En  Huet  nie  en  5>-.,  d.  i.  ein  spitzer. 
—   Urspr.  ein  irdenes  Geföss. 

Stude°-Häfeli:  Samenkapsel  des  Buchsbaums, 
buxus  semp.,  auch  die  Pflanze  selbst  BsLd.  —  Die 
JreihürDigen  Kapseln  gleichen  kleinen  Töpfchen  mit  .3  Füssen. 

Stink-Hafe":  bei  Belagerungen  angewendeter, 
mit  allerlei  übelriechenden  Stoffen  (z.  B.  Menschen- 
uiul  Tierkot)  gefüllter  Topf,  den  man  auf  die  stürmen- 
den Feinde  warf.  ,Die  Unserigen  waren  wohl  ver- 
sehen mit  Handgranaden,  Stinkhäfen  und  allerlei 
Peurwerk,  wormit  sie  sich  defendierten,  so  dass  der 
Feind  mit  Verlicrung  viel  Volks  widerura  abziehen 
müssen.'  AHerport  1669.  Vgl.  das  Folg.  —  Sturm- 
Häfeli:  Sturmtopf.  ,Wie  man  Sturmhäfelein  und 
Krug  mache  und  worzu  sie  dienstlich  seien.  Solche 
Häfelein  werden  von  den  Hafneren  gebacken  und 
haben  einen  grossen  Bauch  in  der  Mitte,  unden 
einen  breiten,  runden  Boden,  oben  ein  enges  Hälslein 
mit  einem  Eörlein.  Dise  irdine  Häfelein  werden 
mit  starkem  Pulver  gefüllt  und  oben  hinein  ein 
Stück  Lunden  eines  Fingers  lang  auf  das  Pulver 
getan  und  an  dem  äusseren  Ort  angesteckt.  Wann 
der  Feind  stürmet,  so  wirft  man  sie  in  den  Graben 
hinab,  worvon  sie  zerfallen  und  durch  den  Lunden 
angesteckt  werden  und  also  durch  ihre  Scherben 
grossen  Schaden  bringen,  auch  Alles,  so  sie  ergreifen, 
verbrennen.  Wie  die  Häfelein  mit  den  Lämeisen  ge- 
machet werden:  Sie  werden  flach,  breit  und  rund, 
aber  nicht  hoch  gemachet,  in  der  Mitte  hol.  auch 
eines  grossen  Tellers  breit;  oben  haben  sie  einen  Riss 
gleich  den  Triangeln;  die  füllt  man  mit  gerädenem 
[gesiebtem],  reinem,  wolgedörretem ,  ungelöschtem 
Kalk  und  stecket  ein  Lämeisen  darzwischen.  Sie  seind 
in  dem  Sturm  gut  zu  brauchen,  dann  da  sie  under 
die  Feind  geworfen  werden,  zerfallen  sie  und  stäubt 
alsdann  das  Kalk  dem  Feind  in  das  Gesicht  und  ist 
solcher  Staub  dem  Gesicht  und  die  Lämeisen  den 
Füssen  schädlich  und  verhinderlich.'  Kriegsb.  1644; 
vgl.:    ,[Bci  der  Belagerung  Zürichs]   wurfend   die   in 


der  statt  hinus  uf  die  ei[d]gnossen  mit  grossen  steinen 
und  als  ich  vernimm,  da  haftend  sy  vil  hefen  und 
krüeg  gemacht  von  herd  und  die  gefüllt  mit  kalch 
und  wurfend  die  ouch  under  die  ei[d]gnossen,  dass  es 
ein  sömliches  gestöub  ward,  dass  die  ei[d]gnossen 
schier  erstickt  wärend  und  pfuchsentend  als  pfiffiky 
hüener  [die  den  Pips  haben],  zue  dem  und  einen  [so !] 
den  andren  nüt  wol  sechen  mocht,  und  also  triljend 
die  Züricher  die  ei[d]gnossen  von  der  statt.'  Edlib. 
S.  noch  Z  Anz.  1870.  S.  179  ff.;  1875,  S.  582  ff".  — 
Strüss-  =  Maien-H.  ZRafz.  —  Tinte»  -  Häfeli: 
Tintenfass  Ap.  —  Tapp-in-Hafe":  plumper,  unge- 
schickter, schwerfälliger  Mensch  Scn;  Syn.  Talp- 
(Tapp-,  Tamp-)  in  's  Mues  und  das  Folg. 

Trantsch-:  stark  beleibte  Person  Z. 

Tmnitjach,  in  der  selben  Bed.,  eig.  durch  einander  ge- 
stampftes  Geköch ;   im  Übrigen  vgl.   Hafen   i. 

Wich  PTie-Häfeli:  kleines  Weihwassergefäss 
AaF.,  Fri.  —  Zit-:  an  den  Schwarzwälderuhren  an- 
gehängte, mit  schweren  Gegenständen  (z.  B.  Flinten- 
kugeln) gefüllte  Blechbüchse,  als  UhrgewiehtL;  SNA.; 
Syn.  Z.- Stein.  —  Zwäng-Hafe":  eigenwilliger 
Mensch,  der  Alles  durchsetzen  will  Gl;  Syn.  Zwäng- 
Grind,  -Kübel 

hafne".  ,Fingere,  plasmare,  hafnerwerk  treiben, 
ofen  machen,  etw.  aus  leim  m.  Figlina,  kunst  ze  h.' 
Fris.;   Mal.   (wo   auch  einmal  ,häfnen').     Vgl.  nfnen. 

über-:  den  Kessel  über  das  Feuer  stellen  OnPr. 
(Schwzd.  19,  44). 

Hafner  m.:  1.  Töpfer  (mit  eingeschränkter  Bed.. 
wer  irdene  Töpfe  macht,  s.  dagegen  Hafen- Giesser). 
allg.  Wer  sich  unberufen  in  Dinge  mischt,  die  er 
nicht  versteht,  wird  gehöhnt:  Z)e''  verstut  de'  Dreck 
(auch  mit  dem  Zusatz:  und 's  Einedrlssgi  Aa),  erhält 
seilen  (nntessj  en  H.  ge"  Aa;  L.  Ei"  H.  macht  im 
[dem]  andere'  i'  Leim,  hasst  und  schädigt  ihn  Bs 
(Spreng).  Bim  H.!  euphem.  Schwur,  Entstellung  von 
bim  Hagel!  ZO.,  S.  Auch  Familienn.  Z;  vgl.:  ,Von 
swester  Catherinun  der  hafneren.'  1347.  UwE.  Jahr- 
zeitb.  .Der  scherb  straft  den  h.',  an  den  Scherben 
erkennt  man,  was  für  Arbeit  der  H.  geliefert  hat. 
Lind.,  Wthur  Chr.;  vgl.  das  Sprw.:  ,An  den  Scherben 
sieht  man,  was  ein  Hafen  (was  für  ein  Topf)  gewesen.' 
(Wander).  ,Töpfer,  d.  i.  H.'  Erklärung  dunkler  Wörter 
in  Z  Anl.  zum  Gebet  1701.  Auch  Ofenbauer  Z.  ,Der 
Metzger  metzget  mir  ein  Kalb,  es  fressen's  mir  die 
H.  halb.'  XVUI.,  Z  Ofeninschrift  unter  dem  Bilde 
eines  ein  Kalb  ausweidenden  Metzgers.  —  2.  Flurn. 
,Der  grosse  und  der  kleine  H.',  zwei  Untiefen  am 
.Ausfluss  des  ZSees,  so  benannt  nach  dem  vielen  dort 
gefundenen  Töpfergeschirr  aus  vorhi.st.  Zeit. 

Mhd.  luwenaere.  ,Häfner'.  1548,  Jes.,  statt:  , Hafner.' 
l.'):31,  entspricht  der  Verbalform   .häfnen'. 

Hafnete  f.:  ein  Topf  voll,  z.B.  Fleisch;  s.  Diai,., 
S.  21S!. 

ver-häfele°:  Etwas  hintertreiben,  verderben 
AAFri.;  Ap.  Es  ist  iez  scho'  rerhäfelet,  sagte  eine 
Appenzellerin,  als  vor  Beginn  des  Festes  ein  Eegen- 
schauer  eintrat.  Verhäfelet,  euphem.  für  .verhext'  in 
der  EA.  es  ist  doch  tvie  v.  GG.,  Ausdruck  der  Unge- 
duld, des  Unwillens.  Etwas  rerhäfele",  verscherzen 
AAEntf.  Mit  Dat.  Pers.:  Er  hett-mer'sch  gern  wr- 
häf'elet,   mir   das   Spiel   verdorben    Ap.     Mit  Acc.  P., 


1019 


Haf,  lief,  liif,  liof.  luif 


Jmd  stutzig,   uiisclilüssig  maclioii,   duicli  Scliorz  auf- 
halten AAFri. 

S.'liHi'i-lirli  ansL'rIi,.i.a  v„ii  .lliifr),'  iii  (Icr  Bed.  Zaubef-, 
Hex.'iiki  ■-.  I,  iKn  rr^,:  (liinli  /.  inli.  rkiiiistii  aufhalten,  ver- 
hiiiil.iii  ■  III  Aiiil"--!!  In, Uli  l"ii-  r. ,  ,un,,le,i,  sofera  man  an 
den  H'ikii-i.'ikii-  Ulli  Z  nilii  rll.i- IhliL-u  -Iriikt;  vgl.  nuch  i^ö/eii- 
W.nli,  Hc.xtnw.ik.  i.ml  Kn,„i-llafui  ä.  Walirscheinlicher 
zu  erklären  wi.'  n  ,'l,.i.  I,,h  ^  :  ^.  auch  die  Anm.  zu  m-giitterh-n. 

cliunst-hä  fo  le":  Hexerei  treiben  GT.  —  AM.  von 
KunKt-Ha/en  2. 

Häfeler  m.:  1.  seherzh.  Bezeichnung  eines  kleinen 
Knaben,  den  man  noch  auf  den  .Hafen'  hebt  B  (Zyro); 
vgl.  häfen  und  EäfeU-Schüeler.  —  2.  Familienname. 
,C.  Hiiffeler.'  c.  1450,  ScHwTugg. 

häfe":  pissen  B  (Zyro). 

Haviönli  s.  Aviönli  ßd  I  105. 

Hüf(e)le  f.:  Sorte  Birnen  von  mittlerer  Grösse 
ApK.;  sehr  feine  Tafeibirne  GSa.  .Rot-Häifele.'  Birn- 
sorte,  It  Steinm.  1804. 

Viell.  nach  ihrer  Form  benannt  (vgl.  Kanten-Bir)  oder 
nach  ihrer  Terwertung,  eingekocht  zu  werden. 

Häuf  s.  Hanf. 

liaaf:  zurück!  Ruf  an  das  Zugvieh  ScuNnk. 

Aus  dem  Schwäbischen  entlehnte  Nl)!".  von  huf!  hü/J 
welches  aaO.   daneben  gebräuchlich  ist. 

Hanflete  f.:  =  Gauflete  (s.  Sp.  128)  LSemp.  -  Wohl 
aus  Jenem,  mit  Anlehnung  an  das  Syn.  Hampjlc,  entstellte  Nhf. 
Häufis  s.  Haneii-Fuess  Bd  I  1091. 

Heff.:  Hefe  GRChur,  Pr.  r-He/";.  Bier-,  Wl'-E. 
Auch:  Sauerteig  GRChur. 

Synn.  s.  bei  Hab  II.  Von  vorn  herein  Entlehnimg  aus 
dem  nhd.  .Hefe'  anzunehmen,  verbietet  das  Vorhandensein 
anderer,  z.  T.  an  den  selben  Orten  vorkommender,  syn.  WW. 
mit  /  st.  des  unsern  MAA.  sonst  eigenen  h.  F  ist  ja  auch 
der  Grundlant  des  ^/ in  dem  wiederum  syn.,  weitverbreiteten 
Hepf(en).  Zu  /  verhält  sich  h  wie  in  suber  :  mfer,  Gubcl : 
Gnfel  (wozu  auch  Gipfel,  Oupf);  vgl.  auch  Gab  :  Göf  Sp.  131 
und   das  folg. 

Hefel  m.:  \.  =  Hef  BsLdtw.;  GnChur,  D.,  Pr.; 
GSa.  Wenig  .Höffel'  versäure  einen  ganzen  Teig. 
1537,  Absch.  ,Butter  und  alter  Heffel  unter  einander 
gemischt'  JMüralt  1691.  ,So  man  Mehl  und  Wasser 
oder  sonst  einen  Stoff  vermengt  und  in  einen  warmen 
Ort  stellt,  werde  es  säur,  treibe  sich  und  jese  auch 
ohne  H.'  ebd.  1697.  Auch  Gärungsstoff,  fermentum 
übh.:  ,Der  H.  im  Magen.-  JMüralt  1697;  vgl.  Magen- 
Hebel.  ,l)er  Hefel  vieler  Krankheiten  kann  lange 
Zeit  in  dem  Leibe  verborgen  ligen.'  ebd.  —  2.  (auch 
Bruech-H.)  Sparren,  mit  dem  der  Wagen  vermittelst 
Ketten  fest  verbunden  (gehriXecht)  wird  SSchwa. 

Uefel,  schon  ahd.-mhd.  neben  hcM,  Instrument  zum  He- 
ben; Hefe;  vgl.  Anm.  zu  nehd.  , Hefel'  in  Bed.  1  auch  B 
Disp.   1528,  neben  , Hebel'.      Auch  bair. 

Hefi  f.  =  Hebi  Bs.  Da'  'seh  en  Elend  mit  dere' 
H.!  Si  isch  Nüt  me'  nutz  hütigs  Tags!  Fangt  a" 
s'  trlbe',  tvenn-men-en  esse'  u-ött  scho",  der  Kugelhopf.' 
(Schwzd.). 

hefig:  mit  Hefe  gemischt,  hefenartig.  jFaeculentia, 
eine  trübe,  hefige  Materi.'  Denzl.  1677;  1716.  Vgl. 
Hepfen. 

hefle":  =  heblen  1  u.  ;.'  GRh.,  Sa.  ,Ungeheflet 
brot.'  1531/48,  Barcch.  ,Saur,  geheflet',  Übers,  von 
Luthers  , Sauret'   in   der  Petri'schen  Bibel.   Bs  1523. 

a"- :  Teig  mit  Hefe  od.  Sauerteig  anrühren  GRChur. 


Heflete  f.  =  Hehlete  GRh.,  Sa. 

Hefe»hofer:  Apfelsorte  Th,  nach  dem  Tu  Dorfs 
,Hefenhofen'  benannt. 

Hifele  s.  Infeien  Bd  1  327. 

Hof  (Hö-y  ZS.,  Stdt)  m.:  L  ßauern-Gut, -Hof,  min- 
destens c.  40 — 50  Juch.  an  Grundstücken  mit  den  zu 
ihrer  Bewerbung  nötigen  Gebäulichkeiten  umfassend, 
oft  seit  Jhdten  im  Besitz  der  selben  alt-eingesessenen 
Familien;  kleinere  Güter  heissen  dagegen  Heimen, 
Heimet,  Giict.  Während  heut  zu  Tage  die  Benennung 
für  einzelstehende,  abgeschlossene  Bauerngüter  übh.. 
ohne  innere,  rechtliche  Unterschiede,  gilt,  standen  die 
Ansiedlungen  nach  Hofsystem ,  d.  h.  in  zerstreuten 
Niederlassungen,  ursprünglich  denjenigen  in  geschlos- 
senen Dorfmarken  (Markensystem)  gegenüber;  s.  Siin- 
der-Hof  und  vgl.  Etter,  geschlossen.  Stecken.  Zum 
Hofsystem  war  man  bes.  in  Gegenden  gezwungen,  wo 
der  Boden  dem  Ackerbau  nicht  günstig  war;  so  z.B. 
in  BE.,  weswegen  dem  Emmentaler  ,aus  den  Dörfern' 
so  viel  bedeutet,  als:  aus  dem  (mit  Dorfansiedlungen 
bedeckten)  B  oAa.  stammend.  ,Hof'  hat  daher  für 
BE.  auch  politische  Bed.  bekommen,  indem  zu  Ge- 
meindeverwaltungszweeken  einzelne  Gemeinden  in 
Höfe  (z.  B.  Affoltern  in  16)  eingeteilt  worden  sind, 
andere  in  .Drittel,  Viertel,  Güter,  Bürten';  vgl.  noch 
, Wachten,  Ürten  5'  (Bd  I  492).  Doch  so  «j  Vogel  duss 
im  Sehne,  tceiss  nit,  m  jetz  si"'  Narig  ne".  Er  sott  in 
d'  Höf  n"  d'  Fenster  cho'  L.  Über  d'  Hof  ga',  sich  eine 
Frau  suchen  ZWyt.  (eine  Berggemeinde);  vgl.  Gäu 
Sp.  38  f.  ,Mit  bösen  werten,  nämlich  die  eidgnossen 
wärint  küege-ge[h]yer  und  desglych  und  das  wort  gieng 
über  hof  [von  Hof  zu  Hof,  d.h.  machte  die  Runde].' 
Fründ.  ,Wir  trinken  morgen  auch  noch  eine  [Flasche] 
von  denen  zusammen,  die  den  Bauern  ab  den  Höfen 
zünden  [sie  von  Haus  und  Hof  treiben].'  Nydegger 
1885.  In  der  allitterierenden  Verbindung  mit  Hiis 
bezeichnet  urspr.  dieses  spec.  das  Wohngebäude,  Hof 
dagegen  die  dasselbe  (bzw.  den  Hofplatz)  umgebenden 
Wirtschaftsgebäude  und  die  Güter.  Ei"'m  Öppis  s' 
Hus  und  z'  Hof  schicke",  als  Geschenk  zusenden  B 
(Zyro).  I"  Hus  und  H.  rken  Bappe"  ha'  Z.  Ei"m 
z'  Hus  und  (z'J  H.  chu',  von  verarmten  Augehörigen, 
deren  Unterhalt  einem  Andern  zur  Last  fällt  Sch. 
TFas  wi"t  lieber,  Hus  oder  H.?  Spielfrage,  s.  Rochh. 
1857,  S.  443.  .Einem  ze  hus  und  ze  h.  richten', 
Schulden  halber  gerichtliche  Exekution  über  Einen 
verhängen:  .Welcher  den  andern  mit  recht  so  fer  er- 
fordert, dass  man  im  [dem  Schuldner]  ze  hus  und  ze 
h.  richten  soll,  dem  soll  der  richter  [von  der  Habe 
des  Schuldners]  pfand  geben  und  mag  im  darumb  syn 
5chloss  uftuon.'  XIV./XV.,  Sch  Stdtb.;  vgl.:  ,Wenn  es 
[ausstehender  Zinse  halb]  an  dem  3.  jar  wärt,  so  mag 
ein  herr  im  [dem  Schuldner]  ein  pfal  für  tür  und  tor 
schlächen  und  soll  jn  heissen  usserher  gön  und  soll 
haben,  was  in  hus  und  h.  ist.  unz  er  ganz  bezalt 
würt'  TnTannegg  Offn.  Ähnlich:  ,Wer  weibel  ist. 
der  soll  [dem  säumigen  Schuldner]  gan  zu  huse  und 
zu  hofe.'  UwE.  Hofr.  ,Man  soll  es  im  dann  künden 
ze  hus  und  ze  hofe  [ihm  eine  gerichtliche  Vorladung 
überbringen],  das"  er  dem.  der  es  klaget  hat,  indrent 
den  nächsten  8  tagen  zu  banden  gange  [seinen  Ver- 
pflichtungen gegen  ihn  nachkomme].'  1316,  B  Verordn. 
,Sy  fressend  hus,  h.,  hut  und  haar.'  UEckst.  ,A1so 
mag  Gott   einem   auch   etwas   zu  hus  und  h.  senden, 


II'JI 


iKlf. 


1022 


(l:is.s  er  mit  aiiderlüten  auch  hernacli  möge  ein  mit- 
lydfii  haben.'  LLav.  1569;  ähnlich  LLav.  1582,  179  a 
und  AKlingl.  1688,  123.  Vgl.  auch  Hüs  und  Heim 
und  s.  schlissen.  —  2.  Besitzung  eines  Grundherrn 
(etnes  Adeligen  oder  eines  Klosters),  als  Inbegriif  der 
Güter,  welche  direkt  oder  indirekt  dazu  gehören,  sowie 
der  aus  dem  Begriff  des  Obereigentums  abgeleiteten 
Befugnisse  des  Herrn,  welche  man  unter  .Zwing  und 
Bann'  zsfasst;  vgl.  noch  ,Bann-,  Twing-H.'  Ein  solcher 
Hof  bestand  aus  einer  Herrschaftswohnung  (sala). 
darum  herum  liegenden  Wohnungen  für  die  Diener- 
schaft, allerlei  Wirtscbiiftsa-cb;iiid,.n.  einem  grössern 
Landcomplex,  den  der  II. rr  -i.li  al-'  iiinnittilliarcn 
Besitz  (allodium,  ,Sal-llil'l  \  Mrlirlii.'ll  nml  .■nlur^ler 
selbst  bewirtschaftete  (s.  .Ki-.ni  H.-|  n,|rr  (uirist)  durrh 
Beamte  verwalten  Hess  (s.  ,Kel-,  Meier-H.')  und  endlich 
einer  gewissen  Anzahl  Bauernhöfe  von  bestimmter 
Grösse  (.Hueben,  Schupposen'),  im  Besitz  zinspflich- 
tiger oder  leibeigener  Bauern  (,Hof-Jüngern,  -Leuten, 
-Genossen'),  welche  einen  Hofverband  bildeten,  in  das 
auf  dem  (Herren-)  Hofe  gehaltene  Hofgericht  gehörten 
(s.  ,Bann-,  Ding-H.')  und  deren  Rechte  und  Pflichten  in 
den  ,Hofrödeln,  Hofrechten,  Offnungen'  fixiert  wurden. 
Solche  Herrschaftshöfe  umfassten  oft  ganze  Dörfer  mit 
ihrem  Gebiet;  doch  sind  die  Begriffe  nicht  identisch, 
indem  in  einem  .Dorf  auch  verschiedene  ,Höfe'  liegen 
konnten,  andere  Höfe  dagegen  weitere  Gebiete  mit 
zerstreuten  Ansiedlungen  umfassen  konnten;  vgl.  z.B.: 
,Alle  die,  so  in  dem  h.  und  dorf  zu  Schw.  sein  werden.' 
1533,  ZSchwam.  ütfn.  (im  eigentlichen  Hofverband 
standen  nur  die  ,Hueber').  Aus  grundherrlichen  Höfen 
(Pfäffikon,  sog.  , Vorderhof',  WoUerau,  sog.  .Hinterhof', 
Bach)  und  dem  Dorfe  Preienbach  bestand  urspr.  das 
Gebiet  des  heutigen  schwyzerischen  Bezirks  ,Höfe', 
der  davon  seinen  Namen  hat;  vgl.  Schw  Mitteil.  2. 
S.  95/211;  Abi.  HOfler,  Höfner.  Die  heutigen,  weit- 
läufigen Gemeinden  Wald  (dem  Kloster  Schännis  ge- 
hörig) und  Pischenthal  (urspr.  Besitzung  des  Klosters 
StGallen)  mit  ihren  zahlreichen  Weilern  und  Eiuzel- 
höfen  hiessen  bis  zur  Einführung  der  neuen  ,Gemeinde'- 
ürdnung  die  .Höfe'  Wald  und  Fischenthal.  ,Hof'  heisst 
der  am  linken  Ufer  der  Goldach  liegende  Teil  der  Ge- 
meinde Trogen  (auch  Höfler-SUe),  urspr.  viell.  deshalb, 
weil  er  zu  dem  im  Dorfe  Trogen  liegenden  Herrenhofe 
gehörte;  vgl.  ,Zue  Trogen  in  dem  Hofe.'  1463,  Zellw., 
Urk.  Ähnlich  galt  oder  gilt  der  Name  aucli  von  den 
Ap-Dörfern  Appenzell,  Eehetobel,  Speirlni  ;  virL;  A'lu 
jifarr  zue  dem  hofe  ze  Appenzell.'  14n'i,  Ziii,«..  lik. 
Von  den  4  ,Hüfen',  in  welche  die  Ap-GciiiimikIc  l.iitz.-ii- 
berg  zerfällt,  hat  der  Hof  Tobel  dorfartige  Anlage. 
Die  einzelnen  Bestimmungen  der  .Dorfoffnungen'  be- 
ginnen oft  mit  den  Formeln:  ,Es  ist  euch  des  hofs 
recht...'  (z.B.  ZWald);  .lIlt:  .Ks  .sprechcnt  die  liof- 
lütc  . .  .'  ,Es  ensoll  zi-  .lirii  u'^i  iiliten  nienian  recht 
sprechen,  wann  [ausser]  die  allein,  die  uf  des  hofes 
güetern  sitzend  ald  desselben  guotes  hant.'  1319,  Z 
Urk.  Direktes,  königliches  Eigentum  war  der  (Königs-) 
Hof  Zürich,  auf  dessen  Grund  und  Boden  die  Abtei 
stand.  ,Curtim  nostram  Turegum  tradimus.'  853,  Urk. 
Kaiser  Ludwigs;  vgl.  hierüber  Ztschr.  f.  schwz.  K.  17, 
8  ff.;  VöG.-Nüsch.  '2,  117/8;  Z  Urkundenb.  Nr.  37;  100 
und  s.  noch  Sah,  Shidel-H.  und  H.-Guet  Sp.  548. 
—  3.  Residenz  eines  Vornehmen  (Adeligen,  Abts). 
Fürstenhof.  Nüd  j"  de"  Höfe'  st",  nicht  in  Gunst 
stehen  AABb.;   dagegen:   Im  H.   [überall  angesehen] 


st'  GWildh.,  wohl  daraus  erklärbar,  dass  GT.  dem 
Abt  von  StGallen  zugehörte.  ,Z'  H.  rite;  magno  co- 
mitatu  adventare,  sumtui  esse.'  Id.  B.  Wo  de  Petrus 
an  H.  diu'  ist,  hat  er  sin  Herr  verlaugnet.  Sülgeb 
(bezieht  sich  auf  Matth.  26,  69—75).  ,Gein  Manessen 
h.  mechten  nygen  die  singaere.'  Hadl.  In  der  Gesinde- 
ordn.  von  AAMuri  (XVII.)  gilt  die  Bezeichnung  ,Hof' 
den  Gemächern  des  Abtes  und  der  Conventualen;  die 
Hofstube  ist  der  Speisesaal  der  Letztern,  im  Unter- 
schied vom  ,Meisterstübli'  im  Ökonomiegebäude:  ,Die 
Schweinhirten  sollen  die  Nachtwacht  versehen  und 
in  diesen  Stunden  alle  Öfen  zue  H.  einheizen.  An 
Nachtisch  zue  H.  ^e'lir.n.nt  ordinarie:  Kämmerling, 
Bruder-,  Hof- Keller,  liarbierer,  Margstaller  und 
Underschreiber.  Weilierluiob  soll  Teller  und  ander,s 
Gschirr  vom  H.  ins  Weiberhaus  und  widerum  hinauf- 
tragen.- hl  L  ist  der  Name  an  der  Stiftskirche  StLeo- 
degar  und  den  umliegenden  Chorherrenhäusern  haften 
geblieben  (vgl.:  ,Die  herren  im  h.'  1423,  L  Batsb.); 
in  S  an  der  Kaserne,  dem  Hofe  des  ehemals  dort 
residierenden  frz.  Gesandten;  daher  die  RA. :  ,In  den 
H.  gehen',  in  den  Militärdienst  treten.  Vor  einer  Ab- 
stimmung drohte  der  Bezirksarzt  einem  vom  Militär- 
dienst befreiten,  jungen  Manne:  Wenn  er  nicht  .ja' 
stimme,  so  werde  er  schon  dafür  sorgen,  dass  er  das 
nächste  Jahr  doch  in  den  H.  müsse.  S  Anz.  1874. 
,Der  Hof'  (.curia  abbatie.'  1415)  bezeichnete  in  Z  die 
Wohnung'  der  Äbtissin  zum  Frauen-Münster,  die  auch 
etwa  ,lMir~lin-  hetiirli  \Miide,  und  der  Name  blieb 
promiseiie  niil  ./.in  htlior  d.  in  Gebäude,  als  es  im  Jahr 
1538  zu  einem  Alumnat  lur  Studierende  der  Theologie 
bestimmt  wurde,  bis  zur  Aullielmiig  der  Anstalt  im 
J.  1832;  s.  auch  Zucht-Ihrr.  Uof-Sdiuester,  -Schnlder. 
Vgl.  noch  DWtss  1796,  S.  4u5;  Mem.  Tig.  1845,  S.  845/6. 
,Höfe'  hiessen  in  Zürich  auch  die  den  Chorherren  an- 
gewiesenen Wohngebäude  (vgl.  Vög.-Nüsch.,  S.  343), 
ferner  (neben  -Hiis)  die  von  auswärtigen  Stiften  und 
Klöstern  in  der  Stadt  erworbenen  Häuser,  in  welche 
Amtleute  (Ministerialen)  zum  Bezug  der  aus  dem 
Zürcher  Gebiet  eingehenden  Gefälle  gesetzt  waren 
und  wo  auch  etwa  Abt  und  Conventuale  der  betr. 
Gotteshäuser  abstiegen;  so  ein  ,Hof  der  Chorherren 
von  Co(n)stenz.'  1407;  ein  .Kappelerhof  (1270  dem 
Z  Kloster  Kappel  u-...rl,e,ikt:  1357  ,Kappelerhus',  1408 
.curia  Capellen-i.  ineia-l.rii-  genannt;  s.  übrigens 
Mem.  Tig.  184."i.  S.  1;::;  i;  ein  .alter  und  ein  neuer  Ein- 
siedlerhof'; der  von  lo'25  bis  heute  so  genannte  .Stroh- 
hof' hiess  1290:  , Curia  sita  in  Thurego.  que  vulgo 
dicitur  Stroumeigershof.  1298:  .Curtis  villicatus,  dicta 
Stroumeiers.'  —  4.  grösseres,  einen  Innern,  offenen 
Hof  umschliessendes  Gebäude  übh. ;  so  z.B.  der  .Meiers- 
hof- in  Z  (.des  Meyers  hof  von  Knonouw.'  1372).  Bes. 
Waarenhof,  Niederlagshaus  Sch;  s.  Hof-Gelt  Sp.  280, 
Salg-,  Werch-H.  Dann  auch  Name  für  Häuser  mit 
Nebengebäuden,  in  Z  z.  B.  ,Seiden-H.',  seit  1592  von 
einer  Seidenfabrikation  betreibenden  Familie  erbaut; 
ähnlich  ,Wullen-H.'  1594.  Über  die  Namen  .Stein- 
und  Spinn-H.'  s.  VöG.-Nüsch.,  S.  557/8.  .Farb-H.', 
Name  eines  grossen,  3  Seiten  eines  Vierecks  bildenden 
Häusercomplexes  an  der  Sihl  Z.  —  5.  von  Gebäuden 
rings  umschlossener  oder  eingefriedigter  Platz;  Hof- 
raum, allg.  ,H.  oder  platz,  darauf  man  spaziert,  am- 
bulacrum.'  Mal.  Höfli,  freier  Platz  um  den  Brunnen 
zu  ZZolL,  der  früher  .Hofbrunnen'  hiess  und  seinen 
Namen  vom  Hof  (,ira  H.'  1350)    hatte.     In  Z  ist  der 


1023 


Haf.  bet;  hif,  liof.  Imf 


1024 


Name  am  .Mün.sterhofe'  haften  geblieben,  nach  dem 
sich  ein  Geschlecht  ,von  (uf,  in)  dem  Munstirhove, 
de  curia  monasteria'  benannte.  ,Hof'  (curia)  hiess  im 
Mittelalter  kurzweg  auch  der  heutige  .Lindenhof  in 
Z,  wo  die  königliche  Pfalz  und  um  sie  herum  die 
Gerichtsstätte  sich  befand.  Wenn  929  eine  öffentliche 
Handlung  ,in  scena  Turicine  civitatis'  vorgenommen 
wird,  so  ist  kaum  etwas  Anderes  als  der  Lindenhof 
darunter  zu  verstehen.  ,Der  die  buosse  verseit,  dass 
man  in  darumbe  pfänden  muoss,  ald  uf  den  h.  gelütet 
wirt,  der  git  einer  halben  mark  nie  dann  e.'  1304,  Z 
RB.;  vgl.  Vög.-Süsch.  2,  205.  ,Füerten  das  [ge]  schütz 
alles  uf  den  h.'  ThPlatt.  1572.  Als  mit  dem  Abgang 
der  Pfalz  das  Schloss  zerfiel,  wurde  der  Platz  (c.  im 
XHl.)  mit  Linden  bepflanzt,  führte  dann  seit  dem  XVI. 
den  heutigen  Namen  und  diente  als  Schau-,  Spiel-  und 
Ringplatz.  Vgl.  Bluntschli  RG.  I  36  Anm.,  Vög.-Nüsch. 
1869,  S.  658/68  und  s.  noch  ,Spil-H.'  ,In  medio  aulae 
Curiensis  [des  bischöflichen  Hofes].'  1661/92;  ,in  curia 
Curiense.'  1430,  Jahrzeitb.;  ,uf  dem  hove  zu  Chur.' 
1484;  s.  Z  Anz.  1888,  S.  107/8.  ,Den  murern,  als  sy 
den  [Schloss-]  haf  mit  steinen  besetzt...'  1580,  ZGrün. 
Aratsrechn.  —  6.  „(eingezäunter)  Platz  zunächst  um 
die  Sennhütte,  zum  Melken  der  Kühe  Ap;"  ähnlich 
Steinm.  1804.  Syn.  Fferrich.  Platz,  wo  Dünger  und 
Kehricht  abgelagert  werden,  oft  ein  Bretterverschlag 
Ap,  ItT.;  ygl.  Hof-Mist.  Ähnlich  in  Gr:  überdielter 
Baum  unter  der  Talma,  einem  über  den  Stall  vor- 
gebauten, überhängenden  Vorratsraum;  räto-rom.  cuort. 
Syn.  Güster-,  Mist-,  Schor-,  Stall- E.;  Mist-Grueb, 
-Hag,  -Hhs,  -Legi,  -Wiirß.  Freier  Platz  neben  dem 
Keller  WLax,  Salg.  —  7.  Abtritt    TB.;   vgl.  hofieren. 

—  8.  der  den  Schauspielern  in  den  mittelalterlichen 
Spielen  angewiesene  Platz,  auch  .Stand',  aus  welchem 
sie  auf  die  Bühne  hervortraten,  wenn  die  Reihe  zu 
spielen  an  sie  kam.  RBrandst.  1886.  —  9.  Dunstkreis 
um  Sonne  oder  Mond,  auf  Regen  oder  Wind,  von  An- 
dern auch  auf  anhaltende  Trockenheit  gedeutet,  allg. 

—  10.  in  einem  Rechenbuche  zu  Eintragungen  be- 
stimmt abgegrenzte  Abteilung  Gr.  Er  [der  Geschäfts- 
freund] het-en  eigene'  H.  Las'-mi''-  min'"  H.  luege"! 
,1488  vereintend  sich  dise  personen,  dass  sy  am  saras- 
tag  bin  einandren  essen  wölltind  und  wellicher  nüt 
kam,  dem  schreib  man  ein  krüzer  in  h.'  Edmb.;  vgl. 
Spiess.  ,Schryb's  mir  zue,  ich  will's  bezalen,  schryb 
mir's  in  meinen  rodel  oder  h.,  mihi  feras  expensum.' 
Mal.  —  11.  Hofhalt,  höfisches  Gefolge.  ,Die  zwo 
[Städte]  sollend  sy  für  ander  nebend  inen  haryn  [in 
das  Bündniss]  lassen  gon,  doch  dass  sy  dos  hofes 
sygind,  aber  nit  der  herr.  dass  sy  an  der  hand  gefüert 
und  nit  selbs  gangind  [also  den  tonangebenden  Städten 
Gefolgschaft  leisteten].'  1531,  Absch.  S.  noch  KarlfiJ.  — 
12.  gesellschaftliche  Zskunft,  Festlichkeit,  Kränzchen; 
in  der  ä.Spr.  auch  Turnier.  Z'H.  cho",  auf  Besuch  kom- 
men ScHW ;  vgl.  das  syn.  Dorf.  Uf  Ulburg  ufe"  gon-i''' 
z'  H.  ScHwzD.  Z'  H.,  spec.  =  zur  Hochzeit  Bs;  vgl. 
hofen.  De  schrihsch  vom  Hof  ha';  de  weisch  jo,  dass 
euse  Pfarrer  het  welle",  i«''  soll  z'erst  zu  's  Herre'  Tisch 
gö  [mich  konfirmieren  lassen].  1756,  Patriot  (BsLd). 
,Dass  alle  herren  ein  gesellschaft  und  einen  h.  gen 
Basel  geleit  häten  und  wollten  da  ir  muotwillen  [Lust, 
Vergnügen]  mit  einander  haben.'  1334/1446,  Z  Chr. 
,Myn  h.  und  hochzyt  uf  sonntag  vor  StJohannstag  ze 
haben.'  1471,  B  (Gfo.).  ,Dass  die  Kriegsleut  mit  einerlei 
Zehrung  nit  zämenschlachen,  noch  [nach]  der  Zehrung 


keinen  gemeinen  H.  machen.'  GRKlost.  LB.  ,Der  abt 
zu  StGallen  hat  ein  h.  und  panket  gehalten.'  Stumpf. 
Vgl.  noch  z'  H.  rlten  (s.  o.  3),  H.-Essen  Bd  I  526; 
GLKriegk  1871,  S.  242;  256  (über  die  Höfe  bei  Hoch- 
zeiten).    S.  noch  Hafen. 

Mhd.  huf.  Die  Grundbed.  ist  jedenfalls :  umschlossener 
Platz,  Kaum;  vgl:  ,Was  inrent  dien  muren  und  dien  vor- 
genannten zilen  lyt,  das  ist  ein  fryger  hof  des  gottshns  ze 
Engelberg.'  XIV.,  Hofr.  Unser  W.  dient  in  einfacher  Form 
oder  in  Zssetzungen  zur  Bildung  einer  unerschöpflichen  Reihe 
von  Flurnamen,  die  geradezu  als  Beweis  für  urspr.  ale- 
mannische Besiedluug  oder  alemannischen  Einfluss  angesehen 
werden;  vgl.  Arnold,  Ansiedlungen  2,  366/71.  Beachtens- 
wert ist  dabei  die  Seltenheit  solcher  Ortsbezeichnungen  im 
Gebirg.  ,Hof  als  1.  Teil  der  Zssetzung,  z.B.  .H.-.4cker'  B; 
G;  Th;  Z,  ,-Graben'  B,  ,-Halden'  Z,  ,-JIatf  Aa;  B;  G;  Th;  Z. 
.\ls  2.  Teil  der  Zssetzung,  wobei  der  erste  entw.  von  der  Lage, 
Art  der  Bodenkultur,  von  Pflanzen  od.  dann  von  dem  Besitzer 
hergenommen  ist.  ,Eich-'  Aa,  , Anken-'  Z,  ,Feld-'  Aa;  Th; 
Zg;  Z,  .Fürt-'  ZWad.,  ,Flnm-'  S,  ,Veiten-'  Aa„  rröhlichens-' S, 
,GugeI-'  ZKhein..  .Guggers-"  S,  ,Grüen-'  Z.  .Grund-'  Z,  .Kolbon-' 
Z,  ,Neu-'  Aa;  Th;  Z,  ,Rüti-'  Aa;  B;  Z,  ,Schlotter-'  ThWeinf., 
.Stalen-'  S,  .Stein-'  Aa;  Th;  Z,  ,Tobel-'  Th;  Z,  ,Tal-'  Aa; 
B;  Z,  ,Werd-H.-  B;  Z.  Das  W.  in  flectierter  Form:  ,Hofen' 
B;  L  (,diu  huüba  zen  hoven.'  1293,  LRodel);  G;  Seh;  Th; 
ObwKerns  (daher  wohl  der  im  XV.  belegte  Familienn.  ,zen, 
zun  H.');  Z  (im  Hofe'  ZMdf,  Analogiebildung  nach  andern 
masc.  Ortsnn.).  ,Egels-'  Th,  ,Alti3-'  L,  , Emmis-'  Th,  .Diessen-' 
(1178:  ,Diezinhoven',  bei  den  Höfen  des  ,Diezo')  Th,  , Hügels-' 
(urk.  .Hugoltes-'  =  *Hugwaltcs-)  Th,  , Heimen-'  gespr.  Ame- 
(c.  1238;  ,Hamin-')  Th,  .Mammerts'-  Th,  ,in  der  Nider-' 
ZZoll.  (fem.  mit  Bez.  auf  den  Oberbegriff  .Wiese'  od.  Analogie- 
bildung nach  andern  fem.  Ortsnn.);  vgl.:  ,Die  hofstatt  von 
nidernhofeu.'  üGefallerod.,  .Beggenhoven.'  1263.  jetzt:  Becki- 
hof,  ,Brams-'  (.Pramolveshova.'  796)  G.  .Wollis-  (.Wolos-.' 
ZStiftsurb.)  H.'  Z.  Als  PI.  .Höfe'  Aa;  B;  Schw  (s.  o.  bei  2). 
Von  der  Grundf.  entfernt  hat  sich  das  W.,  bzw.  der  Ortsn. 
übh.  in:  .Räterschen'  Z.  aus  .Ratirshoven.'  1229;  .Schal- 
chen' aus  .Schalcheshofen.'  1012.  .Schalkon.'  1223  (An- 
lehnung an  die  Ortsnn.  auf  -(i)kan),  .Dachelsen',  aus  .Tachils- 
hovin.'  1232.  Bes.  bemerkenswert  sind  aber  die  zahlreichen, 
immer  alte  Ansiedlungen  bezeichnenden  Dorfnamen,  welche 
von  Patronymiken  auf  -m^  abgeleitet  sind,  deren  -»13  mit 
dem  folgenden  -hofen  im  Allg.  im  Westen  zu  -ikofen,  im  Osten 
(bes.  in  L;  Th;  Z)  zunächst  zu  -i(n)gkon,  dann  zu -üf",  und 
im  Nordwesten  tw.  zu  -igen  verschmolz,  a)  -ikofe',  bes.  in  B, 
z.  B.  ,Äz-',  ,Ben-',  ,Dess-',  ,Zoll-ikofen'  (gegenüber  .Zollikon' 
=  .ZoUinchovun.'  837,  Z);  dann  in  SB.,  z.  B.  ,Hess-  (1347 
in  der  selben  Urk.  .Hessikofen'  und  .Hessikou'),  ,Küttigkofen' 
(schon  1316;  dagegen  ,Küttikon.'  1370;  1404),  .Liiterkofen' 
(.Lüterkon.' 1325;  1397),  ,Bttttikofen' ;  vereinzelt,  gegenüber 
zahlreichern  ,kon',  in  Aa  (,Wislikofen'),  Th  (.Hesch-',  ,Bott-', 
,Dett-').  Hieher  auch  das  Obw  .Bitaighofen',  woher  der  Fa- 
milienn. ,Bitzinghofer.'  1601;  vgl.:  ,de  Buzikoven.'  1326;  im 
XV.  ,de  BUtzikoven',  aber  schon  c.  1280:  .Buzzickon',  im  XIV. 
,Buzinkon.'  —  b) -»ion,  gespr. -üfAa (z.B.  .Hellikon',  ,Hentschi- 
kon',  .Köllikon'  aus  .Cholinchova.'  893 ;  davon  der  Familienn. 
,Kölliker'  Z,  .Büttikon',  ,Dottikon'):  Bs  (z.B.  ,Hemikeu', 
,Tennikon');  L  sehr  häufig,  z.B.  ,Ebikon'.  .Gisikon'.  .Nebikon', 
,Pfäffikon'  (vgl.  hierüber  Esterm.  1882,  S.  17/8);  in  Schw  nur 
, Haitikon',  .PfUffikon';  in  S  (,Hünikon',  ,Dullikon',  ,Dänikon'); 
in  G  (z.B.  .Albikon');  in  Th  (sehr  häufig,  z.B.  .Amlikon', 
Eschlikon'.  .Gerlikon'.  .Kefikon'.  .Tänikon',  .Trüttlikon'.  ans 
.Truchtelincofen.'  1155;  .Zezikon'.  aus  .Zezinchovin.'  1215, 
.Mörikon',  .Oppikon',  .Puppikon');  in  U  .Zisikon.'  1367.  Gfd. 
jetzt  Sififje.  Bes.  häufig  in  Z.  z.  B.  .Attikon',  aus  .Atting- 
hofen';  vgl.  .Attinghausen'  U.  .Adlikou'.  aus  .Adalinchova.' 
1040.  .Effretikon'.  aus  .Krpfratinchova.'  745,  ,Eschikon',  aus 
,Asgininchova.'  774,  ,Bubikon',  aus  ,Puapinchova.'  811,  wofür 
im  XVIII.  die  barrocke  Form  .Bubigheim'.  .Bossikon',  ans 
.Wosichova (marcha).'  902,  .Riedikou',  aus  .Hreotinchova.' 
744,    .Rietinchovan."   902.    .Schottikon'.    aus    .Scottinchofa.' 


yau,  .Waltikou',  aus  .Waltiliucliuva.'  942.  —  c)  -ken,  -gen 
liiiit  Einbüssuug  des  Voc.  der  Silbe  -inj):  ,Wenken'  Bs,  aus 
.Wahinkofen.'  1113,  s.  Z  Anz.  1888,  S.  240/2;  ,Benken'  Z, 
aus  ,PecchinchoTa',  vgl.  Z  Ortsnn.,  S.  59/60,  und  oben  Becki- 
huf,  mit  dem  unser  W.  also  gleichen  Ursprungs  ist.  Kndlich 
uiit  Umstellung:  .Bückten'  Bs,  aus  .Buttikon.'  1364  (vgl. 
den  L  Ortsn.  .BUttikon');  ,Diegten'  Bs,  urkundlich:  ,Die- 
tingüven.'  1152,  ,Dietkon.'  1226  (vgl.  den  Z  Ortsn.  ,Dietikon'). 
—  d)  irrtümlich  zu  den  Zssen  mit  -ho/en  herübergezogen 
sind  u.  A.:  ,Zuniikou'  Z,  urkundlich  ,Zuminga.'  946;  vgl. 
umgekehrt  ,Diepflingea'  ans  ,DicphIinchon.'  1252;  ebenso 
,Kttmlingen'  aus  .Rümlikon.'  XIV.,  Bs;  vgl.  den  Z  Ortsn. 
.Kumlikon'  aus  ,Rumalinhovon.'  884.  Schwanken  zeigt  sich 
in  Jen  urkundlichen  Formen  für  .Zufikon'  Aa  =  .Zuvingen.' 
1044;  s.  Arg.  9,  57;  ebenso  in  .andern  Fällen;  vgl.  z.B. 
das  Urkundenb.  von  BsLd.  Die  gleiche  Vermengung  pflanzt 
sich  daher  auf  die  entsprechenden  Familienn.  fort,  z.  B. 
.Bertschinger',  vpofur  im  XVI.  ,Bertschiker',  von  dem  Z  Ortsn. 
.Bertschikon';  .Benninger'  wahrsch.  von  dem  Ortsn.  .Benni- 
kon';  ,Zollinger'  neben  ,Zolliker'  und  ,Zollikofer',  ,Atti(n)ger' 
neben  ,Attiker'.  Über  das  Verh.  der  patronymischen  Ortsnn. 
auf  ,-ingen'  zu  denjenigen  auf  ,-inghofen'  vgl.  übrigens  noch 
ZAnz.  1888,  S.  157/61,  wo  auch  bestimmte  Angaben  über 
die  Verbreitung  der  letztern  im  ßebiete  des  Cts  Zürich. 
Nicht  hieher  gehört  auch  ,Berikon'  Aa  (gespr.  Berke"),  aus 
.Berchheim.'  1153;  vgl.  dagegen  oben  ,Bubikou'  neben  ,Bubig- 
heim'.  .Lunkhofen'  Aa  schon  im  XIV.  .Lunkhof*  für  älteres 
.Lunchunft'.  —  In  Familienn.  wie:  .Inihof,  Hofer,  Hofmann, 
Hofammann'  sehr  häufig;  ,Hug  am  H.'  Wegelin,  Bemerkens- 
wert sind  die  Familienn.  .Oppikofer,  Mörikofcr,  Pupikofer' 
der  alten,  vollem  Form  wegen.  .Geienhofer.'  Familienn. 
1529,  ThKessw.  (von  .Gaienhofen',  s.  Sp.  51);  ,Dändliker'  Z 
(Ortsn.  .Dändlikon'  Z);  ,Däniker'  (Ortsn.  ,Dänikon'  Z  = 
.Taninchoven.'  1130);  ,Ottiker'  (,Otinchova.'  809)  u.  v.  A. 
Von  diesen  althergebrachten  Formen  steht  die  für  halb  appell. 
Bed.  uengeschafl'ene  Bildung  auf  -kumer  ab,  z.  B.  Bendli- 
kuiiKi;  Einer  von  Bendlikon,  auch  Wein  von  dort;  darnach 
durch  falsche  Analogie  ,Meilikumer'  (neben  ,Meilemer'),  Abi. 
von  dem  Z  Dorfn.  .Meilen'.  —  Der  in  gewissen  Gegenden 
bes.  für  unächte  Dehnung  üblichen  Trübung  ist  Ausdruck 
gegeben:  Hufz.  B.  1534,  ZGrün.  Amtsrechn.;  1556,  ZDielsd. 
Offn. ;  1579,  Z  Urk. ;  ,Haaff  :  schaaff.'  JBinder  1535;  ,Haf- 
rudel  der  haflüten  [von  ZF.]',  Überschrift,  wohl  erst  aus 
dem  XVII.;  der  ,Hard-Haf'   (neben  ,H.-Hof).   1559,  Th  Urk. 

E-Hof:  zu  Recht  bestehendes  Hofgut.  ,So  vil 
dann  das  buwholz  berüerte,  da  wölltind  die  huober 
mit  irer  offnung  bewysen,  dass  man  söllichs  holzes 
halb  entheinem  nützit  schuldig,  er  wäre  dann  ein 
huober  und  bette  ein  rechten  e.  in.'  1548,  Hotz,  Urk.; 
vgl.  Hueh  IV.  —  über-:  1.  in  der  ä.  Rechtspr.  ein 
Gerichtshof,  an  den  die  Appellation  geht.  —  '2.  Flurn. 
ZF.,  Flunt.  (wahrsch.  nur  nach  der  erhöhten  Lage 
benannt).  .Ober-hofen-  Aa;  B;  Th;  Z.  —  8.  in  der 
Scherzrede:  I'''  ha"  nid  der  Wil  [keine  Zeit];  dazu 
die  mit  dem  anklingenden  ,Niderwil'  spielende  Antw. : 
Su  nimm  0.  derzite!  Aa  (Rochh.). 

AUmend-Höfli:  auf  dem  Allmeindeland  stehen- 
des Haus  armer  Landleute  GT.  (bis  in  die  40er  Jahre 
des  XIX.). 

Die  .AUmend-Hüfler'  waren  eig.  ,Hintersassen',  die  in 
keinen  bestimmten  Dorfverband  gehörten,  denen  man  aber 
aus  Gnaden  die  Ansiedlung  auf  der  gemeinen  Mark  vergönnte. 

Feld-Hof:  ein  i.  J.  1686  aufgeführtes,  einen  Hof 
eiuschliessendes  Zeughaus  Z.  —  Wahrsch.  so  benannt 
nach  seiner  Bed.  für  den  ,Feld'-Dienst. 

Far-:  Bauerngut,  auf  dem  die  Unterhaltung  einer 
Fähre  als  Reallast  haftete.  ,Es  sollen  alle  und  jede 
Besitzer  des  Fahrhofes   dem   Fehr   zu   seinem  Fahr- 

Scbweiz.  Idiotikou  II. 


hause  jährlich  von  ihrer  Gemeinde-Gerechtigkeit  zu 
geben  schuldig  sein  6  Klftr  Brennholz  [usw.].'  1666/91, 
Aa  Weist,  S.  165/6.  —  Vor-;  vor  der  Stadt  liegender 
Hof.  ,Dass  solich  prattik  nit  in  stetten,  sondern  (in) 
den  vorhöfen  und  hölzern  uf  dem  land  geschehen.' 
152'2,  Absch. 

Fri-;  1.  =  Frlheit  5  Bd  I  1265/6,  Frmng  Bd  1 
1269/70. .  ,I)es  gottshus  freier  hof  soll  gon  ze  UwE. 
von  des  kilchhofs  ort  bis  an  das  ort,  da  der  alt  spital 
ist. . .  Und  soll  der  selbig  (fry-)hof  und  die  herren 
mit  den  buessen  und  by  iren  brivileien  verbleiben  als 
von  alter  harkommen  ist.'  1582,  Obw;  vgl.  noch:  ,In 
der  fryheit  oder  in  des  gottshus  hof.'  ebd.  ,Es  soll 
ein  Jeder,  der  einen  unfürsechnen  Todschlag  begangen, 
im  Fr.  zu  BsLie.  wie  von  Alters  her  ein  ganzes  Jahr 
und  6  Wochen  befreit  und  der  Besitzer  verpflichtet 
sein,  die  äussere  Hoftüre  jeder  Zeit,  Tags  und  Nachts, 
in  der  Falle  stehen  zu  lassen  [nicht  zuzuschliessen].' 
XVII.  Einen  .Freihof'  besass  auch  das  StUrbans- 
kloster  auf  dem  ,Fridhofplatz'  in  SStdt,  welcher  daher 
auch  etwa  , Freihofplatz'  genannt  wurde.  Vgl.  noch : 
,Die  Mühlhauser  haben  beide  Freiheiten-Höfe  ver- 
wahrt und  die  Stadttore  geschlossen,  in  der  Absicht, 
die  3  Burgermeister  festzunehmen.'  1587,  Abscii.  Der 
Name  galt  auch  von  Häusern,  die  dann  auch  sonst 
bes.  Privilegien  (z.  B.  Abi,'aljeiifreiheit)  genossen,  so 
in  BHuttw.  .Ammann  R.  bittet  die  eidg.  Gesandteil, 
man  möchte  seinen  Freihof  in  der  Stadt  Frauenfeld, 
den  er  vom  Bischof  von  Constanz  gekauft  habe,  wie- 
derum freien  und  dessen  alte  Freiheiten  bestätigen.' 
1586.  Absch.  Freihöfe  gab  es  auch  in  TnEisch.,  es 
waren  z.  T.  frühere  adelige  Höfe,  welche  mit  min- 
destens 6'  hohen  Hofmauern  umgeben  sein  mussten; 
eine  Freistatt  war  ausserdem  die  dortige  Kirche. 
Zschokke's  Erzählung:  ,Der  Freihof  von  Aarau'  be- 
zieht sich  auf  den  Turm  Rore,  der  eine  alte  ,Fryheit' 
war  bis  1515,  wo  er  zum  Rathaus  gemacht  und  das 
Zufluchtsrecht  auf  den  Kirchhof  verlegt  wurde.  — 
2.  Flurn.  s.  frl  Bd  I  1257.  —  Über  das  Freihofsrecht 
vgl.  noch  Osenbr.,  Studien,    S.    13  f..    Arg.    1S61,  S.   61/2. 

Fron-:  1.  vom  Grundherren  mit  Hülfe  von  Frohn- 
arbeiten  der  Hörigen  bewirtschafteter  Hof,  Herren-, 
Herrschaftshof,  curtis,  auch  curia  dominicalis.  Vgl. 
Hof  2  und  3.  .Man  soll  alle  gefangen[en]  entwürfen 
in  [des  Bischofs]  fr.'  c.  1260,  Bs  Dienstinannenr.  ,Ze 
Rynach  sint  5  höfe,  die  der  herrschaft  eigen  sint,  der 
ist  einer  ein  fr.  unde  hörent  die  4  höfe  daryn,  da 
giltet  der  fr.  ze  zinse  21  mütt  kernen.'  c.  1304/11, 
habsb.-östr.  Urb.  ,Dis  geding  [Jahrgericht]  soll  man 
haben  in  dem  fr.'  Bs  Rq.  .In  des  probsts  fr.,  do  soll 
ein  stock  syn.  da  man  schedlich  und  schuldig  lüt  in 
und  enthalten  soll,  bis  der  meier  des  probsts  dem 
vogt  solich  lüt  überantwurt.'  ebd.  ,Der  meier  soll  ein 
pfand  nemmen  dem,  der  synen  zins  versunit  ze  geben 
und  soll  es  in  fr.  füeren  und  daselbst  7  tag  ver- 
kostigen.' ebd.  —  2.  .Fronhofen',  Weiler  L. 

Mhd.  vrönhof,  dass.;  vgl.  auch  Mrici-ll.  Vgl.  Meier, 
Gesch.  des  Bundesrechts  I  267. 

Frond- =  i'Vön-if.  ,l)er  nieigerhof  ze  Sarmens- 
dorf ist  ein  fr.,  denselben  hof  buwt  nu  frö  N.,  die 
meigerin,  ze  leben.  Derselb  hof  hat  du  recht,  wenne 
ein  propst  [der  Grundherr]  dar  kumraet  selb  dritte 
geritten  uf  die  geding.  die  soll  du  meigerin  mit  irm 
kosten    erberlich    haben.'    1359,    Uub.  von  StBlasien. 


1027 


ILif,  hef,  Inf,  hof, 


1028 


,l)er  saiiktblasische  Uof  ze  Sneisaiig  sei  nicht  ein 
Erbgut,  sondern  ein  Fr.'  1401,  Hdber,  Eeg.  -  Mlid. 
m-nndc,  frolmdienstpflichtiges  Laud,  .Frolmdieust.  Bei  Mone, 
Ztschr.  6,  105  ist  der  Herrenhof  kurzweg  frönda  genannt. 
Frit-Hof  B;  Gl;  Gr;  GSa.;  TB.,  Frld-  ürD.; 
Uw,  Frid-  W  —  m.  (in  GrL.  n.):  1.  Gottesacker, 
Friedhof.  ,Fridhof,  area  terapli.'  Id.  B.  Der  heute 
von  Häusern  rings  umgebene  Fridhofplatz  in  SStdt 
wird  noch  1336  als  cimiterium  erwähnt.  ,StSteffans 
Kirch  in  dem  FreidhotV  FHaffn.  1666.  Fr.  nannte 
man  in  ApTrogen  spec.  den  .Armensünderkirehhof', 
nachdem  er  1771  vom  Pfarrkirchhof  abgetrennt  und 
in  die  Nähe  des  Hochgerichts  verlegt  worden  war. 
,1528  habend  die  pfaffen  zue  Regensburg  nach  irem 
rechten  keinen  erstorbenen  menschen,  der  luterisch 
in  iren  freit-  oder  kilchhof  wellen  begraben 
Sicher  1531,  84.  , Kirch-  oder  Frythoif.'  RCys. 
,Sy  laufend  durch  den  Freithof  [des  Klosters]  durch.' 
1653,  Mohr,  Arch.  ,Es  solle  Niemand  keine  Schwein 
uf  den  Frythof  gan  lassen,  by  Buoss.'  GrD.  LB.  — 
Fridhöfler  m.:  Name  einer  intermittierenden  Quelle 
am  Bürgenberg  UwBuochs;  s.  LtiT.,  Sag.  S.  278/80, 
Schwzd.  VI  3,  S.  14;  Nationalkal.  1869,  S.  33. 

Mild,  vriihof,  Vorhof  eines  Tempels,  eingefriedeter  Raum 
um  eine  Kirche;  vgl.  Kilch-,  luiai-H.  —  Das  Geschlecht 
des  W.  ,Fridhüller'  ist  wohl  bedingt  durch  den  Oberbegriff 
,Bach'  oder  es  liegt  eine  Personifikation  vor.  Aus  dem  Ver- 
siegen wie  aus  dem  Emporsteigen  periodischer  Quellen  wird 
oft  Unheil  geweissagt,  Sterhfall  und  annahende  Teuerung; 
s.  Gr.,  Myth.  S.  557/8. 

Geiss-:  Name  eines  Hügels  bei  Sch,  einst  AIl- 
meinde.  Spöttisch  den  Nichtbürgern  der  Stadt,  welche 
an  keinem  Zunftverband  Teil  haben,  als  Zunftlokal 
zugeschrieben.  —  Güster-:  Hofraum,  als  Lagerplatz 
für  Kehriclit  BHk.;  s.  Bof  6  und  Sp.  494.  —  Hueb-: 
=  Huch  IV.  ,Die  kahl-  und  die  huebhöf  in  den  vor- 
stätten  [von  ZWthur].'  1531.  —  Holz-:  sog.  Holz- 
lehen, ein  im  Wald  gelegener  Hof.  ,[Die  Hofleute] 
sprechent,  dass  4  holzhöf  syent,  die  sond  das  ir  [als 
sog.  ,beschlossne  Höfe']  vor  den  von  Altorf  zünen.' 
c.  1439,  ZAlt.  Offn. 

Here"-:  1.  Pfarrhof  Ndw.  —  2.  obrigkeitliche 
Kasse,  Fisous  Gr.  Das  (z.  B.  diese  Bussengelder) 
g'hört  in'n  H.  —  3.  Flurn.  Th. 

Zu  Bed.  2  Tgl.  B<^  10;  es  ist  also  eig.  die  der  Obrigkeit 
gewidmete  Rubrik.    Zu   3   ist  viell.  Fronhuf  zu  vergleichen. 

Hus-:  umzäunter  Wirtschaftsraum  um  das  Haus 
Ndw.  Vgl.  Hof  6.  --  Jäger-:  sog.  Jagd-  oder  Jäger- 
lehen, dessen  Inhaber  verpflichtet  ist,  dem  Grundherrn 
bei  der  Jagd  zu  dienen,  z.B.  Hunde,  Treiber  zu  stellen; 
Jagdhof.  Den  Namen  führten  die  3  Weiler  oder  Höfe 
Ober-  und  Unter-Hembrunn  und  Türmulon  Aa. 

Kel-:  Hof,  der  dem  Keller  als  grundherrlichem 
Beamten  zugewiesen  ist,  curia  cellerarii,  daher  auch 
etwa  ,Keller-H.'  genannt.  ,Der  kelnhof  ze  Eschenze 
[usw.]  sind  järlich  lidig  ze  StWaltpurg  tult.'  1296, 
TnEsch.  Oß'n.  ,Ze  Küsnach  lyt  ouch  ein  kelnhof,  der 
hat  wol  uf  73  jucharten  an  holz  und  an  feit.'  1304/11, 
habsb.-östr.  Ure.  ,Wann  der  k.  empfangen  ist,  so  sind 
alle  erbgüeter  empfangen.'  THWellh.  Offn.  ,Der  keller 
soll  sitzen  in  syra  kelnhofe.'  L  Hofrecht.  ,Mänger 
kelnhof,  der  ist  als  arm,  dass  der  meiger  muess 
keller  und  meiger  syn.'  ebd.  ,Dass  N.  N.  den  chelle- 
hof  ze  Malters,  der  sein  leben  von  uns  ist  gewesen. 


aufgesandt  hat  mit  seinen  priefen.'  1346,  Gfu.  ,Er 
soll  das  beste  houpt  ze  falle  geben  und  soll  das  ant- 
wurten  dem  keiner  in  dem  kelnhof.'  LMalt.  Offn. 
(dafür:  , Kellerhof.'  1600).  ,Er  hat  den  Insassen,  des 
gottshuses  eignen  lüten  ein  maientedung  [Maiengericlit] 
uf  den  kelnhof  verkündt.'  ZHegi  Offn.  ,Es  soll  ein 
keller  den  kelnhof  in  guoten  eren  han  mit  liüseren 
und  mit  spycheren,  dass  er  einem  probst  syn  zins 
behalten  möge  und  dass  ein  probst  oder  syn  boten 
mit  iren  pferden  guot  gemach  by  im  haben.'  1400, 
AaKöII.  Hofr.  ,Dass  twing  und  bann  gänzlich  über 
alles  dorf  Boswil  und  ouch  diso  nachgeschribnen 
dörfer  und  höf  gehörend  in  den  kelnhof  ze  B.  und 
sind  dis  die  twinge  und  banne  derselben  dörfern  und 
höfen,  die  zuo  dem  twing  ze  B.  gehörend,  nämlich 
[usw.].'  1421,  AaBosw.  Dorfr.  ,Wann  es  sich  begäbe, 
dass  der  keiner  dem  kelnhof  unnütz  syn  erkennt 
wurde  oder  er  daruf  stürbe,  so  soll  der  kelnhof  one 
alle  ynred  dem  stift  fry  ledig  widerura  heimgefallen 
syn,  also  dass  ein  stift  damit  tuon  und  wandlen  möge, 
wie  es  inen  eben,  kummlich  und  gefeilig  ist.  Und  so 
bald  der  hof  ledig  wirt,  so  soll  holz,  strow  und  bauw 
nach  gemeinem  landrecht  by  dem  hof  blyben  und  er 
oder  syne  erben  mit  verbundnem  sack  abzüchen.'  1533, 
Hotz,  Urk.  I  41/2  (mit  sehr  eingehender  Pflichtenbe- 
stimmung).  ,Der  vogt  het  gricht  g'halten  uf  dem 
oberen  kelhof  ze  Winterthur.'  1549,  UMet.,  Chr.  ,Der 
Kälhof  zu  Altorf  ist  einem  Vogt  zu  Grüningen  selb- 
ander  essen  und  trinken  zu  geben  schuldig  und  wel- 
licher  den  K.  innhat,  der  soll  haben  alle  Mass  zu 
Kernen  und  Haber  und  soll  die  Jedermann  im  Dorf 
lihen.'  1668,  ZGrün.  Herrschaftsr.  S.  auch  noch  Absch. 
IV  2,  1000;  Blüntschli,  BG.  1255.  —  Kelhofer: 
Inhaber  des  Kelhofes,  Keller.  XVL/XVIl.,  ZSehwam. 
(,Keln-'  neben  .Kelhofer'). 

Der  Hof  führt  ausser  den  oben  genannten  Namen  auch 
die  Bezeichnungen  ,Kern-,  Kelners-Hof,  Kelhof-Gut'  (s.  Gr. 
WB.);  ferner:  ,Das  Lehen,  Kelgut,  colonia,  feudum.'  Red. 
1  fi6'2.  Die  Form  ,Keln-H.'  kommt  vorwiegend  in  den  ältesten 
Quellen  vor;  ausserdem  ist  sie  bei  uns,  z.  T.  im  Wechsel 
mit  ,Ke!-H.',  bis  ins  XVII.  belegt.  Über  die  nicht  ausge- 
machte Etymologie  des  W.  vgl.  JMeyer,  Gesch.  des  Bundes- 
rechts I  267,  Note.  Der  Grund,  warum  ,Kel-'  (auch  ,Meier-)H.' 
als  Übersetzung  des  lat.  curia  (Rathaus)  erscheint,  mag  darin 
liegen,  dass  auf  den  Kel-  und  Meierhöfen,  welche  oft  (weil 
an  diese  Beamten  verliehen)  nrspr.  mit  den  Sal-  oder  Fron- 
höfen identisch  sind,  Gericht  gehalten  wurde;  sonst  ist  wohl 
curia  Wiedergabe  des  deutschen  .Bann-  oder  Twing  (Zwing)-H.' 
Das  W.  ist  an  zahlreichen  Orts-  und  Flurnn.  haften  geblieben 
G;  Th;  Z  (in  Stäfa  ChM-  uud  ri,.il-H.).  Über  das  Ver- 
bältniss  der  ,Kel-'  zu  den  ,Meierhöfeii'  vgl.  Seg.,  RG.  1,  2"; 
Blumer,  RG.    I    67. 

Chilch-  B;  L;  S;  Ztw.,  CMlle-  ZStdtf,  Chtl-  A\; 
Ap;  Ltw.;  ZKn.,  W.,  Chilch  (bzw.  Chvrcli-  ZStdt) -ö/- 
(-äfj  Z,  Chilkchnf  /,!•'. :  =  FiUhof.  D' Frau  g'hört  im 
[dem]  Ma"'  hin  uf  de'  Ch.  I.G.,  eine  Var.  des  Eechts- 
sprichworts:  ,Der  Jlann  muss  seine  Frau  tun  bis  auf 
den  Kirchhof',  der  Mann  einer  ohne  Leibeserben  ver- 
storbenen Frau  hat  nur  die  Kosten  bis  zur  Beerdigung 
derselben,  das  Übrige  (Exequien  usw.)  haben  die  Erben 
zu  tragen  Schw.  Uf-em  Ch.  laufen  all  Weg  z'sämme' 
L  (Ineichen).  Niemer  hed  usg'lerf  [-gelernt],  a's  die 
uf-em  Ch.  LSurs.  ,Ein  pfarrkilchen  mit  kilchhof.' 
1417,  Zellw.,  Urk.  ,Das  hus  uf  dem  kilchhof.'  1525, 
VöG.-Nüsch.,  S.  500.  ,Selbst  in  Kirchen  und  auf  Kirch- 
höfen,  die   sonst  Freistätten   waren,    nehmen   sie  gc- 


Haf,  lief,  hif,  liof,  huf 


1030 


laueren.'  1535,  Absoh.  ,A1s  N.  N.  den  Schuldnern  in 
kilchhof  entrann  [indem  er  starb].'  Ansh.  .1611  in  dem 
grossen  Sterbend  sind  3  Kirchhof  gemacht  worden.' 
Mem.  Tig.  1742.  Im  weitern  S.:  der  um  Kirche  und 
Kirchhof  liegende  DorfteirZZoll.  —  Chilch(h)öfler: 
1.  Bewohner  des  betr.  Dorfteils  ZZoll.  —  2.  Apfel- 
sorte Th;  Sjn.  Täinger.  Art  saure  Äpfel  ScnSt. ;  Syn. 
Wiss-Acher. 

Mild.  kii-chiUof,  alem.  küch(h)of.  Auf  die  Verwendung 
dur  Kirchhöfe  als  Versammlungsplätze,  auch  für  allerlei  welt- 
liche Zwecke,  bezieht  sich  das  Verbot :  ,Dass  nieman  soll  in 
dorn  kilchof  ze  Kapelle  keiglou  [Kegel  spielen],  noch  turnieren.' 
<\  1300,  ä.  L  Eatsb.  Vgl.  noch  liosen- Garten.  Das  W.  ist 
als  Flurn.  an  Stellen  haften  geblieben,  wo  (einst)  Kirchhöfe 
gewesen,  so  in  Z  am  .Predigevkirchhof ,  in  SOlten  als  Name 
eines  Quartiers,  in  BStdt  an  der  Plattform  beim  Münster; 
vgl.  auch  die  Personenn.:  ,Bnrch.  im  kilchove.'  127s,  Seh 
Urk. :  ,Nic.  im  kilchof.'  XIV.,  L  Propsteirod.  Ckilhofcn,  der 
Ort  (Weiler),  wo  die  Kirche  von  ObwSarnen  steht,  ist  viell. 
zu  erklären  als  urspr.  zur  Kirche  gehörender,  bei  der  Kirche 
liegender  Hof  i.  S.  t.  1  oder  2.  Zur  eigentlichen  oder  zu 
dieser  letztern  Bed.  gehört  dann  auch  der  Faniilienn.  ,Kilch-' 
R:  1398,  GT.;  ,Kirch-Hofer'  GStdt;  Seh.  Betr.  die  Form 
i'liit-If.  (aus  Chille,  alem.  neben  Chilche)  vgl.  die  volkstUm- 
li.-he  Ausspr.  Chil-Bcnj  (auch  Chihk-Bag)  für  den  Dorfn. 
.Kirch  berg'. 

Chuster-:  Name  eines  alten,  in  der  Nähe  der 
Kirche  gelegenen  Lehenhofes  ZDürnt. 

Wahrsch.  ein  dem  .Küster'  als  kirchlichem  Angestellten 
verliehener  Hof;   vgl.  KeU,   Meitr-  und  viell.   bes.  \yidum-U. 

Lon-:  Wohnung  des  frühern  , Lohnherren'  Bs; 
vgl.  Lün-Ämt  Bd  I  245;  jetzt  Sitz  der  Polizeibehörde 
und  der  Untersuchungsrichter,  auch  (!ef;'ni!::niss,  daher 
sagt  HiNDERM.  ironisch:  Basti  isrli-ni  nlli  Stadt,  si 
tuet  's  Verdienst  bilone",  driiw  Ini  si  ,i,i  ,li'"  L.  'baut, 
vo,  u'er 's  verdient,  Ica"  wone"  1 

Meier-:  an  den  Meier  als  grundherrlichen  Be- 
amten verliehener  Hof,  curia  villici.  ,ln  den  m.  ze 
Langensant  höret  diu  kilche  ze  Horw.  Der  selbe  hof 
ze  L.,  der  ein  dinghof  ist,  hat  wol  uf  24  jucharten 
von  ackeren  und  von  wisen.'  1304/11,  habsb.-östr.  Urb. 
,In  den  ra.  ze  Malters  höret  diu  kilche  ze  M.;  des- 
selben m.  ist  ein  huobe.'  ebd.  ,l)as  Gottshus  ze  Lu- 
ccren  hat  15  meierhöfe  an  [ohne]  den  zu  Luzeren.' 
aHofr.  ,Dass  man  järlich  soll  in  dem  m.  ze  Zuffikon 
haben  zwöi  gedingc.'  AiZuff.  Offn.  ,Es  soll  ouch  ein 
meier  han  in  disem  hof  ein  schein  [Hengst]  und  ein 
pharren.'  LMalt.  Offn.;  vgL  Arg.  9,  31.  ,Der  m.  zuo 
Niderrordorf  hat  die  gerechtigkeit,  welcher  daruf 
sitzet,  soll  syn  dorfmeier  und  wann  zuo  herbst  wirt, 
dass  man  die  bröchen  legen  will,  so  hat  er  zuosamen 
[zu]  gebieten  der  pursame  gemeinklich  uf  den  m.' 
.\a  nRord.  Offn.  Der  M.  in  dem  nach  einer  Kapelle 
benannten  LMeierskapell  wurde  1447  von  der  Z  Frau- 
münsterabtei an  PKoller,  der  ihn  bisher  zu  Erblehen 
besessen,  verkauft.  Derselbe  ertrug  damals  11  Mütt 
Kernen,  2  Mütt  Nüsse,  1  Mütt  Bohnen,  1  Mütt  Hirse, 
000  Tämerbalchen,  600  Eöteli,  15  Zigerli.  Der  M. 
hatte  auch  die  Pflicht,  die  Kirche  einzudecken;  s.  Seg. 
RG.  1,  526.  ,Er  lusset  um  die  meigerhöfe.'  1531/48, 
Psalm;  dafür:  ,Er  lauert  um  die  Höfe.'  1560.  ,Wo 
vil  vych  und  güeter  sind,  muoss  man  vil  knecht  und 
werkleut  haben,  wie  man  noch  sieht  auf  den  grossen 
meierhöfen.'  LLav.  1582.  S.  auch  Hueb  IV  Sp.  958 
unten  und  Meier-Hueb. 

Das  Vy.  ist  noch  erhalten  .als  häufiger  Ortsn.  h;  G;  Z, 
davon  der  Faniilienn.  ,Mcierliofcr'.    Betr.  das  Sachliche  vgl. 


LABurkhard  1860,  S.  29/30;  .IMeyer  1878,  S.  266.  S.  auch 
Hof  3  (.Strohhof),  Kel-ff.  und  Sp.  80;  sowie  Hof-Mtuir. 

Mönch-:  ein  den  Mönchen  (einem  Kloster)  ge- 
höriger Hof;  vgl.  habsb.-östr.  Urb.  S.  11.  Erhalten 
als  Flurn.  ZKilchb.  (Möich-H.J;  der  Hof  gehörte  einst 
dem  Kloster  ZKappeL  —  Mist-  =  Hof  fl  Ap;  Btw.; 
Gr;  W.  ,Die  schlechteste  Gattung  Mist  ist  der  sog. 
Hofmist.  Um  diesen  zu  sammeln,  unterhaltet  man  bei 
einem  jeden  Haus  einen  M.,  worauf  das  Auskehrig 
aus  dem  Haus,  alles  Spühlwasser,  alles  Abgehende 
von  Garten-,  Erd-  und  Baumgewächsen,  auch  Gassen- 
kot und  anderer  Unrat  hingeworfen  wird,  welches, 
wenn  Alles  durch  einander  verfaulet  ist,  die  erste 
Düngung  auf  die  Brache  abgibt.  '  Bei  den  Ställen  wer- 
den auch  Misthöfe  gehalten,  auf  welche  das  Auskehrig 
aus  den  Ställen,  zerhackte  kleine  Zweige  von  Tann- 
bäumen oder  von  Hägen.  Unkraut,  Laub,  auch  aus 
dem  Wald  halbverfaulte  Tannnadeln  hingeworfen  und 
bisweilen  mit  Harn  begossen  werden.'  Steinm.  1804. 
Jauchebehälter  BS.  —  Bü-:  Bauernhof.  In  einer 
Urkunde  des  Z  Klosters  Töss  wird  ,mansum  nostrum' 
übersetzt:  ,Unsern  buwhof.',  1273,  Z.  ,Die  veste  Mos- 
burg  mit  burgstal,  mit  burgrechten,  mit  dem  b.'  1409, 
Pdp.,  Urk.  ,Die  veste  Singenberg  hat  einen  b.  zue  S.' 
Vad.  Bahofer,  Familienn.  U  (Leu,  Lex.).  —  Ball-: 
Waarenhaus,  zur  Ablagerung  der  in  die  Stadt  kommen- 
den (Waaren-)  Ballen.  Bs  XIV.,  S.  58/9;  auch  ,Ball- 
Hus';  vgl.  ,Hof'  4. 

Bann-:  Hof,  in  welchen  gepfändetes  Vieh  getrieben 
wird.  ,Wann  der  weibel  vych,  das  nit  der  burger 
noch  der  gerichtsghörigen  ist,  uf  der  von  Elgüw  güeter 
an  dem  schaden  findet,  das  soll  er  in  pfand-  und  b. 
gen  Elgow  tryben.'  1535,  ZElgg  Herrschaftsr. 

Über  des  Sachliche  vgl.  /V«f  //  Bd  I  102.5.  Vgl.  auch 
.Twiug-H.' 

Burg-:  Burglehen,  feudum  castrense,  mit  der 
Pflicht,  die  Herrenburg  zu  bewachen.  Die  ehemals 
zum  Schloss  Eegensberg  gehörigen  Burglehen  er- 
scheinen seit  1560  als  vom  Rat  zu  Zürich  verliehene 
.Burghöfe'.  Als  Orts-  und  Häusern.  B;  G;  Z,  bis- 
weilen wohl  nur  den  Hof  bei  der  Burg  bezeichnend. 

Pfarr-,  in  UwE.  (It  Ndw  Volksbl.  1869)  n.,  sonst 
111. :  wie  nhd.   —   Das  Neutr.  wohl  mit  Anlehnung  an  Ifus. 

Blackte"-:  Garten,  in  welchem  Alpensauerampfer 
wäch.st  Gr  ObS. 

Sal-:  Hof  mit  dem  Horrenhause  (sala),  Herr- 
schafts-. Herrenhof;  in  lat.  Urk.:  curia  (curtis)  salica; 
vgl.  Hof  2,  Fron-H.  und  Sal-Land.  ,Der  abt  ald  syn 
amtlüt  an  syner  statt  sollend  järlichen  uf  synen  sel- 
höfen  ze  niaien  und  ze  herbst  umb  eigen  und  erb 
richten.'  XV.,  ZEhein.  Offn. 

Mhd.  salhof,  dass.  Betr.  das  Sachliche  vgl.  Seg.,  EG.  1,  32. 
Ein  S.  war  natürlich  auch  der  oben  unter  Hof  S  genannte 
Königshof  Zürich;  über  dessen  Exemption  s.  Z  Urkundenb. 
Nr.   B8.      Vgl.   noch  Stadel-U. 

Salz-:  Lagerhaus  für  Salz.  ,üas  salz  also  frei 
aus  dem  s.  antworten.'  1484,  B.  ,Insonders  hat  die 
statt  gross  einkommen  von  dem  salzzoll  oder  s.'  Siml. 
Reg.  1577;  vgl.  SiML.-Leu  1722,  198.  ,Ein  Obmann 
und  Verwalter  des  ganzen  S-s,  den  man  den  Hofmeister 
namset,  der  den  Zoll  ynnimmt  und  alle  Waren  flyssig 
ufschryben  tuet.'  JJRüeg.  1606.  ,Der  von  vielen  Kai- 
sern, Königen,  Erzherzogen  .staatlich  privilegierte  S.' 
1701,   WlI,D,   Egl.    -    Vgl.  Hof  4   und   «engler  ISS2,  201. 


ttaf,  hef,  hif,  liof,  Inif 


Senn-Hof:  Hof,  auf  welcbem  viel  Vieli  gehalten 
und  Käse  bereitet  wird,  Sennerei.  ,Ze  Nubrechten 
ist  ein  sennehof,  so  man  ynrihtet  6  küe.  Man  rihtet 
dem  sennen  C  mütt  roggen  [usw.]  für  syn  koste.  So 
soll  der  hof  gelten  järlichs  bOO  kese,  einen  zigern 
[usw.].'  1304/11,  habsb.-östr.  ürb.  ,Zue  raachenne  ein 
s.  von  den  güetern,  die  da  zuo  dem  schloss  gehorent 
in  berg  und  tal,  dadurch  man  haben  möcht  schmalz, 
käs,  ziger  und  anderes  des  gnuog  und  ouch  vich  zie- 
chen  und  by  dryssig  küen  summren  und  wintren.' 
GMitt.  Vgl.  Schweig-H.  —  Das  W.  noch  erhalten  als 
Häuser-  u.  Fluni.  Aa;  G;  Z.  Der  , Sennhof'  in  GRChur, 
jetzt  Strafanstalt,  war  früher  eine  dem  Bischof  gehörige 
Sennhütte;  vgl.  B.  1870,  71  (s.  v.  laugnen).  Die  Ort- 
schaft , Sennhof'  in  ZRuss.  hiess  früher  ,Eri(ch)sherg'; 
vgl.:  ,Ze  Erisberg  lyt  ein  hof,  der  heisset  der  senne- 
hof.' 1304/11,  habsb.-östr.  Urb. 

Bei  Seh.  BUrster  1630/47,  S.  32.  99.  109  ,Sent-,  Sänd- 
Hof.  wozu  unser  Senle  zu  vergleichen  ist.  Der  ,Sentenliof 
in  AaMuri,  vormals  ein  Klostergut. 

Sunder-:  ausserhalb  des  Twings,  der  Dorfmark 
liegender,  sog.  ,beschlossncr  Hof ;  vgl.  Hof  1.  ,Es 
sint  ouch  inrent  den  ziln  sunderhöfe,  die  uns  weder 
treten  noch  etzen  süllen,  wann  dass  si  sülln  inrent 
ir  stecken  blyben.'  LMalt.  Hofr.;  ähnlich  ScHwKüsn. 
Offn.;  vgl.  etzen  Bd  I  6'27.  —  Ähnlich  ist  viell.  auch  der 
ä.  Beleg  zu  Sunda-Gtiet  Sp.   551  zu  erklären. 

Sess-:  Bauerngut  als  alter  Erb-,  Stammsitz.  In 
LNiderwil  erhob  sich  bei  der  Teilung  ein  Streit,  ob 
die  Gemeinwerke  nach  den  8  Eehofstatten  [in  einer 
Urk.  von  1572  ,Ses.shöfe'  genannt]  oder  nach  den 
13  Schuppossen  sollen  geteilt  werden.  Estkkm.,  Rick. 
,üas  Gebirg  facht  sich  an  mit  Baum-  nuA  Olisgewächs, 
Sässhöfen  . . .'  RCys.  ,[Das  Nähcrrucht  soll  den  Ge- 
nossen zustehen,  wenn]  die  Häuser,  Höf  und  Güeter 
vor  demme  alte,  eingeschlossene  Sässhöf  [gewesen] 
und  [die]  Güeter  zusammen  gehört  habind.'  L  Stadtr. 
1706/65.  —  Vgl.  Si-as-Ouet  Sp.  551  und  mhd.  «üß-lihtn. 
Betr.  das  Sachliche  vgl.   Hof  1  und  Hueb  IV. 

Schinder-:  Name  eines  urspr.  herrschaftlichen 
Lehens  AaB.  ;  der  Ertrag  von  demselben  erscheint 
regelmässig  unter  den  Einnahmeposten  der  eidg.  Tag- 
rechnungen, s.  z.  B.  Absch.  IV  1  b,  6i'l.  1063  usw. 

Scheint  in  Zshang  mit  der  h.  Gerichtsbarkeit  gestanden 
zu  haben,  sei  es,  dass  dort  die  Amtswohnung  des  Scharf- 
richters und  seiner  Knechte  gelegen  oder  der  Richtplatz 
gewesen. 

Schenk-:  (frühere)  Kelter  des  Z  Chorherrenstifts, 
in  welche  der  Weinzehnten  abgeliefert  wurde;  =  ,cel- 
larium.'  1346.  Stifts-Stut.  ,Ks  ist  der  seh.  das  gebüw 
nebend  dem  kru/nanu,  .hi>  7  | später  11]  trotten  under 
einem  tach  hat,  saimiit  all.'iii  trottgeschirr.'  HBull., 
Tig.  ,Der  Scli.  wird  f^rnllnrt.  wenn  der  Weinzehenden 
der  Stift  vor  Pflegern  niM  <'a|iilul  \erleil,en  «ird  uml 
wieder  beschlossen,  wenn  .lie  /e-henilen  alle  i^eliefei-t, 
ausgedruckt  und  verteilet  iiiiJ.-  viloos  177.J.  ,l»as 
hus  [zum]  Pellicanen  gab  ein  hus  zum  seh.,  dann  die 
buren  werdent  nit  wyt  wellen  laufen,  Gott  wöll,  dass 
sy  an  der  nächi  gern  und  willig  bezalind.'  1530,  Hotz. 
Urk.  ,Der  keiner  soll  zu  he.rbstzyt  allweg  mit  der 
fuor  in  den  seh.  gespannen  [bereit]  stän.'  1533,  Z 
Schwam.  Offn.  ,Der  seh.  gieng  am  18.  Sept.  [auf]  und 
währet  25  tag.  Der  herren  einem  wurdend  116  eimer, 
daher  wurdend  söliche  vers  in  den  seh.  geschriben : 
Aureus   annus  erat...'    1552,  HBull.     .Demnach    die 


jär  har  die  6  wachten  vor  der  mereren  statt  Zürich 
vermeint,  in  der  gstift  seh.  hin  und  wider  zuo  herpst- 
zyt,  so  man  den  zehnden  sammlet,  dass  sy  grechtigkeit 
habind,  in  derselbigen  schenkhöfen  ze  trinken  und  ze 
zechen  nach  irem  gefallen."  1577,  Hotz,  Urk.  I  194  f. 
,Der  Seh.  zu  Z,  der  den  6.  Weinm.  aufgegangen,  ist 
den  17.  wieder  beschlossen  worden.'  Z  Nachr.  1756. 
Davon  noch  die  RA.:  ,Der  Seh.  ist  wieder  aufgetan', 
bzw.  ,ist  wieder  zu',  das  Geschäft  des  Weinkelterns 
hat  begonnen,  bzw.  ist  beendigt  ZRüml.  Früher  galt 
das  Öffnen,  bzw.  Schliessen  des  Schenkhofes  als  Zei- 
chen des  Anfangs,  bzw.  Endes  der  Schul-  und  Ge- 
richtsferien (der  Tage  des  Rechtsstillstandes).  ,Bei 
der  Jugend  ist  der  Ausdruck:  „Der  Seh.  ist  offen" 
geläufiger  als:  „Die  Ferien  nehmen  den  Anfang."  Z 
Neuj.  Mus.  1796.  ,Drum,  den  Herbst  genossen!  Seht, 
die  Schul  beschlossen!  Keiner  drüber  traurt.  Seht 
den  Seh.  offen!  Wollen  's  freudig  hoffen,  dass  es  lange 
daurt.'  ebd.  —  Schenkhofe r  m.  ,Der  Chorherr,  so 
zum  Schenkhof  gesetzt  wirt,  heisst  seh.'  HBull.,  Tig. 
.Seine  Pflicht  ist,  zu  sorgen,  dass  die  der  Stift  zu- 
stehende Weinzehenden  von  allen  Orten  her  wohl  und 
treulich  eingezogen,  gepresst  und  gewissenhaft  unter 
alle  18  Stände  gleich  ausgeteilet,  auch  alle  Schenkhofs- 
Bediente  mit  Speis  und  Trank  versghen  werden.  Er 
wird  erwählt  von  dem  Capitul  der  Chorherren.'  vMoos 
1775,  215/6.  ,Das  Einkommen  der  Frau  Schenkhoferin 
ist  3  Pfd.'  ebd. 

Vor  der  Reformation  hiess  der  Vorgesetzte  des  Schenk- 
hofus  Klosterkellner  (cellerarius  claustralis);.  nach  der  Re- 
formation war  dem  Sch-er  ein  vom  Rate  ernannter,  weltlicher 
Beamter,  der  (Gross-)Keller,  beigegeben.  S.  noch  mygelen. 
—  Der  ,Schenkenliof  in  ThBisch.  war  ein  den  Schenken 
von  Landegg  gehörendes  Haus;  vgl.  Hof  ;).  —  Betr.  das 
.Aufgehen'  s.  auch  u.   Trotten. 

,Scharringgel-  oder  Regeln  der  guten  Lebensart 
beim  Abschiednehmen  von  der  Stubentüre  bis  zur 
Haustüre  und  auf  der  Gasse.  Zu  Nutz  und  Frommen 
junger  Herren  und  Bürger,  die  sich  züchtiglich  ge- 
bärden wollen,  in  Bildern  dargestellt.'  Titel  einer  von 
Dav.  Hess  in  6  Bildern  gezeichneten,  satirischen  Dar- 
stellung der  im  letzten  und  im  Anfang  dieses  Jhdts 
bes.  bei  Gratulationsbesuchen  üblichen  Höflichkeiten 
und  Formen;  auch  abgedruckt  und  mit  Erklärungen 
versehen  im  Z  Kai.  1803.  Vgl.  auch  GFinsler  1884, 
S.  229/30  und  Z  Neuj.  K.  1844,  S.  7. 

Scharrinijgcl,  Kratzfuss,  übertriebenes  Compliment.     Vgl. 

Hof  IS  und  hofieren,   sowie  die  RA.  .Einem  den  Hof  machen'. 

G"schirr-:    fingierter  Hofnanie   im  Spiele  ,Farb- 

angeben'  (s.  Bd  I  987;  vgl.  333).     Wer  do?    Antw.: 

Der  Engel  ab-eni  G.  Rochh.  1857,  423. 

Für  den  Namen  ist  viell.  beachtenswert,  dass  (ebenf.  bei 
Rochh.)  in  einer  Var.  des  Spieltextes  der  Antretende  ein 
,Krüglein'  feil  bietet. 

Schorr-,  neben  G'sch  örr-:  Kehrichtplatz  Gr. 
Zu  HofC.  —  Sc  hiter-:  gedeckter  Hof,  kleine  Laube 
als  Vorratsraura  f.  Scheiterholz  BO.;  Syn.  Holz-Scherm. 
Schweig-:  Viehhof;  vgl.  Schw.-Guet  Sp.  552  und 
Senn-H.  ,Sunt  hie  tria  loca  armentorum,  schw.,  cum 
domibus.  stabulis  et  pascuarum  locis  instructa.'  c.  XIU., 
AaMutI.  ,So  soll  der  keiner  und  der  meijer  hneten 
des  sellandes  und  des  sweighofs;  das  ist  MHH.  sunder 
und  ist  unvogtber.'  XIV.,  L  Propsteirod.  ,Er  habe 
von  synem  vater  gehört,  ein  probst  habe  gehept  einen 
.schw.   bi   dem   wyger   [Weiher,    weswegen   das  Haus 


1033 


Haf,  lief,  liil'.  Iiof,  huf 


später  ,Weierhus'  hiess],  da  fuoreu  die  von  nüdorf  i 
ze  weide,  do  wert  jene  [1.  inen?]  ein  probst  und  wollt 
si  nit  da  lassen  faren.'  1429,  Esterm.  ,Es  ist  zu 
wissen,  dass  18  lechen  sind  und  ein  schw.  und  keller- 
hof  und  ein  meierhof.'  NDwStans  Otfn.  Als  Flurn. 
für  z.  T.  zerstreute,  abgelegene  Höfe  Aa  (Schweik-B., 
auch  Schweich-J;  B;  Th  (Sclmäk-H.) ;  Z  (Schweik/üf 
Hausen,  Schweik-H.lheTg,Wa\ä.;  ,schweigg-hof,' Jahr- 
zeitb.  ZWthur;  ,sweic-hof.'  1271).  Vgl.  den  Flurn. 
,Schweig-Hus'  B;  L.  —  Schweik-Höfler:  Name 
eines  Bauern.  Wolf,  Bei.  Gespr. 

Zu  nihd.  eweiije,  Rinderherde.  Betr.  die  mehrfach  be- 
zeugte Schreibung  und  Ausspr.  -i--,  bzw.  -«■/-  vgl.  ,Ding-H.', 
ferner  Jmth-HoU,  Junker  (für  ,Jung-Herr')  nnd  die  Ortsnn. 
auf  ,-ikofen'  aus  ,-ighofen'. 

Sjiil-:  Spielplatz  zu  Tanz,  theatralischen  Auf- 
führungen usw.  ,Scena,  sp.'  Ebinger  1438;  vgl.:  ,Thea- 
trum,  .sp.'  Voc.  opt.  und  iZb/' 5.  1559  wird  in  UwEni- 
meten  Erwähnung  getan  ,des  platzes  under  dem  vordem 
dörfly,  daruf  die  grossen  linden  standen,  in  selbem  die 
berglüt  gerechtigkeit  heigen  ze  tanzen  oder  sunst 
kurzweil  zu  treiben.'  ,1647  hat  die  übrigkeit  dem 
N.  N.  in  ScHwKaltb.  den  Platz,  Sp.  genannt,  als  Eigen- 
tum anerkannt,  doch  für  die  Jugend  vorbehalten,  dass 
sie  ihre  Kurzweil  daruf  ze  tryben  berechtiget  sei.' 
Dettlino.  ,Nic.  Truttmann  zu  Seelisberg  habe  ein 
Stuck  Land  zur  Almeml  gehn  [werden]  lassen  und 
den  Kirchgnossen  uf  S.  zu  einem  Muster-  und  Kurz- 
weilplatz; jedoch  mit  dem  üeding,  dass  daruf  noch 
Gärten  gemacht,  noch  gebauwet,  noch  Bäum  gesetzt 
werden,  sondern  zu  allen  Zeiten  ein  Allraend  und 
offner  Platz  sein  solle,  daruf  die  Kirchgnossen  wohl- 
erlaubte und  gebührende  Kurzweil  und  Piccreation 
ieben  mögen  [usw.].'  1704,  Gfd  3,  284/5;  der  Platz 
lieisst  heute  , Tanzplatz.'  In  Gl  blieb  der  Name  an 
einem  Quartier  des  alten  Fleckens  Glarus  haften :  .Die 
Spielhofmauer,  Ankenwaag.. .  liegen  auf  dem  gemeinen 
Landseckel.'  Gl  LB.  1807.  Spielhöfe  werden  ausser- 
dem bezeugt  für  BsBub.  (,Elsina  im  sp.'  1348,  Urk.); 
LHitzk.  (!t  Jahrzeitb.),  Langn.  (,Bonum  am  sp-e.'  XIV., 
Zinsb.);  ScHwTugg.  (,Hus  und  hof  zu  Sibeneich,  stosst 
an  sp.'  XV.,  Gfd);  U  (,Ein  acher  zem  sp-e.'  Gefällerodel 
UErstf.);  Z  (,Ze  obren  Weningen  uf  dem  sp.'  1302;  ,ze 
obren  Hasle  an  dem  sp-e.'  1303;  Name  eines  Hauses 
in  ZRicht.).  Vgl.  auch  noch  Keim-Garten  Sp.  435 
(G  oUtzw.),  ferner  die  Stelle  aus  der  AAWett.  Offn. : 
,Vor  des  N.  N.  hus  lyt  ein  platz,  der  soll  dienen  muot- 
willen  und  freuden  menklichem'  und  ,Spil-Platz'  als 
Name  einer  Wiese  A  AZein. ;  ,Spil-Halden',  Flurn.  ZGrün. 
S.  auch  noch  .S>t7-i7»s,  -Mos,  ■Matt,  -Baum,  -Stuft, 
-Wis;  Tanz-Hof,  -Hus, -Laube, -Tili.  —  ,Werni  spil- 
hofer.'  LWill.  Jahrzeitb. 

Betr.  das  Sachliche  vgl.  noch  Ztschr.  f.  vgl.  Sprf.  2'2, 
S9  ff.;  Mone,  Anz.  5,  52  (wo  der  Name  ,Spil-H.'  auch  ander- 
wärts mehrfach  nachgewiesen  wird);  Mone,  Sehausp.  2,  129; 
Pfeiff.,  Myst.   1,  41.  418. 

Spön-,  Spön-:  Arbeitsplatz  der  Zimmerleute  Bs. 
—  Stad-:  Name  eines  urspr.  herrschaftlichen,  am 
Ufer  (,Gestade')  der  Limmat  stehenden  Lehentiofes 
AaB.,  jetzt  Badehötel.  Die  Einnahmen  vom  St.  er- 
scheinen regelmässig  unter  den  Einnahmeposten  der 
eidg.  Tagrechnungen,  so  Absch.  IV  1  b,  091.  10ö3. 

Stadel-:  Herrenhof  mit  Stall  und  Scheune,  hcrr- 
snhaftlicher   Wirtschaftshof.     .Zue    dem    st-c    [=  ,ad 


curtim  dominicam'  des  lat.  Originaltextes]  des  bischofes 
git  der  schultheisse  13  ochsen  zu  des  bischofes  pflüe- 
gen.'  XIIL,  Strasse.  Stadtr.,  als  Übersetzung.  An  der 
Stelle,  wo  die  heutige  Z  Vorstadt  ,Stadelhofen'  steht, 
war  einst  ein  alter  Königshof,  der  durch  Schenkung 
in  den  Besitz  der  Fraumünsterabtei  kam;  s.  Z  Ur- 
kundenb.  S.  9.  Die  Abtei  besass  dann  dort  einen 
,Meier-  und  Kelnhof';  vgl.  die  Ztschr.  f.  schwz.  R.  4, 
73/8.3.  .Curtis  qui  dicitur  Stadolof.'  952,  Z  Urk.  In 
der  Vorstadt  lag  neben  dem  eig.  , Stadelhof'  auch  der 
, lange  St.'  (1762),  auch  , Reiskasten'  genannt;  vgl.  noch 
VöG.-Nüsch.  247/50.  -  Mhd.  stadd,  Scheune,  scheunen- 
artiges Gebäude. 

Stall-  =  Hof  6  GRPr.  —  Duem-:  Domhof;  in 
BsStdt  Name  des  ehemaligen  ,Fridolinshotes' ,  als 
dieser  die  Residenz  des  Domkapitels  wurde.  ,Tunib- 
hof.'  1634. 

Ding-,  Geding-:  =  Hof  2,  bes.  zunächst  im 
engern  S.  der  Hof,  auf  welchem  sich  die  ,Dingstatt' 
befindet;  vgl.  ,Bann-H.',  sowie  ,Kel-,  Meier-H.'  ,In 
dem  dorfe  ze  Lustorf  ist  ein  d.,  des  eigenschaft  gegen 
Uwe  höret,  darüber  die  herrschaft  vogt  ist.  Der  hof 
hat  zwo  huoben  unde  3'/»  schuoppossen.'  1304/11, 
habsb.-östr.  Urb.  ,So  ist  recht  mynes  horrn,  dass  er 
in  ieclichem  d-e  soll  han  keller  und  nieger  [Meier].' 
aL  Hofr.  , Darnach  soll  myn  herr  faren  gen  Fahr- 
wangen auf  den  gedinghof  und  soll  da  richten  um 
eigen  und  um  erb.'  XIV.,  AAFahrw.  Offn.  ,Ze  Elfingon 
in  dem  d.,  den  frow  Agnese,  die  kungln  von  Ungeren, 
hat.'  1344,  Arg.  ,Die  Tuemprobstei  zu  Basel  hat 
einen  wissenhaftigen  d.  zuo  ßiol-Benken,  dazuo  ge- 
hören zwing  und  bann  mit  dem  kilchensatz,  die  zehn- 
ten und  2  pfd  järlich  von  der  eigenschaft  der  güeter.' 
BsBiel-Benken'offn.  (Die  Domprobstei  Basel  besass 
12  Dinghüfe;  vgl.  LABurckh.  18G0,  bes.  auch  S.  9/13). 
,Alle  die  stuck  und  geding,  die  hienach  geschriben 
stand,  die  sind  beschwert  [beschworen]  in  drin  ge- 
dinghöfen  mit  geschwornen  eiden.'  vor  1415,  AAHerm. 
Offn.  ,Dass  der  Hof  Neuheim  ein  D.,  darauf  das 
Gotteshaus  SchwE.  gewidmet  sei,  dergleichen  Ding- 
höfo  7  seien,  die  das  Recht  haben,  dass,  wenn  einer 
derselben  mit  dem  Herrn  stössig  würde,  die  Sache  vor 
die  7  Höfe  kommen  soll.'  1468,  Absch.;  vgl.  damit 
Steinauer  1861,  I  53.  ,Rechte  des  Klo.stcrs  auf  den 
D.  zu  Nieder-Ranspach.'  1576,  Absch.  ,Mit  anderen 
Dörferen,  welche  man  damalen  Dinkhöf  oder  Meyerhöf 
namset,  under  welchen  Luzern  der  erst  und  vorderst 
gewesen.'  RCys.;  vgl.  ,Meier-H.'  S.  auch  noch  Ge- 
mciiul-Guet  S]).  b50.  —  ding-hofig:  zu  einem  Ding- 
hof gehörig.  ,Von  ligenden  güetern  wegen,  die  d.  oder 
lehen  wärent.'  1457,  Bs  Rq. 

In  AaBirni.  (s.  Arg.  9,  50),  sowie  in  SErlinsb.  (s.  Arg. 
9,  37)  sollen  die  uralten  Gebäude  der  Dinghöfe  noch  er- 
halten sein.  Über  die  Art  und  Weise,  wie  auf  den  Diug- 
hüfen  Gericht  gehalten  wurde,  vgl.  Arg.  9,  43.  50.  Über 
den  sehr  bedeutenden  Umfang  des  L  Dinghofes  Adelwyl  vgl. 
Seg.  EG.  1,  442/5.  Betr.  die  Form  Vmklio/{,t\ak-h.-  150«. 
L;   ,Dinkh(ifen.'   1600,  L)  vgl.   die  Anm.  zu   ,Schweig-H.' 

Tanz-  =  Spil-H.  Als  Flurn.  ScnRüdl.;  schcm 
1433:  , Zwischen  den  tanzhöfen.' 

Ein  , Tanzhof  auch  im  Wonnetaler  Zinsbuch  (XIV.);  Mono, 
Anz.  5,  52,  wo  auch  eine  ,Tanzlinde',  ein  ,Tanzb«hel'.  Vgl. 
noch  unser  ,Tanz-Platz'  als  Flurn.  und  Über  das  .Sachlicho 
I  s.   noch    Kricgk    1868,  S.   416/8. 


f,  hef.  hif,  hof,  luif 


1036 


T6te"-Hof:  Friedhof  Bs;  B;  PMu.  Wer  den 
ersten  Nagel  zu  einem  neu  zu  umfriedenden  T.  schlägt, 
wird  als  Erster  auf  demselben  sein  Grab  finden  FMu. 

Twing-,  Zwing(el)-:  \.  =  Hof  2,  wo  der 
(Grund)-Herr  die  niedere  Gerichtsbarkeit  (, Zwing  und 
Bann')  ausübt;  auch  der  (genau  umgrenzte,  s.  die  Off- 
nungen) Gerichtsbezirk,  die  Hofmark.  ,Wir  habent 
ouch  zu  Schlieren  zwein  zwinghofe,  da  sollend  wir 
drystund  in  dem  jar  geding  haben.'  XV.,  ZSchlier. 
Offn.  ,Dis  sind  die  rechtung,  die  in  den  twinghof 
ze  Halderwanc  gehörent.  Des  ersten,  dass  die  truch- 
sässen  von  N.  einen  keller  haben  sollent  in  dem  tw. 
Ouch  soll  des  tw-s  twing  und  bann  gan  . . .  [folgen 
die  Banngrenzen].'  1424,  AAHold.  Hofrod.  ,So  sind 
dis  die  rechtung,  so  unser  HH.  von  Zürich  im  tw.  (zw.) 
ZUG  N.  habent.'  Anf.  XVI.,  ZNerach  Oftn.;  s.  Weist. 
4,  315  und  Z  Ortsnn.,  S.  70;  vgl.:  ,Neerach,  ein  Dorf 
in  der  zürch.  Obervogtei  des  Neuen  Amts,  welches 
ehemals  der  Zw.  zu  N.  genennt  worden,  allwo  ehe- 
mals eine  Burg  gestanden.'  Leu,  Lex.  ,Der  junkherr 
oder  syne  amptlüt  sollen  ryten  gen  Sarm.  in  den  zw., 
daselbst  richten  um  eigen  und  erb,  was  ire  güoter 
antrifft.'  Nach  1539,  ÄASarni.  Vogteirecht.  ,Diewyl 
nun  [die  7  Orte]  über  sölichen  zw.,  ouch  über  andere 
des  gottshus  zinsbare  lehenhöf  und  güeter,  so  im  zwing 
B.  gelegen  sind,  alte  reclitungen  hetten  . . .'  1568,  Aa 
Bünzen  Offn.  ,Allc  die,  so  von  dem  gottshus  eigen, 
erb  oder  lehen  besitzen,  7  schueh  lang  oder  breit,  die 
sind  geriohtshörig  in  den  zw.'  ebd.  —  2.  =  Bann-H. 
,Der  meierhof  soll  ein  zw.  han,  der  gehaget  syge, 
dass  weder  gäns  noch  hüener  möge  darus  kommen, 
noch  ander  vich;  ob  etwann  [von  Jemandes  Tieren] 
schaden  geschieht,  soll  er  das  vich  in  den  zw.  tryben 
und  den  obgemelten  verkünden  und  soll  das  lösen.' 
AANeuenh.  Offn.  Über  einen  solchen  noch  1860  bei 
BMürren  vorhandenen,  umzäunten  Hof  für  , schäd- 
liches Vieh'  vgl.  Arg.  I  165.  —  3.  umschlossener 
Raum  i.  S.  v.  Hof  5  u.  6.  ,[Wenn  der  Storch  sein 
Nest  baut]  machet  er  erstlich  einen  runden  und  holen 
zw.,  ganz  eben  und  gleich,  bald  bauet  er  darein.' 
VoGELB.  1557.  Bes.  i.  S.  v.  Zwinger.  .Pomceriuni,  ein 
zw.,  d.  i.  ein  bestimmte  weite  bei  der  stattmauren 
herum.'  Fris.  ;  Mal.  ,[Der  Kaiser]  ward  in  den  ersten 
zwingelhof  gedachter  festung  hineingelassen.'  Wurst- 
isEN.  ,[1565  war  der  Rhein  so  hoch,  dass  er]  über 
der  minderen  statt  vormaur  in  den  zwingelhof  floss.' 
ebd.  In  Bern  wurde  der  ,Zwingel-'  (auch  ,Zwingor-)H.' 
den  Bogenschützen  angewiesen:  , Sodann  auch  im  Zw. 
Platz  und  Wyte  gnueg  vorhanden,  daselbst  ein  Tächli 
der  jungen  Burgerschaft  zur  Kurzwyl  und  Ergetzung 
machen  zu  lassen.'  1632,  B  Ratszeddel.  ,Dem  Bau- 
herrn Gwalt  geben,  den  im  Zw.  liegenden,  unnützen 
Turm  zu  einem  Behalthaus  der  Flitzbogen  für  die 
damit  sich  exerzierende  Burgerschaft  zurüsten  [zu] 
lassen.'  1649,  ebd.;  s.  B  Taschenb.  1857,  S.  94/7,  wo 
auch  eine  Ansicht  des  Zwingelhofes.  In  Z  trat  seit 
1637  der  Hausn.  ,Zw.'  (neben  ,Zwingolf )  an  die  Stelle 
des  alten  ,zum  Wingolf'  (z.  B.  1486);  s.  VöG.-Nüsch. 
1879,  S.  568. 

Vgl.  twinc-,  zmingd-hof  bei  Lexer,  nihd.  WB.,  sowie 
Schillers:  ,Seit  Mensehendenken  war  kein  Twinghof  hier  |auf 
die  Vcste  ,Zwing-Uri'  bezogen].' 


'eid- 


als  Eigenn.  in  ß;  L;  Z. 
ig-H-  und  Gegs.  zu   Jiü-1/. 


Viell. 


Widum-:  das  einer  Kirche  bei  ihrer  Gründung 
zur  Bestreitung  ihrer  Bedürfnisse  angewiesene  Grund- 
stück, dos  (mansus)  ecclesise;  vgl.  Widum-Guet  (Sp. 
553),  -Hueb.  ,N.  N.  übergibt  dem  Propste  und  Ca- 
pitel  zu  Münster  seinen  Wydemhof  mit  dem  Kirchen- 
satze und  mit  der  Kirchen,  die  in  denselben  W.  höre.' 
1400.  EsTERM..  Rick.  ,Widumhof  der  Kirche  in  Rick.: 
[folgt  die  Aufzählung  seiner  Bestandteile].'  ebd.  Der 
eigentliche  W.  lag  wohl  in  demjenigen  Teile  des 
Dorfes,  der  heute  noch  ,im  Hof'  heisst. 

Betr.  das  Sachliche  vgl.  Esterm.,  Rick.,  S.  15.  18/9; 
Seg.,  KG.   2,   75Ö/G;   s.   noch   Staffelb.    187.5.  S.  44. 

Wil-,  in  L;  S;  Z  auch  WiK-:  häufiger  Flurn. 
B;  L;   Th;   Z. 

Viell.  , Hof  mit  einer  Herberge';  vgl.  die  Fliirnu.  W.-Jlus, 
,-Heim' ;  weniger  wahrsch.  ist  an  lat.  vUla  zu  denken;  s.  noch 
Hueb  IV  Sp.  957.  Zu  der  zweisilbigen  Form  des  erstem  W. 
vgl.  den  Geschlechtsn.  Wüima,   .Weilemann'. 

Werch-:  Arbeits-  und  Vorratsplatz  der  Ziramer- 
leute  Bs;  Z.  ,Gleich  hinder  dem  Fraumünster  ist  der 
sogen.  Werkhof,  ein  grosser,  weiter  Platz,  allwo  das 
oberkeitlich  Bauholz  gezimmeret  wird  und  sind  beide 
Ort  dem  Bauherren  sehr  kommlich.'  HEEscher  1692. 
Dil  (jat  's  [so  emsig,  lebhaft]  zue  wie  ft'  ZüriJ  im  W. 
ZS.,  W.  ,Buwhölzer  sollent  durch  den  bannwarten  in 
unser  w.  gefüert  werden.'  1539,  B. 

Vgl.  mhd.  würc-gadem,  -hüs  und  Spän-Il.  Betr.  den  W.-H. 
in  Z  Tgl.  noch  Z  Mem.  1845,  S.  SU;  Viig.-Nüsch.  1879, 
S.   563.  550. 

Zucht-  s.  Hof  3. 

Ziegel-:  Ziegelei.  ,Hofstctten,  zu  unsern  Zytcn 
nur  ein  Z.'  JJRüeger  1606.  —  Vgl.  mhd.  ziegd-hül. 

Z  w  i  n  g  ( e  1 )  -  s.  Twing-H. 

hof(e)-,  höf(e)-li(ch):  Adj.  u.  Adv.  1.  (hofeU  Z, 
hojlig  Aa;  L)  hofgemäss,  wie  man  es  am  Hofe  sehen 
lassen  darf,  schmuck,  kunstreich,  trefflich,  zierlich, 
fein,  artig,  vornehm,  wohlanständig,  geschickt.  Bie 
[eine  junge  Hausfrau]  wird  's  welle'  hoflig  iTichte; 
het  d'  Nochbe]-i  g'seit,  wo  nif  de'  Husrot  ahglade'  het 
Aa  (Schwzd.).  Es  hofligs  Bett  L.  Das  ist  nüd  Hofelis 
vo'  dir,  darauf  brauchst  du  dir  Nichts  zu  Gute  zu  tun 
ZO.  Nüd  Hoflis,  nichts  Rechtes  Z.  ,Ein  hoflich  gssen, 
darzuo  man  allerlei  fleisch  brucht.'  XV.,  Birl.,  Kochb. 
193;  vgl.  ebd.  196.  ,Wiewol  ich  bin  ein  büwrin  g'syn, 
vil  lieber  ich  yetz  stattlich  bin,  will  sittlich,  h.  lieber 
leben,  dann  mich  in  's  buwrenwerk  ergeben.'  Rdep 
1550,  da  Cain  eine  Stadt  gründen  will;  vgl.  ebd.:  ,In 
stetten  man  ouch  hoflicher  ist.  so  [während  dagegen] 
usserthalb  der  dingen  prist.'  , Künstlich,  hoflichen 
künndend  s'  singen.'  ebd.  ,Dass  wir  ein  semlichen  Gott 
und  vatter  habend,  der  kein  h.,  kunstrych  g'schwätz 
von  uns  erforderet.'  Güalth.  1559.  ,Hoflich,  hold- 
seligklich,  stattlich,  civiliter,  urbane,  lepide,  facete, 
festive.  Höflich,  wol  und  geschicklich  reden,  facete 
et  commode  dicere.  Inurbane,  unhöflichen,  bäurisch.' 
Fris.;  Mal.  ,Etlich  us  den  5  orten  hattend  1531  us 
den  schnüeren,  daran  die  sigel  an  burgrechtsbriefen 
gehanget,  (zue)  seckelschnüeren  gemacht,  spiegletend 
die  hoflich  zue  tratz  [um  die  Reformierten  damit  zu 
ärgern].'  HBdll.  1572.  ,Der  künigliche  palast  ist,  so 
vil  die  gebüw  belangt,  uf  's  allerhovechlichest  zuo- 
bereitet.'  JosMal.  1593.  ,Im  Fahl  man  üch  in  der 
G'meind  [Gemeindeversammlung]  nit  gedulden  wurde, 
worden  ir  son.sten  ein  hoflichen  Abschwank  ze  nümraen 


l(i:!7 


Hill 


hof. 


[geschickt  einen  Ausweg  zu  ergreifen  |  und  nit  desto 
weniger  unser  Schryben  öffentlich  verlesen  ze  lassen 
wol  wüssen.'  1646,  Z  Instruktion.  ,Ein  frölich  und 
guet  Herz  zeiget  sich  in  den  Speisen  und  Trachten, 
dann  dieselben  sind  fleissig  und  höflich  zuebereitct.' 
1707,  Sirach.  Gewandt,  geschickt:  ,Es  sy  denn,  dass 
einer  so  hoflich  mit  einer  federsnuer  sy,  dass  er  an 
alls  kerder  und  feiraen  fischen  könne.'  SciiwE.  Hofrod. 
,üass  er  so  hoflich  konnde  schiessen.'  c.  1600,  Tellen- 
LiED.  Iron.,  ähnlich  wie  hübschelich  Sp.  967:  ,[Die 
Mönche]  haben  jn  [den  Abt]  aber  hoflich  hiuder- 
gangen.'  Vad.;  vgl.  schön,  artig  anfüeren  u.  A.  Spec. 
a)  von  dem  äussern  Aussehen  von  Personen,  sauber, 
nett,  hoffärtig  gekleidet;  stattlich  Aa;  L;  Ndw;  ZO. 
De''  Hans  Cliueret  macht  i"  sitn  neue"  Bock  e  hofelis 
Ussehe',  chunnt-in^r  hüt  so  hofeli  vor  ZO.  E  hofllye 
Jumpfere  L.  De''  chunnd  nid  gar  hofli  [sc.  gekleidet] 
Ndw.  D'  Sach  ist  sicher  nid  im  Bund  [in  Ordnung], 
wenn  euse  Teil  [als  Statue  auf  einer  Bildsäule]  gar 
z'  hofli  chunnd.  Hafl.  ,Es  stat  dir  vil  bass  an,  wenn 
dyne  händ  rüch  von  der  arbeit  sind,  dann  wenn  sy 
von  ringen  starrend,  oder  mit  süberen,  wyssen  händsch- 
linen  [Handschuhen]  hoflich  bedeckt  werdend.'  HBull. 
1540.  ,So  niügend  wir  hoflichen  uns  bekleiden  wol, 
wie  's  burgers  kinden  zimmen  soll.'  Euef  1550.  ,Lautus 
honio,  sauber,  wolgebutzt,  hoflich,  ausgestrichen,  ge- 
stryft,  kostlich,  ein  wolgelebter  mensch  und  wol  ge- 
halten.' Fris.;  Mal.  ,Der  von  Erlach  zog  hoft'Iich 
dran,  dreissig  Fahnen  tat  er  wol  han.'  Vilm.  Schlacht 
1656.  —  b)  hofli(g)  kk,  sonst  höfli,  vom  Benehmen 
gegen  Andere,  höflich,  im  nhd.  S.  allg.;  Syn.  höfig. 
[Ich]  danke  h.,  formelhaft,  allg.  Höfli'''  st"  und  gueti 
Wort  ge',  bricht  Kei^'m  's  Mül.  Sulrer.  Lieber  »"- 
höfli"''  ah  überlästig,  ebd.  ,Ich  wollt  höflich  sein  mit 
meiner  Hochzeiteren,  wie  ich  in  Frankreich  by  den 
Dänzen  gewont.'  FPlatt.  1612.  Als  Adv.  höfeli,  be- 
scheiden, unterwürfig,  in  der  KA.  h.  (miiesse")  Chäs 
heusche"  [bitten],  als  Schuldbewusster  um  Etw.  bitten, 
Abbitte  tun,  zu  Kreuze  kriechen  (müssen)  Z.  — 
2.  hofeli  Aa.;  ApL,  K.,  M.;  Gl;  Gr;  Gtw.;  Sch;  Schw; 
TaFr.  C-igJ;  Z,  höfeli  ApH.;  ebenso  tw.  in  Gl;  G;  Th; 
Z,  behutsam,  gemächlich,  auf  gute  Art,  schonend, 
sachte,  leise,  sanft,  mit  aller  Sorgfalt  (Rücksicht), 
,fein  säuberlich',  langsam,  bedächtig.  aaOO.  Synn. 
ordenlich,  hübschelich,  hösam,  süberlich,  schonklich, 
g'stät,  zämlich.  H.  und  zämeli  mit-enander  umgä'. 
Gl  Volksgespr.  Er  het  no'''  müese"  h.  tue',  sust . . .. 
hat  sich  noch  in  Acht  nehmen  müssen,  sonst . .  .  Z. 
Zur  Verstärkung  häufig  wiederholt;  z.  B.  als  Befehl 
beim  Niedersetzen  einer  Kiste  mit  Glasgeschirr  Z. 
Eusers  Here"  Büseli  hat  h.  welle"  ga",  ist  über-  und 
überrügelet,  hat  's  Fildeli  füre"  g'lan  Z  (Reimvers). 
Er  gat  so  h.,  das'  mer-e*  nüd  g'hört  Z.  Im  iron.  S., 
ähnlich  wie  hübsch,  suber  u.  A.:  P''  ha  dem  Hund 
Herdöpfel  ane  g'stellt,  aber  de"  häd  s'  tvol  h.  la"  stä' 
ZLunn.  ,Libare  cibura  digitis,  hüpschlich  und  hoiflich 
anrüeren.'  Fris.  .Tue  [dem  Esel]  us  dem  mul  das 
biss.  Wol  süberlich,  gryf 's  hoflich  an.'  Haberer  1562. 
.[Der  Elephant]  hat  seinen  meister  mit  der  nasen  hof- 
lich gefasset.'  Tierb.  1563.  ,Nimm  [hebe]  das  Gefäss 
fein  höflich  hinaus.'  JELandenb.  1608.  .Einem  sein 
Laster  hofl'lich  vorhalten.'  Schimpfe.  1651.  —  3.  (die 
Formen  wie  bei  2)  eben  noch  zureichend,  kaum, 
knapp,  mit  (knapper)  Not,  Mühe  Ap;  Gl;  Gr;  G; 
Schw;   Th;    Z.     Zur  Verstärkung   häufig   wiederholt. 


Er  ist  allerg  [jedenfalls]  e  chlei"  bös  über  mi''',  er  hel- 
mer hüt  h.  d'  Zit  abg'nö"  [den  Gruss  erwiedert]  Th. 
!''•  mag  mi'''  no'''  h.  denke',  daran  erinnern  Gr;  Z. 
M'i  cha"'s  ('s  ist)  h.  (z')  glaube'  G;  Z.  !''•  han  mi''' 
bi-ma  sötta  G'völch  [unter  einer  solchen  Volksmenge] 
übernatürli"''  g'schiniert  [war  verlciren]  und  han  h. 
d'Augn"  lüpfa'  törfa'  GRPr.  (Srlnvz^i.l.  hi  Bei"  hend- 
schn  h.  im'  trägn.  ebd.  Leid,  inir^f  //,;(/,/."  | krumme 
Schriftzüge]  hed's  g'ge",  diu  i''' li.  ..Siran  |.lmd]  hetti 
zeih'i"  törfa".  MKuoni  1886.  Der  Bur  muess  a"  der 
Erde'  chlebe',  bis  er  so  h.  dw"''«"  mag  [seinen  Ver- 
pflichtungen nachkommen  kann].  EFeurer.  Was  s' 
[die  Appenzeller  in  der  Schlacht  am  Stoss]  nüd  hend 
chönne"  nederschlö",  ist  h.  vertronne'.  .TMerz  1836. 
Es  mag  's  h.  g'ge',  es  isch  es  fasej  h.,  das  erforderliche 
Mass  (Gewicht)  Ap;  G;  Tu;  Z.  .H.Uli  voll.'  GId.  1790. 
In  Verbindung  mit  Substsf.  ,l.s  Zeit-  und  Rauinmasses, 
Gewichts:  H.  e  Mass,  h.  c  hnihi  .Shind  Ap;  G;  Z;  in 
diesem  Fall  auch  adj.:  e  höfligi  Stund,  keine  volle 
Stunde  Ap  (St.'').  S.  noch  Gott  Sp.  514.  Zeitlich, 
wie  das  nhd.  ,kaum,  eben'  einen  unmittelbar  einem 
andern  vorausgehenden  Zeitpunkt  bezeichnend  Gr;  Z  : 
Schi  sind  h.  schi''<  z'  setzif  chon,  so  hed  er  Allna"  die 
Grinda'  abschlän  län  GrD.  Ma'  toär  si'''  h.  z'  b'sinne" 
chw,  [so]  git  's  a'  schwera'  Tatsch  [platschenden 
Schlag]  GRPr.  (Schwzd.).  An  der  Spitze  des  Satzes 
stehend :  H.  hei  ar  Das  g'seid  g'han,  so  . . .  GRPr. 
H.  z' lunga'  ist  ma'  chö',  sa-n-ist  Alls  Uübis  und 
Stübis  fort  g'sl'.  ebd.  Auch  mit  folgendein  ,dass': 
H.  dass  dar  Sehne  e'weg  ist.  ebd.  In  die  Bed.  .scliwcr- 
lich'  übergehend  ApI<1.;  G'I'.  Er  chuiint  hofeli,  sein 
Kommen  ist  iniL,'''wi~x  (IT. 

M.hi.  hoviAiih.   I,.>r,l,,  Im  >. '     li"h-.li.    iii^.'linlh  h.     Virl.  vui 


Alle 


das  ai 
die  Bede 


die  Bed.  ,iiuttelniässig' hat)  und  "/(/;(     W  i<    1 

Uch  und  zämduh   wird  das  W.  in  >. i    li .  i   i.     .    ;;   1     i  i   ■  ii 

als  Diin.  emjifuadcn;  vgl.  hierüliui  Wjul.  lo^i..  .->.  -IJ,-). 
Über  das  infolge  Änalogieeinfliisses  erfolgende  Kiutreteii  des 
Uml.  in  den  2-,  bzw.  3-silbigen  Adjj.  auf  -hch  vgl.  Paul, 
mhd.   Gr.  §  40. 

hofe":  1.  tr.  a)  allitterierend  und  formelhaft  ver- 
bunden mit  husen  (s.  Hus  und  Hof  unter  Hof  1), 
Jmd  zu  Haus  und  Hof  aufnehmen,  beherbergen,  ihm 
Unterkunft,  Zufiucht  und  Unterhalt  gewähren  „Aa; 
B;  VOrte;  Z",  bes.  aber  in  der  ä.  Espr.  Syn.  husen 
und  herbrigen.  ,Swele  gast  verbotten  wirf  [dem  der 
Aufenthalt  in  der  Stadt  untersagt  wird]  um  einunge, 
gat  der  in  die  statt,  wer  dem  essen  ald  trinken  git, 
ald  huset  und  hofet,  der  muess  den  einung  geben  für 
den  gast.'  1300/15,  L  Stadtb.  ,Ist  aber,  dass  [der  Tod- 
schläger] entwychet,  swer  in  danne  huset  older  hovet 
older  schirmet  (gehaltet)  inrent  landea,  der  soll  von 
dem  lande  farn.'  1315,  Bund  der  Wählst.  .Sy  sollend 
nit  einicherlei  party  fyend  husen.  h.,  halten,  noch  in 
ir  land  kommen,  noch  durchziehen  lossen.'  1476,  Bs 
Chr.  ,[Iiie  Wirte  sollen  den  Liederlichen]  in  dheineni 
weg  zuo  essen  noch  z'  trinken  geben,  sy  weder  liusen 
noch  h.  by  10  pfd  buoss.'  1567.  B  Mand.  S.  noch  cer- 
geben  II  Sp.  87.  —  b)  „Jmd  auf  einen  Hof  (s.  Hof  1) 
setzen,  ihm  zu  einem  Landgut  behilflich  sein,  auch 
be-h."  —  2.  intr.  a)  formelhaft  verbunden  m\i  husen: 
eig.  Haus  und  Hof  als  Eigentum  und  bleibenden  Wohn- 
sitz besitzen,  dann  verallgemeinert:  einen  bleibenden 
Wohnort  haben,  haushalten,  wirtschaften  Gl;  L.  M'; 
muess  Eine'  [bei  rechtlichen  Ansprüchen]  sueche",  wo 


Hat;  lief,  liif,  liof. 


er  huset  und  hofet  L.  ,So  lassent  uns  dann,  ir  Ge- 
liebten, also  leben,  wandlen,  hausen,  h.'  PWyss  1655. 
—  b)  mit  Uat.  F.,  „Jmd  seine  Aufwartung  machen, 
kleine  Gefälligkeiten,  Höflichkeiten,  Ehre  erweisen, 
schmeicheln ,  ihm  gegenüber  den  Dienstbeflissenen 
spielen,  bes.  einer  Weibsperson  schon  tun";  Syn.  ho- 
fieren, höbelen,  höfelen.  —  c)  das  Hochzeitsfest  begehen 
BsLd  (Spreng).  Gelt,  wenn-d^  no'''  ledig  bisch,  tvenn 
i'''  [aus  dem  Kriegsdienste]  wider  kmnme,  nier  wei 
[wollen  wir]  doch  h.  1756,  Patriot  (BsLd).  Vgl.  Hof  13 
und  hoffärtig  (stän)  Bd  I  1033. 

Mhd.  homn,  in  den  Hof  aufnehmen,  Hof  halten,  höfisch 
erziehen  und  bilden.  Zu  2  b  vgl.  mhd.  hOveechm,  hüb(e)schen, 
den  Hof  machen,  und  ,2üchten'  bei  Vilm.,  Id.  und  Bech, 
1868,  S.   24. 

be-hofe":  1.  formelhaft  verbunden  mit  behüsen 
=  hofen  1  (I  BO.  .Alsdann  ettlich  unser  burgern  die 
hindersässen  und  ander  arm  volk  ynzüchen,  sy  in  Iren 
hüsern  beherbergen  und  b.'  1480,  L.  ,Die  so  die 
töufer  behüsend,  behofend  und  underschlouf  gebend.' 
1-580,  Absch.  , Welche  aber  einen  [Geächteten]  ver- 
tädigen,  behausen,  b.  wurdent,  die  sollent  dem  Täter 
gleich  geachtet  werden.'  1665,  Erzähler.  S.  noch 
Kräzen-Trager.  —  2.  „=  hofen  1  b;  behofet  sein,  einen 
Hof  besitzen  L;  U."  —  Behofung:  Wohnsitz,  s. 
hofen  2  a.  ,Als  wir  von  besserer  Kommlicbkeit  wegen 
unser  Wohnung,  Handel  und  B.  von  dem  alten  Hus 
uf  ein  ander[es]  bewendt.'  KCts. 

Hof  er  Im.:  1.  Hof-Besitzer,  -Bewohner,  bes.  eines 
seitab  gelegenen,  grössern  Bauerngutes  S.  So  rlchi 
Höferchinder.  BWyss  1863.  Zu  Hof  1.  —  2.  Bewohner 
des  , Hofes'  [Dorfes],  als  feiner  gebildet  den  Bauern 
und  Sennen  gegenüber  gestellt  Ap.  Syn.  Höfler.  Zu 
Hof  3.  —  3.  Farailienn.  Aa;  B;  s.  Anm.  zu  Hof  — 
S.  auch  Huther  I  Sp.   963. 

hofiere":  1.  ein  ,büfisches',  artiges  Wesen  an- 
nehmen, in  der  Absicht,  einem  Andern  zu  gefallen, 
ihm  dienen,  schmeicheln,  schön  tun,  aufwarten  YOrte; 
Gr;  GTa.  Synn.  s.  bei  hofen  3  b.  ,Weil  Baschi  reich 
war,  so  hofcrierte  man  ihm  hinten  und  vorn.'  Zg  Els.- 
Kal.  1870.  ,Sy  redtent  an  fürwort  [Umschweif]:  Her, 
aller  hofierung  halb  ganz  kurz  abgebunden . . .'  Edlib. 
,Es  darf  nit  vil  sömlichs  h-s'  [Acolast  zu  den  Schmeich- 
lern]. JBiNUER  1535.  ,Wie  bruchend  [die  gefallsüch- 
tigen Weiber]  so  vil  h-s,  in  kluogen  berden  vil  stol- 
zierens!'  Aal  1549;  vgl.  ebd.:  ,So  gat  der  tag  weg 
me  denn  halben,  e  sy  sich  g'leckend,  hoflich  zierend.' 
,Darmit  uns  Gott  will  zieren;  euch  werdend  uns  d' 
engel  h.'  Gletting  1557.  ,Manus  arguta,  ein  geschwinde 
oder  zimpferige  band,  die  vil  geferts  und  h-s  macht. 
Einem  fürlegen  oder  h.,  alicui  apponere  cibos.'  Fris.  ; 
Mal.  Der  Tod  zum  reichen  Mann:  ,[Ich]  ker  mich 
auch  nit  an  dein  h.'  Z  Laz.  Iron.:  , Welche  gesell- 
schaft  den  Zürchern  mit  mengerlei  spitzlinen,  schmitz- 
worten  und  anzügen  [anzüglichen  Reden]  hoflertent' 
1531,  Strickl.  MitAcc. :  ,l)ic  Protestierenden  tadlen 
die  Catholischen  wegen  fremder  Herren  Pottschaften 
und  h.  die  selbsten.'  Gulden  Bund  1585/1658.  Spec. 
a)  von  der  Werbung  junger  Bursche  um  Mädchen  B. 
.Neben  diesen  ordentlichen  und  öttentlichen  Gelegen- 
heiten zum  H.  gibt  es  aber  noch  eine  Menge  ausser- 
ordentliche Privatanlässe.'  Gotth.  .Nun  drängen  sich 
zu  dem  Mädchen  eine  Menge  hofierender  Anbeter,  die 
sagen  ihm  die  schönsten  Sachen;  sie  versprechen  für 


dasselbe  in  den  Tod  zu  gehen.'  ebd.  —  b)  bei  be- 
stimmten, feierlichen  Anlässen  mit  Musik  und  Gesang 
seine  Aufwartung  machen.  Ständchen  bringen,  oft  auf- 
tragsgemäss  von  fahrenden  Spielleuten  besorgt;  daher 
übergehend  in  den  Begr.  musicieren  übh.  Zwingli 
wird  beschuldigt,  ,er  gange  nachts  uf  der  gassen  um  h.' 
.David  und  das  ganz  haus  Israels  hoflertend  vor  dem 
Herren  [der  Bundeslade]  her  mit  allerlei  saitenspil.' 
1531,  II.  Sam.  ;  dafür :  .kurzweilet.'  1531 ;  .spil(e)ten.'  seit 
1667.  .Wir  triben  manchen  guoten  schwank  zuo  nacht 
mit  g'sang  und  h.'  HBdll.  1533.  ,Myn  spillüt  hör  ich 
lieber  h.'  Salat  1537.  ,Die  inen  [den  Mädchen]  erst 
für  ir  kanimer  ziehend  und  da  wüeste,  grobe  lieder 
singend,  damit  dem  tüfel  nun  trüwlich  gehofiert  werde.' 
HBuLL.  1540.  ,Jetz  hofiert  man  in  dem  himmelreich 
[zum  Zeichen,  dass  Lazarus  in  die  Seligkeit  einge- 
gangen sei].'  Z  Laz.  (Bühnenanweisung).  .Einen  dienst 
vor  der  türen  machen  oder  h.  mit  singen.  Seinem 
buolen  mit  gesang  h. ;  ad  ostium  (linien)  amicae  can- 
tare  (occentare).'  Fkis.;  Mal.  .Hofieret  mit  trommeten, 
pfeifen  und  frommen.'  Wurstisen.  ,In  der  Zeit  ward 
N.  N.  die  Jungfrau  Elisabeth  zum  Falken  versprochen, 
welcher  mich  bat,  ein  Mol  ein  Musik  anzestellen, 
seiner  Geliepten  ze  h.;  dem  ich's  verhiess,  doch  dass 
solche  Musik  auch  an  [dem]  Ort,  so  mir  gefiel  [d.  h. 
vor  dem  Haus  seiner  eignen  Verlobten]  'brucht  wurde.' 
FPlatt.  1612.  166;  vgl.  ebd.  149  und  150  über  frz. 
Brauch.  Vagabund  zum  andern:  .Reich  [hole]  dis 
Saitenspil;  wirst  g'sehn,  wie  ich  dir  helfen  will,  dass 
wir  vergeben  z'  fressen  händ.  Nu  hui.  wir  wend  dem 
Kaiser  vor  sym  Hus  h.'  Com.  Beatl  Auch  von  dem 
als  Huldigung  aufgefassten  Gesang  der  Vögel:  .Das 
zysli  [Zeisig]  hoflich  kann  h.'  c.  1560,  Vogelgesang. 
In  den  Schauspielen  des  Mittelalters  bezieht  sich  das 
.Hofieren'  zumeist  auf  die  regelmässig  mit  Gastmählern 
verbundene  Tafelmusik.  Zu  einem  Gastmahl  des  ,Ent- 
christs  hofierent  syne  spillüt  und  so  sy  im  besten 
[Zuge]  sind,  so  kommt  [der  Engel]  Gabriel.'  1549, 
L  Heiligenspiel.  ,I)iener  zun  spillüten :  diewyl  yetz 
sitzend  d'  gest  bim  tisch,  so  hofierend  schnell  und 
machend  's  frisch.'  Rüep  1550.  ,Bigandus  hofiert  vor 
dem  tisch  mit  seiner  sackpfeifen.'  Schertw.  1579.  ,Zu 
Herodis  gastmal  sond  die  trommeter  ein  gewaltig  hof- 
recht machen,  h.'  1583,  L  Spiel.  ,Der  wylen  sy  essent, 
über  tisch  h.'  1597,  ebd.  .Darzwüschen  [bis  der  Wein 
aufgetragen  ist]  soll  man  mit  Schalmyen  h.'  1616,  L 
Spiel.  Auch  von  anderer,  als  Elirenbezeugung  be- 
reiteten Kurzweil:  1522  verzeichnet  die  B  Staatsrech- 
nung eine  Ausgabe  von  c.  10  ß  ,denen,  so  die  hären 
füerten  und  MHH.  hofierten.'  ,H.,  den  tanz  füeren, 
pruesultare.'  Mal.  .Wie  hast  du  [Obrigkeit]  diese 
Schandsäcke  [eine  Gauklerbande]  zu  dir  berufen  an 
den  Ort  deiner  Ergötzlichkeit,  vor  dir  daselbst  üppig- 
lich  zu  h.'  1626,  JJBreit.  —  c)  bei  einer  Hochzeit 
Glück  wünschen,  wie  dies  von  Seiten  der  Junggesellen 
gegenüber  dem  Brautpaare  mit  Anspruch  auf  eine 
Geld-,  bzw.  Weinspende  (s.  Hofiwetl,  Hofier -Win, 
hübsch  Sp.  965)  geschieht  GrD.  ,Wiln  eine  Zeit  haro 
mit  denen  sogenannten  Hofieretenen  schwere  Miss- 
brüch  vorbei  gegangen,  worbei  nit  nur  die  Gaben 
Gottes  gröblich  und  schwerlich  missbrucht  worden, 
sondern  noch  vil  ander  Unheil  und  Schlegeryen  vor- 
gegangen, auch  die  neuangehenden  Eheleut,  denen 
man  hofiert,  in  grosse  Kostungen  kommen  und  übel 
beschediget  worden,  sollend  inskünftig  diejenigen,  so 


lll-ll 


iMlf, 


104-J 


Jemanden  von  denen  Eheleuten,  so  ehrlich  Hochzeit 
gehalten,  h.  oder  verlustieren,  10  Kronen  Buss  ver- 
fallen sein.'  1708,  GrD.  LB.  —  2.  cacare  (euphem.). 
allg.  Chum-nirr  cho  h.,  verächtliche  Abfertigung  GA.; 
Synn.  s.  bei  Ars  Bd  I  4(56.  ,Der  Ammann,  welcher 
jene  Frau  freigelassen,  die  auf  den  Altar  g'hofiert 
hat.'  1560,  Absch.  ,In  der  nacht  ward  er  gar  krank 
und  hofiert  in  das  bett.'  ThPlatt.  1572.  ,Man  sagt 
von  alter  her:  es  seie  ein  böser  vogel,  der  in  sein 
eigen  nest  hofiere.'  1589,  Zellw.,  Urk.  ,Ich  achte  des 
Bären  Brummen  nicht,  frisst  er  mich,  so  muss  er  mich 
auch  wider  h.'  Mev.,  Hort.  1692.  ,Die  Hühner  haben 
ihm  über  die  Bein  herab  hotteret.'  ebd.  S.  noch  Hufen. 

—  3.  sich  unartig  aufführen  Ndw;  auch  ume'-h. 
Mild,  hovieren,    in    festlicher  Geselligkeit    sich   erfreuen, 

jirangen,  aufwarten,  den  Hof  machen,  musicieren;  auch  in 
Bed.  2;  vgl.  hübsch,  Anm.  Die  Form  ,hoferieren'  wohl  durch 
Einfluss  von  .offerieren'.  —  Betr.  das  nächtliche  Hofieren 
auf  den  Gassen,  bes.  bei  Hochzeitsanlässen,  vgl.  Kriegk  1871, 
S.  257;  ferner  Hof  12  und  die  Anm.  zu  ho/en.  Das  mit 
Hoßerwin  syn.  Sini/mn  bezeugt,  dass  die  Jungmannschaft  dem 
jungen  Ehepaar  die  Huldigung  bes.  auch  durch  Gesang  aus- 
drückte. Vgl.  noch  Hochziter-Win.  Musik  und  Gesang  durften 
an  Höfen,  dann  auch  in  weitern  Kreisen  bei  festlichen  An- 
lässen nicht  fehlen;  vgl.  das  Syn.  ,ein  Hofrecht  machen', 
sowie:  ,Sy  gand  an  könig  Sauls  hof,  daselbs  tuend  die  trom- 
uieter  ein  hof  blasen.'  1597,  L  Spiel.  S.  auch  noch  üjUamn 
uud  vgl.  Weinh.,  Frauen  2,  191.  Aber  auch  andere  Kiiaste 
wurden  zu  Ehren  der  Gäste  bei  ähnlichen  Anlässen  durch 
Fahrende  und  Gaukler  geübt,  so  der  Tanz  (s.  den  Beleg  aus 
Mal.),  der  mit  Gesang  immer  eng  verbunden  war.  Vgl. 
Weinh.  aaO.  2,  191  u.  betr.  Bärenführer  ebda  136.  —  Zu  2, 
für  welche  Bed.  als  Gegs.  zu  1  aus  Gr  von  einer  Seite  /- 
.lugegebeu  wird,  vgl.  Hof  7 ;  doch  ist  zu  beachten,  dass  die 
hötischen  Sitten  durchaus  nicht  bloss  fein  waren;  vgl.  hierüber 
z.  B.  Wander,  Sprww.  Bemerkenswert  ist  eine  Stelle  bei  Gr. 
WB.  IV  2,  1696:  ,Diser  niaclit  ein  hofrecht,  das  die  huud 
auffressen.'  (SFrank).  Einfacher  ist  die  Annahme  einer  iriin. 
Anwendung  von  h.  1.  ~  Bed.  3  dürfte  sich  kaum  im  An- 
schluss  an  2  erklären,  eher  hat  sie  sich  aus  der  Bed.  ,dou 
Mädchen  nachlaufen  i.  S.  v.  hcrumschwärmen,  wild  leben', 
entwickelt. 

Hofier  er  m.:  1.  Spiclmann,  herumziehender  Mu- 
siker (schon  mhd.).  .Die  Singer  und  H.  sollen  aus 
dem  Land  geboten  werden.'  GRKlost.  LB.  —  2.  ,H., 
der  vor  anderen  anhin  tanzet,  vortänzer,  schicker, 
choragus,  praesul.'  Mal. 

Hofiereti.  Baßr  gid  der  Spislig  [Bräutigam]  de" 
Cliitabe'  e  sdiens  Trinkgeld;  si  säge'  dem  d'  H.  GrO. 
(Schwzd.).    —    Zn   hofieren  1  c. 

hof  ig  s.  höfig.        hofsam  s.  hösam  Sp.  8ö0. 

höf(e)le'':  1.  Dim.  zu  hofen  2  h  Aa;  Sch;  S; 
Th;  Z.  ,Wenn  die  Junker  den  Bettlern  im  Dorf  h., 
so  helf  Gott  den  Bauern.'  HPest.;  Sprww.  18'24.  De 
Durs  het-nen  [den  Mädchen]  a"  ChiUobeten  i"  der 
Spinnstube"  g'hasplet  oder  Ei"'vi  oder  'em  Ängere' 
g'höflet,  'ass  Keis  het  chönne"  wiXsse",  woran  es  isch. 
Schild.  —  2.  ,H.,  banquetieren,  agitarc  convivium,  co- 
raessari,  compotare,  epulari.'  Mal.  ,[Die  Verschwender] 
wollend  gastfrei  sein,  richtend  ein  höfleten  [Gasterei] 
und  Schlegel  hie  an,  den  anderen  dort.'  SHochh.  1591; 
=  ,die   andere   dort.'    1693.     S.  noch  gestlen  Sp.  487. 

—  Vgl.  Gr.  WB.   ,höfeln',  ,höfelieren',  sowie  bes.  höhelen. 
höf-ig,    -isch:     1.    „höflich,    wohlgesittet,    hof- 

männisch  Bü.  Ein  höfisches  Betragen."  —  2.  zu 
einem  Hof  i.  S.  v.  2  gehörig.  ,Ligende  güeter,  die 
da  h.  oder  leben  sind.'  c.  1520.  Bs  Rq. 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


H  ö  f  1  e  r  m. :  1.  =  Jlofer  1  GG. ;  Gegs.  Birrlkr.  Spec. 
(Höfler,  modern  HöfnerJ  die  Bewohner  des  Bezirkes 
ScHW  Höfe,  s.  Hof  2.-2.  =  Hofer  2  Ar,  spec.  Be- 
wohner des  ,Hof'  genannten  Teiles  der  Gemeinde 
Trogen  (Hüfler-SUe)  und  des  Fleckens  Appenzell, 
welche  auch  verächtlich  Höferlig  heissen.  ,Rheinau- 
ische  Höfen  und  Höfleren.'  ZRhein.  Bcantw.  1747. 

Frit-,  Kilch-,  Schweig-  s.  die  betr.  Compp. 
von  Hof. 

HövelBli  ZSth.,  -nöli  ThHw.,  Hoviöli  Tu:  Nbff.  von 
Avionli  Bd  1  105;  vgl.  noch  Guviönli  Sp.  133. 
Hofemaie  s.  Maria. 

hoffe" :  wie  nhd.  Hoff  das  Besser,  's  Böser  chiinnd 
CO"  selber  L.  H.  und  weusche'  [wünschen]  göd  vil  i" 
ei"  Sack  L  (Ineichen).  Bes.  auch  neg.  in  Verbindung 
mit  ,wollen'  =  erwarten  übh.  Mer  wend  nüd  h.,  dass 
es  's  Chorn  verhagli.  In  der  a.  Spr.  mit  Gen.  S.  oder 
den  Präpp.  ,in',  ,zuo'.  ,Wir  haben  gehoffnet  in  dich.' 
Hören  1476.  ,Je  me'  man  zuo  besserung  hofl't.'  1531, 
Absch. 

ver-:  verstärktes  .hoften'.  Sobald  sie  hierüber 
Bescheid  empfangen,  den  sie  ,guet  werden  v.'  1531, 
Absch.  ,Wenn  man  bei  uns  den  schwanen  sieht,  ver- 
hofft man  ein  grosse  kelte.'  Vogelb.;  s.  noch  Guggu 
Sp.  184/5.  ,Für  und  für  v.,  trahere  spem  raora.  Ee 
dann  man  verhoift,  citrus  spe.'  Mal.  ,Dass  ihren  Ver- 
hoftens  hierum  etwas  Schidlichs  gehandlet  werden 
möchte.'  B  Rechtstit.  1691.  Abi.  verhofffentjlich.  — 
Ptc.  verhofft  mit  adj.  Bed.:  erschrocken  ZWthur 
(PStaub).    I"''  bi'  ganz  v.,  wo-n-i'''-'s  g'hört  ha". 

Verhofft  auch  schwäb.  und  viell.  nur  daher  entlohnt,  da 
nur  vereinzelt  bezeugt;  vgl.  auch  bair.  ,aufhoffen,  verhoffen 
über  ein  Ding',  darüber  stutzig  werden,  auffahren.  Über  die 
Wahrscheinlichkeit,  dass  in  unserm  W.  die  Grundbed.  vou 
.hoffen'  zu  suchen  sei,  s.  Schm.-Fr.  Sp.  1063  und  Gr.  WB. 
unter  .hoffen'. 

miss-:  falsch  hoffen.  ,So  hab  ich  missgehofi^t.' 
R.  U.  CMey.   1650.    -   Bei   Lexer  i.   S.  v.   verzweifeln. 

hoffe(n)tli''''  (in  GnVal.  7»o^efi"'):  wie  nhd.  allg. 

—  Mhd.   hojf'tenjlich,    welcher  Form    (ohne    eingetretenes  () 
die  graubündnerische  entspricht. 

verhoffentlich:  wie  zu  erwarten  ist  Gr.  ,Ver- 
hoffenlich.'  Z  Täuferber.  1639.  ,Verhoftentlich.'  JMüll. 
1661. 

In  der  Stolle:  ,Dass  uf  söliche  Art  ir,  die  Pfarrer,  üwer 
Leer  und  Lehen  füren  sollten,  dadurch  der  inwendig,  him- 
nielsch  und  ewig Buwverhofflich  ufwachset.'  BSyn.  1532/1775 

—  kann  unser  W.  auch  i.  S.  v.  ,Hoffnung  (Erwartung)  er- 
weckend' aufgefasst  werden ;  vgl.  mhd.  hoff'{en)lich  in  diesem  S. 

Hoffni(n)g  f.:  1.  Hoffnung,  allg.  Wer  kei''  H. 
häd,  soll  si"''  lo"  vergrabe'  AABb.  Wer  vo'  der  H. 
lebt,  der  stirbt  vom  Faste'  L  (Ineichen).  Einem  Kran- 
ken bösi  H.  mache'  Z.  J"  der  H.  si",  schwanger,  allg.; 
i'  der  firimsr  TT.,  liocli  schwanger;  Syn.  nächig.  So 
mängi  IkiIIi^kHiiI  l-'undli'.  im  all  Jör  9  Monrt  im  Chum- 
mer'lihl.  ,rM„lt  r  ,lcr  Jl.  laVvss  1885.  —  2.  g'stinggcti 
H.  =  stinkedi  Hoff'art  (Bii  1  1033),  aus  welchem  es 
entstellt  sein  wird  GWe. 

Hofer   II   m.:    Buckel    Bs   (Spreng);    Syn.  Hugcr. 

—  Mhd.  ebenso. 

h6f(e)rig   a.  ho/färtig   Bd  I  lo:'.3.  Hoffcrt 

s.  Hoch-Fart  Bd  I  1032. 


Hat,  hof,  hif,  liof.  hilf 


lOU 


Hofflete  s.  Uflate  L'.d  I  llf./G.       llufli  s.  Hö/li. 
Hüfwyler  s.  Epfel  Bd  1  370. 
ein-höff  s.  -hüffig. 

uf-ge-höfferlet:  aufgeputzt  G  oT. f.  ,Das  kleine 
Kind  wird  schön  aufgeputzt  oder  wie  man  liier  zu 
sagen  pflegt,  aufgehöfferlet  und  fast  alle  Sonntage, 
gleichsam  wie  zur  Schau,  zur  Kirche  getragen.'  JFFranz 
1819.  ,[Die  alte  Frau  erinnert  sich],  dass  schon  da- 
mals [im  XVUI.]  die  Wildhauser  Maidli  gar  aufge- 
höfferlet daherkamen.'  111.  Kal.  1851.  —  Zu  HoßWi, 
Hoffart;  vgl.  hoch-farten.  hoffärtehn  Bd   I    1033. 

Hiifli  (in  SKriegst.  Höfli)  n.:  Wagen-  oder  Pflug- 
teil SL.;  s.  Ebni  5  Bd  I  46  (wo  auch  die  Synn.)  und 
EhU  Bd  I  47. 

Aus  dei  Grandf.  Ehni  scheint  sich  zunächst  Elli  und 
aus  diesem  durch  den  Wechsel  von  h  mit/  unsere  allerdings 
stark  abweichende  Form  entwickelt  zu  haben.  Man  bemerke, 
dass  in  dem  gleichen  Sprachbezirk  sufir  für  euber  gespro- 
chen wird. 

Hnf  Eüfe'  —  PI.  Hufe":  Haufe,  im  AUg.  wie 
nhd.,  in  concr.  und  abstr.  Bed.  En  H.  Heu,  Hols, 
Sand,  Stei".  allg.  Spec.  a)  grosser,  unregelmässig 
aufgeschichteter  Haufe  Heu  oder  Grummet  ÄABb.; 
vgl.  dagegen  Schocken,  Zatten.  Allerlei  Zsgekehrtes 
auf  der  Wiese  GrL.  —  b)  haufenförmiger  Menschen- 
kot, bes.  quantum  semel  cacatur  Bs;  Z.  Synn.  s.  bei 
Agga  ßd  I  155.  En  H.  mache'  od.  (scherzw.)  brünzle", 
cacare.  C^^a)  stä'  wie-n-es  Chind  bi  sim  H,  ganz 
verlegen  Z.  Mach-en  H.  und  wärm  di'''  dra",  oder: 
Schiss  en  H!  derbe  Abfertigung  Z.  !''•  tät-ena  a 
grosse"  H.  druf  [sc.  schJsse',  d.  h.  gäbe  ihnen  viel 
darum,  iron.],  si  [die  Urner]  mögind  lang  [immerhin] 
Hora  [Anspielung  auf  die  Harsthörner]  und  kei'  Volch 
ha:  GöLDi  1712.  Der  Tafel  {Hund  BRi.)  schisst  gere' 
(eister)  zum  grössere'  fa"  ke"  chlme"J  H.,  oder:  nie  a' 
chltni  Hufe",  etwa  mit  dem  Zusatz:  Er  müesst  (sustj 
der  Arsch  z'  tvit  abe'  ha',  Reichtum  und  Glücksgüter 
wenden  sich  oft  dem  schon  Beglückten  zu  L;  Uw. 
,Und  bat  der  tüfel  nun  geschissen  uf  den  grössten  h. 
dar.'  Murner  NB.  76,  unter  der  Überschrift:  ,Uf  den 
grossen  h.  schissen.'  ,Der  Teufel  hofiert  jetz  Alles 
auf  den  grossen  H.,  dantur  opes  nullis  nunc  nisi  di- 
vitibus.'  Stlloge  B  1676.  Vgl.  noch  f.  —  c)  fule'-  H, 
Schelte  für  eine  beleibte,  träge  Person  Z ;  Syn.  ilist-, 
Träsch-,  Trantsch-H.,  fuler  Stock.  —  d)  Menschen- 
menge, dichte  Schaar,  Rotte.  Her  alt  H.,  die  Schaar 
der  alten  Leute,  bzw.  der  Abgestorbenen.  Dem  alte" 
H.  zue  gä'  (chö'J,  altern  B;  U.  ,Die  Meisterjungfrau 
möchte  die  Meisterfrau  werden  und  Anni  [die  Haus- 
mutter] könnte  dem  alten  H.  zu.'  Gotth.  ;  vgl.  under 
's  alt  Ise"  Bd  I  536.  ,Zum  alten  h.  faren,  sterben.'  Mal.; 
vgl.:  ,Es  war  die  zeit  hie,  dass  er  auch  daran  musste 
zum  alten  h.'  ZiMMER'sche  Chron.  ,Er  könnt  nit  lang 
mer  leben,  fuer  zum  alten  h.'  ebd.  De""  gross  H.,  das 
gemeine  Volk  L;  Z.  Eini  vom  grosse"  H.  ne',  die  erste 
Beste  heiraten  L.  Zum  grosse'  H.  g'hüre",  ein  Durch- 
schnittsmensch sein  L;  Z.  Dem  grosse'  H.  nö'''gö', 
der  Mehrheit  folgen.  Von  Einem,  der  keinen  guten 
Ruf  besitzt,  heisst  es:  Er  macht  de'  H.  grösser,  aber 
nid  besser  L.  Dagegen  in  Bs:  In  grosse"  H.  cJw  im 
Ö.  v.  (dtc  H.  ,Das  der  heil.  Petrus  '2,  2  uf  synen 
[Fabers]  h.  redt  [was  in  Petri  Rede  auf  Leute  wie  F-s 
Rotte  passt],  will  er  [Faber]  uf  die  treehen  [schieben], 
die  am  Evangelio  hangend.'    Zwingli.     ,Der  ful  huf', 


die  päpstliche  Rotte,  ebd.  ,H.  kind,  examina  infan- 
tium.'  Mal.  ,[Bei  Abstimmungen]  sind  etliche  ge- 
ordnet, die  die  ganze  gemeind  übersehen  können  und 
das  mer  ausgeben,  so  aber  denselbigen  zweifelt,  teilen 
sich  [die  Stimmenden]  in  2  oder  3  häufen.'  JosSiml. 
1576/1722.  ,Ir  trummenschlacher  sehlachend  druf,  so 
kommend  wir  dest  ehe  ze  huf  [zusammen]!'  Mauri- 
TiANA  1581.  ,Gib  uns  zue  syn  der  heilig  huf  [ver- 
leihe uns,  dass  wir...]!'  Wagn.  1581  (Gebet  des  Mär- 
tyrers). Lucifer:  ,Uf,  uf,  ir  Tüfel,  mit  mir  uf,  schlönd 
dapfer  uf  den  fulen  Huf!'  GGotth.  1619.  Heer-, 
Schlachthaufe,  als  taktische  Einheit.  ,Zugend  sy  [die 
Israeliten]  aus  und  lägertend  sich  in  den  h.  in  der 
wüste.'  1548,  IV.  Mos.;  dafür:  ,in  eim  h.'  1531.  Im 
XV.  formierten  die  Schweizer  zum  Gefecht  gewöhnlich 
drei  grosse  .Schlachthaufen':  die  Vorhut,  den  Gewalt- 
haufen (s.  d.)  und  die  Nachhut;  vgl.  betr.  das  Sach- 
liche Elgger  1873,  S.  273/86 ;  Jahns  1880,  S.  932/42. 
,Die  eidgnössischen  Schlachthaufen  oder  Bataillons 
betreffend  ward  gut  erachtet,  dass  dieselben  jeder  zu 
400  Mann  stark  und  insgemein  zu  Sechsen  hoch  ge- 
stellt werdend.'  Erläuterung  zum  eidg.  Defensionale 
1674.  ,Der  verlorne  H.',  Vortrab,  Streif-,  Plänkler- 
corps, Eclaireurs ;  aus  Freiknechten  (s.  Frlheit  4  Bd  I 
1266  f.)  bestehend,  die  unter  besondern  Anführern 
dem  Zuge  weit  vorausgiengen,  daher  auch  ,vorlaufende 
Knechte'  genannt  wurden.  ,Wiewol  wir  in  hoffnung 
sind,  wir  syent  [in  BHa.]  sicher,  es  war  denn  sach, 
dass  sy  [die  Unterwaldner]  den  verlornen  h.  herüber 
[über  den  Brünig]  schicktend,  welchen  sy  von  fröm- 
dera  Volk  zesammen  gelesen  haben  sollend.'  1531, 
Strickl.  ,Da  verlautet,  Zürich  habe  einen  Haupt- 
mann mit  einem  verlorenen  H.  abgeschickt,  um  im  Land 
herum  zu  rauben  und  zu  brennen,  so  könnte  man  aus 
den  ennetbirgischen  Untertanen  ebenfalls  einen  solchen 
H.  bilden.'  1619,  Absch.  Über  den  ,gevierten  H.'  vgL 
Jahns  aaO.  und  geviert  Bd  1  925.  S.  noch  Kriegs-3. 
und  Hufen  g  (in  den  H.  schlän).  —  e)  Mass  für 
eine  bestimmte  Menge  oder  Zahl  von  Gegenständen. 
a)  von  geschnittenem  Getreide,  so  dass  3  oder  4  Hufe* 
(Hüfeli)  eine  Garbe  bilden.  Der  H.  selbst  besteht 
aus  3  Hampfle'  oder  einer  oder  2  zsgezogenen  Samm- 
lete"  Z.  Bei  schlechtem  Wetter,  wenn  man  das  Ge- 
treide nicht  zum  Trocknen  ausbreiten  kann,  wird  es 
auch  sogleich  z'  Hilfe"  fa"  Hüfeli)  g'schnitte'  Z.  — 
ß)  von  Vieh.  En  H.  Vech  besteht  aus  24  (gelegentlich 
auch  aus  mehr  oder  weniger)  Kühen  und  einem  Zucht- 
stier; 1 — 4  H.,  die  einem  Sennen  gehören,  heissen  ein 
Senntum  Vech  Ap.  ,Ein  Häuf  Vieh,  ein  Haufen  Schafe, 
Geissen  usw.  au  Heu  de  Herd  Vieh.'  Zellw.  1737. 
Spec.  besteht  ein  H.  Ziegen  aus  21  Stück,  s.  Hüfen- 
Geiss  Sp.  462.  Vgl.:  ,Ein  h.  ochsen,  armenta  boum.' 
Mal.  —  y)  ^on  4  Nüssen,  deren  vierte  auf  die  3 
übrigen  zu  sitzen  kommt  .\p;  GSa.  (HilfliJ;  Syn.  Hock. 
Vgl.:  ,Pro  censu  unius  cumuli  quod  vulgo  dicitnr  ein 
hufe  nucum.'  1274,  Gfd.  S.  noch  hüflen  und  spicken. 
—  8)  s.  Stecken-H.  —  f)  in  mehr  oder  weniger  abstr. 
S.  zur  Bezeichnung  grosser  Menge,  Vielheit.  En  H. 
(ganz  Hilfe")  Geld,  Saclie",  Bäum.  Lüt,  Volch  Bs; 
Gl;  Z.  En  H.  Grund  u-ilsse"  Z.  Ganz  Hilfe'  ver- 
zelle",  (an  Ei"n  ane")  schnätze"  Bs;  Z.  Gehäuft  mit 
einem  Syn. :  D'  Bure"lüt  sind  si'''  g'wonet,  ganz  Hufe" 
und  Schöche'  z' esse'  Z.  Hufe"  (hilf esj-wis,  haufen- 
weise Aa;  Z.  , Sollen  die  Landleute  die  Steinen,  so 
sie    von   den   Ackeren   ablesen,    nicht   in   die   Strass 


lotr. 


Haf,  lief,  hir,  liuf.  hnf 


1046 


werfen,  sondern  häuflinsweise  neben  dieselbige.'  B 
8trassenregl.  1744.  S.  noch  übersetzen.  Wo  scho*  'ne 
H.  ht.  flunnul  tuf'  me''  dezue  (hi")  L;  S.  oder:  Wo 
nchw  Ilnf,"  siii.l.  lirlt  de'  Tüfelno'''  ml  dar  Aa,  oder: 
E^  rln,„)d  Alli'^  HU-  ZU  de"  grosse"  Hufe'  Z,  oder: 
Hüfcii  uf  Hilfe"  Z  —  Bed.  wie  in  den  ähnlichen  KAA. 
oben  bei  b;  dagegen:  Es  chunnt  Alles  uf  de'  gross 
H.,  man  legt  eine  (gewisse)  Arbeit  mit  andern  auf 
gelegnere  Zeit  zur  Besorgung  zurück  Z.  Vom  grosse" 
IL  ne;  von  seinem  Überfluss  zehren  L;  's  Geld  nw 
so  vo"  de'  Hufe"  m",  verschwenderisch  damit  um- 
gehen Z.  A"  grosse"  H.  legge",  zum  übrigen  Eeichtum 
fügen  L.  ,Ein  h.  fürdernuss  oder  er,  cumulus  cora- 
mendationis.'  Mal.  ,Machen  ein  H.  Wesen  mit  einem 
Büchlein.'  Klostehgüggü  1687.  ,Es  ist  ein  H.  des  Pre- 
digens  und  Zusprechens.'  Nachtl.  1790.  Übergehend 
in  rein  adverbiale  Bed.  und  Verwendung,  a)  mit  best. 
Art. ;  vgl.  nhd.  ,die  Menge',  engl,  plentij  of.  Nid  d'r 
H,  nicht  bes.  viel;  wenig.  !''•  lietti  an  ire  nid  grad 
d'r  H.  usz'setze'.  .Wir  werden  glucks  den  h.  han.' 
NMan.  ,Das  künigreich  hat  vilerlei  att'en  den  h.' 
TiERB.  1563.  ,Esel,  deren  sy  den  h.  habend.'  ebd. 
—  ß)  der  PI.  ohne  Art.,  i.  S.  v.  (sehr)  oft,  sehr  viel. 
Es  ist  Hilfe'  Volch  z'sämme'chu'.  P*  han-en  Hilfe" 
g'manet.  Er  macht  Hilfe"  so  [z.  B.  eine  bestimmte 
Gewohnheitsbewegung]  Gl.  —  g)  in  präpositionalen 
Verbindungen,  bald  mehr,  bald  weniger  formelhaft. 
's  nimmt  (schlät)-en  über  de"  H.:  1)  er  stürzt.  2)  er 
geht  ökonomisch  zu  Grunde,  wird  bankerott  Z.  Einen 
aber  (djen  H.  g'heie"  (schlän,  bilngge')  Schw;  Z.  ,Eine 
Lehr  und  Glauben,  die  den  hochoberkeitlichen  Stand 
gänzlich  über  einen  Haufen  werfen.'  B  Widertäufer- 
ordn.  1695.  Abi.  über-hilflen.  ,Dass  üch  der  tüfel  uf 
ein  h.  sehende  [zusammenschlage]!'  NMan. ;  Yg\.  An- 
macht. ,Mit  dem  Kriegsvolk  die  Statt  überlaufen,  sie 
nidorstürmen  auf  ein  H.'  Myricäus  1630.  In  adver- 
bialem S.  1)  =  ingesammt:  ,Uwer  ding  ist  uf  ein  h. 
als  wyberwerk.'  RSchmid  1579.  —  2)  uf  e  H,  höch- 
stens,   wenn   es   hoch   kommt   L.     An-en  H.  g'heie": 

1)  tr.,  unordentlich  auf  und  über  einander  werfen.  — 

2)  intr.,  auf  solche  Weise  zsstürzen  Z.  Amene  H. 
si'  (ligge'):  1)  zsgestürzt  sein,  z.B.  von  einem  Ge- 
rü.ste,  regellos  durch  einander  liegen  Aa;  Bs;  Z.  Si 
springe'd  und  laufe'd,  bis  s'  amene  H.  sind  Z.  — 
2)  bankerott,  ruiniert  sein.  ,Das  geht  nicht  ein  Jahr, 
so  sind  sie  am  H.'  Gotth.  Vgl.  ze  Hufen.  Amene" 
H.  ligge'  (sitze"),  träge  herum  liegen,  bzw.  unbeweg- 
lich kauernd  am  gleichen  Fleck  verharren,  auch  von 
Einzelnen  Z;  vgl.  Hufen  c;  Stock,  Dreck.  In'n  H. 
schlftn,  blind,  aufs  Geratewohl  (in  die  grosse  Menge) 
hinein,  drauflos  schlagen;  drein-,  zu-hauen,  viell.  zu- 
nächst dem  Kriegshandwerk  entnommen;  vgl.  Hufen  d. 
,Wo  auch  jemand  zu  stössen  kommt,  der  soll  scheiden 
und  frid  machen,  nit  auch  in  h.  hauen,  schlagen  und 
stechen.'  1572,  ScnwE.  Klosterarch.;  ähnl.  LMerischw. 
Anitsr.;  GrD.  LB.  ,Wolher  und  dran!  in'n  h.  wend 
wir  dapfer  schlau!'  Maüritiana  1581.  Als  Subst.  in 
Form  eines  Imperativischen  Satzes  gebildeter  Per- 
sonenn.  ,Pugnator,  kämpfer.  streiter,  schlachinhaufen.' 
Fris.;  Mal.  Auch  1429.  G  Hdschr.;  UEckst.  (Name 
eines  Freibeuters  im  Bauernkrieg).  Vgl.  die  Per- 
sonenn.  , Hauen-Helm,  -Schild,  Hebenstreit,  Schlag- 
intweit'  und  Schüch-den-Hohel  Sp.  947.  ,lngemein  oder 
in  h.  reden,  in  plenum  dicere.'  Mal.  ,Wenn  man  das 
almosen   on   alle   Ordnung  in   den  h.  dahiir  braucht.' 


SHocBU.  1591/1693.  ,üer  du  die  Wahrheit  unserer 
Religion  lästerest  und  in  H.  hinein  schiltest.'  AKlingl. 
1691.  ,Mit  H.',  in  Menge,  Fülle,  reichlich,  haufen- 
weise. ,D'  straf  Gottes  kam  mit  h.'  Ruep  1550.  ,Üas 
Volk  kommt  an  sarastagen  [der  gewöhnlichen  Badezeit] 
mit  h.  daher  und  begert  weih  und  mann  sein  kurzweil 
zu  haben  und  hüpsch  zu  werden.'  HPantal.  1578. 
, Welche  [Fische]  mit  H.  an  die  Frömde  verführt  wer- 
den.' JLCys.  1661.  ,Der  Otter  soll  von  den  Fischeren 
gewehnt  mögen  werden,  dass  er  ihnen  die  Fisch  mit 
ganzem  H.  in  ihre  Garn  treibt.'  ebd.  ,Man  kann  käu- 
merlich  an  einem  Ort  in  der  Statt  herum  gehen,  dass 
man  nicht  Dergleichen  mit  H.  sehen  und  hören  werde.' 
HsEEscHER  1692;  s.  noch  Augenschiesser.  Ze  H.: 
1)  haufenweise,  in  Hülle  und  Fülle  Bs;  S.  Z'  H. 
digg  voll,  übervoll,  zum  Überfliessen  voll  Bs  [etwa 
aus  dem  syn.  g'hufedig  umgedeutet?].  Alliterierend, 
formelhaft:  /•  dem  Hus  isch  Alls  z'  Hus  und  z'  H. 
S  (Schild).  —  2)  verbunden  mit  Vben  der  Bewegung: 
an  einen  Haufen,  zu  Boden;  zu  Grunde;  vgl.  an  Hufen. 
Z'  H.  gä",  bankerott  werden  Z.  Der  Chäbel  g'heit-em 
z'  H.  [fällt  zs.],  bildl.:  er  geht  dem  ökonomischen 
Ruin  entgegen  S  (Schild).  Ähnlich  wiederum  bildl.: 
Si  lönd  der  Wage"  fare'  [lassen  ihm  seinen  Lauf]  und 
faret  s"  öppe'  z"  H  [so . .]  Scaw ;  vgl.  Lumpen-Eueder 
Bd  1  684  und  Fuerivereh.  ,So  möcht  er  [Christus]  die 
fünd  [s.  ßd  1  850]  nit  bi  jm  dulden,  er  wurd  es  alles 
ze  hüfen  stossen.'  Zwingli.  ,So  legend  wir  bald  sö- 
lichs  drüf  [auf  den  Esel],  und  sollt  er  fallen  drunder 
z'  huf'  Haberer  1562.  ,Zwen  mörder  söllent  Beatuni 
z'  hüfen  schlän.'  Com.  Beati.  ,Anjetzo  ligt  das  Gebäu 
zu  Häuf.'  GuLER  1625.  —  h)  Gen.  st.  der  präp.  Ver- 
bindung ,in  einem  H.'  =  auf  ein  Mal,  insgesammt. 
.Ganten,  ein  stuck  nach  dem  andern  und  nit  alles 
eins  hufens.'  1509,  ZEgl.  Stadtr.  —  i)  s.  Mal-H. 

Mhd.  linfc  swm.,  /m/ stm.,  dass.;  der  PI.  ,Hruifen'  auch 
Scrorh.  1742;  1756,  ScliwMa.  LB.  n.  ö.  —  Zu  b  vgl.  nocli 
Geldschisser.  Zu  d.  Die  Bezeichnung  ,TerIonier  H.'  scheint 
erst  von  den  die  epochemachende  Taktik  der  Eidgenossen  nach- 
ahmenden Franzosen  (v?l.  frz.  enfunt«  perdu,ii)  und  Heutsclieii 
(bes.  bei  der  T.umI  l,ii.  lii.  ii.liiiing)  aufgebracht  und  von  den 
Schweizern    /m  ,      ...iijen    zu    sein;    vgl.    dagegen 

unser  Barst.  I  //  //  Si,..  mag  wohl  daher  kommen, 
dass  die  Aufgal"  i  i  l'l  mIIm  eine  bes.  schwierige  und  ge- 
fahrliche war,  luicht  kuiiutcu  sie  ja  vom  Gewalthaufcn  ab- 
geschnitten oder  in  schwierigen  Lagen  völlig  iireisgegeben 
werden.     Ygl.   ,Haufe'   6  bei   Gr.  WB. 

Üwel-,  Hüel-  SchwE.,  Euel-  ZoTö.:  =  Üwel  5. 
—  Fach-:  nach  der  Art  seines  Baues  benanntes  Ge- 
hege für  Fische  Bodensee  (It  GLHartm.  1808).  Vgl. 
Fach  2  Bd  1  638  u.  das  Folg.  —  Furn-:  Lokalnamo 
eines  bestimmten,  eig.  für  Weissfische  (s.  Furn  Bd  1 
1022)  angelegten  Geheges  Tnßodensee.  —  Grund-: 
als  Dünger   bestimmter   Erd-,    Eomposthaufe   ZDättl. 

H6-,  seltener  Hui-:  hoher,  alter,  mit  Gras  be- 
wachsener Ameisenhaufe  ZO.  I'^  hä'  so  ril  3Iüs-  und 
Höhilfe",  das'  i"*  derwege"  alliicil  mues  icetze". 

Obwohl  Ho  an  und  für  sicli  ganz  wohl  ans  dem  Adj.  lu"'* 
gedeutet  werden  könnte,  so  macht  doch  die  Nbf.  Htii  und 
die  Verwendung  von  Üicel  osw.  für  den  Begriff  ,Krdhäurchen' 
wahrscheinlicher,  dass  wir  es  hier  mit  für  die  betr.  Gegend 
allerdings  veralteten  Formen,  bzw.  Umdeutung  des  W.  Hiiw, 
Uhu,  zu  tun  haben. 

G'hüder-:  Kehrichthaufe  BSchw. 

,Hock-:  Maulwurfshügcl  Bs."  —  //"rf.  geduckt« 
Stellung,  lilclnor  Haufe. 


1047 


Haf,  lief,  Inf.  hof,  linf 


1048 


Hutte''-Hüfe'':  nach  der  Form  eines  auf  dem 
Rücken  getragenen  Korbes  (Uutte)  gebautes  Fisch- 
gehege. Bodensee  (It  GLHartm.  1808).  —  Chol-: 
1.  Kohlenhaufe.  ,Chur  in  zweien  stunden  bei  der 
brunst  ein  kolhuf  war.'  1574,  Ardüser.  ,Die  kolhüfen 
und  güsel  Ton  dem  verbrunnenen  kloster  ab  der  hof- 
statt  ze  rumen.'  1585,  Gpd.  —  2.  Kohlenmeiler  Z. 
,Der  gemeindschmid  begert,  dass  man  jm  abschetzig 
holz  zuo  koufen  gebe,  ein  k.  ze  machen.'  1557,  Hotz, 
Urk.  —  3.  nach  Art  eines  Kohlenmeilers  aus  dürrem 
Reisig,  Unkrautstöcken,  Kartoffelstauden,  bes.  aber 
bei  Rodungen  und  Neubrüchen  weggehackten  Rasen- 
stücken (mit  der  Grasseite  nach  innen  gelegt)  sorg- 
fältig aufgebauter  Brandhaufe  mit  dichtverwobener 
Decke,  der  im  Verborgenen  ohne  sichtbare  Flamme 
langsam  mehrere  Tage  brennt  (IcoUt,  mottet,  schwelt, 
glimmt),  bis  auch  die  äussere  Rasendecke  verkohlt 
ist;  der  so  gewonnene  Chol-  oder  Brand-Herd  dient 
als  Dünger  Z.  Syn.  Mott-,  Büm-,  Süber-H.;  vgl. 
MoU-Für  Bd  I  947.  —  Klapper -Hüfeli :  unge- 
hörige Anhäufung  aufgesponnenen  Fadens,  die  auf  der 
Spule  entsteht,  wenn  infolge  Plauderhaftigkeit  (,Klap- 
perns')  unterlassen  wird,  den  Faden  rechtzeitig  in  das 
nächstfolgende  der  12  Häkchen  zu  legen,  welche  be- 
stimmt sind,  den  Faden  auf  die  Spule  zu  leiten  B  f. 
,Je  schärfer  man  aufpasse,  desto  weniger  Kl.  mache 
man.'  N.  B  Kai.  1840.  —  Chriegs-Hufe",  nur  in 
der  RA.:  dem  Chr.  zuelaufe',  Handgeld  nehmen,  in 
fremde  Kriegsdienste  gehen  ScnHa.  S.  Hufen  d.  — 
Chris-:  Reisighaufe.  Blinde  Hast,  grosse  Unbe- 
sonnenheit tadelt  man  mit  der  RA.,  bzw.  Vergleichung : 
's  Bind  springt  in  'ne  Clir.  Schweiz  1858;  drl'  schiesse' 
(in  Öppis  inne"  fare"J  wie-n-en  Munni  [Zuchtstier]  in 
en  Chr.  B;  Z.  Bran  ga'  wie  e  Dübel  (Munni)  an  e 
Chr.  ZscHOKKE  1797.  Vgl.  auch  Gotth.  XIII  17.  ,Wenn 
der  Zug  [die  Arznei]  nit  anrühre  [wirke],  dass  man 
mein,  er  loell  dur'''  Eim  dürre  schiesse'  wie  ne  Pfil 
oder  ivie  ne  Munni  dur'''  e  Clir.,  so  trag  er  Nüt  ah 
[helfe  er  Nichts].'  Gotth.  Dri'  luege'  wie  ne  Munni 
i'  ne  Chr.,  finster,  mürrisch  aussehen,  vor  sich  hin 
starren  S;  vgl.  en  Stieren-Grind  mache'  Sp.  708.  — 
Lad-:  Haufen  Heu,  wie  sie  bei  der  Ernte  zsgctragen 
und  -gerecht  werden,  um  auf  den  Wagen  geladen  zu 
werden  Z.     Ladhiife"  wie  Berg.  CMey.  1844. 

Lugg-,  Logg-:  an  einen  bes.  Haufen  zsgekehrtes 
und  gesondert  gedroschenes,  gesäubertes  und  ver- 
wendetes Gemenge  von  ganzen  Ähren,  Spreu  udgl., 
wie  es  in  der  Tenne  beim  Abladen  abfällt  Aa^F.", 
Z.  1815;  Syn.  Tennrisleten ;  oder  wie  es  nach  dem 
Dreschen  und  nach  Entfernung  des  leeren  Strohes  als 
leichte  Waare  mit  dem  Rechen  oben  weg  genommen 
wird  AaF.;  BsTerw.;  STierst.;  ^yw.AhrechetejWan-nete. 
Zu  lugg,  locker,  lose.  Betr.  die  Verwendung  dieses 
leicliten  Getreides  vgl.  Uehd  S  a  Sp.  943  u.  Anm.  zum  Folg. 
Lö"-  =  dem  Vorigen,  spec.  die  nach  dem  Haupt- 
dreschen zurückbleibenden,  zsgekehrten  Reste,  die 
noch  einmal  gedroschen  werden  müssen  AAFri. 

Wahrsch.  fiel  vormals  das  lietr.  Getreide  den  Dreschern 
als  Teil  ihres  Lohnes  zu,  wenigstens  wissen  wir,  dass  das 
aus  dem  ,Lugg-H.'  gewonnene  Getreide  sofort  verbacken 
wurde,  um  zur  Bewirtung  und  Belohnung  der  Schnitter  zu 
dienen. 

Mal-:  Mahlgang,  d.  i.  der  viereckige  Trichter, 
durch  welchen  das  Getreide  auf  den  Stein  fällt,  die 
beiden  Steine,   der   Beutel   und   die   Einfassung   des- 


selben5Ap;  B;  „L;"  Z.  ,Die  von  Biel  sollen  kein 
nüwe  Mülin  in  der  Statt  ufrichten  noch  die  erbuwte 
mit  nüwen  Läufen  oder  Hufen  mehren.'  Bs  1610. 
,Dem  Müller  zu  BSchw.  will  man  zu  seinem  M.  noch 
einen  gegen  einen  jährlichen  Bodenzins  von  1  fl.  für 
das  Schloss  gestatten.'  1640,  Absch.  ,Ein  Mülli  und 
Müllig'werb,  so  da  hat  3  MalViäufen,  zwo  Rollen,  ein 
Rybi,  ein  Stampfl.'  1690,  Z  Urk.  ,Dcn  unbrauchbaren 
M.  in  Stand  stellen.'  1742,  Absch.  -  Vgl.  lat.  ,tr,ie,  von 
struo  und   Tmtt-IJ. 

Mülli-:  =  dem  Vorigen.  ,Der  Landvogt  bittet, 
dem  N.  N.  zu  gestatten,  einen  neuen  M.  zu  machen.' 
1633,  Absch.  (GRh.).  —  Mort-  s.  Mott-H.  —  Mus- 
(PL  Müs- Hilfe"  Z):  von  Feldmäusen  ähnlich  den 
Maulwurfshügeln  (s.  Sclier-H.)  aufgeworfener  Erd- 
haufe, allg.  D'  Müshilfe'  verreche",  vertue".  —  Mist-: 
1.  im  eig.  S.,  wie  nhd.  allg.  Syn.  Bü-H.  Nach  der 
Grösse  des  M-s  wird  sprw.  der  Reichtum  eines  Bauern 
geschätzt.  Als  parodierende  Entstellung:  ,Es  [Glück 
und  Reichtum]  wird  endlich  mit  Haufen  [s.  Hufen  gl, 
ja  Misthaufen  kommen.'  Schimpfr.  1051.  —  2.  =  J?m- 
fen  c'ß;  Ti;  Syn.  fuler  Mist.  Es  g'scheht  'ne"  Becht, 
warum  hei"  si  d'  Auge"  in  en  M.  g'steckt  [ihre  Braut- 
wahl auf  ein  faules,  liederliches  Mädchen  gerichtet]. 
BLangn.  Kai  1889. 

Mott-  (in  BsBirs.;  Btw.  Mutt-,  in  AaWoM.  Mort-): 
1.  =  Kol-H.  3  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L;  Schw;  S;  Z.  ly  M.- 
Hüfe"  rauchnen  über  's  Feld.  Probst.  Dürste",  ''as  es 
zum  Mul  US  g'stobe"  hed,  wie  'ne  M.  [in  den  man 
hinein  greift]  L.  —  2.  Tüfels  M.  =  Tüfeh  Äschen 
(Bd  I  506)  B.  —  3.  Schiinpfw.  auf  eine  Frauensperson 
B  (Gotth.  XXI  230).  —  mutthufne".  En  Biete  m., 
ein  Stück  Land  auf  die  u.  1  angegebene  Weise  in 
Acker  oder  Garten  verwandeln  BBe.;  Syn.  holen.  VgL 
noch  Kasth.  1829,  S.  85.  —  Betr.  die  Entwicklung  des  r 
vor  t  vgl.  z.  B.  Schruirte,   sparte  Särte  st.   Schiiatte  usw. 

Neben-:  detachierter  Kriegshaufe,  Gegs.  zu  ,Haupt- 
Haufe'.  ,Zu  beobachten,  wie  die  Feinde  ihre  N.  ma- 
chen, durch  deren  Geschick  man  schon  zum  2.  Mal 
Abbruch  erlitten.'  1531,  Strickl.  —  Bü-:  Dünger- 
haufe. ,Es  soll  niemand  kein  holz  noch  bauhaufen 
in  die  gemeine  Strassen  nicht  legen.'  1591,  6r;  Syn. 
Mist-H.  S.  auch  Schorr-Grueb  Sp.  095.  —  Poch-: 
lärmende,  prahlerische,  trotzige  Menge.  .Ich  will  gern 
Sechen,  ob  Strassburg  und  noch  etlich  in  irem  für- 
ngmen  beharren  werden,  dann  Gott  den  grossen  b. 
hernider  g'leit.'  1548,  Absch.  Vgl.  Poch-Hans.  — 
Rum-:  Haufe  auf  Wiesen  oder  Äckern  zsgelesener 
oder  -gekehrter  Abfälle  (Laub,  Reiser,  Moos,  Un- 
kraut), der  gewöhnlich  verbrannt  wird  GrL.,  Pr.;  Syn. 
Süber-H.;  vgl.  Kol-,  Mott-H.  E  hrinnende  B.  war 
dere  Bilhete  [dem  Tabaksqualm]  lütsehel  [wenig]  na""- 
g'stande".  Schwzd.  ,Die  Strassen  weder  mit  R.  noch 
andern  Mittlen  verwüesten.'  GrD.  LB.  —  Süber-: 
=  dem  Vorigen  AABb.  1742  wurden  in  AAEhr.  auf 
einem  Platze,  wo  vorher  ein  S.  verbrannt  worden  war, 
die  ersten  Kartoffeln  gepflanzt.  Alpenp. 

G'schänd-:  Schelte  für  ein  Kind,  welches  All«s 
verderbt,  wo  es  kann  Ap;  Syn.  G'schändi,  G'schänd- 
Häggen.  —  Vgl.  Bündel,  Sack  in  der  Übertragung  auf  Men- 
schen, s.  auch   üöf  II  und  Hufen  c. 

Scharr-:  an  die  Strassenränder  gezogener,  in  Hau- 
fen zsgescharrter  Strassenkot  L.  —  Scher  (Sehe% 
Sclutr,  Tsche'r)-:  Maulwurfshügel  Ap;  ß;GL;GRPr.; 


1040 


Haf.  lief.  hif.  hof.  linf 


1050 


G;  Z;  Syn.  Müpfele.  Haue'  muess-es  [beim  Mähen] 
mit  G'walt  und  d'  Sch.-Hüfe*  müend-si  [es]  e'tgeJte'. 
OMet.  Bis  d'  Sch.-Hüfe'  Schatte'  gend,  formelhafte 
Zeitbestimmung,  bis  am  Abend  GlMoII.  7)'  Sch.-Hüfe" 
verreche'  (rertue',  .Verstössen.'  17ö0.  ZGes. ;  in  BSi. 
breche",  d.  i.  mit  der  Mistgabel  zerschlagen,  um  dann 
die  Erde  davon  zu  zerstreuen),  eine  regelmässige 
Frülijahrsarbeit.  ,Der  Lehenmann  soll  jährlichen  die 
Güter  mit  Brechung  der  Seh. -Häufen  fleissig  arbeiten.' 
1070,  ScHwE.  Klosterarch.  ,Du  machest  us  einem 
schärhufen  ein  grossen  Olympum.'  Gtrenr.  1523. 
.Man  müesse  die  rychtag  [Reichtümer],  mit  pensionen 
z'sammengelegt.  zertrechen  wie  die  schärhufen  uf  der 
matten.'  HBdll.  1572.  ,Es  geht  Einer  durch  eine 
Matten  und  achtet  nicht,  wo  er  trette  und  stosst  sich 
an  eim  Schärhaufen;  dieser  stürchelt  [stolpert]  zwar, 
aber  es  hindert  ihn  am  Fortspazieren  nicht.'  1610, 
JJBreit. 

Schorr-:  =  Scher-H.  STierst.  -  Scharren,  weg-, 
zskchren,  stossen,  fortschieben;   vgl.  Schorr-Mue,  Maulwurf. 

Schatz-:  Kosew..  z.B.  unter  Verliebten  GRPr. 
(Schwzd.  29,  131).  —  Tgl.  Bünddi  (s.  olien  Anm.  zu 
(l'Khänd-H.),  Hudel-Säckli  u.  A.  als.  Koseww. 

Schläch-in-  s.  Hufen  g. 

Steck(e")-:  eig.  ein  Haufe  von  150  Rebpfählen, 
wie  sie  den  Winter  über  aufgeschichtet  oder  aufge- 
stellt werden  an  Orten,  wo  man  die  Reben  niederlegt; 
vgl.  Rössli;  dann  ein  Ackerraass  von  1500  Quadratfuss. 
für  die  Rebe  10  Quadratfuss  gerechnet,  so  dass  24 
Steck-Hüfen  eine   (alte)  Juch.  ausmachen  Bs  f- 

Vgl.  Ilu/en  c,  bair.  .Haufen'  als  Holzmass  und  bes.  die 
Sanienmasse  (Immi  udgl.;  mt-gröss  Sp.  806)  als  Umschreibung 
der  Flächenuiasse. 

Tilg  (Tag,  Tag)-,  meist  Dim.:  Frucht  der  Hunds- 
rose, rosa  canina;  Hagebutte  Ap;  GT.;  Syn.  Oren- 
Glängger  Sp.  633;  Butzen. 

Der  Name  rührt  daher,  dass  das  Fleisch  der  überreifen 
(gefrnrnen)  Früchte  weich  und  formbar  wird  wie  Teig. 

Dingel-:  Haufe  Abfälle  vom  Flach.s-  und  Hanf- 
brechen (DingelJ  B.  ,Wer  immer  Feuer  schreit  bei 
jeder  Abendröte,  jedem  brennenden  ]).,  dem  glaubt 
man  am  Ende  Nichts  mehr.'  Gotth.  —  Tran(t)sch-; 
1.  Haufe  allerlei  durch  einander  Gestampftes,  Zäh- 
Klebriges  ZO.  —  2.  Schelte  auf  eine  schwer  beweg- 
liche, bequeme  (Frauen.s-)  Person,  ebd.  —  Träsch-: 
1.  Traber-,  Tresterhaufe  Z.  —  2.  =  Tranftjscli-H.  3 
ZDüb.,  S. 

Trott-:  der  meist  aus  Balken  bestehende  Unter- 
bau einer  Kelter,  auf  welchem  das  , Trottbett'  ruht 
ZS. ;  schon  Z  Donnerstagsbl.  1787.  -  Vgl.  Mal-,  Mülli-H. 

Wal''''e"-:    Vieh,    das   zum  Verkauf  nach  Italien 

geführt  wird  ScHW;  Zg.  -  Vgl,  Huf.n  ,,  ß;  WaUehh-n- 
Ehner  (Bd   I   222),  -Kuc. 

Gewalt-:  Haupt-Schlachthaufe  (s.  Hufen  d),  dem 
es  in  der  Schlacht  oblag,  den  Hauptkampf  durchzu- 
führen, gewöhnlich  die  Hälfte  alles  Fussvolks  um- 
fassend; auch  nur  schlechtweg  ,Hufen'  genannt;  vgl. 
Elgger  1873,  S.  283. 

In  Deutschland  entsprach  unserm  W.  der  bei  uns  erst 
spät  (z.B.  1589,  Ardüser,  S.  111;  JLCys.  16G1)  belegte 
und  wohl  entlehnte  Ausdruck :  ,hellor  Haufe' ;  vgl.  Gr.  WB. 
unter  ,Haufe'  und  ,hell'.  Anders  die  lose  Verbindung  ra 
ti' irdilx-H,,   s.    Oeieitlt. 


hüfachtig,  -ochtig,  -ccht(ig):  haufenweise, 
in  Haufen.  Menge;  massenhaft,  gewaltig.  ,Es  luffent 
die  lüt  hufechtig  us  der  .statt  harab  an  das  mer.' 
HsScHüRpp  1497.  .Darin  denn  ouch  die  straf  Gottes 
uns  hufech  und  grusam  heimsuecht.'  Salat.  ,Daruf 
[auf  die  Laster]  der  zorn  Gottes  hufechtig  folgend 
[ist].'  1540,  Z  Mand.  .Wiewol  der  Herr  Gott  dem  erd- 
rych  ein  söUichen  hilflichen  zueschub  'geben,  dass 
sich  die  frücht  daruf  hufechtig  gesammlet  haben.' 
1540,  Z  Ratserk.  ,Der  spatz  fleugt  haufecht  auf  die 
weid.'  VoGELB.  1557.  ,Haufächtig,  haufachtig,  häuf- 
lingen,  beim  häufen,  beim  totzet,  beim  tausend,  in 
einer  rott  oder  Versammlung,  gregatim,  cumulate,  fre- 
quenter.  Haufachtig  zesammen  legen,  accumulare  acer- 
vatim.'  Fris.  ;  Mal.  .Dass  mir  der  schnee  hufechtig 
uf  das  antlit  fiel.'  ThPlatt.  1572.  ,Vich,  welches  die 
Lamparter  ganz  hufecht  ufkauft  [haben].'  RCys.  .Im 
Frühling  kameud  zu  uns  haufachtig  die  wyssen  und 
schwarzen  Vögelin.'  1618,  BossH.-Goldschm.  .Dass  der 
Regen  haufecht  nicht  mit  einander  abher  bricht,  son- 
ders fein  tröpflecht  nach  und  nach.'  HsRRebm.  1020. 
—    Mhd.   hüfeht,  d,ass. ;   s.   auch  huß'Iochtij  und  hufend. 

hüfe"  Gr;  W.  hüfne"  Gl;  Schw;  Zg,  hüfne'  Aa: 
1.  act.,  an-,  aufhäufen,  z.  B.  Holz  Gl;  Gr;  Schw;  Zg. 
.Über  uns  und  das  Volk  wirf  der  Zorn  Gottes  ge- 
hufet.'  B  Syn.  1532/1775.  ,So  [die  Murmeltiere]  vil 
heuws  gehaufet,  so  bedörfend  sy  eins  karrens.'  Tiere. 
1563,  112  a.  Spec.  hüfe',  Brandhaufen  (s.  Kol-,  Mott- 
Hufen)  anlegen  Sch.  JSn  Chnecht  zum  H.  und  Ver- 
brenne'. Schwzd.  —  2.  refl.,  zu  einem  Haufen  an- 
wachsen, sich  vereinigen  Aa;  Gl;  W.  les  hufet-'s- 
schich,  geht  es  in  ökonomischer  Beziehung  vorwärts; 
Syn.  üfnen.  .Da  haufetend  sich  dise  männer  wider.' 
1531/48,  Dan.;  dafür:  .häufeten  sich.' 1607;  ,da  stürm- 
ten dise  M.  hinein.'  1882.  ,Es  hufct  sich  derselben 
zal  von  tag  zu  tag.'  LLav.  1584. 

Mhd.  hu/en,  dass.;  Tgl.  noch  hü/tlen,  ijehufet.  In  ihm 
Belege:  ,Dass  all  dis  zeichen  hufent  har,  erzeigent  siili  (ii;;- 
lichen  klar.'  Salat  153T  (Gfd.  36,  .32/3)  ist  wahrs.li.,  I.is. 
auch  mit  Eücksicht  auf  den  Vers,  das  Kefi,-Proii,  -csput 
und  aus  dem  folgenden  Satze  zu  ergänzen. 

über-:  überreichlich  mit  Etw.  versehen,  über- 
füllen. .Dass  mit  ross  und  vich  die  allmend  von  den 
pauren  nit  überhufet  werde.'  LKnutw.  Amtsr.(Nachtr.); 
vgl.  übersetzen,  -stossen.  Als  Ptc,  übervoll,  im  Über- 
mass.  ,Dass  der  Sünder  in  synen  uberhufeten  Sünden 
verzage.'  Z  Lit.  1644.  ,So  wäre  das  Mass  seiner  Sün- 
den überhäufet.'  B  Sectierermand.  1753. 

u  f - :  aufhäufen.  ,Je  wirsch  und  unwäger  sy  tuend, 
ie  nächer  wir  erkennend  die  räch  Gottes  syn,  der  sy 
ir  mass  erfüllen  lasst;  werdend  sy  die  bald  ufhüfen, 
so  wirf  sy  dester  &  usgeschütt.'  Zwingli.  ,Zu  morer 
Ufhufung  der  Straf.'  JJRüeger  1000.  Als  Ptc:  .Ein 
linmelein  voll  Kernen,  bestrichen  und  nicht  aufge- 
häuft' B  Müllerordn.  1689. 

hüfend,  hüfet:  häufen-,  scharenweise.  .Die 
fruchte  [der  Obstbäume]  häufet  heimtragen.'  1535, 
BThun  Stadtsatz.  ,Die  engel  hufend  muessten  es  den 
hirten  uf  dem  feld  singen  und  sagen.'  Kessl.  .Die 
Widersacher  sind  wider  in  ze  schryben  hufend  hcrus 
gefallen.'  ebd.     Syn.  hüfig.   —  Ptc,  Perf.  oder  Imp. 

hüfe-lochtig:  in  Haufen;  mit  Macht.  Der  Wind 
kommt  h.  ^  putsche"  [anzustossen]  BBe.   Vgl.  hüfaeht. 


1051 


Haf,  hef,  hi 


hnf 


1052 


gehütet  B;  ZZell,  f/'hufnet  Gl;  GrHc;  Schw; 
mit  adj.  Abi.  g'lmftig  Ap  (auch  g'ch-);  Bs  (neben 
g'hiife-dig,  -tig,  auch  ufg'hufedig);  L  fg'h-  vmäg'ch-); 
Z  tw.,  b'htiftig  Z  tw.,  g'hufig,  auch  h'hiißg,  selten 
g'hüfig  Ztw.:  1.  gehäuft  voll,  gut  gemessen,  bes. 
von  Trockenmassen  Ap;  Bs;  B;  Gl;  Gr;  L;  Z;  Syn. 
g'sclwchen  voll,  andere  s.  bei  voll  Bd  1  781/4;  hüßg. 
E  g-i  Zeine,  en  g-e  Chratte  (voll).  G.  und  g'stopf(e)t 
fg'schlage',  g'stosse"  usw.^  voll.  Si  plaudret  g'hufig 
Chräze'  [Rückenkörbe-]  voll.  Stütz.  Von  einer  Schüssel 
Milch,  in  welche  übermässig  eingebrockt  ist  und  welche 
ein  starker  Esser  in  der  Zeit  der  12  Stundenschläge 
einer  Turmuhr  leeren  will:  Wo  's  efange"^  Sechst 
g'schlage'  g'ha'  hat,  sr  hän-i'*  mo'*  nüd  's  G'hufig 
oben- ab  [gegessen]  g'ha'.  JSenn.  Auch  etwa  von 
Flüssigkeitsmassen:  en  g-e  Hafe'  vollfe")  Milch  Bs; 
L;  Z.  ,Sie  sollen  das  Krüsch  gehaufet  und  uiibe- 
strichen  währen.'  B  MuUerordn.  1689.  ,5  Immi  und 
ein  gehäuftes  Achterli.'  ebd.  169.3.  , Ansuchen  des 
Landvogts,  man  möchte  ihn  für  den  Verlust,  welcher 
ihm  durch  die  Reduction  des  gehäuften  Masses  auf 
gestrichenes  (2  gehäufte  =  3  gestrichenen)  entstehe, 
entschädigen.'  1717,  Aesoh.  —  2.  häufen-,  scharen- 
weise, zahlreich  BsL.  ,Ein  g'meind  oder  ein  g'hufte 
mengi.'  Zwingli;  vgl.  Hufen  d.  ,üas  Guotisheer  ist 
ein  Gespenst,  so  by  Nacht  gehufeter-  oder  scharenwys 
wandlet.'  RCys. 

V;,'!.  hnfiHhii:  lue  Form  g'huf^dig,  auffällig  durch  die 
Beiliclialtiiii'-'  'Irs  i,iiil.isun  e,  kann  aus  einer  Mischung  von 
r/'liü/,i  nii.l  :i'liiiih,j  .  rklärt  werden.  O'hufiy  lehnt  sich  direkt 
an  das  ^iilist.  l/njin  an;  doch  kann  auch  nur  die  participiale 
Ahleitungbsilbc  -et  durch  das  belichte  adj.  -ig  ersetzt  sein : 
vgl.  z.  B.  gehudlei  und  gehudlig  Sp.    1005. 

,Zemnien-Hüf ung':  Zsrottung,  Versammlung. 
Von  Zwingli  auf  die  zur  Disputation  gekommene 
Menschenmenge  angewendet. 

Hü  fei  m.  =  Hufen  e  a  BO.;  auch  von  einem 
Haufen  von  4  Äpfeln. 

hüf(e)le":  1.  häufeln,  mit  einer  gewissen  Sorgfalt 
in  kleine  Haufen  setzen,  allg.  ,Hüfle',  coacervare.' 
Id.  B.  Spec.  vom  Heu  AxFri.;  Gl;  S;  Syn.  schöchlen : 
vgl.  Hufen  a.  Vom  Getreide,  bevor  man  es  an  Garben 
binden  will  Sch;  S;  Z;  vgl.  Hufen  e  a;  Ah\.  Hü feler. 
Um  Kulturpflanzen  (z.B.  Bäume  Scu,  Mais  Gr,  s.  Tsch. 
S.  328  s.  V.  ffilgen,  bes.  allg.  aber  um  Kartoffeln), 
denen  man  mehr  Nahrung  zuführen  will,  die  Erde 
aufhäufen,  indem  man  diese  entw.  mit  der  Hacke  rund 
herum  heranzieht  od.  zwischen  den  Reihen  (neuestens 
auch  mit  dem  , Häufelpflug')  Furchen  (s.  fürrelen  Bd  1 
939;  gräbelen  Sp.  686)  macht,  allg.  Auch  tr.  und 
zsgs.  um-,  zue-h.  ,Sie  konnten  dieses  Jahr  zwei  Mal 
in  die  Erdäpfel,  konnten  sie  kärstlen  und  häuften.' 
GoTTH.  ,Im  Brachmonat  soll  man  den  Kabis,  Kühl 
und  Kardifiol  nach  einem  Regentag  ordentlich  häu- 
felen  oder  roden  [rütteln].'  JCSülz.  1772.  ,Man  um- 
häufelet [die  Stöcke]  mit  Erden  wie  einen  Schärhaufen.' 
ebd.  Vgl.  füllen  Bd  I  794.  Von  Kinderspielen :  1)  mit 
Erde  spielen,  in  der  Erde  wühlen  BSi. ;  s.  gorren 
Sp.  408.  —  2)  auf  mehrere  Häufchen  Nüsse  (s.  Hu- 
fen e  y)  mit  einer  andern  Nuss  werfen;  da  dann  die 
zsfallenden  Häufchen  dem  Werfenden  gehören  Ap; 
GEh.  (auch  nusshüfle");  Syn.  höcklen;  (Hufen)  spiclcen. 
,Ich  kann  nicht  mehr  häufeln  (cumulare),  ich  habe  nur 
noch  zwo  nussen.'  Eep.  1662.  —  3)  i.  S.  v.  grüschlen  II 


(s.  Sp.  817/8)  Aa.  —  2.  cacare  Bs;  Gl;  vgl.  Hufen  b. 

—  3.  =gehüderen  IB.   —   Mhd.  hiu/^h,  in  Bed.  1. 
über-:  eig.  ,über  den  Haufen  werfen'  (s.  Hufen  g), 

dann  bildl.:  Es  tuet-ne' ü.,  er  wird  ökonomisch  ruiniert 
Aa;  Bs;  S. 

hüfig:  1.  =  hü f achtig.  .Bisweilen  fangt  man  12 
bis  20  Jahr  kein  einigen  [Fisch],  aber  wann  sie  kommen, 
so  kommen  sie  häufig.'  JLCys.  1661.  ,Was  an  dem  Ort 
Selbsten  nicht  wachsen  wird,  wird  von  entlegenen 
Orten  h.  dahin  gebracht.'  SHott.  1702.  .Er  streuet 
aus,  h.  und  hänflig  [mit  vollen  Händen],  wie  ein 
Ackermann  seinen  Samen.'  JJUlr.  1727.  , Alles,  bis 
auf  das  geringste  Stüdlin,  tragt  seine  Frucht  h.'  1788, 
Schumi.  S.  noch  jucken.  Von  Flüssigkeiten:  in  Strö- 
men, schwallweise.  ,Es  seie  das  Blut  h.  herfür  ge- 
flossen.' Zauberei  1704;  s.  noch  überflüssig  1  (Bd  I 
1218).  Auch  adj. :  , Häufige  von  disen  Eidgnossen 
blieben  auf  dem  PTatz.'  Mise.  Tig.  1722.  ,Dises  Jahr 
ist  vor  h-e  gelehrte  Leut  ein  Totenjahr  gewesen.'  ebd. 

—  2.  7t.  (voll),  gehäuft  (voll)  BE. 

Syn.  in  Bed.  1  und  2  gehü/el,  hüßinyen.  Für  .häufig' 
im  nhd.   S.  kenneu  unsere  MAA.  nur  vil,  mangkt,  dick. 

hüfli»ge°,  in  Z  g'hüfli'gC  :=  hüfig  1.  Id.  B; 
ScHW;  Z.  Da  g'sehnd-er,  wonache'  dass  d'  Muota  so 
h.  chunnd  Schw.  ,Wie  unsere  knecht  hüfligen  hinweg- 
loufend.'  1531,  Strickl.  ,Sy  tuen  sich  häuflingen  zue- 
saramen  zu  offenem  streit'  Tschudi,  Gallia.  ,Die  herr- 
ligkeit  in""  hüfling  zuefallt'  Rdef  1550.  ,Schwalraen. 
welche  häufligen  züeher  geflogen.'  Vogelb.  1557.  ,.A.f- 
fluente  multitudine,  mit  grossen  hänfen,  h-en.  In- 
fluentia  negotia,  geschäft,  die  häufligen  und  gerad  auf 
einanderen  uns  zuekonimend.'  Fris.  ;  Mal.  ,Blätter, 
welche  herpstszeit  häuflingen  hinabfallend.'  LLav. 
1582.  ,Vor  allem  bösen  Zwang  und  G'walt,  der  sonst 
häuflichen  auf  uns  fallt.'  Myricäus  1630.  Auch  s'  hüf- 
U"ge'  Wis  Schw;  Zg;  vgl.  hüfeswis  bei  Hufen  f. 

Huff  f.  Av  (Hoff);  Gr;  LMalt.;  Schw;  Nnwtw.; 
ZGtw.,  Huffe  Ltw.;  ZGtw.,  Hüft  ßs;  B;  Nnwtw.; 
Z  —  PI.  Huffe'  (in  LMalt.  Hüffe"),  bzw.  Hüfte", 
Hüft(e'J:  Hüfte,  Hüftknochen,  Oberschenkel,  allg. 
B'  H.  usmache",  usg'hle'  [ausrenken]  B;  Gr.  D'  H. 
ist-mn  [ihm]  uskU  Grü.  , Weder  fleisch  noch  huft.' 
ÜEckst.  ,So  kummt  er  der  weetagen  der  huffen  ab.' 
TiERB.  1563.    ,Coxa,  femur,  die  huff  (huft).'  Fris.;  Mal. 

Mhd.  Au/;  die  selbe  Form  noch  bei  Ruef  1554;  ,Huft' 
dagegen  1530,  Judic;  JRLandenb.  1608;  JJNüsch.  1608; 
ValFrieder.   1619;  Würz  1634.     ,S.  noch  Huf-Fleisch. 

Hüffi  n.:  Hüfte  des  Rindes  Aa. 

Ei»-:  Bind,  dessen  eine  Hüfte  höher  steht  als  die 
andere  Aa. 

ei-'-hüffig  Ap  tw.  (e-h.J;  LMalt.;  Scnw;  Zg, 
-hüftig  Aa;  Bs;  FMu.;  S;  Z,  ä-höff  AvK.:  1.  ver- 
krümmt im  Becken  und  Rückgrat,  so  dass  die  eine 
Hüfte  hervorragt,  schief  gewachsen,  auf  eine  Seite 
neigend,  bes.  von  Menschen  Ap;  Bs;  L;  Schw;  S; 
Zg;  Z.  &jn.  ein-sUig.  Ganz  e.  laufe'  LMalt.  ,E.  sin.' 
Spreng,  als  Umschreibung  von  gnepfen.  D'  Erde  steit 
chlei"  tscMrpis  [schief]  uf  irem  Weg  und  tschingglet  e. 
i'  d'  Welt  ine'  [da  die  Erdachse  schief  steht].  Schild. 
In  Aa  nur  von  Rindern.  —  2.  unvollständig,  halb 
vollendet  FMu. 

Huf  fort  s.  Hoch-Fart  Bd  I  10,'',2. 


U     hilf.    Haft 


1U54 


hüf:  Euf  an  die  Zugtiere  zum  Anlialten  oder 
üückwärtstreten.  allg.  M.  en  Tritt!  h.  s'rugg!  .Rief 
ich:  Ühä,  h.!  so  wären  [die  Ochsen]  noch  Meilen  weit 
vorwärts  gegangen',  so  verspottet  Stutz  sein  Miss- 
geschick als  , Männbube'  beim  Pflügen.  Betr.  die  ver- 
stärkende Verbindung  mit  oha  s.  übrigens  Sp.  845. 
//.  /((("  (hehe»J,  an-,  zurückhalten,  einen  Wagen,  Zug- 
tiere, z.  B.  beim  Bergabfahren;  auch  bildl.:  inne 
halten,  Einhalt  tun.  Wer  hat  h.  g'hebt,  wo  s'  i'  's  Un- 
glück inne'  g'rennt  sind,  als  ich?  Wf  Niederm.  ,Heuf, 
hintersich,  retrorsum.'  Eed.  1662. 

Betr.  vwdte  Ausdrücke  in  andern  MAA.  vgl.  Schm.-Fr. 
Sil.  10G3:  Fr.  Ztschr.  VII  399;  AI.  1873,  299.  S.  noch 
liil  8)1.    861,  hau/  Sp.    1019   und   haben  Sp.   886. 

„hufe°,  hindersi'''-h. :  ein-,  an-halten.  Tr.,  Jmd 
zurückhalten,  wenn  er  unvorsichtig  reden  will,  oder 
ilin  antreiben,  seine  Rede  so  gut  als  möglich  zurück 
zu  nehmen  SoH."  —  Vgl.  bair.  hucfru,  zurückgehen  machen; 
hiifen,  zurücktroihen.  Baar. 

Hilf(e)lin  n.:  unter  den  Augen  liegender  Teil  der 
Wange.  ,Uf  den  ougen  und  uf  den  hüflin  der  ougen.' 
Auf.  XV.,  ITA-Leg.  -  Mhd.  hhif.l,  Wange;  ahd.  hiiijUai.; 
wühl   Abi.   von  Hü/e. 

Ilnef  m.,  in  Z  auch  n.:  1.  Huf.  ,Die  füess  und 
hücf.'  TiERB.  1563.  —  2.  Nagelgeschwür  am  Finger 
Gk;    Syn.  Nagel-Brüc,    Umlauf,    Ungenannt,    Wurm. 

Mhd.  huof  zu  ahd.  hcfjun ,  heben.  Das  W.  in  dieser 
Ijautfurm    nnsern  MAA.   sonst   fremd;   s.   Hmh  I   Sp.   956. 


Haft  I,  Hafte":  1.  Vorriclitung  zum  Zsheften, 
Fest-,  Auf-halten.  a)  Haft  m.  (PI.  Haft,  neben  Hafte") 
Ai'tw.;  B;  Sch;  Z,  f.  (PI.  Hafte")  Aa,  Hafte"  f.  ApK.; 
Bs;  Gl;  GSa. ;  Ndw,  m.  Z  tw.,  doch  überall  fast  nur 
als  Dim.  Häftli,  ein  Häkchen  oder  Krapfen  aus  Draht 
zum  Verschluss  von  Kleidern  (bes.  der  Frauen),  Bett- 
überzügen udgl.,  bald  mit  Inbegriff  der  Ose  (Haft- 
Miieter,  Bigeli,  Mickli,  Ringli,  WlbliJ,  bald  im  Gegs. 
zu  derselben  und  dann  auch  Haft-Häggen,  Mannli 
genannt  Aa;  Bs;  B;  Gl;  L;  GSa.;  Sch;  Uw  (in  Ndw 
Hafte  f.,  verschieden  von  Haft  n.,  s.  d.);  Z;  in  Ar 
dagegen  =  Öse.  Hafte"  (PI.),  Haken,  um  welche  man 
die  Miederschnur  schlingt  SonSchl.;  „Häftli,  Häklein, 
das  z.  B.  in  die  Schlinge  an  einem  Schnürleibchen  ge- 
braucht wird  L."  Vgl.  Brust-H.  (Göller-)  Haft,  an 
der  Bernertracht  die  am  ,Göller'  befindliche,  mei.st 
silberne  Rosette  mit  Haken,  in  welchen  die  Göller- 
Ketteli  eingehängt  werden.  Haft,  am  Halsstück  der 
Wintermäntel  ein  (oft  verzierter)  Verschluss  aus  2  in 
einander  greifenden  Haken,  bzw.  einem  Ring  und 
einem  Haken  B;  Z;  vgl.  Hah-H.  l>ie  Wiedertäufer 
bedienen  sich  noch  heute  d'T  Ihikrlini  x(;itt  der  bei 
ihnen  verpönten  Knöpfe.  D'  Jliifii  h,  rhu",  die  Haken 
einhängen,  bes.  =  das  KlnM  .rlilir..,.ii ;  dalier  bildl. 
=  (Einem)  den  Übrnmit,  l,rir|,|Mi)ii  (laiuptVii.  iilli;-.; 
Synn.  vgl.  u.  Kno/if.  .\iil :  Gniul  S|..  7i;i  ;  Imuhrni- 
hinden.  I"'  cha"'  viut  f  iV  Jupiii'u  i-r,  ,Iir  l'lluts 
Hafte'  chretze'd  aw''.  Stutz.  Es  gilt  als  böse  Vor- 
bedeutung, wenn  eine  Frau  an  dem  Kleide,  das 
sie  anziehen  will,  ein  ,Häftli'  findet,  das  sich  von 
selbst  eingehakt  hat  Z.  ,Von  guldiner  kleinot,  ketten, 
orenspangen  und  hefte.'  1531/1667,  IV.  Mos.;  dafür 
jetzt:  , Ohrenringen  und  Spangen.'    ,Spinther  (fibula). 


rinken  oder  hiiftle  (häftlein).'  Fitis.;  Mal.;  Denzl.  1677; 
1716.  ,l{eflbulare,  ein  rinken  oder  liäftle  auftuen.' 
Fkis.  ,Ein  Stock  oder  Strumpf,  welche  sie  mit  Häft- 
lincn  beschliessen.'  JRLandenb.  1608.  ,Der  Haft,  Hält- 
lein, Hak,  Rinken  fibula,  uncinulus.'  Red.  1662. 
,Wann  Einem  das  linke  Ohr  singe,  und  man  alsdann 
in  die  oberen  Heftlin  an  dem  Hemd  beisse,  so  wachse 
dem  Lugner  eine  Blateren  auf  der  Zungen.'  Aniiorn 
1674.  —  b)  Haft,  durch  einen  oder  einzelne  wenige 
Stiche  beim  Nähen,  indem  man  alsdann  die  Faden- 
enden zsknüpft  oder  -dreht,  hergestellte  Verbindung 
zweier  Stücke  Zeug;  rohe  Naht  Aa;  B;  Z.  Beim 
z'  Faden  schlä'  (s.  Bd  1  673)  besteht  der  H.  aus  je 
in  gewissen  Abständen  angebrachten  3—4  provisori- 
schen Stichen  B.  Er  bringt -ren  [ihr]  aber  's  Mali 
glich  nüd  z'sämme'  und  wenn -er  100  Hafte'  wor 
[würde]  dra"  legge'.  Stutz;  vgl.  Ei^'m  's  Mul  zue 
fverj-biiezen ;  es  Schloss  vor-em  M.  anleggen.  Bes.  auch 
vom  Zsheften   von    SchnittwnndiMi    '/,.     .Kfr    wunden 

ein  h.  geben,  committero  aliruins   y\:\-^. ,i-     nluiis/ 

Mal.  ,L)ass  man  die  Wunden  mit  ll:i!irii  im  hl  lili.'i-- 
lade,  es  seien  gleich  Haft  mit  der  Nadid,  Zwickh.ilL  mit 
Seiden-  oder  weissem  Faden  oder  Heftsalbe.'  FWükz 
1634.  S.  noch  Galgen  Sp.  231.  Scherben  von  zer- 
brochenem Tongeschirr  werden  durch  Drahtstücke, 
deren  Enden  man  zsdreht,  wieder  zsgeheftet;  nach 
der  Anzalil  solcher  Haft  (Hafte')  wird  dem  Chacheli- 
hefter  oder  Beckihüezer  der  Lohn  berechnet  B;  Z.  — 
c)  Haft(e')  m..  Str..lil.aiia  (lies,  dessen  zsgedrehte  En- 
den), mit  wclclhiii  Üiiiiiiic.  lilumen,  bes.  aber  Reben 
an  Stäbe  und  ITahlr  hrlr.tigt  werden  Ar;  Z.  Syn. 
Bmid,  Wirfrl.  Da-  nsi  IL.  dir  iH'fr.stiy'ung  der 
junovn  i;M.,rlM,s.,.  uWv  ,lr„  So, „„irr  Ar  |T.).  Vgl. 
heftoi.  Hiliciihiflft.  V„ii  c.n.'m  Anlau^vr  sagt  man: 
Er  clia'"  ken  rechte'  H.  mache';  es  g'hcic'd-em  all 
Haft  wider  uf  ZS.  —  d)  Bleiring,  durch  welchen  das 
Fensterblei  an  den  Windeisen  befestigt  wird.  ,Dem 
glaser  [für]  allerlei  schyben  waldglas,  haften  und 
stängli.'  1573,  ZGrün.  Amtsrechn.  S.  noch  Wind-Isen 
Bd  I  546.  —  e)  Haffe'  f.,  Vorrichtung,  mittelst  wel- 
cher man  das  \\iMdoi„lr  Vieh  an  einen  Pfahl  binden 
kann  ApK.;  vul.  //.'/'"'  •'■  —  i)  Haft,  Holzverschlag 
in  einem  engen  llusslirti  GitPr.  (Schwzd.  29,  54).  — 
2.  Stelle,  wo  Etw.  haltet,  bzw.  wo  man  hängen  bleibt: 
Verbindung,  Zshang,  Halt;  Verschlingung,  .Knoten'; 
bildl.:  Schwierigkeit,  Anstoss;  Schwerpunkt,  Kern 
einer  Sache;  vgl.  Knopf,  H.-Knoten,  behangen.  Es 
ist  no"''  nehan  [irgendwo]  en  H.  Ar.  Sitz  des  Übels 
(Stelle,  wo  es  sich  gleichsam  .angeheftet-  hat) :  of  der 
Sita'  im  Lib  imin'  han-i"''  der  H.  (die  Hafte')  Ai>. 
.Aller  h.  stät  daruf,  dass  meister  N.  syn  red  bewär.' 
B  Disp.  1528.  .Vermeint,  der  hafte  wurde  sich  sunst 
uflösen.'  1531,  Absch.  ,Ein  häftiger  anfall,  h.  [An- 
hänglichkeit] und  gunst  gegen  dem  geliebten.'  HBull. 
1540.  ,Die  ehaften  oder  fürnemmen  stuck,  an  welchen 
der  h.  gelegen  ist.'  ebd.  1557.  ,Daran  ligt  der  recht 
h.  oder  punkt  oder  der  ganz  handel,  in  eo  cardo  rei 
vortitur.  Der  h.  und  fürnemmst  artikel  einer  sach. 
Justitium.  Der  recht  h.  oder  stich  einer  red,  aculeus 
»orationis.  Dass  der  mann  das  weih  in  sein  haus  füert, 
das  der  recht  h.  der  e  was,  uxorem  deducit  maritus 
domum.  H.,  anhang,  das  anhenken,  adhasio.  H.  und 
aufenthalt  einer  freundschaft,  nodus  amicitiie.'  Fkis.; 
Mal.  .Aller  H.  beruhet  sonderlicli  auf  folgenden 
Stucken.'    JHHott.  1666.     .Daran    ligt   der  ganze  H., 


1055 


Haft,  lieft,  liift,  h.ilt 


105(:; 


hoc  firmamentum  est  et  robur  causK;  hie  nodus;  hoc 
rei  Caput  est.'  Hospin.  1683 ;  ähnlich  Met.,  Hort.  1692. 
,Da  sich  dann  aller  H.  an  dem  gestossen.'  Imthurn, 
Mem.  —  3.  Haft  m.  L,  von  Personen:  Verhaft,  6e- 
fängniss.  ,In  gefänglichen  H.  nemmen.'  Bs  Landesordn. 
1757.  Vgl.  Lih-H.  Von  Gütern:  Arrest,  Beschlag 
(-nähme),  rechtliche  Verwahrung;  vgl.  verfangen  (Bd  1 
722);  frönen  3  (Bd  I  1301/2);  haß  5,  fver-)  heften. 
.Ein  herre  des  gerichts  fert  für  vor  allen  haften  und 
allen  schulden,  ob  doch  jemand  vor  im  geheft't  hett, 
wann  alle  häft  jni  [und]  synen  rechten  one  schaden 
beschehend.'  GGebh.  Offn.  ,Wer  güetere  hinfür  in 
h.  leit,  frönt  oder  verhütet.'  1457,  Bs  Eq.  ,Was  mit 
einem  vogt  oder  synen  amtlüten  in  h.  geleit  wirdet, 
wie  das  one  recht  us  dem  h.  genommen  wirdet,  ist 
die  buoss  dem  vogt  10  pfd  pfenn.'  1472,  GFlaw.  Offn. 
,Häft  und  derglychen  gepott  ze  tuon  und  anzelegen 
uf  recht,  solle  [der  Hauptmann]  gewalt  haben.'  1529, 
Absch.  ,Dass  alle  häft  und  verbott  ufgehept,  ent- 
slagen  und  gelediget  werden.'  ebd.  .Von  wegen  des 
hafts,  so  jm  syn  tochter  an  die  gült  g'leit,  dann 
er  syner  tochter  ganz  nützit  schuldig  syge.'  1532, 
Strickl.  , Einen  h.  (dannen)  tuen.'  Kessl.  ,Wann 
einer  von  schulden  wegen  mit  der  statt  recht  soweit 
getriben  wird,  dass  jm  von  seinen  schuldforderern  all 
sein  hab  und  guet  in  h.  und  verbott  gelegt  wird.' 
1598,  Z  Auffallsordn.  —  4.  Haft  m.,  das  zur  Sicher- 
heit gegebene  Pfand,  bes.  in  der  Verbindung  H.  und 
Pfand  L  (Ineichen).  Als  Fem.  (in  Bs  auch  n.)  = 
H.-ßelt  (Sp.  -249)  AAFri.;  Bs;  B  (It  Zyro  auch  in  die- 
sem S.  Masc).  Die  in  Beschlag  genommenen  Pfand- 
objekte: ,üer  wirt  i.st  nit  schuldig,  den  h.  zu  behalten, 
sundern  so  mag  er  jm  s'  [die  Pfänder]  den  stadtknecht 
heissen  versorgen.'  1509,  ZEgl.  Stadtr.  —  5.  so  viel 
zsgeheftet  wird,  Bund,  spec.  von  10  Häuten  Schaf- 
leder Z;  Syn.  Dechan.  —  6.  Häftli,  nach  der  äusseren 
Ähnlichkeit  mit  der  halbkreisförmigen  Öse  (s.  H.  la): 
a)  Name  eines  von  einem  Flusse  im  Bogen  umströmten 
Stückes  Land  B;  S;  bes.  als  Lokaln.  B;  vgl.  BWvss 
1885,  S.  5  c.  —  b)  Name  der  Kalenderzeichen  ß  y 
für  die  beiden  , Knoten'  L;  Z.     Syn.  Häftli-Bingli. 

Mhd.  haß  m.,  Band,  Naht  einer  Wunde,  Festhaltung, 
Bürgschaft;  f.,  Fesselung,  Gefangenschaft,  Beschlagnahme; 
hafte  f.,  Verknüpfung,  Yerwahrung,  Hinderniss.  Betr.  die 
Bed.   1  a  vgl.  bes.   Gr.   WB.   .Haftel,  Heftel,  Heftlein'. 

Abhaft  ra. :  Stelle,  wo  das  aus  Pappdeckel  ver- 
fertigte und  um  eine  Walze  an  dem  Klöppelkissen 
gewundene  Spitzenmuster  der  Klöpplerin  mit  seinen 
Enden  zsgenäht  ist.  Am  (Um)  A.  si',  je  mit  '/a  Elle 
Spitzen  fertig  sein  Th.  —  Von  abheften. 

Z'underüf-Häftli:  Kalenderzeichen  für  den  ab- 
steigenden Knoten  'Q  L.  Nach  dem  Volksglauben 
deutet  das  Zeichen  auf  schlechtes  Wetter  (Z'under- 
uf-Häftli-Witteri'g),  sowie  auf  allerlei  Missgeschick. 
Wem  ein  Unfall  begegnet,  der  erhält  den  ironischen 
Trost:  Es  ist  halt  es  Z'under-tif -Häftli  i'  der  Brattig 
[Kalender]  g'si'  [es  hat  also  so  kommen  müssen].  — 
A'gl.   (z'J  nndm-üf  Bd  I    121. 

lEr-Haft:  Pflicht.  ,Die  sorg  der  wittwen,  waisen 
und  armen  nit  die  kleinste  e.  der  statt  ist.'  1539,  Bs 
Rq.    —    Umd.  aus  Ehaft  Bd  I  7:  vgl.   erhaft.  ebda  393. 

Ve  r-:  =  Haft  3,  von  Gütern  Ap.  Of  Näbes  [Etw.] 
V.   legge'.    —    Von  ixrheften. 

„Hals-Häftli:  Heftel  an  der  Halsbinde,  allg.' 
Als  Teil  der  Frauentracht,  wahrsch.  =  Göller-Häftli. 


.Silberne  und  vergüldte  H.-Häfterlein.'  ZMand.  1680/99. 
—  „halshäftle":  mit  Acc.  P.,  Jmd  bei  der  Gurgel 
(eig.  beim  Halsheftel)  fassen,  ihm  gewaltsam  zu  Leibe 
gehen  BO." 

Lib-Haft  m.:  persönliche  Haft  (s.  Haft  3);  spec. 
Schuldhaft.  ,Uf  welchen  vor  Rat  ein  L.  erlanget  [wird] 
oder  welcher  sonst  am  Stattrechten  in  G'fangenschaft 
erkennt  wird.'  B  Gerichtssatz.  1615.  .[Einem  Gläu- 
biger, welcher  seinen  Schuldner  vergeblich  gemahnt 
hat]  wird  ein  L.  erteilt,  des  Inhalts,  dass  er,  ob  des 
Schuldners  Gut  so  viel  zu  finden,  sich  um  sein  Schuld 
erholen  oder  in  Mangel  Guts  den  Schuldner  in  Ge- 
fangenschaft legen  möge.'  SMütach  1709.  ,Dass  der 
saumselige  Schuldner  in  Gefangenschaft  gelegt,  oder 
so  er  nicht  betretten,  der  Gläubiger  zu  Ausbringung 
eines  allgemeinen  L-s  für  unsern  Rat  gewiseu  werde.' 
BTaxenordn.  1711.  Vgl.  noch  Ztschr.  f.  schwz.  R.VU63. 

Messer-Hafte"  f.:  im  Schürzenband  seitwärts 
eingehängter  Haken  mit  einer  oder  mehreren  Ketten, 
an  welchen  ein  mit  einem  Ring  versehenes  Messer 
herunterhieng,  das  Symbol  der  Hausfrau  und  das 
Gegenstück  zum  Degen  des  Mannes.  Der  Haken  war 
mit  einem  fast  handgrossen,  blattartig  garnierten  Sil- 
berstück verbunden,  das  zu  der  Zeit,  da  man  die  Ehe- 
ringe noch  nicht  kannte,  etwa  als  Ehepfand  gegeben 
wurde.  Als  der  Degen  des  Mannes  in  Abgang  kam, 
verschwand  auch  das  Messer  und  die  Kettchen  wurden 
wie  eine  Uhrkette  oben  am  Mieder  eingehängt  BsL. 
Zu-ör  hei'  selbezmol  scho'  d'  Meitli  au"''  'ne  chli'  a' 
d'  Hoffart  denkt,  hei'  an  's  Jippefürteeh  silbrig  M-e' 
g'henkt.  Lied  von  der  Bs-Tracht,  s.  Seil.  S.  7/8. 

Brust-Haft.  ,Dem Goldschmid  für  Bas  Elsbethen 
Br-en,  wogen  10  Lod,  das  Lod  1  fl.  2  ß.'  Tageb.  Zuber 
1690.  ,Um  10  Lod  '/a  Quint.  schwere  Br-en  für  meine 
Frau,  11  fl.  14  ß.'  ebd.  1693. 

Zun-:  glchs.  ,in  Haft'  gelegter  (vgl.  Haft  3  und 
haß  4),  einem  Zaun  entlang  führender  und  rechtlich 
zu  demselben  gehöriger  Streifen  Landes,  der  von  den 
Anstössern  nicht  benutzt  (z.B.  nicht  zu  einem  an- 
stossenden  Acker  gezogen)  werden  durfte ;  ,Angewende 
BSa."  Vgl.  Anthaupt,  Fürfälli  3  (Bd  I  762) ;  An- 
wand.  ,Ist  erkennt,  dass  nun  forthin  die  Zaunhäften, 
was  in  Matten  und  [In-]  Fängen  belanget,  undenfür 
öngefärd  am  Zaun  rühren  sollend.  Wo  Weid  gegen 
Weid  ligt,  soll,  was  nächer  dann  2  Schueh  vom  Zaun 
ist,  ein  Z.  sein.  Was  aber  weiter  ausbin  stünde,  soll 
für  kein  Z.  gerechnet  werden.  Die  fruchtbaren  Bäum, 
so  in  den  Zäunen  stan,  sollen  nit  für  Zaunhäft  ge- 
rechnet werden  [also  dem  berechtigten  Anstösser  ge- 
hören].'   1650,   BSa.   (Ztschr.  f.  schwz.  R.  IX  115/6). 

Zwick-:  =  Haft  1  b,  wobei  die  Fadenendeu  durch 
Verschlingung  befestigt  werden.  ,Brauch  auch  Zwick- 
häft,  dann  es  gar  leichtlichen  wieder  aufgehet.'  PWürz 
1634.  -  Vgl.  mhd.  zicic,  Zwickel,  Keil,  und  Ztcick-GaUen; 
ferner   .verzwickt',    eig.  verkeilt,    verwickelt,    und  remtätcn. 

Haft  n  n.:  1.  aus  Faden  mit  Knopflochstich  ge- 
machte Schlinge  zum  Einhängen  eines  Häkchens  Ndw. 
Syn.  Bick.  —  2.  =  Haft  1 4  Bs.  -  Zu  1  vgl.  das  syn. 
Heft  B.     2  lehnt  sich  an  das  Geschlecht  des  syn.  Haft-Gelt. 

haft:  1.  geheftet,  gebunden,  in  der  RA.:  's  Ctiind 
ist  h.,  wenn  das  Zungenband  des  Neugebornen  festge- 
wachsen ist  und  vom  Arzte  gelöst  werden  muss,  da  nach 
dem  Volksglauben  sonst  Stummheit  eintritt  Ap;   GT. 


1157 


Haft. 


•It,  hift,  holl.  luilt 


—  2.  geschlossen,  eingehegt,  umzäunt,  von  Grund- 
stücken. ,Die  von  Tobel  habent  mit  irem  vich  trätt, 
wenn  die  zeig  ler  und  nit  h.  ist.'  1492,  TuTob.  0«n. 
.Die  zeig,  die  h.  und  gesäyet  ist.'  Fris.;  Mal.  ,In  die 
lullten  Zeigen  solle  weder  Paur  noch  Tauner  Gewalt 
haben  [Vieh  zu  treiben].'  1657,  AiWett.  Klosterarch. 
^■gl.  in  Esch  liggen  Bd  1  569/70,  infähen  Bd  I  720; 
anders  bei  Gr.  WB.  —  3.  eingeschlossen,  gefesselt, 
gefangen,  befangen.  .Si  wärint  in  lästeren  haft  und 
vertieft  [lägen,  wären  ,verstrickt'  in  den  Fesseln  des 
Lasters;  vgl.  verheften].'  1529,  Egli,  Act.  ,Die  raönch, 
so  in  den  klöstern  h.  sind.'  Vad.  , Stets  wirt  es  [das 
■1-,  '2-,  bzw.  3-beinige  Wesen  im  Kätsel  von  der  Sphinx] 
h.  aus  schwacher  kraft.'  Tierb.  1563.  —  4.  besetzt, 
eingenommen.  ,Allhie  sind  von  allen  orten  der  eid- 
gnoschaft  gesellen,  damit  das  bad  ist  h.'  Badenfahrt 
1526.  Vgl.  verheften  2.  —  5.  haftbar,  verpflichtet, 
ptiichtig,  belastet,  beschwert.  ,Alle  die,  so  zue  disen 
Sachen  zue  dewedrer  partie  h.,  gewandt  oder  verdacht 
sind.'  1440,  äbsch.;  syn.  ver-,  ye-haft.  , Solich  guet 
soll  von  des  huszinses  wegen  nit  h.,  sunder  ganz  um- 
bekümbert  belyben.'  1457,  Bs  Rq.  ,Es  sond  uns  die 
ubgeschribenen  [Bürgen]  h.  und  pfand  und  g'nucg 
darum  syn.'  1496,  Z  Pachtvertrag.  , Zechen  erber  mann 
sind  worden  h.  um  ein  summ.'  Schbadin  1500.  ,Si  be- 
gerten  nit  anders  zuo  zerteilen,  dann  dass  eins  hinder 
dem  andern  stuond  h.  und  verbunden.'  1525,  Absch. 
.H.,  verstrickt  und  verbunden.'  1529,  ebd.  ,Mit  [Feu- 
dallasten] grösslich  übersetzt,  h.  und  beladen.'  1530, 
ebd.  ,Die  eltsten  ort  unser  eidgnoschaft  sind  gegen 
geistlichen  und  weltlichen  [Herren]  mit  disen  banden 
[der  Leibeigenschaft]  h.  g'syn,  und  von  diser  beschwgr- 
den  wegen  sich  der  tyrannen  entladen.'  Vad.  ,[Die 
Hausfrau]  selbst,  wenn  sy  mit  obberüerten  stucken 
[allerlei  häuslichen  Geschäften]  nit  h.  ist,  soll  allweg 
auch  etwas  arbeiten.'  HBull.  1540.  .Dieselben  güeter 
sygen  nach  [noch]  um  andere  zins  h.  und  versehriben.' 
1566,  Z.  ,Er  soll  h.  und  verbunden  sein  um  so  vil 
Guot,  als . . .'  -L  Stadtr.  1706/65.  Vgl.  verfangen  Bd  I 
722;  Haft  3.  —  6.  als  zweiter  T.  von  Compp.,  =  be- 
haftet mit . . .,  in  diesem  S.  oft  wechselnd  mit  -bar 
(z.  B.  in  mangel-haft).  aber  auch  bloss  Geneigtheit  zu, 
Annäherung  an  den  Begr.  des  1.  Teils  ausdrückend, 
in  diesem  S.  seltener  als  das  syn.  verwendete  -Uclit, 
oft  noch  verbunden  mit  der  adj.  Abi.  -iy  (s.  haftig). 
allg.  Alt-,  chlei'-,  lib-,  bleich-,  blöd-,  rinder-,  schwer-, 
trogen-haft.  S.  übrigens  jeweilen  den  1.  Teil  der  Zss. 
Mhd.  dass.  —  lu  manchen  Fällen  von  Bed.  5  Hesse  sich 
das  W.  auch  als  Subst.  auffassen. 

ver-,  ge-,  be-  s.  bei  den  Vben  heften  usw. 

mit-:  mit-behaftet,  -verpflichtet,  -verbunden  „B; 
VÜ.;  Sch;  S;  Z";  vgl.  haft  5.  Als  Subst.  M.-Haft(e), 
in  B;  VO.;  Sch;  S;  Z  auch  -Hafter:  Teilhaber  an 
einer  Verpflichtung,  an  einer  Schuld,  allg.  ,Egg  und 
syne  ra-en  [Mithelfer,  Parteigänger].'  Zwingli.  .Unser 
eidgnossen  undmitburger  von  Zürich  sammtiren  m-en.' 
1531,  Strickl.  ,Da  dann  auch  ein  Brieflein  hinder 
der  Widertäuferen  einse  Frauen  von  irer  M-en  einem 
gcschriben,  funden  worden.'  Z  Täuferber.  1639.  — 
Mild,   miteh'aße  (ueben  milchaber),  dass. 

hafte":  1.  Scherben  von  Tongeschirr  zsheften  B 

(Zyro);  Syn.  häftlen,  heften,  büezen.    S.  Haft  Ib.  — 

2.  Vieh  auf  der  Wiese  an  einen  Pfahl  so  anbinden, 

dass  es  rings  um  denselben  das  Gras  abweiden  kann 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


GrHc.;  Glih.;  Syn. (an-Jpfälen,  -Stumpen;  vgl.  Haft  le. 

—  3.  in  Haft  nehmen,  s.  Haft  3.  ,Es  soll  ein  ga.st 
in  dem  g'richt  den  andern  nicht  h.'  1506,  TnKessw. 
Üffn.  Sonst  heften.  —  4.  Halt.  Bestand,  Gültigkeit 
haben,  fest  hangen,  halten.  .Darneben  syg  kleines 
narenwerk,  so  nit  wert,  darvon  red  zuo  halten,  darum 
uf  keinen  teil  wurde  gezanket  noch  gehaftet  [beharrt], 
wo  man  um  die  fridbrüch  [als  der  Hauptstreitsache] 
überein  kummt.'  ThFrickart  1470.  ,Uf  welchem  wort 
Matthei  myn  lierr  pfarrer  [der  Gegner]  h.  und  sich 
daruf  lassen  well.'  B  Disp.  1528.  .Es  soll  kein  e  h., 
die  ein  kind  bezücht  [eingeht]  hinder  synem  vatter  und 
mueter.'  Z  Ehesatzung  1539.  .Weliche  jungfrow  sich 
überreden  lassen  one  abforderung  und  bcstätigung 
der  e,  so  soll  die  e  nit  h.  noch  den  knaben  binden.' 
ebd.  ,Uf  zwen  unverstandne  sprüeh  hartnäckig  ge- 
stützt und  gehaftet.'  Kessl.  —  5.  Wurzel,  Fuss  fassen. 
.Die  huld  Gottes  hat  in  mym  herzen  tiefer  g'haft,  dann 
dass  mir  schalkheit  lieber  sy.'  Rüep  1540.  —  6.  ein- 
stehen, Gewähr  leisten  für  die  Sicherheit  des  For- 
dernden, allg.  (wie  nhd.) ;  vgl.  haft  5.  —  7.  unpers., 
liegen  an . . .  .Es  haft  an  mir.  dass  das  nit  geschieht, 
stat  per  me,   quo  minus  id  fiat.'   Mal.     Vgl.  Haft  2. 

—  Hafting:  Verhaft.  Gefangenschaft.  Lied  1622. 
S.  Haft  3. 

Mhd.  haften,  festhangen,  befestigt  sein;  vgl.  Haß-Pflanter. 
Unser  W.  ist  t.  von  Haß  I  abzuleiten,  t.  mischt  es  sich  mit 
ließen,  auch   in  den   Zss.   mit  ver-,   le-. 

ver-:  1.  mit  Acc.  P.,  „mieten,  um  Lohn  dingen, 
z.  B.  einen  Knecht;  verhaftet,  vermietet  Scu";  eig. 
Jmd  durch  Ausbezahlung  des  Haftgeldes  in  Dienst 
nehmen,  s.  Haft  4;  ver-heften.  .V..  arrhabone  con- 
firmare,  ratiflcarc,  certiücare.'  Mal.  Vgl.  noch  Verhaft- 
Pfenning.  —  2.  als  Unterpfand  verschreiben  B.  ,Dies 
sei  Alles  unterpfändlich  verhaftet.'  Gotth.  ,Die  Unter- 
pfande  seien  für  die  und  die  Forderung  zum  Voraus 
verhaftet'  AaZ.  —  3.  refl.,  sich  auf  Etw.  einlassen, 
fest  halten  an ... ;  vgl.  haften  4.  ,Indessen  wollen 
sich  die  Boten  hierauf  keineswegs  sehr  v.,  sondern 
bitten  die  von  Freiburg,  den  entstandenen  Span  aufzu- 
heben.' 1547.  Absch.  —  Verhafti°g  f.:  1.  Haftung, 
Haftbarkeit,  spec.  grundversicherte,  verschriebene 
Schuldforderung;  Schuldforderungsrecht  auf  einem 
Grundstück  Aa;  B.  Es  llt  e  V.  uf  dem  Heimet,  das 
Heimwesen  ist  für  eine  Forderung  verschrieben  B. 
Bei  einem  Kauf  um  ein  Bauerngut  werden  scherzw. 
folgende  Verpflichtungen  als  ,V-en'  [Passiven]  aufge- 
zählt: ,Eine  Bürgschaft  in  der  Verlassenschaft  des 
Fürsprech  Nix,  eine  Streitigkeit  [schwebende  Prozess- 
sache] mit  Fritzli  Häbdi''''  [s.  Sp.  884],  eine  Abrech- 
nung mit  7  Wirten  und  einer  Magd,  dato  noch  nicht 
ausgerechnet  und  endlich  einige  noch  niclit  ausge- 
mittelte  Versprechungen  an  einige  Vaterlandsfrounde.' 
Gotth.  .Wir  sweren  's  zue  lialten  by  v.  alls  unsers 
guetes.'  1478.  Bs  Chr.  —  2.  Verhaft,  Gefängniss.  ,Dass 
sy  in  ihrer  V.  nit  besucht  werden.'  Z  Täuferber.  1639. 

be-:  1.  Juid  für  Etw.  haftbar,  verantwortlich  er- 
klären, beim  Wort  nehmen  VO.;  Z.  „Jmd  nötigen, 
z.B.  wegen  getanen  Versprechungen;  Jmd  zur  F>ede 
stellen;    b'haftet   werde',   Rede   stehen    müssen    VO." 

—  2.  =  verhaften  i  L.  —  3.  auf  einer  Meinung  oder 
Aussage  beharren  UwE.  ,Kein  ler  so  seltsam,  die  nit, 
so  der  urheber  verharret  und  hartnäckig  behaft,  einen 
anhang  gebäre.'  Kessl.  Vgl.  haften  4.  —  4.  hangen, 
stecken  bleiben.    ,So  das  kind  mit  dem  häuiHlin  [bei 

67 


1059 


Uaft,  lieft,  hilt,  h.ilt,  halt 


lOtJO 


der  Geburt]  im  lyb  h.  und  beston  wollte.'  Kuep  1554. 
,So  denn  das  einhorn  den  bäum  trifft,  versteckt  es 
sich  darin  [bleibt  es  darin  stecken],  also  dass  es  be- 
haftet.' Tiere.  —  5.  Ptc.  b'haftet  a)  wie  nhd.,  z.B. 
mit  einer  Krankheit  UwE.  In  Anspruch  genommen 
BHk.  Du  bist  starch  derinit  h.,  lassest  es  dir  sehr 
angelegen  sein.  —  b)  s.  behaft  unter  beheften. 

i"-haftiere°:  in  Haft  nehmen,  verhaften  ül;  Z. 

haftig,  häftig,  heftig:  1.  Halt,  Dauer  habend, 
fest  haltend,  Widerstand  leistend,  schwer  (zu  bewäl- 
tigen), a)  stark,  gross,  gewaltig,  wichtig,  schwierig. 
.Wenn  aber  uns  dunkti,  dass  uns  die  sach  ze  schwer 
und  v.r  haltin-  wiir,  dem  ein"°  teil  an  den  andern  usze- 
rirhten.'  I'-Uu,  Gr.  ,WeI''''er  der  raten  ehafte  not  zue 
schaffen  hätte,  dass  einer  nit  zue  rat  kommen  möcht, 
als  da  ein  gerwer  in  sym  low  stät  oder  ein  pfister  in 
sym  teiggen  und  derglychen  h.  sachen,  der  soll  sich 
bi  sym  eid  versprechen.'  1416,  L  Ratsprot.  ,Duchte 
aber  den  ammann,  dass  es  jra  [zu  richten]  ze  h.  war, 
so  mag  er  das  für  einen  Herrn  zu  S.Gallen  bringen.' 
G  Hdschr.  ,Ich  han  da  gebadet  16  dag  und  schlueg 
heftig  US  [erhielt  einen  starken  Ausschlag]  und  ward 
fast  krank.'  1522,  HsStockar.  ,TJf  die  zyt  sturbend 
die  küegen  heftig  [herrschte  unter  den  Kühen  ein 
grosses  Sterben].'  15'28,  ebd.  ,Also  soll  häftiger  [enger, 
fester,  stärker]  band  nit  funden  werden  dann  das  elich 
band.'  HBull.  1540.  .Häftige  und  fast  wichtige  ursach 
zue  bescheiten,  vehemens  causa.  Häftiger,  treffen- 
licher reder,  der  streng  und  gewaltig  ist  und  redt,  das 
zue  der  sach  dienet,  nervosus  orator.  H-e  und  rauche 
reis  oder  zug,  militia  acris.  H-er  oder  gewaltiger 
bueler,  amator  acer.'  Fris.;  Mal.  .Gross,  heftig  wunder 
ich  verstau.'  Wagn.  1581.  ,In  welchen  er  syne  Kych- 
tagen  [Reichtümer]  noch  heftiyiT  iiH'ict.-  .T.TRüeger 
1606.  Als  Adv.  {heftig  Aa,  Iwfti  ]\  ■•.\^.:  Si  auch  = 
sehr,  überaus.  Der  Landvogt  iscJi  z'  luifti  (rhiidit  g'si'. 
BWvss.  Er  het  häfti  Chummer  g'ha.  ebd.  A.  Wie 
geit  's  mit  der  G'sundheit?  B.  Chimnt  nid  häfti  rüe- 
me".  H.  we  tue'  [schmerzen].  ,Es  ist  nun  [an  der 
Bewirtung]  heftig  g'nueg.'  Rdef  1540.  ,Ir  sollet  üch 
söllicher  ansprechern  nit  h.  beladen  [euch  um  sie 
nicht  sehr  bemühen].'  1548,  Absch.  ,Es  verwundert 
mich  nit  h.,  non  magnopere  miror.'  Fris.;  Mal.  S.  noch 
er-fallen  Bd  I  755  und  uf-gän  Sp.  13.  —  b)  hitzig. 
Hitze  erzeugend,  von  Getränken,  z.  B.  Wein  B.  — 
c)  ausdauernd,  anhaltend,  ernstlich,  eindringlich,  em- 
sig, eifrig,  wacker.  ,Uf  die  zyt  schnad  [schnitt]  man 
heftig  in  den  rijben.'  1527,  HsStockar.  .Ein  häftiger 
und  gueter  arbeiter,  colonus  operosus.  H.  und  fieissig 
etwas  vermeiden,  acriter  alqd  cavere.  Er  ist  h.  daran 
gewesen,  multus  in  eo  fuit.'  Fris.;  Mal.  , Kaiser  Ka- 
rolus  und  K.  Perdinandus  hattent  die  V  ort  inen  bei- 
zustehn  h.  vertröst't.'  ÄgTschddi.  ,Vil  me  Eidgnossen 
wider  Zürich  h.  [dessen  eifrige  Gegner]  gewesen  sind.' 
HBoll.  1572.  ,Dass  die  heil,  g'schrift  keinen  artikel 
des  glaubens  so  hoch  und  h.  trybt,  als  den  artikel 
der  urstände  [Auferstehung].'  HBull.  1573.  ,Da  sass 
er  erst  recht  über  und  studiert  häftig  und  nam  in 
2  Jahren  heftig  [sehr,  viel]  zu.'  JJüd  1574.  —  d)  gierig. 
,Uer  abt  von  den  synen  zue  vil  heftig,  karg  und  gytig 
geachtet  ward.'  Kessl.  ,Gar  ze  häftig  über  guet,  niinis 
attentus.'  Mal.  Vgl.  hebig  Sp.  941.  —  2.  Teil  habend, 
teilhaftig.  ,I)u  bist  keineswegs  der  Bekehrung  und 
des  Glaubens  haftig.'  AKlingl.  1688.  —  3.  in  Compp., 


z.  B.  gotts-  (s.  Sp.  523),  glück-  (s.  Sp.  623),  dür-haßig. 
Vgl.  haß  G.  .Ehrhäftige  Händel  [die  Ehre  berührende 
Sachen].'  GrD.  LB. 

Mhd.  hfftec,  fest  bleibend,  beharrlich,  ernst,  stark,  haßec 
bes.  in  Compp.  —  Die  Schreibung  mit  e,  das  wohl  nur  als  e' 
gedeutet  werden  kann,  entspricht  dem  Unil.  von  dtre'ßig  aus 
Chra/t  u.  Y.  aa.,  -ä-  dagegen  demjenigen  in  Häßli. 

zusammen-haftig:  unter  einander  zshängend. 
.Valzeina  hat  keine  z-e  Flecklein,  sondern  die  Häuser 
sind  weitest  zerstreuet.'  Sererh.  1742. 

häftle":  1.  „Etw.  mit  einer  Haft,  Stecknadel  oder 
Häklein  befestigen."  S.  Haß  1  a.  ,Häftlen,  häftle 
anmachen  oder  eintuen,  fibulare.'  Mal.  —  2.  zerbro- 
chenes Geschirr  durch  Drähte  zsheften  Z ;  Syn.  heßen, 
binden,  büezen.  S.  Baß  Ib.  —  „ ü f- :  die  Stecknadel 
usw.  losmachen."  ,Diffibulare ,  aufheftlen.'  Denzl. 
1677;    dafür  1716:    .Aufheften,    die   Häftlein   auftun.' 

—  „a°-:  Etw.  mit  einem  Häkchen,  einer  Stecknadel 
anheften."  —  i"-:  das  Kleid  durch  Einhängung  der 
Haken  schliessen  Sch;  Z.  ,lnflbulo,  einheftlen,  ein- 
tun, einrinken.'  Denzl.  1677;  dafür  1716:  ,einheften.' 

—  ,ent-:  die  häftle  auftuon  oder  auflösen,  diftibulare.' 
Mal.  —  „  ver-:  1.  Etw.  mit  Häkchen  usw.  schliessen;" 
spec.  die  äussern  Genitalien  weiblicher  Tiere  (Schafe, 
Stuten)  durch  Anlegung  von  leichten,  eisernen  Haften 
schliessen,  um  die  Tiere  zeitweilig  zeugungsunfähig 
zu  machen  GrD.;  vgl.  B.  H  286.  —  „2.  Jmd  hindern, 
Etw.  zu  tun.     !''•  han-%m  's  verhäßlet." 

hals-  s.  Hals-Haß. 

hefte"  (in  Gl  -ö-):  1.  Etw.  befestigen,  festmachen, 
ver-,  an-binden,  z.  B.  das  Vieh  an  die  Kette  W.  ,Swer 
der  burger  enkein  [irgendein]  floss  hilfet  landen  ald 
h.'  XIV.,  Z  Ratserk.  ,Etwaran  h.  oder  kleiben,  ag- 
glutinare  ad  alqd.'  Fris.;  Mal.  Spec.  a)  die  Reb- 
schosse oder  auch  an  der  noch  todten  Rebe  die  Bogen 
nach  dem  Böglen  mit  Stroh  (s.  Haß  1  c)  an  die  Pfähle 
befestigen,  eine  der  .arbeiten  im  , Rebwerk',  welche  je 
nach  der  Stärke  des  Nachwuchses  der  jungen  Triebe 
zu  wiederholen  ist  Gr;  Sch;  Th;  ZS.  (Syn.  binden), 
in  andern  Teilen  des  Kts  Z  im  Gegs.  zu  an-binden  das 
vorläufige,  leichte  Befestigen  der  jungen  Schosse  (Syn. 
um-schlä"),  während  es  in  Bs  umgekehrt  das  letzt- 
malige Binden  (im  Gegs.  zu  üf-schlä')  bezeichnet. 
,Alligare  vites,  die  Reben  h.,  frz.  Her  ou  attacher  les 
vignes.'  Rhagor.  1639.  ,Die  jungen  Reben  soll  man 
nicht  zu  bald  anfangen  h.'  ebd.  ,Der  Rebmann  heftet 
(bindet)  die  Reben  an  Stützen.'  Spleiss  1667.  ,Dera 
Rebmann  für  Hefterlohn.'  Schloss  Rüed  1724.  ,Eeben 
geböglet  und  geheft.'  7.  Apr.  1781,  ZWipk.  ,Geheft 
und  verzwickt.'  Juni  1780,  ebd.    S.  noch  Eeben-Heßet. 

—  b)  =  häßlen  2  Aa  ;  Bs ;  B.    S.  noch  Kacheli-Heßer. 

—  c)  Wunden  zsnähen.  ,H.,  ein  haft  geben,  wie  einer 
wunden.'  Mal.;  vgl.  Haß  Ib.  —  2.  als  Ausdruck  der 
Rspr.,  t.  mit  Acc.  P.:  festnehmen,  verhaften,  t.  mit 
Acc.  S. :  Güter  Schulden  halber  mit  Beschlag  belegen, 
arrestieren,  den  Schuldner  verhindern,  dass  er  über 
dieselben  verfügen  kann;  vgl.  Haß  3;  Syn.  verbieten. 
,Man  soll  niemanne  h.  und  kümbcren  um  gelt  mit 
fächenne  ald  mit  verbieten  syn  guet,  er  sy  dann  bürge 
und  dennocht  soll  man  dieselben  nicht  h.  mit  fächenne, 
wann  [ausser]  dass  man  jm  syn  guet  wol  kümbcren 
und  verbieten  mag  mit  dem  gericht.'  1254,  Ztschr.  f. 
schwz.  R.  VU  24.  ,Dar[wo]  man  deheinen  burger 
weder  h.  noch    pfänden    soll   an   lyp   noch   an  guot.' 


lOÜl 


Haft,  lieft,  liift,  lioft,  liuft 


1291,  G  Handfeste.  ,So  soll  man  die  person  h.  und  in 
trostung  nömen  für  10  pfd.'  ZWcttsehw.  Offn.  .Darum 
rniicht  man  jn  und  das  syn  wol  h.,  bis  er  die  schulden 
abtrag.'  ZRick.  Offn.  ,I)ie  von  Entlibuoch  heftend 
den  von  Luternouw  ir  zins.'  1386,  Urk.  ,[Der  Wirt 
mag  den  aus  der  Zeche  laufenden]  gast  wol  selber 
fähen  und  h.  ze  den  rechten.'  1384,  AaB.  Stadtr. 
.Welcher  us  dem  gericht  zug  und  dem  vogt  um  sölich 
schulden  nicht  usrichtung  täte,  so  mag  ein  vogt  h., 
und  überfüere  dann  der,  dem  geheft  ist,  sölichen  haft, 
so  ist  er  10  pfd  pfenn.  verfallen.'  1472,  GBurg.  Offn.; 
vgl.  noch  faren  Sp.  891  (Offn.  Burg.),  ,0b  deheiner 
den  andern  seche  gefarlich  urafüeren  oder  umzüchen, 
es  wäre  lüt  oder  guet,  das  ufzeheben,  ze  handhaben 
und  zuo  h.  zuo  dem  rechten.-  1489,  Waldm.  Sprdchbr. 
,[Wenn]  man  [die  Todtschläger]  darin  ergriffe  oder 
zue  recht  hafte.'  Ansh.  .Alles  myn  guete  mit  oder 
äne  recht  angryfen,  h.,  pfänden,  verpieten,  verganten 
und  verkaufen.'  1578,  BLaup.  Kaufbr.  , Welcher  hin- 
der  einem  [ohne  Wissen  desselben]  heftet  oder  ver- 
hütet, der  soll  den  vertrösten,  ob  er  das  begert,  oder 
die  haftung  soll  kein  kraft  han.'  1.582,  Obw  (.Pfand- 
trostung').  —  3.  refl.,  sich  anklammern,  anschliessen. 
,1)0  kerten  sieh  die  von  S.Gallen  von  den  stetten  und 
haften  sich  an  die  Appenzeller.'  Jüstinger.  S.  noch 
Gabkn  Sp.  58.  —  4.  Ptc.  Perf.  gehaft,  ge-,  verbunden. 
,lMe  ere  der  unsren  helfer  und  darzuo  aller  der,  so 
jetz  mit  uns  zuo  den  Sachen  gehaft,  gewant  und  dar- 
under  verdacht  sind.'  HFründ  (Absage  der  Schwyzcr); 
vgl.  die  synn.  verknüpft;  haft  5,  behaft.  ,Bettris,  der 
niemer  vor  krankheit  aus  dem  bett  kommt,  der  gar 
an's  bett  gehaft  ist,  clinicus,  paralyticus.'  Mai.:  vgl. 
nbd.  .gefesselt  (ans  Bett).'  —  Mhd.  Ac/e™  (ye-he/tct,  -haß), 
licfestigen,  fesseln,  biniien,  arrestieren. 

ab-:  die  mit  Nadeln  gehefteten  Spitzen  von  der 
Wirkkiste  abnehmen  Th.     Vgl.  Abliaft. 

über-:  die  höher  gewachsenen  Eebschosse  ober- 
halb der  ersten  Strohwickel  an  die  Pfähle  binden 
ScH;  ZSth. ;  vgl.  heften  1  a. 

ü  f  - :  1.  die  über  die  Pfähle  hinaus  gewachsenen 
Schosse  der  Rebe  anheften,  was  im  Spätsommer  ge- 
schieht ZS.  .Aufheften  (das  3.  Mal)  oder  für  das 
ganze  übrige  Jahr  aufrüsten.'  Churer  Beitr.  1792. 
Syn.  ns-h.  —  2.  hinhalten.  ,Ir  sollend  unser  eid- 
gnossen  von  Glaris  ersuechen,  sich  zue  erlüteren,  wes 
sy  gegen  MHH.  gesinnet  sygind,  dann  MHH.  nit  me 
also  ufgeheftet  syn  wellend.'  HBull.  1572;  vgl.  iif- 
heben  4.  —  Zu  2  vgl.  lat.  m  suspenso  esse  oder  ,festgenagelt 
sein'  V     Vgl.  auch  üf-ziehn. 

an-:  befestigen,  anbinden.  .Diewyl  [der  durch- 
reisende Schuldner]  nit  ussetzt  und  in  ein  wirtshus 
Zucht  oder  vor  der  Schmitten  oder  sunst  anheft't  [eig.: 
sein  Pferd  anbindet;  also  ,anhält'],  mag  er  jn  nit  ver- 
bieten.' 1509,  ZEgl.  Stadtr.  ,Wer  ein  Pferd  hat,  darf 
es  nicht  in  die  Wiesen  usschlan  [treiben],  sondern 
muss  es  entweder  auf  die  Allmein  führen  oder  in 
seinem  eigenen  Gut  a.'  1545,  Amherd.  Von  der  ehe- 
lichen .Verbindung':  ,Der  mensch  wird  verlassen  vater 
und  mueter  und  wirt  angeheft't  syn  syner  efrowen.' 
ZwiNGLi  (nach  Matth.  XIX  5);  vgl.  ver-ewen  Bd  I  609. 
—  in-.  ,Si  leitend  den  [halbverwesten]  körper  auf 
ein  gulter  und  zochend  in  die  stegen  ab,  da  er  ein- 
geheft  [nicht  eingesargt,  sondern  nur  in  das  Tuch 
genäht]   und   on    allen  pracht  vergraben  ward.'   Vap. 


—  ÜS-:  \.==üf-h.l,  gleichsam:  zu  Ende  heften  ZS. 

—  2.  losbinden.     .Keiner   soll   seinen  Zug  oder   sein 
Pferd  aushoften.'  1515,  Amherd;  Gegs.  an-h. 

ver-,  Ptc.  ver-heft(etj,  -haft:  1.  ver-binden,  -knü- 
pfen, -stricken,  -wickeln;  verpflichten;  behaften;  vgl. 
haft  3  u.  5,  gehaft  4.  .[Die]  so  den  beiden  stetten 
verhaft  und  verwant  sind,  inen  zuegehören  und  zue 
versprechen  stand.'  1489,  ScuSt.  ,Arm  lüt.  so  in 
grossem  elend  verhaft.'  1529,  Absch.  , Abraham  sach 
einen  widder  hinder  im.  verhaft  in  der  hecken  mit 
seinen  hörnereu.'  1531/48.  I.  Mos.  .Mit  lästern  ver- 
haft.' 1530,  Absch.  ,Die  zwei  ding  sind  also  verhaft 
[untrennbar  zsgehörig],  dass  kheins  on 's  ander  hat 
khein  kraft.'  SBirk  1532.  ,Ein  teil  [der  Eidgenossen] 
mit  Safoy  und  ein  teil  mit  Wallis  verheft  [beschäftigt], 
zugent  nit  [aus].'  Ansh.  , Darum  lass  sich  niemants 
in  Sünden  v.'  HBüll.  1540.  .Das  schinbein.  das  inen 
die  kniescheiben  mit  den  waden  verheft.'  Tierb.  1503. 
.Verhaft,  herzuetuen  [-getan],  applicatus,  illigatus, 
nexus,  laqueatus,  ligatus,  vinctus.  Schwerlich  und 
übel  verhaft  oder  versteckt,  ganz  bestanden,  difflcul- 
tatibus  affectus.  V..  distinere.  Under  einanderen  ver- 
knüpft und  verheftet,  connexa  inter  se  et  apta.  Ver- 
heft, verfasst  [s.  Bd  I  lOGl],  verstrickt  sein,  distringi.' 
Fris.;  Mal.  .Ich  hab  vil  fürnemer  Sachen  selbs  ge- 
sehen, darzue  in  vilen  verhaft  und  bi  vilen  der  händlen 
gesyn.'  HBull.  1572.  ,Darnach  ward  die  statt  dem 
reich  verhaft  [damit  vereinigt].'  AHaffn.  1577.  .Wann 
ein  geistlicher  prelat  in  seinem  mandat  die  form  und 
g'walt.  ime  in  geistlichen  rechten  fürgeschriben,  uber- 
faret.  bleiben  diejenii^cn,  s..  dai  wider  tuend,  mitjrem 
Sentenz  unverhaft  [iiirlit  (hniin  yrliunden,  unstrafbar].' 
WuRSTiSEN  S.  160.  .Wir  wiilleiid  die,  so  hierin  ver- 
haft und  verargwonet  sind,  ermanet  haben.'  Z  Mand. 
1580/1628.  .Dann  es  sind  etlich  g'sellen,  die  sind  mir 
z'  vil  verhaft  mit  fremden  fürsten  [durch  Jahrgelder 
etc.  verpflichtet].'  1582,  Lieh.  ,Die  sünd  ist  auch  ein 
schuld,  die  uns  gegen  Gott  verheft  und  beschwort.' 
RGuALTH.  1584.  Refl.:  ,Wir  verheftend  uns  täglich 
gegen  dir  mit  nüwen  schulden.'  OWerdm.  1552.  ,Solo- 
thurn  sich  mit  g'raeiner  Ädgnoschaft  in'n  grossen  bund 
ewig  verhaft  [,verheftete'].'  1581,  Wagner.  —  2.  be- 
setzen, in  Anspruch  nehmen,  der  Benutzung  zu  andern 
Zwecken  entziehen,  z.  B.  einen  Tisch,  ein  Gestell,  die 
mau  mit  Geräte  überstellt  Gr;  GRh.;  vgl.  haft  4. 
E  Blachn"  [Tuch]  han-i'''  verheft  mit  Bön.;''chäf;' 
[Bohnenhülsen]  GRPr.  (Schwzd.).  Alle  Schüsseln  ver- 
heft ha",  keine  mehr  zur  Verfügung  haben.  —  •'!.  in 
der  Espr.  a)  =  heften  2  von  Gütern  Ap;  GnPr.  (-d-J; 
W;  Z;  Syn.  in  VerhaftUggen,  verhaften  3.  Ein  Grund- 
stück ist  (in  alten  Briefen)  verhaft,  haftet  für  eine 
darauf  versicherte  Forderung  Z.  In  der  ;i.  Spr.  da- 
neben auch  von  persönlicher  Haftbarkeit  iiir  Sdinldcn 
und  der  Schuldhaft;  vgl.  fronen  2  (Bd  1  i:;ol/'J);  ,;)«' 
MecU  verfassen  Bd  I  1061.  ,Es  soll  nienuui,  mp  in 
dirre  büntnisse  ist,  den  andern  v.  noch  verbieten.' 
1351,  Z  Bund.  ,Nieman  soll  den  andern  fohen,  schetzen, 
betrüeben,  personen  oder  viche  v.  oder  beheramen.' 
1478,  Bs  Chr.  ,Die,  so  inen  schuldig  syen  und  in 
willen  hinweg  ze  ziehen,  inen  ze  vergönnen,  dieselben 
und  das  jr  allhie  mögen  v.  und  verbieten.'  1487,  Bs 
Rq.  ,Wölltend  sy  das  nit  tuen,  so  soll  ein  vogt  jnen 
jr  zins  und  zechenden  v.,  unz  dass  es  doch  beschicht' 
AALunkh.  Oil'n.     .Welicher  verheft  und  verleit   guot 


loci:) 


Hall,  iioft,  hin,  iiori. 


1064 


ii.s,-*(M'  liiMii  liiU't  uiiiiiiil,  |(l!i|  ist  die  buoss  ti  pM  iiiul 
soll  lU'iii.  iliM-  i;cli;irt  hat,  Ulli  syii  schaden  waiidul 
IKi'sat/.l  tuen.'  irill'.  Hol'  Khiess.  ,Dio  eidjtciuissisohon 
ItotiOn  hiilicii  oiiu'ii  Unit  aiirffehoboii;  da  doch  die  Coii- 
sttlir/.oi-  oiiioii  'rhurjiiiuor  schon  wejren  eines  liatzons 
V..  so  holVon  die  rolonten  von  der  Tagsatzun};,  dass 
der  Halt  wieder  anirelefft  werde.'  1525,  Aiiscii.  ,Ks 
sollend  onch  nnser  Uli  einandren  nit  v.,  verpieten. 
verplandeii  noch  hindorhalton  dann  um  jri'-'l'f'tJ  schul- 
den.' ITi'Jü,  ebd.  .Das,  so  einem  jeden  von  dem  andern 
teile  lüdeijreworfou  und  verhet't  |  worden],  dasselb  [soll] 
wider  )i;olan,i»en  und  die  liiift  ulgetan  werden.'  lö;!!, 
ebd.  .So  sollen  wir  obgen.  partjen  nienuin  der  andern 
partyo  um  unbekannt  [nicht  eingestiiiulijte |  schuld 
weder  v..  verbieten,  jne  noch  das  syn  arrestieren  noch 
aufallon.'  15;t!>.  Hs  Uq.  ,üem  jjaiitmeistcr  underwerlV>ii, 
in  gemeinen  seekel  bringen  oder  ziehen,  in  der  gmeind 
namuieu  v.,  publicare.  Verhoft.  inclusus.  Verlieft  und 
durch  schulden  leibeigen  worden,  nexu  vincti.'  Fius. ; 
Mal.  ,l>a  sie  bisbar  ausländische  personen  schulden 
und  anderer  solcher  ansprachen  halb  in  iror  statt  zum 
rechten  zu  v.  gepüeget.'  Wuustiskn  1580.  ,Wie  die 
Signier  der  runtneren  schiff  verhoft.'  1585,  AkuUsek. 
.Das  [streitige]  Gut  soll  auf  Rocht  vcrliaft  sein.'  c.  1700. 
U;  dafür  im  it.  Text:  .restar  in  sequestro.'  .Zins  ohne 
\Vi\ssen  und  Willen  der  Gläubiger,  denen  solche  ver- 
heftot  sind,  verkaufen.'  /,  Gericht.-<b.  1715/;W.  ,[Man 
soll  untersuchen],  woher  im  dise  ligende  Pfand  zu- 
koimucn.  wo  sie  von  Alter  her  verlieftet  seien.'  ebd. 
Insofern  die  Gemeinde  für  die  Forderung  ihre  liegen- 
den Güter  .verliaft  mache.'  17'29.  Aiiscii.  S.  noch  rer- 
l'tilieii  lid  I  7'J'2.  (in-<irif'eii  Sp.  71t.  —  b)  =  verliii/'lfii  I 
Scn  (Kirchh.);  rerliitft.  vermietet.  —  c)  durch  Ein- 
spruch hindern:  .Ob  die  von  Basel  um  unlaugbcr 
[unlüugbarej  und  verschriben  geltsehulden  zins  oder 
gülten  pfänden,  dass  sy  dann  daran  durch  niemand 
verhindert,  verheft,  bekünibert,  noch  beswert  werden.' 
1488.  Bs  Rq. 

MliJ.  tw-Ar/Vii,  fest  mnchon,  voriifliohtcii,  vorcntlialton, 
ItesQtxcii,  arrestieren.  In  Bcd.  a  h  ist  wohl  gogenöbor  dorn 
von  St,  iUigvgelicueii,  vorhociuleutsohten  Ptc  rvrliaßel  die 
ältere  Korm  erluiltcii;  s.  Aiim.  luni  Vo\g. 

ho-:  1.  =  iw/if/Jm  7.  .Mit  .Tmd  ftc/id/Ü  sein,  innige 
Gemeinschaft!  ptlegen,  unter  einer  Decke  stecken,  ver- 
strickt sein  BÜ. ;  L."  .Heften  die  puren  mynen  sinn, 
wurden  [sie]  mit  iren  nachpnrn  b'haft  [verbündet], 
in  frid  und  gueter  einigkeit.'  Lknz  c.  HW.  Bes.  aber 
im  ungünstigen  S. :  in  Schwierigkeiten  (Krankheiten, 
krankhafte  Gemüts-  und  Gedankcnrichtungen)  ver- 
stricken, in  deren  Bann  legen,  durch  Etw.  in  Anspruch 
nehmen;  vgl.  Haft  .;>.  .Diuiiit  das  g'müet.  wenn  es 
nit  b'haft  [voreingenoinnion]  wäre,  jm  [sich]  dester 
minder  etwas  ynbildete  [.ihm  keine  forchtsaine  Ein- 
bildungen machte.'  U)701.-  LLav:  15Ü9.  .IJehaft.  über- 
fallen und  g-.xr  angefochten  sein,  occnpari  affoctibus. 
In  einer  sach  beliaft  und  verstrickt  sein,  impcdiri  in 
re  aliqua  atque  alligari.  Von  der  liebe  oder  buel- 
scliatY  gefivngen  oder  behaft  werden,  igni  ca'co  carpi.' 
Mai..  .Der  keiser  [war]  im  meiläudischen  krieg  be- 
liaft' Wt'RSTisKS;  vgl.  bdiaften  4  und  s.  Fransos  Bd  1 
IM2.  .Mit  dem  Teufel  behaft  =  besessen  VÜ."  .[Er 
war]  als  unvernünftig,  dass  man  jn  dafür  hat,  dass  er 
beliaft  war.'  Anf.  XV.,  Ita-Lko.  .Ein  behefter  nl.^nn.' 
MoKS.  Eberh.  —  'J.  belagern.  .Wie  dass  der  röniseh 
küng  kam  mit  kraft,  dardnreh  sy  mochten  behaft  und 


boleit  werden  im  hind.'  Lenz  c.  1499.  —  3.  =  ver- 
heßen  ■!  a,  verhaften  2.  ,Wor  soUicli  syn  ligende  guet 
anders  deiine  als  vorstät  bekömbort,  beladet,  beheftet 
oder  beswert.'  1141/50.  Bs  1{(|.  .Behafte.  verfangene 
[s.  Bd  1  117]  gueter  und  underpfand.'  Z  Kaufbr.  h^.W. 
-  I.  .die  Zunft  b.',  gewissermasscn  das  Zunftrecht 
an  sich  heften,  befestigen,  sich  sichern,  in  Beschlag 
iicliiiKMi.  indem  der  Sohn  nach  des  Vaters  Tode  vor- 
hiulig  anmeldete,  dass  er  später  die  Zunft  erneuern 
wolle.  (Geering).  —  5,  hangen  bleiben;  Syn.  haften. 
,Do  behaft  er  mit  einem  fuess  und  fiel.'  KSailbr  1400, 
als  ("bersetzung  von  .limrens'.  ,Ein  [Tier-]schädel,  an 
welchem  die  hörn  noch  behaft  [waren].'  Tierr.  1563. 

lllul.  hchr/ien  obso.  Xliulich  wie  gehti/i  koimiit  auch  das 
nitu  l'tc.  Iithitß  schon  ahd.  in  adj.  Vorweiuluiig  vor.  Kill- 
dio  UA.  bei  1  wird  aus  Bllk.  die  (wohl  verhochdeutschto) 
Korm  Uhnßil  aiigegebon.  Butr.  die  Jlischuug  mit  Mafien 
vgl.  Aiini.  jii  haßtn.  sowie  lies.  Gr.  WB.  unter  .bohaft'. 

Hefter,  -i":  wer  das  Geschäft  des  Heftens  (s. 
heften  1  n)  in  den  Reben  besorgt  Z.  ,Eine  schlechte 
Hefterin  ist  das  gefährlichste  Wetter  für  die  Reben' 
Z  (Dkr). 

Chacheli-:  wer  zerbrochenes  Tongeschirr  flickt 
B;  Syn.  Becki-Bindei;  -Biiesei:     S.  heften  1  h. 

.Heftere  oder  Heftnadlen.'  Z  Mand.  1735. 

Betr.  die  Wortforni  vgl.  Ilumixrr  Sp.  3U;  iHag,j,tr  Olli. 
Mui'tcre,   Sclirniiboiimutter.  Sjiritirn;  Spritio   ii.  A. 

(Rl'bo"-)  Heftet  m.:  Zeit  des  Anheftcns  der 
Rebschosso  an  dio  Pfähle  BS.;  Scn;  Z.  .Der  Reboii- 
heftet  nahm  erst  am  II.  Mai  den  Anfang.'  1789,  Z 
Niederglatt.    -    Vgl.  ,Hofto'  bei  (ir.  WH. 

Heft,  Hefti  n.:  \.  (llöfti  Gl;  Gntw.;  CA..  .son.st 
Ik'fli,  in  AAZein.  -i>-"-)  Griff,  Heft  bes.  eines  Messers, 
allg. ;  einer  Waffe  GrD..  auch  etwa  einer  Säge,  einer 
Hijqie  (GerteJ-H.)  Aa;  Z.  Vgl.  Hand-Hahe;  -Hebi. 
'.<  //.  I"  rf'  Hand  (d'  Hand)  ilbercho*,  i"  der  Hand  ha* 
(It'holle').  t"  d'  Fhif/er  ne",  die  Zügel  in  die  Hand  be- 
kommen (nehmen).  Vollmacht,  freie  Hand,  entschei- 
dende Stimme  erhalten  (haben),  den  Vorteil  besitzen, 
energisch  vorgehen,  allg.  A'i»'Hi  's  H.  (liinger)  »*  d' 
Hand  rß'.  ihm  (mehr)  Spielraum,  freiere  Hand  lassen, 
'.s'  11.  ha',  die  vorteilhaftere  Stellung  in  einem  Ge- 
schäfte haben  L.  E'  Vater  ist  en  Narr,  wetm  «r  's 
11.  US  der  lla>ui  git,  auf  die  väterliche  Gewalt  Tor- 
ziehtet.  die  Söhne  schalten  und  walten  lässt  B;  Z; 
vgl.  Löffel.  Ei"m  's  U.  us  der  H.  winde*,  ihm  den 
Vorteil  entreissen,  den  Rang  ablaufen  Soh;  Z.  Er 
hed  's  niid  am  H.,  es  fehlt  ihm  an  Kräften,  er  ist  der 
Sache  nicht  gewachsen,  es  geht  ihm  nicht  gut  Ap. 
S.  noch  faM  Bd  1  Uli.  Das  Tragen  von  .messern 
lenger  denne  [das  gesetzliche  Mass]  mit  heftin  und 
lambellen'  ist  verboten.  XIV./XV..  Scn  Stadtb.  .Ma- 
nubrium.  ein  hefte,  woran  es  joch  [auch]  seige.'  Fuis.; 
Mal.  ,Dic  zän  [der  Walfische]  braucht  man  zuo  hef- 
tinen.' LI-av.  1582.  ,Da  das  verletzende  Wäfeu  bald 
von  dem  Spitz  gegen  dem  Heft,  bald  von  der  Schneiden 
gegen  dem  Rucken  niuss  gesalbet  werden.'  Zaubersi 
1704.  Gewehrseheide:  .[N.  befragt]  ob  er  darwider 
mit  der  sehrift  fachten  wollt,  s;igt  er  nein;  der  dSgcn 
im  hefti  war  jm  zerbrochen;  er  könnd  nit  fSchten." 
ZwiNOLi,  S.  noch  Gefliss  Bd  I  1004.  —  2.  ',<  gtddi' 
Il-i,  scherzh.  Benennung  der  an  hohem  Feste  gesun- 
genen Messe  .Sumnium'  LBcroni.  .Dieser  Pfarrer 
sang  nicht  bloss  ein  Ite-mis.sa-est  für  das  ganze  liebe 


1065 


Haft- hnft.    Ha;?    hu? 


Jahr    wie  Viele  da»  so^en.  i^oldene  H.  an  Sonn-  und 
Werktagen  wieder  und  wieder  bringen.'  XHerz.  1872. 
77.  —  3.  Heft,  »chtrzh.  Nase  Bs.  It  Lii.  auch  Gauner- 
sprathe.  —  4.  Hefli,  in  BBe.;  S  (hier  zur  Unterschei- 
dung von  llefti  1)  Heß:   Miene,   Augsehen    übh.,   in 
K.\A.  wie  e  Hchun»  (iron.).  altt,  rechts,  truritjg,  ItetriUlAii 
H.  machen  kh;   Bü;   B;   G;   S;   Th;   Z.     Si  macht- en 
nndem  tieft  ah  früfcher,  hat  .sich  sehr  zu  ihrem  Vor- 
teil verändert  BB«.    Ite'  nuu:ht  e  H.,  grad  vre  xcenn-er 
mit  aller   Welt  rerzümt  vär.    Manne',  die  m^r  es  U. 
g'nehnitte*  hei',  trie  tusbälgleti  Eiliorne'.  Bostbeibi  1865. 
—  5.  en  «/te  H.,  Sehimpfw.  jör  eine  alte  Kuh   Bg. 
'       —  C.  Heft,   Schleife,   Schlinge   von   Faden,   um  ein 
[       Häkchen    einzuhängen    Xdw;    gröHser    als    Haft   II. 
\       —  7.  Heft,   PI.  Hefter:  Schreibheft,  allg.,  aber  erst 
I       modernes  Lehnw.  —  Ü.  Hefli,  gespr.  HOfti,  Familienn, 
Gt;  ürtsn,  (auch  Egehlü-H.)  LE.  (Schnider  1782,  S,21). 
'  Jlr/l  aus   rnbd.  Ik/u   (afail.  he/ii)    in    Bvi.    I :    fiker   die 

Weittrbildong  mit  i  vgl.  die  Anm.  zu  £ndi  Bd  I  317.  - 
2  beruht  auf  der  Cbertragung  roo  eiDein  kostbaren  Besteck 
der  Propütei,  wekbee  aiu  StMichaelbtaife  jeweilen  dem  Ehren- 
prediger vorgelegt  wurde.  —  Trotz  der  Terhiltaisi>uiä)>«ig  ge- 
■  ringern  Terbreitong  von  3  «heint  4  doch  an«  jenem  aU  totum 
pro  parte  hergeleitet  werden  za  mBs«en-.  vgl.  die  ihnlicbe 
Cbertragong  bei  (jtfriHu  Bd  I  1317/8,  /'/■«««it,  Sf:krKH'j'jen. 
Die  Nase  selbst  nfisste  scberzw.  als  ,Ilandhab«°  im  Gesicht 
au^efasst  worden  sein;  vgl.  Z'Jgjft,  Ziu^jn.  Freilich  liees« 
sieh  4  auch  unmittelbar  aus  1  entwickeln,  etwa  weil  man 
den  Menschen  na<.h  seinem  Gesichtsaasdruck  juflassf,  wie 
man  das  Messer  am   Heft 


Alse'-Hefti:  Xame  einer  Sort«  Birnen,  welche 
die  Form  des  Griffs  einer  Ahle  zeigen  ZW. 

Degen-:  Degenscheide.  ,Wenn  Gott  die  walflsch 
an  das  land  wirft,  so  scbindt  man  s'  und  braucht  man 
ir  haut  zu  t^enheftinen.'  LLav.  1.582. 

Hofterli  s.  Hulftere. 

Hüft  s,  Huff.       ge-hiifti<r  ^.  -hüfei. 


Hati,  heg;  big.  hog.  hug. 

Vgl.  auch  die  K<ihrr  /A.yj  nsw. 

Hag  —  PL  Häg,  auch  He'g,  z.  B.  in  BO.;  G: 
UwE.;  ZO.,  jetzt  fast  durchweg  mit  gedehntem  Voc. 
doch  l>at  Hi'gc;  Dim.  /fe'jf/j  (in  BSi.  Hi'gli)  —  m.: 
1.  Hecke,  Zaun,  zunächst  grüne,  lebendige  He<ke,  bes. 
Ton  Haselstauden,  Holunder,  Hagebuchen.  Tannen  und 
Weissdorn,  dann  auch  känstlicher  Zaun  aas  Pfählen 
und  Stongen.  allg.  S.  £««r  Bd  I  597;  l-W.  ebd.  671: 
Zun.  Es  gut  ditr'''  '»  Laub  ond  rüsdiel  nüä,  es  tjöl 
dür  'h  Wmsuer  <md  netzt-si'''  nüd,  en  göt  dür-a'  Hitg 
ond  chretzt-gi  nüd  [S<jnne  und  Mond]  Ap  (SchwziL;. 
Wenn  d'  Bf/ne"  vtier  de*  Hag  luege",  m  luegt  der 
Hunger  drüber  ine",  d.  L  so  sind  die  Wintervorräte 
aufgezehrt  und  noch  keine  neuen  gewachsen  Aa; 
BsLd  ;  eine  ähnliche  KA.  s.  n.  Ha/jer.  \^].  Ilunger- 
Wuelien.  Er  tüumet  [schleicht  lauert]  wie  de  Wolf 
im  H.  SiLCEB.  Im  AugnW  hat  '»  hinder  ie/lem  H- 
hintw  en  Bläxt  Z.  s.  n,  AugHt  Bd  I  154.     Greidi  im 


Heyli,  Pilanzenn,,  Gretchen  im  Busch,  nigella  damas«. 
Aa.  .Das»  die  güetcr  nnwüestlich  gehept  und  genossen 
werden,  es  sy  mitgezimbcrn,  iriit  wggen.  «tegen,  hegen, 
mit  aller  zuegehört.'  1431/1544,  Schw  LB.  .Die  schid- 
lüte  söllent  gewalt  haben,  ze  richtende  umb  häge  und 
züne  und  margsteine.'  1442,  B»  Kq.  Myn  husnatte 
im  bmnne,  als  vil  und  fern  die  yi^zo  in  hag  lyt,' 
1448,  ScBW  LB.  S.  noch  rerluigen.  ,H.  oder  zäun, 
sepes,  sepimentum.'  Mal.  .AIä  der  Graf  von  Kyburg 
an  hag  oder  die  letze  zu  Kotenbach  zogen  was.-  HBoll., 
Tig.  ,Die  Güter  werden  dem  Käufer  in  Rechten  und 
Beschwerden,  in  Steg,  Weg,  Ziel,  H.  und  Marken,  wie 
solche  bis  anbin  beworben  worden,  abgetreten.'  ]8-'}3. 
ZWang.  ,Die  Liegenschaften  in  Ziel.  H.  and  Märchen 
in  Einfang  nehmen  ffonnelhaft  in  einem  Kaufbrief].' 
18-37,  Z  Kechtspfl.  ,Den  H.  der  Ei.lgenog«enscliaft 
zäunet  nicht  zu  weit  hinaas."  GSiökist  1843.  Aus  der 
grossen  Bed.  der  in  früherer  Zeit  alles  Land  durch- 
kreuzenden Hecken  und  Zäune  für  die  alte  Weidewirt- 
schaft erklärt  sich  die  mannigfaltige  bildliche  Anwen- 
dung von  Hag  in  den  folg.  KAA,,  von  denen  aber 
einige  auf  die  6e<].  .Verhau,  Palisadenzann  hinter 
dem  Graben  von  Festungswerken,  bes.  verschanzten 
Lagern'  zurückgehen  mögen;  vgL  GrtJ/en.  Nüd  am 
Hag  xiiuie'  (ficaehüe  ««•,  =  nüd  alt  der  Gohü  «i*  '/,; 
».  GoHH.  ly  Ääg  liänd  Ore',  na  Freien  kann  man 
nicht  reden,  ohne  von  Unberufenen  gehört  zu  werden 
Bg;  S;  Z;  VgL:  ,Putz  den  H.,  er  i*t  nicht  sufer!' 
Warnung  vor  Ijauscbem.  B  Hink.  Bote  1842.  HäO 
de»  aOcMjt^  lieb,  aJber  tue  de"  H.  nid  eweg  L  (Ineiclienj. 
JJie  nidere  Hägli  sind  gli'*  ühergtige'  Sc«  (Sulgcrj. 
gc-hwa«he  Vorsichtsmassregeln  schützen  nicht,  tf^enn 
de  H.  Ei»  [Hemd]  h/ul,  häwl  ni  ^^kevi  (Eätselrede/. 
von  armen  Leuten,  die  etwa  am  Samstag  ihr  einziges 
Hemd  am  Zaune  trocknen  ZW.  De  H.  hat  e  I^tch, 
es  iirt  keine  Sicherheit  mehr  Sch  (Sulgerj.  AUej<  hin 
an  H.  aJje,  Alles  bis  aufs  Einzelste,  Alles  und  Je<les  Z. 
Eh  nimmt  mi'''  fwst  an  H  oben  und  ar  d'  Stangen  tu, 
ich  komme  fast  ausser  mich  vor  Verwundernng,  Auf- 
regung ZKeg. ;  VgL  gätterlilänfig,  Htigeleninnig.  Mager 
in'  (m^mhn)  wie-n-en  H.,  sehr  ahf^ejoiif^iirt  sein  BIJ. ; 
vgl.  Zünntieken.  Jelz  Wscfc  o'*  em  H.  nä'*  'gangem 
und  hätil  der  chrümiM  Stecke'  üszoge,  ■/..  B.  bei  einer 
verfehlten  Heirat  B.  Wegm  dm  Slecl:e"  g-'heit  nie  e 
H.  um  GT..  gät  kein  H.  ab  Z.  Dem  wo  der  H.  int,  ixt 
au''-  der  Graben.  Her  H.  »treij/ft  eil  ab  L  fineichen). 
Eh  git  e  H.  dur'''  d'  Matten  ah,  wenn  zum  ersten 
Sohn  noch  ein  zweiter  geboren  wird  (weil  dann  lias 
Gut  durch  einen  Grenzzaun  geteilt  werden  wirdj.  ebd. 
Wer  leill  rieh  werde',  mueim  '«  G'wwmen  «•  H.  heni:e 
L;  Syn.  an  Nagel.  .Wohlleben  und  gesunde  Tage 
stehen  nicht  in  einem  H.'.  bestehen  nicht  zusammen. 
ScLGEB.  Eim  de  H.  ünhaue,  Vorwürfe  machen,  scharf 
tadeln  A?;  GT.;  vgl.  alje  butzen,  alte  hauen,  den  Staub 
alte  tuen;  '«  IMerzüg  butzen.  '«  lüiet  Mittag,  Stei'  i' 
K,  d'  Pfanne  i'n  Lfjc/t,  Mueter  ga^ng)  duxii  .AAWohl.: 
ZS.  .Sagen,  wo  der  Igel  im  H.  [=  der  Has  im  Pfeffer] 
liege.'  HPest.  Hinder  aüe  Häge,  überall,  allg.;  vi'l. 
,an  allen  Zäunen.'  Anwt  Ifill  int  de  Wi"  hir,il>-r  ailf 
Häge  gaet  Korde  (hier  noch  hart  an  die  l 
liehe  Bed.  streifend,  ja  dieselbe  in  sich  scii 
d.  h.  selbst  an  Scbattenortenj  ScHSt.  ^Sulger^.  // 
em  H.  dann  aber  bes.  als  Sehlupfwinkel,  \ 
(urspr.  von  Vagabunden,  Zigeunern,  Strar.ri 
usw.);  vgl.  Aie  Karrer  hatten  biiit'r  Hägen    H 


1067 


Hag.  lieg,  liig,  hog.  Im 


untl  in  Winkeln  ihre  Örter,  wo  man  ihnen  die  ge- 
stohlenen Säcke  ablegte.'  HPest.  1819.  Me'  hät-vii'>' 
nid  hinder-em  H.  ufg'lese',  {''■  bin  nid  hinder-evt  H. 
füre"  g'schloffe",  ich  bin  nicht  von  .schlechter,  unbe- 
kannter Herkunft  Sch;  Z;  vgl.  Grotzen.  Hinder-em 
H.  hiirote"  wie  d'  Leixhe"  AAZein.  D'  Chitnst  find't 
nie'  nid  hinder-nn  H.  Sülger.  Über  de"  H.,  über  die 
Schwierigkeit  weg.  Juchzge  nid,  bis  iiber-'en  H. 
(Grabe")  bist  L  (Ineichen).  Der  Eint  hilft  dem  An- 
deren über  de"  H.  Sülger.  Hingegen:  ,Den  heutigen 
Meitschenen  sei  nicht  mehr  über  den  H.  zu  trauen.' 
B  Hink.  Bote  1872  =  in  nächster  Nachbarschaft.  Über 
all  Häg  üs,  über  Stauden  und  Stöcke.  !"'•  mag  nümme" 
mit  de"  Hunde"  über  all  Häg  üs  L  (Ineichen).  Er 
springt  über  all  Heg  use",  setzt  sich  über  Alles  weg; 
ist  ülii'iiiiiitii;  Aa:  S.  Miichf  juchsen  und  singen  tmd 
iilicr  iill  Um/  ,(X("  siiniHir".  Stutz.  Er  ist  sclw"  über 
(ill  Jl,';i  i-r  Scilw;  Svii.  ' nher  alK  Heid,  s.  d.  !''•  bin 
es  lüftigs  Mcitschi  g'si",  ha"  alle"  Bliebe"  chönne" 
spotte"  tmd  's  het  mi"''  dunkt,  i'''  macht  über  e  höchst 
H.  WS  g'sjJringe".  BWyss  1863.  ,Am  Mögen  fehle  es 
ihm  nicht,  es  dünke  ihns,  es  möchte  über  alle  Häge.' 
GoTTH.  Egerchinge,  wo  d'  Bettler  über  d'  Heg  us  springe 
S  (Spottreim).  Über  d'  Häg  use  biege",  gtigge",  nach 
andern  Weib.spersonen  ausschauen,  in  der  Ehe  untreu 
sein;  übh.  etwas  Unerlaubtes  im  Schilde  führen  Ap; 
GT.  Auch  eine  Frau  gugget  über  d'  Häg,  von  der 
man  glaubt,  sie  sei  ihrem  Manne  nicht  treu  Ap;  vgl. 
Hannesli,  gang  hott  vom  H.,  sust  gat's-der  wider  wie 
die  Tag  [letzthin],  Warnung  vor  verbotener  Lust. 
SiiLGKR.  Öjopis  dtir'''  all  Häg  dnre"  [hartnäckig] 
b'haupte'  Aa;  Syn.  diir'''  all  Böde"  diire".  Her  Estand 
ist,  in  all  Häg  i-e  [unter  allen  Umständen],  en  We- 
stand.  Stutz.  Adie!  wü'sch  Glück  in  H.  ie!  scherzh. 
Abschiedsgruss  Tn  (Pup.).  Üsg'seh,  tvie  wenn-me" 
(hinder-si"'')  dur'''  en  H.  dure"  g'schloffe"  war,  zer- 
zaust ausschon  Scii;  Z;  Syn.  xeie-n-e  Hex,  Haghex 
üsg'sili :  vi;].  Diini-If.  Eine"  dur'''-e  H.  durc"  mel'''e", 
Jmdn  (liiirh  dm  /ainiinelken,  d.  i.  ihn  missbrauchen; 
He''  Ivt  sf''  iiiil  ihir-e  H.  dure  welle"  L,  wie  .sanft- 
mütige Kühe  es  geschehen  lassen.  H.  üf  (und)  H. 
ab  (=  ufe  und  abe)  mache",  unschlüssig  sein  [eig. 
wohl,  ob  man  den  Durchgang  oberhalb  oder  unterhalb 
suchen  wolle]  Z.  Nüd  lang  H.  itf  und  H.  ab  mache", 
kurzen  Prozess  machen.  Wenn  er  de"  H.  üf  will, 
ivott  s%  de"  H.  al)  Soh  ;  Th  ;  Z ;  vgl.  wott  er  hüst,  so 
tcott  si  hott.  Lauf  im  [dem]  H.  noh  hindere!  mach, 
dass  du  fortkommst!  LEottal;  dem  H.  noh  hei"'  müesse", 
unverrichteter  Dinge  abziehen  müssen  S.  Am  H.  (a"), 
im  H.  (inne"),  vor  einem  Hinderniss,  in  der  Enge,  in 
Verlegenheit,  in  der  Klemme,  ratlos,  allg.  ,Wenn  man 
nicht  etwas  Geld  in  den  Fingern  hat,  so  kann  man 
gar  nichts  zwäiin'ni  iiiid  isf  innurr  am  H,'  Gotth.  Es 
dfaltsWiberrolrhl,  h„!-nh  |.irii  l.'irhter]  am  H.  ebd. 
Mir  sind  iez  nihl  iriihnihi  mi  IL,  wie  chö-mer  is 
wol  u'cre"?  Feuhkk.  Er  iM  cei.  mU-cm  Fädle  am  H 
a"  S.  Er  wert  si"';  wie  's  Tier  im  H.  Splger.  De' 
Winter  tuet  wie  's  Tier  im  H.,  pariert  ''em  Hornig 
Puff  und  Schlag  ScnSt.  (Schwzd.).  Die  Richter  sind 
g' waltig  im  H.,  was  si  uf's  Pfarers  B'hauptige"  er- 
widere" sollid.  UsTERi.  Mit  Eim  im  H.  sl".  Streit  mit 
Einem  haben  Uw;  U.  In  H.  ine"  gä",  verlorengehen, 
etw.  Verkehrtes  tun  Bs.  Das  göt  in  H,  es  geht  öko- 
nomisch rückwärts  S.  Vgl.:  ,Man  wusste  nicht,  wer 
den  Wagen    in  den  H.  gefahren.'   Gotth.     Si  händ  's 


Singe"  in'n  H.  i-e  renne"  la",  sie  blieben  in  ihrem 
Gesänge  stecken  AAKais.  ,Si  sölltind  sich  nit  an  jet- 
lichen keren,  der  da  ein  büechli  hinderm  h.  machte.' 
1523,  Egli,  Act.  [Warnung  vor  Zwingli].  .Darum 
gschirends  an  und  duond  das  beste,  dann  die  lüt  sind 
gar  am  h.'  1.529,  Strickl.  Indem  man  der  nächste 
Nachbar  sei,  könne  man  am  besten  wissen,  ,wo  die 
kuo  aller  ringst  durch  den  h.  brechen  mag  [an  wel- 
chem Punkte  die  Gefahr  drohe,  der  Angriff  zu  erwarten 
sei].'  1530,  Absch.  ,Da  wollt  N.  N.  nünt  antworten; 
dann  er  was  am  h.'  Vad.  ,Wir  [Josephs  Brüder]  wend 
ein  verdanken  [Ratschlag]  han,  damit  der  sach  wcrd 
ein  ustrag,  dass  wir  nit  bstandind  an  dem  h.'  Roep 
1.540.  ,Von  erfahrnen  Kriegsleuten  werde  da  viel  ge- 
redet, die  Eidgenossen  müssen  auch  in  [den]  H.',  in 
die  Verlegenheit,  in  den  Handel  verwickelt  werden. 
1547,  Absch.  .Mir  ist  David  entrunnen  aus  dem  h., 
dann  ich  den  Philistern  muesst  wehren,  sonst  war  er 
mir  schon  in  der  harren.'  Holzwart  1571.  ,Ich  merk 
gar  wol  by  dyner  sag  [Rede],  dass  etwas  trug  ligt 
hinderm  h.'  ebd.  ,Er  [der  Gottlose]  wirt  allenthalben 
am  h.  sein,  wirt  nit  wüssen,  wo  er  aus  soll.'  LLav. 
1582.  ,Er  hat  mich  an  den  H.  getriben.  Ich  bin 
ganz  am  H.,  weiss  nicht,  was  ich  tun  soll.'  Mey.,  Hort. 
1692;  vgl.  Wand.  ,Diewyl  Ambr.  Blarer  und  andere 
G'lehrten  hinder  dem  H.  hieltend.'  1724,  Mise.  Tig. 
,Am  H.  abziehen':  1)  beschämt  abziehen,  den  Kürzern 
ziehen,  wohl  eig.  von  einem  verdeckten,  notdürftigen 
Rückzuge;  vgl.  o.  ,dem  H.  nach  heim  müessen';  doch 
s.  auch  Gr.  Wß.  4,  2,  138,  2  a;  vgl.  noch  abhei  Sp.  855. 
,Es  guong  one  liluetvevgiessen  ab,  wil  der  Saffaier 
am  h.,  als  man  >|.rirl,f.  al.zng/  1582,  Bs  Chr.  Nach 
langem,  trefflirlinn  Wiilrr-taiule  ,hat  er  entlich  an- 
gehept  uss  menschlicher  .Schwachheit  und  blödigkeit 
am  h.  mit  dem  spiess  abziehen.'  Grob  1599.  ,Er  hat 
müssen  am  H.  abzeuhen,  delusus  est  spe,  opcrä.' 
Hospin.  1683.  —  2)  sich  entziehen.  ,Wie  ein  Krankner, 
der  zwar  dem  Doktor  gern  folget,  so  lang  er  ihm  von 
guten  Dingen  sagt,  aber  neben  dein  H.  abziehet,  wann 
er  ihm  scharpfe  Mittel  fürhalten  will.'  JMüll.  1666. 
,Wer  Jesuin  nicht  liebet,  der  ziehet  von  ihm  am  H.  ab, 
er  schellet  [schält]  sein  Herz  von  Christo.'  AKlikgl. 
1702.  —  Der  H.  als  Einfriedigung  des  Heimwesens: 
vor  de"  H.  use  hüse",  tourste",  schlecht  haushalten, 
dem  ökonomischen  Ruin  entgegen  gehen;  vor  e  H. 
use"  clio",  in  Konkurs  geraten.  Gotth.  ,Auf  den  sog. 
Kuhheimetli  gehen  die  Meisten  zu  Grunde,  wenn  sie 
den  Zins  innerhalb  des  Hages  [aus  dem  Ertrag  des 
Heim  Wesens]  nehmen  müssen;  wo  ein  Gewerbe  dabei 
ist,  oder  sonst  ein  anderweitiger  Verdienst,  da  ist  es 
ein  Anderes.'  ebd.  ,Ein  solch  Schuldenbäuerlein  wolle 
er  bald  vor  den  H.  hinausgestellt  haben.'  ebd.  ,Er 
wollte  nichts  von  Nachgeben  [im  Prozessieren]  wissen; 
es  musste  ausgetrieben  worden  bis  vore  H.  use.'  ebd. 
,Es  nähme  den  Erstbesten  [zum  Manne],  so  riskierte 
es  wenigstens  nicht,  dass  es  für  den  H.  hinaus  käme 
[sitzen  bleibe].'  ebd.  ,E  rechts  Meitschi,  das  noch 
nicht  zu  äusserst  am  H.  sei.'  ebd.  In  Orts-  u.  Flurnn., 
z.  T.  mit  fem.  Gestaltung,  z.  B.  Hag- Acher  B;  Z,  -Hof 
Th;  -Matt  B  (vgl.  Hegen-Hof  und  Hegen-Matt  L); 
-Tobel  G;  -Weid  B;  -Wis  ZBub.  (von  der  Allmend 
durch  eine  Hecke  getrennt).  Auch  einfach  im  Hag, 
Häusergruppe  in  ApTeuf.;  BHk.;  GRh.;  S;  vgl.  engl. 
town.  Hagen  TiiAfteltr. ;  Hägen  GGanis;  ,in  der  Ha- 
gen' ZoÄg. ;    die  inner,   die  usser  Hägen   BSchüpfh. ; 


II  a£ 


1070 


OblKi;),  Alji  Ouw;  hinder  Häg  ZSeeb.  (vgl.  hinder 
Zünen  Z  Zoll.) ;  Hegen  BLangn.,  Herzogenb.;  LE.; 
Ober-  und  Under-Hegen  BEüegs.,  Tgl.  oberi  und  itnderi 
Züne'  ZStdt.  In  Gesohlechtsnn.  Hag  ScHwf;  TiiDiess. ; 
,iui  H.'  1528,  B;  ,Z'Hag.'  1529,  Zg;  sodann  Hagmann 
und  Hager.  —  2.  Gebüsch,  Dickicht  Gr.  Das  Hauen- 
steiner Ländchen  teilt  sich  in  ,vor'  und  , hinter  dem 
HagS  d.  i.  dem  quer  über  das  Gebiet  ziehenden  kaiser- 
lichen Hagwald;  vgl.  ,ob-  und  ,nid  dem  Wald'. 

Mhd.  hac,  hmjes  (PI.  hage,  hege,  heijer)  und  hagen  m.,  n. 
Auch  im  Seh  Stdtb.  der  PI. :  ,an  hegern'.  —  Auf  der  zwei- 
silbigen Form  raht  der  abgeleitete  Flur-  bzw.  Geschlechtsn. 
(im)   Uiigni  Ap;   Z.    —    Abi.   Hegi. 

E-Hag:  „Mark-  oder  Grenzhag,  der  zwischen  Ge- 
meintriften und  Gemeinwaldungen  aufgerichtet  werden 
niuss  LG.";  vgl.  E-Grdben  und  bes.  E-Fad  Bd  I  671. 
,Stosst  an  den  E.  und  an  die  Landstrass.'  L  Kantonsbl. 
1864.  ,Die  oberkeitlich  und  gesetzlich  zu  Friedhägen 
bestimmten  Zäune  [in  SOlt.]  wurden  auch  Ehhäge  ge- 
nannt.' vArx  1819.  , Welcher  durch  ein  ehehag  faren 
muess,  der  soll  glych  zu  statt  [sofort]  den  fürt  und 
gatter  widerumb  zuetuen.'  1576,  TaZihlschl.  Offn.  — 
„e-hagen:  einen  solchen  Grenzzaun  aufrichten  LG." 

Eining-:  =  dem  Vor.  Vgl.  Eining  3  Bd  I  '281. 
,Die  Einung-häge,  die  zu  Einfristung  der  Felderen 
dienen.'  1781,  B.  —  Etter-:  ein  aus  Ruten  oder 
Tannreisern  geflochtener  Zaun  Ap;  BsL.;  SB.  Syn. 
Etter-Zün.  S.  Etter  Bd  I  597.  —  Atz-:  Zaun,  mit 
dem  man  das  ,ätzende'  [weidende]  Vieh  einschränkt, 
damit  es  nicht  die  ganze  Matte  überlaufe  Zg.  — 
Fad-:  Grenzzaun.  1441,  Met.,  Wetz.;  vgl.  Fad-Graben 
und  E-Fad  Bd  1  671.  ,Dem  fathag  nach  uffen.'  1672, 
.TAHoFM.  1854.  —  Fall-,  Feni-:  Zaun  aus  Latten 
und  gabelförmigen  Stützen  (Griggelen)  bestehend,  wel- 
cher zur  Winterszeit  niedergelegt  oder  ,gefällt'  wird 
ScHW.  Syn.  Grasselen-Hag ;  Schattig;  vgl.  Fall-Milrli. 
,Alle  auf  dieser  Allmeind  befindlichen  Fallhäge  unter- 
halten die  Nutzniesser  der  Käsern.'  vEüw.  —  Feld-: 
hoher  Zaun,  der  die  eingefriedeten  Güter  von  Gemein- 
weiden oder  Sommerungen  trennt  BHk. 

Vor-:  die  Vorderseite  einer  Hecke,  Seitentriebe 
einer  Grünheeke  auf  der  Vorder-  oder  Strassenseite. 
Nach  Vorschriften  über  das  Eigentum  an  Bäumen, 
welche  in  Hecken  stehen,  folgt:  ,Der  vorhägen  halb, 
soll  jeder  gwalt  haben,  dieselbigen  us  ze  howen,  so 
noch  zum  hag  zuher,  als  ime  geliebt ;  doch  also,  dass 
er  weder  gert,  rueten  noch  anders  abhouwe  des  dem 
hag  schaden  niöcht  oder  daryn  ze  biegen  dienete.' 
LRotenb.  Aratsr.  —  vor-hage°:  die  Vorderseite  der 
Hecke  beschneiden,  das  unnütze  Gestände  vor  dem 
Hag  absehneiden  LG.  —  Zur  Bed.  des  vor  vgl.  Für-fniiw 
Bd   I    1090. 

Frid-:  Einfriedigung,  „Grenzzaun  LG.";  der  Zaun 
um  die  Brachzeig,  wo  das  Vieh  weidete  AAEhr.f  ,Soll 
ein  ietlicher  an  synen  güeteren  einen  redlichen  guoten 
ir.  haben,  so  hoch,  dass  sy  einem  gmässen  mann  an 
das  kine  schlach,  also  starch  und  guot  syend,  dass  sy 
einen  mann  mit  synem  trabharnascht,  der  darüber 
stygt,  under  im  nit  niderfalle.'  1572,  SchwE.  Wald- 
stättb.  ,Ein  jeklicher  talmann  soll  hagen  und  fridhag 
machen  vor  alpen  und  gegen  gassen.-  1582,  Obw.  ,Die 
fridhäg  sollent  bi  dry  pfund  buess  verbannt  werden.' 
1596,  Z.  .Dannenhin  den  fr.  umhin  unz  an  Aspacher.' 
1606,  AAÜberwyl  (Offn.).     ,Die  Höf,   so   an  die  Dorf- 


marchen  stossend,  sollen  sich  selbst  mit  dem  Fr.  ver- 
wahren.' 1659,  BE.  ,Fr.,  prajdium  servum.'  ThSi'ieseii 
1716.  \g\.Frid3  Bd  1  i'279.  —  „fridhage":  einen 
Fr.  machen." 

Ge-:  Gehege,  Coli,  zu  ,Hag'.  .Welcher  durch  ein 
g.  faren  muess,  der  soll  glych  den  gattor  widerumb 
zuetuen  und  vermachen.'  TnZihlschl.  Offn.  ,So  einer 
einem  in  syn  hus  oder  gehakt  [Hofraum]  gieng  uf  syn 
schand  und  laster,  der  gibt  buess.'  BThun  Stadtsatz. 
1539. 

Obige  Form  gegenüber  der  mit  öml.  abgeleiteten  noch 
in  bair.-ästerr.  MA.  gebräuchlich!  Die  Nbf.  ,gehakt'  beruht 
auf  angeschossenem  (.  Der  mnhd.  (umgelauteten)  Form  ent- 
spricht in  der  lebenden  MA.  für  die  concr.  Bed.  6' hei  II 
(Sp.  851),  in  bildl.  Anwendung  dagegen  G'häg,  G'hig,  das 
aber  nicht  recht  volkstümlich  ist,  obwohl  schon  MUsteri  sich 
desselben  bedient;   vgl.    ffä«  i  (Sp.  39). 

Garte"-:  Gartenzaun.  allg.  Es  chtmnt  z'letst 
Alles  i"  d'  Ornig  bis  an  G.  [die  letzte  Arbeit  bei 
einem  Hausbau]  Z.  De  zielisch  es  bis  an  G.  usc,  von 
langweilig  weitschweifigem  Reden  Z  oGlatttal.  Bis 
an'n  G.  abe',  formelhafte  Terminbezeichnung  für  lange 
Strecke,  bzw.  Dauer  übh.  Z.  Scherzh.  für  ein  Gebiss 
mit  Lücken  AxStauf.  —  Gerte"-:  Zaun  aus  Gerten, 
bes.  aus  dünnen  Tannästen  ScnwE.  —  Griggele"-: 
Zaun,  dessen  Stangen  auf  gabelförmigen  Stützen 
[Griggelen]  ruhen  ScHwBrunn.;  vgl.  Fall-Hag. 

Grue(n)-:  Grünhecke,  allg.;  Syn.  Leb-Hag.  So-ne 
Primessi  g'ivinnt-me  nit  ab  jederm  Gruenhag.  BWyss 
1863.  ,Nieman  soll  keinen  gruonhag  hän  in  unsren 
zeigen.'  c.  1390,  AAZuf.  (Offn.).  .Des  Gottshaus  Z 
Münz  soll  gan  in  allem  Z  Goii  auf  dnirli  <ilarus  für 
Walhenstatt  unz  an  den  grüeiHU  IIa-  |\vrlcher  zwi- 
schen Eagaz  und  Sargans  an  d''iii  kliii.n  l'lusse  Sare 
lag].'  Lauf.  Ileitr..  (irt-lir/rirlnrnn--  wir  ,,|ir  wagenden 
Studen'.  ,Seiie>\i\a,  rin  -uliiIki-.  (ininiliag,  törn- 
häg,  zun  aus  t..nirii  -rina.ht  und  sterhm.l.'n  standen, 
hirtae  sepes.'  Fris.;  JIal.  ,Wie  in  Güetern  die  Bäum 
ald  Bänderstöck  und  die  Grüenhäg  den  Leuten  an 
iren  Reben  Schaden  bringend.'  1582/1675,  Z  Stat. 
.Allen  denen,  welche  Grunhäg  einzupflanzen  Willens 
seiud,  ist  begünstiget  ein  Par  Schuh  von  der  Allment 
so  lang  einzuhagen,  bis  die  angesetzte  Grunhäg  im 
Stand  seind.'  1735,  ScuwE.  Hofrod.  ,Die  Stt'ckenliä^-. 
so  dem  Wald  vil  Holz  wegnemmen,  sollend  nach  nn.l 
nach  abgeschaffet  und  Grunhäg  an  deren  Statt  be- 
pflanzet werden.'  1735,  Hotz,  Urk.  .Seinen  Platz 
weder  durch  einen  dürren  noch  Grunhäg  einzufangen.' 
G  1800.     S.  noch  Grueni  I  (Sp.  755). 

In  den  Z  Ges.  vom  J.  1757  einmal  die  Form  ,Grund-H.', 
weil  die  Hecke  aus  dem   .Grunde'  hervorwächst. 

Grassele"-:  =  Fall-Hag  Schw;  s.  Grasselen  Sp. 
798.  Diese  Art  Zäune  kommt  nur  an  jähen  Berghalden 
und  wilden  Orten  vor.  Hend-er  der  Gr.  g'macht,  ''as 
ekcis  cha"  über  e  Nosse'  abbe'  tröle'?  Erzäuler  1856. 
—  Hörnli-:  Zaun  aus  geschälten,  sich  kreuzenden 
Tannästen,  deren  Endstücke  je  wie  ein  Paar  Hörn- 
chen aus  der  obersten  Kreuzung  hervorragen  Z.  — 
Hasle"-:  Hecke  aus  Haselstauden  Z.  —  Chris-: 
Zaun  aus  Tannenzweigen  [Chris]  Ap.  —  Leb-:  = 
Gritenh.  Ap;  B;  Z;  Syn.  Tebige"  Hag.  ,Lebhäge  (Grun- 
häge,  Hagraäler)  an  Strassen  darf  man  nicht  höher  als 
4'  hoch  wachsen  lassen.'  Äp  Verf.  1854.  ,Die  Zäune 
werden  meistens  von  tannenen  Latten  und  Stecken 
aufgeführt;  nur  hie  und  da  zwingt  der  immer  grösser 


1U7 


Hag,  lieg,  big,  lujg,  liiig 


werdende  Holzmaiigel  den  Bauern  die  viel  vorteil- 
haftere Methode  der  Lebhäge  auf,  wozu  man  sich  der 
Uorngesträuche  und  vorzüglich  junger  Tannbämne 
bedient.'  Steinm.  1801  (Ar).  ,Zu  Verschonung  der 
Waldungen  ihre  Guter,  sonderlich  den  Strassen,  Ali- 
menten und  Hölzeren  nach,  mit  Lebhägen  einzufristen, 
zu  diesem  End  an  trocknen  Orten  Dorn-  und  Hasel- 
stauden, an  feuchten  Weidstöck  zu  pflanzen.'  B  Forst- 
ordn.  1725.  ,Soll  alle  Jahr  das  Gestände  in  den  Leb- 
hägen und  die  Äste  an  den  Bäumen,  so  in  die  Strasse 
recken,  fleissig  abgehauen  werden.'  B  Strassenregl. 
1744.  —  Latt(en)-:  Zaun  aus  Latten  im  Gegs.  zu 
Gruen-,  Leb-H.  allg.  Syn.  Tothag.  Undr'em  Latthag 
dur'''  fressen,  mit  der  Ehefrau  eines  Andern  unerlaub- 
ten Umgang  haben  ZKn.  —  Mist-Hegli:  ungefähr 
das  Selbe  wie  M.-Grueh  udgl.  (s.  Sp.  694),  Schorr- 
Mist;  jetzt  durch  den  Kom^iost- Hufen  ersetzt  OBwf. 

Bader-Hag:  nur  noch  in  der  sprichw.  RA.  an'n 
B.  abe"  chö",  au  den  Rand  des  ökonomischen  Ruins 
kommen  ZStall.  udE.  Da  [mit  diesem  Geschäft,  dieser 
Haushaltung  usw.]  gät 's  geg-em  B.  abe".  D' Lüt 
siigid:  de''  Michel  chunnd  viit  stner  Hiishaltig  g'wüss 
no'''  an  B.  abe;  er  schickt,  was  si  rerdienid,  de'  Bach  ab. 

Eig.  wohl  eine  Hecke,  welche  auf  der  ehemaligen  Grenze 
der  Grafscli.aft  Baden  gegen  das  obere  Roppisclital,  l)zw.  die 
Freien  Ämter  (vgl.  FvWyss  in  Z.  f.  schwz.  R.  18,  48/9)  sich 
hefimden  haben  mag.  Die  KA.  bezieht  sich  auf  alte  Rechts- 
verhilltiiisse,  nach  welchen  ausgeklagte  Schuldner  ,ding(lüehtig' 
wurden  oder  von  den  Gläubigern  genötigt  werden  konnten, 
das  Land  zu  verlassen;  s.   FvWyss,   1845,   172. 

„Budi-:  kurze,  niedere,  aufgestutzte  Verzäunung 
LG."    —   Budi  =  Buder,  kleiner,  dicker  Körper. 

Bor-:  Zaun,  bei  welchem  die  Querstangen  durch 
Bolirlöcher  in  den  Pfählen  gestossen  sind  Scnw;  Zg. 
Kch-:  Gehege  oder  Gehölz  (vgl.  Hag  3)  für  Rehe. 
Nur  als  Plurn.:  ,Der  gross  und  klein  Brenigarten, 
das  Eiholz,  Reehag,  die  Riedern  usw.'  B  Jägerordn. 
1G87;  auch  Weiler  in  Aa;  Gebirgsgegend  in  BsLd; 
Ortschaften  in  L;  G.  —  Ross-:  geschlossene  Weide 
zum  Auftrieb  von  Pferden.  ,Der  R.,  der  eigentüm- 
lich zum  Schloss  [GWe.]  gehört.'  PTschddi  1726.  — 
Sevi-:  Grunhecke  aus  Sevi  (juniperus  sabina),  nicht 
selten  zur  Einzäunung  von  Gärten  benutzt  Th;  Z. 

Süle"-.  ,Gegen  den  Wald  wird  ein  Säulenhag 
gemacht  (Pfahlhag)  und  dazu  wo  möglich  Dornen 
verwendet.'  AaF.  Forstordn.  1788.  —  Snl  =  Pfahl. 

Serie"-,  Säle"-:  Zaun  aus  Tannlatten  (Serien), 
welche  auf  kreuzweise  in  den  Boden  getriebene  Zaun- 
pfähle gelegt  wurden  ZO.  ,Särlenhäg  sollen  nur  ge- 
litten werden,  wo  man  kein  Gruenhäg  pflanzen  kann.' 
1737,  Hotz,  Urk.  —  Setz-.  Unter  den  Vorzügen  der 
sog.  toten  (hölzernen)  Zäune  wird  von  der  Naturf 
Ges.  zu  Zürich  1764  angeführt,  dass  ,die  Setzhäge  von 
eichenen  Pfählen  zugleich  auch  unten  an  Rebbergen 
statt  einer  Dolle  dienen,  die  die  vom  Regen  herab- 
geführte Erde  aufhält.'  Anl.  Z  1764.  Vgl.  Setz-Stecken 
(unter  Sdnjen-Hag).  —  Scheid-:  Trennung.s-,  Grenz- 
zaun Z.  ,Es  soll  [zwischen  den  Waldpartien]  schnur- 
grad  durch  den  Wald  ein  Seh.  gemachet  werden.'  1645, 
AAWett.  Klosterarchiv.  Vgl.  Sch.-Mür,  -Wand.  — 
Schije"-,  ScMjeli  (bzw.  -e'i-)-:  Zaun  (bes.  Garten- 
zaun) aus  kleinen,  gehobelten,  senkrecht  auf  Quer- 
stangen genagelten  Stäben  (Schijen),  Stacket  Ap;  B; 
VO.;    ScH;    S;    Z;    vgl.  Schinnen-,    Töggeli-H.;    auch 


„Spalier  B;  VO. ;  S."  Erniem  [nähme]  Alles  bis  an'n 
Seh.  ane".  Sulger.  ,Es  sollen  [um  den  Stadtwald 
zu  schonen]  die  tännern  Setzstecken,  ingleichem  die 
Scheienhäg  gänzlich  aberkannt  sein.'  1749,  ZWthur. 
—  Schinn(en)-:  Zaun  aus  (Holz-) Schienen  Zg.  ,Ein 
Sehen-  oder  Schatten-H.'  1770,  Bs  Rq. 

Scharr-  UwE.,  Schär-  BHa.:  provisorischer,  nur 
aus  Stecken  und  Latten  bestehender  Zaun,  z.  B.  um 
eine  Wiese  für  die  Atzung  abzugrenzen  Uw;  Zaun 
aus  schräg  auf  der  Gabel  zweier  kreuzweise  gestellten 
Pfähle  ruhenden  Plankon,  deren  anderes  Ende  auf 
dem  Boden  aufliegt  BHa. 

In  seinem  1.  Teile  viell.  vwdt  mit  ahd.  scära,  Schere,  da 
die  gekreuzten  Pfähle  Scheren  gleichen.    Vgl.  noch  Härnli-H. 

Schiess-i''-Hag  Aa;  L;  Uw,  Schtlsihägg  B  —  m.: 

1.  =  Schute-Gatter  3  (Sp.  498)  aaOO.  —  2.  schlecht 
gekleidetes,  zerzaustes  Weib  B  oAa.  —  Zur  Wortbildung 
vgl.   ,Springinsfeld'.   —   Zu  i  vgl.  DSm-H. 

Schutz-:  Zaun  zum  Schutze  am  Rande  von  Ab- 
gründen ScHW;  vgl.  Fall-Mür.  —  Schütz-i-H.-ä 
s.  Schüts-jag-ä.  —  Schnegge°-Hag:  Einzäunung 
zur  Zucht  von  Schnecken  als  Fastenspeise  GO.  VgL 
Alpenp.  1874,  S.  162.  Syn.  Schn.-Weid.  —  Schrank-: 
Zaun  mit  verschränkten,  gekreuzten  Pfählen  BBe.  Vgl. 
Scharr-H. 

Schreit-:  beweglicher  Zaun  von  Pfählen,  die 
über  schräggestellte  Latten  kreuzweise  eingeschlagen 
sind  BO.;   „LE."    —   Schreiten,  schräge  schneiden. 

Schweif(f)el-:  Zaun  aus  schief  liegenden,  zwi- 
schen je  2  senkrechte  Stäbe,  welche  durch  Rutenringe 
(Schtccifel)  zsgehalten  werden,  hineingeschobeneu 
Planken  und  Latten  B  mO. 

Spann-:  Zaun,  der  nur  für  zeitweisen  Gebrauch 
aufgeschlagen  [gespannenj  wird'?  ,Es  sollen  die  von 
AAÜnterberken  denen  Oberberkeren  im  Fahl,  wann 
sie  ihren  Steiggen  ansäen,  einen  Weg  von  10'  breit 
durchliegen  lassen,  jedoch  dass  die  Oberberker  einen 
Sp.  aus  dem  ihrigen  allein  machen  sollen,  wann  aber 
obgemeldter  Steiggen  nit  angesäet  ist,  so  solle  dieser 
Sp.  wieder  hinweggetan  werden,  und  die  von  Ober- 
berken  weiters  kein  Recht  haben,  daselbst  durchzu- 
fahren.'   1780,   SCHIEDSPRÜCH. 

Von  .spannen'  i.  S.  v.  ,weit  messen',  da  für  einen  solchen 
Zaun  wohl  die  Pfahle  weit  aus  einander  gesetzt  und  die  Zwi- 
schenräume mit  wagrechten  Latten  gescluitzt  wurden. 

Stüd-:  Grünhecke  (aus  Stauden)  Ndw. 

Stotz-:  1.  Zaun  aus  senkrecht  im  Boden  stecken- 
den Pfählen  oder  Stäben,  welche  oben  durch  ein 
Weidengeflecht  zusammengehalten  werden  B;  LE.; 
s.  Kasth.  1829,  S.  131.  Ein  Pfarrer  .bittet  um  Reparatur 
seines  eingefallenen  Stotzhags.'  1771,  Z  Staatsarch.  — 

2.  Stütze'-,  Zaun,  dessen  Pfähle'  schräg  in  den  Boden 
getrieben  sind  und  einander  kreuzen  Ap.  —  Stolz,  senk- 
rechte Wand.     Stolze',  Zauupfahl. 

Tögg(e)li-:  (Garten-)Zaun  aus  senkrecht  stehen- 
den, glattgehobelten  Stäben  (Töggeli)  Z  j  Syn.Sclnjen-H. 

Till-  ScnHa.,  Toll-  Scn  It  Kirchh.,  Tüll-  ScnSt.: 
Bretterzaun,  It  Kirchh.  , Steckenzaun'.  ,Ein  Äterzaun 
(DüUhag)  von  Zaunstecken  und  mit  Äterruten  ge- 
flochten oder  Bretterwand  von  Tillen  (Bretterschwar- 
ten) zsgefügt.'  Spleiss  1667. 

Mhd.  tülle  n.,  Zaun  von  Brettern,  Palisaden;  Pfahlwerk; 
liUlczüH,    Palisadenzaun.      Till    wohl    Ausweichung   von    Tüll, 


ug,  hug 


1074 


imlum  das  alte  Tüll  sich  an  das  bekauiitc  Titli,  Hiclc,  au- 
lehnte.     TM  aus  dorn  alteu  tull  =  tüth. 

Tier-:  Ortsn.  in  GBütschw.;  ZP.  Vgl.  ije'''-jff. 
und  bes.  Tier-Garten  2  Sp.  439.  —  Turli-:  Zaun 
oder  Hecke  mit  einem  Türli  (=  Gatter;  s.  Sp.  495), 
oder  diejenige  Strecke,  wo  sich  die  Toröffnung  befand. 
,l)er  sträss  nach  bis  zum  t.'  XIV./XV.,  Sch  Stdtb.  — 
Dorn-:  Dornhecke,  meist  aus  Weissdorn,  allg.  Dri 
g'seh  (mit  zerrissenen  Kleidern  und  bes.  zerzausten 
Haaren),  wie  we"'-me  dur"''  en  Törnh.  dur'''e''  (j'schloffe' 
icär  Aa;  Z;  s.  noch  unter  Äirji  und  hell-üf  Bd  I  121. 
,Hans  Joggi  denkt,  jetzt  sei  er  durch  den  Dornhag 
hindurch  und  das  Böste  sei  gewonnen.'  Gotth.  Berig 
händ  bim  Sakerment  au'''  Chöpf,  i'''  wett  lieber  hinder 
en  Dornhag.  Wolf,  rel.  Gespr.  —  Tot-  (bzw.  Tod-): 
.toter'  Zaun  im  Gags,  zum  Grüeti-  oder  Leb-Hag  L; 
Tgl.  Latten-H.  ,Da  die  Zäune  gemeiniglich  Totenhäge 
sind,  die  viel  Geld  und  Holz  kosten  und  gar  bald 
wieder  verfaulen;  oder  aber,  wenn  es  Grünhäge  sind, 
sehr  viel  Schatten  machen.'  Anl.  Z  1764.  —  Wild-: 
Zaun  zur  Abhaltung  oder  Einhegung  des  Gewildes. 
Die  von  S  haben  denen  von  Bs  .einen  markstein  us- 
geworfen,  item  einen  w.  zerhowen.'  1531,  Absch.  ,Sch 
sei  berechtigt,  einen  W.  aufzurichten,  indem  beide 
Parteien  dort  zu  jagen  berechtigt  seien  und  also  auch 
beiden  zum  Nutzen  gereiche.'  1560,  ebd.  —  Wolf-: 
Zaun  zur  Abhaltung  von  Wölfen.  , Einige  Gemeinden 
der  Waadt  möchten  behufs  der  Wiederherstellung  des 
W-es  Holz  fällen;  sie  werden  abgewiesen  und  be- 
auftragt, einen  Graben  oder  einen  lebendigen  Hag  zu 
ziehen.'  1729,  Absch.  Noch  als  Flurn.  in  ZSchwam. 
Vgl.    W.-Grueb  Sp.  695. 

Win-:  Hagrose,  rosa  canina.  ,Wild  rosen.  wein- 
hag,  weindorn,  hat  ein  sOr  lieplichen  geruch:  rubus 
canis,  cynosbatos,  canirubus.'  KdGessn.  1.542.  ,Cynos- 
baton,  hotten,  hanebutten  ist  die  frucht,  auch  hiefen 
genannt,  aber  hagendorn  ist  die  standen.  Das  wol- 
riechend  kleiner  gesehlecht  nennt  man  weindorn,  wein- 
hag.'  Fris.  ;  Mal.  —  Der  Geruch  ist  deuijeDigen  duftendeD 
Weines  ähnlich.     Hag  hier  =  Strauch. 

hage":  einen  Zaun  machen  oder  ausbessern, 
zäunen,  „allg.";  in  ä.  Spr.  auch  tr.  =  einfriedigen. 
Me"  nmess  h.  mit  dene"  Stecke",  wo  [welche]  me'  hat. 
SuLOEB  (Sprichw.).  Wer  vil  [Land]  hat,  muess  vil  h. 
(bildl.  =  sorgen).  Markenschänder  hört  man  Nachts 
hagen  Schw  (Volksglaube).  , Einer  verliebten  Tochter 
ist  nicht  gut  h.'  NAT.-Kal.  1870.  Wer  hed  denn  zur 
se'be"  Zu  scho"  g'haget?  fragte  ein  Appenzeller  den 
Pfarrer,  welcher  in  einer  Predigt  gesagt  hatte,  der 
1.  Gott  habe  den  ersten  Menschen  aus  Lehm  geformt 
und  dann  zum  Trocknen  an  einen  Hag  gelehnt.  Syn. 
;»»(■«,  s.  noch  zilen.  ,Do  wären  die  von  Sachsein 
ijargangen  und  hätten  's  [das  Fürsäss]  gehagt  [einge- 
friedigt]; also  wären  die  von  Lungern  dargangen  und 
hätten  inen  den  hag  ufbrochen  und  das  fürsäss  geetzt. 
darzue  sy  kein  recht  hätten.'  1442,  Oisw  Urk.  ,Glychc 
güeter  sond  ouch  glychlichen  h.;  doch  soll  ietlicher 
syn  hag  an  üsstagen  erberlich  machen  und  ufrichten.' 
c.  1480,  New.  ,Hagholz  nemen  und  darrait  h.'  1491. 
Zellw.,  Urk.  ,Dise  leute  sind  dem  obervogt  auf  Farns- 
burg zu  frohnen  noch  zu  h.  nicht  schuldig.'  1528,  Urk. 
bei  Brückner.  ,Mit  üschenzen  und  fischgehalteren,  mit 
forst  und  wildpännen,  trib  und  tratt,  jagen  und  h.' 
1530,   Absch.     ,Wie    schier   [so  bald]   er   [der  Jäger] 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


trat  in  den  wildbann,  das  schädlich  gwild  was  fast 
darvon,  eb  er  recht  fleug  an  h.'  1536,  Volksl.  ,Wenn 
die  dry  alpbänn  gehaget  werden.'  1546,  Zellw.,  Urk. 
,Es  sollen  ouch  die  meier  von  Wyden  diesolb  gassen 
in  eren  haben  und  so  sy  h.  und  studen  oder  böum 
daryn  Seiend,  so  sollen  sy  die  dannen  tuen.'  1549, 
AaB.  (Urk.).  ,Die  faldenwis  ist  ein  vormatt;  da  soll 
ein  hirt  h.  und  den  hag  und  stiglen  machen,  so  dick 
und  vil  sy  ein  gineind  notdürftig  ist.'  1560,  ZDielst. 
Offn.  ,H.,  zeunen,  sepire,  verhagen.'  Mal.  ,Es  sollen 
die  Anstösser  und  die  Alpen,  wie  es  austeilt  ist,  g'mein 
h.,  und  derraassen  die  Häg  machen,  dass  Niemand  da- 
durch kein  Schaden  widerfahre.'  1608,  Ap  Alpbüechli. 
.Unsere  Untertanen  sollen  uns  mit  allerhand  Frohn- 
diensten,  es  seie  mit  Fahren,  H.  und  Jagen  wie  auch 
andern  Gehorsamene  gewertig  sein.'  1627,  Bs  Eq. 
,Welcher  über  die  March  seines  Guts  auf  ein  Allment 
oder  gegen  dem  Hochwald  haget  und  den  Zaun  stellet.' 
1757,  ebd. 

ab-:  1.  (ein  Stück  Land)  durch  einen  Zaun  ab- 
trennen, abgrenzen  GF.;  Uw.  .Wögen  Abhagung  der 
Kinderalp.'  1791,  Obw.  ,Häg  auf  den  Hochalpen,  wor- 
durch  das  gälte  Viech  von  dem  melchen  abgehaget 
wird.'  ebd.  —  2.  bildl.,  fernhalten,  verhindern,  einer 
Sache  Grenzen  setzen;  syn.  abgraben.  I'''  hä's  ab- 
g'haget  Ap;  G.  Er  hät-si"'  nüd  welle"  Iti  a.  GF..  T. 
Strit  a.  ebd.  Mit  Eim  a.,  die  Verbindung,  den  Um- 
gang mit  Einem  abbrechen  Ap;  G  1790.  —  über-: 
den  Zaun  über  die  Markgrenze  hinaus,  ins  Gebiet  des 
Nachbars  setzen ;  auch  tr.  mit  Bez.  auf  den  Geschä- 
digten Bs;  B;  „L;"  Uw;  Z.  Er  hat  (-mi''')  überhaget. 
,Wer  den  andern  übermäit  oder  überzünt  oder  über- 
hagt  oder  überert.'  1460,  L.  ,Dass  der  vogt  unserm 
herrn  und  villycht  hinwiderumb  unser  herr  ein  statt 
Solothorn  überhaget'  1527,  Absch.  [es  handelt  sich  um 
Jagdbezirke].  —  um-  s.  ver-h.  —  i(ii)'-  einzäunen 
G;  Sch;  Th;  U;  Z.  ,Sy  sollen  [Weibel  und  Forster] 
die  Hau  widerum  einschlahen  [spätere  Abschrift:  ein- 
hagen]  und  verzünen  lassen.'  XVH.,  ZAlbisr.  Offn. 
,A.  1708  wurde  der  Kirchhof  beim  Grossen  Münster 
auf  eine  anständige  Weise  eingehaget.'  Mem.  Tig.  1740. 
Vgl.  auch  In-hegi.  —  under-.  ,Intersepire,  mit  einem 
hag  oder  wand  underschlahen,  u.,  vermachen.'  Fris.; 
Mal.  ,Zu  der  Matten  schauwen  und  dieselbige  u., 
was  für  Hagholz  darzu  vonnöten  ist.'  1736,  UwE.  — 
ver-:  verzäunen ,  ab-,  ver-sperren,  eig.  und  bildl. 
allg.  Ei"m  en  Weg  v.  Z.  's  ist  wie  verhaget,  voller 
Schwierigkeiten  Aa.  Er  het-em  's  verhaget,  es  ihm 
unmöglich  gemacht  Ap;  G.  ,Die  schwyn  soll  ein  jeder 
mit  synen  knechten  verschaffen  v.  und  verhüeten  und 
nit  ins  buwland  lassen  laufen.'  c.  1500,  Obw.  ,Da 
hilft  kein  schüchen,  man  kann  mir's  nit  v.'  BGletting 
1560.  ,(Prse)sepire,  umbhagen,  v.,  umbzeunen,  umb- 
geben  mit  einem  zäun  oder  hag.'  Frts.;  Mal.  ,Die 
Jäger  band  den  forst  verlegt,  verhaget.'  JMorer  1575. 
,Gott  tröuwt  der  ebrgcherin,  die  iren  buolen  nach- 
gelaufen ist,  dass  er  iren  den  weg  v.  wolle.'  LLav. 
1582.  ,Die  an  die  Landstrassen  und  Allmenden  stossen- 
den  Güter  seien  nicht  gehörig  verhaget.'  1779,  Absch. 
—  be-:  einzäunen,  -schliessen,  bewahren;  um-,  be- 
stricken. , Tuend  die  äugen  uf  und  umsghend  üch, 
dass  üch  das  übel  nit  behage.'  Zwingli.  ,Wem  frouwen- 
trüw  mag  werden,  der  hat  das  höchst  gewild  erjagt, 
das  doch  gar  kumerlich  wird  behagt.'  Salat  1537. 
68 


1075 


lag,  lieg. 


liog,  hug 


107U 


Haget  m.:  Gehege  TuMärw.  (Flurn.);  vgl.  Hegt. 

Güggel-Hagete"  f.:  schlechte  Arbeit  beim  Stroh- 
Hechten.  Die  Chind  maehed  rechti  G.  ZKafz ;  s.  Güg- 
gel  9  Sp.  193. 

Hagel  m.:  1.  wie  nhd.  (allg.).  Y gl  Bisel.  Der  H. 
macht  ke  Türi,  aber  arm  Lüt,  die  wo  's  trifft  L ;  S. 
Besser  der  H.  i'  's  Feld,  als  i'  d'  Chuchi  [als  schlechte 
Ordnung  der  Hausfrau]  FMu.;  L.  Sclilöd  der  H.  i 
d'  Chuchi,  se  schlöd  er  i'  's  ganz  Hm.  Vgl. :  ,Es 
wäre  mir  am  wöhlsten  daheim,  wenn  nur  der  ver- 
dammte Haushagel  nicht  tobte  [vom  Schelten  einer 
Frau].'  UBrXgg.  1787.  Chö'  wie  dc'  H.  i"  d'  Halme' 
Aa;  B;  !>  d'  Böne»  BO.;  i"  d'  Stopple'  Bs,  Sluffle'  S, 
ganz  plötzlich,  völlig  unerwartet,  ungelegen  kommen, 
i,/AV.  zu  spät  uiul  zwei-klns.  r„irsusl  iriv  Jf  U.  i" 
.rilnimr'  Zll.an.l.    .1  las  Aula- |  Str,,.!--] /aliL'U  Uuuul 


Geld  mehr  ist.'  üBrärg.  17SS.  Vgl.:  ISdilul-di,'''  de' 
H.  au"'  derher?  Sulger.  Nach  altem  Aberglauben 
wird  der  H.  von  Hexen  gebraut,  von  welchen  etwa 
Haare  in  den  Schlössen  gefunden  werden  Aa.  Vgl. 
Wetter-Hex  und  Hex  (Murer  1565).  Lt  CPfyfF.  1852, 
439  wurde  ein  Küster  gebüsst,  weil  er  zu  spät  gegen 
das  Wetter  geläutet;  ,wenn  man  nämlich  wartet,  bis 
es  gekocht  ist,  so  niuss  es  auch  angerichtet  werden.' 
Eine  Hexe  bekannte  im  J.  1551,  ,den  hürigen  h.,  so 
by  Affoltern  und  Schupfen  gefallen,  hab  sy  gmacht 
mit  einem  wachsliechtli  in  einem  häfeli  in  einem  wald 
in  's  Tüfels  namen.'  B  Taschenb.  1870,  182.  Eine 
andre  schlägt  mit  einem  Stecken  in  einen  Bach,  davon 
ein  Eauch  sich  erhoben,  der  sie  fast  erstickt,  und  ein 
H.  gekommen,  der  das  Korn  verderbt  habe.  ebd.  In 
Gr  stellt  man  sich  lt  Vonbun  vor,  dass  die  Hexen  in 
Höhlen  Gletscher  zerhacken  und  in  die  Luft  streuen. 
H.  hört  auf,  wenn  man  das  Tischtuch  unter  die  Dach- 
traufe hält  B;  vgl.:  i/V  hät-mer  en  nette  H.  übertue', 
a-tfricht,  mir  einen  argen  Zank,  Streit  verursacht  Scu ; 
s.  auch  Wetter.  Eim  de'  H.  abetue',  mit  einem  wet- 
tern, schelten  Z;  vgl.  Haber.  ,Als  ein  frow  im  Ober- 
land belümdet  ist,  h.  können  ze  machen,  ist  dem  vogt 
befolhen,  die  sach  bas  ze  erkunnen.'  1489,  .\bsch. 
.Darfst  [du  altes  Weib]  nit  vil  bochen,  hast  helfen 
mengen  h.  kochen.'  HHechler  1540.  , Zauberin:  Es 
facht  mir  schon  auch  an  geroten,  dass  ich  kann  einen 
h.  broten  und  machen  einen  regen  auch.'  Holzwart 
1571.  ,Incidit  amori  nostro  calamitas,  es  ist  ein  Un- 
glück darein  geschlagen,  der  h.  hat  darein  geschlagen.' 
Fris.;  Mal.  ,Man  sagt  von  bösen  weiberen,  dass 
sy  h.  sieden  und  ungwitter  machen  könnind.'  LLav. 
1582.  Vgl.  Hagel-Sieder.  ,Um  H.  abzuwehren,  lesen 
manche  3  Hagelstein  auf,  werfen  die  mit  gewissen 
Worten  in's  Feur  und  vermeinen,  teils  werde  der 
H.  nachlassen,  teils  die  Hex.  so  den  H.  gemacht, 
Schmerzen  leiden,  gleichwie  die  Hagelstein  im  Feur 
zerschmulzen.'  Anhorn  1674.  .Hagelwetter  gibt  es 
gern,  wann  im  Maien  dicke  Nebel  sich  zeigen  und 
also  erwahret  sich  das  geraeine  Sprüctiwort:  Maien- 
Nebel,  Brächet-  od.  Augsten-Hägel.'  JJScheücbz.  1707. 
—  2.  (bildl.)  Schrot.  Rehposten  L;  Uw;  Zg.  Vgl.: 
Der  Constabler  soll  wissen  mit  .H..  Schrot,  Schlag, 
Gestrew'  umzugehn.  Kriegsb.  1644;  .Hagelgestrew.' 
ebd.  —  3.  (übertr.  von  1)  Fluch-  und  Scheltw.  wie 
vwdte  Naturphänomene:  Blits,  Sträl,  Dunner,  Wetter, 
auch  verst.  durch  ewig,  Erde"-,  Himmel-,  Hund-,  Herr- 


gotts-, Sterne'-,  Stral-,  Dunner-,  Welt-,  doch  nur  der 
rohen  Sprache  eigen.  Gerügt  wird  dieser  Gebrauch 
bes.  an  Zürchern,  vgl.  Züri'''-H.  Säge'd  d'  Naehbi^e" 
vo'-der  [vom  Zürichdeutsch]:  seigist  en FlüechUchratte', 
en  ebigs  G'witter  mit  H.,  Blitz  und  Tunder  und  gstor- 
benem  Vech  und  derige"  Gwalte'  Z  (Schwzd.).  .Nein, 
beim  Hageli,  wie  sieht  die  Sense  aus!'  Stdtz.  .Beim 
H. ! '  GoTTH.  Ja,  en  H !  ist  das  möglich '?  Z.  A,  z'  H. ! 
ei  der  Tausend  B;  Z.  .Beim  H.  nicht!'  UBrägg.  1782. 
.Potz  H. ! '  ebd.  S.  noch  Hagi  (bei  Hage')  u.  Fassi'g 
Bd  I  1063.  —  Vor  Subst.  u.  Adj.  begriffsverstärkend: 
hagelslustig,  -dumm,  -gschld  u.  a. ;  Hagels-Bueb,  -Kerli, 
-G'schicht,  -Lärme';  vgl.  hagelieh;  syn.  Dunners-, 
Wetters-;  h.-mässig  wie  cheibenm.,  überaus,  gar  sehr. 
Als  Füllw.  zur  verstärkenden  Umschreibung  der  Neg. : 
I'j-  rerstät  Teein  H,  gar  Nichts  Z;  vgl.  voll  Bd  1  780. 
Aii.-li  allg.  Scheltw.  für  Personen,  bes.  aber  von  ge- 
laluliclien.  verwünschten,  unverschämten,  groben; 
doch  häufig  auch  in  abgeschwächter,  fast  kosender 
Bed.  Ar;  B;  G;  W;  Z;  Syn.  Clwtzer.  Du  bist  en  H. 
uf  em  linde  Brod:  du  issist  's  hart  na  [noch]  Z.  Die 
Hagle"  [unsere  Gegner]  sind  ei's  [einig]  Z.  .Der 
schwarze  H. !'  [der  Pfarrer].  Gottb.  Die  Chetzers 
Hagle!  MWald.  1880;  Syn.  H-s-Chetzer.  Als  Land- 
vogt Landolt  seinen  Hunden  das  [obrigkeitliche]  Man- 
dat vorlas,  sagte  er :  .Nun  wisst  ihr.  ihr  Haglen.  was 
ihr  zu  tun  habt.'  (DHess).  Se'b  Fräuli  ist  es  Hageli, 
schlau  und  resolut  Z.  Stiefmutter  vom  Stiefkinde: 
.Das  Hageli  wolle  noch  nicht  sterben.'  1838.  Z  Eechts- 
pflcge.  Chumm,  du  liebs,  chll's  Hageli  [zu  einem 
Kinde]!  GA.  !"•  ha  de'  Sack  mit  denc"  vier  Süli  uf 
de  BiKii/il  ii'iiii:  ...iKi'l  'li'ss  Hin-  o/ipen  eso  c  Hageli 
drüs  viir.  'iiri:  ,:  srlnilrvhs  I.nrI,  hniil  s'  mcr  in  Sack 
gmacht  Tu  (Si-lnvzd.).  S.  iio.-li  11,11/1  III.  Auch  von 
Sachen:    alle'-  IL,   alls  H-s  =  Allerlei,    Alles   Z.  — 

4.  Geschlechtsn.  in  Schw.     .Cuonr.  Hageli.'    1422.  U. 

In  eiuigen  Gegenilen  ist  blosses  Hat/el  in  Bed.  1  wenig 
gebräuchlich;  dafür  iH.-)Ste.i'.  Betr.  den  Aberglauben  s. 
noch  Gr.   Myth.   604/5.   1040/1    und    CMeyer,    Aberglaube, 

5.  246  ff. 

Gel™-:  gem.  Sauerdorn,  berberis  vulg.  Ap;  Gr; 
G  oT..  W..  We.  Syn.  Erbselen.  .Die  Kinde  vom  Gelb- 
dorn oder  Gelbhagel  macht  eine  schöne,  hellgelbe 
Farbe.'  Gr  Samml.  1781.    Gelhägele's  [adj.]  Holz  Ap. 

Hier  scheint  -Hagel  eine  Entstellung  aus  mhd.  liagim, 
Dornstrauch;  vgl.  .Hagedorn.  Hagebutte",  auch  Wmhag  und 
bes.   llaijddorn  und   mhd.  hwjelbuach  =  liagmhusch. 

Hüener-:  verstärktes  Hagel  3  Z.  Ir  H.-Hagele ! 
wa-  händ-er  aw''  g'macht?  Das  ist  en  Tusigshagels- 
g'stank.  Baüerngespr.  —  Eig.  wohl  der  Habicht,  der  unter 
den  Hühnern  Schaden  anrichtet,  wie  der  Hagel  auf  dem  Feld. 

Goldschmil-:  Sumpfdotterblume,  caltha  pal.  Ar. 

In  Schmil  scheint  St-hmirw  (Sctimi'r)  zu  stocken;  die 
PflanKO  heisst  auch  Schmirbek,  Schmalz-,  Anken-,  Gold-Bluem. 
Zu   Mngd  vgl.    Gcf-Bagel. 

Stein-:  Hagelwetter  (mit  flh(/rfs«cmm).  .Geschach 
ouch  das.  das'  dehein  st.  old  ander  missewächste  käme.' 
1328.  UwE.  (Gfd). 

Züri'^''-(pieter-):  Übername  der  Zürcher  Bs; 
GSa.;  Zg.    S.  Hagel  3  und  vgl.  Zürv''-Hegel. 

hageli'^'':  begriffsverstärkend  vor  Adjj.  gesetzt: 
h.  gross,  tür,  g'spässig,  schön  ScnSt.;  Z.  In  ZBenk. 
auch  allein:  hagili''',  sehr.  Syn.  hagehiK'is.iii/.  -  11.  ist 
milder  als  Hagch-. 


Hag,  heg,  big,  liog,  hug 


1078 


hagle":  1.  hageln.  Me'g'seht's  lieber,  wenn 's 
z'  Nacht  haglet  als  de'  Tag  ZS.  Wenn  's  Chatze" 
(Chrotte'  OrPi'.)  hagleti,  auch  wenn  es  noch  so  scheuss- 
liclies  Unwetter  wäre;  übh.  trotz  aller  Hindernisse 
1!;  Z;  vgl.  regnen.  ,Es  versündigen  sich  Diejenigen, 
welche,  wann  es  hagelt,  einen  Brotschüssel  nehmen, 
denselbigen  zum  Haus  hinaus  tragen  und  under  den 
Hagel  legen,  under  der  Meinung,  wie  der  H.  auf  den 
Br.  fallt,  also  werde  er  auch  die  Hex  tretfen,  die  den- 
selbigen geraachet  habe.'  Anhorn  1674.  --  2.  uneig., 
dicht  fallen ;  vgl.  ,hageldicht'.  Uf  d'  Allmend  itse  sind 
d'  Lüi  mit-eni  g'laufe  wi  g'haglet  L  (Schwzd.).  ,üft 
gab  es  Schläge,  dass  es  nur  so  Streiche  hagelte.'  Sch 
Pilger.  —  3.  fluchen  (indem  man  sich  des  Wortes 
Hagel  bedient).  Er  häd  'tunderet  und  g'haglet  Z; 
vgl.  wetteren.  Über  Einen  ine"  h.,  über  Einen  los- 
fahren mit  Schimpfen  und  Schelten  Gl;  hier  viell. 
auch  bildl.  Anwendung  von  1.  —  4.  (bes.  mit  umme"-) 
wild  herumfahren,  poltern  Ap;  Sch;  Th;  Z  (pöbelhaft). 
Auch:  dervo'-h.,  davon  rennen;  abe-h.,  herunterfallen 
(roh).  Syn.  (ummenj-cheiben,  -stralen,  -tunderen.  — 
Bed.   4  von  Hagel  3,  nicht  von   1 ;  ebenso  3. 

er-:  durchprügeln  Z.  —  Wie  er-cheihm,  -strähn  u.  ä. 
von  den  betr.  Flucli-  oder  Sehimpfwörtera. 

ver-:  1.  durch  Hagel  verwüsten  Ap;  Z.  Verhaglet: 
vom  Wetter  (Alter)  mitgenommen,  entstellt.  ,So  ein 
alt  verhagelt  Wittfraueli.'  Gotth.  —  2.  verhaglet  (im 
G'sicht),  blatternarbig  Bs.  — -  3.  verderben,  zerstören 
Ap;  Z. 

Bed.  3  kaum  bildl.  Anwendung  von  1,  sondern,  wie  die 
Synn.  ver-cheiben,  -ckcizerm,  -gtialen,  -t'üßeii  zeigen,  gebildet 
wie  das  vorhergehende  W. 

be-,  nur  im  Ptc.  hehaglet:  überschüttet,  betroffen, 
behaftet  (von  übler  Nachrede,  sittlichem  Makel,  Vor- 
wurf). Vad.  ,ALs  sy  [die  Bischöfe]  domalen  noch  gelert 
leut  und  mit  zeitlichen  anfechtungen  und  ratschlegen 
gar  wenig  b.  warend.  Befragen,  ob  iemand  verdächt- 
lich  wandlote  und  mit  lästern  b.  oder  beschruwen 
wcre.  Einen  [Priester],  der  frombs  und  unbehaglets 
namens  wäre.'  —  Vgl.  mhd.  ,iinde  wart  üf  in  gehagelt  mit, 
schimpflichem   spotte.'      S.   noch  xm-be-haylich. 

Hagler:  Hagel-,  Unglückmacher.  ,Also  zergieng 
diess  Wetter  [der  drohende  Überfall  durch  Söldner] 
ohn  hagel,  wann  auch  der  mehr  teil  hagler  warent 
mit  arbeitseligem  hagel  des  serbens  und  der  blattren 
tödlich  geschlagen.'  Ansh. 

Haglere"  f.:  eig.  Ort,  wo  gerne  Hagel  sich  bildet 
und  sammelt;  z.B.  GEschenb.;  Name  eines  Berges 
zw.  B  u.  Uw,  angeblich  so  benannt,  weil  an  seinem 
Kamme  sich  gerne  die  Gewitterwolken  sammeln,  um 
sich  über  die  Gegend  zu  entladen. 

Eine  der  für  Flurn.  häufigen  Bildungen;  vgl.  Uahercn. 
Was  den  Stamm  betrifft,  so  ist  die  Frage,  ob  das  W.  nicht 
tw.  durch  Umbildung  aus  ' Haijneren  (von  Hagen,  Dornbusch, 
Gehäge)  entstanden  sei  mit  Übergang  von  n  in  l  wie  in  Dmhi- 
leren,  Borjleren,  Ehleten,  Aglen  u.  a.  Sicher  ist  dies  für 
SchwTugg.,  wo  c.  1480  die  Form  mit  n  und  mit  l  für  das 
selbe  Grundstück  vorkommt. 

Haglete"  f.:  durch  einander  Geworfenes  (gleich- 
sam Gehageltes)  und  Verdorbenes,  Wust;  auch  das 
schnelle  -auseinanderlaufen  einer  Volksmenge  At;  vgl. 
haglen  4. 

Häge"  Aa  tw.;  Sch;  Th;  ZDättl.,  Sth.  (PI.  Häge'), 
Hägi  GO.;  S;  Z,  Hägil  A Am.;  Ap  (auch  He'gi.  Tobl.); 


GF.,  Stdt,  T.;  ScuHerbl.;  mTn  —  m.:  Zuchtstier; 
Synn.  s.  bei  Farr  Bd  1  903;  Mttchel;  vgl.  Ochs;  Hagen- 
schwänz.  Schnute"  wie-n-e  böse  Häge.  Ap  Kai.  1888; 
vg\.  Raben-Stier.  Bim  Hagi!  euphem.  st.  bim  Hagel! 
Aa;  S;  ZS.  Do  chunnd  bim  H.  de""  Holzweibel  und 
jagt  nii'''  ab  der  Tanne"  abe  AaZciu.  Das  ist  en 
Flupchi,  's  Wirts  Chnecht;  wo-n-er  de*  Muchel  hat 
reelle'  tränke',  hät-er-em  g'seit:  Du  alte  Hagi!  Stütz. 
,Ein  keller  soll  han  uf  dem  kelnhof  ein  h.  zue  den 
küegen  und  ein  eher  zue  den  schwynen.'  1449,  Aa 
Klingonb.  Offn.  ,Das  [Elephanten-]  männlin  hocket  uf 
als  ein  anderer  stier,  h.  oder  pferd.'  Tierb.  15(i3.  ,So 
es  [das  Eind]  erst  geboren,  nemmt  man  sy  kelber,  so 
sy  bald  järig,  werdend  sy  zeitküe,  junge  stier  oder  h. 
genennt.'  ebd.  ,Will  30  Kronen  gern  dran  wagen, 
dass  wir  abkommen  diser  H.  [der  Söhne  eines  ver- 
hassten  Feindes].'  Mtricäüs  1630.  ,Der  Farr,  Stier, 
Boll,  Hage,  Mummel,  taurus  admissarius.'  Eed.  166'2. 
Mhd.  hagen  m. ;  vgl.  auch  hegi  (-druoa,  Hodeh  ,Hageastal', 
(.dannethin  an  den  H.'  1469,  Offn.  ZAad.)  als  Flurn.  Auf 
die  wahrsch.  Etymologie  unseres  W.  (der  .Stecher,  Stösser', 
sive  cornu  sive  pene)  könnten  die  Anm.  zu  Htyel,  hegten  und 
liegenen  führen. 

Bummi-Hagi:  Zuchtochs.  Arch.  Vet.  —  Bummi 
ist  mehrdeutig;  grosse  Kugel  (HodeV),  auch   Kuhname. 

Brach-:  Zuchtstier,  der  mit  dem  übrigen  Vieh 
auf  Brachäckern  [der  Brachzeig]  weidet.  ,Der  Ka- 
puziner ist  versehen  mit  Kraut  und  Lot  [euphem.  st. 
Zeichen  der  Mannbarkeit]  wie  ein  Wucherstier,  Brach- 
hagi  und  Weidmunni',  sagte  ein  ev.  Appenzeller.  1651, 

SCUIMPPR. 

Hager  m.:  geringe,  ältere  Kuh,  dgl.  die  ärmeren 
Leute  im  Fürstent.  Lichtenstein  während  der  Zeit, 
da  das  übrige  Vieh  auf  den  Alpen  weilt,  zur  spär- 
lichen Deckung  ihres  Milchbedarfcs  um  unbedeutenden 
Lohn  zu  mieten  pflegen.  Der  unbemittelte  Metzger 
vermag  mit  Not  en  alte"  Überrhyner  H.,  en  alte'  Hägg, 
wo  30  Mol  g'chalberet  hat,  zu  kaufen.  Albrecht  (GO.). 

Viell.  daher  benannt,  dass  man  dieses  "Vieh  sein  Futter 
an   den  Hecken  (Hägen)  suclien  lässt. 

Hägcr  s.  Hag-Her.  Hagermönli  s.  Agermönli 
Bd  I  127.        Hagle"  s.  Aglen  Bd  1  1'27. 

un-be -haglich :  =  »m&e/(((///r/.  ..1iii.'\'ui  wnif.  Tihlol, 
unsträflich,  makellos.  ,Es  uin'i:<<  rin  lii~.ii,it  n.  >yn. 
nit  eigenköpfig,  nit  zornwüeÜL;.  iiit  »Milurrlii.  nit 
schlegig,  sonder  ein  guoten  mann.'  Zwincli.  , Auf  dass 
er  euch  darstallte  heilig  und  unsträflich,  und  u.  vor 
jmselbs.'  1531,  Col.;  Tit.;  dafür  1667:  .untadenlich.' 
,Über  die  bede  ist  hoch  zu  schetzen  ein  unvermässgets 
u-s  weib.'  1531,  Sir.  ,Dann  der  u.  mann,  der  streit 
eilends  für  sy.'  1531,  Weish.;  =  , unsträflich.'  1067. 
,Hebr.  am  8.,  da  Paulus  redt:  so  das  erst  gsatz  u. 
[ä(i£HTCxos]  oder  vollkommen  g'wesen  war.'  Vad.  — 
Unbehaglichi  f.:  Unsträflichkeit.  , Samuel  zeigt  sein 
unbehagliche  und  Unschuld  vor  allem  volk.'  1531,I.Sam. 

hagü'te":  Getöse,  Lärm  machen,  meistens  von 
heftigen  Windstössen  (unpers.)  BO.;  schimpfen  und 
fluchen  Aa.  Das  het  g'hagutct,  g'lachii,  ii'/lKcrhl  itiid 
g'chlagt  und  witersch  zogen  isch  dif  <iini:i  -Imiil  liii. 
(Schwzd.).     Im   Tanzsäl  het  es  recht   <fli:iiiiitil.    i'bil. 

Viell.  von  einem  aus  dem  frz.  Patois-Woit  ngut  (nh/.. 
aigu,  lat.  acutus]  zu  erschliessondeu  Vb.  aguter  mit  vorge- 
schlagenem h  wie  Harein  aus  arena.  Doch  vgl.  auch  die 
Synn.  mguli-n,   iMIni, 


1079 


Hag.  lieg,  liig,  hog,  hug 


hagele»  Sch;  Z  =  (U/elen  Bd  I  129;  Syn.  cM feien. 
Hägeler:  Zänker  Z. 

Der  Flarn.  im  Uägder  ZTrntt.  mag  wie  Hägeli-Riet  ZBül. 
hielier  gehören.  S.  noch  Bägling  und  (zagi-)hät/i,  sowie  die 
Anm.  zu    Hegel,    hegkn    und    hegenen,    und    Tgl.  h&ggden  und 

Geisse°-Hägeli:  Buschwindröschen,  anem.  nein. 
GT.  Syn.  Geiss-Maien,  -Glöggli;  vgl.  auch  Geiss- 
Gaglen  Sp.  139. 

A'gl.  Goldschmil-Hagel;  doch  darf  nicht  verschwiegen  wer- 
den, dass  für  die  selbe  Gegend  von  anderer  Seite  Geisaen- 
Nägeli  bezeugt  ist. 

hagere",  hegere':   klettern,  mühsam  steigen  BBe. 

Zu  Hag,  Zaun,  wie  das  Sjn.  stegeren  zu  Steg  od.  Stigele, 
also  eig.  über  Zäune  steigen'?     Vgl.  auch  hageren. 

Hägi  I  s.  Hagen. 

Hägi  n  =  Egi  Bd  I  143.  I"  der  H.  sl' ;  Einen 
i'  d'  H.  ne"  Schw;  Uw;  Zg. 

Vgl.  hägelen  aus  ägelen,  Hagleii  aus  Agleti,  aber  von  Seite 
der  Bed.  auch  entsprechende  RAA.   unter  Hag  1 ;  vgl.  Hegi. 

Hägi  III  m.:  =  Hagel  3  in  mehr  kosend.  S.  ZStall. 

hägi  hegi  hegi!  F  (P.  SFurrer),  zägi  hägi!  Bü., 
Schw.;  F:  mit  Ausstreckung  des  Ohr-  und  des  Zeige- 
fingers begleiteter  Ausruf  des  Hohnes,  Trotzes,  der 
Herausforderung.  Z.  h.  wo  du  das  chönnist !  BHk. 
Der  Schuelmeister  hat  de"  Chin^e'  d's  Tubacke'  ver- 
böte', aber  Die  neble»  z.  h.  BSchw.  Hen  Andre'  z' 
Z.-H,  zu  Leide  BR.;  F.  Ei"m  Z.-H.  mache"  BE. 
Wenn-d'  Das  z'wegen  bringst,  su  cha"st  Allen,  wa  in 
dl"m  Altersin,  Z.-H.  machen.  Eim  (ds)  Z.H.  ge'""  B. 
Si  hi-mer  [haben  mir]  Z.-H.  g'ge",  Das  gangi  mi''' 
Nüt  a\  Syn.  Figge  II  (Bd  I  715).  ,Zeig  mir  uss 
der  gschrift,  dass  sy  [die  Pfaffen]  die  kilch  sygind  — 
zägi  hägi!'  Gtrenr.  1523. 

Zägi  mag  Einen  bed.,  der  zagt,  einen  Feigling  (vgl.  u.  sag): 
die  reimenden  Worte  mögen  urspr.  eine  Herausforderung  zum 
Zweikampf  sein;  vgl.:  ,Wann  der,  so  ussher  g'laden  würt, 
kummt  und  syn  [des  Herausfordernden]  zag  nit  syn  will  iird 
syn[en]  Widersacher  houwt.'  1566,  Zg.  Zur  Erklärung  von 
Hägi  legt  sich  Hägi  I,  der  (zum  Kampfe  gereizte)  Stier, 
nahe;  vgl.  den  Kuf:  Giri,  Giri,  Geissbock!  mit  welchem  Zie- 
gen, aber  auch  Knaben,  herausgefordert  werden.  Die  be- 
gleitende Geberde  würde  die  Hörner  andeuten;  vgl.  Gäbeli 
Sp.  58.  Dieser  Deutung  steht  aber  im  Wege,  dass  die  ge- 
nannte Bezeichnung  des  Zuchtstieres  gerade  den  westlichen 
MAA.  fehlt.  Aber  Hägi  lässt  sich  auch  als  ein  erst  für 
diese  Formel  geschaffenes  Syn.  zu  Zägi  auffassen,  wie  in 
ähnlichen  Formeln  je  das  zweite  W.  zum  ersten  und  umgek.; 
vgl.  Müller,  Meier,  Hoggeeleler !  Lappi,  Ckappi,  Säudrätl  Hägi 
wäre  dann  der,  welcher  hinter  dem  sein  Haus  schützenden 
Hag  bleibt,  sich  nicht  hervorwagt;  denn  in  alter  Zeit  pflegten 
die  Herausforderungen  an  dieser  Stelle  zu  geschehen;  man 
vgl.  einige  RAA.  und  Belege  unter  Mag.  Es  könnte  Abi. 
von  Hag  unmittelbar  (vgl.  Jivsi)  oder  vermittelst  des  Vb. 
hagen  in  intr.  S.  angenommen  werden;  vgl.  hüaen,  hofen. 
Diesen  Erklärungsversuchen  gegenüber  darf  die  Berührung, 
welche  mit  Egi,  bzw.  Hegi  (Bd  I  14.3)  stattfindet,  nicht  ver- 
schwiegen werden;  die  Form  Züj/i  könnte  aus  dem  adv.  Aus- 
druck z  Egi  entsprungen  sein ;  immerhin  spricht  der  Unter- 
schied der  A'oc.   für  Trennung. 

Tann-Hägler  m.:  Sektierer,  der  keinen  öffent- 
lichen Gottesdienst  besucht  ApA. 

Etwa  Leute,  welche,  wie  früher  die  Wiedertäufer  und 
andere  Sekten,  ihre  Versammlungen  in  Busch  und  Wald  (im 
Tannhag)  abhalten  niusstenV  Die  daneben  in  ApK.  vorkom- 
mende Form   Tannhärdler  veranlasst  T.    zu  der  Vermutung, 


es   möchten    eig.    im   engern  S.    ,Anhänger    des    fanatischen 
Perückenmachers  Job.  Tennhard'  sein. 

Hägli''g  m.:  kleiner,  höchstens  6—7"  langer  Fisch, 
salmo  albula;  nach  Siebold  der  halbwüchsige  core- 
gonus  Wartmanni  AxHallw. ;  ZSee.  Syn.  Brienzling, 
Nachtfisch  Bd  I  1101.  Im  ZSee  scheint  nunmehr  die 
Species  ausgestorben,  mit  ihr  auch  der  Name.  ,A1- 
bulam  minimam  piscem  voco  quem  nostri  Hagele  Tel 
Hägling,  quasi  haleculam  appellant,  Frib.  Helv.  ut 
audio  Pfarren,  Lucerns  Nachtfisch.'  CGessn.  1558. 
, Albula  minima,  ein  hagele,  hägling.'  Fischb.  1563. 
,Hägling,  tnilling,  leucisci  lacustres  niinimi.  Sind 
kleine,  wysse  brätfischle.'  Mal.  .Warm  suppen,  fisch, 
häglin,  wenn  man  's  haben  kann,  nebend  andern  bei- 
traktamenten.'  ZWthur  Stadtb.  ,Halecula,  das  ist 
Hägling,  Hagele.'  Cvs.  1661.  ,Der  Hägling,  Baien.' 
Red.  1662.  , Albula  parva  lacus  Hallwillani,  quam 
vulgo  Hallweiler  Hegling  appellant.'  JJWagn.  1680. 
.Der  Hägling  hat  under  allen  Fischen  [des  ZSees]  die 
erste  Stell.  Sie  werden  in  der  Nacht,  wann  kein 
Mondschein  ist,  in  grosser  Menge  mit  einem  grossen 
Zuggarn  gefangen.  Auch  kommen  ihnen  die  Surseer- 
und Hallweiler  Ballen  an  Güte  nicht  zu.'  E Escher 
1692.     S.   noch   unter  Garner  Sp.  426   und  Hegenen. 

Die  Herbeiziehung  von  lat.  (h)alecula  ist  etym.  Spielerei. 
Vielleicht  ist  unser  Fisch,  an  welchem  auffällig  ist,  dass  er 
sich  immer  in  der  Tiefe  verborgen  hält  und  sich  nur  in  den 
finstersten  Nächten  hervorwagt,  als  der  hinter  dem  ,Hag' 
haltende  benannt;  vgl.  die  Anm.  zu  zägi  hägi.  Ethische  Be- 
zeichnungen der  Tiere  sind  nicht  unerhört.  Von  den  beiden 
Formen  mag  Hägeli  die  ältere  sein,  wie  in  analogen  Beispielen 
die  Nebf.  auf  4ing  sich  erst  aus  der  Dim.-F.  entwickelt,  bzw. 
sich  daneben  mit  Leichtigkeit  eingestellt  hat;  vgl.  Hüeherli'g, 
Sehliitterli'g,  älter  Schlötterli  u.  a.  Zum  Dim.  passt  die  Klein- 
heit des  Fisches. 

Hang  in  dem  Schlittenrufe  ans  Hau;/!  aus  dem 
Weg!  Bs.     Syn.  ala  hatq);  vgl.  alle  Bd  I  171. 

Viell.  für  au«  Aug,  wo  dann  der  Diphth.  in  der  Präp. 
durch  Einführung  des  Rufes  aus  Deutschland  oder  wie  in 
andern  emphatisch  gebrauchten  WW.  der  Bs  MA.  durch  das 
Streben  nach  grösserer  Tonfülle  sich  erklären  Hesse ;  so  auch 
das  vorgesetzte  h. 

He'gel  m. :  1.  (grobes)  Klapp-,  Taschenmesser  Z, 
in  den  übrigen  Kantonen  in  geringschätzigem  S.,  bes. 
ein  grobes,  schlechtes,  wie  die  Bauern  es  haben;  auch 
ein  solches  (mit  hölzernem,  walzenförmigem  Griff, 
ohne  Feder)  der  Knaben.  Vgl.  Godel  i;  Kegel-Messer 
und  die  folg.  Compp.  De'  H.  isch  'nes  eifachs,  simpels, 
chli's  Messerli  mit-eme"  dräite",  a"g' färbte",  holzige» 
Hefti,  mit-eme'  Pßfli  vornen  und  nebe*  zueche"  'nes 
Bingli  zum  A'binde',  das  erste  Messerli,  wo -nie  de» 
Buebe",  ivenn  si  aföh"  Hösli  träge",  zum  Present  git. 
HoFST.  Du  Witt  de'  halb  Batze"  [den  Kaufpreis  des 
Taschenmessers]  tmd  's  Hegeli  Aa  (sprichw.).  Wie  e 
H.  zemme"  legge",  in  die  Kniee  sinken  GRPr.  Spitz 
und  H.,  was  sticht  und  was  schneidet  L  (Incichen). 
In  Gr  sind  die  welschen  H.  [die  aus  Italien  kommen] 
gesucht,  in  GSa.  kennt  man  Schwaben-H,  welche  ihrer- 
seits aus  Schwaben  auf  die  ostschwz.  Märkte  kommen. 
,Ein  Federmesser  wie  ein  Hegeli  zusammengelegt,  von 
Schiltkrott.'  1712,  Z  (Brief).  Verächtlich  und  im 
Humor  wird  dann  auch  sonst  jedes  grobe,  schlechte 
Messer  ein  H.  genannt;  der  Soldat  benennt  ironisch 
seinen  Säbel  (vgl.  Käsmesser),  der  Mäder  seine  Sense 
so.     Bildl.:    ,I)en  H.  einem  boren  („injuriam   inferre 


Hag,  lieg,  liig,  hog,  hug 


alicui  Th"),  naso  adunco  suspendere  alqm,  medium 
digitum  ostendere,  verlachen.'  Hospin.  1683;  Denzl. 
1710.  —  2.  „Grobian",  Bauernlümmel,  Syn.  Büre'- 
Hegel;  Händelstifter  Z;  Syn.  Gertel  2.  En  böse'-  H., 
ein  böser  Knabe  GW.  Kerl  überh. :  en  alte",  trüe', 
hrare''  H.  Schw;  ausgelassen  lustiges  Weib  LG.; 
Sprww.  1869.  —  3.  Zuchtstier  ZElgg;  Syn.  Hageyi. 
—  4.  (scherzh.)  penis  (erectus)  Z;  Syn.  Näpper;  Spüz; 
Degen.  —  5.  euphem.  für  Hagel  als  gelinder  Schwur. 
„Eh  z'  E.!  BO."  Potz  H.!  Ap;  B;  Z.  War  o  [auch] 
Hegels,  das  wäre  fatal  GTa.;  en  H-s  Kerli,  ein  Teufels- 
kerl, durchtriebener  Bursche  GRChur,  L.  —  6.  wer 
sich  komisch  benimmt;  Hanswurst,  Fastnachtsnarr 
AaB.,  f.,  Z.  (Bäbe"-JH.,  eine  grotesk  gekleidete  Fast- 
nachtsmaske in  AAKlingn.,  Z.,  welche  eine  derbe  Vieh- 
peitsche führt  und  von  der  Schuljugend  mit  faulen 
Eüben  beworfen  wird;  s.  HHerzog  1884,  S.  216  und 
Kochh,  1853  II,  13;  vgl.  auch:  Hübsch-Gäuggel.  Ne 
H.  [Narr]  ist  d'  Zensur!  Minnich  1836.  —  7.  Familien- 
zuname Aa.  Auch  Ortsn.  L.  Von  einem  frühern  Fuss- 
weg  von  Guggisberg  nach  Ryifenmatt,  gen.  Hegel,  die 
RA.  Öi)pis  über  ''e  H.  ab  mache",  ein  Geschäft,  eine 
Arbeit  schnell,  flüchtig  abtun  BG. 

Zu  1.  Die  bildl.  RA.  beruht  viell.  (je  nach  der  syntakt. 
Ausdeutung  des  lat.  .medium'),  entsprechend  dem  it/arßca, 
auf  der  Vergleichnng  des  bei  dieser  Spottgeberde  sich  zw. 
den  Mittelfingern  gleichsam  durchbohrenden  Daumens  mit  der 
Klinge  des  Klappmessers:  oder  der  vorgestreckte  Mittelfinger 
bezieht  sich  auf  Bed.  4.  Zu  Bed.  2  vgl.  /7<-jrf  und  .Besen' 
(in  der  Studentenspr.),  sowie  die  biidl.  Anwendungen  von 
Gertel,  Kelle,  Löffel,  Vorf-Näpper  u.  ä.  —  Bed.  6  berührt 
sich  z.  T.  mit  2  und  könnte  daraus  abgeleitet  werden,  zumal 
die  betr.  Figuren  urspr.  Banernbursche  der  umliegenden 
Dörfer  sein  konnten,  welche  zur  Fastnacht  in  die  benachbarten 
Städtchen  kamen.  Merkwürdig  ist,  dass  auch  im  alten  Nürn- 
berg die  Vortänzer  bei  Hochzeiten  Heijcl  und  Ileyelein  hiessen ; 
vgl.  hierüber  Schm.-Fr.  I  1069.  —  Bed.  3  erinnert  an  Heiji, 
Ap  Nebf.  von  Hagi,  und  wird  gestützt  durch  das  syn.  schwäb. 
J/cujel,  ist  also  vielleicht  aus  obigem  Zshang  abzulösen.  — 
Zu  7  vgl.  den  würtembergischen  Gcschlechtsn.  .Hegel'  und 
die  ahd.  Personenn.  Jfagilo  und  Hegilo.  —  Was  nun  das  W. 
in  seiner  Grundbed.  betrifft,  so  ist  vor  Allem  hervorzuheben, 
d.ass  CS  in  Bed.  1  nur  schweizerisch,  aber  auch  gauz  schwei- 
zerisch ist.  ohne  Ausschluss  einer  einzigen  Gegend.  Be- 
fremden muss.  dass  es  in  den  a.  Quellen  so  wenig  belegt  ist 
(doch  vgl.  Degen-Heyel).  Es  haftet  an  dem  W.,  wenigstens 
jetzt,  etwas  Geringschätziges,  und  seine  Grundbed.  scheint 
uns  die  von  Bauernmesser  gewesen  zu  sein  und  zwar  das 
primitive  Messer,  wie  es  der  Bauer  zu  täglichem  Gebrauche 
in  Feld  und  Flur,  sei  es  im  Gürtel  (vgl.  hiezu  Bi-Meseer, 
sowie  die  alten  Abbildungen  von  Bauern)  oder  als  Klapp- 
messer (ohne  Feder)  in  der  Tasche  trug  und  z.  T.  jetzt  noch 
trägt.  Mit  dem  Fortschreiten  der  Kultur  aber  wurde  das 
Instrument,  im  Wesentlichen  immer  die  alte  Form,  nur  in 
verkleinertem  Massstabe,  beibehaltend,  auf  die  Kinderwelt 
zurückgedrängt,  während  die  feiner  und  kunstvoller  ge- 
arbeiteten Taschenmesser  zuerst  in  den  Städten,  nach  und 
nach  auch  auf  dem  Lande,  sich  verbreiteten:  doch  blieb  auch 
der  modernen  Form  der  alte  bäurische  Name.  Wenn  es  dem 
Bauern  jet^t  noch  unerlässlich  ist.  stets  ein  Messer  bei  sich 
zu  tragen,  so  noch  viel  mehr  früher  zur  Zeit  der  alten  Weid- 
und  Dreifelderwirtschaft,  wo  das  Erstellen  und  bes.  das 
Flicken  der  Zäune,  das  Harjeji,  eine  solche  Rolle  spielte,  wie 
man  es  sich  jetzt  nur  schwer  vorstellen  kann.  Das  Messer 
zum  Hagen  aber  war  der  Hegel,  wie  das  Instrument  zum 
Sihlagen  der  Schlegel;  vgl.  noch  Gerlel  und  Hmj-Meawr,  Hng- 
und  Stüden-Üegeii,  sowie  die  Artikel  Hag  und  hagcii.  Doch 
könnt«  Hegel  (wie  Hag  selber)  zu  einer  Wz.  hag  =  stechen, 
unmittelbar  gehören.  Nach  der  Anni.  zum  Vb.  heglen  wäre 
endlich  mich  Abi.  von  der  Wz.  ag-,  eg-  (vgl.  lat.  nciV«,  Schneide), 


stechen,  mit  vorgeschlagenem  h  denkbar:  vgl.  Hughn  aus 
Aglen;  auf  die  Bed.  stechen  würde  auch  das  syn.  Knlten- 
Steeher  hinweisen,   wie  lat.   Stimulus  aus  stigmulus. 

Galle"-:  Einer,  dem  die  Galle  bald  überläuft, 
zornmütiger  Mensch  Gl.  —  Hägge"-:  grosses  Klapp- 
messer des  Bauern  mit  hakenförmiger  Klinge  Scnw;  Z. 
.Italien  ist  ein  grosses  Volch,  sein  H.  ist  ein  Dolch.' 
ScHw  Fasnacht  1863.  —  Chrotte"-:  schlechtes  Ta- 
schenmesser G;  Z;  Syn.  Chrotten- Stecher,  -Töder.  — 
Welschländer-:  Messer  mit  massiver  Klinge  und 
einfachem  Holzheft  ohne  Feder  GRPr.;  s.  noch  unter 
Hegel  1. 

Lire"-:  Knabentaschenmesser  mit  hölzernem,  ge- 
drechseltem Hefte  GA.   —    Liren,  drehen. 

Laster-.  ,Da  bald  ein  jeder  Baur  den  L.  wetzt 
und  lieber  Letzter  ist  zu  letzen  [den  letzten  Schlag 
führt],  als  geletzt.'  CMev.  1657.  -  Wahrsch.  ist  Läsier- 
zu  lesen. 

Bure"-:  1.  rohes  Bauernsackmesser  Z.  —  2.  (bild- 
lich) „Grobian"  Ap.  Vgl.  Hegel  1  u.  2.  ~  Räbe"- 
s.  Hegel  6. 

Rolle"-:  =  ijrm-lf.  ZO.  —  RulU'  bezieht  sich  auf 
das  walzenförmige  Heft  mit  gedrechselten  Wülsten,  welche 
mit  Hollen,  Kugeln,  verglichen   werden. 

Degen-:  nur  noch  als  Zuname  erhalten.  .Schuster 
N.  N..  der  D.  genannt.'  1774.  Schw. 

T).  scheint  ein  volkstümlicher  Name  für  Bi-Messer,  das 
im  Gürtel  neben  dem  Schwert  oder  Degen  getragene  dolch- 
artige Messer,  zu  sein.  Namen  von  Geräten  werden  vielfach 
als  Zu-  und  Übernamen  verwendet,  vgl.  z.  B.  die  Gcschlechtsn. 
Ol-Hafen,  Zuhn-  f,.„-lh,.t,  /(,„Ä-i/oni  [Gerät  znm  Wursten], 
Kessel-Ring,  B'l      '  '      '    /:■  in,  Jiuck-Stuel,  Kien-Ast  [d.i. 

Kien-Fackel I,   A       //  m./.  u.v.a.    Dafür,  dass  ilej/e« 

schon  im   XV.   •■\ii   i/mi  .1 ili^fes)  Schwert  bedeutete,  vgl. 

Kriiz-  u.  Sclmiz,r-Ihg,n.  Vgl.  auch  noch  bei  Stockar  1520/29: 
.Etlich  hattend  klyn  schwyzerdegelin  au.  die  sy  zuemicchen.' 

Trolli-  Obw.  Trülli-  UwE. :  =  iw-ew-lT.  -  Von 
trollen,   trüllen,  drehen. 

Züri"''-:  1.  ein  Klappmesser,  wie  sie  bes.  in  Z 
beliebt  waren  und  sind.  Settige  Messerli  mnnt-me- 
ganz  allgimein  bi  üs  Zürihegel,  vermuetlig,  will  die 
erste"  vo*  Züri  cho"  sl".  JHofst.  1865. 1,  51.  —  2.  Übern, 
der  Zürcher  mit  dem  Nebenbegr.  des  Derben,  Groben 
B;  Gl;  S. 

Bed.  2  daher,  weil  die  Zürcher  das  W.  Hegel  mit  sammt 
der  Sache  bes.  gern  brauchen;  so  nach  ausserzürcherischcn 
Angaben;  vgl.  auch  das  syn.  Züri''''bictcr-Hagel. 

hegle":  1.  mit  schlechtem  Messer  mühsam  schnei- 
den, abschneiden.  z.B.  Brot,  Käse  B;  übw;  W;  mit 
dem  Taschenmesser  schnitzeln  Ndw;  Syn.  schnellen. 
—  2.  stechen,  von  Bienen.  Wespen  AASt. ;  Syn.  hecken; 
kratzen,  von  Katzen  ZLunn.  —  3.  bildl.:  jucken,  ge- 
lüsten B;  S.  Wie  das  d'r  Manz  g'heglet  het  für  mit- 
z'mache"!  Er  het  fasch  gar  nit  chönne"  widerstö". 
HoFST.  Zu  schaffen  machen,  innerlich  plagen,  ärgern, 
beunruhigen  Aa;  B;  Th;  Z.  Syn.  iglen,  trüllen,  z'  Weg 
ne:  Es  heglet-mi"',  es  kämpft  in  mir.  ob  ich  soll  oder 
nicht  B.  Es  hät-mi"'  de"  ganz  Tag  g'heglet  [geärgert] . 
dass  i'*  z'  spät  chö'  bi"  B;  Z.  De"-  Brief  häd-mi"' 
g'heglet,  es  kostete  mich  Mühe,  diesen  Brief  zu  schrei- 
ben Z.  ,Das  heglet  mich,  hoc  fodicat  pectus  meum.' 
Denzl.  1716.  —  4.  Jmdn  foppen  Aa  oF.,  mit  hämischen 
Worten  necken  ZO.;  zanken.  Si  heglid  mit-enandcre", 
beschimpfen  sich  gegenseitig  üwE.;  vgl.  üs-heglen. 

Das  in  4  Zsgefasste  würde  viell.  besser  aus  einander 
gehalten;  die  Bed.  .foppen'  ergibt  sich  wie  die  von  ,stii-hcln' 


Ha<j,  heg.  hig,  hog,  hu,o 


1084 


leicht  aus  2;  doch  ist  auch  dir.  Abi.  von  .Hegel'  denkbar 
(den  H.  hören).  Der  beschimpfende  Streit  dagegen  ist  Tiell. 
unter  dem  Bilde  eines  Messerstreites  gedacht;  vgl.  lat.  di- 
i/ladiari,  streiten,  auch  mit  Worten,  sowie  die  Synn.  (h)liyelen, 
fücken,  kä/elen,  kerhlen.  —  2  u.  3  scheinen  an  die  vorliegende 
Sippe  bloss  angelehnt  zu  sein;  vgl.  egien  (s.  ■un-iyUn  Bd  I  151) 
und  hegnen  (zu  ahd.  hegina,  Angel).  Im  erstem  Falle  wäre  h 
vorgetreten  wie  in  Hueb III,  Hägill,  ahd.  Hagano,  Personenn., 
im  Wechsel  mit  Agano.  Im  2.  Falle  vgl.  zu  dem  häufigen 
Übergang  von  n  zu  l  die  Anm.  zu  Haghren. 

ab-,  a%er-hegle°:  abschneiden  B;  GRPr.  — 
ü  f- :  Einen  aufreizen,  aufstiften  Obw.  Syn.  üf-stiflen, 
-weiblen.  —  umme»-:  1.  Jemanden  mit  Stichelreden 
quälen  Obw.  —  2.  umhertreiben.  De'  hat  's  umme- 
g'heglet  [das  Schicksal  hat  ihn  recht  herumgeschlagen]. 
bis  er  zu  Öppis  cho"  ist  ZO.  Auch  überh.  i.  S.  v. 
heglen  3.  —  a°-:  anreizen  Obw.  —  er-:  hart  mit- 
nehmen Aa;  B;  L.  Die  Piirgaz  häd-mi'''  recht  erheglet. 
—  ÜS-:  1.  ausspotten,  necken,  höhnen  AaoF.;  L. — 

2.  ausschimpfen  UwE.;  ,hart  anfahren,  schelten."  — 

3.  „schwer  ankommen." 

hege",  nur  in  der  KA. :  mit  enandere'  h.  und  lege', 
gemeinsam  haushalten,  Freud  und  Leid  brüderlich 
teilen  UwE. 

Dem  Reime  zu  lieb  aus  heben  in  der  syn.  RA.  lii:bni  und 
legen  unter  haben,  doch  wohl  mit  Anlehnung  an  hd.  hegen; 
sonst  s.   noch  hagen. 

■  He'gene"  f.:  eine  Vorrichtung  zum  Fischen,  be- 
stehend in  einer  am  untern  Ende  mit  Bleiklötzchen 
beschwerten  Schnur  mit  10 — 15  angehängten,  in  Zwi- 
schenräumen daran  befestigten,  wie  Äste  am  Baum 
abstehenden  leeren  Angeln,  welche  in  die  Tiefe  ge- 
lassen und  auf  und  niedergezogen  wird  Zg;  Z;  oder 
in  einer  an  einem  Haspel  sich  abrollenden  Angel- 
.schnur,  an  welcher  ein  kleiner  Fisch  dem  Kahne  nach- 
gezogen wird  L;  Syn.  Sehleipfen.  , Weder  mit  Garnen, 
Netzen,  Heginen  noch  anderm  Gezeug  Aschen.'  Z  Ges. 
1757;  ähnlich  1856.  —  hegenc°:  mit  einer  der  oben 
beschriebenen  Vorrichtungen  fischen,  „mit  der  Angel 
fischen  Z".  ,Doch  darf  das  Hegenen  und  Fischen  mit 
Staubbären  geschehen.'  Z  Ges.  1854.  ,Das  häginen  zu 
den  andern  fischen  soll  wie  bisher  gebraucht  werden.' 
1537,  ScHwE.  Klosterarch.  .Die  Zuger-Rötelein  wer- 
den allein  mit  dem  Angel  von  Hand  ohne  Fischruten 
(so  man  diser  Enden  Hegenen  heisst)  an  Regenwürmen 
gefangen.'  JLCys.  1661.  , Ein  jeder  Häglingfischer  soll 
sein  Häglinggarn  nach  keinen  Fischen  als  dem  Häg- 
ling  allein  zu  ziehen  sich  erkühnen;  auch  kein  He- 
gener  nach  dem  Hägling  hegenen,  bevor  man  das 
Häglinggarn  zu  gebrauchen  erlaubt  hat.'  Z  Fischer- 
ordn.  1710/57.  ,Den  Hegenern. erlauben  wir  das  He- 
genen zum  Blauling  und  Hägling  auf  Zusehen.'  ebd. 
1710.  —  vor-:  vor  einem  gesetzten  Fischergarn  und 
zum  Schaden  desselben  hegenen.  ,Es  soll  auch  kein 
Häginer  keinem  Garn  vorhäginen.'  1537,  SchwE.  Klo- 
sterarch. ,Es  soll  kein  Hegener,  er  hegene  wann  oder 
wornach  er  wolle,  einem  Garn  vorhegenen.'  Z  Fischer- 
ordn.  1710/1809.  —  Hegener,  „Hegner"  ra.:  „Angel- 
fischer Z";  Einer,  der  mit  der  Hegenen  fischt;  s.  auch 
unter  Garner  Sp.  426.  ,Es  soll  kein  hegemner  [so, 
nicht  ,Hegenower',  wie  Lauff.,  Beitr.  II  130  angibt] 
kein  geschirr  mit  fischen  ze  verkouffen  zwischen  dien 
bänken  ufdenherd  [Boden]  nidersetzen,  wan  [sondern] 
sy  sullent  ussert  dem  weg  ir  fisch  verkouffen,  durch 
dass  erber  Kit  iren  wandel  dester  bäss  gehalten  niugend.' 


1359,  Z  Batserk.  .Ein  Hegener  zahlt  für  das  Hegenen 
jährlich  16  ß.'  Z  Fischerordn.  1710. 

Ahd.  hegina,  ealamns,  hamus.  Da.s  mit  dem  Subst.  gleich- 
lautende Vb.  verhält  sich  wie  tribenen  (ebf.  Fischereiansdruck) 
zu  dem  gleichlautenden  Subst.  —  Der  Geschlechtsn.  ,Hegner' 
SchwMa.  (gespr.  -■*-);  ZWthur  (alt  .Heginer'),  an  beiden 
Orten  schon  M.  XV.,  , Häginer.'  1480/1600,  Z,  könnte  eben 
so  wohl  von  dem  Ortsn.    Hegt  hergeleitet  werden. 

hegerisch,  Steigerungsadv.:  sehr,  überaus  GRHe., 
Pr.;  z.B.  h.  guet;  vgl.  hegert. 

hegerli'''',  Adv. :  laut,  hellauf  z.B.  jauclizen,  lachen 
üwE. 

Hegermänge:  Fluch  wort  Aa. 

Entstellt  aus  Hccherment,  Haekermcnt,  dies  aus  Sakerment. 
Wegen  der  Endung  vgl.   noch  Pocker-,  Sakermänge. 

hege(r)t(s):  Herrgott(s),  meist  zur  Verstärkung 
dienend  GO.,  Eh.  Potz,  heim  hegert!  }&  gt^iss\  Bist 
en  hegerte  [rechter]  JVniT.  En  hegerte  Ling  [ein  be- 
sonderes Geschick]  dezue  ha".  IIegert(s)  schön,  guet. 
Er  hät-mi'''  hegets  erschreggt.  —  Über  die  Verkürzung 
aus   Herrgott  s.  dieses  W.   Sp.   521. 

Hegete»  s.  Kern-Gert  Sp.  441. 

Hegi  I,  in  Th  (It  W.)  Hägi  —  f.:  Gehäge, 
Einzäunung,  umzäunter  Ort.  Noch  als  Orts-  und 
Flurn.  BHerz.;  LSurs.;  ThE.;  Z  oWthur  (schon  1225: 
,Wetzelo  de  hegi').  D'  Hegi  AiEnd.  und  (mit  Ge- 
schlechtswechsel): ,auf  dem  obern  und  untern  Hegi' 
BSi.;  im  H.  ZUrd. ;  im  Gisi-H.  ZSchönenb.  Als  erster 
T.  von  Comp,  in:  H.-Matten  LW.;  H.-Mos  ZWäd.; 
H.-Bach  ZHirsl.  ,So  hat  das  gottshaus  fryet  in  seinen 
muren  und  beschlüssen  allen  und  ieden  sünderen,  das' 
sy  dören  101  jor  zu  uns  fluchen  und  bei  uns  wonen  in 
den  muren  und  heginen.'  1479,  AAWett.  Klosterarch. 
.Ein  Vierling  [Acker]  in  einer  Hägi  und  gehet  die 
Efad  darumb.'  1053,  ebd.    Vgl.  noch  Hag  1  Ende. 

Mhd.  Iteije,  ahd.  hegi  f..  Einhegung.  Zu  der  Bildung  vgl. 
Jegi  von  .jagen'.  Eine  unumgelautete  Form  zeigt  sich  viell. 
in  den  Flurnn.  ,auf  Hagi'  ZSth.,  im  Hagi  L,  Hagi-Mad  und 
H.-Bodmen  B,  welche  aber  mit  mehr  Wahrscheinlichkeit  zu 
Hagi  =  Hagen  gezogen  werden,  während  in  den  Ortsnn. 
Hagnau  und  Hegnau  der  Gen.  eines  ahd.  Maunsnamens  liegt 
(Hago,  Uegu),  wie  in  Hügisau  ZF.  der  Z  Geschlechtsn.  H&gi 
(vgl.  Eglimu),  im  Voc.  verschieden  von  Hi'gi,  ebenfalls  Z 
Geschlechtsn. 

I°-  f.:  Einhegnng  B;  S.  Syn.  tn-Fang  (Bd  I  855), 
-Schlag.  ,Der  grosse  Hof,  alles  in  einer  Einhäge,  Matt- 
land, Ackerland,  Waldung  und  Weidgang.'  Gotth. 
,üas  Gut  über  100  Jucharten  gross,  doch  nicht  ganz 
in  einer  Einhäge.'  ebd.  ,10  Jucharten  in  einer  Ein- 
hägi.'  S  1807.  ,Anderthalbe  Jucharten  Matten,  ist 
Alles  in  einer  Inhegin.'  1653,  AAWett.  Klosterarch. 
,In  den  Einhägen  und  Baum-Gärten,  in  und  bei  den 
Dörferen,  mag  man  Bäum  wohl  etwas  näher  als  1*2' 
an  Zaun  setzen.'  B  Strassenregl.  1744.  Einhegi,  Name 
eines  Weilers  AATalh.     Vgl.  In-hagen. 

Hegi''g  f.:  Hegung,  Zäunung,  Einfriedigung,  Be- 
zirk. ,So  weit  die  hegig  und  bschluss  des  Gottshuses, 
hat  ein  Abt  über  alles  zu  richten  und  zu  strafen.' 
1479,  AAWett.  Klosterarch. 

Hegi  II  s.  Hagen. 

(un-)  he'gliscL:  gewaltig.  En  unheglesche'' Lebtig 
[Lärm]  GuBr.  Meist  aber  als  Steigerungsadv.  =  he- 
gerisch GrL.,  Pr.,  Z.  B.  h.  guet.  —  Wohl  zu  Hegel,  heglen, 
oder  mildernde   Umd.   für  (nn-)heHineh. 


Hag,  lieg,  hig,  liog,  hug 


Hegnau:  das  Z  Schiida.  Der  Neckname  der  Heg- 
nauer  ist  Guggu!  weil  sie  einst  den  Kuckuck  durch 
Kiiihegung  des  Baumes,  auf  dem  er  sass,  fangen  woll- 
ton. Heuwetter  uf  H.  zue!  rief  der  Hegnauer  Bauer, 
der  in  die  Stadt  gegangen  war,  um  gutes  Wetter  zum 
Heuen  in  der  Apotheke  zu  kaufen.  Der  Apotheker 
hatte  ihm  nämlich  eine  Bremse  in  eine  Schachtel  ge- 
geben, welche  der  neugierige  Bauer  auf  dem  Wege 
öönete.  Schlönd  a",  dass  's  chringlet  [klingt]  ick  die 
gruss  Glogg  z'  H.  Stütz,  spöttisch,  weil  die  Kapelle 
zu  H.  keine  Glocken  hat. 

Hegochs  s.  Eidechs.        he  ig  s.  haben  II. 

heigen:  =  heie'  Sp.  853.  ,Heigen  (heiga),  fröwli, 
heigen  (heiga)!'  Edlib.;  Tscuacutlan,  als  Wortzeichen 
der  Zürcher  beim  Überfall  von  Baden   1444. 

Die  Verdichtuüg  des  intervocalischen  y  zu  ij  wie  iu  Eiijcr 
(uva),  /rlg,  if-hüjm,  Meiger,   Bigel,   aig,   Kuy. 

hignen  s.  liiggen. 

hog:    halt!  W  (zu  Pferden).     Syn.  ölüi!   hö!  hüf. 

Roger  m.:  1.  Höcker  am  menschlichen  (bzw.  tieri- 
schen) Körper,  allg.  's  hat  mänge''  Biderma'"  ne  H. 
(Beschönigung)  L.  Dir  [ihr]  essü,  es  nimmt-ini''< 
Wunger,  dass  es-ech  hinde'  nit  e  H.  üstribt.  Gotth. 
Das  macht -mir  ken  H.,  das  ist  mir  gleichgültig  Z. 
Das  wird  dir  ken  H.  mache',  du  brauchst  dich  vor 
der  Anstrengung  nicht  zu  fürchten,  ebd.  Du  häsch-es 
wie  de  Seb  mit  7  Hagere',  ico  seit,  er  sei  no""  nie  der 
ung'rädst  g'si'  Z.  ,Gibber,  butz  vel  h.  vorn  an  der 
brüst'  Ebinger  1438.  ,Die  kameel  auf  iren  högren.' 
1531/1667,  Jes.  ,Analectis,  ein  küsselin  oder  sunst 
eiu  pulster,  das  die  meitlin,  so  ein  Schulter  höher  ist 
dann  die  ander,  brauchend,  damit  man  nit  achte,  dass 
sy  ein  h.  habind.'  Fris.;  Mal.  .Einer,  so  seinen 
Kucken  mit  einem  H.  usg'füeteret  hatte.'  Schimpfr. 
1651.  ,Gibbus,  H.,  Buckel.'  Red.  1662;  Denzl.  1677; 
1716.  .Ein  H.,  welchen  J^incr  das  ganze  Jahr  mit 
sich  herum  tragt  und  aber  denselbigen  niemalen  an- 
schauen kann.'  üTomann  1708.  , Einen  grossen  Kameel- 
hoger.'  JJUlr.  1727;  s.  noch  ToU-Fuess  Bd  I  1094. 
—  2.  der  mit  einem  Höcker  Behaftete,  Bucklige  Aa; 
B;  L;  Z.  Auch  Dim.  Ho(/eWt.  Ein  Buckliger  mit  dem 
Geschlechtsn.  Triieb  wurde  de  Hoger-Trüeb,  dann  aber 
auch  kurzweg  de^  Hoger  genannt  ZZoll.  De''  Sibe- 
hügershoger !  Verwünschung.  Sprww.  1869.  Hieher 
wohl  die  RA.:  Bed,  Hoger,  so  tönt  's  oder  so  tönt  de'' 
Buggel  Z,  Aufforderung,  mit  dem  Sprechen  nicht 
zurückzuhalten;  ähnlich:  Bed,  so  git 's  ken  Chropf. 
Schon  bei  Boner:  ,Der  zolner  einen  sach  hogrecht  uf 
die  brugge  gän.  Er  sprach:  ein  pfenning  solt  du 
geben!  Do  geriet  der  h.  wider  streben.  Der  zolner 
sach  den  h.  an:  einen  kröpf  sach  er  in  hän.'  Auch 
Fem.:  ,Ein  Hogerin',  eine  Person,  welche  von  einem 
andern  Chronisten  ,strumosa'  genannt  wird.  1477.  Bs 
Chr.  —  3.  jede  höckerartige  Erhöhung  am  Leibe  B. 
, Äussert  dem  h.  der  leberen.'  Vogelb.  1557.  ,Der 
hogerkrebs  bekommt  seinen  nammen  von  dem  h.,  so 
er  mitten  auf  seinem  schwänz  zeigt.'  Fischb.  1568. 
, Tuber,  buckol  oder  h.,  düssel,  gschwulst.'  Fris.; 
Mal.;  ebenso  Denzl.  1677;  1716  mit  dem  Zusatz: 
.Beule'.  ,Högerle,  tuberculum.'  Mal.  ,Binde  den  Nagel 
steif,  so  bekommt  er  keinen  H.'  Würz  1634.  ,[ßci 
einer  Verkrümmung]  bedarfest  du  nur  zwo  Schindlen, 
eine  auf  dem  H.,   die  andere  auf  den  Bück.'  ebd.  — 


1.  Unebenheit,  Erhöhung  des  Bodens,  kleine  Anhöhe, 
Hügel  Aa;  B;  S;  Z.  Im  Winter  het  me"  de"'  o'* 
g'schlittlet  u"''  ist  nid  numme"  so  es  Högerli  abe* 
g'fare",  wie  's  d'  Buebe"  hüt  zu  Tag  mache".  Dr  Bari 
1885.  Daher  auch  Flurn. :  ,Reben  auf  dem  H.'  ZAltst. ; 
,bim  alten  H.'  ZUrd.;  .im  H.-Acker-  ZÖtw.;  ,Betten-H.' 
Hügel  bei  ZMettm. ;  ,im  H.-  LWillis.  —  5.  (auch 
Jiippen-H.)  =  Güteren  Sp.  532  AAKütt.  —  6.  Högerli, 
das  Schneeglöcklein,  leuc.  vern.  und  galanthus  niv., 
so  benannt  von  der  auffallend  gebückten  Stellung  der 
Blume  am  Stengel  L;   Ndw;    Syn.  Hoger-Männli.  — 

7.  Högerli,  in  den  Überlieferungen  des  XVII./XVIII. 
.Höggerli':  alte  Scheidemünze  L  (Lütolf),  It  L  Mand. 
1710  im  Werte  von  4—5  Rappen,  1710  It  Absch.  auf 
2  Kreuzer  tarifiert,  oft  verrufen,  so  1636  u.  1709  in  Z. 
, Verwarnungen  vor  aller  und  jeder  Reichs-Münz,  wie 
nicht  weniger  der  sogen.  Höggerlenen.'  Z  Mand.  1710. 
,Die  verrüefte  Groschen  in  höherem  Preis  als  von 
denen  Höggerlen  und  mit  Stäben  bezeichneten  Piess- 
lenen  ausgeben.'  ebd.  1714  mit  einer  Abbildung,  welche 
den  Kopf  Ludwigs  XIV.  zeigt.  , Fremde  Münzen,  na- 
mentlich  die  Höggerle  und  Groschen.'    1719,  ebd.  — 

8.  Rausch  L;  Syn.  Degen.  Wo-n-einist  Eine''  i'  sim 
Hoger  im  Hirschen  inne'  's  Fuerwereh  und  's  Boss 
vergesse'  häd  L  (Schwzd.). 

Von  einem  Stamme  'hug;  vgl.  ,Hügel',  mhtl.  hugel,  und 
houc  (hougea),  eoUis;  ferner  hess.  ,Huck,  Hock',  Hügel.  — _ 
Zu  7.  Wenn  diese  Bed.  übh.  zu  dem  TMrliuguu.U-u  W.  ge-' 
hört  und  die  (wie  es  scheint)  konstant!-  SrlniLiniL'   imi   ./■/ 

bloss  die  Kurze  des  Voc.  bezeichnen  soll,  ^ '.     '      '  ■  i- 

förmige  Erhöhung  den  Namen  gegeben  l]:[l  i.,  >-:.  /,//.- 
Anyster  Bd  I  340.  -  Zu  8.  Den  Gruud  Jn.,.  ,  J;._.iti,iiiiug 
s.  bei  dem  syn.  HmhcrUmj.  —  Zu  säuinitlieheu  BeJU.  vgl. 
Buggel. 

Herd-:  Erderhöhung  Z. 

Bure"-Högerli:  ein  Älplergericht.  Lüt.,  Sag.  190. 

hog(e)racht:  höckrig,  bucklig;  hüglig,  uneben. 
,Dass  sy  krumm  gieng  und  hogrecht  ward.'  Strättl. 
Chron.  , Karlin  YIIL,  küng  von  Frankrych,  der  was 
von  lyb  unachtbar,  krank  und  hogerecht.'  Ansh.  ,Der 
hogerechtig  oder  schelb  ist.'  1531,  Lev.  ,Distorta  et 
prodigiosa  corpora,  gebogne,  krumme  und  hogarächtige 
cörpel.'  Fris.  ,Das  Lastvieh  ist  ein  Werkvieh  oder 
Saumtier,  under  welchem  der  grösste  ist  der  hogerichte 
Kameel.'  Spleiss  1667.  ,Canabula,  rauhe,  hogerechte 
Örter.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Gibbosus ,  hogerechtig, 
bucklecht.'  ebd.  ,Neue  Arzet  machen  hogerechtige 
Kirchhöfe.'  Mev.,  Hort.  1692.  ,Die  Füsse  waren  ge- 
schwollen und  hatten  blaue  hogrichte  Adern.'  JMüralt 
1697.  ,Wie  die  hogerichte  [höckeriohte.  1746]  Landsart 
[der  Schweiz]  vil  ob-  und  nidsichsteigens  erforderet' 
JJScHEucHz.  1707.  ,Wann  ein  Weg  dörnicht,  eng,  hö- 
gericht  ist'  JJUlr.  1727. 

hogere":  1.  einen  Buckel  machen;  in  gebückter 
Stellung  arbeiten;  syn.  hugglen.  Bim  Jätte'  muess-me" 
de"  ganz  Tag  h.  Aa;  umme-h.,  bucklig  herumgehen, 
-sitzen  .\a;  Uw.  Das  Getreide  hogeret,  wenn  es  ver- 
krüppelt, nicht  wächst  S.  Hogeren,  von  den  Zeigern 
beim  Scheibenschiessen  =  gatigglen  B  (zunächst  wohl 
=  Verbeugungen  machen).  —  2.  schmollen  (einen 
Katzenbuckel  machen)  B.  —  3.  „meistern,  gleichsam 
über  den  Hoger  hinausschleudern  LE."  —  4.  un- 
nützerweise herumkriechen  ÄAHallw. ;  syn.  müchlen; 
ummcbocken.  Högere",  klettern  BSis.  —  5.  coirc,  bes. 
vom  Rindvieh,  auch  Ziegen,  Schafen  Scinv;  Uw;  Zg;  Z 


1087 


Hag— hng.  —  Hagd— liiigd 


syn.  üfhocken.    Vgl. :  8i  [die  brünstigen  Kühe]  hogered 
uf-enanderen  umine"  ScHwMa. 

Vgl.  heoueb.  hockei-n  und  bei  Gr.  WB.  höckcrn  in  Bed. 
4  und  5;  hess.  hökern  in  Bed.  4.  Ks  erklären  sich  alle 
Bedd.  aus  der  buckligen  Stellung;  gleichwohl  ist  fraglich, 
ob  hageren  nicht  vielmehr  mit  häijeren  zu  verbinilen  sei. 

über-liogere":  Einen  aus  dem  Sattel  werfen; 
bildl.  in  den  Konkurs  bringen  AxSuhr ;  syn.  dfe"  Bock 
g'htjen,  üherholperen.  —  üf-:  aufbauschen,  -häufen. 
.[Die  eitle  Bauerntochter]  hatte  seidene  Halstüechli 
und  7  Mänteli  [Hemdevorstecker]  über  einander  uf- 
g'hogeret  bis  an  das  Kinn.'  Gotth.  —  er-:  Einen 
hernehmen,  übervorteilen  Z;  vgl.  hogeren  3.  —  ver-: 
verkrüppeln  (eig.  bucklig  werden),  verkümmern.  Bei 
armen  Leuten  ,verhogren'  die  Kinder  nur  zu  oft  BSi. 
Verhogeret  sitze",  zsgekauert,  -gekrümmt  B. 

g"-hogeret  BBe.;  GlK.;  SchwE.;  U,  hogerigB; 
TaFr.,  g'hogerig  Bs;  B,  g'högerig  AiSt.;  Z:  höckrig, 
bucklig;  uneben,  hüglig.  Die  g'hogeret,  unartig  [häss- 
liche]  Lisebet.  Lienert  1888.  ,Incurvus  humeris,  ge- 
hogeret.'  Fris.  ;  Mal.  .Keiner  [vom  wilden  Heere] 
habe  sinen  rechten  Gang  gehebt,  diser  hinkend,  diser 
krüppelt,  diser  gehogert,  der  an  Krücken.'  RCys.  c.  1600. 

Högerli°g  m.:  der  Bucklige  Z.  -  Gebildet  wie 
Serhling,   SpritzUnff,    Wittliiig,    Zwillimj  u.  a. 

hogis  s.  hoggis. 
•      Hugele-  f.:  Kugel  ZSth.  —  hugele":  rollen,  ebd.; 
syn.  rugelen.  —  abe»-:  (den  Abhang)  hinunter  rollen 
ScaSt.;  Syn.  Fässli  trolen. 

In  ZSth.  daneben  Cliugelyasa.  Wechsel  von  ch  und  7/  im 
Anl.  wie  in  huren  =  kauern  und  (umgekehrt)  chüchen  = 
hauchen;  vgl.  auch  Haller  I. 

Hngi  m.:  1.  törichter,  unbesonnener  Mensch  B; 
,ineptus.'  Id.  B.  E  tumme  H.  B.  Auch  Geschlechtsn. 
B  und  schon  1421,  S.  —  2.  H.  uvi  S.,  (beim  Spiel) 
um  den  ganzen  Einsatz  auf  ein  Mal  AxWchl.  — 
3.  Schnaps  AAFri.,  Lindenberg. 

Ob  Bed.  2  auf  1  zurückgeht,  gleichs.  ,Narr  um  Narr',  weil 
es  unbesonnen  ist,  gleich  den  ganzen  Einsatz  zu  riskieren? 
Zu  Bed.  3  vgl.  das  syn.  TorebuebeioatKr.  Nicht  unmöglich 
ist,  dass  Bed.  1  zum  Verbalst,  hug  (s.  hügen),  sich  freuen, 
gehört  und  eig.  urspr.   einen  lustigen  Burschen  bedeutet. 

Be-Hngnnss  f.:  Erinnerung,  Andenken,  Gedächt- 
niss.  ,üass  man  syn  und  syner  wirtene  b.  und  nach 
irem  tod  ir  jarzyt  eweklich  begange.'  1340,  AäZ.  Urk. 

Vgl.  das  mhd.  Syn.  ge-hugnisse  und  hnglos,  und  s.  im 
Folgenden   Hugd  usw.   und  un-le-hügl. 

g"-hugsam:  fröhlichen  Mut,  Lust  zu  Etw.  habend; 
vgl.  hügCeßich,  he-huckt.  .Herzog  Philipp  von  Mailand, 
der  ein  gkuksam  mann  was  zu  kriegen.'  Vad. 

Mhd.  gehugemm.  Zu  Vadians  Schreibung  vgl.  Kick  aus 
Ge-Uck,  Kmli  aus  Gc-hudi,  Kütt  aus  Ge-hütt  u.  v.  a.  Die 
mhd.  Form  hügeaam  (erfreulich)  scheint  früher  auch  Per- 
sonenn.  gewesen  zu  sein,  erhalten  in  dem  ■Weilernamen  hu 
Hügsam  ZRichtersw. 

g'hüg:  ärgerlich  GrL.  —  Vgl.  lat.  animoam  von  ani- 
miia,  in  der  Bed.  stolz,  zornig;  gr.  -S-Uliög,   Gemüt  und  Zorn. 

Hügel  m. :  leichter  Groll,  Verstimmung;  Syn. 
Piggen.  Er  hat  en  H.  uf  mich  oTu  (Pup.).  Es  Hii- 
geli  uf-enand  ha'  GTa.  Vgl.  g'-hüg  und  hug-los,  sowie 
Sügi.   —    Viell.   Umbildung  aus  Bügen. 

hüg(e)lich  higelig:  fröhlich  Bs.  ,Hüglich  und 
wolgetrosf'  als  Übers,  von  ,fiducialiter'.  14G0,  G  Mscr. 
,Es  syen   die  kaiscrischen   etwas   hügenlich    [freudig, 


übermütig]  und  berüemen  sich,  wie  der  künig  zue 
Frankrych  dem  kaiser  hilf  tuen  wolle.'  1530,  Stricki. 
,Ein  frölichs  g'müet  macht  huglichs  g'sicht.'  GVögeli 
1534.  ,Die  Appenzeller  warend  gar  hüglich  und  freudig 
dero  zyten.'  ÄgTschüdi.  ,Es  ward  ein  hüglig  ding 
unter  denen  von  Rapperswyl  mit  fasnacht  zu  haben 
und  mit  andern  dingen.'  ebd. 

Mhd.  hiigelich,  ahd.  gehugelieh,  hilaris.  Snlger  gibt  noch 
vereinzelt:  ,hUgelich,  aufrührerisch.'  Vgl.  noch  gügelig  Sp.  159. 

be-:  wohl  eingedenk,  mit  gutem  Vorbedacht. 
.Beid  teil  bestätend  denselben  friden  behüglichen  mit 
disem  briefe.'  1426,  Absch.  —  Be-hüglichkeit  f.: 
Erinnerung.  ,Mit  abredung  sollicher  geding  und  b., 
die  darzu  notdürftig  warend,  dass  er  zu  Pfingsten  das 
übrig  bezalen  soll.'  1426,  Absch. 

Hügen  m.:  Freudigkeit,  Mut.  ,ünd  als  Loupen 
mit  grossem  volk  belagert  was,  die  alle  grossen  h. 
hatten.'  Etterlin.  ,So  ich  das  zu  herzen  fass,  so  ge- 
winn ich  wider  ein  h.'  1531/48,  Klagel.;  =  ,daruni 
will  ich  hoffen.'  1667/1882;  vgl.  noch  Hügnuss. 

Mhd.  hüge  f.,  got.  hugs  m.,  Sinn,  Geist;  mhd.  auch; 
erhöhte  Stimmung,  Freude. 

hügen  I:  sinnen,  denken  auf,  verlangen  nach. 
,Und  fast  hügtend,  wie  sy  nu  mit  ime  [dem  Herzog 
von  Östr.]  iren  alten  stumpen  rechen  wölltend.'  Prümd. 

Mhd.  hügen  (ahd.  huggen,  got.  hugjan).  Mhd.  z.  B.  im 
Schachzabelb.  auch  in  der  Bed.  sich  freuen.  S.  noch  unbehügl. 

Hügi  I  n.:  Lust,  Verlangen.  Es  H.  für  Öppis 
ha'.  !''•  hätt  es  H.  druf,  auch :  Einem  etwas  Leides 
zu  tun  B  (Zyro);  vgl.  Siigel,  Hügen. 

Hügnuss  f.:  Mut,  Übermut.  ,Also  ward  Loupen 
belegen  [belagert]  mit  grossem  schalle  und  haltend 
grosse  hügnusse  und  hoffart  von  ir  machte  wegen.' 
JüST.  —  Mhd.  hugnus  nur  in  der  Bed.  Gedächtniss.  Vgl. 
Hügin. 


Hl 


n  ra. 


linge"  11:    hinken   L  (Ineichen), 
der  Hinkende,  ebd. 

üf-hiigere":  leicht  über  einander  legen  GnPr.; 
Syn.  uf-gigeren  II  und  gögeren. 

hügerle":  kauern,  von  Kindern  und  alten  Leuten 
AAZein.;  Bs.  —  z'sämme"-:  zskauern,  -schrumpfen; 
abmagern  (von  alten  Leuten)  Bs;  Syn.  s.-güggerlen. 
—    Vgl.   (uf-,   mr-)  hageren   und  die   Anui.   zu  Hugcr. 


(Ge-)Hngd,  (Ge-,  Be-)Hügd(e)  f.:  Gedächtniss, 
Erinnerung;  Bedacht.  ,Won  der  lüten  hügt  zergat 
und  ir  leben  schier  ein  end  hat.'  G  Hdschr.,  Eingangs- 
formel von  Urkunden.  So  auch  bei  Vad.  (,hugt') 
Ubers.  von:  ,Quoniam  ex  humani  generis  debilitate 
memoria  rerum  gestarum  oblivione  extruditur.'  ,Want 
aller  der  lüte  getat  und  gewerb  mit  des  zytes  umbc- 
loufe  verswynet,  dass  man  nüt  ellü  ding  voUekliche 
in  gehügde  mag  behaben.'  1252,  LUrk.;  s.  Ortfrämi 
Bd  I  1297.  ,Syt  ellü  ding  zerganklich  sint  und  des 
menschen  gehugede  langer  steti  nüt  enhat'  1282,  L 
Urk.  ,Zem  Urkunde  und  z'  einer  steten  behügede  der 
dingen,  die  an  disen  brief  geschriben  sint.'  1302,  Bs 
Urk.  ,Wann  der  lüten  leben  und  gehugde  blöde  und 
krank  ist,  bedarf  man,  dass  man  mit  besigelten  briefen 
bestäte.'  1307,  GfiChur  Urk.  ,Dass  ich  dur  gott  und 
niyner   scle   ze  einer  ewigen  behügde  han   gegeben.' 


Hagd — hngd.    Magst— liugst.    Hagt— liugt.    Hagg — liugg 


101 10 


1332,  Z  Staatsarch.  ,[Die  Mönche]  süUn  unser  be- 
hügiie  han  ienier  mer  eweklich  in  der  mes  [Messe] 
an  dien  selben  tagen.'  1336,  ebd.  In  einer  Urkunde 
von  13C7  wird  zwisclien  ,b.'  und  ,jarzyt'  so  unter- 
schieden: ,Daz  sy  einen  halben  mütt  kernen  schryben 
uf  uiynes  bruoder  sei.  jarzyt;  den  andern  halben  mütt 
kernen  süllent  sy  schryben  myner  behugt,  die  sy  ouch 
järlich  began  siilln,  die  wyl  ich  lebe;  wenne  ich  aber 
von  dirre  weit  scheide,  so  Süllen  sy  den  selben  halben 
mütt  kernen  schryben  ouch  uf  rayn  jarzyt  und  das 
eweklich  began.'  ebd.  .Mit  gehügden  und  geberden.' 
1372,  ZWthur  Urk.  .Und  hab  ich  [die  Schenkung] 
getan  mit  der  gehugd.  als  es  von  recht  bescheclien 
sollt.'  1374,  GRChur  Urk. 


Hogsber,  -mer  s.  Hoppsger. 


Hagsch  s.  Hex.        higschen  s.  luxen. 


Iiegstl'a  =  extra  Bd  I  024.    Eppes  hegstrrs  GrCIii 
Wegen  des  h  vgl.   Imläniih. 


un-be-hügt.  ,Der  unbehügde  sunnentag.'  1302, 
ScH  Urk.  (Z  Staatsarch.). 

V.  kaum  =  verschwiegen  [der  versvhicit/e**  Suiiutit/,  H 
Tage  vor  Ostern),  sondern  =  unbesonnen;  der  u.  S.  wohl 
der  Fastnacht-Sonntag,  wo  es  närrisch  zugeht.  So  hiess  auch 
der  .schmutzige'  Donnerstag  ,der  unsinnige';  vgl.  noch  Hn;ii 
und   uihd.   behmjen,   bedenken. 


Ha^g,  hegg,  liigg,  hogg,  hiigg. 

S.  auch  die  Keiheu  Hmj  usw.,  //«/.•  usw. 

Hägg  s.  Häggen. 

Haggel,  nur  in  der  Eeimformel  H.  und  Baggel: 
Hab  und  Gut  AaWürenlingen. 

Vgl.  .Hackeniack',  Häcksel,  Gemenge;  doch  müsste,  wenn 
wir  für  dasselbe  ebeuf.  Abi.  von  ,hacken'  annehmen  wollen, 
dieses  sich  dem  Kons,  des  '2.  W.  accomodiert  haben.  Dem 
1.  W.  könnte  aber  auch  ,Hab'  oder  ein  anderes  mit  k  an- 
lautendes W.  zu  Grunde  liegen;  vgl.  Hutler  und  Buller. 
Bagijd  bedeutet  etw.  Geringes,  ein  wertloses  Gemenge,  auch 
eine  (baufällige)  Hütte. 

Hägge",  bzw.  -ö-,  in  Gr  auch  Högg,  in  GnObS. 
Häggiim  —  PI.  und  Dim.  mit  Uml.  —  m. :  1.  in  eigent- 
licher Bed.  wie  nhd..  gekrümmter  Körper(teil).  allg. 
a)  von  Geräten.  Wo  kein  H.  ist,  cha'"-me'  Nüd 
[Nichts]  i'chhmme"  Gl  [das  Bild  wohl  von  der  Hobel- 
bank entlehnt;  vgl.  Bank-H.].  Am  1.  April  schickt 
man  einfältige  Leute  g'radi  Höggli  kaufen  oder  ent- 
lehnen Z.  Bildl. :  Äugli  lo'  dir  Sorte,  wo  nie"  seit, 
es  slge'  Höggli  drinne',  d.  h.  von  grosser  Anziehungs- 
kraft. ScBwzD.  (B).  .Harpago,  ein  hagk.'  Fris.;  Mal. 
,Zwei  Höcklin.'  JJNüscn.  1608,  '284.  ,Hogg,  isiner, 
Anker,  ancora,  uncus.'  Red.  1656.  ,Dem  Schlosser  für 
Häggen  und  Schienggen  ins  Wirtshaus  14Btzn.'  Schloss 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


RuEi)  17'28.  Insbes.:  1)  hölzerner  Stab  mit  gekrümm- 
tem Ende,  abgeschnittenes  Gabelstück  eines  Astes, 
beim  Pflücken  von  Kirschen  die  Äste  heranzuziehen. 
,Was  [von  Kirschen]  er  ohne  Beschädigung  des  Baums 
mit  einem  gewohnten  Hacken  bekommen  mag.'  Gl  LB. 
1807/35.  S.  Kirsi'-H.  —  2)  Leiter,  befestigt  an  der 
Wand  oder  an  der  Hochstud,  Sechstud  der  Scheune, 
bestehend  aus  nur  einem  Längebalken  mit  durch- 
gehenden und  nach  beiden  Seiten  hervorstehenden 
Sprossen,  um  aus  der  Tenne  (in  Sennhütten  aus  der 
Küche)  auf  die  Heudiele  zu  steigen  SL.;  Z  (selten 
geworden);  s.  Stig-H.  —  3)  die  krummen  Teile  am 
Holzreff  (Traggestell)  W ;  Syn.  Krapfen.  —  4)  Feuer- 
haken; s.  Für-H.  Teufel  in  der  Hölle:  ,Gross  ysig 
Höggen  gebt  uns  har,  ein  anders  G'sang  mir  sei  wend 
lehren.'  1733,  L  Spiel.  .Weil  an  einer  guten  Ordnung 
der  Feuerleiteren  und  Häggen  sehr  viel  gelegen.'  Z 
Ges.  1779.  —  5)  Gabel  zum  Spiessen  der  Fische. 
.Kleinfischerei,  als:  mit  Haken,  Bären,  Büschen  usw.' 
Vetter  1864.  .Was  man  fische  bi  dem  Lauffen  [Fall 
oder  Stromschnelle  des  Rheins]  mit  dem  häggen  fahet 
ane  garue.'  1347.  Urk.  .Den  gebürenden  Teil  an  der 
kleinen  Fischenzen  im  Laufen,  so  man  fahet  mit 
dem  Haken,  mit  der  Rüschen  und  Bären.'  1545,  Urk. 
S.  Fisch-H.,  Ger.  —  6)  Hacke,  leichter  Karst  S.  Zum 
Ausgraben  von  Kartoffeln:  ,Wenn  man  einen  Säbel 
in  der  einen  Hand  hat,  so  kann  man  nicht  mit  der 
andern  noch  einen  H.  halten  und  Erdäpfel  austun.' 
Ndw  Volksbl.  1869.  Zweizinkiges  Instrument,  Steine 
aus  den  Gräben  zu  ziehen  UwE.  S.  noch  die  Compp. 
und  HnggeJ.  —  7)  der  vom  Kolben  der  Stutzbüchse 
hervorgehende  Haken,  mit  dem  man  das  Gewehr  an 
überarm  und  Schulter  andrückt  Ap;  Z.  —  8)  schwor- 
fälliges Sehiessgewehr,  welches  unten  am  Schaft  einen 
Haken  hat,  mittelst  dessen  es  auf  einer  Stütze,  der 
, Gabel'  ruhen  kann,  welche  der  Leibesgrösse  des 
Schützen  angepasst  war,  und  „beim  Scheibenschiessen 
(wo  der  H.  sich  am  Längsten,  im  W  bis  heute  hielt) 
nicht  in  die  Erde  gesteckt,  sondern  auf  einen  wenig 
gehöhlten  Stein  abgestellt  werden  durfte."  allg.f  Vgl. 
H.-Büchs,  -Schütz.  Es  war  einmal  eine  Frau,  die 
klagte :  Mi'  Ma'"  hed  Nüt  zue-mer  'bracht  als  e"  H.  U. 
,Den  21.  mal  huolt  man  ein  musterung  uf  allen  Zünf- 
ten, daruf  ein  schiessen  mit  den  hocken.'  1582,  Bs  Chr. 
,15  Schützen  mit  Musketen,  die  andern  mit  gemeinen 
Haggen.'  1588,  Absch.  .Ein  wyb.  so  sich  hantlich  ge- 
wert und  irem  herren  den  hocken  gladen,  dass  er 
schiesste.'  1589,  Bs  Jahrb.  , Jeder  Canonicatswohnung 
soll  zugestellt  werden  1  Hoggen.'  1637,  L.  , Halbe, 
ganze  und  doppelte  Haacken.'  Kriegsb.  1644.  Vgl.  noch 
rörlen.  —  9)  Höggli  =  Blatt-H.  Z.  —  10)  Höggli, 
Häkelnadel,  allg.  —  11)  Höggli,  Verschlusshäkchen 
an  Kleidungsstücken  Ap.  Syn.  Häftli.  —  12)  eine 
Art  Ziegel.  ,Dem  Ziegler  ist  verwilliget,  dass  er  den 
Zeug  in  hernach  bestimmtem  Preis  möge  usgeben : 
100  Flachtach,  Haggen  und  übertach,  jeder  Gattung 
umb  10  Btzn.'  1606,  Sch  Ratsprot.  Viell.  diejenige 
Art  der  Hohlziegel,  welche  mit  dem  Rücken' auf  der 
Unterlage  liegen  und  mit  einer  Nase  an  derselben 
festgehalten  werden,  während  die  darüber  gestülpten 
das  , Oberdach'  bilden.  —  b)  Höggli,  Krallen  einer 
Katze  ScHw.  Syn.  Kräuel.  —  c)  Bezeichnung  von 
Orten.  1)  hakenförmiger  Hafendamm.  Bodensee;  ZS. ; 
spec,  die  durch  eine  mit  Faschinen  ausgefüllte  Doppel- 
reihe von  Pfählen  gebildete  und  lediglich  zum  Schutze 


1091 


Hagg,  hegg,  higg,  hogg,  hugg 


1092 


gegen  den  Wellenschlag  angebrachte  Fortsetzung  des 
gemauerten    oder    mit    Steinplatten    belegten    Hafen- 
dammes, zu  dem  sie  meistens  einen  Winliel  bildet  ZS. 
Vgl.  Hab-,   Weri-H.  —  2)  ürundstück  von  hakenför- 
miger Gestalt:  Name  einer  muldenartigen  Wiese  mit 
anliegendem  Hügel  ZDürst.    Wald  bei  Gtüiesb.    Ein 
Acker, im  H.'ZErl.  ,Auf  H.' LEoteiib.;  .unter  H.' LRain 
und  die  Zss.  ,Haken-Eüti',  Hof  in  LWolh.;   ,H.-Rain' 
LBallwil.    ,Zwen  Tauwen  [Jucharten]  in  der  Hoggen- 
wis.'  1653,  ÄAWett.  Klosterarch.  —  S)  vorspringender 
Berg.    So  der  an  die  Mythen  bei  Schw  fast  im  rechten 
Winkel  sich  anlehnende  Bergrücken  mit  Passübergang. 
,Der  welsch  H.'   STierst.  —  2.  krumme  Gestalt  oder 
Bewegung,    a)  ,den  H.  schlagen',  ein  Kunstgriff  beim 
Nationalspiel  des  Schwingens,    dem  Gegner  das  Bein 
unterschlagen,    wubci    noch   unterschieden    wird    der 
.rechte  imIit  iiimrc  11.',  bei  welchem  die  rechte  Ferse 
hinten  an  das  linke  Unterbein  des  Gegners  geschlagen, 
dann   dieser   durcli    einen   kräftigen   Stoss   rückwärts 
, überdreht'  und  auf  den  Rücken  gelegt  wird,  und  der 
,äussere  H.'  (auch  Überlctz,   Übersprung  genannt)  Bs; 
B;  LB.;  S;  Z.     Daher  dann  übh.  und  bildl. :  (Einem) 
ein  unerwartetes  Hinderniss  bereiten  und  ihn  dadurch 
zu  Fall  bringen;   Hinterlist  üben   Bs;  S.     Eine'',   wo 
für  sl'  Sack  [seinen  Vorteil]  der  Uögge"  schlöt.  Sprww. 
1869.    il^s"  meint,  er  well  Ein  chüsse"  und  schlöt  Eim 
glich  der  Högge.  Schild.    .Während  sie  [die  vornehm 
Gebildeten]  den  Bauern  übersehen  [verachten],  durch- 
sehe derselbe  sie  ganz  und  gar  und  schlage  ihnen  den 
Hak«n   [überwältige  sie].'   Gotth.     Eine  Schwenkung 
machen  (im  Kriege) :  ,Dass  unser  fenlin  in  das  Schwa- 
derloh geordnet  und  als  der  stürm  gangen,  von  Wintcr- 
tur   ein'"  haggen   g'schlagen   den  nechsten  [Weg]    uf 
Dornach  zu.'  15.^4,  Brief.    .Wie  er  aber  der  mär  innen 
ward,  il'ieli  er  hindi'isieh  i^esim  Bern  zue  und  schluog 
also  einen   liaken   innl  kam  .iarvon.'  Vad.  —  h)  Ei"'m 
en  H.  (iln.  in  eine  Saelie,   l'nternehmung)  mache",  ein 
Hinderniss  in  den  Weg  legen,    einen  Streich   spielen 
BHk.    Äser,  einverstanden  mit  Josephs  Tötung:  ,Ich 
wirf  g'wüsslich    kein    haken   dryn,    es   wirt  mir   ein 
g'mäyte  wis  [\villkeuinien|  syn.'  Rüep  1540.    Bögli  und 
Häggli  oder  Ituili  mnl  IL  mache",  eine  Sache  durch 
Erhebung  von  SehwnTiekeiten  [Bedingungen,  Vorbe- 
halte] zu  verwirren  suchen  L  (Ineichen).    Daher  dann 
übh.  Sagge,  Häggli,  versteckte  Schwierigkeit,  Hinder- 
niss B;  Z;    Haggen,  Umstände  Gr  ObS.     Ebc'  dö  lit 
de''  H.!  der  schwierige,  entscheidende  Punkt  Bs.    Bd 
steckt  de''  H.    Wolf,  Bauerngespr.     Dö  ist  es  Häggli 
derhinder   Scnw.     Das  het   no'''  sTs  Höggli   Z.     Was 
jetz  wache"  mit  dem  Hüsli,  das  isch  d'r  Högge.  Hofst. 
,Ist  eins  häkli,  das  MHH.  nit  gfallt.'  1530,  Absch.   Vgl. 
Haft   und  Gr.  WB.  IV  2,  179.     ,Ein   H.   gegen  Jmd 
haben',  Widerwillen,  Groll  FPlaif.;  vgl.  nhd.  ,Stachel' 
in  bildl.  S.    —   c)  in  harmloser  Bed.     ChrAz  und  H. 
mache",   das  Zeichen    des  Kreuzes   machen,    sich   be- 
kreuzen.    IVe""  der  Hirt   am  Morgu"  und  Abu"  vor 
am  Chruzifix  schini  Andacht  verrichtot  hat,  so  ist  der 
Senno  wie  d's  Veh   ufg'stannu"  und  ga'  liggu"   [zu 
Bette  gegangen]  oni  Chris  und  Haggo.   W  Sagen.  — 
d)  schlecht   geschriebene,    schwer    zu   lesende   Buch- 
staben B;  Z.     D'  Chind  Icrt-me"  jeze"  's  ABC  —  wie 
söll-i'''  säge"?  —  pfufe  [pusten]  —  und  Högge"  mache"! 
GEbn.  (Feurer).  —  e)  eine  Gangart  des  Pferdes.    ,Die 
pferd  habend  mancherlei  manier  herein  ze  treten,  aus 
welchen  etliche  Ire  besondere  namen  bekommend,  als 


der  stapf,  der  trab,  der  zeit,  der  dreischlag,  hacken 
und  dergleichen.'  Tierb.  1563.  —  3.  übertr.  auf  lebende 
Wesen,  a)  auf  Tiere.  1)  das  Männchen  des  Lachses, 
salmo  salar,  wegen  des  in  der  Laichzeit  (im  Spät- 
herbst) gebogenen  Unterkiefers  („Schnabels")  Bs;  „B;" 
Z;  Syn.  Milchner ;  vgl.  Ludere.  Vgl.  frz.  brochet,  Hecht, 
von  brache.  —  2)  mageres,  altes,  grobes,  schlechtes 
Pferd  AAZein.;  GSev.;  Z.  ,Es  war  wenig  schöne 
Waare  auf  dem  Pferdemarkte,  aber  eine  desto  grössere 
Zahl  lasterhafter  Högen.'  Bote  der  Urschweiz  1882. 
De"  Franzehoppi  chauf  alli  Schindmäre"  im  ganze" 
Land  zämme"  und  heig  selten  en  ordlige"  Bigger, 
numme"  so  Högge".  B  Hausfr.  1886.  Altes  Stück  Vieh 
übh.,  bes.  alte,  magere  Kuh  BsBirs.;  S;  Z.  En  alte' 
H,  wo-me"  chönnt  Schinnhüet  d'ra"  üf henke".  Syn. 
Hägg,  Heggel,  Händsch.  Auch  übertr.  auf  Weibsper- 
sonen BsBirs.  —  h)  auf  Menschen.  1)  hochgewach- 
sener Mensch  BE.  Vgl.  Holen.  —  2)  Hägg,  Högg  Ap; 
Gl;  Gr;  G,  H-e  Gr,  unredlicher  Knauser,  schlauer, 
auf  kleine  Vorteile  bedachter,  betrügerischer,  streit- 
süchtiger Mensch,  der  im  Verkehr  seinen  Verpflich- 
tungen nicht  gerne  nachkommt,  nur  sein  eigenes  In- 
teresse im  Auge  hat,  „Schikanor".  En  strenge  [arger] 
H  Gr.  Syn.  Hägger;  vgl.  Lüs-,  G'schänd-H.  — 
3)  Hägg  L,  H-e  Aa;  L;  Z,  garstiges,  unordentliches, 
dummes,  ungeschicktes  Weib.  Syn.  Schlamp,  Sciüirp. 
Häggeli  n.,  anrüchiges  Mädchen  B.  Vgl.  Kosel-,  Kät-, 
Klamm-,  Mist-,  Doppel-H,  Häggel.  —  4)  Familienn. 
,Ben.  Hagg.'  1476,  S  Eatsman. 

Während  amhd.  neben  ham,  häyo;  hake  auch  hacco,  liiujyo; 
haclie,  liagge  vorkommt,  gilt  bei  unserm  W.  ö  (u)  mit  fol- 
gendem A:  durchgehend ;  vereinzelte  Schreibung  mit  cfc  scheint 
auf  Verwechselung  mit  ,Hacke'  zu  beruhen,  die  auch  im  Khd. 
vorkommt  und  z.  T.  sachlichen  Grund  hat,  indem  ein  haken- 
förmiges Gerät  u.  A.  auch  zum  Hacken  dienen  kann;  daher 
unsere  Bed.  1  a  6.  Sonst  aber  müssen  beide  WW.  getrennt 
gehalten  werden,  indem  ,Häken'  ohne  Zweifel  zu  ,hähen, 
hangen',  ,hacken'  wahrsch.  zu  ,hanen'  gehört.  Was  die  ein- 
silbige Form  betrifft,  so  scheint  sie  allerdings  mit  Vorliebe 
der  pers.  Bed.  zugeteilt  zu  sein,  wie  auch  in  andern  Bei- 
spielen die  selbe  Differenzierung  geübt  wird  (s.  Lnmji,  Frank 
als  Personenn.,  SMänijg.  Tmch);  im  Grunde  aber  gehen  beide 
Formen  solcher  schwachen  Substt.,  nur  auf  ungleichem  Wege, 
aus  der  selben  amhd.  volleren  Form  auf  -o,  -a;  -e  hervor, 
indem  das  eine  Mal  der  abgeschwächte  Schlussvoc.  ganz  dem 
alemann.  Lautgesetze  entsprechend  verschwindet,  das  andere 
Mal  durch  supponiertes,  aus  den  flectierten  Casus  entlehntes 
II  gehalten  wird;  vgl.  Anra.  zu  Graben  (Sp.  680),  Gailai 
|Sp.  117),  Fad  I  w.  II  (Bd  I  670/1).  Das  vereinzelt  auf- 
tretende -m  ist  das  Gegenstück  zu  den  aus  mhd.  -em  ent- 
standenen nhd.  -eil.  —  Zu  1  a  1'2.  Da  die  Ausdrücke  ,Flach-, 
Obertach'  auf  Abkürzung  einer  Zss.  mit  , Ziegel'  beruhen,  so 
bleibt  ungewiss,  ob  nicht  auch  ,Haggen'  ebenso  aufzufassen 
sei;  Mothes'  Baulex.  kennt  beide  Ausdrücke  und  scheidet 
sie.  Übrigens  stimmt  die  von  ans  versuchte  Begriffserklilrung 
nicht  zu  den  dort  (u.  den  Artt.  .Dachziegel,  Haken,  Haken- 
ziegel')  gegebenen.  —  Zu  2  a  vgl.  das  ,Haken  schlagen'  := 
Seitensprünge  machen  des  Hasen  (Gr.  W.  IV  2,  178).  — 
Bed.  2  e  wird  sich  auf  eine  hakenförmige  Bewegung  oder 
Hebung  der  Beine  beziehen;  3  a  2  und  3  b  3  auf  verkrüppelte, 
eckige  Gestalt  (mit  hakenförmig  hervortretenden  Knochen), 
wenn  nicht  b  3  wenigstens  tw.  durch  Verkürzung  für  Mwt-H. 
zu  nehmen  ist.  3  b  2  mag  eine  Personifikation  des  Begriffes 
.Schwierigkeit'  sein :  ein  Mensch,  der  Schwierigkeiten  macht 
und  für  den  Verkehr  mit  Andern  selber  eine  Schwierigkeit  ist. 
Folter-Hägge":  hakenförmiges  Folterwerkzeug 
GnPr.  Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  178,  4.  —  Für-:  1.  Gerät 
zum  Schüren  des  Feuers  im  Ofen  SchwE.  Der  Tüfel 
mit  dem  F.  GrD.  Vgl.  Ofen-Gablen.  —  2.  Haken  zum 


1093 


Hagg,  hegg,  higg,  hogg,  hugg 


100-1 


Herausziehen  oder  Einreissen  brennender  Hölzer  bei 
Feuersbrünsten  Sch;  Z.  Man  unterscheidet  etwa  durch 
die  Wortform  von  dem  gewaltigen,  von  zahlreicher 
Mannschaft  bedienten  und  zu  deren  Behuf  mit  Hilfs- 
stangen, die  in  Zwischenräumen  am  Hauptschafte  an- 
gebraclit  sind,  versehenen  .grossen  F.'  die  FürhÖggli, 
die  je  von  einem  einzelnen  Manne  gehandhabt  werden 
und  mit  denen  der  sog.  .Fürlauf'  ausgestattet  ist.  ,Es 
soll  ouch  ein  iegklich  dorf  im  nüwen  ampt  ire  für- 
haggen  und  fürleiteren  haben.'  ZNer.  Otfn.  1489. 
,Hama,  ein  feurhacken  oder  sunst  ein  grosser  hacken.' 
Fris.;  Mal.  —  Fisch-:  =  Haggen  1  a  5.  ,1  alter 
Fischhack.'  1627,  TaBürgl.  Inv.  —  Flösser-,  Flöz-: 
H.  mit  einer  Spitze,  um  Flössholz  aus  dem  Wasser  zu 
ziehen  B;  Gr.  \gliif-heben  4  (Sp.  895).  —  Fleisch-: 
um  Fleisch  zum  Dörren  im  Kamin  aufzuhängen  Z.  — 
Fries-:  mit  3  Zinken  versehene  Grabaxt  zum  Offnen 
der  Moorgräben  (Fries)  L.  ,An  Werkmeisters  Ge- 
schirr im  Schloss  Pfäffikon:  Frieshäken,  Teuchel-, 
Kehr-,  Bawhaken  [usw.].'    1659,  SchwE.  Klosterarch. 

—  Gegel-:  eiserner  Haken  mit  scharfer  Spitze  zum 
Anpacken  und  Schieben  von  Holzstämmen  und  grossen 
Steinen  U;  Syn.  Zajnne.  —  Grab-:  eiserne,  drei- 
zackige, einwärts  gekrümmte,  sehr  starke  Gabel,  um 
Erdschollen  od.  Anderes  aus  Gräben  und  Vertiefungen 
lierauszuheben.  Ostscbweiz  It  Lindiner.  Vgl.  Häggen 
1  a  6.  .Spaten  und  Grabhäggen.'  ZRüti  Inv.  —  Heu-: 
Haken  zum  Ausziehen  des  Heues  aus  dem  Stock  ZO. 
Syn.  Heu-Lücher.    ,3  Hewhaggen.'  1627,  TnEürgl.  Inv. 

—  Hab-  =  Häggen  1  c  1.  ,N.  N.  beabsichtigt  einen 
H.  von  9  m  Länge  und  l'/a  m  Breite  zu  erstellen.'  Z 
Amtsbl.  1878.  —  Ufheb-:  der  Haken  an  der  Deichsel- 
stange, worin  ,der  Ufheber,  die  Ufhebketti'  eingehängt 
wird  Ap.  —  Heft-:  \.  =  Bund-H.  Ar;  Zf.  —  2.  Haken 
am  obern  Ende  der  Leiterbäume.  ,Die  vygent  Hessen 
[nach  abgeschlagenem  Sturm]  hinder  jnen  zwo  styg- 
leitren  mit  hefthaggen  und  mit  leder  besetzt.'  1445, 
AaB.  (Mscr.).  -  S.  noch  Cher-H. 

Hell-,  Höll(e°)-:  1.  Werkzeug  des  Teufels;  so 
in  dem  Kinderspiel , Farben  austeilen':  de''  Tiifel  mit-em 
H.  ScHW,  wie  sonst  de  T.  m.  der  Ofe"gable.  —  2.  Name 
einer  für  die  Schiffer  gefährlichen  Stelle  eines  ver- 
borgenen Felsens  AAEheinf.  ,Dieser  strudel  des  Rheins 
wirt  der  hellhack  geneniiet.'  Würstisen.  ,Rheni  ca- 
tarrhacta  prope  Rheinfeldam,  vocatur  vulgo  der  Hell- 
hacken, quasi  dicas  Tartari  uncum.'  Wagner  1680.  — 
3.  als  Schimpfw.  GRPr.  Chommend  nu'',  jier  karmen- 
tege"  Hellhägge* '.  jier  miserablege'  Hungertürren,  das 
er  sind!  Scuwzd.     Spec:  böses  altes  Weib  ZStäfa. 

Betr.  die  Viirstellung,  welche  der  u.  2  angeführten  Über- 
tragung zu  Grunde  liegt,  vgl.  Fischart:  ,Er  [der  Strudel] 
geuannt  ist  der  Höllhacken,  weil  nach  den  Schiffen  er  tuet 
zwacken',  und  es  darf  hier  vicll.  an  die  Vorstellung  von 
eiuer  Wasser-Hölle  erinnert  werden.  —  3  ist  viell.  nicht 
eine  Übertragung  von  1,  sondern  bloss  verstärkende  Zss. 
mit  flaggen  S  b. 

Gehäld-:  Haken  an  Spalieren.  1741,  Schloss  Rued. 

—  Hang-.    1604,   Inv.    einer  Sägemühle   bei  ScuwE. 

—  eher-:  Werkzeug,  a)  Haken  mit  einem  (teller- 
grossen)  Ring  zum  Durchstecken  eines  als  Hebel  ge- 
brauchten Sparrens,  mit  dessen  Hülfe  man  Holzstämme 
in  der  Säge  in  horizontaler  Richtung  umdrehen  konnte 
L.  ,1  gut  eisin  kerhaggen.'  1550,  SchwE.  Klosterarch. 
.Kehrhacken'  als  ,Mülingeschirr.'  1659,  ebd.  ,Ein  Kehr- 
hoggen  sammt  4  Hefthöggen  zur  Sagen.'  ZMeilen  1725 


(Mühle-lnv.).  Ähnliches  Werkzeug  bei  den  Zimmcr- 
leuten.  welche  die  Spitze  des  Hakens  in  das  Holz 
einschlagen  Aa,  und  bei  den  Steinarbeitern  Ndw.  — 
b)  breite  Krücke  zum  Wenden  des  Obstes  während 
des  Dörrens  UwE.  —  Chirsi"-,  Chriesi-:  I.Stock 
mit  Haken,  um  mit  Kirschen  behangene  Äste  heranzu- 
ziehen (s.  Häggen  1  a  1)  B;  Sch;  Z;  Syn.  Kr.-Häggel. 
.Kriesehagken ,  hamus.'  Mal.  —  2.  unförmlicher, 
grosser,  verschnörkelter  Buchstabe  (s.  Häggen  Ü  d) 
AaF.;  Sch;  Z;  insbes.  das  altmodische  Schriftzeichen 
für  s:f  Z. 

Chosol-:  unreinliches,  nachlässiges  Mädchen  L. 
S.  Häggen  3  b  3  und  vgl.  das  Folg.  —  Kohlen,  sudeln. 

Kät-  CChä'd-J:  schmutzige  Person  ZLunn.,  rS.; 
aber  auch  in  günstigerem  S. :  arbeitsame  Bauerndirne, 
die  auch  vor  schmutziger  Arbeit  nicht  zurückschreckt 
ZZoll.  —  Chlamm-,  in  AAPri.;  S  Chlemm-:  1.  wie 
nhd.  Aa;  ScuStdt;  S;  Z.  —  2.  a)  Schelte  für  eine 
Weibsperson  AASt.  —  b)  Spottn.  des  Polizeidieners  B. 

Kräz-:  ein  Gerät  der  Fischer,  ähnlich  dem  Geren, 
nur  mit  6  (statt  bloss  3)  und  unten  umgebogenen 
Zinken  oder  Angeln.  Der  Fischer  hakt  damit  den 
Lachs  fest  und  zieht  ihn  ans  Land.  Vetter  1864.  — 
Von  kräz,:n,   s.   d. 

Lüs-  Bs,  Lüs-  Z:  Schelte,  lausiger  Mensch.  — 
Leist-:  Haken,  mit  welchem  der  Schuster  den  Leist 
aus  dem  fertigen  Schuh  zieht  S;  Z.  —  Mist-:  1.  Gerät 
zum  Herausschaffen  des  Mistes  aus  dem  Stall  Ndw 
(auch  Misti-H).  ,Da  war  ein  frow  und  tat  ein  stall 
uf;  da  we"t  er  ein  misthaggen  erwüschen.'  1531, 
Absch.  ,3  misthaggen.'  1550,  SchwE.  Inv.  —  2.  weibl. 
Scheltname  Aa. 

BoU-:  1.  Mörser  zum  Schiessen,  Böller  W.  — 
2.  Poll-Hack,  unbeholfener  Mensch  Gr. 

1  wahrsch.  zunächst  eine  Büchse  (s.  H.  1  a  S)  mit  kur- 
zem, dickem  Lauf;  vgl.  Boller-Büchs.  —  2  bezeichnet  wohl 
eig.   plumpe  Statur,  wie  nhd.   .Boller'. 

Bund-,  in  GRNuf.  Fun-,  in  B  Bunt-,  in  F 
Punt(h)aggo :  1.  eiserner  Haken  oder  Klammer  zum 
Befestigen  von  Holz  beim  Sägen  BSi.;  GuNuf.,  von 
Balken  oder  Holzstücken  an  einander  oder  an  die 
Unterlage  bei  Zimmermanns-  und  Schreinerarbeit  Aa; 
F;  GrD.;  L;  G;  Z;  Syn.  Heft-,  Klamm-H.  Abi.  ver- 
bund-hdgglen.  —  2.  Haken  mit  Stiel  zum  Binden  von 
Heu,  auch  zum  Befestigen  von  Lasten  B.  Gang  du 
und  hol-mer  de"  Bundhägge,  dass  i'''  dm'"  d'  Sou 
a'hefte'!  sagt  man,  um  einen  lästigen  Zuschauer  beim 
Schweineschlachten  mit  einem  angeblichen  Auftrag  zu 
entfernen.  Ähnliches  s.  unter  Wurst-Hobel  (Sp.  947), 
Stichel- Streckt.  ,Hami  ferrei,  pund(t)hagken.'  Fris.; 
Mal.  ,An  Mülingeschirr :  Bundhäcken.'  1659,  SchwE. 
Klosterarch.  —  3.  Punts-H.,  Lerchensporn,  corydalis 
Cava  Gr.  —  3  vom  spornartig  gekrümmten  Ende  der  Kron- 
blätter.    Syu.   Guli. 

Bank-:  1.  eiserner  Haken,  den  der  Wagner  (Z) 
oder  der  Schreiner  (Bs)  in  die  Hobelbank  stösst,  um 
das  zu  bearbeitende  Holz  festzuklemmen.  —  2.  vier- 
kantiger eiserner  Pflock  mit  verdicktem  Kopf,  deren 
je  ein  Paar  zum  genannten  Zwecke  gebraucht  wird 
Aa;  Z.  hier  tw.  Toggen  geheissen,  zum  Unterschied 
von  der  erstem  Art.  —  Berg-:  Bergstock  mit  Spitze 
und  Haken,  den  man  an  gefährlichen  Stellen  in  Ab- 
sätze der  Felsen  einsetzt  UwE.  —  Blatt-i?(V////(: 
Häklein  aus  Holz,  Eisen  od.  Bein,  bzw.  ein  mit  einem 


Hagg,  liegg,  higg,  hogg,  hugg 


loor, 


Einschnitt  versehenes  Metallblättcheu  an  einem  höl- 
zernen Griif,  womit  die  Zettelfäden  durch  das  , Blatt' 
gezogen  werden  Aa.  —  Brett-Hägge":  bewegliches 
Eisenbeschläge,  wodurch  die  Seitenwände  des  SchiiFes 
an  das  Segelbrett  angeklammert  werden  Z  rS. 

Rit-:  eine  Art  Zange,  deren  einer  Sehenkel  aus 
einem  beweglichen  Haken  besteht,  und  vermittelst 
deren  der  Kufer  die  Dauben  eines  Fasses  heraushebt, 
um  entweder  den  Boden  leichter  einsetzen  oder  die 
Fugen  mit  Schilf  blättern   verstopfen    zu   können   Ap. 

Das  ,Klten'  in  dieser  Verbindung  bezieht  sicli  vielleicht 
darauf,  dass  der  Küfer  seine  ganze  Körperlast  in  wiegender 
Bewegung  auf  das  Werkzeug  wirken  lässt. 

Seiler-:  am  Seilerschlitten  angehängter  H.  Z. 
—  Vorsetz-:  Werkzeug  der  Zimmerleute  Z.  Syn. 
Frosch.  —  ,Schiffhagken,  anchora.'  Mal.  —  Ge- 
schänd-Hägge":  Einer,  der  Freude  hat.  Andern 
Etw.  zu  verderben  (g'schänden)  GoT.;  Syn.  G'sch.- 
Hufen.  —  Stig-  =  HäggenlaS  kk;  S;  Syn.  Oberte-, 
Stig-Leitere,  Stlgi,  Stigele;  Stig-Ncigel.  —  Dach-: 
(PI.)  hölzerne  Haken,  in  Abständen  von  je  6'  ange- 
bracht, um  die  Latten  (Stangen,  mittelbar  auch  die 
Steine)  auf  dem  Dache  festzuhalten  Schw;  Ndw.  — 
Doppel-:  1.  die  grösste  Art  der  Häggen  1  a  8. 
Auch  =  Böller  W.  Ein  Gemeindevorsteher,  der  ein 
obrigkeitliches  Schreiben  nicht  recht  lesen  konnte, 
erklärte,  es  seien  Filsi  [Flinten] ,  Lame',  Chrumm- 
strich  und  Toppelhal^e'  in  der  Schrift  und  das  bedeute 
Krieg  Gr  (Tsch.).  ,Pulver-Fläschen,  Doppelhöggen, 
Model  zu  Doppelhöggen,  Bandalier;  Lunden.'  1659, 
Inv.  des  Zeughauses  SchwE.  ,Üoppelhacken,  tormen- 
tuni  duplicarium.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Das  Zilschiessen 
mit  den  Doppelhögken  und  Stucken  soll  fortgesetzt 
werden.'  Z  Mand.  1696.  —  2.  schwerfällige,  unge- 
schickte Person  L.  —  Trag-:  hölzernes  Werkzeug, 
dessen  sich  die  Küfer  vormals,  da  die  Dauben  noch 
einzeln  angeschnitten  und  an  die  Böden  angepasst 
wurden,  bedienten,  um  den  Dauben  während  dieser 
Hantierung  Halt  zu  geben  Z.  .Der  Meister  Küfer  hat 
im  Bindhaus  . . .  Tr.'  1659,  SchwE.  Klosterarch.  — 
Trüll-:  Haken,  dessen  oberes  Ende  in  einem  Ringe 
(Zicinge)  steckt  und  darin  drehbar  ist  (sich  trülletj 
und  der  in  den  Knoten  eines  Seiles  eingehängt  zum 
Aufziehen  der  Garben  in  der  Scheune  dient  Z.  Syn. 
Ufzieh-H.  —  Wiber-:  ein  Kunstgriff  beim  Schwin- 
gen, wobei  man  den  Gegner  an  sich  zieht,  das  rechte 
Bein  hakenförmig  auswärts  an  das  des  Andern  schlägt 
und  ihn  dadurch  zu  Falle  bringt  LE.;  Uw.  Vgl. 
Haggen  2  a.  —  Wand-:  Haken,  Nagel,  Etw.  an  die 
Wand  aufzuhängen  BSi.  —  Weri-  =  Häggen  1  c  1 
ScHwArth,  Brunn.  —  Zug-:  Haken  am  Pflug,  welcher 
kürzer  oder  länger  am  Stege  eingehängt  wird,  je  nach- 
dem man  mehr  oder  weniger  tief  pflügen  will  AaF.; 
Syn.  Zug-Ring.  —  Uf-zieh-  =  Triill-H.  Z.  —  I»- 
lieh-Höggli  =  Blatt-H.  Z.  —  Zer'-Hägge":  ein 
Fehler  im  Gewebe,  der  entsteht,  wenn  in  Folge  eines 
Knotens  zwei  Fäden  im  Schussloch  selbst  sich  an  ein- 
ander hängen,  ohne  dass  es  die  Arbeiterin  bemerkt, 
und  der  Schuss  hinter  dem  Knoten  durchgeht,  so  dass 
beim  Zuschlagen  des  Blattes  die  betreifenden  Zettel- 
fäden nachgezogen  (gezerrt)  werden,  indess  der  durch 
den  Knoten  festgehaltene  Schuss  aus  der  gehörigen 
Lage  kommt.  Ein  ganz  kleiner  Zerhaggen  heisst  auch 
wohl  Änhenker  Z. 


hägge",  bzw.  -Ö-;  1.  mit  einem  Haken  oder  mit 
gekrümmten  Fingern,  Klauen  ziehen.  So  abe-h.,  z.  B. 
beim  Kirschenpflücken;  von  einer  Katze,  die  ein  Stück 
Fleisch  erbeutet;  y otn  Häggenmann  [Wassergeist],  der 
Kinder  in  die  Tiefe  zu  ziehen  droht;  use-h.,  ein  Stück 
Hausrat  bei  einer  Feuersbrunst  Z.  —  2.  sich  auf 
Händen  und  Füssen  bewegen,  wie  kleine  Kinder,  die 
noch  nicht  gehen  können  Schw;  Zg;  Syn.  gräpen, 
schnäggen.  —  3.  unordentlich  hacken  (auf  nassem 
Felde)  ZG.  Schlecht,  leichtfertig  arbeiten;  drt'  h., 
unordentlich  dreinfahren  ZO.  Schlecht  schreiben: 
.Ihr  verstehet  kaum  euren  Namen  zu  schreiben  und 
wenn  ihr  eine  Stunde  daran  gehögget  habet,  könnet 
ihr  's  selber  nicht  lesen.'  Stütz  1851.  Sin"  Name' 
ane"-h.,  in  schwer  lesbarer  Schrift  unterzeichnen  Z. 
Vgl.  Häggen  2  d.  —  4.  unredlich  handeln,  Knifl"e  an- 
wenden, um  Andere  zu  übervorteilen,  zu  Ränken  ge- 
neigt sein  Ap;  Gl;  Gr;  GoT.  Auch  häggfejlen.  Vgl. 
Häggen  3  b  2.  —  5.  zanken.  Ir  heit  doch  Nüd  a's 
z'  h.,  sagt  die  Mutter  im  Tone  des  Vorwurfs  zu  ihren 
Kindern, 

Bed.  2  erklärt  sich  ans  der  krummen  Haltung  und  Be- 
wegung der  Glieder;  3  bezieht  sich  auf  die  krumme,  un- 
regelmässige Gestalt  der  Arbeit,  4  auf  die  krummen  Wege. 

ab-:  1.  abmarkten,  Einem  Etw.  auf  unrechte  Weise 
abgewinnen,  abzwacken  Ap;  GnPr.;  G.  —  2.  ,mit 
Einem  a.',  den  Verkehr  abbrechen  Ap  (St.""). 

Bed.  1  zu  häggen  4.  Bed.  2  i.  S.  v.  abhängen,  d.  h. 
etwas  Angehängtes,  z.  B.  von  einem  Wagen,  losmachen.  Vgl. 
die  Gegensätze  .anbinden,  anknüpfen,  in-henken,  anbangen' 
von  geselligen  Verhältnissen. 

ver-:  verunstalten,  verwirren,  z.B.  ein  Schreib- 
heft mit  schlechter  Schrift  ZZoll.  Auch  von  anderer 
unordentlicher  Arbeit  ZO.  Grad  ist  e  Mus  über  d' 
Milch  i-e  g' Sprunge".  Lueg,  wie  de  Nidel  verhögget 
ist !  Stutz.  Verhägget,  verwickelt,  verworren,  schwer 
zu  lösen  BGr.     Vgl.  ver-hägglen. 

Hägger  ni.:  unredlicher  Knauser,  Schalk  Ap.  Vgl. 
Häggen  3  b  2,  Häggi.  —  Häggeri,  -ei  f.:  1.  un- 
ordentliche Arbeit  ZF.  —  2.  unehrliches  Handeln  GRPr. 

Häggerin:  ein  weibl.  Gespenst,  ähnl.  der  Klungere 
Zßicht.    —    Wahrsch.   mit  gebogener  Nase,  s.  Unggen-Nme. 

gehägget.  ,Uncus,  gehagket,  hagkenweis,  krumm.' 
Fris. 

Häggete  f.:  unordentliche  Arbeit,  bes.  schlechte 
Schrift  Z. 

Häggi  m.:  Mensch,  der  im  Verkehr  Schwierig- 
keiten macht,  Andere  übervorteilen  will  Gl;  GWa.; 
vgl.  Hägger. 

g'häggig:  verschnörkelt,  von  der  Schrift  Z. 

verhäggle":  in  Unordnung  bringen,  z.  B.  Federn 
auf  dem  Hut  BBurgd.     Vgl.  ver-hägglen. 

„häggne°  =  hägglen  W." 

Hägg  m.:  1.  geringe  Kuh  mit  abwärts  oder  nach 
hinten  gekrümmten  Hörnern  Gl;  G  (-e-J.  Kühe  von 
dieser  Art  gelten  als  bösartig.  Vgl.  Furgg  und  Heggi. 
—  2.  im  Umgang  schwieriger  Mensch  Gl. 

Der  begriffliche  Zshang  zw.  Hagg  und  den  folgenden 
VVW.  mit  -ö-  einerseits  und  Häggen  anderseits  veranlasst 
die  Einreihung  an  dieser  Stelle,  obwohl  nicht  verschwiegen 
werden  darf,  dass  für  die  meisten  der  betr.  MAA.  die  Regel 
nicht  a,  sondern  ö  als  Uml.  verlangt.  Das  sonst  unerklär- 
liche ö  beruht  viell.  auf  Vermengung  der  vorliegenden  Fa- 
milie mit  der  Familie  hack-. 


1007 


llagg,  liegj?,  higg.  hogg,  hugg 


1098 


hägg:  krumm,  gebogen,  schief,  „z.  B.  von  der 
Nase  LE."  D' Haimen  ist  z'Mg  a'g'stelU,  wenn  das 
Eisen  der  Hacke  zu  schief  am  Halm  steht  Aa.  Der 
heit-mer  die  Baue  z'  wenig  h.  g'macht  SL.  Übertr. 
auf  Geistiges.  De''  Chopf  ist  mir  h.,  verdreht,  ver- 
worren, von  zu  vielem  Trinken  L  (Ineichen). 

Eig.  wohl:  hakig,  hakenförmig,  von  der  verkürzten  Stamm- 
tVirm  nayg  abgeleitet  mit  -i  (e),  welches  dann  abfallen  musste. 
Hie  von  St.  angegebene  Nbf.  häyya  (adverbialer  Gen.)  deutet 
darauf,  dass  das  Adj.  meist  nur  präd.  gebraucht  werde. 

hinder-hägg  {-ig  Bliümm.,  -isch  LE.):  1.  hinten 
umgekrümmt  L  (Ineichen).  —  2.  zurückhaltend.  Syn. 
hinder-hebig.  a)  im  Gebrauch  von  Geld  od.  Vorräten, 
sparsam,  karg,  geizig  B;  „LE.;"  SRech.  Chlei  [ein 
wenig]  h.  verfare'  mit  dem  Wi".  Schild.  —  b)  mit 
Mitteilung  der  Wahrheit,  nicht  oifen  B;  „LE."  — 
c)  mit  Leistungen  für  Andere,  im  Verkehr  übh.,  wider- 
spenstig, ungefällig,  wer  Schwierigkeiten  macht,  nicht 
mitmachen  will,  aus  Bequemlichkeit  oder  Misstrauen 
BGümra.,  K.,  Si. ;  Syn.  verbiinstig.  Cliriste'  hei  nid 
welle'  d'  Steine'  wegrüme'  uf-em  obere"  Berg  mW  ist 
süst  hinterhdgg  g'sl;  «•"'  so  htt  d'  G'meind  en  andre' 
Chiiejer  welle'  BM.  (Schwzd.).  Wer  Kniffe  anwendet 
LE.  (St.*").  Vgl.  Häggen  3  b  2,  häggen  4.  ,Hinder- 
häg',  fingierter  Ortsn.  Gotth.  —  Viell.  aber  Abi.  v.  Hny. 

Häggel  (bzw.  -ö-)  m.:  1.  Haken  AASt;  L.  — 
2.  Gerät  zum  Wegscharren  von  Unkraut  AASt.;  Karst 
Aa  oP.  —  3.  Joch,  Doppeljoch,  das  2  Zugtieren,  Och- 
sen, auf  den  Nacken  gelegt  und  an  den  Hörnern  be- 
festigt wird  L  (Ineichen).  —  4.  unleserliche  Schrift- 
züge L.  —  5.  de"  H.  (auch:  Häggli)  züehe',  die  Kraft 
mit  Jmdm  messen,  indem  man  einen  Finger,  meist 
den  Mittelfinger,  in  denjenigen  des  Gegners  einhäkelt 
und  Diesen  (meist  über  den  Tisch  oder  eine  andere 
Sehranke)  an  sich  zu  ziehen  versucht.  Er  hed-em  de" 
H.  möge",  ihn  bezwungen  Ap.  S.  hdgglen  3.  —  ö.  un- 
behülfiicher  Mensch  L;  vgl.  Häggen  3  b  3. 

Chriesi-  :=  Kirsi-Häggen  Aa  oF. 

Bach-:  Wassergeist,  Nix.  Der  B.  tuot  di'''  i" 
Bach  inne"  zere",  RA.,  um  die  Kinder  zu  schrecken 
ScHwIb.    —    Sonst  Hagyen-Mann;  s.  },äyyen   1. 

„Häggelef. :  1.  Name  eines  weiblichen  Gespenstes, 
dem  die  H.-Nacht  geweiht  ist  AaP.;  L."  Vgl.  Häggerin. 

—  2.  verschmitztes  Weib;  Hexe. 

Scheint  trotz  der  Kürze  des  Voc.  mit  Uäyadi,  Jiäyye* 
vwdt  zu  sein;  jene  dürfte  viell.  auf  Einduss  des  syn.  Sirägyele 
zurückgeführt  werden. 

häggele"  (bzw.  -Ö-):    kleine  Kniffe  anwenden  G. 

—  Syn.  hüyylen  4   und,  wie  dieses,  Uim.   zu   häyyen  4. 
Häggeler  m.:  1.  Mensch  mit  auswärts  gekrümm- 
ten Beinen  BHa. ;  vgl.  schilt-lwl.  —  2.  Hakenstock  BHa. 

Häggeli  n.:  unscheinbares  Mädchen.  Vgl.  Häg- 
gen 3  b  3.  ,Wenn  er  so  reich  ist,  so  muss  er  ein 
Narr  sein,  dass  er  so  ein  H.,  so  ein  Schlärpli  will, 
nicht  recht  im  Kopf,  er  würde  sonst  auf  eine  Hüb- 
schere sehen.'  Gotth. 

hägge°:  schief  gehen,  hinken,  von  Vieh  ZSchönenb. 
Vgl.  Häggeler  1. 

Butze°-,  Boize"-Häggi  m.:  Name  des  Teufels 
LM.f  Syn.  Borzi-Hälli.  —  Botz,  Butz,  Spukgeist;  H&yyi 
viell.  mit  Bez.  auf  Heil-Hayyen. 

häggle"  (bzw.  -Ö-):  1.  mit  Haken  od.  Ähnlichem 
hantieren.  B'  G'selle"  höggle'd-si  [die  neue,  in  die 
Hohe   der  Schalllöcher   emporgezogene  Glocke]   ine*. 


EScHöNENEERGER.  ß'  Chatz  höggUt  Brocken  us  der 
heisse"  Milch  Z.  Auch  intr. :  die  Krallen  sehen  lassen, 
krallen,  kratzen,  von  der  Katze  Aa.  —  2.  den  unter 
Häggel  5  beschriebenen  Wettkampf  ausüben,  allg. 
Das  Ziehen  geschieht  auch  mittelst  eines  Ringes  von 
Schnüren,  Draht  oder  Weidenruten,  in  welchen  die 
Finger  eingelegt  werden.  Vgl.  GKeller,  ,Fähnlein  der 
7  Aufrechten.'  —  8.  „schlecht  schreiben";  g'hägglet, 
unleserlich  geschrieben  L.  —  4.  Dim.  zu  häggen  i 
B;  Gl;  insbes.  z.B.  Versprechungen  nicht  erfüllen, 
Schulden  abläugnen  B  (Zyro).  Spitzfindig  reden  GStdt, 
Streit  suchen,  hadern,  zanken,  zänkeln  Bs  (Spreng); 
BHa.;  ZO.;  Syn.  Iranglen.  Es  git  es  G'hägglets,  Streit 
BHa,  —  5.  sich  betrinken.  Er  hed  g'hägglet,  ist  be- 
trunken L  (Ineichen).  —  6.  beim  Kartenspiel  das  Zei- 
chen eines  Hakens  machen,  wodurch  die  sog.  Eicheln 
(verbotener  Weise)  sollen  angedeutet  werden.  Da 
rvird  weder  g'schniipßet  no'''  g'schilet,  tveder  g'lället 
no"''  g'häklet  GSa.  (Proph.  1855). 

abe°-:  (Kirschen  vom  Baume)  herunter  ziehen  Bs; 
Z.  —  i"-:  in  ein  Häkchen  einhängen  (die  Hafte  von 
Kleidern)  Ap.  —  use-:  heraus  nehmen  Bs.  Bildl.: 
aus  einer  Verlegenheit  erlösen  Sch.  Refi.:  seine  Ehre 
gegenüber  Anschuldigungen  zu  retten  suchen  Scu.  — 
ver-:  verwirren,  Faden  und  Schnüre,  ein  Geschäft  L. 
Vgl.  verhäggen,  verhägglen.  —  ver-bund-:  scherzh. 
=  heiraten  Z;  Syn.  ver-lieb-löchlen,  ver-e-grümplen.  — 
z'sämme"-:  in  einander  hängen,  verschlingen.  Die 
kleine"  Finger  händ-si  [zwei  Kinder,  die  beim  Spa- 
zieren einander  fuhren]  z.-g'hägglet  Bs  (Schwzd.).  — 
,zueche-:  uncino  attrahere.'  Id.  B. 

Häggler  m.:  1.  Einer,  der  im  Hägglen  2  stark  ist 
B;  Z.  —  2.  streitsüchtiger  Mensch,  Zänker  Bs  (Spreng); 
B  oHa.  Zu  hägglen  4.  —  3.  eine  Art  schmackhafter, 
roter,  „aus  England  eingeführter"  Kartoffeln  mit  ha- 
kenförmigem Ende  Ap;  „B;"  Gl.  Vgl.  Schnäbelcr. 
,Rote  Nierenkartoffel,  Häckle[r],  Häckli.'  Heer  A: 
Blümer  1846,  386;  Heer  &  Regel  1845,  41. 

„Gürbi-:  Drechsler,  bes.  der  Spinnräder  macht 
BÜ.;  F;  Syn.  G.-Reiser.' 

Hägglet  m.:  der  Wettkampf  im  Hägglen  2  Schw. 
De"  H.  g'winne'. 

Hägglete  f.:  Häkelarbeit  ßs;  Z. 

Häggli  m.  =  Häggel  5  ApK. 


ver  -  häggele"  :  verhätscheln  ZNer.  Syn.  ver- 
tag gelen. 

,Hurst-hegg,  vel  heidelber  vel  bramber.'  Ebinger 
1488. 

Hurst,  Gesträuch ;  vgl.  nhd.  ,horsten'.  ,Hecke'  bed.  nach 
Gr.  WB.  IV  2,  "43  urspr.  Dornstrauch,  bes.  Brombeerstrauch; 
auch  Maler  erklärt:   ,Hecken,  dorngestäud.' 

.jHegge"  I  f.  —  PI.  Heggeni:  die  Frucht  des 
Hagedorns  od.  Weissdorns,  erat.  oxyc.  B.  Syn.  Heggi-, 
Dorn-Beri. 

heggaze":  ein  Spiel  der  Knaben,  wobei  sie  kleine 
Steine  auf  die  Zehen  legen  und  sie  so,  auf  einem  Fuss 
hüpfend,  ohne  sie  fallen  zu  lassen,  einem  Ziele  zu- 
tragen Th  t- 

Der  Gewährsmann  dürfte  Jas  von  ihm  beschriebene  Spiel 
selbst  nicht  mehr  ganz  im  Gedächtniss  haben;  denn  d.is 
Tragen  von  Steinchen  in  hüpfender  Bewegung  nach  einem 
Ziel  gehört  zu  dem  von  Rochh.  (111.  Schweiz,  Bern  18G4, 
S.  472  f.)  unter  dem  Namen  ,in  den  Himmel  hoppen'  be- 
schriebenen Spiele,  wobei  der  Spielraum  in  B  hinter  einander 


Hagg— Inigg.     Hah— huli.     Haj  — liu 


liegende  Rechtecke  abgeteilt  ist,  durch  welche  man  das  anf 
die  Zehen  gelegte  Steinchen  hüpfend  hindurchtragen  muss, 
um  in  das  oberste,  ,don  Himmel',  zu  gelangen.  —  Das  W.  ist 
wohl  eins  mit  hitzgen,  ahd.  hcskazan,  mhd.  heschezen,  schluchzen. 
Das  stossweise  Vorrücken  auf  der  Spielbahu  könnte  mit  stoss- 
weisem  Atmen  verglichen  oder  dieses  als  Sinnbild  des  Dor- 
stens, Schmachtens  nach  dem  himmlischen  Ziele  aufgefasst 
sein.   —    .Heggenzer',  Geschlechtsn.  XVI.,  Seh;  Z. 

Heggel  m.:  altes  Rind  Bs.  —  Heggele  f.:  kleine, 
magere  Kuh  Aa.  —  Heggi  f.  (St.'),  m.  (St.^),  n.  Bs: 
(lass.  B  (Zyro);  auch:  magere  Weibsperson  Bs.  „Dim. 
Heggeli.'^     Heggi  auch  Geschlechtsn.  B  (Zyro). 

Vgl.  Hat/i)  (Hegg).  Der  Quautitätsunterschied  wie  in 
,Häkon  :  Hacken'. 

üs-lieggele":  auslachen,  verspotten  Gl. 

Hegge"  II:  Koseform  des  weibl.  Taufn.  Hedwig  Bs. 

Heiggel,  Heiggi  s.  Heinrich. 

Mgge":  1.  (in  BHa.  higgellen)  schluchzen,  glucksen 
(leeres  Äufstossen  aus  dem  Magen)  BG.,  0.;  Obw;  W. 
Wer  higget,  hat  g'schlenet  [genascht]  BHa.  Sprüche 
gegen  das  Schluchzen  s.  ßochh.  1857,  343.  Syn.  huggen, 
herschen,  hixen,  hitzgen,  jöschen.  —  2.  stark  atmen 
vor  Anstrengung  BG.  Vgl.  hippmen.  —  Higgi  I  n.: 
1.  das  Schluchzen,  Glucksen,  Äufstossen  aus  dem 
Magen  BHa.  (auch  Higgelli),  Stdt.  D's  H.  ha'  BG. ;  W. 
Syn.  Gluxi,  Huggi.  —  2.  Atmungsbeschwerden  BG. 
—  higgne",  higne":  1. ^higgenl  Aa.  —  2.  „higne' 
Aa,  hiekme'  Gl;  GRh.;  Z,  laut  und  stark  (nach  schnel- 
lem Lauf,  bes.  von  Tieren;  Syn.  hits-blären)  oder  tief 
und  schwer  (nach  heftigem  Weinen)  atmen." 

A'gl.  ahd.  henkaain,  schlnchzen;  mhd.  zsgez.  hescheti  — 
Alles  Nbff.  oder  Variationen  des  nachgeahmten  Naturlautes 
selbst,  dessen  Grundform  wohl  auf  Guttural  ausgeht  (ygl. 
engl,  hic-congh  und  frz.  hoquet),  für  den  dann  auch  Labial 
eintreten  konnte.  —  St. 's,  auch  vom  Arch.  Vet.  1820  über- 
lieferte Schreibung  mit  c-k  deuten  wir  auf  reine  Tennis 
(gg  d.  i.  t),  was  mit  Bez.  auf  Gl  u.  GRh.  gar  keine  Schwierig- 
keit macht;  zur  Verbindung  von  hickmm  mit  kicken  1 .5  stehen 
die  Bedd.  zu  weit  von  einander  ab.     Vgl.  Anm.  zu  hehelen. 

Higgi  II  s.  Christian. 

Hoggängg:  Neckw.  Um  Einen  zu  narren,  schickt 
man  ihn  z.  B.  in  die  Apotheke,  für  10  Kappen  H.  zu 
holen  UwE. 

Hoggänggel:  1.  Spottn.  eines  Menschen,  der  sich 
narren  lässt,  oder  übh.  Tölpel  UwE.  —  2.  Interj., 
Einem  zugerufen,  der  fällt  oder  stolpert  Ndw. 

hügge",  nur  in  der  Formel:  es  högget,  es  bogget 
usw.,  mit  der  der  Inhaber  eines  Roulettenspieles,  wäh- 
rend er  dasselbe  in  drehende  Bewegung  setzt,  zum 
Einsatz  einladet  Aa.  —  Höggiss,  nur  in  der  Ver- 
bindung: fes  ist  Alles)  H  (und)  Böggiss,  durch  ein- 
ander, drunter  und  drüber,  das  Unterste  zu  oherst 
Aa;  B  (P-).  Wie  die  schöne"  Möble"  da  h.-p.  uf 
enandere'  obe'  si"!  H.  JB.  und  Holebastete' !  Ruf  der 
Roulettenhalter  auf  den  Kirchweihen  L. 

Hokus  Fokus,  allerlei  Durcheinander,  verworrene  Geräte 
und  Geberden  des  Zauberers;  vgl.  engl,  hodge-podge.  Die 
Vben  sind  wahrsch.  aus  diesen  Substt.  gebildet  und  bedeuten 
etwa  so  viel  als :  der  Zauber  (des  Glücksrades)  ist  im  Gang. 
Holebastete  sind  wahrsch.  hohle  Vasteten,  mit  allerlei  Füllsel, 
hier  i.  S.  v.   ,allerlei   Leckerbissen,  Gewinnste'. 

„hngge" ;    Huggi  n.  =  higgen  1,  Higgi  BGadm." 


Hall,  hell,  liih,  holi,  huli. 

S.  auch  die  Reihen  Ha  usw.,   Hnch  usw.,  Uuw  usw. 

liehele",  hihele"  Ap,  hühene°  Gr:  wiehern.  Syn. 
hüchlen,  hisclienen;  wähelen,  wejenen;  jüzen;  rüchlen. 

Vgl.  bair.  hechezen,  hichezen,  keuchen,  schluchzen ;  wiehern, 
und  VII  Comm.:  hicheln,  wiehern.  Alle  diese  WW.,  zs.  mit 
unserm  hechlen,  hichlen,  lachen,  und  higgen,  schluchzen,  ken- 
chen, nebst  dessen  Varianten,  gehören  zn  einer  Gruppe  nach- 
geahmter Naturlaute,  durch  welche  verschiedene  physiolo- 
gische Affektionen  der  Atmungsorgane  bezeichnet  werden. 
Auch  die  mit  w    anlautenden    hatten    früher   vor  demselben 


Haj,  liej,  hij,  lioj,  hnj. 

S.  auch  die  Reihen  Ha  usw.,   Hach  usw.,  Haw  usw. 

Ge-hlj  G'hi  bzw.  -eH,  Ky-:  1.  m.,  Ärger,  Ver- 
driesslichkeit  Ap;  Z.  Zum  Eei  ond  zum  Trotz  Ap. 
Eigensinn :  Der  G'hei  löt  im  's  nit  zue,  hindert  ihn 
daran  (z.  B.  nachzugeben).  Sülger.  ~  2.  n.  a)  Lärm, 
.\ufregung.  Es  G.  mache,  viel  Aufhebens.  Es  iseh 
si  nit  der  Wert,  so  nes  G.  z'  mache'  .\ASt.;  Syn. 
G'heie«  (subst.  Inf.),  Lebtig,  Metti,  G'fäch.  —  b)  GU, 
„Kl,  ChV,  nach  anderer  Angabe  Chin,  steiler,  schau- 
riger Abgrund  zw.  hohen  Felsen;  wilder,  schmaler, 
senkrechter  Felsenschlund,  von  einem  Wasser  durch- 
rauscht W.  Auch  in  Zss.,  z.  B.  Chi-Briggu  [-Brücke], 
Massa-Chi,  Ortsn. 

1  und  2  a  gehören  jedenfalls  zn  dem  Vb.  gehtjen.  Das 
Geschl.  bei  1  kann  urspr.  sein  oder  erst  von  den  syn.  ,Ärger, 
Verdruss'  übertragen.  Wenn  2  b  hieher  gehört,  das  n  der 
Nbf.  nur  als  ein  irrtümlich  reconstruierter  Ansl.  betrachtet 
werden  darf,  so  wäre  es  von  dem  selben  Vb.,  aber  in  der 
Bed.  ,fallen,  stürzen',  abgeleitet,  als  Bezeichnung  eines  Ortes, 
wo  der  Boden  steil  abßllt  oder  wo  man  (eben  darum)  leicht 
fallen  kann.     Vgl.   G'fett  (Bd  I   745). 

hi(j)e''  hzw.  he'i(j)e',  das  Grundw.  der  folg.  zsgcs. 
Verba;  nur  bei  Redinger  (s.  u.  ge-h.). 

über-:  1.  tr.  a)  umwerfen  S  (Schild);  einen  lie- 
genden Gegenstand  auf  eine  andere  Seite  bewegen 
ScH;  Z.  —  b)  übertreiben.  7"*  Icönnt  de'  Bademere' 
nümmeme''  Secht  ge" :  si  händ  's  gar  überheit.  Gesprach 
1712.  —  c)  Jmden  mit  Unwahrheit  überstreiten  wollen 
Bs  (Spreng).  —  2.  intr.  a)  umfallen,  umkippen,  bes. 
vom  Pussgelenk,  überstürzen,  über  und  über  fallen 
Gl;  L(St.'');  Sch;  Obw;  Z;  Syo.  über-hüselen,  -heglen, 
-bürzlen.  Die  Big  [Holzschicht]  überheit.  ,Pr8ecipitem 
ferri,  so  fallen,  dass  man  den  Hintern  übersieh  streckt.' 
ScLGER.  Lauf,  dass-d"  über  und  über  heist!  Sprww. 
1824.  Bildl.:  P''  überhlje  «m'*  nid!  habe  noch  nicht 
zu  viel,  z.  B.  Lohn  Obw.  Sich  überwerfen :  d'  Eleut 
sind  mitenandere  überheit  UwE.  Übertr.:  irrsinnig 
werden  Z;  vgl.  überschnappen,  -rüeren.  Von  Sachen: 
fehlschlagen.  ,Es  stehe  im  Glauben,  d'  Sach  überhei.' 
GoTTH.  —  b)  überlaufen,  austreten,  von  Flüssigkeiten. 
De  Bach  ist  überhit  B;  L;  Th.  Es  überheit,  die  Flüssig- 
keit läuft  über  den  Rand  des  Geschirres  AaB.;  Tb. 
Von  der  Galle  s.  Sp.  204.  —  3.  Ptc.  Perf.  als  Adj., 
bzw.  .\dv.,  Verstärkungsw.  i.  S.  v.  übermässig,  überaus 
Aa;  Ap;  L;  GT.;  Sch  (Kirchh.);  S.  Überheit  scitön,  vil, 
voll  udgl.    En  ü-e  Städ  [Pracht].    D'  Lüt  hei  gar  ü. 


hij, 


Freud  g'ha  mit-is  S  (BWyss).  ,Ihr  Gnaden  habens  über- 
heit  gezürnt,  dass  ich  mein  Haus  vernüwt',  Stauifacher 
zu  Gessler  (auf  einer  Inschrift  von  1(J95). 

Bei  der  etwas  unklaren  Angabe  1  c  mag  crhijen,  erlUgen, 
mitspielen.     3  erklärt  sich  aus   1  b  oder  2  b. 

er-:  1.  Falsches  ersinnen  und  aussprechen,  lügen, 
erlügen  Ap;  Bs;  GRSchud.;  Th;  W;  Z.  Du  hesch-es 
erheit.  So  mues-i  's  dann  erheit  ha'  [wenn  meine  Aus- 
sage nicht  wahr  sein  soll]  Z.  Er  het-ne  g'heissc 
erhlen,  ihn  Lügner  gescholten  GrL.  Vom  Bode'  dünne 
[von  Grund  aus]  erliU  Gr.  En  erheite  Lug  Gn ;  L ;  Z 
(das  Ptc.  hier  in  abstr.  verstärkendem  S.  =  verdammt). 
Oft  (und  z.  T.  nur)  in  formelhafter  Verbindung  mit 
dem  syn.  erlogen:  faul  und  falsch  Aa;  Ap;  BsLd; 
B;  Gr;  L;  G;  Schw;  Th;  Z.  Erstunken  und  erhit 
ScHwNuol.  In  GB-h.  a.nch:  verheit  und  verlogen.  , Wel- 
cher zum  ander"  frefenlich  under  die  ougen  in  höner 
wys  redt:  du  muesst  mir  's  erhyt  han.'  Ap  LB.  1409. 
,Das  sind  die  frefnen  Wort:  des  ersten,  dass  einer 
den  andern  heisst  liegen,  oder  er  hab's  erlogen  oder 
erhit'  ScHwMa.  LB.  , Welcher  zu  dem  andern  sagt: 
du  hast  es  crheyt,  das  soll  als  vil  sein,  als  ob  er  in 
heisse  lügen.'  1607,  U.  , Liegen,  leugen,  erhejen,  men- 
tiri,  fingere.'  Red.  16ti'2.  ,Du  lügst,  ald  du  hast  es 
erhygt.'  I(i65,  GHenneb.-Pet.  Landr.  ,Er  hab's  erheyt 
wie  ein  Ketzer.'  ZWasterk.  Proc.  1701.  ,Sie  hab's 
erheyt  wie  ein  Hex.'  ebd.  —  2.  an  einer  Behauptung 
festhalten,  sie  durchzwingen  Z.  —  3.  Etw.  in  Abrede 
stellen  GrL.,  Ehw.     Auch  ver-h. 

Bed.  2  und  3  lassen  sii:h  mit  1  vereinigen  bei  der  An- 
ualinie,  dass  das  Festhalten  und  Bestreiten  mit  dem  Bewusst- 
sein  der  Unwahrheit  verbunden  sei.  —  In  Bed.  1  ist  das 
W.  ohne  Zweifel  auch  in  der  folg.  Stelle  angedeutet:  ,Wer 
spricht,  du  hast  g'logea  oder  das  ist  erlogen  oder  noch  grö- 
bere wort,  damit  das  wort  liegen  g'ineint  würt,  harzu  brücht, 
der  soll  3  ß  geben.'  1539,  B.  Man  sieht  daraus,  dass  es 
eig.  verpönt  war,  weil  es  unsaubern  Ursprung  hatte,  mehr 
als  das  syn.  ,erstunken',  welches  eig.  nur  ,faul  gewordeu' 
bedeutet  (vgl.  ,faul  und  falsch').  Daher  auch  die  gelegent- 
liehe Ersetzung  des  W.  durch  ,erschn!jen' :  ,Du  hest's  er- 
schnit!'  JMahl.  1620.  —  Gr.  WB.  3,  847  erklärt  ,erheit' 
aus  ahd.  ,erheiet',  verbrannt,  und  dazu  scheint  auffallend  zu 
stimmen,  dass  bei  uns  für  eine  starke,  offenbare  Lüge  auch 
en  ixrbrennle''  Lug  gesagt  wird;  doch  wird  dieses  ,verbranut' 
wie  bei  ähnlichen  Scheltww.  nur  den  allg.  S.  von  .verwünscht, 
verdammt-  haben,  oder  es  beruht  auf  nahe  genug  liegender 
Übertragung  aus  der  geläufigem  Verbindung  ,Terbrennter 
Ketzer'  (vgl.  o.  den  Beleg  v.  1701).  Jene  Deutung  scheitert 
aber  durchaus,  sowie  die  von  ,e.'  =  ,erhegen'  i.  S.  v.  ,aus- 
hecken',  an  dem  Laut  des  W.,  welcher  von  dem  alten  Diphth. 
(e-i)  entschieden  absteht.  Wenn  nun  in  hijen  (resp.  i/ehljm, 
s.  d.)  aus  dem  edeln  Begr.  ehlicher  Beiwohnung  der  rohe 
von  fleischlicher  Vermischung  übh.  und  insbes.  auch  von 
gewaltsamer  Schändung  und  Notzucht  entstanden  war,  so 
konnte  erhijm,  gemäss  der  Bd  I  i02  c  ß  angegebenen  Bed. 
von  er-,  die  Bed.  von  ,erzeugen',  und  zwar  mit  dem  Nbbogr. 
des  Willkürlichen,  Gewaltsamen,  Erzwungenen,  Unrechtmäs- 
sigen, unechten,  erlangen,  mit  dem  es,  auf  Geistiges  auge- 
waudt,  die  Bed.  ,erlügen'  ergab,  gleichsam  ,der  Wahrheit 
Gewalt  antun'.  —  Auffallend  bleibt  nur,  dass  das  Vb.  fast 
nur  in  dem  Ptc.  Perf.  vorkommt.  Die  in  der  ä.  Spr.  vor- 
kommende Schreibung  mit  -g  ei  klärt  sich  aus  der  häufigen 
Nbf.  hiyiM  für  Ann  (wie  friy  für  fri,  drlger  für  drier  u.  ä.). 

uf-er-:  aufbrauchen;  verzehren.  Ehegatten  kön- 
nen sagen:  Wir  haben  im  Sinn,  unser  Gut  mit  ein- 
ander ufz'erheien  (im  Zsleben)  UwE. 

Dieses  Comp,  hängt  nicht  mit  dem  vorigen  zs.,  sondern 
./•-  scheint  hier  für  vcr-  zu   stehen,  wie  sonst  uragek.  (Bd  l 


402/3),  wenn  nicht  der  Anl.  des  wirklichen  ver-  in  dem 
vorangehenden  /  aufgegangen  ist;  verhijen  aber  (s.  d.)  be- 
deutet u.  A.  auch  .verzehren,  verbrauchen',  und  diese  Bed. 
wird  durch  das  vorgesetzte  u/-  i.  S.  v.  .völlig'  nur  noch 
näher  bestimmt  oder  verstärkt.      Vgl.  veracklusen. 

ver-,  bzw.  zer-:  1.  tr.  a)  zerbrechen,  allg.;  Syn. 
iierriten.  Eine  Nuss  (aufbrechen)  Schw;  Syn.  tödai. 
Si  chmm  wider  flicken,  was  er  verheil  heig  Bs  (Breit.). 
Bildl. :  ,Die  Kinderschuhe  v.',  =  ausziehen,  ins  er- 
wachsene Alter  treten.  UBrägg.  S.  noch  den  Spruch 
vom  Kukuk  Sp.  184  und  Hafen  Sp.  1007.  —  b)  ver- 
derben Gl;  Z.  Du  häst-mer  die  ganz  Such  verheil. 
Eim  's  Spil  V.  Verheie'  und  verherge"  [verheeren] 
BG.  's  Mul  an  Eim  v.,  fruchtlos  ihm  zureden  Bs. 
Kinder  v.,  verziehen.  Gotth.  Es  bi  Eim  v.,  die  Gunst 
Jmds  verlieren  Aa;  Ap;  Bs;  G;  UwE.;  U;  Z.  Syn. 
verschütlen.  Die  Herenlüt  mänet  [meinen],  's  si  Niemel 
sr  gschid,  als  si  und  der  Herr  Gott;  drum  hend  si  's 
verhit  [das  Spiel  verloren].  AdrGrob  1832.  Die  Gesund- 
heit schädigen :  F''  ha  mi'''  verheil  dur'''  chalts  Bier,  es 
iseh-mer  gar  nüd  tcol  sider  Z.  De'  Mage'  v.  Z.  ,Weil 
Wyl  uns  hat  geschlicht  [gut  gemacht,  ersetzt],  was 
Rapperschwil  verheyt'  Lied  1712.  Auch:  Vermögen 
verschwenden,  durchbringen.  ,Du  bist  ein  ful  nüt- 
sollend  mann,  das  dyn  zu  verheien  was  dir  so  not; 
dass  hast  nit  zu  b'salen  ein  stuck  brot.'  Sal.  1537. 
In  imperat.  Form  als  (Spott-) Name  eines  (liederlichen) 
Mannes.  .Hänsli  Verhig-is-land.'  XIV./XV.,  L  Pvatsb. 
—  c)  läugnen,  in  Abrede  stellen  (in  beleidigender, 
leidenschaftlicher  Weise)  GRVal.  =  er-h.  3  und  mit 
cer-  statt  er-.  —  2.  intr.,  brechen,  allg.  's  Etlehnt 
ist  eittceders  sehe'  verheil  oder  es  ist  am  Verheie  Aa. 
Je  tüfelhafter  a's  me"  's  umvie'schlot,  je  minder  ver- 
heil 's!  BWyss  1863.  's  Chind  ist  nüd  vo'  Zucker, 
es  verheil  nüd!  du  darfst  es  keck  in  die  Hände  nehmen 
zu  seiner  Besorgung  Z.  's  Chäfi  [die  Spitze  des  Bohrers] 
ist  abverhld  Ndw.  Borsten,  vor  Lachen  oder  Ärger. 
Zum  Verhlje'  oder  z'  Verhijes  lache'  SchwMuo.  Schier 
V.  vor  Lache'  Z.  's  ist  zum  Verheie'  lustig  g'si'  Aa 
Wohl.  Syn.  verzipflen,  vergütterlen.  —  3.  Ptc.  adj. 
a)  (auch  verhllnig  Aa;  L;  Schw)  zerbrochen,  ver- 
dorben, von  körperlichen  Gegenständen,  z.  B.  Geschirr, 
allg.  Auch  vom  menschlichen  Leib.  Syn.  hinig,  kapul. 
Mit  bluelige'  Chöpfe'  und  verheilnigen  Arme'.  Un- 
wohl, z.  B.  in  Folge  von  Excessen  AAZein.  Vgl.  den 
refl.  Gebrauch  1  b.  I"*  bi'  ganz  verheil,  von  Müdig- 
keit GWa.  I'''  bi'  wie  r.,  gebrochen,  ermattet  Ar. 
Von  einer  weiblichen  Person,  die  ihre  Jungfräulichkeit 
verloren  hat  oder  an  einer  verdächtigen  Krankheit 
leidet  Ap.  In  der  ä.  Spr.  vor  Schimpfww.  zur  Ver- 
stärkung derselben  (eig.  durch  geschlechtliche  Aus- 
schweifungen verdorben,  dann  übh.  =  ausgemacht, 
verdammt  usw.).  .Du  verhitter  morder!'  1386,  AaZoI'. 
,Du  lugest  als  einer  verhyter  kuegehyger'  [s.  u.  ge- 
hijen],  schreit  der  Torwächter  der  östreichisch  ge- 
sinnten Zofinger  einen  Luzerner  1386  an,  als  er  sagte, 
er  habe  den  Zoll  schon  bezahlt.  1387,  L  Urk.  ,J.  C. 
sy  ein  verhyter  zersschelme  und  ein  keib.'  1392,  L 
Ratsb.  ,Das"  dich  das  nun  fallende  übel  angienge  und 
bist  üsverhyte  [ganz  abgenutzte]  huore.'  XIV./XV.,  ebd. 
.Die  Bluemin  sye  ein  böse  Verräterin  und  ein  verhite 
zersdiebin.'  ebd.  —  b)  verheil  und  verlege'  =  erheil 
u.  e.  AAZein.;  GEh.;  s.  er-h.  1.  —  c)  verhit,  listig, 
verschlagen  BO.  (St.'');  „verhldig,  boshaft  BO."  In  der 
ä.  Spr.  tw.  .verhitlich,  verhiteklich',  zsgz.  ,verhiklich' : 


1103 


Haj,  liej,  liij,  hoj,  luij 


1104 


falsch,  meineidig.  ,Des  sprachen  die  von  Zofingen,  sy 
wollten  der  verhyten  böswichten  und  der  verhyten 
morderen  nüt,  went  sy  hetten  sy  verhytlich  und  bös- 
lich ermurd.'  1387,  LSemp.  ,Gent  uns  unser  herren 
von  Lucern  nüt  den  brief,  als  si  uns  gelobt  hant,  so 
farent  si  verhitelich  und  werdent  meineide  an  uns.' 
1393,  LSemp.  ,Si  fuerent  ermklich  und  verhiteklich 
an  uns.'  XIV./XV.,  L  Ratsb.  ,Verhyter  eid.'  ebd.  .Er 
hab  verhiklich  gesworn.'  TuDiess.  Stadtr.  —  d)  all- 
gemein verstärkend  L;  auch  (f'hit  (s.  d.).  Ebenso,  mit 
verstärkendem  mm-,  GRObS.,  z.B.  die  uvirhUige" 
Pratze",  gewaltigen  Tatzen. 

Der  Name  .Verhigisland'  muss  wohl  aufgelöst  werden  in 
,verhig-is[uns[-'s  Land',  es  wäre  denn,  dass  i  bloss  euphoni- 
sches Einschiebsel  sei.  Bed.  1  h  ist  eig.  ursprünglicher  als  a 
und  entspringt  aus  der  in  Anni.  zu  er-h.  angenommenen 
Grnndbed.  ,missbrauchen,  misshandeln',  deren  urspr.  Be- 
ziehung auf  geschlechtlichen  Verkehr  auch  in  der  Bed.  des 
Ptc.  verhit  (3  a)  noch  deutlich  genug  hervortritt.  Vgl.  frz. 
foutu,  eig.  Ptc.  von  foutre  (lat.  fuluere),  dann :  abgenutzt, 
verdorben.  In  Verbindung  mit  Schimpfww.  kommt  dies  W. 
auch  im  ä.  Nd.  vor,  s.  Germania  XV  79.  —  3  c  beruht  auf 
der  Bed.  .verdorben',  vom  Leiblichen  auf  den  Charakter  über- 
tragen, d  nur  noch  ganz  abstr.  Auffassung  von  a,  wie  bei 
vielen  Synn.  Die  intr.  Bed.  (2)  ist  später  als  die  tr.,  wie 
bei  ge-h.  Betr.  eine  in  B  vorkommende  Nbf.  verhinken  (resp. 
verheicJien)  s.   die  Änm.   zu   f/e-h. 

ge-hi(j)e»  (ih-  \inälx-J,  in  B;  Z  auch  g'he'iche: 
1.  intr.  a)  fallen,  jetzt  in  gebildeteren  Kreisen  mit 
dem  Bewusstsein,  dass  der  Ausdruck  grob,  derb, 
nicht  anständig  sei  und  daher  mit  dem  Nebenbegriif ; 
plötzlich,  stark  um-  und  hart  aufschlagen,  allg.  Der 
Schlachtstier,  eine  Eiche  glieit.  Dc  (Vogel-)  Schlag 
ist  g'keit  Tu.  Ab-enand  g'h.,  aus  einander  fallen,  zer- 
brechen. Derhar  kye,  zu  Tode  fallen  B  oSi.  Er  isch 
i'  Stall  ine  g'heit,  ein  grober,  ungebildeter  Mensch  S. 
Er  g'heit  über  Alles  ine,  sieht  nicht,  was  vor  ihm 
liegt  Z.  Wenn  Eine''  d'  Auge"  verbiinge"  hätt  und 
gross  Holzschue''  a'  und  Stogle"  drunger,  so  müesst  er 
über  d'  Sach  ine  g'heie',  die  Wahrheit  entdecken. 
Schild.  Es  ist  für  drüber  übere  z'  g'h.,  handgreiflich, 
offenbar  B;  S.  Wernid  schwimme"  cha",  g'hit  under 
BBe.  Es  ist  scho"  viängc  G'schide'  über  d'  Witz  use" 
g'heit  ZW.,  mit  vermeinter  Klugheit  zu  Schanden  ge- 
worden. Vgl.  uf's  Chalbsfell  use  g'h.  Bd  1  771.  Dur"'' 
d'  Stegen  u-e  [hinauf]  g'h.  ehost't  5  Btm  d'  Ell  L 
(Ineichen).  So  fahre  hin  und  fladere  nicht,  g'hei  d' 
Stegen  ab  und  rumple  nicht,  scherzh.  EA.  Z;  vgl. 
auch  u.  frisch  Bd  1  1331.  Im  Clwpf  a"  [dem  Kopfe 
nach  sc.  zu  schliessen]  hätt  das  en  guele"  Pfarer 
g'ge',  wenn  er  sclw"  's  Oberte'loch  ab  g'heiti,  's  tät-im 
Nüt!  AAZein.  De"-  isch  aw''  nit  uf  ^e"  aiojif  g'heit! 
er  ist  schlau,  ebd.  J/j"  muess  nid  mit  der  Tür  i' 
d'  Stube"  g'heie",  nicht  unbescheiden  hereinplurapen 
ScuSt.  Z'  Lumpe"  g'h.,  bankrott  werden  Schw  ;  Uw. 
Ober  d'  Wiegn  obern  oder  ina  kein,  von  einem  altern 
Mann,  der  eine  Frau  heiratet,  die  ihm  noch  Kinder 
bringt  .^p.  Us  der  Hut  g'h.:  1)  abmagern  (auch  us 
em  G'häss,  Kleid)  GrD.  2)  zerschellen,  ebd.  Us  de' 
Latten  kia  (eig.  von  Zugpferden,  die  über  die  Deichsel- 
stangen hinaus  treten,  oder  von  Menschen:  über  den 
Zaun)  auf  Abwege  geraten,  Fehler  begehen,  ebd.  I"  's 
Mues  g'h.,  pockennarbig  werden  BsStdt.  G'h.  lä", 
fallen,  fahren  lassen,  insbcs.  den  Concurs  über  sich 
ergehen  lassen  Z.  Land  ir  g'lieie"  und  lönd  die  für-i 
sorge",  wo  Geld  händ!  plagt  euch  nicht  weiter!  Stutz. 


Er  hat  sis  Heime"  g'hin"  la",  an  die  Gläubiger  zurück- 
fallen lassen  GG.  Ant.  be-heben  1  c  (Sp.  918).  Ich 
zieh  nüd  und  stosse  niid,  ich  la"  's  g'h.,  uf  icel'H  Site" 
das  's  icill  ZWäd.  ,Halt  doch  dem  Maulaff  nicht  so 
an;  la"  du  'ne"  g'h.'  Gotth.  Mer  tcei"  die  ung'rade" 
Santine"  la"  g'h.,  wollen  sie  nicht  rechnen,  z.  B.  beim 
Ein-  od.  Verkaufen  BHa.  Fallen  in  abstr.  S.  a)  hei" 
g'h.,  anheimfallen,  bei  Steigerungen  AAWohl.  —  ß)  auf 
einen  Zeitpunkt  treffen.  V  Sunnete  [das  Sonnen  der 
Bettstücke]  ist  i"  d's  Summerurleb  [die  Sommerferien] 
g'heit  B  (Bari).  —  b)  gehen,  laufen,  aber  wie  bei  a 
als  derber  Ausdruck.  7" 's  Wirtshus  g'h.  Obw;  Z; 
z'  Märit  [zu  Markte]  g'h.  Gotth.  Ein  spät  nach  Hause 
Kommender  sagt  verdriesslich:  P''  bi"  halt  no'''  i"  's 
G'meindammes  ie  g'heit  [wo  ich  mich  zu  lang  aufge- 
halten] Z.  ,Die  können  meinethalben  g'h.,  wo  sie 
wollen.'  Gotth.  La"  doch  das  Tierli  g'h.,  wo  's  ane 
will  B  (Marie  Waiden  1879).  's  Vech  ist  vo"  dr  Alp 
gkit,  aus  eigenem  Antrieb  zu  Tal  gegangen  GA.  ,Ein 
landschaft  muoss  einfart  darzuo  tuon  und  für  die  stadt 
gehygen  [ziehen].'  1532,  Egli,  Act.  Vgl.  Überfall. 
Verbunden  mit  Ortsadvv.  G'hei  's  ane,  uo  's  well  Z. 
Es  [das  Mädchen]  g'heit  alle"  Buebe"  na'''  G  (Peurer]. 
Bi"  de"  Maidle"  nohe"  g'heit.  Stütz.  Eine  Emmen- 
talerin seufzte  an  einem  Samstag  Abend:  0  icie  schint 
der  Mond  so  scMn  und  wott  doch  de""  Chetzers  Löli 
nit  zueche"  g'h.  [herbeikommen].'  Furt- g'h.  GA.; 
ScHSt.  (auch  drüs-).  ,lch  könne  ja  ohne  Zeugniss 
fort  g'heicn,  wenn  ich  nicht  gern  bleibe,  sagten  die 
Meistersleute.'  Stutz.  Es  angers  Mal  weisst  de"",  ob 
de  fürt  g'heie"  [von  Hause  weglaufen]  sottsch,  we"" 
de""  daheime"  all  Häng  voll  z'  tue  hesch.  Gotth.  Dervo" 
g'h.,  entlaufen,  desertieren  Schw;  üw;  Ü;  Zg.  Sit  i''' 
g'hiratet  hab,  isch  mir  nie  wol,  und  wenn  mich  nit 
schäme"  tat,  so  kyt-i'''  darvo".  Uw  Liedchen  bei  Heinse 
IX,  35.  Umenandere  g'h.,  sich  herumtreiben,  herum- 
schweifen B.  Im  Alter  der  Gmeind  hei"'  g'h.  Bieder- 
mann. ,So  g'hyend  s'  [in]  's  tüfels  nammen  hin ! '  [Ver- 
wünschung]. EScHMiD  1579.  Eefl.  G'hei  di'''  (fürt)! 
packe  dich!  Bs  (Spreng);  B;  Z.  G'heied-ech  füre! 
kommt  hervor!  B.  Er  soll  si'''  zu  den  Andere"  g'h. 
[mit  ihnen  fort].  Gotth.  ,Fort,  ghyen  euch  zum  Land 
hinus.'  JCWeissenb.  1701.  —  2.  tr.  a)  fallen  lassen, 
machen;  werfen,  schmeissen.  allg.  Syn.  (aber  feiner) 
fällen,  riieren,  triben.  Grosse  Steine  g'h.  Bs  (von 
kleinen  schiessen,  benglen).  Eim  e"  Loch  i  'n  Clwpf 
g'h.  Bs.  De"  Bese"  für  d'  Füess  g'h.,  den  Dienst  auf- 
künden Bs  (Spreng).  Öppis  über  *e"  Hufe"  g'h.,  um- 
werfen S.  Banne"  (B;  F),  dervo"  (G;  Uw),  eweg  (Ap; 
ScH;  Z)  =  tise"  g'h.  2  a.  Eine"  i"  's  Loch  [Gefängniss] 
g'h.  Z.  De'  Wind  g'heit  [treibt]  's  Wetter  hinte"  dure 
AAKlingn.  ,Man  wurde  jn  [Zwingli]  der  tagen  eins 
über  die  kanzel  ab  ghyen.'  1521,  Egli,  Act.  ,Die  von 
Wesen  band  entbotten,  sy  wellent  die  alt  huor  von 
Einsidlen  bald  us  der  kirchen  geheyen;  understand 
sy  das,  so  wellent  wir  sy  umb  ire  grinde  geheyen, 
dass  inen  . . .'  1529,  Absch.  ,Er  habe  auf  die  Frage, 
wie  es  komme,  dass  er  so  schnell  Messe  lese,  geant- 
wortet: he,  ich  gohyen  unsern  hergott  schnell  hin  und 
wider.'  1548,  ebd.  —  b)  auf  das  Geistige  übertragen. 
a)  plagen.  Er  ist  nienerzue  [zu  Nichts]  guet  a's  d' 
Lüt  z'  g'heie"  Bs  (Spreng).  ,Hejen,  gehejen,  kwälen, 
vexare,  inolestare.'  Eed.  16ö2.  ,Die  alten  Grafen  uns 
liebten  alle  Zeit,  wir  waren  nicht  wie  Schlaven  von 
ihnen  stets  geheyt.'   Lied  eines  Toggenburgers  1712. 


Haj,  hej,  liij, 


In  ä.  Verwünscliungsformeln:  schänden,  verderbun. 
,l)(ji-»tüfel  gchye  dich!'  Ar  LB.  1409.  ,Dass  uns  gotts 
grind  gehyg!  Dass  dich  gotts  wunden  gehyg!'  um 
1480,  GT.  ,Das  muoss  dich  gotts  wunden  gehygen!' 
[ein  Zuger  zu  einem  Zürcher,  worauf  sofort  Schlä- 
gerei]. 1522,  Strickl.  ,Gottgeb,  man  folgte  jnen  [den 
neuen  Predigern]  oder  nit,  in  des  tüfels  namen,  der 
sollte  sy  gehygen.'  1525,  Egli,  Act.  Ein  Zuger  habe 
zum  Zürcher  geredt:  ,kyge  den  Zwingli  niemands, 
hie  küedrcck,  hie  küedreck.'  1531,  Absch.  ,Du  küst 
[beleidigst]  mich.'  Funkelin  1552.  ,Der  tüfel  sollt  jn 
trügen,  nemen  oder  ghygen.'  1566,  Zg.  —  g)  ärgern, 
verdriessen,  reuen,  mit  Sach-Subj.  (bzw.  ,es')  und 
Acc.  P.  allg.  Wie  bin  t"*  so  dumm  g'sl'!  0  icie's 
mi'^''  jetz  g'heit!  0  hett-em  's  [ich  es  ihm]  doch  g' seit! 
Tu  (Schwzd.).  Das  spät  Hürate"  hed  scho'  Mänge" 
i/liit  Scuw.  Wann  di"''  Öppis  grüsli  klt,  Ms  eweg  und 
hüb  's  für  Nüd !  Schw.  Hed  Eim  öppe"  Öppis  g'heit, 
hed  [man]  bim  Esse'  Alls  vergesse".  HXfl.  1815.  Es 
war  [würde]  mi'''  Tüfels  [schrecklich]  g'heie  Ar  (Merz). 
Bit't  en  grosse''  Herr  vorbi,  g'heit  's  di"''  givüss  keis 
Bitzeli.  Stütz.  Refl.  pers.  Wie  si  si'''  g'hei,  sich 
ärgere.  Gotth.  Syn.  sich  kiben.  ,Alle  die,  so  den 
nüweu  lerem  anhangent,  sind  erz-leckersbuoben,  ja 
erz-leckersbuoben,  und  wölchen  das  ghisrt.  der  neme 
sich  des  an.'  1523,  Stkicki,.  .\V,.lrhcr  sprirbt  im  z,.r- 
nigen  gemüet:  g'hygt's  diili  ..dvi  niürvt's  ilidi,  sd  tue 
darzue  [soll  als  der  Urheber  iles  Streites  angeselien 
werden].'  XVI.,  LWill.  Stadtr.  Satan:  ,[lch]  meint, 
hätt  den  Vogel  schon  im  Schlag,  so  hat  mir  ihn  schon 
g'jaget  ab  der  Himnielsalf  mit  seinem  Schreyen.  Ich 
säg's,  es  tuet  mich  übel  gheien.'  Com.  Beati.  ,Und 
wann  es  ihn  geheite,  rumpantur  illi  ilia.'  Met.  Hort. 
1692.  , Weiss  und  Blau  Überort,  Zürich  ist  Vorort, 
das  tuet  die  Berner  g'heien.'  Lied  17r2.  Wahrsch. 
gehört  hieher  auch  die  Formel  g'h.  und  g'lusten,  da 
das  Gelüsten  als  solches,  d.  h.  so  lange  es  keine  Aus- 
sicht auf  Befriedigung  hat,  als  ein  unangenehmer  Reiz 
empfunden  wird.  Er  chunnd  über  [bekommt],  was  e' 
g'keid  ond  g'lost't  Ar ;  G.  Uhannst  esse',  was  di'''  g'liist 
und  g'h'it  L  (Ineichen).  Aber  die  nachfolgende  Anek- 
dote zeigt  den  naheliegenden  Doppelsinn  des  W.:  Ein 
Knecht  war  von  einem  Bauer  unter  der  Verabredung 
angestellt  worden,  dass  er  aufstehen  und  sich  nieder- 
legen könne,  wann  es  ihn  keie  und  g'luste,  war  aber 
bald  im  Falle,  sich  über  Verletzung  des  Vertrages  zu 
beklagen.  Der  Bauer  behauptete  jedoch,  dass  er  Wort 
halte,  da  er  den  Knecht  zu  Bette  gehen  lasse,  wann 
es  denselben  gelüste,  und  es  ihn  allemal  keie  [ärgere]. 
wann  er  wieder  aufstehen  müsse,  (nach  PScheitl.) 
Umgekehrt  scheint  in  der  ä.  Spr.  auch  das  allein  ste- 
hende g'h.  i.  S.  T.  ,gelüsten,  belieben'  vorzukommen: 
,Es  gange  die  schäbigen  puren  nüt  an,  er  möge  es 
vertuen,  wie  es  jm  kyg.'  1522,  Absch.  —  y)  angehen, 
kümmern  Ap;  Bs;  BSi.;  Gl;  L;  G;  Sch;  S;  Th;  W;  Z. 
Und  wenn  i'''  Hauch  viach,  wie-n-i'''  will,  was  g'hil 
das  wohl  en  Andre  ril?  Mekz.  Was  <j'liiit -dr''  iln^, 
wenn  i"''  mit  mim  Gelt  mache",  icas  r''  inll'  .SuhuHl' 
hi,  Sunntig  her,  was  gheit  mich  der  Soimtii^-':"  lionii- 
Ber  Wi'  ist  guet,  was  klt  mich  emf  Buch:'  W.  Was 
g'heien- ech  d'  Lüt?  Mit  zugesetztem  ,daran'  oder 
,daruni'  (nach  den  syn.  Verbindungen:  ich  kümmere 
mich  darum,  es  liegt  mir  daran),  's  ist  iez  eso,  tvas 
g'hit's  mi"''  dra"?  Merz.  Es  g'hlt  mi"'  dra'  nit  W. 
,Was  kygt's  üch,  was  wir  hie  fressen?'  15'24,  Strickl. 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


,Was  ghyt 's  die  puren,  was  myne  Herreu  machen':" 
1525,  Egli.  ,Grinen  und  singen,  beide  sind  glich. 
Was  ghits  mich  druinb,  sing  notti  [dennoch]  ich.' 
JCWeissenb.  1702.  Han  i'''  üch  Öppis  z'  leid  tu',  was 
keit's  mi  dra?  Güldi  1712.  —  5)  refl.  pers.:  sich 
kümmern.  Er  keit  sich  um  Nieme  Nüt  Bs  (Spreng). 
G'hei  di"''  nit  drum!  Aa  (Minnich).  Daher  das  subst. 
Satzw.:  En  G'hei-mi-nit  (drum)  Aa;  Bs,  oder  G'hei- 
mi-um-Nüt,  gleichgültiger,  sorgloser  Mensch  Bs.  — 
c)  futuere  und  zwar  i.  S.  v.  unnatürlicher  Unzucht, 
Blutschande  oder  Bestialität,  als  arges  Schimpfwort. 
Einer  wurde  für  5  Jahre  verwiesen,  weil  er  gesagt 
liatte:  ,Gott  hätte  syno  Mutter  gehiten  [1.  gehigen].' 
XIV.,  Bs  (Ochs).  ,Wer  spricht,  dass  einer  syn  muoter 
gehig,  der  sollt  es  als  ein  freven  wort  büessen.'  1427, 
Schw.  ,Welcher  dem  andern  under  äugen  spricht: 
böswicht,  Schelm,  gehy  dyn  muetter,  du  lügst,  du  hast 
es  erhyt  oder  verlogen,  soll  5  pfd  pfenn.'  XV.,  Gl. 
,Und  heisst  ein  kue  gehigen  oder  was  er  in  lieisst 
gehigen,  das  unchristens  [ein  Vieh]  ist'  1456,  Gfd. 
,Von  küe  gehien  red  wegen.  Wer  dem  andern  under 
ougen  zueredt,  er  hab  als  gewär  ein  kue  gehyt  oder 
angangen,  als  ich  das  [und  das]  getan  hab,  der  ist  ze 
buess  verfallen.'  XV.,  Gl.  Diese  Schmähformel  muss 
verbreitet  und  volkstümlich  gewesen  sein ;  denn  genau 
so  schimpft  a.  1400  ein  SGallcr  auf  die  Eidgenossen : 
,Er  wellte,  welcher  vor  SGallen  gelegen  war,  dass  er 
ain  kue  angangen  hott.'  Vau.,  wird  aber  dafür  zum 
Feuertod  verurteilt.  ,Er  wollte,  welicher  das  [Schmach-] 
lied  gemacht,  dass  derselbig  für  sich  usshin  ein  kuog 
oder  ein  esel  ghygt  hette.'  1524,  Strickl.  ,Sie  wöll- 
tind,  [dass]  welche  unserm  glouben  anhiengend,  küe 
und  merchcn  gehyt  hettind.'  1529,  Absch.  ,Wöliclier 
das  redt,  der  hat  ein  kuog  ins  füdloch  inhin  ge- 
hygt.'  1531,  Absch.  Auf  deui  l>"|i|i.-l,siiiii  vun  hk- 
g'heit,  welclies  auch  ,uiibelielli'.:f  li'^lnilm  kann,  liu- 
ruht  folgende  Anekdote:  ,Kiii,^  nallri,  lliiii.lli  liillt 
einen  Si-linvdrr  an;  der  wirft  iliii  iliiiher  mit  Sleiih.'ii; 
der  IMair  \|in.'l,l:  l,a„s  mir  iiiriiirn  lluiid  uii-lirit. 
Der  S.hin.l.i  ;  I'mIz  Sacklollciidt.  riaIV,  irh  hab  dir 
deinen  Hund  nie  -lieit,  willt  ihn  glieit  haben,  su 
ghei  iliii  selbs-  SeiiiMi'i-ii,  l<ir,l.  Al,er  aueh  .las  I'te, 
Imp.  und  l'err.  (in  stai-ker  und  seliwaelicr  Form) 
kommt  vor,  doch,  wie  es  selieint,  n\ir  in  unliestiniiii- 
terem  Sinn,  als  Sehiniptw.  in  Verbindung  mit  andern 
und  zur  Verstärkung  derselben:  ,Swer  unordeulieh 
sweret  bi  unsers  herren  gottes  scliedel  .  .  .  geheiict 
[geheiend?]  ald  sölich  swüere.'  XIV./XV.,  Sch  Stdtb. 
,Andres  zer  gloggen  sprach,  Johanns  von  gesteilen  sye 
ein  gehigen  snn.'  XIV./XV.,  L  Katsb.  ,Du  böse  ge- 
higende  .li'|iin.-  i:l!iS,  L.  ,Du  bist  ein  gehyender  bos- 
wicht.'  117:..  Ils  i'lir.  , Waldmann  sei  ein  rechter, 
wissentliebiM  lioswieht,  g'hy[en]der  niörder  und  vor- 
räter.' IIST,  Z  Itatsprot.  ,Gehygend  ketzer.'  15'20, 
Absch.  .Ein  (Jrosslians  und  gehyter  Verräter.'  Helv. 
Cal.  IT^^Ü.  d)  eigentümlich  und  nicht  klar,   doch 

nalivMlieiiilirh  aus  der  eben  vorhergehenden  Bed.  ent- 
u.iiiiniru  ist  das  formelhafte  ,es  gehit  haben'.  ,l)u 
sollt  iiit  riieten.'  Antw.  ,Ich  will  rüefen  und  solltest 's 
gliygt  haben.'  1527,  Egli,  Act.  ,Und  wir  [die  Zürcher] 
müesstint  ire  [der  Schwyzer]  herren  nit  syn  und  soUtint 
wir  es  gehygt  han.'  1528,  Absch.  ,Du  musst 's  tuen, 
du  sollest  's  g'heit  haben,  solch'  anlässig  worte  sind 
buesswürdig.'  1551,  Gfd.  —  3.  Inf.  subst.  =  Gehi  ~'a, 
grundloser  Lärm  mit  Worten  (Rühmen,  Tadeln,  Zanken), 


1107 


Haj,  liej,  liij.  liuj,  liuj 


zu  viel  Wesens,  Aufheliens  von  einer  Sache  B;  GbV.; 
LE.;  GG.;  Ndw;  Z.  Bas  ist  doch  es  scharpfs  [virges] 
G'hljn!  W.  Es  (grüseligs)  G'h.  Im',  mache",  verfüere' 
B;  Z.  So  'ne  Lärmen  und  so  'nes  G'heie  z'  ha!  B 
(M Waiden).  ,Sind  wir  nit  hie?  wie  hest  es  Gheien 
mit  deinem  ungestalten  Schreien ! '  Com.  Beati.  Hieher 
viell.  auch:  in  es  G'heie'  (ZO.),  in  's  Kein"  (GWe.)  ine" 
cho',  in  allerlei  Umtriebe,  Verlegenheiten.  —  4.  Ptc. 
Perf.  1)  g'hlt,  g'heit.  a)  adj.  a)  schlimm,  verdriess- 
lich,  fatal  Sch;  Syn.  g'heitlich.  Nebes  Keits,  etwas 
Verfehltes,  ein  Unfall.  Wenn  's  lengg  Or  liltfet],  get  's 
Nebes  G'freuts,  wenn  's  recht  0.  l,  g.  's  N.  G'heits, 
aber:  Wenn  's  lengg  Aiig  bisst  [juckt],  g.  's  N.  Gh.  Av. 
—  P)  verdrossen,  ärgerlich.*?  Über  ''e'  g'hite  (auch 
g'heitnig)  Willen  i-e  [hinein],  wider  Willen  L.  S.  2  b  ß; 
doch  auch  er-h.  3.  —  b)  adv.  verst.:  überaus,  's  isch- 
mer  keit  wol  LG.  Syn.  verhlt  3  d  und  wie  dies  zu 
erklären.  —  2)  un-:  a)  mit  verst.  Bed.  von  ,un-'. 
a)  Adj.  von  Pers.:  unartig,  mürrisch,  unzugänglich, 
ungefällig,  unfreundlich  Ap;  Gl;  G;  ScnSt.;  ScHW; 
Ndw  (auch  um-);  ,morosus.'  Id.  B.  En  ii-s  Chind  Z. 
En  u-e  Kerli,  Lümmel  Sch.  Er  isch  kei"  u-e  Ma"", 
es  isch  wol  viit-em  umz'gö'  Bs  (Spreng).  Unleidig, 
zornmütig  UwE.  (auch  im-).  Ungeduldig.  St  stirbt 
nu  [noch]  nid,  si  ist  z'  u.  Ndw.  ,Wie  bist  du  denn 
so  unghit  hüt'i"  Sal.  1537.  Von  Sachen:  schlimm, 
verdriesslich,  unbequem  Ap;  Soii.  Söss  chöm-mer  grad 
i  die  gröst  Hitz  i-e,  get  en  okeits  td-  ond  ai-Laufe" 
ÄP  (Halder).  —  ß)  adv.,  arg.  Es  het  u.  g'macht  [ge- 
hagelt] BGu.  —  b)  mit  neg.  ,un-'  und  von  ,gehijeu' 
i.  S.  V.  2  b  a:  ungestört,  ruhig.  Wie  lit  [liegt]  sl" 
Bett  [Grab]  so  ung'heit  do !  Me'  glaubt,  me"  heig  's-em 
schüttle'  lö'.  Walcun.  1848.  U.  lä',  unangefochten, 
ungeschoren,  ungestört,  in  Ruhe  lassen  Aa;  Bs  (auch 
scherzh.  verkehrt  um-  BsStdt);  B;  Gl;  GO.;  ScnSt.; 
S;  Th;  U;  Z;  .Diissum  facere.'  Id.  B.  K.  fragte  den 
Felk:  ,Wie  er  nit  ouch  täte  und  predig  hörte  wie 
ander  lütV  Felk  erwicderte:  ,Er  sollte  jn  ungehygt 
lassen  und  schysse  in  die  predig.'  1522,  Egli,  Act. 
Syn.  un-cf  heiig,  -g'schunden,  ü-nöt.  —  c)  für  um-ge-heit 
AAZein.     AblL:  ge-hltig  usw. 

Die  Nbf.  ,geheiclicii'  ist  wahrsch.  aus  dem  Streben  zu 
erklären,  das  immer  mehr  als  grob  und  unanständig  geltende 
W.  zu  verkleiden  wie  schon  in  der  ä.  Spr.  durch  ,geschntjen' : 
,Gang,  gesnlje  den  Animeister!'  1387,  (Ochs)  Bs.  ,Welicher 
zu  dem  andern  in  einem  gächen  zorn  gredt  hat,  du  bist  ein 
Schelm,  ketzer  oder  gschnyg  dyn  niueter  oder  ander  un- 
züchtige eerverletzliche  Scheltwort  ussgossen.'  1539,  B.  ,Was 
got's  dich  anV  Las  mich  umbgschnyt!'  UMahl.  1620.  ,Was 
gschnyt  es  mich?'  ebd.  Eine  weitere  Ausweichung:  i/e- 
Unlcen,  fallen  (Aa;  B),  i„„i,hn,k,,i.  aiiwiitVii  ll.l.  1!|.  «,«,-;,.'/,., 
herumschlendern  (L),  vrrlnuL. :,,  |»rili  rr,  insMiiiHhur  1 1.1.  Hl, 
erklärt  sich  aus  dem  in  j.  n.  m  i;.i;,ii.1.n  \nikuiiiiiiiiidtii  I.  I»i- 
gang  der  Lautgruppen  ink  iti  c'u-li,  t'i{h)  nach  dem  bei  Fr., 
Ztschr.  VII  behandelten  Gesetz,  so  dass  dann  unigek.  ci(h), 
eich  als  aus  ink  entstanden  aufgefasst  und  dieses  unterge- 
schoben wurde.  —  Wie  aus  nihd.  ye-hifwlen,  heiraten  (von 
Tieren :  sich  begatten),  die  Bedd.  unsers  W.  entstehen  konn- 
ten, ist  zwar  auf  den  ersten  Blick  nicht  zu  erkennen,  aber 
bei  Gr.  WB.  IV  1,  2,  2340  ff.  (vgl.  auch  Bartsch,  Germania 
XVI  78/9.  XVIII  209)  ziemlich  einleuchtend  nachgewiesen. 
Nur  müssen  auch  noch  die  Zss.  über-,  er-,  ver-  und  zcr-  h 
den  Zshang  hereingezogen,  resp.  von  mhd.  hi(whit  =  gehi(w)eit 
abgeleitet  werden,  wie  es  unter  den  angeführten  WW.  vor 
läuüg  bereits  geschehen  ist.  Für  ge-lt.  ist  die  genetisch: 
Keihenfolge  der  Bedd.  fast  entgegengesetzt  der  o.  im  Text 
aus  andern  Gründen   angesetzten.     Auszugehen   ist  von  d 


aus  der  mhd.  Bed.  vergröberten  2  c.  Aus  dem  Begr.  von 
,Gewalt  antun,  missbrauchen'  in  geschlechtlichem  Sinn  ent- 
springt der  pon  ,uiisshandeln,  schänden,  verderben'  und  (ab- 
geschwächt) ,plagen'  (2  b  a).  Während  die  erstem  Tätig- 
keiten noch  körperlich  gedacht  werden,  wird  ,plagen'  auch 
auf  Gemütszustände  angewandt  und  ergibt  die  Bedd.  2  b  ß,  y,  8. 
Zu  der  Bed.  ,belieben'  vgl.  .gefallen' :  .fallen'  und  ahd.  ija- 
itsaii,  convenire,  decere,  zu  nsan,  fallen.  2  a  kann  entw. 
direkt  aus  der  Grundbed.  oder  aus  2  b  als  eine  Art  von 
körperlicher  Misshandlang  (zu  Boden  od.  hin  und  her  werfen) 
abgeleitet  werden.  (Vgl.  frz.  /oulrc,  auch  =  werfen,  stossen ; 
/outu,  gebrochen,  verdorben.)  Die  intr.  Bed.  1  a  entspringt 
(ausnahmsweise)  aus  der  tr.  2  a;  1  b  aus  dem  Begr.  rascher 
Bewegung,  der  in  jenen  beiden  enthalten  ist;  der  refl.  Ge- 
brauch ist  nicht  aus  2  a  abzuleiten,  sundern  aus  dem  all- 
gemeinem Begr.  ,sich  bewegen',  viell.  aber  aus  dem  von 
.plagen',  da  ,sich  scheren'  auch  die  Doppelbcd.  hat:  .sich 
kümmern'  und  ,sich  entfernen';  vgl.  ,sioh  bemühen'  auch 
,sich  (irgend  wohin)  begeben'.  Der  subst.  Inf.  (3)  erklärt 
sich  aus  2  a  (Etw.  mit  Geräusch  hin  und  her  werfen)  oder 
aus  1  b  (sich  heftig  hin  und  her  bewegen)  oder  aus  2  b  8 
(sich  um  Etw.  gar  zn  sehr  bekümmern).  Das  adj.  Ptc.  4  a 
gehört  zu  2  b  ß;  4  b  ist  abstr.  Anwendung  von  a,  wie  andere 
verst.  Advv.  von  Adjj.,  welche  hohen  Grad  von  Gemütsbe- 
wegung bedeuten.  Unklar  bleibt  nur  die  der  ä.  Spr.  eigene 
Verbindung  ,es  gehigt  han',  da  die  Bed.  4  a  dem  Affekte 
nicht  zu  genügen  scheint:  doch  geht  sie  wohl  auf  2  c  zurück. 
Eben  so  unsicher  ist  der  Sinn  der  Worte:  .Ich  weiss  schier 
nit,  wie  dn's  g'higst;  es  ist  doch  nüts  (Nichts)  recht,  was 
man  tuet!'  welche  einer  der  den  Dienst  versagenden  Drucker- 
gesellen dem  ruhig  fortarbeitenden  ThPlatt.  zurief.  ThPlatt. 
1572,  91.  Unr/ehit  a  tu  scheint  eig.  geärgert,  gereizt;  «>i- 
wie  in  dem  syn.  , unwirsch',  b  natürlich  zu  geheien  2  b  a. 
—  Treffende  Parallelen  zu  mehreren  übertragenen  Anwen- 
dungen der  Grundbed. /iifMcre  bieten  neben  (rz./outre  (welches 
reü.  mit  de  qeh.  verbunden  in  der  Bed.  ,sich  um  Etw.  nicht 
kümmern'  scheinbar  unscrm  2  b  6  widerspricht)  die  syn. 
deutschen  Vben  ,bräuten'  nnd  ,serten'  in  ihrem  bei  Grimm 
und  Schmeller  bezeugten  altern  oder  mundartlichen  Gebrauch. 
Dahin  gehört  auch  ,versorten'  =  verhcit  i.  S.  v.  verdorben, 
verwünscht,  als  Schinipfw. ;  .ungesorten'  (lassen)  :=  iinjcÄett 
(ungeplagt,  ungeschoren).  Die  Bedd.  J'uluere  und  moleatare 
vereinigt  auch  ftu-hsen. 

ab-g'hi(j)e°:  1.  intr.  abfallen,  allg.  Er  schivätzt 
so  vil,  me'  meinti,  's  Mal  sott-em  a.  Z.  's  Wetter  kU 
ab,  ändert  sich  U.  Ptc.  abg'hit,  heruntergekommen, 
abgemagert  BHa.  —  2.  tr.  abwerfen,  -schlagen.  Sie 
sollen  sich  in  Acht  nehmen,  dass  man  ihnen  nicht  die 
.Grind  abghigte'.  1510,  Abscu. 

abhin-:  1.  intr.  a)  herunterfallen,  allg.;  von 
Schiffen  und  deren  Ladung:  untersinken.  Der  Last 
ist  abakeit.  Bodensee.  Me  faht  nit  erst  a'  lösche', 
ivenn  ds  eige'  Bach  acheg'hyt.  Gotth.  D'  Chue  g'heit 
(in'n  Schlosse')  abe,  wird  nicht  mehr  trächtig.  En 
abakeiti  Chue:  1)  die  nicht  mehr  trächtig  wird  Aa  ; 
Ap;  Z.  2)  eine  trächtige,  deren  Bauch  herunterhängt 
L;  Z.  Abcg'heite  Galtlig !  Schiinpfw.  G.  —  b)  durch- 
fallen, verlieren,  im  Spiel.  Prozess,  Examen,  allg. 
Zahlungsunfähig  werden  Z.  Einen  Zweck  nicht  er- 
reichen U.  En  abcg'heite  Lug,  Spitzbueb,  verst.  = 
verdammt,  abscheulich  L.  —  c)  vo'  der  Chanzle'  a., 
vom  Pfarrer  als  Verlobte  verkündet  werden  B;  Gk 
(aperg'hiC).  Vgl.  abhin-gumpen,  -rüeren.  We"  nu* 
lät  verchünde',  su  ist  nit  der  Bruch,  dass  me'  geit  ga' 
lose',  wie  me'  ache'g'heit.  Gotth.  —  2.  tr.  a)  hinunter- 
werfen, -schlucken,  -schiessen.  Er  het  Brocken  abe- 
g'heit,  loie  Rindeschüehli  [so  gross]  Bs  (Spreng).  .Er 
wollte   etliche   grosse  Stuck   ufs  Albis    ufhin   führen 


1109 


Haj,  liej,  liij,  hoj,  huj 


lUO 


und  Jenen  in  der  Statt  die  Turn  abhin  gheyen.'  1646, 
'Min.  —  Zu  1  a:  die  auf  die  Kuh  bez.  RA.  beruht  darauf, 
ilass  eine  Senlvung  der  Schlossbeino  im  Becken  stattfindet. 
über-:  überstürzen  Ap;  überfliessen,  -wallen, 
-laufen,  von  flüssigem  (bes.  siedendem)  Inhalt  von  Ge- 
fiis.sen  AaB.;  B;  FS.;  Uw;  U.  Austreten,  überschwem- 
men, von  Bächen  und  Flüssen  BHk. ;  FS. ;  Uw.  Syn. 
überhijen.  's  Hers  will  mir  [vor  Schmerz]  ü.  BLangn. 
Bauernkai.  1889.  Auch:  überlaufen  machen  BHk.; 
Ndw.  —  übere-:  beim  Hopsspiel  über  (mehr  als)  21 
bekommen  Ndw;  Syn.  hops  werden.  —  üf-:  1.  intr. 
a)  aufgehen,  sich  auflösen,  von  mangelhaft  Gebun- 
denem od.  sich  Schliessendem,  z.  B.  Paketen,  Bündeln, 
Schuhriemen,  Knöpfen,  Deckeln  Aa  ;  Ap;  Uw;  Z.  Syn. 
üf-gän.  —  b)  aufgehen.  ausHiessen,  von  Geschwüren 
Ap;  ScHW;  U;  Z.  Syn.  fif-f/ri,,.  —  ,)  aufsfohen  (grob). 
Ghci  nf!  B.  —  2.  tr..  aufw.Tl.ii ;  ins  lliiaiiche  über- 
gehend: (das  Spiel)  lür  iiiii^iilti^-  crklaicn.  ihm  ein 
Ende  machon,  citr.  iiidrin  man  dir  Karten  selber 
durch  einander  wirK;  vi;!.  fHi;!.  In  tlirow  up  tlie  cards; 
(einen  noch  niclit  kanzlriisih  vcrsrhriclM'iien  Liegen- 
schaftskauf udgl.)  rückgängig  machen  S.  —  drnf-: 
drauf,  zu  Grunde  gehen,  verrecken,  von  Haustieren 
GrI).,  Pr.  —  um-:  1.  intr.,  umfallen,  allg.  Bier  her, 
B.  h.  oder  i'''  g'hei  um!  Ruf  an  Kellnerinnen  Bs.  Guet 
Nacht,  g'hei  tivi,  wenn  [sobald  als]  d'  wi"t,  Nachtgruss 
von  Zechbrüdern  Z.  Göt  men  eniöl  krumm,  so  keit 
me  bald  um  Bs  (Spreng).  Lass  du  nw  de  Fucrm<f 
sorge',  Ms  's  umg'heit  Z.  Vgl.  Vogt.  Er  meint,  er 
stell  eisder  uf  und  's  g'hei-em  nie  Nüt  um,  hält  sich 
für  geschickt  zu  Allem.  Schild.  O  Welt,  kei  um  (aber 
nüd  ufmi"'')!  Au.sruf  der  Verwunderung  GBern.  Tarn 
du  numme'  zue,  vo  weV/e"  dem  g'heit  d'  Welt  nit  um! 
Schild.  Bildl.  Si  g'heit  nächste"s  um,  ist  hochschwan- 
ger Z;  vgl.  i'-g'h.  n.  Ofen.  Fallieren  GF.  Es  g'heit 
um,  von  einem  Regierungssystem,  das  dem  Umsturz 
naht  L.  Umschlagen,  anfangen  zu  gährcn,  trüb,  sauer 
werden,  z.  B.  von  Wein  Uw;  U;  Z.  —  2.  tr.,  umwerfen. 
,Umg'hinke,  subvertere.'  Id.  B.  Wenn  e' Fuermt:''  nie 
umgheit  het,  ireiss  er  nit,  wie  's  Uf  stelle*  geit.  Schild. 
Er  isch  geng,  wo  mifli  ufstellt,  und  nie,  tro  rn^n  um- 
g'heit, ist  immer  auf  der  Glücksseite,  ebd.  Umstürzen, 
als  ungültig  erklären,  rückgängig  machen,  eine  Wahl, 
einen  Beschlu.'ss,  Kauf  Z.  —  3.  Ptc.  umg'heit  für  un- 
(s.  ge-hijen)  wie  umgek.  im-  für  umg'heit  AAZein.  — 
ume-,    umer-:    1.  intr.    a)  mühsam  gehen   Gr  ObS. 

—  b)  umherschweifen,  sich  herumtreiben  BE.;  GrD.; 
L;  Th;  Uw;  U;  W;  Zg;  Z.  Er  ist  in  alle'  Wirts- 
7i«4"ere"  umeg'heit.  Syn.  ummeschellen ;  ummeschlengglcn. 

—  2.  tr.,  herumwerfen  U;  Z.  Hinwerfen  ßs.  S.  noch 
u.  Gül  Sp.  220.  Auch  etwa  mit  Bez.  auf  Ackerland 
=  umpflügen  Tu.  —  an-:  anwerfen,  z.B.  Steine, 
auch  Wasser,  allg.  —  ane-,  äne-:  1.  intr.,  hinfallen 
Tu.  An  Eine",  Eini  a.,  zu  einer  unglücklichen  Heirat 
kommen  Z.  —  2.  tr.,  hinwerfen,  allg.  Eine  Waare 
um  geringen  Prei.s  hingeben  L;  Z,  aber  auch:  gewalt- 
sam aufdrängen  AAZoin.  i"-:  1.  intr.  a)  einfallen, 
z.B.  auf  dem  Eise  eiiibrotlioii  /;  einsinken,  z.B.  ein 
Wagen,  Pferd,  im  nassen  Boden  '/,.    Ö.  auch  noch  Ofen. 

—  b)  zsfallen,  einschrumpfen,  abnehmen,  von  Men- 
schen, Tieren  und  Sachen  GrD.  L'cfheit,  von  einem 
Käse  BE.;  Syn.  gesunken.  —  2.  tr.,  ins  Gefängniss 
werfen  W.  —  umbrin-:  hineinfallen  W.  —  dri"-: 
1.  intr.,  ,pr£ecipitari,  iinmergi.'  Id.  B.  —  2.  hinein- 
werfen.   Wenn  me'  brar  drxkei  [Ingredienzien  in  eine 


Speise].  Gotth.  —  ine-:  hineinfallen,  im  eig.  u.  bildl. 
Sinn  Z.  —  embricha-:  1.  einherstürzen.  Ber  Fön 
isch  d's  Gangs  [plötzlich]  e.  g'hit  W.  —  2.  herab- 
werfen W.  —  tis-:  1.  intr.,  platt  hinfallen  GRPr.; 
umfallen  S.  -  2.  tr.  a)  hinauswerfen,  einen  Menschen 
aus  einer  Woh-nung,  Gesellschaft  GrD.  —  b)  aus- 
schütten, Flüssigkeit  aus  einem  Gefäss  Aa;  U;  Z. 
S.  Glück  Sp.  622.  —  c)  ein  Glied  ausrenken  GrD.; 
W;  Z.  —  d)  des  ,Gheiens'  ein  Ende  machen.  Hand 
si'''  denn  d'  Länder  nüd  au'''  stif  g'ivert?  Antw.  Es 
ist  ussg'heit  und  fuss-J g'wert,  we"  me'  Ei"'m  Alls 
ewcg  nimmt.  Gespräch  1712.  —  3.  Ptc.  adj.  Üsg'hlt, 
unverbesserlich.  En  u-e  Huder,  Schimpfw.  GRSchiers. 
,Sy  hette  es  erheigt  als  ein  usgchcigte  huor  [ganz 
abgenutzte,  ganz  verworfene],  los  und  raerch.'  Mitte 
XVI.,  Z.  ,Sy  lüge  als  ein  usgehytne  huor.'  1529, 
Absch.  Vgl.  noch  gc-hljen  2  c.  Syn.  wsgefigget.  — 
ushin-:  1.  intr.,  platt  hinfallen  Bs  (Spreng);  Z.  Uf 
d'  Schnore'  [das  Maul,  Gesicht]  u.  Ap.  —  2.  tr. 
a)  hinauswerfen,  ausstossen,  aus  einer  Gesellscliaft 
Bs  (Spreng);  U;  Z.  Syn.  dämicii,  derron,  eirhj  lyh. 
De'  Llh  u.,  die  GebärnuiUor  narii  drni  Kalln-n  lin'vur 
treten    lassen   GrI).;    Svn.   iisilrmliii.  ]i\  unin.tig 

ausgeben  Z;  Syn.  utthiii-ninrn.  X id  iisr  :'  i/luc  lut", 
nicht  zu  viel  haben,  eher  in  Not  sein  Oiiw.  De''  g'lnd 
nid  use,  ist  geizig,  ebd.  —  ver-:  weit  weg  werfen, 
abweisen,  eine  Ansicht  BHa.  —  füre-:  hervor-,  hin- 
werfen, z.B.  eine  Hand  voll  Geld  Z.  —  darher-: 
zu  Tode  fallen  B  oSi.  —  nächhin-:  1.  nachfallen, 
-rutschen.  Verrutsch  Nit,  sunst  keit  der  Henker  alle 
nache  Bs  (Spreng),  rücke  nicht  daran,  sonst  fallen 
allerlei  andere  Dinge  nach.  —  2.  nachlaufen,  z.  B. 
einer  Person  des  andern  Geschlechtes  B,  s.  geh.  t  b. 
Nachgehen,    einer  Sache,    um  nachzusehen   B;   Z  tw. 

—  z'sämme"-:  1.  intr.  a)  zsfallen,  z.B.  von  einer 
alten  Hütte  Aa;  Th;  U;  Z.  —  b)  zsbrechen  vor  Er- 
schöpfung Z,  mager,  schwach  werden  Gr;  Z;  z'sämme"- 
keit,  müde,  matt  Bs.  Vgl.  in-g'h.  —  c)  gerinnen,  von 
Milch  Bs;  Z.  —  2.  tr.,  zswerfen  Gr;  Z.  —  dar-: 
1.  intr.,  hinfallen.  —  2.  tr.,  hinwerfen;  einen  Kauf- 
handel fahren  lassen  BB.  Aulkünden,  ein  Lehen, 
Amt,  einen  Dienst  BHk.  —  durch-.  ,Durhit'  für: 
,durch-ge-hit';  vor  einem  Schimpfw.  =  ausgemacht, 
durchtrieben  u.  ä. ;  eig.  r=  aligciiiitzt  im  i>l)sc.  S.  ,Sy 
syc  ein  durhit  fegsäckliii.'  .\IV./\V,,  LK'atsli.  Vgl. 
usgehit.  —  dure-:  1.  intr.  a)  durclifallon,  bei  einer 
Prüfung,  Wahl  Bs;  U;  Z.  Einen  Process  verlieren; 
fallieren  UwE.  —  b)  zu  Grunde  gehen,  a)  vor  Hun- 
ger verschmachten  Scuw;  Uw;  U.  Er  g'hU  schier 
Hungers  dure.  —  ß)  von  Tieren,  verrecken  Ap;  Th. 
Die  besti  Kue  isch-em  diireg'heit  BsLd  (Spreng).  — 
Y)  auch  von  Pflanzen  und  Stoffen,  verderben  U;  ZO. 

—  c)  davon  laufen,  ausreissen,  entwischen,  durch- 
brennen Th;  UwE.  —  2.  tr.,  verloren  gehen  lassen 
Ap.  —  zue-:  zuwerfen  Z.  Si  hand-em  d'  Tür  vor 
der  Nase  eueg'heit.  GRS?ii.'A.cn  n  12.  —  zer-:  zerfallen, 
bes.  von  einem  Verlobungsvcrhältniss,  das  sich  auf- 
löst GrD. 

zer-hijen  (-einen  W  tw.)  —  Ptc.  zerhije"  U: 
1.  intr.,  brechen,  zerfallen  B.  ,Es  frage  dene  Sache, 
wo  nie  z.  welle,  Nüt  na'''".'  Gotth.  Strott  [eile]  nid 
assa  [so],  d'r  Fade'  serhit  dr!  Bl^euk  (Schwzd.).  ,Sy 
wolltent  Jenin  von  Hochdorf  etwenne  slahen,  dass  er 
allen  zerhytte.'  XIV./XV.,  L  Ratsb.  ,So  ist  zerhyt  sack, 
band  und  zum  [Zaum],  mit  dem  wir  sy  band  b'herrschet 


1111 


Haj— huj.    Hak— huk 


lang.'  EuEF  1538.  ,Dass  durch  der  Landvögt  Tyranney 
d'  Eidgnossschaft  nit  wider  zerhey.'  LZellw.  1758.  — 
2.  tr.,  zerbrechen,  zerschlagen,  beschädigen,  verderben 
BR.,  Si.;  U;  W.  Ber  Jäger  ist  so  teuf  iimbrln  g'hlt, 
dass  er  sich  grob  zerhit  liet  W.  Auch:  vereiteln  BB. 
,Wenn  Zwingli  zue  Lucern  so  scharpf  predigete,  so 
■wurde  er  zerhygt  wie  das  gestüb  an  der  sonnen.'  1524. 
Strickl.  ,Bis  das  kloster  zerhygt  wird.'  1526,  Egli, 
Act.  ,Ich  empfinden  [bei  Leibschmerzen]  wol  in  mir, 
dass  es  sind  neisswas  [eine  Art]  würm  cid  tier,  dann 
sy  mir  wend  den  buch  z.'  JMurer  1565.  Ptc.  adj. 
zerhit,  mit  einem  Leistenbruch  behaftet  W;  Syn.  ge- 
brochen. —  ver-zer-:  zerbrechen,  zerreissen  GA. 

Abeg'heier:  der  beim  Jass  nicht  die  21  (25) 
Punkte  erreicht  Z.  Der  erst  A.  gwünnt  (rerlürt  nüdj. 
Vgl.  erst  (Bd  1  470)  und  Erd-Epfel  (Bd  I  379). 

Umeg'heier:  Nachtschwärmer  L;  Z. 

Esel-,  Küe-,  Märhen-,  Sü-Gehijer:  Schimpfn., 
zunächst  den  Viehzucht  treibenden  Bewohnern  der 
innern  Kantone  angehängt,  dann  den  Eidgenossen 
überh.  und  in  der  Reformationszeit  auch  von  den 
Parteien  derselben  gegen  einander  gebraucht.  S.  ge- 
hljen  3  c  und  angän  II 1  b.  Schon  1386  ruft  die  Be- 
satzung der  Burg  Pfäffikon  den  vorbeiziehenden  Eid- 
genossen zu:  ,Wo  wend  ir  hin,  ir  küeghier?'  Vad. 
,Wir  syent  verräterisch  puren  und  mit  züchten  kuo- 
ghyer.'  1521,  Strickl.  ,Den  Cardinal,  den  eselgehyger.' 
1522,  ebd.  ,Egg  hat  offenlich  geredt,  wir  Eidgnossen 
sygind  all  küeghyer.'  1526,  Absch.  ,Wir  gedörren 
denen  von  Z  nit  mer  ketzer  sasfi-n,  aber  wol  küe- 
gehyger  und  märchengeliv^-ir."  l'i:n,  ebd.  ,Schaw,  wie 
vil  Küehe-Geheyer  s.  li.  zi.'li.'ii  .lahcr.'  FHaffn.  1666. 
Sogar  feinin.  Kuegeh  ij  erin.  XIV. /XV.,  L  Ratsb. 
Dazu  di.'  A'erlien  :  küe-,  mär  ch  en-gehij  eren:  mit 
diesen  SiliimiilnaiiKMi  belegen.  ,Egg,  der  uns  Eidge- 
nossen all  (mit  erl(iubnus)  küegehyert  hat.'  1526, 
Absch.  ,Wir  [die  Zürcher]  sind  unzhär  von  üch  [den 
V  Orten]  und  den  üwern  frefler  wyse  one  underlass 
geschelmet,  kätzert,  diobet,  biJswichtet,  küeg-  und 
merchen-gehygert  [worden].'  1531,  ebd.  Ferner  das 
Adj.  küegehijerisch:  , ketzerisch'.  ,Sy  sind  uss  den 
äraptern  des  küegehyerischen  gloubens.'  1531,  Absch. 

Wie  1)0)111  Yb.  yehljen  die  euphDiii.  Form  rjcsvlinujen  vor- 
kommt,  so  hier:  ,Hagenbach  hat  die  Eidgenossen  zum  dickem 
mal  für  küeggeschniger  gescholten.'  1474,  Bs  Chr.  Ferner 
wurde  die  Schreibung  ,Kueghygcr'  in  ,Kueg!ger'  missdeutet, 
wofür  Gr.  WB.  V  2555  dann  eine  falsche  Etymologie  gibt. 
Auch  Stalder  verstand  das  W.  nicht  mehr,  indem  er  es  ein- 
fach ^  Küejer^  Küher,  nahm. 

Gehijeri,  in  Ap  Keierei  —  f.:  Unannehmlichkeit, 
Verdriesslichkeit,  z.  B.  durch  Geschwätz  veranlasst, 
auch  das  Geschwätz  selber  G. 

G'hiheit  f.:  Verdriesslichkeit.  Keiheit  ist  kc 
[keine]  Freiheit  Ap. 

gehijig  gheiig,  keiig  Ap;  GG.;  UwE.;  Z,  ghierig 
ApH.,  gheierig  GWa.,  gheielig  Th,  gheilig  Bs;  Z,  ghlli 
GlS.,  ghi-erlich  BHk.;  Schw,  kierisch  GlH.,  gheiersch 
ZLunn.,  gheitli  ZO.f:  ärgerlich,  verdriesslich,  [von 
Sachen.  aaOO.  ,Molestus.'  Id.  B.  Keiig  Wetter,  un- 
günstiges GStdt.  Gheiigi  Wörtli,  Stichelreden.  Spreng. 
Öppis  Ghiigs,  etw.  Leidiges  übw.  Bedauerlich  Scnw; 
Ndw.     Zu  (jc-hljen  2  b  ^.     Syn.  ge-heit.  ebd.  4  a. 

„un-:  unangeta.stet,  ruhig."     Syn.  ungeheit. 


Hak,  hek,  liik,  hok,  huk,  bzw.  hack  usw. 

S.   auch  die  Reihe  Hngrj  usw. 

Tüben-Hak  s.  Sp.  938  und  T.- Hacker. 

Hack  m.:  1.  Schnitt,  Einschnitt,  a)  Schnitt  am 
Ohr  der  Ziegen  usw.  als  Kennzeichen  Gl.  Syn.  Hämo, 
Bick.  Ell  schäle  H,  ein  Querschnitt,  zum  selben 
Zweck,  ebd.  —  b)  ,Hack  und  Hammer'  heisst  die  Haus- 
marke des  Gl  Geschlechtes  Beglinger,  2  senkrechte 
Striche  bildend,  von  denen  der  eine  durch  ein  wag- 
rechtes Strichlein  halbiert  wird.  —  2.  Hieb,  Schlag, 
a)  als  Bezeichnung  einer  einen  Zeitmonient  einnehmen- 
den Handlung.  „Ein  H.  in  en  andre',  Schlag  auf 
Schlag  BO."  —  b)  als  Bezeichnung  eines  Zeitmomentes, 
„Augenblick.  Es  schönt  hitt  ken  H.,  es  regnet  heute 
unaufhörlich  BO."  —  c)  Bezeichnung  eines  kleinsten 
Quantums  zur  Verstärkung  der  Neg.  Ekei  H.  me' 
icachse'  BHk.  Synn.  s.  unter  Flauche  Bd  I  1160.  — 
Synn.  zu  2   a  und  b  s.  Ztschr.  f.  Völkerps.   III   319  ff. 

Gehack  n.:  1.  klein  zerschnittenes  Fleisch  Gr 
ObS.;  Syn.  Gehück.  —  2.  Gezänk  UwE.  Syn.  Hackete. 

Bär-,  Bä'r-  m.:  der  Takt,  mit  welchem  Fleischer 
und  Köchin  die  Hackmesser  handhaben,  indem  die 
eine  Hand  doppelt  so  viele  Bewegungen  macht  als  die 
andere.  Er  cha""  nüd  emal  der  Bärhagg  Gl.  —  bär-, 
bä'r-hagge°:  diese  Bewegung  ausführen,  spielweise 
auch  mit  blossen  Fingern  Gl.  —  Wohl  auf  blosser  Schall- 
nachahmung  beruhend ;   vgl.   noch  herliijrje. 

Hackement  s.  Häker-. 

hacke":  1.  im  AUg.  wie  nhd.  Spec.  1)  das  Erdreich 
von  Culturland  mit  der  Hacke  auflockern  Aä;  B;  Gr; 
Syn.  häwelen,  becken,  karstcn;  vgl.  falgen  Bd  I  809. 
's  ist  halt  g'hacket!  eine  harte  Arbeit,  's  nio  [mnss] 
g'hacket  sl",  der  Boden  will  bearbeitet  sein.  Wo 
d'  Chind  hackid,  git  's  die  schönst  Frucht  ScuSchl. 
Kartoffelland  h.,  die  Erde  um  die  jungen  Stauden  auf- 
lockern und  von  Unkraut  reinigen  B  (Zyro).  Z'  Ächer 
h.,  die  Schollen  hinter  dem  Pfluge  her  zerschlagen, 
ebd.  Insbes.  d'  Rebe"  h.,  den  Boden  der  Weinberge 
im  Frühjahr,  was  als  ein  ,Hauptwerk'  gilt  und  in  die 
Zeit  der  Kirschenblüte  fällt  Th;  Z.  .Hacken,  geschieht 
mit  dem  Karst.'  Churer  Beitr.  1792.  ,lch  hab  mein 
Rebberg  gar  versoffen  und  kann  jetzt  uf  den  Herbst 
Nichts  hoffen;  doch  hab  den  Vorteil  ich  darbei,  dass 
ich  von  hacken  auch  bin  frei.'  Hadssprdch  1660  (Suterra. 
1860).  —  2)  a)  Stroh  mit  Messer  oder  Maschine  klein 
schneiden  zum  Füttern  B.  —  b)  Holz  mit  dem  Gertel 
hacken,  die  gefällten  Tannen  von  den  Ästen  reinigen 
und  diese  zu  besondern  Zwecken  (zu  Stecken,  Ringen, 
Reisigbündeln)  zurecht  hauen  B  (Zyro);  Syn.  krisen, 
Bis  (GrHc.),  Chris  (Z)  h.,  Reisigbündel  machen.  ,Vit 
Hack-den-Tüfel',  Name  eines  Bauers  in  UEcksteins 
,Rychstag'.  —  2.  bildl.  a)  Den  Lüten  Ejipes  tmder- 
enandere  h..  Allerlei  vorschwatzen,  zu  belieben  suchen 
BBe.  —  b)  mit  einander  hadern,  zanken,  z.  B.  von 
Eheleuten  UwE.  —  c)  uf  Eine"  ine  h.,  ihn  mit  Schlä- 
gen oder  Schmähworten  überhäufen,  ebd.  über  Eine" 
abe  h.,  losziehen,  schimpfen  GfiPr. 

abhi"-:  herunterbringen,  entkräften.  I''' bi"  gam 
(ibeg'hackete  B  (Zyro).  ,Morbo  debilitatus,  attenuatus.' 
Id.  B.  —  üf-:  1.  aufhacken,  z.B.  den  auf  der  Kelter 
liegenden  Tresterhaufen  Z;  Syn.  üf-becken.  —  2.  Reisig 


1113 


Hak,  liek,  liik,  hok,  huk 


zu  Bündeln  verarbeiten  Z  Hombr.  Syn.  Heizi  üf- 
inachen.  —  a°-:  mit  der  Hacke  verletzen,  z.B.  Kar- 
toffeln beim  Ausgraben  Z ;  Syn.  an-becken,  -bicken.  — 
ine"-:  (Einen)  in  eine  schlechte  Lage,  zu  Schaden 
bringen  Z  (Spillni.).  —  er-.  ,Die  Reben  karsten  und 
e.'  Fris.  —  ver-:  1.  klein  hacken.  Fleisch  und  Ge- 
müse Z.  —  2.  durch  Hacken  verderben,  bes.  üblich 
von  der  Wirkung  des  Hagels  Z.  Er  rerhacket  's  Chrut, 
macht  sich  verhasst.  Sprww.  1869.  —  zer-:  zer- 
schneiden, aufschlitzen.  ,Nero  usw.  [sollen  gekleidet 
sein]  büebisch,  kriegsch,  zerhackt  [von  der  geschlitzten 
Tracht  desXVI.].'  LBühnenr.  1545/83.  Syn.  zer-hamcen. 

Hacke»  f.:  Hacke  Gr,  sonst  Haue.  Vgl.  noch 
Hacken-Legi.  ,Ura  diese  Frage  wird  mit  Axt  und 
Hacken  gekämpft  [heftig,  erbittert].'  N.  B  Kai. 

Hacker,  Hacker  m.:  1.  der  mit  der  Hacke  ar- 
beitet, z.B.  im  Weinberg  Gr;  Sch  {-ä-J;  Z.  ,Heini- 
kommen  wie  ein  Hacker  aus  einem  nassen  Lettenfeld 
[so  beschmutzt].'  Sch  Pilger  1882.  ,Konimet  her,  ihr 
Bauern  und  Hacker,  vertrinket  Wiesen  und  Äcker.' 
Hausspruch  ZSth.  (Suterm.  1800).  ,Apr.  1741.  Den 
Hackeren  [in  den  Reben]  geben  6  Gl.  3  Btzn.'  Schloss 
RüED.  —  2.  Hacke.  ,Sy  namen  N.'s  wyb  einen  hacker 
[bei  der  Feldarbeit].'  G  Wyl  Copialb.  —  3.  Kranklieit 
der  Oberhaut  der  Hiindc.  Zrr>]iiinurii  il.'i^cIluMi,  in 
Folge  von  Frost,  Arbeit  im  kallm  \Va-,rr  Aa  (-ii-); 
B  (Zyro).  Syn.  Hechel,  Hcicr,  II, der.  -  I.  l»ini. 
Häckerli,  Zähne  Z  (scherzh.). 

Fleisch-:  Fleischer,  Metzger.  ,Wie  Fläschhacker 
oder  Vähkoufer.'   Kdnkelst.  1655. 

Kris-:  1.  der  Reisig  zu  Bündeln  hackt  Z.  — 
2.  „kleines  Handbeil  mit  langer  Schneide,  zum  Zer- 
hacken von  Reisig  BO."  Synn.  s.  Gertel.  —  3.  das 
vorzeitige  Abfallen  der  Tannennadeln  in  Folge  von 
Spätfrost  B  (v.  Rüttc).  —  Bei  3  ist  das  schädliche  Wetter 
pers.  aiifgefasst,  wie  Krankheiten  oft  Namen  auf  -er  tr-agen. 

Krüt-:  der  Kohl  zu  Sauerkraut  schneidet.  Syn. 
Kahis-HMcr,  -Hechler,  -Schnlder.  Wegen  allzugrossor 
Menge  von  ,würm  [Raupen]  an  etlichen  orten,  do  dann 
der  kabis  vil  wachset,  verbotten,  dass  die  kruthacker 
kein  kabiskrut  band  dörfen  hacken.'  1540/73,  UMev., 
Wthur  Chr. 

„Tuben-:  =  Tübenhabech  L." 

Wahrsch.  aus  T.-IIak,  durch  das  personifiziorendo  -rr 
erweitert  und  an  ,(zer)hacken'  angeleimt. 

Hacket  m.:  die  Zeit,  wo  man  air  Wrinbri-v  „Iiaikt 
B;"  Sch;  Z.  Auch  „Wm-ll.  il'ial.).  Sni.  Gnihet; 
vgl.  Falget,  Schmyet.  ,Eine  .Muiuc  iii  K.  X.'s  Wyii- 
garten  im  Hacket  funden  und  usgraben.'  Rükoer  160G. 

Us-:  die  Zeit  der  Kartoffelernte  Bs. 

Hacketef.(fl'rt-S):  1.  die  Tätigkeit  des  Harkms  S. 

—  2.  „so  viel  Foisch,  als  man  auf  ein  Mal  liackl"   \v. 

—  .3.  fein  gehacktes  Fleisch,  aus  welilnui  W  instr 
gemacht  werden  Ar;    Tu;    Syn.  Gehäckn;    (Jcbriil. 

4.  klein  gehacktes  Gesträuch  zu  Feuerung  Th  (Fup.); 
Syn.  Gehäck.  —  5.  Mischmasch  Tn;  Z.  -  6.  schlechte 
Schrift  Th;  vgl.  Hägcjen.  —  7.  Gezänk  UwE.  Syn. 
Gehnck. 

ÜS-:  Trunk  zum  Schluss  der  Arbeit  der  Hol/- 
hacker  B  oHa.  (Zyro).  Vgl.  Graben-Wm.  -  f»  i.  S.  v. 
,zu  Ende'. 

Gehickis-Gehackis  n.:  Speise  aus  goliacktem 
Fleisch  und  Eiern  Bs. 


Die  wirkliehe  Ausspr.  ((l'hikin  usw.)  erinnert  sehr  an 
Giijiju  Oaggia  (Sp.  167),  aus  welchem  das  Bs  W.  viell.  um- 
gedeutet ist. 

Ge-häck  (-{  Ap)  n.:  1.  gehacktes  Fleisch,  etwa 
zu  Würsten  Ap;  Bs;  B;  Gr;  Schw,  Uw;  Z;  Syn. 
Hackete  3,  Haseln,  Katzengeschrei.  ,Ein  Ungeheuer 
habe  einen  Mann  zu  Käck  zerstampft.'  W  Sag.  ,Im 
2.  Gang  wurde  das  Gehäcke  (gehegide)  aufgetragen, 
welches  mit  neunerlei  Gewürzen  präparirt  war.'  Bs 
XIV.  ,Man  segnet  [zu  Ostern]  die  fladen  und  das 
gehieekt.'  1523,  HsStock.  ,Ostertouf  [-stoufV],  gwycht 
ghäck  und  fladen.'  Ruep  1538.  ,Der  Pfarrer  von 
Klingnau  hatte  der  ganzen  Gemeinde  auf  den  h.  Oster- 
tag  ein  sogen.  Ghäck  zu  verabreichen,  zu  welchem 
über  30  Pfd  Rindfleisch  und  100  Eier  erfordert  wur- 
den.' JHcber.  ,Ein  gehackt  von  einer  seuwlebcr  an- 
gerüst.  Gehäck,  gehäcklete  speiss,  wölcherlei  es  joch 
seie,  minutal.'  Fris.;  Mal.  ,Zwo  Blatten  mit  Speis, 
war  wie  Ghäck.'  PFtissLi,  Pilgerreise.  —  2.  gehacktes 
Reisig  als  Notbehelf  für  Streue  im  Viehstall  ZO.; 
Syn.  (Tann-)  Fotdcn.  —  3.  Durcheinander,  z.  B.  von 
Vielen,  die  zuKL'iih  s|ir.'ilien  GrL.  —  4.  Klemme,  in 
die  man  durrh  SrhHai/cici  gerät  Ap. 

Eier-:  klein  z^rs.liniltrnes,  mit  Eiern  gobackencs 
Fleisch  Ar. 

Jläckol  n.:  Häckerling  B." 

häckele":  mit  der  Hacke  ein  wenig  arbeiten  Gt. 

Häckelcr  Gl;  SchwMuo.;  Zg;  ZBenk.,  Häckler 
Scn  —  ni.:  aufgesprungene  Haut  an  Händen  und 
Füssen,  in  Folge  von  Kälte,  auch  in  Folge  von  Un- 
sauberkoit  SchwMuo.  De"  H.  ha';  Syn.  Hickel(er); 
Hechel.    —    Gleichsam  ,aufgehackte'   Haut. 

Nu  SS  Hacker:  Spechtmeise,  sitta  csesia.  .Ein 
Vogel,  welcher  die  nussen  mit  seinem  schnabel  nit 
zerbricht,  sunder  durchgrabt  die  mit  seinem  schnabel. 
damit  er  den  kernen  daraus  esse,  dannenher  er  zu 
teutsch  ein  nusshäcker  oder  ein  chlän,  nussbicker  ge- 
nennt wird.'  Vogelh.  1557,  183,  a;  s.  noch  Baum-Hecker. 

häckerle":  ein  wenig  hacken  Bs:  fin  h.  15. 

Häckerli  (PI.):  geschnittenes  Kurzfutter  AAZein. 
-    Wahrsch.  verk.   und  umged.  aus  IliirlcrU'ii. 

Häcki'  n.:  Schnitzel,  kleines  Stück  Esswaare  BSa. 
(Zyro);  Syn.  SchnäfcU,  Schnifeli. 

liäckig:  Villi  jungen  Raben,  die  so  weit  gowaclisi'ii 
sind,  ilass  man  um  sie  herum  hacken  kann  und  soll 
ZDiib.     S.  nncli    Vcrcne  Bd  I  915. 

Häckle":  (PI,)  rote  Nierenkartoffel  Gi,;  Syn. 
Schnäheler. 

liäcklc":  ein  wenig  oder  fein  hacken  Z.  ,Ge- 
harkl.'t.'  s|,(!is,'  Mal.  S.  Gehäck.  -  ü  f-.  ,Der  Grund 
soll  Irin  sauberlich  darumb  aufgehäcklet  werden.' 
IJiiAc.  l(;:'>!i.  , Den  jungen  Pflanzen  aufhäcklen.'  Sul/er 
1772.  —  um-.  ,Der  Boden  soll  fein  säuberlich  umb- 
gehäcklet  werden.'  Rhag.  1639.  —  zer-.  ,Maioran, 
münz,  ganz  klein  zerhecklet'  Vogelb.  1557. 

hackc(r)-mi!nt,  -mänge, -mentlig,  -most,  auch 
bloss  hacker:  verdeckende  Entstellungen  von  sacker- 
mcnt,  als  Beteuerung  und  Fluch  Ap;  Tu;  Z.  iVei» 
hackcrmentlig  aw'' !  =  verwünscht!  erstaunlicli!  Ja 
hdckermoxt.'  Stutz.  Auch  mit  vorgesetztem  de':  De 
Hdckermeiif.   da.'i'  i'''  so  bald   hei'"  bi" !  Stutz.     Adv. 


1115 


Hak,  hek. 


mit  angehängtem  genctiv.  s:   leg  war 's -Hier  haclrr- 
mentUgs  drum.  Stütz.     Vgl.  sapper-vi. 

Il-mont  angeleimt  an  hirjont  (Sp.  519);  vgl.  K,ij,jieniioit. 
Das  vorgesetzte  de  walirscli.  nach  Analogie  von  de  Tü/rl  = 
zum  Teufel! 

hake"  s.  äken  Bd  I  164;  Syn.  nirpen. 
Wahrsch.    hat   zu    der    Torliegenden   Nbf.    in    der   Bcd. 
,zanken'   das  gleichbed.   hagtjen,   h&gglen  mitgewirkt. 

Häeke"  f.:  Quecke,  Spinngras  Bs.  Syn.  Sprätt-, 
Zwick-Gras;  Kägge. 

Buech-Häcker  s.  -Äcker  Bd  I  165. 

Heck  Z,  It  SuLGER  auch  H-e,  sonst  Sek  —  f.:  1.  tif 
oder  bi  der  H.  sl',  a)  auf  der  Stelle,  am  Platz,  l)ei  der 
Hand,  rechtzeitig  bereit  sein  AAFri. ;  Bs;  B;  Gr;  Z. 
Mached,  dass-er  nf  d.  H.  sit,  we'"-mer  chömme: 
We"''-me'  sc/w"  meint,  nie'  chömm  neume  z' fechte' 
[man  könne  irgendwo  einen  Vorteil  erhaschen],  so  ist 
scho'  en  andere''  uf  d.  H.  Wenn  's  niora  [morgen] 
giiet  Wetter  ist,  vmess-i'''  früeh  hi  d.  H.  st.  Er  ist 
g'schuind  bi  d.  H.,  wenn  's  Öppis  z'  esse"  gi''t.  —  b)  auf 
der  Hut,  auf  der  Lauer,  wachsam  sein,  gespannt  war- 
ten, aufpassen  Bs;  B;  6;  Scn;  S;  Z;  auch:  sich  die 
Sache  angelegen  sein  lassen.  Sulger.  Es  war  am 
Liebste"  slnere  Lebtig  bim  Moler  sitze'  blibe",  nur  hätt 
d'  Mueter  nit  immer  bi  d.  H.  sl  viiesse".  Schwzd.  ,Wo 
ein  Vorteil  zu  erhaschen  war,  da  war  sie  bei  der  Heck, 
während  sie  sich  sonst  immer  zu  verbergen  wusste.' 
ScH  Pilger  1884.  Me'  mues'  da  bi  d.  H.  st,  u-e"'-tne' 
will  Öppis  vertvütsche'.  üf  d.  H.  si  wie  ne  Nacht- 
wächter S.  Mit  Dat.  P.:  Jmdra  auf  der  Spur  Bs;  S. 
—  2.  i'  d.  H.  Sl,  dem  Geschwätz  der  Leute  ausgesetzt 
sein  Z.  Men  ist  uf-em  Land  me''  i  ä.  H.  weder  i" 
der  Stadt.  —  3.  Jmdn  uf  d.  H.  ha',  nicht  ausstehen 
können  ZDäg.  Ähnlich:  i'  d.  H.  ha,  ein  scharfes 
Ange  auf  Einen  haben,  ihn  überwachen,  ihm  aufpassen 
Z  (Spillm.). 

Dass  unser  W.  das  nhd.  ,Hecke'  sei,  für  das  sonst  //«(/ 
gilt,  ist  kaum  zu  bezweifeln;  die  wenn  auch  nur  vereinzelte 
Ausspr.  mit  der  Affrikate  (k)()  verrät  das  Lehnw.,  während- 
dem in  der  vorwiegenden  Aussprache  das  Wort  als  ein  ein- 
heimisches erscheint  (vgl.  engl,  hedge  und  unsere  Egg,  Wegge, 
Brügg  :  engl,  edge,  widge,  hridge).  —  Die  RA.  ,bei  d.  H.  sein' 
=  bereit,  bei  der  Hand,  findet  sich  auch  in  Ober<leutschland 
(Gr.  WB.  IV  2,  744),  während  fraglich  bleibt,  ob  die  ebd. 
angeführte  nd.  ,Einem  auf  der  Hüke  sitzen'  =  hinter  Einem 
her  sein,  das  selbe  W.  enthalte  und  von  der  selben  An- 
schauung ausgehe.  Es  fragt  sich  weiter,  ob  ,Hecke'  in  den 
bildl.  EAA.  den  Gartenzann  als  Grenze  des  Hausbezirkes 
bedeute,  an  dem  der  Eigentümer  zum  Empfang  von  Gästen 
und  zur  Abwehr  von  Feinden  bereit  steht,  oder  oh  der  Aus- 
druck von  der  Jagd  entnommen  sei,  wo  er  eine  Art  Falle 
(heckenähnliches  Geflecht,  Umzäunung,  in  welche  das  Wild 
hineingetrieben  wurde)  zum  Fange  von  Tieren  bedeutet  (aaO. 
744,  8).  Im  letztern  Fall,  der  uns  wahrscheinlicher  dünkt, 
wäre  die  RA.,  mit  andern  anf  die  Jagd  bezüglichen,  aus  dem 
benachbarten  Deutschland  entlehnt,  wo  die  Jagd  in  grösserm 
Massstab,  kunstgerechter  und  manigfaltiger  als  bei  nns  be- 
trieben wird.  Unsere  RAA.  , Einem  auf  d.  H.  s.',  ,in  der 
H.  s.',  ,Einen  anf  d.  H.  haben'  lassen  sich  kaum  anders  als 
aus  der  Jägersprache  erklären;  doch  beruht  viell.  die  RA. 
,Einen  auf  d.  H.  haben'  auf  Vormcngung  mit  ,auf  der  Mugg, 
dem  Strich  haben'.  Für  ,in  d.  H.'  ist  etwa  noch  das  syn. 
,an  der  Anrichte'  zu   vergleichen. 

Boden-Heck  (-Hecker  Zg)  ni.:  1.  „zugespitzte.': 
Eeisholz,  das  bei  dem  Spiele  Hecken  (s.  d.)  in  den 
Boden  geschleudert  wird   Sohw;    Zg."  —  2.  „Men«ch 


von  kleiner  Statur  Z",  auch  Hock;  Boden-Zweck.  — 
i   kann   Anwendung  von   1   auf  menschliche  Gestalt  sein. 

Heckeier  L  (St.»»),  Heckler  Th;  Z  —  m.:  vor 
Kälte  aufgesprungene  Haut  an  den  Händen.  De'  H. 
ha"  Z;  Syn.  Hechelfer),  Hecker,  HickfelerJ.  —  Von 
hecken,   resp.   lieck(c)lm,   stechen,  ritzen. 

hecke":  1.  stechen  SchSI;  Th;  bes.  von  Bienen 
und  We.spen  „Aa;  G;"  Z;  Syn.  anglen,  heglen.  Ein 
Bienenbann  lautet:  ,lmben,  ich  beschwöre  dich,  dass 
du  nicht  heckst  noch  stechest  mich'  ZBül.  In  Z  auch 
von  Nadeln,  Flöhen  und  Katzen,  wenn  diese  die  Erallen 
tiefer  einschlagen.  .Es  bisst  mi'''  e  Flo'',  es  steched 
Uli'''  zwo,  es  hecked  mi'''  drei :  rat,  was  das  sei  (Veiier- 
rätsel  ,  da  der  Erratende  als  Flöhzähler  verspottet 
wird).  Mit  Gift  besprengen,  von  Kröten  Ap.  Von 
Schlangen  und  Scorpionen.  In  der  ä.  Spr.  auch  in 
weiterm  S.  und  bildl.  (verwunden,  treuen).  ,Geheckt 
oder  gebissen  von  den  schlangen.'  1524,  Egli,  Act. 
,Wer  will  sich  des  beschwerers  erbarmen,  der  vom 
schlangen  geheckt  wirf  15.31/48,  Sir.  Gott  zur 
Schlange:  ,Du  wirst  jm  [dem  Menschen]  d'  fersen 
hecken,  zum  tod  jn  stiften.'  Euef  1550.  Goliath  zu 
David:  ,Was  wittu  mit  der  schlanker  [Schleuder] 
hecken?'  VBolz  15.54.  .Dem  grossen  Alexander  soll 
im  schlaf  ein  kraut  'zeiget  sein,  wölches  seinen  kriegs- 
leuten,  die  in  India  von  den  schlangen  geheckt  wur- 
dend,  geholfen  habe.'  LLav.  1582.  ,Vom  scorpio  ge- 
heckt oder  verletzt.  Vipera,  hecknater.  H.,  stupfen, 
pungere,  stiraulare.'  Fris.;Mal.  ,H.,  beissen,  stechen, 
bicken,  fiken,  fieken,  mordere,  icere,  stigare,  pungere, 
figere,  trudere.  Heckung,  Biss.  morsus,  ictus.'  Red. 
1602.  ,Wann  die  [Menschen,  die  sich  auf  Ungewisses 
verlassen  haben]  durch  Unglück  sind  gehecket,  ver- 
borgner .Tanimer  sich  entdecket!'  KdMey.  1657.  ,Sie 
haben  keusche  Matronen  öffentlich  zum  Spott  an  die 
Füss  aufgehenkt,  durch  die  heimlichen  Ort  an  die 
Angel  geheckt  [gesteckt].'  AKungl.  1688.  ,Scorpius 
icit,  der  Scorpion  heckt,  sticht.'  Denzl.  1677;  1716. 
,Eine  heckende  Schlang.'  JBOtt  1736.  Insbesondere. 
a)  intr.,  eindringen,  sich  einbohren,  von  spitzigen, 
geworfenen  oder  fallen  gelassenen  Körpern,  in  den 
Boden  oder  in  eine  Wand  Z.  Stecken  bleiben,  haften, 
z.B.  von  einem  Pfeil  SohwMuo.;  ZS.  Syn.  be-h.  1. 
—  b)  tr.,  ein  schneidendes  od.  stechendes  Instrument 
in  einen  Körper  hineintreiben,  z.  B.  eine  Axt  in  einen 
Block  oder  Pfahl.  Einem  ein  Messer  in  den  Kopf  h. 
ScHwMuo.  ,Die  spinn  überzeucht  ir  [der  Eidechsen] 
maul  mit  ircm  wupp,  als  dann  so  heckt  sy  in  jn  [den 
,Egochs']  den  biss.'  Tierb.  1563.  ,Der  ewig  Tod  hat 
in  Christum  geheckt  seine  Klammeren;  der  zeitlich 
Tod  hat  in  Christum  geheckt  seinen  Angel.'  PWvss 
1650.  ,A11  Sorgen  wenden  an,  wann  der  Bogen  ist 
gestreckt,  dass  der  Pfeil,  in  Fluges  Eil,  .solcher  Massen 
werd  gehekt,  dass  es  eine  Gabe  gelt.'  KdMey.  1657.  — 
c)  ein  Spiel  der  Knaben,  wobei  sie  1—2'  lange  Reis- 
hölzer [Hecker,  Bodenheck]  mit  der  Spitze  in  lockeren 
Boden  schleudern  und  dieselben  mit  andern  gewor- 
fenen Reishölzern  herauszuschlagen  suchen,  so  dass 
diese  stecken  bleiben  L;  Zg  (St.'').  &y\\.  patschäderen, 
spicken,  griech.  xuvSaXtlJsiv.  S.  Rochh.  18.57,  S.  451. 
In  ZKn.  wirft  (heckt)  ein  Knabe  einen  Pflock  aus 
Buchenholz  so  in  den  Boden,  dass  er  stecken  bleibt. 
Die  andern  suchen  denselben  mit  ihren  Würfen  noch 
schiefer    zu   stellen   und    zuletzt   heraus    zu   treiben. 


n 


lliik,  lu'k.  liik. 


1118 


(iolingt  dies,  su  uiuss  der  Betreffende  an  ein  gewisses 
Ziel  liiu  und  davon  zurück  laufen.  Unterdessen  wühlen 
die  Andern  mit  ihren  Scheiten  sein  Loch  möglichst 
w  eit  aus.  Wessen  Loch  am  Ende  das  engste  geblieben 
ist,  hat  gewonnen.  —  d)  bildl.,  verdriessen  Z.  Vgl. 
frz.  piquer.  —  2.  einen  Einschnitt  machen  Schw,  z.  B. 
in  ein  Stück  Brod  für  Kinder,  so  dass  dieselben  ein- 
zelne Bissen  leicht  abbrechen  können  B;  Syn.  hick(l)en. 

-  3.  feine,  empfindliche  Anspielungen  machen,  ver- 
steckt tadeln  (sticheln)  G ;  Z  tw.,  plagen,  necken  Ar. 

-  1.  „emsig,  eilig  gehen  ZS."  (St.^).  —  5.  nisten, 
brüten,  z.  B.  von  einer  Gluckhenne  Scuw.  ,Wo  man- 
ches Wild  geheckt  [hatte],  sieht  man  Paläste  gründen.' 
Z  Nachrichten  1750. 

Mhd.  kecken,  hauen,  stechen  (bes.  von  Schlangen).  BeJ.  4 
beruht  wohl  auf  der  am  Nächsten  mit  Iah  vwdten  Vor- 
stellung: die  Fussstapfen  eindrucken,  stark  auftreten;  vgl. 
in-h.  S  h  und  naeh-h.  Bed.  5  dürfte  oder  müsste  als  eiu 
anderes  W.  (hecken  II)  angesetzt  werden,  wenn  die  iu  Gr. 
WB.  IV  2,  745/6  aufgestellte  Ansicht  richtig  wäre,  dass 
dieses  heeken,  abgeleitet  vom  Subst.  ,Hecke',  eig.  bedeute: 
iu  der  Hecke  siton,  daher  zunächst  von  Vögeln  i.  S.  v. 
nisten,  dann  auch  von  andern  Tieren:  sich  fortpflanzen.  Aber 
gerade  der  refl.  Gebrauch,  der  für  diesen  Sinn  am  Frühesten 
bezeugt  ist,  ist  mit  jener  Grundbed.  weniger  leicht  zu  ver- 
einbaren, als  mit  der  Annahme,  ,hecken'  gehe  auch  in  der 
Bed.  ,zeugen,  sich  fortpflanzen'  auf  den  Grundbcgr.  ,stcchen' 
zurück,  der  i.  S.  v.  lab  sich  auf  den  Akt  der  Begattung 
anwenden  liess,  wie  schon  bei  Mayen,  Hmji  l)nnprkt  wurde. 
Sollte  die  Ansicht  des  Gr.  WB.  dennoch  riliti.-  rin.  s., 
müsste  das  Vb.  iu  der  fraglichen  Bed.  1 .  i  i-  m.ii  ilnt 
sein,  wie  das  Subst.  Heck.  Als  Compp.  l-iM  -liM  i  n.  iim 
,ein-'  und  ,uach-'  noch  ,herum-'  und  ,hiiiaii^  h  ■,  ;iIm  r  nlm,. 
beigefügte  Bed. 

a"-:  1.  mit  Gift  besprengen  Ar,  s.  hecken  1.  — 
'2.  mit  Aufsetzen  des  Kreisels  auf  den  Boden  den  An- 
fang des  Spieles  machen;  vgl.  hecken  1  c.  ,Ich  will 
die  Schnur  aufwinden  und  anhecken,  ego  instruam 
trochura  ad  jactum  propinaboque  ad  feriendum.'  Eed. 
166-2. 

i"-:  1.  einstecken,  einschlagen  L;  Zg  (St.''),  insbes. 
a)  bei  dem  Spiel  hecken  (1  c)  „den  Hecker  in  lockern 
Boden  einschlagen  Scuw;  Zu."  —  b)  „Klauen  oder 
Schnabel  eindrücken  und  damit  festhalten.  Der  Vogel 
hat  mir  eingeheckt  Aa;  B;  L;"  Z;  die  Zähne  ein- 
drücken, V.  Hunden  Z ;  Syn.  in-henken.  —  2.  a)  stecken 
bleiben,  von  spitzen  Körpern  in  weichen,  z.  B.  von 
einem  fallenden  Messer  im  Boden  TJwE.  —  b)  fest 
auftreten,  auf  schlechtem  Wege  Zu. 

ü  S-:  auf  schlaue,  feine  Art  ausforschen,  mit  Acc.  P. 
UwE.;  Syn.  iisnemen;  nhd.  ,ausholen'.  —  Viel],  urspr. 
vom   Herauspicken  der  jungen  Vögel  aus  der  Eischale. 

ver-:  vergiften.  Vgl.  hecken  1,  an-h.  ,Wie  sy 
aber  die  statt  so  kreftig  verheckt  und  vergilt  haben, 
dass  jeder  halt  sterben  muossen.'  Kessl. 

„nach-:  eilig,  emsig  gehen,  mit  besonderer  Lust 
und  Freudigkeit.  Kinder  hecken  der  Mutter  mich, 
Jünglinge  den  Mädchen  Scuw;  Zg;"  vgl.  hecken  4. 

he-:  1.  ^  hecken  1  a,  stecken  oder  hangen  bleiben, 
z.  li.  von  einem  spitzigen  Instrument  Gl.  Syn.  be- 
stecken. —  2.  tr.  =  hecken  1.  ,Narr,  was  ist  dir  V  Hat 
dich  ein  Wespe  gestochen  oder  ein  Eidex  b'heckt?' 
UBrägg.  1780.  B'heckt:  von  einem  Ungeziefer  an  der 
Haut  verletzt  GT. 

Hecker  m.:  1.  =  Heckfeßer  Z.  —  2.  das  zum 
Siiicl  hecken (Ic)  dienende  Keisholz  „Scuw;  Zu."   .\uch 


Boden-H.  —  3.  Necker  Z.  Von  hecken  3.  Hielier  wohl 
auch:  ,Uiser  H.  [der  Tod],  diser  Wecker  Huot  und 
Muot  und  Herze  bricht.'  K.  u.  KdMev.  1050  zu  dem 
Bilde  des  Todes,  welcher  dem  Kardinal  die  Sanduhr 
entgegen  hält.  —  4.  Geschlechtsn.  Schw. 

Boden-:  l.  =  Hecker  a  Zg.  —  2.  =  Bodenheck 
(-hock).    ,Ein  Zwerg  ist  klein  und  ein  B.'  JJUlr.  1727. 

Baum-.  , Specht,  b.  oder  spicht  genennt,  pici 
Martii.'  Vogelb.  1557,  226  a;  s.  noch  228  a. 

Trotz  der  vorliegenden,  vom  Vogelb.  durchweg  festge- 
haltenen Schreibung  wohl  eher  zur  Familie  ,hacken'  gehörend; 
vgl.  ,Baum-Hacker,  -Picker',  bair.  Batimhäelul  und  unser 
Au««-//acto-. 

„Heckere  f.:    Wespe  Ap;  G;  Z."    Von  hecken  1. 

Hecki:  1.  Hecke  f.  (PL  -enn),  äusserliche  Krank- 
heit (Entzündung)  bei  Menschen  und  Vieh,  ange- 
sprengtem Gifte  von  Kröten,  Eidechsen,  Molchen, 
Spinnen,  „Wieseln"  zugeschrieben  Ap.  S.  hecken  1, 
an-h.  —  2.  n.  a)  kleiner,  anmassender  Bursche  Gi.K. 
Syn.  Krot,  Giftschtsser.  —  b)  gelegentlich  Abkürzung 
für  die  folg.  Compp.  Gl. 

Sunne"-:  Eidechse  GlK. 

Wasser-:  rotbäuchiger  Molch  Gl. 

liccker!  1.  Ausruf  der  Verwunderung,  i',  hecker! 
L;  Zg  (St.'').  —  '2.  Verstärkungsw.  vor  Adjj.  =  sehr, 
überaus  L;  Z.  Gar  h.  fri;  h.  schön.  —  Zunächst  = 
liacker(inent)  als  weitere  Verkleidung  von  ,Sakrament'. 

heckerisch  =  Äfcfcer  .3  Gr;  L.  H.  äffliy  [ärger- 
lich]! GnSchiers.     Syn.  , sakrisch'. 

Heckerment!  Fluch  Aa. 

heikel  Aa;  B(Zyro);  Gr;  L;  GT.;  Sch;  Tu;  Ndw, 
Itcihcl  Ap;  Bs;  GlK.;  GR'tw.;  G  tw. ;  Z,  heiklich 
GrV.,  heiklech  Gr  ObS.,  heiklig  Ap;  Bs;  GPvh.,  heikli 
AaZcIu.;  BSa. ;  GnObS. :  1.  von  Pers.,  wählerisch,  bes. 
im  Essen,  eklig  Aa;  Ap;  Bs;  Gr;  Z.  Synn.  s.  bei  iin- 
ijefräss  (Bd  I  1319),  ferner  fämsch.  Er  ist  bi  riichcm 
Fueter  üferzoge"  worde'  und  ist  gar  nit  heikel.  Spreng. 
,H.,  kies,  vies,  katzenrein,  kips,  kiem,  fastidiosus  cibi, 
curiosus.'  Ked.  166'2.  Übh.  nicht  leicht  zu  befriedigen, 
bes.  in  Forderung  von  Ordnung  und  Reinliclikoit, 
pünktlich,  genau  Aa;  L;  eigensinnig  L.  Emptindlicli 
G  1799.  —  2.  von  Sachen,  leicht  Schaden  neliUKMid 
und  daher  schwer  zu  behandeln,  delikat;  bedenklich, 
schwierig,  gefährlich;  unangenehm  Aa;  Ap;  Bs;  B; 
Gr;  L;  G;  Sch;  Th;  Z.  De"  Biche"  isch-es  h.  z'  treße". 
D'  Bäum  sind  nit  so  h.  icie  d'  Bebe".  E  heikli  Färb. 
—  Heikeleni  f.:  Empfindlichkeit  GRÜalfr. 

Bfi  di.'in  aurchgchenden  ei  ist  weder  an  Entstellung  :uis 
ekel(itii  ii'ili  aus  hnk.Jiiii)  Zu  denken;  das  Kisl.  rr  niii.li,- 
iuich  il'i  i:.^l.  ii:i<li  ziiuächst  nur  zu  1,  ila^  l,ri/i,ir  nur 
zu  2  |.:i'-.  II,  Wniil  ;il„.r  ist  möglich,  dass  ila,  \V.  mlLliiit 
und  siiii.ii  in  limt-rhlaud  irgendwie  aus  riii. m  \  i.ii  p  ii.ii 
WW.  eutstellt  uder  uiit  ihuen  vermischt  sei;  vgl.  Cir.  WB. 
1V^2,    102. 

Hiek  m.  (PI.  ebso),  in  GRSchud.  Hiickii  (diui.): 
1.  Einschnitt  mit  einem  schneidenden  Werkzeuge  I!; 
FMu.;  Gl;  Gr;  L;  SchwMuo.;  Uw;  W;  Z.  Syn.  Bick. 
Selten  =  Stich  BSi.  Schlag,  Stoss  BBrisl.  Wurf  mit 
dem  zugespitzten  SpielpHock  in  den  Erdboden,  wo 
derselbe  soll  stecken  bleiben  AAZein.  Vgl.  kicken. 
Kein"  H.  haue",  ganz  stumpf  sein  (von  Werkzeugen) 
BK.  Der  impfende  Arzt  macht  H.  in  die  Haut.  B-li 
mache",  den  kleinen  Kindern  ihr  Brot  zu  Brocken  an- 
schneiden Bs;   Syn.  hicken,  bicklen.    Auch:  die  durch 


1119 


Hak,  liek,  hik.  huk,  huk 


den  Einschnitt  entstandene  Vertiefung,  Kerbe  BBrisl. ; 
Gr;  Z;  Syn.  Krinne.  Gang  in'n  gliche"  H.  haue'  BR. 
(sprich w.  bildl.).  Insbes. :  Einschnitt  als  Merkzeichen 
a)  auf  dem  Kerbholz,  s.  u.  Beile  und  Tessere.  ,Der 
Alpenhirt  hat  seinen  eigenen  Kalender :  an  jedem 
Abend  macht  er  einen  Hick  in  seinen  Hirtenstab,  am 
Sonntag  aber  ein  Kreuz.'  Gl  Nachrichten.  Hieher 
viell.  der  Ausdruck  ,im  H.  obe"'  =  auf  dem  höchsten 
Grade  oder  Punkt.  Es  ist  doch  gäng  guet,  wc-me' 
d'  Sach  [die  Waare]  nid  grad  giH,  wenn  de'  Pris  [der 
Lebensmittel]  aw''  im  H.  oben  ist,  nnd-me"  zum  Fehle' 
[für  den  Notfall]  mo'''  Öjiiiis   im   Vorrat  het.   Schild. 

—  b)  als  Zeichen  des  Eigentums,  Hausmarke.  Auf 
dem  Flossholz  der  mit  der  Axt  eingehauene  einfache, 
in  verschiedenen  Richtungen  angebrachte  Strich  im 
Gegs.  zum  ,Fünfer'  (Bd  I  854),  wie  Dieser  von  den 
betr.  Hausmarken  abgeleitet  aScuw;  s.  Homeyer  2()2. 
Auf  Haustieren:  ,Eine  Kuh,  in  deren  hintern  Latfen 
2  Hicke  aufgeschnitten'  Schw.  Syn.  Furke  Bd  I  1013; 
vgl.  B.  IV  84.  —  c)  in  beliebigen,  gelegentlichen  An- 
wendungen. En  H.  machten  die  Merliger  in  das  Schilf 
als  Merkmal  der  Stelle  des  Thunersees,  wo  sie  die  zu 
rettende  Glocke  hinabgelassen  hatten,  damit  sie  die 
Stelle  leicht  wiederfänden.  ,I)en  Pflanzstock  [den  zu 
verpflanzenden  Wildling]  mit  einem  Hick  bezeichnen, 
damit  er  hernach  im  Setzen  also  [nach  der  nämlichen 
Himmelsrichtung]  widerumb  gekert  werde.'  Euag.  1639. 

—  2.  „kleiner  Strich  mit  Kreide  VO"  (wahrsch.  aus 
1  a  übertragen).  —  3.  durch  Kälte  verursachte  Spalten 
in  der  Haut  der  Hände .  B  (Zyro).  Vgl.  Heckeier.  — 
4.  Name  einer  Einsattlung  am  Pilatus.  —  5.  bildl. 
a)  kleiner  Rausch  (,Hieb')  L;  Z.  —  b)  „Stichelei 
(,Hieb')  Vü."  Vgl.  hecken  3.  —  c)  „H.  im  Kopf  haben, 
seltsame  Einfälle,  Grillen  VO";  Syn.  Muggen,  Güegi. 

—  d)  abstr.,  Mal.  All  H.,  zu  wiederholten  Malen, 
jeden  Augenblick,  sehr  oft  AaF.,  Fri.;  Bs.  Synn.  s. 
bei  Fart,  Gurt,  Nu"  und  Wädel. 

Hickel(er)  VO,  „Hicker  L"  -  m.  =  Heckeier: 
auch  am  Mund  Ndw  ;  au  der  Brustwarze  in  Folge  des 
Säugens  L. 

hicke"  I:  1.  Einschnitte  machen,  korben  BR.; 
„L;"  Uw;  W,  z.B.  an  Kartoffeln,  Kastanien,  damit 
sie  besser  kochen  BSi.;  am  Fleisch  B;  Gl;  „L;"  Z. 
,Man  wickelt  das  Hähnelein  in  eine  Speckschnitte, 
welche  in  der  Mitte  3  oder  4  Mal  gehickt  ist.'  ZZoll. 
Kochb.  1820,  Syn.  hicken,  hecken;  am  Kerbholz,  z.  B. 
in  der  Weinlese,  um  die  Zahl  der  Butten  aufzuzeichnen, 
die  in  die  Kelter  getragen  werden  B,  vgl.  Hick  1  a; 
in  ein  Geschwür  (es  aufstechen,  -schneiden);  in  einen 
Seidenistoff  mit  zu  stark  angezogenen  Enden,  um  ihn 
beim  Verarbeiten  besser  strecken  zu  können  Aa. 
G'hiekt  sind  gewisse  Festgebäcke  (Ankeniceggen,  Eier- 
ring), in  deren  Teig  schon  vor  dem  Backen  Einschnitte 
gemacht  werden.  Auch:  der  Länge  nach  spalten,  z.  B. 
Holz  zu  Spänchen,  Krautstiele  S.  —  2.  „sticheln  VO", 
Jmdm  einen  Streich  spielen  L ;  Zg  (St.'').  Vgl.  Hick  5  b, 
hecken  3.  —  3.  ein  altes  Spiel  mit  4  Karten  S.  — 
4.  =  hecken  1  AAZein.  —  5.  husten  in  einzelnen,  kur- 
zen Stössen  L.  Syn.  hecken  (dies  aber  von  härteren 
und  längeren  Stössen). 

Das  Wort  auch  norJd.  (=  picken;  dazu:  hick-hnchen 
zanken);  vfl.  engl,  hickicay,  -wall  =  Specht  (vom  Hacken). 
Dasselbe  ist  wohl  erst  von  hecken  nnd  hairkat  aus  gleichsam 
rückwärts  ablautend  gebildet  und  der  Voc.  i  bezeichnet  wie 
in  ähnlichen  Fällen   (z.  B.  .zwicken  :  zwacken')   gegenüber  a 


lautsyuibüliscli  das  Feinere,  Düunere,  Schmalere.  Zu  5  ist 
übrigens  die  Berührung   mit  der  Gruppe  hück  zu  beachten. 

ver-:  zerstückeln,  z. B.  Fleisch ;  (einen  Schultisch) 
durch  Einschnitte  verderben  B.  —  ge-  (kzik/ej:  hü- 
steln, kurz  und  trocken  husten  BsLd.  Zu  hicken  5.  — 
Gehicker,  Gehicki  K/ik/-  bzw.  khik-  Bs,  Hickis 
—  m.:  Husten. 

hickle":  kleine  Einschnitte  machen.  B  Kochb. 
Syn.  bicklen.  —  zer-:  durch  viele  kleine  Einschnitte 
zerschneiden  BR. 

Ge-Hick  khikx  ScnwMa.;  Z,  A/rt/  oTu;  ZF.f, 
Russ.,  Chik/,' hivf.  Chik  Gl;  G;  ZF.,  ChiH  GlH., 
Chitt  Gl;  G;  Tu,  Kitt  Gl;  GW.;  SciiSt.  —  m.  GlK.; 
Th,  n.  Gl;  GRh.,  oT.;  ScuSt.;  Z:  gefrorener  Nebel, 
Rauhreif.  Über  Nacht  hat  's  G.  a'g'setzt.  's  G.  mag 
nüd  abe",  will  nicht  abfallen.  Im  Merze'  G.,  im  Maie' 
Sehne  ZO.  Wenn  d'  Bäum  im  Winter  vil  G.  händ, 
se  gV'd-s  vil  Obs  Z.  ,Canet  barba  gelu,  ist  voll  kick 
oder  weiss  von  kelte.'  Fris.;  Mal.  ,Etwan  rislet  es 
oder  es  fallt  ein  kick.'  LLav.  1582.  ,Man  soll  nüts 
[dar-]  in  houwen,  diewyl  das  kick  im  holz  ist,  sondern 
warten,  bis  das  k.  widerum  abgefallen  und  vergangen.' 
1592,  Züüb.  Synn.  s.  bei  Gicht  IF  (Sp.  112);  vgl. 
Mlfen. 

Das  niännl.  Geschlecht  kann  von  den  synn.  Rifen,  Duft 
oder  NeM  übertragen  sein ;  vgl.  (I.-Nchel.  Was  das  W.  selbst 
betrifft,  so  mag  Anlehnung  an  liiek,  bzw.  an  das  Vb.  hicken  I 
Statt  gefunden  haben;  doch  die  (mutmasslich)  wahre  Etymo- 
logie s.  iu  der  Anm,  zu  Gicht,  wo  auch  schon  angedeutet 
ist,  dass  der  Ausl.  (  statt  k  wahrsch.  nur  auf  Ausweichung 
(Dissimilation)  beruht,  wie  hippmcn  (hitimen)  neben  und  statt 
'hiijgmen,  hiijijntn,   mhd.  bidemen  (zittern)  neben  hibenm. 

Be-H.  P'hik/,  bzw.  -k  n.  (It  T.  m.)  =  Ge-H.  GRHe.; 
GRh.;  Th.    ,üer  Reiff,  Duft,  Bik,  pruina.'  Red.  1662. 

hicke»  U  GG.,  ge-h.  II  khik/e,  k/ik/e,  chikxe 
GT.;  ZO.,  in  GLtw.  chitte,  be-h.,  It  T.  pik^e  Äp: 
(unpers.)  gefrorenen  Reif  ansetzen.  Es  kicket,  häd 
g'kicket  ZO.  ,Es  kickete  im  August  und  musste  alles 
Vieh  von  den  Bergen  getrieben  werden'  GT.  So  wit 
abe"  [als]  es  im  Merze'  idckt,  schneit  's  im  Maie'  Ap. 
Pidit,  mit  Reif  behangen;  pickti  Hör.  ebd.  —  Das 
einf.  hifkcn  wahrsch.  erst  aus  gc-h.  abstrahiert. 

Be-Hicki,  It  T.  Piki  f.  =  Ge-Hick  Ap.  D'  P. 
göt  hat '  nüd  üf,  schmilzt  nicht.  Er  het  en  grobe 
[grauen]  Bart  ond  Hör  ond  volle  Bhicke,  iclss  tcie 
Sehne.  Merz. 

Hock,  in  AAZein.;  Bs;  B;  S;  Ndw  auch  Hock  — 
PI.  Hock  Z,  Hocke  I  (PI.  Hocke)  Aa;  Sch;  Th;  Z 
in  Bed.  2  a  —  m.:  1.  Sitz,  a)  abstr.,  sitzende  Stellung, 
Zustand  des  Sitzens  Gu  (selten),  sitzender  Aufent- 
halt U.  Uf  ein  H,  auf  ein  Mal  (so  dass  man  eine 
Tätigkeit  ohne  Unterbrechung  durch  Aufstehen,  sitzen 
bleibend,  vollbringt)  Bs.  Hock,  Hock,  eine  Art  des 
Schwingens,  wobei  der  von  einem  kräftigern  Gegner 
in  die  Höhe  gehobene  Schwächere  so  stark  nieder- 
gesetzt wird,  dass  er  auf  den  Hintern  zu  sitzen  kommt 
üw.  Amene  H.  (Höckli)  sitze',  zsgekauert  Z;  Syn. 
amene  Hufen.  —  b)  concr..  Ort  des  Sitzens,  Sitzplatz 
Ap;  Bs;  B;  Gl;  L;  S;  Uw.  Der  Fül  findt  bald  en 
H.  B.  Underdem  [unterdessen]  sind  Bed  von  irnem 
H.  ufg'stande'.  Kuoni.  So  von  einem  Stuhl,  aber  auch 
Sitz  im  Freien  auf  dem  Boden,  einem  Baumstrunk, 
Stein  udgl.  Höckli,  Ort  zum  Ausruhen  und  behaglichen 
Wohnen,  kleines  Heimwesen,  Landgütchen  Ap;  G.  — 


1121 


Hak,  hek.  hik,  Iiok.  link 


1122 


2.  Haufe.  H.  uf  H.,  Hock  nf  Hock,  haufenweise, 
massenhaft  beisammen,  z.  B.  Stückkugeln  im  Zeug- 
haus, Früchte  am  Zweig,  Erdbeeren  udgl.  Z.  Ganz 
Hück  Hüser.  Stütz.  Insbes.  a)  (oft  dim.)  Häufchen 
von  4—5  Äpfeln  udgl.,  bes.  von  Nüssen,  um  welche 
gespielt  wird  Bs;  L;  Scu;  Ta;  U;  Z;  s.  auch  Götti 
Sp.  529;  S3'n.  Hiifli;  vgl.  hücklen.  ,Der  volle  Nuss- 
baum  bringe  viel  tausend  Höcklein.'  FBecker,  Hobel. 
Au'''  Nuss  [Nüsse]  (/iH  's  vil:  he!  snech  emol!  Wer 
hat  de'  H-e  z'erst  und  d'  Böl  [die  grösste,  zum  Werfen 
dienende  Nuss]?  HWelti.  Brei  Tüfel  und  e  Hex  gend 
au  e  H.  L.  ,Wie  viel  Häufel  (Hocke)'?  Quotnam 
cumulos  adeptus  es?'  Eed.  1662.  Es  werden  aber 
Nüsse  u.  a.,  z.  B.  Kaifeebohnen,  auch  nach  H.  geraessen 
Aä;  Z;  Syn.  Bock.  Wie  mängs  Hückli  Böne'  brüchst 
du  zumene"  Kofi?  Der  Alpenklubist  und  sein  Führer 
trinken  zusammen  Schnaps :  mir  ein  Schluck  und  dir 
ein  Schluck!  oder  wie  einmal  Zwei  einen  Diebstahl 
unter  einander  verteilt  haben:  mir  ein  H.  und  dir 
ein  H.!  nach  Alpenp.  1873,  272.  —  b)  Häufchen  Men- 
schenkot B  (Zyro).  —  c)  Höckli,  scheibenförmiges 
Backwerk  von  der  Grösse  eines  halben  Talers,  ^ji" 
hoch  AAZof.  Bosinli-H,  eben  solche  mit  Rosinen 
belegt.  —  d)  Kreis  von  Leuten,  die  wie  auf  einem 
Klümpchen  beisammen  sitzen  L;  Uw;  Z.  Abendsitz 
zu  geselliger  Unterhaltung;  en  H.  ha"  Aa;  B;  L. 
„Hvckli,  Gruppe  kleiner  Kinder,  allg." 

Das  von  dem  weit  verbreiteten  \'b.  ,hockeB'  abgel.  W. 
findet  sich  nur  nocli  in  obd.  Mundarten  und  dort  in  anderer 
Gestalt  und  Bed.,  z.  B.  tirol.  Uocken  =  Haufe  Heu  oder  Ge- 
treide auf  dem  Felde;  vgl.  unser  Schochen  zu  ,Schock'.  Betr. 
die  zweisilbige  Nbf.  vgl.  lläijij  zu  (vorherrschendem)  Hägcjen. 
Die  Form  mit  Uml.  ist  entw.  aus  dem  Phir.  in  den  Sg.  ge- 
drungen oder  aus  dem  sonst  mehr  mit  persönlicher  Bed. 
verbundenen  gleichlautenden  W.  entlehnt. 

üfe°-:  1.  O.-Hock  Ap;  B;  L;  Z,  -er  Bs;  L;  ScnSt., 
-Hocki  ZWyla,  -Hock  AxBrugg;  B;  S,  weichlicher, 
träger  Mensch;  Stubensitzer.  ,So  beständig  um  die 
Mutter  herum  gebe  er  nur  einen  Ofenhocker  ab.' 
MEY.-Mer.  Syn.  O.-Brätling,  -Brüetei:  —  2.  der  am 
Sylvestermorgen  zuerst  am  Ofen  sitzt  Z.  —  ofe»- 
hocke",  in  der  adv.  Verwendung  O.-Huckis  mache': 
hinter  dem  Ofen  spielen  Z.  —  Ge-hock  n.:  1.  G'hock 
ScHwE.,  G'hück  Gl,  G'höckK  GG.;  Z  =  Hock  2  a.  — 
2.  Glwck,  enges  Ineinandcrsitzon  G;  Z;  abendliches 
Zusammeusitzen  der  Nachbarn  vor  den  Häusern  ScnSt. ; 
S.  —  Gigeli-H.  m.,  in  der  Verbindung  uf-em  G. 
träge':  (ein  Kind)  auf  den  Schultern  tragen,  so  dass 
seine  Beine  vorn  herunter  hangen  Gr.  Syn.  Gigeli-Gö 
Sp.  153,  Gögel  Sp.  154,  Gilggi  2  Sp.  198.  —  Heite-, 
dim.  -Hockji:  Heidelbeerstrauch  GrGI.  —  Krüsch- 
Höckli  n.:  ein  gewisses  Backwerk.  Vgl.  Hock  2  c  und 
Krilsch-Brütli.  —  Mandel-.  .Die  Mandelkränzlein 
und  -höcklein  werden  auf  gleiche  Weise  [wie  die 
M.-Noga]  gemacht.'  B  Kochb.  1796.  —  Nider-fibcZ;; 
Niedersitzen  beim  Schaukeln  ZHed.,  sonst  N.-Gupf. 
Vgl.  Boden-Hoek.  —  „Nuss-:  Häufchen  Nüsse  zu 
dem  u.  ,höcklen'  beschriebenen  Spiel."  —  Hasel- 
nnss-Höckli:  Gebäck  aus  Eiweiss  und  Zucker,  mit 
Haselnüssen  besteckt.  B  Kochb.  1830.  —  Bode°-: 
1.  Niederkauern  auf  den  Boden.  ,B.  machen',  bei 
einem  Eingelreihen  der  Kinder,  nachdem  man  herum- 
getanzt hat.  EocuH.  1857,  S.  81.  183.  Ein  Kind  an 
den  Armen  schaukelnd  sagt  man :  Gigampf,  Wiisser- 
stampf,  rote  Bock,  B.!  wobei  man  es  sachte  auf  den 

Schweiz.  Idiotüou  II. 


Boden  gleitea  lässt  S.  ,B.  machen'  auch:  so  fallen, 
dass  man  auf  den  Boden  zu  sitzen  kommt  Z.  —  2.  im 
Wachstum  stehen  gebliebenes  Kind,  kleine  Person  Z 
(auch  -Hock);  Syn.  B.-Zweck.  Am  Boden  kriechende 
Pflanze  Z.  Vgl.  Höckerli.  —  Sibe"-:  das  Sieben- 
gestirn ZZoll.  Vgl.  Gluggere  Sp.  6(12.  —  Spil-:  das 
Umhersitzen  der  Zuschauer  um  Spielende  (Turner, 
Ringer)  an  Soramersonntagen  auf  Bergeshöhen  Ap; 
GT.  —  Stube°-Hock  L;  Z,  -Hocker  A?;  Bs;  Ndw; 
U,  -Hock  B:  Stubensitzer.  Du  hettist  nid  g' glaubt, 
dass  i"*,  dr  arem,  apundn  Stubnhock,  zani  a  Beisli 
chiemti  Gr Schiers  (MKuonr  1886/7).  Eine  Katze, 
welche  mit  Vorliebe  in  der  Stube  bleibt,  wird  St.- 
Hockere  genannt  Ap. 

hocke":  1.  sitzen,  allg.  a)  ohne  Nbbegr.  1)  von 
Tieren.  Das  Huhn  hockt  (zum  Brüten)  Schw;  Z;  Syn. 
gluggen.  ,0b  den  Eiern  h.'  Spreng.  B' Henne' hockid 
uf-em  Hag:  es  gM  rück  Wetter  Ap.  's  Vögeli  hocket 
uf-em  Lädeli,  s.  grlnen  Sp.  740.  ,H.  als  ein  henn  ob 
den  hüenlinen,  incubare  pullis.'  Mal.  —  2)  von  Sachen. 
Im  hockede'  Stei'  obe',  Flurn.,  der  viell.  auf  das  ehe- 
malige Vorhandensein  eines  Fündlings  deutet  ZWies. 
Es  hocket,  der  Spieleinsatz  bleibt  für  ein  neues  Spiel 
Aa.  —  3)  von  Menschen,  in  vertraut  gemütlichem  Ton, 
nicht  unfreundlicU  B;  Gl;  Z.  S.  noch  Gall  I  Sp.  200 
und  ir  Bd  I  407.  Auch  (wie  ,sitzen')  i.  S.  v.  ,sich 
setzen'.  Hock  dei  zue  [dorthin].  Stutz.  Sitzcd  Si, 
hocked  Si,  nemed  Si  Platz!  scherzh.  Amplifikation  Z. 
So  auch  refl.:  Hock-di!  Gr.  Hocked-ech!  Bs.  In  der 
ä.  Spr.  zuweilen  mit  einem  leisen  ungünstigen  Neben- 
sinn. ,Sy  hockend  bei  den  grebern.'  1531/48,  Jes. 
.Tuest  du  nit  recht,  so  hock(e)t  dein  sünd  vor  der 
tür.'  1531/60,  I.  Mos.;  dafür  ,ruhet'  1667.  , Das  klein 
tüfelin  hocket  auf  [dem  geistesverstörten]  Saul.'  VBolz 
1554.  ,Des  ist  sein  volk  so  gar  erschrocken,  dass  sy 
wie  d'  hasen  umher  h.'  ebd.  ,Apricus  homo,  ein 
sonnenbrueder  (-brueter),  der  gern  an  der  sonnen 
hocket.  Focaria,  ein  köchin  oder  metz,  die  beim  hafon 
und  beim  feur  bei  einem  hocket  oder  sitzt.  Üb-,  de- 
sidere,  h.,  warten,  sitzen.'  Fris.;  Mal.  ,Uf  sesslen  h.' 
RScuMiD  1579.  —  b)  mit  Nbbegriff.  1)  gebückt,  ge- 
duckt, zsgekauert,  in  den  Knieen  sitzen,  etre  accroupi 
sur  ses  talons  B.  —  2)  versessen,  erpicht  auf  Etwas 
sein,  ,0b  den  Büchern  li.-  Si'kknc.  Ki(iiii^t-mi  iiöd 
über  [du  gewinnst  mir  es  nit'lit  ;ib|:  /  horhc  ilriifj' 
GBern.  Er  hocket  uf  sim  Gelt  (übe),  wie  de'  Tüfel 
uf-ere'  arme'  Sei  B;  Gl;  Z.  —  3)  schwerfällig,  ver- 
legen, müssig  dasitzen  Bs  (Spreng).  Ba  h.  wie  nes 
Pfand  Schnitz  (Breck)  Bs;  B;  wie  ne  Chrott  uf-em 
Dünkel  (TülJ  Bs;  Z.  —  4)  zudringlich,  lästig,  hinder- 
lich sein.  Eim  uf  d'  Güge  h.  s.  Sp.  156.  Eim  uf  ds 
Mül  h..  Einen  nicht  zum  Reden  kommen  lassen  oder 
ihm  so  imponieren,  dass  er  es  nicht  wagt  den  Mund 
zu  öftnen  B.  Schi  hockund  uf  im,  sind  ihm  aufsätzig 
W.  —  5)  übh.  gröber,  derber  als  ,sitzen',  in  unfreund- 
lichem Ton.  Still  h.,  sich  ruhig  sitzend  verhalten, 
z.B.  von  Kindern;  schweigen  Gl;  G;  Z.  Er  cha" 
nümme  h.  [aufrecht  sitzen]  hat  einen  starken  Rausch 
ZZoll.  Uf  h.,  sich  aufrecht  setzen,  aufstehen  Ap; 
GRh.;  Z;  aufgerichtet  im  Bett  sitzen  W;  Z.  Do  hock-i 
iez,  da  stecke  ich  nun  (im  Sumpf,  Pech).  Spreng.  Eb 
die  Helvetisch  Begierig  wider  ge  Bern  ufe  Iwck  [ihren 
Sitz  dorthin  verlege].  MUsteri.  Um  Einem  scherzh. 
zu  bemerken,   dass   er  Etw.  nicht  besser  wisse,   sagt 


Hak,  hek.  liik,  liok,  huk 


man :  Wenn  's  du  besser  icäst,  so  hock  du  dohere  Ap. 
Nüd  Schlss-und-hock-dernebe  si,  nicht  zu  verachten 
sein  BRi.;  achtid  emäl,  i*  was  für  Chleidere'  die 
chunnd:  's  ist  iez  nüd  Seh.  —  2.  bleiben.  Wer  nüd 
cha'"  rüten  und  stocke'  [Wald  ausreuten  und  Wurzel- 
stöcke ausheben],  seil  diheime"  h.  L  (Warnung  vor 
der  Auswanderung  nach  Amerika).  Mit:  Hock  dei! 
lässt  Stütz  den  alten  Schulmeister  über  die  Fremdww., 
welche  ihm  Beschwerde  machen,  hinweggehen.  So 
fertigt  man  auch  Einen  ab,  der  keine  Belehrung  von 
uns  annehmen  will  ZO.  Furt  h.,  vom  Hause  fern, 
ausbleiben  Z.  Ufh.,  ausser  dem  Bett  sein,  aufbleiben, 
nicht  schlafen  gehn  Aa;  6r;  L;  TJw;  Z.  H.  lä"  1)  mit 
Acc.  S.,  unterlassen  B;  Gl;  G;  Z.  Wenn-t'  nüd  wi"t, 
so  las-es  h.!  Wer-mer-sus  [es]  nit  glaubt,  cha"' 's  la 
h.  lä  GrPt.  (Schwzd.).  Eine  Arbeit  unvollendet  lassen 
Ap;  Uw;  Z.  Alles  h.  lä,  Nüt  a"rüere'.  —  2)  mit  Acc.  P., 
sitzen,  stecken  lassen.  Di"  Hosi  [Bräutigam]  wird-di 
h.  lö  und  's  Chindli  in  der  Wagle  [Wiege]  sto.  Spreng. 
,Ich  würde  mich  keinen  Augenblick  besin,nen,  sie  h. 
zu  lassen,  wie  sie  hockt,  auf  das,  was  man  mir  jetzt 
von  ihr  erzählt.'  HPest.  1785.  Hogge  lü  wie  de  Sjien^- 
vogt  d'  Chilche  GLNetst.  —  3.  wohnen,  sich  nieder- 
lassen G.  Me"  weiss  halt  ehe'  nie,  loo  Gott  hocket  L. 
Grundbcd.  ist:  gebückt  sitzen,  kauern,  sich  ducken,  wofür 
spät  mild,  und  noch  im  Vorarlb.  hucicen;  s.  auch  unser  hüeken. 
Es  sind  Intensivbildungen,  entw.  vom  iiihd.  hüchen,  kauern 
(s.  Änm,  zu  /Jauchen),  oder  zu  einem  in  Hotjer,  nihd.  houc, 
nhd.  ,Hügel'  steckenden  Vb.  'hingen,  welches  die  allgemeinere 
Bed.  ,sich  krümmen,  wölben'  haben  mochte.  Uf  z.  T.  piiig- 
nant,  s.  Bd  I   119. 

ab-hocke":  1.  sich  setzen  BE.jGrPt.;  SchwE.;  Z. 
—  2.  vom  Sitz  heruntersteigen  B.  —  ab  hin-:  1.  intr. 
a)  sich  an  eine  tiefere  Stelle  setzen,  z.  B.  in  der  Schul- 
klasse B;  Z.  Auch  von  den  festen  Bestandteilen  trü- 
ber Flüssigkeiten,  die  sich  niederschlagen,  und  von 
Heustöcken,  die  sich  senken  Z.  —  b)  einsinken,  z.  B. 
im  Heu  B;  ein  Wagen  im  Sumpfe  Z.  —  2.  tr.,  Etw. 
durch  Sitzen  hinunterdrücken,  z.B.  ein  Ruhebett  Ap; 
Z.  —  üf-:  aufsitzen  1.  abs.  a)  im  eig.  S.,  z.B.  aufs 
Pferd  W;  Z;  auf  den  Wagen,  auch  hinten  auf  den- 
selben, um  verstohlen  mitzufahren  B;  Z.  Gassen- 
jungen necken  Fuhrleute  mit  dem  Ruf:  Es  hockt  Eine 
hin(d)e'  uf!  Z.  Der  Anlcewäger  häd  g'seid  [zu  dem 
Käufer,  der  mit  dem  Gewichte  nicht  zufrieden  war]: 
Es  ist  iez  das;  wenn-t'  meh  wo"tst,  hock  selber  üf  [auf 
die  Wage]!  Z.  —  b)  vom  Männchen  der  Tiere,  be- 
springen Bs;  Z.  ,l)ie  kätzlerin  legt  sich  nider  auf 
den  bauch  und  hockt  der  mäuder  auf.'  Tierb..  1563. 
Auch  von  Menschen  Ap;  B;  S;  Z.  U.  lä",  von  Weibs- 
personen L ;  Z ;  vgl.  2  b.  —  2.  Eim  ü.  a)  sich  auf 
Rücken  oder  Schultern  eines  Andern  setzen  Z;  vgl. 
kräzen.  Auch  von  bösen  Geistern,  die  den  Menschen 
ängstigen  und  plagen,  s.  Bogeten-Gugi  Sp.  158.  Sich 
auf  das  Fuhrwerk  eines  Andern  setzen  Z.  —  b)  bildl., 
Einem  aufsätzig,  beschwerlich,  feindlich  sein,  ihm 
durch  Aufsicht,  Besuche  lästig  werden,  ihn  hart  be- 
handeln, verfolgen  Ap;  Bs;  B;  VO.;  GrPt.;  GW.;  Z. 
Selb  Entlibuecher  Meidschi  häd  g'seid:  Was  will-mer 
[man]  mache",  wenn  Eim  Alles  üf  hocket?  L  (Wortspiel 
mitlb).  —  a"-:  festsitzen,  ankleben.  Von  Menschen. 
z.B.  im  Wirtshaus  L;  S;  Z.  Wenn-s'  ernol  ahockid, 
gönd-s'  nüd  wädli  [schnell]  eiveg  Ap.  Von  Speisen, 
beim  Kochen  in  der  Pfanne  z.  T.  anbacken  Ap  (auch 
in  dim.  Form);  L;  G;  ScnSt.;  S  ;  Z.    A.  wie's  Mues 


i"  der  Pfanne.   Feürer;    Syn.  an-brennen,  brennseien. 

—  I"-:  1.  intr.,  im  Hause  bleiben,  das  Haus  oder 
Bett  hüten  GrPt.  Mit  einem  Wagen  in  Sumpfboden 
einsinken  Z.    Von  breiartigen  Stoffen,  eindicken,  ebd. 

—  2.  tr.,  sitzend  Etw.  ein-,  zsdrücken,  z.  B.  einen 
Stuhl  B.  ^yn.  z'sämmen-h.  —  inhin-:  hineinsitzen; 
spec:  durch  Heirat,  Erbschaft  usw.  zu  Haus  oder  Ge- 
schäft gelangen  Aa;  Z;  Syn.  i.-sitzen.  —  dinne°-: 
nach  dem  Schluss  der  Schulstunden  zur  Strafe  sitzen 
bleiben  Aa;  Z.  —  er-:  aus  dem  Gang  kommen,  in 
Stillstand  geraten,  erlahmen.  Büer-di"'',  du  erhockisch 
und  erfulisch-mer  ja  z' vollmige'  [gänzlich]  B.  Ein- 
wurzeln, sich  festsetzen,  von  leiblichen  Übeln.  En 
erhockete  Brüste"  B.  Wenn  d'  iSach  [z.  B.  Krankheit] 
erhocket  stg,  so  hat  's  dest  härter  [ist  sie  um  so  schwerer 
zu  heilen].  Gotth.  Von  einem  Geschwür,  das  nicht 
aufbrechen  will  GRPani.  Von  Speisen,  die  im  Magen 
sitzen  bleiben,  nicht  den  Weg  der  Verdauung  gehen 
GnSchud.  Erhocketi  Eier,  aus  denen  keine  Hühnchen 
ausgekrochen  sind  GaPani,  Schud.  —  ushin-.  Der 
Ivui  hocket  usn,  die  Bienen  hängen  sich  in  Gestalt 
einer  Traube  vom  Korbe  herunter  Ap.  -  ver-:  1.  tr. 
a)  einen  Platz  sitzend  einnehmen  Z.  Eim  de"  Platz  v.; 
Syn.  versperren.  —  b)  durch  Sitzen  Etw.  verderben, 
z.B.  ein  Ruhebett,  ein  Kleid  Ap;  B;  Z.  —  c)  (durch 
Sitzenbleiben)  Etw.  versäumen,  z.B.  die  Schule  Ap; 
GT.;  Syn.  verschlafen.  Mit  Schwatzen,  Warten  Zeit 
verlieren  Z  (Dan.).  —  2.  refl.,  zu  lange  sitzen  bleiben 
(und  dadurch  Etw.  versäumen)  Ap;  Gr;  Z.  !<■*  muess 
gä",  i'''  chönnt-mi"''  etta  v.  —  8.  intr.  a)  sich  ver- 
stopfen, verstecken,  von  Abzugsgräben  Aa;  Th;  Z. 
Die  Tole  ist  verhocket.  En  verhockele  Pfnüsel,  Stock- 
schnupfen Ap;  Z.  —  b)  liegen  bleiben  Z.  Öpjns  lä" 
V.,  ruhen  lassen,  ebd.  —  ge-:  1.  sitzen  bleiben,  sich 
still  halten.  G'liock!  warnender  Zuruf,  z.B.  an  Kin- 
der, dass  sie  Etw.  nicht  anrühren  sollen  BHa.  ,G'hock 
uf  dir  selber! '  lass  mich  in  Buhe!  HsRMan.  (vgl.  ebd. : 
,Rüewig  uf  dir  selber  sitz!').  —  2.  ausruhen  BO. 
(Zyro).  —  nider-:  sich  niedersetzen.  Hock  nider 
und  iss!  B  (Gotth.).  H.  n.  und  schäm  di'''!  Z.  ,Zue 
sant  Batten  was  ein  cappon;  wenn  eins  wollt  umb 
den  altar  gon,  so  hocket  er  im  nider,  Hess  sich  opfren, 
floch  denn  wider.'  UEokst.  —  be-:  stehen,  stecken 
bleiben,  z.  B.  im  Lesen,  im  Fahren  AAWohl.  De^  Herr 
Pfarer  ist  de  letst  Sunntig  au'''  nüd  recht  b'schlage' 
gsl";  er  ist  fast  b'hockt  i'  der  Predi  ZWettschw.  Von 
der  Uhr  AAWohl.  Sitzen  bleiben  ZLunn.  Haften 
bleiben:  Lönd  de'  Hagel  [Kerl]  rüefe"  [Scheltworte 
rufen],  es  h'hockt  ja  Nüd  an  is.   Wolf,  Bauerngespr. 

—  zesammen-:  1.  intr.  a)  beisammen  sitzen,  oder 
sich  zssetzen,  zu  traulichem  Gespräch  oder  Beratung 
Ap;  Z;  sehr  befreundet  sein  Z.  —  b)  zssinken,  -kleben, 
von  Bettfedern,  die  nicht  recht  geschüttelt  werden  Z. 

—  c)  coire  ZNA.  —  2.  tr.,  durch  Sitzen  ein-,  zsdrücken, 
z.B.  einen  Stuhl  Ap;  B;  Z;  Syn.  in-h.,  zs.-rlten.  — 
zueche"-:  sich  zu  Tische  setzen  BE.;  Uw. 

Hocker  m.:  I.Mensch,  der  gern  und  lange  sitzt, 
z.  B.  an  Winterabenden  raüssig,  im  Wirtshaus  Ap; 
Bs;  Z.  Er  ist  kei'  Safer,  aber  c  H.  Scuilu.  [Sie] 
.st"  scho"  früeh  z'sämmecho"  und  hai'  ir  Morgeschöppli 
g'nö'  und  sl"  H.  (fsi",  wo  bis  z'  Nacht  hai  g'kneipet. 
Gottwilche.  —  2.  (meist  dim.  Hockerli,  Hö-)  kleiner 
Stuhl  ohne  Lehne;  Schemel  Bs;  FJ.;  GrPt.;  Zg. 
Spec:   Hockerli,   Stühlchen  für  Kinder  AAZein.;    für 


1125 


Hak,  )[ok,  liik.  liok.  Imk 


die  Stickerinnen  Ap;  G;  Th;  für  die  Knaben  beim 
Arinbrustschiessen  Zf;  s.  auch  Koehh.  1857,  459/Ö0. 

—  :!.  Horlcr  C,Ta..  IlöderU  AkYjein.;  InBeTl,  kleiner 
Kn^ilMii-.hlilt.ii  aus  undurchbrochenen  Brettern.  Syn. 
Britlhr.  'I'r,»ili-Srl,liifen.  —  4.  =  Hock  3  a  G  aLisch.; 
Tu;  .s>n.  Iludci:  —  5.  Höckerli,  Heuhäufchen,  kleiner 
als  der  Birli'y  Gr;  Syn.  Hücker.  —  NB.  Ein  Teil  der 
Ccimpp.  findet  sich  mit  denen  von  Ilock  vereinigt. 

Uf-:  1.  geiler  Mensch  B;  Z.  —  2.  Verfolgter  B. 
S.  uf-lwcken  Ib,  ah.  —  Gassen-:  der  kein  Land, 
Heim  besitzt  (auf  der  Gasse  wohnen  muss)  Zg;  s.  Gass. 

—  Wirtshüs-  Sch;  Z,  -Hikl;  B;  S  =  Iloclcr  1.  — 
Nest-:  jüngstes  Kind  einer  l'amili.'  \\Vn.  i-o-i: 
GnObS.;  GStdt.  Synn.  s.  bei  (h-:il>-rh  S|..  sjü,  imiei- 
Nest-Höch,  -Pflutterling,  Bli<tl-Xrst]ni,j.  Sie  in- 
weisser Mauerpfeffer,  sedum  album  B.  —  Wörtli"-: 
Wortklauber,  Silbenstecher  Ap;  GStdt. 

Hockore  f.  ScHwMa.;  ZO.,  Zoll.,  Hockerne  Gr, 
Höckerli  AaB.;  Ap;  GrV.  (auch  -o-  und  -ü-);  L;  G; 
ScHwMa.;  Th;  Z:  =  Grüper  3  (Sp.  790).  Syn.  Hocki, 
Happere,  Hortschere,  Grüp-,  Kriich-Bönen.  Die  grö- 
bere Art  wird  auch  Kost-Hoclere  genannt,  weil  ihre 
Bohne  zur  sog.  Kost-Suppe  verwendet  wird  ZO.,  Zoll. 

Hockete  I:  1.  langes,  müssiges  Sitzen  Ap;  UwE. 
_  2.  =  Hock  i>  d  TnTäg. ;  W.  Spee.  Gesellschaft  von 
Knaben  und  Mädchen  Abends  bei  Licht  zu  Spielen 
Ap,  heimliches  Zssitzen,  von  schlechter  Gesellschaft 
Zu.  —  Bänkli-:  Zssitzen  von  Nachbarn  Abends  auf 
Bänken  vor  dem  Hause  Bs. 

Hocki:  1.  m.  =  Hocker  1.  allg.  -  2.  n.  a)  PI. 
Hockeni  =  Hockere  BHa.  —  b)  niederkauernde  Stel- 
lung, beim  Turnen  Bs. 

„Hockli  n.:   kurze,  dicke  Person  BO." 

Hiick  m.:  1.  kleiner,  schwächlicher,  unbeholfener 
Mensch,  bes.  Knabe;  Knirps  Aa;  Bs;  B;  S.  Zuweilen 
mit  dem  Nbbegr.  von  Ansprüchen,  die  mit  der  kleinen 
Statur  in  keinem  Verhältniss  stellen,  verächtlich,  selten 
mitleidig.  Du  arme  H.  '.  Gotth.  Syn.  Krott,  Negeler. 
Hockli  n.:  im  Wachstum  zurückgebliebenes  Kind    Bs. 

—  2.  =  Hock  3  a.  —  3.  Kinderschlitten  ApK.  Vgl. 
Geiss  u.  Hocker  5.  —  4.  =  Hock  1.  —  5.  =  Hock  2  d. 

—  G.  Setzkügelchen  beim  sog.  Spicken  im  Gegs.  zur 
Wurfkugel  GT. 

HÜS-:  Einer,  der  immer  zu  Hause  sitzt.  ,Joggeli 
war  nicht  etwa  so  ein  Haushöck,  der  nie  von  Hause 
wegkam.'  Gotth.  —  Mueter-:  der  immer  bei  der  M. 
sitzt  B.  Syn.  M.-Titti,  -Hälli.  —  Nest-:  1.  der 
jüngste  Vogel  im  Neste  AaHoM.  —  2.  ^=  Nest-Hocker 
S.  —  3.  Sitz  im  Nest.  In  im»  X.  sind  si  [die  Elstern] 
erst  recht  gnistig  niul  ifsrlut-iil  -.iij  lii-ii-enand  Aa  (Rud. 
Meyer).  —  Pinte"-:  der  in  der  Weinschenke  zu 
sitzen  pflegt  BLangn. 

hocke":  1.  tr.,  sitzen  machen,  setzen  B;  GlK. ; 
Vw.    a)  von  Pers.,  z.  B.  ein  Kind  auf  den  Boden  UwE. 

—  b)  von  Tieren.  ,Eine  Henne  h.',  ihr  Eier  zum 
Brüten  unterlegen  SchwNuoI.;  Syn.  Micken.  —  c)  von 
Pflanzen,  z.  B.  Bohnen  GF.,  ü.;  Syn.  stecken.  —  d)  bild- 
lich, zur  Buhe,  zum  Schweigen  bringen,  bändigen. 
Bas  U'ghür  git-em  [dem  Kapuziner,  der  es  beschwören 
will]  schröekli'''  z'  tue",   bis  er  's  entli"''  y'hiickl  Schw. 

—  2.  refl.  a)  sich  setzen  Gr;  G;  Schw;  Uw.  Höck-di! 
Einladung  zum  Sitzen.  Jün  leders  hockt-si'''  o*  si" 
Plätdi.     D'  Chatz  hockt -si'''  uf-''en  Ast.     D'  Bränte 


het-schi  g'höckt,  der  Nebel  hat  sich  niedergela.ssen 
GrD.  De''  Bossberg  cha'"'-si'''  [s.  Z.  beim  Goldauer 
Sturz]  nümme  h.  [zur  Ruhe  kommen] ;  er  gütscht 
Stunde'  ictt.  —  b)  bildl.,  sich  still  verhalten  ScnwE. 
Er  hat  die  Andere*  lo  b'richtc  [reden  lassen]  und  si''' 
g'höckt.  MLiEN.  Bst !  Cha"st-di  nüd  h.!  ebd.  Syn. 
ge-hücken.  —  3.  intr.,  sitzen  B(Zyro);  Uw. 

H.  ist  das  regelrechte  Caus.  zu  ,hocken'.  Wenn  es  auch 
intr.  gleich  dem  Letzteren  vorkommt,  so  ist  zu  erinnern,  dass 
hinwieder  Dieses  auch  refl.,  also  scheinbar  tr.  gehraucht 
wird  (huck-dil  =  luJck-di.n.  Der  aus  aSchw  verzeichnete  lange 
Voc.  ist  wohl  lautsymbolischer  Ausdruck  behaglicher  Ruhe 
wie  umgek.  in  unwilligem  Affekt  Verkürzung  vorkommt,  z.  B. 
*.  /  .'  hür  auf!    In   ,g'höckt'  bezeichnet  r/e-  das  Eintreten  des 

abe-:  auch  bildl.  =  einen  unbescheidenen  Plau- 
derer nachdrücklich  zur  Ruhe  weisen,  verstummen 
machen  SchwNuoL  —  üf-:  aufsetzen,  -stellen,  z.B. 
Kegel  Gl;  Nüsse  B  (Zyro). 

ver-höckt:  verstopft,  -steckt,  von  Wasser  im 
Boden,  Krankeitsstoff  im  Körper  Gl.    S.  verhocken. 

be-höcke":  Jemanden  so  widerlegen,  dass  er 
Nichts  mehr  zu  entgegnen  weiss,  durch  schlagende 
Worte  zum  Schweigen  bringen  B;  „VO."  —  Eig.  stocken 
machen.      Vgl.  abe-h. 

Höcker  m.:  1.  Kleinhändler  in  Korn  B  (St.**).  — 
2.  =  Hocker  4  G  aLdsch.  —  I  mhd.,  nhd.  auch  , Hocker, 
Hucker'. 

höck(e)le'':  Dim.  zu  hocken.  1.  sitzen,  sich  setzen, 
von  Kindern;  von  Erwachsenen  mit  dem  Nebensinn 
einiger  Gemütlichkeit,  Bequemlichkeit  L;  Sch;  Z. 
's  ÜJiiinlli  hniiicl  scho"  ellei"  Z.  Von  kleinen  Vögeln: 
's  Ydi/iIi  Im, ■Uli  II f  'em  Lade"  Ap;  Z.  Von  Männern 
insbes.  luiiLje  im  \Virtshaus  sitzen  bleiben  (ohne  ge- 
rade viel  zu  trinken)  Bs;  BE.;  L.  Von  Frauen:  mit 
Nachbarinnen  zum  Plaudern  zssitzen  SB.,  NA.  Das 
tänzlet  und  schwänzlet,  höcklet  und  böcklet  [Herodes 
tanzende  Tochter],  dass  Eim  fi"  's  Herz  im  Lib  uf- 
gumpet  ist.  Bantle  1712.  Mit  Adv. :  ab,  nider,  z'sämme". 
Desumme"  h.,  da  und  dort,  bald  hier,  bald  da  müssig 
sitzen  B.  —  2.  gelegentlich  und  im  Kleinen  Handel 
treiben.  ,Den  Hintersassen  soll  alles  Fleisch-Ein- 
bringen verboten  sein;  einem  Hintersäss  aber  solle 
erlaubt  sein,  dass  er  das  erkrankte  Vieh  schlachten 
könne;  doch  soll  er  ohne  Bewilligung  kein  Fleisch 
davon  verkaufen ;  hingegen  ist  allen  Hintersassen 
alles  H.  verboten  bei  Conflseati.ni  des  Fleisches;  doch 
solle  es  des  H-s  halb  nicht  d.'ii  NriMaml  haben,  dass 
einem  Hindersässen  nicht  bew  illiul  -ei.  rin  Stück  Vieh 
für  seinen  iranspjebraneh  zu  s.-hlaehlrii.-  17S2,  Aarauer 
Batsiiiaii.  (("illiafrni.  ::.  iiiii  .ll.rkcn'  {s.Hock3aJ 
spielen  a)  K  iiel.'i  ■^^ii^l.  Ijri  wrlrlieiii  es  sich  darum 
handelt,  dcu  in  gcwi.s.ser  Eiitlornung  aufgestellten 
Hock  zu  gewinnen,  indem  man  ihn  mit  einer  Nuss 
bzw.  Kastanie  (Bol)  über  den  Haufen  oder  das  Oberste 
davon  herunter  wirft  AaB.;  Bs;  B;  Sch;  S;  Tb  (auch: 
hokerle);  Z,  in  Gl;  SchwE.  und  tw.  Z  g'h.  G'setzt 
ist  nüd  g'hücklet,  bildl.  =  Das  ist  etwas  Anderes 
od.:  man  ist  damit  nicht  gebunden  Z.  Ob  3  Zeine" 
[Körbe]  oder  3  Tause"  [Bottiche],  chann-i"'  nümme* 
säge"  —  nu"!  g's.  i.  n.  g'h.;  si  händ  emmel  e"  chli* 
Obs  überclio".  RBauer.  , Ludere  nucibus,  h.  oder  mit 
nussen  kurzweilen.'  Fris.;  Mal.;  Denzl.  1077;  1716. 
,Das  Kippen,  H.,  lusus  nucum.'  Red.  1öö'2.  ,Da  ich 
'  mit   meinen    Schul-Gespanen    nach    Art    der    Jugend 


1127 


Hak-link.    Hakt-hnkt.    Hai -hui 


1128 


gehöckelt  und  gespielet  habe.'  JJUlrich  1733.  — 
b)  =  nüsslen  ZO.  —  3.  in  obsc.  S.?  ,Mit  was  andacht 
etliche  desse  predigen  angehört,  ist  daraus  abzunem- 
nien,  dass  einer  einem  andern  eine  hüpsche  Weibs- 
person im  bad  sitzende  gezeiget,  sprechende:  Meinst, 
diss  höklete  nit  auch.'  BossH.-Goldschm. 

Höckler  m. :  der  lange  im  Wirtshaus  sitzen 
bleibt  Bs;  L. 

Höcklete  f.:  vergnügliches,  bequemes  Sitzen  Ap. 

Höckli°g  ra.:  Sitzplatz.  Z' hinderist  ist  a  H. 
gsin,  un^  i"''  ha"  grad  g'welle'  druff  anhi"  sitse"  FS. 
(Schwzd.).  -  Oien-.  =  Ofen-Hock  1  Aa;  B;  S. 

g'höckli"'ge''  L,  z'h.  S:  Adv.,  in  sitzender  Stel- 
lung. Ase  g'h.  l'nucke  [einschlummern]  AARued.; 
Syn.  g'sitzli'gen. 

b^-hock  ÄAlVIand.,  -«AAStauf. :  hübsch  aussehend. 
Bas  macht -si"''  b. 

Kaum  zu  ,hocken',  entsprechend  der  RA.  ,das  sitzt  nicht 
übel' ;  viell.  ein  Verderbniss  nach  Form  und  Sinn  aus  he-huckt. 

Hocke"  U  f.,  Hocket,  -e°  II:  eine  Art  Leibrock. 
,Ein  gfüllti  Hockat.  Ein  sydin  Hockcten  an  Errael.' 
14'2'2,  L  Vogtkinderrechn.  ,Ober-  und  Untcrhogken.' 
B  um  1500.  ,Matthäus  soll  [als  Zöllner]  ein  Hocke- 
ten  anhan.'  L  Bühnenrod.  1544/85.  ,Die  [gallischen] 
Männer  tragen  H-en.'  Tschudi,  Gallia.  ,Han  ich  kouft 
4  elln  wälsch  [Tuch]  zum  hocketly.'  Mitte  XVI.,  L. 
,Sagum,  ein  hocketen,  ein  kriegische  juppen.  Saga, 
ein  hocketen,  ein  gattung  eines  kleids,  leibrock.  Latus 
clavus,  ein  rock  oder  hocket  mit  purpur  bsetzt,  so  vor 
Zeiten  die  ratsherren  zu  Rom  under  jrem  langen  rock 
anhattend.  Sagulum,  hocketle,  leibrock,  leibschöple.' 
Fris.;  Mal.  ,Vogelfarb  Höcketli.'  Hinterlassenschaft 
von  Leod.  Rixzi  1585. 

Ans  frz.  Koqucton,  nach  Schcler  afrz.  auqucton,  prov.  al- 
coto,  gestepptes  Wams,  aus  spaii.  (arab.)  al-mton,  Watte,  von 
coton,  mit  vorgesetztem  arab.  Artikel.  Danach  wäre  Hocket 
erst  aus  der  volleren  Form  abstrahiert,  deren  -eii  als  Flexion 
äufgefasst  wurde.  Hoeke  II  mag  zu  Hockete  II  im  A'erhältniss 
von  Tocke  zu  Tockete  [Kinderpuppe]  gedacht  worden  sein, 
oder  es  mag  Yermischung  mit  ,Hoike'  (s.  Gr.  WB.  IV  2, 
1731)  Statt  gefunden  haben. 

G*-Hück,  -BT/«/.-/  n.:  wiederholtes  Husten,  trocknes 
Hüsteln  B.  Du  hesch  doch  hinecht  aber  es  K.  g'ha' 
—  i'''  ha"  gar  nit  chönne'  schlafe'.  —  (g")hücke"  I, 
k/ük/e:  1.  trocken  husten,  ein  wenig  husten,  hüsteln 
B.  —  2.  unterdrückt  schluchzen  SStdt.  —  G'hücker 
m.:  Husten  FMu. 

Schwerlich  mit  hücke'  II  zu  vereinigen,  etwa  dadurch,  dass 
bei  Husten  oft  eine  gedrückte  Haltung  der  Brust  Statt  findet; 
sondern  es  wird  eher  eine  Art  Intens,  von  Imchai,  küchen 
sein  und  eine  krankhafte  Modifikation  des  Ansatniens  be- 
zeichnen; vgl.  hucken  =  schnappen.  XIV.,  Mone,  Anz.  18-S9, 
459;  beachte  übr.  auch  die  Berührungen  t.  mit  hicken,  t.  mit 
Uggen. 

llücke"  II:  1.  intr.  a)  niederkauern,  von  Hühnern 
GrD.  -  b)  hinken  Aa.  —  2.  tr.,  (eine  Henne)  h.,  ihr 
Eier  unterlegen;  Syn.  setzen.  Eine  Schwangere  darf 
nicht  h.  Syn.  hocken  1  b.  —  3.  refl.,  sich  ducken, 
still  halten  Aa;  s.  hocken  2  b.  's  ist  nid  wohr  g'si",  aber 
i"'  ha'-mi'''  müesse'  h.  Aa  Schulmstr  1887.  Hück-di! 
nimm  dich  in  Acht!  —  g«-,  in  B  oSi.  kxükxe:  sich 
still  halten,  zufrieden  geben,  sich  unterziehen  B.  Me" 
cha"  die  Mützere'  [Obstdiebe]  g'stellen  [bannen],  dass 
ei  sich  g'h.  ond  d'  Kirschi  in  Biieh  län.    lez  g'hück 


di'*!  sagt  die  Mutter  zum  Kind,  indem  sie  ihm  etwa 
ein  Stück  Brot  gegeben. 

ü  ist  der  ältere  Uml.  für  u.  1  b  kann,  wenn  es  übh. 
richtig  angegeben  ist  und  hieher  gehört,  notdürftig  daraus 
erklärt  werden,  dass  beim  Hinken  eine  einsinkende  Bewegung 
Statt  findet,  wie  ,hocken'  oft  mit  gebogener  Haltung  ver- 
bunden ist. 

Hückerli  n.  =  Hocker  6  OnMai. 


G"-h;ickt  s.  Ge-häck. 

b»-huckt  Aa;  B;  S,  -ü-  B  (Zyro),  -ö-  FS.,  pfuckt 
B;  „S":  „empfindlich,  reizbar,  leicht  aufzubringen 
(bes.  von  unartigen  Kindern)  B;  S";  unfreundlich, 
barsch,  trotzig,  protzig,  schnippisch  Aa;  B;  S.  ,Du 
bist  puckt,  ich  habe  nicht  gewusst,  dass  man  dir 
Nichts  mehr  sagen  darf.'  ,Sie  hatte  gekocht  und  schoss 
p.  in  der  Küche  herum.'  ,Ich  hätte,  wenn  mir  Jemand 
die  Zeit  gewünscht,  nur  ganz  p.  gedankt.'  ,Weil  sein 
Herr  verdammt  p.  war  und  keinen  Tag  auf  die  Arbeit 
warten  wollte.'  ,Vreneli  schien  ihm  p.  und  mutz,  gab 
ihm  kurzen  Bescheid.'  Gotth.  —  Vgl.  ahd.  hugjan,  me- 
ditari,   hchuclitj,   sollicitus,    aber  auch  die  Anni.   zu   Ge-hiick 


Hai,  hei,  liil,  hol,  hui  bzw.  hall  usw. 

h  a  1  s.  hallig. 

Wider-llall:  wie  nhd.  Z.  Auch  übertr.,  vom 
Zurückprallen  der  Wärme  U. 

ver-halle":  wie  nhd.  De''  Ton  verhallet  ganz  i" 
der  Chillen  ine",  me'  cha""  de"  Pfarer  nüd  verstä"  Z. 

Halle(n)  I  GRÜast.,  Ig.,  Klost.,  uVatz,  Valz., 
Haller  I  GRÜhur,  D.,  Ig.,  Pr.;  GSa.  —  ni.:  Glocken- 
klöppel. Syn.  Klenker.  Si  fleiigeiid-s'  [die  Bursche 
schwingen  die  Glocken],  ''ass  der  Haller  e  Büngli  [eine 
Weile]  nümme'  sehlöt  GSa.  Das  passt  wie  e"  Haller 
in  e'  Glg'e',  wie  eine  Faust  auf  ein  Auge  GfiChur,  Pr. 

Aus  Chatten,  welches  viel  verbreiteter  und  auch  aus  der 
ä.  Lit.  gut  bezeugt  ist,  oder  aus  dem  (auch  mhd.)  Halm  II, 
doch  angezogen  vom  St.  Hall,  hallen.  Über  Wechsel  von  ch 
und  h  im  Aul.  vgl.  die  Anm.  zu  Ilugelen.  Die  Form  auf  -et; 
welches  noraina  agentis  und  auch  Namen  von  Werkzeugen 
bildet,  nach  Analogie  von  Hammer,  Klopfer,  Lüclter,  Liter, 
Borer,  "Wischer  u.  V.  a.  Die  RA.  berührt  sich  mit  der  u. 
Oigc'  Sp.  148  angeführten  (wo  viell.  Haller  zu  lesen  ist), 
und  es  bleibt  fraglich,  welche  Deutung  die  echte  sei. 

schle'g-hal:  schief,  auf  einer  Seite  höher  als  auf 
der  andern,  z.B.  ein  Fuder  Heu  BG.  „Als  m.  Subst. : 
Etw.  Überhängendes,  wie  ein  schief  stehender  Baum, 
Mauer,  schief  geladenes  Fuder  B;  S."  Vgl.  schlegel- 
haldend. 

Gleichs.  durch  erhaltene  Schläge  auf  die  Seite  geneigt; 
vgl.  das  folg.  Vb.  Wohl  zunächst  ausgegangen  von  Wagen- 
ladungen, bes.  Fudern  Ken,  welche,  anfangs  aufrecht  geladen, 
durch  die  Unebenheiten  des  Weges  Stössc  [.Schläge']  be- 
kommen  und  so  schief  werden;   vgl.  schlagen. 

Halle"  II  f.:  Abhang  (einer  Wiese)  B  (Zyro).  — 
halle"  I:  schief  sein,  auf  eine  Seite  neigen  B;  U;  W. 
Der  Stube'bode'  hakt. 

Kaum  zu  trennen  von  den  synn.  Halden,  h.,  aber  ob  aus 
Diesem  erst  entstanden  durch  die  selbe  Angleichung,  welche 
in  ball,    aehullig  in    dem    genannten  Sprachgebiete   vorliegt, 


A,  1ml 


1130 


■  iilor  im  Gegenteil,  wie  Billercn,  Bulleren,  Hell  neben  Hdil, 
inlid.  hd(le)r  (ahd.  Imlu,  hall,  cliviis;  anahnl,  acclinisl,  die 
ursprünglichere  Form  fortpüanzend  ?  Vgl.  noch  die  Flurnu. 
.Waldung  in  der  Hall'  ZKUsn.;  .Hall'  GWaldk.;  .in  der  Haien' 
BBrenig.,  Küniz  (auch  .Halden');  , Haienfeld'  BBoll.;  ,an  der 
Haien'  BBad. ;  .Halcubilchel'  ZNeft.  Offn.  (dazu  vgl.  ,Haltcn- 
liiiliol'  B);   ,HalenniattQ'  WSaas  (auf  den  Karten   ,Haldcnm.'). 

(Rgbe"-)G»-häln.:  Spalier.  Geländer  von  Reben, 
lüiumen  Aa;  ß;  IMegg.  Syn.  Eeb-Laube',  -G'länd, 
Landeren,  Trüeter. 

Entw.  unmittelbar  vom  Vb.  halkn  I  gebildet,  wie  Ge-m&l 
Viin  malen,  oder  dann  aus  Gehäld  (s.  d.)  verstümmelt.  Das 
uispr.  kurze  ä  längte  sich  wie  in  Fall,  Feil,  gel"  u.  v.  a. 
S.  auch  noch  Hell  als  Flurn. 

a^-hällig:  sanft  ansteigend  U. 

„lialär",  halärsch:  munter,  mutig,  übermutig 
Aa;  L.  -  Aus  alert  (Bd  I  172)  mit  Anlehnung  an  das  syn. 
vhävHch.      Zum  Antritt  von  h  vgl.   hextra  nnd  haleijer. 

Hallauer:  Einer  von  SceHallau.  Die  H.  Gegen- 
stand naclibarlicher  Neckerei:  .Alles  durcli  einander 
essen  wie  der  H.'  Sprww.  1824.  S.  auch  u.  Hand; 
durch-rlssen.  Auf  die  dem  Stadtregiment  i.  J.  1790 
die  Botraässigkeit  bestreitenden  H.  bezieht  sich  das 
geflügelte  W.:  Mer  tönd's  nit!  scherzh.  weiter  ge- 
sponnen: ond  wenn 's  mir  no  tütid,  so  tätid's  üsi 
Wiber  nit.     Vgl.  noch  Sprww.  1824,  92. 

..lialeger:  ausgelassen  lustig  Aa;  L."  S.  düegro 
(Bd  1  172).  Auch  subst.  „Ealeger  m.,  übermütig 
lustiger  Junge,  ebd."  Und  hiezu  hinwieder  als  Fem. 
H-e',  lustige,  vergnügungssüchtige  Weibsperson  „Aa;" 
L.  —  halegere"  Aa;  L;  S,  haleire  BR.:  ausge- 
lassen fröhlich  sein,  bes.  beim  Gelage,  laut  jubeln, 
sich  lärmend  lustig  machen.  Syn.  grampolen.  Die 
junge"  Bursche'  h.  ei's  's  Dorf  üf  und  ab  S.  Dudle" 
und  hörne'  und  h.  JBEgli  1871.  Lärme'  und  h., 
das'-me'  st's  eige'  Wort  nilmme  g'hört.  Machari  1884. 
Die  eitere"  Herre'  sind  aßg  hei'"  'decklet,  aber  die 
Junge'  händ  na  [noch]  witers  g'halegeret  LHabsb. 
lhn(h)e-h.,  sich  lärmend  und  jubilierend  herumtreiben 
Aa;  BR.  —  Haleiri  m.  (PI.  -ege'):  lebensfroher 
Mensch  BR. 

Halle"  III  s.  Hahn. 

Halle"  IV  (bzw.  -ä-)  f.:  Hülle,  Schale  der  Zwiebeln 
B  (Zyro),  Hülse  von  Bohnen,  Erbsen  Ndw,  bes.  aber 
die  grüne  Umhüllung  der  Baumnüsse,  auch  Hasel- 
nüsse Aa;  Bs;  B;  S;  Vw;  „Z";  Syn.  Brätschfgjen, 
Tanggen.  —  Ahd.  hala,  mhd.  *(.(  f.  dass.,  zum  Vb.  helen, 
bergen,  hüllen. 

„Schind-:  Raud-.  l-l'-lii'-nKriinkheit  beim  Rind- 
vieh Ap;  GRh.;"   vgl.   S<'ln„J-llnl,lrr. 

(üs-)halle"  11:  die  Xüjac  vüii  der  grünen  Schale 
befreien,  enthülsen  Aa;  Bs;  B;  S;  Vw;  Z.  Syn.  füs-J 
tanggen.  —  e"t-:  öffnen,  entwirren  B  oHa. 

ballig  (bzw.  -ä-),  nach  Ineichen  auch  häl:  1.  sich 
gern  schälen  lassend,  vor  Reife  aus  der  grünen  Um- 
hüllung fallend,  in  erster  Linie  von  Nüssen,  Kastanien  ; 
reif,  überreif  Aa;  Bs;  BoAa.;  L;  S;  Zg.  Dann  auch 
von  Hülsenfrüchten  übh.  BBrisl.,  von  Obst,  das  von 
selbst  fällt  L  (Ineichen).  D'  Nuss  si"  h.;  vie"  muess-si 
schwinge'  Aa;  Bs.  Uf  den  Acheren  uss,  im  Feld,  ligge" 
d'  Ari  z'  hüfe'wis,  so  h.  isch  's  Chorn  S  (Joachim). 
Auch  bildl.:  Si  hend  'denkt,  me'  müess  nusse',  tvil 
d'  Niiss  h.  sind,   und  hend  der  Tschosefine  de"  Hof 


g'macht  L  (JBEgli  1871).  -  2.  übertr.  a)  reif,  zeitig; 
heiratsfähig  und  -lustig,  's  ist  h.,  es  ist  gar.  Alles 
ist  zum  Essen  bereit  AaKu.,  L.  E  h-s  Meitli,  virgo 
matura  viro,  auch:  lasciva.  H.  si"  uf  Öppis  hl",  auf 
Etw.  heimlich  erpicht  sein  .\AWohl.  —  b)  dem  Kon- 
kurse nahe.  Der  Chasper  ist  h.;  er  cha"  si''''  nümm 
lang  halte'  AAZein.  —  c)  nachgibig,  mürbe,  zahm, 
von  Fers.  Aa;  S  (auch  g'h.).  E  Frau  ist  h.,  wenn-ere 
der  Ma""  vo'  de"  Chinden  eiceg  stirbt  AAZein.  Sameli 
het  die  erdattereti  Jumpfere'  g'hörig  lo'  mürbe'.  End- 
lige'  z'letst,  wo  si  recht  h.  g'si'  isch...  Hofst.  Wenn 
er  nit  will,  so  will  e"  scho"  g'haUg  mache'.  Schild  1876. 
—  d)  schlaff,  matt;  schläfrig;  halb  erstarrt  (vor  Kälte) 
Bs;  vgl.  heilig. 

halle"  lU  (auch  -ä-):  anlocken,  z.B.  einen  Hund, 
Kinder  durch  Freundliehtun ;  Tiere  einander  in  der 
Brunstzeit;  ins  Haus  aufnehmen,  Unterschiauf  geben 
Gl;  Syn.  i'-ziehn,  zölden. 

Hier  hat  sich  wnhl  das  ahd.  halön,  vocare,  sollicitare, 
arcessere  (nhd.  .hulen')  erhalten,  wie  W.  157  auch  aus  der 
Flexion  (er  hallcl)  schlicsst;  engl,  to  hole,  frz.  haier,  ziehen, 
schleppen,  holen.  Die  Erhaltung  des  alten  Voc.  wurde  er- 
leichtert durch  die  Specialisierung  der  Bed.,  gerade  wie  in 
der  nhd.   Interj.   ,hallo!'   eig.  ^  ,hole!' 

Hallcr  II  Sch;  Z.  Häller  Aa;  Bs;  VO.,  inmleni 
Heller  —  m.:  Scheidemünze  der  frühern  Zeit,  jetzt 
wie  Angster,  Pfennig,  Blutzger  u.  a.  nur  noch  in  R.\A. 
allg.  Bi  Haller  und  Pfennig;  bim  Rappen  und  H, 
bis  auf  den  letzten  Pfennig.  Kein  rote  H  (Rappen), 
pas  le  sou  Z.  ,Zu  der  armen  Mutter  zurückzukehren 
wie  ein  roter  Heller,  den  Niemand  annehmen  will.' 
MWalden  1879.  Er  het  no'''-n-e  Hällerli  miessen  er- 
hi'ise'  Bs.  Vil  H.  sind  atf''  Gehl.  Sulger  (vgl.  Viigeli). 
H.  ha",  reich  sein.  ebd.  //.  ylim,]  uf,  umrli  ',•») 
Pfennig  Platz,  ebd.  Die  tHsi,,<  Uit.h,'  >///,/  ,hi,ii,l) 
l-en  H.  icertfsj  Z.  Hällerli  tlslah",  ra-rlniKfr".  Kinder- 
spiele ähnlich  den  unter  Angster  Bd  I  339  bcsdirie- 
bencn  Aa;  Z;  s.  auch  T.  254  a.  Das  Pfänderspiel 
wird  folgendermassen  eingeleitet:  P''  gV'-der  en  Haller 
uf  de  Teller,  chasch  chaufe"  drüs,  was  d'  witt,  mit 
W'isses  u"'  nüt  Schwarzes  u"'  nüd  ja  u"''  nüd  nei'! 
Was  hast  g'chauft  us  dem  Haller?  ZZell.  ,1  B  plapart 
für  IG  haller,  1  Z  pl.  für  15  h.,  12  B  pl.  für  1  pfd 
[■/a  Gulden].'  1424,  Absch.  ,Ist  alles  verbrunnen  und 
jnen  1  haller  wert  guets  nit  uskommen.'  1437,  Gpd. 
,Was  nutzes  kummt  der  statt  darus?  Nit  um  ein 
haller.'  ThFuickart  1470.  ,Bis  du  auch  den  letsten 
haller  bezalst.'  1531/1667,  Matih.  ,Von  dem  gelt  han 
ich  keins  hällerli  nit  verstolen.'  Ruef  1540.  ,1  haller 
=  '/ä  angster.'  Ndw  LB.  1545.  ,Er  ist  nit  eins  bösen 
hallers  wert.'  Fünkelin  1552.  ,Die  Haller,  welche  L 
u.  U  gemünzt  haben,  werden  in  G  u.  Tu  zu  7  Stück 
auf  den  Kreuzer  ausgegeben,  während  sie  im  Wert 
von  10  auf  den  Kr.  geschlagen  worden.'  1563,  Absch. 
,Wo  in  disem  büechli  pfenning  geschriben  stat,  das 
bedüt  allein  haller.'  1567,  Z  Zollordn.  ,Der  haller, 
heller,  helbling,  obolus.  Alles  bei  einem  h.  verlieren, 
ad  assem  omnia  perdere.'  Fris.;  Mal.  ,Die  andern 
ort  band,  wenn  ein  haller  in  4  teil  zerschnitten  war, 
nit  ein  viertel  wellen  geben.'  BossH.-Goldschm.  ,Job 
[hat]  niemant  umb  ein  haller  unrecht  geton.'  LLav. 
1582.  , Weder  H.  noch  Pfenning.'  1638,  Absch.  ,Die 
ihr  manchen  Guldin  zu  vil  an  die  Hoflart  gewendt  und 
dann  dem  Armen    nicht  ein  Haller  gegSben.'   JMüll. 


1131 


Hai,  hei.  liil,  hol.  hui 


1132 


1673.  ,Die  Leute  beuten  dem  Pater  auf  allen  seineu 
Kram  nicht  einen  faulen  Haller.'  JHFäsi  1696.  ,Häller 
und  Blutzger  zusammen  lesen  [ist  die  Arbeit  des  Geiz- 
halses].' JUlr.  1727.  S.  noch  fiil  Bd  I  787,  frommen 
Bd  I  1296,  üf-gän  Sp.  14,  Un-gichtung  Sp.  112,  Gtgen 
Sp.  148,  Um-Gelt  Sp.  243,  Heim-Gelt  Sp.  249,  Grüsch- 
ler  Sp.  818. 

Die  H.  wurden  zuerst  in  .schwäbisch  Hall'  geprägt,  daher 
ihr  Name,  wie  Taler  von  Joachimstal,  Brahänder  von  Brabaut 
ü.  a. ;  Tgl.  engl,  guinea.  Haller  und  Heller  auch  Geschlechtsn. 
B;  Z;  daher  das  historische  Wortspiel  der  Zürcher  nach  der 
Schlacht  bei  Kappel  1531:  ,Die  Bülacher  seien  wohlfeil  aus 
dieser  Schlacht  weggekommen;  sie  haben  nur  einen  H.  ver- 
loren.' Sprww.  1824.  Vgl.  HBull.  1572  III  154:  ,Von  Bülach 
kam  niemau  um,  onet  ir  predikant,  herr  Joh.  Haller.'  — 
Über  den  Münzwert  des  Hallers  übh.  vgl.  noch  Seg.  RG.  II 
265  f.;  III,  Buch  1:3,  und  Schönberg,  Finauzw.  116  f.  Die 
Form  Heller  kann  aus  HaUer  vermittelst  der  Zwischenstufe 
Hüller  entstanden  sein  durch  Attraktion  von  Seite  der  Stämme 
Ml.    Hell. 

Au"er-.  ,Ich  geh  dir  nicht  einen  Owerhaller 
[nicht  das  Geringste]  darum.'  Sprww.  1824,  104;  eig. 
Haller  der  Äbte  von  (Reichen-)  Au. 

Häuptiis-.  ,Er  gab  nit  ein  höptlishaller  umb 
des  Togts  verbot.'  1516,  Absch.  (GRheineck). 

Die  Benennung  wohl  von  dem  auf  der  Münze  befindlichen 
Kopfe  irgend  eines  Dynasten;  vgl.   das  vor.   W. 

,Kostenzcr-,  teruncius.'  Mal.  —  Pfund-:  Ab- 
gabe im  Betrag  eines  Hallers  von  jedem  Pfund  Geld  ; 
vgl.  Pf.-Schüling  und  Scg.,  RG.  II  265.  —  Drei- 
Hall  erlin:  Z  Münze,  noch  in  der  2.  Hälfte  XVIII.; 
vgl.  Dri-Ängstler  Bd  I  340. 

,Berg-Haljo:  Bergthymian.'  Schott  1842. 

Hälangg  m. :  Halunke  Aa;  Bs(tw. "'');  Gl;  Sch;  Z; 
in  BsStdt  auch  scherzh.  für:  Zögling  des  Alnmneuras. 
Er  ist  en  S.  si"s  Zeiche"s  Z.  Er  ist  a'  Hahmgge" 
[Wortspiel  mit  Ltingge"  =  Lunge]  und  Lebere"  a"- 
g'steckt,  ist  ein  Taugenichts  ZS.  H.  ist  l-ei  Schelti'g, 
kann  nicht  als  Verbalinjurie  gerichtlich  bestraft  wer- 
den Z.  Ein  so  Gescholtener  und  mit  seiner  Klage 
vom  Gerichte  Abgewiesener  nahm  von  den  Richtern  Ab- 
schied mit  dem  Grusse :  Adie,  Ir  Herre  Hahmgge' '.  ZS. 

umme-halungge":  sich  als  Taugenichts  herum- 
treiben Z. 

üs-g'halungget:  durch  liederliches  Leben  gänz- 
lich herunter  gekommen  Z. 

g'halunggig:  wie  ein  Halunke,  z.  B.  üsg'seh, 
g'kleid't  st"  Z. 

Halunggium  n.:  scherzh.  und  verächtlich  für 
Alumneuni  Bs. 

Hälünggel,  Halünggi  m.:  =  Ealungg ,  doch 
etw.  milder  Z.  —  El  eine  Art  Dim. -Endung,  bes.  in  Eigenn. 
angewendet:  Rüedcl,  Jotjgel,  doch  auch  sonst:   Uüehel  u.  a. 

halünggele":  pers.  und  unpers.,  an  einen  Ha- 
lunken, Lumpen  gemahnen,  gleichs.  nach  einem  sol- 
chen riechen,  die  Art  eines  Halunken  haben  Z. 

g°-hälünggelet  Gl,  g'halünggelig  Z:  halunken- 
mässig,  verkommen  in  Kleidung  und  Lebensweise. 

hüs-häliistere":  unordentlich,  verschwenderisch 
haushalten  FMu.  —  Wohl  eine  Entstellung  von  hm-haltm. 

häl  I  (hm  GrD.,  Pr.;  GSa.;  ZO.),  in  Z  auch 
(g'-ßiälig:  schlüpfrig,  glatt,  sowohl  eig.  als  übertr.: 
glattzüngig,  liebkosend,  schmeichlerisch;  schleichend. 


falsch,  allg.  Es  ist  h.  (z'  gä'),  es  liegt  Glatteis.  De'' 
Weg  ist  so  h.  icie  Glas.  I"  der  Stadt  händ  s'  h.  Stube- 
böde'.  H-s  Mues,  schleimiger  Brei  Ap.  Gund  All 
am  Bort,  's  ist  häl  die  Nacht,  und  gern -vier  uf  die 
ChUnen  Acht  Gl  (Schwzd.).  Ne  häli  Miieter,  en  dürren 
Ätti,  es  feisches  Chind  Aa  (Rätsel:  Butterfass,  Stäm- 
pfel,  Butter).  Dilnni  Bei  macht  häli  Schueh.  Sprw. 
(Kirchh.).  H.  tue',  schmeicheln.  Das  ist  en  Hole'', 
ein  Schmeichler.  E  h-i  Chatz,  Katze,  welche  gerne 
sich  anschmiegt;  Syn.  Häl- Büsi;  übertr.  auf  Menschen 
=  Gleissner.  Er  cha"  tue,  se  h.  wie  en  Schnegg  Sch; 
vgl.  .aalglatt';  ähnlich:  u-ie-n-e  häli  Chatz  Gr.  Häli 
Wort  (Wörtli)  ge'.  Si  hat  so  e  g'häligi  Stimm  Z. 
Er  ist  so  h.,  via"  chönnt-e'  gad  [geradezu]  verstriche' 
Ap.  ,0  verzeihet!  fiel  das  Weib  sehr  hehl  und  freund- 
lich ein.'  Stütz,  ß.  ,Häl  schlyffen',  glatt,  geschmeidig 
tun,  um  ungeschoren  davon  zu  kommen.  1405,  Ap  Chr. 
,Es  ward  geredt,  wie  die  ding  eben  hei  und  sorglich 
wären.'  1476,  Bs  Chr.  ,Ein  hol  katz,  der  marschalk  von 
Liechtenstein,  ist  gangen  ze  schmacken  umb  den  brei.' 
NSchradin  1500.  ,Die  Appenzeller  zugend  all  ir  schueh 
ab,  damit  sy  gestan  möchtend;  dann  es  regenwetter 
und  fast  heil  was.'  c.  1500,  Ap  (B  Anz.  1874).  »Waren 
jnen  [den  Truppen  des  Abtes]  die  schueh  so  heilig, 
dass  sy  zue  boden  flelend.'  ebd.  ,Glatt  und  heel  ist 
der  wandel  hin  zue  der  hell.'  c.  1520,  TuPur.  ,Wir 
sind  seiner  [Zwingiis]  hälen,  unwarhaftigen  wort  voll 
genueg.'  1524,  Absch.  ,Ein  burger  erzalt  dem  volk, 
wie  die  sach  [der  Reformation]  schwer  und  hei  stuend.' 
1529,  Bs  Chr.  ,Hüet  dich  flyssig;  dann  du  wandlest 
auf  hälera  weg.'  1531,  Sir.  ,Ues  künigs  legaten  sol- 
lend wol  beschwätzt  syn,  hall,  gschwind  glyssner, 
practicierer.'  HBüll.  1533.  Der  Vogt  habe  ihn  ,häla 
niännli'  gescholten,  als  er  zum  Frieden  geredt.  1539, 
ABScn.  ,Mit  hälen  und  listigen  reden.'  Vad.  ,Sein 
Stangen  schmirb  jm  mit  feisste,  damit  sy  häl  werde, 
dass  der  vogel  zu  nacht  stäts  hinab  falle  und  nit 
schlafen  könne.'  Vogelb.  1557.  ,Häl.  glatt,  schlipfig, 
schlipferig,  lubricus.  Loqui  raulsa,  häle,  glatte  oder 
süesse  wort  reden.'  Fris.  ;  Mal.  ,Setz  niemands  z' vil 
uf  zytlichs  guet,  dann  die  ding  sind  gar  mächtig  häl.' 
RScHMiD  1579.  ,Der  Herr  hat  die  Gottlosen  gestellt 
häl  und  schlipferig.'  JJBreit.  1616.  , Lubricus,  schli- 
pferig, hell,  glatt.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Blandus,  lieb- 
kosend, häl,  lieblich.'  ebd.  ,Der  Welt  Treu  ist  ein 
hell  Eis.'  Lindinner  1733. 

Ahd.  hall,  mhd.  haele.  Die  Schreibung  hell  zeigt,  dass 
sich  das  W.  schon  den  Alten  mit  hi-U  mischte;  ,heil'  ist 
charakteristisch  für  die  Ap  Mundart,  wo  ei  wie  «  gesprochen 
wird,  daher  der  Irrtum  des  Schreibers;  s.  noch  helwl 

a "-häl (ig):  sich  anschmiegend,  liebkosend,  z.B. 
von  Kindern,  Katzen,  Ziegen  Gl.  —  schnuder-: 
.schlüpfrig  wie  Rotz  Ap;  vgl.  schn.-lind. 

,hälachtig:  lubrice.'  Mal. 

häle":  1.  schlüpfrig  werden  Ap;  Z.  Es  hälet  vor- 
ussen,  es  regnet  ts.  —  2.  ausgleiten  (auf  dem  Eis)  U. 
—  3.  ausgleiten  machen  U.  Gang  nit  uf  's  Isch,  sust 
hält's  di'''.  Bruf  gan-r''  ivie  stolze'  Schritt,  ha" 
g'meint,  es  häl-mi"''  jede  Tritt,  grad  uf  de  chalti  Winter 
zue.  FlLusser,  Frühlings  Abschied.  —  4.  schmeichelnd 
berühren,  liebkosen,  schmeicheln,  bes.  von  Katzen, 
Kindern;  auch  von  Erwachsenen  Ap;  Gr;  G;  Z.  Syn. 
hdlstrichen,  glättlen.  Die  cha"  h.  irie-n-e  Chatz.  Si 
häd-em  g'hälet,  fcts  si-en  g'ha  [zum  Manne  bekommen] 


1133 


hiid  Z.  Liebs  Büsi  du;  ach,  trie  's  aW''  helet.  Stutz. 
.Wie  heisst  das  Wort?  Das,  wenn  es  in  's  Gesicht 
dir  liehlet,  iim  Rücken  desto  stärker  strehlet?'  HSulz. 
Sehulm.  ,Helen,  schmeichlen,  blanden,  blandiri,  adu- 
lari.-  Red.  1662. 

Haler  m.,  -cri"  f.:  Glattstreicher.  Schmeichler, 
Schleicher  Z. 

Hälete"  f.:  das  Schmeicheln  ApK.;  Z. 

Häli  I  m.:  Schmeichler  Z. 

Häli  II  f.:  1.  Schlüpfrigkeit,  allg.  ,Fallere  vesti- 
gium,  Schlipfen  von  häle  wegen.'  Fris.  —  2.  mit 
Glatteis  überzogene  Stelle  Gr.  —  3.  das  Glatt-tun, 
Schmeicheln,  Schmeichelei  Ap;  Gr;  ZO. 

Häl  I  m.,  n.:  1.  Geheimhaltung,  Verschweigen. 
F''  ha'  's  U"  3.,  ich  verhelile  es  nicht  Z.  Oni  Fei 
und  H.,  Formel  beim  Verkauf  eines  Gegenstandes, 
bes.  Vieh  Z.  H.  biete',  amtliches  Stillschweigen  auf- 
erlegen, das  Geheimhalten  einer  Ratsverhandlung  an- 
befehlen Bs  (auch  bei  Spreng).  ,Etlich  herren  hattent 
sich  offenlich  von  dem  künig  gesetzet  [waren  von  ihm 
abgefallen]  und  ander  herren,  die  es  hei  nam  [welche 
es  geheim  hielten].'  Kuchimeister.  —  2.  „(n.)  Land- 
gericht B." 

Mhd.  hml(e);  s.  n.  hekn.  Bed.  2  viell.  auf  die  Bs  Ver- 
wendung unter  Bed.   1   zurückzuführen;   vgl.   Heimlicher. 

Häling  m. :  Geheimniss.  , Sie  machte  keinen  Heh- 
ling  daraus.'  Sch  Pilger  1884.  , Hatte  keinen  H.'  ebd. 
,Den  hcling  zue  halten.  Ir  sollet  sweren  ze  verswygen 
und  ze  helen  und  keinem  lebenden  menschen  ze  offen- 
baren.' 1500,  Bs.  ,Sie  sollten  Heling  über  dasjenige 
halten,  so  mit  ihnen  imGefängniss  geredt.'  1525,  Ochs. 
.Er  entdackt  do  erst  recht  der  pfatfen  hellig  [geheimen 
KnitfJ.'  Bs  Chr.  .Unwissend  dem  gemeinen  mann; 
dann  es  ein  heilig  under  inen  was.'  ebd.  ,Er  Hess 
jm  da  ein  eid  schweren,  den  häling  nit  zue  eröffnen.' 
TiERB.  1563.  ,Sy  gedorften  under  einandern  kein  hä- 
lung  bieten,  sonder  ein  jeder  mochte  über  proponierte 
Sachen  sich  mit  andern  wol  underredeu.'  Wdbstisen. 
,Hällig;  hälling;  hällung.'  1594,  Bs  (Rappenkr.).  ,Die 
heimlichen  Zeichen  in  Hälung  halten.'  XVII.,  Bs. 
jDarauf  ist  durch  den  Stattschreiber  der  Hälling  fol- 
genderraassen  gebotten  worden,  dass  nämlich  jeder 
bei  dem  Eid  ermannt  seie,  alles  das,  so  jetz  fürgetragen 
wird,  zu  verhallen.'  Bs  Chr.  1779.  .Häling  zu  halten' 
wurde  in  der  Folge  bei  jeder  Kleinigkeit  geboten. 
AHeüsl.  1860,  S.  383. 

Mild,  haelinc,  gebildet  im  Anschluss  an  das  Prät.  PI.  des 
Vh.  helen;  es  nuiss  daher  auffallen,  dass  die  Basler  fast 
durchweg  ,-11-'  schreiben,  als  ob  der  Voc.  kurz,  also  vom 
Präs.  entlehnt  wäre. 

häling  Adj.,  dazu  als  Adv.  häli"ge"  BsStdt; 
Tu;  Z,  hälings  ScuSt.;  Th:  verstohlen,  heimlich. 
i'  Büebli  göt  hälingen  ane  und  bricht  e  Trubel  ab. 
Allem.  1843.  ,Sich  by  den  hotten  hälingen  erkunden.' 
1524,  Abscu.  ,A1s  es  denn  nit  häling  belyben  möcht.' 
1530,  ebd.  ,Diss  euch  heling  zuo  halten,  damit  uns 
nüts  darus  entstüende.'  1532,  Strickl.  , Hellingen.' 
1476,  Bs  Chr.  —  Mhd.  hadimjeu. 

Hiil  11  GLtw.;  GRuVatz;  ScnwMa.  f.,  in  BLiesb.; 
SDull.  m.,  in  BSchangn.;  GMs;  SKienb.  n.,  Häle"  f. 
B;  Scuw;  S,  Häli  III,  tw.  Heli  B;  FJ.;  Gl;  Gr;  P; 
SCHW;  S;  T;  Uw;  U;  W;  ZSth.  f.,  „in  LE.  III.",  in 
UwE.  n.,  Hä-i  PAger:  1.  vom  Rauchfang  herunter 
hängende  Kette  od.  Stange  mit  Haken,  an  welchem  der 


Kochkessel  über  dem  Feuer  hängt,  eine  Vorrichtung, 
die  für  die  Küche  jetzt  durch  die  Einführung  des 
Kunstherdes  fast  ganz  verdrängt  und  meist  nur  noch 
in  den  Alphütten  für  den  Kochkessel  der  Sennen, 
auch  etwa  in  Waschhäusern  für  den  Sechtkessel  ge- 
blieben ist;  Syn.  Kessler.  Auch  etwa  übertr.  auf  den 
drehbaren  Balkenarni  (Turner),  an  welchem  der  Käse- 
kessel hängt  Gl;  U,  schliesslich  auf  den  Rauchfang 
selbst  B  (Syn.  Asnen  5)  und  das  Gestell  im  oder  am 
Rauchfang  Sohw;  S  (Syn.  Asnen  1).  Eini  us-me  Pfarr- 
hus,  wo  Jor  US,  Jor  i"  der  erig  Hafen  a»  der  Häli 
hat  tmd  dusse  nüt  verstöt.  Schild  1876.  Als  ein  ge- 
wisser allein  hausender  U  Erstfelder  von  der  Grenz- 
besetzung wieder  heim  kam,  fand  er  die  Erbsen, 
welche  er  über  dem  Feuer  hatte  stehen  lassen  müssen, 
an  der  H.  bis  zu  oberst  emporgewachsen.  DKyd.  ,Je 
mehr  Fleisch  in  ihrer  Hehle  hieng.'  Gott«.  ,Es 
möchte  in  der  Küche  eine  Hamme  in  der  Helle  han- 
gen.' ebd.  =  .Schornstein.'  1861.  Nimm  d's  Chäsli  ab 
der  H,  wäsch-es  mit  Sirte!  Erzähler  1856.  ,Häile.' 
1431,  Sch  Invent.  ,Hälen.'  1486,  , Helen.'  1524,  ebd. 
,Wäre,  dass  sy  [die  Schulden  einfordernden  Beamten] 
anders  nichts  fundint,  so  möchtend  sy  einem  syn  häl 
oder  kessel  nemen.'  1436,  Z  nHasli.  ,[Die  Hexe]  habe 
den  lüteu  etwann  die  milch  genommen  und  die  uf  der 
helli  geraulchen  und  sy  ein  schwarzi  katz  allweg  danne 
uf  der  h.  gcsyn,  wenn  sy  das  treib.'  1459,  Uürs.  ,Für 
ein  hell  6  plapph.'  PKüchl.  1887  (Nachlass  des  Wald- 
bruders N.  1487).  ,Gät  er  [der  Inhaber  eines  Gottes- 
hauslehens, das  er  so  lange  ohne  Bewirtschaftung  ge- 
lassen] dar  und  macht  ein  für  in  das  hüs  und  henkt 
ein  helli  über  das  für  und  den  hafen  dran  und  ein 
han  und  ein  hennen  in  das  hüs  3  nacht  und  3  tag  [so 
darf  ihm  das  Lehen  nicht  entzogen  werden].'  1488, 
Lüopplischw.  ,Dem  lütpriester  wirt  alle  jar  von  einer 
jeglichen  herdstatt,  wo  ein  hei  ob  dem  füwer  hanget, 
ein  alts  huon,  das  da  genemmt  wirt  fassnachthuen.' 
c.  1500,  LButtish.;  vgl.  Hilencr-,  Bauch-Gelt.  ,Ein 
boller  [Geschütz]  zerschlueg  ir  das  hafenli  an  der 
häl.'  Bossu.-Goldschm.  ,Ein  rost,  ein  häl,  ein  dry- 
fuess.'  1558,  Z  Erbrecht,  unter  den  Küchengeräten 
aufgezählt,  auf  die  eine  Frau  beim  Tode  des  Mannes 
.Anspruch  hat.  ,Wer  ein  hälen  ob  dem  für  und  brot- 
korb  hat,  der  soll  dem  twingherrn  haber  und  hüener 
geben  und  wer  das  nit  täte,  dem  mag  der  richter  die 
hälen  ab  dem  für  nemen.'  1571,  LAltish.  Offn.  ,Zwo 
hälinen  kosten  beid  6  pfd  9  ß.'  1594,  B  (Gfo.).  ,Die 
Hei,  Haal,  Hangel,  climacter,  cremaster.'  Red.  1662. 
,Cliniacter,  Häl,  daran  man  ein  Kessel  henket'  Denzl. 
1677;  1716.  Dem  Zwingherrn  von  LTannenf.  gegen- 
über, welcher  die  hergebrachte  Bestimmung,  dass  ,wer 
in  dem  Twing  sitzet  und  ein  Häl  über  das  Feuer 
henkt',  den  ,Twinghaber'  schuldig  sei,  auf  jeden  Ein- 
zelnen ausdehnen  wollte,  ,so  ein  H.  üfhenket,  d.  i.  der 
sonderbar  hauset  in  dem  Twing,  obschön  deren  2  oder 
mehrere  under  einem  Dach  und  in  einer  Haushofstatt 
wohnen',  behaupteten  die  Bauern,  dass  nur  jede  Hof- 
statt, nicht  .jeder  Häl'  gemeint  sei.  —  2.  übertr. 
a)  lange,  hagere  Person  BR.  —  b)  böses  Weib.  Zän- 
kerin Uw;  W.  Das  alt  Wibug'sicht  sl  e  rechli  IMin 
(/•sin  W  Sag.  YglSyim.  wie  liib-Isen  u.a.  —  o.  (UiiU 
f.)  Waldrebe,  clematis  vit.  S.  Syn.  Hielen,  Nieten, 
lehn,  Lielen. 

Ahd.  hahila,  hahala,  uihd.  hahel,   Fl.  htihd  (zsgez.  hat,  hüt) 
in  Bed.  1,  von  ahd.  hahan,  mhd.  hahen,  hangen.    Abbildung 


Hai,  hd,  hil,  hol, 


s.  in  Schwz.  Geschichte  in  Bildern  zum  J.  1499.  In  Bed.  3 
hat  Anlehnung  von  Uiele'  an  unser  W.  Statt  gefunden,  da 
diese  Schlingpflanzen  oft  wie  Ketten  von  den  Waidbäumen 
herabhangen.     Vgl.   noch  Hdl-Kemd  u.   Hd-Stah. 

Für-Häli  f.:  =  Eäl  1  BMünchenbuchsee. 

Chessi-Häl  n.:  =  Häl  1  GrD. 

liäll!  Ap;  BB.,  Si.;  GR(auch  halle);  L;  GSa.;  Th, 
hälli!  Aa;  Bs;  B;  Gr;  L;  GRh.:  S;  Th;  Zg;  Z, 
he'll!  Gl;  L;  GMs,  W.;  Uw,  helle!  Gl;  GrEIiw.: 
Lock-  und  Aufmunterungsruf  für  die  i^chafe  (auch  für 
Ziegen  und  Kälber  ZG.),  auch  mit  vorgesetztem  o .' 
öder  n!  und  folgendem  ex  oder  le  Gl,  se!  se!  Aa;  Z, 
si!  si!  Bs,  foä.'GRßhw.  Syn.  tse !  tsclio!  tschutt!  Bans, 
hall,  hüll,  0  Banz,  Bans!  BR.  Hei,  hei,  hcl,  hell,  hell! 
GlU.  Hälli,  hälli,  Gits,  G.,G.!  '10.  Hälli  düljimd! 
Ruf  der  Kinder  für  die  Ziege  ZNer.  .Das  Blägken 
[der  Schafe]  war  das  Fcldgeschrei,  halle,  halle  das 
Wort  und  Krei,  der  Marsch  Bocken  und  Springen.' 
Lied    zum  Hexenkrieg   Ton   Uznach    1695    (Z  Mscr.). 

—  Vgl.  die  Anm.  zu    Gu»i  I  Sp.  472. 

Halle»   f.:    1.  Mutterschaf   BSi.;    S;    ZWyla.  — 

2.  (Mutter-)  Geiss  Z  tw. 

Hälli  I  n.:  1.  Schaf,  bes.  junges  (Kdspr.)  Aa;  Bs; 
BSi.;  GrD.;  L;  GRh.;  Obw  (He'lliJ;  Zg;  Z,  auch  bi.sw. 
Zicklein  oder  Kälblein  Aa;  Z.  Syn.  (Hälli-)  Mäggi, 
-Bäggi;  Banz.  Die  Häli  hoch  i"  der  Wildi  plärid 
L  (Schwzd.).  Tue"  wie-n-es  Hälli,  sich  ausgelassen 
lustig  geberden,  hüpfen  und  springen  Z.  's  Hätteli 
[Zicklein]  chunnt  und  wulligi  Häli  vo  Zell  her.  Hebel. 
S.  auch  gfCMHise»  I  (Sp.  740).  —  2.  Kosename  für  kleine, 
bes.  lebhafte  Kinder  Z.    Vgl.  Fülli  II  Bd  I  795.  — 

3.  plötzliche  Grille,  Gelüsten,  Anwandlung  von  Mut- 
willen, Eigensinn,  auch  Heimweh  Z.  's  H.  ist-en 
a'chö:  Im  Hornig  händ  d'  Chatze'  's  Hälli  Z.  Du 
hast  wider  dl's  Hälli,  Züs!  Bist  beider  u'lxdig  hüt! 
KWild  1874;  vgl.  auch  Hui  Sp.  862,  ßäegi  Sp.  161. 

—  4.  kleiner,  runder  Honigkuchen,  der  ein  ruhendes 
Lamm  vorstellt  L;  Sjn.  Hälli-Bock.  ,Der  Lebkuchen- 
mann [an  der  Kirchweih]  bietet  ein  Stück  Kuchen, 
Häli,  oder  Käs  aus.'  Lux.,  Sagen.  —  5.  Blume  des 
Löwenzahns  BAarb. 

Zu  3  vgl.  caprice  von  cajira.  Zu  5  (liäufiger  H.-Bluan) 
vgl.  die  Synn.  Chüe-,  Rosa-,  Söu-Blueni,  VhüiujeU-Chrüt  —  Be- 
nennungen nach  den  Tieren,  welche  diese  Pflanze  liehen; 
doch  könnte  If.  auch  spec.  die  verblühte  Blume  als  wollige 
bezeichnen;  vgl.  Bnggdi,  sowohl  =Schaf, als  =  Blütcnkätzchen. 

Mueter-:  Kind,  das  immer  um  die  Mutter  sein 
will,  ihr  auf  Schritt  und  Tritt  nachläuft  wie  ein 
Lamm  der  seinigen  G;  Z. 

Hälli  H  m.:  1.  „Schafbock  B;  L."  -  2.  a)  (auch 
Wiber-H.)  Wollüstling  „B;"  L.  —  b)  lustiger,  jovialer 
Bursche  Z.  —  S.  =  Hälli  li  L  tw.  —  3  wohl  ans  U.-Bock 
verkürzt. 

Borzi-:  euphera.  für  Teufel  LHa.;  Syn.  Boze- 
Hägqi.   —   Borzi,  Bürzel,  Steiss. 

„liaulc":  1.  an  einer  Türe  pochen  mit  dem  Rufe 
hiiid  W.  —  2.  laut  und  in  grobem  Tone  heulen  BO." 

—  Vgl.   li.Jen,    (holla-)  ho  Sp.   859. 

Hauli,    nur    in    der  Verbindung   en   arme-  Hanli: 
armer  Tropf.  Sprww.  1869.   —  Vidi,  zum  Vor. 
Häule  s.  Höh. 
hänle°:  jodeln  GlK.  -  Vgl.  /,«„,  ;„it«,  hehr,«  Sp.  854 

und  hükn,  hmcelen. 


Häuler  m.:  Nachteule  GO. 

Also  (ig.  =  der  Jodler;  doch  wird  von  anderer  Seite  die 
Ausspr.  mit  spitzem  öi  behauptet,  welche  durchaus  zur  Abi, 
von  hüw(,j}len  nötigen  würde. 

He'll  {Hei  G  oT.,  Held  I  GG.;  ThHw.;  ZOss.), 
moderner  ÄöH  —  f.:  Hölle.  1.  Ort  der  Verdammten, 
allg.  Wie  der  Gegs.  Himmel  in  manigfachen  RAA. 
auftretend:  Tüf  bis  i'  d'  H.  ahe',  unergründlich  tief, 
eig.  bis  in  die  Mitte  der  Erde,  wo  die  Hölle  gedacht 
wird  Z.  Ei"'m  d'  Höll  heiss  mache".  Eim  Himmel 
und  H  vorstelle',  allg.  We""  men  eim  d'  Höll  so  heizt 
B  (Schwzd.).  Wer  fliiechet,  chunnt  (^  understj  i*  d' 
Hell  (ahe)  Z.  Wenn  Anderi  i"  d'  H.  springed,  in"t- 
enen  aw''  na""?  Aa.  Die  wurd  im  Tüfel  di  ganz 
Hell  verderbe';  die  ttiöcht  di  ganz  Hell  hinder-enand 
g'richte',  von  einem  zänkischen  Weib  SchwE.  Wenn- 
i"''  toüsst,  ''ass  du  in  Himmel  chemist,  geng  ich  in 
d'  Held!  Albrecht.  Über  d'  H.  göt  [wird]  aW*  der 
Stärchst  im  Land  nit  Meister,  ebd.  En  schlechte' 
G'sell  fücrt  10  ander  i"  d'  Hell  AASt.  Gang  der  H. 
no'''  hindere'!  Verwünschung  LV.  I"  d'  H.  isch  alle't- 
halbe  glich  wit  L;  Sch.  D'  H.  wird  nie  satt.  Solger. 
's  ist,  wie  wenn  inen  en  Bettelbueb  i'  d'  H.  g'lieiti,  es 
verschlägt  Nichts,  ebd.  Er  ist  i'  der  H.  und  im 
Himmel  z'  Chost  g'sl'.  Sprww.  1869.  Ne"  bis  a'  d'  H. 
zue,  unersättlich  habsüchtig  sein  L.  Es  halbs  Hüs 
(ist)  e  halbi  H.  kk;  Bs;  B;  S.  Eine  Stimme  im  Traume 
rief:  Wi"t  i'  d'  Hell,  so  gang  fürt;  wi"t  in'n  Himmel, 
so  blib  deheime'.  Desshalb  wanderten  die  beiden  Jüng- 
linge nicht  aus  und  wurden  vom  Beulentod  hingerafft. 
Erzähler  1855.  's  ist  doch  i'  der  H.  [gleichs.  bis  in 
die  Hölle  hinab  oder:  sogar  in  der  Hölle]  nit  recht 
[mit  Bez.  auf  schreiendes  Unrecht].  B  Kai.  1838  und 
Hink.  Bote  1861.  Wie-n-e  füli  Hell,  überaus,  z.B. 
laufen,  schimpfen,  essen,  lärmen  U.  E  H.  voll  (abstr.), 
eine  Menge ;  vgl.  en  Galgen,  en  ganze  Tüfel,  en  Hund, 
Hagel  voll  u.  ä.  Bierhüser  hat  's  der  Tüfel  und  d'  Hell 
voll  ScHwE.  E  ganzi  H.  voll  Fleisch  ScHwEigi.  Er 
häd  grad  e  Hell  voll  Grütten  GrL.  S.  ferner  Gadem, 
Gevatter,  ver-frieren,  hindersich-gän  (Sp.  34).  Himmel 
oder  H.?  fragen  die  Kinder,  indem  sie  einen  Frucht- 
stand des  Löwenzahns  ausblasen.  Zeigt  sich  derselbe 
ganz  und  unversehrt,  so  ist  es  der  Himmel;  zeigt  er 
sich  wurmstichig,  so  ist's  die  Hölle  Z;  vgl.  Himmel- 
Hell- Feg  für- Bluem.  Beim  Knabenspiel  Höllüsjage' 
(s.  Rochh.  1857,  439)  bezeichnet  die  H.  die  Mitte  eines 
Vierecks,  dessen  Ecken  die  Engel  besetzt  halten,  wäh- 
rend die  Tüfel  in  der  Mitte  stehen  und  durch  den 
geworfenen  Ball  ausgetrieben  werden  Aa.  In  einem 
andern  Hoppen  (auch  Himmel  und  Höll)  genannten 
Spiele  sind  Himmel  wid  H.  durch  einen  Strich  am 
Boden  getrennt,  wobei  es  gilt,  auf  Einem  Beine  von 
der  H.  in  den  Himmel  hinüber  zu  hüpfen,  ohne  die 
Scheidelinie  zu  berühren,  und  mit  dem  Fusse  zugleich 
eine  Steinscherbe  hinüber  zu  schieben  Z;  vgl.:  .glych 
wie  man  in  den  Spilen  in  die  Hell  zücht,  so  liessend 
sich  früntlich  Gesellen  der  5  Orten  bei  Cappel  mit 
Plyss  über  die  Wacht  hinus,  die  wurdent  dann  von 
den  Zürehern  gefangen  und  mit  Brot  begäbet  wider 
heim  geschickt.'  HBüll.  1572,  wo  es  offenbar  galt,  die 
Gegenpartei  über  den  Strich  zu  ziehen;  s.  Anm.  zu 
heggazen.  In  Betcurungsformeln:  Potz  Hell!  ZBül. 
u.  bes.  bim  Hell!  Aa;  BHk. ;  ZO.  Meist  abgeschwächt: 
Ja  bim  H.!  =  Ja  bim  Tüsig  ZO.  Ich  cha"  's  bim  H. 
nüd  lese",  lesedlr's.  Stutz;  vgl.  6m  Welt!    Der  Gen. 


1137 


Hai,  lid,  hil,  hol,  hui 


1138 


(Helle;  auch  in  alter  st.  Form  Hell,  daneben  Heils) 
mit  folg.  Adj.  od.  Subst.  zsges.  geht  aus  der  eig.  Bed. 
in  die  abstr.  einer  allg.  Begriffsyerstärkung  über;  vgl. 
hellisch,  hellenmässig,  hellschiessig ;  so  Hellen- Angst, 
-l'in,  -Schmerze'.  Das  ist  e  grössi  H.-Ströf!  Aus- 
druck der  Verdriesslichkeit  ZO.  H.-Gstank,  -Arbet, 
-Müe,  en  H.-  Verdruss.  Es  H.(-  WetterJ-Gschrei.  Stütz. 
H.-Lug,  Erzlüge  Z.  En  H.-Hoehmuet.  Stutz.  En 
Hell-Kerli,  ein  Teufelskerl,  es  H.-Laster,  arge  Dirne, 
-Gir,  brennende  Begierde,  -Bitz,  ziemlich  viel  GfiObS. ; 
-Wuest,  Scheusal  L;  -Blätsch,  Unmasse  Ap.  Hell  (L)-, 
helle  (BHk.;  Z)-,  hells  {GO.yschön,  -gern,  -taub  [zornig] 
udgl.  En  Hells-G'sper  GO.  Auch  abs.  vor  Vben: 
Das  Wibli  hät-mi  hells  verbarmet.  Albrecht.  Vgl.  noch 
Fr.  Ztschr.  V  12  f.  ,Ich  will  üch  füeren  in  die  held.' 
ZiELY  1521.  ,Er  verflüecht  jn  in  abgrund  der  hell.' 
Man.  ,Wie  mänger  sitzt  in  der  hellen  tief.'  ebd.  ,Gift 
für  arzny,  die  hell  für  das  heil.'  Zwingli.  ,lch  wollt 
als  lieb  in  d'  h.  hinyn.'  UEckst.  ,Schow  numma,  das" 
wir  habind  suppen  und  wyn  und  was  guots  vor  der 
h.  [ehe  wir  zur  Hölle  fahren]  mog  syn.'  Badenfart. 
,Hieby  soll  man  wüsscn,  das'  inferi  by  uns  tütschet 
wirt  diu  hellen  und  heisst  aber  die  hell  nit  das  ort 
der  ewig  verdammten  allein,  sunder  ouch  der  stand 
der  Seelen  nach  diser  zyt  in  der  gemeine  [überhaupt].' 
B  Disp.  1528.  ,Die  Schlüssel  der  hell  und  des  tods.' 
1531,  Offene.;  ,der  Hellen.'  1(567,  ebd.  ,0b  es  in  der 
hell  recht  niög  syn,  dass  ein  vatter  syn  eigne  kind 
lass  umkon.'  Rief  1540.  ,Orcus,  inferi,  erebus,  in- 
terna, die  hell.'  Fris.;  Mal.  ,Botz  hell!'  Wagn.  1581. 
,Ei,  dass  der  Donder  in  d' Höll  schlag!'  Com.  Beati. 
S.  noch  nid-sich-gän  Sp.  34.  —  2.  a)  Feuerstätte  [vgl. 
Hell-Platten] ;  die  Grube  für  das  Feuer,  über  welchem 
der  Hanf  geröstet  wird  Z;  Syn.  Eätsch-Grueb.  ,ln 
der  Sennhütte  findet  sich  die  sogen.,  in  Form  eines 
Amphitheatri  von  Steinen  gebaute  Hell,  Herd  oder 
Feuerstatt.'  JJScheüchz.  1746.  Syn.  Well-Grueb.  — 
b)  der  Winkel,  die  Nische  hinter  dem  Stubenofen 
AaI;  Gl;  Syn.  Ofen-KraU.  Er  ist  en  arme  TU  fei 
und  hat  kei  eigni  Hell.  Sprichww.  1869.  ,üer  Winter 
ist  ein  grober  G'sell,  trybt  hinderen  Ofen  in  die  Hell.' 
XVll.  u.  XVllL,  Z  Ofeninschr.  Hier  wurden  It  Arg. 
IV  166  den  Hausgeistern  Brod  und  Milchnäpfchen 
hingestellt.  —  c)  ,das  geheime,  vertiefte  Mittelfach  an 
einem  aus  etlichen  Schubladen  bestehenden  Schreib- 
tisch' Bs  (Spreng);  vgl.  die  ,Hölle'  der  Schneider.  — 
3.  häufiger  Lokaln.,  t.  Bezeichnung  für  schauerliche 
Örtlichkeiten,  Schluchten,  Abgründe,  so  bei  AAEhrend. 
(der  Schrecken  der  Holzschlitter);  BGadm.;  ÜRPr.  im 
Schratobel;  GSchnebelh.;  ScHwMyten;  ThHw.  (Held); 
ZBläsih.,  ferner  bei  Langnau,  Wollish.,  im  Eeppischt.; 
t.  für  tief  gelegene  Örtlichkeiten  übh.,  so  hiessen  im 
alten  Bs  It  Spreng  tief  an  der  Rheinhalde  gelegene 
Häuschen  .Höllen';  in  Gr  häufige  Bezeichnung  von 
Heimstätten,  welche  vertieft  unter  dem  abschüssigen 
Wege  liegen;  tief  gelegene  Wiese  ZRegensb.;  t.  für 
unfruchtbare,  mühsam  zu  bearbeitende  Grundstücke, 
bzw.  Heimwesen,  z.  B.  in  LKriens,  wo  es  (wie  auch 
an  vielen  anderen  00.)  auch  ein  Himmelrich  gibt 
(vgl.  noch  Himviel,  Paradis,  Schmalz-Grueb);  endlich 
in  einigen  Fällen  wohl  aus  G'held,  Abhang,  entstan- 
den, so  viell.  Höll,  Abhang  des  rechten  Limmatufers 
uuterh.  Baden;  Weiler  an  der  Liramat  bei  ZHöngg; 
Held  ZOss.;  Hell  (1539:  ,Held')  Weiler  ZMaur,  mitten 
am  Bergabhang;  ,in  der  Hell'  z.  B.  1613,  ,Held'  1480 

Schweiz.  Idiotikou  II. 


(, Reben  in  der  guldinen  Halden  by  der  Held  gelegen'), 
jetzt , Traubenberg'  ZZoll.  (freilich  anders  verstanden 
von  jenem  Nachtwächter,  welcher  im  Vorbeigehen 
gerne  seine  Pfeife  angezündet  hätte,  aber  kein  Licht 
mehr  sah  und  darum  im  Abziehen  sang:  l'iieg  en 
ledere,  wie-n-er  well;  es  häd  keis  GliMli  i  der  Hell.'). 
In  der  Hell,  häufiger  Hof-  und  Flurn.  B;  G;  S;  Tu 
Fisch.;  Z;  la  Helle  BDelem.,  Verm.  Uf  (f)  der  Held 
(iBern.,  Mels;  TnLust.  .\uch  Name  einzelner  Häuser 
und  Bäume:  ,I)oraus  dicta  Hell,  der  burger  hüs.'  B 
üdelb.  1388,  das  Rathaus  in  der  Unterstadt,  viell.  als 
Verwahrungsort  für  Inquisiten  so  genannt.  ,Gen  dem 
kelre,  der  da  heisset  die  helle.'  LStdt  (Urk.).  ,Hell, 
held'  Name  eines  Gebäudes  im  Kloster  StGallen,  wel- 
ches Weinkeller,  Speisezimmer  und  die  Wohnung  des 
Schaffners  enthielt.  ,Trunkend  und  ässend  uf  der  h. 
das  frödmal.'  Sicher  1531,  94;  s.  noch  Vad.  U  164. 
.Die  Kruft  oder  H.  in  disem  Kloster.'  Rüeger  1606. 
In  Geschlechtsnn.:  , Caspar  in  der  Hell.'  144.3,  Fründ. 
,Adam  zu  der  Hell,  gesessen  in  der  H.'  1486,  GKriess. 
Zssen:  Gitzi-H,  Schlucht  (wo  selbst  Ziegen  tot  fallen? 
vgl.  Boss-Himmel)  GRPr.  Hell- Acher  L;  Z;  -Feld 
LMau.  Hell(e)- Grabe'  BHk.,  Sum.;  WLeuk.  Heil- 
Kessel,  Aushöhlungen  der  Sitter  Ap.  Hölle' -Löcher, 
zwei  unergründlich  tiefe  Krater  der  Alp  nBauen  Uw. 
Hell-MülU  Aa;  L;  Th  (Held-),  das  Höll-Mos  am  Tuner- 
see, in  welches  die  Seele  Diebolts  von  Strättlingen 
verbannt  wurde  (Kohlrusch),  Hell-Matt  BBipp,  Hölle"- 
Mätteli  LRusw.,  Heil-Bach  BGrindelw. ;  Gl  Enge; 
GrD.;  ThHw.  (Held-),  Bach  in  tiefer  Schlucht,  Hell- 
Bilel  Ap;  L,  Hell-Schwand  L,  Helli-Schwand  BSign., 
Sumisw.,  Hell-Stadel  ApWalzenh.,  Höll-Stein,  Dorf 
BsLd,  vgl.  Hell-Platten,  Heil-Statt  ApWalz.,  H.-Stätt, 
Schlucht  BG.,  ff.- TFeid  BTrub,  Walkr. ;  ScHwFreienb. 
S.  noch  Hell-Grab  Sp.  681.  Helleren  WStNikl.  (viell. 
aus  Hellen-Bain ;  vgl.  Kalcheren  aus  Kalch-Bain). 

Mhd.  helle,  ahd.  helta.  Angeschossenes  d  (vgl.  Sund,  Sonne, 
.Mond'  u.  a.)  schon  in  G  Hdschr.  des  XV.  Die  Fälle  mit 
männl.  Geschl.  erklären  sich  aus  dem  gedachten  Gegs.  zu 
.Himmel',  wie  .Nachts'  aus  ,Tags',  ,Mueters'  aus  ,Vaters'  u.  a. 
Schwache  Spuren  der  altgermanischen  Vorstellung  einer  kalten 
oder  Wasser-Hölle  finden  sich  noch  im  Volksglauben,  z.  B. 
ZSellenb. ;  vgl.  unter  den  Ortsn.  bes.  H.-Mna;  auch  l/ell- 
Uaggen,  sodann  Meitli-HeU.  Auf  einen  Sumpf  deutet  viell. 
auch  die  U  RA.  füU  Hell;  s.  noch  Gumpen  Sp.  316  und  die 
Anm.  zu  Grund  Sp.  774.  Vgl.  noch  aus  roni.  Gebiet  die 
Ortsnn.  la  Enfers,  Combe  des  Enfers  Jura ;  U/ßeni{=it.  inferno) : 
1)  Bei-gklutt  an  der  Quelle  des  Hinterrheins.  2)  Talschlucht 
GcCoruera. 

Vor-:  Vorhölle.  Es  ist  g' gange"  icie  in-ere  V. 
ZNeer.  Der  Estand  chann  en  Himmel  uf  Erde  sl" 
oder  au"''  e  V.  Z.  ,Die  alten  vätter  in  der  vorhell 
[Hades],  so  von  Gott  erlöst  wurden.'  c.  1490,  Gfo. 
Ges.  9,  300.  —  Meitli-:  Hölle  der  Mädchen  (bzw. 
alten  Jungfern)  L.  Syn.  Girizen-Mox.  Dir  rlmii,!  ich. 
Marisepi,  a",  du  überchömmist  nie  kri"  M.i";  ntxl 
di'''  jetzt  drum  uf  der  Stell  und  chumm  mil  dnn  /» 
d'  M.  L  (Spruch  zu  einer  Girizenmoosfahrt).  Vgl.  die 
Anm.  zu  Hell.  —  Ratsch-  =  Hell  3  a  'A. 

hellersch:  =  hellisch  4.  Si  händ  denand  allwil 
h.  uvl  möge"  Th  (Schwzd.).   —  Nach  Anal,  von  mkci-mli. 

ver-hcllet:    höllenmässig  30.;    vgl.  .verteufelt'. 

hellialisch:  höllisch  Bsf. 

hellisch:  höllisch.  1.  der  Hölle  angehörig,  ent- 
stammend.    ,H.,  erebeus.     H.  weih,  furia.     Die  h-en, 


Hai,  hei,  hil,  hol,  hui 


1140 


inferi.'    Mal.     ,Das    hellisch    feur.'    LLäv.    1582.    — 

2.  teuflisch,  niederträchtig  Gr.  War  aW''  heUisch ! 
wäre   verflucht   [z.  B.  wenn   das   wahr  wäre]    Tu.  — 

3.  qualvoll.  En  h-e  Schmerse",  h.  ice  (fwl  h.  ?re  Gl;, 
's  macht  h.  heiss.  allg.  —  4.  (auch  im-)  üherh.  einen 
sehr  hohen  Grad  bezeichnend,  allg.  E  h-i  Gelle',  laut 
kreischende  Stimme  GRChur.  H.  gitig  W;  es  nimmt 
mi''-  h.  Wunder,  ebd.  Es  macht  mi''-  h.  taub.  Stütz. 
Chimnst  h.  lang  nüd.  ebd.  H.  schön  Ap;  Gr;  L;  Th; 
vgl.  grebelig  Sp.  687. 

hellmgnts:  überaus  Scaw;  Syn.  hellisch.  H.  e 
schöne.  —  Mmts,  wie  in  hhirmenu,  frz.  libramnl,  oder  uach 
Analogie  von  sakerments. 

hell  B;  Gr;  Schw;  ThHw.;  Uw;  U,  häl  II  Aa;  Bs; 
B  tw.;  L;  GWsst.;  ScH;  Sciiw;  S;  Z  {hem,  modern),  in 
Bed.  3  imig  Aa;  B;  ,L;  Uw":  hell.  1.  vom  Schall, 
von  der  Stimme:  hell  tönend.  Aa;  ZSth.  Z' häler 
Stimm  singe'  B  (Zyro);  häl  lache'  Bs;  s.  noch  Anm. 
zu  hell-üf  Bd  I  121.  ,Häll  stimmen,  die  tönend  wie 
ein  glöggle,  voces  resons,  voces  clarisonse.  Hall  vogel- 
gesang,  voces  avium  liquid*.'  Mal.  —  2.  von  Licht- 
empfindungen:  scheinend,  glänzend;  klar,  lauter;  rein; 
in  ä.  Spr.  auch  auf  Geistiges  übertr.;  Syn.  heiter.  Im 
hälflje"  Sunne'schl'  S.  Es  ist  häl,  sternhell  BsBirs.; 
Syn.  glänz.  Heitere",  halle"  Tags  i  's  Bett  Souw.  .4»! 
heitere,  helle'  (nach  Art  einer  Zss.  auch  heiter-helle' 
kk;  Sch;  S;  Z)  Tag  Bs;  B;  Z.  De"  ganz  häl  Tag  Z. 
D's  häl  Für  hat  zum  Ofen  üs  g'lället  B;  Z.  Z'  halle 
Träne'  briegge"  B  (Schwzd.).  Mänge  hat  die  helle 
Tropfe  (fschrüwe"  Ap  (Merz  1836).  Die  halle"  Schweiss- 
tropfe'.  PosTHEiRi.  's  häl  Wasser  ist-mer  i'  d'  Auge' 
chö"  Z.  's  häl  Bluet  ist  use'g'sprützt  (eig.  das  Blut 
in  seinem  grellen  Bot)  Sch;  Z.  's  häl  Fleisch  ist  fiire'- 
chö',  das  rote,  von  der  Haut  entblösste  Fleisch  einer 
Wunde,  ebd.  S.  noch  gehe  Sp.  291  und  gellig  Sp.  209. 
,üas  wurde  hall,  so  man  die  wort  am  anfang  diss 
capitels  wol  täte  besichtigen.'  Zwingli.  ,Die  wort 
sind  hell  und  klar.'  BDisp.  1528.    ,Mit  hallen  Worten.' 

1529,  Absch.     ,Des   man   halle   zeichen   hat.'   HBüll. 

1530.  , Johannes  redt  hall  heruss.'  ebd.  ,Den  hallen 
tag.'  BiRK  1535.  ,By  helem  tag.'  Bs  Chr.  ,Mit  der 
Salbe  habe  sie  die  Utcr  von  vier  Geissen  bestrichen, 
worauf  sie  die  hehlen  Milch  gegeben.'  1587,  AmHerd. 
,Aus  einem  hallen  Spiegel.'  RGwerb  1646.  ,Bei  dem 
hallen  Liecht  des  Evangeliums.'  JMüll.  1665.  ,Die 
helle  Predig  seines  Worts.'  JHHott.  1666.  ,Diejenigen, 
welche  als  halle  Lichter  mit  dem  Glanz  der  Weisheit 
die  Gemüter  der  Jugend  erleuchten.'  Spleiss  1667. 
,Zu  underst  findt  man  den  Pfertstal,  gros,  häl  und 
lang.'  GKöNiG  1693.  —  3.  heftig.  En  hellige  Hunger 
Aa;  B;  „L;  üw" ;  Syn.  gellig  1.  —  4.  ganz,  völlig. 
Wie-n-e  häle  [baarer]  Satan  L.  Um  e"  häle"  Spott, 
spottwohlfeil  B;  S.  E' häl e""  Lump  Bs,  e  häli  Usred, 
Schand.-  ebd.  En  häle  G'spass,  e  häli  (Gugel-)Fuer, 
ein  rechter  Jubel,  Hauptspass.  ebd.  E  häli  Freud 
Aa;  Bs;  L  (noch  an  Bed.  1  gemahnend).  Es  ist 
grossi,  helli  Straf  (Mischung  mit  Hell).  Stctz.  /"  häler 
Täubi  L,  im  halle  Chlb  U,  im  hellen  Zorn.  Im  häle 
Galopp,  en  pleine  carriere  Aa;  Scbw;  S.  Ineimlielle 
Stuck,  ohne  Unterbrechung  AaWüt.  (Dan.),  's  ganz 
häl  (auch  hälig.  Spillm.)  Jar  2.  's  ganz  hell  Gotte 
Jör  (hier  gemischt  mit  Hcrr-Gotte" ;  vgl.  e  helli  Gott 
Schand  FMu.).  HBrandenb.  1870.  Alli  h.  Äbig  Z.  Bie 
ganz  hei  Wuche'.   Stutz.    Die  ganz  häl  Nacht  ZO.. 


nach  Analogie  von  de"  ganz  häl  Tag.  Syn.  kidig.  Bis 
i'  die  hei  lüter  Nacht  ihe'  ScHBarg.  Auch  adv.,  bes. 
vorNeg.  od.  neg.  Begriffen:  gänzlich,  völlig.  Häl  (noch 
stärker:  /(.  und  glatt,  h.  Silber  L)  Nut,  rein  Nichts  Aa; 
Bs;  B;  L;  S;  ThHw.  ,Nichts,  hell  nichts.'  Gotth.  ,Hell 
umsonst'  ebd.  H.  z'  Unnutz.  ebd.  ,Ks  komme  h.  in 
Eins.'  ebd.  H.  glich,  ganz  gleich  B.  Alli  Brösmeli 
häl  süfer  zsäme  tüpfle'.  Joaoh.  1883.  Hei  ordeli  's  ZU 
abne'  [den  Gruss  erwiedern]  LBerom. 

Ahd.  (rja-Jhi'IU  nur  in  Bed.  1,  nihd.  hei  noch  übfirwiegend 
in  Bed.  1 ;  zum  Vb.  hellen,  ertönen.  Über  aualoge  Begriifs- 
übertragungen  vom  Schall  auf  das  Licht  vgl.  die  Anni.  zu 
t/ellend   Sp.    209. 

eben-:  übereinstimmend,  einverstanden.  ,Und  ist 
herr[n]  hainzlin  beliben  bi  der  rechnung  14  lib.  dera 
sü  ainander  ebenhell  sind.'  G  Hdschr. 

ei(n)-hell(ig):  einstimmig,  einmütig.  Ei'hdlig 
Aa,  -he'llig  Z  g'wellt.  En  e^häligs  Mer,  Stimmen- 
einheit Ap.  Eihellig,  e.!  Ruf,  mit  welchem  an  der 
Landsgemeinde  bei  Wahlen  das  Händeaufheben  be- 
gleitet wird,  um  noch  Unschlüssige  mitzureissen  Gl. 
Vgl.  he  Sp.  848.  ,Mag  der  rat  umb  buosse  nit  einhel 
werden.'  Z  RBr.  ,Wes  denne  zwei  länder  einheile 
wärin  gegen  dem  dritten.'  1327,  Z  Ant.  Mitt.  ,Wir, 
die  dorflüt  zuo  Buochs,  satzten  uf  eihelklich,  dass...' 
1399,  Ndw  Urk.  ,Wir  syn  einhell  und  ze  rat  worden, 
dass...'  1423,  Absch.  ,Mit  einhellem  rat'  1523/48, 
B  Mand.  ,[Das  Wort]  sye  der  g'schrift  widrig,  be- 
dunkt  mich  aber,  es  sye  der  gschrift  einhellig.'  B 
Disp.  1528.  ,Des  namens  halb  seind  die  Scribenten 
nit  all  einhellig.'  RCts.  ,Wenn  wir  nur  einen  ein- 
heiligen Willen  darzu  hätten.'  JMüller  1665.  ,Mit 
einheiligem  Urtel.'  1693,  ScnSchl.  (Urk.).  ,In  allen 
Lastern  einhelliglich  leben.'  1707,  Weish.  S.  noch  bei 
ge-Mllen;  guldin  Sp.  227.  —  Einhelli  f.:  Eintracht 
.Pride  und  e.  under  [den  Parteien].'  1314,  Z  Urk.  — 
Uneinhelligkeit  f.:  Zwiespalt.  ,Uns  ze  schaden 
und  u.  ze  machen.'  1525,  Z. 

Mhd.  einhm(ic),  ahd.  einhUU.  Betr.  -ti-  s.  Weinh.,  AI. 
Gr.  55  f.,  es  sei  denn,  dass  man  eher  eine  spec.  an  unserm 
W.  haftende  Ausweichung  gleichsam  als  Gegeustück  zu  hMig 
für  heilig  annehmen  wolle. 

g'-hell:  1.  hell  und  hoch  tönend  Aa.  E  g'häli 
Stimm,  eine  hohe  Singstimme  AAWohl.  ,Die  Distel- 
vögöl  habend  ein  g'häli  g'sang.'  Vogelb.  1557.  ,So- 
norus,  vocalis,  argutus,  ghäll,  laut  tönende,  mit  lauter 
stimm  begäbet  Argutum  nemus,  ein  rauschender  oder 
ghäller,  tönender  wald.'  Fris.;  Mal.  ,Die  stimmen 
der  singenden  haben  gehäll  und  laut  getönt'  LLav. 
1587.  ,Der  gehälle  oder  timbere  tön  [der  Glocken].' 
JosMal.  1593.  ,Lautschallend,  gehell,  grob,  sonorus, 
vocalis.'  Red.  1662.  —  2.  hell  scheinend.  ,Man  machet 
auf  dera  tach  fensterlin,  auf  dass  der  tag  ganz  ghäll 
darein  scheine.'  Vogelb.  1557.  —  Ahd.  ga-heili,  mhd. 
gehet  in  Bed.    1. 

glogge°-Af(i  Sch,  glöggli-hel  BsStdt:  ganz  hell, 
nämlich  wolkenlos.     Syn.  spiegelglanz. 

Helle"  f.:  Kuh  mit  weissem  Fleck  über  den 
ganzen  Kopf  GrL.     Syn.  Helme,  Blässe. 

Scheint  in  der  gleichen  Weise  wie  das  syn.  Bläsie  aus 
dem  Adj.  gebildet  zu  sein;  doch  lässt  sich  Berührung  mit 
dem  syn.  Helme  nicht  abweisen,  da  das  Masc.  Helm  in  Ge- 
birgsmundarten  die  Ausspr.  Helle'  entwickelt. 

hellen  I  (st.,  doch  auch  bisw.  in  die  schw.  Conj. 
übergehend) :  1.  tönen,  klingen,  lauten.    ,Als  die  frid- 


1141 


Hai,  hei,  hil,  hol,  hui 


1142 


brief  hellent  und  sagent'  1387,  Absch.  ,In  mynera 
sinn  es  übel  hillt,  wo  ieman  die  Ton  Ergöw  schilt.' 
1415,  ÄgTscbcdi.  —  2.  zu-,  übereinstimmen,  bei- 
pflichten. ,Hill  du  mir,  so  hill  ich  dir.'  Sprww.  18'24; 
(doch  vielleicht  zu  hehn).  ,In  den  andern  stück  hilt 
er  [Zeuge]  dem  vorgenannten  [Zeugen].'  1330,  L  Kund- 
schaft. ,Ich  loben  darwider  nit  ze  tuende,  noch  nie- 
man  ander  dawider  zu  hellen  ze  tuend.'  1426,  L  Urk. ; 
vgl. :  ,Loben  och  niemer  darwider  ze  tuene,  noch  nic- 
men  gehellen,  der  darwider  tuen  wollte.'  1304/Ö1,  B. 
,Die  hotten  haben  zuo  ufbrechung  der  brieten  nit  ge- 
hollen oder  geroten.'  1526,  Strickl.  ,Sy  habent  still- 
schwygenlich  in  discs  burgrecht  gehollen.'  1580,  Absch. 
,Wie  die  gottshuslüt  [den  Abt]  nie  für  ein  herren  er- 
kennt, jm  ouch  nie  gehollen  habint.'  1530,  ebd.  .Wel- 
cher geist  mit  der  gschrift  hallt,  ist  uss  Gott.'  HBull. 
1531.  ,Gehellot.'  1531,  Strickl.  4,  379.  ,Als  die 
schalkheit  [der  Gottlosen]  überhand  genommen  hat, 
dass  sy  alle  ins  laster  hälletend.'  1531,  Weish.  =  ,in 
Lastern  einhelliglich  lebeten.'  1667,  ebd.  ,Wenn  dem 
Faktor  überlassen  wird,  den  Wein  [die  Fässer]  zu- 
zufallen, so  soll  er  keinen  schlechten,  verbottenen, 
weder  gehält  noch  äussert  [weder  mit  noch  ohne  Ein- 
willigung des  Eigentumers]  darzu  gebrauchen.'  B  Wein- 
fuhrordn.  1723. 

er-:  wiederhallen  Gr.  ,Resonare  lucos,  singen, 
dass  es  im  wald  erhält  oder  erschallet'  Fris.  — 
ver-:  1.  verhallen,  verschwinden,  vergehen.  .Unser 
frowentag,  der  verhollen  in  der  fasten.'  1365,  Aa  Urk. ; 
vgl.  hiezu  , verschollen',  rerschinen.  —  2.  überein- 
stimmen, einverstanden  sein.  .Thendas  und  Judas  und 
alle,  so  mit  inen  vorhellrt  liainl.-  Zwingli.  ,Dass  man 
söllichs  mit  merer  veilirlliiiii:'  1 1  iHieinstimmung]  voll- 
bringen mag.'  ebd.  ,liio  i,'iiiein  verhellung  der  Chri- 
sten.' GVRENR.    1523. 

ge-:  zustimmen,  einwilligen.  ,Wir  giinnen,  ge- 
hellen und  erlouben  inen.'  1469,  B  Urk.  ,Obglych 
Bern  der  pensionen  halb  nit  gehellen  wollte.'  Zwingli. 
.Ob  under  inen  dheins  mers  noch  einhäls  erfunden 
wurde,  welichcs  teils  zuogesatzten  der  obmann  [dann] 
gehillt,  daby  soll  es  belyben.'  1526,  Absch.  ,Dass  wider 
den  landfriden  geredt  oder  getan  werde,  soll  kein  ort 
gehälen,  verschaffen  noch  ufwysen.'  1529,  ebd.  ,Sy 
habend  alle  einmüetig  jm  nit  wollen  gehellen.'  1531, 
Judith,  =  .jm  abgeschlagen.'  1667,  ebd.  .Der  eiteren 
gehellen  und  willigen.'  HBüll.  1540.  ,Mit  der  all- 
gemeinen kilchen  bewilligung  oder  einhelligem  ge- 
hällen.'  ebd.  1562.  ,Den  erwälten  geheilleten  [,ge- 
hilleten.'  1765]  die  bischofe.'  Wdrstisen  1580;  s.  die 
Anm.  zu  einhellig.     Vgl.  noch  ge-hillen. 

Mischung  starker  und  schwacher  Flexion  zeigt:  .Nach 
den   Worten,  als  sy  einanderen  gehüllten.'   1302,  Gl  Urk. 

miss-:  nicht  harmonieren,  uneinig  sein.  ,Swa 
aber  die  zwcne  missehuUen,  da  solide  ich  obeimann 
sin.'  1276,  L  Urk.  ,Discrepare,  misshällen,  misstönen, 
übel  kyden.'  Fris.;  Mal.  ,Artikel,  darinn  sie  mit  der 
röin.  Kirchenlehre  misshelleten.'  Wukstisen  1580.  — 
miss-hellig:  üboltönend;  uneins.  , [Es]  ist  uns  gegen 
jn  ganz  m.'  Wild,  Eglisau.  S.  noch  Gnäd  Sp.  659. 
—  Miss-helling  f.:  Uneinigkeit,  Zwiespalt.  ,Miss- 
hällung,  so  die  von  Jenatz  und  die  Walser  von  der 
weid  wegen  mit  cinandren  gehebt.'  1394,  GRUrk.  ,Und 
ob  der  weibel  misshellig  hörte  oder  stöss.'  c.  1500,  U 
Urk.  ,Item  ob  zwytracht,  misshellung,  krieg,  stöss 
old  spän  sich   erhuebent   zwüschen   biderben   lüten.' 


XVI.,  LNeud.  Otfn.  ,Durch  Ezzelino  entstand  in  U 
die  blutige  Misshellung  seines  Anhangs  und  der  Edlen 
von  Gruba.'  JMüll.  Schw.-G.  I  512.  S.  noch  unter 
Infall,  Friden,   Unfründschaft.  -  Tgl.  lat.  di^mmre. 

mit-hellen:  übereinstimmen,  harmonieren,  gleich 
gesinnt  sein.  ,So  ich  nun  das  tuen,  das  ich  nit  will, 
so  mithäll  ich  dem  gsatzt.'  Zwingli.  .Damit  die  wider- 
täufer  iez  mithällend  mit  den  bäpstleren.'  HBull.  1.531. 
.Zwingli  sammt  synen  mithellenden.'  Kessl.  ,Die  mit 
der  gschrift  mithellend.'  Helv.  Conf.  1566/1044.  ,Con- 
cinere,  assentire,  consentire,  zue-,  mitstimmen,  rait- 
hällen,  verwilligen.  Colludere,  wenn  zwo  parteien  ein 
verstand  machend,  den  drittmann  ze  betriegen,  mit- 
hälen.'  Fris.  ;  Mal.  , Mithellende  meinung.'  Wurstisen 
1580.  —  mit -hellig:  überein-,  zustimmend.  ,In 
irrung  jm  [dem  Zwingli]  mithälig  und  anhängig.' 
Salat.  ,Nit  gebrüch,  die  wider  Gottes  wort  sollend 
syn,  sonder  demselben  in.'  1530,  Z  Urk. 

helle"  II  Me»UwE.,  hellere'  ScB;  Ta:  (in  UwE. 
refl.)  hell(er)  werden,  sich  aufhellen,  vom  Wetter. 

un-hellig:  uneinig,  zwieträchtig.  Der  Reichstag 
sei  in  ,unhelliger'  Meinung  vollendet.  1529,  Absch. 
.Wurden  u.'  Wusrtisen  1580. 

glich-:  gleichlautend,  übereinstimmend,  einträch- 
tig. ,üass  ouch  der  menschen  leben  eins,  fridsam  und 
gl.  wäre.'  Zwingli.  ,Daniit  die  truckten  biecher  gegen 
dem  rechten  exemplar  gerechtfertiget  und  gl.  gemacht 
werden.'  1526,  Absch.  ,Drei  gl.  kundschaften.'  1526, 
Egli,  Act. 

haupt-hellig(e''),  haut-:  1.  aus  voller  Kehle, 
laut,  z.B.  lachen,  singen,  weinen  B;  S.  Föh'  Bedi 
h-en  eis  Liiinpeliedli  noh  'm  anyeren  a"foh'  singen 
Schild  1885.  ,Mein  Mueter  sang  haupthelig,  wie  ein 
junge  Dochter.'  FPlatt.  1611.  —  2.  völlig.  St  sf  h. 
z'  Grund  g'gange"  B  (Zyro).  -  Vgl.  die  Anm.  zu  Imupi- 
hih-hli'ye'  Sp.   980. 

lielledire!  he!  he!  h.!  Euf  der  Dorfbursche  Nachts 
vor  den  Häusern,  um  zum  Streite  herauszufordern 
AAWühl.  t  —  Wohl  nur  ein  melodisches  Weiteispinuen  des 
Rufes  fcy  (vgl.  Imli  oU  diridio,  Auf.  eines  Liedes.  B  Alb.  1858). 

Heieise:  die  Fahne;  auch  ein  aus  gespaltenen 
Hanfstengelchen  zsgeflochtcnes  Spielzeug,  das  sich  die 
Kinder  als  Fahne  denken  Gr  uVatz. 

Wahrsch.  aus  (Kyrie)  eleison,  welches  bei  Processionen,  bei 
denen  eine  Fahne  vorgetragen  wird,  gesungen  zu  werden  pflegt. 

lie'le":  he!  rufen  ZW.  Syn.  heen,  hepen.  Vgl. 
jölen  von  jo! 

Gugge-Hele°:  ein  Name  der  Ohreule  G;  vgl. 
die  Synn.  Ougge-Hinv  u.  Huheler;  s.  auch  ü  Bd  I  23. 

hele":  geheim  halten,  verschweigen.  Die  Rats- 
herren von  Bs  mussten  schwören,  ewiglich  zu  ,hälen, 
wie  rych  oder  nötig  [arm]  die  Stadt  sye.'  XV.,  Heusl. 
1860.  ,Die  landrät  send  loben  [geloben],  was  inen 
gcbotten  wirt,  zu  helen  oder  verschwygen,  dass  sy 
das  niemen  sagend  noch  usslassind.'  XV.,  Obw.  ,Die- 
wyl  die  sach  grosser  helung  bedarf.'  1524,  Bs  (Strickl.). 
.Sollen  die  Declarationes  von  dem  Kaufhaus-  und 
Gegenschreiber  gehälet  werden.'  Bs  Mand.  1779.  — 
üavou  Hai  J  usw. 

heliglich:  geheim.  ,In  disem  buech  sind  vil 
Sachen  aufgezeichnet,  welche  jederzeit  häliglichen  ge- 
halten sind  worden,  so  man  in  gedruckten  chronicken 
nicht  wollen  offenbaren.'  c.  1580,  Ba  Chr. 


1143 


Hai.  liel,  hil,  hol, 


1144 


Helene-  f.,  Dim.  „Leli  G" :  1.  Helena,  weibl.  Taufn.. 
z.  B.  1539,  GStdt.  S.  noch  Elin  Bd  I  178.  -  2.  eine 
Weibsperson,  die  stets  (über  die  Gesundheit  usw.)  zu 
tlagen  hat  Z.  Vgl.  Lene.  —  3.  (scherzh.)  Kaffee- 
kanne S;    Kanne  von  2  Mass   Aa;    Syn.  Kopf,  Rösi. 

Heli  m.:  ein  allzu  nachsichtiger  Vater  ÄAWohl. ; 
s.  EU  I  Bd  I  178.  ,Den  Heli  spielen,  niraium  in- 
dulgere,  niraia  indulgentia  uti.'  Denzl.  1716. 

Heli  nach  der  griech.  Form,  während  EU  die  lat.  Form 
der  Vulgata:  vgl.  Nhh  und  Job. 

hellig  I  s.  heilig  II. 

hellig  11:  müde,  matt,  verdrossen  GrD.,  Pr.  !''■ 
bi'  dem  G'sclnvälz  afen  h.  's  Lebe's  h.,  lebenssatt. 
,Dann  unser  volk  vom  ziehen  ganz  müed  und  ganz 
nass  von  regen  und  h.  waren.'  1529,  Abscu.  ,Wie  ich 
h.  und  hitzig  ward,  do  ich  gen  Aich  kam,  begert  ich 
ein  milch.'  Sicher  1531.  ,H.  und  untuldig  werden.' 
Vad.  ,Dann  man  der  sach  müed  und  h.  worden  war.' 
ebd.  ,Lassus,  müed,  lass,  erlegen,  h.'  Fris.  ;  Mal. 
,H.,  müd,  matt,  lassus,  defessus.'  Ked.  1662.  ,Den 
balligen  und  müeden  ein  trunk  wasser  geben.'  LLav. 
1582.  Übh.  (namentlich  in  der  formelh.  Verbindung 
mit  ,müed')  beliebt  im  XVI.  Mühsam,  ermüdend: 
,Wanu  wir  fast  müed  warend  gesyn  und  ein  h-en  tag 
gehan  und  hungerig  und  durstig.'  Stulz  1519.  —  Mhd 
hellic,  TieUec,  erschöpft,  angegriffen,  müde. 

hell(i)ge°:  müde  machen,  bemühen,  belästigen. 
,Da&"  wir  uns  selbs  lang  also  helgotind  on  not.'  G  Urk. 
,Darab  die  lüt  fast  gehelliget  wurdint.'  ebd.  ,Der 
schultheiss  soll  nit  gestatten,  das  gericht  mit  ungebür- 
lichen  Sachen  und  werten  ze  h.'  1457,  Bs  Gerichtsordn. 
,In  nit  muegen  [mühen],  beigen  noch  mit  fremden 
gcrichten  bekümbern  und  umtryben.'  1464,  Aa  Urk. 
,Die  uns  umb  lychtferig  ansprachen  hellgend  und 
muegend.'  1507,  Z  Appellationsordn.  Da  man  mit  lan- 
gen Reden  und  ,vilem  hellgen'  zu  keinem  Vergleich 
gelangt.  1522,  Absch.;  vgl.  müeden.  Diese  Artikel 
seien  voller  Unwahrheit,  was  man  wohl  nachweisen 
könnte,  wenn  man  die  Eidgenossen  lange  ,h.  und  täu- 
ben' wollte.  1530,  ebd.  ,Mit  müey  und  arbeit  ge- 
helliget und  beschwert  werden.'  Z  Mand.  1539.  ,Das 
klostcrghäder,  in  welchem  sich  alle  brüeder  bemüegt 
und  gehelgt  hattend.'  Vad.  Herold  am  Schluss  des 
Spiels  zum  Publikum:  ,Wyter  ich  üch  nit  beigen  will.' 
JMdrer  1556.  ,Fatigare,  müeyen,  hellgen.  Integer, 
der  nit  bemüeyet  oder  geheliget  mit  arbeit  ist.'  Fris.; 
Mal.  ,Bin  auch  von  imme  nie  mer  gehelget  worden.' 
Mal.,  Biogr.  1593. 

Die  Verkürzung  um  eine  unbetonte  Silbe  wie  in  pinlDyen, 
crhitx(i)gm,  /ert(i)gen  USW.      Vgl.  noch  heichen. 

ver-:  plagen.  ,Wie  d'  Franzosen  wölltint  die  städt 
und  platz  um  getanen  abfall  verhelligen.'  Ansh. 

b  e  - :  1.  bemühen,  plagen.  ,Mit  was  müey,  flyss 
und  arbeit  in  dem  spau  gehandlet  und  wie  vilfaltig- 
klich  E.  W.  [euer  Würden]  herinn  behelget  und  an- 
gelangt worden  ist.'  Kessl.  ,Mit  solcher  syner  be- 
hellgung  [Arbeit]  hat  Erasmus  allen  kirchen  gedient.- 
Vad.  .Damit  der  leib  von  seiner  geilheit  gezogen  und 
an  allerlei  behelgung  und  arbeitsame  gewendt  werde.' 
ebd.  —  2.  „(refl.)  sich  grämen  GaPr." 

Helligkeit  f.:  Beschwerde.  ,Die  hellikeit  des 
krieges  ward  verriebt  [beigelegt].'  Strettl.  Cbron. 


Hell(i)gung  f.:  Mühe,  Bemühung.  ,Von  minders 
kostens  und  hellgung  wegen.'  1515,  Assen.  ,Um  Ver- 
minderung weiterer  helligung,  müeh,  kost  und  scha- 
den.' XVI.,  GOberried. 

hello!  Ruf  der  verborgenen  Knaben  als  Zeichen 
für  den  Suchenden  bei  dem  Versteckespiel  S;  Syn. 
(chast)  cho"!  oder  der  Findenden  beim  Hello-Spiel  S. 

—  Hello,  auch  Hella,  Halo:  Knabenspiel,  wobei 
die  eine  Hälfte  sich  in  weitem  Bezirk  herum  als 
Schelme  versteckt  und  von  der  andern  gesucht  werden 
muss,  und  wobei  die  Letzteren  ein  hello!  gleichsam 
zum  Beweise  erschallen  lassen,  so  oft  sie  einen  der  Er- 
steren  erblicken  S.    Syn.  Schtcizerpeter  lauf!  Bäuberis. 

Zu  der  1.  Form  s.  0  III  (Bd  I  22)  und  ,hallö!'  welch 
Letzteres  auch  zu  der  3.  Form  gehalten  werden  mag.  Viell. 
liegt  allen  diesen   WW.  frz.   hl  lä!  zu   Grunde. 

heil  I:  wie  nhd.  , Salbe  das  haupt,  du  wirst  h.' 
Zg  Arzneib.  1588. 

un-:  unheilbar.  ,Vor  ohnheilen  Schäden.'  altes 
Arzneib. 

gang-  s.  gang-heilig. 

Heil  n.:  1.  wie  nhd.  , Mit  Heil'  formelh.  in  ä.  Spr. 
i.  S.  V.:  wohl  und  gut,  desto  besser,  vgl.  frz.  ä  la 
bonne  heure.  ,Löst  er  [der  Creditor]  dann  syn  geld, 
mit  h.  Ist  das  nit,  so  mag  er  morndes  [das  Unter- 
pfand] feil  haben;  löst  er  denn  gnueg,  aber  mit  heil. 
Hätt  er  aber  nit  gnueg  g'löst,  so  mag  er  [usw.].'  1384 
bis  c.  1500,  AaB.  Stadtb.  ,Und  wo  man's  hieby  blyben 
lasst,  mit  h.;  wo  aber  nit,  dann  . . .'  1525,  Absch.  ,Wo 
sy  [der  Obrigkeit]  vertrüwen,  sy  [es]  mit  h.,  wo  nit, 
solle  inen  das  ganz  regement  übergeben  werden.'  1561, 
B  Anz.  1889.  Euphemistisch  st.  ,Weh'  in  der  Formel: 
H.  dir!  =  dir  steht  Unheil,  Strafe  bevor;  du  magst 
dich  in  Acht  nehmen  (eig. :  es  ist  Grund  vorhanden, 
dir  jetzt  H.  zu  wünschen),  z.B.  zu  Kindern:  H.  dir, 
wenn  de''  Vatter  hei"  chunnt !  H.  dem  Schelm  (Dieb), 
tcenn  er  verwütscht  wird!  Syn.  gnad  dir  Gott!  Per- 
sönlich gewendet  in  Jahrzahlen  der  christlichen  Ära: 
,Anno  domini  von  der  geburt  Cristy  unsers  heils  ge- 
zalt'  1558/1626,  Scbw  LB.  —  2.  Zuversicht.  Mit  H. 
und  Freude'.  I'''  ha"  H.  und  Freud  dra'  g'ha'  Z. 
, Wollt  Ihr  das  heute  Angegebene  als  Wahrheit  unter- 
schreiben?' Angeklagter:  ,Ja,  mit  H.!'  Z  Verhör  1832; 
vgl.  ,so  wahr  mir  Gott  helfe.'  —  ü"-:  Unheil,  allg. 
Er  hät-em  alls  Unheils  a'g'icünscht  S  (Hofst.).  Z'letst 
stellt  er  no'''  alli  Uheiler  a'.  Stütz. 

Heiland  m. :  wie  nhd.  Oft,  wie  ,Gott',  mit  vor- 
gesetztem lieb.  allg.  In  Beteurungen :  Bi  H.  und 
Sterbe'  nit!  B.  Ach,  du  H.  der  Welt!  AAWürenl. 
Ein  Z  communistischer  Agitator  in  den  40er  Jahren 
wurde  vom  Volke  seiner  neuen  .Heilslehre'  wegen  de' 
glesi"  H.  genannt.  De  lingg  H.,  Popanz,  der  am 
Aschermittwoch  begraben  wurde  ThHw.  f;  Syn.  de' 
chll'  Heieri.  ,Es  machen  wie  der  Bronschhofer  H.', 
die  Kirschen  essen  und  den  .andern  die  Stiele  ins 
Gesicht  werfen  GT.  (Schweizerb.-Kal.  1857). 

Der  aus  dem  Th  angedeutete  Gebrauch  ist  der  selbe, 
welcher  anderwärts  als  ,Tod-anstragen',  die  Fasnacht  ver- 
graben, de'  Bögg  verbrennen  betrieben  wird ;  aaO.  musste  der 
zur  Linken  Christi  gekreuzigte,  bösartige  Schacher  herhalten. 

—  Bronschhofen,  Weiler  bei  GVVyl. 

heilbar:  heilbringend.  ,Die  treuen  werke  unserer 
h-en  erlösung.'  1534,  Z  Syn.  (Hess,  Samml.). 


1145 


Hai,  hei,  h 


ol,  hui 


1146 


heile"  I:  wie  nhd.  BSi.;  U.  Bes.  verbreitet  ist 
ein  Heilsegenspruch  für  Kinder:  Heile  (heili),  h-e  C-i) 
Seye",  versi-hieilen  fortgesetzt,  z.  B. :  fhri  Tarj  I-li'-fr". 
drei  r.  Sumieschi"  fSchneJ  ^-  /.  :  isrh  in,lrr  Alh  r.rl,, 
(iez  tuet 's  dem  GliindU  itihinin"  »-.  /  (iTa.;  /;  o,lci 
's  Biiseli  (FüseliJ  nf  der  Stc,jc\  heilt,  hcili  llvni, 
(/'heilet 's  hüt  nit,  g'heilet's  moi-n  Aa;  s.  Kochh.  1857, 
341;  Schild,  Grossätti  1  24;  Gr.  Myth.  letztes  Kap. 
In  Heile  Schmimmchrüt :  Pflanzenn.,  Solidago  ZO.  ist 
Heile  allerdings  zum  Vb.  heilen  zu  ziehen,  vgl.  Heil- 
hrüt;  doch  ist  das  Ganze  entstellt  aus  heidisch  (s.  d.) 
Wundkrüt.  Mit  ,Heilbrunn,  -Quelle'  ist  zu  vgl.  der 
.Hcilenbach'  (schon  1387)  ZHorg.  und  das  Heilebächli 
(schon  1561)  ScHwKüsn. 

Heile  in  dem  Wundsegen  dürfte  sich  bei  näherem  Zu- 
sehen als  das  Subst.  mit  angeschossenem  e,  Verstümmelung 
aus  ,uud'  (s.  Bd  I  12  n.  320)  erweisen.  Wollte  man  das 
W.  als  eine  Verbalfurm  (erstarrte  ältere  Form  des  Imp., 
viell.  mit  Suff,  -ä)  auffassen,  so  wäre  man  genötigt,  ,Segeu' 
syntaktisch  durch  eine  Ellipse  zu  erklären,  etwa:  ,S.  sei  mit 
dir!'  In  der  Zss.  ffeileecMcvmmchrüt  ist  das  e  ein  bloss  rhyth- 
misches Einschiebsel. 

g'-:  heilen,  tr.  u.  intr.  Aa;  L;  Z.  Büpplichrüd  und 
Eüpplichrüd,  das  gheilet  alli  Wunde"  [usw.]  LReimspr. 
We''"-me'-si'''  avime"  rostige"  Messer  haut,  se  woH  '* 
nüd  g'h.  .Verbinden  mit  rosenöl,  bis  es  geheilet.' 
KuEF  1554.  ,Bis  der  schad  geheilet.'  Tierb.  1563. 
,Geheil  es  mit  Nesslen.'  ZElgg.  Arzneib.  c.  1650. 

Mhd.  gcheüni  tr.  und  intr.  Das  Präf.  f,e-  auch  in:  ,Saur- 
und  andere  Geheil-BrUnnen.'  SHott.   1702. 

Heile"  f.:  Sonnenblume,  wahrsch.  trag,  prat.; 
Syn.  Milchheiler  GfiPr.  —  Ob  zu  Heilzwecken  gcbrauchtV 
Eher  nur  Verkürzung  aus  Müchheüer. 

heilig  I  GT.;  Zg,  g'-h.  VO:  was  leicht  heilt,  in 
tr.  u.  intr.  S.  (von  Kräutern  und  Wunden)  VO,  selbst 
von  Menschen,  deren  Wunden  leicht,  ohne  Eiterung 
heilen  GT.  —  u°-:  was  schwer  heilt  Zg. 

heil  11,  Jiel:  verschnitten,  kastriert  LE.'- 

heile"  II  {„hele"  LE."):  (tr.,  seltener  mit  Dat.) 
verschneiden,  kastrieren  Ap;  Bs;  BG.,  Si.;  F;  Gl: 
GRPr.;  GT.;  S;  U;  W;  ZO.,  W. ;  Syn.  piggen,  brennen, 
putzen,  fällen,  galzen,  münchen,  knitschen,  verldopfen, 
rümen,  üshauwen;  vgl.  auch  pinggen.  Mer  sott  all 
Bettler  h.,  so  gab  's  keine  Junge"  me''  Bs.  In  rohem 
Scherze  wird  Vorübergehenden  als  Schimpf  oder  Dro- 
hung von  Gassenbuben  zugerufen:  Lauf,  Buch,  oder 
i'''  heil  di''>!  Gr;  mer  wend-d^r  häle'!  oder:  chomm, 
i'''  will-di'''  h.t  Ap.  0"-g'kälet,  unverschnitten.  ebd. 
De'  Tüfel  h.,  ein  Spiel  der  Knaben,  welches  in  Er- 
zeugung eines  ,Notfeuers'  vermittelst  eines  spitzen 
Holzes,  das,  von  einer  Schnur  umschlungen,  auf  einem 
Brett  schnell  gedreht  wird,  besteht  Ap;  GrD.  Der 
auf  diese  Art  gewonnenen  Asche  schrieb  man  die 
Kraft  zu,  die  Felder  vor  Insekten  zu  schützen  (Zellw. 
Gesch.  I  03).  Das  Kastrieren  wird  auch  dem  Nebel 
(der  Bränte"),  welcher  hiebei  urspr.  als  teuflische! 
Dämon  gedacht  wurde,  gedroht:  Bränte,  gang  oder  i'''' 
heile"  (erstiipf,  ersteche)  di'''!  oder:  ich  schlan-der  de" 
Grind  ab!  sagen  die  Hirten,  wenn  der  Nebel  sich 
nicht  heben  will  Gr;  s.  noch  Bränte.  Nebel  (GA.). 
d'  Bränte  oder  Bräntine"  (Gr  ObS.,  S.,  Tschapp.)  h., 
ein  Spiel  der  Kinder  zur  Zeit  starken  Nebels  oder  an 
Regentagen,  wobei  sie  in  einem  Stalle  bei  geschlossener 
Türe  oder  an  einem  Heuschober  vermittelst  Reibung 
zweier  Hölzer  Funken  oder  wenigstens  Hitze  erzeugen. 


in  der  Erwartung,  dass  der  Nebel  weichen  müsse,  so- 
bald es  Rauch  gebe.  Gewiss  gehorte  der  aus  GflSchanf. 
aufirezeichnete  Kinderspnioh  :  Bränte,  Br. ,  Rälli! 
Ciii.i  ,"  ,1's  Clnii.frrs  Stau,:    II-  Mneter  hed  der  Roch 

rn-rl,<n,/l.       l.„,lf.    I,ll(f.     sn    cjiilsl    [knUimst]    IWcll   ZUM 

M'cindiinif:  urspr.  zu  cljcu  diusciii  .Spiele.  In  übertr. 
S.  heisst  endlich  h.  oder  us-h.,  (eine  Wiese)  stark 
ausätzen,  abweiden  lassen  GA.  ,Ungeheilts  böckis 
fleisch.'  1470,  L  Metzgerordn.,  d.  i.  von  unverschnit- 
tenen  Böcken.  ,Guet  stierfleisch,  am  strichen  [am 
Euter,  also  schon  als  Milchkalb]  geheilt'  c.  1480,  Obw. 
,Von  der  ungeheilten  stieren  wggen.  Die  soll  man 
vor  dem  maientag  nüt  zuo  den  küegen  tryben.'  1493, 
GKrin.  Offn.  ,[Ein  Schwabe]  tratzet  die  unsern  und 
lüyet  [brüllte]  wie  ein  ochs;  da  fart  einer  hinzuc  mit 
einem  messer  und  schnydt  jni  den  züg  mit  einanderen 
vom  lyb  hinweg  und  sprach:  Also  soll  man  den  stieren 
h.!'  1499,  B.  I  74.  ,[Es]  soll  keiner  kein  stier  lassen 
h.,  so  järig  ist.'  Ztschr.  f.  schwz.  R.  27,  313.  ,Den 
widern  wird  auf  zwen  weg  verschnitten;  zue  ersten, 
so  inen  die  hoden  ganz  heraus  oder  samt  dem  balg, 
so  vorhin  lang  verstrickt,  hinweg  geschnitten:  söllichs 
nennend  die  Teutschen  h.  und  das  tier  heilwider;  die 
ander  ist,  so  inen  bei  der  Jugend  die  hoden  zerknitscht; 
solche  nemmt  mau  knütscher.'  Tierb.  1563.  ,Evirare, 
eini  h.  oder  verschneiden,  ausshauwen,  cappaunen.' 
Fris.;  Mal.  ,Under  dem  galtvech,  damit  man  zue 
den  küegen  zue  weide  fart,  soll  dhein  geheilter  stier 
sein.'  1576,  Z  (Hotz,  Urk.).  .Ungeheilet  stierin  fleisch.' 
ZWthur.  Stadtb.  .Geheilte  Stier  in  der  Alp  zu  halten, 
ist  gänzlich  verboten.'  Ap  Alpbüechli.  .Welcher  ein 
ungeheilt  Schwein  auf  die  Alp  täte,  verfällt  in  Buess.' 
1649.  GRh.  Alpordn.     S.  noch  heü-gahin  Sp.  296. 


Die  begriffliche  Vereinigung  unseres  W.  mit  heilen  I  ist 
schwierig.  Schm.  denkt  an  die  auf  das  Kastrieren  folgende 
Heilung  der  Wunde.  Andere  fassen  die  Brunst  als  eine  Art 
Krankheit  auf.  von  der  die  Tiere  durch  Verschneiden  eben 
geheilt  werden;  und  demgemäss  wollte  die  beschriebene  sym- 
bolische Handlung  als  ein  Zähmen  und  Lähmen  eines  feind- 
lichen, wilden  Naturelements  verstanden  sein.  Eher  dürfte, 
im  Hiubliek  auf  die  Synn.  putzen,  rümen  und  auf  lat.  eantrare 
zu  castus,  rein,  für  heilen  (insofern  heil,  got.  hails,  zu  gr. 
xaXös,  sanskr.  kalyas  gehört)  als  uralte  Bed.  .reinigen'  zu 
statuieren  sein.  Diese  passt  bes.  zu  dem  Notfeuer,  welchem 
(wie  dem  Feuer  Ubh.,  nachdem  es  einmal  als  zahmes  gegen- 
über dem  wilden  der  Natur  in  den  Dienst  der  Kultur  ge- 
treten war)  reinigende  Wirkung  zugeschrieben  wurde;  galt 
ja  auch  in  der  alten  Medicin  die  Rede,  dass  was  die  Arzneien 
nicht  heilen,  das  Feuer  und  darnach  das  Eisen  heile.  Doch 
hat  unser  W.  viell.  gar  Nichts  zu  tun  mit  h.  I.  Die  älteste 
Anwendung  des  W.  liegt  jedenfalls  in  jenen  RAA..  welche 
sich  auf  das  Notfeuer  beziehen  uud  unstreitig  heidnisch- 
germanischen Ursprungs  sind.  Wahrscheinlich  soll  durch  die 
Zauberformel  und  durch  das  Notfeuer  in  symbolischer  Weise 
der  von  Nebel  nihl  \\-  -.  n  \.  rhüllten  Sonne  wieder  zu  ihrem 
Glauze  verheilt  n  .  i  ..  i  ,  ,ih  h  wie  Oüpavöj,  Varunas.  der 
Gott   der    Giw,.  '•    1     ii4r,    entmannt   wird;    Uranus- 

Saturnus  soll  Z;'j;,  Jliü  Uuttu  des  hellen  Himmelsglanzes, 
Platz  machen.  (Vgl.  Kuhn  18S6,  90).  Nun  aber  wurde  in 
alter  Zeit  das  Kastrieren  auch  durch  Ausbrennen  (vgl.  rfi« 
Hoden  usbrünnen)  geübt;  zunächst  wohl  in  der  Weise,  dass 
nach  dem  Ausschneiden  die  Wunde  mit  dem  Feuerbrand  oder 
dem  Brenneisen  behandelt  wurde  (vgl.  schon  altgr.  xe|ivsiv 
xal  xaistv).  Hienach  ist  man  viell.  berechtigt,  als  Grundbed. 
von  h.  II  .brennen'  anzusetzen  und  zwar  so,  dass  die  Wz. 
•hei,  welche  auch  iu  Oe-hei  (Sp.  8B1)  vorliegt,  und  auf  gr. 
xat-  zurUckgienge,  durch  eine  Abi.  mit  (  weitergebildet  wäre; 
vgl.  ahd.  hei,  uredo,  uridum,  gihei,  cauma,  mit  gr.  x^^Xsof, 


hui 


[148 


brennend,  glühend,  unzweifelhaft  Ton  yato)  (ep.  aor.  Ixyja). 
Dieses  ahl.  l  könnte  aufgefasst  werden  wie  dasjenige  in  knielen 
(engl,  kned),  knieen,  jolcn  von  Jo  u.  a.,  es  kann  aber  anch 
Dim.-Bed.  haben,  um  das  Brennen  in  schonender  Weise  aus- 
zudrücken; man  Tgl.  hiezu,  wie  das  frz.  brüler,  afrz.  Iruekr, 
it.  hrustolare  aus  einem  gleichfalls  dim.  vulgär  lat.  peruslulare 
entstanden  ist.  ,Bis  an  [vor]  30  Jahre  wurden  alle  Stiere 
erst  alsdann,  wenn  sie  l'/i  Jahr  alt  waren,  verschnitten  und 
zwar  durch  Feuer;  in  dun  nenern  Zeiten  aber  nimmt  man 
dies  in  den  ersten  3  —  4  Wochen  mit  den  Kälbern  vor  und 
bedient  sich  dabei  des  sog.  Schnürens;  man  nennt  sie  als- 
dann Milchheiler.'  Steinm.  1804.  Auch  die  Anwendung  von 
heilen  auf  das  Abätzen  von  Wiesen  spricht  für  die  Bed. 
brennen.  Zu  starkes  Abweiden  brennt  wie  die  Trockenheit 
den  Rasen  aus;  vgl.  das  homerische  Ttupl  x-S'öJv  vs|i£Tai,  das 
Land  wird  vom  Feuer  abgeweidet;  vgl.   noch  Brand-Heütr. 

ver-heile°:  =  heilen  II  Gl;  Z.  ,Die  jungen 
Füllen  auf  den  Alpen  werden  in  ihrem  ersten  Jahr 
verschnitten  (verheilt  oder  geputzt).'  Steinm.  1802. 
.Klosterleut,  die  ir  fleischlich  brunst  mit  huery  ver- 
heilend.' Kessl.  (oder  ist  es  =  sanant?).  ,Castrare, 
verschneiden,  v.,  münchen.'  Denzl.  1716. 

Heiler  m.:  1.  der  Verschneider  BG.,  Si.;  F;  Gr. 
D'r  Heier  schntdet  d'  Hengste*  und  imtzt  d'  F'erleni 
[Ferkel]  F.  —  2.  kastrierter  Widder  GrD.  —  In  2 
wie  in  Milch-H.  hat  das  Suff.   pass.   Bed. ;   vgl.   KniUclier. 

Hane"-:  (scherzh.)  kleines,  schlechtes  Messer  B. 
Syn.  Krotten-Stecher ;  s.  Hegel. 

Milch-:  1.  während  der  Säugezeit  verschnittenes 
Stierkalb  Ap;  Gl;  GRPr.;  GRh.;  ZWald.  Der  Name 
bleibt  dann  dem  Tiere  auch  späterhin  und  dient  zur 
Unterscheidung  von  dem  in  späterem  Alter  kastrierten 
Stiere  (Brand-H);  vgl.  Urner  u.  die  Anm.  zu  lieilen  II 
am  Ende  und  ebd.  den  Beleg  v.  1480.  —  2.  Pflanzenn., 
Wiesenbocksbart,  trag.  prat.  GnPr.  —  2  übertr.  von  1 
und  zwar  wegen  des  milchigen  Saftes  der  Pflanze. 

Bettler-:  eig.  =  mendicorum  castrator;  daher  in 
GRGrüsch  Übern,  eines  Herrn,  welcher  den  Ausspruch 
getan  hatte,  dass  man  alle  Bettler  h.  sollte,  zu  dem 
unter  h.  aus  Bs  angegebenen  Ende;  in  BsStdt  selbst 
jetzt  nur  bekannt  als  Name  des  Bettelvogtes,  ,der  den 
Bettlern  das  Geld  abnimmt'. 

Wort  und  Sache  weisen  auf  eine  sehr  alte,  rohe  Zeit  zurück, 
in  welcher  das  Heilen  nicht  bloss  als  Strafe  der  Unzucht, 
sondern  auch  als  Vorsichtsmassregel  an  Landstreichern  geübt 
werden  mochte,  wozu  das  Obige  als  schwacher  Nachhall  er- 
scheint.     Vgl.   u.   heilen  II  das  Beispiel   von    1499. 

Brand-:  junger  Ochse,  der  verschnitten  worden, 
als  er  übef  1  Jahr  alt  war  Ap.  Syn.  Brander.  , Keine 
Nachbauren  sollend  Hengste,  die  über  Sjährig  und 
nicht  geschnitten  sind,  auf  die  Weid  lassen,  auch 
Pfarre  [Farren]  und  Br.-Stiere,  die  über  Mesenälte 
[Alter  eines  zweijährigen  Rindes]  sind.'  1642,  Gr 
Klost.  Alpbr. 

Br.  bedeutet  wohl  im  Gegs.  zum  Milch-H.  das  Tier, 
welches  durch  Brennen  kastriert  wird,  im  Gegs.  zum  Zer- 
drücken oder  Abschnüren  der  Hoden,  welcher  Modus  eben 
nur  bei  Jüngern  Tieren  anwendbar  ist.  Vgl.  u.  heilen  II  die 
Belege  aus  dem  Tierb.  und  ganz  bes.  aus  Steinm.  Brand  = 
Feuerbrand  und  sogar  Brenneisen. 

Schnegge"-:  cochlearum  castrator,  Neckn.  der 
GRheintaler.     Ri'taler,  Schneggehäler ! 

Der  Spitzn.  bezieht  sich  auf  die  in  GRh.  betriebene 
Schneckenzucht  (s.  Schneygen-Haij)  und  hänselt  viell.  auch, 
abgesehen  davon,  dass  er  ein  kleinliches  Treiben  ausdrückt, 
die  dortige  Ausspr.  des  ei. 

Seh  wi"-:  Schweineschneider  GRÜhur;  Syn.  Galzer. 


Heili  f.:  '?  Vorrichtung  zum  Kastrieren  der  Widder, 
bestehend  in  einer  Holzklammer,  welche,  an  die  Hoden 
angelegt,  durch  Schrauben  nach  und  nach  fester  zu- 
sammengezogen wird  Gr  ObS.     Vgl.  Knitscher. 

Die  Angabe  B.'s:  ,Holzklammer,  die  auf  mechanischem 
Wege  Widdern  die  Begattung  verunmöglichen  soll',  scheint, 
wenn  sie  genau  ist,  eine  Übertragung  von  der  von  uns  an- 
gesetzten Bed.  zu  überliefern.  Vgl.  den  Ausdruck  Kluppen 
sowohl  für  eine  am  weiblichen,  wie  für  eine  am  männlichen 
Tiere  angewandte  Vorrichtung. 

Heiliberger,  Heiliberner  s.  Heidelberger. 

heilig  U,  daneben  mehr  altertümlich  und  in  formel- 
haften Ausdrücken  he'lfijg  [hiilig  Scb).  allg. :  wie  nhd. 
1.  von  Sachen  überh.  Herr,  mir  säge'  dir  Lob  und 
Dank  für  deine  h-e  Sjns  und  Trank,  für  deine  h-en 
Gaben  und  Guttaten  B  Tischgebet.  Am  h-e'  Brod 
erstickt  keis  Ching.  ebd. ;  vgl.  Herrgotte-Brot  s.  v.  Herr- 
Gott.  I"  Gotts  h-e-  Name'  Gl;  "z.  B'hüet-mi'''  Gott 
und  's  h.  Chrüz !  L.  Er  flieht  's  wie  der  Tüfel  's  h. 
Chr&z  L.  's  h.  Almuese",  Grab,  h.  Geist  s.  u.  den  betr. 
Substt.  Jesis  Gott  und  's  h.  Vatterland!  Ausruf  der 
Verwunderung,  des  Entsetzens  AAWohl.f  -Auch  vor 
Namen  von  Naturerscheinungen  wie  Hagel,  Dunner- 
icetter  u.  ä.  Laufe"  tvie  's  h.  Dunnericetter,  d.  i.  über 
Kopf  und  Hals  Bs;  Scbw;  Z.  Nüd  jedi  Chil''''e  häd 
en  h-e'  Lib,  den  Leib  eines  Heiligen  AaB.  ,Ein  h-er 
Leib  [tugendhaft]  sein'  Ndw.  Abgeschwächt  in  der 
RA.  (no'''J  h.  si"  gege' . . .,  wenn  auch  an  und  für  sich 
schlecht  genug,  doch  im  Vergleich  mit  etw.  Anderm, 
das  als  recht  schlimm  soll  hingestellt  werden,  den 
Vorzug  verdienen  Gr;  G;  S;  Z;  Syn.  gnädig.  Er  ist 
no  h.  gege  sVm  Bräeder,  sein  Bruder  übertrifft  ihn 
bei  Weitem  an  Schlechtigkeit  (eig.  =  er  ist  ein  Hei- 
liger im  Vergleich  mit  dem  Bruder).  En  Jud  ist  h. 
geg-em,  kein  Jude  lässt  sich  mit  diesem  Wucherer  ver- 
gleichen. Und  selbst  auf  Sachen  übertr.:  En  Wespi- 
stieh  ist  na  h.  gege-vie"  Hornussestich.  Euser  Bebe' 
sind  na  h.  gege  's  Nächbers,  sind  von  Hagelschaden, 
Unkraut  udgl.  viel  weniger  mitgenommen.  ,I)a3  hellig 
ampt',  Hochamt  der  Messe.  ScHwMa.  LB.  ,Die  heiig 
g'schrift'  G  Hdschr.  ,Er  leit  ein  pfand  in  h-en  stock 
[Opferstock].'  c.  1520,  Th  Pur.  .Erysipelus,  morbi 
genus,  die  Überröte  (Rosen,  heilig  Feür).'  Spleiss 
1667;  Denzl.  1677;  1716  (auch  hier,  wie  oben  bei 
,Donnerwetter',  euphemist.  zu  fassen,  vgl.  guet  und 
ungenannt).  —  2.  von  kirchlichen  Festzeiten.  Heligi 
ZU,  Zeit  vor  einem  der  hohen  kirchlichen  Feste,  Vor- 
bereitungszeit auf  ein  solches  Gr;  Z.  Z'  heiig  Zit, 
zu  Weihnachten  Gr.  E  wider  heiig  isch,  noch  vor 
Ostern.  J"  der  h-e  Zit  darf-me'  nid  Hochzit  ha',  oni 
b'sundrigi  Erlaubniss  B.  ,Es  sei  nächstens  heilig,  da 
könne  man  nicht  verkündigen  lassen.'  Gotth.  I)'  Lüt 
tuend  doch  nie  schüliger,  a's  um  die  h.  ZU  umme  [=  uf- 
enes  Fest  Z].  KSteiger  1839  (Volksglaube  auch  in  Z). 
,Wie  h-er  die  Zeit,  wie  verderbter  (verteufelter)  die 
Leut.'  AKvBüRz  1753/60.  ,Alle  hellgen  fest.'  UMet. 
1540/73.  En  heiige  Tag  Gl;  L;  Z,  auch  Heligtag 
Gl,  hoher  Festtag,  bes.  Abendmahlssonntag.  Heligtag- 
g'wand,  Feierkleid  Gl.  Ame  h-e'  Tag  z'  Nacht  ge' 
z'jasse"!  Stütz,  's  chunnt  's  ganz  Jor  keis  Tröpfli 
Wi'  i"  mis  Mül,  a's  i  der  Chil'>'e'  ame'  h-e'  Tag. 
ebd.  Ber  h.  Tag,  spec.  Weihnachten  B.  ,Am  h-en 
Tag  soll  man  nie  in  den  Speicher  gehen,  auch  kein 
Pferd  aus  dem  Stall  nclimen.'  Rothenb.  28.  ,Zu  den 
helligen  Tagen,  namblich  der  h.  Tag  zu  Wienacht  und 


1149 


Hai,  hei,  hil.  hol,  hui 


1150 


der  h.  Tag  zu  Osteren.'  1601,  Gl.  ,Ein  sog.  h-er 
Samstag,  der  Vorabend  eines  Abendmahlsonntages.' 
MWalden  1880.  An-em  h-e'  Simntig  soll-mu*  ^Icei's 
schwlnig  Fleisch  esse',  süst  hed-niu'  ekeis  G'fel  mit  da" 
Süive'  BBe.  ,Der  Bach  ist  angangen,  dass  si  am  h-en 
Sonntag  den  ganzen  Tag  band  müessen  wueren.'  1612, 
Ardüseb.  H-e'  Abe'd,  Abend  vor  einem  hohen  Kirchen- 
feste, bes.  vor  Weihnachten  B;  L;  G;  U.  Avi  Wie- 
nacht h-e'  Äbed  Gi.Ker.  [Jmdni]  si",  tele  der  h.  Obed  [so 
willkommen]  L.  Im  U  Oberland  hat  in  der  hl.  Nacht 
durchaus  jede  Haushaltung  Milchreis  und  nachher  ge- 
schwungenen Rahm.  Daher:  So  g'nueg  ha'  fubercho'J 
wie  am  helgen  Äbig.  ,Wer  am  h-en  Abend  an  7  Brunnen 
Wasser  trinkt,  bekommt  am  7.  Wein  und  sieht  sein 
eigen  Bild,  oder  wer  mit  dem  Vieh  Wasser  trinkt, 
bekommt  nie  mehr  Zahnweh.  Obstbäume  an  dem 
selben  Abend  während  des  Feierabendläutens  mit 
Stroh  (Korn)-Bändern  umwunden  tragen  im  folgenden 
Jahr  sicherlich  Früchte.'  Eothenb.  23.  24.  ,Ein  h-er 
Abend,  vjgilia,  feriae  prrecodane».'  Denzl.  1699,  mit 
dem  Zusatz:  ,Natalitiorum,  Paschatis.'  1716.  ,Der 
Samstag  [vor  Ostern]  wurde  vor  Altem  der  hohe  Sams- 
tag genennet,  sonst  heisst  er  auch  der  heilige  Abend.' 
vMoos  1775.  Mit  dene'  riirneme"  Herre'  und  Fraiie' 
tue'  wie  d'r  h.  Firabe:  MWalden  1884  und  ähnlich 
bei  GoTTH.  H-i  Nacht,  Weihnacht,  d.  i.  Nacht  des 
24.  Dez.  Träume  in  derselben  gehen  in  Erfüllung 
B;  L;  S;  Z.  Wenn  man  zwischen  11  und  12  Uhr 
den  Hühnern  die  Flügel  beschneidet,  sind  sie  vor  dem 
Kaubvogel  sicher.  Rothenb.  27.  Schlägt  man  einen 
Psalm  auf,  so  ersieht  man  aus  der  Zahl  der  Strophen 
die  Zahl  der  Jahre,  die  man  (noch)  zu  leben  hat. 
ebd.  23;  ähnlich  in  Z  f.  Wenn  der  Nordwind  weht, 
so  weht  er  das  ganze  Jahr  S.  Ein  in  dieser  Nacht 
geborenes  Kind  sieht  mehr  als  andere  Leute  (Geister, 
Gespenster)  B;  S.  Vgl.  noch  Fron-Fasten  und  Wih- 
Nacht.  Ähnlich  wird  bis  am  h-e'  Eis,  Zwei  usw.  (U) 
die  betr.  Stunde  der  h.  Nacht  bedeuten.  S.  noch 
Fasten  Bd  I  1113.  —  3.  von  Personen:  fromm,  religiös 
gesinnt,  allg.  Die  Hälige"  hand  Versammling ;  sind 
UsU«,  Chinde'!  ScaSchl. f  Auch:  andächtig.  Einen 
Lesenden  grüsst  man  mit  der  Frage:  Sit-er  [ihr]  h.? 
BsLd.  Wie  fromm  auch  in  iron.  S.  =  .scheinheilig', 
allg.  H.  tue",  's  Naren  ist-ene'  vergange';  drum 
lönd-s'  d'  Chöpf  so  h.  hange'.  Nägeli  1842.  —  4.  von 
den  Heiligen  der  kath.  Kirche;  auch  ihren  Leibern, 
Reliquien  und  Standbildern.  Bi  alle  H-e"!  UwE.  Alli 
H-en  a'rüefe',  Himmel  und  Erde  mit  Bitten  bewegen. 
SüLGER.  Alle  H-e'  d'  Fiiess  ablaufe"  S,  abbisse"  GT., 
nohlaufe'  L,  überfromm  sein ;  vgl.  Heiligen-Fresser, 
■Lecker  und  Fuess  (Bd  I  1088/89).  Z'  Helge'  go", 
wallfahrten  gehen  U.  Weind-er  z'  Helge"?  wollt  ihr 
zur  Kapelle  irgend  eines  Heiligen,  ebd.  Er  ist  en 
halbe''  H-c  Z.  En  wunderliche''  H-e''  Z.  Was'?  der 
Hochziter  in  's  Bett  und  d'  Brut  im  Wirtshus'?  Das 
isch  e  schöne  H-e"!  Bs  (Schwzd.).  Ne  settige  [ein 
solcher]  Helg  ist  das  Mannli.  Hofst.  1865.  Me'  glaubt 
kern  H-e'  oder  er  tue  es  Zeiche'  [Wunder].  Ineicuen. 
Uf  einist  tcird  Keine  e'  H-e''.  ebd.  ,Urban  ist  ein 
sog.  getaufter  H-er,  d.  h.  ein  hl.  Märtyrer,  dessen 
wahrer  Name  der  Nachwelt  unbekannt  ist.'  MEsterm., 
Rick.  38.  Jmdm  alli  H-en  ahe'-lese',  die  Leviten 
lesen,  ihn  abkanzeln  BHk.  Von  hier  aus  ist  viell. 
auch  die  RA.  zu  erklären:  slni  H-en  übercho',  eine 
derbe  Züchtigung  erhalten,  Prügel  bekommen  Bs;  B; 


S;  Z.  Ne  handfeste  Müller  heig-em  es  paar  H-i  uf 
fi"«»  breit  Buggel  ufg'messe".  Hofst.  1865.  ,Der  Schul- 
meister kam  dazu  und  ich  erhielt  meine  H-en  aufge- 
zählt.' GoTTH.  Im  Bes.  heisst  der  Helg  Uw  {Heilig  L) 
die  Statue  des  St  Sebastian  als  Patrons  der  Schützen, 
in  deren  Piedestal  eine  Kasse  angebracht  ist,  um 
Gaben  zu  Gunsten  des  Schützengutes  aufzunehmen. 
.Mit  den  Worten:  Vergessid-mer  der  H.  nid!  spricht 
an  Schützenfesten  der  , Helgepfleger'  [Verwalter  des 
Schützengutes]  die  Mitglieder  der  Gesellschaft  um 
eine  Gabe  an  L  (Ineiehen).  ,Wer  nicht  zinset,  ist  der 
Bauer  und  wer  alle  Jahre  schätzen  [den  Saumseligen 
pfänden]  muss,  bin  ich  [der  Kapitalist].  Bis  ich  dann 
mit  Zeiger  und  Helg  abgemacht  [die  Gebühren  an  die 
beteiligten  Beamten  bezahlt]  habe,  kann  ich  das  Ca- 
pital bloss  mehr  3  »/o  Zins  rechnen.'  Obw  Volks  fr. 
1882.  Vereinzelt  steht  die  Angabe:  Stück  Holz,  z.B. 
Wurzelstock,  der  so  zerkrüppelt  und  zäh  ist,  dass  er 
sich  nicht  spalten  lässt  BsTerw.  ,0  helger  herr,  sant 
Fridoli"!'  1388,  NIpelser  Lied.  In  einer  Kundschaft 
über  Alpstreitigkeiten  schwören  Zwei,  ,dass  die  Alp 
denen  von  N.  wäri  behept  uf  den  heiigen  [auf  einen 
Schwur  bei  den  H-en  hin  zugesprochen]  und  si  inen 
usgangen  [durch  Begehen  abgemessen  worden]  wäri 
mit  den  h-en  uf  die  zil  und  march,  so  hievor  stät.' 
1395,  Obw.  ,Alle  Gottes  helgen.'  1446,  Ragatzer  Lied. 
.Welche  eines  gottshaus  oder  eines  helgen  vogt  sind.' 
1490,  LRotenb.  Amtsb.  ,Im  kloster  [zu  Padua]  lyt 
ein  helg  mit  namen  Antonius  lybhaftig.'  HsSchürpp 
1497.  ,Die  lyb  diser  helgen  bett  an!'  soll  auf  dem 
Reliquien-Kästchen  im  Fraumünster  gestanden  haben. 
VöG.-NüscH.  ,Die  selgen  im  ewigen  leben,  so  wir  ne- 
ment  [nennen]  helgen.'  1525,  Absoh.  ,Das  heilig  evan- 
gelium  und  den  helgen  Pauluni.'  Zwingli.  ,Wie  euch 
ton  hand  vil  beige  mann  [die  Patriarchen],  da  einer 
hatt  g'han  zwo  oder  dry  [Frauen].'  Haberer  156'2. 
,.\lcin  deos  vocatos  coniecerim  sua  lingua,  i.  e.  sue- 
vica  Haigen,  i.  e.  sanctos.'  CGesn.  ,Dass  diser  oder 
jener  helg  (,helig.'  1578;  .Heilige.'  1670)  die  Gotts- 
hüser  mit  kostlichen  heltumen  (.Heiligtumen.'  1670) 
vcreret.'  LLav.  1569.  , Weder  ich  noch  ein  Anderer, 
wie  gruntlich  er  joch  unsere  obgemelte  Meinung  dar- 
täte, ja,  wie  man  sagt,  all  H-en  fürher  trüege.'  Küeger 
1606.  ,0b  diser  Niemerli  auch  ein  Heiig  seig',  fragte 
Einer,  der  auf  Niemerlis  Tag  vertröstet  worden. 
Glimpfr.  1651.  ,Der  Tüfel  hat  mich  wol  halb  b'sessen; 
kein  anderen  Helg  gab  mier  in  Sinn,  dass  ich  von  hei- 
men  g'lauffen  bin.'  Com.  SBeati.  Vgl.  noch  Helg. 
—  5.  freudig;  nur  in  der  Verbindung:  hälig  und  frO, 
sehr  froh  SceNnk.;  vgl.  Heil  2.  —  6.  (Adv.)  sicher 
und  gewiss,  allg.  H.  iiberzAgt  sV  Z.  's  ist  gwi'iss  und 
h.  icar  Aa;  Z.  So  gtciiss  as  h.  GaPr.  Du  muest 
d'  Nasa  nw  zer  Hüstür  üs  strecke"  [einen  Ausgang 
beabsichtigen],  sn  liest  sa  g'iviiss  a's  h.  Bege'  GRSchiers 
(MKuoni  1886).  Uf  das  chann-er-si'''  h.  verlö'.  Stutz. 
Das  [schlechtgebaute]  Hüs  g'heit  h.  z'sämme',  wird 
unfehlbar  einstürzen.  Du  chunnst  h.  Schlag  über, 
wenn  d'  nüd  folgist  Z.  Darnach  auch  adj.:  Wenn-i''' 
hei'"  chumme,  han-i  mini  h-e'  Schlag  Z.  —  7.  in  Orts- 
und Flurnn.  deutet  h.  auf  alte  Kultusstätten,  t.  auf 
solche  älterer,  christlicher  Zeit  auch  in  jetzt  refor- 
mierten Gegenden,  t.  auf  solche  der  vorchristlich- 
alemannischen  Periode.  H.-Chrüz  L;  G;  Tu;  Zo  (vgl. 
Sainte-Croix  u.  Santa-Croce  in  romanischen  Landen). 
Bim  heiige'  Hüsli,    ein   Stück  Beben   ZZolL,    Acker 


1151 


Hai,  hei,  hil,  hol,  liul 


1152 


ZWyt.;  Tgl.  Melgenhüsli.  H.-StücIcH  BLaupersw.  (vgl. 
Helgen-Stock);  Helgen  (Heilig)- Acher.  1053,  AAWett. 
Klosterarch. ;  ZWied.;  Helge-liößi  LLittau;  Helige"- 
hof  BsRein.;  H-e'halde"  GPfätf.;  H-e'land  BAffolt; 
H. (Helge")- Matt  Lürsw.;  öBieitenb.;  ZBirm.  (hier 
nachweisbar  einst  Ort  einer  Kapelle);  ,im  Helgen- 
raättli.'  1653,  AxWett.  Klosterarch.;  Helge'büel  LHoh. 
H-e'sclm-endi  BHilt.;  Helge'xceid  SHeggend.  Einfach 
H-e"  heisst  ein  Grundstück  auf  GLBraunw.  Spuren 
des  Baum-  und  Quellcnkultus  (vgl.  Gr.  Myth.  tj3  if. 
550  ff.)  finden  wir  in  der  ,heiligen  buechen'  als  Mark- 
bezeichnung c.  1515,  AaF.  {Gfd.  30,  67),  während  ,De 
bonis  an  der  heiligen  nussbourae'  (UErstf.  Kode!)  wohl 
an  die  Kirchenheiligen  denken  lässt;  eine  ,h.  Föhre' 
erwähnt  Eochh.  1856,  I  85;  vgl.  Sibnen  ScBwMa.  aus 
Siehen-Kich' ;  Heilig(eJhrunn(enJ  AvOberegg;  TnNeuk. ; 
's  hälig  Brünnli  ScuSchl. ;  ,zuo  dem  balgen  brennen.' 
um  1510,  Jestetter  Markbeschreibung;  ,den  beigen 
brunnen.'  um  1515,  AaP.  (Gfd.  30,  67);  ein  ,h.  Brunnen' 
bei  LSursee  (1408  urk.)  und  einer  zw.  BTrueb  und 
LE.  (1418  urk.);  s.  noch  Lüt.  Sagen  307.  373.  518. 
,Chuonrad  de  HeUgemoberga.'  1091,  See  Urk.;  H-e'berg 
bei  ZWthur  (.Sanctus  mens.'  1'26'2)  ist  vom  Kloster 
so  benannt;  als  Geschlechtsn.:  , Klaus  Heiig  (Heilig).' 
GHelfenschw. 

Die  Kürzung  des  Diphthongs  in  der  Stammsilbe  ist,  wie 
der  Beleg  von  1091  zeigt,  schon  sehr  alt.  In  der  Schriftspr. 
finden  wir  hdig  sporadisch  noch  bis  Anf.  des  XVIII.,  so 
ZBib.  1707  (Dan.  12,  7);  vgl.  .scheinheilig.'  Z  Mand.  1690. 
Vgl.  etwa  w^nig  und  Braune,  ahd.  Gr.  §  44  und  EKögel,  Kero. 
Glüss.  18.  In  den  nordöstl.  MAA.  entspricht  die  Kürzung 
a  aus  ö  =  ei  einem  allg.  Lautgesetz  derselben ;  ziemlich  ver- 
einzelt steht  dagegen  mig  (z.  B.  in  Z),  dessen  «  wohl  zu- 
nächst wie  das  von  leinig  auf  eine  Zwischenstufe  mit «  zurück- 
geht; s.  noch  die  Anm.  zu  einzig  Bd  I  358.  —  Zu  1.  Den 
Namen  der  Naturerscheinungen  vorgesetzt  stellt  h.  die  Be- 
ziehung auf  die  höhere  Macht  her  und  verdeckt  somit  ge- 
wissermassen  euphemistisch  das  Fluchw.,  zu  welchem  jene 
Namen  geworden  sind ;  doch  kann  es  auch  verstärkend  gemeint 
sein,  indem  h.  zwar  bedeutet  ,der  Gottheit  geweiht',  aber 
auch  ,zum  Verderben';  vgl.  lat.  eacer  =  1)  heilig,  2)  ver- 
wünscht, und  hebr.  ein  und  dasselbe  W.  für  ,segnen'  und 
.verfluchen'.  -  Zu  4.  In  der  RA.  betr.  die  Züchtigung 
könnte  ,die  H-en'  auch  als  Ellipse  für  ,die  h-en  Schläge' 
verstanden  werden  und  zwar  entw.  i.  S.  v.  .sicher'  (s.  6) 
oder  euphem.  Gerade  der  letztere  Erklärungsversuch  bietet 
sich  auch  für  die  Übertragung  des  W.  auf  den  ungefügen 
Klotz  an,  obwohl  man  allenfalls  auch  an  Vergleichung  mit 
Heiligenbildern  denken  könnte. 

Aller-Heilige":  das  Kirchenfest  omnium  san- 
etorum  am  1.  Winterm.  Vgl.  Seelen-Vesper  Bd  I  1110. 
An  diesem  Tage  im  Wald  gehauene  Besen  von  Weiss- 
tannreisern  behalten  ihre  Nadeln  Z.  ,Wenn  an  A. 
und  an  AUer-Seelen  die  Obstbäume  ausgehauen  und 
gekratzt  werden,  können  im  folgenden  Jahr  die  Früchte 
nicht  fehlen.'  Rothenb.  ,Wenn  ein  um  A.  gehauener 
Eichenspan  nass  ist,  so  wird  es  kalt  und  rauh;  wenn 
trocken,  mild  und  lau.'  Ineichen.  ,Fest  aller  lieben 
helgen.'  Edlib.    ,TJf  aller  Helgen  Tag.'  1602,  Ardüser. 

ge-he'ilig  s.  ge-hljelig. 

ein-h eilig  s.  ein-MU(ig). 

gang-:  ganz,  unversehrt.  .Thehora,  d.  i.  in  unserem 
tütsch  als  vil  als  ganz,  gangheilig.'  Zwingli;  vgl.  ebd.: 
.Thehora:  ein  lämmle,  das  sollte  ganz  syn,  das  kein«" 
presten  [Gebrechen]  an  im  hätte.'  ,I)ie  beiden,  die 
die  besseren  und  gankhelligre  opfer  gebend.'  ebd. 


Eine  schon  mhd.  Weiterbildung  aus  ahd.  g.-heil  (,heil 
zum  Gange,  gesund  auf  den  Füssen' ;  vgl.  das  Ant.  barhämmig) 
viell.  mit  beabsichtigter  Umd.  auf  .heilig'. 

nä'^''-,  verbunden  mit  .Tag':  zweiter  Festtag  Tb; 
Z.  Ostermentig,  de'  näheilig  Tag.  —  bluet-:  durch 
las  Blut  [Chri.sti]  heilig,  geheiligt.  .Also  ward  Julian 
in  der  kilchen  bi  der  bl-en  mess  erstochen.'  Ansu. 
—  Win-:  Heiliger,  Patron  des  Weines,  Weinbaues. 
5yn.  W.-Held.  .Dass  Bacchus  der  Heiden  Wynhelg 
,'esyn.'  Fasn.-Pred.  1601. 

heilige":  wie  nhd.  .Ir  sollend  fyrtag  oder  sabat 
lelgen.'  Gyrenr.  1523.  .Einen  Sam,  in  welchem  alle 
Ischlecht  auf  Erden  gehelget  und  gesegnet  werden.' 
1636,  Ofeninschr.  —  ent-,  ent-un-,  ver-un-:  ent- 
heiligen. .Der  selb  verunheiliget  den  nammen  Gottes.' 
HBdll.  1531.  .Entunheiligen.'  ebd.  .Das  bluet  Christi 
.'uteren  und  entheiligen.'  RGualth.  1555.  ,Da  Christus 
bezigen  worden,  er  entbelige  den  Sabbath.'  FWtss 
1650.  —  use°-:    einen  Schuldigen  rein  waschen   Gl. 

Heiligkeit  f.  ,Üwer  heligkeit'.  Anrede  an  den 
Papst.  1521.  Absch. 

heiliglich  =  heilig  6.  Sust  chäm  Eine  a'  d'  Stüd 
[den  Pranger] ;  das  tcär  heiliklich.  Wolf,  Bauerngespr. 

Heiligtum  n.:  Amulet.  Reliquie.  .Ein  H.,  in 
Silber  gefasst,  hängt  auf  der  Brust  jedes  Mädchens.' 
Aa  Gem.  I  419.  .Die  gebein  und  überblibens  der  sei. 
■xbgestorbenen  menschen  (heiligtumb  genennt).'  HBüll. 
1568.     Vgl.  Heiltim. 

heilsam:  1.  wie  nhd.  .Damals  waren  die  jetzt 
giftigen  Pflanzen  noch  h.'  JRWyss.  —  2.  heilbar. 
, Kranker,  der  h.  ist.  curationi  aptus  ager.  H.,  zue 
heilen  und  zue  g'nercn  leicht  und  kommlich,  sanabilis.' 
Mal.  ,  [Dieses  Arzneimittel]  macht  den  Bruch  h.' 
c.  1650.  ZElgg.  Arzneib.  —  un-:  unheilbar.  .Wann 
der  Arzt  Solches  vorher  erkannt  hat.  so  lasst  er  den 
so  unheilbar  (unheilsamen)  unberührt  fahren:  Den 
H-en  greift  er  mit  Mittlen  getrost  an.'  Spleiss  1667. 
.Dieser  Balsam  kann  auch  das  sonst  u-e  Podagra 
vertryben.'  AKlingl.  1688.  .Sind  meine  Streiche  so 
u..  dass  sie  nimmermehr  geheilet  werden  mögen?' 
1707,  Jerem.  —  g"-:  Einer,  dessen  Wunden  gerne 
heilen  Gl;  L. 

heilsame»;  heil,  gesund  machen,  segnen.  .Durch 
deinen  somen  sollend  alle  Völker  geheilsamet  werden.' 
1531,  Gen.;  =  .gebenedeiet.'    1548;    .gesegnet.'    1667. 

Heilsami  f.:  Heilung.  Besserung.  .Dhein  [keine] 
heilsame.'  1563,  7.  Spitalakt. 

Heiltum  (ILlim,,.  Ilclt.m  L;  P;  S;  Uw)  n.: 
Heiligtum,  bes.  Kelitiuie,  Kcliquienkästchen.  's  Hel- 
ium chüsse",  als  Akt  der  Frömmigkeit  S.  Der  Becher 
isch  es  Familienerbstück  g'si'  und  wie  'nes  Heiltem 
tifbiwart  blibe'.  BWtss  1863.  .Dass  man  ellü  jar  an 
unsrer  frowen  abende  ze  merzen  soll  das  heilton  tragen 
umb  die  statt  und  soll  damit  gän  von  ieglichem  hüse 
ein  mensche.'  c.  1310.  L  Stdtb.  .Und  vor  dem  tor  hat 
man  syn  erlich  mit  dem  helteni  gewartet.'  1417.  L 
Ratsb.  .Der  sigrist  soll  ouch  in  dem  jar  einist  mit 
dem  heltum  von  hüs  ze  hüs  gän,  und  ist  man  jra 
schuldig,  von  ietlichem  gehüset  [der  eignen  Rauch 
führt]  8  anster  ze  gen.'  XV.,  LRusw.  .Ein  grosser 
schätz  von  heltum  und  kleinoten  ward  [1476  bei 
Murten]  überkommen.'  ebd.  ,St  Theoduls  heltum  ist 
hie  in  der  grossen  gloggcn.'  ebd.  .Vil  heltems  kost- 
lich verfasset.'  Edlib.    .Das  heitern  im  alter  [Altar].' 


1153 


Hai,  hei,  hil.  liiil,  hui 


1154 


ebd.  ,Den  fronaltar  hinweg  tuen,  die  bau  [Beine], 
so  man  haltura  genemmt  hat,  usgeschütt"'.'  HMiles. 
,Thensa,  ein  haar,  darauf  man  heiltuomb  und  bild- 
nussen  tregt'  Fris.  ,In  des  brueders  zell  hattend  sy 
jm  wychwasser  und  heiltumb  geben.'  LLav.  1569  = 
, Heiligtum.'  1670.  Die  von  den  Hiisbreifahrern  aus- 
geworfenen Semmelringe  .wurden  von  etlichen  als  für 
heltum  gehalten.'  1576,  Z  Ant.  Mitt.  ,Ist  heltum  in 
der  kappel  von  dem  holz  des  hl.  krüzes.'  158'2,  Schw 
Urb.     S.  noch  Gabriel  Sp.  62. 

heulen  usw.  s.  bei  hüwelen. 

Ge-liill  n.:  Zustimmung.  ,Nicht  one  sein  [des 
Kaisers]  g.'  Würstisen  1580.  ,Aus  g.  der  cardinälen.' 
ebd.    -    Nbf.  zu    ßehltt.   wie   Uewirb  zu    Gewtrb  u.  a. 

er-hille":  1.  erschallen,  wiederhallen,  erdröhnen 
GrD.,  Pr.  Er  verfüert  e  Gugete,  dass  's  im  Wald 
dennet  recht  erhilU.  MKüoni.  —  2.  in  die  Augen  leuch- 
ten. Die  Stube  war  so  sauber  aufgeputzt;  es  hat  recht 
erhillt,  wenn  man  eintrat  GrD. 

Eine  unechte  Bildung  statt  erhellen  durch  Verallgemeine- 
rung des  i.  Betr.  die  Berührung  von  Schall-  und  Licht- 
empfindung  s.   die  Anm.  zu  hi'U. 

ge-hillen  =  gehellen.  ,N.  gehillet  mit  inen  an 
dirre  sage  an  allen  dingen.'  1302,  Gl  Urk.  ,N.  N.  ge- 
hillet gänzlich  an  allen  stucken  her  Jakoben  von  Litt- 
owen.' 1346,  L  Urk.  (an  andern  Stellen  ,gehtillet'). 
,Die  beiden  stett  sollten  einen  obman'n  erwöllen  und 
wölichem  teile  sölicher  gehillete,  bestand  erfolgen.' 
1531,  Absch.  ,Der  churfürst,  welcher  zu  erwelung 
eines  neuwen  keisers  nicht  g.  wollen.'  Würstisen  1580. 

Die  Formen  für  Präs.  Sg.  können  natürlich  auch  zu  ge- 
hellen gezogen  werden.  Zu  ü  aus  i  vor  II  vgl.  Brüllen,  Trülkn, 
Pullen,    Orüllen  u.  a. 

ge-hillig:  zustimmend,  willfährig.  ,Dass  sy  jm 
gehüllig  gewi;sen  sind.'  1462,  S  Missiv.    Syn.  ge-hellig. 

Hilai'ius  Hilari,  Läri,  Lärli  (Dim.),  Lärtsch  (grob) 
Gl,  Lerias  Gr,  Lerjun  W:  männl.  Taufn.,  s.  Glari 
Sp.  640,  wo  noch  beizufügen  Glaris-Egg,  Schloss  bei 
TuSteckb.  Betr.  die  Umzüge  s.  noch  Alpenp.  1873, 
S.  348.  ,Der  Jahrrechnungstag  fiel  in  TnFr.  auf  den 
Hilariustag.'  Pdp.  1871.  ,Das  dritt  geding  soll  syn  uf 
Sant  Hilarien  tag.'  AAWett,  Oifn.  S.  noch  Blumer, 
EG.  1  63. 

Zum  Abfall  der  ersten  Silbe  in  dem  Frenidw.  vgl.  Nazi: 
Iguatius,  Vir:  Xaver,  Broai:  Ambrosius,  Klaun :  Nikiaus, 
Äiki .- Snlpicius,  7?,(2i  .■  Mauritius,  A/.miirf  :  Emanuel,  rewea: 
Matthäus,  T.» .-  MattlMlal-i,  7'„„,  .-  Autnniiis,  //„„,.■  .Inhauut-s, 
7i'««i:  Erasmus,  /.,/,.  .riiiliii]i|  n  |s,  Xr«. /,,•.-  AI. ■xaii.in-,  (;,ri: 
Margreta,  S(uli  :  |■|lli^lillt■,  T,u„. :  K;itliariiia,  A.  «k-  Agnes, 
LUe:  Elise,  Milret :  Kmerentia  u.  v.  a. 

liiläsch^e":  faul  sein,  träge  herumliegen  Scu.  — 
Hiläschi  m.:  nachlässiger  Mensch,  Faulenzer  Sch; 
Z ;  Syn.  Löscht.  —  Zwitterbildung  aus  hiVäasig  a.  laachcn. 

Hllll  m.:  Achilles  Bs.  —  Betr.  die  lautliche  Um- 
gestaltung s.   die  Anm.   zu   Huijekn  und  zu  Hünrixu. 

Uiele"  f. :  1.  eiserner  Bogen  des  Käsekessels  BO. 
(Vetter).  —  2.  Waldrebe,  clematis  S.  —  Vgl.  Biene' 
uud  Iläl. 

hol!  1.  Kuf  an  den  Fergen  =  komm  und  hol! 
GRh.  (hol).  ,Jeder,  der  an  das  Fähre  treten  muss, 
wird  vom  Morgen  bis  zum  Feuerabend  sich  an  dem- 
selben oder  d/)ch  in  dessen  Nähe  befinden,  dass  er 
den  Ruf:  Hohl!  jedesmal  vernehmen  kann.'  1810, 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Fährordn.  AAMumpf  (JVetter  1864).  —  2.  Schlittenruf 
GMels,  Bern.;  Syn.  holibc! 

Bed.  2  wohl  durch  die  Kinder  auf  ein  anderes  Verhältniss 
übertragen;  s.   Anm.  zu  hallen  III. 

hole"  I:  1.  wie  nhd.  ,Vater  hol  [Geld],  wenn  der 
Sohn  studieren  soll! '  ZWl.  Hol-mi"'  Gott!  Beteuerung 
L  (Ineichen  1850).    ,Wein  hollen.'  Unsichtb.  1793.  — 

2.  „suchen  Th."  —  3.  (hole")  bringen  GRChur,  Mai. 
Zu  3  :  holen  und  bringen  sind  Wechselbcf  riffe  und  tau- 
schen zuweilen  ihre  Rolle;  so  hat  ,reichen'  auch  die  Bed. 
,hnlen'.  So  auch  it.  recare  und  portare;  ähnl.  ,lehren'  und 
.lernen',  das  Eine  für  das  Andere  gebraucht,  wie  frz.  aji- 
/irendre  für  Beides.      Zu   2   vgl.   frz.   ehercher. 

er-:  1.  verstärktes  holen.  , Ein  seufzen  von  grund 
auf  erholt,  spiritus  petitus  imo  latere.'  Mal.  ,Undcr 
dem  Wasser  mag  der  Biber  nicht  lang  bleiben,  muss 
Atems  halber,  denselben  zu  erholen,  bald  aus  dem 
Wasser.'  JLCys.  1661.  —  2.  sich  Etw.  holen,  zuziehen 
Bs;  ScH;  Z.  Die  Krangget  het  si  im  BüchlnsU  [Wasch- 
haus] erholt  Bs  (Schwzd.).  Er  vernehme,  dass  er  bei 
ihnen  einigen  Unwillen  , erholt'  habe.  1525,  Absch.  — 

3.  davon  tragen,  (wieder)  gewinnen.  An  Dem,  [z.  B. 
einem  Schuldner]  ist  Nilt  z' e.  Bs  (Spreng);  Z.  ,Ouch 
wider  erholt  manig  versetzt  pfand.'  1480,  Zellw.  Urk. 
,Das  ewig  leben  e.'  Zwingli.  ,Der  sig,  so  wir  erlangt 
und  erholet  haben.'  1531,  Absch.;  vgl.  lat.  victoriam 
reportare.  ,Der  h.  Hieronymus  hat  sich  on  underlass 
geflissen,  der  heiigen  geschrift  verstand  zuo  e.'  Vad. 
,So  aber  einer,  der  syn  er  also  verwirkt,  sich  in  MHH. 
nöten  und  landssachen  so  dapferlich  hielte,  dass  er 
vermeint,  syn  er  erholen  han.'  1551/1G26,  Schw  LB. 
,Wo  die  flugfederen  uf  dem  mund  bewegt  wirf,  ist  es 
ein  warhaftig  zeichen,  dass  der  atem  erholet  und  das 
leben  noch  in  dem  lychnam  sye.'  Kdep  1554.  ,Wo 
einem  atenlos  wirt,  braucht  man  den  biseiu,  den 
atem  jm  zuo  e.'  Tierb.  1563.  —  4.  auf  Etwas,  das 
man  vergessen  hatte,  wieder  kommen  U,  wiederholen ; 
s.  Advokat  Bd  1  89.  ,Alle  die  güeter  zu  Schw.  sind 
in  der  donation,  die  kaiser  Carolus  getan,  widerum 
erholet  und  bestätet  [worden].'  1563,  Hotz  Urk.  ,Nit 
not,  wider  zu  e.'  HBdll.  1572.  ,Was  wir  vordem  durch 
Mandata  erkannt,  das  wollen  wir  hiemit  erholt  haben.' 
BsMand.  1627.  —  5.  (refl.)  wie  nhd.,  ausserdem:  einen 
erlittenen  Verlust  wieder  einbringen;  sich  schadlos 
halten  Gl;  Z.  Du  cha"st-di'''  e.  am,  Bonenahmache' 
Z  (scherzh.).  ,Dass  er  [der  Creditor]  ob  des  Schuld- 
ners Gut  sich  umb  sein  Schuld  e.  möge-'  SMutach 
1709.  ,Sich  an  demjeiiiüvn,  sn  hieran  Srhuld  trägt, 
widerumb  zu  e.'  ITl'.i,  l'.s  C-un  hcnidn.  --  6.  das 
Ptc.  erholet  missbräuchlich  wcrhsrlnd  mit  a-cotlet.  Er 
ist  ganz  drin  e.  ZWl.  —  be-:  sich  zuziehen;  unge- 
fähr =  erholen  2  n.  3  „Vü."  ,Und  meint  man  allweg, 
es  [das  Missgeschick]  war  an  diser  [einer  früher  be- 
gangenen] tat  beholet  worden.'  ÄoTscuum.  ,Er  redt 
auch  inen  im  rat  yn,  bhollet  aber  nüt  anders  darmit, 
dann  nyd  und  hass.'  HBull.,  Tig.  , Krankheiten  nüt 
ungehorsamem  leben  b.'  LLav.  1582.  , Gottes  Segen 
wurd  vertriben,  hingegen  .syn  schwere  Straf  und  Fluch 
endlich  behoUet.'  Z  Mand.  1653.  .Wirst  von  Gottes 
Gericht  getroifen,  so  sinne  zurück,  wo  du  es  behollet.' 
AKlingl.  1688.  ,Er  vermeinet  desswegen  von  seinem 
Vater  grossen  Dank  zu  b.'  JJUlr.  17'27.  —  wider-: 
1.  wieder  gewinnen,  wieder  herstellen.  Die  Mülhauser 
sollen  zu  ,widerholung'  des  eidgenössischen  Bundes 
[den  sie  verwirkt  hatten]  all  ihr  Vermögen  anwenden. 


1155 


Hai,  hei,  hil,  hol. 


1156 


1587,  Absch.  —  2.  wieder  gut  machen;  Syn.  ergetsen. 
,Was  fröd  und  widerholens  irer  trurigkeit  da  g'schach, 
mag's  nit  wol  usschryhen.'  Sicher  1531. 

Hole"  I  f.,  in.:  1.  grosse  Tauchente,  mergus  merg- 
anser  „Aa;"  Vw;  Syn.  Tüchcl.  ,Teuclier,  hie  genannt 
Hollen.'  JLCys.  1661.  —  2.  wohlbeleibte  Weibsperson 
AaHL  ;  vgl.  auch  Holli  und  Muchel. 

1  viell.  nach  Brod-Holi  zu  erklären;  doch  könnte  das  W. 
auch  aus  Ilulle  verderbt  und  die  Ente  nach  ihrem  Federbusche 
benannt  sein.  —  2  setzt  stillschweigend  ein  fettes  Exemplar 
von  Ente  voraus  oder  zeichnet  den  schwerfälligen   Gang. 

Holer  m.,  -eri°  f.:  Dienstbote,  welcher  Abends 
die  Herrschaft  vom  Besuehsorte,  Concert,  Theater 
(mit  der  Laterne)  abholt  Z  f. 

Holi  m. :  bei  dem  Kinderspiel,  welches  auch 
schwarzer  Mann  heisst,  dasjenige  Kind,  welches  die 
andern,  die  ihm  in  einer  Schar  gegenüber  stehen  und 
entgegen  laufen,  zu  fangen  (zu  höhn)  hat;  es  geschieht 
dies  mit  dem  Rufe  Holi,  llali !  VwK.  Das  Spiel  selbst 
heisst  daher  hölrnen  oilcr  hdliharlnt.  —  //".  =  der  Hder, 
oder  von  dem  Rufe  Huti!  (s.   /,..//,/,...'  S),.   S58). 

Brod-  m.:  Beiher [V]  Ndw  (Matthys).  ,Auf  dem 
Vierwaldstättensee  befinden  sich  zweierlei  Brodholen.' 
JLCys.  1661,  der  den  Reiher  besonders  aufführt. 

S.  Hol-Brod  und  Gr.  WB.  IV  1733.  Der  Name  vom 
Holen  des  Brotes,  das  man  solchen  Vögeln  zuwirft;  vgl.: 
,Und  flugend  die  wilden  euten  und  ander  gefügel  Zürich  [im 
Winter  a.  1435]  in  die  statt.  Es  ward  ouch  an  ein  buoss 
verboten,  dass  in  niemann  kein  leid  tuon  dorst.  Die  liessend 
inen  brot  fürwerfen  und  holtend  das;  so  gemach  hatt'  si 
der  hunger  g'machet.'  Vad. 

Hol  Hol  n.:  Vertiefung,  Loch.  1.  durch  Druck, 
Liegen  und  Sitzen  entstandene  Vertiefung,  z.  B.  im 
Bett,  in  Heu,  sandigem  BimIcmi  usw.  B;  auch  dim.  „Holi 
Aa;B;S;Vw.''  Syn.  Iliili.  ■-'.  lli.hle,  Bergungsort 
übh.,  bes.  auch  Lagerstiiilr  «ilJri  Tiere,  scherzh.  auch 
die  des  Menschen.  !■''  inll  i"  )iii"s  H.  B;  vgl.  Hui. 
,Er  [Karl  bei  Nancy]  lag  in  einem  tiefen  hol,  man 
zog  jm  zue,  das  wusst  er  woL'  1477,  Volksl.  Bei 
Pfäfers  ,sind  hell,  uss  denen  heiss  wasser  entspringt.' 
CTüRST  1495.  ,Der  tüfel  hat  ein  wytes  hol.'  UEckst. 
1525.  ,Ich  hielt  mich  hindersich  in  myn  h.  [:  voll].' 
Salat  1532.  ,Die  5  künig,  die  in  's  h.  entfliehend.' 
1531/48,  Jos.  ,Sie  fallen  selber  in  das  H.,'  das  sie  dir 
hand  gebawen.'  HsBEebm.  1620.  ,Wann  der  Bär  ruehet 
in  synem  Hol!.'  c.  1650,  B  (Gfo.).  ,Der  Ritter  ritt 
gegen  dem  Hole  und  Wohnung  des  Drachen.'  JLCys. 
1661.  Hol  auch  Ortsn.  GT.,  Holi,  Stelle  am  Walensee 
GWalenst.   —  Mhd.  hol  n.  in  Bed.  2. 

Ofe"-:  Ofenblase  BU.;  Syn.  Ofe'-Ror.  —  Acke"-: 
bedeckter  Abzugsgraben  B;  Syn.  Hol-Graheu. 

hol  ö  im  Gehirg,  sonst  hol  (hüH  ZS.,  haut  Ar  tw.): 
hohl.  H.  Ziegel  im  Gegs.  zu  flachen.  Bis  a"  de'  h. 
Ziegel  ufe",  bis  an  die  First  Z.  E  Stimm  ha',  wie-n-e 
h-i  Bäh  [Rübe]  ZZoll.  Es  [seine  Rede]  häd  tönt, 
wie-n-us-ere"  h-e"  Bäh  use".  ebd.  De  h.  Lih,  die 
Bauchhöhle  mit  sammt  dem  Magen;  vgl.  xoiXia.  Er 
ist  wlt  umme  h.,  er  kann  viel  essen  und  trinken  GT.;  Z. 
Daher  h.  geradezu  =  hungrig,  nimmersatt  W.  In'n  h-e' 
Lib  trinke,  in  den  leeren  Magen  Z.  Ei"s  [ein  Streich] 
in  h-e'  Llb  [in  die  Weichen]  Z.  Er  lügt,  so  tüf  er 
h.  ist,  ist  ein  Erzlügner  Z.  H-e''  Nebel,  der  sich  nur 
halb  über  die  Talsohle  erhebt,  gewölbartig  über  der 
Gegend  schwebt  Ar;  „VO;«  ZO.   Es  giH  kei""  Bege" : 


es  hat  mV  h-e'  Nebel  ZO.  Im  S  Wochenbl.  1810  wer- 
den als  Stadt  G  Specialitäten  belacht :  , hohle  Frauen- 
zimmerhandschuhe.' ,Da  lügt  er,  als  tüf  und  breit 
und  h.  er  ist.'  1589,  Zellw.,  Urk.  ,Und  so  ietz  in 
disem  verding  gemessen  werden  h-s  und  voUs.'  XVI., 
Z  Anz.  1885.  , Sollend  die  Muren  h.  für  voll  gemessen 
werden.'  1651,  Monatsbl.  Heid.  1836.  ,Die  Spitz  und 
hole  Schnür  an  den  Hosenbendlen  [sind  verboten].' 
1611,  G  Mand.  ,An  den  Stuchenschlappen  soll  ein 
hole  Schnur,  auch  Spitzlein  zugelassen  sein.'  ebd. 
,In  den  weissen  Vorschössen  solle  3  hole  Strich  zu 
haben  zuegelassen  sein.'  ebd.  ,Blut,  so  in  den  hohlen 
Leib  gerunnen  ist'  PWürz  1634.  Häufig  in  Orts-  u. 
Flurnamen.  ,An  der  Holen-Auw.'  1604,  AABremg. 
Holl(en)- Acker  B;  Holen-Eich  ScnwTugg.;  Hol-Egg 
BRüegs.;  HolfenJ-Flueh  BsLäuf.;  BEggiw.;  ZHombr. 
Hdl-Gass  s.  Sp.  451,  ausserdem  auch  in  B;  Gl;  Z 
,zue  der  h-en  gassen.'  XIV.,  AAZuf.  üff"n.;  ,in  der  h-ei 
gass.'  1486,  G  Hof  Kriess.;  ,Holen-Bach.'  XV.,  ZWetz. 
H-e'-Baum  ScsStdt  (vgl.  ,H-enboumer.'  1549,  ScnRats 
prot);  im  Holl(e')-Berg  ZHed.,Höngg,  1574,  Freienst. 
Holl-Steg  BEggiw.;  Waldung  im  H-e'-Stock  ZHinw. 
H-e'-Stei"  G,  z.B.  1518,  Hof  Kriess.  (Hollenst.);  Th 
ZBär.  (Felshöhle),  bi  de'  h-e'  Steine'  GLEnn.  (vgl 
,Jörg  Holenst.  v.  Zg.'  1531,  Egli);  ,ze  holen  Sträss. 
1318,  ZDiet. ;  ,bis  an  die  h-e  Sträss,  genannt  Rinder- 
weg.' 1694,  AAWett.  Klosterarch.;  ,bi  dem  h-en  turn. 
Z  Anz.  1884;  H-Ce'J-Wi'g  Aa;  B;  L;  G,  H-e'-W-e< 
BBurgist.;  ,den  Hollen-W.'  XV.,  ZWied.  (vgl.  den  Z 
Gcschlechtsn.  Hollentceger ;  ,Hans  Holenweg.'  1525); 
Hole'-Weidli  ZBär.  (Weide  beim  Holenstein);  der  Hol- 
Wall,  Schanze  BsStdt  f.  —  Huvl  wie  waul  für  wol,  s.  yolkj 
Sp.   213. 

i"-:  vertieft,  concav  B;  Gr;  L;  Z;  Gegs.  hüp. 
Schwarz  und  i'hol,  tvas  am  Füdli  hanget,  dri'  soll 
GrD.  (Rätsel:  die  Schuhe).  —  schilt-:  hohl  wie  ein 
Schild,  spec.  mit  nach  aussen  gekrümmten  Beinen  BSi. 

holecht:  leicht  gehöhlt.  ,Der  under  teil  des 
.Steins  ist  etwas  holächt.'  Vogelb.  1557. 

Hole"  II  f.:  Einsenkung,  Höhlung.  1.  Hohlweg, 
enge,  tiefe  Gasse,  bes.  an  einem  Abhang  B;  FMu.; 
L;  GG.  H'  Hohle  ache  g'rütscht.  MWalden  1880. 
Bergiif,  bergab  im  scharfe  Trab  und  öni  z'  spanne' 
d'  Hohlen  ab!  B  Kai.  1879.  Als  Orts-  und  Flurn.  (,auf, 
in  der  H.')  bes.  häufig  in  B;  dann  auch  in  ßsLd;  L;  S. 
—  2.  a)  Vertiefung  auf  der  Innenseite  des  mensch- 
lichen Fusses  zwischen  Knöchel  und  Ferse.  ,Der 
rechte  Absatz  kommt  gegen  die  Holle  des  linken 
Fusses  zu  stehen.'  1713,  Z  Exercit.  mil.  —  b)  Ein- 
hühlung  am  Gewehrschaft  beim  Kolben  oberhalb  des 
Anschlages.  ,Man  soll  das  Gwehr  auf  der  linken 
Achslen,  den  Daumen  ob  dem  Anschlag  in  die  Holle 
legen.'  ebd.   —  Mhd.  hole,  altn.  hola  in  Bed.  1. 

hole"  II:  1.  hohl  werden,  allg.  's  Fass  holet, 
leert  sich  allmählich  Z.  ,Wenn  einem  Kranken  die 
Augen  holend  und  schwynend.'  XVII.,  B  Arzneib.  — 
2.  hohl  machen  Gr.  Hiezu  als  adj.  Ptc.  wlt  g'holet, 
bauchig,  viel  fassend;  auf  Menschen  übertr.:  viel  zu 
essen  vermögend  und  gewohnt  (in  diesem  S.  der  Be- 
völkerung gewisser  Ortschaften  aufgetrumpft)  W;  vgL 
hol.  —  2,  wofür  sonst  hälen  (aus  ahd.  holjan)  gilt,  geht  auf 
ahd.   holon  zurück. 

Hol  m. :  durchbrochene  Stelle  in  einer  Stickarbeit, 
meist  Sternchen,  Rädchen  vorstellend.   En  lange""  H., 


Hai,  liel.  hil.  hol. 


1158 


eine  lange  Reihe  solch  durchbrochener  Gebilde;  Gät- 
terli-,  ein  H.  in  Form  eines  Gitters;  Bor-,  mit  einem 
Bohrapparat  hergestellter  H.  ÄP;  G.  —  Zu  hvlen. 

Ge-höl  n.:  Nische.     S.  vergatteren  Sp.  499. 

hölele°:  klingen  wie  ein  hohles  Gefäss  ZO. 

hole"  (bzw.  -0-°-):  hohl  machen,  höhlen.  Eini  h., 
(seherzh.)  eine  Flasche  Wein  austrinken  L;  Z.  Kleine 
Öffnungen  in  Mousseline  ausbrodieren,  in  der  Hand- 
stickerei durchbrochene  Arbeit  herstellen  Ap  ;  G. 
.Mousseline  sticken  und  h.'  Wenn  d'-mer  för  d' 
Mueter  Näbis  [Etwas]  richte"  cha'"st  zum  Häulen. 
AHalder.  —  e  r-:  durch  Holen  gewinnen  Ap.  —  üs-. 
,Ein  schalen  aush.,  austrinken,  pateram  haurire.'  Mal. 

(Öpfel-,  Us-)Höler  m.,  gew.  Dim.  H-U:  Gerät 
in  Form  eines  runden  Löffelchens  zum  Herausschnei- 
den des  Kerngehäuses  zerschnittener  Äpfel  Z;  Syn. 
Bütschgi-Borer. 

üs-hölere°:  durch  Aushöhlen  entfernen.  ,So 
bickt  [das  Vögelein]  und  hölert  jm  [dem  Esel]  seinen 
schaden  aus  mit  spitzem  seinem  schnabel.'  Tierb.  1563. 

Höli  bzw.  HäuK  f.:  Höhle.  1.  wie  nhd.  allg. 
Ziemlich  selten  in  Orts-  und  Flurnn.  BsLd;  B;  L; 
Zg;  Z,  z.B.  tief  ausgehöhlter  Waldweg  in  ZEegensb.; 
s.  noch  Hüli.  ,Die  tiere  sind  in  die  heule  des  leuwens 
gekommen.'  Vad.  .Die  hole  eines  baums  von  elte 
durchfressen,  arboris  exesje  antrum.'  Mal.  ,Hölinen 
und  Gang  under  dem  Erdrych.'  Guler  1625.  —  2.  die 
Lendengegend  Ap;  vgl.  Iwl.  —  3.  derjenige  Teil  der 
Ferse  am  Strumpfe,  welcher  sich  an  die  Fusssohle 
legt  AaF.;  Zg. 

Ober  Häuli  s.  die  Anm.  zu  hol.  Das  W.  scheint  mein 
aus  der  Schriftspr.  eingedrungen  zu  sein ;  s.  dafür  Hiili,  Loeh. 

Hand-  s.  Gauflen  Sp.  127.  —  Hunger-  Gl  = 
E.-Grueb.  —  Mitt-  s.  Gauf  Sp.  127. 

Holl,  nur  in  der  RA.  im  Holl:  im  Nu  ZMünch.. 
Neer.   —    //.   muss  wie  huil  Interjection  sein. 

holla!  hoUe!  Interj.,  wie  nhd.  =  he  da!  1.  zur  Er- 
regung der  Aufmerksamkeit.  Holla!  Ruf  der  vorüber- 
ziehenden Krämer  Gr.  Mit  holle!  holte!  meldet  man 
sich  beim  Eintreten  in  ein  Haus,  um  Jemand  herbei 
zu  rufen  Gr;  S;  Uw;  Z;  vgl.  holle-ho!  Sp.  858;  hasch! 
Holle,  h.,  h.!  giind-is  e  chli"  Fasnechtchüechli !  ZNeer., 
Ruf  der  Kinder  vor  den  Häusern  an  der  Fastnacht. 
Holle,  h.!  rüefed  die  Volle".  Sblger.  ,Eho,  hola,  losa, 
kumm  her.  Hola,-  hoscha,  tuend  auf,  heus  vos,  aperite !' 
Fris.  ;  Mal.  —  2.  =  halt !  Holla  Büsi!  Us  Dem  wird 
Nüt!  Bs;  S.  Dem  Zug  H.  mache",  der  Sache  ein 
Ende  machen  FMu.;  s.  noch  üf  Bd  I  119.  -Für  nes 
Mariasch,  das-mer  nit  recht  war,  icett-i'''  gäng  no''' 
früeh  gnueg  d's  H.  mache".  B  Taschenb.  1881.  Holle 
d's  Ments  [aus  des  Sakerments?y.  Ausruf,  mit  dem 
man  einem  Redenden  Schweigen  gebietet  OßwSarn. 
,Ohe  jam  satis,  hola,  hola,  es  ist  gnueg.  Ohe,  actum 
ne  agas,  h.,  h.,  red  nit  weiter.'  Fris.;  Mal.;  s.  -ä  III 
Bd  I  2.  ,Aber  holla!  Römische  Kirche:  holla!'  Go- 
liath 1741.  —  Der  Ruf  der  Bezechten  könnte  auch  der 
als  Befehl  gemeinte  Infln.  (=  mehr  Wein  holen!)  sein. 

holle":  an  die  Türe  pochen  (auch  mit  dem  Tür- 
klopfer), um  Jmd  heraus  zu  rufen  BAarb.,  U. 

Urspr.  wohl  mit  dem  Kuf  holla!  sich  benierklich  machen. 
Vgl.  hoschen. 


Holland  Höland:  in  mehreren  RAA.,  meistens 
eine  weite  Entfernung  auszudrücken.  Uf  H. 
H(e",  auf  Nimmerwiedersehen  viTsi-bwinden  7.  f.  Wnin 
nw  «««''  der  Biswind  rlnliii  uml  i,n  Fnni  uf  11.  ,i,nii 
L  (Volksreim).  Er  vinnul  „".  inr  II..  „in  ,v,,rk  hat 
keinen  Boden  Aa,  von  holländischen  \Vcrljuiif,'eii  udur 
davon  her,  dass  der  Rhein  Alles  an  H.  abgibt.  Potz 
H!  Ausruf,  ebd.     S.  noch  Für  Bd  I  942. 

Seit  der  Reformation  waren  die  Beziehungen  zwischen 
H.  und  der  ref.  Schweiz  t.  durch  den  Süldnerdienst,  t.  durch 
Glaubensgemeinschaft  und  Univorsitätsbesuch  so  lebhaft,  dass 
dieses  ferne  Land  der  Schweiz  besser  bekannt  wurde  als 
Deutschland.  Schon  früher  stellte  die  Flösserei  eine  Ver- 
knüpfung her;  vgl.   Nubd  Sp.   949. 

Holländer  m.:  1.  Söldner,  der  in  holländischen 
Diensten  gestanden;  's  Holländers,  die  Familie  und 
Nachkommen  eines  Solchen  Z.  Daher  wohl:  HoUnnder- 
7(0/"  ScuBer. ;  im  Holländer  ZMeil.;  vgl.  Holland-RAsli 
BSchüpf.  —  2.  (auch  H-e"  f.,  H-li  n.)  Wiesensalbei, 
salv.  prat.  Aa;  Gr;  GRh.,  We.;  Syn.  blaui  Soldaten, 
Amerikaner;  vgl.  auch  Franzos  3  h.  —  3.  eine  Art 
blauer  Erdäpfel;  s.  Bd  I  380.  —  4.  Apfelsorte  Th. 
—  5.  für  Holland  bestimmter,  bes.  grosser  Baumstamm. 
JVetteb  1864.  —  6.  eine  Art  aus  Holland  bezogener 
Schnupftabak  Uw;   Z.  —  7.  s.  Gutteren  1   (Sp.  532). 

Zu  1  vgl.  A'eapolitaner,  Prüsa.  Bed.  2  u.  3  übertr.  Ton  1 
durch  Vergleichnng  mit  der  blauen  Uniform  der  holl.  Söldner. 
Zu  7  Tgl.  die  etwa  dazu  gesprochenen  Worte:  ,Ich  bin  der 
kleine  Mann  Ton  Amsterdam'   usw. 

holländisch.  H.  Gras  =  Landfarb-Gras  Sp.  793 
GRh.  ,Für  2»/*  Ell  fyn  h.  Tuech  10  fl.'  1674,  Zubers 
Tagb. 

Lolei(j)e°:  fröhlich  jauchzen;  auch  lärmend,  aus- 
gelassen lustig  sein  Aa;  BO.,  M.;  „LE."  Wie  das 
g' jubiliert  und  g'holeiet  het  im  Dörfli;  do  Tanz,  dort 
G'sang  S  (Hofst).  Me"  gehört  i"  der  Wirtschaft  gigle' 
und  h.,  juzge"  und  tanze",  ebd.  Nah-mene"  Eiingli 
g'höH  er  vom  obere"  Berg  her  huleien  u"''  het  streng 
Bescheid  ge"  BM.  (Schwzd.).  Wenn  mir  jungt  Bursch 
nid  öppe"  just  g'hideiget  hei"  z'  Nacht.  B  Taschenb. 
1881.  ,Die  Küher  kamen  gar  stolz  herab  von  den 
Bergen,  holeieten  noch  einmal  so  laut,  tranken  nur 
lObatzigen  Wein.'  Gotth. 

Von  holen,  wie  gokien  (Sp.  215)  von  golen;  juheien  (Sp.  854) 
neben  juhen;  durch  Entziehung  des  Tones  wurde  der  Voc. 
der  ersten  Silbe  t.  gekürzt,  t.  getrübt. 

„holeiig:  wild  jauchzend;  locker  lebend  LE." 

hole"  UI:  jolen,  jauchzen;  jodeln  Aa;  L;  G;  Schw; 
Uw;  Zg;  Z.  Me"  g'hört  de"  Nachtheuel  lieber  h.  als 
iviggle"  ZO.  Von  Gespenstern:  's  Hole"  bi  den  U"- 
ghürere".  Ihr  Buebe",  wend  er  h.  lehre"?  Am  Allri- 
beste"  lehre'd  's  d'  Geister,  aw''  biichle"  [hornblasen], 
brögge"  [brüllen],  d'  Red  verchere"!  Schw  (Schwzd.). 
Daher  Höli  m.,  Name  eines  Gespenstes,  das  man  von 
einer  Höhe  am  Hallwilersee  her  holen  hört,  wenn 
schlechtes  Wetter  droht  (Rochh.).  Vom  lauten  Zuruf 
an  Tiere  und  Menschen  Uw;  Zg.  „De"  Söue"  h.,  den 
Schweinen  auf  der  Weide  rufen,  um  sie  in  den  Stall 
zu  treiben  LE."  Es  sei  nid  z'weg,  hat  der  Senn  ufe"- 
g'holt  GRMai.  (Schwzd.).  Es  tribt  es  Hirtli  d'  Herd 
duruf,  odl-di-o,  und  höhlet  mit  frohem  Sinn  odl-di-u! 
Minnich.  ,Das  Auf-  und  Wegziehen  von  der  Alp 
geschiehet  mit  vielem  Jauchzen  und  Holen.'  XSchnid. 
1781.  —  Vom  Rufe  hol  (Sp.  857)  wie  Jöfoi  von  ja!  hflen 
von  hi!  Tgl.  höpen  und  hohoeti  Sp.   860. 


1159 


Hai,  hei,  hil.  hol.  hiil 


1160 


üs-hüle":  das  Ende  (der  Ernte)  mit  Jauchzen 
anzeigen.  So  oft  ein  Erntefeld  geschnitten  ist,  mus.s 
es  von  sämmtlichen  Schnittern  üsg'liölet  werden  G;  Z. 
Ähnlich  nach  dem  Abmähen  einer  Wiese,  dem  Ablesen 
eines  Weinberges  ZS. 

Hole-  in  s.  Halm. 

Holler  s.  Holder. 

hollex!   Lockruf  der  Schafhirten  Ap. 

Vgl.  huH  und  hällex.  A'iell.  ist  wie  auch  ia  dem  letztem 
W.  zu  Tcrstehen  ,leck  es!'  und  reduciert  sich  der  1.  Teil 
unseres  W.  auf  die  Interj.  ho. 

hollezment  s.  holla. 

Holli  m. :  ein  derbes,  sich  gern  herumtunimelndes 
Mädchen  von  gutmütigem  Charakter,  eine  Hummel. 
En  guete  Holli  ZZoll.  Syu.  Holk-ho  Sp.  859,  Bolli. 
Abl.'g'-hollig,  Adj.;  Syn.  g'-hockig.  —  Viell.  zn  vgl. 
hullcm  =  rollen;   s.   Gr.   WB. 

llölibe!  Schlittenruf  GEag.  S.  hol!  und  höh  unter 
Mla-lio  (Sp.  858). 

holöps,  Adv.  u.  präd.  Adj.:  1.  hüpfend,  in  Sprüngen 
B  oHa. ;  munter,  lustig;  nach  Herzenslust;  ohne  Mühe  ; 
rasch;  völlig  Aa;  Ap;  B;  „VO;"  G;  Sch;  Th;  Z.  Es 
ist  Alles  h.,  es  geht  recht  lustig  zu  Zg.  's  Für  brennt 
h.  Z.  Si  mäe"d  scho'  h.,  sie  sind  in  voller  Arbeit 
(des  Mähens)  begriffen,  ebd.  ,Sie  tanzten  hallops  auf 
einem  dunkeln  Gang.'  Stütz.  Bas  [eine  Pamilienglied] 
verchauft  [heimlich]  Frucht  und  Dises  [Jenes]  ver- 
chauft  Obs,  und  so  göt  's  i"  s'  Abe-ab,  sicher,  liolops. 
ebd.  Er  het-en  h.  uf  de'  Bode  g'worfe'.  Sdlger. 
D'  Bire"  sind  h.  rif.  ebd.  Er  hed  h.  2  Zentner  treit 
GRh.;  Z.  ,Da  ganz  Europa  mit  den  Flammen  des 
Kriegs  ist  angsteckt,  ja  glychsam  h.  brünnt.'  Anf.  XVII., 
JJIrm.  Öppadie  h.  d'  Metti  g'sunge'.  Kornhofer  1679. 
,Ieh  sang  und  sprang  h.  während  meiner  Arbeit.' 
TJBRiGG.  ,üer  junge  Pfarrer  fieng  an,  beim  Gottes- 
dienst h.  zu  singen.'  ebd.  —  2.  „leicht  berauscht;  als 
Subst.  ra. :  leichter  Rausch  L." 

Syn.  hojM  (von  hopjxn,  hüpfen).  Unser  W.  scheint  eine 
Art  Verschmelzung  aus  hops  mit  der  Interj.  hoH(a).  Das  a 
bei  Stutz  ist  eine  nicht  seltene  Trübung  aus  o  vor  Liquiden. 
Vgl.  noch:  ,Die  puren  satztend  sich  dahin  [auf  den  Trink- 
platz] mit  wyb  und  kind  und  w.mn  unser  pfaffen  vesper 
sungend,  huobend  sy  gegenüber  an  zuo  pleren  und  holoss 
zuo  singen,  was  sy  vermochtend.'   Vad. 

Höll  s.  Hell 

haupt-höli°ge°  s.  h.-höchlingen. 

„Hoali:  Liebkosung  GoRh.  Er  hied-em  H.  g'macht. 
LuK.  15,  20." 

Zu  Grunde  zu  liegen  scheint  Ali  (Ali  Ap)  Bd  I  3,  mit 
vorgeschlagenem  *.  Oa  für  ä  auch  in  üfoa»«  der  selben 
Quelle;  sonst  hat  es  in  der  betr.  MA.  durchweg  den  Wert 
von  e'i;  da  aber  die  Int«rj.  äl  wahrsch.  nur  eine  Verdich- 
tung aus  «/  ist,  so  lässt  sich  St. 's  Hoali  auch  so  begreifen. 

hoila  =  holla!  W  (Tschein.).  —  Aus  lioi  (Sp.  860) 

Hui  n. :  Bett.  /"  d's  H.  ga",  zu  Bette  gehen  B  (Zyro) ; 
Syn.  Hol,  Hnli.  —  Die  Länge  des  u  wohl  unorganisch. 

hnll  h.!  Ruf  an  die  Schafe,  um  sie  vorwärts  zu 
treiben  GbL.;  GSa.;  Syn.  tscho!    Vgl.  hüll. 

huleige"  s.  holeien. 

Hulle"  I  f.:  sanfte  Eiusenkung,  Vertiefung  des 
Bodens  BR.;  Syn.  Tüllen.  Vgl.  Holen  IL  Als  Flurn. 
BLützelfl. 


H  u  1 1  i  n. :  (Dim.  des  Vor.)  =  Hol  1,  aber  auch  (in 
gemütlicher  Sprache)  =  Bett  B;  Syn.  Tuli.  Mir  wein 
1"  d's  H.,  wir  wollen  zu  Bette.  ,Ihr  Mann  habe  sich 
an  ihr  Bett  geschlichen,  sie  sei  aber  aus  ihrem  H. 
herausgefahren  und  habe  auf  ihn  losgedrescht.'  B 
Hink.  Bote  1871.  ,Er  schlief  in  seinem  Federnhuli.' 
B  Bauernkai.  1888.    ,Sie  habe  ein  warmes  H.'  Gotth. 

—  Beide  zu   ,hohl'. 

Hnlle"  n  f.  Bs,  „Hulli  m,  Bs",  Hülle"  f.  Gl; 
Gr;  „L;"  GoT.,  Wa.;  „ScHW;"  Uw;  „Zg",  Hülli  n. 
BHa.:  Hülle,  Umhüllung.  1.  Tuch,  womit  man  Wickel- 
kindern den  Kopf  wie  mit  einer  Haube  umwindet  Bs; 
BHa.,  Kindermütze,  bisweilen  mit  zwei  untern  Ver- 
längerungen, in  welche  die  Ärmchen  eingehüllt  werden 
Bs;  dick  wattierte  Fallhaube  für  kleine  Kinder  Gl; 
„L;"  Uw;  Zg;  Syn.  Bülen-Chappen.  S.  auch  Fäsch  I 
Bd  I  1097.  In  ä.  Spr.  Weiberhaube:  ,Die  kleidung 
der  töchter  Zion:  halsband  und  goller,  armspangen 
und  hauben,  Schleier  und  haften,  hüllen  und  jüntli.' 
1531/1707,  Jesaj.  ,Die  hüllen,  hauben,  sunder  der 
weibern,  vitta.'  Mal.  ,Wo  ist  das  ehrlos  weib?  Ich 
will  ihr  speuzen  auf  die  hüllen!'  ChrMdrer  1596. 
,Grossmutter,  gib  mir  du  dei  Kappe-Hülle  [zur  Co- 
stüraierung].'  1743,  L  Spiel.  —  2.  Stuck  Pelz,  (Dach.s-) 
Fell,  den  Zugtieren  zwischen  die  Hörner  auf  die 
Stirne  gelegt,  um  Druck  und  Reibung  des  Stirnjoches 
zu  mildern  Gr;  G  oT.  —  3.  grosses,  ungeordnetes, 
auch  die  Stirne  bedeckendes  Haar  von  Frauen  und 
Mädchen  GSa.,  Wa.  Meitli,  we  hast  du  au'''  e  Hülle", 
gang-di"''  ge"  sträle"  [kämmen]  GSa.  Daher  wohl  Hülle- 
Frau  [Popanz?].  PosTH.  1869.  —  4.  „Blässe  auf  der 
Stirne   des  Rindviehs    (grösser   als  ein  , Stern')    Gr." 

—  5.  „wurstförmiges,  z.  B.  mit  Hanf  ausgestopftes 
Säckchen,  dergleichen  die  Weiber  auf  jeder  Hüfte  be- 
festigen, um  ihre  Röcke,  die  oberhalb  zsgebunden 
werden,   über  den  Hüften  anzuschliessen  Schw;  Zg." 

Ahd.  hulla  (aus  hulja),  mhd.  hülle,  Kopftuch  der  Frauen. 
Bed.   2  —  4  lassen  sich  leicht  aus   1   ableiten,  5  aus  2. 

„Heiden-Hüllen:  =  Örli  i.  S.  v.  Kuchen  LE." 
Vgl.  Hulk  1;  Heiden  wohl  =:  Zigeuner.  Das  fahrende 
Volk  lebte  bekanntlich  oftmals  in  Saus  und  Braus;  vgl. 
Fecher-Kilchwih. 

i"-hulle":  einhüllen,  einwickeln,  z.B.  mit  einem 
Mantel  B  (Zyro).  —  Vgl.  ahd.  huUan  neben  htdjan,  hüllen. 

„Ge-hüll  n.:  1.  trübes  Ge  wölke  BSi.  —  2.  Spreu, 
Hülle   der  Getreidekörner   S."     Kehricht   überh.   SG. 

Zu  ,hüllen' ;  doch  kommt  auch  Zsgehörigkeit  mit  Ge-hilw, 
(Ge-)miw  in  Frage. 

g(e) -hüllet:  1.  ,mit  einer  hauben  angetan,  vit- 
tatus.'   Mal.  —  2.  zerzaust  in  Haaren  und  Kleidern 

ScHwNuol.    —    Vgl.   Huneit  1   und   S. 

Hu  lere"  s.  Huwleren,  hüle"  s.  hüwlen. 

(üs-)liüle":  (aus-) höhlen  GrL.;  SG.  ly  Herdwibli 
hei'  's  Öl  i'  g'hülte'  Nüsse'  mit-ne'  'brächt  S  (Schild). 

Zum  Voc.  vgl.  Hüli,  sowie:  ,Ein'°  felsen  hulen.'  1491, 
G  Mscr.     ,Ein  yngehulter  Schlund.'  ebd. 

Huli   (in  ä.  Spr.  bisw.  ohne  Uml.)    f.:    Höhlung. 

1.  Hohlraum,  Kubikinhalt  eines  Gemaches,  Geschirrs 
GrL.  ,Der  ein  teil  der  bärmueter  wirt  genennt  ein 
hüle,  gefäss,  schoss  oder  ein  geschirr.'  Rüef  1554.  — 

2.  Höhle,  höhlenartige  Wohnung  B;  S;  Uw;  W;  „Art 
Nest  oder  schlechte  Hütte  für  Bettelgesindel  B;  L." 
Fuchs,  F.,  US  der  H. !  Spiel  der  Kinder  =  F.  (chummj 


IIGI 


Hal-hnl.    Ilalb-liulb 


1102 


us-em  Loch!  SG.,  s.  Fuchs.  Wenn  z'  Liechtmess  d' 
Sunne'  schtnt,  so  viuess  der  Wolf  (Bär)  no'''  6  Wuche" 
i'  cV  H.  Schild.  ,Die  beiden  ligent  in  den  bülinen.' 
HsScHüRPF  1497.  ,Luff  zu  dem  tor  binuss  in  ein  huli.' 
ebd.  ,Das  locb  der  hüle.'  1531/48,  Josua,  neben  ,das 
hol.'  ,Ein  wyt  und  tiefe  bule,  die  ein  eingang  bab.' 
Kessl.  ,In  den  hülen  wonend  die  alfen.'  Tierb.  156.3. 
,In  den  bülinen  der  bergen.'  ebd.  ,Specus,  cavum,  ein 
hüle  oder  kluft,  tief  loch.'  Fris.  ;  Mal.  ,Die  murmel- 
tierlin  in  iren  hülinen  oder  löcheren.'  LLav.  1582. 
.Gleich  als  ein  low  aus  seiner  hüli.'  1587,  Jerem. 
,Aus  Hülen  stets  vil  Wind  ausfar.'  HRRebm.  16'20. 
, Hülen  und  Gruben  in  Hauptwunden,  darunder  sich 
Eiter  und  Unrat  setzet.'  Würz  1634.  ,Quies,  Hüllin 
der  Tieren.'  Denzl.  1677  =  ,Hölen.'  1716;  ,Hule.'  1677; 
1716.  S.  noch  Gätteri  Sp.  504.  In  Flurnn.  Hüli  LW., 
Hülle  BLaupecsw.  Ivi  HülU-Stei"  ZXS.,  Küti  (,iuj 
Hulistein.'  1503,  ,in  den  hulenstein.'  1345,  ,Hulstein.' 
1217);  vgl.  auch  ,Ruedy  Hylstein.'  c.  1450,  ScnwTugg. 
Hiüi-Bü,  Hügel  bei  ZNeft.,  einst  gallisches  Eefugium. 
—   Mhd.  huh.  ahd.  huli,   Höhle. 

Hülö'r  m.  (meist  PI.  H-e'):  diejenigen  Hunde  der 
Meute,  die  dem  Leitbund  (Sperzer)  folgen  und  dem 
Wild  durch  ihr  Heulen  Angst  einflössen  B  (Jäger- 
ausdruck). .Allen  voran,  wie  bei  der  Jagd  ein  Sperzer 
den  Hülören.'    Gotth.  —   Viell.  aus  frz.  hurkur,  Heuler. 

Hüeli  s.  Hiien. 


Halb,  helb,  hilb,  holb,  hulb. 

S.  auch   die  Reihen   Halm   usw.,   H„l„-  usw. 

Halb,  in  Gr  auch  Halb,  in  BO.  ^Helb'  -  PL  Halb 
BG.  —  m.:  Stiel  an  Äxten,  Hacken,  Spaten  „Aa;"  BG., 
Ha.;    „VO.;"   Gl;  GrD.,  Pr.,  Eh. ;    „S;"   Ndw;  W;  „Z." 

Mhd.  halp  (halbes),  PI.  helbe,  Handhabe,  Stiel ;  eiijl.  helve. 
Das  etyniolog.  Verhältniss  zu  dem  syn.  Halm  ist  unklar; 
Zugehörigkeit  des  obigen  W.  zu  halb  und  Vwdtschaft  mit 
UalJ'ierm  wahrsch.  Vgl.  auch  den  Z  Geschlechtsn.  .Holzhalb', 
früher  wechselnd  mit  ,-halni'. 

lialb:  1.  adj.  a)  alleinstehend.  H,  mi,  2  Mal  so 
viel  GA.  H.  und  h.  1)  von  2  Stoffen  gleich  viel,  von 
jedem  die  Hälfte,  zu  gleichen  Teilen  Ap;  Bs;  B;  L;  Z, 
z.  B.  von  Katt'ee  und  Milch  Z ;  Malvasier  und  italieni- 
schem Wein,  eine  Mischung,  welche  vormals  bei  Tän- 
zen und  anderen  Lustbarkeiten  beliebt  war.  H.  ic.  h., 
wie  me'  d'  Hund  schert  ScnSt.  (Sulger).  H.  u.  h.  vie 
Erlisbach,  ein  Dorf  bei  Aarau,  das  durch  den  Bach 
in  2  Hälften  geteilt  wird,  die  eine  zu  S  gehörend, 
katholisch,  die  andere  zu  Aa.  reformiert;  ebenso  ge- 
sagt von  TnDiessenhofen  und  AAWürenlos.  H.  ii.  h. 
vird  nie  ganz.  Iseichen.  H.  u.  h.,  die  Hälfte  der 
Hälfte  U.  —  2)  beinahe.  Es  ist  mir  halb  und  halb, 
er  hei  das  gseit,  ich  glaube  mich  zu  erinnern  Z.  —  ,Die 
mili  [Mühle]  in  der  A  ist  helbe  leben  von  dem  Ryche, 
helbe  von  Habspurg.'  c.  1321,  Alpenp.  ,Halbs  alts  und 
halbs  nüws  undereinander.'  1489/90,  Zellw.  Urk.  ,Te- 
pidus  homo,  lauw,  zag,  forchtsam,  lugg,  halb  auss, 
halb  inn,  kalthans.'  Fris.  ;  Mal.  S.  noch  gär  Sp.  396/7 
und  vgl.  noch  Halber.  —  b)  mit  Subst.  a)  attr.,  oft 
in  uneig.  S.  Von  Menschen:  En  halber  Narr,  s.  Giger 
Sp.  151.  ,Frustum  pueri,  ein  halber,  d.  i.  kleiner 
Knab.'  Denzl.  1677;  1716.  Von  Tieren:  , Zugelaufen  ein 
h-er  Hund.'  Z  Inserat  =  der  nur  noch  den  einen  Stein 


besitzt,  nach  anderer  Angabe  verschnittener  übh.  Zwo 
Jucherte'^  wird  Alles  si'  [mein  ganzer  Grundbesitz], 
chüm  [sc.  genug]  für  ne  halbi  Cime  B  (Scbwzd.). 
HaU)a''  Bock,  eine  Kuh,  welche  keinen  reichlichen 
Milchertrag  liefert  GRPr.  (MKuoni).  Ein  Wohnhaus 
,zu]n  halben  Löwen'  an  der  Kappelergasse  Z;  vgl. 
Isen-Grind  Sp.  765.  ,Diser  Mann  hat  einen  Baura- 
garten, dass  er  eine  halbe  Kuh  sürameren  und  win- 
teren möchte.'  Z  Mand.  1648.  ,Der  Capuoinergeneral, 
der  in  6  Jahren  alle  Provinzen  inuss  visitieren,  pflegt 
ordinari  auf  einem  halben  Maulesel  herum  zu  reiten.' 
ClSchob.  1699.  Von  Sachen:  mit  Bez.  auf  Wohn- 
räume, Häuser,  Scheunen,  Keltern,  übh.  Rechte,  ge- 
teilten Besitz  bezeichnend.  Es  halbs  Hüs,  s.  Hell 
Sp.  1136.  In  Z  unterscheidet  man  mit  Bez.  auf  die 
Grösse  .halbe'  und  ,ganze'  Weidlinge  [Schüfe].  I)e' 
h.  Tag,  diesen  Nachmittag  B  (Zyro).  Wann  dürfe"- 
mer  im  halbe'  Tag  [zwischen  den  Mahlzeiten]  über 
d'  Tischdrucke  [-Truhe,  wo  das  Brod  verwahrt  ist]? 
fragen  die  Kinder.  Gotth.  !''•  bi'  mi'''  halbe'  Weg 
g'roue',  beinahe  reuig  geworden  B  (Zyro).  In  adv. 
Gebrauch  auch  zsges.  und  dann  ohne  Flexion:  Halb- 
wegs,  auf  der  Hälfte  des  Weges  Bs.  P*  bi'  h.  um- 
kert  B.  .Halbes  Lehen',  Pachtgut.  dessen  Pächter  den 
halben  Ertrag  als  Zins  abliefern  muss.  ,Ir  halbes 
leben,  das  an  Mülihalden  gelegen  ist,  giltet  iärlich 
unserm  gottshus  halben  wyn.'  1356,  Z  Urk.;  s.  hiezu 
u.  Ibß;  2b;  3aY;  Halben;  ver-halben;  Halber;  Hai- 
bing;  Halb-Vich  Bd  I  649;  Halb-Meb;  ferner  Ztschr. 
f.  Schwz.  R.  IV  b  83;  Heusler,  Instit.  2,  172.  174.  ,Es 
soll  niemand  debeinen  halben  odermesserspiess  tragen.' 
1493,  S  Eatsverordn.  , [Gericht]  in  welchem  der  h.  teil 
[zur  Hälfte]  weltlich,  der  ander  teil  geistlich  richter 
verordnet  werdend.'  Zwingli.  ,Ir  [Sara  und  Agar] 
müessend  von  einandren  und  halben  teil  [die  Eine 
von  euch]  yetz  wanderen.'  Harerer  156'2.  ,Du  bist 
so  lyden  [schrecklich]  trag,  als  wann  du  schliefest 
halben  weg.'  Holzwart  1571.  ,Mein  Gut,  so  vil  's  den 
halben  Teil  inög  bringen.'  GGotth.  1619.  .Wann  aber 
auch  Kinder  von  einem  Geschwüsterte  erfunden  wur- 
den, es  wäre  von  einer  halben  Seite  oder  von  beiden.' 
Gr  VDorf.  1692.  ,Ein  halbes  Schiff  und  ein  Spitz- 
weidlig  [bezahlen  halb  so  viel  Zoll  als  ein  ,grosses'].' 
1754,  B.  Vgl.  noch  die  Zss.  Halb-Gemeinder,  -Herr, 
-Batzen,  -3Iäss  und  den  Geschlcchtsn.  , Halbeisen'. 
XVI.,  Z.  Zuweilen  kann  oder  muss  die  Verbindung 
von  ,h.'  mit  dem  folgenden  Subst.  umgesetzt  werden 
in:  die  Hälfte,  mit  Gen.  des  letzteren.  I"  der  halbe' 
Zu  Z.  Halbszit,  um  die  Hälfte  der  Zeit  Gl.  Die 
halbe'  Cldnd  verstund  [verstehen]  de'  Lerer  Nüt  Gl;  Z. 
Me'  chann  a'n  halben  Orten  niid  zueeho"  BBe.  ,Er 
[ein  Gefangener]  hatt  syne  kleider  zerhouwen,  an  ein- 
andren gebunden  und  sich  oben  usgelassen;  und  do 
er  kam  zue  halben  turn  [in  die  Mitte  des  Turmes], 
brachen  die  kleider.'  1476,  Bs  Chr.  ,Man  wümraet  wol 
halb  im  augstmonat  [in  der  Mitte].'  Bossn.-Goldschm. 
—  ß)  präd.,  z.  T.  mit  erstarrter  Flexion  und  scheinbar 
adverbial.  Halbe  lä  [du  musst  es  mir  zur  Hälfte 
lassen]!  ruft  Einer,  der  einen  Andern  bei  einem  glück- 
lichen Funde  trifft  und  Anteil  daran  begehrt  Sch. 
Vgl.  ums  Halbe  Sp.  513.  De'-  fernrig  Wi'  ist  no''' 
halbe"  do.  Schweizerbote  1819.  ,Er  gelt  jm  denn  vor- 
hin den  wanthowe  [s.  Wand-Hauw]  halben.'  Scn  Stdtb. 
.Verbrannten  die  vorstatt  lialber.'  1406,  Wegelin  1844. 
,Das  fass  ist  noch  nit  halber  Üs.'  Ruef  1540.    ,So  gat 


1163 


alb,  helb,  hilb,  liolb,  hulb 


lUU 


der  tag  weg  me  denn  halben.'  Aal  15^9.  .Partiarius, 
etwas  mit  eini  halb,  oder  an  halben  habende,  mit- 
genoss,  gemeinder.'  Fris.;  Mal.  ,Das  Brot  wohl  und 
recht  bachen  und  nicht  halber  Teig  lassen.'  Bs  Mand. 
1712.  —  c)  mit  Zahlen,  a)  vor  Grundzahlen,  meist 
bei  Angaben  der  TagesEeit.  Halbi  Ei"s,  h.  Vieri  usw. ; 
am  Halbi;  es  ist  erst  Halhi,  mit  einer  hinzugedachten 
Stundenzahl,  allg.  Auch  halber  ZF.f;  jetzt  nur  affek- 
tiert, fremdländisch.  Wil  er  öppe',  'we""-tne'-ne'  g' fraget 
hat:  Ruedi,  well  Zit  isch-es,  g'antwortet  hat:  Halber 
neun,  wie  's  d'  Prüsse'  im  Bruch  händ,  so  hät-men-em 
g'seit:  de""  Halber  Z  (Biedermann).  ,Um  die  halbi  vieri. 
am  abind.'  1500,  Z  Anz.  ,Umb  halber  neune.'  Zellw. 
Urk.  ,Auf  den  Abend  umb  die  halbe  drei.'  JJNüsch. 
1608.  ,Um  halber  3  Uhr.'  1755,  Z.  —  ß)  nach  Ord- 
nungszahlen. 1)  mit  ,halb'  im  gewöhnlichen  Sinn. 
Ander(t)halb,  das  Zweite  halb,  l'/a,  z.B.  anderhalbe 
Zentner;  anderhalbi  Mass;  anderhalbs  Pfund,  allg. 
Anderthalbs  und  Anderthalbs,  ztcä  und  drü  tind  Dritt- 
hdlbs,  wie  vil  ist  das?  Püp.  Scherzh.  A.  taub,  sehr 
zornig  AaL.  ;  A.-hübsch  [nicht  sehr  h.],  Spottn.  SRech. 
Zum  dritthalbe  Mal!  letztes  Äusgebot  bei  Steigerungen 
vor  dem  Zuschlage  Aa  (Schwzd.  III  7).  A.  Sind's  nüd 
800  Ouldi"  g'sl"?  B.  Nünthalbs.  Stütz.  ,Der  meier 
und  der  hirt  sollend  ze  obent  den  propst  mit  drüzehnt- 
halben  mann  ze  ross  geritten  verköstigen.'  BsBub. 
Oflfn.  ,Die  beschnittenen  marzell  [Münze]  einen  für 
vierthalben  Schilling,  die  halben  mailänder  dicken 
Pfennig  einen  für  achtendhalben  Schilling.'  1504,  Absch. 
,Uf  dritthalben  tag.'  Zwingli.  ,Sammt  einer  dritthalb- 
viertligen  Hanfpündten.'  Z  Kaufbr.  1606.  ,Dass  dise 
Kilch  haben  solle  dritthalben  Pfaffen,  wölliches  also 
zu  verstau,  dass  zu  oder  neben  dem  Pfarrherren  noch 
ein  anderer  Priester,  Helfer  oder  Caplan,  sammt  einem 
Schulmeister  da  syn  und  erhalten  werden  sollen.' 
1613,  L  Eatserkenntn.  ,Tusis  hat  bi  vierthalbhundert 
Personen  [Einwohner].'  1614,  Ardüser.  ,Anderhalb- 
mässig  Kanten.'  1659,  SchwE.  Klosterarch.  ,Vor  mehr 
als  vierzehendhalbhundert  Jahren.'  JMüll.  1665.  — 
2)  ,halb'  i.  S.  v.  selb-  bei  Angabe  der  Zahl  von  Mit- 
gliedern einer  Gesellschaft.  Halbander,  -dritt  ScnSchl., 
z'  halbriert,  -zwölft  ScnSt.  Joder  Hans  klagt,  wie  er 
,halb  zwölft  in  engem  Gemach  liegen  müsse.'  1672, 
EsTERM.,  Neud.  —  2.  adverbial,  a)  alleinstehend,  meist 
in  erstarrten  Casusformen,  doch  auch  ohne  End.  Vgl. 
1  b  ß.  Es  ist  nüd  halb  eso  g'förli'''  Z.  Es  ist  do  nid 
halbs  Erist!  GBl'r.  (Schwzd.).  , Halbe"':  Eine"  h.  us- 
halte",  zu  gleichen  Teilen  mit  Jmd  Unkosten  tragen 
ScHW.  Nw  h.  traue"  Z.  H.  uf-em  Sprung,  im  Begriff, 
Etwas  zu  tun.  ebd.  Ich  dürste  nümme  h.  so.  Stütz. 
Es  schüdret  mi''>  h.  JKMey.  1844.  ,Halber':  Springt 
uf,  a's  wenn  er  wott  h.  vertlaufe".  Allem.  1843.  I  ha  's 
h.  im  Sinn  g'hä  Aa.  Friisch  dra  —  ist  h.  g'sptmne" 
AAZein.  Herzhaft  gwogt  und  nit  lang  b'sicnne*,  isch 
jo,  satt  me,  h.  gwunne'.  Raüracia  1862.  Er  het  Freud 
g'ha'  h.  a'  dem  Wunder,  h.  a*  si'^r  chindische'  P'bildig. 
BWyss.  ,[Das  Spotten]  was  inen  nu  vergangen  halber.' 
Spruch  von  Dornach.  ,So  der  lyb  h.  tod  ist.'  Zwingli. 
,H.  hast  mich  überredt.'  Rüef  1550.  ,Also  dass  man  sy 
mit  einem  kolben  h.  ze  tod  schlahen  muoss.'  Tierb.  1563. 
,H.  blind.'  Fischb.  1563.  .Krank,  ja  h.  todt.'  JELandenb. 
1608.  ,Wo  man  schon  halbers  gfangen  sei.'  Gotth.  — 
b)  mit  der  Präp.  ,zu  (ze)'.  Vgl.  3  a  y.  Z'  halb  B;  Z, 
z'halbe"  Aa;  Schw;  z'halbem  Aa;  B,  zur  Hälfte,  um  die 
H. ;  „z'halb  mi'',  ein  Mal  so  viel."    ,Ich  traue  der  Sache 


nicht  z'h.!'  JSenn.  ,Man  war  nicht  nur  z' halb  bas 
[um  die  Hälfte  besser  daran],  sondern  noch  einmal  so 
wohl.' Gotth.  ,Z'H-em  reicher.' Gotth.  Aber  in  bes.  S.: 
D'  Sach  z'  H-em  arbeite"  =  so.  dass  die  Hälfte  des  Er- 
trags dem  Arbeiter  zufällt  B  (Zyro).  —  3.  subst.  a)  ntr. 
a)  ohne  Art.  Bas  ist  weder  H-s  na  [noch]  Ganzes  Z. 
—  ß)  meist  mit  unbest.  Art.  E  H-s,  eine  halbe  Mass 
eines  Getränkes,  allg.  Dimin.  (in  traulichem  Ton): 
Halbseli,  Hälbsli;  vgl.  3  b.  ,Ein  Schoppen  Wein  oder 
ein  Halbs  Most.'  Sch  Pilger  1850.  Mit  eme"  alte  Halbs 
Most.  Th  Volkszeitg.  p''  will  i  [Geld]  zuo-me  Halbe 
g'e",  wenn-er  mer  das  errotid.  Merz  1836.  ,Wie  war  's, 
wir  tätend  hie  ynkeren;  ich  zalen  ein  Halbs.'  Esther 
1601.  ,Wyl  in  der  Gruob  die  Mess  vorgät,  sitzend 
dann  etlich  Gesellen  underzwüschent  ins  Wirtshus, 
neramend  ein  Halbs  und  sitzend  dann  bei  einandere, 
bis  die  Predig  auch  us  ist'  1613,  Au  Synodalakten. 
Da  hast  dine  fünf  Angster  für  das  Halbs  Win.  Göldi 
1712  (T.).  —  t)  mit  best.  Art.  's  H,  die  Hälfte  von 
irgend  einem  Ding;  vgl.  2  b.  's  H.  ist  mängmol  hesser 
als  's  Ganz.  Sülger.  D's  ('s)  H-e  [um  die  Hälfte] 
z'  tür  B;  S.  Es  brächt  d's  H-e  me  B.  Es  feit  nüd 
's  H,  nid  um  's  H.  (so  sind-mer  fertig;  so  hast  Recht; 
so  isch-es  lang  g'nueg  udgl.),  die  Sache  ist  ziemlich 
richtig,  doch  oft  iron.  =  es  fehlt  noch  ziemlich  viel! 
Z  (daneben  auch :  um  's  H.).  Es  felt-em  nüd  's  H.,  es 
geht  ihm  gut.  ebd.  Mi''  Frau  ist  scho"  uf  em  Halbe,  in 
der  Hälfte  der  Schwangerschaft.  Wolf,  Bauerngespr. 
,Ich  will  gern  mit  dir  im  Halben  bezahlen  [die  Be- 
zahlung zur  Hälfte  teilen].'  HPest.  1783.  Von  der 
sog.  Halbpacht  (auch  etwa  als  Msc).  ,Wenn  ein  Gottes- 
hausmann nur  1  Haupt  Vieh  hinterlässt  und  auch 
dieses  ihm  nur  zum  H-en  gestellt  ist.'  1523,  Absch. 
IV  1  a  298.  ,Was  ein  Lehenherr  für  Recht  habe  zu 
des  verüffalleten  Lehenmanns  h-em  Wyn,  wann  er 
[der  Letztere]  um  's  H.  bauen  [hat].'  1569/1675,  ZKyh. 
Grafsch.-R.  §  153  (s.  d.).  ,Kein  Hindersäss  soll  weder 
umb  Zins  noch  umb  den  H-en  Vech  nemen.'  1607,  U. 
,Hieneben  aber  wollend  wir  den  zimlichen  und  ge- 
wohnten Bruch,  da  man  einanderen  das  Vych  in  H-em 
gibt  und  zuostellt,  nit  gemeint  noch  verbotten  haben.' 
B  Eeformationssatz.  1628.  Vgl.  Gott  Sp.  513;  hestän, 
und  s.  0.  1  b  a.  —  b)  fem.,  meist  mit  unbest.  Art. 
1)  eine  halbe  Mass,  Flasche,  bes.  von  Wein  Bs;  BS.; 
Gl;  S;  Uw;  U;  Z.  Manneli,  Fraueli  Hochzit  ha". 
Chumm,  mer  wei  [wir  wollen]  es  Schöppeli  ha"!  Schöp- 
peli  ha"  isch  nani  [noch  nicht]  g'nue",  es  mues  wo'* 
es  halbs  Hälbeli  zue  B.  —  2)  eine  halbe  Juchart  SL. 
Die  unter  1  b  a  vorkommenden  losen  Verbindungen  mit 
Substt.  sind  z.  T.  etw.  verschieden  von  den  entsprechenden 
Zss.,  z.  T.  aber  mit  den  Letztern  ziemlich  gleichbed.  —  Die 
flektierten  Formen  unter  1  b  ß  sind  nicht  nur  erstarrte,  son- 
dern in  Folge  davon  auch  verschobene  Casus  und  nehmen 
eben  darum  auch  den  Schein  von  adverbialem  Gebranch  an, 
wie  sie  denn  auch  da,  wo  dieser  wirklich  stattfindet  (s.  2), 
noch  reichlicher  auftreten.  .Halber'  erscheint  auch  bei  den 
Angaben  der  Tageszeit  (1  c  a)  und  wird  dort  ebenso,  d.h. 
aus  adverbial  erstarrtem  Nom.  Sg.  m.,  zu  erklären  sein. 
Das  in  der  lebenden  Sprache  vorkommende  halbi  vor  Grund- 
zahlen wird  urspr.  Neutr.  PI.  sein  (-i  aus  mhd.  -iu,  -e); 
Tgl.  acht  Bd  I  82.  Der  u.  1  c  ß  1  angeführte  Gantruf  stammt 
aus  einer  Gegend,  in  welcher  die  Zss.  mit  den  Ordnungs- 
zahlen sonst  nicht  üblich  ist  und  darum  ,dritth.'  falsch  ge- 
deutet wird  als  , dritt  und  h.'  Wirklich  lässt  der  Weibel 
zw,  .dritt'  und  .halb'  eine  Pause  eintreten,  nnd  wenn  er  sich 
veranlasst  sieht,  den  Kuf  nochmals  aufzunehmen,  lautet  er: 
.Zum  1.,  zum  andern,  zum  3.,  zum  3.  —  zum  dritth-e  Mol!' 


11G5 


HaUt,  helb,  liilb.  holb,  luilb 


1160 


was  zu  dieser  Auffassung  stimmt.  Der  seltsame  Gebrauch 
von  halb-  für  selb-  vor  Ordnungszahlen  (1  c  ß  2)  erklärt  sich 
Tiell.  z.  T.  aus  der  lautlichen  Ähnlichkeit  der  beiden  WW., 
bes.  bei  undeutlicher  Ausspr.,  welche  durch  die  Unbetontheit 
befördert  wird.  Schwierig  scheint  die  Entscheidung,  welche 
Fälle  zu  2  b  und  welche  zu  3  zu  stellen  seien,  da  die  ver- 
stümmelte Präp.  (z')  wenigstens  in  B  MA.  lautlich  sich  deckt 
mit  dem  sächlichen  Art.  Bei  3  a  ß  ist  bemerkenswert  die 
Verbindung  des  best.  Art.  mit  der  starken  Flexion  ,das 
Halbs'  (1712),  welche  jedoch  nur  beweist,  wie  fest  geworden 
der  subst.  Gebrauch  mit  nnbest.  Art.  in  jener  Bed.  schon 
seit  älterer  Zeit  sein  musste. 

un-halb,  nur  in  den  EA.\.:  1.  z' u'halhe'  clio", 
in  Wortwechsel,  Streit  mit  einander  geraten,  sich  ent- 
zweien; auch  von  entgegengesetzten  Winden,  die  auf 
einander  stossen  W;  Sjn.  2' hinder für  cho*,  sich  zer- 
uerfen.  —  2.  z'  unhalbe'  gä",  zu  Grunde  gehen,  ver- 
derben BR.     Wa  [wo]  l'en  Ornig  ist,  geit  Mängs  z'  u. 

Beide  RAA.  scheinen  von  der  Anschauung  auszugehen, 
dass  Teilung  eines  Besitzes  zu  Hälften  ein  friedliches,  freund- 
liches A'erhältniss,  gütliche  Verständigung  der  betr.  Personen 
voraussetzt  oder  verrät,  wie  denn  auch  die  nnter  lialb  3  b 
am  Ende  angeführten  Formeln  mit  ze  halben  einen  vertrags- 
mässigen  Zustand  bedeuten.  Da  Teilung  zu  Hälften  ein  .ge- 
rades' Verhältniss  bedeutet,  so  ist  auch  der  bildl.  Gebrauch 
von  ,ungrad'  i.  S.  v.  ,uneinig'  zu  vergleichen.  Doch  Hesse 
sich  auch  annehmen,  dass  ,z'  h.  kommen'  an  und  für  sich 
schon  die  angegebene  Bed.  habe  (vgl.  ,sich  ent-zweien',  in 
2  Parteien  aus  einander  fallen),  und  dass  das  Präf.  von  Aus- 
drücken wie  ,un-eins'  hergenommen  und  zur  Verdeutlichung 
des  negat.  Begriffs  tautologisch  vorgesetzt  worden  sei. 

Halb  f.:  Seite,  Richtung;  Beziehung;  Ursache; 
nur  als  adv.  erstarrter  Casus  andern  Wörtern  nach- 
gesetzt oder  mehr  und  weniger  lose  mit  ihnen  zsgefügt, 
in  den  Formen  -halb,  halben,  -halber.  1.  rein  räum- 
lich (selten  zeitlich):  von,  nach,  auf  der  betr.  Seite, 
Kichtung,  z.  B.  rechtshalber  'em  Weg,  auf  der  rechten 
Seite  des  Weges  S.  Dorfshalbe",  nach  der  Seite  des 
Borfes  hin  L.  Gege'  dem  Hüs  halbe",  gegen  das  Haus 
hiu;  gege'  mir  h.  Ndw.  ,Das  fleusst  gegen  morgen, 
Assyrien  halb.'  Z  Bib.  1531/60;  =  ,auf  A.  zu.'  1667. 
,Die  2  nächsten  dörfer  Rheins  halben.'  Wurstisen. 
,Die  Steinbrecher  der  Strassen  und  Wege  halber  [an 
der  Seite,  längs]  bis  an  die  Landstrass.'  1770,  GRh. 
Hieher  vielleicht  auch  der  Geschlechtsn.  ,Felzhalb', 
wenn  Felz-  aus  Feldfejs  zu  erklären  ist.  —  2.  über- 
gehend in  freiere  Anwendung  auf  Personen,  persön- 
liche Eigenschaften  und  Verhältnisse,  a)  „Vater-, 
Mueter-h.,  von  Seite  des  V.,  der  M."  ,Jetz  habent 
dank,  unser  kilchere!  der  unser  halb  ist  gewesen  und 
uns  so  wol  hat  gredet.'  XIV.,  Alem.  II  32.  ,Menglichs 
halb  unverhindert.'  XV.,  Bs  Chr.  ,Wir  sind  guoter 
hoft'nung  zuo  Gott,  den  krieg  bald  ze  enden,  ob  Gott 
will  unserthalb  mit  glück.'  1531.  Strickl.  ,Georg  von 
Fronsperg,  ritter,  welcher  sich  by  den  buren  stellet, 
als  wer  er  irenthalb.'  Kessl.  ,Mercurius:  Ade,  Herr 
Hans,  ich  fahr  dahin.  Archisacerdos:  Bitt,  wöllent 
all  Zeit  mynthalb  syn.'  Com.  SBeäti.  ,TJmb  den  scha- 
den, so  sy  jetwederthalb  von  der  stössen  wegen  hant 
gehebet,  da  soll  schade  gen  schaden  abi  und  hin 
gestrichen  syn.'  1376,  L  Urk.  —  b)  Altershalbe'  [dem 
A.  nach]  chönnt  er  no'^  lang  lebe'  B;  GF.,  G.;  Z.  Si 
ist  cheus-halber  na  [noch]  e  Jumpfer,  Wittfrau,  noch 
ledigen  Standes,  doch  nicht  keusch  ZGlattf  (spöttisch). 
Er  ist  ch.-h.  na  ledig,  Wittlig,  von  einem  alten  Jung- 
gesellen   oder   einem  Wittwer.   ebd.     , Lebens   halben 


sind  wir  nicht  besser  als  sie.'  JMüll.  1665.  ,Satan 
ist  syner  natur  halb  ein  geist.'  LLav.  1569  =  ,8.  N. 
nach.'  1670.  .Geschlechtshalben  ein  N.'  Schimpfr.  1651. 
,Schaden(s)  h.  (sein,  lassen)',  im  Schaden,  Nachteil. 
GoTTH. ;  s.  noch  be-grasen  Sp.  798.  ,Sy  gewinnen  die 
statt  nicmerme  sturms  halben  [mit  St.].'  1474,  Bs  Chr. 
Mit  Gen.  eines  Inf.  A"luege's-h.  [von  Aussehen]  ist 
er  g'sund  GF.  Chlagens-h.  sin,  zu  klagen  haben  B. 
jrh  j,-.  igttgts  halb,  rogo  te  majorem  in  modum.'  Id.  B. 
.Desshalb  die  unsern  wychens  halb  worden  [zu  wei- 
chen anfiengon].'  1531,  Strickl.  —  3.  in  Betreff  von..., 
mit  Rücksicht  auf...  a)  meist  von  Sachen.  Wenn 's 
Wetters -halb  z'  machen  ist,  wenn  das  W.  es  erlaubt 
B  (Zyro).  ,Ein  copye  der  geschrift  halb.'  1474,  Bs 
Chr.  ,Nüwer  mär  halb  füeg  ich  noch  zu  wissen.' 
1475,  ebd.  ,Also  sind  weder  hüser  oder  nützit  ge- 
schediget,  weder  holzhalb  oder  sust.'  1475,  ebd.  ,lch 
Ion  üch  wissen  neuwerleis  halb,  dass  der  kunig . . .' 
1532,  GScuERER  1859.  Dessethalb(e")  Z.  ,Ich  hab  rats 
gefragt  dessethalb.'  JRLandenb.  1608.  ,Will  desset- 
halb  kein  Kommer  han.'  G  Gotthart  1619.  ,Der- 
halben  [in  dieser  Hinsicht]  hast  du  vollen  Gwalt  zu 
tun  und  z'  handien,  wie  's  dir  g'fallt.'  ebd.  , Ansehend 
das  Pflanzen  des  Holzes.  Dessthalben  ist  beobachtet 
worden,  dass  .  . .'  B  Forstordn.  1725.  —  b)  seltener 
von  Personen.  ,Herre  Romulus  halb.'  1477,  Bs  Chr. 
,Zu  disem  Rechten  wurden  auch  der  Eidgnossen  lialb 
und  in  aller  Namen  gesatzt . . .'  Schilling.  —  4.  aus 
Ursache,  zum  Zweck  von,  wegen.  Bete'sthalbe"  gast 
nid  s'  Chil''''e',  aber  luege'sthalber  L  (Ineichen).  F'' 
macht  nW  wundershalben  rmal  ine',  um  meine  Neu- 
gierde zu  befriedigen  Z.  ,Die  Fischmercht  besucht 
wundershalber.'  RCys.  „Er  darf  crethalbe"  nit  änderst'' 
UwE.;  Z.  Schande"-  GG.,  Sa.;  ScnSt,;  UwE.;  Zg;  Z, 
schandes-  LHabsb.,  schands-  Z,  -Imlli  <i<  1.,  Sa. ;  ScnSt. ;  Z, 
-halbe' Z,  -thalbe'  UwE.,  -halber  (J(_i.;  Zg;  Z,  -thalber 
LHabsb.,  um  Schande  zu  vermeiden  (Etw.  tun),  also 
oft  ziemlich  gleich  eren-h.  Er  häd  seh.  müesen  Öppis 
ge',  um  nicht  für  einen  Knauser  gehalten  zu  werden  Z. 
!'>•  drn-f'^  ^rh.  schier  qnr  vi'id  fsiiric  Z.  Vcrsiirchahalhc'. 
ver.snrli,«ri,r  y.>[.]t.'  .T^inlnilh' ,lrr  l.nln,  \,in.  Mall-rl 
ant;ui-lirlir„  \',-r...nru.  in  Knniui-l.ni- rin,,^  l'H..,.-,-n| 
hat  nuiu  mich  bcrufcu'  U  (Z.\n.).  l''  g'Iwrc  tunhtilb 
d'r  Lüten  o  zue  dem  grosse  Tschuppe  B  (Schwzd.).  ,Sy 
zugen  durch  die  owen,  darin  sy  gestüdshalb  [wegen 
des  Gestäudes]  nicht  mochten  schowen.'  Schradin  1500. 
,Es  gieng  grosser  kosten  uf  die  stadt  kriegshalben.' 
1514/85,  Bs  Chr.  ,So  personen  lybshalb  [leiblicher 
Gebrechen  wegen]  nit  für  gericht  kommen  möchtent.' 
1556,  LKriens  Anitsr.  .Alter  oder  krankheit  halb  irs 
lybs.'  1476,  Bs  Chr.  ,Fridens  halb.'  1476,  ebd.  ,Die- 
wj'l  aber  der  menschlich  lyb  erstirbt,  da  muess  er 
nothalben  widerum  ersten.'  XVI.,  G  Hdschr.  ,Aus 
welchem  nothalben  folgen  muess.'  TuFrikart.  ,Die- 
wyl  dann  die  liebe  ein  notwendig  stuck  ist,  deren  sich 
alle  die  nothalben  flyssen  müessend,  die  da  Christen 
syn  wollend.'  1555,  RGualth.  ,Dass  Alle  bekennen 
mussten,  dass  er  nothalben  vom  Geist  Gottes  musste 
regiert  werden.'  FWvss  1650.  ,Unmuosshalben',  wegen 
Mangel  an  llusse,  Zeit.  ARtpf.  S.  noch  Gefrist  Bd  I 
1335.  —  Von  Personen :  vünfcjt-  B;  GSa.;  ScnSt.;  Z, 
mis-t-h.  Gl.  ,Du  kannst  lucincflKilbon  machen,  was 
du  willst.'  Gotth.  JSliiiiihnlU  rh.i-'.tt  ga',  wo-t-witt, 
ich  hindere  dich  nicht  /..  N/  //'(./.■•  Kingsthalh  lang 
bös  g'hä",  der  Kinder  wo;,'i-n.    (Innn.     .l^aniit  unwill. 


1167 


Hall),  hell.  hilb.  holb,  hulb 


1168 


die  uns  nwerenhalb,  als  unsein  brucclern  und  herz- 
fründen,  ganz  missfallen,  gemitten  wurden.'  Ansh. 

Das  hier  zu  Grunde  liegeude  Snbst.  war  ursiir.  wohl  mir 
das  subst.  gebrauchte  Fem.  des  Adj.  i.  S.  v.  ,die  Hälfte  eines 
zweiseitigen  Körpers',  ist  aber  nun  freilich  in  Form  und 
Bed.  verschieden  von  dem  subst.  Ualhi  als  Hohlmass  von 
Flüssigkeiten  (halb  3  b)  und  von  Nalbu.  Die  adv.  Form 
-hiilber  (neben  -halb  und  -halb/:')  ist  hieher  übertragen  von 
der  gleichlautenden  erstarrten  Adv.-Fi)vm  des  Adj.  —  Der 
Unterschied  zwischen  den  oben  vi  i  i,.  li-w.  i-.  angesetzten 
Bedd.  (1:2,  2:3,  3  :  4)  ist  s.-lm  ■,  mid  durch 

leichte  Übergänge  vermittelt.  —  In    :   i  .i  :  i,  \  irbindung 

cheug-halber  setzt  der  1.  Teil  gewulii.ii.iiti  l,.iutiegcl  gemäss 
ein  W.  Chü  bzw.  Chün  voraus,  welche  aber  nicht  vorhanden 
sind.  So  wagen  wir  die  von  lautlicher  Seite  noch  einzig 
statthafte  Vermutung,  das  W.  (spr.  chüü)  sei  zunächst  nach 
dem  in  Fromm.  Ztschr.  VII  18  f.  365  entwickelten  Gesetze 
aus  'chönns  hervorgegangen,  dies  aber  eine  durch  scherzhafte 
Kede  viell.  entschuldbare  Synkope  des  Inf.  chönne's.  Der 
ganze  Ausdruck  würde  also  bedeuten  :  ,der  Möglichkeit  nach'. 

obc-halb:  Adv.  und  Präp.  mit  Dat.  Obehalb-evi 
Bäum  Ndw.  Auch  obed-,  ohert-h.,  auf  der  obern  Seite 
Ap.    ,Obrent-.'  1417,  Absch.    ,Obert-.'  Eüegek  1606. 

alle°t-.  Schmiere'  tmd  Salbe'  hilft  a.,  in  allen 
Fällen,  bei  allen  Gelegenheiten  (Sprw.).  Sonst  nicht 
recht  volkstümlich;  dafür  zentumme  (s.  Bd  I  316). 
Übergehend  in  den  Begriff  der  Verallgemeinerung 
übh.:  ,Allenthalb  nützit.'  1476,  Ochsenb.  190.  .Nimm 
die  Purgation  yn  im  ersten  Donstag  im  nüwen  Mon; 
dann  zu  der  Zyt  öffnet  sich  des  Menschen  Lyb  allend- 
halben.'  c.  1650,  ZElgg.  Arzneib. 

ene''t-,  in  Ap  enert-,  in  Gl;  GrD.  en-:  jenseits, 
Adv.  und  Präp.  mit  Dat.,  z.  B.  enhalb  de'  Berge'  GrD. 
Enncrt-,  einerseits,  in  der  V'erbindung:  e.  G'schuii- 
slerig,  Halb-,  Stiefgeschwister  Ap;  „Gl"  ;  Syn.  andert-h. 
,Acher,  stosset  enhalb  an  burggraben.'  LWill.  Jahrzeitb. 
.Enhalb  der  Brücke.'  1363,  Aa  Urk.  ,An  der  Rüs  end- 
halh  Oberlunkhofen.'  1398,  ebd.  ,Ginhalp.'  1381,  Gpo. 
Ges.  ,EnderthaIb  des  wassers.'  1336/1446,  Z  Chr. 
.Enthalb  Eyns.'  Lenz  1499.  ,Jenenthalb  dem  Brünig.' 
1522,  Strickl.  .Enthalb  dem  Rhyn.'  ValTschüdi  158.3. 
.Transmittcre  literas  papyrus  dicitur,  durchfliessen, 
dass  man  die  buechstaben  ennerthalb  sieht'  Fris.; 
Mal.  , Enthalb  von  Jerusalem.'  Eckl.  1575  =  ,jenseit.' 
1736.  ,Ennethalb  des  Arlibergs.' 1599,  Ardüser.  ,Ihent- 
halb  dem  Genfersee.'  RCts.  .Änethalb  dem  Fahre.' 
XVn.,  Lied. 

S.  enent  Bd  I  266.  Als  Flurn. :  ,Enhalber  Wald'  Gl 
Bettschw.  Die  Angabe  von  T.  253  a:  ennerihalb  =  einer- 
seits, 168:  ^  jenseits,  soll  viell.  nur  die  Verbindung  mit 
GencMeüsterig  erklären,  wo  das  Adv.  i.  S.  v.  .von  der  andern 
Seite'  (z.  B.  von  Seite  des  Vaters)  natürlich  auch  den  cor- 
relativen  Begr.  ,von  der  einen  (z.  B.  von  Seite  der  Mutter)' 
einschliesst  und  je  nach  dem  Gesichtspunkt  mit  diesem  ver- 
tauscht werden  kann.     Vgl.  ein-h.  und  ander-h. 

ein-:  Adv.  1.  von  der  einen  Seite.  Einthälb  va' 
Natcrs,  andersUs  va'  Goms  W.  ,Von  des  Dorfes  wegen 
Urswyl  einhalp,  und  dien  geistlichen  lüten  des  huses 
ze  Honrein  anderhalp.'  1347,  Gfd.  ,Ein  juchert  reben 
stossent  oinhalb  an  der  Augustiner  guot,  anderhalb 
an  N.  N.'s  guot.'  1377,  ZZoll.  Von  Verhältnissen  der 
Blutsverwdtschaft:  Einthälb,  von  Seite  der  Mutter. 
im  Gegs.  zu  andersits,  v.  S.  des  Vaters  W.  ,Küng 
Heinrichs  brueder  einenhalb  [Stiefbruder].'  Vad.  So- 
dann adj.  flektiert:  „Einhalbe  Geschuisterte,  welche 
nicht  den  selben  Vater  haben  Gr."  Syn.  einbändig. 
Vgl.  encnt-h.     .So   sich   begäbe,    dass  ein  Person  den 


Vater  oder  die  Mutter  hinderliesse  und  einhalbe  Ge- 
schwüstcrte.  so  sollend  die  einhalben  Geschwnsterte 
neben  Vater  oder  Mutter  zugelassen  werden  [zum 
Erben].'  GRVDörf.  1692.  —  2.  jenseits  GrD. 

Zu  2 :  das  Zahlwort  .ein'  kann,  zunächst  im  Gegs.  zu 
.ander',  dann  auch  alleinstehend,  die  Bed.  .jener'  annehmen 
(Bd  I  270).  daher  schon  mhd.  einer  =  .jener'. 

inne"-  U,  innert-  Ap:   inwendig;  Syn.  innen-für. 

ander-:  l.  =  enet-h.,  jenseits  Sch  (St.'').  .Uffen 
einer  bürg,  diu  da  lyt  anderthalp  dem  Rync.'  1296, 
Eglis.  Urk.  —  2.  Anderhalb -Gschtoüsterig,  Halbge- 
schwister Apü.;  Syn.  ennert-,  ein-h. 

und  er-  ändert-:  unten  Ap. 

Ant-:  entgegengesetzte  Seite,  gegenüber  liegendes 
Ende  eines  Ackers  Aa  oEnd..  häufiger  als  das  syn. 
Änt-Haupt. 

usser-  U,  ossert-  Ap:  1.  (rein  räumlich)  ausserhalb; 
auswendig;  auswärts.  ,So  sich  die  Sachen  bhouptet 
haben  usserhalb  [anderswo].'  Zwixgli.  ,Man  soll 
usserthalb  disem  zyt  [dieser  zeitlichen  Welt]  niemen 
für  einen  fürbitter  anrüefen  weder  den  einigen  Chri- 
stum.' ebd.  .Das  stübli  ward  mit  starken  schlossern 
ussernhalb  verwart.'  1534,  ÄgTschüdi.  .Die  künst  bass 
zimmend  in  ein  statt,  dann  ussthalb,  da  man  's  niener- 
für  hat.'  EüEF  1550.  .Ausserthalb  der  Stadt.'  Mem. 
Tig.  1742.  —  2.  übergehend  in  die  abstraktere  Bed. 
von  über  eine  rechtliche  Grenze  hinausgehend,  sie 
überschreitend.  .Herdfällig  machen  usserhalb  der  tro- 
stung  [nachdem  .Tröstung'  versprochen,  also  darüber 
hinaus  gehend,  entgegen  dem  Versprechen]'  verschuldet 
dreifache  Busse.  1533,  Absch.  .Da  Karl  IV.  vil  ausser- 
halb gwalts  verkauft  und  versatzt.'  Vad.  —  3.  aus- 
genommen, mit  Ausnahme  von  . . .  (mit  Gen.  u.  Dat.). 
.Usserhalb  dess.'  1524.  Absch.  Der  Abt  kauft  die 
Güter  .ausserhalb  der  mannschaft  [mit  Ausnahme  des 
Mannschaftsrechtes].'  Vad.  .Ausserthalb  ihm  werde 
Niemand  kein  Leid  beschehen.'  JJBreit.  1611.  .Usser- 
halb den  vorbehaltenen  Personen.'  Z  Mand.  1628. 
.Usserhalb  der  Begrebnus.'  1643.  Absch.  V  2.  1606. 
.Ausserhalb  was  hie  oben  erläutert  steht'  ebd.  .Usser- 
halb den  Frömbden.'  Z  Mand.  1650. 

fön-,  .pfön(t)-':  südwärts.  XVL,  Gr  Urk.  Vgl. 
bisen-h.,  wind-h. 

vor-:  l.Präp.  mit  Dat.  auf  der  Vorderseite  von...  Z. 
.Vorh.  der  Schlattalpen  Runs.'  1571.  Steinm.  1802.  — 
2.  Adv..  vorn.  .Der  Eid,  wie  solcher  vorthalb  folio  22 
verschriben.'  1739.  Schw  LB. 

vorder-  voder-:  auf  der  Vorderseite  Ap. 

vorne"-:  weiter  vorn,  mit  Dat.  Vornethalb  'em 
Baum  Ndw. 

hie-:  diesseits,  herwärts  Gl;  Gegs.  en-h. 

hönna-,  hender-:  auf  der  hintern  Seite  Ap.  Hen- 
der-h.  dem  Hüs. 

litze»-.  litzi-:  auf  der  Schattenseite  Gk.  Server 
litzi-h.,  auf  der  Nordseite  d.  Davoser  Sees ;  vgl.  sunnen-h. 

neben(t)-:  daneben.  1.  räumlich.  .Den  Wyn  ab- 
gelassen in  das  Fass  nebenthalb.'  ZZoll.  1712  Herbst- 
rodel. Syn.  neben-zue,  -für.  .Im  Land  und  nebenthalb 
[in  der  Umgegend]  zu  lehren  und  zu  predigen.'  1711. 
ilRoHNER.  —  2.  abstr.:  sonst,  im  Übrigen.  , [Niemand 
wollte  Etwas  entgegnen]  wiewol  sy  sust  nebenthalb 
heftig  Christum  lästrend.'  Zwingli. 

nid-:  unterhalb.  .Aller  der  Herrschalten  nithalb 
dem  Wallensee  gelegen,'  Informatio  1713. 


Halb,  helb,  liilb,  holb.  hulb 


iiords-:  auf  der  Nordseite  Ap. 

beider-,  Udcr(t)-:  1.  Adv.,  auf  beiden  Seiten 
AAFri.;  Ap;  Bs  (-e');  h.  .BcdenthalpS  in  beiden  Fällen. 
Boner.  ,Beiderthalben  hin,  an  beide  ort,  utroque.'  Mal. 
—  2.  Adj.  .Etliche  blieben  neutral,  d.  i.,  wie  wir  zu 
reden  pflegen,  beiderthalbe.'  Wukstisen.  —  3.  Subst. 
m.  (-Halb  kkVxi.;  ,Z",  -Halbe' Bi),  auf  beiden  Seiten 
herunterhangender  Sack,  Zwerchsack;  Syn.  Räfzen- 
Sack.  Jedem  hangt  e  Bederthalben  a".  Hebel.  Solche 
Säcke,  mit  einer  Schlitzötfnung  in  der  Mitte,  werden 
noch  von  hausierenden  Sanienhändlern  getragen  BsLd. 
Nach  Spreng  wurde  das  W.  auch  in  ,Peters-h.'  um- 
gedeutet. 

Zu  2  vgl.  nhd.  .Achselträgcr'  und  mhd.  bedenihalbaere, 
qui  favet  utrisque,  metecus.  Bei  ,Peters-h.'  wurde  wohl  an 
Gallensammlung  im  Namen  oder  zu  Gunsten  des  h.  Stuhles 
gedacht.     Vgl.   den  heutigen   ,Petcrspfenuig'. 

berg(s)-:  1.  (Adj.?)  ansteigend,  steil  GlMoII.  Es 
ist  b.  Syn.  gäch,  haldig,  a'läg,  stotzig.  —  2.  (Adv.) 
auf  oder  nach  der  Seite  des  Berges  S  C-erJ;  Z  (-e'J. 
.Bergshalb',  bei  der  Angabe  der  Lage  von  Weinbergen 
am  Bieler-  und  Neuenburgersee  in  Urkunden  vom 
XV./XVIU.  (neben  bisen-,  sonnen-  u.  winds-h.,  s.  dd.). 

bise°::  auf  der  Nordseite  S.  ,Bisehenthalb.' 1543, 
Gr  oVatz  Urk.     S.  noch  winds-h. 

obsich-halbe":  aufwärts,  nach  oben  Ndw. 

side(r)t-halb:  seither  Ndw. 

Sunne"-:  1.  Subst.  (?),  „Sonnenseite",  die  der 
Sonne  zugekehrte  Seite  des  Tales  GT.  —  2.  Adv., 
südwärts  Ap  fsonnat-J;  BSi.;  Gl;  ZO.  fsunnet-J;  in  den 
B  Städten  althergebrachte  und  officielle  Bezeichnung 
der  Lage  der  Häuser  auf  der  Nordseite  der  Gasse 
(e  parte  solis);  Gcgs.  schatten-h.  ,Sunnenhalb  nebent 
dien  güetern  inher  unz  zu  underst  abher.'  1483,  Obw. 
,Die  Nachbarschaft  Sewer  sonnenhalb  (Sonnenseite 
des  Sees).'  GrD.  LB.  Vgl.  litzi-h.  ,Was  sonnenhalb 
ligt.'  ECys. 

sits-:  auf  der  Seite  Ap. 

schatte"-:  auf  der  Schattenseite,  nordwärts  Ap; 
GT.;  U  fschatt-);  W;  ZO.  Schatten-h.  und  sunnen-h., 
allenthalben  GT.  Name  einer  Alp  am  UFaulensee. 
Bildl. :  .Bauerntiiohter  von  Schattenhalb',  von  geringer 
Herkunft.  Gotth.  ,I»ass  die  von  Luzern  unser  gottshus 
ze  Lunkhofen  teeken  sond  sehattenhalb  und  die  under- 
tanen  sunnenthalb.'  AALunkh.  Hofr. 

dis-:  diesseits.  „D.  vom  Wald."  ,[Es  wird  ver- 
pfändet ein  Weingarten]  lyt  hiedishalb  Wibchingen.' 
1313,  ZWipk.  Urk.  .Dishalb  (hie  diserthalb)  des 
Rheins.'  1543,  Absch.  ,Das  Paradies  liege  hiedishalb 
lands.  aber  gehöre  doch  denen  von  Constanz.'  1548, 
ebd.  .Disserthalb  der  Töss.'  ZWthur  Stadtb.  ,Har- 
disshalb  Eyns.'  Kessl.  ,2  Schlösser,  eins  hiedissert, 
das  ander  enthalb  der  Eraraen  gelegen.'  KCys.  ,Hie- 
disshalb  Rhyns.'  ROeger  1606;  Gegs.:  ,ennet  Ehyns.' 

winds-:  von  oder  auf  der  Windseite,  womit  aber 
je  nach  der  Lage  des  Ortes  und  dem  Zshang  des 
Wortlautes  ein  bestimmter  Wind.  resp.  eine  bestimmte 
Himmelsgegend,  im  Gegs.  zu  andern,  gemeint  ist.  Vgl. 
fön-,  bery-h.  ,Die  stossend  windesh.  an  den  alten 
graben  und  bysenhalb  an  N.  N.-s  boumgarten.'  1437. 
Geschfo.  Ges.  .Bysenhalb:  windesh.'  Mobr.  Reg.  U 
268.  278  (Fraubrunnen).  .Was  bysenhalb  diser  niarch 
ist,  gehört  dem  Bischof  von  Bs  und  denen  von  B, 
was  aber  windsh.  ist,   gehört    zue  Neuenburg.'    1535, 

Schweiz.  Idiottkon  II. 


Absou.  .Bysenh.  gegen  Murten,  w.  gegen  WifFlisburg.' 
1584,  ebd.  IV  2,  827  a;  s.  noch  ebd.  VH  1,  1252,  890. 
895.  ,Der  Grabenbach,  welcher  windshalben  in  dem 
löbl.  Stand  Soloturn  entspringt.'  1755.  B  (Grenzbest. 
zw.  B  u.  S). 

Halbe  f.:  das  Eechtsverhältniss  eines  .Halbers'; 
vgl.  halb  3  a  f.  ,An  synen  reben.  sy  sygen  syn  oder 
er  hab  sy  um  zins  oder  in  halben.'  1426.  BTwann, 
Rebenweist.  .So  einem  huren  halbvech  zuegestellt 
wird  und  der  verkauft's,  darnach  kommt  der.  so  das 
vech  zu  halben  gestellt  hat.  und  spricht  das  vech  an.' 
1551,  Z  Ratsverordn.   —  Doch  s.  auch  hon  2  b. 

um-halben:  umgeben,  umringen,  einschliessen. 
, Damit  man  nicht,  während  die  Feinde  den  Vorteil 
gewönnen,  durch  schlafende  unsorg  umbhalbet  und 
übervorteilt  werde.'  1531,  Absoh.  ,Dass  der  estand 
mit  vil  sorgen  und  pflichten  beladen  und  umhalbet 
sei.'  Vad.  ,So  ferr  man  die  ding  mit  steifen  Satzungen 
nit  bewart  und  unihalbete.'  ebd.  ,Als  der  zeug  [das 
Heer]  des  keisers  umhalbet  und  also  unversechenlich 
an  vil  orten  einsraals  überfallen  ward.'  ebd. 

Spät  mhd.  in  derselben  Bed.,  eig.  von  einer  oder  meh- 
reren Seiten  (,Halbe')  umfassen. 

a^ -halpe" :  (sich  Etw.)  aneignen  BLenk.  —  Eig. 
Etw.  auf  seine  Seite  ziehen. 

ver-:  (Vieh)  mietweise  unter  gewissen  Bedin- 
gungen bei  einem  Andern  einstellen.  S.  halb  1  b  a. 
,Der  baur  auf  dem  hof  ze  Rüti,  welcher  sein  vieh 
verhalbet.'  1553,  Z  Staatsarch.  ,Halb-vech-recht.  Och- 
sen zu  V.  ist  das  recht,  doch  das  dinget  recht  bricht 
landrecht.'  XV.,  Z  (Ztschr.  f.  Schweiz.  R.  IV  b  83). 
,Wo  das  vich  verhalbet  [ist],  so  soll  er  halb  us  des 
besitzers  und  halb  us  dessen,  so  das  vich  gestellt 
hat.  bezalt  werden.'  1600.  L. 

mit-:  Teil  nehmen.  1530.  Ap  Urk.  -  Eig.  wühl 
einen  halben  Teil  beziehen. 

Halber  m.:  Halbbauer,  ein  Pächter,  Miets-  oder 
Lehenmann,  der  ein  Gut.  ein  Grundstück  um  den 
halben  Ertrag  bearbeitet.  S.  halb  1  b  a.  Syn.  Ge- 
meinder. .Ist.  dass  der  halber  syn  halbun  uf  will 
geben,  die  soll  der  herre,  des  die  roban  sint,  nit  uf- 
nemen,  e  im  der  h.  git  von  ieglicher  jucherte  ein 
pfunt.'  1304,  Z  RBr.  ,Dass  der  h.  von  der  halbe  ge- 
scheiden  werde  nach  gelimpfe.'  ebd.  ,Swa  ein  burger 
einen  h.  hat  ze  synen  reben,  den  soll  er  nit  ver- 
tryben,  unz  [so  lange  als]  er  die  reben  mit  eren  hat' 
ebd.  ,Gehaltet  ein  burger  einen  h.,  der  von  synem 
herren  ane  tegeding  [Übereinkunft]  gefarn  ist.  der  ist 
angülte  dem  burger  von  der  juchart  eins  pfundes  und 
ze  besserene  synen  schaden.'  ebd.  .Och  han  ich  den 
wyngarten  verlüwen  ze  rechter  halbe  nach  der  ge- 
wonheit.  die  die  burger  Zürich  mit  ir  h.  hant.'  1315. 
ZZoll.  Urk.  -  Vgl.  frz. 
medietas  (nfrz.  moi'fiVl,  Hall 
Halberli.  in  U  i7-V- 
brot.  welcher  Jas  luilb^ 
ringere  Hausbrut  den  4.  '1 
laibes  hat.    1  Pfd  „Schw 


nedktari 


.iiaxjer  aus  lat. 
3  des  Ertrages. 

n. :  1.  kleinerer  Laib  Weiss- 
oder mit  Bez.  auf  das  ge- 
■il  des  Gewichtes  des  Nonnal- 
Zg;"  U,  l'/s  ScHwMa.;  Z, 
IV*  aScnw.  Viertelpfündiger  Weck,  eigens  gebacken 
ZLunn.,  im  Gewichte  zstreffend  mit  dem,  was  anderswo 
halbs  Halberli  heisst.  Vgl.  Viertelt,  Miigciii,  Stuck. 
Magst  es  H.  (Brüdli,  so  und  so  viele  MHgerli)  g'esse'? 
=  m.  es  Fogezenbrötli  trägen?  s.  Fochcnzcn  Bd  I  653. 
,Dass    im    Fischental    und    Wald    das   Brod    zuwider 


1171' 


Halb,  helb,  hilb,  holb,  hulb 


MGnHH.  Ordnungen  beim  Pfund  und  nicht  an  Fo- 
gezer-Broden  und  Kälbernen  (Hälberlen.  1728)  ver- 
kauft werde.'  1727,  Z  Staatsarch.  Auch,  mit  Bez.  auf 
die  Grösse:  ein  Brotkuchen  (Wäje),  zu  dem  so  viel 
Teig  verwendet  wird  Z.  —  2.  Kuhname  Ap. 

Nün-e-Hälberli  n.:  ältere  Münze  im  Wert  von 
y'/a  Schilling  (12  Kreuzer),  auch  Blchs-drei-Sätzler 
Gl  (Gl  Gem.  S.  477). 

Nicht  vom  vorhergehenden  W.,  soadern  von  dem  Zahl- 
ausdruck N'ün-em-hallier  [sc.  Schilling]  mit  angehängter  Dim.- 
End.,  weil  die  Münze  klein. 

Par-:  ein  Laib  Brot  von  2  Pfd,  dem  grössten 
üblichen  Brotgewicht  U.  -  Pnr-H.  bezeichnet  also  eig. 
zwei  H.  .ineinander  gebacken. 

Wiss-flaaeHi;  Weissbrod,  durch  einen  Längs- 
schnitt in  2  gleiche  Hälften  abgeteilt  Schw.  Syn. 
Mügerli. 

halbere":  1.  eine  halbe  Stunde  anzeigen  (schla- 
gen), von  der  Uhr  Bs;  vgl.  viertlen.  —  2.  halbieren  Bs. 

halbers  s.  halb  2. 

Halb  et  m.  I»  H.  mähe",  das  Gras  nur  zur  Hälfte, 
nicht  dicht  am  Boden  hin  mähen  STierst.  Vgl.  rasieren. 

Balhet,  gleichs.  halb  vollzogene  Tätigkeit,  gehört  zu  den 
von  Dial.  S.  214  ff.  aufgezählten  Bildungen,  von  denen  viele 
sich  auf  landwirtschaftliche  Arbeiten  beziehen. 

Halbetsc  he  f.:  eine  halb  weisse  und  halb 
schwarze  Ziege  GRPani.  Syn.  Pfäwen,  Halbwissi; 
vgl.  Griffe. 

Halbi  n. :  der  eine  der  beiden  auf  den  Seiten  des 
Saumsattels  befestigten  Zuber,  bzw.  die  darin  ent- 
haltene Butter,  wie  solche  vom  Pferde  aus  der  Alp 
herunter  gebracht  wird  GLÜbst. 

Dieses  Neutr.,  von  dem  gleichlautenden,  unter  hulb  3  b 
augeführten  Fem.  verschieden,  scheint  eine  Dim. -Bildung  von 
dem  subst.  Neutr.   Halb(s)  3  a  zu  sein. 

halbig,  Adj.:  halb,  nur  in  Verbindung  mit , Teil', 
c.  1600,  BThun  Handfeste;  B  Eeformationssatz.  1628; 
Schloss  EuED  1726.  —  Die  Bildung  erklärt  sich  daraus, 
dass  -iij  übh.   ein  sehr  beliebtes  Suff.  ist. 

e  i  n  -  =  einhalb,  von  Geschwistern  Sch. 

Halbi°g  f.:  das  unter  halb  1ha  usw.  erklärte 
Mietverhältniss.  ,Die  Beisassen  sollen  weder  um  H. 
noch  um  Lehen  Güeter  nehmen  mögen.'  1696,  U.  ,Die 
AUraenthanfgärten  sollen  nicht  um  Zins,  H.  oder  auf 
andere  Weis  den  Beisassen  gegeben  werden.'  1697,  ebd. 

Se-Halbner:  Witzw.  auf  Wein,  mit  der  Meinung, 
er  bestehe  zur  Hälfte  aus  Seewasser  Z. 

Entstellt  aus  Se-Haldner,  Wein  von  der  ,Seehalde',  einem 
renoraniierten  Weinberg  ZMeilen. 

h  ä  1  b  e  r  1  e  "  :  mit  Halbkreuzerstücken  spielen, 
indem  man  der  Reihe  nach  nach  einem  Stück  Ziegel 
wirft.  Der  Nächste  am  Ziel  fasst  die  sämmtlichen 
geworfenen  Geldstucke  zusammen,  schleudert  sie  in 
die  Höhe  und  darf  diejenigen,  welche  mit  dem  Schild 
nach  oben  auf  die  Erde  zu  liegen  kommen,  behalten. 
Der  zweitbeste  Schütze  tut  das  Gleiche  mit  dem  Reste 
usf.  Bleibt  immer  noch  Etw.  übrig,  so  legt  man  das- 
selbe für  den  nächsten  Gang  unter  den  Stein  TaSteckb. 
Syn.  schiUlen. 

Hälbling,  He^-  m.:  1.  die  Hälfte  irgend  eines 
Dinges  BSi.;  New;  Z,  z.  B.  eines  Apfels,  eines  ent- 
zweigeschnittenen Käselaibes  BO.,  insbes.  a)  einer 
jungen  Tanne,  der  Länge  nach  durchsägtes  Rundholz 
Aa;  Bs;  B  (auch  Heibig.  St.'');   Schw;  UwE.;  Zg;  Z. 


In  BE.  zum  Bau  von  Speichern  „ins  Gwett".  ,Der 
Spycher  ist  gewöhnlich  aus  sogenannten  Helbligen  ge- 
baut' GoTTH.  Zur  Erstellung  des  Bodens  in  Schweine- 
ställen B.  In  BO.  zum  Belegen  von  Wegen  (Hälbli'g-, 
Prügel-Weg),  in  ZW.  zum  Brennen.  Dicker,  unge- 
hobelter Bergladen.  Nvdegger  1885.  ,3  Stück  Spalte 
und  3  St.  Helblig.'  Z  Geriehtsakten  1872.  S.  noch 
Helbe.  ,Umb  holz,  helbling.  tilen,  tüchel.'  1454/5,  Bs 
(Schönberg).  ,Der  Landvogt  soll  die  Sehlosstenne  mit 
Steinen  beschiessen  [pflastern]  und  mit  Helbligen 
darüber  belegen.'  1731,  Absch.  Vgl.  Sehindel-K.  — 
b)  „eines  Doppelhauses  oder  Heubodens;  z.  B.  er 
wohnt  im  äussern  H.  BO."  In  BHk.  ist  auch  eine 
jBäuert'  (Weiler)  in  vorder  und  hinder  H.  geschieden. 

—  c)  eines  Pfennigs,  Heller.  .Die  Lamparter  sullent 
unsern  burgern  lychen  5  ß  wuchentlich  umb  1  h.' 
1409,  Z.  .Und  gat  50  helbling  uf  1  lot.'  1421,  Absch. 
,Gang  heim  gen  Strassburg  holen  nur  für  ein  h.  brot.' 
UEcKST.,  Lied  über  Murners  Cal.  In  den  Absch.  von 
1560  wird  der  H.  unter  den  Münzen  aufgezählt,  welche 
jedem  Ort  zu  schlagen  überlassen  sind.  ,Dolchlin, 
Margretli  und  Metzer  sollen  zu  7  alten  Angster  oder 
7  H.  gelten.'  1566,  Absch.  ,Semiobulus,  ein  dritteil 
mer  dann  drei  h.,  zwen  Costenzer  pfenning.'  Fris. 
,Von  2  pfunden  fleisch  ein  h.  zu  ungelt.'  Wdrstisen. 

5.  noch  Glimpf  Sp.  626  und  Basler-E.  —  2.  ein 
Wassermass  an  ßrunnenleitungen ,  1  H.  =  3  Mass 
(3  ,Linsen')  per  Minute  Bs.  ,Die  h.  Regierung  hat 
uns  2  Helbling  Wasser  aus  der  städtischen  Wasser- 
leitung abgetreten.'  —  3.  Riemen  um  den  Kopf  eines 
Pferdes  GrD.,  L.  —  4.  halb  erwachsene  Schnecke 
Ndw.  —  5.  Spottn.  für  einen  halb  unreifen,  untüch- 
tigen Menschen  Ap;  BR.;  dazu:  ume  hälblingen,  planlos 
herumschlendern  BR.  Grad  dere'  Hälblig  het  nie' 
g'manglet,  as  [die]  's  Mül  verzert  hend,  ond  bleret. 
Merz  1836.  ,H.'  nannten  sie  einen  Knaben,  weil  seine 
Mutter  katholiscb  war.  Wolf,  Rel.  Gespr.  ,Gott  will 
in  seinem  Reich  keine  Hälblinge  haben,  sonder  von 
ganzem    Herzen    geliebet    werden.'    JJUlr.   1727.  — 

6.  Geschlechtsn.  GRapp.;  ,Johans  Helbeling.'  Bs  1868. 

—  7.  s.  Halm. 

Mhd.  helb(e)line  in  Bed.  1  c.  Auch  Bed.  2  wird  wohl 
urspr.  die  Hälfte  eines  grössern  Masses  gewesen  sein.  Aof 
Halbvieh  und  Viehverstellungsvertrag  bezieht  sich  die  ZRüml. 
Offn. :  ,Wer  halbling  hat,  da  soll  einer  zue  dem  andern  stSg 
und  wog  haben,  das  ziehend  vech  und  die  melchkUejen  zne 
StJohanns  tag  im  sommer  und  StMartis  tag,  und  wenn  einer 
teilen  will,  soll  dann  einer  jm  des  teils  gestatten  und  jm 
den  teil  abniJmen':    vgl.  Schaub.,    Beitr.   3,  430.   4,   143/5. 

Basler-:  Münze,  s.  H.  1  c,  Etsch-Yierer  Bd  I  924. 

Schindel-.  ,Der  Lehenmann  soll  alle  Jahr  60 
Schindelhälbling  zu  den  Tächeren  rüsten.'  1617, 
ScHwE.  Klosterarch.     Zu  H.  1  a. 

Hälbsli   Ap;   Sch;  UwE.;    Z,    Ealbseli  ApSchön. 

—  n.:  =  Halbi  ('s.  halb  3  a).  Ab  eme  H.  het  Eine"- 
schu  [schon]  ordeli  Öl  am  Huet,  ist  schon  halb  be- 
trunken GSa. 

hälhsle":  halbe  „Massen"  Wein  trinken,  gern 
trinken  Ap;  L;  „Sch";  vgL  schöpplen. 

Helbe"  m.:  =  Halbling  1  a,  bes.  von  dünnern 
Stämmen,  gew.  geringer  geschätzt  als  die  Spalte 
zwangen.  Keini  Helbe  sunder  Spülte  gänd  e  Schiter- 
big.    Vgl.  noch  Prügel,  Knebel,  Bengel,  Bügel  (-Holz). 

Helbe»,  Helber  s.  Helw-. 


Halch-hulch.    Hald-huld. 


Halch,  helch,  hilch,  holch,  hulch. 

S.  auch  die  Reihe   //..«■  nsw. 

helclie"  AAZeiii.;  Bs;  S(Joach.);  übw,  helko"  B; 
FS.;  SG.,  „helge"  (in  2.  Aufl.  helgge»)  B;  LE.\ 
-d-  AAZein.;  BStdt:  1.  a)  mit  Worten  necken,  hän- 
seln, foppen,  reizen  BsBirs.;  BE.,  M.,  ü.;  ,LE.;"  S; 
Oiiw.  Syn.  ölen,  schänzlen,  stichlen.  's  Gritli  ist  nege' 
sim  Elidel  Buebe'  hie  und  da  g'helU  vorde".  Schild. 
,So  oft  man  sie  sieht,  muss  man  lachen  und  verspürt 
Lust,  sie  zu  helken  oder  zum  Besten  zu  halten.'  Gotth. 
Chönnt-er-enand  nit  aW*  rüehig  lö'  und  müesst-er 
enander  eister  helclie",  Fratiezüg,  as  d'r  sit!  Joacb. 
1881.  Heike'  mit  Eim,  Streit  anfangen  FS.  Auch 
mit  Bez.  auf  Hunde:  necken,  reizen  BStdt.  —  b)  Vieh 
jagen,  ermüden  BsTerw.  Syn.  jäiiken.  —  c)  auch 
recipr.  (von  Hunden):  sich  halgen  um  eine  Beute.  Es 
Halbdotze"  Hund. helclie'  enand  drum  [um  FutterJ. 
JoACH.  1883.  —  2.  plagen,  von  körperlichen  Schmer- 
zen oder  Anstrengungen.  I'''  man  nilmme"  so  wcrche', 
d'  Gsüchti  [Gliederschmerzen]  helclie'  mi'''  vo"  Tag  s' 
Tag  me.  Joach.  1883.  Es  het-mi"'  g'lielkt,  die  Arbeit 
ist  mir  schwer  geworden  B  (Zyro).  ,Ir  send  nit  also 
ton  und  üch  selbs  also  heichen.'  Ziely  1521.  Auch 
von  Seelenqualen:  ,Wie  wasser  von  der  höchi  fallt 
und  Schlacht  den,  so  sich  drunder  halt,  also  wirt  myn 
seel  g'helkt  und  g'schlagen.'  HvRI'te,  Ged.  —  3.  einen 
Lässigen  zur  Pflicht  oder  Arbeit  antreiben  Bs;  SG. ; 
Syn.  heien,  jäuken.  Mit  Bitten  anhalten  Bs.  Einen 
zu  einem  Geständniss  nötigen.  Me'  het-ne'  g'helkt, 
bis  er  Alles  bikennt  liet  B  oAa.  —  4.  verwunden  und 
zwar  insbes.  ritzen,  z.B.  von  Dornen,  Nadeln,  Nägeln 
AAZein.  ,Wer  den  andern  schlät  oder  stösst  oder 
wundet  oder  helcht.'  1460,  L.  ,Nieman  soll  ein  wue- 
cherswyn  helehen,  schlan  oder  stossen.'  ebd. 

Gr.  WB.  IV  2,  974  hat,  wahrsch.  veranKisst  durch  St.'s 
Schreibung  hdrjen  und  durch  Malers  Angaben  ,he)lgen,  fati- 
gare ;  sich  selbs  mit  sinnen  h.,  secum  agitare',  unser  W.  mit 
.helligen'  zsgefasst,  mit  welchem  denn  auch  Bed.  1 — :i  sich 
wohl  vereinigen  Hessen  und  mit  welchem  jedenfalls  ein  Zshang 
besteht.  Eine  Schwierigkeit  liegt  aber  weniger  in  der  körper- 
lichen Bed.  4  (welche  am  Ende  dies  Mal  aus  der  geistigen 
abgeleitet  werden  könnte),  vielmehr  in  der  LanttViriii.  di^ren 
härtere  Gutturalen  sich  aus  einfachem  g  nicht  .illrirni  la-s,.]], 
da  schon  das  Nebeneinanderstehen  von  „yv"  i«  i,  /,  '!./i  nw\  / 
in  so  nahe  vwdten  MAA.  auffallend  und  fast  nitsflliaft  ist. 
Es  muss  also,  wenn  ,helligen'  zu  Grunde  liegt  (was  doch 
anzunehmen  sein  wird),  irgend  ein  störender  Einfluss  dazu 
gekommen  sein. 

er-helkc°:  refl.,  sich  ereifern  Bs. 

ver-:  zum  Bösen  reizen.  Er  [der  Teufel]  hig's 
Vit  zwegbracht,  d'  Lüt  z'  v.  BSi.  (Schwzd.). 


Hald,  held,  hild,  hold,  huld. 

ab-liald:  geneigt,  schief  stehend  oder  liegend. 
,Das  Wasser  hätte  können  mit  einem  abhalden  Lädlin 
abgeführt  werden.'  1708,  Z  Staatsarch. 

Vgl.  ahd.  (aim-,  m-,  «/-,  fram-,  zuo-)liold,  proclivis, 
pronus.      S.  anch  hold,   Huld. 

hald-achtig,  -echt,  -ocht:  „etwas  steil,  ab- 
schüssig" ;  Syn.  haldig,  liäldig.  ,Trames  clivosus, 
haldachtiger   und    stotziger   weg.'   Fris.;   Mal.     ,Ein 


gipfel.  so  hindenab  gäch,  vornenher  aber  etwas  haid- 
ächt ist.'  VoGELB.  15.57.  ,.\n  einem  haldechten  ort.' 
WüRSTisEN  1580;  dafür:  ,haldichten.'  1765.  ,Die  Stras- 
sen und  Päss,  so  von  Natur  ruch,  haldechtig,  eng  und 
schwer  zu  wandeln  warend.'  JJRüeger  160G.  ,Diser 
Berg  ist  zu  beiden  Seiten  nach  den  Flüssen  haldachtig 
oder  ablähn  und  gegen  dem  Fluss  ist  die  Halden  ziem- 
lich gäch.'  JHAmm.  1630. 

Halde»  f.  Aa;  Ap;  BE.;  Gl;  Gr  tw.;  Sch;  S;  Th; 
Nnwtw.;  Ztw.,  SbZcZe  Aa  Z  ein.;  Bs;  S  tw.,  Halte" 
AaF.;  Ap  (Merz  1836);  BO.;  Gr  tw.;  Ltw.;  Schw; 
UwE.;  U;  W;  Zf,  HauW  BE.:  1.  Abdachung,  Abhang 
eines  Hügels,  Berges,  Berglehne,  allg.  Vgl.  Flueh, 
Bord,  Rain,  Stalden,  G' steig.  Stutz;  ferner  HalClJen. 
E  stotzige  Halte"  Gr.  D'  H-n  uf  goä  's  streng,  ist 
das  Steigen  mühsam.  Es  god  d'  H-n  ab;  auch  bildl., 
es  geht  den  Krebsgang,  bes.  von  den  ökonomischen 
Verhältnissen;  Synn.  s.  bei  Gass;  vgl.  Fei-,  Not-H. 
,Von  demselben  hältlin  an.'  AASpreit.  Offn.  ,An  der 
halden,  da  man  ufhin  gat  gen  altishofen.'  LWill. 
Jahrzeitb.  ,[Der  Holzweg]  durch  die  ybergs  halten 
abher.'  1524,  Schw  LB.  ,Vergo,  devexitas,  ein  halden. 
stotz,  gähe.'  Fris.;  Mal.  ,Dass  der  herd  an  der  gäben 
h.  davon  was  gerisen.'  ThPlatt.  1572.  Spec.  a)  ma- 
gerer Heubezirk  am  Talabhang  W  (It  Imoborst.).  — 
b)  steile  Abdachung  des  Seegrundes,  Stelle,  wo  der- 
selbe anfängt  steil  abzufallen,  über  mannstief  wird. 
Boden-,  ZSee.  Vgl.  Triechter.  Er  ist  bim  Bade'  a" 
d'  H.  use'  cho'  und  vertrunke'.  ,Au  der  H.'  1776,  Z 
Ges.  S.  auch  Klus-Garn  Sp.  421,  Land-Garn  Sp.  422 
und  H.-Eain.  —  2.  Flur-  und  Ortsn.,  sehr  häufig. 
,Halden'  Ap;  Bs;  B;  F;  L;  G;  Sch;  Th;  Z,  ,Halten' 
Ap;  B;  F;  Gl;  L;  G;  Schw;  S;  U;  Z.  Ein  wort- 
brüchiger Mensch  wird  mit  dem  Wortspiel  geneckt: 
Halten  llt  i'  der  [Gemeinde]  Grueb  Ap.  ,Wis  in  der 
halten.'  1321,  U  Gefällerod.  ,Die  bachtalen,  die  man 
nemmt  die  halten.'  1430,  L  (Gfd).  ,Auf  der  halten 
zu  Dallenwyl.'  1509,  Gpd.  Als  Dim.:  Haldeli  B;  Gl, 
Häldeli  Ap;  Z,  Halteli  SchwMuo.,  Haltli  B;  Gl;  LHorw 
1660,  ,im  Kleinhaltli.'  LBer.,  Hältli  ZLangn.,  Hälteli 
BGt.  Als  erster  T.  von  Comp,  scheint  das  W.  den 
harten  Laut  zu  bevorzugen:  Halten-Guet,  -Hiibel  B. 
-Wald  Gl,  Haltberg  Z  (=  ,Haldiberg.'  1158);  daneben 
, Halden-Hof'  Z ;  dagegen  den  weichen  als  zweiter  T. 
der  Zss.:  ,Ort-'  U,  ,Vaschgis-'  ZHöngg  Urb.,  ,Froh-' 
ZBül.,  ,Fritschis-'  ZEorb.  1406,  ,Ger-'  Th,  ,Glenk-' 
ZBirm.,  .Hunger-'  L;  Zg  (,-Hältli'),  ,Hirz-'  ZDättl., 
.Hosen-.'  1653,  j^AWett.  Klosterarch.,  ,Leim-'  ZEssl., 
,Mülli-'  Z,  ,Bü-'  Z  (vgl.  ,Bu-Egg'),  ,B61-'  GT.  (davon 
der  Familienn.  ,Bol-Halder'),  ,Bann-'  ZBül.,  , Bärbel-' 
ZEafz,  El'-  ZRheinau,  ,Reppen-'  S,  ,Ris-'  Aa,  ,-Sonn-' 
Aa;  B,  .Schalmen-.-  1433,  ScnRüdl.,  ,Schur-,  Schür-' 
Th,  ,Schos-'  B,  ,Schletz-'  L,  ,Schlur-'  TnWeinf., 
,Schneit-.'  1433,  ScHRüdl.,  ,Steg-'  B,  ,Tüfels-'  GT., 
,Dorf-'  B,  ,Dorn-'  B,  ,Wye-.'  1426,  L  (Liebenau), 
,Wolf-'  Ap,  ,Wallis-'  ZBass.,  ,Wasser-Halden.'  1619, 
ZNiederglatt.  Vgl.  noch  Z  Ortsnn.  S.  56/7.  Doch: 
,Ve-.'  1500,  ScHwTugg.,  ,Bär-'  Schw,  .Bissen-.'  1450, 
ScHwTugg., , Boten-.'  LWill.  Jahrzeitb.,  ,Rainss-Halten.' 
1450,  ebd.  ,Binzenhaltun.'  1259,  GWurmsb.  Hieher 
die  Familienn. :  ,Halder,  Halter  (in  L;  Uw  schon  seit 
dem  XIV.),  Anderhalten,  bzw.  -Halden,  Haldimann, 
Abderhalden,  Stud-Halder  (auch  -Halter)'.  0  statt«: 
.Holden'  ZoWalchw.,  ,Holden-Weid'  BsHöllst.;  SHä- 
gend.     Eine  Nbf.  auf  i   (die   aber  tw.  vielleicht  eine 


1175 


Hald,  held,  hild,  hold,  huld 


1176 


Dim.-Bildung  ist)  zeigen  Haldi  TuEgn.,  Haiti  B;  L; 
ScHW,  Haldi-Mös  BAarw.,  ,-Berg.'  1158,  ZWald,  und 
auf  diese  geht  der  G  Geschlechtsn.  Ealtiner  zurück 
(.Marici  H.'  1523,  GKries.,  im  Jahr  1532  ,Moriz  Halter' 
genannt;  vgl.  ,Pünter'  zu  ,Puntiner'). 

Mhd.  halde,  Bergabhang.  Auffallen  mag  der  harte  Dental 
in  LiquidalTerbindung,  der  sich  ahd.  in  unserer  Gruppe  nur 
spärlich  findet.  Ygl.  noch:  ,De  haitun.'  XII./XIII.,  SchwE. 
ürh.,  ,An  haitun!'  XIV.,  LBeroni.  Urb.,  ,Halten.'  1419,  Gfd; 
SchwTugg.  Jahrzeitb.;  1462,  LStiftsarch.;  XVI./XVII.,  Schw 
Kaufbriefe.  Wahrsch.  ist  der  harte  Dental  zunächst  im  Vb. 
lialdm  durch  Analogieeinfluss  von  hellen  (wo  er  grammatisch 
gerechtfertigt  ist)  eingetreten  und  hat  sich  dann  zunächst 
bes.  in  denjenigen  MAA.,  welche  ohnedies  Yorliebe  für  den 
harten  Cons.  zeigen  (vgl.  Anm.  zu  Fud  I,  Heid  II)  über  die 
ganze  Gruppe  hald-  verbreitet.  S.  Weinh.,  al.  Gr.  §  171; 
Braune,  ahd.  Gr.  73.  128.  232/3:  Paul-Braune,  Beiträge  VI. 
VII.  In  appellativer  Bed.  ist  jetzt  die  weichere  Form  mehr 
verbreitet  und  steht  an  vielen  Orten  der  an  Flurnn.  haftenden 
härtern  Ausspr.  gegenüber.  —  Im  Vogelb.  1557,  188,  b  sind 
unter  H.  angelehnte  Schirmdächer  zu  verstehen:  ,Man  machet 
[zur  Züchtung  von  Pfauen]  ein  hohe  mauer  nmb  einen  acker 
und  machet  an  drei  selten  schöpf  oder  halden.' 

Ab-Halde°:  Abhang.  ,Ein  läge  a.'  ÄgTschüdi. 
—  A»-  =  Halde  1  BBe.  Sanfte  Anhöhe,  Stelle,  wo 
der  Abhang  beginnt  Z;  vgl.  anhaldig. 

Fei-:  fingierter  Ortsn.,  in  der  EA.:  Si"  Sach  lit 
(er  het  si"'  SachJ  a"  der  F.,  von  Einem,  der  in  seiner 
Ökonomie  zurückkommt  ScnSt.;  Sprww.  1869. 

Vgl.  Nni-H.,  Schm-Gass  Sp.  452,  Gun-erharvi  und  ifa/<foi. 
S.  auch  ,Fchlhalde'  bei  Gr.  V/B. 

G'hör-:  Kopf  (eig.  ,Haarhalde')  GrD.,  nur  in 
einem  Kätsel  bei  B.  I  394. 

Jämer-:  Person,  die  immer  zum  Jammern  geneigt 
ist  AiZein.;  vgl.  J.-Gret,  -Hütten,  -Kräzen.  -  Per- 
sonifikation des  Sachbegriffs. 

N6t-:  l.  =  Fel-H.  Z.  A"  der  N.  si»,  im  Elend 
sein,  sich  nicht  zu  helfen  wissen.  ,Mit  der  einen 
Hand  kletterest  du  gleichsam  an  der  N-en  und  klagst, 
Gott  hab  dich  verlassen,  mit  der  andern  aber  haltest 
du  dich  steif  an  dem  Himmel.'  JMüll.  1666.  ,An  der 
N.  hangen,  serumnas  pati,  ponderosis  molestiis  premi.' 
Mey.,  Hort.  1692.  ,Gott  lasst  seine  Kinder  oft  lang- 
wiriges  Elend  an  derN.  hangende  ausstehen.'  AKungl. 
1704.  Das  (die  SachJ  llt  (ist)  nid  a"  der  N.,  ist  nicht 
dringlich,  hat  noch  gute  Weile  Z.  —  2.  Flurn.  B;  L. 
,Not-Hald(en).'  XV.,  LWill.  Jahrzeitb. 

Zu  1  vgl.  N.-Kno2,f,  -Nagel.  Zu  2  vgl.  den  Flurn. 
,Rüwen-Tal',  jetzt  Rutel  Z. 

Burg-:  Hügel,  bzw.  Abhang,  auf  dem  ehemals 
eine  Burg  gestanden  Ap;  B  (auch  geschrieben  ,Burk- 
halden');  G;  Z.  ,Auf  beiden  Seiten  des  Tals  der 
Aare  erheben  sich  viele  B-en.'  Müller,  Schw.-G.,  mit 
der  Bemerkung:  ,Provinzialwort.'  ,Burghaldenhubel', 
Schlossruine  BHilt.,  ,am  Burkhalter'  B.  ,üie  B.-halten.' 
L  1602.  ,Der  burghalder  ist  ein  guet  trank.'  RSchmid 
1579.  —  Beb-:  mit  Beben  bepflanzter  Bergabhang 
Ap;  vgl.  Seb-Gehäld  und  den  Flurn.  Wln-H.  Z.  — 
Roll-,  Schutt-:  mit  Geröll  bedeckter  Abhang  L.  — 
Se-:  Abhang  gegen  den  See;  Flurn.  B  (,S.-Halten'); 
Tn;  Z.  ,Ze  HorgSn  an  sehaltun.'  1279,  Stiftsurb.  ,An 
sehalden.'  1346,  ZMeilen  (Stiftsurb.).  —  Summer-: 
nach  Süden  gewendeter  .Abhang  Aa;  Z;  Syn.  Sunnen- 
Halbe,  -Site.  ,Das  Tal  wird  zu  beiden  Syten  mit  den 
Winter-  und  Summer-Halden  beschlossen;  an  der  S. 
sind  Eebberg.'  JJRüeger  1606.    Flurn.  Aa  (1653,  Wett. 


Klosterarch.) ;  Bs ;  Z.  Vgl.  S.-Matten.  —  S  u  n  n  ( e  ° )  - : 
=  Summer-H.,  Flurn.  Aa;  Ar;  B;  L;  G;  Th.  ,Hans 
sunnhalder.'  LWill.  Jahrzeitb.  —  Schatte"-:  nach 
Norden  geneigter  Abhang  Gl.  —  Spil-:  Flurn.  ZGrün. 
Vgl.  Spil-Hof.  —  Winter-:  nach  Norden  geneigter 
Abhang  BSi.  (-Halten);  Th;  Z;  Syn.  W.-,  Schatten- 
Siten.  Häufiger  Flurn.,  z.B.  Aa;B;  Z.  ,An  W.- Haitun.' 
1279,  Z  Stiftsurb.  ,W.-halten.'  XTV.,  L  Propsteirod. ; 
1450,  ScHwTugg.  Vgl.  die  Flurnn.  ,W.-Holz,  -Matt, 
-Ried'. 

halde"  (in  GrD.  auch  haldene'),  holde",  hal- 
te"!: sich  neigen,  abschüssig  sein,  von  Berggeländen ; 
sich  abwärts  oder  auf  die  Seite  neigen,  schief  stehen, 
z.  B.  von  Gebäuden,  Bäumen,  Wagen-  oder  Schlitten- 
ladungen, auch,  doch  mehr  scherzw.,  von  Menschen, 
allg.  Syn.  holen,  hienen,  chieren.  De''  Baum  haldet 
obsi'';  nidsi'''.  Die  Miire'  haltet  innCwärtsi'''  [ein- 
wärts] ScHwMuo.  D'  Schäse"  [Wagen]  haldet  uf  d' 
Site"  und  fallt  mit  sammt  de'  Lüte'  an'n  Bode'  BsL. 
(Schwzd.).  Alles  ufrecht,  bis  a"  Das,  wo  haldet,  wort- 
spielende Antw.  auf  die  Frage:  Wie  stät's?  Z.  S.  noch 
Trink-Gelt  Sp.  272.  Bildl.  auch  von  einem  zweideu- 
tigen, unlautern,  schwankenden  Charakter  Ap;  L. 
H.  wie  's  Honeri  (Hohenrain)  G'richt  L.  ,Do  man 
am  stalden  ufhin  gan  will,  heisst  zum  haldenden  weg.' 
AABrerag.  Stadtr.;  vgl.  auch  AAWeist.,  S.  55.  ,Der 
boum  habe  in  die  strass  gehaldet,  dermassen,  wenn 
einer  mit  einem  höwkarren  die  strass  faren  wollt, 
muesste  er  fast  von  ym  han,  damit  und  er  den  boum 
nit  ruorte.'  XV.,  ZStaatsarch.  ,Die  gass  ist  eng  und 
haldet  obsich.'  HsSchürpf  1497.  ,Nutare,  h.,  sich 
senken.  Impendere,  überein(hin)-h.  oder  -hangen;  so 
einem  etwas  ob  dem  haupt  hanget,  glych  als  ob  es 
fallen  wolle.  Devexus,  nidsich  haldende,  das  abhin 
hanget  oder  nidsich  gat.  Vitis  acclinata  terrae,  die 
Weinreben  haldet  oder  hängt  sich  gegen  der  örden. 
Proelinatus,  zum  fall  gericht,  gehaldet.  Declivitas, 
haldung,  stotz,  gäbe.'  Fris.;  Mal.;  s.  noch  gnappen 
Sp.  667  und  bud;en.  Das  Kreuz  rausste  bei  der  Kreu- 
zigung ,rügglingen  hindersich  h.'  XVI.,  L  üstersp. 
.Gegen  Mittnacht  er  [der  Berg  Zion]  haldet  gar.' 
HsRRebm.  1620.  ,Als  der  Fuhrmann  ein  Lachen  ab- 
g'fahren  uf  ein  Syten,  dass  es  ein  wenig  gehaldet.' 
ScBiMPFR.  1652.  ,Solothurn  haltete  starch  auf  luthe- 
rische Seiten.'  ZurGilgen  1656.  ,H.,  neigen,  vergere 
deorsum,  declinare.'  Red.  1662.  ,Du  haltest  zu  sehr 
vor  dich  gegen  die  Grub,  nimis  propendes  contra 
scrobiculum.'  ebd.  ,Das  Haus  mag  oben  bei  dreien 
Schuhen  über  das  Fundament  hinaus  gehaldet  haben.' 
1755,  Z.  ,Hinauf  bis  an  den  Schwirren  [Pfahl],  da 
das  Kreuz  an  ist,  ein  wenig  haldend,  ansonsten  wohl 
beschaffen.'  1769,  Absch.  Auch  etwa  refl.:  ,Das  gar 
lang  wäret  bis  schier  uf  die  vesperzyt,  dass  sich  die 
sunn  fast  haldet  und  denen  von  B  under  ougen  schein.' 
Etterlin  1507. 

ab-halte":  schief  stehen  U;  \g\.  ab-hald. 

um  ha-:  mühsam  herumschwanken,  sich  hin- 
schleppen W. 

a"-:  =  halden,  bes.  als  Ptc.  a"haldend,  ansteigend, 
steil,  abschüssig  BHa. ;  Gr.  Gegs.  ebenhaft.  —  Vgl. 
ahd.  aiiahaldeH,  incumbere. 

z'sämme"-:  sich  gegen  einander  neigen  Schw. 
D'  Höchene'  [Berghohen]  tuend  do  z.  Schwzd. 


1177 


Hald. 


.■Id,  hiUl,  liol.l,  liiiUl 


1178 


„sclilegel-haltcnd:  von  der  vvagrechten  Linie 
abweichend,  z.  B.  vom  obcrn,  nicht  gleichförmig  hohen 
Kand  von  Geschirren;  von  Menschen  mit  gebücktem 
Gang  B;  S." 

Woseutlich  =  schleii-hal  (s.  d.),  mit  Anlehnung  an  Schkgel, 
Keule,  walirsch.  im  Gedanken  spec.  an  einen  Holzschlegel, 
dessen  Stiel,  wenn  mau  das  hammerartige  Ende  auf  den 
Boden  stellt,  meist  stark  auf  die  Seite  neigt. 

Halderli    n.:    abgehauenes    WaLlb;inmfhpn    T,V. 

—  Halderne,  nur  als  PI.  Haldern i :  I.  „aDii  .li,kc 
Baumäste  BO."  —  2.  junge,  etwa  arni^^lirk,-  Srli".,e, 
wie  sie  aus  noch  im  Boden  steckenden  Bucheubtuckon 
aufschiessen  BUnterseen. 

Das  W.  scheint  zu  Holder  zu  gehören,  vorausgesetzt,  dass 
Dieses  eig.  Busch,  Staude,  huschiger  Ast  bedeute;  vgl.  HolderU, 
junge  Buche.  Dabei  hätte  Anlehnung  an  halden  Statt  ge- 
funden, indem  bes.  junge  Triebe  aus  Wurzelstöcken  oft  schief 
stehen;  vgl.  auch  Klilb-,  Rag- Ast.  MUsteri  gibt  zu  Haldemi  I 
die  auffallige  Form  Haldenöri. 

Haldi  m.:  wer  den  Kopf  auf  die  Seite  neigt  Aa. 

—  Vgl.   Htadi,   Hthi  von  holden. 

(g')haldig,  haltig:  geneigt,  schief,  abgedacht, 
abschüssig  Ar;  G;  Z.  Syn.  ah- fällig,  -hald,  -häld, 
gäch,  an-hälig,  häldig,  schlämm,  schleiter,  stotsig.  ,Ein 
haltige  weisstannen  auf  der  bachruns.'  1545/60,  Schw 
Landmarchbr. 

ab- =  dem  Vorigen  Ap;  VO;  Gr;  G;  Z;  vgl.  «fe- 
hald,  -häld  (ig).  ,Abhaldige,  stufenweise  von  dem 
Gotthard  sich  zeuhende  Lande.'  JJSchedchz.  170ö. 
,Eine  Gelegenheit  [Gegend],  so  etwas  a.  seie.'  JCNäg. 
1738.  ,üie  Gletscher  stehen  nur  an  a-en  Orten.'  1753, 
BSi.     S.  noch  Mutten-Holz. 

a"-:  =  dem  Vorigen  Gk;  Uw;  U.  Es  a'haltigs 
Gltd,  eine  steile  Wiese  U.    S.  noch  grull  Sp.  730. 

vor-:  nach  vorn  abgedacht.  ,[üer  Reisende]  soll 
[um  seine  Eeise  zu  fördern]  nicht  über  höhere  Hügel 
wandern,  welche  Denen,  so  bergauf  nach  dem  Gipfel  zu 
gehen,  v.,  rückwärts  hinderhaldig  sind.'  Spleiss  1667. 

berg-:  an  (nach)  der  Bergseite  (hin)  Gl.  Si'''  b. 
ufstelle'.  (Ein  Gefäss)  b.  hebe"  (ha'),  neigen,  schief 
halten. 

tal-:  an  (nach)  der  Talseite  (hin).  ,Die  stadt 
ligt  t.'  1460,  Bs. 

Gehäld  n.,  Coli.:  1.  abgedachte  Gegend,  .Ge- 
hänge'. ,0b  ich  ein  tier  etwan  am  g'häld,  ein  wildfang 
säch,  den  künndte  jagen.'  Roef  1550.  —  2.  =  Gehäl 
,Aa;  B."  Den  Übernehmern  eines  Erblehens  wird 
zur  Pflicht  gemacht,  dass  sie  ,die  reben  mit  geheld 
in  gueten  eren  habend.'  1446,  Z  Staatsarch.  ,Wo  man 
in'n  reben  ein  neu  geheldt  machen  will,  da  soll  man 
scheigen  [Latten]  geben  zu  einem  neuen  g.'  XV./XVL, 
AAFahr  Offn.  ,Cantherius,  ordo  vinearum  cum  hasti- 
libus  in  terram  defixis  singulte  transversa  perticiE  in 
unam  partem  ordinis  adnectuntur,  ein  gehäl  oder 
truoter,  da  die  stangen  all  auf  ein  ort  geheldet  seind 
in  den  reben.  Jugata;  vites,  gehäld-  oder  truoterreben.' 
Dasyp.  ,Topiarium  vcl  topiura  intelligitur  opus,  quod 
ex  arbore,  frutice  vel  herba  ad  decorum  componebatur 
in  testudines  vel  canieras  fornicatum,  ein  häusle  oder 
bogen  oder  ander  geflochten  gartenwerk  von  lusts 
wggen;  g.,  sitz,  hüttle.'  KdGessn.  1542.  ,Pergula,  can- 
therius,  ein  ri^blauben  oder  (reben-)  g(e)häld  oder 
trüeter  von  reben,  in  die  hübe  aufgelassen,  dass  man 


darunder  spazieren  kann.  Vinea  cantheriata,  Wein- 
reben an  einem  g.,  mit  dwi-rchstangen  gemacht  und 
aufgericht[et].  Pedamentnm,  ein  rgb.stock  und  allerlei 
stäglen  und  stützen,  alles,  darmit  man  ein  rSb-g. 
undersetzt.  Jugari  vinea  dicuntur,  die  Weinreben  auf 
das  g.  binden.  UnijugiB  vinoa;,  eines  g-s  oder  eines 
einfachen  g-s,  das  nun  [nur]  auf  einer  selten  aufgericht 
ist.  Emicare  in  jugum,  sich  aufrichten  und  auf- 
schiessen, auf  das  g.  obsich  wachsen.  Textilis  umbra 
palmitis,  schatten  von  esten  durch  einanderen  ge- 
flochten wie  ein  g.  Pagina  in  vitibus,  ein  flock  oder 
ein  ort,  so  zwüschend  den  schyen  im  reb-g.  ist.'  Fris.; 
Mal.  ,Ire  reben,  die  dann  in  geheldswys  gemacht 
sind',  sind  stark  durch  den  Schnee  beschädigt  worden. 
BossH.-Goldschni.  ,Ein  garten  mit  rebengehelden  be- 
zieret.' 157S,  HPantal.  ,ln  Betreft'  des  Zehntens  von 
den  eingeschlagenen  AUniendstücken  bleibt  es  bei  den 
frühern  Artikeln  mit  Ausnahme  der  Geheide  in  Bunten 
und  Gärten.'  1621,  Absch.  , Weinzehnten  von  den 
Kelten.'  1624,  ebd.  ,Es  hat  zu  der  Zeit  der  alten 
Römeren  in  Italia  3  Gattungen  hocher  Reben  gegeben, 
da  die  einteu  gradauf  gepflanzet,  die  anderen  aber  in 
Form  der  Geheldt  zerlegt,  die  dritten  an  den  Bäumen 
hinauf  gezogen;  dise  Gattung  Reben  ist  in  unseren 
Landen  nicht  bräuchlich,  dann  allein,  was  die  Geheld 
belanget.'  Rhas.  1639,  der  die  2.  Art  auch  ,Bogreben' 
nennt.  , Vinea  jugata,  Geheidreben,  die  man  aufziecht 
und  zerlegt  wie  die  Geheld,  une  vigne  en  treillage 
ou  vigne  treillee.  Pergula,  ein  Rebgeheid,  une  treille 
de  vigne.  In  der  Landschaft  Waadt  wird  es  nach 
dem  Lateinischen  une  percle  geheissen.'  ebd.  , Unter 
Geholten  und  Bäumen.'  ebd.  , Einer  hat  die  G'halt 
[so]  oder  Beblauben  geschnitten.'  1656,  Arg.  ,I)er 
Rebmann  richtet  die  Reben  auf  in  die  Höhe  und 
bindet  sie  an  Stützen,  nämlich  an  Bäum  oder  Pfäl 
oder  überzwerehe  Latten  (Trüeter)  und  G-en  (Bögen), 
daher  man  s'  nennet  ein  Baum-,  Pfal-,  Trüeter-,  G.- 
(Lauben-  oder  Kammer-)  Reben.'  Spleiss  1667.  ,Vitis 
jugata,  G.-Reben.  Cantherius,  Rebengeheld,  Trüeter.' 
Denzl.  1677;  1716.  ,G.,  Rebbogen,  jugum.'  Vestib. 
1692.  ,Im  J.  1608  fiel  ein  mächtig  grosser  Schnee, 
der  das  G'held  an  Reben  zu  Boden  truckt  und  die 
Scheien  zerbrochen.'  JJScheuchz.  1706.  ,Die  Kürbsen 
an  G-en  aufpflanzen.'  JCSdlz.  177'2.  —  Dazu:  .ge- 
häld et,  jugatus.'  Denzl. 

Zu  2.  Im  üegs.  zu  heute,  wo  bei  uns  die  Reben  niedrig 
gehalten  werden  und  jede  einzelne  an  eiuem  Pfahl  ihre  bes. 
Stütze  findet,  wurden  sie  früher  hoch  gezogen  und  mehrere 
zusammen  über  eiuem  sich  schief  abdachenden,  der  Sonne 
zugeneigten  oder  dann  gewölbten  Gitter-  oder  Rahmenwerk 
ausgebreitet,  so  dass  Reblauben  oder  Bogengänge  entstauden, 
welche  letzteren  z.  B.  auf  dem  Murer'schen  Stadtplan  von  Zürich 
dargestellt  sind;  vgl.  noch  Sckijen  und  ,Kamerte,  Kammer- 
latte' bei  Gr.  WB.  Je  nach  BedUrfniss  wurde  der  Gitter- 
rahmen in  der  Regel  durch  ein  oder  zwei  Paare  Pfosten  oder 
Säulen  gestützt,  s.  Staglen,  Gehüld-Slud.  An  Häusern  lehnte 
sich  die  oft  unmittelbar  vom  Boden  aus  ansteigende  Be- 
dachung der  Laube  schief  an.  Durch  Übertragung  gieng 
dann  der  Name  (s.  bes.  Gehäl)  auch  auf  die  an  den  llaus- 
wänden  befestigten  Spalierpflanzungen  über;  vgl.  Landeren, 
Lander-Latte,  -Ituete,  Trüeter,  GehUld-Baum.  Die  ganze  Art 
der  Anlage,  die  wohl  auf  die  Römer  zurückgeht,  hat  sich 
bei  uns,  des  kaltem  Klimas  wegen,  nur  etwa  als  moderne 
, Laube',  dagegen  unverändert  in  Italien  (auch  dem  Namen 
nach:  it.  pcryohi)  am  Oberrheiu  und  iu  der  Pfalz  erhalten; 
vgl.  auch  Kammer.  S.  noch  (hoijen-)  hclden,  Bogen-Reben.  Die 
Formen  auf  -t  bernhon  auf  Anlehuung  an   .halten'. 


Bald,  held,  hiW,  holJ,  huld 


ab -hü  hl  f-heltj :  abgedacht,  abschüssig  S.  Uf 
Wege',  die  so  a.  g'si  si"'  wie-n-e  Straudach.   Schild. 

Entspricht  einem  ahd.  Adj.  'ahhaldi,  vgl.  ahd.  ttohaldi 
neben  uohahl,  proclivis,  obliquus.     Synn.  s.  bei  haldiij. 

hiilde"  ÄAZein.;  Ap;  W  (TiäUu),  he'Me"  Aa;  Ap; 
Bs;  Gl;  Gr;  L;  G;  Sch;  Schw;  S;  Th;  Z  (Cond.  helti, 
Ptc.  g'held/eß),  he'lte*  B;  GrD.  (in  Bed.  1,  dagegen 
helde"  in  Bed.  4);  Schw;  S;  Uw;  U;  W:  1.  tr.,  ab- 
hängig machen,  neigen,  schief  stellen  (halten),  bes. 
Gefässe.  allg.  F''  niues  's  Fässli  h.,  es  n-ott  nümme' 
laufe"  Z.  Do  geit  m'r  goge"  d'  Fässer  h.  und  schenkt 
de"  no"''  die  allerletzte'  Schoppen  i'  S  (Schild).  Auch 
mit  Verschweigung  des  Obj.  B;  W;  Z.  Heb  Sorg,,  du 
heltist!  ,Helde,  truhten  [Herr],  dina  himela,  inclina 
celos  tuos!'  NoTKER.  .Der  kindstuel  soll  haben  4  bein 
oder  füess,  mit  einem  rugkbrett  hindersich  [rückwärts] 
geheldet.'  Ecef  15.54.  ,Sy  [diese  Tiere]  laufend  nit 
aufrecht,  sonder  auf  ein  selten  gehelt.'  Fische.  1563. 
jAcclivis,  stotzig,  obsich  geheldet,  aufgericht.  Pronus, 
fürsich  geneigt  oder  geholdt.'  Fris.  ;  Mal.  ,Sy  band 
ire  fanen  g'heldt  hinus  [aus  dem  Wagen].'  1576.  Z 
Ant.  Mitt.  .Also,  dass  du  dieser  Gefessen  eins  auf 
die  Seiten  helfest.'  JRLandenb.  1608.  ,Leg's  in  eine 
Schüssel,  die  undersich  geheldet  seie,  so  wird  heraus- 
fliessen  eine  Feuchtigkeit.'  ebd.  ,Ein  gehelte  Schüssel.' 
ebd.  , Bücken,  beiden,  neigen,  ducken,  inclinare,  pa'n- 
dare.'  Eed.  1662.  , Nicht  mit  einem  undersich  ge- 
halten, wie  die  Tiere,  sonder  mit  einem  obsich  gerich- 
teten Angesicht.'  JMüll.  1666.  —  2.  meist  als  Comp. 
bogc-h.,  die  in  bestimmter  Länge  geschnittenen  letzt- 
jährigen Schosse  kreisförmig  umbiegen,  eine  der  Früb- 
jahrsarbeiteu  im  Eebberg  Sch;  ZWl. ;  Syn.  bogen, 
höglen.  Die  das  Jahr  vorher  neu  gepflanzten  Reb- 
schosse bogenartig  krümmen  und  deren  oberes  Ende 
in  die  Erde  stecken  ScHNnk.  S.  noch  Bogen-Heldet 
(-Heidi),  Glge  Sp.  149  und  vgl.  Gehnld  2.  —  3.  refl., 
i.  S.  V.  1  und  bildl.  =  sich  richten,  z.  B.  nach  der 
Zeit  ScflSt.  I"*  cha"  mi'''  nid  nach  dir  h.  Sülger. 
Si"''  naeh-(djem  (gege"  's)  Land  [Landesbrauch]  (devi 
L.  nä''',  gege'  d'  Lüt,  drrnä''',  nach  den  Umständen)  h. 
B;  L;  Schw;  Z,  etwa  mit  dem  Zusatz:  's  Land  heldet 
si'''  (d'  Lüt  helde"  si''')  nit  geg(e")  eus;  vgl.  noch  Land. 
Wie  das  Ort  ist,  muess  man  sich  helten  W.  ,Dieser 
Weinbauer  weiss  sich  nicht  nach  Zeit  und  Ort  zu 
richten  und  nicht  nach  dem  Land  zu  hälden.'  Stutz 
1850.  ,Wenn  Einer  sich  nicht  begehrte  nach  dem 
Land  zu  hälden  und  mehr  und  weniger  nach  den 
Leuten  zu  richten,  würd  's  ein  ewiges  Wandern  ab- 
setzen unter  den  Menschen.'  ebd.  ,Die  weisen  diser 
weit  sagend,  einer  solle  sich  dem  land  nach  beiden.' 
LLav.  1582.  ,Man  muss  sich  nach  dem  Land  beiden. 
lex  est  regio;  si  fueris  Eomae,  Romano  vivito  more.' 
Hospin.  1683.  In  der  ä.  Spr.  auch  =  neigen.  ,Alle 
unsere  neigung  heldet  sich  nun  [nur]  zu  bösem  [des 
Menschen  Sinn  ist  auf  das  Böse  gerichtet].'  Zwixgli. 
,Dass  sy  [die  Berner]  dann  sich  zuo  uns  beiden  und 
uns  beraten  und  beholfen  syn  wurden.'  1529,  Strickl. 
,Man  muesst  in  sorgen  stan,  der  g'werb  [die  Leinen- 
indnstrie]  wurde  sich  beiden  [sinken,  abnehmen]  und 
schaden  lyden.'  Vad.  ,Harum  die  g'stift  sich  den  sigon 
der  königen  nach  gehelt  habend  [um  vom  Sieger  Vor- 
teile zu  erwerben].'  ebd.  ,Man  sieht,  zue  wem  ir  üch 
heldend  und  neigend.'  Kessl.  ,Acclinare,  zuoneigen. 
sich  beiden,  etwargegen  hängen.  Procumbit  arbor, 
der  bäum  heldet  sich  mächtig.    Declinat  in  vesperum 


dies,  der  tag  helt  sich  gegen  abend  [vgl.  hälden, 
Stelle  aus  Etterlin].'  Fris.;  Mal.  ,Die  5  ort  habend 
angehept,  sich  über  Ehyn  hinus  beiden  [ihre  Sym- 
pathien wenden]  und  by  adel  und  landskneehten  hilf 
suechen.'  HBull.  1572.  ,[Der  Wein]  von  Wynfelden  tut 
sich  nach  dem  Land  beiden  [zeigt  sich  seines  Namens 
würdig,  Anspielung  auf  den  Namen  ,Weinfelden'].' 
ScHiMPFR.  1651.  S.  noch  Düdel.  —  4.  intr.  =  hälden 
Bs;  B;  GrD.  Chelde');  L;  Schw;  S;  üw;  W.  Wenn 's 
[Spinn-]  Bad  e  chli  helfet  New  (Alpenp.).  [Der  Eoss- 
berg vor  dem  Sturz]  heldet,  schlipft  sammt  Tann  und 
Flueh  Schw  (Schwzd.).  Uf  so-ner  heldemnässige  Stross, 
scherzh.  Wortspiel  mit  ,Held'  Bs.  Schief  hangen  SB. 
Im  Gehen  schwanken,  von  Betrunkenen  Bs.  Von  ün- 
entscblossenheit:  L>er  Fridli  liet  uf  E.  lungere'  welle', 
ig  [dagegen]  z'rugg  und  di  andere'  Zioeu  hei'  nit 
g'wüsst,  uf  welli  Siten  ass  si  u-ei"  [wollen]  h.  BWyss 
1863.  ,Propendere,  vornider  hangen,  fürsich  beiden 
oder  hangen.'  Fris. 

Mhd.  heldtn,  ahd.  haldjan,  luildjan  in  Bed.  1.  T  für  d 
lässt  sich  hier  als  regelrechte  Assimilation  aus  dj  erklären. 
Die  tr.  und  intr.  Bed.  vereinigt  auch  das  syn.  chieren;  vgl. 
auch  ,halden'  bei  Gr.   WB. 

ab-:  1.  schief  stellen,  ein  Geßss  Th  (Dim.  ah- 
heltele',  It  Dan.).  —  2.  absetzen,  beim  Trinken  Ap;  Z. 
Öni  abz'helde',  unabg'hehlet  ustrinke',  das  Glas  in 
einem  Zuge  leeren.  —  a"-:  1.  anlehnen  GRPr.  ,Die 
Anrichtkellen  sei  an  dem  Ort,  da  sie  angehelt,  nass 
gewesen.'  1701,  ZWast.  Proeess.  —  '2.  ansetzen,  zum 
Trinken,  eig.  das  Glas  in  geneigter  Lage  zum  Munde 
führen  Ap;  G;  Z.  !''•  hälde  wider  a' ;  zur  G'sundlieit, 
Cliind!  Stdtz.  No,  held  recht  a',  ei  nun,  trinke  wacker 
drauf  los!  Ap.  —  ver-,  in  der  RA.:  de'  Lauf  (Schutz) 
V.,  den  Gewebrlauf  durch  Senken  oder  Drehen  aus  der 
geraden  Schusslinie  kommen  lassen,  weswegen  man 
den  Glangger  (Sp.  633)  anbrachte  Z. 

Boge°-Heldet  m.:  Zeit  der  unter  helden  2  be- 
schriebenen Arbeit  im  Eebberg  Sch;  ZWL;  Syn. 
B.-Häldi.  —  Betr.  die  Form  des  W.  vgl.  £md.(  (Bd  I  214), 
Heuet,    Wimmet  u.  A. 

Häldi  Helti  m. :  wer  eine  (auf  die  Seite)  geneigte 
Haltung  hat  BThun;  vgl.  Haldi. 

Häldi  f.:  I.Abdachung.  ,Das3  das  wuer  [Wehr, 
Damm]  die  rechten  helde  bab  gen  dem  wasser  wert 
[nach  dem  W.  zu,  hinunter].'  G  Hdschr.  ,Die  höf  in 
der  heidi  gegen  Tal  an  dem  berg.'  Vad.  Der  Dat. 
mit  der  Präp.  in  zsgs.  in  adverbialer  Verbindung  = 
(den  Abhang)  herab,  abwärts.  .Alles  das  guot,  das 
von  der  obenendi  der  berge  bi  der  statt  bis  inheldi 
ze  tal  lyt.'  c.  1291.  G  Handfeste  und  ähnlich:  ,Als  der 
Schnee  von  obnende  der  bergen  und  inhelde  gegen 
disem  tal  schmilzet.'  Vad.  ~  2.  He'ldi,  in  der  EA. 
Einen  i'  der  H.  ha",  im  Zaume  halten  Ndw;  Syn. 
Egi,  Gef.  —  3.  „Häldi,  Zimmerdecke  BO." 

Mhd.  helde  in  Bed.  1.  Zu  der  adv.  Verbindung  unter  1 
vgl.  inkaldet  (inaldhet),  adclinis,  bei  Graff  IV  895  und  betr. 
die  Form  Weinh.  al.  Gr.  §  279.  —  Zu  2.  Viell.  eig.:  Einen 
beim  Kingen  in  der  kritischen  (.schiefen')  Lage  halten,  so 
dass  man  ihn  jeder  Zeit  zu  Boden  werfen  kann.  —  3  ist 
nicht  bestätigt.  Wenn  richtig  angegeben,  schliesst  sich  das 
\V.  viell.  an  Gehäld  S  an;  vgl.  ,Hille,  Hülle'  bei  Gr.  WB., 
das  auch  zu  ,hälden'  gestellt  wird,  sowie  .Hüller,  Hülder' 
bei  Schm.-Fr. 

Boge''-Heldi:  =  B.-Heldet,  auch  die  Arbeit  selbst 
ScnSt.    Hut  hat 's  etnöl  e  rSchti  B.!  rufen  sich  etwa 


1181 


Ilald,  helrt.  liild.  liolil,  huld 


nach  einem  warmen  Regen  die  Rebleute  zu,  wenn  sie 
an  jene  Arbeit  gehen,  da  alsdann  die  günstigste  Zeit 
hiefür  ist  ZWl.  —  Vgl.  die  Bezeichuung  des  Herbstnebels 
als    rruben-Kurhr. 

huldig  (in  AxZein.  -e--,  moderner  -ö*-),  „hältig", 
heldig,  heltig,  doch  meist  als  Comp,  ab-:  =  haldig. 
,l)if  Bretter   müssen  abhäldig  liegen.'   JCSülz.  1772. 

Held  I  m.:  tapferer,  starker  Mann,  allg.,  volks- 
tümlich aber  nur  in  ironischer  Anwendung  als  leichte 
Schelte.  I'*  bin  iken  H.,  schwach  in  Beziehung  auf 
Kräfte,  Mut,  Gesundheit,  Fähigkeiten.  Du  bist  m>^ 
aw*  en  schöne  H.  i'  's  Feld,  wenn  der  Acher  hinder-em 
Ofen  ist  Z  (Wortspiel  mit  Feld).  ,Der  sei  doch  ein 
kurioser  H.,  mit  dem  liesse  sich  noch  handeln,  noch 
besser  als  mit  einem  Bauer.'  Gotth.  ,Du  weissest, 
was  er  für  ein  H.  war  und  wie  er  allen  Huren  nach- 
zog.' HPest.  1781. 

Beispiele  ähnlich  gebrauchter  Titel  s.  bei  fft/er  Bd  I 
687.  Das  W.  jebt  auch  noch  fort  als  Familienn.  Z.  ,Miles 
dictus  Helt.'  1255,  Kopp,  Urk.  ,Ein  festi,  die  heldspurg 
genennt,  von  dem  amtmann,  der  hiess  der  held.'  XIII.,  Yad. 
Vgl.  noch   ,Burkart  Heltherro.'   c.   133Ö,  Z  Urk. 

Haupt-:  =  dem  Vorigen,  mit  verstärkter  Ironie, 
bes.  von  Furchtsamen  Z.  —  Truhe"-,  Wi"-:  Wein- 
heiliger Z ;  Tgl.  Urban  Bd  I  4ol/'2  und  Wtn-Helg,  aus 
dem  unser  W.  viell.  tw.  entstellt  ist. 

Held  U  s.  Hell. 

Hildi:  Personenn.,  Koseform  von  Hildebrand  WLö. 

Der  Familienn.  ,HiIt.v'  G  kann  Koseform  verschiedener 
zsgesetzter  Namen  sein,  deren  erster  Bestandteil  mhd.  Hill, 
häde,  »hd.  hiltja,  Kampf,  ist.  .Hilf  als  -1.  Bestandteil  zsge- 
setzter  Frauenn.,  wie  .Kriiiinliilt.'  i-,  looo,  Z.  ,Kriemhilt' 
(s.  Sp.  679);  ,RuedhiKi.'  .-.  U.JO.  SchwTuggen  (,ein  guet 
gen.  r.',  wobei  der  Name  der  Besitzerin  auf  ihr  Besitztum 
übergegangen).  Der  Personenn.  hinwieder  in  Flurnn.,  wie 
,Hilti-Feld'  L;  ,Hitzkilch'  L  (urkundlich  ,Hiltiskilchun'); 
,Hiltis-Berg'  ZWald;  ,Hiltbrunneu'  B  (davon  der  Familieun. 
.Hiltbrnnner',  schon  LWill.  Jahrztb.),  an  dem  ein  ,Schrätteli', 
//i7(i  geheissen,  hausen  soll;   ,Hiltis-Kieden'   L  (.Hildis-');  G. 

hold  —  Comp,  holder  Ap;  ßs  (Spreng):  zugetan, 
mit  Person-  und  Sach-Obj.  Aä;  Bs;  Z,  an  letzterm 
Ort  bes.  mit  Neg.:  I'*  bin-eni  nüd  h.,  mag  diesen 
Menschen  nicht  leiden,  bin  kein  Freund  z.  B.  von 
einer  gewissen  Speise;  Syn.  ab-h.  ,Er  was  jn»°  holder 
dann  der  statt.'  Ap  Krieg  1405.  ,Etlich,  so  unser  Eid- 
gnoschaft  nit  holder.'  1529,  Absch.  ,Zelotypus,  ein 
eiferer  oder  eiferig  h.  Amans  patri»,  der  seinem 
vatterland  h.  ist.  Bene  velle  alicui  ex  animo,  einem  h. 
und  günstig  sein.'  Fris.;  Mal.  ,Man  ist  verrichteter 
Arbeit  h.,  jucundi  acti  labores.'  Hospin.  1683.  Formel- 
haft: ,Es  sollen  unserem  Feldohersten  üffizierer  und 
Soldaten  getreu,  h.  und  gehorsam  sein.'  B  Milizordn. 
1711.  Spec.  in  Liebe  geneigt,  verliebt,  von  dem  Ver- 
kehr beider  Geschlechter  Aa;  Bs;  Gr;  W.  Auch  von 
der  sinnlichen  Liebe:  verbuhlt,  geil,  wollüstig  Ap. 
,Er  hct  ir  ze  trinken  geben  us  einem  geschirr,  von 
des  [Liebes-]  trankes  wggen  sy  [dem]  N.  h.  ist  worden.' 
140(i,  L  Ratsb.;  vgl.  Lieb-Gift  Sp.  135,  Gang-viir-nach, 
lloldschaft.  ,So  der  Jüngling  anfacht  lieb  haben  und 
h.  werden.'  Zwingli.  ,lncidere  in  amorem,  in  ein  buel- 
schaft  kommen,  h.  werden.  Cepit  me  amor,  die  liebe 
hat  mich  g'fangen,  ich  bin  h.'  Fris.;  Mal.  ,Von  einer 
sehr  reifen  und  holden  Wirtstochter  sagt  Einer,  sie 
sei  so  geil...'  Scbimpfr.  1651.  ,Du  tust  dich  gar  un- 
flätig stellen,  als  könntestu  nit  fünfe  zellen  und  bist 


doch  ein  rechte  Hadermetz,  h.,  unzüchtig,  treibst  vil 
unnütz  Geschwätz.'  Wahrs.  1675.  .Niemand  als  etwa 
armselige  holde  Menschen  sehen  das  Heiraten  anders 
als  überaus  wichtig  an.'  JJUlr.  1733.  -  Dazu  das 
Subst.   Huld. 

ab-:    abgeneigt,  mit  Pers.-  und  Sach-Obj.  Z. 

fr  und-:  seinen  Freunden  und  Vwdten  zugetan, 
freundlich,  dienstfertig.  ,I)er  weislich  beredt  ist,  der 
macht  sich  selbs  fr.  und  lieplich.'  1531/48,  Sir.  = 
.Ein  Weiser  macht  sich  angenehm  mit  Worten.'  1882. 
.Ein  fr-er,  stattlicher  mann.'  Kessl.  ,Die  sag  was, 
dass  [der  neue  Abt]  ein  fridlich  und  fr.  mann  war.' 
Vad.  .Nusquam  perhibentur  blandiores  gentium,  man 
sagt,  dass  nienen  fr-er  leut  seigind.  Mellitus  puer, 
lieblich,  holdselig,  fr.  Invenustus,  unholdsSlig,  un- 
freundhold.'  Fris.;  Mal.   —  Mhd.  vriuntholi. 

,taub-  werden,  insanire  amore  alicujus.'  Mal. 

Hold  m.,  nur  in  der  Schwurforrael:  (bini)  Dunstig 
H.  SohKI.  —  Wohl  euphem.,  den  Namen  des  Teufels  ver- 
deckend ;  vgl.  Holden,  Unhold.  Mhd.  holde  nur ;  Freund,  Ge- 
liebter, Dienstmann. 

Un-:  1.  (m.,  f.,  U'holdi  f.  AAFri.)  Zauberer,  Hexe. 
,Man  sprach,  Graf  Berchtold  habe  durch  Sprüche  einer 
Unholdin  die  Wasserkaiumern  des  Himmels  geöffnet.' 
JMüLL.  Schw.-G.  z.  J.  1383.  ,Büs  unhulde,  frauen 
oder  mannen.'  1467,  B  (Gfo.).  ,Mau  hat  den  Vogt  im 
Maintal  einvernommen,  der  Uuholdinnen  wegen,  deren 
er  noch  3  im  Gefängniss  hat.'  1514,  Abbcu.  ,Wann  sy 
[die  Untertanen  von  Mendrisio]  einen  vogt  anrüefen, 
dass  er  ein  unholden  oder  hexen  fachen  solle.'  1536, 
ebd.;  vgl.  auch  Ahsch.  IV  2,  1330  (a.  1578)  u.  ö.  N.  N. 
kam  als  ,verlümdete  unholdin'  nach  Luzern  in  Haft. 
Esterm.,  Neud.  ,Unhold,  Zauberin,  saga,  venefica.' 
Mal.  ,Saul  gieng  zue  einer  unhold  [der  Zauberin  von 
Endor].'  LLav.  1569;  dafür  ,Wärsagerin.'  1670;  au 
einer  andern  Stelle  dagegen:  , Zauberin.'  ,Wie  man 
euer  mueter  und  euer  ahn  hat  verbrennt,  diewyl  sy 
waren  hexen,  unholden.'  Holzwart  1571.  ,Es  ist  ein 
grosse  torheit,  wenn  man  sagt,  die  unholden  könnind 
schwere  wetter  machen.'  LLav.  1582.  ,1588  hat  der 
Landvogt  beim  Hochgericht  eine  Unholdin  mit  dem 
Für  richten  lassen.'  Ölhafen.  ,Ein  junger  Mann  hat 
2  Wybsbilder  für  Unholden  darg(>ben.'  1601,  Ardüser. 
,Hexen  (Unholden,  Zauberinnen),  Giftkocherinnen  wer- 
den auf  der  Scheiterbeig  verbrennt.'  Spleiss  1667. 
Über  die  Sünden  einer  , Unholdin  oder  Hexen'  s.  U 
LB.  §  32.  ,Wenn  ich  vermeinte,  ich  wäre  von  einer 
Unholdin  beschädiget  worden,  dörfte  ich  nicht  bei 
solchen  Leuten  wider  Hilf  suchen.?'  JJGesn.  1702.  .Ge- 
better für  die  Unholden  zu  sprechen.'  ebd.  .MGuHH. 
wollen  sie  nun  tot  nicht  für  eine  Unholdin  erkennen.- 
1738,  Zg  Hexenproc.  1849.  Vgl.  auch  ccrgahtcrcn 
Sp.  235  (RGwerb  1646),  Unholderi  und  Liebenau  1881, 
S.  22/3.  —  2.  (n.)  ein  Gespenst  auf  Scheidegg-Alp, 
welches  sich  für  Beleidigungen  durch  ein  herauf- 
beschworenes Unwetter  rächt;  s.  Lüt.  Sag.  S.  40. 

Mhd.  unholde  m.,  f.,  Unhold,  Teufel,  Hexe.  S.  noch 
Osenbr.  1S60,  377/83;  Gfd  23,  351/67;  CMey.  1884,  240  ff. 
299  ff.;  B  Taschenb.  1870,  149/234;  FrFischer  1840;  Bux- 
torf-Falkeisen  1868;  Soldan-Heppe  II  137  ff.  315  ff.  Vgl. 
auch  Hayd  und  s.  noch    Unholder. 

E  r  n  - :     volksetymologische    Umd.    von    ,Herold'. 

GGOTTH.  1619.  —  Vgl.  ,Ehrenhold'  bei  Gr.  WB.  u.  Er-Huli. 

holdele»  „U;"  W,  höldele'  Ar:  dim.  von  Iwlden, 

verliebt    scherzen,    den    Hof    machen,    (lieb-)  kosen, 


Hald,  held,  hild.  hold,  huld 


118-1 


liebeln,  buhlerisch  um  ein  Mädchen  werben  „U;"  W; 
Syn.  höfelen,  karessieren,  buelen,  wüschen.  Sich  geil 
geberden,  einen  geilen  Geruch  (z.  B.  von  Schweiss  aus 
der  Achselgrube)  von  sich  geben  Ap(T.);  Syn.  böckelen. 

Holden  m.:  Name  des  Teufels  in  den  Hexen- 
processakten  des  XVI.  (Gfd  23,  3.J6). 

Nach  der  Buhlschaft,  welche  der  Teufel  mit  den  Hexen 
treiben  sollte;  vgl.   Hold. 

holde".  ,Um  (mit)  Jmd  h.',  sich  ihn  geneigt  zu 
machen,  zu  Etw.  zu  bereden  suchen,  ihn  umwerben, 
ihm  den  Hof  macheu  GrL.,  Val.  (Mit-^andJ  h., 
kosen  Gr.  Spec.  um  ein  Mädchen  werben,  freien  Gr. 
Mit  Einere''  h.,  mit  ihr  ein  Liebesverhältniss  unter- 
halten, sie  Abends  besuchen  Gr;  Syn.  kilten.  Vgl. 
noch  Holdi,  Holdi-Pitten,  Holder-Stock.  G'holdet  ist 
nit  g'huset  od. :  Hüse"  ist  nid  h.  [mit  blosser  Liebschaft 
wird  der  Hausstand  noch  nicht  gegründet].  Sprww. 
1824;  18Ü9;  vgl.  CO"  der  Liehi  rllei'  het-m^'  nüd 
g'fresse".  ,Um  Etw.  h.',  Etw.  durch  Liebeswerben  zu 
erlangen  suchen  GnVal.;  vgl.  nhd.  ',buhlen  um  Etw.' 
—   Auch  tir.  ;  vgl.   Fr.,  Ztschr.  VI   1.53. 

Ter-:  des  ,Holdens'  satt  sein,  es  abtun  Gr;  Syn. 
ver-buelen. 

Holder  I  AaF.,  Holder,  Hölter  S  —  m.:  Lieb- 
haber, Freier;  Syn.  Holdi,  Kilter,  Liechter,  Schatz. 
Vgl.  auch  Hold-Knah,  -Gesell.  Wenn  der  Son  vom 
Hus  uf  der  Wacht  stöt  für  d'  Holder  vu'  der  Magd 
z'rugg  z'  wehre".  BWyss. 

Un-:  Zauberer.  ,Der  Landvogt  in  Bollen z  habe 
etliche  Unholder  hinrichten  lassen.'  1636,  Absch.  — 
Meitli-:  Knabe,  der  gerne  den  Mädchen  nachgeht 
AASt. ;  GRh. ;  Syn.  Kinden-  (Meitli-)Sehmecker ;  andere 
s.  u.  MeitU-Fütsler  Bd  I  1157.  —  Buebe"-  m.:  Mäd- 
chen, das  den  Knaben  nachgeht  AASt.;  GRh.  Syn. 
Bueben-Fötzlerin,  -Brät. 

Holderi  f.:  Liebesverhältniss  Gr;  Syn.  Holding, 
Holdschaß. 

Un-:  Zauberei,  Hexerei.  ,[Sie]  ist  betreifend  der 
leidigen  hexeri  und  unholderi  vom  leben  zum  tot  ge- 
richtet worden.'  1459,  Gpd.  ,Klag  über  ein  Unholdin 
oder  Hexen,  welche  des  Lasters  der  U.  schuldig  er- 
funden worden.'  XVIL,  Obw.  ,Maleflzisch  Sachen  sind : 
Ketzerei,  U.,  Mord,  Brennen.'  1607,  U.  ,Der  Landvogt 
in  BoUenz  berichtet,  dass  viele  minderjährige  Kinder 
sich  selbst  als  der  U.  schuldig  angeben.'  1630,  Absch. 
V  '2,  1880;  vgl.  ebd.  S.  1901. 

ver-holdet:  verliebt,  einen  Freier  habend  Gr. 
Es  v-s  Pärli.  Ha  und  dort  ania  v-n  G'schöpfli  d'r 
Chopf  no'''  graggär  verdrehe".  Schwzd. 

Holdi  1  m.:  =  Holder  I  Z  (auch  Huldi).  Si  hat 
en  H;  de  H  ist  nacht  bi-n-ere  (z'  Liecht)  g'sl".  Stutz. 

„Pump er-:  Einer,  der  ein  Mädchen  liebt,  weil 
es  ihn  füttert  LG." 

Pumper,  Sack  im  Kleide;  P.-Uoldi  eig.  also  derjenige, 
dem  man  im  Piimpor  zuträgt.  Lt  St.''  vcrdanlft  das  W. 
seinen  Ursprung  spec.  einer  Begebenheit  aus  der  Zeit  der 
Teuerung  von  1690,  .<ils  nämlich  die  Mädchen,  um  sich  doch 
lustig  machen  zu  können,  ihren  Liebhabern  im  , Pumper' 
Esswaaren  zutrugen. 

Holdi  U  f.  Bs  (Ochs);  „Gr",  n.  Aa  (Minnich);  L: 
Geliebte,  Liebchen.  Hrü  Nägeli  und  'ne  Bosmarl  — 
i"-''  möcht  im'''  gern  bim  H.  sl"  L  (Volkslied). 


Ab-Holdin:  Hexe,  Zauberin.  ,Ein  a.  ist  zue  0. 
gericht  worden.'  Vad. 

Auch  von  dem  Syn.  Unhold(e),  -in  ist  fast  nur  das  Fem. 
belegt;  schon  nach  dem  Glauben  des  deutschen  Altertums 
sollte  die  Zauberkraft  bes.  Frauen  verliehen  sein;  vgl.  Gr. 
Myth.  990/1.     In  der  MA.  ganz  verdrängt  durch   Hex. 

Holdi°gf.:  Liebschaft,  Liebesverhältniss  Gr.  Er 
hed  lang  d'  H.  mit-re  k'han  GrL. 

Hold  Schaft  f.:  Gewogenheit,  Zuneigung,  Gnade, 
Huld.  ,Gnad  um  gnad,  d.  i.  gunst  um  gunst,  h.  um  h.' 
ZwiNGLi.  ,Der  seinen  neid  wol  konnte  verbergen  und 
für  gunst,  h.  und  liebe  darbieten  und  angeben.'  1586, 
Beitr.  Lauff.  Spec.  Liebesverhältniss,  Liebschaft  Gr 
{Holdsclie/tj ;  W.  „Buhlschaft  Gr."  ,[Ehen,  so]  aus 
h.,  d.  i.  aus  unsinnigkeit  beschehend.'  15'27,  HBull. 
, Krank  vor  h.'  1548/60,  Cant.;  dafür:  ,in  liebe  ver- 
wundt.'  1531;  , krank  vor  Liebe.'  1882.  ,Da8s  er  dem 
meitlin  ubertreffenlich  hold  gewesen  und  was  er  un- 
erlichs  jren  zugeredt,  habe  er  us  luterer  h.  geton.' 
,M.  XVI.,  Z  Gerichtsakt.  ,Amatorium,  gangmirnach, 
ein  äss  oder  trank,  das  h.  bringt.  Araores  densi,  emsige 
buelschaft,  treffenliche  h.  Amor,  amabilitas,  charitas, 
flamma  mollis,  amatio,  liebe,  h.'  Fris.  ;  Mal.  ,Dardurch 
dass  sy  sich  hindersinnend,  als  zun  zyten  den  künst- 
leren widerfart:  etwann  durch  langwirige  krankheit, 
durch  h.  und  andere  fäl.'  LLav.  1569;  dafür:  .durch 
unsinnige  Liebe.'  1670.  ,Bei  H.  und  bei  Wein  ist 
Wollust  und  auch  Streit.  Cum  venere,  mit  oder  bei 
der  H.'  Cato  1648.  ,Auch  die  Weiber,  welche  in  eine 
allzu  grosse  Brunst  und  H.  verfallen  oder  einen  fu- 
rorem  uterinum  bekommen.'  JJLed  1727.  S.  noch 
vergeben  Sp.  87  und  vgl.  Huldschaft. 

Mhd.  holtKchaß,  Gewogenheit,  Freundschaft,  freundliche 
Verbindung.  Bei  Kuhn,  Ztschr.  XV  264  wird  die  Bed. 
,sinnliche  Zuneigung'  als  specifisch  alem.  bezeichnet. 

holdselig:  1.  lieb,  traut,  in  der  Grussformel:  Bist 
an  lieba  h-n  (an  liehi  h-i_),  an  Männer,  bzw.  Frauen 
Grü.  Unterschnitt.  —  2.  vergnügt,  aufgeräumt,  fröh- 
lich, heiter  GRÜbS.;  Zg;  Z;  Syn.  selig.  H.  Litt. 
H.  drV  luege".  —  3.  gespräctiig,  redselig  Aa;  L. 
's  Trinke"  macht  h.  Ineichen.  —  4.  sich  gut  anlassend, 
Fresslust  zeigend,  von  Kühen  GRmPr.  (lt  8.11109); 
Syn.  gefräss  ßd  I  1319.  —  un-:  missvergnügt.  Narr 
zu  Hcrodes:  .Kratz  im  köpf,  du  unholdseiger  nasen- 
tropf!'  Aal  1549. 

Schwerlich  zsges.  mit  selig,  vgl.  vielmehr  die  Anm.  zu 
nrbeitHcHij.   —   4  eine  Anwendung  von  2  auf  Tiere. 

Hijldi  f.:  Verliebtheit  Bs  (Dorn.);  Sulger. 

höldig:  verliebt,  heiratslustig,  mannstoll  Gl; 
ScnSt.  (Sulger). 

Holder  n  Aa;  Ap;  Bs;  B;  VOtw.;  Gl;  G;  Sch; 
Th;  Z,  Holler  BsB.;  F;  SB.,  Tierst.  —  m..  Holdere 
Aa;  GRVaL;  LSurs.,  WilL;  Schw;  Th;  UwEmm.;  U  tw.; 
ZO.,  Holderne  GrD.  —  f.:  1.  Holunder,  samb.  a)  ge- 
meiner H.,  samb.  nigra,  allg.,  häufig  zsgs.  H.-Baum, 
-Stüd,  -Stock.  .Holderbaum,  -stauden,  samb.'  Mal. 
,Es  was  im  herbst,  holderbluest  an  nit  wenig  holder- 
böumen.'  Vad.  Der  Baum  ist  bes.  seines  mannigfachen 
Nutzens  wegen  (er  liefert  eine  vollständige  Hausapo- 
theke) Gegenstand  mannigfachen  Glaubens  und  Aber- 
glaubens und  hoher,  fast  heiliger  Verehrung  geworden : 
Vor  der  Holdere"  sell-mr"  de"  Huet  abzieh'"  und  vor 
der  Beckholdere"  's  Ghnü  büge"  (de"  Reverenz  mache") 
L;  Sch;   Z.     Wie  d'  H.  bittend,  so   blüend   d' Rebe", 


1185 


Hald,  held,  hild,  hold,  liuld 


1186 


d.  h.  ihr  Blühen  ist  vorbedeutend  für  dasjenige  der 
Reben  L;  Z.  ,Wenn  der  H.  nach  dem  Verblühen 
gut  ansetzt,  gibt  es  ein  gutes  Kornjahr.'  1595,  L. 
Der  Baum  schützt  vor  dem  Blitz  (ZO.),  vor  Feuers- 
gefahr (L),  Seuchen  und  Verzauberung  (ZO.)  und  wird 
daher  bes.  vor  Scheunen  und  Häusern  gepflanzt.  Unter 
ihm  werden  ausgebrochene  Zähne,  abgeschnittene 
Haare  und  Nägel  vergraben  (oder  verbrannt),  damit 
man  frei  bleibe  vor  Zahn-  und  Kopfschmerz  und  die 
Hexen  nicht,  indem  sie  sich  der  Dinge  bemächtigen, 
damit  Unheil  stiften  können  L;  ZO.  Aststücke  vom 
H.  sott  ein  Senn  im  Kessel  gegen  bösen  Spuk;  s.  Lüt, 
Sag.  S.  212/3;  dagegen  machte  eine  Hexe  (s.  ebd. 
S.  223)  mit  einem  Holunderzweig  böse  Wetter.  Auch 
auf  Kirchhöfen  wird  der  Holunderstrauch  gepflanzt. 
An  vielen  kath.  Orten  werden  am  Fronleichnamstage 
alle  Gassen  mit  Holunderzweigen  bestreut.  Ein  Hasel- 
stöckchen,  mit  einem  Zweige  vom  Holunderbaume  in 
ein  Kreuz  geformt,  schützt  vor  dem  Einfluss  des  wü- 
tenden Heeres.  Solche  Kreuze  werden  auch  in  die 
(auf  die  Spitze  der)  Osterpalmen  gesteckt  und  geweiht. 
VoNBUN ;  RooHU.  S.  noch  Leben-Lang.  Das  Holunder- 
holz darf  nicht  (oder  nur  von  Wittwen  und  Waisen 
GrD.)  verbrannt  werden,  sonst  zieht  man  sich  Krank- 
heiten oder  andere  Unfälle  zu  Gb;  G.  Die  Äste  sind 
nur  bei  Vollmond  mit  Mark  gefüllt,  bei  Neumond 
stehen  sie  leer  GWe.  Um  den  heftigsten  Zahnschmerz 
zu  stillen,  genügt  es,  den  mittelsten  Wipfel  einer  Ho- 
lunderstaude herunterzubiegen.  Vonbcn.  Wer  Warzen 
hat,  braucht  nur  einen  Zweig  teilweise  abzubrechen; 
in  dem  Masse,  wie  dieser  verdorrt,  verschwinden  auch 
jene  nach  und  nach  GT.  Ähnlich  werden  unter  Be- 
obachtung gewisser  Formen  drei  Schosse  von  einer 
Holunderstaude  abgeschnitten  und  in  das  Kamin  ge- 
hängt, um  die  Flechten  des  Viehs  zu  vertreiben. 
VoNBüN  S.  128.  Die  fallende  Sucht  wird  geheilt,  indem 
9  aus  einem  Holunderschoss  geschnittene  Scheibchen 
dem  Kranken  in  einem  seidenen  Säcklein  um  den  Hals 
gehängt  werden,  wo  sie  so  lange  bleiben,  bis  das  Säck- 
lein von  selbst  abfällt.  Doch  mues  man,  um  das  Übel 
nicht  selbst  zu  erben,  das  Säcklein  mit  einer  Zange 
fassen  und  an  einem  abgelegenen  Orte  verstecken, 
wo  es  nicht  mehr  schaden  kann  Aa  (s.  Wolf,  Ztschr. 
f.  Myth.  I  446).  , Schneidet  man  den  Holunder  im 
abgänden  Mond,  kocht  ihn  und  trinkt  darab,  so  wirkt 
er  nitsig,  schneidet  man  ihn  im  wachsenden  Mond, 
treibt  er  obsig.'  Gotth.  Die  im  Neumond  abwärts 
geschabte  oder  geschnittene  Holunderrinde  wirkt  pur- 
gierend, die  aufwärts  geschabte  als  Brechmittel  L. 
Leidet  eine  Kuh  an  Blähungen  (s.  Völli  Bd  I  785), 
so  gibt  man  ihr  einen  ,Holderprügel'  ins  Maul  Bs; 
G  oRh.  Schon  früh  benützten  die  Weinfälscher  die 
reifen  Beeren:  ,Wir  verbietend  by  hoher  Straf  das 
schantliche  Röten  und  Färben  der  Wynen,  es  seige 
mit  Acten-  und  Holderberenen,  Wiechselwyn.'  Z  Mand. 
1649/50.  ,Die  betrügerische  Übung,  den  neuen  Wein 
mit  Holdem  zu  färben,  wurde  wieder  untersagt,  damit 
aber  einmal  dem  Verbote  Statt  geben  werde,  zugleich 
bei  Straf  der  Gefangenschaft  befohlen,  die  Holder- 
stauden gänzlich  auszureuten.'  1672,  Sch  Chr.  Wer- 
den die  an  alten  Stämmen  wachsenden  Schwämme  in 
warmer  Milch  aufgeweicht  und  auf  kranke  Augen  ge- 
legt, so  ziehen  sie  den  Eiter  heraus  GWe.  ,H.  oder 
attieh,  jre  linden  bletter,  mit  gerstenmäl  geknutscht, 
[dienen]  als  ein  pflaster  [gegen  den  Biss  toller  Hunde].' 

Schweiz.  IdiotikoB  II. 


TiERB.  1563.  S.  noch  H.-Küechli,  -Latweri,  -Männli, 
-Mues,  -Blüemli,  -Brägel,  -Seclcli,  -Stüd,  -Stock,  -Toggel, 
-Träsch;  Klepf-,  Knell-,  Schleh-Büchs.  Hieher  auch 
die  Flurnn. :  Holdere"  L;  G  (,zem  Holdem.'  1321,  Gfd; 
.die  holdran  yn  und  yn.'  1493,  GKrin.  Off'n.);  ,der 
H.- Acher.'  AxWett.  Klosterarch.;  ,Holder-Boden.'  Scaw 
Woll.  ,Der  Holderen  Bur',  Zuname  eines  Anführers 
im  Bauernkrieg  1653  (s.  T.  VL.  H  127).  —  b)  meist 
mit  Zusatz  Altich-  Aa,  Slink-H.  L;  Z,  wilde"-  H.  LE.; 
GSa. ;  ScHwMa.  =  Akten  IV;  Syn.  Lakten.  ,1m  ougsten 
nimm  bluest  von  acten  oder  wild  holderbluest.  Terr 
das  und  welichen  das  gewgl  [Grimmen]  ankommt,  so 
tu  im  in  ein  brüelein  und  gib's  im  zu  essen.'  ZElgg. 
Arzneib.  —  2.  Schneeballstrauch,  viburnum.  a)  gem. 
Sehn.,  vib.  opulus  AaF.,  sonst  Nass-,  Wasser-H.  — 
h)  wild i  Holdere",  wolliger  Sehn.,  vib.  laut.  ZO.;  Syn. 
Hulftere,  Schivelch.  —  3.  Holderli(-Holz),  Wachholder, 
jun.  comm.  SchwE.  —  4.  meist  mit  einem  Zusatz: 
spanische''  Aa;  B;  G;  Th;  U;  Z  tw.,  tiirggischer  B 
(Durh.,  Zyro),  hlaiie"-  Aa;  B;  Z,  röte"-  H.  Z  Zoll., 
Flieder,  syr.  vulg.;  Syn.  Ess-Nägeli,  Nägeli-,  Maien- 
Bluest,  Win-Triiben.  ,Syr.  cser.  seu  Lilach,  spanischer 
H.,  Fuchsschwanz.'  JMüralt  1715.  —  5.  Holderli, 
junge  Buche  aScHW. 

Mhd.  holunter,  holunder,  holder,  liollcr.  Holder  iu  Bed.  1  a 
auch  bei  Ebing.  1438,  JMuralt  1715,  S.  291/2  und  ,Holder- 
bluest'  bei  JRLandenb.  1608;  Würz  1634;  JMuralt  1715 
(als  Masc).  Der  Wechsel  zw.  niännl.  und  weibl.  Form  zeigt 
sich  z.  T.  in  eiu  und  der  selben  MA.;  schon  ahd.  nahm  das 
zur  Bildung  von  Baumnameu  verwendete  Suflf.  idgerm.  tro 
sowohl  eiue  niännl.  als  eine  weibl.  Form  an;  vgl.  Kluge, 
Stammbildung  §§  94;  96.  Über  die  wahrsch.  Grundbed.  des 
W.  vgl.  Anm.  zu  Halderli.  Bestätigt  wird  die  Vermutung 
durch  die  Compp.,  sowie  durch  Flurnn.  wie  .Taun-Holderen' 
L  und  durch  das  ags.  cneow-holen,  ruscus,  das  noch  ohne  das 
Suff,  -tro  erscheint.  Es  scheint  ein  doppelformiger  Stamm  hal- 
(vgl.  russ.  Imllna)  und  hol-  angenommen  werden  zu  müssen; 
eine  Vermittlung  bzw.  Mischung  beider  Formen  zeigt  viell. 
der  seit  dem  XVll.  in  der  Form  Holderbank  bezeugte  üorfname 
Aa;  S,  der  vom  XIII.  an  bald  ,Halder-',  bald  ,Holder-Wank 
(-Wangen)'  hiess.  Über  die  mythisch-religiöse  Bed.  vgl.  Gr. 
Myth.,  S.  617/8;  Perger,  Pflanzcns.,  S.  256/62;  Mannh., 
Baumk.;  Lippert,  Christiuit..  S,  474/7.  Mit  dieser  Bed. 
scheint  der  ,HolderwaIt  zu.;  dam  heiligen  brunnen.'  1418,  Seg., 
RG.  I  599  im  Zshang  zu  stehen;   vgl.  Wolf,  Ztschr.  I  ä'ib. 

Ab-Holtere:  Feldahorn,  acer  camp.  LWin.f 
Es  lässt  sich  nicht  entscheiden,  ob  Apollra  oder  Affoltra 
die  eig.  Grundf.  ist;  jedenfalls  scheinen  Ab-  und  das  syn. 
Af-Holter(en)  erst  in  Folge  volksetymologischer  Umd.  aus 
jenen  Formen  hervorgegangen,  d.  h.  als  Compp.  von  Holder 
aufgefasst  worden  zu  sein;  vgl.  Maas-,  Buech-,  Reck-Holder. 
Dafür,  dass  Ab-  gegenüber  Ajf'-H.  sekundäre  Form  sei,  spre- 
chen Umdd.  auf  ab  wie  Ab-Horn,  -Heu,  -Krut,  -Strenzcn. 
D.igegen  zeigt  Schwab.  .Äplern'  ^  Massholder  den  unver- 
schobenen  Cons.  (s.  nd.  Apjiel-dor-el  und  Appeldoren).  Säuinit- 
liche  Formen  gehen  wohl  auf  lat.  opul-us.  Massholder,  zurück. 

Ei(ch)-Holder:  1.  Eichbusch,  in  Flurnn.  L  {Ei- 
Holdere",  bzw.  -Holtere";  ,Eicholtren.'  XIV.,  LBerom. 
Urb.);  Obw  (.Eiholtrun.'  Gfd);  ZWthur  (i"  der  Eich- 
holtere";  ,eichholtron.'  c.  1300,  ürk.).  —  2.  Ei-Holder, 
Apfelsorte  AAZein.;  Syn.  Frau-Eötiker.  —  Wahrsch. 
ebf.   blosse  Umd.   (aus  'Eieholtra). 

Aff-Holter:  \.  =  Ah- Holtere'.  ,0pnlus,  mass-,  aff- 
holter,  ist  ein  bäum  gleich  dem  ahorn,  doch  kleiner 
am  holz.  Eumpotinum,  mass-,  afl-holter.-  Fris.;  Mal. 
—  2.  Flurn.  Aa  (,in  der  Afltolteren',  neben  ,Affhal- 
teren.'    1653,  AAWett.  Klosterarch.) ;    BsReig.  (Zapf- 


Hald,  held,  hild,  hold,  huM 


1188 


holdere',   aus   z'A.);  L  (,üoli   zer   Afholtren.'    1456, 
L  Steuerb.). 

S.  Aom.  zu  Ahhohere.  Die  Flurnn.  bei  2,  sowie  die 
Bd  I  106  s.  T.  Affoher  angeführten  können  entweder  hieher 
gehören  oder  dann,  wenigstens  z.  T.,  wirklich  zu  ahd.  apfalter, 
aßalter,  Apfelbaum.  Das  Gleiche  ist  der  Fall  mit  dem  L 
Flurn.  ,RafFholderen',  wo  das  r  des  weiblichen  Art.  hinüber- 
gezogen ist,  wie  z.  B.  in  Raei  (s.  Anne  Bd  I  504/6).  Jeden- 
falls aber  wird  die  Bd  I  106  aufgestellte  Annahme,  es  liege 
eine  Zss.  mit  einem,  dem  got.  W.  tiin  entsprechenden  ahd. 
W.  für  ,Baum'  Tor,.  im  S.  der  Anm.  zu  Holder  zu  korri- 
gieren sein. 

Ast-Holder:  =  Äb-H.  SNA. 

Nach  den  Maserbildungen  benannt,  wie  sie  bei  Astspuren 
im  Holze  Torkommen;  der  Baum  heisst  darum  auch  ,Maser- 
Holdcr'  (Entstellung  aus  ,Mass-Holder').     Vgl.  Fladtr  4. 

Attich-  s.  Holder  Ib.  —  Ful-:  Beinweide,  Ion. 
syl.  GoBh.;  Syn.  Geiss-Hasel,  Besen-Ris  u.  A.  Vgl. 
Ful-Hoh,  -Baum. 

Hirsch-,  Hirz-:  Traubenholunder,  samb.  rac.  ß; 
Syn.  Biiech-,  Berg-,  Wald-H. 

Der  Name  bezieht  sich  viell.  nur  auf  den  im  Ggs.  zum 
Hus-H.  abgelegneren  Standort  der  Pflanze ;  vgl.   Berg-H. 

Hus-:  =  Holder  1  a  GuT. 

Mass-,  in  Aa  -Holdere  f.,  in  BBiel  -Holler: 
l.  =  Ab-H.  Aa;VO;  Gl;  Gr;  G;  Sch;  Th;  Z.  Mass- 
Mlderis,  Massholderholz;  es  gilt  als  hart,  s.  Ast-H. 
und  Mass-Holder-Grind.  .Massholderbaum  oder  ahorn, 
acer.  Ein  massholtertisch  oder  von  massholter  gemacht, 
acerna  mensa.'  Mal.  S.  noch  Aff-H.  —  2.  a)  =  Hol- 
der 2  a  ZO.  —  h)  =  Holder  3  b  Aa.  —  3.  Spitzahorn, 
acer  plat.  ,Massholtergeschl6cht,  carpinus;  massholter- 
böumin,  carpinius.'  Mal.  , Carpinus,  eine  Gattung 
Massholderbaum,  Lcinbauni.'  Denzl.  1677;  1716.  — 
4.  in  Flurnn.  Mas-Holdere"  L,  Massholtere  ZWäd. 
,Der  Massholder-Acher.'  1522,  Gfd;  =  ,M.-holter- 
Acher.'  1602,  L.  ,Der  Infang  in  der  Masholteren.' 
1660,  LHorw. 

Aus  mhd.  maßalter,  maßolter  in  Bed.  1,  mit  formeller 
Anlehnung  an  Holder,  s.  Aura,  zu  Ah-Holteren.  Die  t5ber- 
tragung  auf  2  u.  3  erklärt  sich  aus  einer  gewissen  äussern 
Ähnlichkeit,  bei  2  a  spec.  aus  derjenigen  der  Blätter. 

Mos-:  Vogelbeerbaum,  sorb.  auc.  Ap.  Vgl.  das 
Syn.  Mos-Esch  Bd  I  568. 

Nass  -  Holdere  :  =  ffoZrfer  .9  a  AABb.  —  Liebt 
nassen  Boden,  daher  auch    Wasser-H.  genannt. 

Buech-:  \.  ^  Hirz-H.  ,Buchholder,  wilder  Ho- 
lunder, samb.  rac.  rubra  (montana).'  JJWagner  1680. 
—  2.  jBuechholter' ,  Attich ,  samb.  eb.  CGesn.  — 
3.  Buecholtere,  Klettenkerbel,  anthr.  silv.  TnSteckb. 
.Persolata,  dicitur  et  personata,  das  gross  klettenkraut, 
etlich  nennend  es  buechholder.'  Fris.;  =  .buechholter.' 
Mal.  —  4.  Personenn.  ,Heini  Buochholter.'  XIV.,  L 
Propsteirod. 

Bed.  3  zu  ahd.  luocholier,  cicuta,  welches  W.  leicht  auf 
andere  vwdte  Doldenpflanzen  übertragen  werden  konnte  und 
sich  schliesslich  wie  Maes-H.  an  Holder  anlehnte.  Vgl.  noch 
Schm.-Fr.  I  197  und  Gr.  WB.:  .Buchalter,  Buchholter.'  Die 
Etymologie  des  W.  ist  dunkel,  denn  das  Syn.  Heu-Buchlen, 
welches  auf  die  Verwendung  des  Stengels  als  Blasrohr  Bezug 
hat  (vgl.  die  Synn.  6üye  2  a  Sp.  156,  Pß/en-Stengel),  liegt 
lautlich  zu  weit  ab.  Den  Bedd.  1  u.  2  liegt  lautlich  und 
begrifflich  Holder  zu   Grunde. 

Berg-:  =  Hirsch-H.  L;  Zg.  ,[Die  Hirsche  fressen 
gern]  hirzwurz  und  wald-  oder  bergholder,  so  rote 
bere  tragt.'  Tierb.  1563. 


Eech-  UWas.,  Back-  B  (It  Durh.),  Rauk-  Schw 
Ma.,  Low.;  UU.,  Räuk-  LE.;  Schw;  Th;  Uw;  U, 
B  =  räuk-  ScHwGross,  Reck-  Aa;  Ap;  Bs;  B;  VO; 
Gr;  G;  Sch;  Th;  W:  Z,  Dreck-  GRChurw.,  ObS.; 
LW.;  Schw  tw.,  ,Weck-'  ä.  Lit,  -Holder  Aa;  Ap; 
Bs;  B;  VO;GRtw.;  G;  Th;  W;  Z,  -Holter  B;  GnPr., 
Rhw.;  GMarb. ;  ScHwtw.;  ü;  Zg  —  m.,  -Holdere" 
Ltw.;  Sch;  ScHwtw.;  Tntw.;  U;  Z,  -Holtere°GRD.; 
LW.;  ScHWtw.;  Th;  Uw;  USis.,  Urs.  —  f.,  zsgez. 
Rgckolder  Aa;  B;  L;  Gtw.;  ZS.,  -olter  Gl  -  m., 
-oldere  ZO.,  -oltere  Sch  —  f.:  1.  meist  zsges.  mit 
-Baum,  -Bösche,  -Stud.  a)  gem.  Wachholder,  jun. 
comm.  allg.  Syn.  B'räukberi-Stüd.  ,Ein  grosse  wyte, 
mit  reckholtcrstuden  [bewachsen].'  1476,  Bs  Chr.  ,Elia 
satzt  sich  under  einen  reckholtcrn.'  1531/48,  I.  KöN.; 
dafür:  .Wachholter.'  1667.  .Reckholterbaum  oder 
-Stauden,  juniperus.'  Mal.  Ein  ,regkolterboum'  als 
Flurgrenze.  Sch  Rüdl.-Buchb.  Olfn.  In  Glaube  und 
Brauch  spielt  die  Pflanze  eine  ähnliche  Rolle  wie  der 
Holunder.  Als  immergrün  ist  sie  ein  Bild  des  Lebens 
und  der  Verjüngung.  Der  Wachholder  vertreibt  durch 
Zauberkraft  hervorgerufene  Seuchen,  böse  Geister, 
Gewitter,  Ungeziefer.  Gegen  Zahnschmerzen  ritzt  man 
das  Zahnfleisch  mit  einem  Stäbchen  aus  einjährigem 
Holze  blutig  L  (Ineichen).  Eine  Weile  auf  einem 
W.-Strauch  stehen  vertreibt  die  Hühneraugen.  Vonbun. 
Von  einem  Strauch,  der  schwarze  und  grüne  Beeren 
zugleich  hat,  schneidet  man  vor  Sonnenaufgang  3  Äst- 
chen mit  einem  scharfen  Messer  und  zwar  jedes  3  Mal 
durch  und  spricht  dabei:  ,R.,  gib  dich  gefangen,  dass 
dem  N.  N.  seine  Warzen  vergangen.  Im  Namen  Gottes' 
usw.  Darauf  legt  man  auf  jedes  Ästchen  3  reine, 
kleine  Kieselsteine  und  so,  wie  die  Ästehen  verdorren, 
vergehen  auch  die  Warzen  Aa.  Schlüssel,  welche  die 
Pforten  zu  verzauberten  Sehätzen  öffnen  sind  in 
W.-Stauden  verborgen,  so  am  .heidnischen  Bühl'  in 
WEaron;  s.  Z  Anz.  1873,  S.  401.  W.-Zweige,  beim 
Stecken  der  Kartofi'eln  in  die  Löcher  gelegt,  vertreiben 
die  Mäuse  GWe.  Die  von  Schösschen,  welche  in  einer 
Flasche  den  Sonnenstrahlen  ausgesetzt  werden,  sich 
ausscheidende  Flüssigkeit  wird  in  entzündete  Augen 
geträufelt  GT.  Ein  Absud  von  W.-Holz  und  Linden- 
bast dient  gegen  die  Blut-Abzehrung  GWe.  Um 
Schwitzbäder  zu  bereiten,  verbrannte  man  entw.  unter 
einem  leeren  Salzfass  W.-  oder  Eebholz  (anderes 
durfte  es  nicht  sein)  oder  füllte  einen  Topf,  in  wel- 
chem ein  Absud  von  W.-  oder  Föhrenzweigen  war, 
mit  erhitzten  geäderten  Kieseln  aus  einem  fliessenden 
Wasser,  und  nahm  das  Bad  dann  in  dem  darüber  ge- 
stülpten Salzfasse  Z.  Aus  dem  abgestorbenen,  wind- 
dürren Holze  macht  man  Schwitzthee  G.  Sonst  dienen 
Holz,  Zweige  (E. -Chris,  -Schössli,  -Schützli'g)  und 
Beeren  vielfach  als  Räuchermittel.  ,Reckoldcr-Beri. 
Kein  Stank  ist,  den  E.-Beeren  auf  heisser  Glut  nicht 
schnell  verzehren.'  Z  Ausrufb.  S.  auch  biegen.  ,Swer 
dehein  rekolteren  brennet  in  der  statt.'  ä.  L  Stadtb. 
.[In  der  teuren  Zeit]  g'lebtend  [die  armen  Leute]  der 
reckholterwurzen.  Sy  habend  dieselben  verkauft,  dann 
man  damit  röukt,  dass  sy  aus  dem  erlösten  gelt  speis 
kauftind.'  LLav.  1582.  ,Gute,  anmutige  Rauch  mit 
angezündetem  Weckholderholz.'  Bs  Mand.  1667.  Der 
Rauchdampf  wird  in  leidende  Ohren  geleitet  (Rhiner). 
,N.  N.  habe  seine  Kinder  [gegen  offene  Schäden]  mit 
Wachholderholzöl  gesalbt.'  Z  Rechtspfl.  1838.  Die 
Beeren  dienen  gegen  die  Pest   GSa. ;   als  Würze;    zu 


Hald,  held,  hikl,  hold,  huld 


Thee  und  als  Znsatz  zu  geröstetem  Kaffee,  bes.  gegen 
Gliederkrankheit  und  Wassersucht;  gegen  ersteres 
Leiden  auch  in  Form  von  Pflaster ;  zu  Latwerge  (reck- 
höMeme  Latu-eri)  Ar;  gemischt  mit  Kleie  und  Salz 
als  Futter  für  Ziegen  und  Schafe  ü.  Sie  werden  zer- 
stossen  mit  dem  Rauch-  und  Schnupftabak  vermischt 
GoT.  und  endlich  roh  gegessen,  bes.  auch  In  der 
Meinung,  damit  das  Gesicht  gut  zu  erhalten.  Daher 
in  den  .Arzneibüchern  (z.B.  Zg  Arzneib.  1588:  ,Eeck-, 
rächholderberi')  vielfach  als  Bestandteil  von  man- 
cherlei Heilmitteln  genannt.  In  ZStdt  und  Wthur 
wurde  der  im  Herbst  Statt  findende  ,Zug  in  die  Reck- 
holderen' ein  Schul-  und  Jugendfest  mit  militärischem 
Gepräge.  In  Wthur  hatte  dabei  jeder  Teilnehmer  eine 
Bürde  W.-Gesträuch  zu  hauen,  welches  dann  das  Jahr 
über  in  den  Häusern  als  Räucherwerk  diente.  Doch 
sah  sich  die  Obrigkeit  zum  Einschreiten  veranlasst: 
,Die  schuelmeister  dürfen  wegen  den  reckholderen 
keinen  Urlaub  geben,  da  die  knaben  allen  unfueg 
tryben,  mit  den  waffen  hinaus  laufen.'  1561,  Z  Schul- 
prot.  ,[Die  Kinder  sollen]  nicht  nach  altem  bruch  mit 
trummen  und  pfyfen,  sondern  guet  schuelmeisterisch 
mit  psalmenbüechlinen  und  christlichem  lobgesang  in 
die  reckholderen  ziehen.'  1589,  ZWthur.  Näheres 
bei  Troll  II  63  ff.;  Rochh.  1857,  S.  490/1;  vgl.  auch 
Tannen- Fuer  Bd  1  974,  Maien-,  Bueten-Zug.  Be- 
deutungsvoll ist  die  Verwendung  des  E.  zu  Fastnacht- 
feuern (s.  Bd  I  947):  ,Wie  vilfaltig  aber  das  4.  Gebott 
übertretten  werde,  ligt  am  Tag,  da  man  etwann  ein 
Sonntag  zwen  oder  drei  darvor  [vor  der  Fastnacht] 
die  Reckholderen  eintweders  zuehintreit  oder  auch 
-schüttet.'  FASTN.-Pred.  1601.  —  b)  Zwerg-W.,  jun. 
nana  Gr.  —  c)  Seven-,  Sade-Baum,  jun.  sab.  Gr  (It  B). 
—  2.  Wachholderbranntwein  GaPr.,  sonst  R.-Bräm, 
-Wasser.  ,Ein  Beckholderwässerle,  das  hat  uns  red- 
selig  und   mich  durstig   gemacht.'    UBragg.  1787.  — 

3.  Wachholderdrossel.  Ruep  1550  (.räckholter');  sonst 
R.-Vogel  (s.  Bd  I  694).  auch  Ap.  ferner:  ,Eeckolter- 
vogel.'  1381,  ScH  Stdtb.;  ,Reckholter-Vögel',  als  Speise 
für  Feinschmecker.  JMürer  1575;  1661,  B  Taschenb. 
.ein  Reckholder-Vogel  um  6  Hlr.'  FHaffner  1666.  — 

4.  in  Flur-  und  Familienn.  ,Rach-'  B;  L,  .Reck-Hol- 
dere"', bzw.  ,-Holteren' B;  L;  Z.  .Eeckolter' Gr.  ,Zem 
recholter-acher.'  c.  1300,  L;  ,der  Eeckholter-Acher.' 
1653,  AAWett.  Klosterarch.  ,Eacholter',  Familienn. 
XV.,  BSigr..  jetzt  Racheter.  —  reckholterin:  aus 
Wachholderholz.  Ein  Schreiner,  der  sich  auf  der 
Stube  unschicklich  aufgeführt,  ,gewert  [als  Busse] 
ein  klein  reckholteris  trucklin  [Kästchen].'  M.  XVI., 
EsTERM.  Neud. 

Mild,  reckolter,  reckhoUer,  ein  wesentlich  al.  W.,  gegenüber 
den  sonstigen  mhd.  Synn.  icecholter  (bei  Kessler  ,Wechholter- 
ber';  bei  JRLandenb.  ,Weckholder'),  wachatler  (wozu  nhd. 
,Wachholder'),  queckolter.  Die  Verdunklung  des  wahren  Ur- 
sprungs der  tw.  in  einander  geflossenen  WW.  hat  mannig- 
fache Umdd.  und  Schwankungen  in  Geschlecht  und  Form 
zur  Folge  gehabt;  vgl.  Anm.  zu  Holder.  Bei  uns  überwiegen 
die  Ausdeutungen  auf  rauken,  räuken,  rauchen;  räuchern, 
während  .Kach-,  Rack-,  Reck-H.'  ihre  Vocale  durch  Ver- 
quickung mit  ,Wach-'  und  ,Queck-H.'  erhalten  haben.  Mit 
,Ab-Holtere'  und  den  dort  angeführten  erfuhr  das  W.  die 
Umd.  der  Endsilben  auf  Holder,  so  dass  es  als  Zss.  erschien, 
aus  welcher  durch  Verschmelzung  des  h  mit  dem  voraus- 
gehenden Guttural  dann  erst  die  vereinfachten  Heckolder  usw. 
entstanden;  vgl.  Anm.  zu  Kilch-Hof.  Betr.  die  mythisch-rel. 
Bed.  der  Pflanze  vgl.  Gr.  Myth.,  S.  618/9:  Lippert,  Christent., 


S.  477/8;  Wolf,  Ztschr.  I  326;  Perger,  Pflanzens.  S.  346/50; 
Kuhn  1886,  S.  168/9;  209/10.  S.  noch  Z  Ausrufb.  Nr.  33 
(,Reckholder-Stude'),  Nr.  40  (,Reckholter-Holz'),  Nr.  106 
(,Reckolter-Wasser'). 

Schind-  ,Ap;  GRh.",  Schint-  niTit,  Schinz- 
TuAffeltr.,  -Holder  mTn  —  m.,  -Holdere  „Ap; 
GRh.',  -Holtere  mTn  —  f.:  1.  vom  Haar  oder  der 
Oberhaut  entblösste  Stelle,  bes.  weisser  Fleck  auf  der 
Gesichtshaut,  eine  Folge  krankhafter  Abschuppung 
der  Epidermis,  z.  B.  bei  Schorf,  Flechten  niTu.  Roter, 
später  weisslich  werdender  Fleck  auf  der  Haut,  wel- 
cher einen  brennenden  Schmerz  verursacht  TnAffeltr.; 
Syn.  Zitier- Mal;  vgl.  Antonis-Für  Bdl  944;  Schwind- 
Flecken  Bd  I  1190.  —  2.  Ausschlagskrankheit  beim 
Vieh,  wobei  zuerst  am  Kopfe  und  bes.  um  die  Augen 
Pusteln  hervorbrechen,  die  sich  von  dort  aus  dann 
über  den  ganzen  Körper  verbreiten  „Ap;  GRh.;"  Tu; 
Arch.  Vet.  (wo  hiefür  auch  nur  .Holdere').  —  3.  Schild- 
flechte, peltigera  canina,  eine  Pflanze,  welche  im  dürren 
Zustande  den  Rasen  wie  mit  weissen  Flecken  über- 
zieht und  daher  als  sympathetisches  Mittel  gegen  die 
unter  1  genannte,  der  äussern  Erscheinungsform  nach 
ähnliche  Krankheit  wirken  soll  niTn;  vgl.  ScMn- 
HoUere-Krüt.  —  Scheint  aus  Schind-Uälen  mit  sinnloser 
Anlehnung  au  Holder  entstellt. 

Stech-Holtere:  Stechpalme;  s.  Tann-Grotzen 
Sp.  838  (FrSicher  1531).  —  Stink-Holder  s.  Hol- 
der Ib.  —  Dreck-  s.  Rech-H.  —  Wasser-:  =  BbZ- 
der  3  a  Gr;  GSa.  ,W.,  hier  Schatelke,  opulus.'  Gr 
Samml.  1779.     Vgl.  Nass-H. 

holderin,  in  Ap  hölderi" :  Adj.,  aus  Holunder. 
Hölderne  Latwäre,  Holunderlatwerge  Ap.  ,Holderin, 
sambuceus.'  Mal.  ,Aus  der  holdernen  Schlehbüchsen 
einen  Werkschübel  [Pfropfen]  herausschiessen.'  Spleiss 
1667. 

Feig- Holderen,  Pfif-Holder(en),  Pfiff-Höl- 
der  (Aptw.)  s.  Fi-Falter  Bd  I  8'20.  ,Aus  kleinen 
Wurmen  werden  Raupen  und  aus  Raupen  fliegende 
Pfeif-Holderen.  Einen  grossen,  dicken  Pfeif-Holder.' 
Anhorn  1674.     S.  noch  Tsch.,  S.  335. 

Viell.  nur  eine  der  vielfachen  Entstellungen  der  Grund- 
form mit  sinnloser  Anlehnung;  doch  fällt  viell.  in  Betracht, 
dass  Raupen  udgl.  auch  ,Holden,  Holderchen'  heissen  und 
als  Frucht  der  Buhlschaft  des  Teufels  (Hölderli)  mit  den 
Hexen  angesehen  wurden.     S.  auch  Pftf-Holter. 

holdere":  1.  sich  an  Einem  fort  drollig,  geräusch- 
voll benehmen  Ndw;  Syn.  hogeren,  polderen.  —  2.  laut 
in  den  Tag  hinein  schwatzen  Aa.  —  3.  ein  geräusch- 
voll-üppiges Leben  führen  Ndw.  —  4.  schmollen, 
grollen,  keifen  Bs ;  L.    Abi.  Holderi  m. ;  Syn.  Kolderi. 

Die  Grundbed.  ist:  lärmen,  lärmend  sich  bewegen;  vgl. 
holdri-hö  Sp.  859;  Holderi-Polder,  -Bock;  ,holdern',  hohl 
tönen,  bei  Schm.-Fr.  und  ,hohlern'  bei  Gr.  WB.  Nebenher 
gehen  in  unsern  und  andern  MAA.  Synn.  mit  k-;  vgl.  noch 
kolderen.  Betr.  den  Übergang  der  Bedd.  vgl.  haderen,  ha- 
deren I  und  II  (bes.   Anm.  zu  Letzterm  Sp.   983). 

Holdi  ni:  Koseform  für  Berchtold  AaL. 

hölderle":  eine  gewisse  Art  zu  nähen,  bei  welcher 
zwei  Stücke  Stoff,  z.  B.  die  zwei  Hälften  eines  Tisch- 
tuches so  an  einander  befestigt  werden,  dass  ein 
Zwischenraum  bleibt,  indem  an  jedem  der  betr.  Säume 
eine  sogen.  Knopfnaht  angebracht  und  die  beiden 
Nähte  dann  mit  einander  verbunden  werden  Z;  vgl. 
güngelen  3  Sp.  357  und  holen. 


1191 


Hakl-linld.    Half-liulf 


1192 


Hölderli:  1.  einer  der  in  den  Hexenprocessakten 
des  XVI.  erscheinenden  Namen  für  den  Teufel.  — 
2.  Zuname.  ,N.  N.,  genannt  H.'  SchwE.  Klosterarch. 
Pamilienn.  1719,  ApHer. 

1  wahrsch.  zu  hold,  da  der  Teufel  mit  den  Hexen  Bnlil- 
schaft  treiben  sollte;  viell.  aber  =  Schmetterling  (s.  P/iJ- 
Hulder),  da  der  Teufel  auch  in  jener  Gestalt  erscheint;  oder 
zu  holderen  (über  den  Teufel  als  den  Lärmenden  Tgl.  Anm.  zu 
RuMjgelis-Hnfen).  2  kann  zu  Holder  I  od.  //  gehören,  welches 
W.  seihst  auch  als  Familienn.  vorkommt. 

Huld,  in  Gi^7r.  Huldi  —  i.:  I.Geneigtheit,  Wohl- 
wollen, Gnade,  Gunst,  häufig  als  PI.  Nid  i"  H-i  si", 
(bei  Jmd)  nicht  in  Gunst  stehen  GßPr.  Eine'  i"  H-i 
(Hulde")  h'haltff',  ihm  gewogen  bleiben  GRPr.;  aber 
auch:  Jmds  Gunst  nicht  verscherzen,  sich  ihn  nicht 
abgeneigt  machen  B ;  Z.  .Merkst  du  nicht,  dass  er 
beim  Vater  in  H-en  kommen  muss,  wenn  [Dieser]  ja 
sagen  soll?'  Gotth.  ,N.  wollt  han  [der  Bergleute] 
holt.'  Ap  Krieg  1405.  ,Damit  er  h.  gegen  mir  be- 
schuld'te  [verdiente,  erwürbe].'  UEckst.  ,Nachdera 
hat  der  pfalzgraf  die  Eidgnossen  lang  zyt  in  holde 
gehan,  so  sy  jui  gehulfen  habend.'  Sicher  1531.  Als 
Rechtsausdruck  (vgl.  Gnad  Ib  y  Sp.  660):  ,Wenn  ein 
hofhörig  mann  ein  frowcn  nimmt,  die  nit  syn  genoss 
ist,  der  hat  [des  Grundherrn]  h.  verloren.'  ZLauf.  Offn. 
S.  noch  finden  Bd  I  847,  ansichtig,  verschütten.  — 
2.  homagium,  Huldigung,  TJntertanenpflicht.  ,[Die 
St.  Galler  seien  früher  den  Äbten]  mit  h.  und  anderer 
mer  dienstbarkeit  piiichtig  g'syn.'  Vad.  Syn.  Hulding, 
Huldschaft.  —  Die  Form  Huldi  nacli  Analogie  der  subst. 
Abll.  auf  -i  wie   Güeti,   Roll,   Schüni,   Suirchi. 

Un-:  Ungnade.  UEckst. 

hulde":  1.  huldigen.  ,Es  sind  die  Wurmser  gegen 
uns  in  Werbung,  villycht  zu  uns  zu  h.  oder  doch  brand- 
schatz zu  geben.'  1487,  Gfo.  Ges.  ,Das  sind  wol  er- 
schrecklich Schulden  [von  Seite  Derer],  welche  do 
dem  Teufel  h.'  W  (Gomser  Spiel l.  Oft  formelhaft 
verbunden  mit  dem  Syn.  .srliwunir.  z.B.  1436,  Sohadb. 
RQ.  (,hülden').  S.  auch  n/iiehrn  Sp.  79;  Absch.  IV  1  d 
485.  —  2.  zustimmen,  einwilligen.  ,Der  rat  ist  guet, 
ich  hulden  dryn.'  Aal  1549.  Auch  einmal  (i.  S.  v.  zu- 
lassen) mit  Acc:  ,Herodes  hat  syn  [Christi]  tod  g'huldet 
und  [damit]  ewige  verdanimnuss  b'schuldet  [verdient].' 
ebd.  —  8.  refl.,  eig.  sicli  in  die  Huld  eines  Höhern 
empfehlen,  ergeben,  a)  huldigen.  ,Es  soll  üch  niemer 
gerüwen,  dass  ir  üch  huldin  den  herren.'  Ap  Krieg 
1405.  ,Die  wyl  die  [rebellischen]  buren  afterum  sich 
huldeten.'  Kessi.  .Mit  dem  anhang,  dass  sie  sich 
järlich  mit  einer  steur  an  den  künig  h.  solltend.'  Vad. 
—  b)  sich  mit  Jmd  freundschaftlich  verbinden,  mit 
ihm  auskommen,  sich  vertragen.  ,Mit  der  statt  aber 
zue  St.  Gallen  huldet  er  sich  troflfenlich  und  belued 
sich  viler  Sachen  gar  wenig,  aus  welchen  sein  nachfar 
gar  vil  misshell  und  spans  macht.'  Vad.  ,Wie  nun 
[die]  Zürcher  sich  [um  ihre  Partei  zu  verstärken] 
dermassen  im  Eyntal  geholdet,  so  machtend  die  fünf 
ort  inen  euch  fründ  und  rucken.'  Sicher  1531. 

Mhd.  hulden,  geneigt  machen ;  Dienstbarkeit,  Treue  ge- 
loben. Das  Ptc.  in  synk.  Form  ,gehult'  (1.S36/U46,  Z  Chr.; 
1379,  GWyl  Arch.;  Früud);  auch  mit  Uml.  (1405,  Ap  Krieg; 
1419,  GWyl  Arch.). 

Huldschaft  f.:  1.  =  Holdschaft.  ,Gunst  und  h.' 
Vad.  —  2.  Dienstbarkeit.  ,Der  apt  bracht  die  statt 
sammt  andern  klosterleuten  [wieder]  an  seine  h.  [zwang 
sie,  ihm  zu  huldigen].'  Vad. 


Huldung  f.:  Huldigung.  1489,  Waldm.  Aufl. 
, Holdung.'  Aa  Weist,  S.  138. 

Huldi  m.:  Koseform  für  Huldreich  7.0.  ~  Vgl. 
Hihi;  IV  »V.  looc. 


Half,  helf,  hilf,  holf,  hulf. 

Hälfe  f. :  Hagenbutte  Gr  ObS. ;  Syn. Frosle  Bd  1 1330. 

Nöt-helf  m.:  kleines  Geldgeschenk,  Zehrpfennig  S. 

Be-helf  m.:  Grund  zur  Entschuldigung,  Recht- 
fertigung. ,Als  aber  die  Mannschaft  und  alle  andere 
Herrlichkeit  bis  an  das  Landgericht  an  die  VH  Orte 
gekommen  war,  haben  die  Bauern  daraus  et*as  B-s 
genommen  und  sich  nicht  mehr  so  liederlich  fangen 
lassen.'  1548,  Absch.  ,Weil  diejenigen  Orte,  welche 
dem  Gottshaus  G  versprochen,  in  den  Klagepunkten 
berührt  werden,  so  legen  die  Gesandten  ihre  B-e  da- 
wider auch  ein.'  1630,  ebd.  ,Der  Schreiber  habe  die 
B-e,  welche  Zürich  vorgebracht  habe,  weggelassen 
oder  schlecht  angeführt.'  1633,  ebd.  ,Zu  B.  seiner 
Faulkeit'  Etw.  vorbringen.  Schimpfe.  1651. 

Helfe  f.:  die  ältere  (mhd.)  Form  des  Subst.  = 
Hilfe.  ,Mit  des  rates  und  der  burger  h.'  1304,  Z  RBr. 
,Mit  synem  arbeiten  und  mit  syner  eheste  unt  äne 
myn  helf.'  1315,  ZZoll.  Urk.  ,Mit  der  helfe  gottes.' 
Niki.  V.  Bs. 

helfe»  —  Cond.  hulf,  Ptc.  g'hulfe",  in  S  ohne  g-: 
1.  a)  wie  nhd.,  abs.  od.  mit  Dat.  P.  Wenn  's  Wetter 
hulf,  es  erlaubte,  günstig  wäre  S.  ,Ich  kann  nicht 
helfen,  helf  der  Dokter.'  UBRiGG.,  der  Herrgott  Z, 
formelhaft.  (Eim)  h.  taufe',  Gevatter  stehen  GnSplüg. 
Eim  uf  d'  Geiss  h.,  in  den  Sattel,  s.  Sp.  461.  Bas 
hilft  dem  Ätti  ufs  Miieti!  das  gibt  Kraft,  von  einem 
starken  Getränk  Aa.  Alle'  cha"  ine'  nid  h.  Ineichen. 
.Jetzt  ist  mir  nicht  mehr  zuh.!'  Ausdruck  der  Über- 
raschung. Gotth.;  ähnlich:  lez  wird  's-mer  nimme 
besser!  !''•  cha"" -der  nit  h.,  aber  —  als  Einleitung 
eines  Widerspruchs,  einer  unangenehmen  Mitteilung, 
i.  S.  V.  es  tut  mir  leid,  dass  ich  dir  das  sagen  muss, 
aber  ich  muss  es  tun  B.  .Will  dem  König  Sarpedon 
mit  etlich  Haufen  z' h.  kon.'  GGotih.  1599  (nachher: 
.z'hilf').  ,Das  gmein  Sprüclnvort  luted:  Mensch  (spricht 
Gott),  hülfst  dir  selber,  so  hulf  ich  dir  ouch.'  1602, 
Ardüser.  In  der  ä.  Spr.  (bis  ins  XVII.)  steht  aber 
die  Pers.  noch  oft  im  Acc.  ,Es  mag  dich  nit  gehelfen.' 
Näfelser  Lied.  ,Was  hülfe  es  den  menschen,  so  er 
die  ganzen  weit  gewunne?'  1530,  Matth.  ,Die  sond 
die  amptlüt  h.'  1540,  Sch  Eatsprot.  ,Nit  wirt  mich 
h.  gold  noch  gelt.'  Rüef  1550.  ,'s  hilft  aber  nicht  den 
alten  Mann.'  GGotth.  1599.  .Kein  Ausred  wirt  dich 
h.  nit.'  HHGrob  1602.  ,Blas  d's  Hörn  [auf  der  Jagd] 
und  hilf  sie  dapfer  g'schwind!'  Mtricäus  1630.  S.  noch 
u.  Wiirfel-Gab  Sp.  55,  ge-  Sp.  48,  gefroren  Bd  I  1314. 
Zuweilen  beide  Casus  dicht  neben  einander:  ,Alle,  die 
jm  gehulfen.'  1336/1446,  Z  Chr.;  vorher:  ,jn  des',  ihm 
dabei,  dazu.  ,Der  gemeine  Nutz,  was  hilft  er  mich? 
Bedarf  ich  was,  mir  selbst  hilf  ich.'  JCWeissenb.  1701. 
—  b)  iron.,  drohend  (vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  951):  Wart! 
i"''  ivill-dr  h.!  ich  werde  deine  Besserung  beschleu- 
nigen, durch  Züchtigung  B;  Z.  Syn.  /''''  will  di''' 
lere'!  Mit  beigefügten  Ortsbestimmungen:  Eim  abe', 
Ilse'  h.,   ihn  herunter,   hinaus  befördern   Z.     Hör  uf 


1193 


Half,  helf,  liilf,  holf. 


schmutze»  [mit  der  Peitsche  schlagen],  stis  [sonst]  ivill 
[ich]  -dr  dann  darvon  h.,  dich  davon  abbringen,  es 
dir  verleiden  GrD.  So  auch:  Dir  will  i""  fürt  h.! 
dich  fortschaffen  L.  —  c)  selten  mit  Dat.  S.,  z.  B.  ein 
Hausgerät,  das  mangelhaft  geworden  ist,  eine  Tür, 
Uhr  udgl.  wieder  in  Stand  setzen  Gl;  Z.  ,Ist  dass 
ieraan  an  dem  gericht  keiner  urteile  folget,  wenn  er 
denn  by  synera  cid  seit,  dass  in  die  urteil,  der  er 
folget,  die  gerechter  dunke,  so  soll  er  der  urteil  wol 
geholfen  han  [seiner  Pflicht  als  Richter  ein  Genüge 
getan  haben].'  1400,  TnDiess.  Stadtr.  —  2.  raten,  einen 
Vorschlag  machen,  ein  Tun  empfehlen  (auch  ohne 
selbst  daran  Teil  zu  nehmen),  meist  in  der  Formel : 
ich  hulf,  mit  folg.  Inf.,  selten  mit  Conj.  B  (bes.  oft 
bei  Gotth.);  LG.,  und  schon  in  der  ä.  Spr.  I'*  hidf 
Gedult  ha",  es  chunnt  öppe'  von  im  selber  besser.  Gotth. 
Emel  zu  Dem  [Arzt]  weH  %'''  nimme;  wenn  er  hätt 
chönne'  helfe",  su  hätt  's  müesse'  bessere' ;  i"''  hulf  zum 
ene"  angere".  ebd.  ,He,  den  Leuten  hülfe  ich  mich 
wenig  achten.'  ebd.  ,Sie  hulf  das  Disputieren  sein 
lassen.'  ebd.  ,Er  hülfe,  sie  wollten  hinein  und  ein 
Kapitel  lesen.'  ebd.  ,H.  wollte  ich,  nicht  zu  sehr  zu 
pressieren.'  ebd.  ,An  die  [Jesuiten]  hin  hulf  ich',  ich 
meine,  man  sollte  sie  angreifen,  ebd.  , Abraham  sagte: 
Er  hälfe  ins  Bett,  er  sei  müde.'  ABitter.  ,Hermes: 
Mich  wundert,  was  er  hab  im  Sinn.  Narcissus:  We"t 
h.  gan  und  fragen  in.'  Com.  SBeati.  I'''  wütt  jetz  h. 
d' Bader  Bader  si'  la'.  Gespräch  1712.  —  3.  Ptc. 
Prät.  geholfen  sin,  beholfen,  behilflich  sein,  beistehen. 
Vgl.  behelfen.  ,Der  kaiser  soll  den  ussern  geholfen 
syn  Wider  den  inren.'  1337,  Z  Urk.  ,[Es]  soll  jm  ge- 
holfen syn,  swer  daby  ist'  1400,  TnOiess.  Stadtr. 

Ins  Ptc.  ist  u  aus  dem  Cond.  gedrungen;  es  erscheint 
auch  bei  .JHHott.  1666.  Der  Hat.  P.  hei  pers.  Suhj.  ist 
alte  Regel,  ebenso  der  Acc.  bei  sächlichem  Subj.  In  .einer 
Urteil  h.'  (1  c)  ist  U.  als  Geu.  zu  fassen,  i.  S.  v.  zu  einem 
U.  h.,  beitragen,  gemäss  der  Formel:  Rechtes  h.  iGr.  WB. 
IV  '2,  954,4,  wo  auch  ,eiuem  im  rechti-n  [vm  ilirihil  li.' 
ans  Maler  angeführt  ist).  Die  B  RA.  (■-!)  't  n,.  h  l.-i  üi. 
(.laO.  957/8)  belegt,  aber  das  ,cs'  als  sächlirh  im^sv,  r^i:iiMlru, 
während  es  auf  eine  weibliche  Person  geht. 

ab-:  1.  wie  nhd. ,  einem  Übelstand  ein  Ende 
machen.  Ich  will  dem  Ding  scho'  a.!  Z.  Mit  Dat. 
P.  und  Gen.  S.  ,Dass  [Gott]  uns  der  gfenknuss  helfe 
ab  [uns  aus  der  Gefangenschaft  befreie].'  JMürer  1559. 
,Dass  man  inen  willfaren  solle  und  mit  holz  der  alten 
schulden  a.',  d.  h.  so  viel  Holz  zu  schlagen  erlauben, 
dass  sie  aus  dem  Erlös  ihre  alten  Schulden  abtragen 
können.  1557,  Hotz,  Urk.  —  2.  „einen  Vorrat  auf- 
zehren, z.  B.  Vermögen  durchbringen "  (der  unbenutzte 
Vorrat  wird  als  eine  Last  aufgefasst,  die  beseitigt 
werden  müsse). 

u  f-:  mit  Dat.  F.,  helfen,  dass  Jmd  aufstehen  kann  Z. 
Bildl.:  zu  ökonomischem  Fortkommen  beitragen  Z; 
übli.  einen  erwünschten  Dienst  leisten;  entgegen  kom- 
men S.  , Einem  bei  den  Haaren  aufhelfen,  afflictis 
afflictionem  addere.'  Hospin.  1683.  ,Dass  Gott  widerum 
[von  der  Pest]  aufgeholfen.'  JHLav.  1668. 

Vf  ist  prägnant  i.  S.  v.  empor,  aufrecht,  also  mit  dem 
\'b.  nicht  eig.  zsgesetzt.     Vgl.   das  Folg. 

a°-:  1.  anziehen,  Etw.  in  Bewegung  setzen  helfen, 
z.B.  einen  Schlitten  GrL.;  Ndw.  „Zu  einem  guten 
Anfang  verhelfen,  in  Gang  bringen"  BHk.  Wenn-em 
a'(fhulfe"  ist  [wenn  er  angeregt  wird],  so  chann  er 
lustig   st"   Z.     ,Dem  Feur   damit   anzuhelfen.'    RCvs. 


.Addere  faccm  alicui.  Einen  reizen.  Einem  a.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  2.  mit  sächl.  Subj.:  dienen,  willkom- 
men sein,  den  Wünschen  Jmdcs  entsprechen  Z,  meist 
in  der  Formel:  es  ist  im  a'g'hulfe",  lieb,  erwünscht, 
damit  gedient,  Wasser  auf  seine  Mühle,  passt  in  seinen 
Kram  Ap;  BHk.,  Schw.;  GrL.;  Z.  Dem  ist  guet  a'- 
g'hulfe" gsi  Z.  —  3.  Ptc.  adj.  , Angeholfen,  bering, 
ferig,  promptus.'  Mal. 

Bei  3  ist  fraglich,  ob  es  i.  S.  von  1  zu  nehmen  ist: 
.angeregt,  regsam,  rührig',  also  pass.,  oder  i.  S.  v.  ,gehotfen' 
(hd/en  a),  d.  h.  hültbereit,  akt.  -  An-  ist  ^prägnant  wie  «/- 
und  die  Zss.   keine  eigentliche.       .  ' 

ent-:  1.  Einem  von  Etw.  e.,  helfen,  dass  er  es 
los  werde  Z.  Auf  eine  feine  Art  Einem  Etw.  ab- 
nehmen, entwenden.  Ebel.  Vgl.  ah-h.  2.  —  2.  =  aWi.  1. 
AKlingl.  1699.  —  3.  das  Gegenteil  von  ,helfen':  Hülfe 
entziehen,  Schaden  zufügen.  , Damit  ir  dem  armen 
understandind  ze  helfen  und  im  aber  eiitheUiiid.' 
HBuLL.  1531.  .Hrlleii  will  nM  ulin-  x.-,;\.-r  l,;,,in  \uu-a 
mag,  ja  vil  me  iiihLn-  .lri-  uv,talt  .Irs  lirir,.ii,  rntliillt.' 
153'2,  Strickl.  .Diewyl  jm  syii  |(.otlr,|  l,.],..  iiiii,.tLT 
darvon  gehulfen,  so  wett  er  jm  nit  c.  .-.ijulur  jm 
ouch  verzychen.'  1534,  ÄgTschudl  .Das  kiiidliii  sull 
die  hebamm  obsich  wysen,  damit  dem.  s..  natiirlirlier 
burtmitdenihau|itle  \\ru\,:u  will,  nit  .jhHimIi..,,.  >,ii,.|,,r 
zue  söliclicr  buri  uvliull,.ii  ^\,-vA,::  K'ii.i'  l-^-M.  .!■:..  nit 
helfen,  hilf  ab.M-hl.ilirn.  arjnvan-.-  .AIai,.  ..MmMh^n, 
die  oft  mehr  e.,  dann  .ml  ln'llVn,  molir  .^,h,iik-n  als 
nützen.'  JMüll,  1666.  .Wir  \  riLmimli,  h  i.^t  ihre 
[einer  Ehefrau]  Untreu,  u.mn  .-!.■  aeni-Lll..Mi  [Manne] 
durch  Mörderei  völlig  cnthill'et.-  JMey.  ir.ül.  ,(i  des 
eilenden  Helfens,  so  der  Satan  dem  I^i-ib  hilft  und 
der  Seel  enthilft!'  JJGessner  1702. 

Bei  1  ist  wahrsch.  ironische  Anwendung  wie  hei  ah-h.  ä 
anzunehmen.  Bei  2  steht  enl-  geradezu  =  ah-.  Bei  3  hat 
es  die  auch  im  Nhd.  nicht  seltene  neg.  Bed.  Vgl.  Bd  I  352. 
Mehr  Belege  bei  Gr.   WB.   3,  557. 

US-:  aus  Verlegenheit,  Not  helfen,  z. B.  mit  Leihen 
von  Geld,  Kleidern  udgl.  Z,  auch  mit  pers.  Dienst- 
leistung, Stellvertretung:  vicarisieren,  in  Kirchen-  und 
Schuldienst,  ebd.  Mit  prägnanter,  räumliclur  Bed. 
,Man  hat  mir  me  dann  20  Mal  wellen  u.  [zur  Flucht 
aus  dem  Gefängniss].'  1607,  Ardüser. 

ver-:  nur  im  Ptc.  Prät.  mit  adj.  Bed.  i.  S.  v.  ge- 
holfen (helfen  3),  beholfen,  behilflich.  ,Ein  ersame 
oberkeit  [ist]  verhüllen  gesyn,  dass  man  disputiert 
hat.'  Kessl.  ,Dass  selbige  ihnen  mit  einer  Stür  ver- 
hülfen syn  wollen.'  1657,  Ap  Katserk. 

Auffallend  ist  der  auch  bei  Kohner,  Hoiden.  III  f.  (a.  1652) 
in  der  selben  Formel  vriikniiim. mb-  L'inl.,  «aliisch.  nach 
Anal,  von   ,hehillflich,  Gclinll.-. 

na(ch)e-:  nachhellVn.  Kim  c  clih"  ii.  (ir^n.),  den 
Tod  desselben  befördern,  .huvh  Ciit  ,<drv  .Misshand- 
lung Z. 

be-:  1.  refl.  wie  nhd.  Z.  Mr"  lihtlft-si".  wie  me' 
cha"".  Me"  mucss  si'''  z'  h'hctfc"  wiisse".  ,Die  am 
Hirzel  möchten  sich  ihrer  Capelle  als  einer  rechten 
Pfarre  b.'  1533,  Z  Synodalerk.  ,[DieseS:  Wirtshaus] 
muss  sich  der  bauren  b.'  HPanial.  1578.  Auch:  sich 
mit  Etwas  befassen,  ein  Gewerbe  betreiben,  davon 
leben.  ,Piraticam  facere,  ein  meerröuber  sein,  sich 
der  röuberei  auf  dem  meer  b.'  Fris.;  Mal.  ,Der  ge- 
meine landmann  behilft  sich  des  viehs.'  Wcrstisbn 
1580  =  .ernähren  sich  die  Leute  des  Viehs.'  1765. 
,Ein   jeder    armer,    so    sich    des   älmuesen    bi    wille.' 


Half,  helf,  hilf,  holt",  hulf 


HPantal.  1578.  S.  noch  Bd  I  1004.  —  2.  Ptc.  adj., 
wie  nhd.  ,Gieng  uns  etwas  Schadens  ze  banden,  er 
wäre  fast  beholfen  an  der  sach.'  1524,  Strickl.  ,So 
sollend  wir  nun  söliche  aufnemmen,  auf  dass  wir  der 
warheit  beholfen  werdind.'  1531/48,  III.  Jon.  =  ,Mit- 
arbeiter  der  Wahrheit.'  1667.  ,üamit  er  dem  keiser 
dester  beholfner  und  trüwer  sollte  syn.'  Ansh.  ,Be- 
hulfen  sein,  dienen,  ministrare,  esse  auxilio,  prsesidio 
esse.'  Mal.  .Unbeholfen  sin',  mit  Dat.  P.,  nicht  helfen. 
1340,  Urk.  ,Unbeh.  und  unberaten  sin',  weder  mit 
Bat  noch  mit  Tat  helfen,  s.  Sp.  17.  —  ze-weg-:  mit 
Dat.  P.:  Jmd  in  der  Not  beispringen;  sein  Glück  be- 
fördern Ndw;  W.  ,Z.,  auxilium  prsestare;  fortunam 
alicujus  inchoare.  Das  het  mer  eweg  gholfe,  hoc  fuit 
peculii  mei  fermentum.'  Id.  B.  .Damit  er  mir  an  einem 
andern  Ort  z'weghelfe',  zu  einer  andern  Stelle  ver- 
helfe. GOTTH. 

Helfer  m.:  1.  in  allg.  S.  wie  nhd.  En  H.  ha'', 
Jmden,  der  mit  Einem  aus  demselben  Glase  trinkt  Z. 
In  der  ä.  Eechtsspr.  im  Gegs.  zu  ,Hauptsächer'  Einer, 
der  in  einem  Streite  nicht  Hauptperson,  sondern  nur 
als  Beistand.  Genosse,  beteiligt  ist.  ,Wenn  solches 
Recht  zwischen  den  Parteien  geschehen  ist  und  dann 
die  von  Z  vermeinen,  auch  Ansprachen  an  die  von  B, 
welche  H.  und  nicht  Hauptsächer  sind,  zu  haben.' 
1447,  Absch.  ,Diewyl  wir  nit  hauptsächer,  denn  allein 
h.  des  kriegos  sind.'  1475,  ebd.  —  2.  spec,  amtlich 
angestellter  Gehülfe  eines  Pfarrers.  Vgl.  die  Compp. 
Klass-,  Pfarr-H.  .Diaconi  sind  alle,  so  den  bischöfen 
helfend  in  dienstbarkeit  der  geistlichen  dingen,  die 
man  jetz  nennet  h.'  Zwingli.  Laut  Auftrag  hätte  er 
das  ,Helferli'  zu  Frauenfeld,  einen  Schwaben,  der  un- 
schicklich predige,  verjagen  sollen.  1525,  Absch.  ,Pre- 
laten,  pröbsten,  dechan,  Chorherren,  lütpriestern, 
pfarrern,  Seelsorgern,  caplanen,  vicarien,  h-n.'  B  Disp. 
1528.  ,Da  nun  die  Pfarre  grosse  Einkünfte  habe,  die 
der  Prädicant  allein  beziehe,  obwohl  die  Pfründe  auf 
einen  H.  gestiftet  sei.'  1544,  Absch.  ,Ein  H.  oder 
Capellan  soll  die  Abgestorbenen  mit  christlicher  Se- 
pultur  bestatten,  ihre  Gräber  mit  Wysen,  Abends  und 
Morgens  den  Sibenten  aus  fleissig  heimsuchen,  nach 
altem  Brauch  und  Herkommen.'  SohwE.  Klosterarch. 
—  3.  Geschlechtsn.  1293;  1320,  ZSchwam. 

Kapitels-  Z,  Klass-  Aa;  B:  ein  den  Geistlichen 
eines  ganzen  Bezirkes  (Kapitel,  Klasse)  zu  gelegent- 
lichen Diensten  verpflichteter  H. 

N6t-:  1.  wie  nhd.  Iren,  (mit  Bez.  auf  die  14  N. 
der  kath.  Kirche):  de  füfzehet  N.,  ein  überflüssiges, 
überzähliges  Mitglied  einer  Behörde  üwE.  Und  wort- 
spielend :  Troster  hed  's  gnueg,  aber  z'  tcenig  N.  In- 
eichen. —  2.  Hülfsarbeiter,  Handlanger,  Taglöhner. 
.Kamen  6  Zug  [Gespanne],  über  welche  als  Ehrtagwer 
samt  dem  Weibel  und  2  Nothelferen  ging  an  Kosten 
38  Pfd.'  1661/'2,  Babamtsrechn.  (Hotz). 

Pfarr-:  wesentlich  =  Helfer  2. 

Helferi  f.:  1.  Amt  eines  Pfarrhelfers  B;  Z.  — 
2.  Wohnung  desselben  B;  Th;  Z.  —  3.  durch  einen 
Helfer  bediente  Kirche  oder  Kirchgemeinde.  ,Es  sei 
richtig,  dass  sie  die  Kirche  zu  einer  Pfarrei  gemacht 
haben,  dann  sy  allweg  für  ein  H.  geachtet  [gewesen 
sei].'  1540,  Absch. 

helfiö!  s.  Bd  I  20  (auch  Aa). 


Helfant  m. :  Elephant;  nur  in  der  ä.  Spr.  Haus- 
name. 1357,  Z  Staatsarch.  ,Der  rhinoceros  ist  niderer 
dann  der  h.'  Tierb.  1563.  ,Die  persianischen  Botten, 
welche  mit  einem  H-en  zum  Keiser  geschickt  wur- 
dend.'  Rüeger  1606. 

Schon  nihd.  helfant  häufiger  als  el(e)/ant,  mit  scheinbarer 
UmJeutung  auf  .helfen'  (Ptc.  Präs.  mit  der  alten  End.  -ant 
wie  in  icigand,  heiland  u.  a.)  mit  Beziehung  auf  die  Dienste, 
die  das  Tier  in  Krieg  und  Frieden  leistete.  Bei  Ziegler 
1647    .helefant'.      Vgl.   Hel/en-Bein. 

Helvekler,  Helvezler:  als  PI.,  die  Truppen  der 
helvetischen  Republik  in  den  Jahren  1798 — 1802. 

Das  k  der  erstem  Form  aus  helveticus,  frz.  hdvitique, 
mit  Assimilation  des  (  an  die  Gutturale  (vgl.  auch  Fekd  f. 
Felix) ;  das  j  der  zweiten  aus  dem  lat.-frz.  t  vor  i  in  Hel- 
vetia,  ffelvHie.  Der  dini.  Zusatz  l  verrät  die  Verachtung, 
mit  der  jene  Truppen  (und  die  ganze  damalige  Umgestaltung) 
bes.  von  den  ürkantonen  angesehen  wurden.  Ein  noch  stär- 
kerer Ausfluss  der  selben  Stimmung  ist  die  Entstellung  Hel- 
fötzel,  welche  im  ersten  Teil  sogar  auf  Neil  =  Hölle  anspielt. 
Lieber  tod  ah  nümme  schwyzerinch  fri  und  z'letst  no^^  gar  elend 
Hehozel  81/  Schw  (Schwzd.).      S.  Bd  I    1156. 

Hilf,  moderner  Hülf  f.:  Hülfe.  Wo  H.  nötig,  do 
nütze"  d'  Wort  nüd.  Ineichen.  Er  ist-em  z'  R.  [ge- 
eilt] Z ;  Vgl.  Kiimm-mer-z'  H.  Auch  concr.  od.  halb 
pers.:  E  gueti  H.,  ein  tüchtiger  Helfer  G;  Z.  ,[An 
die  Besoldung  der  Schuldboten]  kommend  unser[er] 
statt  die  buossen  zuo  hilf.'  1553,  Z  Stadtb.  Tautol.: 
,Stür  und  hilf.'  1450,  Gfd.  .Vocare  auxilio  alqm. 
einem  rüefen  umb  hilf.'  Fris.  ,H.  tuen  [leisten].'  Mal. 
,Ein  Tag  dem  andern  zu  Hilf  [d.  i.  durchschnittlich] 
3  Quart  Wein  des  Tags.'  Anf.  XVIII.,  Gr  (N.Alpenp. 
3,  120  a).  -  Vgl.  Helf. 

Volk-:  bewaffnete  Schaar,  Mannschaft.  ,Darauf 
beide  Statt  ein  starke  V.  gen  Müllhausen  verordneten.' 
FHaffner  1666.  -  Hilf  in  dieser  Bed.  s.  Gr.  WB.  IV  2. 
13'2ö.     Auch  .Volk'  allein  kann  Kriegsvolk  bedeuten. 

Ge-  m.?  n.?:  Hilfe.  ,Mit  Gottes  Ghilf.'  Stütz 
(aus  der  ä.  Spr.).  .Alieno  ingenio,  mit  gehilf  eines 
anderen.'  Fris.  ,Eine  rechtmässige  Ehe  ist  eine  unauf- 
lösliche Versprechung  zur  Fortpflanzung  des  mensch- 
lichen Geschlechts,  auch  zu  beider  Teilen  desto  bes- 
serem Gchülf  abgesehen.'  SMdtach  1709.  S.  noch 
Gehilfe. 

B  e  -  m. :  =  dem  Vorigen.  ,By  dem  er  als  by  einem 
behilf  und  trost  wonen  möchte.'  HBull.  1540.  .Daby 
wir  aber  ein  gueten  b.  nemmend,  dass  wir  uns  den 
tüfel  durch  die  selben  nit  lychtlich  reizen  lassend.' 
RGualth.  1559.  ,Dass  eleut  einanderen  ein  b.  und 
trost  syend.'  LLav.  1582.  ,Die  gerechte  Sach  ist  nit 
ein  geringer  B.'  JMüll.  1661. 

Wider-    m.?:    Gegendienst   Gr.     S.  Heu-Knecht. 

K u m m - m i r -  z e - h  i  1  f  CTi umm-mer-z'hülfm. :  Helfer 
oder  Hülfsmittel  in  der  Not;  Stellvertreter.  Ersatz. 
.Solatium,  remedium.'  Id.  B.  .Ein  Geschäftsmann  ist 
ein  Kummerz'hulf  für  alle  Leute,  die  sich  nicht  selbst 
zu  helfen  wissen.'  Gotth.  ,An  manchem  Ort  musste 
sie  Kummerzhülf  sein.'  ebd.  Die  Hausfrau  sagt  von 
einer  zufälligerweise  vorrätigen  Speise,  die  sie  in  Er- 
manglung von  Etwas  Besserem  auf  den  Tisch  bringt: 
Si  ist-mer  en  rechte  Chummerzhilf  B.  Als  Titel  ver- 
wendet für  Hülfsbüchlein  für  den  gemeinen  Mann, 
Reduktionstabellen  enthaltend.  1851.  B.  —  Imperat 
Satzn.   wie    Uang-mir-iiaeh,   ,Tu-nicht-gut'    uaa. 


1197 


Half-hnlf.    Halft-hulft 


G'hilfe,  G'hülfe  m.:  wie  nhd.  Gib-der  doch  e 
G.,  Aufforderung  an  einen  Lässigen,  bei  gemeinsamer 
Arbeit  eifriger  mitzuhelfen  Bs.  ,So  neraend  wir  Gott 
zue  einem  ghilf.'  1776,  Lied  v.  Granson.  ,Ein  gehilf 
etwarzue,  adjutor  ad  alqd.'  Mal.  ,Damit  er  hab  ein 
ghilf  und  gspan.'  GGotth.  1599.  S.  noch  Ge-hüf.  — 
Be-:  Gehülfe  bzw.  Gehülfin.  ,Ich  will  jm  einen  b-en 
machen,  der  jm  bystande.'  HBdll.  1540.  Ähnlich 
LLav.  1582.    Vgl.  Be-hüf. 

Gehilfer  m.:  Gehilfe.  ,Fromra  und  triwe  Knecht, 
die  muostent  syn  Ghilfer  syn.'  Com.  Beati. 

hilfig:  behilflich.  ,Mit  knechten  und  anderm 
mynem  gezüg  h.  gewesen.'  1407,  Wegelin  1844. 

Hilfikon:  Name  eines  Dorfes  Aa  (nach  der  in 
der  Anra.  zu  Hof  besprochenen  Form),  aber  auch 
appellativ  wortspielend  gebraucht:  Nid  ro"  H.  si", 
nicht  gern  helfen.  Sprww.  1869.  —  Vgl.  Gehikon  Sp.  96. 

hilf  ich:  1.  behilflich,  dienstwillig.  Syn.  artig, 
fründlich,  trostlich.  ,Die  ganz  landschaft  wellt  inen 
h.  syn.'  1524,  Strickl.  ,Denen  von  Glarus  in  Kriegs- 
läufen offen,  gehorsam,  h.  und  gewärtig  sein.'  Infor- 
MATio  1713.  ,lhnen  hülflichen  zuzuspringen.'  Bs  Chr. 
1779.  —  2.  hilfreich,  nützlich.  ,Inen  helfen  mit  rossen 
und  andren  h-en  tieren.'  1531/48,  111.  Esra;  =  ,arbeit- 
samen.'  1667.  , Erholend  sich  einer  hilflichen  Ver- 
einigung gegen  den  Römeren.'  1531/48,  I.  Macc.  ,Be- 
schlossend  mit  den  Burgeren  einen  hilflichen  Bund 
uf  etliche  Jahr  lang.'  RCys.  ,Weswegen  auch  der 
hülfliche  Zuzug  von  der  Stadt  Luzern  wieder  abge- 
schrieben worden.'  1653,  Beitr.  Laüff.  .Hilf  liche  Ver- 
ständnuss  (intelligence  auxiliaire)'  soll  nicht  auf  ein 
Offensivbündniss  gedeutet  werden.  1739,  Absch.  — 
un-:  nicht  auf  Hilfe  (im  Krieg)  berechnet  (nicht  im 
Sinn  eines  Schutz-  und  Trutzbündnisses).  ,Der  Adel 
im  Hegöw  begert  einer  früntlichen  verständnuss  gegen 
uns  eidgnossen;  diewyl  doch  das  ein  u-e  meinung  ist 
und  nit  wyter  verfasst,  denn  dass  wir  zu  einander 
sicher  lybs  und  guets  handeln  und  wandeln.'  1501, 
Absch.  —  ver-:  behiflich.  XVI.,  AAMuri.  ,In  sol- 
chem Fahl  sollend  beide  Teil  einandern  verhülflich 
sein.'  Grü.  LB.  —  he-.  ,B-er  freund,  amicus  auxi- 
liaris.'  Mal. 

un-hilfsam.  ,Unhülfsame  Dienste'.  Dienstboten, 
die  wenig  Hülfe  leisten.  1786/1801,  Z  Tageb. 

Hulf  —  PL  Bülf  —  f. :  „(auch  Dim.)  das  auf  dem 
Schulterbein  eines  Pferdes  liegende  Sättelchen,  durch 
welches  ein  Riemen  gezogen  wird,  an  dessen  Ende 
zu  beiden  Seiten  ein  eiserner  Ring  angebracht  ist,  in 
welchem   die  Arme   der  Gabeldeichsel   ruhen"    B;   L. 

Viel),  aus  mhd.  halft,  neben  hulfter  und  hülst,  got.  hulittr, 
Hülle,  das  Sättelchen  als  Hülse  des  Riemens  gedacht.  /  in 
hul/ter  würde  sich  zu  «  in  hulster  umgek.  verhalten  wie  in 
bair.  hahter  für  haljter  (wahrsch.  aus  hnlf-sler,  wie  mhd. 
vernunet  neben  Vernunft  aus  mrnnmfst).  Doch  könnte  unser 
Hulf,  die  Aussprache/*  vorausgesetzt,  ein  Rest  des  seltenen 
ahd.  hulfa  =  helfa,  hilfa  sein;  der  betr.  Teil  des  Geschirres 
wäre  dann  concr.  als  eine  Hülfsvorrichtung  gedacht.  Vgl. 
aber  auch   noch  Jiulfteren   n.  s.  Furren   6. 

Hnlfeni  n.  pl.:  die  Beeren  der  Eidfmtüäc,  des 
Schneeballstrauches,  vib.  laut.   BSi.     Syn.  Hidfteren. 


Halftere»,  in  GrD..  L.  Hälftre  f. :  1.  =  nhd.  ,Halfter.' 
allg.  Syn.  Uälsi'g.  Vieh  h.-lang  kaufen  od.  verkaufen, 
nach  dem  Augenschein,  ohne  Nachwähr  „Ap;"  Gl; 
L;  „U";  Syn.  vom  Stecken  weg,  Vogel  über  Bach,  für 
finnig  und  fül,  dahin  und  deweg.  Bas  ist  nu'  H. 
läng,  gilt  nur  für  kurze  Frist,  von  Dienstverhältnissen 
GlM.  , Einem  die  H.  lang  halten',  ihm  Freiheit  lassen. 
.Die  ihn  [Gott]  nur  lieben,  wann  er  ihnen  das  Hälfterli 
aufs  Längste  hält,  um  sie  springen  zu  lassen.'  LKIs- 
DERBiTzi  1826.  Einen  nid  us  der  H.  lä",  ihn  nicht  los 
lassen,  bis  er  uns  Etw.  geleistet  od.  versprochen  hat 
ZWthur.  Bildl.  ,sich,  den  Kopf  aus  der  H.  ziehen', 
sich  frei  machen.  Vgl.  us-halfteren.  ,Die  banniten 
und  ufrüerisch  lüt  haben  sich  uss  den  landschaften, 
da  sy  gefrgfiet,  gemacht  und  [anderswo]  platz,  uf- 
enthalt  und  damit  den  köpf  uss  der  halfter  ze  züchen 
gestand  und  rugken  funden.'  1531,  Absch.  Abt  Jörg 
merkte,  dass  die  von  St  Gallen  ,sich  gern  uss  der 
halfter  zogen'  und  von  ihm  ganz  frei  gemacht  hätten. 
Vad.  ,So  ein  herr  jn  der  knechtschaft  guotwillig  er- 
lasst,  so  soll  er  die  selb  früntschaft  wol  annemmen; 
sonst  aber  den  köpf  uss  der  halfteren  wollen  zühen, 
wie  man  sagt,  das  ist  unriicht.'  LLav.  1584.  ,Wie 
gefahrlich  es  seie,  wenn  sich  der  gmcine  mann  durch 
aufrur  aus  der  halfter  reisset.'  Wdrstisen.  ,Die  H. 
ufschlagen',  loslassen.  ,Er  [der  Gouverneur  von  Mai- 
land] könnte  ihnen  [in  das  Tessin  eingedrungenen 
Soldaten]  die  H.  aufschlagen  und  sie  den  Pass  [Durch- 
zug] selbst  suchen  lassen.'  1627,  Absch.  —  2.  Strick, 
an  welchem  das  Heugarn  über  den  Berg  hinunter- 
gezogen wird  ScHwMuo.  —  3.  „Haarflechte  BHa." 

In  einer  Urk.  von  1627,  AaVfohl.  begegnet  die  Form 
,Ha!sstarre' :  ,Man  soll  das  Vieh  .in  der  H.  oder  Treiber- 
riemen durch  die  Matten  führen',  offenbar  mit  Umd.  auf 
oder  Anlehnung  an  Halsstarre  i.  S.  v.  Halsstarrigkeit,  aber 
eine  Form  mit  s  st.  /  mnss  doch  schon  da  gewesen  sein  und 
erklärt  sich  rein  lautlich  nach  dem  in  Anm.  zu  Hulf  Be- 
merkten. Die  Form  mit  ä  kann  rein  lokale  Lautfärbung 
oder  mit  Anlehnung  an  ,he!fen'  gebildet  sein.  Der  Ausdr. 
H.  lang  ist  zeitlich  zu  verstehen :  so  dass  die  Nachwährschaft 
aufhören  soll,  sobald  das  Tier  ah  der  H.  des  Verkäufers  ist. 
Bed.  3  wahrsch.  urspr.  scherzh.,  weil  eine  solche  Haarflechte 
wie  eine  H.  vom  Kopf  herunterhängt  und  sich  wie  eine  H. 
brauchen  Hesse. 

Stall-:  H.,  an  der  Tiere  im  Stall  angebunden 
werden  Z. 

halftere":  mit  einer  H.  festbinden  BE. 

an-:  1.  ein  Pferd  an  die  H.  nehmen  B  (Zyro). 
—  2.  mit  einem  Menschen  sich  einlassen  B  (Zyro). 
Was  für  Eint  het-er  a'glialfteret?  um  sie  zu  heiraten. 
Vgl.  nhd.  ,anhinden  mit  Jmd'. 

US-:  refl.,  sich  von  Etw.  los  machen,  aus  einer 
schlimmen  Lage  entkommen;  sich  mit  Ausreden  aus 
einer  Verlegenheit  zu  ziehen  suchen.  Sulger  (ushin-). 
Vgl.  ,sich  aus  der  Halfter  ziehen'.  ,Sich  diser  An- 
forderung nochmals  u.  wollen.'  1657,  Z.  ,Sich  von 
der  Römeren  Joch  aushalfteren.'  JHHott.  1666.  ,0  wie 
gern  wollte  sich  da  unser  schwaches  Fleisch  aushalf- 
tcren?'  JMüll.  1673.  ,Wie  sie  sich  aus  ihrem  Jammer 
aushalfterten.'  AKlingl.  1691.  ,Ich  hab  mich  schier 
niclit  aushalfteren  können,  vis  dabatuT  rima  qua  ela- 
berer.'  Mey.  Hort.  1692.  ,Sich  aus  seinen  Nöten  aus- 
halftern und  durchbrechen.'  AKlingl.  1695/1704. 

Hälfti,  -e'-  f.:  Hälfte.  Of  der  Reifte  se;  in  der 
Hälfte  der  Schwangerschaft  sein  Ar;  Synn.  s.  Halh-Teil. 


1199 


Halft-linlft.    Halg-hnlg.     Halk-hulk.    Halm-lmlm 


Uf  der  H.  träge",  von  Kühen  Z.  Er  hat  es  Moatli 
[Mädchen]  gern  Ica",  aber  er  hat  's  nur  uf  d'  H.  brocM, 
d,  h.  sie  hat  ihn  nicht  wollen  GBern. 

Dass  das  W.  nicht  alt  obd.,  sondern  aus  der  Schriftspr. 
eingedrungen  ist,  zeigen  das  daneben  bestehende  Syn.  Halb- 
Teit  und  die  subst.  gebrauchten  FormeB  des  Adj.  halb  (3),  s.  d. 

üf-hälftre°:  zertrennen,  enzwei  schneiden,  z.B. 
ein  Stück  Holz,  einen  Stein  W. 

Halftere»  BsLd;  BO.;  GT.;  Sch  (auch  dim.);  Z, 
Hü-  Aa  (auch  Hülfter);  Gr;  GT.;  Th,  Ho-  Aa,  Hö- 
Aa;  Schw.  Hofterli  SOlten  —  f.:  1.  (auch:  roti  H. 
Aa)  wolliger  Schneeball,  vib.  lant.  Aa;  Bs;  GRRh.; 
GT.;   Sch;    Schw;_  SOlten;   Th;    Z.     Syn.  Hulfi-Stüd. 

—  2.  (auch:  wis'si  H.  Aa;  BsLd)  Wasserholunder, 
Tib.  op.  Bs;  Z.   —   8.  Wollweide,    sal.  lan.  Gr;  „Z." 

—  Mass-  =  Mäss-Holder  1  AABirm.,  Fisib.  —  Nass- 
Holfterli  =  Hulfteren  1  Aa.     Vgl.  Nass-Rolder. 

Zsges.  ans  Hui/  (s.  äulfeni)  und  dem  in  der  Anm.  zu 
Helder  besprochenen  Suff.  (er.  S.  auch  Hui/;  die  Zweige 
yon  vib.  lant.  gelten  nämlich  als  die  Torziigüchsten  Bänder. 


Halg,  helg,  hilg,  holg,  hulg. 

Helg  G;  ScflStdt  (Halg  Buch);  S,  H-e"  Bs;  B;  Gl; 
Gr;  Sch;  S;  Th;  U;  W;  Z  (Dim.  Helgli,  HelgcU,  in 
ÄASt.  Hölgli,  in  W  Hehjgi  —  PI.  H-e'),  Her  ZZoll. 
—  m.,  in  AaoF.;  B;  L;  SchwE.;  Uw  —  f.:  1.  Bild 
auf  Papier  udgl.,  sowohl  von  Hand  gemaltes  oder  ge- 
zeichnetes als  gedrucktes;  zunächst  Heiligenbild  L; 
Uw,  vorwiegend  kleineres,  dgl.  z.  B.  von  Kapuzinern 
Kindern  geschenkt,  als  Buchzeichen  verwendet  werden 
Aa;  Gr;  GO.;  aScHW;  Th;  Uw;  U.  Dann  auch  Bild 
übh.,  auch  Bilderbogen;  doch  von  grossen  Bildern, 
Tahleaux  vielorts  jetzt  nur  in  wegwerfendem  Tone 
(dafür  Portret  usw.),  dagegen  allg.  von  kleineren  Bil- 
dern und  daher  mit  Vorliebe  in  dim.  Form.  Synn. 
Ginggeli,  Hübscheli,  Tafekn,  Breierli  und  s.  bei  Ili 
Bd  I  179.  Vgl.  H-en-Buech.  Die  Helg,  wo  d'  Schlacht 
bi  Sempich  druff  abortegraphiert  gsl'  ist.  MLien.  fVon 
Alle')  's  H-li  [den  Preis  vor  Allen]  verdiene'  AaB. 
I  iKOtt  fßes  H-li,  ich  begehre  keinen  Dank  (für  eine 
Mitteilung,  für  die  man  auch  keine  Verantwortung 
übernimmt),  i.  S.  v.  ich  will  Nichts  gesagt  haben 
und  auch  ferner  Nichts  davon  wissen  SL.  Ei'"m 
d' H-e'  g'schaue",  ihn  tüchtig  hernehmen  Zu  (Schwzd.). 
Ein  Spiel  mit  Bildchen  s.  u.  Stecheten.  ,[Ich]  schankt 
jnen  [den  Bauern]  helgli,  die  könnt  ich  malen,  die 
innestend  sy  dann  tür  genug  bezalen.'  NMan.  ,2  hölzine 
Däfeli  mit  Helgen.'  c.  1600,  Z  Inv.  ,Es  sollen  auch 
keine  Krämer  weder  mit  Trucken,  Stecken  od.  andern 
Dingen  weder  Bilder,  Heiligen,  Rosenkränzen  oder 
andern  Waaren  nicht  in  die  Wirtshäuser  tragen,  son- 
dern ofFenlich  an  einem  Stand  feil  haben,  damit  weder 
Bilger  noch  Wirt  verhindert  werden.'  1608,  SchwE. 
Klosterarch.  —  2.  a)  Anblick,  Schauspiel,  meist  iron. 
Zueluege'  u-ill  {''•  aber,  wie  ir  in  's  Bad  icandere',  das 
wird  e  seltene  H.  ge'  Bs.  —  b)  Verzierung,  iron.,  z.  B. 
tadelnde  Bemerkung  in  einem  Schulzeugniss  Bs.  Hie- 
her viell.  auch :  Er  macht-em  en  H,  wäscht  ihm  den 
Kopf.  SuTERM.  —  3.  pers.  a)  Heiliger.  Tue'  a's  tne 
ne  Helgli,  als  ob  man  kein  Wässerleiu  trüben  könnte 
Bs.  Er  ist  Wäger  kei  Helgli,  wenn  er  scho'  eso  tuet. 
Sprww.  1824.  —  h)  iron.,  eine  nicht  bes.  ehrbare 
Weibsperson  B;  vgl.:  En  sübere  Heilige'! 


Helg  neben  Helge'  wird  daraus  zu  erklären  sein,  dass 
auch  in  der  Schriftspr.  subst.  Adjj.  im  Nom.  Sg.  das  -e  ab- 
werfen, wenn  sie  Personen  bezeichnen  (wie  ,Fürst,  Herr') ; 
und  der  sächl.  Bed.  liegt  ja  die  pers.  auch  hier  zu  Grunde, 
wie  sie  denn  auch  in  3  wieder  hervortritt,  nur  dass  sie  dort 
durch  die  sächliche  hindurch  gegangen  ist,  wie  bei  a  die 
Dim. -Form  zeigt.  3  b  könnte  wohl  auch  aus  "2  a  oder  b 
erklärt  werden.  Helger  muss  Überrest  einer  frühen  Ver- 
härtung sein;  vgl.  halber.  Das  Fem.  wohl  nach  Analogie 
von  Tafele'.  Bei  2-  liegt  natürlich  auch  die  Bed.  ,Bild'  zb 
Grunde,  nur  ist  es  dort  kein  künstlich  hergestelltes.  Dass 
die  H.  genannten  Bilder  ohne  künstlerischen  Wert  sind, 
dient  zur  Erklärung  der  iron.  Nebenbed.  bei  2  und  in  Zss. 
Und  zwar  urteilt  so  nicht  etwa  nur  das  protest  Volk,  denn 
auch  it.  volo,  Votivbild,  bedeutet  zugleich  schlechtes  Gemälde 
und  Dial.  ruli  z.  B.  die  Bilder  auf  den  Spielkarten.  Die 
RÄA.  beziehen  sich  darauf,  dass  H-t'  oft  als  Belohnung  oder 
Auszeichnung  verschenkt  werden. 

Monet-:  Monatsbild  im  Kalender  S.  —  Märt-: 
Bild  von  geringem  Werte,  dgl.  auf  Märkten  verkauft 
werden  Z. 

Kirsi-mues-Helgli  =  dem  Vor.  ü.  —  Eig.  eine 
Schmiererei. 

Spitz-:  Bild  mit  ausgestochenem  oder  gezacktem 
Rande  L.  —  Tauf-:  Taufzeddel  mit  Inschrift  und 
Bild  Obw.  —  Zieh-:  Bildchen,  welche  auf  ihrer 
Unterlage  verschiebbar  sind,  so  dass  man  die  Figuren 
wechseln  kann  Z. 

ab-helge°:   abbilden  ZSth. 


helker:  Adv.,  beteuerndes  oder  verstärkendes 
Fluchw.  =  höllisch  LM.  —  Euphem.  entstellt  ans  helliach. 
viell.   mit  Anlehnung  an  das  syn.  heeker. 


Halm,  heim,  hilm,  holm,  hulm. 

Halm  1  Z  (auch  H-e"),  Hallem  SchwMuo.,  Halle' 
Gl;  GnObS.;  U  (ä),  Hallo'  W,  Holle'  UU.  —  PI. 
Halm  Aa;  Sch;  ZB.,  Halme'  AAEhr.;  L;  GA.;  Ztw., 
Halm  Aa;  GTa.;  Th;  Ztw.,  Halle'  Gl,  Hallem  Schw 
Muo.,  Hähne'  Th  —  m.,  in  Gr  ObS.  f.:  1.  Grashalm; 
Halm,  die  Gräser  übh.  Schw;  U;  vgl.  Heu-H  Die 
Wisehäd  ril  Halme,  gutes  Futter  ZZoll.  Vgl.  halmig. 
Die  Cime  bricht  kei"  Haie",  ist  krank  Gr.  ,A1s  denn 
so  gibt  man  jm  hälm,  höuw  und  gersten  zu  essen.' 
Tierb.  1563.  —  2.  (meist  im  PI.)  Getrcidehalm.  a)  vor 
oder  in  der  Ernte;  vgl.  Fese  Bd  I  1069.  In  d'  Hälm 
gä"  s.  Sp.  4  und  Em  Bd  I  463.  Mit  der  RA.:  Gend-is 
Öppis  i'  d'  Hälm  !  betteln  Schnitter  Vorübergehende 
an  Aa.  Insbes.  wird  von  dem  jüngsten  ,Hochziter'  im 
Dorf,  wenn  er  sich  bei  der  Ernte  sehen  lässt,  Öjjpis 
i"  d'  Halme",  ein  Geschenk,  verlangt  Z.  Ein'n  i'  d' 
Halme"  m'.  Einen,  der  am  Erntefeld  vorübergeht, 
bes.  den  Bauer  selber,  mit  vorgehaltenen  Halmen 
unversehens  umfangen  und  gefangen  halten,  bis  er 
sich  durch  ein  Trinkgeld  löst  ZUster;  vgl.  in  d'  Agle" 
ne'.  —  b)  nach  der  Ernte,  der  stehen  gebliebene, 
untere  Teil  des  Halmes,  die  Stoppel;  Syn.  Stuffle. 
S.  Hagel  Sp.  1075.  Der  PI.  auch  coli.  i.  S.  v.  Stoppel- 
feld, insbes.  zur  Bezeichnung  von  Land,  das  im  ver- 
flossenen Jahre  Getreide  trug  ZO.  Arme  Leute  dürfen 
in  d'  Hälm  go"  jäte",  das  zwischen  den  Stoppeln 
wuchernde   Unkraut   als    Futter    für   ihr  Vieh    holen 


1201 


Halm,  heim,  liili: 


)lm. 


1202 


oder  geradezu  i'  d'  IL  go'  hiietc",  ihr  Vieh  dort  weiden 
lassen  ZWyhi.  /"  d' Hähne"  tribe",  das  Vieh  auf  die 
Stoppelweide  Th  ;  Z ;  vgl.  ins  Herbstgras  faren.  Für 
das  Umpflügen  od.  Umgraben  des  Stoppelfeldes  gelten 
die  Ausdrücke  r  In  d'  Hähne"  fare",  d'  Hahn  umefare" 
Th,  Hahn  chere'  GTa.;  Th,  Hahn  iimetue',  nmeschlä' 
Zu.;  Syn.  halmen.  ,Ein  amptmann  soll  järlich  die 
liiilm  bannen,  dass  nieman  darin  tryb,  bis  die  zeig  so 
wyt  abgeschnitten  wirt,  dass  der  rinderhirt  an  eim 
ort  gehüeten  mag  und  der  küehirt  am  andern.'  1472, 
Gßurg.  Offn.  ,[Das  Vieh]  in  die  halm  schlahen',  auf 
die  Stoppelweidc  treiben.  1536,  ZTöss  Offn.  ,1  pfd 
gabend  die  von  Binzikou,  als  sy  zu  früey  in  die  hälm 
gfaren.'  1560,  ZGrün.  ,Der  Ackerboden  in  der  Brach 
und  in  allen  Halmen  war  ungemein  trocken.'  1793, 
ZNiedergl.  ,Das  Ackeren  war  beinahe  unmöglich  in 
dem  Koggen-  und  Kornhalmenfeld.'  ebd.  —  3.  Halm 
als  Sinnbild  des  Kleinen,  Geringfügigen,  Nichtigen, 
mit  Neg.  s.  v.  a.  nicht  das  Geringste.  Schi  heint  hei' 
Haie'  Hew  me''  in-der  Schlr,  kei  E.  Brod  im  Hüs  Vf. 
Alls  bi  Hole'  und  bi  Leck  [mit  Stumpf  und  Stiel] 
verlöre"  U.  Das  ist  kei  H.  Grechts,  Nichts  wert.  ebd. 
Kei  H.  Wärmi  UUrs.  Es  ist  mer  kei  H.  drum  U. 
I'*  ha"  kei  Hahne"  U'grechts  i"  mim  Hüs.  Wolf, 
Gespr.  Früher  auch  als  Mass  der  Breite:  ,Wan  umbe 
den  munt  sunt  sü  [die  Lazanter]  scheren  eins  halmes 
breit.'  1314/21,  Gfd.  —  4.  bildl.  RAA.  a)  ('s)  Hälmli 
zieh*  (zücha"),  das  Leos  ziehen,  mit  kürzern  und  län- 
gern Gras-  oder  Strohhalmen,  dann  übh.  loosen,  auch 
ohne  Halme  Ap;  Bs;  L;  SchwMuo.;  Th;  Z;  Syn.  Spissli 
zücha",  hälmlen.  ,Ich  riet,  wir  täten  's  hälralin  ziehn; 
wem  das  längst  wurd,  müesst  richter  sein.'  GGotth. 
1599.  Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  239,  6.  —  b)  Eim  's  Hälmli 
lä",  den  Vorzug,  Preis  zuerkennen  B  (Durh.).  Ähn- 
lich: ,Och  der  widertoufer  rott  hat  jm  [dem  Zwingli] 
müessen  das  hälmli  geben  [sieh  besiegt  geben].'  Kessl. 
,A11  ander  propheten  sönd  jm  [Johannes]  wychen,  sy 
müessend  jm  all  's  hälmli  geben  in  frombkeit,  heiiger 
leer  und  leben.'  Aal  1549.  ,Wiewol  er  [Scipio]  hat 
gwunnen  gross  guot  und  hab,  noch  nimmt  jm  diser 
[Hercules]  das  hälmli  ab  [übertrifft  ihn].'  Salat.  ,Pal- 
mam  ferre,  den  preis  gewünnen,  das  hälmle  erlangen.' 
Fris.  Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  241,  2.  —  c)  Eim  's  Hälmli 
dur'''  's  Mul  zieh',  glatte  Worte  geben,  trügerische 
Hoffnungen  erregen,  mit  leeren  Versprechungen  ab- 
speisen BO.,  schmeicheln  Ap;  BHL;  GrV.;  Th;  W;  Z; 
Syn.  Speckli  d.'s  M.  z.  In  einem  Lied  von  1712  wird 
von  Zwingli  gesagt,  er  habe  vor  dem  Cappelerkrieg 
den  Zürchern  ,das  H.  durch  die  Goschen  gezogen 
[Sieg  versprochen].'     Vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  241  f. 

4  b  beruht  auf  a;  das  .Hälmli'  ist  hier  der  kürzere  H., 
den  der  Besiegte  dem  Sieger  zum  Zeichen  seiner  Verzicht- 
leistuDg  überreicht.  Die  RA.  4  c,  deren  Bed.  eig.  ist:  ,Jmd 
einen  Vorgeschmack  von  Etw.  geben,  dessen  Vollgenuss  ihm 
versagt  bleiben  soll',  beruht  darauf,  dass  man  gerne  die  Halme 
gewisser  Gräser,  auch  des  jungen  Getreides,  durch  den  Mund 
zieht,  um  einen  süssen  Geschmack  zu  bekommen. 


Glücks-.  So  hiessen  die  letzten  Halme,  welche 
man  knieend  unter  Nennung  der  3  höchsten  Namen 
mit  der  Linken  abschnitt,  und  deren  Körner  man 
unter  die  neue  Saat  mengte,  in  katholischen  Gegenden 
mit  Weihrauch  und  Gebet  eingesegnet  Z  f.  Vgl.  Gl.- 
Garben,  -Hampflen,  -Korn. 

Chorn-  ScHwIb.;  U,  Chlotz-,  Chlötz-  Schw, 
Chnopf-  GWe.;  SoHwMa.,  Pflege!-  Zg,  Rog- GT., 

Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Ross-  Scuw;  U,  Schlegel-  Gr,  Schmgr-  GWe.: 
Knäuelgras,  dact.  glom.  Synn.  s.  bei  den  Zssen  von 
Gras. 

(Halm-  SchwE.,  Ried-  LW.;  ScHwMa.;  U)Be- 
se"-,  Beseli-  GoT.,  We.;  Schw;  USil.;  Zg:  Pfeifen- 
gras, mol.  caer. 

Schaft-:  Schachtelhalm,  equis.  hiem.  (Durh.). 

Spitz-:  Ackerquecke,  trit.  rep.  ScHwMa.;  U. 

Strau-:  Strohhalm;  im  Abergl.  mannigfaltig  vor- 
kommend. ,Sie  sollen  Strohhalme  suchen  und  sie 
kreuzweise  über  einander  in  die  linke  Hand  nehmen 
[um  an  einem  Gespenst  vorbeizukommen].'  HPest. 
1785.  Hexen  können  aber  auch  in  Strohhalme  verwan- 
delt durch  das  Schlüsselloch  dringen.  Ein  Schlosser- 
geselle, welcher  Nachts  oft  vom  ,Schrätteli'  geplagt 
wurde,  griff  einmal  nach  demselben  auf  seiner  Brust; 
da  ihm  nur  ein  Strohhalm  in  der  Hand  blieb,  eilte 
er  mit  demselben  zum  Amboss,  wo  er  ihn  unter  den 
Hammer  nahm;  da  stürzte  mit  Wehgeheul  die  Meister- 
frau herbei,  welche  eben  die  Hexe  war  ZZoU.  Früher 
bildl.  für  Geringfügiges:  ,Gib  redlich  bar,  du  trunkner 
koch,  und  nit  glych  um  ein  strouhalm  hoch.'  Haeerer 
1562.  —  Zu  dem  Abergl.  vgl.  Wuttke,  Vulksabergl.  (2) 
Nr.   415.    708. 

Troll-:  Wiesenlieschgras,  phleum  prat.  GoT. 

halme":  1.  das  Stoppelfeld  pflügen  WLeuk.  Syn. 
strüchen.  —  2.  „das  Vieh  auf  abgeernteten  Getreide- 
feldern weiden  lassen  Th."  —  3.  geschnittenes,  aber 
nicht  ganz  reifes  od.  noch  feuchtes  Getreide  ,h.  lassen' 
=  liegen  lassen  ZEglis.,  Uhw.  —  Zu  1  u.  2  vgl.  Balm  2  b. 
3   eig.  =  an  den   Halmen  liegen  lassen. 

Halmere"  f.:  1.  „Ackerfeld,  das  Nichts  als  Halme 
trägt  W."  —  2.  Stück  Land,  welches  bisher  zu  Getreide- 
bau benutzt,   nun  zu  Wiese  umgearbeitet  wird  BHa. 

gehalmet  Gl,  g'halmig  ZZoll.:  (von  Gras)  reich 
an  Halmen. 

hälmle"  hälemle  =  Hälmli  ziehen  SchwMuo., 
s.  Halm  i. 

Hälmli°g  m.:  Bündel  von  Flachs,  so  viel  eine 
Hand  fassen  kann  Th.  ,Der  Lein  wird  in  kleine 
Bündel  von  etwa  2'/2  Zoll  im  Durchmesser  gebunden, 
die  man  Helmlinge  nennt;  32  solcher  Helmlinge  ma- 
chen einen  Kloben,  durch  welchen  Ausdruck  man  das 
Quantum  des  erhaltenen  rohen  Flachses  oder  Werches 
bezeichnet.  Diese  Helmlinge  werden  an  der  Sonne 
noch  besonders  ausgetrocknet.'  Alp.  1827.  —  Wahrsch. 
eig.  =  Bund  von  Halmen. 

Halm  II  Hahm  SchwMuo.,  Hohn  BsLd;  S  NA., 
Helm  Sch  (Kirchh.;  St.»-)  —  PI.  Hälm  Ap,  Hälem 
SchwMuo.;  Dim.  Hälemli.  ebd.  —  m. :  1.  Stiel  oder 
Schaft  einer  Axt,  Hacke  udgl.  AAZein.;  „B;  L;"  Scuw 
Muo.;  Th;  Z.  S.  uoc\\  Halb.  ,Der  H.,  capulum,  ma- 
nubrium,  als  an  einer  ax.'  Mal.  ,Was  wir  nit  erlupfen 
mögend  grad  hütt,  wir  drumb  den  Mut  nit  lassind 
sinken,  oder  den  Halm  der  Achs  nachwerfind.'  1632, 
JJBbeit.  .Ein  H.  von  einem  Karst.'  Bhagor.  1639. 
,Die  Axt  fiele  aus  dem  H.'  JMüll.  1661.  —  2.  Seiten- 
stange der  Leiter  Bs.  —  3.  Klöppel,  Schwengel  der 
Glocke  Ap;  Gr  (Haie'");  GP.;  Syn.  Kallen.  ,Meist 
sagt  der  H.  in  der  Schelle,  was  die  Schelle  sei,  wie  's 
im  Sprichw.  heisst.'  UBrägg.  ,0b  ich  ein  gloggen  lüt'ti 
und  der  halm  herab  fieli.'    XIV./XV.,  Marc.  v.Lindaü. 

Mhd.  halmc,  halm,  heim,  in  Bed.  1  u.  3,  wird  insgemein 
als  gauz  verschieden  von  IJ<ihii  1  uud  verk.  aus  einer  Grundf. 


Halm,  lielm,  hilm,  holni,  hulni 


1204 


ludh(ii)mo  erklärt,  was  allerdings  zur  Erklärung  des  sj-n.  Ualh 
dient,  sonst  aber  nicht  abs.  nötig  und  auch  nicht  ohne  Be- 
denken ist.  —  Bed.  2  erklärt  sich  aus  dem  allg.  Begr.  von 
Stange,  der  auch  bei  1  zu  Grunde  liegt  und  auch  auf  3 
angewandt  werden  konnte;  eine  lautliche  Verwechslung  mit 
dem  syn.  KaUc"  (Challe,  Nebf.  Halten  ist  nicht  wohl  anzu- 
nehmen, da  auch  die  Const.  Chr.  des  XV.  das  W.  in  jener 
Bed.  hat. 

Achs-  GlH.;  GrA.;  Uw;  Z,  ÄgscU-  GrD.,  Pr., 
Ex-  GRuVatz,  -Halm  Gr  uVatz;  Z,  -Halb  GlH.; 
GrD.,  Pr.;  UwE.:  Stiel  der  Axt.  ,4  Pfd  10  ß  per  Ax- 
helm  und  Holzschlägel.'  1782,  Hotz,  Schwam.  Urk. 
.Achshalm,  securis  manubrium.'  Mal.  Auch  als  Mass 
für  die  Länge  von  Holzstücken  Gr  (Sammler  1809, 
S.  400).  ,Der  Inhaber  der  Schweig  auf  dem  Etzcl 
soll  die  Brügel  ihr  Länge  nach  auf  3  Achshalm  und 
nit  kürzer  hawen.'  1527,  SchwE.  Klostcrarch.  Als 
Geschlechtsn.:  ,Peter  Achshalm,  Venner  zu  Bern.'  1511. 

Glogge"-  =  Halm  II  3  Ap. 

Biel-Ealb  GlS.,  Biels-Halm  S,  It  St.»-  -Helm  F; 
Gr;  L;  Zg:  Stiel  des  BeiLs.  ,Heisst  nit  en  Vers: 
Der  Axt  im  Haus  fällt  sehr  oft  der  Bielshalm  aus!' 
BWtss  1884. 

Barte-:  Stiel  der  Streitaxt?  vgl.  Hellebank  (aus 
Helm-B.)  und  das  Folg.  Er  liätt'  de'  Lotterbuebe"  der 
Besestü  viit-em  B.  us  de"  Fingere"  g' schlage' .  B  W  yssI  885. 

Wäfen-Halb:  Stiel  der  Axt  oder  des  Beiles  BHa. 

hälme°:  (Werkzeuge)  mit  Stielen  versehen.  ,Dem 
Wagner,  Schuflen  ze  helmen.'  G  Hdschr.  —  ge- 
hälmet:  mit  , Halm' versehen.  ,Machist  ein  argument 
US  Crisippi  dialectica:  arguierst  grad  von  eppenaxen, 
wie  sy  gehelmt  ward.'  Gyrenr.  1523,  53. 

,E.'  istUmd.  von  ,Ekkesahs',  dem  Namen  des  sageuhafteu, 
von  Dietrich  von  Bern  dem  Ekke  abgenommenen  Schwertes, 
auf  ,Axt',  und  im  Zshang  mit  derselben  steht  der  Wechsul 
des  Geschlechtes.  Vgl.  L.,  Mhd.  WB.  s.  v.,  welche  Stelle 
mit  der  unsrigen  einen  neuen  Beweis  der  vormaligen  Volks- 
tümlichkeit der  (in  dem  obgen.  Jhdt  allerdings  längst  ver- 
dunkelten) Dietrichsage  in  der  Schweiz  liefert.  Der  Sinn 
ist:    Du  gibst  dich    mit  unfruchtbaren  Spitzfindigkeiten  ab. 

„Jo-",  Ju-,  Joch-Halm  L,  Je-,  „Jech-", 
Nie(r)-Helm  Gr  m.,  I-Halme"  f.  SG.,  Helme» 
G  oT.  :  langer  Kiemen  (aus  ungegerbtem  Leder),  mit 
welchem  den  Zugtieren  das  Joch  auf  den  Kopf  auf- 
gebunden (ingewettet)  wird.  ,Subjugia,  jochriemen  oder 
jochholmen,  damit  man  das  joch  aufbindt.'  Fris.;  Mal. 

Ahd.  joh-halm(o) ,  -hthno,  yich-,  jich-halm,  giochelmo,  mhd. 
cjiech-halme,  -hdme  m.  Ein  altes  W.,  in  seinem  ersten  T. 
schon  früh  entstellt  durch  Assimilation  des  o  an  das  voraus- 
gehende y,  dann  durch  Verflüchtigung  der  anl.  Gutturale  des 
zweiten  Teils.  Nie-  ist  entstanden  durch  Herüberziehung 
des  ausl.  n  eines  vorangehenden  an  oder  in;  Nier-  ist  sinn- 
lose weitere  Entstellung,  da  nach  langen  Voc.  oft  r  einge- 
schoben wird.  Ob  das  zweite  W.  wirklich  von  Halm  I  n.  // 
verschieden  sei,  ist  fraglich.  Auch  die  Bed.  des  Ganzen 
scheint  sich  etw.  verändert  zu  haben,  da  früher  der  Kiemen 
zur  Leitung  der  Tiere  gedient  hätte,  und  wirklich  lassen 
sich  zwei  gewisse  Stellen  der  Öffnung  von  SchBnch  leidlich 
nur  verstehn,  wenn  diese  letztere  Bed.  untergeschoben  wird: 
,(§  36)  Und  welher  Ramsow  bonwet,  der  soll  uf  ein  ross 
sitzen  und  das  ander  an  die  band  nemen  und  soll  die  jechelm 
für  sich  nSmen  und  syn  morgenbrot  und  soll  hinyn  faren.' 
,(§  19.)  Es  soll  ein  styg  gun  von  des  Rynsfelds  hurd  an 
das  nider  füld  [und  soll  er  hindurch  fahren??]  mit  synen 
jechelnien.'  (Unot  18.   16). 

Hälmli  s.  Harm. 


Helm  I  m.:  1.  Kopfbedeckung  des  Kriegers.  , Wel- 
cher als  er  im  Stryt  sein  Helmlin  uftat,  dass  er  desto 
bass  sgchen  möcht,  mit  einem  Pfyl  durch  das  An- 
gesicht erschossen  ward.'  ECvs.  Bildl.  =  Kopf.  , Einem 
zum  H.  springen' =  über  Einen  herfallen:  ,Bur,  was 
tuest  du  do,  du  öder  schelm?  mich  glust't,  ich  sprung 
dir  zuo  dem  h.',  spricht  der  gewalttätige  Reiche  zu 
dem  Recht  suchenden  Bäuerlein.  HBull.  1533.  Concr., 
Helm  tragende  Mannschaft.  ,Die  Gerichte  über  die 
Helm',    das   Mannschaftsrecht.    1376,   Mey.,  Wetz.  — 

2.  helmartig  gewölbtes  Dach  von  Kirchtürmen  L. 
,1506  satztend  Marpacher  den  holm  auf  Iren  turn.' 
Vad.  ,Das  helmlin,  do  das  glogklin  inn  hanget.' 
1540/73,  Mey.  Wint.  Chr.  ,Ward  der  nüwe  Helm  oder 
Gloggenturn  utf  der  Jesuiter  Schul  ufgericht.'  ECys. 
,Helm,  die  obersten  spitz  an  kilchentürnen.'  Mal.  — 

3.  hölzerne  Vorhalle  einer  Kirche,  Vorzeichen  Gl.  — 

4.  gewölbter  Deckel  eines  Destilliergefässes  Z.  Vgl. 
Brenn-H.  ,Dass  er  [der  Spiritus]  mit  über  den  Helm 
steiget',  mit  überdestilliert.  JZiegl.  1674.  —  5.  „Nach- 
geburt der  Pferde  Schw;  Zo."  —  6.  Verkürzung  der 
mit  -Helm  zsges.  Personn,  a)  Anshelm  Schw,  b)  Adel- 
helm Uw,   c)  Wilhelm,   auch  Dim.  Helmi  Aa;  Bs;  B. 

Zu  der  RA.  u.  1  vgl.  ähnliche  mit  Hube  Sp.  950  u., 
Dach.  Bed.  3  eig.  gedeckte  Halle.  Vgl.  Helm -Hü»  und 
Helmi  n.,  Name  eines  Hauses  am  Kornmarkt  in  L  (XV.). 
Zu  4  vgl.  ,Helm',  Wölbung,  oberer  Teil  der  Branntweinblase. 
Gr.  WB.  IV  2,  977,  4,  b.  Zu  5  vgl.  ,Helm':  das  Bälglein 
um  den  Kopf,  das  einige  Kinder  auf  die  Welt  bringen.  Gr. 
aaO.   f;   vgl.    Glücks-Hühe  Sp.    952   Anm. 

Hals-:  Entstellung  des  Namens  Anshelm  SchwE. 
Vgl.  Hälsel  2.  —  Durch  Angleichung  des  1.  Teils  an  den  2. 
entstanden. 

B  e  iji-Helmi  in  Fr.  Ztschr.  11 367  beruht  auf  irrtüm- 
licher Lesung  des  Originals  f.  B.-Hemmli  (s.  B.-Hemd). 

Brenn -Helm:  =  Helvi  4.  .Distaliers  durch  den 
Br.  und  behalt  das  [gebrannte]  Wasser.'  ZZoU.  Arzneib. 
1710.     ,Br.,  balneum  Maria;.'  Denzl.  1677;  1716. 

Scheid-:  =  dem  Vor.  ,Ein  Trunk  aus  dorn  Eis- 
wasser, welches  die  Natur  in  dem  Seh.  eines  Gletschers 
abgezogen.'  BsStdt  1759. 

Helmer  m.:  Helraschmied.  .Oben  wohnten  die 
Helmschmiede  oder  Helmer  und  Halsberger,  d.  h.  Die- 
jenigen, welche  die  sogenannten  Halsbergen  (Panzer- 
hemden) verfertigten.'  Bs  XIV. 

Helm  II  m.:  1.  weisser  Fleck  des  Viehs  auf  der 
Stirne  Ndw.  —  2.  Stier  mit  weisser  Stirn  od.  weissem 
Streifen  über  der  Nase  BO.;  Gr.  Heimelt,  Kuhname 
üw;  Syn.  Bless,  Blösch,  Stern. 

Wahrsch.  mit  Hehi  I  urspr.  das  selbe  W.  Vgl.  tivhilt 
und  ähnliche  Bezeichnungen.     S.  Helmi  I. 

Brün-:  braunes  Rind  mit  einem  weissen  Strich 
über  die  Stirne  herunter  BO. 

Helme- rti»  f-  Gr,  Helmi  1  n.  GrD.,  L.;  „^''(ä): 
Name  einer  Kuh  mit  weiss  geflecktem  Kopf;  Syn. 
Helle,  Blesse.  ,Es  geht  den  Bundesrat  gar  Nichts  an, 
ob  ich  Tschäggiveh  habe   oder  Helmi.'    Obw  Volksfr. 

Das  syn.  Sehilt  spricht  dafür,  dass  der  Name  eher  zu 
Helm   II  gehöre  als  etwa  zu    Halm  —  Harm,   Wiesel. 

g'lägg-helmet:  Scherzw.,  etwa  zu  Kindern,  wenn 
man  ihnen  die  Farbe  von  Etwas  nicht  nennen  wiU. 
E  glägghelmets  ScMssK  GSa.  -  Der  2.  Teil  wahrsch. 
aus  Helm  II,  Helmi  I,   der    1.  viell.  aus  gdeck-. 

Helme"  s.  1.  Jo-Halm,  2.  Helwen. 


120.5 


Halm-huliii.     Halp— liiil|i.     Hals -hüls 


Helini  II  n.:  altes  Harst-  und  Schlachthorn  der 
Uutcrwaldiier,  jetzt  noch  bei  der  Landsgemeinde  ge- 
blasen von  einem  Mann  (H.-Blaser)  mit  Federhut, 
rotweissem  Wams  und  Pluderhosen,  der  beim  Aufzug 
Toranschreitot.  In  Obw  heisst  das  Hörn  auch  Lands-H. 
.Das  Helmi  wiegt  an  Silber  It  habender  Aufschrift 
1  I'fd  31  Lot/  1799,  ÜBW  Verzeichniss.  ,1828  wurde 
beschlossen,  ein  neues  Ivirchgangshelmi  anzuschaffen, 
da  das  alte  an  der  Landesgemeinde  nicht  mehr  ge- 
braucht werden  kann.'  AKücbler  1886.  ,18.50  hat  das 
von  Gürtler  N.  gefasste  Helmi  samrat  Mundstück  und 
Quasten  29  Fr.  gekostet.'  ebd. 

Das  W.  wird  auch  mit  ö  geschrieben  und  wahrsch.  so 
gesprochen.  Die  Etym.  ist  dunkel.  Wie  von  (ßllen  mhd. 
ijiihn,  Schall,  so  könnte  von  hellen  ein  halm,  mit  der  selben 
Bed.,  und  davon  ein  Ntr.   mit  -»  gebildet  sein. 

Helmine:  Wilhelmine  Aa. 

hilm  usw.  s.  hihc. 


„Helmkere"  f.:  Schmeichlerin  15.  -  Vnn  Ah/.' 


Halp,  help,  hilp,  holp,  hulp. 

Vgl.  auch  die  Gruppo  //..«,  usw. 

holpere";  1.  wie  nhd.  AAZein.;  Z.  —  2.  schlecht 
gehen,  wanken,  von  Vermögenszuständen.  ebd.;  Syn. 
ginygen.  —  Vwdt  mit  hülpen  (s.  d.),  welches  ebf.  einen 
unregelniässigen,  anstossenden  Gang  bezeichnet. 

über-:  umwerfen,  zum  Falle  bringen.  Unpcrs.: 
Es  üherholperet  i''n,  er  macht  Bankrott  L;  Syn.  üher- 
hiigeren. 

ungeholpere t:  Ptc.  adj.,  holperig,  von  einem 
Wege  B  oHa.  —  f«-  verstärkend  oder  von  syn.  neg.  Bi- 
zeichnungen  tibertragen. 

hölperle°:  in  kleinen  Sprüngen  hüpfen  AA(Minn.). 

Viell.  entstellt  aus  oder  vermischt  mit  hiipperlen,  von 
hujßjien  =  hüpfen,  da  auch  mhd.  holpeln  statt  hoppeln,  hüpfen, 
humpeln,  vorkommt. 

Hiilp  m. :    hinkender  Mensch  GWe.;    sonst  Hülpi. 

hülpe":  hinken,  wankend,  mühsam  gehen  Aa; 
Ar;  B;  ÜL;  L;  G;  Scb;  Schw;  Th;  Zg;  Z.  Es  hülpet 
Eis  [ein  Kind],  chlagt  über  müedi  Bei".  Wil  seh' 
[weil  sie]  lami  g'sin  ist,  isch  seh'  [sie]  de  Berg  iif 
ghütpet  GRSchiers.  Syn.  gnepfen,  hültschen,  hümpen, 
hupfen,  zülpen. 

Nahe  vwdt  mit  hdperen,  der  ä.  Spr.  fremd;  aber  engl. 
himp  steht  nahe,  wenn  wir  hüljien  auf  ein  älteres,  starkes 
hilj>r:n  zurückführen. 

Harz-Hülper:  Scheltn.  für  einen  Schuster. 
UBrXgg. 

Hülpi  ra.:  hinkender  Mensch  Aa;  Ap;  Gl;  L; 
G;  Sch;  Schw;  Uw;  Z. 

hülpig:  hinkend.     Der  leid  h.  Chrüppel  Gr. 

„Ge-hülp  n.:  die  Masse  der  Hülsen  beim  Dreschen 
des  Getreides  LE." 

Wahrsch.  mit  der  den  Gebirgsmundarten  beliebten  Ver- 
härtung der  Media  nach  Liquida  zunächst  aus  •  Chiill  und 
dieses  für'O'/iiVw;  s.  noch  i/rfwc".  Hiemit  Hesse  sich  auch 
das  Sp.   IICO  untergebrachte  G'hüU  gut  vereinigen. 


Hals,  hels,  hlls,  hols,  hüls. 

Hals  m. :  wie  nhd.  1.  als  Körperteil  übh..  ohne 
bes.  Bed.  En  digge  H.,  Kropf  GA.;  Z.  En  lange"  H. 
üherelw,  lange  warten  müssen;  Eim  en  l.  H.  mache', 
ihn  1.  w.  lassen  Ap.  We""  d'r  Winter  e'  länge'  H. 
het,  so  het  er  o''-  ne"  länge"  Schwanz  F,  s.  Gräme  II 
(Sp.  784).  's  Hlls  a'n  H.  henlce",  zum  Fenster  hinaus 
schauen  Z.  Über  Chopf  und  H.,  z.  B.  laufen,  in  höch- 
ster Eile  Z,  vollauf  zu  tun  haben  S.  Er  ist  g'lert 
bis  a"  H.  (ufe),  witer  nid.  Sdlger,  oder  mit  dem  Zu- 
satz: aber  de""  Gliopf  ist  e"  När.  Ineiches.  S.  noch 
flotschen  Bd  I  1228.  ,Um  ein  köpf  und  ein  h.  länger 
worden.'  FPlatt.  In  der  ä.  Spr.  zuweilen  auf  an- 
grenzende Körperteile  ausgedehnt.  Vgl.  Gr.  WB.  IV 
'2,  243.  ,Mit  dem  wott  er  das  schwort  ab  dem  h.  nen; 
ist  im  N.  vorgefaren  und  im  das  schwert  genommen.' 
1.52.3/'24,  Strickl.  [Man  trug  das  Schwert  an  einem  über 
die  eine  Schulter  gehenden  Gehäng].  ,So  einer  ein[en] 
inn  h.  schlahen  [einen  Nackenstreich  geben],  ouch 
schmächlich  syner  eeren  anziechen  wollte.'  HBull. 
1572.  ,Gott  tröuwt  den  priesteren,  er  wolle  inen  das 
kät  irer  opferen  in  das  ang'sicht  werfen,  als  do  man 
einem  ein  kuttelbauch  an  h.  wirft.'  LLav.  1.58'2.  ,Den 
h.  nid  sich  oder  gegen  der  erden  henken,  petere  terrani 
oervice.  Eosea  cervix,  hüpscher,  schöner  h.'  Mal. 
.Wann  [der  Musketierer]  die  Mus(iuet  von  dem  H. 
nemmen  will-,  neben:  ,von  der  Schulteren.'  ValFhie- 
DERiCH  1619.  —  2.  mit  bes.  Bed.  a)  der  H.  als  Organ 
des  Schluckens.  De''  letz  H.,  die  Luftröhre,  auch 
Sunntig(s)-H.,  im  Gegs.  zur  Speiseröhre,  Werchtig(s) 
[Werktags]-!?.,  s.  dd.  Es  ist-em  Öppis  in'n  letze  H. 
cho"  Z;  Syn.  er  hät-si'''  über-,  ver-schluckt.  Alles  de" 
H.  ab,  hinter  's  Halshäftli  abe"  jage",  für  Essen  und 
Trinken  ausgeben  S;  Z.  ,Und  gab  unser  batron  vollen 
h.  mit  essen  und  drinken.'  HsStock.  ,Uber  das  alles 
habend  vil  frommer,  einfalter  lüten  an  irom  h.  er- 
spart, das  sy  münchen  und  pfaffen  angehenkt.'  LLav. 
1569.  ,Wie  vil  flndt  man  noch,  denen  wenig  darau 
ligt,  ob  ander  leut  zu  beissen  oder  zu  brechen  habind, 
wenn  nun  sy  volle  hals  habind.'  ebd.  1582.  ,Nieniants 
arbeiten  will  und  darnebend  vollen  h.  haben.'  Hochb. 
1591.  ,Da  wir  nicht  glauben,  dass  der  Will  unsers 
Herrn  seie,  dass  man  uns  das  Unsere  wegnehme,  damit 
sie  desto  besser  den  H.  spülen  könnind.'  XVIH.,  Hotz 
Urk.  —  b)  als  Organ  des  Sprechens  und  Bingens.  En 
rüche"  H.  ha",  heiser  sein  GA.;  Z.  Rufen,  schreien, 
was  man  us  H.  und  Chrage"  bringe"  mag,  aus  Leibes- 
kräften GnPr.  Us-eme"  verzagte"  E.  chiind  kes  histigs 
Lied.  Ineicben.  ,Dass  wir  uns  gegen  unsere  eidgc- 
nossen  verhasst  machen  und  aller  weit  in  h.  geben 
[das  Gerede  nahe  legen],  als  ob  wir...'  1531,  Absch. 
,So  hat  er  in  h.  abbin  gelogen.'  PiSchmid  1579.  ,Dare 
alqm  loquendum  populis,  mittere  alqra  in  fabulas  et 
sermones,  einen  yedermann  (der  weit)  in  [den]  h. 
geben  (bringen),  oder  verschreit  machen.  Jedermann 
wäscht  das  mul  mit  jm,  er  ist  aller  weit  im  h.  Venire 
in  ora  hominum,  in  ein  gschrei,  der  wSlt  in  [den]  h. 
kommen.  Inflare  ambas  buccas,  blasen,  was  einer  von 
h.  vermag.'  Fris.;  Mal.  ,Wenn  ich  [Hiob]  gleich 
unrecht  geton,  bette  ich  es  der  weit  mögen  im  h. 
verstecken  [ersticken],  dieweil  ich  grosses  ansehens 
und  gewalts  was.'  LLav.  1582.  —  c)  als  der  Körper- 
teil, mit  od.  auf  welchem  man  trägt;  Nacken,  zuweilen 


1207 


Hals,  hels.  hils,  hols,  hüls 


aber  auch  von  d  schwer  zu  scheiden.     Es  druckt-em 
fast  de  H.  ab  Gr;  Z.    Das  g'hört-em  an'n  H.,  das  hat 
er  [als  Strafe  zu  tragen]  verdient  Z.    Es  ist  mer  e  Sorg 
ab-eni  H.,  wenn  d'  Chind  emal  i"  d'  Schuel  müend  Z. 
Blib  mer  (gang  mer)  tum  H.  mit...,   lass   mich  un- 
geschoren Z.    (EimJ  Wasser  uf  de'  E.  reise'  [richten], 
ihn  in  Verlegenheit  setzen  BRoggw.    Eim  über  de  H. 
cho',   ihn  überraschen    ZW.     ,Die,   so  dise  ding  [Be- 
schwerden] mit  gwalt  dem  gemeinen  christenmann  uf 
den    h.    wollend    gebunden    han.'    Zwingli.     .Unsere 
knecht  [Kriegsleute]  andern  lüten,  die  uns  kein  leids 
tuend,  uf  den  h.  richten.'  Z  Verantw.  1525.    ,Und  nit 
ein  kleine  ungestücmigkeit  uns  auf  dem  h.  lag.'  1530, 
Apostelg.     Vom   Tragen   eines    Joches    s.  undergeben 
Sp.  83.     ,Was  grossen  spotts  und  schänden  uns  dar- 
durch  utf  den  h.  wachsen.'  1531,  Strickl.     ,Was  der 
Christenheit  auf  dem  h.  lige  [sie  beschwere].'  HBüll. 
1549.    ,Ein  vatter  legt  seinem  kind,  das  er  liebet,  nit 
ein  bürde  auf,  die  im  den  h.  abtrucke.'   LLav.  1582. 
jMorndrigs  nahm  ich  nrloub  widerum  heim  zu  kehren, 
dann   der  samstag   lag  mir  uf  dem  hals    [ich  musste 
mich    auf   die    Predigt    vorbereiten].'    Jos  Mal.  1593. 
,Zu  disem  kam   ihnen   noch    ein  anderer  unfahl  über 
den  h.'   RCts.     , Semlichen  nütsöllenden  Lüten  ghört 
der  Bettelsack  an  H.'  JJEüeg.  1606.     ,Wordurch  der 
Zorn  Gottes  uns  und  unserra  Vatterland  übern  H.  ge- 
zogen  werden   möchten.'    1653,  AäB.     .Doch  solle  er 
ihme  selbsten  nit  Unrecht  tun,   dass  er  vermeine,  er 
müsse  Alles  gestehen,  was  man  ihme  auf  den  H.  rede, 
etwann  der  Pein  und  Marter  zu  entgehen.'  JMet.  1694. 
,Die  Not   liegt   mir   auf  dem   H.'    1707,  1.  Makk.  — 
d)  als   für   das  Leben  kritische  Stelle.     3Iit  dem  E. 
bezalt  mrn  Alls.  Ineichen.    Bas  bricht-em  de'  E.,  ver- 
nichtet ihn,  bringt  ihn  um  Vertrauen,  Ehre  und  Amt 
B;  ScH;  Z.     , Zwingli   sprach   [zu  Luther]:   Das    [ein 
gewisses  Zeugniss  der  h.  Schrift]   bricht  üch  den  h. 
ab.'  HBdll.  1572  II  228;  da  Luther  diese  Rede  wört- 
lich  und   als   eine   Beleidigung   verstand,    fügte    Zw. 
beschwichtigend  bei :  ,Es  ist  ein  landsart  by  uns,  also 
zue   reden:    wann   wir  verstand,    einer  habe  ein  ver- 
lorne  sach.'     .Dass  dem  ganzen  krieg  der   h.  ab  ge- 
wesen war.'  Edlib.     ,Wär  Zwingli  under  dem  ys,   so 
war  denen  ufrüeren  der  h.  ab.'  Zwingli.     ,Man  lasst 
üch  [im  Felde]  nümmen  ze  schlahen  kummen,  sunder 
ficht  üch  mit  listen  den  h.  ab.'   ebd.     ,Wie   mancher 
sollt  den  h.  abfallen,  verbrünnen,  ertrinken,  erstochen 
werden,  den  Gott  gnedigklich  behüetet.'  LLav.  1582. 
jWenn  wir  sagen  wollend,    einer  hab   ein    sach  ganz 
und  gar  verloren,  sagend  wir:  Die  selbig  sach  breche 
jm  den  h.  ab.'   Grob  1599.     ,Wie  Etliche  sich  wider 
in  verbunden    und  in   um  den  H.  ze  bringen   under- 
stüendind.'  JRüeg.  1606.    ,Der  Klaus  [von  der  Flüeh] 
mit  seim  Betten  hat  er  dem  Krieg  den  H.  abtretten.' 
JMahl.  1674.    S.  noch  Gelten-E.,  Wag-den-E.,  ferner 
Frevel  Bd  I  1287/8,  darheben  Sp.  924.  —  3.  der  vor- 
derste Teil  der  Nabe  an  einem  Wagen  SG.,  NA. ;  vgl. 
Brust,  Käsli.    Auch  Ofenkacheln  schreibt  man  Hälse 
zu    Z.  —  4.  der   verhältnissmässig   enge    Zugang   zu 
den    unter   dem  Boden   liegenden  Räumen    eines  Ge- 
bäudes. Vgl.  Ofen-,  Keller-E.  ,Als  wir  gebuwen  haben 
an  unserm  huse  ein  h.  und  ein  steinin  stegen.'  1367, 
L  (Gfd).  —  5.  Eingang  eines  Grabens ;    vgl.  Ofen-E. 
,Der  Graben  i.st  tief  und  gar  notfest,  er  hat  ein  feinen, 
engen  H.'  MyricXüs  1630.  —  6.  schmaler  Erdrücken; 
vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  256  u.  Erd-E.,  lat.  faiices,  Landenge. 


,Als  der  gerwergrab  und  der  steininbrugggrab  ze- 
sammen  stiessend  und  ein  schmaler  h.  dazwischend 
über  gieng.'  B  Stdtchron.  bei  Just.  S.  316.  Laut  Mey. 
ürtsn.  17:  langer,  schmaler  Hügel,  bes.  der  obere  Teil 
eines  Burghügels,  wo  derselbe  schmäler  zu  werden 
anfängt.  Hieher  wohl:  ,Wir  haben  angesehen,  dass 
Niemand  im  Kemprater  Winkel  ob  dem  Hals  an  der 
Tünne  [Untiefe]  fischen  soll.'  Z  Ges.  1757.  ,Im  H.', 
Plurn.  ZSternenb.  ,Hälsli',  Berggut  in  GLBetschw. 
Ofen-Hals:  die  Verbindung  eines  im  Übrigen 
freistehenden  Ofens  mit  der  Mauer  zum  Behufe  der 
Einfeuerung  von  einem  Aussenraume  aus  Z. 

E 1  b  - :  Name  einer  Ziege  mit  blassgelbem  Halse  BU. 

Ell  =  älw  Bd  I  211.  —   Das  Comp,  hat  hier  possessive 

Bed.  wie  in  nhd.   ,Krauskopf,   Langbein'  usw.     Tgl.    Gu-H. 

Erd-  =  Eals  6.    ,Ein  halbe  Insul,  welche  der  E. 

(das  enge  Land  zwüschen  zweien  Meeren)  an  das  feste 

Land  anheuket.'  Spleiss  1667. 

Gelten-:  1.  das  Losungsw.  in  einer  Verschwörung. 
1368,  B.  .Nu"  schuldiget  man  etlich,  dass  sy  einen 
uflouf  angetragen  hätten  und  mit  dem  Wächter  uf 
dem  Wendelstein  angeleit,  dass  wenne  sy  schrüwen 
geltenhals,  so  sollt  er  an  die  gloggen  slachen.'  Just. 
—  2.  Geschlechtsn.  S  It  RCys. 

Es  ist  natüilich  fraglich,  ob  nicht  die  Anwendung  2  die 
ältere  sei;  in  diesem  Falle  wäre  ein  vorhandener  Geschlechtsn. 
zum  Losungsw.  genommen  worden,  wie  z.  B.  in  der  Z  Mord- 
nacht von  1351  .Peterniann'.  Die  Ausdeutung  des  W.  selber 
hängt  von  dem  Charakter  des  e  der  Stammsilbe  ab:  wenn  =  e', 
so  ist  etwa  an  eine  schwanenhalsartige  Äusgussröhre  od.  an 
die  Yerengerung  gewisser  Arten  von  .Gelten'  (s.  G.  S  a  u.  h) 
zu  denken ;  wenn  dagegen  =  e,  so  liegt  einer  der  (allerdings 
erst  im  XV./XVI.  recht  in  Schwang  gekommenen)  Satznamen 
vor,  eine  Zss.  aus  dem  Optat.  des  Vbs  ,gelten'  und  ,H.'  2  d 
i.  S.  T.  ,es  gelte  den  H. ! '  oder  ,er  [der  Verschworene]  gebe 
den  H.  her!' 

Git-,  Giz-:  Geizhals.  Syn.  G.-Kragen.  Der  G. 
und  e  feissi  Sou  bringen  erst  Nutze'  noch  em  Tod. 
Ineichen.  Der  G.  lied  nur  ztco  Eänd,  eini  zum  Ne' 
und  eini  zum  B'halte".  ebd.  Devi  arme'  Ma"  feit 
vil,  dem  G.  Alls.  ebd. 

Für  die  pers.  Bed.  vgl.  das  in  der  a.  Rechtsspr.  übliche 
Fvihuh.  freier  Mann,  und  die  Schimpfnn.  Lürs-,  Schelms-, 
Trupß-U. 

Cheller-,  Clier(r)-:  1.  durch  einen  Einschnitt  in 
den  Boden,  meist  vor  dem  Hause,  (in  ZO.  von  der 
Küche  aus)  angelegter,  treppenförmiger  Zugang  zur 
Kellertüre  Aa;  Ap;  Bs;  B;  VO;  G;  Th;  Z,  meist  ge- 
mauert und  gedeckt.  Über  dn'  Gh.  sff't-m^'  im  Winter 
a  Cherfalla'  ha'  und  Alles  l'macha'  mit  Streui  mTn. 
Rätsel:  Wie  wöttisch's  [wolltest  du  es]  mache',  wenn 
du  d'  Eere  [die  Geistlichen]  all  dur'''  ein  Eals  wöttist 
g'höre'^  singe" .?  Antw. :  ,Sie  unter  den  Kellerhals 
hinab  schicken.'  Eochh.  1857.  .Hain  ich  ain  wunder- 
lich, gwelbt,  gmürat  loch  funden  vor  inym  kerhals.' 
1527,  HsStock.  ,Dise  edelleut  band  ein  schön  bürg 
ghan,  da  man  die  graben  und  mauren  und  den  kerr- 
hals  noch  sieht.'  Vad.  ,Er  ist  gegen  dem  Kellerhals 
gezogen  und  hinab  in  den  Keller  gestürzet  worden.' 
Anhorn  1674.  Eine  Art  Vorkeller  B  (als  Schenklokal 
benützt);  ScnSt.  ,Die  Landlüt,  von  denen  man  der- 
glychen  [Flüche]  in  Kellerhälsen,  uflF  den  Gassen  und 
anderstwo  hört'  B  Mand.  1628;  vgl.  Mlerhälselen. 
.Die  Übung,  dass  Rechtshändel  in  Kellerhälsen  und 
Winkeln  verspruchet  [entschieden]  werden,  soll  unter- 
sagt werden.'  1649,  Absch.    ,So11  männiglich  pflichtig 


1209 


Hals,  hels,  hils,  hols,  hui 


sein,  die  Kcllerhäls  Nachts  beschlossen  zu  halten.' 
B  Polizeiregl.  1748.  .Wein  nicht  in  Schlnpfwinklen, 
sondern  nur  in  öffentlichen  Kellerhälsen  ausschenken.' 
B  Mand.  1739.  —  2.  enges  Luftloch  oben  im  Keller 
GRh.  Lichtloch  mit  Fällladen  vor  den  Fenstern  des 
Webkellers  Aa.  —  3.  enger  Durchgang  überh.  Ndw. 

—  4.  ,Keershals.'  Geschlechtsn.  Z  Wappenrolle.  — 
„kellerhälselen:  eig.  nach  dem  Kellerhals  riechen ; 
von  gemeinem  Benehmen,  plumpem  Witz.  Der  Aus- 
druck entstand  an  Orten,  wo,  wie  in  B,  die  Bauern  im 
Keller,  Vorkeller  zechen  B."  —  Mhd.  MkrhaU  in  Bed.  1. 

Chämmi°-:  der  engere,  obere  Teil  der  Mündung 
des  Rauchfangs  BSi.;  ZO. 

Charr-  =  Cheller-H.  1  ZSth. 

Kann  nicht  wohl  aus  Ker-H.  entstellt,  sondern  mag  das 
Schwab.  Kar  sein,  welches  nicht  nur  Stockwerk,  sondern 
auch  verschiedene  Ränme  des  Hauses  bezeichnet,  eine  bes. 
Anwendung  des  ahd.  kar,  Geffiss,  Behälter;  s.  Gr.  WB.  V  204. 

eher-:  steifer  H.  Zg;  Z.  Syn.  Kieri.  —  cher- 
hälsig:  (wegen  Schmerzen  im  Hals)  verhindert,  den 
Kopf  zu  bewegen;  an  Steifheit,  Unbeweglichkeit  des 
Halses  leidend  Aä;  Ap;  Z.  Wer  oft  und  lange  seit- 
wärts oder  rückwärts  nach  einem  Gegenstande  blickt, 
ungeduldig  danach  ausschaut,  sagt  von  sich,  .er  sei 
fast  eh.  geworden',  habe  darüber  fast  den  H.  verdreht, 
sei  fast  verrückt  geworden.  Wenn  d'  nw  nüd  eh. 
trirst!  Warnung  an  einen  Solehen.  S.  noch  u.  Wdier- 
Volch  1  (Bd  I  80.5).     Vgl.  Meren. 

Cher{r)-  s.  Oieller-H.  —  Churz-:  Kuhname  .\p. 

—  Lang-:  heisst  im  Kinderlied  vom  Haushalt  die 
Gans  L  (T.  VL.  I  153). 

Lürs-:  H.  eines  Schelms,  Scheltn.  für  die  ganze 
Person;  vgl.  Elb-,  GU-H.  Saul  schilt  David  einen 
,laurshals.'  VBoltz  1.554.  ,Dass  dich  Gott  straft',  du 
lurshals!'  Berner  Estuer.  ,Ein  fauler  tropf,  ein  laurs- 
hals  bist.'  Schertw.  1579.  —  Von  Lür,  schlauer  Mensch. 
Vgl.   Schehm-H. 

Natter-  s.  Wind-H.  —  Eag-:  schlanker,  langer 
H.,  bzw.  Person  mit  einem  solchen  Ap;  GRh.,  im  Gegs. 
zu  einem  , Kropf'  (s.  noch  d.)  W  (It  Schinipfr.  1651). 

—  Rüt-:  1.  fuligula  ferina.  , Wilde,  grauwe  ent,  anas.' 
Mal.  —  2.  Röt-Hälseli,  Rotkehlchen  UwE.;  Syn.  Böt- 
Gügger,  -Brüsteli,  Eoteli.  —  Satt-:  „dicker  H.  B; 
L;  ScH;"  S;  Th.  ,Gutturosus,  ein  s.,  der  ein  grosse 
kelen  hat.' Fris.;  Mal.;  Denzl.  1716.  —  Schelms- = 
Lurs-H.  Aal  1549;  GGotth.  1619.  —  Schwane--: 
gebogene  Röhre,  an  welche  die  Schläuche  der  Feuer- 
spritze angeschraubt  werden.  Z  1790.  —  Schwarte"-: 
Hals  mit  dicker,  harter  Haut,  bzw.  Person  mit  einem 
solchen,  als  Schelte.  De"'  alt  Schw.  Z  (Schwzd.). 
,Plurima  cervix,  ein  grosser,  gestockter,  dicker  und 
voUkommner  hals,  schw.'  Fris.;  Mal.  ,Der  Schw., 
gewanet  Tag  und  Nacht  voll  zu  sein.'  Schertw.  1579. 
,lch  [Zwytracht]  han  ein  Bad  angricht,  das  üch  die 
Schwartenhäls  zerbricht'  JMahl.  1674.  —  Schwarz-: 
Ziege  mit  schwarzem  Vorder-  und  weissem  Hinter- 
körper. Alpenw.  1860. 

Speck-:  sehr  fetter  H.  Z.  —  speck  -  hälsig: 
mit  einer  Geschwulst  am  H.  behaftet,  von  Pferden. 
,So  ein  pferd  sp.  ist.'  Tiere.  1563,  136,  a. 

Span-,  nur  erschlossen  aus  dem  Adj.  span- 
hälsig:  mit  einer  Spannung  (?)  im  Halse  (Pferde- 
krankheit) behaftet.  ,So  sy  [die  Pferde]  das  feber, 
sp.,  taubsuchten  und  dergleichen  habend.'  Tierb.  1563. 


Diebs-:  Scheltw. ;  vgl.  iurs-,  ScMms-fl".  ,Schelm, 
böswicht,  d.'  Mal.  —  Sunntag-:  die  Luftröhre  als 
der  nicht  zum  Schlucken  bestimmte  Teil  des  Halses 
Bs;  B;  S;  Z.  Es  ist-mer  Öppis  i'n  S.  cho'.  Syn. 
Firtag-Löehli  (in  Baiern  ,Firtag-Hals'),  der  letz  Hals 
(s.  Hals  2a).  —  Werktag  Wechtig-:  die  Speiseröhre 
als  das  normale  Organ  des  Schluckens  S. 

Träj-:  1.  Wiedehopf  SStarrk.  —  2.  Kreisel. 
, Turbo.'  Mal.  —  Der  Vogel  so  benannt  von  seinen  un- 
ruhigen  Bewegungen.      Vgl.    Wind-H.   und   Vreh-Bähler. 

Tropfs-:  Scheltn.  für  einen  untüchtigen  Menschen. 
,Diser  zwinglische  tr.  und  ufrüerer  hätte  wol  ein 
strick  an  hals  verdient.'  15:12,  Absch.  —  Wag-den-: 
Name  1.  einer  (halsbreehenden)  Strasse  bei  BsRoten- 
fluh.  —  2.  eines  Turmes  im  alten  Basel,  s.  Schaden- 
gard Sp.  416.  —  Wind-:  Wendehals,  der  Vogel  mit 
sehr  gelenkigem,  leicht  drehbarem  H.  ,Der  w.  durch- 
sticht mit  seiner  zungen  ser  schnell  die  arabeissen, 
gleich  wie  bei  uns  die  jungen  knaben  die  fröschen 
mit  eisinen  pfeilen,  so  sy  an  einen  bogen  gebunden 
habend.'  Vogelb.  1557.  ,Iynx,  avis  qua  vertilla  a  colli 
versura  vocatur,  ein  w.  oder  natterhals.'  Fris.;  Mal. 
,Dorndräher  und  Windhäls.'  JLCys.  1661. 

Halse"  f.:  um  den  H.  gehender  Strick.  1.  „ein 
Band,  das  man  über  die  Schulter  schlägt  und  an  wel- 
chem ein  Strick  befestigt  ist,  der  mit  dem  Schiffsseil 
oder  dem  Handschlitten  oder  Schiebkarren  verbunden 
ist,  au  welchem  man  zieht  Tu."  Syn.  Züg-Wid.  — 
'2.  ein  Seil  am  Pferdegeschirr.  Sülger.  Riemen,  womit 
man  das  Rindvieh  an  die  Deichsel  bindet,  ebd.  ,Ein 
halsen,  daran  die  ross  oder  rinder  zeuhend,  heltium.' 
Mal.  —  3.  Strick,  womit  das  Vieh  an  die  Krippe  ge- 
bunden wird   AAFri.;  Bs;  STierst.     Vgl.  Hälsing. 

Mhd.  halse,  Halsriemen  des  Leithundes ;  in  Baiern  auch 
Tragband  der  Kleider. 

Uf-:  die  kurze  Kette,  welche  vorn  an  die  Deichsel 
gehängt  wird,  wenn  man  den  Wagen  gebrauchen  soll 
SG.,  WA.     Syn.   Ufhalte. 

halse":  1.  den  H.  strecken,  um  Etw.  zu  sehen 
BHerz.  —  2'.  scherzh.,  mit  gutem  Appetit  essen  UwE. 
—  3.  umhalsen  GlK.;  umarmen  ZKn.  (äj.  ,Und  halsen 
mich  da  beide  und  küssten  mich.'  1400,  Bs.  ,Der  küng 
empfieng  die  küngin  und  halset  sy  vor  allem  volke.' 
Vad.  ,H.,  1)  mit  den  armen  an  hals  fallen,  oder  den 
hals  mit  den  armen  uraschlahen.  2)  coire,  fovere 
aliquam.'  Mal.  308  a.  ,So  der  Mann  nit  h.  mag,  dass 
im  syn  Natur  gnommen  ist,  so  nimm . . .  [mehrere 
Mittel  gegen  Impotenz].'  ZElgg.  Arzneib.  c.  1650.  — 
4.  bei  den  Webern:  sorgen,  dass  die  Breite  des  Zettels 
gehörig  aufgebäumt  werde,  dass  der  Rand  nicht  schief 
sei  oder  gar  eine  Tour  sich  über  die  andere  schiebe 
Ap.  —  5.  (auch  inne"-)  beim  Blockbau  die  Balken- 
köpfe der  einen  Wand  mit  denen  der  andern  zsfügen 
ScBwE.     Vgl.  stricken,  wetten.  —  Mhd.  nur  in  Bed.  3. 

an-:  beim  Tanzen  den  Hals  einer  andern  Person 
berühren,  den  Arm  an  ihren  Hals  legen?  , Aufgemacht 
und  gwaltig  gsprungen,  angehalst  und  lustig  g'schwuu- 
gen!'  Tanzreigen  bei  JCWeissenb.  1701. 

,ent-,  decollare,  enthaupten.'  Denzl. 

Halsi  li.:    weisse  Ziege   mit  schwarzem  Hals  W. 

Hälsel  ApK.,  Hälsi'g  AaF.;  Ap;  Bs;  BO.  (PI. 
Hälsega);YO;  G;  S;  Z,  Halsi"g  GkL.;  U,  HäUli'g  BS., 
Si.;    Gl;    GrD.;    L;    Sch;    Th;    Z  —  m.:     1.  Strick, 


1211 


Hals,  liels,  hils,  hols,  hüls 


1212 


kurzes,  dünnes  Seil;  zunächst  Menschen  und  Tieren 
um  den  Hals  zu  legen,  aber  auch  übh.  zum  Binden, 
so  z.  B.  der  von  den  Capuzinern  um  den  Leib  ge- 
tragene Strick.  In  GrL.  auch  der  Eiemen  um  den 
Hals  des  Rindviehs.  Bei  Pferden  syn.  mit  Hälftre 
GrP.  „Die  2  Ketten  am  Herzriny,  einem  Teil  des 
an  der  Krippe  befindlichen  KüeHeili  BO.;  LE."  Si 
hei'  (V  Lebchueche'  an  e  H.  'zöge',  aufgereiht  S.  ,Wo 
sie  jung  gewesen  sei,  hätte  man  sie  des  Sonntags  nicht 
einmal  an  einem  neuen  H.  daheim  gehalten.'  Gotth. 
Ml  sött-em-ne  selige"  Chieri  [man  sollte  einem  solchen 
Kopfhänger]  dV  Hals  mit  em-ne  hatzige"  Hälsig 
chönne'  strecke',  ebd.  Ein  vierfacher  H.  als  ver- 
schärftes Zuchtigungsmittel  sprichw.  Ap;  Th;  Z.  Eiin 
de"  4fach  H.  gc'.  Nüd  bloss  d'  Ruete',  de'  vierfach 
Hälslig  muess  si  ha'.  Stütz,  üs  'em  H.  schlüfe',  sich 
losmachen  Z.  Er  tat  si  um  enen  H.  [eine  Kleinig- 
keit] hinlce  Z  (Dan.).  Wenn  i^n  der  Hälsig  nit  reuti, 
er  hätt-si'''  vor  Giz  scho"  g'henkt!  Bs  (Spreng).  I«* 
hett-e'  scho'  lang  g'henkt,  aber  es  neus  Hälsegli  hed 
mi'''  eister  g'rauc"  an-e"  [ihn].  Wolf,  Bauerngespr. 
Hälsig  lang  =  Halfter  lang  Zg.  ,Er  gibt  mehr  um 
den  Hälsling  als  die  Sau  wert  ist.'  Sprww.  1824.  Es 
ist  tumm,  e  Chats  am-ene  Hanslig  [zu  binden  oder 
führen],  es  Chötteli  hed  's  [tut  es,  genügt]  an'''  B. 
Ttie'  wie  d'  Chatz  am  H.,  sich  rasend  geberden  Bs;  S. 
Der  Hege'  ist  a'z'luege  g'sl",  wie  wenn  Hälsig  vom 
Himmel  abe"  hängtet.  MLien.  (SchwE.).  Ödere  [Adern] 
wie  H.  [so  dick]  Ap;  Z.  ,Mit  jm  so  tet  er  füeren  uf 
wägen  etlich  fass  mit  helsling,  strick  und  schnüeren.' 
Halbsuter.  .[Der  Nachrichter]  soll  [dem  Verbrecher] 
einen  helsing  an  syn  hals  stricken.'  Z  Richtb.  1429. 
,Mit  gehenkten  hälsingen  an  iren  halsen  dem  künig 
zu  fuess  fallen.'  1499,  Absch.  Der  Herzog  von  Bur- 
gnnd  drohte  der  Besatzung  von  Murten,  er  wollte  sie 
henken  ,und  zougte  inen  die  helsig.'  Edlib.  ,Die  Zür- 
cher zugend  us  mit  reiswägen,  kästen,  hälsig  in  fassen 
(ward  geredt,  sy  welltend  uns  daran  gehenkt  han), 
schnuor,  seil.'  Salat.  ,Wenn  ein  herr  ze  Costanz  will 
ziehen  über  den  Arlebcrg  zu  einem  pahst,  so  sollen 
Engkwiller  jm  einen  söumer  kofen,  den  sollen  sy 
jm  geben  an  einem  hälsling  one  sattel  und  zoum.' 
153'2/16n,  GEngw.  Oftn.  ,Wie  duldig  [der  Ochse] 
sich  an  ainem  helsing  herfüercn  Hess.'  Kessl.  , Seinen 
son  mit  einem  hälsing  zue  erwürgen.'  Vad.  ,Laqueus 
restis,  strick,  seil,  hälsing.'  Pris.;  Mal.  ,Do  hat  den 
[gefangenen  Verbrecher]  nur  einer  allein  gefuert  an 
einem  h.'  1561,  ZWint.  Isaak,  als  ihn  der  Vater 
bindet:  ,Es  ist  doch  vil  zuo  hert  und  streng,  und 
züchst  die  hälsig  zuo  so  eng,  als  ob  ich  war  ein  wildes 
tier,  dem  man  bind  zsamen  alle  vier.'  Haberer  1562. 
,Da  sind  die  scharianten  zuegfaren  und  band  in  eira 
turn  angefangen  mezgen  und  töden  ein  nach  dem 
andern  und  demnach  uf  die  gassen  werfen  und  ein 
helsin  an  eim  hals  oder  an  ein  bein  binden  und 
schleiken  durch  die  statt'  1572,  UMey.  Chr.  ,Was 
pfand  man  nimmt,  die  soll  man  stellen  in  die  tavernen 
[wo  der  Pfandstall  sich  befindet],  und  soll  man  dem 
wirt  geben  von  dem  hälsung  [von  jedem  angebundenen 
Stück  Vieh]  1  pfenning.'  1594,  ÄAMöhl.;  vgl.  Forst  II 
(Bd  I  1025/6).  , Kühkamm,  Kühseil,  Hälsling,  caraus, 
numella.'  Red.  1662.  ,Dem  Seiler  von  einem  Garben- 
seil und  2  Hälsingen  zu  machen,  darzu  ich  das  Werch 
gab,  10  ß.'  Zubers  Tageb.  1676.  .Seil,  Helsing,  Strick 
udgl.,  so  man  den  Hirten  gibt.'  XVll.,  AAMuri.    S.  noch 


Bad-Gelte  Sp.  284.  -  2.  HälsiyK,  Koseform  für  ,Ans- 
helm'  ScHwE. 

Mhd.  hiiitiiuj  (nur  aus  Bonor  und  Just,  belegt,  also  wohl 
spec.  Schweiz.).  2  uumittelbar  aus  der  Form  , Halshelm'  mit 
Anlehnung  an   1. 

Für-:  Lunte;  Syn.  Für-Seil.  ,E  ganze  Banne 
[Wagen]  voll  Feurhelsig  [nahmen  die  Berner  bei  Vil- 
mergen  weg].'  Gespräch  1712.  —  Güntli-:  Seil  mit 
einem  spitzigen  Eisen,  das  ins  Holz  geschlagen  wird, 
um  dasselbe  fort  zu  schleifen  Zg.  Müesse'  zieh"  wie 
ame'  Gilntlihälsig.    S.  Gunten  II  Sp.  382. 

Ch alber-:  1.  Strick,  mit  welchem  Kälber  ange- 
bunden oder  geführt  werden  Z.  —  2.  a)  kriechende 
Hauhechel,  onon.  rep.  Ndw.  —  b)  Rinde  des  gemeinen 
Kellerhalses,  üaphne  mez.  SL.  —  c)  Quecksilbersalbe, 
ung.  merc.  SB. 

2  a  u.  b  weiden  dem  Tiere  um  den  Hals  gelegt  zur  Ver- 
treibung der  Läuse;  dem  letzteren  Zwecke  dient  auch  e, 
daher  die  Übertragung  des  Namens. 

eher-:  Mensch,  der  die  Absichten  oder  Äus- 
serungen Anderer  missdeutet  oder  verdreht  (verchert) 
ZO.  —  Chnüttel-:  kurzer,  dünner  H  ZRafz;  vgl. 
Knüttel-Bändli.  —  Buch-:  der  Riemen  oder  Strick, 
den  man  den  Zugtieren  um  den  Leib  legt  Z.  Syn. 
Büch-Biemen,  -Seil.  —  Balle"-:  Strick  zum  Auf- 
ziehen und  Herunterlassen  der  Fen.sterladen  (Ballen) 
ZO.  —  Tenn-:  Strick  am  Tuchbaum,  an  dem  der 
,Tenn-IVagel'  hängt  Ap. 

hälsige°:  sich  in  Schnüre  ziehen,  wie  zäher  Käse 
in  der  warmen  Suppe  Ndw. 

Krag-Hälsler:  eine  gewisse  Münze.  ,Weil  die 
Lothringer  Dickpfennige  und  besonders  die  Kr.  an 
Gehalt  schlechter  sind  als  die  in  der  Eidgenossen- 
schaft gemünzten.'  1560,  Absch.  ,Die  Kr.-Dicken  auf 
5  Con.stanzer  Btzn  herunter  gesetzt.'  1578,  ebd. 

Hie  Münze  wahrsch.  so  genannt,  weil  sie  das  Bild  eines 
Fürsten   mit  grosser  Halskrause  (Krmjcn)  trug. 

Lang-:  ähnlich  oder  gleich  dem  Vor.  ,Jedes  Ort 
soll  seine  Angehörigen  vor  den  Langhälsler  und  Loth- 
ringer Dicken  warnen.'  1560,  Absch.  —  Rag-:  = 
Krag-H.  und  viell.  nur  daraus  entstellt.  ,U;  Schw; 
Uw  begehren  von  L  Aufhebung  der  erlassenen  Ver- 
rufung  der  Raghälsler.'  1575,  Absch.    Vgl.  Rag-Häls. 

Heise"  I  f.:  Taufangebinde  der  Paten.  ,Gotte  und 
GiJtti  geben  dem  Taufkindo  zur  Hälsen  einen  grossen 
Brabanter-Taler  und  einen  kleinen  Angster;  dann  wird 
es  später  für  Gross  und  Klein  sorgen.'  Rochh.  1857. 
S.  auch  Fäsche.  Neujahrsgeschenk  Gl  (St.'').  Ge- 
schenk bei  einer  Hochzeit  Ap  C-ä-J.  Sonst  Helsete, 
s.  d.  und  das  folg.  Vb. 

helse"  I  (-ä-  AAZein.,  sonst -e'-^;  Geschenke  ma- 
chen, schenken.  Das  ehli'  Tischli  het  er  enere  einist 
g'helset,  wo  si  no'''  Hochziteri  gsi"  ist  Aa  Kästal. 
(Schwzd.).  Nit  all  Tag  helset  er  [Gott]  Zuckerbrot. 
Hebel.  Ironisch :  Du  wottest-mer  für  das  Chüeli  Nüt 
sale" ;  meinst  öppe",  i"''  werd-der  's  h.  ?  SchwMuo.  Me* 
helset- der 's  dünn!  wenn  Einer  Etwas  wohlfeil  Ange- 
botenes nicht  kaufen  will  AABb.  Ich  muess  üch  nüd  h. 
n-ege'  Vorbote",  nicht  danken  für  Warnungen  GlMoU. 
De  Pfarer  isch  gange  go  h.,  Knaben  von  einem  Kirsch- 
baum herunterjagen  und  züchtigen.  Breitenst.  Auch 
drohend:  F''  will-im  scho"  h.!  Oew.  Abgeschwächt  zu 
der  Bed.  herbeiholen,  darreichen.    Hels-mer  en  Stuel 


1213 


Hals,  hcls,  hils,  liols,  hüls 


her!  Hels-mer  e  chH  Wasser  Th.  ,8  Kronen  h.  und 
verehren.'  1591,  Gfd.  Insbes.  a)  den  Patenkindern 
übliche  Geschenke  schicken,  bringen  Aä;  B;  Gl;  Gr; 
Th;  U;  Z;  s.  Sp.  528.  Gewöhnlich  geschieht  es  auf 
oder  um  Neujahr,  doch  s.  u.  Haber-Ern  Bd  I  4G3. 
Wenn  das  Kind  erwachsen  ist:  De  Götti  helset-mer 
nümme"  Z.  ,Hälsen,  Gutjar  geben,  amplexando  stre- 
nam  dare.'  Red.  1662.  Wenn  das  Kindlein  zum  ersten 
Mal  zum  Paten  gebracht  wird,  hängt  er  ihm  ein  ein- 
gewickeltes Geldstück  um  den  Hals.  Früher  wieder- 
holte sich  das  jährlich  bis  ins  12.  Jahr  ZFehr.  In 
üwE.  wird  das  Vb.  auch  von  den  Geschenken  der 
Paten  an  die  Firmlinge  und  auch  am  Geburts-  und 
Namenstag  gebraucht.  Auch  mit  Wechsel  des  Subj.: 
das  Patengeschenk  in  Empfang  nehmen,  abholen 
AxBb.;  ZW.  —  b)  übh.  „zum  Neujahr  Geschenke 
geben  L;  Sch;  Zg;  Z";  z.B.  von  den  Geschenken  der 
Eltern  (bzw.  des  Christkindes  W;  Syn.  schleiken)  an 
die  Kinder,  der  Herrschaft  an  die  Dienstboten,  der 
Wirte  an  die  Gäste,  der  Bäcker,  Bratwurster  usw. 
an  ihre  Kunden,  der  Schüler  an  die  Lehrer  Z  tw. 
Früher  erstreckte  sich  die  Sitte  noch  auf  weitere 
Kreise:  ,Ouch  sint  myn  HH.  übereinkommen,  dass 
hinnanhiu  nieman  uff  keiner  stuben  noch  gesellschaft 
Zürich  nicht  helsen  soll  an  dem  inganden  jar  dann 
in  die  gesellschaft,  do  einer  stubenhitz  git,  und  wer 
das  bricht,  der  git  gemeiner  statt  1  pfd  ze  buoss, 
aber  pfaffen  noch  Juden  soll  ditz  gesetzt  nicht  angan.' 
1376,  Z  Stadtb.  Nach  dem  Schw  LB.  S.  99  u.  sollen 
,Nüwe  Jahr-  und  Helsitäg  nach  altem  Brauch  zuge- 
lassen sein'.  —  c)  von  Geschenken,  welche  die  Hoch- 
zeitgäste dem  Brautpaare  geben  ZEuss.  Vgl.  Helsete  h. 
—  d)  ,den  Obstbäumen  h.',  am  Vorabend  von  Weih- 
nacht einen  Strohring  um  die  Stämme  legen,  womit 
man  den  Ertrag  für  das  nächste  Jahr  zu  steigern 
hotfte  ZBül.  (Z  Bauer  1882);  vgl.  heilig  Sp.  1149. 

Mhd.  hetxen,  umhalsen.  Die  Grundbed.  uiisers  W.  ist 
ohne  Zweifel  a,  mit  der  nähern  Bestimmung,  dass  jene  Ge- 
schenke den  Kindern  urspr.,  zunächst  bei  oder  nach  der 
Taufe,  an  den  Hals  gebunden  wurden.  Vgl.  nhd.  .Angebinde', 
Geburtstagsgeschenk,  und  die  Sitte  des  WUrgens  (s.  d.), 
welche,  vom  Geburtstag  jetzt  meist  auf  den  Namenstag  ver- 
legt, ein  symbolischer  Ersatz  des  altern  Anbindens  an  den 
Hals  war.  Vgl.  über  das  Alter  und  den  urspr.  Sinn  solchen 
Bindens  noch  Mannh.,  German.  Mythen  S.  675  S.  Vgl.  auch 
Inhind-Gdd.  Lautlich  wäre  auch  Abi.  von  mhd.  heasmi,  Glück 
•wünschen,  zum  Neujahr  und  zur  Hochzeit,  ahd.  heilison  (vgl. 
heilazan,  Salutare,  valefacere)  möglich;  vgl.  helg  für  ,heilig'; 
auch  spricht  für  diese  Erklärung  das  mit  hehen  a  fast  gleich- 
bedeutende, freilich  nur  aus  GrS.  bezeugte  heilsen  (s.  d.)  und 
die  mhd.  Stelle:  die  Hute  einander  heilsait  mit  gäbe.  Aber 
bei  unserni  W.  tritt  die  Bed.  .Glück  wünschen'  nirgends 
hervor,  vielmehr  erscheint  das  Schenken  allenthalben  als 
Hauptsache  (mit  der  sich  das  Glückwünschen,  bes.  am  Neu- 
jahr und  Geburtstag,  ebenso  leicht  verbindet  wie  unigek.). 
und  insbes.  weist  die  merkwürdige  und  gewiss  sehr  alter- 
tümliche Bed.  d  auf  ein  ursprüngliches  Umbinden  (wobei 
natürlich  die  betr.  Stelle  am  Baumstamm  als  Hals  gedacht 
wurde).  Dass  diese  Grundbed..  wie  beim  nhd.  .anbinden', 
sonst  ganz  erloschen  ist  (ausgenommen  in  dem  fast  syn. 
iDüryen),  ist  SO  wenig  auffallend  als  die  fortgeschrittene  Aus- 
dehnung der  Bed.  auf  Schenken  übh.  In  Schwaben  bed. 
.halsen':  am  Geburtstag  würgen,  als  Subst. :  Geburtstags- 
und Hochzeitsgeschenk. 

ab-:  das  letzte  Patengeschenk  machen;  Syn. 
d'  Letzi  ge'.  ,Dann  soll  damit  für  ein  und  alle  Mal 
abgeheiset  syn.'  Z  Mand.  1627.  —  Die  Präp.  bed.  die 
Befreiung  von  der  bisherigen   Pflicht. 


ume-:  dem  Paten  ein  Gegengeschenk  machen 
ZSth.;  s.  Hels- Weggen. 

US-  =  ab-h.  aScHW;  Z. 

Helsete"  [HeUete  GG.,  Heizet  GF.)  f.:  Geschenk 
SoHwMuo.  Auch  iron.  von  otw.  Unangenehmem  Obw; 
vgl.  nhd.  .Bescherung'.  Spec.  a)  Patengeschenk  zum 
Neujahr,  bzw.  an  Weihnachten,  Fastnacht  Gl;  Gr 
Obs.;  L;  G;  ScHw;  Uw;  U;  Z.  Beschreibung  einer 
H.  s.  Stutz,  Gem.  P  120  f.  Sie  besteht  meist  aus 
Kleidungsstücken,  auch  ein  Eierring  oder  ein  Weiss- 
brötchen und  Geld  werden  beigegehen  Z.  S.  noch 
Gross-H.  Im  Aa  gibt  man  zur  H.  überall  .Weggen'; 
in  Gr  .Birn-Weggen-.  In  ZWl.  holen  Kinder  (oder 
ihre  Eltern)  die  H.  bei  den  Paten  ab.  Ebenso  an  der 
Fastnacht  in  Schw.  Syn.  Hels-Tag,  Guet-Jär.  Am 
Sunntig  [nach  Aschermittwoch]  göm-mer  ds  Ghüechli 
hole  und  d'  Helsete  bim  Götti  Schw  (Schwzd.).  Zu 
Ostern  gibt  es  nochmals  H.  GF.,  G.;  ZO.  ,Auf  der 
Landschaft  bringen  an  etlichen  Orten  die  Kinder  am 
Neujahr  ihren  Taufzeugen  Helsweggen  und  empfangen 
dagegen  Hemder  oder  Schuhe  oder  Strümpfe  oder 
Bücher  usw.,  welches  die  Helscten  genannt  wird.' 
vMoos  1775.  Ähnlich  noch  jetzt  Z.  —  b)  Neujahr- 
geschenk übh.  ZO. ;  s.helscnb.  ,An  dem  Neuenjahrstag 
und  wann  man  die  Helseten  begeht.'  1623.  Gfd  (Ndw). 
.Einem  Oherweibel  für  sein  Jahrlohn  und  Helseten 
und  für  Gartenholz  und  Kerzen  soll  sein  fl.  56.' 
1625/56.  U  Hausordn.  —  c)  Geschenk  zum  Namenstag 
Sch;  Syn.  Würgete.  —  d)  Geschenk  an  die  Hochzeit- 
gäste bei  der  Mahlzeit  Ap  fä-J;  Syn.  Ürte.  Auch  die 
(kleine)  Geldgabe,  welche  dem  sich  verheiratenden 
Mädchen  aus  den  sämmtlichen  Haushaltungen  des 
Dorfes  zu  Teil  wird,  wobei  die  Überbringer  bewirtet 
werden  ZO.  —  e)  Tanzpartie,  zu  der  die  Teilnehmer 
Beiträge  leisten  Uw;  Syn.  Inscluiss. 

Das  z  der  G  Formen  ist  viell.  nur  eine  lokale  Modifi- 
kation der  Ausspr. ;  wenn  nicht,  so  muss  entw.  an  Fort- 
pflanzung des  z  von  ahd.  heilazan  (s.  Anni.  zu  helsen)  oder 
an  Zss.  mit  Zit  gedacht  werden.  Im  letzteren  Falle  läge  ein 
ähnlicher  Begriffswechsel  wie  in  .Mahlzeit'  vor  und  wäre  zu 
der  damit  zsbängenden  Formverstümmelung  an  aUzf^t,  HocUsH 
udgl.  zu  erinnern.  —  Hieher  gehört  auch  die  Stelle  aus 
RHospin.  1675  (Alemannia  III  184):  .Strenas  ultro  citroque 
mittimus  et  dulciariis  nos  mutuis  honoramus,  (lua)  nos  vo- 
camus  Heiserlen  [1. :  Helseten]  und  Helsweggen.' 

ümme-:  Gegengeschenk,  das  die  Eltern  den  Paten 
machen  ZFehr.  —  Us-:  das  letzte  Patengeschenk 
ScHW;  ZGlattf.  Syn.  Letzi.  —  Gross-:  die  erste  und 
letzte  H.  ZDüb.,  in  GG.  die  letzte,  in  ZP.  u.  oGlatt.  die 
erste,  etwa  1  Jahr  nacli  ilor  TinilV  i.'-egeben  und  meist 
in  einem  Kleidchen  uA.-\  iIImth,  n  Lr.ffeln,  zur  Letze 
statt  dessen  etwa  in  Kii|ii.  i^v,,  hm  (i.  Sp.  572)  oder 
dem  Konfiruiationsanzug.  dem  Kuchenbuch  bestehend. 

Heise»  U:  1.  („f.")  Gewölbe,  Decke  eines  Gemaches 
BG.;  F.  —  2.  (m.)  fest  schliessender  Deckel  eines  höl- 
zernen Gefässes,  z.  B.  eines  Milchgefässes,  Butterfiisses 
GuD.,  Pr..  V.  Syn.  Lid.  Weder  H.  no'''  Bude"  ha", 
1)  pers.,  ein  Nimmersatt  sein.  2)  sächl..  über  alles 
Mass  gehen  GrD. 

Das  W.  gehört  mit  dem  folg.  Vb,  von  dem  es  zunächst 
abgel.  sein  wird,  seiner  Bed.  nach  zu  der  Gruppe,  für  die 
man  burgund.   Ursprung  vermuten  darf. 

B"-  m. :  Deckel  des  hölzernen  Geschirres,  in  wel- 
chem man  die  Speisen  aufs  Feld  ninnnt  Gr.  Vgl. 
Broggen  (-Deckel). 


Hals-huls.    Halsch-linlscli.    Halst-hnlst.    Halt— hult 


1216 


lielse"  II  in  den  Zssen  b"-:  1.  (ein  Gefäss)  gut 
Terschliessen,  indem  man  den  Deckel  fest  zusclilägt 
oder  mit  Lappen  umwindet  BSa.;  GRaaOO.;  „W." 
Ubli.  fest  Terschliessen,  fest  machen  GRaaOO.;  in 
einen  Boden  das  Schlussbrett  (s.  Schiehen)  einfügen 
Gr Trimm.  B'hdsct,  im  Gehäuse  verborgen  (von 
Schnecken)  GKÖbS.,  V.;  Syn.  ge-ihcMet,  ge-lidet.  — 
2.  (intr.)  fest  schliessen,  keine  Flüssigkeit  durchlassen 
Gr  uVatz.  Syn.  be-helfen,  bc-heben.  —  ab-b"-:  den 
Deckel  abnehmen  Gr  ObS.,  Pr.  Syn.  offen  h'h.  -- 
i(n)-b"'-:  eng  anschliessen,  handfest  machen  Gr. 

heiser  Bs,  helserig  BBrisl. ;  S,  Miserig  AAZof.; 
BsLd,  g'helserig  Aa:  heiser;  Syn.  Tcisterig. 

Scheint  eine  Zwitterbildung  aus  heiser  und  Huh,  eine 
(viel!,  urspr.  scherzh.)  Ausweichung  dos  erstem  mit  An- 
lehnung an  oder  Anspielung  auf  Hala. 

heilse":  von  Kindern,  am  Neujahr  von  Haus  zu 
Haus  Gaben  erbitten  GrS. 

Mhd.  heihen.  Glück  wünschen,  so  G  Stdtb. ;  s.  HeiUcte. 
Das  Betteln  von  Gaben  ist  natüilich  mit  Glückwünschen  ver- 
bunden, so  gut  wie  das  Darbieten  (hehen  I).  Ygl.  Anm.  zu 
diesem  und  ,helsat',  Neujahrwunsch  (Geschfrd),  aus  heilsöl 
(Lexer   I,   1215). 

Heuser:  die  heilsenden  Kinder  GrS. 

Heilsete  f.:  Hochzeitgeschenk.  .Heilsatte.'  G 
Stdtb.    Vgl.  helsen  I  c,  Helsete  6. 

Heilsing  f.:  Umhalsung.  ,Den  hailsungen,  den 
küssungen.'  1474,  Hören  (G  Hdschr.).  -  Wohl  f.  Hehing. 

Hülse  s.  Hülsche. 


-);  F; 


Halsch,  heisch,  hilsch,  holsch,  hulsch. 

He  Ische  (te),  Hilschc  s.  Uühcheßej. 
Holsch  s.  Hol f seh. 


HUlscli(p)  AA/ein.,  HuUsehe  BSi.  (nebi 
GkKIiw.,  n,iltsch,c)  AABb.;  BE.,  Si.;  V();  Gi,;  G;  SL.; 
Tu;  UwK.;  \V;  Z  —  f . :  Hülse,  Schale  von  Baum- 
früchten (Z.B.Äpfeln,  in  B;  Gr  ObS.  auch  die  grüne 
Schale  von  Nüssen),  von  Kartoffeln,  Zwiebeln,  Schote 
von  Erbsen  AABb.;  F;  Gl;  Gr;  U;  Z;  früher  auch 
von  Getreide;  Eierschale  Aa;  B.  Syn.  Käfen,  Balg, 
Pelz,  Bratschen,  Schäkten,  Schilferen.  Hü,  Chog ! 
hast  Hültsche  kha  [gehabt]?  [zu  einem  trägen  Gaul]. 
MLiEN. ;  vgl.  epflen  Bd  I  384.  ,Von  den  weinkemen 
an  bis  an  die  hülschen.'  1531,  Num.;  ilal'üi  :  .lliilsni.' 
1667.  .Die  hülschen  von  bollen  oder  zw\  Im  Iw  in  zrlii.- 
KdGessn.  1542.  ,Die  käfen  oder  lange  hülscheii  der 
gemüessomen.'  ebd.  ,Der  kern  soll  sich  verwandlen 
zue  einem  kymlin,  stengelin  oder  pross,  allda  das 
unnütz,  das  nüt  anders  ist  dann  ein  hülschle,  belgle 
oder  käfle,  darin  das  sömli  gelegen,  usgeschütt  und 
verreert  wird.'  Rdef  1554.  ,Schiltlin  und  hilschen, 
die  voller  somens  stecken.'  Tierb.  1563.  ,Frumentum 
dicunt  quindecim  diebus  esse  in  vaginis,  in  den  hült- 
schen  sein.  Tunica,  das  häutle  oder  die  hültschen  am 
körn,  zwyböllen.  Pisare,  stampfen,  d.  i.,  die  hültschen 
abstossen,  als  hirs  oder  gersten  stampfen.  Siliqna, 
kifel  oder  hülschen,  als  an  erbsen,  honen  udgl. 
Brättsch(g)en  oder  danggen  von  nussen,  die  hülschen.' 
Fris.;  Mal.    ,Bonenmel  on  die  hülschen.'  JRLandenb. 


1608.  ,Der  Keist  oder  Keimen  stosst  die  I6re  Hül- 
schen über  sich.'  Buagor.  1639.  ,Cantherinum  hor- 
deum,  Gersten  ohne  Hülschen.'  Denzl.  1677;  1716. 
,Man  muss  auf  den  Kern  mehr,  als  auf  die  Hülschen 
sehen.'  Lindinner  1733  (Vorrede).  ,Von  2  Citronen 
die  Heischen.'  XVlIl.,  Kochb. 

Mhd.  hühe,  hülse,  später  auch  hulsche,  zu  hüllcit ;  seh  aus  s 
wie  in  nhd.   ,feilscheu,  herrschen'   u.  a. 

,Kesten-Hülschen:  castaneae  calix.'  Denzl. 
1677;  1716. 

Bolle"-  Z,  ZibelC-  S:  Zwiebelschale,  z.B.  zum 
Färben  der  Ostereier. 

hülsche»  W,  „hültsche"  VO":  schälen. 

ent-:  aus  der  Hülle  lösen.  ,Enthülschet  disen 
gleissenden  Sodomsapfel.'  JJUlr.  1733. 

üs-:  =  ent-h.  AABb.;  Gl;  SL.;  Th;  üwE.;  Zs;  Z. 
Syn.  tis-pelzen,  -brätschgen.  Bildlich:  auskleiden  Gl 
(scherzh.).  Jmd  ausholen,  ihm  Geheimnisse  entlocken 
UwE.  Jmd  ausbeuten,  ihm  Hab  und  Gut  abgewinnen 
Gl;  Schw;  Z. 

Hülschete,  in  Bs  auch  Helftjsch-  =  Hülsche  kv; 
Bs;  STierst. 

Blöb-Hölschler:  Kartoffeln  mit  blauen  Hül- 
sen GG. 


Holst :  Behälter?  ,5  Hülsten'  im  Zeughaus.  1471,  L. 
Mhd.  hülst.   Decke,  Hülle.     Violl.   verwechselt  oder  ver- 
mischt mit  Hulft  (s.  d.),  mhd.  liidft,  hulfter,  Köcher. 


Halt,  hell,  hilt,  holt,  hult. 

Vgl.  auch  die   Gruppe  hiüd  usw. 

Halt  1  m. :  1.  das  Anhalten,  der  Stillstand.  En 
H.  mache',  auf  dem  Wege,  z.B.  um  auszuruhen;  spec. 
in  einem  Wirtshause  zur  Erfrischung  Einkehr  halten. 
„Mahl  im  Freien,  Jägermahl";  s.  noch  Halt-Trager. 
—  2.  Gehalt,  Inhalt,  z.  B.  von  Hohlmassen,  Gefässen. 
.Weilen  die  Erfahrung  gezeiget,  dass  die  Burgundischen 
Fässlein  von  sehr  ungleichem  H.  und  sich  bald  viel, 
bald  wenig  Salz  darin  befindet.'  B  Säumerordn.  1739. 
,Dass  zuwider  unserer  Mandaten  nicht  der  völlige  H. 
der  Fassen  angeschrieben.'  Z  Nachr.  1756.  Vom  Holz- 
mass:  ,H.  der  Burger-Klafteren.  Wann  er  aber  sein 
Holz  messen  und  dessen  H.  erdauren  Hesse.'  B  Holz- 
ordn.  1733.  Feingehalt  von  Münzen:  Alle  diejenigen 
Dicken,  welche  geringer  sind,  als  dass  ,die  Mark  der- 
selben an  Fin  oder  H.  12  Lot  halte.'  1620,  Absoh. 
,Nach  dem  eidgnössischen  H.  und  Schrot  gemünzet' 
Z  Mand.  1622.  ,Wer  den  feinen  H.  fremder  Sorten 
weiss.'  Helv.  ICal.  1783.  S.  noch  fln  2  (Bd  I  835). 
Flächeninhalt  eines  Grundstücks  B.  , Hofstättlein  von 
100  Klftrn  Halts.'  B  Auz.  —  3.  Ansicht,  Vorstellung, 
Glaube,  , Dafürhalten'.  ,So  ist  es  auch  ein  gmeiner 
H.  von  disen  Herdmännlinen,  dass...'  ECys.  ,Und 
war  dis  der  H.,  dass  dis  die  Seelen  wärent  der  Men- 
schen.' ebd. 

E-  m.,  f.:  Haushalt(ung).  ,Der  spital  und  des- 
selben ehehalt.'  ZWthur  Stdtb.  ,Wo  zwo  oder  dry 
ehalten   in  einem   gewerb    und   hus,   muos    und   brot 


317 


Halt,  helt,  liilt,  holt, 


unverteilt,  by  einandern  [wohnon],  sollen  sy  nit  niGr 
liüener  te  gBhen  schuldig  syn  dann  einem  landvogt 
ein  huon  und  dem  gerichtshcrrn  ein  huon.'  1530. 
Absch.  IV  1  b  777;  vgl.  ebd.  S.  1263. 

l);vs  Geschl.  richtet  sich  nach  denijenigeu  der  sydn.  E 
mul   Jfuilmttj  Tgl.   uoch    E-Halte,   -Hahing. 

Ab-:  Verhütung.  ,A.  grosser  Landsunruhen.' 1667, 
Ap  LB.    —    Vom  Vb.  ab-haltcn;  ähnlich  die  Folg. 

An-:  dringende  Bitte,  , Ansuchen'.  ,Uf  der  Eid- 
gnossen  A.'  RCys.  —  In-:  wie  nhd.  Auch  als  Fem.: 
,[Man  soll]  dem  fridbrief  also  stracks  nach  syner  i. 
nachkommen.'  1509,  Schw  LB.  Als  adv.  Acc.  mit  ab- 
hängigem Gen.:  nach  Inhalt,  Massgabe;  laut,  kraft. 
Sehr  häufig  im  XV./XVIU.  ,Dass  man  die  knecht  i. 
der  vereinung  schicken  wolle.'  15'21,  Absch.,  neben: 
,lut  der  vereinung.'  .Inhalte  ir  Reforlnation.'  1532, 
Strickl.  —  Under-:  1.  m.  gemütliche  Unterhaltung, 
Vergnügen  VO;  Z.  Das  Chind  isch  sin  U.  diheime"; 
vgl.  under-haltlich.  , Gespräch,  welches  dem  Vater- 
land zum  Nutzen,  Andern  aber  zum  tJ.  sein  mag.' 
Inderbitzi  1831.  —  2.  m.  Z,  f.  Bs  Polizeiordn.  1715: 
Lebensunterhalt. 

Ent-:  1.  Aufrechthaltung,  Behauptung,  Fristung, 
Erhaltung,  Sicherung,  Stütze,  Schutz.  .Für'schub  und 
e.  [Unterschiauf]  geben.'  1 174,  Bs  Chr.  ,Üas,  so  unser 
eidgnoschaft  e.,  lob,  nutz  und  er  syn  mög.'  1521,  Absch. 
,Zuo  e.  frides  und  ruowen.'  1530,  Absch.  —  2.  Lebens- 
unterhalt, Nahrung.  ,[Der  Abt  soll]  us  des  gottshus 
gefallen  syn  zimlichen  e.,  synem  stand  gemäss,  haben.' 
1527,  Absch.  ,[A.  1625  sei]  ein  neuer,  uns  ganz  be- 
schwerlicher Zoll  unsers  E-s  [Zufuhr]  aufgericht  wor- 
den.' FoFFÄ.  —  3.  Aufenthalt,  Wohnung,  Herberge; 
(heimliche)  Unterkunft;  doch  s.  auch  1.  ,Die  ketzer  in 
irem  e.,  da  sy  gehuset,  geetzt  und  beherbergt  werden.' 
Eessl.  —  4.  Inhalt,  Umfang.  ,Das  ausfüllt  den  E. 
der  ganzen  Welt.'  AKlingl.  1688.  , Summarischer  E. 
diser  Feuerordnuug.'  G  Mand.  1752  (Überschrift  der 
Inhaltsangabe).  —  Mhd.  enthalt  in  Bed.  3. 

Uf-ent-:  1.  ^  Enthalt  1.  ,Zue  rettung  und  u. 
der  ganzen  nacion.'  1474/Ö,  Bs  Chr.  ,Die  bösen  zue 
strafen,  dem  gueten  und  rechten  zue  u.'  1486,  Geschfo. 
Ges.  ,Zue  unser  beder  partyen  beschirmung  und  u. 
landen,  liiten,  stäts,  ertrychs  und  undertanen.'  1521, 
Absch.  ,Pr8eclara  conscientia  sustentor,  mein  guete 
gwüssne  ist  mein  u.  [Zuversicht,  Trost],  ich  tröst 
mich  meiner  gueten  gwüssne.  Adminiculum,  under- 
stützung,  u..  steur.'  Fris.;  Mal.  .Das  herz  zuo  küelen, 
stärken  und  dem  Igben  ein  u.  gen.'  Zg  Arzneib.  1588. 
, Alles  almosen,  so  zue  den  fensteren  heraus  gegeben 
wird,  ist  ein  grosse  ursach  und  u.  [Förderung]  des 
betteis.'  SHochh.  1591/1693.  ,Columen  familise,  U. 
der  Haushaltung.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Ein  getreuer 
Prennd  ist  ein  U.  des  Lebens.'  1707,  Sir.;  dafür  jetzt: 
.Würze'.  S.  noch  ginnen  Sp.  329,  Frist  1  Bd  I  1335. 
--  2.  =  Enthalt  2  W.  Chäs  ist  hie  der  U.  ,Das  al- 
muesen  zue  einem  u.  eines  kilchherren.'  Strättl.  Chr. 
.Zue  u.  des  lybs  und  der  arbeit  sölich  spysen  essen.' 
ZwiNGLi.  ,So  inen  [den  Belagerten]  nüt  mer  zuegon 
mag,  so  gat  inen  ab  von  tag  zue  tag  an  allem  irem  u.' 
JMiTRER  1559.  .Nahrung  und  Aufenthalt  einzig  von 
der  Viehzucht  her  haben.'  XVIII.,  Z.  S.  noch  Under- 
Hab  Sp.  867.  —  3.  Einhalt,  Stillstand,  Verzug,  Auf- 
schub. ,U.  der  kriegsüebung  nachsuechen.'  1476,  Bs 
Chr.;  vgl.  ebd.:  ,Dass  die  kriegsüebung  uf  bede  syten 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


ufgehalten  und  angestellt  werde.'  ,l)er  sach  uf  14  tag 
oder  dryc  wnchen  u.  tuen  [sie  aufschieben].'  ebd. 
,.\n  u.  [ununterbrochen].'  ebd. 

Mhd.  ü/enthalt,  dass.  Riief  l.'JSO  wechselt  zw.  Hase.  U. 
Fem.,  Letzteres  findet  sich  auch  1500,  ZWthur  Neuj.;  wohl 
nach  dem  Syn.   ,Nahrung'. 

£r-:  Herold.  ,Dic  dienstlich  pflicht  by  [durch] 
synem  ß-en  abkünden.'  1474,  Bs  Chr.  ,Der  kaiser  hat 
sölichs  durch  einen  erhaldt  und  einen  trummeter  us- 
rüefen   lassen.'    1530,  Absch.     ,Uen  erenhalt.'   Kessl. 

Mhd.  erhalt,  Umdeutschung  aus  span.  heraldo,  it.  eraldo. 
In  unsern  Quellen  lehnt  sich  das  W.  sichtlich  an  Er  und 
halten  an;  also  so  viel  als  .Einef,  der  die  Ehrenzeichen, 
Wappen  (S.   Er  3  Sp.   391)  trägt';  vgl.   noch   Eren-hdd. 

Ver-:  1.  Richtschnur  des  Verhaltens.  ,Zu  Jeder- 
manns V.  und  damit  der  Käufer  wisse,  was  er  zu 
fordern  habe,  solle  an  einem  schicklichen  Orte  des 
Marktplatzes  eine  Tafel  aufgehängt  werden.'  1778,  Z 
Ges.  -  2.  Sachverhalt,  forniolliaft  in  dem  Satze,  mit 
dem  eine  längere  Auseinandersetzung  abgeschlossen 
wird:  das  ist  de''  V.  vu"  der  Sach  ZStdt.  —  Vor-: 
Vorbehalt.  , Welchen  uns  Christus  mit  einem  solchen 
Ausgeding  und  V.  also  verheissen  hat.'  Gulden  Bund 
1585/1658.  —  Für-:  Vorschub,  Unterstützung.  ,Es 
wirt  dem  apt  zuo  Muri  [von  den  VOrten]  vil  gestand 
[Beistand],  f.  und  rugken  geben.'  1531,  Absch. 

Ge-  (Ich-,  bzw.  Ix-,  in  Ndw  G'häld)  m.  Ap;  BSi.; 
GRChur,  Pr.,  sonst  n.  —  PI.  G'halt,  G'hält,  G'häUer 
(die  beiden  letztern  Formen  in  Ap;  BSi.  neben  ein- 
ander), in  Ndw  G'hälder  und  G'hälter,  Dim.  G'hältli 
(-se-,  in  Bs  daneben  auch  -e'-J  —  in  Ap;  B;  Gl;  CrHc.; 
GStdt,  T.;  Z  auch  G'hälter  (bzw.  /c/-)  I  m.,  PI. 
G'hiiltei-:  1.  Aufbewahrungsort,  Behälter,  Behältniss, 
im  allgemeinsten  Sinne,  allg.  .G'halt,  receptaculum.' 
Id.  B.  ,Spys  würt  genommen  in  den  buch  als  in  ein 
g'hälter  zue  ufenthalt  des  lebens.'  Zwingli.  , Etliche 
Vögel  habend  zwen  g'hälter:  einen  darein  sy  die  speis 
neulich  'gössen  truckend,  als  die  kel,  den  anderen 
darein  sy  die  vertöuwt  speis  gehaltend.'  Vogelb.  1557. 
.Das  Herz  ist  der  natürlichen  Wärme  ein  voller  Ge- 
halter.' JRHopMSTR  1645.  ,Die  Bilder,  Characteres 
und  Zeichen  seien  Büchsen  und  Gehalter,  in  welche 
ein  Magus,  d.  i.  Zauberer,  die  Kraft  des  Gestirns  auf- 
behalte.' RGwerb  1646.  ,Der  beste  G'halt,  darin  Gottes 
Wort  verwahret  ist,,  ist  das  Herz.'  FWvss  1650  (neben 
.Ghalter').  ,Was  man  zuerst  tut  in  ein  G'halt,  darvon 
es  stets  den  G'schmack  behalt.'  BStlloqJ;  1676.  ,Es 
hat  dem  Schöpfer  gefallen  wollen,  seine  [inineralischen] 
Schätze  innert  dem  Gehalter  der  Erden  stückleinweise 
zu  vergraben.'  JJScheucuzer  1706/46.  ,Der  Knopf 
[Knospe]  oder  das  Schächtelein  ist  der  Gehalter  des 
Blusts  oder  der  Blume.'  JMdralt  1715.  Im  Besondern 
a)  (geheimer)  wohl  verschlossener  Aufbewahrungsort 
für  Wertsachen  (Wertschriften,  Geld)  B;  Schw.  Nä- 
heres s.  bei  Archiv  Bd  1  434  und  vgl.  u.  d.  ,Sie  hülfen 
[bei  einer  gerichtlichen  Inventarisation]  d's  G'halt 
öffnen,  wo  die  Baarschaft  sei.  Man  öffnete  das  Bu- 
reau, welches  das  Herz  des  Hauses,  d.  h.  die  Schatz- 
kammer war.'  Gotth.  XVIU  155.  ,Er  soll  alle  Fahrhäb 
durch  den  Schryber  verzeichnen  lassen,  usgenommen 
die  G'warsamen  und  Schriften,  welche  in  ein  G'halt 
mit  zweien  Schlösseren  verschlossen  werden  sollend.' 
B  Gerichtssatz.  1615.  ,Sy  tuet  [das  Geld]  in  ein 
b'schkisses   Kalt.'   GGotth.  1619.     ,l)ass   auf  «nserm 


1219 


Halt,  holt,  hilt,  holt,  liult 


1220 


liathaus  ein  Gehälter  gemacht  werde,  wohin  die  Zins- 
briefe verwahrt  werden  sollen.'  1695,  Z  Ges.  ,Ein 
sicheres  Gehalt  für  das  Keisgeld  machen.'  1725,  Absch. 
,Zur  Aufbewahrung  der  Protocolle  bequeme  Zimmer 
und  sichere  G'halt  herrichten.'  1729,  ebd.  In  der 
ä.  Spr.  auch :  Archivraum,  z.  B.  im  Kircliturm,  in  der 
Sacristei;  vgl.  f  und  s.  Buech-Gehalt,  Biiech-,  Trese- 
Kammer,  Sigeter.  ,Ein  brief  im  innern  g'halt.'  1479, 
AiWett.  Klosterarch.  ,I)ie  gwarsamen  in  den  kelten 
suechen.'  1530,  Strickl.  ,In  unsern  kelten  und  kanz- 
lyen.'  ebd.  ,Die  von  Ap  haben  in  ihrem  Ghalt  ein 
Panner  gefunden.'  1539,  Absch.  ,Es  will  mich  ge- 
dunken,  dass  der  g'halt  desselben  turns  ein  ghalt 
gsyn  sy  der  kilchenzierden  und  kleinoten.'  Vad.  ,In 
dem  turn  [sei]  ein  sacristei  und  ein  g'halt  für  fürsnot 
[gewesen].'  ebd.  ,Beide  Schlüssel  zu  dem  G'meind- 
g'halt.'  1G46,  Z  Staatsarch.  Vgl.  noch:  ,Gehaltkammer 
gemeiner  briefen  und  geschriften,    tabularium.'    Mal. 

—  b)  hausrätliehor  Gegenstand,  zu  verschiedenen 
Zwecken.  z.B.  Sehrank,  Kasten,  Kommode,  Korb  Ap; 
B;  Gr;  L;  Z.  (Schub-)  Lade  LG.;  Uw;  Syn.  Truclce; 
vgl.  bes.  die  Compp.  Unverschlossenes,  mit  Fächern 
versehenes  Gestell  GrD.  ,Zum  Verkauf:  Ein  grosses 
Kalt,  mit  Eisen  beschlagen.'  S  Wochenbl.  1813.  ,Lo- 
culus,  kästle,  ghälterle.'  Eris.  ;  Mal.  , Welcher  von 
Stund  an  die  Trog  und  G'halt,  darinn  die  G'warsamen 
und  andere  des  Abgelybeten  fürnemste  Fahrhäb  ge- 
halten, verpütschieren  soll.'  B  Gerichtssatz.  1615. 
, Keine  Dienstboten  dürfen  einichen  Trog,  Kisten  oder 
derglychen  G'halt  anderstwo  dann  hinder  ihren  Mei- 
steren haben  noch  Jemandem  usserthalb  Huses  Ützit 
zu  behalten  geben,  auch  Niemands  ihnen  dasselb  in 
synem  Hus  gestatten,  ihnen  darzu  einiche  Gelegenheit, 
Platz  und  Ghalt  geben  solle.'  B  Mand.  1628.  ,In  einem 
mit  Eisen  wolverwarten  Gehalter.'   JRHopmstr  1645. 

—  c)  Behälter  zu  kirchlichen  Zwecken,  bes.  Sacrament- 
häuschen.  ,Zwei  gehalt  zuo  zweien  corporalen.'  vor 
1491,  Gpd.  ,üass  man  Christum  in  beschlossnen  ge- 
haltern, d.  i.  sacramenthüslinen,  zeigen  werde.'  1573, 
HBdll.  ,Den  cvangel.  Kirchgenossen  zu  THSummeri 
habe  man  nicht  abgeschlagen,  entweder  oben  oder 
unten  in  der  [beiden  Confessionen  gemeinsamen]  Kirche 
einen  verschlossenen  Gehalter  oder  Kasten  zu  haben, 
um  den  Nachtmahltisch,  das  Taufkesseli  und  andere 
gottesdienstliche  Stücke  darin  zu  verwahren.'  1638, 
Absch.  V  2,  1573;  ähnlich  ebd.  S.  1693;  ferner  1639, 
AAWett.  Klosterarch.  ,Die  geweihte  Hostien  wird  in 
jeder  Kirchen  verwahrt  in  einem  darzu  verordneten 
G'halter.'  FWvss  1655.  —  d)  einzelnes  Fach,  Abteilung 
in  einem  Behälter,  z.  B.  einem  Kasten,  einem  Geld- 
beutel Aa;  Bs;  B;  Gr;  G;  Ndw;  Z.  G'hältU,  geheimes 
Schubfach  in  einem  Secretär  AAPri.;  B;  vgl.  a  und 
s.  noch  vergatteren  Sp.  504.  —  e)  gesonderte,  ge- 
schlossene (Unter-)  Abteilung  in  einem  grössern  Vor- 
ratsraum, eingepferchter  Raum  im  Stalle,  Verschlag 
im  Keller  S;  U;  Z.  ,In  dem  Keller  ist  für  den  hin- 
dern G'halter  ein  TürlL'  Z  Staatsarch.  1708.  —  f)  Ge- 
mach, z.  B.  Küche,  Kammer,  zunächst  mit  Ausschluss 
von  und  im  Gegs.  zu  den  eigentlichen  Wohnräumen 
(BO.,  in  BSi.  auch  zum  Keller),  also:  Vorratsraum. 
dann  aber  auch  im  allg.  S.  Aa;  Ap;  Bs;  B;  VO;  Z. 
I"  dem  Hus  ist  vil  Fiats,  es  ist  mängs  G'halt  drin 
AASt.  Nur  e  guet  Bett  un''  e  warm  G'halt  [zum  Lo- 
gieren] Bs  (Gotth.);  wofür  ebd.  nachher:  en  artig 
Zimmerli.     So   gange   si    denn   in    iri   Khöltli    ganz 


tranggil,  er  und  si  in  's  erst  und  d'  Tochter  in  's  ander. 
Bbeitenst.  Wie  schön  mi  Maiddeli  [die  Wiese]  dö 
lU  im  christallene'  G'halt  und  in  der  silberne''  Wagte". 
Hebel.  ,Er  wurde  durch  ein  enges  Loch  hinein  in 
ein  anderes  fin.steres  Gehalt  geschoben.'  ebd.  S.  noch 
Gugg-Gere  Sp.  402.  Spec.  Zimmer,  welches  die  von 
auswärts  kommenden  Fabrikanten  in  GStdt  mieten 
und  als  Waarenmagazin  und  Geschäftslokal  benutzen 
Ap;  G.  ,Wann  man  aus  dem  Gedächtniss  einen  Kalter 
oder  Magazin  macht,  worin  die  Waare  t.  unnütz  bleibt, 
t.  verfault.'  TTobler  1830;  =  ,Behälter.'  1844.  ,Er 
zeucht  die  wind  harfür  aus  jrem  gehaltor.'  .1531, 
Jerem.;  dafür:  ,iren  gehalteren.'  1548/1667;  , Vorrats- 
kammer.' 1882.  ,Ein  g'halter  zu  den  totenbäumen.' 
1540/73,  UMet.,  Chr.  ,Wie  vil  g'halt  sind  [in  der 
Arche]?  Ein  yedes  g'mach  ist  abteilt  in  etlich  gäng, 
darzwischen  sind  vil  kämmerlin.'  HvRüie  1546.  ,Er  ist 
in  den  verschlossenen  g'halteren.'  1560/1667,  Matth.; 
dafür:  ,in  der  kammer.'  1531.  ,Apotheca,  repositorium, 
cella,  arraamentarium,  ein  gehalter.'  Fris.;  Mal.  ,Die 
gehalter  und  gemach  [Verkaufsräume]  lang  bis  in  die 
nacht  inhin  offen  behalten.'  1581,  Z  Zollb.  ,Die  kauf- 
leut  habend  jre  g'welb,  g'mach,  gehalt,  dorinnen  sy 
allerhand  kaufmannschatz  habend.  Gott  hat  seine 
schätz,  gehalt,  Zeughäuser,  dorinnen  er  hagel,  ryfen 
[usw.]  hat.'  LLav.  1582.  ,Ein  königlich  Gehalt.' 
AStettler  1642,  als  Übersetzung  von :  ,Un  cabinet 
royal.'  ,Die  frömde  Pfister  sollen,  was  sie  allher 
führen  und  nit  verkaufen,  in  ein  Gehalt  bei  den  Brot- 
schätzeren einstellen.'  1643,  AAWett.  Klosterarch.  ,Re- 
ceptorium,  Gehalter,  Sacristei.  Cellula,  Gehälterlein.' 
Denzl.  1677;  1716.  , Jedem  [Tiere  in  der  Arche]  war 
sein  Gehelte  [:  Zelte]  bestellt.'  JCWeissenb.  1678.  ,Dise 
gewaltige  Dünnung  der  Luft  hat  die  Schneegehaltere 
erölfnet,  dass  ein  grosser  Schnee  gefallen.'  Z  Freitags- 
zeit. 1711.  .Verwahrung  der  Sprützen.  Da  dann  auf 
jeder  Gesellschaft  zu  demselbigen  Gehalt  zwei  Schlüssel 
sein  sollen.'  B  Feuerordn.  1723.  S.  auch  Hueb  IV  Sp. 
958/9.  In  ZWäd.  bestand  ein  Gehalter,  wo  gefangene 
Bettler  ein  Strohlager  und  einige  Nahrung  erhielten. 
1638/41,  Strickl.  (Horg.).  Kleiner  Versteck,  Schlupf- 
winkel Bs;  B.  —  g)  gesonderte  Abteilung  eines  Ge- 
bäudes L;  e  drei  (vier) -g'hälterigi  Schür.  —  h)  ge- 
sonderte Abteilung  auf  einem  besondern  Boden  eines 
Gebäudes,  Stockwerk  LE.  's  Hus  ist  drü  G'halter 
hoch  fdrüg'hälterigj.  —  i)  selbständiges  Gebäude  übh., 
z.B.  Speicher,  Scheune,  Alphütte  BR. ;  Schw.  ,Sy  [die 
Plünderer]  lüffend  durch  die  hüser,  sy  brachend  über 
die  spycher,  gehalte  und  käsgaden.'  HBull.  1572. 
, Keiner,  so  in  diser  Statt  gesessen,  soll  befugt  syn, 
einich  Sässhus  abzebrechen,  noch  auch  uf  ledig  Platz 
einich  gehuset  G'halt  oder  G'mach,  weder  von  Holz 
noch  Steinen  ze  buwen.'  B  Gerichtssatz.  1615.  ,Im 
Spycher  und  Gehalter.'  Z  Lit.  1644.  Auch  von  Wohn- 
gebäuden: .Gehalter,  domicilium,  custodia.'  Mal.  ,Ge- 
denke  all  Zeit  an  das  G'halt,  da  dir  der  Gibel  auf 
d'  Nasen  fallt  [d.  h.  an  den  Sarg].'  Sylloge  B  1676. 
—  2.  (übertr.)  Zitze  GnObS.;  Syn.  Strich.  —  3.  abstr., 
Unterkunft.  Verwahrung  Scaw.  Sq  nem  en  Jedre  [von 
dem,  was  ihm  das  Schicksal  beschert],  was-em  g'fallt 
und  geb-em  de""  sj  lange"  Khalt,  bis  's  vor-si"''  selber 
unters  göt.  ,Man  hat  ir  [der  Zürcher  .glückhaft'] 
schiff  in  g'halt  fürbas  yngleit  zur  dächtnuss.'  1576, 
Z  Neuj.  Ant.  (viell.  aber  zu  1  f).  In  der  Rspr.  bes.  in 
der  Eeimformel:  , Gehalt  und  Gewalt';  z.B.:  .Pfänder 


Halt,  helt.  liilt,  liolt,  luilt 


in  gewalt  und  g.  bringen  und  nemen.'  XV.,  Z  Auffalls- 
onin.;  vgl.  Ztschr.  f.  Scliwz.  R.  IV  b  20;  Sohw  Eq., 
S.  124.  , Transitgüter,  so  lang  .selbige  in  des  Wag- 
ineisters  G.  und  Gewalt  ligen.'  Z  Ges.  1757. 

Mhd.  gchah  m.,  Gewahrsam,  Gefänguiss.  Der  PI.  .Ge- 
hälter' auch  bei  JRHofmstr  1645.  Betr.  k/  für  gh  vgl.  g'kiib 
Sp.  869;  ,khaldt.'  1541,  Absch.  Die  Form  auf  -er  lehnt 
sich  wie  Gehalting  direkt  an  das  Vb.  an ;  betr.  Gerätenn.  auf 
-er  vgl.  übrigens  Anm.  zu  Gertd  Sp.  443,  Haller  I  Sp.  1128. 
Vgl.  die  Synn.  Fach  (bes.  zu  1  d  und  g),  Gndem  (zn  f,  h 
lind  i),   Ganler  (zu  a,  b  und  f),    Gemach,   Spicher  (zu  f  und  i). 

Under-Gehalt  Unnerkält:  ,Nebenschrank'  W; 
vgl.  Under-Geschlacht.  —  Äsche"-  m. :  Aschenbe- 
hiilter  Ap.  ,Wir  tun  unsern  Verordneten  zur  Ofen- 
G'schau  auftragen,  die  Aschen-Gehalter  auf  das  Ge- 
naueste zu  untersuchen.'  Z  Mand.  1765;  vgl.:  ,Dass 
die  Asche  in  die  eigens  darzu  geordnete  Gehalter  und 
Tollen  versorgt  werde.'  1656,  Z  Waisenh.  —  Fischer- 
G'halt  Gl,  sonst  Fisch-G'halter:  Fischbehälter 
Ap;  Gl;  Z.  ,1  pfd  gab  ich  von  eira  f.  [zum  Schloss] 
und  darvon  zu  bcschlahen.'  1559,  ZGrün.  .Piscina, 
vivariura,  das  f.,  fischergransen ;  ideni  ein  weier.'  Fris.; 
Mal.  ,l)as  Wasser  von  unser  1.  Frauen  Brunnen 
.sanimlen  und  in  einen  F.  leiten.'  162'2,  SchwE.  Kloster- 
arch.  ,Der  Underkeller  soll  zum  F.  fleissig  Sorg 
tragen.'  XVII.,  AAMuri  Gesindeordn.  ,Wir  haben  den 
Schanzengraben  zu  einem  gemeinen  F.  erkennet.'  Z 
Mand.  1709.  Vgl.  noch:  ,Die  rüstung  [zum  Fischen] 
und  den  g'halter  guet.'  StMeinrad  1576.  —  Goffere-: 
Fach,  Unterabteilung  in  einem  Koifer  GßPr.  (Schwzd.). 

—  Grie°-G'halter:  Kiesbehälter  ZHombr.  Vgl. 
Stein-Kratten.  -  Holz-G'halt  Gl,  -G'halter  Ap; 
GLÜbst. ;  Z:  Holzbehälter  in  der  Küche  oder  auf  dem 
Dachboden;  auch  ein  besonderer  Schuppen  für  Holz. 
S.  noch  Holz-Halter.  —  Hin der-G' halt:  Hinter- 
gemach, kleine  Vorratskammer  für  Speisen,  Küchen- 
geschirr und  allerlei  alten  Hausrat  ZKn.;  Syn.  Under-, 
Uinder-Gadcm,  Gerümpel-Kammer.  —  , Korn -Ge- 
halter: Camera,  kornkorb  oder  -käst.'  Mal.  ,Wann 
die  K.  entfernet  sind  von  den  Ställen.'  JCNäg.  1738. 

—  Käs-.  .Caseale,  Sennhütten,  Käsgehalter.'  Denzl. 
1677;  1716.  ,Auf  den  Käsbank  gelegt,  in  Speicher 
oder  Käsgehalt  getan.'  SLdtz  1732.  Vgl.  Käs-Gadem 
Sp.  118.  —  ,Kleid-G'halter:  ort,  da  man  kleider 
ein  gehalt  oder  verkauft,  feiltrage,  vestiarium.'  Fris.  ; 
Mal.  Vgl.  Trog.  —  ,Buech -Geh alter:  ein  trog 
oder  käst,  darein  man  büecher  oder  brief  gehaltet, 
chartophylacium.'  Mal.  ,Bibliotheca  heisst  ein  Bücher- 
gehalter,  nun  aber  wird  sie  zu  einer  Iconotheca,  d.  i. 
auf  Deutsch  ein  Bildnussengehalter.'  JJBreit.  ;  vgl. 
Z  Gem.  U  161.  ^yn.  Buech-Gadem.  —  Pfil-.  ,Kocher, 
d.i.  Pf.'  Z  Anl.  1701.  —  Rüstig-:  Plunderkammer 
im  Dachraum  SchwE.  1»  R.  ufe"  hat  er  mi''''  g'sperrt. 
MLiEN.  —  Schür-Gehalt :  Scheunenraura.  ,Jede 
huob  soll  nit  wyters  dann  ir  gebürlich  huobhus  und 
darin  seh.  und  stallung  haben.'  1573,  Hotz,  Urk.  — 
Schatz-Gehalter:  Schatzkammer,  -Kästchen.  ,Ein 
Weib,  die  eine  wahre  Zierde  ihres  Geschlechts,  der 
Musen  und  Gratien,  der  Studien  und  Freundlichkeit 
Seh.  wäre.'  JJÜlr.-Haug  1731.  Vgl.  ebd.:  ,Ein  gross- 
mütiges  Weib    ist   eine    Schatzkammer   der   Tugend.' 

—  Spis-  s.  Spis-Gadem  Sp.  120.  —  Für-Standen-: 
Aufbewahrungsort  grosser  Behälter  von  Wasser  für 
Feuersgefahr.  ,5  Pfd  16  ß  [dem]  Maler  Türen  beim 
F.  anzustreichen.'    1782/3,  Z  Studentenamtsrechn.  — 


Wasser-:  W.-Behälter,  Reservoir.  ,Dise  erstaunliche 
W.  hangen  in  dem  freien  Luft.'  JCNag.  1738.  ,Das 
Wasserrad,  welches  das  Wasser  durch  Röhren  in  ein 
W.  leitet.'  JMüLL.,  Altert.  —  Ziger-:  Raum,  in  wel- 
chem der  Schabzieger  aufbewahrt  wird.  Scheüchz.- 
Sulz.  1746,  I  442.  -  Zunft-:  Zunft-Lade,  -Schrein. 
,1693  ist  in  Z.  getan  worden  das  aus  dem  Silberge- 
schirr Erlöste.'  Z  Weggenzunft. 

Gegen-Halt:  Widerhalt.  .Redliche  Leut  sind  so 
viel  als  die  Stützen,  so  da  zur  Wehr  dienen  und  G.' 
AStettleb  1642,  als  Übersetzung  des  frz.;  .Qui  ser- 
vent  d'arc-boutans.'  —  Hin  der-:  wie  nhd.,  bes.  in 
der  RA. :  Öjyws  im  H.  ha'  1)  Etw.  zur  Vorsorge  auf 
die  Seite  gelegt  haben.  —  2)  einen  Hintergedanken, 
geheimen  Plan  haben  Uw;  Z. 

B»-:  1.  (auch  B'halter)  =  Gehalt  1,  z.  B.  ein 
Schrank  G;  ZW.  B'hältU,  kleiner,  dunkler  Aufbe- 
wahrungsort Uw;  Syn.  Gänterli.  Bei  Abtretung  eines 
Hauses  behält  sich  N.  ein  Wohnrecht  vor  ,und  euch 
so  vil  kornbehaltcs  als  er  bedarf.'  1307.  Z  Staatsarch. 
.TJferstäntnussbilds  b'halt  zue  machen.'  1501,  Z  Anz. 
(Rechnungsposten).  ,Da  Einer  Jmdm  bei  Tag  oder 
Nacht  in  seine  Behausung  oder  Behalt  bricht  oder 
steigt.'  SMütach  1709.  —  2.  das  Haften,  Behalten  (im 
Gedächtniss),  Erinnerung.  Gedenken.  .Welchs  ich,  als 
zuo  bestem  behalt  der  jungen  in  rymen  gesetzt  hab.' 
Salat.  ,Um  bessers  B-s  willen  schadet  es  nicht,  ein 
Sach  zwei  Mal  zu  sagen.'  JJBreit.  1640.  Formelhaft 
in  der  adv.  gebrauchten,  gen.  Verbindung  mis  B-s  (in 
ApK.  auch  mls  B'halls,  in  Aa  nnsb'halts).  1)  so  viel 
ich  (im  Gedächtniss)  behalten  habe,  mich  zu  erinnern 
weiss,  meines  Wissens,  wenn  ich  mich  nicht  irre. 
Irrtum  vorbehalten,  wie  es  mir  eben  einfällt  Aa;  Ap; 
Bs;  VO;  G;  Sch;  S;  Z.  M.  B-s  isch  es  fern  g'si'. 
Vo"  selbem  Jör,  wo,  m.  B-s,  's  Erdbidem  ko'  isch. 
Hagenb.  Und  wo  EkeinC  cha"'  schribe'  und  lese',  a's 
m.  B-s  der  Her  und  der  Sigrist  e  chli  Truckts  Schw 
(Schwzd.).  !''•  cha"'s  m.  B-s  nüd  säge',  isch-es  en 
Hund  oder  e  Chatz  g'si"  ZO.  Es  Büechli,  es  g'heisst 
m.  B-S:  Lehrmeister  und  der  Schileler.  Stütz.  Er  häd 
mins  B-s  ei  Nama  glia,  wie  min  Ätti.  Banth  1712. 
.[Die  Schreibung]  Schiffhusen  han  ich  zwar  mins 
ßhalts  nienen  funden.'  JJRueger  1606.  .Worvon  ich 
euch  meines  B-es  bereits  hie  bevor  geschrieben  habe.' 
Della  Valle  1674.  ,Meines  Behalts,  ut  mea  fert  me- 
moria, quantum  ego  quidem  memini.'  Denzl.  1677; 
1716.  —  2)  meines  Erachtens,  Dafürhaltens,  meiner 
Meinung  nach  Schw;  S.  Aber  loset-mer  iez,  was  ech 
säge"  will:  dir  [ihr]  blibet  no''''-ne  churzi  Zit,  m.  B-s 
no'''-ne  Wuchen  oder  angerhalbi  do.  Schild.  Das  ist, 
m.  B-s,  an  üsem  Fest  das  AllerscMnst.  Heng. 

Mhd.  hehuU,  Gewahrsam,  sicherer  Platz,  Aufenthalt, 
Sicherheit.     Vgl.  auch  noch  Gr.   WB. 

Brunz-:  das  Anhalten  nach  dem  Marsche,  um  zu 
pissen.  Die  Offiziere  brauchten  das  W.  als  Commando- 
ruf  statt  des  heutigen:  Auf  der  Stelle  ruht!  Z  f. 

Halt  II  f.:  gedeckte,  heimliche  Stellung  (im 
Kriege),  Lager,  Wachtposten;  Lauerplatz,  Hinterhalt. 
,Do  sy  Sachen  der  landsknechten  gewalt,  do  schluegen 
sy  bald  ein  bald.'  Lenz  c.  1499.  .Zue  N.  slueg  man  's 
läger  zue  ring  um  mit  wart  und  h.'  ebd.  .Die  fygend 
soll  man  schlagen  us  der  h.'  ebd.  .Do  greif  sy  der 
ander  zug.  der  in  der  h.  still  lag.  by  syts  ouch  an.' 
Edlib.     .Ein  dritt  teil  [der  Leibwächter]   sollend  der 


Halt,  helt,  hilt,  holt,  hult. 


h.  warten  im  haus  des  königa.'  1531/48,  II.  Köv.; 
4afür:  ,4ie  Wacht  halten.'  1667/1882.  .Jonathan  aher 
schlueg  die  Philister  in  jrer  h.,  die  zuc  Gibea  was.' 
1531/48,  I.  Sam.;  dafür:  .Besatzung.'  1667/1882.  ,In- 
sidisE,  ein  heimliche  h.,  aufsatz,  hinderlist.  Ponere 
in  insidiis,  in  ein  h.  legen,  einen  auszespähen.'  Fi^is.; 
Mal.  ,Die  Österrycher  stiessend  ein  h.  und  reiztend 
die  Eidgnossen  us  der  statt,  die  flelend  hinus;  die 
fyend  n^mend  die  flucht  bis  für  die  huoten  oder  h. 
und  karaend  [die  Zürcher]  also  zwüschend  die  fynd.' 
HBuLL.,  Tig. 

Mhd.  Mt  m.,  dass.  Unsere  Quellen  scheiden  das  W. 
durch  das  Geschlecht  hestimmt  vun  Halt  I ;  Tgl.  halten. 

halt:  Ady.  1.  zur  Erklärung,  Begründung,  Be- 
kräftigung einer  Aussage,  mit  ausgesprochenem  oder 
meist  bloss  mitverstandenem  Folge-  oder  Bedingungs- 
satz; übersetzbar  durch:  eben  (mit  dem  die  MA.  es 
oft  verstärkend  verbindet),  nämlich,  das  heisiät,  wie 
leicht  einzusehen,  wie  sich  ergibt,  doch  wohl,  wohl 
etwa;  kurz,  mit  einem  Wort,  überhaupt,  nun  einmal; 
„nur,  endlich."  allg.  Bu  wirst  h.  niid  recht  'tä'  ha' 
[und  darum  bestraft  worden  sein].  Er  tcird  h.  chrank 
sl*,  [der  Grund]  das'  er  nüd  cho'  ist.  Ich  wor  [würde] 
h.  [an  deiner  Stelle]  säge",  es  hett  nüd  chönne'  sl'. 
[Wisse!]  Es  ist  h.  fßo.  Vom  Se'ben  a'  ist  dö  h.  d' 
EbenalphÖli  eHstande"  Ap  (Sehwzd.).  Er  ist  h.  en 
arme'  Tropf  [man  muss  darum  Geduld  mit  ihm  haben]. 
Mr*  sött  h.  nid  me"  welle',  als  mf  cha"  ScH.  I''' 
hä  's  h.  nüd  g'tcüsst,  cha"  's  h.  nüd  besser  (mache'). 
JJff  chann-em  h.  Nut  mir  glaube'.  Du  häsch-es  h.  e,s6 
g'seit  [bist  also  an  dem  Missverständniss  selbst  schuld]. 
jAber  in  unserm  Haus  war's  h.  auch  so  wie  in  hundert 
andern.'  Gotth.  Es  hat  's  h.  nw  nüd  möge'  g'ge".  Er 
mag  iez  h.  ehe*  nüd.  Er  ist  iez  h.  ehe"  g'gange"  [daher 
sind  deine  Einwendungen  verspätet].  Er  tuet  's  h. 
(doch)  nüd.  Du  bist  h.  en  Nar' !  Es  ist  h.  niir  schön 
g'si*!  Züri'''  ist  h.  nW  e  schöni  Stadt!  Mc  hat  h. 
nW  milese'  hiege',  konnte  sich  kaum  satt  sehen.  Er 
chönnt  h.  (doch)  aw*  z'  spät  cho'  si;  d.  h.  es  Hesse 
sich  sein  Ausbleiben  auch  so  erklären.  Wenn  ich  h. 
[nun  aber]  nüd  will  [was  dann]?  S.  noch  bei  Güge 
Sp.  156.  Auch  scheinbar  pleonastisch  einem  begrün- 
denden Nebensätze  vor-  oder  eingesetzt,  um  die  Be- 
gründung eindringlicher  zu  machen,  z.  B. :  Wil  er  h. 
en  Nar''  ist;  oder  etwa:  H.,  wil  er  en  N.  ist.  Ebenso 
in  andern  Nebensätzen,  welchen  dadurch  zugleich  der 
Charakter  einer  Be"grundung,  Erklärung  verliehen 
wird,  durch  Versetzung  aus  dem  zugehörigen  Haupt- 
satze, z.B.:  [Warum  hinkt  er?]  Wo-n-er  h.  ab-eme 
Baum  abeg' fallen  ist,  hat  er 's  Bei'  'broche' ;  und  da- 
nach auch :  [Wann  brach  er  das  Bein  ?]  Wo-n-er  h. . . 
Wo-er  h.  anne"  chunnt,  wird  er  üsg'lachet.  Wenn-d' 
h.  cha"st  schwlge',  .so  vill-iler  's  siign".  [Darf  ich  das 
Buch  besehen?]  Wenn-il'  h.  rli,i"'st  Sorg  ha'.  —  2.  zur 
Berichtigung,  Einschraiikuiin-  oiiier  Aussage,  =  viel- 
mehr; freilich  Z.  P'' han  «o'*  nie  g'raucht  —  h.  wol, 
emal,  tro-n-i''' 's  Za'weh  g^ha*  ha".  Er  häd  g'loge' 
—  (aber)  h.  nw  im  G'spiass.  —  3.  in  der  Verb,  mit 
JQch',  sogar,  selbst,  dasselbe  verstärkend.  ,Das  ist 
adellich  ligen  mit  einer  lautren  conscienz,  j.  h.  auf 
einem  strösack.'  G  Hdschr.  —  4.  in  Verb,  mit  ,denn'. 
verderbt  aus  ,ald';  s.  Bd  I  188  o.  Bi  eus  g'heisst 
g'wüss  tei»  Mensch  eso  —  h.  d.  du  wüssist  Öjiper. 
Stvri.  De  Eeiri  häd  g'seid,  wie"  seil  kei''  Sau  zuetue 
[anschaffen],  h.  d.  me'  heb  en"'  SöustaV.  Sprww.  1868. 


Mhd.  An/(,  mehr,  vielmehr;  eben,  freilich,  ja,  allerdings; 
als  Conj.  =  sondern  (auch),  t.  wie  unser  2  und  3  auf  ahd. 
halt,  potius,  magis,  süd  zurückgehend,  t.  wie  unser  1  auf  haltu, 
1.  l'ers.  Präs.  von  ahd.  haltan.  Ober  Verbalformen  mit  adv. 
Anwendung  Tgl.  Weinh.,  mhd.  Gr.  ^  §  326,  Gr.  WB.  u.  ,halt'. 

E-Halte»  ScnSt.  (Sulg.),  -Halter  Th:  1.  Dienst- 
bote ScnSt. ;  Th.  ,Mit  gedingten  knechten  und  ehalten.' 
1419,  Hof  Kriess.  ,A1s  oft  der,  des  der  wyn  ist,  oder 
syn  e.  den  zapfen  zucktent.'  XV..  SchwE.  Hofr.  ,Die 
dienst  und  e.'  Kessl.  .Die  müller  und  jre  e.  sollen 
am  Sonntag  mit  malen  still  stän.'  Lind.,  Wthur  Chr. 
,Es  soll  auch  mit  den  ehehalten,  knechten  [usw.]  ge- 
balten werden  wie  mit  den  bürgeren.'  ZWthur  Stdtb. 
—  2.  Ehegatte.  ,Wo  zwein  e.  sind,  die  bede  des  gotts- 
hus  sind,  wenn  da  der  mann  abgät,  ist  dem  gottsbns 
gefallen  ein  houptfal.'  c.  1515,  ZRbein.  Offn. 

■  Mhd.  ehalte,  wer  ein  Vertragsverhältniss  beobachtet,  durch 
ein  solches  gebunden  ist,  Uienstbote.  Vgl.  noch  ,Ehehalte' 
bei  ßr.  WB.,  ,E'  und  ,-Halt'  bei  Schm.-Fr.  und  E-Halt. 
In  Überlingen  wird  ein  ,Ehhaltenmarkt'  abgehalten,  welchen 
die  Dienstboten  der  Umgegend  zu   bcsucheu  berechtigt  sind. 

Uf-  L;  Sch;  Schw;  S,  Uf-ent-  Aa;  Bs;  L;  S, 
Hüf-  AAWohl.  —  f.:  Kette,  Lederriemen  oder  Strjck, 
mittelst  dessen  das  Zugtier  an  die  Deichsel  befestigt 
wird,  damit  es  das  Fuhrwerk  nötigenfalls  zurückhalten 
könne ;  Deichsel-,  Halt-Kette ;  Syn.  Vf-Halsen,  üfhalt- 
Kctte.  , Diverses  Jilenngeschirr,  Joch,  Kehl,  Aufhalten, 
Kühketten.'  Bote  d.  Ursohwz  1882.  —  Vgl.  noch  Sirufiije 
und  das  frz.   chaine  de  reculement  (de  tii^wn). 

halte"  I:  im  Allg.  wie  nhd.,  doch  gegenüber  den 
Synn.  haben  (heben)  in  der  MA.  mit  bedeutend  ein- 
geschränkterer Verwendung,  allg.  Mit  Sach-Obj. : 
Wort  h.  ,[Es  ist]  der  Weite  Sprichwort:  Verheissen 
adelich,  h.  Alls  vom  Dorfe  sei.'  Bs  Grat.  1622.  VgL 
noch  Fasten.  Abs. :  (Ei"'vi)  h.,  von  einem  abgeschlos- 
senen Kaufe,  Vertrage  nicht  zurücktreten  Z.  ,Ver- 
sprechen  und  H.  steht  gut  an  Jungen  und  Alten.' 
(Sprw.).  ,Zug  will  nach  Bezahlung  der  Sülde  auch  h. 
[d.  h.  den  Vertrag  mit  dem  frz.  König].'  1522,  Absch. 
,Das  Spiel  h.',  es  fortführen,  nicht  davon  abstehen, 
vgl.  den  Gegs.  gän  Sp.  2/3  und  haben  Sp.  886  u.  Beim 
Zutrinken  ruft  der,  dem  ein  Trunk  gebracht  wird: 
,Ich  halt 's  und  bring  dir  disen  dran.'  Aal  1549;  vgl. 
noch  gar  Sp.  396;  haben  Sp.  881.  ,Der  Schulmeister 
soll  den  Gesang  in  der  Schulstuben  h.'  1737,  ApHeid. 
Schulordn.;  Syn.  füeren;  vgl.  , Schule  h.'  Abhalten: 
,Der  Kriegen  halb,  so  sich  damalen  hielten  [vorfielen, 
geführt  wurden]  zwischen...'  RCys.  Tw.  formelhaft, 
bes.  in  Verbindung  mit  gewissen  Substt.,  vgl.  Atem, 
Fuess,  Vogti  (Bd  1  1279),  Buggen,  Bis,  Stich,  Stan- 
dari,  Stange.  Mit  Pers.-Obj.  ,N.  N.  hat  gest  g'halten.' 
1540/73,  UMet.  Wthur  Chr.;  vgl.  nhd.  ,Gast-Halter.' 
,Man  solle  [die  Gesuchsteller]  dabei  [bei  ihren  ver- 
brieften Rechten]  aufrecht  h.'  DHess  1818  (nach  der 
ä.  Spr.).  S.  noch  fründlich  Bd  1  1307.  Spec.  Anwen- 
dungen, a)  Aufenthalt  geben.  ,Sy  sollend  nit  eini- 
cherlei  party  fyend  husen,  hofen,  h.  noch  in  ir  land 
kommen  lassen.'  1476,  Bs  Chr.  —  b)  beibehalten,  be- 
haupten. ,Sarcocolla,  ein  gummi,  halt  noch  disen 
nammen  bei  den  apotekern.'  KdGessn.  1542.  —  c)  dafür 
halten,  meinen;  vgl.  Haiti.  ,Us  welchen  g'schriften 
ich  grundlichen  halt,  dass  die  mess  kein  opfer  möge 
syn.'  ZwisGLi.  ,Sölliches  hieltend  die  Juden  ein- 
hclligklich.'  OWerum.  1552;  dafür:  .glaubten.'  Her- 
I  BORN   1588.     ,Die   barfüesser   hieltend,    sy    wäre   one 


1225 


Halt. 


rlt,  hilf,  holt.  Imlt 


1226 


erbsünd  empfangen.'  LLav.  15(39.  ,Ich  halte  nein.' 
JMey.  1594.  ,Der  sich  [beim  Rebensaft]  füllt  wie  ein 
Schwein,  halt  man  ein  gueten  kriegsraann  sein.'  GGott». 
1599.  Mit  abhängigem  Gen.  s.  Er  Bd  I  389  (Zwingli). 
Rcfl.,  sich  Etw.  siumuten,  zu  Etw.  herbeilassen,  e.s 
an  sich  kommen  lassen,  sich  den  Anschein  geben. 
.Wenn  sich  Einer  auch  noch  dafür  hält  und  kommt 
mit  Manier  [=  manierlich  aufzutreten].'  Gottu.  Meist 
neg. :  ,Er  hielt  sich  nicht  dafür,  abzubitten,  er  machte 
ein  trotzig  Gesicht.'  ebd.  ,Alle  brachen  vom  Leichen- 
mahle (luf,  wie  hart  es  auch  Manche  hielt,  aber  man 
hielt  sich  doch  nicht  dafür,  dass  man  länger  nicht 
genug  hätte  als  die  Andern.'  ebd.  In  anderm  Sinne : 
,Er  sagte,  dass  er  Gott  danke,  dass  seine  Tochter  so  wohl 
versorget  werde,  er  hette  sich  wol  nit  darfür  gehalten 
[dessen  nicht  würdig  geglaubt,  es  nicht  erwartet].' 
1663,  Z  Taschenb.  Vgl.  noch  Sp.  883  o.  ^  d)  ,0b 
Etw.  h-',  es  beobachten,  darauf  achten ;  es  schätzen, 
ihm  pachleben.  ,Wer  will  ob  meinen  anschlagen  und 
gedanken  mit  der  geislen  h.?'  1531/16(37,  Sir.,  dafür 
1882:  ,Wer  wird  über  meine  Gedanken  eine  Zucht- 
rute bestellen'!"  Die  Amtleute  hätten  zu  wenig  ernst 
,ob  den  mandaten  gehalten.'  1548,  Hagenb.,  Sigr.  ,Dass 
wir  lernind  ob  den  fugenden  starklich  h.'  Haberer 
156'2.  ,Gott  bitten,  dass  er  mit  seinen  Guttaten  nicht 
aussetzen,  sondern  mit  denselben  ob  uns  noch  weiter 
h.  und  walten  wolle.'  FWyss  1672.  ,0b  Einem  h., 
observare  atque  tueri  alqm,  alcujus  salutem  suo  prai- 
sidio  tegere.'  Hospin.  1683.  —  e)  ,auf  Etw.  (Jmd)  h.' 
a)  in  feindlicher  Absicht,  darauf  lauern;  vgl.  Halt  II. 
,Es  soll  niemans  von  einer  partyen  uf  die  von  der 
andren  h.  oder  sye  schädigen.'  1478,  Bs  Chr.  ,Der 
general  ist  kommen  gan  Lyon,  da  [er]  verstanden, 
wie  des  bischofs  bruoder  und  der  von  P.  uf  in  h.,  also 
dass  er  sicher  hinus  nit  könne  ryten.'  15'24,  SiRiCKt. 
S.  noch  streifen.  —  ß)  in  freundlicher  Absicht,  Wert 
auf  Etw.  oder  Jmd  setzen,  an  Etw.  oder  Jmd  hangen. 
,Je  genauer  eine  Person  auf  alt  üblichem  Schnitt  und 
Zeuge  hält...'  GLHartm.  1817.  ,Wer  ist  under  euch 
also  g'herz  [beherzt],  dass  er  mit  mir  wagt  einen 
scherz?  uf  den  halt  ich  mein  leben  lang.'  Holzwart 
1571.  Abgeblasst,  i.  S.  v.:  .davon  h.'  ,Was  auf  den 
dreien  Capellen  Gasserts  zu  h.,  wird  dises  Büchlein 
offenbaren.'  ClSchob.  1699.  Vgl.:  ,Die  g'schrift.  von 
welcher  sy  so  erlich  und  wol  haltind  [von  welcher  sie 
so  grosse  Stücke  halten].'  RGualth.  1553.  —  f)  ent- 
halten ;  vgl.  Halt  3.  ,Der  erst  artikel  halt,  dass  . . .' 
Zwingli.  ,l)es  letzten  bottens  befelch  hielt,  nit  über 
einen  raonat  zue  Rom  ze  verharren.'  Ansh.  .An  Chri- 
stum glauben  in  jm  [sich]  halt  alles  das,  so  im 
nüwen  testament  geschriben  stat.'  B  Disp.  1528.  — 
g)  .sich  an  Etw.  (Jmd)  h.'  [Sie  trinken  schlechten 
Kaffee]  statt  dass  schi-schi  [sie  sich]  a"  gueti  MeUuppe' 
hüeltend  GhPt.  (Schwzd.).  In  der  ä.  Spr.  mit  Gen.  S. 
a)  =  ent-h.  9  d.  ,Esau  ward  ein  jegcr  und  der  sich 
des  felds  hielt,  Jakob  aber  ein  biderraann,  hielt  sich 
der  hSrberg.'  1531,  I.  Mos.;  dafür  1882:  .aufhalten.' 
,An  Vöglen,  die  der  Zäme  [d.  i.  der  bewohnten  Gegen- 
den] sich  h.,  ist  kein  Mangel.'  Gcler  16'25.  —  ß)  an 
Etw.  festhalten,  dabei  bleiben,  sich  darnach  richten, 
darauf  verlassen.  , Solichs  wolltent  wir  üwer  liebe 
unvertündet  nit  lassen,  sich  wissen  [damit  ihr  wisset], 
der  löuf  zn  h.  [nach  den  Begebenheiten  zu  richten].' 
1474.  Bs  Chr.  ,Es  ist  uns  in  ganzer  warheit.  der  ir 
üch    uf  unsern  glouben    [auf  Treu  und  (_ilaubcn]    h. 


mögen,  begegnet,  dass...'  1476,  ebd.  ,Der  sich  des 
[des  reinen  Gotteswortes]  nit  halt,  der  ist  nit  ein 
Christ.'  ZwiKGii.  .Wir  haltend  uns  der  h.  g'schrift.' 
Z  Bib.  1560.  .Bei  dem  [g']gebnen  urteil  bleiben  und 
sich  desselbigen  h.,  in  eo  quod  judicatum  est  starc. 
Sich  der  kürze  h.  und  fleissen,  brevitatem  custodire.' 
Mal.  Mit  Pers.-Obj.:  ,üie  kilch,  die  in  Gott 'gründet 
ist.  haltet  sich  allein  Gottes.'  Zwingli.  .Ich  will  mich 
Gottes  h.  und  euch  dyn.'  NMan.  .Zeig,  dass  du  die 
nit  verlassest,  die  sich  deinen  haltend,  und  wie  du 
niderest  die,  die  sich  irer  stärke  haltend  und  rüemend.' 
1531/48,  JuD.  .Sich  der  künigen  h.  um  seines  nutzes 
willen,  regibus  uti.'  Mal.  S.  noch  in- wetten.  — 
h)  intr.,  anhalten,  stille  stehen;  in  einem  Verhalten 
verharren.  Wie  nhd.  als  Zuruf.  Halt,  Schegg!  1)  Halte- 
ruf an  ein  Zugtier  Z.  —  2)  scherzw.  auch  an  einen 
ungestümen  Menschen  Z;  vgl.  ,halt,  Schweizer!'  ,Der 
knecht  reit  durch  den  bach  und  bleib  der  cortisan 
ennend  dem  bach  und  ruoft  dem  gesellen  zuo;  Halta! 
halta!'  DSchilling.  Als  eins  mit  diesem  deutschen 
Imp.  angesehen,  doch  eig.  aus  dem  Frz.  entlehnt  ist 
die  zur  Einsprache  verwendete  Verbindung  Ä.  M.'  Syn. 
o-hä!  Bes.  auch  vom  Wetter.  Wenn 's  nw  Gotts 
Will  ivär,  dass  es  utird  halte"!  Bs;  Z.  .Der  geist 
Gottes  hielt  uf  dem  wasser.'  1531,  I.  Mos.;  =  .schwe- 
bet.' 1548.  .Unangesehen  ganz  Gallia  Eugenio  bei- 
gefallen, haben  doch  die  Schweizer  bei  ihme  [Theo- 
dosius]  gehalten  [treu  zu  ihm  gehalten,  bei  ihm  aus- 
gehalten].' JLCvs.  1661.  —  i)  sich  h.,  mit  Adv.:  sich 
verhalten  a)  von  Personen,  sich  benehmen  B;  L;  Z. 
Halt  di'''  guet,  so  got  's  dir  guet  L.  ,Ich  hoff  [der 
Freier]  wurd  sich  [später  als  Schwiegersohn]  h.  recht.' 
GGoTTH.  1619.  ,Wir  erfahren,  dass  [auch]  die  sich 
[in  Pestzeiten]  schon  h.,  dass  sie  kein  bösen  Luft 
anwehe,  zu  Niemand  gand,  [doch]  dahin  sterben.' 
JJBreit.  1629.  —  ß)  von  Sachen.  ,Des  ander  mynes 
fürnemmens  halt  sich  also.'  Ansb.  ,Wenn  [der  Reis- 
läufer] vom  krieg  kummt  wider  heim,  so  bringt  er 
nüi;  dann  müede  bein,  vil  lüs,  darzue  lützel  bar  gelt; 
beim  g'meinen  mann  sich  's  also  helt.'  VBolz  1554.  — 
ungehalten  (Ptc):  schranken-,  masslos;  unbändig. 
.Die  Zung  kann  kein  Mensch  zämen;  sie  ist  ein  u. 
i'bel.'  JRHopMSTR  1645.  .Durch  all  zu  ungehaltenes 
Jagen  die  Wälder  erschöpft.'  B  Jägerordn.  1687/1714. 
.Der  Sieg  ist  von  Natur  grausam  und  u.'  Lindinner 
1733.  —  Halti"g  f.:  Unterhalt  GuPr.  (Schwzd.  '29, 
31).     Vgl.  halten  1  a. 

A  im  Präs.  ohne  Uml.  wie  in  der  MA.  iibli.  bei  den 
Vbeu  der  VI.  u.  der  red.  Konj.  ,tiott  haltet  sich.'  OWerdui. 
I55'2,  woi'Hr  in  der  Herborn.  Ausg.  1588  ,hält'.  .Haltest.' 
GGotth.  1619.  ,So  man  Gericht  haltet.'  Bs  Gerichtsordn. 
1719.  Das  Imp.  Prät.  ,hueltend.'  Wagn.  1581.  ist  Analogie 
nach  den  Vba  der  Cl.  VI ;  s.  noch  ßir-h.  Betr.  die  Bedd. 
vgl.  haben  B  (Sp.  879/888)  und  die  Anm.  Sp.  890.  S.  noch 
hehelten.  —  Die  folgenden  Compp.  beriüiren  sich  mehrfach  mit 
den  betr.  Compp.  von  liahen,  auf  welche  Ubh.  zu  verweisen  ist. 

ob-:  1.  mit  Dat.  P..  Jmd  unausgesetzt  beobachten, 
um  ihm  zuzusetzen.  ,Ist  hütt  geratslaget,  dass  wir 
den  fyenden  nachtrucken  wellend  und  inen  o.  derniäss, 
dass  die  sach  glücklich  geendet  werde.'  1531,  Strickl. 
—  2.  abs.  (eig.  mit  Verschweigung  des  Obj.),  Etwas 
(einen  Vertrag)  inne  halten,  beobachten.  ,Man  achtet, 
wo  der  könig  nicht  obhalten  [der  gegebenen  Zusage], 
werden  andere  mittel  vorhanden  syn,  dass  er's  tuen 
müesse.'  1585,  Seg..  Pfyft".  -  Vgl.  haten  g  und  oh  Bd  I 
lil/.')0.      S.   noch   Hand. 


1227 


Halt. 


jlt,  liilt,  holt,  hult 


uf-halte»:  1.  aufrechthaltcn ,  z.  B.  die  Macht, 
das  Ansehen  einer  Person.  ,Wann  jetz  nit  wären  die 
cmann,  so  möcht  Venus  nit  han  den  bracht;  sie  halten 
s'  uf  mit  ganzer  macht.'  Gengene.  —  2.  unterhalten,  in 
Stand  halten.  ,Die  Brück  in  der  Eeuti  soll  der  Tagwen 
E.  machen.  Die  aus  Linthtal  sollen  ihnen  helfen; 
dann  sollen  die  aus  der  R.  die  Brück  wohl  streuen 
und  aufhalten.'  Gl  LB.  18.35.  —  8.  Unterkunft  geben, 
beherbergen;  vgl.  Ent-Halt  3;  tif-ent-h.  ,Was  fuog 
mögend  sy  dann  haben,  jn  als  ein  abflüchtigen,  un- 
erbaren  mann  der  billigkeit  zewider  ufzuohaltenV, 
1531,  Strickl.;  vgl.  ebd.:  ,Im  platz  und  ufenthalt 
geben.'  ,Wo  sy  [die  Burger  von  StGallen]  ir  [der 
Adeligen]  Widersacher  in  die  stedt  zuchend  und  wo 
einer  [der  Widersacher]  in  die  acht  tuen  ward  und 
darüber  [trotz  derselben]  üfgehalten,  dass  ein  stadt 
StGallen  keines  ächters  entgelten  sollte,  der  by  inen 
fonden  wurd.'  Vad.  I  465.  ,Zu  einer  Ufhaltung  der 
Durchreisenden.'  ECys.  —  4.  auf-,  zurück(-be)-halten, 
vorenthalten.  Halt  uf!  Beschwörungsformel  oder  Not- 
ruf bei  einem  Brande.  Der  Eufende  eilt,  indem  er  sich 
so  nahe  als  möglich  der  Feuergrenze  hält,  mehrere 
Male  um  die  Brandstätte  und  wiederholt  fortwährend 
den  Buf  BM.,  S.  ,In  Ansehung  derjenigen  Kühen,  so 
die  Milch  aufh.  oder  auch  laufen  lassen.'  ÜRKlost. 
LB.;  Gegs.  abhin  geben.  ,Sy  wellend  söliche  [beschlag- 
nahmte] ross  und  guot  u.'  1522,  Absch.  ,Wenn  man 
das  ihren  aufhalt.'  GGotth.  1599.  —  5.  aufbewahren 
und  dabei  frisch  erhalten.  ,Der  Wein  ist  beständig 
[haltbar]  und  lässt  sich  als  lang  man  will  aufh.'  Guler 
1625.  —  6.  aufschieben.  ,Ich  bitt,  die  reis  ein  zyt 
üfhalt.' FuNKELiN  1552.  —  Uf-Halter:  wem  der  Auf- 
enthalt an  einem  Orte  nur  gegen  Bürgschaft  oder  auf 
beschränkte  Zeit  gestattet  ist,  noch  unter  dem  Hinter- 
sassen oder  Niedergelassenen  stehend  Bs  (Spreng). 
Vgl.   Uf-cnt-Halter.   —   Mhd.  vfhalien,  ebenso. 

a"-:  1.  zurückhalten.  ,[Der  Knecht]  sagte,  er 
wolle  fort.  A.  will  ich  dich  nicht,  sagte  die  Frau, 
so  wenig,  als  ich  dich  gehen  geheissen.'  Gotth.  — 
2.  fortdauern,  z.  B.  vom  Wetter.  Tr.,  Färb  a.,  fort- 
fahren, Karten  von  der  gleichen  Farbe  (s.  Bd  I  987) 
zu  spielen  Z.  —  3.  anhaltend,  inständig  bitten,  auf 
Etw.  dringen  (wie  nhd.)  B;  Gl;  S;  Z.  Um  oder  defrj 
Tusig-Gotts-Wille'  a.  Z.  ,Die  weit  han  ich  erniant, 
inen  tröwt  und  angehalten  mit  warnen  under  jungen 
und  alten.'  Edef  1550.  Mit  Dat.  P.  (S).  Si  nimmt-en 
bi  der  Hand  und  haltet-em  a" :  Säg-m'r  jetz . . .  Joäch. 
Spec,  bei  einer  Wahlbehörde  unter  Beobachtung  ge- 
wisser Formalitäten  um  eine  Stelle  nachsuchen,  can- 
didieren.  Landsgemeindekantone;  Th.  ,Anhaltenszeit. 
Der  Lehrer  einer  Frcischule  muss  alle  Jahre  an  einem 
festgesetzten  Tage,  alten  Eechten  und  Übungen  ge- 
mäss, bei  der  ehrsamen  Bürgerschaft  mit  der  ehr- 
erbietigen Bitte  einkommen,  wieder  für  ein  Jahr  die 
1.  Jugend  für  den  bestimmten  Gehalt  unterrichten  zu 
dürfen.'  Ap  Volksbl.  183'2.  ,Die  Wahl  eines  jeweiligen 
Schulmeisters  soll  bei  der  Kirchhöri  stehen  und  er 
alle  Jahr  schuldig  sein,  vor  der  K.  anzuhalten.'  1737, 
ApHeid.  Schulordn.  ,Das  Werben  um  die  [geistlichen 
und  weltlichen]  Stellen  [an  den  Pfarrkirchen]  ge- 
schieht meistens  durch  persönlichen  Vorstand  und 
mündlichen  Antrag  und  wird  das  A.  genannt.  Dieses 
A.  muss  sich  jährlich  bei  einigen  Stellen  wiederholen, 
um  Bestätigung   zu  erhalten.'    Uw  Gem.  1836.     ,Wer 


unter  die  18  an  einer  ,Gangfisch-Segi'  berechtigten 
Anteilhaber  aufgenommen  werden  will,  muss  so  lange 
a.,  bis  eine  Stelle  frei  wird,  indem  er  als  sogenannter 
Anhalter  einen  Vollberechtigten  im  Verhinderungs- 
falle ersetzt,  dabei  aber  nur  um  d'  Hälfti  fart,  d.  h. 
nur  den  halben  Anteil  der  Beute  eines  Teilhabers  er- 
hält TuBodensee.  —  4.  a.  um...,  freien  Bs.  —  5.  mit 
Acc.  P.,  Jmdn  wozu  nötigen  (wie  nhd.).  —  6.  halten, 
ein  Gebot.  , Weiher  aber  Söllichs  nit  anhielt,  als  ob- 
stat, der  soll  1  Pfd  Pf.  verfallen  syn.'  TnEggen  Oifn. 

inn-,  in  ZO.  i-:  1.  inne-,  ein-halten,  pausieren 
ScH;  Z,  auch  nur  i.  S.  v.  nachlassen,  sich  unterziehen 
ScH.  —  2.  zurück(be)-,  vorenthalten.  ,Wo  das  ver- 
loren wäre,  Solches  an  seinem  Lidlohn  [Arbeitslohn] 
einh.'  XVII.,  ÄAMuri  Gesindeordn.  , Einem  den  Sold 
inn-halten,  Stipendium  alicujus  fraudare.'  Hospin.  1683; 
vgl.  inn  Bd  I  291.  —  3.  refl.,  zu  Hause  bleiben  Z. 
,Es  wundert  mich,  dass  er  also  inhaltet  sich.'  HvEüte 
1546.  ,Sich  innhalten,  dorn!  se  continere.'  Hospin. 
1683;  vgl.  innen  Bd  1  293.  —  4.  enthalten,  besagen, 
lauten.  ,Welich  ordenung  innhalt,  dass...'  1475,  Bs 
Chr.  ,Dass  wir  stäts  daran  syn  wollen,  als  üwers 
schrybens  meinung  euch  innhalt.'  1476,  ebd.  ,Als 
denn  das  nier  [der  Mehrheitsbeschluss]  innhelt.'  Edlib. 
,Es  sind  uns  Warnungen  zuokommen,  die  inhaltend, 
dass . . .'  1522,  Absch.  ,Das  gyrenrupfen,  halt  inn, 
wie . . .'  1523,  Titel  eines  Buches.  .[Dieser  Psalm] 
haltet  inn  gleich  als  der  vorig.'  1531/48,  Bio.  ,Von 
einer  Zinsverschrybung,  die  under  500  Pfd  Pfenn.  in- 
haltet, soll  ein  Schryber  dry  Pfd  Pfenn.  Belohnung 
nemmen.'  B  Wuchermand.  1628.  Ein  Mal  mit  Wechsel 
des  Subj. :  enthalten  sein.  ,Wie  dann  sölichs  [hier 
nur  kurz  Berührtes]  in  unser  missive  wyter  inhaltet.' 
1524,  Z  Eatserk.  —  In-Halter:  Inhaber.  ,Alle  i. 
der  pfrüenden.'  1540/73,  UMey.  Wthur  Chr.  S.  noch 
In-Haber  Sp.  926.  —  Inhalt ung  f.:  =  Inhalt.  ,Ein 
missiv,  der  i '  Sicher. 

Über  das  Verhältniss  von  inn  :  in  (,ein')  vgl.  Aom.  Bd  I 
292.  Hieher  wohl  auch  der  Familienn.  Inhehler  Gl'.,  Tgl. 
,Inhälter',  Inhaber,  hei  Schm.-Fr.   I  Sp.   1102. 

under-:  tr.,  Jmd  den  Unterhalt  geben,  ihn  be- 
köstigen Z.  —  Under-Haltung.  ,Die  bischof  zühend 
den  zehnden  gar  dannen  und  lassend  den  priestern 
arm,  klein  u.'  Zwingli.  ,Diser  was  durch  u.  [auf 
Kosten]  seines  vetters  gen  Paris  [auf  die  Hochschule] 
geschickt  worden.'  Vad.  ,Dass  der  Mann  syner  Frauen 
Gut  zu  syner  U.  anzugryfen  bezwungen  wäre.'  B  Ge- 
richtssatz. 

ent-:  1.  zurück-,  auf-,  an-,  fest-halten.  ,Die  from- 
men in  der  statt  von  Nüsse  hoffend  die  fyend  wol 
zue  e.'  1474,  Bs  Chr.  ,Disen  betten  länger  e.'  1476, 
ebd.  , Söliche  summ  knechten  [Reisläufer]  nit  dem 
graten  zueloufen  ze  lassen,  sunder  güetlich  zu  e.,  bis...' 
1522,  Absch.  ,[Der  Vermittler]  ritt  darzwüschend  [zwi- 
schen die  feindlichen  Heerhaufen],  enthielt  sie  von 
einanderen  mit  der  hilf  Gottes.'  Val.Tschddi  1533. 
.Darum  mich  länger  nit  enthalt!'  Salat  1537.  ,Es 
mögend  sich  alle  geschlecht  [der  Meisen]  mit  iren 
kläwlinen  e.  und  anhenken,  wo  sy  wollend.'  Vogelb. 
,Die  gemsen  kommend  auf  die  allerhöchsten  spitz, 
allda  enthaltend  sy  sich  mit  iren  hörnen  und  henkend 
sich  daran.'  Tiere.  1563.  ,Der  bär  bewegt  das  züng- 
lin  [einer  Falle],  das  das  bloch  enthalt.'  ebd.  ,Ani- 
mani  teuere,    den   atem  e.     Iram  suani  non  capit,   sy 


1229 


Halt.  holt,  liilt,  liolt,  luilt 


mag  iren  zorn  nit  e.'  Fris.;  Mal.  ,Der  Mann  kann  sich 
e.  nicht,  fallt  mit  dem  Ast  in's  tiefe  Tal.'  HsRRebm. 
1620.  In  einem  alten  Weihnachtslied  werden  die 
Winde  angeredet:  ,G"niaoh,  ihr  Luft,  die  Kalt  enthalt"', 
saust  und  braust  ein  ander  .Mal!'  ZcÄgeri.  In  der 
Rspr.  =  in  Gewahrsam,  gefangen  halten.  ,Zu  2'/2 
Jahren  Enthaltung  in  einer  Besserungsanstalt  ver- 
urteilt.' Z  Tagbl.  , Gefangen  und  während  18  Wochen 
in  der  Festung  e.'  Glor  1835.  .Der  Spital  erscheint 
auch  als  Enthaltungs-  oder  Korrelstionsanstalt.'  Mess- 
MER  1831.  ,Sy  namend  die  gefangen  und  enthielten 
sy  etliche  tag.'  Vad.  ,Die  g'fangen,  so  by  unsern 
fygenden  enthalten  worden.'  1531,  Striokl.  ,Das  [Vieh] 
im  stall  e.'  ZEIgg  Herrschaftsr.  ,Dergleichen  Per- 
sonen sollen  in  Gefängknuss  gelegt,  darinnen  mit 
Wasser  und  Brot  e.  und  nit  herus  gelassen  werden. 
bis . . .'  Z  Mand.  1650.  Vgl.  fänglich  Bd  I  860.  ,Den 
Schuldner  in  Gefangenschaft  legen  und  e.  bis . .  .• 
SMüTACH  1709.  ,Nach  6-wöchiger  Enthaltung.'  ebd. 
,E.  auf  ein  Recht'  Gr  Ges.  1827.    S.  noch  Frön-Hof. 

—  2.  vorenthalten.  ,Was  die  Mutter  besass,  das  ent- 
hielt sie  mir  nicht  und  ich  verschmähte  es  nicht.' 
GoTTB.  —  3.  aufrecht  halten,  behaupten,  bewahren, 
(im  Stand)  erhalten,  erretten,  schützen;  vgl.  Enthalt  1. 
,[Die  Belagerten]  getruwent  die  statt  wol  zue  e.'  1474, 
Bs  Chr.  ,Unser  geraein  früntschaft  zue  e.'  ebd.  , Ent- 
haltung des  bestands  [Waffenstillstands].'  1478,  ebd. 
,Bim  leben  e.',  neben:  ,Bim  leben  behalten.'  1516, 
AaB.  ,MHH.  werdint  ein  söUichen  priester,  einem 
ganzen  kapitel  widrig,  nit  e.'  1522,  Siml.,  Urk.;  vgl. 
ebd.:  ,Gedachten  priester  by  syner  pfruend  wyter 
dulden  und  beschirmen.'  ,[Gott],  Schöpfer  und  ent- 
balter  aller  dingen.'  Zwingli.  ,Us  dem  [woraus]  uns 
allen  ein  grosse  hoffnung,  ein  wäre  enthaltung  in 
Gott  geboren  wirt.'  ebd.  ,Luegen,  wie  wir  unsern 
stät  enthaltend  und  ouch  wyter  merend.'  NMan.  ,Wir 
sollten  einanderen  e.,  so  weit  uns  leib  und  guet{s) 
langete.'  Val.Tscbddi  1533.  ,Das  schloss  ward  von 
iren  fynden  e.  bis  zue  herbst  wyl,  so  es  [aber]  be- 
schossen ward,  gabend  sie  es  auf.'  ebd.  ,Wie  Breganz 
von  so  schwerer  belägerung  e.  und  errett'  worden 
syg.'  Kessl.  ,Dann  dise  land.  vor  mit  dem  schwert 
und  ieztan  ganz  hart  mit  dem  hunger  bekriegt,  kein 
enthaltung  und  widerkommen  dann  durch  friden  mögint 
verhoffen.'  Ansh.  , [Solche],  die  mit  rauben  und  finan- 
zen  ir  leben  enthaltend.'  Vogelb.  ,Weid  sy  und  ent- 
halt sy  ewigklich!'  1560,  Psalm.  --  4.  =  uf-halten  3. 
,Der  basthart  sy  zue  Jenf  gewesen,  der  also  durch 
den  bischof  e.'  1476.  Bs  Chr.  ,Es  soll  dwedrer  teil 
dem  andern  syne  widerwärtigen  und  bandyten  nit 
schirmen  und  e.,  sunder  jeder  teil  dieselben  us  synen 
landen  tuon  und  vertryben.'  1521,  Absch.  ,Dass  sölich 
lüt  niemand  well  husen,  hofen,  e.,  noch  underschlouf 
geben.'  1525,  ebd.  ,Das3  Gott  [die  Gläubigen]  an  ort 
und  enden,  da  es  jm  g'fellig,  on  schmerzen  e.  habe; 
das  ort  nennend  sy  die  schoss  Abrahae  und  Inferos.' 
LLav.  1569;  dafür  1670:  .aufbehalten.'  ,Dass  Schult- 
heiss  und  Rat  sich  aller  derer  mögen  wehren,  so  ihre 
Burger  schädigen  oder  solche  Personen  e.  Was  nun 
die  Burger  solchen  Enthaltern  alsdann  Leids  zufügen, 
sollen  sie  damit  nit  gefrefelt  haben.'  FrHappner  1666. 

—  5.  aufbewahren,  verwahren.  ,[Er  hat]  3000  krönen 
in  Silbergeschirr  [gegeben],  begert  jm  solichs  ein  zil 
[eine  Zeit  lang]  zuo  e.'  1532,  Strickl.  ,Ein  propheti 
[Inschrift]    ist   zue  Rom  verrauret   und   für  [als]   ein 


grossen  schätz  e.  und  in  kurzer  zyt  [unlängst]  erfunden 
worden.'  Kessl.  —  6.  unterhalten,  nähren.  ,Dass  die, 
so  uns  lerend,  von  uns  e.  sollend  werden.'  Zwingli. 
,Es  sollend  die  houptlüt  und  knecht  in  des  küngs 
kosten  und  sold  e.  werden.'  1521,  Abscd.  ,Dass  by 
den  kilchen,  da  allein  alte  wittwen  e.  wurdend,  sich 
ouch  junge  wittwen  understuendend  ze  weiden.  Und 
so  sy  in  die  enthaltung  der  kilchen  kamend,  wurdend 
der  jungen  etlich  erfunden,  die  verschütten  [ver- 
wirkten] die  enthaltung  mit  etwas  Unzucht.-  B  Disp. 
1528;  vgl.  ebd.:  ,in  die  underhaltung  der  kilchen  uf- 
nemen.'  ,Iren  pfarrer  mit  irem  schweiss  und  arbeit 
e.  und  erneren.'  1529,  Strickl.  ,[Die  Hasen]  ent- 
haltend ire  junge.'  Tierb.  1563.  ,Die  armen  leut  seind 
[in  jenen  Gasthäusern]  zu  herberig  und  mögen  sich 
um  ein  klein  gelt  ring  c.'  HPantal.  1578.  —  7.  aus- 
halten, in  der  RA.  ,den  Stich  e.'  Zwingli;  Syn.  be-hän, 
-halten;  vgl.  nhd.  .Stich  halten.-  —  8.  bei  sich  halten. 
,Und  was  [den  Priestern]  abgestrickt  ze  jagen  und 
federspil  zue  e.'  Vad.  Vgl.  6.  —  9.  refl.  a)  eine 
Krankheit  überstehen,  wieder  zu  Kräften  kommen, 
sich  am  Leben  erhalten  AAAarb.;  Syn.  bekimen.  — 
b)  sich  erhalten.  ,Pyrrhus,  der  einen  dankbaren  adler 
gehebt,  der  nach  [dessen]  tod  sich  ön  speis  hat  e.' 
Vogelb.  1557.  —  c)  sich  behaupten.  ,Darait  ein  jeder 
sich  möge  e.  wider  die  fyend  der  g'schrift.'  Zwingli. 
—  d)  sich  aufhalten,  wohnen.  ,[Die  Käufer]  sullent 
dem  N.  N.  einen  gaden,  die  wyle  er  lebt  by  inen  in 
dem  hus,  lassen,  darinne  er  sich  e.  mag.'  1404.  Z 
Kaufbr.  ,Dass  sich  im  feld  [vor  Kälte]  niemand  hatt 
mögen  e.'  1474,  Bs  Chr.  , [Solche]  die  sich  zue  zyten 
als  gest  uf  den  schneien  e.'  Zwingli.  , Sollt  das  nit 
syn  müglich  Gott,  dass  er  sich  Messe  in  das  brot  und 
nütdestminder  wesenlich  usserhalb  enthielte  sich?' 
ÜEcKST.  ,Man  bäte  sie,  dass  sie  also  still  hielten.  Auf 
solches  enthieltend  sie  sich  in  dem  feld.'  Val.Tschudi 
1533.  .Etliche  hasen  entlialtend  sich  des  ebnen  felds 
und  wälden,  etliche  aber  in  den  wasserächtigen  orten.' 
Tierb.  1563.  ,Rurari,  auf  dem  land  wonen,  sich  auf 
dem  land  e.  Spelaea  ferarum,  hulinen,  darinn  sich  das 
gewild  enthalt.  Avis  fluminea,  der  sich  im  wasser 
enthalt.'  Fris.;  Mal.  ,lch  wonet  und  enthielt  mich 
ein  zytli  zu  Fürstno  [Fürstenau].'  1572/1614,  Ardüser. 
,Der  fürst  lasse  jetz  niemand  für  sich  kommen,  sonder 
enthalte  sich  in  dem  gemach.'  1578,  HPantal.  ,Ein 
Mann,  der  einsmals  Abends  [sich]  bis  über  Bettglogken 
an  der  Rüss  fischende  e.'  RCvs.  .Wann  Einer  us  dem 
Land  zuche  und  an  der  Fronde  sich  e.  tete.'  1630, 
Gl.  ,Die  Erdmorchel  enthaltet  sich  under  der  Erden 
und  schwellet  nicht  herfür.'  Spleiss  1667;  ähnlich 
Vestih.  1692.  —  e)  bestehen.  ,Domalen  nit  wenig 
g'meinsamen  [Verkehr]  zwüschet  [dem]  Turgöuw  und 
dem  gestifte  zue  Chur  sich  enthielt.'  Vad.  —  Mhd. 
ent-halU:n,   ebenso. 

üf-cnt-:  i.^ent-h.  1.  ,Reinora,  ein  fisch,  der 
die  schiff,  so  er  sich  anhenkt,  verhindert  und  auf- 
enthalt.'  Fris.;  Mal.  ,Wer  dem  Verkäufer  ein  Zeichen 
gibt  oder  sonst  hiesse  den  Anderen  u.'  L  Ansehenb. 
,Ein  Ratsherr,  welicher  meinen  Vatter  wol  bekannt, 
hat  ihn  uf  der  Rüssbrugg  fründlich  angeredt  und  u.' 
Mise.  TiG.  1722.  Bildlich  i.  S.  v.  lindern.  ,Ad  sub- 
levandas  necessitates,  zue  u.  die  notdurfte.-  KSeilek 
1460.  —  2.  hinausschieben,  verlängern,  weiter  er- 
strecken. Der  Bokter  hed-em  nur  en  üfe'thalti''g  ver- 
sproche".     ,MHH.  habend  Herrn  N.,   dicwyl  er  etlich 


1231 


Halt,  holt,  liilt,  holt,  liult 


1232 


jar  usserhalb  sich  enthalten,  das  buigrocht  ufzuent- 
halten  zuegesagt,  sölicher  g'stalt,  dass  sy  ine  für  und 
für  zu  einem  burger  achten  wöllent.'  1553,  ZWthur 
Katsprot.  ,Er  wird  sein  Alter  u.  und  lengeren.' 
JRLandenb.  1608;  vgl.  6.  —  8.  =  nf-h.  3,  ent-li.  4. 
,Er  hatt  den  delphin,  der  Ton  synem  vatter  usgejagt 
was,  u.'  1477,  Bs  Chr.  ,Des  Murners  halb,  diewyl 
der  von  denen  von  Lucern  wider  die  pünt  für  und 
für  u.  Wirt.'  1529,  Absoh.  ,Wo  ledig  personen  by  ein- 
andern  argwöniglich  sitzend  oder  offenlich  einanderen 
ufenthaltend,  dass  die  von  den  erichteren  ernstlich 
gewarnet  werdind,  dass  sy  von  einanderen  gangind.' 
Z  Mand.  1539.  ,Es  wäre  dann  Unwetter,  so  soll  man 
die  [Siechen]  nach  der  billigkeit  wyter  u.'  XVI.,  Zo. 
—  4.  aufbewahren,  verheimlichen.  ,üie  frouw  hat 
geholfen,  den  diebon  iren  diebstal  u.'  1540/73,  UMet., 
Chr.  —  5.  =  ent-h.  6.  ,Ufenthaltung  der  spyse,  snsten- 
taculum  victus.'  KSeiler  1460.  ,Gott  hette  brueder 
Claus  so  lang  on  spys  u.'  1488,  OfiwSachs.  Kirchenb. 
jNieraants  hat  syn  eigen  fleisch  gehasset,  sunder  er 
nert  es  und  ufenthalt's.'  HBdll.  1540.  ,Alle  narung 
des  menschens,  ja  alles  das,  das  zue  desselben  ufent- 
haltung  dienet.'  RGüälth.  1559.  ,Pisce  sustinebantur, 
wurdend  aufenthalten  und  genert,  gelebtend  der  fischen. 
Bellum  alere,  ein  krieg  erhalten  oder  aufenth.'  Fris.  ; 
Mal.  ,Die  an  ihrer  zeitlichen  notturft  und  aufent- 
haltung  ihres  leibs  grossen  mangel  habend.'  SHochh. 
1591.  ,Ihr  meiste  Aufenthaltung  langt  her  von  Viehe 
und  Kornwachs.'  Gcler  1625.  ,Die  ganz  Aufenthaltung 
des  Menschen  an  Speis  und  Trank,  Kleidung.'  FWtss 
1660.  ,Sio  sind  zurückgangen,  da  man  ihnen  nicht 
hat  geben  können  die  Aufenthalt(ung).'  Fisi  1696.  — 
6.  =  ent-h.  3.  UHH.  seien  genötigt,  ,zue  irer  ufent- 
haltung  [Var. :  ufonthaltniss]'  die  verfügbaren  Kräfte 
im  Lande  zu  behalten.  (Bs  Chr.)  ,üass  die  fürsich- 
ti{g)keit  Gottes  alle  ding  versorgt,  alle  ding  ordnet, 
alle  ding  ufenthalt.'  Zwingli  =  ,ümnia  servantem.' 
,üas  amt  der  h.  mess  vollfüeren  lassen,  u.  und  schir- 
men.' 1525,  Absch.  ,Du,  sun,  aufenthalt  das  alter 
deines  vatters.'  1531/48,  Sir.;  dafür  1882:  ,Nimm  dich 
deines  Vaters  an  in  seinem  Alter.'  ,Der  küng  aber 
mit  sunderer  und  heimlicher  pension  syne  sachen  für- 
deret  und  ufenthielt.'  Ansh.  Die  ,Ufenthaltung'  der 
betr.  Dörfer  bezüglich  des  Weidgangs  sei  aus  .Nach- 
lassung' geschehen  [man  habe  sie  freiwillig  und  nach- 
sichtig bei  der  Übung  des  Weidgangs  belassen].  1542, 
Absch.  IV  1  d  189.  ,Ein  weis  weib  aufenthalt  ir  haus.' 
1560,  Prov.;  dafür:  ,die  Weisheit  der  Weiber  bauet 
ihr  Haus.'  1882.  ,Du  aufenthaltest  meinen  teil.'  1560, 
Psalm;  dafür  1882:  ,du  erhältst  mein  Erbteil.'  ,Susten- 
tarc  aciem,  er-,  aufent-halten.  Patrocinia  tueri,  seine 
geschirmten  aufenth.,  weiter  schützen  und  schirmen.' 
Fris.;  Mal.  ,Wyn:  Ir  [Menschen]  band  kein  fröud 
on  den  wyn  und  sonderlich  ir  wysen  alten,  so  ich  nch 
doch  ganz  u.'  HsRMan.  Auch  refl.:  ,Leut,  die  nicht 
wollen  zu  Grund  gehen,  sonder  die  resolviert,  sich  zu 
aufenth.  mit  Darsetzung  Guts  und  Bluts.'  Mise.  Tic. 
1723.  —  Uf-ent-Halte  r  m.:  1.  wer  sich  an  einem 
Orte  nur  vorübergehend  aufhält,  dort  keinen  bleiben- 
den Wohnsitz  hat;  bei  Volkszählungen  im  Gcgs.  zur 
eig.  Wohnbevölkerung  spec.  aufgeführt,  allg.  Dagegen 
diese  letztere  im  allgemeinsten  S.  ist  zu  verstehen: 
.Nach  einer  jeden  Probierung  sollen  die  Feuer-Haujit- 
leute  die  Verzeicbniss  aller  seit  der  letsten  Ergänzung 
der  Feucrsprützen-Eödeln  angenommener  Aufenthaltern 


begehren.'  Bs  Mand.  1777;  vgl.  Uf-Halter.  —  2.  fle- 
herberger.    ,U.  der  [Wieder-]  töufer.'  1531,  Eoti,  Act. 

—  3.  Erhalter,  Beschirmer,  Stütze  (im  pars.  S.).  ,Bs 
ist  des  burgunschen  herzogen  meinung,  uns  zuvoran, 
als  der  tütschen  nation  nit  die  minsten  ufenthälter, 
zuc  trengen.'  1476,  B  an  ßechberg.  ,Die  liebe  ist  ein 
ufenthalterin  von  frid  und  einigkcit.'  1529,  Absch. 
,Mardocheum,  unsern  heiland  und  aufenth.,  der  uns  in 
allen  dingen  guets  geton  hatt.'  1531/48,  Esther  b; 
dafür  1882:  ,unsern  beständigen  Wohltäter.'  —  Mhd. 
uf-ent-halten,   ebenso;    Uf-eni-halter,   in  Bed.   3. 

er-halte":  1.  zurück-,  fest-,  aufrecht-halten,  be- 
haupten. ,Tyro,  welche  graf  kuenrat  erhielt  und  ritter- 
lich beschirmet.'  Ansh.  ,Den  baren  mocht  niemants  e., 
weder  mit  stangen  noch  riglen.'  Tierb.  1503.  S.  Banner, 

—  2.  (eine  Ansicht,  Behauptung)  aufrecht  halten,  be- 
währen, a)  durch  Gründe  erweisen.  ,Wir  enbietend 
uns,  diss  zu  e.  mit  der  göttlichen  g'schrift.'  Zwingh. 
,Syn  schlussred,  die  er  hat  g'lert,  die  hat  er  erlich  e., 
Egg  hat  jm  keine  nie  umkert.'  NMan.  ,Dass  ich  kein 
1er,  die  zwyflig  und  noch  nit  uf  der  bau  und  e.  sye, 
nit  ynraischen  [wolle],  sy  sye  dann  zuevor  vor  ge- 
meiner, ordenlicher  [Synodal-]  Versammlung  e.'  ZMand. 
1580/1628.  —  b)  eidlich  erhärten.  ,Abjuravit  creditum, 
sy  hat  mit  dem  eid  e.,  dass  sy  nüt  schuldig  sei.'  Fris. 
,Wafehr  ein  Burger  sein  Anklag  [Civilklage]  nit  er- 
weisen, vil  wenigers  e.,  sondern  im  Rechten  fellig  er- 
kannt wurde.'  1604,  Bs  Rq.  ,Ein  ietlicher  Burger 
muess  bi  synem  g'schwornen  Eid  e.,  semliche  Waften 
syn  syn.'  JJRüeger  1606.  S.  noch  Anfang  Bd  I  855, 
uf-hehen  Sp.  894,  be-hehen  Sp.  919/20.  —  3.  erlangen, 
erwerben,  gewinnen,  z.  B.  einen  Process  Z.  Seine 
Sach  am  R.  e.,  judicio  superiorem  esse,  causam  ob- 
tinere,  pro  nie  pronunciatum  est.  Seine  Bitte  e.,  voti 
compotem  fieri,  obtatuiu  impetrare,  preces  mese  pon- 
dus  habuerunt.'  HosriN.  1683.  —  4.  , einen  Streit 
(Sturm)  e.',  siegreich  überstehen,  durchkämpfen.  ,öb- 
wohl  die  Herzogischen  sich  dapfer  gewört  und  deii 
Sturm  zum  dritten  Mal  e.,  so  ist  die  Stadt  doch  letz- 
lich  den  Franzosen  zur  Püt  worden.'  RCts.  ,Dann 
ohn  dein  Gnad  ist  müglich  nit,  dass  ich  erhalt  so 
grossen  Stryt.'  JMahl.  1620.  —  5.  unterhalten,  wie 
nhd.  allg.  (Der  lieb)  Gott  erhaltet  alli  (Mensche"), 
aber  sumi  [manche]  numme*  schlecht  W.  ,Ein  vogler 
hat  [eine  Meise]  in  seinem  haus  e.'  Vogelb.  1557.  — 
6.  beibehalten,  im  Stand  erhalten,  bewahren,  wje  nhd. 
allg.  Es  ist  schwerer  e.  als  erwerbe".  Ineichen.  Mit-em 
Alte'  muess  ms"  's  Neu  e.  Aa  (Rochh.). 

US-:  1.  mit  Acc.  P.  oder  S.,  bis  zu  Ende  dauern, 
überdauern  Aa;  Z  (auch  use"-h.).  Bas  Chleid  usw. 
haltet  mich  us.  Ir  und  ich  [der  Verfertiger  und  der 
Träger]  haltid  das  Chleid  nümnie'  us.  Se'be''  [Jener] 
haltet  kei  Hustage  me''  us,  er  erlebt  keinen  Frühling 
mehr.  —  2.  mit  unbestimmtem  Obj..  die  aufgewen- 
deten Kosten  decken,  sich  lohnen  L.  Us  de'  Herd- 
öpfle'  chammer  [kann  man]  «7  und  billigs  Bröns  [Brannt- 
wein] mache";  es  haltet  's  üs  und  ist  ne  Vortel  für  ne 
Bür.  Machari  1871.  —  3.  Kosten  tragen,  bestreiten, 
a)  mit  Sach-Obj.  ,Den  Heuzehnden  einzuoziehen  haltet 
Herr  Grosskeller  aus.-  XVIL,  AAMuri  Gesindeordn. 
.Flums  hielt  die  [Huldigungs-]  Mahlzeit  aus.'  1724, 
Absch.  ,Es  wurde  bestimmt,  was  die  Kirchensechser 
samrat  einer  Ehr.  G'meind  [beim  Kirchenbau]  anzu- 
.sc-haffen    und   auszuhalten    haben.'    1779,   Gpd.     ,Für 


1233 


Halt,  holt,  hilt,  holt,  hult 


1234 


allerhand  Werkgeschirr  auszuhalten  240  &.'  ehd.  (Aus- 
gabeposten).  —  b)  mit  Pers.-Obj.,  spec.,  Einen  zech-, 
kostenfrei  halten  Z.  ,Der  Hof  soll  den  Sigrist  u.' 
1666,  LNcud.  ,N.  N.  habe  einen  Trunk  und  Abendessen 
bezahlt  und  eine  Tafel  voll  ausgehalten.'  1677,  G 
Verrichtb.  ,Laut  Vertrag  war  der  Baumeister  ver- 
pflichtet, alle  Handwerksleute  auszuhalten  und  zu  be- 
lohnen.' 1757,  ZHorabr.  —  4.  ein-,  ab-,  ertragen  L. 
Wenn  's  [z.  B.  ein  Amt]  Öppis  tat  u.,  so  hätt  ich  's 
nid.  —  5.  mit  Acc.  F.,  Jmd  verlachen,  verspotten, 
bekritteln  GrA.,  L.;  Syn.  us-füeren.  —  In  Bed.  1,  3  b 
und   4   vgl.   das  syn.   «»  (ustV-haben  Sp.   907. 

ver-:  1.  zurück-,  aufhalten.  ,Ich  hab  disen  hotten 
V.  bis  uf  den  frytag.'  1475,  Bs  Chr.  ,Die  unsern 
[Streiter]  syent  durch  dich  v.  in  der  gestalt,  dass  du 
zu  verstand  geben  habest,  die  houptlüte  haben  dir 
befolhen  sy  ufzehalten,  sust  wären  sy  by  den  ersten 
gewesen.'  1476,  ebd.  ,Das  weinen  kann  ich  nicht  v.' 
FüNKELiN  1552.  ,Soll  das  vech  in  dem  stal  under  dem 
tach  V.  und  nit  heraus  gelassen  werden.'  Tierb.  1563. 
Mit  dem  Verkauf  einer  Waare  zurückhalten,  um  einen 
höhern  Preis  zu  erzielen  BM.;  Syn.  ver-heben  Sp.  908. 
,Der  verfluchte  Schelm  hätte  dem  Andern  angegeben, 
wie  er  es  machen  solle,  um  die  Käse  wohlfeil  zu  er- 
halten. Aber  dem  wolle  sie  es  schon  v. ;  lieber  als 
dass  sie  die  Käse  verkaufen  lasse,  esse  sie  dieselben 
alle  selbst'  Gotth.  ,Die  underköufer  söllent  niemand 
raten,  das  syn  uf  die  [günstigere]  zyt  zue  v.'  1409, 
Bs  Rq.  —  2.  schliossen,  versperren.  ,Sy  band,  den 
pass  zue  V.,  500  mann  geschickt'  1525,  Strickl.  ,Die 
landleut  habend  [dem  Bruder  Klaus]  oft  alle  zugäng 
V.,  zu  besehen,  ob  jm  jemand  heimliche  Speisung 
reichte.'  Stumpf.  —  3.  gefangen  halten.  ,Der  kerker, 
da  Christus  v.  ward.'  Stülz  1519.  —  4.  vorent-,  zu- 
rück-be-halten,  unterschlagen,  entziehen,  ver-hehlen, 
-bergen,  -wehren,  -sagen,  -hindern.  ,Was  dir  nüwer 
mären  kunt  sint,  wollest  uns  zu  dheinen  zyten  v.' 
1476,  Bs  Chr.  ,Der  wir  üch  abschriften  senden  und 
die  nit  v.  wollten.'  ebd.  ,Dass  solichs  merklich  zwyung 
und  vil  args  bringen  wurd,  wo  es  nit  werd  v.'  1501, 
Absch.  ,Sölicher  niai  [Festlichkeit]  järlieh  von  ort  zue 
ort  üssgeschriben  und  durch  deheins  [kein  Ort]  v.  und 
üfgeschoben  werden  solle.'  1504,  ebd.  ,Der  schaff'ner 
ncme  den  zechenden  ganz  yn  und  verhalte  den  kinden 
jren  teil.'  1521,  Absch.  ,Dero  sünd  ir  nachlassen  wer- 
dend, denen  sind  sy  nachgelassen,  und  dero  ir  v.  wer- 
dend, denen  sind  sy  v.'  Zwingli  (nach  Joh.  XX  23; 
dafür  1882:  .behalten').  ,Mag  neisswar  das  wasser  v., 
dass  die  nit  geteuft  werdind?'  ebd.  (nach  Apostelg. 
X  47,  jetzt:  .verwehren';  vgl.  ebd.:  ,Mag  inen  neiss- 
war vor  dem  wasser  syn?').  ,Die  nun  jar,  die  das 
werk  by  dem  Werkmeister  v.  werden  soll.'  ebd.;  = 
,Novemque  illi  anni,  quibus  premi  oportet  opus.'  ,We- 
licher  sich  euch  pfant  ze  geben  widerte  und  mit  g'walt 
verhielte,  der  verbessert  [busst]  5  pfd.'  1534,  Bs  Rq. 
,Will  dir  V.  ganz  khein  wort.'  SBirk  1532.  ,[Der  Ge- 
richtsweibel  soll]  alle  fürbott  [Vorladungen]  fürderlich 
tuen  und  d'heins  länger  dann  ein  nacht  v.'  Z  Gerichtsb. 
1557/1715.  ,Es  wäre  wol  als  guet  söralich  syn  testa- 
ment  v.  und  nit  ussgespreit  worden.'  HBdll.  1571. 
,Alsdann  so  soll  der  Schuldner  dem,  der  pfand  begert, 
das  hus  und  den  plunder  unverschlossen  lassen  und 
jme  da  nützet  v.'  1572,  Schw  Rq.  ,Alle  Artisten  haben 
dieses  Oel  v.  und  undergeschlagen  als  ein  heimlich 
Stuck  der  Natur.'  JRLandenb.  1608.  ,Gebet  Bericht 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


und  Kundschaft  und  verhaltet  Nichts.'  Kriegs».  1644 
,Ich  habe  euch  den  Regen,  als  noch  3  Monat  zu  der 
Ernd  waren,  v.'  1707/1882,  Amos.  ,Wir  lassen  un- 
verhalten, dass  wir  haben  vernehmen  müssen,  wie 
dass  . . .'  1778,  Z  Ges.  Spec.  mit  Bez.  auf  Pfandschafts- 
verhältnisse Bs  (Spreng).  , Diejenigen,  so  die  erstem 
Versatzungen  betrieglich  verschweigen  und  also  v. 
täten.'  1719,  Bs  Rq.  ,Wie  viel  Jeder  an  dem  Falliten 
verloren  und  ob  Verhaltungen  darbei  underlofi'en.' 
1757,  ebd.  , Wollte  aber  Einer  die  Überbesserung 
seiner  bereits  verpfändeten  Güteren  einem  Anderen 
einsetzen,  so  soll  die  ältere  Versatzung  ausdrücklich 
vorbehalten  werden,  sonsten  der  Schuldner  als  ein 
Verhalter  wurde  angesehen  werden.'  ebd.  —  5.  be- 
haupten. ,üass  sy  die  feste  nit  lenger  v.  mögend  gegen 
solicher  grossen  macht.'  1475,  Bs  Chr.  —  ti.  Wechsel- 
form zu  erhalten  i.  S.  v.  unterhalten  Ar;  Bs;  Th;  Z. 
,Sie  wird  uns  nicht  müssen  v.,  wenn  wir  Nüt  haben.' 
1851,  Stutz.  ,Der  Stillstand  [die  Armenpflege]  kann 
das  Kind  haben,  ich  mag's  [kann  es]  nicht  v.'  ebd. 
—  7.  , Einen  zu  Etwas  v.',  ihn  dazu  anhalten,  ver- 
pflichten. Kanzleispr.,  schon  1570,  Haoenb.,  Sigr.  — 
8.  intr.  a)  =  ver-heben  2  a  (Sp.  909)  AaZ.  1815.  — 
b)  nicht  vorrücken,  bleiben.  ,Man  verhielt  also  mit 
den  lüten  [dem  Kriegsvolk].'  GWyl  Copialb.  ,Am 
samstag  verhielt  man  also,  dass  man  nüts  vernam.' 
ebd.  —  9.  refl.  a)  stocken,  ausbleiben.  ,Den  wybern, 
so  sy  schwanger  sind,  ir  natürliche  reinigung  gestät 
und  sich  verhalt.'  Ruep  15.54.  —  b)  sich  im  Zaum 
halten,  bezwingen;  sich  enthalten.  ,Wo  sy  aber  sich 
nit  verhaltend  [der  Fleischeslust],  so  beziehind  [sy] 
die  e!'  Zwingli.  Seres,  voll  banger  Ahnung:  ,Nit 
mer  ich  mich  v.  mag,  es  ist  mir  ung'won  und  gar 
schwer.'  JMurer  1567.  ,Wann  sich  dein  Lugnerzung 
nur  auch  v.  hett  [wenn  du  nur  auch  geschwiegen 
hättest].'  Wahrs.  1675.  —  c)  sich  aufführen,  betragen. 
,Hand  [die  Soldaten]  sich  also  schlecht  v.,  da  man 
doch  all  Tag  für  sie  gebetten,  wie  wurdend  sie  sich 
erst  g'halten  haben,  wann  man  gar  nie  für  sie  ge- 
bettet hette!'    Schimpfr.  1651.   —   Mhd.  ebenso  i.  S.  v. 

1,  2,  4,  S  b.    Letztere  Anwendung  hat  sich  aus  1  entwickelt. 

vor-:  1.  =  ver-h.  2.  ,Die  reisknecht,  so  inen  die 
pass  vor  band  gehalten.'  1521,  Strickl.  ,Dise  gespenst 
haltend  etwann  den  wandlenden  die  Strassen  vor,  füe- 
rend   sy   ab   dem  rechten  weg.'   LLäv.  1569/1670.  — 

2.  =  ver-h.  4.  ,Die  bischof,  [die]  das  Evangelium  dem 
gemeinen  mann  understondvorzehalten.'  Zwingli.  ,We- 
licher  sich  aber  vermäss,  [eines  Andern]  hofstatt  innert 
jarsfrist  ze  behusen  und  die  einem  anderen  vorhielt' 
1538,  ZReg.  Herrsehaftsr.  , [Maximilian]  nam  Gent, 
die  jm  synen  sun  vorhielt  [dessen  Herausgabe  ver- 
weigerte].' Ansh.  ,Gebürliche  begräbniss  v.'  ebd.  ,I)ie 
Denselbigen  das  Ihre  vorhaltend.'  RCys.  —  3.  Wider- 
stand leisten,  Stand  halten.  ,Wir  wollent  uns  ritter- 
lichen erweren  und  v.'  1499,  S  Wochenbl.  —  4.  vor- 
ziehen, höher  achten.  ,Die  älteren  band  nach  Christus 
lehr  dem  fyrtag  die  liebi  gemeiner  not  vorgehalten.' 
Ansh.  (mit  Bezug  darauf,  dass  in  der  Charwoche  in 
Bern  die  Wahlen  in  das  Regiment  vorgenommen  wur- 
den). -  Mhd.  ebenso  in  Bed.  1  und  2.  Bed.  4  eig.  blosse 
Zsriickung;  vgl.  vor  //  »  Bd   I  928. 

für-:  1.  (Einem  Etw.)  darlegen,  mündlich  vor- 
tragen. .Wiewol  dise  fürhaltungen  und  ermanungen 
fast  stark   waren.'  Ansh.     ,üie   band   beggrt   für   ein 


1235 


Halt,  helt,  hilt,  holt,  liult 


g'meinil  ze  W.  und  iiino  etwas  iur[zu]-h.'  1540/73, 
UMey.  Wthur  Chr.  —  2.  vorwerfen,  verweisen.  ,Ich 
huelt  inen  für  ir  gottlos  herz.'  ThPlatt.  1572.  — 
3.  (Jmd)  schützen,  verteidigen,  schonen.  ,Dass  er 
stragx  und  an  f.  gestraft  werden  soll.'  Edlib.  ,Nie- 
mands  schonen  noch  f.'  XVI.,  ZBerg  Offn.  ,Wo  aber 
sich  der  g'walt  zueg'sellt  den  bösen  und  denen  für- 
helt'  UEcKST.  ,[Der  Weibel  soll]  ein  unpartyescher 
knecht  syn,  niemands  f.,  sondern  einem  als  dem  andern 
tuen.'  1535,  ZElgg  Herrschaftsr.  ,Defensor  neeis,  der 
eini  fürhaltet  und  scheidet,  dass  er  nit  getödt  werde.' 
Fris.  ,Die  andern  hieltend  jm  für  und  vermeintend, 
man  könnde  jn  mit  keinen  fuegen  strafen.'  HBüll. 
1572.  —  4.  aufbehalten,  übrig  lassen.  ,Wir  wend  uf 
den  nachgenden  tag,  was  übrig  ist,  lustig  f.'  Eüef  1540. 

g(e)-,  bzw.  k/alte*  (in  BsLd  k/olte"),  Ptc.  (/halte" 
neben  glidlted  Ndw:  1.  Etw.  in  ein  Behältniss  legen, 
au  seinem  gehörigen  Ort,  Versteck  auflieben,  im  Stand 
erhalten,  eig.  und  bildl.  allg.  ,Condere,  abscondere.' 
Id.  B.  I"  Bieter,  Sack,  Chaste'  g'h.  G'halt-mer  das 
Chrömli,  hebe  es  mir  für  später  auf.  Guet  g'h.  ist 
am  Beste'  tröstete  sich  ein  Dieb,  der  die  gestohlenen 
Gegenstände  so  gut  verwahrt  hatte,  dass  er  sie  selber 
nicht  mehr  fand  L  (Ineichen).  Kurz  bevor  BMerligen 
verschüttet  wurde,  habe  ein  Zwerglein  den  Holz- 
hackern zugerufen:  Tuet  Schlegel  und  Wegge"  z' g'h., 
die  spitzi  Fltieh  isch  g'spalte".  ,Als  er  Uli  das  Gold 
übergab,  sagte  ihm  dieser:  Meister,  behalte  du  es  [für 
dich]  und  kalte  es.'  Gotth.  (Vgl.  u.  z.  J.  1619.)  Guet 
Öpfel  lönd-si"''  lang  (usa)  g'h.,  bleiben  bis  ins  Früh- 
jahr hinein  frisch  ÄP;  Z.  Nohn-g'h.,  (für  später)  auf- 
bewahren Ap.  's  Sterbe'  kalt-mr'  [schiebt  man  auf] 
bis  z'letzt  Ap.  Aso  e  pär  Chriesi  ka'"  Jedif  sehn" 
noch  g'h.,  und  doch  —  i"'  hi'  zum  Zäpfli  voll  GrHb. 
(Schwzd.),  d.  h.  für  einige  Kirschen  ist  noch  Platz 
im  Magen;  vgl.  versorgen.  Mit  Ironie:  War 's  [bei 
den  alten  Schwyzern]  es  G'hock  g'si"  [wären  sie  müssig 
gewesen] ,  so  wärid  d'  Schwyz  und  d'  G'schicht,  die 
schwyzerisch,  g'halte"  [nicht  zum  Vorschein  gekommen] 
ScHW  (Bruhin).  Bald  g'halte'  (iron.)  ist  ein  Vorteil, 
welcher  weit  hinter  der  Erwartung  zurückgeblieben 
ist  Z;  Syn.  am>^%"  chllnen  Örtli.  ,Swer  [einem  flüch- 
tigen Schuldner]  ratet  ald  in  ir  dinges  icht  gehaltet 
[Activen  verheimlicht  und  aufbewahrt].'  1348,  Z  Kats- 
erkenntn.  , Barschaft  hinder  sich  nemen  ze  gehaltende.' 
c.  1400,  Bs  Rq.  ,Wenn  jm  [dem  Wirt]  einer  um  zer- 
gelt pfand  gibt,  die  soll  der  wirt  kalten.'  1472,  Gfd. 
,Was  uf  diser  strass  gefunden  wurde,  soll  in  das 
Gottshus  g'h.  werden.'  1479,  AiWett.  Klosterarch. 
,Iren  g'wünn  hattend  s'  bald  g'h.  [da  sie  nämlich  hin- 
gerichtet wurden].'  Salat.  ,Es  bestuend  der  hass  und 
ufsatz  [trotz  des  Friedens  zwischen  den  beiden  Par- 
teien] für  und  für,  dass  sy  anander  wenig  ze  g.  gabend 
[sich  gegenseitig  wenig  Gutes  taten].'  Vad.  ,Da  holz 
und  feld  so  vil  hat  treit,  das»  wir  's  nit  mögent  g. 
wol,  all  hütten,  ja,  all  g'halt  sind  voll.'  HvEüte  1546. 
,Bis  man  geseiet  [nach  der  Aussaat  im  Herbst]  und 
die  eggen  aufg'henkt  und  g'halt.'  XVI.,  Z  Eq.  ,Acina 
rugosa,  gerümpfte  Weinbeere,  gleich  wie  die,  die  man 
für  die  fasten  gehaltet.'  Fris.  ;  Mal.  ;  s.  noch  Gr.  WB. 
Sp.  2318  und  Gutter.  ,G'haltend  's  und  versorgend  's 
wol.'  EScHMiD  1579.  ,ürei  döblet  Stuck  [Geld]  mir 
[für  uns]  b'halten  wend,  dem  Würt  dieselben  z'  kalten 
geben.'   GGotth.  1619  (iron.  =  dieselben   bei  ihm  in 


,Wein'  anlegen,  vertrinken).  ,Custodienti  recte  uil 
disperit,  g'halt  wol,  so  flndst  wol,  vel:  wol  g.  macht 
wol  b'halten.'  B  Sylloge  1676.     S.  auch  u.  Pfenning. 

—  2.  =  äf-enl-h.  3.  ,Der  den  [Totschläger]  gehaltet, 
der  ist  schuldig  der  stadt  10  Mark.'  1304,  Z  RBr. 
,Der  gehielt  diebe,  wannen  sy  kämen.'  Schachzabklb. 
,Frömd  oder  arm  lüt  magst  du  wol  kalten,  aber  die 
verrüeften  nit.'  1529,  Eqli,  Act.  S.  noch  hofen  Sp.  1038. 

—  3.  Jmd  gefangen  setzen,  halten.  ,Ist  die  wund  sorg- 
sam [gefährlich],  so  soll  man  jn  gehalten,  der  den 
schaden  hat  getan.'  1297,  Kind,  Urk.  ,Nun  komm, 
ich  will  dich  fast  wol  g.'  XVI.,  L  Ostersp.  —  4.  be- 
erdigen BG.  (It  Zyro,  wohl  nur  euphem.).  —  5.  refl., 
sich  bergen  F.  —  6.  erfassen,  begreifen  Ap.  Nebes 
nüd  g.  chönna;  Syn.  Etw.  nienen  hin  tuen  können.  — 
Gehalter  II:  Bewahrer,  in  den  Zss.  Gülte°-:  Vor- 
mund, der  nur  die  Wertschriften  des  Mündels  ver- 
wahren soll  Ndw.  , Kämmerer  [Kassier]  und  G.  des 
Vw-er  Kapitels   war   1435  N.  N.'    Obw  Volksfr.  1881. 

—  Sehr  in-:  Kassen  Verwalter,  Ubers.  des  lat.  scri- 
niarius.  XIV.,  Z  Urk.  S.  noch  Gehalt.  —  G«halti»g  f. 
=  Gehalt  1,  spec.  Kasten;  Fach,  Behältniss  Gl;  Scnw. 

—  Chore"-:  Fruchtboden  über  der  Tenne  GLBilten ; 
Syn.  (Tenn-JBeiti.   —   Mhd.  (jeliaUai  in  Bed.   1-3. 

band- :  1.  =  h.-hahen  1  c  Sp.  914.  ,Sie  dabei  hand- 
zuhalten und  zu  schirmen.'  ECys.  —  2.  =  h.-hahen  2  a. 
,Wo  die  bildnuss  von  einer  oberkeit  ufgericht't  und 
handghalten  werdind.'  Zwingli. 

hinder-:  1.  zurück-,  ab-,  auf-,  fern-halten,  hin- 
dern, hemmen.  Si  stecket  so  volla  Hexerl,  dass  d'r 
Sata"  nid  Alls  in-era  h.  cha"'  GRPr°  (Schwzd.).  [Etw. 
Nahrung],  um  d' Blödana  z'h.  ebd.  [Waldmann  wäre 
seinem  bedrohten  Diener  zu  Hülfe  geeilt]  ,wo  er  nit 
von  Eidgnosseu  wäre  abgewist  und  g'waltig  h.  [wor- 
den].' Ansh.  ,[Der  Ochs]  soll  von  allem  trank  h. 
werden.'  Tierb.  1563.  ,Dass  diss  G'sind  an  den  Brug- 
gen,  Fahren  und  Pässen  h.  werde.'  Z  Bettlerordn. 
1630/34.  ,H.,  abhalten,  verhindern,  verschweigen.' 
HospiN.  1683.  ,Gott  hinderhalte  dir  den  Zaum,  dass 
du  die  Lästerung  nicht  ausspeuen  kannst.'  AKlingl. 
1691.  ,Die  rauhen  Biswinde,  welche  alle  Früchte  und 
das  Gras  selbs  hinderhielten.'  JJScheucbz.  1708.  , Bös- 
willige Tröler  nach  Inhalt  der  Ordnung  [in  ihrem 
Tun]  h.'  B  Processordn.  1725.  ,In  einer  hintergehal- 
tenen [als  Mscr.  zurückgehaltenen,  nicht  publicierten] 
Dankpredigt.'  Einggli  1736.  ,Die  vermischten  Häge 
erfordern  sehr  viele  Arbeit,  um  sie  in  ihrem  Wachs- 
tum zu  h.'  Z  Anl.  1764.  —  2.  vorenthalten,  unter- 
schlagen. Ken  Rappe"  h.,  von  anvertrautem  Gute  Z. 
,So  hinderhielten  nicht  nur  die  Eeichern  den  Ärmern 
das  Lernen,  sondern  auch  die  Eeichern  konnten  nicht 
dazu  kommen.'  Gotth.  ,Kein  Pfennigs  Wert  wend 
mir  dem  Alten  entziehen  oder  h.  [von  dem  Weggenom- 
menen].' GGotth.  1619.  —  3.  refl.  a)  fern  bleiben. 
,Dass  sich  niemants  [vom  Gottesdienst]  mit  einicherlei 
gefärden  uszeziehen  oder  zue  h.  understande.'  Z  Mand. 
1580.  —  b)  sich  enthalten.  ,Da  hab  ich  mich  einmal 
nicht  mehr  h.  können;  es  war,  wie  wenn  es  mir  Jmd 
zum  Maul  hinausgerissen,  dass  ich  sagen  müsste  . . .' 
HPest.  1785.  ,Ich  hinterhielt  mich  nicht  zu  weinen.' 
LMeister  1789.  —  hinder-haltig:  zurückhaltend, 
zögernd,  z.B.  beim  Bezahlen  aScHW;  Syn.  h.-häbig, 
-stellig.  Verschlossen,  versteckt:  »Dadurch  werden  die 
Kinder  treu,  aufrichtig,  nicht  h.'    LKInderbitzi  1826. 


1237 


Halt,  helt,  liilt,  holt,  luilt 


123 


har-:  her-,  aus-halten  Z.  II.  müese;  z.B.  in 
einer  schwierigen  Sache  ZU.  /■'''  han  die  längst  ZU 
mit-em  Dampfschiff  harg'haUe',  vermochte,  am  Lande 
neben  ihm  her  eilend,  mit  ihm  Schritt  zu  halten  ZS. 

Quantität  des  a  in  dieser  Zss.  schwankend;  die  Bewahrung 
der   alten  Kürze   durch  Anlehnung   an   ,harreu'   unterstützt. 

h  ü  s  - :  =  Häs  hän  Sp.  880.  H.  hed  e  tvUs  Mid, 
erfordert  viel  B;  L;  vgl.  Gotth.  11  353.  S.  Kast(en)- 
Vogt  Bd  I  706.  Bildl.  i.  S.  v.  verfahren.  ,Sie  haben 
vernommen,  wie  die  Spanier  mit  den  armen  Leuten  h. 
und  sie  ausplündern.'  1545,  Absch.  —  Hus-Halter: 

1.  Haushälter.  , Fürgesetzte  geistliche  Häupter,  als 
Vätter    und    Haushalter,    nämlich    Äbten.'    ECys.  — 

2.  als  Dim.,  Lichthalter  Bs  (Spreng).  Syn.  Hiiserli, 
Profit(er)li,  Sparerli.  —  hus-hälterle°:  Abi.  vom 
Vor.  i.  S.  eines  Dim.  von  hus-haUen  Bs.  ,Er  hatte 
schon  in  seiner  Kindheit  gerne  Haushälteriis  mit  dem 
1.  Vreneli  gespielt.'  Breitenst.  —  Hus-Halti''g  (in 
Z  auch  HusaUig)  f.:  1.  Haushalt(ung),  concr.  u.  abstr. 
,Wie  soll  ich  jetzt,  wo  bald  Nichts  mehr  mit  mir  ist, 
die  schwere  H.  machen  [die  Hausgeschäfte  besorgen]'?' 
Gotth.  , Sobald  er  sich  in  die  h.  und  eignen  rauch 
hat  und  begibt.'  1596,  ZWthur.  S.  noch  vier  Bd  I  922. 

—  2.  bis  zur  Mediationszeit  Name  des,  mit  der  Ver- 
waltung des  Staatsvermögens  betrauten  Finanzrates, 
bestehend  aus  den  4  .Häuptern',  den  ,Drcier-Herren', 
dem  Stadt-  und  Bat-Schreiber  und  3  Grossräten  Bs. 
S.  noch  Hushaltungs-Herr.  —  3.  in  abstr.  S.  zur  Be- 
zeichnung grosser  Menge  Ap.  E  gansi  H.  Zeichni'ge" ; 
vgl. :   Under  dem  Schirm  het  ja  e  ganzi  II.  Platz. 

Die  Uuterdrücliung  des  h  wie  in  Hiis-(H)cr,  Ilumh- 
(U)odcn.   Gu,jd-(H)uji/-  u.   A. 

nach-,  nächhin-:  1.  mit  Dat.  F.,  Einem  nach- 
gehen, nachstellen;  einzuholen  trachten  Ndw;  Syn. 
näch(Tiin)-hfm.  ,Dise  tierle  habend  ein  sonderen  auf- 
satz  auf  die  beyen  [Bienen],  welchen  sy  nachhaltend 
bei  dem  einflug.'  Tiere.  1563.  ,Die  storken  haltend 
disen  tierlinen  nach  zue  irer  speis  und  narung.'  ebd. 
,Eim  mit  blossem  schwert  n.,  insequi  alqm  stricto 
gladio.'  Mal.  ,Der  tüfel  haltet  denen  nach,  die  jm 
entrönnen  wollend.'  LLav.  1569.  —  2.  mit  Bez.  auf 
nachhaltige  Wirkung.  Die  Chranket  haltet -mer  nä, 
ich  spüre  ihre  Nachwehen  noch  Ndw;  Syn.  nach-gän. 

—  3.  das  Gcdächtniss  eines  Toten  in  Ehren  halten, 
bes.  durch  Totenmessen  AAFri. 

nider-:  \.  ^  n.-hehcn  3  Sp.  916.  —  2.  sich  ein- 
schränken ;  vgl.  n.-heben  5  und  sich  tüpen.  ,Je  weniger 
Gäste  [in  die  Wirtschaft]  kamen,  desto  besser  musste 
man  n.,  um  nicht  ei's  Tags  d'  Bei  ob  si'''  z'  chere*. 
Gotth. 

be-:  1.  wie  nhd.  Gl;  Z;  in  diesem  S.  dem  sonst 
begriffsvwdten  ge-h.  bisweilen  gegenüber  gestellt;  s.  d. 
Hast  mi'''  [zum  Manne,  zur  Frau]  g'no,  so  miiest 
mi'''  b.  (und)  wurd  's  rfj»'  's  Hers  im  Lib  verspalte" 
ZO.  Von  Speisen,  Urin;  vgl.  Sp.  917.  .Wer  den  harn 
nit  b.  mag  und  jm  oft  on  synen  willen  engat.'  Zg 
Arzncib.  1588;  daneben:  ,Leg  das  krut  üf  über  die 
lende,  das  behaltet  den  harn.'  ebd.  ,Wer  nit  wol 
töuwen  mag  und  ein  niagen  [hat],  der  nit  wol  b.  mag.' 
ebd.  ,Bricht  er  das  von  jm,  so  stirbt  der  verwundt, 
behalt  er  das,  so  kommt  er  wider  und  g'niset  der 
wunden.'  ebd.  Im  Gedäehtniss  behalten  G;  W;  Z; 
vgl.  behaltsam.  Geheim  halten,  nicht  ausschwatzen  Z. 
jWenn  das  wettest  by  dir  b.  und  niemand  sägen  nüt 


darvon.'  Aal  1549.  ,Ich  dacht  in  mynem  herzen:  Du 
bist  ein  tod  mann;  sömlichs  aber  mir  selbs  b.'  1549, 
UMey.  Chr.  ,B.,  hindersich  gehalten  und  verschwei- 
gen, retinere.  Etwas  jm  selbs  b.  und  sich  nit  lassen 
merken,  obscure  ferre  alqd.'  Mal.  —  2.  =  ge-h.  1  G; 
ScHw;  Zg;  Z.  G'schirr  vor-em  B'h.  abtröchne'  Z. 
Von  einem  Unkeuschen  sagt  man :  Dem  möcht-i'*  Keini 
z'  b.  ge'  Z.  Beim  Rechnen  die  Zahl  der  höhern  Ein- 
heit einstweilen  aufsparen,  während  man  die  der  nied- 
rigeren anschreibt.  Schulspr.  ,Gab  es  über  10,  so 
sagte  der  Schulmeister:  da  behaltet  man  Eins;  stieg 
sie  auf  20,  so  sagte  er:  hier  behaltet  man  2.  Weiter 
liess  er  sich  nicht  ein,  nur  dass  man  zuletzt  Nichts  b. 
dürfe,  sopdern  Alles  hinsetzen  müsse.  Beim  Multi- 
plicieren  happerte  es;  freilich  kam  auch  das  B.  vor.' 
Gotth.  ,Das  gemach,  dass  sy  ir  mulken  b.  suln  in 
dem  huse.'  1338,  Gfd.  ,Es  sind  die  brief  b.  in  der 
kisten.'  XIV.,  GScherer.  .Verbergend  's  g'sang  und 
b'haltend  d'  geigen ! '  Z  Laz.  ,Die  alle  fuer  [Nahrung] 
vergoumt,  beschlüsst  und  behalt'  Eüep  1554.  .Was 
dann  die  bettler  uch  vorgen  wend,  dasselbig  gar  bald 
ir  b.  hend.'  JMurer  1559  (sprw.;  vgl.  den  Beleg  aus 
Salat  bei  .gehalten').  ,B.,  stark  und  steif  b..  vcrwaren. 
erübergen,  versorgen,  nebend  sich  legen,  continere, 
custodire,  cohibere.  conservare,  seponere  et  conderc.' 
Mal.  ,Die  Kelch  und  Anders  hatten  die  Priester  b., 
sonst  war  's  auch  verstolen  worden.'  ECts.  ,Dcn 
weissen  und  roten  Wein  abgesondert  b.  und  nicht 
unter  einander  mischen.'  1653,  Ap  Jahrb.  In  (gutem) 
Stand  erhalten:  .Damit  der  Wyn  mag  b.  werden  und 
die  Fuor  erlyden.'  RGts.  .Wermutwein  mag  man  lang 
b.,  dass  er  nicht  bricht.'  JRLandenb.  1608.  —  3.  er- 
halten, bewahren  (vor. . .),  schützen,  schirmen,  (einen 
Besitz,  ein  Recht)  behaupten.  Der  Glaube  b'halt(et) 
d'  Litt,  hält  aufrecht,  macht  selig  B;  F;  L;  S;  Uw, 
etwa  mit  dem  scherzh.  Zusatz:  Und  's  Umchere"  d' 
Fuerlüt  und  der  Speck  d'  Bäebe'  B;  F.  Geld  b'halt 
's  Feld  [bleibt  Meister].  Sulger.  ,Wir  haben  ge- 
schworen, dem  gottshuse  syn  recht  zue  b.'  1476,  Bs 
Chr.  .Die  Gott  der  allmächtig  allzyt  behalt.'  ebd. 
,0b  yemann  in  unserm  land  absturbi.  da  soll  yedem 
syn  lybding  b.  syn.  als  landsrecht  ist.'  1512/44,  Schw 
LB.  .Wir  haben  b.  unser  Vaterland.'  NMan.  ,Wo  du 
sölichs  tuest,  wirst  du  dich  selbs  b.'  1531,  I.Tim.; 
dafür  1548/1882:  .selig  machen.'  Die  gefallenen  Engel 
klagen:  .Dass  [Gott]  verdammt  all  unser  g'schlecht 
und  mögend  nummen  b.  werden.'  Rüef  1550.  ,B..  be- 
hüetcn,  servare.  B.  sein  von  wegen  des  abfalls.  de- 
fectione  attineri,  sustineri,  contineri.  conservari.  Bei 
dem  leben  b.,  vom  tod  erretten,  leto  alqm  adimere.' 
Mal.  ,lch  will  allein  euch  [Götter]  lassen  walten,  ich 
hoif,  ihr  werdent  mich  b.'  Com.  Beati.  .[Arznei  als  Prä- 
servativmittel] die  Einen  behalt,  dass  ihn  der  Presten 
[die  Pest]  nit  anstosst.'  JJBreit.  1629.  .B'haltswys' 
=  als  Depositum  (oder  Bürgschaft)  anvertraut:  .Be- 
treffende 25  Ducaten.  die  ime  N.  N.  b.  hinderlegt.' 
16Ö8.  ZWthur  Ratsprot.  —  4.  gewinnen  (einen  Sieg. 
Process),  einen  Kampf  siegreich  bestehen;  Etw.  aus- 
halten ;  vgl.  ent-h.  .Dieselben  stürm  [auf  eine  Stadt] 
die  tütschen  all  behieltend.'  Edlib.  ,Von  der  victoryen. 
gegen  den  fyenden  b.'  1474.  Bs  Chr.  .Wem  der  zirkel 
[Kreis  auf  der  Scheibe]  den  bolz  berüert.  der  behalt 
einen  nahen  [gewinnt  einen  Treffer].'  1504,  Z  Schiessen. 
,Ein  Leinwandtuch  oder  -Stuck,  das  die  Schau  behalt 
[durch    die   Prüfung  als   vorschriftsgemäss    erfunden 


Halt,  helt,  hilt,  holt,  hult 


1240 


wird].'  1544,  Absch.  — .  5.  bewähren,  durch  Grunde 
erhärten.  ,Die  [angefochtenen  Artikel]  sind  [in  der 
Disputation]  durch  Zwingli  und  Leo  Jud  beschirmet 
und  b.'  1523,  Z  Disp.;  Mgl.  erhalten  2  a.  —  6.  (durch 
einen  Eid)  erhärten,  bekräftigen,  versichern.  ,Das 
[was]  ich  behalt  und  b.  hab  by  mynem  Ijblichen, 
geschwornen  eid.'  1523,  Absch.  ,Mit  einem  Eid  oder 
bei  Treu  und  Glauben  an  Eids  Statt  b.'  1637,  Tis  Chr. 
Syn.  erhalten.  —  7.  vorbehalten.  , [Diesen  Streitpunkt] 
habent  wir  [Schiedsrichter]  uns  selber  b.  [also  nicht 
zum  Austrag  gebracht].'  1419,  G  Schiedsspr.  ,Dass 
[in  einem  allfälligen  Verkauf]  der  statt  b.  syn  soll 
das,    so    inen    der   burgrechtbrief   zuegit.'    Edlib.   — 

8.  fest-,  zuruck-halten,  z.  B.  einen  Ochsen  B  (It  Schwz. 
Bauernkai.  1883).  D'  Schnorre"  h.,  das  Maul  halten 
ZSth.    ,Mit  der  band  begryfen  und  b.'  Eüef  1554.  — 

9.  beobachten,  einhalten,  ein  Gebot,  ein  Versprechen. 
,Ich  loben,  es  [ein  Versprechen]  ze  behaltenne  mit 
guoten  triwen.'  1301,  Z  Urk.  ,Sü  sullen  dieselben  ge- 
setzeden  b.,  swa  es  ze  schulden  kommt.'  Z  RBr.  1804. 
,Alle  rechte  der  statt  getrülich  ze  b.,  omnia  jura  ob- 
servare.'  XIV.,  BThun  Handfeste.  —  10.  auffassen, 
begreifen  W;  Syn.  ge-halten.  —  11.  enthalten,  fassen. 
Ein  Rätsel  über  einen  Kessel  lautet:  i's  ist  Loch  uf 
Loch  und  bhält  Milch  und  Wasser  W.  ,In  jm  sind 
alle  schetz  des  wüssens  und  der  wysheit  b.'  Zwingli. 

—  12.  intr.,  Stand  halten,  im  Streite;  vgl.  4.  ,Die  von 
Nüsse  haben  b.  und  [dem  Herzog]  ob  '2000  erschlagen.' 
1474,  Bs  Chr.  ,Die  von  Murten  band  [bei  der  Be- 
lagerung] erlich  b.'  1476,  ebd.  —  13.  refl.  a)  im  glei- 
chen Stand  erhalten  bleiben  BO.  D'  Öpfel  b'halte" 
si""  hür  nid  lang  B  (Zyro).  Die  Kühe  b'halte"  si''; 
wenn  ihr  Milchertrag  weder  ab-  noch  zunimmt  BSi. 

—  b)  sich  hüten,  bewahren.  ,Lapsantem  firmare  gres- 
sum,  sich  b.,  dass  einer  nit  gar  falle.'  Fris.  —  c)  sich 
wahren  (vor...),  erwehren,  enthalten.  .Sytmal  wir 
leider  erfaren  band,  dass  wir  uns  nit  b.  mögend  [der 
Fleischeslust].'  Zwingli  (im  Wechsel  mit  ,sich  ver- 
halten').  —  Mhd.  ebenso. 

Behaltens  B'hultis  m.:  was  man  für  sich  behält, 
aufbewahrt  oder  zu  diesem  Zwecke  Jmd  als  Geschenk 
mitgibt,  spec.  was  man  an  einem  Festmahle  (Taufe, 
Hochzeit,  Zunftessen)  von  den  Resten  desselben  an 
Esswaaren  und  Naschwerk  mit  nach  Hause  nehmen 
durfte  Bs;  Z.  In  Bs  legte  der  Wirt  den  Gästen  das 
Backwerk  oder  Geflügel  auf  den  Teller,  den  sie  dann 
in  eine  Serviette  banden  und  nach  Hause  nahmen;  in 
Z  musste  an  den  Zunftessen  (bes.  am  Sechseläuten) 
der  Stubenwirt  jedem  Teilnehmer  3  Bogen  Papier  zur 
Verpackung  von  Confect  unter  den  Teller  legen,  oder 
der  Zünfter  brachte  in  der  Tasche  eine  Blechbüchse 
oder  einen  Papiersack  mit.  Darum  sagte  ein  Zünfter 
nach  der  Mahlzeit:  ,Was  nit  in  Bauch  mag,  das  mag 
in  Sack'  Z.  In  übertr.  S.,  ähnlich  wie  ,Kram,  Zeug', 
geringschätzig  von  allerlei  buntem  Kleingerät.  Me' 
darf  der  LedersacJ:  nur  nit  z'  underobsi'''  lere",  suttst 
Vit  der  ganz  B.  [Inhalt  von  allerlei  Malergeräten]  am 
Bode".  ScHwzD.  Das  ist  e  schöne  B.,  eine  schöne  Ge- 
schichte, ,nette  Bescherung',  wenn  man  z.  B.  eine  un- 
angenehme Entdeckung  macht  Bs. 

Ähnliche  Sitten  früher  auch  anderwärts,  so  in  Bremen, 
Hannover;  vgl.  auch  Birl.  1862,  S.  368.  377;  1874,  II  255. 
298.  Im  Th  galt  die  Sitte  an  Hochzeiten.  Vgl.:  ,Kommen  wir 
an  ein  gut  Mahl,  meinen  wir,  wir  müssen  den  Unsrigen  Etwas 
heimbringen  zum  Kram.'   FWyss  1672.    S.  auch  (Vei-)Ering. 


Behalt  er  II  m. :  1.  Behälter;  s.  Behalt.  — 
2.  Schützer,  Schirmer.  ,Gott,  ein  erlöser  und  b.' 
Zwingli.  ,Der  Herr,  ein  b.  Abrahams.'  1531,  Jes.; 
dafür:  , Erlöser.'  1548.  ,B.,  custos,  servator,  soter, 
conservator.'  Mal.  ,Der  Vater  hatte  das  Recht,  seinen 
Kindern  Vormünder  zu  setzen ;  diese  hatten  verschie- 
dene Benennungen:  Vormunder,  Vögte,  Pfleger,  Sicher- 
boten, B.,  Procuratores,  Advocati,  durch  das  Recht  vor 
dem  Gericht  gegebene  Schirmer  [usw.].'  BThun  Handf. 
1779  (Commentar).  Bes.  häufig  aber  auf  Christus, 
den  , Heiland',  angewendet,  bes.  formelhaft  in  Datums- 
angaben von  Urkunden,  z.  B. :  ,Als  man  zalt  nach  der 
geburt  unsers  b-s  Jesu  Christi  1284.'  Sohw  LB.  ,Dass 
ouch  die  unglöubigen  Juden  nach  dem  Moschiah,  b. 
oder  Christo  schryen  werdind.'  Zwingli. 

ob-be halte":  =  behalten  4.  ,Die  Venediger  band 
den  stryt  obb'halten.'  1540/73,  UMev.,  Chr.  S.  noch 
Hand.  —  üf-:  1.  aufbewahren,  allg.  —  2.  fest-,  ge- 
fangen halten.  1637,  Z;  s.  ab-fertigen  i  c  Bd  I  1008. 

—  a"-:  1.  ein  Kleidungsstück  auf  dem  Leibe  behalten 
Gl;  Z.  —  2.  über  Jmd  in  Kampf  od.  Streitigkeit  vor 
Gericht  einen  Sieg  gewinnen,  seinen  Anspruch  gegen 
Jmd  durchsetzen,  behaupten.  ,[Der  Abt]  hab  erst  bi 
kurzen  jaren  etlichs  im  rechten  [auf  dem  Rechtswege] 
inen  [seinen  Untertanen]  anbehalten.'  1525,  Absch. 
,Unz  gen  Chur  hinuf  hat  kaiser  Cuenrad  mit  gewerter 
band  den  franzosen  a.'  Ansh.  S.  noch  ergeilen  Sp.  211 
und  vgl.  angeu-innen.  —  inn-:  =  inn-,  tn-halten  2, 
z.  B.  das  Vieh  im  Stalle,  den  Lohn  ScnSt;  Z.  — 
USS-:  Ptc,  ausgenommen.  1538,  Gfd. -^  vor-:  1.  vor- 
behalten, ausnehmen;  das  Ptc.  Perf.  bes.  in  reser- 
vierenden Zusätzen  bei  Vergleichungen  zwischen  Men- 
schen und  Tieren  Gl;  Gr;  G.  Ur  hat  's,  nöd  z'sämme'- 
s'rechnid,  Lib  und  Sei  v.,  wie  en  Esil  GBe.  ,Die  Tiere 
sind  auch,  d'  Sei  v.,  Geschöpfe  Gottes,  wie  die  Men- 
schen.' KSteiger  1839.  Üwers  Erenamt  v.  Gl.  ,Speis 
und  Trank  v.',  heisst  es,  wo  vom  Nachttopf  die  Rede 
ist.  Z  Kai.  1803.  —  2.  aufbehalten,  aufsparen.  ,Das 
Erb,  das  uns  im  Himmel  v.  wird.'  ESchwarzenb.  1607. 

—  3.  vorenthalten.  , Ander,  denen  wir  das  iren  ab- 
getrungen  und  bisher  v.  habend.'  RGüalth,  1584.  — 
(ent-)bevor-:  refl.,  sich  Etw.  vorbehalten.  ,Doch  so 
behieltend  sy  inen  das  empfor.'  Kessl.  ;  vgl.  Bd  I  933  o. 
,Es  behalten  beide  Stände  sich  bevor...'  1712,  DHess. 

—  ,bi-:  ein  Mädchen  als  Frau  gebrauchen"  (St.'); 
s.  Bl-Hälterin.  —  Bi- Behalter  m.:  Aufbewahrer. 
ÄgTschudi  wird  vom  Herausg.  der  Thun.  Handf.  1779 
,ein  eifriger  Beibehalter  helvetischer  Urkunden'  ge- 
nannt. 

hindersi<'''-halte°:  \.  =  hinder-h.l.  ,Den  grim- 
men und  gäbe  der  kriegsleuten  dämmen  und  h.  oder 
ableinen,  impetum  militum  continere.'  Mal.  ,Der  teufel 
hätte  Job  gerne  um  leib  und  leben  gebracht,  aber 
Gott  haltet  jn  hindersich.'  LLav.  1582.  ,[Der  rauhe 
Winter]  der  alle  Frucht  und  Gewächs  hindersichhielt.' 
RCts.  ,Unrühige  Leut  sollen  hintersichgehalten  und 
abgewisen  werden.'  Z  Stadtger.  1715.  Mit  Gen. :  Amt- 
leute, auf  welchen  grosser  Verdacht  der  Unholderei 
ruht,  sollen  einstweilen  ,ihres  Amts  hintersichhalten'; 
der  Landvogt  soll  wider  sie  den  Process  aufnehmen; 
ist  der  Verdacht  unbegründet,  so  sind  sie  ihrer  Ämter 
wieder  fähig.  1619,  Absch.  —  2.  (auf)sparen,  aufheben 
für  die  Zukunft.  ,Parcere,  sparen,  h.,  karg  und  kündig 
sein.'  Fris.  (auch :  ,hindersich  gehalten').    ,Sy  sagend, 


1241 


Halt,  helt,  hilt,  liolt,  liult 


1242 


sy  liabiiul  kind  und  kindskind,  denen  müessind  sy 
etwas  h.'  LLav.  1584.  —  dar-:  1.  =  darhaben  1  Ndw. 

—  2.  =  dar-haben  ü  a.  ,Er  hätte  nie  geglaubt,  dass 
das  Geld  so  d.  könne;  gab  wie  man  davon  nehme,  so 
scheine  es  Eini,  es  mindere  nicht  und  man  hätte  immer 
gleich  viel.'  Gotth.  ,[Der  Zeug]  gebe  niclit  warm  und 
halte  nicht  dar.'  ebd.  —  3.  =  dar-haben  5  &  B;  Ndw. 
,Der  Gegenpart  hält  besser  dar;  er  reibt  mich  auf.' 
Gotth.  —  4.  =  darhaben  2  c.  ,Eine  alte  Frau  kam 
mit  dem  Besen;  er  wollte  davon  laufen  und  konnte 
nicht,  und  musste  dem  Besen  d.'  Gotth.  ,Sie  dröwen 
mir  und  meinen  Kinden,  dass,  wo  sie  s'  etwan  tuen 
finden,  da  müssen  wir  ihm  halten  dar  [für  den  an- 
gerichteten Schaden].'  Myricäüs  1630.  ,Die  Seel  musst 
halten  dar.'  XVJI.,  T.,  VL.  —  wider-:  widerstreben. 
,Als  die  gesandten  ire  anzüg  eben  scharf  gegen  den 
Bernern  und  die  Berner  widerhaltung  tatend.'  Salat. 

—  zue-:  es  mit  Einem  halten,  mit  ihm  Gemeinschaft 
pflegen  (in  üblem  S.).  ,Ein  Ehebrecher,  der  seines 
Wybs  nüt  achtete  und  in's  Gegenteil  mit  andern 
Wybsbilderen  zuhielt.'  Schimpfr.  1651.  ,David  nam 
ihm  vor,  mit  Bathseba  zuzuhalten.'  AKlikgl.  1702. 
.Sie  wurd  ehebrüchig  und  hielte  zu  mit  N.  N.'  Mise. 
TiG.  1723.     Vgl.  nhd.  ,Zuhälter(in)'. 

Gast-Halter:  Gastgeber.  ,I)er  G.  oder  Wirt.' 
1Ü38,  Absch.,  im  Wechsel  mit  dem  syn.  ,Gastgeb'.  — 
Holz-     Holzbehälter    Z  uSth.     Syn.  Holz-GehaltCerJ. 

—  Kelch-:  die  2  Mitglieder  der  Behörde,  welche 
bei  der  sogen.  , wandelnden  Kommunion'  am  Abend- 
mahlstische die  Kelche  halten  und  den  herzutretenden 
Kommunikanten  reichen  B.  —  Kost-:    Kostgeber  Z. 

—  Nüt-:  wer  sein  gegebenes  Wort  nie  hält  ZO.;  als 
Fem.  Nüthaltere  bei  Stutz. 

„Bi-Hälterin:  Dirne,  bes.  in  der  Gaunerspr." 
Vgl.  nhd.  .Zuhälter'  und  bl-behalten. 

Pfif-Halter  s.  Fi-FaUer  Bd  I  8'20.  —  Spüeli- 
=  Umlegg-Gatter  (s.  Sp.  497)  Ap. 

Stab-:  =  Stab-Füerer  Bd  I  985;  „Gerichtspräsi- 
dent Sch;  Th;  Z."  ,Der  Titel  Vogt  wurde  im  XVIII. 
durch  St.  und  dieser  im  XIX.  durch  Gemeindeammann 
ersetzt'  AAFri.  Vicepräsident  des  Gemeinderates  Sch. 
Zweites  Mitglied  des  sog.  ,Rossbuben-üerichts'  SchKI. 

—  Stoll-:  Vertreter  einer  Erbschaftslinie  in  einer 
nach  Stämmen  (Stollen),  nicht  nach  Köpfen  verteilten 
Erbschaftsmasse.  ,Im  Fall  der  Verstorbene  keine 
lebende  Geschwisterte  verlasset,  welche  St.,  sondern 
allein  Geschwisterter  Kinder,  so  erben  diese  in  glei- 
chem Grad.'  1784,  Ztschr.  f.  schwz.  E. 

Stunde"-:  Winkelprediger  B;  Syn.  Stündli- 
Pfarrer.   —   Stund,  Pi-ivatversammlung  der  Sectierer. 

Statt-  (in  Ap;  Ndw;  Z  Städ-):  1.  Stellvertreter. 
allg.  Vgl.  St.-Gotten,  -Götti.  Spec.  a)  oberster  Be- 
amter eines  politischen  Bezirks  Z.  Von  einem  Wohl- 
beleibten sagt  man :  Er  ist  afe  Eine'  wie-n-en  St.  Z ; 
Syn.  Land-Vogt,  Gemeinde-Ammann;  vgl.  2.  ,Zu  Er- 
leichterung und  Beförderung  des  Geschäftsgangs  wer- 
den den  Bezirksstatthaltern  auf  der  Landschaft  ein 
bis  zwei  Unter-St.  beigeordnet'  Z  Ges.  1803.  ,Der 
St.  ist  der  Stellvertreter  des  Kegierungsrates  und  ihm 
für  seine  Verrichtungen  verantwortlich.'  Z  Staatsverf. 
1831,  §  74.  —  b)  in  den  Landsgemeindekantonen  und 
in  Aa  Stellvertreter  des  (regierenden)  Landammanns; 
auch  Land(e)s-St.  genannt.  In  ApI.  ist  der  St.  der 
dritthöchste  Beamte  des  Landes;  bei  den  Beratungen 


wird  jedoch  die  erste  Anfrage  an  ihn  gerichtet.  ,Ein 
Lands-St.,  als  beständiger  Stellvertreter  des  Land- 
ammanns und  dem  Range  nach  zweiter  Landesbeamter, 
wurde  erst  seit  1567  von  der  Landsgemeinde  gewählt.' 
Gl  Gem.  1846.  Lt  dem  Gesehwornen  Brief  von  1489 
gehörten  die  4  St.,  d.  h.  die  3  wirklichen  und  der 
abgetretene  Obristzunftmeister ,  zu  den  9  Standes- 
häuptern Zürichs.  Sie  wurden  aus  den  24  Zunft- 
meistern gewählt  und  standen  an  der  Spitze  des  Zunft- 
raeisterkollegiums.  ,Die  Herren  St-en  haben  diesen 
Namen  von  ihrem  Ehrenamt,  dann  wann  kein  Burger- 
meister in  dem  Rat  vorhanden  ist,  so  sitzet  der  vor- 
derste unter  ihnen  an  eines  B-s  Statt,  führet  den 
Stab,  höret  die  Klagten,  gibt  Tag.'  Z  Pfrundenb.  1757. 
In  L  waren  die  St.,  d.  h.  die  beiden  ältesten  Rats- 
glieder der  beiden  Abteilungen  des  Rates,  nach  dem 
Altschultheissen  Stellvertreter  des  Amtsschultheissen. 
Beim  G  Stadtgericht  wurden  im  XVIII.  die  beiden 
ersten  Mitglieder  im  Rang  nach  dem  Vorsitzenden 
(dem  Stadtammann)  St.  genannt.  Die  helv.  Verfassung 
von  1798  kennt  in  jedem  Kanton  einen  Regierungs- 
statthalter mit  vollziehender  Gewalt.  Vgl.  noch  Blu- 
mer, RG.  II  1,  S.  111.  190.  206.  209.  216.  219;  Simler- 
Leu  1722,  S.  470.  549.  552.  584;  vMoos  1775,  S.  230. 
—  c)  Titel  des  Gemeindepräsidenten,  der  eig.  früher 
dem  ersten  Gemeindebeamten  als  dem  Vertreter  des 
Landvogts,  bzw.  Überamtmanns  zukam  BO.f  Stell- 
vertreter des  Untervogts  in  der  Gemeinde.  1646,  Z 
Thalw.  —  d)  Vicepräsident  der  Gemeinde  GrPt.  — 
e)  vormals  Stellvertreter  des  Obmanns  einer  Zunft. 
B  Taschenb.  1878,  69.  In  G  im  XVIII.  das  Mitglied 
der  llgliedrigen  Zunftvorsteherschaften,  welches  im 
Range  nach  dem  stillstehenden  Zunftmeister  folgte. 
G  Neujahrsbl.  1869,  S.  3.  —  f)  zweiter  Beamter  bei  den 
Schützen-  u.  Älplergesellschaften  Ndw.  —  2.  scherzh., 
Name  einer  stattlichen  Ziege  ApI.  —  Amts-:  Stell- 
vertreter des  Oberamtmanns  B.  —  Bundes-:  Stell- 
vertreter des  Bundes-Landammanns  Gr.  —  „statt- 
haltere":  die  Stelle  oder  Verrichtung  eines  Andern, 
z.B.  eines  Taufpaten,  übernehmen  VO."  ~  Die  Form 
mit  erweichtem  Dental  auch   1582,  Obw. 

Tisch-:  Halter  eines  Spieltisches;  1787  neben 
allerlei  Krämern  und  Vagabunden  unter  den  Leuten 
aufgeführt,  welche  die  Harschiere  ausserhalb  die 
Grenzen  des  Kantons  zu  bringen  haben.  Z  Ges. 

haltig,  hältig,  nur  in  Compp.;  s.  auch  hinder- 
halten. 

un-hältig:  1.  sein  gegebenes  Versprechen  nicht 
haltend,  den  Verpflichtungen  nicht  nachkommend. 
,Ein  Vertrag,  darinnen  zu  sehen,  wie  gegen  den  um- 
hältigen  [Schuldnern  und  Zinsleuten]  verfahren  und 
exequiert  werden  solle.'  1650,  Foffa.  —  2.  gewaltig 
GaMaladers.    En  u'-e  Frass  tue'. 

Wenn  Foffa  richtig  gelesen  hat,  so  vgl.  etwa  umy'hdl, 
Vmhoh  für  un-  usw.  Zu  2  vgl.  nhd.  .gehalten',  niassvoU, 
gemessen. 

ge-:  geräumig,  viel  fassend,  z.  B.  e  kältigs  Hüs  Ap. 

minder-haltig:  von  geringer  Art,  minderwertig. 
,Eine  vermummte  Weibsperson,  welche  man  als  ein 
m-es  Geschöpf  erkannte.'    VMey.  1762.     Vgl.  Halt  3. 

„ring-:  geringen  Gehalt  habend."  ,l)ie  neuen, 
geringhaltigen  Schillinge.'  B  Münzmand.  1722. 

schlccht-hältig  =  dem  Vor.  ,Scbl-e  Münzen,' 
Laukp.  1736/9. 


1243 


Halt-hult.     Haltsch-hnltscli.     Hahv-hulv 


1244 


Gehalting  s.  (jehaltcn. 

under-haltli''':  unterhaltend,  gesiiräcliig  Z. 

Enthaltniss  f.:  Erhaltung.  ,Es  stat  uns  an  der 
c.  land  und  liiten.'  1444,  B. 

G  ehaltnuss  f.:  Vorratsraum,  Behälter.  ,Zu  Korn- 
sehüttenen  und  andern  G-en.'  1741,  CTomann. 

Behaltniss  f.:  I.Behälter.  ,Eine  verschrybung, 
die  in  ir  b.  g'leit  und  nit  hinweg  geben  werden  soll.' 
Bs  Chr.  —  2.  Gefangenschaft.  ,[Er  wurde]  daruff  syner 
dreiwöchigen  Behaltnuss,  so  in  dem  Stübli  in  dem 
underen  Spital  heschccheu,  erlassen.'  16ö8,  ZWthur 
Ratsprot.  —  3.  Erhaltung,  Erlösung,  Errettung.  ,Die 
güeter  sind  in  das  kloster  gegeben  um  des  willen  um 
ein  behaltnus  [der  Seele].'  1427,  Foffa.  ,Zu  b.  un- 
sers  fürstenlichen  eigentums.'  1474,  Bs  Chr.  , Spiegel 
menschlicher  Behaltnisse',  Titel  eines  Buches,  als 
Übers,  des  Lat. :  ,Speculum  humansB  salvationis.'  Bs 
1476.  —  4.  Vorbehalt.  G  Hdschr. 

behaltsam:  1.  geräumig,  viel  fassend  Ap.  — 
2.  leicht  (im  Gedächtniss)  behaltend.  En  b-e  Chopf 
W.  ,[Ein  Gespräch]  so  ein  Drittmann  nach  seiner 
b-en  Gedächtnuss  in  Schrift  verfasset  hat.'  Bossh.- 
Goldschni.  —  3.  verschwiegen  Ap;  Bs  (Spreng). 

E-haltung  =  E-Halt.  ,Es  werde  mit  seiner 
Wideranhcimkunft  ihre  E.  in  bessern  Stand  gesetzt 
werden  und  sie  sich  vertraulicher  zusammen  ver- 
stehen.' 1674,  Unot.  —  Schirm-:  Schutz.  ,Die  Ta- 
felen des  Gesatzes  Gottes,  derer  Seh.  uns  ernstlich 
angelegen  ist.'  Z  Mand.  1692/9. 

Verhält  n.:  Verhältniss  SL.  f  D' Sunne'strale' 
iverden  im  gliche"  V.  heisser.  Schild.  —  Wahrsch.  ver- 
stümmelt aus   ,Verliältniss' ;  vgl.    Vtrhult. 

Haltel    s.  Halb-Teil.  Halten,    halten    II 

s.  Halden,  holden. 

Haltler:   Erdäpfelsorte;  s.  Bd  I  380. 
Heitechs  s.  Eidechs  Bd  I  94. 
Hcltem  s.  Heiltum. 

b^-helte":  intr.,  gut  schliessen;  vom  Deckel  von 
Gefässen  BSi.     S.  noch  Behelt-Tuech. 

Eig.  =  .behalten'  i.  S.  v.  festhalten;  auffiillig  ist  der  Uml., 
welcher  viell.  aus  dem  syn.  be-hehen  eingedrungen  ist. 

be-hilt  s.  be-hüwen. 

Hüte"  f.:    Kröte    G  [?].   -  Viell.  mythol.  Ursprungs. 

Holter(e)  in  Zss.  wie  Ab-,  Äff-,  Eich-,  Mass-, 
Buech-,  Reck-HolterCe)  s.  Holder  II. 

Fif-,  Flig-,  Pfif-,  Wif-Holter.s.  J^i-/-n/terBdI 
820  und  vgl.  Weig.  WB.  11  335.  Mit  ,(ein  flug)  w-en' 
gibt  ÄgTschudi  das  lat.  papiliones  seiner  Vorlage 
wieder. 

Das  Letztere  angelehnt  an  wt/en,  schwingen,  aber  auch: 
pfeifen,  heulen.  Zu  letzterer  Bcd.  vgl.  die  Umd.  Pfif-H.; 
der  Volksglaube  schrieb  den  Schmetterlingen  feine  Töne  zu. 


Heitsc  bete  s.  Hülschete. 

Holtsch  f.:  nachlässig  gekleidete,  unsaubere  Weibs- 
person Ap  ;  Gr.  Syn.  Hätsch.  -  Wahrsch.  das  Fem.  zu 
UoltHvhc  (s,   I/oh-Schueh)  in  bildl.  Anwendung. 


holtschen:  1.  geräuschvoll  einher  trampeln,  eig. 
in  Holtschen  laufen  GrD.,  Pr.  —  2.  (Jmden)  mit  Puss- 
tritten tractieren,  (ihn)  abdanken  GnSch.  Me"  nümmt 
albig  föuf  Göttiti;  wenn-me"  eine"  nümme  ne'  will,  so 
holsched  men-e'  Gr  (Walkm.).  Der  arm  Wittlig  hed 
nid  gwüsst,  wa  um  die  Gvatterleut;  do  seid  d'  Heb- 
amm:  Holsche'  müesst-er  emal  gheini,  denn  ette  eswer 
tverded-er  wol  überchon.  ebd.  (Schwzd.  26,  161). 

g«-holtschet:  nachlässig  gekleidet  Ap. 

holtsch  ig  s.  holzig.        Hü  It  sehe  s.  Hidsche. 

„hültschen  =  hülpen"  und  aus  Diesem  wohl  ab- 
geleitet „L". 


Halw,  helw,  hilw,  holw,  hulw. 

helw,  Miiiv  W,  hM  Gl,  heH  BO.;  GRRh.:  bedeckt, 
überzogen,  umwölkt,  dunstig,  trübe  (vom  Himmel). 
Syn.  hilw,  mauglig;  Ant.  glänz,  lüter.  Wesentliches 
Merkmal  des  Begriifes  ist  feine,  dünne,  gleichraässige 
und  hoch  schwebende  Bewölkung,  meist  bei  Föhn- 
wetter BSi.;  GlK.;  doch  nach  HLLehm.  1790,  16  auch 
bei  Nordwind.  E  h-i  B'sügi,  schleierartiges  Gewölk, 
das  den  blauen  Himmel  noch  durchscheinen  lässt, 
meist  Vorbote  schlechten  Wetters  GlK. 

Die  Form  ohne  w  und  mit  Dehnung  des  Voc.  hat  an  und 
für  sich  kein  Bedenken;  doch  deckt  sich  in  Gl  MA.  der  Voc. 
nicht  mit  demjenigen  von  ge'l  aus  gelw,  so  dass  es  wohl 
besser  getan  wäre,  die  Formen  mit  einfachem  Ausl.  mit  dem 
Sp.  1 1 32  behandelten  hat  zszustelleu,  sei  es.  dass  man  von  * 
der  Bed.  ,glatt'  ausgehe  und  diese  mit  dem  gleichmässigen 
Anstrich  des  Himmels  verbinde,  oder  von  der  wahrschein- 
lichem, im  Mbd.  bezeugten  Grundbed.  jenes  Vf.  (verholen), 
die  sich  unmittelbar  mit  ,bedeckt,  überzogen'  berührt.  Für 
die  letztere  Erklärung  spricht  noch  der  Umstand,  dass  statt 
Jidw  sonst  zwar  im  W  auch  hilwig,  in  B  aber  hilb,  liiltmj 
gilt,  also  mit  beibehaltenem  (rosp.  in  b  verwandeltem)  w, 
so  dass  es  nicht  eben  wahrsch.  ist,  dass  gerade  dort  auch 
eine  Form  mit  abgefallenem  lo  daneben  bestanden  habe. 
fJbrigeus  wird  der  Widerstreit  der  Ansichten  durch  den  Um- 
stand gemildert,  dass  auch  helw,  hilw  nur  eine  Erweiterung 
der  im  Vb.  hekn  und  in  dem  davon  abgeleiteten  Adj.  Iiäl 
enthaltenen  Wz.  ist. 

Ge-hel,  Gehäl  n.,  „Heli,  Häli  f.":  Gewölk 
von  der  unter  dem  Adj.  beschriebenen  Art  BO.;  Syn. 
Hfili,  Gehüll,  Gehei,  Gehenlc,  Hei -Nebel,  -Dampf, 
Bezügi. 

hele",  häle":  unpers.,  sich  mit  leichtem  Gewölk 
überziehen  BO.  Es  hälet,  der  Himmel  überzieht 
sich  BSi. 

Helwe  Helbe,  Helme  —  f.:  (Hafer-)Spreu  Ap.  — 
Mhd.   hcl(e)we.      S.   noch    Ge-hüU  Sp.    1160  und    Ge-hülp. 

Hei  wer  Helber,  Halber  Bs  (Spreng);  Th  —  ra., 
Dim.  He'lbertli  Tsiierg:  Spreusack,  insbes.  als  Unter- 
lage in  Kinderbetten.  , Helber,  spreuwersack,  wie 
man's  braucht  in  die  kindswiegen.'  Mal.  —  Die  Bildung 
entspricht  ganz  der  von   Lmiher,  Laubsack  (in  Betten). 

Hilw  Hilm  m.:  Obdach  gegen  Unwetter;  mora- 
lischer Schutz  Aa. 

Abstrahiert  aus  JlUwi  (s.  d.)  mit  dem  Geschl.  des  syn. 
Seherme  und  vicll.  lautlich  auch  unter  Mitwirkung  von  Jfclm. 

„G'hilw  =  Hilwi."     S.   noch   Ge-hiÜl   Sp.  1160. 

hilw  hilb  B;  FJ.;  GSa.,  hilm  B  oAa.,  hilwig  W, 
hilbig  FJ.;  ,Gr;  L":  1.  =  helw  BO.;  W.  -  2.  ge- 
schützt vor  Zugluft,  vor  rauhen  Winden  BO.,   auch: 


Halv 


Ualz     huh 


1246 


windstill,  mild,  wann,  sonnig,  von  Lage  und  Klima 
eines  Ortes,  vom  Wetter  B;  F;  GSa.  Gags,  räch, 
tvild.  A"  h-en  Orte"  tvaclist 's  räzer  [rascher]  FJ. 
,Ein  Wald,  der  guten  Boden  und  h-es  Klima  hätte.' 
Kästh.  1828.  ,Die  Voralpen  sind  fast  überall  in 
h-erer  Lage  als  die  Kühalpen.'  ebd.  18'29.  —  3.  hitzig, 
zornig  BO. 

2  hängt  mit  1  durch  die  ü.ahe  Vwdtsch.  der  Begriffe 
,bedeckt'  und  .gedeckt  (geschützt)'  ziisammen.  3  ist  wohl 
bildl.  Anwendung  von  1  und  wird  nicht  hellen  Zorn,  sondern 
die  ihm  vorangehende  ,Uniwölkung'  der  Stirne  oder  auch 
nur  Verstimmung  bed.  —  Der  Übergang  von  v>  in  b  wie  in 
,Farbe,  gerben,  gilben',  von  w  oder  b  in  j«  wie  in  unserm 
Si-hirnlme  =  nhd.   Schwalbe,  mhd.   nwahce,   naa. 

hilwe"  hilhe,  in  GsVal.  Mime:  unpers.  1.  sich 
stellenweise  dünn  bewölken  GRVal.  (Zeichen  von  Re- 
gen), „fein  nebeln  L".  —  2.  warm,  milder  werden, 
vom  Wetter,  Klima  B;  S.  Wenn-me"  vo"  Gadme  ga" 
Meiringen  use'_  chunnt,  so  (fspürt-me',  dass  's  hübet. 
Sobald  a's  's  Wetter  het  a'fuh"  hübe',  liet-si"''  das  Merze- 
glöggli  'zeigt  S. 

be-,  Ptc.  b'hilt:  überzogen,  vom  Himmel  GSev.; 
Gegs.  glänz.  —   Vgl.   GcMUl  aus  Gehüho. 

hilwene"  Mlbfejne":  unpers.,  von  der  Bildung 
klein  zerteilten  Gewölkes  Gr. 

Hilwi  BHk.;  W,  Hilbi  BO.;  FJ.;  GRD.,Pr.;  „L;" 
G8ev.;  y,  mibi  S,  Hilmi  AAZof.;  S  (Joach.)  -  f.: 
1.  leichtes  Überzogensein  des  Himmels,  leichtes  Ge- 
wölk, Wolkenstreifen,  Federwolken,  feiner  Nebel  BO. ; 
Gr;  „L;"  GSev.;  W,  warmen  Regen  vorbedeutend. 
Vgl.  Ge-hei.  E  zarti  H.,  wenn  der  ganze  Dunstkreis 
mit  leichtem  Flor  bedeckt  ist  Gr.  Es  schonet  nid 
lang;  es  stosst  dert  sövel  strübi  [krause]  H.  füren  BHk. 
Buchi  H.,  zerzaustes,  zerrissenes  Gewölk,  im  Winter 
vor  Schneefall,  im  Sommer  vor  Hagel  BR.  Vgl.  noch 
die  Compp.  Auch  Dim.  Hilweli.  Br  Himmel  het  a'- 
g" fange*  schi'''  zuetue".;  us  chleine"  Uilbeli  hed  's  schwarz 
Wolke"  g'ge"  GKSchiers  {Kuoni).  Hilbeni,  kleine  weisse 
Wolken  am  grauen  Himmel,  sicheres  Regenzeichen 
BLaut.,  Si.;  Syn.  Schäfli.  —  2.  Obdach,  gegen  Wind 
geschützter  Ort  FJ.;  S;  Syn.  Sclierme";  milde,  ge- 
schützte Lage  einer  Gegend  ÄAZof ;  B  (Zyro).  ,Sie 
waren  noch  ganz  in  der  Hübe  und  merkten  das  Herbe 
in  der  Zeit  kaum.'  Gotth.  Unter  d'  Linde'  wei-m^r 
[wollen  wir]  flieh";  dort  hei'-m^r  am  Beste"  Hilmi, 
vor-em  Blitz  si"  mrr  dort  sicher,  und  Rege"  möge"-mrr 
scho"  no'''  chli"  erlide.  BWyss  1863.  Lö-dv''  nöcher 
zue,  do  isch  mer  Hilmi  [Schutz  vor  Regen  unter  einem 
Baum] !  S  (Joach.).  In  der  Stadt  S  müssen  ,alle  Lebens- 
mittel unter  freiem  Himmel,  bei  Sturm  und  Unwetter 
ohne  Hilme,  feilgeboten  werden.'  S  Jahresber.  —  Mhd. 
hilice,  feiner  Nebel.    Bed.  1  u.  '2  verhalten  sich  wie  beim  Adj. 

Sehne"'-:  leichtes  Wölkchen  mit  krausen  Formen 
GRPr. 

Dünn-:  dünnes,  leichtes  Gewölk  BE.,  Gu. 


Halz,  heiz,  hilz,  holz,  hulz. 

„Ualzig  n.:  krummes  Eisen  am  Halse  des  tVhsen. 
Woran  das  Joch  befestigt  wird  UUrs."  Syn.  Kel.  — 
Eine  Abi.  von  tlah  oder  eine  Zss.  dieses   W.   mit  Zlnj. 

Heiz-  s.  Hels-. 


Holz  n.,  PI.  Hölzer:  1.  Wald  (welches  W.  der 
Vülksspr.  abhanden  gekommen  ist),  allg.  Z"  H  (Aa; 
Bs;  L;  UwE.),  ifnJ'sH.  (Bs;  BO.;  Obw;  W;  Z)  gä; 
in  den  Wald  gehen,  um  Holz  zu  fällen  oder  dürres 
Holz  zu  lesen  (also  mit  Bed.  2  sich  berührend);  vgl. 
Holz-Tag  und  in  Bd  I  287  o.  ,Dieses  z'  Holz  gehen 
taten  im  Dorf  nur  die  ärmern  Buben,  aber  sie  machten 
sich  wichtig  damit,  renommierten,  wie  sie  hohe  Eichen 
erklettert,  schnell  eine  Bürde  Äste  gesammelt,  schwer 
heimgetragen,  in  wenig  Tagen  ihrer  zwei  Holz  genug 
für  den  ganzen  Winter  zusammengebracht.'  XHerz. 
1862.  's  ßiert  me'-  als  ein  Weg  i"'s  H.  Sdlger  (Sprw.); 
vgl.  Holz-Gass  1.  Die  Chline"  het  de  lieb  Gott  g'schaffe" 
und  die  Grosse"  wachsed  im  Holz  Z  (Dan.);  vgl.  den 
Bs  Kinderglauben,  nach  welchem  man  die  kleinen 
Kinder  im  Brueder-Holz  [bei  Basel]  holt.  S.  noch 
gä"  Sp.  3.  Wenn  H.  und  Feld  ^and  hilft,  so  giH  's 
e  guets  Jar  Ap;  GBern.;  ScnSt;  Z,  (sprichw.)  vom 
Ertrag  des  Waldes  auch  auf  das  Zstreifen  günstiger 
Umstände  angewendet:  ,Und  do  also  h.  dem  feld  half, 
fieng  der  Zwingli  wyter  henyn  ryssen  [fleug  an  weitere 
Eingritfe  zu  machen].'  Sicher  1531.  ,Wiewol  man 
recht  spricht :  wenn  das  h.  dem  feld  hilft,  so  werdend 
guete  jar.'  HBdll.  1540.  ,Man  seit  ein  Sprichwort, 
das  ist  war,  wenn's  h.  dem  feld  will  helfen,  so  kom- 
mend guote  jar.'  Gletting  1560.  ,Wer  ligende  güetcr 
nit  buwet  und  nit  in  eren  hat,  also  dass  es  ze  h.  gat; 
wenne  da  das  holz  so  fer  uffgewachset,  dass  ein  her- 
schaft iren  schilt  daran  gehenken  mag:  Denn  so  ge- 
höret ein  sölich  stück,  das  also  ze  h.  worden  ist,  der 
herschaft  zuo,  dero  der  zwing  ist.'  c.  1300,  Aa  Weist. 
,Syne  hochweldc  und  ander  hölzer.'  1389,  L  (Urk.). 
.Schweine  in  den  Twing  und  H.  zu  Ober-Entfelden 
treiben.'  1424,  Aa  Gem.  , Ladet  einer  den  andern  in 
h.  oder  uf  feld,  da  ist  der  einung  2  pfd.'  XVI.,  AaB. 
,Späch  und  ufsehen  haben,  wer  dem  andren  in  syne 
hölzer  gange,  darin  howe  [usw.].'  1526,  Egli,  Act. 
,Wie  ich  züch  nebend  eim  hülzli  hin  und  yetz  anfleng 
in  walt  yngan.'  Ruef  1540.  ,Ein  besser  werk  [als  die 
Mönche]  tuend  die  bärtling,  die  in  die  hölzer  ziechend 
und  bürsten,  besen,  ofenkrucken  und  mausfallen  ma- 
chend.' Vad.  ,In  hölzern,  feldern  umbhergon.'  Ruef 
1550.  .Ein  hölzlin,  80  schritt  lang.'  Wurstisen  1580. 
,Alle  Holz  und  Wald  auf  Erden.'  JRHofm.  1645.  Den 
Sabbath  ,in  H.  und  Feld'  heiligen.  JMüll.  1673.  Niki, 
von  der  Flüe  wird  vom  Teufel  der  Zwietracht  als 
,Holz-Claus'  verspottet.  JMahl.  1674.  ,Denen  Hölzern 
wird  stark  zugcsetzet  und  der  Holzmangel  dardurch 
vergrössert.'  Z  Ges.  1757.  ,Sie  sagte  zum  Vogt,  ihr 
Mann  seie  im  H.'  JRGrimm  1786.  Natürlich  erscheint 
Holz  als  zweiter  Bestandteil  von  zsgesetzten  Flur- 
namen zur  Bezeichnung  von  Wäldern  und  Gehölzen 
durch  die  ganze  dcntsohe  Schweiz  sehr  häutig,  oft  mit 
abgeleiteten  Pitsuihmih.,  /  ];.  SeehohferJ,  Schönholz(er), 
Oberholzfer),  Eirl,hnl:ia-i.  Jfndiholz(erJ.  Mit  Zähigkeit 
haften  solche  NaiinMi  nfi  an  Stellen,  wo  seit  Jahr- 
hundertoii  drr  WaM  ausnvi„,lt  i.l,  wie  z.B.  im  Buech- 
holzZ'/.nU.  iiiitt.Mi  im  Dorf.  S.  iUnntsrhli,  RG.  P  263  f. 
—  2.  Hulz  als  Stoff,  Bau-,  Broiiiiiiiatcrial;  Baumstamm, 
einzelnes  Stück,  Balken,  Block;  etwas  aus  Holz  Ge- 
machtes, allg.  Das  Ende  eines  Fleckens  IV  (Bd  I 
1191)  im  Gegs.  zum  Trämmel,  dem  dicken  Ende  B; 
ähnlich  Hölzli,  ein  Stamm  Bauholz,  dünner  als  ein 
Sag-Baum  ZZoll.  Holz  her!  Ruf  der  Zimmerleute, 
den  Balken   ihnen   zuzuschieben,    H.  hin!   denselben 


Halz,  heiz,  hilz,  holz,  hulz 


1248 


von  ihnen  wegzuziehen.  Sprichwörtlich:  Da  hässt 's 
alliwil  nw  ander  H.  her!  wo  das  Alte  nicht  mehr  gut 
genug  scheint  und  vorschnell  durch  Neues  ersetzt 
wird  Z.  Wo-me"  H.  haut,  git  's  Spön  L  (Ineichen). 
Me"  cha'"  nüd  alli  chrumme'  Hulzli  grad  mache". 
SuLOER  (Sprw.).  Wie  grüener  H.,  wie  dicker  Rauch 
L  (Ineichen).  Dürr  H.  ist  stolz.  Sülger.  H.  und  Hör 
mistet  7  Jör  AaB.  (ist  ein  treffliches  Düngmittel). 
Holz  uf-sich  spitze'  lä",  sich  Alles  gefallen  lassen  B; 
vgl.  schiten.  H.  spalte»,  Spiel,  wobei  ein  Knabe  als 
Keil  zwischen  2  andere  hinein  geschlagen  wird  Z. 
Holz  umenand  rüere'  [werfen],  kegeln  Z  (scherzh.). 
Es  schreit  Öppis  im  H.  [in  der  Wiege,  aber  zugleich 
Wortspiel  mit  Bed.  1],  me'  fhört  's  diheime'.  Volks- 
rätsel. Einem  Hammer,  einer  Axt,  Haue  usw.  H.  ge", 
den  Stiel  weiter  in  die  Öse  treiben  Z ;  vgl.  Isen  Bd  I 
536.  H.  ge'!  auch  Zuruf  der  Schaukelnden  an  Dabei- 
stehende, die  Seil-Schaukel  durch  energisches  Stossen 
in  Bewegung  zu  setzen  Z.  H.  voi--em  Hüs  (vor  de" 
Fenstere")  ha',  eig.  .Scheiterbeigen'  vor  dem  Haus, 
dann  bildl.  vollen  Busen  haben  Aa;  Ap;  Bs  (wo  auch 
=  schwanger  sein);  Z.  ,Es  soll  nieman  in  Riederholz 
kein  holz  houwen.'  XV.,  Z.  ,1  pfunt  pfenn.  von  yet- 
lichem  stock  oder  von  yetlichein  h.-  1524,  Schw  LB. 
,Den  habend  sy  abgeton  und  an  ein  h.  [das  Kreuz] 
gehenkt.'  1530,  Apostelg.  .Beschwerden  wegen  ein- 
geschlagenen Holzes,  sowie  wegen  usurpierten  Rechts 
auf  das  sog.  tote  Holz.'  1556,  Absch.;  vgl.  Ab-Holz. 
,Der  andern  Predicanten  aber  solle  keiner  mehr  auf 
diss  Hölzlein  [Kanzel]  treten  und  zu  dem  Predigamt  zu- 
gelassen werden.'  1586,  Beitr.  Lauff.  ;  vgl.  Kanzlen-H. 
L  hofft  auf  baldige  Erledigung  des  Geschäftes  und 
dass  dieses  , verästete  H.  einmal  spalten  werde  [bildl.].' 
1726,  Absch.  ,Er  war  so  schwach,  dass  er  sich  auf 
ein  H.,  das  da  lag,  niedersetzen  musste.'  HPest.  1790; 
dafür  1781 :  .einen  Holzstock.'  —  3.  triebfähiges,  leben- 
diges Holz  im  Gegs.  zum  toten;  spec.  am  Weinstock; 
vgl.  höhen.  Beim  sog.  Grueben  (s.  Sp.  696)  macht  man 
aus  1  Robe  gewöhnlich  3  Hölzli  Z.  , Zirka  150  Hölzli 
Thuner  Reben.'  ZS.  (Ztgs-Ins.).  Wenn's  i"  's  ler  (bluttj 
H.  tunneret,  so  schneit  's  i'  's  Laub  Obw;  Z.  Wenn 's 
nid  im  H.  ist,  so  git  's  kette  Bire"  L  (Ineichen).  Was 
nid  am  H.  ist,  schlöt  aw''  nid  üs.  Rheinscbn.  1885. 
Was  (wenn  's)  n.  am  H.  ist,  giH  ('s)  kei''  Pfiffe'  Gl 
(S;  Z).  Mer  händ  no'''  meh"-  H.,  wo-me"  cha""  en 
Mesmer  drus  haue"!  uTh  (Scbwzd.).  Das  Amt  das 
miech  im  nit  vil  z'  tue  [gäbe  ihm  nicht  viel  Mühe] 
und  sunst  au"''  hätt-er  's  H.  derzue.  Breitenst.  Syn. 
Zug.  So  vil  H.  git  ivider  a  Pfiffe',  man  fängt  wieder 
vorn  an,  wenn  die  Sache  nicht  gelungen  ist  GBern. 
Was  am  H.  ist,  chunnt  a"  d'  Pf.  ZRegbg.  Es  mues 
am  H.  si",  es  gehört  natürliche  Anlage  dazu  Gr;  Z. 
Es  hat  da  nu''  e  chli  z'  ivenig  H.,  es  fohlt  am  Zeug 
Z  (passte  auch  zu  Bed.  2).  H.  i"  der  Familie,  Aus- 
sicht auf  Nachkommen.  Id.  B.  Hochmuet  und  Stolz 
wachsend  uf  eim  H.  1.  's  wolfeil  Brod  muess  us-em 
H.  [vom  Ertrag  des  Weinstockes]  kommen.  Sblger. 
,Dis  Jar  [1644]  ist  völlig  erwahret  worden,  dass  der 
Wein  innert  18  Wochen  in  dem  H.,  aus  dem  H.  und 
wider  in  dem  H.  [dem  Fass]  g'syn.'  UMet.  Chr.  .Der 
Lehenniann  soll  jährlich  auf  das  wenigst  bei  1000 
Gruben  für  neue,  junge  Reben  machen  oder  Hölzlin 
stecken,  auch  darzu  Bau  und  Herd  tragen.'  1670, 
ScHwE.  Klosterarch.;  vgl.  grueben  2  (Sp.  696).  ,Er 
ist  eben  des  Holzes,  ovo  prognatus  eodem.-  Mey.  Hort. 


1692.  —  4.  das  Dim.  in  spezieller  Anwendung.  ,Ein 
Hölzli  Baumwolle.'  Nationalkal.  1870,  so  viel  Baum- 
wolle, als  an  einer  hölzernen  Spule  Platz  hat.  En" 
för  e  H  ha'  =  för  en  Narre"  ha",  zum  Besten  haben 
Ap;  vgl.  ,G.  Neracher,  gen.  H.'  1653,  AAWett.  Kloster- 
arch. I"'  wiU-der  danke"  mit-eme"  spitzige'  H.  Sprww. 
1869.  ,D'  menschen  band  nit  so  vil  witz,  dass  einr 
dem  andren  ein  hölzlin  spitz,  es  muess  daby  syn  all- 
weg  Ion.'  UEcKST.  ,ünd  gend  uns  also  spitze  hölzli 
[spitze  Reden,  Antworten]  dran.'  NMan.  ,Ouch  gfallt's 
mir  bass,  in  der  statt  köstlichen  sitzen,  dann  in  den 
dörfern  hölzle  spitzen.'  Rtjef  1550.  Vgl.  Glufen  Sp.  608. 
,Sy  wirt  nit  me  also  syn  ir  dienstmagt,  sonder  selbs 
meister,  was  [sie]  jocb  sagt,  ir  dran  krumbe  hölzli 
spitzen  und  nebend  ir  uf  dem  kussi  sitzen,  sy  ver- 
spotten und  verlachen.'  Haberer  1562-  ,In  Poetery 
hab  ich  ouch  ein  Hölzlin  gessen;  ich  darf  es  reden  un- 
vermessen.' Anf.  XVII.,  Pfr  HsUGrob.  ,Er  ist  ein 
grober  Gesell,  ein  grobes  Hölzlein.'  Mey.  Hort.  1692. 
,Es  tut  ihm  genug  ein  schlechtes  Hölzlein,  es  ist  viel 
zu  viel  Ehr  für  ihn.'  ebd. 

E-Holz:  unter  dem  Schutze  des  Gesetzes  (E) 
stehender,  obrigkeitlicher  Wald.  ,Wir  habend  uns 
erkennt,  dass  weder  gmeinden  noch  sunder  personen 
die  rechten  ehölzer  und  fronwäld  nit  mer  abhouwind 
und  zerschleizind,  sunder  unverwüest  blyben  lassind.' 
15'28,  Z  Mand.  ,Dass  ir  die  rechten  ehölzer  und  fron- 
wäld abhouwind  und  äcker  und  rütinen  darus  machind.' 
1528,  Egli,  Act.  Syu.  E-,  Hoch-,  Bann-Wald.  — 
Ab-:  was  beim  Fällen  der  Waldbäume  ausser  dem 
Stamm  und  dem  Reisicht  übrig  bleibt,  also  der  Wipfel 
und  die  dicken  Äste  B;  Gl;  L;  Th;  Zg;  Z;  Späne 
und  Abfälle,  welche  sich  beim  Verarbeiten  von  Holz 
ergeben  B;  Z;  schlechtes  Holz,  das  beim  Messen 
zurückgewiesen  wird  Bs  (Ochs);  auch  „liegendes  und 
allmählich  moderndes  Holz  L;  Zg";  vgl.  Ab- Wasser 
und  Ab-Ast.  ,Gewöhnliches  Flössholz,  Brenn-  oder 
Kohlholz,  Prügelholz  oder  Abholz.'  G  Flössorordn. 
1839.  ,A.  vom  bnw.'  1504,  G  Mscr.  ,Item  von  des 
a.  und  der  schindlen  wegen  und  ander  a.,  des  vil  ist.' 
G  Mscr.  ,16  pfd  kostend  3  gross  eichen  zu  der  trotten 
mit  sampt  dem  fuerlon  bis  in  's  stättli  und  han  den 
puren  das  a.  g'lassen.'  1558,  Z  Grün.  (Amtsrechn.). 
S.  Holz-Haber  Sp.  933.  ,Die  von  Grandson  sollen  ihr 
Ab-  und  Totholz  zu  ihrem  Hausbrauch,  aber  nicht 
zum  Verkauf  zu  geniessen  haben,  jedoch  mit  dem  Be- 
ding, dass  sie  kein  ander  Holz  als  Tot-  und  Abholz, 
wie  Buchen,  Erlen,  Dornen.  Stauden  udgl.  nehmen, 
sich  der  Tannen  und  des  Bauholzes  sammt  den  Frucht- 
bäumen mussigen.'  1576,  Absch.  ,Sich  des  umgefal- 
lenen, toten  und  .\bholzes  zum  Hausgebrauch  be- 
dienen.' 1582,  ebd.  ,Was  für  A.  und  Grotzen  in 
unseren  Hölzeren  gefunden  werdend.'  B  Gerichtssatz. 
1615.  ,Span,  A.,  schidia,  assulae,  ramalium  segrmenta.' 
Denzl.  1677;  1716.  .Niemand  soll  in  Bannhölzern  A. 
nemmen.'  B  Gerichtssatz.  1721.  ,Den  22.  Mai  hat  man 
das  eichi  A.  verkauft.'  1772,  ZNürenst.  (Rodel).  ,2.  Jan. 
Holz  geschüttet;  35  Bürden  A.'  1781,  ZWipk. 

Dütsch-Ebe"-:  Alpengeissklee,  cyt.  alp.  Hill.  B. 

So  benannt,  weil  sein  Holz  schwarz  gebeizt  wird.  Syn. 
hen-Holz,  frz.  thenier  des  Alpesj  auch  /aux  ^heiticr.  Vütuch 
im  Gegs.  zum  exotischen  Ebenholz. 

Ob-:  Alpenweide  ob  dem  Walde,  die  oberhalb  der 
Waldregion  befindliche  Alpenzone  Gr;  GO.;  üw.    ,Die 


llM'.i 


liolz,  Imh 


1250 


dritte  Kegioii  ist  die  sog.  Gegend  0.  und  macht  die 
eigentlichen  Alpweiden  aus.'  Gr  Samml.  1784.  Ortsn. 
ZKlot,  schon  1371,  Uik.  -  Ob  holz  er  s.  Epfel  Bd  I 
367.  380. 

Ober-:  das  Holz,  das  man  zum  Bauen  braucht 
Z  (St."). 

Im  Gegs.  zu  Under-U.  bezeichnet  es  wohl  oig.  die  über 
den  niedrigen  Waldstand  emporgewachsenen  Stämme,  welche 
die  zu  Bauholz  erforderliche  Stärke  haben;  oder  dann  den 
Obern  Teil. einer  schweren  Tanne,  deren  unterer  Teil  zu 
.Sagbäumen',  der  obere  aber  zu  Bauholz  verwendet  wird. 
Von  dem  Flurn.  Oherhdz,  hingegen  kommt  der  Geschlechtsn. 
Oberhoker;  s.   Höh  S. 

Über-:  Waldbäume,  welche  die  andern  überragen, 
bes.  Eichen,  Tannen,  Buchen  und  Eschen,  welche  man 
über  die  gewöhnliche  Schlagzeit  hinaus  stehen  lässt, 
damit  ^sie  ihre  volle  Grosse  und  Schwere  erreichen; 
Syn.  tiber-Ständer;  auch:  überhiingendes  und  die  dar- 
unter stehenden  Gewächse  schädigendes  Gehölz  Z. 
,Von  studen  und  überholz.  Welicher  zun  oder  heg 
hat  oder  studen  oder  üherholz,  das  jemant  schaden 
bringen  mag  an  ackern,  matten  oder  andern  dingen, 
das  soll  man  abschlachen  und  ahnemen.-  1534/1601, 
ZKn.  Offn. 

Eich(e"')-:  1.  Eichenwald;  auch  Flurn.  allg. 
Daher  viell.  der  Geschlechtsn.  ^lYc/i^o/.er  W;  Z.  — 
2.  wie  nhd.  Eiche'holz  gid  guet  Gahje'nügel  L  (In- 
eiciien).     Vgl.:  Eichi"  Holz  macht  stolz  Scu. 

Die  Yerflüchtigung  des  cA  kann  den  Sprachsinn  irre 
leiten:  aus  im  Ei-Holz  entsteht  Maihulz;  vgl.  , Acker  im 
Eich-  oder  Maiholz.'  ZAff.  (Amtsbl.). 

After-:  =  Äbholz.  ,Das  Kloster  durfte  aus  der 
Hard  täglich  einen  Karren  Brennholz,  bestehend  in  A., 
und  4  Mal  des  Jahres  Bauholz  holen  lassen.'  Bs  XIV. 

Age"-:  glasartig  hartes  Tannenholz  mit  eigentüm- 
lichem Zellengewebe  und  Gefässbündelbildung,  wel- 
ches sich  zu  Unterst  am  Stamme  oder  Stocke  befindet 
und  sich  ebensowohl  zu  Küblcrarbeit  als  zum  Brennen 
eignet  BSi.  —  Tgl.  mhd.  wjeCO-stein,  Bernstein,  nnd  wjen- 
liuof;  s.  auch  Man-H. 

Eige"-:  Waldung,  die  Privateigentum,  nicht  All- 
nieind  und  daher  von  mancher  gesetzlichen  Beschrän- 
kung, wie  Ausfuhrverbot,  frei  ist.  Es  ist  au'''  nid 
Alles  E.,  was  us-em  Muotital  o"  Se  chunnt  uf  all 
Wls  und  Art.  Schw  Fastn.-Spiel  1865  (Wortspiel). 

U°-:  schädliches  Wucher-  und  Schmarotzerholz, 
das  man  beim  Durchforsten  beseitigt  TnTäg.  Als  Ge- 
schlechtsn. in  ZZoll.  1315,  jetzt  auch  Umholz  gespr. 
—   Mhd.  in  der  Bed.  geringes  Holz,  Abfallholz. 

Under-:  der  junge  Autwuchs  im  Walde;  vgl. 
Uher-H.  und  engl,  imder-wood. 

A(n)s-,  Säs-:  Brückenbalken  Gl.  ^yn.  Ans-Baum. 
,Bei  der  Engibruck  sollen  alle  einander  helfen  den 
Fuss  machen  und  die  Anshölzer  überziehen.'  Gl  LB. 
1471/1807;  dafür  1835:  .Saasshölzer.'  ,Die  von  Net- 
stall sollen  die  Brück  unterhalten  und  die  Löcher 
Verstössen,  bis  dass  die  Aashölzer  anderwärts  müssen 
gelegt  werden.'  ebd. 

Über  Ann  vgl.  Arne  Bd  I  504.  Sas  wie  Süter  aus  Uter 
durch  Verschmelzung  mit  dem  neutralen  Artikel;  vgl.  (A'}aat. 

Ur-:  wilder,  keine  Frucht  tragender  Wald?    ,Der 
fronhof  mit  dem  gerät,   mit   dem   schorren    und   mit 
dem  u.,  so  darzue  gehört.'  G  Mscr.   —  S.  Vilm.  Id. 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


Ise"-:  1.  =  Dütsch-Ebenholz  B.  —  2.  Hartriegel, 
corn.  sangu.  Z;  Syn.  Isen-Baum,  -Rueten. 

Die  Benennung  des  sehr  harten  Holzes  vom  Eiseu  her, 
wie  die  lat.   vom  Hörn  (cornu);  vgl.   Bcin-H. 

Ast-:  Lästiges,  schwer  zu  bearbeitendes  Holz  Z; 
vgl.  Eölz  2  (1726).  —  2.  Holz,  welches  aus  abge- 
hauenen, dicken  Baumästen  besteht  B;  Z.  ,Das  Ast- 
und  Grotzenholz  sammt  der  Heizi.'  1738,  Hotz,  Urk. 

—  Fach-:  Holz  zu  Fachen  (Fnc/i 5  Bd  I  638).  ,Fach- 
holz,  ruschholz,  schwirren,  stecken  und  anders,  fischern 
zu  bruchen  notwendig.'  1550,  AAWett.  Klosterarch.  — 
Fad-:  Holz  zu  Zäunen  (Fad  11  Bd  I  671).  ,A11  die 
nit  uf  den  rechten  ehofstetten  sitzent,  sond  in  dem 
forst  nüt  howen,  weder  Zimmerholz  noch  ander  holz, 
denne  allein  fadeholz  und  zinsholz  und  dasselb  an 
die  rechten  efaden.'  1460,  ZTalw.  Offn.  ,Sy  mügent 
euch  howen  brennholz  und  f.  ir  notturft'  ebd.  — 
Fige"-.  ,Du  bist  warlich  ein  Jüngling  stolz  auf- 
gschossen  wie  ein  Feigenholz.'  Zehen  Alter  1621. 

Vogel-:  zweite  Pfette  am  Speicher  BsZunsg.;  vgl. 
V.-Baum  =  Firstbaum,  sowie  Vogel-First  Bd  I  1024. 

Der  Firstbaum  ruht  auf  gekreuzten  Balken,  mit  diesen  eine 
Figur  bildend,  welche  einem  Vogel  verglichen  werden  kann; 
vgl.  gr.  äexös,  eig.  Adler,  dann  Giebel.  Oder  der  Name 
viell.  eher  davon,  dass  die  Vögel  sich  auf  die  hervorragenden 
Enden  zu  setzen  pflegen,  wie  der  Schnee  darauf  liegen  bleibt, 
daher  Syn.  Sehne-Baum  und  vgl.  auch  Katzen-H.  Im  erstem 
Falle  wäre    Voc/el  lö  zu  vgl. 

Pül-:  Faulbaum,  rhamnus  frang.  GWe.;  Sch;  U; 
Syn.  schwarz  Kern-Gerten  Sp.  441. 

Das  Holz  ist  brüchig  und  morsch  und  riecht  übel;  vgl. 
zu  letzterm  Gesichtspunkt  die  Synn.  \io\\.  atinkhoom ;  it.  p%- 
tine,   »puzzarella,  spuzzine. 

Vor-,  Für-:  1.  Kand  des  Gehölzes,  Waldsaura. 
,Die  Gehölze  schwiegen,  selbst  die  Drosseln  und  Sing- 
vögel im  V.'  Aa  Gem.  ,Wäre,  dass  N.  N.  an  den  hegen 
synes  guets  nit  so  vil  funde,  dass  er  syn  guet  ge- 
faden möchte,  so  mag  er  [sein  Zaunholz]  in  dem  für- 
holze und  in  den  strübchen  [strüüchen  ?]  vor  Rieder- 
holze  suechen  und  neraen.'  1332,  Z  Stiftsurb.  ,Allein 
in  den  vorhölzern  raspen  [Reisicht  sammeln]  und 
studen.'  1435,  F  (ürk.).  , Eichen  zu  V.  um  andere 
Hölzer  stecken.'  1773,  Z  Anl.  —  2.  Privatwaldung  BG. 

—  First-:  Firstbalken  B;  L;  GRh.;  S;  Z  tw.  Syn. 
First-Banm;  Hoch-Träw.  —  Usforst-:  ausgeforstetes, 
als  unnütz  (dürr,  zu  dicht  stehend  usw.)  aus  dem  Forst 
entferntes  Holz  Schw;  Z.  ,Wind-  und  Ausforstholz, 
bestehend  in  Trämmel-,  Bau-  und  Brennholz'  Schw 
(Bote  d.  Urschw.  1883).  —  Fasel-:  einjährige  Triebe 
am  Weinstock  als  Träger  des  künftigen  Jahresertrages 
ZS.;  junger  Aufwuchs  im  Wald  Z;  vgl.  Fasel  3 
Bd  I  1056. 

F  lad  er-:  1.  Jlaserholz  Z.  —  2.  Späne  von  dürren 
Brettern.  Si.''  --  Zu  1  s.  Fladcr  4  Bd  I  11G8.  Zu  2  muss 
Fladcr  i.  S.  V.   I'liulrr  ijeuommcn  werden. 

Floss-:  Korkholz.  , Wie  sich  kramer  und schuech- 
macher  gegen  einander  halten  sollen.  Von  soggellen 
[Zogglen,  Socken]  wegen,  da  mugent  die  kramer  wol 
das  fl.  verkoufen,  aber  gemachet  soggellcn  soUent  sy 
nit  verkoufen.'  1431,  Z  Stdtb.;  Syn.  Fantoffel-H.  — 
Eig.   , Schwimmholz' ;  vgl.   Flossen  Bd  I    1214. 

Flöz-:  Holz,  das  geflösst  wird,  Treibholz  Gl; 
s.  flössen  Bd  I  1214.  —  Wittfrauen-.  ,Mehr  als 
800  Klafter   Sihlholz    [Holz   vom   Sihlwald]    kommen 


1251 


Halz,  heiz,  hilz,  holz,  liulz 


1252 


für  1  fl.  21  ß  das  Klafter  verwittweten  oder  unverheu- 
rateten  Bürgerinnen  oder  auch  andern  armen  Bürgers- 
familien ausschliesslich  zu.  Dieses  Holz  heisst  daher 
W.'  DWyss  1796.  Erwähnt  auch  178Ü,  Z  Ges.;  s. 
ZwÖlfer-H.  —  Fri-.  , Wildhaus  hat  ausser  seinen 
schönen  Gemeindewaldungen  noch  herrliche  Frei- 
hölzer, in  denen  der  Arme  wie  der  Reiche  so  viel  Holz 
hauen  kann,  als  er  nur  will.'  Franz  1819.  —  Frucht-: 
Fruchtknospen  tragende  Schosse;  Baum  in  frucht- 
tragendem Alter.  BHink.  Bote  1885.  —  Frid-:  Zaun- 
holz (zum  .Einfriedigen').  .Haslins  und  widins,  tornis 
und  kerngertis  holz  und  als  man  gewonlich  ze  fr. 
howen  soll.'  1347,  AAWett.  Klosterarch.  ,Wir  spre- 
chent  ouch,  dass  si  dasselb  holz,  das  si  ze  fr.  houwent, 
nit  brennen  sont  ab  den  güetren,  e  das'  es  nit  mer 
fridbar  ist'  ebd.  S.  Friden  5  Bd  I  1279.  —  Frön-: 
herrschaftlicher,  obrigkeitlicher  Wald  und  das  daraus 
genommene  Holz.  ,Hoch-  und  Fronhölzer,  welche  der 
hohen  Landesobrigkeit  zugehören.'  1583,  Absch.  ,Ein 
Herr  Zeugherr  hat  jährlich  4  Wägen  Fr.  aus  dem 
Bannamt.'  XVIH.,  Sch  Pfrundb.  .Herrenholz  8  Klafter, 
Frönholz  4  Klafter',  zwei  verschiedene  Posten,  die  in 
den  Besoldungsansätzen  der  Sch  Beamten  im  XVIII. 
und  früher  stehend  vorkommen.  Als  Ortsn.  BUetend. 
Syn.  Frön-Wald;  s.  frön  Bd  I  1301.  —  Gab(e°)-: 
1.  die  für  die  nutzniessenden  Bürger  geordneten  Ab- 
teilungen gefällten  Holzes  Th.  , Gabeholz  (Corpora- 
tionsgut).'  li  Landb.  1871.  ,Alle  Winter  erschienen 
die  Abgeordneten  von  Neudorf  vor  Capitel  und  baten 
um  Gahholz  (Brennholz).  Dieses  wurde  ihnen  dann 
vom  Holzherrn  und  dem  Förster  gezeigt  im  Mooren- 
tal.' EsTERM.  Neud.  —  2.  vom  Forstamt  auf  Steigerung 
gebrachte  Loose  gefällten  Holzes  Th.  —  Galge"-: 
nur  in  den  RAA.  falsch  (Bs;  Gr;  G;  S;  Z),  fül  (L), 
groh  (BsStdt)  wie  G.  Bürcstolz  ist  G.  Sülger.  — 
Gipfel-:  Holz  vom  Wipfel  der  Waldbänme  Ap;  Syn. 
Grotzen-H. —  Gnaden-:  freiwillig  geschenktes  Holz. 
Die  Bauern  bitten:  ,Das  Capitel  möge  seine  Gnaden- 
hand öffnen  und  sie  mit  mehr  Gn.  versehen,  denn  sie 
haben  keine  Wälder.'  1734,  LNeud.  (Esterm.).  — 
Grab-:  Bohle,  welche  die  Längenseite  des  (Küe-J 
Grabens  (s.  d.)  gegen  den  Gang  und  zugleich  einen 
hervorspringenden  Rand  gegen  diesen  bildet  Gr  ;  Syn. 
Gr.-Bamn.  —  Grob-:  ungeschlachter  Mensch,  Bauern- 
lümmel AAWohl. ;  W.  Vgl.  grobs  Holz  im  eig.  S.  und 
grob-hölzig.  —  Grendel-  s.  Grendel  4  Sp.  758.  — 
Gross-:  der  ältere,  hoch  aufgewachsene  Teil  des 
(Tannen-)  Waldes  im  Gegs.  zum  jungem,  noch  nicht 
ausgewachsenen  (Fasel)  ZZoU.  Als  Name  von  Wei- 
lern FTaf ;  ZMettm.  —  Grotz(g)e''-:  =  Gipfel-H. 
ScH;  Z.  ,Zu  verkaufen:  Bäume  sammt  dem  Stock- 
und  Gr.'  ZSeeb.  —  Hueb-:  zu  einer  Hubgenossen- 
schaft und  nicht  zur  ganzen  Dorfgemeinde  gehöriger 
Wald.  ,Der  stift  h.'  1556/Ö9,  Hotz,  Urk.  ,Rych  und 
arm  hat  das  holz  mit  einanderen  genutzet;  dann  es  ein 
recht  gemeinwerch  und  nit  ein  h.  wie  zue  Schwamen- 
dingen.'  1564,  ebd.  .Diejenigen  Hueber,  so  eigentum- 
liche Hueben  habend  und  das  H.  zu  ihrem  Gebrauch 
in  die  Stadt  füeren  lassen.'  1732,  ebd.  —  Hoch-  s. 
Frön-H.;  Syn.  Hochwald.  —  Hag-:  Zaunholz  Usw. 
In  einem  Obw  Waldkauf  von  1833  war  die  Bedingung 
gestellt:  ,Die  nötigen  Schaft-  und  Schermtannen,  das 
nötige  Hag-  und  Bauholz  für  die  Alpen  stehen  zu 
lassen.'  übw  Volksfr.  1883.  ,Die  da  güeter  haben, 
mögend   da  hawen   h.  in  den   zweien   rütinen.'   1580, 


Obw.  .Brenn-,  Hag-  und  Schindelholz.'  1793,  Obw, 
als  das  notwendigste  Holz  erwähnt.  —  Gel"hagel-: 
Gelbholz.  herb.  vulg.  Th. 

Hüener-:  Alpenrosenstrauch,  rhod.  ferr.  LE.;  Uw. 

Berghühner  halten  sich  gerne  in  diesen  Standen  auf. 
Vgl.  auch  N'üener-Bluest,  -Laub,   -Bluem,  -Vrosli,  -Stud. 

Hüntsche°-:   Bittersüss.  sol.  dulc.  B. 

l!ün(t)acKen,  Xame  einer  Krankheit  (Geschwür,  Entzün- 
dungl;  vgl.  das  frz.  Syn.  herhe  a  laßevre;  doch  haben  die 
noch  grünen  Beeren  in  der  Form  auch  Ähnlichkeit  mit  denen 
der  Hün(t)schen  genannten  Weintrauben. 

Herren-:  das  den  Herren  (Geistlichen,  Beamten, 
Professoren)  als  ein  Teil  ihrer  Kompetenz  zukommende 
Brennholz  aus  einer  Staats-  od.  Korporationswaldung; 
(anders  in  der  Stelle  bei  Fron-H).  ,Die  Obrigkeit 
von  ScHW  stellt  1720  der  Pfarrei  Schübelbach  eine 
Schrift  über  das  dem  Pfarrer  zu  leistende  Herrenholz 
aus.'  Dettling  1860.  ,Der  Sager  ab  der  obern  SihI 
hat  einen  eigenen  Zug,  das  H.  ab  der  Sihl  [nach 
Zürich]  zu  führen.'  Mem.  Tig.  1742.  ,Was  es  vor  H. 
aus  dem  Stamm-,  Ästen-  und  Grotzenholz  geben  wird, 
soll  der  Weibel  sauber  aufmachen  und  in  den  Kloben 
setzen  lassen.'  1738.  Hotz.  Urk.  —  Hüs-:  Holz  zum 
Hausbau.  ,So  sye  von  einer  ganzen  gemeind  gemeret 
worden,  dass  man  die  kriesböum  nit  solle  abhowen, 
sonder  zu  h.  stan  lassen,  dann  sy  dess  wenig  haben, 
aber  etlich  von  der  pursami  die  zu  steckenholz  ab- 
gehouwen  und  güeter  damit  ingeschlagen.'  1560.  Aa 
Wett.  Klosterarch.  Vgl.:  .Diewyl  sy  under  inen  selbs 
genieret,  die  kriesböum  zu  künftigen  büwen  stan  ze 
lassen.'  ebd.  —  B'-hau"-:  die  langen  Rebschosse, 
welche  vor  dem  Herbst  oben  abgehauen  werden. 
Sdlger.  —  Heizi-:  1.  derjenige  Teil  oder  Aufwuchs 
des  Waldes,  aus  welchem  Heizi  (Reisig  und  Äste  zu 
Brennmaterial)  genommen  wird  Z.  In  ZHöngg  auch 
Flurn.  —  2.  Holz  zum  Heizen  der  Öfen  Z.  Gegs. 
Euchi-Holz.  —  Jung-:  junger  Wald,  im  Gegs.  zum 
Gross-H.  (s.  d.).  .Ein  guot,  buwet  der  im  junkholz.' 
XV..  L  (Urk.).  Als  Orts-  und  Flurn.  in  B;  L;  S; 
Th;  Z  meist  in  der  F.  Junk-,  wie  Junker  aus  Jungher. 

Jöse°-:  als  Brennmaterial  geschätztes  Buchen- 
holz, welches  die  Schiffer  vom  Walensee  an  den  ZS. 
brachten.  —  Jöaen,  eine  jähe  Halde  östlich  von  GQuinten. 

Chüe-  s.  Kien-H.  —  Chüechli-:  die  in  dürren 
Splittern  und  Spänen  bestehenden  Abfälle,  welche 
beim  Spalten  und  Behauen  der  Rebstecken  im  Winter 
etwa  von  Hausfrauen  auf  die  bevorstehende  Fastnacht 
zum  , Kücheln'  hei  Seite  gelegt  werden  ZZolI. 

Geiss-Chüechli-:  Hartriegel,  corn.  sangu.  B; 
UwE.  —  ,Die  Blätter  geben  das  beste  Geissfutter.'  Kasth. 
1828,    141.      Syn.    Gcisa-IIaden. 

Chüefer-:  Holz,  wie  es  der  Küfer  braucht,  bes. 
rottannenes  Z ;  vgl.  Wagner-H. 

Chigg-:  Kienholz  GA.  —  Chiyi/  scheint  aus  Chie' 
entstellt  zu  sein. 

Chol-:  Holz  zum  Kohlenbrcnnen  ZO.  .17—18 
Klafter  K.  ans  den  Staatswaldungen.'  Z  Rechtspfl. 
.Dem  schmid  zue  kollholz.'  1572.  Hotz,  Urk.  Auch 
Orts- und  Flurn.  B;  L;.G.  ,Zwei  Mannwerch  im  Kol- 
hölzli.'  1653.  AAWett.  Klosterarch.  Vgl.  Kol-Grueb. 
—  Chalber-:  der  innere,  gewöhnlich  braun  ge- 
färbte Kern  eines  Stammes  Tannenholz,  der  beim 
(Stichel-)  Spalten  sich  oft  selbständig  herauslöst,  wie 
das  Kalb  aus  der  Kuh;  als  Brennholz  beliebt  ZZoll. 


1253 


Halz,  heiz,  liilz,  holz,  hulz 


—  Kilch(e°)-:  einei- Kirche  (als  Widern)  zugehöriges 
Geliölz,  Stück  Wald  (Mey.,  Wetz.).  Chille'-,  Chilch-H., 
auch  Flurn.  Z. 

Kilt-:  das  vor  den  Stuhenfensterii  aufgeschichtete, 
kloin  gespaltene  Brennholz  AiZof.  (Eochh.). 

Scherzh.  so  genannt,  weil  Ton  den  Kilteru  benutzt,  um 
in   die  Stube  zu  gucken. 

Kammer-:  einer  fürstlichen  oder  bischöflichen 
, Kammer'  gehöriger  Wald.  ,Wann  ein  herr  von  Co- 
stanz  ansitzt  und  sein  erste  niess  will  han,  so  sollen 
sie  im  usser  seinem  k.  drei  fueder  holz  bringen  zu 
der  mess.'  TnEngw.  Offn.  —  Kompetenz-:  das  von 
Gesetzes  und  Rechts  wegen  einem  Beamten  als  Teil 
seiner  Löhnung  zufallende  Brennholz.  ,Der  Weibel 
nemme  für  sein  K.  das  Beste  im  Wald.'  1732,  Hotz, 
Urk.     ,19  Klafter  K.  den  Hm  Chorherren.'  ebd. 

Chüngeli-:  lonicera  S.   —  Eig.  ,Kaninchen-H.' 

Chant-:  schwerer  Balken,  der  nicht  mit  blosser 
Hand,  sondern  nur  mit  Hülfe  des  Hebebaums  oder  der 
Winde  umgedrelit  (umg'kantet,  über  die  Kante  gedreht) 
werden  kann  Z.  —  Chanzle"-,  in  dem  Sprw.  Gh., 
g'sunds  Holz,  Anspielung  darauf,  dass  der  Prediger- 
beruf in  vielen  Fällen  das  Leben  zu  verlängern  oder 
kleine  Übel  wie  Zahnschmerzen  udgl.  zu  heilen 
scheint  AaB.;  Z.  —  Kapitschiner-:  Wein  (scherzh.), 
in  der  BA.:  Mit  K.  heizen,  tüchtig  Wein  trinken  L 
(Ineichen);  vgl.  K.-Geld.  —  Chäppeli-:  Spindel- 
baum, Pfaffenhütlein,  evon.  cur.  S;  U;  Syn.  Pfaffen- 
Käppli.  —  Chopf-:  1.  der  Langseite  eines  Gebäudes 
entlang  auf  den  , Köpfen'  der  Querbalken  aufliegender 
dünnerer  Balken,  auf  welchen  die  Dachrafen  zu  ruhen 
kommen  Z;  vgl.  Rigel-Sell.  —  2.  junge  Laubholz- 
stämmchen,  die  oben  gekappt  sind.  ,Kopfholz  und 
Schneitelholz.  Wollt  ihr  die  Stämme  köpfen,  so  müsst 
ihr  das  in  einer  Hohe  des  Stammes  tun,  wohin  das 
Vieh  nicht  reichen  kann:  dann  habt  ihr  sog.  Kopf- 
holzstämme.  Schneitelstämme  bekommt  ihr,  wenn  ihr 
den  obersten  Trieb  des  Stammes  stets  verschont  und 
nur  die  Seitenäste  alle  3,  4—5  Jahr  abhaut.'  Kasth. 
1829.  , Diese  Bäume  vertragen  den  Schnitt  gut,  d.  h. 
lassen  sich  als  Schneidel-  oder  K.  benutzen.'  Verbess. 
des  Gr  Waldwes.  1838.  Anders  wohl  Kopf- Holz, 
Ortsn.  ZHinw. 

Cherb-:  1.  Holzsorten,  welche  beim  Spalten 
Risse  und  Furchen  werfen  (cherhe")  Aa.  —  2.  wie 
nhd.  Aa  f ;  ScnSt.  's  (jöt  Alles  bl-n-im  uf  's  Gh.,  auf 
Borg  ScnSt.  Uf-em  Gh.  stö',  im  Schuldbuch  stehen. 
SüLGER.  ,Die  erschlagnen  wurden  an  kerfhölzer  an- 
geschnitten und  bestattet.'  1580,  Wurstisen.  ,Wann 
es  sich  begäbe,  dass  einer  wyn  für  sich  solbsten  hette, 
derselbig  soll  befuegt  syn,  synen  wyn  anstechen  ze 
lassen  und  die  wynsigler  ansprechen,  dass  sy  den  wyn 
siglen  und  an  die  kerbhölzer  schnyden.'  1594,  Arg. 
,Als  auch  ctwann  diejenige,  so  Schreibens  und  Lesens 
nicht  zum  besten  berichtet,  sich  mit  schlechtgemachten 
Kerfhölzern  oder  Zedeln  begnügen  lassen;  sofern  dann 
jemand  zu  Beweisung  seiner  Schulden  einig  Kerfholz 
oder  Zedel  im  Rechten  fürbringen,  darneben  die  von 
dem  andern  Teil  fürgezeigte  Gegenzedel  oder  Hölzer 
gleichförmig  erfunden  wurden,  solle  denselben  Glau- 
ben gegeben ;  da  aber  der  ander  Teil  keines  Gegen- 
kerfzedels  oder  Holzes  geständig . . .'  1719,  Bs  Rq. 
Sonst  nicht  volkstümlich  (s.  das  Syn.  Beile"),  wiewohl 
K.   neben  Beilen   auch    bei    Fris.-MaT.    vorkommt.  — 


3.  dreiseitiges  Prisma  aus  Hartholz,  auf  welchem  ge- 
fallene Mädchen  knieen  müssen  SSchwa. 

Über/  vgl.  Hefe  Sp.  1019  und  Gr.  WB.  V,  557  ,Kerbe'; 
ein  Vb.  cherhe',  nagen,  ist  Schweiz,  belegt,  sonst  könnte  das 
W.  als  Lehnw.  gelten. 

Chatze»-  (auch  Dim.):  ein  unter  dem  Firstlwlz 
parallel  laufender  zweiter  Firstbalken,  nur  im  Dache 
uralter  Häuser  B;  L;  S.     Syn.  Na'>'-First. 

In  Deutschi.  ,Katzcn-Balken,  -Baum,  -Läufer'  s.  Gr.  WB. 
s.  V.  ,Katzeu-Diele' :  Alles  Bezeichnungen  für  den  Lieblings- 
sitz der  Katzen;  vgl.  auch  Kutzen-Sug,  ebenso  Vogd-Bolz. 
Hingegen  der  Ortsn.  K.  in  ZHorg.  vom  ehemaligen  Aufenthalt 
wilder  Katzen. 

Chlafter-:  im  .Klafter'  (Kloben)  gemessenes 
Brennholz,  welches  aus  grossen  Scheitern  (Kauf-, 
Klafter-Scheitern)  besteht  Z.  ,Eine  Hofstattsgerechtig- 
keit habe  jährlich  ein  Klobcnklafter  zu  6'  Höhe,  6' 
Breite  und  3'  Tiefe,  sog.  KL,  zu  beziehen.'  Z  Rechtspfl. 
—  Chnebel-:  Rundholz,  bestehend  aus  Ästen,  dün- 
nen Stämmen,  als  Heizmaterial  und  zum  Kohlenbrennen 
verwendet  Z.  —  Chrum(b)-:  1.  Pflugsterze  GnObS. 
Syn.  Pflueg-Fm-grjen;  s.  B.  IV  S.  40.  —  2.  Krumm- 
holzfichte, pinus  cembra,  mont.,  pum.  Gr.  Vgl.  die 
syn.  Benennungen  pinus  uncin.,  ,Hakenföhre',  pin  ä 
crochet;  östr.  Orump-H.  —  3.  (scherzhaft  übertr.) 
Wagner  Bs;  Syn.  Ghr.-Holzer.  —  Chripp-  Ap;  GoT., 
Ghripf-  Z:  Bohle,  welche  die  Vorderseite  der  Krippe 
bildet;  ^jn.  Chr.-Baum ;  vgl  Grab- H.  —  Chrapfe»- 
Hölzli:    Rollstab,   den  Krapfonteig  zu  walzen  Ndw. 

,Laub-Holz:  alles  Holz,  welches  man  zu  ungefähr 
25  Jahren  fällt  oder  aushaut,  so  dass  während  dieser 
Zeit  wieder  neues  Holz  aus  den  Wurzeln  und  Stäm- 
men aufschiesst  und  sich  so  immer  fortpflanzt.  Von 
dieser  Art  Holz  sind  die  Eichen,  Erlen  u.  a.  L;  Zg; 
Z.'  St.*"  —  So  bei  der  alten  Forstwirtschaft,  wo  mau  den 
Wald  noch  nicht  durch  Setzlinge  erneute. 

Löffel-:  Feldahorn,  acer  camp.  AABb.  —  Früher 
wurdeu  daraus  Löffel  geschnitzt. 

Luffe"-:  Art  Balken  oder  Bretter,  beim  Häuser- 
und  Scheunenbau  gebraucht.  ,8  Stumpen  zu  Trämen 
im  Stal,  5  Stumpen  zu  L-holzen  und  Triemen,  3  Stum- 
pen Saghölzer.'  1648,  Hotz,  Urk.  —  Läger-:  die 
Längsbalken,  auf  welchen  der  Stallboden  ruht  S.  — 
Lehen-:  zu  einem  Lehen  gehöriger  Wald.  S.  Hotz, 
Urk.  in  172  f.  —  Liene"-:  Schutzlatten  in  den  mit 
sogen.  Infar  versehenen  Scheunen  um  «lic  Vertiefungen 
herum,  namentlich  zum  Schutze  des  Ziinviehes  längs 
der    (tiefer   liegenden)  Heubülnie    ;uii,'eliL:ielit    ZWäd. 

Lang-  Lank-  Aa;  B;  SL.,  Land-  B;  L;  S:  auf 
der  Mauer  oder  bei  Holzbau  auf  den  ,Sgchstüden'  auf- 
liegender und  darüber  hinaus  ragender  Längsbalken, 
welcher,  mit  der  First  parallel  laufend,  die  Dachrafen 
trägt.  —  Über  k  aus  ijh  vgl.  Jumj-ll.;  Land  aus  himj  wie 
in   Lmul-WUl. 

„Lingel-:  Lineal."   —  Lingh",  linieren. 

Lös-:  Holz  aus  einer  Korporations-  od.  Gemeinde- 
waldung, welches  an  die  Anteilhaber  oder  Bürger 
durchs  Los  verteilt  wird  B;  „Gr;"  GSev.;  „W";  vgl 
Gab-H.  —  Leit-,  Leid-:  Seilerwerkzeug,  konisches 
Stück  Holz  mit  Längskrinnen  für  die  einzelnen  Schnüre, 
welche  durch  dieselben  zum  Drehen  zsgeleitet  werden 
Z.    Schon  bei  Mal. 

Lotter-:  Gerät  eines  fahrenden  Gauklers  (,Lot- 
ters').    .Harby  icli's  jetzund  lass  belyben,  myn  1.  mit 


1255 


Halz,  heiz,  hi 


liolz, 


l2r.( 


fröuden  tryten  us  diseni  in  ein  anders  land.'  Salat 
1537.  ,Ich  -ffill  nun  furer  min  1.  jagen.'  ebd.  Auch 
bei  Gengcnb.  —  Dass  das  L.  zum  Weissagen  gedreht  wurde 
(lovf  timhe,  l,  lauf  umhe!)  s.   Gr.   Myth.    1063. 

Litze°-Holz:  ellsteckenartiger  Stab  der  Posa- 
menterei  zum  Litzen  machen  ßs.  —  Maie"-:  Sahl- 
weide,  sal.  capr.  GWyl.     Syn.  (Maic"-JPßfe"-H. 

Malm-:  Laubholz  W.  —  Von  nmim,  milde,  weil  eines 
mildern  Klimas  bedürftig  als  das  Nadelholz;  Tgl.  WiUl-Hoh. 

Man-:  besondere  Art  von  Tannholz  mit  maseriger 
Struktur  GRPr.;  vgl.  Ägen-H.  —  Der  Maser  viell.  den 
Flecken  des  Mondes  (Man)  verglichen? 

Mund-:  Rainweide,  ligustrum  Bs  (Spreng).  Auch 
bei  Mal.  S.  Chern-Gert  Sp.  442.  -  Das  Holz  wurde 
gegen  .Mundßule'  (s.  Bd  I   792)  augewendet. 

Marodi-:  Holz,  das  von  der  Flut  ins  Tal  getragen 
wird  und  dort  auf  Sandbänken  liegen  bleibt  Uw.  Syn. 
Sand-H.  —  Von  marod«»  (frz.  maraudcr),  plündern,  rauben, 
weil  solches  Holz  herrenlos  ist;  Tgl.   Doldo-H. 

Masern-:  Ahorn,  acer  camp.  (Durh.);  vgl.  Mass- 
Holder.  —  Mesner-:  Brennholz,  das  dem  Mesmer  als 
Teil  seines  Lohnes  geliefert  wird.  1723,  Absch.  VII  1, 
821.  —  Mutte»-:  Holzgestell,  auf  dem  die  Mutten 
[Milchnäpfe]  aufgestellt  werden.  JJSchedchz.  1706. 

Nä"''-:  diejenigen  Dachpfetten,  auf  welchen  die 
Balken  des  obern  Dachbodens  ruhen  ZWäd.  f ;  vgl. 
Näch-Stud,  -Bretten.  —  Nach  hat  hier  ungefähr  den  Sinn 
Ton  ,neben'. 

Fasnacht-.  ,Bezüglich  des  F-es.  Jede  Haus- 
haltung haut  ihre  bestimmte  Khifter,  setzt  sie  im 
Walde  auf.  Des  Holzes  Länge  soll  sein  4Va  Werk- 
schuh.' 1662,  AAVilm.  Offn.  —  Wichnacht-:  das 
jedem  Waldberechtigten  alljährlich  zugewiesene  Bau- 
und  Brennholz,  welches  er  gegen  einen  Vogtzins  ab- 
holt AALunkh.  t  (Arg.  1861).  ,Das  sog.  Weihnacht- 
holz, welches  die  Untertanen  [dem  Gl  Landvogt  zu 
Werdenberg]  liefern  müssen.'  PTschl'di  1726. 

Nagel-:  1.  Piainweide.  lig.  vulg.  GWe.  —  2.  Brett 
mit  vielen  Holzpflöcken  zum  Aufhängen  von  Kleidern 
usw.  S.    -    1   zn  hölzernen  Nägeln  verwendet. 

Schueh-Ne'geli-:  Spindelbaum,  evon.  eur.  Aa; 
B.  Syn.  Spissli-H.  —  Das  sehr  feine  und  harte  Holz  wird 
zu  Schuhnägeln  verwendet. 

Narre"-:  Britsche  zum  Schlagen.  ,[Der  neue 
Schulmeister]  brauchte  bei  seinem  Strafen  das  N.  sel- 
ten, das  der  alte  immer  in  Händen  hatte.'  HPest.  1785. 

—  „Not-:  nur  zur  Zeit  der  Not  geschlagenes  Holz, 
um  es  zu  Brücken,  Dämmen  usw.  zu  gebrauchen  BO." 

—  Bü-:  Tannenholz  zum  Bauen,  in  Alter  und  Dicke 
zwischen  den  , Sagbäumen'  und  , Latten'  stehend,  allg. 
B.  bieten,  Kinderspiel,  wobei  ein  Kind  als  Wächter  auf 
einem  Baumstamm  die  übrigen  denselben  nicht  be- 
treten lässt;  Syn.  Tannen-Fähis.  Auch  vielfach  als 
Flurn.  —  Bü-Eölzli:  1)  ein  kleines  Stück  Bauholz.  — 
2)  kleine  Hölzchen  in  Form  von  Balken,  Bausteinen, 
womit  die  Kinder  das  Bauen  nachahmen,  welches  Spiel 
(nach  Z  Neuj.  Chorh.  1820)  von  JCLav.  oder  seinem 
Freunde  Pfenninger  aufgebracht  wurde.  —  Bach-: 
Holz  zum  Heizen  des  Backofens  S.  —  Bad-Hölzli: 
Hölzchen,  welches  ins  Wasser  hinausgeworfen  wird 
für  den,  der  beim  Ankleiden  nach  dem  Baden  der 
Letzte  ist,  so  dass  derselbe  sich  nochmals  ausziehen 
und  es  holen  muss  ZS.  —  Bode^-Holz:  Holz  zu 
Passböden  Z;  Syn.  Boden-Stuck;  Ant.  Tügen. 


Begel-:  Werkzeug,  womit  die  Glasplatten  geglättet 
werden  STierst.   —   Wohl  von  högUn,  glätten,  plätten. 

Eechc''-Bögli-:  Name  mehrerer  Sträucher,  bes. 
vib.  laut.  Aa;  ,B;  L;"  Uw  und  lig.  vulg.  B,  deren 
Zweige  sich  durch  ihre  Zähigkeit  zu  Bechen-Bögli 
eignen.  —  Bock-:  ein  dünneres  Holz,  welches  wie 
das  Kopfhnlz,  nur  weiter  unten,  nämlich  auf  den  Böcken 
aufliegend,  der  Langseite  der  Gebäude  entlang  läuft 
als  teilweise  Unterlage  für  die  Schupfrafen  ZWäd. 
Vgl.  Nach-H. 

Pulver-:  Faulbaum,  rharan.  frang.  Aa;  G;  Scn; 
Syn.  PuherSueten.  —  Das  verkohlte  Holz  dieser  Staude 
dient  zur  Bereitung  von  Schiesspulver. 

Ba(nn)-:  Bannwald,  für  Zwischenbenutzung  ver- 
botener Waldeinschlag  TnErm.  Bei  dem  im  Baum- 
garten vorgehenden  Spiele  des  Plätzewechselns  ruft 
Jedes,  sobald  es  einen  Baum  erlangt:  Budi  BähoU, 
ich  ha"  Holz!  LH.  ,Von  banhölzeren,  schwenden, 
kolen  und  anderem,  so  das  holz  belanget.'  1572,  SchwE. 
Waldstattb.  Als  Flurn.  B;  L;  G;  Z.  S.  noch  Geschfo. 
Ges.  13,  103.  Bannholzer,  Geschlechtsn.  in  BO.  Der 
.Bannhölzler',  ein  Gespenst  bei  ZaWalchw.,  s.  Lüt. 
Sag.  387. 

Bei"-  s.  Anm.  zu  Chern-Gert  Sp.  442.  Syn.  Bein- 
Wid.  —  Eot-Bei°-:  roter  Hartriegel,  com.  sangu. 
(Hegetschw.).  —  Bein  bezeichnet  die  Härte  des  Holzes; 
vgl.   Isen-H. 

Band-:  Balken  am  Dachstuhl,  welcher  zur  Ver- 
bindung dient  SWA.  ,70  Stumpen  hübsch  holz  zue 
rafen  und  allerlei  b.'  1562,  Hotz,  Urk.;  vgl.  Bris-H. 

„Schwarzbändel-:  Alexenbaum",  Trauben- 
kirsche, auch  Heckenkirsche,  prunus  padus.  -  Der 
Name  von  dem  sehwarz-weissen  (streifigen)  Holze. 

Bund-,  Bunt-:  Verbindungsbalken,  unterste Pfette, 
.Unterzug'  (bei  Dachstühlen,  Eiegelwänden)  Aa;  B; 
Th;  Uw;  vgl.  fligenderj  Bund  u.  Bris-H.  —  Benggel- 
=  Knebel-n.  BM.  -  Pension-  s.  Burger-H.  —  Pan- 
to  ffel-:  Korkholz.  allg.  ,Von  Saumgüetern  als  Keuss, 
Bantoffelh.,  jedem  Saum  3  Kreuzer.'  1401,  JVetter 
1864.  jBantofflenh.,  phellos,  suber.'  KdGessn.  1542. 
,Hölzine  Zapfen,  aus  P.  gemacht.'  JR  Landend.  1608. 
Auch  Denzl.  1677;  1716.     Vgl.  Floss-H. 

Dinte''-Beri-:  Eain weide,  lig.  vulg.  Bs  (Spreng). 

—  Nach  der  Verwendung  seiner  Beeren  benannt. 
Pure"-:  Brennholz,  welches  von  den  Bauern  be- 
zogen wird  ZStdt.  ,Baurenh.  [im  Gegs.  zum  ,Burger- 
holz']  soll  den  Messerlohn  entrichten,  man  lasse  es 
messen  oder  nicht'  B  Holzordn.  173.3.  —  Burger-: 
den  Stadtbürgern  jährlich  aus  dem  Stadtwald  verab- 
folgtes Brennholz.  Ln  Bat  so  ßhäch  [keck,  fest]  mie 
B.  B.  ,Dass  jeder  Burger  seine  ihme  jährlich  ein- 
geschriebene Klafter  Burger-  oder  Pensionholzes  jedes 
zu  5  Schuh  Höhe,  6  Schuh  Breite  und  drei  und  ein 
halben  Schuh  Länge  au  dürrem  Holz  ohnunterlegt  vor 
dem  Haus  zu  enipfahen  haben  solle.'  B  Holzordn.  1733. 

—  Bast-:  Holz  der  Linde,  tilia  GSa.;  Syn.  Bast.  — 
Bett-:  Bettlade  ZHorg. 

Biete"-:  das  Querholz,  welches  das  Schiffshinter- 
teil (bzw.  Vorderteil)  abschliesst  und  die  Bretter  zu- 
sammenhält Z;  Syn.  Bieten. 

Anders  scheint  der  Z  Orts-  u.  Geschlechtsn.  B.  {,Bietins- 
hülz.'  1217)  erklärt  werden  zu  sollen;  etwa  von  einem 
Mannsn.   ,''Buatin*',   wie  Bictingen  (,Puatinga.'   892). 


I2r.i 


Ha 


lülz.  holz,  Inih 


1258 


.Süess-bitter-:  Nachtschatten,  Bittersüss,  sol. 
dulc.  GWe.  —  Buttis-  s.  Gutsch  Sp.  563. 

Butschelle"-:  Spindelbaum,  evon.  enrop.  GWe.; 
Syn.  ScMUen-H.,  Mutschellen,  ans  welchem  B.  ent- 
.stellt  scheint.  —  Bio  Frucht  hat  die  Form  von  vierteiligen 
WcL-licn  (MuUchaUen). 

Butz-:  1.  =  mh-H.  Z.  —  2.  bildl.  ,Nur  die  Rei- 
chen nutzen  ab  den  Alpen  und  Allmenden,  der  Arme, 
welcher  kein  Vieh  vermöge,  sei  am  ß.'  Obw  Volksfr. 
1885.   —   2  viell.  verderbt  aus  Butth-H. 

Pfiffe»-  GSa.;  Th;  Z,  Maie°-Pfiffe"-  Scu; 
ZSth.:  Sahlweidc.  sul.  caiir.,  in  GSa.  der  Faulbaum, 
rhamn.  frang.,  Sir;iih|i,r.  aus.b'i.ii  Kinde  die  Knaben 
im  Frühling  ririlrn  zu  m  liii.iarii  iiÜLgen.  ,Was  präch- 
tig, aufblasen  wie  pteitlenhulz.-  Öchertw.  1579.  — 
Pfil-:  hölzerner  Pfeiler?  ,Man  hat  im  Oktober  die 
Linth  vermittelst  Wuhren  und  gschlagene  Pfeilhöl- 
zeren wieder  in  die  alte  Furt  richten  wollen.'  1762, 
GLSchwanden  Tagwenb. 

Pfannen-.  ,Eömisch-katholisch:  ein  hölzin  Schür- 
eisen, auf  Teutsch  so  viel  als  sonderbar-allgemein,  ein 
eisernes  Pf.  [eine  contradictio  in  adjecto].'  1747,  Z 
Rhein.  Beantw.  —  Vgl.  Schür-Ism  Bd  I  54-1  und  bei  Gr. 
WB.   in  eig.  Bed.:  hölzerne  Pfanneuunterlage  auf  den  Tisch. 

Pfleger-:  Einkommen  des  Pflegers  des  Chor- 
herrenstiftes Z  aus  den  Stiftswaldungen.  Hotz,  Urk. 
II  16.  —  Pflueg-:  Pflugbaum  Gr  ObS.  (-Helzli). 
,T)entale,  das  pfl.  oder  pflueghaupt,  daran  der  wägiss 
gestossen  wirf  Fris.  —  P  loch  er-:  Holz  in  Form  von 
Blöcken  Z.  ,115  Stämme  Tannenholz  und  Blöckerh.' 
1887,  GSa.  (Inserat).  —  Blas-:  klein  gespaltenes  Holz 
zur  Unterhaltung  des  Bläs-Für  (Bd  I  948)  Tn.  — 
Blater-:  Franzosen-H.  ,B1.,  gaiacum  lignum,  ge- 
nug hebeni.'  KdGessn.  1542.  .Hebenus,  ein  indiani- 
scher Baum,  das  bl.'  Fris.  Auch  bei  JRLandenb.  1608 
und  ZElgg.  Arzneib.  c.  1650.  —  Brügel-:  Rundholz 
zum  Brennen  oder  zu  Knüppelwegen  verwendet  Z. 
, Brügel-,  Zimmer-,  Schindelholz.'  GrD.  Lß.  ,20  Fueder 
Tannest  und  etwas  Br.,  die  katachtigen  und  unweg- 
samen Strassen  zu  verbesseren.'  1646,  Hotz,  Urk.  I''' 
will  i  [euch]  «o"*  öppis  Kleiderigs  ühercho'  [bekommen]: 
es  Häfeli  Br.,  Liebäst  Hut.  B'schniäe^ctlöpf.  XVIII., 
L  Spiel  [scherzh.  AusKt('iiiM-L;-i>!r''iist:nHl'' [  —  Uniu-i-: 
Holzstamm,  der  die  hiilzoi  ip'  i:rlinlimiu^  illnn/n,  :nii 
der  die  Kühe  im  Stalle  .strhoii.  v..in  Giui-  fr.-init  Xi.w. 
—  Brugg-:  1.  hölzerue  Bohlen,  aus  welchen  die 
Brugg  oder  Brügi  im  Stalle  besteht  GA. ;  SohwE.  — 
2.  Holz  zu  Brücken,  ,0b  jeman  bäti  umb  br.  oder 
stegholz.'  1463,  Obw. 

Bresile"-:  Brasilienholz  zum  Färben  Z;  Syn. 
Br.-Sj'än.  ,Lignum  acanthinum,  Bresilienh.'  Denzl. 
1677;   1716.    —    Frz.   Ims  de  Brisil. 

Bris-:  wagrecht  liegender  Verbindungsbalken,  als 
Grundlage  und  Einfassung  für  das  Biegelwerk,  die 
Gevierte  bildend  Am  Y<:  L;  S;  Uw;  U;  Z;  Syn.  tn- 
bund;  auch  der  :\[iil.l-  ■•■].  'l'ragbalken  an  der  Stuben- 


decke Gr  ObS. 


y\.Bunä-n.  ,28  Stuck 


Pryshölzer  binden  und  vornen  in  dem  Ingebüw.'  1648, 
Hotz,  Urk.  ,15  grosse  Tannen  zu  Stüden  [Pfosten]  und 
Preishölzeren.'  1739,  ebd.  -  Bnmn,  einfassen,  -schnüren. 
Brust-:  Brüstung,  Brustwehr  Z.  ,Die  Brusthölzer 
der  Eniporkirchen,'  JEWäser  1829.  Auch  im  Stall 
SNA. 


Brätzele"-:  Spindelbaum,  evon.  eur.  B;  Uw.  Syn. 
Mer-Bretschelen.  —  Von  der  Frucht,  welche  ,Bretze)n'  ver- 
glichou  wurde;  s.  ButscheUcn-I/. 

Bib-:  Werkzeug  des  Schusters  zum  Glätten  der 
Nähte  L;  Z.  ,4  Gneiper,  4  Reibhölzer.'  1824,  ZZoll. 
Pfandb.  —  ,R!ich-,  so  zwischen  den  spaltaderen  ist, 
pulpaj  in  fructibus  et  ligno  etiam  nominantur  partes 
molliores  sine  cortice  et  nervis.'  KdGessn.  1542. 

Rauch-:  1.  Waldrebe,  clematis  Scn;  Tn.  - 
2.  Wachholder,  jun.  UU. 

1  wird  von  Knaben  zum  Rauchen  benutzt,  2  dient  zum 
Räuchern;  vgl.   licch  (Kauch)- Holder. 

Reche"-:  horizontale,  dünne  Balken  im  üach- 
gebälk,  welche  zur  Befestigung  der  Raten  dienen  S; 
oberste  Pfette  ZKlot.;  =  Katzen-H.  AAßirm.  -  Riehen, 
oberster  Dachboden  in  Haus  oder  Scheune. 

Rieht-:  1.  Deichsel  des  Schlittens;  Syn.  Wis-H. 
,Ist  aber,  das»  im  [dem  Holzhauer]  ein  wid,  ein  achsel- 
stab  oder  ein  r.  Iiii.hi't.'  \\'..  Z.  —  2.  Galgen?  Der 
Rat  von  Bern  am w.irf.i  h.'iion  von  Saanen,  welche 
sich  von  dem  (iralVii  von  Groyerz  in  ihren  Rechten 
gekränkt  erachteten:  ,0b  der  arm  nit  dannen  tan, 
blyben  lassen,  und  so  er  schon  dannen,  ein  guete 
sach  syn  lassen,  by  iren  fryheiten  blybend,  nüt  rich- 
tind,  bis  er  [der  Graf]  das  r.,  wie  jr  brief  wyst,  üf- 
richtet.'  1551,  Absch.  IV  1  e  499.  —  Reuf-:  1.  zu 
Reifen  dienliches  (bes.  Eschen-)  Holz  Z.  —  2.  in  eiser- 
nen lleiroii  -■(■iiH's.s.Miijs  lind  M.'iKaiific's,  klein  gespal- 
tenes HivihiIimI/  ZSldl,  l;n-r|.:  llnlz  in^orm 
ungespalt.-ii.M-  ilaiiiiisiaiiiiih'  i .  1,' u-i'lir  i  im  Gegs.  zum 
Spiateti-H.'L.-  Reck-:  Wachholder,  jun.  UU.;  Syn. 
Reckholder-H. 

Ron-:  im  Wald  verfaulendes  Holz  FS.  -  Rr<n, 
alter,  dürrer  Baumstamm. 

PfiffC-Rörli-  Gl;  Gr,  Tubak-Rörli-  AAWyl: 
Beinweide,  Ion.  xyl.  —  Zu  Tabaliiifeifenrohrcn  verwendet 
wie  das  Weichsnlholz. 

Rüsch-:  Holz  zu  Fischreusen;  s.  Fach-H.  — 
Rüesch-  s.  Eucst-H.  —  Resp-:  dürre  Rebschosse; 
Syn.  Bcspi.  ,Sarmentum,  räspholz,  von  Weinreben  ab- 
geschnitten.' Fris.;  Mal.  —  Riester-:  Holz  zur 
Pflugriester.  ,Es  soll  keiner  holz  hauwen  änderst 
dann  r.  zue  synem  ptlucu-.-  'i'iiMrillli.  Offn.  S.  Grotzen 
Sp.  s;!7.  —  llüst-:  (iriii^lli.ilz.  .i:s  soll  den  Maurern 
beim  Turmbau  auf  dos  G>,|i>li:,u.  K..sten  alles  R.  an 
die  Hand  o-e-cben  woid.Mi.'  K;;:.,  '/.  üaiivrrtr.  Vgl.: 
,1  FulirGrüsth.-  h;'X,.  llniz.  I'ik.  l;n.',,t-:    llüstor. 

Ulme.  17!(),  Z  Znll.  Ar/noib.  .1;  iirsdih.dzi^-cwüchs.^ 
ebd.;  vgl.  .Rüstbaiiiiikii'iiillin.'  rli,!.  l.)ie  alte  Form 
Buesfer  noch  brwaliit  m  »lini  Z  ( Irs.  hb'chtsn.  ,Ruester- 
holz'.  —  Eüt-:  WaMiMv.irk  au  .t.iloii  Abhängen,  den 
man  ausrodete,  um  ilni  dann  mit  Ivurn,  im  2.  oder  3. 
Jahre  mit  Kartofl:eln,  hernach  ein  Jahr  mit  Büti- 
Erbsen  zu  bepflanzen  und  dann  wieder  sich  selbst  zu 
überlassen,  bis  die  Nutziiiessung  in  der  geschilderten 
Reihenfolge  auf's  Neu.'  beginnen  konnte,  was  etwa 
nach  25  Jahren  dir  Fall  war  BE.  f  —  Sag(i)-: 
Baumstamm,  wulclicr  zu  Brettern  gesägt  werden  soll; 
die  bei  der  Sägemühle  (Sagi)  aufgeschichteten  Stämme 
Aa;  B;  Gr;  GA. ;  vgl.  Sag-Baum.  ,56  sagträmmel, 
140  saghölzer,  402  rafen.'  1491,  B  (Gfo.).  ,Us  den 
selbigen  sagtannen  hat  man  sy  24  sagböum  machen 
lassen,  mit  bedingen,  dass  man  inen  kein  wyter  s. 
geben  werde.'  15G2,  Hotz,  Urk.    ,l)en  11.  ßrachm.  hat 


Halz,  heiz,  hilz,  liolz,  liulz 


1260 


man  die  Saghölzer  verkauft  im  Homberg.'  1772,  ZNür. 
(Rodel).  —  Sihl-:  Brennholz  aus  dem  der  Stadt  Z 
gehörenden  Sihlwald,  welches  auf  dem  Sihlflusse  nach 
Zürich  geflösst  wurde  ZStdt.  S.  noch  Rat-Gelt.  — 
Saraichlaus-Hölzli:  fusslanges,  vierkantiges  Stäb- 
chen, in  welches  die  Zahl  der  gelernten  und  täglich 
gesprochenen  Gebete  (Vaterunser,  Aveniaria,  je  10 
durch  ein  Kreuz)  eingekerbt  ist  und  welches  von  den 
Kindern  dem  S.  Nikolaus  bei  seiner  Einkehr  vorge- 
wiesen werden  muss  AAFri.  —  Sand-Holz:  Treibholz, 
das  der  Tluss  mit  sich  führt  und  auf  seinen  Sandbän- 
ken ablegt  Gr;  GWa.  (Sann-E.).  —  sand-holzen, 
solches  Treibholz  nach  der  Überschwemmung  sam- 
meln. —  S a s - H 0 1  z  s.  Ans-H.  —  Süess-:  1.  =  Süess- 
bitter-H.  S ;  Th.  —  2.  tvilds  S.,  süssholzblättriger  Tra- 
gant, astr.  glyc.  (Durh.).  —  3.  Tüpfelfarren,  Engel- 
süss,  polyp.  vulg.  Zu.  —  4.  wie  nhd.  S.  rasple", 
süsslich  tun,  reden  L;  Th.  ,So  ist  myner  hcrren  [zu 
Zürich]  antwort  [an  die  Vürte],  git  man  inen  heim 
ze  füeren  und  für  süessholz  daran  ze  kuwen.'  1531, 
Absch.  (iron.  bei  einer  scharfen  Antwort).  —  Setz-: 
1.  Balken  oder  Baumstamm,  der  als  Stütze  dient, 
untergesetzt  wird;  Syn.  Setsei.  ,Anteris,  ein  holz, 
tram  oder  saul,  setzling,  s.,  undersetzling.'  Fris.  ;  Mal. 
,I)as  [baufällige]  Hus  mit  starken  Setz-  und  Speer- 
hölzern undersetzen  und  understützen.'  1648,  Hotz, 
Urk.  —  2.  Holz  mit  Griff  zum  , Setzen'  von  Pflanzen, 
Gemüsesetzlingen  Z.  Syn.  Steck-H.  —  Schüch-:  ein- 
faches hölzernes  Geländer  einer  Brücke  (zum  Schutze 
für  scheue  Pferde)  Gl.  ,Die  Brück  über  die  Lint 
betreffend  liegen  die  Saashölzer  und  Pfeiler  auf  ge- 
meinem Landsseckel,  die  Streui-  und  Scheuhölzer  aber 
auf  den  Tagwen  Mollis  [usw.];  und  soll  ein  Seckel- 
meistor  die  Tagwen  fleissig  dahin  anhalten,  dass  die 
Läden  wenigstens  9'  lang  und  2V2"  dick  seien,  wie 
auch  die  Sch-er  grad  gegen  einander  geriebet.'  Gl 
LB.  1805.  —  Scheid-:  bei  der  Seilerei  ein  auf  einer 
Stütze  befestigtes  Querholz  mit  vielen  eingeschlagenen 
Stiften,  zwischen  welche  die  einzelnen  Schnüre  ein- 
gelegt werden,  damit  sie  geschieden  bleiben  Z.  — 
Schi-:  Holz  zu  Sclnjen  (Reh-,  Zaun-Pfählen).  .Alles 
Holz  zu  dem  wyngarten,  ze  stageln  oder  ze  schyholz 
mugent  sy  in  unserra  holze  howen.'  1373,  L  Urk.  ,So 
soll  enkeiner  dorfmann  enkcins  schyholz  ussrem  berg 
nit  ziehen  noch  rueren,  wann  dass  er  ab  jeklichem 
schyholz  soll  vorab  machen  dry  schindeldötz.'  1433, 
Uwßuochs  (üorfr.).  .Jedem  Landmann  ist  es  gestattet, 
Schy-  und  Schindelholz  im  Wald  zu  hauen  und  Brenn- 
holz zu  fällen.'  1647,  Abscu.  S.  auch  Stagel-R.  — 
Schueh-:  hölzerner  Schuhlöffel  GrL.  —  Schelle"-: 
=  Butschellen-H.  GWe.  —  Schuel-:  Brennholz,  wel- 
ches (aus  dem  Kirchengut)  für  die  Schule  geliefert 
wurde.  1783,  ZHinw.  (Näf).  —  Schalt-:  Holz  zum 
Schüren  (.schalten')  des  Feuers.  ,Munctorium,  seh.' 
Ebinger  1438;  vgl.  .Munctoria,  kolezanga.'  Diepenb. 
Gloss.  —  Schi"-:  morsches  Kiefernholz,  das  im  Dun- 
keln schimmert,  phosphoresciert.  allg.  Das  Seh.  ro"- 
me'  füle'  Baum  cha'"  viänge'  Tropf  erschrecke".  G  JKuhn 
1819.  ,In  GT.  behängte  sich  1777  ein  Mann,  der  als 
Gespenst  erscheinen  wollte,  um  und  um  mit  Seh.  und 
machte  glühende  Augen  und  Nase  aus  Solchem,  warf 
den  Herankommenden  Seh.  ins  Gesicht  und  sprühte 
Funken  zum  Maul  heraus.'  ü  Brägg.  .Scheinholz 
macht  Figuren,  die  wie  Gespongster  aussehen.'  HPest. 
1790.     ,l)ing,  die  allein  zuo  nacht  schynend,   als  die 


schynwürm,  das  schynholz.'  LLäv.  1569.  .Man  hat 
Exempel,  dass  in  einem  Winkel  ligendes  faul  oder 
Scheinholz  für  Gespenst  gehalten  worden.'  BAnhorn 
1665.  Bildl.:  Bas  ist  Seh.,  nur  Schein  Bs.  —  Schin- 
del-, Schindle'-:  Tannenholz  zu  Schindeln,  allg.  — 
Schopf-,  Schupf-:  unterste  Pfette  am  Dachstuhl  S; 
Yg\.  Schupf-Rafen.  —  Schliss-:  Holz  von  einem  ge- 
schleiften (,geschlissenen')  Gebäude  Z.  ,In  Folge  Ab- 
schliss  eines  alten  Hauses  kommt  zum  Verkaufe  das 
Schi.,  dienlich  als  Brennholz  und  Bauholz.'  Z  Amtsbl. 
1877.  —  Sehne-:  =  Vogel-H.  BSa.;  SL.  -  Schna- 
bel-, -hölzle,  löffel,  cochleare.'  Mal. 

Schneitel-    S.   Kopf-H.    —   SchneitUn,    beschneiden. 

Schnitzel-:  Holz,  welches  sich  zur  Schnitzlerei 
eignet  BBe.  —  Schwebel-  (meist  Dim.):  1.  Schwefel- 
holz, wie  es  vor  dem  Aufkommen  der  Phosphorzünd- 
hölzchen in  Büscheln  verkauft  wurde,  allg.;  jetzt  nur 
noch  in  RAA. :  Brünne"  wie  Schw.  Aa.  Wie  mit 
Schic.-Hölzlene  schribe",  in  dicken,  groben  Zügen  Z. 
Etw.  Schwaches  oder  Wertloses  bezeichnend:  Er  [der 
starke  Bursche]  häd  Bengel  verbräche  wie  Schw.  Z. 
De''  Wind  häd  die  Tann  g'ehlöpft  toie-n-es  Schw.  ebd. 
Und  ständlig  Tanne"  hed-er  [der  Riese]  dar'''  d's  Tobel 
g'fergget  wie  Schwebelhölzli  GfiSchiers  (Schwzd.).  Das 
ist  nüd  es  Schw.  wert  Gl;  Z.  Nüd  mir  Schwebelhölzli, 
ganz  Pnschle"  meine',  sich  nicht  wenig,  sondern  viel 
einbilden  Z.  Nüd  Schw.  spalte',  nichts  Bedeutungs- 
loses, Unschuldiges  tun.  ebd.  .Napoleon  war  nicht 
so  stolz,  er  handelte  mit  Schw.;  er  gieng  das  Gässli 
üf  und  ab :  wer  chauft-mer  Schtv.  ab  ?  Spottreim,  wel- 
cher früher  häufig  einem  Mädchen,  das  geziert  einher- 
gieng.  von  andern  Mädchen  nachgerufen  wurde  ZStdt. 
Am  ZS.  geht  die  Sage,  der  König  von  Preussen  habe, 
um  recht  incognito  Beobachtungen  machen  zu  können, 
anno  1815  in  der  Stadt  beim  Bathause  Besen  und 
Schw.  feil  gehalten.  S.  Grämpier  Sp.  738.  ,Nach 
Schwebelhölzlinen  gemessene  Reimen  [Verse,  die 
gleiche  Länge  haben  müssen].'  Bs  Promotionsgratu- 
lation 1624.  Abi.  Schivebel-Hölzler.  —  2.  Pflanzenn., 
Faulbaum,  rhamn.  frang.  G.  Syn.  Pulver-Holz.  — 
Schwell-:  1.  Holz,  welches  den  Mistgraben,  die 
Schale,  im  Stalle  gegen  den  Gang  abschliesst  Schw. 
—  2.  Balken,  auf  welchem  die  Dachrafen  mit  dem 
untern  Ende  aufliegen,  ebd.  —  3.  Schtv. -Hölzli,  Quer- 
hölzchen zwischen  aufgeschichteten  Brettern,  ebd. 
Syn.  Spigeli.  Ygl.  hölslen.  —  Schwemmi-:  dünnerer 
Balken,  mit  dgl.  die  ,Schwemmenen',  d.  i.  die  Zwischen- 
räume des  Blockbaues,  tw.  ausgefüllt  sind  Ndw.  — 
Schwand-:  Holz,  das  durch  Roden  (schwenden)  ge- 
wonnen wird ;  vgl.  Büti-H.  ,Sovil  dann  das  schw.  uf 
den  eignen  güoteren  belangt,  da  mag  ein  jeder  uf  dem 
synen  wol  schw.  houwen  lassen.'  1572,  SchwE.  Wald- 
stattb.  —  Schwendel-  LRottal,  Schwente"-  Aa 
Bottenw. :  Holz,  das  beim  Durchforsten  (schwenden, 
schicenten)  herausgehauen  wird.  —  Schwenk-:  (PI.) 
zwei  parallele  Balken  im  Vorderteile  des  Schiffes,  zwi- 
schen welche  der  Mastbaura  nach  vorn  schief  gestellt 
wird,  wenn  man  unter  einer  Brücke  durch  fährt  Tu 
Bodensee.  —  Schwarte"-:  aus  Schwarten,  d.  i.  den 
grössern  Abfällen  von  Rundholz,  bestehendes  Brenn- 
holz Bs;  Z.  —  Schwarz-:  Flurn.  als  Bezeichnung 
von  dunkelfarbigem  Gehölz,  bes.  Tannenwäldern  L; 
G;  Th;  Z;  vgl.  , Schwarz-Wald'.  —  Speck-:  Holz  von 
den  äussersten  Jahrringen  der  Baumstämme,  welches 
speckig  heisst  und  als  weich  wenig  beliebt  ist  PM. ;  Z. 


Hiilz,  liL'l/.  hilz,  holz, 


1262 


Spille»-:  I.Holz  zu  Spindeln.  ,Ein  Holzfievler, 
N.  N.,  hat  kostlich  Spillenholz  von  Ahornen  aus  dem 
Wald  gehauwen  und  den  Spillenmacheren  verkouft.' 
1G2.1,    Hotz,  Urk.  —  2.  Spindelbaum,    evon.  eur.  Aa. 

—  3.  „Holz,  das  aus  seinem  Samen  aufgeht  Z." 

•2  vor  Erfindung  des  Spinnrades  zu  Spindeln  (Spillen) 
verarbeitet;  so  viell.  auch  3,  wenn  dem  Ausdrucke  nicht 
eine  blosse  Vergleichung  zu   Grunde  liegt. 

Spalte»-:  Stücke  eines  zerspaltenen  Klotzes  (im 
Gegs.  zum  Rund-  oder  Sagholz),  zu  Rebstecken  oder 
zu  Brennholz  bestimmt  Aa;  Gl;  Z.  Viell.  ist  auch 
bei  Vetter,  Stein  a/Rh.  S.  82  in  einer  Urk.  vom  Jahr 
1385  st.  .spatholz'  zu  lesen:  ,(Ein  fuoder)  Spaltholz.' 

—  Spann-:  (auch  Dira.)  Holz  zum  Anspannen  eines 
Strickes,  einer  Schnur,  z.  B.  bei  einem  Fuhrwerk  Gr 
übS.  (Spa-),  an  einer  Handsäge  Z.    Syn.  Spann-Nagel. 

Sl)ilr-:  =  Heien  II 1  (Sp.  855)  Ap.  —  Vom  Sparen 
(Ap  sparen).  Schonen  des  Holzes. 

Sperr-,  <S/)er-Hölzli:  Hölzchen  zum  Ansperren, 
z.B.  in  einem  Vogelschlag,  einer  Falle  Sch;  Z;  Syn. 
Sperrung.  Einem  Schläfrigen,  der  die  Augenlider 
kaum  offen  zu  behalten  vermag,  anerbietet  man  Sp. 
Bs;  Z.  ,Die  Kaiserlichen  haben  etliche  Bauren  auf 
den  Boden  gelegt  und  ihnen  das  Maul  mit  Sperhölzlin 
aufgetan,  ihnen  viel  Wassers  daryn  geschüttet.'  1635, 
Bs  Taschenb.  1862. 

Spissli- Holz  :    Spindelbaum,  evon.  eur.  B. 

Spite,  Spicknadel;  Hölzchen,  au  welches  Leberklötzchen 
gereiht  werden. 

Spreng-Hölzlin:  =  Sperr-H.  ,Die  Hirten  in  den 
Alpen  richten  schwere  Steinplatten  vor  den  [Murmel- 
tier-] Löchern  auf  und  undersperren  sie  mit  Spr.  Wenn 
nun  das  Murmeltierlin  das  Spr.  fället,  muss  es  her- 
halten wie  ander  Maus  in  den  Fallen.'  Sererh.  1742. 

Sprisse"-,  gewöhnlich  Sjjwe"-:  geweihtes  Stück 
Holz,  welches  in  der  Tasche  getragen  oder  umgehängt 
die  Kraft  hat,  einen  ins  Fleisch  gedrungenen  Splitter 
(Sprlssen)  oder  Dorn  heraus  zu  treiben  oder  wenigstens 
die  Eiterung  zu  verhüten  G;   Th;   Z;   Syn.  Dorn-H. 

Das  Spr.  muss  nach  den  meisten  Angaben  in  der  (Schalt- 
jahr-) Weihnachtsnacht  (Var.  alle  7  Jahre)  Schlag  12  Uhr 
in  Einem  Schnitt  unter  Aussprechen  der  höchsten  Namen 
(ohne  dass  man  auf  dem  Heimweg  rückwärts  blickt),  nach 
Andern  12  Uhr  Nachts  oder  Mittags  oder  während  des  Zu- 
sammenläutens  am  Charfreitag  (auch  Palmsonntag)  und  zwar, 
wenn  Sonne  und  Mond  im  Zeichen  des  Krebses  stehen,  oder 
auch  am  längsten  Tag  (bei  der  selben  seltenen  Constellation), 
oder  endlich  am  Andreastag  Nachts  12  Uhr  von  einer  gegen 
die  Morgensonne  stehenden  Stechpalme,  nach  andern  An- 
gaben auch  vom  Schwarzdorn  (oder  Weissdorn)  geschnitten 
werden;  vgl.:  ,Fraxinus,  lignum  illud  «luoque  decantatum 
vulnerarium  dictum  exinde  cuditur,  cum  sol  et  luna  in  ariete 
conjunguntur.  quod  nonnulli  supra  modum  extollunt,  de  quo 
videatur  Schottus  Joco  Ser.  Artis  et  Natur.  Centur.  III. 
Propos.   C   Wagner   1680. 

„Sprätzel-Holz:  Holz,  das  sprätzelt  [beim  Bren- 
nen sprüht,  knattert]  Gr;  L;  Zg."  —  Stube"-:  Holz 
zum  Heizen  der  Wohnstube.  ,Dera  Kelhofer  zu  Er- 
sparung des  Laubholzes  2  Klafter  St.  an  Tannenholz.' 
1739,  Hotz,  Urk.  S.  Oertel  Sp.  443.  -  B«-stüch-: 
hölzerne  Zwinge,  um  die  Schuhe  beim  Nähen  fest  zu 
halten  W.  —  Stnde»-:  Laubholz  Z.  .In  Laubwäl- 
dern (Staudenholz)  kommen  weniger  Dorne  auf.'  Anl. 
zur  Pfl.  des  Holzes  Z  1773.  —  Stagel-:  Holz  zu 
Stangen,  Stützen  [Stageln].    ,Die  husgenossen  mugent 


das  holz,  so  zue  der  pfruend  lochen  gehört,  zu  iren 
hüsren,  ze  brennholz,  ze  st.  und  ze  zünen  brachen.' 
XV.,  ZFlunt.  Offn.  ,Die  huober  habend  in  dem  forst 
grechtigkeit  zuo  buwholz,  brennholz,  schycn-  und  st.' 
1563,  Hotz,  Urk.  —  Steg-  s.  Brugg-U.  —  A°-ste'ck-: 
Schlussbalken  längs  der  Dachtraufe,  welcher  an  die 
Rafenenden  gesteckt  ist  und  an  welchen  die  Dach- 
rinnen befestigt  werden  AAW'ohl.  —  Stecke»-:  Busch- 
holz Z.  —  Stock(e°)-:  Brennholz  von  Wurzelstöcken 
Z.  —  Stöckli-:  sog.  Stöcke  (Baumstrünke)  zu  Brenn- 
holz gespalten  ZStdt.  —  Dachstuel-:  Firstbaum  B 
Schangn.  —  Stump-:  Waldrevier,  wo  kürzlich  das 
Holz  abgeschlagen  wurde  und  nur  noch  die  Wurzel- 
stöcke [Stumpen]  stehen.  ,Und  zoch  man  durch  ain 
st.  den  nächsten  [Weg]  den  berg  ab.'  Vad.  Vgl.  den 
Waldteil  ,im  Stumpech'  ZZoll.  —  Stür-:  Bauholz, 
welches  Brandbeschädigten  geschenkt  [gesteuert]  und 
unentgeltlich  zugeführt  wird  B  (Gotth.).  —  Stoss-: 
Holz  am  Pischernetz.  .Welcher  einen  Zug  bestossen 
will  mit  der  Sommertracht,  der  soll  den  bestossen 
mit  dem  rechten  St.,  daran  er  das  Garn  ziecht.'  1512, 
Z  Fischereinung. 

Streu-:  Bretter,  mit  denen  eine  Brücke  belegt 
wird.  Der  Zollner  soll  die  Brücke  in  seinen  Ko.sten 
.ströwen  und  mit  ströwhölzern  in  cren'  haben.  1437, . 
L  Ratsb.  S.  ScMch-H.  —  .Streuen,  ausbreiten,  belegen, 
sternere. 

Strich-:  walzenförm.  Holz,  um  gefüllte  Trocken- 
masse oben  glatt  abzustreichen,  allg. ;  in  GfiObS.  auch 
für  Butter.  Syn.  Ahstrlcher.  —  Tien-:  Holz  der 
Thuja.  ,Das  Thyenh.,  Helffenbein  und  alles  köstliche 
Holz  dienet  für  die  Altar.'  ClSchob.  1699.  —  Tubel-: 
hölzerner  Pflock  [Tiihel]  in  der  Mauer  Z.  —  Dach- 
{Dä-HOlzK  LWyn.):  lansjer  Balken  unter  dem  Dach, 
auf  welchem  die  Rafen  aufliegen  Aa;  Schw;  Z;  Tach- 
Hölzer,  die  vorragenden  Dachpfetten  GWe.;  Sparren, 
kreuzweis  zwischen  2  Bundgostühlen  L;  Syn.  Krüz- 
Rufen.  .Zimberh.  und  tachh.'  ScnwWang.  Offn.  ,8  gar 
schön  tannen  zue  8  tachhölzeren.'  1562,  Hotz,  Urk. 
,4  grosse  Tannen  zu  Stüden,  Breis-Tachhölzern  und 
Firstbäumen.'  1739,  ebd.  S.  Zimmer-H.  —  Tüchel-: 
Holz  (gewöhnlich  Föhrenstämme),  zu  Wasserleitungen 
gebohrt  Z.  ,Guet  düchelh.  soll  zuo  den  brünnen  ge- 
ordnet werden.'  XVI.,  Hotz,  Urk.  --  Tochter-  ma- 
chen, ein  unehliches  Kind  zeugen  Gr  (scherzh.).  — 
Teil-:  1.  ein  gewisses  Quantum  Holz,  welches  jährlich 
aus  dem  Gemeindewald  an  die  Bürger  verteilt  wird 
UwE.  .Jährlich  wurde  das  sog.  Teilholz  gefällt,  wobei 
Jeder  erscheinen  musste.  Wer  seinen  Anteil  nicht 
abholte  und  im  Walde  liegen  Hess,  war  desselben  für 
verlustig  erklärt.'  WStUlrichen  (Am-Herd  1879).  — 
2.  Brettchen,  hölzerner  Schieber,  vermittelst  dessen 
man  das  Wasser  in  verschiedene  Arme  der  Wässerungs- 
graben verteilen  kann  W.  D's  Teilholzji  instellun. 
Syn.  Wasser-Abschalten.  —  Till-Helzli:  Dielhölz- 
chen; Rundhölzer,  welche  die  Decke  des  Unterstalles, 
bzw.  den  Boden  des  Oberstalles  bilden  Gr  ObS.  — 
Dolder-Holz:  =  Grotzen-H.  .Das  D.  und  Abholz 
als  nichtsnutziger  Marodier  ausmustern.'  ZRlioin.  Be- 
antw.  1747. 

„Tameristen-:  Schneeball,  vib.  op.  BO." 

Scheint  Verwechslung  mit  Tamarisken,  tani.  gerni.,  da- 
durch veranlasst,  dass  die  jnngen  Schosse  von  vib.  op.  sich 
ebenso  zu  Saugröhrchen  eignen  wie  die  Zweige  der  tarn,  gerni. 


12«;} 


llil.Z. 


L-h, 


holz,  hulz 


12(;i 


Tangel-Holz:  Nadelholz.  .Das  T.  als  dk- Tanne, 
die  Fichte  usw.'  Gr  Samml.  1779.  .Nadeln-  oder  T.' 
ebd.   1783.   —    TangW,  Tauunaaeln. 

Tor-Hölzli:  Tragbalken  quer  über  dem  Tenntore 
SBb.  Am  Bor-Eöhli  vom  Tenn  sl'  allerlei  Sprüchli 
und  Name".  Hofstatter. 

Tirgel-.  XV.,  L  Vogtkindcrrechn.  —  Wahrsch.  = 
Tirijyd-MoM. 

Türgge°-Holz:  Zweige  von  vib.  lant.,  nach  Ab- 
schabung der  äussersten  Rinde  zu  Tabakspfeifenröhr- 
chen  gebraucht  BHk.  —  Dorn-HölzIi  =  Sjjrissen-H. 
Aä;  S;  ZHinw.  Der  Sattlerjoggi  heb  sl'  Geistlig  Schild 
und  si's  D.  im-ene"  Handicerksburst  rcrchauft.  BWvss 
1863.  —  Tot-Holz  s.  Ab-E.  —  Trib-:  Gehölz,  in 
welches  das  Vieh  zur  Weide  getrieben  wird.  ,Wir 
schenken  unseren  Bürgeren  die  Weiden,  die  Gehölze, 
welche  man  gemeiniglich  Allmend  oder  Tr.  nennet.' 
BThun  Handf.  —  Trag-,  Trag-:  =  Biind-H.  Aa; 
B;  TJw;   U;   W. 

Tröl-:  kleine,  hölzerne  Walze,  mit  der  man  den 
Teig  dünn  walzt  B;  Schw;  S;  Ndw;  Syn.  Wall-K, 
Küechli-Tröler.  ,Den  Teig  trib  mit  einem  Tröllhölzli 
so  dünn  du  kannst'  XVII.,  B  Arzneib.  S.  vergulden 
Sp.   226.    —    Trölen.   wälzen. 

Träm-,  Träm-,  Tröme»-:  Balkenholz.  ,Etwas 
altes  Eisen  und  etwas  Tramh.  wird  versteigert.'  Z 
Amtsbl.  1870.  Das  Tröme'-H.  über  dem  Bimdhoh 
eines  Gebäudes  B.  , Einem  Bürger  wird  eine  Holz- 
steuer von  30  Sagträmel,  190  Stöcken  Trähmholz  und 
6  Eichen  bewilligt.'  1795,  Absoh.  —  Trämmel-:  Holz 
zu  Sägeblöcken  (Trämmeln)  Z.  , Schönes,  stehendos 
Tr.,  Bau-  und  Nutzholz  wird  vergantet.'  1887,  ZBenk. 

Twell-.  ,Trerael,  stuodlen  [Pfeiler]  und  duell- 
hölzcr'  zu  der  Reussbrücke.   1407,  UUrs.  Urk. 

Das  Beiego?  Wenn  aber  von  twellen  i.  S.  v.  aufhalten, 
zurückhalten,  dann  wäre  es  das  Geländer;   vgl.  Schüch-Iioh. 

Zan-we-Holz:  Seidelbast,  daphne  mez.  GWe. — 
Von  medizinischer  Anwendung,    wie    das    syn.    Warzen-Bast. 

Wagner-:  Holz  für  den  Bedarf  des  Stellmachers, 
bes.  eschenes  Z.  —  „Wedele"-:  Brennholz  in  Form 
von  Reisigwellen  (Wedelen)  B;  LB." 

Wall-,  gewöhnlich  Wäl- :  =  Tröl-H.  Aa;  „Sch;" 
TnBodens.;  Z.  Syu.  Us-,  Wäh(en)- Waler.  ,Die  Cu- 
cumeren  sind  ablang,  rund  wie  ein  Walholz.'  Spleiss 
1667.  ,Cylindrus,  lang,  rund  Wallholz,  darmit  man 
die  Erden  gleich  macht.'  Denzl.  1677;  1716.  —  Wafcn. 
walzen. 

Wild-:  Nadelholz  W.  Vgl.  Mahn-H.  —  Ebe"- 
Wand-:  oberer  Balkenring  der  Gevierte  eines  Ge- 
bäudes WLax.  Syn.  Eben-Wand.  —  Wind-:  1.  vom 
Wind  umgewehtes  Holz  Schw;  Z.  Vgl.  Windwxirf-E., 
Wind-Fall.  —  2.  Holz  zum  Anspannen  (winden)  der 
Ketten  bei  schwerer  Beladung  GrD.  —  Weri-:  das 
zu  dem  Flussdamme,  Wuhr  (Weri)  verwendete  Holz 
GrD.;  Ndw.  —  Werch-:  \.  (Wer-E.)}ioV/.stück,  ge- 
eignet, behauen  zu  werden  Aa.  —  2.  Werkzeug  mit 
hölzernem  Stiel  zum  Arbeiten  (auf  dem  Lande).  ,Die 
Werkhölzer  machten  ihm  [beim  Pflanzen]  Blattern  in 
den  Händen.'  Gotth.  .Wer  nicht  in  10  Minuten  mit 
einem  W.  beim  Kräzerntürli  erscheint,  zahlt  [Busse].' 
ebd.  —  Wind-Wurf-:  =  TFmd-i?.  i.  ,Im  Käsgaden- 
wald  soll  das  Schneedruck-  und  W.  beförderlichst 
aufgearbeitet  werden.'  Gl. 


„Wirtel-:  Beinholz,  Ion.  xyl.  BO."  —  , Es  werden 
Wirtel  aus  diesem  Holze  gedreht;"   vgl.  SpUW-H. 

Wis-r  Deichsel  des  Holzschlittens,  in  einer  dünnen, 
aber  zähen  Stange,  gewöhnlich  von  Eschenholz,  be- 
stehend, und  mit  Stricken  fest  an  die  rechte  Seite  des 
Schlittens  gebunden  Z.  Syn.  Bicht-E.  's  sieht  de'' 
Gross  und  hebt  am  W. ;  doch  der  Eeiri,  de''  darf  rite" 
uf-em  Flieder.  ,Wenn  einem  Schütter  auf  seinem 
Wege  sein  Weisholz  zerbricht,  darf  er  ein  anderes 
hauen;  das  Hauen  von  Reitein  dagegen  ist  verboten.' 
ZZoll.  Holzordn.  —   Wue"  spec.  vom  Lenken  der  Schlitten. 

G»-wett-:  an  einem  sog.  Bruggwagen  die  Quer- 
hölzer, welche  die  B)'«(jr(jr  einrahmen  Aa;  Z.  Ähnlich 
,die  Gewätt(er)hölzli  eines  Vogelschlages'  L.  —  G'w'itt, 
kreuzweise  auf  einander  gelegte  Bohlen. 

Zeiger-:  Hartriegel,  com.  sangu.  B. 

Zu  Zeigern  (Holzstähchen  zum  Zeigen  der  Buehstabonj  für 
Abc-Schüler  verwendet. 

Zug-:  der,  bzw.  die  Balken,  welche  auf  den 
,Ringen'  (s.  Ebenwand- Eolz)  liegen  und  bis  zum 
Giebel  in  gleicher  Vertikalebene  mit  diesen  sich  auf 
einander  liegend  nach  oben  gegen  den  Giebel  hin 
nach  Massgabe  der  Steilheit  des  Daches  verjüngen 
GnPr.  —  Zile--  s.  Ziland.  —  Zoll-:  als  Abgabe, 
Zoll  geliefertes,  statt  des  Brückenzolles  gegebenes 
Holz;  Wald,  aus  dem  solches  verabfolgt  werden  rauss. 
,Ligna  nostra  in  Basilea,  qua  vulgariter  zolholz  appel- 
lantur.'  1279,  Bs  Urk.  König  Rudolfs.  ,Wir  versetzen 
nütze  und  zolle  von  dem  mutamte  von  dem  zolleholze, 
so  die  dörfere  uns  [dem  Bischof]  da  bar  geben  haben.' 
1373,  Bs.  ,Von  jedem  1  pfenn.  [Brückenzoll],  so  nicht 
in  dem  zollholz  sitzen  [d.  h.  die  nicht  in  dem  Bezirke 
wohnen,  welcher  das  Z.  zu  geben  pflegt].'  XIV.,  Bs 
(Ochs).  ,Die  Leut  der  Stadt  S,  die  im  Z.  sitzen  und 
das  jährlich  der  Stadt  Bs  geben,  sollen  [in  Beziehung 
auf  den  Zoll]  gehalten  werden  wie  von  Alters  her.' 
1539,  Absch.  —  Zun-,  in  BHk.  Züni-:  Zaunholz;  vgl. 
Eag-E.  ,Buw-,  zun-  oder  brennholz  oder  welcherlei 
holz  das  ist.'  1562,  LRickenb.  Twingr. ;  s.  anch  Eolz- 
Gaumer  Sp.  305.  —  Zünd-:  1.  Streichholz  (meist 
Dim.).  allg.  —  2.  Holz  zum  Anfeuern,  ein  Steinkohlen- 
feuer anzumachen.  ,Die  kolstein  braucht  man,  den 
kalk  damit  zu  brennen,  mit  wenigem  Zündholz.'  Mün- 
ster, Cosm.  1628;  dafür:  ,on  alles  holz.'  1546.  — 
Zins-:  der  Grundherrschaft  jährlich  als  Zins  ent- 
richtetes Brennholz.  ,Das  z.  vom  borg  herab  bis  an 
das  dorf  füeren.'  1492,  ZAlbisr.  (Hotz);  vgl.  ,die  lüt 
von  Rieden,  die  den  4  ältisten  herren  an  der  pfruende 
die  4  fueder  holzes  bringent.'  ebd.  ,Etlich  der  eiteren 
Chorherren  am  Stift  klagend,  wie  dass  sy  nun  vil  jar 
har  mit  dem  z.  von  Rieden,  so  inen  von  rechtem  eigen 
und  erbrecht  zuegehörte,  gar  schlechtlich  abgefertiget 
und  bezalt  werdint.'  1560,  ebd.  Zeis-E.,  Name  einer 
Privatwaldung  BsPratt.  —  Zünsel-  Züisel-H'ölzli: 
=  Zündholz  1  AAWohl. 

Zapfe°-Holz:  Faulbaum,  rhamn.  frang.  B;  L; 
Uw.    —   Zu  Zapfen  benutzt. 

Zirnen-:  Holz  vom  Zirbelnussbaum,  pinus  cembra. 
.Facklen  von  Zyrnenh.,  so  ein  Geschlecht  von  Tannen.' 
RBrandst.   1883.    —    Mhd.   zirm;  bair.  Zim. 

Zweck-:  1.  Spindelbaum,  evon.  cur.  Aa;  B.  — 
2.  Beinweide,  Ion.  xyl.  B.  —  3.  Massholder,  acer  camp. 
,Masholtern  holz,  das  nennt  man  ouch  zw.'  XV.,  Schw 
Arzneib.  —  Das  Hnlz  dieser  Sträuchcr  wurde  zu  ,Schuh- 
zwecken'  verwendet. 


1265 


Halz, 


liolz.  luilz 


1200 


Zwölfer-:  den  Zicölfern  (12  Ratsgliedern)  aus 
dem  Z  Sihlwalde  geliefertes  Brennholz.    1786,  Z  Ges. 

—  Über-z weris-Hölzli:    bildl.,    ein  kleines,   aber 
lästiges  Hinderniss  üTa. 

holze":  1.  Holz  fällen  (im  Walde)  und  zurüsten. 
allg.  Nieine'  Iwlzt  und  heizt-em  dri  S  (Schwzd.).  Hast 
d?  Schatteneich  g'hohef^  JKMet.  1844.  ,H.  und  hirten 
[das  Vieh  besorgen]  ist  die  ausschliessliche  Sorge  hier 
zu  Lande.'  B  Wochenbl.  1847.  ,Lignari,  h.,  zue  holz 
faren,  zue  holz  gon.'  Fris.;  Mal.  S.  ferggen  Bd  I  1003. 
,Kein  hindersäss  soll  uf  der  almeint  weder  heuwen 
noch  streuenen,  auch  nit  studen  h.'  c.  1600,  UU.  .Nie- 
mand in  unserem  tal  soll  an  zalten  tagen  h.  keinerlei 
holz.'  ebd.  —  2.  geistige  Arbeiten  (wie  eine  Eede, 
Predigt,  Schulaufgabe)  mit  Mühe  und  schwerfällig 
verrichten  L ;  Uw.     Vgl.  schanzen. 

ab-:  1.  wie  nhd.  allg.  —  2.  abprügeln  ScnSt. ; 
Th  (Pupik.). 

über-:  1.  über  die  Grenzraarke  hinaus  Holz  fällen 
Aa;  Z.  Ornig  muess  si'  und  darf  nit  überhöhet  [zu 
viel  abgeschlagen]  werde".  Joach.  1883.  • —  2.  über- 
listen GSev.  —  3.  überhöhet  sl",  zu  viel  Höh  (in 
Bad.  3)  haben.  .Eluxuriari,  ze  vil  holz  haben,  ü. 
sein,  als  etwann  die  reben  und  jungen  zweistöck.' 
Pris.;  Mal. 

üf-:  1.  gefällte  Waldbäume  durch  Spalten  und 
Sägen  zur  Abfuhr  bereit  machen  Aa;  Z.  Syn.  iif- 
machen.  ,Die  alten,  im  Abgang  befindlichen  Bäume 
können  von  den  Eigentümern  zu  ihrem  Hausgebrauch 
aufgeholzet  werden.'  1809,  BRoggw.  Unerlaubt  .ganze 
hölzer  z'  wagen  hinweg  füeren  oder  im  forst  mit 
schlegel  und  wecken  [Keil]  u.'  1539/1615,  B  Gcrichts- 
satz.  —  2.  einen  stehenden  Waldbauni  von  unten 
herauf  säubern  durch  Entfernung  der  Äste  AAWohl. 
Syn.  üf-asten,  -stucken,  -stutzen.  ^-  3.  aufbrauchen, 
verbrauchen,  zu  Grunde  richten  (Vermögen,  Kleider 
usw.)  ScHwE.;  UwE.  Mit  pers.  Obj.  (roh)  =  ,kaput 
machen':  Er  war  alt  gniieg  zum  Ufli.  AAZein.  Der 
Säufer  hat  ufg'steckt  [mit  dem  Trinken  aufgehört], 
u-o  's  ne'  het  wellen  ufh.  Joach.  1883. 

under-:  1.  ,Underholz'  weghauen  ZO.  „Einem 
jungen,  dicken  Walde  die  untersten  Äste  weghauen 
GT.;"  Syn.  ufen-stücken.  ,Wann  Bäum,  so  in  den 
Zäunen  stahn,  Underholzens  oder  Säuberns  manglend.' 
1650,  BSa.  -  2.  Jmden  durch  nachhaltiges  Zureden 
bearbeiten,  zu  bestimmen  suchen  Aa;  B;  „L";  ,sub- 
'ornare.'  Id.  B.  ,Lise  war  nicht  dumm;  sie  wusste, 
dass  man  die  einen  Köpfe  überrumpeln,  die  andern 
u.  muss.'  GoTTH.  ,Die  zwei  Buben  sind  unterholzet 
worden  und  haben  ihre  Entlassung  gefordert.'  XHerz. 
1862.  —  3.  Einen  überwinden,  zu  Fall  bringen  L 
(Ineichen).  —  4.  ausschelten,  Vorwürfe  machen  BR. 
Wo  der  Att  das  vernön  hed,  hed-er  d'  Buoben  brav 
underholzed. 

Zu  2  u.  3  Tgl.  en  Baum  underhauen,  durch  unterhöhlende 
Axthiebe  zu  Fall  bringen.  Zu  4,  das  doch  auch  mit  2  Ver- 
wandtschaft hat,  vgl.  ebenfalls  von  der  Arbeit  an  Bäumen 
her  £im  zirijeit,  Einem   Streiche  versetzen. 

ÜS-:  1.  von  einem  Baum  die  überflüssigen  Äste 
entfernen  BR. ;  Syn.  er-hauen;  einen  Waldschlag  vor- 
nehmen: , Laubholz,  das  zu  30  Jahren  ausgeholzet 
wird.'  Anleit.  Z  1773.  —  2.  tüchtig  schelten,  tadeln 
Ndw;  Syn.  ab-putzen. 

ver-:  1.  intr.,  fertig  werden  mit  Holzen  B  (Zyro). 

—  2.  tr.,   zu  Brennholz   spalten   und  sägen   B;  Ndw. 

Schweiz.  Idiotikon  II. 


Syn.  rerschlten.  Si  hend  d'  Stegen  im  Huis  verhohed 
Ndw.  , Mancher  dachte  schon  daran,  seine  Schlitten, 
die  ihm  nur  aniweg  waren,  zu  v.'  B  Volkszeitg  1888. 

b"-:  mit  Holz  versehen  Aa;  Ap;  B;  Gr;  Uw;  U;  Z. 
D'  Gmeind  muess  der  Kaplan  b.  Ndw.  Er  cha"  si"'' 
b.,  er  hat  genug  Brennholz  für  seinen  Bedarf  Z.  .Be- 
heizung des  Collegiums  in  Samen  [Ausgabeposten].' 
1889,  Uw.  ,Die  von  Muttenz  sind  schuldig,  das  Schloss 
zu  beh.'  1470,  Bs  (Ochs).  ,Uabei  ward  abt  Casparn 
zuogelassen,  dass  er  sich  aus  des  klosters  wäldern  b. 
möchte.'  Vad.  ,Es  hat  euch  der  Fleck  Hallow  ein 
zimlichen  Wald  oder  Holz  im  Louferberg,  der  inen 
den  Flecken  zuo  b.  gar  wol  kommt.'  JRüeger  1606. 
,Wor  einen  fremden  Hausmann  einsetzt,  der  soll  ihn 
b.  und  er  hat  kein  Recht  in  Feld  und  Wald.'  1621, 
LRickenb.  .Aus  dem  Buchberg  [ob  Lachen]  wird  die 
Stadt  Z  zimlich  beholzet.'  EEscher  1692.  ,Bis  dieser 
Holzboden  widerum  beholzet  [mit  Holz  bewachsen] 
wurde.'  JBOtt  1736. 

z'sämme"-:  gierig  aufessen  Bs.  Syn.  z'sämmen- 
hauen,  -schlän. 

Holz  er  m.:  der  im  Walde  Holz  fällt,  Holzhauer. 
Es  Stugg  wie  für  ne  H,  ein  gewaltiges  Stück  Brot 
udgl.  Gl  ;  vgl.  Drescher.  P''  ha"  kein  H.  [Niemanden, 
der  mich  mit  Brennholz  versieht],  sagt  etwa  eine  ledige 
Person,  die  eigene  Haushaltung  führt  Gr.  Übertr.: 
Wer  beim  Kegeln  das  .Ries'  fehlt  ScbwE. 

Grüen-  s.  Epfel  Bd  1  370.  —  Chruni(b)-: 
Wagner  AAf;  Gl.  Vgl.  Chr.-Hoh.  In  AAWohl.  auch 
Familienn. 

Holzet:  1.  „die  Zeit  des  Holzsehlages."  —  2.  (auch 
dini.)  die  im  Walde  zu  bearbeitende  Partie  Holz  UwE. 

hölzelo".  in  W  hohulu:  nach  Holz  riechen  oder 
schmecken,  z.  B.  vom  Wein,  der  in  einem  neuen  Fasse 
liegt,  allg.  .Die  neuen  [Milch-]  Gefässe  hölzelen.' 
Steinm.  1804. 

hölze°:  die  Rebschosse  (kurz  oder  lang)  schneiden 
ZS.  Vgl.  Holz  3.  Chiirz  h.  ist  besser  als  lang  h., 
weil  dann  die  Kraft  der  Rebe  concentrierter  bleibt. 
Wer  zu  lange  höht  (s.  über-höhen),  erschöpft  die  Kraft 
des  Weinstockes. 

über-:  1.  die  Rebschosse  zu  lang  schneiden  und 
in  Folge  dessen  die  Triebkraft  der  Rebe  zu  stark  in 
Anspruch  nehmen  ZS.  12  Auge'  schnide"  ist  überhöht. 
Wer  S  Auge"  schntdt,  überhöht  nüd.  Mager  Hebe" 
dörf-me"  nüd  ü.  Auch  bildl.:  übertreiben.  Das  ist 
üherhöht.  De''  Kirnten  [Rechnung]  ist  überhöht.  — 
2.  überstürzen,  übereilt  behandeln,  übereilen  Z(Spillm.). 
Es  ist  überhöht  zueg'gange". 

hölzig,  hölzi"  [hühi'  Gr):  liölzern.  1.  eig.  Drü 
schlöt  's  am  liöhene"  Zu  [der  Schwarzwälderuhr]. 
JKMey.  1844.  ,Die  ehemalige  hölzerne  [vermittelst 
Kerbhölzern  geführte]  Buchhaltung  des  Alpmeisters.' 
WSenn  1875.  Der  Wald  ist  alle'  hülzene",  es  ist  noch 
Vorrat  genug  vorhanden  Gr.  In  gewissen  RAA.  den 
Metallen  gegenüber  das  geringere  Material  bezeich- 
nend. E  hölzige  Btteb  ist  [dem  Vater]  es  guldigs 
Meitschi  wert.  Sprww.  1869.  Nit  e  h-e  Rappe".  Gotth. 
, Keinen  hölzernen  Rappen  wert'  Breitenst.  Kei'  höl- 
zige Halbbatze  ivert.  Hofst.  S.  auch  Sclioss-Oablen 
Sp.  59.  Mit-eme  h-e  Biel  en  Isigi  Stiid  [Säule]  um- 
haue" welle",  etw.  Unmögliches  anstreben,  seine  Kräfte 
überschätzen  S.  Zur  Bezeichnung  eines  innern  Wider- 
spruches   s.   Schür-Isen   Bd  I   544.     Hölzi    Wer-Stei" 


Halz— hulz.    Ham  -huiii 


[Prallsteine]  wollte  ein  Bauer  der  Gemeindsversamm- 
lung  belieben  ZZoU.  Auf  bildl.  Anwendung  des  betr. 
Subst.  beruhen  EAA.  wie:  Eim  de"  liölzi"  Schöpe' 
a'leggc",  Einen  gefangen  setzen.  Sprww.  1869;  auch 
von  der  Zwangsjacke  Z ;  urspr.  von  der  Strafe  des 
Blöcliens;  der  h.  Frack,  der  Sarg;  hölzeni  Hose', 
kastenartiges  Gerät  (.Stock'),  in  welches  der  Sträfling 
seine  Beine  stellen  musste  ZW.  Dri'  luege"  wie-ne 
hölzige  Fuchs  L;  Zg  scheint  auf  eine  geschnitzte  Tier- 
figur hinzuweisen,  wie  sie  auf  Jahrmärkten  Kindern 
gekauft  werden.  Es  got  wie  im-e  höhige  Himmel  (L) 
gemahnt  wie  ,das  hölzig  Himmelrich',  Name  eines 
Hauses  in  LStdt  (1762),  ebenf.  an  irgend  welche  pla- 
stische Darstellung  des  Himmels,  oder  könnte  sich 
beziehen  auf  die  ehemals  für  die  Osterspiele  erstellten 
Bühnen,  die  den  Himmel  vorzustellen  hatten;  vgl. 
Herr-Gott  Sp.  522.  ,Teller.  zinni  und  hülzi."  G  Kü- 
chenordu.  1495.  S.  auch  Häschen.  ,Hölzin,  hülzin. 
hilzin.'  UEcKST.  ,Die  hölzin,  steinin,  guldin  gött.' 
JMüRER  1559.  S.  Gelten  Sp.  282.  —  2.  ßoUschig,  hö- 
Bs;  hobig  B)  holzartig,  hart,  zähe,  von  Rüben,  Bohnen 
und  andern  Feldfrüchten,  wenn  sie  mit  holzartigen 
Fasern  durchzogen  sind  Bs;  B;  Uw;  Z.  Vgl.:  ,üer 
Thymian  stehet  auf  einer  hölzichten  Wurzel.'  JMüralt 
1715.  —  3.  von  Menschen:  a)  stark,  fest,  dem  Nichts 
anzuhaben  ist;  ,robustissimus.  invulnerabilis.'  Id.  B. 
Vom  Angesicht:  starr,  ausdruckslos  B  (Zyro).  — 
b)  steif,  ungelenk;  trocken,  ungemütlich,  „gefühllos", 
roh.  allg.  Du  heizige'  Tsehöli  [Laft'c]!  U  (Schwzd.). 
En  hölzene  Jöi-gg  [Georg]  =  Ölgötz  4  Sp.  581  ZZoU. 
—  4.  sogar  mit  abstr.  Subst.  verbunden :  unnatürlich. 
E  holzigi  Freid,  erzwungene  Äusserung  von  Freude 
W;  hölzeni  Chindewe,  simulierte  Gichter  Z.  Älli  höl- 
zene  G'lüst  ha",  nach  allem  Möglichen  und  Unmög- 
lichen gelüsten  Z.  „E  hölzigs  G'läehter:  1)  ein  steifes, 
unnatürliches  Gelächter  Gr  ;  L ;  See ;"  vgl.  e  hölzige  Ton, 
rauher  Ton  eines  Musikinstrumentes  Uw.  ,Ligneus 
risus,  ein  holze  gelächter.'  Fris.  —  2)  Strohfiedel, 
„eine  Art  Hackbrett  aus  hölzernen  Stäbchen  unglei- 
cher Länge,  die  auf  Strohbündeln  liegen",  dessen  Töne 
Ähnlichkeit  mit  dem  Lachen  eines  Menschen  haben 
„B;  Gr";  vgl.  Gr.  WB.  IV  2,  1770.  ,In  unser  orgelen 
macht  man  holze  gelechter.'  XVI.,  Bs(AKechburgerin). 
,Instruraent,  welche  wir  hölzene  Glächter  nennen.' 
1693,  S  (GKönig).  Wenn  die  Söhne  Jakobs  auf  die 
Weide  ziehen,  spielen  sie  .Sackpfyffen,  Trummschyt, 
Gygen,  Flöiten  und  hölzenes  Gelächter.'  XVI.  u.  XVII., 
L  Ostersp.  Auch  scherzh.  übertr.  „ein  hölzernes,  aus 
seinen  Fugen  gewichenes  Gebäude,  das  umzustürzen 
droht  L." 

HöUechig  viell.  durch  Einwirkung  des  zwar  nicht  syn., 
aber  doch  einen  krankhafttu  Zustand  der  Gewächse  be- 
zeichnenden iiir,Ii.,i,  Alf  11  h  Illässiger,  wohl  auch  humo- 
ristischer, nach  K:i  '  ilr  Ausdrucksweise  beruht  der 
höhig  SecMm. i^i<  i  -In  r  die  Waldungen  des  Stiftes 
LBerom.;  vgl.  ,<\'i  Ihln]  W,  i  rlnueister'  im  Gegs.  zum  Stein- 
metz-Werkmeister l,sti;iuiu  W.-),  165:3,  L  Stiftsprot. ;  Z  bis 
ins  XVIII. 

ab-hölzig:  1.  von  Baumstämmen,  sich  stark  ver- 
jüngend, stark  konisch.  .Beim  sog.  Lang-  oder  Streck- 
holz muss  man  den  Stamm  in  mehreren  Abteilungen 
berechnen.  Je  abholziger  der  Baum,  desto  mehr  Ab- 
teilungen sind  notwendig.'  Keel  1837.  —  2.  vom  Holz, 
wild  verwachsen,  krummfaserig  Ap;  von  einem  Brett, 
Stück  Holz,  dessen  Jahrringe  schräg  laufen,  von  dem 


daher  beim  Bearbeiten  leicht  Stücke  abspringen  Z 
Münch.  Übertr.  auf  Menschen:  wortkarg,  eigensinnig 
Ap.    Vgl.  ,spröd'. 

grob-:  grob,  plump,  ungeschlacht,  ungeschliifen, 
roh  B;  Schw;  Uw;  Zg;  Z. 

härt-hölzi°:  bildlich,  unbeugsam,  hartnäckig, 
schwer  lenksam;  unempfindlich  B;  Z. 

wider-hölzig:  =  ab-h.  2,  von  Holz,  das  gleich- 
sam der  Bearbeitung  widerstrebt  BE.;  „L";  Syn.  ge- 
wirblig; auch  von  Menschen:  widerspenstig,  eigen- 
sinnig BR.     Vgl.  widerhärig. 

hölzle":  1.  zwischen  die  einzelnen  Bretter  eines 
gesägten  Baumstammes  Holzstäbchen  legen,  um  der 
Luft  zum  Trocknen  der  Bretter  Spielraum  zu  geben 
Gl;  Schw;  Uw;  Zg;  Z.  En  unghölzlete  Baum  Lade" 
muess  ersticke"  Z.  —  2.  Holz  schlagen  Ap  (T.). 

über-:  1.  übertreiben,  überspannen  .überanstrengen 
ScHW;  Th;  Z.  —  2.  geisteskrank  machen.  Die  Burg, 
wo  die  Überhölzlete"  sind  [das  Z  Irrenhaus  Burghölzli]. 
ACoRR.  1884.  Vgl.  ,überspannt';  iüierworfen.  —  3.  über- 
rumpeln, Einem  keine  Zeit  zur  Besinnung  und  Gegen- 
rede lassen;  übertölpeln,  übervorteilen,  betrügen  Z. 
Vgl.  , Einen  für  ein  Hölzlein  han'.  —  4.  (Etwas)  un- 
ordentlich, schnell  und  flüchtig  abtun  ZStdt. 

Vgl.  übergürten  Sp.  44(5  uud  iiUr-Iiülzai.  Allen  dieseu 
Ausdrücken  muss  ein  concr.  A'trfahron  aus  dem  Leben,  viell. 
der  Säumer,  zu  Grunde  liegen  und  es  kommt  viell.  zunächst 
in  Betracht,  dass  der  Sattel  für  die  Saumtiere  hölzern  ist. 

ü  f- :  Dim.  zu  üf-holzen  2.  Er  hölzlet  da  und  dert 
e  clill"  üf.  JSenn  1864. 

reb-.  , Kinderspiele,  als  klunkern.  niggeln,  reb- 
hölzelen,  mit  Nüssen  höcklen.'  BAnhorn  1675. 

dürr-:  notdürftig  auskommen,  arm  und  schwach 
sein  Z  Stall. 

Eine  Abi.  von  Dünrholi,  womit  man  den  geringsten  Teil  der 
Forstnutzung  bezeichnet;  vgl.  t" '»  Darr  gä",  aus  dem  Wald- 
bestand bloss  die  dürren,  unnützen  Stücke  aushauen  ZZoll. 

Holz  1er:  Birnsorte  Th;  vgl.  Holz-Bir. 

Schwebel-:  Händler,  Hausierer  mit  Schwebelholz. 
Es  chunnt-mer  scho"  längs  Stück  ke"  Länder  [Hausierer 
aus  dem  Entlebuch]   tt"*  ke"  Schw.  me  imger  d'  Tür. 

GOTTH. 

Ge-hülzn.:  Gehölz.  ,Materies,  holzwerk,  g.,  alles 
holz,  was  under  der  rinden  ist'  Fris.;  Mal.  —  Mhd. 
gehidz(,   wie  hülzin  =  hölzin  (s.   d.). 


Ham,  hem,  him,  hom,  hnm  bzw.  hamm  usw. 

Hamm  Gl,  Hammi  AaHoW.;  B  (Zyro),  Hammel 
B  (Zyro);  G,  Hämme"  AaHoU.;  BBe.,  R.,  Hämmi 
AaL.;  BO.,  I>im.  Hämmeli  AAHold.;  Gl;  Tu:  .Abraham. 

Hamauch  s.  Heim-Müch. 

Hammatz  (mit  schwankendem  Acc.)  m. :  etw.  Un- 
reines, z.B.  in  einem  Getränk  ZWl. 

Wahrsch.  ^  Ham-Mauch,  Grille,  in  welchem  Comp,  das 
Grundw.  durch  die  urspr.  rom.  vergröbernde  End.  -alz  (vgl. 
Knabatz,  cimbr.  Mannatz)  ersetzt  wurde.  Betr.  die  Anwen- 
dung gewisser  Tiernn.  in  ähnlichem  S.  vgl.  Egochs  Bd  I  94, 
Imbis-Gauch  Sp.  105,  sowie  auch  Imbin-Gos  Sp.  472,  Uimmi- 
Grugg  Sp.    728. 

Hammel  m.:  1.  Schaf,  in  dem  Lockruf:  Se,  Häm- 
meli, se!  Bs  (Kdspr.).  —  2.  Schimpfw.,  bes.  auf  eine 


Ham,  hem,  liim,  lioni,  hum 


1270 


ausgelassene  Weibsperson  Bs;  die,  anstatt  zu  Hause 
zu  bleiben,  in  fremder  Leute  Häuser  läuft,  um  zu 
plaudern  ÄAZein.  (auch  Borf-H.);  unbändiges,  stör- 
risches Mädchen  Bs  (verstärkend  zsgs.  H.-Babi).  Vgl. 
das  Syn.  Bock,  sowie  die  Conipp.  —  3.  euphem.  für 
Hammer,  in  der  Schwurformel:  Bim  Tummel  [Donner] 
H.!  ZS.  —  Betr.  Hammel  als  Schelte  Tgl.  Schm.-Fr.  und 
Gl-.    WB.   (Bed.    7). 

Nid-:  wienhd.  Bs;  ScHSt.;  Z.  „Sauertopf  B."  — 
„nid-hammele":   mürrisch,    sauertöpfisch   sein   B." 

Bolle"-:  1.  Bell-,  Schellen-  oder  Leithammel  Bs 
(Spreng).  —  2.  Schimpfn.  auf  einen  groben,  plumpen 
JVIenschen  Bs;  Sch;  TuSteckb.;  bes.  ,auf  ein  grobes, 
unflätiges  Weibsbild,  das  voller  Kot  hängt'  Bs  (Spreng); 
„auf  eine  schlechte  Dirne  Bs." 

Bollen,  rundlicher,  kugliger  Körper ;  hier  von  der  rund- 
lichen Schelle  am  Halse  des  Leithammels.  -  Zu  2.  Sprengs 
Angabe  mag  sich  auf  die  Kotknollen  am  Saume  des  Kleides 
beziehen;  vgl.   , Hammel'   (Bed.    10)  bei  Gr.   WB. 

Putsch-,  Butsch-:  1.  Bezeichnung  des  Widders 
als  des  ,stossenden'  Bs;  Syn.  putschender  Widder. 
B.-Hämmeli  mache',  die  Stirne  gegen  einander  stossen, 
wie  Kinder  etwa  scherzw.  tun  Bs.  —  2.  Schelte  auf 
ein  unbändiges,  störrisches  Mädchen  Bs. 

B.  wohl  zunächst  Imperativisch  aufzufassen  =  putsch,  H. ! 
vgl.  das  Syn.  Hermeli,  butach!  Vgl.  noch  ,Bockstoss,  Hanimel- 
stutz!'  bei  Gr.   WB.     Doch  vgl.  auch   ,Spring-Hase'   u.  ä. 

„Kit-:  Schafbock,  der  zum  Bespringen  gehalten 
wird,  allg."  ,Von  Schafen,  Weidlämmeren  und  Keit- 
hämmlen.'  Bs  Mand.  (o.  J.). 

bammle":  herum-laufen ,  -rennen,  -schlendern, 
bes.  von  Weibern  und  Kindern  AAFri.  Als  Dim.  häm- 
mele",   schnell  und  trippelnd  gehen,   von  Kindern    B. 

wär-hammeli'''  und  noch  mehr  entstellt  &ar- ;  Be- 
teuerungsformel =  wahrhaftig,  wahrlich  L. 

Zu  Grunde  liegt  die  euphem.  verdeckte  Beteuerungsformel 
bim  Hammeii  (vgl.  Hammel  S  und  Hammer),  welche  dann  mit 
dem  syn.  ,wahrhaftig'  eine  fremdartige  Verquicknng  eingieng. 
B  viell.  aus  dem  anklingenden  bar-hiimmiij  herübergenommen. 

Hamme»  I:  L  (m.  Aa;  Ap;  Bs;  B;  FJ.;  VO;  Gi.; 
Sch,  f.  AASt;  B;  F;  G;  S;  Tu;  Z  —  Dim.  Hamm(e)li 
B,  sonst  Eämm(e)Uj  Schinken,  Schweinskeule  und 
zwar  zunächst  (in  Ap;  ZO.  ausschliesslich)  der  Hinter- 
schinken, dann  auch  beide;  Vorder-  und  Hinterkeule 
werden  etwa  als  Vorder-  und  Hinder-H.  (AaF.),  als 
Hämmli  u.  Hamme'  (Bs)  unterschieden.  Syn.  Schunggen, 
Tschambung.  Vgl.  noch  Laffen,  Schufte,  Stotzen.  Als 
Leckerbissen  vom  Volke  bes.  für  Festlichkeiten  auf- 
gespart und  als  Geschenk  für  den  Ortsgeistlichen 
verwendet;  vgl.  noch  Metzgeten.  H.  und  Bratis  wer- 
den z.  B.  an  Kräh-Hanen  aufgetischt;  H.  und  Br.  ha", 
typisch  zur  Bezeichnung  des  Wohllebens  Z;  vgl.  die 
Aufzählung :  Bircschnitz  und  Eiertätsch  und  H.  und 
RippstücH  und  e  Herdöpfelstock  B  (Schwzd.).  Wege' 
dir  tuet  me'  ke  H.  über,  verächtliche  Abfertigung  Z. 
Die  weit  verbreitete  Anekdote:  Wie  de  Herr  Pfarrer 
om  sl'  [geschenkten]  U.  cho"  ist  s.  B  Dorfkai.  1887. 
Mit  scherzh.  Vergleichung  sagt  man:  Vom  Stei'obs 
han  i'''  d'  H.  am  liebste'  ZS.;  vgl.:  ,Von  allem  Garten- 
zeug ist  eine  gute  H.  das  Beste.'  B  Hink.  Bot  1854. 
E  Wurst  uftverfe',  dass  e  H.  abe'falli  Th,  mit  ere 
Wurst  e  H.  use'  zieh"  Z,  für  ein  kleines  Geschenk 
ein  grosses  erhalten  (wollen);  letztere  Wendung  wohl 
erklärbar  aus:  ,Ein  Bratwurst  in  Bach  werfen  und  ein 


H.  herauszeuhen.'  Hospin.  1683,  welche  RA.  viell.  hin- 
wieder aus  einer  solchen  von  einer  , Wurst'  und  einer 
, Bache'  erst  umgebildet  ist.  Ähnlich:  E  H.  na'''-nere 
Site'  werfe'  S  und  schon:  ,Er  wirft  eine  Bratwurst 
nach  einem  H.  oder  Seiten  Speck,  pileum  dat,  ut  pal- 
lium  accipiat.'  Hey.  Hort.  169'2.  Es  isch  guet  H.  z' 
siede",  wenn  d'  Chatz  fürt  isch.  Schild.  Lüge",  dass 
me'  chönnt  R.  d^bi  (drunder)  siede',  d.  h.  recht  aus- 
giebig, da  der  Schinken  lange  gesotten  werden  muss, 
bis  er  gar  ist.  Sprw.,  schon  bei  Denzl.  (=  ,rumpere  co- 
luinnas  mendaciis')  und  ähnlich:  ,du  liegest,  dass  man 
H.  darbei  kann  sieden  weich.'  Lied  1712;  vgl.  Käs 
und  Wegense.  ,Wer  ein  schwyn,  das  in  unsrer  stadt 
gemästet  worden,  von  unsrer  stadt  tryben  und  ver- 
kaufen wollte,  der  soll  die  h.  und  oren  in  unsrer  stadt 
lassen  blyben.'  1377,  S.  ,Swas  von  swynen  kommet, 
es  syen  oren,  klawen,  h.  und  würst.'  AiKönigsf.  Co- 
pialb.  ,H.,  ein  pfd  sond  [die  Metzger]  geben  um  dry 
hlr.'  XIV./XV.,  Sch  Stdtb.  Der  Papst  beschenkt  die 
eidg.  Boten  mit  , einem  fass  wyn,  8  hasen,  30  ge- 
rauchter Zungen,  so  vil  swynen  h.'  1510,  Absch.  ,Ich 
hatt  das  vorig  jar  ein  schwyn,  darvon  hatt  ich  [der 
Geistlichkeit]  ein  h.  verheissen.'  UEckst.  ,Er  gab  jm 
[vom  erjagten  Wildschwein]  ouch  ein  h.,  wie  denn  ein 
trüwer  nachbur  tuet.'  XVI.,  Lied  (T.).  ,Nostri  pernani 
suis  vocant  hamm  vel  hammen.'  CGessn.  .Perna,  ein 
stecklnuschel,  soll  sich  einem  schweininen  h.  verglei- 
chen. Gleich  dem  knoden  oder  gleich  des  h-s.'  Fische. 
1563.  An  einem  Gastmahl  der  Teufel  werden  ,brat- 
würst  und  h.'  aufgetischt.  JMurer  1565.  ,Perna,  pe- 
tasio,  ein  h.  von  einer  sauw,  ein  seüwhamm  oder 
schwcininer  hamm.'  Fris.;  Mal.  ,Der  Schützenmäh- 
leren  halb  wollend  wir,  dass  man  sich  mit  etwan  einem 
oder  mehr  Braten  und  schwynen  H.  ersettigen  solle.' 
B  Sittenmand.  1628.  ,Ein  dürren  H.  heiss  dir  die 
Mueter  erlonds  geben,  dass  wir  heut  beigen  under- 
wegen  [unterwegs  Etw.  zu  essen  haben].'  Mtricäds  ' 
1630.  ,Die  Bauersame  verehrte  alle  Jahre  dem  Holz- 
herren einen  H.'  Esterm.,  Neud.  ,Viel  H.  trugen  wir 
mit  uns,  dass  Eim  darab  möcht  grausen.  Der  ist  für- 
wahr ein  schlechter  Soldat,  der  nicht  darmit  kann 
hausen  [leben].'  Aescheidl.  1712.  —  2.  scherzw.  für 
Schenkel  (des  Menschen)  B.  —  3.  (m.  AAZein.;  LE. ; 
Stw.;  „ScBW;  U%  f.  BBe.;  Gk;  S  tw.;  Z)  Teil  der 
Sense.  Synn.  s.  bei  Hauchen,  ausserdem  Schwibele, 
WiheJe.  a)  Krummholz  in  der  Mitte  des  Sensenstiels, 
für  die  rechte  Hand  ZS.  —  b)  „der  oberste  Teil  des 
Sensenstiels",  bzw.  Griff  am  ohern  Ende  (für  die  linke 
Hand)  B;  LE.  Syn.  auch  Hampfle.  —  c)  „unteres, 
dickes  Ende  des  Stiels,  an  welchem  die  Sense  mittelst 
eines  Piinges  befestigt  wird  Schw;  U."  —  d)  Haken 
am  breiten  Ende  des  Sensenblattes,  mittelst  dessen  es 
an  den  Sensenstiel  befestigt  wird  (vgl.  c)  Gr;  S  tw. ; 
ZRafz;  das  breite,  in  den  Haken  auslaufende  Ende 
des  Sensenblattes  ÄAFri.;  BBe.;  STierst.;  ZO.  D'  H. 
me''  z'  Bude"  ha",   das'  es  's  Gras   besser  nimmt   ZO. 

Mhd.  hamme  f.,  Hinterschenkel,  Schinken,  ahd.  auch 
Kniebug.  Eig.  das  sich  Biegende,  Krümmende,  aus  welcher 
Grund  bed.  sich  auch  3  a  und  d  erklären,  b  beruht  auf  einer 
Übertragung,  die  auch  bei  Hauche  Statt  findet. 

„Büntel-:  gefüllter  oder  bloss  zugenähter  Schin- 
ken B";  Syn.  gebüezti  Hamvien.  —  Gleichs.,  weil  gefüllt, 
einen  , Bündel'  bildend,  vgl.   iS.- Wurst. 

Stier-:  Dickbein  von  einem  Ochsen.  ,Die  fischer, 
damit  sy  die  grossen  wallflsch  fahen  niogind,  lassend 


1271 


Ham.  hem.  Iniii.  hoiii.  hum 


1272 


inen  bereiten  stark  ängel  oder  hag[g]en;  an  die 
hag[g]en  steckend  sy  ein  st.  oder  leber.'  Fischb.  1563. 

bar(r)-  Aa;  Sch;  ZWl.,  bä-  ZO.,  bärfrj-  AaF.. 
Fri.,  St.;  Ap;  BsLd;  BO.;  G  oT.  (anch  he'r-);  SchwE.; 
THSteckb.,  Tag.;  ZS.,  bä-  ApH.  häramig  Aa;  Ap; 
BO.;  GT.;  Sch;  SchwE.;  Th;  Z,  hämmisch  BsLd. 
„hämsch",  hännig  bzw.  hängig  ZO.,  bär-,  be'^r- 
h^m,  bärchem  GT.:  1.  schenkellahm,  steifbeinig.  aaOO. 
Syn.  sperr-h.,  bradrem,  stramm.  Spec.  a)  von  Tieren, 
bes.  (Mast-)Schweinen,  deren  Füsse  anschwellen,  indem 
dabei  die  Sprunggelenke  (die  Gelenkenden  der  Fuss- 
knochen  Ap,  It  T.)  krank  und  steif  sind  Aa;  Ap;  G; 
ScH;  SchwE.;  Th;  Z.  ,Wann  ein  Sau  bärhämmig  ist.- 
ZZoU.  Arzneib.  1750.  Von  Pferden,  die  zu  lange  im 
Stall  gestanden  haben  AaF.;  Z;  „BO.;  Gl",  ly  Boss 
e  chll  [wenig]  rite',  dass  si  nid  h.  tcerde'd  Z.  „Von 
Pferden,  die  auf  ihren  Hufen  gar  zu  sehr  rücklings 
(gleichs.  mit  aufgehobenem  Vorderfusse)  gehen  oder 
sogen.  Entenpfoten  haben  LE."  Von  Pferden  und 
Kühen,  welche  unter  dem  Knöchel  krank  und  steif 
sind  Z.  —  b)  von  Menschen,  die  zu  lang  in  unbe- 
quemer Stellung  gestanden  od.  gesessen  haben;  gleichs. 
gelähmt,  starr,  abgespannt,  ermattet  infolge  ange- 
strengter, langer  Arbeit,  Kälte  od.  von  Krampfanfällen 
Aa;  BÜ.;  Gl;  Th;  Z.  Die  [in  der  Sänfte  Getragenen] 
werde'd  wol  kei"'  Bei'  g'ha"  ha',  oder  d  sind  b.  g'si'. 
Stütz,  lez  mun-i'''  [muss  ich]  aber  ufsto',  sifsl  wür 
t"«*  [werde  ich]  ho'*  6.  Sch.  .Wenn  sich  ein  Weib 
nicht  in  einer  Minute  5  Mal  drehen  kann,  so  ist  sie 
berhämig.'  UBrägg.  1780.  —  2.  (übertr.)  schlalV,  faul, 
träge,  widerspenstig,  unlenksam,  eigensinnig,  von  Men- 
schen und  Tieren  Aa;  Bs;  GT.;  Tb;  Z. 

Zss.  aus  'bar  i.  S.  T.  steif  emporstehend,  starr,  nnd 
hämmig;  Tgl.  barig,  st«if  (vom  Tach),  ahd.  jjarren,  starr  empor- 
stehen,  rigere.  I'er  Ural,  in  den  1.  Teil  eingedrungen  durch 
AngleichuDg  an  den  Uuil.  des  2.  Teiles.  Über  die  Verstüm- 
melung bärhem   s.   die  Anm.  zu   Fas». 

sper'-  (It  einer  Angabe  spar-)  hämmig  Bs,  -häw- 
melig  B:  1.  wesentlich  =  dem  Vor.  in  Bed.  1  b  u.  2 
Bs ;  B.  D'  Fürkäufler  sind  jetz  sp.,  sider  ^ass-me'  si 
uf  en  andre'  [Verkauf-]  Platz  g'uise'  het  Bs  1883.  — 
2.  von  Sachen,  ungefüge,  ungeschlacht,  bes.  wenn  sie 
infolge  ihrer  gespreizten  Gestalt  sich  nicht  in  einen 
gegebenen  Baum  fügen  wollen  BsLd. 

Syn.  sperrig j  ,sperr-beiuig' ;  vgl.  anch  Ge-tperr.  In  der 
Ausspr.  »pür-h.  hat  Augleichung  des  Voc.  an  den  der  folgenden 
Silbe  Statt  gefunden.  Immerhin  liesse  sich  das  vorliegende 
W.  auch  als  eine  blosse  Entstellung  des  in  seinem  1.  Teile 
nicht  mehr  verstandenen  lär-h.  auffassen. 

Hamme"  11,  in  ScnSt.;  TflSteckb.  Hammel  —  m.: 
Fischernetz  an  einem  Stabe;  Syn.  Hecht-Schöpfer. 
,Die  [an  der  Oberfläche]  schwimmenden  fische  landest 
du  mit  eim  hämlin.'  Maxgolt.  ,N.  N.  lag  dem  bapst 
in  hammen,  dann  der  bapst  fürgab,  er  wäre  ein  eigen- 
mann der  kirchen.'  Vad.  111  172;  vgl.  ebd.  U  34.  ,Auf 
dass  er  sie  mit  dem  Fischhemmel  (Beren)  heraus 
nemme.'  Spleiss  1667.  —  Mhd.  ham(e),  sackförmiges  Fang- 
net^;  Fangstrick. 

hamme"  ,F",  hämme"  Z  (Spillm.),  hemme'  ZDüb., 
Sth.:  „einem  Tiere  den  Fuss  aufbinden  F";  bes.  dem 
Weidevieh,  um  es  am  Fortlaufen  zu  hindern,  mit 
einem  an  einem  Vorderfuss  befestigten  Strick  den 
Kopf  herunterzwängen  Z ;  Syn.  spannen.  Der  Henker 
hatte  einem  des  Mordes  Angeklagten  .ein  seil  an  die 
bein  geleit,  glycher  wyse  als  man  ein  schwyn  oder  su 


hammet'  Etterlin.  ,Man  soll  die  unbleibigen  Bosse 
auf  der  Weid  hemmen.'  Z  Ges.  1779.  —  Schwerlich  zu 
Hamme'  I ,  viel  wahrscheinl.  zu  Hamme'  II;  vgl.  Hemme'  II. 

ge-:  festnehmen.  .Sitzt  ein  vogt  uf  synem  ross, 
so  er  es  vernimmt,  so  soll  er  darab  nimmer  kummen. 
e  dass  er  [den  Schuldigen]  gehamniet  und  gebyfanget.' 
ZLauf.  Offn. 

So  und  nicht  .gehamnet'  (wie  bei  Gr.  Weist,  und  danach 
in  den   WBB.)    ist  in  der  Hdschr.  (Z  Staatsarch.)  zu  lesen. 

be-,  bzw.  be-hemmen,  -hammlen:  ver-,  um- 
stricken, fassen,  an-,  auf-,  festhalten.  ,[Der  Mensch] 
muess  sich  [vom]  zorn  nit  lassen  behamen.  sunder  für 
und  für  verzyhen.'  Zwingli.  ,Wann  die  dochter  dem 
Jüngling  anreizung  gegeben,  sy  zue  beschlafen,  damit 
sy  [ihn]  hindergon,  behemmen  und  fassen  möchte.' 
1533,  Bs  Eq.  .Den  Herzog  umlagern  und  behamlen.- 
1525,  Absch.  Den  Gefangenen  wieder  in  die  Gerichte 
stellen,  in  welchen  er  ,behemmt'  worden.  1529,  ebd. 
Es  soll  kein  Teil  dem  andern  in  seinen  Gerichten  Jmd 
.behämen-,  fangen,  strafen  noch  büssen.  1530.  ebd. 
.Man  werd  zuo  uns  gryfen  und  uns  behemlen,  bis 
wir  das  guot  wider  umhi  tüegind  [zurückgeben].'  1530. 
Strickl.  ,Dass  niemands  dich  behamlen  soll.'  JVögeli 
1531.  ,Ein  seil  wird  jm  seinen  fuess  fahen  und  ein 
zäum  wirt  jn  behammen."  1531,  Hiob;  dafür  1882: 
,Eine  Schlinge  wird  ihn  ergreifen.'  Nachrichter  zum 
Knechte:  ,Kannstu  jn  nit  beim  haar  'raus  zeuhenV 
Halt  still!  lass  mich  ouch  zue  jm  [dem  Gefangenen] 
'rein,  du  magst  jn  b'hammen  nit  allein.'  Aal  1549. 
,[.Aristoteles  hat  so  dunkel  geschrieben]  dass  man  jn 
nienen  b'hammen  möchte.'  1560,  Z  Bibel  (Vorr.).  ,Dass 
man  gestrackts  an  d"  fyend  far,  ehe  sich  die  buren 
mögind  b'sammlen  in  d'  Ordnung,  dass  wir  sy  behamm- 
len.'  Mauritiana  1-581.  ,Die  frefenen  Übertretter  mit 
Strafen  belegen  und  behämen.'  FWvss  1673.  —  Mhd. 
behemmen,   behameln,   aufhalten,  gefangen   nehmen. 

Hammenis  s.  Fenster  Bd  I  87'2. 

Hammer  m.:  1.  wie  nhd.  Mit  den  Schlägen  eines 
hölzernen  Hammers  eröffnete  der  Gemeindepräsident 
die  Gemeindeversammlung  ZSth.  Der  H.  wurde  früher 
auch  bei  uns  bei  Versteigerungen  gebraucht:  Auf  das 
versetzte  Silbergeschirr  will  man  ,mit  dem  h.  schla- 
chen.'  1532,  Absch.;  vgl.  nhd.:  .unter  den  H.  bringen.' 
Hieher  viell.  die  EA.:  So  g'schtcind  rede',  dass  me'  mit 
keim  Hämmerli  derzipüsche"  [schlagen]  chönnt  Aa;  B;  S. 
,Käti  berichtete  [schwatzte];  Uli  konnte  nicht  mit 
einem  Hämmerlein  dazwischen.'  Gotth.  Schlaghammer 
der  Stundenglocke,  daher  die  Variante  des  Nacht- 
wächterrufes :  der  H.  (st.  d'  Glogg)  hat  . .  g'schlage" 
Aa;  Ap;  G.  3Ie  [wir]  sind  iez  a'  de'  chline'  Häm- 
merli, RA.  beim  Hausbau,  wenn  die  (mit  schweren 
Hämmern  ausgeführten)  Zimmer-  und  Maurerarbeiten 
vollendet  sind  und  Schreiner  und  Tapezierer  ihr  Werk 
beginnen  BsStdt.  Einen  Hammer  führten  früher  im 
Winter  die  Säumer  mit  sich,  um  den  Schnee  aus  den 
Hufen  der  Bosse  herauszuschlagen  GnPr.f  —  2.  Ham- 
mer in  myth.  Beziehung.  Blitzhammer  Donars,  in  der' 
Beschwörungsformel:  Weih,  Weih,  mach-m^r  en  höchc 
Bing  oder  i"''  schlö-der  en  fürige'  H.  in  Grind  ZWthnr; 
möglicherweise  auch  in  der  Drohung:  !''•  wiU  d^r  scho' 
zeige',  uo  de'  H.  lit  ZO. ;  vgl.  das  eddische  Lied  von 
des  Hammers  Heimholung  und  namentlich  die  syn. 
RA.:  Eim  zeige",  wo  Gott  hocket.  Abgeblasst.  als 
Fluch-  und  Scheltw.     Bim  H.  und  meist  verst.  bim 


1278 


Ham.  hei 


Dunner  (Bwnmer,  Dunstig)  H. !  Z.  Und  Fliiech  und 
Schwur:  ein  Dummer  und  ein  H.,  so  vil  a's  s*  mös'nd 
zum  Mul  usg'lö'.  Stutz.  Verbunden  mit  Botz!  zum 
Ausdruck  der  Verwunderung  Z;  z.B.  B.  H.  (am  Stil)! 
B.  Dunder  H;  und  euphem.  verdeckend:  B.  Dummel 
Hammel!  Vor  Substt.  u.  Adjj.,  verstärkend  verbunden 
mit  Dünner,  meist  beide  im  Gen.  Dere  Dummers  H-s 
War,  solch  verfluchtes  Lumpenpack!  Z.  Du  dunder 
H-s  Hex!  Du  Dummers  H.  Nachteuelchopf !  Noch  mehr 
entstellt:  E  Dunstigs  Hammis  Schnädermul  [Plauder- 
tasche]! Stutz.  Eso  e  Dummls  Hammis  lustigs  Spil. 
Stutz.  Vgl.  noch  Stral-H.,  Hagel  Sp.  1075/6;  ver- 
hammeret,  Dunner-Wetter,  Stral,  Sträm  und  s.  eivig 
Bd  I  611.  —  3.  Hausmarke,  aus  2  senkrecht  auf  ein- 
ander geführten  Strichen  bestehend  und  also  die  Form 
eines  Hammers  nachbildend  Gl;  s.  Hack  Sp.  1112, 
Krüz.  Vgl.  noch  us-gehen  Sp.  85.  —  4.  als  Dim., 
personif..  verbunden  mit  Meister,  typische  Bezeich- 
nung, a)  der  Teufel,  der  an  die  Stelle  Donars  mit 
dem  Hammer  getreten  ist  S ;  XVU.,  Z  Hexenprocess- 
akten.  Mit  der  Drohung:  ,Der  M.  H.  hole  Einen', 
werden  Kinder  erschreckt  S;  vgl.  d.  —  b)  Tausend- 
künstler, Schlaukopf,  Hexenmeister,  doch  meist  mit 
iron.  Beigeschmack  Aa;  L;  Z.  Einen  Überklugen, 
lästig  geschäftigen  Menschen  höhnt  man:  Du  bist  en 
rechte''  M.  H.!  Z.  Um  schwere,  verwickelte  Aufgaben 
lösen  zu  können,  rät  man,  ,den  M.  H.  zu  holen'  Z. 
,Er  sye  nun  bisher  für  ein  doctor  und  für  ein  m. 
hemerli  geachtet,  hab  doch  uf  den  hochen  schneien 
nichts  änderst  gelernt,  dann  den  Narristotelem.'  Kessl. 
,Von  dannen  ist  in  den  Eidgenossen  ein  Sprüchwort 
entstanden,  dass,  wenn  wir  von  Einem  reden,  der  sich 
Etwas  unternommen,  das  er  nicht  glücklich  ausführt 
und  doch  Etwas  ist  und  sein  will,  auf  den  aber  nit 
Jedermann  viel  hat,  dass  man  spricht:  das  ist  M.  H.' 
Blunger.  —  c)  Henker.  ,Auf,  Hämmerli.  mit  deinem 
Rade,  bereite  ihm  das  Rosenbade!'  Spottlied  auf 
POcHS.  ,Auf  einer  Leiter  sass  M.  Häramerling  und  er- 
drosselte Einen  mit  teuflischer  Lust.'  Kuenlin,  Alpenbl. 
—  d)  mit  verblasster  Bed.,  der  .Jemand',  den  man 
nicht  nennen  kann  noch  will.  Der  31.  H.  got  d'  Stegen 
uf  {"'s  Chämmerli,  got  d'St.  ab  i"  's  Bett.  Sprww.  1824; 
dazu  die  Variante :  Poppe,  poppe  Hämmerli,  Stegen  uf 
i'  's  Ch.,  Stegen  uf  i'  's  Tubenhus,  flügen  alli  Tuben 
US.  RocHH.  1857,  204/5.  ,Der  M.  H.  geht  zu  der  Magd 
in  's  Kämmerli.'  Sprww.  1824.  -  e)  ein  Zwerg.  Gr 
Sage  bei  Grimm  I  4.  —  f)  M.  H-s  Bild,  wächserne 
Figur,  welche  die  Augen  bewegt.  Sülger.  —  5.  Dim., 
Belemnit,  It  Rochh.  1857,  S.  204/5  eis.  und  aarg.; 
Syn.  Tüfels-Finger  Bd  I  865;  Donner-Stein.  —  6.  Häm- 
merli, Familienn.  Gl  (schon  1350) ;  XIV.,  BSigr. ;  1450, 
ScHwTugg. 

MhJ.  hamer  in  Bed.  1.  Betr.  den  myth.  Hammer  und 
die  Übertragung  des  Namens  auf  den  Teufel  s.  Gr.  Myth. 
164/6.  951/2.  Zu  4  b.  Der  Teufel  erscheint  typisch  als 
, Meister'  von  allerlei  Künsten.  Betr.  die  Beziehungen  der 
RAA.  auf  den  Z  Chorherren  Felix  Hemmerlin  vgl.  Sprww. 
1824,  79.  332.  Von  altern  Z  Gelehrten  wurde  der  Titel 
auf  den  in  seiner  Kunst  berühmten  Schmied  Wieland  be- 
zogen. Zu  4  d.  So  sehr  in  allen  jenen  Versen  der  Reim- 
zwang mitgespielt  hat,  so  könnte  doch  urspr.  im  ersten  eine 
Beziehung  auf  den  .anklopfenden  Tod',  der  vom  Krankenbett 
in  der  Kammer  ins  ,letzte  Bett'  führt,  gelegen  haben;  vgl. 
Toten-H.  In  der  Variante  (Abzählvers)  aus  Rochh.  ist  dieser 
Ursprung  allerdings  ganz  verdunkelt  und  eine  Nachahmung 
des  Taktes   eines   angeschlagenen   Türklopfers    beabsichtigt; 


vgl.  hojrpenhämmerhn ;  hojjjierm.  Noch  freier  spielt  HchSulz., 
Schulm.,  auf  den  Profusen  an:  Wenn  mir  e  chW  nütrechtsig 
[seien],  »o  ehiimm  de''  M.  U.  in  eutern  Minea  Chämmerli  und 
bind  eut  Am  an  e«  lit'üdli  [den  Schandpfahl  des  Henkers], 
geh  Allen  d'  Rueten  i"  das  Flidli.  Zu  i  e.  Der  Zwerg  er- 
scheint wohl  als  der  kunstfertige  Schmied ;  vgl.  Anm.  zu  4  b. 
Übrigens  könnte  für  4  b,  d,  e  an  einen  elbischen  Klopfgeist, 
Hauskobold,  gedacht  werden,  der  allerlei  Künste  übt,  und 
dem  nächtliche  Besuche  zugeschrieben  werden  konnten. 

Für-:  Schelte  auf  ein  altes,  sehr  mageres  Pferd 
STierst. 

Übertragung  eines  Gerätenamens  auf  ein  lebendes  Wesen; 
vgl.  das  Syn.  (Hell-)  Hmjgen.  Viell.  eig.  der  auf  dem  Ambos 
gebrauchte  Hammer  und  die  Übertragung  auf  das  Pferd  dann 
Tom  harten  Aufschlagen  zu  erklären  wie  der  Ausdr.  .Klepper'. 

Füst-:  Streithammer,  von  der  Reiterei  geführt. 
,Thohach,  ein  werfzeug,  etlich  legend  "s  aus  ein  ham- 
mer  (villeicht  eiu  f.).'  LLav.  1582.  Als  Ehren-  und 
Würden-Zeichen.  Bei  dem  Umritt  des  , äussern  Stan- 
des' in  Bern  trug  der,  welcher  dabei  zum  Landvogt 
über  die  schon  zerstörten  Burgen  ernannt  wurde, 
den  F.  ,Der  Amtsmann  mit  F.  [begleitete  einen  Male- 
ficanten  auf  den  Richtplatz].'  JNtff.  1871;  vgl.  Lu- 
zerner-H.  ,Den  f.  nimm  in  die  band,  das  gebürt  sieh 
eins  houptmanns  stand.'  VBolz.  —  Schon  mhd.  Als  PI. 
,FUst-Hämmer.'   1526,  Bs. 

Fleisch-:  hölzerner  Hammer,  mit  dem  man  das 
Fleisch  vor  dem  Sieden  oder  Braten  mürbe  klopft  Z  ; 
Syn.  Fl.-Schlegel.  —  Gunt-:  schwerer  H.  mit  Klopf- 
fläche an  der  Kopfseite  und  gespaltener  Schneide 
(Pinne)  an  der  andern,  welcher  zum  Einschlagen  (in- 
gunten)  und  Ausziehen  (us-gunten)  dos  vorn  au  der 
Viehkette  befindlichen  langen  Stachels  dient  Gl;  Syn. 
Ketti-H.  —  Hexe"-:  frische  Vernarbung  eines  ge- 
kappten Weidenzweiges  AäKu.  (It  Rochh.  1857,  336). 
Vgl.  i/e.cew-^si  Bd  1  574.  —  Kessler-:  Hammer  der 
(vagabundierenden)  Kesselschmiede;  daher  eines  der 
Zeichen,  welche  Vagabunden  an  Scheunen,  Mauern 
usw.  malten,  um  anzudeuten,  wohin  sie  gezogen  seien. 
,Ein  schilt  und  daruf  ein  k.'  1528,  Absch.  Vgl.  noch 
Michels-Horn,  Weid-3Iesser. —  Chetti-,  bzw.  Chötti-: 
l.  =  Gunt-H.  Gr;  GO.  —  2.  Hauszeichen  von  der 
Form  dieses  Hammers  GaObS.;  abgebildet  bei  B.  4. 
—  3.  Wagenkettehammer,  wie  ihn  die  Fuhrleute 
führen  Gr  ObS.  —  Chron-,  Chrön-:  Hammer  der 
Steinhauer,  zum  , Krönen'  (Schärfen)  der  Steine  S;  Z; 
vgl.  Mülli-H.  —  Latt-:  Dachhammer,  Hammer  zum 
Latten,  mit  geteilter  Pinne,  deren  einer  Schenkel  lang 
und  spitz,  der  andere  kurz  und  breit  ist  SchwE. 
(a.  1604);  S;  Z. 

Luzerner-:  hammerähnliche  Schlagwaffe,  ge- 
wöhnlich des  PussTolkes;  eine  solche  trug  im  Kriege 
aber  auch  der  Oberanführer  als  Ehren-  und  Würde- 
zeichen am  Sattel;  vgl.  Fust-H.  -  Eine  Abbildung  eines 
solchen  bei  Jahns   1880,  Tafel  50,   8;    vgl.  ebd.   S.   751. 

Mülli-:  =  Kron-H.  1659,  SchwE.  Klosterarch.; 
1725,  ZMeiL  und  jetzt  noch.  —  Bild-:  Hafnerwerk- 
zeug, Hammer  mit  gekrümmtem  Eisen  und  scharfer 
Pinne,  der  dazu  dient,  beim  Ofenbauen  die  Kacheln 
zuzuhauen  Z.  —  Pflueg-:  hammerähnliches  Gerät 
am  Pfluge,  welches  mit  dem  , Zorn-Ring'  zur  Befesti- 
gung des  Pflugbaums  am  Vordergestell  dient  Z.  — 
Reis-:  Hammer,  mit  welchem  man  die  Sense  schärft 
(reiset)  ZO. 


1275 


Harn,  heiii,  him,  liom, 


1276 


Seher-Hammer.  Jndem  er  vor  dem  bett  gesessen, 
ersieht  er  einen  seh.  an  der  wand  hangen,  gryft  nach 
dem  seh.,  fasst  jn  in  die  band  und  schläcbt  den  alten 
mann  im  bett  an  den  köpf,  dass  er  starb.'  1565,  Bs  Ohr. 

Bei  Schm.-Fr.  Sp.  IIOG  neben  andern  gefährlichen  Waffen 
aufgeführt.     Viel),  ein  Hammer  mit  geteilter  Pinne. 

Schlag-:  wie  nhd.  Obsc.  gewendet  in  dem  Spruch : 
,Und  der  Grossvater  mit  dem  Schi,  schlägt  der  Gross- 
rautter  an  die  Wasserkammer'  Aa  (H.  123.  221). 

Überschlag-.  14.38,  L  Vogtkind errechn. 

Wahrsch.  zn  mhd.  überslahen,  schlagend  überziehen,  z.  B. 
mit  Gold. 

Beschlag-:  Hammer  zum  Beschlagen  der  Zugtiere. 
Angewendet  zu  einer  Grenzbestimmung  (,Hammer- 
wurf').  1400,  GLichtensteig  Statut;  s.  Gr.  RA.  56/59 
(nach  ÄgTschudi,  Chr.).  —  Schrot-:  Hammer  mit 
zweispitziger  Pinne,  mit  welchem  der  Steinbrecher  die 
Steine  aus  dem  Bruche  herausschrotet  Aa;  S;  Z.  — 
Spreng-  s.  Füstling  Bd  I  1125. 

Stein-:  Hausn.  ZStdt. 

In  appellativer  Bed.  urspr.  wirklich  einen  steinernen 
Hammer  (viell.  als  Waffe)  bezeichnend;  vgl.  die  wohl  ältest« 
Bed.   des  an.  havmrr:  Stein,  Fels,   und  das  Folg. 

Sträl-:  eig.  Blitzhammer,  Donnerkeil,  übertr.  auf 
die  in  der  Erde  gefundenen  steinernen,  keltischen 
Streitäxte.  .Germanico  noraine  str.,  i.  e.  fulmineum 
malleum  vocabat  [d.  h.  der  Finder].'  CGessn.  1565,  62  a 
(wo  eine  Abbildung  einer  solchen  Streitaxt).  Vgl. 
Hammer  2;  Sträl-Stein.  —  Dangel-  ÄABb.;  ThHw.; 
ZS.,  Wl.,  Dängel-  AAPri.;  kr  =  Reis- H.  —  Tote°- 
Hämmerli:=  Toten-Ür  Bd  I  420.  ,Das  Totenhäm- 
merchen.  Horch,  Mutter,  was  klimpert  so  traurig  und 
bang,  als  hört  ich  des  Uhrwerks  geregelten  Gang? 
Kein  leeres  Geräusch  hat  mich  betört,  ich  habe  das 
Totenglöcklein  gehört.'  Emme  1857,  129  f.  —  Wald-: 
Eorsthararaer,  Hammer  mit  den  erhaben  eingeschnit- 
tenen Initialen  des  Namens  des  Eigentümers,  um  damit 
das  Holz  zu  zeichnen  Z;  Syn.  Zeichen-Ax.  —  Ziegel-: 
Hammer  der  Dachdecker,  zum  Behauen  der  Ziegel  ge- 
braucht Z.     Vgl.  BU-H. 

hämmere":  1.  hämmern,  allg.  Dim.  hämmerle*, 
auch  verallgemeinert  =  Lärm  machen  Gr.  —  2.  tif 
Eine"  los  (ine")  h.,  heftig  auf  ihn  schelten  GF.  (-ä-J. 

—  3.  das  Fluchw.  Hammer  brauchen  ZO.  Bundere" 
und  7j.  —  Zu  2  vgl.  das  Syn.  hauwen;  doch  Hesse  es  sich  auch 
von  3  ableiten:  mit  d.  Flnchw.  Hammer  über  Einen  herfahren. 

boppen-hämmerle°:  mit  einem  kleinen  Hammer 
klopfen,    ein  klöpfelndes  Geräusch  hervorbringen  Bs. 

—  Boppenhämmerli  m.:  wer  so  klopft  Bs  (Anon. 
ad   St.).    —    Vgl.   Hammer  4   d  und  Anm. 

Gerst-Hammer,  Gold-Hämmerli,  Häminer- 
ling  s.  Ammer  II  (Bd  I  218)  und  Gelbling  Sp.  295; 
vgl.  Hemmer ise. 

Dummis  Hammis  s.  Hammer. 

be-hem  s.  be-liend. 

Hemma,  Dim.  Hemmi  I:  weiblicher  Personenn., 
Ahemina.  1491,  üwE.  Jahrzeitb.  u.  ö.  ,Samrat  Hem- 
men, seiner  Würtin.'  KCts.  —  Das  Selbe  ist  wohl  auch 
der  bei  Letzterm  vorkommende  Name  ,Hflmi'. 

Hemmel,  Hem'mlere,  gehemmlet,  Hemmli 
s.  Hemd. 


Hemme  I  B;  S,  Hemmi  II  Bs,  Dim.  Hemmeli : 
Personenn.,  Wilhelm.     Vgl.  Helm  I  6. 

Hemme  11  f.:  Strick,  an  welchem  die  Tiere  fest- 
gehalten werden.  ,Der  koch  in  disem  dinghof  soll 
die  schwyn  empfaehen  und  schouwen,  und  sind  sy 
schon,  so  soll  der  armmann  dem  schwyn  die  hemmen 
abtuen  und  soll  es  lassen  loufen  und  damit  hat  der 
arramann  geschwynot.'  Zßrütten  Offn.  —   Vgl.  Anm.  zu 

Hemmerize:  =  Ammeriz  Bd  1  218  ZBenk.  Vgl. 
Gerst-Hammer,  Hämmerling. 

Heim  n.  Ap;  BSi.;  F;  W,  Hei  Aa;  B;  VC;  S, 
Heime'  Aa;  GA.;  Th;  W;  Z:  Heimat  im  engern  und 
weitern  S.,  Heimatort,  Vaterhaus,  auch  Wohnort  übh. 
allg.  Heime'  ml,  was  cha"  besser  si'!  Stütz.  Adie, 
''em  Häme"  zue!  Scheidegruss  Th.  Um  Heime?  zue, 
u-ie  d'  Chind.  Sprww.  1869;  vgl.  heim-zue.  Bis  Einer 
g'häratet  iseh,  het  er  ^kes  rechts  H.,  ist  er  nirgends 
recht  zu  Hause  B.  ,Sie  hat  ja  kein  Hei,  sie  weiss 
nicht,  wo  sie  ihr  Haupt  hinlegen  kann.'  Gotth.  .Laster, 
mit  denen  etlich  also  umlagert  [sind],  dass  man  sieht, 
dass  ir  [der  Laster]  heiraen  by  inen  ist.'  Zwingli. 
,N.  N.  US  dem  hanfgarten,  domalen  synem  sitz  und 
heimen.'  1571,  ZGrün.  Amtsrechn.  Spec.  a)  im  Gegs. 
zum  Wohnort  der  Ort,  wo  man  das  Bürgerrecht  ge- 
niesst,  Heimat-Dorf,  -Land,  Vaterland.  , Unsere  burger- 
schaft  oder  heiman  ist  in  hiramlen.'  HBdll.  1571.  ,Er 
kam  in  sein  heiman.'  1531,  Marc.;  =  .Vaterstadt.'  1882. 
,Sie  sollen  derglychen  arm  lut  in  das  nächst  dorf  als 
gegen  des  armen  menschen  haimen  füeren.'  1535,  Sch 
Ratsprot.  —  b)  Besitz  an  Haus  und  Hof,  Heimwesen, 
„umzäunter  Platz,  auf  dem  die  Wohnung  mit  einigen 
Morgen  Landes  steht"  Ap;  F;  üw;  U;  Z.  Vgl.  Guet  I. 
Uf  sini  Heimeli  chann  er  drei  Cküeh  ha'  [halten]  und 
für  d'  HushaUi'g  g'nueg  pflanze"  ZO.  Mit  dem  [d.  h. 
mit  Nichtstun]  het  er  natürlig  sls  H.  versumt.  JHofst.  ; 
in  einer  spätem  Ausgabe:  Heimet.  Es  scho's  Heimis, 
ein  schönes  Wohnhaus  W.  Bes.  häufig  in  der  allit- 
terierenden  Verbindung  mit  Hus  (Hus  j  Hei  Aa);  vgl. 
Hus  und  Hof  und  Heimat.  Chiinnt  z'  Hus  und  H. 
'nen  [ihnen]  Alls  vergebe'  [von  selbst,  umsonst]?  BSi. 
(Schwzd.).  Von  Personen:  Ei"m  z'  Hus  und  fz'J  H. 
cho",  ihn  im  eigenen  Hause  aufsuchen  B.  Dem  Narr 
wär's  glich,  wenn  Hus  und  Hei  verlumpet  wurd.  Schild. 
Um  Hus  und  H.  cho',  Haus  und  Hof,  Hab  und  Gut 
[d.  h.  Alles]  verlieren  B;  Z.  Vu  Hus  und  H.  sl' 
B ;  Z.  Syn.  uf  der  Gass  usse'  sl'.  Eine'  vo  Hus  und 
H.  trlbe;  spec.  von  hartherzigen  Gläubigern  Z,  scherzh. 
auch:  caccare  Z.  Ganz  abstr.  gewendet:  z',  i'  Hus  und 
H.  Nüt  (ml)  ha',  Etw.  (z.  B.  Lebensmittel)  ganz  auf- 
gebraucht haben  B;  Z;  Syn.  uf  der  Welt,  under'm 
Himmel  Nüt  ha'.  ,Von  unserem  Vogt  muess  ich  dir 
klagen,  der  will  mich  treiben  von  Haus  und  H.'  Tellex- 
spiEL.  ,Wenn  dir  haus  und  heimen  verbrunne.'  LLav. 
1582.  ,So  hüben  s'  [würden  sie  bleiben]  bei  H.  und 
Haus.'  Mtricäüs  1630.  ,Dass  sy  hinfüro  Keinem  Haus 
und  H.  by  ihnen  erkaufen  lassind.'  1634,  ZReg.  ,Von 
Hus  und  H.  in  das  bittere  Elend  vertriben.'  1635, 
Sptri.  —  c)  in  Ortsnn.,  in  der  lebenden  MA.  zur 
blossen  End.  -5"  abgeschwächt:  ,Velt-'  Aa;  Z  (,Feld- 
haim.'  774;  ,Velthein.'  XIH./XIV.),  .Schafis-'  äa; 
.Schleif-'  ScH;  , Tal-Heim'  Aa.  In  ,Seen'  Z,  ,Toussen' 
(aus  , Tuns-Heim')  Z  ist  sogar  die  sonst  conservativere 
Schreibung   der  Ausspr.    gefolgt.     Dagegen   erscheint 


1277 


H;niL.   liiMll, 


das  m  wieder  in  den  Ton  jenen  Ortsnu.  abgeleiteten 
Namen  der  Bewohner:  Veltemer,  Seemer,  Schlätemer. 
S.  noch  Heim-Garten  Sp.  435. 

Mhd.  heim,  Haus,  Heimat.  Die  Form  Heime'  hat  sich 
ans  der  gleichlautenden  Adv.-Form  entwickelt.  —  Um,  wenn 
nicht  blosses  Lautspiel  mit  em  =  dem,  bezeichnet  den  Zweck, 
auf  den  man  ausgeht.  Analogiebildungen  zu  den  von  Ortsun. 
auf  -Beim  abgeleiteten  Namen  der  Bewohner  sind  wohl  auch 
solche  wie  Eggemer  (Ortsu.  ,Egg'  Z),  Lachmer  (Lachen  Schw), 
Uurviev  Z,  Meil-emer  (Meilen  Z)  und  sogar  die  von  Ortsnn. 
auf  -iken  (s.  Hof  Sp.  1025  Anm.)  abgeleiteten  Formen  auf 
-kummer. 

Grütschi-SeiHie";  Bauerngut  oder  Stück  Land, 
das  mit  Steinen  übersäet  ist  UwE.  —  Vgl.  ürützm 
Sp.   840  in  Flurnn. 

Kue-  s.  K.-Reiviat. 

Kurz-,  It&ng-Heim:  Ortsnn.,  in  Übertrag.  S.  das 
Diesseits  mit  kurzem,  im  Gegs.  zum  Jenseits  mit  lan- 
gem Aufenthalt  der  Menschen.  ,Wär  ich  da  ze  Kurz- 
hein, als  ich  bin  ze  Langhein,  so  wollt  ich  allen  tege- 
lich  ein  brot  senden  für  mich.'  c.  1350,  Tanzlied  der 
Verstorbenen.  S.  Arg.  1887,  119/121.  133.  -  Lancheim 
als  Ortsn.  schon  ahd. 

St  rit-Bei»He*;  Heimwesen,  welches  wegen  allerlei 
darauf  haftenden  Servituten  Anlass  zu  Processen  und 
Streitigkeiten  mit  den  Anstössern  gibt  Z. 

heim  (bzw.  häm,  he'm,  hi^m)  Bstw. ;  Btw.;  Th, 
liohnm  ScH,  hemmo  PGr.  (Schott),  liein  BHaslib. ;  Gr  tw. 
(auch  Äeij),  hei(hzvi.hä,  he^)  Aa;  Ap;  Bstw.;  Btw.; 
Vü;  G;  ScHtw.;  Th;  Z:  wie  nlid.  allg.  Hut  nit  hei 
und  morn  nit  hei,  git  e  längi  Wuche*  und  wenn  mrr 
Nüt  me^  z' esse'  hei',  wei-mer  Eier  choche'  B  oAa. 
Was  grösser  ist  als  e  Lüs,  das  nimm  i"  's  Hüs ;  tms 
linder  ist  als  en  Stei',  das  trag  h.  ZZoll.  (Reimspr.). 
Mues-es  scho"  h.  sl'?  fragt  man  einen  Besucher,  den 
man  zum  Bleiben  bewegen  will  BsL.;  Z.  Gege"  h.  ztie, 
der  Heimat  zu  BHk. ;  LE.;  Z;  vgl.  heim-zue,  durch- 
heim.  ,Arme  Leut  haben  weit  h.,  viri  infortunati  procul 
amici.'  Met.  Hort.  1692.  Chlini  Fueder  füere'  vil  h., 
man  niuss  das  Geringe  beachten,  um  zu  Grossem  zu 
gelangen  USis.  Bes.  in  mehr  oder  weniger  stehenden 
Verbindungen:  H.  gän  1)  heim  gehen.  Der  Imb 
gät  h.,  der  Bienenschwarm  kehrt  zum  Mutterstocke 
zurück  Z.  H.  gä'  gn"  esse',  a)  nicht  ausser  dem  Hause 
essen,  bes.  von  Schülern,  Arbeitern  Z.  —  b)  nicht  von 
fremder  Gnade  leben  aScHW.  —  2)  Gang-nu^r  h.  drmit, 
lass  mich  damit  in  Ruhe  Z;  vgl.  (en)weg  gän.  S.  noch 
bläggen.  —  3)  absterben,  z.B.  von  Bäumen  ZZoll.; 
Syn.  hin  gän;  s.  noch  Sp.  30  und  vgl.  hei  II  Sp.  855. 
—  4)  anheimfallen,  zu  Teil  werden.  ,Tuet  er  etwas 
Unrechts,  so  ist  es  mein  schad,  so  gat  es  mir  h.,  si 
quid  peccat,  mihi  peccat.'  Fris.  ,H.  geben'  1)  mit 
Acc.  P.,  eig.  Jmds  Heimatsort  nachweisen,  sagen,  woher 
er  ist,  dann  übh.  Jmd  als  bekannt  (wieder)  erkennen, 
auf  dessen  rechten  Namen  verfallen,  sich  seiner  deut- 
lich erinnern  Bs;  Syn.  h.  tuen,  h.  wlsen,  an  (sinen) 
Ort  hin  tuen;  vgl.  h,  richten,  h.  stellen,  's  isch  mer, 
t'*  heig-ech  au"''  scho'  g'seh,  doch  chann-^ch  nit  hei  g'e'. 
Breitenst.  —  2)  mit  Acc.  S.  und  Dat.  P.,  bei  einer 
Versteigerung  einen  Gegenstand  dem  Meistbietenden 
zuschlagen  Z ;  Syn.  heim  (er-)  kennen,  h.  schlagen. 
S.  noch  Sp.  90.  ,H.  gigen',  mit  Dat.  P.,  Jmd  derb  ab- 
fertigen, ihm  ,heim  leuchten'  Bs;  L;  vgl.  glgen  Sp.  150 
und  h.  lüten.  ,H.  konmien.'  ,Ich  will  fürhin  ein  ander 
land  erfaren  und  selbs  erkunnen:  der  nie  heim  kam, 


was  nie  uskummen.'  JBinder  1535.  Vor'm  Profit  h. 
cho',  den  rechten  Augenblick  verfehlen,  seinen  Vorteil 
verscherzen,  schlechte  Geschäfte  machen  Gr.  Unter 
die  Haube  kommen  (eig.  .ein  Heim  finden'),  s.  Gatti'g 
Sp.  501  0.  ,H.  (er-)  kennen',  zuerkennen,  als  Eigen- 
tum. ,[Der  Übeltäter]  ist  dem  herrn  von  Kyburg  h. 
'kennt  als  der  rechten  natürlichen  oberhand.'  1561, 
ÜMey.  Chr.  ,Die  Mülli,  welche  inen  zu  und  h.  er- 
kennt worden.'  1625,  SchwE.  ,H.  lüten',  mit  Dat.  P., 
Jmd  mit  rauhen  Worten  oder  mit  Gewalt  aus  dem 
Hause  jagen  UwE.;  Syn.  a&en-,  usen-lüten,  h.  zünden; 
vgl.  auch  h.  gigen  und  Vilni.,  Id.  159.  ,H.  bringen', 
im  Kartenspiel  ,Jass'  eine  sog.  , Zählkarte'  (Ass,  Ban- 
ner usw.)  in  Sicherheit  bringen  Z  ;  vgl.  h.  tuen.  ,Ira 
jar  1472  ward  mir  myn  husfrow  in  brütwys  heimbracht 
und  hat  mit  mir  im  einsidlerhof  hochzyt.'  Edlib.;  vgl. 
Brut-Lauf  und  nhd.  ,(die  Braut)  heimführen'.  Ad 
referendum  nehmen,  von  bevollmächtigten  Vertretern, 
welche  ihren  Mandataren  über  geführte  Verhandlungen 
zur  weitern  Instruktion  od.  zur  endgültigen  Beschluss- 
fassung Bericht  abzustatten  hatten,  bes.  von  den  auf 
die  Tagsatzungen  geschickten  Boten  der  eidgenössi- 
schen Orte,  da  jene  meist  nur  nach  limitierten  In- 
struktionen stimmten.  XVI./XVIIL,  Kanzleispr.;  vgl. 
tw  den  Abscheid  nemen;  hindersich  bringen.  ,Das  wird 
heimzubringen  beschlossen,  da  man  hierüber  keine 
Instruktionen  hat.'  1521,  Absch.  ,[Die  Gesandten  beim 
Konige]  haben  [in]  der  hauptsach  nüt  wyters  dann 
uf  h.-br.  verschafft.'  Ansh.  ,H.  rechnen',  anrechnen, 
anschlagen.  .Diewyl  die  sach  an  ir  selbs  nit  gottlos 
ist,  wiewol  sy  mag  ärgerlich  h.  gerechnet  werden.' 
ZwiNGLi.  ,H.  richten',  erklären,  fassen,  begreifen  Gr; 
gleichs.  in  die  Fächer  des  Gedächtnisses  (Verstandes) 
einordnen,  oder  auf  seinen  Ursprung  zurückführen, 
nüt  Anderni.  zu  dem  es  gehört,  in  Zshang  bringen; 
vgl.  h.  geben.  Er  hed  's  nid  h.  richte"  chönne",  das' 
schein  Götti  e  satte  [solch]  ung'fürmete  Cliopf  ha'  soll. 
ScHwzD.  (Walkmstr).  ,H.  schicken',  mit  Acc.  P.,  eig. 
und  bildl.  i.  S.  v.:  Jmd  mit  einer  treifenden,  schlagen- 
den Antwort  abfertigen,  zum  Schweigen  bringen,  zu- 
recht weisen  GA.;  Z.  ,H.  schlän',  mit  Acc.  S.  und 
Dat.  P.  1)  Jmd  einen  gekauften,  ersteigerten  Gegen- 
stand um  einen  bestimmten  Preis  überlassen  SenSt.;  Z ; 
vgl.  h.  geben  2.  —  2)  einen  bestellten  Gegenstand  we- 
gen mangelhafter  Ausführung  nicht  annehmen,  zurück 
weisen  Z.  ,H.  schriben',  verbunden  mit  ,können'  im 
S.  V.  verloren  geben,  zunächst  von  Einem,  der  (in 
der  Fremde)  in  so  grosse  Not  geraten  ist,  dass  er  nur 
noch  die  letzte  Mitteilung  an  die  Seinigen  machon 
kann  Z.  ,H.  setzen',  (Jradem  Etwas)  anheim-geben, 
-stellen,  (zur  Verantwortung)  überlassen.  ,Dass  man 
inen  die  wal  h.  setz,  die  mess  ze  behalten  oder  nit.' 
1529,  Absch.  ,Sy  woUtend  die  priester  nüt  zwingen, 
satztend  's  glych  inen  han.'  Sicher  1531.  ,Harum  wir 
UGnHH.  heimsetzend,  alle  gerichtsrecht  ze  mindren, 
ze  meren  nach  irem  wolgefallen.'  1533,  B.  ,HBock 
schreibt,  dass...;  setz  ich  jm  heim.'  KGessn.  1542; 
vgl.  ebd.:  ,Fuchs  verteutscht  es  [so];  lass  ich  jn  ver- 
antwurten.'  ,Er  solle  die  böse  bottschaft  Gott  h. 
setzen,  der  die  seinen  in  vil  weg  suoche.'  LLav.  1582. 
,Ich  will  es  einem  yeden  frei  heimgesetzt  haben,  eint- 
weders  dise  Ordnung  anzuenemmen  oder  etwas  darinn 
zue  ändern.'  SHochh.  1591/1693.  , Welches  Alles  ich 
Einem  will  h.  gesetzt  haben,  dass  er's  mache  nach 
seinem  Gefallen.'  FWürz  1634.     ,Ich  will  es  Gott  h. 


1279 


Ham,  liem,  hiin,  honi,  lium 


setzen,  Daum  rogo  ut  causam  ineara  agat.'  Hospin. 
1683.  ,H.  stellen'  1)  mit  Acc.  P.  =  h.  geben  1  BsL. 
's  het  m^r  gli'''  wölk"  sl',  de  chömmsch-niif  so  bekannt 
vor  lind  i«*  Äa"  dt'*  doch  mit  chönne"  h.  stelle'.  Schwzd. 

—  2)  =  h.  setzen.  Hospin.  1683.  ,H.  dienen',  zur  Nutz- 
niessung,  als  Eigentum  zufallen,  zugehören,  ,zu  Dien- 
sten stehen' ;  vgl.  h.-fallen  Bd  I  757.  ,Das  dorf  soll 
unsern  eidgnossen  von  S  unablösig  belyben  und  h. 
dienen.'  1522,  Absch.  ,Sölich  guot  mag  dem  rechten, 
natürlichen  erben  h.  dienen  und  fallen  und  werden.' 
1526,  ebd.  .Weiden  und  Mattland,  die  den  Amtleuten 
zum  Unterhalt  einer  Anzahl  Viehs  h.  dienen  werden.' 
1579,  ebd.  ,Dis  buech  soll  jme  oder  synen  erben 
eigentümlich  h.  dienen  und  gehören.'  1588,  L.  ,Ein 
Behusung,  so  der  Statt  h.  dient.'  RCts.  ,Das  Mulen- 
vech  soll  dem  Herren  oder  Richter  desselben  Orts 
[wo  es  gefunden]  verfallen  syn  und  h.  dienen.'  XVII., 
L  Ansehenb.  .Einem  Mann  soll  die  Nutzung  von  dem 
Guot  [seiner  Ehefrau]  h.-dienen  und  gefolgen.'  L  Stadtr. 
1706/65.  ,Ein  Drittel  [der  Bussen]  soll  uns,  der  andere 
dem  Amtmann  des  Orts  und  der  dritte  dem  Verleider 
h.-dienen.'  B  Mand.  1747/70.  ,H.  tuen'  1)  mit  Acc.  P. 
a)  Eint  h.  tue',  ein  Mädchen  z.  B.  vom  Tanzboden 
heim  begleiten  Ap;  Z.  Eine'  h.  tue",  einen  schwer 
Betrunkenen  Z;  Syn.  h.  ferggen.  Scherzh.:  I"'' meine, 
i  well  Eine'  (Ei"s)  h.  tue',  mich  nach  Hause  oder  zu 
Bette  verfügen;  auch  (im  Hinblick  auf  ein  schläfriges 
Kind)  es  zu  Bette  bringen  Z.  ,Wie  ich  des  sterbents 
[der  Pest]  halb  mich  wohl  inecht  heim  tuen.'  Bon. 
Amf.rbach.  —  b)  =  h.  geben  1  Bs;  GA.;  U;  Z.  —  c)  =  h. 
schicken  Ap.  Einen  Angreifer  abfertigen,  zurück  jagen 
Gl,  Syn.  ihm  h.  zünden.  —  2)  mit  Acc.  S.  a)  Feld- 
fruchte einheimsen,  unter  Dach  bringen,  bes.  vor 
einem  drohenden  Wetter  Z ;  vgl.  h.  machen.  Etwas 
in  Sicherheit  bringen,  ein  herrenloses  Gut  sich  an- 
eignen Gl;  Z.  —  b)  beim  Kartenspiel  eine  , Zählkarte' 
rechtzeitig,  bevor  sie  abgestochen  wird,  in  Sicherheit 
bringen  G ;  Z ;  vgl.  h.  bringen.  —  c)  =  li.  richten  Ap  ; 
ScHW;  Z.  Was 's  bedüt't,  »iß"  tuet 's  nüd  h.  Schwzd. 
,H.  wisen'  1)  mit  Acc.  P.  =  h.  geben  1  B.  .Junges 
Volk  war  es  meist,  das  mir  manchmal  bekannt  aus- 
sah,  aber   nicht  h.  gewiesen  werden  konnte.'   Gottb. 

—  2)  =  h.  richten  Z;  „allg."  ,H.  ziehen.'  Im  Ängste' 
ziehnd  d'  Wetter  h.,  mit  dem  August  hören  die  Ge- 
witter auf  GnHe.;  vgl. :  ,Und  h.  geht  [im  August]  der 
Gewitter  Zug.'  (Gedicht)  und  s.  Lorenz.  ,H.  zünden', 
, (Einem)  h.  leuchten'  G;  Uw;  Z;  vgl.  h.  lüten,  tisen- 
zünden.  S.  nocli  bei  fallen,  fertigen,  suechen.  —  In 
Verbindung  mit  ,von'  scheinbar  flect.  Vo"  heime",  von 
Hause.  Auf  die  bei  Begrüssungen  an  Jmd  gerichtete 
Frage,  woher  er  komme,  lautet  die  .iVntw.:  Vo*  h., 
etwa  mit  dem  scherzh.  Zusatz:  Wie  d'  Chind  Z;  Ge- 
spräch 1712;  Syn.  von  daheim(en).  Wer  nit  von  h. 
fürt  mag,  mag  aw''  nümme'  h.  Z.  , Selten  [er]  von 
heiman  z'  krieg  fart.'  UEckst.  Anders  in  Verbindungen 
wie:  Mrr  sprdchled  [plaudern]  mit  enand;  i"''  inuess 
vo'  h.  erzeüe'  Z  (Schwzd.). 

Mild,  hmn,  nach  Hause;  heime'  dagegen  aus  ahd.  heimnna, 
welches  an  und  für  sieh  schon  heisst  ,Ton  Hause',  so  dass 
unser  ,vou'  ein  Pleonasmus  ist;  s.  noch  da-heivi.  Die  auch 
schon  in  unserer  ä.  Litt,  oft  bezeugte  Form  ,hein'  (z.  B. 
1443,  T.  VL.;  Bs  Chr. ;  NMan.;  1531,  Strickl.;  HBull.  1540; 
HsKMan.;  1607,  Ap  Malefizb.;  im  Ap  Krieg  1405  ,han,  hän' 
neben  ,ham')  bildet  den  Übergang  zum  Abfall  des  Endcons. 
Schon  ChMurer  reimt:   ,Hei'  auf  die  Interj.   ,ei!' 


über-heim:  (über  Feld)  nach  Hause  Z.  Ü.  ene", 
drüben  bei  mir  zu  Hause  Z.  Aufgaben  für  ü.,  Haus- 
aufgaben der  Schulkinder.  En  Ufsatz  miiesst-er  m^r 
ha'  ü.  AGysi  1883.  Auch  substantiviertes  Neutr., 
Hausaufgabe  Aa;  L.  —  Über  die  (bloss  verstärkende)  Bed. 
der  Präp.  über  in   Zss.   s.  Bd   I  59   Anni. 

an-:  nach  Hause,  Syn.  anher;  daheim.  ,Ist  jm 
wider  a.  zue  ziehen  vergönnet.'  1476,  Bs  Chr.  Ein 
Geistlicher  wird  getadelt,  dass  ,so  zuo  zyten  die  kinder 
zum  touf  gebracht,  [er  sich]  nit  a.  [habe]  finden  lassen.' 
1526,  Egli,  Act.  ,ln  holfnung,  in  kürze  a.  ze  kommen.' 
1528,  Absoh.  ,Sie  begaben  sich  auf  die  Anheimreise.' 
WüRSTiSEN  1765.  S.  noch  an-heiviisch.  —  er-  s.  har-h. 

vor-:  auf  dem  Heimwege,  heimwärts  GG.  —  Über 
die  Bed.  des  vor  in  dieser  Verbindung  s.   Bd  I   931. 

ge-:  1.  heimisch,  wohl  zu  Mute,  behaglich  B. 
„'s  ist  mir  bei  der  Sache  nicht  g.,  heimelig."  ,Es  war 
ihm  nicht  g.  unter  diesem  Volke  mit  seinen  Dublonen 
im  Sacke.'  Gotth.  ,Daheim  ist  es  g.,  doinus  propria 
omniuin  optima.'  JMey.  1692.  —  2.  befreundet,  ver- 
traut B.  Die  G'heimste  [die  Nächststehenden]  sind 
die  Schlivimste"  g'sl";  vgl.  Fründ  Bd  I  1303.  .Der- 
selbe propst  beden  partyen  fast  gehem  und  lieb  ge- 
wesen.' Edlib.  , Einer,  der  dir  und  mir  g.  ist.'  Zwingli. 
.[Der  Pfarrer]  soll  g'heimer  den  büechern,  ungheimer 
den  puren  im  wynhus  syn.'  1533,  Egli,  Act.  ,Die  von 
Z  sollen  einen  g'h-en  Herren  von  Sch  berufen,  ihm 
die  Verhandlung  mitteilen.'  1546,  Absch.  ,Si  in  mea 
familiaritate  locus  esset  nemini,  wenn  mir  niemants 
g.  wäre.  Geheimner,  gueter  freund,  familiaris.'  Fris.  ; 
Mal.  , Demnach  sind  die,  so  yemerdar  vor  iren  herren 
stand,  inen  g.,  lieb  und  angenem.'  LLav.  1569;  =  .die- 
jenigen, welche  ihren  Herren  abwarten,  wüssen  ihre 
Heimlichkeiten.'  1670.  ,Unser  landsprach,  welche  mir 
geheimer  ist  dann  die  ausländisch.'  ebd.  1582.  .Auf 
dass  die  hl.  geschrift  den  gläubigen  g'mein  und  g'heim 
werde.'  ebd.  ,Sy  buolte  mit  dem  Bischof,  der  iren 
g.  was.'  JJRüEGER  1606.  ,N.  N.  war  beider  Brüederen 
gar  g-er  und  styfer  Fründ.'  XVII.,  Mise.  Tig.  (Ver-) 
traulich.  ,Gott  redt  mit  Abraham  gar  g.  und  trost- 
lich.' OWerdm.  1552;  =  ,freundlich.'  Herborn  1588. 
—  3.  heimlich.  , Einen  g-en  Rat  hat  es  zu  behender 
Verfertigung  der  Geschäften  und  besserer  Verschwie- 
genheit zu  Z,  welcher  die  ihme  zu  schwer  fallende 
Sachen  eintweders  für  den  kleinen  oder  gar  grossen 
Rat  gelangen  lasst.'  Siml.-Leü  1722,  471;  vgl.  ebd. 
über  den  ,g-en  Rat'  zu  Sch.  ,Der  13er  oder  g-e  Rat 
zu  Bs  ist  das  1.  Mal  a.  1445  eiugeführet  worden  und 
werden  in  selbigen  die  wichtigsten  Kriegs-  und  Staats- 
geschäft vorberatschlaget.'  Siml.-Leü  1722,  471.  ,Die 
13  g-en  Räte  zu  Bs  an  die  13  zu  Strassburg.'  1535, 
Absch.  , Beide  Schultheiss.  der  Venner,  der  Seckel- 
meister,  Stadtschreiber  und  Gemeinmann  nebst  dem 
ältesten  alten  Rat  wurden  in  S  die  g-e  Rät  genennet, 
welche  alle  g-e  Sachen  tractieren,  darüber  correspon- 
dieren  und  selbige  nach  Befinden  an  den  gewohnlichen 
Rat  bringen.'  Siml.-Leu  1722,  523.  Lt  der  Sage  be- 
stand in  S  früher  das  ,g-e  Gericht'.  Indem  der  Ver- 
brecher nämlich  über  eine,  eine  schauerliche  Tiefe 
überbrückende  Bohle  gieng,  wurde  dieselbe  unvermerkt 
unter  ihm  weggezogen,  so  dass  er  von  den  unten  auf- 
gesteckten Messern  zerfleischt  wurde.  ,G-e',  auch 
, heimliche  Herren'  hiess  auch  ein  Dreierausschuss  des 
Bs  Ehegerichts,    welche    in    Ehegerichtshändeln   die 


Ha 


Fehlbareri  vorladen  und  unter  Ausschluss  der  Uffent- 
liclikeit  durch  Vorstellungen  zu  bessern  suchen  muss- 
ten.  ,Als  der  zwüschen  den  herren  g-en  und  den  ehe- 
riehteren  erzeugte  span  fürgebracht  worden,  haben 
MGnHH.  erkannt:  die  heimlichen  herren  berüerend, 
sollen  sich  dieselben  keiner  andern  sachen,  dann  spe- 
nige  cheleut  zu  vergleichen,  underfahen  und  gar  keine 
strafen  nemmen.'  1594,  Bs  Kq.;  vgl.  Absch.  IV  1  c  124. 
Im  Gegs.  zur  .öffentlichen'  Gerichtssitzung  war  die- 
selbe ,geheim',  wenn  die  Urteiler  im  Ausstand  be- 
rieten; vgl.  z.B.  Z  Gerichtsb.  von  1553,  S.  13.  — 
Subst.,  Vertraulichkeit,  Heimlichkeit,  Geheimniss;  in 
adv.  Verbindung:  im  Geheimen,  im  Vertrauen,  ver- 
traulich, heimlich.  1)  n.  So  chlagt's  Ei's  dem  Andre", 
natürli"''  Alles  im  grösste"  G'heim.  Usteri.  Im  G'hl'mt 
es  Pfifli  nVke"  [rauchen]  BSi.  (Schwzd.).  ,Er  liest 
im  geheimd  einen  brief  vor.'  1544,  Absch.  Die  von 
Constanz  mögen  das  ,zum  geheimist  [so  heimlich  als 
möglich]'  ihren  Einungsverwandten  mitteilen.  1545, 
ebd.  —  2)  f.  ,Uns  ist  in  einer  g.  fürkommen  [mit- 
geteilt worden].'  1445,  B  Anz.  .[Des  Angebers]  Name 
soll  in  gueter  G.  und  Stille  gehalten  werden.'  Z  Münz- 
mand.  1620.  ,[Die  3  Eidgenossen]  kamen  zusammen 
in  der  G.'  Lied  1669.  —  Die  Form  mit  angetretenem  d  (t) 
beruht  auf  Mischung  mit   Geheimde. 

Geheim nuss  f.:=  Geheim,  allg.  Das  Bunch, 
n-a  [worin]  die  gijptaschn'  [ägyptischen]  G'heivinussi 
dri'  sind  GRPr.  (Schwzd.).  Im  S.  v.  Vertraulichkeit, 
vertrauter  Umgang:  ,[Mit  dem]  er  vil  G.  und  Ver- 
ständtnuss  hat.'  RCys. 

hie- heim:  hier  zu  Hause.  1420,  B,  wofür  in  einer 
andern  Hdschr.  ,-heimen'. 

bar-,  her-,  er-:  1.  nach  Hause,  heimwärts.  Geg 
erhei  go"  ZO.  ,Dass  die  unsern  wider  herheim  [ge-] 
kommen.'  1425,  B  Anz.  ,Was  fürer  begegnet,  sollen 
die  [Tagsatzungs-]  boten  wider  herhein  für  einen  gros- 
sen Bat  bringen.'  1437,  Beitr.  Lauf.;  vgl.  heim  bringen. 
,Sy  warend  5  monat  us  gesyn  und  kernend  ellendigk- 
lichen  erhiara.'  1521,  HsStockar.  ,Wir  gebieten  üch, 
üch  angänds  ab  und  harheim  zuo  füegen.'  1522, 
Strickl.  ,Gott  well,  du  [ein  Abgesandter]  bringist 
mit  dir  har  hein,  dass  du  erfröuwist  die  ganz  g'mein.' 
UEcKST.  ,A.  1522  kam  ich  erheim.'  Salat.  ,Ich  bring 
der  küngin  ein  böses  bottenbrot  erhein.'  Aal  1549. 
—  2.  .herheimeri',  zu  Hause.  ,Allenthalben  in  den 
Vogteien  und  h.'  1546,  Absch. 

Har  bzw.  her  wurde  zu  er  geschwächt,  wobei  der  Weg- 
fall des  R  noch  durch  die  Collision  der  beiden  Hauchlaute 
begünstigt  wurde;  vgl.  d-^r-heim  aus  durch-h.  und  ,nacher  Hüs'. 

da-  (meist  geschwächt  dif-,  de-,  di-,  in  L;  S  der-) 
-heim  Aa;  Ap;  F;  L  tw.;  GRh.;  ScHNnk.;  Th;  Z,  -hein 
GWe.,  -hei  Bs;  Gtw.;  TnErm.,  -keime»  Aa;  Aptw.; 
B;  Ltw.;  S;  TB.  (-heimne-J)  Tntw.;  Ndw;  Wtw.;  Z, 
di-hohnme"  Sch  (Stickelb.),  -heimet  (bzw.  -d)  ApH.; 
Gl;  Gr:  daheim,  allg.  !''•  irett,  i''' irär  d.,  Ausdruck 
der  Missstimmung,  wenn  eine  Sache  ins  Stocken  gerät 
GBern.;  Z.  Tue  fiüendj  wie  d.,  Ermunterung  an  Be- 
suchende, sich's  bequem  zu  machen,  bei  Tische  un- 
bedenklich zuzugreifen  Z.  Wenn  sich  der  Hauswirt 
gegenüber  seinen  Gästen  wegen  bescheidener  Be- 
dienung entschuldigt,  beruhigt  man  ihn:  M^rhänd's 
d.  niid  eso  (guetj  ZO.  D.  git  's  nüd  so  vil  Sehne,  d.  h. 
im  heimatlichen  Dorfe  Bs;  Z.  We"  mj"  d.  cha'" 
handle',  rerchaiift  mrn  am  Beste"  Bs;  S  (Schild).    Es 

Schweiz.  IdiotiioD  II. 


isch  gnuen,  we"'  me"  d.  isst,  Abfertigung:  ich  schere 
mich  nicht  um  dich.  ebd.  Wärist  du  d.  blibe',  hättist 
du  dis  Schätzen  no'''.  Lied;  vgl.  Geiss-Bock.  ,Belibist 
du  daheimen,  du  hettist  guote  weid.'  1444,  Lied.  ,Wär 
er  deheim  beliben,  jm  hat  niemand  leids  getan.'  Halb- 
suTER.  ,D.  ist  er  ein  Mann.'  JMet.  1G92;  vgl.  Sprww. 
1824,  S.  49.  ,Der  Schuldgläubiger  mag  sein[en] 
Schuldner  heissen  daheimet  stan  [zu  Hause  bleiben].' 
GrKIosI  LB.  D.  si'  1)  zu  Hause  sein,  bleiben, 
allg. ;  vgl.  gaumen.  Spec.  im  elterlichen  Hause  weilen. 
Eine  heiratsfähige  Tochter  betr.  wird  etwa  gefragt: 
Ist  si  no'''  alliwil  d.,  ledig?  Z.  —  2)  wohnen,  allg. 
Wo  bist  d.  ?  I"''  bi"  nu'  niene'  me  d.,  habe  nirgends 
eine  bleibende  Stätte,  bin  meiner  gewohnten  Behag- 
lichkeit zu  Hause  beraubt;  vgl.  wie  entlehnt.  — 
—  3)  für  Etw.  zu  .sprechen',  zu  finden,  zu  haben 
sein,  sich  auf  Etw.  einlassen,  dazu  hergeben,  zu  Etw. 
Lust  haben;  dafür  geeignet  sein,  allg.;  vgl.  nhd.  ,zu 
Hause  sein'.  ,Nur  z'  arbeiten  sei  sie  gut  genug,  wenn 
sie  aber  auch  Etw.  wolle,  so  sei  Niemand  d.'  Gotth. 
.Allerdings  sind  viele  Meistersleute  da  d.,  dass  sie  mit 
wenig  Diensten  [Dienstboten]  das  Unmögliche  er- 
schinden.' ebd.  Bert  [dort]  bin  i^''  nüd  d.,  das  ist 
meine  Sache  (Art)  nicht,  so  denke  (handle)  ich  nicht, 
das  ist  mir  zuwider;  abschlägige  .\ntwort  Z.  ,Es  ist 
unvergessen,  wie  um  eines  bernplapharts  wegen  ein 
schwerer  ufbruch  in  Eidgnossen  beschehen  ist,  iezund 
aber  ist  nieman  me  d.'  HBüll.  1572;  vgl.  ,will  dem 
Kind  Niemand  zu  Gevatter  stehen.'  .[Den  Stolzen] 
kann  Niemand  hoch  genug  halten,  aber  wann  er  An- 
deren weichen  und  Ehr  beweisen  soll,  ist  Niemand  d.' 
FWyss  1673.  In  Öppis  (am-en  Ort)  d.  si»,  einer 
Sache,  z.  B.  einem  Berufe,  gewachsen  sein,  sie  ver- 
stehen, damit  vertraut  sein.  allg.  „Er  ist  d.,  ein  kunst- 
erfahrner, gelehrter  Mann  Aa."  Mit  Neg.,  mit  den 
Gedanken  abwesend,  nicht  bei  Sinnen  sein  Ap;  Ndw;  Z. 
,Man  sagt,  wenn  einer  mit  einem  trunknen  rede,  so 
rede  er  mit  einem,  der  nit  daheimen  sye.'  LLav.  1584. 
,Er  ist  nicht  d.,  nicht  bei  sich  selbst,  non  adest  animo, 
vix  compos  sui  est.'  Denzl.  1677;  1716.  , Er  ist  nicht 
d.,  prsesens  absens;  mens  peregrina;  mens  volat.  Wir 
sind  nicht  d.  gewesen,  nos  aliö  mentein,  alib  dimisiraus 
aures.'  JMey.  1692.  Ökonomisch  (nicht)  gut  stehen  F. 
N.  N.  muess  nit  wd  d.  s'i»,  er  het  müesse"  Geld  vn- 
mene  Wuecherer  dlclDir".    S.  noch  us-gän  Sp.  24. 

Aus  heim,  hin.  h.i,,:'"  letztere  Form  wohl  aus  rhyth- 
mischen Gründen  gewählt),  mit  Vorseteung  von  da,  aus  ahd.  dar, 
dessen  ;■  nach   Analogie  von  der-  (rfj-,  dj.)-von,    -für,    -gegen. 


-mit,  -neben,  -bl,  -zue,  -zwischen  tw.  erhalte 
belegt  aus  dem  XVI./XVII.  ist  die  F.irm  ,i 
Zwingli;    Fris. ;    Mal.;  Kurf  iimv.    iM.l;.  iiili 

auch    niich    il'  r    Fr-lrV     rt\ir,     IIMh|,   |  ||,   Ii       .   Ii  ,■, 


ALU 


i-.. 


an  mhd.  hcimcnen  sich  aiizuso 
bei  Kessl.  (neheu  .dahaimen' 
heimat.'  15:38,  Gr ;  Guler  IC 
,daheimen'   im  Mscr.  von  l(i'2 


Reichlich 
i',  so  bei 

lii  liL^i  Hill'  Ii  liit^rliliipft  sie 
I  ii.  II  .  h  ,■, .  -  linltstellers, 
,/„,,,„."  -.  in  Um  liiHiiittelbar 
•sM'ii.  Iin-hcimi'i  auch  schon 
GrD.  LB.;  Vad.  (,-id');  ,da- 
;  Mise.  Tig.  1723  (dagegen: 
Diese  Form  ist  durch  An- 


tritt eines  d(t)  an  das  aus  ahd.  heimana  verkürzte  mhd.  heimen 
zu  erklären;  vgl.  bei  ThPlatt.  1572:  ,Doheimand'  neben  ,do- 
heiman',  und  unser  nebend,  zn-iichend  (bzw.  nühent.  zieischent) 
und  .meinetwegen,  allenthalben'.  .Daheimden'  IB  Abzugsrod. 
1719)  viell.  aus  ,dahtimend'  verdreht;  vgl.  übrigeus  auch 
.geheimd'  für  ,geheim'. 

dur'^''-,  meist  verst.  durch  vorgesetztes  rfjr- (aus 
dar-):  1.  heimwärts,  in  der  Richtung  nach  Hause,  bes. 
mit  Berücksichtigung  der  grössern  Strecke,   die  man 


Harn,  liem,  hiin.  hom,  hura 


durchmessen  muss  AaP.;  Sch;  S;  Z.  So,  jetz  wüli''' 
dur'''-hei.  LSteiner.  —  2.  auf  dem  (ganzen)  Wege 
nach  Hause  Z.  D^r-h.  an  Ei'"m  fürt  (alKwil)  schreie" 
[weinen]  Z.  Das  hat  si  m^r  no'''  g'seit  d.  —  Vgl. 
der-durch-ln  (Bd  I   293)   udgl. 

Heimat  Hehm^t  n.  Aa;  Bs  (in  Bed.  3);  B;  Gl; 
GrD.;  L;  ct.;  Schw  ;  S;  Th,  f.  Ap;  BHk. ;  GRtw.; 
GEh.,  in  Bed.  1  und  2  auch  Bs;  BSi.;  Gkü.;  S;  Z 
—  PI.  H-e:  =  Heim.  1.  im  allg.  S.,  auch:  Wohnort 
übh.  En  warme'  Tschöpe'  ist  es  rechts  H.  Gr.  D'  H. 
isch  arm,  aber  doch  warm.  Schild.  ,Dises  schloss  ist 
mer  zue  einem  lust-  und  pfaffonheimand  dann  zue  der 
were  gebuwen.'  Vad.  ,Vernaculus,  heimisch,  in  un- 
serem haus,  heimand.'  Fbis.  ,Morndes  fanden  wir  die 
Ente  in  ihrem  alten  H.'  XVHI.,  LMet.  v.  Knon.  .Dem 
Comersee,  ihrem  [der  Fische]  altem  Heimit.'  JLCys. 
1661.  —  2.  Heimat  im  speciellern  S.,  Heimat-Dorf, 
-Land,  Vaterland,  allg.  I"  d's  H.  macht  i"''  wider  B 
(Schwzd.).  Sig  es  schön  i"  frömde'  Lande',  doch  es 
H.  wird  es  nie!  ebd.  ,Du  bist  in  dein  kropfichtes 
[bergiges]  H.  vernarrt.'  UBragg.  S.  noch  gefründ  Bd  I 
1305.  ,[Die  Schreiber  sollen  ihn]  fragen  von  synem 
namen,  stadt  oder  heimend.'  1528,  Absch.  ,Heb  dich 
aus  deinem  h.'  1531,  I.Mos.;  dafür:  .ziehe  aus  deinem 
Vaterlande.'  1882.  .Genitale  solum,  das  h.,  da  einer 
geboren  ist.  Patria,  seines  heimants  oder  vatterlands.' 
Fris.;  Mal.  , [Die  Gesandten]  sind  aufgebrochen,  jeder 
nach  seinem  H.'  1618,  Dordrac.  ,Ins  rechte  H.  g'hö- 
rend  sie  [das  Volk  Gottes],  sind  überall  wie  Fremd- 
ling hie.'  Emblem.  162'2.  , Solche  Personen  sollend 
ihrer  Namen  und  ihres  H-s  erkundiget  werden.'  Z 
Armenordn.  1648.  ,Wann  Einer  in  der  Gemeind,  da 
er  gekaufet,  den  Einzug  zahlt,  soll  er  sein  Heimet  nit 
mehr  in  der  ersten,  sondern  in  der  letsteren  Gemeind 
haben.'  LStadtr.  1706/65.  .Kessler,  Krämer  usw.,  die 
in  ihrem  H.  mit  Feuer  und  Licht  nicht  sess-  oder 
wohnhaft.'  Z  Stadtger.  1715.  ,Die  aus  der  Fremde 
kamen  und  ihrem  H.  zu  wollten.'  Z  Nachr.  1754. 
,Von  dem  Prediger  ihres  H-s  unterwiesen.'  Z  Predi- 
cantenordn.  1758.  ,Ihr  vätterliches,  schätzbares  H.  und 
Vatterland.'  Bs  Mand.  1771.  ,Von  Gut,  das  einem 
nichtverburgerten  Predicanten  unserer  Landschaft  aus 
unserer  Stadt  Landen  zufallt,  soll  der  mit  seinem  H. 
bestimmte  [vereinbarte]  Abzug  bezogen  werden.'  1786, 
Z  Ges.  —  3.  =  Heim  b.  allg.,  ebf.  häufig  allitterierend 
verbunden  mit  Hüs.  Mis  Ueimetli,  das  verchauf  i"* 
nit!  S  (Joach.).  Mir  hei"d's  wie  d'  Jude',  mir  hei'd 
Icei''  eigeni  H.  me""  GlMoU.  [wortspielend  mit  Bed.  2]. 
's  H.  a'binde',  von  einem  Schuldner  ein  Heirawesen 
an  Zahlungsstatt  übernehmen  BG.  (Zyro).  ,Er  hätte 
doch  jetzt  ein  'zahltes  H.'  Gottb.;  dafür  in  der  Ges.- 
Ausg. :  ,Haus  und  Hof  ohne  Schulden.'  ,Der  Vater 
hielt  viel  darauf,  dass  er  ein  H.  hatte.'  ebd.  !''•  bin 
nn  Zimmerma'",  ha'  weder  Hus  no'''  Hämet,  ha'  's 
Holz  in'n  Bergen  obe'  and  kas  daJiäma"  Ap.  ,Die  H. 
und  Werkstelle  von  seinem  Vater  käuflich  an  sich 
gebracht.'  G  1827.  ,Das  H.  sei  zu  teuer;  ich  glaube 
es,  wann  zehen  darab  essen.'  LKInderbitzi  1826.  ,Ein 
eigenes  H.  oder  Häusle.'  UBrägg.  1788.  .Viele  müssen 
zu  Haus  ihr  H.  [besorgen]  und  an  der  Kirch  arbeiten.' 
1782,  Gfd.  .Ein  Bergheimat.'  L  Intelligenzbl.  1811. 
,Dass  Mancher  von  Haus  und  H.  wurde  getriben.'  1657, 
Urk.  .Wann  man  bei  einer  Heimet  andinget  zweifache 
Pfand.'  1686,  Ap  LB.  ,Ein  Guet,  Haus  old  Heimet.' 
1756,  Schw  Kq.  Vgl.  noch  H.-Guet  Sp.  548.  —  4.  adv.. 


bzw.  in  adv.  Verbindungen.  Vw  H.  chu",  von  Hause 
Sch.  Sache",  dass  sini  sige"  vo'  H.,  die  es  von  Hause 
als  Aussteuer  mitgebracht  habe.  Gottb.  ,Sy  köment 
von  heiraet  eben.'  HvBüte.  ,Sy  sind  von  Haimet  zogen 
und  siderher  im  Elend  umher  zogen.'  Ap  Malefizb. 
1601.  ,A  nobis  venio,  ich  komme  von  H.  wie  die 
Kinder.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Es  wird  Zeit  sein,  dass 
wir  auch  an  Heiraet  gedenken.'  Z  Kai.  17'24  (wofür 
jetzt  in  der  MA.  a"  hei,  heime').  ,By  heimandt',  in 
der  H.  UEckst.;  Syn.  daheim. 

Spät  mhd.  heimat  statt  älterm  heimöt,  wie  nhd.  .Monat' 
für  mhd.  mänöl.  Über  die  (auch  Z  Bibel  1548;  OWerdm. 
1.552  und  JJRüeger  1606  belegte)  Form  ,Heimand,  Heimant' 
vgl.  Weinh.  al.  Gr.  §  201  und  Gr.  WB.  s.  v.  ,Heimat'.  Der 
adv.  Gebrauch  unsers  W.  ist  Analogie  nach  demjenigen  des 
den  Bedd.  nach  ohnehin  sehr  nahe  stehenden  Beim,  kann 
aber  auch  auf  lautlichem  Wege  aus  heivien  (s.  Anm.  zu  da- 
keim)  erklärt  werden. 

Ü''-Heimetli:  geringes  Bauerngut  .\aF. 

Kueh-,  Küehli-Heimet(li):  kleines  Bauern- 
gut, auf  dem  bloss  1  oder  2  Kühe  gehalten  werden 
können  Aa;  B.  .Die  Kuhheimetli  sind  zum  Kaufen 
und  Empfangen  weitaus  die  teuersten.'  Gotth.  .Wenn 
das  Meitschi  noch  ein  wenig  warte  [bis  zur  Heirat], 
so  chönn  es  einen  guten  Schick  machen,  wenigstens 
ein  Kühheiraat  fehle  Dem  nicht.'  ebd.  .Etwas  besser 
bestellt  sind  die  Häuschen  der  Tauner,  die  ein  sog. 
Kuhheimatlein   besitzen.'   Aa  Gem.  1844,  I  444;  471. 

Winter-:  Grundstück,  von  dessen  Ertrag  das  Vieh 
den  Winter  über  gehalten  werden  kann  LE.;  Gegs. 
Sommerung.  ,Man  nennet  die  Wiesen  [im  Gegs.  zu 
den  Weiden]  auch  W.-Heimate.'  XSchnyd.  1781,  H  98. 
Vgl.    W.-Guet  Sp.  553,  Heimet-Guet  Sp.  548. 

Heimetier  m.:  Weber  usw.,  der  sein  Gewerbe 
bei  Hause  betreibt  Gl;  Gegs.  Fabrikler  Bd  I  636. 

Heimele  f.:  1.  Pflanzenn.  a)  guter  Heinrich, 
chenop.  bon.  Hen.  BSi.;  Vü;  Gr;  GO.;  S;  auch  H.-Erüt 
Gr;  GO. ;  SoHwMa. ;  Obw.  Synn.  s.  bei  Heinrich.  — 
b)  gem.  Knöterich,  pol.  bist.  Gr.  —  c)  wildi  H.,  ährige 
Rapunzel,  phyt.  spie.  GrA.  ;  s.  auch  Samml.  1779,  233. 
—  2.  „heimliches  Gemach  U";  Syn.  Heimlichkeit. 

Nach  Analogie  von  (Iriible,  Grifle,  HödeU  u.  a.  Pflanzen- 
und  FrUchtenamen  gebildete  Abi.  von  Heim,  da  die  unter  1  a 
genannte  Pflanze  bes.  um  Haus  und  Stall  wächst;  aus  dem 
gleichen  Grunde  hat  sie  viell.  den  Namen  .guter  Heinrich, 
(aus  ,Heim-rich'). 

heimele":  meist  unpers.  und  mit  Acc.  (B;  GSa.) 
oder  Dat.  P.  (BO.;  Gb).  heimatlich,  traulich,  bekannt 
anmuten,  freundliche  Erinnerungen  an  die  ferne  Heimat 
oder  an  vergangene,  glückliche  Zeiten  wecken,  wie 
beim  Anblick  von  dort  her  stammender  oder  ihnen 
ähnlicher  Gegenstände.  Speciflsch  Schweiz.  W.;  vgl. 
St.  U  33/4.  Syn.  heimschen.  Hie  heimelet  's  v^r,  hier 
bin  ich  wie  daheim.  H.  tuet  's  Ei'^m  i'  der  Stilli 
Gr  (Schwzd.).  Es  heumetet  mi'''  teäger  albig  an  selbem 
Stei-  GSa.  (Proph.  1855).  Auch  mit  best.  Subj.:  ,Ich 
sah  den  Bauer  vor  dem  Stalle  sitzen,  gerade  wie  der 
Vater  es  auch  zu  tun  pflegte;  der  Anblick  heimelte 
mich.'  Gotth.  Wil  i"*  uf  mim  Reisli  nüd  Lebendsch 
g'seh  ha',  hem-mer  die  G'ßrte'  [ein  paar  Alpdohlen] 
recht  g'heimelet  GnPr.  (Schwzd.).  Verallgemeinert: 
„nach  Etwas  gelüsten." 

a°-:  =  dem  Vor.  allg.  Syn.  an-ältelen  Bd  I  206. 
Das  Ort  heimelet  mi"''  a'.  Reizen  [wohl  =  Lust  er- 
wecken] G  1799.  Ah\.  an-lieimdig.  —  ver-:  verheim- 
lichen GeA. 


Hain,  heni,  him,  hoiu,  hu 


heimelig,  -ich,  in  Gl  heimeli,  in  ThEoid.  hom- 
melig:  heimatlich,  bekannt  anmutend,  tränt,  heimisch, 
angenehm,  gemütlich,  von  Personen  und  Sachen,  allg. 
E  h-i  Stube  Z.  .Die  Wohnung  der  Damen  war  gemüt- 
licher, als  man  sie  in  Gasthöfen  sonst  zu  finden  pflegt; 
man  sah  ihr  das  Heimelige  gleich  an.'  Verg.  Tage. 
Es  h-s  Hus  UwE.  E  h-i  alti  Frau,  eine  Zutrauen, 
Anhänglichkeit  erweckende  Z.  's  isch  halt  en  Unglück 
chn  über 's  Fridlis  h.  Lebe:  Breitenst.  S.  noch  ge- 
heim. —  Unterscheidet  sich  als  Abi.  von  heimehn  von  dem 
syu.   heim-livh. 

a"-:  =  dem  Vor.  Ap.  —  u°-:  , fremd,  nicht  be- 
freundet, allg.'  U"-heimeU,  ungemütlich,  von  Orten 
und  Personen  Gl. 

heimo"  (in  GrL.  -eu-):  1.  heim  führen,  zu  sich 
ins  Hans  aufnehmen,  Heimat,  Herberge,  Unterkunft 
gewähren,  a)  von  Pers.  BO.;  Gr.  E  Töchter  hat  die 
ah  Miieter  g'heimet  GRPr.  Grosseltern  h.  etwa  Enkel- 
kinder. Armi  h.,  in  die  Heimatgemeinde  zurückholen, 
um  sie  zu  erhalten  GRPr.  Als  Braut  heim  führen, 
heiraten  GRPr.  's  vär  besser  g'sx',  er  hette-sche  [sie] 
asa  jungi  g'heimet.  Scbwzd.  Ein  freiendes  Wildmänn- 
lein singt:  Übermorn'  tuen  i''*  buche'  [waschen]  und 
darnä'"  gan  «'*  g,;  inis  Chrüseli  h.  B.  313.  ,So  einer 
fremd  lüt  behuset,  inen  hüser  lycht  und  sy  heimet.- 
1539/1659,  B.  -  b)  von  Sachen.  „Eine  Kuh  h.,  sie 
als  sein  Eigentum  nach  Hause  führen  Gr."  ,Ein  ver- 
lornes od.  verlaufenes  Tier  auffangen  und  heimführen, 
mit  und  ohne  Recht'  Bü.  (Zyro).  Bes.  Feldfrüchte 
einbringen,  einheimsen  Gr.  ,Pfand,  so  geschetzt  ist. 
mag  man  h.'  GrD.  LB.  , Gehet  gewarsamlich,  damit 
unser  banner,  so  unser  lümd  [an  dem  unser  Leumund 
hängt],  nit  schimpflich  geheimt  werde.'  1475,  Müller. 
Schw.-G.  —  2.  Etwas  an  sich  nehmen,  ziehen,  an- 
nehmen, sich  aneignen,  nicht  zurückweisen  Gr.  Kei 
Nari'g  h.,  Nichts  zu  sich  nehmen.  Den  (zu  weit) 
vorgestreckten  Fuss  zurückziehen;  s.  Krön.  —  3.  Jmd 
fest  nehmen,  gefangen  setzen.  ,Die  [Diebin]  wart 
darum  gehaimot.'  XIV.,  G  Stdtb.  ,Des  haimatent  die 
rät  den  kneht.'  ebd.,  neben  ,haimotent.'  Vgl.  G  Mitt. 
XI  142;  143;  149;  152;  166;  171.  .Man  soll  jn  in 
den  turn  legen,  so  er  geheiraet  wirf  Sch  Stdtb.  ,Wa 
[die  Geächtete]  ein  vogt  ald  ein  statt  geheimen  oder 
gehaben  möchtend.'  THDiess.  Stdtr.  ,Als  wir  jn  ge- 
haimnot  hatten.'  XV.,  GOberried  Arch.  —  4.  ,refl., 
sich  vorsehen,  hüten  L";  eig.  „im  Heim  sich  bergen." 
—    Mhd.  keimen   in  Bed.  1  -  3.    Ygl.  noch  das  Syn.  heimsen. 

vor-:  verheimlichen  Bs;  B;  VO;  S.  Vcn--em 
Pfarrer  Nüt  chönne'  v.  JoiCH.  .Joggeli  war  lange 
nicht  so  teilnehmend  gewesen,  dass  es  sie  dünkte,  sie 
könne  ihm  Nichts  v.,  sie  müsse  ihm  das  Hinterste 
hervorgeben.'  Gotth.  Das  isch  nit  recht  vo'  dir,  dass 
d'  [du]  mer  Selligs  verheimst,  ebd.  ,So  wird  das  meiste 
Böse,  was  Quacksalber  machen,  verheimt  aus  Scham." 
ebd.    —    Mhd.  verkeimen,  einfriedigen. 

be-:  1.  „Jmd  zu  sich  nehmen,  ihn  ernähren,  zumal 
einen  Verlassenen  W'.  —  2.  be-heimt,  heimatberech- 
tigt, zu  Hanse:  ,Ein  jeder  soll  in  denen  gerichten, 
darin  er  b.,  berechtigt  [processiert]  werden.'  1529, 
Abscb.  —  Bed.  1  schon  mhd.,  2  unmittelbar  v.  Siibst.  Heim. 

Heimich:  zahmes  Schwein.  ,Porcus,  sus,  schwein 
oder  h.'  Fris.;  Mal. 

Das  W.  anch  von  Dasyp.  1587  und  von  dem,  auf  nnsern 
Lexikographen  fnssendeu  Lexilton  tril.  aufgenommen;    vgl.: 


.Heimlicher  Schweineber,  verres.  est  porcus  dorn,  non  ca- 
stratus.'  Voc.  ine.  teut.  Mal.  mischt  an  anderer  Stelle  (,dcr 
heimuch,  porcus,  gryllns')   das   W.   mit  Heim-Müch. 

heimisch  heimsch:  1.  Wohnung  habend,  wohn- 
haft, angesessen  B  (Zyro).  —  2.  zur  (gleichen)  Heimat 
gehörig,  einheimisch,  allg.  En  H-e'',  Eingeborner. 
,So  vil  da  g'hörend  in  das  hus,  ouch  heimscher  sind, 
die  standind  us.'  Eoef  1540.  Sonst  in  der  ä.  Lit.  meist 
formelhaft  den  Gegensätzen  gegenübergestellt.  ,Er  sye 
landmann  oder  gast,  heimsch  oder  frömd.'  144'2/1544, 
ScHW  LB.  ,Es  sei  ein  frömdling  oder  ein  heimischer 
im  land.'  1531/48,  U.  Mos.;  =  .Einheimischer.'  1667. 
,Sy  wärind  heimsch  oder  frömd  oder  ansländsch.'  Vad. 
,Einländisch,  heimisch,  indigena.  Das  bei  uns  im  haus 
wonet,  domesticus.  Allerlei  in  unserem  haus,  heimand 
oder  land  geboren  oder  gewachsen,  landlich,  verna- 
culus.'  Mal.  , Jetzunder  kann  man  vil  Malen  Frömde 
und  Heimsche  schlechtlich  [kaum  mehr]  underschei- 
den.'  JMüLL.  1673.  —  3.  ,heimsche  Güeter'.  im  Tal, 
bei  den  Wohnstätten  liegende;  Gegs.  .Berg-Güeter.' 
1549,  Gr  Eq.  (Ztschr.  für  schwz.  E.  25,  372).  Vgl. 
Heimet-Guet  Sp.  548.  —  4.  zahm,  von  gezähmten  oder 
Haustieren  ApL;  ScnSt.;  auch  von  angebauten  Pflan- 
zen im  Gegs.  zu  wild  wachsenden  ScflSt.;  Th.  Hämsche 
Chistene"  [Kastanien]  udgl.  ,Wild  und  heimsch  ops.' 
1548,  Absch.;  ähnL  1550,  Arg.  ,Der  has,  ein  zag, 
forchtsam  und  flüchtig  tier,  wirt  gar  selten  heimsch 
gemacht.'  Tiere.  1563.  , Heimsch,  heimlich,  cicur.' 
Mal.  ,Die  Herdmännlin  haltend  die  Gemsen  in  den 
Bergen  in  ihrer  Huet  glych  als  ein  heimsch  Vych.' 
ECys.  ,Die  Binden  von  heimschem  oder  wildem  Öpfel- 
baum.'  Tageb.  Zuber  1681.  Die  Heimat  liebend,  häus- 
lich, von  Weidetieren,  die  Abends  gern  heim  gehen 
GRÜbS.;  vgl.  heim-zogen.   —   Mhd.  iu  Bed.   1   und  3. 

ab-:  ausser  Landes  in  Kriegsdiensten  B  (Durh.); 
vgl.  us-h. 

a°-:  1.  =  heimisch  1  BO.  Wo  bist  iez  a-C?  In  der 
ä.  Spr.  i.  S.  V.  im  (Heimat-)  Lande,  Hause  anwesend. 
,Die  maus  danzend,  so  die  katz  nit  a.  i.st.'  Vad.  ,Dass 
Cäsar  dero  zyt  nit  a.,  sonder  in  Gallia  [war].'  ÄgTscbüdi. 
,Domo  carere,  nit  anheim(i)sch  sein.'  Fris.;  Mal.  ,Die 
ihren  anheimisch  behalten  und  die  [in  den  Krieg]  weg- 
gezogenen widerum  heim  forderen.'  Würstisen.  ,Das 
ist  einer  erenfrouen  oder  tochter  amt,  dass  sy  gern 
a.  blybe,  sich  nit  hin  und  wider  auf  den  gassen  oder 
bei  den  malzeiten  finden  lasse.'  LLav.  1582.  ,Hie  a.' 
RCys.;  Gegs.:  ,in  fremden  Landen.'  ,Dass  ein  jede 
G'meind  ihre  Armen  a.  behalten  soll.'  B  Sittenmand. 
1628.  ,Das3  er  in  seim  eigenen  Haus  verirret  [daran 
irre  wird]  und  meint,  er  seie  nit  a.'  Schimpfr.  1651. 
.Anheimisch,  praesens;  a.  sein,  adesse,  domi  esse.' 
Denzl.  1677;  1716.  Mit  .werden'  oder  Vben  der  Be- 
wegung: in  der  Heimat  eintreffen,  in  die  H.  zurück- 
kehren. .Es  haben  uns  unser  hotten,  als  sy  anheimsch 
worden  sind,  anzöigt...'  15'22,  Strickl.  .Diewyl  der 
stcttmeister  erst  diser  tagen  vom  landgrafen  [von  der 
Eeise  zum  L.]  wider  a.  worden.'  1529.  Absch.;  vgl. 
ebd.  IV  1  a.  157.  .Dass  die  üweren  uf brechen,  von 
den  unsern  us  dem  feld  abzühen  und  anheimisch  ver- 
rücken und  länger  nit  bclyben  wellind.'  1531,  Strickl. 
.Dass  sy  dasselbig  gelt,  sobald  sy  anhämisch  kommen, 
erlegen  sollen.'  1551,  Sch  Ratsprot,  .Philipp  ist  an- 
haimsch  geritten.'  Kessl.  .Zu  meiner  Wideranheim- 
schung  [Eückkehr].'  Kriegsb.  1644.  —  2.  =  heimiscfi  3, 


Hain,  hem,  him,  hom,  hum 


1288 


,Nit  ein  frömdling  oder  hargeloffenen,  sonder  einen 
a-en.'  1525,  Absch.  ,Er  wüsse  mit  den  Schwaben 
Nichts  auszurichten,  wollte  gern  a-e  Leut  haben.' 
1560,  Mise.  TiG.  ,Die  weil  der  hund  ein  gemein,  a. 
tier  in  allen  landen  ist.'  Tierb.  1563.  ,Frömder,  nit 
a.,  adventor,  interveniens.'  Mal.  —  3.  zutraulich,  an- 
hänglich. ,So  [das  Murmeltier]  heimsch  gemacht,  so 
gopet  es  mit  dem  menschen,  wird  kum  ein  tier  dem 
menschen  mer  a.'  Tierb.  1563.  —  S.  noch  Gr.  WB.  I  373. 
III    198   und   Lexer. 

i°-heimisch:  l.  =  an-h.  2.  allg.  —  2.  z=  an-h.  1. 
,Ich  bin  derselben  zyt  nit  im  land  und  ynheimisch 
gewesen.'  Zwingli.    ,Dann  ich  in  selben  zyten  stät  i. 

sein   wird.'   ÄgTsCHDDI.    —    Mhd.   in-heimisdi,   dass. 

US-:  fremd,  ausländisch.  ,Aush-e  lassen  sich  na- 
turalisieren, um  in  Frankreich  die  Stelle  von  Obersten 
statt  der  Eidgenossen  zu  erhalten.'   1752,  Abscb. 

heimli(ch),  -kch,  -Kg  (in  Gl;  GA.;  Tntw.;  ZO. 
heuni-J:  \.  —  geheim  1,  heimelig  Gv..  ,Wenn  es  grewen- 
lich  donneret  und  blitzget,  so  ist  niemant  h.'  LLav. 
1582.  ,Gehet  es  dem  Sünder  wohl  —  es  sei  dir  nicht 
h.  darbei,  gedenke  an  den  Tag  des  Gerichts.'  FWtss 
1672.  —  2.  =  geheim  3.  ,Frouwen  oder  mann,  wenn 
sy  zuo  der  e  kommend,  da  sy  zuo  einandren  nider 
w6nd,  wenn  sich  der  mann  engürtet,  gienge  da  die 
frouw  ab,  dass  sy  nit  h-er  möchten  werden . . .'  1427, 
ScHwPfäff.  Offn. ;  vgl.  Schm.-Fr.  ,N.  N.  was  allen  ar- 
men lüten,  ouch  allen  synen  diensten  h.,  gesellig  und 
frölich.'  c.  1464,  Strättl.  Chr.  ,[Der  Beichtvater  des 
Bruder  Claus  bezeugt]  dass  jm  br.  Claus  villycht 
allwggen  h-er  gewesen  sye  [ihm  mehr  Geheimnisse 
vertraut  habe]  denn  yeraand  anderm.'  ÜBwSachs.  Kir- 
chenb.  ,[Er  war]  by  40  jaren  syn  h-er  gesell  und 
gueter  nachpur.'  ebd.  ,Sy  was  jm  so  h.,  dass  sy  jn 
duzet.'  Zielt  1521.  ,Untödtligkeit  aber  macht  den 
menschen  Gott  h.'  1531/48,  Säp.;  =  ,Unsterblichkeit 
aber  machet,  dass  man  nahe  bei  Gott  ist.'  1667/188'2. 
.Convictuni  habere  cum  alqo,  eim  h.  und  angenäm 
sein,  vil  um  einen  wonen.'  Fris.  ,Myn  Herre  und 
Gott,  der  was  mir  allzyt  h.  und  ich  jm,  wann  [denn] 
er  kam  dick  in  myn  Hus.'  RCys.  Mit  Sach-Subj.:  Bas 
ist  mir  h.,  fällt  mir  nicht  schwer,  ist  mir  eine  leichte 
Aufgabe,  das  getraue  ich  mir  wohl  zu  machen  Gl; 
vgl.  daheim  sin  3.  —  3.  =  hämisch  4,  von  Tieren  Bs; 
ScH;  Z.  , Etliche  [Wasserpferde]  werden  ganz  milt, 
heimsch  und  h.  gemacht.'  Fische.  1563.  ,Dieses  [Tier] 
soll  wunderbarlich  anheirasch,  h.,  dugentlich  und  milt 
sein.'  Tierb.  1563.  S.  noch  lünig,  us-schweif.  ,H.,  bän- 
dig, zam,  'zämt,  cicur.'  Mal.  ,Die  h-en  tier,  als  pferd, 
ochsen,  hund,  erwildend  etwann  ouch.'  LLav.  1582. 
—  4.  verborgen,  geheim,  allg.  I'''  ha  's  nüd  h.,  sage 
es  unverhohlen  Gl;  Z.  H.  rergnüegt,  still  v.  Z.  I«* 
icoH  nüt  Heimligs,  iss  es  du !  Stutz,  's  7t.  G'mach 
(Ort),  Abort,  Abtritt  Bs;  B;  L;  SchwNuoI.;  Syn.  Sekret. 
,1m  schysshus  oder  h-en  g'mach.'  1540/73,  UMev.  Chr. 
,Das  h.  g'mach,  latrina.'  Mal.  H.  feiss,  von  Menschen, 
s.  Bd  I  107'2/3;  in  Bed.  2  a  auch  GA.;  in  Bed.  2  b 
auch  L;  Zg;  vgl.  h.-schuch.  's  h.  Bluet  =  's  gäch  Bluet 
Sp.  99.  Arch.  Vet.  1820;  Römer  u.  Schinz  1809,  463. 
Der  h.  Stich,  seuchenartig  auftretende  Lungenkrank- 
heit, pneumonia  nerv.  typh.  Uw;  U;  auch  ,der  böse, 
faulichte  oder  Alpen-Stich'  genannt;  vgl.  JGuggenbühl 
1838.  ,H.  klagen  auf  Einen',  selbst,  mit  Eigenhülfe 
Artest  auf  dessen  Güter  legen:  ,Swer  h.  uf  des  andern 


guet  klagt,  der  soll  es  offenen  vor  dem  schultheissen 
und  dien  bürgeren  inrent  8  tagen;  tuet  er  des  nit, 
swer  danne  offenliche  klagt  [durch  Gericht  Arrest 
legen  lässt,  Schuldexekution  verlangt],  der  ist  vor 
jme.'  Z  RBr.  , Denen  uflosen,  die  den  h-en  verstand 
[Sinn]  der  g'schrift  eröffnend.-  Zwingli.  , Christen,  so 
sich  von  forcht  wegen  des  Tyrannen  h.  hielten.'  RCvs. 
,Die  grösst  Not  [Schmerzen]  hatt  ich  im  Buch  und 
an  h-en  Orten  [Schamteilen].'  1604,  Arddser.  ,Ein 
h-es  Mittel.'  ZElgg.  Arzneib.  ,H-es  Urteil',  das  von 
den  Richtern  im  Ausstand  gefällt  wurde  oder  dem 
keine  öffentliche  Gerichtsverhandlung  vorangegangen 
war:  ,In  allerhand  Streithändlen  und  Sachen,  die  nach 
genommenem  Dank  [Bedenkzeit]  in  einem  Eechtstag 
ausgesprochen  und  von  den  Landleuten  insgemein  h-e 
Urteil  genannt,  soll  hinfüro  dem  Gericht  für  ein  Urteil 
bezahlt  werden  4  ß.'  1757,  ßsRq.;  y gl.  geheim  4.  ,H-er 
Sonntag',  einer  der  nächsten  Sonntage  vor  Johannis- 
Tag  (Juni),  an  welchem  durch  geheime  Wahl  zu  Frei- 
burg der  kleine  Rat  ernannt  wurde;  vgl.  Siml.-Lcu 
1722,  S.  507/8.  ,Zu  Bern  werden  die  Schultheissen. 
der  deutsche  Seckelraeister,  die  4  Venner  und  die 
beiden  Heimlicher  die  h-en  Rät  genennt,  für  die  zum 
Ersten  alle  schwere  und  geheime  Sachen  gebracht 
werden.'  ebd.  ,H-e  Räte'  gab  es  auch  in  Freiburg; 
s.  SiML.-Leu  aaO.;  sie  bildeten  die  sog.  ,h-e  Kammer'; 
s.  ebd.  S.  521.  ,Von  uns  dem  Burgermeister  und  den 
h-en  zu  Basel  [welche  sonst  .Heimlicher'  heissen].' 
1374,  Geschpo.  Ges.;  ähnlich  1533,  Absch.  IV  1  c  154 
für  Bern.  ,Das  sollen  die  von  S  durch  ihre  H-en  [so 
auch  bei  FHaffn.  1666,  sonst  ,geheime  Räte',  s.  o.] 
beraten.'  1540,  Absch.  ,[Das]  meldet  der  Gesandte  von 
Schwyz  an  seine  Obern  zu  Händen  der  h-en  Räte  und 
der  Ausgeschossenen.'  ebd.  S.  noch  wimder-gdh  Sp.  64, 
Häling  Sp.  1133,  ÜberMt,  Biren,  brennen.  —  5.  „heim- 
tückisch, verschlagen  B;  L";  Bs.  ,Er  sei  halt  gar  ein 
h-er  und  schlimmer  als  er  dergleichen  tue.'  Breiienst. 
Syn.  versteckt.  —  Mhd.  heini(e)lich,  einheimisch,  vertr.iut, 
geheim,  verborgen. 

u°-:  1.  =  nhd.  GStdt  f-kchj;  W.  —  2.  düster,  vom 
.aussehen  BHa.;  Syn.  tttsam.  U'hamlich,  unfreundlich, 
wunderlich  G  1790. 

heimlich e°:  Adv.,  verborgen.  ,Es  sind  ob  100 
mann  gewesen  in  einem  hus  h.  verschlagen.'  1474/5. 
Bs  Chr.  Auch  ein  Mal  adj.  gebraucht:  zutraulich, 
zahm.  ,Es  was  fast  kalt  und  warend  die  vegel  [Vögel] 
fast  h.'  1527,  HsStockar. 

Heimlicher  ra. :  1.  mit  der  Leitung  geheim  zu 
haltender  Massregeln  betrauter  Beamter,  ,geheimer 
Rat';  „einer  der  ersten  Staatsräte,  dem  im  strengsten 
Sinn  die  Pflicht  obliegt,  über  Alles  zu  wachen,  was 
etwa  den  Staat  und  bes.  seine  Verfassung  gefährden 
kann";  eine  Ehrenstelle,  welche,  in  der  Revolutions- 
zeit aufgehoben,  zwischen  1815/30  hie  und  da  erneuert 
wurde.  In  B  stellten  die  H.  eine  Art  Tribunat  des 
Grossen  Rates  vor  und  wohnten  als  solches  den  Sitzun- 
gen des  Kleinen  Rates  bei.  ,Die  zwen  H.  der  Stadt 
Bern  haben  Sorg  zu  tragen,  dass  in  dem  täglichen 
[kleinen]  Bat  Nichts  wider  die  Rechte  des  grossen 
Rats  gehandelt  werde  und  sind  gleichsam  der  Mund 
1er  Burgerschaft;  sie  sind  pflichtig,  das,  welches  ihnen 
anvertraut  worden,  mit  Geheimhaltung  der  mahnenden 
Personen  seiner  [ihrer]  Behörden  anzubringen,  haben 
auch  das  Recht,  Rät  und  Burger  versammlen  zu  lassen 


1289 


Ha 


und  den  Zugang  darzu  zu  erlauben.'  Leu,  Lex.  III 
188/9;  vgl  EFvFiscHER  1868,  19/22;  SiML.-Leu  1722, 
500.  ,Dannt,  wann  der  Eint  oder  Aridere  ausbleiben 
wurde,  er  Selbigen  aufzeichnen  und  den  H-en  zu  ge- 
bürender  Abstrafung  alsobald  verleiden  [verzeigen] 
könne.'  B  Säumerordn.  1739.  ,Es  sind  [in  F  aus  dem 
Kat  der  00]  aus  jedem  Stadtpanner  6,  welche  unter  dem 
Vorsitz  der  4  Venneren  die  sogen,  heimliche  Kammer 
ausmachen  und  auch  H.  genannt  werden.'  Leu,  Lex.  VII 
385.  In  Bs  wurden  1373  fünf  H.  eingesetzt.  ,Das  ge- 
schah von  grosser  Notdurft  unsrer  Stadt  wegen;  denn 
kein  Ding  und  kein  Beschluss  konnte  so  heimlich  in 
unsern  Räten  geschehen,  dass  unsere  Feinde  nicht 
gewarnt  wurden  und  darum  wurden  die  5  H.  gesetzt, 
damit  sie  den  Feinden,  wie  man  sie  schädigen  könnte, 
desto  besser  und  heimlicher  nachstellen  möchten  als 
der  ganze  Rat,  wie  dies  auch  in  andern  Städten  ist; 
doch  bringen  die  5  ihre  Sachen  vor  die  Räte,  wenn 
es  sie  notdürftig  dünkt.'  (nach  Heüsl.  1860,  384/5). 
5,  zuweilen  auch  7  H.  im  XIV.  auch  in  Z.  Man  sollte 
ihnen  , fürbringen,  ob  leman  ützit  veruäme,  das  der 
statt  schaden  bringen  möcht.'  Bluntschli,  RG.  I  345. 
.Heilicher  [so],  d.  i.  Einer,  so  im  g'heim  Rat  ist.  Wel- 
cher des  Heimlichen  Rats  wird,  der  soll  bleiben,  so  lang 
er  sich  wohl  haltet'  1647,  Ap  LB.  Vgl.  ,Es  soll  auch 
jeder  Landammann  allweg  des  Rats  und  Hailichs  [so] 
sein.'  ebd.  1585/1828.  —  2.  vertrauter  Ratgeber,  Be- 
rater. ,Der  Befelch  der  Schwestern  war,  dass  sie  der 
Armen,  Dürftigen  getreu  H-e  syn,  die  Bettligerigen 
besuechen  und  beratsamen  sollten.'  1588,  Urb.  des  B 
Bröwenhauses  (nach  BLMessmer  1825).  —  3.  Fami- 
lienname. XVII.,  ScH. 

Mhd.  heimUchaere,  Vertrauter,  geheimer  Rat.  Vgl.  mlat. 
secreturius.  Schon  Boner  zählt  auf:  ,Der  nieier  und  der 
richter,  der  fürsprech  und  der  h.' 

Heimlichi  f.:  1.  Heimlichkeit,  Geheimnisskrä- 
merei  Sch  (Bühl  1834).  —  2.  Vertraulichkeit.  ,Aber 
wie  gar  ir  herz  gerichtet  was  uf  göttliche  h.,  so  hat 
sy  doch  den  grössten  flyss  [angelegt]  nf...'  XV.,  Ita- 

LeG.   (G  Hdschr.).    —    Mhd.   heimehche,   dass. 

Heimlichkeit  f.:  1.  trauliches  Leben  in  häus- 
licher Eingezogenheit.  ,In  stiller  H.,  umziclt  mit 
engen  Schranken.'  Haller.  —  2.  =  heimliches  Ge- 
mach W.  ,Ein  pryvet  oder  haimligkeit'  an  der  Stadt- 
mauer. 1491,  Absch.  —  8.  Gehcimniss.  ,üie  nahen 
Verwandten  haben  gemeinlich  mehr  H-en  mit  ein- 
andern  als  andere  Leute.'  JRWaldkirch  1710.  —  Mhd. 
heimelicheit  in  Bed.   2   und   3. 

Müch-Heim  3Ia-  bzw.  Mü-  AAZof.;  BsStdt;  B; 
VO;  GSa.;  SG.;  ,1g-,- Mal-  B  Kai.  1803,  Mar-  S 
(Schild);  „ScHW;  Zg"  -Seim  (in  AAZof.;  BSL;  Obw 
Heime),  MaclwiwV'^tw.-  0  tw.rMiich.tiinii) :  S  (Joach.), 
Mücheime  Av\..  II..  M.  , M nrl„iww.,.  l'l.  -,n„i„e);  GRh., 
Stdt,  Ta.,  Mtilrhuw  S  il.ut.i.  M,uhl.:rm  GMarb., 
MüchlMm  GRh..  Miahkuhiiiht  AfK.  (T.).  Mulchamma 
ApM.,  Mür-Heini  Schw;  Zg  (It  Iten)  —  ni.,  Mu-Heime 
(bzw.  Mucheime)  Bs;  Gl,  Mu-Hei^  GA.  —  f.:  1.  Grille, 
Heimchen,  und  zwar  zunächst  Hausgrille,  gryllus  dom., 
dann  auch  mit  Inbegriä'der  Feldgrille,  gryllus  camp., 
doch  immer  im  Gegs.  zur  Garten- (Maulwurfs-)  Grille 
(Wirre,  Wirri).  Syn.  Much-Gueg  Sp.  163,  Grilli, 
Heim- Mach,  Heimeli.  In  Ap;  G;  UwE.  =  Schtcaben- 
Gueg.  ,[Sie  sangen]  dass  die  Fenster  klirrten  und 
die  Muheime  auf  dem  alten  Ofen  herumsprangen  wie 


wild.'  GoTTH.  D'  Muheime  pfife'.  BWyss  1863.  Es 
G'sicht  mache',  wie  we"  mj"  M-e  g' fresse"  hett,  sauer 
sehen  B;  S;  Syn.  s.  bei  Erbsele  Bd  I  433;  vgl.:  ,E 
G'sicht,  womit  man  M-e  vergiften  könnte.'  Gotth. 
,Sie  macht  e  G'sicht,  als  ob  sie  jedem  M.  naehschlüpfen 
wollte  in  sein  Loch.'  ebd.  ,Wenn  ein  Weiberregiment 
lange  dauere,  bringe  man  es  in  einem  Hause  dahin, 
dass  man  zuletzt  Nichts  mehr  darin  habe,  als  M-e 
und  Wanzen.'  ebd.  In  den  ä.  Belegen  tw.  auch  andere 
Cicaden-Arten  umfassend.  ,Cicada,  muchein.'  Ebinger 
1438.  ,Von  der  wassermuheime ;  möcht  auch  ein 
wassergrill  genennt  werden.'  Fiscbb.  1503.  ,MylcEcos, 
blatta  pistenaria.  ein  muheimen  oder  orenmettel,  der 
gattung  gewonlich  bei  den  pfistergädnen  sind.  Achetae, 
sind  kleine  tierle  mit  vier  flüglen,  sechs  fuessen,  in 
welsch  und  latein  cicad»,  werdend  in  tütschland  nit 
gefunden,  etliche  sagend  muhenheim  oder  grillen.' 
Fris.  ;  Mal.  ,Der  Teufel  lässt  sich  als  ein  Grill  oder 
Muhaim  sehen.'  Anhorn  1674.  ,Tryxalis,  Grill,  Muck- 
heim. Achetffi,  Grillen,  Muhen- (Mühen-)  heim.'  Denzl. 
1677;  1716.  —  2.  Schimpfw.,  verschlossener,  finsterer, 
verzagter,  heimtückischer  Mensch  Bs;  B;  GTa.;  Syn. 
Müchi.  De"-  alt  M. !  Gotth.  En  dürre  M.,  eine  hagere 
Person  AAZof.  -^  3.  ,Muheim',   Geschlechtsn.  U. 

Mhd.  mucheime  m.,  aus  ahd.  mücha-heim,  mücheimo,  eig. 
.das  im  Versteck  liegende  Heimchen',  zu  ahd.  mühhan,  müli- 
hon,  im  Versteck  liegen,  lauern.  Die  Verschmelzung  von 
ch  -\-  h  wie  z.  B.  in  Kikh-(H)o/,  Ausfall  des  ch  wie  z.  B.  in 
den  Comiip.  von  Aöt-J.  Infolge  der  Verdunklung  des  eig. 
Ursprungs  des  W.  fanden  mancherlei,  z.  T.  sinnlose,  volks- 
etymologische Anlehnungen  Statt;  bestimmend  war  dabei  iu 
den  Compp.  mit  Mür-  der  versteckte  Wohnort  des  Tieres, 
in  denen  mit  Mal-  die  Stimme  desselben,  welche  wohl  mit 
dem  Ton  einer  Maultromniel  verglichen  wurde;  vgl.  bes.  die 
Umd.  Mur-Heini  (Letzteres  Koseform  von  ,Heinrich')  mit 
Mül-Üetni,  Maaltrommel;  Grosssprecher.  Zu  Mu-Beie  vgl. 
Beic  II.  Mülcheim  ist  schwach  bezeugt.  Betr.  die  KAA. 
unter   1   vgl.   Fr.,  Ztschr.  VI   228. 

Heimeli  n. :  =  dem  Vor.  1,  spec.  Hausgrille  Bs; 
B  (JCOtt);  „L;  S."     's  H.  betet  dort  und  do.  Hebel. 

Mucheimera  f.:  Eschscholtzia  cal.,  eine  Garten- 
Zierpflanze  GWe. 

Viell.  wurde  der  Kelch,  'der  einer  geschnäbelten  Mütze 
ähnlich  ist  und  nach  der  Blüte  abfällt,  mit  dem  obigen  Insekt 
verglichen. 

Himmel  ra. :  1.  im  nhd.  S.  allg.  a)  Himmelsgewölbe, 
Firmament.  Es  muess  Öppis  sl',  das  de'  H.  treid, 
sust  uürd  er  i" falle'.  Ineiches;  vgl.  Sp.  884  und  Fr., 
Ztschr.  III  414.  Was  tum  H.  fallt,  schadt  Niemert; 
Syn.  der  Rege'  macht  nw  nass  ScaSt.  Regne',  tcas 
com  H.  abe"  mag  Z ;  vgl.  Fr.,  Ztschr.  VH  300.  Falle' 
a's  [ob]  »ij»  vom  H.  chäm,  schwer  fallen  BSi.  Wie 
vom  H.  g'falle",  betroffen,  bestürzt,  allg.  Cho'  tvie 
vom  H.  g'falle',  völlig  unerwartet;  vgl.  Wetter.  Dj 
H.  (H.  ond  Erde  kv)  mache',  Spiel  der  Kinder,  indem 
sie  bei  Sonnenschein  flüssiges  Harz  aus  der  Rinde  der 
Weisstannen  (Bül-Bäck)  auf  stehendes  Wasser  brin- 
gen, wo  es  sich  in  Form  eines  Häutchens  verteilt  und 
ein  prächtiges  Farbenspiel  erzeugt  Ap;  Tir.  Laufe", 
so  wit  de''  H.  blä  ist  Z-  Undcr-em  H.  Nät,  begritts- 
verstärkend,  ausgehend  von  der  Vorstellung  der  weiten 
Ausdehnung  des  H-s  und  der  von  ihm  überwölbten 
Erde  Z;  8yi\.  uf  der  Welt  Nät;  ygl.  (Hus  undj  Heim. 
Es  ist  u.-em  H.  Nut  mit-^x,  er  ist  zu  Allem  untüchtig. 
's  hät-em  [z.B.  bei  einem  Falle]  u.-em  H.  Nüt  tä\ 
Es  tuet  m^r  we,  ;dass  d' nie  wottst  mit-is  Fride'}  ha", 


1291 


Ham,  hem,  him,  ho 


hum 


1292 


tn^r  mö^'nd  's  aw''  u.-em  H.  mache',  wie  mp-  tvend. 
Stutz.  In  z.  T.  noch  abstrakterer  Weise  dient  das 
W.  in  gleicher  Funktion  in  Zss. :  h.-angst  (Bd  I  338). 
-trürig,  -wU;  s.  Fr.  Ztschr.  V  12  und  vgl.  1  d.  So- 
dann noch  mehr  vorstärkend  verbunden  mit  dem  Gegs. 
Erde,  bzw.  Welt:  Aller  H-s-Welt  Nut.  Gotth.;  N.  B 
Kai.  1843.  S.  auch  Erde  Bd  1  437.  Hieher  auch  die 
begriffsverstärkende  RA.:  Es  mächt  (f  malet  am  H. 
stä*  (z.  B.  was  er  g'litte"  hat),  es  ist  himmelschreiend 
Aa;  Sch;  Z;  Vgl.  die  ähnlichen  Wendungen:  .Schweren 
(kriegen),  dass  sich  der  h.  möchte  biegen!'  NMan. 
.Dieselben  mögen  nebent  dem  turne  einen  ewigen  bü 
machen  und  den  gen  dem  h.  uf  tryben,  wie  hoch  es 
inen  flieget,  ane  alle  Widerrede.'  1340,  Bs  ßq.  ,Gen 
h.  richten  (schicken)',  im  Rauch  aufgehen  lassen:  ,Sy 
schicktent  das  alt  hus  Randeck  im  für  ze  h.'  ÄgTschüdi. 
.Das  schloss  im  rauch  gen  h.  richten.'  ebd.  ,Die  Ra- 
venspurg  ward  gen  h.  gericht[et].'  Vad.  ,Ich  mein, 
der  h.  hang  voll  schollen.'  Gengenb.  (sprw.  Bezeichnung 
himmlischer  Herrlichkeit;  vgl.  die  nhd.  RA.  von  den 
,Ba9sgeigen').  Wenn  kein  Wirtshaus  sei,  welches  das 
Gericht  beherberge,  so  soll  auf  otTenem  Platz  ,under 
heiterm  h.'  gerichtet  werden.  1537,  Zg  Stadtratsprot. 
,Under  dem  h.  ligen',  unbedeckt  sein, 'von  einem  Bade. 
1578,  HPantäl.  ,Mit  dem  haupt  an  h.  langen,  gross 
lob  überkommen,  ferire  sidera  vertice.  Den  h.  mit 
dem  finger  anrüeren,  sich  selbs  hoch  und  herrlieh 
halten,  digito  coelum  attingere.'  Mal.  ,Was  verloren 
[in  der  Schlacht],  woll  er  wider  fangen  und  soll's 
gleich  an  dem  H.  hangen.'  165G,  Lied;  vgl.  Wallen- 
stein vor  Stralsund.  ,Wenn  das  war  ist,  so  will  ich 
dir  in  den  H.  langen,  si  credere  fas  est.'  Met.  Hort. 
1692.  S.  noch  Gueg  Sp.  161.  —  b)  Himmelsraum. 
Schlösser  i'  H.  baue',  Luftschlösser  BBurgd.  ,Ihr  Ge- 
schrei erfüllte  den  H.;  nein,  so  weit  herauf  kam  es 
nicht.'  HPest.  1787.  Bes.  als  Wohnsitz  Gottes,  der 
Engel  und  Seligen;  typ.:  Ort  der  Glückseligkeit,  allg. 
D's  Mädi  hat  emel  g'meint,  es  gang-em  e  Tür  zum  H. 
uf,  wenn  es  da  chönn  i'sitze''.  MWalden.  Jetzed  sind 
si  im  H.,  dass  er-ene  [ihnen]  g'sund  wider  g'schenht 
ist.  UsTERi.  De»  H.  uf  der  Welt  ha",  ein  herrliches 
Leben  führen  Z.  Z>'  Engel  im  H.  g'höre*  singe',  bei 
heftigem  Schmerz,  mit  Anspielung  auf  die  bei  hef- 
tigen Erschütterungen  des  Kopfes  vorkommenden  ab- 
normen Gehörs-  (und  Gesichts-)  Empfindungen  TaFr. ; 
vgl.  auch  Engel  Sp.  332,  Für  im  Elsass  udgl.  Helf 
d'r  Gott  i'  's  Himmelt  üf,  Zuruf  an  ein  Kind  beim 
Niesen  GRPr.  (Schwzd.).  Einen  Sterbenden  z'  H. 
reise"  (Uw;  U),  richte"  (Gr),  mit  den  Sterbesakra- 
menten versehen ;  Syn.  zue-f Heren,  us-trösten,  -zünden, 
ver-waren.  Der  Pfarr  stat  neb-'em  Bett,  der  betet's 
Buebli  z'  R.  Wipfli.  Kene"  cha'"  für  de"  Ander"  z'  H. 
fare'.  Ineichen.  Si  meinid,  si  hebid  de'  H.  verdienet, 
wenn  s'  di'''  uvi  e  Mass  [z.  B.  beim  Spiele]  chönnd 
bringe"  Z  (Wolf,  Gespr.);  Syn.  Vögeli  gefangen.  M^' 
schleikt  Keine"  an  Häre'  in  H.  ie,  RA.  gegenüber 
Solchen,  die  sich  zieren,  Etw.  anzunehmen  ZO.  Syn. 
wenn  d'  nüd  witt,  so  hast  g'hä'.  , Mancher  Liederliche 
sagt,  wie  jener  Appenzeller:  P*  bi  gad  e  fr'ie  Ma", 
i"*  cha"  gad  f  H.  oder  i"  d'  Soll.  HSchinz  1842. 
Vor  dir  ist  Nüt  sicher,  weder  was  im  H.  oben  ist. 
B  Hist.  Kai.  1845.  ,Er  ist  zue  Gott,  er  ist  ze  h.,  er 
ist  selig,  abiit  ad  deos.'  Fris.  ,Er  sihet  aus,  als  wann 
man  ihm  gen  H.  läuten  müsste,  vivum  cadaver.'  Mey. 
Hort,  1602.     Den   höchsten    Grad    von   Seligkeit    be- 


zeichnen die  RAA.:  Im  sibe'te"  H.  si"';  bis  in  dritte' 
S.  verzuckt  sl"  Sch;  Z  (vgl.  IL  Cor.  12,  2).  Spiele: 
H.  und  Erde-Spil,  in  H.  Koppen.  Es  werden  auf  dem 
Boden  durch  Striche  5  staft'elweise  hinter  einander 
liegende  Quadrate  bezeichnet,  deren  erstes  Erde,  das 
2.  Meer,  das  3.  , Fegfür,  Rollhafen  oder  Gnfenbett', 
das  4.,  das  durch  2  Diagonalen  weiter  geteilt  ist,  ,die 
Wolken',  das  letzte  endlich  ,H.  oder  Oberland'  heisst. 
Die  Spielenden  suchen  in  den  H.  zu  gelangen,  indem 
sie  auf  einem  Bein  aus  einem  Raum  je  in  und  durch 
den  folgenden  hupfen  (hoppen),  ohne  dabei  den  Fuss 
auf  einen  der  gezogenen  Striche  zu  setzen;  dabei  wird 
ein  auf  die  Fussspitze  gelegtes  Steinchen  mit  dem 
Springfuss  aus  einem  Gemach  in  das  andere  befördert. 
Wer  zuerst  im  H.  angelangt  ist.  muss  sein  Steinchen 
noch  einmal  über  alle  7  übrigen  Räume  zurüekschleu- 
dern,  wobei  die  andern  sich  zu  hüten  haben,  dass  sie 
nicht  von  diesem  , Wetterleich'  getroffen  werden,  an- 
sonst  sie  wieder  von  vorne  anfangen  müssen.  Wer 
zuerst  oder  zuletzt  springen  soll,  wird  durch  den  Ab- 
zählvers bestimmt:  Und  tcenn  das  Glöggli  schlöt,  sind 
m^r  Alli  tot,  und  wenn  das  Glöggli  chlinglet,  sind  tn^r 
All  im  H.  Vgl.  auch  Schweiz  1864,  472/3;  heggazen 
Sp.  1098,  Hell  Sp.  1136,  Rochh.  1857,  393/4;  402/3. 
H.  und  Hölle  heissen  auch  2  Abteilungen  in  dem 
Kinderspiel  Selen  erlösen,  in  welchem  es  ebf.  darauf 
ankommt,  wer  aus  der  Hölle  durch  verschiedene  Zwi- 
schenstufen (unmittelbar  vor  dem  H.  liegen  der  1. 
und  2.  Vorhof)  in  den  H.  gelangt.  Die  Entscheidung, 
ob  man  vorrücken  dürfe  oder  aber  zurückweichen 
müsse,  hängt  vom  Loose  (Messerwurf)  ab.  Der  Ge- 
winner erhält  die  Einsätze,  oft  nur  aus  Steinchen  be- 
stehend; die  Andern  aber  müssen  alsdann  für  ihn  so 
viele  Vaterunser  beten,  als  Steinchen  da  sind  W. 
Vier  Ziele:  H,  Hölle,  Fegfener  und  Paradies,  kommen 
im  .Rossknecht',  einem  andern  Spiele,  vor;  s.  Vonbün 
1862,  S.  37/8,  sowie  beim  .Engeli  trägen',  s.  Bd  I  333 
und  Rochh.  1857,  441/2.  Über  das  Blumenorakel  H. 
oder  Hölle  s.  Sp.  1136;  doch  hängt  in  ZSth.  die  Ent- 
scheidung davon  ab,  ob  die  fedrige  Strahlenkrone 
(Liechtli)  oder  nur  die  (dunkeln)  Samen  bleiben.  H. 
ziehen.  Die  Spielenden  stehen  paarweise  und  fassen 
mit  den  hoch  gehobenen  Händen  ein  zwischen  ihnen 
gespanntes  Taschentuch.  Je  das  hinterste  Paar  hat 
durch  jene  so  entstehende  Gasse  zu  schlüpfen  und 
sich  dann  wieder  vor  der  ganzen  Gruppe  in  früherer 
Weise  aufzustellen  ZWthur;  Syn.  Törlischlüfen.  In 
umschreibenden  Zusätzen  iron.  für  ,Hölle'.  I"  de"  H. 
cho',  wo-n-Ei"m  d'  Öpfel  im  Sack  bröte'  und  d'  Engeli 
Schivänz  träge:  Sprww.  1869,  oder:  Wo  de"  Engle" 
Buess  in  Äcke'  g'heit  AAZein.,  oder:  Wo  me"  im  [dem 
Verstorbenen]  an  Fingere'  chöwnt  Schwebelhölzli  a'- 
zünde".  Sulger.  ,Mancher  Potentat  wird  den  schwarzen 
Englen  zur  ewigen  Ausbeut  werden  und  in  den  H.  kom- 
men, da  die  Äpfel  auf  den  Simsen  braten.'  Hebt.  1658. 
S.  noch  vor-uss  Bd  I  560.  —  c)  personif.,  als  göttliche 
Macht.  0  H..  schick  mrr  e  Pastete!  ruft  man  scherzh. 
bei  plötzlicher  Überraschung  AaB.  ;  Z.  —  d)  abstr.,  in 
Schwurformeln.  Potz  H.!  Meist  andern  Schwüren  ver- 
stärkend vorgesetzt:  (PotzJ  H.-Herrgott-Sapperment ! 
H.-Dunner,  -Hagel!  Vgl.  Sp.  1075.  Oft  jedoch  ge- 
mildert durch  (beschönigende)  Zusätze:  (Potz)  H.  und 
Erde!  oder:  H,  Erde,  Luft  und  Meer!  AaB.;  ZStdt 
(gewissermassen  nur  unschuldige  Aufzählung  der  Elc 
|.    0  H.  und  Surchrutl  {^eh'Kzä..).    Bes.  beliebt 


1293 


Hain,  lii'iii,  liiin.  hoiii,  huin 


1294 


im  Wortspiel  mit  Bed.  2  d :  Potz  H.  a»  der  Bettst'-(t) 
G;  Th;  Z,  Bettlad!  Bs;  ZHombr.,  Ausruf  der  Ver- 
wunderung, etwa  mit  dem  Zusatz;  Und  Werch  a"  de 
ChunUe'i  GTa.  Potz  E.  a'  der  Bettlätere"  [-Leiter] 
ScH  (Kirclih.),  walirsch.  nur  sinnlose  Entstellung  oder 
vieil.  im  Gedanken  an  H-s-Leitere"  oder  Bett-Gatter. 
Vgl.  noch  Fr.,  Ztschr.  IV  464.  ,Gotts  fünf  H.',  neben 
andern  Schwüren  als  Gotteslästerung  bestraft.  1542. 
Aa  Gem.  —  2.  übertr.  a)  Decke  eines  Gebäudes,  Ge- 
maches. Verschaltes  Dach  eines  Hauses  BsLangenbr., 
Höllst.  Wagrechte  Fläche  vom  untern  Dachende  bis 
an  die  Mauer,  gewöhnlich  mit  Gyps  beworfen,  Gyps- 
decke  STierst.  Oberster  Dachraum,  meist  für  Geflügel 
Aa;  , oberster  Teil  des  Hühnerhauses'  Aa  (H.).  Freu 
di''',  mie  Schätzli  und  freu  di''',  mis  China,  du  chunnst 
i"  de''  H.,  wo  d'  Hüener  drinn  sind  (gang  du  in  seile 
E.,  wo  d'  Eüener-Sedel  sind)!  S.  Eochh.  1857,  32ti. 
S.  noch  Eüener-E.  Stichbalken  und  Balkenköpfe,  auf 
denen  das  Dach  ruht.  Rochh.  1867,  II  104.  ,Laquearia 
sunt  quffi  camcram  subtegunt  et  ornant,  qua  et  la- 
cunaria  dicuntur,  pro  quibus  nos  de  ligno  tabulas 
pingimus  et  himniil  nuncupamus.'  Zßhein.  Glossen. 
—  b)  Tron-,  Trag-Himmel,  Baldachin,  unter  dem  bei 
Processionen  die  Monstranz  getragen  wird.  kath.ScHwz. 
,Er  meint,  er  trage  den  H.  [fühlt  sich].-  Sclger.  ,Ein 
geler,  damastiner  h.'  1525,  Z  Inv.  (Chorherrenstift). 
,Man  Süll  [auf  der  Procession]  das  hl.  pluet  mit  dem 
h.  und  kerzen  und  stangen  beleiten.'  1569,  Gpd.  ,Dass 
die  Juden  ein  ehe  einzusegnen  willige  erlaubniss  er- 
langet, also,  dass  sie  dahin  mit  einem  tuech  oder  h., 
an  vier  stangen  getragen,  gezogen  sind.'  Wegelin. 
,Cadurcum,  H.,  darunder  das  Sacrament  getragen  wird 
oder  Könige  und  Fürsten  gehen,  vulgo  Baldach.'  Denzl. 
1677;  1716.  ,Der  Priester  wird  am  Kreuzgang  ge- 
führet unter  einem  blauen,  damastenen  H.,  so  von 
vier  der  kleinen  Räten  an  4  Stangen  getragen  wird.' 
SiHL.-Leu    1722.    —   c)   Bühnenhimmel,    s.   hölzig.  — 

d)  Betthimmel  B  (Zyro).  .Vier  hüpsch  Bettstatten  mit 
ganzen  Hiramlen  und  Fuessschemlen.'  1627,  TaBürgl. 
Inv.     ,Conopeum,  H.  über  ein  Bett.'  Denzl.  1677.  — 

e)  Gaumen;  „innerer,  gewölbter  Teil  des  Mundes  B; 
VC;  S;"  W(auch  Mund-E.).  —  f)  Schirmdecke  eines 
Botenwagens  S  (BWyss);  Syn.  Huder (en)  IL  — 
g)  „(hohle)  Decke  oder  Haut  auf  der  Oberfläche  flüs- 
siger Körper,  zunächst  vom  Wein  in  einem  Fasse,  oder 
von  der  Milch,  wenn  dieselbe  längere  Zeit  gestanden 
hat  L".  —  h)  ,Das  5.  Wesen  [Quintessenz]  nennen 
einige  Alchemysten  seiner  Eigenschaften  wegen  den 
H.  [=  lat.  coelum].'  JRLandexb.  1608.  —  i)  Hausn., 
Zunfthaus  der  Maler  und  Sattler  Bs;  daher  die  Scherz- 
frage :  Was  ist  oben  am  H.  'i  Antw. :  De'  wild  Ma". 
—  k)  Flurn. ;  Nenziger  E.,  Hintergrund  des  Gam- 
pertontals  GaPr. 

Mhd.  himd  in  Bed.  1  und  2  b.  Der  ia  der  ä.  Spr.  für 
die  Bed.  1  oft  vorkomniende  PI.  (,tod  himmlen  g'fallen.' 
UMey.,  Chr.;  ,von  liimmleu  herab.'  OWerdm.  155'2,  wofür: 
,vom  h.  herab.'  Herborn  1.588;  , unser  Vater,  der  du  bist  in 
Himmlen!'  Zf)  erklärt  sich  aus  biblischem  Sprachgebrauch, 
der  darauf  beruht,  dass  das  entsprechende  W.  des  Urtextes 
Pl.-Form  hat  uod  auch  im  griechischen  Texte  durch  den  Fl. 
wiedergegeben  wurde.  Über  die  Berührung  der  Bezeich- 
nungen für  .Himmel'  und  , Gaumen'  s.  Haupt,  Ztschr.  VI  541; 
die  vermittelnde,  gms.  Bed.  ist  , Wölbung'.  Syn.  zu  2  a,  b 
und   e   Nimleze'. 

Freude°-Himmel:  =  Eimmel  2  b  ZWettschw. 
Er  hed  siner  Lebtig   müesse"  im  Sorgestuel  sitze';   er 


hed  de'  Fr.  nie  g'seh'".  —  Hüener-:  =  Eimmel  2  a. 
Bildl.  in  der  scherzh.  RA.:  Bis  in  sibe'te'  E.  verzuckt 
si"  Z.  —  Chil'''e°-:  Kirchendecke,  Boden  über  dem 
KirchenschilF,  Dachraum  einer  Kirche  Z.  .Im  Kir- 
chen-H.  zu  ZWetz.  sollte  Pulver  aufbewahrt  werden.' 
1769,  Meier.  —  Mund-  =  Eimmel  2  e. 

Ross-:  1.  in  der  scherzh.  RA.:  In  K.  chö',  in 
einen  Himmel  niederu  Ranges,  nicht  in  den  rechten 
Himmel,  in  die  Hölle  kommen  AAFri.;  Bs;  VO.  — 
2.  Flurn.,  gefährliche  Stelle  der  Strasse  nach  UwE., 
wo  schon  viele  Pferde  gestürzt  sein  sollen ;  vgl. 
himmlen.  —  lioss  bezeichnet  in  Zss.  oft  das  Stärkere,  Grö- 
bere, daher  relativ   Geringwertige. 

Bettstatt-  Bettstf-:  ~  Eimmel  Id.  .[Fenster-] 
Scheiben,  so  gross  wie  ein  B.'  Stutz. 

himmele"  Gb,  sonst /w»i»iZe"  (himmju  W):  in  den 
Himmel  eingehen,  kommen,  in  UwE.  euphemistische 
(daher  bes.  von  kleinen  Kindern),  dagegen  anderwärts 
mehr  oder  weniger  als  roh  oder  scherzh.  betrachtete 
Umschreibung  für  .sterben',  allg.  Vgl.  Eimmel  1  b. 
Er  isch  g'himmlet  S  (sonst  mit  .haben').  E.  ivelle', 
dem  Tode  nahe  sein.  E.  mitesse'.  Es  himmlet  si'"" 
nid  so  liecht,  ist  nicht  so  leicht,  in  den  Himmel  zu 
kommen  UwE.  ,Wo  es  sich  nicht  himmlet,  da  hellet  es 
sich.'  ,FWyss  1673.  371,  wenn  man  nicht  dem  Himmel- 
reiche nachjagt,  geht  man  der  Hölle  zu.  ,Als  wann 
ihnen  das  Leben  verleidet  und  sie  alle  Augenblicke 
himmeln  wollten.'  JJUlr.  1733. 

Das  Hülfsverb  .sein',  welchem  St.  einen  grössern  geo- 
graphischen Umfang  zuweist,  ist  wohl  nur  entlehnt  von 
.sterben'   oder   .in  den  Himmel  kommen'. 

Hans  Himmeli:  fingierter  Name,  in  der  R.\.: 
Warte'  bis  a'  's  Eans  Eimmelis  Tag,  bis  an  Nimmer- 
mehrtag ZWl. 

Vgl.  Niemerlia-Twj,  aus  welchem  unser  W.  möglicher- 
weise nur  entstellt  ist,  um  eine  Alliteration  und  eine  nicht 
üble  Anlehnung  an  Himmel  zu  erhalten:  glchs.  der  Tag.  den 
man  erst  im  Himmel  begeht,  also  .eine  Vertröstung  auf's 
Jenseits'. 

Himmlete  f.:  1.  Gewölbe  od.  Decke  einer  Kirche 
Ap.  —  2.  Betthimmel  AaF.;  Ap;  ScuSt;  ZW.  .Ein 
Bettstatt  mit  H-n.'  G  1675. 

In  AaF.  in  Bed.  2  differenciert  gegenüber  dem  sonst  in 
beiden  Bedd.  syn.  Mimmieze,  aus  welchem  unser  W.  mit  An- 
lehnung an  Fueasete,  Hauptete,  Kop/ete  zu  erklären  ist.  Vgl. 
auch   Himmel  2. 

Himmleze"  (auch  Eimmelze,  Eimmlize  S)  f.: 
1.  Decke,  bes.  gewölbte,  verzierte  eines  Gemaches  oder 
Gebäudes  AaF.;  G;  spec.  der  Kirche  Aa;  VO;  G;  Z. 
.Die  h.  zue  dem  ölberg.'  1482.  ZGrossm.  Baurechn. 
,Sy  zerschluegen  die  h.  in  der  kilchen  ganz  und  gar.' 
Val.Tschddi  1533.  .Im  chor  stuend  an  [eine]  schone, 
hoche  tafel,  bis  an  die  himmels  erhocht.'  Kessl.  .[Der 
Baumeister]  soll  die  h..  die  jetz  in  der  chilchen  ist, 
den  chilchern  lan.'  1558,  Gfd.  ,Wir  haben  StGan- 
gulphi  Capoll  von  neuem  bestechen  lassen  samt  neuen 
fensteren  darin  machen  und  das  täfel  oben  an  der  h.' 
1588,  ScHwE.  Klosterarch.  ,Basilicam  vocat  sacellum 
in  ffidibus  privatis  adornatum,  in  quo  sacra  peragi 
debeant,  Himmelz  Alammannis.'  Goldast.  —  2.  Bett- 
himmel Aa;  Bs  (Spreng);  „B;"  VO;  S;  Z.  .Conopeum, 
die  h.  ob  einem  bett.'  Fris.;  Mal.  ,Ein  bettstatt  mit 
einer  ganzen  himeliz.'  1588,  G  Inv.  ,An  die  Himmelz 
des  Betts.'  RCys.  —  3.  ausgespanntes  Tuch  (als  Schutz- 
dach),  Tron-,  Trag-Himmel  Scbw;  Zg.    ,Undcr  einer 


1295 


Harn,  hem.  hiiii,  hoiii,  hnm 


1296 


h.,  die  truegent  vier  der  rät.'  XV.,  Konst.  Chr.  ,Mit 
dein  sacrament  sollen  gan  beid  burgermeister  und  die 
h.  tragen.'  14(j7,  Sch  Eatsprot.  ,Es  was  ob  dem  sessel 
ufgespannen  ein  h.,  die  was  von  schwarzem,  geblüem- 
ten  samat.'  Zielt  1521  (neben  ,himmelsse').  —  4.  rings 
um  ein  Himmelbett  gespannter  Vorhang  AAZein.  (an 
der  Himmlete  befestigt);  B  (Zyro);  S.  Bettvorhang 
übh.  S.  —  5.  ,Palatum,  räch  vel  himeltz.'  Ebinger.  - 
Mhd.  himelize  in  Bed.  1  n.  3;   vgl.  noch  Gr.  WB.  ,Himmelze'. 

himmlisch:  wie  nhd.  , Himmelische  körpel  [Lei- 
ber].' 1531/60,  1.  Cor.  ,Das  himelsch  und  ewig  leben.' 
B  8yn.  1532. 

da-,  de-hi^mer:  1.  da  fällt  mir  ein,  ja  so,  frz. 
ii  propos  BSa.  B.,  jetz  hätt  t"*  fast  vergesse*  . . .  — 
2.  wenigstens,    nur   BSa.     Rättisch  doch  d.  gewartet! 

Es  scheint  eine  in  1  als  Ausruf  des  sich  plötzlich  Be- 
sinnenden, in  2  als  leichte  Schelte  oder  Verwünschung  ge- 
biauchte,  euphem.  stark  entstellte  Schwurformel  zu  Grunde 
zu  liegen,  in  welcher  da  (d^)  der  best.  Art.  wäre,  wie  in 
den  ähnlich  gebrauchten  der  Guggcr,  Tünitj,  Tügf/er,  wobei 
zu  beachten  ist,  dass  i-  in  der  betr.  MA.  den  Diphth.  ei 
vertreten  kann.  Da  hi-mer  könnte  dort  auch  heissen;  ,da 
haben  wir  [es].' 

Himmerich:  Flurn.  ,Drei  Tagwen,  uf-em  Himerech 
genannt.'  1634,  ZAusl.  (Schuldbr.). 

Ob  aus  dem  ahd.  hindberahi,  Himbeergebüsch,  wie  der 
Flurn.  Immerich  (Th)  viell.  aus  Imperi?  S.  noch  Tilm.  Id. 
Immerhin  stimmen  wenigstens  die  heutigen  Formen  für  , Him- 
beere' nicht;  man  hat  daher  viell.  Yerderbniss  aus  ffimmel- 
Jluh  anzunehmen;  vgl.   Pamdu,  ebenf.   Flurname,  und  Hell. 

,himiie°  =  higgen  Sp.  1099  LE." 

Wie  Pieses  Nachahmung  des  Naturlautes  und  der  müh- 
samen Atembewegung,  die  gewissermassen  durch  die  mühsame 
Ansspr.  des  W.  symbolisch  ausgedrückt  erscheint;  vgl.  nd. 
hjjmen,  keicben,  schwer  Atem  holen.  Vgl.  .bimmern'  bei  Gr. 
WB.  und  liaben  III  Sp.  930;  ferner  hijtpnen.  zu  welchem 
sich  unser  W.   verhalten  könnte,  wie  homne  zu  hobne. 

Homel  m.:  nichtsnutzige  Weibsperson  ZW. 

Vgl.  (allerdings  mit  abweichendem  Voc.)  das  Syn.  Hummi. 
Das  Masc.  zur  Bezeichnung  derber,  unweiblicher,  ,niännischer' 
Weibspersonen  ist  der  MA.  sehr  geläufig;  vgl.  Buehen-Holder 
Sp.    1183,   Bauderidau  Sp.   984   u.  A. 

liomme",  zsgesetzt  da-homm  GRh.,  ie-homne  Gr 
Tsehiertsch.:  da,  hier  oben,  droben. 

Big.  hie-ob(n)en  (s.  Bd  I  50/1)  und  alsdann  mit  pleo- 
nastischer  Vorsetzung  von  da,  bzw.  hie;  in  ie-h.  ist  hie  also 
eig.  2  Mal  enthalten,  aber  das  erste  h  der  Erleichterung  der 
Ausspr.   wegen  abgefallen. 

Hexi-Homo:  corrumpiert  für  Eccehomo  (Bd  I  63)  L. 

Ilöm:  in  dem  Schlittenruf  uss  h.  Bsßiehen.  Synn. 
s.  bei  hä  Sp.  845. 

Uamanist  m.:  Schüler  des  humanistischen  Gym- 
nasiums Bs.  Als  PL,  übertr.,  die  Anstalt  .selbst  Bs 
(Spreng). 

Hummel  Gl;  G;  Ztw.,  Humhel  BU.;  Z,  Ummel  B. 
—  PI.  Hummel,  Hümfbjel,  Ummle  —  m.,  Rummele 
Bs;  ScuSt.;  S;  Th;  ZWyl.  Rumbele  Z  (Spillm.),  Ummele 
BsBirs.,  Umbele  AaP.  —  f.,  nur  als  Dim.  Rummeli  S. 
Hümbeli  Aa  (H.)  —  n.:  1.  Hummel  (ohne  Unterschei- 
dung der  Unterarten),  allg.  Tue*  wie  d'  H.  in  ere 
Guttere,  unruhig  herum  fahren;  vgl.  Sp.  532;  Syn. 
tuen  wie  d'  Ghatz  am  Rälsig  (Drät).  ,Ein  h.  am  faden 
ist  wilder,  denn  all  götzen,  die  da  stond.'  UEckst. 
,Er  ist  närrisch  worden,  hat  Hummel  im  Kopf.'  UBrägg. 
1780;  vgl.  Giieg  Sp.  161,  ,H.-Hirn'  bei  Gr.  WB.  S.  noch 


Musen-Gang  Sp.  352.  Aberglaube:  Um  an  die  Hexen- 
versammlungen gehen  zu  können,  Hess  eine  Frau 
Abends  vorher  ein  Fenster  offen  stehen,  um  dann 
Nachts  durch  dasselbe  als  H.  davon  zu  fliegen.'  S.  Gl 
Gem.  318.  Einer  H.  darf  man  nichts  Leides  antun  ZO. 
Die  wiedertäuferischen  Nikodemiten  communicierten, 
indem  sie  eine  H.  in  den  Mund  empftengen,  s.  Lux. 
Sag.  359.  ,k\\e  diejenige,  welche  die  evangelische 
Religion  haben  angenommen,  die  haben  einen  H.  müs- 
sen fressen,  so  der  Teufel  selbst  gewesen.'  ClSchob. 
1695.  S.  noch  4.  —  2.  kleines,  unruhiges,  lärmendes 
Kind  B,  oft  als  leichte  Schelte  S;  Z.  Du  R-s  H. ! 
E  wildi  R.,  unruhige  Person  ScuSt;  Syn.  Ameise 
Bd  I  216.  Mürrisches  Weib  AAFri. ;  vgl.  Surri.  S.  noch 
Ummel  Bd  I  232.  —  3.  der  Schüler,  welcher  den  letz- 
ten Platz  der  Klasse  einnimmt  ZStdtf.  Rummeli, 
scherzh.  für  einen  Schüler,  der  nach  den  Stunden 
nachsitzen  muss  ZWyla.  —  4.  euphem.  für  Teufel 
(vgl.  1),  nur  als  Gen.  Adjj.  und  Substst.  vorgesetzt 
Th;  Z.  E  R-s  Zug,  eine  verzwickte  Geschichte.  R-s 
g'spässig,  recht  sonderbar  ZO. ;  Syn.  Tummel.  — 
5.  Geschlechtsn.  ,Hum(b)el'  Bs;  B;  Uw  f.  ,Hurabel.' 
1653,  AAWett.  Klosterarch.  , Hummel'  bekanntlich  auch 
Name,  den  HPest.  dem  Vogte  in  Lienh.  und  Gertr. 
gibt.  —  6.  Flurn.  ,Hummel-Hof'  ScHwArt,  ,-Berg'  Tb, 
,-Wald'  G;  nicht  aber  im  Rumbel  B;  Z,  s.  hoch  Sp.  976. 
Mhd.  hummel,  humbel,  in  Bed.  1,  zu  huinmen,  summen, 
vgl.  das  syn.  Brummel,  und  vgl.  Fr.,  Ztschr.  VI  81/3.  Neben 
der  ganzen  Gruppe  her  geht  eine  sinnvwdte  mit  dem  Anl.  m. 
Zu  3  vgl.  die  RA.  ,brummen  müssen'.  Die  Beziehung  auf 
den  Teufel-  und  Hexenglauben  mag  die  H.  t.  der  schwarzen 
Farbe  einzelner  Arten,  t.  dem  brummenden,  geräuschvollen 
Fluge,  t.  dem  haarigen  heibe  zu  verdauken  haben ;  vgl.  hier- 
über Anm.  zu  Ruwj<jdis-Hafen  Sp.  1016,  TüfeU-Chatz  (-Gross- 
Mueter),  Raupe.  Übrigens  pflegen  Elbe,  bes.  bösartige,  und 
so  auch  der  Teufel,  die  Gestalt  von  fliegenden  Insekten  an- 
zunehmen. Der  , Hummel-Hof  soll  seinen  Namen  nach  der 
oben  berührten  Sage  erhalten  haben,  da  die  Nikodemiten 
dort  ihre  einsamen  Zskünfte  hielten. 

Humme"  f.:  „Ohrfeige  Sch";  Schlag  auf  den 
Buckel  ScHHa. 

Die  Namen  der  Schläge  stehen  oft  mit  Klangww.  in  Ver- 
bindung; vgl.  Mul-ScheUe  :  schallen  ;  Klapf  t  klepfen ;  Schmätter- 
li'ij :  achwtttteren;  nhd.  ,Klaps  :  klappen'  u.  A. ;  s.  auch  Humikn. 

„humme":  Ohrfeigen  geben  Sch." 

er-,  modern  ver-:  1.  erschrecken,  in  Schrecken, 
Betrühniss  versetzen,  ausser  Fassung  bringen  Gl; 
ScHW;  Zg.  Der  Lanzig  [Frühling]  jagt  de"  Winter, 
das  tuet-en  schier  v.  Schw  (Schwzd.).  ,lch  will  meinen 
schrScken  vor  dir  her  senden  und  alles  volk  e.,  dahin 
du  kummst.'  1531,  II.  Mos.;  dafür:  ,will  in  allem  volk 
ein  aufruer  anrichten.'  1548,  ebd.;  ,eine  Verwirrung.' 
1667/1882.  Bes.  als  Ptc.  Perf.  ver-hummCeJt,  nieder- 
geschlagen, in  sich  selbst  verloren,  verwirrt,  ausser 
sich,  verweint;  Syn.  verhürschet,  -tatteret.  Ei"'m  no''' 
wie  v.  nocha  guggn.  Schwzd.  ,Wiewol  jedermann  in 
den  dry  ländern  des  zwangs  der  landvögten  beschwert 
was,  so  was  man  doch  in  der  sach  erhummet,  dass 
sich  niemand  dorft  widersetzen.'  Äg.Tschddi.  —  2.  intr., 
in  Schrecken  geraten.  .Sy  werdend  e.,  grimmen  und 
schmerzen  werdend  sy  ankommen.'  1531/48,  Jes.; 
=  , erschreckt  werden.'  1667/1882. 

Zu  1.  Eig.  so  viel  als:  durch  einen  Schlag  (an  den 
Kopf)  betäuben;  vgl.:  ,klopfen':  crA-;«;;/™  [erschrecken];  er- 
latteren,  erschüttern:  er-tatteret,  erschrocken;  und  nhd.  .er- 
schüttern :  erschüttert'. 


1297 


Hain 


iiilii.     Hamb     liiiuib.     Haiml 


Humihi  n.:  einfältige,  träge,  nachlässig  gekleidete 
Weibsperson  SWass. ;  Syn.  Mummi. 

(H)umralere  f.,  PI.  (H)ummleri :  Hunimelnest 
Bü.  —  Gebildet  mit  der  Endung  -ere,  die  sonst  den  Ort 
von   PÜanzimgen  anzeigt, 

liüni(b)elo":  leise  schreien,  wimmern,  bes.  von 
Kindern  Aa  ;  L.  Bu  chaust-m^r  h.,  derbe  Abfertigung  L. 
—    Ilim.   zu   mhd.   hummen;  vgl.  «KiTe7i  (mrrelen). 

(H)nmnierli  AABb.:  Sorte  kleiner,  runder  Äpfel; 
S)n.  Miimma-Ji. 

Oll  von  'huiiimcren,  einer  Intens.-Bildung  von  hummen, 
und  nach  dem  Ton  benannt,  der  beim  Kollern  auf  dem  Boden 
erzeugt  wird?  Vgl.  tui/imc»,  dumpf  tönen:  -BjfmiHcWi,  kurzer, 
runder  Körper. 

Hnmler  =  Umler  Bd  I  233.  ,üas  tuech,  so  der 
pfaft'  uf  das  houpt  legt,  genannt  der  h.'  NMan. 

Humor  m.:  Denk-,  Gemüts-Art.  ,üie  Legaten  seien 
unsere  Landesart  und  H-e  nicht  gewohnt.'  10.50,  Absch. 


Hamberch    s.   Hand-Werch.  Hamb 

Hambetzgi,  Humbasle,  Huiubetzgi  s.  . 
Bd  1  21(5.  Himbele  s.  Hind-Beri.  Hii 
s.  Hummel. 


Hamd— humd. 


Hi^nid  GrI>.;  Sch,  Hcmmed  InWeinf.,  Hemt  Gr, 
Hemmli  Bs;  B;  F;  GrD.,  Pr.;  L;  S  (Hewdli.  Joach.); 
Uw;  Zg,  Hörn mli  Aa;  L;  S,  Hemmeti  GrA.,  Hemb  Gk 
Val.,  S.;  Sch;  S;  ZW.,  Hemb(lji  W,  Henqi  Ap;  B;  Gl; 
GRMai.;  G;  Z,  Hempli  GlK.;  G;  SchwE.;  Z  —  PI. 
H-er,  in  GrS.  Hempi  —  n.:  1.  wie  nhd.;  in  ä.  Spr. 
auch  =  Leibrock.  Ristigi  Hömnili  und  röti  Fatzenetli 
S  (Joach.).  I"  schnetvisse'  HempUsermle'.  Liener*  1888. 
D'  Hemptermel  hinderschi  g'stürmet  [zurückgestreift] 
GRPr.  (Schwzd.).  ,Ein  dünnes  Kitteli,  ein  grobes 
Herameli.'  Gotth.  Blau  oder  welsch  Hemli,  Blouse  Bs. 
!<■''  gib  (lach)  di"'  a;  i'*  gib  (lach)  di''-  be,  i'*  ha'  di''' 
nacht  im  Bem(ejli  g'seh  Bs ;  S  (Kdrspruch).  Jud,  Jud, 
hesch  Sjjeck  im  Sack  und  im  Hömmli  Sigellack!  S. 
Nimm  en  Zipfel  Hemp  i'  's  Mül  und  schäm -di"''  G. 
De*"  hat  lies  Hemp  a",  vexierend  zu  Kindern,  wobei 
man  den  deutenden  Finger  selber  meint  Z.  De  fürig 
Ma'"  het  es  brönndligs  Hemmli  a"  S  (Schild).  Hirate", 
sobald  's  us-eren  Ell  es  Hemmli  git,  Tadel  des  frühen 
Heiratens  U.  Mit  ZU  und  Wil  icird  us-em  Hauf- 
stengel  es  Hömmli  Aa  (Schwzd.).  's  Hemp  (uf-em 
Llb),  das  dem  Menschen  Nächste,  Unentbehrlichste. 
Er  gab  's  Hemp  ab-em  Llb,  er  ist  überaus  freigebig  Z; 
's  H.  uf-em  Lib  schuldig  si'  L;  Sch;  Z.  's  Hömmli 
i"  der  Wasch  ha";  er  hed  i'  jeder  Wasch  es  Hömmli, 
Spott  über  Armseligkeit  L.  Wenn  nw  i'''  eis  Hemp 
ha'  und  der  Zü'stecken  eis  OnMai.,  Pi.A.  armer  Leute 
und  Vagabunden,  die  nur  2  Hemden  besitzen,  's  Hempli 
ist-mer  näher  als  's  Böckli,  der  nähere  Verwandte  geht 
vor.  SuLGER.  's  Hemmli  ist  näher  weder  d'  Chutte'  B; 
's  Himp  ist  eim  albigs  nöucher  a's  d'  House'  GSa. 
(Postheiri  1869).  ,Es  ist  besser  das  Hemd  verlieren 
als  alle  Kleider.'  Sdlger.  Eim  's  Hömmli  i"e-mache", 
ihn  zum  Schweigen  bringen  L,  bezieht  sich  auf  die 
alte  Sitte,  den  Gegner  durch  Biossiegen,  Heraus- 
strecken des  Hemdes  zu  verhöhnen,  also  =  Einem 
Schweiz.  Idiotikon.  II. 


diesen  Hohn  verleiden.  Z'  Morgarten  hend  'nen  eusi 
Lüt  an"''  's  Hömmli  inen  g'macht.  HXfl.  1801.  Er 
hat  e  subers  Hemli  a',  ist  ohne  Schuld  und  Makel  U. 
Enere  Jump f er  uf's  Hemp  oder  uf  de'  Bock  trete',  in 
sie  verliebt  sein.  Sülger.  ,Ein  sydin  henietlin  wyss.' 
Z  Lied.  ,Ein  rock  und  zwei  hemmli.'  1387,  L  Urk. 
,Schuech,  hempli.'  THErni.  Offn.  S.  Äser  Bd  I  506. 
,Ein  mann  soll  haben  3  oder  4  hembdlin.'  1460,  Bs 
(Gto.).  ,Man  Hess  die  1400  knecht  [der  Feinde]  all 
in  blossen  hemmlinen  und  steckli  in  iren  bänden  durch 
[den]  ring  der  eignossen  us  an  ir  gwarsarai.'  Edlib.  .Was 
meinend  ir,  dass  zum  leisten  uss  den  guldinen  hembd- 
linen  werde,  fingerring,  sydiner  kleidung?'  Zwingli. 
, Escher  mag  noch  wol  ein  heisses  hemdlin  anhon.' 
1526,  Egli,  Act.  501,  wo  seine  Vergehen  aufgezeichnet 
sind.  , Tuend  das  hembd.  über  den  rock  an  [handeln 
verkehrt].'  Salat.  Narr,  schmäht  die  hochmütige 
Tochter  Sauls:  ,Jungfrow,  dreck  im  herad  halt  dich 
füecht,  man  weisst  wol,  wie  dein  adel  lücht,  ja  grad 
wie  die  g'mölten  sternen.'  VBoltz  1554.  , Erfüllt  kein 
hemmet  mit  syra  schweiss.'  Gletting  1560.  ,Adductus 
est  in  summas  angustias,  man  hat  jm  das  hemdle 
heiss  gemacht.'  Fris.;  Mal.  ,Ein  glismet  hembd  in 
der  kammer,  darin  sy  ligen.'  1571,  Z  Inv.  ,Nützig 
anhan,  dann  bloss  ein  hemb.'  1578,  UMet.  ,Das  volk 
hat  mir  myn  hemralin  gmachet  heiss.'  RSchmid  1579. 
,Hat  uf  der  rechten  Hand  zum  Hempt  g'lassen  [zu 
Ader  gelassen]  und  ist  ihme  die  Aderen  erschweren.' 
RCys.  ,Höralinen  30.'  1604,  L.  ,Als  dem  Bapst  an- 
fieng  die  Wyl  lang  und  das  Hembdli  heiss  werden, 
floch  er  heimlich  uss  der  Engelburg.'  JJRüeger  1605. 
,Wysse  Hembder.'  ebd.  ,Caraisia,  Alamannis  corrupta 
voce  Hämmet.'  Goldasi  1606.  .Wartet,  ihr  müsst 
vor  ein  weisses  Hembdlein  legen  an',  sagt  die  Edel- 
frau  zu  ihrem  Gemahl,  der  ausgehen  will.  Myricäus 
1630;  vgl.  beiläufig,  dass  der  bekannte  Kleinjogg  sich 
rühmte,  dass  er  jede  Woche  ein  frisches  H.  anzog, 
während  die  übrigen  Bauern  die  ihrigen  je  einen 
Monat  trugen.  ,Hämpter.'  Schimpfr.  1651.  , Einem 
das  Heradlein  warm  machen,  ihn  ängstigen.'  Hospin. 
1683.  ,Hemnieder.-  1727,  G  Kleiderordn.  ,Die  falschen 
Steinen  an  Hemmli-Knöpflenen.'  B  Luxusmand.  17'28. 
,üas  g'malot  [mit  Buntstickerei  verzierte]  schönere 
Hemli  [Hirtenhemd].'  Makar.  Ged.  XVIII.,  Uw.  S.  noch 
Güller  Sp.  218.  —  2.  Hemmeli,  die  unter  den  äussern 
Flügeln  liegenden  Hinterflügel  der  Käfer  Bs. 

Mhd.  At')»fdc,  hcriHh-,  worauji  sich,  iinlir  II  iii/uii;ili)iif  ii.>s 
homorganen  h,  die  verschiedcurii  FniiiMn  [n.  ht  nU.iirn. 
Die  Verwendung  der  dim.  Form  i.hnr  ihni  ]'..■■{  .  wclrlir  i  i.l- 
orts  üblich  ist,  lässt  sich  nicht  lil"^.  im- ^l-i  iIIl-,  \miIi,Ihj 
der  Gebirgsmundarten  für  dini.  ;\n-ili  im  Uu- i-c  .i  kl, neu, 
sondern  hat  ihren  Grund  wohl  dium,  •\:\--  h,„n.i,  mhl  ihhIj 
mehr  das  einfache  Stamniw.  hmih,  ui-in.  flu  ;r;iiizr  Klrnhing 
bedeutet,  im  Veiirlricln-  mit  wrlrlin  ^Li^  II.  allerdings  kürzer 
und  kleiner  ist;  v-l.  r,,,!.,-.  I'nr^ll  In  den  betr.  MAA. 
hat  sich  für  den  «irklhh  dim.  Siiiii  meist  eine  secundäre 
Dim. -Form  HemuuU,  lltmj,Ji  lieiaiisgebiklet,  ein  Vorgang,  zu 
welchem  auch  andere  Sprachen  Beispiele  bieten :  ,Jüngelchen' ; 
it.  cagetta  caaettina;  lat.  capitulum  capiteilum;  gr.  7iat5tgx>) 
uatSisxdpiov. 

Unde  r-:  1.  Hemd  ohne  Ärmel  B;  Gl.  Vgl.  H.-Stock. 
—  2.  in  ä.  Spr.  =  Hemd  im  jetzigen  gewöhnlichen  S., 
da  das  einlache  ,Hemd'  in  ä.  Spr.  auch  Leibrock, 
Wamnis  bedeutete.  ,3  underhempter.'  1469,  Z  Inv. 
,Die  efrow  soll  irs  manns  schulden  helfen  bezalen  bis 
an  das  underhembdt,  so  sy  an  irem  lyb  treit'    1512, 


Hamd,  lienid,  himd.  homd,  humd 


Z  Verordn.  ,Eine  Frau,  die  in  ergangnem  Auffalle 
bis  an  das  TJnderhemd  bezahlt  hat.  haftet  mit  später 
Ererbtem  nicht.'  1550,  Z.  ,Ein  frouw  Soll  für  den 
abgestorbnen  mann  bis  an  das  underhcmbt  instön  und 
die  ansprechenden  bezalen.'  1570,  Gl.  .Manns-.  Nestel-, 
Wyberhembder,  auch  Underhempdli.'  1571,  Z  Inv.  — 
3.  Vertrauter,  Busenfreund,  mit  verächtlicher  Nbbed. 
Bs  (Spreng);  Gl;  L;  G;  Schw.  ,Der  bischof  von 
Mainz,  der  des  papst  underhempt  was.'  Vad.  ,Intimus 
sum  illi,  ich  bin  seiner  der  aller  liebst  freund,  sein 
underhembd.  Die  aller  angnemsten  oder  anheimsten 
des  künigs,  die  allweg  inen  an  der  Seiten  sind,  des 
künigs  underhemd,  wie  man  spricht,  a  latero  regis.' 
Fris.:  Mal.  So  auch  Denzl.  1716.  —  Er -Hemd. 
,Els  natlerin  het  gen  [an  StLienhards  Bruderschaft] 
ein  schuhen  und  ein  erhärapt  und  ein  düechli.'  c.  1500, 
ScHwIngenb.  Urbar. 

Für-:  Vorrichtung  im  Vorderteil  des  Fischerkahns 
(,Einbaums'),  um  die  F''n.Miif:iniic'  anzubringen  LVitzn. 
(Alpenp.  1871,  Kii»),  -  //.„</  :.  i-t  -irli  hier  noch  in  der 
urspr.  Bed.  Hülle;  s.  //«/.,,-//.  n.  a. .  vl-1.  auch  Chämmi-Schöss. 

Pueter-:  hemdartiger,  bei  den  Älplern  mit  Ka- 
puze versehener  Überwurf,  Überherad,  gewöhnlich  von 
grober  Leinwand,  welches  zur  Schonung  der  übrigen 
Kleider  bei  bäurischen  Arbeiten,  bes.  beim  Füttern 
des  Viehes  und  beim  Heutragen,  angezogen  wird  Ap; 
Gl;  Gn;  Z;  Syn.  Hirt-H.,  -Schlufi;  Fueter-Juppen, 
-Chutten;  Panzer.  ,Die  Sennen  tragen  zwilchene  Ho- 
sen und  Futterhemd.'  Gem.  Ap  1835.  —  „Flück-: 
Kiemchen  von  Leder,  das  sich  um  den  Leib  des  an- 
geläuferten  Vogels  schlingt  Aa;  B."  —  Göller-: 
Hemd  mit  Göller  1  h  (Sp.  218)  Bs;  Z.  —  Gotte-- 
Hempli:  Hemdchen,  welches  einem  Kinde  von  der 
Patin  (Gotten)  geschenkt  wurde  Ap.  ,Gotten-Hemdli' 
auch  in  den  Z  Mand.  von  1680—1733;  vgl.  Gotten- 
Kittel,  Beit-Hemd.  —  Glungg-Hemd:  (geringes) 
Uberhemd  ZEüml.  Davon  Adj.  glungg -liempig ,  s. 
glunggen  I  Sp.  634. 

Hab  er-Hömm(e)li:  Haferspreu,  Hülse,  welche 
den  Haferkern  umschliesst  LG.  -  Vgl.  Anm.  zu  Für-H., 

auch   Hemd  S. 

Hirt-  GRVals;  L;  Schw;  Uw;  Z,  Hirte--  Gl; 
„Vw",  Hirter-Hemd  W :  =  Ftieterhemd.  Bisweilen 
nennt  man  auch  die  Blousen  so :  es  blaitcs  [blaues] 
S.  üw.  Us  Sidenzüg  hat  me"  [bei  Grandson]  Hirt- 
Mmmli  g'macht.  Schw  Fasnachtsp.  1865.  —  Gade"- 
Hirt-:  das  ungefärbte  und  schmucklose  Werktags- 
hirtenhemd, wie  es  im  Gaden  getragen  wird,  im  Gegs. 
zu  dem  braunen,  mit  bunter  Stickerei  verzierten  Sonn- 
tagshirtenhemd des  Älplers  Uw.  —  ,Kittel-Hembd: 
ein  dünn,  zart  kleid,  so  die  weiber  in  grosser  hitz 
tragend,  theristrum,  amictorium.'  Mal.  —  Krage"-: 
Hemd,  Überwurf  mit  Kragen.  Ein  Zg  Eeisläufer  in 
frz.  Diensten  ,hat  ein  kr.-henibd  an,  vollen  gilgen.- 
1522,  Strickl.  ,6emanget  Kr.'  Liebenaü  1881.  —  Lib-: 
veraltendes  Kleidungsstück,  Jacke  der  Weiber,  welche 
hinten  in  zwei  Spitzen  ausläuft  GrV.  ^  Manne"-: 
Männerhemd.  En  alts,  treits  [getragenes]  M.  um  de' 
Chopf  umme  g'nä  [genommen]  ist  für  Vils  [Kopf-, 
Zahnweh  der  Frauen]  guet  Z  Zoll.  (Volksglaube). 
,1  trog,  darin  7  mannshembden.''  1571,  Z  Liv.  ,Vl2 
Dotzet  Mannshemper.'  c.  1600,  ebd. 

Nebel-Hemli:  äusserst  dünner  Nebel,  der  auf 
dem    Boden    oder    auch    höher    lagernd    die    Gegend 


schleierartig  überzieht  BO.    's  N.  ist  g'spannet  BBe. 

—  Vgl.  die  Tarnkappe  der  Zwerge,  die  auch  das  Wetter 
machen  helfen. 

Nestel-Hemd:  Hemd  mit  Schnüren  statt  mit 
Haften  zum  Schliessen.  1557,  Lind. 

Danach  wohl  zu  verhessern  die  von  Balthas.,  Helv.  IV 
531  aus  Tschudi  überlieferte  Stelle:  ,Die  Landsknecht  bis 
in  ihr  Nesselheradli  nackend  usziechen.' 

Nater-:  abgestreifte  Haut  der  Nattern.  ,Verna- 
tionem  sive  exuvias,  quas  nostri  Naterhembd,  vel 
Schlangenhaut  appellant'  Wagner  1680.  —  Bad-: 
wie  nhd.  allg.  Ein  .Mannbadhempt.'  1469,  Z  Inv.  — 
Be'iji-Hörali:  Bienenherad,  Überwurf  zum  Schutz 
gegen  Bienenstich  beim  Schneiden  des  Honigs  B.  ,In- 
dusium,  quo  quis  se  defendit  adversus  ictus  apium.' 
Id.  ß  II  367  a. 

Burgunder-Hemd:  blaues  Fuhrmaunsüberherad, 
Blouse  Aa;  Bs;  S;  Syn.  welsch  Hemd.  —  Aus  Frank- 
reich (spec.   Burgund)  stammend. 

Beit-:  das  dem  Täufling  von  der  Patin  geschenkte 
Hemdchen,  Westerhemd.  Syn.  Beit-Gewand.  ,Sovil 
die  Beithemeli  und  Gottenkittel,  auch  Röckli,  so  vil 
Malen  von  den  Gotten  anstatt  der  Gottenkittlen  ge- 
geben werden,  belanget.'  Z  Mand.  1616.  ,Diewyln  wir 
die  Kuechleten,  desgleichen  die  Beithemeli,  Gotten- 
kittel abgestellt  habend.'  1624,  Z  Staatsarch.  S.  noch 
Götti  Sp.  528. 

Gegenüber  dem  nach  der  Taufe  erfolgenden  Patengeschenk 
ist  das  B.  das  geringere  und  glchs.  das  Angeld  (vgl.  Beit- 
P/ennii/),  die  Anwartschaft  darauf  hin;   beiten,   warten. 

Summer-.  ,Thamar  bekleidt  sich  mit  einem  schö- 
nen, wyssen  sommerhemmat.'  Zwingli. 

Nach  I.  Mos.  38,  U  =  , Bedeckte  sich  mit  einem  Schleier.' 
Z  Bib.  1883.  Zwingli  gibt  das  gr.  8-eptOTpov,  Sommerkleid, 
wieder.     Vgl.  noch  Kittd-H. 

Senne°-Hömmli:  1.  das  weisse,  kurze  Hemd, 
das  der  Senn  oder  Küher,  namentlich  auf  den  Alpen, 
als  Oberkleid  trägt  L;  vgl.  Hirt-H.  —  2.  auch  Dira. 
S.-Hümmeli  (scherzli.),  die  Decke  auf  der  Milch,  die 
sich  nach  dem  Sieden  der  letztern  beim  beginnenden 
Erkalten  bildet  L. 

Wil-Hemd.  , Roten  lünst  [feinen  Zeug]  zu  eim 
wylhemli.'  c.  1550,  L. 

Ob  zu  rahd.  wile,  Schleier,  also  =  lang  herunterhängender 
Schleier  wie  ein  Hemd?  oder  ist  ei  =  Bnt-HemmUt 

Wull-Hgmmli:l.  Unterrock,  Jüppe  der  B  Tracht, 
lang  und  ohne  Ärmel,  halbleinen  und  naturfarben;  um 
den  untern  Saum  ist  ein  hochrotes  oder  hellblaues 
Wollband  genäht  B;  „L;"  S;    Syn.  GloschU,   Junten. 

—  2.  Art  altmodischer  Männerröcke  der  Bauern,  ge- 
wöhnlich von  rotem,  wollenem  Tuch  L;  W.  ,2  Wul- 
hömli.'  1604,  L.  .Hoffart  in  Krösen  und  mit  Besatzung 
der  Waniisten,  Wiillioiiidcren  und  Hosen  mit  Sammet.' 
B  Mand.  16'2s.  .jiir  -.•loldeten.  kurzen  Hosen,  dess- 
glychen  die  köstliLlieii,  mit  Sammet  besetzten  Wul- 
hembder  sind  abgestrickt.-  ebd. 

Wester-   s.  W.-Gewand. 

glungg-hemdig  s.  gl.-hemdlig. 

Hemde  1er  Hemmeier  ra.:  =  Hemd-Glungg  i  Sp. 
634  B  (Zyro).     Vgl.  noch  Hempi-Läri. 

Überhempler:  ein  mit  einem  Überhemd  Be- 
kleideter, oft  =  Vagabund,  Bettler  Z. 

Nün-Hemler  m.,  -Hemlere',  -leri'  f.:  Allermanns- 
harnisch,   allium  vict.  BO.;  L;  Uw;  U.     Syn.  (Nun-) 


1:10 1 


lliiinn 


llaiii|»l'-l 


1302 


Hemmli-Wurz,  Nüni-Clirut:  waadtl.  nii  a  «eu  tzemises. 
Abeigl.:  Die  Wurzel  gegen  Gespenster  und  Hexen  in 
der  Tasche  getragen  BO.;  G.  In  diese  Wurzel  haben 
sich  die  Wildmannli  verwandelt.  S.  noch  u.  Mannli. 
Mehr  bei  Rhvner  1866.  3;  Wartm.  Volksbot.  11 ;  Perger 
II  32;  JRWyss  1816/7,  330.  534.  601.  Wohl  von  der 
Verwendung  zur  Zauberei  die  RA.:  Das  ist  e  rechte 
Nmhemler,  ein  rechter  Herennieister  Ndw. 

Tier  Name  von  den  vielen  Häuten,  in  welclie  die  Zwiebel 
eingekleidet  ist.  Vgl.  noch:  .Alliurn  niont.,  vict..  Sigwiirz, 
Sibenhemerlen,  Rämsig.'  Wagner   leSO. 

ge-hemdlet:  wie  mit  einem  Hemd  verschon. 
„Grün-gehemdelter  Striil,  mit  oiiicr  i;liiiiiiin;iiiiu-.'ii 
Erde  überzogener  Kristall  U."  .Ks  -il.i  ii.nnlirli  -c- 
hemmlete  Crystallen,  die  mit  einer  l.ulii.iilni  II, uu 
oder  Rinden,  gleich  als  mit  einem  Kleid  oder  Hembd 
überzogen.'  JJScheochz.  1708. 

h  e m d  1  i " g ( e ° ) ,  (g'ßihnpUgCe")  THRom. ;  Z,  glungg- 
Mmplig  Z,  gl.-hanpig  ZRüml.,  hempflgtig  TiiSteckb. : 
Adv.  und  bisw.  Adj.,  im  blossen  Hemd.  En  hemlige 
Butz  =  Hemd-Glungg  1  (Sp.  634)  und  Hempli-Potz 
Th  (Pup.). 

lu  liempfiijtlg  scheint  ;j/  auf  Anlehnung  an  hämjißtg.  die 
Endung  -lig  auf  solcher  an  nacktig  zn  beruhen.  Zss.  bzw. 
Abi.  von  Fette",  Fittig,    würde  begrifflich  sehr  gut  passen. 

Heimde  f.:  Heimat,  Heimwesen.  ,Ab  miner  Be- 
husung,  Hofstatt  und  Heimbde.'  1606,  GM;irb.;  vgl. 
Heim. 

Ge-heimd(e)  f.:  Geheimniss,  Geheimhaltung. 
Dies  habe  man  eilends  und  ,zue  hocher  geheimbd' 
verkündigen  wollen.  1529,  Absch.  ,In  höchster  ge- 
heimd.'  1530,  ebd.  ,A11  üwer  g'heimden  und  das  mir 
vertruwt  wurde.'  Salat. 


Hiimfesli  s.  Hanen-Fuess  Bd  I  1091. 


Hampeissi,  Hampetzgi  s.  Ameise  Bd  I  216. 

Hamperch  s.  Hand- Werch . 

Hampi,  Hämpi:  Abraham  Bs.     Syn.  Hämmi. 

Hemp  s.  Hemd. 

Hinip  m.,  -e"  f.:  der,  die  Lahme,  Hinkende  BR, 
Syn.  Lamät^ch. 

Himpel  m. :  :=  dem  Vor.  ,üu  schiefigter,  krum- 
mer, dollfussiger  H.'  GHeid.  1732. 

himpe":  etwas  lahm  gehen,  hinken  Bü.;  FMu.; 
„LE."  Syn.  humpen,  hümpen,  Imlpen,  lamätschen ; 
vgl.  engl.  prov.  to  liimp.     Abi.   ..Himper,  Hinker. " 

himpig:  hinkend  B. 

Himpi  s.  Hind-Beri. 

.hnnip  sein:  alles  (Vermögen)  verspielt,  ausgehaust 
haben'  Bs  (Spreng).     Syn.  Lump  sin. 

humpe":  1.  wacklig  gehen,  hinken  Bs;  B.  — 
2.  „sich  bei  einem  Gewerbe  unredlich,  auch  ver- 
schwenderisch benehmen  Bs."  —  Vgl.  die  Sjnn.  lodelen, 
hudekn  u.   s.   Gr.   WB. 

ÜS-:  „1.  intr.,  bankrott  werden  Bs";  Syn.  -üs- 
hiiiipen.  —  „2.  tr.,  Jmdn  im  Spiel  um  sein  Geld 
bringen,  ihn  gleichs.  bankrott  machen  Bs" ;  Syn.  üs- 
hudlen.  —  „ver-:  liederlicher  Weise  verscherzen  Bs." 

humpele":  1.  ein  wenig  hinken  Aa;  Bs;  zimper- 
lich einhergehen  TaTäg.  —  2.  bildl.,  schwanken,  ins 


Schwanken  kommen,  happcrn  Bs.  ,Nun  fieng  es  aber 
bei  dem  Heiri  zu  hümpcln  an.'  Breitenst.  Wie  's  e 
chli  het  welle  h.  ebd.  —  3.  hümplen,  pfuschen.  H.  und 
stümple".  SULGER.  —  Vgl.  gnepfen,  GHe]yi,  auch  Gr.  WB, 
s.   V.    .humpeln'. 

Hümp(e)ler  m. :  1.  Stümper.  Pfuscher,  schlechter 
Arbeiter.  Hümpler  wuJ  sinwj'hr.  Sii.rer.  .Wer  mag 
den  Leib  befehlen  oim  jr.l.n  lluini.cler?'  RGwerb 
1646.  —  2.  eine  Ge-sellM-liaH  .Irr  Kis.-lier  im  alten  Bs. 
,Mit  offener  Hand  wird  den  Humpeiern  erlaubt  ober- 
halb Rheinfelden  zu  fischen  und  Fische  zu  kaufen 
wie  andere  Fischer.'  1472,  Bs  (Ochs).  S.  Bs  XIV.  und 
i;s  l:.'itr.   XI   126. 

■_'  niii'  alisrliätzige  Übertragung  von  1  auf  die  Kleinfischer 
von  Srit,-  il.i'  Grossfischer  oder  im  Gegs.  zu  den  letztern; 
vgl.   .Sttoiijjler  und  Gr.   WB.   s.  v.   ,Humpler,  Hiimpler'. 

humpe":.  hinken,  inühsam  gehen  Aa;  B.  Syn. 
himpen,  hülpen,  zülpen. 

Hümpi  m.:  Hinkender  B;  UU.  ,Claudus,  per  de- 
risionem.'  Id.  B.  , Samuel  Schmidli  oder  Hümpi-Sami 
genannt.'  L  Int.-Bl.  1824. 

hü m perle":  leise,  ein  wenig  hinkend  auftreten, 
kleine  Schrittchen  nehmen  (spöttisch)  .-VAPri. ;  Bs. 

(S]iinn-)Hnmpele"  f..  meist  PI.:  Sjiinngewebe  S; 
Syn.  (Sj.nni-lHiU'i'rJni.  -li'»/^"»,  - 1/»,/,'/"".  Er  het 
Sp.  im  chnj,/'.  i-t  .liiiiiiii  S  (SrhiMi.  Iliiiiiiielen  in 
allen  Eggai  und  Staub  „f  Sliielc.  Il,ti,l  und  Tisch  SL. 

Scheint  uur  mit  m  erweitertes  Iluppelin  (s.  d.);  vgl. 
trajijien  und  tramjicn. 

Humpele"  s.  Hind-Beri. 


STi. 


b  'hiimple":  schluchzen,  schluchzend  weinen  GRPr. ; 


IV 


S.  ,hü»ipeln',  abgebrochen  weinen,  bei  Or.  (v 
1909),  der  es  zu  ,himpern,  himmern',  wichern,  zieht.  Es 
könnte  aber  auch  ganz  wohl  zu  hümpen,  hinken,  gehören  und 
das  stoss*eise  Weinen  ausdrücken. 


.Hampfel  m.'.  Hampfole"  B;  L;  S;Ndw,  Ham- 
pfule"  W  (Diiii.  Hawpfulm.  Hampfle"  Aa;  Ap;  Bs; 
Gl;  Gr;  G;  Seil;  Sciiw  ;  Tii;  UwE.;  Zg;  Z  (Dim.  Häm- 
pfeli)  f.:  1.  eine  Hand  voll  (seltener  beide  hohle 
Hände  voll),  matürlich  nur  von  trockenen  Dingen,  ausser 
im  Rätsel  von  der  Weintraube:  Es  göt  e  Jumpfer  über 
de"  Bin",  si  het  e  H.  rote"  Wi",  öni  G'schirr  und  öni 
Glas:  sind  so  guet  und  rötet  das!  Aa.  Meist  zur  Be- 
zeichnung eines  gewissen  Quantums  und  zwar  etwa 
in  folgender  absteigenden  Reihenfolge:  Arfel,  Gauflen, 
H.,  Täpli,  Prisen.  E  H.  Heu,  wenig  Heu.  E  H. 
Salz,  so  viel  gewöhnlich  auf  einmal  einer  Kuh  in  den 
Mund  geschoben  wird  ZS.  S.  auch  Glufen  Sp.  608. 
Z'  hampfleieis,  ganze  Hände  voll.  We''"-men-e  z' 
hampflewls  git,  so  steled  s'  Ei"'m  Seck  voll  ZWthur 
(Schwzd.).  D'  Här  z'  hampfleieis  üszere",  g'rad  wie 
Gartechressi.  ebd.  Auch  uneig. :  Es  falled  ganz  Hampfle 
Nacht  abe;  es  nachtet  s' hampfleu-ls  Z,  es  nachtet  ganz 
Hampfle"  Aa,  von  schnell  einbrechender  Dunkelheit. 
Besser  es  Hämpfeli  Gunst,  a's  e  Chratte  voll  G'reditig- 
keit  S,  als  e  Sack  voll  Clmnst  L;  es  Hämpfeli  Gunst 
ist  me"  wert  u-eder  es  Viertel  Recht  Z.  e  Hampfeie 
Gwalt  bringt  's  wUer  als  e  Sack  voll  Recht  L;  s.  noch 
Arfel  Bd  I  443.  Im  Bes.  bezeichnet  H.  einen  Bund 
Hanf  oder  Flachs,,  so  viel  ungefähr  mit  der  Hand  zu 


1303 


Haiii]tt'— liuiiipt.    Hains— liniiis.    llamscli 


isoh 


umfassen  ist  Ndw;  beim  Getreideschiiciden  bilden 
2 — 3  S.  eine  Sammleten  Z,  3  Hämpfeli  machen  eine 
Hampflen  G.  Vgl.  noch  Hufen  (Sp.  1044).  Wie  glitzred 
die  Sichle!  nu,  haued  brav  drV  und  leged  die  Hampfle 
zun  Sammlete  hi'.  KMey.  1860.  Auf  Menschen  übertr. : 
eine  sehr  kleine  Person.  Si  ist  mV  so  es  Hämpfeli  Z. 
,üas  yerschinnene  Hämpfeli  [unscheinbare,  unansehn- 
liche Frauenspersönchen]  kam  ihm  gar  unappetitlich 
Tor.'    GoTTH.     ,Ein   hampflen   böser  bueben.'    HBull. 

1530.  ,Der  mit  seinem  griff  die  handvollen  abhauwet' 

1531,  Jes.;  =  ,wenn  sein  Arm  Ähren  abmäht'  Z  Bib. 
1882.  ,Ein  Hänffelein  Häller.'  JJUlr.  1727.  —  2.  Griff, 
Handhabe;  am  Degen  Schw;  an  einer  Bahre,  einem 
Schubkarren  ZWäd.;  Syn.  Handhebi;  an  der  Sense, 
der  Griff  am  Ende  für  die  linke  Hand  „Schw;  U;" 
UwE.;  Syn.  Hammen,  Schivibelen. 

Tgl.  noch  hand-voU  Bd  I  781.  Die  Zss.  wird  wie  in 
Arfel  (Bd  I  443)  und  Mtimp/d  [Mundvoll]  nicht  mehr  ge- 
fühlt, so  dass  das  W.  anf  gleiche  Linie  zu  stehen  kommt  wie 
die  synn.  it.  manata,  frz.  poiynee;  vgl.  auch  lat.  mani-pulus. 
Die  unverkürzte  Form  der  Bibel  von  1531  ist  wohl  nur  als 
gelehrte  Schreibung  zu  taxieren.  Das  Masc.  Hampfd  ist, 
wenn  richtig,  als  Analogiebildung  nach  Arfd  und  Mumpfd 
zu  erklären. 

Flachs-Hampfele":  Büschel  Flachses,  wie  er 
gebunden  aus  der  Breche  kommt  „B;  L;"  Nnw;  vgl. 
Hampfeien  1. 

Glücks-Hämpfeli:  der  Ährenbüschel,  welcher 
unter  feierlichen  Gebräuchen  zuletzt  geschnitten  wird. 
In  S  wurde  derselbe  nachher  in  der  Stube  des  Bauers 
hinter  das  Crucifix  gesteckt  oder  mit  Blumen  udgl. 
verziert  am  Maria  Himmelfahrtstage  in  der  Kirche  ge- 
segnet und  dann  unter  das  Saatgut  gemengt.  S.  BWtss 
1863,  193.  In  BsBirs.  wurden  auf  dem  letzten  Acker 
des  Bauern  9  der  schönsten  Ähren  stehen  gelassen. 
Zu  denselben  begab  sich  das  ganze  Geschnitt  und 
betete  knieend  5  Vaterunser  und  den  Glauben.  Hierauf 
schnitt  das  Jüngste  die  9  Ähren  in  3  Malen  mit  Aus- 
sprechung der  3  höchsten  Namen  ab.  Gewöhnlich 
fand  es  ein  kleines  Geldstück,  welches  der  Hausvater 
zu  den  Halmen  gelegt  hatte.  Die  Schnitterinnen  um- 
wanden hierauf  das  Gl.  mit  Blumen,  brachten  es  dem 
Hausherrn  (oder  der  Bäuerin),  welcher  mit  einem 
kleinen  Geldgeschenk  erwiederte.  Am  nun  folgenden 
Erntefest  wurde  das  geschmückte  Gl.  auf  den  Tisch 
gestellt,  nachher  beim  Crucifix  aufgehängt.  Nach 
Suterm.,  der  diesen  Gebrauch  auch  noch  aus  Aa  und 
Z  kennen  will,  wurde  das  Gl.  auch  im  Kamin  oder 
hinterm  Spiegel  aufbewahrt,  um  das  Haus  gegen  Un- 
gewitter  zu  schützen,  und  nach  Jahresfrist  verbrannt, 
niemals  aber  weggeworfen.  B'  Sichelhenki  chunnt,  und 
an  der  Wand,  in  der  Stube*  hangt  's  Gl,  chfnistU''' 
verziert,  mit  Binzen  un''  Goldschüm,  mit  eme"  schöne' 
Spruch,  im  Chranz  vW  silbrigen  Äri.  Allem.  1843. 
Synn.  s.  bei  Fuchs  u.  Glücks-Halm.  Vgl.  auch  Glücks- 
Häfeli,  -Hübli.  —  Über  die  myth.  Bed.  des  Gebrauches 
s.   Gr.  Myth.   140  f.,  Mannh.,  Baumk.   213. 

Sür-Hampf(e)le"  Aa;  Gh;  Sch;  Z  =  Sur-Am- 
pferen  1  (Bd  I  240). 

Die  Anlehnung  an  Hampflen  war  um  so  leichter,  als 
dieses  Kraut  von  den  Kindern  wirklich  handvollweise  ab- 
gepflückt und  gegessen  wird. 

hampf(e)le'':  1.  eine  Hand  voll  nehmen,  mit  der 
Hand  umfassen  Ap  ;  B;  Gr;  G;  Schw;  Uw;  W;  Z. 
Chriesi  uss-ere'  Zeine'  üseer  h.  Gr.   Er  häd  nid  nu'' 


e  2)är  Niiss  gnü :  er  hat  grad  g'hampflet.  ebd.  Magst 
de'  Stei"  g'hampfle'?  Schw;  Z.  Spec.  so  melken,  dass 
man  mit  der  ganzen  Hand  die  Zitze  umfasst  ApK.; 
Gegs.  chnödlen.  —  2.  mit  beiden  Händen  anpacken, 
bes.  beim  Schwingen  BO.;  W.  Schi  heint  enandre' 
fergiiet  g'hampfulot,  kräftig  gepackt  W.  Tue-mi"'' 
nid  eso  h.,  z.  B.  beim  Tanze  derb  anfassen  BBe.  — 
3.  (Dim.)  hämpfele"  B;  Gr;  Schw;  Uw;  Z.  B'  Chind 
tuend  Salz  uss-ere  Trücke  usser  h.  Gr.  De"  Häuf  h., 
den  Hanf  in  handgerechte  (mit  der  Hand  umfassbare) 
Büschel  zerteilen  SchwMuo.  .Eine  Jedere  drückt  mir 
[beim  Fortgehen]  noch  Silber  in  die  Hand,  so  viel 
sie   h.  kann.'    GotTH.    —    Vgl.  nrßen,  ärfrhn  Bd    I   444. 

um-:  mit  beiden  Händen  umfassen  Z.  Me' chönnt- 
si  u.,  sie  hat  eine  wespenartige  Taille. 

„er-",  -g'hampfle"  Bs,  -g'hampfle'  Bs  (Spreng), 
-g'hämpfele"  S,  -h'hampfle"  ZS. :  mit  der  Hand,  den 
Händen  umfassen  Bs;  S;  ,in  die  Faust  fassen,  so  dass 
sie  voll  wird,  in  beide  Hände  packen,  was  sie  fassen 
mögen.'  Spreng.  -  Die  Form  mit  ge-  wohl  nur  mit  dem 
Hiilfsvb.   mögen. 

Hampflete"  f.  =  Hampflen  1  Ap;  Gr;  W;  Z; 
vgl.  Arfleten,  Gaufleten,  Sammleten. 

Sür-Hämpflete-  =  Sür-Hampften  BLaufent. 

(g")hanipflig,  meist  g'hä-:  die  Hand  füllend, 
mit  einer  Hand  umfassbar.  allg.  E  g'h-i  Ruete",  ein 
tüchtiger  Büschel  Birkenruten  zum  Züchtigen  der 
Kinder.  En  (g')h-e  Stei",  faustgrosser  Stein  =  gr. 
Xtd-os  x^'PO'^'-'l^'iS-  ^^^S-  G'h-i  Schlier,  Scheiter  von 
gehöriger  Dicke  Z,  e  g'hampfligi  Wurst,  eine  dicke  W. 
L  (Ineichen)  ;  e  g'hämpflige  Lug,  handgreifliche  Lüge, 
ebd.  ,Die  Glarner  wurfend  mit  hämpflichen  steinen.' 
1388,  Lied.  ,In  den  nächsten  4  Tagen  soll  in  jedes 
an  der  Ringmauer  der  Stadt  liegende  Haus  eine  gute 
Fahrladung  hämpfliger  Steine  oben  in  das  Haus  ge- 
schafft werden  [bei  Befürchtung  eines  feindlichen 
Überfalls].'  1531,  Püp.  Prauenf.  ,Pugillaris,  hempflig 
oder  einer  faust  gross.'  Fris.;  Mal.  ,Ein  par  gross 
hempflig  stein  [habe  jeder  Zürcher  bei  Kappel  1531 
geworfen].'  1583,  L  (Gfd).  .Hauptmann  Schick  von 
Uri  erwitscht  einen  händflichten  Stein.'  Grasser  1625. 
,Wer  seinen  Nächsten  wirft  mit  einem  hämpfligen 
Stein,  derselbe  ist  ein  Todtschläger.'  Lindinner  1733. 

(g')hampfli°ge"  L;  ZHörnli,  hämpfli"ge>'  Gr; 
UwE.,  g'hämpfli-'ge"'  L;  Z,  z'  hämpfli'ge"  S: 
Adv.,  mit  voller  Hand  (z.  B.  Etw.  fassen),  bes.  g'h.  mel- 
ken =  hampfeien  1;  Gegs.  chnödli'gen;  vgl.  dümli''gen. 

Hampfere"  s.  Ampferen. 

Hampfez,  Hampfis  s.  Hanen-Fness. 


Humsle°  f.:   Ohrfeige  BsLd;  Syn.  Hummen. 
Wohl  zum  Vb.  ,humsen'  (Gr.  WB.),  welches  wie  ,huii 
ummen,  sausen  bedeutet. 


aber-hämsch  s.  aberhämisch  Bd  I  41. 

heimsch  s.  heimisch. 

heimsche":  \.  =  heimen'B;  Gr;  GO.,Rh.;  SchwE. 
Es  ist  recht  schämli'''  [beschämend],  e  sötte  [einen  sol- 
chen] Chram  z'  h.  GRPr.  (Schwzd.).  Der  Pur  hed 
schins  [sein]  Chüeli  wider  h.  chönne",   die   entführte 


1305 


Ha 


1— liHiiiscli.     Ilainsf- 


Kuh  wiedei'  zu  sich  nehmen  können  GrI).  Einstecken, 
auf  sieh  beziehen,  z.  B.  eine  injuriöse  Behauptung, 
Anspielung  GrD.  Ch(f"st  's  h.  oder  nit,  grad  u-ie  d' 
Witt!  Auch:  als  Kind  aufnehmen,  ohne  geradezu  zu 
adoptieren  Gr.  .Weiler  aber  hund  geheimschet  hat. 
die  nit  syn  sind,  der  soll's  vom  land  schaffen.'  c.  1480. 
Obw.  ,Vatter  und  mueter  mögent  das  [entführte]  kind 
wider  h.'  1564,  GWesen  Stadtb.  —  2.  Jmdn  als  be- 
kannt anreden,  behandeln;  freundlich  tun  GRh.,  sich 
heimisch  machen  SchwE.;  vgl.  heimelen. 

Das  ach  ist  als  Vergrüberung  von  «  zu  betrachten;  vgl. 
den  Art.   Gern»;    weniger    wahrsch.   ist  Abi.  von  heiin(tj«ch. 

i°-  U,  -heimse"  AxB.;  B:  1.  einheimsen,  ein- 
sammeln. aaOO.  —  2.  (rofl.)  sieh  einheimisch  machen. 
.Inwohner  der  Gegne,  die  sich  an  disem  Ort  inge- 
heimschet  und  gehuset.'  RCvs. 

he-:  1.  =  hei7nschen  1.  ,Dass  einer  einen  frömden 
hund  zuezuge,  den  bcheimschete  und  jm  zue  essen 
gäbe.'  1520/44,  Schw  LB.  ,Wenn  ein  Baur  dem  einen 
sein  Sach  auf  des  andern  Gut  tragt,  mag's  der  erste 
widerum  b.  und  zu  Händen  nehmen.'  1720,  U.  — 
2.  refl.,  heimisch,  vertraut  werden.  ,Dass  solche  Hord- 
männlin  sich  zu  andren  Menschen  beheimschet  und 
sich  so  zam  erzeigt.'  RCvs. 


Hamster  s.  Korn-Ferli  Bd  I  921. 
ver-hamstere°:  verprassen,  verzehren  Bs. 
Vom  Treiben  des  Hamalem  entlehnt,    der  seine  Yorr.ite 
evzehrt;  vgl.   .hamstern',  ,ein-h.',  bei   Gr.  WB. 
Hamsterer  m. :  starker  Esser  Bs. 


wol-ge-heimt:  wohl  vertraut,  eng  befreundet. 
,Ein  priester,  des  bischofs  wolgeheimpter.'  Würstisen 
1580.     S.  (u-ol-)ge-heim. 

Himteni  s.  Hind-Beri. 


Hau,  hen,  hin,  hon,  hun,  bzw.  hann  usw. 

han  s.  haben. 

Haii(e")  I  (Dira.  Hani  I  GrD.;  W,  Häneli  B;  S, 
Haneli  Gr,  Hanemli  Gr  ObS.)  m.:  1.  Haushahri  B; 
Gr;  L;  Ndw;  Syn.  Güggel,  Gvl,  Gulli.  Chräje'  tvie 
ne  H.,  jubeln,  laut  seine  Lustigkeit  äussern  B;  sich 
were'  wie  ne  H.,  tapfer,  ebd.  Vfspringe'  a's  u-ie  en 
sexchrüzrige  H.,  leicht  aufbrausen,  zornig  werden 
GfiRbw.  E'  jiinge^  Hän  (Güggel)  muess  der  alt  nid 
chräje'  lere'  L  (Ineichen).  Wo  der  Hän  gaxet  und 
das  Huen  chräit,  do  göd  's  im  Hiis  verdrüit.  ebd.  E' 
guete''  Hän  ist  nid  feiss!  zunächst  vom  Ehemann; 
dann  von  jedem  fleissigen  Arbeiter  B.  Der  (best)  H. 
im  Chorb  (ühratte'J  st-,  wie  nhd.  (s.  Gr.  WB.  IV  2, 
162)  B;  S;  vgl.  noch  Hennen.  Er  meint,  er  sei  H. 
oben  im  Chorb.  Sülger;  vgl.  Hans  oben  im  Bor  f. 
Welsch  Han  s.  Gulligü  Sp.  221.  Hahn  auf  dem  Kirch 
türm  Gr.  Warum  ist  e"  H.  uf-em  Chilcheturn  und 
nid  en  Henne'?  Antw.:  Weil  die  Weiber  tot  fallen 
würden,  wenn  sie  der  Henne  das  Ei  greifen  wollten 
GrD.  Hieher  das  Hanen-Kilchli  GLObst.?  Das  Hani- 
oder   flenni  -  Abfressen,   ein    Kinderspiel,    wobei   der 


Fuciis  das  letzte  der  hinter  einander  gereihten  Kinder, 
welches  er  zu  rauben  sucht,  fragt:  Bist  du  es  Hani 
oder  es  Henni?  W.  Vgl.  die  Synn.  bei  Güggel  Sp.  192. 
Über  das  Schlagen  nach  einem  wirklichen  Hahn  als 
Spiel  beim  Erntefest  s.  Rochh.  1857,  447;  auch  231; 
und  unter  Gul  Sp.  220.  ,Merishalden  guot  het  nit  me 
wunn  und  wcid  zuo  uns  denn  mit  einer  katzen  und 
mit  einem  bannen  und  als  ver  man  inen  gan  [gönnt].' 
1510,  ZBül.  Offn.  S.  auch  für-gän  Sp.  29.  ,An  hanen 
und  gücklen.'  Fris.  ,Es  hat  [es]  allhie  nit  wellen 
tuen  mit  zweien  Pfifferen  in  einem  Würtshus  oder 
zweien  Hanen  uf  einem  Mist  oder  in  einem  Hüener- 
hus;  dahar  die  Augustiner  den  Franciscanern  muessen 
wychen.'  JJRüeg.  1606.  ,Mit  roten  Hauen  [Hausanzün- 
den] drohen.'  Bs  Bettelordn.  1727.  Zur  Symbolik  des 
Hahnes  übh.  vgl.  Roobh.  1857,  228  f.;  über  denselben, 
neben  Hund  und  Katze  als  Merkmal  menschlicher 
Wohnung  und  Haushaltung  Wackern.,  Kl.  Sehr.  III  78. 
—  2.  übertr.  a)  (nur  in  der  Form  Hüne"  m.,  Häni  n.) 
Fasshahn,  Hohlzapfen  mit  drehbarem  Verschluss  (Güg- 
gelij,  um  Flüssigkeit  aus  einem  Pass  oder  andern  Ge- 
fäss  abzuziehen,  allg.  Me'  muess  bim  H.  sl',  bildl., 
zunächst  an  der  Quelle,  um  irgend  einen  Gewinn, 
Erfolg  zu  haben  Z;  Syn.  Anrichti.  Häne',  Zapfe', 
Sechtröre'!  Stutz  (Ruf  des  Hausierers).  Witt  di' 
Durst  stille',  so  ßndst  all  Viertelstund  es  Fass  und  's 
Häni  drä",  dich  z'  fülle:  Heng.  1836.  De'  Chopf 
miiesse  ander  's  Häni  ha",  herhalten,  an  den  Tanz 
müssen  Z  (scheint  sich  auf  die  Brunnenröhre  zu  be- 
ziehen; vgl.  .Einem  den  Kopf  waschen').  Und  er 's 
Häni  ligge',  direkt  vom  Fass  trinken,  zur  Bezeichnung 
eines  sehr  hohen  Grades  von  Trunksucht  ZS.  ,Das 
häne  oder  zapf  an  fassen  oder  andern  dingen,  epi- 
stomium.'  Mal.  ,10  ß  umb  ein  hänli  an  das  giessfass 
in  der  stuben  und  das  ynzelöten.'  1578,  ZGrün.  .Ein 
Brunnenstock,  daran  ein  Hänen,  Wasser  zu  ir  Not- 
wendigkeit zu  reichen  [holen].'  1657,  SchwE.  Kloster- 
arch.  ,Dera  Kantengiesser  um  ein  Hänli  au  dem  Hand- 
giessli  8  ß.'  1692,  Tageb.  Zuber.  ,Er  muss  den  Kopf 
unter  das  Häni  haben,  in  ipsura  cuditur  faba.'  Met. 
Hort.  1692.  So  liyy  grad  gar  under-e  Hanen.  JCWeis- 
sENB.  1702.  .Weil  laufet  der  Hannen,  so  trinket  zu- 
sammen.' ebd.  ,Gebt  mir  do  auch  Einen  z'  süffen 
annen!  Am  Brunnen  dorten  steht  der  Hanen.'  ebd. 
,Der  König  Balak  hat  sich  geförchtet,  dass  er  den 
Kopf  unter  das  Häni  haben  und  ausgereutet  werden 
müsste.'  AKlingl.  1704.  —  b)  Gewehrhahn.  allg. 
Spanterhan  mache',  ruhig  zusehen  ZLunn.;  Syn.  .Ge- 
wehr beim  Fuss',  von  dem  alten  militärischen  Com- 
mando  .spannt  der  [den]  H.'  Me'  cha"  icz  nüd  alliwil 
Sp.  »!.,  man  muss  jetzt  einmal  den  Ernst  zeigen.  — 
c)  Hane  (PL),  die  nur  noch  an  einem  Ende  an  einem 
Scheite  hängenden  Späne  zum  Feuermachen,  welche 
mit  dem  Messer  quirlförniig  hinter  einander  ausge- 
schnitten werden  GrD.  —  d)  Kerbe  auf  dem  Wage- 
balken einer  Bolzwage,  10  Pfd  bezeichnend  GkD.  — 
e)  Häneli  =  Hennen- Füessli  5  (Bd  I  1092)  BM.,  S. 
S.  aber  auch  u.  Hennen.  —  f)  Hane"  UwBeck.,  Händli 
UwStanz,  Lerchensporn,  corydalis  cava.  —  3.  Ha- 
nemli, Hanemli,  Wiesel  GfiObS.  Syn.  Hälmji,  Häremji. 
Mhd.  hane.  Für  Mehreres  vgl.  man  den  Art.  Güggel 
Sp.  192.  Das  z.  T.  nur  noch  in  B;  Gr  und  W  in  Bed.  I 
volkstümliche  W.  war,  wie  Bed.  2,  sowie  die  historischen 
Belege  von  1  nnd  bes.  die  Zss.  beweisen,  einst  allg.  herr- 
I  sehend,  bis  das  edlere  W.  nach  und  nach  von  Güggel,  der  vox 


lon,  hüll 


1308 


rustica,  verdrängt  wurde,  wie  z.  B.  in  den  roman.  Sprachen 
equua  von  cahallus,  feUn  von  catus,  caput  von  testa  ii.  a.  Als 
Bergn.  ist  viell.  auch  Uoch-Üan,  ein  Gipfel  in  den  Ap  Alpen, 
hieher  gehörig  und  dann  Güggel  IQ  zu  vgl.,  sowie  cresta,  crete, 
Chamhe'  als  Bfziii.hmingen  für  Berge.  —  Zu  2  d  vgl.  engl. 
coch,  Kcrlic  an  i-iuem  Pfeil.  —  3  wohl  nur  eine  auf  sinnloser 
Anlehnung    beruhende  Spielform    zu   den  angeführten  Synn. 

Ur-  Gr;  L;  G  1799;  ScHW;  S;  U,  Orl-,  Orli- 
ScHwE.,  Horli-  L,  Url-Han  GA„  Wes.  (Alp.  1827): 
Auerhahn,  totrao  urogallus.  ,[I)er  aus  der  Fremde 
heimgekehrte  Sehneider]  spricht  wie  ein  H.,  hat  Klei- 
der wie  ein  Narr.'  LKInderbitzi  1826.  ,Orhanen'  (PI.). 
HvRüTE  1546;  ebenso  XVI.,  Gl.  ,Die  grossen  fasanen 
auf  den  bergen,  die  man  auch  orhancn  nennet.'  LLav. 
1582.  ,Ein  Pusch  Uhrhancn-Fedor.'  Grässer  1625. 
,Sin  Brüeder  habe  vor  ungefähr  .36  Jahren  am  Tö.ss- 
stock  ein  Uhrhan  geschossen,  da  habe  er  nicht  ge- 
wusst,  welcher  Oberkeit  solcher  als  ein  Hochgewild 
gehöre.'  1761,  Z  Staatsarch.  -  Z.  T.  Anlehnung  an  orUn 
Bd  I  451. 

Fass-:  Fasan.  ,Birghüner,  Anrhanen,  Fasshanen', 
Geflügel,  welches  an  Hochzeitsmählern  verboten  ist. 
G  Mand.  1611.  —  Versuch  einer  Volksetymologie  an  einem 
Fremdw.,  der  aber  nicht  durchdrang. 

Gugel-:  1.  Haushahn  Ap  (-HäJ;  G  1799;  Ndw. 
Der  G.  schlackt  d'  Tromvie'  ond  d'  Henne"  giimpkl 
omme"  Ap  Volksreim.  , Welcher  der"  von  Landenberg 
zehenden  innhat,  der  soll  den«"  von  Mülheimb  ein 
g.  haben.'  TuMüllh.  Offn.  ,Zerkerft  wie  ein  Kämmen 
eines  Gugelhanen.'  JLCys.  1661.  ,Er  spreusst  sich 
heftig  wie  ein  G.,  cristas  tollit,  erigit.'  Mey.  Hort. 
1692.  -  2.  =  Ur-Han  „VO;"  LE. 

Vgl.  Gu(jd  I  (Sp.  155).  Viell.  ist  auch  an  Öu^rf  //  zu 
denken,  so  dass  die  Bed.   ,gallus  cristatus'  sich  ergäbe. 

Güggel-:  Haushahn  GMarb.  (-Hä'J.  ,Dises  tier 
hat  ein  grosse  forcht  ab  dem  gugelhanen  und  seinem 
geschrei,  dass  es  von  seinem  kamben  und  gesang 
ganz  erstaunet.'  Tierb.  1563.  ~  Vgl.  das  eig.  identische, 
ebf.   tautologisch  gebildete  nhd.   ,Göckelhahn'. 

Gold-Häneli  =  Gold- Eämmerli  (Bd  I  218)  B. 
—  Garten-Han:  Gartenzehnten,  urspr.  bestehend  in 
einem  Hahn.  Arg.  III  149.  Vgl.  Güggel  Sp.  192  und 
Güggel-  und  Hanen-Gelt. 

Gitzi-Häneli:  Zicklein  BSa. 

Vgl.  Kom-Firli,  Merzen-,  Werr-FülU,  als  Beispiele  von 
ähnlichen  Übertragungen,  sowie  lat.  pullvs,  sowohl  .Hühn- 
chen' als   .Füllen' ;  s.   aber  auch   Henne"  3. 

Grigel-Han:  Birkhahn,  fetrao  tetrix,  „crygallus" 
L.  Vgl.  Schüt-H.  ,Von  dem  Grügelhanen,  grygallus 
major.'  Vogelb.  1557.  ,Grigel-Han.'  JJWaoN.  1680; 
JJScheuchz.  1699. 

Der  lat.  N.  aus  dem  deutschen  konstruiert,  wie  urogallus. 
Zu  Grunde  liegt  wohl  ,krigeln',  heiser  reden,  aus  dickem 
Halse  rasseln  (Gr.  WB.),  von  der  balzenden  Stimme  dieser 
Vögel;  vgl.  ,die  GrUgel',  Auerhenne,  ebd.  Oken  nennt  die 
Henne  des  Auerhahns  ,Grügelhuhn'. 

Heu-Hane":  ländlicher  Schmaus  am  Schluss  der 
Heuernte  AaF.  .Nur  in  alle  Wege  bleib  der  Sichel- 
lege- und  Heuhahnenschmaus  (wo  wir  Herren  Knaben 
auch  ein  Teilchen  haben)  absolut  nicht  aus.'  Z  Neuj. 
Mus.  1792.  y^\.Krä-Hanen.  —  Haupt-:  Führer  von 
Freischaaren,  Rädelsführer.  1514,  Absch.  —  Herbst- 
Han.  , Einem  vogt  soll  von  ieklicher  husröiki  järlich 
werden  ein  h.  und  ze  fasnacht  soll  man  jm  geben 
ein  hennen.'  XV.,  ZMeil.  Vgl.  Zechend- Güggel.  — 
Horli-  s.  Ur-H. 


Keibe»-Häueli:  abgemagerte  Hähnchen  im  Gegs. 
zu  ,Häneli  wie  Kapüneli.'  Gotth.  —  Keih,  Aas. 

Chrit-Han:  Wiedehopf,  iipupa  epöps  B;  S; '  ,So 
ein  Bauer  habe  einen  Hochmut  wie  ein  Kothahne.' 
Gotth.     ,Käthan.'  Mai,. 

Der  Name  des  Vogels  daher,  dass  er  sein  Nest  haupt- 
sächlich aus  Kuhmist  erstellt;  Syn.  .Dreckhahn'.  Gotth. 
bezieht  sich  auf  das  gravitätische  Ansehen,  das  er  sich  gibt. 

Kleb-Häneli:  Baum-Läufer, -Klette,  certhia  fam. 
„B";  Syn.  Xmer. 

Er  klettert  immer  an  Baumstämmen,  so  dass  er  bei  seineu 
kurzen  Füssen  an  denselben  zu  kleben  scheint;  frz.  grim]>ereau. 

Krä-(H)ane°:  Festschmaus,  welchen  der  Bauer 
nach  Schluss  der  Ernte  seinen  Werkleuten  gibt,  so 
besonders  nach  der  Weinlese,  wobei  die  Nacht  mit 
allerlei  Ergötzlichkeiten,  derben  Spielen,  Vexierauf- 
gaben, neckischen  Mummereien  mit  Umzügen  von, 
Haus  zu  Haus  zugebracht  wird  ZS..  W. ;  auch  Schmaus 
mit  ähnlichen  Lustbarkeiten  zum  Schluss  der  Hcu- 
und  bes.  Getreide-  (in  ZO.  auch  Kartoffel-)  Ernte  Zg; 
Z  (vgl.  Heu-,  Schnitt-Han,  Sichel-Legi,  -LösiJ,  oder 
übh.  einer  wichtigern  ländlichen  Arbeit,  wie  z.  B.  das 
Griiehen,  Dreschen  „Schw;  Zg;  Z"  (Syn.  Gruebcr-Mal, 
Flegel-HenliJ ;  auch  nach  Beendigung  einer  Baute 
,ScHW;  Zg;  Z".  Weiter  übertragen  dann  auch:  das 
letzte  Gericht  von  irgend  einem  Speisevorrat,  das 
letzte  Stück  eines  Waarenvorrats  Sch  ;  Th  ;  Z.  , Jeden 
Tag  Knöpfli,  am  Donnerstag  Suppe  und  Fleisch, .  am 
Krähane  Sjieck  und  Küechli,  Hammen  und  Wurst 
[hatten  die  Schnitter].'  Stütz.  Mir  händ  z'  Nacht 
g' essen  und  Zug  g'ha',  wie-n-ame  Chrähanne'.  ebd. 
,Die  Sichellege  ist  das  Schlussfest  nach  der  Ernte, 
sowie  der  Heuhahnenschmaus  nach  abgeschnittenem 
Gras  und  der  Krähhahnen  nach  eingesammelten  Trau- 
ben gefeiret  wird;  je  ergibiger  die  Ernte,  desto  freu- 
diger das  Fest,  wozu  die  Anwesenheit  von  Stadtleuten 
und  derselben  Generositäten  ein  Merkliches  beitragen.' 
Z  Neuj.  M.  1792.  ,Für  meine  übervoll  Heudille  am 
Krähan  gab  es  Wein  die  Fülle.'  HSulz.  1828.  , Sichel- 
legge, schnitterfröudenraal,  wenn  sy  die  sichlon  hin- 
leggend  und  abgeschnitten  habend,  man  ni?nnt's  auch 
den  kräyhanen.'  Max.  .Es  [istj  der.  g'mcin  brairch 
bin  Israeleren  g'wesen,  wenn  sy  ihre  schaaf  beschoren, 
das'  sy  herrliche  niäler  gehalten.  Wie  bei  uns  der 
bruch  ist,  das"  man  nach  der  ernd  den  schnitteren 
und  anderen  die  sichellege  oder  wie  man's  anderschwo 
nennt,  den  krey-  oder  schnitthanen  gibt,  wenn  der 
herbst  hinüber  ist.'  LLav.  1582.  Ein  ,Krähanen'  nach 
vollendeter  Brückenreparatur.  1786,  Z  oGlati;  ebenso 
beim  Neubau  der  Brücke :  ,für  das  Aufriclitmal  23  fl. 
und  für  den  Kr.  11  fl.'  18'2.3,  ebd. 

Durch  die  Verflüchtigung  des  h  ist  der  zweiteT.  des 
W.  scheinbar  zur  blossen  Abi.  herabgesunken  und  die  Vöc- 
stellung  eines  Hahnes  so  sehr  aus  dem  jetzigen  Volksbewusst-' 
sein  geschwunden,  dass  vielmehr  das  wesentliche  Element  im' 
ersten  T.  gesucht  nnd  oft  vor  dem  Festschniaus  der  Haus- 
herr scherzw.  gefragt  wird,  ob  er  die  Krähe  schon  geschossen, 
oder  die  Hausfrau,  ob  sie  die  Krähe  in  Bereitschaft  habe. 
Immerhin  viell.  die  letzte  Spur  von  dem  einst  dabei  figu- 
rierenden Vogel,  dem  Hahne.  Wo  das  h  noch  festgehalten 
wird  und  somit  die  etyriiologische  Grundlage  des  aljten  W.. 
noch  vorhanden  ist,  wird  die  Benennung  entw.  von  dem 
unmittelbar  nach  beendigter  Weinlese  oder  firnte  stattfinden- 
den fröhlichen  .lauchzeu  (glchs.  Krähen)  der  Arbeiter  oder 
noch  häufiger  von  der  Dauer  des  Festschmauses  bis.  znitf 
Krähen  des  Hahns  gedeutet.     Sache  und  Bejtenuung.  geben 


hun 


1310 


aber  in  das  germanische  Altertum  zurück.  Der  Hahn,  auch 
Bild  der  Fruchtbarkeit,  war  urspr.  ein  dem  Gotte  Donar 
'gebrachtes  Opfer  (UJahn  1884,  61.  185/9),  welches  gemein- 
schaftlich verspeist  wurde.  Damit  verband  sich  das  Hahnen- 
Bchlagen  oder  -Werfen  (s.  (.'«?  77)  und  der  Hahnenfauz, 
(s.  Rochh.  1857,  231),  wobei  ein  Hahn  der  Preis  des  Wett- 
spieles war  (vgl.  Birl.  WB.  s.  v.  ,Han').  Hähne  wurden 
auch  geziust  und  zwar  gerade  im  Herbst  (s.  Herhtt-Hun); 
der  Hahn  niusste  aber  ein  gewisses  Alter  haben,  er  musste 
bereits  krähen,  d.  h.  nicht  zu  jimL'.  also  ein  .Kräh-Hahn' 
sein.  Vgl.  Gr.  Ki>lits-,\.  :'.7ii-.  ,lii  das  ,\r\\\>-  haus  einen 
'krähehan  zu  gebe u/  Wir  w.it  \.rl,i,it.i  ^nl.lir  \ri\veuduug 
'des  Hahnes  war,  li.w.ist  iln-  .S.  ImiU-'  in  Si  huaben,  der 
■,Saat-'  in  Baiern,  der  .Baut-'  in  Westfalen,  der  ,Arncn-' 
[Erntohahn]  in  Schlesw.-Holst.,  der  , Bohnen-' bei  den  Friesen 
nach  der  Bohnenernte,  anderswo  der  ,Weten  [Weizen]-Hahn', 
in  England  das  ,cock-throwing'.  Für  die  Schweiz  scheint 
unser  W.  seine  eigentliche  Heimat  am  ZSee  gehabt  und  sich 
.von  da  aus  weiter  verbreitet,  bzw.  tw.  die  Ausdrücke  tikhel- 
Legi,  -iosi  verdrängt  zu  haben.  Die  Übertragung  vom  Opfer- 
tier oder  dem  Hauptbestandteil  der  Lustbarkeit  auf  diese 
selber  bietet  keine  Schwierigkeit.  Manches,  wie  das  mit 
neckisclien  improvisierten  Ansprachen  verbundene  Herum- 
ziehen unter  Verkleidung  gemahnt  einigermassen  an  entspre- 
chende Vorgänge  bei  den  alten  Weinlesefesten  der  Griechen, 
der  Hahn  erinnert  an  den  Bock  des  Dionysos. 

Ernd-Chrä-:  Schlussraahl  nach  der  Kornernte, 
wobei  die  Kuclien  einen  Hauptbestandteil  bilden  Z 
Wettschw.  —  Heu-Chrä-:  das  Selbe  nach  der  Heu- 
ernte ZBär.  —  Tröscher-Chrä-:  das  Selbe  nach 
beendigter  Drescharbeit  ZBär. 

Laub-Han  Gl;  PPo.  (Löäp-);  V  (Laiip-J:  .^uer- 
hahn;  vgl.  Laub-Huen.  .Der  laubh.,  bromhan  oder 
kleiner  Orhan.'  Voüelb.  1567.  , Laubhan.  brumban, 
kleiner  bergfasan,  urogallus  miuor.'  Mal.;  JJWagn. 
,1680.  .  .Alles  gfügel  auf  den  bergen,  als  da  .sind  die 
grossen  fasanen,  die  man  auch  orliancu  und  dir  klei- 
nen, die  man  laubhanen  nennet,  die  s|iilliaiirii,  die 
haselhüener,  stein-,  schnee-  oder  berghüeiier  [usw.],- 
LLav.  1582. 

Eig.  das  Männchen  des  Birkhuhns,  tetrao  tetri.'c.  Hie 
Benennung  davon,  dass  der  Vogel  jnngus  Baumlauli  als 
Nahrung  liebt. 

Sür-Berg-Hiinneli.  E  G' sieht  mache',  2vie'sS. 
bim  Schieggmilch  trinke"  GÜ.  —  Scheint  eine  auf  einer 
lokalen  Anekdote  beruhende  Bildung  zu  sein. 

Bräm-Han :  =  Xauft-flaM.  ,Laub-  oder  Brom- 
Hanen.'  JJScheücbz.  1699.   -   BrSm  =  Knospe. 

Scliilt-:  Birkhahn  Gl. 

Etwa  vom  Berge  Schilt  bei  Gl?  denn  in  der  Gestalt  des 
Vogels  bietet  sich  nichts  Schildartiges,  ausser  etwa  der  über 
den  Augen  stehende  karmoisinrote  kahle  Fleck;  vgl.  Spiegel. 

Schnapp-:  1.  =  nhd.  Schw;  Z.  Syn.  Schnapper. 
—  "2.  eine  Art  Schiessgewehr.  ,Dass  die  Schützen 
nur  mit  Haggen,  d.  h.  langen  Kriegsrohren,  Schnapp- 
hanen  und  Hundsstricken  schiessen  sollten.'  1584, 
Absch.  — ■  B.  eine  gewisse  Münze.  .Resler  old  schn-en 
um  3  batzen.'  1549,  Gr  (Ztschr.  f.  schwz.  E.).  ,150  Kro- 
nen, '2  Taler,  24  Schn-en  und  9  Dicken.'  1562,  Absch. 
,Die  Doppelvierer,  Schn-en  und  Plappert  in  ihrem 
Wert.'  WuRSTisEN.  ,Er  trage  keine  Münz  by  im,  so 
veer  sy  im  aber  ein  Ross  oder  Schnapphanen  wölltind 
Wechslen,  wollte  er  gern  mit  inen  [den  Bettlern]  teilen. 
Bettind  sy,  er  wolle  sy  mit  disem  Schnapphanen  be- 
gaben.» JMal.  1593.  JVIünchsköpf,  Schn-en,  Taler.' 
FPlatt.  1612.  —  Schnitt-Hane"  s.  Krä-Hanm. 
Vgl.  auch  Güggel  9  Sp.  193.    —    Schnauz-:   junger 


,  Geck.  ,Ho,  ho,  das  sind  die  rechten 
schn-en.'  Holzwart  1571.  .Etliche  junge  Schnauz- 
hanen,  mehr  zum  Schlenzen  und  Müessiggang,  dann  zur 
Arbeit  geneigt.'  FHafn.  1666.  Vgl.  Moden-,  Spring- 
Giiggel.  —  Spil-:  wie  nhd.  BO.;  Gl;  Gr;  Syh. 
(Berg-)  Fasan  Bd  I  1054.  ,Von  dem  spilhanen.  In 
Schweizeralpen,  furaus  zuGlaris,  also  genannt'  Vogelb. 
1557.  —  Stoffel-:  .Stoppelhahn'  als  Abgabe  vom  Ge- 
treidefeld. ,4  kappunen,  l'/i  hüener,  31  stoffelhanen' 
zahlt  das  Dorf  AaMuiI  ans  Kloster  Muri.  1596,  Aa. 
,Zw8n  Stuffelhaneii.  ein  alts  Huen.'  1734,  LRusw. 
,Gesetz  betr.  den  Fiitterliaber,  die  Fasnachthühner 
und  Stuffeihahnen.'    1751,  Aa.     Vgl.  Ziichend-Güggel. 

—  Teil-:  grosser,  metallener  Hahn  einer  Wasser- 
leitung, vermittelst  dessen  dieselbe  nach  verschiedenen 
Richtungen  geteilt  wird  Z.  .Für  einen  niöschernen 
[messingenen]  Teilhanon  :'.i'  ti.-  17:11,  .\a  Schloss  Rued. 

—  Tschuppel-:  Hahn  mit  Federbiiscli  auf  dem  Kopf 
S  (Schild).  Lis  die  besten  Eier  drüs!  Tsch.,  Tschnppel- 
huen!  aus  einem  Spielreime  (s.  Schild  3,  27).  — 
Wald-:  1.  Auerhahn  GaPr.;  GA.,  Wes.  (nach  Alp. 
18'27);  W.  —  2.  s  .  WnhhGiui.irl  S|i,  195.  —  G«-walt-: 
ein  Gewalttätii;vr  t.i;l'i.:  \ul.  .K.iniiifliahn'.  —  Wi"-: 
Hahn  am  Weinfa>^  V...  ll;  /, ,  .,.  Il„„  Ja.  ,Der  Keller: 
Mein  Tracht  will  ich  [zum  Mahle]  bald  haben  grüst, 
d'  Weinhanen  nur  fein  wol  aufton  und  's  tapfer  ausser 
laufen  Ion.'  GGotth.  1599.  Hausname  in  ZStdt.  — 
Wetter-:  Hahn  als  Wetterprophet.  , Wenn  die  hauen 
zu  nacht  weiter,  dann  jr  gewonheit  ist,  kräjend,  be- 
deutend sy  ein  iinderung  des  wetters,  darumb  nennend 
die  unseren  den  einen  wijtterhanen.'  Vogelb.  1557. 

er-hanen:  sich  als  Hahn  erweisen,  benehmen; 
von  Küchlein,  welche  durch  Krähversuclie,  durch  das 
Hervorlji-eehen  des  Kammes  ihr  Geschlecht  bekunden. 
D'  lliiCHilli  sind  crhdnet,  auch  von  Hennen,  welche 
krähen  wie  Hahne  GitD.  Mil.ll,:  nicht  geistlich  werden. 
Der  ist  crhanct,  von  einem  Studenten,  der  statt  (ka- 
tholischer) Geistlicher  zu  werden,  heiratet  W. 

(un-)g"-hanet  =  (un-)gcgilgglet  BO. 

Han  11:  Johannes.  Doch  nur  als  erstes  Glied  von 
Doppelnamen:  Han  Jokeb,  H.  Badist  [Baptist],  H. 
Bartli  [Bartholome]  Ap;  H.  IJeli  [Ulrich]  Gr.  Vgl. 
noch  Han-Göl  Sp.  214,  H.-Gurri  Sp.  241  und  das 
Syn.  Jan.  ,Hanman  Buchser,  undervogt  ze  Baden.' 
1402,  Aa  Urk.,  wozu  man  ,Hansenman',  ebf.  Vorname, 
vergleiche. 

Ob  der  Geschlerhtsn.  llaiilu)  1519  Z,  1524/160-3  GRh., 
auf  dem  Taufn.  od,  dem  Tiern,  beruhe,  mag  unerörtert  bleiben. 

Hännagg  m.:  1.  dnimmT.  blöder,  wunderlicher 
Mensch  AaF.,  S.;  Z.  —  _',  \'eniiuiiiiiilei ,  l'.istnachts- 
narr  AASt.  Gaukler,  I'.i..,.eiirei,,.er  A.\\\<ilil.  Meinst 
du,  i"'  sei  e  H.,  dl"  H.^  -  :j.  niissbuUebiger,  ver- 
wünschter Mensch  Aa;  Bs.  —  4.  eine  Art  Tanz,  der 
bei  bäuerlichen  Lustbarkeiten  den  Schluss  bildete 
AAWohl.f  Mer  wachid  jrt.-f  no'>-  de'  H.  —  5.  (auch 
Hannäch)  Ansässe  ZW.  -  Hannäggeti  f.:  geringe 
Waare,  etwas  Kleines,    l'iilie.leutendes  GO. 

Mit  Ausnahme  vuu  I  kaiiiii  aus  dem  Namen  des  mähr. 
Stammes  der  Hannaken,  die  als  Mausfallenhändler  allerdings 
auch  zu  uns  kommen  und  wegen  ihrer  fremden  Sprache  und 
ihrer.  Zudringlichkeit  wohl  die  Veranlassung  zu  Bed.  1  u.  3 
hätten  geben  können,  die  aber  unseres  Wissens  weder  jetzt 
noch  früher  auf  unserm  Sprachgebiet  unter  diesem  Namen 
bekannt  waren;  eher  einer  der  zahlreichen  appellativ  ge- 
brauchten  Taufnameu    und    zwar  Han^Jagy,    wie   die  Form 


hon, 


13 


Hanogg(el)  aus  Hans  Joytjtel).  Vgl.  HannävtjgeL  —  Bed.  5 
beruht  auf  Verwechslung  des  Wortes  Hnm-Mauch  mit  dem 
vorliegenden. 

Häiinäuggel  m.:  1.  auch  Hanogg  (mit  schwanken- 
der Betonung)  ZO.,  Hanögg  kiS,.;  ZO.,  Hännöggel  ZO., 
Hihinöggi  ZO.,  Hanopp  Z,  Ilanoppel(i)  ZHombr., 
Hanoppi  ÄAHolderb.;  Bs;  ZLunn.,  zsgs.  Taufn.,  Hans 
Jakob  Aa;  Bs;  Z.  —  2.  auch  Hanoggel  TflSteckb.  C-Ö-J; 
ZO.,  Hanöggi  ZO.,  einfältiger  Mensch,  Einer,  der  in 
den  Tag  hinein  lebt  Th;  Z.  Syn.  Han-Göl,  -Gurri. 
Verächtlicher  Kerl  Z.  —  .3.  eine  geringe,  übelriechende 
Sorte  Tabak  Z.  .Mancher  benutzte  die  Feuersbrunst, 
um  den  Hanäuggel  in  seiner  Stumpenpfeife  anzu- 
zünden.' Z  Kai.  1804. 

Die  Formen  mit  ö  heriihen  auf  der  Namensform  Jögyi, 
A'liggi;  äu  dagegen  auf  Anlehnung  an  Gäiujgel.  Vgl.  noch 
Haiinägg.  3  ist  eine  Anlehnung,  mit  heahsichtigter  Verächt- 
lichkeit,  an   .Hanauer',    wie  die  Sorte  ebf.   und  eig.   heisst. 

Hanneich,  -eigg  m.:  1.  zsges.  Taufn.,  Hans 
Heinrich  ZO.  —  2.  einfältiger  Mensch,  ebd.  —  Zu 
den   Fornieu  vgl.   Ilcich,  Ifeiggel  =  Heinrich. 

Hannel  ScuwE.;  SBb.,  Hä-  AaHI.;  L;  SchwE.: 
1.  Johannes.  aaOO.  —  2.  Johanna  SchwE. 

Hannes,  Hannis  Aa;  Ap;  Gr;  G;  Schw;  S(-ä-); 
Z,  Hä-  Aa;  Ap;  BS.;  G;  S;  ZO.:  1.  Johannes.  Das  S 
Schulkind  überträgt  den  Satz:  ,Der  Kamm  des  Hahnes 
ist  rot'  mit:  Em  Sanes  st'  Oiambe.  —  2.  appell.  = 
robuste,  derbe  Weibsperson  Ap;  Z.    En  feste'  H.  Ap. 

Vgl.  die  Nbff.  /-,  le-Hannes  Bd  I  162,  welche  mit  der 
1.  Silbe  spielen,  als  ob  eine  Zss.  vorläge,  und  den  Weg  zur 
Abwerfung  derselben  vorbereiteten. 

Bach- i7a«nps?i;  weisse  Bohnen  ZSth. 

Eig.  wohl  der  Name  Desjenigen,  welcher  diese  Art  pHauzte 
und  verbreitete. 

Hanni  H:  Taufn.  1.  Johannes  Aa;  B;  GrD.;  G. 
Häni,  Name  des  Teufels?  Bit  chunnst  zu 's  H.'s 
Gitzi,  Drohung  für  Kinder  S.  —  2.  (in  Aa;  B  Hänni, 
Hänneli)  n.,  Johanna  Aa;  B;  Schw;  Z. 

Zu  1.  ,Hänsli'  ist  häufige  Bezeichnung  des  Teufels  in  den 
Akten  der  He.xenprocesse  (s.  WWackern.  1874,  150).  Das 
,Gitzi'  ist  wohl  die  Begleiterin  desselben,  der  ja  selber  auch 
gehörnt  gedacht  wird. 

.hanen:  rudere,  das  ist  schreien  wie  ein  esel, 
rüchlen.'  Fris.;  Mal.     Vgl.  gigägen  Sp.  140. 

Wie  die  Schreibung  des  Vogelb.  1557  (,die  Esel  all  an- 
fahen  zu  rubelen  und  grausam  zu  yhhanen')  zeigt,  direkt  aus 
,yanen'  abstrahiert,  indem  der  Hiatus  zw.  i  nnd  n  durch 
EinSchiebung  eines  h  aufgehoben,  dieses  dann  als  stammhaft 
aufgefasst  und  i  als  bedeutungslose  Vorsilbe  abgeworfen  wurde. 

Han(e)rei  s.  Han-Rei.       Hanisch  s.  Harnisch. 

(h)änni:  Interj.,  es  sei  so,  meinetwegen,  ja  Aa  oF. 

Viell.  eig.  der  Anfang  eines  abgebrochenen  Satzes,  ,habe 
ich  . . .' ;  vgl.  himer. 

ba(r)-hännig  s.  bar-hämmig. 

Henemer  s.  hie-enen  Bd  I  267. 

hene°  (auch  Bs;  BÜ. ;  Gr),  lienet  (auch  BO.;  Gr), 
jehenig  Gr  s.  hie-enen,  -enent  Bd  I  267.  268.  H.  und 
denen,  hüben  und  drüben  BHa. 

Auch  jehenig  mit  aus  ,hie'  verderbter  Vorsilbe  und  weiter 
gebildet  mit  dem  beliebten  Suffix. 

b"-hennen  s.  he-kennen. 

Henne",  in  Z  H^ne.  in  ApM.  Henn  —  Dim.  in  B 
Henni  —  f.:  1.  wie  nhd.  Ap;  B;  FJ.;  Gr;  G;  W;  Z. 


Vgl.  Huen.  Als  Hausn.  ZStdt;  Tgl.  Güggel.  Eine 
,fliegende  H.'  erscheint  unter  den  ehemaligen  Feudal- 
ahgaben;  so  1797,  G  Schiedspruch;  vgl.  , krähender 
Hahn',  wo  das  Attr.  ebf.  das  Alter  andeutet.  Häufig 
ist  eine  , schwarze  H.'  ausbedungen,  so  z.  B.  in  Tb  Offn. 
Bed  du  denn,  icenn  d'  H.  bntmend  W  (gegen  vorlaute 
Schwätzer).  Jmdm  nahgä'  wie  aneva'  leggenda"  H. 
Gr.  Alls  hocke  lö'  (lä'  umfit'  [umher]  ligge'J,  wie 
d'  H.  de(r)  Dreck  Gr;  GSa.  Umme'schüsse'  wie  e  H. 
v(yr  Tag  GBern.  Kei"'  türeri  H.  weder  die  geschenkt. 
SüLGER.  Er  muess  appn  bald  iif-em  iridhof  ga'  d'  H. 
hietw,  d's  Merezsch  H.  ga'  hietw,  bald  sterben  W. 
Das  Güggeli  und  das  H-li  gönd  mit  enand  uf  's  Ten- 
neli  Th  (Märchen).  Das  G.  und  das  H^neli  sind 
zwei  gueti  G'späneli  ZZoll.  ,Frau  Sarah,  die  ist  -^gar 
halb  ungemuet;  die  h.  hat  schon  ein  ei  geleit  [der 
Grund  zur  Feindschaft  ist  gelegt].'  Haberer  1.562; 
vgl.  Ei  .3  (Bd  I  14).  , Einer  mag  da  und  dort  die 
beste  Hän  im  Korb  sein  —  hasset  ihn  Gott,  so  ist  er 
under  schwerem  Last.'  FWvss  1673.  ,Aquilam  volare 
doccs ;  du  willt  den  Meister  lehren ;  du  willt  den  H. 
die  Schwänz  aufbinden.'  Denzl.  1677;  1716.  ,Dass 
die  Mutter  iline  verdammt,  da  er  gemeint,  er  seie  die 
Hähne  im  Korb.'  JHFäsi  1696.  ,Da  er  sich  um  Jeder- 
manns Gunst  bewerben  und  bei  Jedermann  die  Hanne 
im  Korb  sein  will.'  JJUlr.  1733.  Andere  RAA.  s.  u. 
Geiss  Sp.  458.  Der  PI.  coli,  für  Hühnervolk  übh.  Af; 
Gr.  Von  dem  bes.  an  die  schwarze  H.  sich  knüpfen- 
den Aberglauben,  sie  sei  dem  Teufel,  spec.  dem  Alp, 
übh.  dem  Verderben  geweiht,  aber  ihr  Ei  bringe  Glück, 
schütze  auch  die  Flussdämme,  s.  bei  Vonbün  1862,  113. 

—  2.  übertr.  auf  Menschen,  a)  Uüggi  H,  Weibsperson, 
welche  gegen  Kälte  sehr  empfindlich  ist  GrD.  — 
b)  furchtsamer  Mensch  GT.    Bis  nüd  e  H.  und  gang! 

-  c)  lästiger  Mensch  Gr.    Du  bist  doch  e  müedi  H. 

—  3.  Henneli,    ungewöhnlich    kleine    Ziege    kt\.  — 

4.  der   liebe'   Froue"    Hennje",    Goldkäfer    PSilv.   — 

5.  (Plur.)  das  Sternbild  des  kleinen  Bären  Ap  (T.). 
Vgl.  Gluggeri  Sp.  620.  Wenn  d'  H.  abiiärts  gönd, 
schlöt  's  ab,   tcenn  s'  üfimrts  gönd,   schlöt  's  üf.  — 

6.  Pflanzenn.  a)  auch  mit  dem  Zusatz  feissti,  Kraut 
der  Herbstzeitlose  Gh.  —  b)  ebso,   Lichtnelke   GrD. 

—  c)  Samenkapsel  der  selben  Pflanze  Gr.  —  d)  die 
weisse  Varietät  von  Lerchensporn,  cor.  cava  GWe.; 
vgl.  Gulli  Sp.  221. 

Bemerkenswert  ist  die  Dehnung  des  Voc.  in  Z  MAA.  als 
Überrest  aus  einer  Periode,  da  Dehnung  vor  gemin.  Liquida, 
wie  noch  andere  Spuren  erraten  lassen,  verbreitet  war;  vidi, 
.aber  blosse  Anlehnung  an  die  Dehnung  in  Hän,  HSneli.  — 
Die  Var.  zu  den  auf  dem  Friedhof  weidenden  Hühnern  (des 
Pfarrherrn)  stammt  spec.  von  Naters,  wo  StMoriz  Kirohen- 
patron  ist.  Die  ,H.  im  Korb'  ist  nicht  etwa  (aus  Missverstand) 
für  den  ,Hahn'  (s.  d.  W.)  eingesetzt,  sondern  dieser  Korb  ist 
der  für  die  Bruthenne  bestimmte,  welch  Letztere  bes.  sorg- 
sam gepflegt  wird.  6  a  beruht  auf  der  gleichen  Anschauung 
wie  die  Namen  .Fetthenne,  Schmutzkraut'  für  eine  ebenfalls 
mit  saftigen  Blättern  ausgestattete  Pflanze.  6  d  bezieht  sich 
auf  Gulli,  die  rote  Varietät,  zu  welchem  die  .Henne'  den 
entsprechenden  Gegs.  bildet.  Die  Flurnn.  i"  der  U.  ZWetz., 
H.-Uüel  Süretzenb.,  H.-Rüü  1604.  AaEggenw.  mögen  vor- 
malige Lieblingsorte  des  Anerhahns  bedeuten. 

Fall-:  Henne,  welche  als  sog.  ,Fall'  (s.  Bdl  736  f.) 
entrichtet  wurde.  .Personen,  so  eigenen  Rouch  füe- 
rend  und  die  Fahlhennen  zalend.'  1652,  Z  Staatsarch. 

—  Furcht-:  furchtsame  Person  S.  —  Feisst-: 
Lichtnelke,  lychn.  diurna  GrD.  —  Fueter-:  Henne 


1813 


hen, 


1314 


welche  bei  Anlass  von  Visitationen  des  Grundherrn 
Diesem  zur  Fütterung  seiner  Jagdfalken  entrichtet 
werden  musste.  1437.  1452,  G  Urk.  Vgl.  F.-Haber.  - 
Mueter-Gottes-jB-ewKi=iU.-(?.-Fo(ife?«i(BdI693)W. 

—  GIuck-i/e«ne;  wie  nhd.  Ap.  Syn.  Gluggerin.  ,Von 
diser  Glughänen  ausgebrütet.'  ClSchob.  1695,  154. 
Übertr.,  delikate,  reizbare  Person  Ap.  —  ,Korn- 
Hennle:  wasserhuen,  phalaris.'  Mal.  —  Lauh-flewwe; 
Birkhuhn.  1642,  SchwE.  (Klosterküche).  —  Lib-: 
Henne,  Jgl.  die  Leibeigenen  ihrem  Herrn  auf  gewisse 
Tage,  z.B.  auf  Fastnacht,  zu  entrichten  hatten.  AWild, 
Eglis.  1883,  371.  —  Legg-:  Huhn,  das  Eier  legt  Ap; 
vgl.  Leggeri.  —  Fasnacht-:  eine  dem  ,Vogt'  zu 
Fastnacht  entrichtete  Abgabe,  urspr.  in  einer  H.  be- 
stehend. ,Jede  Haushaltung  soll  für  1  F.  2  Kreuzer 
zahlen.'  1497,  GGams  (Planta  1881).  .Weliche  land- 
sigling  nit  erben  band,  dass  unser  gn.  herr  und  syn 
gottshüs  von  denselbigen  f.  und  den  fall  nemen.' 
1.501,  Absch.  m  2,  98. 

Nor-:  als  luxuriöses  Gericht  für  Hochzeiten  ver- 
boten. G  Mand.  1611.    ~    Nbf.  zu  ,Lor-'  oder  .Moorhulm'? 
Borz-:    Klutthuhn,    Huhn   ohne  Schwanz   Ap.  — 

Vgl.     B.-Gti;l;,rl    Sp.     11)4. 

Blutt-:  =  H.  ;i  a  Ap.  So  e  Blotth.  ist  docluNuts 
[Nichts],  UV  [welche]  ade  hönder-cm  Ofe'  sitzt.  JMerz. 

—  BJuit,  nackt,  daher  enipfindlich. 

Bruet-:  übertr.  =  H.  ::> a  Ap.  —  Rauch-:  H.  als 
Vogtabgabe  von  der  einzelnen  Haushaltung.  1578, 
ZEglisau.  Vgl.  Fürstatt-Huen;  B.-Gelt  Sp.  260.  — 
Ror-:  1.  grünfüssiges  Meerhuhn,  fulica  [gallinula] 
chloropus.  GLHartm.  1808.  —  2.  E.-Eenneli,  grosse 
Wasserralle,  rallus  aquat.  ebd. 

Schupp  er-  Henneli :  struppiges  Huhn  Th.  — 
Wühl   eher  =  Schüjie'-Huai. 

Stadt-:  geziertes  Dämchen  (eig.  ein  solches  aus 
der  Stadt)  G.  —  Wild- Jenwe;  1.  gräivi,  Steinhuhn 
Gb  ObS.  —  2.  w'issi,  Schneehuhn,  ebd. 

hennicht,  hennig  s.  hie-nacht. 

an- hennig,  verderbt  aus  ,anhängig'  =  anhangend. 
,A.  g'syu  der  kilchen.'  1536,  Bs  Chr.  I  147. 

Henist  s.  Harnisch. 

Hennöclli  ni.:  Kretin  AaF.  —  Aus  , Eunuch'?  Doch 
vgl.  auch   Hanöijg. 

hein  s.  heim.  (en-.  ein-,  ent-,  ge-,  de-) 
hein,    -heinest  s.  Jceinfist).        hein  s.  haben. 

Hein,  Heinel,Heiner(ech),  Heini  s.Ueinrich. 

Chopf- (ab-)  Heini  f.:  Gerichtsstätte  Bs.  Der 
Galge"  und  der  heissi  St  ei'  sind  fürt   [beseitigt]   wie 

d'  Ch.   HlNDERM.    1861. 

Abi.  von  ,hauen'  mit  euphou.  eiDgeschobenem  n  (wie  z.  B. 
Btnu-n-en)  und  der  von  der  dortigen  MA.  verlangten  Ver- 
tauschung von  all  an  ei. 

Heinrich  .Henrich.'  Z  oGlatt  Tauf b. ,  Heinerech 
BsLd,  HeineriÜR.  Heiner  BsLd;  Gr,  ,Hein.'  1559,  Z, 
Heinel  Aa;  BsLd;  BöO.;  Gl;  „Gr;  L;"  Z,  Heini  Aa; 
Ap  (Häni);  Bs;  B;  Gl;  „Gr;"  L;  G  (in  Bern.  Hoani); 
Sch;  S;  Z;  15'23,  Gvrenr.;  1549,  HBdll.;  1597,  ApA.; 
1640,  ZZoll.;  1683,  Z;  JCWeissenb.  1702;  Denzl.  1716, 
Heino  W,  ,Heinki.'  1325,  B,  .Heins.'  1555,  Hotz, 
Urk.;  1790,  Z,  ,Heinsli.'  XV./XVL,  LEick.,  Heinz 
B  ÖO.;  Gl;  Gr;  XIV.,  Aa;  Bs;  Z,  Heinzi  B,  ,Heinzle.' 
Denzl.  1677,  Heil  Gl;  XVI.,"ZHinw.  Taufb.,  Heirech 
Schweiz.  Idiotikon  II. 


bzw.  Hä-,  Hä-  Aa;  Ap  (tw.  Hie-);  Bs;  Gl;  L;  G; 
ScHW;  S;  Th;  Z,  ,Heirach.'  Z  oGlatt  Taufb.,  ,Harich.' 
Stockar  1519;  1672,  ScnSchl.,  Heirikli  ZKn.f,  Hei(e)ri 
Aa;  Ap;  Bs;  B;  L;  G;  Scb;  Schw;  S;  Th;  Z,  Heierli, 
Heirfejli  Aa;  Ap;  Bs;  G;  S;  Z,  Heifejr  ZO.,  Heirch 
ZO.,  S.,  Härch  Ap  (schon  1738);  BsLd;  G;  Sch  (auch 
Härchel);  S;  ZO.  (Stutz),  Härchli  Scu,  Heichki.  {in 
grober  Rede;  auch  Häch);  .\p;  Z,  Hächli  ScnSchl., 
Heichel  bzw.  Hä-  Aa;  ScnSchl.;  Z,  Heichi  AaSI., 
Heiggel  Bs;  Gl;  Z,  Heiggi  Bs;  Z,  RiggiBs:  1.  Taufn. 
aaOü.  Kaiser  Heinrich(tag),  d.  i.  13.  Heumonat,  etwa 
als  bäuerlicher  Termin  genannt,  ungefährer  Anfang 
der  Hundstage.  Auf  die  Verbreitung  des  Namens  in 
eidgenössischen  Landen  deutet,  dass  die  Landsknechte 
in  ihren  Liedern  mit  ,Heini'  den  Schweizer,  wohl  als 
Bauern,  (wie  sich  selber  mit  ,Veit')  bezeichneten.  ,Du 
nennst  uns  allzyt  heine  in  dynem  lugelied.'  NMan. 
Mit  ,Etter  Heini  us  dem  Schwyzerland'  betitelte  JKüef 
eines  seiner  Schauspiele.  S.  noch  Züri'''-Heiri  und 
andere  Zss.,  ferner  Hans  und  bes.  WWack.  1874,  148  ff. 
Wo  in  Lied  und  Spruch  der  Bauer  auftritt,  mag  er 
H.  heissen.  Wott  [ja]  Heirech!  Deis  [Jenes]  wird 
leider  e  türe  Büez  [Bescherung]  absetze'  [Selbstge- 
spräch eines  Hans  Jakob].  AGysi  1878.  ,Das  artige 
soldatische  Sprüchlein:  Es  ist  Gefahr  dabei,  Heiri.' 
1712,  Bs  Briefe.  ,Du  klagst  dich  ouch,  man  habe  dich 
für  partyig  geachtet:  Wie  meinst,  Heini?'  Gtbenr. 
15'23,  13.  So  mag  auch  der  sagenhafte  ,Heini  von 
Uri'  aufgefasst  werden,  sei  es,  wo  er  (1576)  als  einer 
der  ,3  Teilen'  im  Rütli  oder  als  der  Träger  einer 
Prophezeiung  (s.  Wolf,  Biogr.  I  122  Anm.),  sei  es  als 
Hofnarr  des  Herzogs  Leopold  bei  Sempach  auftritt. 
Jedenfalls  halb  appell.  ist  diese  Bezeichnung  für  eine 
je  am  28.  Christmonat  in  Sursee  ihr  Wesen  treibende 
Narrenfigur  (t);  vgl.  JStaffelb.  1882,  16  f.;  Lüt.,  Sag. 
423  f.  Der  Spruch:  ,Heilig,  heilig  ist  der  Gott  der 
Heerschaaren'  wird  parodiert  mit:  Heirech,  Heirech 
isch  der  ganze'  Welt  e  Schade"  L.  Sonst  knüpft  sich 
an  den  Namen  H.  die  Vorstellung  der  Gutmütigkeit; 
vgl.  WWack.  aaO.  Daher  sagt  Einer,  der  diesen  Na- 
men trägt,  etwa :  Ich  heisse  Heiri,  wie  die  Freine'  Z. 
Der  Neckreim  auf  den  Namen  lautet:  Heiri!  Üsi  Chatz 
heisst  Dirideiri  L.  —  2.  rein  appell.  a)  als  blosses 
Füllw.,  Träger  eines  adj.  Begriffes.  Warmi  Heichle', 
iron.  =  saubere  Gesellen  Aa  (JLFrei);  vgl.  heitere'' 
Götti.  —  b)  ,Heinzle,  Gaukelmännlein :  masculus  mi- 
micus.'  Denzl.  1677;  1716.  —  c)  penis  ScnSchL  Mer 
wend  [wir  wollen]  i"  's  Bett,  da"  de''  Hächel  cha"" 
ha:  —  d)  Heini  (Bs),  Storr  (Aa;  L;  ZKn.)-,  Storche' 
(Aa;  Bs)-,  Starke"  (Bs)-Heini,  Storch.  Vgl.  Storr-Babi. 
Beppere"  [klappern]  grad  icie  der  H.  tif-em  Chilch- 
turm  oben  im  Nest.  Alem.  Tue  aw*  nüd  eso  [unge- 
berdig]  wie-n-en  Storrheini.  Wolf,  Dreierw.  Storche"-, 
St.,  mit  dlne"  lange'  Beine'!  Kdld.  —  e)  Heinerli  Gr, 
Heirech  LW.;  GSa.,  guetc  H.  Aa;  BD.,  wilde  Heiri, 
Härch (li),  Heirech  GSa.,  oT.,  We.;  Schw,  chen.  bonus 
Henricus,  in  BO.  auch  (der  ähnlich  aussehende)  Fuchs- 
schwanz, amar.  blitum.  S.  noch  heidnisch  Sp.  987  u.; 
Heimele'  Sp.  1284.  Syn.  Heiri-Krüt.  —  f)  ,Rot  Hein- 
rich genannt,  ein  Etzung.'  XVIL,  BArzneib.  , Etliche 
brauchen  [zum  Ätzen]  den  roten  Heinzen.'  FWürz  1634. 

Zu  den  oben  aufgezählten  Namensfornien  gesellen  sich 
nicht  bloss  entsprechende  Dim.-Formen  auf  (l)i,  sondern  das 
ans  dem  Frz.  entlehnte  (H)ai)(e)ri  mit  seinen  Entstellungen: 
(Hjagi,  Hanki,  Harri.   Aus  ZZoll.  ist  urkundlich  nachweisbar. 


131(1 


dass  bis  1640  .Heini',  von  da  an  ,Heiri'  die  vorherrschende 
Form  war.  Die  Formen  Hein,  Heinz  usw.  haben  den  2., 
wie  Biggi  den  1.  Teil  der  Zss.  fallen  lassen;  vgl.  einerseits 
Rued(olß,  ,Fried(rich)',  Ä'uenfrad^  Ad-i  aus  , Adrian',  Ud-i&as 
Uetrich;  anderseits  (Abra)ham.  (Augu)»tin,  (A)dolf,  (Elim)bet. 
Riggi  hat  ferner  den  Consonantcn  nach  Analogie  von  Niggi 
(Nikiaus)  udgl.  verändert;  übrigens  sind  Koseformen  &af -ggi 
Ubh.  sehr  beliebt  in  Bs.  Z(s),  i,  er,  el  sind  sehr  verljreitete 
Suff,  zur  Bildung  von  Koseformen,  kombiniert  in  Heinzi, 
Hemi,  Beide  (wie  Heiz)  zu  Geschlechtsnn.  geworden.  Heirch 
zsgez.  wie  Uerch  (Uelrich).  —  Zu  1.  Für  unser  Sprachgebiet 
lässt  sich  die  appell.  Wendung  zu  der  Bed.  ,Narr'  unseres 
Wissens  nicht  nachweisen,  obwohl  man  in  dem  ,Heini  v.  Ure' 
einen  Ansatz  dazu  erblicken  mag,  zumal  da  ,Ure'  an  Vri- 
epiegel  (Eulensp.)  gemahnt.  -  Zu  2  a  vgl.  WWack.  aaO.  1.50; 
zu  2  c  ebd.  149.  -  Zu  d.  Der  ,ungeberdige  Storrheini'  hat 
seine  Erfindung  offenbar  dem  \'b.  starren  =  strampeln,  zu 
verdanken.  —  Zu  f.  Gr.  WB.  gibt  die  Bed.  ,wilder  Sauer- 
ampfer' an.  Der  Name  H.  wäre  dann  übertr.  von  dem  .guten 
H.'  wegen  Ähnlichkeit  der  Blätter.  Schm.-Fr.  aber  deutet 
den  Ausdruck  auf  ein  metallisches  Korrosivpulver.  Auf  die 
für  unsere  Stellen  richtige  Spur  leitet  wohl  Woyt's  Schatz- 
kammer ;  jHenricus  rubens  heisst  bei  den  Chimisten  das 
Vitriolum,  welches  so  lang  gebrennet  oder  calcinieret  wird, 
bis  es  durchaus  ganz  rot  worden.' 

Fr\- Heiz  =  Friheit  5  (Bd  1  1267).  ,Wenn  die 
predicanten  zuo  vil  schlurzächtig  und  schmusantisch 
oder  wie  die  karrer  und  fryheizen  dahar  ziehend.' 
HBüLL.  1561. 

Eine  Anlehnung  an  .Heinrich'  in  seiner  appell.  Anwen- 
dung, lautlich  noch  mehr  erleichtert,  wenn  man  die  Zss. 
.FrSheitS-Knab'  zu  Grunde  legt. 

Hans-ifem,  Haneich:  beliebte  Namenverbindung 
Bs;  Z,  und  wie  der  einfache  Name  halb  appell.  den 
Bauer,  den  Mann  aus  dem  Volke  bezeichnend.  En 
Or^i'g  nie  i'  's  Hans-Heiris  G'meind,  eine  arge  Un- 
ordnung ZO.  De-  H.  Früehg'nueg  und  de^  H.  Giiet- 
g'nueg  sind  zire"  Brüedere'  g'si"  Z.  —  C  h  u  e  -  ifemi  : 
Kuhbauer,  in  wegwerfendem  S.  , Jeder  K.'  Unterred. 
Gr  Landl.  1814.  Lt  B.  1  2§6  =  Viehnarr;  Syn.  Veh- 
Tschutt.  —  Mager-:  magere  Mannsperson  Z.  — 
Mül-:  Grossspreeher  GrD.  —  Mür-  s.  Müch-Heim. 
Bei" -Heirech:  1.  lange,  abgemagerte  Mannsperson 
ÄABb.  —  2.  der  Tod,  pers.  vorgestellt.  Sprww.  1869. 
Hol 's  der  B.!  Verwünschung. 

Bein  =  Knochen;  vgl.  das  nd.  Syn.  ,kn8kern  Hinrik'. 
Wäre  übrigens  2  stärker  belegt,  so  hätten  wir  gerne  Dieses 
vorangestellt;  steckt  ja  viel),  in  , Freund  Hain'  der  selbe  Taufn. 
Türr-Birre°-i?etni;  magerer  (wie  eine  Back- 
birne) zusammengeschrumpfter  Mann  Z.  Syn.  Dürr- 
birren-Geist  Sp.  489.  —  'Post-Heiri:  Briefträger  Bs 
Stdt.  Auch  Name  eines  seit  1845  in  S  erschienenen 
Witzblattes,  das  die  Figur  eines  Briefträgers  an  der 
Spitze  trug. 

Schnurre''-Seirc/i:  Brummkreisel  Z  oTösst. 
Wie  die  synn.  Hurrli-,   Surr(l)i-Bueb,   Schnurre  nach  dem 
schnurrenden  Tone,  oder  (wozu  die  Wortform  eher  stimmt) 
nach   der  mit  einem  Maul   verglichenen  grossen  Öffnung  an 
der  Hohlkugel  benannt. 

.\ll-tag-iretn;  Stellwagen,  welcher  vor  Erbauung 
der  J^isenbahn  in  der  Kurzeit  täglich  zwischen  Zürich 
und  Baden  fuhr  Z.  —  Eig.  der  Name  des  Unternehmers 
oder  des  Kutschers. 

'S üTi- Heini:  langer,  magerer  Mann  ZNer.  — 
Vfeg-Heirech:  Wegerich  SrHwE. 

yV\ir st- Heiggel:  Vielfrass,  gieriger  Esser  ZO.  — 
Vgl.   ine'-icvrstm,  hineinstopfen. 


Zeiger- jfZemi;  Weberknecht,  phal.  opilio  Aa 
Schinzn.     Syn.  Zimber-Mann. 

Viell.  so  benannt,  weil  er  mit  seinen  Beinen  wie  der 
Scheibenzeiger  mit  seiner  Kelle  herumtastet  oder  ausgreift. 

Z  üri'^'' (-Biete r)-iJsJri;  neckische  Benennung 
der  Zürcher,  bes.  der  Landbevölkerung.  Bezieht  sich 
auf  die  besondere  Beliebtheit  des  Taufn.  im  Kt.  Z. 
von  welcher  sich  eine  Probe  z.  B.  im  Z  Tagblatt  1864' 
S.  1596.  1600  findet.  S.  WWack.  aaO.  128  f.  Vgl. 
Basler-BejJin.  Die  Fortpflanzung  des  beliebten  Na- 
mens durch  Generationen  eines  Hauses  hindurch  ver- 
anschaulicht das  Pseudonym  des  ZO.  Dichters  Jak. 
Senn:  's  Heiri  Heiehe"  Heiggels  Heier. 

Die  Verbreitung  mag  ihren  ersten  Anfang  in  der  Haupt- 
stadt genommen  haben,  welche  nicht  bloss  die  mit  allen 
städtischen  Gemeinwesen  geteilte  Veranlassung  hatte,  die 
Kaiser  dieses  N'amens  (aus  dem  sächsischen  Hause)  zu  ehren, 
sondern  sich  des  zweimaligen  Besuches  des  später  kanoni- 
sierten H.  II.  und  (was  wohl  die  nachhaltigste  Wirkung  aus- 
übte) des  sechsmaligen  von  H.  III.  mit  Reichstag  und  Ver- 
lobungsfeierlichkeit erfreute. 

hi(n):  1.  Richtung  einer  Bewegung  oder  eines  Stre- 
bens  nach  einem  Ziele,  Zweckbeziehung  einer  Tätig- 
keit auf  einen  Gegenstand,  eine  Person  oder  Sache, 
bezefchnend;  echt  volkstümlich  kaum  anders  als  in 
Verbindung  mit  der  Angabe  od.  Andeutung  des  Zieles. 
Her  chummen^i'''  g'rad  ro'  Heimet;  hi  uill-i  halt  zu 
dir.  JoACH.  Bötet,  ir  Lüt,  «o  üser  Töchterli  hi  göt. 
Hebel.  In  allen  Fällen  wie  die  eben  angeführten 
kann  /(.  auch  mit  der  andern  Ortsbestimmung  ver- 
bunden werden :  niene"-,  wo-h.  Nienehi  cho',  es  nienehi 
bringe'  1)  immer  ans  Haus  gebunden  sein  Z.  2)  mit 
der  Arbeit,  mit  der  Ökonomie  nicht  vorwärts,  zu 
Nichts  kommen  Z.  Öppe'-,  neime'-h.,  irgendwohin. 
I  miies'  n.-hi,  an  einen  gewissen  Ort;  in  verdeckender 
Rede:  auf  den  .-Abtritt;  vgl.  Bd  I  591.  ,Dass  ein  herr 
ienahin  reisen  wollte.'  ZFäll.  Off'n.  (Etwas  irgend- 
wohin) tue'.  Wo  tiiesch-es  au"''  hi?  fragt  man  ein 
Kind,  welches  grossen  Appetit  entwickelt  Z.  120  Pf. 
Mal  z'  verbache  [zum  Neujahrsbedarf  einer  Haushal- 
tung] uf  emal,  das  lät-si'''  g'hi}re';  's  nimmt  Ein'n 
Wunder,  wo  nie'  's  hi  tüeg.  Schönekb.  Bildl.,  Etwas 
begreifen,  verstehen,  eine  Persönlichkeit  erkennen 
(eig.  in  das  Fachwork  des  Verstandes  einordnen)  Aa; 
Bs;  S;  Uw;  Z.  Syn.  heim  tuen  (Sp.  1279).  I''<ha"'s 
niene'  chönne'  hi  tue'.  Wo  soll-i"''  Das  hi  tue',  wie 
es  verstehen?  In  üw  ohne  nähere  Ortsangabe:  /'* 
cha"  's  nid  hi  tue'.  S.  noch  hin-tuen.  Etweret-hi, 
quer  hinüber  Gl.  ,Hinheim',  nach  Hause:  ,Hinh. 
stuend  jnen  der  sinn.'  1446,  Lied;  Syn.  heim-zue.  Mit 
Präpp.:  an  Eine"  hi  gä"  (törfe'J,  auf  ihn  los  gehn. 
An  enand  hi  gä,  g'räte',  einander  angreifen  SchwMuo. 
Vor  Eim  hi,  vor  sich  her  Gl;  Syn.  vor  Eim  anne". 
Du  chasch-es  vor-der  hi  [unterwegs]  esse".  Uf,  für.. . 
hi,  im  Hinblick,  in  Absicht  auf  Jmdn  od.  Etw.  Ap;  Z. 
P''  ha'-mi"''  miiesse'  schäme'  für  di(ch)  hi.  Uf  Ein'n 
hi  Öppis  (Appartigs)  choche",  in  Erwartung  seines 
Besuches,  um  ihn  als  Gast  damit  zu  bewirten.  Uf 
G'ratwol  hi  Z;  JCSülz.  1772.  Narr:  .s'  bald  's  Spil 
US  ist,  will  ich  heim  laufen,  ein'n  schönen  Huet  uf 
d'  Sach  hin  [auf  die  Bekehrung  von  der  Narrheit] 
kaufen.'  GGotth.  1619.  .Drüber  hi'  1)  zeitlich,  unter- 
dessen Bs.  —  2)lialb  zeitlich,  halb  caus.,  daraufhin, 
bei  solcher  Sachlage,  nach  alledem.  ,Drüber  hin  be- 
schälkt  [getadelt]  werden.'  Schimpfr.  1652.     ,Können 


131/ 


1318 


wir  darüber  [über  die  Beweise  unserer  Sünde]  hin 
uns  einbilden,  Gott  werde  mit  seinen  Strafen  ein- 
halten?' FWyss  1672.  —  2.  Fortsetzung  einer  Be- 
wegung oder  einfach  Entfernung.  £r  ist  üf  und  drüs, 
Nieme"  het  g'wusse",  ivo-n-er  ist  hi  worde,  wohin  er 
geraten  ist  BLenk.  Si'''  hi'  zieh,  sein  Dasein  fristen, 
auskommen,  indem  man  sich  nach  den  Umständen 
richtet  B  (Zyro);  .paupertati  suse  se  accomraodare.' 
Id.  B.  ,Es  soll  Niemand  gezimmen,  abzetretten  [aus 
der  Kirche],  er  wurde  dann  von  Krankheit  [usw.]  ge- 
trungen,  hinzeziechen.'  B  Mand.  Iti28.  S.  noch  hin- 
ziehen. ,[Falls  der  Totschläger]  hin  kummt  und  nit 
gefangen  wird.'  Strafr.  Baden  1384.  ,Murten  ist  noch 
nit  gewunnen;  es  kummt  wol  vor  in""  [den  Feinden] 
h.'  147Ö,  T.  VL.  ,[Sie  soll  arbeiten]  darmit  sy  bas 
mochtind  hinkommen  [ihr  Auskommen  haben].'  UMey. 
1540/73.  ,Den  hochmüetigen  päpsten,  vor  denen  kein 
frommer  fürst  hat  hink,  können.'  Vad.  , Diesen  alten 
Hausvorteil  konnte  man  bei  vielen  Töchtern,  die  nicht 
gar  reich  seien  und  doch  auch  hinkommen  möchten, 
noch  gar  viel  weiters  treiben.'  HPest.  1787.  A.  ,Es 
dunkt  mich,  du  heigest  ein  wol  g'löste  Zunge.'  B.  ,Ha, 
es  gat  wol  hi  [es  geht  an,  so  ziemlich].'  Göldi  1712. 
Verdoppelt:  ,Hinhin  werdend  ir  von  dannen  ziehen 
und  gon.'  1531/48,  Jes.;  =  .Weichet,  weichet'  lGti7; 
1860.  Verbunden  mit  ,für'  in  ausschliessender  Bed. 
F.  das  Mal  hi  Z.  ,F.  Wienacht  h.'  1425,  Seg.,  KG. 
,Das  überplibene  [von  Eheleuten]  erbt  des  andern 
guet  alles  f.  alle  fründ  h.'  1552.  ZElgg  Stat.  ,S.y 
wellind  f.  die  sach  h.  nüt  mer  öne  landsgemeinden 
handien.'  1597,  Zellw.,  Urk.  Vgl.  u.  2  b  ,von...h.'; 
für  Ib.  2  (Bd  I  953  u.  954).  Formelhaft  verbunden 
mit  andern  Advv.:  ,h.  und  her'  a)  wie  nhd.  ,Vil»  uss 
den  h.  und  har  schweifenden  Juden.'  RGüalth.  1553. 
■-  b)  da  und  dort.  ,Es  sind  h.  und  her  noch  vil  guot- 
herziger  [Leute].'  1530,  Absch.  .Wie  man  's  noch  h. 
und  har  sechen  kann.'  ECts.  , Welches  Werk  [eine 
Ringmauer]  die  Bund  h.  und  her  geschlissen  haben.' 
GüLER  1625.  .Sehreibe  auch  h.  und  her  an  die  Hau.s- 
türen.'  Schimpfr.  1651.  ,H.  u.  h.  an  frömden  Orten 
sich  ufhalten.'  ebd.  Bann  isch  es  hi  icie  her  Nüd, 
so  wie  so,  jedenfalls  ü.  !'''•  chunnne  h.  w.  h.  nid  ZO. 
,H.  und  für',  hin  und  her.  ,Und  als  dann  N.  N.  stäts 
hin  und  für  rytet  und  postet  und  niemand  eigentlich 
wüssen  mag,  was  er  handlet  und  praticiert.'  1532, 
Strickl.  ,H.  und  wider.'  a)  räumlich.  1)  hin  und  her. 
,[Ich  will]  die  Juden  h.  u.  w.  treiben,  Jerusalem  brin- 
gen under  mein  G'walt.'  GGotth.  1619.  —  2)  da  und 
dort  L;  Z.  .Das  buech  er  h.  u.  w.  leit  [bald  da,  bald 
dorthin].'  UEckst.  ,Brunnenquell,  so  h.  u.  w.  in  fünf 
beder  abgeteilt'  1578,  HPantal.  Umgestellt  (des  Rei- 
mes wegen):  .Gott  zerströwt  mit  spott  wider  und 
hin  all.  die  hoifertig  wellend  syn.'  Funkelin  1553. 
—  b)  zeitlich :  dann  und  wann,  bisweilen  GnPr. ;  L ; 
W;  Z.  ,H.  und  eweg',  von  nun  an  immerfort  U. 
S.  noch  da-hin.  —  Mit  Advv.  zsgesetzt:  .Alle  sollen 
vor  die  boten  kommen  uf  den  mäntag  der  nächsthin  ist' 
1398.  Absch.  ,üb  bescheh  —  das  lang  hin  syge  [lange 
nicht  eintreten  möge]  — ,  dass  . . .'  1426,  ebd.  U  744. 
Mit  der  Präp.  ,von'  zur  Bezeichnung  eines  Zeitpunktes, 
Ton  welchem  an  Etw.  eintreten  oder  gelten  soll.  Vgl. 
oben  für  . .  .  hin.  [Es]  si  für  er  [ihn.  den  Hahn]  dg 
letst  Tag,  er  chömmi  v<i  hilt  hi  nümma  s' chräjq  GrV. 
.Von  Andrestag  hin.'  1525,  Absch.  .Von  desshin  soll 
man  sy  nümmen   etzen.'    XIV./XVL,  Schw  LB.     Vgl. 


nhd.  .künftighin'  und  dazu  die  seltsame  Um.stellung: 
,Zu  hinkünftigem  Fleiss  aufmuntern.'  Z  Neuj.  M.  1799 
(Anlehnung  an  .zukünftig').  .Hin  und  hin',  für  alle 
Zeit,  hinfort.  Die  Landsgeraeindc  hat  beschlossen, 
,dass  nun  hin  und  hin  kein  gant  mer  soll  syn.'  Ap 
LB.  1409.  Vielleicht  für  ,hinnet-h.,  hinnen-h.'  s.  d. 
—  3.  Vergehen,  Verschwinden,  Verderben,  bzw.  Ab- 
nutzen, Beseitigen,  Abtun  usw.  bezeichnend  Bs;  Z. 
De''  Winter  ist  halb  he  Ap.  Bis  du  chunnst,  ist  früe 
hi  und  sjiiit  ih't  Z.  D'  Söt  ist  hin,  der  Fürst  fort 
mit  siiii  Willi  :'  Fild  druf.  APletsch.  1880.  Verst: 
mords  (iiinr^j-fctzc  hin,  ganz  verdorben,  abgenutzt, 
besonders  von  Kleidern  AAZein.  H.  ist  h.,  sprichw.. 
auch  schon  bei  GGotth.  Die  Eidgenossen  mahnten 
die  Unterwaldner  durch  Boten  und  Briefe  ,uf  den 
sunnentag,  der  hin  ist.'  1398,  Absch.  ,Welhem  eman 
usserthalb  der  e  ein  kind  wirt.  den  soll  man  weder 
an  rat  oder  gericht  wellen,  doch  das  vergangen  soll 
hin  syn.'  1469,  Sch  Stdtb.  ,Warend  die  mönch  fast 
fro,  dass  er  hin  [mit  Tod  abgegangen,  verstorben] 
was.'  Vad.  Formelhaft  verst:  ,h.  und  abgetan  s.' 
XVI.,  Schw  LB.  ,Dass  hiemit  all  alt  sprüch  sollent 
hin,  ab,  tod  und  nüt  syn.'  1474,  Sprdcbbr.  S.  noch 
ab  7  (Bd  I  30),  halb  2  a.  H.  gä'  s.  Sp.  30,  im  Zg 
Arzneib.  1588:  vergehn,  schwinden,  von  einer  Ge- 
schwulst. ,H.  kommen',  ausgehen,  zu  Ende  gehen. 
,Swenne  diu  not  [die  Kriegsgefahr]  hin  kummt,  so 
su""n  sy  ir  tor  [des  an  der  Ringmauer  gelegenen  Klo- 
sters] besliessen.'  1292.  Z  Staatsarch.  .Järlich  geben 
3  mark,  unz  dass  3  jar  hin  kämen.'  1293.  Kind,  Urk. 
.Swenne  diu  järzal  hin  käme.'  ebd..  und  übh.  formelh. 
H.  mache",  zu  Grunde  richten,  töten  Bs;  Z.  VgL  hin- 
tuen. ,H.  nemen',  hinwegnehmen.  .[Der  Reif]  hat  all 
ander  obs  auch  hing'nommen.'  UMey.  1540/73.  .Salbe 
die  glider  damit,  so  sy  g'schwuUen  sind;  nimmt  [die 
Salbe  die  Geschwulst]  hin  und  heilet.'  Zo  Arzneib. 
1588.  .Der  Span  ist  güetiklich  hingenommen  und  üf- 
g'hebt  worden.'  JJRüeg.  1606.  ,H.  werden',  zu  Grunde 
gehen,  sterben.  Das  ist  zum  H.-w.,  hyperbolischer 
Ausdruck  höchsten  Ärgers  Gr;  Z.  Prägn.,  resp.  eil.: 
,[Die  Felder]  die  och  du  Plessur  hin  [weggerissen] 
hat'  1373,  Mohr. 

Die  urspr.  Bed.  ist  '2,  aus  Jer  sich  daim  sowohl  1  als  3 
ableiten  lassen.  In  den  folg.  Zss.  erscheint  ,-hin'  meist  in 
der  abgestunipfteu  Form  fA).;,  hzw.  (Ii)ij,  und  ist  von  ,-her', 
welches  der  selben  Abstumpfung  unterliegt,  lautlich  nicht 
zn  unterscheiden,  wo  das  Letztere  nicht  ausdrücklich  in  der 
Form  -(h)er  oder  -(h)ar  (die  wir  an  ihrem  Ort  behandeln) 
oder  das  Erstere  in  der  Form  (h)i  erscheint.  Im  Folgenden 
werden  also  auch  die  Fälle  mitgenommen,  in  denen  eig.  nicht 
,hin',  sondern  ,her'  zu  Grunde  liegt.  Zu  diesem  Verfahren 
sind  wir  um  so  mehr  berechtigt,  da  auch  logisch  die  Be- 
griffe der  beiden  WW.  rel.  sind  und  je  nach  dem  Stand- 
oder Gesichtspunkt  einer  für  den  andern  eintreten  kann. 
Vgl.  ,her'  für  ,hiu'  Gr.  WB.  IV  1,  2,  2409,  c  nnd  Fr., 
Ztschr.  VII  73.  Unterscheidung  der  beiden  räumlichen  Be- 
ziehungen (des  Woher  und  des  Wohin)  hat  sich  nur  im  Ge- 
birge, doch  auch  dort  nur  tw.  erhalten.  Beide  Advv.  erscheinen 
auch  als  Präf.  und  Suff,  zugleich,  also  in  pleouastischen  Bil- 
dungen, ebd.  VI  348  ff.  Die  Abstumpfung  der  Form  beider 
findet  sich  in  vielen  MAA.  (aaO.  350)  und  macht  die  mit 
,hin'  (resp.  .her')  zsgesetzten  Advv.  im  Ausl.  (-e')  den  auf 
urspr.  -en  ausgehenden  (wie  .oben,  unten,  innen,  aussen') 
gleich,  so  dass  dann  auch  umgek.  Entstellungen  vorkommen 
wie  dinnha,  drinnen  (wo  das  h  dem  von  inha,  hinein,  nach- 
gebildet ist).  Vgl.  bes.  auch  noch  die  Verbindung  ,herhin\ 
—   Zwischen  der  im  Nhd.  (erst  seitdem  XVII.)  herrschend 


Han,  hen,  hin,  ho 


1320 


gewordenen  Voranstellung  der  AdvT.  ,lier'  und  ,hin'  in  Ver- 
bindung mit  andern  und  der  für  unsere  Volksspr.  ebenso 
charakteristischen  ausschliesslichen  Nachsetznng  stehen  als 
Überreste  der  altern  Freiheit  der  Stellung  Fälle  wie  nhd. 
,umher'  (neben  .herum'),  ,umhin',  ,anhin',  , forthin',  ,einher' 
(neben  ,herein'),  wo  dann  freilich  mit  der  dem  Gesetz  wirk- 
licher Zss.  widersprechenden  Betonung  des  zweiten  Bestand- 
teils auch  eine  besondere  Bed.  (besonders  bei  ,einher',  s. 
Gr.  WB.  3,  200)  verbunden  ist.  Umgek.  setzt  das  Tierb. 
1563,  117''  .herein'  für  .einher'.  Zwingli  I  124  hat  .harfür', 
aber  die  alte  Bibel  .fürhar'.  Bei  UMey.  Chr.  (1549/73) 
steht  bald  .füren  [fürhin]',  bald  ,hinfür  [hervor]'.  .Herfür.' 
1675.  Hotz,  ,hinumb.'  Myricäus.  Auch  die  oben  angeführten 
pleonastischen  Verbindungen  zeigen,  dass  die  ä.  Spr.  beide 
Stellungen  zuliess.  Übrigens  mag  noch  bemerkt  werden,  dass 
auch  unsere  Volksspr.  (freilich  nur  die  des  Gebirges)  eine 
der  nhd.  entsprechende  Stellung  kennt,  nämlich  in  den  Ver- 
bindungen mit  aler-,  embr-  (Bd  I  40.  41),  welches  jedoch 
nicht  einen  Unterschied  der  Richtung  anzeigt  und  fast  be- 
deutungslos geworden  ist.  Nachsetzung  des  ,-hin'  ist  in 
unserer  ä.  Lit.  so  gäng  und  gäbe,  dass  wir  im  Folgenden 
diese  übergehen.  —  Mit  Bez.  auf  die  folg.  Zss.  sei  hier  als 
auf  eine  Eigentümlichkeit  unserer  Volksspr.  hingewiesen,  auf 
die  Scheu  derselben  vor  dem  Genügen  an  dem  einfachen  Adv. 
bzw.  Präp.,  bes.  wann  es  sich  um  räumliche  Anschauungen 
handelt;  also  lieber  m/'o  Tach  u/e*.  als  bloss  «/'»  T.  Ferner 
die  Torliebe  für  die  mit  ,-e"'  fortgebildeten  an  Stelle  der 
einfachen  Adv.-Formen  der  Schriftspr.,  in  welchen  Fällen 
etwa  Gründe  des  Rhythmus  und  die  Analogie  der  Advv.  auf 
,en'  wie  ,oben'  mitgewirkt  oder,  bei  den  Grenznachbarn  der 
Romanen,  Vermengung  der  räumlichen  Begriffe,  des  VFo  und 
des  Wohin,  mögen  Statt  gefunden  haben.  Betr.  die  Bed. 
unterscheiden  sich  die  folg.  Zssen  von  den  entsprechenden 
einfachen  Advv.  dadurch,  dass  diese  nur  den  End-  oder  den 
Anfangspunkt  der  Bewegung  angeben,  jene  auch  den  durch- 
laufenen Raum;  das  Nhd.  lässt  sich  an  dem  einfachen  Adv., 
meist  dem  ersten  Teile  unserer  Zss.,  für  ,anhin'  an  .hin. 
her'  genügen.  —  S.  noch  hin-faHm  Bd  1  757,  -fami  Bd  1  900, 
-Jüeren,  Bd  I  983,  -(/eben  Sp.  90.  -leggen,  -langen,  -richten, 
-i-i«9en,  -achlichen,  -echlifen,  -seh  icenken,  -Hellen,  -strichen,  -wichen, 
-icerfen,   -ziehen,   -zucken, 

ab-hin  (-her)  „abldn  Bü.",  abhi,  aphi,  abhtj  BO., 
appi  ScBW;  U;  ZHirz.,  appn,  appe"  GrD..  ObS.,  Val.; 
Vw;  ZSchönenb.,  ö^e  (herab)  GrS.,  Sculnis,  «ftibzw.  abi 
Ap  (im  Gegs.  zu  ahn);  Gr;  6.4.,  Eh.  (auch  appi).  Wall.; 
Sch;  ThHw..  ähe  bzw.  äbe  Aa;  Bs  ;  BM. ;  Gl;  LG.; 
GA.,  oT.;  ScHSt.;  TsTäg.;  Z,  äft^  GStdt  1770,  r.ahi(n) 
BO.",  ähi  bzw.  ähi  BO.;  FJ.;  GrHb.,  Eh.,  Valz.;  G 
Garns,  0.,  aha,  ahe  BE.,  Schw.,  Si.;  F;  GRHe.,  Pr.. 
Eh.,  V.;  S;  W,  ax'i  BS.,  Si.;  GrV.,  ax'g,  a/'e  BE., 
Worb;  GREh.,  V.;  PP.,  a-i  I  ApK.  (s.  noch  bei  ,an- 
hin');  GrV.;  GEh.,Eorsch.,  W.,  äji  WGoms  (auch  appe, 
appje),  ä-i  GrV.,  e-i  GEh.:  1.  räumlich,  hin-,  herab, 
wie  nhd.  a)  ohne  nähere  Ortsbest.,  oft  mit  Ergänzung 
des  Ptc.  Prät.  oder  des  Inf.  eines  Vbs.  Ahe",  ahe'l 
Feierabendruf  für  die  in  einem  höher  gelegenen  Walde 
beschäftigten  Arbeiter.  JJMüller  1867.  Äbe-,  ahe'! 
Euf  der  Schützen,  wenn  der  Zeiger  nach  einem  guten 
Schusse  scherzhaft  absichtlich  senkrecht  über  dem 
Zwecke  viel  zu  hoch  zeigt  ZS.  So  schreit  man  auch 
dem  missbeliebigen  Eedner  zu,  damit  er  die  Bühne 
verlasse  Z.  De"  Schnitt  gär  ahe  säge',  den  Säge- 
schnitt bis  nach  unten  führen  Ap.  Es  regnet,  tcas  ('sj 
abe  mag,  in  Strömen  Ap;  Z.  Es  häd  (wtt)  ahe  [bis 
ins  Tal  herunter]  g'schneü  Aa;  Ap;  Bs;  Gl;  Z;  s.  noch 
T.  6  a.  Es  het  abe  g'regnet,  der  Eegen  hat  den  Boden 
tief  hinab  durchweicht  Aa;  Bs.  B'  Morge"röti  (AABb.), 
der  Nebel  (Z)  muess  ahe,  wird  Eegen  erzeugen,  's  Wetter 
abe  stelle",   drucke",  das  Barometer   auf  einen  niedri- 


geren Stand  hinunter  sinken  machen  ScuSt.  In  Ndw 
a.  stelle"  spec:  Einen  auf  den  .Lasterstein'  stellen. 
En  Schoppe  [udgl.]  a.  stelle"  [trinken]  Z.  Wade"  g'rad 
abe  (wie  de'  Hans  vo"  Bade")  =  dünne  Ap;  Z  (schcrzh.). 
Iss  de'  Mumpfel  ahi,  schlucke  den  Bissen  hinunter! 
BSi.  Es  mag  (wc^'tj-mer  nüd  abe,  ich  kann  es  nicht 
verwinden,  eig. :  hinunterschlucken  G;  Z;  Syn.  ver- 
hiitzen;  (ver-)däuen;  vgl.  mgä",  engl,  go  doicn.  Er 
isch  ahe,  an  Kraft  oder  Mut  gebrochen;  Syn.  d'tmnen 
B;  S;  aber  auch:  er  ist  gestorben  AALindenb.  1  bin 
ahe  g'sl",  (hinuntergegangen  und)  unten  gewesen  Z; 
vgl.  engl,  heen  to  London.  Abe  müesse",  sterben  (auch 
linderem.),  oder:  fallit  werden  Z;  aber  auch:  den 
Preis  einer  Waare  heruntersetzen  müssen;  seinen 
Stolz  brechen  (auch:  sich  abe  lö"  müesse")  6;  Z.  Es 
hat  abe  y'macht,  die  Preise  sind  gesunken  B;  a.  diu, 
im  Preise  sinken  Sch.  Letztere  Verbindung  sonst  auch : 
in  der  Schule  an  einen  niedrigeren  Platz  versetzt 
werden,  im  Eange  sinken.  Id.  B  (auch  im  Wettkampf) ; 
Z.  physisch,  ökonomisch  od.  moralisch  herunter  kom- 
men, verkommen  Sch;  Schw;  Z.  Wenn  d' Frucht 
[Wintersaat]  im  Jänner  gruenet,  so  chunnt  si  abe 
[nimmt  ab],  bis  si  i  der  Wid  [zu  Garben  gebunden] 
ist  Aa;  S;  Z.  D's  Laub,  d's  Obs  isch  abe,  von  den 
Bäumen  herunter  (Spätherbst)  B;  Z.  D' Cherze  isch 
ahe,  heruntergebrannt,  ebd.  D'  Sunn  ist  ahe  Ap;  Z. 
De"  Bach  abe,  weggeschwommen;  bildl.:  entschwun- 
den, verloren  Gr;  vgl.  das  einfache  Adv.  ab  Bd  1  29. 
Syn.  abri,  emhrah.  —  b)  verbunden  mit  andern  Orts- 
bestimmungen 1)  mit  Präpp.  a)  mit  .ab'.  Ah  der 
Brögi  [Estrich]  abe  Ap.  Gang  ah-em  Tisch  abe!  Z. 
Er  ist  hin'en  ab-em  Wagen  abe  g%eit  Z.  Wie  ah-eni 
abe  g'schnitte",  (der  Sohn  dem  Vater)  sehr  ähnlich  Z. 
Danach  auch,  i.  S.  v.  ab  1 3  (Bd  I  27):  Es  grmt-mer 
ab  dem  abe  Bs.  S.  noch  abeinander  Bd  I  305.  — 
ß)  mit  andern  Präpp.  Öjipis  a'n  Bode"  ahe  lä"  falle"  Z. 
I'n  Cheller  abe,  in  den  Keller  hinunter,  ebd.  Er  chunnt 
i'n  Himmel  a.,  in  die  Hölle  (scherzh.).  ebd.  Er  ist 
z'  oberst  vom  Baum  nbe"  a.  g' falle",  ebd.  Über  d'  Stege" 
abi,  über  die  Treppe  hinunter  GflChur.  Über  d'  Schöss 
a.,  über  die  Schürze  hinunter  Z  (z.  B.  eine  Flüssig- 
keit ausschütten).  Us-em  Berg  abe  chö"  Z.  Öppis 
us-em  Chämmi  abe  ne"  Z.  , Unsere  Leut,  die,  wie  man 
redt,  in  's  Land  [Deutschland]  abhin  gezogen,  könnten 
erzehlen,  was  der  ündcrscheid  sei,  und  wie  man  hie  so 
wol  und  ruhig  sitze.'  FWtss  1673.  —  2)  mit  Advv.  Er 
ist  drab  ahe,  hat  den  Verstand  verloren  SchwE.  Alles 
ist  g'sl  wie  d.  a.,  verkehrt,  zerstört,  ebd.  Gang  vo" 
dem  Loch  eweg,  sust  g'heist  dri  a.  Z.  Bra"  a.  lange, 
über  einen  Gegenstand  hinunter,  ebd.  Harahe  [her- 
abher]  rufen  die  Sennen  den  Kühen,  die  sich  vom 
Weg  versteigen  B;  vgl.  har-ume.  S.  noch  die  C'ompp. 
,Aben  bis  Baden.'  ZDiet.  Offn.  ,[Die  Grenze]  gataben 
an  ein  gass.'  XV.,  ScHwTugg.  Jahrzeitb.  ,Do  sy  wider 
araben  [herabher]  wo"tten  [zurück  fahren].'  1527,  Hs 
Stock.  ,0b  glych  der  Zwingli  zue  üch  [nach  Bern] 
komme,  müesse  er  doch  nit  wider  lebendig,  sonders 
tod  abhin  kommen  [von  Bern  nach  Zürich].'  1528, 
Absch.  ,Das  wasser  lief  bim  salzhus  aby.'  1529,  Bs 
Chr..  wo  daneben  im  gleichen  S.  ,abhin',  .herab'.  ,Er 
gieng  wider  abhi  [aus  der  Stadt  Baden]  zu  den  bädren.' 
ThPlatt.  1572.  .Der  bach,  so  den  berg  nider  kummt 
und  das  dorf  aben  lauft.'  1556/62,  ZDielsd.  ,So  er 
[der  Habicht]  auf  einen  bäum  sitzt,  soll  man  in  abhin 
berüefen.'    Vogelb.    1557.     ,Abenhangende    schwänz.' 


182 


Ha 


hin,  lioii,  liun 


t'lul.  ,Acclinatus,  gneigt,  abenhängend.-  Fris.  .Man 
gat  ilic  Stegen  abbin,  gradibus  descenditur.  Abbin 
beschicken,  devocare.'  Mal.  ,Wenn  sy  zu  uns  abbin 
kunimend.'  1572,  UMey.  Wint.  Cbr.  ,Da  die  Stund 
[in  der  Sandubr]  aben  war.'  Schimpfr.  1651.  ,Es  ist 
mir  abbin  gefallen,  humorura  destillatione  laboro.- 
Hospin.  1683.  ,Er  ist  abbin  kommen,  loco  suo  excidit, 
de  postremis  factus  est.'  ebd.  ,Gib  d'  Flaschen  ahin!' 
befiehlt  der  am  Boden  sitzende  Jäger.  JMahl.  1674. 
,Die  Knaben  auf  dir  Nichts  tun  haben,  weil  dein 
Brusttuch  nur  ist  grad  aben.'  Wahrs.  1675.  ,Züricli 
und  Bern  band  Ebrenabgesandte  dort  hinabon  [nach 
Genf]  gesandt.'  1738.  Lied.  Es  Mändli  uss  de'  Pünäte" 
aha.  GüLDi  1712  (T.).  —  2.  zeitlich,  a)  allein  stehend. 
Im  Kanzleistil  bei  Angaben  von  Daten  i.  S.  v.  letzt- 
hin, jüngst  vergangen  Bs;  Z,  z.  B.  .am  !'.  Apiil  abliin' 
—  b)  verbunden  mit  andern  Adverbialien  :  ii/  . . .  nln. 
auf...  hin,  nach.  Uf 's  Essen  abe  s<i"t  mc"  cIkiiiih" 
ruebe"  Z.  Uf  de'  Butzer  [Verweis]  abe  ivird  er  tjoppel 
gitet  tue'  Z.  Hieher  oder  zu  1:  Me"  tuet  de"  Bettler 
nid  uf  de"  Herr  a.,  wird  gesagt,  wenn  Jmd  Most  nach 
Wein  trinkt  Z.  Nimm  en  Zucker  drüf  abe,  nachdem 
man  eine  bittere  Arznei  geschluckt,  ebd.  Uf  in  abe, 
in  der  Reihe  ihm  folgend  Z.  Über  Alles  abe,  nach 
allem  Getanen  oder  Gelittenen,  ebd. 

In  den  Formen  mit  pp  ist  der  Labial  verhärtet  durch 
das  folgende  h.  das  dann  untergeht  (nicht  assimiliert  wird) ; 
vgl.  Schweig-Hof  Sp.  1033.  Die  Form  ahe  usw.  zeigt  freilich, 
dass  dieser  Vorgang  auch  unterbleiben,  und  die  Form  ahe 
usw.,  dass  auch  b  dem  h  zum  Opfer  fallen  konnte.  Dass 
dann  h  zu  /  sich  vergröberte,  ist  das  Gegenstück  dazu,  dass 
inlautendes  ch  auch  zu  h  sich  verdünnen  kann.  Der  letzte 
Schritt  ist  dann,  dass  (wie  in  a-i,  u-e,  s.  ,uf-hin')  beide 
Cons.  ausfallen,  doch  so,  dass  der  zwischen  den  zsstossenden 
Vocalen  entstehende  Hiatus  eine  Spur  des  h  bewahrt  oder 
durch  ein  aus  i  entwickeltes  j  ausgefüllt  wird.  Wenn  a-i 
zu  ä-i  wird,  so  wird  man  darin  einen  Unil.  zu  erblicken 
haben,  der  wiederum  voraussetzt,  dass  man  noch  2  Silben 
fühlte.  Der  Unterschied  der  Bedd.  ,hin'  und  ,her'  ist  in 
den  Formen  nur  selten  ausgeprägt,  meistens  verwischt,  so 
dass  sog.ir  eine  Form  mit  i  ,her'  bedeuten  kann  und  umgek. 
S.  die  Anm.  zu  hin.  Die  Verwischung  scheint  schon  früh 
begonnen  zu  haben,  denn  es  findet  sich  ,aben',  hinab.  1330, 
LUrk.;  ,aby',  herab.  1581,  Zellw.  Urk.  (s.  gnajijieii  Sp.  668): 
,gegen  das  land  abhin'  und  ,aben  bis  gen...'  ebd.  Dagegen 
unterscheidet  Ap  Krieg  1405  ,abhin'  und  ,abher'  auch  nach 
der  Bed.  Indessen  darf  auf  die  Schreibung  dieser  und  an- 
derer schriftlicher  Quellen  der  ä.  Zeit  nicht  zu  viel  Gewicht 
gelegt  werden.  —  Bei  2  wird  vom  gegenwärtigen  Zeitpunkt 
aus  ein  Abstand  rückwärts  gemessen.  —  S.  noch  abhin-ya" 
Sp.    10,   -geben   Sp.    77,   -län,   -machen. 

oben-abbin:  von  oben  herunter,  hinab.  1.  vom 
Himmel.  Wenn  's  nW  o.  schön  ist!  nicht  regnet, 
gleichviel  wie  der  Boden  sei  Z.  Was  o.  chunnt,  soll 
me"  nit  verachte'  B  (Zyro).  —  2.  vom  obern  Fach 
eines  Kastens,  obern  Stock  eines  Hauses,  Wipfel  eines 
Baumes,  von  einem  Berg,  vom  obern  Laufeines  Flusses 
und  dortigen  Ortschaften,  aus  dem  Oberland  herunter, 
allg.  Er  isch  von  o.,  aus  dem  höher  gelegenen  Teil 
der  Schweiz  oder  auch  nur  aus  der  Landschaft  Bs. 
Von  der  Bs  Armenpflege  wurden  Waisenkinder  aus 
den  vom  Krieg  1798/9  heimgesuchten  Kantonen,  sog. 
,0.-Kinder'  oder  ,-Bueben'  aufgenommen.'  Z  Neuj.  H. 
1873,  9.  —  3.  von  kleinern  vertikalen  Distanzen. 
0.  (auch  drüber-a.)  züye',  angerichtete  Speisen  mit 
etwas  Fettem  überschütten  Z.  0.  luege',  gering- 
schätzig auf  Andere  herabblicken  B  (auch  von  o.) ;  L. 


Er  ist  (von)  o.,  hochmütig  gegen  Untergebene  Bs;  Z. 
,De  loco  superiore,  oben  abbin.'  Fris.  .Dann  sy  nit 
unden  ufhin,  sonder  oben  abbin  kommen.'  1646,  Z 
Staatsarch.  ,Der  Knabe  fragt  beim  Herausgehen  aus 
der  Kirche:  Warum  hat  der  Herr  so  hoch  da  einzig 
oben  aben  geredt?'  AKyb.  1753.  —  über-:  1.  eig. 
über  Etw.,  das  einen  obern  Raum  von  einem  untern 
trennt,  hinunter,  meist  aber  gemäss  der  Bd  I  59  an- 
gegebenen Bed.  nur  verstärktes  ,binunter',  z.  ß.  von 
einem  obern  Stock  in  einen  untern  oder  ins  Freie 
Aa;  Z.  Er  chonnd  nöd  öberaba,  von  einem  Gefan- 
genen, der  aus  dem  Gefängniss  nicht  in  den  Gerichts- 
saal berabgebolt  wird,  um  sein  Urteil  zu  vernehmen 
ArA.  Wer  gäh  ufe  gräsmet  [klettert],  g'heit  gern  ü. 
Bs  (Spreng).  ,Extillare  lachryniis,  weinen,  das'  einem 
dir  trälleren  über  abhin  rünnend.'  Fris.  ,Und  zücbt's 
iiirli  überaben  [vom  Schrankaufden  Boden].'  Schimpfr. 
li;.".2.  —  2.  drüber-a.,  zeitlich:  unmittelbar  oder  bald 
nach  Etw.;  vgl.  abhin  3  b.  's  ist  mer  nW  ase'  use"- 
g'tviUscht  und  ist  mi"'' drüberabe  g'roue'  Z.  —  „um-, 
em-ahe:  wieder  hinab  BO'"  S.  Bd  I  41.  221.  2'27.  - 
emhi-aha:  hinunter  BO.  S.  aaO.  —  ene"-abhin 
s.  enen  Bd  I  266.  —  vor-:  1.  vorn,  aussen  hinab 
GA.;  Z;  vor's  Haus  hinab  AALeugg. ;  Sch;  Z.  Syn. 
über-abhin.  Bin  Rock  ist  v.  icüest,  über  die  Vorder- 
seite hin  beschmutzt  Aa;  Z.  „D'  Auge"  v.  ha,  nieder- 
schlagen". De"  Chopf  V.  ha'  (bei  der  Arbeit)  ß;  Z. 
V.  luege,  zur  Erde  blicken  Bs;  Z.  S.  noch  v.-haben 
Sp.  892.  --  2.  beim  Hinabgehen,  während  desselben, 
wobei  die  Tätigkeit  des  Gehens  selbst  nicht  genannt 
wird,  sondern  eine  sie  begleitende  andere,  z.  B.  Spre- 
chen Ap;  Gl;  gg.  Er  hed-mer  v.  erzält . . .  [udgl.]. 
Syn.  im  Abe- Weg.  —  B.  zum  Voraus,  vorweg.  ,Ein 
frouw,  so  iren  ehemann  überlebt,  mag  ir  heimstür 
vorüs  und  vorabbin  nemen.'  1475,  ZWetz.  Hofr. 

für-,  in  AAßremg.  f^r-:  1.  =  vor-abhin  1  Aa; 
ScnSt.;  Z.  —  2.  abwärts  BO.  Auch:  auf  dem  Wege 
abwärts  bereits  vorbei  BLenk.  Er  ist  f.  sc.  gegangen. 
Gang  fürahi,  geh  abwärts  voran!  Gr.  —  3.  fürahi, 
im  Hinuntergehen,  -stürzen  Gr;  vgl.  vor-a.  2.  — 
4.  firabche,  weiter  unten  BHa.  —  Fcr  kann  übrigens 
auch  aus  ,vor'   erklärt  werden;   vgl.  Bd  I  912. 

hei^-afte;  auch  bildl.  Es  ist  h.  mit  Dem  L  1)  er 
kann  nicht  mehr  gerettet  werden,  inuss  sterben.  — 
2)  er  ist  nächstens  zahlungsunfähig.  —  binde"-,  in 
BE.  hinder-,  lungeren-:  hinten  liinab;  ,a  tergo  in  pro- 
fundum.'  Id.  ß.  H.  tatsche',  rücklings  hin  fallen  Bs. 
,H.  hä',  caput  in  tergum  demittere.'  Id.  ß.  Jraden 
h.  luege'  machen,  ihm  den  Hals  umdrehen  Z.  S.  noch 
u.  vor-für  Bd  I  963.  Bildl.  h.  müese,  mit  langer  Nase 
abziehen  m.  Z.  ,n.  gä',  delabi  (de  re  famillari).' 
Id.  B.  Es  gäd  mit-em,  er  chunnd  h.,  er  gebt  dem 
ökonomischen  Ruin  oder  seinem  Ende  entgegen  B; 
Gl;  Schw;  Uw;  Z.  Eine  von  Jmd  ausgesprochene  Be- 
hauptung kann  iron.  verneint  werden  mit:  Ja,  lt.! 
d.h.  im  Gegenteil,  umgek.  =  nein!  Z.  ,Der  kenel, 
der  uf  den  beiden  hüsern  das  wasser  hinten  abe  treit.' 
1325,  Bs  Urk.  ,Die  Ermel  und  Kleider  niclit  hinten 
aben  geschnitten.'  Z  Mand.  1703.  —  nebe"-:  daneben 
hinunter.  „iV.  sitze',  neben  den  Stuhl  zu  sitzen  kom- 
men, auf  den  Boden;  bildl.  sein  Ziel  verfehlen."  — 
nide"-a7w;  untenhin,  unterhalb  ßSi.  —  dur"''-, 
in  Bs  auch  dür-:  in  fortgesetzter  Richtung  (gleichs. 
den  Raum  durchschneidend)  abwärts,  ganz  hinab,  bis 


1323 


Han,  heil,  hin,  hon,  hun 


132) 


unten  Bs;  Th;  Z.  Verst.  mit  vorgcsctzeiii  ,ilai'  d.;r 
Bs  (Spreng);  GSa.  —  des-ahi:  ganz  hinab  BSi.  — 
zent-   s.  z'  End. 

ob -hin  öhi:  oben  FJ. 

,0b'  Terk.  aus  ,oben',  wobei  viell.  das  en  des  Letzteru 
mit  dem  aus  ,hin'  entstehenden  verwechselt  wurde,  als  ob 
.oben'  selbst  schon  aus  ,obhin'  entstanden  wäre.  ,Hin'  be- 
deutet aber  hier  nicht  Bewegung  nach  oben,  sondern  auf 
der  Obern  Fläche  hin  und  die  an  das  rom.  Gebiet  grenzenden 
MAA.  unterscheiden  übh.  das  Wo  und  Wohin  nicht  mehr 
30  durchgehend,  so  dass  die  Angabe  dos  Letztern  auch  einmal 
für  die  des  Erstem  eintreten  kann,  wie  sonst  umgek.  Die 
Ausstossung  des  b  wie  bei  ahi  aus  ,abhin'. 

obe°-:  wie  nhd.  =  oherflächlich,  flüchtig,  gering- 
schätzig Z.  —  ,obiter-h.  sagen  Einige,  die  von 
ferne  Latein  gerochen,  für  überhin.'  Spreng. 

über-h.  „überhi  BO."  (im  Unterschied  von  überha), 
uhere  BO.;  UU.,  überi  GRÜe.,  oberha  FJ.  (im  Gegs. 
zu  uober),  oberi  FO.,  uppa  W  (P.  Furrer),  sonst  meist 
übere :  1.  räumlich  a)  hin  (bzw.  her) -über.  So  als 
Ruf  an  einen  Fährmann  Aa;  Z.  Obere  mit  'em  B'e'", 
so  geH  's  e  Liebe;  get  's  le'"  3Iätli,  so  get  's  e  Büebli 
Ap.  Oft  nach  vorhergehendem  .über-,  z.  ß.  über  en 
Bach  ü.  springe"  B;  Th;  Z.  Daher  auch,  mit  bloss 
pronomin.  Andeutung  des  Subst,  drüber  ü.  1)  über 
einen  Zwischenraum,  eine  Grenze,  Schranke  hinweg, 
hinaus  Ap;  Z.  —  2)  über  eine  Fläche  hin.  Me'  cha"" 
drüber  nbere,  mi  [man]  merkt  's  numme  [nur]  fast  nit, 
das'-me  uf-em  Wasser  ist.  Gotth.  —  3)  bildl.,  dr.  ü. 
cho,  darüber  kommen,  es  entdecken  S.  Ü.  lange', 
wise',  stige".  ßib-mer  noch  der  Kaput!  We"'  's  blset 
[wenn  Nordwind  geht],  chann  ich  'ne'  de'"  ü.  legge' 
6r.  's  Drasch  [das  zu  dreschende  Getreide]  häm-mer 
gester  scho'  z'  Obig  a'g'leid;  iez  dröschid-mer  's  umme" 
und  ü.  breit.  Häfl.  „Eine'  obe'  ü.  ne',  umarmen 
BHk.;  Syn.  oben  inlie"  ne'.  Vgl.  noch  em-ü.  Die  Be- 
ziehung des  Hinüber  ist  in  einzelnen  Vorbindungen 
mit  Verben  nicht  unmittelbar  aus  dem  Zshang  zu 
ersehen,  sondern  eigentümlich  elliptisch  od.  prägnant, 
und  die  räumliche  Bed.  geht  z.  T.  in  zeitliche  und 
abstrakte  über,  übere,  von  Grossbasel  nach  Klein- 
basel. ,Überhi',  über  die  Berge.  ThPlatt.  1572.  Öbera- 
zücha,  eine  andere  Wohnung  beziehen,  umziehen,  über- 
siedeln Ap;  Syn.  züglen.  ,Wie  man  mit  ross  und  vich 
übere  faren  soll:  Es  soll  kein  metzger  noch  andere 
mit  keinen  rinder  über  die  weg  am  sonntag  faren,  die 
an  andere  ort  zue  verändern.'  1585/1828,  Ap  LB. 
Ü.  gä  s.  Sp.  12;  auch  unpers.,  es  göt  ü.  mit  im  Z. 
Ü.  legge',  ne',  (einen  Schüler)  zur  Züchtigung  über 
eine  Bank,  über  das  Knie  Bs;  Z;  daher  in  bildl.  S. : 
übervorteilen,  gleichsam  auf  den  Rücken  legen  VO. 
Ü.  ligge'  viüesse",  herhalten  müssen  Gl.  Ü.  lüpfe,  zu 
Etw.  bestimmen,  gewinnen,  übertölpeln  Bs;  Scp;  Z. 
Ö.  fare,  die  Viehherde  an  einen  andern  Ort  treiben 
Ap.  Ü.  mache  1)  mit  Obj.,  überstehen,  durchmachen 
Ap;  Z.  —  2)  abs.  a)  ein  Geschäft,  abschliessen,  han- 
delseinig werden  L;  Sch;  Z.  —  ß)  sich  verloben  L; 
ScH;  Z  (und  entsprechend:  's  Versprechen  ist  übere 
g'gange).  —  y)  aus  dem  Brautstand  in  die  Ehe  treten 
Ap;  Bs;  L;  Z.  —  8)  sterben  Ap  (in  die  andre  Welt 
hinüber  gehen).  —  e)  sich  betrinken  L.  —  g)  irr- 
sinnig werden  ZWyt.  —  »))  beim  Kegeln  mehr  (24) 
Zahlen  gewinnen  als  beredet  war  LG.  Ü.  mües'e, 
sterben  müssen  Ap;  ZO. ;  vgl.  frz.  tripasser.  Ü.  si: 
1)  von  Personen  a)  schwanger  sein  GflChur.  —  p)  be- 


rauscht  sein    Bs;   GRMai.  —  ■()  verrückt  sein  L;  Z. 

—  2)  von  Sachen  a)  vom  Weine,  ausgegoren  haben 
Bs;  Z.  —  ß)  von  Ereignissen,  Geschäften,  Mühsalen, 
vorüber,  vorbei,  abgetan,  überstanden  sein.  allg.  Ach, 
wenn  de''  Winter  übere  war!  JKMey.  's  Wetter  [Ge- 
witter] ist  ü.  Z.  Lt  Schläflin  in  B  auch  über-übere. 
S.  noch  dennen  Bd  I  267.  —  x)  ^"^  Städten,  festen 
Plätzen,  sich  dem  Feind  ergeben  haben  Aa;  Bs;  Z. 
Vgl.  übergä",  -geben.  (Dagegen  i.  S.  eines  abgetanen 
Traktandums:  ,Dass  Luggarus  und  Lowerz  überhin, 
die  artikel  darüber  schon  gestellt  wären.'  1530,  Absch.) 

—  3)  unpers.  Es  ist  ü.  mit  im,  er  ist  verschieden  Bs; 
„physisch  oder  ökonomisch  zu  Grunde  gerichtet  BO." 
's  isch  übere  mit  's  Scherers  Chue,  si  streckt  's  Füdlen 
a'  d'  Reiti  ue  [hinauf]  L.  's  ist  übere  mit  Landau,  es 
ist  vorbei,  verloren  Aa;  Z;  vgl.  in-hinla  (Meli.).  ,Als 
alle  ding  überen  was.'  1525,  HsStock.  ,Do  der  regen 
übery  was.'  ebd.  ,Da  nun  solches  überhin  was  [wider- 
legt, abgetan],  also  dass  man  kein  g'schrift  [Beweis- 
stelle] darum  nit  wollt  anzeigen.'  Zwingli.  ,Das'  unser 
spann  ussgemacht  und  überi  wäre.'  Kessl.  ,Alle  not  ist 
schon  vollbracht  und  überhin.'  Haberer  1562.  ,Nun  ist 
yctzt  überhin  4  jar.'  JMürer  1565.  ,Wenn  das  oster- 
fest  überen  wäre.'  LLav.  1569.  ,Ilicet,  es  ist  aus  und 
schon  überhin  oder  vollendet.  Definitum  est,  es  ist 
beschlossen  und  überhin.  Die  vergangene  nacht  oder 
die  überhin  ist,  abacta  nox.'  Fris.  ,Wenn  dieselbigen 
Tag  überen  sind.'  JRLandenb.  1608.  ,Wie  fröwen  wir 
uns,  wann  der  harw  Winter  überen  ist!'  JJBreit.  1629. 
,Ü.  kommen',  von  einem  Antrage,  durchgehen,  ange- 
nommen werden:  ,Myne  herren  werdend  der  sach  wol 
tuen,  so  die  nun  ü.  kummt.'  Zwingli.  ,Wo  das  [Pa- 
rität der  Confessionen]  ü.  käme,  wurd  eins  nach  dem 
andern  [vom  alten  Glauben]  hinfallen.'  1528,  Val. 
TscHUDi.  ,Ü.  län',  hingehen  lassen:  ,Redt  einer  in 
Geheim,  so  lass  es  überhin,  ne  eures.'  Cato  1648. 
S.  noch  ü.-haben  Sp.  893.  —  b)  mit  ,vor':  gegenüber  Z. 
,Im  Dorf,  z'nächst  vor  der  Schuol  überen.'  1648,  Hotz, 
Urk.  Vgl.:  ,Vor  dem  Kornhaus  hinüber.'  Z  Müller- 
ordu.  1770.  —  2.  überdies.  ,Er,  dessen  Vater  zum 
Teil  ins  Verderben  geraten,  überhin  auf  einmal  drei 
Söhne   des  Königs  Diensten  gewidmet.'    VMey.  1762. 

—  3.  vom  Maasse  a)  Übermaass,  zu  viel,  zu  hoch  L. 

—  b)  Überfluss.  Uberhi  und  uberha,  mehr  als  genug 
BR.     S.  noch  em-ü. 

Die  W  Form  upjxt  scheint  zunächst  für  'uppar,  'upphar 
zu  stehen,  welches  aus  uberhar  verk.  sein  müsste,  viell.  nach 
Analogie  von  appa(r),  abher.  Eigentümlich  ist  auch  F  uober 
als  Gegs.  zu  dem  zsges.  oberha.  , Oberhin'  i.  S.  v.  ,her-über' 
schon  1597,  LMalt.  Amtsr. :  ,Was  für  obs  von  böunien  vm 
einem  anderen  guet  einem  anderen  uf  das  syn  ü.  fallt' ;  und 
so  nicht  selten  in  ä.  Litt.  ,Ü.'  im  Wechsel  mit  einfachem 
,über':  ,Über  ein  Fluss  setzen,  überen  fahren.'  Denzl.  1677 
=  ,über  f.'  1716.  ,Oberin.'  1540/73,  UMey.,  Chr.  .Überen.' 
Vogelb.  1557;  Anf.  XVII.,  Mise.  Tig.;  17.S3,  Gfrd.  -  Landau, 
die  Grenzfeste  der  bairischeu  Pfalz,  wurde  seit  dem  dreissig- 
jährigen  Krieg  sehr  häufig  belagert,  zum  letzten   Mal   1793. 

,oben-M&ere;  perfunctorie.'  Id.  B.  —  em-,  am- 
überhin,  in  W  am-uppa:  wieder  herüber  BmO.;  W. 
Vor-em  Jär  hed  is  Maji  [unser  Mariechen]  allzig 
iippa  g'lotzet  [immer  hinüber  geguckt  zum  Liebsten], 
iez  [als  Verheiratete]  lotzet  's  amiippa.  Amuberhi  und 
amuberha,  hinüber  und  herüber,  in  jeder  Richtung, 
Beziehung,  vollkommen.  Die  tue'  's  enandere"  a.  und 
a.,  sind  gut  genug  für  einander,  passen  zusammen, 
z.B.  zum  Heiraten  BBe.    Vgl  Bd  I  221. 


1325 


Hau.  heil,  hin,  Imii,  liun 


vor-,  in  B  rer-übere:  vorbei  B;  Z.  Bc  Schrecken 
ist  V.  .Sobald  dise  Zeit  fürüberen.-  JMüll.  1673.  — 
Eine  Verquickang  des  (syn.)   überen  mit  dem  hd.   .vorüber'. 

hier-überh.:  unterdessen.  .Sollte  es  sich  h.  be- 
geben, dass  . . .'  B  Mand.  1716. 

üf-hin,  meist  ufefnj  und  zwar  mit  Beibehaltung 
der  alten  Länge  in  BBiel,  Ha.  (uifi,  üfi,  üfen,  aber  auch 
üffi  geg.  Ufa);  ülK.;  LHabsh.;  aScHW;  Uw;  \]  (uifa, 
uifi);  ZErl.,  Wäd..  od.  wenigstens  mit  «';  uffe  BsStdt; 
GRVal.;  ScH,  iiffi  GRHald.;  GSa..  ühe  bzw.  xiha  BO, 
(gegenüber  ühi,  It  ImOb.  u-ha  g.  u'hi);  GRValz.  (g.  Tihi) ; 
GO.,  uhe  kk;  BBurgd.;  GMarb.  (g.  uhi);  S,  wuhi,  tvohi 
FS.,  liehe  Aa;  Bü.  (g.  uehi),  U.;  FJ.;  GrV.  (g.  uehi, 
ue-i);  S;  W  (g.  uehi),  oha  BSigr.  u.  Si.  (g.  ofci).  ueche 
BBe.,  E. ;  SG.;  W,  uej^i  W,  w-e,  «e-e,  ueXk;  Ap  (g.  «-»); 
GRMai.  (g.  we-!).  V.;  L;  GA.,  Rh.,  T.,  W.  (g.  ue-i);  Soh; 
S;  Th;  ZKn.,  Lag.,  0.,  Sth.,  una  Ap  (g.  uni);  Bs;  G: 
1.  hin-,  herauf.  Syn.  abr-,  embr-üf.  U.  chö"!  ruft 
die  Gloclie  der  Bergkapelle.  Der.  Ü.  cho',  in  öko- 
nomischer oder  politischer  Hinsicht  emporkommen  L; 
Sch;  in  der  Schule  oder  übh.  an  einen  höhern  Platz 
versetzt  werden  Bs;  Sch;  Z;  von  Sachen  1)  im  Preise 
aufschlagen  Sch.  2)  aus  dem  Magen  zurück  kommen; 
es  ist  z' underufa  cho"  oder:  es  trlbt 's  iieha  BO.; 
Ei"m  nie  Bireli  u.  cho',  zu  viel  werden  (auch  bildl.). 
Ndw  Kai.  1886;  vgl.  dazu:  ganz  Chnölle'  [Klumpen 
Von  Schleim]  unna  tue"  Ap.  3)  beängstigend  in  den 
Sinn  kommen,  schwer  aufs  Herz  fallen  Schw.  De"" 
isch-mer  aw''  u.  cho',  ivie-n-i'^  i'  mV'm  Lebe'  so  Mängs 
u'g'schickt  a'g'chert  ha'.  DKyd.  Es  ist-mer  uehi 
g'gange",  stieg  mir  in  den  Kopf,  ich  wurde  entrüstet, 
errötete  BHk.  S.  noch  u.-gä"  Sp.  14.  's  Laub  ist, 
mag  uehe,  der  Trieb  erreicht  auf  seinem  Fortschreiten 
von  Tal  zu  Berg  die  obersten  Höhen  S;  ZO.  Ufe" 
regne',  in  den  Schnee  auf  den  Bergen  Gl.  (Einen) 
s'  oberst  (in  Himmel  ufe  1)  ue  tue,  aufs  Höchste 
loben  Ap.  's  Wetter  u.  stelle",  drucke',  das  Barometer 
in  die  Höhe  treiben  ScflSt.  ,Dem  grad  [Grat]  nach 
ufhin.'  1456,  Kind,  Urk.  ,In  korb  zuch  man  vil  stain 
uffin.'  HsStock.  1519.  ,Wär  er  vorhin  d'  oben  g'syn, 
was  hett  er  dörfen  [nötig gehabt]  farn  ufhin?'  UEckst. 
,Uoch  hat  es  hüt  ab,  morn  wider  ufhi  [geschlagen].' 
Sicher  1531.  ,Aufsehen  haben  auf  die  brüeder,  dass 
sie  nicht  weiter  aufen  sitzen  zu  bettlen.'  1550,  SchwE. 
Klosterarch.  ,Ich  was  underhi  under  den  felsen  ge- 
fallen, . . .  bald  gieng  ich  wider  ufhi  zu  inen.'  ThPlatt. 
1572.  Nummeriert  ,nach  dem  ersten  ufhin  [aufwärts], 
wie  wyt  es  dann  gat.'  1594,  Seg.  EG.  Hol  no'''  ei 
Moss  Win  ufi  [aus  dem  Keller]!  Göldi  1712.  .Rechts 
aufhin  zum  Zunfthaus.'  1779,  Z  Ges.  —  2.  oben.  Da 
tife  ZOss.  „Ueha,  droben  BO."  Dert  uhi  BBe.  Uf 
höjen  Flüehnen  uohi  BBe. 

Die  Verkürzung  des  u  mag  Folge  der  Assimilation  von 
fh,  viell.  aber  auch  Anlehnung  an  das  kurze  u  der  Präp. 
sein.  Betr.  ch  statt  h  gilt  das  zu  abhin  Bemerkte;  der 
Unterschied  zwischen  beiden  Spiranten  ist  gering;  das/  wird 
als  Verdickung  des  h  nach  Ausfall  des  /,  und  dieser  Ausfall 
wie  der  des  b  bei  ahhin  aus  Streben  nach  kürzerer  und  be- 
quemerer Ausspr.  zu  erklären  sein.  Der  unigek.  Ausfall 
des  h  nach  /  bedarf  noch  weniger  einer  weitern  Erklärung, 
da  h  der  schwächere  Laut  ist.  Ue  vor  h,  ch  beruht  zunächst 
auf  einer  Mittelstufe  mit  durch  Einwirkung  eben  dieser  Con- 
sonanten  verdumpftem  u^ ;  vgl.  die  weitverbreitete  Ausspr. 
miech  neben  mi^t-h  und  im  alten  Allemann.  «o  vor  h  für  ü 
(hier  freilich  viell.  nur  die  Trübung,  einen  Mittellaut  zw. 
II   und  o  bezeichnend)  entsprechend  le  statt  i  in  der  selben 


Lage.  Von  diesem  «e  verschieden  ist  das  aus  uhc  durch 
Ausstossung  des  h.  entstehende  u-e,  dessen  Bestandteile  bis 
zu  Einsilbigkeit  zsgerückt  werden  können,  o  ist  wahrsch. 
nur  jenes  trübe  k*  =  ue,  uo,  mit  stärkerem  Hervortreten  des 
secundären  Vocals.  In  wuhi  hat  sich  aus  dem  u  ein  vor- 
geschlagenes w  entwickelt.  In  ueje  ist  j  statt  h  eingetreten 
oder  direkt  zur  Füllung  des  Hiatus.  In  uni  ist  n  entw. 
•eben  dieses  HiatusfUllende,  das  unsere  Sprache  überh.  an- 
wendet, auch  wo  ihm  kein  altes  n  zu  Grunde  liegt,  oder  es 
ist  zu  erklären  aus  der  vollem,  alten  Form  ü/en  neben  w/, 
mit  Ausstossung  des/,  also  aus  u/(e)n-hi'. 

über-u.:  hinauf,  bes.  in  ein  oberes  Stockwerk  Aa; 
Ap;  B;  Sch;  TJ;  Z;  in  ApTrog.  spec.  =  in  das  Gefäng- 
niss.  —  em-u.  BHk.,  um-,  ambr-uecha,  -iiea  W:  1.  (wie- 
der) hinauf  BmO.;  W.  Syn.  embr-üf.  —  2.  oben  W. 
—  un(d)e(n)-,  in  BE.  uijer-:  von  unten  herauf  B;  Z. 
Wenn-me'  Chirsi  g'winnt  [pflückt],  se  sell-me  u.  a'foh. 
,Undenufhin.'  Zwingli.  —  vor-:  1.  vorn  (z.B.  am 
Hause)  herauf  Ap;  Z.  „Von  aussen  herauf."  ,Das 
Wasser  vorufi',  längs  dem  W.  auf  der  herwärtigen 
Seite  aufwärts.  1521,  Strickl.  —  2.  im  Aufwärtsgehen 
Gl;  gg.  Syn.  im  Ufe-Weg.  —  für-:  1.  auf  dem 
Wege  her-  oder  hinauf  Ap;  Gr.  —  2.  veruhi,  aufwärts 
B  luO.,  bereits  vorbei  aufwärts  BLenk.  —  3.  weiter 
oben  B  (Zyro).  —  hin-:  pleonastisch  für  einfaches 
, ufhin':  hinauf.  ,Bis  in  den  palast  hinaufhin.'  1588, 
ScHwE.  Klosterarch.  —  rain-:  steil  aufwärts,  bergauf 
Zg.  —  dur '=''-:  (gerade,  fortgesetzt)  hinauf.  Was 
Jiänd  si  hüt  z'  Glaris  obe',  dass  d'  Herren  eso  drufe' 
gütschled.  Gl  Volksgespr.  —  zent-  s.  z' End. 

ufert-,  offert-hin  s.  nunforthin. 

after-hin:    späterhin.    1476,  Bs  Chr.  II  42'2,  '20. 

um-h.  umhi  BmO.  (gegenüber  umha);  F  (auch 
omhi);  S,  umha  GnEh.;  W  (auch  iiiiipha),  umfe  Gr 
Splüg.,  ummi,  umma  GMarb.,  ommi,  umma  Ap;  GSa., 
sonst  meist  umme:  1.  räumlich  a)  Umgebung,  umher, 
herum  Bs;  B;  S;  W;  Z.  In  Verbindung  mit  Vben 
der  Bewegung  bezeichnet  es  Verbreitung  der  Tätig- 
keit über  einen  Raum,  oft,  bes.  auch  bei  Intrans.  in 
prägn.  Weise  ein  unbestimmtes,  zweckloses  Tun  oder 
Verhalten  mit  üblem  Nbbegriff.  U.  zieh"  1)  tr.,  auch 
ume'-schleike',  (mit  Etw.)  „unbehutsam  manipulieren 
und  es  dadurch  verderben",  immer  davon  reden,  bes. 
in  hämischer  Absicht  Uw;  Z;  (Jmdn)  übel  behandeln 
durch  Verläumdung  oder  Procosse  L;  Zg;  Z,  „hän- 
seln"; i"  de'  Ziti'ge'  ommazücha"  Ap;  herum-reissen, 
-zerren  Ap;  Z,  spec.  Weibspersonen  antasten  Ap;  Bs; 
L;  Zg;  Z,  eine  Solche  „als  Dirne  behandeln,  mit  sich 
schleppen";  , einem  Frauenzimmer  den  Hof  machen; 
me'  »iHf.ss  dem  Wtbszimmer  Er  aHue'  und  es  e  Bitzeli 
u.'  Spreng.  —  2)  intr.,  müssig  umherziehn.  allg.  We- 
niger gilt  der  üble  Nbbegritt'  von  an  Öppis  u.  mache' 
ScH;  Z  1)  womit  beschäftigt  sein,  es  langsam  vor- 
bereiten. An-ere"  Chranket  u.  m.  2)  Etw.  gerne  haben 
wollen.  Mer  mache'd  scho'  lang  an-ere'  Chueh,  an 
öppis  Eigenem  [einem  eigenen  Gewerbe,  Hause]  u. 
3)  unpers.  Es  macht  a' Eigen  u.  Ganz  ohneNbbed.: 
Si'''  anemen  Ort  nit  u.  chenne"  [zurechtfinden]  B. 
U.  [unter  den  Leuten  bekannt,  ruchbar  geworden] 
si'  Z,  und  so  auch  u.  cho'  Sch;  Z.  U.  träge',  Neuig- 
keiten ,  auch  blosses  Geschwätz  und  Gerücht  aus 
Klatschsucht  verbreiten.  Öppis  u.  träge",  u-ie  d'  Chats 
die  Junge'.  Sulger.  ,Den  Pfarrer  herumtragen  [näm- 
lich in  den  Mäulern].'  1763.  Mey.,  Wetzik.     Ähnlich 


1327 


Han. 


en.  hin,  hon,  huii 


1328 


u.  säge"  B;  spec,  von  einem  Todesfall:  zum  Leichen- 
begängniss  bitten  Ap;  Z.  Von  ungefährer  Zeitangabe: 
Birne  [bei  einem]  Jär  u.,  ungefähr  1  J.  BE.  Urne 
Nüni  II.,  ungefähr  um  9  Uhr  GRPr.  (ummer);  S;  Z. 
Unbestimmte  Ortsangabe:  Umhahi,  irgendwohin  BSi. 
,Umen  spazieren.'  HsStock.  1519.  ,Von  Wallis  um 
Bern  ummen.'  1529,  Strickl.  ,Der  tüfel  gat  umben.'. 
HBüLL.  1572.  ,An  der  nähe  umb  Esch  umbhin.'  ZÄsch. 
—  b)  in  der  Nähe  vorhanden,  im  Vorrat,  im  Werlie, 
meist  mit  ,sein'  und  , haben'.  Hast,  hat  's  Ntld  u., 
ist  Nichts  vorhanden,  zu  bekommen?  Gl;  Schw;  Zg;  Z. 
Händ-er  N.  u.?  fragt  der  Metzger  die  Bauern,  denen 
er  Vieh  abkaufen  will  Z.  Eini  (Öppis)  u.  ha",  irgendwo 
[heimlich]  eine  Geliebte  haben  Z.  Er  ist  nienen  u., 
nirgends  in  der  Nähe  zu  finden  Gl;  Z.  Er  n-ird  ivol 
näumen  [irgendwo]  u.  st".  Es  ist  Keine''  so  ii.,  es 
gibt  keinen  solchen  Menschen  BLenk;  Z.  Es  ist  Öppis 
u.  Z;  syn.  um  de"  Weg.  Öppis  u.  merle",  Etwas  in 
der  Nähe  spüren  Z.  Gleichbed.  verst. :  ii.  und  ane; 
s.  1  d.  —  c)  auf  die  Seite.  (Gösch)  [gehst  du]  u. ! 
Ruf  an  das  Stallvieh  Bs;  Z.  U.  ha,  eine  Wendung 
machen  ZO.  J«*  wef't  uege"  Dem  nüd  «.  luege",  Aus- 
druck der  Geringschätzung  Z.  ,l)ie  5  Btzn  haben  uns 
nicht  gereut,  es  ist  das  nicht,  dass  wir  wegen  5  Btzn 
u.  luegen  müssten.'  Gotth.  Öpjyis  [ein  Kraftstück 
udgl.]  tue"  öni  u.  z'  luege",  mit  Leichtigkeit,  ohne  an 
den  Tag  zu  legen,  dass  es  Mühe  kostet  Z.  ,An  die 
Hand,  an  der  er  keinen  Platz  ab  hat,  kann  ich  ihm 
kommen,  so  oft  ich  will;  er  sieht  nicht  nebe  u.' 
Gotth.  Nit  u.  luege",  rücksichtslos  handeln ;  unbillig, 
schonungslos  sein  S.  Si  hei"  nit  nebe'ume"  g'luegt, 
kehrten  sich  nicht  an  meine  Bitte.  Gotth.  Im  Ume- 
luege",  schnell  S.  V.  schlä",  im  Herbst  aus  der  Grün- 
zur  Heufütterung  übergehen  ZO.  Einen  u.  bi'inge', 
ne",  umstimmen,  von  Etw.  abbringen  B;  ^VO;"  Gl; 
G;  ScH;  Z.  —  d)  hin,  her,  dar,  mit  Vben  der  Be- 
wegung, z.  B.  clmmm  do  u.,  komm  hieher!  u.  due,  hin- 
legen, -tragen,  -schalfen  AAZein.;  kei""  Schritt  det  u. 
due,  dorthin,  in  jener  Richtung;  u.  luege,  hinsehen; 
u.  sitze",  bei  Einem  s.;  u.  stä,  hinstehen  Bs.  S.  noch 
Sp.  898.  U.  ne,  her,  hart  mitnehmen,  kritisieren  SStdt, 
überlisten  GTa.  U.  ge,  hergeben ;  u.  länge,  darreichen 
AAZein.;  Bs;  S.  U.  und  anne"  (änne"  AiBb.;  1,), 
umha  und  anha  BR.;  GrD.,  Pr.:  1)  hin  und  her,  hin 
und  zurück,  da  und  dorthin  B;  Gl;  ScHSt:  S;  Z;  Syn. 
um-enand.  Er  mag  no''<  so  u.  und  a.  g'cho",  mühsam 
gehen  (von  einem  Alten)  Z.  U.  und  a.  lueg